Diener ZrLardMiLorQeL D«rstrllu«s der Brechruhr-Epidemie in d e r k. k. Haupt- und Resid en zst adt AM i e n. wie auch auf dem flachen Lande i n Oesterreich unter der Enns, in den Jahren 1831 und 1832, uedst den dagegen getroffenen Sanitäts-polizeylichen Vorkehrungen. Herausgegeben von Dofrxh Aohsnn Nnolz, der Heilkunde Doetor, Nied. Oesterr. Regierungsrache, Sanitätsre« ferenten und Protvmedieus, emeritirten ord. off. Professor der allgemeinen Pathologie, Pharmakologie und Therapie an der Hochschule zu Wien. Wien» 1634. Bey Mayer und Compagnie. (Singerstraße, deutsches Haus). Vorrede, ^/ieser Gegenstand umfaßt eine nur aus amtlichen Quellen geschöpfte Darstellung der Brechdurch- falls-Epidenüe in der Haupt- und Residenzstadt Wien, und auf dem flachen Lande Niederösterreichs in statistisch-topographischer, historischer, medicinischer und Sanitäts-polizeylicher Beziehung. Als Aushülfs-Neferent in Cholera-Angelegenheiten bey der k. k. n. ö. Landesregierung, welcher die nächste Leitung dieser Epidemie anvertraut worden ist hielt ich es für meine Pflicht, diese auf Thatsache» und reine Wahrheit begründeten Ergebnisse auf den österreichischen Boden dem Publicum um so weniger vorzuenthalten als verschiedene Schriften des In- und Auslandes nicht immer und mitunter aus unsicher» und ungelänterten Quellen hierüber Nachrichten zu Tage gefördert, insbesondere aber oftmahls übersehen haben, welch unvergängliches Verdienst um die Menschheit und Wissenschaft die österreichische Medicinal- Verfassung und ihre oberstleitende Behörde bey dieser Gelegenheit neuerdings durch die zuerst in gan! — 11— Europa eingeleitete Aufhebung des Pest-Reglements, und durch die Einführung einer der Natur dieser Epidemie angemessenen Behandlungsweise nicht nur für die österreichischen, sondern auch für alle europäischen Staaten, für die Mit- und Nachwelt gestiftet hat. Wien, am 16. May»833. Der Herausgeber. Z n h a l t. Seite» I Geschichtlich-statistischer Theil von Wien. Topographie. S. Allgemeine Topographie von Wien. Politische Lage, Gränzen und Umfang- 2. Clima 3. Gewässer------ 4. Beschaffenheit des Wassers 5. Physische Lage..... 6. Endemische Krankheiten--- 7. Straßen, Häuser und Wohnungen- 8. Bewohner----- 9. Leichenhvfe----- ,0. Polizeylichs Eintheilung d. Besondere Topographie von Wien- 1. der inneren Stadt-- 10 s. der Vorstädte------- 11 L. Geschichte der Brechruhr- Epidemie. Im Allgemeinen- r-7 t>. In den einzelnen Polizeybezirken---- 3« der inneren Stadt 33 2. der Vorstädte-------- 47 6. Ergebnisse der Brechrxhr-Epidemie. 1. In Bezug auf die Gesammtzahl der Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen--- 72 2.» Bezug auf die Gesammtzahl der Hauserzahl, in denen ErkrankungsfäUe vorkamen-- 74 3.» Bezug auf das Geschlecht der Erkrankten-- 7S 4.» Bezug auf das Aller der Erkrankten-- 8» ö.» Bezug auf den Character, das Gewerbe und die Beschäftigung der Erkrankten--- 82 6.» Bezug auf den verehlichten und unverehlichten Stand der Erkrankten-.--- 83 7-» Bezug auf vorausgegangene Schädlichkeiten- 83 8.» Bezug auf öffentliche oder Privarbehandlung. 89 y.» Bezug auf den Verlaus der Epidemie in den einzelnen Monathen, Wochen und Tagen- 8y SS ss-a-a SSs, vr Zs. — I!— In Bezug auf die Stärke der Epidemie in den ein? zelnen Gegenden und Gaffen, n. in der inneren Stadt---- ge> b. in den Vorstädten--«-. y, Darstellung der Brechruhr-Epidemie auf dem stachen Lande in Oesterreich unter der Enns in den Jahren >6Zi und»832. Krankheits-Character in dem Jahre-83»-.. Die ersten auffallenden Fälle an der Gräme von Unaarn^ Entwicklung der epidemischen Brechruhr-^ «l.» ,« :: U2 -p-demlschen Bttchkvh. be-" 'drer Bevölkerung, der Dauer uebft der Zahl der in jedem Orte Erkrank- km. Genesenen und Gestorbenen--«- L20 n. Richtung der Epidemie in der ganzen Provinz. Tabelle über die auf dem flachen Lande von Ried. Oesterr. erfolgten Cholera-Äusbrüche ,3L Tabelle über die auf dem flachen Lande von Nied. Oesterr.^ E. Und'b3s an der epidemischen Brechruhr Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen-. III. Verlauf der Epidemie in den einzelnen Ortschaften»33 !V. Charakter der Epidemie in den einzelnen Ortschaften ,42 V. Dauer der Brechruhr- Epidemie in den einzelnen Ortschaften--.._.., ^^elle über die Dauer der Cholera-Epidemie auf dem flachen Lande von Nied. Oesterr. im Jahre>83, u.-83!- ,4s VI. Heftigkeit der Epidemie in den einzelnen Ortschaften ,48 Tabelle über die Heftigkeit der Epidemie auf dem flachen Nied. Qesterr. im Jahre-63- und-832 mit Andeutung der Ortslage---... VII. Ergebnisse der Epidemie in der Provinz Nied.Oester. IZ4 In Hinsicht auf die Bevölkerung--.^ 3'»« Zahl der ergriffenen Ortschaften rSS 4, In Ansehung des Geschlechtes- 8. L»» des Alters--- 6.»»» des Charakters, Gewerbes Beschäftigung der Erkrankten- Medicinischer Theil. und Seue. - IÜL - i6S der - 167 Krankh eitsersch e i nu nge nderepidemischen Brechruhr. r». Verbothen---'" K. Symptome der ausgebildeten Krankheit Eintheilung der epid e m i sch en B r e ch r u h r Grade der Krankheit--» M 0 d i f i c a t i 0 n e n d e r B r e ch r u h r- Die gastrisch- gallichte.---- d.» intermittirende------ e.» catarrhalisch-rheumatische- ci.» nervöse Brechruhr»--- Verlaus und Dauer der Krankheit Ausgang der Krankheit: des Durchsalls------- L. des Brechdurchfalls------ llebergangs- und Rachkrankheiten Ergebnisse der Leichenöffnungen: n. bey der äußeren Besichtigung---- cl. bey der inneren Untersuchung---- Entstehungsart der Krankheit: s. disponirende Causal-Momente---- l>. excitirende Momente------ v. besondere Disposition----- Prognostische Merkmahle- Vorbauungs- und Heilverfahren u. Vorbauungs- und Behandlungsart des Durchsalls- l>. Behandlungsart der Vvrbothen,.-- e. Behandlungsart des ausgebildeten Brechdurchfalls Indikationen zur Anwendung einzelner Arzeney körper und deren Erfolg: 1. der Brechwurzel(Ilaili^ l^eraeuaiiline).- 2.» Blutentleerungen I. des kalten Wassers------ 4. der vegetabilischen und mineralischen Säuren 5.» flüchtigen Reizmittel---- b. des Opiums------ 7. der Hautreize und Erwärmungsmittel- 8. der Reibungen der Haut--- y. der Getränke----- 10.» Bäder------ II.» Beschränkung der Entleerungen 12.» Hebung des Schluchzens"---- 6. Behandlung der Uebergangs- und Nachkrankhetten- 170 - 171 .172 - 17A ->76 - 176 - 177 --77 - 177 - 178 ->80 - 181 - i83 - 188 - i89 - ig« > iy5 - iy6 - i98 - 200 - 200 - 208 - 208 204 206 208 21« sio 212 212 2,4 2,4 215 LI.S rrS 217 lV Seire. Darstellung der Sanitäts-polizeplichen Maßregeln, vor dem Erscheinen und während des Bestehens der epidemischen Brechruhr in der Haupt- und Residenzstadt Wien, und auf dem flachen Lande in Ne. Oestr. unter der Enns. Errichtung einer Contumaz-Anstalt zwischen den Taborbrticken 22» »»»»»» an der St. Marxer-Linie 22, Umstalkung deß Landes-Gränz-Cordons in einen SanitätsCordon-222 Einführung einer strengen Linien-Aufsicht in Wien-- 222 Errichtung eines Spitals zu Mahleinsdorf--- 22I Ausstellung einer Provinzial-Sanitäts-Commission-- 228 I. Abschnitt. Verhinderung des Eindringens der Cholera oder anderer ansteckenden Krankheiten aus den Nachbarstaaten. Organisirung eines MilitLr-Sanitäts-Cordons--- 224 Niedersetzung einer eigenen Sanitäts- Commission für die k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien--- 224 Leitung der Sanitäts-Angelegenheiten auf dem flachen Lande 228 Verfahren nach dem Pest-Reglement---- 226 Gänzliche Schließung des Sanitäts-Cordons gegen Ungarn und Errichtung der nöthigen Contumaz- Anstalten und Rastelle an demselben------ 22b Vorsichtsmaßregeln für den Fall des Eindringens der Cholera in die k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien-- 227 Anordnung des Gtandrechkes am Cordons.-- 227 Bestimmung der Contumaz- Zeit für die Provenienten aus Ungarn 227 Bestimmung der Zeit für den Rastell-Handel--- 228 Herabsetzung der Contumaz-Zeit an dem Cordon gegen Ungarn--------- 229 Aufhebung des standrechtlichen Werfalwens an den Gränz- Cordvnen--------- 229 Auflassung des SanilätS-Cordons an der preußisch-schulischen Gränze 229 Errichtung eines Polizey-Cordons----- 28» Einstellung des Verfahrens nach dem Pest-Reglement- s3o Auflassung des ungarischen Sanitäts- und des nied. österr. ungarischen Sanitäts-Cordons----- 2Z0 Auflassung der zwischen den inländischen Nachbarstaaten bestehenden Sanitäts-Cordons mit Ausnahme der gegen Italien bestehenden------- 28, -Ärganisirung des dießseits Triest bestehenden, dann des küstenländischen und dalmatinischen Finanz-Cordons als Sanitäts-Cordon------- ,3, Herabsetzt», der Contumaz< Zeit-----282 Seite. Aufhebung der in Cholera-Angelegenheiten aufgestellten Commissionen---------232 Modisicirung des tyrolisch-küstenländisch-venetianischen Sa- nitäts-Cordons-------- 232 Auflösung des längs der Gränze Tyrols, des lombacdisch- venetianischen Königreichs, dann der österreichischen und ungarischen Küstenländer bestehenden Saniläts-Cerdons 233 II. Abschnitt. Heilung der Cholera-Kranken und Verhinderung der Weiterverbreitung der Cholera, im Falle sie in der Provinz wirklich ausdre- chen sollte. Vermehrung der Wärter und Wärterinnen im k- k. allgemeinen Krankenhause, und Anordnung der Vorlesungen über Krankenpflege an der Wiener-Hochschule-- 288 Strenge Anordnung für Aerzte und Wundärzte rückstchtlich der Obliegenheit bey der Behandlung verdächtiger, vermeinter oder wirklicher Cholera-Kranken--- 289 Einleitung einer Conscription der in Wien befindlichen Armen und von, Taglohne Lebenden---- 289 Betheilung der Armen mit den Lebens-Erfordernissen und Reinigung ihrer Wohnungen-----»39 Beschäftigung der Erwerblosen------ s-so Cernirung der einzelnen Häuser bey dem Ausbruche der Cholera 24» Beerdigung der an der Cholera Verstorbenen---241 Absperrung der Gassen-- 241 Eintheilung der Stadt Wien und ihrer Vorstädte in Bezirke und Sectivnen------- r', 1 Aufstellung der Bezirks-Commissäre und Bezirksärzte- 241 Aufstellung der Sections-Commissäre--.- 242 Errichtung der Cholera-Lazarethe in der Stadt Wien und in ihren Vorstädten------- ,4» Jnstruction für die Bezirks-Commissäre und Bezirksärzte 242 Instruktion für die Sections-Commissäre---- 247 Eintheilung der vier Kreise Nied. Oesterr. in SanitätsBezirke--- 2-sg Ausstellung der Sanitäts-Bezirks-Leittings-Commissäre auf dem Lande Eintheilung der Saniläts- Bezirke in Abtheilungen und Sectivnen- Aufstellung der Abtheilungs- und Sections-Commissäre- 24s! Errichtung von Cholera-Spitälern auf dem flachen Lande 24g Zuweisung der Bezirke und Ortschaften den Aerzten und ^ Wundärzten-------- Jnstruction für die SeckionS- Commissäre auf dem flachen Lande 25«, Absperrung der Ortschaften beym Chvlera-Ausbruche- 2Z0 »LANMWSW V! Seite. Vorsichtsmaßregeln für die Ein- und Ausgehenden bey er-^ »er abgesperrten Ortschaft-.' Bestimmungen zur Unterdrückung der Epidemie auf dem flachen Lande-----''' Instruktion für das ärztlichePersonale auf dem flachen Lande 20s --Sä 288 Zuweisung von Aushülfsärzten für das flache Land- Tabellarisches Verzeichniß aller aus Anlaß der Cholera-Epidemie im Kreise B. U- W. W. und V- U. M. B. aufgestellten Bezirks- und Aushülfsärzte, dann der Wundärzte, so wie der ihnen zugewiesenen Ortschaften nnt^ Angabe der Zeitperiode der ärztlichen Dienstleistung- 208 Ausweis über die Behufs der Brechruhr-Epidemie in Wien verwendeten 2lerzte, die Zeit ihrer Dienstleistung, dann über die errichteten Filial-Spitäler--'' Bestimmungen in Absicht auf die Bezüge der ausgestellten Cholera-Aerzte und Wundärzte--- Maßregeln zur Erzielung einer Gleichförmigkeit in den Er Hebungen, Rapporten und Schlußberichken über Cho» lera-Äusbrüchc--------»89 Errichtung der Reinigungsanstalten----- 289 Errichtung der Tvdtenkammern---'' Einweihung und Bezeichnung der Besrdigungsplalze- 290 Ueberwachung der Sanitäts-Maßregeln durch den nied. östr. Protomedicus----..''„"^9" Mittheilung der Sanitätsvorfalle an die medicinische Facultat 290 Secirung der unter verdächtigen Symptomen Verstorbenen 291 Anzeige der Witterungs- und atmosphärischen, so wie Anstellung der eudiometrischen Verhältnisse Verfassung der Sanitäks-Rapporte----- Verboth der Einsperrung der Cholera-Todten--- Bestimmungen über den Inhalt der Sanitäts-Rapporte und Sanitäts-Berichte------", Verboth des Eintrittes in die Cholera-Spitäler-- 2y5 Bestimmungen über die Aufnahme der Kranken in die Cholera-Spitäler---- I.^95 Bestimmungen über die Aufnahme des Militärs in dre Cl-^ vil-Spitäler-----' Behandlung der Reconvalescenten in den Cholera-Spitalern 296 291 292 293 294 Wien Auflösung der Skadt-Sanitäts-Commission für Auflösung der Abtheilungs-Commissionen--- Enthebung der Sections-Eommissäre ihrer Dienstleistung- Uebertragung der Aufsicht über die Cholera-Spitäler an die Poüzey-Ober-Direction und den Stadt-Sanitats-Ma- Repitblicirung des rückstchtlich epidemischer Krankheiten im Jahre 1806 erlassenen Normativs--- I Abstellung der Sanitäts-Bezirks-Leitungs-Commissionenauf dem flachen Lande---'/ Bestimmungen rückstchtlich der Erhebung und Rapports- Erstattung bey Chvlera-Ausbrüchen, dann rückstchtlich 29b 29b 29? ,97 297 -98 — VII— Seite. der ärztlichen Behandlung der Cholera-Kranken auf dem stachen Lande----... 298 Erforderniß zur Constatirung der Epidemie in einen, Ort« 299 Bestimmungen rückstchtlich der ärztlichen Nachstchtsbesuche 299 Bestimmungen rückstchtlich des Inhaltes der kreisämtlichen Rapports--------- 299 Verboth des«»nöthigen Aufwandes bey Cholera-Spitälern 800 Abstellung desDegrabsns der Cholera-Leichen ohne Kleidung 3o, Auflassung der besonderen Cholera-Leichenhöfe--- 3«, Abstellung der periodischen Ausweise über die Erkrankungen beym k k. Militär-----. 3oi Einschaltung der Uebersicht des Cholera-Standes in die Wiener-Zeitung----.--- 3ol Auflösung der Cholera-Spitäler auf dem flachen Lande- 802 Abstellung der Aufnahme der Cholera-Erkrankungen in die öffentlichen Zeitungsblätter--.. go, Behandlung einzelner Cholera-Fälle nach der für sporadische Krankheiten geltenden Vorschriften--- 802 Enthebung der Polizey- Ober-Direktion von der Handhabung der Sanitäts-Polizey in Wien---- Z02 Erklärung der Provinz Nied. Oestr. durch die öffentlichen Blätter als gesund-----., Zo3 Abhaltung des Seelen- und Dankamkes mit llö voom sowohl in Wien als auf dem flachen Lands.-- 3o3 m. Abschnitt. Unterstützung der Nothleidenden und Beschäftigung der Brotlosen. Verwendung der einheimischen Bevölkerung bey den eingeleiteten öffentlichen Arbeiten----'- ZoS Entfernung der verdienstlossn Fremden...- z<,g Bildung eines Unterstützungs- Vereins für die Stadt und die Vorstädte Wiens------- gost Bildung eines Privat-Vereins zur Beschäftigung brotloser Arbeiter------'-..308 Einleitung milder Sammlungen durch den adeligen Da- men-Verein-- 3o8 Aufforderung zu theatralischen Vorstellungen zum Besten des Unterstützungs- Fondes Zog Ausdehnung des Privat-Vereins auf die Unterstützung im Gelde 809 Vereinigung des Unterstützungs- Vereins mit dem Prival- Vereine...- 309 Bekanntmachung der Vereinigung beyder Vereine, so wie das Amtslocale und der Vereins-Casse in den öffentlichen Blättern Z09 Errichtung von Filial-Vereinen im Innern der Stadt und in den Vorstädten------- 3,o VIII Darstellung der Brechruhr-Eridsmis xom Jahrs ,83s In den Sommer- und Hsrdstmonachsn In Oesterreich unser der Enns. I. In Wien. Character der herrschenden Krankheiten im Jahre 1882- 3i3 Andeutungen auf vorherrschende epidemische Einflüsse- 3,3 Beginnen einer zweyten Cholera-Epidemie--- z,^ Zu- und Abnahme der zweyten Cholera-Epidemie-- Z>^ Ende der zweyten Cholera-Epidemie---- 3iS Unterschied der zweyten Cholera-Epidemie in Ansehung des Verlaufes, der Dauer, Stärke, Ausbreitung und Reinheit, von der ersten--...-- 3iS Ausweis über den Verlauf und die Ausbreitung der Cholera-Epidemie von Tag zu Tag, Woche zu Woche und Monath zu Monath----- 3,6, 822, 3-3 Unterschied der zweyten Cholera-Epidemie rückstchtlich des Charakters, der extensiven und intensiven Stärke, von der ersten--------- 32Z Ausweis des Sterblichkeits-Verhältnisses zur Zahl der Bevölkerung und der Erkrankten----- Z24 Ausweis über das Sterblichkeits-Verhältniß in Bezug auf das Geschlecht der Befallenen--.-- 32z Ergebnisse der zweyten Epidemie in Ansehung des Alters der Befallenen 326 Resultate der zweyten Epidemie in Hinsicht der vorausgegangenen Veranlassungen------- 3g6 Ausweis über das Verhältniß der Erkrankten und Gestorbenen in Bezug auf die veranlassenden Ursachen- 827 Ergebnisse der zweyten Epidemie, in Beziehung auf Character, Gewerbe und Beschäftigung der Erkrankten- 828 Ausweis über das Verhältniß der Erkrankten und Gestorbenen in Bezug auf Character, Gewerbe und Beschäftigung 828 Verschiedenheit der zweyten Epidemie von der erste» in den Resultaten der öffentlichen und der Privatbehandlung 3a8 Ausweis L. über das Sterblichkeits-Verhältniß in Bezug auf die Privatbehandlung, und in den Spitälern- 3ai) Verschiedenheit der zweyten Epidemie von der ersten in Hinsicht derKrankenzahl,desMortalitäts-Derhältaissesund der ergriffenenHäuser in der innernStadt und in denDorstädtenZay II. Auf dem flachen Lande. Character der im Jahre 1882 vorgekommenen Krankheiten 33a Erscheinungen der Cholera bey einzelnen Krankheitsfällen 33i Ausbrüche der zweyten Brecbdurchfalls-Epidemie-- 33i Ausbreitung der zweyten Brechdurchfalls-Constitution- 33» Zeitpunct der Höhe bey der zweyten Cholera-Epidemie- 333 Abnahme und völliges Erlöschen der zweyten Cholera- Epidemie 334, 33S Seite. Tabelle über die von Tag zu Tag, Docks zu Docks und Monath zu Monath erfolgten Ausbcüche der Brechruhr- Evidemie 338, ZZ-? Krankhcils-Charakter vor und während der zweyten Cholera-Epidemie--338 Modifikation der Cholera- Epidemie im Jahre 1682-- 333 Standpunkt der zweyten Cholera-Epidemie--- 33g Zug der zweyten Cholera-Epidemie durch die Provinz Nied- Oesterreich-------- Z/f» Tabellarische Darstellung der Ergebnisse der Brechruhr-Epi- demie des Jahres>832 in Zahlenverhäitnissen-- Z4l Zusammenstellung der Zahienverhäituisse der Cholera-Epidemie vom Jehre r83> und 1W2-----34z Ergebnisse der zweyten Cholera-Epidemie in Ansehung der vorgekommen;» Erkrankungen und Sterbefälls, dann in Rücksicht der ergriffenen Ortschaften---- 344 Heftigkeit der Epidemie in Bezug aus Extension u. Intensiv» 345 Ursachen der größeien Heftigkeit bey einzelnen Erkrankungen 343 Tabelle über das extensive und intensive Verhalten der Brechdurchfalls-Epidemie in Jahre 18Z2 in den einzelnen Ortschaften------- Tabellarische Uebersicht über die an der Brechdurchfalls-Epidemie im Jahre>832 Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen in Ansehung des Geschlechtes, dann über die Kinder übrrhaupt------- 35« Verhalten der zweyten Brechdurchfalls-Epidemie in diagnostischer und therapeutischer Beziehung, r. VerändeUes Auftreten in Bezug auf Zoom u. Character 352 Characteristlschi Erscheinungen------ 35z Modifikation des Brechdurchfalls----- 354 s. Rachkrcnkheiken Zgg 3. Prognoiische Merkmahle--,-- Z56 4- Ergebnifie der Leichenöffnungen---- 358 Behandlungsart. Heilmittel. Anwendung der Blutenkleerungen durch Aderlässe, durch Blutegel un> durch Schröpfköpfe. 256 Anwendung der Ipt-oncunnliL, des Brechweinsteins und Calomels- zgy Anwendung der Eis-Cur----.',, 35g Anwendung des antiphlogistischen Heilverfahrens,- 358 Sa,1 itats- p 0 lijeyliche Maßregeln. l. In der Haupt- und Residenzstadt-Wien. Verpflichtung der Aerzte zur Anzeige der Brechdurchfälle und zur Erhebung der Krankheits-Leranlaffungen- S59 — X Warnung der Bewohner vor Krankheit erzeugenden Schädlichkeiten Zßg Anstellung von Aushülfs-Aerzten in den einzelnen Bezirken 36c» Verpflichtung der Wundärzte zur" Herbeyziehung eines qra- duirtcn Arztes------,. Zgo Eröffnung der Spitäler in der Leopoldstadt, auf der Mieden und bey den Barmherzigen Schwestern in Gunpendorf 36r Uebergabe der Leitung der Sanitats-Polizey und des Nap portwesens an die Polizey-Ober-Direction-°-36» Anwendung der bey der früheren Cholera-Epidemie zir Hint' anhaltung der Krankheit und zur Unterstützung der Armen angeordneten Maßregeln----- 36, Hintanhaltung jeder Beunruhigung, Beirrung und Hemmung im Verkehre----.. ztzy Schließung der Spitäler in der Leopoldstadt und auf der Mieden zg2 Zurückführung der Sanitats-Polizey auf den vor dieser Epidemie bestandenen gesetzlichen Zustand--^ 36r II. Auf dem flachen Lande. Minderung der Veranlassungen zur Entstehung des Brechdurchfalls 363 Anweisung der Obrigkeiten und der politischen Unterbehörden zur regen Sorgfalt und zweckdienlichen Beneh- mungsweise--- 354 Herrichtung der Spitäler, Siechen- und Gemeindehäuser zur Unterbringung der Kranken---- 364 Fürsorge rücksichtlich einer zweckentsprechenden ärztlichen , Hülfe und einer hinreichenden Menge guter Arzeneyen 368 Fürsorge rücksichtlich der Unterstützung der Armer-- 36S Ueberwachung der guten Beschaffenheit der Nahrmgsmitkel z36ü Einstellung des Gepränges beym Versehen mit den heil. Sterbsacramenten und des öfteren Läutens der Sterbglocke 366 Entfernung der Leiche aus dem qemeinschaftlichenWohnzim- mer und Reinigung der Geräthe. Bett-nnd Läbeswäsche S66 Einsegnung und Beerdigung der Verstorbenen ohne Abhaltung der Todtenmahle-----. 366 Ausweis über diejenigen Auslagen, welche die epidemische Brechruhr seit ihrem Ausbruche in Wi,-n bis zum Schlüsse des Monaths September 1W2 dem städtischen Aerar verursacht hat----.. ,35^ L Darstellung der Brechruhr- Epidemie in der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien, in den Jahren 18^ I. Geschichtlich-statistischer Theil von Wien. /»..Topographie. Lage und Gränzen. 28ien, die Haupt- und Residenzstadt des Oesterrsichi- schen Kaiserthums, liegt ziemlich im Mittelpunkte von Oesterreich unter der Enns im V. U. W. W.*), in politischer Hinsicht aber einen eigenen Bestandtheil bildend unter 34° s>-b" östlicher Längs und 48° 2^33" nördlicher Breite, dem größeren Theile nach an der Abdachung des südlich sich erhebenden Wienerberges und an den äußersten, bis an das Bett der Donau auskaufenden Vorhügeln des Kahlengebirges, von letzterem gegen Nordwest und West begränzt, wo sich daS- lelbe in einer langen Gebirgskette durch das V. U. W. W. hinzieht. Hart am Kahlengebirge fließt, nördlich von Wien, bey Nußdorf die Donau vorüber, und durchströmt dann in mannigfachen Krümmungen und viele Inseln bildend, die weite Ebene, welche sich ostwärts zwischen Wien und Ungarn ausbreitet. In derselben Ebene, an deren Anfange Wien gelegen, und die sich gegen Südost und Süd bis an das Ley- thagebirge und die Urgebirge an der steyrischen Gränze erstrecket, erheben sich einige, größtenlheils unbedeutende Anhöhen,von welchen die nächste der Wienerberg ist, und dessen Abdachung sich bis zu einigen südlichen Theilen Wiens erstreckt. So begränzt, breitet sich die Hauptstadt in einem Umkreise von 14,000 Klafter oder beynahe 3'/-deutschen Meilen aus. Sie ist ringsum— ausgenommen der nördlich auf einer Donauinsel liegenden Leopoldstadt— mit einem zwey Klafter hohen, gemauerten Walle und einem Graben, die Linie genannt, umgeben. Inder Mitte liegt die eigentliche Stadt, und rings herum die 34 Vorstädte," welche durch eine bey t>oo Schritte breite Esplanade, Glacis genannt, getrennt, und *1 Kreis oder Viertel unter dem Wiener- Walde. t* durch schöne, zum Theil neu angelegte Alleen geziert sind, wodurch ungemein, sowohl zur Verschönerung der Stadt, als auch zur Remerhaltung und Verbesserung der Luft beygetragen wird. Da sich auf dem Raume, welchen Wien esnnunnit, verschiedene Anhöhen und Vertiefungen befinden, so ist auch die Lage der einzelnen Theile ungleich, und es liegen die gegen den Abhang des Wienerberges sich hinziehenden Bezirke Mieden und Mariahilf am höchsten, an welche sich einerseits Sr. Ulrich, Jvsephstadtund der größte Theil des Alserbezirkes, von der anderen Seite aber ein Theil der Landstraße anschließen, wahrend die an der Donau und ihren Armen gelegenen Bezirke Noßau und Leopoldstadt, ferner die Gründe unter den Weißgärbern, ein Theil von Erdberg und vom Al- serbeznke rief liegen. Nicht minder ist wegen der Ungleichheit des Bodens die Hohe der einzelnen Gegenden der inneren Stadt verschieden, und es berragt am Fuße des Stephansthurmes die Höhe über der Flache des adriatischen MeereS 8^,o, die deS mittleren Standes der Donau unter der Franzensbrücke aber nur 79-<)5 Wiener Klaftern. C l i m a. Der Boden Wiens ist verschieden, und besteht größten- theils aus Thonarten und kalkerdigen Theilen mir wenig Dammerde gemischt. Das Clima ist im Allgemeinen zu den gemäßigten zu rechnen, und die Witterung uustät, wovon die Hage Wiens, theils am Fuße des Kahiengeblrges, über welches d»e beständigen Westwinde von den Alpe» hinziehen, theils die Nähe des Stromes die meiste schuld tragen; häufiger und bisweilen greller und plötzlicher Temperaturwechsel ist daher nicht ungewöhnlich. Charactenstisch aber sind die Winde, welche sich beynahe täglich gegen Mittag, und zwar am häufigsten aus Westen oder Osten erheben, und sehr viel zur Remerhaltung der Luft beytragen, daher diese auch im Allgemeinen mehrenrheils scharf und mehr trocken als feucht ist. Gewässer. Die Gewässer, welche theils die Stadt und Vorstädte begränzen, theils letztere durchschneiden, sind folgende: Die Donau. Sie theilt sich eine Stunde oberhalb Wien bey Nußdorf in drey Arme, ron welchen der eine zwischen der Stadt und Leopoldstadt, die beyden andern auf der nördlichen Seite der Leovvldstadt fließen, und sich sämmtlich eine Stunde unterhalb der Stadt wieder vereinigen. Die Wien. Sie kömmt von den benachbarten Gebirgen, und fließt von der Südseite durch die Bezirke Mieden und Ma- riahilf, dann durch die Esplanade und ergießt sich unter den Weißgärbern in die Donau. Der Mühlbach. Er ist ein Ast der Wien, welcher sich vor der Linie von derselben trennt, durch Gumpendorf geht, sich in der Wehrgaffe mit ihr vereinigt, dann auf der an- dern Seite anstritr, und, nachdem er einen kleinen Theil des Bezirkes Mieden durchstoßen, zu ihr wieder zurückkehrt. Der Alserbach. Er kommt aus dem Gebirge hinter Dornbach, und stießt durch die Vorstädte Alservorstadt, Llch- tenthal und Roßau in die Donau. Der Wiene r neust ädter-Sch iff-Fahrts-Ca- nal. Dieser durchschneidet die Landstraße von Süden nach Norden, und endet in ein großes Bassin zum Einlaufen und Ausladen der Schiffe vor dem Juvalidenhause. Wasser. DaS Wasserder Donau ist wie daS aller Flüsse bey großen Städten, besonders wegen des thonichten GrundeS, des vielen hinsingeleiteten Unrarhes, der vielen darin in Fäulnis; übergehenden thierische» und vegetabilischen Substanzen öfters trübe, und wegen seines widrigen welchen Geschmackes zum Trinken und Kochen weniger brauchbar, dagegen aber zum Reinigen der Wäsche und zu den Färbereyen vortrefflich; fast eben so, nur in vermindertem Grade, verhält eS sich auch Mit dem Wasser des Wienfluffes und des Alserbaches, welche Gewässer an sich zwar rein und weich aber deS vielen hineingelegeten UnratheS wegen zum Genusse untauglich sind. DaS Quell- und Trinkmaffer ist wegen der ungleichen Beschaffenheit deS Bodens von verschiedener, im Ganzen von ziemlich guter Arr. Vorzüglich gutes Trinkwaffer, das nur zur heißen Sommerszeit durch den langen Lauf etwas matt wird, geben die von den nahen Bergen in die Stadt geleiteten Quellen, was z. B bey den Brunnen der k. k. Burg, im Fürstlich Schwarzenberg'schen Palais, den Springbrunnen am hohen und neuen Markte,Graben, Hof, bey den Bassins der Albertinischen Wasserleitung in den Bezirke» Mariahilf, St. Ulnch, Josephstadt u. s. w. der Fall ist; doch sind sowohl in der Stadt liefgegrabene Brunnen m-.t gutem fri- schen Quellwaffer, als auch in den Vorstädten hier und da vortreffliches Brunnenwasser zu finden. b Physische Lage. Die physische Lage Wiens ist im Ganzen vortheilhaft, und die davon herrührenden besonders günstigen Einstüße auf den Gesundheitszustand der Einwohner sind: die hohe Lage, der fast immerwährende Wind, der freye Raum, welchen die ESpla- nade zwischen der Stadt und den Vorstädten bildet, die üppige Vegetation, sowohl daselbst, als in den vielen Gärten, und die Menge der großen breiten Straßen, welche den freyen Durchzug der Luft gestatten; obwohl andererseits auch Umstände in Betracht kommen, welche theils jene Vortheile beschranken, theils nachtheilig auf den Gesundheitszustand der Einwohner einwirken. Hierhergehören: die tiefe, dem freyen Luftzuge minder günstige Lage mancher Gegenden, deren einige öfteren Ueberschwemmungen ausgesetzt sind; der Staub, der besonders in den»„gepflasterten Straßen bey dem immerwährenden Winde große Staubwolken bildet; die vielen engen krummen Gaffen, welche bey einer größeren Höhe der Häuser, sowohl den freyen Zutritt der Sonnenstrahlen, als auch einen freyen Luftzug hindern. Auch gehören hierher die Nachtheile, welche die Wien und der Alserbach herbeyführen; die erstere schwillt bey Thauwetter, oder bey starken Regengüssen, oft binnen wenige» Stunden gewaltig an, so daß sie die inneren Gegenden von Hundsthurm, Margarethen und der Mieden unter Wasser setzet, wodurch die Erdgeschosse feuchr, die Keller mit Wasser gefüllt und die Brunnen verdorben werden; zugleich verbreitet sie alljährlich in der heiße» Jahreszeit einen unerträglichen Gestank, der von den vielen, in dieselbe geleiteten Unraths-Canälen ihren versiegenden, Gewässern mitgetheilt wird; das Letztere gilt auch vom Al'serbache, welcher in der heißen Jahreszeit zum Behälter des Unrathes den umliegenden Vorstädten dient. Endemische Krankheiten. Als einheimische Krankheiten können außer jenen, welche manche Gewerbe und alle großen und volkreichen Städte mit sich bringen, die katarrhalischen und rheumatischen angesehen werden, welche durch den häufigen und grellen Temperaturswechsel und die beständigen Winde bedingt als endemisch auftreten. 7"" Straße ü. Die Straßen sind in einigen Theilen der Stadt, dann der Vorstädte Mieden, Mariahilf, St. Ulrich, Alservor- stadt, Jagerzeile u. s. w. breit und regelmäßig, und gestatten überall den freyen Durchzug der Luft, auch die Hauptstraßen sind größtentheils, so wie die Stadt, ganz gepflastert; dagegen sind aber in anderen Theilen der Stadt und der Vorstädte, vorzüglich Roßau und Leopoldstadt, regellose, schmale, krmnmlaufende Gaffen nicht selten, welche den freyen Luftzug hemmen und den belebenden Sonnenstrahlen den Zutritt mehr oder weniger verwehren. Häuser. Die Häuser sind in der Stadt größtentheils fest und dauerhaft, häufig von vier bis fünf Stockwerken, manchmahl in einem sehr großartigen Style gebaut; auch in allen übrigen Polizeybezirken finden sich solche und viele große geräumige Häuser nach neuerer Bauart; im Ganzen sind aber die Häuser ,der Vorstädte einstöckig, unansehnlich, hie und da selbst bloße Erdgeschosse. W o h n u n g e n. Die Wohnungen in der Stadt verhalten sich großen- theils im geraden Verhältnisse mit der Schönheit der Häuser, und die meisten, besonders die größeren und vornehmeren Gebäude enthalten geräumige, hohe, durch große Fenster erhellte Zimmer; dagegen sind vorzüglich in engeren Seiten- gäßchen und Hinteren Abtheilungen der Häuser finstere, so wie in höheren Stockwerken enge, kleine und niedere Zimmer nicht selten. Gleich verschieden sind die Wohnungen in den Vorstadthäusern. Während in v elen dieser die Geräumigkeit und Eleganz der Stadtwohnungen zu finden ist, bestehet die Mehrzahl, besonders in der Roßau, Leopoldstadt und in den von der Stadt entfernteren Gründen, aus engen, kleinen, mit Bewohnern überfüllten Zimmern, die in niederen Gegenden manchmahl auch feucht sind. Bewohner. Die Bewohner der inneren Stadt gehören— außer dem Allerhöchsten Hofe größerentheils dem Adel, der Classe der Beamten und anderen Honoratioren an, und obgleich von letzteren ein großer Theil, und selbst viele der er- — 8--- steren in den Vorstädten wohnen, gehört doch die Mehrzahl der Einwohner in diesen den Classen der Gswerbsleute, Fabriksarbeiter, Handwerker, und besonders in den, den Linien zunächst gelegenen Theilen, den ärmeren Volksclassen, Taglöhnern u. s. w, an. Den Character der-Bewohner Wiens im Allgemeinen zeichnet Frohsinn, Witz und Herzensgute, zugleich aber Leichtsinn und entschiedener Hang zum Genüge auS. Die Anzahl sämmtlicher Einwohner Wiens beläuft sich auf 332,ri4 Seelen; die sämmtlichen Häuser der Stadt und Vorstädte auf 8,bs3. L e i ch e n h ö f e. Leichenhöfe sind 6 vorhanden, welche sich sämmtlich vor den Linien befinden, und zwar außer der St. Marter- Favoriten- Hundsthurmer- und Mariahilfer- Linie je einer, 2 vor der Währinger-Linie, bey deren einem, gegen Döbling gelegenen, sich auch der israelitische befindet. Der zu Wien gerechnete Grund Neulerchenfeld hat ebenfalls einen eigenen Leichenhof außer dem Orte.. E i n t h e i l u n g. Wien wird in g Polizeybezirks eingetheilt, deren ein er die innere Stadt, jeder der adrigen mehrere Vorstädte in sich begreifen. Nachstehende tabellarische Zusammenstellung(^.) gibt eine Hauptübersicht über die Zahl, Nahmen der Bezirke, die Häuser- und Volkszahl in denselben. Nahme des Bezirkes. T Nyhme derZ Gründe. Hauferzahl: auf den Gründen, dZahl der Einwohner: Jnner.Stdt, Wiesen, Gchaumbur- gergrund, Hungelbrunn. Laurenzergrd. NikolSdorf, Matzleinsdorf, Hundsthurm, «SS >6 48 r3, »53 62,435! 5 2,435 35,o,8 2,3,7 ,,,5o 5,9 Nahme des Bezirkes.,, Häuserzah!: Nahme der Gründe. Zahl der Einwohner: IV VI VII VIII IX Mieden Mariahilf Tt. Ulrich Josephstadt Alservorstdt. oh. Wahring Noßau Leopoldstadt Landstraße Reinprechts? docf, Margarethen. Laiingrube, Windmühl. Magdalenagrd. Mariahilf. Gumpendorf, Spjtelberg, St. Ulrich. Neubau, Schottenfeld. Josephstadt, Alklerchenfeld, Strohische Grund. Neulerchenseld. Alservorstadt, BreitenfxIS, Michaelbeuri- sche Grund. Herrnals. Roßau, Mtbann, Lichtenthal, Thury. Himmelpfort- grund. LeopoldAadt. Jägerzeil, Prater. Brigittenau, Luen außer dem Tabor, Landstraße. Unter d. Wei ß gärbern, Erdberg. Zusammen ,8S 37 >4» 4>3 »46 »48 3-6 488 238 3.3 7 93 35 ,>7« '37 ,.7 86 6,7 66 62 3o 6,5 ,08 4o8 8,6,3, .536 69. ro8 662 6;3 8.7 > ,.6 6,6»3 808 5,678 6,833 4,689 .,607 9,908 5,359 ä,?5? .7,686 2,457 6,',4 4,5.0 .,475 6,253 953 7,384 4,009 3,o55 r5,o55 2,553 869 27. , ,872 7,687 33»,»»4 36,958^ 4,76- -7.HZ5 »6,565 ,8,448 35,>3, 33r,>«4 »WWW — L9— Ueber die einzelnen Bezirke kommt in topographischer Hinsicht Folgendes zu bemerken: I. Die innere Stadt. Die innere Stadt liegt in der Mitte der 34 Vorstädte, und ist von selben durch einen Zwischenraum von 10 bis »5 Minuten, welcher das Glacis bildet, geschieden. Innerhalb des Glacis ist die Stadt rings Herum von dem Stadtgraben in der Breite von 3o bis 40 Schritten, und der Tiefe von so bis s5 Schuhen, so wie von viel höheren kolossalen Stadtmauern umgeben, an welchen innen rings herum die Basteyen liegen, durch welche 12 Thore in das Innere der Stadt führen. Der Mittel- und zugleich höchste Punct der Stadt ist der Petensplatz, von welchem sich dieselbe, besonders gegen den im Norden und Nordwesten sie begranzenden Donauarm, mit einem nicht unbedeutenden Abfalle senkt; daher jene Theils, welche im Suden, Westen und Südosten der Stadt liegen, rm Allgemeinen zu den höheren und gesunderen, die im Norden der Stadt gelegenen aber, als: die Rochsnchurm-, Kohlmeßer-, Adler-, Zeughausgasse, Fischer- stiege 11. s. w. zu den niederern und öfteren Ueberschmem- mungen ausgesetzreren, feuchteren und ungesunderen Gegenden gehören. Auch in anderen einzelnen Stadttheilsn finden sich größere oder geringere Abweichungen vom Mvss»; z. B. die Abdachung der Singer- Weihburg- Himmelpfortgasse u. s. w. aus der Kärnthnerstraße; der Abfall beym Stoß- am Himmel; das Steigen der Freyung gegen die Schotten- gasse; der tiefe Graben u. dgl. m. Doch sind diese Abweichungen von geringerer Bedeutung. Die Stadt besteht aus 14 bis s» öffentlichen Plätzen; 127 theils größeren theils kleineren Gaffen, von denen ein Theil breit, gerade, viele aber schmal, krumm und finster sind; ferner aus 1,2»4 Häusern, welche 52,435 Einwohner bewohnen, und wird in 4 Viertel: das Kärnthner-, Schotten-, Stuben- und Wimmer- Viertel eingetheilt. Im Ganzen ist die physische Lage der Stadt gesund, was sie dem Umstände verdankt, daß die Lage des größeren Theiles derselben, besonders des Schotten- und Karnthnerviertels, hoch ist, dann die öffentlichen Plätze und die vielen großen, gerade laufenden, breiten Straßen freyen Luftzug gestatten, das Trinkwaffer fast dmchgehends gut ist, und die Beivoh- uer zu dem wohlhabenderen Theile der Einwohner gehören. Weniger vsrtheilhaft und mehr der Gesundheit nachthsilig ist'die Lage jener Gegenden, wo diese Umstände nicht zusammen wirken. So können der nördliche Theil des Stuben- und Schotten-, und der nordwestliche des Wimmer- Viertels bey ihrer tiefen Lage gegen den Do- nau-Canal, da sie besonders bey feuchtem Wetter beständig im naßen Dunstkreis gehalten, vom Westluftzuge nicht hinreichend gereiniget werden, wegen ihren mehrenlhcils kleinen, engen, unregelmäßigen Gassen, schlechter Bauart der Häuser, in welchen eine uiwerhaltnißmäßige Menge Menschen aus den niederen Classen, als: Proseffisnisten, Dienstleuts, Taglöhner, Handwerksburschen, Juden u. s. w. zusammengedrängt leben, wegen Feuchtigkeit der Wohnungen, minder guten Trinkwasser rc. allerdings nicht zu den gesunden Gegenden gerechnet werden; daher auch gewöhnlich in dieser Gegend epidemische Krankheiten häufiger und starker auftreten, als in anderen Stadttheilen. Eben so finden sich am Wild- pretmarkt, wo— da er fast von allen Seiten geschloffen und dem Zuge des Windes unzugängig ist,— die Ausdünstung des häufigen Wildes festgehalten wird, in der Mstitar-Caserne am Salzgries, indem Zeughaus, Polizey-und Criminal-Gerichtshaus, färsterzbischöflichen Seminar, so wie in dem der Pazmaniten, im Schottenhof, Bürgerspital und in den öffentlichen Herbergen, wegen der Menge der daselbst zusammen lebenden Menschen, Umstände, welche auf den Gesundheitszustand der Bewohner keineswegs günstig einwirken können. II. D i e Mieden. Die Mieden, der größte unter den Poüzeybezirken Wiens, liegt am rechten Ufer des Wienfluffes, durch diesen von dem Bezirke Mariahilf und von der inneren Stadt getrennt, gegen Süden und Südwesten vom Linienwalie begrenzt, gegen Nordost an den Bezirk Landstraße und an der Südseite Wiens an den Abhang des Wienerberges stoßend, der sich gegen die Wien herabsenkt, daher ihr höchster Punct südlich zu Matzleinsdorf sich 10° 5^, der niedrigste nördlich auf der Mieden nur 2° 5^ über das Flußbett der Wien erhebt, woraus sich eine Abdachung von 8 Klaftern ergibt. In der Niederung liegen die im Westen und Norden gelegenen, am höchsten aber die südlichen und östlichen Theile dieses Bezirkes. Die physische Lage dieses BezirkeS ist wegen der Höhe desselben im Ganzen vortheilhaft, der freye Durchzug der Luft größtentheils ungehindert, der größere Theil der Straßen und Gassen breit, geräumig und regelmäßig, sämmtlich beleuchtet und mit Eanälen versehen; gepflastert sind aber nur ein Theil der Hauptstraße,*) welche durch ihre Belebt, heit die Mieden vorzüglich erhebt, und die der Sradr näher liegenden Seitengassen. Die Häuser sind geräumig, nicht besonders überfüllt, häufig mit Gärten gezie-r, besonders auf den südlichen Gründen. Das Trinkw^ffer lst reichlich vorhanden, meistens gut, in manchen Gegenden, besonders am Abhänge und der Verfluchung des Wlenerberges, wo dasselbe durch Lager von KieS und Sandgeröüe geläutert wird, vortrefflich; dagegen minder gut und manchmahl schlecht in anderen, besonders den niederen Gegenden an der Wien, wo übel angebrachte Cloaken und Rinnsale die Quellen in den Brunnen verunreinigen. In manchen Gegenden aber vereinigen sich jedoch, wohin besonders die Gaffen und Häuser am Ufer des Wien- stusses gerechnet werden müssen, mehrere Umstände und Verhältnisse, welche einen nachrheiligen Einfluß auf den Gesundheitszustand der Einwohner hervorbringen, als: tiefe Lage, öftere Ueberschwemmungen durch den Wisnfluß, die ungesunden Ausdunstungen desselben zur Sommerszeit, enge, minder reine, krummlaufende Gassen, kleine Häuser mir dumpfen feuchten Wohnungen, schlechtes Trink- waffer, Armuth der Einwohner, gedrängtes Beysammen- wohnen derselben u. dgl. Dieser Bezirk, als der größte Wiens, mit 55,226 Einwohnern in>,53b Häusern, zu welchen noch 206 Baustellen gerechnet werden können, wird in<) Gründe mit 4 Pfarren eingetheilt, als: 18ZZ wurde die ganze Hauptstraße bis zur MaHlesnsdorfer Linie gepflastert, ,3 Zahl. Rahme des Grundes. Zusammen Häuserzahl. Wieden^) SchaUmburgergruud Hungelbrunn Laureuzergrunv Nieolsdorf Mahleinsderf Hundslhurm***) Reiuprechtsdorf Margarerhen 888 1' > i -6 48 -3- >53 >74 .536 Zahl der Einwohner. 35,o>8 2.327 1,25» 5'y 2,3-7 2.827 4,48- 8c>8 5.67g 55,2-6 Die Wieden wird herkömmlich in die alte und neue eingetheilt, von welchen jene den höher gelegenen östlichen, diese den gegen den Wienfluß zu liegenden westliche» niederen The,! in sich begreift. Nur die nördlichen gegen die Stadt und die an der Hauptstraße gelegenen Theile der alten Wieden sind eng verbaut, und enthalten fast durchgehends große, geräumige und reinliche Häuser mit wohlhabenden Bewohnern aus den gebildeteren Standen, wahrend der obere Theil größtentheilS auS kleiden stockhohen Häusern, hie und da mit kleinen Haus- gärtchen besteht, und vorzüglich von Handwerkern, Taglöh- nern, Fabriksarbettern, Ziegelschlägern bewohnt, zum Theile, besonders der südöstliche, neue Anlage ist, wo Garten, Fel- *) Worunter 174 Baustellen. **) do 26 do. *") do. 4 do. **»»> do. do. Zusammen-><>6 do. >4— der, Sandgruben mit kleinen Häuschen abwechselnd das Bild einer neu emporsteigenden Vorstadt gewähren, und ebenfalls mit Bewohnern aus den untersten Volksclaffen besetzt sind. Auf derNeuwieden ist die größte Zahl der Häuser neu und modern gebaut, mit lichten Höfen versehen und die Gassen sind regelmäßig, die übrigen Verhältnisse aber für den Gesundheitszustand der Bewohner minder vortheilhaft, da wegen der niederen Lage das Trinkwaffer schlecht, und die Ausdünstung der Wien und des Mühlbaches im Sommer beynahe unerträglich ist; auch wohnen hier wenig»ermögliche Leute, sondern, der geringen Miethe wegen, besonders Gewerbsleute und Taglöhner. Der Schaum burgergrund, Hungelbrunn, Laurenzergrund, Nikolsdorf und Matzleinsdorf liegen an der Abdachung des Wienerberges hoch und frey, zum Theil mit schönen Gärten umgebe» und zum Theil am freyen Felde; bestehen aber mehrentheils, bis auf einige Ausnahmen im Schaumburgergrunde und Hungelbrunn, aus kleinen stockhohen Häusern mit meistens armen Bewohnern aus den unteren Volksclaffen. Die Vorstädte Margarethen, Reinp rechts- dorf und Hundsthurm liegen niedrig, an der Verfluchung des Wienerberges gegen die Wien, und zu jenen Nachtheilen, welche diese tiefe Lage an der Wien mir sich bringt, gesellen sich noch die, daß diese Gründe größken- theils aus minder reinen Gassen, kleinen niederen Häusern, beschränkten Wohnungen und einer unverhältnißmäßigen Menge Einwohner aus den niederen Classen bestehen, und obwohl sich der obere Theil von Margarethen und der sogenannte neue Grund von Hundsthurm(die Johannesgasse) durch regelmäßige Gassen, hübsche geräumige Häuser, höhere und freye Lage vor den übrigen vortheilhaftuuszeichnen, sind doch auch diese Theile wegen der geringen Miethe und der großen Entfernung von der Stadt, fast ausschließlich von Taglöhnern, Leinwebern, Fabriksardeitern aus t»en vielen Fabriken zu Margarethen u. dgl. bewohnt. III. M a r i a h i l f. Der Polizeybezirk Mariahilf liegt am linken User der Wien, durch diese vom Wiedner Bezirke, gegen Süden durch den Linienwall von Fünfhaus, gegen Norden durch die Esplanade von der Stadt getrennt, gegen Westen an ,5 den Bezirk St. Ulrich stoßend. Im Ganzen gehört dieser Bezirk zu den hoch gelegenen, wovon nur die Gegenden an der Wien, besonders ein Theil der Laimgrube eine Ausnahme machen, daher ist die Lage desselben im Ganzen vor- theilhaft und wegen der vielen Garten besonders angenehm, der Durchzug der Luft durch kein Hinderniß gehemmt, der größere Theil der Gassenibreir und gerade, besonders aber durch ihre Schönheit die Mariahilfer Hauprstraße ausgezeichnet, welche als der Anfang der Reichspost-Hauptstraße eine große Lebhaftigkeit in diesen Bezirk bringt. Der ganze Grund hat nur auf der Hauptstraße, in der Kothgaffe und auf der Laimgrube Beleuchtung undPflasterung, dafür sind aber allenthalben AbleitungS- Canäle vorhanden, welche den Unrath in die Wien führen. Das Trinkwasser ist in den meistens seichten und häufig durch übel angebrachte Cloaken verunreinigten Hausbrunnen nur ausnahmswerse gut, doch ist durch die Albertinische Wasserleitung einem früher empfindlichen Wassermangel abgeholfen, da sie in mehrere Bassins dieses Bezirkes zwar nicht immer ganz frisches, doch hinreichendes Wasser aus den nahe» Gebirgen liefert. Dieser Bezirk enthält in Lgi Häusern 3b,g53 Einwohner, welche in den verschiedenen Gründen eben so gemischt dem Stande nach, als die Häuser von ungleicher Beschaffenheit sind; er besteht aus fünf Vorstadtgründen, alS: — Zahl. Nahme des Grundes. Häussrzahk. Zahl der Einwohner. i L 3 4 5 Laimgrube.... Windmühl... Magdalenagrund.. Mariahilf.... Gumpendorf... igü iv7 37 >48 431 6,853 4,SSg 1,807 9,yo8 12,221 Zusammen.. 8gr 3b,9S8 — tb— Die LaiNigrube liegt am Ufer der Wien niedrig, tr- hebt sich aber bedeutend bis zur Hauptstraße, welche bereits zu den hoch gelegenen Gegenden gehört, ihre Gaffen sind fast durchgehends gerade und regelmäßig, die Häuser schön und zum Theil sehr groß, die Einwohner meistentheils Ge- werbsleute verschiedener Gattung, unter welchen ein gewisser Wohlstand herrscht, ohne daß besonders reiche Bewohner häufig wären. EiNe gleiche Lage hat der Theil der Vorstadt Windmühl, welcher an die Laimgrube gränzt, während der andere(die Steingasse) seine Lage und Beschaffenheit mit Gumpendorf theilt; nur sind in dieser Vorstadt die Häuser weniger groß und schön und die Einwohner weniger wohlhabend, als aus der Laimgrube, größtentheils Fabriksarbeitek und Taglöhner. Am vortheilhaftesten zeichnet sich die Vorstadt Maria hilf aus, sowohl durch die hohe Lag- aus jener Erhebung, die bey der Laimgrube beginnt, als auch durch die Regelmäßigkeit und Breite ihrer Straßen, besondres der belebten Hauptstraße; ferner durch die Schönheit und Geräumigkeit ihrer Häuser und den Wohlstand ihrer Bewohner, welche groß-rnrheils den besseren Ständen angehören und unter denen stich nur wenig Arme befinden. Magdalenagrund— eine unansehnliche Vorstadt an einer ziemlich steilen Anhöhe an der Wien gelegen, besteht fast durchgehends aus unregelmäßig und schlecht gebauten Häusern in engen unreinen Gassen, und wird fast ausschließlich von Leuten aus den untersten Voiksclassen bewohnt. Gumpendorf liegt an der Wien ziemlich tief, erhebt sich aber merklich gegen Norden und Nordwesten, und zeichnet sich durch seine anmuthige Lage und die vielen Gärten vortheilhast aus. Auch hak es viele schöne Gebäude in meistens regelmäßigen Gassen, gutes Wasser und viele wohlhabende Einwohner. Größtentheils wird es jedoch der geringen Miethe wegen von Laglöhnern, Fabriksarbeitern aus den vielen Fabriken und solchen, welchen die Nähe der Wien und des Mühlbaches in ihren Gewerben vorrheil- haft ist, bewohnt, die oft in kleinen Wohnungen gedrängt zusammenleben, was besonders in den von der Stadt entfernteren Theilen häufigcher Fall ist. 2 >7 - IV. St. Ulrich, r d Der südwestlich von der innere» Stadt gelegene Poli- , zeybezirk St. Ulrich, wird westlich vom Linienwalle und - östlich von der Esplanade brgränzt; nördlich stoßt er mit r dem Bezirke Josephstadr und südlich mit dem von Mariahilf r zusammen. k I» Ansehung der Lage gehört derselbe im Ganzen zu r den höheren von Wien, besonders am Schottenfelde und dem t größeren Theile vom Neubau, während andere Parrhien viel f tiefer liegen, besonders ein Theil von St. Ulrich und Neu- - bau, wo der Boden beym sogenannren Platzl einen Graben x bildet, an dessen beyden Seilen Anhöhen sich befinden. Beleuchtung haben alle Gassen dieses Bezirkes, Pfia- , sterung aber nur wenige und die Häuser sind in den einzelnen , Theilen sekr verschieden. Wasser ist da im Ganzen wenig gu- e les, doch ist diesem Mangel durch die Albertinischen Wasser- , leitungen abgeholfen. Die Bewohner sind gemischt, im Gan- , zen wenige aus den höheren und sehr reichen Ständen; vor- , wiegend sind die Gewerds-, besonders Fabnksleute, da sich das r Schotcenfeid vor allen Vorstädten Lurch die Menge seiner Fabriken auszeichnet. 2 Häuser enthalt dieserBezirk>,>08, Einwohner47,762 und wwd in vier Grundgerichte eingetheilt, als: Zahl. Nahme des Grundes. Häuserzahl. Zahl der Einwohner: r 2 3 4 Spitlberg.,... St. Ulrich..... Neubau Schottenfeld.... -46 >48 3a6 483 5,35g 4,757 >7,586 r 0,060 Zusammen.. >,io8 47,762 Spitlberg und St. Ulrich bilden in der Mitte am Platz! eine Vertiefung, während die beyden Seitentheile dieser Vorstätte, welche sich von der Laimgrube und Ma- i-iahilf bis in die Kaiserstraße der Josephstadc erstrecken, erhaben liegen. Die Gassen sind größtentheils schmal, unregelmäßig und weniger rein, haben zwar Beleuchtung, aber bis aus einen kleinen Theil vom Platz! keine Pflasterung. D-e Häuser, mit einigen Ausnahmen am Glacis, besonders die k k. Srallungsn, das Ungarische GardepalaiS und mehrere neue sehr schöne Zinshäuser in der Kirchberg- gasse rc.sind meistens mittelmäßig, klein, unansehnlich, manche sogar schlecht und die Einwohner gehören größtentheils den niederen Bränden an. Vorwaltend sind Gewerbsleute und Taglöhner zu St.Ulrich, und unter diesen vorzüglich Obst-und Grünzeughandler, die ihre Verkaufs-Stände am Platz! haben. Wasser haben diese Grunde wenig, und sind mir wenigen Ausnahmen auf die Bassins der Alberunischen Wasserleitung beschränkt. Neubau und Schottenseld liegen gröfitentheils schön und hoch; nur bildet Neubau am Platz!, wo es mit St. Ulrich zusammenhangt, eine Vertiefung, in deren Niederung die Häuser eine weniger vortheilhafte Lage haben. Die Gaffen und Straßen dieser Vorstädte sind durchgehendS regelmäßig, gerade und breit, manche zeichnen sich besonders Lurch pallastähnliche.Gebäude aus, und die schönsten derselben, als die Schönbrunner-die Neubau-Hauptstraße und die Neubau- Neustifrgasse sind auch gepflastert und mit Trottoirs versehen. Die übrigen sind zwar, ungepflastert, aber schön beleuchtet und mir UnrathS-Canalen versehen. Die Einwohner dieser Gründe gehören vorzüglich dem Fabrikantenstande an, indem kein anderer Theil von Wien so viele Fabriken zählt, als dieser, besonders Schottenfeld. Diese Gründe haben wenig gutes Lrmkwaffer, daher die Alsertmischcn Wasserleitungen für sie Bedürfniß sind, wodurch einem sonst fühlbaren Mangel abgeholfen wird. V. Joseph stadt. Derwestlich von der Stadt gelegene Bezirk Josephstadt gränzt westlich an den Linienwall,(außerhalb welchem aber noch der zu diesem Polijeybezirke gehörige Grund Neulerchenfeld liegt), östlich an das Glacis gegen die Stadt, gegen Norden an den Bezirk Aljervorstadt»nd gegen Süden an St. Ul- 2* — lynch. Er liegt auf einer Anhöhe, welche vom Elans bis zur Linie, mit Ausnahme der Altlerchenfelder Hauptstraße, welche eine tiefere Lage hat, sanft emporsteigt, und wird der ganzen Länge nach von Straßen, welche einen freyen Luftzug begünstigen, durchschnitten, und so wie das regelmäßig angelegte Neulerchenfeld mit vielen Gärten geschmückt. Der Bezirk zerfällt in die Vorstädte Josephstadt, Altlerchenfeld, Skrotzischen Grund und Neulerchenfeld, welche zusammen bbs Häuser und 27,^35 Einwohner zählen. Wasser haben diese Vorstädte hinreichend, indem sie, außer den Brunnen, welche sich in den meisten Häusern befinden und hie und da vortreffliches Wasser geben, auch, mir der Albertinischen Wasserleitung versehen sind. Zahl. Nahme des Grundes. Häuserzahl. Zahl der Einwohner. 1 2 3 4 Jvsephstadt.... Altlerchenfeld.... Stroßische Grund.. Neulerchenfeld... 20g 238 S7 >S8 ! 9.YÜ2 9.352 2.457 6.224 Zusammen.. 6k>2 27.935 Die^ 0 sephstadt zeichnet sich durch ihre schöne, hohe und gesunde Lage, ihre Anmuth und Regelmäßigkeit vor den meisten Vorstädten aus. Mitten durch dieselbe führt die 2,3 ,l> Schntre lange Kaiserstraße, von welcher zu beyden Seiten regelmäßige Quergassen auslaufen, die sämmtlich gut gepflastert, mit guter Beleuchtung und mit Unraths-Ca- nalen versehen sind. In allen Gassen befinden sich schöne Gebäude, besonders am Glacis und in der neuangelegten Herren- gasse. Die Einwohner gehören größtencheils den mittleren Standen«m, besonders aber wohnen viele Beamte hier. Der Srrotzische Grund besteht aus zwar unge- pflasterten, aber reinen, des Nachts beleuchteten Gossen, 20 kleinen aber netten Hansen,, deren Bewohner gemischt- zum Theile aus BeamreN. Gewerbsleuten u.dgl. und zum Theile aus armen Taglöhnern, Handarbeitern u.s. w. bestehen. Alrl erchenfeld ist eine unansehnliche Vorstadt, weiche sich sowohl durch ihre ungepflastercen, schmutzigen Gassen, kleinen, meistens stockhohen, unregelmäßig ge- vauten Häuser, mit engen, und zum Theil unter dem deivesu der Gasse befindlichen Wohnungen, die deßhalb häufig feucht und dumpf find, als auch durch ihre gedrängte Menge Bewohner aus den untersten Volksclaffen, die über- dieß durch ihre geringe Bildung und Rvhhert hier auffallen, nicht vortheilhasr auszeichnet- N euler chenfeld ist eine schöne, ggnz regelmäßig angelegt.- und mit Gärten umgebene Vorstadt außerhalb des Li« menwalles, und>v>rd der Länge nach durch 4 große und der Breite nach durch 4 kleinere Gaffen durchschnitten, welche aber ungepstasterr und durch eine», die Hauptstraße durchlaufenden Rinnsal verunreiniget sind. Die Bewohner gehören größtenrhei s der unteren Volksclasse an, in welcher Beziehung daher dieser Grund mit Altlerchenfeld übereinstimmt. Vl. A l s e r v 0 r st a d t. Dieser nordwestlich von der Stadt gelegene Bezirk wird westl ch durch den Lin'.enwall, und östlich durch das Glacis be- gränzk. Er stoßt nördlich an den Bezirk Roßau, südlich au die Iosephstadt, und gehört zu den hoher gelegenen Theilen Wiens, ausgenommen seine nördlichen und die am Alftr- dache gelegenen Parthien, welche eine merkliche Abdachung bilden. Dieser Bezirk wird von mehreren geraden, breiten Gassen seiner Breite nach von, Glacis LiS zur Linie durchzogen, welche einen freyen Luftzug allenthalben gestalten. Uebrigens sind beynahe olle Gassen gerade, mir Canälen versehen, auch des Nachts beleuchtet, aber ungepflastert und manche schmal. Der Alserbach gehört zu einem fortbestehenden örtlichen Gebrechen, da er die Eanäle sämmtlicher daran liegenden Häuser aufnimmt, und daher bey seinem gewöhnlichen geringen Wasserstande, besonders zur Sommerszeit eine gesundheitsschädliche Ausdünstung verbreitet. Einer Überschwemmung sind, aber nur bey außerordentlichem Wasserstande der Donau, die niederen nördlichen Theile, die 3 Mohren- und Lange-Gasse ausgesetzt. Die Häuser sind größteutheils zweckmäßig und gesund- 2L he.rsgemaß gebaut, einige selbst sehr schon und initgeräumigen, hohen Wohnungen versehen; doch sind in den entlegenen Gegenden viele kleine unansehnliche Häuser, mit engen, feuchten und dumpfen Wohnungen. Wasser har dieser Bezirk im Ganzen hinreichend und auch gutes. Die Einwohner sind sehr gemischt und, während in den vorzüglichen Gaffen der Alservor- ffadt der vielen Sanitärs-Anstalren wegen, besonders Aerzte und Studierende, und der da bestehenden Easerne wegen, Milk- tärund überdies; viele Beamte, Professionisten u. s w. sich aufhalten, besteht in den entlegenen Theilen der größte Theil der Einwohner ausarmerenHandwerksleuren, Taglöhne.n, Handarbeitern u. dgl.; am Alserbache aber meistens aus Wäschern. Dieser Bezirk enthält 5 Gründe mir 28,b.. Einwohnern in Häusern, unter denen aber auch Währung und HerrnalS einbegriffen sind, welche beyde Gründe außerhalb dem Linienwalle liegen, und von welchen Wahrung gar nicht, Herrnals aber nur vom». November.83. an, zu welcher Zeit es der Sanicäts- Aufsicht der Stadt Wien wieder übergeben wurde, bey dieser Epidemie berücksichtigt wird. Unrer der Zahl der Einwohner sind aber die, in veränderlicher Zahl ln den öffentlichen Gebäuden und Anstalten untergebrachten Individuen nicht mitbegruffen, nähmlich die in den k. k. Versorgungs-und Krankenhäusern und Caserneu befindlichen, mit deren Inbegriff die Summe der Einwohner auf 39,ooo angenommen werden darf. Zahl. Rahme des Grundes. Häuserzahl. Zahl der Einwohner. ! 2 3 4 s Alservvrstadt... Breitonfeld... Michaelbeurische Grund Währing.... Herrnals.... 3.3 93 33 .33 172 Zusammen.. ?4b 28,6.>. Die Alservorstadt ist durch eine große Anzahl öffentlicher Sanitäts-Anstalren ausgezeichnet, regelmäßig gebaut, mit vielen schönen Gebäuden und Gärten geziert, und wird in seinen Hauptgaffen größtentheilS von Personen aus gebildeten Standen bewohnt, während die Seitengassen und entfernteren Gegenden fast ausschließlich ärmeren Leuten aus den unteren Volksclassen zum Aufenthalte dienen. Breikenfeld, eine freundliche, neu und regelmäßig angelegte Vorstadt, hat in seinen breiten, zwar ungepflaster- ten, aber reinen und trockenen Gassen mit 2 schönen in Quadrate angelegten Plätzen, hübschen und fast durchgehends 2 Stock hohen und zweckmäßig gebauten Häusern, auch gute Beleuchtung und gutes Trinkwaffer. Die Einwohner bestehen zum Theile aus Professiomsten und Handwerkern, meisten- theils aber aus dürftigen Familien, Taglöhnern u. dgl., die in kleinen Wohnungen gedrängt zusammenleben. Der Michaelbeurische Grund liegt zwischen dem Linienwalle und Alserbachs mit einigen recht schönen, neugebauten, aber auch mit kleinen, niederen und lchlechtge- bauten Häusern, deren Bewohner aus den ärmeren Classen bestehen. Er hat wenig Lebhaftigkeit, weil keine Straße durchführt, aber gutes Wasser und reine Luft von den nahen Gebirgen. Herrnais, vor der Linie gleichen Nahmens am Alser- bache gelegen, besteht ebenfalls mit wenigen Ausnahmen aus kleinen und unansehnlichen Häusern, deren Bewohner meistens den ärmere» und weniger gebildeten Volksclassen angehören. Wasser hat dieser Grund vortreffliches. VII. Roßau. Der Bezirk Roßau, nordwestlich von der Stadt durch die Esvlanade getrennt, nördlich durch den Donau-Ca- nal von der Leopoldstadt geschieden, südlich gn den Alserbezirk stoßend und westlich durch den Linienwall begränzt, wird von dem Alserbache durchschnitten, der die Roßau von den übrigen Gründen trennt, und besteht aus folgenden 5 Gründet, mit bs> Häusern und s,,b54 Einwohnern. 23 Zahl. Nahme des Grundes. Hauserzahl, Zahl! der^ Einwohner. i 3 4 5 Roßau..... Alchann.... Lichtenthal.... Thury..... Himmelpfvrrgrund. »70 37 L!I "7 86 ! Zusammen.- 621 21,654 Die Roß au liegt flach, aber tief an dem rechten Ufer des Donau-Canals, und ist südlich und westlich von Anhöhen umgeben, auf welchen sich dorc die Als-rvorstadr, hier der Himmelpfortgrund und ein Theil von Thury erheben. Sie ist im Ganzen eine unansehnliche Vorstadc und, da keine Hauptstraße durchführt, weniger belebt; sie besteht größentheils aus ungepflasterten, wenig reinen und unregelmäßigen Gassen mit meistens kleinen und niederen Häusern, welche öfteren Überschwemmungen ausgesetzr. in den Erdgeschossen feucht sind, obwohl in dieser Hinflchr viele Häuser eine Ausnahme machen, und sich durch ihre Schönheit, auch manche, wie das Fürstlich Llchtensteinische, durch ihre Pracht auszeichnen. Das Trinkwaffer ist von gutem Geschmacke, rein und klar, aber weich, und bey hohem Wasserstande der Donau trüb, so wie im Gegentheile bey kleinem, viele Brunnen wafferleer sind. Unter den Einwohnern befinden sich verhältnismäßig wenig wohlhabende. Den größeren Theil machen arme Handwerker, Fabriksarbeirer, Taglöhner, Schiff- knechte, Hoizschieber, Holzleger u. dgl. aus, deren Erwerb unsicher, größtentheils durch die Schiffvarkeit der Donau bedingt wird, und welche sich eben so sehr durch chrs ungeregelte und unordentliche Lebensweise, als durch ihre Sorglosigkeit und Rohheit unterscheiden. Von den Gründen Lichtenthal, Thür y und H l m- melpfortgrund liegen nur die im Süden und Westen des Bezirkes befindlichen Theile hoch; die übrigen, so wie der gegen den Donau-Canal gerichtete Grund Alrhann niedrig; daher besitzen auch nur jene Theile freyen Luftzug, trockene Straßen und lichte Wohnungen, während in diesen wegen öfteren Ueberschwsinmungm die meisten Quartiers in den Erdgeschossen feucht und häufig lichtarm sind. Diese Gründe werden von s stark befahrenen Straßen zur Nußdorfer-Linie durchschnitten, welche in die daran liegenden Theile viele Lebhaftigkeit bringen. Sämmtliche Gassen haben Beleuchtung und auch Unraths-Canäle; Pflasterung aber nur wenige. Das Wasser ist hinlänglich und genußbar, und ist zum Theil auch sehr gut auf diesen Gründen. Die Häuser sind sehr verschieden; während sich die der Wohlhabenden, besonders einige in neuerer Zeit erbaute, durch ihre Schönheit und Geräumigkeit auszeichnen, fallen die übrigen durch Unansehnlichkeit und Kleinheit um so wehr auf. Die Einwohner sind zum Theile Professionisten, Gewerbsleute, Fabriksarbeiter und Wäscherleute, zum Theile aber auch Taglöhnec, Holzschieber, Handlanger u. s. w. VIII. Leopoldstadt. Der Bezirk Leopoldstadt, nördlich von der Stadt gelegen und von ihr durch den Donau-Canal getrennt, umfaßt die von diesem Canale in seiner ganzen Lange und dem Hauptarme der Donau gebildete Inselgruppe, daher nebst der Vorstadt Leopoldstadt und der Jäqerzeile auch den Pra- ler, die Brigittenau und die außer dem Tabor befindlichen 12 Auen mit 28,448 Einwohnern und 8,7 Häusern. Zahl. Rahme des Grundes, Hauserzahl. Zahl der Einwohner. > 2 3 4 5 Leopoldstadt... Jäger,«»---- Prater..... Brigittenau..- Auen außer denLTabor. 627 bb 82 3o >2 28,085 2858 35y 208 27, Zusammen.. - 8-7 Die ganze Insel- hat zwar beständig eine etwas feuchte, zugleich kühle, jed-ch keineswegs ungesunde Luft, da die breiten Straßen und Gaffen, welche die Vorstadtgründe in allen Richtungen durchschneiden, überall einen freyen, ungehemmten Luftzug gestatten, auch der rasche Lauf der nahen Donau diesen begünstigt und befördert, wozu die herrliche Vegetation in den vielen und schönen Garten dieses Bezirkes sowohl, als die in den nahen Auen zur Luftverbesserung und Belebung auch das ihrige beytragen. Das Trinkwaffer als Seihmaffer der Donau ist weich, aber rein, kühl und erfrischend, auch in hinreichender Menge vorhanden. Die Straßen, von welchen die Hauptstraße zur Ta- borlinie, dann eine durch die Jägerzeile zum Prater führen, gehören zu den breitesten, längsten und am meisten befahrenen, und bringen groß° Lebhaftigkeit in diese Vorstadt. Die Gassen sind nur theilw ise gepflastert aber gut beleuchtet, und mitguten Haupt-und Haus--Canälen versehen. Die Häuser in der Leo- poldstadt sind zum Theile alt und schlecht, in der Jagerzeile aber größtentheils neu, regelmäßig, zum Theile prachtvoll. Eben so verschieden sind die Wohnungen; in der Leopoldstadt meistens klein, unregelmäßig, unbequem, oft in den Erdgeschossen feucht, dunkel und dumpfig; dagegen die Häuser der Jagerzeile meistens geräumige, freundliche Quartiere enthalten, die besonders hell oft sehr elegant sind; nur wenige Erdgeschosse blieben seit der großen Ueberschwemmung vom Jahre ,83o etwas feucht. IX. Landstraße. Dieser Bezirk, von der inneren Stadt westlich durch daS Glaeis getrennt, nördlich durch den Donau-Canal und östlich durch den Linienmall begränzt, südwestlich aber an denWüd- nerbezirk stoßend, gehört im Ganzen zu den schöneren und zugleich zu den hoch und gesund liegenden Bezirken, wobey jedoch die an dem Donau-Canale gelegenen Theile von Erdberg und den Weißgarbern hiervon durch ihre tiefe, den Uebsr- schwemmungen der Donau ausgesetzte Lage, eine Ausnahme machen. Er wirb in 3 Grundgerichte getheilt, und enthält 35,>3, Einwohner in>,ibi Häusern, — Zahl. Nahme der Gründe, j Zahl der Häuser. Zahl der Einwohner- L 2 3 Landstraße..... Unter den Weißgärbern Erdberg 6sZ ic>8 28,57a 1,872 7,687 z Zusammen >.> öi 34,lZ>. Die Landstraße selbst, durch den Wienerneustadcer- Schiff-Fahrts-Canal der ganzen Länge nach durchschnitten, wird durch ihre schone hohe Lage, die vielen und schönen Garten, das gute Trinkivaffer, die Schönheit und Reinlichkeit des größeren Theiles ihrer Straßen und Gassen, in welchen sowohl Beleuchtung als Unraths-Canale und zum Theile Päasteriing und Trortoir vorhanden sind; ferner durch die Schönheit und Geräumigkeit der Mehrzahl der Häuser, die Pracht der Pallaste und öffentlichen Gebäude, die sich hier befinden, so wie durch dieLebhafügkeit, die durch die Hauptstraße und den großen Verkehr mit Ungarn entsteht, zu einer der gesundesten schönsten und angenehmsten aller Vorstädte erhoben. Die Bewohner gehören dem größeren Theile nach, den wohlhabenden und gebildeten Ständen an, und besonders wohnen hier viele Beamte, Gewerbs- und Fabriksieute. Weniger ausgezeichnet sind die anderen beyden Gründe dieses Bezirkes: Erdberg und der unter den Wsi ß- g ar b e r n welche am Donau-Canale niedrig liegend und großem Theils den Ueberschwsmmungsn desselben ausgeätzt, eine weniger gesunde Lage haben. Sie sind ungspstasterr und- zum Theil selbst ohne Beleuchtung, die Häuser aber mehren- theils schön und zweckmäßig gebaut und häufig von Gärten umgeben; anderntheils aber klein, unansehnlich und rn den Erdgeschossen feucht. Die Einwohner gehören der Mehrzahl nach den unteren und ärmeren Volksclassen an, besonders zu Erdberg, wo der größere Theil aus Taglöhnern und solwen Personen besteht, welche von Handarbeit ohne bestimmten Erwerb leben; auch finden sich auf diesen Gründen viele Küch-ngärtner, Fuhrleute u. dgl. Mir gutem Trinkivaffer sind diese Vorstädte hinlänglich versehen. --- 2^ L. Geschichte der Epidemie. s. Im Allgemeinen. Schon früh erschienen die Vorläufer der in Rede stehenden Epidemie, und wollte man ihre Spuren bis zum ersten Beginnen verfolgen, so dürften sie schon in dem Gange der Krankheits-Constltutjonen mehrererJahre zu finden seyn. Schon seit einigen Jahren hatte der herrschende Genius der Krankheiten den Verdauungs-Apparat zum vorzüglichen Herd jeder erscheinenden Krankheirsform, und so die Vorbereitung für die jetzige Epidemie gemacht; und wenn gleich nach den Veränderungen der Jahreszeiten, der Wltterungs-Con- stitution, der veranlassenden Ursachen in einzelnen Fallen, der Körperbeschaffenheik der Ergriffenen u s. w., die gastrischen Krankheitsforme» bald mit diesen, bald mit jenen Krankheiten wechselten, bald diesen, bald jenen Characrer zeigten; so wichen sie doch nie vollkommen, und bezeugten zum mindesten durch Complicirung und Modificirung aller vorkommenden Krankheitsformen ihre Wichtigkeit und den Charakter der stehenden Krankheits° Constitution. Schon im Herbste i83o begann dieser gastrische Charakter adynamisch- nervös zu erscheinen; und obwohl er rm nächsten Winker bey einem stärkeren Hervortreten der endemischen Krankheits-Constitution von einem cakarrhos- rheumatischen zum Theile zurückgedrängt wurde, so war er doch weit entfernt ganz zu weichen; bewies vielmehr seineMachr sowohl durch Complicirung der leicht entzündlichen catarrho- sen und rheumatischen Krankheiten, mit welchen vereint er oft als Rothlauf erschien, als auch durch Modificirung ihres Verlaufes, ihrer Dauer, Entscheidung u. s.w. und nicht minder durch hartnäckige Nachübe! der vorausgegangenen Herbstwechselfieber, besonders Anschoppungen der Baucheingewsi- de u. dgl. Gegen Ende des Frühlings i83r stellte sich un- gcmein häufig ein katarrhalisches, bald steberloses, bald fieberhaftes Leiden der Sch eunhaute der Nasen- Mund- und Rachenhöhle, manchmahl auch der übrigen Respirarions- Wege ein, welches die Influenza genannt morden ist. Zugleich trat auch der vorher etwas zurückgewichene gastrische Krank- heits-Character mit derselben Neigung zur Adynamle wieder deutlicher hervor; und besonders waren es nun in einer ungewöhnlichen Menge erscheinende Wechselfieber,: re leicht 38 eintretende Recidive, die Hartnäckigkeit derselben und eine fast allen Fiebern anklebende Neigung zu Jntermiffionen, welche von diesem Krankheirs-Characcer zeugten, so wie die zahlreichen Anschoppungen der Uncerleibsocgane, die schnell darauf folgende Cachepie, und sie besonders häufig vorkommenden Wassersüchten den adynamischen Characrer derselben erhärteten. Dieses war nun dieKrankheirs-Constilution, welche dem Ausbruche der Cholera unmittelbar voranging, und bey welcher der nervöse Characrer begonnen harre vorwiegend zu werden; daher waren zu dieser Zeit gastnsch-gallichte Fieber mit nervösem,Characrer sehr häufig und rafften viele als Opfer der vorlaufenden Epidemie hinweg. Zugleich erschienen aber auch Anfangs August gleichsam als gesteigerte Wirkung der herrschenden Krankpeirs-Constistution jedoch etwas häufiger als in anderen Jahren, einige einzelne Brechdurchfälle, die durch die gewöhnlich bald eintretende Schwäche, und den nachfolgenden üblen Ausgang auf das bedeutende Ergriffenseyn deck Verdauungs-Apparates und den adynamischen Charakter der Krankheirs-Constitution hinwiesen. Die ersten dieser Fälle ereigneten sich in der inneren Stadt vsm 10. bis»5, August in dem am tiefsten gelegenen nördlichen Theile derselben auf verschiedene Veranlassungen, als: Verkühlung, vernachlässigte Durchlälle und Diätfehlsr; vom»5. August aber erschienen solche einzelne Brechdurchfälle nicht mehr allein in der Stadt, sondern auch in verschiedenen und ofr weit von einander entfernten Theilen der Vorstädte auf dieselben Veranlassungen. So hakten sich am »S. August solche Fälle am Thury, im Lichtenrhal, in der Roßau; am 19. zu Margarethen; am sä- auf der Landstraße, und am 27. im Alserbezirke ergeben. Die Zahl dieser vorkommenden einzelnen Brechdurchfälle nahm zwar bis zur Mitte September nur sehr langsam zu; jedoch bedurfte es immer unbedeutenderer Veranlassungen, sie hervorzurufen. Es wuchs und verbreitete sich daher von Tag Ku Lag die Macht der herrschenden KrankheitS-Constiturion bis zu jene»! Grade, auf welchen sie als epidemisch und die einzelnen Fälle als Epidemie aufzutreten vermochten. Während daher in der zweyten Hälfte Augusts die Erkrankungsfäll« anfangs mehrere Tage von einander lagen, dann täglich folgten, so ergaben sich im September schon mehrere an einem und demselben Tatze, bis endlich mit der Mitte September die Krankheit als Epidemie erschien, und Viele zugleich ergriff. In der Nacht vom>3. auf den-4. September trat der bisher im Verborgenen angewachsene Feind mit seiner ganzen Kraft hervor, nachdem 3 vorausgegangene stürmische und kalte Regentage der herrschenden Krankheits-Consti- tution einen neuen Impuls gegeben hatten. Dieses erste Auftreten der Epidemie war zugleich ihr stärkstes, und die erste» Tage desselben vom 14. bis I l). September, können als ihr Culminarionspuncr, so wie die ersten Wochen ihrer Dauer, bis s i. Oct. als der Zeitraum der Höhe betrachtet werden, von welcher,der ganze fernere Verlaus durch beyläufig so Wochen eine zwar. allmählige, aber fortwährende Abnahme darstellte. In dieser Epoche der Höhe gestaltete sich die Krankheit in ihren reinsten und deutlichsten Formen. Complicationen mit anderen Krankheitsformen kamen äußerst selten vor, eben so selten andere Krankheirsformen für sich allein. Diese Epoche beherrschte und modificirte die um diese Zeit gewöhnliche gastrisch-gallichte Krankheits-Constitutivn in der Art, daß Statt gefundene schädliche Einfluß«, vorzüglich Verkühlung und Diätfehler, seltener Rühren, colliquative Diarrhöen, gastrisch- gallichte Faul- und Wechselfieber, sondern fast ausschließlich nur den epidemischen Brechdurchfall erzeugten; und während, bis zu dieser Epoche der Epidemie, in den bey weitem meisten Fällen immer offenbare, bedeutendere, auf das gastrische System oder Hautorgan wirkende Veranlassungen zur Hervorrufung des Brechdurchfalles erforderlich waren, bedurfte eS auf der Höhe der epidemischen Constitution bloß der geringsten Veranlassungen zur Entstehung dieser Krankheit in ihrer furchtbarsten Gestalt. Die Macht dieses epidemischen Einflusses auf alle übrigen intercurrirenden Krankheiten äußerte sich auch in dem Grade, daß sogar zu jener Zeit an anderen Krankheiten Sterbende, einige Stunden vor ihrem Tode wässerige Ausleerungen und ein den Cholera- Kranken ähnliches Aussehen bekamen; daher schwanden auch in demselben Maße, als die Cholera- Constitution an Stärke wuchs, andere Krankheitsformen; die früher so häufigen Nerven- und Wechselfieber hörten fast gänzlich auf, und nur die am nächsten verwandten gastrischen, sowohl fieberhaften als fieberlosen Zustande kamen noch häufiger vor. Von Mitte Oktober bis>5. November hat die Brech- 3o nchr- Epidemie, sowohl an Extensiv» als Intensiv,! bedeutend abgenommen, ohne an ihrer Oberherrschaft wesentlich zu verlieren. Die deutlich ausgesprochenen und heftiger verlaufenden Fälle wurden zwar seltener, aber noch immer kamen gastrische Zustände, Verdauungsbeschwerden, Erbrechen, Kollern, Durchfälle und gelinde Brechdurchfälle häufig vor, die jedoch den epidemischen Charakter schon seltener vollkommen anzunehmen vermochten. Die Brechdurchfall-Constitu- tion war daher noch vorherrschend. Verkühlungen, Diätfehler, Gemüthsbewegungen u. a. derley Ursachen wirkten noch immer vorzugsweise auf den Speise-Canal ein, und erzeugten, wenn nicht den epidemischen Brechdurchfall selbst, Loch andere, diesem ähnliche Zustände. Andere Krankheitsformen und Complicauonen wurden noch selten beobachtet. Daher diese zweyte Epoche des epidemischen Brechdurchfalles, wenn gleich die Epoche der Abnahme noch immer so vorherrschend war, daß sie keine andere Krankheitö-Constitucion neben ihr aufkommen ließ. Seit Mitte November bis Ende December, als in der dritten Epoche, hat der epidemische Brechdurchfall inWien nicht nur am Umfangs und Heftigkeit auf das merklichste abgenommen, sondern er sing auch an, seinen ursprünglichen Charakter einzubüßen und sich nur andern, in dieser Jahreszeit gewöhnlichen KrankheitSformen zu vermischen. Die Fälle, wo der epidemische Brechdurchfall seine ganze Kraft und eigentliche Beschaffenheit entwickelte, wurden sehr selren.und gewöhnlich durch solche schädliche Potenzen veranlaßt, die ihren ätiologischen Verhältnissen zu Folge, zuvörderst das gastrische System heftig afffciren, mithin durch schlechte Nahrung und starke Diäcfehler, und selbst noch unter diesen Uniständen erfolgte eins energische fieberhafte Reaction; daher gastrische bilioft Fieber, die in der ersten und zweyten Epoche fast fremd wurden, wieder zum Vorschein kamen. Verkühlungen, die noch vorher so häufig den epidemischen Brechdurchfall zu erzeugen pflegten, ergriffe» nun vorzugsweise die Schleimhäute der Respirationsorgane, die serösen und fibrösen Gebilde, die allgemeinen Bedeckungen, und erzeugten daher nicht sowohl Krankheiten der ersten Wege, als vielmehr katarrhalische und rheumatische Leiden, unt oder ohne Fieber, Rippenfell-, seltener Lungenentzündungen, katarrhalische Diarrhöen, den Scharlach, Gesichtsrothlauf, die nicht so leicht in Cholera ausarteten. So kamen in der ersten und zweyten Epoche hau- 3. fig Falle vor, wo Individuen, nachdem dieselben schc-n öfters an Lungenentzündungen g-lirten, und sich bey verschiedenen mechamschen Verrichtungen etkühlt hatten, den gewöhnlichen ätiologischen Verhältnissen zuwider, statt ein- pneumonischen und pleuririfchen Leidens, vom epidemischen Brechdurchfälle ergriffen wurden. Dü se Fälle ereigneten sich in der dritten Epoche höchst selten, oder gar nicht mehr, zum Beweise, daß die allgemeine Anlage zum epidemischen Brechdurchfälle auffallend vermindert wurde, und daß die um diese Jahreszeit herrschende gemeinschaftliche Disposition zu katarrhalisch- rheumatischen Leiden, nun wieder die Oberhand zu gewinnen begann. Merkwürdig war dabey auch der Umstand, daß die katarrhalischen und rheumatischen in der dritten Epoche vorgekommenen Leiden, und viele andere acute Krankheitsformen sich häufig mit einzelnen Symptomen des Brechdurchfalls koinvlicirten und von diesem so zu sagen einen Anstrich erhielten. Es kamen daher katarrhalisch-rheumatische Fieber vor, bey welchen ursprünglich oder in der Folge Schwindel, Erbrechen, Durchfall, selbst leichte Krämpfe in den E.rtremitä- ten erschienen sind, und somit dem ganzen Krankheitsbilde das Gepräge des epidemischen Brechdurchfalles aufdrückten; allein bald verschwände» diese Symptome, und die ursprüngliche Krankheitsforin machte nun wieder ihren reinen ungestörten Verlaus. Dasselbe wurde bey vorkommenden Wech- seifiebern, bey Lungen- Gedärm- Rippenfell- und Bauchfell-Entzündungen und bey Nervenfiebern beobachtet. Diese Kranheitsfälle waren deßhalb merkwürdig, weil sie gleichsam die Wendepunkte der einen Krankheits-Constiturion zur andern, den Kampf zwischen beyden, den Uebergang der epidemischen Brechruhr-Constitution in die katarrhalisch- rheumatische darstellten. Daher kamen auch häufig in dieser Epoche jene Mittelfälle vor, bey welchen die Diagnose oft deßhalb schwierig wurde, weil Man nicht unterscheiden konnte, ob die Krankheit der einen oder der anderen Krankhelts-Eonstitu- tion angehörte; insbesondere fand dieses bey gastrischen Fiebern mit Cholera-Zufällen begleitet Statt, wo es Anfangs zweysAhaft war, ob die Krankheitsforin als kebris Aastrics vum nota olioleries, oder(lliolors ouin not» Aastrios benannt werden sollte. Solche einzelne Fälle schienen beyde Krankheits- Constitutiomn in sich zu vereinen, und von der einen den cholerischen Anstrich, von der andern die — 32— fieberhafre immer deutlicher hervordringende Reaction zu p.>rticipiren. AuS diesen und den weiteren Beobachtungen wurde die klare Ueberzeugung geschöpft, daß endltch gegen Ende December die epidemische Brechdurchfalls- Constitution von der jährlichen katarrhalisch-rheumatischen Krankheits-Constitution allmählig verdrängt worden, und in diese mit gänzlichem Erlöschen der ersteren übergegangen sey, und obwohl auch nach dieser Zeit noch mehrere einzelne Brechdurchfalls sich einsan- den, so' erfolgten dieselben doch, so wie es im Monarhe August gewesen war, nur sporadisch auf bedeutendere veranlassende Schädlichkeiten. Der letzte dieser Fälle, mir welchem für dieß mahl die Krankheit erlosch, ereignete sich im Al- serbezirke am 8. März;, nachdem seil längerer Zeit—am»2. Februar— keiner mehr vorgekommen war. Den summarischen Ausweis über die von Tag zu Tag, von Woche zu Woche und von Monath zu Monath erfolgten Erkrankungen, Genesungen und Todesfälle an der epidemischen Brechruhr in der Stadt und in den Vorstädten liefert, nach den in den öffentlichen Blättern geschehenen Kundmachungen, die angebogene Tabelle I! als Beleg zu dem eben beschriebenen Gange der Epidemie. d. In den einzelnen Bezirken. Der vorher angeführte Gang der Epidemie zeigte jedoch einige Verschiedenheit in den einzelnen Polizeybezirken.*) Nicht überall traten zu derselben Zeit die Zunahme, Höhe und Abnahme der Epidemie ein, als sich dieses im Ganzen nachweisen läßt; im Gegentheile schien die Epidemie erst dann einen sBezirk mit ganzer Gewalt zu ergreifen, wenn sie in einem anderen bereits abzunehmen begann; demungeachtet zeigte sich die Wirkung der epidemischen Krankheits-Constitution eben so deutlich in jedem einzelnen Bezirke, als sie sich»n Ganzen nachweisen läßt. Obschsn daher die Epidemie m den einzelnen Bezirken in Bezug auf Heftigkeit, Anfang, Höhe, Abnahme, Dauer und das Ende derselben sich verschieden gestaltete; so ergibt sich dennoch in allen eine bis in die Monathe September und Oktober bemerkbare Zunahme, eine in Am Ende dieses Abschnittes folgt eine Tabelle über den Verlauf der Epidemie» in den einzelnen Polizeybezirken. Z — 33 diese Monathe oder nicht fern von denselben fallende Höhe, und die von da beginnende und andauernde Abnahme derselben. r. Innere Stadt- Die ersten Fälle hatten sich in der inneren Stadt ergeben, und zwar am»v. August in dem nordwestlichen Theile, dem sogenannten Elende. Am ,3.-4. und>S. desselben Monathes folgten drey andere in derselben Gegend, und von nun an mehrere einzelne Fälle von sporadischer Brechruhr(deren Zahl jedoch nicht aufgezeichnet wurde) von Zeit zu Zeit, bis in die Mitte September, wo in der Nacht vom>3. auf den 14. der heftige Auöbruch geschah. Dieser Tag wurde daher als der Tag des Anfanges der Epidemie in der inneren Stadt angenommen, und sie erreichte bereits in den folgenden fünf Tagen, d. i. vom» 5. bis 1 4. Sepr., ihre höchste in-und extensive Starke, an welchen Tagen zusammen 4y>,— daher im Durchschnitte täglich 46—erkrankten, und 208— daher in» Durchschnitte täglich 4»-starben;4och fieldieZahl der Erkrankungsfälle, ivelcheam»5. Sept.-122 betragen hatte, bereits am>8. September auf 102 herab, sowie sich auch die Zahl der Sterbefälle, welche am i5. tes>elben Monathes 5b erreichte, am»8. um 6 verminderte. Erst vom sv. September an, war der Anfang einer durch die folgenden 14 Wochen— bis Ende December-—- ununterbrochen fortwährenden Abnahme bemerkbar. Nach dieser Periode ereigneten sich zwar noch von Zeit zu Zeit, aber nach immer größeren Zwischsnräu- men einige Erkrankungsfälle; welche aber, da sie nur einzeln und jederzeit auf besonders heftig eingewirkte Gelegenheitsursachen zum Vorschein kamen, als sporadische Brech- ruhr-Erkrankungen angesehen worden sind. Das gänzliche Ende erreichte die Krankheit in der inneren Stadt mit 4. Februar, wo der letzte Kranke starb, nachdem seit 3».Jänner kein Fall mehr vorgekommen war. Den Verlauf der Epidemie in Ansehung der von Tag zu Tag, Woche zu Woche, Monath zu Monath vorgefallenen Erkrankungen, Genesungs-und Sterbefalle, sowohl in der Stadt als auch in den Vorstädten stellt der nachfolgende summarische Ausweis sub li dar./ —. 3h.— V. Summarischer der am epidemischen Brechdurchfalls Er« gestorben: ,83i - -i? '7 >5. >22 45 127 11> >00 r-7 40 33 24. 3D 5o 6i 28. 28 t>5 4 45 37 1„4^<^74 z 352 494§>3boj 270', VUM Octvv. 37 32 53 42 4» -- 43 24 »6 SS 35 72 3y 36 43 - 69 09 t- 72 72 ?3 4o 20 79 11> 3y . . »0 is 38 53 >4- 3* 35 Ausweis, «rankten. Genesenen und Gestorbenen. Von Woche'zu Woche erkrankt: genesen: gestorben: Stadt. Vorstädte. 2 Stadt. Vorstädte. Zusammen. L Vorstädte. Zusammen. 4- S90 229 y5 -74 2-3 64 296 4SZ 764 442 3y> 509 39 184 SS 16S 68 63 47 282 -8ä 876 287 89 4» 66 69 160 253 3»3 -58 274 « 22 gestorben: Octov ly 23 24 2? 28 20 So Sum Rov 23 28 4b >8 23 27 rn. ib >4 -3 >4 Z7 Von Woche zu Woche G 4- iS 3o -3 K L !S 3y3 384 3ir 281 291 434 899 3r5 281 2t>4 «4 -7 23 78! 164 188 r66 ic>3 118 242 179 190 >4» gestorben: V K 216 SL> 18S I2§ 6. 226 228 >88 rs6 84 '9. 38 >83>. Won Tag zu Tag Nvv. -7- ,8. >y. 20. 21. 22. 2g. 24. 25. 2b. 27. 28. 2Y. 3o. Sum. Dec. 2 3. 4- ö. b. 7- 8. 9- >0. >>. 12. ,3. >4- iS. 16 '7- >8. erkrankt: genesen: gestorben: G 22 '4 ,5 iS '9 ,8 , 1 '9 ,4 id >9 >4 10 >O 28 >5 :8 ib >9 2V I I -9 >5 >S >>> >4 12 >0 G N L cÄ N es 9 >4 24 >3 >5 >7 6 ic> 5 '9 b , 2 13 > 1 >3 16 25 >4 >b 2o 7 7 '9 b i3 >4 12 I> 9 12 ö 10 8 7 2 6 II 3 9 5 I l 10 i5 3 7 >8 b 4 2 7 7 8 5 4 II 8 22 i3 > 1 >8 4 7 2> 6 5 2 7 9 8 b S 11 .9 22 788^ Sy^ 429! 488^ b^ 34b! 38 3.) gestorben erkrankt: - .34 »8 7" .10 is. 43 43 96 77 ! I. 23 7S 83 23 43 r8 - -4 A 22 Zusammen. 40 Lon Tag zu Tag erkrankt: geneien: i83> - -3. 24. 20 27 28 29 3o 8^ y5!>«3^ 17^ 186 2o5l Sum i83r Jan -7 >y > 4- Von Woche zu Woche erkrankt: 3o >S. — 42 »0. Von Lüg zu Tag .8Z2 I«un »6. »7 3o. S>. s! 26I 3,j 3! 7t ü'evr 10. >3. 1». rS. '7 'y 20. 2l. -3. Zusammen. 43 Von Woche zu Woche erkrankt: genesen: gestorben: -- ,7^ en 20 22. 24- » r — 44— Bon Tag Z zu Tag -832. W erkrankt-. ^ genesen: -' gestorben: W Z Vorstädte.^ Zusammen. Stadt. Vorstädte. Zusammen. Stadt. Vorstädte. 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Der erste auffallende Brechdurchfall ergab sich bey einem 53 Jahre alten, armen, dem Lrunke ergebenen und schwächlichen Manne am ich. August, welchem sein»jähriger Sohn folgte, der bereits einige Tage unwohl über den zähen Tod deS Vaters sich einsetzt und Diätfehler begangen hatte; doch dauerten zu dieser Zeit die Ruhten und Nervenfieber noch fort, und jene Falle beurkundeten nun eine, immer inehr sich bildende allgemeine Geneigtheit zum Brechdurchfall. In der Nacht vom 7 auf den 8. September folgte der dritte Fall auf euien durch Verkühlung erzeugten und vernachläßigten Durchiall, und am-3. bey einem verrufenen Trinker der vierte» Vom»3. September nahm die Zahl dev Erkrankungen, wenn gleich mit Abwechslung in den einzelnen Tagen, doch in unverkennbarer Stufenfolge in den folgenden Wochen fortwährend bis zum»y, so. und 2». Set. zu, an welchem Tage sie die größte Stufe erreichte, von welcher sie dann bis zum 3o. December, wo der letzte Erkrankungsfall sich ergab, allmählig sowohl der Extensität als der Intensität nach wieder abnahm, daher nun nicht nur überhaupt wenige Fälle zum Vorschein kamen, sondern auch unter diesen viele gelinde sich befanden, so daß die Zahl der Genesenen die der Gestorbenen mehr und mehr auszugleichen anfing. Im Monathe September war es besonders der östliche Theil des Bezirkes, welcher von der Epidemie am meisten zu leiden hatte; im Monathe Oktober, November und December schonte sie ihn aber auffallend, und wandte ihre ganze Stärke auf den westlichen Theil. Als Central-und Ausgangspunkts derselben kann aber die Trappelgasse, und besonders das Haus Nr. 3y5 in derselben, worin 33 Erkrankungen vorkamen, angesehen werden. Zugleich fand in diesem Bezirke ein dreymahliges periodisches Auflodern um die Hälfte eines jeden MonarheS Statt, zu welcher Zeit sich immer die heftigste» und gefahr- 48 lrchsten Fälle einfanden, während in den ersteren Tagen jeden Monathes gelindere Falle sich ergaben. In Ansehung der Reinheit behielt die Epidemie nur im Monathe September und in der ersten Hälfte Oktober ihre vollkommene Reinheit, und ohne einen Neben-Character anzunehmen, verbannte sie zu dieser Zeit völlig jede andere Krankheitsform aus dem Bezirke; in der zweyten Hälfte Oktober und Anfangs November nahm sie einen entzündlichen Neben-Character an, und es gesellten sich Congestwnen, Wallungen, entzündliche Beschaffenheit des BluteS, selbst Entzündungszustände, besonders der Leber und der Hirnhäute hinzu. In der zweyten Hälfte des November erwachte der endemische, catarrhös- rheumatische Charakter, und begann selbst, besonders im December, die Oberhand zu gewinnen, bis die Brechruhr-Constitucion endlich gänzlich allmählig in denselben überging. Im Ganzen war in diesem Bezirke die Epidemie gelinde, da sie verhältnißmäßig nur wenige, nähmlich bey 55,226 Einwohnern nur 566, daher von jedem Tausend 10, 24 ergriff, und nur3o3, mithin von jedem Tausend 5, 48 hinwegraffce. Die größte Anzahl von Erkrankungsfällen ereignete sich am 19., 20. und 21. Oktober, an welchen 3 Tagen zusammen 60, mithin im Durchschnitte täglich 20 Personen er- krankten;doch betrug die Zahl der Erkrankten am»9.Oktober 22; am 20. und 3r. Oktober so. Ueber die Zahl der von Tag zu Tag, Woche zu Woche und jedem Monathe erfolgten Erkrankungen in diesem Bezirke gibt die folgende Tabelle eine Hauptübersichr. 4 — 4y— Hcruptübersicht der in dem Polizeybezirke Wieder, vorgefallenen Erkrankungen und zwar: Datum. An einzelnen Tagen der Monathe. August. September. Dctober. November, December. 1 2 s 4 9 6 - 8 9 »o ti >2 .3 >4 »5 ib '7 ,8 >9 24 7 12 4 > 1 ,2 22 20 >8 >2 4 ic> > r 9 ti >2 8 5 20 329 5 '4 11 »4 9 6 7 to 6 7 7 4 6 9 4 2 2 6 9 2 2 3 2 3 >64 So Zahl der Wochen. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 >1 ,2 -3 >4 >8 ,6 ^7 -8 -9 20 In einzelnen Wochen. Dom>6 » 23. 3o. 6. »3. » » » so. » 27. Zahl der Monathe. 4- II. IO. » 25. » I. » 8. »»5. V 22. » 29. » 6. »'3. » 20. » 27. August bis »» Septb.» »» »,» »» Octob.» ' V» s A Nov. Ä Dec. s3. August 3o.» .6. Septb. i3.» 20.» 27.» 4. Octvh. 11.» 18.» 2S.» >. Nov. 8.» i5.» 22.» 29.» 6. Der. l3. N 20.» 27.» 3. Iän. Zusammen Erkrankte.' In einzelnen Monathen- 2 26 18 4> 78 64 9» 7» SS 4? sg '7 4 L 2 566 Erkrankte. 1 2 3 4 ,S August-»° September.- Oktober.-- November.- December.- 67 3s5 >64 3 zusammen öSS -— Si 4* Z. M a r i a h i l f. Im Bezirke Mariahilf erschienen die ersten Falle der Brech rühr mit den ersten(nähmlich am 2. und 3.) Tagen des Sept., dann nach längeren Zwischenräumen am 9. iS. 1b.17.und 19. September einzelne Fälle. Erst mit b. Oktober begann eine mit abwechselnder Zu- und Abnahme an einzelnen Tagen fortdauernde Reihe von Erkrankungen, bey welchen vom 3. bis 9 Norember der als Höhe der Epidemie, die größte Anzahl sich ergab, von welchem Zeitpuncte ihre Zahl wieder abzunehmen begann, bis am dritten Jänner 183». die letzte derselben erschien, und mit 4. Jänner die Krankheit ganz aus diesem Bezirke verschwand. Die meisten Erkrankungsfalle ergaben sich wahrend der Höhe der Epidemie vom 3. bis 9. November, an welchen 7 Tagen zusammen stb, mithin im Durchschnitte täglich b Personen, erkrankten; die größteMenge der an einem Tage Erkrankten war 9. welche am 3. und 4. November sich ergab. Im Ganzen war aber hier die Epidemie sehr gelinde und zwar am gelindesten von ollen Bezirken Wiens, indem von 36,968 Einwohnern nur 199, mithin von jedem Tausend nur 5,3844 Personen erkrankten und nur 107, mithin von ,00» nur 2, 8981 starben. Auch hier wird über die Zahl der von Tag zu Tag, Woche zu Woche und in jedem Monathe vorgekommenen Erkrankungen eine Hauptübersicht in der folgenden Tabelle beygefügt. Haup tübersicht der in dem Pslizeybszirke Marrahilf vorgefallenen Er krankungen und zwar: Datum. An einzelnen Tagen der Monathe. Septem. her. L>ctober. November. December. Jänner. r s 3 4 5 ü 7 8 y is > i >2 ,iZ -4 -s 46 '7 ,8 >9 20 re 22 s3 -4 «5 r6 S7 28 2Y 3o 3e Zusammen-9 3 2 2 2 4 2 4 2 I s 8 5 3 7 3 S 4 4 r 1 4 2 » 7 87 9 9 7 4 3 6 8 2 3 79 ,3 In einzelnen Wochen Lochen. s 3 4 s 6 7 8 9 10 >> 12 ,3 >4 >5 >6 >7 18 Dom 3». August » 6. Sept. »>3. r> » 20. r> r> 27.» » 4- Ort. VII.» » 18.» » 25.» » 1. Nov. » 8.» >» 18.» » 22.» V 2Y.» » 6. Dec. » i3-» » L0.» » 27.* bis 6. Sept. » i3,» » 20.» » 27. r> » 4. L>ct. » 11.» » 18.» » 28.» » Nov. v 8.» » 15.» » 22.» » 2Y-» « 6. Dec. » 13.» » 20.» » 27.» >1 3. Jan. Zusammen Erkrankte. 2 8 12 >4 27 27 16 33 19 1> 9 6 3 1 L » 199 Zahl der Monathe. In einzelnen Monathen. Erkrankte. 1 2 3 4 8 September- October November...... December...... Jänner....... >9 87 7s i3 Zusammen >99 4- St. Ulrich. Ziu Bezirks St. Ulrich erschien der erste der Brech- rühr verdächtige Fall am>4. August. Erst»4 Tage später, mithin zu Anfang September, folgte ein, und in der nächsten Woche ein zweyter ähnlicher Krankheitsfall, von welcher Zeit an die Zahl derselben aber rasch überhand nahm, so daß die Epidemie schon in den nächsten 2 Wochen, besonders in der sechsten—7 vom>8. bis 24. September— ihre Höhe erreichte, von welcher sie dann durch die Monathe Oktober, November und December nur allmählig wieder abnahm, bis sie mit s». December ihr Ende erreichte. Auch hier war stm Ganzen die Größe und der Charakter der Epidemie gelinde, so daß das Verhältniß der Erkrankungen und Sterbefälle zur Gesammtzahl der Einwohner sich fast eben so günstig, als zu Mariahilf stellt, indem von 47,762 Einwohnern nur 277, mithin von 1000— 5,7998 erkrankt, und 16b, mithin von r ooo—3,4546 gestorben sind. Die meisten Erkrankungen kamen während der Höhe der Epidemie vom>8. bis 24. September vor, in welchen 7 Tagen 62, mithin im Durchschnitte täglich 9 Personen erkrankt sind. Die Zahl der Erkrankungen in den einzelnen Wochen ist folgende: Zahl der Woch. Ieitrau m. Erkrankte. 1 2 3 4 s 6 7 8 1 ro 11 12 >3 '4 ,S >6 17 13 >4 Vom>4- August bis 21. August. 21.- 28.- 4- Septb. 11.- ,8.. 25-- 2. Octob. 4-- >6-- 2Z> 3c».- 6. Nvv. »3.- ro.- »7. 4, II.» i3,- 28. 4. September. 11.- 18. 2. October- 9.- 16- r3.» 3o.» ü. November. >3.; ro., r7.- 4. Decsmb«. 11.« 13.- 2 s. Zusammen i 1 3i 6» rg 21 20 25 25 24 8 9 8 10 2 2 » 277 ÄS 5. I e s e p h fl a d L. Im Bezirke Josephstadt hatten sich in' den Monathen July und August häufige Nervenfieber, und im letzteren dieser Monathe nebst diesen mehrere einzelne Fälle von sporadischer Brest-ruhr als Verbothen der nahenden Epi- demie eingefunden. Der erste dieser Fälle betraf ein zu Krämpken geneigtes, 26 Jahre altes Weib am 5. September, welcher am 6. desselben Monaths als zweyter Fall eine 33 Jahre alte Magd in demselben Hause folgte, die einen schwächenden Durchfall vernachlafiigt hatte. Erst am-5. September ereigneten sich, und zwar an 3 von einander entfernten Orten, drey, und am 17. eine Erkrankung in diesem Bezirks. Von dieser Zeit nahm die Zahl derselben fortwährend, obwohl mit schwankendem Steigen oder Sinken in den einzelnen Tagen bis zur 5. und 6. Woche zu, wo sie besonders vom 7. bis n., und am 22. und 23. Oktober den höchsten Stand erreichte, von nun aber allmählig abnahm, bis sie am 3. Jänner mit dem letzten Todesfalls gänzlich erlosch, nachdem seit 3o. December kein Kranker mehr zugewachsen war. Die meillen Erkrankungen ereigneten sich wahrend der Höhe der Epidemie vom 7. bis»1. Oktober, an welchen 3 Tagen 35, mithin im Durchschnitte täglich 7 Personen erkrankten; doch betrug die Zahl der Erkrankungen am 8. und 9., ferner am 28. Oktober jedesmahl 9, am 22. Oktober aber ro, als die größte Summe der täglichen Erkrankungsfälle. Jm Ganzen war der Charakter der Epidemie milde und ihre Ausdehnung nicht bedeutend. Es sind von 2?,935 Einwohnern(wo die von Währing nicht eingerechnet sind), nur 247, mithin von jedem»ooo— 8,84 erkrankt, und, r4, folglich von ic>oo—4,08 gestorben. Ueber die Zahl der von Lag zu Tag, Woche zu Woche Md in jedem Monath- sich ergebenen Erkrankungs- fälle gibt die folgende Tabelle eine Hauptübersicht. HaupLübersicht Per in dem Pvlizeybezirke Iosephstadt vorgefallenen Er- ! An einzelnen Tagen der Monarhe. Datum- 'September. Oktober. November. December. Jänner. > s 3 4 5 6 7 8 9 >o i l I 2 >3 -4 ,5 ,6 >7 ,8 iy 20 2» 22 -3 2- i 25 26 »7 «8 2Y 3o 3- 2 2 3 2 1 3 2 3. 6 3 3 3 6 Zlisammsn 43 1 ! 3 4 K 2 7 y 9 3 7 3 4 2 5 4 3 4 3 3 3 >a 9 3 » 2 5 2 3 r >20 S7 27 2? Zahl der Wochen. In einzelnen Wochen. Erkrankte. 2 3 4 s 6 7 8 y ic> i> 12 ,3 -4 iS il> 17 Sept. bis Von, ii. » 18.»» » 25.»» » 2. Octob.» » y.»» » 16.»» » 23.»» » 3o.»» 6. i3. 20. 27. 4. II. 18. 2S. I. Novemb.» Decemb.» »» »» »» 18. Sept. 2 9.» 2. Oktober. y.» 16.» 23.» 3o.» 6- Novemb. i3.» 20.» 27.» 4- Decemb. 11.» 18.» 25.» i. Jänner. 8.» Zusammen 9 18 '7 32 3i 3o 22 >4 -7 9 i3 12 4 16 2 1 247 Zahl der Monathe. In einzelnen Monathen. Erkrankte. r 2 s 4 September Oktober....... November..... December...... 43 Z20 S7 27 Zusammen 247 — S8— 6. l f e r b e z i r k. Auch im Alserbezirke nahm, so wie in den übrigen, die Brechruhr- Epidemie ihren Anfang mit dem Vorkommen häufiger Erkrankungen an dem sporadischen Brschdurch- falle, von welchen zuerst am 2. Seprember ein mit allen charakteristischen Erscheinungen der epidemischen Brechruhr vorgekommener Fall nach vorgenommener Seclion der Leiche als solcher anerkannt, und von diesem der Anfang der Epidemie in diese!» Bezirke gerechnet wurde. Sehr allmählig war die Zunahme der Erkrankungen bis zum 6 Oktober, bis wohin, außer am 28. September, an welchem Tage die Anzahl der Kranken auf 6 stieg, nie mehr denn 3 Personen an einem Tage befallen wurden; dann aber griff die Krankheit stärker um sich, so daß in r3 Tagen, vom 6. bis iq. Oktober, den Zeitraum ihrer Höhe, 63 Personen, mithin im Durchschnitte täglich zwischen 6 und 7 Personen ergriffen wurden. Von nun an folgte eine der allmähligen Zunahme ähnliche Abnahme, und währte bis 16. November, von welchem Tage die Krankheit wieder nur sporadisch bis zum 28. December in einzelnen Fällen fortdauerte. Vom o.9. December bis 9. März des folgenden Jahres kamen in diesem Bezirke nur in Herr- nals 6, innerhalb der Linie aber keine Erkrankungfälle vor; an dem genannten Tage aber erschienen wieder in der Alservorstadt 2 Fälle in einer Familie, wo die Krankheit in ihrer ganzen Stärke auftrat und beyde rOpfer dahinraffte, doch blieb dieß Wiedererscheinen der Cholera ohne Folgen. Die Brechruhr durchlief daher, wie aus dem folgenden summarischen Ausweise über die Erkrankungen von Tag zu Tag, von Woche zu Woche und in jedem Monathe hervorgeht, in diesem Bezirke ebenfalls als Epidemie den Cyclus einiger Wochen, in welchen die Stadien der Zunahme, Höhe und Abnahme deutlich zu erkennen waren. Die größte Zahl der Erkrankungen fällt auf den>s, Oktober mit 10, und am>o. und rb. desselben Monathes mir y Fällen, so wie sich zu dieser Zeit der Höhe auch die meisten Todesfälle, im Durchschnitte täglich 4, am»5. aber 7 ergaben. Im allgemeinen Krankenhause verfiel zuerst am r8. August ein 69 Jahre alter, einige Tage vorher mit Hä- morrhvidal- Beschwerden aufgenommener Mann in die Cholera, und'erst>4 Tage später ereignete sich auf einer anderen Abtheilung ein zweyter Fall. Von dieser Zeit an nahmen aber die Erkrankungen an Zahl zu, und erreichten in der zweyten Hälfte des Monaths September eine bedeutende Hohe. Der höchste Stand war vom 20. September bis in. Oktober, wo auS dem Krankenstands von beyläufig 2000 Patienten täglich ungefähr i s am Brechdurchfälle erkrankten. In der Alser-Caserne, wo gegen 5ooo Mann eincasser- nirt waren, währte der höchste Stand vom 28. September bis>o. Oktober, und erreichte im Durchschnitte täglich fünf Erkrankungsfälle. Währing konnte beyder gegenwärtigen Darstellung, welche bloß die Haupt- und Residenzstadt in sich faßt, gar nicht, und Herrnals nur zum Theile, vom».November an, berücksichtiget werden, weil diese Orte von den Sani- täts-Anstalten der Stadt, die größte Zeit hindurch auSge- schloßen waren. Hauptübersicht der in dem Polizeybszirke Alser Vorstadt vorgefallenen Erkrankungen und zwar: Datum. An einzelnen Tagen der Monathe. September- Oktober. November. December. Männer. Februar. März. , 2 3 4 s 6 7 8 9 >o r i -2 >3 -4 >5 >k> >7 .8 '9 2» 21 22 23 24 23 26 27 23 21) 3o 3, Zusammen 4> 7 3 7 4 y b 4 7 4 10- 9 2 5 6 2 3 3 2 2 1 2 2 2 2 1>3 1 1 2 3 1 1 28 Zahl der Wochen. In einzelnen Wochen. Erkrankte. r 2 3 3 6 7 8 9 ;o i r 12 -3 ,3 16 r? ,8 20 2! 22 23 2^ 23 26 27 Vorn 3v. » 6. » r 3. K 20. 27. 4. 1 i. 18. 2Z. N I° »' 8. » r5. V 22. >- 2Y. » 6. »>3. August bis Sept.» 20. » 27. » 3. D 10» » 17. » 2tz. ^ 3r. » 7. N l4. » 2 1. N 28. » » V L>cL. >- » Nov. V V » Dec. » >> » Jan. » N N Febr. » » . 6. Septemd. >3.» 20.» 27.» 4. Oktober. i>.» 18.» 25.» 1. Nvvemb. 8.» i5.» 22.» 2<).» 6. Decemb. i3.» 20.» 27.;> 3. Jänner. 10.» 17.» 24.» 3i.» 7.'Februar 14»» 21.» 28.» b. März. Zusammen 2 5 7 iS 18 38 4> >y 10 10 10 4 3 s s Z-Hl der Monathe. In einzelnen Monathen. Erkrankte. 1 2 3 4 ^ s 6 7 September--...- Oktober....... November December...... Jänner-...... Februar....... März 4. l.3 28 1» 5 - Zusammen 20, s — 6s 7. Roßau. Die ersten Spuren der bevorstehenden Epidemie zeigten sich im Bezirke Roßau, im Monathe July und August. Auch hier äußerte sich zu dieser Zeit ein besonderer Zonins e^icisrnicus bey allen vorkommenden Krankheiten; nervöse Fieber mit erschöpfenden Durchfeilten waren häufig, und. selten deutliche Krisen, sowohl bey ihnen, als bey anderen erscheinenden Krankheiten bemerkbar. Anfangs August traten besonders Dissenterien und Diarrhöen hervor, die zwar nicht sowohl durch Menge der Entleerungen, als vielmehr durch schnelle Erschöpfung der Kräfte ausgezeichnet waren. Zugleich ereigneten sich einzelne Fälle von sporadischer Brechruhr, die bey gemachten Sectionen bereits jene Veränderungen nachweisen ließen, welche in der Folge mährend der Höhe der Epidemie bey vorkommenden Fällen bemerkt wurden. Der erste dieser Falle am s5. August betraf eine Dienstmagd in der Roßau. Von diesem Zeitpuncte an erstreckte sich in diesem Bezirke die Periode des Beginnens der Brechruhr-Epidemie bis zur Mitte September. Der Gang derselben war Anfangs langsam, einzelne Lage blieben zwischen den ersten Erkrankungen frey, dann mehrten sich diese gegen Ende September, folgten in kürzeren Zwischen-- räumen und betrafen selbst mehrere Personen an einem Tage. In den Monathen September und October wuchs die Epidemie bis zu ihrem Culminationspuncte, welchen sie am sb. September erreichte, und auf welchem sie mit geringem Schwanken in den täglichen Erkrankungen bis zum n. Oktober stehen blieb- Sie erschien in dieser Periode in ihren reinsten Formen, andere Krankheiten waren selten, und schädliche Einflüsse die sonst diese hervorriefen, brachten fast auS- schließlich den Brechdurchfall hervor. Im Monathe November verlor die Epidemie wieder sowohl an Ausdehnung als an Intensität und Reinheit, und gegen Mitte dieses Monaths kamen schon andere Krank- heltsformen vor. Catarrhöse und rheumatische Affectionen, Rippenfell- und Lu ngenentzündungen zeigten sich, und offenbar vermochte die epidemische Krankheits- Constirution nicht mehr ihren vorigen Einfluß auszuüben, obwohl sie häufig den erscheinenden Krankheitsformen einen Anstrich ertheilte, bis endlich im Monathe December, so wie es im August war, wieder nur wenige einzelne Brechdurchfälle vorkamen und der entzündliche Charakter, welchem die Brechdurchsalls- Constitution wich, immer reiner hervortrat. Das Ende der Epidemie war daher unbezweifelbar. Der letzte Fall ergab sich am 24 December, doch erschienen nochmahls, nach einem beynahe vier wöchentlichen Stillstände und zwar am 25. Jänner 2 Fälle, ohne aber weitere Folgen zu haben. Der Characier der Epidemie blieb weder in allen Perioden der Krankheit, noch bey allen Erkrankten derselbe. Im Anfange war er, so wie wahrend der Hohe, häufig ganz rein; doch gesellte sich manchmahl ein gastrischer oder gastrisch- nervöser Anstrich hinzu und bisweilen zeigte sich selbst dre Spur eineS intermitmenden Typus. Der nervöse Charakter wurde besonders später bey heftigen Fällen, oder bey hypochondrischen und hysterischen Personen beobachtet, der entzündliche aber erst bey der Abnahme der Epidemie, alS überhaupt der Zenius epicleruieus diesen Character anzunehmen begann. Im Ganzen war die Epidemie unter allen Polizeybezirken Wiens in diesem Bezirke, sowohl in Ansehung der Ausbreitung, als in Beziehung der Intensität am stärksten, indem hier von 21,664 Einwohnern 465, mithin voii sedem 1000— 12,39 erkrankten nnd von sedem iovo derselben 11,637, im Ganzen nähmlich 233 starben. Die meisten Erkrankungen kamen, wie aus der nachfolgenden Tabelle über die Zahl der Erkrankten von den einzelnen Tagen, Wochen und Monathen hervorgeht, während der Periode der Höhe, vsm 2b. September bis 11. Oktober, vor, und beliefen sich während dieser Zeit aus ,63, daher täglich im Durchschnitte auf 10 biS 11, am 6. und »r. Oktober aber auf i3 und am 3. Oktober auf>4 Erkrankungsfälle. Eben so fällt die größte Menge der Sterbefälle auf dieselbe Periode der Höhe, in welcher 77, daher im Durchschnitte täglich zwischen 4 und 5, am S. Oktober aber ro und am S. und 6. desselben Monathes 9 starben. 64 Hauptübersicht dcr in dem Polizeybezirke Ro ßa u vorgefallenen Erkrankungen und zwar: An einzelnen Tagen der Monathe. Datum. August. September. Oktober. November. December. Jänner. 1 2 3 4 ö c> 7 8 10 11 ,2 >3 >4 >5 >6 47 18 >9 ro 21 22 23 24 25 26 27 28 -9 3a 3» Zusanm 2 1 2 2 1 4 1 r 4 s 3 3 1 2 1 3 2 4 4 r 1 3 1 1 5 6 3 5 6 S S 12 10 7 10 9 9 8 ,4 8 10 43 12 > i 8 10 -3 6 9 9 4 9 9 8 5 12 7 7 7 9 7 8 11 7 7 9 6 2 2 4.. 10 2 ,5, 3 2 3 L 3 6 4 3 2 1 3 r 3 3 4 » 3 1 r 1 r 2 i^ r 1 2 isn 12 124 267 72 8 2» Z 65 Zahl der Wochen. In einzelnen Wochen. Erkrankte. 1 2 3 4 6 6 7 8 9 >0 i» 12 i3 >4 -5 16 '7 >8 >9 20 21 22 -3 Vom 23. » 3n. » 6. v i3. » 2o. » 2.7. 4- 11. 18. 2 5, 1. 8. 15. » 22. 8 2Y. » 6. » i3.^ L 20. » 27. » 3. » io. » i7. » 2/j. August bis 3o. Auguste »» 6. Sept. »» i3.» »» 20.» »» 27.!> 4- Ottob. » Oct. Nov. » U Der. » » » Jan. » 16.» 25. I' I. Nov. 8«» i§.» 22.» 2Y.» 6. Dec. i3.» 20.» 27.» 3. Jänner. 10.» 17.» 2/s.» 3>»» 12 17 >7 18 46 bS 77 49 54 50 28 22 13 5 5 2 I Zusammen 485 Zahl der Monathe. In einzelnen Monathen- Erkrankte. 1 2 3 4 5 b August..... September.... October November.... December.... Jänner..... 12 124 2k>7 72 8 2 Zusammen. 48S 8. L e o p o l d st a d t. In dem Leopoldstädter Bezirke erschien der erste Er- krankungsfall am rS. September. Von dieser Zeit an, nahm die Epidemie fortwährend zu, bis in die t>. und 7. Woche, wo sie— zu Ende October— ihre Höhe erreichte, von welcher sie eben so allmählich, wie sie zugenommen hatte, wieder zurücksank. Vom»5. December»83» bis s3. Jänner»93s ereignete sich gar kein Erkrankungssail. Vom 24. Jänner aber an erschienen bis 12. Februar noch drey einzeln vorgekommene, mithin nur sporadische Falle von Brechdurchfall, mit deren letztem vom 12. Februar die Krankheit ihr Ende erreicht hatte. Die meisten Erkrankungsfälle kamen wahrend der Höhe der Epidemie in der b. und 7. Woche vor, in welchen zusammen 79, mithin im Durchschnitte täglich zwischen 5 und b Personen erkrankten. Im Ganzen war die Krankheit in diesem Bezirke nicht sehr bedeutend, indem von 28,448 Einwohnern 26b, mithin von jedem Lausend 8,99 erkrankten und 146, mithin von jedem Tausend 6,09 starben. Ueber die Zahl der von Woche zu Woche sich ergebenen Erkrankungsfälle gibt die folgende Tabelle eine Haupt- übersicht. 5* — 67— Die Zahl der Lrkrankungen in den einzelnen Wochen ist Zahl der Wochen. Zeitraum. Erkrankte. 1 2 3 4 s ü 7 8 9 >0 11 >2 ,3 -4 iS ,6 >7 -8 '9 20 21 22 Von,-s. Sept. bis 22. Sept » 22.»» ry.» » 29. N 2 6. Dct. 6. Oct.» ,3.>- ^ i3.» 20,» N 20. V» 2^. r> » 27.»» 3. Nov. » 3. Rov-»10.» » ro.»» 17.» »>7-»» 2-j.» » 24.»» 1. Der- » Dee-» 8.» » 8.»» ,5.» »>5.»» 22.» » 22.»» 29.» » 29.»» S. Iän. » 5. Jan.» 12.» » 12.»» 19.» » 19.»» 2Ü.» » 26.»» s. Febr. » 2. Febr.» 9.» » y'»» 26.» Zusammen.. 18 LL 23 20 32 39 40 so ,5 12 4 1 2 1 1 r 2 56 — 68— 9. L a n dstr a ß e. Auf der Landstraße ergaben sich die ersten bedenklichen Fälle am 3>.August;am r.,Z.,7- und r3. September. Am rd. September erschienen bereits 2 Erkrankungen und mir >8ten erreichten dieselben schon die Zahl von 9, und so wuchs d,s Epidemie, wenn gleich mit schwankendem Steigen und Fallen in den einzelnen Lagen, doch ununterbrochen bis Mitte Oktober, wo sie zwischen den>3. und 2». ihren Culminations-Punct erreichte. Von dieser Zeit begann wieder eine mit der Zunahme verhaltnißmäßige allmähliche Abnahme, bis gegen Ende December, und zwar a>n 27,, wo die Krankheit ihr Ende erreichte, nachdem seit 19. December Niemand erkrankt war, und die Epidemie durch ib Wochen gedauert hatte. Die meisten Erkrankungsfälle ergaben "sich zur Zeit der Hohe der Epidemie, in der Mitte Oktober, vom-3. bis rb., an Welchen 4 Tagen zusammen 4b, mithin im Durchschnitte täglich zwischen n und 12 erkrankten; doch stieg die Zahl der vorgekommenen Krankheitsfälle am 14. Oktober auf 14, am 20. auf i3 und am r5. aufsts Fälle. Im Ganzen sind von den 35,i3i Einwohnern dieses Bezirkes 884, mithin von Tausend io,93o5 ergriffen worden und von 222, mithin von 1000 Einwohnern 6,3192 gestorben. Die Zahl der Erkrankungen in den einzelnen Tagen, Wochen und Monathen weiset die nebenstehende Tabelle aus» Hauptübe rsich t der in dem Polizeybezirke Bandstraße vorgefallenen Erkrankungen und zwar: An einzelnen Tagen der Monathe. Datum, August. -September. Oktober- November. Decem- ! ber. 2 3 4 s 6 7 8 y la 11 is >3 ,5 16 >7 >8 ly 20 21 22 23 24 25 26 «7 28 29 3a 3, 1 6 2 2 8 5 6 5 -5 6 4 10 s 7 6 9 7 6 I! 6 9 6 5 la -4 >2 -a 8 4 7 -3 9 8 4 3 8 9 7 1» 6 7 6 6 6 7 3 4 4 4 2 1 s 2 3 2 1 2 1 4 1 1 Zusammen 68 246 62 Zahl der Wochen. In einzelnen Wochen. Erkrankte. 2 3 4 5 6 7 8 9 >o 11 12 ,3 i4 lö lü Dom 3c>. August bis 6. K i3. » sn. » 27. » 4. » II. »>8. N sö. Sept. Ocr. »» » 1. Nvvew-» » 8.»» » iö.»» » 22.» V » 2<). V » 6. Dec.» » r3«»>- 6. Septbr. i3.» 20. s 27.» 4. Qctob. 11.» 18.» sö.» 1. Novemb. 8.» >5.» 22.» 2g.» 6. Decemb, i3.» 20.» Zusammen.. 3 2 >3 36 4b 5» 63 5i S3 28 10 y 9 2 3 2 384 3-hl der Monathe. In einzelnen Monathen. Erkrankte. 1 2 3 4 5 August September.... Oktober..... November.... December.... 1 68 »46 62 7 Zusammen Z84 Ueber das Verhalten der Epidemie in den einzelnen Polizeybezirken gibt die nachstehende Tabelle eine leichtere Uebersicht, und bestätiget zugleich das oben von dem einzelnen Bezirken in Bezug auf die ganze Epidemie Gesagte. Nahme des Pvlizey- Bezirkes. Anfang der Epidemie. Höhe der Epidemie: Erloschen der Epidemie. Dauer der Epidemie. von Kis Dauer derselben. Höchster Stand am H Z§ 'Z Jmi. Stadt- Wieder«. Mariahilf. St. Ulrich. Joscphstadt. Alservorstadk. Roßau. Leopoldstadk. Landstraße. Allgemeines Krankenhaus, «st. Sept. 17. August. 2. Sept. >st. August. 5. Sept. 2.» 25. August. ,5. Sept. 3«. August. 18.» «5. Sept. «y. Octob. 3. Nov. «8. Sept. 7. Octob. 6.» 26. Sept. 27. Octob. -3.» 20. Sept. 20. Sept. 22. Octob. 9. Nov. 2st. Sept. 11. Octob. 19.» 11.» 3. Nov. 20. Octob. is.» 6 st 7 7 5 i3 16 7 7 18. Sept. iy. Octob. 3—st. Nov. 22. Octob. iS.» 3.» ist.» 122 22 d 10 10 ist st. Febr.>882 st. Jänner- 2«. Dec.i83« 3. Jan. 1882 6. März. 2Z- Jänner. >2- Febr. 27. Dec.i SZ, Wochen. 2! 20 18 -9 17 27 23 22 IÜ 72 6. Ergebnisse der Epidemie,*) Währenddem Verlaufe der Epidemie vom August ,63, bis Ma'rz ,83s erkrankten in der Hauptstadt Wien 4,3bs Personen, von welchen 2,174 genasen und 2,,88 starben. Wird nun diese Summe der Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen mit der Gesrmmtbevötkerung WienS verglichen, so ergeben sich folgende Resultate: 1. In Bezug auf die Gesammtzahl der Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen. Die Gesammtzahl der Einwohner Wiens mit Einschluß der Fremden, aber mit Ausnahme des Militärs und der zu den Pvlizeyb-zirken Mariahilf und Alservorstadt gehörigen Ortschaften: Reindorf, Rustendorf, Braunhirschen, Sechshaus, Fünfhaus und Währing, deren Einwohnerzahl allein sich auf»3,987 belauft und welche auch bey der Angabe der Erkrankungen nicht berücksichtiget wurden, beträgt 33s,,14 Seelen. ES sind daher von jedem Tausend derselben ,3,22b erkrankt und b,5g,3 gestorben, oder jeder 75ste bis 7<>ste erkranke und jeder ,5, sie gestorben. Wird aber tue Zahl der in jedem einzelnen Polizeybe- zirks Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen mit deren Einwohnerzahl verglichen, so ergeben sich aus der nachstehenden Zusammenstellung folgende Resultate über die Erten- sion und Intensität der Epidemie. *) Ueber das Ergebniß der Epidemie ist am Ende eine Ueber- sichlLtabeüe beygeschlosstn. Nahme des Polizeybezirkes. Anzahl der Bevölkerung, Won diesen sind: Es sind daher von: -H jeden 1000 Einwohu. jeden ivo Erkrankten erkrankt, gestorben, genesen, gestorben, Innere Stadt. Mieden Mariahilf. St. Ulrich Josephstadt°. Alservorstadt. Roßau... Leopoldstadt Alservorstadt Allgemein. Krankenhaus 62,435 85.226 36,yS8 47,762 27,935 26,868 21,664 28,448 38,35r 1,106 566 i9y 277 -47 201 '485 286 384 641 6y2 263 Y2 1,1 ,33 .66 1,1 ,62 292 st.4 3o3 107 166 .'4 .>35 233 >45 222 3sty 21,098 . 0-2487 6,3844 5 7yy8 8,84. y 7,8663 22,3977 6,9988 10,0127 7.896 5,4865 2,8961 3,4567 4,0809 8,08.8 10,7601 5,0970 5,7886 62,8878 46,4664 46,23»> 53,8461 32,8358 5. ,9887 43.3S93 42,1675 45,5533 37,432> 53 S335 53,7688 69,9277 46,1536 67,1641 48,04> 2 66,6406 67.8125 54,st46> Zusammen 33r,iist 4,362 2,174 2,188 >3, i3sto 6,588o 4y,8395 80,1604 74 Die Epidemie reizte demnach die geringste Ausbreitung un Polizeybezirke Mariahiif, die größte erlangte sie im Bezirke Roßau und in die er Beziehung folgen daher die einzelnen Bezirke in nachstehender Reihe auf einander, und zwar: in der Roßau die größte, in der inneren Stadt, Leopoldstadt, Wiedsn, Landstraße, Josephstadt, Alservor- stadk und St. Ulrich eine mindere, in Mariahilf ober die geringste extensive Stärke der Epidemie. Dagegen zeigte sich das Resultat in Beziehung auf die intensive Größe und das davon abhängende Sterblichkeitsverhältniß ganz anders, und das Verhältniß der Verstorbenen zu den Erkrankten wird desto günstiger, je mehr die Epidemie sich in extensiver Stärke ausdehnte; daher die Reihenfolge der Bezirke in dieser Hinsicht nicht nur eine andere, sondern beynahe eine umgekehrte von der vorigen wird, indem in der Alservorstadt die größte, in St. Ulrich eine geringere, auf der Landstraße aber und in der Leopoldstadt, in Mariahilf, Mieden, Roßau und Josephstadt, so wie in der inneren Stadt die geringste intensive Stärke der Epidemie Statt fand. Das allgemeine Krankenhaus kommt in dieser Beziehung zwischen die Leopoldstadt und Mariahilf zu stehen, und das Militärspital(wovon beyläufig Sooo Mann 165 erkrankten, und'yi starben, daher von looo—33,o erkrankt und von jedem ,oo Erkrankten S5,i5 gestorben sind) ist vor dem Civilspirale, die öffentlichen Arbeiter aber(von denen 29 erkrankt und 10 von ivo also 3g,So gestorben sind) nach der inneren Stadt einzuschalten. 2. In Bezug auf die Häuserzahl Wiens- Die gesammte Häuserzahl Wiens belauft sich auf8,623, von diesen kamen in ,,669, mithin beyläufig in jedem Sten, oder von 100 Häusern in 19,9-27 Erkrankungsfälle vor, in den einzelnen Polizeybezirken ergeben sich aber folgende Verhältnisse in dieser Hinsicht: Nahme des P 0 lizeyb e zirkes. Häuserzahl: ! Zahl der Häuser, in welchen Er- krankungs- sälls vorkamen: Von ic>o Häusern kamen also Erkrankungen vor: Innere Stadt Mieden.... Mariahilf... St. Ulrich... Jvsephstadt.. Alservorstadt.. Roßau.... Leopvldstadt.. Landstraße... ' Summa >,2>4 1,536 8y. ,,108 662 6i3 621 817 1 ,161 fid4 248 Z7 >6ö 1^2 110 208 124 141 40,6919 16,1458 6,8978 >4,8916 2>,4Z0I 17,9443 33.4943 >5,1774 I2,l447 8,62» i,6S9 19,5784 Bey Vergleichuug dieser Resultate ergibt sich, daß verhältnismäßig die größte Anzahl Häuser der inneren Stadt, weniger die in der Roßau, Josephstadt, Asiervorstadt, St. Ulrich, Mieden, Leopoldstadt und Landstraße, am wenigsten Häuser aber in Mariahilf Erkrankungssälle auszuweisen hatten. 3. In Bezug auf das Geschlecht. Da sich unter der Einwohnerzahl Wiens»S8,43o Männer und 171,570 Weiber befinden, so ergeben sich aus der Zusammenstellung dieser Summen mit der der Erkrankten, unter welchen sich 1,68c) Männer und 2,476 Weiber befinden, folgende Resultate: Benennung des Geschlechtes Männer Weiber Anzahl der Einwohner. i58,43o 171,670 Zusammen. Don diesen sind; 1,889 4,36s yi> i,r6Z 976 i,rio 2,174 2,186 gestorben. Im Vergleiches mit der! Gesamnitsumme der Erkrankten, Genesenen und! Gestorbenen befinden sich: Im Vergleichs mit den Zahlener- gebniffen der getrennten Geschlechter sind: von jeden 1000 Einwohnern der einzel. Geschlecht. von jeden ivo Erkrankten der -inzel. Gelchlecht mit. jed. 100 Erkrankten, unter>00! Genesenen, unter r»o Gestorbenen. erkrankt. gestorben, genesen. gestorben. 43,3o98 66,69^1 ,90/j3 98,09^6 44,698 5s,3oi6 11,9282 14,4>89 6,1780 7,0626 48,2268 51,0716 51,7734 48,9284 Da unter 100 Erkrankten überhaupt sich 43 Männer und 47 Weiber befinden, und unter 100 Gestorbenen 45 Männer und 55 Weiber sind, so ergibt sich, daß mehr Weiber als Männer an der Cholera erkrankt und gestorben, und daß daher jene mehr als diese dafür empfänglich waren; dagegen zeigte sich für sie die Krankheit weniger gefährlich als für Männer, da sie nur 4g, diese aber 5i Prec. ihrer Erkrankten verloren. Es war daher leichter, ein krankeö Weib, als einen kranken Mann zu retten; daher auch hier bey einer größeren ertensiven eine mindere intensive Stärke der Krankheit Start fand. Die Ergebnisse der Epidemie in Beziehung aufdie verschiedenen Geschlechter in den einzelnen Polizeybezirken und im allgemeinen Krankenhause zeigt nachstehende Tabelle: Nahme Dol-.zey- Bezirkes. Erkrankt: Daher befinden sich unter ioo Kranken: Genesen: A s L L >Ä A D A s L L <2 Jnn. Stadt Mieden Dariahilf St. Ulrich Zosephstadt Alservorst. Rvßau Leopoldst. Landstraße Alla. Kran-- kenhaus 48o s65 7S 122 >16 202 i ,55 262 626 3oi 12/, ,65 i3i io5 282 '4> 22Y 3?Y 1,106 566 -9y 277 -47 20> 48S »56 38z 64- 43,3yy6 46,8197 37,6884 44,0433 46,9635 47,76! 1 41,8556 44,9218 qo,3645 40.87Z6 56,6oo3 53,>8o2 62,8115 55,y566 53.«364 52,2388 59,i443 55,0781 5y,6354 89,1268 287 1Z2 3S 25 67 33 y6 S2 66 118 4»5 i3i S7 86 66 33 i56 S9 96 '74 6y2 -63 Y2 111 i33 66 262 111 162 2Y2 j Zusammen >,My 2,^3 4,362 43,3o58j56,694ijyllji,326j2,>74 Aus dieser Labelle ist zu ersehen, daß in jedem der einzelnen Polizeybezirke mehr Weiber als Männer ergriffen worden seyen, und zwar am meisten in Marrahilf mit 6s,3, am wenigsten in der Alservorstadr mir 62,2 unter ,oo Kranken. D,e Disposition zur Krankheit war daher überall bey den Weibern größer. Auch sind in allen Bezirken— nur St. Ulrich ausgenommen— mehr Weiber als Männer gestorben, und zwar Verhältniß,»ä'ßig am meisten zu Mariahilf, wo unter roo Verstorbenen 62,6 Weiber und nur 67,8 Männer sich befinden; dagegen am wenigsten in St. Ulrich, wo auf ioo Gestorbene nur 41,5 Weiber und 38,4 Männer kommen. 2m Allgemeinen unterscheidet sich daher das Verhältniß der erkrankten Männer zu den Weibern in den einzelnen Bezirken nicht bedeutend von dem im Ganzen angegebenen, und es kann dieses mit 48,8 Männern und 56,8 Weibern bey ioo Erkrankten als das Mittlere angenommen werden; eben so stellt sich das Verhältniß von 44,6«) Männern zu 55,3 Weibern unter ivo Gestorbenen in den einzelnen Bezirken—St. Ulrich ausgenommen— mehr minder gleich. 79 Unter ivo Genesenen befinden sich daher: Gestorben- Unter lo« Ge-I Gestorben sind storbenen befin-won>oo Kran- den sich daher:? den: Männer, s 8 s L 8 Z § N So.isio, 38.oq34 22,8252 80.8789 5o,o 88,0952 45.8468 4o,74v7 88.S260 49.8098 61,9565 77,4774 5o,o 61,9047 63, r 63! 69,2692 193 i33 4<, 97 49 63 107 63 89 2 2> 170 67 69 65 72 >26 8- >33 4>4 3o3 107 r66 11/4 r35 233 ,4s 222 46.6183 43,8943 37.383, 88.4337 42,9824 46.666 45.9227 43.4482 4o.o9o 53.38>6 86.1086 62.6,68 41.8662 8^.0178 83,3333 84,0772 56,8817 S9.9099 4o.2o83 5o. 1886 53.3333 79.808, 42.24,3 68.628 82,7093 54.7826 87.4193 35,3o3S 86,4784 84.0822 44,8161 49.6182 68,87,4 44 ü3o8 58',860 58'o?86 40,4109 59.5890 >44 208 34y 41.2607 88,7392 54,9618 84,0897 41.9o43s58.098b j978fi,2i>^2, i8L> 44,l>983s55,3oi b 51,7784 48.9284s In Ansehung der Gefährlichkeit der Krankheit für jedes der beyden Geschlechter in den einzelnen Bezirken ergibt sich aus der folgenden Zusammenstellung ein ungleiches Resultat. Wahrend sich im Allgemeinen die Größe der relativen Sterblichkeit für jedes der beyden Geschlechter nach der Intensität der Epidemie in einem Bezirke richtete, war sie in einigen: St. Ulrich, inneren Stadt, Roßau und im allgemeinen Krankenhause beym männlichen in den anderen: Josephstadt, Mieden, Leopoldstadt, Alservorstadt, Mariahilf und Landstraße, beym weiblichen größer. -- 8o— Nahme des Polizei- Bezirkes. Gestorben sind von: 100 erkrankten Einwohnern, >00 erkrankten Männern, >00 erkrank-1 ken Wei- 1 bern, I Innere Stadt. Mieden... Mariahilf... St. Ulrich.. Josephstadt.. Alservvrstadt.. Roßau..,. Leopoldstadt.. Landstraße.. Wg. Krankenhaus 87,4321 53,S33S S3,7bög 69,9277 4ü,>538 L7,>64» 48,«4> 2 56.640Ü 67,8125 64,446» 4o,so83 5», 1866 53,333 79,608» 42,2413 65,6,5 52,7098 54,7826 57,4:98 64,9618 35,3o35 56,4784 54«322 44.5i6i 49,6182 68,6714 44,6808 58,i56o 68,0766 54,0897, Zusammen.» 49,4,2» j 61,7734 j 48,9284 Die relative Sterblichkeit war daher t im Allgemeinen: für Männer, für Weiber, I am größten in derAlservorstadt, minder in St. Ulrich, — auf der Landstraße, — in der Leopolbstadt, im allg. Krankenhaus, — in Mariahilf, — auf der Mieden, e— in der Roßau, I—»» Josephstadt, I am geringst, in der inn. Stadt. St. Ulrich, Alservvrstadt, Landstraße, allg. Krankenh. Leopoldstadt, Mariahilf, Roßau, Mieden, Josephstadt, inneren Stadt. Alservvrstadt, I Leopoldstadt, Landstraße, Mieden, allg. Krankenh. Mariahilf, Josephstadt, Roßau, St. Ulrich, inneren Stadt. 4. In Bezug auf das Alter. Welche AlterSclasse der Krankheit verhältnißmaßig die größte Disposition gebothen, läßt sich aus den vorliegenden Angaben darum nicht eruiren, weil die Anzahl der Bewohner Wiens in den verschiedenen Altersstufen nicht ausgemittelt ist; daher gibt die folgende Tabelle nur die Anzahl der von jeder Alrerselaffe zwischen.0 und iv Jahren Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen, dann die Größe der Gefährlichkeit der Krankheit für jede derselben an. Im Alter erkrankt. genesen.! gestorben.^ Von 100 Erkrankten sind, daher gestorb. D, Z ! bis 10 Jahren zwischen 10 und 20» so» 3a» » 3c>> 40» 827 478 637 601 .35 2gc> Zoo 44s 174 .83 8.7 356 Z3,2..o» 3g,33oZ g 37,8733 44,4444 r>» 5c»» N 5o K 60» » 60»' 70 N über 7s 6go 635 374 220 327 2ÜS .25 49 3b3 J70 249 .71 Z2,6o86 88,2677 66,8778 77,7272! Zusammen. 4,3Ü2 2,174 2,. 88 49,446-^ Wahrend daher absolut am meisten Kranke in einem Alter zwischen 20 und 40 Jahren vorkamen, zeigte sich gerade hier die geringste verlMnißmäßige Sterblichkeit, und die Krankheit war sonach um so gefährlicher, je mehr der ergriffene Organismus von der Periode der vollen Kraft(entweder nach vor- oder nach rückwärts) entfernt, sich den beyden Gränzpunc- km des Lebens, dem Kindes oder Greisenglter näherte, und b je geringer daher die Reaction desselben gegen eine eittstan- Lene Störung seyn konnte. 5. In Bezug auf Charakter, Gewerbe rc. Auch in Ansehung des Characters, Gewerbes und der Beschäftigung tritt dieselbe Schwierigkeit ein, das genaue Verhältniß zu eruiren, in welchem die eine oder die andere Gattung der Bewohner zur Krankheit geeigneter erschien; da dieAn- zahl derselben in jeder der hierhergehörigen Rubriken sich nicht ausmitteln läßt, der Schluß aber aus der absoluten Menge der Erkrankten unrichtig ist. Die Zahl der von jeder Gattung Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen, so wie auch das Sterblichkeitsverhältniß macht die nachstehende Tabelle ersichtlich. Auf die im k. k. allgem. Krankenhause Behandelten konnte hier keine Rücksicht genommen werden, weil der Charakter und das Gewerbe derselben nicht in die Ausweise aufgenommen worden ist. Charakter, Gewerbe und Beschäftigung. Geistliche........ Adeliche........ Militärs........ Beamte und Honoratioren- Bürger, Gewerbsleuke und Künstler..... Gesellen, Lehrjungen, Dienstbothen, Fabriksarbeiter u. dgl... Taglohner, Pfründner... Andere Cathegorien... Zusammen. 8 100 32 3-2 584 1,399 97» 3-6 4 47 -3 176 728 42, -79 3,7», 4,882 4 53 -9 >3? 26s 67ü 549 187 »L- s-t 53,o 43,9-02 45,2054 46,3202 58,8979 43,3544 1,889 49,4221 83— Die größte Menge der Befallenen gehört'daher zu dem Stande der Gesellen, Lehrjunqen, Dienstboten, Fabriksarbeiter, Taglöhner und Pftündner. Die Krankheit war aber auch bey diesen am gefährlichsten; am stärksten wüthete sie unter den, meistens durch Alter und Siech- thum entkräfteten Pfründnern. Die große Anzahl der unter den höheren Classen, der Adelichen besonders, gefallenen Opfer wird leichter erklärbar, wenn man erwägt, daß sie fast sämmtlich, nähmlich q3 derselben, der inneren Stadt angehörten und daß sie größtenteils am Anfange der Epidemie befallen worden seyen, wo diese ihre Opfer mit größerer Wuth forderte. Da die Zahl der erkrankten Geistlichen und Militärs zu gering ist, lassen sich auS derselben keine festen Verhältnisse ziehen; wird sie aber mit der Zahl der Adelichen zusammengenommen, so steigt das Verhältniß der Gestorbenen auf 64,285-7 Procent. 6. In Bezug auf den Stand. Ohne Rücksicht auf die im allgemeinen Krankenhause vorgekommenen Kranken befanden sich unter den 3,721 in Wien Erkrankten, 2,35b Unverehlichte und i,365 Verheirathete, so daß im Ganzen unter 100 Kranken b3,3,b3 nicht verheiratet. 3b,(,83b aber verheirathet waren. Da die Zahl der unter der GesammtbevölkerungWiens befindlichen Verehlichten nicht bekannt, ferner nicht angegeben ist, wie viele von den Verehlichten oder Unverheirateten genesen oder gestorben sind, so können in Hinsicht auf den Stand keine Resultate bey dieser Epidemie gezogen werden. 7. In Bezug auf vorausgegangene Schädlichkeit. Die Ergebniße der bey jedem einzelnen Falle erhobenen vorausgegangenen Schädlichkeiten stellt nachstehende Tabelle dar, bey welcher ebenfalls die Kranken des allg. Krankenhauses«»berücksichtiget bleiben. — Nach vorausgegangenen: s in L: ! i erkrankt. 8 8 ! gestorben. Dialfehler Verkühlung Gemüthsbewegung besonders Furcht.. Vorausgegangene Diarrhöe..... Andere Ursachen.-. -,344 yyi 4?s 848 368 68r 2§3 285 -9/ 66r 496 222 syr i63 Zusammeu.... 3,721 ,Mr r,83h Vergleiche mit der Gesammt- zahl der Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen befinden sich unter 100 Mit Rücksicht auf die Zahl der nach bestimm, ken Veranlassung. Er krankten. Genesenen und Gestorbenen sind von 100 Kranken 8 V Genesenen. Gestorbenen. genesen. gestorben. 36,11 g3 26,6826 12,7653 -4.6734 9,8091 36,238» 26,8018 -3,443- -3.Z4Y4 -0,4678 88,9978 26,97-! -2,07,7 -8,8288 9,-383 80,744» 49,9495 83,263, 46,7082 53,9726 49.2589 5o,v5»4 46,7368 88,2967 46,0278 - - 80,5778 49,422! 85 , Die häufigsten Veranlassungen waren somit Diarfehler; »linder häufig: Verkühlungen, vernachläßigte Diarrhöen, Gemüthsaffccte und anders unbekannte Veranlassungen. In 'Ansehung der auf bestimmte veranlassende Schädlichkeiten erfolgten Sterbefälle zeigte sich die Krankheit am gefährlichsten, nähmlich bey ioo Fallen 53mahl tödlich, wenn sie durch vernachlaßigte Diarrhöen—> minder, wenn sie durch Verkühlung, Diärfehler und Gemüthsbewegung, und am wenigsten, wenn sie durch unbekannte Veranlassungen hervorgerufen worden war. Die in Beziehung auf die veranlassenden Schädlichkeiten in den einzelnen Bezirken sich ergebenden Resultate stellt die folgende Tabelle dar: 8l> 2 Nahme des Polizeybezir- kes. Diätfehler. V erkühlung. «2 8 s^ s^ Z S S »L» 0 M S's O« I nn. Stadt Mieden.. Mariahilf. St. Ulrich. Jvsephstadt Alservorstadt Roßau.. Leopoldstadt Landstraße. 282 LY7 33 6y 81 74 IY2 86 280 iy3 .83 22 3. 37 33 y6 3S 82 89 >44 11 38 44 4- y6 5. 3i,66 48,48 33.33 55,o 54,3a 55.4o ZN,4' 4« 7 78 S3 44 39 83 82 194 43 3» 3? 28 »2 67 42 42 »187 9« ,o 4- 25 32 72 4- 40 4>,38 6y,5o 25.0 52,56 47,-7 72,72 5-.79 49,39 48,78 Zusammen. >,344 682 662 49,25 99- 495 496 5o,o5 — 87 Gemürhsassecte. L>-- Dernackläßigte Diarrhöe. Wc Unbekannte Ursachen. s^ 2l3 9» 46 10 y >2 38 '9 38 4?S ,53 88,96 44,44 78,26 60,0 22,22 ?5,0 39/4? 52,63 Zo,o 46,73 >46 ") Sy 1 r> 79 29 30 S6 34 546 92 20 34 46 8 >4 22 >9 2ÜS S4 39 77 33 21 >5 36 >5 2Yl 66,1o 69,86 4>,77 72,4. S3,S3 62,06 44,i> 53,29 ,34 36 2, 9 25 42 86 10 365 197 5i 21 9 4 10 32 34 7 .68 38,o6 55,2b 42,80 44,44 4».o 76,19 89.53 70,0 46,02 Ueber die Behandlung in den Cholera- Spitälern liegen nur die in der folgenden Tabelle enthaltenen Angaben vor. Die Spitäler Nr. l in der Alservorstadt und Nr- H in der Stadt Nr. 1194 haben keine Rapporte geliefert. 4 Im Bezirke Mieden wurde die veranlassende Ursache, nahnr lich vernachläßigte Diarrhöe, unter den Rubriken^ Diät- fehler, Verkühlung und unbekannte Ursachen vertheilt. «r « Nr. des Spitals: III IN IV V VI VII VII! IX X Cholera-Spital. Periode der Eröffnung: von: bis: Abtheilung k. k. Convict in der Stadt. 3-» detto detto Landstraße, Nr. 270..... Mieden, Nr. 434.-... LeopoldstaLL, Nr. 27, in derJägerzeile Roßau. Nr. 1 und 2, zu Althann-. St. Ulrich, Nr. 343, am Schokkenfeld- Mariahilf, Nr. 19Z, zu Gumpendorf. ^vsephstadt, Nr. 26, am StroHischengr. >9. Sept. 20.— 21.— 25.— 25.— 27.— 2».— ,5.— >7- Nov i5. Dec. 17.-—- 17. 6.- 6.— 24.— 27.— Daselbst sind behan- delr worden. gestorben. genesen. Sy 29 170 111 . -35 62 125 X. Ü5 124 S9 8«) 8. In Bezug auf öffentliche oder Privatbehalt d l u n g. Von den in Wien 4,882 Erkrankten wurden: i n behandelt Hiervon sind von>00 j Bshan- j dellenstnd daher gestorben. genesen. gestorb,. Privatbehandlung. Spitälern und allg- Krankenhause. 2,101 2,2tzl i,lo3 1,071 yg8 1,1<)0 47,Soii 5L,63i5 Zusammen... 4,3Ü2 2.174 2.>88 6o,iü»4 Hieraus ergibt sich ein für die Privatbehandlung viel günstigeres Verhältniß, da hier weniger, in Spitälern mehr als die Hälfte der Erkrankten dem Tode erlagen. Eine Ausnahme hiervon macht das Militär Cholera-Spital, in welchem^802 Individuen behandelt wurden, von denen iy5 genesen und 107, mithin von 100 nur 35,48 gestorben sind, was allerdings dadurch leichter erklärbar wird, daß die Mannschaft aus jungen, kräftigen, gesunden Männern bestand, bey welchen die Krankheit mit geringerer Gefahr ver!ies>und daß die Kranken ohne Verzug der ärztlichen Behandlung unterzogen werden konnten. 9- In Bezug auf einzelneMonathe,Wochen und Tage. Der Verlauf der Epidemie in Bezug auf Monathe, Wochen und Tage wurde bereits bey der Geschichte der Epidemie angeführt und durch Tabellen ersichtlich gemacht. Es wäre daher überflüßig, denselben hier nochmals auseinanderzusetzen. qo— »o. In Bezug auf einzelne Gegenden, Gassen rc. s. In der inneren Stadt. I» Bezug auf einzelne Gegenden war es in der inneren Stadt, besonders der nördliche Theil, die sogenannte untere Stadt, längs des Abfalles derselben gegen den Donau- Canal, als: der Salzgries, die Kohlmesser-,"Adler-, Stern-, Rosmarin-Gasse u. s.>v.; ferner ein Theil der mittleren Stadt, Hof, Judenplatz, Ofenloch, Nagler-, Kurrent-, Steindl-Gasse und der Bauern-und Wildpretmarkt, welche durch die Epidemie in höherem Grade litten. Daß gerade an den meisten dieser Orte mehrere ungünstige Localverhälrniffe, denen die größere Starke der Epidemie mit vielem Grunde zugerechnet werden darf, zusammentreffen, geht schon aus den bey der medicinischen Topographie der inneren Stadt berührten Umstanden hervor, und mehr als in irgend einem anderen Bezirke Wiens laßt sich hier die, mit der ungünstigeren Beschaffenheit der Gaffen, Häuser, Wohnungen und Einwohner, steigende Heftigkeit der Evidemie nachweisen; daher auch jene Gegenden der Stadt vor der Wuth der Seuche in viel höherem Grade sich geschützt zeigten, in welchen solche Uebelstande entweder garnicht, oder nur in minderem Grade hie und da zugegen waren. Vor allen gehören hicher die auf den Basteyen gelegenen Häuser, der größere Theil des Schottenviertels gegen die k- k. Burg zu, und jene Theile des Wimmer- und des Karncnerviertels, die sich durch gerade und breite Straßen, schone geräumige Häuser, lichte, mei- stentheils mit»ermöglichen Einwohnern besetzte Quartiere auszeichnen, wie dieß in der Weihburg-, HimmelpfortJohannes-, Krüger-, Anna-Gasse u. m. a. der Fall ist. Die meisten Erkrankungen von allen Häusern der Stadt hatten das Psüzey-und Criminal-Gerichtshaus, das erstere mit 35 und daS letztere mit i g Fällen auszuweisen; was bey der größeren Menge der hier zusammengedrängt lebenden, verschiedenen Gemüthsbewegungen unterworfenen Menschen der unteren Vslksclaffe und bey dem täglichen Wechsel derselben leicht begreiflich wird; ferner das Müllerische Gebäude Nr. bss8 und das Karmeliterhaus Nr. mit ro und y Erkrankungen; von welchen das erstere zwar mit der Nördlichen Hauptfacade frey der Donau zugewendet, dennoch des belebenden Einflusses der Sonnenstrahlen und eines freyen Hofraunies, daher auch des nöthigen Luftzuges im Inneren entbehrt, was auch bey letzterem(Nr. 3'/y.) der Fall war, wo überdieß die stagnirende Luft durch die Ausdünstungen eines Düngerhaufens, eines wenig gelüfteten KühstalleS und aufgehäufter Futlerkräuter noch mehr verunreinigt wurde. b. Auf der Mieden. Wie bereits bey der Geschichte der Epidemie in dem Wied- ner Bezirks erwähnt worden ist, nahm durch denselben die Krankheit den Weg von Osten gegen Westen: wahrend also im Monathe September mehr der östliche Theil, wurde im Oct. besonders der westliche hergenommen. Im Allgemeinen war der nördliche, der Stadt zugewendete und mit schönen Häusern engverbaute, dann der ganze östliche Theil des Bezirkes, die sich durch ihre trockene luftige Lage, regelmäßige breite Gaffen, meistentheils geräumige, zweckmäßig gebaute Häuser am vortheilhastesten auszeichnen, am meisten geschont, während die bey Weitem zahlreicheren, Erkrankungen besonders die niederen feuchten Gegenden der westlichen an der Wien gelegenen Parthien: Hundsthurm, Margarethen mit einem Theile der neuen Mieden betrafen, wo ebenfalls überfüllte Wohnungen, eingesperrte Zimmerluft, sitzende Lebensweise, Armuth und Unreinlichkeit der Einwohner aus den unteren Classen, vereint mit den Nachtheilen, welche die tiefe Lage in der Nähe des Wienstußes mir sich bringt, dem Weitergreifen der Seuche günstige Verhältnisse darbothen. Am meisten litt zwar von allen Gegenden dieses Bezirkes die auf dem Abhänge des Wienerberges ziemlich hoch liegende Trappelgasse mit 8 befallenen Häusern und 47 Erkrankungen; doch machten in dieser engen Gasse andere ungünstige Momente, schlechte Bauart und die Uebelstände der kleinen Häuser, gedrängtes Zusammenwohnen, Armuth und Unreinlichkeit der Einwohner eine solche Ausnahme begreiflich. Nach dieser folgten die Johannesgasse am Hundsthurm mit 48 Erkrankungen in 12 Häusern; dann die Ketz- tenbrückengasse und überhaupt die Gegend am Wienfluffe mit H5 Erkrankungen in 33 befallenen Häusern. Unter den Häusern zeichnete sich durch die große Anzahl von Erkrankungsfällen daS Haus Nr. 3g5 in der Trappelgasse, in welchem 33, dann das Haus Nr. ü3 ruf . » 44, 62 u. 11, am Hundsthurm/ » 685 auf der alten Mieden -> i>) am Hundsrhurm » 7 in Matzleinsdorf In folgender Zusammenstellung wird die Starke der Epidemie auf den einzelnen Gründen gegenseitig verglichen: ! mit 7 Erkrankungs- j fällen. — y3— Nahme des Grundes. Zahl Lee Einwohner. Erkrankt: Daher v. z 1000 Ein- Z wohnern Z erkrankt: Neue und alte Mieden Schaumburgergrund. Hungelbrunn... Laurenzergrund... Nikolsdorf..,, Maßleinsdorf... 3ö.o> 8 2,82-7 I,2§0 5> 2,3>7 2,827 288 33 10 6 4 25 6,22 i5,og 8,0 i>,56 Z 8,8f ß Hundsthurm.... Keinprechtsdorf.. Margarethen-.. 4,4^2 808 6,678 84 22 Y2 >8,74 z 27,22 E 16,20 18 Zusammen... z 55,22b^ bbb E>o,2g >z Hieraus ergibt sich, dasi im Ganzen am meisten Rein- prechtsdorf; weniger Hundsthurm, Margarethen, Schaumburgergrund, Laurenzergrund, Matzlsiusdorf, alte und neue Wieder! und Hungelbrunn; am wenigsten aber Nikolsdorf von chet Epidemie zu leiden hatten« 0. Zu Mariahilf. In dem Polizeybezirke Mariahilf litt, wie aus der folgenden Tabelle ersichtlich ist, am meisten der an der Wien gelegene östliche Theil desselben; vor allen der, mit wenigen Ausnahmen, in engen krummen Gaffen unregelmäßig gebaute, schlechte Häuser mit Bewohnern aus der unteren Volksclasse enthaltende Magdalenagrund; etwas weniger Gumpendorf, und zwar auch hier am stärksten die am Mühlbache oder dem Wienfluße tiefer gelegenen östlichen und südlichen Theile desselben; aüi wenigsten aber der Grund Mariahilf, der sich durch seine freye hohe Lage, schöne Gebäude, durch viele —«)4— wohlhabende Bewohner und- rege Belebtheit so vsrtheil- haft auszeichnet. Auch die Laimgrube wurde größeren Theils verschont, und nur der tief an der Wien gelegene Theil machte hiervon eine Ausnahme. Der Grund Windmühle, der keine so hübschen Häuser und weniger wohlhabende, meistens um Taglohn arbeitende Bewohner hat, hatte wieder verhaltniß- maßig mehr Erkrankungen auszuweisen. Unter den einzelnen Häusern haben die größte Anzahl Erkrankungen solche auszuweisen, welche in ungünstigen Verhältnissen ihrer Lage, Bauart, Wässer und Wohnungen oder ihrer Einwohner den Grund häufigerer Erkiankungsfälle vermuthen lassen, als zu Gumvenporf die Häuser Nr. ,7» mit 10, Nr. iy4 u. 241, ferner Nr. 35 zu Margarethen jedes mit b Krankheitsfällen. Nahme des Grundes. Zahl der Einwohner. Erkrankt- Daher v. incroEin- wohnern erkrankt: Laimgrnbe.... Windmühle..., Mariahilf..... Magdalenagrund.. Gumpendorf.... 8.833 4.689 y,y»8 1,807 >2,221 36 2Z ,8 '7 108 ä.o 4.9 >.8, i3,o5,6 in,oy 4,37 3,34 Zusammen... 47,76, ,77 3,79 e. In der Josephstadt. Die meisten Erkrankungen in dem Bezirke Josephstadt zählte verhältnißgemäß Neulerchenfeld; weniger der Strotzi- sche Grund und Altlerchenfeld, am wenigsten die Joseph stadt, wovon die Ursache in der vortheilhafteren hohen Lage der letzter«, der Regelmäßigkeit und Reinheit ihrer Straßen und Gaffen, in der Geräumigkeic und Reinheit ihrer Häuser und in dcm größeren Verkehre und Wohlstände der Einwohner zu suchen ist, da die übrigen Grunde, besonders Neu- lerchenfeld, in seinen kleinen Häusern größtentheils von einer großen Menge Einwohnern aus den untersten Volksclassen bewohnt wird. Unter den Gassen dieses Bezirkes litt am meisten die unansehnlichen, aus kleinen, schlecht gebauten Häusern mit engen, zum Theils feuchten Wohnungen, bestehende Altlerchen- felder- Hauptstraße, die von den ärmsten Leuten bewohnt wird, und wo in 2i befallenen Häusern 33 Erkrankungen und dann der Strotzische Grund, nähmlich die Hauptstraße, wo in 10 Häusern ist Erkrankungen vorkamen. In einzelnen Häusern waren als»reiste Erkrankungen: ro Fälle zu Neulerchenfeld in Nr. s<), daS von hohen Gebäuden umgeben,- des freyen Luftzuges größtentheils beraubt ist, und worin, nachdem diesem Übelstande durch ein Loch in die Gartenmauer an der Westseite des Hauses abgeholfen worden war, kein neuer Erkrankungsfall mehr erschien; dann 7 Krankheitsfälle in Nr. s33 zu Lltlerchenfeld, b in Nr. ist3 zu Neulerchenfeld, Nr.-ab am Strotzischen Grund, Nr. 78 im^ Alrlerchenfeld und Nr. 6i in der Josephstadt. Letzteres ist fast durchgehends von armen Taglöhnern bewohnt, bey welchen überhaupt die meisten Erkrankungsfalle erschienen, so wie sich auch in den übrigen der genannten Häuser ungünstige Verhältnisse, entweder in der Beschaffenheit der Einwohner oder in schädlichen Localumständen vorfanden. 7 Y7 g Rahme des Grundes. Zahl der Einwohner. Erkrankt: Daher v. loooEin- wohnern erkrankt: S Iosephstadc.... - Mlerchenfsld... s Strotzischer Grund, 1 Neulecchenfeld... 9,902 9,352 2,457 6,224 66 76 2Ü 79 6.76 8,12 io,Za 12,69 I Zusammen... 27,935 247 8,84 k. In der Alservorstadt. In Ansehung der am meisten ergriffenen Theile des Polizeybezirkes Alservorstadt waren es vorzüglich die niedrig gelegenen Gegenden, welche sich am Alserbachs vom Linien- walle bis gegen den Thury hinziehen, und das Breitenfeld, das zwar. weder der Lage noch der Beschaffenheit der Gaffen undHäuier nach, dein Gesundheitszustände nachteilige Verhältnisse auszuweisen har, wohl aber größtentheils von der ärmsten Volksclaffe bewohnt wird, welche am meisten von der Seuche ergriffen wurden. Unter den einzelnen Gründen wurde, wie die folgende Tabelle darthut, der Michaelbeurische am stärksten hergenommen, und unter den einzelnen Gassen waren es die am Alser- bache und die Feldgasse am Breitenfelde, welche nebst der größten Menge Häuser auch die meistenKrankhsltssälle auszuweisen hatten. Von den einzelnen Häusern war die größte Menge vorgekommener Erkrankungen in Nr. 271(Versorgungshaus mit SSo Pfründnern) mit 34 Erkranküngsfällen; dann in Nr. i39 daselbst und in Nr.»7 des Michaelbsurischen Grundes mit b Krankheitsfällen. Nahme des Grundes. Zahl der Einwohner. Erkrankt: Daher v. Ivou Einwohnern erkrankt: Alservorstadt.... Breitenfeld.... Michaelbeurischer.. Herrnals..... 18,620 /,,S>o 1,476 4,y6o i»8 33 -S 6 8 16 5 Zusammen... 26,863 L0I 7,86 g. In der Roßau. Im Polizeybezirke Roßau waren besonders die am Al- serbache und gegen den Donau-Canal zu Liegenden Gegenden diejenigen, welche nicht nur von den Gründen dieses Bezirkes, sondern selbst von allen Theilen Wiens am meisten von der Wuth der Seuche zu leiden hatten. Es vereinigen sich aber auch beynahe in keinem Theile von Wien als eben in diesen Gegenden so viele schädliche Einflüsse, wohin mit Grund die tiefe, an zwey Seiten von Anhöhen umge- bene, feuchte und öfteren Ueberschwemmungen ausgesetzte Lage an dem ohnedieß ungesunden Alserbache gezahlt werden kann, und zu welchen die schlechte Bauart der unansehnlichen, niederen Häuser, Unreinlichkeit und Beschränktheit der fast durchaus von Bewohnern aus den unteren Classen bewohnten Quartiere noch das ihrige beytragen, um eine stärkere Ausbreitung der Epidemie erklärbar zu machen. Unter den einzelnen Gassen waren es besonders die Holzstraße mit bi Krankheitsfällen in rö, Servilen- u. Schmied- gasse, jene mit rb Fällen in 8 und diese mit 24 in n Häusern, welche in der Roßau liegen; dann die große und kleine Schmiedgasse im Lichtenthale, jene mit 38 Fallen in iZunddiese mit 87 in>5 Häusern; am Lhury die Fleckstedergasse mit 27 Fällen in 8 Häusern; am Him- melpfortgrund die Saulengaffe mit»d Fällen in L> 7* Häusern und die Hauptstraße mir 28 Fällen in 8 Häusern, welche die größte Anzahl befallener Häuser und darin er- krankter Personen auszuweisen hatten. In Ansehung der größten Menge der in einen» Hause vorgekommenen Krankheitsfälle unterscheiden sich besonders solche Häuser dieses BezirkeS, welche in den riefen Theilen desselben gelegen, niedrig, von der letzten Überschwemmung im Jahre i63r> noch sanitätswidrig und feucht sind, als: Nr.87 im Lichtenthale mit 16, Nr. 3 in der Holzstraße mit 12, Nr. 65 im Lrchtenthale und Nr. 35 am Thury mit n; dann Nr. 78 daselbst und Nr. 2 am Himmelpfortgrund mit rc» Krankheitsfällen. Nahme des Grundes. Zahl der Einwohner. Erkrankt: Daher v > vvo Einwohnern erkrankt Roßau Althann..... Lichtenthal..:. Thury Himmelpfortgrund.. 6,253 yS3 7,384 4,ooy 3,o85 iöy 34 128 io3 56 25,4 35,67 -7,3 26,9 i8,3 Zusammen, 2i,6S4 485 22,3y k. In der Leopoldstadt. In dem Polizeybezirke Leopoldstadt litt die Gegend am und gegen den Donau-Canal zu, deren Häuser von der letzten größeren Ueberschwemmung im Jahre>83o her noch in den Erdgeschossen feucht geblieben sind, am meisten, ohne daß sich in allen der ergriffenen Häuser wirklich sanitätswi- drige Verhältnisse auffinden ließen. Mehr litt im Allgemeinen die Jägerzelle als die Leopoldstadt, am meisten aber die Gegend gegen den Donau-Canai an der Franzensbräcke, ws too 8 Häuser in ununterbrochener Reihe befallen und in 13 Häusern sfi. Erkrankungsfalle vorgekommen sind. In Ansehung der einzelnen Häuser litt am meisten Nr. 24 in derLeopeldstadc mit ro, Nr. ssr5 mit 7, Nr. 617 mit b und Nr-22 in der Jagerzsile gleichfalls mit 6 Erkran- kungsfällen. Nahme des Grundes. Zahl der Einwohner. Erkrankt- Daher v. g loooEin- S wohnern z erkrankt: Leopoldstadt.... 28,088 205 8.18 Jägerzeile..:. Prater- Brigiktenau.... Taborauen.... 2,558 359 2v5 2^1 48 1 2 18,76 2,78 S-7Z Zusammen».. 28,4^8 28b 8,SS^ Auf der Landstraße. In dem Polizeybezirke Landstraße litt im Allgemeinen am wenigsten der erhabene und frey liegende Grund Landstraße, mehr die tiefer gelegenen Gründe unter den Werß- gärbern und Erdberg, welche öfteren Ueberschwemmungen ausgesetzt- in den Erdgeschossen häufig feucht, überdieß von ärmeren Leuten aus den niederen Volksclassen gedrängt bewohnt sind und zum stärkeren Auftreten der Epidemie hinreichende Veranlassung gaben. Unter den einzelnen Gassen übertraf alle anderen durch die Zahl der ergriffenen Häuser und der Menge der Erkrankungsfälle, die Klimschgasse am Renmvege mit 5o Krankheitsfällen in»o Häusern. Sie wird fast ausschließlich von Taglöhnern und Handarbeitern bewohnt, weiche sich wahrscheinlich theils im Nothstände theils in einer ungeregelten Lebensweise, denen sie zum Theile an sich ausgesetzt sind ror zum Theile sich denselben selbst aussetzen, die größere Geneigtheit zu der Krankheit aneigneten. Unter den einzelnen Häusern zahlten die größte Menge von Erkrankten Nr. 270 auf der Landstraße(das Cholera- Spital) mit iy, und das Haus Nr. 3y3 zu Erdberg mit 16 Fallen; das letztere liegt auf einer Gestatte, entbehrt in einem tief gelegenen Hintergebäude alles Luftzuges, ist überdies; in dem Erdgeschosse feucht und von einer großen Anzahl armer Taglöhner bewohnt, in welchen Umständen die Ursache der häufigen Krankheitsfälle zu finden seyn dürfte. Im Hause Nr. Sssc, am Rennwege kamen ri und in Nr., 1 rzu Erdberg 8 Erkrankungen vor, und auch hier scheint die Beschaffenheit der Einwohner die Schuld der häufigeren Erkrankungen zu tragen. Daher v >000 Em-> wohnern i erkrankte Nahme des Grundes. Zahl der Einwohner Erkrankt: Landstraße.... Weißgärber.... Erdberg 28,672 1,872 7,687 260 23 I0l >c>,r 6 12,28 ig,i3 Zusammen... 3S,i3. 384 >",y3 Wird nun nach diesen Ergebnissen die Beschaffenheit der von der Epidemie am meisten hergenommenen Gegenden, Platze, Gassen und Häuser betrachtet, so ergibt sich, daß dieselbe vorzüglich da einkehrte, wo niedrige, an einem Flusse oder zwischen Erhöhungen in einer Vertiefung gelegene und dem freyen Luftzuge minder, dafür aber verschiedenen Ausdünstungen oder Uederschwemmungen ausgesetzte und an gutem Wasser Mangel leidende Gegenden, wo kleine, mit verschiedenen Ausdünstungen gefüllte, von allen Seiten geschlossene, dem reinigenden Luftzuge unzugängige Plätze, wo unreine, ungepflasterte, enge, krumme, keinen freyen Luftzug zulassende, besonders durch hohe Häuser eingeengte, fin- ros stere Gassen, wo schlecht gebaute/ tief gelegene oder von höheren Gebäuden ganz beherrschte/ mit keinen oder nur kleinen, wohl auch geschlossenen und durch keinen Luftzug gereinigten Hofräumen versehene Häuser befindlich waren/ oder wo Ausdünstungen durch schlecht angelegte Senkgrube«/ Cloaken/ Düngerhaufen, Stallungen und vermodernde vegetabilische oder thierische Stoffe Statt fanden und die Luft verdorben wurde;— auch überdieß viele Einwohner in niederen, finsteren, beschränkten, unreinen, feuchten, dumpfen Wohnungen beysammen wohnten: während die entgegengesetzten Verhältnisse großen Schutz vor derselben gewährten. Eben so traf ihre Geißel am härtesten Menschen aus den unteren armen Volksclaffen, welche an keinen bestimmten Erwerb gewohnt, ein ungeregeltes, sorgloses Leben führten, die gröbsten Diätfehler sich erlaubten, häufigen Verkühlungen sich aussetzten und im Nothstände und häuslichen Sorgen, oder in großer Menge zusammengedrängt in beschränkten Wohnungen lebten. Darstellung der Brechruhr-Epidemie auf dem flachen Lande in Oesterreich unter der Enns in den Jahren 18^. ->°^er stationäre Krankheits- Character auf dem flachen Lande von Oesterreich unter der Enns war die erste Hälfte des Jahres i83i hindurch gastrisch gallicht gewesen; nur in manchen, besonders in den gebirgigen und von Ge- birgswästern durchschnittenen Gegenden wechselte er von Zeit zu Zeit mit einem catarrhös-rheumatischen, zeigte aber immer eine auffallende Neigung zurAdynamie, welche in manchen Gegenden bemerkbar, in anderen auffallend bey mehreren Epidemien von gastrischen, gallichten, catarrhösen und rheumatischen Krankheiten, mehr oder minder deutlich hervortrat. Diese machten daher, besonders als nervöse Fieber, Rühren, Rorhlauf, Wechselfieber, Pocken u. dgl« im Frühjahre und Anfangs Sommer die fast durchgehends und als gewöhnlich erscheinenden Krankheiten aus. So erschienen im V. U. W. W. noch gegen Ende July in den Dörfern Vösendorf und Hennersdorf nervöse Gallenfieber, und im August zu Gablitz und den im Gebirge zerstreut liegenden Häusern die Gallenruhr epidemisch. Besonders aber fanden sich Wechsecheber in eben- oder tief liegenden, feuchten, sumpfigen Gegenden, in deren einigen sie bereits seit mehreren Jahre» als stationäre Krankheit beobachtet worden waren, »n einer ungewöhnlichen Menge und mit einer seltenen Hartnäckigkeit ein. Ihr Typus war ein vier- oder dreytägiger, ihr Character meistens nervös, selten aber rein, gewöhnlich mit gastrischen oder gallichten Erscheinungen complicirt und in manchen Gegenden häufig mit Erbrechen und Durchfall auftretend. Sie widerstanden hartnäckig in ihren Anfällen oftmahls der sonst hinreichenden specifischen Heilungsart, deren Anwendung manchmahl der gallichte Neben-Chararter im Wege stand, oder vereitelten den mühsam erlangten Erfolg durch öftere Recidiven, denen auszuweichen kaum die sorgsamste Vermeidung aller epistirenden Gclegenheitsursa- chen hinreichte, und hinterließen noch leichter als sonst die mannigfachen Begleiter ihres nervösen Characters, nähmlich; Anschoppungen und Stockungen im Pfortadersysteme, besonders Anschwellung der Leber und Milz, Verdauungsbeschwerden, Cachepie, Wasser- und Gelbsucht u. dgl. Selbst Kinder und solche Personen, welche vormahls nie an Wech- selfiebern gelitten, unterlagen ihnen nun auf die unbedeutendsten, oft kaum nachweisbaren Veranlassungen und zeugten von der Starke der epidemischen Einflüsse. Besonders auffallend waren diese Wechselfieber in jenen Ortschaften, in welchen sie und gastrisch-gailichte Krankheiten endemisch zu herrschen pflegen, wie dieß in manchen feuchten, sumpfigen Gegenden an der Donau, March, Ley- tha und in anderen der Fall ist. Gerade in solchen Ortschaften trugen sowohl diese Wechselfieber, als auch andere zu dieser Zeit vorgekommene Krankheitsfälle öfters Las eine oder das andere Symptom der sväter epidemisch erschienenen Krankheitsform, besonders häufig aber eine besondere Geneigtheit zu stürmischen Bewegungen deS Darmcanals an sich, und näherten sich immer bemerkbarer in ihren Erscheinungen jener Form, welche aus anderen Landern als die der Cholera eigenthümliche angegeben wurde. Gegen Ende July und zu Anfang August schienen aber jn den meisten der zuletzt genannten Gegenden die epidemischen Einflüsse alle Kraft verloren zu haben; und nicht nur in diesen, sondern auch in vielen anderen Gegenden verschwanden auffallend alle Krankheiten. Je mehr jeder einzelne Fall der Cholera ähnlich, und je gespannter und aufmerksamer jeder derselben beachtet und untersucht wurde, desto seltener erschienen solche, und ei» ungewöhnlich guter Gesundheitszustand schien die Besorgnisse bekämpfen zu wollen, die die auffallende Form jener Fälle zu erregen begann. Zuerst waren es nun Anfangs August>83, einige im V. U. W. W. an derLeytha gelegene Ortschaften des Bru- cker-Sanlkäts-Districtes, in welchen einzelne Fälle durch ihre außergewöhnliche Form die öffentliche Aufmerksamkeit in höherem Grade in Anspruch nahmen. Zu Rohrau und Hollern erschienen am s., zu Gerhaus und Pachfurth am 4. August dergleichen Fälle. Diese sämmtlichen Ortschaften liegen an der Gränze von Ungarn in jener Ebene, welche sich, nur hier und da von mehr oder weniger bedeutenden Hügeln durchzogen, über den ganzen östlichen Theil dieses Kreises bis an das Leythagebirge und längs der Donau und Leytha bis tief nach Ungarn ausbreitet, niedrig am linken Ufer der Leytha, deren alljährlich mehrere Mahle wiederkehrendes Auslreten nicht nur jedesmahl diese Orte unter Wasser verseht, sondern auch Sümpfe und Moräste zurückläßt, von denen einige nie versiegend als der beständige Herd hartnäckiger Wechselfieber, Gallenkrankheiten u. dgl. zurückbleiben. Zugleich sind diese Orte mit schlechtem, viele Salztheile enthaltendem, geschmacklosem, oft trüben Trinkivasser versehen, welchem die Einwohner größtentheilS das aus der Leytha geschöpfte und durch Stehen klar gewordene Wasser zum Genusse vorziehen. Diese ersten und einzeln wiederkehrenden Fälle waren zwar ebenfalls nicht reine ausgebildete Cholerafälle, wie man diese nach den Beschreibungen aus anderen Ländern zu erwarten berechtiget war, und konnten selbst bey genauerer Untersuchung nicht für solche, sondern nur für gewöhnliche, durch bedeutende Schädlichkeiten erzeugte und durch den Einfluß einer besonderen epidemischen Constitution verschieden inodificirte, und deßhalb mit ungewöhnlichen Erscheinungen auftretende Krankheiten anerkannt werden; zeigten aber bereits durch eine ungewöhnliche Symptomengruppe, durch den besonderen raschen Verlauf, und durch eine schnelle Tödtlichkeit auf eine Modificirung der bisherigen Krankheits-Constitution und auf eine Stärke der epidemischen Einflüsse, welche den nahe bevorstehenden Ausbruch der Epidemie besorgen ließ. Schnell folgten mehrere dergleichen bedenkliche Falle am 4>, 2. und den folgenden Tagen des August; weniger bedeutend waren die veranlassenden Schädlichkeiten, die ihnen vorausgingen; entschiedener war die Form, welche dem charakteristischen Bilde der Cholera immer mehr und mehr entsprach; gleich rasch der Verlauf und ungünstig der Ausgang; daher die Krankheit unverkennbar in ihrer eigenthümlichen Form und bey wiederholten Untersuchungen für die epidemische Brechruhr anerkannt werden mußte. Schon in der nächsten Woche erreichte diese Epidemie ihre Höhe, auf der sie in der dritten noch verharrte, dann aber schnell zu Gerhaus, und allmählig in den übrigen Orten wieder abnahm, bey welchem Sinken erst die herrschende Krankheits- Constitution von ihrer Reinheit verlor, indem nun nebst der Cholera wieder andere Krankheitsformen, besonders gastrische und Wechselfieber, sich einfanden, von welchen die zuerst erschienenen zwar noch ganz das Gepräge der Cholera in ihe ren Erscheinungen an sich trugen, somit die Uebergangssor- m?n zur neuen Krankheirs-Coustitution bildeten, welche aber schon in der b. Woche seit dem Ausbruche der Epidemie in diesen Orten, während die Cholerafälle immer seltener wurden und endlich ganz verschwanden, in ihrer gewöhnlichen Gestaltung, und die Wechselfieber in ihrer endemischen Reinheit und Hartnäckigkeit vorkamen. Zu Bruck an der L-ytha aber, das mit diesen Orten eine gleiche Lage theilt, und wo ebenfalls am 5. August die ersten und sohin mehrere bedenkliche Fälle den Anfang der Epidemie bezeichneten, beschränkte sich diese Anfangs auf eine einzige, nähmlich die h. Geist-Gasse, zeichnete sich durch große Heftigkeit in den vorgekommenen Fallen aus, nahm aümählig von der in der zweyten Woche erreichten Höhe ab, kehrte aber nach größerem oder kleinerem Stillstände in einzelnen Fällen mehrmahls zurück, so daß sie erst in der Hälfte November vollkommen erlosch. Bis Ende August blieb die Epidemie auf diese Orte und die epidemische Brechruhr-Constitution auf den östlichen Theil dieses Kreises beschränkt, daher erfolgte in demselben Monathe nur noch zu Hainburg und in ihrer Vorstadt Freyung ein epidemischer Ausbruch, obwohl schon zu dieser Zeit mehrere einzelne, meistens rasch verlaufende, und durch mehrere der Cholera ungehörige Erscheinungen ausgezeichnete Fälle in verschiedenen und von einander entfernten Orten ein allmähliges Weitergreifen dieser epidemischen KrankheitS- Constitution ankündeten, und sich nicht nur im V. U. W. W-, sondern auch im V. U. M. B- ergaben, in welchem selbst eine am 8. August zu Angern ausgebrochene Evldemie in mehreren Fällen das Bild der Cholera darstellte. Mit Anfang September begann eine bedeutendere Brschruhr Epidemie zu Herrnals bey Wien, das zum Theile am Alserbache und tief, und zum Theile auf einer sanften Anhöhe liegt. Mit 8. September aber zeigte sich dieselbe auch am linken Ufer der Donau im V. U. M. B. in verschiedenen Gegenden; zuerst in den niedrig und sumpfig nahe der Donau im Marchfelde gelegene» Ortschaften Mannsdorf, Orth und Lasse«, so wie in dem sumpfig gelegenen Lichten- wörth; dann zu Enzesfeld, Weikersdorfund Untersiebenbrunn H Kreis oder Viertel unter dem Mannharts-Berge. ld«)— in theils mehr, theils minder ausgebreiteten Epidemien, während neue und schnell folgende Ausbrüche im V. U. W. W. zu Edelsthal, Dorf Filchamend, Schwadorf, Schönabrunn, Enzersdors an der Fischa und Kroatisch-Haslau die vermehrte Verbreitung der Epidemie über den östlichen Theil dieses Kreises und die steigende Stärke der epidemischen Krailkheirs-Constltution bezeugten. Auch waren eS nicht nur einzelne Fälle in welchen sich diese aussprach, sondern die Krankheit erhob sich zu Scharndorf, Kroatisch- Haslau und Schönabrunn zur epidemischen Verbreitung. In dem erster» dieser Orte am Achan.ge eines Hügels gegen die sumpfige Ebene um Rohrau gelegen, zeigten aber nur die ersten vorkommenden Fälle den reinen eigenthümlichen Character der Cholera, der sich bald mit einem gastrischen mengte, bis die von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Fälle gastrische, durch die Cholera nur modificirte, Krankhensfvrmen darstellten, obwohl sie von ihr gemeiniglich den raschen Verlauf und die Heftigkeit entlehnten; doch war eine eigentliche Zunahme, Höhe und Abnahme der Cholera als Epidemie, so wie ihr Einfluß aus den allgemeinen Gesundheitszustand der Einwohner kaum bemerkbar. Zu Kroatisch-Haslaii, einem hoch am Donauuser liegenden Dörfchen, erschienen die ersten Fälle einzeln, bis sich Mitte October die Krankheit und ihr Einfluß auf das Befinden aller Einwohner schnell ausbreitete und ihre Heftigkeit durch den baldigen Tod sämmtlicher Ergriffenen beurkundete, bey welchen sie sich schnell auf den höchsten Grad entwickelt und besonders durch schnelle Erschöpfung der Kräfte ausgezeichnet harre. Bald verlor sie aber an dieser Heftigkeit wieder, obgleich die Anzahl der Erkrankten noch eine Zeit lang zunahm, selten aber waren dieFälle auf den höchsten Grad gesteigert; doch unvermerkt mischten sich wieder einheimische Krankheiten ein und nur aus größere Schädlichkeiten erfolgten noch einzelne Fälle. Von besonderer Bedeutung war aber die Epidemie zu Schönabrunn, einem Dörfchen nahe bey Hollern, das nach seiner hohen und freyen Lage— von der Leytha etwas entfernt weder den beständigen Ueberschwemmungen derselbe», noch den Ausdünstungen der davon in den niederen Gegenden zurückbleibenden Sümpfe so nahe ausgesetzt und mit gutem Quellwasser versehen ist— keineswegs eins solche Stärke der Seuche besorgen ließ; denn beynahe in keinem Orte dieser Provinz kam die Epidemie so rein, so vollkommen auSge-- z ro sprechen, aber auch so heftig und verheerend, daher in- und ertensiv zugleich so stark als hier vor. Wahrend den kalten und regnerischen Tagen waren am ro. und 14. September die ersten, dann bis 27. September von Zeit zu Zeit einzelne Fälle erfolgt; nun aber breitete sich die Krankheit von Tag zu Tag stärker auS, während sämmtliche Einwohner in verschiedenen Beschwerden den Einfluß einer besonderen epidemischen Constitution mehr oder minder deutlich fühlten, und erreichte bey Eintritt einer kalten stürmischen Witterung, am 3. und 4. Oktober, eine für diesen kleinen Ort auffallende Größe, indem, außer dem Mitleiden sämmtlicher Einwohner, ein Achtel derselben von vollkommen ausgebildeter Cholera ergriffen wurde, womit die Seuche auch in intensiver Stärke gleichen Schritt hielt, und ihre Opfer mit einer Heftigkeit dahin raffte, die der ärztlichen Hülfe kaum hinlängliche Zeit und nur selten einen günstigen Erfolg gönnte. Eben so rasch alS die Krankheit in ihrer Höhe gewesen, war sie hier in ihrer Abnahme, und nur wenige Fälle machten die Uebergänge der Cholera in gastrisch- gallichte Krankheiten. Bald waren diese ganz an die Stelle jener getreten, die nun auch auf die heftigsten Schädlichkeiten nicht mehr entstand. In der Mitte September breitete sich die epidemisch« Cholera-Constiturion im V. U. W. W. mehr gegen Westen auS, wo mit der Residenz fast zu gleicher Zeit zu Hietzing, Penzing, SechshauS, Pfaffstätten, Ebersdors an der Donau und Baden AuSbrüche geschahen, die zwar größtentheils auf einzelne Fälle beschränkt blieben, doch in dem sumpfigen, an der Donau liegende» Ebersdvrf, und in dem nahe der Residenz an der Wien gelegenen SechshauS sich zur Epidemie erhoben. Diese Ausbreitung der epidemischen Krankheits- Constitution von Osten gegen Westen bestätigten auch einige zu dieser Zeit vorgekommene Fälle im V. O. W.W.*) zu RLH- renbach und Greifenstein, und die»ngemein heftige Epidemie zu Mauerbach, deren Stärke aber nicht so sehr von der größeren Macht der epidemischen Einflüsse, als vielmehr von der Individualität der Bewohner abzuhängen schien, da weder in dein Dorfe Mauerbach selbst, noch in der übrigen Gegend, sondern nur in dem k. k. Versorgungshauss, in ) Viertel oder Kreis ober dem Wiener-Wald. welchem gegen 700 größtemheils durch Alter und Siech- thum geschwächte Pfründner leben, die Brechruhr epidemisch auftrat. Gegen Ende September betrafen die Ausbrüche im V. 1l. W. W. nicht nur die am östlichen Ende der durch diesen Kreis sich hinziehenden Ebene gelegenen Orte, Wolfsthal, Hundsheim, Deursch-Haslau, Ellend Und WildungSmauer, welchen in dem am hohen Ufer der Donau liegenden kleinen Dorfe Ellend eine Anfangs mit großer Heftigkeit auftretende, zu Wolfsthal aber eine an In- uno Ertension gleich gelinde Epidemie folgte, sondern auch die westlichen Theile dieser Ebene, wo sich nun die epidemische Krankheits-Con- stitUtion auch weiter gegen Süden hinzuziehen schien, d. i. zu Währung, Braunhirschen, Jnzersdorf am Wienerberge, LarenbUrg, Achau und Theesdorf; und nur im letzten dieser Orte beschränkte sich die Krankheit auf einzelne Fälle, während sie in den übrigen als mehr oder weniger bedeutende Epidemie erschien. Besonders erreichte sie nach Verhältniß der Einwohner eine größere Ausbreitung zu Achau und zu Lürenburg, wo bis Ende Oktober öfters wiederkehrende einzelne Fälle dem eigentlichen epidemischen Ausbruche zu dieser Zeit vorangingen. Bis Mitte November blieb die Epidemie auf ihrer Höhe und sank nur allmählig von dieser wieder zurück, die größte Heftigkeit aber erreichte sie zu Wähnng, einem außer der Linie gleichen Nahmens vor Wien liegenden Orre. Im V. U. M. B. ergaben sich nur zu Korneuburg, Hagenbrunn, Velin und Götzendorf Ausbrüche; doch folgte in keinem dieser One eine sehr ausgebreitete oder bedeutende Epidemie. Nun war—zu Anfang October— die Cholera-Con- stitution in dem östlichen flachen Theile vom V. U. W. W. und zum Theile auch im V- U. M. B. zur herrschenden ge- worden, und nur ausnahmsweise bestanden in manchen Ortschaften der ergriffenen Gegenden andere Epidemien, nähmlich: das nervöse Gallensieber zu Vösendorf und Henners- dorf, Gallen- und Wechselfieber zu Wilfleinsdorf im V. U. W. W. und Nervensieber mir Rühren zu Hohenau und Ra- bensburg im V. U- M. B. Doch bothen auch diese zuweilen in der Form einzelner Fälle Erscheinungen dar, welche nur von der Einwirkung jener Krankheits-Constituton abhängen konnten; ja sie wichen später selbst, zu Hohenau, Rabens- hurg und Wllfleinsdorf der allgemeinen epidemischen Krank- > IS heit, und beynahe jeder der nun entstandenen Krankheitsfälle war entweder dieBrechruhr oder durch sie unverkennbar mo- dificirr; daher folgten nun in beynahe ununterbrochener täglichen Reihenfolge neue Ausbrüchs, wenn gleich nicht in allen Orten die Krankheit sich zur Epidemie zu erheben vermochte; und selbst in den westlichen Theilen derselben und den beyden westlichen Kreisen folgten einzelne Krankheitsfälle, die durch ihre Form auf das Wachsen der epidemischen Constitution, sowohl an Ausbreitung, als auch an Stärke deuteten. So erschienen Anfangs Oktober zu Waschbach und Willendorf im V. O. M.B.*), zu Rittersfeld im V. O. W. W. und eben so in den westlichen Theilen des V.U, W. 28. zu Kritzendorf und Klosterneuburg, und des V. U. M. B- zu Schnnda, Stammersdorf und Zwen- tendorf einzelne Fälle, während die meisten Ausbrüchs der Brechruhr besonders die sumpfigen und von Bächen durchschnittenen Gegenden, mitten in der östlichen Ebene des V. U.W.W.: Neukettenhof, Pottendorf, Schmechat, Ran- nersdorf, Velin, Wienersdorf, Kettenhof, Guntramsdorf, und an deren westlichem Ende: Untcrmeidling, AltmannS- dorf, Fünfhaus, Reindorf, ini V.U.M. B. aber die östlichen theils un Marchfelde und theils an der March, Zaya und Thaya liegenden Orte: Groifienbrunn, Bernhardsthal, Ginzersdorf, Aspern, Loimersdorf betrafen. Doch erreichte nur in einigen dieser Orte die Krankheit eine größere epidemische Ausbreitung, als: zu Fünfhaus, Pottendorf, Velm und GinzerSdorf und, verglichen mit der Einwohnerzahl, besonders zu Bernhardsthal und Loimersdorf, welche beyde Orte feucht und sumpfig, das zweyte un Marchfelde und das erste in der Nähe eines großen Teiches liegen. Eben so ergaben sich im V. U. W. W. auch in den östlichen Gegenden der mehrgenannten Ebene, nebst den bereits bestehenden Epidemien, fortwährend neue Ausbrüche und zwar zu Pe- tronell, Deutschaltenburg und Stirneusiedl, obgleich in diesen Orten keine bedeutende Epidemie folgte; dann zu Sa- rasdorf, wo bisher häufig gastrische Krankheiten vorgekommen waren, auch die folgende Brechruhr-Epldemie einen ga- strrschen Lharacrer nie ganz verläugnen konnte so wie zu Wilfleinsdorf. Diese beyden letzteren Orte sind an der Leytha '^Viertel oder Kreis ober dein Mannharts- Berge. ,.3 niedrig gelegen, öfteren Ueberschwemmungen ausgesetzt, von Sümpfen, als der Quelle endemischer! hartnäckiger Wechselfieber, umgeben und mit schlechtem, geschmacklosem Trinkwaffer versehen. Im letzteren Orte herrschte eben eine Epidemie von gastrisch- gallichten Wechselfiebsrn, und allmählich traten diese in ihrer Gestaltung der Cholera näher, wichen ihr aber nur durch einige Tage, als die nunmehr allgemein verbreitete Krankheits-Constitution während den kalten nassen Tagen der ersten Hälfte November einen größeren Einfluß auf den allgemeinen Gesundheitszustand erlangte. Doch bald traten sie wieder hervor und sämmrliche noch erscheinende Cholerafälle durch sie modificirr, schienen sich nur aus denselben bey stärkerer Einwirkung von Schädlichkeiten zu entwickeln. Gegen die Mitte bis Ende Octoker blieb aber die Gegend um Wien und längs der Ebene bis an das Lsythags- birge fortwährend der Centralpuncr der neuen'Ausbrüche, die sich zu Rustendorf, Gaudenzdorf, Gersthof, Weinhaus, Unterdöbling, Nußdorf, Neustift, Dornbach, BrsdermannS- dorf, Unterlaa, Neudorf, Markt Fischamend, Kleinneusidl, Himberg, Unterwallersdorf und Weigelsdorf einfanden. Aber auch gegen den südlichen Theil derselben Ebene dehnte sich nun die Wirkung der epidemischen Einflüsse immer weiter und stärker aus, indem nun auch zu Kottingbrunn, Siegersdorf und Oberpeusching Ausbrüche sich ergaben, und nur in einigen der genannten Orte unterschied sich die Epidemie durch bedeutende Ausbreitung; doch zeichnete sich in dieser Beziehung besonders Oberpeusching am Kehr- und Schwarz- aubache und das an der Fischa gelegene SiegerSdorf, beyde oftmahligen Ueberschmemmungen ausgesetzt, feucht und sumpfig gelegen, aus, indem in jedem dieser Orre mehr als lo pCt. der Einwohner erkrankten, die Krankheit jedoch mit dieser Extensiv» eine geringe Heftigkeit verband, da von den Ergriffenen nur.3 bis ichpEt. starben. Auch zu Gaudenzdorf, das am rechten Ufer der Wien an manchen Stellen tief bis an das Wasser reicht und großentheils von armen Leinzeugwäschern, Färbern, Fabriksarbeitern u. s. w. bewohnt wird, dann in dem an der Donau liegenden Markte Fischamend erlangte die Krankheit eine ziemliche Ausbreitung. Doch war in letzterem Orte die Krankheit mehr hartnäckig, als rein und heftig, beschränkte sich meistens auf die minderen Grade und trug gewöhnlich einen gastrisch- pi- 9 tmtösen Character, oder einen nervösen an sich. Ihr Verlauf war mehr langwierig als stürmisch und die Nachübcl mehr als die Krankheit zu fürchten. Im V.U. M. B. beurkundeten die zu dieser Zeit in allen Theilen erfolgenden Ausbrüche der Krankheit die Verbreitung der epidemischen Krankheils- Constitution über den größten Theil dieses Kreises, dessen Gränzen sie, von Nordwest beginnend über die südlichen und östlichen Gegenden bis an die nördlichen reichend, beynahe ringsum umzogenz indem sie sich zu Seeseld, Unterzögersdorf, Treesdorf, Lang- enzersdorf, Enzesfeld, Gerasdorf, Leopoldau, Obersiebenbrunn, Witzelsdorf, Engelhartstätten, Marchegg, Zwern- dorf, Spannberg, Böhmischkrut, Enzersdorf bey Staatz und Kadolz ergaben und sich auch in mehreren derselben zu bedeutenden Epidemien erhoben, besonders zu UnterjägerS- dorf einem in den sumpfigen Donauauen gelegenen Dörfchen, in dem sumpfig liegenden Böhmischkrul, zu Seefeld und Kadolz, welche beyde letzter» an mehreren Teichen niedrig und feucht gelegene und mit schlechtem Trinkivaffer versehene Orte sind, und in deren ersterem kurz vor dem Ausbruche der Krankheit, ein großer Teich abgelassen worden war. Hier erschienen nebst der Cholera gleichzeitig auch mehrere andere Krankheitsformen, Nerven-, Faul- u. Wechsel- fieber, und mvdifieirten dieselbe einerseits unverkennbar in Erscheinungen und Verlauf, so wie andererseits auch ihre Form sich häufig der Cholera sehr ähnlich stellte. In allen den eben aufgeführten Orten aber zeigte sich die Krankheit sehr gelinde bey einer größeren Ausbreitung, indem in keinem derselben die Zahl der Gestorbenen So pCt. der Erkrankten betrug. Nun hatte die Ausbreitung der epidemischen Krankheits- Constitution und die Zahl der sich ergebenen Ausbrüche ihre Höhe erreicht und begann zu Ende October und bis zur Hälfte November, obgleich nur allmählich, abzunehmen. Auch fanden sich nebst der Cholera bereits andere, besonders die der nun eintretenden Jahreszeit entsprechenden catarrhösen, rheumatischen und exanrhematischen Krankheitsformen in sämmtlichen Kreisen dieser Provinz wieder ein; doch ergaben sich in der östlichen Ebene deS V. U.W.W-, sowohl in deren Mitte zu Sommerein, Eötzendorf, Margarethen am Moos, Wienerherberg, Oberlaa, Münchendorf, Möllers- dorf, Traiskirchen, Braken, Schönau, als auch in dem südlicheren Theile derselben zu Nadeldurg, Lichtenwörth und Wiener«Neustadt, dann an ihrem westlichen Ende und am Abhänge der längs dieses Viertels sich hinziehenden Gebirgskette, Und in deren Thalgegenden zu Mauer, Brunn am Gebirge, Maria-Enzersdorf und Fahrafeld noch fortwährend neue Ausbrüche, unter welchen einige besonders ausgedehnte Epidemien zur Folge harren, als: zu Margarethen am Moos, einem in einer niederen sumpfigen Ebene der Ley- rhagegend gelegenen von einigen bedeutenden Sümpfen umgebenen und mit geschmacklosem Trinkwaffer versehenen Orte, in welchem, wie in den meisten Ortschaften dieser Gegend hartnäckige Wcchselsieber einheimisch sind; dann zu Brunn am Gebirge, wo die Krankheit besonders das dortige Armenhaus ergriff und r o von den daselbst versorgten 3» Pfründnern wegraffte; ferner zu Nadelburg und Lichten- wörth, welche beyde mit Wasser rings umgeben häufigen Ueberschwemmungett durch den Austritt der Leytha, in deren Folge nie vertrocknende Sümpfe und Moräste zurückbleiben, ausgesetzt sind, und zu Sommerein einem am nördlichen Abhänge des Leythagebirges ziemlich erhaben liegenden Markte, in welchem ebenfalls Wechselfieber endemisch und besonders vor dem Ausbruche der Cholera in ungewöhnlicher Menge und Hartnäckigkeit, und selbst wahrend mehrerer erschienenen einzelnen Chslerafälle in gleicher Zahl vorkamen, bey ihrem epidemischen Auftreten aber, welches während und nach dem, durch starken übelriechenden Nebel ausgezeichneten 18. und>c>. December erfolgte, verdrängt, auffallend und plötzlich schwanden und erst bey ihrem gänzlichen Schwinden zu Ende Jänner wieder zum Vorschein kamen. Im V. U. M. B. betrafen die neuen Ausbrüche der Brechruhr zu dieser Zeit besonders die östlichen Gegenden, als die an der Thaya gelegenen Orte: Ober- und Unterthe- menau, Hohenau und Rabensburg, ferner Ringelsdorf, Thalesbrunn und Breitensee; dann die südlich im Marchfelde liegenden Ortschaften Kopfstätten, Kühwörth bey Großen- zersdorf und Deutsch-Wagram; im Westen aber deS Kreises nur Alberndorf. In der größeren Zahl dieser Orte entwickelte sich die Krankheit zu einer Mehr oder weniger bedeutenden Epidemie, am stärksten aber in den an der Thaya gelegenen und häufigen Ueberschwemmungen derselben, welche sich eben zu dieser Zeit wieder eingefunden hatten, ausgesetzten Orten Hohen«» und Rabensburg, in welchen beyden eben eine Nervenfieber- Epidemie mit Rühren geherrscht harre, durch welche offenbar die nachfolgende Cholera-Epidemie modificirr, in einzelnen Fällen manchmahl mit Fieber auftretend, häufig das Bild eines Nervenfiebers mit Cholera-Symptomen darstellte. Zu Rabensburg entwickelte sich gleichzeitig mit der Cholera eine Keuchhusten-Epidemie, deren Einfluß auf die Cholera-Epidemie übrigens»«bemerkbar vielleicht die Ursache war, daß an diesem Orte die Brechruhr in- und extensiv um so viel schwächer auftrat, als in dem ganz gleich gelegenen nahen Hohenau; ferner zu Ober- und Unterthemenau und zu Ringelsdorf, das nahe an der Thaya auf einem von Osten gegen Westen sanft sich erhebenden Hügel gelegen an weitausgedehntes Wirsenland gränzt, welches erst im August lange Zeit überschwemmt war. In der zweyten Hälfte November und der ersten des December nahm die Zahl der Ausbrüche, sowohl in dem V. U. W. W., als U. M. B. bedeutend ab. Im ersteren Kreise ergaben sie sich theils längs dem östlichen Abhänge und den Vorhügeln der westlichen Gebirgskette zu Heikigenstadt und Baumgarten, wo sich die Epidemie auf die Bewohner des unteren Gutes, genannt Bon«, beschränkte.(Dieses Gut liegt eigentlich im V. O. W. W. und kommt nur dadurch unter die Orte des V. U. W. W. zu stehen, weil sein Dominium diesem Kreise die Berichte einsandte). In Mödling, Gainfarn, Enzesfeld und theils noch hie und da in der östlichen Ebene, nähmlich: im deutschen Ziegelofsn, Leopoldsdorf, Moos- brunn, Schranawand, Ober-Waltersdorf, Ebenfurth und Lanzenkirchen, waren aber nur in den von einer großen Zahl armer Ziegelschlager bewohnten Ziegelhütten die Vorläufer einer bedeutenden Epidemie sichtbar. Eben so kamen sie, ohne einer bestimmten Richtung zu folgen, oder sich auf gewisse Gegenden zu concentriren in verschiedenen Theilen des V. U. M. B. vor, als: zu Großinzersdorf, Großenzersdorf, Poisdorf, Laa und Pottendarf, doch war die Epidemie zu Portendorf, einem an feuchten und sumpfigen Wiesen gelegenen und mit schlechtem oft ungenießbarem Tnnkmasser versehenen Orte, welche im Ganzen einen mehr gastrischen, catarrhvsen. oder rheumatische» in manchen Fällen selbst — 1,^— entzündlichen Charactcr zeigte, und worauf häufig nervös Krankheiten folgten, selbst mehr als die Choleca-Krankheits- anfalle zu fürchten; dagegen war die Epidemie zu Großsn- zersdorf und zuPoysdorf am Poysbache, welche Ortschaften sich einer schönen, trockenen und freyen Lage am südlichen Abhangs eines Hügels erfreuen, keineswegs unbedeutend in Ansehung der Ausbreitung, aber gelinde in Bezug auf die Heftigkeit, davon iedem Hundert Erkrankten in keinem dieser Orte /so gestorben sind. In der letzten Hälfte December fanden nur noch selten, und zwar im V. U. W. W. in Orten, in welch-n bereits die Krankheit einmahl erschienen war, zu Mauer und Pachfurth wiederholte Ausbrüche Statt. Im V. U. M> B. begann aber zu Garschenthal, einem ausgedehnten, von Weinhügeln umgebenen, in einem Kesselthale zum Theil auf einer ziemlich steilen Anhöhe liegenden Markte, in welchem eben im Monathe December eine Pocken-Epidemie geherrscht hatte, eine besonders gelinde verlaufende Brechruhr-Epidemie, die nur>s pr. Ct. der Erkrankten wegraffte. Noch seltener ereigneten sich im Monathe Jänner und zwar erst in der zweyten Hälfte desselben zu Breitens», einem im Steinfelde am Kehrbache liegenden und öfteren lleberschwemmungen ausgesetzten Orte, und in Neu- steinhof, beyde im V. U. W. W.; dann zu Herrnb aumgar- ten, einem von Weinhügeln rings umgebenen und gegen Norden von dein größten derselben geschützten, schön und gesund liegenden Orte im V. U. M. B. neue AuSbrüche, und bezeugten somit die fortwährende Abnahme der epidemischen Brechruhr-Constilution, obgleich zu Breitenau sowohl als zu Herrnbaumgarten die beginnende Epidemie zu den bedeutenderen der Ausbreitung nach gehörte, indem sie im letzteren Orte ,3, im ersteren sogar 18 pr. Ct. der Einwohner befiel, der Heftigkeit nach aber keine bedeutende Größe erreichte, weil sie aus 100 Erkrankten zu Breitenau nur»7 und zu Herrnbaumgarten sr als Opfer nahm. Im Februar wiederholten sich ebenfalls Ausbrüche zu Siipueusiedl, Gaudenzdorf und Scharndorf im V. U. W. W. Im V. U. M. B. aber kamen nur einzelne Fälle vor zu Ruhhof; und von jenen Orten steigerte sich die Krankheit nur zu Scharndorf zu einiger Bedeutung, wo sie bey ihrem Ausbruche sogleich mit großer in- und extensiver Heftigkeit auftrat, doch mit den ersten Fallen die Heftigkeit abgelegt zu haben schien, da alle nachfolgenden Falle, so rein auch das Bild der Krankheit blieb, sich auf die minderen Grade der Krankheit beschrankten und nur eine fortwährende Abnahme von jener schnell erreichten Hohe darstellten. Im Monathe März waren die meisten Ausbrüche bereits beendet und bezeugten die große Abnahme der epidemischen Krankheits-Constitution; und obgleich noch hie und da neu erschienene einzelne Cholerafalle auf ihr gänzliches Erloschen keineswegs mit Grund schließen ließen, so konnte doch für Vermahlen das Ende der durch 8 Monathe über den größeren Theil dieser Provinz verbreitet gewesene Epidemie angenommen werden. Eine Uebersicht der bisher angeführten Ausbrüche in den sämmtlichen Kreisen dieser Provinz, der Tage an welchen sie sich ereigneten, und der Zahl der in jedem Orte Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen gibt die nebenstehende Tabelle. Uebersicht der in chronologischer Ordnung von der epidemischen Brech- rühr auf dem platten Lands befallenen Ortschaften, ihres Bevölkerungsstandes, der Dauer der Epidemie nebst der Zahl der in jedem Orte Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen. L4 D om i» iu m. Ortschaft. Bevölkerung. Z K 1. Rohrau.... 2.».... 3.».... 4.».... 8. Magistrat Bruck- 6. Hainburg.... 7. Herrschaft Hainburg 8. Mekrvp. Domcapitel 9. Kittsee..... 10. SchwaSorf... 11.»... 12. Rohrau.... 13. Enzersdorf a. d.Fischn 14. Magistrat Baden. iö. Klvsterneubucg.. 16. Pcnzing...- ,7. Trumau.... 18. Rohrau.... iy. Ebersdorf a.d.Donau 20. Barnabitten-Colleg. 21. Pekronell.... 22. Mauerbach... 28. Barnabitten-Colleg.. 24. Braunhirschsn.. 28. Wolfsthal... 26.»... 27. Petronell.. 28.».... 29. Rohrau.... 3». Laxenburg,,.. 3i. Theesdorf... 3a. Jnzersdorf... 33. Achau..... 34- Klosterneuburg,. 33. Altmannsdorf.. Rohrau..... Bachsurkh.... Hollern Verhaus..... Bruck a. d. Leytha. Stadt Hainburg.. Freyunq..... Herrnals Edelthal..... Dorf Fischamend.. Schwadorf.... Schönabrunn... Enzersdorf.... Stadt Baden... Hiehing Penzing..... Pfaffstetten.... Scharndarf.... Ebersdorf.... Sechshaus.... Kroatisch-Haslau.. Mauerbach.... Währing.... Braunhirschen..- Wolfsthal.... Hundsheim.... Eilend Wildungsmauer.. Deutsch-Haslau.. Laxenburg.,.. Theesdorf..,. Jnzersdorf.... Achau...... Untermeidling... Altmannsdorf... 8Sb 36o 828 3i« 2.89b 3,4'° 61 3,848 696 54S i,b4b 278 900 3,ooo 1,278 2,714 958 467 i,3oo 2,842 817 gib 2,49b 8,642 967 647 247 34> 872 >,026 980 1,818 622 1,24«, 490 Fiinrag-,..- Anfang der Krankheit. Ende der Krankheit. Es sind sonach während des Verlaufes der Krankheit erkrankt: genesen: gestorben- 4. Aug. 4.» 3.» s.» s.» 21.» I. Sepk. >. 6. 8. 9- 10. 12 iS. ib. >7- >7- >7- >7- '9- 20. 23. 2/f. 2/s. 24. 25» 26. 27. 27. 2"/.» 2g.» 2g.» 3ü.» 1. Oct. 2.» » » » >- » » » » » » » » » » » » » » » 4- Sept. 3>. Oct. -4- Sept. 23. Oct. >5. Nov. >7.» >7.» 2b. März »>. Sept. 23. Nov. -8. Oct. 20.» ,8.» 4- Nov. ib. Sepk. >7.» >S. Oct. 24.» 22.» S. Iän. 3>. Dcc. >2. Nov. 28. Dec. 3. März 1. Nov. >3.» Z-. Dee. 3r.» 24. Oct. 2g. Nov. >8. Oct. 23.» 21.» 4. Iän- 3. Oct. -8 10 -4 10 14 2b 2 46 3 S 4 -7 1 7 i 1 9 ,8 ib 21 Y2 -3 42 3 1 7 2 2 43 2 24 2» 7 Soi '4 9 -4 9 11 S 33 2 3 3 '7 1 b 1 12 18 ib >4 99 >4 27 10 4 >2 3 1 20 5 27 21 9 1 2 2 6 2 S 8 1 21 7 6 8 -3 28 3 -8 r 2 2 1 29 1 10 10 5 443» 211 1 s 9 8 8 3g 5 20 7 2 b 1 iS s i5 7 7 .95 ib 8 8 8 9 18 1 28 3 1 4 >4 1 5 1 2 >2 8 8 64 10 >4 2 1 >4 1 '4 10 2 11 7 10 6 11 3 26 1 2 -4 2 2 7 9 8 b bc> 9 7 3 2 6 2 1 12 >4 2 1 2gc> j 243 1S2 s-; D o m i n I u m. Ortschaft. Be- völke- rung. Z K rr N Uebertraq. 3b. Kettenhof.... 37. Poktcndorf... 33. Ebersdf.a.d. Donau 39. Velm..... 4». Klostcrnsuburg.. 4'. Rannersdorf... 42. Tribuswinkel.. 43. Braunhirschen.. 44. Kettenhof.... 43. Bcaunhirschen.. 46. Petronell.... 4?- Guntramsdorf.. 43. Mag.Klosterneuburq 4h- Gersthof.... 2o. Klvsterneuburg.. öi. Poktendorf... Sr. Unterwaltersdocf S3. Biedermannsdorf. 54- Trautmannsdorf. 55.» 56. Wilfleinsdorf. 57. Braunhirschen.. 53. Deutschalkenburg. §9- Klvsterneuburg.. 60. Schwadorf... 6>. Pfarre Hntteldorf. 6». Dornbach.... 43. Klostecneubnrg.. »». 43. Magistrat Himberg. 66. Laa.. 67- Enzersd.a'b.Fis'cha.' 83. Ebenfurth... Neuketten Hof... Pottendorf.... Markt Schwechat.. Velm..... Kritzendorf.... Rannersdorf.-. Wienersdorf.-. Funfhaus.... Kettenhof.... Reindorf.... Petronell.... Guntramsdorf... Stadt Klostsrneuburg Gersthof...., Gaudenzdorf... Weigelsdorf... Unterwaltersdorf.. Biedermannsdorf.. Sarasdvrf.... Stixneusieds... Wilfleinsdorf... Rustendorf.... Deutschaltenburg.- Neustist..... Kleinneusiedl... Weinhaus.... Dorubach.... Unkerdöbling... Nußdorf..... Himberg Unterlaa Markt Fischamend. Siegersdorf... bov 1.837 2,4>7 462 537 bvo 3>b 3,544 54» y8a 987 ,,2Ü4 4,ob5 3o5 1,977 288 760 653 640 680 58a 733 778 3.5 Sog >8y «34 4bS ',997 i,3?3 275 r,v3y 2S8 Fürtrag.> 123 Anfang der Krankheit. Ende der Krankheit. Es sind sonach während des Verlaufes i der Krankheit I erkrankt: gene sen: gestorben: ß 8 s « 8 Z «»»,« 5oi 443 2,1 195 2YO 248 4- Oct. s.» 5.» 5. D 5.» 6.» 6.» 7.» 8.» 10.» i<>.» 10.» ia.» 11.» 12.» 12.» 12.» i3.» i3.» >3.» i3.» >4- v >4.» ib.» 16.» >7.» >8.» 18.» i3,» 19.» >8.» >y.» 19.» 8. Ort. 12. Nov- 10. Oct- 2Ü. Rov. 7- Jän. S. Nov. 8. Oct. i5- Febr. 2. Nov. ö. März 10. Dec. S. Nov. 22. Oct. 11.» 28. Dec. 5. Nov. Z. Dec. 4. Febr atz. Dec. » 29. Nov. 2». Dec. 22. Oct. 7. Jän. 4. Nov. 8» itz.» 17. Jan- 7- Jän. s4- Oct. 18.» 21. Jän. 17. Nov. iS 1 10 3 r rS 7 4 8 2 33 3 12 5 8 2 ia 6 11 5 2 2 '4 1 1 19 12 2 ry r r 5 r r 28 2 rr 3 9 r Z 28 6 6 9 3 8 7 4 r 1 r°3 2 3! r 16 r6 12 1 tz 's 's 3 5 13 2 7 4 6 's 4 8 1 y 'S 1» 1 i3 6 1 24 2 L 2 b '7 2 3 ö 4 3 4 1 's 18 -4 3 4 3 1 6 2 r 3 2 20 r 5 r 2 3 5 2 3 5 r 2 5 1 4 2 I b 's 4 1 1 4 3 1 3 1 1 11 'tz 3 4 1 4 4 1 8 2 i3 1 7 2 ° 724 6L>)^ 24b 343> 878 34Ss »24 L-; Do Minium. Ortschaft. Be- oölke- rung. V. U. W- W. Uebertrag.. 6g. Neudorf.... 70. Gerasdorf... 71. Kvtttngbrunn.. 72. Margerethen a.Moos 7J. Traiskirchen... 74. Neudorf.... 78. Edergassing... 76- WenkcrsS. b. Baden 77- WinkelmühlbshNa- delsburg.... 78. Mauer 79. Schönau.... 80. Beste Lichtenstein. 61.»». 62. Fahrafeld.... 83. Staatsh. Neustadt 84- Mag. Wien.-Reust. 85. Trankmannsöorf. 86. Mannersdocf.. 87- Rothneusiedl.. 89. Trumau...- 89. Magistrat Mödling 90. Oberivaltersdorf. 9>. Klosterneuburg.. 92. Purkecsdorf.. y3. Gainfahrn... 94- Staatsh. Neustadt 9». Leopoldsdorf.. 96.>Leibersdorf.. 97. Enzesseld.... 98. Ebenfurth-.. 9g. Schwadorf... Neudorf Oberpeusching--. Kottingbrunn... Margarethen... Traiskirchen... Möllersdorf... Wienerherberg... Braiten..... Radelburg.... Mauer..... Schönem.... Brunn am Gebirge. Macia-Enzersdorf Fahrafeld.... Lichtenwörth... Stadt Wiener-Neust. Götzendorf.... Lommerein... Obeclaa Mnnchendorf... Markt Mvdliug.. Oberwaltcrsvorf.. Heiligenstadt... Bona Gainfahrn.... Lanzenkicchsn.. Levpoldsdürf... Schranawand... Enzesfeld.... Ebenfurth.... Mvosbrunn.... >,000 269 25o 742 >,."4 870 53> >69 3bo '.'4° 817 1.82g 887 657 i,roo 9.707 S29 >,4»o >,<>43 772 2,710 795 936 So 1,227 35o 644 143 39 a 88S 48, Fürtrag..... , 25 Anfang der Krankheit. Ende der Krankheit. Es sind sonach während des Verlaufes der Krankheit erkrankt: genesen: gestorben: Z Z Z r: D s 72/j. 689 346 343 378 346 22. Oct. 2/j..» 26.» 27.» 28.» 28.» 29.» 30.» 1. Nov- 2.» 4.» 5.» I.» 5.» 3.» 7.» 8.» 12.» 13.» >5.» 19.» 19.» 19.» 19.» 24.» 2 5.» 28,» 3. Der. 6.» > 3.» 16.» 22. Act. >5. Rov. 26.» 26. Dec. 8. Nov. 28. Oct. 29.» 3>. Dec. rü.>> 26. Nov. 3. Dec. 3».» 2^f.» 24. Nov. 26. Dec. >3. Nov. 26.» 20. Ja». >3. Nov. 12. Dec. 21.» 23.» 7- Iän. 9. Dec. 3!.» 27.» 17. Iän. ü. Dec. 6.» >8.» 3,.» r6 4 37 1 r 2 r5 ! L 3o 5 4 10 2 r 23 r 7 6 2 2 2 3 ro » r 1 2 '4 8 ,9 r 1 2 6 64 I! 22 ro 2 2 35 2 9 r 5 r r r 2 2 r 6 3 2 ; ,2 3 23 13 22 4 3 ro 2 r 9 2 6 3 r r 2 2 8 r 1 1 .3 5 38 10 7 6 2 24 r 2 9 3 2 ! r 3 2 r 4 r r4^ r^ r .2. 2! r r 8 1 r r4 1 5 6^ 3 r r r 2 r 2^ L' 6 r 1^ 2.^ r6 1 5 4 2 r r 7 6 8 1 r 6 r 1 924 924 />7ä 4y> 44 h 433 . O. W. W K N Do min iu m. Ortschaft. 1. Eßlingen 2. Octh... 3. Rabensburg 4- Siebenbcunn ö. Bjsamberg. 6. Siebenbrunn 7. Weickersdorf 8. Korneuburg y. Klvsterneuburg >». Matzen.. >>. Prinzendorf ,2. Schloßhof. 13. Stetkeldorf. 14. Stammersdors Mannsdorf.. Orth.... stich tenwörth Lassee... Enzesfeld.. Untersiebenbrunn Weickersdorf. Korneuburg Hagenbrunn Velm... Gößcndorf.. Groißenbrunn. Schmida.. Stamruersdorf Bevölkerung. Uebertrag.-.. >00. Purkersdorf.. ,oi. Jnzersdorf... >02. Rohrau.... iv3. Mauer.... >c>4- Neusteinhof... >o5. Frohsdorf... 106. Traukmannsdorf. >07. Rohrau.... >o8. Klvsterneuburg Baumgarten... Deutscher Zlegeloftn. Bachfurth.... Mauer..... Neusteinhof.... Breitenau.... Stixneusiedl.. Scharndorf.... Gaudenzdorf... 270 20c» 36o r,>36 23. 322 68» 467 >/->77 Summa. 1. Rappoltenklrche». 2. Kvnjgstetten.. 3. Traisinauer... Rvhrenbach.... Greifenstein.,. Nitkersfeld.... 25, 2SI 212 Summa *..,. 33o >,o8L I,ooo 638 625 43o 5 20 2,027 48o 807 6/>3 348 228 843 Sucrrag I 2?—-^ Anfang der Krankheit. Ende der Krankheit. E» sind sonach während des Verlaufes^ der Krankheit erkrankt: genesen: gestorben: Z 8 Z c: Z Z 924 9'4 4?Z 4g> 449 433 >6. Dec. 17.» 26.» 26.» r6. Jan. 23.» 2. Febr. 9-» >4-» 20. Ja'n. 20. Febr. >y. Dec. >>. Febr. 3>. Jan. >6. Febr. 1«.» 2g.» 3. März 10 20 2 8 r 12 3 29 5 8 2l 2 4 2 46 29 3 9 -4 r 4 r 1 r 2 26 3 3 >7 3 2 87 23 2 6 r 4 r 1 3 2 s 4 2 1 9 's > ..... 1,0,4s 1,089 546 S78 4b8' 4b 1 20. Sepk. 3o.» 6. Oct. iS. Oct» 2 2.» 22. v 1 r 2 3 1 2 r 1 2 1 1 2 1 1 ..... 4 s b 4 j 2 - 4 8. Sept. r 1.» 12. N ;3.» 1- 7. N 20. N 20. N 23. V 2/j.. V 2- j. V 24.» 1. Oct. 2. r- 7-» 8. Oct. 8.» 12. Nov. ,5. Oct. >8.» 23.» 10. 2 8.» »5. Sept. ,9. Nov. 19.» >3. Oct. >6.» 14.» 8 b öi 2 7 b 8 9 2 1 1 1 r r r 33 3 1 6 4 1 7 ib 6 3 29 1 1 3 10 2 4 1 1 1 6 S 24 > 2 3 10 2 3 22 L 6 1 3 'ö 5 i 5 6 >4 2 > 4 4 > 4 b 3 1 s>02 >o3 52 52 50 j 5i »39 D o m i n i u m. Ortschaft. Be- völke. rung. K 8 6 K Uebertrag iS. Rabensburg.. >6, Haaenberg-.. ,7. Walterskirchen.. >8. Aspern a. d. Donau 19. Schloßhof... 20. Kadolz.... 21. Siebenbrunn.. 22. Sierndorf... 23. Klostcrneuburg.. 24. Walterskirchen.. 25. Matzen.... 26. Marchegg... 2-7. Klvsterneuburg.. 28. Marchegg... 29. Süßenbrunn.. 30. Schloßhos... 3>.»... 82. Kreutzenstein.. 33. Kadvlz.... 84. Biiamberg... 35. Staatz.... 36. Matzen.... 87. Süßenbrunn.. 38. Feldsperg... 89. Althvf-Neh... 4o. Marchegg... 4>. Rabensburg.. 42.».. 43. Ekartsau u. Orth. 44. Rabensburg.. 45. Feldsperg... 46. Großenzersdorf. 47. Wolkersdvrf.. Vernhardsthal.. Zwenlendors... Ginzersdorf... Aspern..... Loimersdorf..- Seefeld..... Obersiebenbrunn.. Unterzögersdorf.. Langenzersdorf.. Böhmischkrut... Spannberg.... Marchegg.... Leopoldau..-. Zwerndorf.... Gerasdorf.... Engelhartstetten.. Watzelsdvrf.... Treesdorf.... Kadolz..... Enzesfeld.... Enzersdorf.... TalleSbrunn... Deutschwagram.. Oberrhemenau... Alberndorf.... Breitensee.... Hvhcnau.... Ringelsdorf.... Kopfsfetten.... Rabensburg... Unrerthemenau.. Knhwirth.... Großinzersdorf.. 33^ 4^00 -706 4?y 7S9 687 18> 617 i,8«o ,,>>4 i,o>6 I,lv0 443 6S2 487 285 428 782 625 587 272 507 720 >,214 5i4 i,6o.» >» > 3.» >4->' >4-» >3-» 17.» 19.» >9.» 20.» 20.» 20.» 23.» rZ. 24. 24. 2b. 27. 28.» 3o.» t. Nov. » 2.» 3.» 2.» 4.» 6.» 6.» >3.» 24.» 8. Der. 9. Ort. Nov- 20.» 12»» 20.» 23. Ort. 21. Nov. 21. Ort. 7. Der. 26. Nov. 19.» 20. Oct. >9. Nov. 12.» >4-» >.» 3i. Oct. 19. Nov. 26. Oct. >0. Dec. >2. Nov. 19.» 26-» >4-» 19.» 28. Jän. 2>.» 10. Dec. «3. Jän. 26. Dec. 6.» 3i.» Es sind sonach während des Verlaufes der Krankheit erkrankt: 102 ic>ü ! ^8 2 3c> 33 1 ö L°8 3 2 2 ö 7 >0 2 I ,s ö 4 3 S4 4 b ic>3 23 3? 3s 3 >3 663 i»3 76 2 33 36 4S 4 4 11 10 10 » >6 >3 1 47 2 3 110 2l 3 S> 2S 3 33 genesen- S2 80 6 22 'S >8 1 2 2 1 43 2 4 90 >7 3, 26 3 y gestorben r ö2 Sr 4 24 22 28 2 2 °6 6 4 36 2 2 88 '4 3 46 .5 I 3o 69» H 458, 47-! So 26 1 ?2 2 8 ro 3 2 2 2 5 3 L 5 1 3 2 2 r» 2 2 rS 6 6 6 20S 5r 24 8 ^ 2 9 r4 2 r 22 7 6 10 2 3 —»3a—- — s; D o m i n i u m. Ortschaft. Be-- volke- rung. D. U. M. B. j Uebertrag.--» 48. Großenzersdorf. 4y- Wilfersdorf.-, 50. Magistrat Laa.. 51. Poysbrunn... 52. Feldsperg. 53.».-- 54- Altprerau-.- SS. SteinabrE-- GrvßenzeMorf.. Poysdrrf.... S>-»t Laa.... /tftottenhof.... Garschenthal-.. Herrnbaumgarten.- Ruhhof Neuruppersdorf.. 787 2,366 i,4>8 6,3 38S >,658 3y 66g Summa..... D- O. M. B >. Pritzendorf... s. Herrschaft Spiß. Waschbach.... Willendorf.... ^9' 201 Summa-.. V. U. W. W-.-»---- W. O. W. W...----- V. U. M. V.'.------ D. L>. M. B.------- Total- Summa- >3» Anfang See Krankheit. Ende der Krankheit. -»»„ 1. Dec. 8.» 16.» 17.» 28.» 2y..Jän. 8. Febr. 4- März 3. Der. Jan. 28. Febr. 4. r 2>. Jan. '<>. März »8. Febr. ««« >. Oct. L.» Es sind sonach während des Verlaufe der Krankheit erkrankt genesen gestorben: 663 boi 4Z8 47' 208 220 82 23 2^ 30 5^ 37 -8 - 1Z2 26 1 11 9oo S?4 662 25y 288 >,,o3o S46 2-8 468 461 8S2 980 662 288 288 1,124 1,24z 704 717 »>,85!>,yg7 3,848 H 2,367 l i,48, II. Richtung der Epidemie in der ganzen Provinz. Obgleich die Krankheit in ihrem Fortschreiten weder einer bestimmten Richtung, Lauf der Gewässer, Zug der Gebirge, Communication der Ortschaften durch Straßenver- bindung, Verkehr u. s. w. folgte, noch von Ort zu Ort sich fortpflanzte, sondern, ohne einer wahrnehmbaren Regel zu folgen, oft mitten in einer Gegend einen Ort erfaßte und von da aus ringsum sich ausbreitete, oft plötzlich auf entfernte übersprang, ohne die dazwischen liegenden zu berühren; so war doch im Ganzen eine Richtung der Epidemie von Osten gegen Westen unverkennbar, und der östliche Theil dieser Provinz, vorzüglich aber der des V. U. W. W-, kann als der Ausgangs- und Centralpunct der Epidemie angesehen werden, von welchem aus die Krankheit sich allmahlig über den größeren Theil dieser Provinz gegen Westen ausdehnte und wo sie von ihrem Ausbruche bis zu ihrem Aufhören am intensivsten und eigentlich epidemisch verweilte, wahrend sie i» den westlichen Kreisen deS V. O. W- W. und V. O. M. B>, sich gar nicht zur Epidemie zu erheben vermochte, und selbst die westlichen Theile des V. U.W. W. und V. U. M. B. ungleich gelinder ergriff. Im Monathe August beschrankt- sie sich auf einige an der Leytha gelegenen Orte des Sanitats-Distriktes Druck, in welchen sie zuerst in Oesterreich auf ihrem Zuge von Osten gegen Westen aus Ungarn erschienen war; und obwohl einzelne Falle in mehreren theils nahen theils fernen Ortschaften«uf eine größere Verbreitung der epidemischen Krankheits-Constitu- rion schließen ließen; so trat die Krankheit Loch erst rm September, ohne die inzwischenliegenden Orte zu berühren, in der Nahe von Wien und in einigen Flußgebiethen der Donau epidemisch hervor, und breitete sich allmählich in den Monathen September und Oktober über jene ausgedehnte im Osten des V. U. W. W. liegende Ebene, gegen Westen zum Theil auch gegen Süden aus; erschien zwar ausnahmsweise auch in einigen Ortschaften der Gebirgskette, welche sich im Westen diesem Kreis entlang hinzieht, erhob sich aber hier nur selten, wie dieß besonders unter den Pfründnern des Versorgungshauses zu Mauerbach der Fall war, zu einer bedeutenden Epidemie, und hatte sich daher offenbar nur die östliche Ebene zu ihrem eigentlichen Sitze auserkoren. Von Anfang September verbreitete sich die Krankheit auch jenseits der Donau im V. U. M. B. von den in den sumpfigen Gegenden der March und Donau gelegenen Ortschaften, gegen Westen und Norden durch den größten Theil dieses Kreises, so daß auch hier der ganze westliche Theil als auffallend verschont, und der unterm 33° 4s> östlicher Läng« befindliche als der beyläufige Endpunct der Epidemie in dieser Provinz angenommen werden kann. Es erschienen zwar auch in den westlichen Kreisen des V. O. W- W. Und V. O- M. B. einzelne Fälle der Brechruhr, ohne jedoch anders als sporadisch und zu einer Zeit aufzutreten, wo die Stärke der epidemischen Einflüsse auf den höchsten Grad gestiegen war. Auch in den folgenden Monathen hielt die Epidemie dieselben Gegenden besetzt, und fortwährend beurkundeten neue Auebrüche die Fortdauer der epidemischen Cholera-Con- stirution; doch nahmen diese an Zahl anfangs allmählig, später aber immer merklicher ab, und wurden besonders in den letzten Monathen immer seltener, lnS von, 4. März an gar keiner mehr erfolgte; wodurch sich auch auf das Aufhören der epidemischen Verbreitung der Brechruhr schließen ließ. Deutlich geht die von der Mitte September bis zum Ende Oktober steigende, von da aber allmählig wieder abnehmende Ausbreitung der epidemischen Cholera-Constitution aus der nachstehenden Tabelle über die Zahl der von Tag zu Lag, Woche zu Woche und Monath zu Monath erfolgten Cholera-Ausbrüche hervor, welche als den höchsten Grad der Ausbreitung die Zeit vom 10. bis so. Oktober angibt- —.34— Tabelle über die auf dem flachen Lande von N. Oest. im Von Tag zu Tag 8 6 1 2 3 4 s k> 7 8 9 ,c> 11 12 i3 >4 i5 lü i? 18 -9 20 21 22 23 24 25 26 27 28 3^ 3i G Summa 6 3 3 1 4 3 3 3 5 2 3 5 4 r 2 2 5 4 4 r 2 3 2 2 3 r 2 j-,^ !.1, i l'I Februar. »35 Jahre»8ZV, erfolgten Cholera-Ausbrüche. »"b Zs Von Woche zu Woche. Datu m- Von Monath zu I Monath. A8 Monath. r-»d I ^ I I I 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 I» 11 >3 '4 iS >6 »7 ,8 >9 2» 21 22 23 -4 25 26 27 28 29 30 31 Vom 2. Aug. bis 6.—» ,3.—» 20.—» 27.» 3. Sept.» 10.—» 17.—» 24.--» Oct.» 8.—» iö.—» 22.—-» 29.—» S. Nov.» 12.—» 19.—» 25.—» 3- Dec.» 10. v 17.— ,> 24.—» 3>.—» 7. Jän.» ,4.—» 21."» 28.—» 4. Febr.» ,1.—» 18.—» 2Z.—» 6. Aug. i3.-- 20.— 27.— 3.Spt 10.— 17.— 24.— i.Oct. 8.— iS.— 22.—- 29.— S-Nov 12.— »9- 26. 3. Dec 10. 17.— 24. S>.— 7- 2än >4- 21. 28. 4-Feb 11. 18. 25.— 4. März 3i 1 2 S 11 12 12 >7 20 18 13 i5 5 7 3 3 2 6 >b8 August. Septemb Oktober. Novemb. Decemb. Jänner. Februar. März. Summa b 39 73 29 i3 3 4 1 168 >36— hervorgeht, zeigte die Witte.- rungs-Beschaffenheit wenig Einfluß auf die Ausbrüche der Cholera, da ,le sowohl während den kalten, stürmischen und ^"5.^^n heitersten, warmen oder kalten Taqen von An? erfolgten; doch scheint^die von Anfang August b,s zum Anfang November stufenweise steigende und dann wieder allmählich abnehmende Zahl dieser Ausbruche, mit vollem Rechte der den Gesetzen jeder Epi-- demwentsprechenden und bis auf einen ge.vissen Grad wach. senden, dann ivreder abnehmenden Macht, und Ausbreitung der epidemischen KrankheitS- Constitution zugeschrieben>u «erden; obgleich auch die Witterungs-Beschaffenheit an de! Bestrmmnng und Modific-rung dieser Constitution wesentli- ch-n Antheil haben mochte, und wenigstens in so ferne auf "nen Einfluß zeigte, als sie durch veranlaßte häufigere und größere Schädlichkeiten, der herrschen- den Uebergang der herrschenden Cholera-Coustitut.on in eine 2 8'''"d'»f den Verlauf der h.edurch erzeugten etidenilschen Krankheiten gewesen zu seyn; denn meistens erfolgte lener Uebergang entweder bey, oder bald nach eingetretener rauher, stürmischer Witterung, bey Regm° e Schneegestöber, Nebelwetter oder heften Sturme; ob- gleich auch nicht zu läugncn ist, daß die einmahl vorhandene Epidemie öfters wahrend der heitersten, trockenen und war- d!7^'"^ungs-Verhältiiiffen, als von dem Zeitpuncte rub?C°n^2' und Abnahme der epidemischen Brech- von Wo/e 2 7 1'^aher die folgende Tabelle über die Monath zu Monath an der Erechruhr Erkrankten, Genesenen und Gestor- km-uvährcnde Zunahme bis zum Monathe No- eine nur w/nig unterbrochene Abnahme derselben bis zur Beendigung der Epidemie zeigt. M iM Tabelle über die auf dem flachen Lande von N. Oeff. im Jahre ,L3V- an der epidemischen Brechruhr Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen, D v I! W v ch e zu Woche Zahl der Wochen.^ D a tu m. 2 3 4 s 6 7 8 9 10 11 12 i3 -4 15 16 '7 ist -9 20 21 22 23 24 27 Vom » 2. 1. 8. >S. 22, 2Y. S. »>9, » 26. 0 3. 8 10. » 17. » 24. » 3i, » 7. » 14. » 21. >> 28, » 4- » II. » 18. » 2S. August bis Oktober» Nov. Dec. Febr. » 3. März» 1. 8, >3. 22. 29. 'S. 12. 3. 10. >7- ,4. 3.. 7- >4- 21. 28. 4- 11. 18. -S. 3. 26. Oct. Nov. Dec: Jan. Febr. März 29Ü 1S1 2,3 4üb 2/ü 3So 282 242 -47 2>0 .71 I<3 ib8 1,6 S3 43 28 4S 1S4 Y2 73 25 6 28 Summa 7» 38 83 188 145 207 >9? 17Z iyy 1Ü8 120 iib 97 io> Sy 3" 3o 3- 79 6q 7b 44 21 ,6 197 99 112 21b i»3 128 89 140 83 60 48 34 4> 34 2> 8 io 8 20 1 L 2 2 5 »3,348j2,367^,48> Von M 0 n a k I, z u Mona k h Zahl der Wochen. 2 3 4 3 6 7 8 Monath. August i September/ petobec November. December. Jänner Februar März. Summa -96 > ,> 06 I,I2l 778 169 35o 28 70 434 778 602 168 289 ib >97 S3o 44o 217 4» 5- s ß3,84öj2,3b7 si/chi j .39 III. Verlauf der Epidemie in den einzelnen Ortschaften. Der Verlauf der epidemischen Brechruhr in den einzelnen Ortschaften war im Allgemeinen folgender: Bevor die Cholera in einem Orte ausbrach, erfreuten sich gewöhnlich die Bewohner eines besonders u. oft auffallend guten Gesundheitsstandes, daselbst endemische und sonst nie verschwindende Krankheiten gänzlich sich verloren. Entstanden aber auf veranlassende Schädlichkeiten einzelne Krankheitsfälle, so zeichneten sich diese durch ungewöhnliche Krankheirser- scheinungen, als wässerigen Durchkält und Erbrechen, Krumpfe, Kälte der Gliedmaßen u. dgl., so wie durch einen eigenthümlichen schnellen Verlauf und Lurch schnelle Tätlichkeit aus, wodurch sie einen offenbaren Anstrich der Brechruhr erhielten und somit unverkennbar auf das Erwachen einer neuen Krankheits- Constitution hindeuteten, deren Einfluß sich bald deutlicher aussprach, indem ihn der größere Theil der Einwohner des betreffenden Ortes durch größere oder geringere Störungen der Gesundheit an sich fühlte. Von dergleichen Störungen wurden am häufigsten folgende beobachtet: Kopfschmerz und Schwindel, die bey manchen Personen durch die ganze Dauer der Cholera in demselben Orte regelmäßig periodisch z. B. alle Abende wiederkehrend beobachtet wurden, Verstimmung des Gemüthes, Abgeschlagenheit, Schwere der Glieder, Störung der Eß- tust, starker Durst, Gefühl von Völle im Unrerleibe und Kollern in demselben, vorzüglich aber wässerige Durchfälle, die in manchem Orte, besonders bey der stärker entwickelten Epidemie zu Schönabrunn, Gsrhaus, und in vielen anderen Orten ganz allgemein waren, und welche entweder ohne besondere Veranlassung oder durch unbedeutende Gelegenheitsursachen erzeugt, bey gehörigem Verhallen zwar gefahrlos, häufig aber die Vorläufer der Brechruhr waren. Diese Störungen konnten zwar zum Theil der Angst und der aus Furcht plötzlich veränderten Lebensweise der Einwohner zugeschrieben werden, besonders in den zuerst ergriffenen Ortschaften, wo die Angst der Einwohner oft auf einen so hohen Grad gesteigert war, daß wenige bey der gewohnten Lebensweise zu beharren wagten. Doch ergaben sich dieselben auch in Orten, in welchen jene Gemüthsbewegungen bey den Einwohnern unbedeutend waryzr und eine so allgemeine Wirkung hervorzubringen nicht vermocht hätten, sie daher bloß von der Einwirkung epidemischer Einflüsse abhängen konnten. Jene einzelnen Erkrankungsfalle wiederholten sich zuweilen durch längere Zeit; manchmahl folgte auf sie kein eigentlicher pandemischer Ausbruch der Brechruhr, sondern sie blieb auf jene beschrankt; gewöhnlich aber folgten dergleichen Falle schneller und häufiger auf geringere Veranlassungen, vollkommener entwickelt und ausgesprochen, rein ohne anderweitige Complication und zuletzt in solcher Anzahl, daß die Cholera anerkannt und als Epidemie erklärt werden mußte; zugleich wurden jene Störungen im Gesundheitsstande der Einwohner immer mehr verbreitet und zuweilen allgemein; es schwanden andere acute Krankheitsformen, oder kamen der Brechruhr in ihrer Gestaltung immer näher; endemische Krankheiten verloren sich, und Gelegenheitsursachen die sonst diese erzeugten, brachten einzig Brechdurchfälle hervor; selbst chronische Krankheiten oder schon bestehende andere Krankheitsfälle entlehnten ihre Form von denselben. Der weiiere Verlauf der Epidemie war nun in den einzelnen Orten verschieden; während in einigen nur allmählich die Zahl der Erkrankungen wuchs, und in gleicher Progression die Form der Fälle reiner, der Verlauf rascher, und die Gefährlichkeit größer wurde, die Epidemie daher nach und nach ihrer in- und extensiven Höhe entgegenschritt, erreichte sie diese in anderen nach einigen oder mehreren vorausgegangenen einzelnen Krankheitsfällen plötzlich, wuchs schnell zu einer bedeutende» Stärke an, von der sie dann eben so schnell als sie gewachsen war, manchmahl aber auch nur allmählich wieder zurücksank. Besonders waren die reinen Cholera- Ausdrüche und vorzüglich die heftigeren derselben durch einen solchen raschen Verlauf ausgezeichnet, der daher in den zuerst ergriffenen Orten, wo die Cholera überhaupt eine größere Reinheit zeigte, wie zu Rohrau, Gerhaus, Schönabrunn». s. w. häufiger vorkam, während in anderen Orten, besonders in solchen, wo die Epidemie ihre volle Reinheit nicht behauptete, sondern irgend einen Ne- ben-Characteran sich trug, sie eine eben so allmähliche Abnahme zeigte, als sie in ihrer Zunahme langsam begriffen war. Wahrend dieser Abnahme wurden nicht nur die Brechdurchfälle immer seltener, erforderten zu ihrer Entstehung auffallendere Veranlassungen und führten, auf mindere Grade beschränkt, gewöhnlich eine geringere Gefahr herbey, sondern verloren auch an Reinheit und zeigten nun oft einen Neben-Charakter, welcher von der sodann eintretenden Krankheits- Constiiutioi! abhängig, bald gastrisch, gallicht, catarrhös, rheumatisch, nervös, manchmahl deutlich fieberhaft, oft selbst internurtirend war und um so mehr überzuwiegen fortfuhr, als die Cholera-Constitution schwächer der folgenden das Feld räumte. In demselben Verhältnisse verloren sich auch die allgemeinen Störungen im Gesundheitsstande der Einwohner entweder ganz oder wechselten mit anderen, besonders, je nachdem der Characrer der nun eintretenden Krankheits-Constitutivn war, mit gastrischen, gallichte», catarrhösen, rheumatischen Leiden u. dgl. und je fremdartiger der reinen Cholera die nun erscheinenden Krankheitsformen, je häufiger andere, besonders fieberhafte Krankheiten mit energischer Reaction erschienen, und je mehr die allgemeinen Veränderungen deS GelundheitSstandeS der Einwohner abnahmen oder sich veränderten, desto sicherer war auf das Ende der Cholera-Epidemie zu rechnen, obgleich der Uebergang derselben in die gewöhnlichen Krankheiten manchmahl sehr allmählich erfolgte und die entstehenden neuen KrankheilSformen noch lange einen Anstrich der scheidenden Cholera-Constitution aufgeprägt behielten, so wie auch noch» lange durch sie mvdificirr blieben. War aber zur Zeit, als sich die Cholera über eine Gegend verbreitete, in einem Orte eben eine andere Epidemie zugegen, so entwickelten sich gewöhnlich aus der eben herrschenden Epidemie einzelne Fälle, die anfangs nur einen geringen, später aber einen immer mehr bemerkbaren Anstrich der Cholera an sich trugen und sodann entweder plötzlich oder in allmählichen Usbergangsformen ganz in dieselbe übergingen, und sonach in mehreren vollkommen entwickelten Fällen das Vorherrschen der neuen epidemischen Krankheits'Constitution erhärteten. Von nun an schwanden auch die von der vorigen epidemischen Constilution abhängigen Formen und erschienen erst wieder beym früheren oder späteren Sinken der Cholera-Epidemie. Unverkennbar war aber der Einfluß, welchen die Cholera durch eine derley vorausgegangene oder gleichzeitig fortbestandene Epidemie erlitt; denn nur durch kurze Zeit, manchmahl auch gar nicht vermochte erstere ihre Reinheit zu behaupten, und bald par- ticipirte sie von dem Einflüsse der vorigen Epidemie, vermischte ihre eigenthümlichen mit den jener angehörigen Erscheinungen, um ihr endlich vollkommen zu weichen. So verdrängte zu Wilfleinsdorf die Cholera die eben gegenwärtige Gallen- und Wechselfieber-Epidemie nur auf wenige Tage, nach welchen diese wieder vorherrschenb nur einzelne Brechdurchfälle erscheinen ließ und selbst diesen einen fieberhaften Anstrich, zuweilen einen aussetzenden Typus aufprägte. Zu Sarasdorf modificirre eine aus der Cholera sich entwickelnde gastrische Epidemie jene auffallend in einzelnen Fällen. Zu Rabensdurg und Hohenau theilte eine kaum beendigte Nervenfieber-Epidemie den Chvlerafällen einen fieberhaft nervösen Anstrich mit, so daß sie oftNervenfteber mir Cholera-Symptomen darstellten. Zu Rabensburg entwickelte sich mit der Cholera fast gleichzeitig auch ein- Keuchhusten- Epidemie und schien durch ihren Einfluß den Verlauf der erstere» sowohl in- als extensiv gemildert zu haben, indeß derselbe in dem nahe und ganz gleich gelegenen Hohenau viel heftiger war. Doch blieben auch mehrere Orte, in welchen eben zur Zeit der Verbreitung der Cholera über eine Gegend eine andere Evidemie herrschte, von der ersteren ganz verschont, wie es zu VLsendorf und Hennersdvrf geschah, m welchen Orten von August bis December eine nervöse Gal- lenfieber-Epidemie beobachtet wurde. Diese Beobachtungen rn Hinsicht des Verlaufes der Cholera-Epidemie und der damit verbundenen Verändert,», gen im allgemeinen Gesundheitsstande gelten jedoch nur von jenen Orten, in welchen die Brechruhr wirklich als Epide- demie auftrat; in jenen aber, in welchen nur ein oder mehrere Fälle auf heftige Schädlichkeiten vorkamen, oder sich von Zeit zu Zeit wiederholten, die Krankheit also nur sporadisch erschien, zeigte di- Brechruhr im Allgemeinen weder einen bestimmten Gang, eine-gienrliche Zu- oder Abnahme, noch einen Einfluß auf das Befinden der übrigen Einwohner während oder nach ihrem Alisbruche, noch verdrängte sie andere Krankheitsformen; ein Beweis, daß zwar die Herr- schende und über einen großen Theil der Provinz verbreitere KrankheitS-Eonstitution zu jener Zeit der Cholera günstig, Mithin eine Cholera-Constitution, ober nicht in allen Otten von solcher Kraft gewesen sey, um sich zu einer epidemischen aufschwingen und die einzelnen Fälle zu einer Epidemie erheben zu können. Keineswegs sicherte aber die einmahlige Gegenwart der Cholera an einem Orte diesen vor ihrer Wiederkehr. So er- >42 und Gerhaus nach einem achkwochenk- Iichen Stillstände, um die Mitte Oktober von neuem Cho- ^rafalle; ja um ersteren Orre nach einem zweyten achlwo- chentüchen Stillstände zum drittenmahle, doch trat sie an diesen Orten so wohl, als zu Gaudenzdorf, wo sie nach einem Stillstände von 7 Wochen am ,4. Februar zum zweytenmahle erschien, weder m.t der ersten Heftigkeit auf, noch erreichte sie d.e vorige Ausbreitung. Eben so wenig erlangte sie-ine groyer^Bedeutung z» Stirneusiedl, wo sie nach achtmochent- üchem Stillstände am 2. Februar zum zweytenmahle sich ein- fand; um so mehr aber auf der Mauer, wo am 2. Novem- er nur ein einzelner Fall, am 26. December aber die Krank- h-it epwe,lisch erschienen war; ferner zu Scharndorf, wo sie ,5 Wochen nach ihrem Aufhören, am g. Februar wieder erschien und eine viel größere Ausbreitung als das erstemal,! erlangte. Zm V. U. M. B. war nur zu Enzesfeld die Cholera zum zweytenmahle jedoch nur in einzelnen Fallen sporadisch vorgekommen.^ Character der Epidemie in den einzelnen Orten. , Nicht überall trat der eigenthümliche Character der Cholera-Epidemie gleich rein und vollständig hervor, sondern nahm, nach verschiedenen Verhältnissen der Zeit und des Ortes, mancherley Modifikationen an. Am reinsten erschien die Krankheit in der Periode des Anfanges, der Zunahme und der Hohe der Epidemie in dieser Provinz, also in den Monathen August, September und Oktober, zu welcher^eit besonders die östlichen Theile des V. U. W. W., als der Central- punct der Epidemie, die reinsten, am vollkommensten entwi- ekelten Brechruhr-Erkrankunqsfälle auszuweisen hatten, wo d.e einzelnen Fälle, als reine Brechdurchfälle, die einzig vorkommende Krankheirsform ausmachten, und wo bey allen Bewohnern die allgemeinen Störungen in den Verrichtungen der Unterleibsorgane als die allein herrschenden waren, welche sich erst bey der Abnahme der Epidemie nach Verschiedenheit des nun neu erwachenden Krankheits- Charakters verschieden zu modificiren angefangen hatten. Zwar kamen h,e und da auch in den späteren Monathen reine Cholera-Erkrankungsfälle zum Vorschein, doch schien sich dabey„n Ganzen der Character der Cholera-Constitution — ,43— immer mehr theils zu einem gastrischen, theils zu einem ea- tarrhösen zu neigen, der immer deutlicher hervortretend, mit seiner unverkennbaren Neigung in einen nervösen überzugehen eine Abnahme der Cholera-Constitution und die Rückkehr der vor dem Ausbruche derselben herrschend gewesenen KrankheitS-Constitution beurkundete, und sodann den Charakter der meisten nun beginnenden Epidemien verschieden modificirte. Daher waren es besonders die in die letzteren Monathe fallenden Ausbrüche, welche den reinen Charakter der Cholera theils durch einen gastrischen, gallichten, theils durch einen catarrhösrn, rheumatischen modlsicirk zeigten, welcher zu dieser Zeit manchmahl selbst einen entzündlichen Anstnch hatte, wie zu Pottenhof in einigen Fällen, und zu Herrnbaumgarten, wo eine Pocken- Epidemie vorausgegangen war, dabey aber seine große Neigung zur Adynamie nicht verläugnere..^ Auf diese Modificirung hatte aber offenbar der wahrend dem Ausbruche der Brechruhr eben gegenwärtige Krank- heits-Character großen Einfluß, weil durch ihn die in diesen Monathen schon schwächer gewordene Cholera-Constiturion mehr oder weniger überwunden oder verändert wurde. Daher erschien di« Epidemie zu Sarasdorf, wo eben viele gastrische Krankheiten vorkamen, durch einen gastrischen; zu Wilf- leinsdorf, wo eben eine gallichce Wechselfieber-Epidemie zugegen war, durch einen gallichten; zu Hohenau und Ra- bensburg, wo eine Nervenfieber-Epidemie vorausgegangen war, dann zu Fischamend, Kroatisch-Haslau und Bruck durch einen nervösen; zu Neuruppersdorf, Laa, Breitens», Oberpeusching, Margarethen u. s. w. durch einen catarrhös- rheumatischen Nebsn-Chararter modificirt, welcher sich nicht nur in den einzelnen Fällen durch eine jedesmahl entsprechend« Modifikation in Form, Verlauf, Dauer, Gefährlichkeit, Nachkrankheiten u. s. w. aussprach, sondern auch durch veränderte Wirkung auf das Befinden der übrigen Einwohner, einen veränderten Tang, Heftigkeit, Ausbreitung, Dauer und Ausgang der Epidemie selbst unverkennbar aufprägte. — ,44— V. Dauer der Brechruhr- Epidemie in den einzelnen Orten. , Dauer der Cholera-Epidemie war in den einzel- nen Orten sehr verschieden und richtete sich zum Theil nach ihrer Remhe-t, in- und extensiven Starke, zum Theil nach der Wttteiungsbeschaffenheit, den Orcsverhaltmssen und nach der Zah. der dem eigentlichen pandemischen Ausbruche voraus- gehenden einzelnen Falle; obgleich rn manchen Orten keiner dreier Umstände einen haltbaren Erklärungsgrund für die kürzere oder längere Dauer der Epidemie dargebothen hat. Je reiner aber im Allgemeinen, je vollkommener ausgesprochen d.e Cholera, ,e heftiger sie auftrat, um so schneller durchlief sie die Stadien der Zu- und Abnahme und um so schnel- ler ging sie vorüber; daher dauerte dieselbe als Epidemie zu Schonabrunn, welche sich in obigen Beziehungen besonders auszeichnete, nur von, 27. September bis S. October, zu Sommere.» von, ,8. December bis Anfang Jänner u.s. w. ^e mehr aber die Epidemie von irgend einem Neben-Cbarac- ter begleitet wurde, je allmähliger sie bey ihrem pandemi- schen Au.bruche auftrat, um so länger zogen sich ihre Stadien hinaus und um so länger war die Dauer demselben. ^^ gewöhnliche Dauer vom eigentlichen epidemischen Auvbruche der Krankheit kann zwischen 2 und b Wochen angenommen werden, selten dauerte sie über diese letztere Frist, außer in Orten, wo sie nicht ganz rein oder wo sie nur von Zeit zu^.eit und mehr sporadisch erschien; doch erhielt die Dauer der Cholera in einem Orte eine verschiedene Länge, wie aus der folgenden Zusammenstellung hervorgeht, wenn die einzelnen Fälle, die dem pandemischen Ausbruche vorausgingen, dann jene, welche den Uebergang der Brech- ruhr in eine andere Krankheit bezeichneten, zu derselben gerechnet werden; nach deren Beyzahlung sich die Dauer der Krankheit in den meisten Orten über die oben angegebene Frist erstreckte.«« >4Z A a b e l l e. Ueber die Dauer der Cholera. Epidemie auf dem flachen Lande von N. Oest. vom Jahre 16"/^. L-: N Rahme der befallenen Ortschaften. Zeit des Ausbruches. 6- K W ZZ o Z --°L e: L> S N S Rohrau.. Bachfurth Hellern.. Gerhans.. Bruck an der Leyth Hainburg.- Herrnals.. Schönabrunn Scharndorf. Ebecsdvrfan der Donau Sechshaus Kroatisch-Haslau Mauerbach.. Währing... Vraunhirschen Wolfsthalz. Ellend.-- Laxenburg Jnzersdorf- Achau.-- Untermeidling Pottendorf- Ve!m--- Funkhaus.- Reindorf.- GuutramSdorf Gaudenzdorf Unterwalters dorf Biedermannsdorf 4- Aug. 4.» 5.» 5.» S.» 2i. Sey. io. >7- >7- >9- 20. -3. 24. 24. 24. 26. 27. 2Y. 3o. 1. 5. S. 7- >0. ic>. >2. l2. >3. U V )) » Ä V N )> N N K V » Oct. » 3i 24 4° -S 102 28 208 4» 87 35 108 102 5o Y2 I b> 3y y6 k>3 25 53 yb 38 62 i3r 147 26 78 62 ,14 32 '9 28 .9 25 3r Vi 34 2, 3b 82 35 >9> 27 69 -3 19 65 öi 4> 34 2L 33 18 *7 20 §7,5 52.7 86,. 6>,3 8,6 9. 21, >24,5 44.9 27.7 12.6 110.4 208.5 il>,8 18.9 13.4 76.? 6-,4 28,0 65.9 ,2,9 ,8,5 45.4 -4,9 18.3 .3,4 30.8 26.3 16.7 ia »46 L4 Nahme der befallenen Ortschaften. Zeit des Ausbru- K Sarasdorf.> Wilfleinsdors. Rustendors.. Deutschaltenburg Dornbach... Nußdorf... Markt Fischamend Siegersdorf.. Oberpeusching. Kottingbrunn. Margarethen am Mvv! Nadelburg.. Brunn am Gebirge Maria-Enzersdorf Fahrafeld.., Lichtenwvrth.. Sommerein.. Münchendvrf.. Mödling... Oberwaltersdorf Leopoldsdorf Baumgarten.. Deutscher Ziegelofen Mauer..... Breiten»»... Scharndvrs... >3. Qct. i3. r- >4-» >4- >8. >8. ,y. >y. 27. 26. 27. ,> 1. Nov. S.-> 5. 5. 5. 1». >8. 19. >9- a8. 16. Dsc. 17.» 26.» 23,» g.» 74 4? t>7 9 -y 8> 94 -9 22 3. 60 S6 86 4y 49 Si 69 27 3o 34 50 38 65 4? G »7 18 >3 15 r5 44 35 2g 3o 12 86 20 84 16 16 20 58 16 2b >7 16 18 b> 12 S8 88 A 2 S^ 8^ N 8 31.4 30.9 '7.7 >9-' >7.9 22 5 33,6 108.S II 1,5 21,8 75.5 85.5 63,2 >9> 24,3, >6,6 4>,4! 20,7j 9.6 2>,4! 27.9 66.6 2»5,4 10,5 180.1 124.2 »4? Ä K Nahme der befallenen Ortschaften. Zeit des Ausbbruches. -s 6 LS rr^ LZ" s« 8^ N 8 Mann-dorf. Orth... Lichtenwörth. Unlersiebenbrun Korneuburg- Ve!m... Götzendorf. Bernhardsthal Ginzersdorf. Loimersdors. Seefeld-- Unterzögersdorf Böhmischkrut Zwerndorf. Gerasdors Engeiharrstätten Kadolz.. EnzerSdorf. Oberthemenau Hvhenau.. Ringelsdorf. Rabensburg. Unterthemenau Großrnzersdorf Poysdorf.. Pottendorf. Garschenthal Herrenbaumgarten 8. Sept- 11.» 12.» 20.» «3.» 2/s.» 24.» 7- Oct. 8. 13. 14. '7- 20. 20. 23. 24. 27. 1. Nov- 3.» 3.» 6.» 6. v 24-» 8. Dec. 17.» r8.» I 29.« 3o 27 61 33 i5 56 S5 62 34 32 38 38 5. 3o 23 22 ab 44 26 86 83 öo 87 34 34 49 ,4 »d >7 «d iö 10 iö 25 182 3» 63 by 20 73 16 -7 20 3i 18 io> 2,5 44 88 S7 46 83 86 2S 219 67.5 15.6 8y 3o 4,9 48,8 38.9 153.5 75 i3- yo,y 1 io,4 48.6 36. 26,0 41,v 42,3 33.5 140.2 134.3 42.9 62,8 72,,^ 52.5 35,o 138.6 5>,5 182,1 »S Heftigkeit der Epidemie in den einzelnen Orten. Warum in einigen Orten derjenigen Gegenden, über weiche sich zu dieser Zeit die epidemische Cholera-Conftirurion Verbreiter harre, diese Krankheüsform pandemisch und mit großer Heftigkeit, in anderen gelinde, in noch anderen nur mit einzelnen Fällen,.m vielen aber gar nicht zum Ausbruche gekommen,!äßr sich keineswegs aus den unS bekannten localen Verhältnissen eines jeden Ortes, seiner Lage an Flüssen, Sümpfen, Teichen, Gebirgen, Straßen, in weiten Ebenen, in engen Thalern u. dgl. ableiten, da diese offenbar nicht den alleinigen Grund der größeren oder geringeren Einwirkung jener epidemischen Krankheits- Constiturion mmaßen, dieser vielmehr in einem gewissen Zusammentreffen oder in dem Mangel bestimmter, uns ober bisher noch unbekannter Verhältnisse und Umstände gesucht werden muß. Besonders waren es aber die in feuchte» Niederungen, in ausgedehnten sumpfigen Ebenen, an öfters ausiretenden Flüssen liegenden Ortschaften, welche an der Epidemie am stärksten zu leiden halten. Vorzugsweise zeichneten sich in dieser Beziehung die an der Leyrha, March und Donau gelegenen und von Sümpfen umgebenen Ortschaften aus, in welche» die Epidemie in der Regel eine größere Ausbreitung und Heftigkeit erlangte, ohne daß jedoch eine solche Lage allein den hinreichenden Grund zum Entstehen der Epidemie gebothen hatte; indem sss manche Orte verschont blieben, weiche in>L)anitätS-Hinslchten eine nicht minder ungünstige Ortslage auszuweisen hatten, ringsum von ergriffenen Ortschaften umgeben waren, und deren Bewohner mit jenen der befallenen Ortschaften in ununterbrochenem Verkehre standen, auch Nicht in Bezug auf Lebensweise, Beschäftigung, Characcer, besondere Verhältnisse und Umstände solche Eigenthümlichkeiten dargebothen haben, aus welchen sich der Grund ihres Verschontbleibens ermitteln oder nur vermuthen ließe. So wurden Simmering, Klederling, Ober- Nieidlinq, Penzing, Hietzing, Döbling, Berg, Trautnianns- dsrf, Hallbrunn, eben so auch viele an der Donau, im Marchfelde, an der March u. s. ,v. in sumpfigen Gegenden liegenden Orte, obgleich ringsum die Cholera sich epidemisch ausgebreitet hatte, gänzlich verschont, andere aber nur sehr —»4y gelinde ergriffen, wie das mitten zwischen Sümpfen liegende Schranawand, Moostrunn und Laa, welche letztere Ortschaft auf 2 Seiten von der langsam fließenden Thaya, auf den übrigen aber von Sümpfen und Morästen umgeben und mit schlechtem Trink,vasser versehen ist, während andere, hoch, frey und trocken lieaende, mit gutem Trinkwasser versehene Ortschaften zuweilen ergriffen, und einige derielben sehr bedeutend heimgesucht worden sind. So war die stärkste aller Epidemien im Versorgungshause zu Mauerbach, das von Gebirgen umgeben, in einem schönen Thale gelegen, ein gesundes Clima und gutes Wasser besitzt; so ließ auch Echo- nabrunn bey sriner hohen freyen Lage keineswegs eine so heftige Epidemie besorgen; eben so ergaben sich in den hoch und schön liegenden Orten Garschenthal, Herrnbaumgarren und Poysdvrf bedeutende Erkrankungen. Abgesehen aber von mehreren dergleichen Ausnahmen, zeigt doch die folgende Zusammenstellung der Epidemie nach ihrer ertensiven Größe mit kurzer Bezeichnung der Lage der Ortschaften, daß besonders die in sumpfigen Ebenen, an Teichen, Sümpfen, Wässern welche öfters austreten^ u. dgl. gelegenen Orte am stärksten von der Epidemie ergriffen, hoch, frey und trocken liegende, besonders Gebirgsgegenden aber mehr oder weniger verschont wurden. So blieb im V. U. W. W. der gebirgige iispanger Sanitäts-D-strict ganz, die westlichen gebirgigen Theile der übrigen mehr oder weniger bsfreyt. Im V. U M. B. litten vorzugsweise die an der Donau, March, Thaya und andere an Morästen, an Leichen, im Marchfelde u. dgl. feucht und sumpfig gelegenen Ortschafren; am wenigsten der westliche gebirgige Theil, obwohl der Grund der schwächeren Ausbreitung der Epidemie daselbst, so wie die auffallende Begünstigung des V. O. W. W. und des V. O. M. B. mit größerem Rechte in dem Zuge der Epidemie von Osten gegen Westen zu suchen seyn dürfte. —»Zu > T a- Ueber die Heftigkeit der Epidemie auf dem flachen Lande von Stärke der Epidemie. Extensiv. Intensiv. Von.ooo Einwohn. sind erkrankt: Won>oo Erkrankten sind gestorben. Nahm e des Viertels. U. W. W. U. M. B U. W. W. » N ll. M- B. U. W. W. U. M. W. U. W. W. » U. M. B. U. W. W. » U. B. a. W. W. u. M. B. ll. W. W. U. M. B. U. W. W. Nahme der Orte in welchen die Brechruhc epidemisch herrschte. Mauerbach... Deutscher- Ziegelofen Breitenau BernhardSthal Oberkhenienau Pottendyrs. Hohenau.. Herrnbaumgarte Loimersdorf. Hchvnahrunn Scharndorf Oberpeusching Unterzögersdvrf Kroatisch.-Haslau Siegersdvrf Seefeld Lichte,iwörth Hollern, Ellend. Margarethen am Ginzersdorf. Unterthemenau Baumgarten Achau... Brunn am Gebir Rabensburg. Gerhaus, Laxenburg Nohrau.. Mannsdorf. Radelburg Bachfurrh Großinzersdorf Garschenthal Velm... Vöhmischkrut Velm.. Moos ge 2«6,s sng .8u .53 >4<> .86,7 .34,4 .32 .3.,5 .24,5 124 ">,5 110 >.o,S .»8,5 M,9 LY 86 75.5 7S 72 65,(i 63 62.8 6. 6. 67.6 67.6 55.6 82.8 öa,S 6>,S 48.8 48.6 45,5 64.9 24,3 '7 27 2>,8 87.6 >7 2. 26.9 82 > 5,3 .3 4» 20 -4 40.6 36 64 57.9 35.7 667 28 33 58, S 28.S 1. 78.7 3c» 84 36.8 10 76.9 ,5 .2 66,7 36,y 4-,9 ,Zr— belle. N- Oeste rr. im Jahre r63^ mit Andeutung der Ortslage. t s l S e- nun Angenehme Thalgegend im Wienerwalde. Fläche mit mäßiger Anhöhe. Am Kehr- und Schwarzabache. Überschwemmungen ausgesetzt Feucht und sumpfig an einem Teiche. An der Thaya. oft überschwemmr, Feuchte sumpfige Gegend mit schlechtem Wasser- Neberschwemwungen der Thaya ausgesetzt. Thalgeaeud. von Weinhügeln umgeben- Sumpfige Gegend im Marchfelde. Hoch. frey und offen gelegen. Am Abbanqe eines Hügels gegen eure sumpfige Ebene. Am Schwärzn- und K-Hrbache. oft überschwemmt. Am Ufer der Donau, hoch gelegen- An den sumpfigen Donauauen. An der Fischa. in einer oft überschw. sumpfigen Ebene- Niedrig, feucht,'an mehreren Teichen. Sumpfig und feucht.—„.- An der Leytha. oft überschwemmt, von Sumpfen umgeben. Am hohen Ufer der Donau. In einer sumpfigen ausgedehnten Leytha-Ebene. Feuchte morastige Gegend. An der Tbava, oft überschwemmt.„^. Nahe der Wien. v. Hügeln umgeben, an der Reichsposthptstraße In einer weit ausgebreiteten sumpfigen Ebene. Am Abhänge der westlichen Gebirgskette. An der ott austretenden Thaya. An der Leytha, von Sümpfen umgeben. In einer weitausqebreitsten Fläche an^.eichen re. feucht. An der Lcykba, ringsum von Sümpfen umzogen. Nahe der Donau, sumpfig.. An der Fischa in der Nähe von Sumpfen. An der Leytha. häufig überschwemmt. Im Marchfelde.. Von Weinhügeln umgebene schone ThalgegenS. Im Marchfelde. Sumpfig und morastig.. Am kalten Gang in einer sumpfig ausgebreiteten Fläche. Stärke der Epidemie. Extensiv. Intensiv. unter jed. >000 Ein- woh. sind erkrankt: unter jed. 100 Erkrank. sind gestorben- Nahme des Viertels. Nahme der Orte in welchem die Brechruhr pandemisch herrschte. U. W. W. U. M. B. » V U. W. W, U. M. B. » N u. W. M. U. M. B. U. W. W. u. M. V. U- W. W. r» M ») V M V u. M. B. a. W. W. U V V R r- V jU M. B. I Scharndorf., Ringelsdorf Kadolz... Engelhardstetten Svinmerem< Götzendorf,. Zwerndorf 4. Poysdvrs.. Fischamend(Markt Enzersdorf bey Staa Sarasdorf.. Wilfleinsdorf Gaudenzdorf. Unkersicbenbrimn Jnzersdorf am Wienerb. Leoxvlbsdvrf Ebersdorfa. d. Dona Unterwaltersdorf. Gerasdorf».. Fahrafeld... Nußdvrf... Kottingbrunn.. Herrnals.. Oberwaltersdorf Münchendorf.. Enzersdorf(Maria-) Deutschaltenburg. Braunhirschen.° Reindorf.,, Pottendors.^. Dornbach.,. Rustendorf!... Biedermannsdorf. Lichtenwvrth... Orth..... Füvfhaus. I. Guntramsdorf.. Wolfsthal... Untermeidling.. Sechshaus... Währing... Mauer.... Mödling...^ Haiuburg.... Bruck an der Leytha Korneuburg... 44.9 42,Y 42 4» 4» 58 o 36, 35 33.5 33.7 3i 30.9 30.8 3o -8 27.9 27.7 2b 26 24 22 2>,8 21 21 20.7 >9 >2 -6,9 >3 -8 17.9 !b.g 16.7 >5.6 >4,9 >3 .3 12.9 12.6 >0,8 in,6 9.6 9 8.6 4.9 42,9 -9 29.6 45 43 44 43.7 89.8 44 3i 35 76.9 5<>,8 So 80.9 58 38.9 SS 82.9 87.8 4» 62.9 5c. 64.7 12,5 20 3°ü 27.8 26 66,7 46 20 36 82.9 >8.9 35 38 So 25 7» 4>'7 42 67 80 70 Bezeichnung der Ortelage. ÄN einem Hügel. frey gegen eine sumpfige Ebene. I Feucht, an mehreren Teichen. lAm östlichen Abhänge eines Hugels^an der Zaya. >Fn einer sumpfigen ausgebreiteten Fläche()Narchfeld). lAm nördlichen Abhänge des Leythagebirges. ! Sumpfig an^Thano, öfke.-n Ueb.kkchw-mmu^e» ausg.s, 8"-",»",'°,»«««.», T»»-.»°sk„ lAn der Donau beym Einfluss- der Flscha. Sumpfig, von der Leytha oft überlchwemmt »Irr der ausgebreiteten Ebene des Dcarchfeldes» «Bey Wien an der Wien. tief gelegen, I An der Leytha uud V. ihr oft überschwemmt(bes. große Sumpfe). »Am Liestngbache in der Nähe von Wien. «An der Donau in einer sumpfigen Ebene. > Flach u. tief in einer morastigen Ebene, nahe dem W. N- Canal- iJn einer ausgebreiteten durchgehends sumpfigen Ebene. I^n eü^tt Thalqeqend der wsstl. Gebirgskette an der Triesting.! An der Do7al; Zey Wien. zum The.l o. Gebirgen begranzt. jBey Wien. zum Theil am Alserbache. !Jn einer weiten sumpfigen Flache.„ detto dctto an der Tnestnig. » deich detto detto !Am östlichen Abhänge bes Kahlengebirges.. lAn der Donau, am Fuße des Haiuburg-rgebirgeS gelegen. I Anker Wien links von der Reichspvsthauptstraße. Andrer Wi-n.'zum Theile tief und den Ueberschwem. ausgeseßt. IFn einer ausgebreiteten sumpfigen Ebene an der^Flscha. ZAm Alserbache. ringsum von Hügeln umgeben- I>In der Neichsposthauptstraße gleich außer L.en. lÄn der Fisch«, nahe der^L/ytha, von beyden überschwemmt einer aus^edebuten stäche. lAn der LUei',''nch^der Residenz. vereint mit Neindorf, 6haus-c. lAm Wiener.Neustädter-Schlfffahrts-Canal in ebener Geg !AnderMemmstTa5.Rch^^^^^^^ Am rechten Ufer der Wien. nade dem k k Lustgarten zu Schonbr- An der Linie Wiens von gleichem Nahmen Auf den Dorhüqeln des Kahlengebirges in«nsm ichonei Thale ! Am Abhänge u, den Dorhügeln der wenl. Gebligskette rleses L>. An der Donau, zum Theil von Bergen„mg-b-n. An der Leytha in der Nähe ausgebreiteter Sumpfe. lAn der Donau. — i54— . In einzelnen Ortschaften zeigte sich aber, Laß auch ungünstige Local-Verhältnisse einen großen Einfluß auf die Verbreitung der Krankheit äußerten. So wurden zu Potten- dorf nur die am Frscha-Bache unter Bäumen versteckt liegenden, keines aber der höher gelegenen Häuser ergriffen; so breitete sich zu Lichkenwörlh die Krankheit längs deS Baches aus, ergriff zu Gerhaus fast ausschließlich die Bewohner der an euiem großen, sumpfigen, kurz vorher überschwemmt gewesenen Platze liegenden und von, übrigen Dorfe etwas abgesonderten Reihe von Kleinhäusern, ohne auch nur einen derselben ganz zu verschonen; zu Gaudenzdorf befiel sie beynahe allein die in feuchten, mit verschiedenen Ausdünstungen angefüllten, dumpfen Wohnungen zusammengedrängt lebenden Leinwäscher, Drucker u?dgl.; zu Baumgarten aber nur die Einwohner des unteren Gutes, VII. Ergebnisse der Epidemie, t« B n Hinsicht auf die Bevölkerung von Nieder- Oesterreich. Wie die folgende Tabelle ausweiset, bestes sich die Ge- sammrzahl der Einwohner der Provinz N. Oe. mit Ausnahme der Residenz in dem Jahre i83i auf 977,7,1. Da nun von diesen 3,843 erkrankt und 1,461 gestorben sind, so folgt, daß von 1000 Einwohnern 3,935 erkrankt und i,5iff gestorben sind. Nahme des Viertels. Zahl der Einwohner. Von diesen sind Es sind also von >«00 Eim». i.>voEy I krankt E- "i Im u. W, W. O. W. W, U. M. B. Q. M. B. 264,376 229,646 264.720 227,970 2,068 1» -,782 3 1,124 6 i,o36 2,367 S2S 4 §46 2 1,481 i 8,77 6,78- 3,933 3 66a 2,62 45,2s 4»,« 36,63 38,467 iSumma, 977,7-- 3.848 »55 2°^n Hinsicht auf die Zahl der ergriffenen Ortschaften dieser Provinz. Die nachstehende Tabelle bewährt, daß m dergesammten Provinz N. Oe. mit Ausschluß der Residenz die epidemische BttchÄr m»b2 Ortschaften erschien. Wird nun d-ese Zalft mft der Summe aller Ortschaften von N. Oe. nähmlich 4,5 °-.um»,, so eraibt sich, daß von Ivo Ortschaften die Krank- beit beyläufig 3 ergriff, während y? verschont blieben. Am meisten aber betete sich die Krankheit i.n V. W. auo, wo, wie nachstehende Tabelle ausweiset, von»oo Ortschaften über »b von der Krankheit befallen wurden. N a hm e des Viertels. U. W.^ O. W. W. U. M. B. O- M. B. Summa Zahl der Ortschaften- 2,>?4 564 i.s>8 j Summa-- 4^72! ,.,o 3. In Rücksicht auf die Zahl und Levo dererariffenenOrtscha.cen. Die Zahl der Einwohner in den ergriffenen»b« Ort- a^>e v.^..,35 Wird nun diese Zahl der Ortschaften in welchen die Brechruhr erschien: >o3 3 54 2 Die Krankheit erschien daher unter >oo Orten in: Nahme des Viertels Zahl derEin- «ohner in den ergriff- .Orten. U.W. W. O-W.W. U. M. B. O- M-B. Summa 4» ,64' Von diesen sind Es sind daher von 1000 I Emwohn. >00 Erkrankten. genesen: gestorben: erkrankt: genesen: gestorben: i a,o53 I IN I>,?ba I^ >zsM8 >,»24 6 1,286 i 2,867 92Y 4 546 2 >8,440 i4,ooö 43,84? 7,653 0,04^ 5,602 r3,^3/l 6 ,02 40. 80.689 25,187 9,674 88,487 — ,Zb— AuS diesem Ausweise geht sonach hervor, daß von der Bevölkerung der ergriffenen Orte im V. U. M. B. eine verhälmißmäßig größere Menge der Einwohner, nähmlich 4 pr. Et. erkrankt, von diesen aber wert weniger gestorben sind als im V. U. W. W., wo die Zahl derselben ß5pr. Cl. betragen hat. Wird aber die Zahl der Orte, in welchen die Krankheit sichren,„ut jener der darin Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen zusammengehalten, so entsteht auS dieser Zusammenstellung folgender tabellarische Ausweis: Nahme des Viertels. e?) In diesen sind In jeoem L)r- 8 te sind daher s im Durch- x erkrankt:- genesen: gestorben: 1WN nie Z I U. W. W. O.W. W. U. M. B. O. M. B. ro3 3 64 2 2,oS3 10 1,782 3 1.124 6 I.23Ü I Y2Y 4 646 2 >y,y32 3,Z3 33.» i.S 9,019 1,33 1,0!! 0,6 Summa. >62 3.6ß8 2.3t>7 1,481 >4,687 S.6S2 Aus dieser Zusammenstellung ist zu ersehen, daß sich die Epidemie im V. U. M. B. zwar auf weniger Ortschaften beschränkte, jedoch in diesen stärker ausdehnte, als im V. U- W. W, wo sich die Krankheit wegen der größeren Heftigkeit der epidemischen Constitution in mehreren Ortschaften jedoch nur in einzelnen Fällen zeigte und sich zur Epidemie zu erheben nicht vermochte, während im V. U. M. B. größeren Theils nur in jenen Orten Erkrankungs-Falls sich ergaben, m welchen die zur Erzeugung einer Epidemie nothwendigen Umstände zusammentrafen. Wie aber sich die Epidemie in jedem einzelnen Orts, in Ansehung ihrer Ausbreitung und intensiven Stärke verhielt, geht aus der —»Ä7— nachfolgenden Uebersicht hervor, welcher zu Folge die Epidemie im V. U. M. B. im Ganzen ausgedehnter als jene im V. U. W. W- war, obgleich sich einzelne Ortschaften rm letzreren Kreise vor jenen im H. U- M. B. auch in dieser Beziehung auszeichneten, besonders Mauerbach, Der Deutsche Ziegelofen uns Breitenau. In Ansehung der intensiven Größe aber übertraf die Epidemie im V. U. W. W. jene im V. U. M. B. bey weitem, und zwar nicht nur im Allgemeinen, da von»so Erkrankten un letzteren Kreise 3o,b, iin ersten aber starben, sondern auch in einzelne» Ortschaften, besonders in den zuerst befallenen; Rohrau Bruck, Schönabrunn, wo die Zahl der Gestorbenen über Lo pr. Er. der Erkrankten betrug, wahrend sie sich in dem V. U. M B. selten über bo pr. Ct. erhob.— Im Allgemeinen stand daher die mindere Heftigkeit der Epidemie mit der größeren Ausbreitung in gleichem Verhältnisse; nur machten in dieser Beziehung viele Orrs im V. U. W. W., besonders die zuerst ergriffenen, eins Ausnahme, wo die Epidemie in ihrer In- und Extensiv» gleichen Schritt hielt, wovon die Ursache zwar zum Theil in der größeren Heftigkeit und Reinheit der Epidemie, zum Theil aber allerdings auch darin zu suchen ist, daß Anfangs von den Aerzten nur vollkommen ausgebildete Cholerafalle für Cholera erklärt, die minderen Grade derselben aber, als: die Durchfalle mit einzelnen Erscheinungen der Brechruhr u. dgl. nicht in die'Zahl der Cholera-Erkrankungen aufgenommen, sondern zuweilen als besondere Epidemie angegeben wurden, wodurch allerdings daS SkerblichkeitsverhÄrniß viel ungünstiger ausfallen mußte- rSL T a« Ileber die in- und extensive Stärke der Brechruhr-Epidemie Nahme der Ortschaften. Bevölkerung. Lr er Donau Nohran. Pachfurth Hollern. Gerhaus Bruck an der Leytha Hainburg Herrnals. Schönabrunn Scharndorf Ebersborf an Scchshaus Kroatisch- Haslau, Mauerbach Währing Braunhirschen Wolfsthal Eilend Laxenburg Jnzersborf am Achau Untermeidkrng Potkendorf Belm Fünfhaus. Reindorf. Guutcamsdorf Gandenzdorf Unterwaltersdorf Biedermannsdocf Sarasdorf Wilfleinsdorf. Rustendorf Wienerberge SS6 36o 3rS 3>o 2,896 8,4.» 3,i!48 273 467 i,3oo 2,542 3-4 916 a>4g6 3,642 Y67 247 1,026 1.8.8 622 1,24» 1.837 462 3,544 982 .,264 -.977 760 653 54» S82 ?33 ,n N. Oest. mit Ausschluß der Residenz im Jahre>83./,. Dauer der Krankheit. Stärke der Epidemie. I Anfang. Ende. -s Z § <§- Extens.> Jntensi.! V. 1000 Einw. sind erkrkt. V.>00. Erkrkt sind gestorb' 4- Aug. 4.» 5.- s. I> 5.» 21. N >. Sept. 10.» I 7.» >7-» 1g.» 20.» »3.» »4-» 24.» 24.» 2k».» 27.» 2g.» 3o.» 1. Oct. 5.» 6.» 7." 10, U »2.» l 12. V i3.» >3.» -3.» .4.' 4- Sept. 3». Oct. 14. Sept. 23. Oct. >5. Nov. >7.» 26. März 2u. Oct. 24.» 22.» 5. Jän. 3i. Dec. >2. Nov. 25. Dec. 3. März >. Nov. 3>. Dec. 2g. Nov. 23. Oct. 2,. Nov. 4- Jän. »2. Nov. »6.» »S. Febr. S. März 5. Nov. 28. Dec. 3.» 4- F-bc. 26. Dec. 2g. Nov. 2tt. Dec. s. 24 4» >9 >02 28 208 40 37 3S laZ lc»2 So Y2 >b> 24 96 b3 25 53 gb 33 S2 -3, -4? 26 78 52 I>4 74 47 b? 32 '9 28 >9 2S 3. 8, 34 2, 3h 32 35 ig> 27 69 >3 '9 63 5i 4» >6 34 2, S3 18 >7 6> 20 11 '7 id i3 S 4 10 5 5 ic> 3o 6 12 iS IÜ 21 k>7 8 48 8 8 44 25 '7 12 25 12 43 13 11 3o 9 7 1, 9 7 27 i5 18 >4 20 21 5» 28 9 21 IÜ '4 124 >9 21 S 11 >9 2b 24 4 9 9 »o 5 6 3. 11 4 k> 9 b 57,553 52,777 86,153 61,2 HO 8,6^2 9,090 21,0^9 1 2^,5^2 44,967 27,bg2 12,588 110,4> 0 208,515 10,817 i8,g45 13,443 76,923 bi,4»3 28.053 65,yi6 I2,go3 »8,5o8 45,454 >4,954 18,32g 13,44g 3o,85g 2Ü,3»5 >6,7g3 3,,48« 30,927 17,735 84,875 78,947 64.285 Z 78,684« 8a,0 Z 67,258 62,g6r 82,352 42,857 58,333 5o,o 4a,<» 64.Y21 70,870 за, 434 88,462 67,894 3o,i58 5o,y8a 58,536 25,o l 26,478. 42,85^ 18,867. 27,777> 35,2y4! 5o,8isi 55,a! зб, 363 35,sy4 5o,a 46, i53 ,üo Kreis. Nahme der Ortschaften. Bevölkerung. D. U. W. W. Deutschaltenburg.... Dornbach..... Nußdorf...... Markt Flschameild.... Siegersdorf Oberpeuschüig..... Kotkingbrunn Margarethen am MooS,.. Nadeiburg..... Brunn am Gebirge Maria-Euzersdorf.... Fahrafeld..... Lichtenwvrth Sommerein am Leythaberge., Münchendorf Mödliug Oberwaltersdorf Leopoldsdorf..... Baumgarten.. Deutscher Ziegelofen Mauer«... Brettenau..... Scharndorf -778 634 >,M7 1,089 256 269 S5o 742 3 60 i,3 ,8 887 687 1,200 I,4oo 772 2,7,0 795 644 270 200 J22 467 N K -r K Mannsdorf..... Orth...... Lichtenwörth... Untersiebenbrunn.... Korneuburg..... Welm...... Gvtzendorf.,... Bernhardsthak.... Ginzersderf..... 33o 1,088 1,000 43o 2,027 807 643 1,189 4oo »6> Dauer der Krankheit. Anfang. Ende. Stärke der Epidemie. >4- Oct. >8.» >3.» >0-» >9.» 24.» 26.» 27.» Nov- 5.» 5. 5. S. >2. 13.^ >9- 19.» 28.» iS. Der. »7.» 2tz.!> 23. Jän. 9. Febr. r> » » » » 22. Oct. 16. Nov- 7- Jän. 21.» 17. Nov. >5.» 26.» 26. Dec. 2b.» 3>.» 2-f. V 2/f. Nov. 2b. Dec, 20. Jän. 12. Dec. 21.» 23.» >7<- Jän. 20.» 20. Febr. i>.» >6.» 2Y.» y 29 8, 94 29 22 3> 60 56 56 49 49 S> 6y 27 30 34 50 35 65 47 24 2L 10 >5 45 35 28 3o 12 56 20 84 16 >6 20 S8 >6 26 '7 18 18 4> i2 58 58 12 5 27 24 24 26 6 36 -8 60 14 ,0 16 33 4 >5 6 1> 12 3> 7 48 49 Exten. v. 1000 Einw. sind erkrkt. Jnrensi. v. 100 Einw. sind gesrvrb. 3 10 >8 r 1 4 4 6 20 2 24. 2 6 4 25 12 11 11 7 6 i<> 5 10 9 19,28» 17,980 22,533 33,686 108,527 ii 1,524 21,818 75,471 55,555 63,262 19,115 24,353 16.666 41,428 20,725 9,594 2>,383 27,960 66.666 205,0 io,563 180,124 124,197 20,» 66,666 4o,<> 81,428 14,286 13.333 5o,o 85,718 10,0 28,671 12,50 87,5» 20,0 43,io3 7S,o 42,807 64,106 38,888 33.333 24,890 4i,66b 17,241 >5,517 8. Sept. II.» >2.» 20.» 23.» 24.» 24.» 7. Oct. 6.» 8. Oct. 8» >2. Nov. 28. Oct. 8.» 19. Nov. ic>.» 8. Dec. 11. Nov. 3o 27 6> 33 >5 56 55 62 34 -9 '7 89 >3 1» >5 25 182 3c> 12 6 53 3 3 5 >4 182 >o 7 y 36 10 7 10 »r 5o 20 87,578 >5,625 89,0 80,282 4,y33 48,869 33.66o 153,069 7ö-o 36,84a 62,94 4o.449 76,923 70 0 66,66< 44,0 27,472 66,666 I »W bs>— Bevolke rung. Nahme der Ortschaften N A -i Loimersdorf Seefeld. Unterzögersdorf Böhmischkrut. Zwerndorf Gerasdorf Engelhardststten Kadvlz Enzersdorf bey Staa Obcrthemenau. Hohenau- Ringelsvorf Rabensburg Nnterthemenau Großlazersdorf Poysdorf Pottendorf Garschenthal. Hcrrnbaumgarleü i.Soo 443 652 487 782 SS? 72« 1,600 1,024 1,4«» 79» 876 2,366 6>3 48S i,658 q. In Ansehung des Geschlechtes der Erkrankten. Unter der Gesammtzahl der Erkrankten befinden sich -- ,b3— Dauer der Krankheit. Stärke der Epidemie.^ Anfang. Ende» L L rs r§- Exksns. v. 1000 sind Einw. erkrkt- Jntens. v, ivo sind Einw. gestorb. 11. Oct. 13.» 14.» 17.» 2.0.» .>0» 23.» 24.^ 27.» 1. Nov. 3.» 3.» b.» 6.» 2/f.» 8. Dec. 17.» 28.» 29. Jän. 12. Nov. 2».» 21.» 7. Dec. 19. Nov. 12.» 14.» 19.» 10. Dec. 26. Nov. 28. Jän. 21.» 28.» 26. Dec. 3i>, 11. Jän. 4. Febr. 2>. Jän. 10. März 32 38 38 5i 3o 23 22 26 44 2b 6b 79 83 So 37 34 4y 24 4> 63 69 20 Ib -7 20 3i 18 >01 2 iS 44 88 5? 45 !i', 85, 25 219 46 4' ib 46 9 8 11 22 10 79 178 3> 78 4> 39 56 22 i?2 >7 28 4 27 7 9 y 9 8 22 37 i3 10 16 7 33 32 3 4? 181.624 90.909 >>o/l97 48,666 86.117 26.078 41.067 42.349 33.5,9 140,277 134.37S 42.968 62.857 72,161 52.5> 1 35,060 138.66i 5i,546 182,086 26.934 40.679 20,0 36.Y86 43.75 52,94' 46.0 29,082 44.444 21.782 17.209 29.S4S ii,3b3 28.070 15,217 39.7S9 8 37.643 n 12,0 I 2»^6 8 i,8Si Männer und 1,997 Weiber. Werden nun diese Summen sowohl mit der Gesammtzahl der Erkrankten, als auch mit den von jedem Geschlechte Erkrankten und Gestorbenen verglichen, so ergibt sich folgendes Schema: Gestorben sind von Es sind Es befinden sich daher unter roo Nahme des krerses genesen: qestvrben: Erkrankten eienen: B. U. W.W. V. O. W.W. V. U. M. B. V. O.M.B ,,«14 ,029 S46 S78 468 4» l 49,29 80.608 48,876 51,428 49,6a3 80,876 46,133 44,36o 980 S?4 662 2S8 286 6,689 53,3»0 83,889 82,74 81,009 47,sS2 0,821 Summa- i,rr4 1,243 40,102 997 81,89 49,088 47,486 52,5i3 89,276 80,9:7 37,755 Diesem Schema zu Folge sind im Ganzen zwar mehr Werber als Männer an der Cholera erkrankt und gestorben, ohne daß sich daraus der Schluß, daß sie zu derselben eine überwiegende Anlage gebothen haben, folgerecht ziehe» ließe, da die Zahl der unter den Einwohnern der betreffenden Ortschaften begriffenen Männer und Weiber nicht angegeben ist, jedoch war für letztere die Krankheit nicht in dem'Grade gefahrbringend als für Männer, da von ihnen nur 87, von den Männern aber Zy pr. Ct. der Erkrankten starben. In den einzelnen Ortschaften war das Verhältniß der ergriffenen und gestorbenen Mg'nnsr und Weiber verschieden; während in vielen Ortschaften mehr Weiber als Männer erkrankten und starben, findet sich in beynahe eben so vielen Ortschaften daS Gegentheil, besonders im V. U. W. W>, ohne daß ein bemerkbarer Grund dafür angeführt werden könnte. Z. In Beziehung auf daS Alter der Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen. Werden die sämmtlichen an der Brechruhr Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen nach den Altersstufen von ,o zu>0 Jahren gereiht, so ergibt sich folgendes Schema: Alter. erkrankt; genesen: gestorben: Von 100 Erkrankten find gestorben: Vom 1. bis>0. I. V 10. V 20. » so.» 3c>. » 3o.» fio- i> fio,» 5o. L 60.» 60. 1> 60.» 70. Ueber 70 äyr 607 yb5 635 S,i 386 22Y -LZ Summa 3,848 -86 3>> 653 4.6 3oZ 21c) 1>6 58 2,36/ 206 igü 3c,7 2iy 2»8 -67 -.3 65 1,481 4',86y 38,658 3i.6-3 34,488 40,704 43,264 4y,344 52,845 33,43? »68 Die größte Zahl der Erkrankten gehörte also dem Alter zwischen 20 und 40 Jahre» an. Da aber die Zahl der unter jede Altersstufe gehörigen Einwohner unbekannt ist, somit auch mit der Menge der Erkrankten nichr verglichen werde» kann, so kann der Schluß, welche Altersstufe der .an.heil vorherrschende Anlage dargebothen, daraus nicht gezogen werden; doch geht aus obiger Zusammenstellung so viel mit Gewißheit hervor, daß gerade dem Alter zwischen 20 und 40 Jahren die Krankheit die mindeste Gefahr brachte, indem in diesem Alrer nur 82 pr. Ct. der Erkrankten starben, daß sie aber in eben dem Verhältnisse schwerer Überwunden wurde, als sich die Kranken im Alter von dieser Periode der vollen Kraft entfernten, daher Greise und Kmder das größte relative Sterblichkeitsverhältniß nachgewiesen haben. - Verschieden waren die Resultate welche einzelne Ortschaften in dieser Beziehung lieferten; wahrend in manchen vorzugsweise alte gebrechliche Leute ergriffen, jugendlich kräs- Lrge Personen aber verschont wurden, waren in anderen vorzüglich Kinder, in noch anderen wenige von diesen, dafür aber besonders Personen des kräftigsten Alters der Krankheit ausgesetzt; vorzüglich war dieses bey plötzlicher Entwickelung der Epidemie ün den zuerst ergriffenen Ortschaften der Fall, und wurde auch in vielen anderen: Brunn, EnzerSdorf u. s. w. beobachtet, während bey der Mehrzahl der Ortschaften, besonders aber bey allmählicher Entwickelung der Epidemie die Einwirkung epidemischer Einflüsse selten hinreichte, die Brechruhr, bey starken kraftvolle» und jugendlichen Individuen hervorzurufen, außer wenn durch eine entstandene Unpäßlichkeit oder durch bedeutende Schädlichkeiten die hinlängliche Reaction der Lebenskräfte geschwächt und überwunden wurde, .^^n so verschiede» ist die Zahl der in den einzelnen Ortschaften erkrankten Kinder; während bey einem großen theile der Ortichaften keine oder verhaltnißmäßig nur wenige Kinder von der Cholera befallen wurden, stieg die Zahl derselben in anderen auf eine mehr oder minder bedeutende Größe. So gaben nachstehende Ortschaften in weU chen die Zahl der erkrankten Kinder etwas größer war, um einiger Massen feste Verhältnisse stellen zu können, folgend? Resultate in Ansehung der verhältnißmäßigen Menge ertränkter Kinder zu den Erkrankten überhaupt, und irr Br-? — ib? ziehung der bey einer größeren Zahl erkranktet Kinder für dieselben erwachsenen relativen Gefährlichkeit der Cholera: Nahme dev Orts ch a f t e n- chn 0. Cholera sind erkrankt k§. Unter 100 Erkrankt, befind- sich also Kinder: Von I ,00 er- v krankt. I Kindn. sind ge- storb-: 8 Untermeidlnrg-.. Qberwaltersdorf.-. Ginzersdorf..... Lichkenwürch..... Markt Fischamend... Baumgarten Mödling...... Braunhirschen.... Scharndorf..... Brunn am Gebirge.. Rabensburg..... Mauerbach..... Fünfhaus Seefeld...... Pottendorf..... Herrnbaumgarten.-- Poysdorf..... Hohenau...... Breitenau...... i6 >7 3o 89 35 >3 25 69 S3 84 88 iyl 53 k>9 85 219 83 2>5 S8 i> >> 19 5i >5 7 10 18 '4 20 20 40 11 ,3 11 32 12 3i 7 7 8 7 10 5 4 7 3 7 1 3 7 2 >4 6 7 3 68;? 8 64.7öS 63,333 Z7,3o3 42,807 38,888 38,461 26,086 24,187 28,809 22,722 20,942 20,754 18,840 12,941 14,611 14,457 iq,4it 12,069 63,636 72,727 36^842 19,607 33,333 4»,o 38.888 21,507 35,o S,o 27,272 53,846 i8,'6i 43,?S 60,0 s 22,680 8 42,887 z Säuglinge wurden in vielen Ortschaften ergriffen, ohne daß die Zahl derselben besonders angeführt erscheint; bey den meisten derselben war die Erkrankung der Muiter vor-, ausgegangen, bey vielen aber nickt; auch kamen mehrere Fälle vor, daß beym Erkranken der Säugenden der Säugling gesund geblieben; so säugten mehrere Mutter schon schwer erkrankt ihre Kinder, ohne daß für diese daraus ein Nachrheil erwuchs. b. In Bezug auf Gewerbe, Charakter und Beschäftigung. Zwar kann weder die Zahl der Einwohner von einem gewissen Gewerbe, Charakter u- s. w. angegeben, noch die Zahl der von einem gewissen Gewerbe rc. Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen eruirt, daher auch in dieser Beziehung kein genaues Zahlenverhältniß aufgestellt werden; jedoch geht aus den Beobachtungen der Aerzte am flachen Lande hervor, daß besonders die den ärmeren Volksclassen angehangen Individuen der Brechruhr am meisten ausgesetzt waren, so daß beynahe durchgehends Armuth, schlechte unreine Wohnung, Zusammenwohnen vieler Personen, Nahrungssorgen, Noth und dergleichen als vorzüglich disponi- rende Momente angegeben werden. Die größte Zahl der Erkrankten betraf daher Kleinhäusler, Viertel-, Halbleh- ner, Hauer, ärmere Bauer», dürftige Handwerksleute, Inwohner, Fabriksarbeiter, Laglöhner, Dienstbothen, Hirten, Pfründner u. dgl.; nur selten wurden den besseren Ständen ungehörige Personen, welche aus dem Lande wohnen, als: Geistliche, Herrschaftsinhaber, Beamte, Aerzte u. s. w° von der Epidemie ergriffen. Die meistens durch Alter und Siechthum geschwächten Pfründner zeigten eine besondere Anlage zur Brechruhr, so wie sich auch bey diesen Individuen die Krankheit gewöhnlich in höherem Grade gefährlich zeigte. Im Gemeindehause zu Unterwaltersdorf starben schnell 3 Pfründner, bevor noch jemand im Orte an der Cholera erkrankt war; zu Brunn am Gebirge im dortigen Armenhause io, im Versorgungshause zu Mauerbach aber "y Pfründner an der epidemischen Brechruhr. In einigen Ortschaften ergaben sich jedoch in Beziehung dieser Gefährlichkeit auffallende Ausnahmen; während nähmlich besser'lebende,»ermögliche, gut gepflegte Menschen als schnelles Opfer der Krankheit fielen, widerstanden arme, aller Pflege entbehrende, schwächliche und entkräftete Personen den heftigsten Anfällen; jene wurden besonders während der Höhe der Epidemie häufiger ergriffen, während diese meistens die ersten und die zur Zeit der Abnahme der Epidemie vorkommende» Fälle ausmachten. iby— Medicinischer Theil. ^--^ie in der Houpt- und Residenzstadt Wien über das Verhalten urd den Verlaust so wie über die ärztliche Behandlung der epidemischen Brechruhr gemachten Beobachtung,>n und Erfahrungen, wurden in Folge des auf allerhöchsten Befehl erflvssenen Hof- kanzley- Decretes von 31. Dec. 1831, Z. 3,237 im Jahre 1832 von dem Verfasser dieses Werkes der hohen Hofkanzley umstc'ndlich beschrieben vorgelegt, hieven Abschriften den sämmtlichen österr. Länderstellen zur Rathserholung fir das ärztliche Personale mitgetheilt, und zur größeren Gemeinnützigkeit in den medicinischen Jahrbrchern des k. k. öst.' Staates 12. Band oder neuesten Folge 3. Band 1. Stück bereits in Druck herausgegebm. Es erübriget sonit bloß noch hier dasjenige in diagnostischer und thnapeutischer Hinsicht kurz anzuführen, was der Landesregierung in dieser Beziehung aus den SanitätS-Lerichten der Aerzte vom flachen Lande bekannt geworren und zur Ergänzung der in der Hauptstadt gemachten ärztlichen Erfahrungen ge? eignet befunden worden ist. 270 KrankheiLöerscheinu ngen. s) Verbothen. Vorbothen wurden vor dem Ausbruche der Cholera oft gar keine beobachtet,besonders weil der Landmann Veränderungen im Gemeingefühl oder geringere krankhafte Erscheinungen ohne eigentlichen Schmerz nichi bemerkt und beachtet, wenigstens an die Mehrzahl derselben be, wirklichem Ausbruche der Krankheit steh nicht erinnert. Als ne gewöhnlichsten Vorläufer aber erschienen wässerige Dirchsalle, welche deßhalb die größte Beachtung verdienten, ueil sie wahrend der epidemischen^Verbreitung der Cholera in einem Orte, bey dem größeren Lherle der Einwohner sich einfande» und die hau- sigsten Vorläufer der Brechruhr, Heils aber schon ihr erster und leichtester Grad waren, daher von denselben Ursachen erzeugt sich mit so mannigfachai Uebergangsformen gn dieselbe anschloßen, daß eine geoaueGranze zwischen beyden anzugeben unmöglich erscheint. Ber diesem Durchfalle waren Kopf und Augen frey, der Gechmack unverändert, die Eßlust ivenig oder gar nicht gestört, die Zunge rein, oder wenig weiß belegt, trocken, der Durst groß, die Respiration normal, in der Magenqegend ein Gefühl von Schwere und Druck, im Unterleibs lautes Kollern, zugleich häufige schmerzlose Darmentleeruncen einer Anfangs brey- arrigen gelben, dann aber wässerig- schleimigen, grünlich-weißen fast geruchlosen Flüssigkeit, die bey höherem Giade des Durchfalles stoßweise entleeret wurde, die Haut, trocken, welk, der Puls zuerst»»verändert, dann häufig, klein, zusammengezogen und schwach, bald folgte Mattigkeit, iAefichc und Augen fielen ein, wobey letztere mit bläulichen Ringen umgeben wurden. Bey.der Abnahme der Cholera- Constitution in einer Ortschaft, oder wo die epidemische Krankheits- Constitu- tioii überhaupt nicht ganz rein, sondern mehr zur ga-^ >7» stftschen, gallichten, catarrhöftn oder rheumatischen geneigt und durch diese modificirt war, erschienen derley Durchsälle entweder alS gastrisch- gallichte, wobey der Kopf schmerzhaft, die Zunge dick belegt, der Geschmack pappich, bitter, der Appetit verdorben waren, öfteres leeres und bitteres Ausstößen, Volle im Unterleibe, Abgang von Blähungen sich einstellten, und die entleerten Stoffe braun, grün, übelriechend, weniger flüßig'erschienen; oder als calar- rhos-rheuniatische, manchmahl selbst entzündliche, so daß sie der Ruhr in ihrer Gestaltung naher traten, wobey siH schneidende Schmerzen im Unterleibe, manchmahl Fiebererscheinungen, bisweilen auch Spuren von Entzündung verschiedener, besonders häutiger Gebilde einfandea, und die entleerte Flüssigkeit verschieden gefärbt, leibst blutig erschien. Nebst derley Durchfeilen kamen als Verbothen der Brechruhr am gewöhnlichsten einige oder andere der folgenden Arankheitserscheimingen vor: Schwindel, Taumel und Schwere im Kopse ohne eigentlichen Schmerz desselben, Ziehen in den Schläft», Verstimmung des Gemüthes mit großer Angst, Beklemmung, Gefühl von Schwere und Druck in der Herzgrube, Veränderung der GesichrSzüge, trübe Augen, stierer Blick, Seufzen, Herzklopfen, Ekel, Neigung zum Erbrechen, Erbreche!,, stoßweises Erscheinen des Durchsalles; in einem Falle ging durch 24 S-unden ohne anderweitige Vorläufer Heiserkeit voraus. Oftmahls geschah aber der Ausbruch so plötzlich, daß gar keine Vor- borhen wahrgenommen wurden, besonders wenn er des Nachts einige Stunden nach dem Schlasenlegen sich em- fand, und der Kranke durch den stürmischen Durchfall erweckt zugleich mit diesem die übrigen characteriliischen Erscheinungen der Brechruhr an sich empfand; gewöhnlich waren es dann diese Fälle, welche sich durch größere Heftigkeit und raschen Verlauf unterschieden. d) Symptome der ausgebildeten Krankheit, Die reine, ausgebildete Brechruhr selbst, abgesehen von jenen Modifikationen welche sie durch den verschiedenen Character der Epidemie erfuhr, erschien in verschiedenen Abstufungen mit so vielseitigen und allmähligen Uebergangen, daß eine Eintheilung derselben nach ihrer Form; »7s—. lingemein schwierig, zum Theil willkürlich und erzwungen Meinen mußte; denn schon der erwähnte Durchfall trat stilln Abwechslung mit einzelnen characteri- st-lchen Erscheinungen auf, daß es oft zweifelhaft wurde, ob er noch zu den Erscheinungen der Vorläufer oder zu jenen der entwickelten Krankheit zu rechnen s-y, und daß er ^^ich z-r Brechruhr selbst als ihr leichtester Grad gerechnet wurde, während ander- ihn aus dem Grunde zu den Verbothen gezählt wissen wollten, weil 7'N Erscheinen der Brechruhr an einem Orte sich a„f den groplen Theil der Einwohner verbreitete, die daran Leidenden also nicht unter die Zahl der Cholera- kiankeii aufgenommen werden konnten. E i»i t h e i l u n g. Die große Mannigfaltigkeit der Form, in welcher die epidemische Brechruhr auftrat, gab dazu die Veranlassung, dap sie von den vermiedenen Aerzten des flachen Landes nach ihren individuellen Ansichten auch verschieden eingetheilt wurde Dr. Zhuber theilte sie nach ihrer Form in eine rein kra m pfhafte und in eine mit vorher r sch e n- e m e n tzü n d li ch sn Ch a rae te r; nach ihrem Verlaufe aber in 4 Stadien— xvostvomorum,«pastinum, Lilio- 8urn 8vu ovitiouni u. roeonvalosoeotiae ein: Dr. v. Meyer fuhrt eine(lliolera: 6uin ckarsetere A-wtrioo "» rliouniarioo, "" ssnAuinso mit 6onA68tio- N6N aus Unthatigkeic der Central-Organe des Kreislaufes und vorherrschendem LIis- rnismus(Zersetzung deS Blutes). 4. 6uin eliaraotoro norvoso auf und zwar diese ») als esiolers jasraliüoa, 1°)"»«psstiva, oder als solche «) wo die Krankheit sich nicht vollkommen entwickelt, sondern in ein Nerv-nfieber übergeht. Mehrere theilten sie in 3 Stadien und nahmen ein Stadium inisvtioni8, 8pu8tioiirn und pgralitioum an; andere in 3 Grade, wovon der unterste nach Dr. Gunz die wah- i. s. 3. —»^3— rend der epidemischen Verbreitung der Brechruhr gewöhnlichen minderen Störungen der Gesundheit, der zweyte den wässerigen Durchfa» mir einigen Erscheinungen der Cholera, der dritte die ausgebildete(vollendete) Cholera begreift. Einige verwarsen aber jede Eintheilung derlelben a>S unstatthaft und ließen nur eine durch den localen Character der Epidemie, durch das Stadium derselben, durch die individuelle Beschaffenheit des Ergriffenen, durch die Große der Krankheit, Einfachheit derselben u.s.w. erzeugte Modifikation zu. Grade der Krankheit. Nach den gemachten Beobachtungen lassen sich zwey Grade der ausgebildeten Cholera unterscheiden und abgesondert aufführen, und ihre Unterscheidung scheint um so wichtiger zu seyn, als sie auf die Behandlung der Krankheit großen Einfluß harte, obgleich auch von diesen Graden die gemachte Bemerkung gilt, daß ihre Uebergänge unzählig und ihre Unterscheidung in einzelnen Fallen nicht immer leicht gewesen ist. Erster Grad. Die Erscheinungen bey dem ersten Grads der ausgebildeten Brechruhr waren folgende: Ungestörtes Bewußtseyn, zuweilen Schwindel, Ohrensausen und Schwerhörigkeit ohne Kopfschmerz, schnelles Sinken der Kräfte, Einfallen des Gesichtes und der Augen mit blaugrauen Ringen um diese, Rothiing der Conjunctiv«, große Angst, die sich deutlich in der Miene abspiegelte;(die veränderten Gesichrszüge werden von mehreren Aerzten als eigenthümlich bezeichnet und(aeivs ekolerias, so wie die veränderte Stimme vox okol. und die gerunzelten bleysarbigen Finger msnus olroleriess genannt) Trockenheit des Rachens, Mundesund der Zunge, die rein oder nur leicht belegt, gewöhnlich von bloßer, welker oder bläulich- rother Farbe, und nebst dem Hauche kühl war; starker Durst mit oft unwiderstehlichem Dränge»ach kaltem Wasser, heisere, hohle, zuweilen unverständliche Stimme, als wäre der Kehlkopf zusammengeschnürt, stoßweises Erbrechen einer geschmacklosen wässerigen grünlich- weißen Flüssigkeit bis alleSpeifenreste ausgeworfen worden, seltener mit großer Anstrengung und — ,74— lautem Würgen, wobey wenig oder nichts, manchmahl aber mit leichtem stoßweisen Erbrechen eine große, ost unglaubliche Menge ausgeleert wurde; erschwertes Athsmholen mit dem Gefühle von Druck auf der Brust, Angst und Unruhe verbunden, manchmahl m,t Herzklopfen, zuweilen mit Schluchzen. In der Herzgrube ein Gefühl von Druck und Schwere, seltener vorn Brennen und Zusammenziehen, die Magengegend eingezogen, die Bauchmuskeln gespannt, der Unterleib öfters unschmerzhaft, meistens jedoch die Magen- gegend seltener die Hypochondrien gegen den leisesten Druck sehr empfindlich, in derselben und in der Nabelgegend bisweilen unerträgllche brennende Schmerzen; ein Puisiren der srtevig ePtAgstriea wurde in mehreren Gegenden, in anderen nicht beobachtet; ganz oder gcoßtentheilS unterdrückre Urin- absonderung, daher die Kranken nicht über daS Unvermögen Harn zu lasten klagten, da diese Zschurie weder mit Beschwerden verbunden, noch die Blase gefüllt war, weß- rvegen auch mitreist des EakhederS kein oder nur wenig dicker wechgelber Harn entleeret werden konnte. Durch- fall mit einer wässerigen grünlich- weißen fast geruchlosen Flüssigkeit, auf welcher weiße Streifen zu schwimmen schienen, in der zuweilen gelbliche Puncte bemerkt wurden und auS der sich beym ruhigen Stehen ein weißer schleimiger Bodensatz sonderte, zuweilen war die Flüssigkeit röthlich- grau, schleimig, mit weißen Flocken gemischt. Diese Entleerungen waren schmerzlos, zuweilen mit dem Gefühle, als würde eine heisre Flüssigkeit durch den After gegoßen, in einigen Orten mit lästigem Zwange verbunden; sie folgten auf laures Kollern im Unterleib«-, stoßweise, schnell auf einander, gewöhnlich bald unwillkührlich, öfters wurden auch sowohl beym Erbrechen als beym Durchfalle Spulwürmer entleert. Der Hautturgor schwand, die Haut wurde welk, trocken wie ausgezehrt, ihre Farbe erdfahl, ihre Wärme auf verschiedenen Grad vermindert, doch wurde in Hinsicht dieses Schwindens deS Hautturgors in einigen Ortschaften beobachtet, daß zuweilen das Gesicht, besonders die Stirne und die Wangen geröthet, deren Hautturgor unverändert, die Stirne auch warm blieb, obgleich Warme und Farbe auS den anderen Theilen gewichen waren. Der Puls war mäßig beschleunigt, klein, zusammengezogen, schwach, dann fadenförmig, zugleich weich, endlich unfühl- har; in den Gliedmaßen fanden sich sehr schmerzhafte Kräm- pfe ein, so daß dre Kranken dringend das Reiben und Massiven besonders der Waden verlangten; meistens wechselten diese Krämpfe an den oberen und unteren Glicdmaßen ab, und erstreckten sich nur selten bis aufdie Muskel des Rumpfes» Aus einer geöffneten Ader floß schwarzes dickes Blut in schwache» Bogen, bey stärkerer Entwicklung der Krankheit nur nopfenweise, oder es kam, wenn nach dem Laufe der Vene gestrichen wurde, ein Llumpen halb gestockten zähen Blutes hervor; doch geschah es zuweilen bey einem Aderlaße, daß das Blut anfangs ropfenweise, allmählig flüssiger und Heller ge'ärbt erschien. endlich selbst im Bogen stoß; das gelassene Blut bildete einen großen, weichen, schwarzrothen, mit mehreren bläuliy- rothen Puncten und Flecken bezeichneten Blutkuchen mit nenigem gelblichen Blutwasser. Zweyter G' a d- Die Erscheinungen der auf den zweyten und höchsten Grad entwickelten Cholera waren sehende: Gänzliche Hinfälligkeit, Hoffnungslosigkeit, große Angst und Unruhe, oft aber stumpfsinnige Ileichgülttgkeit, welche sich in dem entstellten, wie ausgezehnen und hippokrathchen Gesichte abdrückte»; tief eingefallene halb gebrochene Augen mit nach aufwärts gedrehtem Augapfst, Um dieselben bräunliche und dunkelbleyfärbige Ringe; Bange», Nase und Lippen eiskalt und bleyfärbig, während die Stirne noch lange ihre Farbe und Wärme behielt; die Zunge trocken, rissig, dunkel-blauroth, nebst dem Hauche kalt; der Durst und das Verlangen nach kaltem Wasser ruf den höchsten Grad gesteigert; zuweilen dauerte das Erbrechen fort, besonders wenn die Entwicklung des Brechdurchfalles auf diesen Grade sehr schnell aus dem Durchfale und nicht aus dem leichteren Grade allmählig erfolgte, gewöhnlich überhörte das Erbrechen entweder ganz auf und folgte selbst auf ein in voller Gabe gereichtes Brechmittel nicht wieder, oder verwandelte sich in ein fruchtloses äußerst beschwerliches Würgen; die Krämpfe horten meistens besonders bey der all- niähligen Entwicklung dez! Krankheit bis auf diesen Grad wieder auf, der Durchfall aber dauerte fort und zwar gewöhnlich unausgesetzt und unwillkührlich, so daß die wässerige Flüssigkeit beständig aus dem After floß; die Haut war — 176—' welk, an den Fingern, Handflachen und Fußplatten eingeschrumpft, gerunzelt, trocken und lederartig anzufühlen, oder mit klebrigem widrigriechendem kaltem Schweiße bedeckt; die Gliedmaßen waren eiskalt, blauroth, die unteren öfters wie marmvrirt, oder mit kupferfarbigen Streifen und Flecken besetzt, die Fingerspitzen und Nagel bleyfärbig; gänzliche Pulslosiakeir; au' die Haut gelegte Hautreize brachten selten eine Reactionhervor; aus einer geöffneten Ader floß in den meisten Fällen ken Blut, gewöhnlich kam nur tropfenweise bey wiederholtem Streichen nach dem Verlaufe der Blutader schwarzes, zähes, dickes Blut, welches sich nicht in Blutkuchen und Blutwaffersonderte, sondern unverändert im Gefäße eintrocknete. Erfolgte nun de, Tod nicht, so kehrte allmählig wieder eine laue Hautwärne und der Puls zurück; Erbrechen und Krämpfe hörten auf, nenn dich nicht ohnedem schon früher geschehen war, zuweilen auch der Durchfall, welcher aber in den meisten Fallen ortmährte, und nun hatte die Krankheit jenen Wendepunkt erreicht, von welchem sie entweder Mittel- oder unmittelbar in Genesung oder in den Tod überging. Die auf den höheren Grad entwickelte Brechruhr kam vorzüglich während der Höhe der Epidemie in einem Orte und um so häufiger vrr, je reiner und heftiger diese über- hnupt erschien; die minder entwickelte zeigte sich aber vorzüglich während der Alnahme einer Epidemie. Einzelne Ortschaften ließen indessen einen bedeutenden Unterschied in Ansehung des Vorkommens dieser Grade bemerken, da in manchen viele, oder wchl,gar wie zu Schönabrunn, alle vorgekommenen Fälle auf den höchsten Grad entwickelt waren, in anderen dieses nur während der Zunahme und Höhe der Epidemie, in einigen Ortschaften aber die ersten Fälle ausgenommen gar nicht bwbachtet worden ist. Modifikationen der Brechruhr. Als Msdisicationenverdienen besonders jene Veränderungen einer Erwähnung, welche die Cholera in einzelnen Fällen durch den Einfluß eines Neben-Charactecs der nebstbey herrschenden KrankheitS-C«nstitut,on in ihrer Form erlitt. Am häufigsten erschienen als Modifikationen: s)diegastrisch- gallichte B r e ch r u h r, welche außer den häufig amvssen- — t/77— den Fiebererscheinungsn mit gewöhnlich bemerkbaren Abend- verschlimmerungen und Morgennachlässen, besonders Kopfschmerz; dann Erscheinungen von gastrischen oder gallichten Unreimgkeiten, Entleerungen gallichtsr Stoffe nach auf- und abwärts mir Erleichterung für den Kranken, Entleerung eines dunkelgefärbten Harns, ein bey weitem gelinderer Verlauf und geringere Gefährlichkeit characterisirren. b) Die intermittirende Cholera, welche passender mit dem Nahmen Wechs elfieber unter der Lar- ve des Brechdurchfalls belegt zu werden verdient, und welche Modifikation nebst der früher benannten öfters die Uebergangsformsn der epidemischen Brechruhr-Constitution in eine gastrisch-gallichte bildete, daher besonders bey der Abnahme der Epidemie, oder wo der Charakter derselben kein ganz reiner sondern mehr gastrisch war, erschien. Bey dieser Modifikation traten die einzelnenWechselfirberanfälls mit mehreren Erscheinungen der ausgebildeten Cholera auf, so daß sie in manchen Fällen deren charakteristisches Bild vollkommen darstellten, iedoch wogten dabey meistens die gastnsch-gallich- ten Erscheinungen vor. Auch diese Form zeichnete sich durch milderen Verlauf und geringere Gefährlichkeit auS. o) Die c a t a r r h a l i s ch-r h e u m a t i s ch e B r e ch r u h r. Bey einem catarrhos-rheumatischenNeben-Character der Cholera-Epidemie, gesellten sich zu den eigenthümlichenErjcheinun- gen der Brechnchr, besonders wäh'-end der Abnahme der Epidemie auch jene Krankheitserscheinungen hinzu, welche der Einwirkung deS genannten Charakters angehörten; die Brechruhr erhielt einen fieberhaften Anstrich, und Entzündungen einzelner Organe, besonders in serösen und schleimicht- hantigen Gebilden stellten sich manchmahl ein; in einigen Fällen erhielt sie die Aehnlichkeit mit der Ruhr. äs Die nervöse Brechruhr. Bey einem nervösen Neben-Lharacter der Brechruhr-Eonstitution waltete bey den einzelnen Fällen besonders schnelles Sinken der Kräfte vor, öfters ging die Cholera in ein Nervenfieber über, so wie sie sich mehrmahl aus einem solchen entwickelte; dabey kam besonders auch jene Form vor, die von mehreren Aerzten als die 6iloIk-i-Ä siooa aufgeführt wurde, welche sich beynahe in allen vorgekommene» Fällen bey ganz oder großen Theils mangelnden Entleerungen des Darm-Canals, besonders aber bey unbedeutendem Erbrechen, durch große Angst, Entstellung der OiskchtSMe, Mk Beklemmung in der Brust) »s —> ,76 heftige» Druck in der Herzgrube, äußerste Empfindlichkeit des eingezogenen Unterleibes, besonders der Magen-und Nabelgegend, sehr heftige, hartnäckige und schmerzhafte Krämpse, überhaupt aber durch raschen Verlauf, größte Bösartigkeit und schnelle Lödtüchksil auszeichnete. Verlauf und Dauer der Krankheit. Der Verlauf der Cholera war i»i Allgemeinen, ohne daß sich eigentliche Stadien als höchstens die der Zu- und Abnahme der Krankheit unterscheide» ließen, rasch, und die Dauer kurz. Doch hatte hieraus der Stand der Epidemie ihre Reinheit und Heftigkeit, so wie in einzelnen Fällen die individuelle Beschaffenheit der Ergriffenen einen wesentlichen Einfluß. Verlauf. Je reiner und heftiger überhaupt die Epidemie auftrat, UM so bösartiger und rascher im Verlaufe waren die einzelnen Erkrankunqs- Fälle. Daher zeichneten sich auch die reinsten und am vollkommensten entwickelten Krankheitsfälle durch den raschesten Verlauf aus; am meisten war er aber bey jenen Fallen stürmisch, welche während der Zunahme und Höhe der Eridemie sich einfanden, und bey welchen gewöhnlich die Krankheit ohne andere bemerkte Verbothen als höchstens den wässerigen Durchfall, in der Nacht plötzlich aus- brach, sich schnell zum höchsten Grad einwickelte gewöhnlich bald dem Tode, und nur selten durch rasche Besserung der Genesung entgegeneilte. War aber die Epidemie überhaupt weniger heftig und bösartig, ihr Charakter Minder rein, ein gastrischer, gallichier, catarrhöser oder rheumatischer Neben- Charakter zugegen, so zeigte sich der Verlaus der Cholera im Allgemeinen weniger stürmisch und minder gefährlich, was gewöhnlich während d-r Periode der Abnahme»i einem Orte zu geschehen pflegte, sobald obige Ne- ben-Charactere ihren Einfluß aus die Cholera-Constilutionäü- ßerren, womit auch die Reinheit und Heftigkeit der letzteren in gleichem Verhältnisse schwand. War aber der Neben- Character der Epidemie nervös, so zeichneten sich einzelne Fälle gewöhnlich durch einen weniger raschen, deßhalb aber nicht minder zu fürchtenden schleichenden Verlauf aus, der um so gewisser Erschöpfung der Kräfte herbeyführte, als er letztere allmählig aufrieb. Die individuelle Beschaffenheit des Kranken äußerte auf die Modificirung des Verlaufes keinen bestimmten, sich immer gleich bleibenden Einfluß; daher weder die Beschaffenheit der Körper-Constitucion, noch der Unterschied des Geschlechtes, des Alters, Temperaments, besondere Zustände u. dgl. in dieser Besieyunq eine feste Norm aufstellen ließen; doch wurde in der Regel bey rüstigen, jugendlichen, kräftigen, nicht durch Krankheiten geschwächte» Individuen ein sehr rascher Verlauf der Brechruhr beobachtet, weiche kurz in ihren Stadien sich schnell bis auf einen gewissen, oft auf den höchcken Grad entwickelte und bald den Tod, oder vollkommene Wiedsrgenesung herbeyführte, während alte, schwächliche, träge, schlaffe Personen von ihr ergriffen, eine allmäh. lige Steigerung der Krankheit, die stufenweise Entwicklung eines Grades auS dem anderen und bey günstigem Ausgange eine eben so allmählige Abnahme und Wiedergenesung, bey welcher häufig Nachkrankheiten sich einfanden, bemerken ließen; obgleich auch die entgegengeietzten Fälle keineswegs selten waren, daß schwächliche, kränkliche Personen, besonders die als erste Opfer der beginnenden Epidemie ergriffen wurden, »»gemein schnell erlagen, während sich bey einer kräftigen Reaction starker Individuen die Krankheit nur langsam zu entwickeln und erst spät jene zu überwältigen vermocht« oder nur allmählig von ihr überwunden wurde. Da u e r. Die Dauer der reinen Cholera erstreckte sich in den meisten Fällen auf 3 bis 24, seltener über 3b Stunden; bey längerer Dauer ging sie gewöhnlich entweder bereits in Genesung oder in eine llebsrgangs- oder Nachkrankheit über; jedoch dauerte die Cholera, wenn sie nicht in ihrer vollkommenen Reinheit erschien, besonders die gastrische und die rntermitti- rende meistens länger, selbst durch mehrere Tag« «8o Aus gange der Krankheit t. Des Durch falls. " Der wässerige Durchfall ging entweder in Genesung- oder in die ausgebildete Brechruhr, oder in den Tod über. Die Genesung erfolgte gewöhnlich bey gehörige!« Verhalten und bey ärztlicher Behandlung, wenn nicht die Einwirkung der eprdeimschen Cholera- Eonstitutio» auf einen sehr hohen Grad gesteigert und die besondere Disposition bedeutend war, in welchen Fällen er öfters unaufhaltsam und der sorgsamsten Pflege und Behandlung ungeachret in die ausgebildete Brechruhr überging. Als untrügliches Merkmahl der eintretenden Genesung stellte sich ein mäßiger allgemeiner Schweiß bey gleichzeitigem Heben des Pulses ein, die Zunge wurde feucht, es erschienen Symptome gastrischer Unreinigkeiten, es erfolgten mehrere dreyartiqe, gelbe oder gallichte Stuhlentleerungen, allmählig schwanden die früheren krankhaften Erscheinungen, und es blieb gewöhnlich durch mehrere Tage bloß Mattigkeit und meistens eine große Geneigtheit zu Recidiven zurück, welche nicht früher zu weichen pflegte, als bis sich die veränderte epidemische Krankheirs- Constitution durch Wiederkehr der einheimischen Krankheiten ankündets, wo sodann die Krankheit mittelst eines ga- strisch-gallichten Durchfalls in die vollkommene Genesung überging, obgleich manchmahl auch sehr hartnäckige Stuhlverstopfung zurückblieb. Erfolgte der Uebergang des vorbenannten einfachen Durch- falls in die ausgebildete Brechruhr, was entweder besonders bey Vernachlässigung des ersteren, oder bey einer neu einwirkenden Schädlichkeit, sie mochte auch noch so geling seyn, oder bey gesteigertem Einflüsse der epidemischen Constitunon wegen Zunahme der Epidemie sich ereignete; so geschah dieser Uebergang entweder allmählig, durch Steigerung der schon vorhandenen und stufenweises Hinzutreten der noch fehlenden charakteristischen Erscheinungen der Brechruhr, oder plötzlich und zwar meistens bey der Nacht, dergestalt, daß öfters außer diesem Durchfalle gar keine anderen Veranlassungen beobachtet wurden. Selten ging dieser Durchfall und zwar nur in Ver« nachlassigungsfällen bey ohnedieß schwächlichen, entkräfteten, sehr jungen oder im Alter weit vorgerückten Individuen unmittelbar in den Tod über, ohne daß sich mehrere Erschei- —.»8l— mmgen der Cholera euigefunds» hatten, indem die Auslee. rungen erschöpfend wurden, colliquative Schweiße, stille Delirien, die höchste Schwache und endlich ein sanfter Tod aus Erschöpfung der Lebenskräfte sich einfanden. 8/ Des Brechdurchfalls. Die ausgebildete Brechrubr ging entweder in Gene- sung, in den Tod, in eine Nachkrankheit oder in Recidi- ven über; letztere wurden in einigen Ortschaften häufig besb- achtet und dabey angegeben, daß eine besondere Neigung zu denselben zurückzubleiben scheine; in anderen kamen sie nicht, oder nur selten vor. Auf eine Genesung durfte man bey der ausgebildeten Brcchruhr hoffen, wenn sie in kräftigen, besonders jungen, ungeschwächren Personen, bey welchen sie hinlängliche Reacrion fand, Nicht bis auf den höchsten Grad entwickelt, daher weder Marmorkälle der Glieder noch Pulslosigkeit eingetreten war, die Epidemie überhaupt nicht besonders heftig auftrat und sich eben nicht auf dem Grande der Höhe befand. Bey diesem Uebergange hob sich der Puls, er wurde freyer, voller, stärker, mäßig beschleunigt, die Haut wurde warm, welch, feucht, es trat allgemeiner oft perlartigerSchweiß ein, Erbrechen und Krumpfe hörten auf, die Sruhlentlee- runaen wurden seltener, dann breyarrig gelblich gefärbt,fingst und Unruhe geringer, die Miene weniger entstellt, die iLtiin- me Heller, es fand sich Neigung zum natürlichen Schlafe, später auch die Harn- Ab- und Aussonderung ein. Hatte die Krankheit bereits den höchsten Grad erreicht, so erfolgte dieser Uebergang erst nach der Wiederkehr des Pulses und der Wärme, und den vorher angeführten Erscheinungen; jedoch geschah es hier schon seltener und nur bev früher gesunden rüstigen Personen des mittlere» Alters, daß auf die angegebene Art bey ve-hältnißmäßiger Abnahme aller krankhaften Erscheinungen die gestörten Functione» mit mäßig aber auch gleichmäßig gesteigerter Reaction der ergriffenen Systeme und Organe, zur normalen Freyheit, Thätigkeit und Wechselwirkung zurückkehrten, wobey der Brechdurchfall schon nach einigen wenigen Tagen m vollkommene Genesung übergegangen war. In der Mehrzahl der Erkrankungsfälle brachte hingegen das schon un gefun- den Organismus vorhandene Ueberwiegen der Thätigkeiten ,8s oder die vorwaltende Schwache eines Systems oder Organs eine Ungleichförniigkeit in den wohlthätigen Heilbestrebungen und daher neue Störungen hervor, deren größere oder geringere Bedeutung theils von der Wichtigkeit der betroffenen Organe, theils von der Art des.Ergnffenseyus abhing.und die daher auch entschieden auf den Gesammr- Organismus zurückwirkten. So steigerte sich oft bey größerer Reizbarkeit und entzündlicher Dwthese des Organismus die Reaction im Blutqefaßsysteme bis zur Blutwallung, wodurch der nächste Grund zu activen oder passiven Congestionen zum Gehirn, zu den Lungen- oder Bauchemgeweiden. und selbst wirklichen Entzündungen gelegt wurde. So übernahm häufig die -ebcr vorwiegend das Geschäft, durch eine vermehrte Gallen-Ab- und Aussonderung, die durch die Krankheit erzeugten und zurückgehaltene» schädlichen Stoffe auszusondern, und durch ihre gesteigerte Thätigkeit das materielle und dynamische Gleichgewicht in den ergriffenen Organen und ihren Verrichtungen wiederherzustellen. So erschiene,i einige Mahle ein anhaltender perlarciaer Schweiß, ein dem Nessel oder Scharlachausschlage ähnliches Exaiuhem, ein DurchsM, die Menstruation, ein Nasenbluten, Hämonhotdalfluß, Wech- selfieber, bey Schwängern die Geburt u. s. w. wirklich kritisch.^ In den Tod ging die ausgebildete Cholera oft über, bevor sie bis zum höchsten Grade entwickelt war, wo dann ersterer apoplectisch wegen Unterdrückung der Lebenskräfte durch Hemmung der zum Leben unentbehrlichen Venichlun- gen deS Kreislaufes und des Athcmholens, und oft sehr schnell erfolgte, indem Angst- und Brustbeklemmung auf das höchste stivasn, das Athemholen schwer und röchelnd, die Entleerungen geringer wurden, während Wärme und Puls schwanden; vorzüql-ck zeigte sich ein solcher^schneller Tod gewöhnlich wahrend der Hohe der Epidemie in einem Orte, so wie bey denjenigen vorgekommenen Fällen, wo der durch die eintretenden Störungen gesetzte Eingriff in den Lebensprozeß gleich so bedeutend wurde, daß weder die Lebenskräfte hinlängliche Freyheit zu einer Reaction erlangen, noch auf den erforderlichen Grad von Stärke sich emporschwinge» konnten. Am oftmahlsten erfolgte aber der Tod, wenn die Cholera den höchsten Grad erreicht hatte, und die Erschöpfung der Lebenskräfte aus einer bedeutenden Unterdrückung der- selben in zum Leben höchst wichtigen Organen hervorgegan- §en war; dabey wurden die Gliedmaßen eiskalt mit klebrigem kaltem übelriechendem Schweiße bedeckt, blauroth, wie mar- morirt, Puls und Herzschlaq fehlren gänzlich, der Kranke^ lag stumvfsinnig mir nach aufivärcs gezogenen Augen am Rücken, der Athem wurde tief, schwer und lanqsan,, der Durchfall dauerte unwiükührlich fo-r, das Gesicht war hypocansch verändere oder blauroth aufgedunsen, worauf der Tod eintrat. Uebergana s- und Nachkrankheiten, welche der Cholera folgten, waren nachstehende: Ern H cr r r sch-g a. Ürchtev Zuband, dev Erscheinen von Galle in den Entleerungen ankündigte, wobey derKopf schmerzhaft, der Geschmack bitter, dieZunge gelb belegt wurden; es stellten sich bitteres Ausstöße", Ekel, und, wenn es schon aufgehört harte, neuerdings Erbrechen ein, woben eine dunkelgrüne, zuweilen grasgrüne^dittere, schleimige Flüssigkeit manchmahl in großer Menge ausgeworfen wurde, zugleich war die Lebergegend voll, beym Drucke schmerzhaft, und eingallich- ter Durchfall, öfters aber Sluhlverhaltung zugegen. Manch, mahl trat auch, wenn dieser gallichce Zustand nicht bald durch die Natur- oder Kunsthülfe gehoben wurde, ein aussetzendes Fieber hinzu, welches sodann große Neigung zeigte in ein adynami-sch-nervöses überzugehen. Besonders kamen derley gastrische Uebergangsnank- heiten während der Abnahme der Cholera- Krankheits- Constitution, und gewöhnlich bey jenen Epidemien vor, deren Character ohnedies; sich zu einem gastrischen neigte; daher entwickelten sich auch Wechselfieber in jenen Orten, in welchen sie endemisch zu herrschen pflegen, oder wo sie eben epidemisch erschienen waren, eben so häufig aus der Cholera, alS diese aus ihnen hervorging. Als eine besondere Uebergangskrankheir des Brechdurchfalls, wurde von den meisten Aerzten des flachen Landes eine torpid°nervöse Folgekrankheit angeführt, welche von einigen als ein gewöhnliches, von anderen als ein typhöses oder faulichtes, oder als ein soporoses oder torpides Nervenfieber bezeichnet wird, wobey einige keinen Unterschied von den gewöhnlichen secundaren Nervenfiebern bemerkte», wahrend sie andere, als von diesen ganz verschieden und als ein eigenthümliches nevropathisches Leiden betrachteten. Diese Uebergangsform kam in einigen Ortschaften oftmahls in anderen selten, in manchen Gegenden wie zu Wiener- Neustadt gar nicht vor, und hing gleich dieses öftere Vor- —-84— kommen wirklich zum Theile init der verschieden eingeleiteten, besonders mit einer stark reizenden Behandlungsart des Brechdurchfalls, und dem in größerer Dosis gereichten Opium zusammen, so hatte doch hierauf auch die Reinheit, Heftigkeit und der Characker der Epidemie einen wesentlichen Einiluß; daher diese nervöse Nachkrankheit bey gleicher Behandlung in einigen Orten zuweilen, in anderen gar nrchr, in noch anderen aber in der Mehrzahl der vorgekommenen Cholerafälle eintrat, zuweilen selbst mehr als die Cholera gefürchtet wurde. Bey diesen verschiedenartigen Ansichten ist jedoch nicht zu verkennen, daß unter demselben Nahmen verschiedene Nach» krankheiten begriffen wurden, von denen einige zwar die gewöhnlichen secundären«dynamisch- nervösen Fieber darstellten, und die sich, wie bereits angegeben wurde, aus den gastrischen Uebergangskrankheiren, besonders bey einem nervösen Neben-Character der Epidemie entwickelten, und somit die einzelnen Fälle oftmahls nur als Nervenfieber mit den Zufällen des Brechdurchfalls complicirt erschienen, während andere, besonders bey einer größeren Reinheit der Epi-> demie als eigenthümliche Nach- und Uebergaiigskrankheiten vorkamen, welche wegen ihrem häufigen Vorkommen sowohl, alS wegen ihrer Gefährlichkeit und eigenthümlichen Form die größte Beachtung verdienten. Letztere entwickelten sich aus dem Cholera-Anfalle meistens, wenn er bereits beendigt, Auls und Warme zurückgekehrt, Erbrechen und Krämvfe. zuwilen auch der Durchfall verschwunden waren. Oftmahls ging ein heftiges Schluchzen voraus, mit dessen Ab- ahme mi gleichen Verhältnisse der nervöse Zustand sich entwickelte und sich durch folgende Erscheinungen characceri- sirte: der Kranke lag gleichgültig in fast beständigem Schlummer, aus dem er jedoch durch Zurufen leicht erweckt, w>e aus einem Traume erwachte, die an ihn gerichteten Fragen richtig aber kurz und langsam beantwortete, und in welchen er unbekümmert, was um ihn vorging, selbst bey größerem Geräusch im Zimmer bald zurücksank; er klagte über keinen Schmerz, und der Zustand erweckte anfangs bey dem Layen dieHoffnung auf baldige Genesung des Kranken; doch waren während diesem Schlummer Stirne und Wangen heiß, diese und die Conjunctivs des Augapfels ge- röthet, die Pupillen erweitert, zuweilen Schwindel, öfters aber Sausen in den Ohren zugegen; der Schlummer wurde —»85 allmählich anhaltender und ging dann in tiefen Schlaf überaus welchem der Kranke schwer- oft gar nicht erweckt werden konnte, und mit welchem sich auch back Aussehen des Kranken veränderte. Zuweilen erschien stilles murmelndes Deliriern, in seltenen Fallen auch Flockenlesen; zugleich waren die Augen tief eingesunken, halb geschloffen, nach oben verdreht, das Gesicht blaß, eingefallen, der Mund offen; Nase, Mund und Rachen trocken, die Zähne mit gelber, dann brauner, selbst schwarzer Kruste bedeckt, die Zunge zitternd, rissig, braun, trocken; der Kranke äußerte weder Durst»och ein anderes Bedürfniß, und bey einigen trat vollkommene Gefühllosigkeit ein; das Achemholen war schwer, tief, langsam, der Bauch unschmerzhaft, zusammengefallen, nie meteori- stisch aufgetriedeN, zuweilen in den Hypochondrien gegen stärkeren Druck empfindlich; die Unnenlleerung erfolgte entweder unwillkührlich oder dieselbe unterblieb mit Anschwellung der Harnblase; der durch einen Caiheder entfernte Harn war durchsichtig und strohgelb; der Durchfeil dauerte fort, wie in der Cholera selbst, doch stellte sich manchmahl hartnäckige Stuhlverstopfung ein; die Hautwärme war vermindert, die Haut trocken, welk, der Puls in keinem Verhältnisse zur langsamen Respiration schnell, weich, klein, öfters aussetzend. Obgleich die so eben angeführten Zufälle als discharac- teristischen des entweder nach dem Brechdurchfälle sich einge- fundenen, oder gleichzeitig mit letzteren; eingetretenen Ge- hirnleidenS im Allgemeinen angesehen werden können; so blieben dieselben dennoch in einzelnen Fälle» keineswegs unverändert, sondern stellten mehrere Modificationen dar, je nachdem sich das Krankheiisbild mehr einer apoplectischen, hydrocephalischen oder wahrhaft typhösen Krankheitsform angenähert hatte. Als nächste Ursache aller dieser comarösen und nervösen Zufälle wurde nach der Ansicht der Mehrzahl der Aerzte eins Unterdrückung der senlonelleu Kräfte angegeben, welche durch übermäßige Blutanhäulung und Stockung desselben in den Gesäßen des Gehirns, und zwar entweder durch activen Blucandrang gegen den Kopf, oder, waS öfters der Fall gewesen, durch passive Biut- Congestionen herbeygeführt wurde, zu deren letzteren vorzugsweise die auffallend gesunkene Thätigkeit aller Capillar- gefäße, die Entmischung des Blutes und die große Neigung desselben zur Gerinnung und Stockung den Grund gelegt »8h habe». Bey längerer Andauer dieser materiellen Veränderungen lm Cerebral- Systeme und dem Fortbestand dsS unterdrückten Kraftezustandes trat sodann bald früher bald später unter Zunahme des Sopors eine wirkliche Erschöpfung der Kräfte und ein allgemeiner lähmunqSarnqer Zustand ein, der nah Verschiedenheit der Individualität der Ergriffenen und der consscurioen materiellen und dynamischen Veränderungen in Bezug auf die oben erwähnten Modificanonen bey rascherem Verlaufe des vorausgegangenen oder noch fort- chestandenen Brechdurchfalls und bey Individuen des mittleren 'Alters gewöhnlich das mehr oder weniger entwickelte Bild des Typhus, bey Kindern und reizbaren Subjecten jenes des hitzigen Wasserkopfes, bey bejahrten und über 5o Jahre alten Menschen aber den Schlägst,iß als eben so viele bs- achrenswerthe Modisicarisnen bemerken ließen. Unter weichen Verhältnissen diese besonders nervöse Nachkrankheir eintrat, kann nicht genügend nachgewiesen werden, da weder die individuelle Beschaffenheit der Leidenden, noch der Grad der Krankheit, die Behandlungsweise, der Characrer und Stand der Evldemie u. s.>v. hierin eine feste Regel ausstellen lassen; doch schi» sie durch den höhere» Grad der Krankheit bey größerer Reinheit und Heftigkeit der Epidemie, ferner durch das jugendliche Alter zwischen»o und so Jahren, und Das jehr vorgerückte Alter, so wie durch den Mißbrauch des Opiums am häufigsten bedingt worden zu seyn. Zuweilen erfolgte nach diesem torpiv-nervösen Zustand die Genesung, selbst wenn er schon auf einen hohen Grad entwickelt war; wenn nähmlich die ergriffenen Organe so viele Kraft erübrigten, um die der freyen Ausübung ihrer Verrichtungen im Wege stehenden Hindernisse überwinden und beseitigen, die in den großen sowohl, als in den kleinen Gefäßen stockende Blutmasse verflüssigen, aufzusaugen, und somit die Freyheit des Kreislaufes, Arhemholens un» der Ge- hirrithatigkeit wieder herstellen zu können; daher auch dieser günstige Ausgang nur bey jüngeren und jenen Personen häufiger vo kam, bey welchen die Gssäßchätigkeic kräftiger, der Stoffwechsel lebhafter und die Narurkräfte zur Ueberwindung bedencender ihnen entgegenstehender Hindernisse geneigter waren. Dieser Ausqanq erfolgte jedoch meistens nur allmählig, und so wie aus jenem Kampfe der Lebenskräfte gegen dir ihnen entgegenstehenden krankhaften Veränderungen, oftmahls Metastasen auf verschiedene Theile, Exan- — ,»7— theme u. dgl. als wahrhaft kritisch vorkamen, eben so pssegren auch verschiedene Beschwerden, welche sogleich unter den übrigen Nachkrankhenen auszuwählen kommen, durch eine langwierige Wiedergenesungs- Epoche zu ückzubleiden In der Mehrzahl der Falle harre aber dieser nervöse Zustand eine lähmungsarrige Schwäche aller Verrichtungen zur Folge welche in kurzer Zerr den Tod herbeyrührte. Hautausschläge wurden besonders beyder torpid- nervösen Folgekrankherr als wahrbafc kritisch mehrmahls be- obachret, und kamen gewöhnlich nach vorausgegangenem Jucken der Haut, vermehrtem Tnrgor und Rörhe derselben, größerer Unruhe, selbst Irrereden, am siedenren Tage zuui Vorschein. Dieselben erschienen Nessel- oder fiuesel- auch scharlachähnlich, verbreiteten sich mehr oder wenig r über den ganzen Körper, traten besonders stark und mit heftigem Jucken der Haut an den Extremitäten hervor, und endeten meistens mit Abschuppung der Oberhaut, nachdem in gleichem Verhältnisse mit ihrem Erscheinen die Krankheicserschelnun en vermindert, der Sopor geringer, der Schlaf narürlicher, die Miene heilerer, das Auge lebhafter geworden waren. In einigen Orilchaflen erschien ein Li'vsipelas kscstei als Nachkrrnkheit; u» Pfarrbezirke Remdorf wurde ein dem bum^IiiAus und der 2ana, zu Neustadt ein der Krätze ähnlicher pustelarnqer über den ganzen Körper verbreiteter Hautauaschlag, ohne sichtbaren Einfluß auf Besserung der Krankheit bemerkt. Die O h r sv e i ch e l d r u s e n g e sch w u l st erschien oftmahls als kritische üblageruna, besonders in der eigenthümlichen lorpiden Nervenkrankheit, und ging manchmahl in Zertheilung, öfter aber i» eine profuse Eiterung über. Eden so kamen auch an anderen drüsigen Gebilden so wie an verschiedenen äußeren Theilen, besonders ant' welche kräftige Hautreize angewendet worden waren, metastatlsche Ablagerungen und Enkznndungsgeschwülste vor, welche meistens mittelst Eit rung in Genesunq übergingen. Eine Verdauungsschwäche bald mit chronischem Durchsalle, bald mit hartnäckiger Stuhlverstvvsung, beständigem Gefühl von Volle und Schwere im Unterleibes blieb ösrers nach überstandenem Brechdurchfälle zurück, wich aber früher oder später einer entsprechenden Behandlung und Diät; auch ließ die Cholera manchmahl eine allgemein« Schwache zurück, von welcher sich die siechen Reconvales- «enten lange nicht erholen konnten. Auch verdienen unter den beobachteten Nachkrankhsiten, die Nervenleiden in verschiedener Gestaltung, als: hart' nackiges Schluchze», wiederkehrende Krämpfe in den Gliedma- ße:i, das Gefühl von Ameisenkriechen in denselben, amauro- tische Ämblyop!«, Schwerhörigkeit u. l. ,v. erwähnt zu wer- den; selbst Geistesverwirrung und Somnambulismus wurden in, Pfarrbezirke zu Reindorf unter den Nachkrankheiren angegeben, schwanden aber'ämmtlich schneller oder langsamer in der Wiedergen.-sungs-Periode. DaS ödemaröse Anschwellen der Füße stellte sich ofrmahlS, sowohl nach dem wässerigen Durchfalle, als auch nach der ausgebildeten Brechruhr ein; die allgemeine, besonders aber die H a u t- B r» st- und Bauchwassersucht wurde bey schlaffen, trägen, älteren, schwächlichen Personen nach überstandener Brechruhr beobachtet. Entzündungen verschiedener Organe, vorzüglich der Lunge, Leber, Harnblase u. s m. erschienen zuweilen, besonders aber nach der Einwirkung einer, wenn gleich unbedeutenden, eine Entzündung erregenden Schad! chkeit aufden Kranken oder Rekonvalescenten, in Organen in denen schon eine größere Disposition vorhanden war, und zeigten sich gewöhnlich sehr gefährlich. Auch kamen als Nachkrankheiten der Brechruhr^Herzklopfen mit Engbrüstigkeit, welche sich durch reichlichen Auswurf lösten; ferner im Pfarrbezirke Reindorf auch Bluthusten, Furunkel, Antrap, höSarrige Geschwüre rc. vor. Ergebnisse der Leichenöffnungen. Die Resultate der auf dem stachen Lande von N.Oest. in großer Anzahl vorgenommenen Sectionen an Cholera- Leichen waren nachstehende: Bey der äußeren Besichtigung: eingefallenes Gesicht, eingesunkene mit bleyfarbigen oder braunen Ringen umgebene Augen, die Lonjunotiva bullai meistens gerochet, der Bauch manchmahl aufgetrieben, gewöhnlich aber eingezogen, oit schon nach wenigen Stunden nachdem erfolgten Tode, der Rücken und die Hintere Fläche der Schenkel waren mit Todtenffecken besetzt; die Gliedmaßen steif/ die Finger krampfhaft eingezogen, ihre Spitzen und Nagel blaufarbig, die Haut an ihrem Rücken, an den Handfläche» und Fußplarten seltener auch an den Zechen gerunzelt, die Füße «8g— bis an die Waden blauroch, zuweilen wie marmorirt, die Wadenmuskel aufgerieben und hart. Bey der i nn er en Untersuchung: dieGefäßeder Hirnbä'ate, vorzüglich die Blutadern der weichen Hirnhaut vom Blute strotzend, im langen Blutlerer ein lymphatisches Co-crement, das nach rückwärts in gestocktes Blut endete, oft auch in die Seitenbehälrer sich erstreckte; die Hirnhäute, besonders in der Scheitelgegend unter sich mit der Hirnschale verwachsen, die Spinnewebenhaut an einigen Stellen getrübt, zwischen ihr und der xi» mswr auf der Mitte der Gehirnlavpen manchmahl eine weiße sulzige Schichte fest anklebend, die Hu nsubstanz mit zahlreichen Blutpuncten, bald weich, bald zähe, bald fest, in den Seitenhöhe ien eine verjchisdene Menge seröser Flüssigkeit, die öider- gesiechre aufgerrisben, blutreich, seltener blaß, manchmahl mit Hydatyden besetzt; am S-Hä'dckgrunde eine ungleiche Menge von blutigem 8srum, die Bluileirer am Schädel- grunde vom schwarzen geronnenen Barte strotzend, das kleine Gehirn und die mvüulla ok>Iion solare welk, blutreich. Der Magen von Luft aufgetrieben, öfters auch zusammengefallen, zuweilen durch eine an der uncern Hälfte desselben befindliche zwey Querfinger lange Einschnürung in zwey Theile getheilt, manchmahl von normaler, gewöhnlich aber wegen Ueberfüllung der ausgedehnten Blutgefäße besonders der Venen von bläulich- rother Farbe, am Grunde desselben manchmahl blaßroths Flecken; seine Schleimhaut mit vielem zähem anklebendem Schleime und stellenweise von feinen dunkelrothen Blutgefäß,,etzen und bräunlichen Flecken durchstochcen; auf der MuSkelhaut viele ausgedehnte mit schwarzem Blute gefüllte Gefäße, welche ihm hie und da ein dunkelroth-s Aussehen gaben; lein Inhalt eine verschieden- gefärbte Flüssigkeit, häufig mit Speiseresten, zuweilen mit Spuhlwürmern vermengtsftie dünnen Gedärme von Luft ganz aufgetrieben, oder lheil-veise zusammengefallen unb teigicht, und dann von dunkler graurother, sonst von normaler oder blasser grünlich oder graurother Farbe, oftmahls stellenweise verengert, selbst mit Daruieinlchi,düngen an solchen verengerte» Stellen; un Innern verschieden,gefärbter zäher Schleim, welcher an einigen Stellen der Schleniihnit fehlte, daher die Häute durchsichtig von Außen grüne Flecken darstellten; auf der Muskelhaut wie im Magen ausgedehnt- Eefäßnetzs; die Schleimhaut sehr oft, wenngleich nicht immer mit weißen, theils zerstreut stehenden, theils zusammenfließenden gewöhnlich Hirsekorn großen Knorchen und Bläschen besetzt, welche vom Zwölffingerdarm gegen den Dickoarm zu an Größe und Zahl aonahmen u-d selten sich auch in den Magen, in einigen Fallen sogar bis in tue Sveneröhre erstreckten; der Inhalt des Dünndarms meistens eine sehr bedeutende Menge grauweißer oder röthlicher Flüssigkeit nur w-ißen schleimigen Flocken, zuweilen auch«sosiiüus lumlriieoicies, der Dickdarm von buft aufgelrieben, oft an einem oder mehreren seiner Theile bedeutend verengert,-n Hinsicht der Farbe dieselbe Verschiedenheit als bey dem Dünndärme; in demselben besonders aber n» Blinddärme manchmahl eine röth- liche, meistens aber grauweiße Flüssigkeit, die wie ausgelöste Kreide aussah ,» bedeutender Menge angesammelt, zuweilen Spuhlwürmer; die innere Wand sämmriicher dicker Gedärme Mit dickem grauem Schleime überzogen. Die Nieren gewöhnlich nicht krankhaft verändert, zuweilen ungewöhnlich klein; im Becken derselben dicker, weiß- gelber Schleim, manchmahl auch Eiterbälge von verschiedener Größe; die Harnleiter leer, die Harnblase zusammengezogen, leer, oder nur wenig— gegen eine Drachme— weißen dicken milcharrigen Harn enthaltend, die Schleimhaut mit ädnlichen Schleim überzogen, meistens gerathet, wie eingespritzt; die Geschlechrscheüe'außer der schwarzblauen Farbe der äußeren männlichen unverändert, nur in einem Falle Wasserblasen von der Große eines Taub.meyes an den Eyerstöcken eines Weibes. Verschieden war aber der Befund, je nachdem der Tod früher oder später erfolgte. Srarb der Kranke binnen 3—6 Sttn. nach demAusbruche der Cholera, so wurden nebst den meistens geringeren Erscheinungen der Blucentmischung und den ebenfalls minderen Veränderungen in den Eingeweiden, außer häufigeren Knötchen in den dünnen Gedärmen, im Gehirne alle Erscheinungen eines Blut- Schlagfiusses vorgefunden; Ttät aber der Tod erü nach längerer Dauer der Brechruhr in einer Folgekrankheit ein, so fanden sich nach dem soporösen Nachübel bey der äußeren Besichtigung die Gliedmaßen und die Finger beweglich, und keine Spur von vorausgegangenen Krämpfen an denselben vor; nur wen» der Tod bald, nach s bis 4 Lagen erfolgte, waren noch Falken an Fin- gern und Handflächen, und blaurothe Gliedmaßen zu sehen, langer blieben die bleyfarbigen Nage! bemerkbar; zuweilen waren aber auch keine äußeren Merkmahle deS Brechdurchfalls vorhanden. Bey der inneren Untersuchung erschienen stärkere Verwachsungen der Hirnhäute unter sich, bedeutende Verdickunq der Spinnewebenhaut, besonders in der Scheitelgegend, seröse Flüssigkeit zwischen ihr und der weichen Hirnhaut angesammelt, die Blutgefäße besonders die Blutadern der letzteren strotzend, größere Entmischung deS Blutes, stärkere, werßgelbe, zähe, lymphatische Blutgerinsel, die manchmahl die Gefäße statt deS Blutes ganz ausfüllten, was vorzüglich im sichelförmigen Blutbehälter und im Bogen der Aorta, oft auch in den Vorkammern des Herzens besonders der Herzohren der Fall war; im Magen rothbraune Flecken und Streifen, sowohl in demselben, als in den Gedärmen excorirte und geschwürige selvst hie und da brandige Stellen, in beyden öfters Galle; dagegen die Gallenblase nur mäßig gefüllt, zuweilen ringS um die Gallenblase an dem Zellengemebe der umliegenden Theils eine starke gelbe Färbung, die Gedärme teigicht, zusammengefallen, an den inneren Wanden derselben kleine Knöt- chen, die Harnblase mit klarem gelbem Harn oft Massig, oft stark angefüllt. War der Tod an nachfolgenden Entzündungen erfolgt, so fanden sich liebst den der Cholera angehörigen Veränderungen auch die von der Entzündung und deren Folgen herrührenden vor, so wie auch andere mit der Cholera in keinem unmittelbaren Zusammenhange stehende Veränderungen angetroffen wurde», nÄche von vorausgegangenen Krankheiten und angebornen Fehlern u. dgl. herrührten, von denen die Mehrzahl bey dem Befunde der Leichenöffnungen bereits angeführt wurde. Entstehungsart der Krankheit. Ihre disponirenden und e zcirir enden Causal- Momente. Unverkennbar war über den ganzen östsichen, weniger über den westlichen Theil der Provinz N. Oesterr. zu dieser Zeit eine besondere epidemische Krankheits-Constitution verbreitet, welche auf die allgemeine Disposition dermaßen —><)3— einwirkte, daß die mannigfaltigsten, oft auch nur unbedeutendsten Veranlassungen, welche unter anderen Zeitverhalt« Nissen keine oder ganz verschiedene Krankheitsformen zu bedingen pflegen, nun überall und beynahe ausschließlich dieselbe Krankheitsform den Brechdurchfall hervorriefen; ja daß sie m manchen Fallen allein schon hinreichte, denselben ohne Einwirkung anderer bemerkbarer Schädlichkeiten zu erregen. Daher kam es, daß nicht nur in jenen Orrschaften in welchen die Cholera epidemisch hervortrat, sondern daß auch in anderen Ortschaften in welchen sich die Krankheit zur Epidemie zu erheben nicht vermochte, zu dieser Zeit entstehende Krankheitsfälle deutlich das Gepräge dieser epidemischen Krankheitsform in ihren Erscheinungen und ihrem Verlaufe an sich trugen. Sämmtliche Aerzte des flachen Landes von N. Oest. sprechen sich unzweydeutig dahin aus, daß die Verbreitung der Krankheit unläugbar von der Wirkung epidemischer Einflüsse, von einer in diesen Monathen weithin verbreiteten epidemischen Krankheits-Constitution abgehangen habe; die meisten derselben läugnen zwar nicht die Möglichkeit, daß unter gewissen Verhältnissen, bey tiefem Eingreifen der Krankheit in den organischen Bildungsprozeß, bey hoher Entwicklung der Krankheit, beym Uebergang derselben in eine nervöse Nochkrankheit, in einen colliquativen Zustand u. dgl. die Cholera ein Producr, welches in anderen dazu geeigneten Organismen dieselbe Krankheit hervorzurufen vermöchte, mithin ein Contagium hervorbringen könne; sie führen selbst Beyspiele an, die für eine in manchen Fälle» geschehene Ansteckung zu sprechen scheinen, und die zwar sämmtlich auf die Weiterverbreitung der Krankheit in derselben Familie, auf Personen, die mit Kranken oder»ut Leichen sich be-' faßten, oder auf das Erscheinen der Krankheit in einem Orte nach der scheinbaren Ansteckung der zuerst Ergriffenen in einem anderen Orte, sich reduciren lassen, die aber die geschehene Ansteckung nicht einmahl in den angegebenen Fällen unwi- derleglich darzuthun vermögen; erklären jedoch einstimmig, daß die allgemeine Verbreitung der Krankheit mit einer solchen in einzelnen Fällen möglichen Ansteckung in gar keinem Zusammenhange und von ihr ganz unabhängig sey. Daß aber wirklich die große Ausbreitung deS Brechdurchfalls zu dieser Zeit von einer besonderen Beschaffen- heil der epidemischen Krankheits-Constitution abhing, be- »3 — ,94— weiset unzweydeutig der den Gesetzen epidemischer Krankheiten entsprechende Gang der Cholera im Allgemeinen, die Modifikation in der Form und dem Verlaufe der gewöhnlichen, das Schwinden der einheimischen Krankheiten vor dem Erscheinen der Cholera, die Veränderungen im Befinden sämmtlicher Einwohner, die zunehmende Entwicklung der einzelnen Brechdurchfälle, das Steigen der Cholera sowohl nach ihrer Ausbreitung als nach ihrer Reinheit und Heftigkeit bis auf einen gewissen Grad, die allmahlige Abnahme von diesem Puncte in denselben Beziehungen, das Abnehmen,Aufhören und die Aenderung der allgemeinen Störungen im Befinden der Einwohner, und bieder nun eintretenden Krank- heils- Constitution entsprechende, daher verschiedene Modifikation der vorkommenden Cholera-Falle. Dasselbe beweiset auch die Verschiedenheit der einzelnen Epidemien unter sich, und die dadurch erzeugte Verschiedenheit in den einzelnen Fallen, Fach ihrer Form, Dauer, Heftigkeit, ihrem Verlaufe, u.s.w., je nachdem die herrschende Krankheits-Constitution entweder eine ganz reine Cholera- Constitution war, oder sich zu einer gastrischen, gastrisch- gallichlen, catharrhös-rheumatischen, gastrisch- pituitösen oder nervösen hinneigte, und die daraus entstandenen vielfältigen Modifikationen in den Krankheitserscheinungen und dem Verlaufe überhaupt. Hierher gehören auch die in einigen Ortschaften gemachten Beobachtungen, daß in einem Orte, in welchem eben eine Brechruhr-Epidemie herrschte, ankommende Fremde, wenn sie gleich von der Cholera be- freyt blieben, doch allerley Störungen ihres Wohlbefindens erfuhren. Daher ist auch der Grund, warum in einigen Orten die Cholera epidemisch auftrat, in anderen aber nur einzeln erschien, warum sie nach mächtigen Springen in einer Ortschaft hervortrat, ohne die zwischen liegenden zu berühren, nicht in dein hier vermiedenen, dort vervielfältigtem Verkehre der Einwohner, wofür gar keine Thatsache spricht, sondern in dem Mangel oder dem Zusammentreffen jener Verhältnisse und Umstände zu suchen, durch welche die herrschende KrankheitS- Constitution zu einer epidemischen erhoben wurde. iy5— Epcitirende Momente. Indeß reichte dennoch die allgemeine zu dieser Zeit vorherrschende epidemischeConstitution allein nicht immer hin, den Brechdurchfall zu erzeugen, da unter ihrem Einflüsse so viele Personen garnicht und die Meisten nur dann von derBrsch- ruhr ergriffen wurden, wenn auf sie bestimmte Schädlichkeiten als epcitirende Momente eingewirkt hatten. Solche excitirende Causal-Momente waren aber vorzüglich folgende: Diätfehler; mithin der Genuß von qualitativ und quantitativ, oder durch unpassende Mischung schädlichen Nahrungsmitteln, zu welchen im Allgemeinen alle schwerverdaulichen zu gehören schienen, obgleich keines derselben sich für den daran Gewohnten, wenn er vollkommen gesund und das gehörige Maß im Genusse nicht überschritten war, absolut schädlich zeigte; dagegen schadeten sie aber leicht und besonders jedes auch geringe Übermaß, wenn einmahl der wässerige Durchfall vorhanden war. Zu den unpassenden Getränken gehörte auch das genossene Wasser in einigen Orten: Rohrau, Gerhaus, Hoblern, Pachfurth, in welchen das Lsytha- Wasser zum Getränke verwendet wird, und welches zu dieser Zeit unläugbar den Durchfall erzeugt« oder vermehrte; auf geistige Getränke unmäßig genossen, folgte sehr häufig der Ausbruch der Cholera. Verkühlung war eine der gewöhnlichsten und häufigsten Gelegenheitsursachen bey dem zu' dieser Zeit oft grellen Wechsel der Temperatur, insbesondere als kühle und kalte Nächte auf heiße Tage folgten, vorzüglich leicht schadete sie aber, wenn sie mit Durchnässung verbunden war; daher kamen in den meisten Ortschaften während kalken, nassen, stürmischen Tagen mehr Erkranklingsfälle vor, und nahmen bey heiteren trockenen an Zahl wieder ab. N i ederdrückende Gemüthsbewegungen. Angst, Furcht, Kummer, Sorgen, vorzüglich aber fortwährende Aengstlichkeit und der Schrecken schienen die Krankheit leicht hervorzurufen. Den ersteren konnte das Erkranken vieler gesunden und kräftigen Personen zugeschrieben werden, welche ängstlich alle veranlassenden Schädlich- ,3* O — ,yb-- ketten vermieden hatten; auf den Schrecken wurde oft ein plötzlicher Ausbruch des Brechdurchfalls beobachtet. Jede/ durch was immer für eins Ursache erzeugte Störung oder Unterdrückung einer entweder normalen, oder zum relativen Ge/undheitsstande gehörigen oder zur Gewohnheit gewordenen Verrichtung, Ab- oder Aussonderung und dgl. daher Unterdrückung eines Hämorrhoidal-, Monath- oder Wochenflusses habitueller Schweiße, Durchfälle, eines Wech- selfieberanfallcs, durch geistige Getränke, Verkühlung, Gemüthsbewegungen, übermäßige körperliche Anstrengung u. s. w. Doch hatte auf die relative Stärke dieser Gelegenheitsursachen der Stand der Epidemie einen wichtigen Einfluß; denn wahrend beym Beginnen der Krankheit in einer Ortschaft sehr heftige Schädlichkeiten eingewirkt haben mußten, um die Cholera zum Ausbruche zu bringen, reichten bey der Hohe der Epidemie die geringsten Veranlassungen hin, um sie hervorzurufen, so, daß oft gar keine derselben nachgewiesen werden konnte. Besondere Disposition. Da aber nicht alle, auf welche solche Schädlichkeiten während der epidemischen Verbreitung der Brechruhr einwirkte», vom Brechdurchfälle wirklich ergriffen wurden, andere nur eine Unpäßlichkeit, ein wässeriger Durchfall u- dgl. auf Veranlassungen befiel, auf welche bey anderen die Cholera ausdeach, so^ war zu ihrer Entstehung auch eine besondere Disposition erforderlich, obwohl auf diese eben so wie auf die relative Stärke der ercitirenden Momente der Gang der Epidemie einen großen Einfluß zeigte. Worin aber diese besondere Disposition bestand, kann zwar auS den bisherigen Beobachtungen nicht entscheidend nachgewiesen werden, da nicht Alter, Temperament, Geschlecht, Körperbeschaffenheit, besonderer Zustand, Menstruation, Schwangerschaft, Stillungs- Periode, immer vor der Krankheit schützte, oder sie jederzeir bedingte; doch scheint aus den sämmtlichen dießfalls gemachten Beobachtungen hervorzugehen, daß diejenigen Personen eine größere Anlage zum Brechdurchfälle hatten, bey welche» der Le- bensprozeß, besonders aber das plastische Leben auf einen gewissen Grad geschwächt, ober qualitativ vbnorm, die Reac- '97 tron dessi-lb-n Zögen die äußeren Einflüsse nur gering oder verändert; ferner jene, bey welchen schon im gesunden Zustande ein Mißverhältniß zwischen einzelnen Systemen und Organen vorhanden,somit eine Störung ihrer Verrichtungen und des natürlichen Gleichgewichtes zwischen denselben um so leichter möglich war; weßhalb besonders schwächliche,durch Alter, Krankheiten, Mangel, Sorgen, Ausschweifungen herunter gebrachte Individuen, vorzüglich solche, welche an Ver- dauungsbeschmerden, Anschopvungen der Unterleibseingeweide, Verstopfung, Hämorrhoidsn, Leberleiden, besonders aber welche an Wechselfisbern litten, und die angegebenen Beschwerden vereint an sich trugen; eben so sehr fette, schlaffe Personen, dann jene, welche unter LebenSverhältniffen sich befanden, die solche Zustände herbeyzuführen vermach- ten, als: arme mit Noth und Entbehrungen aller Art käm- pfände, in feuchten, tiefliegenden, dumpfen, unreinen Wohnungen gedrängt beysammen lebende Individuen, Schweiger, Trinker ri.s.w. vom Brechdurchfälle befallen wurden; daher die Epidemie unter den größtenthsils durch Alter und Siechthum entkräfteten Pfründnern zu Mauerbach und im Armenhause zu Brunn am Gebirge so bedeutend war. Darum fanden sich auch bey den Leichenöffnungen krankhafte Veränderungen, die auf vorhergegangene langwierige Leiden deuteten, alS: Lungenknoken und Geschwüre, Verwachsungen derselben mit dem Brustfelle, Anschivetk««g-^er-Mrtz-, Gallensteine«. dgl. in. Selten nur wurden ganz gesunde unter günstigen LebenSverhältniffen ordentlich und mäßig lebende befallen, und bey starken und kräftigen Individuen mußte» entweder bedeutende Schädlichkeiten eingewirkt und die kraftvoll entgegen stehende Reaction überwunden, oder der Einfluß der epidemischen Censtitution die Anlage sehr gesteigert, und einen wässerigen Durchfall hervorgerufen haben, wo dann auch leichtere Schädlichkeiten hinreichten, die Cholera zu erzeugen. Nicht ganz selten wurden Schwangere befallen und von diesen abortirten die meisten bald, oder brachten entweder todte oder bald sterbende Kinder zur Welt, doch genasen und starben andere auch ohne zu abortiren; häufiger noch wurden Menstruirende und Stillende befallen, ohne daß diele Perioden einen besonderen Einfluß auf den Verlauf der Krankheit gezeigt hatten. — ry8—- Kinder wurden sehr häufig von, wässerigen Durchfalle mit einigen Erscheinungen der Cholera befallen, welcher sich gewöhnlich leicht beheben ließ und fast immer, so wie auch die ausgebildete Cholera mir Wurmbeschmerden verbunden, und von diesen oft schwer zu unterscheiden war; feltener entwickelte sich bey ihnen die Brechruhr auf den höchsten Grad, und dann waren sie fast jedesmahl ein Opfer der» selben.^ Prognostische Merkmahle. Im Allgemeinen zeigte sich die Cholera als eine schwere und gefährliche Krankheit, weil die durch sie gesetzten Störungen sehr bedeutend waren und Verrichtungen betrafen, deren ungehemmte Mitwirkung zum Bestehen des LebenS unumgänglich nothwendig ist; die Prognose war daher in Hinsicht des Ausganges immer bedenklich zu stellen; sie war aber zugleich unsicher, theils wegen der unvollkommen ergründeten Natur, theils wegen der llnkenntniß der Naturwirksamkeit in dieser Krankheit, und wegen dem Mangel einer auf feste Grundsätze gestützten und durch die Erfahrung allseitig bestätigten Behandlungsweise; daher Falle, welche leicht und geringfügig erschienen, nach einer plötzlichen Wendung mtt dem Tode endeten, während solche, die gar keine Hoffnung auf Genesung zurückzulassen schienen, in die Gesundheit übergingen. Folgende Stützpuncte der Prognose scheinen aber durch die Erfahrung sich bewahrt zu haben: Auf je einen höheren Grad die Krankheit entwickelt, je reiner, je vollkommener dieselbe, je rascher ihr Verlauf, je heftiger die Epidemie, und,je näher diese ihrer Höhe war, desto größer war die Gefahr, desto bedenklicher die Vorhersage. Für Kinder, Greise und Schwächlinge war die Gefahr im Allgemeinen größer; doch überstanden sie manchmal den höchsten Grad der Krankheit, während gesunde und kräftige Individuen zuweilen unrettbar und schnell verloren waren. Vorausgegangene Gelegenheitsursachen erlaubten nur dann eine Rücksicht in der Prognose, wenn die entstandene Cholera nicht ganz rein, sondern denselben entsprechend in ihrer Form mvdificirt war. —'94-- Der wässerige Durch fall war bey gehörigem Verhalten unter entsprechender ärztlicher Behandlung gefahrlos; doch machten starker Druck im Epigastnum, große Angst und schnelle Entstellung des Gesichtes ihn immer bedenklich. Das Erscheinen von galüchten Entleerungen war meistens ein gute-, Fortdauer der wässerigen Entleerungen nach über- standenem Cholera-Anfalle nrcht immer ein schlechtes Zeichen. Der Schweiß war nur dann von guter Vorbedeutung, wenn er allgemein, nicht klebrig, mit gleichzeitigeili Heben des Pulses und angenehmer Hautwärme eintrat; der kalte, klebrige war gewöhnlich ein Vorbothe des Todes. Die Pulslosigkeit bedingte nicht immer eine traurigerem kräftiger, mäßig beschleunigter regelmäßiger Puls berechtigte aber beynahe immer zu einer günstigen Prognose. Häufiges, ohne Anstrengung erfolgendes, vorzüglich mitdem Gefühle der Erleichterung für den Kranken verbundenes Erbrechen war viel erwünschter, als seltenes, unbedeutendes Erbrechen oder anstrengendes Würgen. Das Aufhören vom Erbrechen, ohne durch Brechmittel in voller Gabe gereicht wieder hervorgerufen werden zu können, während der Durchfall fortwährte, und ohne daß sich Wärme und Puls wieder eingefunden härten, war ein Zeichen der eingetretenen Lähmung des Darm-Ca- nals und ein Verbothe des Todes. Das Erscheinen der Harnabsonderung vor Entwicklung der Br echruhr auf den höchsten Grad, war eine sehr günstige Erscheinung, das Ausbleiben derselben durch längere Zeit für sich von keiner Bedeutung; eben so die Rückkehr derselben während der Entwicklung der torpid-nervösen Nachkrankhsit. Heftige brennende Schmerzen im Unterleibe, d'.e sich auf Blutentleerungcn gar nicht minderten, große Angst und Unruhe machten die Vorhersage sehr bedenklich. Die Beschaffenheit des entleerten Blutes, das Schluchzen und die Schwerhörigkeit gaben keine sicheren Anhaltsvuncte für die Prognose. Helle, laute Stimme, ruhiger, natürlicher S chlafverkündeten einen günstigen Ausgang; beständige Schläfrigkect aber mir schnellem Zurücksinken in Schlummer nach dem Erweckt- werden, Gleichgültigkeit und schwerer tiefer Athem, den Ueberqang in den soporösen Nachzustand. Trat ein allgemeiner frisselartiger oder nesselahnlicherAuc- schlag, äußere Metastasen beym Abnehmen des Sovors ein, so konnten sie als kritisch betrachtet werden;erfolgte aufstarkeHaut- Zoo reize gar keine Reaction, so war nur seltenHcilung möglich; wogegen das Wirken derselben beym höchsten Grade der Krankheit meistens ein günstiges Zeichen war. Trat auf einen Aderlaß schnelle Minderung der Angst und der Beklemmung, und bey eingetretenem Sopor freyeres Lthemholen ein, so durfte ein guter Ausgang erwartet werden. Vorbauungs- und Heilverfahren. Vorbauung. Als das einzige und beste Vorbauungs-Verfahren bestätigte sich allseitig dasjenige Verhalten, wodurch das vegetative Leben aus einem Grad von Starke, auf welchem es den äußeren Einflüssen hinreichende Reaction entgegense- Herr konnte, erhalten, und zugleich alles dasjenige vermie- den wurde, was eine Störung in den Verrichtungen desselben und deren Gleichgewichte hervorbringen konnte; daher sicherte ganz gesunde Personen ein ungestörter und ungetrübter Fortgenuß der gewohnten Lebensweise, außer wenn diese von einer naturgemäßen zu sehr abwich, Furchtlosigkeit, Verbannung jeder ängstlichen Beunruhigung mit Vermeidung der oben angeführten excitirenden Schädlichkeiten, vollkommen vor der Krankheit. Selten nur kamen die geringeren Störungen im Befinden der Einwohner während dem epidemischen Herrschen des Brecydurchfalls in einer Ortschaft in ärztliche Vehand- lung, und zu ihrer Linderung trugen eine gut gewählte leicht verdauliche Kost, ein mäßig genoßener guter Wein, vorzüglich aber die Beruhigung des G-mütheS am meisten bey. Gegen hartnäckigen Schwindel und periodische» Kopfschmerz wur- Vlutentleerungen, Ableitungen durch Hautreize, Fußbäder u. s. w. angeordnet, meistens aber schwanden sie stMttion^^erring der epidemischen Krankheits-Con- Behandlung beS Durchfalls. Stellte sich der wässerige Durchfall ein, so war bey dessen Behandlung die Beseitigung der die Cholera veranlassenden Schädlichkeiten von größter Wichtigkeit; daher war- 20» mes Verhalten, besonders des Unterleibes und der Füße, Vermeidung von Verkühlung und Durchnässung nebst der Beruhigung des Kranken unumgänglich nothwendig; Beschränkung der Diät auf leicht verdauliche Nahrungsmittel, und mäßiger Genuß auch der angemessenen Speisen um so rathsamer, als Anfangs die Eßlust nicht gestört und doch zuweilen der unbedeutendste Diätfehler hinreichend war, die Cholera hervorzurufen. Zur Stillung des Durstes lauwarme, schleimig-aromatische Gerränke, als: Absüde von Eibisch-Sa- lepwurzel, Gerste oder Reis imt leichten Aufgüssen von aromatischen Kräutern und Blüthen; Münzen, Melissen, Kamillen, Hollunder; bey sehr geringem Durchfalle wurde auch guter alter Wein mit Wasser gemischt in manchen Ortschaften als Getränks gestattet. Die ärztliche Behandlung dieses Durchfalls wurde nach dem Grade und Character desselben, der individuellen Beschaffenheit der Ergriffenen, den vorausgegangenen Gelegenheitsursachen und dem Character der Epidemie verschiede» mo- diffcirt. Erschien derselbe als eins eigenthümliche, der Cholera-Constitution angehsrige und durch sie gesetzte Krankheitsform, so wurde vorzüglich zur Umstimmung der Absonderungen in den Unrerleids-Eingeweiden und der peristalti- schen Bewegung, zur kräftigen Anregung des Kreislaufes und der Hautthätigkeit die Brech-oder die Rhabarbera-Wur- zel in gebrochenen Gaben entweder im Pulver von bis-^ Gran von der ersteren, und von—5 Gran von der letzteren, oder im Abgüsse von 6 bis 20 Gran von der ersteren, oder »/„ Drachme von der letzteren bereitet, mit schweißbefördern- den Mitteln und Getränken abwechselnd oder in Verbindung verordnet; in vielen Ortschaften auch mit etwas Opium entweder in Substanz zu bis Gran pro äosi, oder in der Tinctur zu obigen Aufgüssen von 6 bis>5 Tropfen gereicht; in anderen aber, wo die häufigeren hartnäckigen Stuhlverstopfungsn, welche in der Rekonvalescenz diesen Durchfällen zu folgen pflegten, dem Opium zugeschrieben wurden, dieses so viel möglich gemieden; dagegen obigen Mitteln um dem erschlafften Darin-Canal mehr Tonus zu geben, gelinde tonisch-erregendeMitlel, als: rscl.oolomloo, sr- nicss, IiAnnin Kusssiso u. dgl., besonders im Aufgüsse beygesetzt. Häufig hörten die leichteren Durchfalle ohne genommene Arzeney bloß auf angewsndeteHausmittel, wie warmen Holländer-, Kamillen-, Hollunder-Thee, warmen 202 Wein, Getreidekaffsh u. dgl. wieder auf, wenn damit ein gehörig warmes Verhalten verbunden, ein reichlicher und allgemeiner warmer Schweiß erzeugt, und durch diesen das Gleichgewicht zwischen den Verrichtungen der Haut und des Darm-Canals wiederhergestellt worden war. Wurde aber dieser Durchfall gastrisch-gallicht, oder zeigte er sich sogleich als solcher, also vorzüglich wahrend der Abnahme der Cholera- Erndemie in einer Ortschaft bey einem gastrisch- gallichren Character derselben, oder wenn er auf Diäcfehler, oder durch eins besondere Disposition bedingt entstanden war; so wurde, so lange er sich mäßig zeigte, die Natur in ihrem Streben nach Entfernung der krankhaft abgesonderten und qualitativ veränderten reizenden gallichren.Stoffe keineswegs gehindert, und nur durch Hint- anhalrung allerneuen Schädlichkeiten dafür gesorgt, daß,er nicht übermäßig und erschöpfend, oder sein Uebergang in die ausgebildete Cholera veranlaßt wurde; daher marines Verhalten, besonders des Unterleibes, Vermeidung jeder Verkühlung, Beschränkung der Diät, lauwarme, wässerige, reizlose, schleunige, auch säuerliche Getränke; als Arzeney nach der Dauer des Durchfalls, der Menge und Beschaffenheit der entleerten Stoffe, dem Grade und Character eines etwa begleitenden Fiebers, dem Kräftestand und der individuellen Beschaffenheit des Kranken, entweder ronisch-auflosen- de und umstimmende Mittel allein, oder mit schweißbeför- dernden, tonisch oder flüchtig erregenden oder besänftigenden Mitteln verbunden verordnet; vorzüglich also die Löwenzahnoder Wegwarthwurzel im Absude oder im Ertracte, die Rha- barber-Brechwurzel, der Salmiak in gebrochenen Gaben, Tausendgüldenkraut, Wohlverley, Columbowurzel u. dgl. in Anwendung gebracht. Besonders leisteten auch hier in vielen Ortschaften Verbindungen gebrochener Gaben von Rhabarber- und Brechwur,,el treffliche Dienste. Entstanden aber diese Durchsälls auf Verkühlung, fanden sich zugleich die Erscheinungen eines catarrhös-rheumatischen Leidens ein, oder war der Neben-Tharacter der Epidemie ein solcher, so wurde nebst der Umstimmung der Verrichtungen der Unterleibsorgane besonders auf vermehrte Haut- thätigkeit gesehen; daher außer einem sorgfältigen warmen Verhalten, warmen, leicht aromatischen Getränken, das Opium, die Brechwurzel in kleinen Gaben, ihre Verbindung als Dowsr'sches Pulver, der ausgelöste essigsaure Am- momak, Hsllundsrblüthen; nach den gemachten Beobachtungen zu Klosterneuburg Campher; zu Seefeld sxirit. osmplio- i-Mus einige Tropfen auf Zucker; zu Oberhollabrunn lloros kulxdurüs, Ableitungen durch warme Fußbäder, Senftcige u. s. w. angeordnet. Behandlung der Verbothen. Zeigten sich aber die Verbothen der Cholera, als: plötzliche Mattigkeit, Angst, Schwindel, Druck im opiZastlio, Neigung zum Erbrechen u. dgl., so wurde theils um durch eine kräftige Erschütterung die ergriffenen Organe zur normalen Verrichtung aufzuregen und das natürliche Gleichgewicht zwischen diesen zu unterhalten, theils um die abgesonderten, den Magen und Darm-Canal reizenden Stoffes» schnell als möglich zu entfernen, die Brechwurzel in voller Gabe als Brechmittel in Pulverform von ro bis so Gran pro ckosl, und zwar alle Viertelstunden bis zur hinlänglich erfolgten Wirkung gereicht; bey vollblütigen, wen» sich heftiger Druck in der Herzgrube, Schwindel, Ohrensausen einfand, ein Aderlaß angestellt, zugleich aber zur Erregung der Haut- thätigkeit und des Kreislaufes in dem penpherischen Capil- largefäßsystems verschiedene Hautreize, als: Senfteige, Blasen- pflaster u. dgl. an die Gliedmaßen und das Epigastrium; zum Getränke leichte Aufgüsse von aromatischen Kräutern und Blüthen, und daS sorgsamste warme und ruhige Verhalten angeordnet. Konnte die Brechwurzel in voller Gabe wegen individuellen Hindernissen nicht gereicht werden, so wurde sie durch gebrochene Gaben zum gleichen Zwecke, seltener die allgemeinen Blutentleerungen durch örtliche mittelst Blutegeln ersetzt. Oefcers schwanden nach erfolgtem Erbrechen und eingetretenem Schweiße beym Steigen des Pulses die krankhaften Erscheinungen bald, und es erfolgte schnelle Wie- dergenesung, oft blieb aber der characterifiische Durchfail zurück, und derselbe forderte sodann die oben angeführte Be- handlungSweise. Behandlung deS ausgebildeten Brechdurchfalls. Von sämmtlichen Aerzten des flachen Landes wurde im Allgemeinen von dem Grundsätze ausgegangen, daß es keine specifische Behandlungsweise des Brechdurchfalls gebe, sondern daß.diese so viel möglich den individuellen Verhältnissen jedes einzelnen Falles angepaßt werden mäße; daher wurde die Behandlungsart nicht nur in verschiedenen Ortschaften nach den individuellen Ansichten der ordmirenden Aerzte, sondern auch in jedem einzelnen Krankheitsfalls nach dem Charakter, dem Grade der Complication und Dauer desselben, nach der individuellen Beschaffenheit des Kranken, den, Stande der Lebenskräfte, den vorwaltenden gefahrdrohenden Erscheinungen und den vorausgegangenen Gelegenheitsursachen; ferner nach der Starke, Heftigkeit, dem Character, Stand- puncte der Epidemie verschieden modificirt. Im Allgemeinen wurde aber fast durchgehends für den Hauptzweck der gegen den Krankheitsproceß einzuleitenden Behandlung, die Beschwichtigung der krankhaften Verstimmung des Gangliensystems, und der aus dieler hergeleiteten Störungen in den der reproduktiven, irritablen und sensiblen Sphäre angehöri- gen Verrichtungen, und die Wiederherstellung des normalen Gleichgewichtes zwischen denselben betrachtet; wahrend die übrigen oben angeführten Verhältnisse eines jeden speciellen Falles, den Grund und die Norm für die verschiedenartigsten Modifikationen in der Ausführung der jenem Zwecke entsprechenden Heilmethode bothen. Die Heilmethode war daher im Allgemeinen eine erschütternde und umstimmende, welche oftmahls mit einer, entweder die unterdrückten Kräfte brfreyenden, oder die geschwächten aufrichtenden, oder ableitenden, ausleerenden, besänftigenden, schweißbefördernden verbunden, oft sogar von einer oder der anderen derselben zurückgedrängt und theilweise ersetzt werden mußte. Die Brechwurzel(kisülx lzisoemllanllsö). Unter jene Mittel, welche dem angegebenen Heilplane, der Behandlung und den daraus hervorgehenden Anzeigen am treffendsten, vollkommensten und sichersten entsprochen haben, gehörte vor allen die Brechwurzel. Sie wurde beynahe in allen Ortschaften angewendet, und nur eineStimme herrschte über ihre günstige Wirkung, so, daß sie das einzige Mittel ist, welches in dieser Provinz allgemein eine gleiche Aufnahme und gleichen Ruf beyder Behandlung der Cholera erlangte; sie fand nicht nur bey dem Ausbruche, oder wenn eine gastrische Complication zugegen, oder ein bedeutender Diätfehler die Veranlassung war, oder bey dem leich- reren Grade des Brechdurchfalls ihre Anwendung, sondern man erwartete von derselben oft noch bey der auf den höch^ sten Grad gesteigerten Krankheit eine günstige Wirkung. Die Anzeigen, denen ihre Anwendung entsprechen sollte, stimmen— woraus auch die Allgemeinheit ihrer Anwendung erklärlicher wird— beynahe mit jenen als Hauptzweck der Behandlung vorher angegebenen überein; nähmlich im Allgemeinen: Erschütterung und Umstimmung des Gangliensy- stems, Zurückführung der von diesem abhängenden Verrichtungen zur normalen Beschaffenheit; insbesondere aber: Aufregung des Kreislaufes, der Hautthärigkeit, Umstimmung der Absonderungen der Unterleibseingeweide, Hinderung der Stockungen im venösen Systeme, Lösung der geschehenen' und der Krämpfe, Wiederherstellung LeS Gleichgewichtes zwischen den Verrichtungen des gastrische!, und dermatischen Systems zu Stande zu bringen. Oftmahls kam noch zu diesen die Anzeige, die in den ersten Wegen krankhaft angesammelten, den Magen und Darm-Canal durch ihren Reiz belästigenden Stoffe schnell zu entfernen. Die Brechwurzel wurde entweder in voller Gabe, gewöhnlich in Pulverform von^ bis zu> vrscAme xvo ckosi bey^Individuen, bey welchen keine die Anwendung von Brechmitteln hindernden Umstände vorhanden waren, und nebst der Erschütterung und Umstimmung auch eine schnelle Entleerung der angesammelten Stoffe beabsichtigt wurde, manchmahl nur bis zu ein oder mehrmahl erfolgten, Erbrechen, oder so oft wiederholt gereicht, als heftiges fruchtloses Würgen, anstrengendes geringes Erbrechen, oder Erscheinungen gastrischer nach aufwärts turgescirender Stoffe, Sinkender peripherischen Wärme und deS Pulses, Heftigkeit der Krämpfe,die Anzeige zu ihrer Anwendung erneuerten. Traten aber dieser Anwendung Hindernisse in den Weg, sie mochten von der Beschaffenheit des Individuums, als: Schwangerschaft, organischen Fehlern, Bluthusten rc. von Erschöpfung der Kräfte, entzündlichen Complltationen u. dgl. ausgehen; oder schien eine gelinde umstimmende Wirkung die erschütternde ersetzen, ihr sogar vorgezogen werden zu können, so wurde die Izieosousr-Ka zu den obenangegebenen Zwecken in gebrochener Gabe entweder in Pulverform zu V- bis'/. > oder zu einem ganzen Gran alle, oder alle 2 oder 3 Stunden, oder im Aufgüsse auS 2 bis 10 Gran aus 2 bis/,. Unzen für Kinder, für Erwachsene aus ,o bis 26 Gran auf eine Co- latur von 6 bis 6 Unzen stündlich, oder alle 2 Stunden eßlöffelweise in den verschiedenartigsten Verbindungen verordnet, und diese Anwendung so lange fortgesetzt, bis die Wiederkehr der peripherischen Warme und des' Pulses die eintretende Reaction verkündete, oder eilte erscheinende üble Wendung der Krankheit, Sinken der Kräfte,. Erscheinung des Sopors, Entzündungen u. dgl. eine Änderung in der Anzeige, daher auch in dem bisherigen Heilapparate nöthig machten. Blutentleerungen. Verschieden war die Ansicht der Ärzte über die Anwendung allgemeiner Blutentleerungen mittelst Aderlässen, und die Angabe ihres Erfolges bey der Behandlung des Brechdurchfalls. Während einige ein völliges Anathem über Aderlässe riefen, andere nie oder selten einen günstigen Erfolg von denselben beobachteten, andere aber gar keine Erwähnung von ihnen machten, und viele sie für überflüssig und entbehrlich erachteten; fand ihre Anwendung im Falle der vorhandenen wirklichen Anzeige bey der Mehrzahl nicht nur Rechtfertigung, sondern auch entschiedene Vertheidigung, und oftmahls wurde von Aderlässen zur rechten Zeit, ein erfreulicher ja glänzender Erfolg beobachtet. Offenbar hatte auf diese verschiedenen Ansichten und Beobachtungen über den Erfolg der Aderlässe, der Eharacter der Epidemie, die Heftigkeit und Reinheit derselben sowohl, als auch der einzelnenFälle einen großen und wesentlichenEinfluß; während daher bey einem gastrisch- gallichten, catarrhös-rheumatischen oder überhaupt bey einem milden Eharacter der Brechruhr-Epidemie, selten die Conge- stionen zu den inneren Theilen eine solche Heftigkeit und Wichtigkeit erlangten, daß ihre Hebung oder Linderung nicht sicher und schnell genug durch andere ableitende und ausleerende Mittel erwirkt werde» konüte, und bey einem«dynamisch-nervösen Eharacter derselben die schnelle Entwicklung der Krankheit auf den höchsten Grad, und die wahre Lebensschivache ihrer erfolgreichen Anwendung meistens Schranken setzten; so waren es dagegen besonders die reinen und heftigen Cholera- Epidemien, wobey Blut- Congestionen zu den inneren Theilen die erste und dringendste Berücksichtigung verdienten, und deren schnelle Beseitigung als nothwendige Bedingung einer — 207 niöglichen Heilung um so mehr erheischten, als bey einem raschen Verlaufe der Krankheit häufig eine Unterdrückung der Lebenskräfte, und der hierdurch bedingte Schlag- oder Stickfluß, was auch die Leichenöffnungen bestätigten, dem Leben ein Ende machten, bevor die erforderliche Besrey- ung der unterdrücken Lebenskräfte und eine energische Reaction möglich wurde. Die allgemeinen Blutentleerungen wurden demnach beynahe durchgehends in der Absicht angestellt, um die gegen die Centralorgane des Kreislaufes und gegen das Gehirn strömende, daselbst angehäufte und zum Theil stockende Blutmaffe mehr nach außen zu leiten, jene Organe von dieser Anhäufung zu befreyen und die normale Ausübung ihrer Verrichtungen wieder möglich zu machen, somit die soporö- sen Kopfzufälls, das Athemholen und den Kreislauf zu erleichtern und anzuregen, und des letzteren Gleichgewicht in allen Theilen des Körpers wieder herzustellen. Besonders waren es daher jüngere, vollsäfrige robuste Personen, oder solche, bey welchen sich eine besondere Anlage zu Congestionen offenbarte, oder wo die Krankheit auf die Unterdrückung irgend einer Ausleerung, als: Menstruation, Kindbett- Hämorrhoidalfluß, habituellen Diarrhöe u. dgl. erfolgte, bey welchen derley allgemeine Blutentleerungen gewöhnlich ihre Anzeige fanden. Unter solchen Verhältnissen wurden dieselben manchmahl schon bey erscheinenden Verbothen angestellt, um die volle Entwicklung der Krankheit durch Befreyung der inneren Organe vom Blutandrange szu bewirken und diese zu den normalen Verrichtungen zu bethätigen; sehr häufig mußten sie noch vor der Darreichung eines Brechmittels, oft aber sogleich nach diesem in Anwendung gebracht werden. Die Menge deS durchchen Aderlaß zu entleerenden Blutes, wurde nach den individuellen Verhältnissen der Kranken zwischen 5 und ,c> Unzen bestimmt, und meistens wurde derselbe an dem gewöhnlichen Orte am Arme angestellt und besonders darauf gesehen, daß' durch eine hinlänglich große Oeffnung dem öfters dicken Blute ein leichter und schneller Abfluß verschafft werde. Zuweilen trat die Nothwendigkeit ein, den Aderlaß zu wiederholen, wenn nähmlich bey plethorischen robusten Personen die Erscheinungen stärkerer Congestionen zu den inneren Theilen auf den ersten Aderlaß entweder nicht nachgelassen hatten, oder neuerdings wiederkehrten; gewöhnlich trat aber auf 2ö8 denselben auffallend schnelle Erleichterung des Kranken, besonders Minderung der Angst und Beklemmung, des Druckes in der Herzgrube rc. ein. Seltener war die Anwendung des Aderlasses im höchsten Grads der Cholera, wo bey eingetretener Eiseskälte des Körpers, und Pulslosigkeit die Hoffnung ein Blut zu erhalten meistens getäuscht wurde, und wo demselben gewöhnlich die bis zum Erlöschen sinkenden Lebenskräfte entgegenstanden; doch wurden auch in diesem Grade Falle beobachtet, wo wegen heftigen Csngestionen zu den inneren Theilen, versuchte Aderlässe ihrem Zwecke vollkommen entsprachen. Eben so häufig, wo nicht noch häuiger als allgemeine Blutentlecrungen, wurden örtliche, gegen vorwaltende Con- gestionen zum Gehirn, Brust-und Bauiheingeweiden, mittelst Blutegeln an die entsprechenden Theile gesetzt, in allen Graden und Zeitpuncten der Krankheit mit gleich günstigem Erfolge angewendet, welche auch die Stelle der allgemeinen in jenen Fällen ersetzten, wo der Anwendung der letzteren eine schwächliche, entkräftete Constitution des Kranken, eines zu zarren Kindes, vorgerücktes Alter, oder bereits eingetretene wahre Erschöpfung der Lebenskräfte, als wohl zu berücksichtigende Gegenanzeige im Wege standen. Kaltes Wasser. Eine verschiedene Aufnahme fand auch in manchen Orten die Anwendung des kalten Wassers bey der Behandlung der Cholera, sowohl innerlich zum Getränke, als äußerlich zu Umschlägen, Waschungen, Beziehungen, Klystieren rc. Beyin Entstehen der Epidemie war die Wirksamkeit dieser Behandlungswsise noch nicht genugsam bekannt, und ihre Anwendung fand um so mehr Bedenken, als dieselbe in anderen Provinzen und Ländern für unbedingt schädlich erklärt worden ist, und das überhaupt für gesundheitswidrig anerkannte schlechte Trinkwasser das Übel in mehreren Gegenden zu vermehren schien. In mehreren Ortschaften wurde sie wegen zu großer Vorliebe für eine erwärmende, schweißbe- fördernde Behandlungsart, dieser nachgesetzt, schien in manchen dem Charakter der Epidemie ganz und gar nicht zu entsprechen, und dieß durch ihren üble» Erfolg zu erhärte», fand, auch hie und da wegen Vorurtheilen der Kranken und der Arzte keinen Eingang, bewährte aber, zweckmäßig gnge- -4 LOH wendet, bey viele» Kranken ihren allgerühmten Erfolg auf eine glänzende Weise; ja es kamen in mehreren und selbst in solchen Ortschaften, wo kaltes Wasser von den Ärzren weder«»gerathen noch erlaubt wurde, Fälle vor, deren Heilung einzig dem häufigen Genusse des kalten Wassers zugeschrieben werden mußte. Der Zweck der innerlichen Anwendung des kalten Wassers bestand darin: den heftigen Durst und das Gefühl innerer Hitze zu dämpfen, die in so großer Menge entleerten Flüssigkeiten schnell möglichst wieder zu ersetzen, durch die Wirkung der Kälte auf die Nervenenden in den ersten Wegen eine Erschütterung und Umstimmung des Gangliensy- stems hervorzurufen, durch d,e chemische Zersetzung des Wassers und das Freywsrden seinerGrundstoffe den polarischen Gegensatz der organischen Materie zu bethätigen, oder, wie einige Arzte meinten, durch die Lösung des inneren heftigen KrampseS eine Anregung der Repulstvkraft im Innern, und Säuerung des carbonisirten Blutes zu bewirken. Das kalteWaffer wurde besonders kräftigen, früher gesunden und solchen Individuen, bey welchen keine Umstände der Anwendung kalter Getränke überhaupt entgegenstanden, bey heftigem Dränge nach kaltem Geti-änke und dem Gefühle von innerer Hitze, entweder nach Durst zu trinken gestattet, oder in größeren oder kleineren oft wiederholten Gaben von 2 Eßlöffeln, Schale oder einem Gläschen alleZbisZ Minuten gereicht; gewöhnlich hierzu frisches Brunnenwasser, seltener Eis gewählt, und diese Anwendung so lange fortgesetzt, bis die Wiederkehr der peripherischen Wärme, das Heben des Pulses, das Aufhören der Krämpfe, und das Hervortreten einer Hautausdünstung die eintretende Reaction verkündete, wobey die Begierde nach kaltem Getränke auch ohnedieß meistens schon geringer wurde. Aeußerlich wurde das kalte Wasser vorzüglich anfangs der Krankheit, bey sogleich eingetretener Pulslosigkeit und Kälte der Haut zur Umstimmung der peripherischen Nervsn- Thätigkeit, Erweckung der vitalen Wärme-Erzeugung, Leitung derselben zu den äußeren Theilen, Linderung der Krämpfe, und zur Beschränkung der Darm-Entleerungen; in jedem Zeitpuncte der Krankheit aber zur Mäßigung der Blut-Con- gestionen gegen wichtige innere Organe, in der Gestalt von Umschlägen, und nach Maß der Umstände auch zu Begie- ßungen, Waschungen, Klystieren, gewöhnlich durch Eis gleichmäßig kalt erhalten, angewendet. Vegetabilische und mineralische Säuren. Diese Säuren wurden sowohl als Getränk, mit Wafsek und schleimigen Vehikeln verdünnt, als auch als Zusätze zu anderen Arzneyen, und zwar zur Linderung deS heftigen Durstes und der inneren Hitze, Minderung der Cvngestionen zu einzelnen Theilen, zur Aufregung des Pfortadersystems, und des Manschen Gegensatzes i» der organischen Materie, zur Beschränkung der Entmischung und Zersetzung des Blutes verwendet, oder auch in der Absicht verabreicht, um bey eintretender Cyanose die Säuerung des hypercarbs- nisirten Blutes zu bezwecken, und dem gesteigerten Chemismus des Blutes, nähmlich der Zersetzung und Übersetzung mit Kohlenstoff entgegen zu wirken. Am gewöhnlichsten wurden die verdünnten Mineral- säuren: dieSchwefel-, Salz-, Salpeter-, Phosphor-Säure, besonders aber die Verbindung der Schwefelsäure mit Alkohol als HallerS saures Elixir, seltener die vegetabilischen Säuren, und darunter der Citronensaft und der Essig in Verbindung mit übersäuertem kohlensaurem Nstram;(Lioarkonas Loüse) als Brausepulver dargereicht. Auch von Ludwigs Sauerwasser geschieht, aber nur in 2 Orten eine Erwähnung, woselbst dasselbe dem Getränke beygemischt, zur Stillung des eigenthümlichen Durchfalls, ohne allen Erfolg, ja sogar mit Nachtheil angewendet wurde. Flüchtige Reizmittel. Eine ungleiche Aufnahme fanden die flüchtig und durchdringend erregenden Mittel bey der Behandlung der Cholera; denn während bey einigen Kranken alles Heil in ihrer Anwendung und dem hierdurch erzielten reichliche» Schweiße gesucht, besonders aber die erste Behandlungsart durchgehend erhitzend und erregend gewesen war, die auch um so mehr Eingang bey den Ärzten finden mußte, als besonders bey dem ersten Auftreten der Epidemie die Krankheitsfälle schnell auf den höchsten Grad sich entwickelt, und eine auffallende Erschöpfung der Kräfte herbeygeführt hatten, so wurde 2i» sie von anderen Ärzten gänzlich verworfen, und ihrer Anwendung der oft schnell eingetretene apoplectische Tod aus Unterdrückung der Lebenskräfte, und die so häufig darauf folgenden torpid- nervösen Nachkrankheiren zugeschrieben. Die Mehrzahl der Ärzte stimmte aber darin überein, daß, obgleich im Ganzen eine umstimmende und tonisch-erregende Heilmethode in der Brechruhr, dem Zwecke bey weitem öfter Und sicherer entsprochen hat, als jede stürmische, übermäßig erhitzende und schweißtreibende, es dennoch Fälle gegeben habe, bey denen sich die flüchtig reizenden und durchdringend erregenden Arzeneymittel als die besten zur Rettung der Kranken bewährt haben. Zu solchen Erkrankungsfällen gehörten diejenigen, wo die schon langer bestandene Unterdrückung der Lebenskräfte in wirkliche Erschöpfung derselben, und die krankhafte Verstimmung des Nervensystems in lähmungs- artige Schwache übergegangen ist, die vorausgegangenen aktiven Congestionen aber den Character der passiven angenommen haben. Diesem nach war es auch vorzugsweise nur der höchste Grad der Cholera bey schwächlichen, entkräfteten, alten, torpiden Individuen, bey einem gleichzeitigen nervösen Character der Epidemie, wo die Anwendung der flüchtig reizenden Heilmethode am häufigsten in der Absicht Statt fand, um den gehemmten Kreislauf mächtig aufzuregen, dadurch die fernere Zersetzung des Blutes zu hindern, entstandene Stockungen wegen Unthaligkeit der Gefäße zur Auflösung und Aufsaugung zu bringen, die Nerventätigkeit der peripherischen Gebilde anzufachen, das Gleichgewicht im Kreisläufe, und anderen wichtigen Verrichtungen wieder herzustellen, die dem gänzlichen Erlöschen zueilenden Lebenskräfte zur erforderlichen Reaction anzuspornen und in diesem Zustande möglichst zu erhalten. Zu diesem Heilapparate wurden vorzugsweise von den aromatischen Blüthen: kstoros Lirsmomillav und^rnivse; von aromatischen Kräutern: Herds montlrae cris^ss st pipe- ritae, Melissas; von den aromatischen Wurzeln: Raüix Vs- lerisnss,.^NAelioso,Imz>el'atolise,^rnieas,(lalsmi anomal:. mit Kampher oder Kampfcrgeist, Äther oder Naphten, Oleum teredinilrinas, bis z» V-Oraslime, Oleum animalo Vixvllii. Lmmon. xuna liyuiüa, verschiedene Ammonium- Präparate, Hirschhorngeist, 8xir. 6. 6. sueoinatus, 6as- toreum Mosskus in verschiedenen Verbindungen unter sich gewählt, je nachdem entweder ein allgemeiner LähmungS- S»2 zustand, oder dieser vorzüglich nur im Blutgefäß- oder Nervensysteme vorwaltete. Opium. Dem Opium wurde nur eine beschrankte und thcilweis« Anwendung bey vorwaltenden serösen Durchfallen nach Verkühlung, und mangelnden gastrischen Erscheinungen, in der Form als Dower'sches Pulver in sehr mäßigen Dosen einbe- raumt; im Allgemeinen aber so viel möglich gemieden, da es die so sehr gefurchteren(Kongestionen des Blutes zum Gehirn und zur Lunge, und die venöse Beschaffenheit des Blutes zu begünstigen, zur Stillung des Erbrechens und des Durchfalls wenig beyzutragen schien, und auf dessen Anwendung, besonders in größeren Gaben, eine torpid- nervöse Nachkrankheit öfters einzutreten pflegte. Wurde das Opium somit wenn auch nicht ganz verbannt, so wurde es doch nur immer in kleinen Gaben und beyder ausgebildeten Brechruhr bloß als ein Hülfsmittel(süjuyans) anderen Hsilkörpern beygefügt, öfters wohl auch durch sc^ua Isurocerssi oder durch extraetum ki)-ose)sriii ersetzt. Hautreize und Erwärmungsmittel. Als vorzügliche Hülfsmittel bey der Realisirung des Heilplanes in der epidemischen Brechruhr, wurden die verschiedenen Hautreize allgemein angesehen, und als^ solche zur Unterstützung des übrigen in Anwendung gezogenen Heilapparates bey allen Graden der Krankheit und beynahe unter jeden individuellen Verhältnissen in Gebrauch genommen, um die an den peripherischen Gebilden des Körpers gesunkene Lebensthätigkeit und den stockenden Kreislauf in dem äußeren Capillar-Gefäßsysteme aufzuregen, das an die inneren Theile strömmende Blut von diesen ab, und an die äußeren Theile zu leiten, und auf diese Art die Wiederherstellung des Gleichgewichtes in den gestörten Verrichtungen zu befördern. Zu derley äußeren Reizmitteln gehörten sowohl einfache, als durch geschabenen Meerrettig, Pfeffer, spanische Fliegen. Mineralsäuren, verschärfte Senfteige und Zugpflaster; der Salmiakgeist verdünnt in die Gegend des plexus solsris eingerieben. Die(mutorien wurden soviel möglich vermieden, da man bey zu sehr gesunkener vitaler Reaction in den peri- 2l3 pherischen Gebilden nur eine chemische Wirkung davon erwartete, und zugleich den üblen Eindruck zu sehr fürchtete,jden sie auf das Gemüth der Kranken und die Umstehenden bey der ohnedieß großen Angst und Furcht machen mußten. Die Stellen, an welchen jene Hautreize angebracht wurden, waren am häufigsten die Extremitäten, der Unterleib, vorzüglich die Magengegend bey stärkerem Druck daselbst, die Brust bey größerer Beklemmung, der Hals bey belästigender Heiserkeit oder Stimmlosigkeit, seltener die Rücken- wirbelsäule. An diese Hautreize schließen sich auch mehrere äußere Mittel an, welche theils zur Erhaltung und Ersetzung der verminderten Hautwärme, theils gegen die lästigen Krämpfe, zum Theile aber ebenfalls mn die an der Peripherie gesunkene Lebensthätigkeit und den daselbst stockenden Kreislauf anzufachen, in Anwendung gebracht wurden. Zum ersten Zwecke, Erhaltung der vitalen und Ersatz der verminderten, thierischen Wärme, wurden in der ersten Zeit und auch später in manchen Orten, in welchen man eine günstige Wendung der Krankheit besonders von einer hervorgebrachten und gesteigerten Hautlhätigkeit erwarten zu müssen glaubte, verschiedene und manchmahl sehr kräftige Erwarmungsmittel rn Anwendung gebracht, als: heiße Steine an die Fußsohlen, Säcke mit heißer Asche oder Sand rings um die Gliedmaßen, Söckchen mit sehr warmen Hafer auf den Unterleib gelegt, oder Kruge mit heißem Wasser gefüllt um den Stamm sowohl als um die Gliedmaßen vertheilt, während zugleich durch möglichst warmhaltende Bedeckungen der übermäßigen Kälte nach Thunlichkeit entgegen gewirkt wurde. Als man aber bey mehreren Fällen um so gewißer die soporösen Nachkrankheiten eintreten, in einigen sogar um so früher einen apoplectischen Tod folgen sah, je sorgsamer und nachdrücklicher die äußeren Erwärmungsmittel in Anwendung gebracht worden waren, die gewünschte,-Reaclion aber öfters und ohne soporöse Nachkrankheiten eintrat, wenn derlei) Wärmapparate nicht angewendet werden konnten; so fand man sich bald veranlaßt, den Gebrauch dieser Mittel möglichst dahin zu beschränken, daß unter gehöriger Vorsicht, nebst einem allgemeinen mäßig warmen Verhalten, nur die kalten Füße in warme Tücher gehüllt, Söckchen mit gewärmtem Hafer oder Heublumen auf den Unterleib gelegt, und nur hie und da gewärmte Ziegel oder Kruge — Ll4 mit warmen Wasser an die Füße angebracht worden sind; in vielen Fällen aber, besonders wo das kalte Wasser innerlich oder äußerlich in Gebrauch kam, das Verhalten nach dem Behagen des Kranken mit weit besserem Erfolge kühl gestattet worden ist. Reibungen der Haut. Zur Hebung und Minderung der lästigen und schmerzhaften Krämpfe in den Extremitäten, so wie zur Erregung der Hautthärigkeit, wurden anfangs anhaltende Reibungen der Gliedmaßen und des Unterleibes mit erregenden und reizenden Mitteln, als: Kpiritus cainpliorstus, anAeliooe, terebiattnnas; i-äguor smmonii puri, linotura vkmtbs- riäum, ospsivi snnui, entweder mit Weingeist oder mit Ohl gemischt, oder selbst die Composition der Wißnitzer Juden mittelst Flanell angeordnet; bald aber und zwar aus dem Grunde, weil der Geruch von dergleichen geistigen Substanzen den Kranken gewöhnlich ungemein lästig wurde, das beständige Reiben oft Verkühlung herbeyführte, das Auflegen von Hautreizen hinderte, und häufig langwierige Nachübel, Entzündungen, Geschwüre u. dgl. in den betreffenden Theilen, welche die ReconvaleScenz erschwerten und verzögerten, zur Folge hatte, auf ämrliche Anordnung ganz bey Seite gelassen, und nur das Waschen der Extremitäten besonders während eintretenden Krampfen, mittelst kaltem Wasser, kühlem oder warmen Essige anempfohlen. Getränke. Zum Getränke wurden in vielen Gegenden und zwar übereinstimmend mit dem übrigen Heilapparate leichr aromatische Aufgüße von Münzen, Melisse», Hollunder, Kamillen mit schleimig, n Absüden, oder da erstere in vielen Orten, ohne Erbrechen zu erregen, durchaus nicht vertragen wurden, letztere allem, oder mit einer vegetabilischen, häufiger aber Mineral-Säure versetzt, meistens in kleinen oft gereichten Gaben gestattet. Das Wasser wurde, wie bereits oben angegeben, in vielen Ortschaften kalt, in mehreren bloß kühl, in einigen aber gar nicht als Getränk verwendet, doch schien kein anderes so gut und vollkommen, als dieses den unersättlichen Durst zu lindern. Warme Bader wurden am Jachen Lande nur einzeln, ohne daher bestimmte Resultate liefern zu können, in Anwendung gebracht. Im Allgemeinen waren sie schwer anzuwenden, und haben wegen Mangel der bey einem Bade nöthigen Vorsichten und Pflege, in der Regel wohl öfter geschadet als genutzt, weßhalb es auch von denselben daS Abkommen erhielt. Beschränkung der Entleerungen. In manchen Fallen trat die Nothwendigkeit ein, di- Darm-Entleerungen, wenn gleich als Streben der Natur betrachtet, zu mäßigen und zu beschranken, obgleich der Regel nach jene Fälle gelinder verliefen, bey welchen sie reichlich zugegen waren. Eine symptomatische Behandlung erheischten somit vorzüglich nur jene Fälle, bey welchen die Entleerungen übermäßig und erschöpfend, wo sie mit krampfhaftem heftigem Würgen und Zusammenziehen des Magens, der Gedärme rc. verbunden waren, wie oft bey hysterischen, schwindsüchtigen Weibern; oder wo stürmische Entleerungen, vorzüglich Erbrechen, wegen individuellen Verhältnissen der Erkrankten gemäßigt werden mußten, als: Schwangerschaft, Bluthusten, Brüche, zu hohes Alter, große Erschöpfung, Asthma u. dgl. Diesen dringenden Symptomen wurde innerlich mit Opium, Dower'schem Pulver, gesättigtem Kaffeh- aufguße, River'schen Tränkchen, Brausepulvern; äußerlich mit schleimigen aus Srärkmehl bereiteten und mit Opium- tinctur versetzten Klystieren, manchmahl mit Eisklystieren, ferner mit Hautreizen auf die Extremitäten und den Unterleib, oder mit trokenen aromatischen Überschlägen begegnet. Schluchzen. Auch gegen das in manchen Fällen ungemein lästige und anhaltende hartnäckige Schluchzen wurden verschiedene Mittel in Anwendung gebracht. Nicht immer zeigten sich flüchtig erregende und umstimmende Nervenmittel, als: Valvlnana, Oaswrourn Llosakus, kllores sinsi, Mtrss Lismutki. in einigen Fällen ein Tl unk kalten Wassers dagegen Heilsam. Dieses waren nun im Allgemeinen die vorzüglichsten Mittel, aus welchen sich die praktischen Aerzte am flachen Lande durch rationelle Auswahl und verschiedenartige Zusammenstellung ihren Heilapparat bey der Behandlung der Cholera zu wählen, und den verschiedenen individuellen Verhältnissen jedes einzelnen Falles anzupaßen suchten; wobey aber in manchen Fällen, ja bey der Behandlung einzelner Kranken, auch noch zu anderen die Zuflucht genommen werden mußte, wodurch die Behandlungsart auch eine besondere Modifikation erhielt. Beym gastrisch-gallichten Character der Brechruhr-Epi- demie, oder bey einem gallichten Brechdurchfälle, drang stch vor allem die Nothwendigkeit auf, die im Magen- undDarm- Canale angesammelten, qualitativ veränderten, gallichten Stoffe zu entleeren; indem es keinem Zweifel unterworfen zu seyn schien, daß dieselben, wenn gleich Produkt der Krankheit, diese dennoch durch ihren Reiz unterhielten, verschlimmerten, die stürmischen Bewegungen des Darm-Canals sowohl, als die der bedenklichsten Erscheinungen bewirkten. Hier wurde daher besonders durch reichlich genossenes kaltes Wasser die reizenden Stoffe zu verdünnen und zu mildern, ihre Entleerung durch dieses und durch Brechmittel, zu welchen hier auch mehrmahls der Brechweinstein benutzt wurde, zu befördern, und das normale Gleichgewicht in den gestörten Verrichtungen, besonders durch Umstimmung des Darm- Canals zu bewirken gesucht; hier fanden daher nebst den umstimmenden häufig auch die gelinde auflösenden und ausleerenden Heilkörper, als: lisst. rsraxaci, Avaininis, tv8 tsrnsrinstorum, das kllreum, die k'olis Sonnae u. dgl, selbst das(islowel eine häufige Anwendung. Sullas elrinini, welches bey dem reinen Brechdurchfalls gar keine, oder nur im leichteren Grade eine erfolgreiche Anwendung fand, wurde bey jenen Brechruhrfällen, welche mit intermittirenden Typus auftraten, oder wo das Wechselfieber unter der Larve des Brechdurchfalls erschien, immer mit günstigem Erfolge angewendet. Bey einem cararrhösen oder rheumatischen Neben-Cha- racter der Epidemie, mußte die Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichtes in den krankhaft bestellten Systemen und Organen, besonders durch eine erhöhte Hautthä- tigkeit erwartet und zu bewirken gesucht werben. Nebst den erschütternden waren es in solchen Fallen besonders erregende/ auf die Hautthatigkeir einwirkende, innere und äußere Mittel, welche nebst einem sorgfältigen und warmen Verhalten am häufigsten dem Heilzwecke entsprechend gefunden wurden. Bey alten entkräfteten Personen mußten besonders die übermäßigen und erschöpfenden Entleerungen berücksichtiget, und zu beschränken getrachtet werden, während bey schwächlichen, lüngensüchtigen, Mrämpfen unterworfenen, hysterischen Weibern u.dgl., besonders die Besänftigung der ere- thischen Nevropathie durch umstimmende, narcottsche, ge- lind erregende Mittel, Hautreize, besänftigende Klystiere, aromatische Bähungen auf den Unterleib, Fußbäder u.dgl. nothwendig war. Bey Kindern mußte die Gabe und Auswahl der Mittel gehörig modificirt, besonders häufig auch eine Compli- cation mit Wurmbeschwerden berücksichtiget werden. Im Allgemeinen zeigte sich bey ihnen eine umstimmende und besänftigende Heilmethode immer günstiger als jede, besonders aber eine stürmisch- erhitzende. Behandlung der Uebergangs- und Nachkrankheiten. Wenn die ergriffenen Systeme und Organe, mit mäßig gesteigerter und gleichmäßiger Reaction gegen das durch den KrankheitSproceß gesetzte Hinderniß, zur normalen Thätigkeit zurückkehrten, so war keine pharmaceutische Behandlung nothwendig, sondern eS reichte ein von Hemmung der freyer werdenden Thätigkeiten und von Steigerung der ohnehin erhöhten Reaction, gleich weit entferntes diätetisches Verhalten, eine beschränkte und nur vorsichtig vermehrte, leicht verdauliche Kost, ein ruhigeS nicht zu warmeS Verhalten, reizlose, wässerige Getränke, zur Behandlung dieses Ueber- gangeS in Genesung hin. Stellte sich aber in dieser Reaction eine Ungftichmä- ßigkeit ein, so mußte genau ihr Einfluß auf den Gesammt- OrganiSmuS und auf die Wiederherstellung des normalen Gleichgewichtes der Lebensverrichtungen erwogen und berücksichtiget werden. War daher die Reaction deS Blutge- fäßsystemS bis zur Blutwallung gesteigert, so reichte zwar s»I bey mäßiger Stärke derselben, gewöhnlich ein mehr negatives Verfahren, Beseitigung aller ungewöhnlich reizenden Einflüsse, ruhiges kühles Verhalten, kühlende säuerliche Ge- kranke, hin, sie bis auf den gehörigen Grad zu mäßigen; zuweilen aber wurde sie, besonders in kräftigen, plethorischen jungen Individuen, vorzüglich wo Unterdrückung einer Ausleerung, derMen!kruation,desWochenfluffesu.dgl. zu,nGrunde lag, oder rn Folge der Krankheit sich eingefunden hatte, so kräftig, daß sie duxch ein energisches, anriphlogistische Verfahren, kalte Ueberschläge über die Stirne, kalte Getränke, Abführmittel, Fußbäder, selbst durch wiederholte Aderlässe gemäßiget werden mußte. Besonders trat in jenen Fällen, welche mit kaltem Wasser, kalten Ueberschlägen, Waschungen u. dgl. behandelt worden waren, die Reaction häufiger in hohem Grade hervor, entschied aber auch oft durch eintretenden reichlichen Schweiß, Monarh-Hämorrhsidal- fluß, Nasenbluten, den Geburksact bey Schwängern, eine Diarrhöe u. dgl. schnell und vollkommen die Krankheit. Entstanden aber in Folge der gesteigerten Reaction im Blutgefäßsysteme, daher besonders bey einer vorhandenen Disposition, Congestionen und Entzündung in einzelnen Organen, in den Lungen, in der Leber, im Gehirn u. s. w., so trat immer auch die Nothwendigkeit zu allgemeinen und örtlichen Blutentleerungen ein. Uebernahm die Wiederherstellung des dynamischen und materiellen Gleichgewichtes in den gestörten Verrichtungen und Organen vorzugsweise eine vermehrte Absonderung der Leber und des Darm-Canals, entstanden also gastrische und gallichte Unreinigkeiten; so mußten diese durch schleimige säuerliche Getränke gemildert, und bey ihrer Turgescsnz nach aufwärts durch Brechmittel kulv. rsäivis Ipooavusn- irse entweder allein oder gewöhnlich mit tsrtras lixirsv «tibiatus vereint, bey ihrer Turgescenz nach abwärts durch vorsichtig gereichte Abführmittel entfernt; dann die normale Beschaffenheit dieser Verrichtungen allmü'hlig durch ronisch- auflösende, umstimmende und stärkende Mittel wieder hergestellt werden. War ein gallichtes Erbrechen oder ein solcher Durchfall schon zugegen, so mußte die Natur in ihrem Wirken unterstützt und nur gesorgt werden, daß diese Entleerungen weder zu anstrengend noch zu heftig oder zu anhaltend fortdauerten; sie wurden daher durch wässerige, schleimig-säuerliche Getränke und gelinde auflösende Mittel: Vers. rsckioura grsininis, tsrsxsei, prunoruin, tsma- rinäoi-uin unterstützt, dann aber diese Mittel mit tonisch und erregend auslosenden, mit bitceren und bitter- aromatischen Mitteln vertauscht, big die Absonderungen der Leber und des Darm-Canals und die peristaltische Bewegung zur normalen Beschaffenheit zurückgebracht waren. Selten ging dieser gallichre Zustand in einen dynamischnervösen Character über, wenn die erzeugten und angesam- Hielten Unreinigkeiten zeitig genug entfernt werden konnten; war aber dieser Uebergang geschehen, was besonders bey einem nervösen Character der Brechruhr-Epidemie, bey schwächlichen, erschöpften Individuen, bey Trinkern u. s. w. öfters geschah, so wurde die Behandlung, wie bey jedem nervösen Gallenfieber, nach den allgemeinen therapeutischen Grundsätzen eingeleitet Die Behandlung der soporösen eigenthümlichen Nach- krankheit deS Brechdurchfalls, war verschiede» nach den ver- schiedenen dynamischen und materiellen Veränderungen, welche ihm zum Grunde lagen. Bestand er in einer durch Blutanhaüfung in den Gefäßen des Gehirns und der Lungen gesetzten Unterdrückung der freyen Thätigkeit dieser Organe, und dadurch erzeugtem subapoplectischem Zustande von Unterdrückung der Lebenskräfte, so wurden, um diese Organe von der Blutanhäufung zu befreyen und dadurch ihre Thätigkeir zu erleichtern und aufzuregen, und um die vorhandenen Stockungen zu lösen, den Kreislauf und das Gleichgewicht desselben wieder zu bethätigen, nach der verschiedenen Körper- Constitution des Kranken, nach dem Stande der Kräfte, nach der Heftigkeit der Congestionen, allgemeine oder örtliche Blutentleerungen, und hierauf innerlich erschütternde und umstimmende Mittel: Dsrtarus emekievs, rsä. Igecsourmllso, in relrsota äosi, das Lslomol, bey Stuhlverhaltung Abführmittel, kühlende Getränke, besonders mit Mineralsäuren dem Llix, soiäum Iksllei'i, kalte lieberschlage über die Stirne, ableitende Klystiere, kräftige Hautreize in Anwendung gebracht, und diese Heilmittel brachten um so sicherer eine erwünschte Wirkung hervor, je früher sie in Anwendung gebracht wurde», je weniger ausgebildet der sopvröse Zustand, je weniger erschöpft also der unterdrückte Kräftezu- stand und je stärker die nach Befreyung der Kräfte zu erwartende Reaction war; während flüchtige Reizmittel, durchdringende, erhitzende Substanzen, um so sicherer die Unter- 220 erückung der Kräfte und den Sopor erhöhten, je stürmischer und energischer sie bey diesem Standpuncte der Krankheit dargereicht wurden; nur dann, wen» sich durch vermehrte Unruhe und erhöhten Turgor und Wanne der Haut, beginnende Schweiße oder das Erscheinen einzelner rother Flecken u. dgl. eine Neigung zum Eintreten einer Hautkrise ankündete, wurde ein sehr vorsichtiger Gebrauch von gelinderen den Drang der Säfte gegen die Haut befördernden und ihre Thätigkeit erhöhenden Reizmitteln, besonders des Kampfers zu'/-bis i G>a» alle s oder 3 Stunden gereicht, Mehrmahls mit sehr erfreulichem Erfolge gekrönt. War aber dieser soporöse Zustand in einen wirklichen torpid-nervösen Character, und somit die Unterdrückung der Lebenskräfte in Erschöpfung derselben übergegangen, oder zeigte er sich sogleich als ein indirecter Schwächezustand in Folge der vorausgegangenen Störungen im Lebensprocesse, und Unzulänglichkeit der Kräfte diese zu überwinden und zu entfernen; so erforderte die Anzeige, den allgemeinen läh- mungsartigen Schwächezustand durch kräftige Aufregung und Erhaltung der Lebenskräfte zu heben, vorzüglich die Stockungen des entmischten Blutes zu lösen, die Thätigkeit des Capillar-Gefäßsystems zu erregen, den Rückfluß dcS Blutes durch die Blutadern anzuspornen, somit den Kreislauf des Blutes wiederherzustellen- und den lähmungs- artig geschwächten Zustand des Gehirns und Nervensystems zu beseitigen. Es wurden daher verschiedene flüchtige und durchdringende Erregungs- und Reizmittel in mannigfacher Verbindung in Anwendung gebracht, als: Baldrian, Angelika, Kamillen- Wohlverley-Blüthen und Wurzel,Kampfer, Wein, versüßte Mineralsäuren, Naphten, flüchtiges Laugensalz in der Form von Hirschhornsalz oder Geist, Dippel S thierisches Oehl, aromatisch-geistige Tinkturen; äußerlich Blasenpflaster, verschärfte Senfteige, erregende Klystiere, aromatische Waschungen u. dgl. Die Behandlung der übrigen Nachkrankheiten wurde nach den allgemeinen therapeutischen Grundsätzen eingeleimt, ohne in der Cholera etwas Eigenthümliches darzubiethen. 22L Darstellung der Samtäts-polizeylichen Maßregel«, vor dem Erscheinen und während des Bestehens der epidemischen Brechruhr in der Haupt- und Residenzstadt Wien, und auf dem flachen Lande in Österreich unter der Enns. im Anfange des Monaths Juny im Jahre ,83l, als die epidemische Brechruhr in Galizien unaufhaltsam fortschritt, und der Glaube an ihre pestartige Natur fastallgeniein war, begann in der Haupt- und Residenzstadt Wien die öffentliche Wirksamkeit zur Abhaltung und Unterdrückung dieses Übels. Zwar drohte die Gefahr noch von beträchtlicher Ferne, und der galizische Cordon gewährte alle Hoffnungen einer Vernunft- und erfahrungsgemäßen Schutzmasiregel gegen ansteckende Seuchen. Um jedoch der Residenz die größtmöglichste Sicherheit zu verschaffen, wurde gleichsam als eine Controlle des galizischen Cordons, in einer Au zwischen den Labor-brücken wo sich die böhmischen und mährischen Strassen ausmünden, eine Contumaz-Anstalt für solche Individuen und Waaren errichtet, die entweder die Provinz Ga- lizien verließe» bevor der Cordon daselbst aufgestellt war, oder die zwar den Cordon passirten, aber mit verdächtigen oder unzureichenden Sanität» oder Lontumaz-Päffen versehen waren.^^ Die Data und Lisa der Pässe der aus Ealizren kommenden Reisenden, mußten daher genau eingesehen, daS Einschleichen verdächtigen Eesindels streng überwacht und jede bedenkliche Erkrankung schnell angezeigt werden. Nachdem aber auch in einigen nördlichen Comitaten Ungarns/ die epidemische Brechruhr plötzlich zum Vorscheine kam, wurde eine zweyte ContuNiaz-Anstalt an der St. Mar- xer-Linie für jene aus Ungarn kommenden, Personen und 222 Waaren errichtet, welche entweder mit keinen oder mit un- , zureichenden Sanitäts- und Contumaz-Zeugnissen versehen waren; und es haben Se. Majestät mittelst allerhöchsten Handschreibens von 6. July ,83i, Central-Sanitäts- Hof. Commissions-Decret vom-7. desftlbenMonaths, Z. 4S9 u.ssbo zu befehlen geruhet, daß an den von dem Einmündunqs- Puncte der Sola in die Weichsel bereits aufgestellten Militär-Sanitäts-Cordon, der an den Gränzen zwischen Mähren, Niederösterreich, dem Küstenlands und Ungarn, in Zoll- und Dreyßigft-Rücksichten ohnehin bestehende Landes- Granz-Cordon schleunigst angeschlossen, Ln einen Sanitä'ts- Cordon umgestaltet, mit den erforderlichen Truppen sogleich besetzt, und mit den nothwendigen Sanitäts-Anstalten versehen werden soll. Bevor jedoch diese Maßregel in Wirksamkeit treten konnte, mußten unverzüglich solche Anstalten getroffen wer- den, welche das Eindringen des Übels in die Residenz von Ungarn aus zu verhindern vermochten. Die öffentliche Vorsorge richtete demnach ihr Augenmerk vorzüglich auf diejenigen 3 Linien Wiens, welche Un- garns Gränzen zugewandt sind- An der St. Marrer-Linie wurde eine Contumaz-Anstält errichtet, und an der Favoriten- und Matzleinsdorfer-Linie mußten seit 5. July alle aus Ungarn kommenden Reisenden der strengsten Überwachung unterzogen werden; waren sie ohne Pässe, oder kamen sie aus verdächtigen Gegenden, so wurden sie sammt all ihrer Habe in die bereits am Tabor, und später in die an der St. Marper-Linie errichtete Csntumaz-Anstalt auf ab- leitlgen Wegen geleitet. Am>3. July war das gesammte Ungarn jenseits der r.onau für angesteckt erklärt, und es mußten von jener Zeit an, alle nach Ausweis ihrer Pässe von dort kommenden Personen der Contumaz- Anstalt zugeschickt werden. Diese Maßregel war schon am>8. July auf das am rechten Donau-Ufer liegende Ungarn, somit auf daS ganze Königreich ausgedehnt, und alle ungarischen Ankömmlinge wurden nunmehr ohne Rücksicht auf ihre Gesundheitspässe der Contumaz- Anstalt vor der St. Marter Linie übergeben. Jeder Fremde, jever Ungekannte der nicht mit einem Paffe oder mit einer gültigen Berufung, über seinen Weg Aufklärung zu geben vermochte, mußte gleichfalls, weiter kürzlich in Ungarn gewesen seyn konnte, zur Contuitiaj bestimmt werden. 233 Gegen aufgegriffene Landstreicher, paßlose Handwerksburschen, vorzüglich aberzogen die Schacherjuden der benachbarten ungarischen Comirate, wurde mit großer Strenge verfahren. Alle Paffe und Papiere der zur Contumaz bestimmten Personen, wurden mit Zangen gefaßt, über einen in den Linien aufgestellten Apparat durchräuchert, und so der höheren Aufsichtsbehörde eingesendet. Um das Erschleichen von Gesinde! und Schwärzern über die Limemvälle zu hindern, wurden an jeder der benannten Linien starke Militärposten aufgestellt. Nächst der Siebenbrunner-Wiese in Matzleinsdorf wurde das einsam stehende Haus Nr. 22, zu einem Spitale für allenfalls vorkommende verdächtige Kranke mit Betten eingerichtet» Diese strenge Linien-Aufsicht hatte zum Zwecke, daS Eindringen der Seuche in die Residenzstadt von Ungarn auS bis zur gänzlichen Schließung des Cordons zu verhindern» Gleichzeitig mit dem erwähnten allerhöchsten Handschreiben von, b. July, haben Se- Majestät die Aufstellung einer Provinz. Sanitäts-Commission unter dem Vorsitze Sr> Excellenz des Hrn. Regierungs-Präsidenten anzuordnen geruhet, welche Commission jedoch erst dann in Wirksamkeit zu treten hatte, wenn die Cholera sich in den anstoßenden Provinzen zeigen sollte. Dieser Prov. SanitätsCommission, welche die aus Sanitätv-Umstände sich beziehenden Angelegenheiten zu verhandeln hatte, war der Wirkungskreis der Landesregierung und des General-Militär- Commando eingeräumt, alle Kreisämter und beziehungsweise alle politischen Obrigkeiten untergeordnet, und die Commission angewiesen, dorr ihren Sitz zu nehmen, wo ihre unmittelbare Gegenwart am nothwendigsten war. Der Zweck und die Pflichten dieser Commission bestanden darin, daß I. das Eindringen der Cholera oder anderer ansteckenden Krankheiten aus den Nachbarstaaten verhindert; II. im Falle de§ Ausbruches der Cholera in derProvinz, die Kranken gehörig behandelt und verpflegt, und dieSeuche in der Weiterverbreitung möglichst gehindert und unterdrückt, endlich III. für die Unterstützung der Nothleidenden die erste Fürsorge getroffen werden sollte! Auf diesen dreyfachen Zweck, welcher die gesammte Wirksamkeit der benannten Sanitäts-Behörde zu leiten und 22ch zu bestimmen hatte, gründet sich auch die Abhandlung der gegenwärtigen Darstellung der Sanitats-polizeylichen Maßregeln in drey Haupt-Abschnitten. I. Abschnitt- Verhinderung des Eindringens der Cholera oder anderer ansteckenden Krankheiten aus den Nachbarstaaten. Die erste und nächste Sorge der in Oesterreich unter der Enns aufgestellten Prov. SanitatS-Commission war: zum Behufe der Verhinderung des Eindringens der Cholera aus dem Königreiche Ungarn, den allerhöchsten Orts anbefohlenen Militar-Sanitats-Cordon in möglichst schleuniger Frist zu organisiren, und die mit demselben nothwendig verbundenen Sanitäts-Anstalten zu errichten. Diese Sauitats-Anstalten bestanden in den Cotumazen für Personen, Waaren und Effecten an den wichtigeren Einbruchs-Stationen; in den erforderlichen Briesräucherungs- Apparateu und Handels-Rastellen; den Viehschwemmen, und endlich den Rastellen zum täglichen Verkehr der beyderseiti- gen Bewchner mir nicht gistfangenden Waaren unter Sani- täts-polizeylicher Aussicht, an solchen Gränzorten, welche zwar mit Contumazen nicht versehen, aber doch auch zur völligen Sperre nicht geeignet waren. Da in Folge dieser zu treffenden Anstalten der freye Verkehr mit Ungarn aufgehoben, und die Zufuhr von Lebensmitteln in die Residenzstadt bedeutend gehemmt werden mußte, so wurde die Prov. Sanitats-Commiffion mit Cen- tral-Samtats-Hof-Commiffions-Rescriptvom7. July»83,, Z. 464 und 460 angewiesen, sogleich aus alles fürzudenken, was hieraus Bezug Habs; insbesondere die Sorgfalt auf die Haupt-' und Residenzstadt zu richten, und das Publicum zur Beruhigung von den getroffenen Verfügungen in die Kenntniß zu setzen. Aus derselben Absicht wurde für die k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien eine eigene Commission niedergesetzt, welche sich nicht bloß mit den Sanitats-polizeylichen, sondern auch mit den Approvisionirungs-Gegenstanden zu beschäftigen hatte, und diese Verfügung mit Circulare vom i o. July >83l allgemein bekannt gemacht. Es wurde sich sonach die Überzeugung verschafft, ob die Bäckeü und Fleischer mit —- S5i§ den nöthigen Vorräthen versehen sind, wie auch der Regie- rungs-Präsident von Oesterreich ob der Enns und der Gouverneur von Steyermark ersucht, die Landesbewohner zum Eintriebe von Vieh in die Residenz zu ermuntern, und keine Hindernisse dem Transitotriebe entgegen zu stellen. Um zugleich die Zahl der Consumenten zu vermindern, wurden alle erwerbslosen Individuen aus Wien und der ganzen Provinz abgeschafft, und sämmtliche Gouverneursund Regierungs-Präsidenren aufgefordert, daß sie Niemanden, der sich über ein bestimmtes Geschäft nicht auszuweisen vermag, einen Paß zur Reise nach Österreich unter der EnnS ertheilen. In den Kreisen waren die Kreisvorsteher mit der Leitung dieser Angelegenheiten beauftragt. Sämmtliche Kreisämter und die Stadt-Sanitäts-Com- miffion für Wien wurden mit den nöthigen Exemplaren des Pest-Reglements und den dießfallsigen nachträglichen Verordnungen betheilt; eben so sind Anweisungen ergangen, wie sich die Vorsteher der Gemeinden in jenen Fällen zu verhalten haben, wenn die epidemische Brechruhr in der Nähe herrscht, oder in ihrer Ortschaft selbst ausbricht. Die väterliche Fürsorge Sr. k. k. Majestät erstreckte sich nicht weniger auch auf die Srräflinge, und es haben Allerhöchstdieselben mit Handbillet vom i3. July»83i, dem n. ö. Herrn Regierungs-Präsidenten aufgetragen, die Localiräten zur Unterbringung der Arrestanten und das Arrestanten-Spilal sorgfältig untersuchen zu lassen, ob dieselben reinlich genug und nicht zu eng sind. Außer diesen Vorkehrungen ist die Saniräts-Hof-Commiffion von Sr. Majestät nach dem Inhalte des erwähnte» allerhöchsten Handbillets angewiesen worden, die Prov. Sanitats- Commission in steter Übersicht von dem Fortgange der Krankheit in Gali- zien und Ungarn zu halten, weil dieses auf den Werth der Gesundheits-und Contumaz-Päffe wesentlichen Bezug hatte. Indeß diese Vorkehrungen zur Sicherheit der Residenz sowohl, als der übrigen deutschen Erblande getroffen wurden, ging die Organisirung-LeS anbcfohlnen Cordons raschen Schrittes vorwärts. Vor der Schließung deS Cordons waren die, auS der damahls noch unverdächtigen Wicselburger-, Oedcnburger- und Eisenburger-Gespannschaft erweislichermaßen bereits an diedeutscheGränze angekommenen, oder bis zum»«. Zulv»63> ,5 ankommenden Fuhren mit Heu, Körnerfrüchten und ähnlichen Approvisionirungs-Artikeln, von der Anwendung deck Pest-Reglements ausgenommen, und ihnen der Übertritt nach Oesterreich unter der Enns auch ohne Sanitäts-Certificate gestattet; welche Begünstigung jedoch auf die ankommenden Weine keinen Bezug halte. Als aber der Sanicäts- Tordon völlig organistrt, und die Contumaz-Anstalten errichtet waren, wurde in Ansehung, aller aus Ungarn kommenden Personen, Waaren und Effecten, dann der Briefschaften und Viehtriebe ausschließend nach dem Pest-Reglement verfahren. Der contumazfreye Übertritt für Personen und Waaren wurde nur dann gestattet, wenn die von der Cholera ergriffenen und durch die möglichste Ansteckungs-Gefahr verdächtigen Theile von Ungarn, Lurch Cordons und Contumaz- Anstalten gehörig geschieden, und die Personen, Waaren und Effecten, welche aus den vollkommen gesund gebliebenen Theilen Ungarns an die deutsche Gränze kamen, von den betreffenden Vicegespanen, Stuhlrichtern und städtischen Behörden mit vollkommen glaubwürdigen und verläßlichen Gesundheitspässen versehen waren. Diese Gesundheitspässe mußten jedoch auf der ganzen Route von allen Ortsbehörden dergestalt vicUrt werden, daß daraus hervorging, der betreffende Reisende oder seine Waare habe die gesunde Straße nicht verlassen, und keinen verdächtigen oder angesteckten Ort paff rt. Am so. July ist der gegen Ungarn an der March und Leytha aufgestellte Sanitats-Cordo», welcher in Folge des Central-Sanirats-Hof-Commiffions-Decrets vom 7. July ,83>, Z. ssSy und ssbo angeordnet wurde, gänzlich geschlossen, und an demselben die nöthigen Contumaz-Anstalten und Rastelle errichtet worden. Von dieser Zeit an wurden selbst die Provenienten aus Inner-Österreich, wenn sie nicht dringende Geschäfte hatten, zurückgewiesen, theils um die Controlle für die Ankommenden bey den Linien Wiens zu erleichtern, theils um die Bevölkerung, da die Zufuhr an Lebensmitteln immer abnahm, nicht zu vermehren; selbst die Bewohner der Umgebung Wiens wurden aufgefordert, zur Erleichterung des Aufsichts-Geschäftes, sich mit Certificaten für ihre Person zu versehen. Auch war man auf die geeigneten Mittel bedacht, daß durch die Cholera, so sehr sie gefürchtet wurde. durchaus keine Stockung in irgend einen. Zweige der Staats- VerwaltUng entstehe; daher mit dem Central-Hof-Com- missions-Decrete vom 3>. August>83, jene VorsichtS- Maßregeln, welche im Falle des Eindringens der Cholera in die k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien und in die Provinz Nieder-Osterreich, überhaupt in Bezug auf die Fortführung der öffentlichen Geschäfte mit der nöthigen Verwahrung des Amcs-Personals vor Ansteckung zu beobachten seyn dürften, und insbesondere die Verhaltungsregel» für öffentliche Cassen bekannt gegeben worden sind. Um die Gemüther auf jede mögliche Art zu beruhigen, ist mit der allerhöchsten Entschließung vom i>. August >83, der Antrag genehmiget worden, durch die öffentlichen Blatter zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, daß Weberin dem Falle, wenn in Wien die Cholera ausbrechen sollte, die Stadt von dem flachen Lande, noch wenn auf dem flachen Lande Symptome dieser Kramkheit hervorkommen sollten, das st-che Land von der Stadt abgesperrt, sondern der wechselseitige Verkehr fortan offen bleiben wird. Da bis zum>5. August>83, die Cholera-Epidemie dem Sanitäts-Cordon des Landes Oesterreich unter der EnnS sich nicht nur genähert, sondern denselben schon zum Theile überschritten hatte, so wurde mit Centr. Sanikäts-Hoscom- mifsions-Decret vom>5. August>63, das Skandrecht am Cordone angeordnet, in Folge dieses Decretes gehörig kund gemacht, und den dießfallsigen Strafgesetzen durch Affigirung und Verlesung von den Kanzeln die möglichste Publicität verschafft. Nach der Schließung des Sanitäts-Cordons ist dre Contumaz-Zeit für die Provenienten aus Ungarn folgendermaßen bestimmt worden: >. Personen und Effecten aus Comitaten und Distric- ten, welche als gefährlich bezeichnet waren, einer zwan- zigtägigen; Waaren aber, mit Rücksicht auf ihre Beschaffenheit, selbst einer zwey und vierzigtägigen Contumaz-Periode zu unterwerfen. Die für Waaren bestimmte Contumaz-Zerr von 42 Tagen ist jedoch mit Hofkanzley-Decret vom 21. September ,83,, Z. 8207 abgeändert, und das deßhalb in Vorschlag gebrachte eine größere Bürgschaft gewährende Reinigungs-Bersahren in Anwendung gebracht worden, welches in dem neuen Entwürfe zu einer Pestpolizey-Ordnung I. Hauptstück 3. Abschnitt enthalten war. SLÜ—- s. Die aus verdächtigen Comitaten und Distrikten kommenden Personen, Waaren und Effecten zu einer zehntägigen Contumaz zu verpflichten, endlich 3. Personen, Waaren und Effecten, welche auS den, als gesund bezeichneten Comitaten, dann aus Kroatien und Slavonien kamen, an der deutschen Gränze gegen legale Sanitäts-Paffe contumazfrey ein« zulassen. Als sich aber am rff. und rZ. July»83i in der königl. Freystadt Pesth, Sterbefälle mit Cholera ähnlichen Symptomen ergaben, so wurde verordnet, daß gegen Sanitäts- Pässe weder Personen noch Waaren und Effecte» contumazfrey über die deutsche Gränze gelassen werden, daß sonach auch die bisher als gesund behandelten Comitate, dann Kroatien und Slavonien, als verdächtig anzusehen und nach der für die 2. Classe festgesetzten Contumaz- Periode, nähmlich mit einer-atägigen Contumaz- Prüfung zu behandeln seyen. Weil jedoch mit der 10 und 20 tägigen Contumaz-Pe- riode die Reinigung der Körner, Früchte, Gemüse und anderer derley Approvisionirungs-Artikel verbunden war, so wurden an den Embruchs-Stationen wo die Rastelle bereits hergestellt waren, der Ort, der Tag und die Stunde, wo der Rastell-Handel unter Aufsicht eines CordonS-Offiziers, eines Sanitäcs-Jndividuums und eines Zollbeamten Statt haben werde, mittelst einer amtlichen Kundmachung zur öffentlichen Kenntniß gebracht. AlS hierauf am 20. July i83» auch diesseits deS rechten Donau-Ufers in Ungarn, nahmentlich zu Ofen, zu Radvany und auf der Insel Schütt, choleraverdächttge ErkrankungS-und Sterbefälle zur Kenntniß kamen, über- dieß mehrere Studenten aus Pesth, bey den eingetretenen Ferien, sich in verschiedene Comitate zerstreuten, und man hiedurch die Gefahr der Cholera- Übertragung in die deutschen Provinzen vergrößert glaubte; wurde mit Cen- tral-Sanitäts-Hofcommifflons-Decrec vom 2,3. July>83», Z. 842 angeordnet, an sämmtlichen Contumazen längs dem SanitätS-Cordon der k. k. Staaten, gegen alle aus Ungarn kommenden Personen, Waaren und Effecten die 20 tägigs Contumaz-Periodezu beginnen. Die Contumaz-Directionen wurden mit dem Central- Sanitats-Hofcommiffions-Decrete von, b. August ,83>, 229" A. 1374 verpflichtet, von 8 zu 6 Tagen Rapporte über die in Contumaz befindlichen Personen, Waaren und Effecten, mit genauer Angabe der wichtigen Ereignisse und Vorfalle, der Provinzial- Sanitäts-Commissivn vorzulegen. Ungeachtet dieser so strengen Maßregeln, mit welchen man gegen die Contagiosität der Cholera, welche damahls noch allgemein angenommen wurde, auszureichen hoffte, haben sich dennoch gegen Ende des Monaths August»83» in der Gegend deS Leythafluffes zu Gerhaus, Hollern und Bachfurth, und später in der Residenz mehrere Cholerafalle ereignet; es war somit der Cordon von jener allgemein gefurchteren Seuche überschritten, jede Hoffnuirg sie fernerhin aufzuhalten gescheitert, und man wartete mit Angst auf das baldige Erscheinen des gefürchteten Feindes. Der ungünstige Erfolg erschütterte einigermaßen den Glauben an die Zweckmäßigkeit der Cordons und strengen Absperrungen, und es wurde in Folge eines an dem Hrn. Rsgierungs-Präsidenten erlassenen allerhöchsten Handbillets vom>7. September»63» die Contumaz-Zsit an dem Cordon gegen Ungarn von 20 auf roTage herabgesetzt, welche Contumaz-Zeit später, und zwar in Folge eines allerhöchsten CabinetschreibenS vom 1. October und Hofkanzley- Decrets vom 20. October ,g3i auf 5 Tags bestimmt wurde. Gleichzeitig und zwar in Folge allerhöchster Entschließung vom 3o. Septbr. und Hofkanzley-Decrct vom 1. Oct.>83l, Z. 3533 ist das standrechtliche Verfahren an den Gränz- Cordonen, und die Todesstrafe gegen Cordons-Übertreter aufgehoben und angeordnet worden, die Bestrafung dieser Verbrecher dem ordentlichen Cnminalgerichte nach den bestehenden Gesetzen zuzuweisen. Aber auch nach Aufhebung des Skandrechtes, mußten die Cordons-Ubertretcr»och mit allem Fleiße erforscht, und der strafgerichtlichen Amtshandlung unterzogen werden. Am 2. October i83r haben Se. Majestät laut Hof- kanzley-Decket von demselben Tage, Zahl 8673 anzuordnen geruhet, daß der Cordon von der preußisch-schlesi- schen Gränze an, bis an die Donau bey Theben, sogleich aufgelassen werde An seine Stelle hatte ein durch Militär verstärkter Polizey-Cordon zu treten, welcher an der Gränze GalizienS, zwischen den deutschen Provinzen und dem Königreiche 2Z0— Ungarn aber an den. gewöhnlichen Mauth-Cordon zu bestehen hatte. Durch die>en Polizey- Cordon sollte der Verkehr zwischen den einzelnen Provinzen nicht beirret oder erschwert, sondern bloß die genaueste Handhabung der Paß-Polizey- und Gefällsvorschriften erzielet werden.(Hofkanzley-Decret vorn ,6. October i83», Z. 8922.) Um einige Tage später und zwar mit allerhöchster Entschließung vom 4. October i83i, Hofkanzley-Decret vom 5. desselben Monaths Z. 363i wurde in dem Innern der k. k. Staate» das Pest-Reglement in Bezug auf die Cholera-Angelegenheiten außer Wirksamkeit gesetzt, hievon das sämmtliche Sanitäts-Personale unterm 7. November 18Z1, Z. 40g, in die Kenntniß gesetzt und angeordnet, daß sich rücksichtlich der Cholera nach den für epidemische und ansteckende Krankheiten bestehenden Vorschriften zu benehmen sey. Hiernach mußten auch alle aus diesem Reglement abgeleiteten oder hierauf gegründeten Anstalten und Einrichtungen an der Gränze aufgelassen werden. In Folge dieser allerhöchsten Anordnung ist der Mili- tär-Sanitäts-Cordon an der ungarischen Gränze längs des V. U. M. B. am ab. October»83,, und unter gleichen Modalitäten auch der nied. öfter, ungarische Sanitäts-Cordon im V. u. W. W. in Folge Hofkanzley-Decrets vom 4. Oktober»83«, Z. A622 aufgelassen worden. Um endlich allen jenen Übeln, welche der SanitätsCordon in seinem Gefolge hatte, wo möglich mit einem Mahle abzuhelfen, haben Se. k. k. Majestät für das Wohl Ihrer getreuesten Völker väterlich besorgt, unterm 10. October ,83i ein denkwürdiges, von tiefer Weisheit zeugendes allerhöchstes Handbillet an den Hrn. Obersten Kanzler erlassen, durch welches eine richtigere/aus den bisher theuer erkauften Erfahrungen abgeleitete Ansicht über die Natur und die nähere Beschaffenheit der epidemischen Brechruhr, allgemein verbreitet wurde. Als die epidemische Brechruhr in die k. k. Staaten einzudringen drohte, war die Natur, so wie die Entstehungs- und Verbreitunqsweise dieser Krankheit zweifelhaft. Vorsicht und Klugheit, so wie die Vorsorge für das Wohl der Unterthanen gebothen alle jene Maßregeln^, zu ergreife», welche sich durch frühere vieljährige Erfahrung gegen die gefährlichste aller ansteckenden Krankheiten bewahrt hat- tett, und eS wurde» sonach die Vorschriften des Pest-Reglements in Wirksamkeit gesetzt. Allein ungeachtet der Handhabung dieser Vorschriften, drang die Seuche unaufhaltsam weiter vor, und die hierauf gegründeten Verfügungen und Anstalten hatte» Nachtheile un Gefolge, die sich weit unheilbringender, als selbst die durch die Krankheit herbeigeführten Drangsale zeigten. Sie verbreiteten Furcht und Schrecken und beengten die Gemüther. Insbesondere gefährdeten die Sperren den Gesundheitszustand in den abgesperrten Orten, gaben die Hiebey verwendeten Truppen häufigen Erkrankungen Preis und beförderten jene Krankheit, vor der sie schützen sollten. Die Furcht vor der Ansteckungsgefahr, welche alle diese Maßregeln hervorrief und nährte, raubte vielen Kranken die nöthige Wartung und Pflege, den wechselseitigen Beystand und die rettende Hülfe; endlich beeinträchtigten diese Maßregeln den Handel und den Verkehr so wie den Gswerbsfleifi, untergruben den Wohlstand der Einzelnen und entzogen Tausenden den bisherigen Erwerb. Auf diese Erfahrungen gestützt, haben Se. k. k. Majestät zu bestimmen befunden, die zwischen den inländischen Nachbarstaaten bestehenden Sanitaks- Cordons aufzulassen; nur längs der Gränze jener löblichen Provinzen der Monarchie, deren Absatz und Handel im unmittelbaren Verkehre mit den benachbarten italienischen Staaten und mit den ausländischen Seehäfen steht, fanden Se. Majestät vor der Hand die Aufstellung eines Sa»i- täts-Cordons zu genehmigen, und zwar bloß wegen der besonderen Verhältnisse und Rücksichten auf den Seehandel, und auf die in den italienischen Nachbarstaaten bis zu der Zeit noch herrschenden Meinungen und Besorgnisse in Bezug auf die Natur und Verbreitungsweise der epidemischen Brechruhr. Aus eben jenen Gründen fanden Sich Se. k. k. Majestät bestimmt, den Finanz-Cordon diesseits Triest, so wie jenen des übrigen Freygebiethes, des Küstenlandes und DalmatienS, als Sanitäcs-Cordon organisicen zu lassen. Um jedoch dem Verkehre jede nur mögliche Erleichterung zuzuwenden, wurde die Contumaz-Zeit für Reisende und für Waaren an allen Sperrpuncts» gegen das Ausland sowohl, als an denjenigen inländischen Cordonen welche zu der Zeit noch nicht aufgelassen waren, auf 5 Tage herab- — sZs— d.-K»».»l-„d, d-, H-«d.«f ,o x./, Da Se. k. k. Majestät in dem vorerwähnten allerböch- sten Handb.llet zu befehlen gerührten, daß st» rAchK Ki-a777^ anderen epidemisch-ansteckenden K ankhe-ten zu benehmen sey, so wurden auch alle für d/! habendes aufgestellten wie-mmer Nahmen habenden Comm.siionen aufgehoben, und dieses Geschäft an die fur Santtats- und Saniräts-polizeyliche Zwecke obne hm aufgestellten Organe und Behbrdenk ww be an2r7n Es idemien übertragen. In Folge dieser allerhöchsten Willens- Meinung wurden die Acten der Commissionen, die Requisiten 5c gegen jenes Königreich gezogene Poreich t^7° 77'^°bn-militärische Verstärkung hin- d» Mil tä7t 7^'"'^'^arkung des Zoll-Cordons verwenr im V I'""""» V- U. M. B. am.b., und m V. u. W. W. am ssi. November i83> abberufen wor- 'talien.sch-küstenländ.schen Cor- verschwunden^' Militär-Saniräts-Cordons gänzlich nitäts^.7 lyrolisch-küstenländisch-venezianischen Sa- 7 Map L Folge Hofkanzley'-D^ets vom /. May Es, Z 7204 einige Mod-ficationen voraenom- men, und jene Erfordernisse allgemein bekannt gemacht Mit welchen reisende Personen und Waaren versehen s^n mußten, damit sieden Cordon paffiren können.^^ fönen n.'7k7"ärmlich festgesetzt, daß alle reisenden Per. 77 7^ ander Linie des Sanitäs-Cordons anlangten, doch aber mir ei- dos n 77 seyn muyten, woraus ersichtlich war, daß st"7 S-sunden Provinz kamen" oder Laß sie sich wenigstens fünf Tage in gesunden Provinzen aufgehalten haben; in welchen beyden Fällen sie ohne Anstand den Cordon paffiren konnten.^ mustt^n?/",,^""^kommenden giftfangenden Waaren d nselbe»"Nprungs-Certincaien versehen seyn, um auS denselben die Abstammung der Waaren entnehmen zu kön, neu. Zeigte dieses die Verfertigung derselben in einer ge» funden Provinz, oder daß selbe zwar in einer mit der Cholera behafteten Provinz erzeugt, dagegen aber seitdem einer fünftägigen Lüftung unterzogen, oder in einer gesunden Provinz überpackt, und gleichfalls durch 5 Tage gelüftet wurden, so gingen die Waaren ohne Contumaz über den Cordon. AlS Se. k. k. Majestät längs der Gränze Tyrols, des lombardisch-venezianischen Königreichs, dann der österreichischen und ungarischen Küstenländer, die Aufstellung dieses Sanitäts-Cordons anzuordnen geruhetcn, lag dieser Verfügung, wie bereits bemerkt worden, der doppelte Zweck zum Grunde: den Bewohnern dieser Länder den freyen Verkehr mit den italienischen Staaten zu sichern, und die damahls im lombardisch-venezianischen Königreiche und in ganz Italien über die Natur der Cholera herrschend gewesene Ansicht so lange zu„schonen, bis die Unhalcbarkeit derselben zur allgemeinen Überzeugung geworden seyn würde. Der ersteZweck, nähmlich die Sicherung des freyen Verkehrs, wurde ungeachtet der so eben entwickelten Erleichterung bey der Behandlung der reisenden Personen lind Waaren, an diesem Sanitäts-Cordon nicht erreicht, da mehrere italienische Sraaten die österreichischen Provenienzen, ungeachtet die Krankheit in dem größten Theile der Monarchie bereits erloschen war, noch immer mehr oder weniger strengen . Sanitäcs-Vorschrifcen unterwarfen. Dagegen hatten die zahlreichen Erfahrungen, welche seither theils in den österreichischen Staaten, theils in England und Frankreich gemacht wurden, außer Zweifel gestellt, daß die Cholera, wenn auch wirklich contagiös, doch keineswegs wie die Pest, von Mann zu Mann, und durch Waaren übertragbar, und daß Cordons und Quarantaine-Anstalten unwirksame Mittel gegen ihre Verbreitung seyen. Bey dieser Überzeugung wäre die fernere Aufrechthaltung des oben erwähnten Cordons eine wahre Vergeudung der öffentlichen Gelder und eine zwecklose Verschwendung von Kräften gewesen, welche zum Nachtheile der allgemeinen Wohlfahrt nützlichen Diensten entzogen worden waren. In dieser Betrachtung haben Se. Majestät mit der allerhöchsten Entschließung vom>i. Zuny i83s den längs der Gränze Tyrols, des lombardisch-venezianischen Königreichs, dann der österreichischen und ungarischen Küstenländer bestehenden Sa- nitats-Cordon aufzulösen geruhet, womit in der gan« —> 234— zen öster. Monarchie alles und jedes verschwand, was auf Pest und die daran klebenden Anstalten erinnerte. Allenthalben, wo die epidemische Brechruhr auf ihrem Zuge noch nicht eingedrungen war, forderte die öffentliche Meinung zur Ergreifung schützender Maßregeln nachdrücklich auf. Man wollte das Aeußerste aufbiethen, um den weiteren Fortschritten dieser Seuche einen wirksamen Damm entgegen zu setzen. Ohne dem, was anderer Orten geschah, zu trauen, und ohne die bereits mir vielen Opfern gemachten Erfahrungen zu beachten, wollte man selbst prüfen, selbst erfahren, sich selbst schützen und verwahren- Nicht ohne Interesse und zeitgemäß ist daher die Würdigung der Frage? Wie und mit welchem Erfolge bis zu der Zeit gegen das fernere Vordringen jenes Krankheitsübels angekämpft worden war? Die Lösung dieser Frage wurde zwar zu wiederholten Mahlen und schon im Anfange des Jahres i83i versucht, allein dieMeinung, die sich dießfalls erhob/ war getheilt. Die wenigen Stimmen, die die Schutzmaßregeln durch Cordone und Absperrungen als nutzlos und schädlich verwarfen, verhallten und standen vereinzelnd da, ohne Eingang zu finden. Ihnen gegenüber traten eben so viele gewichtige und gewiß auch wohlmeinende Stimmen auf, die das Gegentheil geltend zu machen bemüht waren. Diese huldigten der öffentlichen Meinung, die nach einer Schutzwehre gegen ein so verheerendes Übel sich sehnte, und schienen Hoffnung und Schutz gewährend sich auf die Erfahrungen früherer Zeiten zu stützen; indeß erstere das Wohl der leidenden Menschheit erbarmungs- und trostlos außer Acht zu lassen den Anschein hatten. Das Übel kannten jedoch nur wenige, denn nur einige hatten Gelegenheit, der von Ferne drohenden Gefahr selbst in das Auge zu blicken, und die Drangsale, die jene Seuche hervorrief, so wie den Jammer, den der Kampf gegen dieselbe herbeyführrs, aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Man überschätzte die Gefahr, so lange man aus der Ferne drohend sie erblickte, man beschäftigte sich nur mit ihr und der Möglichkeit, ihr ein kräftiges Schutzmittel entgegen zu stellen. Ob jedoch dieses vermeintliche Schutzmittel auch wirklich Schutz zu gewahren vermag, hatte man im Dränge der Gefahr und der Angst nicht hinlänglich bedacht, so wie man das Unheil, — s3S welches die Anwendung dieser Schutzmittel im Gefolge hatte, nicht gehörig zu würdigen wußte. Mittlerweile harten sich jedoch die Verhältnisse anders gestaltet, die öffentliche Meinung durch übertriebene Furcht irregeleitet, hatte eine festere, verläßlichere Grundlage gewonnen, und war der Wahrheit zugänglicher geworden. Unser Allergnädigster Kaiser, für das Wohl Seiner Völker, was diese auch mit innigstem Danke erkannten, eifrigst besorgt, ordnete gleich bey dem beunruhigenden Vordringen der epidemischen Brechruhr in Rußland, die Aufstellung eines Militär-Cordons, zum Schutze Seiner Staaten an der rufst, scheu Gränze an. Es galt dieRettung derMonarchis und ganz Europas vor den Verheerungen einer verderblichen Seuche, wie sie seit Jahrhunderten nicht in Europa aufgetreten war; erfolglos blieb aber jedes Opfer, und jedes Widerstreben, denn die Seuche brach dennoch in Galizien ein. Mit Häuser- und Orts-Cernirungen suchte man sie fest zu bannen, und in den befallenen Ortschaften zu ijoli- ren, auch dieß gelang nicht, sie schritt unaufhaltsam weiter fort. Vergebens wurden diese Maßregeln auf die bisherigen Erfahrungen und gründlichen Forschungen gestützt, als nutzlos erklärt und selbst für einige Zeit ausgegeben; die öffentliche Meinung drang laut auf die Rückkehr zu denselben. Anfangs Juny rL3i traten alle jene Vorschriften abermahls in Wirksamkeit, welche eine vieljährige Erfahrung als wohlthätig gegen die Pest bewährte. Die befallenen Wohnungen, Häuser und Orte wurden der engsten Sperre, wo sich diese nur immer ausführbar zeigte, unterzogen; wo die beuche eine weite Verbreitung fand, wurden diese Sperren allerdings unterlassen, denn es fehlte an Mitteln, sie handzuhaben. Zum Schutze der noch verschont gebliebenen westlichen Kreise Galiziens, wurde an der Wisloka ein Militär-Cordon aufgestellt, und an der Sola zur thunlichsten Sicherstellung der übrigen österreichischen Provinzen ein zweiter Militär- Cordon gebildet. Doch auch dieses neuerliche Ankämpfen erfreute sich nicht des gewünschten Erfolges, die Seuche übersprang den Cordon an der Wisloka, zwang zu dessen gänzlicher Auflassung schon im Monathe July, und drang selbst in solche Orte ein, die sich aus eigenem Antriebe gegen dieselbe abgesperrt hatten.' Gegen ein neuerliches Vordringen der Seuche, von Rußland und Pohlen aus, suchte man Galizien gleichfalls Lurch Aufstellung von Milirär-Cordonen zu schützen; bald aber äusserte sie sich auch im Rücken der letzteren, und nur der an derSola aufgekellte Cordon gab der Hoffnung, die Krank- helt ferne halten zu können, längere Zeit Raum. Sachkundigen Beobachtern konnte jedoch der Grund dieses anscheinend günstige» Ergebnisses durchaus nicht verborgen bleiben; dieser Cordon war nähmlich in der Mitte Juny, daher zu einer Zeit aufgestellt worden, wo die epidemische Echruhr noch fern von demselben ihre Verheerungen an- ZEachch^^" Gange der Krankheit und keineswegs der Wirksamkeit des Cordons war ihr bisheriges Aus- v.ciben zuzuschreiben; denn als die Zeit ihrer Heimsuchung allmahlig herangerückt war, vermochte sie auch nichts mehr aufzuhalten und sie erschien, ohne Cords,le, Sperren und Eonrumazen zu achten, unaufhaltsam sich weiter verbreitend. Langsam zog sie in und durch die westlichen Kreise, weil vielleicht die gebirgigen Gegenden derselben ihr rasches Vordringen einigermaßen aufhielten. Unter der Cordons- Mannschaft und selbst jenseits des Cordons herrschten schon Zb-t bedenkliche Krankheitsfälle, bey denen ^ Zufalle und Erscheinungen nicht ausblieben, bieder Brechruhr ganz eigenthümlich sind. So scheiterte auch die in diesen Cordon gesetzte Hoffnung. Ganz gleiche Ergebnisse biethet Ungarn dar. WaS Cov one nur immer zu leisten vermögen, wurde auch da versucht und gethan, und kein Opfer, keine Mühe, und kein Auf. wand gespart. Gleich nach dem zu Lemberg erfolgten Krank- he.tsausbruche wurde Ungarn von Gak-zien längs der ganzen ^andeogranze abgeschlossen; demungeachtet kam schon am ,3. ^uny die epidemische Brechruhr zu Tisza-Ujlak, im Ugocser daher rn einem Orte zum Vorschein, wo deren Ausbruch nrcht zu ahnen war, denn zwey Comitate, dä§ Bereyher und Marmaroscher, waren Hiebey ganz übersprungen worden. Alsogleich wurde das Marmaroscher und Ugocser Comitat vom übrigen Ungarn abgesperrt, nichtsdestoweniger drang die Krankheit mit Blitzesschnelle an der Theiß herab. Eben so wenig vermochte ein dritter Cordon/ welcher von der siebenbürgischen Gränze anzufangen/ längs derBere- tya durch das Saroffer-Comitat, dann über Waitzen/ nächst dem Granflusse gezogen wurde/ dem weiteren Fortschreiten Einhalt zu thun/ und schon am»3. July brach die Krankheit in Pesth aus. Ein vierter Cordon am rechten Donau-Ufer aufgestellt, war eben so fruchtlos. Die Cholera überschritt die Donau, und nutzlos blieben alle Bemühungen/ dieselbe abzuhalten. Auch hier und in Galizien bothen mehrere Städte und Gemeinden zu Absperrungen willig die Hand; doch schonte das Übel dieselben nicht, allenthalben brach es ein, und nirgends stand die Zahl der Kranken, mit der pünctlichere» oder lässigeren Handhabung der Absperrungen im Verhältnisse. Oesterreich unter derEnns und Mahren konnten durch Cordons- Aufstellungen eben so wenig vor der Seuche verwahret werden; trotz der strengste» Gränzsperre drang sie vor, bis die Residenz ihre Kraft und Wirkung erfuhr. Auch hier traten Sperren m Wirksamkeit, aber auch hier konnte man den weiteren Fortschritten der Krankheit durch dieselben keine Gränzen sehen, und bey deren unausgesetzter strenger Anwendung stieg die Zahl der Kranken. So gewiß eS nun war, daß die Sperren, überall wo sie angewendet wurden, das weitere Vordringen des Übels nicht zu verhindern vermochten, so gewiß war es auch, daß die Sperren überall, wo sie angewendet wurden, Drangsale im Gefolge harten und Übel hervorriefen, die der nüchterne und unbefangene Sinn des Volkes sogar verderblicher als die Krankheit selbst bezeichnete. Statt die Gemüther zu beruhigen, bewirkte die Sperre deren Aufregung, statt die Furcht und Äugst zu bannen, steigerte sie dieselben, und verbreitete sie selbst in jene Gegenden, die sich bis daher einer glücklich», und behaglichen Ruhe erfreut hatten; sie lösten die Bande des Blutes und der Freundschaft, die den Menschen an den Menschen k-tten; scheu floh das Kind die Ältern, der Mann das Weib, daS Weib den Mann und überließen den Kranken errettungs- und hülflos seinem Schicksale, mancher wurde nicht so sehr ein Opfer der Seuche, als vielmehr der sträflichen Verheimlichung und des gänzlichen Mangels ari rettender Hülfe. Die Sperren verschlossen die Absatzwege des Handels, und die Erwerbsquellen von Tausenden versieg- s33 ten; nahrungs- und erwerbkos waren sie dem drückend-' sten Loose anheimgefallen, wenn nicht öffentliche und Pri- vat-Wohltätigkeit Hülfe bringend, ins Mittel getreten wäre. Nicht wundern kann es daher, daß eben jene öffentliche Meinung, welche irre geleitet, getauscht oder schlecht unterrichtet, in den Sperren einen schützenden Rettungsanker suchte, aller Orten in welche die verderbliche Seuche drang, es immer zu allererst war, die ohne Rücksicht auf den herrschenden Zwiespalt und die einander widerstreitenden Meinungen über die eigentliche Natur und Beschaffenheit der Seuche, die Wahrheit klar ins Auge faßte, und Maßregeln als verderblich verwarf, die sie früher als schützend gepriesen hatte. II. Abschnitt. Heilung der Cholera-Kranken und Verhinderung der Weiterverbreitung der Cholera, im Falle sie in der Provinz wirklich ausbre- chen sollte. Bereits mit dem allerhöchsten Handbillet vom i3.July>83, haben Se. Majestät, um für den unglücklichen Fall des Ausbruches der Cholera eine zureichende Menge von geübten Krankenwärtern zu haben, zu genehmigen geruhst, daß die Zahl der im k. k. allgemeinen Krankenhause befindlichen Wärter und Wärterinnen auf das Doppelte vermehret werde, und es sind gleichzeitig an der Wiener-Hochschule Vorlesungen über Krankenpflege gehalten worden, um nicht nur die Hauptstadt, sondern auch das flache Land mit Krankenwärtern versehen zu können. So wie durch diese Mittel für Krankenwärter gesorgt worden ist, eben so ist, um jedermann die nöthige ärztliche Hülfe zuzuwenden, an alle in Wien und auf dem Lande in landesfurstlichen, ständischen oder städtischen Diensten stehenden Ärzte, die Bekanntmachung ergangen, daß, wenn sie sich bey der Nachricht des Ausbruches der Cholera in der Stadt oder auf dem Lande zu entfernen suchen, oder gar die Uebernahme der Behandlung von Cholera-Kranken verweigern sollten, diese Nichterfüllung ihrer Pflichten mit der Dienstesentlaffung bestraft werden wird. Diese Anordnung ist mittelst eines später erschienenen allerhöchsten Handbillets vom sS.August»831 dahin verschärft worden, daß allgemein bekannt gemacht wurde: daß es die Obliegenheit eines jeden Arztes und Wundarztes sey, welchem die Behandlung eines verdächtigen, vermeinten oder wirklichen Cholera-Kranken zufällt, diesen nach allen Regeln der Kunst, mithin auch nnt Befühlung des Pulses, mit gehöriger Untersuchung des Bauches mittelst Fingerdruck u. s. w. zu behandeln, das Zweckmäßige anzuordnen, die dem Heil- künstler zukommende Hülfe zu leisten, den Kranken, so oft eS nöthig ist, zu besuchen, und die Krankengeschichte mit genauer Bemerkung aller angewendeten Heilmittel jedesmahl aufzuzeichnen. Aerzten und Wundärzten, von welchen nachgewiesen werden konnte, einen Kranken der bezeichneten Art verlassen, aus Scheu dem Krankenbette sich nicht genähert, die vorschriftsmäßige Befühlung des Pulses und die übrige erforderliche Untersuchung und Anordnung unterlassen zu haben,war die Praxis in Folge oben citirter allerhöchsten Entschließung auf immer einzustellen, für geringere Vergehen aber eine angemessene Ahndung zu bestimmen. Da die schriftlich eingelangten Nachrichten über die Wanderung der Cholera aus Indien nach dem Innern Europas, sich dahin aussprachen, daß durch schlechte Nahrung, ungesunde Wohnungen, mangelhafte Kleidung, überhaupt kümmerliche Lebensweise herabgekommens Menschen, die häufigsten Opfer dieser Krankheit wurden, so haben Se. Majestät aus väterlicher Sorgfalt und tiefer Weisheit, in dieser Beziehung die großartigsten und zweckmäßigsten Maßregeln dadurch anzuordnen geruhet, daß mit Decret vom>6. July>83» Z.56 der k. k. Polizey-Ober- Direktion aufgetragen wurde, im Einverständnisse mit dem Wisner-Magfstrate eine förmliche Conscription der sowohl in der Stadt, als in den Vorstädten befindlichen Armen und vom Taglohne Lebenden einzuleiten, und nach vorläufiger Einvernehmung der Seelsorger und Armenväter jene bezeichnen zu lassen, welche im Falle der äußersten Noth mit Lebensmitteln, Holz oder Geld betheilet werden mußten. Allenthalben wurden daher auf Veranlassung der Sanitätsbehörden und unter persönlicher Leitung derselben, die Stuben der Armen geweißigt und gelüftet, die Hofräume gesäubert, die Canäle und Senkgruben geräumt, das Trink- waffer untersucht, die armen erwerblosen Inwohner mit — 24«— 'frischem Stroh, Holz, Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken U. s. w. versehen. Eben so wurde schon imJuly ,63i auf Eröffnung von Arbeiten fürgedacht, und bereits um diese Zeit kam unter mehreren andern auch jene großartige Maßregel in schnelle Wirksamkeit, welche in diejer erwerblosen Zeit mehreren Tausenden Arbeit brachte. Se. Majestät geruheten nähmlich ist väterlicher Fürsorge den Bau deS Eanals zu beschließen, welcher einst Wien von den mephirischen Ausdünstungen des Wienfluffes befreyen wird. Tausende von'aus den Fabriken Entlassenen und Erwerblosen aller Art, fanden bey diesem Baue Beschäftigung und Nahrung, und wurden aus dem Elende gerettet, dem sie beym Ausbruche der Seuche unterlegen wären. Für den Fall, als die Cholera wirklich in der Provinz zu»! Ausbruche kommen sollte, ist festgesetzt worden, daß derjenige, von dem sich die Ueberzeugung verschafft wird, daß er Pflege und Wartung zu Hause von seinen Angehörigen, oder seinen Dienstleuten erhalten kann, auch daselbst zu belassen, und nur Arme, Dienstborhett, Gesellen und überhaupt Menschen, die auf eine Wartung und Pflege zu Hause nicht rechnen können, oder auch solche Menschen, die die Aufnahme-selbst begehren, in die für Cholera-Kranke zu errichtenden Spitäler aufzunehmen, beziehungsweise dahin anzuweisen wären. Da Absperrungen, Isolirungen und Cernirungen, als das einzige und sicherste Mittel die Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern, dazumahl anerkannt wurden, wenn sie mit Energie und Strenge durchgeführt werden, so wurde verordnet, und von Sr. Majestät mit allerhöchstem Handbillet vom iZ.July i83, genehmiget, daß, wenn in einem einzelnen Hause in Wien die Krankheit ausbricht, dasselbe augenblicklich cernirt, der Kranke entweder aus dem Hause in das Spital geschafft, oder im Hause verpflegt werde. Im ersten Falle sollte das Haus durch die halbe, im zweyten durch die ganze Contumaz-Zeit cernirt bleiben. Starb der Kranke, so wurde, sobald der Arzt oder Wundarzt die Richtigkeit des Todes constatirt hatte, der Leichnam zur Nachtzeit, in einem geschlossenen und hiezu eigens bestimmten Leichenwagen, auf den für Cholera--Leichen bestimm- 24» ten Fnedhof, Lurch eigens dazu bestimmte, fortwährend unter Contumaz gestellte Knechte gebracht, und daselbst von eigens zu diesem Zwecke gedungenen, gleichfalls fortwährend in der Contumaz gehaltenen Todtengräbern begraben. Eine gleiche Behandlung trat auch bey den in Cholera-Spitälern Verstorbenen ein. Sollten in einer Gaffe, wo sich bereitsein abgesperrtes Haus befand, neue Erkrankungsfälle in mehreren Häusern eintreten, so mußte die ganze Gasse nach Umständen die ganze Section oder Abtheilung abgesperrt, und dabey in Bezug auf die Contumaz, dann die Verpflegung wie bey einzelnen Personen verfahren werden. Diese Absperrung ganzer Sectionen wollte man jedoch nur auf das flache Land und die Vorstädte Wi-nS, nicht aber auf die innere Stadt selbst anwenden, in welcher man sich bloß auf die Cernirung der Häuser und Gaffen beschränken sollte. Um übrigens eine leichtere Uebersicht von den Ereignissen in der Hauptstadt sowohl als auf dem flachen Lande zu haben, wurde die Stadt Wien und ihre Vorstädte in Unkerabtheilungen getheilt, und hierbey auf dem Umstand Rücksicht genommen, daß jede dieser Unterabtheilungen bey einem eintretenden Krankheitsfälle für sich isolirt und abgesperrt werden könne; jedoch war man bemüht, die bestehenden Polizeybezirks-Directionen in ihren Bezirken nicht zu verändern, weil dieses nur zu allerley Irrungen Anlaß gegeben haben würde. Es zerfielen sonach die 8 Polizeybezirks-Directionen, in welche die Vorstädte Wiens eingetheilt sind, in 28 Unterabtheilungen, und in jeder Unterabtheilung war ein Gebäude zu einem Lazarethe und ein zweytes zu einer Quasi-Caserne für die Wachmannschaft bestimmt. Jeder Unterabtheilung stand ein politischer Commissär vor, welchem für alUnfallsige Verhinderungs- und Erkrankungsfälle ein Substitut zugewiesen war. Diesen Commiffären, welche in der Person von Staatsbeamten aufgestellt waren, wurde die Leitung aller Cholera- Geschäftsgegenstände anvertraut. Damit sie aber in einer genaue» Uebersicht ihrer UnterabOeilung erhalten werden, wurde jede Unterabtheilung wieder in Sectionen von 8—,« >b — 2—- Häusern getheilt, denen jeder ei» Sections-Commissar vorgesetzt wurde. Die gewählten Lokalitäten für die Lazarethe, waren auf einen Belegraum von bo, 80 bis 100 Kranken berechnet, und da in jeder der 20 Unterabtheilungen, in welche die Vorstädte zerfielen, ein Lazareth ausge,rüttelt wurde, so war für eine Krankenzahl von s5oo Köpfen gleichzeitige Unterkunft verschafft. Um alle Unzukömmlichkeiten und Reclamationen von Seite der Parteyen zu vermeiden, wollte man Anfangs keine Privathäuser zu Lazarethen wählen, sondern zu diesem.Zwecke eigene Baraken errichten; allein in Erwägung, daß die Errichtung dieser Baraken mit nicht unbedeutenden Kosten verknüpft seyn würde, daß nebst diesen Baraken auch noch Hütten zur Unterkunft des ärztlichen und Wärter-Personals errichtet werden müßten, und endlich daß diese Baraken nicht heitzbar gemacht werden könnten, ist man von dieser Idee abgegangen und hat den Entschluß gefaßt,, auch Privathäuser zu Cholera-Lazarethen zu verwenden. Jede Unterabtheilung wurde mit der nöthigen Militär-Mannschaftversehen, damit dieselbe zu den erforderlichen Cernirungen und Absperrungen, sogleich bey der Hand sey, und in jeder Abtheilung wo keine Apotheke war, ist für die Dauer der Epidemie eine Filialapocheke errichtet worden. Die innere Stadt wurde nach den bestehenden Po- lizeybezirken in 4 Unrerabtheilungen getheilt, jeder derselben ein politischer Abtheilungs-Commiffär mir einem Sub- stituten vorgesetzt, und ein Abtheilungsarzt zugewiesen. Zur Unterbringung der Kranken in der Stadt, wollte man auf der Melker-, Biber- und Gonzagabastey hölzerne Baraken errichten; allein da diese im Winter zu kalt gewesen seyn dürften, so haben Se. Majestät mit allerhöchstem Handbillets vom i3. July>33i zu befehlen geruhet, auf andere zweckmäßige und geräumige Lokalitäten fürzudenken, in Folge welcher allerhöchsten Willensmeinung auch daS Stadtconvicts-Gebäud« und das grast. Erdödische Palais zu Lazarethen bestimmt und eingerichtet worden sind. Die Wohnungen der Commiffare und Aerzte wurden öffentlich bekannt gemacht und durch eine Tafel bezeichnet, den letzteren überdieß aufgetragen, beym Ausgehen —--- jederzeit in ihrer Wohnung zu Hintersassen, wo sie zu finden sind. —.^^'btheiluiigs-Esmmissäre, dann die Abtheilungs-und ^>pitalsärjte,so wie dleiDections-Commissäre wären milden gemessensten Instruktionen versehen. Nach dieser Instruktion war es allgemeine Pflicht der polit» Abtheilungs-Commissäre, sich eine genaue Kenntniß der ihnen zugewiesenen Abtheilung zu verschaffe», und sich mit den bestehenden Pestvorschriften genau bekannt zu machen. Insbesondere war eS die erste Pflicht derselben, für jede Seetion einen Sectrons-Eommissär zu bestimmen, und diesen aus der Classe der Bürger, die in der Sektion selbst wohnten, zu nehmen. Die Wahl der Individuen war den Eigenthümern der in der Sektion befindlichen Häuser unter Leitung der Abtheilungs-Lommiffäre überlassen, und dabey bloß dahin zu wirken, daß thätige und zur Besorgung dieses beschwerlichen Geschäftes geeignete Individuen gewäylet wurden. Die zweyte Pflicht der Abtheilungs-Commissäre war, die bereits von der k. k. Pokzey-Oberdirection zu Spitälern und Wachstuben ausgemittelten Gebäude, mit Zuziehung des für jede Abtheilung bestimmten Arztes in Hinsicht auf den Umstand zu untersuchen, daß jedes Spital 80—100 Kranke, das nöthige ärztliche und Krankenwärter-Personale, eine kleine Apotheke, einen Ausspeiser, dann eine Ausnahms- kayzley, und überhaupt alle für ein Krankenspital nöthigen Bedürfnisse aufzunehmen im Stande; ferner daß die Raum- hältigkeit des Wachhauses dem Bedürfnisse zur Absperrung der Abtheilung angemessen seyn müsse. In so lang- die Provinz N.Oe, von der Seuche nicht ergriffen war, hatte der Abtheilungs-Commiffär nicht die Verpfiichtung in seiner Abtheilung zu wohnen; es lag ihm jedoch ob, die Organisirung der ihm zugewiesenen Abtheft lung mit möglichster Beschleunigung zu Stands zubringen, die Obliegenheiten der Seetions- Commissäre genau zu überwachen, und um sich von der Pflichterfüllung der Sec- tions-Commissäre vollkommen zu überzeugen, in jeder Section täglich wenigstens Ein Haus selbst zu untersuchen, Über die bey diesen Untersuchungen entdeckten Gebrechen ib* 244 hatte er den Sections-Commissar mit Anstand zurVeranr- worrung zu ziehen, und zu einer größeren Aufmerksamkeit in Erfüllung seiner Pflichten anzuweisen. Jene Gebrechen, die von dem Abtheilungs-Commiffar selbst behoben werden konnten, mußten sogleich beseitiget, bey jenen aber, zu deren Abstellung die Mittel fehlten, die Mit- Wirkung der kompetenten Behörde angesprochen werden, welche diese ohne allen Verzug bey strengster Verantwortung zu leisten hatte. Ein besonderssAugenmerk hatte derAbtheilungs-Commissar auf die in seiner Abtheilung Erkrankten zu richten, damit im Falle bedenkliche Symptome der Brechruhr wahrgenommen wurden, diese sogleich von dem Arzte untersucht und constatirt werden konnten. Eben so hatte derAbtheilungs-Commissar dafür zu sorgen, daß die in den Häusern seiner Abtheilung erkrankten Individuen, welche aus Mangel an Mitteln zu Hause nicht verpflegt werden konnten, sogleich in das allgemeine Kran- kenhaus überbracht werden. Einverstandlich mit den Spitalsarzten, der k. k. Poli- zey-Oberdirectiom dem k. k. Kreisamte V. U. W. W. und dem Wiener-Magistrate, mußte der Abtheilungs-Commiffar mit Auffindung angemessener Plätze außer den Linien Wiens zur Errichtung von Leichenhöfen sich befassen, und die Antrage hierzu mit Berücksichtigung des Umstandes, daß der Lei- chenhof geschloffen, mir einer Wohnung für den Lodten- gräber und seine Gehülfen versehen und so gelegen seyn mußte, um leicht abgesperrt werden zu können, derStadt- Sanitäts-Commiffio» vorlegen, so wie auch für die Verstorbenen in jeder Abtheilung Aufbewahrungsorte bis zur Beerdigung ausmitteln, und endlich die Vorsorge wegen Aufstellung und Aufbewahrung der Leichenwagen und der hierzu gehörigen Knechte und Pferde treffen. Ueber die in der Abtheilung sich ergebenden Vorfalle hatte jeder Abtheilungs-Commiffar der Stadk-Sanitats-Com- miffion täglich Abends um 7 Uhr seinen Rapport zu er» statten. Den Ort und die Stunde zu bestimmen, wo und zu welcher die Sections-Commissare dem politischen Ab- theilungs-Commiffär ihre Rapporte zu erstatten hatten, blieb dem letzteren überlassen. , Für den Fall aber, daß die Provinz Oesterreich un- — sffss—' tsr der Enns selbst von der Seuche ergriffen würde, mußte die Aufsicht und Vorsorge der Abrheilungs-Commiffäre auf die ihnen zugewiesenen Abtheilungen verdovpelt werden, und es war dann für jeden Abtheilungs-Commiffär die unausgesetzte Gegenwart in seiner Abtheilung nothwendig, weß- wegen ihm auch dort eine unentgeldliche Wohnung angewiesen worden ist. Sodann war sogleich die Verfügung zu treffen, daß das zum Spirale bestimmte Gebäude geräumt, die daselbst befindlichen Parteyen in die vorläufig ausgewirtelten Wohnungen gewiesen, und das Gebäude ganz zum Spikale hergerichtet werde; auch war die Zahl der für die Abtheilung nöthigen Militärwache sogleich anzuzeigen, um jede Ab» theikung mit derselben betheilen, und in die Quasi-Ca- sernen weisen zu können. Bey dem Fortschreiten der Krankheit in den Provinzen waren die Rapporte täglich zweymahl, und zwar Früh Morgens um 8 und Abends um-7 Uhr an die Stadt-Sam- täts-C°mmissivn, in dringenden keinen Aufschub leidenden Fällen aber die Anzeige sogleich zu erstatten. Wurde endlich die Stadt Wien, oder die zugewiesene Abtheilung selbst von der Seuche ergriffen, so durfte sich der Abtheilungs-CommissärvonseinerAbrheilung unter gar keinem Verwände entfernen, und mußte die Seetions-Commiffäre anweisen, ihn von allen in ihren Sectionen sich ergebenden auf die Seuche Bezug habenden Vorfallenheiten, schnell und sicher in die Kenntniß zu setzen, um die nöthige Ab- hülfe.schleunig treffen zu können. Vorzüglich mußte er auf die in seiner Abtheilung sich zeigenden Krankheiten aufmerksam seyn, und sogleich den Abtheilungsarzt dahin abordnen, um den Stand der Krankheit zu ergründen. Hatten sich Symptome der Cholera gezeigt, so war unverzüglich die Abschließung der Wohnung, des Hauses, oder selbst der Gasse wenn es nöthig seyn sollte, zu veranstalten, wobey sich aber der Abtheiliinqs-Commissär immer gegenwärtig halten mußte, daß durch diese Abschließung zwar der Zweck, nähmlich jede Berührung des Gesunden mit den Kranken zu hindern, vollkommen erreicht, diese Absperrung jedoch nicht ohne Ursache zu sehr ausgedehnt werde. Bey den abgesperrten Häusern lag dem Abtheilungs- " L.,6— Commissär die weitere Pflicht ob, bis abgesperrten Bewoh- ner mit den nöthigen Bedürfnissen täglich, unter strenger Beobachtung der m den Pestvorschrifren enthaltenen Bestimmungen zu versehen, und dieserivegen entweder in dem Hofe des Hauses oder auf der Gasse ei» Rastest herzustellen, woselbst den Abgesperrten die nöthigen Bedürfnisse gefahrlos gereicht werden konnten. E-n-eben so strenges Augenmerk hatte der AbtheilungS- Lommissär auf das in seiner Abtheilung befindliche Spital Zu richten, und dessen Absperrung, so wie die Verlchaffunq der nöthigen Bedürfnisse mit besonderer Aufmerksamkeit zu überwachen; auch hatte er dafür zu sorgen, daß daS für das Spiral nöthige Rastest auf einem zweckmäßigen Platze aufgestellt werde.^^^ Die Erkrankte!,, die zu Hause Pflege und Wartung hatten waren dort selbst zu belassen und das Haus oder die Wohnung nur strenge abzusperren; jene aber denen zu Hause Wartung und Pflege fehlte, waren unge- laumt unter Beobachtung der nöthigen Vorsichten auf eigenen zu diesem Zwecke angeschaffte» Tragbettcn in das Spital zu überbringen. Im ersteren Falle hatte das Haus durch sss-Lage abgesperrt zu bleiben, im zweyten genügte eine Lrtagige Contumaz. Die Beerdigung der Todten mußte zur Nachtszeit und m geschlossenen Wagen, auf dem hiezu für jede Abtheilung ausgenuttelten Leichenhofe geschehen, und die Abtheilungs- Commissare hatten die nöthigen Einleitungen zu treffen, daß hierbei) mit möglichster Vorsicht verfahren, und jeder Berührung mit Gesunden möglichst begegnet werde. Hn dieser Periode, wo der Abtheilungs-Commissar von jo vielen Arbeiten in Anspruch genommen wurde, war der Rapport nur Einmahl des Tages Abends um 7 Uhr zu erstatten, und der Stand der Kranken nach einem vorgeschriebenen Formulare beyzulegen. Endlich hatte der AbtheilungS Commissar mit der Po- uzeybezirks-Direction seiner Abtheilung, dem dort befindlichen Militär-Commandanten, und vorzüglich mit den Sec- tions-Commissären als seinen nächsten Organen, in steter Verbindung zu bleiben, und alles nach seinem Ermessen anzuordnen, wodurch dem Uebel was zu bekämpfen war wirksam Einhalt gethan werden konnte. —--47— Dieß waren im Wesentlichen die Dienstobliegenheiten der Abtheilungs-Commissäre., Die Dienstobliegenheiten der Sections- Commiffärr waren im Wesentlichen folgende: Sie hatten sich eine genaue Kenntniß ihrer Section und der in derselben befindlichen Häuser und Wohnungen, dann eine genaue Uebersicht der daselbst Wohnenden zu verschaffen; ferner die in ihrer Section befindlichen Häuser und Wohnungen täglich wenigstens Einmahl und zwar um 7 Uhr manchmahl auch um 5 Uhr Morgens zu untersuchen. Bey dieser Untersuchung hatten sie ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten, ob auf der Straße, in den Häusern und Wohnungen die nöthige Reinlichkeit herrsche, ob die Wohnungen nicht mit Menschen überfüllt und überhaupt nicht sanitätswidrig sind, ob rn den Häusern keine Kranken sich befinden, ob die Bewohner nicht dem Mangel und der Nory ausgesetzt sind, ob sich in die Wohnungen keine verdächtigen Fremden eingeschlichen haben, wobey vorzüglich die Vsttgeher und After-Parteyen zu beobachten waren. Konnte der Secüons-Eommissär die entdeckten Gebrechen selbst abstellen, so hatte er es sogleich zu veranlassen; war ihm dieses nicht möglich, so mußte er die wahrgenommenen Sanitäcsgebrechen seinem Abrheilungs-Commifiar zur schleunigen Abhülfe anzeigen. Wurden in den Häusern und Wohnungen Kranke mit bedenklichen Symptomen angetroffen, so hatte der Sec- lions-Commiffär das Haus, oder wenigstens die Wohnung, in welcher sich der verdächtige Kranke befand, sogleich abzusperren, und dem Abtheilungs-Commissär und Ab- theilungsarzre die»»verweilte Anzeige zu erstatten, damit der Zustand der Erkrankten sogleich untersucht und nach Umständen das Nöthige verfügt werden konnte- In jenen Wohnungen wo ein Nothstand wahrgenommen wurde, harte der Sections Commiffär genau nachzuweisen, worin die von ihm wahrgenommene Dürftigkeit vorzüglich bestehe, und wonnt derselben am zweckmäßigsten abzuhelfen sey; ob die Armen nähmlich mit Nahrungsmitteln, Fleisch, Erdäpfeln, Mehl, Reis u. s.w., oder mit Kleidungsstücken, Betten, Stroh, Holz und Geld zu betheilsn seyen. In dieser Beziehung hatte derselbe auf freundschaftlichem Wege auf die Gemüther der übrigen wohlhabenderen Seetions-Bewohner zu wirken, und ihre Nächstenliebe zur Unterstützung der Nothleidenden in Anspruch zu nehmen. Wenn die Cholera in die Provinz Österreich unter der Enns selbst eindringen sollte, so hatte der Sections-Lom- missär die Revision der ihm zugewiesenen Section täglich sMahl,Morgens um 7 undNachmirtags um 3Uhr zu beginnen. Über den Erfolg der Respicirung hatte er täglich dem Abtheilungs-Commiffar zu rapporriren, und einen Ausweis über die Kranken in der Section dem Rapporte beyzulegen. So wie die Haupt-- und Residenzstadt Wien, eben so waren die 4 Kreise in Sanitäts-Bezirke getheilt, wovon jedem ein das volle Vertrauen des Kreisamtes genießender Oberbeamte als Sanitäts.-BezirksleitungS-Commiffär^ vorgesetzt war. Diesem Leitungs-Commissär waren alle in seinem Bezirke gelegenen Dominien und Ortschaften in dieser Beziehung untergeordnet. Der Leirungs-Commissär mußte seinen Bezirk in mehrere Abtheilungen eintheilen, und jeder Abtheilung einen obrigkeitlichen Beamten der im Bezirke gelegenen ihm zugewiesenen Dominien, oder sonst einen rechtlichen entschlossenen Mann aus dem Privatstande als Abtheilungs- Commissär vorsetzen. Diese Abtheilungs-Commissäre hatten sodann mit Zustimmung deS Leitungs-Commissärs und des beygegebenen Bezirksarztes, jede Abtheilung in kleinere Sektionen unterzutheilen, und für jede dieser Sectionen einen Sections- Tommissär zu ernenne». Als Sections-Commiffäre sollten Ortsrichter, Amtleute, Rathmänner, Geschworne, Ausschußmänner, herrschaftliche Jäger, kurz Bewohner eines Orts ernannt werden, die das Vertrauen der übrigen Mitbewohner besitzen, mit Einsicht begabt sind und den redlichen Willen haben, die zu übernehmenden Pflichten zu erfüllen. Das Haupt-Augenmerk der Kreisämter mußte vor allem auf dieErrichtung einer hinlänglichen Anzahl von Spitälern zur Unterbringung der Cholera-Kranken gerichtet werden, und es sind auch wirklich so viele Localiräten hierzu aufgebracht und durch den Wohlrhä'tigkeitssinn der Bewohner Nied.Oesterreichs mit so vielen Geräthschaften und Betten versehen worden, daß das Vorhandene den wirklichen Bedarf weit überstieg. I» dem Kreise V. u. W. W. sind nahe an 5oo Spi- — 249— täler errichtet worden; derKreis V. U. M. B. zählte deren 669, der Kreis V. O. W. W.> 27 und derKreis V. O. M. B. 128. Nach der Eintheilung der Kreise in LeirunqS Bezirke, Abtheilungen und Sektionen, sind auch den Ärzten und Wundärzten, und zwar den ersteren Bezirke, den letzteren einzelne oder auch nur eine Ortschaft zugewiesen worden. Sowohl die Bezirks- Abthsckungs-und Sections-Com- miffäre, als auch die Ärzte hatten ihre Instruktionen. Für die Sections-Commissäre, welche wie bereits bemerkt, Meistens in der Person der Orls-Vorstehsr aufgestellt waren, wurden in der Jnstruction allgemeine Bemerkungen über pestartige Krankheiten überhaupt und über die orientalische Brechruhr insbesondere vorausgeschickt, um die Begriffe dieser Classe von Menschen über diese Krankheiten zu berichtigen. Sodann wurden die Mittel, durch welche das Eindringen der Cholera und anderer pestartigen Krankheiten verhindert wird, angegeben und bedeutet, daß dieses hauptsächlich durch Absperrungen(Cordone) geschehe; ferner wurden die Maßregeln auseinandergesetzt, welche im Falle des wirklichen Ausbruches der Cholera zu beobachten sind, und den. Sections- Commifsären an das Herz gelegt, daß augenblickliche Entdeckung deS vorhandenen Uebels das erste Erfordernis; sey, um die Weiterverbreitung desselben zu hindern. Tägliche Respicirung der Häuser, genaue Beobachtung der Kranken, insbesondere der an denselben sich darstellenden Erscheinungen, war den Sections-Commissären'zur ersten Pflicht gemachrund ihnen die sich an Cholera Kranke»darstellenden Symptome bekannt gegeben. Kam ein der Cholera ähnlicher Krankheitsfall vor, so waren die Aufseher, Arzte und Familienvärer verbunden, sogleich die Anzeige bey der Ortsbehörde zu machen, welche das Haus, in dem sich der Kranke befand, ohne Verzug unter strenge Bewahrung zu stellen hatte, damit alle Vermischung mit den übrigen Einwohnern gänzlich abgeschnitten werde. Alle, die mit den verdächtigen Kranken in häufigere Berührung kamen, mußten gehalten werden, zu Hause zu bleiben, ihre Kleider und Wäsche öfters zu wechseln, die abgelegten zu durchräuchern, und ihren Körper täglich mit Essig abzumaschen. s5o Eine zweyte Pflicht der Ortsvorsteher war, die abgesonderten Familien mit den nöthigen Nahrungsmitteln zu versehen, und dem in der Zwischenzeit zur näheren Erörterung der vorgefundenen Umstände an Ort und Stelle abgesendeten obrigkeitlichen Beamten und Arzte eine genaue und gewissenhafte Auskunft zu geben. Endlich wurden den Ortsvorstehern jene Maßregeln auseinandergesetzt, welche getroffen werden mußten, um die Gesunden vor der Brechruhr zu verwahren, und welche größrentheils Lüftung der Wohnungen, Reinlichkeit" in den Häusern und auf der Gaffe zum Zwecke hatten. Eben so wurden denselben Diätfehler, Mißbrauch geistiger Getränke, Verkühlungen, unangenehme Gemüths- Effeete, vorzüglich Furcht und Angst, als die schädlichsten Einflüsse, zur Warnung des Volkes bezeichnet. Der Bezirks- Leilungg- und Abtheilungs- Commission war es zur Pflicht gemacht, sogleich nach erhaltener Anzeige des Ausbruches einer verdächtigen Krankheit, sich mit dem Arzte an den betreffenden Ort zu verfügen, die erforderlichen Vorkehrungen nach dem ärztlichen Gutachten zu treffen, und einen Bericht mit dem Gutachte» des Arztes zu erstatten. Wurde die Krankheit für verdächtig erklärt, so mußte rücksichtlich der Absperrungen dasjenige beobachtet werden, was bereits bey den Sections-Commiffären gesagt worden ist; wurde aber die in einem Orte ausgebrochene Krankheit un- dezweifelt für die Cholera erklärt, so war es Pflicht des Commiffärs, den Ort durch ringsum aufgestellte Wachen abzusperren. Allen Einwohnern der abgesperrten Ortschaft war es nun verbothen, sich der aufgestellten Cordons-Linie zu nähern oder auf heimliche Art zu entweichen, waS immer für Hab- schaflen, Geld oder Briefe über die Linie zu schaffe», und Zusammenkünfte mit den aufgestellten Wachen oder mit Auswärtigen zu pflegen. Diese Gegenstände mußten dein politischen Commiffä'r übergeben werden, welcher sie nach vorausgeschickter Räuche- rung an das Contumazhaus zur ferneren Reinigung und Beförderung an den bestimmken Ort übersandte. Wollte jemand den abgesperrten Ort verlassen, so bedurfte er hiezu nebst dem ärztlichen Zeugnisse über seine vollkommene Gesundheit auch noch eines Durchlaßzettelö. Wurden von den betreffenden Behörden Ärzte oder obrigkeitliche Personen in den abgesperrten Ort abgeschickt, so mußten sie ihre Wasche und Kleidung in der Contumaz- Anstalt wechseln, und bey der Rückkehr die hier abgelegten Kleider wieder anziehen. Zur Unterdrückung der in einem Orte ausgebrochenen Epidemie, wurde die Cernirung der Häuser/Gassen u. s. w. angeordnet, auf schnelle Entdeckung eines jeden Krankheitsfalles gedrungen und die Uberbringung des Kranken in das Spital anempfohlen wenn es ihm zu Hause an Wartung und Pflege mangelte. Das Haus, in dem der Kranke war, seine Wäsche und Kleidungsstücke, mußten gereiniget, die entleerten Stoffe in abgesonderte Gruben gegeben, mit lebendigem Kalk oder Erde überdeckt, und nach der Reinigung das Haus noch durch 4 Wochen als verdächtig'behandelt werden. Herumirrende Hunde und Katzen wurden vertilgt, kein Federvieh im Freyen geduldet, und selbst die ab, und zustie- genden Vogel durch Flintenschüsse oder andere Mittel von den gesperrten Häusern abgehalten. Das in den gesperrten Häusern unnöthige und schwer zu erhaltende Hornvieh, Schafe, Pferde, Schweine und Ziegen, mußten mehrmahls gewaschen und sodann ordentlich beschrieben und protocollirk aus eine abgesonderte Weide gebracht werden. War innerhalb der Sperrungslinie keine entsprechende Weide, so wurde das ganze überflüssige Vieh, nachdem es 6 Tage im Freyen gehalten und durch einen Fluß getrieben oder mehrmahls abgewaschen wurde, zur Con- tumaz-Anstait gebracht, und auf einer abgesonderten Weide einer benachbarten Ortschaft verpflegt. Schulen, Schenken, Gewölbe u. s. w. sollten gesperrt werden, ein gleiches galt von den Kirchen und Gotteshäusern, in denen der Gottesdienst bey geschlossenen Thü? ren gehalten werden sollte. Starb ein Kranker, so war angeordnet, daß er mit Chlorkalk-Auflösung übergössen, in einer besonderen Todten- bahre auf den Cholera-Friedhof gebracht werde; auch war das Grab durch wenigstens 5o Jahre nicht zu öffnen. Eine weitere Pflicht der politischen Commiffäre war, für die Pflege der Kranken durch Bestellung von Wärtern und Dienern zu sorgen, dann den abgesperrten Häusern und Gemeinden, die nöthigen Bedürfnisse durch den Rastsll-Ver- kehr zu verschaffen. Endlich hatte der politische Commissar»och die Pflicht, nach Aufhören der Krankheir zur Verhütung ihrer Wiederkehr dafür zu sorgen, daß die von der Cholera-Genesenen, nachdem sie am ganzen Körper mit Chlorkalk-Auflösung gewaschen und mit»üneralsauren Dämpfen durchräuchert worden sind, in besondere reine Reconvalescenten-Häuser über- brachc werden. In der Zwischenzeit wurden die Spitäler und die Wohnungen der Kranken vorschriftsmäßig gereiniget und gelüftet. Dem ärztlichen Personale war in seiner Jnstrucrion die größte Genauigkeit und Sorgfalt anempfohlen und demselben zur Pflicht gemacht, jeden Kranken täglich wenigstens 2 Mahl zu besuchen, über die Echtheit und Güte der verordneten Arzeneyen zu wachen, und für die Herbeyschaffung des nöthigen Materials für mineralische Räucherungen zu sorgen. Der Arzt war verpflichtet, ein genaues Tagebuch über sein Heil-Geschäft, über die Ab- oder Zunahme der Krankheit, über die angewendeten Heilmittel und ihren Erfolg, endlich über die Zahl der Erkrankten, Genesenen und Todten zu führen, und dasselbe periodisch der Behörde einzusenden. Alle erledigten chirurgischen Gewerbe wurden besetzt und hierzu die Candidaten selbst durch die öffentlichen Blatter aufgefordert. Wo ein Mangel an ärztlichen Individuen sich zeigte, mußte dieser dem Kreisamte angezeigt werden, und dieses hatte unter Nachweisung der Nothwendigkeit um Aushülfsärzre bey der Regierung einzuschreiten. Es wurden sodann die verlangten Aushülfsärzte von Seite der Regierung abgesendet, und denselben entweder ein ganzer Bezirk zugewiesen, oder sie wurden bey heftigem Auftreten der Epidemie in einzelnen Ortschaften verwendet. Auf- welche Art die beyden Viertel U. W. W. und U. M. B. in Beziehung auf das Heil-Geschäfc untergetheilt und welche Aushülfsärzte daselbst und wie lange sie angestellt waren, ist aus der folgenden Tabelle zu entnehmen. Tabellarisches Verzeichniß aller aus Anlaß der Cholera- Epidemie im Kreise D. U. W. W. und D. U. M. B. aufgestellten Bezirks- und Aushülfsärzte, dann der Wundärzte, so wie der ihnen zugewiesenen Ortschaften, mit Angabe der Zeit-Periode der ärztlichen Dienstleistung. SZ4 Bezirk. Rahmen der ausAnlaß derChole- ra-Epidemie aufgestellten Bezirksärzte. Wundärzte. Von denihnenzu- schasten wurden befallen. I. Bru ck. Anstatt des k. Districts- Arztes Dr. Handwerk anfänglich Dr. chlosser,Azt. im k. k. Sap- peur- Corps, dann Dr- Fd. Kropsch äus Wien. Grä nzen: Nördlich von der Donau v. Mannswörth abwärts, östlich und südl. von der ungarischen Gränze; westlich vom Trais- kirchner- und Klosterneu- burger-Be- zirke. Dr. F. Kropsch Franz Hecher K. Zehentner Jvh. Fuchs Joh. Klinische Carl Kloß Jos. Eggerth^ I. Lindemaun I. Wimmer Aug. Mittich^ Joh. Donau^ Jos. Anger^ L Jgn. Semrod st Rohrau Hollern GerhauS Bachfurth Schönabrunn Scharndorf Deutschhaslau Stadt u. Schloß Bruck Pekronell Wildungsmauer Wilsleinsdorf Sarasdorf Stixneusiedl Göhendorf Margarethen am Moos Sommerein Fischa dorf Gchranewand Moosbrunn 355 gewiesenen Ort- von der Cholera Zeit-Periode der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von b is 4. Aug.83- 5.»» 6.»» st.»» io.»» >7.»» 2?.Sep.» st.Sep. 831 ist.»» 23.Oet,» 3l.»» 211.»» 2 st.»» ist.»» Dr. Kropsch blieb vom iS. August bis 3i. Octob. i83r als Arzt, dann von da bis 1. März 1882 anstatt des Dr. Schlosser als Distriets- Arzt. S.Aug.83- iS.Nov.83i Regelsbrunn io.Sep.83r 27.»» ro.Dec.83i r6.» N Trautmannsdrf. >3. Oct.83i 13.»» >3.»» 2y.Nov.83i ab.Dec-» 2st.»» Gallbrunn 8.Nov.63i 27.Oct.» 2b.Nov.83i eü-Dec.» 25iSep.83> 20.Aug. r> i8.Sep.» ly-Oet.» 8.Dec.83i y.!)» 23.N0V.» 2i.Jan.632 i2.Nov.83i 2<).Jän. 832 Arbesthal >2.Sep.83i >8.Oct. 83i iL.Oct. 83> 3.Dec.83i 3.Dec.83i 6.Dec.83i i6.Dec.83i 3i.Dec.83i Bezirk. Nahmen heraus Anlaß der Cholera-Epidemie aufgestellten Von den ihnen zu- schaften wurden Bezirksarzte. Wundärzte. befallen. Wilhelm Hüller Edelsthal Dr. Schmidt G. Megerle Wolfsthal Johann Stau- dacher Stadt u. Schloß Hainburg P. Frohmann, Hundsheim Deutschaltenburg Jgnaz Mischke, Fr. Swedine?) Joseph Streit) JosephWimmer, Johann Donau Unterwalters ds. Joseph Anger August Schuma, Sckwadorf Kleinneusiedl Cnrd. Wiestnger Wienerherberg Anton Gvßy ! Auto» Gaup Mrkt.Schwechat — 2Z7— gewiesenen Ort- von der Cholera Zeit-Periode der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit nicht befallen. von b i s Anmerkung. Prellenkirchen 6. Spt.83>. 4-Nov. 63>. Aushülfe von Wien auf Aerarialkosten vom Aug. 831 bis 20. Feb. 83r. Lebg aHSpt. 83i i.Nov. 83>. Aushülse auf eigene Kosten der Herrschaft Wolfsthal i. Spt.63i 27.Spt.831 ^ Diese zweyWund- r ärzke sind eine Aus- l hülfe aufeigeneKo- < sten der Herrschaft «Mannersdorf vom L>7.Sept.bisb.Dec. 1183> gewesen. r4Sept.83> -4- Oct.83> iS.Ock. 83t 22.Oct.83i. Mannersdorf Hof Au Göttlesbrünn HLflein Seibersöorf Deutschbrdrsdf. Reisenberg Witterndorf S. Spt.8Z>. lö.Oet 83>. ,8.Oct.83>. 4- Nov.LZi. Pischelsdorf Ebergassing 29-Oct 831. rg Oct.83i. Zwölfaxing S. Ott. 83i- »o.Oct. 83t '5 -- ZZg_ Bezirk. Rahmen der aus Anlaß der Cholera-Epidemie aufgestellten Vvndenihnen ru- schaften wurden Bezicksärzte. Wundärzte. befallen. Philipp Hahn Altkettenhof Neukettenhof Rannersdvrf Element Dörner Ebersdorf Michael Resch Carl Lory Dr. Ployer I. G. Streng Himberg Velm ll. Kloste r- neub urg. O.v.Tassaca. Gränzen: Nördlich von der Donau mitEinschluß Manns,vörth bis zur Gränze des D O. W.W.; östlich längs der Linie von Ran- nersdorf. Südlich von der nördlichen Gränze des Trais- kirchner Bezirkes; westlich von der Gränze des D. O.W.W. bis zumHoch- barz-Kogsl. Dr. edl. v. Tas- sara Johann Ai- chinger Stadt Kloster- neuburg Unterkritzendorf Peter Schein- ler Fidl. Wetzet Joseph Wanderer Nußdvrf Franz Kühn Heiligenstadt Urban Pein- tinger Reustist Jos-Scuopna- witsch Unkerdöbling — 2Ül)— gewiesenen Ort- von der Cholera Zeit-Periode der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. v o w bis Albern 8. Ort. 83>. st.»» b.»» r.Nov.83>. 8. Oct.» S. Rov.» Alle diese einge- schlossenenOrtschaf- ten sind aus dem Klosterneuburger- Bezirke des Dr.von Tassara, wohin sie sonst gehören, herüber gezogen worden. 17.SPÜ 83i 2r.Oct.8L1. Mannswörth Dirntlhof Simmering Kledering Pellendorf Rauchsnwarth Grametneustedel -8.Qct.83,. 5.»» rst.Oct.83i. rS.Nov.83i Oberkrißendorf lo.Ock, 83, S. n» rr.Oct. 83- 7>Jän. 83r. Höflein Weidling Kierling Kahlenberger- dörfl -8.Oct.83i. 7. Jan. 83r. Josephsdorf Leopoldsberg -9.Nov.83i 7. Jän.83r. Salmannsdorf -S.Oct.83i. 7. Jan. 83r. Oberdöbling -8.Oct.83i. 7. Jän. 83r. »ks— Bezirk. Nahmen der aus Anlaß der Cholera-Epidemie aufgestellten Von den ihnen zu- schaften wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Ferd. Groß Aug. Mathes Karl Bier- schenk Joseph Erla- cher Wäßring SalomonPol- lack, Spital- arzt Weinhaus Johann Knoth Gerson Czer- kowiß, Spitalarzt . Herrn als Franz Vier- ecker Dornbach Gersthof Dr. edl.v.Meyer Carl Klaus, Spilalarzt Fünfhaus Sschshaus gewiesenen Ort- von der Cholera Zeit-Perrooe ver Dienjt- leistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von b is Grinzing Kobenzel Krapfenwaldel Ober- und Un- sievering Ottagrün a^.Spt. 83, 27.Dec.83> Der Spitalarzt zu Währung war eine Aushülse auf Aera- rialkosten vom 20. Sept. 83r. bis 3>. Oct. 83>. ,7. Qet.83» 8. Nvv. 83. >-Dec. 83i. >. Feb.83,. Der Spitalarzt zu Herrnals war zur Aushülse auf Aera- rialkosten vom 2,. Sept. bis 3i.Oct. 83>. Pohleinsdorf Neuwaldegg l8.Oet.83r >6.Nov.83i -I.Oct. 83> 7. Oct. 83>. ey.Spt. 83i .S.Fbr.832. 5. Jan. 83a. Der Spitalarzt war zur Aushülfe auf Aerarialko- sten und blieb vom 20. Ort. 63r bis Febr. 63,. — Bezirk. Nahmen der ansAnlaß derChole- ra-Epidemie aufgestellten Vondenihnenzu- schaften wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Dr.edl. v.Meyer Carl Klaus, Spitalarzt Braunhirschen Nustendorf Thom-Winalk Reindorf Ant. Tschangl Unkermeidling Franz Haber Gaudenzdorf Jos. Schrank! Hitzing Johann Kaiser Penzing August Hoch- äpfel Ant. Schrank! Ddkt. Schmid Franz Vaux Dr. Müller Dr. Bernk Mauerbach k.k.Dersorgungs- Haus — s63— gewiesenen Ork- von der Cholera Zeit-Periode der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung.» nicht befallen. von bis a-s.Sep.83i >4- Oet- 83> 3.Mz. 83- ao-Dec. 83, Dr. ELl. v. Mayer I wurde außer diesen Bezirk häufig in andere benachbarte Orte sowohl desKloster- neuburger- als auch des Traiskirchner- I Bezirkes weg. Man-« gelber Aerzte in den I Ortschaften, und we- 8 gen allzuweiter Enr- I sernung desKreis- u.» Districts-Arztes ab- I gesendet. io. Ort. 83, 5. Mz.83, 2.Oct.V3i 4-Jän-832 >-.Oct. 83, 3. Mz.83a >b.Sep.83l ib.Sep.83, >7-Sep.83i i7-Sep.83, Laab, Hacking, Lainz Obermeidling Ober- u. Unter- St. Veit Roser.becg Hadersdorf Mariabrunn Steinbach Hainbach Heimbuch Weidlingau Er war als Aushülfe von Wien auf Acrarialkosten vom aH Oct. 83, bis 19. Dec.83>. 23.Sep.83, r-.Nvv.83, Dr. Bernt kam zur Aushülse nachAuflö- sung des Brucker- Conkumaz- Spitals nach Mauerbach, und blieb vom 29. Oct-83, bis>4-November 83,. — 2t>4—- Bezirk. Rahmen der ausAnlaß derChvle- ra-Epidemie aufgestellten Von denihnenzu- schaften wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Franz Bayer Sebastian Op- penauer Baumgarten Dr.Kargl, Sieg- hartskirchner- Distrirks-Arzt imB.O-W.W. Bona, hinter Purkersdorf III. Trais- k i r ch e n. Kreisarzt Dr. Sartori. Gränzen: Nördlich von Hochharts- Kogel längsd. Hengstberges inc.Hochrotherd, vonGieß- hübel m- Einschluß Brei- tenfurt; von da längs der Straße mit Einschl. Kalk- spurg, Liesing disAhgersdrf, von da durch den Liesing- bach mit Einschluß Steinhof. Jnzers- dorf, Laa, Kledering bis zur Ausmün- dung der Liest ng in dem Schwechat- bach. Dr. Sartori v.Nauschenfels Jnzersdorf u. Ziegelöfen Neusteinhof Jos- Grillen- berger Brunn am Gebirge Enzersdorf Anton Haug Altmannsdorf Franz Schwelle,: Mauer Johann Sugg Johann Em- mel Anton Kahl Joh. Daniel Johann Kop- penzcller Unterlaa Obeclaa Anton Bayer Neudorf 2b5 gewiesenen Ort- von der Cholera Zeit-Periode oer Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von b i s Hütteldorf Purkersdorf Gablih i6.Dec.83, 2o.Jan.83L iy.Nvv.83i iy.Nov.83, Ly.Spt.83, aü.Jän.832 23.^)>ct. 83i 4. Mz. 832 S.Nov.83, S.Nov.83, 3i.Dee.83i 24-Dec.83i Hehendorf a.Oct. 83, r.Oct. 83, Sxeising a6.Dec.83, n.Feb. 83a Erlaa Atzgersdors Liestng Kalkenleutgeben Sulz Gcoberau Pertholdsdvrf Rodaun Kalchspurg Breitenfurth Rothneusiedl ,8.Oct 83, i3.Nov.83, i8.Qck. 83, i3.Rov.83> 22. Oct.83, 22.Oct.83 i »9 — Mb— Bezirk. Nahmen der ausAnlaß derChole- ra-Epidcmie aufgestellten Dondenihncnzu» schaften wurden Bezicksärzte. Wundärzte. befallen. Östlich.- Aufwärts des Schwechatba- ches mit Ein- schl.Nanners- dorf, Lanzen- vorf. bis zur Himberger-, Odenburger- straßs, dann längs derselben bis Wam- persdorf, mit Ausschluß der nächst dieser Straße gelegenen Orte. Südlich: Don der nördlichen Gränze des Ncustäd- ter- Bezirkes. Westlich: Von der Gränze der V.O. W.W. Dr. Zhuber Fr. Meißner Laxenburg Georg Brand Franz Rvsatzin Leopolösdvrf Joh. Libersky Achau Carl Bartels Biedecmanns- docf Joseph Küffel i Gnnkramsdorf MathiasPetri Mlnkendorf Dr.Kuchenbecker Alödling J.Grünberger Provis-Knafel Jakob Kraus Dr.Sevignani Ant. Schäffer B- Schönwei- ler M. Gammer sb^— gewiesenen Ort- von der Cholera Zeit-Periode der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von bis 27.Sep.8S1 2y.Nov.83i Vösendorf Hennecsdorf Siebenhirten Schellenhof Qberlanzendorf Marialanzendf. Unterlanzendorf -8.Rov.8Si >7-Jän-832 3o.Sep.83i 2i.Nov.83i i3.Oct.83i st.Fsb. 832 lo-Oct- 83i ö.Nov.83i i5.Nvv.83i la.Dec. 83i i8.Nov.83> 2i.Dec.83i Gießhübel Klausen Vorder-und Hin- terbrühl Sparbach Weißenbach Siegenfeld Gaaden Sittendorf Heiligenkreuz Alland Reisenmarkt Klaus. Leopolds- dvrf Bezirk. Rahmen der ansAnlaß derChole- ra-Epidemie aufgestellten Vvndenihnenzu- schasten wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Dr. Rollet Gottf. Endrss Traiskirchen Fried. Pfisterer Gainfahrn Braiten Kottingbrunn Anton Bayer Möllersdorf Dr. Beck, k. k. Sanitätsrath Stadt Baaden Franz Jakobi Oberwaltersdorf L. Strohhofer Theesdorf And. Wetzel Wienecsdorf Pfaffstätten Franz Petri Jos. Krammer Wenz. Philipp Dr. Frz. Hölzer >1 Mich. Kaiser Fahrafeld AloiS Mäuse -- sby— gewiesenen Ort- von der Cholera Zeil-Peciove 0er Dienjl- leistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von b i S Weickersdorf Leesdorf Sooß Vvslaus 28. Oct.83i 8. Nvv. 83, Großau Gutienbrunn Helena Dörfel Rauch enstein 24.Nov.83i So.Oct. 83, rö.Oct. 83i 3-.Dec.83, »>>» 26.Nov.83, 2g.Oct.83, 28.Ock.83, itt.Oet. 83, 4.Nov.83> Oynhausen iy.Nov-83, 23.Dec.83l Ginselsdorf Tattendorf ag.Spt. 83, ,6-Oct. 83, Tribuswinkel Thalern ^ b.Oct.83, ,7-Spt- 83, b.Oct. 63, ,S.Oct. 83, Trumau Gumpoldskir ch. Ebreichsdorf Weigelsdorf Neuhaus Weißenbach Furth S-Nov.83, 24.Nov.83, St. Veit an der Triesting Oberberndorf L70 Bezirk. Nahmen-der aus Anlaß der Cholera-Epidemie aufgestellten Dondenihnenzu- schaften wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Ios. Slawisch IV Piesting. Districksarzt Dr. Locht. Gränzen: Rördl- v. der Straße von Dornan vom Orte Hafnerberg. Fahra- feld, Potten- stein, Hirten- berg, mltEin- I sckluß von I Weißenbach I and Bernds.. I da von der Tricsting bis zumCanalbey Schön., dann einer geraden Linie b.Wam- persdorf mit Einschluß von Ebenfurth u. Wampersdrf. Ölilich von der ungarisch. Gränze mit Einschluß von Lanzenkirchn. Südlich vom Dr. Weiß Pottcndorf WeigelSdvrf Jvh. Eggerth Ebenfurth Siegersdorf Franz Aichl Schvnaii Enzesfeld Dr. Iberer Neustadt Nadelburg Dr. C.Kackinger Lanzenkirchen J.Wurzinger Oberpeusching F.Butterweck, au§g.Feldarzt Breikenau Flor. Müller - gewiesenen Ort- von der Cholera Zeit-Periode der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von b i s Unterberndorf Pottenstein Altenmarkt Kleinmariazell Kegelberg Hafnerberg St. Corona Nöstach Salzbach s.Oet.uz, -2.Nov.83r r 2°»» Eggendorf Zillingdorf >5.Dec.83> ig.Oet.» i8-Dec. 83> 17.N0».» Leobersdorf Mahendorf /j.Nov.83. 6.Dec.>- 3.Dec. 83» 6»» v 7.N0V.83» r.»» l8.Nov.83i rü.Dec.» Frohsdorf Katzelsdorf 2S.Nov.83i 27.Nvv.83> Neunkirchen St. Lorenz 2/s.Oct. 83, i3.Rov.8Z> 23.Jan. 83a >6. Feb.63r Piesting Hvrnstein Wopffng Wallegg Von nun an ist keines der nachstehenden Orte mehr von der Cholera befallen 2^2 l Bezirk. Nahmen der aus Anlaß der Cholera-Epidemie aufgestellten Von den ihnen zu- schaften wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Schwarzaba- ches bis incl. Neunkirchen, ».von derstey- ermärktschen Straße.Westlich von den Gränzen der L-teyermark und desV. O. W. W. Jos. Frühholz Joh. Groß Franz Obenauer And. Leidel Joh. Großmann Johann Utz Carl Hvpfner Jos. Schucklitsch Ant. Mayerhold Jos. Huber 2-3— gewiesenen Ort- von der Cholera Zeil-Periove der Dienstleistung wahrend der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von b i s Pernitz Schenchenstein Waidmannsfeld Gutenstein Klvsterthal — — worden; es werden I daher in der nächst- z folgenden Darste!- Z lung der Zutheilung> der Ortschaften an Z die Ärzte und Wund- I ärzte nur die Pfarr- dörf»'r und größer» Orte genannt und hier bemerkt, daß bey der Zuweisung^ desPfarrdorsos auch! zugleich die dazu ae-« hörigen eingepfarr- S ten kleineren Orte» dem betrestendenArz- Z te und Wundärzte 8 zugewiesen worden 8 seyen. Es erhellet Z aber auch aus dieser Z Übersicht, wie uner- V läßlich nothwendig» auch die Absenduna z von Heilärzten in 8 diese Gebirgsgegend Z gewesen wäre, wenn z das Uebel sich dahin Z verbreitet hätte. I I Schwarzenau Naßwald Rohr — — Sollenau — Theresienseld Wvllersdorf Steinabrückl — Lichtenwörth — — Wampersdorf — Schwarzau Gloggnitz Prüglitz Pottschach — — Reichenau Payerbach Prein — — St. Johann Puchberg - — ry 274 Bezirk. Nahmen der ausAnlaß derChole- ra-Epidemie aufgestellten Von denihnenzu- schaftsn wurden BezirksLrzte. Wundärzte. befallen. Wilh. Geller Anton Jeschke M. Mühlbeck Domin- Kaibl v°. Aspang. ^ Gränzen: I Nördlich von ! der Gränze Ides Neustäd- ter-Bezirkes. Gestlich, südl. undwestl. von der Landesgränze. Dr.Folwarczn», k. k. DistrictS- Arzt Jos. Bauer F Butterweck, ausg. Feldarzt Frz.Namiesky D. Steinin- ger Jos.Wölzer 276— gewisfenen Ort- von der Cholera Zeit-Periode der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von bis Gerasdorf St. Aeqyd Würflach Rothengrub — — Säubersdvrf Weikersdorf Winzendorf — — Fischau Meyersdorf Brunn Muthmannsdorf Dreystetten — — Grillenbera — — Schwarzenbach Hochwolkersdorf - — Vssbenstein Tcheiblingkirchn. Gleißenfeld Reiters berg Wart Walpersbach Leiding Schleinz Jzenhvf Klingensurth — — Schlag Grub Bromberg Thernberg — — Peterbaumgart. Edlitz Wismath Lichtenegg Hollenthonj — — Krumbach Schönau — " »7Ü Bezirk. Nahmen der aus Anlaß der Cholera-Epidemie aufgestellten Vvndenihnenzu- schaften wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Joh. Müller Dr. Knaffel Carl'Werney Math. Hummel V. U. Korneukurg. Dr. Gütl. » Haas und Dautwitz Ferd. Apfel Korneuburg Dr. Gütl und » Feiner Jos. Hofbauer Enzersfeld Dr. Gütl Fd.Dammköhlcr Treesdorf Müller u. Brunnen Hagenbrunn Dr. Avee Joseph Steidl Skammersdorf Dr. Gütl Joseph Wenko Langenzersdors Dr. Chyr. Dieß Jos. Steinhäuser Schmida Dr. Gütl und » Holzgärtner Joseph Pach^ Unterzögersdorf — 277— gewiesenen Ort- von der Cholera Zeir-Periode 0er Dienstleistung während der Dauer der Krankheit .! nicht befallen. von bis Anmerkung. Gscheid Hochueukircheu Kirchschlag — — Aspaug Neuwald Mvnichkirchen — — Feistrib Skeyersberg Kirchberg Kranickderg Hasbach Kirchau Peng Rasch — — Wartenstein Klamm Schottwien — — M. B. L3.Spt.6Si 8.Oct. 63. 17.Sep.8I1 rh-Oct. 83i 24.Sep.83> r7.Sep.63> 2/,.Sep.83> 2Z.Sep.83i ü.Oct. 83> > o.Oct. 83> >6.Qct 83> sv.Oct. 83> 2S.Oct.83> 28.Oct.83i ist.Oct.83i 26.Dce.83i —- 27b— Bezirk. Rahmen der ausAnlaß derChvle- ra-Epidemie aufgestellten Dondenihnen zuschalten wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Oberholla- brunn. Dr. Gaßner und » Voitel Jos. Kunz Kadolz Seefeld Dr. Gaßner Ä. Kaltenbach Albern dorf Guntersdorf Dr. Knöll Laa Gabc. Schaad Neuruppersdorf Dr. Gaßner und » Gritsch M- Auchmann Zwentendorf Dr. Knöll Enzersdvrf bey Staatz iGauners- dvrf. Dr. Gunz. k. k. Distr. Arzt C-Binder und Joh. Kurz Angern Joh- E xner Lichkenwörth Joh Exner> u. Fr Janik-j schck aus dem> Orden der I Barmherzig./ Hohenau Anton Schmid Rabensburg Frnz. Arrer, Pt. Prior n. Fr Bicherle v. d. Barmherzigen Qberthemenau Unterthemenau Dr. Gunz und » Schmidt C- Donau Pvysdvrf S7y gewiesenen Ort- von der Cholera nicht befallen. Zeit-Periode der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Von bis -8.Oet.83i i.Nov-63. i9-Dec.83> Unheil nb e- >o.Way83r unbe- iy.Dec.83, i4.Nvv.83i iy.Dec.83l kannt konnt >o.May832 kannt 8.Aug.83i >2.Lep.83l 3.Nov-83> 6.Nov.83> i-Nov-83, 2o.-L-ep.83i 3o. Ock'83. 3>.Jan-882 3o.Dec.83> 26.Dec.83» b.Nov.63> S.Dec-83. rü.Dec. 831 11.Jan. 83« Anmerkung LÜ — s8o— Bezirk. Nahmen der aus Anlaß der Cholera-Epidemie aufgestellten Von den ihnen zu- schaften wurden Bezirksarzte. Wundärzte. befallen. Dr. Gunz Frz. Arrer, j Prior u- Fc. j Winterhol:^ !er d. Barm-^ herzigen/ Garschenthal Dr. Gunz und '» Schmidt F, Schwenk,> D. Bicherle j u.A. Winter-> Heller, 2 I Barmherzg.- Hsrrnbaumgar- ten Dr. Gunz und » Kuvll I. Leituer Pottenhof Dr- Schmidt Fr. Anger u.) Kurz/Ph.> Janitschek,, Barmherzg-' Bernhardsthal Dr- Braun Jakob Fritsch Ringelsdorf Dc.,Schmldt I. Duchrucker Bvhmischkrut Harrersdvrf Ginzersdorf Dr. Braun M. Schratten- bach Göbendorf Velm Spannberg Joh- Heintl Großinzersdorf Großenzers- dorf. Dr. Avoe Joh. Krömer Mannsdorf Orth Edr Twerdy Kopfstetten Dr. Avee und » Mühlböck Witzelsdsrf Loimersdorf 28»— gewiesenen Ort» von der Cholera Zett-Periooe der Dienstleistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von b iS L6.Dec.83i 3i.ILn. 83r ^^- 2g. Jan.832 ich.Mz. 63?. 25.Dec.83i 3o.2än. 83a 7-OcL. 83i i8.Dec.83i 3.Nov.83i 3o.Jän.S32 ch.Oct. 83i S.Oct. 83i i8.Dec.83i i7.Nov.83i 2ch.Sep.83i 2o.Sep.83i i9.Nov.83i 2b.RvV.83i 2ch.Nov.83i 3i.Dec.83i 9. Sep 831 is.Sev.83i 8.Ock.8Zi 8.Oct.63i 7-Nvv 83r L7.Nvv.83i 23.Oct.83i ii.Oet.83r ö.Nvv.83i 2b,Nov.83» ! 23s Bezirk. Nahmen d-r ausAnlaß derChvle- ra-Epidemie aufgestellten Von denihnenzu- schaften wurden Bezirksärzte. Wundärzte. befallen. Dr. Avee F. Hollstein Eugelhartstetten Groißenbrunn Joh. Spitzer Aspern a.d. Don. M. Quereser Leopoldau Leonh. Denzer Gerasdorf Aug. Schmidt Deutschwagram Adam Block Obersiebenbrunn Untersiebenbr. - Heinr. Block Lassee G- Bachinann Zwerndorf Marchegg Breitensee Anton Huf G. Bachmann Lallesbrumr F.Wiedemann Kuhwirth Großinzersdorf Stammersdorf J.Steindl ü83 gewiesenen Ort- von der Cholera Zeit-Periode der Dienst leistung während der Dauer der Krankheit Anmerkung. nicht befallen. von b i s 23.Oct.83> >3.Ock. 83> 26.N0V 83, >6.Oct. 831 -' > o.Oct.63i 3Nvv.83i 21. Ock.83> 20.Oct.8Z1 >3.Nov.83i 26.Nov.83i 3o.Ort.83i aS-Nov 83, >P Oct.83, 2o.Sep.83> 2Z.Ock.8Z1 27.Oct. 831 iPSep.83i 29.Oct.8Z, 3o.Oet.83i 3o.Nov 83> 3o.Oct.83> 4-NVV.83- 29.N0V 8Z> 29.Nov.8Z1 S.Nov.83, 3o.Nov.83, -7.Nov.83> 3o.Nov.83, 2.Dcc.63i 3o.Nov.8Zi 8.Oet.83, iS.Oct.83i sr»* Au s w ei s über die Behufs der Brechrnhr-Epidemie in Wien verwendeten Aerzte, die Zeit ihrer Dienstleistung, dann über die errichteten Filial-Spitäler. K rr rr K Nahme Wohnung Zelk der Dienstleistung Spitäler der Abtheilungsärzte Vorstadt Haus-Nr. Beleg-Raum mit Kranken Nr. Leopoldstadt^ V Or. LandeSmann JägerzeU Nr. 57 L>7> O2 K Jagerzeil 27 180 VI. L Dr. Ludwig Docker Leopo'.dstadt Nr. 6 Dr. Hefstädter Leopvldstadt Nr. 6>r Leopoldstadt, k. k. Au- garkengebäude 162 180 v Or- Schuh Lcovoidstadt Nr.->2 s Dr. Ullrich Roßau Nr. 98 Althan I ll.2 roo VII. L Dr. Fleckles Lichtenthal Nr. So 6 Dr- Seligmann Thury Nr-'97 Himmelpfortgrund so -0° A cr-- -s A N a h m e Wohnung Zeit der Dienst- eistung Spitäler der Abtheilungsärzts Vorstadt Haus-Nr. Beleg- Raum mit Kranken Nr. Landstraße^ Dr. Weiße Or. Michael Landstraße Nr. 63 <3 e?) 3 s Erdberg >c>6 120 L Dr. Gayer Landstraße Nr. 448 Landstraße, Reconval. Haus der Barmherzigen Bruder 270 7» IV. 0 Or. Kluky Landstraße Nr. ä>o Landstraße 547 i 60 Dr. Satter Mieden Nr.>5 Mieden 424 ^s7 200 V. Mieden Or. Dieti Mieden Rr. 3st3 Dr. Feilsch Mieden Nr. 655 Dr Holzträger Margarethen Nr. 68 Mieden »20 Maria-1 hilf s Or. Avedig. ^ Windmühle Nr. sta Gumpendorf ^ 195^ 2S0 ! n L > Or. Linrfovsky jGumpendorf Nr. Sst. >Dd. Raffel ^Gumpendorf Nr. i>8 L82 K Abtheilungsbuchstabe I Nahme Wohnung Zeit der Dienstleistung Sp i tä le r der Abtheilung särzke Vorstadt D Z Beleg- Raum mit Kranken Nr. Dr. Sonnletthner Alservvrstadk Nr. 8/s co O 2 K Alservorstadt, bürgl. Schießstätte 4 200 I. u 6 Dr. Würstl Alservorstadt Nr.>70 Dr. Hruschauer Alservvrstadk Nr. 276 Alservorstadt 2-72 roo Joseph- stadt X Dr. Herzog Joscphstadi Nr. 128 Strozkschergrund 2b 280, X. i; Dr. Philipp Schuster Stroz. Grund Nr. 22 Dr. Felünghaiier Neulerchenteld Nr. yi ' Reulerchenfeld lLLu-iZ? 8» St. Ulrich L Dr. Gölis Schottenseld Nr. ugy Schottenseld. 343 s« VIII. I Dr. Entz Neubau Nr. 3>S 6 Dr. Franz Neubau Nr- 266 O Dr. Mekarsky edl. v.Merk St. Ulrich Nr. 47 k Dr. Mühlberg Neubau Nr. 6>. tL- d Nahme Wohnung^ Zeit der Dienstleistung Spitäler der Ab.l Heilungsärzte Stadt D ar> i36 L^) cc> r-» -2 8 °L .§ k.k. Stadt-Condict 7S0 4So m. Dr. Mally Stadt Nr. 836 Stuben- ^ Viertel V Dr. v. Kaufmann Stadt Nr. 2k>> Dr. Pallatides Stadt Rr. bgy Dr. Stessel Stadt Nr. 1064 6 Dr. v. Hieber, junior Stadt Nr. c>63 Stad^ 1194 ?o n. Dr. Wiesanek Stadt Nr. 260 Schotten- Viertel v Dr. Draut I Stadt Rr.-71 Dr. Diesing I Stadt Nr. 242 — sW— Zn Absicht auf die Bezüge der Aerzte und Wundärzte aus Anlaß der Maßregeln wegen der Cholera sind nachstehende allerhöchste und hohe Bestimmungen erfloffen: Mit allerhöchster Entschließung vom s6. November »83,; Hofkanzley-Decret vom s. December; Re.gierungs- Verordnung vom 9. December i83>, Z.^ wurde itens. Jenen Individuen, welche von Staatsbehörden aus einer Provinz nach Wien gesendet wurden, um die Cholera zu beobachten und ihre Heilart sich eigen zu machen, zu den ihnen gebührenden Diäten ein 2o^- Zuschuß; stcnz. Individuen, welche zur Aushülfe in der Heilung der Cholera-Kranken in eine andere Provinz versendet wurden, e i 11 E q uipirungS- Beytrag v 0 n So fl.C M. und die Diäten wie sä, bewilliget; den Equipi- rungs- Beytrag harten jedoch Aerzte und Wundärzte zu Folge allerhöchster Entschließung vom ,5- Februar 1882; Hofkanzley-Decret vom so. und Regierungs-Verordnung vom st». desselben Monaths, Z. binnen Jahres- .....>877^ srrst, wenn sie auch in v er sch ied en en Provinzen aus Anlaß der Cholera-Epidemie verwendet wurden, nur Einmahl und somit bloß in jenen Fällen zum zweytenmahle zu erhalten, we n sie nach einer Jahresverwendung aber- m ahls in eine andere Provinz abgesendet worden sind. Ztens. Individuen, welche außer ihrem Standorte in der Provinz selbst verwendet wurden und keine ärztliche oder wundarztliche Staatsanstellung hatten, erhielten bloß die Diäten w ie sä 1 und s. Ärzten und Wundärzten, welche eine Staatsanstellung hatten, und außer ihren Wohnorten in der Provinz selbst Aushulfe leisteten, gebührte bloß der Bezug der ein fachen Diäten; endlich ist gtens. Laut allerhöchster Entschließung vom»6. September r63s; Hofkanzley-Decret vom 20., Z. 8489; Rsgierungs-Vsrordnung vom 27. September r83s, Ärzten, welche während einer Epidemie in den Vorstädten Wiens zur Aushülfe verwendet werden, der Bezug der einfachen Diäten von täglichen 3 st., 2 kr. C.M. gestattet worden, wenn sie ihre Wohnung wechseln müssen. Damit die Kreisämter und die Provinz-Commission von dem Ausbruche und dem Umsichgreifen der Cholera sowohl in der Provinz als auch in der Hauptstadt schnelle, ununterbrochene und periodische Kenntniß erhalten; ferner damit den Sanitätsberichten mehr Gleichförmigkeit verschafft und mangelhaften Rapporcserstarrungen vorgebeugt werde, hat die k. k. Central-Sanitätö Hofcommiffion mit Rescript vom ,2. August i98r, Regierungs-Zahl-797 jene Formu- larien mitgetheilt, nach welchen die Erhebungen über einzelne Cholera-Äusbrrichs gepflogen, die Rapporte erstattet und die Schlußberichte verfaßt werden sollten. Gleichergestalr wurden auch Rapports-Formularien für das Militär vorgeschrieben. Die strengen Maßregeln, die in Bezug auf die Reinigung der Leib und Bettwäsche, dann derKleidunqsstücke von an der Cholera Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen zu treffen waren, erforderten eine eigene Anstalt, welche genau und schnell das Geschäft der Reinigung zu versehen hatte. In der Haupt- und Residenzstadt Wien, wo eine eigene Infectionsanstalt besteht, war dafür hinlänglich gesorgt, und es war somit nur nöthig, dieser Anstalt eine größere Ausdehnung zu verschaffen, um sämmt-iche übernommene Effecten in der gehörigen Zeit den Parteyen zurückstellen zu können. Durch Aufnahme von einigen Aushülfswäschern war die gewünschte Ausdehnung der Anstalt zu Stande gebracht. Da auf dem flachsn Lande eine solche Anstalt nicht bestand, und alle von Cholera- Kranken benutzten Gegenstände einer unter öffentlicher Aufsicht stehenden Reinigung unterzogen werden mußten; so wurde auf Plätze für die Reinigungsanstalten und auf die Errichtung der dazu gehörigen Lokalitäten fürgedacht, auch mußte dort, wo allenfalls die Reinigung der Wäsche für nicht erkrankte Private nicht zu Hause, sondern vermischt mit jener anderer Partheyen Statt fand, durch geeignete Vorkehrungen dafür gesorgt werden, daß jede Ansteckungsgefahr beseitiget werde. Um daS Reinigungsgeschäfk zu erleichtern und nicht alle in der Wohnung eines Eholera-Kranken befindlichen Gegenstände derselben unterziehen zu müssen, war es den Parteyen gestattet, jene Gegenstände, die sie für den täglichen Gebrauch entbehren konnten, in Kisten oder Koffern -— 2<)0— zu verwahren, solche mit ihrem und einem gerichtlichen Siegel zu versehen, und entweder in eigenen Gewölbern oder in einem unter öffentlicher Aufsicht stehenden Magazine so lange aufzubewahren, bis die Gefahr der Epidemie vorüber war. In den Reconvaleseentenhaüsern mußten die nöthigen Vorkehrungen zur Körper-- und Kleiderreinigung getroffen werden. So wie durch diese strengen Maßregeln desReinigungs- geschafftes, trachtete man auch durch Errichtung eigener Todcenkammern, wohin die an der Cholera Verstorbenen baldmöglichst zu überbringen waren, die Weilerverbrcitung des Ansteckunasstoffes zu verhindern. Da die an der Cholera Verstorbenen nicht in den gewöhnlichen Leichenhöfen begraben werden sollten, so mußten zur Vermeidung jedes üble» Eindruckes auf das Publicum, die gemahlten Beerdigungsplätze eingeweiht und mit einem schwarzen Kreuze mit dem Bildnisse unsers Heilandes versehen werden. Als nach den eingelangten ärztlichen Constatirunqen bereits mit Anfang September i83r die Cholera ihre Herrschaft in Wien auszuüben anfing, ist mit Hofkanz- ley-Decret vom 5. September>63>, Z. 2780(nachdem die bestandene Central-Sanitärs-Hoscommission, und vor der Hand die n. ö. Prov. Sanitats-Commission mit allerhöchstem Handschreiben desselben MonathS aufgelöset, und ihre Geschäfte der vereinigten Hofkanzley und der Regierung, als den in der Regel dazu berufenen Behörden übertragen worden sind) die Regierung zu dem Ende zur größtmöglichsten Wachsamkeit aufgefordert worden, damit allenthalben schleunigst zweckmäßige Hülse geleistet und alles dasjenige bewirkt werde, was den obwaltenden Verhältnissen und den bestehenden allerhöchsten Vorschriften gemäß ist. Insbesondere ist der n. ö. Protomedicus unterm 6. September>83>, Z. 17-77 verpflichtet worden, alle Sa- nitätSmaßregeln und das Wirken der Ärzte genau zu überwachen. Bedeutende Saniiätsvorfälle und die hierbei) gesammelten Erfahrungen mußten seit dieser Zeit im kürzesten Wege der medicinischen Facultäl zu ihrer Wissenschaft mitgetheilt werden, damit diese Erfahrungen nicht verloren gingen, sondern gemeinnützig werden konnten. Zu den lehrreichen Erfahrungen gehörte auch das Seciern der unter verdächtigen Symptomen Verstorbenen. Da sich aber besonders auf dem flachen Lande bedeutende Hindernisse in dieser Beziehung vorfanden, indem die in der Jnstruction für die polit. Comniissäre enthaltene Verordnung, daß der Commiffär und der Arzr den von der Epidemie befallenen Ort nicht eher verlassen dürfen, bis die Krankheit beendigt ist, in der Wirklichkeit schlechterdings nicht auszuführen war, weil, wenn die Krankheit an mehreren Orten zugleich ausbrechen sollte, die Unmöglichkeit des Vollzuges der bestehenden Verordnung einleuchtete, und^>a auch die Anordnung, daß jeder Arzr, der einen, an der Cholera Verstorbenen secirt, durch 20 Tage Contumaz halten sollte, der guten Sachs unendlich abträglich war, weil viele Menschen in der Zwischenzeit ohne ärztliche Hülfe bleiben mußten; so ist auf eine dießfallfige Vorstellung des k. k. Kreisamtes N. U. W. W. nnt Regierunqs-Decret vom 2t>. September>83i, Z. 206g festgesetzt worden, daß nur die Leichen jener Cholera-Kranken secirt werden sollen, welche an einem von der Cholera noch nicht ergriffenen Orte, mit Cholera verdächtigen Symptomen verstorben sind, indem es sich nur in einem solchen Falle darum handelt, durch die Section den Zweifel über das Daseyn der epidemischen Brechruhr zu lösen. In den Fällen aber, wo dem Tode überzeugende pathogno,nische Symptome der Cholera vorangingen, war die Section nicht mehr amtlich geboten, sondern der Beurtheilung der Ärzte, welche den Kranken behandelte», überlassen. Desgleichen mußten Beobachtungen in Bezug auf das Ursächliche der Krankheit gesammelt werden. Es war nähmlich in mehrfacher Hinsicht wünschenswerth, zur Einsicht und Überzeugung zu gelangen, ob und welche atmosphärische Verhältnisse auf die größere oder geringere Bösartigkeit und Verbreitung der epidemischen Brechruhr Einfluß haben, und ob nicht etwa gar, wie an andern Orten beobachtet worden seyn soll, besondere Mischungsverhältnisse der Atmosphäre hierbei) im Spiele sey» dürften? Es wur- de daher mit Hoskanzley- Decret vom 22. September i83>, Z. Zsbss, Regqs-Zahl 2626 angeordnet, dafür zu sorgen, daß nicht nur die Witterungs- und atmosphärischen Verhältnisse sorgfältig berichtet, sondern auch für diesen Zweck eudiometrischs Verhältnisse angestellt, die gewönne- — SY2— neu Resultate täglich angezeigt, mit dem jeweiligen Krankenstände und dem Krankheisverlaufe sorgfältig zusammen gehalten, und die hieraus sich ergebenden Folgerungen mit den täglichen Sanitärs-Rappocten angegeben werden. In Folge dieses Aufrrages sind der Director der Uni- versitäts-Srernwarte und der Professor der Physik an der Wiener- Universität angewiesen worden, die nach den oben' angedeuteten Momenten gewonnenen Resultate der Regierung täglich vorzulegen.„ Damit die Regierung in steter Übersicht aller vorgekommenen Erkrankungen blieb, wurde festgesetzt, das! die für jede einzelne Abtheilung von dem AbrheilungS-Commissar undAbthei- lungsarzte gemeinschaftlich zu verfassenden Tages-Rapporte längstens uni i Uhr bey der Stadt'Sanirärs-Commission überreicht, vollständig bearbeitet, und der gesammre Krankenstand der Abtheilung verläßlich angegeben werde; zu welchem Ende die Privatärzte in Folge Hofkanzley-DccretS vom 20, September>931, Z. 29g8 jeden in die Behandlung übernommenen Cholera-Kranken sogleich dem Abtheiluugs-Com- misiär zur Kenntniß zu bringen, so wie jeden Genesungsund Scerbefall demselben ungesäumt anzuzeigen, die in den Cholera-Spitälern angestellten Ärzte aber angewiesen wurden, tätlich die Genesungs- und Sterbefalle der Abthei- lungS-Commiffion mitzutheilen. ^ Auch eine verläßliche Übersicht sämmtlicher beym Militär vorgekommenen Erkrankungssäüe mußte sich verschafft werden. Die an die Stadt-Sanitäts-Commission eingelangten Abtheilungs- und Spitals-Rapporte wurden von derselben in einen Rapport zusammengestellt, und bis längstens 4 Uhr Nachmittags der Regierung überreicht, welche dieselben nach genauer Prüfung, der Hoskanzley und ein Summarium Sr. k. k. Majestät unmittelbar vorlegte. Von denjenigen Verfügungen, welche die Regierung über die entdeckten Gebrechen zu treffen für nöthig hielt, wurden Abschriften der Hoskanzley vorgelegt. Für das flache Land war der Abschluß der, Rapporte für jeden Sonnabend festgesetzt. Die von den Ärzten und den polit. Commissären verfaßten achttägigen Rapporte wurden sodann dem Kreisamte zur Zusammenstellung des Kreis Rapportes vorgelegt, welches verpflichtet war, denselben am nächsten Sonnabende an die Regierung gelangen zu — sy3— machen. Die Regierung stellte aus den Kreis-Rapporten die Ergebnisse des flachen Landes der ganzen Provinz zusammen, und legte den Haupt-Rapport unter Anzeige des Verfügten der Hofkanzley vor. Von einer Conrumaz für die den Kranken behandelnden Ärzte und Wundärzte, dann für die polit. Beamten konnte zu der Zeit um so weniger mehr eins Rede seyn, als Se. k. k. Majestät mir allerhöchstem Handbillet von, »6. September»63», Regierungs-Decret vom.7.desselben Monachs Z. siyg in der Zwischenzeit die Absperrungen von Häusern und Wohnungen überhaupt aufgehoben, den Ärzten und Wundärzten nicht nur den freyen Ein- und Ausgang bey Cholera- Kranken gestattet, sondern sie auch verflrchtet haben, sich bey der Behandlung von Cholera- Kranken ganz so wie bey andern Kranken zu benehmen. Nebstdem daß Se. Majestät die Absperrungen nunmehr aufgehoben haben, ist auch mittelst allerhöchstem Ca- binetsschreiben vom»5. September ,83» befohlen worden, keine» Eholera-Todten so einzusperren, daß, wenn er etwa nur schemtodt wäre, durch eine solche Einsperrung bey seinem allenfälligen Erwachen ein Unglück entstehen könnte, sondern es mußten nach dem Inhalte eines ferneren Handbillets vom»7. September»83», Gelegenheit und Mittel vorhanden seyn, daß sich das für todt gehaltene und vielleicht nur scheinrodre Individuum, wie es bey Todcenkammern vorgeschrieben ist,»in Wiederbelebungsfalle bemerkbar machen könne.,. Zur Hintanhaltung jedes überflüssigen und nicht dringend nöthigen Geschäftsumtriebes ist in Folge Hofkanzley- DecrelS vom 24. September ,83», Z. 332g, Regierungs- Decret vom 3o. desselben Monaths, Z. 260» festgesetzt worden, bey den ersten Erhebungen neuer Krankheitsaus- brüche auf dem flachen Lande, sich bloß auf die Aufnahme des vorgeschriebenenErhebungs-Protocolls zu beschränke», und nur zum Behufe der nöthigen Lvidenzhaltung des Krankenstandes die 8täglgen Kranken-Rapporte vorzulegen. Eine besondere Genauigkeit hingegen mußte in den Berichtserstattungen über die Cholera-Ereignisse ,n der Residenzstadt selbst beobachtet werden. Durch mehrere allerhöchste Entschließungen, insbesondere durch die allerhöchste Entschließung vom ss. September>83» haben Se. Majestät befohlen, das We- — 894— sentliche von der Krankheitsgeschichte im Rapporte anzumerken,und die angewendeten Heilmittel sowie das ganze Heilverfahren genau anzugeben, welches auch durch daS Hof- Decret von- 2S. September'83., 3368, Reggs^Zahl 25ä8 mir dem Beysatze angeordnet wurde, dafür zu sorgen, daß jede Verzögerung in Herbeyrufung des ärztlichen Beystandes vermieden werde. Um auch ,ene Erfahrungen nicht verloren gehen zu lasse», welche Privatärzte an ihren Kranken sammelten, so wie um die Gesamnitzahl der Kranken mit Verläßlichkeit angeben zu können, haben Se. Majestät mittelst einer allerhöchsten Entschließung vom 2.. September>8Zi, Hofkanz- l-y-Decrer von 25. desselben Monarhs Z 33og die Privatärzte verpflichtet, über die behandelten Kranken, periodische (etwa alle 8 Lage) Berichte mit Beyfügung des Wesent- llchen der Krankheitsgeschichte und mir genauer Bemerkung der angewendeten Heilmittel und der ganzen Heilmethode zu erstatten, wornach die Privatärzte mit Regie,ungs-Decret vom 3o.«evtember.81-, Z. 27- S angewiesen worden find, in genauer Befolgung dieser allerhöchste» Entschließung entweder in den ihnen zur Pflicht gemachten täglichen Anzeigen der tu die Behandlung übernommenen, genesenen und gestorbene» Cholera-Kranken auch jene Ergebnisse auf- . r' diese Resultate mittelst besonderer 8tag;gen Rapporte vorzulegen. Die neu erfolgten Ausbrüche der Cholera in der Provinz mußten aber in Folge Hofkanzley- Decrers vom 3.-ctober ,83.,Z. S447, Regiern,igs-Decrec vom 9. desselben Monarhs Z. 3oqg unverzüglich mittelst der vorgeschriebenen Erhebu,igs-Protocolle zur Kenntniß der Regierung gebracht werden. ^ Rapporten zu wiederholten Mahlen ver- sch.edene Gebrechen vorkamen, so haben Se. Majestät laut apofkanzley-Decret vom s. October>63., Z. 3536, Reqie- rungs-Decret vom 8. desselben Monaths Z. 3oSo zu befehlen geruht, daß falls die gemachten Ausstellungen nicht fruchten oder die gegebenen Befehle nicht gehörig vollzogen werden sollten, durch Anwendung der erforderlichen Mittel und der gehörigen Strenge dasjenige zu bewirken sey, was auf eine andere Art nicht erzielt werden kann. So wie durch kiese allerhöchsten Entschließungen alles Mangelhafte ,n den Sanitätsberichten gerügt und zu bs- — 2y5— fertigen angeordnet wurde, so entgingen auch der väterlichen Sorgfalt und Umsicht Sr. Maiestat mehrere Gebrechen nicht, die in den bestehenden Cholera-Spitälern aus Anlaß der vorgelegten Rapporte zur Sprache gebracht wurden. ES ergingen daher in dieser Beziehung mehrere allerhöchste Anordnungen So ist in Folge allerhöchster Entschließung vom 2b. Oktober-83» fremden Personen der Eintritt in die Cholera-Spitäler verbothen, und nur den Ältern, Kindern, Gatten und Geschwistern der Kranken, mit Ausnahme junger Kinder, gestattet worden. So sind in Folge allerhöchsten Befehls vom 4. November iö3t die Primarärzte in Cholera-Spitälern streng- verantwortlich gemacht worden, nur dann nicht mit der Cholera behaftete Kranke in die Cholera-Spitäler aufzunehmen, wenn Gefahr am Verzüge haftete und der Kranke ohne offenbare Verschlimmerung seiner Krankheit, in das allgemeine Krankenhaus nicht cransportirt werden konnte. So wurde mit allerhöchster Entschließung vom 27. September.83>, Neggs-Zahl 2684 befohlen, die Spitals- Directoren dafür verantwortlich zu machen, den ReconvaleS- cente» den Austritt nicht eher zu gestatten, als bis es ohne all- Gefahr geschehen konnte, und die an der Cholera Verstorbenen nicht ganz entblößt zur Erde zu bestatten, da dieses alS höchst indecent nur zu unliebsamen Bemerkungen des Publikums und zum Abscheu der Kranken gegen diese Heilanstalten Anlaß gibt. U», die Scheue des Publikums vor den Spitälern nicht zu vermehren, sondern wo möglich gänzlich zu unterdrücken, haben auch Se. k. k. Majestät mit allerhöchstem Handbillet vom 27. September ,83,, Reggs-Zahl-adbZ zu befehlen geruht, daß bey keinem Kranken wegen Transportirung in das Spital Zwang oder Gewalt angewendet, sondern dem freyen Willen desselben überlassen werden solle, sich in ein Spital überbringen oder zu Hause ärztlich behandeln zu lassen. In Orten, wo Militär-Garnisonen bestanden, mußten die an der Cholera erkrankten Militärs zur Erspurung eines eigenen Spitals für selbe und zur Beseitigung der Gefahren eines weitem Transportes, gegen die gebührende Vergütung in die Civil-Spitäler aufgenommen werden; eine solche Aufnahme hat auch dann Statt gefunden, wenn das erkrankte Militär-Individuum die nöthige schleunige Hülfe in einem näheren Civil-Spitale finden konnte. — 2y6— Damit die in den Cholera-Spitälern befindlichen Re- convalescenten vor Recidiven bewahrt und mit allen erforderlichen Hülfsmitteln versehen werden, haben Se. Majestät die Anschaffung von Schlafrocken, Pantoffeln und Hemden befohlen, und die Primarien verantwortlich gemacht, daß es den Rekonvalescenten an zweckentsprechenden Nahrungsmitteln in keiner Beziehung fehlen soll. Alle bisher ergangenen Verordnungen harren das Pest- Reglement zu ihrer Grundlage. Das ewig denkwürdige allerhöchste Handbiller vvm 4 Oktober,83i jedoch, durch welches Se. Majestät die Vorschriften des Pest-Reglements im Innern Allerhochstihrer Staaten in Bezug auf die Cholera- Angelegenheiten außer Wirksamkeit zu setzen und anzuordnen geruhet haben, es sey sich rückstchtlich der Cholera nach den für epidemische und ansteckende Krankheiten bestehenden Vorschriften zu benehmen, hatte nun Verordnungen und Veränderungen in den SanitätS-polizeylichen Anstalten zur Folge, die gleichsam einen zweyten Hauptabschnitt in der Darstellung derselben bilden. Aus dieser allerhöchsten Willensmeinung ging vorallem hervor, daß bey der Cholera die Wirksamkeit aller jener Organe und Behörden einzutreten habe, denen die Handhabung der für epidemische Krankheiten geltenden Vorschriften ordnungsmäßig obliegt;dabey haben jedoch Se. Majestät zu gestatten geruht, daß, wenn in irgend einem Bezirke oder Orte die Cholera-Krankheit sich allgemein verbreiten und die vorhandenen Behörden und Aerzte zur Besorgung der Cholera-Geschäfte nicht zureichen sollten, um die erforderliche Aushülse eingeschritten werden könne, welche jedoch nur auf den wirklichen Bedarf beschrankt werden mußte. In Folge dieser allerhöchsten Anordnung ist mit Re- gierungs-Decret vom 20. Oktober>83,, Z. 84,3 die bestandene Stadt-Sanikäts-Commission fürWien mit».November 1881 aufgelöst, und ihre bisherige Wirksamkeit der k. k. Polizey-Ober-Direction mit Hülfe der Polizeybezirks- Directisnen und der denselben zugetheilten Polizeybezirks- ärzte und im Einverständnisse mit dem ersten Stadtarzte übertragen worden. Eben so hatten mit 1. November>83» die bestandenen Abtheilungs-Commissionen aufzuhören, und es ist das Geschäft der Abtheilungs-Commiffäre und der Abtheilungöärzte, LY7 den Polizep-Bezirksärzteii und den Polizey-Bezirks-Wundärz- ken übertragen worden; nicht minder wurden die bisher aufgekellt gewesenen Sections-Connnissare ihrer Dienstleistung enthoben. Die Aufsicht über die Cholera-Spitäler wurde dem Stadt-Sanitöcs-Magister, unter der Controlle der Poli- zey-Ober-Direction und rücksichtlich deren Vorsteher anoer- traut. Da übrigens die Wiener-Tags-Rapporte mit derselben Schnelligkeit und Präcision wie bisher vorzulegen waren, so wurde der k. k. Polizey-Ober-Direction die bisher bestandene Manipulation zu ihrer Richtschnur bekannt gegeben, und dieselbe angewiesen, dafür zu sorgen, daß die von den Po- lizey-Bezirks-Directoren und Polizey-Bezirksärzten ausgefertigten Tags-Rapporte, jeden Lag längstens bis r Uhr Nachmittags dem Sanitäts-Magister zukamen, welcher dann unverweilt die einzelnen Rapporte zu prüfen, und! die in denselben zu rügenden Gebrechen, Mangel und Anstünde sich zu dem Endezu normen hatte, um deren Abstellung durch die k. k. Polizey-Ober-Direction einleiten zu können. Nach vorgenommener Prüfung mußte aus diesen Spe- cial-Rapporten der Haupt-Rapport zusammengestellt, und nebst den Speeial- Rapporten und der Anzeige der getroffenen Vorkehrungen, unter Fertigung des Vorstehers der Polizey-Ober-Direction und des Stadt- SanitätsMagisters bis 4. Uhr Nachmittags dem Saniräts- Departement der Regierung in 4 Evemplarien übergeben werden. Das rücksichtilch epidemischer Krankheiten im Jahre> 80b an die Länderstellen erlassene Normativ und der Unterricht für das Volk/ in soweit sein Inhalt auf die epidemische Brechruhr Anwendung fand, wurde sowohl in der Hauptstadt als auch auf dem flachen Lande repudlicirt und durch die öffentlichen Zsitungs-Blärter bekannt gemacht. Gleicher- gestalt wurden auch die k. k. Kreisämter angewiesen, alle jene bisher ergriffenen Maßregeln, welche nicht in den für Epidemien bestehenden politischen Gesetzen ihre Rechtfertigung fanden, alsogleich aufzuheben, die unterstehenden Dominien in allein und jedem auf die strengste Befolgung der für Epidemien erlassenen Verordnungen zu verweisen, und diese in dieser Beziehung auf das sorgfältigst« zu überwachen. Demnach erhalt es vsn dt«, vsn den k. k. KreiSämtern sr eingeleiteten Aufstellung der Sanitäts-Bczirks-Leitungs-Com- missäre sein Abkommen, und alle Cholera-Angelegenheiten wurden auch auf dem Lande jenen Organen und Behörden überlassen, welche für diese Geschäfte in Samrärs- und sa- nitätsvvlizeylicher Hinsicht ordnungsgemäß aufgestellt sind. Uebrzgens hatte es dey der Aufnahme der Erhebungs- Protocolle, und bey Einsendung der Lragigen Rapporte in der vorgeschrievenen Art sein Verbleiden. Hinsichtlich der Erhebungs-Protocolle wurde jedoch mit Hofkanzley-Decret vom 3. Onober i83>, Z, Zbo8;Regie- rungs-Decret vom y desselben Monaths, Z. 8070 angeordnet, daß die Erhebung bey Cholera-Ausbrüche» in früher ganz gesunden Orten den Wundärzten eben so'wenig, als die selbstständige Behandlung der Cholera-Kranken überlassen und anvertraut werden könne. Es wurde daher die Einleitung getroffen, daß derlei) Erhebungen, bey denen es sich um die Constatirung der eigentlichen Natur und Beschaffenheit deS beobachteten KrankhelcS-AusvrucheS handelte, stets von gra- duirten Aerzten vorgenommen, und von diesen auch die Behandlung der Cholera-Kranken selbst besorgt, oder da, wo die Behandlung den Wundärzten anvertraut werden mußte, Die Leitung derselben wenigstens einem gradui-len Arzte übertragen werde. Eben so wurden sämmtliche Wundärzte Wiens angewiesen, daß sie, zu Cholera- Kranken gerufen, zwar die nöthige vorläufige Hülfsleistung anzuordnen, aber auch auf die alsogleiche Herbeyrufung eines Arztes bey sonst zu erwartender gesetzmäßiger Bestrafung zu dringen haben. Um umfassendere und gründlichere Bemerkungen über die Natur, Dauer, den Verlauf u s. w der Krankheit, und über daS Vorbauunqs- und Heilverfahren zu erlangen, wurde in Folge Hofkanzl.-Decrets vom 1>. Oct. r8Z>,Z.3-7>)8 mit Regieruugs-Verord. vom>7. desselben Monaths, Z. 3374, angeordnet, die Ravporis-Rubriken bey den einzelnen Kranken nicht täglich auszufüllen, sondern das Wesentliche von einem jeden derselben erst dann anzuführen, wenn er genesen, gestorben oder aus der Behandlung des Arztes in ein Spital abgegeben worden ist. Um den Kranken, insbesondere auf dem Lande, so schnell als möglich ärztliche Hülfe zuzuwenden, wurden die Dominien und Ortsvorsteher verpflichtet, jeden neuen KrankheitsAusbruch in den bisher verschont gebliebenen Orten, den Be- zirksärzten alsogleich anzuzeigen und dafür zu sorgen, daß die Erkrankten vsn den Bezirksärzten unverzüglich in die Behandlung genommen werden, und wenn diese es unterlassen soilien, sogleich hievon die Anzeige zu erwarten. Insbesondere sind die Kreisamrer in Folge Hofkanzley- DecretS vom 17. November ,83i Z. 4717, nur Regierung')- Verord. vom s3. desselben Monaths, Z. 4'5>o angewiesen worden, darüber zu wachen, daß bey den zu treffenden Vorstchts- Maßregeln nicht über jene Anordnungen hinaus gegangen werde, welche der Unterricht und das Normativ für Epidemien vorschreibt. Ueber die an ein Kreisanit gestellte Anfrage: ob erst dann, wenn in einem Hause 2 oder 3, oder in einem Orte 5 oder b Individuen an der Cholera erkrankt sind, diese als Epidemie erkläret werden solle,oder ob schon ein einzigervor- kommender Fall zur Constatirung der Epidemie hinreiche? ist von der Regierung mit Decret vom 6. Dec. 1831, Z. 4888 zur Erzielung einer gleichförmige» Bcnshmungsweise bey der ganz neuen und fremden Form der Epidemie bestimmt worden, daß die epidemische Brechruhr dann als in einem Orte ausgedro- chen anzusehen sey, wenn auch nur Eine Person daran erkrankt ist; jedoch war zur Constatirung des Falles, die Intervention eines graduirren Arztes erforderlich. Rücksichtlich der NachsichrS-Besuche, welche von den Distrikts- und sonstigen Eehandlungs-Aerzten zu machen waren, wurde wegen des so schnellen und köstliche» Verlaufes der Krankheit festgesetzt, daß, da sich dieselben nummerisch nicht bestimmen lassen, es den Aerzten überlassen bleibe, so viele Nachsichts-Besuche zu machen, als sie wegen der Dringlichkeit und Wichtigkeit des Falles für nothwendig finden; wobey aber ihre sonstigen Berafs-Geschäfte zu berücksichtigen waren. Damit bey dem Rapport-Wesen die bis nun gänzlich vermißte Ordnung, Richtigkeit und Genauigkeit hergestellt, und die zwischen den Regierungs- und den kreisämlUchen Rapporten über die auf dem stachen Lande an der epidemischen Brechruhr Erkrankten, Genesenen und Verstorbenen eingeschli- chenen Differenzen ausgeglichen werden konnten, wurden den k. k. Kreisämtern mehrere Rapporte mit nachstehenden Weisungen zurückgestellt: 1. Die Dominien und Ortschaften mußten in den kreis- ämtlichen Rapporten in derselben chronologischen Ordnung wie im Regierungs-Rappvrte aufgenommen werden. sr* 3so «. Frühzeitiger befallene Ortschaften, welche aber nicht in jener Periode sondern später angezeigt wurden, waren m jene chronologische Reihe einzuschalten, wohin sie nach der Zeit des Ausbruches der Epidemie gehörten. 3. Die Special-Rapporre der Dominien, in so ferne sie m Bezug aufZiffer und Zahlen mit dem Regierungs-Rapporte nicht übereinsiunnnen, waren nach diesem zu berichtigen, und eine gleiche Berichtigung auch in Beneff der unrichtigen Zusammensetzung bey den herrschaftlichen Rapporten vorzunehmen. 4. Da die Special-Rapporte der Dominien als Beylagen zu dem kreiöämtlichen Rapporte anzusehen waren, so mußten dieselben, und zwar in jener Ordnung nummeiüt werden, in welcher die Ortschaften nach der chronologischen Ordnung im Haupt-Rapporte angeführt waren. 5. Blieb der örägige Rapport von einem Dom'nium aus, oder hatte sich während dieser Periode Nichts im Krankenstände geändert, so durften diese Ortschaften und Dominien im kr-isämtlichen Rapporte niemahls wegbleiben, sondern es waren,>m Falle Niemand in der Behandlung blieb und zugewachsen war, die sämmtlichen bis dahin Erkrankten, Genesenen und Verstorbene» wie vorher aufzuführen; waren aber Kranke verblieben, so mußte ihre Zahl den Verbliebenen eingeschaliet und die Rubrik der sämmtlichen Erkrankten, Genesenen und Verstorbenen mit der gleichen Zahl wie im vorhergehenden Rapporte ausgefüllt, dabey aber jedesmahl ein blinder Bogen mit der Ursache dieser Manipulation und dem betreffenden Nummer versehen, eingelegt werden.... 6. Mehrere Ortschaften durften nicht kumulativ in einem Rapporte aufgeführt werden; eben so wenig genügte es in die Rubrik:»Kinser« die Kinder von mehreren Ortschaften aufzunehmen, und es mußte bey Angabe ihrer Zahl,s, die Zahl der Genesenen und Verstorbenen ausgeschieden werden. In B-zug auf Spitäler, auf Beerdigung der Cholera-Leichen und auf Leichenhöfe, wurde insbesondere Folgendes ange- ordnet! Bey den Spitälern mußte jeder unnöthige Aufwand hint- angehalten, daselbst nicht mehr Individuen als der jeweilige Bedarf erforderte angestellt, und wo sich.ein Spital oder em Individuum entbehrlich zeigte, das erste aufgelassen, das zweyte«der außer Stand und Gebühr gebracht werden. Dis Cholera-Leichen mußten, wo eS der Raum zuließ, auf den gewöhnlichen Friedhöfen bestattet, das auf das Pest-Reglement sich gründende Begraben der Leichen ohne Kleidung allgemein abgestellt, und auf diese Art zur Beruhigung der Gemüther hingewirkt werden. Wo Cholera- Leichenhöfe miethweise oder angekauft bestanden, mußten sie, in so ferne die ordentlichen Friedhöfe Raum genug für die Cholera-Leichen hatten, aufgelassen, und die an der Cholera Verstorbenen sowohl in Wien wie in der Provinz auf die gewöhnliche Weise zur Erde bestattet werden. Ueber eine— hinsichtlich der periodischen Ausweise der Erkrankungen an der epidemischen Brechruhr beym k. k. Militär von der Regierung an die Hofkanzley gestellte Anfrage, hat dieselbe bereits unterm i q. December ,831, Z. 5348, Regierungs-Z. Snso angeordnet, daß RapoortS-Erstattungsn von Seite des General-Commando an die Regierung von der Zeit an nur dann mehr Statt zu finden haben, wenn Erkrankungen an der Cholera beym Militär sich ereignen. Nachdem aber gegen Ende December ,83» die Epidemie in Wi-n ihrem gänzlichen Erlöschen nahe war, haben Se. k. k. Majestät, über die von der Regierung unterm>2. December ,83>, Z. 4484 gemachte Anfrage: ob nunmehr bloß Ltägige Ausweise über die Erkrankten, Genesenen und Verstorbenen in der Wiener-Zeitung geliefert, und von der k, k. Poli- zey-Lhber-Direction ebenfalls nur Wochen- Rapporte von einem Sonnabende bis zum andern vorgelegt werden sollen? mittelst allerhöchster Entschließung vom 23. December ,83>; Hofkanz- ley-Decret vom 27. desselben Monarhs,Z. 55,«.), Regierungs- Zahl S38b zu bestimmen geruht, daß die Uebersicht des Cholera-Standes in der Residenz auch fortan täglich in die Wiener-Zeitung einzuschalten sey, deß aber vom». Jänner ,83s anzufangen, statt der täglichen, bloß wöchentliche Rapporte am Sonnabende mit allen dazu gehörigen Beylagen zu erstatten seyen. So blieb der Geschäftsgang bis Ende März 1682, bis wohin sowohl für Wien als für das flache Land 6tagige Rapporte erstattet worden sind. Da aber»Lch den eingelangten Rapporten mit An sang März i83Z die Brechruhr- Epidemie auf dem flachenAande ihrem Erlöschen nahe und zu erwarten war, daß dieselbe wenigstens in keiner größeren Heftigkeit als bisher ausbreche» werde, und da sich die vielfach errichteten Cholera-Spitäler in der Erfahrung größtentheils als überflüssig und kostspielig qszeigr hatten; so ist de-, k. k. Kreisämtern mit Regierungs-Decret vom 3. März ,83s aufgetragen worden, mit der Auflösung der Cvolera.Spitäler oder Reduci- rung derselben vorzüglich in jenen Orten vorzugehen, wo sich die Miethling besonderer Lokalitäten als kostspielig darstellt, frühzeitigere Aufkündigungen nstbwendiq sind, und die Kosten dazu die Gemeinde-Cassen zu tragen haben. Rücksichtlich des Einschaltens der Zahl der an der Cholera Erkrankten, Genesenen und Verstorbenen in die Wiener-Zeitung, ist in Folge allerhöchster Entschließung vom 19. März>832, Hofkanzley-Decret vom sb. März>83«, Z. 8476 festgesetzt worden, daß von jener Zeit an in Städten, Kreisen, Vierteln und Provinzen, wenn in denselben Wegen des Erlöschens der Cholera das feyerliche Dankfest bereits abgehalten wurde, und darnach Cholera-Erkrankungen sich ereignen sollten, diese nicht weiter in die öffentlichen Zeitungsblätter, sondern bloß die Sterbsfälle in dieselben aufzunehmen, die Erkrankungen rc. jedoch wie bisher an die Hofkanzley einzuberichten seyen; und da unterm 3o. März >83s der dtägigs Rapport negativ lautete, so haben Se. k. k. Majestät mir allerhöchster Entschließung vom 2. April »83s anzuordnen geruhet, daß von jener Zeit an es von der bisherigen Ueberreichung der SanitätS-Rapporte abzukommen habe und diese nur dann vorzulegen seyen, wenn ein Cho- lera-Erkraiikungsfqll eintreten sollte. Damit auch bey der Cholera rücksichtlich der zur Con- statirung einer Epidemie vorgeschriebenen Krankenzahl eine gleichförmige Benehmunqsweise wie bey andern Epidemie» hergestellt werde, ist von der k. k. Hofkanzley unterm ib. April ,83s, Z.-7022 und mit Regierungs-Decret vom 3o. desselben Monaths, Z. 883> angeordnet worden, daß, wenn sich in einem Orte, in welchem die Cho- lera-Evidemie erlosch, nach der Hand wieder einzelne Cholera-Fälle ergeben sollten, ein solcher Ort nur dann erst als epidemisch befallen zu behandeln sey, wenn sich nach der Zahl der Erkrankungen den bestehenden Normen gemäß eine Epidemie als wirklich vorhanden darstellt. Es waren sonach einzelne Cholera-Fälle, sowohl hinsichtlich der Sicherstellung der Heilpflegs als auch in'Bezug auf die den Sanitärs-Jn- dividuen zu leistende» Entschädigungen, nach den für sporadische Krankheiten geltenden Vorschriften zu behandeln; wor- nach die früher bestan. ene Norm, daß schon Em Krankheirs- Fall zur Constarirung der Epidemie genüge, aufgehoben worden ist..,., Nachdem mit Anfang März»832 die epidemische Brech- ruhr in der Haupt- und Residenzstadt Wi-n gänzlich erloschen war, hac die Regierung untern, q. März»63a, Z. b33o den An trag gestellt, daß die k. k. Polizey-Oder-Direkkion von ihrer bisherigen außerordentlichen Verwendung um so mehr zu entheben wäre, als Se. Majestät bereits mit allerhöchster Entschließung vom 6. März wegen des gänzlichen Erlöschens der Cholera, die Abhaltung eines Seelenamtes am 17. und des De ttourns auf den>8. desselben Monaths festgesetzt hatten.. Dieser Antrag der Regierung ist auch mit Hofkanzley- Decret vor» I<). März ,83a, Z. bb35; Regierungs-Decrer vom 24. März, Z. b5s3 genehmigt und angeordnet worden, daß in Beziehung auf die Handhabung der Sanitäls-Poki- zey in Wien, alles auf de» vor der Aufstellung der Local- Sanität»- Commission bestandenen gesetzlichen Zustand zurückzuführen sey; worauf die k. k. Polizei)- Ober- Direktion ihrer außerordentlichen Dienstleistung enihoben, und dir Besorgung der Samräcs- polizeilichen Maßregeln, lediglich den Scadtphysikern und den Polizey- Bezirksärzten übertragen wurde. Auf dieselbe Weise ist auch in Folge eines Hofkanzley- Decrets von, 1. April»832, Z. b858 unterm 3. desselben Monath» die Provinz Nied. Oesterreich durch die öffentlichen Blätter als gesund erklärt, und sowohl in Wien als auf dem flachen Lande der Provinz das Seelen- und Dank- amt mir Ds Vvum für die an der Cholera Verstorbenen und zum Danke für die gnädig abgewendete Gefahr abgehalten worden. M. Abschnitt. Unterstützung der Nothleidenden und Beschäftigung der Brotlosen. Noch ehevor die epidemische Brechruhr der Kränze der Provinz Nied. Oesterreich sich näherte, waren Se. k. k. Z04-— Majestät väterlich besorgt, daß alle jene Anstalten mit Um- ficht angeordnet und mit möglichster Schnelligkeit in das Leben gerufen werden, welche, wenn sich diese Krankheit der Provinz nähern, oder in derselben selbst ausbrecken sollte, zur Unterstützung der Nothleidenden und Beschäftigung der Brotlosen für die zweckmäßigsten befunden werden. ES haben demnach Se. Majestät dem nied. österreichischen Regierungs-Prasidenten, bevor noch eine Pros. Sa- nirätS-Co»,Mission errichtet war, mündlich den Auftrag aller- huldreichst zu ertheilen geruht, Allerhöchstderselben anzuzeigen: r. welche Maßregeln, hinsichtlich der in Galizien ausge- brochensn Cholera in Bezug auf die Provinz Nied. Oesterreich und die Haupt- und Residenzstadt Wien, bereits getroffen worden sind, und s- mit Zuziehung Sach- und Ortsserstandiger Männer die Maßregeln anzugeben und der alle.höchsten Genehmigung zu unterziehen, welche sowohl für die Provinz Nied. Oesterreich als insbesondere für die k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien für den unglücklichen Fall einzuleiten waren, wenn die Cholera sich auch bis hieher verbreiten sollte. In Folg- dieses allerhöchsten Auftrages hat auch der Herr Regierunqs-Präsident mit allerunterthänigstem Vertrag von, 8. July i83i schon damahls den Anrrag gemacht, daß aufEröstnung von Arbeiten fürgedacht werden sollte, durch welche eine bedeutende Zahl von Armen, oder doch für den Augenblick Brot- und Verdienstlosen beschäftiget werden könnte, und vorläufig hiezu die Fortsetzung derVerichönerungs- Arbeiten auf dem Glacis, an denen selbst Schwäch iche oder mit mindern körverlichen Gebrechen Behaftere Anrheil nehmen konnten, in Vorschlag gebracht. Ueber diesen allerunterthänigsten Vorrrag haben Se. k. k. Majestät mit allerhöchstem Handbillet vom>3. July r83l allergnädigst zu eröffnen geruhet, daß Sie die Vorschläge über die verschiedenen Gattungen der im Erforder- nißfalle vorzunehmenden Arbeiten erwarten, unter welchen auch die Reguliruiig der Ansmündung der Wien und der Durchschnitt auf der Simmsringerhaide begriffen seyn durften. Auch haben Se. Majestäc befohlen in Uebeilegung zu nehmen, ob es nicht zweckdienlicher wäre, den hierbei) verwendeten Arbeitern lieber weniger an Geld, aber dafür Nahrungsmittel zu verabreichen. 3o5 Hierüber ist unterm ab. July i63i ein allerunter- thänigster Vortrag mit dem Antrags erstattet worden, daß zu den unter der Leitung der Fortificaüon stehende» Arbeiten auf dem Glacis, zu weichen bis zu der Zeit bloß Militär verwendet worden ist, auch arbeitsbedürfnge Individuen aus den, Cimle, jedoch bloß aus der Bevölkerung Wiens, gegen Verabreichung eines angemeffenen ihre Subsijtenz deckenden Taglohns verwendet werden möchten, und daß diesen'Arbeiten, wenn sie vielleicht nur auf gewlße Strecken oder auf jährliche Abtheilungen präliminirt seyn sollen, die größtmögliche Ausdehnung gegeben werde. Zu diesem Antrage hielt sich der Hr. Regierungs-Pra- fldent um so mehr verpflichtet, als den von Sr. Majestät allerhöchst angedeuteten Arbeiten, nähmlich der Requlirung der Ausmündung des Wienfluffes und dem Durchschnitte auf der Sinimeringer-Haide, wesentliche Schwierigkeiten im Wege standen, deren Beseitigung augenblicklich unmöglich war. Eben so wurde der von dem Wiener-Magistrats zu führende Bau deL Hauvtunraths- Canals am rechten Wienuser; dann der Dammbau zu Nugdorf als Bejchäf- tiguiig Erwerbs- und Brotloser m Voricklag gebracht, und da Se. k. k. Majestät alle diese Baulichkeiten zu genehmigen geruhen, so fanden Hiebey eins zahlreiche Menge von Menschen Beschäftigung, besonders als unterm 3i. July i83r der einheimischen Bevölkerung angedeutet worden ist, sich wegen Verwendung bey diesen Bauten entweder bey dem Unterkammeramts des Wiener- Magistrats, oder bey d-m Fortificakorium, oder endlich bey der k. k, Sivil-Bau- Drrectioi, zu melden; nur mußten die sich meidenden Individuen mit einem ihnen tax- und stäwpelfrey ausmstcilend-n Zeugnisse des betreffenden Grundgerichtes, in welchem ihre Arbeits- und Erwerbslosigkeit, dann daß sie zur einheimischen Bevölkerung gehören bestätiget seyn mußte, versehen seyn. Weil aber nicht nur zu vermuthen sondern sogar höchst wahrscheinlich war, daß bey dem Drucke der damahligen Verhältnisse sich die Zahl der Erwerbslosen auch auf dem Lande vermehren und dieses zur Folge haben werde, daß sich derlei) Individuen nach Wien, um bey den daselbst eingeleiteten öffentlichen Arbeiten verwendet zu 3ob werden, drangen durften, was aber auf den Erwerb der ärmeren Classe in Wien nachthsilig einwirken müßte, so ist untern, s. August i83>, Z. 433 den k. k. Kreisämtern der Auftrag ertheilet worden, die Verordnung, daß Niemanden, der sich über ein bestimmtes Geschäft in Wien nicht auszuwerse» vermag, ein Paß zur Reise dahin, zu ertheilen sey, strenge handzuhaben, und auch ihrerseits auf die Emleining von öffentlichen Arbeiten im Kreise für- zudenken, durch wrlche die Erwerblossn beschäftiget und so im Nahrungsstande erhalten werden könnten. Damit aber die Zahl der aus öffentliche Kosten zu Beschäftigenden oder zu'Verheilenden mcht zu groß werde, haben We. k. k. Majestät mit allerhöchster Entschließung vorn 20. August i83i zu befehlen geruht, sännnrlichetr Dominien in Nied. Oesterr. zur Pflicht zu machen, Niemanden in ihrem Bezirke zu dulden, der keinen Verdienst hat und in den Orr des Aufenthalts nicht gehört. Ob nun gleich von Seite des Staatsschatzes alles Mögliche angewendet wurde, um den Armen und Hülfsbe-- dürftigen angemessene Unterstützungen zuzuwenden, so war der'elbe dennoch nicht in der Lage. den vielseitigen Ansprüchen Genüge zu leisten. Unter diesen Uu,ständen wurde die Pnvot-Wvhichätigkeir m>t bestem Erfolge in Mitwirkung gebracht; und es hat sich die Wohlthätigkeit der Bewohner Wiens auch damahls, wo durch die eingetretene Störung des Verkehrs die Erwerbslosigkeit zugenommen hatte, besonders bewahrt. Die^bedeutenden Zuflüsse, welche in Folge einer unterm s. September i83i erlassenen Aufforderung an die Bewohner Wiens, dem Wchltdäci.kei s-Fonde zugewendet wurden, setzten die Regierung in den Stand unter der Leitung des Hrn. Regierungs Präsidenten einen Unterstü- tzmigS- Verein zu bilden, um wahrhaft Nothkeidendsn zu Hülfe kommen zu können. Zur Erzielung eitler gleichförmigen Behandlung sol- cher^Hülfsbedurftigen, wurden säinmtliche Pfarrbezirke d r Wtadt und der Vorstädte Wiens, dann die Armen-Jn- stituks- Vorsteher auk folgende Umstände aufmerksam gewacht, welche bey der dießfallstgen schnell vorzunehmenden Untersuchung ausschließend zu beobachten waren. i) Aus jenen Geldern waren nur solche Individuen zu unterstützen, welche durch die damahligen auf Handel und Industrie so nachtheilig wirkenden Verhältnisse nah- rungslos, und ihrer körperlichen Beschaffenheit nach oder durch eingetretene Krankheiten außer Stand gesetzt worden waren, bey den damahls un Gange befindlichen öffentlichen Arbeiten sich ihren Unterhalt selbst zu verlchaffen. Dazu gehörten aber 2) auch die mit vielen arbeitsunfähigen Kindern belasteten Familien- Vater, denen es daher ungeachter ihres angestrengten Fleißes nicht möglich war, für ihre Kinder eine vor Noth geschützte Existenz zu gewinnen; nicht minder waren 3) diejenigen Familien zu unterstützen, welche durch die Hausabsperrunge» in die Unmöglichkeit versetzt wurden, sich durch Arbeit zu ernähren, folglich in ihrer abgejperr- ten Lage vorzüglich Hülfe bedurften. Auf solche, die bereits Armen-Jnstituts-Portionen bezogen, oder von denen es bekannt war, daß sie anders woher und zwar von wem immer Unterstützung erhielren, konnte die Betheilung aus den eingegangener» Geldern Nicht ausgedehnt werden, weil einrStheils dadurch nicht nach dem Sinne der Wohlthäter gehandelt worden wäre, andern- theils die eingehenden Beträge für den Fall gesvart werden mußten, wenn die Krankheit wirklich ausbrechen und dann Noth und Elend noch größer werden sollten. Es hatten demnach die Armen- Instituts- Vorsteher von 8 zu 8 Tagen über die ihnen zngemirtelren Gesuche, oder die sich bey ihnen mündlich meldenden Individuen, einen Hauptbenchr mit An'ührung der Abhörnngs-Nuaunern zu verfassen und in Duvlo der Rechnungs-Confectlvn ln Armen-Sachen einzusenden. Da endlich die Betheilung mit Kleidungsstücken, Materialien, Holz u. s. w. bey manchen Familien weit zweckinäßigek als bares Geld war, so wurden die Pfarrer und Armen Jnsti- tuks-Bvrsteher aufgefordert, bey den vermöglichere» Pfarrkin- dern sich um Unterstützungen dieser Art thätigst z» verwenden, sowie die k. k. Krftsämrer unterm 27. August-83i, A. 13c>8 angewiesen worden sind, die durch Armuth bedrängten Unterthanen durch unentgeldliche Verabreichung von Victua- lien zu unterstützen, was auch wirklich von Seite der Dominien und der wohlhabenden Unterthanen geschehen ist. Als aber in Wien Fälle häufig vorkamen, wo sich Abthei- lungs- und Sections-Commisiare wegen dringender Noth um — 3o8— augenblickliche Aushülfe an die Pfarrer wendeten, so wurden die Armen Znstituts-Vorsteher mit angemessenen Vor- lagsgeldern aus dem Unterstützungs-Fonde versehen, und die Pfarrer ermächtiget, in dringenden Fällen sogleich fünf Gulden Aushülfe zu geben, dieselben in dem nächsten l!cä- gigen Hauptberichte aufzuführen, und auf noch größere Aushülfen anzutragen. So wie Se. Majestät zur Hintanhaltung der Verbreitung der verheerenden Krankheit in allen Ihren Ländern die umfassendsten Anstalten in das Leben riefen, so haben Allerhöchstdieselben gleichzeitig Ihr Augenmerk und Ihre Sorgfalt darauf gerichtet, daß bey den vielseitigen Hemmungen, welche im Verkehrs und Gewerbsbetriebe norh- wendigerweise entspringen mußten, diesem in andern Wege» die mögliche Erleichterung verschafft werde. Zu dem Behufe wirkte außer den in mehreren Städten der Provinz und besonders in Wien unternommenen öffentlichen Bauten, und dem unter die Leitung der Regierung gestellten Unterstützungs-Fonde, noch insbesondere der unter die Leitung des Hru. Sbersthof- und Land- jägermeisters Ernst Grafen von Hoyos gestellte Privat- Verein, dessen Aufgabe eS war, brotlose» Arbeitern in den bevorstehenden Wlntermonathen zweckmäßige Beschäftigung zum Erwerbe ihres Unterhaltes zu verschaffen. Nicht minder wohlthuend ivaren die Unterstützungs- Vereine, welche sich in den meisten Vorstädten Wiens unter der Leitung von edlen Menschenfreunden bildete», und es hat die Regierung, um den schönen Zweck, nähmlich die Noth wie verborgen sie auch sey zu mildern, am sichersten zu erreichen, Weisungen an das Fürst- Erzbischöfliche Consistorium, dann an die beyden«katholischen Consisto- nen erlassen, damit von Seite der Seelsorger z die sich ihnen so vielfach darbiethende Gelegenheit benutzt werde, das Publicum zu milden Beyträge» aufzufordern. Gleichergestalt wendete sich die Regierung an die Vorsteherinn des Adeligen Damen-Vereins zur Beförderung des Guten und Nützlichen, um durch eine einzuleitende Sammlung milde Beytrags an Geld und Materialien vorzüglich zur Errichtung von Spitälern zu erzielen. Die Direcuouen der beyden k. k. Hoftheater, dann des Theaters an der Wien und in der Leopoldstadt wurden aufgefordert, zum Besten des llnterstützungs-Fondes eins theatralische Vorstellung zu geben. — 3oy— So blieb die Sache, bis Se. k. k. Majestät mit allerhöchster Entschließung vom, b. December»83» die Wirksamkeit des unter dem Vorsitze des Hrn. Obersthof- und Landjägermeisters Grafen v- Hoyos bestehenden Privar-Ver- eins auch auf die Unterstützung im Gelde der ohne Arbeit Verbliebenen auszudehnen, und die von dem Hi^r, Regie- rungs-Prä'sidenten errichtete Unterstützungs-Anstalt mit dem vorgenannten Privat-Vereine zu vereinigen, jedoch dem letzteren zur besondern Pflicht zu machen geruhten, darüber zu wachen, daß die von der Unterstützungs-Anstalt noch vorhandenen Gelder auch nach vollzogener Vereinigung mit dem Privat-Vereine ganz nach den» Willen der Geber vertheilet werden. Um nun den Hrn. Grafen v. Hoyos als Vorsteher der vereinigten Vereine in die Lage zu setzen, dem allerhöchsten Willen Sr. Majestät genau nachkommen zu können, hat die Regierung demselben jene Grundsätze mitgetheilt, nach denen sich bey Vertheilung der Unterstützungsgelder bisher benommen wurde, und deren Grundzügs in folgendem bestanden: ») Die Ausfindigmachung und Erhebung des durch die damahligen Verhältnisse verursachten Nothstandes und die Berheilung der Nothleidenden waren zunächst den Pfarrern und Armen-Jnstituts-Vorstehern anvertraut. 2) Dieselben hatten sich jedoch dieserwegen mit der betreffenden k. k. Polizeybezirks-Direction und dem Grund- gerichre in das engste Einvernehmen zu setzen, deren Pflicht es war, die Noth in ihren verborgensten Winkeln aufzusuchen und sich nicht darauf zu beschranken, daß der Noth- l-idende sich selbst um eine Hülfe bewerbe, sondern vorzüglich dahin zu wirken, bescheidene und verschämte Hülflose zu erforschen und selbe den betreffenden Pfarrern und Ar- men-Jnstltuts-Vorstehern unter Angabe der näheren Umstände zur Unterstützung nahmhaft zu machen. 3) Wurden die zu diesen außerordentlichen Unterstützungen geeigneten Individuen die bereits aufgezahlt worden sind, nahmhaft gemacht. Damit.nun aber auch sowohl jene, welche zu milden Beytragen geneigt, als auch jene, die einer Unterstützung bedurften, in die Lage gesetzt waren, sich sogleich an den rechten Ort zu wenden, ist unterm 3o. December»83» in den öffentlichen Blattern sowohl die Vereint- «Mig beyder Vereine als auch das Amtslocale des Vereins und der Vereins-Caffe allgemein bekannt gemacht, und hie- von auch die Pfarrer und Armen-Jnstituts-Vorsteher in die Kenntniß gesetzt worden. Der Hauprbeschäfkigunqs- und Unterstützungs- Verein errichn-te nach den Pfarrbezirken in den Vorstädten, und den Polizei)- Vierteln im Inner» der Stadt 28 Fi- lial-Vereine, und hakte mit dem Aufhören seiner Wirksamkeit, nähmlich bis zum.5. April 1882 die Summe von 102,743 fl. 39'-» kr Conv. Münze an Unlerstützungsbe- lragen ausgegeben. Von dieser Summe wurden kleinere Beträge von 1— 5 st. vertheilt, welche jedoch bey der Un. Möglichkeit eine bleibende Hülfe zu gewähren die Tendenz harren, den augenblicklichen drückendsten Nahrungssorgen der Bedürftigen zu steuern, und mithin nur zur Anschaffung von Nahrungsbedürfniffen, Holz, mangelnder Kleidung, Medicannnren, dann zur Tilgung kleinerer Schulden berechnet waren. Ausgedehnter war die Wirkung der an mehr als ,000 Familien erfolgten- Unterstützungen in Bet,.',gen von 2a bis 200 fl C. M /welche die Bestimmung hatten, den durch die Zeirv-rhälriuffe in ihrem Erwerbe herabgekommeneii Ge- werbüleuren wieder aufzuhelfen. Dieser Zweck wurde dadurch zu erreichen gesucht, daß unter mittelbarer Dazwischenkunft der VereinSglieder, Individuen auS obiger Classe, als: Lein-, Wollenzeug-, Seide« weben,-, Sammt- und Shawl-Arbeitern, Strumpfwirkern, Bandmachern, Schneidern, Schustern, Tischlern, Wagnern, Schlossern, Sattlern, Fuhrleuten rc. mit den dargebothenen Unterstützungen ihre auS Noth versetzten,^ oder sonst mangelnden Werkstühle, Arbeitsgeräthe und Requisiten ausgelöst oder neu angeschafft wurde»; daß ferner ausständige Zinsungen oder sonstige Schulden, wegen welchen sie mit Pfändung bedroht waren, getilgt; endlich die nöthigen Arbeirsstoffe zum Betriebe ihres Gewerbes, die sie sich aus eigenen Kräften anzuschaffen außer Stande waren, auf Vereinsrechnung angekauft wurden. Nur durch diese allerhöchst väterliche Fürsorge, durch Liese weisen, kraftvollen und menschenfreundlichen Unter- stützungS-Vereine war cS möglich, vielen Tausenden Arbeit und Nahrung zu verschaffen, viele Tausende dem Elende und dem Verderben zu entreißen, mit den, sie die verheerende Seuche bedrohte. Darstellung der Brechruhr-Epidemie vorn Jahre 1832 in den Sommer- und Her bst m o n a th en in Oesterreich mrter der Enns. Darstellung der Brechruhr- Epidemie in der Haupt- und Residenz-Stadt Wien. 8^it 17. März»83s war mit dem letzten Todesfälle die letzte Spur der ersten Brechruhr-Epidemie in der Stadt Wien verschwunden, die vor ihrem Beginnen vorhandene gastrisch- gallichte Krankheits-Constitution hatte nebst einer cacarrhös-rheumatischen ihre Herrschaft wieder übernommen, und die diesen entsprechenden Krankheits- fsrmen sind nun wieder die vorwiegenden geworden. Der Charakter der nun herrschenden Krankheiten, durch den leichten Uebergang in einen nervösen bey einzelnen Fallen bezeichnet, schien einen entzündlichen Anstrich nicht nur durch die beynahe constanten Congestionen zum Gehirn und zu den Organen der Brust und Bauchhöhle, sondern auch durch häufige Entzündungen verschiedener Eingeweide, ja selbst durch einige genuine Pfiegmonen, welche vorzüglich gegen Ende März zuweilen unterliefen, geltend machen zu wollen. Die Cholerafalle, einige Ausnahmen im allgemeinen Krankenhause abgerechnet, hörten gänzlich auf und kamen auch im Monathe April nur einzeln in den verschiedenen Polizeybezirken zerstreut vor; doch deuteten in diesem Monathe außer derley einzelnen Fällen die constanten gastrischen Complicationen, besonders aber die häufiger vorkommenden serösen Stuhlentleerungen auf vorwaltendes Hinwirken der epidemischen Einflüsse auf den Darm-Canal, und bereiteten somit die bald wieder neu auflodernde Epidemie vor. Catarrhose und rheumatische Krankheitsformen wichen in demselben Grade zurück, als der submflammatorische Character einem immer deutlicher nervösen, gastrisch-gallich- ten den Platz räumte, noch mehr trat aber jener in den folgenden Monathen in den Hintergrund, und in gleichem Maße traten einzelne Cholerafälle nebst andern einer«dynamisch-gastrischen Krankheits-Constitution Entsprechenden Formen hervor. Schon im Monathe Juny nahm die in immer größerer Zahl erscheinende Cholera den ersten Platz unter den vorkommenden Krankheitsformen ein und den eigentlichen Character einer Epidemie an, und wuchs als solche ungeachtet einer abwechselnd siuckuirenden Zu- und Abnahme in einzelnen Bezirken fortwährend in diesem, noch mehr aber in den folgenden Monathen July und August, in welchem letzter» besonders in dessen zweyter Hälfte sie ihre größte Höhe erreichte, von welcher sie schon mit Anfang September zurückzusinken begann und ihre Abnahme so rasch beendigte, daß sie gegen Ende dieses Monaths ihr völliges Ende erreicht hatte. Während dieser Zert des epidemischen Herrschens der Cholera sind andere acute Krankheitsformen selten geworden, und nur verwandte besonders gastrisch-gallichte mit einem dem nervösen sich annähernden Character mischten sich mit der vorherrschenden epidemischen Form und gaben somit jedem der vorkommenden Fälle seine eigenthümliche Gestaltung. Der entzündliche Character der Krankheits- Constitution war einem nervösengewichen, ungeachtet die Congestionen zu verschiedenen Organen, selbst Enrzündun- gen beständig blieben und besonders die Unterleibseingeweide als den Herd der epidemischen Einflüsse betrafen. Im Monathe September erhob sich wieder mehr und mehr die herrschende catarrhös-rheumatische Herbst-Consti- tution, drängte die gastrich-gallichten und die fremdartigen Erscheinungen in vorkommenden Krankheitsfällen allmäh- lig weiter zurück, und stand schon gegen Ende dieses Mo- narhs selbstständig da; indem die Cholera-Epidemie kaum von ihrer Höhe zurückgesunken ihrem völligen Erlöschen rasch entgegeneilte. Zwar erschienen auch in diesem Monathe noch keine wahren Phlogosen, und ein rein entwickelter entzündlicher Character fehlte bey allen Krankheitsfällen; doch war er immer mehr activ und häufig mit Entzündungen verschie- qener Organe, vorzüglich seröser und fibröser Gebilde, als der rheumatischen Krankheits- Constitution entsprechend, verbunden. Unter dieser Gestaltung hat mit Ende September 3.5 ,8Z2 die Brechruhr-Epidemie ihr Ende erreicht, welche seit September.83. mit nur kurzer Unterbrechung,(in den Monathen März und April.632) also durch ein volles Jahr in der Hauptstadt geherrscht, und in dieser Zeit zweymahl den Cyclus einer gewöhnlichen Epidemie durchlaufen hatte. Wenig und nicht wesentlich unterschied sich die zweyte Epidemie in Ansehung ihres Verlaufes, der Dauer, Starke, Ausbreitung und Reinheit von der ersten, so daß sie mit allem Rechte als Eine betrachtet werden dürfte». Beyden waren einzelne die allmahlige Entwicklung der epidemischen Conflitution bezeichnende Falle vorausgegangen; nur hat jene sogleich bey ihrem epidemischen Auftreten ihre größte in- und extensive Starke erreicht, von welcher der fernere Verlauf nur eine allmahlige Abnahme darstellte; wahrend die zweyte vom epidemischen Ausbruche(Juny) angefangen bis zu ihrer Höhe(August) fort- während zunahm, von dieser aber schnell und vollkommen zurücksank. Beyde hatten als Epidemien eine beyläufige Dauer von 4 Monathen;(September bis December und Juny bis September) nur waren wie bereits angeführt, die einzelnen Stadien in ihrer Dauer verschieden; hier bey allmahliger Zunahme die Abnahme rasch, dort bey schneller Steigerung zur höchsten Entwicklung die Abnahme langsam. Nachstehender Ausweis über die von Lag zu Tag, Woche zu Woche und Monath zu Monath in der Stadt und in den Vorstädten Erkrankten, liefert über den Verlauf und die Ausbreitung der Epidemie die Belege. — 3-H— Ausweis über den Verlauf und die Ausbreitung der Epidemie von Tag zu Tag. Im Monathe. Von Tag zu Tag sind erkrankt: Datum. Z H 8 -s § r§- ^' S 24» Z A April 1. 2. 3. 4- 5. 6. 7- 8. y- 10. 11 >2. ,3. >4- ,5. ib. i?. 18. 19. 20. 2,. 22. 23. 24. 25. 2Ü. 27. 28. ,9. 3c>. — — — — 3 — 2 r r 1 4 3 2 Summa - - 3 - 2 - 3 - 4 ra 3»7 Im Monathe. Von Tag zu Tag sind erkrankt: Datum. § ß Z A G tt xr V cÄ May 1. 2. 3- 5.^ 6. 7. 8. 9- ro. , i. 12. i3. r/,. 15. ,6. >7- 18. 19. 20. 2«. 22. 23. 25. 26. 27. 28. 2Y. 30. 31. 1 « 2 1 i 1 2 i 2 — > 1 s r 1 2 2 2 i 1 j I 1 > 2 1 1 § 2 s 3 3 i 1 1 1 > ; ! 2 1 3 4 r 3 1 i 1 2 3 2 4 1 7 » 6 5 6 5 2 ä Summa 1 »r 2 - 7 .3 12 3<-> 8 74 j Summa 32 17 5> Z2 5017b 48 187 -9 Im Monathe. Von Tag zu Tag sind erkrankt: Datum. G A D s: 1. 2. 3. 4. s. 6. 7 8. 9- io. i i. >2. '3. >4- ,5. >6. >7. >8. >9- 20. 21. 2? 23. 24. 25. 26. 27. 28. «9. 3o. 1 1 2/ 2 3 >— 3 4 > 2 s ö 12 5 b 4 6 7 10 8 7 6 >y 9 10 ,3 7 6 9 5 9 1 3 S 3 b 8 9 7 11 8 '7 2b >3 »5 >4 >8 18 23 -8 18 26 22 >9 2Y 23 '7 '7 24 23 34 iS 27 >7 3ty Im Monathe. July Von Lag»u Tag sind erkrankt: Datum 3. 4- ö. 6. 7- 8. 9- 10. >i. 12. i3. >4- iS. itz. '7- i8. '9- so. 21. 22. 23. »4- 25. 26. 27. 28. -9. 3o. 3>. Summa 79 2 3 4 4 3 8 9 7 12 26 >4 8 -4 15 , 1 >4 16 6 9 8 9 t> 1» 223 7 8 4 4 >0 1> 13 1 3 4 12 2 3 4 3 1 160 88 65?4 87 72 3i cn 35 21 10 -7 i3 11 12 16 S 9 16 IÜ 13 32 34 36 3y 56 43 4? 65 65 34 35 »3 38 25 27 29 22 24 889 j 3so 2m Monathe August Von Tag zu Tag sind erkrankt.' Datum G >. 2. 3/ 4- 5. 6. 7- 8. 9- >o. >>. >2. >3. -4- >3. >6. >7. ,8. >Y. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 2Y. 3o. 3>. "Summa >6 10 6 3 16 >4 21 >4 > 2 >3 2S >k> -3 >9 ic> 12 13 S ,2 409 2 s 3 2 3 4 8 10 IN' IN >3 8 17 >4 r 1 9 4 >9 7 i3 6 287 7 5 3 4 IN 3 5 11 9 -4 8 8 8 i3 12 16 i5 ib >4 18 240 (7) "7 9> 43 7» 18 21 2S >8 2i, 33 35 4r 44 62 4» 42 4» 43 46 3o 43 65 Sy 58 66 5i 77 53 61 61 .,3 69 65 60 i5o» Im Monathe Von Tag zu Tag sind erkrankt: Datum. Ä 2 b d G 6") ?-r <0 rr L Z' September 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7- 6. y- 10. i>. 12. i3. >4- 15. 16. 17. 18. >9. 20. 2>. 22. 23. 2/l. 25. 2b. 27. 28. 2Y. 3o. S 2 2 3 3 ,8 8 4 7 12 7 11 12 12 4 8 8 2 3 6 1 r 1 2 2 2 2 2 2 1 1 10 4 4 4 4 4 3 5 2 4 2 1 8 10 8 7 7 2 5 5 4 2 5 2 3 s 3 2 2 1 1 5 7 3 8 3 4 4 2 2 10 1 1 3 1 1 !!!!>!!!! j I ,!! I>! 9 6 5 1 » 3 2 1 2 1 1 2 2 2 4 2 3 2 2 4 i 1 bo 3? 35 34 34 22 22 3a 26 16 .6 .3 6 3 12 2 8 9 4 >4 4 5 10 5 S 5 3 3 Summa 16 1^0 Si 83 58 27 34 10 24 443 IM 322 Ausweis über den Verlauf und die Ausbreitung der Epidemie von Woche zu Woche. Von Woche zu Woche sind erkrankt: Von bis Sr G i.Apl.>4>Ap!, 5.» 21» 22.» 26.» 29.» s. May l,. May>2.» ,3')!'). v 20.:> ab.» '.7.» 2. Juni) 3.2» ny 9.» >^>.»>6.» 17.» 23.» 24.» 3c>. >.Iuly 7- 2»ly g»>4-» >5.» 21.« 22.» 28.» 29.» 4 Aug. 5. Aug.>>.» >2.»>8.» 9.» 28.» 26. v i.Sept. 2. Sept. 8.» 9.»>5.» >6.» 22.» 23.» 29.» Zusanrmen 269 S 2 2 3 3 3 7 3 7 22 90 79 S> >09 89 !>4 89 b> 43 8 ><> 800 564 443 299 27> 3 3 10 >4 >L 9 !2 >7 36 9 20 >4 >6 3» 62 >4 6 2 3 3o4 > 1 >5 20 32 48 62 38 >4 '9 20 >3 9 6 1> >6 iv 3 5 1 344 1S6 4 3 10 ! I b 27 3, 8> >2> >S4 1Z7 119 107 3a> 267 iS7 284 3> 1 4o8 458 2,4 92 4b 3, 344» 323 Ausweis über den Verlauf und die Ausbreitung der Epidemie von Monath zu Monath. Von Monath zu Monath sind erkrankt: Monathe Ä G -Q in der Leopoldstadt aus der Landstraße 8 «2 Z 8 63 2 3 4 s ü Im April.. » May-. » Iunn.. » July.. » August. !» Seprmbr 32 89 1 2' > 6 3 2 6, «bo 28-7 5, Ja 88 2gk> 83 2 7 So SS ,,7 58 3 7Ü 74 9' 22 3o 187 ?2 45 >0 4 8 >9 3> 70 24 3 12 48 87 ^4 3»4 11 '7 22Z 4»o >4» I 2 74 522 88y >So« 443 j Summa 25^5b4 443 299 27, 344 >5b 80 v 3440 Was den Character der zum zweyten Mahle erschienenen Epidemie betrifft, so stellten sich beyde Epidemien in ihrer Hohe gleich rein urd vollkommen entwickelt dar, während stein den Stadien ihrer Zu- und Abnahme jene Modificario» nen annahmen, weiche sie von dem Character der mächtiger wirkenden jährlichen oder der stationären Krankheits-Consti- tntion entlehnten, obgleich nicht in Abrede gestellt werden kann, daß sich beb entwickelte Cholera-Character bey der zweyten Epidemie im Allgemeinen viel deutlicher als ein gastrisch-nervöser ober diesem sehr nahe verwandt oder wenigstens mir ihm verbunden dargestellt hatte, als dieses bey der vorausgegangenen der Fall war. In Ansehung der ertensiven Stärke stand zwar die zweyte Epidemie der vorhergegangenen im Ganzen nach, stellte sich dieser aber an Intensität nicht nur in der Periode ihrer Höhe völlig gleich, sondern gab auch im Ganzen — 3-4— ein bedeutend ungünstigeres Mortalitats- Verhältniß als Beleg für ihre mächtigere Entwicklung, wie dieß aus den: nachstehenden Ausweise zu ersehen ist. Ausweis deS Sterblichkeitsverhaltnifses zur Zahl der Bevölkerung und der Erkrankten. Pvlizeybezirk. Bevölkerung. Nvn diesen sind Es sind daher! er- krkt. genesen. gestorben voi 1000 Einwohnern von,00 Erkrkt. gestorb s er!> kk. aestrb. Inner« Stadt Mieden.. Mariahilf.- St.Ulrich.. Zosephstadt. Alservorstadt Roßan... Leopoldffadt. Landstraße.. 54.9-6 85.22.6 36.968 5o,644 27,935 >6.g2k> 2,,654 24,926 34986 25y 8no 546 443 2t)y 3o^ 3^4 iö6 yb 367 265 178 > 21 123 62 ,46 ?3 163 4.3 2<,9 266 ,78 >46 222 iy6 83 47-5 i4.54ö 87,2 .0703 16.0> 6 -4»38 138oc> 445» 2,967 7,809 8,090 5,27, b,3?i 8,747 ,0 252 7,863 2,372 62,934! 61,626 46,985 60,49b 69,53>! 54,6> 2^ 73,026 66,976 53,2o5 Zusammen 324,37g 3,440 1,470 1,970 i«6o5 6,073 67,267 Im Allgemeinen wurden, wie der nachstehende Ausweis zeigt, mehr Weiber als Männer von der epidemischen Brechruhr ergriffen, unterlagen aber ierselben verhaltniß- maßig seltener, obgleich in letzterer Beziehung mehrere Bezirke als: Mieden, Mariahilf, Alserrorstadt, Roßau uns Landstraße Ausnahmen machten. Ausweis über das Sterblichkeitsverhältniß in Bezug auf das Geschlecht der Befallenen. Bevölkerung Bon diesen sind (§-s siuv daher j eekri.u-1 j gestorben gestr.vo» je>00 Erkrankten erkrankt aenesen gestorben von je lausend Polizeybozirk. A s s H Z W A s Z ß s in der innern Stadt auf der Mieden. !zu Mariahilf..- zu St. Ulrich.. !in der Josephstadt in dcr AlserVorstadk stn der Rvßau.. !in der LeopolLstadi !auf der Landstraße 26,998 26.727 >8,>4y 2S, 18t! »3,447 7.?S4 1 i,S25 1 i,23b 16,768 28,927 28,499 18,809 25.656 14,488 9,166 10,129 13,691 19.218 I 07 2YY i83 , 10 »3» i3» ,3» 55 »5 2 5or 343 260 ,89 141 173 2»3 10» 36 i5> 106 69 3? 62 38 62 27 6» 286 1S9 '34 bi 44 98 46 7» 148 115 >i4 73 69 98 79 28 Y2 265 >84 »5H iv5 79 129 »»7 55 4,>>b 11,112 I 2,17b 7,265 8,>8» >6,89', 11,36t> 11,658 3 488 5.254 17,228 >7,235 10,>34 13,o45 >5,273 17,079 ,5,558 5.255 2"3o 5,S3„ 6,336 4,525 S.428 8.898 8,076 8,276 1,776 3,i8o 9,268 9,782 6,002 7,24? 8,6,8 > 1,649 8,6>9 2.86, 66,355 49/49^ 52,o36 62,296 66,362 52,67» 70,992 6v,3v5 5v 909 60,526 52,89? 53,644 59,280 55,5 56,428 ?4,566 54,988 54,465 Zusammen 155,792 »68,582 1,268 2,072 578 892 790 >,>8v 8,78» 12,29V 5,70 6,412 07,748 56,94yj — 32b Ansehung des Alters haben sich auch während die- falls betraf nähmlich die mittleren Altersstufen zwischen 777',,, so 77^7/ wahrend die Bösartigkeit der Krank- 7/ 7,7 7^-^'-g-rts, je mehr die Ergriffene,, sich d n beyden Granzpuncten des Lebens, der Kindheit und für A^^aher^ die Verhältnisse f r d.e Alte,sclassen von ,c> bis go Jahren auffallend günstrger zeigten als für die der Kindheit und des höheren LL7,U7" d,: KranE^?,n E^'bnisse der Epidemie in Hinsicht der den Krankheitsfällen vorausgegangenen Veranlasiungen betrifft, s sind im Ganzen nach den im nachstehenden Ausweise angegebenen Zahle,-Verhältnissen von..,o Erkrankung-!- fallen 28,22 nach vorausgegangenen Diätfehlern; 28,02 nach vorausgegangenen Verkühlungen;.„ach vorauS- ?°rgekÜmmem" unbekannte,, Ursachen Zm Allgemeinen bewährten sich Diätfehler und Verkühlungen als die am häufigsten veranlassenden Schädlich- «rV^V^bn sowohl in Ansehung der Menge als e Gefährlichkeit der daraus hervorgegangenen Erkrankungen l77l°^l"-tate, ohne-edoch von den übrigen Ursachen ernen bedeutenden Unterschied durch größere oder geringere Gefährlichkeit der hervorgerufmen Krankheitsformen zu machen. 8 l en avrank- Offenbar war bey einer so mächtig entwickelten Starke d-r ep.de,,,. chen Einflüsse die Art der einwirk.nden Vera,,, laffungen gleichgültig; alle konnten Hinreicher die epidemi- sche Brechrmhr zum Ausbruche zu bringen, end nur wäh- Abnahme der Ep.deme waren sie 77?' hervorgehende Krankheit„annigfach„ inodificiren, oder einen Einfluß auf deren Gefährlichkeit zu 7"' selben Ursache kamen auch ,n der Pe!i?de k^el- Fälle vor, bey welchen gar den koimle"''^'^^bstimnitheit nachgewiesen wer- WM Ausweis über das Verhältniß der Erkrankten und Gestorbenen in Bezug auf die veranlassenden Ursachen. j Benennung der Polizeybezirke. Nach Diälfehlecn sind Nach Verkühlung sind ÄusGemülhsaffect sind Aus vernachlässigte Diarrhöen sind Aus unbekannten Ursachen sind G k^. s LZ s « k^. <-^ Zß Z I s^ Z? -I 0 -L Z L L L L ZL Z? !in d. innern Stadi auf der Mieden in Mariahilf.. zu St. Ulrich.. in d. Josephstadt in d.Alservorstad« in der Roßau.. in derLeopoldstadt auf der Landstraße 64 2l3 120 118 i>3 87 8b 1 ib 49 2S yS Si 56 43 ,8 49 2g 39 118 74 62 70 38 68 67 24 60,93 55,35 Z9,5 ZL,2/i 6> ,09 43 67 79,06 57,76 48 97 6/, 2^3 .43 i3o 6> 64 79 11S 66 26 ! 3g 74 48 2b 33 >L 5o 2S 38 ,38 69 82 35 3i 6, 65 , 4> »9,35 80,54 48,25 63.o7 57,3? 48,>83 7?,2> 56,5'/ 62,12 ,S i3o ö9 46 >9 >7 37 89 18 6 64 25 >8 8 7 12 >7 9 9 66 34. 28 1> 10 25 22 9 60,0 60,76 57,62 60,86 57,80 58,82 67.66 56,ä r 60,0 r 56 17a 62^ 106 34' 62 19 54 >9 >9 89 37 36 16 22 6 3? . 8b 28 7« ib 44" i3 3o s '>6,07 49,'4 40,32 bb,v3 02 64 64,57 68,42 55,55 16,3> 60 9 17S 43 72 4> - 83 2v 4 17 ^ 4 78 >7 28 12 28 8 43 5 97 26 .44 2Y 55 12 4 63,63 55,5 55,42' 60,46 61,11 70,78 66,26 60,» Zusammen 971 4>> 5 60 57,67 99g 43S 56o 56,28 38o >66 214 56,31 087 2b3 32.4 55,19 5 07 !Y2 3i5 6a,i3 ZsJ In Beziehung auf Character, Gewerbe und Beschäfti- gung der Erkrankten, waren es wie bey der ersten Epidemie besonders die niederen Stände, aus welchen sich die Krankheit die häufigste» Opfer erkohr, während die höheren und wohlhabenderen Claffe-n auffallend verschont blieben. In Ansehung der Mortalität zeigten, wie aus dem nachstehenden Ausweisb ersichtlich ist, das günstigste Verhältniß Dienstleute, Gesellen, Lehr jungen, Fabnksarbeiter und Tag- löhner, welche am häufigsten in Spitälern untergebracht und behandelt wurden. sS. Ausweis st.). Nach dem folgenden Ausweise 6. lieferte die gegenwärtig in Rede stehende Epidemie eine auffallende Verschiedenheit von der ersten in den Resultaten der öffentlichen und der P ri v a t beh a n dlu ng. Während bey der ersten Epidemie die Ergebnisse der Privatbehandlung sich günstiger als die der öffentlichen gestellt hatten, machte die zweyte durch das entgegengesetzte Verhältniß, welches sich bey gleicher Krankenzahl und bey stärkerer Entwicklung der Epidemie dennoch günstiger zeigte, die Vortheile geltend, welche nach Besiegung der nachtheiligen Vorur- theile von Seite der Kranken oder ihrer Angehörigen bey einer zweckmäßigen Behandlung in Spitälern Platz greifen können, und die durch schnelle immer bereite Kunsthülfe, durch fortwährende und gleichmäßige Aufsicht und Pflege der Kranken, durch gehöriges diätetisches Verhalten und durch die nothwendige Folgsamkeit auf ärztliche Anordnungen ihren Einfluß auf Bezweckung jenes günstigen Erfolges auszuüben nicht ermangelten; wobey jedoch nicht unberücksichtigt bleiben darf, daß eine große Anzahl in Privatbehandlung gestandener Erkrankten nicht in die Kran- ken-Rapporte aufgenommen wurde, und daß sich somit im Ganzen sowohl als in Bezug auf den obenbenannten Umstand auch bey der Privatbehandlung ein weit günstigeres Mortalitäts-Verhältniß darstellen dürfte. Ausweis Zur Seite 828. über das Verhältniß der Erkrankten und Gestorbenen in Bezug auf Character, Gewerbe und Beschäftigung. Es sind erkrankt ge n esen gestorben von I 00 Erkrankten gestorben Eharac- ter und Gewerbe. O Geistliche Adeliche Militär Beamten. ' Honoratioren Bürger. VeiverbL- leute und Künstler Gesellen, Lehrjun- gen, Dienst- bothen Fabriks- arbeiier u. Taglöhuer Pfründ-^ 28 62 -y 2Y 5>o 77 44 80 >8 37 G 28 Z>9 67 67 56 >>4 83 3o Jy Sb 74 96 108 >38 7869 >472 83g 3g3 >9 89 >7> 1>6 -29 i» >87 5» -4 67 >28 .24 8 'S »7 39 »7 >5 32 24 34 42 29 Z2 I I 8 46 7>b Z62 >38 >8 >3g >08 4»' So 82 >24 6> 23 >9> 43 >3 67 37 07 >9 3° 34 4» 56 42 m tz) 2 5 >8 92 368 786 477 räü 80.0 69,38 82.7> 61,90 82,35 62.0b 62,89 44 83 43-2> 62.33 68,>8 K Z G 67 s: 5o.o 5o.o 6Z,o 60,71 66,92 44,>2 89,87 88,77 54,98 64.17 53,oi Ü2,i6 61,90 48,7> 48,0 65.38 7»,o-63,82 77.94 65,21 72,72 79,>6 60,71 54,o8 61,90 45,28 57,14 55,62 57,46 w 75,0 66,66 64,67 S.,55 56.88 64.88 Ausweis ö. über daS Sterblichkeits-Verhältniß in Bezug auf die Pri- vatbehandlung, und in den Spitälern. Äeyaiwett wurde» Polizeybezirk. -- l32 168 338 ng 273 r 2J 1^2 2Y> - 21/ r 80 75 -ry 73 280 - Ion i63 >3? i4i 32 106 - 38 ,8 I 23» L.lbo >,«52 882 1.10Ü Gestorven sind von 100 Kranken j .L r2 «A in Spitälern 73.484 70.633 54 Y4S 65,43o y 1.344 56.25° 34.»4y 70,212 ?6,3>S 5i.y6« 46.518 51.202 55,8yS 58. 33 54.3yS 60.283 47.783 45.762 67,343 Sl,2yt> Innere Stadt Wieden.. Mariahilf. St.Ulrich. Zosephstadt Alservorstadt Noßau.. Levpoldstadt Landstraße. Zusammen so zeigte sich beym Vergleiche des Zahlenverhältniffes der zweyten wtt jenem der vorhergegangenen Epidemie, bey ersterer eine geringere Krankenzahl in der inneren Stadt in der Royau und auf der Landstraße; in allen übrigen Po- lizeybezirken dagegen eine bey weitem größere, besonders zu Mariahilf, zu St. Ulrich und auf der Mieden; wor- nach der südliche und südwestliche Theil der Hauptstadt den Centralpunct dieser Epidemie bildeten. In Hinsicht der intensiven Heftigkeit der Epidemie stellte sich das MortalitätS- Verhaltniß in der innern Stadt, Josephstadt und Roßau ungünstiger als bey der ersten Epidemie, beynahe gleich m den Bezirken St. Ulrich und Leopoldstadt, in den übrigen günstiger. Häuser, in welchen Erkrankungsfalle vorkamen, wurden rm Ganzen.917, mithin um 228 mehr als bey der ersten Epidemie gezahlt, besonders waren es die drey vorzüglich von der Epidemie hergenommenen Polizeybezirke Mieden. St. Ulrich und Mariahilf, unter wachen sich d-ese Mehrzahl vertheilte; außer dem erschien aber auch m der Josephstadt, Alservorstadt und in der Leopoldffadk die Brcchruhr in mehreren Häusern alS das erstemahl. 2Z 33o Darstellung der Brechruhr- Epidemie auf dem flachen Lande. die epidemische Brechruhr-Constitution, die sich in der letztem Halste des Jahres ,83» über den größeren Theil der Provinz Nied. Oesterr. ausbreitete, seit Anfang des Jahres i83a allmählig an Kraft verloren, nach und nach dem vor ihrem Erscheinen bestandenen gastrischen und eatarrhös-rheumatischen Krankheirs-Character sich genähert, diesem endlich ganz den Platz geräumt und so die vom August>83» bis gegen Ende März>83s bestandene Brechruhr-Epidemie ihr Ende erreicht hatte, waren es verschiedene dem Zenius i»o,!i<„um epistomieus entsprechende Krankheitsformen, welche, wie aus der vorausgeschickten Angabe der Krankheirs- Constitution ersichtlich ist, theils sporadisch, theils epidemisch auftraten. Schon in denWintermonathen,83» und i83g waren zugleich mit dem noch strichweise» Erscheinen der Cholera- Eprdeinie sowohl in den davon entfernten Ortschaften als auch in solchen, welche sie eben beherrschte, einzelne dem genannten gastrisch- und eatarrhös- rheumatischen Krank- heits-Character entsprechende Formen öfters vorgekommen, hatten selbst manchmahl beym Hervortreten einer anderen Epidemie mit dieser das Principal: getheilt, erschienen aber seit der Mitte März und April beynahe ausschließlich, traten wohl auch in mehreren Gegenden epidemisch auf, und kaum dürften bemerkbare Spuren einer wiederkehrenden Brechruhr-Epidemie von dieser Zeit aufgefunden werden, Gastrisch-gallichte Fieber durch besondere Neigung zur Adynamie ausgezeichnet, reine oder gallichte Wechselfieber, in manchen Gegenden durch große Hartnäckigkeit, leichtes Wiederkehren, schnelles Erzeugen von Cachepie, Anschoppungen, Wassersüchten u. dgl, characterisirt; ferner eatar- 33. rhös-rheumatische Krankheitsformen, die in mannigfacher Vermengung mit gastrisch-gallichten, zuweilen mit Entzündungen verschiedener vorzüglich häutiger Gebilde, am gewöhnlichsten als Gesichtsrothlauf, Leber-, Rippen-, Bauchfell-, Gedarmentzündunqen, Friesel, natürliche und mo- disicirte Pocken, Keuchhusten u. dgl. auftraten, waren daher diejenigen Formen, welche zu dieser Zeit am häufigsten beobachtet wurden, und welche die Kette der vorigen und »un eingetretenen Brechruhr-Epidemie als verbindendes Glied zu schließen schienen. Hatte aber das selbst im Winter auffallende völlige Ausbleiben genuiner Entzündungen, und dafür das Vorwalten gastrisch-nervöser Krankheiten, die Verbindung dieser mit catarrhösen Formen, das im Allgemeinen zwar geänderte aber»«geschwächte Fortwirken epidemischer Einflüsse auf Modificirung entstehender Krankheitsfälle, daher das so seltene, ja beynahe gänzlich fehlende Vorkommen rein sporadischer Krankheitsfälle eine andauernde besondere Stärke epidemisch wirkender Potenzen beurkundet; so deuteten manche im May hie und da mit einigen dem Gedächtniß so wenig entschwundenen Erscheinungen der Cholera mehr oder weniger bezeichnete Falle darauf hin, daß die Momente, welche im jüngst verflossenen Jahre der epidemischen Brechruhr-Constitution zum Grunde gelegen, noch keineswegs erloschen, diese somit ihre vorige Herrschaft nun neuerdings auszuüben im Tranoe war. Daher gesellten sich zu jener Zeit den mannigfaltigsten vorgekommenen Krankheitsformen, besonders aber den gastrischen oder gallichten Fiebern und den Wechselfiebern seröses Erbrechen und Durchfall hinzu, wobey auch nicht selten Hautkrämpfe, Heiserkeit, ein ausgezeichnet rascher Verlauf, und eine besondere Gefährlichkeit beobachtet wurden. Die verschiedenartigsten Gelegenheitsursachen wirkten auffallend auf den Darm-Canal, und dieser bewährte sich als der beynahe ausschließliche Sitz entstehender Störungen der Gesundheit, während catarrhöse und rheumatische Krankheiten allmählig zurückwichen. Am st. May erschien zu Zwentendorf, einem kleinen im V. U. M. B. am Zayabache offen aber sumpfig gelegenen Orte, bereits eine ausgebildete Brechdurchfalls- Epidemie, während an verschiedenen Orten dieser Provinz, besonders aber zu St. Andrä und Worden« im V. O.W. W- 2§* '—» ZZs— andere mit ihr sowohl im Ursprungs als in den Erscheinungen nahe verwandte fieberhafte Gallenkrankheiren, denen sich nicht mehr so ganz selten Brechdurchfälle dazmischen- mengten, epidemisch hervortraten. Mit jener ersten Epidemie hatte die epidemische Brech- ruhr-Constiturion die Bahn zu ihrer Wiederkehr gebrochen, und zugleich mit ihrem ersten Schritte die Gegend bezeichnet, aus welcher sie, wie im vorigen Jahre auS dem nordöstlichen Lsythagebiethe, als ihrem Centralpuncte nach di- vergirender Richtung ausstrahlen und über den größeren Theil dieser Provinz mit theils gesteigerter, theils gebrochener Kraft in mannigfach modificirter Gestalt sich ausbreiten werde. Noch im nähmlichen Monathe folgten in derselben Gegend einige neue Ausbrüche, deren chronologische Fol- genreihe aus der ersten Tabelle über sämmtliche ergriffenen Ortschaften hervorgeht, zeigten sich aber häufiger im folgenden Monathe, in welchem die in verschiedenen Gegenden sowohl desselben als des V. U. W- W. Statt gehabten Ausbrüche, die zunehmende Ausbreitung der epidemischen Brechruhr-Cvnstitution allseitig aussprachen. Unverkennbar war es aber die Gegend am Zayabache und überhaupt der nördliche Theil des V. U. M. B., wo vorzugsweise nicht nur die meisten und reinsten, sondern auch die in- und extensiv heftigsten Erkrankungsfälle sich einsanken, während in ander-'» r»I R. u. W. W. nebst einzelnen reinen Brechruhr-Erkrankungen auch mehrere gastrisch- gallichte und nervöse Fieber, Rühren, Wechselfieber und dgl. dazwischen traten, ja im östlichen Theile des V. O. W. W. im Thürnitzthale in größerer Ausbreitung erschienen, und ihre Verwandtschaft zur epidemischen Brechruhr zwar durch einzelne zwischenlaufende Brechdurchfälle, durch Annäherung in der Form und durch vorwaltende stürmische Bewegungen des Darm-Canals erhärteten, aber in allen Fällen von dem präponderirenden gallichten Krankheits- Character einen unverkennbaren Anstrich aufgeprägt behielten. Im Monathe July war die wachsende Kraft und zunehmende Ausbreitung der epidemischen Brechdurchfalls- Constitution bey weitem auffallender; denn schon in den ersten Tagen erfolgten zahlreichere Ausbrüche in kleineren Zwischenräumen, nahmen aber vorzugsweise um die 333 Mitte desselben Monaths überhand, und betrafen die verschiedensten Gegenden der beyden Viertel U. W. W. und ll. M. B., obgleich der eigentliche Schauplatz des intensivsten und reinsten Wirkens der Epidemie noch derselbe blieb. Kamen daher im V. U. W. W. auch in mehreren Ortschaften bedeutende und darunter reine Brechruhr-Erkran- kungen um Liese Zeit vor, so war doch bey der Mehrzahl derselben ein gastrisch- gallichter Character vorwiegend, so daß mehrere derselben und zwar eine nicht unbedeutende Anzahl den Nahmen der Brechruhr nicht erhalten konnten. So erhob sich zu Gumpoldskirchen bey Baden um diese Zeit eine Epidemie, in deren Folge«l,?3^-der Einwohner erkrankten und 2,72^- hinweggerafft wurden, die also nicht zu den unbedeutendsten gehört, sie konnte aber ihres überwiegenden Characters wegen nur als Gallenfieber-Epidemie ausgeführt werden. Eben so breiteten sich ähnliche Epidemien im Traisen- thale des V. O. W. W.,die schon im vorigen Monathe begonnen harten, fortwährend und bis gegen St. Polten aus, ohne ihren Character zu ändern. Im V. O. M. B. erschien gegen Mitte dieses Monaths zu Niederedlitz an der Lhaya eine weder ihrer Intensität noch Ausdehnung nach, sondern nur deßhalb zu beachtende Brechruhr- Epidemie, weil sie von einer Ausdehnung der epidemischen Krankheits-Constiturion von Mähren, wo sie eben eine bedeutende Stärke erlangt hatte, in diese Gegend den Beweis lieferte. In der letzten Hälfte des Monaths July schien die fernere Ausbreitung der epidemischen Krankheits-Constitu- tivn inne zu halten, denn es folgten, obgleich in mehreren Orten die bestandenen Epidemien eben heftig fortwirkten, ungleich weniger neue Ausbrüche, aber nur um mit Anfang Augusts mit noch größerer Kraft vorzuschreiben. In der Mitte dieses Mouarhs erreichte die Epidemie ihre Höhe und eine bey weitem größere Stärke als im verflossenen Jahre; es erfolgten in ununterbrochener Reihenfolge von Tag zu Lag neue Ausbrüche in allen Gegenden der zwey vorzugsweise ergriffenen Kreise, wobey sich sowohl die eben bestandenen als auch die meisten der nun begonnenen Erkrankungen durch Reinheit und hochgradige in- und e.rtensive Heftigkeit auszeichneten. Im V. U. M. B. hatte sich diese epidemische Krank- — 334— Heits-Constitution über den ganzen Kreis ausgebreitet; in allen Gegenden desselben, obgleich weit weniger in den südlichen besonders südwestlichen Theilen, und in jeder Richtung von der March und Tbaya bis an die Donau und den Mannhartsberg ergaben sich Ausbrüche, selbst über den letzteren reichte die Wirkung dieser Krankheits-Consti- tution, und es kamen um diese Zeit auch in der angran- zenden Gegend des V. O. M, B. bey Hsrn Brechruhr- Erkrankungen vor, wovon die Epidemie zu Horn zu den heftigsten gehörte; außer dem war dieses Viertel weniger den epidemischen Einflüssen ausgesetzt, und nur zu Waid- hosen an der Thaya erschienen gegen Ende August einzelne Brechdurchfälle, so wie Anfangs September in der Nahe von Krems zu Gneirendorf eine nicht unbedeutende Brech- ruhr-Epidemie vorkam. Auch im V. U- W. W. verbreiteten sich im August die neueren Ausbrüchs über den größeren östlichen, und erstreckten sich selbst auf den gebirgigen südlichen und westlichen Theil; doch bewahrte sich als Central« Punct der Epidemie in diesem Kreise nun die Gegend längs dem freyen westlichen Abhänge der denselben durchziehenden Gebirgskette. Gegen Ende August begann die Kraft der epidemischen Brechruhr-Constitution, auffallend aber erst gegen die Halste September abzunehmen; in den meisten Ortschaften hatte die Epidemie ihre Höhe erreicht, seltener ereigneten sich einzelne Ausbrüche und milder zeigten sich die einzelnen Erkrankungsfalle, auch der reine Cholera-Character trat stufenweise mehr zurück und deutlicher der gastrisch-gal- lichte und catarrhös-rheumarische an dessen Stelle, worauf durch die Monathe September und October eine eben so allmächtige Abnahme der Epidemie in Reinheit, Stärke und Ausbreitung folgte, als sie in den Monathen May, Juny und July zugenommen hatte. Gegen Mitte October erfolgte der letzte epidemische Ausbruch der Cholera zu Pframa im Marchfelde im V. U. M. B., dem nur im V U. W. W. am 26. desselben Monaths zu Slang einzelne Falle folgten. Schon um diese Zeit erloschen die bestehenden Brechdurchfälle allmählig, vermischten sich mit gallichten und catar- rhös-rheumatischen Krankheitsformen und gingen in diese über; einzelne Erkrankungen währten aber noch bis gegen die Mitte November fort, wie zu Theras im V.O.M. B. — ZZS in einem einzelnen Falle selbst bis»s. December; doch kann das völlige Erloschen der in der Rede stehenden Brech- durchfalls-Epidemis füglich gegen Mitte November mit der Beendigung der Epidemien im Marchfelde zu Kopsstetten, Pframa und Hirschstetten angenommen werden. Dem Vorausgeschickten zu Folge hat sich wie un vorher- qeganqenen Jahr- vom May bis October r83s eine-'gen- tbümltche epidemische Krankheits- Constitution über den größten Theil der Provinz Nied. Oesterr., und vorzugsweise über die Viertel U. M. B. und U. W. W. ausgebrev tet und daselbst eine weit ausgedehnte Epidemie erzeugt, die in dem genannten Zeiträume regelmäßig ihre Stadien der Zunahme, Höhe und Abnahme durchlief, deren ersteres wie aus folgender Tabelle über die von Tag zu-xag, Woche zu Woche und Monath zu Monath erfolgten Ausbrüche hervorgeht, in die Zeit vom May bis Mitte^uly, und die Abnahme von Ende August bis October fiel; doch kamen in diesen Perioden sowohl als in der zwischenliegen- den Höhe einzelne Ausbrüche vor, welche durch besondere in- oder extensive Heftigkeit auffielen, und weniger deutlich läßt sich jener regelmäßige Gang der Gesammt-Epldenue bey der Specialbetrachtung der einzelnen Ortschaften nachweisen. 33b Tabelle Ützer die von Tag zu Tag, Woche zu Woche und Monath zu Monath erfolgten Ausbrüche der Brechruhr-Epidemie. V°n Tag zu Tag Tag. i m Monath May. Juny. July. August. September. Oktober. 1. 2. 3. 4. ö. 6. 7- 8' 9- IO- i>. I 2. >3 >4. >5. lÜ. -7. 18. >y. 20. 2«. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 2Y. 3o. 3>. r r r 2 L r 2 r r 3 r r r r 2 r 3 1 2 r 3 L r 1 2 2 3 3 r 3 3 4 3 2 2 r 1 r r 2 r r 2 5 1 2 2 1 4 6 r 2 5 1 1 L 1 3 5 2 b 3 6 3 3 i 4 b 4 4 1 3 1 i 5 4 3 3 2 ! I r r 1 2 r 2 r r r r r Sum. - '! 26 4S 9» 29 33?— Von o ch e zu o ch e Zahl der Wochen. Datum von bis erfolgten Ausbrüche. ». 2. 3. 4. 5. 6. 7- 6. 9- ,o. ii> 12. i3- ,4- 15. 16. i?. ,8. iy. 20. 21. 22. 23. -4- «3. 4. May i3.— 20.— 27.— 3. Juny 10.— 17.— 24.—- Iuly 8.— -S.— 22.-- 2 9«—> 5. August >2.— iy.— 2Ü.— 2. Septmbr- y.— ik>.— 23.— 3o.— 7. Oktober >4.— 21.—- 12. May >9.— 2Ü. 2. Juny y.— 16.— 23.— 3o.— 7. Iuly 14.- 21.-— 28.— 4- August 11.— 18.— 25.— I. Septmbr. 8.— 15.— 22.>— 2Y.— 6. Oktober iZ.— 20.— 27.— Zusammen... 2 4 7 5 8 y iS i3 S i3 20 r«, 26 -4 >4 5 4 I I I 196 Von Monath zu Monath M n a t h Ausbrüche. May Iuly.. August September Oktober. Zusammen 3 26 4S y° Ly 3 196 338 Auch in diesem Jahre war ein gastrisch-gallichter Krankheits- Character dieser Epidemie vorausgegangen, wurde von ihr zwar größtenrheils aber mehr so deutlich und durchgehends alS im vorigen Jahre zurückgedrängt, schien vielmehr durch sein rheilweises Fortbestehen, durch seine Vermengung mit der Brechruhr-Coiistnurion, durch sein Uebergehen in dieselbe und Hervortreten aus derselben auf seine absolut oder relativ gesteigerte Kraft oder auf eine nähere Verwandschaft mit derselben zu deuten, und übernahm auch seine frühere Herrschaft als die Cholera zu erloschen begann. Eine eben so wichtige Rolle spielte der rheumatische Krankheits-Character, besonders in Verbindung mit dem gallichten; auch er ging in vielen Gegenden der Brechruhr-Constikution voraus, vermengte sich in anderen mit dieser, und trat aus derselben rein und selbststän- dig hervor, während zugleich der gallichte nur als begleitende Modifikation mehr oder minder in den Hintergrund gedrängt blieb. Besonders war der Brechruhr-Epidemie im V. U. M. B. im Frühjahre ein vorwiegend rheumatischer Cha- racter als der Jahreszeit entsprechen» nicht nur vorausgegangen, sondern auch beygemengt, so daß der Character der Cholera selbst im nördlichen Theile dieses Viertels zu dieser Zeit rheumatisch genannt wird; auch stritt er lN vielen Epidemien mit dem gallichten, ja mit dem Cholera- Characrer um die Präponderanz, vorzugsweise nahm er aber vor dem völligen Erloschen der Brechruhr in einem Orte seine mehrjährige Wichtigkeit wieder auf. Schon auS diesem geht hervor, daß der Character der Cholera in diesem Jahre nicht vollkommen, wenigstens nicht durch- gehends rein erschien, und daß er sich theils dem gastrisch-gallichten, theils dem rheumatischen näherte und mit diesem mengte, immer aber neigte er sich mehr zu dem nervösen als zu dem entzündlichen; jener sprach sich in manchen Gegenden und in vielen Ortschafcen unverkennbar aus, und sowohl die gastrisch-qallichten und rheumatischen Krankheitsformen als auch die Brechdurchfälle und deren Nach- krankheiten nahmen häufig denselben an. Zwar wurde in mehreren Gegenden im V. U. M. B eine Modifikation der Cholera beobachtet, die eine entzündliche genannt wird, und die sich durch starke Congestio- usn, heftige Schmerzen und wirkliche Entzündungen ein- — 33y— zelner Theile bey vor und nach dem Cholera-Anfalle charac- terisirte; doch können diese einzelnen vorzüglich bey der gallichten oder rheumatischen Complication häufiger vorgekommenen Entzündungen und die besondere beynahe allgemeine Geneigtheit zu Congestionen gegen einzelne Organe um so weniger einem entzündlichen Character der endemischen Brechruhr zugerechnet werden, als die Seltenheit eines reinen Enrzündungsfiebers, der Mangel genuiner psteg- monöser Entzündungen, ihr gewöhnlicher Sitz in häutigen Theilen, ihr schleppender Gang, der Mangel solenner Eri- sen, ihre Neigung einen»dynamisch- nervösen Character anzunehmen u. dgl. mehr einem eigenthümlichen sp-cifilch-n Krankheitsreize auf einzelne Theile, als dem wirklichen ent-, zündltchen Genius der herrschend gewesenen Krankheits- Constitution das Wort sprechen. Am heftigsten wüthete in diesem Jahre die epidemische Krankheits-Constirution im V. ll. M. B-, und schien sich dessen nördlichen Theil zu ihrem eigentlichen Stand- puncte ersehen zu haben. Von hier, und zwar von der Gegend am Zayabache breitete sich die Epidemie gegen Osten bis an die March, gegen Westen bis an den Mann- hartSberg aus, rückte iu der Periode ihrer Höhe im östlichen Theile gegen Süden bis an die Donau vor, schonte dagegen die südwestlichen Theile auffallend. Auch nri südlichen Theile des V. O. M. B. erschien nur eine einzige Evidemie zu Gneirendorf, wohl aber erstreckte sch mehr nördlich die Epidemie in ihrem Zuge durch das V. ll. M- B. auch über den Mannshartsberg, und befiel nebst Horn mehrere Orte in dessen Umgebung; überhaupt schien sich aber die Epidemie im Kreise O. M. B. nicht selbststardig entwickelt, sondern nur durch größere Ausbreitung bestandener Epidemien in benachbarten Gegenden in diese foitgsstanzt zu haben, daher erschienen außer der angeführte» Epidemie nur noch eimelne Cholerafalle zu Waidhofen und Niederedlitz alS Streifzüge der im angränzenden Mahren dominirenden Krankheit.„ Im V. U. W. W. ergaben sich die ersten Ausbruchs des Brechdurchfalls Anfangs Juny im östlich-» Tbeile, und zwar gegen den freyen Abhang der diesen Kreis durchziehenden Gebirgskette, und dehnten sich auch in den folgenden Monathen vorzugsweise längs diesem Gebirgs- zuge in den an dessen Vorhügeln und Abhängen gelegenen Ortschaften aus; erst bey beginnender Höhe der Gesammt- Evidemie Biitte July breitete sie sich starker durch die östliche Ebene und strichweise gegen den ganzen östlichen Theil bis Wilfleinsdorf, Höüeiii, Petronell, und gegen Süden bis um die Gebirgsgegend an der Gränze Steyermarks auS, streifte aber diesen Theil, in welchem selbst die angegebenen Erkrankungsfälle mehrerencheüS nur aus einzelnen Cho- lerafällen bestanden, so wie den gebirgigen westlichen und den ganzen östlichen,.welcher im vorhergegangenemJahre der Cenrralpunct der Epidemie gewesen, ungemein gelinde. Eden so blieb auch das V. O. W. W. bis auf die der Donau nahe gelegenen Ortschaften Sr. Ändrä, Mördern und das Tärnitzthal auffallend verschont. Demnach war zwar ein regelmäßiger Zug der Epidemie durch diese Provinz nach einer bestimmten Richtung weniger als im vorhergegangenen Jahre bemerkbar, sie hatte sich vielmehr einige fire Puncte auSersehen, denen sie sich eindrängte und von welchen nun ihre Strahlen nach verschiedener Richtung sich vertheilten; auch wühlte sie sich lbey ihren AuSbrüchen keineswegs vorzugsweise ebene, oder tiefliegende sumpfige oft überschwemmte Gegenden, im Gegentheile waren dieß im V. U. W. W., besonders am freyen Abhänge des GebirgSzuges liegende Ortschaften, und im V. U.M. B. von Hügeln gebildete mehr oder weniger freye Thalgegenden, deren manche in Sanitätshinstchc wenig nachtheilige, mehrere aber vortheilhafie Umstände darbothen; hier schien sie mehr dem Laufe der Gewässer(Zaya, Poy, Pulka, Wüdenbach) dort dem Zuge der Gebirgskette zu folgen, schonte selbst hochgelegene Ortschaften nicht immer, wie z. B. Reichenau igoo/ und Schwarzenau im Gebirge 1-700/ über der Meeresstäche. Folgende Tabellen stellen die Ergebnisse derBrechruhr- Epldemie des JahreS 1882 in Zahlenverhältnissen dar: Die Gesammtbevölkcrung Nisd. Oesterr. mit Ausnahme Wiens betrug im Jahre 18Z2, 9-77,711. Von diesen sind nach folgender Tabelle 16,718 Personen erkrankt, 4,002 gestorben, daher von iooa derselben 16,7b erkrankt und 4,9 gestorben. 34- Nahme des Viertels Einwohnerzahl im I.>832 Von diesen sind Es sind daher von ivon Einw. erkrkt. genesen gestorb. erkrkt. gestorb. UWW. U.MB. OMB. 254,375 22Y 645 2 27,t)70 3,997 I>.2/jy ^72 2,947 8,42s 3gS >,o5<> 2,82V 127 >3,7>3 48,984 -,7 4,>2? !2,3v> ,537 Smn. 7>-,99> 15,7 r 8 ,>,7lt>! 4,002 22,77 5,620 Wird aber die Zahl der Erkranken und Gestorbenen Mit der Bevölkerung der von der Epidemie ergriffenen Ortschaften zusammen gehalten, so erfcheintaus nachstehender Tabelle, daß im V. U. M. B., sowohl absolut als auch im Vergleiche mit der Bevölkerung der betroffenen Ortschaften die Brechruhr-Epidemie am ausgedehntesten gewesen sey/ indem daselbst 127^- der Einwrhner ergriffen, und 3, i-^hinweggerafft wurden. Dagegen xigt sich aber in diesem Kreise das geringste SterbltchkeitSverhrltniß mir s5-^-. Die Epidemie gab daher bey der größere Ausbreitung rn dieser Beziehung ein günstigeres Behältniß/ obgleich der Unterschied desselben in den 3 Vierteln nicht bedeutend genannt werden kann. Nahme des Viertels Bevölkerung der ergriffenen Ortschaften Von diesen sind Es sind daher I erkrkt. gestorb. ,on>von Einw von>00 I erkrkt. I gestorb, 1 erkrkt. gestorb. U.WW. U.M.B. O-MB, 71,607 88,299 4,28» 3.967 "My 472 i,o5o 2,825 >27 53,8>8 127,896 ->0,2,54 >4,6i>3 3>,yy3 294,65 26,269 28,> 13> 26,906 Summa >64,187 >5,718 ^ 4,002 98,782 24,374 23,46>! Im Allgemeinen starben von den Brechruhr-Erkrankten »5^-, ein Verhältniß, welches gegen das in der vorherge- —- 3.j2— gangenen Epidemie erzielte, wo im Durchschnitte 38L. gestorben waren, allerdings sehr günstig genannt werden kann. Die Epidemie verbreitete sich in diesem Jahre über >y5 Ortschaften und zwar im nachstehenden Verhältnisse zu den Vierteln: z Nahme I des Z Viertels. Zach! der sämmtlichen Ortschaften ,jayt oer Orte in denen die pidem.Brech rühr erschien Aus ivo r>rl- schafken erschien die Krankheit daher- in U. W W. U. M. B. O. M. B. 6,6 >,s8 68 120 ,^ >-.3 Lo,86 rovoOrkschafk. 5,34? Summa 2,3,8 igS .8,-3^ Dem zu Folge befiel die Epidemie die meisten Ortschaften sowohl absolut als relativ im V.U. M. B., wo sie beynahe im 5. Theile ler'elben vorkam. Wird aber die Anzahl der ergriffenen Onschaften mir der Zahl der in denselben Erkrankten und Gestorbenen zusammen gestellt, so ergibt sich aus na-irstehenier Tabelle, daß auch in dieser Beziehung das V. U. M. B. den übrigen vorausgehe, da in demselben auf eine Ortschaft im Durchschnitte y3 Erkrankte und 23 Gestorbene komnen. Nahme des Viertels Zahl der Orte, in welchen d. Krankheit vorkam. Zn denselben sind Im Durchschnitt daher in-.Ortschaft erkrkt. gestorb. erkrkt. gestorben ! U. W, W. U. M. B, ! v. M. B. 68 120 7 3,YY7 I 1,24g 472 roZo 2826 127 58,77 Y3.47 87,42 'S,44 23,54 >8,-4 ^ Summa ay5 -ö,7>8 4002 8o,b» 20,52 In der folgenden Tabelle werden die bis nun angegebenen Zahlenverha'ltnisse mir jenen der Epidemie von, Jahre >83» und>832 zusammengestellt: Nahme des Kreises F Es sind im Jahre E» sinS daher von der Gesammk-Epidemie aus 1000 bey der Epidemie Aus 100 Erkrankten starben bey der Epidemie Ortschaften ergriff die Epidemie Daher erschien die Epidemie aus 100 Ortschaften r r83- 2 16Z2 '6^ >632 1 ,83- i83a 1 i83- 2 i83r .83- L i83- erkrankt genesen gestorben erkrankt gestorben 1 .83- 2 1882 1 .83- 2 i83s' 1 .83- 2 1837. U-W.W. il.M.B. Q.M.B. O-W.W, 2,o53 -,282 3 ro 3,997 -1,-49 ^72 .,'24 1,286 6 2,y4? 8,424 34s 929 S46 2 4 i,r>5<- 2.82S 127 8,^7 6,781 lö,7»3 ^8,96^ -,7 3chS4 2,62 4,-^7 ,587 -^9,25 36,6Z 26,269 25,118 26,906 i»A 54 2 3 68 120 7 1G 9 1000 11,3 20,86 Ortschaft, 5,547 Summa 3,348 15,718 2,767 11,716 i,48- 4,0 or 3,g33 22,27 i,8iä 8,620 38,48^ 26,46. 162 195 3 L,i Z Hiernach zeigt sich die Epidemie im Jahre»832 um mehr als das 4fache— 4,06 in Ansehung der Krankenzahl, und beynahe um das 3fache in Hinsicht der Sterbefälle stärker als die erste ausgebreitet; weniger übersteigt die Zahl der Ortschafce» in welchen die zweyte Epidemie v orkam, jene die bey der früheren ergriffen wurden, in welcher Beziehung sich das Verhältniß wie 1,20 zu» stellt. Ohne sich daher über ver- hältnißmäßig mehr Ortschaften auszubreiten, bildete sich die Krankheit in den ergriffenen um so mehr und zur wirklichen Epidemie aus, während im Jahre»93» und»83s häufig nur einzelne Fälle sich ergaben; wobey allerdings zu berücksichtigen kommt, daß»8Z2, wo die Brechruhr Epidemie auf das Normative gewöhnlicher Epidemien zurückgeführt wurde, derley einzelne Fälle weit seltener zur öffentlichen Kenntniß gelangten. Das Srerblichkeitsverhältniß lieferte im Jahre»832 ein gegen das frühere bedeutend günstigeres Resultat, da in diesem Jahre statt 38,4° nur sZ,4°- der Erkrankten erlagen. Bey Berücksichtigung der Ergebnisse in einzelnen Kreisen erwies sich bey der zweyten Epidemie das V.U. M.B. als das am meisten leidende, während dieses bey der ersten dem V. U. W. W. nachstand; dagegen wurden die westlichen Kreise von O. W.W. und O. M. B. wieder unverhälrnißmäßig gelinder hergenommen. In Ansehung der Mortalität ergab sich im I.»832 ein gleichmäßigeres Verhältniß in den betroffenen Kreisen als bey der ersten Epidemie, wo das V.U. W. W. ein bey weitem ungünstigeres als das V. U. M. B, geliefert hatte. Mehrmahls wurden Ortschaften von der Epidemie ergriffen, welche bey der erster,, schon mehr oder weniger gelitten hatten; die Mehrzahl der in dem letzteren Jahre ergriffenen Ortschaften war aber im vorigen verschont geblieben, und die Epidemie schien vorzugsweise Gegenden zu wählen, die sie das erstsmahl Übergängen oder nuc gelinde gestreift hatte, wie die Gegend am Zaya-, Pulka- und Poy- bache, dagegen jene zu schonen oder milde zu ergreifen, die früher am stärksten hergenommen worden waren, wie die nordöstlichen Leytha-Donau- und Marchgegenden; obgleich auch Belege für das Gegentheil in beyden Beziehungen keineswegs mangelten. Im Ganzen hat sich die Epidemie des Jahres»832 im V.U. M.B. stärker in Norden und gegen Westen aus- — 3/jL—- gebreitet; im V. U. W. W. aber weiter gegen Westen an die Gebirgskette gedrängt. Wenn sämmtliche in den Sonimermsnathen-832 in der Provinz Niederösterreich vorgekommenen Brechruhr- Erkrankungsfälle in Bezug auf Eplension und Jntension in Betrachtung gezogen werden; so ergibt sich, daß die Brechdurchfalls-Epidemie in dem Kreise U. M.B., woselbst sie sich über den fünften Theil der Ortschaften ausdehnte, dann in Rücksicht auf einzelne Ortschaften desselben Kreises im nördlichen Theile zu Blaustaudenhof, wo sämmtliche 47 I Einwohner erkrankten; ferner zuWulzeshofen mit 728, zu Kleinbaumgarten mit 4>b, und im westlichen Theile zu Großnonndorf mit 400 Erkrankungsfälle» von»ooo Be- ! wohnern; im Kreise U. W. W. im Gansterischen Ziegelofen mit 44^ und zu Reisenberg, Mannersdorf und Unterlaa mit sb und 25^; im Kreise O. M. B. zu Horn mit s>H Erkrankten die größte Ausdehnung erreichte. Die Heftigkeit der Eptdemie überhaupt und in den einzelnen Ortschaften insbesondere war sehr verschieden und stand mit der größeren oder geringeren Ausbreitung nicht im gleichen Verhältnisse. Die Ursache der größeren Heftigkeit der einzelnen Erkrankungen lag oftmahls in den Kranken selbst, welche vorhandene leicht scheinende Diarrhöen und sonstige Unterleibsbeschwerden vernachlässigten und mitunter nicht selten mit den unzweckmäßigsten Mitteln zu bekämpfen suchten, somit an der Verspätung der erforderlichen ärztlichen Hülfe. Den größten Einfluß auf die HeftiMt der Erkrankungen äußerte aber offenbar die Beschaffenheit der epidemischen Krankheits-Constitutio», welche, da sie sich allseitig in den Monathen July und August zur alleinigen Oberherrschaft emporgeschwungen und um jene Zeit den Standpuncr der Höhe erreicht hatte, auch fast durch- gehends den Ausbruch der heftigsten Erkrankungen zur Folge hatte. Daher haben auch sämmtliche von der Brechruhr-Epi- Lemie in obbenannten Monathen heimgesuchte Ortschaften als: Achau, Dornbach, Hofblaustauden, Pulkau, FünfhauS, ! Altkettenhosi Neukettenhof, Moosbrunn, Obernalb, Währung, woselbst von 100 Erkrankten bo—70 der Krankheit unterlagen, ein so ungünstigesSterblichkeitsverhältniß auszuweisen. Das besondereVerhalten dieser Epidemie inBezug aufAuS-- breitung und Heftigkeit in jeder besondern Ortschaft kann auS der nachfolgenden tabellarischen Nachweisung ersehen werden. 24 — 346 Tabelle Msr das extensive und intensive Verhalten der Breche durchfallS- Epidemie in den einzelnen Ortschaften. Nahme des Kreises. Ortsch ästen. i Extensiv» der Epidemie. Jnkensisn der Epidemie. Von 1000 Einwohnern sind erkrankt- Von ivo Erkrankten sind gestorben: U-M.B- » U.W.W. » M.B. » » ,» » » u. W.W. U. M. B. s U.W W. »M.B. »W.W. » M.B. » U.W.W Q. M.B. » U. W.W. O-M.B. U.M. B. » U. W.W. » M. B. »W- B. U.W.W. »M-B. » K Hofbtaustauden.... Wulzeshofen...° Ganst. Zicgelofen°.. Kleinbaumgarten.-. Großnonndorf.... Höftein...... Gaubitsch..... Hüttendorf..... Kahelsdorf..... Reisenberg...... Prottes...... Wattersdorf..... Pellendorf..... Angern....»> Unterlaa AmeiS....... Poysbrunn....- Dunklstein R. u. B... Großschmeinbarth... Obernalb..... Schauerleiten.... Horn....... Untermarkersdorf... Schrattenberg.... Pyrrha Staatz...... Siegersdorf u. Hschdf. Hirschstettrn..... Ebersdorf a. d. Zaya. Rannersdorf.... Obritz...... Pischelsdorf.... Unterschoderlee.... Karlsdvrf..... Reudorf...... 1000,0 728,64 4-6,24 4uc>,54 882.97 870,88 346,3? 308,17 278,35 272.81 266,09 268.97 262,68 261.97 243,19 240,0 289.60 227.76 227.81 222,22 216.77 209,-4 202,28 200,0 I^8,1 1 194,73 -9>,78 190.98 189,96 189,49 189,1- 188.61 188,28 -86,86 48,y3 18,63 10,71 3-,09 22,78 36,4- 18, So »8,24 36,?3 20,3,1 22,22 -9.36 3l,2S 12.76 89,06 24,0 33,33 21,42 12,40 46,87 7S,o 28,07 2i,8S 22,28 80.76! -5,7, -8,yi 28,80 20,83 26,4> 33,i6 20,54 22,22 9-37 s»8.8»^ 34? Nahme des Kreises. Ortschaften. Extension der Epidemie. Jntension der Epidemie. Von iooo Einwohnern sind erkrankt: Von 100 Erkrankten sind gestorben.' U. M. B. » » U. W.W. U. M. B. U.W.W- » U- M. B. » V 2 » » » » U. W.W. »M. B. » W.W. » M. B. » » »W.W. Q.M.B. U.M.B. » U. M.B- Q.M.B. U. W.W. »M.B. »W.W. »M.B. » » » » Stronsdorf II. Epidemie Mailberg...... Kleüischweinbart... Soost....... Walterskirchen,... Weikersdorf.... Brunn...... Watzelsdorf Albernd orf Olgersdorf..... Enzersdvrf..... Hadreß...... Sirning...... Aspern an der Donau- Zwingenvvrf.... Hohenruppersdorf.. HauSbcunn..... Ottenthal....^ Laab....... Jehelsdorf..... WilfleinSdorf.... Dürnleis Bruderndorf.... Platt....... Achau Breiten eich..... WaßelSdorf..... Reinthal Falkenstein..... Kantendvrf..... Gneixendvrf..... Au........ Groißenbrunn.... Pottendorf Man ners darf.... Poysdorf..... M-stelbach..... Sollen»»...... LoimerSdorf..... Kopfstetten..... BraunSdorf..... Wultendorf.... Zellendorf..... -86.33 -85,5- -84,36 -83,2» 177,70 -78,94 -76,67 >74,34 -78,91 -70,90 -65,3o -64,55 >63 63 -62,42 -62,86 -53,45 -51,66 -5o,63 -48.5, -45,48 144.98 -44,3s -42,85 -4>,46 -39,87 >39,45 -38,84 - 38,10 -35,9- > 35,«3 -34,37 -33,94 -33,33 -3o,65 >3o,>4 129,85 126,43 -26,27 124,66 -23,22 -22,77 12 2,4« >21,63 28,75 25,23 3o,9o 45.83 23,63 22,44 20,5, 23,87 20,68 17.92 >6,«4 26,00 -8,5> 1>,v6 -3,63 ->,87 -4,-9 81.93 -8,33 -9,4- 28,07 -9,2Y 28,57 35,86 47,12 89,02 20.83 26,78 2 5,68 21,62 3r>,s3 34,48 32,5 -i,S4 -3,38 24,67 27,17 -6,92 21,73 -5,38 44,9- 33,8y 38,5/ s4* 3/D Nahme des Kreises. Ortschaften. Extcnsion der Epidemie. Jntension der Epidemie. Bon I oov Einwohnern siAd erkrankt: Von loo Erkrankten sind gestorben: U- W.W. » M. B. » » U. W.W. » M. B. » » W.W. » M. B. » » W.W. » M. B. » W.W. »M. B. » W.W. » » M. B i» '» » W.W. » M- B. » W.W. U.M.B. » W.W. » MB. » » W.W. » M. B. » W.W. » W.W. »M.B. » « » Pfaffstetten..... Bvhmischkrut.... Fallbach..... Pyrawarth..... Enzesfeld.... PillerSdorf..... Kettlesbrunn.... Unternalb..... Erdberq Kottingbrunn n. Wallbach Kleinharrgs..... Prinzendors..... Himberg...... Laa....... Hirschstetten...,- Zwvisaxing..... Hof an der March.. Hauskirchen..... Niedernalb..... Oberschoderlee... Theresienfeid.... Langenzersdvrf.... Schenk...... Engelhartstetten.-. Wilfersdvrf..... Lassee...... Fischau...... Furth^. Ehrnsdorf Enzersdorf..... Leopold-dorf... 2 Leesdorf...... Haringsee..... Gnadendorf..... Zwentendvrf.... Dvrnbach..... Hausthal...... Netting...... Neuwaldegg.... Seefeld..... Unterstinkenbrnnn... Knvllenbrunn.... Pernersdvrf..... >20,y5 I 20,90 i>9,Sb i>g,>9 i>7,35 117,35 1>4,58 >13,85 1>2,76 > 12,o5 >>0,20 >o9,84 107,06 Io5,c>7 >04,26 103,76 > 02,85 >00,95 >00,00 99.63 97, Z i 96,88 yS,>4 yo,8o yo/68 L9,>4 89,>0 6?,3o 87,80 87,>7 86,20 85,02 84,y8 82,73 8>,49 78,65 76,92 76,92 76,36 76,86 76,08 23.27 3>,63 >6,36 '4,4o 18,70 27,08 19,3» 2 5,0 26,47 16,98 16.27 ro.77 »4,48! 31 g 22,72 27.66 >9,44 16,98 16,92 61.85 18.18 So,o 21.27 26,3> 4o,74 >9.23 21.66 34,78 22,22 29,76 >5,9» 25,0 27,5 8,69 43,33 36,-3 Z4,o5 4-,85 3o,43 27.86 14,28 20,54 25,0 34y Rahme des Kreises Extensiv» der Epidemie. Intensiv»! der Epidemie- Ortschaften Von 1000 Einwohnern sind erkrankt: Von 100 Erkrankten sind gestorben: U. W.W. » W. B. » » »W.W. V. M.B- U. M- B. » « » W^W. »W- B. r »W.W. » M. B. » W.W. » M.B. »W.W. » » » »D?.B. U.W.W. »> »M.B. » O. M.B. U.W.W. » M.B. » » W.W. » M- B- K Sarasdorf..... Kadolz...... Großebersdorf.... Herrnbaumgarten... Velin Burgschleiniß.... Hangsdorf Süßenbrunn.... Hörers dorf..... Klement- Tribusivinkel.... Gießhübl Waltersdorf b. D--- Schlatz...... Unkerretzbach.... Orkh. Nevsidl an der Zaya St. Veit Skillfrieö Wihelsdorf Krnmmbach..... Traisklrchsn.... Drösing...... Siebsnhirten.... Unkerwaltersdorf.-. Schwadorf..... Lanzendorf..... Geinsahcn Gnntramsdocf.... Langenthal..... Gleichbach..... Gaden...... Rüigelsdorf Peygarten..... Gerasdorf Theras...... Moosbrunn..... Pulkau...... vberkrenzstelten... Erlaa....... Drasenhofen.... Oberslebenbrunn--. Deinzsndorf.... 72,y4 72,70 72.53 72,44 7>,7- 70,10 68.78 68,66 68,0 67.69 66,13 64.97 60,21 69,82 59.67 S8,H 58.o5 36.37 95 7> 55,o4 »4,90 34.61 53.92 62,0 9>, 11 5o,o 48.38 48,o8 47,o3 45.93 43.32 43,31 42.98 4>,84 4>,60 39.70 89,60 39,07 38.93 38.79 38,75 37.54 35,84 16,12 -6,4' 23.25 >4,75 36,> 1 20.58 27,06 43.75 26,47 ,3,63 25.58 3o,43 10,71 9,5r 22,98 20,53 20,20 41,42 26,81 11.11 67,14 11.26 28.26 80.76 -7,94 24,89 4,>6 33 89 40.39 46,16 75,0 44.11 32.65 39,o 37,93 6,23 5s,63 99,49 47,36 19.40 29,0 i3,63 4S,o — Z5o Extensiv!, der Epidemie. Jniension der Epidemie. Von ioc>o Einwohnern sind erkrankt: Von 100 Erkrankten sind gestorben: Nahme des Kreises il.W.W. »M. B. » W.W. » » M. B. »W.W »M- B. » W.W. » M. B. » W.W. »M. B. » W.W. » » M. B. » W.W. »M^V. » W;W. » » O rtschaften I. Epidemie Grinzing. Rabensburg Leobersdorf Jnzersdorf Stronsdorf, Hvflein. Zisterdorf Petersdorf Kleinhöflein Altkettenhof Habersdorf Theesdorf Fünfhaus.. Neukettenhof Altstadt-Netz. Schwechat.. Sechshaus.. Niederfellabrunn Herrnals... Eber-dorf a. d. Donau Reichen«» Währung.. Braunhirscheu Schwarzau. 34,48 33.78 80,29 29.81 29,33 28,96 »8,5 27,8b 26.78 24,39 2>,33 '8,94 >8,49 -3,83 >2,26 ! I,, 2 10,70 8,65 6,3o 6,20 4,70 4,34 20,0 2<>,o 30.09 28,0 38.29 1 i,3ü 19.29 29,41 60,0 4,44 31,35 48.48 64.28 36, n 37.-4 35.48 87,14 43,90 76,92 -9,»4 81.28 35.29 42,88 In Ansehung des Geschlechtes der Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen gibt nachstehende Tabelle die Resultate der Epidemie vom Jahrs ,83a, wobey gleichzeitig auch die Kinder und zwar ohne nach ihrem Geschlechte eingetheilt zu werden berücksichtiget sind. Viertel Erkrankt Genesen Gestorben Es befinden sich daher unter»»-> Gestorben sind von><>o Erkrankten Erkrankten Genesenen Gestorbenen 8 8 Ä 8 L m 8 8 Le D A Z 8 « L 8 8 8 s s 8 8 H 8 u. WW. U. MB. S. M-B. 166» 4537 »69 >78; 5494 235 555 69 3997 472 3344 »33» S9S B76 42 -94? 3-iS 444 42 ,-79 59 >56 4-7 r6 2826 4»,55 39,76 33,59 44/65 43.76 49/79 »3,88 ",4? »4,6» 4>/-9 39,69 36,6- 45,»6 49,9' 5»,o» »3,53 »o,38 >2,46 42,28 39,9s 33,07 4>,ss 46,-7 46,46 >4,85 >4,76 -0/47 26,73 26,26 28,82 26,10 3-,-7 »7.68 Sm- 6802 7600 1926 ,5718 4687 6712 ,3l7 ,.7-S »6»5 »788 S99 L°°- 4>>/°9 47/7» »2,^8 4°/°° 43,76 >>,-4 4o,35 44,67 ,4,96 «5,62 «3,34 81,26 — 352 Im Ganzen wurden mehr Weiber als Männer, und zwar in den einzelnen Kreisen verhältnißmäßig am meisten im V. O. M.B., am wenigsten im V. U. W.W. ergriffen; dasselbe Verhältniß ergibt sich unter den Gestorbenen. Im Allgemeinen war für sie die Krankheit weniger tödrlich als für die Männer, von welchen nur im V. O. M. B. um o,,o° weniger Männer als Weiber erlagen; am ungünstigsten stellt sich aber für diese das Mortalitäts-Verhaltniß im V. U. M. B. mit s3-^- dar. Uebrigens weichen die einzelnen Ergebnisse für Männer und Weiber von dem für die gesamm- te Epidemie ausgestellten Durchschnittsverhältnisse nicht bedeutend ab, wohl aber stellt sich die relative Sterblichkeit unter den Kindern besonders im V. O. M. B. mit 3--,bI-groß dar, wo auch verhältnißmäßig gegen die Erwachsenen am meisten erkrankt und gestorben sind. Indessen laßt sich aus diesen Angaben weder mit Sicherheit ein Schluß ziehen, welches Geschlecht die größte Anlage zu der Krankheit gebothen habe; noch lassen sich für die einzelnen Altersstufen bestimmte Zahlenverhaltniffe aufstellen, da weder die Zahl der unter der gesammten Bevölkerung befindlichen Männer und Weiber, noch das Alter der Erkrankten, Genesenen und Gestorbenen genau nachgewiesen ist. Verhalten der zweyten Brechdurchfalls-Epidemie in diagnostischer und therapeutischer Beziehung. i. Verändertes Auftreten in Bezug auf Form und Charakter. So wie beyde Epidemien im Allgemeinen betrachtet, in Bezug auf den Lharacter, die Form und den Verlauf nicht wesentlich verschieden waren, sondern vielmehr als das Ergebniß einer und derselben Krankheits-Constitution und als eine einzige Epidemie zu betrachten sind, eben so konnten auch die Beobachtungen, welche sie dem Arzte in ihren einzelnen Fällen lieferten, nicht wesentlich verschieden seyn. Es bestätigte im Allgemeinen die zweyte Epidemie in wissenschaftlicher Hinsicht alle jene Erfahrungen, — 353 welche zu sammeln die erste die Gelegenheit dargebothen hatte, und es erübriget daher in Bezug auf die Form, den Charakter, die Dauer, den Verlauf, die Complication, Entstehungs- weise, Prognose und Therapie nur noch einige Modifikationen zu erörtern, durch welche die in Rede stehende Epidemie einige Abweichungen vor der früheren bemerken ließ- Die Form, unter der sich die Wirkung der epidemischen Einflüsse bey einzelnen Individuen kund gab, blieb bey dieser Epidemie eben so mannigfach und verschieden, als sie bey der vorhergegangenen beobachtet und angeführt wurde. Jene Eintheilungen und Benennungen, die bey der ersten Epidemie nach den verschiedenen Graden der Krankheit, den vorwaltenden Erscheinungen, ergriffenen Systemen». dgl. üblich waren, fanden auch dießmahl ihre volle Anwendung, ohne daß in dieser Beziehung eine wesentliche Verschiedenheit in den Sanitätsberichten der Aerzte zur Sprache gekommen wäre. Demnach waren auch die charakteristischen Krankheitserscheinungei,, die das reine Bild der epidemische» Brechruhr darstellten, keineswegs andere, als die bereits bekannten und beschriebenen. Das was hier besonders erwähnt zu werden verdient, besteht bloß darin», daß sich als konstante Erscheinung die Form der vollkommen entwickelten Cholera bey der zweyten Epidemie weniger durch Eiseskälte, blaue Färbung der Gliedmaßen und Pulslosigkeit, sondern vielmehr durch eine laue Temperatur der erschlafften Haut, einen kleinen weichen fadenförmigen sehr freguenten und gewöhnlich bis zum Tode fühlbaren Puls characterisirts; daß die schmerzhaften Krämpfe in Bezug auf Heftigkeit und Ausbreitung einen weit höheren Grad erreichten, und daß auf den Cholera- anfall häufiger der eigenthümliche torpid-nervöse Zustand folgte. Dabey walteten die Entleerungen nach abwärts bey weitem über jene nach aufwärts vor, und die entleerten Stoffe waren selbst bey vollkommen entwickelten Brechdurchfällen öfters gelblich gefärbt, übelriechend, die Zunge belegt und überhaupt ein gastrischer Anstrich selten zu verkennen. Nicht selten kamen aber anhaltende durch den äußeren Druck zunehmende Schmerzen in verschiedenen Gegenden des Unterleibes vor, so daß sie nach der Meinung einiger Ärzte der e.rguisiten Cholera wesentlich zu zukommen, 354 und von Entzündungen specifischer Art, der Leber, des Zwerchfells, des Magens, der Gedärme, der Milz oder der Harnblase herzurühren schienen, weßhalb auch von mehreren Wiener-Aerzten der Character dieser Epidemie als entzündlich angegeben wurde. Wenn nun auch obige schmerzhafte Empfindungen, wie dieses der Direkter deS allgemeinen Krankenhauses in seinem Berichte(Siehe medicinische Jahrbücher 5. Band, ».St. S. bo.) ganz richtig bemerkt, nicht wirklichen Entzündungen der Unterleibseingeweide zugeschrieben werden konnten, und somit auch der Character der Cholera deßhalb im Allgemeinen nicht den Nahmen eines rein entzündlichen verdient; so gesellten sich dennoch besonders zu jener Zeit und in jenen Ortschaften, in welchen sich der Character der epidemischen Krankheits-Constitution mehr einem entzündlichen näherte, weit öfters als bey der vorausgegangenen Epidemie Entzündungen der vorbenann- ten Eingeweide dem Brechdurchfälle bey, welche sich aber nicht nur durch fixe Schmerzen im Unterleibe, sondern nach ihrem verschiedenen Sitze, Grade, Ausbreitung u. dgl. durch die entsprechendeSymptomengruppe kundgaben und nicht selten von einem Fieber begleitet waren, welches sich manchmahl als phlegmonoses Entzündung' fieber, häufiger aber alS ein nachlassendes catarrhös«rheumatisches oder entzündlich gastrisch-gallichtes characterisirte. Diese entzündlichen örtlichen Leiden bildeten somit eine Modifikation des Brechdurchfalls, welch- nicht mit Unrecht eine entzündliche genannt werden dürfte, dein Character der Entzündung und des Fiebers nach aber am gewöhnlichsten eine catarrhös-rheumatische oder entzündlich gastrisch- gallichte war. Als die häufigste und wichtigste Modifikation der Brechruhr muß aber bey dieser Epidemie die gastrisch- angesehen werden, welche sich nicht nur in einzelnen' Fällen als gallichter Brechdurchfall selbstständig darstellte, sondern auch als dem Character der Gesammt-Epidemie entsprechend beynahe jedem vorkommenden Cholerafalle durch einen gastrischen Anstrich eine eigenthümliche Gestaltung gab. Besonders häufig wurde diese Modifikation am flachen Lande beobachtet, woselbst der Character der Epidemie in mehreren Ortschaften entweder unverkennbar gal- licht war, oder in einzelnen Fällen nur durch vorwiegende Erscheinungen den Einfluß einer Cholera-Constitution, oder — LZÜ— aber die Verwandtschaft dieser mit einer gastrisch-gallichten beurkundete; daher konnte auch in vielen Ortschaften ja in manchen Gegenden die Epidemie nicht als reine Cholera- Epidemie, sondern nur als gallichte Brechruhr aufgeführt werden. Die Erscheinungen, welche die gallichte Brechruhr vorzüglich characterisirten, waren: gallichte Entleerungen mit Erleichterung der Kranken, gelb belegte Zunge, Volle, erhöhte Empfindlichkeit der Hypochondrien, mehr oder minder deutlich wahrnehmbare Fieberbewegungen mit einem gewöhnlich remittirenden oft aber auch intermittirenden Typus, häufiges Entstehen des Brechdurchfalls aus einem einfachen gallichte» nachlassenden oder Wechselfieber und leichter Uebergang des ersten in das letztere. In den übrigen Erscheinungen näherte sich die gallichte Brechruhr mehr oder minder der reinen Cholera, und stellte in mannigfaltigen Abstufungen die allmählichen 1'rbergangsformen von, leichtesten Grade eines gastrischen Durchfalls bis zur höchsten Entwicklung der Brechruhr dar. Eine besondere Erwähnung verdient bey der Form der zweyten Brechdurchfalls-Epidemie ein oftmahls vorgekommener Hautausschlag, der am häufigsten bey einem gastrisch-gallichten oder catarrhös- rheumatischen Character der Krankheit, und zwar entweder nefsel- oder frieselartig sich einfand, manchmahl bloß symptomatisch, manchmahl aber auch kritisch war, und im letzteren Falle gewöhnlich mit Abschupvung der Haut endete. Als Nachkrankheiten der Cholera zeigten sich bey übermäßiger oder unzulänglicher Reaction, oder bey anderweitigen der heilenden Naturwirksamkeit entgegenstehenden Hindernissen verschiedene Zustände, welche einen bald günstigen bald ungünstigen Ausgang der Krankheit herbey- führten, und schon bey der vorhergegangenen Epidemie beobachtet wurden. Nicht selten folgte» ein torpid-nervöser Zustand, gastrisch- gallichte oder catarrhös- rheumatische Zufalle, derley Fieber, Entzündungen verschiedener Eingeweide besonders der Lungen, Gedärme und Leber, welche oft verborgen einherschleichend die Kräfte durch lange währendes Siechthum aufrieben; ferner Wassersüchten, ödematöse Anschwellung der Extremitäten, Verdauungs- und allgemeine Schwache, metastatische Ablagerungen auf äußere Theile, besonders auf die Ohrspeicheldrüsen. 356 Die prognostischen Merkmahle, welche die erste Epidemie geliefert hatte, bestätigten auch bey der zweyten ihre Gültigkeit; insbesondere zeigte sich ein häufiges mit geringer Anstrengung verbundenes, vor allem aber ein gallichteS Erbrechen wenn es mit dem Gefühle von Erleichterung für den Kranken verbunden war a!S eine erwünschte, das schnelle Ausbleiben desselben bey bestehenden heftigen Krämpfen, großer Angst und Unruhe und ohne Wiederkehr der Pulsschläge und der Hautwärme alS eine sehr ungünstige Erscheinung. Auf sehr heftige, anhaltende, durch Blutenkziehung gar nicht erleichterte Schmerzen im Unterleibe mit auffallender Entstellung der GesichtSzüge, auf große Angst und Unruhe der Kranken, äußerst schmerzhafte über die Muskeln deS RumpfeS ausgebreitete Krampfe, folgte meistens baldiger Tod. Das Erscheinen von Hautausschlägen, die Pulslosig- keit, das Schluchzen oder andere einzelne Zufalle lieferten nur im Zusammenhange mit den übrigen sichere Anhalts- vuncte zur Prognose. Auch die Ergebnisse der Leichenöffnungen wichen im wesentlichen nicht von den früheren ab. Behandlungsart. Bey der Behandlungsweise der epidemischen Brechruhr >n den Sommer-und Herbstmonathen r832 wurde im Allgemeinen von denselben Grundsätzen ausgegangen, welche beider früheren Epidemie zum Anhaltspuncte gedient haben, und es machte in dieser Beziehung nur die hie und da veränderte Form und der Neben-Character der Krankheit eine unbedeutende Abweichung nothwendig. Hinsichtlich der Blut- entleerungen bestätigten sich im Ganzen die bey der früheren Epidemie erlangten Resultate, sie wurden somit in jenen Fallen, wo es sich entweder um die Befreyung der durch übermäßigen Blutandrang unterdrückten oder Mäßigung der gesteigerten Lebenskräfte, Bethätigung der Cirkulation und um Verhüthung und Beseitigung von Blutanhäufun- gen in edlen Organen handelte, eben so wie bey der ersten Epidemie und zwar mit gutem Erfolge zu Hülfe gezogen, -indessen fand in den Ansichten und in der Angabe über den Erfolg der Aderlässe dieselbe Verschiedenheit als früher Statt, und während einige, wegen dem mehr zur Adynamie sich ueigenden gastrisch-gallichten oder catarrhös- rheumatischen Eharacter der Epidemie, zu allgemeinen Blurentleerungen — 36^—» sich nur selten herbey lassen konnten, andere hingegen die selben bloß auf dieFall-d-r dringendsten Nothwendigkeit bey Gefahr drohenden Congestionen, Entzündungen wichtiger Organe, somit vorzüglich nur auf daS Stadium der Reaction den zum Vorschein gekommener Blutaufwallung beschrankten, nahmen sie dort, wo der Characler der Epidemie als entzündlich anerkannt wurde, so wie der antiphlogistische Heilapparat überhaupt in allen Stadien der Krankheit um- ter den Heilmitteln die erste Stelle ein, zeigten sich während den Verbothen, besonders beyder exquisiten Brech- ruhr, bey einem tmnultuarischen Ausbruche und bey dem Übergänge von der AuSbruchs-Periode in jene der Kalte vom entschiedensten Nutzen, und durften m diesen zwey Krankheits-Perioden ohne offenbaren Nachtheil nicht unterlassen werden, indeß sie bey einer ruhigen Ausbruchs-Periode oft schädlich zu wirken schienen.- Um so zahlreicher und allgemeiner fanden örtliche Blutent- leerunqen durch Blutegel ihre Anwendung, und einstimmig war die Angabe über deren günstigen Erfolg in allen Stadien der Cholera, wo entweder acrive oder passive Congestionen des Blutes oder örtliche Entzündungen zu bekämpfen waren, oder wo allgemeine Blutenrleerungen dem Characler der Epidemie oder der Individualität des Kranken mmder entspre- chend schienen; daher trat, besonders in jenen Ortschaften, in welchen der Charakter der Epidemie sich zu einem gastrischen oder catarrhösen neigte, wo die Congestionen zu einzelnen Theilen und örtliche Entzündungen häufig waren, öfter die Nothwendigkeit der örtlichen Blurenrleernngen ein; sie wurden aber auch bey der vollkommen entwickelten Cholera bey den heftigsten Schmerzen m Anwendung gebracht, um passive Congestionen zu heben, den stockenden Kreislauf anzuregen und den in diesem Zeiträume oft unmöglich gewordenen Aderlaß zu ersetzen. Eben so zweckmäßig zeigten sich die m derselben Absicht angewendeten blutigen Schrvpfkopfe. wo eS zugleich um eine äußere antagonistische R-izung L" thun war. Allseitig bewährte und rechtfertigte abermahls die tt- cacuanha ihren früher erworbenen Ruhm, und fand zu denselben Zwecken in gleicher Form und Gabe wie bey der vorigen Epidemie, wenigstens eben so häufig beynahe»' allen Stadien, Graden und Formen der^'^uhr ch" Anwendung um so mehr, als sie dem S°'nischen Chawact der Krankheit vollkommen entsprechen mußte. Nicht so gan^ 353 selten wurde ihr aber, wenn sie in voller Gabe gereicht wurde, der Brechweinstein beygegeben, der auch zur Um- stimmung des Darm-Canals in gebrochener Gabe s/wiegleichfalls andere umstimmend erregende und auflösende Mittel ihre Anwendung fanden. Calomel zeigte sich dort, wo die Krankheit mit Leber- entzündung verbunden war, und die Stuhlentleerungen specifisch und ohne Spur von Galle blieben zu bis 2. Gran alle Stunden gereicht, besonders wirksam. Die sogenannte Eis-Cur fand bey der auf den höchsten Grad gesteigerten Brechruhr unter denselben Verhältnissen und in derselben Ausdehnung, welche bey der früheren Epidemie angegeben wurde, oftmahls und mit günstigem Erfolge ihre Anwendung, wenn ihr dir Vorurtheilr besonders der Landbewohner nicht kaum zu beseitigende Hindernisse entgegenstellten; zahlreich wurden die kalten Ueber- schläge zur Verhüthung und Beseitigung eines übermäßigen Blutandranges und zur Minderung einer übermäßigen und ungleichförmige» Reaction in einzelnen Theilen zu Hülfe gezogen; beynahe allgemeine Anwendung erhielt aber das kalte Wasser als Getränk in der ausgebildeten Cholera. Dort wo die Cholera als Entzündungs-Krankheit auftrat, fand nebst der Blucentleerung auch übrigens ein anti- phlogistlsches Heilverfahren Statt, die Kranken erhielten, wenn nicht phlegmonöse Entzündungen in den ersten Wegen vorhanden waren, einen Eibischwurzel-Absud mit Wemsteinsaure und Zucker, waren aber letztere zugegen, eine Mandelmilch, einen Eibisch- oder Salep-Wurzel-Ab- sud mit oder ohne Salpeter u. dgl. Reizmittel fanden eben so wenig als früher eine allgemeine Anwendung und blieben auf dieselben Umstände und Verhältnisse beschränkt, welche deren Anwendung bey der ersten Epidemie bedingt und geleitet hatten z doch erlangte von allen Ärzten der Campher bey einer unzulänglichen Reaction zur Erhöhung derselben ein wohlverdientesLob. Bey der gastrischen und gallichten Brechruhr, daher in der Mehrzahl der Erkrankungen zeigte sich die Brechen erregende, umstimmende, gelinde austösends Heilmethode mit Rücksicht auf den Folge-Character am angemessensten und von, entschiedensten Nutzen. — 359— SamLäts-polizeyliche Maßregeln. I. In der Haupt- und Residenzstadt Wien. Äls gegen Ende März»83. die erst-Brechruhr- Epidemie ihr Ende erreicht hatte, wurden sämmtliche durch sie n-thwendig gewordenen Veränderungen in der Handhabung der Sanitäts- Polizey aufgehoben, und diese auf den ehedem bestandenen gesetzlichen Zustand zurück- geführt, und so blieb es auch als im Monathe April und Anfangs May in Mehreren Polizeybezrrken, zerstreut einzelne theils der Cholera ähnliche theils für solche anerkannte Fälle vorkamen. Nur wurde zu dieser Zeit auf den öffentlichen Gesundheitszustand eine besondere Nrückstcht genommen, und alle bestehenden auf denselben sich beziehenden Vorschriften auf das genaueste überwacht, zugleich aber jeder unnütze Anlaß zur Beunruhigung der Gemüther und Aufregung des Publikums vermieden. Als aber in der Mitte May die Zahl der an der Brechruhr Erkrankten schnell zuzunehmen begann, trat auch die Nothwendigkeit fühlbar hervor, eine genaue Kenntniß des Sanitärszustan- des besonders aber der Ausdehnung der Krankheit zu erlangen; daher wurden nicht nur die bisher vorgekommene» und bekannt gewesenen Fälle aufgezeichnet und gesammelt, sondern auch gesorgt, daß jeder der fernerhin sich ergebenden Fälle sogleich zur Kenntniß der leitenden Stellen gelange. Es wurden nicht nur die Polizeybezirks.D>rectronen durch die Pvlizey-Oder-Direction, sondern auch sämmtliche praktische Aerzte Wiens durch die medicinische Farultät angewiesen, jeden der ihnen vorkommenden Brechdurchfälle anzuzeigen, und um die Krankheitsvcranlassungen auf e.ne verläßliche Art kennen zu lernen und ihnen auf eine zweckdienliche Art entgegenwirken zu können, diese bey jedem 3sic» Zugeben" möglich zu erheben und an- Dem zu Folge wurden die Bewohner Wiens durch .^uny constatirt, und da die fortwährend steigende Zahl der Ergriffenen besorgen ließ, daß das allgemeine Kranken- haii^ für sämmtliche in Spiralern unterzubringende Kranke in Bezug auf Raum nicht zureichen könnte, überdieß aber 361 auch der weite Transport dahin bey den in entfernten Gegenden vorkommenden Kranken eine schnelle Hülfe verzögern müsse, wurden seit ,8. Juny in den Vorstädten Leopoldstadt, Landstraße und Mieden die früher in Reserve gehaltenen Spitäler in Bereitschaft gestellt, und wegen den schnellen Fortschritten der Krankheit in der Leopvldstadt am 22. Juny, auf der Mieden am»8. Jnly eröffnet, und das von den Barmherzigen Schwestern in Gumpendorf angebothene Spital seit 20. Juny mir Kranke» belegt. Umjferner den nöthig gewordenen Sanitäls-polizeyli- chen außerordentlichen Maßregeln die möglichst schnelle Verbreitung, Allgemeinheit und Nachdruck zu geben, wurde die Leitung der Sanitatspolizey und des Rapportwesens der Polijey-Ober-Direcfton übergeben, deren vorzüglichstes Augenmerk dahin gerichtet werden mußte, jedem Erkrankten schnell möglichst ärztliche Hülfe zu verschaffen, die vorausgegangenen Gelegenheitsursachen aufzufinden, nach Möglichkeit zu beseitigen und jeden Erkrankungsfall ungesäumt zur Kenntniß der Regrerung zu bringen. Alle jene besonderen im Verlaufe der ersten Epidemie als nothwendig anerkannten auf diese Puncte sich beziehenden Anordnungen, wurden daher bey der folgenden mit dem möglichsten Nachdrucke in Anwendung gebracht, jedoch hiedey auf Beruhigung des Publikums nach Thunlichkeit Rücksicht genommen. Was daher in Ansehung der Revisionen der Häuser in Rücksicht auf Reinlichkeit oder Ueberfüllung der Wohnungen und allenfalliger dem Sanitatszustande nachthei- liger Beschaffenheit anderer Haus- Udicatwnen; in Ansehung der Ueberwachung der Comestibilien und des Getränkes, der Wirths- und Schankhäuser, der öffentlichen Gewerbe, Brunnen, Straßen rc.; in Bezug auf Fremde, Unterkunftslose, dann rücksichtlich der Aufsicht auf gehörige Pflege und Möglichkeit einer entsprechenden ärztlichen Hülfe zu Hause oder in einem Spitale, auf Reinigung der Wohnzimmer und der Effecten der Verstorbenen; und was endlich in Hinsicht auf das Rapportwesen bey der früheren Epidemie angeordnet und geschehen war, geschah auch bey der folgenden. Zugleich wurde für die Unterstützung der Armen durch Anregung des Wöhlthatigkeitssinnes der Vermöglichen, durch Sammlungen und durch die Armenvorsteher möglichst gesorgt, ihnen die ärztliche Hülfe une»kge!d!ich geleistet und die Medikamente auf Kosten der Local-Fonde verabfolgt. sü -—- Zbs Als aber mit dem Steigen der Epidemie auch die allgemeine Bcsorgniß und Beunruhigung i» gleichem Maße zuzunehmen fortfuhr, und der schädliche Einfluß derselben auf einzelne Kranke sowohl als auf das gesammte Publi- cuttl nicht zu verkennen war, wurde feit y July auf Aller, höchsten Befehl nichts mehr veranlaßt und alles Hintangehalten, was geeignet schien, unnörhigerweise Beunruhigung, Angst und Schrecken zu verbreiten, Beirrungen und Hemmungen im Verkehre herbeyzuführen, oder demLo- ealfonde und Staatsschatz« unnütze Auslagen zu veranlassen; daher wurde auch von dieser Zeit an von den Aerzten die Benennung Cholera, Btechruhr, Brechdurchfall bey einem vorkommenden Falle vermieden, dieser eine andere schickliche die Kranken und die sie Umgebenden minder beunruhigende substituirt, und als solche auch in das Todtenver- zeichniß aufgenommen. Hievon machten jedoch die officiel- len Rapporte eine Ausnahme, in welchen alleErkrankungsfälle mit den ihnen zukommenden Nahmen belegt werden mußten. Gegen Ende September nahm die Anzahl der Erkrankten rasch ab, und die Krankheit verlor den Charakter einer Epidemie, daher auch die meisten der angeführten außerordentliche» Maßregeln allmählich wieder aufhörten. Schon am so. September wurde das Spital in der Leopoldstadt und am 3o. das auf der Mieden geschloffen, endlich mit s8. October die Epidemie als geendet erklärt, und die Sa- nitätspolizey Wiens kehrte wieder auf den vor dieser Epidemie bestandenen gesetzlichen Zustand zurück. II. Auf dem flachen Lande. Da das Sanitäts-polizeyliche Verfahren bey derBrech- ruhr-Epidemie auf das für alle übrigen Epidemien bestehende gewöhnliche Normativ zurückgeführt wurde, so wichen im Allgemeinen die Sanitäts- polizeylichen Maßregeln von jenen bey anderen Epidemien Statt findenden keines- weges ab; nur machte die ungewöhnliche Ausbreitung, Heftigkeit und Bösartigkeit dieser Epidemie eine besondere Sorgfalt und Genauigkeit bey ihrer Handhabung und noch überdieß ungewöhnliche Anordnungen nothwendig. Vor Allem leuchtete die Nothwendigkeit hervor, die Veranlassungen zur Entstehung dieser Krankheit bey einzelnen Individuen, und dadurch auch deren besondere Disposition zur selben so viel möglich zu mindern und somit, wenn 363 nicht der Epidemie doch deren größerer Heftigkeit und Ausbreitung entgegen zu arbeiten. Am meisten entsprachen diesem Zwecke gelegenheitliche Belehrungen der Laiidleuts, welche von Seite der Obrigkeiten, Seelsorger, Aerzte, Gemeinde- und Ortsvorsteher im Geiste des gesetzlich schon in den früheren Jahren bey ansteckenden Nervenfiebern eingeführten und publicirtenNolkSunterrichts vorgenommen wurden, und welche ein zweckmäßiges diätetischeSVerhalten, Hint- anhalten von Beunruhigung, Furcht und Angst zum vorzüglichsten Gegenstände hatten. Um letztere ,n Beziehung auf die Cholera so viel als möglich zu mindern, wurde diese alS eine ganz gewöhnliche Krankheit dargestellt, die Entstehung derselben aus wahr- riehmbaren äußeren schädlichen Einflüssen, auS der Beschaffenheit der JahreSzeic, der Witterung u. dgl. abgeleitet und mit andern Volkskrankheiten verglichen, damit zugleich die Warnung vor Unmäßigkeir, vor dem Genusse deS unreifen verdorbenen Obstes, Gemüses, schwer verdaulicher, ranziger, zäher Speisen verbunden, und die Vermeidung der Verkühlung bey erhitztem Körper oder bey kühlen auf heiße Tage folgenden Nächten, so wie jene der Gemüthsbewegungen, dringend anS Herz gelegt, und die Nothwendigkeit einer mäßigen ruhigen Lebensweise anempfohlen. In dieser Hinsicht wurden die Insassen zum unveränderten Fortgenuffe einer gewohnten an sich nicht nachtheiligen Lebensweise mit gänzlicher Furchtlosigkeit, zugleich aber auch zur möglichsten Reinhaltung der Häuser und Wohnungen sowohl alS des Körpers, der Kleidungsstücke, Wäsche und Geräthe angehalten, daher öfteres Erneuern der Lust in den Wohnzimmern durch Lüften, Räucheruugen mittelst Esftgdampfe, oder Wachholderholz angerathen; besonders aber wurden sie auf die Nothwendigkeit einer schnellen ärztlichen Hülfe bey jeder an sich leichten Unpäßlichkeit aufmerksam gemacht, vor dem Gebrauchs verschiedener oft schädlicher Hausmittel gewarnt, in Erkrankn,,Müllen aber bloß zu einem ruhigen Anhalten und zu dem Gebrauche emes warmen TbeeS bis zur Ankunft dsS ArzteS angewiesen. Den Gemeindevorstehern lag es ob, die alsoglei^s Anzeige aller jenen Erkrankungsfälle, welche mit den der Brechruhr zukommenden Krankheitserscheinungen auftraten, an den betreffenden Arzt und die Obrigkeit zu erstatten, und den Insassen von der regen Sorgfalt der B-- e s5* —" 36/j, Horden für ihr physisches Wohl auf jede Weise die Ueberzeugung zu verschaffen; zu welchem Ende auch alle Obrigkeiten und politischen Unterbehörden auf das strengste beauftragt wurden, für die Unterstützung der Armen auf sede thunliche Art fürzudenken, Hausirer, Bettler und vagirende Menschen möglichst hintanzuhaltsn, wegen der nöthigen Reinlichkeit in den Gaffen und Häusern Nachsicht zu pflegen, bey sich zeigenderUeberfüllung der Wohnungen die möglichste Abhülfe zu treffen, und für eine hinreichende Zahl gut unterrichteter Krankenwärter und Wärterinnen zu sorgen. Fand sich irgendwo ein beunruhigender Erkrankungs- fall sein, so wurden die Umstehenden so viel möglich dadurch beruhiget, daß von Seite des Arztes die Krankheit als eins gewöhnliche dargestellt, benannt, die Veranlassungen eruirk und bekannt gemacht, das zweckmäßige diätetische Verhalten, so wie das frühzeitige Herbeyholen des Arzres allen Bewohner» als nothwendig'»»!) dringend ans Herz gelegt, und bey schnell erfolgten Sterbefällen die Gründe zur Beruhigung der Gemüther und Verbannung jeder Furcht und Angst vor der Krankheit, aus jedem sich darbiethenden Umstände, als: aus der Beschaffenheit der Ergriffenen, den Veranlassungen, der verabsäumten ärztlichen Hülfe, Un- folgsawkeir, den Witterungsverhältnissen, der Jahreszeit rc. möglichst benutzt wurden. Zeigte sich bey den Umstehenden eine Furcht vor Ansteckung, so wurden sie von der Gefahrlosigkeit der Krankenpflege versichert und zur gewissenhaften Wartung der Kranken aufgemuntert. Fand sich ein Mangel an Pflege und Wartung, so mußten nach der verschiedenen Größe und Beschaffenheit der Ortschaft zur Unterbringung der Unterkunftslofen, Durchwandernden, Gesellen, Dienst- bothen rc. welche bey Hause nicht entsprechend behandelt werden konnten, entweder vorhandene und nahe Spitäler, Siechen- und Gemeindehäuser benutzt oder nach dem Bedarfe ein hinreichendes Locale eingerichtet und in Bereitschaft gehalten werden. In den meisten besonders in den kleinen Oitschasren wurde jedoch wegen dem Widerwillen der Landleute ihre Wohnung und Angehörigen zu verlassen, keine solche Anstalt errichtet, zumahl da eine derlei) Maßregel die Furcht vor der Krankheit nur vermehrt hätte, und es zeigte sich in solchen Fällen zweckdienlicher, wenn beym Erkranken der Aeltern oder bey zu großer Ileberfullung der Wohnungen kleine Kinder oder einzelne Familienglieder bey andern Einwohnern des Ortes einstweilen untergebracht, beym Mangel an Pflege und Wartung, wechselwttiger Beystand der Einwohner, zu welchem sie sich auch gewöhnlich willig verstanden, vermittelt, beym Mangel an Raum wegen Erkrankung mehrerer Personen aus derselben Familie, oder armer Dienstbothen, die Unterbringung einzelner Kranken bey den Angehörigen, Verwandten oder anderen Bewohnern des Ortes eingeleitet wurde. ' Eine vorzügliche Fürsorge mußte aber rücksichtlich einer zweckentsprechenden ärztlichen Hülfe und einer hinreichenden Menge guter Arzeneyen getroffen werden. Die ärztliche Hülfe wurde, und zwar bey Armen unentgeld- lich von den Drstricts-, den vorhandenen Privat- und in deren Abgang von sigends aufzustellenden Aushülfs- ärzten, so wie auch unter ihrer Leitung in Noth- fällen von den Wundärzten geleistet. Die Medikamente mußten aber für Arme ebenfalls unentgeldlich auf Kosten des Staatsschatzes entweder aus einer nahen öffentlichen Apotheke oder aus den Hausapotheken der Wundärzte genommen, in Ortschaften, in welchen kein Wundarzt seinen Wohnsitz hatte, eine kleine Hand- und Nothapotheke mit den dringend nöthigsten Arzeneyen unter sicherer Ob- huth meistens des Ortsrichters errichtet, und ein Arzt oder Wundarzt dahin auf die Dauer des Bedarfs übersetzt werden. Für die Unterstützung der Armen wurde während der Dauer der Epidemie das Möglichste von Seiten der Magistrate, Ortsobrigkeite», Dominien und Seelsorger, und zwar entweder durch Vorschüsse aus disponiblen Ar- menunterstützungs-Fonden, oder durch Geschenke der Herr- schaftsbssitzer oder anderer Vermöglichen, durch Sammlungen u. dgl. geleistet, wodurch überall den Hülfsbedürfti- gen das Abgängige an Geld, Nahrungsmitteln, Kleidern und anderen Supvelectilien zufloß. Auch für die gute Beschaffenheit der Nahrungsmittel, Getränke und anderer Feilschaften, so wie insbesondere für ein stets vorhandenes gutes Rind- und Kalbfleisch wurde durch genaue Ueberwachung gesorgt. Zur Vermeidung jeder nachtheiligen Beunruhigung der Gemüther, wurde in allen von der Epidemie befallenen Ortschaften jedes überflüssige Gepränge bey dem Versehen mit den h. Sterbsacramenten eingestellt, und die Sterbeglocke nur des Morgens und Abends für sämmtlicheVerstorbene geläutet. 366 War ein Todesfall erfolgt, so wurde die Leiche aus dem gemeinschaftlichen Wohnzimmer bald, gewöhnlich nach 3 Stunden entfernt, und in ein passendes Locale entweder desselben Hauses oder in die Todlsnkammer geschafft, und daselbst durch die Angehörigen oder durch gedungene Personen während der gesetzlichen Zeit wenigstens beobachtet; in vielenOrcen wurden auch verschiedeneBelebungsversuche an der Leiche vorsichtshalber angestellt; inzwischen mußten die Wohnzimmer gelüftet, mittelst Essig oder Wachholderholz geräuchert,!die Geräthe entfernt, das Bettstroh vertilgt, das Bettzeug durch Lüften, Ausräuchern und Ausklopfen, die Bett- und Leibeswäsche durch Auslaugen und Waschen gereiniget, der verunreinigte Fußboden, die Bettllätte, und anderes Geräthe durch Waschen und Scheuern mittelst Sand gesäubert werden. Die Entfernung, Einsegnung und Beerdigung der Verstorbenen geschah überall auf die gewöhnliche Art und Weise und es mußten nur in manchen Gegenden, um die Gelegenheit zu Diätfehlern nicht zu vervielfältigen, die bestehenden Verordnungen über das Unterbleiben der Todtenmahle auf das strengste aufrecht erhalten werden. Ausweis über diejenigen Auslagen, welche die epidemische Brechruhr seit ihrem Ausbruche in Wien bis zum Schlüsse des Mo- naths September-833 dem städtischen Aerar verursacht hat. K> Gegenstand. Geldbetrag Einzeln Zusammen in Cvnv. Münze. fl. kr. il. kr. für Contumaz-Anstalten.- für die Sanitäts- Bezicks- Abtheilungen..... für die Cholera- Spitäler*) für die Insections-Wäsche- Neinigung- für die Leichenhöfti.... rür dieCholera-Vorkehrungen vv» den Vorstadkgemeinden >3.979 2Zg,>ä2 3,l>72 6,32a ä9 3Sr,ääS 7 Totalsumme.. j.. A n m.*) Unter dieser Auslage sind jedoch die Kosten für die später errichteten Cholsra-Reserv-Spitäler nicht mitbegriffen. Die aus dem Cameral-Aerar bestrittenen Auslagen in Cholera-Angelegenheiten, welche jene des städtischen AerarS weit übersteigen, konnten noch nicht genau erhoben werden- Tabelle üb-r s-mmMch- Br-chruhr-Au«ri,ch- v»m May iis N-v-mb-r ISä- in der Pravmz Ried. o-sie- reich in chronologischer Ordnung. Kreis. Ortschaften. Ein- wvh- ner- zahl Dauer der Epidemie Anfang U. M. B. U. W. W. U. M. B- U. W. W. U. M, B- » U. W. W. u. M. Be » U. W. W. U. M. B. U. W. W. U. M. B » » « U. W- W ! Zweutendorf... Äspernan der Donau- O'lgersöorf Hüttendorf Ganst- Ziegelofsn.- Poysbrunn Hof an der March.- Waltersdorf.... Herrnals Stronsdorf...-- Riederabsdorf..- Lanzendorf..... Mistelbach---- Schletz Waltersdorf bey Staatz Ebersdorf a. d. Donau Prinzendors. Wilsersdorf. Rannersdvrf Qrth.... Girning.. Ebersdorf a. d. March Theesdorf. Ketklasbrunn 'Imeis... Hörersdorf, Neustedl an der March Ringelsdorf. Thsresienfeld Wetzdorf-- Unterschoderleh Loiinersdorf Enzersdorf Hauskirchen Drvsing. Erdbsrg. Höbersdorf Waßelsdorf Laa... Zwvlfaxinq Pellendorf St- Veit. lHimberg. 353 >336 278 5i> 102 760 35» 465 383» y3y 65» 4y6 2,83 351 233 ->5»> 701 842 2/9 >>70 33» 377 780 768 5>4 S»» 844 >>4» 564 888 286 36g 49» S2S 8S3 6»3 36y >>38 1418 453 >26 >464 >373 May 4- » 2>. » l4- Juny I. 0. 8. » 9. » 9. » ,0. » 11. » 12. » 12. » 12. » i3. » 14. » 18. » 19. » 20. N 20. » 23. >, 24. » 25. V 25. >- 2 5. » 27. v 28. » 28. N 2L). July 1. »>. » 1. » 2. » 2. e 4. » S. » 7. » 7. » 8. » 8. " 4. » 4. » 4. Ende sEr- krankt- Gene- sen: Gestorben: Juny 4 July 3c>. » 10. » 21. » 6. » 4. »»0. >,>4. Sptmbr. t- July>4. » 3». » 22. August 2S. July 3». July>4. Sptmbr.>5. August II. July 24. » 14. Sptmbr.2». August 18. Oetvbsr 3. July i5. August 14, » 12. » 2Ü. July 3o. August 17. » 12. »>4- Spkmbr.3». August 26. Spknibr.iS. August>8, » ib » i». » 4. Sptmbr.>5. » 8. » 8. 1. 6^ 3» 217 47 177 45 >8» 36 28 4> 28 65 24 276 21 62 >3 77 81 53 68 54 72 16 68 125 34 4y 49 55 >55 54 46 81 53 46 6g 9 >58 >44 47 32 I I r >4? >7 143 39 >27 42 >2» 24 25 33 2> S4 23 201 -9 5» 3 6> 48 34 54 44 S7 1> 95 25 44 33 45 >>8 42 36 68 44 33 5» 5 >sS 102 34 22 65 111 >3 24 8 Lo 5 6» 7 3 18 1 75 2 >2 I» 16 33 -4 '4 i» >5 5 '7 5» 9 5 16 10 37 >2 I» >3 9 >3 >8 4 33 47 >3 10 46 36 Es sind daher von rooo Ettlwohn. von 100 I Erkrnktn-! gestorben^ erkrankt s gestorben 162.42 170,4» 346,37 441,17 240,0 >»2,85 60.21 10,70 24,81 100,0 48,38 126.43 64,62 266,04 8,66 104,84 40,8» i84,96 S8,n >63,63 140,48 21,33 1>4,58 243,14 68,0 S8,»5 42,48 47,5. 174,54 >83,8i 124,66 >65,3» > 00,45 53,42 > 12,76 24,84 >38,84 i»5,»7 >»3,75 253,47 56,37 107,06 17.46 24,04 97.84 6,45 80,» 20,0 6.45 4,6y 7.45 16,42 2,or 34.35 5,64 Si,S» 6,66 22,82 56.44 50,17 >>,46 3» 3» 39,78 6,66 22,13 58.36 18,0 5,o2 >4,»3 >7,72 4*,66 41.46 27,10 26,53 >7,>4 >5,24 24.85 >o,84 28.44 33,. 4 28,69 79.36 23.36 26,21 1>,»5 17,02 28,24 i»,7i 33,33 -9,44 10,71 43,4» 2 9,0 16,92 4,>6 27.17 4,52 >4,35 76,42 20,77 4»,74 2-6,4- ro,S8 >8,S> 2o,83 3l,2Z 14,81 24,» 26.47 10.20 3?.,69 18.18 23.87 22,22 2.,73 -6,»4 16.48 28,26 26,47 44.44 20.88 3 i,S4 27,65 3>,25 4-,44 2/s,^8 Kreis. Ortschaften. Ein- woh- ner- z-chl: Dauer der Epidemie Anfang Ende Er- ! krankt- Genesen: Gestorben: Es sind daher von ivooElnwohn. erkrankt: j gestorben: U> W. W U. M- V. S. M. B. U. W. W. N. B. U. W. W. » » U. M. B. » U. W. W. U. M. B, U. W. W, U. M. B » » U. W. U. M. B. U. W. W U. M. B. U. W. W. u. Ar' B. O. M. B. U. W. W. » Brunn-- Wulzeshoftn Kleinschweinbarth Niederedlitz. Dornbach Neuwaldegg Pernecsdvrf Strvnsdorf Pottendorf Pischelsdsrf Petronell. Wilfleinsdorf Karlsdorf. Mühlbach Witzelsdorf Achau-- Wismath. Erlaa.. Jetzelsdorf Trchuswinkl Sollenau. Jnzersdorf Fischau.. Hansthal. Zellerndorf Jistcrsdorf Groißenbrunn Hofblaustaudei Peygarten. Oberschoderleh Sarasdorf- Velm... Unterwaltersdorf Gainfahcn. Leesdorf.. «taatz... Pulkau... Katzelsdorf. Gietzhübl.. Großnonndorf Böhmischkrut Bruderndorf Schwechat. Sechshaus. Poysdorf.. Horn... Breiten« ch. Braunhirschen Fünfhaus.. Altkettenhof. Neukettenhvf 444 501 664 328 834 299 1172 y3c» 2986 366 900 SZ8 3io 399 827 922 4y5 198S 708 65o 902 34oo 666 454 I>3l lS4Ü 300 4? 478 27, 4a5 502 763 ,22/ 78» 2,2 2022 795 354 734 >446 44. 2680 2S27 284» >49» 294 36>7 3S»2 Süo 757 July 10. 10. >0. 11. 12. 12. 12. 14. 14. 14. 18. >5. 18. 15. » iü. » 16. » 1 ü. » 17. » 17. v 18. >'>8. » 19. » 20. » 23. » 24. » 2Z. » 2Z. » 2 h. » 2g. » 3o. » 3». August 1. >. 1. 1. 2. 3. 3. 4- 4- 5. 6. 6. 6. 6. 7- 7- 7- 7- 7- Septembl4- » 8. » 18. July 17 Sptmb. 18. >5. » 6.. » 76 » 3o. August 20. July 16. August 21. » 3i, July 19. August 28. Septnibr 3. July 28. August 28. Sptmbr. 22. August 28. Sptmbr. i>. » 3o. August 18. Sptmbr. 18. August 24. » 20- Sptmbr^iS. » i5. August 26. Septnibr. 8. August 21. Septnibr. 8. » 3. » 18. » 18. » i5. » 29. » 21. August 3i. Se'ptmbr. 8. -» 8. » ist- » 8. » 3o. » 4- Dctobr. 28. » i3. Septnibr.-. » 21. » 22. » 22. 78 363 110 7 6y 23 88 >7? 38> 73 1 78 hü 2 18 87 8 77 >oZ 43 ->3 !»3 ÜO 37 140 44 4» 4? 2» 27 3, 36 39 S9 68 4.2 79 245 23 294 17? 63 35 3> 3o4 828 4> >7 66 ,3 >4 62 297 76 3 44 16 66 125 887 St! 60 ^67 -6 46 2 6« 83 37 95 72 47 '7 66 39 27 . s4 i3 i3 26 23 . 32 39 5r 27 82 16 227 I2t 43 22 20 229 2^2 23 11 34 6 16 68 34 4 25 7 22 So 44 iS 18 9 2 2 4' 3 aS 20 iS 18 3i i3 20 34 5 i3 23 7 >4 5 i3 7 20 -7 lö 47 9» 7 67 S6 18 i3 i> 75 8- ib 6 Z2 9 9 178,67 728,56 184.36 82.78 76,92 76,08 >86.33 >3o,63 189,11 i49,y8 '88,2g 53,04 189,87 38.79 i45,48 66,>5 12 3,2? 80,29 90,09 81.49 >21,63 28.46 >33,33 1000,0 4-,«4 99,63 72,94 71,71 S>,ii 48 08 87,17 198,1> 3y,97 3o8,'7 64,97 4oo,54 120,96 .428S >3.83 12,26 129,83 216,77 189,4s 4,7» >8,84 26,78 18.49 36,o3 i3S 7n 67,04 29,96 23.4> 16,77 53,24. iS,o8 38.36 33,45 i7,64 6,11 66.91 7,53 28.24 IÜ,h2 19,98 9 1! I9,Sl 44,o5 46.91 3,23 45,33 469,36 >4,64 5>,66 1>,76 22,89 9,>7 16,2g 21,79 70,76 23.24 1>3,20 >9,77 91,28 38.23 4o,8i 5.13 4,35 02 o3 34.36 34.42 >,65 9.13 16,07 i>,88 Kon irr» Erkrnktn, gestorben: 20,3- -8,63 80,90 36,23 3o,.^3 28,0 2g,73 >1,34 20,54 28,07 9,37 11.11 47.12 -9.48 -9.4- 25,58 >3,92 80,09 21.66 34,o3 88,87 >i,36 за, S 46.93 35,o 3>,63 16.12 зб, i> >7 94 33,89 28 0 35,71 69,49 36,73 3o.43 22,78 3> ,63 28 57 3st>4 35.48 24.67 28,07 89,02 33,29 48.48 6n.o 6/4,28 Kreis. Ortschaften. Ein- woh- n erzähl Dauer der Epidemie Anfang Ende Erkrankt: Genesen: Gestorben: ll. W. B. >> » ll. W- W. M. B. W. W. » . M. B. U. W. W. » U. M. B. U. W. W. » » ß!u. M. B, U. W. W. U. M- D- ll. W. W. U. M. B. U. W. W ll. M. B. Schrick.. Scefeld.. Hadreß.. Grinzing Reisenberg. Moosbrunn Furth-- Pillersdorf. Walterskirchen Pfaffstetten- Weilers dorf am St. Siegerdorf u Hschdorf Hvflein. Sooß Unterlaa Laab.... Kleinbaumgarten Hohenruppersdorf Platt Unternalb Mariaenzersdors Netting.. EnzerSdorf. Traiskirchen Deinzendorf Knollenbrunn Schraktenberg Neinkhal.. Haugsdorf. Gaubitsch tlnterstinkenbrunN Oktenthal., GuntramSdorf Schauerleiken Großabsdorf Wnltendorf Reudorf. Lassee. Pyrawarth Prottes. Obritz. Kadolz. Mailberg Kautendorf Gnadendorf .'in.. Obernalb Ollersdorf Falkenstein Äähring Dunkelstem 988 793 >k>5y Y2Y 582 48: -58 4»9 619 y5q 557 38o 428 393 2 54 4o4 3y4 >375 >028 >o54 >45 8Y > 008 >3oo 558 45> >488 8" >y35 63> SS» 7y0 >200 36 708 482 >,8» 863 990 66, >066 729 1>82 274 54> 866 >091 667 8»2 2S78 409 August 7. » 8. » 9. » 9- » 10. » 10. »>0. » 10. » 10. » 11. v 12. r>> 3. »>3, »>4- »>5. -> 15. » 16. »>6. » 16. »>6. »>6. i>>6. » 17. » 17. >8. 18. 18. 18. >8. 18. >9. >9. 19. 20. 20. 20. 20. 20. 20. 2,. 2>. 21. 22. 22. 22. 23. 24. 24. 24. 24. 25. L-eptm. 3o. Ocwber 2. Ortober 2. Septinbisb. » 18. » 8. » 3o. Septmb. 6. » 7' » 22. » 27. » 12. » 8. » 21. » 27. »>8. Qctobsr 3o. » 6. Spkmb->°. » 20. »>7. August 2>. Sptmb.>5. » 27. » 8. » 3c>. » 20. »>5. » Zo. » 8. Oktober 3. 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Ortschaften. Einwohne r- zahl Dauer der Epidemie von bis u. M. B. O. M. B. U. M. W. U. M. B. » » » U. W. W. U. M- B. U. W. W, O. M. B. U. M. B. » e U- W. W. » » Q- M. B. U. M. B. U. W. W. » » U. W. W, U. M. B » U. W. W, U. M. B, » » » « U, M W. Herrnbaumgarten Großschweinbarth Auggenthal. Siebenhirten Altstadt Netz Unterrehbach Zwingendorf Untermarkersdorf Waidhofen a. d. Thava Schwadorf.. Feistrih... Petersdorfj.. Kleinharras Kleinhöflein Pyrrha.-. Niederfellabrmm Mannersdorf. Unqerndorf.- Hbflein... Theras... Gneixendorf. Engelhardsiette» Gerasdvrf.. Hausbrunn Rabensburg Knzesfeld.. Leobersdorf.. Gnaden... Koltingbrun u. Wallb Burgschleinih Aspern an der Donau Qberkreuzstetten Fallbach... Krumbach.. Düruleis.. Ehtnsdorf.. Drasenhosen. Reichen«».. Süßenbrunn. Stillfried,- Gleichbach.. Schwarzau.- Obersiebenbrunn Klcment... Kopfstetten.. Harringsee.. Braunsdorf. Hirschstetten Leopoldsdorf. Pframa... Slang-.. -684 I2o3 566 5oo >558 ,468 8-3 878 698 it>4o 12» rooo J90 6>o 3s5 629 1994 18b 1167 4«3 3ao 4,7 697 -022 -45» 409 1334 785 4?3 485 724 488 46» a53 395 3o3 io32 3332 233 34- 353 lbl2 586 3a5 211 464 56a 219 5o4 LII 1-7 August 26. » 2S. » 25. » 25 » 25. >! 26. » 26. » 26. » sb. » 27. »7. 27. 27. 28. 29. 29 29. 30 » 3i. Septemb.- » i. » 1. » 1. » 1. » 2. » 2. r> 2. » 2. » 3. » 3. » 3. » 4. » 4. » 4. -- 5. » 5. » 6. » 7. ,» 9. !) IN. » I l. » i5. » i5. » 17. » 20. » 20. » 21. V 25. Oktober 1. » 12. » 26. Sprmb. 29. Oktober 17. Septmb.22. » 5- » 19. Oktober 6. » 29. » 24. Spkmb- 6. Oktober 6. Seplemb. 1» » 3«>. » 25 » 2!. Oktober 5. Septmb. 19. Novmb. 1». Oktober 6. Septmb. 14. Decemb. 6 Oktober 28. » i3. » 21, » 8. » 7. Septmb. 25. »-s5. » 3o. » 24. Oktober 12. Sprmb- 18. Oktober 1. Sptmb. 3o. »> 18. Novemb. 1. Sptmb. iZ. » 26. » 16. Oktober 20. Septmb.3o. » 29. » 22. Novemb. 1. Oktober 20. Novemb. 11. » 7. Ortober 28. Novmb. i3. » 8. 8 12. » I. Genesen: Gestorben: Es sind daher von Ivoo Einwohn. erkrankt: j gestorben: von ino Erkrnkln- gestorben 104 240 -4 18 16 67 1>4 i43 3 62 96 36 12 45 4 218 4> 22 i5 Zo 28 .8 -33 4o 39 36 -9 44 27 4 1» 46 b 46 21 30 >7 5 >4 4 4 >9 -9 22 29 38 32 3? >7 1 .8 34 12 8 9' 20 -3 4» 5 20 2 11 7 5 20 3 35 6 12 1 13 -o 11 22 10 9 9 i5 9 7 2 9 9 8 11 6 1» 4 7 5 12 3 3 3 4 11 3i lo 7 s 72.44 27,76 45,y3 82.0 16,»4 69,67 162,86 209,14 5o,o 28,5 1 iv,s5 27 86 200,0 I>, I 2 i3o, 14 «52,68 29,38 39,70 i34,37 9>,,2 4>,6o 151,6b 34.48 1>7,35 33,73 43.31 I 12,n5 70,>0 38,93 119,56 54.90 i44,3o 89,10 38,?5 6,Za 68,66 55,7r 45.32 4,34 37,54 67.69 123,22 66,20 122.77 191.78 87,8» 104,26 10.68 28.25 2>,20 ib,o 6.77 18,72 22,14 45,71 12,19 6,5 -7.94 8.19 6>,S3 4,76 >8,oo 32.25 10,87 2,48 4o,62 23.98 -5,78 85,> 8 6,89 22,00 6,?4 19,10 -9,02 14,4 8 -8,44 -9,56 31,37 27,84 19,80 9,68 1.20 3n,o4 -4.66 33.99 1,86 5," 9,28 i8/)5 28.70 55,>6 45,66 -3,88 28.69 19.75 12,40 46,15 80.76 36,n 22.98 -3,63 21.85 24,39 19.29 >6,27 ')9,4i 80.76 57,-4 -3,38 12.76 35.29 6,25 80.28 26,81 3?,93 -4,-9 20,0 -8,75 20,0 44,i> 16.98 20,58 47,36 -6,36 67,-4 19.29 28,22 25 o -9,04 43,75 ab,3i 75,0 42.85 i3,63 -3,63 -5,38 27,5 44,92 28,80 16,90 22,72 .,- K