WiSNS!- 8tM-8ibIioi!,8k, ! 3458^ 777, - -.7-^ , >w 7 777777777, ^' 7 7^ '''--^,--'-' 7''--',7^^»>-/-<'^-^ 7 7 ,,7,77 ,,' ,7'-',77 '".,-'7' ,- 7' 7-'.' ,- 7,,,''',- d7'77^!777'7777^777!7^M7.^77^7'>I7L 77?777^-'7^>.7_'^',7^777')7 7^>7-7'.'^7.'^>7'^'G^7^^^777^.7 '-^^' 7-' 7 7>7 777 !>N.7 7 77 7777 777 ,' 7-77 777W7777M.7'M«M K7 - ' , ! ','777' 7 ASM /-'--7-7-'''''>-,'' 7 7^ -,7- 7!? 7/.-. 77--7- 7,77 77 777>7,v7,-7777-77-77,'"-77,77, ,7-,-' ,-,7--,7-77-7 '- ,7^-- 77"''1 ,777-7-77-7 7-'-77 7---77^ ,,',,, - 7' ,--,-' 7 /'77-7-7-//-- -----^--7 77-- 7 ,7.' 7'- 7- 7 i- 7'-- 7- --,,,,,"-'7,--,-,,-, -,-, ' 7,- 7,77 7.--> .7',,' - 7-.,----- - 7^-'--7i7'7,77-7M7-'7777777777A77,7^ -, 7' 7 7.> //?'/- 7^---^-^.- '----^' --------------------- 7---- 7-----77-- 7 77--77--,L'-77'-^-77777' 7^-7 7 7>77 77^7^/7777/. 7-^/777NM-^7 ^'7 7777^7--777 /777--7, 7-,,.- 7/77777- 777--.---7. 77.77.7-7^77-7M^^ «»«« ^, 7"- ----- 77 ,----- ,7 7/7-7 '- ---'//7/-7-7^77W577?ÄK»A^MHW/WN^-7-EAMH^/L;7/-Li7W'M/- -'...- />/'.? 7/'.-, '- Brille auf die Nas E.; d e z ienerischen ZusHaueM^A ^^ ,A 'V- a m in Hinkunft richtiger sehen zu können, bevor er sich über Gegenstände z« m Richter auswirft, von welchen er nicht die mindeste Einsicht hat, wie er in seinem dritten Heft von dem sonderbaren Kommerzsystem sonnenklar zeiget. Geschenkt zum Markte von einem Wienerische» Seifensieders Sohn, welcher aber weder Seifensieder, noch zehrt Kreuzer Autor, noch Lagschreiber ist. Wien, im Winter monate r 7 8 s-. Erinnerung «n d'« s Puh/lLkum. ^ Ery hätte meiner.'.lsage nach niemaU geglschet, daß e-E Geburt meiner Feder gedruck(mtteridas.Aage eines tzerehruygs.oürdigeu Publikums komme» solle. Allein j der Wienerische Zuschauer hat mir zu diesem Schritt durch der in seinem vorherig kleineren Orte eben ein Bemitteltes Mitglied des Staates hätte seyn können. Ich. Da haben Sie in der lLhak keine unebene Anmerkungen gemacht, und ich glaube, wenn man ihre Gedanken weitschichtiger auseinandersetzte, und mir Thatsachen prüfen wollte, so würde man diele und gemeinnützige Thatsachen auffinden können. 2Z Mein Freund. Meine vielen Geschäften lassen mir nicht zu, fo etwas zu unternehmen, aber solche Stoffe sollen unsere Herrn Skribenten, aber mit Grunde, Wahrheit ohne Anzüglichkeit behandeln, und wenn sich etwelche die Mühe gäben, über verschiedene Gegenstände davor und dawider ihre Meynungen bündig zu behandeln, und auseinander zu.setzm, würden ihre Gedanken manchem Mann am Brette einen Stoff zum Weiterdenken und Prüfen geben, und manche trefflich nützliche Verordnung veranlassen können. Ich. Sie glauben also im vollsten Ernste, der Zuschauer irre sich, daß jedes Produkt darum, weil es Landesprodukte ist, auch im yauzen Lande vhne aller Einschränkung verkauft werden solle. Mein Freund. Das glaube ich nicht, sondern ich bin dessen überzeugt. Dann die Profeffionisten in grossen Städten konnten ja mit denen Profeffionisten in kleinen Städteln oder vom Lande in der Konkurrenz niemal bestehen. In Wien j« B. kostet den Profeffionisten schon sein blos-- blosses Gerverb oder die trokne Gerechtigkeit mehrere tausend Gulden; alle Ur- sroffe der Fabrikanten sind theurer; den Drveitsleuten muß grösserer Lohn bezahlet werden; ihre Kost kömmt nochmal so hoch als auf dem Lande, setzen Sie die Zinse, Holz, Kleidung und alle übrige Erfordernisse dazu, so wird Ihnen kein Zweifel mehr-übrig bleiben. Ich. Sie scheinen mir hierinnen vollkommen Recht zu haben- und es würde nicht nur unbillig, sondern ungerecht und wider alle Klugheit seyn, wenn wegen einen oder andern guten Fabrikanten auf dem Lande, alle Fabrikanten N die Stadt geschaft werden dürften; es wurde der für das Publikum so geringe und meist bloß anscheinende Vortheil durch die hiedurch auf der andern Seite entstehende weit grössere und gewisse üble Folge sicher ausgewogen-, und am Ende mehr Uibles als Gutes gestiftet werden. Mein Freund. Sie sind also schon Überzeugt, daß der Hr. Zuschauer in diesen wenigen Zeilen schon grosse Schnitzer He- Begängtn habe. Setzen Sie nur noch hinzu, was für eine alberne Rede er seinen Hauspatron in den Mund lege: ^,Sie seynd ein Landesprodukt, aber eben Heßwegen ist ihre Einfuhr in die Hauptstadt bey 20 Thaler Straffe verbocken. Ich- Die Ursache ist freylich sehr unschicklich angebracht; und Hr. Zuschauer muß uns hierüber erlauben zu lachen, weil er selbst sagt: er habe hierüber aus »ollem Halse lachen müssen, und geglaubt, sin Hauspatron wäre nicht recht bey Sinnen, Meru Freund. Za freylich scheint es, der müsse nicht recht bey Sinnen seyn, welcher auf solche Art redet; aber wie viel Sinn muß der noch haben- der ein solch Zeig noch drucken läßt, ist dann hiedurch nicht eine vereheliche obrigkeitliche Verordnung beschimpfet? Dann l wer hak dann das Verbot gemacht; die Obrigkeit oder die wienerischen Seifensieder? und einer hohen Landesregierung solche Verordnungen aus solchen Gründen zu- mucheu, heißt tn her That selbe beleidigen. Ich. -L Ich. Das wird jeder Dernänftigden- kende dafür halten. Es wäre immer besser, daß solche Leute ihr Brod mit anderer ehrlicher Landarbeit, als mir lolchcr Rspfarbeit zu verdienen suchte. Mein Freund. Das ist deme, dann der Hr. Autor hat mit dieser Insolenz noch nicht genug, er muß ansehnlichen Landesstellm noch andere abderite Grundsätze andichten, da lesen Sie nur weiter. Ich. Lachen Sie immer, sagte er, aber Sie können es selbst versuchen, wenn Sie 20 Thaler zu verlieren haben. Aber um des Himmels Willen fiel ich ein, lagen Sie mir nm, aus welchem Grunde ihre Einfuhr verbokken ist? ich weis keinen andern, erwiederte er, als weil Sie zu§ut sind. Mein Freund. Nu! wäre dieser angedichtete Grund nicht wieder ein Beweggrund eines Verbots, der in Addern gelten könnte. Ich. Das muß ich bekennen, das ist unverschämt. Ich bin doch begierig, was rr noch weiter schreibe.„Das wäre aber gerade das Mittel, den Mann zu zwingen, daß er Sie schlechter machte, sagte ich. Das mag vielleicht der Wunsch der Seiftngiesser in Wien seyn, sagte mein Hauspatron. Denn diese haben das Verbot der Einfuhr bewirkt, weil ihnen unser Seiftngiesser ihrem Vorgeben nach so grossen Eintrag macht. Mein Freund. Wieder gut raison- Nirt. Dürfte dann der Berchtoldsstorffer Seifensieder seine Kerzen hereinbringen, wenn sie schlechtes wärm? warum sollen dann die hiesigen Seifensieder wünschen, daß der Berchtoksstorffer schlechte Kerzen mache; da er keine, also weder gute noch schlechte hereinbringen darf. Gieffek dann der Berchtoldsstorffer Seifensieder allein gute Kerzen im ganzen Lande? Und was wurde den gcsammten wienerischen Seifensiedern dann der einzige Berchkolds- storffcr Seifensieder für einen so gewaltigen Eintrag machen, daß Sie darum ein Verbot ansuchen, und die Obrigkeit ihr Gesuch erhören sollte? Ich. R8 Ich. Freund! Sie überhäuffen mich mit Fragen. Ich will Ihnen also kurz auf diese antworten, fonsten fürchte ich. noch ein halb Dutzend. Mein Fr-r-nö. Wer solle dann bey solchen Stellen nicht viele Fragen auf- werffcn, wenn man nur ein wenig überdenkt was Mir liest? Ich. Nuso erlauben Bte mir nur auf diese zu antworten. Aus die erste weis jedes, daß er weder gute noch schlechte hereinbringen dürfe; auf die zweyte muß ich gestehen, daß der Herr Zuschauer den Wiener Eetfcnstedern diesen Wunsch ohne allem Grunde angedichtet, und daß er sich hiedurch theils lächerlich, theils verächtlich mache. Das Erste, weil er einen solchen Wunsch hie- her so schicklich als die Faust auf das Aug anbringet. Das Zweyte, weil er hiedurch ein übles Herz verräth, da er e- rlSchen unbescholtenen Leuten einen so unsinnigen als unnützen Wunsch andichten will. Auf ihre dritte Frage glaube ich., ftye das ganze Publikum überzeugt, daß baß der von dem Hrn. Zuschauer so an- gerühmke Brrchtöldsstorffer Seiftnsicdi-r kein Mirakelmacher in seiner Profession sey, sondern wohl bis meisten, wo nicht alle Seifensieder eben so gute Waare ma- chen, wenn sie dazu in den gehörigen Umständen sind. Auf ihre vierte Frage muß ich bekennen, daß der einzige Derch- toldstorffrr den Wienern gewiß keinen so grossen Schaden machen würde, daß aber Las Verbot auch nicht den Berchtoldstor- fer allein, sondern überhaupt das ganze Land betreffe, und feine guten Ursachen habe« Mein Zreunö: Sie sagen, alle Seifensieder können gleich gute Waare machen, wenn sie dazu in den gehörigen gleichen Umständen seyn; und das Verbot sey allgemein und habe seine guten Ursachen. Hierüber bitte ich mir nur nähere Erläuterung aus, dann Sie wissen, kch^ bin ein Liebhaber immer mehr und mehr Wahrheiten zu hören, und auch in nähere Kenntnisse von bürgerlichen Verhältnissen zu kommen, welche mich in gewissem Betrachte selbst betreffen. Ich. zo Ich. Sle haben Recht! ich wünschte, daß alle Menschen eben so dächten, und der Wahrheit und den einzelnen Verhältnissen mehr nachspürten. Dadurch wurden hundert Vorurtheile verschwinden, welche unsere jetzige sogenannte Aufklärer befördern. Sie können nicht ein Vorurteil bestreiten, ich will nicht sagen austilgen, werzn Sie nicht andere zwey entgegengesetzte Dorurthcile dafür einpflanzen. Wollen Sie zeigen, die Geistlichkeit sey vor 700 Jahren in manchen zu weit gegangen, so sagrn Sie, die weltliche Macht habe allein das Recht auch in Re- ligionssachen zu verordnen, was ihr beliebe. Wollen Sie zeigen, zu grosse Macht und Reichthum bey einzelnen Majoraten könne einem Staate wo nicht gefährlich, doch wenigstens nachteilig werden, ss sagen Sie davor, Majorate seyen Ungerechtigkeit, und so zu sagen, Diebstähle, an denen appanagirten Adelichen. Wollen Sie zeigen, manche einzelne Glieder gewisser Stände leben nicht wie sie sollen, so nehmen Sie nicht die Fehler der einzelnen her; sondern Sie satirischen einzelne Glieder, oder fallen mit der Thür gar in das Zimmer, und dringen den Z! Fehler des einzelnen Gliedes dem ganzen Stande auf. So wird Wahrheit freylich nicht aufgeheitert, noch Vorurtheile vermindert. Mein Freund. Ja das ist im Allgemeinen wahr, ich habe aber geglaubt^ Sie würde» mir auf meine letzten zwey Bemerkungen eine Auflösung mittheilen.. Ich. Die sollen Sie am Ende haben, jetzt wollen wir in unser» Zuschauer weiter lesen, und das Kapitel kürz durchgeh», dann wollten wir uns über rede Ungereimtheit so wettschichtig unterreden, so würden wir bis um die Mitternacht beysammer bleiben müssen. Mein Freund. Nu! also lesen Sie zu, und ich will mich so viel als möglich inhalten, keine Bemerkungen zu' machen, damit wir hernach in einer Uiberstcht von der Sache reden können. So lesen Sie also weiter. Ich. Sie können alsr diese guten Kerzen in Wien nicht machen? versetzte ich. Sie können wohl, war seine Antwort, wenn Wenn sie sich so viele Mühe wie der mf- rige geben wollen. Sie wisse« aber, daß das Publikum ihre elenden Kerzen kauf- fen muß/ und würden also nicht klug handeln, wenn sie bessere verfertigten. Mein Zreund. Ich mß Ihnen schon wieder einfallen. Aber keine Frage, über welche ich Antwort federe. Drr Zeit, müßte also unter 49 Seifensiedern eine Verständniß seyn, geflissentlich das Publikum mit schlechter Waare zu hintergehen; so was kann keinem vernünftigen Menschen einfallen. Wenn ei» Seifensieder oder Verleger in Wien wäre, so könnte man, wenn man ein wenig schmäh- sichtig ist, sich wohl einen solchen Gedans ken beygehen lassen, da ihrer aber s» Viele sind, wer kann auf ein Etnver- ständniß deraisoniren? Muß nicht vielmehr jeder trachten, durch Vorzüglichteft seiner Waare sich Kundschaften zu erwerben und zu erhalten? Seynd sie alle verwandt? oder haben sie alle einen gemeinschaftlichen Säckel? Wenn heut der Berch- toldstorffer, morgen der Klosierneuburger, übermorgen der Mödliuger, und über H Lag der Gumpolvskftchner(wenn ein Seifensieder änderst in diesen Oerkern ist) herein liefern därfen, was werden dann diese Mr eine Veränderung an Preis und Güfe der Waare zum Nutzen des Publikums machen? Gewiß nicht den mindesten; sie werden auf ihren Vortheil sehen, den jetzigen dir Nahrung schmälern, und in Kurzem auch wiedrr einheimisch seyn; und so würden wir um vier oder fünf Sei- fensieder mehr aber in Güte/ und Preis um keinen Heller Unterscheid finden. Ich. Das ist richtig; man'8nnttz drescs vielleicht mit zehn Beyspielen praktisch erweisen. Aber lassen Sie mich doch weiter lesen. Mein Zreunö. So lesen Sie. Ich.„Aber sagen Sie mir, ob ihr braver Seiftngiesser durch solche Schikanen den Muth nicht verliere?" ..^.^ln Zreuub. Wieder gut.' kandes- fmstltche Verfügungen sind bey dem Herrn Zuschauer also Schikanen. . könnte man aber wirklich lan- »tSrulstlichr Nerordnungev mit dem ent- L eh« ehrenden Namen einer Schikane beleg«,, so brauchte der Hr.Perchtoldstorfer doch hie- Lurch nicht den Muth zu verlieren, dann ihm Ist ja ohne auf Wien fahren zu dürfen schon ein solcher Distrikt ausgemeffm, daß er tzlevon als ein ehrlicher Kann leben kann- Mein Freund. Belieben Sie also weiter zu lesen. Ich. Er würde ihn'vielleicht verlieren, aber zum Glücke werden seine Kerzen auf viele Meilen weit herum im Lande gehöret. Mein Freund. Darfcr dann indem Bezirke eines andern Landmeisiers verkaufen? Ich. Zu meines Vaters Zeiten wenigstens öffentlich nicht; n>Le es jetzt seye, weiß ich nicht, solche Sachen verändern sich ja alle Tage, heimlich aber wurden die Gchwffrzereyen von einem Bezirk in den andern immer getrieben, wie wir vorher von den nachbarlichen Brünnen erinnert haben. Mein Freund. Wollen wir weiter gehen? Ich. Ich. Auf alle Weise:„Was? Ort sagte ich. Er darf feine guten Kerzen im Lande verkaufen? Giebt es denn da keine Seiftngiesscr? Natürlich giebt es sie. Und Macht er dann diesen keinen Eintrag? Q ja! sagte er, wenigstens jenen, die nicht so schöne Kerzen machen, wie er. Nein? versetzte ich, daß ist über meinen Horizont weg! Den armen Landseifensiedcrn darf dieser steWge Mann Eintrag thun, und denen reichen Stadtseifenfiedern nicht." Mein Freund. Da hätte ich schon wieder etwelche Fragen zu stellen. Ich. Lassen Sie diese, und mahnen Sie mich am Ende wegen der Distrikte rmd Fleischhacker, und ob die Seifensieder auf dem Lande nicht reicher seyn können, als die in der Stadt Wien, und auf die theuren Gewerber. Mein Freund. Mit Freuden will ich Sie mahnen; dann ich hoffe da wieder Kenntnisse zu erlangen, welche ich bisher Erhalte, K s Ich. ZK Ich. Sö hören Sir Weiter den Zus schauer«„Ick Habe mir selbst schon den Aopf darüber zerbrochen, fügte mein Hanspatrs».„ Ich. Beym Plunder! das glaub ich Nicht, der Kopf kann nie ganz gewesen seyn. Ich. Es unterbrechen Sie mich doch Nicht immer-, wir kommen ja sonst«ichk mr Las Ende. Da sehe ich also welter^„Ich Wollte es noch verzeihen, fuhr ich fort, , wenn man diese Kerzen ,uit einem etwas höheren Zoll bekßte, gute Waare zahlt Man geme etwas theurer. Aber sie unter keinem was immer für einen Zoll M erlauben, das heißt strenger gegen die inländischen Produkte handeln, als gegen ausländische, deren Einfuhr mir zu einer gewissen Abgabe frey siehet?" Mein Freund. Nu! wieder neben die Scheibe geschossen. Das Wunderprodukt von Perchtoldstorf ist, und bleibet ja im Lande. Die Stadt Wien ist ja nicht das ganze Land; und wichtigere Ursachen, als der Herr Zuschauer einsieht, machen das allgemeine Verbot wenigstens der Feit nöthig. Freund! beliebt weiter zu lesen. Ich.„Das ist freylich sonderbar versetzte er, allein, ich verstehe nichts vom Kommerze. Ich auch nicht, sagte ich. Mein Freund. Ey zum Plunder, ss hätte er das Maul halten sollen. Bestehet der Schwerack, daß er nichts vom Ksm- merz verstehe, läßt seinen Hanspatron, dem man den Perchtoldstorfer Hauer ohnehin aus der Sprache abkennen kann, ebenfalls.gestehen, daß er nichts vom Rom' merz verstehe, und nicht genug, baß sie dem lieben Gott die Zeit mit Leutausrich- ten wie dir Trödelweiber, und mit Dtskuri- rm von einer Sache, die sie beyde nicht verstehen, abstehlen, gehet der Mensch noch her, Md läßt diestInsolenzien gar niederdrücken. Ich. Sie sind, so viel ich sehe, gar aufgebracht! ich finde so viele Ursache nicht. Wenn der Zuschauer auch mit seinem Hauer wie zween Blinde von der Farbe geschwä- tzek haben, so gefällt mir doch sein aufrichtiges Geständniß, andere Skribler schreiben eben nichts besseres, und haben nicht einst« tt mal so viel Aufrichtigkeit ihre Unwiffech« zu gestehe» Mein Freund. Nu ss recht? halten Sie dieses einmal für Aufrichtigkeit. Wie der Mann dieses geschrieben hat- so hat er Las- was er schrieb, so wenig gewußt, als er redend mit seinem Hauspatton wußte, von was er redete. Ich- Wollen Sie weiter höre»? -„Aber so vieles weiß ich, daß Männer, die gute Fabrikate liefern, alle Aufmunterung verdienen, und auf keine Weise in ihrem Handel gehemmet werden solle»; und daß «s etwas unbillig gehandelt ftye, wenn man das Publikum zwingen will, sich bey elenden Kerzen die Augen zu verderben, während es gute Kerzen im Lande haben könnte. Das solle mir in Zuschauer hinein. Mein Freund. Wieder eine schöne Impertinenz für unsere LandesMe. Dieser muthet der selbst geständigeÄvmmerzaligno- rant zu; Es werden Männer, welche gute Fabrikate liefern, nicht aufgemuntert, und im Handel gehemmet, warum? weil der Seifensieder von Perchkoldstorf seine Quinkes- senz guter Kerzen nicht auf Wien führen darf, da wir hier ohnehin eben so gute Kerzen, und so viele Seifensieder haben, daß fast einer den andern aufzehren muß. Der Herr Autor schmälet über die hiesigen Kerzen gewaltig, und lobet diePerchtoldstör- fer biS in Himmel, hiedurch wird mir der Herr immer verdächtiger. Die hiesigen elenden Kerzen glaube ich werden ihm die Augen nicht so stark verdorben haben l(das Publikum, was erdießfalls beseufzet, habe ich sogar stark noch nicht klagen gehört, und einzelnen Sonderlingen kann der liebe Gott im Himmel nicht alles gut machen) daß er also jammern muß. Wenn er aber etwa hier in einem ausgeschalten ftchsten Stock Zimmer!, bey einem rauchenden eisernen Oefcrl, mit Beyhülf eines Lichtstümpels, oder Dreyßgerlkerze eine ganze Nacht durch schreibet, da mögen ihm freylich die Augen nickt wohl thun, und wenn «r also in Perchtoldstorf bey einem vermög- lichen Weinhändler etwa ein paar gegossene Kerzen hak brennen gesehen, und vielleicht noch darüber eine Perchtoldstorfer Illumination im Kopf gehabt hak, möge» zhm freylich die daselbstigen Kerzen besser ss gefallen haben. Wollen Sie jetzt gar aus» lesen? Ich.„Dassslle mir in den Zuschauer hinein. Es wird nicht viel nutzen, sagte mir mein Genius ins Ohr. Wer weiß, dachte ich; gieng aus mein Zimmer, und schrieb von Wort zu Wort die Unterredung mit meinem Hauspatron nieder?'- Mein Freund. Daß dieß Geschreibe nichts nutzen werde, brauchte kein guter, oder^ böser Genius dem Herrn Autor in das Ohr zu raunen; allein, obwohl ihm der Himmel doch noch diese Ettnncrnng in das Ohr sagen liesse, so mußte es halt dock geschrieben seyn; da siehe man, was Autorwuth seye. Daß der Herr gerade auf sein Zimmer oder Kammer gegangen, und seine, Unterredung von Wort zu Wort Aedergefchriebm hab-, hätte er uns auch nicht zu sagen gebraucht, dann daß er über die Unterredung nur Ane Sekunde gedacht Habe, hätte ohnehin Niemand geglaubet. Ich. Lassen wir nun den Zuschauer, und wiederholen Sie mir lieber, was wir uns vorher angemerket haben. Mein Mein Freund. Oh, ich hätte Ihnen hiess Auskünften ohnehin nicht gefthenket; weil ich weiß, daß ich von Ihnen die ächtesten bekommen kann. Ich. Die sollen Sie so ächt bekommen, daß, wenn Sie hier Richter wären, und jeden Umstand alsogletch untersuchen lassen könnten, Sie keine unrichtige Sylbe sinken würden. Mein Freund. Ich werde Ihnen also meine Anmerkungen der Ordnung nach sagen. Erstens: alle Seifensieder könn» ken gleiche gute Waare machen, wenn sie in gleichen Umstanden wären. Zweyten» r Das Verbot auswärtige Kerzen nach Wien zu bringen sey allgemein, und habe ferne gute« Ursachen. Drittens: Die Anmerkung wegen der Distrikte und Fleischhauer. Viertens: Ob die Seifen ßedcr auf dem Lande nicht reicher seyn können, als die in der StadtWien, Fünftens: Die Auskunft wegen der theuer,: Gewerben. Ich. Ganz gut! Was also das EM belanget, so werden Sie leicht sinschW,, «L daß alle Seifensieder überhaupt genommen besonders unsere Wiener gleich gute Waar ren machen konnten/ dann, was die Wissenschaft dettifft, muß einer die Profession erlernt haben, wie der andere. Ja! wenn man die Proftssionskunde betrachtet, so müssen die Wiener noch geschickter seyn, da sie nebst einer besseren Erziehung, und Aufklärung^ welche immer den Gtof zu Erfindungen, und Verfeinerung aller Professionen giebt, noch eine Wettetferung haben, in der sich Landmetster nur selten, ?a kaum jemals befinden. Hier sind dermalen wirklich g; bürgerliche Seifensieder, da vorher nur az waren; nebst dem sind noch 14 privilegirte Kerzrngirffer, schon diese große Anzahl treibt jeden an: nach Möglichkeit eine gute und ächte Waare zu erzeugen. Weiters sind hier so viele Herrschaften, Räthe, Beamte, karakteristrte Leute, welche theils selbst, theils für ihre Domestiken Jnschltchtlichter, und Seifen brauchen. Nun ist einerseits die Delikatesse der Wiener bekannt, andererseits weiß der Seifensieder nicht, ob seine Waare nicht gerade zu einem solche» Manne komme, welcher direkte, oder indirekte auf sie Auf» ficht zu tragen hat- Endlich sind sehr vkle hiesige figr bürgerliche SeiftusieLer, welche die P Welt weiter als bloß nur in Oesterreich ^eschen haben, folglich sich viele Kennt» Nisse erwerben konnte», da auf dem Lande meistens Meister Hanns sich in den weiten Armsessel feines Vaters Meisters Michel setzet, und in der Wiege schon von Lehrjahren freygesprochen ist. Allein, in andern Umstanden sind unsere hiesige Seifensieder mit denen Landmeistern in ungleicher Lage. Mein Freund. Und in was bestünde dann dies«? Ich- Wenn Sie die Sache gründlich wissen wollen, muß Ihnen nicht beschwerlich fallen, wenn ich Ihnen die ächte Auskunft ein wenig weiter herhole. Mein Freund- Das ist mir ein Vergnügen, dann wenn man etwas recht beurtheilen will, muß man oft die Grundursachen in der Ferne aufsuchen, in welcher sie dem Auge des schnellen Urchei- lers ganz verborgen bleiben, und er also Nie fähig ist, ein wahres Urtheil zu fällen^ Ich. A 7-s 44 O-WO Ich. Sie wissen, baß von Kerze« md Seifen der Hauptbestandtheil das Rindr »«schlicht seye. Dieses nun kann hex LsnöflsischhaSex e-iel besser schon dem -Landseifensieöer liefern, der Wienerfti- fensteder aber kann nie ein so gutes Jnsch» licht bekommen. Der Landßeischhückrr schlägt die Woche zwey, drey, höchstens vier Ochlen Diese schlägt der Meister meistens selbst, oder sir werden doch in seiner Gegenwart geschlagen- Der läßt da- Jnschlicht«uf das sorgfältigste aufläsen/ vtz« Blut und aLeur Unrsth-c säubern, auf einen lästigen Ort henken, vollkommen austrocknen, und hat er dann eine grössere Partie beysammen, so liefert er selche sei-> »em Seifensieder ab. Mein Freund. Und geschiehet dünn - dieses in Wien nicht auch? Ich Es geschiehet nicht, und kann sucht wohl geschehen. Dann hier werden bey einem FierfthhackcrLie Woche sechzehn, «chkzehn, auch zwanzig Ochse» geschlagen; M Meister muß in Hangar«, aufbem Gmes, in der Bank nachsehest, mittlerweil schlagen Knechte das Vieh, und Zungen WÜs- O—»-O q; Müssen helft»; da wird das Anschlicht mit Blut und Unrath herausgerissen, und von etwelche» Ochsen übereinander geworfen; auf Säubern, oder Abtrocknen des Unsch- iichkS denket kaum eine Seele, sondern sie haben andere Arbeit die Hände voll. Gs lieget manchmal das»»gesäuberte Unsch- licht von oreyffig bis vierzig Ochsen übereinander, wird von Verderbniß und Häutung zum grossen Theile' angegriffen; so dringen es manchmal zehn Fleischhacker auf einmahl in die Unschlichtschmelze. Mein Freund» Da ist sich hernach nicht zu wundern, daß das Anschlicht nicht so schsn wird. Ich. Ja, wenn dieses nur allein wäret aber der Unterscheid gehet noch weiter. Bringet derLandfieifchhacker demLandftis fensieder sein Untchlicht, so bestehet solches in etwelche« Centner. Der Seifensieder kann es also untersuchen, das etwa ver-> mischte Schweinunschiicht auf die Seite thun/ das Unschlicht selbst in verschiedene Gattungen fortiren; das mindere zur Seife(dann die wird von minderen besser) richten, und dir schönste Gattung zu Ker» 46' Kerzen verwenden. Hier hingegen koMÄig in die Unschlichtschmelz manchmal einige hundert Centner auf einmal zusammen Wer solle da aussuchen und verschiedene Gattungen verschiedentlich schmelzen? Es wird also alles zufammengefchm-izet, wie es untereinander kommt; der Seifensieder muß es also abnehmen, und natürlich die Waare verarbeiten/ wir er sie bekommt. Mein Freund. Kannten denn die Seifensieder nicht etwa durch nochmaliges Um- schmelzen abhelfen? Ich. Eine solche Frage ist erlaubt, aberkenn etwa«irrer so urtheilen wollte ohne zu fragen, das wäre zuschauerksch. Es ist einerseits nicht mehr thunlich, so wenig als man Wein und Wasser ausem-- ander sondern kann, wenn sie einmal vermischet find. Wenn es aber wirklich absolute möglich wäre, so denken Sie den Zeit- «nd Holzverlust, und es würde Ihnen gewiß der Lust zu einem solchen Projekt vergehen- Mein Freund. Nu? die Ungleichheit der Umstände zwischen Land- und Wienrr- ftt- seiftnsiedertt in Betreff des Hauptfioffes wäre mir nun ganz aufgeheitert. 3ch. Ja? in Ansehung des Hauptstoßes haben Sie recht, aber auch von Kerzentachten muß ich Ihnen noch etwas beyrückm. Die Landsetfenstrder können ihre Lachte selbst spinnen lassen, hier ist hiezu keine Gelegenheit, sie müssen also ge- kaufet werden, wie man sie bekömmt; dann hier bey einem so gewaltigen Kon- summo sind überhaupt die Verkäufer stolz, besonders mit denen nothwendigen Artikeln. Will man bey baarrr kguter Bezahlung ein wenig kritisch um die Waare sehen, so bekömmt man zur Antwort: „Wenn dem Herrn die Waare nicht anständig ist, so kauft sie schon jemand anderer." Mein Zreunö. Meiner Ehre? man kann kaum glauben, daß oft in solchen Kleinigkeiten die Ursachen von Mängeln stecken, Über welche oft grosser Lärmen geschlagen wird. Ich. Ja, das ist die Ursache, weil meist die größten Schreyer von der Sache über über welch« sie schreyen, nicht die mindr- ste Einsicht haben. Mein Zreund. Wollen Sie also die Güte haben mir die zweyte Anmerkung, die wir uns machten, eben so aufzuheitern? Ich. Auf alle Weift. Das Verbot also«uswHrtige auch im Land erzeugte Kerzen nach Wien zu bringen, ist allgemein, und betrifft nicht den PerchtottfiotftrSeir sensieder allein, dessen Waare der Herr Zu§ tchauer so anpreiset, und dabey nicht zu wissen scheinet, daß es nicht seinen Favoriten sondern alle betrifft. Die Strafe aber von der Einfuhr ist nicht zwanzig Thaler von Pfund, wie dem Herrn Zuschauer anzugeben beliebt, sondern ein Gulden HreyssiK Lreuzer.^ Mein Zreunö. Nu guter Himmel! so hat sich der Mensch nicht einmal um diesen kleinen Umstand erkundiget! Den muß seine Hirngeburt gedrungen Habens Ich» Dieses Verbot hak aber auch feine gute Ursachen, wobey ich Sie aber Wirker wie bey der ersteren Auskunft um K-. Geduld bitten muß, dann ich muß die Ga^ che wieder ein wenig weirschichriger behandeln. Nein Freund. Tanz wohl, wenn ich nur wieder etwelche wahre Einsichten des kommen Ich. Die sollen Sie l Ich habe Ihs nen vorher gezeiget, daß sich die Landseifensieder, und Wienerstifensieder schon ich Ansehung des zu ihren Fabrikaten nöthig gen Urstoffcs in so nngletcher Lage befinden, dieses sehen die Stellen wohl ein, würden also die Landfabrtkaten herein gelassen, so müßten alle Wiener Fabrikats in Abschlag kommen» Mem Freund. So sehen sie also selbst ein, daß die Landfabrikate besser seyn müssen, als die in der Stadt. Ach» Das müssen folget so eben nicht, sondern nur, das ist gewiß, baß, wen» hie Landseifensieder den Fleiß überhaupt anwenden wollten, den flr, wie ich Ihnen vorher gemeldet, anwenden könnten, A« hiesigen Seifensieder aber Zar nicht kckn-- D yen, 5« Ä--E-G nen, weil sie das Unschlicht schon geschmolzen bekomme», dieLandmetster besser Unsch- licht, und also bessere Fabrikate haben könnten; da also unsere Stadtmeister gebunden sind ihren Urstof von der öffentlichen Unschlichtschmel; abzunehmen, ss muß der Staat auch andererseits auf sie die Rücksicht haben, und andere Fabrikate Nicht herein, lassen.! Mein Freund. Nu l ss solle man halr die hiesigen Seifensieder nicht an das Unsch- lichtamt binden, sondern ihnen ihr Unsch- licht auf dem Lande kaufen lassen. Ich. Hätten Sie Hier lieber gefragt, «ls geurtheilt, so hätten Sie nicht gefehlt* Mein Freund. Nu l in was ist denn zrfthlt/ ich hätte geglaubt, die Sache liege ganz sonnenklar auf. Ich. In verschiedenen haben Sie gefehlt; erstens: wenn die Wiener Seifensieder überhaupt auf das Land gehen sollten Ihr Unschlicht zu kaufen, wo nehmen dann hernach die Landftifensieder ihr Unschlichx her? Land- und Stadtseifensieder würden in die Konkurrenz bey dem Einkauf kom« mm, Men, und natürlich das Landunschlichk auch vertheuren; die hin und her Fahrten auch die Waaren nicht wohlfeiler machen hieraus sehen Sie, daß aus ganz guten Ursachen die Landseiftnsieber an die Land» flcischhackcr angewiesen seyen. Noch mehr aber werden Sie dieses einsehen, wen» Sie zweitens: auch ein Aug auf unsers Wiener Fleischhacker werfen- wo würde» da diese mit ihrem vielen Unschltcht hin? Sie können in der Konkurrenz mit der» Landfletschhackern auch bey dem Unfchliche nicht bestehen; dann, nebst dem, was all« gemein auf alle Stadkproftssionlsten, und Gewerbsleute in Betracht zu kommen verdienet, daß ihre Gewerber, ihre Urstoffe^ ihr und ihrer Leute Unterhält, alle Lebens« «rfoderntsse, Zinse, und überhaupt alle Ar« Akel, die sie wieder von andern Mitbürgern brauchen in einer fo gewaltigen Stadt viel theuer sind, als auf dem Lande, so ist insonderheit bey den Fleischhackern zrr bemerken: daß die Wiener Fleischhacker§M jedes paar Ochsen um 14 fl. Zv kr. mchx Msuth bezahlen Müssen, die von allem Hornvieh entrichtet werden, welches innre den Linien verzehret wird. Kaufet abee D L hex der Landfleischhacker auch auf hiesige» Gries «in paar Ochsen, so bezahlt er diesen hohen Aufschlag nicht. Mein Freund. Ja! da muß man freylich den Stadtfleischhackern wieder etwas ju Gutem thun; aber meiner Ehre auf diese Umstände hätte ich sobald nicht gedacht, obwohl«» ich ein gebohrner Wiener bin. Ich. Das ist leicht möglich; Sie besorgen Ihre Geschäfte fleiffig, und mischen sich in das nicht hinein, was Sie theils nicht angehet, theils nicht änderst machen können; was das Oeffentliche, und die Staatsverwaltung in ihren verschiedenen Zweigen angehet, müssen Männer besorgen, welche alle Verhältnisse gegeneinander wohl wissen, und erwege« können. Bey einem Glas Perchtoldstorfer muß man keine Sticheleyrn auf Lommerzsysteme machen. Mein Freund. Ja, meiner Ehre! aber das muß ich doch bekennen, daß ich wünschet»,»aß Männer von Einsicht mit erfahrnen Burgersmännern jeder Klasse die rlyjelne Umstände ihrer Professionen, und die 5S die genauen Verhältnisse gegeneinander wohl erwegeten, und geprüfte Gedanken freymüthig und bescheiden danicderschrie- den, und im Drucke bekannt machten, daß aber auch die Männer, welche am Brett sitzen, solche gründliche und wohlmeinende Schriften mit Fleiß lesen sollten. Die Schriftsteller würden sich hiedurch Ver- dienst und das Vergnügen verschaffen manches Gute stiften zu können; die Staats- Verwalter und Gehilfen würden merkliche Erleichterung oder wenigstens ächten Stoff zum weiter Denken finden, und hiedurch die wenige Zeit, welche sie auf das Lesen verwenden/ reichlich ersetzet sehen, und das Publikum hätte das Vergnügen entweder ihre Meinungen und Einsichten benutzet zu sehen, ober wo die Befolg- und ihre Er- leichterung nicht möglich ist, doch den Trost zu haben die Ursachen näher kennen zulernen, welche ihre Bürde nöthig machen. Ich. Sie wünscheten also, man solle immer dem Publikum die Bewegursachen aller das Publikum betreffenden Verordnungen vor Augen legen? Wem 54 EG Mein Freund. Und schadet riefte Wunsch jemand? Ich weiß, daß manche Ursachen mancher Verordnungen nicht wohl kund gemarkt werden können. Ich verlange es ab ch nicht, daß die Obrigkeit dieses thun solle, obwohlen in sehe vielen Gesetzen, und Verordnungen die Be- rvegursachcn, auch ausdrücklich ohnehin schon angefGrer werden, weil es rühmlicher ist Menschen durch Beweggründe des Gesetzes zu Erfüllung deffelbM, als bloß Durch Strafen zur blinden Befolgung wie Die Pferde durch Bißkekte und Peitschen zum vorfahren, oder haltmachen zu bestimmen. Meine hauptsächliche Meinung ist nur diese, daß unsere Herren Schriftsteller dieses Geschäft mit Ehre und Nutzen zum grossen Theil auf sich nehmen könnten, und sollten. Ich. Nu? wer weiß, was noch geschiehet; ich bin Ihnen aber noch die weitere Auskunft über unsere zweyte Anmerkung schuldig. Die Landss-ifensieder, und KleischhaEer, wie auch die hiesiZenßleischs Hacker haben wir schon in Betracht gezogen, jetzt müssen wir noch drittens: eist Aug auf den hiesigen Gradrmagistrar^ und «nd Anschlich tschmelz wenden. Weil der Stadtfleischhacker das Unschlicht unmöglich so wohlfeil geben könnte, als der Landfleischhacker, so muß.also auch der Stadt- fieifchhacker des Absatzes seines UnschlichtS versichert verde«. Darum nimmt ihm auch die Kiadtschmslz alles sein Unschlicht ab- dar rr, würden nur die hiesige Seifensieder an die hiesige Fleischhacker angewiesen, ss könnten erstere immer das wohlfeilere Land- unschlicht sehen herein zu bringen, und hie- durch würden einerseits die Skadtfleischha- cker in grosses Verderben gestürzet, andererseits aber zwischen beyden Professionen siäte Gährung, und beyden verderbliche Streitigkeiten entstehen. Beynebens wird von so vielem hier verzehrten Hornvieh weit mehr Unschlicht erhalten, als die hiesige bürgerliche Seifensieder brauchen, weil jeder Arme mit seiner Familie Fleisch doch brauchet, Licht und Seifen aber so viel als möglich, sparet, andere hinwieder so viel Wachs undOel brennen, folglich das Unschlicht nicht konsummiren, was nach Proportion des in ihrenHäusern verzehrten Fleisches auf sie käme. Es würde also allezeit den Fleischhackern eine gewaltige Menge Unschlicht zur äußersten Lust auf dem Hals lie- §6 gen bleiben. Dieses alles wird nun durch die öffentlicheEinschreittung des Stadts- vaths, und Errichtuug der Unschlicht- schmelz vermieden. Der Flcischhacker weiß seinen sicheren Abnehmer, wo er die Bezahlung augenblicklich erhält; Oeler und Zleikchhackcr kommen mit einander in keine Kollision; und der Stadtrath kann die etwaige Einbringung fremden, oder Land* unschltchts leicht verhindern; weil er theils wirksamere Mittel dazuin Händen hat, als die Fleischhacker haben könnten, theils das hier geschmolzene Anschlicht bey etwaigen Visitationen leicht kennet; theils aus dem abgegebenen, und verständigen Unschlicht, und Waare leicht auf das genaue zukommen vermag. Mein Mund. Das öffentliche Iknfchlrchtamt, und dessen Besorgung von dem Stadtrarhe ist also fast nothwendig, Ich. Mir scheinet es wenigstens; dann, den ohnehin überhaupt nicht am besten stehenden Fleischhackern könnte ja diese Last besonders nach der seit unmöglich auf den Hals gefch oben werden. Deg hiesigen Seifensiedern könnte man such nicht aufbürden mehr abzunehmen, als sie brauchen; und welcher andere Privatus wäre im Stand eine so grosse Spekulation auf sich zu nehmen? Die Sache hak allerseits mehr Anstände, als man auf den erste» Anblick glaubet. Mein Freund. Sie sagten kurz vor» her diese Last könnte besonders nach der Zeit den Fleischhackern nicht auf den Hals geschoben werden; in was bestehet dann die dießfäüige Ursache? 3ch. Sie wissen ja, daß vor etwelche» Jahren ein gewaltiger Anstand mit dem Rindvieh wurde, und daß beynahe die Fleischhacker alle über den Haufen gefallen wären. Mein Freund. Ja! dessen weiß ich mich noch zu erinnern. Aber um die nähere Ursachen, und Verhältnisse habe ich mich noch niemal genau erkundiget. DaS weiß lch, daß man damals den Fleifchhacker« sehr üble Absichten zu Last geleget, und fast Grrhaupk sie beschuldiget habe, sie hätten One ohne alle Roch eine erhöhte Fleifchtaxe erzwinge» wollen« Ich. Was eigentlich die Ursache dies fts Fleischrumels gewesen, weis ich nicht, ich wäre damals noch zu jung, und mit meinem Vater habe ich dießfalls nieweit- läuftiger gesprochen, fremden Leuten aber rede ich niegerne nach, weil meistens Par- theylichteit, eingeAengek wird. Allein, die Ursache und ÜmMtze seyen gewesen, wie sie wollen, so glaube ich doch, die Fleisch- Hacker müssen viele wahre Gründe gehabt haben. Dann, anze Zänftm und Innen- gen fangen l och wahrscheinlich ohne alle Ursache nicht so gemeinsame Klagen an. Die Fleischhacker fast im ganzen Lande, welche doch sogst eine der vermöglichsten Leute des gemeinen'Bärg-erstandes warm,, kommen häufig in Zahlungsunvermögenhett: ja unfern Fletschhackern in Wien in das besondere streckte der Hof i60000 fl. oder iKoooo fl. vor. Diese sind Thatsachen, welche man stadtkundig weiß, wer nur ein wenig von dieser Profession Kenntisse hat, und gus diesen Wirkungen läßt sich wohl sch liessen, daß wahre Grundursachen Küssen vorhanden gewesen seyn. Mein Mein Zveunö. So ist Wohl den Flerfchhackern wieder von vielen mehr zur Last gelegct worden, als sie verdienet haben. Ich. Da man also gesehen hak, daß hie hiesigen Fleischhacker besonders Unter" stützung brauchen, so hat man sie auch mit diesem ferners sulaschirei, daß sie ihr Unsch« licht nicht mir an die Schmelz jederzeit als M einen sichern Abnehmer absetzen können, sondern daß sie such ihren Anschlag Mit UnWicht statt haaren entrichten, und endlich an den 160220 fl. ihre Raten nach und nach also bezahlen dürfen, daß ihnen doch immer hon jeder Ablieferung etwas am Gelde heraus gegeben werde. Nein 8reunö. So hat also sogar diefs Hsffchuld wieder Einfluß auf unsere Sei^ fenfieder? Wenn auf diese Art diese Schuld für Las Wiener Publikum ist gemacher worden, um keine höhere FlOsch- tax nothwendig zu machen, so ist es ja auch billig, daß das Publikum bey dem Unsch- licht in ein so unmerkbares Mitleid gezogen werde; ich meines Orts will liebes das Pfund Kerzen um einen halben Kreuzer, als das Pfund Fleisch um einen Kren? Pik 60 OEsU zer theurer bezahlen; dann Kerzen braur che Sch die Woche etwa drey Pfund, aber Fleisch täglich ftchse« Ich- Ja, wer die Verhältnisse also weiß, und billig ist, wird ebenfalls also Lenken. Da also der Stadtrach alles Unsch- licht übernehmen, grossen theils gleich bezahlen, Schmelzperssnale und Unkosten tragen, für den Verschleiß des U-berflus. fts sorgen, uM oft foUsffe Summen durch fange Zeit darauf liegen lassen maß, so folget natürlich, daß wenigstens eic hiesige bürgerliche Seifensieder verhalte r werden müssen alles ihr Unschltch- aus hiesiger Schmelze zu nehmen. Daß ihnen das hie-, fige Uiischlicht daselbst nicht wohlfeil, am Mindesten aber so wohlfeil als airfde n Land gegeben werden könn« ist eben wiederum eine ganz natür.iche Folge. Wenn also die hiesigen Sei-enfieder aller dieser Ursachen wegen einerseits verbunden werden müssen Las hiesige theure Unschlicht, so wie sie es bekommen, nehme» und ve arbeiten zu müssen, wer wird nicht finden, daß also auch andererseits das Verbot nothwendig feye, keine auswärtige Seifensiederproduk- ft herein P bringe», wen» solche auch Lag- S8SSSN» 6 t Landesfabrikate sind, besonders da die hiesige Seiftnfieder Ao. 1774. eine Unschiicht- erhöhung von 14500 fl. noch nachtragen mußten, und erst auf wohlfeilere Zeiten mit ihrer Entschädigung verwiesen find. Mein Freund. Diese wechselseitige Ver-d hältnisse, und Ümstände kommen mir für, wie eine Kette; von dieser kann man kein Glied trennen ohne die ganze Kette zu entzweyen. Ich. Nun will ich Ihnen auch dir dritte Anmerkung erläutern, daß nämlich die Landseifensieder leicht reicher seyn könnten, als unsere hiesige. Mein Freund. Ja! ja! haben recht, das war, glaube ich, unsere dritte Anmerkung; so hat also unser Herr Zuschauer hierin auch wieder sich geirret? Ich. Freylich? das werden Sie aus folgender Gegeneinanderhaltung beyder ihrer Umstände leicht einsehen. Die hiesigen Gewerber kosteten den ältern Seifensiedern vier, sechs, auch achttausend Gulden; in »ein,«« Städtchen oder Märkten kosten sie 6s sie etwa eine sogenannte Ablösung von eis nigen hundert Gulden. Seifensieder müs» sen meist eigene Häuser in Vorstädten haben, weil sie des Geruches wegen ihre Ge- werber in der Stadt oder in fremden Häusern nicht treiben können, diese Häuser müssen wegen Gießkuchen, Kellern, Böden auch geräumig seyn, ein hiesig geräumiges Vorstad/Haus kostet bekanntermaffe» mehr, als zwey auch drey Häuser in Märkten. Nu dieses Kapital lieget den hiesige« Seifensiedern schon meistentheils todt, und der andere kann mit dessen Verkehr, oder Interesse schon wieder neue Kapitalien sammeln« Die hiesigen Seifensieder müssen also auch Gewölber in der Stadt und darauf ihre sogenannte Oelersitzer haben, weil das Publikum nicht in dir Vorstädte laufen, oder auf lange Zeit Vorrath einlegen kann, sondern alle Minute zu jeder Zeit des Tags oder Nachts mit dieser so nothwendigen Waare versehen werden muß. Ein kleines Gewölbe! nebst Sitzerzimmerl muß um hundert fünfzig bis hundert achtzig Gulden Zins bezahlet werden, der Sitzet muß nebstdem auch noch seinen Lohn oder Provision haben; in kleinen Orte» kaun alles zum Oeler in das Haus gehen^ dir die Fragnervon benachbarten noch kleineren Orten verlegen die Oeler Waare um viel geringeren Gewinn, als die Sitzer in der Stadt Wien, und hat dann der Land- meister wirklich einen Laden, so ist der Zins etwa zwanzig, bis fünf und zwanzig Gulden. Das Unschlicht muß der hiesig^ aus der Schmelze nehmen, und den Zentner um 17 Gülden, alt und neuen Aufschlag L fl. 324 kr. bezahlen, Brücken, Manch, Fuhr- und Baklohn und Abgang tragen, und darf die Kerzen um 14z kr., die Seife um r§ kr. feit der Probe von Ao. 1774. geben. Der Landmetster kann es der vb- g esagtenVerhältnisse wegen überhaupt aber, weil alles wohlfeiler ist, um 15 bis 16 Gulden haben, gewinnet noch die Krumen, und die Kerzen um rz, die Seife umn kr. Die Lachte kann er sich eben selbst spinnen lassen, da sie der hiesige wieder von der dritten Hand, also theurer nehmen muß. Der hiesige muß Holz, Asche, und alle andere Erfoderniffe beynahe um ein Drittel höher bezahlen, als der auf dem Lande, welchem oft der Wald, oder Aue vor der Nase stehet. Ietzo nehmen Sie Ge- findlohn, und desselben Verköstung! das Fleisch aller Gatttung, Augemieß, Mehl, Grsd, Brod, Wein, welcher bey st> harter Arbeit unentbehrlich ist, kommet nicht dieser einzelner Bedürfnisse jede um ein Viertel, wo nicht um ein Drittel höher, als auf dem Lande? Mein Freund. In diesem haben Si« wieder so vollkommen( wenigstens meines Ermessens>»rechr als im vorigem Ich. Ial ich glaube'nicht nur al- lein Ihrem Ermessen nach Recht zu haben, sondern wenn es alle Stellen, und das ganze Publikum, die Sache so umständlich betrachten konnte, oder wollte, so müßte mir vom größten bis jmn kleinsten Jeder Recht geben- Besonders, wenn ich Ihnen noch die letzte Betrachtung hiiizuse» tze, auf welche Skk?" und vielleicht viele nicht verfallen würden, und die vielleicht eine aus denen wichtigsten ist. Mein Freund. Was wäre dann das noch für eine? Ich. Stellen Sie sich noch zu allen kurzgesagten Umständen dieses vor. Weil mein seliger Vater noch lebte, das wird etwa etwa ungefehr acht Jahre sey«, waren in ganz Wien drey und zwanzig bürgerliche Seifensieder, seit Kurzen haben zwölf neue dir Meistergerechtigkeit und Gewer- der, und noch vierzehn Partheyen haben Lerzenzieher Privilegien erhalten. Mein Zreund. Freund! hingegen haß sich auch die Volksmenge seit einigen Jahren vermehrst- Ich- Wenn das wirklich wäre, fs fraget sich doch, in welchem Verhältnisse diese Vermehrung gegen die vermehrte Seifensieder- und Kerzenziehergewerbrr sich befinde? Mein Zreund. Ja! da möchte ich freylich mit der Rechnung nicht wohl daraus kommen. Ich will die vierzehn blosse neue Kerzenglessergewerber nur vor eilf Seifensieder annehmen, weil letztere, wie ich sehe, Kerzen ziehen und Seifen fieden; erstere aber nur Kerzen allein gtessen dürfen, rmd ich mir den Kopf mit genauerer Berechnung, die ohnehin mein Fach nicht ist, nicht zerbrechen mag, so hätten wir also eilf, und zwölf neue Seiftnfirderge- E wer- KA Werber- das wäre also gerade drey und zwanzig neue, gegen die drey und zwanzig alte, also gerade das alrerum Tan- tum. Ich. Jetzt nehmen Sie auf der anderen Seite, die seit acht Jahren vermehrte Volksmenge. Mein Freund- Was ich mir habe sagen lassen, so solle bey den ersten See- lenbeschreibungen die Menge zwischen 240000 bis 245000 gewesen seyn, und jetzt solle sie auf 250000 ausschlagen. Das wäre eine Vermehrung von etwa 5000 Menschen. Ich. Das wäre also eine Vermehrung gegen 245000, gerade um den fünfzigsten Tbeil, und die Bewerbet sind nicht um den fünfzigsten, sondern gerade um noch einmal, so biet vermehrt. Mein Freund. Kenn die Volksmenge richtig angesetzet wäre, so könnte kein Buchhalter an dem Produkte einen Mangel machen. Ich- 6? Ich. Ja Freund! setzen Sie aber hie Volksmenge habe sich um 20 bis gotausend Seelen vermehret, so können wir uns doch sicher nicht verstoßen- obwohleii noch eine Frage ist, ob sie sich vermehrt, oder vermindert habe, wovon mir das Letztere wahrscheinlicher ist, weil viele Leute sich von Wien vor Kurzem begeben haben, wovon uns aber das Populationsbuch die Aufheiterung geben könnte, so habe ich hoch noch eine wichtige Erinnerung, Mein Freund. Diese bin ich rechk begierig zu Hören- Ich. Roch schiene mir zu untersuchen, in was für Röpfen dann M Vermehrung bestehe. Sind es neugebohrne Kinder, Dienstleute, oder ärmere Partheyen, so ist in Ansehung der Seifenste- derprofeffion gar keine, oder die äußerst unmerkliche Vermehrung geschehen. Dann, Kinder, und Dienst euke machen keine neue Familie, und das arme Volk überhaupt brauchet nicht viele Kerzen, und Seifen, sie legen sich um acht oder neun Ilhr nieder, und gehen mit dem Tag wieder an die Arbeit, im Winter brauchen fie alss E s wk- Z8 wenig, und im Sommer fast gar kein Licht, IhreWäsche tragen sie acht bis vierzehn Täge, also auch nicht viele Seifen. Und wenn wirklich einige neu feynsollende Bewohner Wiens etwas neues von Seifensiederwaare brauchen, so darf man g ewiß auch andererseits dieses in Abrechnung bringen, daß die vorhin bestandene Bewohner wegen allgemein theureren Zeiten, und also auch hiedurch schon geschmälerten Auskommen viele, wo nicht die meiste auch an Lichtern sparen, und sich mit ein oder zwey Lichtern für sich und und ihre Familie behelfen, bey denen sonsten die Dienstboten ss viele hatten. Mein Freund. Möchte in der That auch keine üble Anmerkung seyn, hierüber könnte wohl das Unschlichtamr die beste Auskunft einem sagen können, dann bas muß doch am genauesten wissen, ob sich ihr Absatz für das wienerische Lon- summo, und allenfalls wie viel er sich vermehret habe. Ich- Man könnte, wenn man absolute wollte das genaueste Verhältniß erfahren; allein, mich gehet die Sache nichts 6, Nichts an, ich wollte Jhnm nur zeigen, daß die Landseifensieder leicht reicher seyn könnten, als die Wienerische», und das, glaube ich, ftye genug gezeiget.^, Mein Freund. Es giebt aber doch hier reiche Seifensieder. Ich- So gut! so solle also gar keiner etwas haben? Zahlen Sie mir ein- mal die reichen, dann der gerade so viel hat, daß er allenfalls zu seinem Gewerb und Verlag kein fremdes Geld brauchet, hen heisst ich nicht reich; aus diesen ver- möglicheren aber fragen Sie, ob sie ihr Geld von der Seiftnsiederey ersparet haben? Wenn einer etwa schon Geld von seinen Voraltern hatte; eine reiche par- «hie bekam, eins zufällige Erbschaft machte; und noch dabey mit genauester Haushaltung einen nnermüdeten Fleiß verband, sein Geld in andere Spe^ubatione^ zu verwenden, undhiedurch sein Vermögen zu vermehrn; so ist ja eine solche Schwalbe keine Anzeige des Sommers für die Wiener Seifensieder als Wiener Seifensieder. Msm Mein Freund. Sie müssen aber auch als Seifensieder gut stehen, wie könnten dann sonsten sich einige anbieten, Seifen» und Kerzen um einen Kreuzer wohlfeiler zugeben, und dieses Anerbieten auch wirklich zuhalten, wie ich letzthin zufällig an einem Orte gehöret habe. Ich. AMeren Mt sich alles, wenn ei- ner eine neue Gerechtigkeit mnssW erhalten will, welche seinem Mitmeister schon fs viele tausend Gnlden allein gekostet hat; aber bey dem'Zuhalten ist es immer was anderes. Hat einer durch einen solchen auffallenden Antrag nur einmal eine Gerechtigkeit, oder wie mauzn sagen pfleget, Len kleinen Finger, so wird er schon um GelegeWE OW^ssEZanze Hand nach und nach zu erhalten. Ich mag in die Ließfällig nähere Untersuchung nicht hineingehen, und es wird auch schon sehr spät» Mein Freund. Nu das wäre schön, das Beste wollten Sie mir nicht sagen? Gerade dieses reizet mich am meisten zu wissen; dann, es fällt doch auf, daß alle rhM können, was mehrere wirklich thun. Ich. Ich- So will ich Ihnen also dieses Mchftl noch auflösen, aber hingegen müssen Sie mich für heute von Beantwortung Der zwey andern Anmerkungen entheben» MemZreunh. Dieses seys Ihnen für heute geschenket; dann wegen der Fleischhacker Distriktseintheilung sagten Sie ohnehin, daß Sie glauben, schon eine Veränderung vorgegangen L« stW, und wegen denen so theuren Gewerbern ist es ohnehin eine Sache, welches die Seifensieder nicht Mein betrifft, und wir haben doch nur bey Gelegenheit des Zuschauers meist von dem Rommerzspstem reden wollen, welches die hiesigen Seifensieder in das besondere betrifft. Ich. So hören Sie also: Bey dem Worchalten über angetragenen wohlfeileren Verkauf fragt sich erstens: wie lang wird Wort gehalten? Meistens sehr kurz, das könnte man praktisch mit der Griesle- rey, Mehl, Fragner, und Kässiccherey, Apotheken, und dergleichen leichtlich erweisen. Zweytens: wie lange kann überhaupt Wort gehalten werden? Meistens so lang, bis der unüberlegte Anbieter sein weniges eignes, und viel fremdes Gelb zugesetzet, und sich, und andere in Unglück gebracht hak, wenn er ein Mann von Worp bleibt, und nicht bey Zeiten die Segeln einziehet; möchte wieder theoretisch, und praktisch gezeigt werden können. Drittens: wie kann dann mancher doch durch längere Zeit Wort halten? Weil er entweder grösseres Vermögen hat; dieses Geschäft nur als Nebensache mit unterlau* fm läßt, oder den wohlfeilem Preis an geringerer Maaß und Gewicht, oder schlechterer Qualität geschickt, besonders wenn man nach längerer Zeit auf ihn nicht mehr so Obacht hat, Herrin zu bringen weis. Mein§reuud. Das sind für das allgemeine keine unebenen Anmerkungen, setzt möchte ich aber ein wenig spezieller wissen, warum es dann bey den hiesigen Seifensiedern gar nicht solle seyn können- Ich. Dießfalls will ich wieder ein M- laugbares Factum Ihnen zum Grunde legen, welches ich von meinem Vater aus gut weiß, und Sie auch alsogleich aufdem hiesigen Stadtrath innenwerden können. Aus diesen können Sie sohin die Sache selbst selbst beurtheilen. Ich glaubeAnnv7774. wa^ einmal auch solch ein Anstand mit den Seifensiedern, und man wollte wissen, ob sie die Kerzen, und Seife» Licht um etwas wohlfeiler geben könnten. Es wurden also auf Regierung undStadtraths Befehl in Gegenwart der dazu abgeordneten Kommissarien die Proben vorgenshmen. Die Seifensieder mußten das Unschlicht aus der hiesigen SchWlze nehmen, dieses wurde von den Kommissarien gewogen; die Lacht zu den Kerzen wurden ebenfalls, so wie die Ingredienzien zur Seift gewogen, und deren Preise untersucht, dann das Holz und dessen Preis in Anschlag gebracht. Mach erzeugten Kerzen, und Seifen wurde wieder Gewicht, Preis des einen Produkts, Satz, Abgang, und alles in Berechnung gebracht, und nach dieser gerichtlichen Untersuchung zeigte sich, daß bey dem Cent- uer Seife nur 37 kr. und bey dem Cent. ner Kerzen nur s fl. 15. kr. Gewinn seyn können. Nein 8reund. Das ist nach hiesigen Einkauf, und VerkaufPreisen? Das wäre also bey einem Centner Seife und Kerzen zusammengenommen 2 fi. 52 kr.Gewinn, und 74, und also wenn einer das Pfund Kerzen- und Seifen um einen Kreuzer wohlfeiler gäbe, so betrüge das g fi. aokr.im Durchschnitte, er müßte also bey zwey Centner s8 Kreuzer einbüßen. Ich. Nicht nur dieses, sondern von diesem vorgesagten Gewinn müßt er erst seine Interesse abschlagen, oder bezahlen, auch Zins.'Menstleudt^llnd deren. Unter» Haltung bestreiken, und er, Weib, Kinder sollen auch noch davon leben. Mein Freund. Zum Guggu l das ist ja anfliegende Unmöglichkeit, und daß einer zu seinem Schaden ein Gewerb erhalten wolle, und sich die Sache so vieles ko. sten lasse, den Patriotismus, oder ächten Tollsmn, den hat keiner, außer es hat irr feinem Hirne keine Richtigkeit. Ich- Die Richtigkeit meiner vorige» Angabe ist doch von Obrigkeit geprüfet, und setzen Sie noch(was aber kaum zu setzen ist) bey vielen Zügen, und Gießen liessen sich durch äußerste Oekonomie bey dem Centner etwa noch 6, oder 8 Kreuzer grössere Ersparung, und also Gewinn O»^ 75 winn hsrauspreffen, so nimmt doch Zins, Interesse, und Dienstleute diese Auspres- süng des Fleisses gewiß hinweg. In diesem Theil der Rechnung kann also die Auflösung des Nätzels nicht bestehen. Mein Freund. Meiner Ehre jetzt werde ich ungehalten! so muß sich ja das Räthsel in den Kunstgriffen eines solchen Anbieters auflösen. Ich Das scheinet mir auch. Ja! mir scheinet es nicht, sondern ein oder anderer der folgenden Sätze ist gewiß. Entweder muß ein solcher Anbieter, wenn er Wort halt, und sein Anschlicht auch aus der Schmelze nimmt, nicht nur umsonst arbeiten, sondern noch zusetzen. Mein Freund. Zum Plunder! daS thut keiner, also weiter l Ich Oder nicht Wort halten, und also die Stellen, oder seine Mitmeister oder das Publikum hinter das Licht fuhren. Mein Mein Freund. Ein oder anderes fs gewiß, als um 12 Uhr Mittags die Sonne über uns am Himmel stehet, aber alle Heiligen, wie kann dann dieses das Publikum nicht einsehen, und sich durch solche Vorspiegelung gängeln lassen? Ich. Sahen Sie es vor einer halben Stunde ein? Ein grosser Theil kann gewisser Ursachen weFMMHk s und«in ziem» licher Theil will gewisser Ursachen wegen nicht. Mein Freund. Ich verstehe Sie; nu, UM alles in der Welk! die Entwickelung des Räthsels Ich- Er kann also nicht Wort halten, sondern nimmt das UNschlicht nicht «us der Schmelze, und schwärzet. Mein Freund. So lugt er also die Stellen an, hintergeht das StadtgefäN, und das Aerarium, und ist ein Dieb an seinen Mitmeistern! einen solchen Putschen solle man ankupeln, wie alle Taback- schwärzer, und Wildschützen, oder Deser- keursverheler: dann einer stihlt dem Staate« 77 re, und feinem Nebenmenschen wie der Andere. Ich- Sie sind in Feuer'. Mein Freund. Da müsse Klostersuppe mein Blut seyn/ wenn es sich bey solchen Ideen nicht schneller dränge. Ich. Sie därfen nicht'allezeit sch«ar- Zen diese Anbietet/ weil sie sich darüber Loch so gewaltig ärgeren, sondern sie können auf andere Wege eben daraus kommen. Mein Freund. Werden wieder schöne Wege seyn? Ich- Ob sie Ihnen schön vorkommen/ das weiß ich nicht, aber die will ich Ihnen als Seifensieders Sohn sagen, der also wie PhilippinGaltlä«/ die besteLan-» deskunde haben kann. Mein Freund. Nn? die hin ich recht begierig zu hören. 78 Ich. Derer übrigen Seifensieders Werber kosteten sechs bis üchttüusend Gulden, dieser neuen Anbietergewerber kosten nichts, oder faß Lichts; acilkausend Gulden giebt jährlich Z2Q fi. Interesse; ein Kreuzer bey dem Pmud niederer Preis macht auf den Ecntner l fl. 40. kr. Der also sein Gewerb umsonst hat, kann gegen den MitiULister, der sein Gewerb um 8200 fl. hat,-(da er in übrigen in allen Verhältnissen gleichest) schon ryL-Centner um einen Kreuzer das Pfund wohlfeiler geben- Mein Freund. Das ist klar, und wenn der andere gleichen Preis machen solle, so muß er natürlich von 8000 fl. das Interesse verlieren« Ich. Nun setzen Sie: Der alte Sei- fensieder hat grösser» Absatz gewußt, in Rücksicht dessen hat er sich ein geräumiges Haus erkauft, zum Gewerb hergertcht, und ZOvo fl. in dieser Rücksicht mehr verwendet; bey so klein vertheilten Absatz bleiben ihm diese Z022 fi. wieder todt, dann zu Zinswohnungen oder dergleichen kann er es nicht gleich umstalten, oder ey darf 7S darf hierzu noch ein paar taufend Gulden in die Hände nehmen; der neue Anbieter machet feine Sache durch fremden Schaden gewarnet, gleich Anfangs kleiner, er ersparet also wieder die Interesse von Zooo fl. wenigstens, und kann nach voriger Proportion wieder So Centner um einen Kreuzer das Pfund wohlfeiler geben- Mein Freund. Das wäre doch immer noch kein Betrug! freylich fällt mir dabey etwas anderes ein, nämlich: die neuen Gewerben bestehen meistcnth-ils bloß auf dem Schaden der alten, und so muß am Ende einer den andern zu Grunde richten. Dann, ich nehme mir die Sache so: Vor Zeiten ziem Beyspiele haben 2z Seifensieder bestanden, und jeder nebst ehrlichen Auskommen das Jahr scn fl. für einen Nothfall, oder zur Versorgung seiner Kinder auf die Seite bringen können; das wäre also für die ganze Zunft 4600 fl. das Jahr gewesen, wenn also einer des andern Hilf, oder der Stadt größere Aufgaben augenblicklich gebraucht bat, so konnten sie sich wechselseitig ober den Staat jährlich mit 4600 fl, unterstützen« Nun müssen denen ehe bestandene» diese §o diese 4600 fl. nicht nur entgehen, sondern sie müssen von ihrer ehrlichen bürgerlichen Haushaltung bis auf das äußerste Noth* dürftige entbehren, damit die neue 2z doch auch die äußerste Nothdurst haben, und so können also die alte 2g, und die neue 2z nichts mehr auf den Nothfall ihrer Mitbürger, oder des Staates zurücklegen. Ich. Das scMtttt freylich einerseits eine natürlich nothwendige Folge, allein, Sie haben sich doch groß in der Rechnung gelrret. Mein Freund. Wie so? Ich^ Setzen Sie, daß ein neues Ge- werd ein alics UW um 2üo fi. jährlich sondern eines in das andere gerechnet um Zoo fi. Herabsetze, und vermindere, so würden auf 2z neue Gewerber das ganze Jahr nur 6902 fl. ausfallen, davon aber können 2Z Gewerber, und solche Gewerber sich unmöglich mit Weib, Kinder, und Hausgenossen unterhalten, Sie müssen doch auf eines in das andere wenigstens ßens 600 rechnen, und da kommen Sie gerade um 6900 fl. zu kurz. Mein Freund. Woher wird dann also', dies.,: Rechiningsabs.anS vergütet, der ru---:'ly^rn Erhalt so vieler«nvermetd» ItMisis Ich- Mir scheinen folgende Rubri-i ken Den Abgang zu ersetzen,^ Erstens; Zusatz an Ersparten> so lang ein oder der andere noch etwas hak. Zweyten»- tzedortztes Geld- was nicht ckehr gezahlt werden kann, so lang ein oder anderer Kredit findet. Wein Freund. Ey guter Himmels sind dann keine ändert Auswege übrig die Lücke M ersetzen,- und den angetragenen wohlfeileren Preis, Lsfts Haltung mir allerdings so unwahrscheinlich> ja unmög» sich nach vorgesagten Verhältnissen scheinet- auf andere Art hereinzubringen. Ich- Ja Freund s daß müßten MeB Theils Handwerksvsrtheile seyn, M velchen einen fleissigeN Mann, der sein shlfeilereS Anbot in preis halten/ G uud M O-s-ss-O und andererseits sein Vermögen nicht verlieren will, die Noth zwinget, und anderen Theils schienen mir diese Vortheil« nicht die schönsten, als» besser schweigen. Mein Freund. Ich will ehe alles Klauben, so unlieb ich sonst etwas unschönes glaube, als daß einer der Thor seyn solle, zu seinem aufliegenden Schaden stets etwas in niederer preis ZU verkaufen, als er es ehrlicher /Kekse thun kann. Unter zehntausenden wird nicht einer bey solcher Lage ein aneres xrinci- xium haben, als«rruttirrr Mit, er" F0 flecrMtrrr. Ich- Solche Meinung zu hegen kommt mir hart an. Mein Freund. Betrachten Sie de« Menschen nur, wie er seyn solle, und wie er im Nothfalle seye. Ich halte selbst von jedem das Beste, aber versuchen möchte ich es nicht, einen Hungrigen ln die Speiskammer, und einen Durstigen in den Keller einzusperren, und dem ersteren nichts anderes zu essen, und d«M 8Z tzem jweyteä nrchtsß anderes zu trinken z» geben. Ich. Aber es ist doch möglich, daß der in der. Speiskammer, und im! Keller nichts angretffe« Mein Freund. Ja? möglich? aber nicht wahrscheinlich, besonders wenn das Einsperren langer dauert. Ich- Sie glaube» also in der Läng« der Zeit sollen die wohlfeilere Anbieter entweder schwärzen, oder Handwerks« Industrie gebrauchen? Mein Freund. Ich muß es gestehe«, und wer nicht so glaubt, wie ich, der he» he den Finger auf, oder sehe bey alle« Wohlfeilkeitskrämern nach. Aber sagen Sie mir doch einmal die Handwerksvor» theile; da wollen Sie nicht damit heraus- ich sehe schon, ich muß den Intriguen» sllmanach holen. Ich. Nur dieses nicht? ich will alles «gen, in dem Allmanach finden Sie ohnehin nicht vieles, was hieher passet«. A 2 Mein Mein Freund. Nu! so reden W» gutwillig. Ich. Man darf also nur erstens die Keifen nicht in vorrath machen, sondern frisch gegossen verkqufcn, so wiegt Laö Pfund nm Zwey bis drey Kreuzer mehr. Zweytens: darf man unter einen Lentner Kerze»;, nur fünf Pfund weisse» Pech nehmen, welchen Vortheil sonderbar ein Landmeister benÜW hassen solle, dieses kostet vier Kreuzer, und das Unschlicht eilfe, find beydem Centner fünfund dreys- K;> Kreuzer für die Industrie« Drittens' Lsrf das Pfund Kerzen, besonders weiches in Neinsn zum Aufschneiden gebraucht wird, nur um ein'Loch zu geringe seyn, das betrügt hey dem Pfund, einen halben Kreuzer, bey d.K Centner also fünfzig Kreuzer. Viertens: ist es noch leichter bey kleinweiser Aufschneiöung der Seifen, nur von sedem Kreuzer etwas weniger zu geb-», und bey dem Centner der genaue Fleiß doch belohnt. Fünftens: kann auch die sthualitä't des Unschlichts oder Gchafunfchttch», vermischet werden. Heilt dieser, Morgen ein dergleichen anderer Vortheil bringen der; Kreuzer gewiß ein. Msm Mein Zreund. Dieses sind aber lauter Vortheile, welche denen, die um einen Rreuzer theurer verkaufen, auch möglich sind» Ich. Ja! möglich, sagten Sie vor- der, aber nicht wahrscheinlich. Bleiben Eie bey diesem Unterscheid, denn er ist überhaupt richtig« Wenn einer dem Publikum etwas um einen preisen verkaufen anbiete bey dem er bestehen kann, warum soll ex Ränke zu dessen Vcrvortheilnng anwenden? Wenn zwey Kaufleute die nämliche Waare, welche ihnen vollkommen gleiche Rösten machte, einer um einen preis anbietet, der schon der nächste ist, der andere aber noch darunter, und Sie vorairssetzenwollen, daß ein und anderer sie übervorcheilen könne, von welchen ist es wahrscheinlicher, daß xx such wolle, oder vielmehr müsse? Jedoch hievon genug, Ich mag niemand zu nahe treten. Mein Freunds Ich auch nicht; dies- falls kennen Sie mich zu wohl; allein, ?s giebt oft Wahrscheinlich- und Unwahr? § 3 schein? schelnlichkeiten s» viele, da8 man in der That nicht weis, wie man den innerlich ehrlichen Mann mit dem äusserlich so widrigen Scheine, der fast bis zur handgreiflichen Gewißheit gränzet, vereinbaren soll- Ich. Was wir aus unserer Unterredung gewiß wissen, ist doch gewiß dieses, daß unsere hiesi-en Seifensieder nicht leicht ss reich werden koMen, wie die auf beirr Lande. Daß das Verbot, andere Nerzen Heroin zu bringen, nicht nur billig und vernünftig, sondern nöthig, folglich das Kommerzsystem nicht so lächerlich sey, als es dem Herrn Zuschauer geschienen, auch unsere Stadtseifenfieder dieses Verbot nicht«sie Schurken und Leutberruger erschlichen haben; baß wir endlich hier von dieser Profession ohnehin schon zu viele ganz auffallend haben, folglich der Wunsch des Hrn. Zuschauer» mit Anlobung seines Perchtsld- siorftr Wundermannes und Konsorten ganz entbehrlich sey. Mein Freund. Das ist alles deine, zmd jeder unpartheyische Mensch muß dies 87 srs einsehen, wenn er auch sonst vom Kom- merzsystem so wenig verstehet, als unser Herr Autor zu verstehen selbst bekennet- Weil er zu Perchtoldstorf war, und etwa ein gutes Nachtmahl bekam, so wünschet «r die perchtoldstorfers Waare herein; kömmt er auf Leopoldt nach Klsfierneuburg, so sollen die RlssterneuburAer nachrücke»; ist zu Mödliny, oder Gumpoltskirchen etwas, so würde er dieses Mvschen; er würde am Ende so viele ScifenfieLcr nach Wien hausieren, als Däuser in der Stadt sind. Ich. Das just nicht, aber doch r-sch ein paar Dutzend, daß, wenn von den dermaligen einer zu Grunde geht, doch doch immer ein paar Akzessisten vorhanden sind. Mein Freund. Das Beste ist, daß solcher Leute wünsche meistens nur immer wünsche bleiben, und unsere Srel-> len besiere Rommerzsxsteme haben. Ich. Das ist es freylich; denn, würde nach den Systemen solcher Reformatoren reformirt- so möchte ich doch m f -§ 4 km» 88- kurzem sehen, was aus unseren» ganzer» Staat noch würde» Mein Freund. Was? das, was aus einem Bilde würde, an welchem jeder Stümper aussetzt und korrigirk, und der MaLr immer das gute alte aussiriche- und was neues nach der Stümper Meinung hinklekstö; am Ende ein IvlonükmN Lkorwvv iüUsM^«MEüEtz Läsmtuw? Ich. Da haben Sie Recht! Was für «ine Rleinigkeit ist eine einzige Zunft einer einzigen Stadt gegen einen ganzen Sraatsksrpers t und in unserem blos zufälligen Dis?o«rs, wie viele Verhältnisse, wie viele Umstände- welchen untrennbaren Zusammenhang von Gegenständen die man im ersten Ansehen gar nicht vermuthete- haben wir entdeckt? Bey einer solchen Kleinigkeit kann kein Glied bewegt werden- ohne so wichtigen Folgen- und demc ungehindert unterstehen sich Leute, ganze Staatsspsteme reformiren zu «ollen, die hieven kaum den Namen verstehen. Weis 89 Mein Freund. Staaten regieren, und reformiren ist keine geringe Kunst, und nicht in wenig Monaten gelernt; dazugehört vieles Studium, und gar viele Erfahrung. Ich glaube Alexander der Große habe geschichter ganz Asien em»' Zenommen, als Mazedonien regiert. Ich. Sie sind in der That ein we« nig zuMI^ML^WM«Fich,-von unftrer-i Mtener"Zuschauer gar auf den Alexander kommen! Mein Freund. Sehr leicht« Und wie solle ich denn bey Gelegenheit unseres Zuschauers nicht etwas hitzig werden, und aus Verwandtschaft der Ideen nicht auf seine Konsorten verfallen? Ich. Lassen wir den Zuschauer und Konsorten für heut in Frieden, wir sind ohnehin schon länger beysammen, als sonst gewöhnlich. Mein Freund. So sey es! Aber eines müssen Sie mir noch versprechen ehe Sie gehen; auf Ehrenwort! F§ Ich» 9» Ich. Auch d»S, dem Sie Mnm^ nichts begehre»- was ich nicht Mit Ehre erfüllen könnte. Mein ssreunb. Unserm heutigen Dis« kovrs müssen Sie zusammen schreiben, und -rucken Lassen, und dem Zuschauer als eine x»««»«tts I';-s, L'«W»„mmenhen Markr eschenen, nnd dieses ihm zur wohl- »eröiencm-Äevafe-^, und-«mdrr» seines gleichen zum erspiegelnden Ich- Das wird viel nützen Mein ßrermö. Soll denn M-diesen reuten ga: Krisam und Tauf verloren seyn? Ich. Wollen es schm. Lebe» Sie also wchi Mein Zreund. Sie ingleichen! Aber setzen Sie sich gleich heute noch darüber. » ! V8 8,i