MiSlik!' Nsiit-ksbliotiisk. 4868 «-«st V M WW, N»WMWW»8 WWLS-E r 7 8 7 Der Löwe, und der Fuchs. Oder der Plan z u r Umversalmonarchte. Eine Allegorie. Eh noch«erden die Könige sich untereinander vertragen, als Könige mit Gesetzen!" S. 4i> ^ n einem der dicksten Wälder Asiens, hatte die Natur mit eigner Hand eine grosse, präch» tige Grotte grbauet, in der ein wüthiger Löwe restdirte. Was die Löwen unter den andern Thieren sind, war dieser unter ihnen; so sehr übertraf er fie an Körperbau, und Stärke» Dieser wollte sich eines Tages, nach grosser Herren Sitte, mit der Jagd unterhalten; weil er aber an grossem Wildprette, das seine tägliche Kost war, keinen Geschmack mehr fand, so nahm er sich vor, Las kieinfüssige zu versuchen. Das erste, was ihm nach einigem Herumstreifen von dieser Art aufstieß, war ein alter Fuchs, und, wie sichs so eben traf, der schlaucste und geüb» reste seiner Gattung, so daß man von ihm sagen konnte, daß er das an Klugheit, waS der Ldw an Stärke war. Sobald ihn dieser erblickte, bestimmte er ihn zu seinem Mittagmahle, und A 2 der» 4 S---W-S0 verfolgte ihn aus allen Kräften: aber der Fuchs übte ihn, wider all seine Erwartung, im Laufen, und nie ward ihm eine Jagd länger und ermüdender; so daß er, selbst da seiner Leichtigkeit auch sein Zorn zu Hilfe kam, noch verzweifelte, über den Fuchs zu siegen. Wie flchs aber öfters fügt, daß auch die größten Politiker in Schlingen, die sie nicht voraussehen können, gefangen werden, so geschah es auch itzt: der Fuchs fluch» tete sich in eine Oefnung, die er vor sich sah, und kam eben in die geräumige Höhle, die den Löwen beherbergte. Hier war nun jeder Rettungsversuch umsonst; alles, was er thun konnte, war, sich in einen Spalt zu schmiegen, wo erwogen der Dunkelheit hoffte nicht entdeckt zu werden: es wäre auch jedem andern unmöglich gewesen als dem Löwen; dieser aber, der alle Winkel seiner Wohnung kannte, fand ihn gar bald, und setzte ihm eine Klaue auf den Leib, die seiner ganzen List Trotz kor. Schon war es an dem, daß ihn der Löw zerrisse, alS der Fuchs, der sich auch da noch gegenwärtig blieb, ihn um eine kurze Audienz bat, um ihm Geheimnisse zu eröfnen, die er gewiß ohne Mißmuth anhd» ren 5 ren würde. Der Löwe, der mehr aus Lecker- hafrigkeit, als aus Hunger von diesem Stücke versuchen wollte, ließ ihn frey Athem holen, und erlaubte ihm, was er wollte, vorzubringen. Auf diese Erlaubniß fieng der Fuchs zitternd an: „ Furchtbarster Herr und Meister! nicht um „ mein elendes Leben zu verlängern, dessen „ Verlust in Dero Dienste mein Ruhm, und „ mein Glück wäre, unternehme ich es jetzt „ vor Eurer Majestät zu reden; sondern weil „ ich als Ihr gebohrner Unterthan immer eine „ grosse Neigung in mir fühlte, meine Talente ,» für Sie zu verwenden. Bis itzt war es mir „ unmöglich, Ihnen gewisse für Dero Ruhm „ äußerst wichtige Nachrichten mitzutheilen, „ weil ich keinen Gelektsbrief hatte, mich Ihrer „ königlichen Person nähern zu dürfen. Hätt „ ten mich Euer Majestät auf der Stelle zer» rissen, so könnte ich Ihnen keinen andern „ Dienst leisten, als auf eine kurze Zeit den „ Hunger von Ihrem edlen Magen zu verscheu- », chen; welches überdies, daß man mein Fleisch „ eben nicht sehr schmackhaft findet, viel besser «» mit Hirscheber Schweinefleisch, das mür- A z der, 6 ST^W^T-s " beb, fetter und saftiger ist, geschehen kann- ,, Wäre ich aber dazu bestimmt, Ihren Geist zu „ nähren, so würden Sie finden, daß ich Jh» „ nen in diesem Falle ungemein nützlicher seyn „könne—" Wie„ unterbrach ihn der Löwe" pflegt man auch den Geist zu nähren?— So muß den mcmigeu nicht wenig hungern, ich vergaß ganz auf ihn!-- Desto übler thaten Sie ,» versetzte der Fuchs"— doch sey es mit aller Eurer Löwischen Majestät schuldigen Ehrfurcht gesagt!— denn es ist gewiß, daß der Geist eben so gut der Nahrung bedarf, als der Körper.— So wie Sie sehen, daß Ihre kleine Löwen von dem Krasse, den Sie ihnen von Tag zu Tag bringen, an Grösse und Dicke zunehmen, eben so wachsen kleine Geister, und werden stärker, wenn man sie auf eine ihnen angemessene Art äzet. Nur ist der Unterschied, daß man den Körper mit groben, und materiellen Speisen nähret, dieNay» rung o-üHAss mnz des Geistes aber fein und geistig ist,— das ist, in einer kürzen Unterweisung bestehet. Ohne Ueberzeugung scheint mir das hart zu glauben,„ sagte der Ldwe." Geruhen Sie, Sire„ versezte der Fuchs" sich bey jenen zu erkundigen, die in Städten, öder auf öffentlichen Märkten waren, und sie werden es Ihnen bezeugen, welch grosser Unter» schied zwischen den von Gauklern, und Seiltän» zern künstlich erzogenen, und den unter einer Stiege, oder im Vorhole roh aufgewachsenen Affen und Hunden ist- Noch kann ich es nicht begreifen„ sagte der Ldwe" wie der Geist die Nahrung zu stch brim gen könne! Hat er Zähne zum Missen?— O bester, und gütigster Kbnig„ antwortete der Fuchs« was Sie da sagen, zeigt, wie sehr Sie der geistlichen Nahrung bedürfen! Izt wun» Lert mkchs nicht mehr, daß Sie in Ermanglung derselben die Herrschaft, die Ihnen die Natur überall? Thiere gab, verlohrenhaben: wenn Sie sber meinen Rathschlägen nur ein wenig Glaw A 4 bm 3 ken keimessen wollen, so schwöre ich Ihnen bey meiner Treue, und als ein Fuchs von Ehre, daß See den Thron wieder besteigen sollen, von dem Ihre Vorfahren durch das kleine, bdsar» tige Thierchen, das sich Mensch nennt, vertue» den wurden. Der Löwe, her von Natur Muth und Ehr» geiz befaß, war entzückt über diesen Vortrag, und wie nichts leichter ist, als einen von dem zu überreden, was er selbst wünscht, so faßte er auf der Stelle die schmeichelhafte Hofnung, sich wieder in das Reich einzusetzen, dessen man seine Väter beraubte. Er versprach dem Fuchs gänzliche Sicherheit, bey ihm zu bleiben und mit ihm zu leben.— Auf diese Versicherung fieng der Fuchs mit einer körperlichen Schmei« cheley an, sich dem Löwen dankbar und gefällig zu zeigen; er leckte ihm die Benzen, und reinigte ihn mit seinem Schwänze, wie mit einem leichten Kehrrvedel,vom Staube, mit dem er sich im Nachsetzen bedeckt hatte. Dabey schien es dem Fuchs zuviel gewagt zu seyn, vor einem Löwen, der etwa Hunger haben könnte, eine lange Er. zählung O zählung zu machen; sein erster Aug der Politik war also, ihn unter dem Lorwande, einen bequemern^ rt zur Unterredung zu suchen, meine gewisse Gegend des Waldes zu führen, wo es Frischlinge gab, wovon der Ldw eine volle,und leckerhafte Mahlzeit hielt. Selbst dem Fuchs geschah dabey gut, und er rechnete sichs zur besondern Ehre, an der Tafel seines Herrn zu speisen. Nachdem er diese Lorficht gekraucht hatte, fieng er also an: Durchlauchtigster und großmächtigster Kbnig der ThiereNiemand kann Eurer Majestät das Recht auf die Herrschaft der Welt, streitig machen; denn sie gebühret Ihnen durch das erste und älteste aller Rechte, durch das Recht der Natur: diese will, Laß der Stärkere über den Schwächer« herrsche! Es giebt kein Geschöpf unter der Sonne, das sich mit Ihnen an Stärke und Muth messen könne; selbst Ihre Feinde, die Menschen, wagen es nicht, und wenn fle einen unter ihnen wegen seiner ausserordentlichen Herzhaftigkeit loben wollen, so vergleichen sie ihn mit Eurer Majestät. — Sie sollen kommen ihre Helden, und es mit dhnrn, Sire, Mann für Mann ohne andere AZ WaI o-^MT-'c, rs Waffen, als mit denen sie die Mutter Natur ausrüstete, aufnehmen!— Selbst die berüch» tigten Duellanten, die ohne einen einzigen ver« nünftigen Beweggrund einander die Hälse bre» chen, werden die Ausforderung von sich ablehnen und ohne sich nur zum Kamvfe anzuschicken, auf den Sieg Verzicht thun. Wie gieng es also zu, daß diese schwache Uebermüthige Eurer Ma^ jestät Geschlecht vom Throne stiessen? daß ste anstatt Ihnen zu gehorchen, Sietyrannistren? und daß ste Sie zwangen, sich in diese unwirthbare Wildnisse zurückzuziehen, die Städte aber und die schönsten Ebenen für sich behielten? Woher kömmt es, daß ste es sogar wagen dürfen, Ihnen Ihre Erben zu rauben, da sie noch so jung find? daß ste selbe in ihren Kerkern zähmen, und bey Festen und Spetakeln durch ihre Bestimmung verhöhnen?— Alles dieses find Früchte ihrer Geschicklichkekt und ihres sorgfältig kultivirten Geistes: durch deren Hilfe erfanden sie so vie«- lerley Schlingen, Netze, und Maschinen, daß fie sich nicht allein die andern Thiere, sondern such sich selbst einander unterwarfen. Was hätt uns ab, uns andre Thiere, die wir ihre ze. mein- meinschaftlichen Feinde find, was hätt uns ab, uns zu vereinigen, und in unsern Köpfen die Mittel, sie zu überwältigen, aufzusuchen! Das Uebergewicht der Stärke ist auf unsrer Seite, nehmen wir die Kunst zu Hilfe, und ist unsre Überlegenheit wohl noch zu bezweifeln!— In der That„ sagte der Ldws" du hast ganz Recht, mein Freund, und Gevatter Fuchs.'- D allerfreygekigster Kbnkg und Herr„ versetzte dieser" Sie beschämen einen armen Fuchs, der sechs zur Ehre schätzt, Ihr allerunterthä» nigster Knecht zu heissen, mit diesen hohen Titeln. Die Kdnige haben, die Schrväger aus» genommen, weder Freunde ncch Gevattersleute! -Verschonen Sie mich mit diesen Benennungen, die nur dazu dienten, den Neid wider mich zu waffnen. Gut also mein weiser Lehrer, oder Rath» geber„ sagte der Löwe" weil du zu wünschen Weinst, daß ich dich so heisse, ich will deinen guten 12 guten Rath auf der Stelle befolgen: ich werde alsogleich einen Generalksngreß aller Ldwen auf dem Erdboden zusammenberufen, um aus sel» ken eine wohlvereinigte Armee zu formiren, und du sollst mich auf meinem Fuge begleiten, und ein Reich erobern helfen, das unsre Veröltem aus Mangel an Einverständniß und Politik ver» bohren haben. Erlauben Sie grosser Kaiser, daß ich eS Ihnen voraus sage, daß Sie nicht reuffirm werden,„ antwortete der Fuchs." Eine Ar» mee, die aus lauter Kbnigen, und souverainen Fürsten besteht, kann nie mit gutem Erfolge et» was Grosses unternehmen: einer fleht den andern mit scheelen Augen an; der Rangstreit' entzweyt fie; jeder setzt das allgemeine seinem eigenen In» tereffe nach, und will sich allein den Ruhm und die Früchte der Eroberung zueignen.— Die Feinde, die wir zu bekämpfen haben, geben uns hievon in ihren Geschichten lehrreiche Beyspiele: alle ihre Unternehmungen von dieser Art mach» ten grosses Geräusch, und hatten schlechten Er» folg.— Sie müssen gerade das Gegentheil thun, und r und Ihr Augenmerk muß, nächst der Hauptsache, Vorzüglich dahin gerichtet seyn, aus jenem Theile der Erde, in dem Sie Ihre Herrschaft sestzuse» tzen geruhen werden, alle diejenigen auszurotten, die auf die Krone Anspruch machen, oder sich ihrem Rang und ihrer Geburt nach mit Ihnen messen könnten.— Oder, was noch besser ist, Sie fangen, und erwürgen alle bis auf etwel» che, und versichern sich dieser mittelst Wachen in ihrem Serail. Diese werden dazu dienen, um einer nach dem andern herausgezogen, und auf den Thon gesetzt zu werden, wenn Eure Majestät, was der Himmel verhüten wolle, ohne Leibeserben mit Tod abgiengen.— Was du mir da rathest, ist sehr grausam s, sagte der Löwe" und da jede Grausamkeit schon an sich unedel, und ihrem Wesen nach mit Feig» heit vermengt ist, so könnte ich, der ich von Natur großmüthig bin, mich troz der Politik kaum dazu entschliessen. Allzugroßmüthiger Monarchversetzte der Fuchs umschlagen Sie sich dieser niedrigen Ue» berlegum 14 Verlegungen, dem sie vertragen sich nicht mit der Begierde zu herrschen! Es gehören noch un» gleich verhaßtere Dinge dazu, um ein Reich Lurch Gewalt und Schrecken im Gehorsame zu schalten, hauptsächlich, wenn man nach dem Beynamen eines Eroberers, oder Nestaurators geizet.— Alles, was ein Souverän: will und thut, ist gerecht— wenigstens sagen es seine Höflinge, und Geschäftsleute— und denkt auch Jemand anders, so schweigt er doch;— und redt er, so ist man sehr reich an Mitteln, ihn schweigen zu machen:— Sag mir doch„unterbrach ihn der Löwe,, wo hast du alle dieseverabscheuungswürdig- nKunst- griffe her? Diese Pest der Freyheit, des ersten, Md besten Geschenkes der Natur! Ich lernte sie„antwortete der Fuchs,, Sey den größten Politikern der Erde, die ihre Herr» schalt am weitesten ausgebreitet haben, nämlich bey den Türken, unter denen ich von meiner frühesten Jugend an lebte- Minft rZ Minister Fuchs, der im Grunde doch im- Ner ein Vieh war, urtheilte hier nach dem äusseren Scheine, und verwechselte Klugheit und Staatskunst mit Varbarey und Grausamkeit; freylich ein grosser Irrthum, aber doch Mini- ster'n Fuchs ungleich verzeihlicher als manchen andern; weil er keine andere Nation kannte, und folglich den Löwen kein anderes Modell zur Nachahmung aufstellen konnte. Erzähle mir also,, sagte der Löwe„wie du unter die Türken kamst, von deinen Schuljahren unter ihnen, und was du endlich gelernet hast! Ich ward sehr jung von einem Jäger gefangen „ fieng der Fuchs seine Biographie an„ da ich xoch zu schwach und zu unerfahren war, mich zu wehren, oder auf irgend eine Art zu retten: aber ungeachtet des Verlustes meiner Freyheit habe ich doch Ursache mich meines guten Glücks Zu freuen; denn ohne diesen Umstand müßte ich alle die schönen Kenntnisse, die ich keffße, entbehren» Man brachte mich nach Kon» stantinopel, wo ich vermöge meiner Jugend bald zahm 1S zchW gemacht wurde. Ich lernte die türkische Sprache in kurzer Zeit- und verstand sie so gut, als die gemeine sächsische; nur sprechen konnte ich fie nicht wegen eines kleinen natürlichen Hindernisses an der Zunge. Das ungezwungene und Artige in meinem Betragen machte, daß die angesehnsten Personen dieses grossen und mächtigen Reiches sich gerne mit mir unterhielt ten. Man verehrte mich dem Mufti, und die« ser dem Großveziec; von diesem kam ich zum Großsuitan. Diesen nun hatte ich nicht allein die Ehre zu ergötzen, sondern ich ward auch in Kurzem einer seiner vertrautesten Freunde. In dieser Eigenschaft wohnte ich allen Rathsver« ssmmlungen, und selbst den gottesdienstenlichen Feyerlichkeiten bey, und aus diese Art waren Äre Geheimnisse des Staats und der Religion vor meinen Augen ausgedeÄt. Sogar der Ein« gang in das Serail stand mir offen, ohne daß die schwarzen Verschnittenen, die es bewachen, nur Mme machten, ihn mir, der ich doch ein ^beschnittenes Thier bin, zu verwehren. Hier sahe ich die Auswahl solcher Unfläügkeiten, die wir andre, die man doch der gröbsten viehischen Lüste Laste zeihet, uns zu begehen gewiß sehr schäm ten. Ich hatte ein neugieriges Aug, und ein sehr aufmerksames Ohr auf alles, was-a vorgieng, und gesagt wurde; und das mit aller Nur möglichen Dreistigkeit, weil man sichs ja nicht träumen ließ, daß ich ein Spion sey- der eines Tags aN einem Plane, diese abscheuliche Tyranney zu stürzen- arbeiten würde. Ich sam» Mette alles sorgfältig in meinem Gedächtnisse, mit dem Mich die Statur so reichlich beschenkte- daß ich weder Schreibtafel noch Papier nöthig hatte, um alles das aufzubehalten, was ich an diesem Hofe nicht allein bei den Eingebornen, sondern auch bei Gesandten, in deren Gesell» schalt ich mich öfters befand, merkwürdiges sah und hörte. Von allem diesem werde ich Eurer Majestät, nachdem steh die Gelegenheit ereignen wird, Rechenschaft geben- Wie konntest du dich also entschließen„ sagte der Löwe,, einen Ort, an dem es dir allem Anschein nach so gut grenz, zu verlassen? und wie war es möglich, die Wachsamkeit dieser Barbaren zu hintergehest? B, Herz» iS Herzhaftester aller Könige„ antwortete der Fuchs„ ich gestehe, daß es mir anfangs an diesem Hose sowohl behagte, daß ich beynahe meinem Da» terlande, und meiner Familie entsagte; aber ei« nr unerhörte Grausamkeit, deren Wirkung, wie ich Ursache zu befürchten hatte, sich auch auf mich erstrecken konnte, weckte mich aus meinem Schlummer, und bestimmte mich zur Flucht. Der Sultan mein Herr hatte ein Gurkenbeet, daß er mit eigner Hand baute— einem Glau. bensgebote zufolge, daß die türkische Kaiser z» diesen Grimasse verbindet.— Unter diesen merk. te er eines Tags eine, die ihm besonders vor. treflich zu seyn schiene, und nahm sich vor, selbe bey der Abendtafel zu essen. Ein Page von seinem Gefolge.— Eine Gattung leckechafter, und sehr boshafter Thiere— stahl und fraß sie. Der Großherr, der gleich darauf wieder an das nämliche Beet kam, und die Gurke nicht mehr fand, erzürnte darüber so heftig, daß er unge» achtet des hartnäckigsten Läugnens aller Pagen schwur, er wolle alljogleich ins Klare kommen, und befahl auf der Stelle allen Pagen die Mä» gen aufzuschneiden, um zu sehen, wer die Gur> ke iA ?e gefressen habe. Diese entsetzliche Grausam« keit endigte sich nicht eher als mit dem vierzehn» ren, in dessen Magen man einen kleinen halb» verdauten Rest von dieser unglücklichen Frucht entdeckte. Ich, der ich hiebet, gegenwärtig war, und auch ein kleines Stück davon im Leibe hat» te, zitterte nicht wenig für meinen Bauch, und da ich von diesem Austritte auf das Zukünftige schloß, und gar keine Sicherheit für mich sah, so entschloß ich mich auf der Stelle, einen so verabscheuungswürdigen Herrn zu verlassen. Ich entfloh also, und wendete alle meine Kräfte und List an, um mNnen barbarischen Nächst» zern nicht in die Hände zu fallen: ich ward nicht eher ruhig, als bis ich diesen finstern Wald erreichte.*) Hier lebte in gänzlicher Sicherheit und mit einem unversöhnlichen Abscheu wider Liese verfluchte Thiere, die an Grausamkeit selbst diejenige unter uns, die sie grimmige, reisten» he Thiere hrissen, weit hinter steh lassen. Denn B 2 wenn *) Der Herausgeber gesteht seine Verlegenheit, seinen geographischen Lesern die Frage, wir der Fuchs «ber's Meer kam, r» deantiro ren.. 20 wenn auch von diesen eines das andere erwürgt, so geschieht es aus Noth, und um den Hunger zu stillen, sie aber trennen ihres Gleichen die Bäuche auf, um eine vorübergehende Neu-. gierde, zu befriedigen— Wahrhaftig„- sagte der Ldwe" so rasch und stark ich auch.bin, ich nähme mich wohl in Acht, eine solche Handlung zu begehen, und ich danke dir sehr— weil ich ohnehin Willens bin, die Menschen zu bekriegen— daß du ihnen vor» her jene Vernunft und Menschlichkeit— wke sie's heiffen— in meinen AuA ausziehst, womit sie sich so sehr gegen uns brüsten. Seit diesem Zeitpunkte,, fuhr der Fuchs fort" dachte ich beständig in meinem kleinen Gehirne auf Mittel, dieses bösartige Geschlecht auszurotten, und zu meinem unaussprechlichem Vergnügen fiel ich heute in Eurer Majestät kö» riiglichen Person Willen und Macht vereiniget, meine Entwürfe ins Werk zu setzen. Die nämlichen Werkzeuge ihrer Politik, durch deren Hil» fe sie ihre Herrschaft gründeten, sollen uns nun zu. 2! zu ihrem Untergänge dienen; und es ist sehr billig, Sire, daß wir ihnen das, was sie andre leiden machten^ mit vollem Maaffe vergelten. Es kann um so weniger befremden, wenn wir nach so tyranischen Grundsätzen handeln, weil sie selbst uns keine bessern Attribute beilegten; und zu dem ist die Gewaltthätigkeit, wie ich schon gesagt habe, bei Eroberungen nothwendig Um aber wieder zur Hauptsache zurückzukommen, so ist unter ihren Maximen dir erste, alle jene Köpfe, die aufchie Krone Anspruch ma» chen können, herunter zu schlagen, oder unter sicherer Verwahrung zu halten- Der kleine Skrupel, den sie verwandten, muß der Nothwendigkeit weichen, die von ihrer Sicherheit unzertrennbar ist, denn das Naturel eines Fürsten, der auch noch so gedemüthigct ist, strebt immer wieder empor. Er wird immer suchen, sich wieder zu erheben, und zum Haupt einer Parthey auszuwerfen. Es wird ihm Nie an Willen fehlen, bei verwirrten Zeitum» ständen, hie in einem Staate, den Eigenmacht Md Zwang regieren, eben nicht sehr selten sind, B z dft LL öffentliche oder heimliche Konföderationen M errichten, je nachdem die Umstände günstig sind: das so edel klingende, und so sehr gemißbrauch» te allgemeine Beste wird ihm dazu dienen, seine wahre Absicht, das Joch der Tyrsmy von seinem desselben ungewohnten Nacken abzuschütteln, das seinige aber Freunden und Feinden ohne un» terschied auszulegen, zu bemänteln. Das Volk, dessen Blddsinn aus einem dunkeln Gefühle des Druckes jede Regierungsveränderung küzett, wird nicht ermangeln ihn^u unterstützen. Von Tag zu Kg wird sich sein Anhang mehren, denn eines folgt de-m andern, wie die Schafe, und denkt ja Niemand daran, daß man fie gleich die. sen scheeren, schinden« und erwürgen wird; wie es noch immer geschah, wann die Häupter der Parthey ihr Ziel erreicht hatten. So soll ich also„ sagte der Löwe" gar keine grosse Herren um mich haben? und wie ist es möglich ohne diesen einen glänzenden Hof zu haben? Aller« 2Z Allerdings„ versetzte der Fuchs" Eure Majestät sollen grosse Herren, nur nicht Ihres Gleichen um sich sehen! Aber auch diese müssen Sie so in der Unterwürfigkeit zu üben wissen, das zwischen Ihnen und dem ersten Ihrer Hdf» linge noch immer eine unendliche Kluft zu seyn scheine!— Die Bären, die Tyger, die Pari» ther, die Leoparden, u. a. m. von diesem Schlage, die sehr viel Stärke Haben, und nur Ihnen allein an Muth nachstehen, taugen ganz dazu, Ihre Residenz mit Höflingen zu versehen. Unter allen Thieren werden diese am besten die Rolle grosser Herren spielen; denn sie find wie diese habsüchtig auf andrer Gut, und zangenar- tig zur Erhaltung des ihrigen; sie sind wie die» st gewohnt die Geringern zu unterdrücken, zu schlagen, zu berauben, zu tödten; ihre Unter» thauen zu plündern, sich selbst Recht zu sprechen, und Genugthnung zu nehmen, aber sie Nieman» den zu geben.— Aus diesen wählen Sir dann Ihre Generäle, Bässen, u. s. f- An Kriegsleuten scheint mir das alles ver» zeihlich zu seyn;„ sagte der Lbwe^ denn es B 4 die» LH dienet dazu, fle in andrer Augen furchtbar zu machen! Aber woher nehmen wir die gemeinen Soldaten^ die unter diesen dienen? Hiezu find die Wölfe„ antwortete der Fuck-ö," Diele sind von einer geringern Art- und von jxtzkr gewohnt/ a?af dem Lande herrum zustreifen, und unsre gemeinschaftlichen Feinde zu beunruhigen, Auch find sie schon geübt im Rauben und Plündern, und Niemanden zu verschonen, wenn Se dieStärkffen find; mit ei» mm Worte, fie haben eine natürliche Wildheit/ hie Leuten von diesem Handwerke gut ansteht« Die Anlage hätten sie so ziemlich„ yer« setztederLdve" aberwie können stees mit dieser und ihren natürlichen Waffen allein« mit Geg» nern aufnehmen, die ihnen an jener nichts nach«- geben, und diesen--- wie du W'r selbst sagtest--- ungleich überlegne künstliche Waffen entgegen setzen, und überdies tyrannisch disziplinirt, in Kriegsübungen gefoltert, und der msschmenmäf- ßgsten Ordnung gewohnt find? 85 O königlicher Taktiker„ riefder Fuchs aus" Welch glückliche Zukunft läßt mich Eurer Maje, stät Vorsicht, und Ueberlegungskraft nicht er» warten.'-- Das, was ich vorher sagte, be» weist, daß ich diese der Menschen Vortheile nicht miskenne:— aber auch die müssen uns werden, und sie sollen sie nur eine kurze Zeit mehr vor uns voraus Hakens Eure Majestät werden steh kaum entschlossen haben, ein stehen» des Korps Truppen zu errichten, und Sie wer» den Ihre Residenz mit einer Sündfluth von Oft sicheren eben derjenigen Nationen, die in der Kriegskunst Meister sind, überschwemmt sehen, welche alle Ihnen ihre Dienste zur Ablichtung der neuen Truppen anbieten werden.— , Aber ihre Abrichtungsmcthode„ unterbrach ihn der Löwe" dürfte nach Menschenart zu weichlich, und folglich für meine Truppen nicht paffend seyn? Auch scheint mir, daß nur Elend und Verbrechen das Motiv seyn könne, daß sie hazu bestimme, bei den Feinden ihres Ge» schlechtes Dienste zu nehmen, und daß wir uns B 5 also -S6 also der Requisition, die wir an ihnen machten, eben nicht sehr zu freuen hätten!— Was den ersten Punkt betritt,, versetzte der Fuchs" so verpfände ich meinen Kopf, daß ih. re Abrichtuugsart, so, wie fle ist, auch färhyr» Mische Wölfe nicht der geringsten Abänderung bedarf!— Im zweytrnPunkte liegt mehr Wahr» heit, doch mit der Berichtigung,.daß das Mo. Liv mehr in unw,Ehrlichen und schuldlosen Elende, als in Verbrechen zu suchen ist. Doch habe ich an meinem ehmaligen Aufenthalte ttem. de Herren, von eben den kriegskündigen Ratio» nen gesehen, die, ohne daß sie eines der beyden Motiven dazu zwang, die Muselmänner in Kriegskünsten übten; wider die fie doch eine um gleich grössere Feindschaft hegen müssen, als um der uns, weil sie eigne Gebeter wider selbe ha. ben;— denn ich erinnere mich wohl nicht, je. mals gehört zu haben, daß sie uns in ihre Ge. Seter einschlössen! Alles gut ,/agte der Löwe" nun fehlt nichts mehr, als daß ich ohne Aufschub den Versamm, lungs« lungsort bestimme, und meine Monarchinn ist fertig!— Haben Sie ein wenig Geduld Sire„ver» sezte der Fuchs eine zahlreiche Armer macht Noch keinen mächtigen Staat aus; es fehlt noch die Grundfeste das Volk, um ein Ganzes zu machen, und dessen Lasten zu tragen— Und woraus werden wir dieses zusammO» zen?„unterbrach ihn der Ldwe„— Nichts leichter als dieses„ antwortere der Fuchs,, hiezu haben wir die Esel, Ochsen, Käl» der, Schaafe, Maulthiere, Kameele, Elend» thiere, und viele andere schwachsinnige, und furchtsame Thiere, denen diese Eigenschaften un» entbehrlich sind, um sich schlagen, beladen, bey der Nase herumführen, scheeren, und zur Schlachtbank führen zu lassen.--- Du scheinst zu vergessen, daß der größte dieser furchtsamen Thiere in unserer Feinde Ge» walt ist„ warf ihm der Ldw? ein„--- Das sK Das Seziere ist freylich wahr antwortete der Fuchs„ aber für uns ist es genug, daß es ihrer eine unzählige Menge gibt, die nicht in unsrer Feinde Gewalt sind, und die sie aus allen Kräften fliehe«! Alle diese freyen Thiere lassen Euer Majestät versammeln, und was die zahmen betriff, von diesen kauft man einige auf den öffentlichen Märkten,- wo sie von den Menschen verkauft werden, und sucht mittelst dieser die andern zur Entweichung aus ihrer Herren Dienste und zur Vereinigung mit uns zu bewegen; welches um so viel leichter ist, weil alle diese furchtsamen Thiere heerdenweise einander nachzulaufen gewohnt sind. Überhaupt braucht es sehr wenig Mühe, ein gedrücktes Volk zu einem Aufstande zu reizen, wenn es eine Armee zu seiner Unterstützung bereit sieht. Es hängt immer der stärker» Parthey an, beurtheilt aber die Stärke nach dem ersten, besten sichtbaren Erfolge: wir dürfen nur mit einer geringen Macht anfangs einige Vortheile erhallen, und unsere Parthey wird sich zusehends vergrößern. Selbst an Überläufern wird es uns nicht fehlen, besonders wenn wir ihnen ihren elenden Sold 29 Sold erhöhen! Denn dieser Gattung Thier- menschen ist es übrigens gleich viel, glatte oder haarichte Kleider zu tragen. Ich wundre mich sehr„ sagte der Löwe„ baß du deiner Kameraden, der Füchse noch nicht erwähntest! Willst du nicht, daß ich sie mei» nein Staatskörper einverleibe, und mich ihrer als der vornehmsten Werkzeuge zu meiner Er» Hebung bediene, da ich aus UiberZeugung von dir nicht anders als Vortheilhaft auf ihre Klugheit, und Geschicklichkeit Messen kann? Ulberlegen Sie es wohl, Sire„ versetzte-er Fuchs„ was Sie da thun wollen!(hier verräth dieses listige Thier seinen Ehrgeiz und den weit aussehenden Anschlag, die Regierung ganz an sich zu ziehen.) Um einen Staat in Ruhe zu erhalten, ist es nicht nöthig, und manchmal wohl gar gefährlich, daß mehrere verständige Personen sich mit desselben Verwaltung bemengen. Je mehr der Rathe sind, je öfter wird der Fürst h-ntergangen; desto häufiger find Verwicklungen, Ränke, und falsche Berichte, ZÄ te, womit sie einander zu untergraben suchett; so daß es dem Fürsten oft unmöglich wird, den Faden vom Gewebe zu finden, oder sich zu über» zeugen, welcher seines Zutrauens am würdig» sten ist! der Partheygeist, Kabalen, und selbst Kriege sind die gewöhnliche Folgen davon, zu geschweigen, daß es keine unentschloßttere Ge» sellschaft giebt, als die aus mehrern vsrzügli» chen Köpfen besteht: Zeder ist an Einfällen reich, und jeder behauptet die seinige mit einer solchen Hartnäckigkeit, daß sie nie der Meinung ande» rer, die emen geraden schlichten Verstand ha» ben, sollte die Abweichung auch noch so unbe» Leurend seyn, beypflichten!-- Und was noch schlimmer ist, ereigne! es sich, daß eine gegen» seitige Meynung die Oberhand gewinnt, so glau» ben sie sich beschimpft, und suchen auf alle mbg» riche Axt derselben Ausführung zu hintertreiben; so daß es ausser allem Zweifel ist/ daß jene Mo» narchien, derer Leitung in mehrerer feiner und verschlagener Leute Händen ist, eben nicht am besten administrirt werden. Jedermann weicht ihnen aus, und wünscht sich lieber mit guten alltäglichen Leuten, die ihren geraden Weg forp -gk'. ZL sHen? zu thun zu haben.— So groß auch, Wohlthätigster aller Könige„ fuhr der Fuchs fort„ der Trieb ist, den ich in mir fühle, mei» ner Nächsten Bestes zu befördern, so überwiegt ihn doch der Eifer, den ich für Eurer Majestät Dienst hege, und läßt die Neigung, die ich zu meinen Brudern habe, weit hinter sich: ich be» schränke mich also, Ihnen für die Güte und Ach» tung, so sie für selbe haben, äusserst davon ge» rührt zu danken, und unterlasse es, so schwer es mich auch ankömmt, für sie um Pläze in Hdchstderselben StaatSrathe zu bitten. Nächst der innerlichen Ueberzeugung stüzt sich meine Meinung hauptsächlich auf das Beyspiel jenes mächtigen türkischen Reiches, das Sie sich zum Modelle wählten, um einen unabhängigen, und despotischen Staat zu errichten; in selbem be» gnügt sich der Grosherr durch das Ministerium eines einzigen Mannes, den erGrosvezier nennt zu herrschen.— Zch werde es also auch so machen„ versez« ts der Löwe„ ich will von Niemanden mehr einen Rath annehmen, als von dir, und von die- L Z2 diesem.Augenblicke an sollst du mein Großvezier seyn! Ich danke Ihnen sllmmtepthänigst für die» se aufferordentliche Gnade, allerfreygebigstek Kaiser.. sagte der Fuchs den Schwanz zwischen die Füsse Messend„(das gewöhnliche Zeichen der Unterwürfigkeit bey den Füchsen, das die Stelle der Kniebeugung vertritt.) Mein Augen» merk soll ganz dahin gerichtet seyn, dem allerhöchsten Zutrauen mit allem Eifer und dem Punkt» lichstm Gehorsame zu entsprechen!— Aber noch einmal„ unterbrach ihn der Löw„ ich kann mich nicht darein finden, daß die Füchse, die doch die geistreichsten Thiere find, und denen ich in Rücksicht deiner belonders m Gnaden zugethan bin, in meinen Staate unbrauch» bar seyn sollen; da du doch so vielen andern, die bei weitem keine so guten Eigenschaften ha» bm, die Reizbarkeit nicht absprichst!— Nichtsweniger als unnüz ,« versezte der ^ Fuchs„ Eure Majestät sollen sich ihrer als der - vor- v-rWr-s 3Z Vornehmsten Triebfedern gebrauchen, um die Maschine in Bewegung zu erhalten; aber an» statt aus ihnen ein Ganzes zumachen, muß man sie zerstreuen: eine gewisse Anzahl der Hervor» stehendsten vertheilt man unter die ansehnlichsten Versammlungen des Reichs, damit sie den an» dern Gliedern zu Wegweisern dienen, um sie zu leiten, und in Euer Majestät Interesse zu er» halten: denn es ist gewiß, daß zwey oder drey gute Köpfe die. zahlreichste Vrrsamml ung auf ihre Meinung zurükbringen,*) weil sich der größte Theil der übrigen, theils aus Abgang der Leichtigkeit ihre Meinung verständlich zu machen, theils aus Mangel an Dreistheit, selbe mit Nachdruk zu unterstützen, Mit einem Kopftücher zu stimmen begnügt. Was den unbedeutender» Haufen meiner Neben- süchse betritt, mit selben bevölkert man zum Theil die Universitäten Und Gymnasien, und läßt fiedsrt alle ») Wenige Leser werben es nicht bemerkt haben, büß sich Minister Fuchs sehr oft widerspricht; ober der Herausgeber fordert ihre Weftkckwluiß aus, zu entscheiden, ob sich nur Fuchse, und ss absichtlich widersprechen! 34 alle die Wissenschaften und Künste tradiern, der ren Ihre Unterthanen empfänglich seyn werden; oder man macht fie zu Predigern, um die an« der» bei ihrer Pflicht zu erhalten;— oder man verdammt sie endlich zur Autorschaft, zu Eurer Majestät Panegyristen und Biographen; worin sie sich umso viel besser auszeichnen werden, weil diese Thiere eine natürliche Anlage haben, das Pas- pier zu besudeln. Der unterhalt der erster» wird dem Staat ein wenig hoch zu stehen kom«- men, denn das find unersättliche Thiere, und nie zu befriedigen; aber der andern ihrer, näm» lich von der zweyten Gattung, wird sehrweni- kostE weil diese nicht gewohnt find, groß Glück zu machen: und dann hält man es auch für Maxime, daß man fie zwar nach NothLurft ernähren, aber nicht mästen müsse; denn man will aus der Erfahrung wissen, daß diejenigen, die durch ihre Gelehrsamkeit, und Beredsamkeit, grosse Würden und Reichthümer erhalten haben, darauf so stumm geworden find, als wenn man ihnen ein Maulschloß angeworfen hätte- Ulster das wird ein Fürst, wenn er auch so un- fürst- 0-^W^S ZZ fürstlich handeln, und Belohnungen austheilen will, immer irregeführt; denn ehe sich Las wahre Verdienst den Belohnungen nähert, haben Ränke und Zudringlichkeit fie schon erhäscht« Mein Grosvizir„ sagte der Löwe" ich se- he, daß du von allen diesen Sachen tiefe Ein. fichten besitzest, ich lasse dir also die freye Dispo» sition mit gänzlicher Vollmacht, alle Füchse nach ihren Anlagen anzustellen, und zu belohnen. Grosser Kaiser, allein würdig den Erdkreis zü beherrschen!„ versetzte der Fuchs sich aufden Hintern Füssen aufrichtend" Hier zu Dero ge» heiligten Regentenfüssen schwöre ich den feyer. lichsten Eid, den je ein Minister schwur, Eurer Majestät Bequemlichkeit, Vergnügen, und Ka. prizen nach allen meinen Kräften zu befördern, so wahr ich Ihre mir sehr schätzbare Huld bis an das Ende meiner Tage zu erhalten ernstlich wünsche, Amen?— Um seine Dankbarkeit für die so eben erhaltene, ihm äuserst wichtige Voll. macht dem Löwen auch fühlbar zu bezeigen, warf er sich hierauf ganz zur Erde, und reinigte C 2 mit mit seiner Zunge die königlichen Füsse vorn SäNZ Le, dann nahm er wieder seine gewöhnlichi Stellung, und fuhr weiter fort: Nichts kann Eurer Majestät Herrscherleben geschäftloser, sor, genfreyer, und desselben Genuß völler und ange» nehmer machen als ausgewählte Geseze, die— Gibt es ihrer auch in diesem Walde?„ un» terbrach ihn der Löwe gierig" so führe mich Hindu sollst mein Gast seyn! L> Urbild aller Könige?„ versetzte der Fuchs" Ich zweifle gar nicht, daß ein königli« cher Magen auch die verdauen könne; aber die Gesetze find keine leibliche Speise, wie, sich Eu» re Majestät da vorstellen, sondern durch die Faul» heit der Könige und der Menschen Derderbniß nothwendig- und ungeachtet ihres verächtlichen Ursprungs für beide Theile heilsam gewordene Vorschriften in allen bekannten Fällen- die frey« lich mit Hülfe der Jahre zu einem ungeheuren Wörterbuche anwuchsen/ aber doch größtenteils den Unterthanen die Knechtschaft noch erträglich Nachen- o-T-Lk-o Z7 Machen, weil sie auf eine gewisse- Art selbst den Königen die Häilde binden.-- Was Gesetze! Was bürden! Und ich Mo» narch! riefhier der Löwe mit einem furchtba» xen Gebrülle aus" Eh noch werden die Könige» sich untereinander vertragen, als Könige mir Ge, setzen!-? So wie der Erdkreis nur ein Reich und in selbem nur ein Haupt seyn wird, nämlich ich; so soll auch nur ein Gesetz seyn, welches für alle mögliche Fälle paffen muß, und paffen wird, und dieses ist— meine Laune!— O königlicher Gesetzgeber!„ versetzte der Fuchs sich tief demüthigend" Wie lästig würde rsfürEurer Majestät Laune seyn, in-jedem einzel» nen Falle zu entscheiden! Ich war so unglücklich, von Eurer Majestät misvexstanden zu werden, oder mich nicht verständlich genug auszudrücken. Die Gesetze find nur für die untersten und dürft tigsten VolkskLassen eiserne, unblegsame Bande, werden aber stussenweiseallmählig geringer; schon für die Mittelklassen ßnd sie von geschmeidigem, leicht ausgearbeitetem Silber, und obendrein MH weich gefüttert: Dir Grossen spielen damit, § z wie 3t wie mit leichten Federballett; und für Könige find fie blos Schattenbande, um das Volk, wie durch ein in Oel getünchtes Papier, damit zu äffen. Ein König hat tausend Mittel, die Ge» setze in Fällen, die ü'ch von ungefähr zu seinem Obr verirren, nach seiner augenbliMchen Ka» prize zu stimmen, und auf selben nach Will» kühr zu fantasseren: er kann nach Marionetten» spielerart wegnehmen, hinzuthun, sie maskiren, gar wegwerfen, oder mit ganz neuen ersetzen: und endlich in besondern Fällen, wo er eines oder das andere zu thun versäumet hat, m t ei» ner höchsten Willensmeinung darein schlagen; und diese ist eigentlich die Auslegerin, oder des» ser zu reden, das Gesetz der Gesetze. Fänden Euer Maiestät ein Vergnügen daran, in einer oder der andern Fällegattung jedes einzelnem«! selbst zu entscheiden, so verschieben Sie es so lange für selbe ein Gesetz zu geben, bis Sie sich satt entschieden haben. In mehrern, geschwei» ge in allen Fällegattungrn das zuthun, würde Ihnen zu läst-g; es blieb Ihnen nicht so viel Feit übrig, den königlichen Magen zu stärken, sder der Du Z9 Du hast Recht„ unterbrach ihn der Löwe" ich sehe die Nützlichkeit der Gesetze ganz ein, und so sehr ich vorher wider sie aufgebracht war, so gut bin ich ihnen itzt» Aber da es so vielerlei Fälle gibt, wo werde ich so viele Gesetze her» nehmen? und wie kann ich es just treffen? wer» Le ich sie aus dem Topf heben? Bleiben Sie deswegen ganz unbesorgt, Sk» re„ versetzte der Fuchs" die Ausdrücke: Ge» setze geben, Krieg führen, Schlachten gewinnen, ru a. m. haben, wenn sie von Kdnigen gebraucht werden, allezeit einen leidenden Sinn; denn diese find meistens so unthätig dabei, alsneuge» borne Kinder- Gut„ sagte der Löwe„ ich überlasse dir al» so die Gesetzearbeit ganz, mach du sie, oder laß sie von andern machen, das gilt mir ganz gleich, nur daß dabei auf das Gesetz der Gesetze nicht vergessen werde.— Wer sag mir>, fuhr der Ldwe nach einer kleinen Pause fort" soll gar keine Thierart aus unserm Staate ausgeschlossen L 4 seyn, fepn^ und können Wir von jedem einzelnen Nttß Hen ziehen Es wäre zu langweilig„ antwortete der Fuchs" ins Detail hinein zu gehen, und jed» weden Thieres Nutzbarkeit ins besondere zu be» stimmen. Es ist möglich, daß unsere, so wie alle jene Staaten, deren Pslrzey wegen ih» rer Stösse nicht so leicht übersehen werden kanih das Unglück fräse, eine Menge Taugenichts zu Läbren: doch getraue ich mir es zu behaupten dast es fast keine Thiere gibt, von denen man. Nicht einigen Nutzen ziehen, yderdl'e man nicht auf eine ihrem Genie angemessene Art zu irgen» etwas verwenden könne. Nehmen wir zum Bei» spiel die Krokodklle, und andere schädliche Beste» en, von denen man sagt, daß ste Erwachsne und Kinder fressen, haben fie nicht ganz die Anlage zur Rechtspraxis und Schikane? Da können sie Nicht allein die Wittwen und die Waisen, son-> dern auch die Mundstücke der Landleute, und die M ayerhdfe und Landhäuser der Bürger und Edlen verschlingen.— Die Ibis und die Stör» che werden unter uns die Arzneykunst treiben, in 4s f:-. der sie der Menschen erste Lehrmeister waren; Wd da sie sich selbst von Jnstkten, Kröten, Würmern und anderm Ungeziefer nähren, so wer» den sie die andern durch ihr Beispiel daran gewöhnen, ihre Körper mit verfchiednem Gifte und Unflat zu überladen, woraus Fäulungen und die Sterblichkeit entstehen werden, die immerzu gut ist, und den mit Volk überhäuften Städten statt eines abführenden Mittels dienet. Die Biber werden im architektonischen Fache, und in allem, was dahin einschlägt, den Vorsitz führen, und ich stehe dafür, daß der Menschen neueste Gebäude den unirigen den Vorzug an Festigkeit und Dauer gewiß nicht streitig ma» chen werden. Auch wird es uns so wenig, als andern blühenden Staaten an Thieren fehlen,- die blos für den Luxus und die öffentliche Unterhaltung ihr Daseyn haben: Die Affen werden die Stelle der Tänzer, Possenreißer, und Gaukler ersetzen: Die Lerchen und die Nachtigallen die der Sänger und Tonkünstler; und zum Beweise, daß man auch der verächtlichsten Thiere, und sogar der Insekten Talente benutzen könne, sollen die Igel als Polizeywächter unsre Städ» L5 te o-ü-Wü-ro 4« te vom kriechende» Ungeziefer reinigen-- vom fliegenden ist es nicht wohl möglich, weil es den Fängern die Hände beschmeißt— die Maulwür» fe sollen uns statt einer gewissen Nation mit Ansiedlern versehen, um die öden Gegenden unsers Reichs damit zu bevölkern: die Ameisen sol» len den öffentlichen Vorrathshäusern, ökono» mischen Kommissionen und dem Kronschatze vorstehen: den Spinnen überläßt man die Aufsicht und Leitung der Leinen- Zeug- und Tuchfabriken: der Waffermäuse und Blutigel wollen wir uns nach dem Beispiele unsrer Feinde statt anderer säugenden Geschöpfe bedienen, daß das Volk sich nicht übernehme, aufschwelle, und vor Fette zerber» ste: wann sie sich dann voll angesoffen haben, so drückt man sie aus wie Schwämme, und der Staat hat grosses Frommen davon--- Was du da sagen willst, begreife ich sehr wohl, ob ich gleich nicht ftudirt habe l„ unter» brach ihn der Löwe"— Was werden wir aber «it jenen Ueberläufem und Renegaten ankan» sen, die an uns meineidig geworden?— Ich mene die Hunde und Pferde, die du ganz mit Still» 43 Stillschweigen ükergiengst; denn die andern furchtsamen Thiere zwang mehr ihre Schwäche sich von den Menschen unterjochen zu lassen, als haß sie es freywillig thaten, und sind daher zrr entschuldigen. Was die Hunde, meine erklärten Feinde, be» trift„ antwortete der Fuchs" zu deren Der» theidigung will ich kein Wort verlieren; imGe» Kentheile, ich schwöre und gelobe es! all mein Ansehen und Macht, so ich eines Tages aus Eu» rer Majestät Gnade in Dero Reiche haken wer» de, zur gänzlichen Ausrottung des Hundege» schlechtes anzuwenden: Ich werde sie von Kanzeln und durch Herolde in die Acht erklären lassen, und bei schwerer Strafe verbieten, ihnen Quav, tier zu geben, so wie sie es auch uns von jeher Versagten r— Sie von der Menschen Dienste, denen sie mit unveränderlicher Treue ergeben sind, abwendig machen zu wollen, wäre eknver» geblicher Versuch, so sehr ich es auch wünschte; denn dieser ihr Aufenthalt und Anhängkgkeit an die Menschen mag wohl eines der größten Hin» dernisse seyn, das wir bei unfern Eroberungen «ntrek- Mtresfen Werden. Was die Pferde ketrift, Liese haben eine sehr gkltigc Entschuldigung fax sich. Ihr Naturell ist kriegerisch, und daher lieben ste die Jagd und den Krieg: So lange wir noch keinen Staat formirten, und keine stehen« den Truppen hielten, konnten wir sie auch auf keine ihrem Genie angemessene Art beschäftigen, "und sie UM M M M eine gewisse Art ge. Münzen, bei den Menschen, wo es die grau» ssmsten Kriege, und die prächtigsten Jagden gibt, Dienste zu nehmen: dabei fanden sie so grosse Vortheile, und wurden mit solcher Ach« tung behandelt, daß sie natürlicher Weise auf die Rückkehr vergassen. Ich habe grosse Her« ren gekannt, die den einzigen Gelehrten, den Ke in Ihrem Gefolge Hatten, Hungers sterben liessen, zu gleicher Feit aber hundert Pferde, das Stück zu tausend Thaler hielten, für deren Verpflegung sie so grosse Sorge trugen, daß sie ßch bei selben zu Gaste luden, und sich im Stalle auftischen liessen. Verdienten diese nicht selbst M die Raufe gebunden zu werden?— Zu Kon« Oantinopel hat man mir erzählt, daß ein grosser Prälat von einem feyerlichen Gottesdienste in Ponri» 45 Höntifikalkleidern davon gelaufen sey, um sei» ner Srutte, die eben ein Hüllen geworfen hat» te> eine Visite zu machen- Alepander der gvos» se baute, um das Leichvegängttiß seines Pferdes zü verewigen- zu dessen Ehren eine Stadt. An» dere fütterten ihre Pferde in helfenbeinenen Barnen, und liessen Ambra unter den Haber streuen. Ein Kaiser endlich Machte sein Pferd gae zum römischen Konsul.— Gestanden sie es auf diese Art nicht selbst, daß ein Vieh die Herrschaft der Welt besitzen könne? Und kann man sich wohl noch darüber Wundern- daß die Pferde einen Ort nicht verliessen, an dem sie sich so wohl befanden, und wo sie ungleich we» niger Dienste leisteten, als sie empfiengen? Wie sehr betrogen sich die Menschen, wenn sie wähn» ten der Pferde Herren zu seyn, da sie doch wirk» lich nur ihre Knechte waren! Sind nicht sie es, die den Haber säen- dreschen, und reuten, den diese fressen?— die Heu und Stroh erndten, und für der Pferde Krippen und Liegerstätten zubereiten? Mit einem Worte, die sie striegeln-pflege« und nndbeschlagen?— Wieviel giebt es nicht Stall« Meister, Stallknechte, Hufschmiede u. s. m. die M bezahlt werden, und dafür nichts anders zu thun haben, als für der Pferde Verpflegung und Bedürfnisse zu sorgen? Und doch wollen sich die Menschen, unter demBorwande, daß sie sich ih» rer zuweilen bedienen, über sie erheben?--- Als wenn die Pferde den Menschen weniger zu thun machten, als diese ihnen; und als ob ihre Lett besstarke fie nicht eben so viel Vergnügen em» xsinden machte, den Menschen zu tragen, als des Menschen Schwäche fühlt von ihnen getragen zu werden?— Wann die Kinder der Pferde spielen, und aufeinander reiten, soll sich das, Was oben ist, mehr zu seyn dünken, als das, welches unten ist?— Nein! mit Ungrundemas» sen sich die Menschen des übermüthigen Titels, der Herren über die Pferde an, und das soll eben dazu dienen, diese muthige, und der Knechtischer gehässige Thiere auf unsere Seite zu bringen! Ich nehme es auf mich, mit ihnen einen geheimen Traktat zu schlieffen, und fie in unser Bündniß zu ziehen. Sobald sie fich hiezu wer» den entschlossen haben, so hätt fie weder Gebiß noch S-T^-r-a 47 Noch Sporn, weder Gerte noch Peitsche zurück; und wenn fie einmal ihre Stärke kennen, und sich derselben gebraüchen> so kann es der beste und sicherste Reiter nicht verhindern, von ihnen auf der Erde geradbrecht, oder lebendig unter uns geschleppt zu werden« Das wäre kein übler Anfang, wettn du das zu Stande brächtest sagte der Löwe"— Aber wie mich dünkt, hast du die Elephanten noch gar nicht genannt!— Wollen wir diese grossen Körper ungenützt, und ohne Beschäftigung last sen?— Ich fürchte, daß ihre Körpermaße und Stärke sie kühn genug mache, mir eines Tags die Herrschaft streitig zu machen, wenn ich fie nicht an der Regierung Theil nehmen lasse!— Euer Majestät find sehr vorsichtig„ ant» wortete der Fuchs" und es ist auch billig ihnen einen Theil der Macht anzuvertrauen; nur muß sie von einer andern Natur, und von der Ihn» gen abgeändert seyn: man nehme aus ihnen die Mufti, die Jmans, die Kadeleken, die Derwische, die Kalender u. a» mit einem Wort, man über» 48 Verlasse ihnen das Priesterthum und den HreüK derReligiön, ohne welche kein Staat bestehen kann,. Dre Naturkündigen schreiben diesem Thiere die Eigenschaft zu- daß es alle Morgen die Sonne- den von uns Thieren anerkannten sichtbaren Gott der Natur-anbete. Wann sie das gethan habest, so sind sie für den ganzen übrigen Lag sehr unnü« tze grosse FleischMaffen- und zu nichts gut, als zum Fressen und Schlafen: aus dieser Ursache An ich gewiß, daß sie sich zu dem Amte, zu deck sie Euer Majestät bestimmen- am besten— Was bestimmenfiel ihm der stdwe mit einer Donnerstimme ein- und schüttelte die Mäh« NM so fürchterlich- daß der Fuchs vor Angst bebte" Lch will keine Religion in meinem Nci» che, mich allein soll man da anbeten!— Göttlicher Kaiserversetzte der Fuchs nach einiget Erholung, und warf sich zur Erde" ich will lieber sterben, als Eure Gottheit im GriM» me sehen!— Die Religion wird Nicht für Sie gemacht seyn- sondern nur für Lhr Volk vom mittlern Range, um selbes im Gleise der Pflicht M erhalten. Die Grossen und der Pöbel Mb 4V Hm höchstens nur den äusem Schein davon ha» ben: jene aus Hochmuth und Ausgelassenheit,, Und diese aus Unwissenheit und Blödsinn» Das wird Sie Nicht hindern, Sich Nach Belieben und zur Genüge anbeten zu machen. Es wird nicht an Schmeichlern fehlen, die mit. Ihrer Vergötterung die Pressen beschäftigen, und Ihnen Statuen und Tempel errichten werden. Liessen sich döch die Menschen, die sich so viel auf ihre Vernunft und Aufgeklärtheit zu gut thun, trotz dem freyen Willen, den sie von der Natur zum Erbtheile empfangen zu ha» ben behaupten, so weit gängeln und bei der Nase herumführen, daß sie ihre Kaiser, die doch von ihrer eignen Art warm, anbeteten! Selbst die Gelehrten könnten stch bei Schreibung ihrer Geschichte nicht enthalten, ihnen einen Platz im Dlymp anzuweisen, und die Spfermahle zubilligen, mit denen man sie verehrte. Und warum sollte man Euer Majestät die Anbetung versagen, die doch mit dem edlen Blute einer Löwin ge» Mhrt wurden, und folglich bessere Eigenschaften V ha» 50 Haben, als der Säugling einer Raubwdtfin— der Stifter Roms/ dem seine Mitbürger gött^ liche Ehre erwiesen!— Betete man nicht in Egypten Katzen, Stdrche, Ochsen, Krokodille und mehr andere Thiere an? Verwandelten sich nicht nach unsrer Feinde Zeugniß die Götter selbst bei verschiedenen Gelegenheiten in Thiere? Sah man uns endlich nicht alle, keines ausgenom» men, auf den Altären so vieler Völker?— Zweifeln Sie also nicht daran, Tire! daß man Ihrem Muthe und Verdienste jene Ehren, die Andrer gutes Glück nur erhäschte, freywillig und aus Wahl zugestehen werde. Ach! wenn ich ss glücklich wäre, an Euer Majestät Vergötterung zuarbeiten, mit welchem Meisterzuge wollte ich anfangen'.— Und welcher wäre das?„ unterbrach ihn der Löwe hastig^ Ich würde behaupten„ sagte der Fuchs„ daß Sie der Sonne leiblicher Bet» ter find, und daß diese all ihre Wärme von Jh» nm entlehne; welches um so leichter Eingang finden würde, da ohnehin allgemein bekamt ist, o Zt Laß Sie ein Sormerithier find. Der sichtbare Beweis hierüber, würde ich sagen, ist am Him» mel, wo Sie als das schönste Gestirn im Thier» kreise glänzen. Und ist wohl die Sonne jemals so brennend, und kraftvoll, als wann sie bei Ihnen einkehrt?— Diese Gründe sind treflich„ sagte der Lö» we„ gibt es aber keine anderen Thiere, aufdie sich die nämlichen Gründe anwenden liessen, und die etwa auch ein Zeichen am Himmel haben, -aß ihnen ähnelt? Allerdings antwortete der Fuchs" der Stier, und der Widder find auch Zeichen des Thierkreises, und selbst der Hundsstern könnte sich auch rühmen, die Sonnenhitze zu verdoppeln. Aber nehmen Sie einmal für allemal an, Sire, daß man nie schlechte Gründe hat, solange man der^ärkste ist? Sie werden das Lolk alles, was Ihnen nur einfällt, sogar Ihre Träume glauben machen, wenn sie nur gut drohen können. Sie dürfen nur sagen, daß, weil Ihre Krone rund ist,-er Himmel und die Erde aus D» der 5« der Ursache, weil sie die nämliche Figur haben, ihnen augehdren, und es wird nicht an Sophisten fehlen, die diesen Beweis bis in Himmel erheben, und dessen Gründlichkeit und Unmm st-ßlichkeit durch weitläufige und scharfsinnige Kommentare erläutern werden.— Geschah es nicht auf diese Art, Laß der Betrüger Mahomed, dessen verfluchte Tyranney zu zerstören wir aufim Wege sind, so viele Völker verführte? War e§ wohl anders möglich, sie all den Wust von Unsinn, und lächerlichen Erzählungen glauben zu machen, das er Mkoxan nannte, als durch die Gewalt der Waffen, und den Schree» ?en, den seine Drohungen um ihn her verbreit Leten!— Um uns an den Menschen such durch Spott zu rächen, müssen wir, weil es doch schon einmal Mode ist, jede Religion in Mysterien zu kleiden, das Mährchen von der halb Esels-- und halb Hahnshaut zum Hauptgeheimnisse unsrer neuen Religion machen, und die nicht daran glauben wollen, lassen wir henken, rädern, kör pfen, spiessen, oder, was am meisten authoro« Lrt ist» verbrennen. Und so werden wir an dem LZ dem unbarmherzigen Menschengeschlechte, das mit unserm Bluteden Himmel zu versöhnen wähnte, thätige Rache nehmen. Dann wird die Reihe an sie kommen, als Opferthiere ge» schlachtet zu werden, und das gewiß mit best serm Rechte; denn ist es nicht billiger, die O» Vier, deren Zweck ist die Sünden zu tilgen, aus Kosten der Schuldigen, als der Unschuldigen zu entrichten?— Wenn sich eine Stadt wider ihren rechtmäffigen Herrn empöret, und dieser einen Theil der Einwohner seinem gereizten Zor» ne aufopfern will, wird er sich wohl besänftigen, wenn das Schwert statt der Strafbaren eben die Schuldlosen trift?-- Gerade das thaten diese Tyrannen; um die durch ihre eignen Laster erzürnten Götter zu versöhnen, vergossen sie das unschuldige Blut der Schafe, und Nm» der»— Ich nehme mir es ernstlich vor„ sagte der Löwe'' für alle in diesem und vielen andern Fällen an uns ausgeübte Grausamkeiten blutige Rache zu nehmen; aber besonders theuer sollen ße es büffen, was fl§ sich mit uns Löwen her» DI aus»' 54 ausnahmen; daß sie uns einkerkerten, und Sei ihren Spielen und Festen ohne Rücklicht auf unsern königlichen Stand, den fie selbst nicht in Zweiftl zogen, wie die unedelsten Thiere ge« brauchten. Welch hartes Joch w r ihnen auch auflegen, so wird es doch immer erträgliches seyn, als ihr Verfahren mit uns, und wir wer» den noch dabei eben so mitleidig zu seyn scheinen, als sie grausam waren.--- Aber ich zweifle sehr„ fuhr der Löw fort" Laß ich mein Reich in Ruhe werde beherrschen können, so lange das Menschengeschlecht nicht ganz vertilget ist! So wie sie es meinen Vor» fahren schon einmal entrissen, werden sie es auch mir immerfort streitig machen: zudem sehe ich ste in so grösser Zahl, mit so reicher Erfindungskraft, und so vielen schon wirklich erfundenen Maschinen ausgerüstet, daß es äuserst schwer seyn wird, sie, so lange Einverständniß unter Ihnen herrscht, trotz unsrer Ueberlegen« tzeit zu bezwingen. Es 5Z Es ist nichts leichter, als Uneinigkeit un» ter sie zu streuen,, antwortete der Fuchs" und Nichts weniger als nöthig, fie, wann sie einmal Sezwungen sind, ganz auszurotten I Das Der» ständniß, das ein grosser Theil von Ihnen mit uns unterhielt, kürzt uns dafür, und ich kann Eure Majestät versichern, daß mehr als die Hälft Es von denen, die unter ihrer Maske einher» gehen, uns ganz zugethan sind; ja ich getraue mir es zu keöaupten, daß Eure Majestät von dem Augenblicke an, als Sie zum Kdnige aller Thiere werden gesalbet seyn, drey Viertheile der Menschen unter Ihre Unterthanen zählen kbn» nen.— Lebt nicht der grdßte Theil von ihnen gleich uns, in Wäldern und Wästeneyen, an nichts als an Gestatt von uns unterschieden? Und sind nicht die meisten vom ueberreste, der in Städten wohnt, durch ihre Leidenschaften und Laster so verwildert, daß sie ärger sind als das Vieh?--- Theils werden sie durch ihreGe» fräffigkeit wahre Schweine, theils durch ihre Unenthaltsamkeit geile stinkende Böcke: die einen zählt ihre Blödsinnigkeit und Unwissenheit unter die Ochsen und Esel, die andern ihre D 4. Grau» 56 Grausamkeit und Raubgier unter die Tygep und Raubwdlfe; auch gibt es ihrer, die durch ihre Ballett und Konchdien zu wahren Affen geworden sind.— Alle diese haben Eure Ma« jestät das Recht als ihre Unterthanen und Va» fallen zu revindiziren, und wann sie den Gene« ralaufbot kund machen lassen, müssen sich alle unter Ihre Fahnen stellen; die Ausbleibenden sind doc iplo der Felome überwiesen- Aber das ist noch nicht alles! Sobald Eure Majestät alle Thiere werden versammelt, und den Menschen auf diese Art derselben Beistand, auf den sie in allen ihren Unternehmungen rechnen, und ohne dem ihnen ihre besten Erfindungen zu nichts taugen, werden entzogen haben, so ist nichts schwächers als sie, und es ist eben so viel, als hätten sie Eure Majestät entwafnek. Den grdß» ten Theil der Vortheile, so sie vor uns voraus haben, werden sie, wo nicht ganz verlieren, Loch wenigstens nicht benutzen können. Mangel und Hungersnoth werden uns die Mühe ersparen, sie aufzureiben: denn von was «erden sie sich kleiden, wann sie die Thiere nicht mehr 57 Mehr mit Häuten, Wolle und Seide versehe»? Die Zärtlinge, die sich längst entwöhnten, ganz nackt zu gehen?— Wie können fle sich ohne un» sere Hilfe ernähren? wie ohne den Beystand der Pferde und Ochsen das Feld pflügen und Sauen?— Mit was werden sie in Ermanglung des Thierfleifches ihre ffeischgewdhnten Mägen sättigen', ohne zu ihrer alten Kost, einander eine herrliche Augenweide für uns!— selbst zu fressen, zurückzukehren?— Wie können fle sich Steine, Metall, Holz, und unzählige anders Bedürfnisse zuführen, wann sse keine Zugthiere mehr haben?— Ohne Zweifel werden fle flch in kurzem gezwungen sehen, sich auf Diskrezion zu ergeben, und unsre Herrschaft anzuerkennen, um von uns tauschweise Unterstützung in ihren Nöthen zu erhalten.-- Jetzt zeigt flch mir nur noch eine einzige Schwierigkeit„ sagte der Löwe" Nämlich die Menschen i» jenen mit Thürmen, Wällen, und Gräben befestigten Dertern zu bezwingen;-besonders, wenn sie sich mit jenen garstigen Maschinen vertheidigen, die so weit reichen, und de» D 5 nen Zs nen die Beherztesten und Kühnsten vergebens Sei» zukommen wagen: denn, wenn ich sie auf offnen Felde anträfe- so wäre ich ganz unbesorgt.-- Das scheint freylich das schwerste vom Hatt-- Lel M seyn„ versetzte der Fuchs" aber auch mit dem werden Eure Majestät zu Ende kommen; — wir haken noch nicht alle Hilfsmittel er« schdpft!—— Hier schwieg der Fuchs/ und schien einige Feit nachzudenken; doch that er es nicht aus Verlegenheit, sondern weil er klüglk« cher zu thun glaubte, wenn er dem Löwen nicht alle Geheimnisse seiner Politik auf einmal auf» deckte. Er handelte hier wie die Minister der Tyrannen, die sich immer unentbehrlich zu ma» chm suchen, und nie besser befinden, als kei in» nerlichen Zerrüttungen, oder bei Kriegen, die sie auch nach Kräften zu unterhatten und zu näh» ren trachten. Diesem Grundsätze zu Folge fieng der Fuchs so wieder an: Grosser Monarch, ich würde die Ehre Ihrer Audienz miskrauchen, wenn ich fortführe, Sie mit Erläuterungen zu ermüden, die vielleicht i« einigen Tagen noch Nicht alle würden! Ein Anschlag von dieser Art Z9 Läßt st'ch nicht mit wenig Worten erklären, nach» dem er so viele Jahrhunderte nicht zur Reife gedieh. Es ist genug, daß ich Ihnen heut den Plan gezeichnet habe, ein andermal werde ich ihm die Farben geben, und ihn nach seinen ganzen Umfange beleuchten. Auch ist es unter der Würde eines Fürsten, so viele Zeit auf einmal den Geschäften zu widmen; ein oder zwo Stunden find hinlänglich, fich als einen sehr wach» lamm Fürsten ausposaunen zu machen; seine wichtigsten Beschäftigungen find die Ergötzlich- keiten. Da wir nun bis itzt von Krieg und Politik sprachen, so ist es hohe Zeit, Eure Majestät mit einer Jagd»Her Tanzparthie zu zerstreuen. Der Löw versetzte: Ich bin es zufrieden — Und schon fieng er an mit den Füssen zu trip» Pelsu, als der Fuchs hinzufügte: Wenn es Eure Majestät erlauben, so will ich ein Thierballet, «Nd eine Lhieropera verschreiben.— Was„ unterbrach ihn der Löwe" können hie Thiere auch tanzen und singen? Ich erinne» r- FH rs mich wohl, baß du von eigends zum Tanze abgerichteten Affen und Hunden erzähltest, und ich müßte taub seyn, um der DdgtlSingvermb- gen zu bezweifeln; aber von den andern lästigern Thieren kann ich so was ohne Wunderwerk nicht zugeben; Sie sollen also dieses Wunderwerk sehen, „ sagte der Fuchs" wenn Sie die Kosten dazu Schreiten wollen? Ich habe a» dem Hofe, wo ich war, fremde Nationen kennen gelernt, in deren Schoossc die Poffcnreiffer, Taschenspieler, Quacksalber, Marktschreyer, Gaukler u.dergl, wiechie wilden Schwämme aufwachsen: von die» sen brachten einige, Bären, andere Pferde mit sich, die so gut und so taktmäffig tanzten als ihr xx Führer, und auch Sey Aarouffels ihre Rollen Mverbesserlich spielten. Noch mehr ließ sich von e'nem gewNm Orpheus erzählen, der der erste BMtmeister war, und durch seiner Leyer Klang alle Thiere tanzen machte.— Was end» M die Opera betrist, diese ist— besonders in Ksrrikaturkücke»— kür uns natürlicher und Achter: die Katzen miauen dm Sopran, die Sie» 6r Ziegen und Schaafe bldckm den Alt; die Wölfe heulen den Tenor; und die Bären brummen den Baß;— und in heroischen Singspielen find die Hämmel— man darf ihnen nur die Zunge lö» fttt— in Heldenrollen unübertreflich.!— Don dem Augenblicke an, als der Ww von Lustbarkeiten gehört hacke, wollte er von nichts anderem mehr wissen: er bekümmerte sich wenig AM den Krieg, und verliest sich ganz auf seinen Großvizier; er bevollmächtigte ihn die Truppen zu versammeln, und überließ ihm mit einem Worte die Leitung und Ausführung des ganzen grossen Unternehmens. Er für seine Person nahm die Theaterdirektion auf sich, die ihm gewiß mehr zu thun gemachthätte, als dem Fuchs die ganze zum Krieg nöthige Lruppenversamm» rung. Aber nun! setze man, an welchem germgfü» Mm Zufalle sowohl eine als die andere dieser Unternehmungen scheiterte, und das Menschen» geschlecht gerettet wurde! Eines Tages begab sich der Lörv in Begleitung feines Ministers aus sei- s 62 feinem Pallaste, um im Parke frische Luft M schöpfen; auf dem Wege begegnete ihm ein Hahn, den ganz sicher ein den Menschen günstiges Ge» schick dahin geführt hatte, denn sonst wäre es sehr schwer zu erklären, wie der Hahn an einen so wüsten Ort kam.— Der Hahn krähte in Ge» genwart des Löwen: dieser, der sich von Natur, ungeachtet seines Muthes, vor diesem fürch- tet, erschrack darüber so heftig, daß er mit aller Geschwindigkeit, die seine Füsse ihm gewähren könnten, entfloh. Der Fuchs that gerade das Gegentheil: er gieng auf den Hahn los, der, sobald er seinen Feind wahrnahm, die Flucht ergrif; der Fuchs aber hielt sich so wohl, daß er ihn fieng und erwürgte. Mit dieser seiner Bem te verfügte er sich wieder zum Löwen, und legte ihm zwar selbe zu Füssen, rühmte sich aber da- Hei ihn gerächt und bereits von seinem ärgsten Feinde befreyt zu haben. Hierauf warf er ihm lächelnd vor,, es war ein Lächeln nach seiner Mo» de, das beinahe dem HundslLcheln gleich kam" daß er ohne Ursache vor einem so kleinen^h-er- chen die Flucht genommen, und wie übel es lasse, wenn ein Fürst, der so grosse Anschläge im Kopfe HM, sich eines solchen Schreckens fähtz zerge. Es bedarf keiner Erinnerung, daß derFuchs bei dieser Gelegenheit ganz auf die Politik vergaß, und daß er nur zu sehr zeigte, daß er trotz seiner Ministerschaft nur ein Weh war/ Sonst müßte ihm motzl bekannt gewesen seyn, wie gefährlich es sey/ die Tyrannen es nur merken zu lassen, daß man ihre Schwachheiten kenne, ge» schweige denn ihnen selbe vorzuwerfen- Der Lbw gerieth auch über den Vorwurf einer so schändlichen Flucht dermaffen in Wuth, daß er gewaltig die Mähnen schüttelte, und fürchterlich brüllte, davon die ganze Gegend wiederhallte, und ungeachtet der Verbindlichkeit, so er gegen den Fuchs hatte, und desselben Unentbchrlichkeik zur Gründung seiner Monarchie, blendete ihn seine Leidenschaft so sehr, daß er ihm eine seiner Klauen auf den Leib warf, deren Gewicht ihn so schnell zerquetschte, daß er weder Bitte noch Entschuldigung mehr vorbringen konnte- Die« §4 Dieser Unglucksfall brachte den grossen Entwurf zur Universalmonarchie ins Stecken, und war Ursache, daß die menschliche Republik von dieser Seite in Ruhe blieb, anstatt daß sie von dem Aufstande aller Thiere sehr viel zu befürch« tm gehabt hätte, wenn diese einmal wohl ve» einiget gewesen wären. Der TodesfaLdes ersten Ministers hak schon oft in andern Staaten die nämliche Wirkung hervorgebracht. Was den Ld§ wen betrift, dieser bedauerte, sobald sich sein Zorn gelegt hatte, den Tod des armen Fuchlen gar sehr, er verwünschte seine Uebereilung un- zähligemal, und brachte seine übrigen Tage trau» rig und schwermüthig in seiner Höhle zu, wo e§ so unzufriedm lebte, daß er sich öfters gehangen hätte, wenn ihn ein anders Thier mit der Kunst, sich selbst zuhängen, bekannt gemacht hätten MWMMWWW - 1 '7- U 7 7 7 7 K. 7