N e u e r 7 9 6. KtOMMW. Herausgegeben vo» F. A. G a h e i s- Zwryte Auflage. Viertes Bündchen. Wien, gedruckt bey I. Alberti's Witwe auf Kosten des Herausgebers «E--X.'> 8 M- AM' L!N 4 k': v'. ,, >)V.'->-!/, ,-M?^ L) st e r g e s ch e n k. für gute Kinder. Herausgegeben von F. A- Gaheis UM W i e n, zu finden bey I. C. Schuender im k. k. Taudstummeii. Znstiiuke, und bey F, I. Rößt in dec Singerfiraffk. -r-Ä * Die Bibliothek (statt einer Vorerinnerung). '^abt ihr doch schon einmahl eine Bibliothek gesehen, meine jungen Leser? „Sehr wenige aus uns; die meisten aber nicht." e. Da würdet ihr erstaunen über die große, große Menge von Büchern. Da würdet ihr einen Saal, groß wie eine Kirche, vor euch hehen. Dessen Wände von unten bis oben mit Büchern bedeckt sind. Da ist euch aber kein Buch, welches nicht sein Nro. hatte und nicht in einem gro. ßen Verzeichnisse aufgeschrieben wäre, keines, welches nicht an einem Orte stünde, da es rechts und links mit Verwandten umgeben ist, das heißt, mit solchen Schriften, die von der nähmlichen Wissenschaft oder Kunst handeln. Da würde sich auch wohl kein Mensch zureckle finden, wenn nicht eine sehr genaue Ordnung unter diesen tausend und tausend lebenden Todten herrschte. Diese Ordnung macht, daß selbst das kleinste Werkchen, wenn es auch im abgelegensten Fach wie versteckt wäre, doch den Augenblick kann hervor gelangt werden. 6 „Allein was mag denn um aller Welt willen in so vielen Bückern geschri.ben stehen?" Ein griechischer B> bl> ot h e k a r(so heißt man denjenigen, der die ÄiMicht über eine Bibliothek Hai) würde euch antworten: wciker nichts ist in allen diesen Büchern geschrieben, als über die G y m- nastlk und Musik. Und er haue reckt. Denn erstere handelte von den Leibesübungen, letztere von den Übungen der Seele. Von einem Bibliothekar unser« r Zeilen würdet rar diese Antwort erhallen: in alle« diesen Büchern ist über die Wissenschaft des Wahren, des Guten oder des Rechts und des Schönen geschnoben. „Über drey einzige Dinge so viele Bücher? Das wäre ja unmöglich!" Immer möglich, meine Lieben! Nur müßck ihr auch überlegen, was in diesen drey Worten alles entkalken ist. Noch ist kein Mensch gewesen, der sie alle im Umfange begriffen halte, und kaum alle lausend Jahre komm! einer auf die Welt, der nur wenigstens von allen das Nöthigste wüßte. Und selbst dazu gehört nicht wenig! Nur zur Vorb ereiln«g, welche ausgebreitete I. Kenntniß von Sprachen wird erfordert. Da muß euch ein solcher Mann nicht nur Sprachen können, die jetzt gar nick: mehr gesprochen werden, als griechisch. lateinisch, hebräisch mid noch mehrere, die map lobte Sprachen nennt. Sondern er soll auch in den lebenden Sprachen, die jetzt bey ganzen Völkern in Übung sind, bewandert seun; er sollte deutsch, englisch, französisch, italienisch, und weiß Gott! wie viele Sprachen noch verstehen. Erfordert daS nicht allein beynahe eiu Menschenleben? lind doch ist es nur ein Theil— der Vorbereitung zu den wichtigern Erkenntnissen. Denn zur vollkommenen Vorbereitung gehört noch^ II. die Lehre von den alten Gottern, ohne welche gar vieles unverständlich seyn wurde; und. III. die Kenntniß der alten Sitten, Gebrauche und Einrichtungen. .„Sind denn auch darüber Bücher in den Bibliotheken^ Zu Hunderten! und zwar alle rn ihre bestimm, ten Fächer vertheilt. Hier die Wörterbücher und Sprachlehren, da die Bücher von der Myth o- logie oder Götterlehre, dort die von der Alter» thumskennlruß Archäv^Ogle.—--6tn ten Theil nehmen aber^- L. die Hauplstudi en eiu. Dazu findet rhreine Menge Bücher über' die Weltweisheit(Philosophie); drese liefert uns entweder.. . die Geschichte des mculchltchcn Denkens, oder erklärt uns die Eigenschaften der Menschlichen Seele(Psychologie), oder stellet^ dieRegeln des Denkens(Logik) auf, nach denen man sich bey der sinnlichen und übersinnlichen.^ 4. Nalu r w issc n sch a ft(Physik und Metaphysik), und auch bey der- A. Wissenschaft der Silken(Moral) und dem 6. Nakurr echte zu richten hak, wenn man nicht in tausend Irrthümer verfallen will. — Dazu gehören noch die sehr nützlichen und vielen Bücher von der I. 2. 7. Größe nlehre oder Mathematik. Gesetzt nijn, es wäre ein Mau» mir allen diesen Kenntnissen bereichert, so wird er sich doch im Reiche der Gelehrsamkeit nie auszeichnen, wenn er nicht in der II. Geschichte wohl bewandert ist. Diese ist daS für das menschliche Geschlecht nöthigste ABC Buch! Daran hat man immer zu lernen, und ihr werdet keinen Menschen finden, wenn er sich auch nur ein wenig über die Thiere erhebt, welcher nicht«was aus diesem wichtigen Schulbuchs der Menschen gelernt hatte. Doch Gelehrte, welche die Gc. schichte nicht etwa bloß zur Unterhaltung lesen, sondern sie gründlich studieren, müssen dabey noch überdicß vier Arten der Vorbereitung anwenden. Sie sollen a. die Urkundenwissenschaft(Diplo- mank), dann b. die Geschlechts kund c(Genealogie), v. die Wappenkunde(Heraldik) und sogar 6. die Siegelwissenschaft(Sphragi. stik) wohl verstehen. Mit diesen Vorkeimt- Nissen ausgerüstet können sie erst t. dieallgemeineWeltgeschichte, wovon ihr in jeder Bibliothek eine Reihe von Z», 40, 70, ja hundert und mehr Banden erblicket, gründlich studieren. Allein weil sich in der Welt von jeher so vieles ereignet hat, so kann man in einem solchen Werke nur das Allermerkwürdigste und dieß nur auf die kürzeste Weise erzählen. Jedes Land, jeder Staat zählt so viele Merkwürdigkeiten, die ihm und seiner Re- - gierungsark allein eigen find, daß ihre Sammlung eine besondere L. Staateng eschichle ausmacht.— Die von allen übrigen Menschen unterschiedene Lebensart und der Einfluß der Gelehrten auf die wichtigsten Angclegenhei- ken unsers Erdballs brachte eine eigene Z. Geschichte der Gelehrten hervor, an welche sich 4. die Geschichte d erKunstanschlIeßt.--' Die mannigfaltigen, wunderbaren Schicksale der Religion haben eine L. Religions-oderKirchengefchichke erforderlich gemacht; und von einzelnen Männern, die sich durch Talente, Thätigkeit, Glück oder Unglück, oder ihren Einfluß auf die Veränderungen, das Entstehen oder den Untergang ganzer Reiche und ihrer Dcnkungsart vor allen andern auszeichneten, haben wir 6. Lebensbeschreibungen oder Biogra- phicn.— Will man nun auch den Schauplatz, auf welchem alle diese Thaten und Veränderungen geschehen sind, genauer kennen lernen,>0 muß man seine Zuflucht zu einer eigenen Wissen, schüft, zur M. Geographie oder Erdebcschretbuug nehmen. Sie wird. ». die makhe mathische Geographie genannt, wenn sie die Figur der Erde bestimmt, ihre Größe,ihre Polhöheu und Lagen gegen die Sonne und den Mond berechnet. Handelt sie aber von der Größe, Regierung, Religion und den Producten eines Landes, so heißt sie 10 2. die politische Erdebeschreibung, ungefähr diejenige, wie ihr sie, nach eurer Sajj-ingSkraft eingerichtet, in den Schu- len lernet und deren jedes Land seine ei. geire hat. Än diese schließt sich 2'^' 5. Topographie oder umständlichere Beschreibung einzelner Örter.— «Ls ist und war von-eher eines der schweresten /«'istrelchsten Geschäfte, die Millionen Menschen, die auf der ganzen Erde zerstreut leben, so zu regieren, daß sie glücklich seyn und doch durch ihr Glück nicht zu Slörern der allgemeinen Ruhe verleitet werden sollen. Sieje^große, erhabene, göttliche Kunst heißt I.d r e Laats ku n st oder Politik- Der sie ausüben mrll, muß Luder 1.^ l aareuken n k nrß(Statistik), in der 2.^egiernngskunst, und in der höheru Z. Crziehungsknnde(Pädagogik) wohl bewandert seyn.—Ihr sehet, meine Liebe»! welche Menge von Wissenschaften die Erkenntniß des Wahren und Guten, iim nur den Grund zu ihrem weikern Gebäude zu legen, erfordert. Um nur in einer von allen diesen genannten Wissenschaften recht vollkommen zu werden, müßte ein Mann von nicht mittelmäßigen Talenten seu-.e ganze Lebenszeit daraus verwenden. Senket nun, ob es nicht ein Wunder sehn muß, wenn doch in Jahrtausenden zuweilen ein Mann auftritt, der in allen, allen diesen Wissenschaften mehr als gemeine Einsichten besitzt. Und doch ist dieß nicht alles. Das Schwerste kommt erst noch. und selbst von der Wissenschaft des Sch ö- i r n en hab' ich euch noch nichts angeführt, tvlrd unter dem allaeuceitleu 8stlhlueir V- Ästhetik oder Theorie dcS Schönen verstanden. Dazu gehört die Beredsamkeit oder die Kunst, über zeden Gegenstand schön und angeniesten zu sprechen, und die Kunst zu bereden: 2. die Dichtkunst, eine befanden' Geschick, lichtest, die Gemüther der Menschen durch Dichtung uud eine sugemestcue Art des Ausdrucks, zu erfreuen und zu belehren; 2 d-e Mahlerey oder die Kunst, stnuüche Ge- '' acnstände mittels des Lichts und Schattens oder verschiedener Karbeu, auf einer Hlächs darzustellen; 4. die Kupfersiecherkunst; dicBildbauer- nnd-(hieß k n n st(Plastik); 6. die Baukunst, welche, weit entfernt ovm Manrcrhaudwcrke, in der Geschlckilchkett besteht, Gebäude so zweckmäßig auszuführen, daß sie zugleich schön, dauerhaft und bequem seyen. Ferner 7. die Musik; 8. die Tanzkunst und L) die Gartenkunst, nicht das Garknerhanps 'werk, welches sich mit Bluwer.ziehen vder Wartung der Gewächse beschäftiget, sonder» welche die Regeln angibt, die Gärten großer Zerren im besten Geschmacke mit(Statuen, Grotten. Wasserfallen, AuSsichken, Hem. pcin. Ruinen u s. w- neu anzulegen; wie ihr eS in den Garten zu S cd ö n b r u 11 n, L a- r e nbu, g, Dorn b a ch, aufdem Ga! itztn- herg, H> Ni"t e l, und C 0 b e n z ei s d 0 f sc- hck.— Nebst diesen werdet ihr in Bibliotheken sogar auch Bücher über 12 I. ^ dieCultur des Leibes; nähmlich über das Reiten, Jagen, Lanzen, E^erziren, L-chreßen, Ringen, Volkigiren, Vogelstellen, Slschsangen, Ballspielen, Kegelspielen u. s. w. antreffen, die aber eigentlich nicht zu den Kenntnissen eines Gelehrten gehören, wovon ihm aber die ersten Gründe sehr wohl und zwar aus andern Wissenschaften her bekannt sind.— Nach diesen Haupkstudien endlich, die ich euch nicht einmahl nach allen ihren wichtigen Ua- terabtheilungen angeführt habe, kommen erst die wichtigsten und schwcresten, nähmlich - die höhern Wissenschaften, deren Me einen eigenen Menschenstand mit sehr vielen Abstuffungen bildet. Es sind ihrer nur drey: logie, welche sich mit der Erkenntniß des höchsten Unwesens beschäftiget. Sie wird in die Theologie na ch der bl o ßen Vernunft und in die geoffenbarte Gotteserkennt- n iß eingetheilet. Nech ksgxlxhrsamxx jj, welche eine Wissenschaft ist, die von vernünftigen Wesen gegebenen Gesetze nicht nur zu erklären, son. dern sie auch auf vorkommende Fälle geschickt anzuwenden. Sie breitet sich, wie ein großer Baum, in eine Menge Äste aus, je nachdem die Verhältnisse, Stände und Zwc. cke der Staaten, Gesellschaften und einzelner Menschen verschieden sind. Von derselben Be- schaffenheik ist beynahe auch III. d i e A r z e n cygelehrsamkeit, die sich damit beschäftiget, nach gewissen Grundsätzen die 2. II. menschlichen Körper entweder vor Krankheiten zu bewahren oder sie davon zu befreyen. Was wird nicht alles dazu erfordert, ein geschickter Arzt zu seyn! Er muß alle innern und äußern Theile des menschlichen Körpers kennen(Anatomie), er muß die Verrichtungen dieser Theile im gesunden Zustande wissen(Physiologie), er muß den Anfang, Die Natur und den Gang der Krankheiten zu erklären verstehen(Pathologie), er muß wissen, welche Mittel zur Wiederherstellung nöthig sind(Therape vtik), ja allebiejeni- gen Körper der drey Naturreiche soll er kennen, aus welchen Medikamente bereitet werden können(Materia medica); dann ge- hört die Wissenschaft, solche Mittel zuzube- reiten(Apothekerkunst) dazu, nichts zu sagen von der so wichtigen Kunst, die ver- letzten äußern Theile der Körper zu heilen, welches das Geschäft der Wundarzeneyknnde (Chirurgie) ist. ,Das hätten wir uns nie gedacht, daß es in der Welt so vieles zu wissen und zu lernen gebe!" Das, meine Lieben, sollte euch vor aller Einbildung. vor allem Stolze bewahren. Nichts kann uns mehr demüthigen, als wen» wir denken, so viel ist noch zu lernen übrig und so wenig hab'ich erst zugelernt! Auch in diesem Sinne ist es ein wahrer Schritt zur Weisheit: zu wissen, was man alles nicht weiß.—,..-^ Anfangs nahm ich mir vor, euch m Dieser Kinderbibliothek von allen erst genannten Wissenschaften, Studien und Künsten überall ein Pröbchen mitzutheilen. Allein ich fand, daß manche Dinge so hoch sind, daß es mir nicht ge- 14 lnngen>v're, sie euch so vorzutragen, daß ihr sie verstanden ba'kkek. Diese!,eß ich für jetzt weg und vsn den übrigen Dock vergleichet selbst, in welches Hack jedes Glück gebore, und ob ich euch nickt doch eine Bibliothek irn Kleinen gesammelt habe. G. Das Aufstehen. Äuf, Bruder, auf! Früh, wenn der Morgen graul, Stärk! rirchür, Lugendtauf, Daß euer Schöpfer Freude schaut. Aurorens Strahl*) Glüht nicht umsonst so schön; Er winkt, ins Blumenthal Und in den wachen Hain zu gehn. Wer schlaft, ist todt! Erfüllet keine Pflicht, Das selige Geboth: Der Welt zu nützen, übt er nicht- Zwar Schlaf ist schön— Doch scköner Munterkeit. Zu bald, zu bald vergeh» Die Stunden unsrer Lebenszeit. Drum sey die Zeit Stets nützlich angewandt; Es lohnt Zufriedenheit Den frommen Fleiß mit milder Hand. Burmann. Die Äxte. Eine Fabel. Ein Zimmermaun ließ seine A/k in einen tiefen Strom fallen,»nd bath den Flußgott*) inbrün-, stig: er möchte ihm, da er arm sey, wieder dazu verhelfen. Der Flußgott war so gnädig, stieg auf und brachte eine— goldene Art zum Vor« schein. „Das ist die meinige nicht!" sprach der Zim- mermanu ganz gelassen.— Der Gerst tauchte von neuem unter und langte eine silberne hervor. „Auch diese gehört mir nicht!" sprach der Arme; und zum dritten Mahle höhlte der Fluß- gott eine Zsst von Eisen mit einem hölzernen Stiele heraus.— „Das ist die rechte! das ist sie!" rief der Arbeiksmaim fröhlich. Gut; ich sehe du bist eben so wahrhaft und ehrlich, als arm, sprach der mit. leidige Geist. Zur Belohnung nimm alle drey mit! Diese Geschichte ward bald in der ganzen Gegend ruchkbar. Ein Schalk, der sie erfahren, nahm sich vor, zu versuchen, ob auch gegen ihn *) Nachher G 5 tterle b re oder Mythologie der Alte» hatte jeder Waw, jedes Feld, jeder Fluß, jede Stadt und sogar jedcrMenlch einenSchukaotk. Eine Erdichtung, die oft sehr lehrreich denukt worden ist. 16' der Flnßgott so mildthätig seyn würde Er ließ seine Axt mit Willen in den Strom fallen, fleh- te zum Flnßgott und hatte das Vergnügen, ihn aufsteigen zu sehn. Er klagte ihm feinen Verlust. und der Geist brachte, wie ehmahls, eine goldene Axt hervor. „Ist sie das, mein Sohn?" Ja, ja, das ist sie! antwortete der Lügner und griff schon darnach.„Halt! Nichtswürdiger! erschallte nun die L-timme des erzürnten Geistes, glaubst du denjenigen zu hintergehen, der bis ins Innere deines Herzens blicken kann? Zur Strafe deines Lugs und Betrugs verlier auch dasje. nige, was bisher dein war!" Und ohne Axt mußte er nach Hause wandern. Gemeiniglich ist auch hier auf Erden schon unser eigener Schaden die Folge unserer Lügen. Meißner nach Äsop. Dienst und Gegendienst. V-in Ludenjunge wurde im Winter von seinem Vater mit einem Stück Tuch in ein abgelegenes Dorf geschickt. Der Schnee fiel häufig; es wur. de schon dunkel, als er nach Hause ging, erkannte seinen Weg nicht mehr, und irrte weit auf den Ackern herum. Er sah ein, daß er sich oer. irrt habe, er zitterte schon vor Kälte und Angst, und er fing an heftig zu weinen und zu schreyen. Ein Bauerbursche, der nach demselben Dorfe mir einem Fuder Stroh fuhr, hörte in der Ferne das Geschrey, band die Pferde fest, ging auf die Stimme los, und fand den armen gen in einer Grube im Schnee stecken.^ s.-'ö»> heraus, irug ihn leinem Wagen, legte ihn ins Stroh und führte ihn mit stw nach Hause. Da theilte er sein Abend. liegen""^'ö"«is Veite Krüh des andern Tagesginq er mik'dem Julian^ L'a"'" tt-uele sich dieser, se nen Sohn, den, er die Nacht hindurch vergebens gesucht, und den er für erfroren oder von Wollen zerrissen hielt, ihr frisch und gesund zur Thüre herein kommen zu seh„! Er hörte nicht auf, seinem„lugen Reiter zu danken, und war traurig darüber, daß er ihn nich t übcnrdcn könn. -e. e.n großes Stuck Geld als ein Zeichen seines Trankes anzunehmen. Dieser Bursche mußte nachher Soldat wer. den und in den Krieg ziehen. In einem Gefechte wurde er am Fuße veiwunder und ins Spital gebracht. Ein Handel-jude kam mit seinen Wo- ren m dasselbe Spilai und erkannte den Crrel- ter seines Sohnes. Traurig, daß er ,hu ißt lo elend sehen mußte, sehte er sich zu ihm hin, lrö. stete ihn und gab ihm Geld, so viel er nur brauchte, um sich bester zu pflegen. Von der Zeit an besuchte er ihn sammt seinem Sohne täglich. Beyde wendeten alle Mühe und Ko,ien an, ib. rcm ehmahligeu Wohlthäter das Krankenbett zu crleichken,. Bald ward er von,einen Wunden gesellet und sie freueken sich, einen wichiigeu Dienst wenigstens durch eine» kleinen Gegendienst erwiedert zu haben. L. Chimarir. Gaheis. N. Kinberbibl. tS B. B 1§—^ ' ' Der brave Maun- 2§cr Gott und seinen König ehrt, Nie seines Landes Ruhe stört. Vielmehr anS aller seiner Kraft Zins Ordnung halt. und Freude schafft: Chor. Der ist ein Mann, ein braver Mann; Den rühme, wer nur rühmen kann! Wer seinen Bruder herzlich liebt, Ihm seine Fehler gern vergibt, Durch Trost und Beystand ihn erquickt. Wenn Kummer ihn und Mangel drückt: C ho r. Der ist ein Mann, ein braver Mann; Den rühme, wer da rühmen kaun! Wer immer Treu und Glauben halt, Nicht anders, als er ist, sich stellt; Und ohne Falschheit, Trug und List, In Wort und Thaten redlich ist: C h o r. Der ist ein Mann, ein braver Man»; Den rühme, wer da rühmen kann! Wer graden Weg's zum Ziel- geht, Sich nicht nach jedem Winde dreht. Und, echten Tugendeifers voll. Nicht säumet, wenn er handeln soll: Chor. Der ist ein Mann, ein braver Mann; Den rühme, wer da rühmen kann! Wer, wenn er froh und lustig ist. Dabey die Tugend nickt vergißt, Und sich mit weiser Mäßigkeit Der Gitter dieses Lebens freut: C h o r. Der ist ein Mann, ein braver Mann; Den rühme, wer da rühmen kann! Aus Splittegarbs Liedern Zur B, ldnn g deS Hcrzens. ' Dir Sonnr und die Thiere. Sonne! scheine nicht so heiß; Ich muß vor Mattigkeit und Schmeiß Bey meiner Arbeit schier erliegen; So rief der Esel.— Dank für deinen heitern Schein, L Sonne! rief die Schlange, mit Vergnügen Leg' ich mich Stunden lang hinein! Die Eule schrie: Verschone mein Gesicht Mit deinem mir verhaßte» Licht, D Sonne! kann ich doch kein Schlupfloch finden, Wohin dein Strahl nicht dringt; ich werde noch erblinden. Wohlthätige Sonne, sey mir lange noch geneigt, Hob eine Feldmaus an, eS reisen meine Lehren; Vollauf kann ich mich wieder nähren. Die Sonne hört eS au, schnitt fort— und schweigt. Wtllamvv> B 2 ,2t) Erneft und sein Pudel. Ebnest hatte einen Pudel von feinem Dnkel bekommen, der verschiedene Künste machte. Er hieß Phplax und war Ernestens einzige Unterhaltung. Bald hielt er ihm einen Stock vor, über den er springen mußte, bald warf er ihm einen Pantoffel oder ein Stuck Geld hin, das er ihm geschwind hcrbcv höhlte. JHk spazierte er im Hause herum, und Phplax trug ihm, als ein treuer Bedienter, sein Schnupftuch nach; oder er ging in den Garten, und ließ sich von seinem zeitigten Schwimmer aus dem Springteiche hinein ge. wvrfene Holzstücke heraus fischen. Allen Dienstleukcn führte er seinen Hund vor, und ließ ihn Künste machen, damit ste ihn nur bewundern sollten, wenn ste auch alle Hände voll Arbeit hatten. Ja sogar dem Lehrer, da er zum Unterrichte kam, sollte Php lax aufwarten und die Thüre auf und zu machen. Ernest hätte wohl alle Künste, statt der Leckion, wieder zeigen lassen, wenn es der Lehrer nicht untersagt hätte. Dieß wollte Ernest en gar nicht behagen. Sein Pudel, sein P hvlax war ihm immer im Sinne. Wob! zehn Mahl fing er beym Unterrichte von ihm zu reden an; immer dachte er an ihn, und merkte wenig auf das, was ihm der Lehrer erklärte. Er gab daher oft verkehrte Antworten so, daß der Lehrer mit ihm gar nicht zufrieden war. Herbey st. zinver; die Stücke oder Stück, chen st. Stücket. 21 Kaum war der Lehrer fort, so war Erncst schon wieder bey seinem Thiere. Aber itzt sollte er auch seine Aufgabe machen. Er that es zwar, weil er wußte, daß ihn sonst der Papa daran erinnern würde; aber er eilte, so viel er nur konnte; verfertigte und schrieb sie schlecht, um nur bald wieder bey seinem Hunde zu seyn. Sein Bruver wollte den Phylax so lange zu sich nehmen, als er die Aufgabe fertig haben würde, er bath thu sogar darum. Aber umsonst: unter dem Vor» wände, er mochte ihm entlaufen, ließ ihn Er ne st bey sich unter dem Schreibtische liegen. Des andern Tages war er in der Lchrstun- de eben so wenig fleißig, als Tages zuvor; und da der Lehrer seine sehr fehlerhafte Aufgabe sah, war er noch unzufriedener mit ihm. Er merkte, daß bloß der Pudel die Ursache dieser Nachlaßig- keil sey und meldete es dem Papa. Dieser ließ Ernesten zu sich rufen und sagte ihm ernsthaft, aber doch gelassen: Ich habe dir den Hund zu behalten erlaubt, damit er dir in ErhohlungSstunden zur Unterhaltung diene. Aber du willst, wie ich merke, den ganzen Tag immer mit ihm spielen, vernachlaßigest darüber deine Aufgaben, und würdest so ein unwissender, ungeliebter, bloß spielender Mensch werden. Das, was dir zur Unterhaltung bestimmt war, würde dein Schaden seyn. Ich muß und werde heute noch den Hund wegschicken. Der Vater hielt Work, und Erncst bereue, te, daß er sich in seinem Vergnügen nicht mehr gemäßigt hatte. L- Chimani. Preis der Schule- wie ist's so schon, In die Schule gehn. Und was ierneu drin! Jeder Augenblick Mehret da mein Glück, Schwindet nützlich hin. Meines Lehrers Schweiß, Meinen treuen Fleiß, Sieht der gute Gott; Und er legt darein, Segen und Gedeiht!, Dieser gute Gott- Früher schwingt mein Herz Sich hier himmelwärts, Wenn es Tugend lernt. Engel schätzen mich. Wenn das Böse,sich Früh von mir entfernt. Die Religion Zeigt mir Himmelslohn Auf der Tugend Bahn, Heiligt mein Bemühn, Lehrt mich Sünden fliehn, Mich der Gottheit nahn. Meiner Seele Trieb Hat dann Weisheit lieb; Und wird fromm und gut; Jede Wissenschaft Schärft des Geistes Kraft, Und erhebt den Muth. '" i^--^—»— I'E"-- EWUA . r^57---Lwr !^1—^ ^^, -.^ r^r?- MZ E.'^^L». E«,E Ä-7- SmL/-/ >''->. Ä>Wd^ LaÄ»--»7,/»««^-«L--»-»- //«/<-? -Z Ja, der Schule sey Stets mein Herz getreu; Lernen lohnt mit Lust! Lugend macht uns schön! Aber Müffiggehn Schändet jede Brust. Burmann. Die kluge Maus. Eine Maus, unterrichtet in allen Gefahre», die ihrem Geschlechte drohen, ging bey einer Maus. falle vorüber, wo frisch gerösteter Speck aufge. stellt war.„Ich will ihn wohl unberührt lassen! „sprach sie. Aber daran zu riechen, kann mir nichts schaden." Sie näherte sich, roch, stieß mit der Nase an den Speck, die Falle fiel zu, und sie war gefangen. Wer sich mukhwillig in Gefahr gibt, kommt darin um- Kazn er. Kinderlied. Minder! gerne wollen wir Nun zur Schule gehen. Sorgt der Lehrer doch dafür, Daß wir es verstehen, Was er lehrt. Es ist nicht schwer, Wie man's ißo treibet; Leichter wird es immer mehr, Wer nur fleißig bleibet. §4 Wenn wir groß sind, geht's uns wohl Jeder will uns haben: Denn wir wisse», wie man sott Nützen Golkes Gaben. Wer der Herrschaft Nutzen sucht,> Dem nützt sie auch wieder. Faulheit sey von uns verflucht, Arbeit stärkt die Glieder. Alles Gute kommt von Gott. Segne hu die Lehren, Die wir, o du guter Gott! Jetzt so reichlich höre,,. Segne du an uns dein Wort, Daß wir's thätig ehren! Dann wird sich in unserm Ort Tugend schnell vermehren. Aus Rochows Kinder freund. 'Kurze kebensgeschichte Carl Osers, der als Geistlicher, Hofmeister und Pries,-Lehrer sich als«inen Freund der Jugend bezeigte. r^ch stelle euch hier, meine kleinen Freunde! das Leben eines jungen Mannes auf, der mit einem hinlänglichen Maße rühmlicher Fähigkeiten und Kenntnisse versehen, sich ganz der Bildung eures Gleichen widmete; das Leben eines Iugendleh. rcrs, der durch Lehre und Beyspiel viel Gutes stiftete. ohne doch hienieden den angemessene» Lohn seiner edlen Bemühungen einzuernten; der unter der Last seiner Arbeiten und Leiden in den schönsten Jahren erliegen, und durch den Tod von denjenigen getrennt werden müßte, welche ihn naher kannten, ihn liebten und schuhten. Vielleicht, daß die Beschreibung seines Gebens ihn auch euch liebenswürdig und— was ich vor allem wünsche,— lehrreich zu mache» im Stande ist. Carl Oser ward imlJahre 1762 den 2. Januar zu Krems in Oesterreich von bürgerlichen Ackern geboren. Er wurde frühzeitig zur Schule gehalten, welches dazumahl um so nöthiger war, je weniger Vortheile man kannte und anwendete, der Jugend, wie es itzl geschieht, al- les auf eine kurze, angenehme und nützliche Weise beyzubringen. Durch seinen Fleiß und sein unausgesetztes Schulgehen übertraf er bald alle seine Mitschüler. Und sein offenherziges, anschmiegen. deS Wesen, nebst seiner voctheilhasten Gesichks- bildung, machte, daß er von allen vorzugsweise geliebt wurde. Diese guten Hoffnungen und seine Anlagen, wodurch er sich bald auszeichnete, brachten seine Aclteri, zu dem Entschluß, ihren Lrohn studieren zu lassen. Nachdem er bey einem Prioat-Lehrer, Baumgarlner, die Jnfima oder lateinische Vorbcreikuügsschule erlernet hatte, ward er in das Gymnasium der Jesuiten, welche in K rem S ein Collegium hakten, geschickt, um hier weiter zu studieren. Allein kaum hatte er die erste la- keinifche Schule zurück gelegt, so wurde dieser Orden aufgehoben. Also gleich an der Schwelle seiner neuen Laufbahn ein Hinderniß! Man schloß daraus, die Vorsehung müße ihn zu eiwaS an- derm bestimmt haben. Seine Wahl ward bald getroffen; er begab sich zur Bnchdrnckerkiinst. Schon konnte er Liederchen setzen; als ihn seine 26 Aelterm wieder weg nahmen und zum Studieret! unter der Anweisung einiger Ex-Jesuiten brachten, weiche in Krems die drey/u.ttera Schule» lehrten. Da begann sein Fielst dieser osn neuen, und er legte bey diesen wirkltch^achtnagS-vürdl» gen Männern heu Grund zu a-ierley nüylichen Kenntntffen. Don- cni Trieb, seinem Wesen nach unschädlich. ja vorlreffftch! aber nur durch Uebermaß schaSenbrnigend, fing um diese Zeit an, sich in ihm mit aller Kraft zu zeigen. ES war die Ehr- liebe. Sie erregte ssn ihm nngemelne Nacheise- rung und den angestrengtejlen Fleiß. Die nächsten Folgen davon waren, wie er sie wünschte, Lobeoerheoungen, Vorzüge uns Belohnungen. Da wäre der Zeitpunct gewesen, da er der warnenden Stimme eures treuen Rathgebers bedurft häkle, der ihm:„Lieber Jüngling! hüche dich, ei- „nen auch noch so edlen Trieb oor ander» zuneh- „men und zur herrschenden Leidenschaft anwach- „sen zu lassen! Dein Untergang ist sonst vollen- ,,d?c"— väterlich zugerufen hätte. Aber das geschah nun wahrscheinlich nicht, oder er achtete dieser Stimme zu wenig. Kurz, seine Liebe zur Ehre erreichte einen so yohcn Grad, daß sie iu Ehrsucht überging, und ihn zur größte» Anstrengung aller seiner Kräfte anspornte. Sein gewöhnlich sanfter Blick, der ganz seine edle Seele ausdrückte, und seine ruhige, geistvolle Miene, verbunden mit dem Bestreben, durch Fleiß, Wttlfahrigkeil und untadelhaste Aufführung sich die Liebe seiner Lehrer zu verdienen, machten, daß sie aas die Abschnsidnng dieser Auswüchse minder bedacht, denselben durch ihren Beyfall und öffentliche Belohnungen bey Prü- fangen nur noch mehr Nahrung gaben. Daher 27 leake er auch die drey folgenden Classen bis zur Poesie bco deu Vatern der frommen Schulen, welche von St. Polten nach Krems berufen wurden, mit allgemeiner Zufriedenheit zurück. Nun reifere er nach Wie», um an der dortigen Universität die Philosophie zu hören, allein eine allzusiarke Sehnsucht nach dem väterlichen Hause, noch mehr aber die ihm nachtheüige Lutt- vcrauderung brachte ihn bald ins Krankenvelt, und weii die Genesung'verzKgerke, wurden Anstalten aemacht, ihn wieder nach HanS zu bringen. Die bekanntlich sehr gesunde Lust in der Gegend um Krems und die bessere Wartung be- schlennigtcn seine Genesung zuschens. Um den Rest des Schuljahres nicht ungenutzt vorüber ge- Heu zu lassen, wiederhohlre er unter der Anleitung P. Reinhold Müllers die Poesie. Diese beyden, dem äußern Anscheine nach litt- bedeutenden Vorfalle gaben Veranlassung, baß sein ganzer Lebenslauf eine andere Richtung bekam. Ob zu seinem Nachtheil oder zu seinem B-ß- ten? kann hier nicht entschieden werden. Gottes weise und gütige Vorsehung leitete ihn diesen Psao, und obwohl er mit vielen Dornen bestreuet war, so muß doch eine solche Leitung gut seyn. An. genehm war sie nicht, wie wir sehen werden; allein das Beschwerlichste ist am öftesten daS Be- ste. Kurz. gegen das Ende des Schuljahres ward ihm Lust eingeflößt, in den Orden der Plansten zu treten, dessen Glieder sich bekanntlich mit unentgeltlichem Unterrichte der Jugend be- ^^Jrn Ockober des^779. Jahres nahm er das Ordenskleid.»Das war der Schritt Unglücke." würde ich sage», wenn euch falsch- lich überreden wollte, daß Leiden und Tod,»>c 28. dann über ihn kamen, wahres Unglück zn nennen seyen, und wenn ich nicht der lebendigen Ueberzeugung wäre, daß dergleichen vermeintliche Uebel in Gottes väterlicher Regierung keine Uebel, sondern oft die wirksamsten Mittel zu unserer Veredlung und Beseligung sind. Anfangs ging alles ganz gut. Oser, dem bey dem Eintritt in den Orden der Nahme Ad albert gegeben wurde, verdiente sich auch schon im Noviziate die Achtung und Liebe aller, die ihn kannten. Vorzüglich gewann ihn her Erzie- her der Novizen, P. Cassian Iandl sehr lieb. Von diesem überaus klugen, menschenfreundlichen und einsichtsvollen Priester ward er mit der Güte eines Vaters und der Weisheit eines Vorstehers behandelt. Man vertraute Adalberten die Aufsicht über seine Collegen an; denn er hatte alle Eigenschaften, die ihn dieses Vorzuges würdig machten. Schade, daß eben dadurch ei. nerseits wieder seine Sucht nach Ehre ungemein an Starke zunahm, und andererseits die Scheel, sucht einiger Mit-Novizen viele Veranlassungen bekam, ihn öfters zu necken und AuSbrüche des Zorns hervor zu bringen. Diese Leidenschaft— nickt selten ein Antheil der edelsten Seelen!— weil er sie zu spät an sich wahrnahm, kostete ihm oft bittere Kampfe. Manchen Sieg trug er davon; aber. diesen innern neuen Keind ganz aus. zurotten, das gelang ihm nie, und daS machte ihm vielen heimlichen Kummer. Lerne hieraus, junger Leser!, was ich dir oben eingeschärft habe,„jede Leidenschaft, von „deren Uebermaße du zu befürchten hast, daß „es das Gebäude deiner Glückseligkeit einst un- „tergraben dürfte, gleich bey dem ersten An- „falle zu bemeistern, und sie dir nie über den „Kopf wachst" zu lassen."- Sonst gewinnt sie, gleich einem reißenden Strome, dem kein Damm entgegen gesetzt wird, immer mehr Land, und ist endlich unaufhaltbar in ihren verderblichen Ver- ^"^Mit unermödetem Eifer studierte er die Methode, sowohl die deutschen, als auch die fünf untern lateinischen Schulen zn lehren; eben so emsig bcfließ er sich der Philologie, worunter die Erklärung der lateinischen Klassiker begriffen ward, und lernte die französische, griechische und hebral. sehe Sprache sammt der HermenevtikfAnslegungS. kunst)deS alten und neuen Testamentes unter verschiedenen achlnngswerthen Lehrern,""t/r denen ihm P. Bcnignus Job seines Eifers und gründlichen Vertrages wegen im dankvollesten Andenken blieb. Philosophie und Mathematik hör. ke er von dem berühmien Prediger und Prokes. sor*)Joh. Siegfr. Wiscr. Diesem würdigen Manne, der ihm in der Folge mit FreundeSwar- me zugethan war. hakte er das meiste,""d besonders jene unerschültcrke Geduld unter der Last seines Jammers, die er immer bezeigte, und seine erhabene Ruhe bey dem jedesmahligen Anblicke des nahen Todes, so wie die tröstenden Gesinnungen des reinern Christenthums zu verdanken. Nach vollbrachten zwey Noviziat-Jahren im Wicdner Collegium zu Wien ward er in der Haupkschule daselbst Lehrer der dritten Classe. Da haltet ihr ihn sehen sollen, meine Lieben! mit welcher Kesckicktichkeit und welchem Eifer er d,e Pflichten seines neuen Amtes erfüllte! Er baue eine ziemlich rohe Jugend zu unterrichten. W,e sauer ließ er sich's werden, sie mit Kenntnissen und GeschickUchke ke» in bereichern, und von beu ») Jetzt Pfarrer, den Vorurkheilen ihrer vcrwahrloselen Erziehung zu befreyen! Denket nur auf die Mühe und die vielen bittern Stunden, die ihr euren eignen Lehrern verursachet, und ihr werdet es einiger Massen begreifen, was eS mit dem Amte eines Lehrers gesagt haben will. Ada! berk war bey seinen Schülern zugleich Lehrer der Religion. Der eingeführten Ordnung gemäß traf ihn die Reihe, die Kinder zum heiligen Abendmahle vorzubereiten.. Er, voll vvn den erhabensten Religisnsgefühlen, die er vor« nähmlich aus den Schriften des neuen lLestamen- tes schöpfte, ließ keine Gelegenheit unbenutzt, das, waS er selbst empfand, auch in die Herzen der Seinigen zu ergießen. Eine der paffen sten Veranlassungen dazu schien ihm nun die Begehung des hl. Abendmahles zu seyn. Er hielt daher eine Anrede voll christlichen Gefühls, voll Warme, voll innigster Rührung. Es war ihm nicht gegeben, etwas nur halb zu thun. Ohne daß er es sich selbst bewußt war, erhob er dabey die Stimme so sehr, daß ihn einer seiner Freunde an die Mäßigung derselben erinnern mußte. Aber, leider! die Erinnerung kam zu spat. Denn noch hakte er seine andringende Rede an die gerührten Schüler nicht vollendet, als er plötzlich von einem BlttlanSwurfe überfallen ward. Er schien zwar von geringer Bedeutung zu seyn: allein er war, wie wir bald sehen werden, für sein ganzes Leben entscheidend. Ja. eS war der eigentliche Anfang seines Leidenlebens! Nach dem ÄuSipruche deS Arzics mußte er sich auf diesen Vorfall von seinen Schülern trennen, die ihn wie ihren Barer lichten, und deren Bildung ihm auch gleich einem Vater am Herzen lag. Die nun erübrigte Zeit ward seiner Gesundheit und der Fortsetzung seiner Ska- dien gewidmet. Diese betrüvke Lage war es, wo er sich aus Wisers Mund durch Lehren der-rseiv- heil stärkte, und durch ein edeimnrhiges Besra- gen sich dessen auSgezeichiicte Zuneigung erwarb. Dieser menschenfreundliche Lehrer fiößre ihm Geschmack an der höher», heiligen Dichtkunst ein, und beförderte.seine weitere Ausbildung ia der Geometrie. Doch diese rüstigere, mit mancherley Freuden der Freundschaft gewürzte Lebensart, war von zu kurzer Dauer. Wiederhohltt Anfau^des Blutanswerft'nö erinnerten,ihn, daß der'Leg, der seiner wartete, kein Roscnweg. sondern ein Dornenpfad des Leidens sey. Ein Glück für ihn, daß er sich bey Zeiten mit der«korke, die daS Chnstenihnm und die Philosophie gewährt, da- gegen ausgerüstet hat!, Indeß haste er seinen philosophischen Eurs vollendet. Sein übler Zustand machte nun einecho lange Pauke, daß er das Ausehu hakte, als war. de er wohl nimmer zurück' kehre,!. Man ubersey- ke ichu also in das L öwen burg isch e C o u o r^c k. ein den Piaristen zugehöriges Erziehungshaus in der I osep hstad t, wo ihm ein junger Herr v"» Tralknsrn zur Erziehung übergeben wurde. Da hatte er nun ein offenes Feld, des Gnien die Menge in das Herz dieses hoffnungsvolle., e- veu auszusäen. Er ließ eS sich sauer werden. Denn wahrlich, eS bedurfte keiner genügen Vorbereitung, ehe mau guten Samen ohne«cbadcu ausstreuen konnte. Bald fand ct auch seine Bemubungen dadurch hinlänglich belohnt, daß er bey feinem Zöglinge mir dem Wachsrhume des Körpers auD einen merklichen Zuwachs an Kenntnissen wahr» Z2---- nahm. DaS Erste ward durch eine natürliche Le- Letzteres vorzüglich durch die Statische Mctyode bewirket— eine Lehrark, in welcher durch geschick.e Fragen der Schüler dahin ge. bracht wird, alle diejenigen Lehrsätze selbst zu erfinden, die ihm sonst nur als eine Last des Gedächtnisses aufgebürdet werden. Wie innig un- ftrm Adalbert das Aufstreben des jungen Geistes, seine Wißbegierde, sein immer reifer wer- dcudeS Urtheil erfreute, daS mögen seine Freunde bezeugen, denen er diese freudige,! Empfindungen nicht selten mit thrauenbenetzken Augen mittheilte. Wahrlich der einzige Loh» deS Edlen im Weinberge der Erziehung! sx Lbeure Jünglinge! versaget dieses süße Ge. schenk, diesen einzigen Dank euren Lehrern nie! Allein wie sollet ihr eS anstellen, daß eure lieben Erzieher Trost und Wohlgefallen an euch finden? Fraget euer Herz. Dieß wird euch diese Frage hinlänglich beantworten. Doch alle, welche mit dem Hosmeisterlebcn vkkLlNN! lAkrtt EklNUkNI einsehen, daß ich die Lage unsers Lsers hier nur von der angenehmen Seile vorgestellet habe. Eure Menge Ncckereyen, denen er ausgesetzet war. wurden mit Stillschweigen nk ergangen. Doch gerade diese machten auf sein gefühlv-W's Herz den ti-fsten Eindruck-, und er würde ihnen bald ganz haben unterliegen müssen, wenn nicht die freimdickafllichc Theilnahme zweyer gutgesinnten und kci ntnißreicheii Geistlichen ihn wieder auige- l ätke. Nie konnte er inir ohne dankvoller Ri'brnna einen ch. Durst ard Beck und P Theodvsius Mösche,(die Nahmen dieser menschenfreundlichen Wänner) nennen. Sie find es, setzte er oft hinzu, die mir mein Daseyn crlra- Z.3 gen und versüßen helfen. Der Himmel lohne es ihnen! Um diese Zeit mußte er öftere Landfahrtcn mit seinem Eleven vornehmen. Die damit verbundene Ersckütkcruiig, und der Genuß von Spei» sen und Gelranken, die ihm nicht gedeihlich waren, weil sie vielleicht von der Natur zu sehr abwichen, untergruben seine Gesundheit von neuen. Er bekam wieder oftmahlige Rückialle seines be- trübten Zustandes, der sich von Zeit zu Zeit verschlimmerte. Za, ein Mahl ward er durch einen plötzlichen Bluksiurz schon so weit gebracht, daß Arzt und Umstehende an der Erhaltung seines Le- bens zweifelien. Er selbst hielt nun seinen Tod für gewiß. Und glaubt ihr, es habe dieß die Ruhe seiner Seele erschüttert? Nein, er blieb standhaft und gelassen, und bereikeie sich mit heiterer«Stirne aus seinen baldigen Ucbergang aus diesem in jenes Leben vor.„Und woher kam ihm diese „Stärke, diese Gelassenheit?" hör' ich einige auS Euch fragen.— O m-ine Lieben! von etwas, das Millionen im Munde fuhren, wenige richtig begriffe» haben, und noch wenigere besitzen— von der göttlichen Religion, das heißt, von jener herzerhebenden Vorstellung von GoneS weiser Vakergüle, aus welcher wir alle Pflichten, Freuden und Hoffnungen des Lebens zu schöpfen haben. Diese Vorstellung leitete ihn bisher, und verließ ihn auch nun in dem gefährlichsten Auftritte nicht.„Ich mag leben oder todt „seyn— also bethete er— so bui ich, v Gott! „immer in deinem unermeßlichen Reiche. Du „aber bist ewig mein Vater. Sollst du mir's „übel gehen lassen, wenn ich nach meinen schmauchen Kräften deinen Willen gethan habe? Und GaheiF N/Kinderhibl. tV. B. T „auch meine Fehltritte wirst du, als ein guter „Vater, Nur deinem irrenden Sohne vergeben. „Dir also, dir allein kraul meine unverzagte See- „lc." Schöne Gesinnungen und würdig, meine Leser! daß Jbr sie Euch nebst den moralischen Trostgründen für die Stunden der Trübsale zu eigen machet! Dock es gefiel der Vorsehung noch nicht, ihn in das Land der Seligen abzurufen. Er genas wieder. Freylich nicht so, daß er sich mit Zuver. ficht auf eine fortdauernde Gesundheit halte Rechnung machen können. Vielmehr hielt er es für ziemlich wahrscheinlich, daß der Keim einer Abzehrung in seinem Junen, fitze, der langsam sich ausbreitend ihn unter ganz neuen Leiden zum endlichen Ziele aller Sterblichen bringen würde. Doch suchte man ihn des Gegentheils zu überreden, aus Besorgniß, es möchte sich eine ängstigende Traurigkeit— gemeiniglich der schlimmste Zufall für die Leidenden dieser Art—- seiner bemächtigen und ihm den Rest eines Lebens, das er erst zu leben anfangen sollte, gar zu sehr verbittern. Auch war dieß lange von erwünschter Wirkung. Aber da die Anfälle des Blutauswurfts noch immer wieder zurückkehrten, und manchmahl sehr gefährlich zu seyn schienen: erwachte in ihm der Gedanke: ob es für ihn nicht zuträglicher wäre, seinen Stand zu ändern. Er theilte diesen Vorsatz seinen Freunden mit. Diese und selbst der Vorsteher dcS ErziehungshauseS, der ihn sehr menschenfreundlich behandelte, billigten ihn vollkommen, in der Vermuthung, daß die bessere Luft seiner Vaterstadt, eine geschäftfrepe Lebensart, und die sorgfältigere Wartung im äkerli- chen Hause ihm besser zu statten kommet, würde. Doch darin hatte man sich geirrt. Dein! als Adalb e rt den r. Septeinber r/ZL dasDrdens- kieid, und mit demselben den erhaltenen Nahmen ablegte, und dann voll Zuversicht dem väterlichen Hause zueilen wollte: fand er die Verhältnisse daselbst so verändert, daß er sein Vorhaben wieder aufgab, wiewohl er dadurch in die äußerste Verlegenheit gerteth. Allein Oser suchte sich, so gut er konnte, daraus zu helfen. Voll Vertrauen aus Gott und in der festen Ueberzeugung, daß ein Mensch, so lang er nur noch einiger Maßen Kopf oder Hau- de brauchen kann und— will, zur Verschafflmg seines Unterhalt s sich selbst genug ist, entschloß er sich, seines kränkelnden Zustandes ungeachtet, zu arbeiten. Zu dem Ende kehrte er wieder nach Wien zurück, miethete sich bey einem alten Bedienten in Bett und Kost, und trat in der von Lraktner- scheu Buchdruckern) die Stelle eines Correclors an. Die Beschäftigung eines Correctors ist, die ersten Abdrücke der Bücher zu lesen, alle Druck« fehler zu bemerken und sie mittels gewisser Zeichen zu verbessern. So einförmig für den denkenden Mann dieses Geschäft auch ist: so widme, le er sich demselben doch mit aller Genauigkeit. Nur Schade! daß ihm das beständige Sitzen in einem von Farbengernch erfüllten Zimmer nicht so wohl bekam, als er sich's wünschte. Auch seine Augen, von so mancher Thräne und vom vie« len Lesen ohnehin schwach, litten bey dieser Beschäftigung ungemein. Er nahm,' wie am Köroer, so an Heiterkeit des Geistes zuschens ab. Was seinen Muth völlig zu Boden drückte, war, daß er nach einigen Monathen abermahls Blut erbrach- Dieß griff ihn denn so sehr an, daß er Z6'' bettlägerig wurde. Wie konnte er sich nun etwas zu verdienen hoffen, da er seiner Arbeit nicht mehr vorzustehen vermochte? Doch— zum Ruhme des Edlen Herrn von Lr a ttner n sey eS gesagt!— Dser erhielt seinen unverminderten Gehalt, so lang seine Krankheit dauerte. Sie war aber nicht seine letzte Krankheit. Er erhvhlle sich nach einigen Wochen wieder. Er konnte zwar das Bett verlassen, aber noch nicht seine ehemahlige Beschäftigung übernehmen. Es wurde ihm unterdeß eine dem scheine nach leichtere Ar« beik übergeben. Er sollte die k. k. Verordnungen in geistlichen Sachen in die lateinische Sprache übersetzen. Er widmete sich dieser Arbeck mit großer Lust und seiner gewöhnlichen Geschicklichkeik. Vollenden aber konnte er sie nicht. Denn kaum verflossen etliche Wochen, die er bloß als dieZeit seiner Erhohlung ansah, als ihn sein obiger Zustand abermahls ins Krankenbett warf.— Denke Dich hinein, theilnehmender junger Leier! wie niederschlagend es für ihn seyn mußte, vom Rande der Lebenshoffnung so plötzlich znm Abgrunde des Todes hingcschleudert zu werden!— Zum Glücke fand er einen Freund, der statt seiner den Rest der Uebersehung auf sich nahm, und ihm das Eh- vengeid dafür überließ. Eben dieser Freund führte ihm auch den berühmten Doctor Groll zu, der ihm großmüthig unentgeltliche Hülle leistete. Aber leider machte er dem anhänglichen Freunde deS Patienten sehr bald die unangenehme Entdeckung, daß das Lebensziel des armen Kranken kaum noch auf Mv- nalhSfrist hinausgesetzt sey.— Von der Stunde an war man darauf bedacht, ihm die letzten Ta- ge seines Aufenthalts hiernieden so harmlos, als möglich, zu machen. DaS Lodesurlheil des Arz- kes mußte man in hoffnungsvolle Ausdrücke verwandeln, man tröstete, man ermunterte ihn, so wie man auch durch Erzählungen oder Voriesun. gen geistreicher Bücher sein Schicksal zu mildern suchte. Es hatte dieß, so wie es seinen Geist mit der erhabensten Ruhe erfüllte, auch für seinen Körper eine erquickende Wirkung. Er verließ nochmahl das Krankenbett.— Woher aber nun Unterhalt nehmen? Denn da er bey diesem so schweren Anfall seiner Krankheit die von Lratknerschen Arbeiten gänzlich aufgab, so war er nun ganz ohne Bedienstung, ganz brotlos. Woher sollte er also Miethe, Arzeneyen und Wartung bezahlen? — Eine schwere Aufgabe für einen kranken jungen, erwerblosen Mann! Aber die Vorsehung, die auch des Sperlings auf dem Dache nicht vergißt, brachte seinen Freund, der ihm nie von der Seile kam, auf einen Entschluß, der retten konnte. Er veranstaltete in dieser äußersten Noth eine Sammlung von seinen eigenen und des Kranken Gedichten^ um sie an ei- neu Buchhändler zu verkaufen. Schon war die Arbeit der Beendigung nahe, so wie auch die Hüiflosigkeit den höchsten Grad erreicht hatte: als plötzlich ein anderes, noch dauerhafteres Reltuugs- Mtltel erschien. Sein Freund und Lehrer, der zu edclmukhi- gen Handlungen berufene P. Wiser, belachte den Kranken unablaßig und trug durch seine salbungsvollen Reben und Vorlesungen gewiß nicht wenig dazu bey, daß er sich so oft wieder er. höhlte. Kaum vernahm er die gegenwärtige höch. sie Noth unsers Osers, so ließ er sich's angelegen seyn, mit den Worten eines tröstenden Priesters auch die Werke eines thätigen Men- ZS schenf'-i-nndeS zn verbinden. Bald kam er mit Dem Vorschlage für den Genesenden: Unterrichts, stunden zu geben. Sse r, der sich dazu nach für kräftig genug hielt, nahm ihn au. Es wurden ihm zwey Condirivnen, eine bey einem gewisicn Herrn v. Seyfrird, und die andere bey et. «cm Herrn Winkler vermittelt. Er bekam gut- artige, wohlgesittete und wißbegierige Schüler, die ihm durch ihren Fleiß, Gehorsam und ihre Anhänglichkeit an ihm viele Freude machten. Auch ihre Aeliern, die selbst in der kranken Hül. le die edle Seele des jungen Mannes bald erkannten, überhäufte» ihn mit vielen Wohlthaten. Nicht selten, wenn er diese seine seligsten Lage, wie er sie nannte, seine» Freunden erzählte, standen ihm dankbare Freude- thränen im Auge- — Des Himmels Segen über das Geschlecht dieser Edlen! Seine Kräfte nahmen nun immer sichtbarer ab. Er fühlte sich kaum mehr im Stande, den Weg von der Iosephstadt in die Alstergas. se zu seinen Zöglingen zu machen. So oft er nur über eine kleine Anhöhe zu gehen oder über eine kleine Treppe zu steigen hatte, befiel ihn jederzeit ein anhaliender, beschwerlicher Husten, der nievis Gutes prvphezcyle. Er faßte daher den Entschluß, noch ein Mahl zu versuche», ob er nicht doch im väterlichen Hause eine Herberge fände. DoM seinem Wunsche kam die Einladung seines Vat-'rs zuvor. Lser reisetc nach KremS ab, ward von seinen Aeltern wohl empfangen, und erhohlie sich wieder so, daß er im Julius -786 aberirmhis>m Stande war, nach Wien zu re-ftn, um sich seinen Unterhalt selbst zu erwerben. Nun g.ftllke sich zu seinen vorigen Uebeln ein neues. Die Melancholie, jener traurige Vor- Z- bsthe für kränkelnde Personen- bemächtigte sich seiner in sehr hohem Grade. Nichts war mehr im Stande- ihn zu erfreuen. Tiefsinn und Ernst und gänzliche Niedergeschlagenheit lag in seinen ermatteten- sonst so geistvollen braunen Augen und ant der sonst so heitern Stirne. Dieser Anblick erschütterte alle- die ihn ehmahls gekannt haben und ihn nun wieder sahen; am meisten seine Freunde. Dazu kam bald darauf ein Blut- sturz, heftiger als alle vorigen. Dieser schlug nun völlig seine letzten Hoffnungen darnieder. Aus Mangel an allem- was einem Patienten so nöthig ist, ward er gezwungen, den r r. Hornung 1787, seine, ach! letzte Reise nach seiner Vaterstadt an- zutreten.-,, O Ihr unter meinen Lesern! die Ihr nichts wisset von Noth, Krankheit und widrigen Schicksalen, denkt euch in die Lage unsers Freundes! Denkt, wie ihm zu Muthe seyn mußte, sich zum eigenen Erwerb des Seinige» zu schwach zu fühlen, den unvermeidlichen nahen Tod vor Augen zu sehen, mehr als halbkrank— im Winter— ohne Freund, ohne Tröster-— eine Reise von 10 Meilenauf einem erschütternden Wagen zu ma- chen; und dieß bloß, um sich dem Orte zu nähern, wo die Babn femeS so kurzen Lebens ein Ende nehmen sollie. Denkt euch in diese Ge- müthsverfassung, und lernet eure vollen Kräfte, eure glücklichere Lage und den Werth eurer Gesundheit schätzen und anwenden. Als er ankam, fand jedermann die Kenn- zeichen des sichtbaren Todes auf seinem Gesichte gezeichnet. Er erhielt nun alle mögliche Wartung, besonders von seiner treuen, zärtlichen Mutter. Aber es war schon zu weit gekommen. Bon Tag zu Tage ward er schwacher. Doch zeigte ev 40- dabey eine so bewunderungswürdige Geduld, daß alle, die Zeugen derselben waren, davon erbauet wurden. Selbst in diesem letzten Zeitpunc-e sei. neS abfließenden Lebens erwarb ihm seine schöne Gemüthsart noch rechtschaffene Freunde, die ihm Trost und alle mögliche Erleichterung verschafften. Der P. Reckvr des Plansten- CollegiumS m Krems, und ein Clerikus dieses Ordens, G. Peyfuß zeichneten sich hienn vorzüglich aus. Groß sey ihr Lohn dorr, wo Edelthaten im Stil. len gewirkt, von dem Allsehenden durch sich selbst belohnt werden!— Allein Oser war für andere Freunde, für andere Seligkeiten,»!, andern Gegenden bestimmt. Er starb— in der Nacht voin 4. zum L. May 178?, da alles schlief. Um 12 Uhr Mitternachts erhielt er von seiner Mutter noch Medicin; und als man sie ihm um 2 Uhr wiedcrhohlen wollte, fand man ihn, die eine Hand unter den Kopf gelegt, sanft verschieden. Der Gute hak sie rühmlich überstanden die tausendfachen Kämpfe, welche Krankheit, Pflichterfüllung, Nahrungssorgen und fremde Vorurcheile ihm bereiteren. Selig der Tod dieses Gerechten!O weiht ihm eine stille, dankbare Thräne, Ihr alle, denen er einst Unterricht ertheilte, und die ihr vielleicht nun zum ersten Mahle Nachricht von seinem Schicksale erhaltet! Er starb zum Theil als ein Opfer seines Eifers für euch. Wie oft war der Herausgeber dieser Schrift auch noch in seinen letzten Tagen Zeuge von seinem Eifer, wenn es den Unterricht der Seinige» betraf! Er streng, te sich immer zu sehr an Denn er halte Ehrge. fühl bis an sein Ende,»nd er hakte einen hohen Begriff von dem, was Pflicht heißt. Möge er denjenigen meiner Leser, welche ihn nicht kann» ten, wenigstens als ein Beyspiel der Skandhaf. liqkeit im Leiden, der Gewiffenhasugkcil m Erfül» lung seiner Obiiegenheiten. und des schönsten Vertrauens auf die alles lenkende Vorsehung achkungs« werth und nachahmnngswürdig seyn! G. Ein Vater an zwey Kinder- br'ißes Mädchen, holder Knabe, Spielt nur, spielt in meinem Schovß, Wenn ich euch in Armen habe, Bin ich wie ein König groß. Euer Stammeln, euer Lallen, Ist für mich Beredtsamkeit; Euer Wunsch, mir zu gefallen, Innige Zufriedenheit. Wenn mich eure Händchen streicheln, Sanft mir euer Auge lacht: L> so hab' ich auf das Schmeicheln Einer ganzen Well nicht Acht. Gern misch' ich in eure Spiele Mich mit milder Nachsicht ein; D des Glücks, das ich dann fühle. Wieder einmahl Kind zu seyn! Ja, geliebte zarte Beyde, Tausend Mahl umarm' ich euch! Immerdar sey eure Freude Eurer jey'gen Freude gleich! Unschuld wohn' in euren Herzen, Keine Bosheit tödte sie! Ihr könnt singen, tanzen, scherzen; Nur verscherzt die Lugend nie. Weiß x. Der Türk und sein Sclave. §)er mächt'ge Hussan saß einmahl Bey Tafel, als der Sclaven einer Ihm eine Schussel brachte Mit Reis, der fast noch siedend war. Dem Sclaven wixd's zu heiß. Nicht einen Augenblick Kann er sie langer Halten. Die Schussel fallt, und ach! sie fallt Dem mächl'gen Hussa« auf den Kopf Ergrimmt sieht er den Sclaven an; Doch dieser fallt ihm gleich zu Füßen Und spricht mit festem Muthe Aus seinem Alkoran:*) „Für die nur, strenger Herr! Die ihren Zorn chemeistcrn, „Ist einst das Paradies- Ich bin nicht zornig mehr, Antwortet Hussa» kurz. Sclave. „Und denen gern verzeihen, „Die uns beleidigt haben. Das Glaubensbuch der Türken. Hussan. Auch ich verzeihe dir. Sclave. „Doch liebt Gott die vor allen, „Die Böses selbst mit Gutem lohnen." Und Hussan— hört es, Kinder! Und Hussan reicht ihm freundlich Die Hand, um aufzustehn; Schenkt ihm die Freyheit und darneben Noch hundert LyMenthaler. Und dieser Hussan,— merk'ts! War nicht ein Cyrist, er war— ein Türke. W e h n e r t. Wer Thiere neckt, nimmt oft Schaden. §)>eß erfuhr Marx. Er zog oft die Katze beym Schwänze in die Höhe, daß sie erbärmlich miaute. Den Hund zupfte er so lange. bis er zornig wurde. Die Kettenhunde oder andere, die über den Zaun nicht zu ihm komme» konnten, warf er mit Steinen. Auf die Kühe und Schweine schlug er, wenn sie vorbey gingen, derb zu; und das, weil er seine Lust daran hakte. Die Gänse und Aenlcn jagte er oft vom besten Fulter über Garten und Zaune weg. Sogar das geduldige Lamm- chen fing er bey der Wolle, und riß ihm welche aus. Necken st. reihe»; derb st. rechtschaffen. 44 Da wollte er auch einen Bock beym Barte zausen; aber dieser versetzte ihm einen so heftigen Stoß, daß er zu Boden stürzte. Er fiel auf einen Eckstein, schlug sich ein Loch in den Kopf, daß man lange das Blut nicht stillen konnte, und litt große Schmerzen. Er mußte sehr lang mit verbundenem Gesichte gehen, und hat noch heute die Narbe als ein Zeichen seines grausamen Herzens im Gesichte. L. Chimaur. Wechsellied bey der Arbeit. Mädchen,§eind der nützlichen Geschäfte, Müßiggang! sey uns verhaßt! Knaben. Räuber aller edlen Kräfte, Mache dich zur Flucht gefaßt! Zusammen. Dich zu meiden, dich zu scheun, Uns am Fleiße zu erfreun, Ja, das kann dem Kinderleben Anmuth und auch Stärke geben. Mädchen. Wer die Arbeit nie beginnet, Dem wird Zeit und Weile lang; Knaben. Wer zum Zehren nichts verdienet, Den verzehrt der Müßiggang. Zusammen. Gib uns täglich Kleid und Brot, Herr! und schütze uns vor Noth! Narbe st. Schramme. Ja du thust'S, wenn deinen Willen Wie in Thätigkeit erfüllen. Mädchen. Traurig ist des Tragen Seele, Jahre denkt er unbenützt. Knaben. Wacht nie auf, wenn bis zur Kehle Er auch schon im Elend sitzt. Zusammen. Stets der Arbeit eingedenk, L>ey, statt Last, sie ein Geschenk. Fleiß weiß alle Welt zu schätze»; Immer soll er uns ergehen. Mädchen. Erntearbeit lohnt mit Früchten, Reine Freude quillt daraus! Knaben. Nach Erfüllung uns'rer Pflichten Ruhn wir doppelt süßer aus. Zusammen. Sagt dir dein Gewissen an: Treu ist deine Pflicht gethan! Streckst du Abends deine Glieder Fröhlicher auf's Lager nieder. Mädchen. L> wie strömet zu dem Höchsten Ucberall mein Dank nicht hin, Knaben. Wenn durch Arbeit meinem Nächsten Nützlich ich gewesen bin! Zusammen. Feurig ist dann mein Gebeth, Wen» das Herz zum Schöpfer steht: Großer Gott! schenk allerwegen Meinem Fleiße deinen Segen! F. Gab er. 4Ü Der stolze Knabe ^igmund that auf seinen Adel recht hoch. Er hielt Leute vom Bürgerstande gar gering gegen sich. Wenn ihm jemand von diesen, den er kann. te, auf der Gosse begegnete, und nicht von ferne den Hut abnahm, so nannte er ihn grob; wenn ihn ein anderer auch freundlich grüßte, so rückte er kaum den Hut, oft dankte er ihm gar nicht. Kindern von geringerem Stande, wenn sie chn noch so höflich anredeten, gab er nie eine freundliche Antwort; ja er schämte sich mit ihnen zu re« den. Vom Gesinde verlangte er alles mit gebie- therischem Tony, und dankte ihm niemahls; d.-nn er hielt ev für Erniedrigtnd, einen Bedienten um eine Gefälligkeit zu bitten, und ihm dafür zu danken. Kam ein gemeiner Mann.G schatte wegen zum Papa, so guig er mit veracht!.cher Miene vor ihm vorbey. Fragte ihn dieser, ob der Papa zu Hause wäre, so war ein trotziges Ja! oder Nein! die ganze Antwort. Ein Taglöhner brachte ihm einst sein Schnupftuch»ach, das er verloren halte.„Ja, es gehört mein" war alles, was er mit stolzer Miene sagte. Erzählte man von jemanden eine edle That. so sagte er:„Der muß gewiß vom Adel seyn!" Denn er glaubte nicht, daß auch der Laglöhner ein cdleS Herz haben könne— Aber kttn Mensch war auch Sigmunden gut; überall redete man wenig Gutes von ihm. Niemand erwies ihm gern eine Gefälligkeit. DaS Gesinde that ihm nur. wozu es verbunden war, und dieses nach seinen Brudern und Schwestern ihm zuletzt. Kinder, auch vom gleichen Stande, 47 gingen nicht gern mit ihm um. Mau wich ihm "b"a1l aus; zuletzt grüßte ihn fast niemand meLk E der Gasse, und er selbst hörte es. daß me^ öffentlich von ihm sagte: Da geht der flolrs Hinge Graf!> L. Chima u i. Der bescheidene Knabe. ^aroil Friedrich dachte: Mein Hofmeister sagt:.-del von Geburt allein ist kein wahrer Vor. zug. Aber verbunden mit Kenntnissen. Geschick- uchkeiten und edlen Handlungen kann er sich die Hochachtung und Liebe vernünftiger Menschen erwerben. Darum war Baron Friedrich sehr fleißig, um nutzirche Dinge zu lernen. Mit arbeitsamen Handwerkern und Landleu. ken redete er gerne von ihren Arbeiten; denn er sagte:„Auch von diesen kann ich etwas lernen." Zm Garten fragte er den Gärtner bald von diesem. bald von jenem Gewächse: wie es gepflegt werde und zu was es diene; und dankte ihm liöf- ich für die Belehrung. Die fleißigen Dienfllenke im Hause in-atzle er, und redete manches Viertel,lundchen freundlich mit ihnen; er that ihnen auch gerne was zu Gefallen. Den Armen trug er von seinem Spargelde oder von seinen Aelkern e,n Allmvsen hinaus und redete sie freundlich an. Einem Handwerker, der sich Obst kaufte, fiel ein Geldstück auf die Erde. und rollte, ohne daß er es bemerkte. weit von ihm weg. Baron Friedrich, der es sah, hob es auf und brachte es ihm entgegen. Mit liebreicher Miene grüßte 48 er alle Leute, die er kannte, und dankte dem zerlumptesten Bettler für einen Gruß. Kinder von gemeinem Stande, die sittsam und fleißig waren, bath er mit seiner Aeltcrn oder seines Hofmeisters Erlaubniß zu sich, unterhielt sich mit ihnen, und entließ sie niemahls, ohne daß sie von ihm gelernt hätten oder ein Geschenk eihiclten. Allen, auch den gemeinsten Leuten, begegnete er mit Achtung. Er schäyte die Würde eines Menschen an einem jeden. Alle Leute liebten dafür Friedrichen, und achteten ihn als einen vernünftigen Baron sehr hoch; jedermann diente ihm mit Freuden und suchte ihm Vergnügen zu machen. Sein guter Nahme und alle seine guten Eigenschaften verbreiteten sich so sebr, daß er bald von allen Hofmeistern andern Kindern zum Muster angcrüpmk wurde. L. Chimani. Die Überschwemmung. flacht weit von dem Schlosse des Freyherr« von Strcnberg war auf einer großen Wiese ein artiger Hügel. Darauf war cin einsames Hükl. chen gebauer, woran ein Gäncken stieß, und in der Runde standen etliche Obsibäume. Diese machten de» größten Reichthum der armen Familie auS, die in dem Häuschen wobnle. Es war ein aller Invalid mit seinem Weibe und zwey lieben Kindern. In einer Schlacht hak- te der Mann dem Freyherr« von Skrenberg das Leben gerettet. Ein feindlicher Husar führte eben einen mörderischen Hieb rückwärts auf lSSMNMKMKWW-S^WW^MWü»§»-!-^ » N^L-E -^^M"H-^ ü K« ME7-^ «MW Z L LN.LÄMZK ^7-- - - 7/7-,7-7 !'>. ^^ELkL Zulage^^'""no lebenslängliche .-^/'u Hügel floß ein Canal, der durch w"? An"d"e""'Wen Strome ac- pfla.fch^""Hk^l'-br--efen Canale pftegicn sich die Kinder des Invaliden ött--« ,» Ä-"!!»s» w..!»' G. öder n>mr I?^^'' Sohn deS >»-« L"7'pL""'"°°""'°f. ,»X^«ld machte!! sie sich eine künstliche Mükle ßc glatte Steine über die Oberfläche wen das^^----inem Schifft wen, das an einem langen Seile befestigt ,,,ae hin und her, oder banden eine Menge Bindfaden> denen sie kleine Segelschiffe be. festigten, die sie durch den Wuid forttreiben ließen und dann wieder an sich zogen. Kurz, sie machten Schadem^""t"^'uugen und hükhcten sich vor nalid^"^''^Mahl durften die Kinder deSJn. da„i d das Schloß kommen, und'sich ttn^"ON bald im Garten, bald im.flaliiial,e',z,,inner, bald auf dem Saale, bald tti dein Wäldchen unterhalten. lo ersann ihnen Hr. Geist- ""-- FO—'7' Zkach dem Spiele lernten sie gewöhnlich mitsammen..^^ Dadurch gewannen die K-nder einander so lieb, a!S wenn sie leibliche Bruder gewesen wären. Wenn Baron Joseph nur durch zwey Lage seinen Franz und Carl nicht sah, so frevele» ihn auch seine liebsten Sachen nicht und er fragte immer: Wann meiden denn meine lieben Gespielen wieder kommen? Eben so ging es auch den Kindern des Invaliden. An einem Februortage schien dw Sonne überaus lieblich, und wegen der lauen Winde, die das nahe Ende des strengen Winters verkündig, tcn, schmolz schon lange viel Schnee von denBer- gcn. Der mit dickem Eis bedeckte Sirom ward immer mehr mit Wasser erfüll!, und schon seit acht Tagen glaubte man stündlich, das-Eis würde end- lich brechen. Und weil es dabey gewöhnlich eine Ueberschwcinmung absetzte, so war an dem Häuschen des Invaliden ein Kahn in Bereitschaft, auf dem er das vorbey rinnende Holzwerk auffing, wenn der Eisstvß im Gange war. Die Leute selbst hatten keine Gefahr zu befürchten, weil feit Mannsgedcnken das Wasser nie über ihren Hügel drang. An diesem schönen Tage belustigten sich die drey Kinder froh miteinander, sie maebie» Schneemänner, oder liessen große Schneebälle von dem Hügel hinab rollen. Der verständige Hofmeister machte selbst alles mit, belehne die Kleinen bey jeder Gelegenheit und vermehrte ihre unschuldigen Freuden. Schnell verging dieser frohe Tag, und zärllich, wie gute Freunde und Krüdcr, schieden sie, als cS Abend ward. D s 5- Um Mitternacht hörte man im Schlosse ein Brause" hinter den Auen. Alle Leu. ke, leibst die gnädige Herrschaft wurde darüber wach; man eitle aus den Thurm, umzu sehen was es gebe. Aus dem ferne» Gekrach/uud Ge' polter mukhmaßte mau bald, daß das Eis des brechen würdet^'^oß etwa los. Es war eine überaus heitere Nacht. Die Sterne glänzten ,n ihrem funkelnden Lichte an Himmel, und am westlichen Rande kam der liebliche Mond hinter einer Wolke hervor. Baron Joseph rieb sich den Schlaf aus den Augen und bath Herrn Geistreich ihm wieder viel Schönes von den Sterne,, und dem Heben Gölte zu erzählen, der sie erschaffen hat K'nderfreund erfüllte mit Freuden 0^^"le ieines geliebten Zöglings, a- kaum redeten sie eine Weile, so sahen sie schon die ganze Wiest- vor dem Schlosse mit Wasser bedeckt. Der Mond spstqelte sich zitternd darin. Ein Blick auf die Hülle der Ehrmaun- scheu Famil.e entdeckte ihnen, daß auch ihr Hügel schon um und um mit Wasser umgeben, ihr einziger^ahn weggeschwemmt, und die Fenster ihrer Stube beleuchtet seyn. Die Gefahr hatte auch sie geweckt und man sah sie voll ängstlicher Bestrgniß öfters von einem Fenster zu in andern laufen und durch Hauderingen um Hülfe bitten. In dem Augenblick trat der Kutscher in das Zimmer veS lLchloßthurms und meldete mit gro. Ublost^'E'"'?^?as Wasser schon.n den ^chlohhvs dringe, der doch sonji bey lallen Ueber- ^'"nmungen verschont blieb, weil er so hoch Z2 „Web dem armen Ehrmann und seinem Weib und ihren Kinder»!" rief Baron Streu- berg nsitleidig auf-„Dringt das Wasser in den Sä-loßhvft so übersteigt es auch ihren Hügel, und reißt sie sammt dem Hüttchcn hinweg. Freunde macht, laufet eilig inS Dorf, rufet Leute herbey, helft, daß der Erretter meines Lebens nicht vor unsern Augen elendig zu Grunde gehe!" Joseph weinte, und schrie, und zitterte am ganzen Leibe. „Papa!— rief er ißt auf— dort am Dachfenster seh' ich eine Laterne!" Mein Gott!— schrien ißt aste zusammen— die Unglücklichen geben dieß Noihzeichen, sie bitten nm Hülfe; gewiß hat sie das Wasser schon aus der Stube verdrängt. Das Licht darin scheint sammt dem Tische umher zu schwimmen- Eilt, laßt uns retten! Untcrdeß kamen viele Bauern herbey. Der Baron versprach dem, der am ersten bey der Hütte ftp» würde, große Belohnung. Mein niemand halte das Herz, einen Kahn zu besteigen. Denn die Wolken verfinsterten zuweilen den Mond, und eS rannen auch schon große Eisschollen daher, wovon eine einzige wohl ein großes Schiff halle zerschmettern können. Allein das Geschrey der armen Unglücklichen ward immer durchdringender, und nm ihr Elend aufs hvel.sie zu bringen, so fing auch der rechte Flügel der Hütte zn brennen an. Als Baron Joseph die Flammen sah, riß er sich ungestüm aus den Handen ftines Hofmeisters los, stürzte in den nächsten Kahn, und rief mulhig aus:„Wer den Retter meines Va. lers retten will, der folge mir!"— Der erste war der Hofmeister- ihm folgte der alte Baron <3trenberg, den seine Gemahlin!, und Freun- de nicht mehr langer zurückhalten konnten-- ein rdelmuchiger Fischerjnnge sprang zuletzt hinein. ,.Mit Gort und gutem Muthe laßt uns Men. scheu retten!" rief der alte Baron auf; und so ^ Eand, arbeiteten sich durch die Flnthen und d-e furchtbaren Eisschollen mir ott. a'n"i,d kamen eben an, ale d-e^tunf an einer Dachthüre stehenden Personen mit^vdeöblaße jeden Augenblick erwarteten, da sie entweder von den Fluchen würden oer- km werden. l'^nd.a gebra- Eilig ließen sie sich in den Kahn herab, klam- Metten sich vor Angst und Freude zitternd an ih- re Erlöier an und ruderten dem großen im Gar. ten stehenden Nußbanme zu, der das L von dem Stachen abhielt. An dielen befestigten sie das Fahrzeug und m eben dem Augenblicke stürzte die brennende Putte unter heftigem Geprassel in die ^ bmab. Ein Schauer ergriff die Retter und die Geretteten, und unter Dank, Segnnn- gen und Gebeth zu Gott brachten sie auf d u Schiffchen den Rest der Nacht hin.^ Ais der Morgen anbrach, und sich die Men. gede^ Eises verminderte, versuchten sie, wieder znm Schloße zurück zu kehren.' Es gelang chnen ruckt ohne Mühe. Allein wer beschreibt die Aus. drucke der Freude der Familie des Barons? Wer die thräne,i des versammelten Volkes? p fthm!^»hebender Anblick, Menschenrette/zn K. S4°^' ' Ed!er Wunsch. Ei» Mann! Ein Mann! Ein braver Mann Wünsch ich mir einst zu seyn! Wer sich dieß Zeugniß geben kann, Nimmt alle Herzen ein. Ihn lieben Fürst und Vaterland, Der Menschen Lust ist er. Sein gutes Herz und sein Verstand Beglücken weit umher. Er handelt redlich, edel, gut. Aus Menschcnlicb' und Pflicht; Verbindet andre sich, und ruht Bey ihrem Elend nicht. Er gehet seinen grade» Weg, Gott und der Wahrheit treu; Kommt nur als braver Mann zum Zweck, Und nie durch Schelmcrcy. Ein Mensch seyn, ist sein liebster Ruhm Und durch Rechtschaffenheit Schafft er ein goldnes Säculum Den Menschen seiner Zeit. O wenn ich so ein Mann einst bin. Wie hoch beglückt bin ich! Des Höchsten Huld ist mein Gewinn, Und Engel lieben mich. Burmann. Die Gönne und die Wolken. Einige neidische Wolken verschworen sich, alle ihre Kräfte^ anzuwenden, um das Licht der auf. gehenden Sonne von der Erde abzuha-ten. Wie Berge drängten sie sich zusammen, und wirklich wurde unser Planet einige Stunden lang verdau- ' baß am heißen Mittag die Strahlen der Sonne senkrecht herab sielen- als auch die Rebe! verschwanden, und be-chamr sich in die Thäler verbargen. trittst du endlich hell hervor, Tugend und Unschuld, wenn dich lange geling die Bosiheil verhüllt hat! Meißner. Planet- Sohn. Lieber Vater! was ist denn ein Planet? Vater. DaS kann ich dir, lieber Sohn! letzt nicht so genau beantworten. Frag mich Abends darum. War Fritz vorher neugierig, so wurde er es mm doppelt. Las muß doch eine gar wnn. denichc Sache seyn, dachte er, wenn man nur erst Abends darum fragen darf.— Der sehnlich gewünschte Abend war nun da. Die Sterne glänzten am Himmel. Kein Wölkchen war an demselben. Eine heitere Stille, von, Hundegc- belle zuweilen unterbrochen, herrschte in der gau. zen Natur. Komm nun, mein fleißiger Fritz! sagte der Vater, nahm ihn liebreich bey der Hand und führte ihn in den Garten auf die kleine Anhöhe.— Da steh nun einmahl diese ungeheure Menge Sterne an. Aber gut, gut mußt du sie ansehen.— Bemerkst du nichts au denselben? Sohn. D das sind scköne Farben! Sehen Sie dort, Väterchen! der glänzt ja grü»!ichgo!den, wie das Johanneswürmchen! Dieser fast roch, jener hell und klar, wie neugeschlagenes Geld. Vater. Bemerkst du sonst keinen Unterschied? Sohn. Daß einige Sterne groß, die andern klein, und einige gar, gar klein sind. Vater. Sonst nichts? Sbhn(betrachtet ste ftbr genau.) I, Väterchen! waS ist denn das, einige zittern und blinken, ja, wie Feuerwerk, und dort ist einer so ruhig, so still, wie eine todte Laube— auch dort ist einer, was soll denn das seyn? Vater. Das sind Planeten. Sohn. Planeten sind also Sterne und Sterne sind Planeten? Vater. Nicht alle Sterne sind Planeten; nur die ruhrg scheinenden nennt man so; die blin- kernden werden Firsterne genannt. Sohn. Kftsterne?. Vater. Ja, und diese sind lauter Sonnen, wie unsere Sonne, und haben ihr eigenes Licht. Um diese Sonne drehen sich viele große, große Kugeln, die beständig so finster wären, wie es in einem Keller ist, wenn sie nicht die Sonne, welche die nächste ist, beleuchtete. Und diese finstern Kugeln sind die Planeten. Sohn. Aber hier im Garten ist's ja auch finster; so wäre der Garten auch ein Planet? Baker. Ja, ein Theil eines Planeten- Denn wisse, mein Sohn! unsere Erde, so weit duft- F-7 hl-n und„eben kannst, ist auch eine so dunkle K«. g-'l und muß marken, bis die Sonne so gimg ist, und eS auf ihr licht und wann macht- Sohn(verwundernd.) Eine Kugel wäre u». sere Erde? Vater- Nichts anders; wenn du dort auf dem Sterne wärest, und schautest Kerub, so mür. dc dir unser Haus, derGanen, die Straße, der Berg und alle, alle Häuser und Felder auch nur wie ein einziger Stern vorkommen. Und das nur, wenn die Sonne darauf schiene, und du die beleuchtete Seite sahest. Sonst würde sie dir gar wie nichts vorkommen. Sohn. Scheint denn die Sonne nun auch auf den artigen Stern dort, der gleich über dem Berge so schön glänzt? Vater. Wie könnten wir ihn sonst sehen? er ist ja auch— nun, rvaS ist er? Sohn. Ein Planet. Vater. Warum? Sohn. Weil er nicht selbst leuchtet, sondern von der Sonne muß beleuchtet werden. Vater. Warum noch? Sohn. Weil er kein stimmcrndes Licht hat. Vater. Richtig; und noch eine andere Ursache ist diese, weil er nicht alle Abend so steht, wie heute. Da merk dir einmahl die größten Fixsterne, die jetzt rund um ihn herum stehen. Im Zimmer merk sie dir ja? so auf dem Papier auf. In einiger Zeit wollen wir wieder heraus kommen, da wirst du sehen, wie er sich in ganz an. derer Gesellschaft befinde» wird. DaS thun die Fipsterne nicht. Wie sie heul neben einander stehen, so bleiben sie immer. Nur daß sich alle zugleich in gleichförmiger Geschwindigkeit in 24 5L Skunden von Morgen gegen Abend um die Erde zu bewegen scheinen. Sohn(eufschreyend.) Vater, Vater! dort ist Setter! Vater. Wo? wo denn? Sohn. Dort hinter dem Walde. Sehen Sie, wie's immer stärker wird. V a l e^. Närrchcn! das ist ja der aufqchen- deMond. Siehst du nicht schon ein Stückchen von seiner Kirgel? Sohn. Jetzt bin ich auch recht umsonst erschrocken.— Ist dieser Knabenschreckce auch em Planer? Vater. Nur ein Bedienter von einem an» der« Planeren, nähmlich von unserer Erde. Sohn. Ein Bedienter? Vater. NichlS weiter. Wo unsere Erde in diesem unermeßlichen Raume schwebt, da ist auch der Mond bey ihr. Bald rechts, bald links, bald vorwärts, bald rückwärts. Jetzt leuchtet er mit seinem, auch von der gnädigen Sonne erborgtem Lichte, bald eine Stunde, bald die ganze Nacht, bald gar nicht, bald bey Tage, da man ihn gar nicht braucht. Zudem irrt er, wie alle andern Planetenauch in die Kreuz und Quer die Fixsterne vorüber. Sohn. Es kommen mir die Planeten vor, wie die untreuen Lenke, die bald dort, bald da sind- Vater. Darum heißen sie auch Jrrsterne. Sohn. Ha, das ist hübsch! Wir wohnen auch aus einem Irrstem, nicht wahr? Vater. Ja; aber er laust darum doch so, wie er lausen muß. Kein Haar breit kommt er von seiner Bahn; sonst würde er bald mit den übrigen zusammen stoßen. Sohn. Gibt es wohl viele Planeten? Daker. Unzählbare. Denn jede Sonn-, nähmlich jeder Fixiern hak eine gewrffe Anzahl derselben zu beleuchten n.id zu erwärmen. Bey unserer Sonne hak man bisher 6 gezädlet. Su heißen: Merkur, Venus—das-st dort der sahne Abendflern!— dann unsere-Lrde. Dar>, Jupiter und Salurn Von diesem ül. chre man bisher immer, er sey am alle we c.sten von der Sonne weg. Ader vor-L Jahren. inst den iZ. März, hak ein Deutscher, Zladmens H e r r- schel, zu Bath in Enqlmd noch>i,un enid edk, der ebenfalls zu unsrer Sonne gekört. Er ist von ihr noch ein Mahl so weil, als Samen, entfernt, und hak 82 Jahre zu lhui,, bis er ei» Mahl um die Sonne kommt. Sohn. Mit Erlaubniß. Vater! daßichdr-in rede; geht unsere Erde auch um die Saune? Baker. Alle Jahre ein Mahl. Denk. und der Uranus, so hat man diesen neuen Planeren geheißen, braucht 82 I hre dazu. Sohn. Lieber Zarer! nnker Herr Gott hak doch erstaunliche Sachen gemach!. Man kann es gar nicht begreifen. Vater. Unbegreiflich, ja unbegreiflich, in-in Sohn! snid seine Werke. Äouuu, wir monen den Leute» im Z mmer erzählen was wu gesehen Naben, und in der Sülle unsern Gott anbechen. der solche Wunder gethan hat. G. ' Der Spaziergmig im Februar. ä)om schönen blauen Himmel dort, Da sollt' es wieder schncpm? -'s' 6o Das glaub' ich kaum, denn fort ist fort; Und doch könn's wohl so seyn. Scheint nicht die Sonne schon so warm? Lebt nicht schon alles auf. Und steigt nicht hier ein ganzer Schwärm Von Tulpenbrnk herauf? O welch ein Himmel über mir! Wie rein umher die Lust! So lau, als wenn im Sommer hier Im Busch der Gukuk ruft. Der Nußbaum blüht, die Tanne sproßt« Und auö dem Rasen dringt Hervor der Lämmer süße Kost; L> springt, ihr Lämmchen, springt. Die wilde Gans, der Kranich sah Längst unsre Fluren schon; Und horcht— singt nicht die Lerche da Mit frohem Jubelkon? Sie schweigt— O sing dein längstes Lied; Ich höre gern dir zu. Kein Vogel, eh das Veilchen blüht, Singt reihender, als du. Was seh' ich hier? Da guckt ja schon Ein Veilchenblatt heraus— Bald, bald sprach' ich dem Winter Hohn: Sei» Regiment sey aus. Vom schönen blauen Himmel dort, Da sollt' es wieder schney'n? —()! Eis, Schnee und Wolken sind ja fort; Und doch köiint's wohl so seyn. Fräul. v. H. Der Zornige Knabe. ^onrad durfte nur getreten, oder ein BiSchen gestoßen weiden, so wurde er gleich bkukrvth im Gesichte, seine Augen funkelten, er biß die Zahne über einander, und schlug wohb gar einen andern. Besah sein Bruder nur ein Bild, ein Buch, oder so etwas von ihm, so riß er es ihm auS der Hand und schalt ihn noch aus. Fand er seine Feder, oder sein Schreibcbuch nicht sogleich, so warf er im Suchen alles durcheil,ander, riß mit Gewalt alle Schranke auf, und zankte noch mit dem Gesinde, daß sie es ihm vom bestimmten Orte weggelegt hatten. Spielte er mit andern Knaben das Jäger, spiel oder ein anderes, wurde er gefangen und dabei) etwas unsanft angepackt oder niedergcwor. fen, so kninschte er mit, den Zähnen, zankte mit den andern, und schlug oft nach ihnen. Darum ließ ihn auch keiner grrn mitspielen, jeder sagte: Wenn C o nra d mitspielt, wird es nicht gut gehen; er wird gleich zornig, und fängt wegen kleinen Sachen gleich zu zanken an. Kein Mensch mochte ihn gern bey sich haben, weil man stch furchlrle, ihn unschuldiger Weise zum Zorne zu reihen. Er mußte fast immer allein seyn. Einst, da er wieder sein Federmesser nicht geschwind fand, wurde er wieder so unwillig; er warf alles durcheinander, er riß mit Gewalt die 6-2 W-—>—SS Schublade aus dein Kasten, woraus er seineschZ, n-nWaehssiguren hatte. Die Lade fiel herab, und >h«n gerade auf den Fuß, sie Quetschte ihm die Zehen lind alle Figuren lagen in Slücken zerbrochen da. Das haue er von seinem Zorne. L. Chimaui. Nachtwachterlied- 3br Nachbarn, hört und laßt euch sagen: Der Hammer bat zehn geschlagen. D-e Zerr zur Ruhe rückt heran; Wohl dem, der seine Pflicht gethan; Havt Ackk auf Feuer und Licht, Daß nirgends Schaden geschicht(geschieht); 's hat zehn geschlagen. Ihr Nachbarn, hört und lasst euch sagen: Der Hammer hat eilf geschlagen. Es schlafe süß in Dorf und Stadt,.' Wer Frieden im Gewissen hat- Ein bös Gewissen ruht nicht; ES bangt und naget und sticht. 's hak cilf geschlagen. Ihr Nachbarn, hört und laßt euch sagen: Der Hammer hak zwölf geschlagen. Die Geisterstunde ist vorbey. Man glaubt nicht mehr an Spukcrey. Schlaft wohl! In göttlicher Huth Schlaft es sich sicher und gut. 's hat zwölf geschlagen. Ihr Nachbarn, hört und laßt euch sage»: Der Hammer hat eins geschlagen. Dem Leidenden, der itzk noch wacht. Verkürze Gott die lange Nacht- Die Hoffnung starke sein Herz. Sie linden Kummer und Schmerz. 's hat eins geschlagen. Ihr Nachbarn, hört und laßt euch sagen: Der Hammer hat zwey geschlagen. Der Hahn erhebt schon sein Geschrey: Nun ist mein Rufen bald vorbey. Ihr liegt noch immer und ruht; Nicht jeder hat es so gut. 's hak zwey geschlagen. ^ Ihr Nachbarn, hört und laßt euch sagen; Der Hammer hat drey geschlagen. Lobt Gott den Herrn für diese Nacht. Er hat das Leben euch bewacht. Verschlaft die Stunden auch nicht, Sobald der Morgen anbricht. 's hat drey geschlagen. Aus C. F. Spliktegarbs Liedern zur Bildung des Herzens. Carl und Heinrichs Briefe über auriändische Gewächse, die wie sehr oft brauchen. Lieber Bruderl D Brief ist mir sehr angenehm gewesen; denn ich habe vieles darin gefunden, was ich 54 noch nicht wußte. Du hast mich auf manches aufmerksam gemacht, woran ich nicht dachte. Wenn ich über das viele Gute, was wir-rauchen, nachdenke. so finde ich, daß vieles bey uns wachst, manches aber auch aus andern Ländern zu uns gebracht wird. z. B. der Kaffek, der Zimmer, der Pfeffer, die Muskatennuß, die Baumwolle und andere sehr nnhücke Dinge wehr. Sage mir doch auch von diesen Dingen etwas. Ich halte es für Schande, gar nichts von Dingen zu wissen., die wir so oft genießen und gebrauchen. Du liebst nuck,, daher wirst Du mich wohl nickt lange auf einen Brief warten lassen, worin Du meinem Verlangen ein Genüge thust. Ich bin Dein Bruder Carl- Lieber Carl! Was ich von den Dingen weiß, die zwar bey nnS nicht wachse», und die wir dennoch oft gebrauchen, will ich Dir mittheilen. Die Kaffehbohnen wachsen auf einem Baume, der etwa sechs bis neun Ellen hoch ist. rst aus Asien nach Amerika gekommen. Die ganze Frucht deö Kaffehbaumes ist einer großen, rothen Bruche ähnlich. Wenn die Frucht ganz reif ist, so sind auch die beyden Kerne in derselben hark, und das sind die Kaffehbohnen. Der Zlai die Muskat »r c k oder Zimmt st. das Zimmel; «"n»ß st. dw Mnschkaliuiß. "-G- 6L Der Zimmer ist die innere Rinde eines Baumes, der in Asien und Amerika, vorzüglich auf ^ Lerlon so groß, als ein Bttnbaum wachst. Man würzet damit unsere Speisen denen er einen guten Geruch gibt; auch für die Augen braucht man ihn, und iu den Apotheken wird er zu Arzeneyen genommen, r- heißen vielcrlep Samenkörner aus- landlscher Gewächse, welche einen scharfen Geschmack haben. Der schwarze Pfeffer, den wir in unsern Kuchen brauchen, führt diesen Nahmen vorzüglich. Er ,st die beerartige Frucht einer ostmd.schen Rebenpflanzc, die sehr hoch wächst. Die Muskatnuß ist die Frucht eines Bau- molukkifchen und Band«. Jnscm wachst; sie wird so genannt, weil sie im mußcm einige Ähnlichkeit mit unsern Nüs- als ein angenehmes Gewürz m der Küche gebraucht, wie du wohl wissen wirst. Sie ist nicht dre Frucht des Muskatenbaumcs. sondern der Kern derselbe». Die Frucht gleicht einer Pfirsche. Die Nuß hak eine dreyfache Scha! k E>'e«sie fallt von selbst ab, sobald die Nuß reif wird. Dann steht mu» m- zweyke Schale Sie ist sehr zart und dünn. Man' schalt sie behutsam von der frischen Nuß ab und !--«»-> li. m d„ s„m-. D-z i» L, di, Muskatenbluthe, die man wohl wir Unrecht selbst die Nuß. D-e dritte Schale umgibt die Nuß unmittelbar. Mau nimmt ste aus derselben Reif st. zeitig; Schale st. Schüler. G:ch-tj. N. KinberMt. W E heraus, legt sie einige Tage in Kalkwasser, damit sie etwas vom Kalk durchdrungen werde. Dadurch wird sie fester, und kann, ohne zu verderben, über das Meer geschickt werden. Du wirst fragen, ob denn der Kalk nichts schadet- Jch fragte auch so, und erhielt zur Antwort: Nein! Denn der größte Theil davon verfliegt wieder, wie beym Zucker, und was überbleibt, das ist. zu wenig, als daß es schaden könnte. Gern wolll' ich Dir auch noch von der Baumwolle schreiben, was ich weiß. Allein wir fahren jetzt nach Gchöndrunn. Vielleicht besuchen wir wieder die Treibhäuser, wo die schönen ausländischen Gewächse stehen; da will ich sehen, für Deine Sammlung von Baum-und Slaiidenblat- lern einige Beyträge, und für unsern Briefwechsel mitunter einige neue Nachrichten zu erhalten. Leb wohl. Ich bin Dein Dich liebender Bruder Heinrich. Lieber Heinrich! Dank für Dein letztes Schreiben. Ich habe es einigen aus meinen Freunden in unserm Er- ziebunashause und auch dem Herrn Direelor lesen lassen. Alle habe» Freude darüber gehabt, und eS hat gemacht, daß wir uns auf der Stelle alle die Sachen bringen ließen. die Zu uns beschrieben hast und sie sehr genau untersuchten. Da hörte ich wieder allerley artige Anmerkungen. Auch ist beschlossen worden, einen Theil unserer Gar- tenwiese zu einem botanischen Gartchcn einzurichten. Da bitte ich Dich denn wieder, mich mit seltenen Samenkörnern oder Pflanzchen zu unterstützen. Du hast ja mehr Gelegenheit, als Dein dir dankbares Bruder Carl. Geliebter Carl'. In Schönbrunn bin ich nun wohl gewesen; sber ich konnte für Dich außer diesen beylegenden Blattern und Zwiebeln wenig aufsammeln. Der Gegenstände find zu viele. Man müßte Tage lang herum gehen, wenn man nur jedes seltsame Gewächs ein wenig genau ansehen, und fich einiges darüber sagen lassen wollte. Einen Raffehbaum sah ich, bey dem unS der Führer etwas vom Kaiser Joseph sagte, daS ich leider nicht verstehen konnte. Soviel vernahm ich, daß er selbst diesen Baum entweder gepflanzt hat, oder ihn bringen ließ, oder Kaffeh von seinen Früchten genoß. Ich bath mir einige Bohnen und Blätter davon aus. Du wirst sie indem Zwiebel st, Lwifel; Schachtel st. Spatel, 68 T— Gchächtelchen finden. Der dabey liegende rothe Stängel ist von einer Baumwollenstaude. DaS ist dir ein artiges Gewächs. Es treibt diesen mit einer rötblichen Schale überzogene», holzigen Stängel bey anderthalb bis zwey Schuh hoch in die Höbe, und theilet sich in einige kurze Zweige. Darauf wachsen gelbe Blumen, mit kleinen rothen Flocke»; darin sitzen längliche Nüsse, deren einige wohl so groß, als kleine Hünereyer sind. Darin steckt die Baumwolle. In der Levante, in Asien, Cypern, Sicilien und andern Inseln werden ganze Acker damit besäet. IM Herbst, wenn sie reif sind, erntet Man sie ordentlich ein.— Es gibt auch Bäume, auf denen in Capseln, die zur Z ikder Reife zerplatzen, Baumwolle wächst. Doch wie vieles müßte ich vollschreiben, wenn ich Dir alles berichten wollte, was ich durch mehrere Stunden gesehen habe. Ich will Dich lieber mit dem Herrn Hofmeister besuchen, und Dir alles mündlich erzählen, auch einiges für Euren botanischen Garrett mitbringen. Vielleicht schon bis Morgen siehk Dich Dein anhänglicher Bruder Heinrich« G. Rapsöl«. Höbe!; zerplatzen K, auMmM, 6Z Herrlicher Vorsatz. Meines Lebens werth zu kenn. Will ick, wohlthun und erfreun? Rein von Sorgen, Soll mein Morgen, Soll mein Abend heiter seyn! Ach will wohlthun und erfreun. Freude, Freude wünscht mein Her«> Fassung bey Gefahr und Schmerr- Doch in Grillen^' Mich zu hüllen. War' ich wohl ein großer Thor; Min, ich zieh' die Freud« vor. Diese Welt ist viel zu schön, Traurig in ihr her zu gehn! Selbst im Lckde, «i,»?^mt die Freude, Weil der Herr, der alles lenkt. Nur auf unser Bestes denkt.' Burmann. ^ Denksprüche über den Gebrauch des Geldes. Das Ald ist wie ein schneidig Messer, eS dient zum Nutzen und zum Schaden. nicht^hqbe.^'^^hzn,^ dich das Geld Ähne Geld kann man gut seyn: bei, 7» G— Tausend Halbguke hat das Geld verdorben, nur Einen hat es ganz gut gemacht. Alles laßt sich für Geld erkaufen; nur Tugend und Weisheit nicht. Reicher ist der geschickte Arme, als der unwissende Reiche. Geschicklichkeit ist eine Goldgrube, Unwissenheit ein gefährlicher Steig am Bbgrunde des Elends Wie du im siebenten Jahre mit deinen Rechenpfennigen haushaltest, so wirst du es im 27. mit Gulden und Thalern machen. Die sicherste Probe des menschlichen Herzens ist Reichthum. Wer im Besitze desselben nicht von derRechlschaffenhcit weicht, wvhldemEdlen! Ein unrecht erlangter Ducaten verschwindet eher wieder, als ein rechtmäßig erworbener Pfennig. Geld haben und es nicht brauchen; heißt am Brunnen sitzen und Durst leiden. Geld haben und es verschwenden, heißt, sich beym Jammer eine Wohnung miethen. Geld haben, und es weise brauchen, heißt, eine Sradl Gottes bauen. Das Sparen und das Hingeben— jedes hat sein Maß. Was darüber ist, ist unweise. Der Gcitzhals wacht und schläft, gleich einem Kettenhunde, bey seinen Schätzen- und eh er sie gebrauchet hat, überfällt ihn der Tod. Einem Bettler Geld geben, heißt ein Übertreter des Gesetzes und ein Beschützer desMüffig- ganges seyn. Rechenpfennig Einem Armen Geld geben, um seinen Dank zu boren, ist kein Verdienst, sondern ein Dankkauf. Willst du haben. daß die Linke nicht wisse, was die Rechte gibt? Opfere deine Gabe dem Armen- Institute. Denn es ist Seclcngröße, zu geben, ohne sich danken zu lassen. Sich Spielzeug kaufen, ist(im Keinen und Großen) nur erlaubt, wenn nichts wichtigers mehr zu kaufen ist. Man erkennt an den Ohren den Esel, und an der Verschwendung den Narren. Gib nichts aus, was du dir nicht wieder ehrlich zu verdienen getraust. Geh nicht aus und ein bey denen, die viel Geld verthun, und wenig arbeiten; sie sind Betrüger. oder erniedrigen deine Seele. Mit erpreßtem Blukgelde wohl thun, ist das was anders, als ein Lamm todt schlagen, um einen Geyer zu nähren? Lerne, mein Kind! jetzt dir täglich einen Pfennig zu verdienen, und du hast die Kunst gelernt, einst wohlhabend zu werden. Arbeite, um zu haben— hab, um zu geben. Denn geben ist seliger, als nehmen. E-sen in Gold zu verwandeln— unmöglich! Die Zeit zu Geld zu machen— möglich und rathsam! Mehr ausgeben, als einnehmen, macht arm, — mehr einnehmen, als ausgeben, macht reich, — mehr behalten, als brauchen, macht geitzig,-- mehr, brauchen, als behalten macht(M) wohlthätig, arbeitsam, nachdenkend und glücklich. Mit Geld kann man sich Tod und Leben kaufen. Die Meisten kaufen sich Tod und Elend- Sey dy verständiger! 7» Geld für ein gutes Buch auslegen, heißt, -er Seele eine Mahlzeit verschaffen. Menschenfreundlicher Wunsch« Gold und Silber wünscht' ich mir. Glücklich alle Welt zu machen!, Jeder, der vor meiner Thür Weinte, sollte wieder lachen Gram und Elend müßten flieh'». Freuden müßten bev mir wohnen. Heil und Segen müßten blüh'n, Kaust' ichs auch mit Millionen. Alle Welt macht' ich beglückt! Uromaie Wittwen, arme Waisen,. Wären dann dem Gram entrückt. Kleiden wollt' ich sie. und speisen! Alle Herzen macht' ich mir Durch Gefälligkeit verbindlich; Suchte des Verlaßncn Thür, Schenkte, und erquickte stündlich? Keine Thräne wollt' ich sehn. Die ich nicht vom Auge wischte- Keiner sollte von mir gehn. Den ich nicht mit Trost erfrischst. — G— 7Z Alles müßte um mich her Heiter, wie der Frühling, lachen: Ö, wenn ich doch reicher wär'. Glücklich alle Welt zu machen' Purmann. Bon dem Oflerey. Sie erlauben es doch, sagte Larl zu seiner Mutter, daß ich und Thereschen mit den schönen rothgcfarbren Lstcreyern spielen dürfen, die uns die Köchinn heute früh geschenkt hat? Ihr könnt spielen, sagte die Mutter; aber wohlgemerkk, daß nicht dabey gezanket wird. Carl. Ach sich einmahl meines. Was darauf geschnitzct ist! Ein Lämmchen mit der Fahne! Ist daS nicht waS Niedliches? Thereschen. L>! weise doch her! Scharmant. Sieh da dieses Ey. Darauf ist ein En- gclchengemablet. Nun wurde gespielt. Und wie ein Ey zerbrach, so ward es auch aufgegessen, Als die Kinder des Abends bey Tische fassen, wurde Thereschen blaß, kriegte blaue Ringe um die Augen', fing an, erschrecklich zu würgen, als wenn es die Fraisen kriegen wollte. Die Aeltern erschrocken, und wußten nicht, was dem Rinde zustieß. Hals denn was gegessen? fragte die Mutter. I! sagte Larl, es hak seine rothen Ostereyer gegessen. Nun, da haben wirs, sagte der Vater. Ehe es nicht einmahl so kommt, daß einKiud den Tod davon hak, eher werden die lieben Mütter nicht aufhören, ihnen schädliche Spielsachen unter den Händen zu lassen. Was kann denn das schaden? fragte die Mutter. Es find ja nur Eyer. „Du wirffs hören, wenn der Arzt kommt,, Als der die Umstände hörte, gab er ein Brechmittel, und da kamen die harten Eyer stückweise, grün und gelb, wieder zum Vorschein. Um Gottes willen, sagte er, gestatten sie den Kindern nicht, solche harke gefärbte Eyer zu essen. Zu harte Eyer find so schon schädlich. Geschweige die gefärbten. Nicht wahr? sie werden mit Brafillienholz und Alaun in einem kupfernen Kessel gekocht? Dadurch wird ja der Grünsoau — ein wahres Gift— aus dem Kupfer gezogen. Das Gilt frißl sich durch d>e Schale des Elies, und durch basHauthen durch, und dringt bis ins Weiße. Zerbrechen Sie nur ein Ey, das einige Tage all ist. Sie werden inwendig den grünen Randsehen. Weg mit dem schädlichen Zeuge! Es ist nur gut, daß ich zeitig genug dazu gekommen bin. O mein Gott! sagte die Mutter, das habe ich ja nicht gewußt. In meinem Leben sollen die Rinder nicht mehr mit Eyern spielen. Ja! sprach der Arzt, sagen sie es auch alle» ihren Freundinnen, daß sie die Possen wegthun, wenn sie nicht ihre eigenen Kinder todten wollen. Thereschen erhohlke sich wieder, und der Vater hakte Lust den Kindern was zu erzählen. Wißt ihr wohl, sprach er, wovon die Gewohnheit mit dem Ostereye herkommt? Ich will es euch erzählen. Ju den alten Zeiten wurde» den Geistlichen zur Osterzeit gewisse Abgaben gegeben, die fie Friederike(nach einem erzwungene!! Stillschweigen von ein Paar Minuten) Ach! itztwird auch Hof- mahlers Friederikchen begraben' Anton. Wenn Du nur schweigen wolltest, Friederikchen; man kann wirklich nicht reden, wenn man MalM— Willst Du mir den Gefallen thun? Nur bis ich mit der Rose fertig bin? Fried. Ich will wohl immer schweigen, Brüderchen; aber die Zunge geht immer von sich selbst.— Nun sollst Du auch kein Wort wieder hören!— Wenn ich rede, so halte mir den Mund zu, oder mahle mir einen Bart; willst Du? Anton. Recht gern; fang nur immer an zu schweigen! Fried. Der arme Herr Hofmahler. Ant. Hm! hm! Fried. wird recht betrübt— äch!(sie schlägt sich vor die Stirne)(Nach einer kleinen Panse). Nun hat er gar Niemand- ach! Ant. Sollst gleich erlöst werden, nur noch eine Minute! Fried. So ein allerliebster Junge! Ant. Nun wär' ich fertig. Siehst Du? Fried. Eo Ey, was für eine schöne Rose! ach! und das Knöspchen und die Mütterchen! Ane. Ich habe mir auch reckt Mühe gegeben. Nun kommt noch das beste hinzu ein kleines Mädchen, dem die Rose gefällt, und daS sticht weiß, oberste brechen,»heran Sem Bäum- 78 — G-7 chen lassen soll. Wenn du mich rechtlieb haktest- ich könnte Dich wohl abmahlen. Fried. Wenn ich Dich lieb hätte, Antonchen? Ich will nur nichts sagen, sonst dachtest Du, es geschähe des Mahlens wegen; aber wenn du mich mahlen wolltest, ich wollte so schweigen, so stumm dasitzn, wie ein Fisch; Du solltest gar nicht wissen, wer es wäre, und alle Kreuzer, die mir der Vater und die Pathe geschenkt hat, wollt' ich D r zu Farben geben, ach Anlonchen! wenn Du mich mahlen wolltest, in mein Schränkchen wollt' ich's hängen, und allen meinen Freundinnen zeigen, und in den Schloßgarten wollt'ich's tragen, und von ungefähr fallen lassen, wenn der Graf vorbey ging, und wenn er nun fragte, von wem es wäre, dann wollt' ich sagen, daß es von meinem Bruder wäre, und da wollt' ich, ich weiß schon, was ich wollte— ach, er würde mir gewiß nichts abschlage»! Am. Das brauchst du alles nicht, wenn dir nur fein still bist, und mich nicht störest. Freylich die Farben sind bald alle, und ich habe nur noch neun Pfennige; aber ich weiß schon, was ich mache, ich will nichts essen als Brot, nichts trinken, als Wasser, und den Vater bitten, daß er mir das Geld zu Farben gebe, was Fleisch und Zugemüse für mich kosten. Med. Das gibt er nrcht zu. Noth läßt er dich nicht leiden. Ant. Leid' ich denn Noth, wenn ich Brot esse? Sonst haben die Menschen nichts gegessen- als Brot. Schränkchen ft. Kaßel, Fried. Thu es nicht, erwirb sonst böse der Vater; ich will dir von meinen fünfzig Kreuzern acht«eben-(sie zieht einen Beutel heraus) Ant. Nein Friederikchen, itzt hab' ich noch, ich besinne mich, ich habe selbst noch zwölf. Fried. Zeig einmahl! Ant,(verlegen suchend) In dem Schubsacke— in dem-- nein in den Hosen— ach ich werde sie doch nicht verloren haben? Fried. Nimm unterdessen diese! Ant. Rein, nein, sie müssen in meinem Schranl'chen liegen(will abgehen). Fried,(legt geschwind Äkld an die Erde) Ach An- lonchcn! sieh doch, da liegt Geld an der Erde, das ist gewiß dein's. Am. Je wer muß denn das verloren haben? — Ick verliere gewiß kein Geld. Fried. Nimm du's nur unterdessen, wer's verloren hat, brauchkS' gewiß nicht. Ant. Heb Dn's auf, Friederikchen, aber leihe wir itzt drey Kreuzer davon. Fried. Hier hast du drey. Ant. Aber schreib es auf, drey Kreuzer, schrcib's in dein Schreibetäfclchen, drey Kreuzer oder lieber in deinen Kalender zum 6. Junius, nimm die rothe Tinte. Fried. Aber Brüderchen, sage das nicht zum Vater, du wolltest nichts als Brot essen, er grämt sich so manchmahl, daß er arm ist. Ich will dir immer von der Mamsell Pathe Geld zu Farben schaffen; höre, wenn du die abmahlen könntest, oder wenigstens ihr großes goldenes Gebethbuch, oder das Miezchen, den kleinen Jolie, ey da könntest hu reckte Farben kaufen. Ant. Das will ich doch überlege», wenn die drey Kreuzer wieder alle sind. Jtzt seh dich einmahl hin, daß ich dich besehe. Ant. Ja.(sie setzt sich, ce besieht sie) Ant. Wirklich, du siehst recht hübsch aus, Friedcrikchen! Fried. Ach nein, gewiß recht garstig. (Ant. fängt an zu mahlen, indessen der Hofmahler sachte zur Thüre herein kommt und sie belauscht. E geht in Trruerkieidern, in seinen Grsichtsrügcn herrscht Weh- wuth) Zweyte Gcen e. Der Hofmahler. Vorige. tzofm. So war iüci» Friedrich, so warm und so fühlend! Reä AH Herr Hofmahler- ^ofm. Laßt euch nicht stören, ihr Kinder! Mahle fort Anton! Ant. Nein, das ist mir Unmöglich, wenn jemand zusieht, zumahl ein Mann wie Sie. Fried. Und ich kann auch nicht ernsthaft fitzen, wenn jemand zusteht. Hofm. Zeig mir doch, was du gemacht hast! Ant. Ja, aber— lachen müßen Sie nicht, schelten können Sie mich immer, aber wenn Sie mich auslachen. 'Aofm. Über Mahlereyen lach' ich nie; bravo Kleiner, das ist eine Rose, und das wird ein Mensch werden. Fried. Jch brn's, Herr Hofmahler, ich bin's. ^ofm Jtzl noch nicht,aber du kannst es werden- Es ist alle st. es ist gar; sachte st. sisd. —G- 8r Fried.( heimlich zu Anton) Ich will,'Ht Far. ben hohlen. 2lnt.(gibt ihr Geld, sie geht) ^ofm Warum laufst du denn fort, Mädchen? Fried. Ich will Farben zu meinem Bilde bestellen,(umkehrend) ach, Herr Hofmahler, ich Möchte Sie fast um etwas bitten. r^ofin. Nun! Fried. Aber nein- Sie könnten es unaütig nehmen. Hofm. Nein, liebes Kind! das könnt' ich nicht. Fried. Sehen Sie, ich Möchte gern, daß das Mädchen auf dem Papiere gerade fo aussähe, wie ich, aber ganz fo— eben die Augen— die Nase— der Mund. Hofm. Und das soll ich wohl machen? Fried. Wen» Sie nur AmoNchen ein wenig wiesen, wie man das so ähnlich machen könnte, er würde Ihnen gewiß recht folgen- Hofm. Kiud i ich mahlte dich wohl selbst, wenn du einmahl zu mir kämest. Fried. Nein, Antonchek muß mich mahlen. Hofm. Nun, wenn ich wieder komme, da wollen wir dich zusammen mahlen. Fried. Ach thun Sie das ja, Herr Hofmah-- ler, ich küße Ihnen taufend Mahl die Hand! Dritte S e e n e. Hofmahler. Anton. tzofm. Du mahlest also wohl recht gern? Kabeis. N. KinderM. IV. B. F Am. Recht gern. tzofm. Und willst wohl gar ein Mahler werden? Am. Wenn ich in der Welt etwas werden soll, so will ich nichts anders werden. Aber glaubst du denn von der Kunst leben zu können? Am. Was werd' ich viel brauchen, wenn ich ein Mahler werde? Freylich schöne Farben werd' ich kansen müßen; aber das ist mir einerley, ob ich in einem Schloße bin oder in einer Strohhütte, ob ich Fleisch und Kuchen effe, oder trocknes Brot, wenn ich nur immer mahlen kann. Hofm, Wenn hast du denn zum ersten Mahle gemahlt? Am. Das war vor einem Jahre. Da blühte meines Vaters erster Nelkenstvck; er hatte nur eine Blume, aber die war auch so voll, so schön, als ich keine wieder gesehen habe; ich ging alle Stunden fast hin, und besah sie, ich liebte sie so, wenn ich ihre schöncnFarben sah, und ihre lieblichen Düfte roch, ach ich liebte sie, als ob sie etwas Lebendiges wäre. Das wahrt ein Paar Tage, dann fing sie an zu welken, da dauerte mich die Blume so und ich Lachte, wenn du doch ein Bildchen von ihr machen könntest, sie wird nun nimmermehr wieder blühen, und du wirst sie gar nicht wieder seben, und da— lochen Sie nicht!— da weint,' ich über die Blume, daß sie verwelken mußte; alsdann kaufte ich die Farben, die sie ungefähr halte, ich machte erst mit Bleyffift eine Figur, und hernach strich ich die Farben drauf; die Blume verdorrte endlich ganz, ach! und mein Bild sah gar nicht, wie sie gesehen hakte, aber ich sah sie noch immer in meinen Augen, wenn ich vorbey ging; seit der Zeit hab' ich immer alles mahle» wollen. was mir lieb war, und nun bin ich fo daran gewöhnt, daß ich's nicht lassen kann. Wenn ich eine schöne Gegend sehe, ein blumiges Thal, einen Fels mit Moos, einen Bach, der sich so hinschlängelt, einen blauen Berg in der Ferne— ach! Herr Hofmahler, wie mir da so artig wird, es zieht meine Augen ordentlich fort, und ich sehe so lange hin, bis mir schwarz vor den Augen wird- ^ofm. Aber will dich denn dein Vater dabey lassen?,.., Ant. Wenn ich daran denke, wird mir freylich bange; er hat schon gedroht, mir alles wegzunehmen. ^ofm. Warum denn? Am. Weil er kein Geld hatte, mich lehren zulassen, und ich außerdem immer nur spielen würde. Er hat Recht. Am. Er hak schon lange im Willen gehabt, mich zn einem Advocatcn zu thun, damit ich einmahl ein Schreiber würde; wenn das sein Ernst wäre, ach, Herr Hofmahler! Nein, das kann -gofm. Ey, warum nicht? Dann hast du dein gewisses Brot. Ant. Aber immer schreiben zu muffen, was ein anderer will, immer eine Arbeit zu treiben, zu der man keine Lust hat? Hsfm. Die kommt schon mit der Zeit. Ant. Glaube» Sie das nicht, ich wurde gewiß nimmer wieder froh, wenn ich zu dem Advokaten käme; da dürsi' ich gar nicht mehr mahlen, und halte doch immer Lust. sofm. Die verlöre sich in acht Tagen. Am. Ach behülhe der Himmel! ich bad es schon oft versucht, weil mein Vater nnch immer K 2 znm Schreiben nöthigt; aber ich denke immer an das Mahlen, und wenn ich etwas Schönes sehe, dann fäll! mir gleich die Feder ars der Hand, oder ich mache Kickse, verschreibe mich. Vierte Scene- Vorige. Förster(mir Hut und Stock- Förster. Je guten Tag, Herr Hofmahler! was fuhrt Sie denn einmahl in meine elende Hütte?—— Ja sonst thaten Sie mir wohl je- zuweil-n die Ehre an, wie ich noch im Forste wohnie ritten mit mir auf die Jagd,' saßen am Wogelhcrde— ja das waren gute Zeiten! da hatte man noch Freude daran, mit Menschen umzugehen-- aber ißt Arm und Beine gebrochen— zwölf Thaler Penston— Hunger und Kummer— hu, hu! Hosm. Lieber Merz, hat es an mir gelegen? Kam ich doch während seines Kranken!«. gcrS und nach seiner Genesung— Forst. Genesung? Ha, ha, ha! ^ofm. Alle Woche zu ihm! aber sag er selbst der Wahrheit zu Ehren, hab' ich nicht immer fortgehe,! müssen, ohne ein Wort von ihm gehört zu haben? Forst. Wohl, wohl! es war auch nicht sö schlimm gemeint, aber ihr Gesunden und Glück-- Ein Rleks, Dlwtenfleck»der Schmutz st. eine Schwein»der Sau. W lichen könnt euch's gar nicht denken, wie's ei-, nem Krüppel, einem Belklcr zu Muthe ist, ha! da kommen Augenblicke— Augenblicke- H--rr, wenn die Religion nicht so fest zngriffe, wenn die armen Kinder nicht wären, Gott weiß, wo mei- ue Hirnschale läge!— Ach lieber Mahler, bey Gort! unser eins ist einem großen Herrn gerade so viel, als ein Hund, und warum läßt man uns nicht alles angedeihcn, was man dem Hunde thut? Ist er invalid, ,,fuhrt ihm zum Schinder! spricht man, oder füttert ihn zu Tode!"— Laßt doch Hund Hund seyn!—(s»!agr-ch vsr'n Kops) Hm! Sehen Sie, das war schon wieder so eine Grille, kaun mir's nicht verwehren, Gost muß mir's auch verzeihen! 'Aofm. Er wird's auch, lieber Merz! aber Fassung ziemt dem Manne doch besser als Ver- zwe stung. Jeder hat sein Leiden. Mrst. Ganz gut! es soll auch keiner darüber murren, aber— wenn alles auf einen fällt— Herr, ich hakte gedient von Kindes Beinen an, war bey allen Skrappazcn und Unfällen zufrieden, falle bey einer Hetze pym Pferde. zerbreche Arm und Füße, und wie ich nun in wilden Schmerzen auf dem Berte liege, fällt ein toller Hund mein Weib an— auch die hinmiteinem Mahle--da lag ich. Arm und Füße zusammen geschnürt, ohne Kraft und Odem, die Würmer da um mich herum, ohne Mutter, phnc Vater, ohne Brot, und es vergingen wohl acht Wochen, ehe der Herzog daran dachtx, daß ich wohl verhungern könnte, wenn ich kein Brot hätte— ha, da wünscht' ich wohl ein Hund zu seyn.— Ader das Leben durft' ich mir dock nicht nehmen. tzofm. Ist auch recht gut. Ich denk' immer: Gott nimmt uns nichts von dem, was er uns gr- 86—K— geben hak, er borgt's nur jeziiweilen wieder von uns, um es mit reichen Zinsen zu geben. Gesund wird der Krippe! werden, gedoppelt, dreyfach wieder aufleben, reich wird der Arme werden, und der Vater, dem sein Kind starb(mit Thränen) wird sein Kind wieder haben.— Er nennt mich glücklich, der ich vom Grabe meines Fricöerichs komme, des einzigen Kleinods, das ich noch unter den Lebendigen hatte-- o ich liebt' ihn— er kann Nichtwissen, wie der Zufriedene, der Glückliche liebt— ich liebt' ihn, wie mein Leben. Früh weckte er mich mit der kleinen sanften Hand, küßte mir freundlich den guten Morgen — und Abends plaudert' er mich mit süßem Geschwätz in Schlumcr; ach! und nun— überall begleitet mich seine Leiche, nur im Traume winkt er mir oft, verklärt wie ein Engel, gelehnt ans Kreuz seines Grabes, und ich sehe auf— erwache, und hier und dort, und überall seine Leiche vor mir. Lieber Merz, wen» man sein Daseyn liebt, mir sich selbst eins ist, was kann man sich da herrlicheres denken, als einen kleinen aufkeimenden Menschen, der durch uns da ist, und uns noch darstellen wird, wenn wir nicht-> mehr sind; das war mein schönster Gedanke— er ist verschwunden— und mein Daseyn ist verödet. Forst. Herr Hofmahler! auch ich, bey alle meinem Kummer, liebe noch meine Kinder. Wenn die nicht waren, was wäre auch das Lebe» in diesem Marterhausc? Freylich, freylich, wenn die Hitze kommt, und das Blut sich so wild herauf jagt, da vergeß' ich auch sie; aber das wahrt kurze Zeit, ich sehe sie wieder, und mein Elend stößt mir wenigstens nicht so bitter auf, wenn ich sie sehe!— da mein Anton, ein guter, lieber Junge,(er küßt ihn) hat ein Herz, das mein's 87 flä.-kt- wenn's brechen will- es war mir bang um ihn. was aus ihm werden sollte. Gottlob! ikk hub' ich um untergebracht— er hat freylich viel Lust und Liebe zur Mahlerey; aber lieber Himmel! ich kann ihm nichts dazu geben- d» hab' ich's nun eben itzt bey dem Herrn Advoca- ren Gchuwitz richtig gemacht, der wird ihn zu sich nehmen und zum Schreiber ziehen, er sagt« sogar: er wollte ihn einmahl als«ecretar bey jemanden andringen/ adev daran woüen wir nvH nicht d nken.^. Am. O mein liebster Mater'.(ergreift seine Forst. Sey fromm, fürchte Gott, gehorche deinem Herrn, und du wirst keine Noch haben.— (zmn Hofmchler) Er schreibt schon ei» rechtes, hübsches Händchen, der Herr Advocat konnte die Schrift Nicht genug betrachten;„ich habe viel Hände gesehen, sagte er, aber so eine Hand von so einem Kinde ist mir noch nicht vorgekommen/ er setzte gleich einen Tisch neben feine» eigenen, ein schönes Schreibzeug, Federmesser und Spulen, damit er gleich ansaugen könnte, wenn er O mein Vater! so muß ich denn zu ihm, bat er'S ihm denn versprochen? störst. Ja, heute noch, hab ihm die HM.d darauf gegeben. Am. Ach ich armer Knabe, so muß ich ^""störst. Amsn, sey nicht widerspenstig gegen meine guten Adst dten! Ant. Nein— ich will,a— ich muß—aber ich muß auch weinen, ach! und werde noch lange weinen.» störst. Was, weinen? worüber weinen? was will aus dir werden? Mit deinem Geputssl wirst du dir kein Stück Brot erarbeiten, und lehre,! kann ich dich's nicht lassen. , wer sich meiner annähme. Forst. Ich baue nichts in die Luft. Nicht wahr, du setzest deine Spielereyen fort? Ich falle hin- sterbe- und du hast keinen Heller zu leben.^ Ant. Und werde doch nicht umkommen; hat Er imr nicht so viel von, liebe» Gott und seiner Vorsehung gesagt? Forst. Alles gut, alles wahr, aber ich weiß stuch, daß der Pater Gottes Statt an seinen Kin- dern vertritt. Ich will keinen Dorn in meinen Busen setzen, will nicht Schuld an deinem Un- §lrrck seyn. Dtine Sachen werden zusammen ge- packt, du gehst zum Adyocaken und sagst kein Wort weiter., .^ sofm. Gib dich zur Ruhe, Kleiner! es ist das BHte für dich. Weine nicht! Es wird dir wohl gehen, du wirst deine Muscheln und deinen PNt,el nicht vergessen, und ein braver Schreiber werden. Ant. Reden Sie doch meinem Vater zu, Litten Sie ihn, daß er mich nur noch ein Paar Wochen bey sich behalt. Forst,(hitzig) Anton! Anton! du kennst deinen Vater, wenn du mich böse machst, und ich ,n dir Hitze komme.^ (FcieSerike k.mmt mit den Farben. Anton cr-- iühlt ihr heimlich, wo« mir ihm vorgchm soll.) -, Ei» liebenswürdiger Junge! Wenn rch Kinder sehe, da hab' ich so ein trauriges Ge- fmch, das mir dabey doch so wohlthut. Schade! daß<»nton arm ist; es würde gewiß etwas aus rhm m der Mahlerey; freylich so--- — D—§9 Forst. Besser Brot aufdem Tische, als Brot in der Lust. r^ofm. Und doch— vielleicht— laß er den Kleinen heute noch da— ich hab' erneu Freund — einen geschickten Mahler— der niemand hat— vielleicht— will er ihn henke noch da lassen? Forst, Denn halben Tag könnt' ichwohlnoch zugeben. Wiewohl ich versprochen habe. Hofm, Thu er'B! Für ißt gehab er sich wohl! Adieu Friederike! Und du Anton, folge deinem Vater, und vergiß deine Muscheln-(«d, beginnet rsm Förster.) Am. Ach Friederrkchen! nun will ich meine Sachen zusammen packen. Fried. Nein, Anton, du darfst nicht. Am. Muß ich nicht? Der Vater verstößt mich sonst ganz— komm mit mir! Fried. Ja ich will dir helfen— ach! nun werd' ich nicht mehr neben dir sitzen, wenn du mahlst. Ant.(weinend) Und ich kann dich nun nicht abmahlen, Schwester!(»mannen sich) Forst. Hack zusammen. Anton! Ant. Ja mein Vater!(küßt ihm die Hand, geht begleitet von Zriederiken ab— der Förster auf der ander!! Seite) 9« Zweyter Aufzug. Erste Scene. (Anton allein au? einem zKoffec sitzend) Anton. Was hilft mir alle mein Sinnen? Ich armer, unglücklicher Knabe! Nach mir fragt doch niemand, wenn ich auch immer weinte und traurig wäre. Mein Vater denkt, er versorgt mich; — ihm widersprechen darf ich nicht— der Advo- cak, sagt man, ist ein harter Mann ach! ich sehe alles voraus, was kommen wird. Zweyte Scene. Anton. Friederike. Fried. Grame dich nicht, Antonchen! Es kann nun einmahl nicht helfen!-- Freylich es ist traurig; ich habe mir auch so"rothe Augen ge» weint—aber au mußt dir dein Leben nicht schwer machen, mußt hübsch getrost seyn. Sieh, dahab' ich dir etwas zum Andenken gekauft, einen neuen Farbenkasten; du wirst doch Abends uud ganz früh mahlen dürfen, und da denk auch an mich» wenn du mahlst. Ant.(umarmt sie) Ach du gute Schwester! Du bist ja mein Liebstes auf der Welt nach meinem Daler, immer werd' ich an dich denken, wenn ich dich auch nickt oft besuchen darf. Wie gern ließ ich dir ein Andenken, aber— vorhin wollt' ich dir's nicht gestehen— ich habe nichts gar nichts; doch glaube das sicher, ich habe ein Herz, das mit Freuden alles für dich Hingabe;— wenn ich einmahl-- aber was kann ich nun für mich hoffen?— nichts als böse Tage!(er vcrchrk sich im Rachdcukkn) das ist doch traurig!— wenn ich wußte— wenn mir was einfiele. Fried. Denk nicht darüber nach,? es ist umsonst. Ant. Womit ich mir helfen könnte. Fried. Denk an etwas anders. Ant. Schwester, Schwester! ich weiß es fast— wen» du— wenn du schweigen wolltest — ich getraue mich noch nicht es ganz zu denken— Freylich es würde meinen Vater bekümmern'— aber nur auf einige Zeit— Dich auch, Friedrikchen— aber dich auch nicht lange— und ich würde nickt unglücklich. Fried. Was hast du denn vor, ich versteh dich gar nicht. Ant. Höre! ich will meine nothwendigsten Sachen aus dem Koffer nehmen,(cr schlicht auf) Fried Wozu denn? Ant. Ich— ich will— sehen, ob— sie richtig sind. Fried,(ängstlich) Ja doch, ich hab' sie alle gezahlt.,^ Ant. Man kann nicht wissen— meine Muscheln— meine Pinsel— mein Nachlwestchen, eine weiße Mütze— die kleinen Bilder-- Gel- lerks Fabeln,(dich Sachen nimmt er heraus.) Fried. Was räumst du denn wieder aus? Wenn nun der Vater kommt? Am. Ach Schwester!— ob ich's dir sage? — Ja—Du wirst mich doch nicht verrath n? Nein! Das kannst du nicht— höre—es ist doch niemand da, der horchen konnte?— Ich gehe nicht zum Advocaken. Fried Um Gottes Willen! Was willst du? Ant. Ich gehe weiter— zum Thor hinaus. Der Advocat ist ein böser Mann, ich weiß es wohl, er plagt seine Leute— Leih mir noch acht Kreuzer, damit ich unter Wegs etwas zu essen habe. Fried. Ach Bruder! ich zittere über und über, was denkst du? Ant. Sey du ruhig, ich werde«icht umkommen; in der nächsten großen Stadt geh' ich zu allen Mahlern herum, und einer wird mich gewiß annehmen. Fried. Nein Anton! Du darfst nicht fort, das muß ick sagen. Ane. Willst du den Vater ganz zornig machen, daß er mich in der Hitze todt schlagt? Fried. Ach, um Gottes Wille»! was fang' ich nur an? Ane. Willst du mir acht Kreuzer geben, so thue es, willst du nicht— nun so geh' ich ganz arm fort. Fried. Bruder, hier nimm alle mein Geld! (sie gikk ihm ihre» Beutel) Aber bleib da! Am. Nur acht Kreuzer nehm' ich— Da! — ich danke dir! Fried.(ihn umarmend) Bleib hier! Ant. Versprich, wenn du mich liebst; dekneHand! Fried. Ich willschweigen.(sie weint laut) Ader wenn du nun allein gehst, in Wäldern, wo wilde Thiere sind, Spitzbuben? 9S Ane. Es haben viele Kinder in meinen Jahren allein gehen müssen; was müssen andere arme Bettelkinder thun? denn weiter bin ich doch nichts— es wird sich meiner schon jemand annehmen. Ä r i k t e Scene. Vorige. Der Förster. Förster. Hast dn völlig eingepackt, Anton L Ant. Noch nicht alles. Först. Geschwind mach fertig, der Herr Advocar hat schon zwey Mahl nach dir geschickt. Fried,(ist sehe«kschrfrig, alle« wieder rwzi-xackcu, was Anton a»sa packt hatte.) Forst. Anton! du hast geweint, das gefällt mir nicht; du mußt mir nicht mein Leiden noch saurer machen; ich leide ja ohne dieß täglich und stündlich; liebt'ich dich nicht so herzlich, ich würde nicht so eilen, dich zu versorgen; aber ich muß dich iü guten Handen wissen, eh' ich sterbe. Fried. Nicht wahr, der Herr Advocak isteiu guter Mann? Anton fürchtet sich vor ihm. Forst. Ein fleißiger, guter Mann, der aber auf Ordnung in all seiucu Sachen halt, und. streng ist. Fried. Er wird Alttonchen gewiß lieben. ( geht ah.) 94 Vierte Scene. Advocat Schuwitz. Vorige. Advsc. Ich muß nur selbst chmmen, und sehen,! woran es lic^t; sein Diener, meist lieber Förster! 8örst. Seyn Sie mir willkommen, Herr Advocat! Advoc. Das ist wohl das kleine Subject- chen, das sich auf die Feder legen will? Forst Ja, Herr Advocat!— Der Abschied geht ein wenig schwer ein. Advoc. Glano's, glaub's.— Nun, ein recht wackeres Männchen!— Ja die Feder will ihre eigenen Leute haben;— er schreibt schon ein gutes Händchen, so rein und so fließend; ich hab in meinem Leben so etwas von dem Alter noch nicht gesehen; wie ich ihm sagte, ehe er s verseh'n wird, mach' ich ihn zu einem Secretar bey einem großen Herrn, da geht er hernach in Gold und Seide. Forst. Machen Sie ihn nicht roth! 2ldv. Was recht ist, lobt Gott!—- wahrhaftig, ich freue mich auf das kleine Subject; A habe schon seit drey Srunden gewartet.—- Da ist schon ein T>fch parat, ein iLchreibzeug von Porzellan, allerley Tinten, bunte Sande, Lnegeilacke, Oblaten, Federmstser, Schere, Spulen, Packnasel,,, Bindfaden. Forst.^Siehst>n Anton! Adv. Er wird immer neben mir sitzen, damit ich ihn unter den Augen habe. Er ist zur Feder geboren, und ich werde als Vater an ihm handeln» apropos, wer hat ih„ schreiben gelehrt? Forst. Der Herr Cantor. Advoc. S», darum, darum. Er hat den —G— 9F Bresdncrductum, das ist der allerbeste Ductus, den man hak. Überhaupt, nicht weil ich allda geboren bin, sondern der Wahrheit zn Ehren, die Dresdner haben insgemein ein natürliches Genie zur Feder. Forst. Im Anfange werden Sie doch ein wenig Geduld mit ihm haben muffen. Adv. Ach! wer hakte denn das nicht! Es ist kein Meister vom Himmel gefallen, besonders bey der Feder; da gehts wie bey den jungen Trommelschlägern, erstlich Schlag für Schlag, dann geschwinder, am Ende der Wirbel; so gehls bey der Feder Anfangs ganz langsam, aber am Ende schneller; das ist eine Freude, Kleiner! wenn manS so weit gebracht hat. Ich habe da eine recht gute Methode mit meinen Schreibern; itzt geb' ich einem ein Stück zu mundircn, seyd Ihr damit nicht fertig pimcto 12 Uhr, so müßt Ihr in continenki bis 8 Uhr schreiben. Hör'Er: Förster! das nehmen die Leutchen so zn Herzen, und appliciren sich in kurzen dergestalt, daß man darüber erstaunt. Ißt sind sie einmahl alle eingehetzt, das geht, wie in einer Mühle, ich mache mein Mittagsschläfchen so sanft bey der Musik, als ob mich jemand einwiegte. Forst. Wie viele Stunden schreibt denn Anton im Anfange? Aöv Sieht Er, im Sommer steht er früh um 4 Uhr auf—- vigilant müssen junge Leute seyn— dann trinkt er ein Glas Wasser—das ist das gesündeste für fein Alter; die warmen Getränke!—etwa ein Rindchcn Brot— das incommodirr den Magen nicht, wie die Weitzen- sachen, das ist wahres Gift— dann schneidet er Federn, präparirt Tinten, beschneidet Papier schärft die Federmesser und die Scheren, wvz ^ alle Werkzeuge habe, übt sich nach Dorschns ten zu schreiben, tragt Briefe auf die Post, da kommt denn 8 Uhr so sachte mit heran; dann schreibt er auf's Reine unter meiner eigenen Aufsicht, bis gegen 12 Uhr, dann geht er spazieren, denn frische Luft muffen junge Leute schöpfen— d-s um 12 Ubr, dann wird gegessen,»nd zwar ißt er mit au meinem Tische, damit ich Acht haben kann, baff er nicht etwa zu viel esse— die Leute überladen sich manchmahl, und das ist bey der Feder nicht gut weßhalb ich sie auch vom Fleisch so viel als möglich gewöhne, weil dieses sich derWaffen in die Muskel» setzt, daß die hoffnungsvollsten Hände verlöre» gehen, so wie ich sie auch vor Wein und hitzigem Biere bewahre, damit sie nicht zittrige Glieder bekommen» Nach Tische kamt er sich eine Motion mit Drechseln machen, es gibt immer im Hanse etwas, aü einem Tische, Stuhle und dergleichen; dann schreibt er wieder unter meiner Aufsicht, von 2 Uhr bis L Uhr;^ wenn er sich rryn den Lag über recht gut aufgeführet hat, so kann er bis um 7 Uhr zü seinem Vergnügen etwas drechseln oder sagen, oder im Gartenarbeiten, oder seinen lieben Vater einmahl besuchen. Um 7 Uhr wird als dann wieder gegessen, das währt aber nicht über ritte Viertelstunde; sonst gewöhnt man sich an das lange Sitzen bey Tische. Nach Tische geh'n sie denn in ihre Kammer zusammen schlafen,"oder erzählewstch etwas, Licht wird ihnen nicht erlaubt, damit sie keine bösen Bücher lesen, oder sich die Augen etwa verderben» Mrst. Freylich Anfangs wird das Leben ihm nicht recht behagen, aber in zwey, drey Wochen gewöhnt er sich daran, und wenn man in den Jahren etwas streng gehalten wird, so weiß man sich hernach in alles zu schicken— recht gut! recht gut! Das Leben ist so eitel Mich und Noth. Aövoc. Ja wohl, ja wohl, guter Förster; das sag' ich täglich, man thut der lieben Jugend eine wahre Wohlthat, wenn man ste darauf vorbereitet; hernach kommt einem nichts zu hart und zu schwer vor. Ant.(der seither ganz trostlos dagestanden war) Aber darf ich denn gar nicht in meinen Neben- stunden ein wenig Kahlen? Aövoc. Er mahlt wohl gern? Forst'. Freylich, freylich hatte er sich unglücklicher Weife in den Kopf gesetzt, ein Mahler Zn werden. Aövoc. Das muß nun freylich völlig weg bleiben; und wer einmahl bey der Feder ist, der vergißt die Tändcleyen. Dinte, mein Söhnchen! ist die Schönste Farbe, und Buchstaben, das find die Schönsten Figuren. Da hängen ste Mahlereyen in ihre Stube, alte heidnische Götter und Göttinnen, die NarrenSpoffen! Ich habe mir allerhand schöne Sprüche, von verschiedenen Handen, wie in Kupfer gestochen, geschrieben, in meinem Msitenzimmer aufgehängt; da hab' ich einen Ln- roluin HuinluiN, den ein alter fleißiger Mönch von Hauptsätzen der peinlichen Halsgerichksord- nung nach dem Leben zusammen geschrieben hat. — Das gibt einem Zimmer ein Ansehn l— Soll denn etwan der Kleine itzt mit mir gehn? Wie gesagt, es liegen schon die Sachen parat. Forst. Ja, ja, er kann gleich mit gehn; zwar der Herr Hofmahler wollte noch herkommen. Aövoc. Daß ihm der nur nicht Sachen vor- fchwätzt, ihn etwan wieder von der Sache abbringt; die Künstler sind Hasenfüße und oben 'naus und nirgend an, und es wäre Schade, wenn das kleine Subject in Hunger und Kummer gerielhe, wegen einer Windbeutelei). Gnbcis. N. Klnd-rbibl. IV- B G 98 Forst. Nimm deinen Hut. Ant. Lieber Vater, noch von FrieSeArcheN lasten Sie mich Abschied nehmen; ste ist bey der Palhe und kommt bald wieder. Forst. Das wollen wir ihm noch erlauben. Advoe. Recht wohl, denn in vierzehn,Tagen werde ich ihn feines eigenen Bcßtens wegen nicht zu dem lieben Vater lassen, damit er sich bald i» sein Fach schickt, und sich an die Feder gewöhnt. Sein ergebener Diener, Herr Förster! das Kofferchen kann er wohl selber sachte mit hinschieben,(üb, bcglkittt vorn Forstn). Fünfte Scene. Ant Nein! bey dem hielt'ich's nickt aus! - Ich will Abschied vom Vater und der Schwester nehmen, will meinen Garten noch befthn, und dann forkgehn, so weit mich meine Füße tragen.— Freylich es wird Thränen kosten, bittere, bittere Thränen aber dort ist noch wehr als Thränen— dort ist unaufhörlicher Kummer und früher Tod!— Nein! mögen sie auf mich zürnen, ich muß forkgehn!— Du guter Gott! -u hast mich geschaffen, du hast mir Lust zu einer Kunst gegeben, die du gewiß auch liebst, weil sie schön ist; sorge für mich, wenn ich nackt und verlassen herumirre, und tröste meinen guten Vater.(ab) Tstntzeley st. TaMcrey; niryenh st. niudüscht» Die pathe st. Gotbl,- Rosterchen st. Kupiert; sachte st. ftaad; zürnen st. h«rd umdso; nackt st^uackük»der nockknd. 99 Dritter Aufzug. Erste Scene. Förster,^ofmahler. Förster. Ich weiß nicht, wo er bleibt; da tändelt er im Garten herum, besieht Blume» und weint— ich muß ihn nur herein hohlen. ^ofm. Laß er ihm doch noch die wenigen Augenblicke, er wird vielleicht sobald nicht wieder herkommen. Forst. Es ist aber bald Abend, und der Herr Advocat wird gewiß ungeduldig. ^ofm. Er wird's doch nicht gleich werden- Forst. Ja, er ist pünktlich und strenge- ^ofm. So sagt man. Ich wünsche, daß der gute Anton lange bey ihm aushalte. Forst. Er-muß— muß, Herr Hofmahler! da kann nichts helfen. Ich weiß, was menschliches Leben ist, das glauben Sie mir, hab's gefühlt und fühl's noch; heute wohl auf— oben hinaus— ehe du dich's versiehst— alles Glück weg, da, da liegst du am Boden. ^ofm. Und wozu diese Klage? Forst. Sind wir in der Jugend gewiegt und gestreichelt worden, da weinen wir, wenn wir groß sind, über alles, was vorgeht; haben wir auf Steinen geschlafen, Ruthenstrciche gelitten, da sind wir vollauf zufrieden, wenn nur die Erde nicht unter uns bricht. Lauert doch allenthalben auf uns Tod uud Unglück, lauert über uns, G 2 100 unter uns, neben uns. Lebt der eins auf, kommt der andere um, wird der eine reich und glücklich, muß der andere Bettler werden; das ist so, und wird so seyn, und mnß so seyn.— Herr, wenn ich itzt kleine Kinder härte, nackend wollt' ich sie in den Schnee stecken, zwischen Steinen wollt' ich ihnen ihr Bett machen, mit Dornen wollt' ich sie kitzeln, und ihr beßtes Traktament sollte Brot und"Wasser seyn, und bei meiner Seele! sie würden mir's am jüngsten Tage noch danken! Aber nicht wahr, das sind Ihnen böhmische Dör-- fer? Ja manchmahl wird man froh, aber das ist weg, wie ein Schuß Pulver, angezündet, weggcknallt, verloren! Aber die Traurigkeit, die schleicht einem nach, wie sein Schatten, das ist so recht die Gesellschaft für den Menschen; hören Sie, wenn mir einmahl die Freude in den Kopf kommt, da ist mir gerade, als wenn ich meinen Bruder aus Surinam sahe— den h. beu die Seeräuber lange über Bord geworfen. Hofm. Wozu denn aber das alles, wozu schwarze Dinge noch drey Mahl schwarzer färben? — Der Mensch muß es mit seinen Schicksalen machen, wie der Mahler mit seinen Gestalten, muß sie sich immer schöner und lieblicher einbilden, als sie sind. Ich laS neulich ein herrliches Trostlied an einen schwermüthigen Wittwer, das war wie aus meinem Herzen gesungen; sitzt sing' ich's alle Tage. Merk er sich die Worte, lieber Förster: Das Gcbäu von unsern Seufzern allen Ist fürwahr auf Mcnsckengrund gestellt. Glaubn du, wenn wir selbst uns nicht gefallen. Daß dem Himmel unser Thun gefällt? Nein, so wahr du mit verweinten Wangen Kein Geschick, wär's noch so hart, versöhnst; -G- Fris» und sröblich feinen Weg gegangen, Ist und bleibt der beste Gottesdienst. Merk er sich das wohl! Forst. Ha! Sie haben gut reden; kann ich rnir gefallen, da ich ganz zerstört bin? Kann ich frisch und fröhlich gehn mit den zerbrochenen Gliedern? (Anton kommt, alle Schubsacke vollgepackt. Er Orzr sprachlos auf seinen Baker zu und kiißr ihn). Zweyte Scene. ^ofm. Nein, guter Junge! du sollst-nicht. Fried. Ich muß— ich muß es druckt mir das Herz ab— Anton, du wirst böse auf Mich werden, aber ich muß. Forst. Was ist's denn? Ant. Schwester(mit Thränen) halt Wort! F-'b wohl! Fried. Nein, du darfst nicht, ich halte dich, f» lang ich Finger habe, du darfst nicht, ,die Nacht'bricht herein, im Walde stnd Räuber, wilde Thiere.^, Forst. In aller Welt! was sagst du? Fried. Ach guter Vater, will er's ihm vererben, der arme Bruder, er will— er will--- Forst. Was, was will er? Fried. Er will in die Welk gehen, und nicht zum Herrn Advocaten. Forst. Wollt'st du das? Ant.(fallt ihm zu Füßen) Ja mein Vater! Verstoß er mich nicht, ick wollte fortlaufen.— Der Wurm im Felde will ja frey nnd glücklich seyn, warum soll ich so früh schon wie in einem Kerker leben? warum soll ich nicht das thun, wozu ich Neigung habe? Ich will mir ja alles I 02 gefallen lassen, geb' er mir Wasser und Brot zur L>peife, und Stroh zum Lager, ich will nicht murren. Körst. Ha? so züchtigt mich Gott noch durch meine Kinder!— Du Verlorner Bube! Fried,(fällt ihm m Füßen) L> mein Vater! laß er ihn noch bey uns, er ist ja erst acht Jahre alt, verstoß er ihn nicht, er liebte ihn ja immer und hatte Freude an ihm. Forst. Geht ihr Schlangen!(will fort). Hofm. Bleib er, Förster, bleib er! Forst. Daß ich ihnen noch meinen Fluch gebe? Hofm. Nicht Fluch, nicht Fluch! Höre Vater, ich muß mein Herz ausschließen, hatt' cS längst schon gethan, aber ich wollt' erst das Äußerste abwarten. Gott ist wohlthätig gegen dich gewesen, sey du auch wohlthätig! Du hast zwey liebe, gute Kinder, ich bin einsam und kinderlos, gib mir deinen Anton! Ant. L Herr Hofmahler! Sie wollten sich meiner annehmen? Forst. Verflucht! wer da noch spotten kann? Das muß nur ein Mensch seyn. Forthinken will rch zur Polizei), und im Znchkhause soll die Schlange ihre Herberge finden! , Hofm. Sieh mich an, ist Spott in diesen Zügen? O wie könnte da Spott seyn, wo die Traurigkeit wohnt?— Hättest du mich bey der Leiche meines Frieöerichs gesehen, wahrlich dieses Wort wäre nicht über deine Lippen gekommen.— Soll ich denn nun ewig allein in meinem weiten Hause wohnen, soll dieß fühlende Herz nichts haben, was es mit heißer Inbrunst umfaßen könnte? Soll ich immer nnr den Schatten meines Frrederichs lieben? Immer nur mit Thränen rmd Sehnsucht lieben? Sich, der Knabe ist für d;e Kunst geboren, liebt sie mehr als Gluck und Leben, gib mir deinen Anton, er soll mein Kmd, mein Scknler, mein Erve seyn! Kost. War'es möglich?. rtofm. So wahr Gott lebt, das soll er l Zorst. Anton, Anton! du stehst so stumm da? Ant. Wenn ich reden könnte vor Dank und Forst. Fall nieder Junge, das ist Gott, der durch ihn mit dir redet. Aar.(fallt dem Mahler;u Fußen, und rußt ,'hmentchckr die Hände) Nur das Herz darf mit Gott reden; ich habe keine Worte;— weinen und schweigen, das nur kann ich mein Retter. ^ofm.(hebt ihn aus) Lieber Rnahe, du sollst «Ute Tage haben, wie du ein gutes Herz hast! zörst. O Herr Hofmal,lec! das sind seltene Lbranen, smd Freudenthranen--Segen Got- re-dem edlen Manne, der den Krnpel werneu machte— Ach ich will sie sorgfältig abtrocknen, will das Tuch dort aufhangen, wie ein Heilig- rhum, und wenn die schwarze Laune mich wieder anwandelt, dann will ich hinsehen, mich trösten und sagen:" Da, da hab' ich auch Freuden- thrancn geweint. Mt ihm um den Hals). Fried. Ach mein Anton! ich bin wie neugeboren; nun brauchst du nicht davon zu gehen, kannst immer mahlen; ach, und wirst ein gro, str, großer Mahler werden. Die^ande Vußen st. st. Hamor. die Hände bullen; Laune 164 Dritte S c e n Vorige« Der Aövocat. ASvocar. Nur im Vorbeygehu, Ihr ergebener«servilem- ach da ist er noch— hat rec,)t geweint- wollen ihn schon wieder aufhei- ^( Wt ibn ün) komm, mein Söhnchen! rch null dich selbst einfuhren. Förster. Verzeihen Sie« Herr Advocar! und sie«ei> Sie mit mir! Gott hat wunderbar- ^lorgt, dieser edle Mann nimmt Ihn zu sich. Aövoc. So? als Lehrjungen? ^o,m. Weichen Rahmen Sie auch brauchen« er-st mein Schüler, mein Kind! Er war so fell entschlossen, Mahler zu werden, daß er. statt zu Ihnen zu gehn, in die weite Welt laufen wollte. Aövoc. Was hör' ich? Er hak davon lau- ,^-tiose desertiren? Mein Herr Korster. Viel Obligation für den jungen Lauser> Ehrlichkeit und Treue ist das erste Erfordmß zu einem Advoc- Schreiber, wollt' ich sag.'n — so gut wre zu einem Advocaken. Werden Sie ihn immer behalten, Herr Storkau? ^ofm. So lang ich lebe. Aövoc. Recht christlich! Sie verdienen sich Gottes Lohn! Nur hätten Sie es eher declarircu ,ollen, so hätt' ich meine Wege erspart, mir nicht vergebliche Muhe gemacht— eine halbe Stunde ,st bey mir Goldes werth! Und ich habe einen memer besten Schreiber, dem ich Mlters wegen Zuichnß gab, schon verabschiedet, weil ich mir von dem Knaben große Dinge versprach— Lau- 10' ter Unordnung nunmehr!- Das hat man alle Mahl davon für den guten Willen— ich wik er auch von heul an verschworen, einem Menschen wieder Gefälligkeiten zu erweisen.— Gehorsamer Diener(gehl ab). V i erte Sc e n e. Vorige. Fdrst. Den haben Sie sich wohl gär durch Ihre Großmuth zum Feinde gemacht?,^ Ehre für mich! Er war so mem Ferr., denn er ist cher Eigennützigste und Hartherzig seiner Art. Glaubt er wohl, sobald er ihm d u Anton versprochen hatte, fängt er muthnnmg mir einem alten Schreiber, den er aber bezahl, mußte, Zank an, und schimpft ihn so lange auf die entehrendste Art, bis er seinen Hut mmmt mm fort geht. Er war bey mir, nnd klagte mir o mit Thränen., Forst. S wie viel bin ich Ihnen schuldig! ^ofm. Nun Anton, nimm von»einem Vater Abschied!^^ Am. Tausend Dank, mem Vater! für daS tausendfache Gute, das er mir erwiesen hat; ich will's nimmermehr vergessen, will täglich für ihn zu Gott bethen, und mich so aufführen, datz er noch oft solche Thränen weinen soll, wie vorhin.^^. Forst. Ehre Gott, lieberKnabc! durch deine Werke, liebe deinen neuen Vater, deinen Retter; aber vergiß darüber den alten Lahmen inuik, der dich zeugte, aber nichts für dich hat, als ein gutes, echtes Vaterhcrz! Zrreö. D mein Bruder, ich bin so froh und so traurig! Denk an mich, wenn wir auch gepennt stutz(Sie umarmt ihn, Anton kann vor Bewegung nicht sprechen). - sofm. Leb er wohl, Förster? preis' er Gott v-rrch Zufriedenheit und Ergebung, und sein Älter wird gesegnet seyn!(umarmt ihn) Komm nun, r eher Junge! aber steh noch einmahl die Hütte au, wo du gewohnt hast! Nimm ihr Bild mit orr! Laß es nie aus deinem Herzen schwinden! Las immer Einfalt und Unschuld deine Hände fuhren, und Gott im Himmel segnet dein/Werke!— Dank weinen die Enkel deiner Asche! (tra,t den Knaben tiefbewegt fort, Friederike läuft Mtt) MrM mir, Richter im Himmel! ;c,- will nicht wieder rasen, will meine Lasten tragen getrost und muthig, bis der Todesengel mir zuruft:"Es ist genug!„ Ende des Schauspiels. Aus H. A. TVmkopps neuem Rinderfreunde. Die arme zufriedene Spinnerinn. Ich bin ein armes Mädchen, Verdien' mein täglich Brot Gar sparsam mit dem Rädchen: Doch klag' ich nicht uni Noth. Schweigt stille, bange Sorgen! Das Klagen nützt nicht viel; Heut bab' ich g'nug, und morgen Sev's, wie der Höchste will. Dorr!n dem blauen Himmel Wobnk aller Barer, Gott; Er siebr auf das Gewimmel, Er kennet unsre Noth. Er blickt auf's Würmcbcn nieder, Das in den Halmen klimmt. Drum stink und rasch ihr Glieder, Mir ist es so bestimmt- Den Reichen quält auch Kummer; Har jeder seinen Theil. Auf Arbeit folget Schlummer, Auf Tugend Glück und Heil. Dann tragt man mich in Bretchen Gemach der Erde zu; Drum rundum, rundum Rädchen! Dann magst auch ruhen du. Hmmchen. Ihr seyd doch recht glücklich, sprach dieNach- bariim zu Männchens Mutter. Eure Tochter ist noch so jung, und doch schon so emsig und geschickt, daß sie euch bald überall helfen kann. Mein Mädchen ist nicht so. "Ja sehet, antwortete die Mutter, es kam mir die Einrichtung zu Statten, daß den halben Tag keine Schule ist. Da ließ ich Männchen nicht müßig gehen, sondern hielt sie zur Arbeit an, daß sie sich daran gewöhnte. Jetzt kann ich sie schon so gut brauchen, als eine Magd. Ich hoffe, sie soll auch mit der Zeit eine gute Hauswirthinn abgeben.,, tzannchen hatte es gehöret, da die Nachbarinn sie lobte, und es frcuere sie recht im Herzen, daß die Mutter so mit ihr zufrieden war. Aus den kleinen Erzählungen. Das Clavier. SüK ertönendes Clavier, Welche Freuden schaffst bu mir? In der Einsamkeit gebricht Mir es an Ergehen nicht; Du bist, was ich selber will, Bald Erweckung und bald Spiel. Bin ich frob, so tönet mir Gleich ein Freudenlied von dir; Fubl' ich Wehmut!) oder Pein, Klagend stimmst du mit mir ein. Heb' ich fromme Lieder an, Wie begeisterst du mich dann! Niemahls öffne meine Brust Sich der Lockung falscher Lust! Meine Freuden müssen rein. So wie deine Saiten seyn, And mein ganzes Leben nie Dbne süße Harmonie. Weiße. Die hüpftr-de Perücke. Eine Anekdote. Ein gewisser Wirthschaftsverwaltcr machte stmergnadigen Hcrrschüft sein Compliment. Gleich beym Entritt in das Zimmer fing seine Perücke zn wackeln an. Je weiter er sich der Herrschaft näherte, desto unruhiger wurde die Perücke. Und als er in die Mitte des Zimmers kam, hüpfte gar seine Perücke in die Höhe, und wollte nicht mehr auf dem Kopfe bleiben Wer mußte da nicht «achen, der diesen lustigen Pcrückentanz sah? Wie das zuging, will ich meinen Leser» und .Leserinnen sagen. Man hak auch Perücken, wei- che von Eiftndraht gemacht sind; und dieß war eine solche..^ "Ja, tanzen denn Drahkperucken zu Zeiten-.„ höre ich meine kleinen Leser und Leserinnen fta- Äktt. Ja, das thun sie— und alles, was von Eisen oder Stahl ist, wenn ein Magnet in der Nahe ist. Und in der Mitte dieses Zimmers hing von der Decke desselben ein ziemlich großer Mag net herab. Denn ihr müsset wissen, daß dcr Mag- netstcin Eisen an sich zieht- Aus I- May's Lefchaftigungen für Rinder in ihren 8reystunden. Freuden des Winters. Freunde, laßt uns lustig sonn! Brich- itzt gleich der Winter ein; Möcht' er auch noch ärger wüthen, Wollen wir doch Trotz ihm biethen; Unsre Rüstung macht uns stolz,, Denn Gott gab uns Pelz und Holz. Wollt ihr schöne Blumen sehn: Laßt uns an die Fenster gehn, Ohne, daß wir ihrer warten, Seht ihr, wie im schönsten Garten, Blumen, die ihr minder kennt. Als die aus dem Orient. Blickt nach jenem Tannenwald: Welche prächtige Gestalt! Kronenleuchter mit Juwelen Hak noch nie auf unsern Sälen So der Reichthum ausgeschmückt, Als ihr hier in Meng' erblickt. In ein silbernes Gewand Hüllet sich das girnze Land,; 1 10 Kleine-Federbüfche decken Die bereisten Sträucher, Hecken, Und ein glänzendes Krystall Bauet Brücken überall. Nun hinab auf jenen Teich! Welche Freuden beut er euch! Unter flügelschnelle» Schritten Fliegt der Boden weg, und Schlitten Eilen mit euch, wie der Nord, Über helle Spiegel fort. Doch die kalten Lüfte webn Euch zu scharf zum Widersteh»- Fort, zurück in eure Zimmer! Seht, der angenehme Schimmer Vom wohlthätigen Kamin Lockt euch wärmend zu sich hin. D, ein guter Vater harrt Hier auf eure Gegenwart, Euch durch lehrende Geschichten Angenehm zu unterrichten: Und die Mutter von dem Haus Theilt gebratne Apfel aus. Bald gesellen sich noch mehr Kleine Freunde um euch her: Singt ein Kinderliedchen, singet, «.Macht Ä Tänzchen, hüpft und springet! Fehlt Musik, wer trällern kann. Stimm' ein lustig Stückchen an. Meiste. Za§ Vergnügen. Seyd fröhlich, ihr Kinder! Denn Frohsinn ist gut- Doch lernet nicht minder' Was Können, gibt Muth. Zm Nichtsthun, in Freuden nur. leben, macht schwach. Doch thätiger Freude folgt Lebenskraft nach I! 1 Eonrad floh die Arbeit. Wo's aber^ lustig verging, war er dabey. Springen, hüpfen, singen, spielen, auf Wagen, Schlitten oder in Schiffen fahren, den Ball schlagen, den Drachen fliegen lassen, bey Kinderkomödicn Rolle» spielen— das war seine Freude. Schule und Arbeit aber waren ihm ein Eckcl. Er wurde groß; er war unwissend und ungeschickt. Spielen wollte niemand mir ihm, und reden konnte niemand mit ihm, weil er so dumm war. Das machte ihn traurig. Sein übermäßiges Springen hatte ihm die Abzehrung zugezogen. Er starb im zwanzigsten Jahre voll Elend und Reue. Das will ich besser machen, dachte Martin. Er vermied alle Lustbarkeit, und selbst jedes erlaubte Vergnügen. Schriften schreiben, Aufgaben lernen, zeichnen und mahlen, ganze d?cke Bücher durchlcsen, täglich acht bis zehn Fleißschriften ausarbeiten— das war feine einzige Beschäftigung. Kein Lachen erheiterte sein Angesicht. Und weil er darüber gelobt wurde, fing er an, noch in die späte Nacht hinein zu arbeiten. Den Beyfall vieler Leute hatte er wohl; aber er bekam auch einen schief gewachsenen Körper, ein grämliches und kränkliches Aussetzn; er wurde schwächlich an Leib und Seele. Er war so empfindlich, daß er über eine rauhe Antwort Stunden lang weinen konnte. Zu Arbeiten, wozu Kraft, Muth und Lebhaftigkeit erfordert wurde, war Martin nicht zu brauchen. Er erreichte das Manns alter nicht, und starb an einem Brustge- fchwar, das er sich durch zu vieles Schreiben und die beständige Einathmung der Zimmcrluft zugezogen hatte. Joseph aber wählte den klüger» Theil Er arbeitete frisch weg, was er zu arbeiten hatte. LI2 Dazu hatte er ordentlich die Stunden des Tages eingetheilet. Nach jeder Beschäftigung von ekli- öe» Stünden halte er seine Erhohlung. Da sah er sich um Kameraden um; mit diesen scherzte, lachte, sang, plauderte oder spielte er, je nachdem sie gutes Muths waren. Vor Unarten und schädlichem Übermaß aber hüthete er sich. War die Zeit der Erhohlung zu Ende, hüpfte er eben so freudig wieder an seine Arbeit, wie auf den Spielplatz. Alles ginggut. Er blieb gesund, wurde verständig, und jedermann hatte ihn gern um sich, weil er so munter und freundlich war. Er wuchs zum edlen Manne, stiftete viel, viel Gutes. Als Greis erntete er die Segnungen seiner Mitmenschen ein, und mit Zufriedenheit sah er aufsein geführtes Leben zurück. "Arober, guter Muth Nacht gesundes Blut; Fröhlichkeit und Scherz Stärken Geilt und Herz: Ey! drum wollen wir uns freun?,, "Doch bey gutem Muth, Frischen, leichtem Blut, Fröhlichkeit und Scherz, Muß stets unser Herz Tugendhaft und weise seyn G. Die Lerche aus dem Käfig und die Feld- lerchen. Eine Fabel. Eine Lerche, die etliche Jahre im Käsige eingesperrt war, und etliche Stücke nach demWcrk- ch» ßnqen gelernt hatte, wischte einst, da der Käsig offen geblieben war, hinaus, und auf den nächsten Acker. Hier traff sie einige Fcldlerchen an. Gleich sang sie diesen ihre Liebchen vor, und dachte Wunder, was sie aus ihrem Gesänge machen würden. ElnigeZeik hörte» sie ihrauch verwundernd zu, bis sie der Hunger nöthigte, in ein fernes Feld um Nahrung zu stiegen. Da wollte die schöne Sängerinn such mit fort. Sie flog nicht lange, so siel sie matt auf die Erde herab. Ihre Flügel waren durch die lange Gefangenschaft zu steif geworden. Sie konnte sich daher nicht lange in dpn Lüften erhalten. Da sagten die andern:'"Guten Appetit zu den verfaulten Körnern hier! Singe dich itzt satt, weil du das Nöthige darüber verlernet hast." Gleichen Nutzen werden auch Kinder haben, die zur Erlernung unnützer Dinge zu viele Zeit verwenden, und darüber ihre nothwendigen Geschäfte versäumen» L. Ehimani. * Ti fchli e d. Gesund, mit frohem Muthe, Genießen wir das Gute, Das uns der H! minels- Vater schenkt- O preist Ihn, Bruder! preiset Den Barer, der uns speiset, Und unser Herz mit Freude tränkt! Er ruft herab: Es werbe! Und Segen schwellt die Erde; Der Fruchkbaum und der Acker sprießt, Es lebt und webt in Tristen,, In Wassern und in Lüsten; Und Milch und Wein und Honig fließt. Verehre! seinen Nahmen, Und strebt Ihm nachzuahmen. Ihm, dessen Huld Ihr nie crineßt; Der alle Welt zu segnen, Auf Gut' und Böse regnen,^ Und seine Sonne scheinen läßt- Gabel«. N. KinLerbibl. IV. B- H j,4 Mit herzlichem Erbarmen Rctchl eure Hand den Armen, Weß Volks und Glaubens sie auch seyn! Wir sind nichr mehr, nicht minder, Eind alle Gottes Kinder, Und sollen tins, wir Bräder, freun l voß. * Die QueNe und der Wanderer. Eine Fabel. Zu eitter eiskalten Quelle kam ein Wanderer in der größten Sonnenhitze. Er war lang und schnell gegangen; der Schweiß stand auf seiner Stirne; seine Zunge lechzte vor Durst. Da sah er dieß silberhelle Wasser, glaubte neue Kräfte durch solches zu sammeln, und trank. Aber die zu große, zu schnell abwechselnde Kälte wirkte schädlich auf ihn, und er sank krank auf den Boden. Ach! schändliches Gift, rief er, wer hätte unter einem so reihenden Anschein eine solche Bosheit vermuthet! Und wie sehr irrst du dich, rechtfertigte sich jene, wenn du ein Gift mich schillst! Sieh, die Flur rund um mich her lebt und grünt durch mich. Von mir erguickreu sich die Herden und tranken lausend deiner Bruder; deine Unvorsicht allein machte meinen Genuß dir schädlich, und bringt dir vielleicht den Tod, wo mäßiger Gebrauch dein Leben verlängert hätte. Meißner, —K— Ehrfurcht gegen Ältern. Damit es euch wohl gehe im Himmel»Ud auf Erde. erfüllet bis in den Tod den Befehl eures Gottes: Ehre Vater und Mutter! Beweiset euren Ältern Liebe, Gehorsam, Ehrerbietung und Dankbarkeit. Habt ihr auch wohl schon bedacht, liebe Kinder! wie viel eure Ältern für euch, zu eurem Beßken- thun? Dom frühen Morgen bis zum Abend sorgen sie für euch, kleiden und ernähren euch: sie unterrichten euch liebreich in allen Pflichten, und lehren euch das Böse meiden. Wer ist in kranken Tagen für eure Heilung besorgt? Wer sucht Gefahren von euch abzuhalten, oder wer kommt euch in denselben zu Hülfe? Wer schickt euch in die Schule, und weiset Luch zu allem Guten au?-- O wie groß ifl die Liebe der Ältern zu ihren Kindern! S danket denjenigen, die euch erzogen haben, und noch erziehen. Ohne diese wäret ihr kleine Wilde, ckelhate, schmutzige Kinder, vielleicht gar wie sprachlose, unvernünftige Thiere geworden. Einst verlohr sich ein kleines Kind von seinen Ältern weg in einen Wald, wo viele Bären waren. Die Bären thaten ihm nichts zu Leide, sondern fütterte» es, und ließen es mit sich laufen. Da wurde das Kind wie ein Bär, kroch Auf allen vieren, lernte nie sprechen, blieb ohne Vernunft. Ach die lieben Ältern! ich habe sie recht lieb. Ich will nun auch recht gut seyn, daS ich ihnen viele Freude mache. Ich will ihnen gehorsamen» und alle Tage bethen: H« Dir dank' ich, Gott?, für jede Gabe, Die ich von meinen Altern bade. Hilf, baß ich stets der Pflicht getreu, Auch gegen sie recht dankbar sey. Was für böse Kinder müssen es seyn, die ihre guten Ältern durch Ungehorsam erzürnen, durch Muthwillen ärgern und durch Gottlosigkeit betrüben? Solchen bösen Kindern hat Gott schwere Strafen gedrvhet, die gewiß nicht ausbleiben» Dankbaren Kindern, die Vater und Mutter ehren, hat Gott die Verheißung gegeben, daß sie Glück und lattges Leben zum Lohn von ihm empfangen sollen. Suchet ja, liebe Kinder? diesen, verheißenen Segen zu erlangen! Bethet Yft: Dieses Glück gib, Herr! auch mir! Ältern ehren, dieß ist billig, Und gefällig, Gott! vor dir, Mach du selbst dazu mich willig! Wohl mir dann! es wird auch mein Dein verheißner Segen seyn. Nur leichtsinnige und zu strafbaren Ausschweifungen geueigic junge Leute murren gegen die Zucht ihrer Ältern; nur sie wünschen außer dem Hause und fern von den Augen ihrer Ältern und Lehrer nach ihrem Eigenwillen zügellos zu leben. Dieß ist der Grund von dem Unglück mancher Jünglinge. Wenn eure Ältern alt und schwach werden, da gedenket ihrer wiederum, daß ihr sie, so viel in eurem Vermögen steht, pfleget, erfreuet und versorget. Behaltet bis an euer Ende ein dankbares Herz gegen sie. Hans war ein böser Bube. Er entfloh seinen Altern, wurde zuerst ein Bettler/ dannDieb und Mörder, endlich eingezogen und— aufgehangen. Wer Vater und Mutter nicht folgt, muß einst den Gerrchtsdienern folgen. Ein junger Mensch ist seinen Ältern öfters davon gelaufen. Sein Vater züchtigte ihn deßwegen, und ach, der böse Bube! mit einer Holz- axt schlagt er Vater und Mutter todt.— Du sollst Vater und Mutter ehren! Ein Sohn eines armen Mannes war gegen feine dürftigen Ältern immer so dankbar, daß er ihnen Jahre lang die Halste von seinem Wochen- lohn hingab. Diese kindliche Treue gefiel einem reichen Bürger so wohl, daß er ihm nach seinem Tode sein ganzes Vermögen überließ. Als man einem Mädchen sagte, daß ihr Vater gestorben sey, weinte sie überlaut: Mein Vater gestorben? daß Gott erbarm! Erst meine Mutter und dann mein Vater! o ich armes, verlassenes Mädchen: ohne Ältern— o mein Vater! o meine Mutter! Anna verlor schon früh ihre Ältern. Sie kam zu fremden Leuten, bey welchen sie, wie ein Hund von einer Ecke in die andere geflossen wurde, und alles, was sie anfing, war nicht recht. Da wurde sie heimtükisch und boshaft, weil ihr immer unrecht geschah. ZorrfetzunF. Auch verlegte sie sich auf das heimliche Naschen und Mausen, weil sie oft Schlage bekam, wenn sie Brot forderte, daS ihr sehr sparsam ge- reichet wurde. Dieß machte sie vollends Unglück- kch. Ein anderes Mädchen bemerkte hiess-,«yh sprach deßwegen oft bey sich selbst: Dieß ist b!« brste Himmelsgabe, Daß ich so gute Ältern babe. Auch Gtiefaltern sind unftrer Liebe werrh. Ein Knabe wollte sich gar nicht zufrieden geben, als feine Stiefmutter starb, und aß vor Traurigkeit in Zwey Tagen keine» Bissen. Denn er hatte seine Stiefmutter lieber gehabt, als manche Kinder ihre rechte Mutter haben, und sie war ihm auch so liebreich begegnet, als ob er ihr rechter Sohn wäre.— Liebe bringt Gegenliebe; Aus dem moralischen Lesebuche für Binder. * Ume Mordthat aus Aberglauben.. Im Jahre den iZ, März trug sich in dem Dorfe Gssowo, welches in Poinmerellen liegt, und dessen Einwohner größten Theils Edelleute sind, die sich vom Ackerbau ernähren, eine höchst traurige Geschichte zu. Einer unter Leu Edelleuten daselbst, Andreas von Zabinskp, hatte dem Bauer Mathias Bopka ein Gartenhaus vermuthet, wodurch beyde Familien in einen nähern Umgang kamen. Die Frau des Edelmannes bemerkte allerley kleine Unglücksfälle in ihrer Wirthschaft, seit dem die Bopka in ihrem Hause wohnte. Sie ge- rielh dadurch auf den Verdacht, daß jene es- «e Hexe*) sey, die sich wegen einigen vorgefallenen Zänkereyen durch Zaubern an ihr zu rächen suchte, Um diese Zeit wurde das Fräulein Agnes von ZabrnsVx an dem rechten Knie und Schenkel lahm und hatte viele Schmerzen auszustehen. Ob nun gleich der Arzt versicherte, daß dieß bloß von einer gichtischen Materie herrührte: so hielt doch die Frau Mutter diesen Zufall für eine unnatürliche Krankheit, die eine Wirkung von der Zauberer) der Ropka wäre. Sie erklärte darauf die unschuldige Bauersfrau nicht nur in dem ganzen Dorfe für eine offenbare Hexe; sondern sie trieb auch ihre Rache so weit, daß sie den Dorf- schulzen fRichker) und die Gemeinde bewog, mit der unglücklichen Ropk« die wasserprode**) an- *) wurden in dkg aherglaubigen Zeiten diejenigen Mesonen genannt, von«eichen man glaubte, daß sie mit dösen Geistern in Verdindnng stehen, und durch ihre Macht allerley übernacmliche Dinge, auch nun Schaden der Menschen verrichten können Allein sowohl nach der heiligen Schrift, Kelche(aPekr. rr. 4.) lehret, Laß die dosen En» gel auf einem von unserer Erdkugel weit entferntes Weltksrpcc sind, von dem sie sich nicht entfernen Sönnen, als auch nach allen vernünftigen Einsichten gibt es keine Hexen. Und unverantwortlich handeln diejenigen, welche den Kindern lügenhafte Erzählungen von dergleichen Geschöpfen. oder von G-sxenstern, Zauberern, Kobolden und Wahrsagern vormachen. A. r>. «») Lormahls bildeten sich nicht nur gemeine Leute, sonder» anch obrigkeitliche Personen etu, daß M L2S zustellen. Es wurden daher zur Abhohlung der armen Frau Andreas von Zabinskx, dessen Sohn und etliche Bauern abgeschickt. Diese schleppten die bedaurungswkrdige Person mit Gewalt nach einem kleinen nahe vor dem Dorfe liegenden Leiche. Sie mußte sich daselbst bis auf's Hemd ausziehen. Die Frau von'Aa.: binsky besprengte den Teich mit Weihwasser, und Hexen im Wasser öden schwammen. Sie waren schwach genug, zu glauben, daß die Leiber der Hexen durch ihre Gemeinschaft mit dem Teufel andere Eigenschaften bekäme»/ unter welchen auch diese mit begriffen wäre/ daß sie leichter als das Wass c wurden. Wenn daher ein altes Weib wegen ihrer rothen Augen ihnen verdächtig war, oder andere Personen der Herrrcy beschuldigt wurden: so stellte man mit ihnen die wafferpvohe an/ um dadurch ihre Schuld oder Unschuld zn entdecken. Bey derselben gebrauchte man allerley Gebräuche, Der Beschuldigte ward zuvor in die Kirche geführt. Man hielt Messe und beschwor das Wasser/ daß es sich in der Offenbarung der Schuld oder Unschuld des Beklagten kräftig erweisen möchte. Darauf wurden solche unglückliche Leute an das Wasser geführt. Man band ihnen ihre Daumen kreuzwcis an die großen Zehen, und warf sie nackend hinein, Rur ließ man den Frauenspersonen zu ihrer Bedeckung noch einen kleinen Unterrock am Leibe. Aon denjenigen/ die untergingen/ glaubte man/ daß sie unschuldig wären; die andern aber/ die auf den» Wasser schwammen/ hielt man für schuldig. Und diese wurden sogleich verurtheilt/ lebendig verbrannt zu werden. Damit nun nicht die Unschuldigen im Wasser ersaufen mochten« so ward einer jeden Per- ihr Sohn band der vermeinten Hexe die Hände und Füße kreuzweis mit Stricken von Stroh zusammen, Der Schulze ließ sie hieraufauf ein drey Ellen langes und eine Ehle breites Bret setzen. An dieß Bret befestigte Franz von ZaNns^ einen langen Strick, warf ihn seinem am entgegen gesetzten Ufer stehenden Vater zu, und dieser zog alsdann das Bret mit der Ropka ins Wasser. Kaum war dieses geschehen, so fiel sie sogleich von dem Beete ins Wasser. Die Skrohftile loseren sich auf, und sie kam wieder an das Ufer. Dieser Versuch befriedigte die aufgebrachten Edelleute nicht. Sie wiederhohlten daher solchen zum zweyten Mahle und der Erfolg davon war abcrmahls, daß die arme Frau wieder an das Land schwamm. Nun zweifelte man nicht mehr daran, daß sie eine Hexe sey.— Ihr Mann, der mit ihr se Jahre eine zufriedene Ehe geführt hatte, und sie noch immer für unschuldig hielt, glaubte ihre Unschuld auf keine andere Art erweisen zu können, als daß er die Wafferprobe nochmahls wiedcrhohlen ließ. In dieser Meinung lief er den versammelten Leuten nach, die sich schon auf dem Rückwege nach dem Dorfe befanden, und forderte sie sämmtlich son, mit der man die Probe«»stelle» wollte, ein Strick um den Hals gebunden, woran man diejenigen, die zu Grunde gingen, sogleich wieder heraus zog. Geschah die Probe an einem Fluße: so hielten zwey Personen, wovon die eine an der einen, uud die andere an der andern«Leite des Flußes stand, das Ende des Strickes in ihren Handen und gaben auf den Hineingeworfenen Acht. und besonders die Zabinskyfche Familie auf, mit seiner Frau nochmahls einen Versuch zu machen, sie besser zubinden, sie mitten auf den Teich zu ziehen, und sie alsdann ins Wasser zu werfen. Dieß geschah. Man band die arme Frau mit hänfenen Stricken kreuzweis zusammen. Die beyden Habinskv nahmen sie unter die Arme, wadeten mit ihr in den Teich, und warfen sie sodann so weit vorn Ufer, als sie konnten. Ein anderer Edelmann stieß sie hierauf mit einem lange» Stäbe i» die Mitte des Wassers. Allein, die bedanrungswürdige Frau schwamm eine lange Zeit auf dem Bauche in dem Teiche herum, bis sie endlich, vermittelst eines an ihr befestigte» Strickes, wieder heraus gezogen und losgebunden wurde*), *) Das Schwimmen und Untersinken solcher unglücklichen Personen rührte bloß aus zufälligen Ursache» her. Wir wisien, daß ein Körper im Wasser um so viel leichter werde, als das Wasser wiegt. das er aus seiner Stelle treibt. Nun treibt der menschliche Körper fast eben so viel Wasser aus der Stelle, als er selbst schwer ist. Daher halt er auch mit dem Wasser beynahe das Gleichgewicht und kann durch einige Bewegungen leicht anf demselben schwimmen, (Ja einige fette Menschen können es gar nicht dahin bringen, daß sie untersinken.) Bey jenen be- daurnngswücdigen Perlonen kommt noch in Betrachtung, daß sie, indem man sie ins Wasser warf, mit Furcht und Schrecken erfüllt wurden, in der Angst tief Athem höhlten und eben dadurch aus Unwissenheit ihr Schwimmen beförderten. Den» spbeld ein Mensch die Luft cinathmel, wird davon sein Banch ausgkdchnt, Er treibt alsdann noch mehr Nun hielten die anwesenden Edelleute sich für überzeugt, daß sie eine Hexe ftp, und glaubten alle Arten von Grausamkeiten an ihr ausüben zu könne». Fast alle, und vornehmlich die Za- bmokpsche Familie, schlugen sie auf eine unmenschliche Weift, und verlangte!!, daß sie das Fräulein A^ncs entzaubern sollte. Nachdem sie dieselbe lang genug gemartert Wasser aus der Scrlle, und wird dadurch um so viel tttchter. Daher er denn nalmlichcr Weise eine Zeit lang auf dem Wasser erhalten wird. Die Art des Binden« trug gleichfalls dazu nicht wenig bey. Denn da Lammn und Zehen zusammen gebunden waren r so lagen sie der Länge nach a»f dem Waffer- wodurch das Schwimmen erleichtert wurde. Den Unkcrrock war bey den Frauenspersonen ebenfalls ein Mittel, sich schwimmend zu erhalten, um hernach desto sicherer verbrannt zu werden. Auch konnte dabey sehr leicht ei» Bet:ug geschehen. Denn, wenn die Leute, die Las Seil hielten, solches nmr ein wenig anzogen: so war es nicht möglich, daß der Beschuldigte im Wasser zu Grunde gehen könn- tt. Dd eS nun gleich ganz natürlich zuging, daß Personen, mit denen die SLass-rprobe angestellet wurde, schwammen: so waren doch in den damahligen Zeiten die Richter einfältig genug, solche unschuldige Leute für Heren zu halten, und sie zu den erschrecklichen«strafe: lebendig verbrannt zu werden, zu verurlheilen. Gott Lob, daß wir über diese Zeilen weg sind! Wir haben Ursache, Gott dafür zu danken, daß er durch LaS Licht, welches die Nakurlehre anzündet, diese Finsterniß des menschlichen Verstandes vertrieben, und dadurch rinen s» dummen Abehglaubtti gestürzt ha«. hatte», beschlossen sie sämmtlich, daß sie in das Dorf nicht wieder zurück kommen sollte. Ob nun gleich die gemißhandelte Frau ihre Unschuld betheuerte. um Erbarmung flehte, und nur bath, sie von der Erde aufzurichten: so wurde ihr nicht nur ihre Bitte versagt, sondern ein Edelmann nahm vielmehr dadurch Gelegenheit, sie aufs »eue mit einem Stocke so lange zu schlagen, bis er sprang, und mit dem in der Hand behal- tenen Stück stieß er sie unter den Worten ins Gesicht: Steh' auf Bestie, und zieh dich an! Nun ginge» die Versammelten in das Dorf Zurück und ließen die bedaurungswnrdige Frau ohne alle Hülfe unter freyem Himmel in der Abendkalte liegen. Endlich kamen ihre beyde» Töchter; von dem Elende ihrer Mutter gerührt, hoben sie sie von der Erde auf, und führten sie an ihren Armen bis an die äußersten Zaune des Dorfes, woselbst sie wegen ihrer große» Schwachheit liegen blieb. Gegen Abend beredeten sich die Edelleute, sie über die Grenze zu bringen. Iranz von Zabrnsky spannte zu dem Ende den Mist- wagen seines Vaters an, legte die unschuldig gemißhandelte Fra« darauf, und fuhr unter einer zahlreichen Begleitung mit ihr weg. Unter Weges handelte er noch so unmenschlich, daß er ihr die empfindlichsten Peitschenhiebe gab, und seine Mutter schrie beständig: sie sollte die Agnes entzaubern. Als sie bereits ziemlich weit gefahren waren, zerbrach das Wagenbret, woraus sie lag, und sie fiel mit demselben auf die Erde. Sie weinte auf das bitterste und bath um die Barmherzigkeit, sie nicht so hülflos ohne Kleider zu lassen. Allein die Anwesenden hatten mit ihr nicht daS geringste Mitleiden. Sie waren so unbarmherzig, daß sie dieses bejam- mernswmdige Frau, deren Leib mtt Wunden und Striemen bedeckt und vor Kalte crirarrt war, auf freyem Felde liegen ließen, und ganzsuhllos nach dem Dorfe zurück gingen. Ihr Mann, der sie aus Furcht vor den ihm angedrohten Schlagen verlassen halte, und den die zum dritten Mahle angestellte Wasserprobe m der Überzeugung von der Unschuld seiner Frau wankend machte, wurde doch von Mitleiden und Liebe zu seiner treuen Ehegattinn so sehr gerührt, daß er hinlängliche Kleider zu sich nahm und dem übrigen Haufen nachging. Dieser war schon auf dem Rückwege. Er vermied solchen. Und fand bald darauf seine unglückliche Frau auf dem Wege sprachlos liegen. Sie röchelte nur noch, und aus der Nase und dem Munde floß häufiges Blut. Alle Mühe, die er sich gab, sie aufzurichten und anzukleiden war vergebens; sie rang bereitt, mit dem Tode. Er bedeckte sie mit Kleidern und ging in einer Art von Verzweiflung nach Hanse zu, rück. Als er etwa anderthalb Stunden nachher wieder kam, fand er sie todt. Auf diese so unbarmherzige und grausame Art mußte die bedaurungswürdige Frau, die nach Aussage aller abgehörte» Zeugen jederzeit stille und ehrbar gelebt hatte, und durch die dumme Bosheit der Zabinskyschen Famme m Leu Verdacht der Hcxcrey gekommen war, ihr Leben beschließen, nachdem sie unmenschlich war gemißhandelt worden, und die größten Martern ausgestanden halte. Ihr hinterlassener Mann war vor Schmerzen außer sich- Erlief zum Psan>.r zu wiele, um ihm den Vorfall anzuzeigen uns Striemen it. Rage-, bey ihm Beruhigung und Trost zu suchen- Dieser gab dem Landvvigteygerichte zu Romg davon Nachricht, welches sogleich die Verbrecher der Untersuchung unterwarf. O was für betrübte und erschreckliche Folgen können in dem gesellschaftlichen Leben entstehen, wenn Menschen die Stimme der Vernunft nnd der Religion verachten, und dem Aberglauben Gehör geben! Aus 2.^elmuths Volksnaturlehre * Zuruf an Zünglmge. Was steht ihr am Wege So müßig und träge Zu Arbeit und Mäh? Wer immer nur sinnet, Und nimmer beginnet, Der endet auch nie- Drum weg mit dem Zaubers, Drum weg mit dem Plaudern Won Tugendgefühi! Nicht bloß mit Empfinden, Mit Handeln nur finden Wir endlich das Ziel. Schön ist es, zu lehren, Die Tugend zu ehren. Das Laster zu stiehn; Doch schöner, wenn Saaten Vortrefflicher Thaten Das Leben umblühn! Antwort der JüngÜngi. So sey es! Wir schwören. Die Tugend zu ehren Mit Thaten und Stnni So lange wir leben, Nach ihr nur zu streb««/ Als höchstem Gewinn! Auf! Hände in Hände! Wir wallen behende Den rühmlichen Lauf! Vollendete blicken Herab mit Entzücken, Und nehmen unS auf- A. v. N. * Die braven Bauern. Wilhelm»nd sein Hofmeister Redlich machten eines Tages dem Herrn Amtmann in seiner Kanzelley einen Morgenbesuch. Als sie hinein traten, waren auch schon der Richter und Zwey der Ältesten von der Gemeinde Iofephodorf da, Der Herr Amtmann saß bey seinem Schreibtische und schrieb, die Bauern standen ehrerbietig und stille nicht fern von der Thüre. (Fm Herewkrckcn Redlich Und Wilhelm zugleich) Guten Morgen, Herr Amtmann! Wir stören Sie doch nicht in Ihren Amksgeschaften? Amtmann(indemer ihnen entgegengeht) Ganz und gar nicht; Sie sind mir allezeit willkvmr mcn in meiner Amtsstube.(Dr- Bauern mackr-m umerdeß stillschweigend gegen Wilhelm und Redlich ehrerbietige Bücklinge) Redlich(zum Amtmanne) Sie haben schon so früh Bauern bestellt, und Geschäfte mit ihnen? Amrm. Ja, wir haben nothwendige Feldarbeit, nad da muß ich um ihre Beyhülfe ansm chen.(zu Lrn Bauer») Lieben Leute- es kommt uns auf ein Mahl etwas zu viele Arbeit zusammen- daß wir mit dem herrschaftlichen Gepflüge allein nicht hinreichen- um das Feld zur Saat zu bestellen Eure Gemeinde möchte also morgen, ihrer Herrschaft zu Lieb, mit Ochsen und Pflug einen Frohndienst verrichten. Richter. Ja- gestrenger Herr Amtmann! wir hatten freylich daheim auch unser eigen Feld zu bestellen- und noch andere sehr nöthige Arbei-- ten; aber unserer lieben Herrschaft zu Liebe wollen wir morgen schon kommen- wenn der gestrenge Herr so befehlen. Amem. Nun so kommt ja; ich verlasse mich darauf. Wn Ältester,(sehr gmmütbig) Gestrenger Herr können sich schon darauf verlassen,(die Bau-- er» mit Bücklingen üb). wilh. Ob diese Leute wohl kommen werden, unser Feld pstügci! zu helfen? Amtm. O, sie kommen gewiß. Redl. Wie können Sie dieses so gewiß sagen? Amtm- Diese Dorfgemeinde liebt und schätzt ihre Herrschaft ganz vorzüglich, und zählt auch sonst'rechtschaffene Leute. Haben wir nothwendige Arbeit, die wir mir unsern Leuten und unserm Gepflüge nicht verrichten können, so kann ich auf ihre Frvhnhülft, und wenn sie zu Hause auch noch so nothwendige Arbeit haben, gewiß rechne». Redl. Sonst ist es bey den Bauern nicht gewöhnlich, daß ste gern Frohndienste thun. Amtm. Ja, das ist wahr, Dieß klagen mir auch viele meiner benachbarten Herrn College». Allein mir scheint, es liegt die Schuld mehr an der Herrschaft und ihren Beamten, als an den -W— L29 Bauern. Denn diese Leute- sind zu allem zu bewegen, wenn man sie nur so weit bringt- dass sie ihre Herrschaft hochachten und lieben, und ihre Pflichten gegen sie erkennen. Reöl. Das glaub' ich selbst. Amtm. Unsere Bauern da von Josephs-ovf — und das werden Sie mir kaum glauben— würden sich zurück geseyt und gekrankt stutzen, wenn meine hochgnadige Herrschaft bey nothwendigen Arbeiten sich nicht ihrer, sondern anderer Frohnhülfe bediente. Und dann wellen sie es auch ganz iind gar nicht leiden, daß ich ihnen, wie gewöhnlich, jemanden zur Aufsicht stelle. Sie sagen:„Wir arbeiten unserer Herrschaft zu Lieb, „und wollen dieses dadurch zeigen, daß wir auch „ohne Aufsicht fleißig seyn, unsere Schuldigkeit „recht und gern thun und uns nicht erst dazu „zwingen lassen wollen." Am Ende finde ich immer, daß sie mehr gearbeitet haben, als ich verlangt hatte oder erwartete. Reöl. Das sind mir doch recht brave Bauerni Amtm. Das sind sie wirklich. Rsbl. Der Nahme Josephsdorf ist mir etwas neu. Vielleicht weil ich hier noch nicht recht bekannt bin. Nennt sich diese Gemeine schon lange so? Amtm. Erst seit Josephs H höchstseligem Angedenken. Vorher hieß sie Gutleuten. Aus Hochachtung und Liebe aber zu ihrem Kaiser schickte sie einen Ausschuß(Abgeordnete), nach Wien um sich davon ihm selbst die Erlaubniß zu erbitten, sich nach seinem Nahmen nennen zu dürfen. Redl. So. Amtm. Sie waren damahls auch schon so brave Leute, als itzt immer. Die Herrschaft stellte ihnen hierüber ein Zeugniß aus, das sie dem Gabel«. N. Ainbrebibk. IV. B. Z IZO—'W""' Kaiser vorwiesen. Und Joseph, dieser unvergleichliche Fürst«nd Vater seines Volkes, der das Verdienst zu schätzen wußte, er fand es, wo es immer war, sprach, wie sie sagten, sehrsreund- lich mit ihnen und ertheilte ihnen die Erlaubniß. Zum Angedenken nun für diese Gnade, ftyerir sie jährlich an dem Tage, da sie ihnen ertheilt wurde, ein Fest, wobey es sehr auferbaulich traurig und lustig zugeht. Redl. Abennahl ein Zug, der mir diese Leute liebenswürdig macht, Amrm. Ja, ja; so iffs. wich. Wollen wir nicht wieder gehen, Herr Redlich? Redl. Es ist wahr, wir halten den Herrn Atntmann da zu lauge von seinen Arbeiten ab. Ich empfehle mich Ihnen, Herr Amtmann! Wich. Adieu, Herr Amtmann!(im Fortgehen) Ich hatte Ihnen schon lange gern gesagt- daß mir diese Bauern recht gefallen. Redl. Mir nicht weniger. Aber warum gefallen sie dir denn eben so sehr? wild. Wie Sie erst gehört haben, weil sie so willig und gern Frohndienste verrichten, und nicht einmahl eine Aussicht leiden wollen, und doch so fleißig sind. Redl. Warum thun sie denn aber dieses alles? wich. Der Amtmann sagte ja, weil sie ihre Herrschaft vorzüglich hochachten und lieben, uud auch sonst rechtschaffene Leute sind. Redl. Da thun sie nun gerade ihre Schuldigkeit, oder was eins ist, ihre Pflicht. Wilh. Wie so? Rede. Vermö« einer gewissen, lehr alten Übereinkunft der Bauern mit ihren Herrschaften, haben sich jene verbindlich gemacht, diese» jähr-- —M— IZl lich eine gewisse Anzahl Tage Frondienste zu leisten. weih» So!—> Da haben sich aber die Herrschaften gegen die Bauern wohl auch wieder zu etwas verbindlich machen müssen? Redl. Die Hcrschaftcn machten sich hingegen verbindlich, die Bauern dafür bey ihren Rechten und Freyheiten zu schützen, das ist, zu wachen, daß keinem Bauern einiges Unrecht geschehe, oder, wenn ihm welches geschehen ist, ihm wieder zu seinem Rechte zu verhelfen, damit er in Frieden und Ruhe leben, und ungestört sein Feld bauen und das Scinige genießen könne. Wilh. das ist schön! Redl. Diejenigen Bauern nun, welche diese Verbindlichkeit erkennen, leisten ihre Frohn- -ienste willig und gern. 'Will). Thu» denn daS nicht alle Bauern? Redl. Sehr viele nicht. wilh. Warum denn nicht, wenn sie sich hoch dazu verbindlich gemacht haben? Redl. Das kommt daher, weil sie ihre Verbindlichkeit nicht erkennen. Will die Herrschaft sie nun zur Krohn haben: so müssen sie meistens dazu gezwungen werden- Und dann geschieht es nicht selten, daß sie auch nicht fleißig uud nur schlecht arbeiten. Um dieses zu verhindern, ist mau bemüffiget, ihnen jemanden zur Aufsicht zu stellen. Wilh. Diese Menschen kann. ich nicht leiden. Redl. Warum nicht? Wilh. Weil sie nicht thun wollen, was sie doch zu thun versprochen haben, und noch so schlecht arbeiten. A s IZS—-W-" Redl. Du meinst.weil sie ihre Schuldige keit nur schlecht oder gar nicht thün? wilh. Ja. Redl. Das ist freylich wohl wahr. Denn wer nur arbeitet, weil er dazu gezwungen wird, und nicht, weil er selbst seine Schuldigkeit thun will, wenn es ihm auch noch so schwer fällt, der hat kein Verdienst, und kann nicht sagen, er hat seine Schuldigkeit gethan^ äufS Höchste kann er sagen, er hat sie thun umsscn. Und rvenn einer dir das sagte, für wen würdest du ihn halten 2 Wilh.(hitzig) Für wen anders, als für ei» neu Taugenichts oder bloß sklavischen Menschen? Redl Das wär er auch nicht weniger. Allein dieses auf die Bauern angewandt, wenn sie nicht gern Frohndienste thun, wäre es doch zü streng, und können wir sie, wenn sie übrigens gute und redliche Leute sind, auch für keine Taugenichtse halten, und verdienen eben nicht, daß wir sie deßwegen Haffen. wilh. Warum?, Redl. Weil dann die allermeisten. Bauern überhaupt Taugenichtse und schlechte Menschen wären, und wir sie fast alle hassen müßten. wilh. Die Bauern von Zosephsdorf aber hoch wohl nicht? R«dl. Warum diese nicht? wilh. Weil diese gern ihre Frohndienste verrichten, und noch dazu ohne Aufsicht fleißig arbeiten. Redl. Meinst du. daß diese wirklich gern und aus Neigung ihre Frohndienste verrichten? Wilh. Das meiur ich; und sagte cS ja auch her Amtmann sö. —-AS Redl. Glaube das nicht; du würdest dich gewaltig irren. WM). Ey, Sie wollen doch nur so mit mir ihren Spaß haben? Redl. Das nicht, mein Lieber! die Sache ist zn ernsthaft. wrch. Das hatt' ich aber nicht gemeint, daß die Bauern von Iofephydorfauch nicht gern Frohndienste verrichteten. Ich hielt sie doch für so gute Leute. Der Amtmann hörte uns also nur fs etwas vorgemacht? Redl. Nichts weniger, als das. Auch sind die Bauern von Iosephsdorf wirklich rechtschaffene, brave Leute. w-lh. Da versteh' ich Sie aber hernach ganz und gar nicht. Rehl. Kam, seyn.— Sag mir, woran ist dir mehr gelegen, an deinem Eigenthum, oder dem eines andern? wich. An dem mcinigcn, versteht sich. Redl. Wenn du nun an deinem Eigenthums eine Menge Arbeit für dich selbst zu verrichten hast, bist dn hernach geneigt, noch für einen anderen zu arbeiten? Wich. Wie könnt' ich das? Redl. Wenn du z. B. gerade mit Amtmanns Christel«ehr eifrig im Kegelspiele begriffen bist, und dein Vater ruft dich davon weg, nm etwas anderes zu thun, ist dir das angenehm? wild. O gar nicht! Redl. Und doch thust d» gleich, was dein Vater von dir verlangt? wich. Ja. Es ist auch meine Schuldigkeit. Redl. Warum sagst du: es ist deine Schul« digkeit? wr!h. Sie lehrten mich ja erst noch vor Kurzem, daß Kinder verbunden sind, ihren Ältern aufs Wort gehorsam zu seyn. Redl. Das ist wahr. Es ist fast das einzige Gesetz, was Kinder, noch als Kinder, zu beobachten haben, und sollte es ihnen auch zuweilen etwas 1'hwer fallen. Du bist also ebenfalls deinem Barer gehorsam, und thust gern und willig, was er dir befiehlt,— nicht weil dir dieses angenehm ist, sondern bloß um des Gehorsams oder des Gesetzes Willen, das dich hierzu verbindet? wilh. Ja, Herr Redlich. Redl. Wenn du aber dieses Gesetz nicht achtetest, nicht darauf merktest, und es dir gleich viel wäre, ob du in jedem Falle deine Schuldigkeit als Kind erfülltest oder nicht: würdest du dann auch gleich kommen, wenn dir dein Vater ruft, und thun, was er dir befiehlt, es wäre dir angenehm oder nicht, du mochtest etwas anderes viel lieber thun oder nicht? wich. Ich denke, nein. ReLl. Da dir aber das nicht thust, da du dich nach dem Gesetze des Gehorsams richtest, was zeigst du hier auch? wich. Ach denke, daß ich dieses Gesetz achte und es darum befolge. Redl. Und daß dir daran gelegen ist, in jedem Falle deinem Vater gehorsam zu seyn.— Kinder, die nun aus Achtung gegen dieses Gesetz, das sie zum Gehorsam gegen ihre Ältern Verbindlich macht, es für nothwendig erachten, ihnen in jedem Falle, es sey ihnen angenchm oder nicht, ihre» Gehorsam zu erweisen, die, sagt man, thun ihre Pflicht gegen ihre Alter«. Da dir nun eben gegen deinen Baker so handelst: was thust du demnach? wilh. Erfülle ich nicht auch meine Pflicht gegen meinen lieben Baker? Redl. Nicht anders. Denn Pflicht ist die Nothwendigkeit einer Handlung aus Achtung für das Gesetz, das mich dazu verbindet.— Wenn es dir aber schwer fällt, das zu thu», was du um des Gesetzes willen doch thust, meinst du, du verdienst Verachtung? Wilh. Das weiß ich nicht, lieber Herr Redlich. Ich thue ja doch immer und auf's Wort, was mir mein lieber Vater befiehlt, wenn ich manchmahl auch ganz und gar keine Neigung dazu habe, ja etwas anderes viel lieber thun möchte; ich glaube nun doch nicht, daß ich deßwegen Verachtung verdiene. Redl. Gewiß nicht, mein Lieber! du verdienst vielmehr, daß du dich selbst und daß dich andere hochachten und lieben. Denn was ist leichter. etwas Gutes zu thun, wo man geneigt ist, oder etwas, wozu man keine Lust hat? Wilh. Wozu mqn geneigt ist. Redl. Und zu weichem wird wohl mehr Kraft und Distrengirng erfordert? Wilh. Das zu thun, wovor man gänzlich abgeneigt ist. Redl. Wessen Verdienst sagst du nun ist größer, dessen, der weniger, oder dessen, der mehr Kraft zu verwenden brauchte? wilh. Der mehr Kraft zu verwenden brauchte.' Redl. Und desto größer ist auch die Hoch achtung, die ein solcher verdient. wilh. Wer nun wider alle Neigung etwas iZS ^errichtete, der hakte wohl das größte Reül. Zucht anders. Und dem waren wir auch unsere größte Hochachtung schuldig. Mrlh. Das will ich mir merken. ..»nd nun wollen wir dieftS auf dre Bauern von Iofephstzorf anwenden. Nicht gefielen sie dir, weil sie so gern und willig Frohiidiczisie verrichteten? Wilh. Ja, ich war ihnen recht gut. Rcdl. Als ich dir aber sagte, daß sie so we- mg als andere Dauern, eine Neigung^e zn ver-- richten, hätten, warst du ihnen nicht mehr so gut? Mlh. Wie sollte mau auch? Redl. Und doch behauptete ich, und behauv- -'s^ l^or ander» Bauern sich rühmlich auszeichnen und recht brave Lenke sind. nicht das können, weiß ich Reöl. Sehr leicht, höre nur! Vorhin erst gestandest d» mir, daß dir an deinem Eigen- thüM Mehr gelegen sey, als an dem eines andern. tVilh. Das ist wahr. Redl. Hernach, daß du nicht geneigt bist, ^ern zu arbeiten, wenn du für dich selbst viel zu thun hast. kVilh. Auch das hab' ich eingestanden. Reöl. Nun glaubst du wobk, andere Menschen werden nicht eben so denken, wie du? einem jeden wird an seinem Eigenthum nicht mehr gelegen seyn, als an dem eines andern? und einer werde noch gern für andere arbeiten wem-er eine Menge für sich selbst zu thun hat? Mrlh. Das glaub ich freylich nicht. Redl. Die Zoftphsdorftr Baue*« und das hast du ja selbst gehört— sagten die nicht, daß sie zu Hause für sich selbst sehr viele und nothwendige Arbeit hatten? Müh. Das sagten sie Da werden sie freylich Nicht sehr geneigt seyn, Frohnhülfe zu leistn!, Rehl. Das glaub" ich, weil ihne« ihr Eigenthum vor allem lieb ist. Und doch versprachen sie, auf der Stelle zu kommen; und es läßt sich vermnthen, daß sie eben so fleißig arbeiten werde», als sie gewöhnlich zu thun pflege«. Sie find also ihrer Herrschaft gehorsam/bey alle dem, daß es ihnen schwer fallt, und sie zu Hause liebe für sich arbeiten möchten. Was mag sie wohl zu dieser Bereitwilligkeit bewegen? wilh. Der Vertrag, den sie mit ihrer Herrschaft deßwegen eingegangen sind. Re-l. Ganz recht. Mich freuet es, daß du dieses noch so gut weißt.— Wenn sie aber, wie viele Bauern, diesen Vertrag nicht achteten, und es ihnen gleich viel wäre, ob sie ihrer Verbindlichkeit nachkamen oder nicht; meinst du, daß sie hernach auch so willig zu der Frohnhülfe sich verstehen, und dann noch ohne aste Aufsicht so fle-ßig arbeiten würden? wilh. Durchaus nicht. Redl. Da sie es hingegegen für nothwendiger hallen, ihrer obgleich lästigen Verbindlichkeit nachzukommen, als ibre viel lieberen Hausarbeiten z« verrichten, was schließest du daraus? wilh. Daß sie dielen Vertrag, dersiehiezu verbindlich macht, ackreg, und ihrer Verbindlichkeit nachkommen wollen. Rcdl. Und was Erfüllt der, welcher aus Achtung gegen das Gesetz das thut, wozu ersieh 2Z8—G— selbst verbindlich machte, obgleich es ihn firuer ankommt? WG. Der erfüllt seine Pflichte Redl. Und wessen Verdienst, haben wir entschieden, ist großer, desjenigen, dem es schwer fallt, seiner Pflicht nachzukommen, oder der sie seicht ausübt? wich. Des Crftepn, und der verdient auch größere Hochachtung. Reöl. Die Bauern von Iosephsöoxf erfüllen nun gegen ihre Herrschaft diese ihre Pflicht, ungeachtet es ihnen aller Maßen schwer fällt; was verdienen sie deßwegen auch? Mlh. D,«nsere ganze Hochachtung! Redl. Siehst dir, nun sagst du es selbst. As bleibt also ein für alle Mahl dabey, die Bayern von Issephüösrf sind rechtschaffene Wich. Das ist wahr, und das laß' ich mir nun auch nicht mehr anders sagen. Redl. Dazu kommt aber auch noch, daß ihre Herrschaft gegen sie jederzeit rechtschaffen handelt und ihrer Verbindlichkeit gegen sie genau nachkommt. wilh. Haha, darum sagten sie: Sie wollten ihrer Herrschaft zu Liebe kommen. Wenn doch alle Pauern so brav waren! Hedl. Das wäre zu wünschen. Wir wollen nächstens mit Herrn Amtmann darüber sprechen. Vielleicht kann es uns der sagen, warum nicht alle Bauern so sind, und wie sie brav werde» könnten. Wilh. Ja, das wollen wir. L. Reif. An meine therrre Mutter an ihrem Geburtstage. Dieß Blumensträußchen ,-Beste i Ward lang zu Deinem Feste Gepflegt von treuer Kindeszartlichkeit Hier unter diesem Herzen; V rief würd' es mich schmerzen, Verschmähtest Du das kleine Htraußchpn Henri Du liebst mich, Deinen Kleinen! Beym Scherz und Spiel und Weinen, Sorgst treulich, pflegst und mahnst mich mütterlich; Und diese sanfte Pflege Zeigt mir der Tugend Wege, Du bist der Mycter Zierde sicherlich l Wenn ich bey mir so denke: „Was bringst du zum Geschenks „Der Lieben, die so sorgsam dich erzieht?ft Dann fühl' ich, wie die Gabe So klein ist, die ich habe:— Ein Herzchen, das vor Dgnk und Liebe glüht. Wie sollt' es, ach! mich freuen. Dürft' ick Dir's heule weihen! D ja, mein Mütterchen verschmäht es nicht; Lein Leben fließe helle, Gleich einer Silherquelle! Das zu versüßen, sey stets meine Pflicht. Ich weiß nichts mehr zu sagen; Will mich auch nicht viel plagen, Das Thun steht schöner mir, als'Worte an. Nur dieß zum Hqndekuße: Gott geb Dir zum Gcnuße, Wer?« ich und was Dein Herz dir wünschen kann. Mütmlik. »4o—H— Die rechte Absicht, wozu uns G§tt erschaffen hat. Besser denken, besser werden, Sey stets meine Lust auf Erden. Der liebe Gott hakdie ganze Erde mit qllem,, was darauf und daran ist, so eingerichtet» daß wir Menschen altes immer besser zu machen, und selbst besser zu werden suchen müssen, wenn wir ein recht vergnügtes Leben darauf führen wollen. Unsere Seele, welche Anfange nichts versteht und nicht weiß, was recht oder unrecht, bös oder gut ist, soll von Jugend auf bis ins hohe Alter an Einsicht. Vernunft und Gutherzigkeit immer zunehmen und auch einmahl in der Ewigkeit noch fortfahren, immer klüger und gütiger zu werden. Dazu hat uns Gott Auge», Ohren, Sprache und so künstliche Hände gegeben, daß wir alles, was wir unternehmen, von Tag zu Tagbefferein- richteu lernen sollen. Dieses beständige Besser werden und Besscrmachen muß also auch das vornehmste Geschäft unsers ganzen Lebens seyn. Wir müssen dahin streben, durch alles, was wir treiben und thun, nicht etwa Reichthum, Ehre oder Wohlleben zu erlangen; sondern das nächste, was wir suchen, soll seyn, daß wir verständiger, geschickter und besser werden, und durch diese schönen Eigenschaften immer mehr Gutes zu Stande bringen. Wir können nach und nach immer verständiger werden, als wie vorher waren; es kommt nähmlich bloß darauf an, daß wir nicht, wie die unvernünftigen Thiere, in den Tag hinein leben, son- dem daß tvir uns bestreben, jeden Lag etwas zu lernen, nnd irgend etwas Gutes mehr anzunehmen. Bemühet euch bey allem, Ms jhr unternehmet, es aufs beste zu machen. Strebet immer darnach, mehr zu lernen. Suchet, euch einen Fehler nach dem andern abzugewöhnen- und versäumet wissentlich keine Gelegenheit Gutes zu thun. Habet eure Freude daran, Mit euren wenigen Einsichten und Kräften, so viel Gutes auszurichten, als ihr könnet. Vertrauet dabey Gott, daß er zn allein- was ihr unternehmet, seinen Segen geben, und noch mehr auf den Mten willen, als auf die That sehen werde. Fraget euch des Morgens, wenn ihr aufwacht, ehe ihr noch zum Frühstück gehet: WaS wirst du heute thun, um verständiger und besser zn werden? Welchen Fehler hast du dir noch abzugewöhnen? Wem könntest du eine Freude machen, oder etwas zu Liebe thun? Wie wüt ich alles aufs beste einrichten, daß es Gott und Menschen wohl gefalle? Morgen denkt»ach, was übermorgen ge- fchcheu soll, und wie ihrs da noch besser mache» wollet, und des Abends besinnt euch dann wieder auf alles, wie es abgelaufen ist. Dieses treibt dann so weiter, und bethet fleißig zu dem lieben Gott, daß er euch beysiehe.— Er wird euch gewiß erhören. Er hat euch ja dazu erschaffen, daß ihr immer besser werden, und alles besser Machen sollet. Aus dein Moralischen Lesebuch für Rinder, ,42 * Die FahreszeiLen. Ei« Bild des menschlichen Lebens. '»>',: Das Lebenslicht den Jahreszeiten: Der Frühling ist die Zeit der Saat; Der schmeckt der Ernte Süßigkeiten, Wer ihn dazu genützek bat. Dek Sommer reicht dir volle Ähreü; Der Herbst theilt milbe-Früchre aus: Der Winter kommt, sie zu verzehren- Und findet ein gefülltes Haus. So stieße mir dänn nicht vergebens Der Frühling meiner Jahre bin; Auf Kenntniß« jum Glück des Lebens- Und Tugenden geh mein Bemühn. Daß man in meinem Sommer saget „Seht seine Ernte! sie ist groß l" Dann fällt im Herbste meiner Tage Auch Frucht in manches Dürst'gen zum Schooß Und Ich darf nicht das Alter scheuen Ich bin an weisem Vorrath reich. Ach kann mich meines Winters freuen, Denn nichts ist meinen Schätzsn gleich- Wie heißt Zhr König? Ein artiges Gesellschaftsspiel. Thomas, Joseph, Lins, und Franz, hier gute Kinder, die sich sehr liebten, kamen in den langen Winterabende» öfters zusammen, und unterhielte» sich mit allerley schönen Spielen. Eins ihrer liebsten war das RLnigsspicl. Dabey ging es so: Die Kinder saßen öder standen an einem Tische. Der Letzte fragte den Ersten: Wie heisst Ihr Aoniy d Auf diese Frage mußte er sich an einen berühmten Nahmen eines guten oder böse» Menschen aus der Geschichte erinnern, der sich mit dem Buchstaben A anfing, und ihn nennen. Wußte er keinen aus der Geschichte, so dürste rr jemanden aus seiner Bekanntschaft nennen. Besinnk sich Thomas auf die vorgelegte Frage lang, so klopft Franz, als der Letzte, drey Mahl aufdru Tisch, aber nicht zu geschwind. Fallt»och keiner ein, so wird von dem, der gefragt hat, dem, der nicht z» antworten weiß, ein Strichlein mir der Kreide hingemacht, wofür am Ende Pfänder herzugeben find. Doch Thomas verbic'het sich das. Mein König, sagt er rasch, heißt Alexander. Bravo, bravo riefen alle, das war auch wirklich ein König. Franz. Was speiset Ihr Komys Run muß irgend etwas Eßbares genannt werden, welches sich auch mit A anfangt. Thomas. Mein König speiset-- speiset— Arlesbeere. Alle.(mit allgemeinem Gesichter) Ha, ha, ha, ein König Arlesbeere! Das kann nicht gelten. Fr. Ja, ja, es gilt. Es ist etwas Eßbares und wir werden froh seyn, wenn uns immer solche Speisen beyfallen werden. Nun weiter! womit Neidet sich Ihr Bönig2 Thom- O das ist leicht, er kleidet sich—. muß die Kleidung auch mit A anfangen? Fr. Ja; es darf aber nicht immer eine schon fertige Kleidung seyn, wenn man nur den Stoff, woraus eine Kleidung gemacht werden kattn, zu nennen weiß. Thom. Gut, so kleidet sich mein König in Atlas. Lina. Oder Daus, dieser hat mir mein Wort weggeschnappt! Jtzk wiro's mir gehen, bis ich wieder ein anderes mit A finde. Joseph. Darf also keiner ein Wort, wel- ches schon einmahl vorgekommen ist, wieder nennen. Jr. Das nicht; er müßte es nur auf eine ueue Art mit einem ander» Worte zusammensetzen. Wenn z. B. eines sagen würde: in Allastalar, so könnte es zur Noth auch gelten. Lin.(freudig) Das will ich mit merken. Zr. Nun Thomas, itzt kommt die letzte Frage: Wo wohnt oder reskdirt Ihr Bönigs Thom. Was muß ich da? §r. Irgend einen Drt nennen, der sich auch mit A anfängt. Thom. Es mag ei» Schloß, eine Stadt- «in Dorf seyn? Arlesbeere oder Arleskirsche ß. MMeerr. 8r. Ja, uud wenn es auch in einem ganz andern Welttheile lieg!, oder nur vor Zeiten bekannt war, und jetzt ruinirt ist. Thom. Nun so soll mein König in Amsterdam residiern. 8r. Gut— obwohl es ihm jetzt da übel gehen würde. Thom.(wichtig) Dafür ist er aber ein Alexander; er würde bald fertig werden. Lin. An wen kommt die Reihe nun? Fr. Ja, gute Lina! hier heißt eS hübsch stille seyn; durch unnölhiges Dareinreden werden Sie Ihre Nahmen vergessen und auch andere kur- biren.— Jetzt fragt Thomas seinen Nachbar, unsern stillen Joseph, so, wie ich ihn gefragt habe. Denn ich muß auch nachdenken können. Haben Sie sich die Fragen nicht gemer-t? Hier sind sie aufgeschrieben.(Gibt ihm einen Zettel und Lie Kreide). Thom. Wer sollte sich auch so was nicht Merken?(indem er den Zettel besieht) Ah, hier sind ja diese Fragen in vier Sprachen: Deutsch, Latein, Englisch und Französisch— Nnu so will ich gleich französisch Fragen: Ns monlisur!— Fr.(einfallend) Nein, in welcher Sprache z» fragen angefangen wurde, in dieser muß es die Rund- herum fortgesetzt werde». Thom.(munter) notnm genommen l Nun hab' ich(zu Joseph) auch mit Ihnen ein Paar Wörkche» zu sprechen,(geheimnißvolt) Können Sie mir nicht sagen, wie Ihr König heißt? Joseph« Albere! Thom.(scherzhaft) Und welche Speise ninunr er wohl zu sich? Jos. Aprikosen! GalM. N, KinderM!. IV. B K rchä Thom. Und wie wird der Kleidungssibss heißen, womit er sich schmücket! Ios. Ängin! Thom. Und nun sagen Sie mir, kurzsylbi- Her Herr Nachbar, welchen Nahmen die Residenz ihres Königes führt? Ios. Augsburg. Alle. Bravo, bravo! Lin.(ängstlich schalkhaft) Run wirds mir gehen, Ios.(indem er Zettel und Kreide übernimmt) Wie heißt Ihr König? Lin. Bitt' um Vergebung, ich hab' eine Königinn, und die heiß. Amonia. Alle. Schön! schön! Ios. Was speiset Ihre Königinn? Lin.(besinnend) Ey, hab' es erst so gut gewußt ich bitte nur ein wenig um Geduld. Ios.(nach einer kleinen Pause klopft er auf den Tisch; indem er es zum zischten Mahle thun will) Lin. Ha, richtig: Ananas speiset sie. Ios. Womit kleidet sich Ihre Königinn? Lin.(hastig) In Ariastalar. Ios. Eine Königinn in einen Talar? Fr. Zuweilen, glaube ich, bekleidet sie sich doch damit. Thom. Nein, das geht nicht. Ein anderes Kleid oder ein Strichle,,,. Lin.(stolz) Ich als Mädchen sollte bey der Kleidung ein Skr-chlein bekommen? Nein- meine Königinn kleidet sich in Amazonenkicidung. Ios- Wo residirtJhre Königinn? Lin. Refidirt— rcsidirt— im— im >— Angarten. Alle(sudelnd) Bravo! bravo! Lin. Nun ist das Fragen an Mir. omnnft Kreide m d Zettel) Rü>l Zränzcheuwie heißt den« Ihr König s<.1. 8r.?Nir wird es wohl schwor gehen; i« hab' euch daS Spiel lsh.nen müßen und habe nicht Zeit gehabt, nuf meine Wörter zn denken. Sie werden schon Geduld mit mir haben müßen, wenn mir nicht sogleich was beyfäüt. Alle. Ja, ja; er mußte»ns auch immer alles sagen. Lim Ich will sechs Mahl. und das recht langsam klopfen. 8r. Vielen Dank!- Also mcm KSing k— Er heißt Adnlbert.... Thom. Gab es denn einen König dieses Rap- rnens k,., Zr. Es mag seyn. Ich verehre in diesem Rahmen das Andenken eines lieben Ge,p>e>ni, der mir, ach! vor einigen Jahren gestorben ist. Und das kann man immer bey diesem L-piele. wenn eö Nur ein 3eahme von jemsud rst,^er wirklich gelebt hat oder noch lebt.^ Lin. Und was speiset Ihr König Adalbert s Zr. Die musikliebende Alose. Thom. Was soll das seyn? Zr. Ein Fisch- wie ich erst vor Kurzem gc- Lesen'habe. Er gehört znm Geschlechte der Hai-inge. Zu Ansang des Frühlings geht er aus dem Meere in die Flüsse; im May kehrt er aber zn rück, weil er das Donnerwetter, wie co m meinem Buche steht, nicht ertragen kann.<ör ist eur Liebhaber der Musik; weßw-gcn man uderoern Ikctze, wenn sie gefangen werden, ein Gerüst m:c Schellen befestigt. Alle- Ha. das ist scharmant!, Lin. Da werden wir wohl nicht viele l duld haben müßen. Nun geschwind, aber rech! geschwind: Womit kleidet sich Ihr König? Fr. Mit der Kleidung sieht es übel aus. Lin. Ich klopfe!(sie klopft) Eins— Zwcp , Drey— Vier-— Fünf—— §r. Stille— mein— Kö-König— klei— det, kleidet— sich— in— itr— in— Lin. Geschwind, oder ich klopfe. §r.— in Asbrstlemwcmd. Thom.(b«stig) Was ist das? Zr. Eine Leinwand, die aus Stein gemacht wird. Lin. Das wär' unmöglich. 8r.(indem er aus seiner csknffenfammkiittg einen solchen Stein herbey höhlt) Sehen Sie Va diesen grünlichen Stein! wie man nicht Faden für Faden Herabzupfen kann! Diese wollichten Fädchen spinnt und verwebt man. Lin. Spinnen? Fr. Ja, man zerschlägt ihn in Stücke, legt ihn in warmes Wasser, und theilt ihn mit den Fingern in so viele Faden, als möglich Nach einem siebentägigen Waschen werde?! die Faden auf ein Sieb in die Sonne gelegt. Nun nimmt man zwey Kämme, befestigt sie wo, statt eines Spinnrockens, und nun spinnt man flink darauf los. Lin. Meine Finger möcht' ich zu dieset Steinspinncrey nicht herleihen- Fr. Dafür ist gesorgt. Damit die Finger nicht wuns werden, taucht sie die Spinnerinn öfters in Öhl.— Rns diesem Gespirmst, was freylich nicht wohlfeil ist, werden Bänder, Gcld- «nd Strickbeutel, Kniebanderund Gürtel gemacht» Das Gespinst st. die Gcspunst. Einige alte Völker haben darin ihre Todten verbrannt, um die Asche desto»»vermischter zu bekommen. (Indem sie so sprachen, traten Lina's BrLder mit dem Spcachmeifier aus dem Slndierziinmer herein. Mas gidt'S? Was glbt's? war die allgemeine Frage. Das Spiel wnr-e erklärt. Allen gefiel es, und sclbß der Sprachmristcr, und später auch die Mama setzten sich an den Tisch und spielten es durch das ganze Alphabet mit, wobey ihnen vorzüglich hastlll, N. und Zuviel zu schaffe» und zu lachen machte. Und seit dem ist es das Licb- lingsspiel dieser Kinder geworden). G. Aus dem Zirkel gesellschaftlicher Freunde mit Zusätzen und Veränderungen aufgenommen. Die Morgenstunde. Die Morgenstunde Hat Gold im Munde— Hin weiser Spruch voll Kraft und Saft! Da füble man wieder Durch alle Glieder Zur Arbeit Lust, zur Arbeit Kraft. Des Tages Wonne, Das Licht der Sonne, Der muntern Vogel Lustgeschrey, Die frohe Herde, Die raschen Pferde, Dieß alles ruft: Herbey! Herbey! 'S«— G- AdergläMige Memunge» dom Regen. Vom Lürtregm. Der Landwann bemerket bisweilen auf derr Blattern der Baume, den Gebäuden»od wohl Aar auf seiner Kleidiiyg rothe Tropfen, wie Blut. Er hält solche für blutige Regentropfen, und wird dur ch deren Anblick in Furcht und Schrecke» gesetzt, weil er sich einbildet, daß es Blut geregnet habe. Mein da der Regen entsteht, wenn die wässerigen Dünste so nahe kommen, daß sie in Tropfen zusammen fließen: so kann es auch nur Wasche regnen. Blut befindet sich nur in lebendigen Körpern und nicht in der Luft. Die rothen Leo- p'en, die bisweilen satten, können also ihren Ursprung nicht aus der Lust haben. Die wahre Ursache davon sind die Schmetterlinge, welche der Landmann Buttervögel nennt. Es>st eine bekannte Sache, daß die Raupen sich einspinnen und sich darauf in Schmetterlinge verwandeln. Indem sie nun ihre Puppenge- häuse verlassen: so geben sie blutige Tropfen von sich welche von den Abcrgläubigen für einen Blutregen gehalten werden, der großes Unglück bedeuten soll. Weil auch die Schmetterlinge gemeiniglich zu Ende des Jnnius oder in Anfang des Julius ihre Püppchen verlassen: so pfegt auch bey den Unwissenden der Bluttegen gewöhnlich um diese Zeit zu satten- Innius st. Zumi; Julius st. Sich; noch besser: Brachmonüth, ckeumonach >/. Von der Verwandlung des Wassers in Blut. Außer dem bildet der gemeine Mann sich manchmahl ein, daß sich das Wasser in Blut verwandle. und er hält solches für cme Anzeige cineS sehr blutigen Krieges. Allein diese Verwandlung des Wassers in Blut ist eben so vernunftwidrig, als der Blutregen. So viel ist wohl gewiß, daß das Wasser bisweilen ganz blmroch scheinen könne. Mein deßwegen ist es noch nicht in Blut verwandelt worden; sonder» dieses Aufthn bekommt es von rothen Thierchen, die man Wafferflöhe nennt. Diese verbreiten sich oben auf der Flache des Wassers in einer so ungeheuren Menge, daß das Wasser davon blutroth zu seyn scheint. Z. Vom SchwefelreAen» Unter der Menge solcher aberglanbige» Irrthümer findet sich auch die falsche und lächerliche Meinung, daß cS Schwefel regnen solle.-^ Die Gelegenheit zu diesem Irrthume hat unstreitig folgende Erscheinung gegeben. Mau sieht bisweilen beym Regen auf dem Wasser gelbliche Ständchen, die das Anseht, des Schwefels haben. Sie verbreiten sich nicht über die ganze Fläche des Wassers, sondern geben sich am Rande desselben zusammen. Da sie daS Ansetzn des Schwefels haben, so meint der Aberglanbige, es müsse Schwefel geregnet haben. Allein dieses gelbe Wesen ist weiter nichts, als der feine Staub von den im May blühenden Fichten und andern Bäumen. Schwefel können diese Ständchen aus der Ursache nicht seyn, weil sie keinen Schwefelgeruch haben, auch nicht leicht brennen. Sie lassen!iu>, wenn man etwas davon sammelt, nicht im ftl schmelzen, und wenn man sie in s Feuer wirst, so werden sie erstlich schwarz und verbrennen hernach sehr langsam, wobey man nicht den geringsten Schwefelgeruch bemerket. Inzwischen ist es inchtunmöglich, daß nicht bey dem unermeßlichen Unterschiede der Dämpfe, welche der Dunstkreis enthält, ein dem Schwefel ähnliches Product auf die Erde und auf das Wasser niederfallen könne. Nur muß man dieses nicht für etwas Übernatürliches halten. H. vorn Zerrerregen. Zur Zeit eines Donnerwetters soll eS nach der Einbildung der Unwissenden bisweilen, wiewohl sehr selten, Feuer regnen, dergestalt, daß unter dem Regen viele feurige Tropfen bemerkt werden. Die alten Schriftsteller haben diesen Feucrregcn nicht unbemerkt gelassen, und daraus einen Wnnderrcgen gemacht. Allein dieß ist ebenfalls eine ganz natürliche Begebenheit, die ich euch aber alsdann erst deutlich machen kann, wenn ich euch werde gezeigt haben, was es mit dem Donnerwetter für eine Beschaffenheit habe. -) Unser« Leser, denen von dem Gewitter schon manche« ist erklärt worden, werde» Folgende« wohl schon fasse» können: Wenn bey einem Donnerwetter die elektrische Meteric sehr stark in den Regen» troxfen herab stießt: so verursacht dieß zuweilen «in belle« Glänzen, welche« man aber nur dann bemerkt, wenn hinter dem Regen ein dunkler Grund, knrwedxx eine dunkle Wolke, ein finsterer Berg, oder ein schwarzes Gebäude vorhanden ist. Diese elektrische Materie, die der Regen mit herab reißt, gibt dann einen scheinbaren Fetterregen- Anmerf. ö. tzersusy. I. VomPflanzenThier-rmö MineraÜen-ReFen. Die übrigen abergläubigen Erzählungen, haß es soll Steine, Frösche, Milch, Korn, Wolle, Seide, Bley, Eisen, Silber und Gold geregnet haben, sind fo albern, daß sie keiner Widerlegung bedürfen. Wer einen Begriff von der Luft hat, der wird sehr leicht einsehen, daß alle solche Dinge in ihr nicht können erzeugt werden. Es ist zwar nicht zu läugncn, daß sehr heftige Sturmwinde Korn, Heu, Flachs von der Erde aufnehmen, und eine Zeit lang in der Lust fortführen können; aber es ist unvernünftig, wenn man solche Dinge auf Rechnung des Übernatürlichen schreibt, und sich einbildet, daß sie in der Lust entstanden wären. I. H,< Helmuts Das Gesicht- Wie dank' ich Gott für mein Gesicht! Ich seh' denn, schönen Sonnenlicht Die Wunder, die der Herr der Welt Un allen Orten aufgestellt. Ich seh' an jenen Himmelsböbir Sich ungezählte Sterne drehn, Die Sonn' am Tag, und in der Nacht Den Mond in königlicher Pracht. Auf Erden, in der Lust, im Meer Erblick' ich ein unzählbar Heer Geschöpfe, all' an Schönheit reich. Und keine« doch drm andern gleich- Ich leb' ln jeder Jahreszeit Das so verfchledne Feyerkleld, Worin uns die Natur erscheint, Die schön und nützlich gern vereint. Und feb' ich auf mich selbst zurück. Der Mensch! des Schöpfers Meisterstück! Das Aug' ein Wunder! Dbne dieß Umgab' uns ew'ge Finsterniß. Weiße, Der gelassene Knabe. Fritzchen hatte Christians neuen gläsernen Schreibezeug genommen, um in recht gut zu besehen. Er hielt die Tasse schief, und Tinten- und Sfteufaßchen lagen in Stücke zerbrochen auf der Erde. Er sing laut zu weinen an, und bath Christianen, der herbey eilte, um Vergebung. Christian wurde auch nicht böse. Brüderchen, sagte er, du bist noch gar klein, du mußt immer zuoor fragen, ob du dieses oder ftneS nehmen darfst, sonst wirst du öfters solchen Schaden thun. Martin raunte, ohne vor sich zusehen, auf Christianen zu,»ud stieß ihn ziemlich unsanft auf die Erde nieder. Gib Acht im Laufen, sagte Christian, sonst könntest du öfters an einen andern, oder an einen scharfen, harten oder spitzigen Gegenstand anrennen, und dann selbst großen Schaden nehmen. So gelassen war er immer. Wenn ein Gespiele ihn auf den Fuß trat, au ihn anstieß, oder ihm sonst was zu Leide that, wurde er niemahls unwillig, sondern waruete sie freundUch. Darum hatten ihn auch alle sehr lieb, sind jeder that ihm gern was zy Gefallen; jeder, gegen den er so gelassen war, suchte ihm dafür ei» doppeltes Vergnügen zu machen. Seinen Altern nnd andern Lenken gefiel er auch sehr wohl, sie gewannen ihn recht lieb und machten ihm Freude. Konnte da Christian nicht recht vergnügt seyn? L. Lhimani Das Gehör. Wie freut sich mein entzücktes Dhr, Wenn reiner Instrumenten Chor Den bochgewblbken Saal erfüllt! Wie erst, wenn an dem Wafferfall', Im Lenz, der süßen Nachtigall Ein Lied aus voller Kehle quillt! Doch schöner, wenn, für mich bemüht', Jht ein melodisch Kinderlied Von mütterlichen Lippen fließt, Und Weisheit, Kenntniß, Lust zu Pflicht, Im wohigekvählten Un.crricht Durchs Dbr sich in mein Herz ergießt. Meiste. Der Fuchs und das Huhn. Eine Fabel. Eine alte Henne warnetc treulich ihre Jungen, sie solllcn ja nicht nahe an der Hütte des Fuchses vorbey gehen, der in einem Winkel des Meyerhvfes mit einer Kette angehängt war. ..Er kann leicht heraus springen, sagte sie, unk euch ertappen." Der listige Fuchs aber fraß fein Brot, feinen Käse, oder was er immer hatte, vor der Hütte und strcuetc kleine Stückchen umher, um die Hühner herbey zu locken. Ein naseweises Huhn, das erst ein Paar Tage der Aufsicht seiner Mutter entgangen war, sah so etliche Stücke liegen und dachte:„Das möchte wohl gut schmecken. Über der Fuchs kann mich auch ertappen. Ich gehe aber immer bey Unserm Schäfer- und Hofhund vorbey; keiner thut mir was zu Leide, und die sind doch beyde größer, als er. Er wird mir wohl auch nichts thun." Hurtig näherte es sich dem ersten Stückchen und schnappte es weg. Der Fuchs bewegte sich nicht; denn er konnte wegen seiner kurzen Kette das Huhn noch nicht erreichen. Es wurde drei, stsr, ging näher Und immer näher, pickte hurtig darauf, und mit einem Sprunge hatte es der Fuchs in seinen Zahnen. Sterbend schrie es noch auf:„das ist der Lohn meiner Naschhaftigkeit und meines Ungehorsams!" L. Thirnam, Der Geschmack. Welchen Überfluß von Früchten, Von ergebenden Gerichten Für das Angc, für den Gaum Melden Pflanz«, Strauch und Baum! G— kZ7 . Dort die Erd' und Heidelbeere, Hier die Him-und Stachelbeere, Dort die Kirschen; am Spalier Aprikos und Pfirsich bier. Doch im Herbst erst, welcher Segen» Rühr an jeden Baum— ein Regen Gvldner Früchte stürzt auf dich, Und sagt dir Genießemtch! Denn ln Allem, was zum Lebe» Gott durch die Natur gegeben. Was dich stärkt und dich ernäbn, Wird dir Wohlgeschmack gewahrt Freu dich dessen, aber denke; Diese göttlichen Geschenke, Heilsam, lieblich im Genuß, Schaden oft durch tlbrrfillß. Weiße. Der großmüthige Conrad. Lonräd zeigte Ermessen seine zwey Tauben, die er noch nicht vier Wochen lang hatte, und doch schon über den Eyern brüteten. Es war ein freundliches Pärchen mit lieblichen, schmucke» Köpfchen. Ein schönes Blau, Grün und Schwarz glänzte abwechselnd am Halse; die langen Steiß- federn breiteten sich radförmig, wie beym Pfauen aus. Etnest stand mit niedergeschlagenen Augen rraurig dabey.„Unter allen Meinen Tauben, sagte Stachelbeere fi. Agcas; Aprikosen sind eure N r Marillen, welche durch die Kunff der Gärtner iricl isißer schmecken. er, habe ich keine so schönen!" und schlich sich mißwutbig fort. Bald besuchte er Lonraöen wieder, traft ihn aber nicht zu Hause. Da machte er sich heimlich zum Laubcnschlage hin, und zerbrach den Tauben die Eyer, damit sie nur nicht mehrere so schöne brüteten.,. Wie Lonrab Mittags sein liebes Pärchen füttern wollte, sah er die verdorbene Bruk. Weinend lief er ins Zimmer und erzählte es seiner Schwester. Diese Hatte Ernesteü beym Tau: cheohausc gesehen; beyde vermutheten ißt, daß er diesen Bubenstreich gethan habe^ Lonrad nahm sich in der ersten Hitze vor ihn darüber zu Rede zu stellen, und ihm Gleiches mit Gleichen zu vergelte», auch ihn bey seinen Ältern zu verklagen, und es unter alle Kinder zu verbreiten, sobald er ganz sicher wissen würde, Erncst und kein anderer habe diese schändliche Handlung ausgeübet.^ Allein er besann srch bald eines Bessern. War Ernest so niederträchtig. dieses zu thun, so wird er auch im Stande seyn, es mir noch obendrein abzulängnen. Und wird er auch von feinen Altern hart gezüchtiget und von allen Kindern aus- gespottet, so wird er sich zwar buchen, sich ist Zukunft beobachten zu lassen oder Strafe und Schande zu leiden; aber seine Gesinnung wird die alte bleiben, so lang er von der Schändlichkeit derselben sich nicht selbst überzeugt und sie ganz fühlt. Nicht die Handlungen, sagt unser Lehrer> die Gesinnungen dabey erhöhen oder erniedrigen uns. » Lonra- that ihm daher nichts z» Leide, er warf ihm darüber nicht einmahl etwas vor. Ja, als kurz darauf eine Taube Ernests in seinen Taubenschlag gekommen, und schon zwöp Nachte va geblieben war- schickte er sie ihm großmüthig zurück. Dadurch ward Trnest beschämt uüd gerührt. Voll Reue eilte er zu Lonraöen, und fiel ihm um den Hals. Mit Thränen in den Augen gestand er seine böse That und bath um Verzeihung. Mit seinem ganzen Spargelde eilte er auf den Markt, kaufte das schönste Taubcnpaar, und nöthigte Lonraden, es anzunehmen, auch wurde er seinem großmüthigen Vergebet von nun an so gut, daß er kein größeres Vergnügen fand, als ihm Freude zu machen, L,. Lhimani(kbzeüiidctth- Das vierte Geboth. Gott, m-!n Vater! dein Geboth Key mir ins Herz geschrieben: Die Ältern bis an meine» Tod Zu ehren und zu lieben. Es ist der Kinder erste Pflicht; Wer sie verletzt, gefällt dir kiicht- Nim, weil ich lebe, wlll Ich sie Nach meinen Kräften üben, Den Ältern folgen, und sie nie Erzürnen, nie betrüben. Durch Dankbarkeit Sie zu erfreu,!. Das müsse meine Freude seyn. Von meinem ersten Daseyn an Erzeigten sie mir Gutes; M-dr, als ich je vergelten kann, Erzeigten sie mir Gutes; Und noch sind sie für mich, ihr Kind, Go gnl, so liebevoll gesiunk Es lang' lch lebe- will ich si« Auch wieder zärtlich lieben, Gern ihnen folgen, und sie nie Erzürnen, nie betrüben: Dann wirst du, Gott, mir gnädig s««n, Lind Elück und Segen wir verleidn.*) Arid T. Z. Gplittexarbs Liedern zur Lildm-N des Kerzen o. ' Von der Ungleichheit unter dm Menschen» Eine Parabel. Es war emrnah! die Rede von so vielen Br- Mn«nd Ungliicklichett, die elend-in der D.c!t Leben; und von so vielen dummen, liederlichen sind boßhafttn Leuten, die den guten nur zur Plage find. ») Doch nicht allem Liese etwas lchrsuchiige Dcu- kuvgsart soll euch zum Gehorsam gegen eure Aller» erwecken, sondern weil ihr einsehet, Laß auch ohne Lohn.dieses in euer Herz geschriebene Eoltesgebolh schon Pflicht ist, und weil ihr wollet, daß sie auch bey allen Kindern Pflicht seyn soll. Beobachtet ibr sie, so mstßet ihr euch selbst hochachten, so wie sich diejenigen Kinder vor ihrem innern Richter selbst verdammen und verachten mtißen, die ihren Astern ungehorsam find Darum sollst du Gern ihnen folgen, und tlc nle Erzürnen, nle betrüben; Tann wird sich dein Gewisten freun. Wirst achtbar dir, Gott folgsam seyn. Aum. d. Her«vs§. —lA—» 161 Da sagte ein junger Mensch: es sey doch zu verwundern, wie Gott solche Elende, und solche Taugenichtse habe auf die Welt hersetzen mögen; indem die einen so viel leiden müßten, und die andern nur Übels stifteten. Dieß hörte ein verständiger Mann. Es war ihm gar nicht lieb, daß der junge Mensch so na- seweis redete, und den liebe» Gott wegen seiner Regierung der Welt gleichsam tadelte. Da sprach er:"Also dachtest du es in der Welt „besser zu machen, als Gott? Du schafftest alle die „Unglücklichen, Dummen und Bösen weg, und „setztest lauter glückliche, verständige und gute „Menschen dafür her?— Aber gib Acht, was daraus erfolgte:— Sieh, wenn alle glücklich wä- „reu, so bedürfte niemand der Hülfe, des Troges, des Mitleides, detErbarmmß, des Schu-- „tzes: so hörte auch alle Gelegenheit zu guten „Werken, womit wir den Unglücklichen beysprin- „gen, auf." Wenn alle reich waren, so gäbe es keine» Hungrigen zu speisen, keinen Durstigen zu tränken, keinen Nackenden zu kleiden: das Almosen» geben, und alle leiblichen Werke der Barmhcr. zigkeit hörten auf. Wenn alle gleiche Herren waren, so hätt« keiner dem andern etwas zu befehlen, und es hörte das Regiere» und Gehorchen, die Unter- gcbenheil, der Dienst, die unterthänige Treue und Achtung auf. Wenn alle gesund und stark waren r so hörte aller Besuch der Kranken, ihre liebreiche War. tung und Pflege, ihre Schmerzen, ihre Geduld, und Ergebung in den göttlichen Willen auf. Wenn alle gelehrt wären, und es gäbe keine Dummen und Unverständigen: so hörte auch alles Gabel«. N. KtndEk. rv. M. L Lehren und Predigen, alle Unterweisung, Ermahnung, aller gute Rath, alle Zurechtweisung, und die Bereitwilligkeit dazu auf. Wenn alle gerecht, liebreich und friedlich mären: so gäbe es keine Beleidigung, Drückung, Kränkung! so hörte auch alle Sanftmnth, Geduld, Gelassenheit, alle Liebe der Feinde und Aussöhnung mit ihnen auf. Wenn es keine Schwachheit, keine Versuchung, keine Anrcißunq zum Bösen, und keine Verführung gäbe: so kostete auch das Gute keine Müde und Übung, und es hörte die Mäßigung, die Verlängnung und Abtödtung, die Tugend, die christliche StandhastigkeitundStarkmuthauf. Wenn es keine Verirrung, keine Boßheit. keine Sünden und Sünder gäbe: so wäre auch keine Reue. keine Buße, keine Bekehrung und Besserung, keine Vergebung der Sünden nöthig; und die erbarmende Liebe Gottes, die Gnade der Menschwerdung, und die Erlösung wäre über- chüßig. Schau, darum singet die Kirche in der heil. Woche: G glückliche Adams-Sünde, die eines solchen göttlichen Erlösers bedurfte l So wäre auch Christus nicht gekommen, uns durch seine göttliche Lehre zurecht zu weisen, zur Buße aufzumuntern, und die sieben heil. Sakramente zur Heiligung einzusetzen; so wäre auch kein Christenthum, und kein christlicher Glaube. Endlich, wenn wir alles hätten, was wir zu unserem Vergnügen wünschen: so brauchten wir auch Gott um weiter nichts zu bitten, und uns um nichts zu bestreben: so hörte auch Gebeth und Arbeit, Fleiß und Betriebsamkeit, Handwerk, Kunst, Ackerbau/ Viehzucht, Handel, Wandel, —G— rsZ Genügsamkeit, Sparsamkeit und alle häusliche und bürgerliche Tugend auf. Dann möchten wir zum Überflüsse noch etwa wünschen, daß auch unsere flatterhaften Kinder schon verständig auf die Welt kamen, wie die Männer; daß die kleinen gewachsen. Und die schwachen stark waren—denn das wäre doch auch ein Übel, verständig seyn, wie ein Mann, und ohnmächtig in der Wiege liegen, wie e-n Kind — So müßten alle gleich groß aufd e Welt kommen, wie Adam»ndEva und es hörte folglich auch der Ehestand, die eheliche Liebe, Hülfe, Treue, und alle Sorgfalt für die Kindererziehung auf. So wären wir jetzt alle gleich groß, stark, verständig, glücklich, reich, gut, und lebten in lauter Friede und Eintracht: da brauchten wie keine Regenten, Fürsten, Beamten, Unterthanen; auch keine Soldaten, weil kein Krieg wäre; keine Bauern, Künstler, Handwerker, keine Gelehrte, Priester, Beichtvckter— weil wir alle für uns selbst gut und verständig waren. Dannmöch. te ich wissen, wie wir noch auf der Welt ständen? Lerne daraus, mein Lieber, warum Gott so mancherley Übel. Unglück, Unverstand und Boß- heit aufder Welt dulde. Gelt! wenn er sie hinweg schaffte, so müßte auch alles Gute, und alle Tugend von der Erde verschwinde»? Erinnere dich hier an jenes evangelische Gleichniss von, Weitzcn und vom Unkraute. Der Hausvater ließ seine Knechte das Unkraut nicht ausraufen, damit sie nicht auch den guten Weihen mit ausraufeten. Dieses Gleichniss hat Iesuo selbst auf die Guten und Bösen gedeutet, und uns dadurch gelchrek, dass, wenn er die Bösen wegschaffete, auch den L s Guten die Veranlassung und Gelegenheit zur Tugend genommen würde. Wenn also Gott die Übel zulaßt, und die Bösen um der Guten willen duldet, so Halte du dich darüber nicht auf. Befleißige dich vielmehr, unter die letzteren zu gehören Es wird einmahl die Zeit kommen, wo der himmlische HauSvater den Weitzen von dem Unkraule absondern, dieses in Düschlein binden zum Verbrennen, jenen aber r» die himmlischen Scheuer» einsammeln wird. Hier aber auf Erde müssen noch beyde mit einander wachsen. Da hat ein jeder die Freyheit, Gutes oder Böses zu thun. Gott verleiht aber allen, die mitwirken wollen, feine Gnade zum Guten, daß sie es thun, und selig werden können. Aus dem Parabeln für Junge und Alte. Der Aufschub Morgen! Morgen, nur nicht heute? Sprechen immer träge Leute, Morgen! beute will ich ruhn: Morgen jene Lehre fassen, Morgen diesen Fehler laßen. Morgen dieß und jenes thunl ttnd warum nicht heute? Morgen Kannst du für was anders sorgen! Jeder Tag bat seine Pflicht. Mas geschehn ist, ist geschehen: Dieß nur kann ich übersehen; Wa« geschehn kaun, weiß ich nicht. Wer nicht fortgehe, geht zurück«; Unsre schnellen Augenblicke Gehn vor sich, nicht binter sich. Das ist mein, was ich besitze§ Diese Stunde, die lch nütze; Dle ich hoff', ist dle für mich? Jeder Tag, ist er vergebens. Ist im Buche meines Lebens NlckrS, ein unbeschriebnes Blatt? Wokl denn! Morgen so, wie heut«, Grch' darin auf jeder Seite Von mir eine gure That- Weiße, Endzweck und Mittel. Larl buchstabir einmahl daS Wort EnL- Zroech. Du auch Friz— Du auch Marie— Wer mir doch sagen könnte, was dieses Wort bedeute? Denn es ist ein wichtiges Wort, es kommt viel darauf an, daß man es versteht. Wer dieß Wort recht versteht, der kann bald mehr verstehen. Nur gebt Acht, Kinder, was ich euch darüber lehren will; denn ich werde wieder darnach fragen, ob ihr behalten habt, was ich sagte. Dieses Wort bedeutet fast dasselbige, als Absicht, Vorhaben, Vornehmen, Vorsatz rc. Bey allem, was man thut, hat man einen Endzweck, eine Absicht man nimmt, man setzt sich etwas vor, man will etwas thun, erreichen, erhalten, erlangen, bekommen, haben— Das heißt kurz, man hat einen Endzweck. Wer in die Schule geht, oder lernt, oder arbeitet, oder sich vergnügt, hat einen Endzweck. Er will nähmlich, w der Schule etwas nützliches lernen, durchs Lernen geschickt und brauchbar, oder ein guter Mensch weiden, durch Arbeit, sich waS verdienen, durch mäßigeS Vergnügen, sich bey Gesundheit Munterkeit erhalten. Wer cinheitzl oder ein- heitzcn laßt, der will oder hat den Endzweck, daß es soll warm werden; wer ißt oder trinkt, will dadurch satt, genährt und gestärkt werden; wer lehrt, will andern nützliche Kenntnisse verschaffen; wer sich zu Bette legt, und gesund ist, will schlafen rc. Alles dieses sind Endzwecke, und alles, warum ein Mensch sich bemüht oder Mühe gibt, zeigt an, daß er einen Endzw, ck habe. Möchten es doch immer gute Endzwecke seyn! So würde keine Reue, kein Kummer darauf folgen dürfen, als so gewiß folgt, wenn man sich was Böses vornimmt, oder böse Endzwecke hat; als z. B. betrügen, beschädigen, beleidigen, sein eigener Richter seyn rc. Nun gebt ferner Acht, was ich itzo sagen werde! Das, wodurch ich meinen Endzweck zu erlangen suche, heißt" Mittel,, Buchstabir das Wort, Mittel! Du auch rc. Wißt ihr noch, was Mittel heißt? Wer kann es mir sagen? Wenn ihr es nicht behalten habt, will ich es noch einmahl sagen Nun sage mir, welches ist das Mittel, dessen ich mich bedienen muß, wenn mein Endzweck wäre. z.B. satt, genährt, und gestärkt zu werden? Antwort."Essen und Trinken,, Welches war hier der Endzweck? Arttw."Satt. genährt und gestärkt z» werden,. 16? Welches war dazu das Mittel? A»tw."Essen und Trinken.,, Wie aber, wenn Essen nnd Trinken vor drr d« stünde, und du wolltest das Essen und Trinken nicht in den Mund nehmen, nicht hinunter schür- cken rc. wärest du denn davon schon satt, genährt und gestärkt, daß das Essen und Getränk da wc^> re und vor dir stände, oder was gehört noch mehr dazu? Antw."Ich muß selbst essen, trinken.,, Das heißt, ich muß die Mittel, die M Erreichung meines Endzwecks da sind, anwenden und gebrauchen. Ich muß selbst dazu thun, was rch thun kann, daß ich meinen Endzweck erlange. So, liebes Kind, ichs auch mit der Schule, wre vorher mit dem Essen und Trinke». Die Schule ist da, der Lehrer auch, und viel nützliches ist zu lernen; aber was fehlt noch» wenn der Endzweck erreicht werden soll? Antwort."Ick muß in die Schule gehen... Wenn du nuu zwar in die Schule gegangen wärest, aber auf nichts achtetest, an allerley dächtest z. B. an dein Spielzeug, nicht hörtest, wa». der Lehrer mit dir spricht würde dir das allein schon zu Erreichung deines Endzweckes helfen, daß du in die Schule gegangen bist? Lntw."Nein, sondern ich muß waS lernen wollen.,, Womit beweisest du deinen Willen, etwas HN ternen^ oder mornn knnn ieb^ werken nnd wisse«, daß du was lernen willst? Antw."Wenn ich recht Acht gebe ausdas. was d.- Lehrer sagt. Ader wenn-»'nun nicht mehr in der Schickst, so brauchst du weiter nicht an. das zu den- r«, wss der Lehre« dir nützliches sagt«, ddr? »63 zu thun empfahl, du brauchst eS nicht zu behalten, sondern kannst es vergessen, und lernst Hoch genug-t Antw."Nein, sondern ich muß es behalten, und nicht vergessen." Aber wie macht man es, wenn man etwas nicht vergessen will? Anlw.„Man muß oft wieder daran denken." Also, das ist ein Mittel um zu behalten und nicht zu vergessen, wenn man oft wieder an das denkt, was man gehört oder gelesen hat. Nun, wenn du alle diese Mittel anwendest, und brauchst, dann wirst du deinen Endzweck erreichen, wirst viel nützliches lernen, aus dir wird ein guter brauchbarer Mensch werden. Gort, alle gute, Menschen, und ich dein Leh, rpr, werden uns über dich freue». Rochovr. Gott erhalt alles. Frey von Sorgen, Treibt der Hirt am Morgek Seine Herd' ins Feld. Wenn die Vogel singen. Und die Schäfchen springen» Ging' ich: Gott erkält Gnädig, mächtig. Gütig, grächtig, Seine liebe Welt. Grüne Wälder! Kvrnr lind Weizenfeld» Milder Sonnenschein! Sanfte Mondenhelle! Meine Silberquell«! Blumen, Obst und Wein Gottes Willen Zu erfüllen, Müßt ihr uns erfreun r Thau und Regen Schütten reichen Segen Über Thal und Höb'nr Laus sanfte Winde, Kühlen uns, gelinde, Wenn sts ftielend wehn; Schwül« Hitze Dämpfen Blitze, Prächtig anzufthn, D wie mächtig, Gnädig, gätkg, prächtig Ist derHcrr der Welk', Welcher seine Erde, König, Hirt und Herde, Liebet und erhält! Laßt uns singen, Ehre bringen Pott, dem Herrn der Welt! Traf v. Stolderg. Die Morgenstunde trägt Gold im Munde. In einer Stadt wohnte ein reicher, reicher Man», Nahmens Rechtlied. Er war auch tugendhaft und menschenfreundlich- Vielen Leuten borgte er Geld, und, was oft noch über Geld ist, ertheilte jedermann guten Rath, der sich nicht zn helfen wußte. Das weiß ich nicht, sagten neidische, böse Menschen, wie Rechtlieb zu solchem Vermögen kommt; als ein armer Student kam er in unsere Stadt, und unn hat er Geld über Geld. Das muß nicht mit rechten Dingen zugehen. Wir wissen doch auch, was arbeiten heißt, und können uns kaum das Nothwendige erwerben- Rechtlich hörte, wie einige so arg von ihm sprechen; auch wurde er öfters befragt: was er denn für ein Geheimniß habe, sich so vieles zu erwerben. Geheimniß'?— erwiederte er lächelnd. Daß doch die Leute alles ins Wunderbare ziehen, was doch so natürlich zugeht. Mein ganzes Geheimniß steckt in dem Spruche: Morgenstunde tragt Gold im Munde. Ich habe immer die Sruuden des Morgens gut angewendet, stand im Winter um 6 Ühr auf, und ließ mich im Sommer nie von der Sonne aufwecken, sondern kam ihr zuvor: in Unterschied? Nur allein die Mäßiaen sind vermögend, das, was das Beste ist, zu bemerken, dasselbe sowohl in ihren Reden als ihrem Verhalten nach den verschiedenen Arten zu unterscheiden, das Gute alsdann zu wählen und Laß Böse zu vermeiden. Und auf diese Weise, sagte er weiter, entstehen die besten und glücklichsten Männer, die der Vernunft zu folgen am geschicktesten sind rc. Aus Renophons Denkwürdigkeiten des Gokrates- (Mir Weglassung einiger Stellen-) »78 Die Wanderer. Zwey Wandrer reiften einst durch einen großen Wald. Wie? fing der Line an, wie? wenn jetzt Räuber kämen? Was würden wir wohl unternehmen?" En, sprach der andere, was, Bruder, fällt dir ein? Wer wird auch gar so furchtsam sey»? Laß sie nur immer kommen!> ald, Bald sollten sich die Herr'n bequemen, Zu ihrem Aufenthalt Den Weg zurück zu nehmen! Sonst würd ich sie was anders lehren. Sie sollten dann gewiß mit mir Zu streiten nimmermehr begehren! Nein, eitel, Freund, ich sag es dir. Ist deine Furcht, so lange du mit mir. 'Auf diese Art prahlt' er noch lange Zeit Mit seiner seltnen Tapferkeit, Erzähl.e manchen blut'gen Streit, In welchem er gesicgct haben wollte. Und welchen sein Gefährt nur stets bewundern sollt«. Allein indem sie plaudernd gehn, Läßt sich von fern ein Räuber sehn. Ein bloßes Schwert in seiner Hand, Kommt er in vollem Lauf gerannt. Der Tapfre, dessen scharfe Blicke Den Räuber allererst ersah'n, Sinnc gleich darauf— was baucht euch wohl?— wie man Am leichtsten hier— entwischen kann. Und kurz, er ziehet sich in«in Gebüsch zurücke. Indessen kommt der Räuber an. Und fordert Geld und droht, Im Fall dcs Wcigerns, mit dem Tob'. Allein sein Geld, so wie sein Leben Findr unser Wandrer sich nicht eben Geneigt, dem Räuber so gurmülbig hinzugeben, Drum zieht auch er sein Schwert, und widersetzet sich. M« >8«—D— Ein heißer Streit beginnt; sie kämpfen ritterlich, And lange kann man nicht entscheiden, Wer unter den erhitzten Beyden Der Sieger werde seyn. Doch auf den Räuber blinkt Zuletzt des Wandrers Stahl. Ertaumelk, taumelt, sinkt, Regt sich nicht mehr.—— Der unverschämte Prahler, der Verborgen zugesehn, eilt jetzo schnell derben. Was, ruft er schon von fern, was kör' ich für Gcschren? Fast wähnt'ich einen Kampf. Ist« dieß; dann zeige mir Nur deinen Gegner an, gern, Bruder, helfich dir. Doch wie? du hättest schon gestegct? Und der hier todt liegt, war dein Feind? Je, warum riefst du doch hierzu mich nicht, v Freund? Wie gerne hätt ick mitgekrieget? Tann hättest du gesehn, was ich vermag und bin. Das, Lieber(war die Antwort), weiß ich ohnehin Du zeigtest dich genug. Auch bin ich dir verbunden. Als hättest du zehn Räuber überwunden, Denn neubcgründet hast du hier Die wohlbekannte Wahrheit mir: Daß jenem Mann, der seine Lunge Durch eignes Lob zu sehr erhitzt, Gemeiniglich nur auf der Zunge Die ganze Tugend sitzt- I. ph. Neumann. Aufmerksamkeit. Braucht, o brauchet jeden Sinn! Das ist euer Pflug und Egg«; Diese« führet euch zum Zwecke, Führt zum reinste» Glücke hin. —G—'69 Seyd aufmerksam, das ist: sehet und hö- ret das, waS ihr hören und sehen sollet, immer recht, und richtet eure Sinne und Gedanken stets auf das Geschäft, was iyr treibet; aus das Vergnügen, daS ihr genießet.^. Allenthalben hat man Gelegenheit, steh«l der Aufmerksamkeit zu üben. Seyd ihr im Garten, so richtet eure Gedanken immer auf das, waS Aunachsl um euch ist, aus die Baume, Blum»u, Gräser, die um euch wachsen, auf die Vögel. Schmetterlinge und Bienen, die um euch herum ^^ Der Aufmerksame wird taglick klüger und froher, weil er alles Nützliche und Schöne bemerkt. Er kann von Allem Rede und Antwort geben, seine Kenntnisse auch andern mittheilen, und al- le seine Geschäfte gerathen wohl. Darum kann man ihn brauchen, und er genießt viele Vortheile, die der Unachtsame nicht hat. Merket immer genau auf das, waS vorgetragen wird. und fraget, wenn ihr etwas nicht recht verstanden habet. Denket über alles nachlas ihr leset, und gehet nicht eher von einer dunkle» Stelle weg, b-s ihr sie verstehet. So werdet ihr täglich klüger werden und mehr lernen. Frag- viel und laß dich fragen; Eo wird man dir manches tagen. Was dir nützt und dir gefällt. Fragen hilft uns durch die Welt- Sehet alles recht an, was da ist, Großes und Kleines, was Gott gemacht Hai, und denket nach, warum oder wozu dieses n»d ftves wohl daseyn, oder wozu es wohl nützen mag. Und ihr werdet alle Tage etwas Neues und Schönes entdecken,, das euch munter und froh macht. Wer die Augen bey sich hat, stolpert nicht. Das merke du dir wohl. Du wirst dadurch manchen Fehler vermeiden, den andere machten, und wodurch sie sich ins Unglück stürzen. Es heißt zwar, daß man durch Schaden klug werde; es ist aber besser, wenn du es durch den Schaden anderer, als durch deinen eigenen wirst, oder durch die Lehre, die man erhalt, und durch die Aufmerksamkeit, die man haben muß. Wofür lebt man denn in der Welt, wenn man nicht klüger und ycrständiger werden soll? Hans erfror sich feinen Fuß. Sobald er nach Hause kam, legte er Schnee darauf, und steckte den Fuß in eiskaltes Wasser, bis alles wieder gut war, und es hat ihm nichts geschadet. Dieses Mittel hatte er in der Schule gehört. Forscht, Kinder! wie man alles nennt. Was ihr durch eure Sinne kennt- Forscht, Kinder! wie ihr das, was ihr mit Nahme« nennt, Mit andern nicht verwechselt, es stets wieder kennt. Forscht, wie man jede Sache brauchet und erwirbt? Und wie man sie mißbraucht? w odurch fle uns verdirbt? Fragt, Kinder! was ein Ding für viele Theile hat, Was jeder Theil für Kraft, Werth oderWirkung hat. Forscht nach, wie jedes Ding, das um euch ist, entstand, Und wie der Mensch durch Fleiß ein W erkder Kunst erfand. '8Z Erforscht die Gattung au», zu b«r«in Ding ackert x Dann werdet ihr recht klug, verständig und gelehrt» Aus dem moralischen Lesebuche. (abgeändert) * Das Faulthier, oder der Ai. Dieses Thier hat seinen Nahmen nicht umsonst; denn es ist so erstaunlich faul» dumm und sorglos, daß es hierin selbst den Esel und das Murmclthier noch weit sehr weit übertritt soll es darum heißen, weil es immer^ und»2 zu schreyen pflegt. So osk es sich rührt oder nur in, mindeste» bewegt, laßt es ein solches Geschrey von sich hören, das aber so jämmerlich ist, daß man es ohne Ekel und Mitleiden nicht anhören kann. Es kann nicht einmahl den Kopf bewegen, ohne dieses Klaggeschrey anzustimmen. Und diese artige Musik laßt nicht»icl anders als das Mi? anen einer jungen Katze. Das Thier ist auch nicht vielgrößer, als'ei-- ne große Katze. Die zwey Zoll langen Haare am ganzen Leibe machen es nur so groß, a,s man es in manchen Bildern sieht. Es bar einen runden Kopf, ein ganz harrichtes Gesicht, dunkle»er- Leckte Augen, die ihm ein altes weinerliches Men- schengesicht geben, kleine Zähne, ein flaches Maul und eine flache Nase. Es hat gar keine Ohrläppchen, nur ein behaarter Rand um die Ohren ist merklich. Die Vorderfüße sind langer, als die Hinterfüße. An beyden aber hat es lange, starke Nageln, der Schweif ist überaus kurz. Die Haare, die braun und weißlichk sind, lassen sich wie verdorrtes Gras anfühlen; die längsten sind am Halse. Man findet dieses Thier in Südamerika; vorzüglich in Brasilien; auch in Leylon wird es gefunden. Einige Indianer nennen es Uaika- re, von andern wird es Hay, Hau oder Hauthr genannt. Sie lassen sich sein Fleisch wohl schmecken. Das Faulthicr frißt nichts als Baumblätter. Kommt es auf einen Banm, so bleibt es wohl mehrere Monathe lang darauf, ohne nur ein einziges Mahl auf die Erde zu steigen. Hier frißt und frißt es so lang, bis kein Blatt mehr daro- lbcn und der Baum ganz kahl ist. Dann hängt es sich einige Tage lang an einen Ast und scheint zu überlegen, ob es hier verhungern, oder sich die entsetzliche Mühe nehmen solle, auf einen an- -M- L85 Hern Baum zu steigen. Ganz ausgehungert wirft es sich endlich von, Baume herab; denn zum Her- abklettcrn ist es einmahl zu faul— und sticht sich einen andern Baum.^^ a>-> Allein in diesem Geschäft nberntt es sich durchaus nicht. Die kleinste Schnecke wurde ihm Weit zuvor kommen. Um auf der geradesten Ebene nur fünfzig Schritte zurück zu legen, brana.tt zr oft mehr als einen Tag. Kommt er enouch an einen Baum, so hat er fast zwey Tage nöthig,»m auf dessen Gipfel zu klettern, ungeachtet seine Zahne recht gut dazu ge-bauet sind. Zum Trinken nimmt es sich gar nicht Zeit, und cv ist ein Glück für den Ai, daß er ohn- zu trinken leben kann.^^^^ Ja er ist so faul, daß weder Menschen, die ihn verfolgen, noch reißend-Thiere, wenn er sie such auf sich loskommen steht, ihn m die rmn- desie Bewegung bringen. Und wenn er auch dicht bey M-m Baume steht, so laßt er sich ehe- gefangen nehmen oder zerreißen, als er hinaus kletterte. Zu vertheidigen pflegt er sich schon gar nicht. Darum kann er auch von den Indianern ganz leicht gefangen werden. Man hat es vrrinchr, ihn Lurch Schläge und andere Mittel geschwinder zu machen; aber alles umsonst. Die härtesten e-tre!- che halt er mit der größten Uncmpstndlich-itk Er hat überdieß ein außerordentlich zähes Leben: denn er kann über drey Wochen lang ohne alle Speise und alles Getränk leben. Mit der größten Gefühllosigkeit läßt er sich werfen. schleifen, stechen, treten und umwenden, ohne daß es ihn sogleich tödtete. Ja er lebl noch sogar einige Zeit, wenn man ihm schon das Herz die Adrigen Eingeweide heraus geschnitten hat. isoni dauert sein natürliches Lebensalter ungefähr zehn bis-F Jahre. Was doch die Natur für wunderbare Geschöpfe hervor gebracht hat! G. NachstTNlieöe. ^ Im Jahre>789 trat die Donau aus, und überschwemmte den größten Theil des Marchfel- des, so daß die Einwohner sich vor den anschwellenden Wasserfluchen, mit Zurücklassnng ihrer ganzen Habe, flüchten mußten. Einige Bewohner retteten ihr Leben auf einer Anhöhe, die um und um, gleich einer Insel, mit Wasser umgeben war, und erwarteten trostlos den schrecklichen Hunge st»d. Gin benachbarter Müller, als er ihre Noth erfuhr, nahm Lebensmiktei, wagte sich mit Gefahr seines eigenen Lebens auf einem Kahne m den Verunglückten, und brachte sie ihnen nebst dem Troste, sie bald aus ihrer elenden Lage zu retten. Er hielt Wort, und durch seine Bemühungen wurden die Unglücklichen bald wieder auf trockenen, und von aller Gefahr befrepten Boden gebracht. Gehe hin und thue desgleichen!— spricht Jesus. unser göttlicher Lehrer, bey Luc.»0.57, I. Beichel. Vorsatz zum Fleiße. Mag Spiel und Tand mich noch so reißen Dir, süßer Fleiß! nur dir allein. Wenn andre schon nach Kurzweil grtßen. Will ich stekt meine Kräfte weihn. D-m, der schon In der Jahre Blutbe Sich Arbeit als Vergnügen denkt. Der ist's, o Fleiß! dein dein- Gute Das reineste Vergnügen schenkt- Dem Faulen schaffst du viel Beschwerden, Er scheuet auch die kleinste Mub; Mir sollst du nie zur Plage werden. Ich bleibe thätig spät und früh. Wie Mancher ließ die schönsten Taze Der Jugend ungenützt verfliebn! Gott hütdc mich vor seiner Lage! Die Ruhe stob mit ibnen hin- Di- Arbeit gibt der Seele Starke, Und härter auch den Körper ab, Vermehrt den Eifer edler Werke, Den Adel, welchen Gott uns gab, Gke lohnt mit Glücks die Geschäfte, Mit Liebe, Achtung und Verstand; Hingegen Trägheit schwächt die Kräfte, Drum sey sie weit von mir verbannt. L. Mattultk. Beschreibung einer Kindsrprüfuug Ein^Sries Wilhelms an Ferdinand. Ich sollte Dir also Nachricht von unserer Prüfung geben? Wir angenehm ist mir diese Beschäftigung, da sie mich an Freuden erinnert, die ich unter die seligsten meines Lebens rechnen werde. Am verstoßenen Donnerstage war der sur uns Schüler so feyerliche Tag, an dem wir Proben unserer Geschickuchkrit und unserer Kenmniße r88 G— ablege-! mußten. Unsere lieben Ältern unterbräche» uns zu Lieb ehre häuslichen Arbeiten, und ermunterten uns durch ihre Gegenwart. Die Obrigkeit der Stadt, und die ansehnlichsten Einwohner seist- und weltlichen Standes ließen sich zu unS Kleinen herab und warenZeugen unserer Antworten und Übungen! Bor dem Anfange der Prüfung wurde von. uns das gewöhnliche Schullied gesungen. Weil wir aber durch so viele neue Gegenstände so zerstreut waren, daß wir nicht aufdas denken konnten, was wir fangen: so sagte uns der Herr Lehrer Tags zuvor, wir sollten bey dem Gesangs nur kurz denken: ,,Lieber Vater im Himmel, als „deine guten Kinder wollen wir wieder die Äräf- „ke, die du uns gabst, üben, und antworten, „so gut wir können; nicht bloß um Lob zu erschallen, sondern um nützliche Glieder in deinem „Reiche zu werden.,,— Dieß that ich nach meiner Art, daß mir die Augen naß wurden. Es ist so was rührendes, gleichsam mit Gott zu reden! Dann wurde von einem Mitschüler eine Anrede hergesagt. Düse harre er einige Tage vor der Prüfung selbstgemacht. Der Herr Lehrer fragte ihn um Verschiedenes, z. V. Ob es keine vorzügliche Ehre ist, wenn Altern und Obrigkeiten ihre so wichtigen Geschäfte verlassen, um die Antworten unmündiger Kinder zu beurtheilen? Was Kinder für eine solche Ehre wohl empfinden werden? Wie sie diesen Dank am besten bezeugen können? Wie sie die Schwachen entschuldigen würden? Ob daS auch der Faule verdiene? und so weiter. Die Antworten auf mehrere solche Fragen halfen wir in eine kleine Rede zusammen setzen, und wer sie am schönsten geschrieben brachte, der erhielt die Erlaubniß sie öffentlich herzu-- sage». Diese M-mg, sagte der Herr Lehrer, hilft das Gedächtniß starken, lehrt uns mit Anstand in Gegenwart vornehmer Personen sprechen, und äst oft für manche Schüler von wichtigen Folgen gewesen. Zinn wurde gelesen. Wir konnten es auf zweyerlcy Weise: langsam und beynahe salben- weile, damit wir nicht so leicht fehlten unv Zeit hatten, über das Gelesene nachzudenken. Dann lasen wir auch geschwinder und so, wie man mit gesitteten Personen spricht. Der Herr Lehrer ersuchte die anwesenden Gaste, uns über das zn fragen, was wir gelesen haben: und wir konnten es nicht nur mit unsern eigenen Worte» erzählen, sondern die meisten aus uns wußten auch noch zn sagen, was jedes einzelne Work bedeutet. Das gefiel allen Leuten recht gut. Allein unser bester Herr Lehrer gab sich auch viele Mühe, uns alles wohl zu erklären, oder uns die Dinge selbst vorzuzeigen.—, Jtzt mußten wir schreiben. Anfangs schrieb ein jeder anfdem Papier, was ihm einfiel: Sprichwörter, Texte aus der heil. Schrift, kurze Verse oder andere lehrreiche Sprüche. Dann dietirte unS einer der anwesenden Herren allerley schöne Sit- tenlebren, die wir etwas geschwinder nachschreiben mußten. Zuletzt mußten wir einer um den andern an die Tafel hinaustreten, und einen Brief, denn uns der Herr Schulaufseher mit Fleiß in sehr schlechtdcutfchen Ausdrücken vorsagte, auf regelmäßige Art, nach der Sprachlehre, anzuschreiben. Da gab es was zu lachen; aber auch was nachzudenken! Ich will dir einmahl diesen Brief schicken. Sodann würde gerechnet. Da wurde uns nicht gesagt, wie wir die Rechnung ansetzen sollen oder zu welcher Rechnungsart die Aufgabe gehört. Sondern ohne alle Unterstützung, wie wenn wir auf dem Markte oder im Kramladen waren, mußten wir allein alles heraus bringen. Da wir aber in der Schule gut geübt waren, so ging es auch alles gut. Nur ein Herr aus einer Kanzelley halte uns bald um unsere Ehre gebracht. Der halte wohl zu Hause ein so spitzfindiges Exempel ausgebucht, daß es gefehlt seyn mußte, wenn man es auch noch so gut ausrechnete- gerade so. wie die Pharisäer einmahl unserm Herrn Iesus eine Frage vorlegten, wo jede Antwort übel ausgelegt werden konnte. Allein unser Herr Lehrer und noch andre verständige Leute sagten: dieß sey nur ei» Vexir- Exempel und gehöre nicht in eine Prüfung. Allein einer von uns wußte, wie man es auflösen müße, und berechnete es sogleich aus dem Ropfe. Das gefiel allen nngemein, und alle lobten diesen Schüler. Du würdest ihn wohl sehr gut kennen, wenn ich ihn Dir nennen möchte- Am Ende ward die Religion vorgenommen. Der Herr Katechet erzählte verschiedene Handlungen der Menschen, und ließ uns urtheilen, ob sie gut oder böse seyen, und aus welchem tIrnnde, Das war dir keine leichte Sache, mein lieber Ferdinand! MaucheHandlungen sahen so schön aus, und waren von so vielen glänzenden Neben- umständen begleitet, daß die ganze Welt sie für gute tugendhafte Handlungen gehalten hätte; und doch waren sie verabschcuungswerth, weil sie aus dem bösesten willen entsprangen. Andere, dem Scheine nach sehr verwerfliche Thaten, waren bey näherer Untersuchung so rechtschaffen. wie fie nur immer das heil. Evangelium vorschreibt. DaS alles brachte der Herr Katechet durch Frage» -9» Heraus. Den solltest du einmahl fragen hören! Man meint, der liebe Gort selbst redet mit einem, so liebreich und so verständig fragt er einem alles ab. Die anwesenden Gäste selbst gaben auf alles, was ersagte, so Acht, als wenn sie in einer Predigt wären. Doch mein Brief wird ziemlich lang, wie ich sehe. Und doch hätte ich Dir noch recht vieles zu schreiben. Nähmlich wie das Buch der Ehre und Schande verlesen wurde, was für schöne Handlungen in dem ersten vorkamen; wie dann die Gchulprerse ausgetheilt wurden, welche aus Büchern, Bildern und Kleidungsstücke» bestanden'; wie wahrend dieser Austheilung von ansehnlichen Kinderfreunden aus eigenem edlem Antriebe herrliche Musik gemacht wurde, wie ich zuletzt eine Daukrede hielt, und wie wir mit einem eigens gelernten Liede die Prüfung beschlossen. Doch dieß ausführlicher in einem andern Briefe. Genug, daß ich hier nur anmerke«, daß den meisten Lenken vor Rührung Tbränen in den Augen standen— und daß wir Schüler, als wir daS sahen, uns von Neuen vornahmen, mit allem Eifer weiter zu lernen, und zum Vater im Himmel seufzten:"Herr! segne, segne diese guten „Menschen, die sich zu uns Kleinen herablassen, „wie unser Erlöser die Kindlein zu sich kommen „hieß. Segne unsern Lehrer, unsere Ältern, die „Sbrigk it der Stadt und^ alle diese Kinder- „frcunde!" Doch nun kein Wort mehr, als daß Dich recht sehr liebet Dein trener Corrcspondeak Wilhelm. G. MW Las Gebeth. Zu Gott im Himmel bethen, Ast eine süße Pflicht. Mit Dank vor ihn zu treten, OÄind! versäume nicht! Du darfst nicht Worte wählen. Wie sie dicÄunstgebeut; Das Zeichen schöner Seelen Ist frohe Dankbarkeit. Vollziehe gern im Stillen Die Andacht des Gebeths. Gott hört, es zu erfüllen. Dich überall und stets. Nicht ist Sein Wohlgefallen Bloß liebliches Getön; Er findet auch das Lallen Der kleinen Kinder schön. Denk oft be« deinen Frcuderr: Wie gut ein Schöpfer ist. Wie Er so gern die Leiden Der Sterblichen versüßt. Weck' oft, wenn Angst dich quälet- Gott ist's, der Hüife schafft Auch dann, wenn Kraft dir fehlet;. Er gibt den Schwachen Kraft. Ja, kleine frohe Jugend k Wirf dich auf deine Kni«. Entzückt dich früh die Tugend; Sich, bethend lernst du sie. So wirst du Kraft erhalten. Dich deines Gottes freun; Im Guten nie erkalten. Zum Himmel weise seyn- Aus T.§. Splitkeyarbs Ueöem zur Bildung des Herzens. Wie der Regen entsteht. M- Gespräch des kleinen Carl mit seinem Vater. Larl. Lieber Vater, wo kommt denn dee Regen her?- Vater. Weißt du das nicht? Der kommt!» aus den Wolken..^, Tast. Ja; aber wo kommen denn die Wolken her? Vater. Die entstehen aus Dunsten. Carl. Wie geschieht den» aber das? Und was sind Dünste?^ Vater. Wie das geschieht?- Sag nur erst, wo meinst du denn wohl, daß alles das Waste? hinkomme, was aus den Wolken als Regen herunter fällt?..-^ Carl. I, das versinkt ,a alles in die Erde. Vater. Wenn das ist, warum versinkt deut» hernach das Master in unserm Teiche, und das jm Bache fließt, nicht auch alles m die Erde? Carl. Ja das— es ist wahr, das versinke Nicht. Versinkt denn also nicht alles Wasser in die Erde, lieber Vater?^^ Vater. Wenn du das geglaubt hast, so hast dn dick sehr gcirret; denn es versinkt gar kein Wasser in die Erde. Carl- Gar keins?^ Vater. Gänzlich versinkt gar kems; sondern Wasser, welches z» versinken scheint, dringt nur einige Hand breit und nicht weiter in die Erde Das übrige, was nickt mehr eindringe» kann', bleibt auf der Oberfläche derselben flehen. Siehst du nicht selbst, wenn es viel regnet, daß hier und dort bald große und kleine Lache» Wasser stehen bleiben? GabeiS- U. ÄindttMs. IV, M-. N Carl. Das ist wahr; die hab' ich oft gesehen. Aber wenn es lange nicht regnet, so verliert es sich doch immer wieder, daß zuletzt keins da ist: wo kommt es denn da hin? Vater. Hast du nicht auch bemerkt, daß dieses desto eher geschieht, je warmer die Sonne schein-? Carl. Ja, Vater; wenn es recht warm ist, ist es ja gleich weg; und da meinte ich, eS wäre in die Erde versunken. Vater. Und bey kalten Lage», da auch so geschwind? geschieht es Carl. S neink da bleibt es ja oft sehr lange stehen. Vater. Merkst du nicht, daß nur die Warme, und zuweilen auch der Wind, das Wasser verschwinden macht, wobey man glaubt, es vertrockne. Carl. Ja, so scheint es. Vater. Nicht nur allein scheint es so, es ist wirklich so. Und wen» es lange nicht regnet, und es recht windig oder warm ist, so wird alles Wasser wieder aus der Erde herausgezogen, was in sie eingedrungen wür. Carl. Das kann mich doch wundern. Aber wo kommt denn hernach alles das Wasser hin? Vater. Die Wärme, mein Sohn! dehnt al- k Körper aus so wie sie die Kalte zusammen halt— und löset vorzüglich das Wasser wieder in sehr kleine Theilchen auf, die nun wieder in die Höhe steigen,»nd wenn dann recht viele zusammen sind, uns als ein Rauch oder Nebel erscheinen; und solche Nebel heißt man Dünste. Larl. Ah! solcbc Nebel oder Dünste sah ich ja selbst schon aufsteigen. Wissen Sie nicht, lieber Vater l wie letzthin nach dem starken Gewit- ^-G->95 M-regen der Wald rauchte, wie ich Sie fragte; vb es den» im Walde brenne, daß so viel Rauch aufsteigt, und Sie mir sagten: daß es Nebel sey? Vater. Ja, das waren solche Dampfe oder Dünste. So lang nun diese recht dicht über der Erde schweben, daß man weder vor sich, noch dinier sich weit sehen kann. und es auch ganz trübe wird. so heißen sie Nebel. Steigen aber Liese Nebel mehrere Ehlen hoch, oder wohl gar eine Viertelmeile über uns auf, dann heißen sie ^^Larl. So ist ja Dunst und Nebel und Wolken einerley? Vater. Ja, das sind sie, Wolken sind Nebel und Dünste in der obern, und Nebel und Dunste sind Wolken in der untern Luftgegend. Carl. Warum sagt mau denn obere und untere Lnftgegcnd?» Vater. Weil eine jede anders beschaffen ist. Die obere Luft ist, besonders im Sommer, sehr viel kälter, als die untere. Carl. Ja so... Vater. Die Kälte der obern Luft nun, drangt die Dünste oder kleiiwn Wassertheilchen immer wieder dichter zusammen, woraus denn vrdentli- che Wafferkrspftn entstehen. Werden nun deren so viele, daß sie die Luft nicht mehr tragen kann, so müssen sie sinken uud fallen als Regen wieder herunter.. Carl. Ah, ist das allezeit so, lieber Vater? Vater. Nicht anders. Jedoch um es dir begreiflicher zu machen, komm mit mir in die Küche; wir wollen sehen, ob die Mutter nicht kochendes Wasser am Feuer stehen habe.—- Nun da sind wir, und Wasser steht auch ant Feuer und kochet. Siehst du das? N» WMWMWMWWWWDWWW 196 Larl. Ja, das seh' ich. Vater. Bemerkst du aber nicht auch zugleich, wie immer ein schwacher Dunst aus diesem in dis Höhe waller? Carl Ja, das bemerk' ich. Aber ich meinte, es wäre Rauch. Vater. Da sollst gleich überzeugt werden, daß es?eu> Rauch ist. Hier, siel st du? nelm' iäs ritten>eir,en Zinnreller, und kalt ihn einige Mmu 7N über den Dunst. Den will ich dir wohl auffangen. Carl. Das soll mich wundern, wenn Sie den kriegen werden. Vater,(noch einigen Mimiken) Nun sieh her, was an dem Teller ist! Carl. Ey, der ist ja voll kleiner Wasser- tröpfchen. Wie kommen denn die an den Teller 2 Vater. Sie bilden sich aus den» aufgefangenen Dunst. Den» eben dieser Dunst ist nichts anders, als durch die heftigste Warme ausgelöstes Wasser. Ließen wir das Wasser in diesem Topf, ohne einiges nach zu gießen, immer fort kochen, so wurde sich alles in Dunst auflösen, Lis keines mehr vorhanden wäre. Carl. Das hätt' ich nicht gemeint. Vater. Wart, ich will den Teller nvchmahk und etwas länger über den Dunst halten, damit sich die Wassertheilchen besser anhäufen; dann wirst du gleich sehen, was daraus erfolgen wird.— Carl.(nach einer Welle- I, Vater! da falle» ja Wasserkropsen von dem Rande dcsTellcrs? Vater. Das ist der Regen, mein Lieber k Carl. Wie, der Regen? Kann es denn von dem Teller auch regnen? Vater. Das siehst du ja. Weil ich«un so Anhäufen st. schoxxcu. >97 viele Waffertheilchrn aufgehalten habe, daß sie immer mehr wurden, so flößen sie zusammen, bildeten große Tropfen, liefen nach dem Reuse des Tellers zu, und fielen, weil sie immer schwerer wurden, an demselben herab.*) Carl. Ey das ist schön; daS muß ich auch Mahl machen. Vater. Und siehst du; die näymliche Beschaffenheit hat es auch mir dem Regen. Was hier der Teller thut, das thnr dort die overe kalte Lust, Tarl. Diese fangt also auch die Dunste auf, bis recht viele zusammen kommen. Dann werden immer größere und größere Wafferlropfen daraus, bis sie so viele und so schwer sind, daß sie herunter fallen, und hernach regnet's. Nicht wahr, Barer? e'« -) Diese Auflösung des Wassers in sehr kleine Theile kann man such so versuchen: Mw nimmt eine bohls kupserne oder gläserne Kugel, die sich in eine dünne Röhre mit einer engen Ö ffnung endigen muß. Diese Damsfkugel füllet man, doch nicht ganz voll, mit Masse an, und setzt sie auf glühende Kohlen. Saum wird das Wasser erhitzt, so fahrt durch die Rohre ein heftiger Wind heraus, welcher nahe bey der Öffnung warm, in einer Entfernung von ein Paar Ehlen aber kalt ist, und nach etlichen Minuten ist die ganz« Au-cl vom Wasser leer, welches sich in feinen Dunsten durch da« Zimmer»erdreik-t. Fängt man aber die herausfahrende Luft in einer kleiu-n Entfernung von der Kugel mit einem Gefäße aus, so verursacht es lauter Waffertrovfcn, welche, wenn sie schwer grnng sind, an demÄ-faße her-hc ollen. Anmerk. d. tz- i§6 Vater. Ja, so ist's. Carl. Das muß ich nun auch Iulchen sa- Len» die wird sich wohl recht darüber verwundern. L. Reif. An Carln, bey seinem Geburtstage. Süßer Freund, ln dem ble Deine« Freud' und Wohlgefallen sehn, Siehe, wie wir uns vereinen. Dein Geburisftst zu bcgehn. Es ist. Lohn der guten Thaten, Und der lreuerfüllten Pflicht; Kinder, wenn fle gut gerathen. Wie erfreun fke Ältern nicht t O wie segnen fle den Morgen, Wo ihr Daseyn fle erfreut! Mutkcrangst und Vatersorgcn Werden nun Zufriedenheit. Viel verspricht uns deine Blüthe, Denn ein jeder Tag beweist Dein erkenntliches Gemüthe, Deinen wißbegier'geri Geist. Daß fle nicht verdorben werbe, Alükh' und Frucht flch ähnlich sey! Leb', als Bürger dieser Erde, Immer deiner Pflicht getreu. So wird Glück die Lebenepfade Dir mit Blumen überstreun. Und du wirst stets reich an Gnad«, So bey Gott, als Menschen, seyn. 2lus L. Z. Splittegarbs Liedern zur Bildung des Herzens. —G— ä9§ Über den Werth der Mäßigkeit. Ein Kind war einmahl unmäßig, daß ist: eS aß mehr, als es nöchig hatte, um den Hunger zu stillen, und wurde darauf sehr krank. Ey, sagte Fritz, der aus Armuth manchen Tag nicht einmahl genug Brot zu essen hatte, zu diesem Kinde: Ich lebe wohl recht mäßig! War Fr'tz wirklich so mäßig, als er glaubte? Warum nicht? Hans hatte gehört.. daß die Uumäßigkeit>m Trunke der Gesundheit sehr schädlich sey. Er hatte aber auch niemahls zu viel getrunken, weil es ihm an Geld mangelte, wofür er sich das Überflüßige hatte geben laßen können. War dieser wohl mäßig? Warum aber? Jacob hörte von seinem Vater, daß mair fich durch Unmäßigkcit gefährliche Krankheilen zuziehen kann; er lebte daher in allen Stucken recht mäßig und ordentlich. War dieser maßtg» Marianchen hatte von ihrer Mütter das Verboth bekommen, nie zu lang zu spielen, und auch nie zu sehr zu laufen; sonst könnte sie krank werden. Allein Marianchen vergaß darauf, so oft sie zu einem Spiele kam. Nie konnte sie ein Ende machen. War sie mäßig? Warum nicht? Carl war einige Zeit sehr unmäßig rm Spiele. Seine Ältern straften ihn hart darüber, weil sie den Schaden davon wohl einsahen. Er mäßigte also in der Folge seinen Spielgeist. WaS war wohl die Ursache seiner Mäßigung? Einer lebte sehr mäßig, weil er wußte, daß die Unmäßigkcit eine Sünde sey, und weil er sich schämte, eine so häßliche Sünde zu beichten. Warum mag wohl dieser mäßig gewesen seyn- Iohann hakte schon oft von feinem Lehre? Zehork. daß rnan einen solchen Menschen ehrt ,md ü.ebk, welcher sich in allen Stucken mäßig verhalt. Ha, dachte er sich, du kannst wohl auch massig seyn! Dann werden dich die Leute auch in Ehren haben. und überall anpreise,!. Er hielt auch se-nen Vorsatz wirklich. War dieser mäßig? Ein Bauer hörte einst einen Prediger fdl- Mnde Worte sage»: Fressen und Saufen ist eil! schreckliches Laster; denn wer demselben ergeben !si,ist untüchtig zur Gottseligkeit, und kann nicht in den Himmel kommen. Er dachte daher den jeder Gelegenheit daran, und lebte sehr mäßig. Was bewog wohl diesen zur Mäßigkeit? ^.Valentin, der Sohn eines Kaufmanns, alle s'"' G-llv wohl zu Rathe, gab nichts für Nascherey aus, und verkaufte wohl auch von seinen^ Frühstück und seiner Jause etwas. Für euie Speist zu Mittag ließ er sich immer daS Geld g^ben und aß sie nicht. Sein Vater erzähl- ^-l)"t,» selbst auf diese Weist sich ganze Krsten voll Geld erworben hakte. Das reitzte den Sohn zur Zlachahmunq an. Er wollte nur recht viel Geld, ohne zu überlegen, was er damit anfangen wurde. War er mäßig? Zu welchem Ende? E,n Junglmg von 19 Zähren, Nahmens P-us, halte reiche Altern, die ihn sehr liebten. Ste ließen ihm in allen Stücken freyen Willen gaben ihm aber selbst die besten Beyspiele. Er hakte sehr oft lost Streiche begehen können, ohne Strafen befürchten zu dürfen. Allein er war k"i guter, rechtschaffener Jüngling. Besonders hatte er steh die Mäßigkeit angewöhnet, weil er -"'sah, daß die Vernunft ihm das Mäßigstyu als an nothwendiges Gesetz vorhält, von dem sol «wollen muß, daß es für alle M-nfchen°m allgemeines Gesetz sey W-e wohl, dachte er oft nachher, würde sich die Menschheit befinden, wenn alle^eute so mäßig lebten, wie es die Schn?t, L Vernunft.--./selbst das Beyspiel der Nat.rr nns lehrt! Nun, wenn auch alle unmachg lebten, so will ich allein mich der Mäßigkeit befleißige!-. Er folgte seinem Vorsätze standhaft.—>ar i-ms wirklich mäßigt Warum? g... Sabinchen legte oft den besten Bissen be» Seite, um ihn einer armen, alten Wittwe zu bringen, die sie nie ohne Mitleid ansehen konnte. So oft sie mehr zu essen und zu trinken be. kam, als sie brauchte, dachte sie an diese arme Frau, und brachte ihr das übcrfinß-.ge. War auch sie mäßig? Warum?,, Nun, was glaubt ihr, meine Kinder! welcher aus allen diesen hatte den vornehmsten, edelsten Beweggrund zur Mäßigkeit? Antwort:', Warum dieser? Waren die andern nicht auch mäßig? Warum aber? Wurden sie nicht alle unmäßig gewesen seyn, wenn kein Zwang, keine Furcht, keine Schande, keine Strafe, keine Ch- r-e oder Belohnung gewesen wäec? Also war blo^ Eigennutz mehr oder weniger ihre Triebfeder. Meine Lieben! seyd ihr stets auS reinen, edlen Beweggründen mäßig. So verdienet ihr von euch selbst und von jedermann innerlich geachtet zu werden, wenn man euch auch mit Worten verspottet. Merkt es euch: „Mit Speis'»nd Trank sein Herz beschwe rcn. Steht niemahls wahren Christen a». Dadurch wird das, was uns ernähren, Und unsern Geist erquicken kann, 20L A'kt, das'» bie Adem schleicht, Und Krankheir, Schmerz und Tod erzeugt- Mqth, Rellney(abgeändert) Der Mäßige. Wch dem, der!m Genusse schwelgt. Wie bald ist er dahin gewelkt! Aoch wer mit wetscm Maß genießt, ^ seht, wie glücklich dieser ist! »ß--^->nk und Speise ruft ihn nur ^te laute Stimme der Natur, «ein Hunger bloß ruft ibn berbcy, Itnd nie des Gaumens^""*' wenn er satt Voll Dank zu Gott, genossen bat; Tann bringt ein Königsmal,l ihm her Er ißt und trinket nimmermebr. Dafür trägt er zum reinen Lobn Gesundheit, Lust und Kraft davon, §"L""us der Schmelzer Chor »n Geilr und Körper weit hervor. Ha! seht wie seine Wangen alübn. Mir Kraft sich ,cdcr Nerve regt, Gewalt im Puls und Herzen schlägt! Und immer flink und froh ist er. Die Freude lächelt um ibn der,' Er wandelt stets mit Seligkeit Gottes Schöpfung weit und breit, S0Z —M— Dock; seht, wie sich der Prasser quäl?, Der nun zu sxät auf Mahle schmält. Da schleicht er mürrisch, krank und schwül,, Der Ekel folgt ihm grinsend nach. Uns Mäßigkeit nur kommt Gedeihn, Und Stärke dringt in Markimd Bein, Sie gibt den Adern reines Blut, Und wölbt die Brust zu hohem Muth. Nur ibr entsprösset Wiflenschast, Und Forschungsgcist und Denkcrkraft, Es steigt, wer sie nicht lieben kann, Der Weisheit Stufen nie hinan. Web dem, der im Genusse schwelgt, Zu bald ist er dahin gewelkt!, Wohl jenem, der mit Maß genießt. Und weis-, groß, und glücklich ist- Jos. ylartinibes. * Meine Lust. Ju Büsche», auf Matten Verjüngt sich mein Herz; Dort stiebt es im Schatten Der städtische Schmerz; Hier säuseln Z-pbnre Ums lauschende Dbr; Die flatternden Thiere, Das Schmetterliugschor, Wie schwebt's so vergnüget Auf ihnen daher!, Wie reihend betrüget Mein Aug- das Meer Der wogigen Saaten! Welch himmlisch Gcfuhs, Wenn über den Saaten Die Lerche ibr Spiel In gaukelnden Tönen Lcn Westen vertrau«; Der Haß nur zum Schöne« Ha« Sradre gebaut. Dieß sing- Pchilomele. Und Eciw«prlchr's nach r Ließ rieft!« die Quelle; Ließ rausche« der Bach- §. V. P. S. Die Biene und die Bremse. Eine Fabel. L /° L'"".?-s«. i", L'L-T r»id i^ sorgfältig einzutheilen, i i- a.is ö^ wurdest zehn Mahl v."/^"»fliegen können m der 8eir die dir ' unnöthige,, Ordnung verlierst. tc die Viene^'ttn''^'"'Ä^--"d! anlworke- re oie Biene, Unordnung scheint zu fördern und I?«,^7»-»k« i> Ade, di, S-d»m'»«,7dd«;'»>' i«»«> Aazner. Ordnung. Hübsch ordentlich, hübsch ordentlich Muß ,nan als Knabe seyn!^ niinmst für dich Wahrhaftig niemand-in! Wer alles um ssch wirft und schmeißt, Nichts auf sich selber hält. Zeigt früh schon einen schlechten Geist, Der jedermann mißfällt. Was eine Nessel wirb, brennt bald, D die Erfahrung sprtchts. Wer jung nichts tauget, der wird alt. Gewiß ein Taugenichts. Hübsch ordentlich, hübsch ordentlich Will ich als Knabe scnn; So werd' ich oft mich über mich, Und meine Sache freun. Burmann. Von dem Fcuerdrachl'N und der Tod- tenuhr. Unter den Jl steten, die man Käfer nennet, jst von dem jedermann bekannten Feuerdracherr die abgeschmackte Sage entstanden, daß er zwischen die an seinem Kopfe befindlichen Kneipzangcn: eine glühende Koy!e nehme, damit herum fliege, sie in brennbare Materien werfe nnd dadurch eine Fenerebrunst verursachen könne. Dahererauch von einigen der Feuerrrä'yer genannt wird. Allein diesen irrigen Wahn widerlegt die N— L0I festen guten Willen, alles, was du als Pflicht Lurch dein Gewißen erkennest, getreu zu rhun und thust es auch, so bist du rechtschaffen. Darin besieht die größte Würde eines Menschen!— Dieser, mein Sehn! trachte nach. Höre das in dich geschriebene Gesetz, achte es, und aus Achtung gegen dassette halte dich für verbunden, stets darnach zu handeln. Dann kannst du sagen, du erfüllest deine Pflicht- Z e er r Z> e Icb recls ohne 2un§s; lc!i scbre^s oluis bringe; lall Nebme Ibeil an k'rsnä' unä§LÜmsrL, Vnä trabe äoob kein Nsrir. 8ag äoclr, rvie man am ticberksn 6en 8cbein, Von unä von Weisbeit ücb v»r- sclrsfft? S äo-^. Das Kcberks, mein lssreunä! Nr tu. bsucZtiE Voä weise— wirklicb ss^n. /Vr. ^is icb bin, so bleib'icb. Sirr icbjun», so bleib' icb jung; bin icb alt, so bleib' ick^It; seb' icb sreunälick, so bleib'icb sreuncilicbl leb' icb Kuller, so bleib' icb KnKer. Icb babs ^uZeki, un-l sebs nicbt, Obren unä bore oicbt, einen Aluncl un6 reäs nicbt. D/s /'/'EM. s^/?s /'rr/rr. Dem Itreunäe Outes tbun, l^bels tbun clein k'eincle, IK äns nicbt könizlicb? Dsr />/-.^Veit köniZIicbsr wär' e§, Punktes micb, Gewinnen lieb 6en k'einä rum k'reuücis. ^Ver meine bäücbte will xeoiessen, Der sucbe üe auk meinen 2veiZeo nie. EWWWWW^«E»>s»U2MlMM>W; 21! Lr scküitelt, brickt unä xklückt lis vlckt, unä smäst lie, Menil er äsn 8tsmw rerüört, bloss unter insinen lsiissen. ^ jlr so Zliicklick, wie äsr Mnnn, Der was ibn immer nur gelüstet, kaben kann! L. V?sit glvcklicker preis' ifik mir jenen Llann, Der nickts begskrt, als was er linken kann. /. Asttma/rrr. Ob ick gleick niemrläs vorwärts gebe, vnä bloss mick um mick selber äreks: 80 tckeints äir äock, äass ick beliänäig gebe. 6' " V M o a s u' 6 14 IZ i6 -8 'S ro rr -3 23 24 41 42 4? 44 46 47 48 34 35 55 5? 61 6r 6z 69 S9 SIS -ck. teilst äu, 6us« 6iess Deknäel kck^u. l'ummea rottet, 2u spotten Dein? K. 2u spotten mein? Das mögen ke! rverä' ick nur nickt verspottet. Ick tverös nur rrvölk Llonatk alt; Dock reiZ' ick rnick, rvie jsäer rveisz, D-e 2sit kioäurck in jeglicker 6eüalt', ^Is LnÄ, Als /ün§/^Z.,^kr-7/r unk 6^'r. -»»-»»z^» Inhalt. i* Die Biblisch«?. » Das Aufstehn-.,.. z Die Äxte, Eine Fabel. 4 Dienst und Gegendienst. 5* Der brave Mann. 6* Die Sonne und die Thiere. 7 Ernst und sein Pudel.. 8 Preis der Schule. 9 Die kluge Maus. io Kinderlieb...... >>* Kurze Lebensgeschichte Carl Vs-rtz. 12 Ein Vater au zwey Kinder, iz* Der Türk und sein Sclave. 14 Wer Thiere neckt, nimmt oft Schaden, iz Wechsel- Lied bey der Abeit. -6 Der stolze Knabe. r/ Der bescheidene Knabe .18 Die Überschwemmung..... * Edler Wunsch..... ao Die Soone und die Wolken. 2i Planet....... »r* Der Sxaziergang im Februar, nz Der zornige Knabe..... -4 Nachkwächterlied...... 2z Carl und Heinrichs Briefe über ausländische Gewächse, die wir sehr oft brauchen 26 Herrlicher Vorsatz 27 Denkftrüche über den Gebrauch des Geldes Seile. rz Menfchenfteundlicher Wunsch. SA Vom Osiereye Zo* Der kleine Mahler. Ein Schauspiel in drey Aufzügen...,.. Z> Die arme, zufriedene Spinnerinn, Z- Hauchen ZZ Das Clavier...... 34 Die hüpfende Perücke..... 35 Freuden des Winkers. 36 Das Vergnügen....... 37 Die Lerche au« dem Käsig und die Feldlerchen. Eine Fabel..... 38* Tischlied........ Zl>* Die Quelle und der Wanderer. Eine Fabel. 40 Ehrfurcht gegen Ältern.-.... 41* Eine Mordthat aus Aberglauben. 42* Zuruf an Jünglinge..... 43* Die br aven Bauern..... 44 An mein c theure Mutter an ihrem Geburtstage.. 45 Die rechte Absicht, wozu uns Gott erschuft fen hak...... 48* Die Jahreszeiten...... 47 Wie beißt Ihr König? Ein artiges Gesellschaft« spiel....... 48 Die Mor gensiundc. 4? Abergläu bige Meinungen vom Regen. r. Vom B lutrcgen. r. Von der Verwandlung des Wassers in Blut- z. Vom Schwcfe lregen. 4- Vom F-u erregen..... So Das Gcsi cht........ 5- Der gelassene Knabe...... 52 Das Geh ör. Sz Der Fuchs und das Huhn. Ein« Fabel. ^4 Der Gesch mack....... «z Der groß mülhige Corirad..... 72 73 76 106 107 >»z ivz IOA Ho I! I nr -1Z >14 -15 >>8 126 -SS 140 >48 143 >4S rS« 153 >54 >55 >55 'S? ,-k Das vierte Geboth..-' A7* Von der Ungleichheit unter den Menschen. Eine Parabel.«'' L8 Der Aufschub-- Zy Endzweck und Mittel..-- 60 Gott erhält alles.-''' 61 Die Morgenstunde tragt Gold im Munde. 6r Zwey Kinder an ihre Mutter bey deren Geburtstage..---' Lz* Über die Unmäßigkeit. Ein Gespräch des weisen Sokrates. 64 Die Wanderer..---' tzz Aufmerksamkeit....-- 66 Das Faultdicr, oder der Ai--/ 67 Nächstenliebe....-' 68 Vorsatz zum Fleiße.- 69 Beschreibung einer Älnderxrüsuug. 70 Das Gebeth...--- 71 Wie der Regen entsteht.. An Carln bey seinem Geburtstage. 7z Über den Werth der Mäßigkeit.. 74 Der Mäßige. 75* Meine Lust...... 76 Die Biene und die Bremse. Eine Fabel. 77 Ordnung....-- 78 Von dem Feuerdrachen und der Tvbkenuhr. 79 An die Bücher..... 80 Die Pflicht 81 Carl» Frage: Was Pflicht sen- z» Einige Sinngedichte und Räthsel. i59 16a 164 16z -6z 169 -7» 174 174 18» 1?; 186 -86 187 ists iS? -9z 194 rar ro? 204 I04 r->5 rc>s 20z 20- ^ 4! 4; 44 45 46 47 1 ^4 «s V.kter, Rlopstcck jn IN,.?^^tz!, Vlnz, I. s°mmk;7»*L^75'°"„7"?''«-!»!-> (Sie enthalten: Bild eines Kr.... Bild eines Weisen.-- Merkwürdiak!/?«^^ufl.— Areibung veräußern und innen? Mer,.''^- St. Stephanskirche. z. Aufl. 7?«r tonicns.— Die Freundschaft^ U.,ff^^ An- ssr r^r ELLvM» ;^ S.°.7°Le?..L 2. vermischte Schriften von F. Ll. Gaheis II. Sammlung W-en 797, gebund. ew K? Z°r^^Auz.^A^-LM-ern.Lehr.ru..d^r- Aufl.- Anleitung zurFragckE--,s5/.-7"^'L^-- Anleit.' zu.^Sch^^l-brn?'?^''Anl!i7"z-^^^ K°p^-^ ming.r.Aufl.- Anlett. M» Rechnenlchren.— Ordnuim' der Be obnungen und Strafen in den d-u-stden Schulen Bücherverzeichnis.'-'Nachricht Ln LZ^Lstrk W le in Äoraeubura. z. 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