- - Diener 8raärbL1iorkek k 7889 M- r Lr? r 8 o Z» .Ueber die jetzige Verfassung der ProteKautischm Schule» i» Ungar«, nebst einigen Vorschlägen zu ihrer größer» Vervollkommnung. Eine Abhandlung, aus dem 2ten Bande von I. Wächters und K, Cleyn manns Allgemeiner Prakt. Bibliothek für Prediger und Schulmänner, besonders abgedruckt. Wien, kn der Camesinaischen Buchhandlung» AbhandluNgen. Ueber die jetzige Verfassung der Protestantischen Schulanstaltm in Ungarn., nebst einigen Vorschlägen zu ihrer größer« Vervollkommnung. E^as Zeitalter der verbesserte!? Erziehung, in welchem wir leben; die Erfahrungen, die wir von der Ausführbarkeit der, von R ochow, Basedsw, Campe. Trapp, Salzmann, Niemeyer, und so viel anderen trefflichen Männern empfohlnen Vorschläge zur zweckmässigeren und der Natur mehr angemessenen Bildung des jugendlichen Menschen gemacht haben; der hohe Vorzug unserer Zeiten, viele menschliche Kenntnisse erweitert, andere auf festere Grundsätze, zurückgeführt, zwischen allen ein inniges Band bewirket, alle mehr praktisch, und für das Leben bearbeitet, und die Erziehungsregeln insonderheit mit philosophischem Bli- A L cke cke aus den innersten Tiefen der Menschennatur abgeleitet zu haben;— dieses Zeitalter, das sich in Rücksicht der Erziehung durch Vollständigkeit, durch größere Allgemeinheit und Harmonie, durch ein tiefer durchdachtes System, und stäte Rücksicht auf das Nutzbare auszeichnet, veranlaßt uns, mit dankbarer Verehrung der weisen, Alles leitenden Vorsicht, einen frohen Blick in die Zukunft zu werfen. Nicht, daß diese besseren Erzichungsgrundsatze überall angenommen und befolgt worden wären; nicht, daß bis jetzt dem großen Bedürfnisse der Menschheit überall durch zweckmässige Anstalten aller Art abgeholfen wäre; nicht, daß in Ungarn insonderheit, wo bey den protestantischen Schulen-das Meiste den Inspektoren und dem Patronat überlassen bleibt/ schon Alles gethan wäre, was in Deutschland, und vielleicht auch bey uns geschehen konnte, schon alle die Hindernisse weggeräumt wären, welche dem Erzieher das angenehme Geschäft der Menschenbildung in «ine drückende Last verwandeln, dem Zöglinge die Mittel zu seiner völligen Ausbildung so sehr erschweren/ oder ihm diese durchaus unmöglich machen;— nicht- daß in Ungarn durch eine glückliche Erziehung der edle/ durch eine gerechte Regierung geleitete und begünstigte Geist des ächten Patriotism und der Humanität überall herrschend wäre: aber doch ist auch in dieser Hinsicht in einem Zeitraume von etwa zwanzig bis dreyßig Jahren auch bey uns schon viel geschehen; doch ha- L haben die richtigeren Theorien über Menschenbildung durch die wohlthätige Verbindung Deutschlands mit unserem Vaterlande, und durch die aufkeimende Liebe der Literatur bis an die äußersten Winkel Pannoniens sich verbreitet; doch haben aus der Mitte einer edlen Nation von so viel trefflichen Anlagen— wohl meist durch eigene Kraft, und durch hinzukommende begünstigende Umstände—> sich Männer hervorgethan, die ihrem Volke und ganz Europa Ehre machen, und um verschiedene Zweige der Literatur sich wesentliche Verdienste erworben haben- Und wirklich ist die Verfassung der vorzüglicheren protestantischen Schulen Ungarns in neueren Zeiten ihrer Vollkommenheit merklich näher gerückt, und das Verdienst vieler der dabey angestellten Lehrer unbezwer- felt. Schon hat man in einigen der berühmtesten derselben einem wesentlichen Mangel durch Anstellung neuer Lehrer unv durch Erhöhung der Gehalte abgeholfen, wie es zum Beyspiele in Presburg, Oe- denburg, Kesmark, Eperies und Leutschau geschehen ist, und die wohlthätigen Früchte dieser Anstalten werden durch treffliche Köpfe, die aus diesen und andern ungarischen Schulen hervorgehen, immer sichtbarer- Auch haben die in neueren Zeiten in Ungarn errichteten I n st itute, in welchen die Jugend zweckmässiger und vollständiger gebildet werden konnte, oder die, mit den öffentlichen Schulanstalten vereinigt, den A Z mit 6 mit so mannigfaltigen Geschäften überhäuften'öffentlichen Lehrern zu Hilfe kamen, wohlthätig für Ungarn gewirket. Ich nenne darunter ausser dem trefflichen 6eorßicon des edlen Grafen Georg Festetits zu Keßthelp nur das'ökonomische Institut des auch in Deutschland rühmlichst bekannten Predigers Theschedik zu Szarvas, und die mit den öffentlichen Schulen vereinigten Institute zu Tfttnek§ Kesmark und § e u t sch a u. Aber doch scheint das protestantische Erziehungs- weftn in Ungarn mit dem der Deutschen aus mannigfaltigen Ursachen nicht gleichen Schritt zu halten; so wie die Literatur der Ungarn mit jener der Deutschen aus vielen, leicht begreiflichen Ursachen durchaus nicht in Vergleichung kommen kann. Sollte es sträflich seyn, einige der Mängel, welche die jetzigen Verfassungen der protestantischen Schulen in Ungarn, und ihre Lehrer drücken, aufzudecken; sollte es anmaßend seyn, einige Vorschläge zur grösseren Vervollkommnung der protestantischen Schulanstalten in Ungarn dem kompetenten Publikum zur Bcherzigung vorzulegen, und seine Wünsche über einen so wichtigen Gegenstand aus reinem Patriotismus, und Ueberzeugung von dem wohlthätigen Einflüsse einer zweckmässigen Erziehung auf den Staat mit geziemender Bescheidenheit bekannt zu machen? Dieß ist die Absicht des gegenwärtigen Versuches, dessen Verfasser, als ein vierjähriger Schulmann, in die- 7 dieser Nati^nal-Angelegenheit mit rine Stimme zu haben glaubt. Weit entfernt, seine Stimme m Klagen über Lehrer und Verfassungen zu ergießen, halt er es vielmehr für seine Pflicht, mit kalter Ruhe, vnd ohne Parthey zu nehmen, seine Gedanken über einige noch bestehende Unvollkommcnheiten der Schul- anstalten Ungarns zu äußern, mit dem innigen Wunsche, daß in dem neuem. Jahrhunderte, durch weift Reformationen, allmählich und, ohne Zwang, diesen Gebrechen von patriotischen Männern abgeholfen werde. Seines edken Zweckes, und seiner Partheylosigkeit sich bewußt, wird er mit Freymüthtgkeit diesen so viel umfassenden Gegenstand behandeln; wird es sich nicht herausnehmen, mit Anmassung über diese oder jene Schrüanstalt abzusprechen, wird noch weit weniger sich Persönlichkeiten erlauben;—. zufrieden, wenn er, auch unbekannt und unkerühmL zur Abhelfung dieser so drückenden Beschwerden m i t- wirken kann. Er ftird zuerst allgemeine Bemerkungen über hie jetzt bestehenden Verfassungen her ungarischen Schulen vorausschicken, dann Resultate daraus ziehen, und mit Bemerkung des vorzüglich Mangelhaften dieser Anstalten seine Vorschläge verbinden, denen am Schlüsse das nach seinen Ideen entworfene System einer für Ungarn passen- hen Lehranstalt nachfolgen mag, A 4 l. l. Allgemeine Bemerkungen» Die Schulen der Protestanten in Ungarn stutz nach der richtigen Bemerkung des Herrn Professors Schrvartner*) arm an Geld, arm an Lehrern, arm an Hilfsmitteln. Die Gehalte der Lehrer sind größtentheils sparsam, und kaum für die ersten Lebensbedürfnisse zureichend. Dagegen sind dieselben Lehrer mit Geschäften überhäuft, und die meisten derselben sehen sich in der Nothwendigkeit, außer den Pflichten ihres Amts durch Privatunterricht, den sie reicheren Zöglingen ertheilen, oder durch heterogene Geschäfte ihren Finanzen aufzuhelfen, und für eine anständige Subststenz ihrer selbst und ihrer Familien nach Möglichkeit zu sorgen. Hiezu kömmt der für den Freund der Jugend äußerst empfindliche Mangel an öffentlichen Bibliotheken, und an einem für Schulen durchaus nothwendigem mathematischen, physikalischen und geographischen Apparate. Man nehme noch die Verachtung hinzu, mit welcher der größte Theil der-—zumal bejahrteren und verarmten Schulmänner, aus Vorurtheil und Unwissenheit einerseits, und von der andern aus Ueber- muth und Anmassung behandelt wird; man lege die übermLssigen Forderungen, die man an einen Schusmann in Ungarn macht, den Zwang, in welchen St-MstiS des KLnigrrtchks Ungam. Seile. Lch'- 9 chen man feine Thätigkeit durch Dependenz von Rektoren, und zum Theil von seinen eigenen Zöglingen, von welchen er größtentheils besoldet, oder— hono- rrrt wird, und deren Eltern erhält, mit auf die Wagschale, und urtheile über das Loos so vieler würdigen Männer, die statt der für das Publikum großmüthig gemachten Aufopferungen mit Bangigkeit einem hilflosen Alter entgegensehen. Sollte die geringe Achtung, die ihnen erzeugt wird, nicht allen Muth und allen Geist bey ihnen zu lahmen im Stande seyn; sollte die trauftge Aussicht, die für die Zukunft sich ihnen eröffnet, nicht oft zu niederträchtigen Künsten der Schmeichelei) und der Habsucht, oft zur Pathey- lichkeit für reichere Zöglinge/ und Ungerechtigkeit gegen die Armen, oft zum Uebergang in den besser dotirten geistlichen Orden, oft zum Mißvergnügen über ihre Lage und zur Vernachlässigung ihres ehrwürdigen Amtes sie verleiten? Man wird mir einwenden, daß hie und ba unter den öffentlichen Lehrern sich Männer- von Vermögen, und dadurch von Ansehen und Einfluß finden. Ich antworte, daß gegen einen derselben hundert andere in mißlichen Verm'ögensumständen sich aufstellen lassen, die nach dem Grade ihres Eifers für Literatur und für die zweckmässige Erziehung der ihnen anvertrauten Jugend in immer tiefere Armuth versinken,—daß selbst diese wenigen reicheren Lehrer ihre Wohlhabenheit weniger ihrem Amte, als andern vor- A Z theil- rs cheilhafttn Verhältnissen, in welchen sie stehen, zum Beyspiele,, Familienvcrbindungcn, ökonomischen oder Hanhels-V;rsuchm, durch welche sie sich zu helfen suchen,«der den gut bezahlten Privatstunden und den? Unterhalte reicher Zöglinge zu verdanken haben. Man hat indessen diesem Uebel an mehreren Orten abzuhelfen gesucht. Man hat in Presburg, Oeden- burg, Kesmark und Lcutschau die Schulgehalte erhöht. Aber theils kommt diese Verbesserung des Gehaltes nur wenigen Personen dieses Standes zu gut, indeß der größere Theil der übrigen in Armuth und Elend sein Leben verschmachtet; theils sind ftlhst diese erhöhten Gehalte im Ganzen so sparsam zugetheilt, daß sie, wenn. auch nicht mehr der Reformation s- zeit angemessen,*) doch zu den mannigfaltigen Bedürfnissen, nach dem nun einmahl herschenden Luxus, und den so sehr erhöhten Preisen aller Lebensrnittel, zumal im Falle des Mangels an Schul-Bibliotheken, Kr Freunde der Literatur durchaus nicht hinreichend sind. Ich komme auf den zweyten oben berührten Punkt der übermässigen Geschäfte, mit welchen die öffentlichen Schullehrer in Ungaru belastet sind. Um diese genauer zu bestimme«, und das Uebermaß derselben zu erweisen, ist es nöthig, einen allgc- M e i n e n ueberb l i ck auf die jetzt bestehenden Schul- an- O Hchw m-Rrrs Statistik, Säte Z4i, Mstalttn Ungarns zu werfen, und zu sehen, was Alles von den Lehrern derselben gefordert wird. Ich theile zuerst dir protestantischen Schulen Ungarns in höheres und niedere ein. In den erster,, werden die, sogenannte» höheren Wissenschaften, zum Beyspiele, Philosophie, und etwas aus dem mathematischen Gebiete, einige Rechts- Wissenschaften in größerer oder minderer Ausdehnung, die Theologie und Geschichte, in eiiiem weiteren Umfange, nebst der klassischen Litteratur;— an einigen Orten auch eigent-, lich akademische Wissenschaften, Statistik in systematischer Form, Diplomatik, Pädagogik, und so weiter. Vorgetragen. Ju den andern der Elementar-Eur- sus der Religion und der lateinischen Sprache bis zu der Klasse der Beredsamkeit, nebst einigen, historischen. Ufld ^ So sehr ich das Schwankende dieser, auch den Akademien und Universitäten gemeinschaftlichen Benennung führe: ss wenig kann ich mir Helfen: indem die Eintheilung in g ezehrt- und Bürgerschule?, mir eben jo unpassend scheint; nachdem in Ungarn alle Schulen,— ein Paar, die in der Folge genannt werden sollen, ansgciiymmeu gelehrt-sind, bq«. heißt ngn wohl-solch-, in ipelchen «uf einige bloß d e m Gelehrten nothwendige Kenntnisse durch Unterricht in der lateinischen Sprache vorgearbeitet wird. Auch haben die meisten dieser Schulen in Ungarn, wie in 8er Folge bemerkt werden soll, das Eigene, daß. sie nicht bloße Vorbereitung auf Akademien, sondern bey vielen vollständige Bildung bezwecken, und daher viele eigentlich akademische Wissenschaften mitzunehmen gezwungen sind. rr und geographischen Kenntnissen, mit Inbegriff der An- fangsgründe der Rechenkunst und der Geometrie, des §esens und Schreibens z— in einigen besser einaerich- teten Schulanstalten auch Naturgeschichte und Oekono.- mie, nebst einigen diätetischen Regeln. Mögen die ersteren immer den alten Namen der Gymnasien oder der Lyceen benbehalten: die anderen will ich Trivial--Schulen nennen, weil der Hauptgegenstand derselben sich in dem Kreise des alten Trivium einschließen läßt. Diesen beyden Klaffen von Schulen kann ich^ keider, nur im Vorbeygehen— die eigentlichen Bürgerschulen, die erst in den neuesten Zeiten in Deden- durg und teutschem errichtet worden sind, beyfügen, und zugleich mit Vergnügen hinzusetzen, daß—. guch nur in dem letzten Zeiträume— die Mädchen und die Knabenschulen, in einigen Städten wenigstens, abgesondert worden sind. In einer der ansehnlicheren Städte Ungarns waren bis vor ein Paar Jahren die Zöglinge von beyden Geschlechtern in einer An^ zahl von ohngefähr hundert Köpfen vereinigt.*) Die oben genannten Trrvial-Schulen lassen sich wieder in ihre Unterarten abtheilen. Die eine Art derselben sind die Dorfschulen, in welchen außer ') An Industrieschulen, wie sie in Deutschland hie und da, und in England errichtet worden sind, ist bis letzt in Um gärn noch nicht gedacht worden- rz ßer dem Cantor höchstens noch ein Lehrer die Kinder des Orts, und oft auch der benachbarten,— vorzüglich den Winter über, indem im Sommer die größere Zahl der Zöglinge ihren Eltern in dem Feldbau Hülfe leistet, und keine Sonntags--Schulen bey uns vorhanden sind— im Lesen und Schreiben, im Christenthum und im Latein, unterrichtet. Die andere Art sind die niedern Schulen in den Städten, und die Schulen der Markflecken und wohlhabenderen Orte Ungarns. Die letzteren haben zwey oder mehrere Lehrer, nach den ihnen zu Theil gewordenen Klassen, -—an einigen Orten mit Winkelschulen, die durch Privat-Verbindungen entstehen uud verschwinden: die ersteren sind gr'ößtentheils den in eben den Städten -Eingerichteten Gymnasien untergeordnet. Bisher standen die meisten Trivial-Schulen Ungarns unter der Aufsicht der Religionslehrer, und in blühenderen Orten unter der des städtischen oder adelt- chen oder gemischten Patronats. Es thut mir leid, gestehen zu müssen, daß die Religionslehrer in Ungarn, so viel mir bekannt ist, im Ganzen weniger, als in Deutschland, um den Unterricht, und dessen Fortschritt oder Rückgang sich bekümmerten. Einige der Trivial- Schulen erhoben sich zum Theile in die Sphäre der Gymnasien, indem sie die Jugend bes in das reifere Alter fortbildeten, in welchem sie der ferneren Leitung der öffentlichen Lehrer größerer Schulen oder Gymnasien übergeben werden könn- konnte». M der Spitze derselben standen hie und HZ Akademiker, das heißt, Männer, die in Deutsche land ihren Cursiis vollendet hakten, und weichen ein solches Schulamt gewöhnlich Brücke zu einem in Kurzem zu erhaltenden Pastorate gewesen zu seyn scheuch» Wir würden sie füglich G y mm asten oder Schule?» im eigentlichen und engeren Sinne des Wortes nennen können; dagegen die anderen Lyceen oder 6/mi,Ä6s illuliri», oder akademische Gymnasien, weil sie zunächst zu Akademien vorbereiten,'und wohl auch in die Sphäre der Akademien zum Theile eingreifen, heiffen könnten, obwohl an Bildung des Körpers, welche das Wesen der alten Gymnasien mit sich brachte, bisher sehr wenig in Ungarn gedacht worden ist» Es wäre überflüssig und unnöthig, alle die Trivial-oder niederen Schulen des protestantischen Ungarns an diesem Orte herzuerzählen.— Uin ihren Geist zu würdigen, ist es hinlänglich, hinzuzusetzen: daß bisher an die eigentlich praktischen, dem Landmanne, Oekonomen, Kausmanne und Handwerker nöthigen Kenntnisse, an Oekonomie, Technologie, Diätetik und eine dem Zöglinge angemessene Naturgeschichte sehr wenig gedacht worden ist,—-—wohl, weil den Meisten Lehrern selbst diese Wissenschaften fremd waren;' -- daß der Religions-Unterricht zum großen Theil in schaler, veralteter DogmaLik bestand; und mit dem Laterne, zum großen Schaden der dadurch versäumten Jugend, und mit Beobachtung einer durchaus ver- ' werft '< tZ iverflichen Methode, ein großer Ilnfch getrieben worden ist»' Ich wende mich zu den höheren Schulen, die hey uns Lyceen oder Gymnasien genannt werden, und bemerke dabey, daß einige derselben mit mehr, andere mit weniger Lehrern besetzt sind; daß ihre Lehrer an einigen Orten den, in dem katholischen Ungarn Men'öffentlichen Lehrern zuertheilten, Namen d« Professoren, in andern die alten, ehrwürdigen Titel der Rektoren, Conrektoren, Subrektoren und so weiter führen; daß nach dem Absterben der alteren Lehrer in den meisten dieser Gymnasien die itzigen, in Deutschland gebildeten Erzieher durch Kenntniß und Eifer sich Kielfach auszeichnen ch daß in den meisten das Erste- hungs-und Unterrichts-System nach den Vorschlage» der deutschen Pädagogen sehr vervvllkvmmk worden ist, und eine liberalere Erziehung der an diese Orte zusammenfließenden vaterländischen Jugend im Ganzen statt findet» Zu den Gymnasien dieser Art gehören t r. Die am reichlichsten dcffirttn Gymnasien zu Prcsburg und Qedenburg. Letzteres hat seit einigen Jahren, wahrscheinlich um die zerrütteten Finanzen wieder herzustellen, «inen seiner Professoren verloren: das erstere durch einen Adjunkt r n, der asten öffentlichen lichen Schulen zu wünschen wäre, an der Zahl des Schulxersonals gewonnen. 2. Die Gymnasien zu Kesmark und Eperi- es. Das erstere, vorzüglich durch Joseph Benzur berühmt geworden, hak seit dreizehn Jahren für seine drey oberen Klassen eigene Lehrer, und durch ein paar Stiftungen einen eigenen Fond erhalten: letzteres, vormals ein 6^mnalium iH«liro der evam gelischen Stände, oder ein sogenanntes LoUeziurn, das aber nur sieben Jahre dauerte, seit dem betrübend herabgesunken, scheint sich durch seine Lage, und durch den ssortheilhaften Umstand, daß die Stadt einen Distriktual-Superintendenten, der fähige Studenten zu'öffentlichen Aemtern befördern kann, in seinem Schooße besitzt, wieder zu heben« z. Das Gymnasium zu Leu tschau, zwey kurze Meilen von Kesmark entfernt, und ebenfalls für seine drey oberen Klaffen mit drey Lehrern versehen, hat durch eine lange Vakanz, die nach dem Tode des ehmaligen Rektors Chrastina eintraf, etwas gelitten, und könnte mit dem benachbarten Kesmarker Lyceum füglich vereiniget werden. 4. Die kleineren Gymnasien zu Gömor, Tset- nrk, Dobschau, Rosnau und Os- gy an sind zu nahe bey einander, als daß sie r/ sie lange in einem blühenden Zustande erhalten werden könnten- Das erste davon war noch vor Kurzem Lurch den Umstand, daß es die einzige evangelische Schule in Ungarn ist, in welcher die Jugend sich mit der altungarischen Landessprache bekannt machen kann, in Flor, der aber wegen Mangel an bequemer Unterbringung der dort Studierenden nicht von langer Dauer seyn konnte; das zweyte erhob sich durch ein von dem dortigen Rektor, Herrn T fisch, gestiftetes Institut, das , aber in der Concurrenz mit andern neuerrichteten viel verloren hat; das dritte ist von scher, theils durch seine Lage, und theils durch Mangel an Studien-Fond unbedeutend gewesen, und konnte selbst durch einen im Schooße des Ortes wohnenden Superintendenten sich nicht erheben; das vierte, in einer bischöflichen Residenz neu entstanden, muß die benachbarten um desto mehr schwächen, je blühender der Ort durch Handel wird, je mehr. die Studierenden Bequemlichkeit für sich darinn finden, je trefflicher endlich die Lehrer selbst sind, die an seiner Spitze stehen: der jetzige Zustand des fünften ist mir nicht genaü bekannt,^ Z, Das Gymnasium zu'Neu sohl scheint trotz seiner guten Lage eingehen, und einer gut G ein- x» eingerichteten Trivial-und Bürgerschule Platz machen zu wollen. 6. Das Gymnasium zu Schemnitz, durch seinen trefflichen Lehrer Severini, der Ungarn mit so viel, zum Theil noch jetzt nicht ganz unbrauchbaren Compendien versah, berühmt, itzt in einem Zustande der Mittel- mässigkcit, ob es gleich einen würdigen Lehrer, und einen trefflichen Superintendenten an seiner Seite hat. /. Einige ehmals berühmte- Gymnasien sind theils im Laufe der Zeiten ganz verschwur»« den, wie zum Beyspiele das durch seinen Patron und ersten Lehrer Gregor vo« H orwath berühmte Gymnasium zu Nehre bey Kesmark, theils zu Trivialschulm her- abgesunken, wie das Gymnasium zu B ar t- selb, durch seinen orbilischen Lehrer Du- bovszky, dem Schrecken seiner Jugend, bekannt, und andere- Die Geschäfte der an diesen Gymnasien angestellten Lehrer sind nicht überall gleich mannigfaltig. Ai» einigen müssen zwey bis drey Lehrer den ganzen Unterricht bestreiten, und haben außerdem die Pflicht auf sich, dem Prediger des Ortes in seinen Amtsvernchtuir-- gcn bepzustehen, welches z. B. in GVmör jede vierte Woche statt findet. In diesen find die Klaffen der Primaner und Secundaner gewöhnlich vereinigt, ss wie wie die Klaffen der Syntax ünh der Grammatik ebenfalls von Einem Lehrer besorgt werden. Zu Tsein eck müßte—eine Zeit lang, denn Feit Errichtung des Instituts ist diesem Uebel abgeholfen,— der Rektor alle diese Klassen durch einen täglichen sechsstündigen Unterricht versehen. Nur die zurrst genannten Gymnasien zu Pres- burg, Oedenburg, Kesmari, Eperies und Leutschau haben mehrere abgesonderte obere Klaffen und Lehrer. In diesen sind, das Oedenöurger ausgenommen, welches nun wieder seinen Rektor, Coi:- rektor und so weiter, hat, für die drey oberen Klaffen drey L-Hrer bestellt, die sich gewöhnlich in die Wissenschaften theilen, so, daß z. B. m Kesmark der eine das historisch--juridisch-politische/ der andere das philosophisch-mathematische, der dritte das Fach der schönen Wissenschaften besorget. Die theologischen sind an einigen Orten einem Docenten überlassen, an andern unter mehrere getheilt, und noch an andern nimmt der Prediger des Ortes an dem Vortrage derselben Theil. Das Gymnasium zu Kesmark hat den Vortheil, so wie das Gymnasium zu Presburg an seinem Adjunkten, an dem einem Präftkten des Instituts einen Lehrer mehr zu haben/ dem das mathematische Fach insonderheit zugetheilt ist; indeß der andere Prä- ftkt des Instituts mit dem Püvatysttragr der Mine- B 2 es- so ralogie, der Gartenkunst, der französischen Sprach^ und so weiter, sich beschäftiget.*) Wenn aber auch durch diese Vercheilung der Wissenschaften unter mehrere Docenten die Last derselben vermindert worden ist, und sie dadurch Gelegenheit erhalten haben, auf weniger Fächer sich zu kon- centriren: so sind doch ihre Geschäfte noch immer zu heterogen und zu mannigfaltig/ als daß nicht Erle ichteru ng und Verminderung derselben ihnen ju wünschen wäre. Wie kann ein, besonders noch ungeübter Lehrer mit Theologie und Physik, mit Ma- thematlk und den Sprächen, mit Oekonomie- Natur- geschrchte und Philosophie sich zugleich beschäftigen, ohne in dem einen oder dem andern dieser Fächer zurückzubleiben? Wie kann der andere, außer dem ihm zugetheilten Cursus der schönen Wissenschaften und der klaft ') Außerdem hat- der zweyte', von dein Schulamt« unmSE- bar zum Pastorat beförderte Prediger des Ortes, Hcrk Christian G-nerflch, die Verbindlichkeit auf sich genommen, wöchentlich M Paäk«runde» in dem Hör,aale deß erster, Klaffe tdeologifch« Vorl-tungen über Pastorat, ,S y m- bolit, Exegese, und Neuerdings üuf Veranlassung ci- «er Stiftung über Asceiit und Apologie der christlichen Religion, die bisher von einem der Professoren vorgetragen wurde, zu Halten. Auch haben meines Wissens die Prediger zu Presburg Und Dedenburg über theologische Moral und andeke Wissenschaften vorhin docirt, und nah. mcnklich der würdig«, in Presburg verstorbene Herr Rat- -v--j selbst über Homer Vorlesungen gehalten. Jetzt Hut öie ganze Sache aufgehört- 2! klassischen Literatur, noch die historischen Wissenschaften und Theologie, und zum Theil philosophische Vortrage verbinden, ohne nach einer vieljährigen Anstrengung zu ermüden, und sich nach Ruh- zu sehnen, zumahl, wie dieß in einigen Gymnasien der Fall ist, kein Tag der Woche dem Lehrer zur Erhvhlung frey ist, und er den Sonntag selbst, oder die nächtliche Ruhe zur Vorbereitung auf seinen Cursus verwenden muß? In Ansehung der inneren Verfassung dieser Schulen bleibt Vieles den Rektoren, und Weniges ihren Mitarbeitern unter der Sanktion des Patronats überlassen. Schade, daß hie und da, besonders in Rücksicht des Religionsunterrichtes so viel Anhänglichkeit an das Alte sich bemerken läßt; daß m dem Religionsoortragc, so wie in der Philosophie manche freyere Untersuchung und Behauptung so anstößig ist; daß feyertiche Disputationen, deren Un- wcrth man in neueren Zeiten so ziemlich allgemein anerkannt hat, noch immer bey öffentlichen Prüfungen statt finden, und dafür auf sichere Beweise, wenn auch nicht iu korwa, weniger Rücksicht genommen wird. Die ersten Vorsteher dieser Schulen haben, trotz des humaneren Geistes unseres Zeitalters, wenig C o m mu ni ca ti on unter sich, theils wegen Verschiedenheit ihrer Grundsätze, theils wegen Entfernung und überhäuften Geschäften, theils endlich wegen der Rivalität ihrer Schulen. Ein jeder befolgt sein B z ge- 4L gewöhnlich durch den Couftns feiner Mitlehrer und durch die Sanktion des Patronats bestättigtes System. Daß diese Verschiedenheit der Systeme, dieser Mangel an Harmonie und Emverständniß der Lehrer, für die zu bildende Jugend, die oft theils zur Erleichterung ihrer Subststenz, theils um die Landessprachen zu erlernen, theils aufden Ruf eines berühmten Lehrers, von einer Schule zur andern läuft, sehr nachtheilig ist,darf ich nicht erst heweisen. Dadurch geschieht es, daß ein ziemlicher Theil her Jugend in einigen Wissenschaften, die er Mit Mühe, und ohne festen Grund darin gelegt zu haben, nachholen muß, ganz versäumt wird, andere Zu wiederholten Malen hört, und so der Zweck ei- Ms planmäßigen Unterrichtes nicht erreicht werden kann. Noch kömmt hinzu der Mangeln» gute» Schulkoiypendien, die, da der Nortrag in den gelehrten Schulen Übersst lateinisch, und selbst ein grosser Theil der Jugend der deutschen Sprach nicht mächtig ist, in her römischen Sprache abgefaßt seyn müssen. Zwar ist für einige Wissenschaften in dieser Rücksicht schon gesorgt; aber theils sind viele der zum Grunde gelegten Compendien für ungarische Schüler und deren verschiedene Klassen nicht ganz passend; theils wird der denkend^ in seinen Studien fortschreitende Lehrer nie mit einem Compendium sich auf mehrere Jahre begnügen, theils ist der Preis vieler derselben für qrrqe Studierende DW »z Dem zu Folge wird— zum Theil aus Mangel an Unterstützung zur Herausgabe neuer Lehrbücher^ noch Vieles dem fleißigen Nachschreiben der Lernenden überlassen. Daß aber das Diktiren ganzer, zumal systematisch behandelter Wissenschaften, wie sie in Ungarn selbst in den unteren Klassen vorgetragen werden, dem Lehrer viele Zeit benimmt, den Schüler aber zum mechanischen Nachbeten der auswendig gelernten, und auf das Wort des Lehrers angenommenen Sätze verleitet, ist ebenfalls, wie ich glaube, von selbst einleuchtend. Uiberhaupt glaube ich in den ungarischen Schulen der Protestanten zu viel Mechanism und zu viel Nachbeterey bemerket zu habe». Es scheint nicht. Laß die Jugend,— ich spreche hier von dem grösseren Theile; einzelne Schulen und einzelne Lehrer mögen immer eine ehrenvolle Ausnahme von diesem Vorwürfe machen,— gehörig zum eigenen Nachdenken geleitet werde; zumahl, da es die jetzige Verfassung der grösser» ungarischen Schulen mit sich bringt, daß nach dem erweiterten Umfange der Lehrgegenstände die Zöglinge mit den heterogensten Wissenschaften zu gleicher Zeit beschäftiget werden, und dadurch, besonders wenn der ärmere Theil durch Privatstundeii, die er in den Häusern der Bürger den ihm anvertrauten kleineren Zöglingen gibt, und einen grossen Theil der noch übrigen Zeit zum.Nachschreiben der Collegie nhefte ver- B 4. WW- 24 wenden muß, zum Nachdenken über das Gehörte, und zum Nachlesen guter Bücher weniger Feit übrig behält. Auch scheint mir der S ystemsgeist noch zu !ehr in Ungarn zu herrschen, und einer glücklicheren Bildzrng der vaterländischen Jugend sehr im Wege zu stehen. Kaum sollte der vollständig- systematische Vortrug den höheren Klassen unserer Schulen an- Mmessen ftptt was würde den» für Akademien und Universitäten übrig bleiben? In den niederen Klassen der unreiferen Jugend ist er durchaus verwerflich. Durch diese Behauptung wollen wir übrigens einen chaotischen Vertrag ohne Plan und Zusammenhang und Ordnung nicht begünstigen. In ') Ach kann mich nicht enthalten, folgend- Stelle aus einer , Recension der philoeophjsch- pragmarjjhhen Darstellungen aus bey Weltgeschichte von Professor Albrecht iter Band, ikc Abtheilung anzu'i'hrcn. Siehe allg. Lit. Zeitung ryor. ». zov, Seite rzI:„Es ist«in weit eingreifender Fehler un- „sercr jetzigen gelehrtcnErziehung.daß die Lehrer auf denGym- „Naflen und Schulen das Amt,das ihnen übertragen ist, i h r e ,,S ch ü ler für denUntcrricht aufLenUn i v e r- „sitüten zuzubereiten, für ihre Fähigkeiten und „Kenntnisse zu gering halten, den Unterricht in den Wissenschaften, deren A n sg ngsg runde man auf Schu- „len lernenssollcc, akqd emisch einrichten, und Sachen vor- „trageu, die man ohne gehörige Vorbereitung des „Eii'enntiiiß r Bernikiiens nicht g r ü n d l i ch erlernen kann. „Ussftre Avrfahrcii begingen den Fehler, den Echulunrer- „richr '2A In einigen Schulen möchte wohl auch der U i- Hergang aus einer Klasse in die andere, — zumahl bey dem itzt herrschendem Mißbrauche, die Zöglinge so schnell als möglich, die Klassen durchwandern zu lassen— zu voreilig seyn, und einen der zu erziehenden Jugend selbst nachteiligen Sprung verrathe». Aus der Klasse der Beredsamkeit, in welcher der Zögling höchstens zwey Jahre verweilet,-— die Zeiten der b artigen Primaner und Sekundaner, die ihrem jungen Lehrer an Älter gleich kamen, oder ihn gar übertrafen, sind nicht mehr, kömmt er mit einem Mahle in eine ihm ganz fremde Region. Von mathematischen, theologischen, philosophischen, juridischen Ideen B Z einbricht auf die Erlernung der lateinischen und griechischen „Sprach- einzuschränken: itzt ist man auf das g-- „g inseitige Epkrem gefallen; man verabsäumt „die gründlich- Bildung des Verstandes „der jungcnLcute durch die Lesung der A l- „ken, und bildet sie durch einen seyn sollenden „akademischen Unterricht zu eingebildeten Hglb- „wissern, denen es auf der Universität sauer wird, „zu gla»ben, daß man auf dem leichten Wege, den man „sie bisher führte, zu keiner gründlichen Kenntniß „kommen kann." Ist diese Klage i n D e utsch l a n d, wo man auf klassische Literatur und stufenweise Ausbildung des jugendlichen Verstandes noch weit mehr Rücksicht nimmt, als bey uns, und wo dem Lehrer so viel treffliche Hilfsmittel überall zu Gebote stehen, gegründet, wie viel mehr bey uns, und wie viel mehr wird sie durch die sichtbaren traurigen Folgen eines solchen seyw sollenden akademischen Unterrichtes bey uns^ bewährt?- rikigenommen, lernt er die auf Bildung des Gefchma- ües, auf ächte Kultur und Humanität so wohlthätig wirkende klassische Literatur verachten, und hält das Studium deralLc>r Sprachen bey den reelleren Wissenschaften, die er setzt treibt, Wr entbehrlich. Es ist daher nach meiner Uiberzeu- Zung ein wesentlicher Fehler, der ungarische» Schulen, daß darin aus der Klaffe der Primaner die Abringen in den schönen Wissenschaften und der klaff fischen Literatur beynahe ganz verbannt sind; indem gerade i n dem Alter, in welchem die Zöglinge jetzo stehen, die fernere Beschäftigung, mit diesem angenehmen Zweige der menschlichen Kenntnisse mit Erfolg getrieben werden könnte, und die Lektüre der allen Griechen und Römer dem achtzehn- oder zwanzigjährigen Primaner gewiß noch Mühe und Anstrengung und Nutzen genug verursachen würde. Diesem Uibel abzuhelfen,, würde es sehr zwsck- mäffrg sey», entweder den Cursus der klassischen Literatur durch eine eigene, zwischen der Klaffe der Beredsamkeit, und der unmittelbar darauf folgenden der Mathematik und des philosophischen Kursus em- zuschiebende Masse zu erweitern, und darin den mehr Philosophischen Theil derselben- Aesth e ti k, nebst den Grundsätzen der Kritik, unter immerwährendem Znterp retir e n der römischen und griechischen Klaff Der, und eigenen Stylübungen, zugleich auch Msse historische und damit verwandte Wissen^ Haft- fchaften zu behandeln, und hienuL den Cursus der L og rk, und der Naturgeschichte, der Anthropologie und Encyklopädie, vielleicht auch einige mathematische Wissenschaften zu vereinigen, oder, welches ich noch vorziehen würde, den Cursus der klassischen Literatur durch alle Abstufungen der oberen Klassen so zu vertheilen, daß jedes Jahr wenigstens ein paar Stunden in der Woche den Ui- düngen im Interpretiern, im eigenen Styl und in der Deklamation gewidmet würden. Man könnte ja in dieser Absicht die Reihe der zu kommentircnden klassischen Auctoren so bestimmen, daß die schwereren immer für die Klasse der schon reiferen Jugend aufbehalten, und so— etwa nach dem Plane der Braun- schweigischen Schulencyklopadie— auch für die gereiften Zöglinge der obersten Klassen noch Vorlesungen Über Dirgils LeorKie«, über Tacitus, Sallustius, Plinius, über Ciceros und Senekas philosophische Schriften, über Columella, Lukrez u. f. w. mit Nutzen gehalten würden.*) Ich bemerke noch, baß dir griechische Literatur bisher in Ungarn noch bey weitem nicht «ach Verdienst gewürdiget, und dem Fleiße der studierenden Jugend empfohlen worden sey. Sie, dir Basis - D Hier pnd da ist auch in dieser Rücksicht in einige» ungarischen Schulen etwas, abfr bey weiten noch nicht Alls s geschehe«. Ist Basis aller ächten Cultur und Humanität; sie, die Quelle, aus welcher die Vorkennknisse der meisten Wissenschaften mit weit mehr Zuverlässigkeit, als aus den abgeleitete» Bächen der römischen Literatur geschöpft werden können; sie, die Mutter des guten Geschmackes,.und des reinen historischen Sinnes; sie> die Besitzerin so vieler Meisterwerke der Dichtkunst, wurde bisher zu ftngarn meist nur als Dienerin der Theologie und»zum Behufe der christlichen Religionsschriftcn getrieben. Nur die zum theologischen Stand sich bestimmten, wurden zum Sku- diuiur derselben angehalten, und diese selbst begnügten sich mit einer dürftigen, zum Verstände des neuen Testamentes hinlänglichen Kenntniß-dieser edlen Sprache. Nur in neueren Zeiten wurden die besseren Chrestomathien von Eedicke, und nur in den neuesten hie und da, zum Beyspiel m Presbürg und Kes- urarr, einige kiassffche Werft, Lenophons Memora- bitten, oder der Beckerifche Auszug aus dessen Schuf-, ten eingeführt, ohne die Mchttheslogerr, odet die sogenannten Politiker zum Studium dieser Sprache anzuhalten; obwohl ich nicht einsehe, wie diese Sprache dem künftigen Arzt und Chirurgen, und eben so dem künftigen Rechtsgelehttcn oder Philosophen, oder Gelehrten jedes Faches entbehrlich seyn könnte, und es leicht zu beweisen ist, daß die kurze Zeit, welche das Studium dieser Sprache erfordert, durch den reichlichen Gewinn, den sie dem Kenner verschaffet, mehr als ersetzt werde. I» In Rücksicht der Difcipli n zeichnen die Schulen Ungarns sich im Vergleiche älterer Heiken zu ihrem Vortheile aus.- Uiberall ist in den grösferen Schulen ein humanerer Geist herrschend geworden, der auch auf die niederen, die ihre Lehrer aus jenen erhalten, einest günstigen Einfluß gehabt zu haben scheint. Die orbili sch e n Zeiten, in welchen Pnrüaner mit Stock und Ruthen und Peitsche k-ehan-r delt würden, sind nicht mehr. Daß hie und ba den adelichen Delinquenten zuviel Nachsicht erwiesen wird, und in der Administration der Schuljrrstitz zuweilen einige Partheylichkeit mit unterläuft, ist Folge der menschlichen Schwache, und zum Theil der Abhängigkeit, in welcher der Lehrer steht. Der Fall ist in'den Schru- len mn traurigsten, in welchen die Lehrer selbst in ihren Grundsätzen über moralische Erziehung und Disciplin nicht einig sind. Auch bedürfen die Schulgesetze, die an vielen Schulen zwar jährlich vorgelesen, aber nicht immer streng gehalt en werden, einer Revi, si o n. Die mildere Pädagogik neuerer Zeiten, die von körperlichen und Carcerstrafen*) weniger, alK von Vorstellungen, und kluger Verhütung mancher Ausschweifungen erwartet, erfordert eine solche Revision, *) Am wenigsten sind die infamirenben Straft» bey Schulen zuzulassen, die aber zum Glück? in Mn besser eingerichkekea Schule» längst abgeschaft sind- Z» fisn, die nur in Rücksicht btr Grundsätze- bis dabey beobachtet werden sollen, des National- geistes, der bey dem eigentlichen Ungar, dem Slowaken und Deutschen sich verschieden äußert, und der ersten Erziehung des entweder durch Nachsicht verwöhnten, oder durch zu rauhe Behandlung verwilderten Zöglings keine leichte Arbeit zu seyn scheint. Daß in den oben genannten grösseren Schulen Ungarns die Lehrer der oberen Klassen im Vortrug mit einander abwechseln, und dadurch die Jugend Gelegenheit hat, von mehreren Lehrern, welche die ihnen zuge? theilten Fächer bearbeiten, unterrichtet zu werden, ist für sie im Ganzen wohlthätig, weil durch diesen Wechsel dem Doruttherle der Anhänglichkeiten und des blinden Zutrauens zueinem Lehrer vorgebeugt, und bey der Jugend der Geist der eigenen Prüfung, zumahl, wenn ihre Lehrer in ihren Theorien nicht ganz einstimmig sind, rege gemacht wird. Hiczu kömmt der für die Lehrer nicht unwichtige Vortheil, daß sie hierdurch mit Zöglingen verschiedener Klassen genauer bekannt werben, und ihr Ansehen bey allen mit weniger Schwierigkeit behaupten können.*) Ich *) Dieser Wechsel der Lehrer könnte füglich, wie es bey mehreren Schulen tn Deutschland geschehen ist, auch in den niederen Klaffen der Syntax, der GramiUMk Und f» weiter, je nach den Fähigkeiten der Lehrer stakt finden. W«- 2L Ich komwr zü dem vom Herrn Professor Schwart« «er in ferner Statistik*) gemachten Vorschlag, daA wegen des gänzlichen Mangels aller gelehrten Hilfsmittel die ersten Lehrstücke der evangelischen Schulen in Ungar« «lle zehn Jahre wenigstens mit ausgesuchten jungen Männern, die aus den Musen sitzen Deutschlands zurückkommen, besetzt werden. Da dieser Vorschlag von einer Seite viel für sich hat, und von der anderen Mehreren Bedenklichkeitsn ausgesetzt seyn dürfte: so wird es einem praktischen Schulmanne, der ebenfalls in der Kategorie der zur Quiefcenz verurtheilten öffentliche» Lehrer sich befindet, erlaubt seyn, mit wenigen Worten hierüber seine Gedanken zu äußern, und diese» Vorschlag einerseits zu limitiren, und von der andern Seite zu Gunsten der abgehenden Lehrer der öffentlichen Schulen zu erweitern.' Ich muß zuerst den gänzlichen Mangel aller gelehrten Hilfsmittel, den Herr Professor Schwart-- ner Warum könnte in diesen der eine Lehrer mit den Anfangs; gründen der lateinischen Sprache, der andere mit den Ele- menldrkenntnisseri der Geographie, der Geschichte und dcv Naturwissenschaften, der dritte mit dem Religionscursus nicht ohn« Nachtheil der Jugend und der Einkünfte des Lehrers, die hier vielleicht die meisten SchNiengkeikm nm» chen würden, flK beschäftigen? *) Leite 547.- ZL ner in zu grosser Allgemeinheit behauptet, in Zweifel ziehen. Unter den'öffentlichen Lehrern Ungarns gibt es mehrere, welche nicht unbeträchtliche Bibliotheken aus allen Theilen der Literatur besitzen, und mit der neueren Literatur nach Möglichkeit, und oft mit Aufopferung ihrer geringen Einkünfte fortzuschreiten suchen. Ich behaupte ferner, daß die Bearbeitung der Wissenschaften, denen man sich einmal, es sey aus Neigung oder zufolge des aufgetragenen Amtes gewidmet hat, eine Reihe von Jahren erfordert, und es unbillig wäre, den Letzter, der mit Anstrengung und mit vieljährigem Stüdrum mit diesen Wissenschaften vertraut gewördeit ist, vsn seinem Posten lzu entfernen, und eine ganz neue Scene seiner Wirksamkeit ihm anzuweisen. Ich behaupte drittens- daß junge Gelehrte, so wie sie von Universitäten zurückkommen,— angenommen, daß sie gehörig vorbereitet in die höheren Musensitze Deutschlands angelanget sind, und ihren ganzen Fleiß zu ihrer vollständigeren Ausbildung verwendet haben,— daß solche junge Gelehrte zwar viel Gelehrsamkeit und Theorie in ihr Vaterland zurückbringen können, aber nicht den praktischen Sinn, der für den Schulmann so unentbehrlich ist, nicht die Unt.ersche id ungsg a be zwischen dem zum Systeme gehörigen, den Universitäten Eigenem, und dem der Schule Angemessenem; nicht die nur durch Erfahrung zu erlangende Art die Jugend zu beh andeln. Auch 33 Auch würde die Periode von zehn Jahren für viele, die wenig'r Neigung zu diesem Grande haben, oder ihr Amt mit Sorglosigkeit und nachlässig verwalten, viel zu lang seyn. Solche Männer sollten, schon um der durch sie leidenden Jugend willen, je eher, je besser von den Schulen entfernt, und in andere, ihren Neigungen angemesseiiere Wirkungskreise versetzet werden»*) Wer *) Zu solchen Beförderungen, ober Versetzungen rechne ich: r. Die P r e d t g e r st e l l e n, zu welchen Männer, die in den Schule» gearbeitet haben, vorzüglich tüchtig seyn durften< weis sie theils in dem öffentlichem Vorkrage sich zu üben, Gelegenheit gehabt haben, theils die Begriffe ihrer Zuhörer über Gegenstände der Religion glücklicher zu entwickeln und aufzuhellen im Stande sind. Und überhaupt sollte nach meiner Privatmeimmg k-in junger Prediger angestellet werden, ohne vorder ein Paar Jahre wenigstens ein Schulamt bekleidet zu haben. 2. Andere öffentliche Stellen im ökonomischen und politischen Fache. Ich glaub- mir allem Rechte die Zeiten zurückwünschen zu-dürfen, in welchen verdiente Schul- lehrer von der Regierung der Jugend zur Leitung der städtischen Angelegenheiten, und zu Magistratsamrern aller Art befördert worden find. Ein Beyspiel neuerer Zeiten gibt uns der verdiente und zu seiner Zeit berühmte Joseph Bei,zur, der von dem Aesmarker Rektorate, welches er zweymal bekleidete, zum Senator-der königlichen srcven Stadt Prcsburg, und darauf zum königlichen Archivar bey der königl. ungarifthpn Hsftan'.mer erngsst wurde- C Z4 Aber der ältere Schulmann wird doch, HM Lurch das Einförmige seiner Geschäfte, und theils durch den Mechanism u s, mit welchem er am Eii-- de seine Geschäfte treibt, unbrauchbar? Ich antworte,-aß man es nicht so weit kommen lassen muffe) und der unbrauchbar gewordene aus Unterstützung für seine übrigen Lebensjahre Anspruch habe. Man lasse den thätigen Schulmann— zu Diesem muß man, wie züm Redner und Helden geboren seyn— in seiner Sphäre, so lange er den Erwartungen entspricht, die man mit Recht von seinem Eifer/ und von der auf sich genommenen Verpflichtung steh machen kann; man erleichtere ihm seine Arbeiten, und gebe ihm junge Gehilfen, die sich an seiner Seite zu praktischen Schulmännern bilden können; man prüfe seine Neigungen, und gebe ihm Gelegenheit, durch andere ihm angebotene Beschäftigungen seinen Wirkungskreis, sobald er ihm lästig seyn sollte, mit einem andern zu vertauschen; man bestimme dem durch Jahre oder Anstrengung entkräfteten Pensionen, und lasse ihn, die übrigen Jahre seines Lebens in Ruhe§ und mit Erinnerung an seine, im Älter der Kraft dem Vaterlanbe gewisseren Dienste, gemessen» Es bleibt mir übrig, diesem, vielleicht schon zu langem Abschnitte, Einiges über die bey den öffentlichen Schulen Ungarns eingeführten Censuren, feper- Üchen Prüfungen, Eiassifikatioqen, und Merfttzung der 3s Lrr Jugend aus einer niederen in eine höhere Klasse hinzusetzen. r. Die in mehreren Gymnasien Ungarns eingeführten Censuren sind eine sehr nützliche Anstalt, einerseits, die Fortschritte der Jugend zu erforschen, und von der andern, zur Aemulation und zum angestrengtesten Fleiße sie aufzufordern. Sie würden dem Lehrer und den Zöglingen, weniger lästig seyn, wenn sie wiederholt und thcilweise, und Ahne an einen bestimmten Zeitpunkt gebun- §^ den zu seyn, gehalten würden. Sie würden ihrer Absicht noch mehr entsprechen, wenn sie mit etwas mehr Feyerlich kert verbunden würden, und den in Gegenwart ,, der Professoren unternommenen Prüfungen > noch andere Personen ausser dem Patronate beywohnten. L. Die ftyrrlichen Prüfungen der gesamm- ten Jugend, oder Lxsmina, nach welchen die Jugend nach dem geendigten Cursus in ihre Heimath entlassen wird, würden noch zweckmässiger seyn, wenn dabey weniger > Geräusch gestattet würde, wenn man dem häufigen Dispmiren Gränzen setzte, wenn dir Absicht derselben mehr auf die Prüfung der- Jugend, als der Lehrer, die durch die der Jugend vorgelegten Fragen sich hinläng- C 2 lich üch charakteristren, gerichtet wäre, westü die so viele Zeit raubenden Salutationen und Anreden entweder ganz abgeschaft, oder nach Möglichkeit abgeküßt würden, wenn sie zu unbestimmten Zeiten wiederholt, und ihnen eine zur Prüfung zahlreicher Jugend angemessene Zeit gewidmet würde. z. Beym Schlüsse dieser öffentlichen Prüfungen werden in Mehreren Lycäen Classifikat io- nen der Zöglinge in Rücksicht ihrer Fortschritte in Wissenschaften und Sitten vorgelesen. Die erstere Art der Classifikation, die allerdings dem, seinen Zögling am genauesten kennenden Lehrer überlassen seyn sollte, ist offenbar dje leichtere. Ich wünschte, daß bey derselben die strengste U n p a r- reylichkeit und Uibereinstimmung der Lehrer in Ansehung der Grundsätze, die fie dabey befolgen, statt fände. Die zweyte, weit schwerere, müßte ebenfalls ganz dem Gewissen des Lehrers überlassen seyn. Wegen der traurigen Folgen, die ein übereiltes oder zu strenges Urtheil des Lehrers über den moralischen Charakter feines Iög- linges haben kann, wünschte ich, dieser Art Von Classifikation die Publicität zu benehmen, und sie dem Schulprotokoll zur jedes- ma- maligen Einsicht der Inspektoren und Leitern einzuverleiben. 4. Den feierlichen Prüfungen folgen zuletzt die sogenannten Translocationen, oder die mit weniger, oder mehr Feyerlichket verbundenen Mersetzungeü der Jugend in k'H...., Alasse-r. Sie sollten freylich mehr nach,, den Wissenschaften, als bisher, mit .-weniger^iicksicht auf eine höhere oder nie- -- k°'rc r 7'-'-^rhen. Sie sollten,»reinem Ur ch'Us nach Mit mehr Feyerlichkeit verbunden seyn, um der Jugend die Pflichten, die sie durch eine solche Versetzung auf sich nimmt, tiefer einzuprägen. Sie könnten endlich, zur Ersparung der Zeit, bey der so lebhaften Ungeduld der Jugend, bald , ihre Heimatb wieder zu sehen, mit den öffentlichen Prüfungen, wie es auch hie und da schon geschehen ist, verbunden werden. Resultate, Wünsche urch Vorschlage. . Ich hatte mir vorgenommen( aus den bisherigen Anmerkungen Resultate zu ziehen, und dabey die protestantischen Schulen Ungarns mit den deutschen in Rücksicht ihrer Vollkommenheit oder Mangel zu vergleichen- Diese Resultate mag der Leser aus dem bisher Gesagten selbst ziehen. C z Da» 38 Daß die protestantischen Schulen Ungarns im Vergleiche mit den vorigen Zeiten unendlich viel gewönne n haben, daß namentlich die grösseren Schulen in den oben benannten Orten in unserer Zeit sehr V e r v o l l k o m m r worden sind, ist aus ihren vorausgeschickten Beschreibungen von selbst einleuchtend« Mit den deutschen Schulen können die imgarischen nicht ganz in Parallele gefetzt werden, daher auch die Verfassung beyder durchaus verschieden ist. Wenn m jenen Schulen vorzüglich klassische Literatur und einige auf den Vortrug höherer. Kenntnisse vorbereitende Wissenschaften vorgetragen werden, so werden irr diesen viele, und vielleicht allzu viele der höheren Wissenschaften selbst mitgenommen» > Dieß geschieht zum Theil aus Neigung einiger Lehrer, theils, wöge» der grossen Brauchbarkeit derselben, und weil die Schule« Ungarns für den grösseren Theil ihrer Zöglinge die einzigen Bildungsanstalten sind, in welchen die Schüler bis zu ihrer völligen Reift oder Anstellung sich aufhalten. Ich hakte mir vorgenommen, einige wesentliche Mangel der protestantischen Schulen in Ungarn anzuführen, und durch die Schilderung derselben zu der Vervollkommnung der Schulen Ungarns beyzutragen. Viele dieser UnvollkomMenheitsn, den Mangel der Harmonie unter den Lehrern, die überall verschiedenen Systeme, die Vernachlässigung einiger zur wahren Cultur unerläßlichen Kenntnisse, und die Uiber- häu- ZP tanfung mit andern, den zu geringen Gehalt der Lchrer habe ich in den allgemeinen Bemerkungen zu berühren Gelegenheit gehabt. Andere können aus den noch folgenden Vorschlagen und Wünschen errathen werden. Auch bey diesen Vorschlägen und Wünschen kann ich mich kurz fassen, da ich die meisten derselben in dem vorigen Abschnitte ankicipirt habe. -Hier nur ein Nachtrag von dem, was für die Schulen Ungarns noch geschehen könnte— und sollte. Ich wünschte dir Arbeiten unter die öffentlichen Lehrer gleicher vertheilt, damit nicht einigen weniger Geschäfte aufgelegt werden, indeß die andern unter der Last ihrer Arbeiten erliegen. Mit den vier Stunden, die man des Tags bey seinen Zöglingen verweilet, ist wahrlich noch nicht Alles gethan« Die Bearbeitung der Wissenschaften, die Vorbereitung zu dem jedesmaligen Vertrag, dir Aufsicht über die Privatbeschäftigungen und Sitten der Zöglinge verlangen eine ununterbrochene, aber nicht ü bereu ässige Anstrengung, bey welcher der Lehrer, je ehrlicher er ist, um desto eher zu Grunde gehen muß. Ich wünschte den öffentlichen Lehrern mehr Ansehen und Unabhängigkeit, damit sie mit glücklicherem Erfolge, allein der Stimme ihres Gewissens folgend, das ihnen aufgetragene Geschäft der Menschenbildung besorge». Daß sie an allen, die Erziehung betreffenden Verhandlungen Antheil, und C 4 dabey 4» dabey ihr: vorchi U-ch wichtige Stimme haben sollten, verficht sich sou selbst. Um allen Mißbrauch dieser Unabhängigkeit zu vermeiden, wünschte ich Verantwortlichkeit derselben gegen ein kompetentes Patronat, und stäke Aufsicht des letzteren über das innere und äussere Schulwesen. Daß ich zu dieser Aufsicht nur c o mp e- tente, d. h. solche Personen wünsche, die über Schulen und Erziehung richtig zu urtheilen Kenntniß und Willen genug haben, mit Unparteylichkeit und Humanität bey ihren Untersuchungen zu verführen, wird man mir verzeihen. Ich wünschte eine festere, harmonische Organisation der Schulen Ungarns, sowohl iu Ansehung des Systems, Nach welchem die Wissenschaften vorgetragen werden, und des Verhältnisses der Lehrer gegen einander, als in Ansehung der Schuldiscipliu und der Behandlung ausschweifender Zöglinge. Das System bedürfte, so wie der Schulcodex, und die darin vorkommenden Gesetze, mit jedem Decemrium einer Revision. Das Verhältniß der Lehrer und ihre Rechte müßten genauer, als bischer geschehen ist, bestimmt werde t. Wie viel ihr ganzes Betragen gegen einander auf die ihnen untergebene Jugend zu wirken vermag, ist einleuchtend. Ich wünschte-tvZchemliche Conserenzen der Lehrer, in welcher fe ihre gemachten Erfahrungen freund- freundschaftlich sich mittheilten, und über die Mittel berathschlagten, diesem oder jenem Mangel ihrer Schule abzuhelfen. Ich wünschte ein eigenes Schul tribunal, vor welches die ausschweifenden Zöglinge gezogen, und nach dem Maaße ihrer Vergehuny in Beyseyn aller Lehrer gestraft würden. Diesem Tribunale wünschte ich, bey wichtigeren Verbrechen, alle Feyer lichtete und Form; dem Angeklagten das ihm durchaus zukommende Recht der Selbstvertheidigung. Wenn unter dem Präsidium der Lehrer zur Untersuchung und Beurtheilung eines begangenen Verbrechens eine Art von Jury, nach Art der in England bey Gerichten eingeführten, statt fände, das heißt, wenn die Verbrecher von ihren eigenen Mitschülern gerichtet würden, und die Lehrer sich blos die Confirmation, oder Verwerfung, oder Limitirung der gefällten Sentenz, oder Begnadigung vorbehielten, würde mancher Vorwurf der Parteylichkeit und Ungerechtigkeit, den der Mäste Zögling, im Herzen wenigstens, gegen seinen Lehrer hegt, wegfallen. Uibrigens müßten zu solchen Richtern Zöglinge von anerkanntem guten Betragen und Redlichkeit ernannt, dem Angeklagten aber die Freyheit zugestanden werden, einige derselben, von welchen er ein parteyisches Urtheil zu befürchten hätte, so wie es in England ebenfalls statt findet, zu verwerfen. C§ 34' V 4Z Ich wünscht, daß zanksüchtige, Utttzer-- >teägliche Lehrer von einander, getrennt, und an 'andere Sraüose» oder in andereeAemter versetzt würden. Ich wünschte, daß überhaupt Erzieher durch unbescholtene Sitten und einen edlen mora-c li scheu Charakter sich auszeichneten.-Wenigstens sokte notorisch- u v m o. r a Laschen Personen ein so wichtiges Geschäft Nicht anvertrauet werden, zumahl, da B e y spiel« auf Mensche» dieses' Alters so wirksam zur Nachahmung sind. Ich wünschte dem thätigen Lehrer Ermunterung durch öffentliche Belohnungen und Anerkennung feiner Verdienste. Ich wünschte ihm thätige Unterstützung bey seinen Bemühungen, dem müden Erleichterung oder anderwärtige Anstellung., dem a b- gelebten, entkräfteten ehrenvolle Ruhe und Pension. Um das Vertrauen des Zöglings zu dem Lehrer, und feine Anhänglichkeit an ihn zu befestigen, wünschte ich wiederholte Schulfeste, die unter Aufsicht und Theilnahme der Lehrer, zumahl in den Tagen des Frühlings und der erwachenden Natur, am besten im Schoße derselben angestellet würden. An diesen Lusttagen, die durch Reisen an merkwürdige Orte eine schickliche Abwechslung erhielten, könnten geistige und körperliche Spiele die Gesellschaft aufheitern, und die gymnasti sch c n, leider bis itzt so sehr vernachläßigten Uibungen der. Alken mit Feyer- Lichksit und unter Bestimmung der Preise für den Sieger erseuerk werden« Uiber- Merhaupt würde ich dem Lehrer mehr Herablassung gegen seine Z'öglmge, und mehr N Umgang mit denselben empfehlen. Des Letzteren bedarf er schon um seiner selbst willen, um den Charakter des Zöglings genauer kennen zu lernen, und desto glücklicher zu bilden: die Erste wird das Herz des Zöglings mit-diamantenen Banden der Liebe und des Zutrauens an ihn fesseln, und ihn der Dankbarkeit des gefühlvollen Zöglings auf immer versichere Ich wünschte öftere BeschsftiZungen des Zöglings in der freyen Natur. Er soll die schönsten Tage des Jahres nicht in der dumpfen Lehrstube zubringen, uiid heimlich dir Glückl'.äien beneiden, denen es vergönnt ist, die balsamische, reine Luft unter der heilsamen Bewegung des Körpers zu athmen. Der Vortrag des Lehrers auf der blumrgten Wiese, oder rm schattichtcu Walde, oder in dem Blüte duftenden Garten wird seine Aufmerksamkeit nicht zerstreuen. Ich wünschte überhaupt mehr Abwechs lu n g und Mannrgfa l t igkeit des Dortrags, theils in Ansehung der Personen, welche den Unterricht ertheilen, theils in Ansehung der G eg enstände des Un- terrichtes, und desOrLes, au welchem er ertheilt wchd. Einige der Wissenschaften, die.Mcßkrmst, die Gartenkunst, die Naturgeschichte, die Physik, die Oekono- mic, die Astronomie und andere, führen uns selbst in den Schooß der freyen Natur; andere: die Technologie, die Mechanik, und so werter, verändern wenigstens den Schauplatz des Unterrichtes, und tragen - 44'^. -"."'e'mngen unit Künstlern alle: Art z.-r Men- Hheakunds sey,.'.^ , wünschte, wir ich schon oben angedeutet '->e, dir Jngrich mehr zum eigenen Nachdenken und Prüfen, als zum Nachbeten angeleitet zu störn. Avar ist das wahre Genie keine gewöhnliche Erscheinung, und die Geschäfte des Menschenlebens brauchen solcher erhahWn Köpfe wenig r aber wie viel wird np Schulen in dieser Hinsicht verdorben; wie mancher natürlich gute Kopf, durch schlechten Vor- trag und ungeschickte Behandlung auf immer abgestumpft? Zu dem Ende ipünfchte ich die Jugend weniger mit Wissenschaften überhäuft, und mehr mit eigenen Arbeiten beschäftiget zu sehen. Das Halbwissen ist eine Quelle so vieler schädlichen Selbstgenügsamkeit und Anmaßung; und wie die Nahrung, um dem Körper heilsam zu seyn, v erbaut werden muß, so müssen die cingefogenen Kenntnisse— um eines alten Sprichwortes mich zu bedienen— in Blut und Saft verwandelt werden. Ich wünschte der Vielwisferey zu steuern§ und mehr auf das Solide, als auf das Mannigfaltige und auf die Masse des Gesammelten Rücksicht zu nehmeu. Nicht steife Systematik«: r wünschte ich auf den ungarischen Schulen gebildet zu sehen, die ihre Vorstellung für allein wahr halten, und gegen d ers denkende mit Heftigkeit in Schutz nehmen: aber 45 Ner doch ist das Gründliche in jedem Fache eine Sache, um welcher willen man die Alten zu beneiden Ursache hat. Ich wünschte die Methode des Vsrtrags in den meisten Wissenschaften und Sprachen verbessert zu sehn. Jene ist oft zu sehr dogmatisch, und zu wenig sokratisch; sie befolgt ztt steif das System, und nimmt deU Universitäten ihr Eigenthum: diese ist in den Sprachen der Alten insonderheit beklagenswerth. Noch hat man nicht überall dem alten, geschmacklosen Construireu, und der Auflösung einzelner Perioden in ihre Bestandtheile, mit stciter Rücksicht auf die Regeln der Syntax, die papageyenmaßig von dem Schüler hergeplauderk wurden, ein Ende gemacht; noch hat man nicht überall dem Uafuge gesteuert, die Meisterwerke der römischen Dichtkunst in Kinderbrey zu verwandeln, und den originellen Dichtergeist in eine verkehrte Wortordnung mit haarfeiner Anatomie für Kinder zuzubereiten. Haben die edlen Römer und Griechen, man nehme Cicero oder Cornelius Nepos, man nehme den feinen Virgil oder den phankasiereichen Ovid, für Kinder geschrieben? Geben des genievol- lsn Horaz Oben, der Pragmatismus des Tacitus, das Sentent'öie, aber so kräftig Gesagte des Seneca dem männlichem Gerste nicht Nahrung genug? Was soll ich von den edlen Griechen sagen,' die bey uns Wenigen dem Namen nach bekannt, von den Wenigsten mit dem Eifer, den sie verdienen, studrrt werden? Die 46 Die Folgen dieser verwerflichen Methode sind mr zu sehr durch Erfahrung bewährt. Man sieht, «och nirgends den besseren, vorzüglich durch eine zweckmässige Lektüre der Alten zu erhaltenden Geschmack sich verbreiten; man sieht noch nicht die unmteressirre Liebe der Literatur, dir über die Schuljahre hinaus sich erstreckt, von welcher Cicero so treffend sagt, daß sie die Trösterin» des Alters, die Begleiterin auf Reisen und bey den Geschäften des Menschenlebens sey, aufkeimen. Vielleicht könnte man, nicht mit Unrecht, sogar eine Abneigung gegen alles Wissenschaftliche dieser verkehrten Methode des Schulunterrichtes zuschreiben. Mit wenigen Ausnahmen bezeugt es die Erfahrung in den meisten Fallen, daß der den Schulen Entwachsene auf immer den Wissenschaften entsagt, und, stakt seine Muße einem oder dem andern Zweige der menschlichen Kenntnisse zü widmen, mit Jagd, oder mit Spiel- oder allenfalls mit Romanestlcktüre seine Feit zubringt. Ich wünschte einige der in die Schulsysteme Ungarns aufgenommenen Wissenschaften daraus verbannt oder beträchtlich abgekürzt, und dafür andere dem Cursus einverleibt zu sehen. Zu jenen rechne ich mehrere Rechtswissenschaften, die hie und da mit uuproportionirker Weitläufigkeit vorgetragen werden; andere politische, wie Kamera!- Wissenschaften, die ebenfalls, um dem Ganzen mehr Haltung zu geben, um Vieles abgekürzt, und nur nach ihren Haupttheilen zur vorläufige,» Kennt- 47 Kenntniß dem Hchkiler mitgetheilt werden müßten; ei- «ize h i st orische, von welchen ich der K i rchenge- schichte weniger Ausdehnung, und selbst der Statt sti k und der vaterländischen Geschichte eine Beschränkung von Einem, höchstens zwey Jahren, zu geben wünschte; einige theologische, wie As, «tik und Apologie der christlichen Religion.— Die praktisch theologischen Wissenschaften könnten bey größeren Schulen in eigenen Seminarien, für künftige Landprediger, so wie eine praktische Pädagogik für künftige Land-und Schullehrer vorgetragen werden;-- und zuletzt einige, die mir bloß für Universitäten oder Akademien geeignet zu seyn scheinen, wie Diplomatik, Heraldik, Numismatik und selbst Statistik. Wenigstens dürfte diesen und einigen andern Arten von Wissenschaften kaum ein eigener Cursus für Schulen gestattet werden. Dagegen wünschte ich in ungarischen Schulen eingeführt zu sehen: 1. Für Theologen eine kurze Einleitung i» die, theologischen Wissenschaften nach dem vortrefflichen Grundrisse des Consistorialraths Plank zu Göttingen. 2. Für die gemischte Jugend: a. Einen eigenen Cursus der neuesten Geschichte nach BÜsch oder Schulze, mit welchem ein kleines politisch- litträrisch- arstiti- ^^ sch es^ 48 schss Zeitung scollegium verbunden werden könnte.*) b. Eine kurze Encyclopädie der gesammten Wissenschaften nach dem Eschenburgischen Grundrisse. e. Eine kurze Beschreibung des menschlichen Körpers nebst Diätetik nach Lehman«. 6. Eine populäre Astronomie nach Voigt. «. Eine mehr praktische als theoretische Mechanik Ich muß an-iesein Orte eines Hauptfehlers der ungarischen Schulen erwähnen, der aus dem Mangel an Schulbjbliotheken unmittelbar folgt, und durch Eigennutz oder Unwissenheit mancher Lehrer befördert wird ich meine die w en i g e Rü ck st ch e auf neuereL! te- ratur. Wohl wird ein CmsuS der Likeraturgefchichtt hie und da, zum Beyspiele, in Äesmark mitgenommen, aber zu wenig Zeit für ein so viel umfassendes Feld bestimmt- Ich wünschte diesen Cursus in einen der griechischen und römischen Literatur nach Eschcn- hurg, und in«inen zweyten der neuesten nach Eichhorn, oder einem beliebigen anderen Schulbuch- verwandelt. In beyden müßte der Lebrer die Mühe und den Aufwand nicht scheuen, die wichtigsten Werke der Literatur seinem Zöglinge vorzuzeigen,/und diese Anzeige mit biographischen Notizen seiner Verfasser und mit B-nennung der vorzüglichsten Ausgaben zu verbinden. Eine Gejchichre der Philosophie könnte jedem philosophischen Cursus vorausgeschickt werden. Und eben so in der Dogmatik, der Moral, der Mathematik, der Naturgeschichte, der Physik, «nd so weiter. rnk nebst den verwandten Uebungen nach Gutsmuths., f. Eine abgekürzte Gymnastik nach eben dem- ftiben konnte als ein Theil der Pädagogik betrachtet, und in der Theorie den reiferen Zöglingen vorgetragen, in der Ausübung mit allen vorgenommen werden; so wie K., die Gartenkunst entweder als ein Theil der Naturgeschichte angesehen, oder als eine eigene Wissenschaft gelehnt, oder mit Oeko-r nomie verbunden werden könnte. Auch wünschte ich k. für die Naturgeschichte, wo es nicht schon geschehen ist, mehrere abgesonderte Cur- sus, etwa nach den Funkischen Lehrbüchern, oder nach Bechstein, und i. in der Physik theils eine beständige Rücksicht auf die schwesterlich mit ihr verwandte Chemie, theils einen hinlänglichen Apparat von Instrumenten. In jeder Schule sollte wenigstens eine Elcktrisirmaschine nebst ihrem Zugehor, eine Luftpumpe, ein Fekn- rshr, ein größeres Mikroscop, ein Magnet, nebst einer mathematischen Jnftrumentensamm- lung für die oberen Klaffen, und einem, durch einen eigenen Fond stäts zu vermehrenden Atlasse der- beßten Landcharten vorhanden seyn.,,,'-^ So Ich wünschte, daß bey den Ungarischen Schulen mehr Sorge für außer- Cultur und feine Sitten der Zöglinge beobachtet würde. Ich glaube diese Absicht am sichersten durch Conser sa t o r i e n- wie sie in Deutschland statt finden, und durch das Beyspiel der Lehrer selbst, erreicht zu sehen. Für die neueren. Sprachen ist in den größeres Schulen bis jetzt in etwa- gesorgt. Man fängt hie und da an, die gebildeten Sprachen der Englänöer, Franzosen und Jkaiiäner mit Eifer zu betreiben. Schade, dag die Cultur der Lau d-ssprachen, von -welchen die eine oder Mehrere während des Schülcur- ses erlernt werden muffen, dem Zögling so viel Zeit wegnimmt. Einige der in Ungarn eingeführten Institute haben auch diesem Uebel durch angestellte Sprachlehrer wohlthätig abzuhelfen gesucht. Da die Musik zur Humanität und zum Vergnügen des menschlichen Lebens, so wie die Zeich- nungsknnst zur Bilduug des Geschmackes, und als Hilfsmittel mancher Kenntnisse und Gewerbe so viel beyträgt: so wünschte ich auch diese allgemeiner bey un'ä eingeführt Und getrieben zn sehen. Musikalische Akademien würden für Lehrer und Zöglinge aufheiternd seyn. Zum Wetteifer in der Zeichuungskunst und Mahlerey würden kleine aufgestellte Preise von Büchern oder Gemälden kräftig mitwirken. Ueber das hie und da eingeführte Theater muß ich ein weniger günstiges Urtheil fällen. Die Vorbe- -M' M' rei- L! reittmg zu den übernommenen NoLen, zumahl, wenn sie auswendig gelernt werden müssen, raubt zu vn.!, für andere nothwendigere Beschäftigungen unentbehrliche Zeit. Die Jdeaft von MenDengröße und Men- schenkugend, die manchem der aufgeführten Schauspiele eigen sind, verwirren den jugendlichen Geist, und verleiten ihn zu romanhaften Phantasien; die Rosten voa unsittlichen Charakteren, weiche der eine oder der andere Zögling auf sich nehmen muß, dürften aus seinen eigenen, noch rnibefestigtcn, moralischen Charakter einen schädlichen Einfluß haben;—- der Gefahr, welche die Vermischung beyder Geschlechter für feurige, aus dem Schulzwange in neue Situationen sich plötzlich versetzt sehende Zöglinge haben muß*), nicht zu gedenken. Dr, Weit ch Man hat dieser Gefahr vorzubeugen gesucht, indem man die weiblichen Rollen unter Knaben von zarterem Körperbau vertheilte. Aber theils müssen diese Knaben eine so ungewohnte Rolle auf eine sehr ungeschickt« Weise spielen, und dadurch dem Vergnügen des Spieles- Vieles benehmen, theils möchten auch in den Seelen dieser Knaben in Mädchcnklejdung manche, höheren Zwecken der Erziehung nachtheilige Gefühle entstehen;— Gefühle, die in die, sem Alter durchaus nicht reg- gemacht werden sollten- Wie kann auch der gewissenhafteste Direktor deS Schul- theatcrs dafür stehn, daß diese, durch die Annahme eines andern Geschlechtes, und durch Vorstellung mancher diesem Geschlechte ganz eigenen Rollen und Tharatkere gereitztm Wert mehr würde°ch Spra ch ü bungen aller Art, besonders aber otere Deklamationen, und bey der reiferen Jugen> öffentliche Reden, die fie im Beyseyn, und unter Censur ihrer Professoren hielte, begünstigen. Jene tragen zur glücklichen Ausführung mancher Geschäfte, und zu einem männlichen Betragen in manchen verwickelten Auftritten, in welchen der zur Sprachfertigkeit nicht gewöhnte, sich nicht zu helfen weiß, sehr viel bey. Die Deklamationen insonderheit würden zum richtigen Ausdrucke, der Mit Gefühl und naturgemässerer Gestikulation verbunden wäre, leiten. Wie viel die Alten auf eine gehörige Aktion gehalten haben, ist bekannt?) Auch in neue ren Zeiten scheint man die großen Vortheile derselben nicht ganz zu verkeimen, aber auch von der anderen Seite nicht gehörig zu würdigen. In Ungarn würden fie dem künftigen Staatsmanne, dem Rechts- ge- Gefühke, bey der so lebendigen Sensibilität und Phantasie der Jugend, sich nicht, je besser die jungen Leute ihre Roben spielen, um de'ts schneller, und dadurch gesährli« cher, umnerklich entwickeln? Echpn Cicero sagt in seinem treMchen Werke cis OrLtvi» r-, i!>ro z. cap. Z6.„blaec lp8ü omnis prrmcks bunt, „uc ingMM, in kiicencko unsstvmin»' „rur. 8ins bseor-nor esse in nuilo üümero ,,?>k li:, dac iastruclur, rummsr susxe sii- ,.xor»-e.„ gelehrten und dem Dolksredner von unendlichem Nutzen seyn.— Diese würden ausser den schon, bemerkten Vortheilen noch dazu d'enlich seyn, daß die Jugend ihre Denkkraft mehr entwickelte, und durch eigene Untersuchungen und Meditationen sich den Weg zur Wahrheit bahnte. Daß diese öffentlichen Redeübun- gen nach dem Alter und nach den Fähigkeiten der Etu- dierenden verschieden seyn müßten, und daß man bey ihrer Würdigung theils nicht mit allzu großer Strenge verfahren, theils das Ehrgefühl der Redner mit Schonung und Delikatesse behandeln müßte, ist wohl von Ich wünschte, daß die Lehrer nicht mvr diesen Uebungen beywohnte»/und durch Angabe des Stoffes die Ausarbeitung derselben bey ihrer Jugend erleichterten, sondern, daß sie zu bestimmten Zeiten selbst aufträten. und durch Vorlesungen über einige praktische Gegenstände die Jugend zur Nachahmung aufforderten. Ich wünsckre Hiebey in Ansehung des Inhaltes öftere Abwechslungen, so, daß bald über eine philosophische, bald über eine historische oder pädagogische Aufgabe gehandelt würde, bald eine klassische Stelle eines Dichters oder Prosaikers vorgelesen und commentirt würde. Selbst die Professoren sollten sich der Censur ihrer Ausarb itungen nicht entziehen. Die mit Beyfall gehaltenen Reden könnten auch wohl zum Drucke bestimmt, und der Ertrsg derselben für Schulbedürfniffe, oder DL zu Z4 zu Belohnungen der sich auszeichnenden ärMreir Jünglinge verwendet werden.*) Noch würden die schriftlichen Ausarbeitungen der Zöglinge eine sorgfältigere Aufsicht und Leitung von<§citm der Lehrer verdienen. Dir Tt Uteri alien derselben könnten unendlich verschieden seyn. Eie sollten mehr aus den Gegenständen des gemeinen Lebens genommen werden, und naturgeschichtliche Beobachtungen, Erfahrungen, Empfindungen und so weiter, enthalten. Das Stufenweise sollte dabey mit größter Sorgfalt beobachtet werden. Es ist nicht hinlänglich, daß der Lehrer an größeren Schulen einige derselben, vorliest und beurtheilt: jeder Zögling sollte, wenn dieß bey den gehäuften Geschäften des Lehrers möglich wäre, unter seinen Augen arbeiten, und zum' richtigen Denken und treffenden Ausdruck angeleitet werden. In den oberen Klaffen, in welchen diese Uebungen vorzüglich getrieben werden müßten, dürften aus den gebildetste»Zögst n- h An^rriburg waren, etwa vor zwanzig Jahren, eiaent- tt-'.' SpraE'Mge-, e'Ngefüh't, bey welchen jurne Redner jn den verschiedensten Sprachen ihre Kenntniß zeigten, . vnt> sogar' hekrälsche oder griechische Anreden an dke Fau- nevden/Patronen birlren. Wvj»^ dieser Pdinp oder dieser Mlendwert gedient kab«, tonnte ich nie einsehen. Die Uebungen in den neueren Sprachen, und vielleicht auch im ffriech-schcn nehme ich von diesem Vorwürfe mit Vergnügen aus. Z§ singen Censoren ihrer sü'-ZM Mitschüler bestellet werben, die ohne Leidenschaft und Parteylichseit über die ihnen vorgelegte Arbeit ihre Meinung sagten. Kaum darf ich hinzusetzen, paß diese. Uebungen nicht auf die römische- Sprache sich einschränken; daß sie bald nach einem von dem Lehrer gegebenen Thema angestellt, bald der Wahl der Zöglinge überlassen bleiben; daß sie hinlängliche Kenntniß der Sprache, in welcher sie geschehen, voraussetzen m.d folglich von dem kaum stammelnden Lateiner keine vollkommene Arbeit zu verlangen sey; daß sie endlich durch Abwechslung mehr, als gewöhnlich geschieht, sich auszeichnen sollten, Das Excerpiren aus alten Klassikern bringt, wenn es, wie gewöhnlich mechanisch, und bloß um die bestimmten Seiten vollzumachen, getriebeli wird, nicht den. erwarteten Nutzen, einer g enauern Bekanntschaft des Zöglings mit dem ihm vorgeschrie- denen, oder seiner Wahl überlassenen Auctor. Zuerst gehen dabey oft mannigfaltige. Betrügsreyeu von Seite der Zöglinge vor. Sie schlagen, um sich die Mühe zu ersparen, alte Blätter unter, oder sie nehmen eine Ausgabe mit untersetzten deutschem Noten vor sich, und schreiben die. gedruckten Phrasen gemächlich ab. Sie nehmen sich nicht die Mühe, in den Geist-des Auetors einzudringen, und geben die in einzelne Theile zerrissene Periode in abgesonderten Zeilen wieder. Warum das Excerpiren bloß auf die Classe der Beredsamkeit eingeschränkt seyn sollte, sehe ich nicht ein. Für .' D 4 den N«L Z6 den Primaner ist die Beschäftigung noch angemessener, wenn er nach einer richtigen Logik mit und über seinen Auctor nachzudenken gelernt, und einige Grundsätze der Kritik sich eigen gemacht hat. Es versteht sich wohl, daß von schon gebildeten jungen Leuten kein kindisches, auf Blatt und Seite bestimmtes Excerpiren verlangt würde, sondern ein nach Abschnitten des zu excerpirenden Werkes sich richtender Auszug, mit Uebersicht der Hauptgedanken des Verfassers, nebst Auszeichnung der schönsten Stellen, und ästhetischen Bemerkungen über Schönheit des Ausdrucks. Ein solches, mit Verstand und Geschmack angestelltes Excerpiren sollte endlich nicht blos mit den klassischen Werken der alten Römer, sondern mit allen besseren Werken der neueren Literatur, an welche man bisher nur gar zu wenig dachte, vorgenoMinen werden. Dieß leitet" mich auf die, noch manchem Mißbrauche und Vernachlässigung unterworfene Lektüre der Zöglinge. Schon die Auswahl und Stufenfolge derselben erfordert so viele Behutsamkeit, und die Bestimmung ihres Verhältnisses zu den übrigen Be- schäftizungel! des Zöglings sv viel Sorgfalt des Erziehers. Die nun an manchen Orten so stark einge- rissent Romanenlektüre möchte ich nicht eben ganz verbieten, aber wohl aus die bewährtesten Bücher dieser Gattung, welche Verstand und Herz und Geschmack zugleich ausbilden, einschränken. Das Lesen der Dich« ter erfordert gleichfalls sorgsame Wahl und Unterscheidung ''V!-V' ,sis''''- 57 dmg des Moralischen von dem Unsittlichen, des Vortrefflichen von dem Mittelmäßigen, des Schwereren von dem Leichteren. Der Anfang sollte, wie man in Deutschland es längst gesagt hat, mit naturhistori- schen und geschichtlichen Werken.geschehen. Dann folgte die belletristische und systematische Lektüre nach dem entwickelten Genie, und dem Geschmacke der Zöglinge. Ein grosses Hinderniß derselben ist der schon oben gerügte Man gel a n Bibliotheken. Man wird es doch nicht dem Lehrer, der kaum im Stande ist, mit oen nöthigsten Hilfsmitteln sich zu versehen, aufbürden, für feine Zöglinge eigene Leih--Bibliotheken anzuschaffen. Und hätte er auch dazu Vermögen und Uneigennützigkeit genug, so dürfte— des Mißvergnügens über Verlorne oder beschädigte Bücher nicht zu erwähnen— die Anstheilung und Verzeichnung und Einsaimnlung der ausgeliehenen Bücher ihm mehr Zeit rauben, als seine anderen Geschäfte ihm Massen. Bevor ich zu dem Plan einer nach meinen Ideen eingerichteten Schule übergehe, setze ich noch ein Paar andre, nach meiner Einsicht minder ausführbare Vor» schlage hinzu:. t. Sollte es nicht möglich seyn, um dem so drückenden Mangel an ungarischen Lehrern zuvorzukommen, junge Männer von Vermögen und Ansehen zu dem gelehrten Stand, und zur Annahme der Schulstellen insonder- D§ htit Herk z» vermöge», die mit Uneigennützige keit und ohne Rücksicht auf die so sparsamen Einkünfte ihrer Stellen auf eine unbe- stimmte Zeit sich mit dem Vortrage der Wis- , fmschaftM, und mit der Bildung der vaterländischen MZeud beschäftigte!!? Sie hüt te:; habenden Byrtheil der eigenen vollkomm- neren BllhHz.g. denn wie das qlke Sprichwort sagt: stoL.sruio rüscimus, und eines bis setzt seltenen Verdienstes um das Vaterland. Jch.stslle das schöne Beyspiel des ehrwürdigen Gregors von Horvath, der, wie ich glaube, zu Ende des sechzehnten'Jahrhunderts, auf seinem Landgute eine Schule stiftete, und ihr als erster ch-ehrsp eine Reihe von Jahren vorstand, zum-Mustek auf. s. Sollte mm der Concurreuz der ohnehin armen ungarischen Schulen abzuhelfen, es nicht gerathen seyn, einige derselben ig bloße Tris vial- und Bürgerschulen zu verwandeln, und ihre Fonds zur Doticung weniger, eigentlich gelehrter Schulen zu verwenden? Sollte dieß jemals der Fall seyn, so müßte dieß freylich mit Eittverständntß der Protestanten in Ungarn geschehen. Die höher Do- tirten, und mit den tauglichsten Subjekten besetzten grösseren Schulen sollten mehr Lehrer,— für die oberen Klassen etwa vier .bis 59 his fünf--^ mit einer anständigen Besoldung vsn wenigstens fünfhundert Gulden in fixem Gehalte jährlich erhalten, die üdrigen in Bürger- und ökonomische Schulen umgewandelt werden. Die Lehrer der obenge- nannken Schulen wären t L. Ein Professor der theologischen Wissenschaften, zu welchem allenfalls ein bewährter Prediger des Orts, in welchem die Schule blüht, genommen werden könnte. k> Ein Lehrer der Philoso p h i e, welcher vor-' züglich die praktisch-philosophischen, und die politischen Wissenschaften nach einem erweiterten Plane vorzutragen die Verpflichtung hätte. c« Ein Lehrer der Mathematik und P h y- si k, dem ich die reine und angewandte Mathematik, die Naturgeschichte und Chemie, die Astronomie und Oekonomie, u« s. w. anvertrauen würde. «I. Ein Lehrer der Geschichte, dem zu seinem Wirkungskreise alte und neue Geschichte, Geographie, Statistik, Archäologie/ Diploms- tlk, Literatur- und Culturgeschichte u. s. w. nebst dem Zeitungskollegium angewieftn werden könnten. s. Ein Lehrer der Philölsgie und Aestht- tik, dessen Gebiet die schönen Wiffcnschaf- ^ ten. §8 ten, und die klatsche Literatur der Griechen und Römer, nebst der wöchentlichen Revision der Schularbeiten, der Aufsicht über die Rede- und Dtklamationsübungeii, einer Encyklopädie aller Wissenschaften, und dem damit verbundenen Schulbibliythekariat, seyn würde., Ob ein eigener Lehrer der Recht e für eine solche Schule nothwendig sey, glaube ich mit Grund bezweifeln zu dürfen. Die für Schulen nöthigen Rechtswissenschaften könnten unter die Professoren der Philosophie und der Geschichte füglich vertheilt, Las Kirche»recht nach seinen wesentlichen Theilen dem Leörer der theologischen Wissenschaften überlassen werden.*)^ Ob eine nach diesen Ideen eingerichtete Schule nicht vielmehr A k a b e m i e oder Csllegium, als eigentliche Schule genannt werden sollte?— Auf den Namen kömmt es nicht an, wenn nur die Sache dem Zwecke'und den Bedürfnissen der vaterländischen Jugend gemäß getrieben wird. Auch glaube ich auf den schon einmahl gemachten Unterschied der deutschen *) Aber wohl würden eigene Lehrer der Sprachen, und nnme t!!>v des Franz'ffsnen, d.LEnniisckcn und des Italiänischen, sa wie der'Musst, der Zsichmir.gskünff.und Mahlerey, und vielleicht auch der Tanzkunst, oder lieber der Gnmnaiklk bey solchen Schulanstalken nothwendig seyn. 6r schm uäd der ungarischen Schulen aufmerksam mache« zu. Müssen, nach welchem in den setztet« der grösste' Theil der Jugend(sie Rcchrsgrlehrten ausgenommen, die Noch auf eintk Akademie oder Umversirät ihren Cursus fortsetzen, und noch Paar Jahre in dem praktischen Theile ihres Berufs sich üben, neun- zehn Theile) ihre vsllftäldiz'e Bildung erhalten. Um desto mehr muß für die grössere Anzahl des Adels und der zukünftigen Landprrdiger und Schulmeister, so wie der Deksnomen, und der auf Bildung Anspruch machenden bürgerlichen Privatpersonen gesorgt werden» Ob diese Vorschläge bey d-M jetzt allgemeiner gewordenen Sinn für Erziehung, so ganz unausführbar seyen, mögen Kenner und Freunde der Erziehung bemkheilen. In Ansehung des ersteren Sande ich noch bemerken zu müssen, daß Ungarn in den vorigen Zeiten des blühenden ProtsstautisDus viele gelehrte Männer aus den edelsten Familien be» saß, die sich durch Reisen in das Ausland gebildet hakten z einen Thurzo, Forgats u. s. w., und diese edle Sitte in unseren Zeiten noch nicht ganz abgekommen sey» Solche Männer könnten, wenn ihn« auch der förmliche Unterricht der Jugend zu mühsam, und wegen ihrer anderen Geschäfte unthunlich seyn sollte, doch an der Bildung der vaterländischen Jugend durch öftere Gegenwart, durch Aufmunterung geprüfter Lehrer, und PmscmschülmKrn unter die f«. 62 fähigsten Jünglinge thätigen Antheil nehmen, und dadurch sich ein eigenthümliches Verdienst um das Vaterland erwerben: Die SchwierigkeitM, chey dM Ausführung des. zweyten Vorschlages würden sich vermindern, wenn dem theologischen Lehrer, dem ohnehin das Predigeramt, feine SWstenz sichert-, ein geringerer He-, halt ausgesetzt würde» In den Schulen.,^ bey.,welchen Institute statt findin, lonnfe. dem PräM. irgend, ein Fach, dem er vorzüglich gewachsen wäre, übertragen werden. In allen könnten junge Gelehrte, die in den Schulen zu arbeiten Lust haben, als Mikge- hilftn der ordentlichen Lehrer, mit einem kleinen Gehalte angestellt, im letzten Nothfalle die historische» Wissenschaften.Mter die übrigen.Professoren vertheilet werden. Vielleicht find folgende zwey Vorschlage, die ich zum Schlüsse dieser Abhandlung mir erlaub-, mehr ausführbar, und zum Theile hie und da in wirkliche Ausführung gebracht:' t.Die Errichtung von Se mi narren für Land- prediger und Landfchullehrer. Da ihre Nothwendigkeit von selbst einleuchtet, brauche ich nur hinzuzusetzen, daß in jenen weniger auf steift Dogmatik, als auf eine gesunde Morast, in beyden auf pädagogische Talente und landwirkhschaftliche Kenntnisse vorzügliche Rücksicht genommen werden müßte. Die- ^^ ft st Seminarien könnten füglich mit den grüß streu Schulen Ungarns vereinigt, und die Seminaristen zum Unterrichte der Iugend vor- ' läufig praktisch angeleitet-werden. i L. Die strenge Prüfung, der nach Deutschland abgehenden, und von da zurüchko:u-- , menven CqNdidatcn iir Rücksicht ihrer Kenntnisse und Sitten. Nur die fähigsten Jünglinge, denen man ihren'zukünftigen W ir kun gs kke is i m v o r a us an Leuten könnte,*) würden zum Vortheile des Vaterlandes ihre Bildung im AuslmM zu vollenden die Erlaudmß, und nur Jünglinge von dem bewährtesten moralischen Charakter Hoffnung haben, al'ckVolkslchrer oder als Lehrer der Jugend nach ihrer Rückkunft angestellt zu werden. Dieß sind meine Wünsche und meine Vorschläge. Ach habe sie mit Freymülhigkeit, wie es dem Mann von Ehre und Gewisse» ziemt, ohne Rücksicht auf Per-- *) Und zwar aus dein Grunde, weil das Feld der Wiffenswasten zu unendlich und zu unermeßlich ist, als daß es in wenigen Jahren umfaßt werden könnte, und weil der Jüngling im voraus wissen muß, worauf er seine Kraft vorzüglich zu verwenden habe, wenn er»ich. ohne Plan seine Studien betreiben, und ohne feine Absicht erreicht zu haben, mit unvollkommener Bildung Vaterland,' zueile» soll. 64 Personen und Verhältniße vortragen zu müssen geglaubt. Niemand habe ich beleidigen wollen. Alle Beziehungen auf Namen und Localitätcn habe ich nach Möglichkeit zu vermeiden gesucht. Für Uikneilung bitte ich um Nachsicht. Habe ich jemanden Unrecht gethan, so hoffe ich in Rücksicht meines edlen Zweckes von ihm, oder, wenn er gestorben sey» sollte, von feinen Manen Vergebung. Es sey mir erlaubt, den einzigen Wunsch hinzuzusetzen: daß die Vorsehung dem Vaterlande und dem gebildeten Weltthei! Europa lange den schwer errungenen Friedeü erhalte; daß sieden Völkern viele Fürsten gebe, welche so edel und so eifrig, wie Joseph der Zweyte an der Bildung der ihnen untergebenen Nationen Theil nehmen; daß sie im Vaterlande recht viele Männer wecke, die von der Wichtigkeit der Erziehung überzeugt, für das Woyl ihres Mutterlandes sich hingeben, und alle gemeinnützigen Plane mit edlem Eifer und Aufopferung befördern; daß sie die noch zuweilen sich erhebende Hyder der Intoleranz und des Parteygcistes mächtig zu Boden trete, und überall Humanität, Brudersinn, und Eifer für das gemeine Wohl herrschen laste; dag sie,— die wahre, einzige Erzieherin— dem Vater- lande viele junge Männer oiche, die den, in diesem kurzen Aufsätze vorgetragenen Wünschen entsprechen, die im Geiste der Aufklärung und Bruderliebe, mit Kraft und mit Erfolg an der Bildung der vater! ändi- lchen Jugend arbeiten. 6z Plan einer für Ungarn passenden vollständigen Lehranstalt/ Ich hatte mir vorgenommen, ein den-Bedürfnissen des Vaterlands angemessenes System der höheren Schulen oder C o l l e g i e n zu entwerfen. Möge es immer am Schluße dieser Abhandlung, Mit Beziehung auf das Vorhergefagte, der aufmerksamen ' Prüfung aller Vaterlandsfteunde sich empfehlen. Ich setze bey einer solchen Lehranstalt sechs öffentliche Lehrer für eben so viele Klassen, und zwey bis drey Gehilfen für die oberen Lehrer des Gymnasiums voraus. Essest theilen sich nach den ihnen angewiesenen Geschäften, mehr nach den Wissenschften, die sie vortragen, als nach irgend einer anderen Rücksicht, in die Lehrer der drey oberen und der drey unteren Klassen, unter Aufsicht eines beständig thätigen, aus einer oder mehreren Personen bestehenden Direktorats. Die drey Lehrer der unteren oder Elementar k l a sse n vertheilen die Gegenstände gemeinschaftlich unter sich, so, daß der eine mit den Elementar- kenntnissen der Religion und det moralischen Entwicklung der Zöglinge, durch den ihm angewiesenen Vor- trag der populairen Religion, der Naturgeschichte, der eigentlichen Geschichte und Geographie, der Diätetik And Anthropologie, u. s. w.' der andere Mit dem für alle Klassen abgesonderten Elementarcurfus des Latein E und 66 und der dazu gehörige» Hilfswissenschaften, der Syntax, Prosodie, der Mythologie, und mit dem Vortrage der neueren Sprachen, vielleicht auch des Ele- mrntarcursus im Griechischen u. s. w., der dritte mit Lese- und Deklamationsübungen, mit Orthographie Und Calligraphie, mit der Arithmetik und Elementar-- gsometrie, mit der Zeichnungskunst und der Gymnastik sich nach bestimmten Stunden beschäftigten. Sie Lehrer der drey. oberen belassen vertheilen sich ebenfalls in die ihnen angewiesenen Fächer. Ich nehme deren nur drey, und zwey außerordentliche/ das heißt, den Prediger des Orts und einen,«Lup- plenten mit halbem Gehalte, und vertheile die Gegenstände des Unterrichtes folgendermaßen unterste: i. In der Klasse der Humanität, die in zwey Cut- sus zerfällt, kommen die meisten Wissenschaften auf Rechnung des Professors der Philologie,und Aesthetik; nämlich: a. die Vorlesungen über römische*) und griechische Klassiker, zu welchen m der vorigen Klaffe der Grund gelegt worden ist; eine daraus abgeleitete Theorie der Bered- sam- Die in dieser Klaffe vorzulesenden 8i ome r waren. x>v!ds Metamorphosen, einige ÄomLdi-n des«plautus und T-renz, Virgils Eclogen, und einige le.chc-r- Dden d.z. Hvratz, Ciceros Briefe-md Reden, desselben^erk, ae clmis Or->co'ib«s, Plinius Briefe und Panegyr.ell.^etwas aus Livius' und Sallust, Valerius Mam.ms, lus GelltuS. Auch scheint- mir der zur Synmx Cornelius Nervs gerade für diese Klaffe geergnft i»^,> 0>-- 6/ famkert und Dichtkunst käme in den zweyten Em-sirs; die Aesthetik m den dritten/mit der Philosophie vereinigten: b. die griechischen und römische» Alterthümer-, so- weit sie zum Verstehen der asten-Klassiker nothwendig sind: c. die altere und neuer: Geschichte mit Geographie verbunden, sammt einer besondern Lireraturgeschich- ke der alten Griechen und Römer, falls nicht für die Geschichte ein eigener Professor angestellet ist, nebst: 6. der Anleitung zu den Deklamationen, und der Uibersicht der Stylüöungm und Schularbeiten. Die Archäologie, die fönst in dieser Klasse vorgetragen wurde, könnte füglich in den dritten Cursirs verschoben....den. Noch kämen in dftstr Klasse auf Rechnung des Prsseffdrs.der Philosophie eine kurze Ethik, bey welcher nach Kuichardt auf die schönsten Stellen der Klassiker, venvrefm werden müßte; auf Rechnung des Professors der Mathematik, Geometrie, Naturgeschichte, Anthropologie und Diätetik; auf Rechnung des Professors der theologischen Wissenschaften die in zwey Cursus abgetheilte Religionslehre und Geschichte, 2. Die Mediän klasse der Primaner erhalt fol- de Lehrgegenstände: a. Aus dem Fache derBhi- lofopl/e:-Logik und Psychologie, b. Von mathematischen Wissenschaften r reine Mathematik mit Weber. E A«. c. Won physischen: Ockonomie mit Technologie verbunden. 6. Von historischen: Allgemeine Geschichte der Literatur und Cultur, nebst einer Geschichte des Vaterlands. s. Von philologischen: Griechische und r'ömi- sche AlterthünM abwechselnd mit Archäologie, Vorlesungen über Livius, Cicero, Horatz, Virgils Aeneis, nebst fortgesetzten Styl-und Declamationsübungen. k. Von theologischen: Dogmatik und Moral für alle, und für zukünftige Theologen insonderheit Kirchengeschichte, und eine kurze Einleitung in die sämmtlichen heiligen Schriften des Christenthums, und der hebräischen Sprache. z. Die Klaffe der reiferen Primaner beschäftigte sich in zwey Curftls L. In einem Auditorium versammelt: s.. Aus dem Fache de- schönen Wiffenschaften mit Aesthetik und^fortgesetzter Lektüre der Klassiker, und namentlich des Seneca, Sal- lust, einiger Abschnitte aus Quintilian und Tacitus, der Bücher Virgils vom Landbau, etwas aus Lukrez, einiger Satyren des Ho- ^ratz nebst ferner srs poerica u. s. w. B Aus dem Fache der Philosophie mit Metaphysik, Pädagogik, und der allgemeinen prak- praktischen Philosophie mit Inbegriff der Ethik und des Naturrechts. Aus dem Fache der Geschichte mit einer Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts, oder einem Abrisse der neueren Geschichte von den Feiten der Reformation. -8. Aus dem Fache der Mathematik und Naturkunde mit Physik und der angewandten Ma-- fhematift d. Die Theologen und Politiker von einander abgesondert, hören: jene Einleitung in die theologischen Wissenschaften nach Plant, Erklärung der alt und neutestamentlichen Schriften, nebst einer ausführlicheren Dogmatik und Moral; di> se, die politischen Wissenschaften, eine Statistik aller europäischen Staaten, und des Vaterlandes insonderheit, zu welcher auch das sogenannte jus publicum gerechnet werden kaun, nebst dem in UnKrrn herrschenden bürgerlichen Rechte- 4. Noch werden durch alle diese Klassen die Sprach- Übungen in den für sie bestimmten Stunden fortgesetzt. Da ich der Römer, die in den Schulen gelesen werden müßten, schon erwähnt habe, so setze ich die G riechen, bey welchen eine Chrestomathie vorausgeschickt worden ist, in folgentzer Ordnung hinzu: Apollodor, Te- nophon im Auszuge, einige Pararellen des Plu- E Z tarch, 52 «,*,-r? tarch, einige Dialogen desLucian, etwas aus Lhucydides und Herodot, Theocrits Idyllen, etwas aus Hesiod, Homer, ein Paar griechische Tragödien, etwas aus Plato und Pinda- rus. Ausser diesen gelehrten Sprachen wird aus die Landessprachen,, insonderheit das Ungarische, und auf die nenUM gebildeten Sprachen Rücksicht genommen. Z. Eine kurze Encyklopädie derWisscnschaftm wünsch-, te ich entweder der Humanitätsklasse, oder der Medianklasse der Primaner eingeschaltet zu sehen. 6. Die historischen Hilfswissenschaften: Chronologie, Diplomatik, Numismatik, Heraldik, könnte», wenn sie gleich für den akademische» Vortrag gehören, doch im Grundrisse mitgenommen, und praktisch betrieben werden.» 7- Die praktischtheologischen Wissenschaften gehören, so wie das fortgesetzte hebräische, und griechisch nentestamcntalische Sprachstudium, und vielleicht Symbolik, oder besser eine Entwicklung des protestantischen Lehrbegriffs nach Plank für den letzten Eurfus der sich zum Predigtam- te bestimmenden reiferen Zöglinge. Der Vortrag derselben kann füglich dem an der Erziehung der Jugend theilnehmcnhen Prediger des Orts üherlassey werden, !'! - LL«W «AS« ---MÄ -W L .-- '1 üS WiM . K» . M -rAx-GL'M E M? E «M E->. ! E- -L, v -Sü - M- W-