Wienei- 8isüi-8ib!ioili6>< 3204 ,,> > Kurzgefaßte Darstellung -er Institute der arnHerzigen W>rüder zu Wien, nach ihrer geschichtlichen Gntstehung und inneren Verfassung. Mit Beziehung auf den in der österreichischen Monarchie bestehenden Gesammtorden derselben bearbeitet. Preßburg, L84« Druck«°n Carl Friedrich Wigand. Der Orden der barmherzigen Bruder hat Johann von Gott zum Stifter. Dieser war im Jahre 1495 in Portugal in dem Städtchen Nonte innMiors geboren und stiftete im Jahre 1534 diesen Orden. Da es der menschenfreundliche Zweck dieses Ordens ist, armen, dürftigen und verlassenen Kranken ohne allen Unterschied der Religion, des Vaterlandes, Standes und Charactcrs, Hilfe und Rettung unentgeltlich zu verschaffen, so fand dieser Orden nicht allein schon gleich nach seiner Entstehung eine günstige Aufnahme, sondern er wurde auch später so allgemein verbreitet, daß er noch selbst heut zu Tage sowohl in ganz Europa als auch in Amerika zahlreiche Ordensklv- ster besitzt und noch immer blühend fortbestehet. Die Ordensglieder leben nach der Regel des heil. Augustin und eigenen Ordenssatzungen, und tragen die ihnen vorgeschriebene Kleidung, bestehend aus einem Habit von schwarzem Tuche nebst Scapulier von derselben Farbe, und einer kleinen, runden, steifen Kapuze. Das Gewand selbst ist mit einem ledernen Gürtel umgürtet. Als im Anfange des 17. Jahrhunderts der Fürst Carl Euse- bius von Liechtenstein, welcher unter Kaiser Rudolph II. mit einer außerordentlichen Sendung an den päpstlichen Hof beauftragt wurde, zu Rom das gemeinnützige Wirken der barmherzigen Brüder kennen zu lernen Gelegenheit hatte, nahm er bei seiner Rückkehr von Rom zwei Brüder dieses Ordens, Namens Gabriel Grafen von Ferrara und Johann Baptist« von Cassinetti mit nach Deutschland, und erbaute ihnen im Jahre 1605 zu Feldsperg im Unter-Oesterreich ein eigenes Kloster, welches er zur Aufnahme der Kranken einrichten und mit allem Erforderlichen reichlich ausstatten ließ. Dieses Kloster wurde das erste in der österreichischen Monarchie, und bildet mit den später errichteten eine eigene Provinz dieses Ordens, welche zur Unterscheidung von den übrigen, die deutsche genannt wird und wozu die vorgenannten zwei Ordensbrüder eigentlich den Grund gelegt haben. Der Fluss Liechtenstein hat die barmherzigen Brüder dem Kaiser Rudolph H. für Wien empfohlen und sie wurden dann hierauf von dem Kaiser Mathias im Jahre 1614 in Wien aufgenommen und eingeführt, wo sie im unteren Werd, der heutigen Leopoldstadt, ein freies Haus zu ihrer Niederlassung erhielten. Der frühe Tod des Kaisers lieferte die Ausführung einer ordentlichen Stiftung für diesen Orden in die Hände seines Nachfolgers, Kaiser Ferdinands II.(als Erzherzog dieses Namens der III.). Zu eben dieser Zeit gerieth der Erzherzog Maximilian Ernst, Bruder Kaiser Ferdinands H., nach einem verunglückten Aderlässe in Gefahr, den Arm zu verlieren, wurde aber durch den damaligen Provinz-Vicar des Ordens, Gabriel Grafen von Ferrara, einen der berühmtesten Wundärzte seiner Zeit und nachmaligen Leibarzt des Kaisers, glücklich gerettet. Kaiser Ferdinand beschenkte hierauf am 2t. September 1624 die barmherzigen Brüder zu Wien mit einem förmlichen Stiftsbriefe, worin unter Andern gesagt wird:„Er habe „die krntl-es Niserieoi-lliae Ldnti ckomrnis äe Ili-v unter der Regel „des heil. Augustin, um nach ihrer Ordenspflicht, Arme, Preßhafte „und Hilflose zu warten und sie zur Gesundheit zurückzubringen, „aufgenommen, und ihr Hospital in der Gasse gegen den Labor, „welches bereits sein Vorgänger, Kaiser Mathias, zu bauen an- „gefangen hatte, mit einem weitem Grunde und Garten zu ihrer „Wohnung, in der Absicht vergrößert und gestiftet, damit sie ihre „Pflichten der Barmherzigkeit gegen die Dürftigen vollkommen ausüben und gegen die Kranken sowohl mit Heil- als auch mit Seelen- „mitteln sorgenfrei erfüllen könnten. Auch erlaube er ihnen, zum „Lohn ihrer Arbeit und zur Unterstützung der dürftigen Kranken, sowohl „in Wien, als auch in seinen Erbkönigreichen und Ländern Beiträge „zu sammeln."— Nebst diesem Stiftungsbriefe erhielten die barmherzigen Brüder von Kaiser Ferdinand H. auch noch bedeutende Privilegien, Vergünstigungen, reichliche jährliche Unterstützungen, welche auch von späteren Regenten bestätigt wurden. Im Jahre 1655 ward dieses Kloster, sammt der kurz zuvor erbauten Kirche, durch ein im nahe gelegenen Hause ausgebrochenes Feuer, ein Raub der Flammen, aber schon im nächsten Jahre durch die Freigebigkeit Kaiser Ferdinands Hl. und durch den, den Bewohnern Wiens ganz eigenthümlichen, Wohl- thä'tigkeitssinn wieder hergestellt. Im Jahre 1676 wurde das alte Hospital für die Zuflucht der armen Kranken zu enge; man entschloß sich daher, ein neues und größeres zu erbauen. Am 25. August wurde zur Ausführung dieses Geschlußes ein Platz erkauft und am letzten August der erste Grundstein zu dem heutigen Spitale gelegt, das alte zur Apotheke verwendet und über beide ein Stock ge bauet. Im Jahre 1683, während Wiens Belagerung durch die Türken, wurden die Kirche, das Kloster, sammt dem erst neu erbauten Spitale wieder eingeäschert, und die barmherzigen Brüder, von den Türken selbst aus dieser Brandstätte vertrieben, flüchteten sich in die belagerte Stadt und übernahmen die Wartung und Pflege der verwun- deten Soldaten und Bürger. Nach dem Abzüge des Feindes mußten Kirche Spital und Kloster fast von Grund aus neu erbaut werden, wozu wohlthätige Menschenfreunde, aus Dankbarkeit für die von den barmherzigen Brüdern geleisteten Liebesdienste, schleunigst die nöthigen Beiträge gespendet haben. Die feierliche Einweihung der neu erbauten Kirche zu Ehren des heil. Johann des Täufers, geschah am 23. Mar 1692 durch Johann, Abt zu den Schotten. Ein Jahr zuvor, am 23. September 1691, begingen die Brüder das Fest der Heiligsprechung ihres Ordensstifters, Johann von Gott, mit großer Feierlichkeit. Die im Jahre 1713 in Wien eingerissene Pest rief die Brüder mehrmals zu Hilfe der Kranken in das Lazareth, wo sie fast alle Opfer ihres Berufes wurden. Im Jahre 1714 warf ein heftiger Wind die Kuppel von dem erst neu erhöhten Kirchthurme herab;— die neue, vom Jahre 1748, ist mit Kupfer gedeckt und deren Zimmermannsarbeit gilt als ein Meisterwerk. Im Jahre 1722 belief sich die Anzahl der Krankenbetten auf 57, welche im Jahre 1736, nach vorgenommener Erweiterung des Krankenzimmers, noch um 43 Betten vermehrt wurden. Am 4. März 1744 mußte das Kloster die erste bedeutende Ueberschwemmung bestehen, welche den obern und untern Werd(die Roßau und Leopoldstadt) betroffen. Mit großer Sorgfalt wurden die Kranken aus den Zimmern an der Erde in die Zimmer der Ordensbrüder im oberen Stock übersetzt und daselbst längere Zeit gepflegt. Der in dem Kloster befindliche Backofen diente der ganzen Vorstadt schon damals zur Aushilfe. Der feindliche Einfall der Franzosen in den Jahren 1805 und 1809, und die Besetzung Oesterreichs und Wiens von der ganzen feindlichen Armee, legten diesem Orden eine der härtesten Prüfungen auf, deren sich derselbe seit seinem Bestehen unterziehen mußte. Das Kloster wurde in diesen Jahren von einem ganzen französischen Militair- und Feldspitale belegt. Alle Localitäten des Klosters, sogar die Böden und der Hofraum nicht ausgenommen, wurden zur Unterbringung verwundeter französischer und österreichischer Soldaten in Anspruch genommen. Nebstdem, daß die Ordensbrüder Tag und Nacht unablässig die blessir- ten Soldaten pflegen und warten mußten, ja sogar mit Gefahr ihres Lebens die von dem nahe gelegenen Schlachtfelde in dem Kloster Hilfe suchenden verwundeten österreichischen Soldaten vor dem spähenden Auge der Franzosen verbargen und sie insgeheim verbanden und pflegten, um sie der französischen Gefangenschaft nicht Preis zu geben, haben sie aber auch ihre sämmtlichen Vorräthe an Lebensrnitteln, Arzneien, Utensilien und Einrichtungsstücken des Spitals zum Opfer bringen und von der andern Seite mit thränenden Augen zusehen müssen, wie ihnen durch die feindliche Besetzung der Stadt und des Landes, dessen Plünderung und Verwüstung, auch der milde und reiche jährliche Zufluß von der Stadt- und Landsammlung ent- zogen wurde, und die einzige noch übrig gebliebene Erhaltungsquelle versiegte. Der Orden wäre der Last und dem Drucke dieser fast übermenschlichen Leistungen und Opfer auch gewiß erlegen, aber der Beistand hoher Gönner und edelgesinnter Menschenfreunde, strenge Wirth- jchaftlichkeit im Haushalte, vielfältige Entbehrungen und Entsagungen von Seite der Ordensbruder, richteten denselben wieder auf. Im Jahre Z807 wurde die Klosterkirche und das Kloster durch einen Sturmwind stark beschädigt, doch geruhte Se. Majestät, wailand Kaiser Franz glorreichen Andenkens, die zur Herstellung dieser Beschädigungen erforderlichen Geldbeträge dem Convent aus dem niederösterreichischen Religionsfonde allergnädigst anzuweisen. Im Jahre 1814 begingen die Ordensbrüder die 200jährige Säcularfeier ihres Bestehens zu Wien in ihrer Kirche auf eine höchst festliche Weise, woran eine sehr bedeutende Anzahl von Menschen den innigsten Antheil nahm. Im Jahre 1828 erhielt das Spital eine Badeanstalt für badebedürftige Kranke, als ein höchst nothwendiges Mittel zum Behufe der Heilung und Wege, wovon die Kranken, besonders in Hautkrankheiten, bereits die besten Wirkungen erfahren haben. Die schreckliche Catastrophe, welche die. Ufervorstädte Wiens durch eine in den Annalen Oesterreichs und Wiens noch nie erhörte Ueberschwemmung in der Nacht vom letzten Februar auf den 1. März 1880 betroffen, hat auch die an dem Ufer der Donau liegende Anstalt sehr hart getroffen. Es ist blos einer besondern Vorsicht und der vereinigten Kraftanstrengung sämmtlicher Ordensbrüder in jener Schreckensnacht glücklich gelungen, alle Kranke des Spitals ganz unversehrt aus dem ebenerdigen Spital in das obere Stockwerk zu retten, wo sie— in die Zimmer der Ordensbrüder untergebracht, mehr als 8 Wochen in denselben verpflegt und gewartet wurden. Die Anstrengungen der Ordensbrüder in dieser Nacht für die Rettung ihrer Kranken, ihre Mühseligkeiten und Drangsale während der ganzen Ueberschwemmungsperiode, sind in dem erschienenen Werke: „Die Ueberschwemmung der Ufervorstädte Wiens" getreu geschildert. In dieser Beziehung sey es nur zu bemerken erlaubt, daß die Ordensbrüder für ihre Opfer und Entbehrungen, die sie auf das Bereitwilligste aus Nächstenliebe brachten, den süßesten Lohn in dem Bewußtseyn fanden, daß kein theures Menschenleben unter den ihnen anvertrauten Kranken verloren ging. Dem Konvente wurde bei dieser Gelegenheit das Glück zu Theil, von Allerhöchst Sr. Majestät dem jetzt regierenden Kaiser Ferdinand, als damaligen durchlauchtigsten Kronprinzen von Oesterreich und König von Ungarn, von Sr. k. k. Hoheit wailand Erzherzog Anton, und von Sr. Excellenz dem vormaligen Regierungspräsidenten Herrn Grafen von Klebelsberg besucht zu werden, welche den Ordensbrüdern ihr höchstes Wohlgefallen über die Rettung aller Kranken dieses Instituts auf ausdrucksvolle Weise erkennen zu geben allergnädigst geruht haben- Noch trauriger und empfindlicher als die Überschwemmung selbst, waren aber die Folgen und Nachwehen derselben für diese Anstalt. Nicht allein, daß alle 4 Krankenzimmer, dann die unteren Gänge des Klosters durch die Wassersluthen gänzlich verwüstet worden sind, hatte auch die Klosterkirche so bedeutend gelitten, daß selbe auf längere Zeit wegen Sinken des Bodens für den Besuch des öffentlichen Gottesdienstes gesperrt bleiben und dieser in dem Sacello des obern Oratoriums abgehalten werden mußte. Diese Verheerungen hatten die gänzliche Renovirung des Klostergebäudes und der Krankenzimmer, und die Beischaffung eines neuen Hausgeräthes für das Spital zur unvermeidlichen Folge, was in den Sommermonaten des Jahres 1832 durch die allergnädigste Unterstützung von Seite des allerhöchsten Hofes, der höchsten und hohen Herrschaften, der Bürger und Innungen Wlens auch wirklich in Ausführung gebracht und mit dem erfreulichen Resultate gekrönt wurde, daß sich diese Krankenanstalt, nach so vielen erlittenen Unfällen, nun in einem solchen erwünschten Zustande befindet, daß sie sämmtlichen Forderungen, welche an eine Heilanstalt mit Recht gestellt werden können, auch vollkommen entspricht und genügt. Während der Erneuerung dieser Anstalt haben die Kranken die obern Gänge eingenommen, so, daß die Aufnahme derselben gar nicht unterbrochen worden ist. Bei dem Ausbruche der epidemischen Brechruhr wurden die Ordensbrüder ebenfalls sowohl im eigenen Spirale, als auch bei häufigen auswärtigen Krankendienstleistungen in thätigen Anspruch genommen, welcher Aufforderung sie überall willige und getreue Folge leisteten. Die bei der zunehmenden Bevölkerung von Wien auch von Jahr zu Jahr /ich mehrende Anzahl der armen Kranken, welche in dieser Anstalt Hilfe und Rettung suchend, zuströmen, und die nothwendige Absonderung der Hautkranken, hat den dießseitigen Convent im Jahre 1838 zu dem Entschluße bestimmt, in dem Hosraume des Klosters noch einen stockhohen Traet zum Kran- kenspitale zubauen zu lassen, welcher Bau im Jahre 1839 auch bereits gänzlich vollendet und von den Kranken, nach gepflogener Prüfung in Sanitätsrücksichten, bezogen worden ist, wodurch diese Anstalt einen neuen Raum zur Unterbringung der Kranken gewonnen hat und um mehrere Betten vermehrt worden ist. Krankenpflege ist der erste und wesentlichste Zweck dieses Ordens, den schon der Stifter desselben, Johann von Gott, bei seiner Stiftung als solchen festgestellt, den die Ordenssatzungen den Ordensgliedern als heiligste Pflicht vorschreiben, und zu dem sie sich bei dem Profeßthun mittelst eines eigenen Gelübdes, nämlich der Hospita- lität, lebenslänglich verbinden, indem sie feierlich geloben, ihr ganzes Leben im Dienste der armen Kranken zuzubringen.— Krankenpflege ist auch das erste, was jedem Candidaten, jedem Novizen schon bei seinem Eintritte, bei der Anlegung des Ordenskleides beigebracht wird, und dem sich jeder ohne allen Unterschied eifrig unter- ziehen muß, wenn er anders im Orden bleiben soll. Dem Novizen wird nämlich im Krankenzimmer eine Anzahl Kranker zur Bedienung angewiesen, nachdem ihm zuvor, um ihn zu seiner künftigen Bestimmung vorzubereiten, vom Novizmeister sowohl, als am Krankenbette selbst von dem Oberkrankenwärter, einem auf einer k. k. erbländischen Universität gebildeten und geprüften Wundärzte, der nöthige Unterricht und die gehörige Anleitung ertheilt wird. Der Dienst des Wärters währt gewöhnlich durch 8 Tage von^ S Uhr Morgens bis Mittag, und Nachmittags von 1 bis 8 Uhr, denn zur nächtlichen Wartung sind täglich abwechselnd andere bestimmt. Nach Verlauf von 8 Lagen wird der Wärter von andern Brüdern abgelöst und durch diese Abwechslung wird die Krankenpflege unstreitig sehr befördert, weil der Ermüdete durch den Ausgeruhten ersetzt wird. Zu dem allgemeinen Krankendienste, welcher in der Vertheilung der Speisen zu den bestimmten Stunden des Tages und dem Ueberbetten besteht, sind alle Glieder des Convents, Priester und Brüder, selbst Vorsteher nicht ausgenommen, täglich strenge verpflichtet. Das Institut der barmherzigen Brüder zu Wien hat aber auch durch die ganze Periode seines Bestehens, mit Aufbiethung aller seiner Kräfte und Hilfsmittel, nach dem erhabenen Ziele gerungen, arme verlassene Kranke ohne Rücksicht auf ihre Heimath und Religion, ihren Stand und Character, unentgeltlich in Pflege, Wartung und Heilung zu nehmen. Nach den Krankenbüchern vom Jahre 1647 bis einschließlich I83S läßt sich strenge nachweisen, daß das Institut der barmherzigen Brüder zu Wien in der Leopoldstadt allein mehr als 200,000 Kranke unentgeltlich aufgenommen, verpflegt und geheilt hat. Nach dem ofsiciellen Ausweise dieser Krankenanstalt vom Jahre 1839 beträgt die Anzahl der von ihr im Militairjahre 1839 verpflegten Kranken 4117, mit 53,458 Verpflegstagcn. Die gelübdemäßige und gewissenhafte Erfüllung des Ordens gegen seine armen Kranken und dessen Gemeinnützigkeit, hat dem Orden aber auch eine so bedeutende Verbreitung verschafft, daß dermalen bereits in den Gesammt-Ländern der österreichischen Monarchie 29 Ordensklöster bestehen, in derem gemeinschaftlichen Verbände der Wiener Convent, als Metropotitankloster, an der Spitze steht. Nach den Einschreibbüchern dieser Institute und dem hiernach veröffentlichen Ausweise vom Jahre 1839, beträgt die Anzahl der in den sämmtlichen Hospitälern des Ordens der barmherzigen Brüder vom 1. November 1838 bis letzten October 1839, ohne Unterschied der Religion, unentgeltlich aufgenommenen und verpflegten Kranken, 21,895, wovon 1649 gestorben und 20,246 am Leben"erhalten worden sind. Mit allerhöchster Genehmigung haben die Brüder im Jahre 1836 auch das ihnen von dem regierenden Könige Ludwig von Baiern zur Wiederherstellung angetragene Kloster der barmherzigen Bruder zu Neuburgander Donau in Baiern übernommen, wo sie noch bestehen. Die Thätigkeit und Verwendung der Ordensbruder hat sich aber nicht bloß auf ihre Spitäler erstreckt, sondern sie wurden auch in den frühern Zeiten, bei dem Mangel weltlicher Aerzte und Krankenwärter, in allen Feld- und Militair-Spitälern verwendet. Im Jahre 1732 übernahmen, auf allerhöchste Anordnung, mehrere Ordensglieder des Wiener Convents die einstweilige Verwaltung des bei dem Pesther Jnvalidenhause bestehenden Spitals, welcher sie mehrere Jahre vorstanden. So enthalten die Jahrbücher des Wiener Convents auch eine lange Reihe von Ordensgliedern, welche von diesem Convente aus in allen den blutigen Kriegen gegen die Türken vom Jahre 1736 an, inCroa- tien und Serbien in den damaligen Pestlazarethen, theils als Feldseelsorger, meistentheils aber als Wundärzte und Krankenwärter verwendet und größtenteils Opfer ihrer Berufserfüllung geworden sind. Dieselbe Thätigkeit und Verwendung der Ordensbruder in den Militair- Spitälern ist es, welche meist die Stiftung der zwei Ordensklöster zu Gräz und Prag von dem hochseligen Kaiser Ferdinand H. in's Leben rief. Als nämlich die Brüder sich nach der folgereichen Schlacht am weißen Berge bei Prag im Jahre 1620, durch ihre Thätigkeit in dem Militairspitale neue Verdienste um die verwundeten und kranken Krieger, um den Monarchen und das Vaterland erworben hatten, schenkte ihnen dieser Kaiser, zur Vergeltung ihrer Verdienste, die auf der Altstadt gelegene Kirche der heil. Simon und Juda, nebst dem daranstoßenden, rückwärts gegen die Moldau sich ausbreitenden, cal- vinischen Bethause, worüber der diesfällige Stiftungsbrief ääo. 24. December 1620, auszugsweise folgendermaßen lautet: „Nachdem Wir von den Bemühungen und der Thätigkeit der ehrwürdigen Bäter der Barmherzigkeit in Heilung der Kranken und „Ausübung der Hospitalität und christlichen Liebe in so vielen Reichen „und Provinzen sattsam überzeugt sind; nachdem sie sich ferner vorzüglich bei Unseren Feldzügen so hilfreich und nützlich erwiesen haben, „und Wir aus gerechten Beweggründen die besagten Vater, wie sie „schon in andern Provinzen bestehen, auch in Unserem Königreiche „Böheim aus frommen Eifer eingeführt wissen wollen: so haben Wir „zur Ehre und Glorie des allmächtigen Gottes und zum Wohle und „Erleichterung der Armen und Kranken, als König von Böhmen befohlen, diesen Vätern in unserm Königreiche Böheim in der Haupt- „stadt Prag auf der Altstadt an den Ufern der Moldau einen ihnen angemessenen Ort anzuweisen und alldort die Kirche zu den heil. Aposteln „Simon und Juda mit dem Hause, Garten und allen übrigen, was „dazu gehört, zu ihrer eigenen Besitzung mit vollem Rechte zu übergeben. „so wie Wir es denn als König von Böhmen kraft dieser Urkunde ihnen „hiermit geben und verleihen." Alle diese geschichtlichen Data der Vorzeit finden ihre zahlreichen Belege sowohl in dem Archive des Ordens, wie auch in der Chronik Oesterreichs. Aber auch in den neueren Zeiten hat sich das Wirken der Ordensbruder nicht bloß auf die Pflege und Wartung der Kranken in ihrem eigenen Hospitale beschränkt, sondern sie haben zu jeder Zeit auf jedesmaliges Begehren auswärtige Krankendienste und Wartung verrichtet, wie es heut zu Tage noch häufig geschieht. Insbesondere aber haben sie während der zweimaligen französischen Invasion in allen denjenigen Provinzen, welche von der feindlichen Heeresmacht überschwemmt waren, auch das Militair aushilfsweise behandelt, gepflegt und abgewartet. Es leben noch mehrere Männer dem Orden, welche zu dieser Zeit in der nämlichen Art um dasBater- land und die verwundeten Krieger wirksam waren, und welche durch die Huld des durchlauchtigsten Monarchen, in gnädigster Anerkennung ihrer erworbenen Verdienste, mit der großen goldenen Verdienstmedaille belohnt worden sind. Sie haben aber auch in den verschiedenen epidemischen Krankheiten und letztlich bei dem Ausbruche der epidemischen Brechruhr, in allen Provinzen, wo sie zum Ausbruche kam, besonders aus dem flachen Lande, wo es an eingerichteten Cholera-Spitälern mangelte, durch Behandlung, Pflege und Wartung der Kranken vorzügliche Hilfe geleistet, indem diesen Ordensbrüdern auf dem flachen Lande, mit Gutheißung der Kreis- und Comitatsbehörden, unter Aufsicht der Kreis- und Bezirksärzte, ganze Gemeinden und Dorfschaften, wo diese Krankheit wüthete, zur Pflege und Wartung überwiesen wurden. Alle Behörden, Mlter deren Autorität und in deren Umkreise das auswärtige Wirken der Ordensbrüder in der so verhängnißvollen Periode stattfand, werden hierüber das einstimmige Zeugniß nicht versagen, daß die in ihrem Gebiethe zur Hilfsleistung ausgesetzten Ordensbrüder mit unermüdetem Eifer und der größten Gewissenhaftigkeit die ihnen anvertrauten Kranken behandelt, gepflegt und gewartet haben. Einzelne Convente verwahren in ihren Archiven belobende Decrete sowohl von den k. k. Krels- behörden, wie auch von den einzelnen Dominien, Gemeinden und Personen, über die von ihren Mitgliedern der armen leidenden Menschheit auf dem flachen Lande geleisteten Liebesdienste in unentgeltlicher Behandlung, Pflege und Wartung derselben; hier sey es aber genügend, sich bloß im Allgemeinen darauf zu berufen. Die Wirksamkeit und Thätigkeit der barmherzigen Brüder und ihres Ordensinstituts ist also nicht bloß aus die Behandlung, Pflege und Wartung der in ihren Ordensspitälern unentgeltlich aufgenommenen Kranken beschränkt, sondern sie leisten auch auswärtig unentgelt- 11 s-rs«« liche Krankenwärterdienste, wenn sie dazu vom Staate oder der leidenden Menschheit aufgefordert werden. Die Verfassung des Instituts ist theils durch die Ordenssatzungen, theils durch die landesfürstlichen Verordnungen in xublieo eeelesins- tivi« bestimmt und läßt sich auf die innere Einrichtung desselben in ökonomischer, medicinischer und disciplinärcr Beziehung zurückführen. Der jeweilige Prior des Klosters ist als Hausvorsteher sowohl nach den Ordenssatzungen, als auch nach dem Gesetz, der Verwalter des Klostervermvgens; er führt die Administration und Rechnung des Hauses, die Casse desselben, empfängt Gelder für das Kloster, und bestreitet auch die Ausgaben für dasselbe. Sein Gegcnschreiber ist der Sub- oder Unter-Prior des Klosters, welcher die Controls führt. Zur Erleichterung des Priors bei der Führung eines so beschwerlichen Hausvorstehergeschästs, stehen demselben der Procurator, welcher die gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäfte des Klosters besorgt, der Wirthschaftet, dem die'Wirthschaft, der Jnspector, dem die Aufsicht über die auswärtigen Realitäten des Klosters anvertraut ist, zur Seite. Da die geistliche Gemeinde übrigens unter ihren eigenen Gliedern auch Priester, Aerzte, Wundärzte, Apotheker, Wäschmeister, Krankenwärter, Köche, Pförtner, Sammler, ja selbst Klosterschneidcr, Klosterschreiner zählt, so bedarf sie in Beziehung auf ihre Hauswirthschaft nur sehr weniger, zum Orden nicht gehöriger, Dienstleute, weßhalb die Auslagen auf Besoldungen der Hausämter ganz wegfallen. Das Einkommen besteht in den Interessen von dem gestifteten Vermögen, in eigenen Zuflüssen von Realitäten des Convents, in der Einnahme aus der Klostcrapotheke und endlich in dem Ertrage der diesem Orden höchsten Orts allergnädigst bewilligten Stadt- und Landsammlung, weil die ersten Empfangsquellen nicht zureichen, den mit der Erhaltung so vieler Krankm und der geistlichen Individuen, als ihrer Diener, verbundenen jährlichen Aufwand zu decken. Die Ausgabe betrifft die Auslagen auf die Verpflegung der Kranken mit der nöthigen Kost, Arznei, Bettfournituren, Wäsche und andere Spitalgeräthschästen, und auf die Erhaltung der Conventsglie- der mit der nöthigen Kost und Ordenskleidung. Die Kranken erhalten ihre Speisen, so wie die Conventualen aus der Klosterküche, und zwar Morgens eine Suppe, um 10 Uhr ihre Mittagsspeisen nach der ärztlichen Vorschrift, und Nachmittags um 4 Uhr ihre Nachtspeisen, in der Nacht die Schwachen auch die Nachtsuppe. Die Conventsglieder genießen eine gleiche Kost in dem gemeinschaftlichen Speisesaale, welche Mittags und Abends in einer einfachen Hausmannskost besteht, und erhalten auch eine gleiche, vorgeschriebene, Ordenskleidung. Der Prior, 12 D-E»« als Hausvorsteher, ist bei Führung der Verwaltung des Klosters strenge verantwortlich und unterliegt bei der Gebahnmg des Vermögens, einer vielfachen Controle. So wie er beim Antritte seines Amtes das Klostervermögen nach einem sowohl in dem Archive, wie auch bei der hohen Landesstelle erliegenden Inventar übernimmt, so muß es seinem Nachfolger im Amte wieder ausgewiesen werden. Bei jeder wesentlichen Veränderung in der Hauswirthschaft oder in der Gebahrung des Stammvermögens, ist er an den Beitritt sämmtlicher Conventsglieder, an die Bewilligung des Ordensprovinzials, als Ordcnsvorstehers, und an die Genehmigung der hochlöblichen Landesstelle gebunden, so wie überhaupt der Convent als eine Körperschaft mit seinem Vermögen unter der Cu- ratel des Staates steht, und in Beziehung auf dasselbe unter die besondere Fürsorge der hochlyblichen Landesstelle gesetzlich gestellt ist. Seine Administrations-Rechnungen sammt Beilagen unterliegen einer genauen Revision bei der jedesmaligen vorgeschriebenen kanonischen Visitation durch den Ordmsprovinzial und den hochwürdigsten Ordinarius. Eristüberdieß gehalten, jährliche Ausweise über die Verwaltung des Klostervermögcns der hochlö'blichen Landesstelle zu überreichen, welche dieselben von der k. k. Provinzial-Staatsbuchhaltung strenge prüfen läßt. Bei einer so einfachen und doch so vielseitig gebundenen Haushaltung erscheint der Aufwand so mäßig, daß sich Jeder wundern dürfte, der den jährlichen Abschluß der Ausgaben einsieht, wie mit einer so verhältnißmäßig geringen Summe so viele Personen durch das Jahr erhalten werden können. Die Leitung des Spitals ist einem weltlichen Ordinarius, der ein auf der k. k. erbländischen Universität graduirter Doctor der Medicin, und einem Oberkrankenwärtcr aus dem Orden, welcher ein geprüfter Wundarzt seyn muß, anvertraut. Denselben unterstehen die Unterkran- kcnwärter und Assistenten, welche zu diesem Dienste praktisch abgerichtete Ordensglieder sind. Die Arzneien werden in der Klvsterapotheke jeden Tag nach der Ordination des Arztes frisch bereitet. Die Apotheke steht unter der Leitung und Aussicht eines an der k. k. erbländischen Universität geprüften Provisors aus dem Orden, dem mehrere Subjecte als Unterapotheker, gleichfalls aus dem Orden, zur Hilfe beigegeben sind. Die Apotheke selbst unterliegt der jährlichen Untersuchung der medici- nischen Facultät. Ueberhaupt besteht in Ansehung der Aufnahme der Kranken, deren ärztlicher Behandlung, Pflege und Wartung in dieser Anstalt, folgende Vorschrift und Tagesordnung: Wenn ein Kranker ankömmt, wird er auf Anweisung des Ober- krankenwärters in ein reines Bett gelegt, dann wird der Tag seiner An- kuüft, sein Nationale, sein Krankheitszustand in das Aufnahmsbuch eingeschrieben, in welches seiner Zeit seine bewirkte Genesung, der Tag seines Austritts oder seines Todes eingetragen wird. Vor Allem werden zeitlich früh die Krankenzimmer gereinigt, gelüftet und geräuchert. Dann folgt die Abgabe und Anwendung der von 13 dem Heil- und Wundärzte verordneten Arzneien einzeln an die Kranken. Hierauf werden die Kranken, wenn es ihre Umstände zulassen, gewaschen und gesäubert. Auf dieses folgt der erste Besuch des Oberkran- kenwä'rters, welcher in dem Spitale wohnt, und Tag und Nacht zu den Kranken Zutritt hat; er besichtigt die Kranken und notirt seine Bemerkungen auf der Diättafcl. Um 8 Uhr früh erscheint der Ordinarius der Anstalt und nimmt unter Beizichung des Oberkrankenwärters, die ärztliche Ordination vor, welcher auch die Unterärzte, die Assistenten und Einige aus der Apotheke beiwohnen, und die ordinirten Mittel in die Ordinationsbücher unter den Augen des Herrn Ordinarius eintragen. Hierauf werden die Arzneien in der Apotheke verfertigt und nach der ärztlichen Vorschrift von den Assistenten und Wärtern in den festgesetzten Stunden an die Kranken verabreicht. Zu den bereits bemerkten 3 verschiedenen Stunden des Tages folgt die Speisung der Kranken. Dem nachmittägigen Speisen geht das Aufbetten der Krankenlager vor, welchem, so wie dem jedesmaligen Speisen der Kranken, sämmtliche Ordensglieder, welche nicht eben gehindert oder in Geschäften abwesend sind, beiwohnen, wodurch diese Verrichtungen an Schnelligkeit gewinnen. Unter besonders dringlichen Umständen macht der Ordinarius auch noch vor Abends bei bedenklichen Kranken eine Visite und ordinirt für dieselben. Der Oberkrankenwärter aber macht täglich seine Abendvisite bei den Kranken vor der zur nächtlichen Wartung bestimmten Stunde, und notirt auf der Wachttafel die Schwachen, welche öfters von den Wächtern nachzusehen sind, oder die Heilmittel, welche bei ihnen in der Nacht nö'thigenfalls anzuwenden kommen. Den ganzen Tag hindurch sind die Unterärzte, Assistenten und Krankenwärter um die Kranken beschäftigt, indem sie ihnen Arzneien, Nahrung, oder was sonst nothwendig ist, verabreichen, und nachsehen, was sie benvthlgen. In der klösterlichen Gemeinschaft unter einander leben die Ordensglieder nach der Regel des heil. Augustin und den Ordenssatzungen unter einem Hausobern, der Prior heißt. Diesem sind die Brüder gelübde- mäßig in Allem, was er anordnet, zu gehorsamen schuldig und jede Uebertretung des Gehorsams wird geahndet. Er regiert das ganze Haus in ökonomischer und disciplinärer Beziehung. In besondern Fällen versammelt er die Ordensbrüder zum Capitel, wo von ihm theils geistliche Anreden gehalten, theils andere Gegenstände vorgetragen und berathen werden. In dem klösterlichen Leben sind die Ordensglieder für die Zeit, die sie von der besondern Krankenwartung befreit sind, und nur dem allgemeinen Krankcndienste obliegen, zu dem gemeinschaftlichen Chorgebete verbunden, welches Früh Morgens um 5 Uhr beginnt und um 6 Uhr endet, Abends aber von halb 6 Uhr bis 6 Uhr dauert. Außer dem Chor- gebete müssen die Ordensbrüder täglich dem heil. Meßopfer, an Sonn- und Feiertagen auch der Vesper und dem heil. Segen beiwohnen, und im Jahre auch noch verschiedene andere religiöse Andachten und Exercitien, nach Vorschrift ihrer Regeln und Satzungen, üben. S t«« v 14 S-M»« Um Ordensglied zu werden, muß der eingetretene Canditat, welcher das I8te Lebensjahr zurückgelegt haben muß und das 34ste Jahr nicht überschritten haben darf, vor Allem das Noviziat, d. i. die Probejahre mit gutem Erfolge bestanden haben. Hierüber entscheidet vorzüglich die von dem Novizen an den Lag gelegte Liebe, Bereitwilligkeit und der ausdauernde Eifer für die Pflege der Kranken. Während der Probejahre steht er unter dem Nvvizmeister, der ein Priester ist, und der ihm sowohl die nöthige Anleitung zur Pflege der Kranken ertheilt, wie auch in den Pflichten seines schweren Berufs unterrichtet, und zu gottesdienstlichen und einigen häuslichen Diensten ernübt. Den größten Theil des Noviziats bringt derselbe in dem Krankenzimmer zu, um in diesem Beruf eines Theils recht geprüft und andererseits befestiget zu werden. Nach beendigten Probejahren, welche durch ein neues Ordensstatut sogar bis auf 8 Jahre hinausgesetzt worden sind, um die Tauglichkeit und Fähigkeit des Individuums gehörig kennen zu lernen, wird von den ältern, im Capitel versammelten, Brüdern(Capitularen) über denselben berathschlagt, ob er würdig sey, ihr Mitglied zu werden, welches mittelst geheimer Abstimmung durch weiße und schwarze Kugeln geschieht. Hat ihn der Brüderverein dessen würdig gehalten, so wird er zur Professe, d. i. zur Ablegung der feierlichen Gelübde,des Gehorsams, der Armuth, der Keuschheit und der Hospitalität, zugelassen, mittelst welcher er sich auf feine ganze Lebenszeit verbindet, dem Berufe des Ordens nach Vorschrift der Regel und Ordenssatzungen sich zu weihen. , Die auf diese Art geregelten Communitäten der barmherzigen Brü- der in der österreichischen Monarchie, bilden zusammen eine Ordenspro- vinz unter einem Vorsteher, der Provinzial heißt, und den Ordensdesi- nitoren, als Rathgeber des Provinzials. Derselbe wird von den zum Provinzcap:tel versammelten Ordensdefinitoren und Prioren der einzelnen Klöster auf 6 Jahre gewählt, nach deren Verlauf ein neues Provinzwahlcapitel ausgeschrieben, in welchem der frühere Provinzial entweder bestätigt oder ein neuer ernannt wird. Die Prioren oder Local- obern werden aber von dem Provinzial und den Ordensdesinitoren auf 3 Jahre ernannt, nach deren Ablauf ein neues Priorencapitel oder De- finitorium abgehalten, und in welchem die früheren Prioren der Klöster entweder bestätigt oder neue gewählt werden. Der ordentliche Sitz des Provinzials ist in dem Hauptkloster zu Wien, welches sowohl für den Mittelpunct der Provinz, als auch wegen des Sitzes der höchsten Behörden, als der Centralpunct der Geschäftsverbindung betrachtet werden kann. Vermög allerhöchster Entschließung vom 13. Mai 1785 hat der Provinzial die Macht, in allem, was eine bloße Disciplinarsache ist, und den allerhöchsten Verordnungen nicht widerstrebt, das zu veran- lassen, was er zur inneren Zuchtordmrng, Gleichförmigkeit und Handhabung des Ordens-Jnstituts vorzukehren nöthig findet. Seine vorzüglichste Amtspflicht ist es aber, die sämmtlichen Klöster des Landes binnen 3 Jahren zwei Mal zu visitiren, d. i-, den ökonomischen, finanziellen und disciplinären Zustand eines jeden Klosters genau zu untersuchen und zu erheben. Bei dieser Untersuchung hat er sein erstes Augenmerk auf die Krankenanstalt eines jeden Klosters, aus die Bedienung der Kranken, den hierzu gehörigen Vorrath und alles, was darauf Beziehung hat, zu richten. Ferner muß er die Hausrechnungen des Klosters und deren Beilagen genau durchsehen, prüfen und erledigen, und über die vorgenommene Visitation seiner Klöster jedesmal sowohl an die betreffende Landesstelle und das Ordinariat, welchem die visitirten Klöster unterstehen, ungesäumt Bericht erstatten. Er muß aber auch dafür besorgt seyn, in den 3 Noviziathäusern seines Ordens, zu Wien, Prag und Preßburg, einen tauglichen Nachwachs für seinen Orden zu unterhalten, und die fähigeren Brüder in seinen Klöstern, welche Studien haben, zu theologischen, medicinischen, chirurgischen und pharmaceutischen Studien zu befördern, damit es dem Orden nie an Priestern, Aerzten, Wundärzten und Apothekern mangle, sondern derselbe mit solchen stets hinreichend versehen sey Der Personalstand der barmherzigen Brüder zu Wien in der Leopoldstadt besteht gegenwärtig aus 72 Individuen. Zu diesen gehören: der Provinzial, der Prior des Klosters, der Provinzsecretär, und noch andere 3 Priester, der Provinz-Prokurator und 1 Vice-Prokurator, 1 Oberwundarzt und 4 Unterärzte, der Oberapotheker und 6 Unterapotheker, 1 Krankenprotocöllist, 2 Jrren-Jnspectoren, 1 Wirthschafts-Jn- spector, I Wirthschafter, 1 Küchenmeister, 3 Unterköche, i Kellermeister, 2 Pförtner, I Sakristan, 1 Klosterschreiner, 1 Wäschmcister, 4 Stadt- sammler, i i Landsammler, 7 Studierende der Medicin und Chirurgie, 15 Novizen als Assistenten und Krankenwärter. Das Kloster der barmherzigen Brüder zu Wien liegt an der Ta- borhauptstraße und ist in einem Viereck erbaut. Zu ebener Erde nimmt die Seite gegen die Gasse die Apotheke ein, welche erst im Jahre 1837 gänzlich renovirt worden ist. Die Seite an der Kirche enthält Materialien-Behältnisse, die dritte Seite macht das Refektorium sammt der Küche aus. Die vierte Seite ist das Hospital mit einem langen FlügeU Von der Seite gegen die Kirche gelangt man über einige Stufen in die Irrenanstalt, welche unter der Aussicht zweier Jnspectoren und eines Jrrenwärters steht. Die ärztliche Behandlung und Pflege besorgt den Spital-Ordinarius mit dem Oberwundarzt des Spitals, und ihre Speisung geschieht zu der nämlichen Zeit, wie die der Kranken im Spitale. Fürjeden Irren ist ein lichtes, jedoch mit eisernen Stäbenverschenes- Cabinet vorhanden; überdieß haben Alle einen gemeinschaftlichen Saal, in welchem sich die ruhigen Irren versammeln können.— Im obern 16 Stock ist das sogenannte Prlcsterhaus, welches den in der Desicienz befindlichen Priestern zum Aufenthalte dient, und welches erst im Jahre 1837 nach dem Wunsche des hochwürdigsten Fürst Erzbischöflichen Con- sistoriums und der hohen Landesstelle, umgebaut worden ist. Ein jeder Desicientcn-Priester hat sein eigenes, trockenes, lichtes und geräumiges Zimmer, und erhält die Conventskost. Oberhalb des Priesterhauses, gegen das neuerbaute Zinshaus, ist ein neu aufgesetztes Stöckchen mit dem Noviziat, in welchem die Novizen in abgesonderten Cabinetten wohnen, und mit welchem das Zimmer des Novizmeisters so innig verbunden ist, daß eine Wandthür aus dem Zimmer des letzteren unmittelbar in das Noviziat führt. Von da hinab gelangt man in die Gänge, wo die Dormito- ria und die Zimmer der Religiösen sind. Fast jeder derselben hat sein eigenes rein, aber einfach eingerichtetes Zimmer. Die Gasscnseite enthält das Provinzialat und das Priorat in 2 Zimmern, und die Gastzimmer; die Seite gegen die Kirche die Oratorien. Die Krankenanstalt, welche eine ganze Seite des Gebäudes mit einem Flügel einnimmt, hat einen großen Krankensaal mit 106 Betten. An dem äußersten Ende desselben befindet sich eine Capelle, in welcher täglich die heil. Messe für die Kranken gelesen wird; sie ist so eingerichtet, daß sämmtliche Kranke gegen den Altar sehen können. Aus diesem Saale gelangt man in t Extrazimmer, worin sich 26 Betten befinden. Vor diesem Zimmer ist eine Gartenällee und ein Garten, wohin Kranken der Eingang gestattet ist. Von der andern Seite, im Hofraume, ist ein Zimmer mit 3 Betten für Ruhestörende Kranke. Ferner der im Jahre I8^s/zg ausgeführte und vollendete Zubau eines neuen Krankentractes mit einem Stock, darin sich unten und oben zusammen 44 Betten befinden. An diesen Tract grenzt die Badeanstalt für Kranke; und vor demselben befindet sich ein neu angelegter Garten.' Die Gesammtzahl der Betten dieser Krankenanstalt beträgt gegenwärtig 179, welche sämmtlich mit den nöthigen Fournituren versehen sind, und zusammen einen Raum von 320 Quadratklaftern einnehmen. Von diesen sind 125 gestiftet. Wenn ein Kranker dieser Anstalt nach einer überstandenen gefährlichen oder langwierigen Krankheit sich bessert und auf dem Wege der Genesung ist, aber noch einer besondern Erhohlung bedarf, so wird er von den übrigen Kranken abgesondert und in das Reconvalescentenhaus dieses Ordens an der Landstraße, übersetzt. Das Geschichtliche der Entstehung und Gründung desselben ist Folgendes: In den Jahren I750undi75l waren die Vorsteher des Conventes in der Leopoldstadt bei der von Jahr zu Jahr gestiegene Anzahl von Kranken, die sie in ihrer Anstalt aufgenommen und verpflegt haben, in die Nothwendigkeit versetzt, darauf zu denken, wie sie dem Publicum Genüge leisten und die Reconvalescenten von den übrigen schwer er- kankten Individuen absondern könnten. Da aber das Vermögen des Hospitals nicht hinreichte, aus Eigenem ein Reconvalescentenhaus zu errichten, so haben sie sich an Ihre Majestät wailand Kaiserin Maria S4G«-L> 17 Aheresia, gewendet und durch deren allerhöchste Gnade die Erlaubniß erhalten, eine allgemeine Sammlung zu diesem Zwecke zu veranstalten, wodurch sie auch in den Stand gesetzt wurden, im Jahre 1753 m der Vorstadt Landstraße ein Haus sammt Garten an sich zu bringen, und dieses zu einem Reconvalescentenhause adoptiren zu lassen. Die völlige Umstaltung und Einrichtung der erkauften Realitäten zu einem Reconvalescentenhause, wurde im Jahre 1755 vollendet, und den 30. April wurden die ersten Reconvalescenten aus dem Leopoldstädter Spitale dahin überführt und somit dieß Haus zu seiner Bestimmung eröffnet. Die in physischer Hinsicht günstige Lage desselben auf der Landstraße, von der Straße und den Häusern ganz abgeschieden, m der Mitte von Gärten von allen Seiten frei und von einer reinen frischen und gesunden Luft umströmt, unter derem wohlthätigen und heilsamen Einfluße die Reconvalescenten wieder ganz neu belebt werden und schnell zu ihrer Gesundheit und ihren Kräften gelangen, entspricht in jeder Beziehung vollkommen seiner Bestimmung. Zu ebener Erde des solid gebauten Hauses befinden sich die Wohnungen der Religiösen und das Refektorium mit der Küche; im obern Stock sind 2 Reconvalescentensäale, geräumig und licht, mit 30 Betten, die gestiftet sind. In der Mitte dieser Sääle befindet sich eine Capelle, in welcher täglich dre heil. Messe für die Reconvalescenten gelesen wird. Bei dem Hause befindet sich ein großer Obst- und Küchengarten für die Anstalt. Die Reconvalescenten werden aus der Leopoldstadt, nach dem Verhältniß des Krankenstandes, täglich oder jeden zweiten Tag in das Reconvalescentenhaus überführt, und daselbst bis zu ihrer vollkommenen Erhohlung verpflegt. Das Personale besteht aus einem Prior als Vorsteher, drei dienstthuenden Brüdern und einem Defizienten. Nach dem Ausweise des Jahres 1839 sind in dieser Anstalt in demselben Jahre 849 Reconvalescenten verpflegt und entlassen worden. So wie jede menschliche Einrichtung in ihrem Entstehen oft klein und gering ist, hat das Institut der barmherzigen Brüder, bei seiner ursprünglichen Einführung ganz unbedeutend, unter dem Schutze des Allerhöchsten, dann der durchlauchtigsten Regenten des österreichischen Kaiserhauses und durch die großmüthige Unterstützung hoch- und edelgesinnter Menschenfreunde, ungeachtet vieler sturmbewegten Zeiten und harten Schläge des Schicksals, die mehrmals seine Existenz gefährlich bedroht haben, jenes ersprießliche Gedeihen und den bedeutenden Umfang in der ganzen österreichischen Monarchie erreicht, dessen es sich zum Wohle der armen leidenden Menschheit und zum Vergnügen eines jeden wahren Menschenfreundes gegenwärtig erfreuet. Ueber- der in den Hospitälern des Ordens der barm- narchie, vom 1. November 1838 bis letzten gion, unentgeldlich aufgenom- Krankenhäuser. Aufgenommen wurden Männliche. Weibliche. Böhmen Wien, in der Leopoldstadt.. Feldsperg in Unter-Oesterreich Grä'z in Steiermark.... Prag in Böhmen Görz in Jllyrien..... Preßburg in Ungarn... Neustadt an der Mettau in Leschen in Ober-Schlesien Erlau in Ungarn Warallya in Ungarn.... Proßnitz in Mähren... Temeswar im Banat... Kukus in Böhmen.... Brunn in Mähren.... Lettowitz in Mähren... Wien, auf der Landstraße Linz in Ober-Oesterreich. Papa in Ungarn..... Eisenstadt in Ungarn... Großwardein in Ungarn. Waitzen in Ungarn.... Fünfkirchen in Ungarn.. Skalitz in Ungarn Preßburg, im Reconvalescentenhause Agram in Croatien.. Zebrzidowitz in Ost-Galizien Ofen in Ungarn. Wisowitz in Mähren. Szathmär in Ungarn. Zusammen 4117 795 1409 2395 360 1458 418 315 314 324 612 248 525 1030 113 1176 736 300 435 302 434 270 410 343 2154 114 218 21325 220 350 570 21895 In den Hospitälern zu Agram und Görz werden auch Kranke weiblichen Geschlechts verpflegt. ficht herzigen Bruder in der österreichischen Mo- October 1839, ohne Unterschred der Rek- menen und verpflegten Kranken. Darunter Protestanten. Griechen. Jsrae- liten. R-1 L> Z r: r: W 444 3 60 122 2 131 4 58 21 20 15 20 17 49 10 47 124 26 148 35 122 14 24 8 275 17 71 11 2 1 6 2 12 2 2 1 32 16 20 4 19 49 24 3 2 13 4 3 3 10 2 1 3 2 10 2 2 2 3 1 6 3 7 27 8 849 240 20 4 2 19 5 4 2 4 1 3 9 2 312 37 69 235 42 120 19 18 14 19 42 15 32 89 9 9 11 6 4 7 2 111 45 30 25 3 30 14 5 80 — 16 24 211 — 1 1 11 3805 758 1340 2160 538 1338 399 297 300 305 570 233 493 941 104 1065 691 270 410 299 404 256 680 327 1943 113 207 1887 179 144 1089 144 ,649 j 20246 21895 So ist es in den Einschreibbüchem befunden worden, von Fr. Magirobonils Grünes, Ordens-Provinzial. '.- ' --r- OH W «M »L M S - E- -M « M W- KN WL s zM « WW M- H5OMH-'H-1 7 ^UM »Ä-«^ W MK » - « .'^ -- -- -- M S «E « U