V/iknsi' 8ig«i'vi ilwinek. /L » W r - « » »T« » »« »'V »r » Geschichte des'Josephstädter Gymnasiums in Wien. Dom Professor Leopold Schlecht. « i 8 3 o. "N- (Aus dem Archiv für Geschichte, Staatenkunbe, Literatur Mb Kunst Nr. 38 besonders abgedruckt). Vorerinnerung, ^2s muß für den Freund der Jugend und des Vaterlandes eine Sache von hohem Interesse seyn, zu wissen, wann unter welchen Umständen und w i e die vaterländischen Schulen entstanden und gediehen, wie weit ihre Wirksamkeit, besonders die der Gymnasial-Anstalten, auf die Veredlung der Jugend und aller Staatsbürger sich ausgedehnt habe, und welcher Vortheil dem Staate selbst aus der Emporbringung solcher Anstalten erwuchs. Jeder echte Vaterlandsfreund wird daher gerne erforschen, in wie fern das Ideal einer Schuleinrichtung, die auf die Gssammtbildung der Nation Einfluß haben soll, erreicht worden ist, oder nicht. Aus diesem Gesichtspuncte betrachtet, wird es nicht am unrechten Orte seyn, die Geschichte eines Gymnasiums darzustellen, aus dem seit einem Zeiträume von mehr als hundert Jahren viele, um den Staat und das Wohl ihrer Mitbürger hoch verdiente Männer hervorgingen.— Bey der Behandlung dieser Geschichte lassen sich drey Perioden unterscheiden: 1) die des Entstehens und der Kindheit des Gymna« siums, 2) die der höher» Ausbildung, und 3) die Periode der Blüthe. Von jeder einzelnen wollen wir anführen, was aus den spärlichen Quellen schöpfen läßt« Erste Periode. Das Gymnasium im Entstehen und in seiner Kindheit- Bon 1697 bis 17H0. ^§chon unter Kaiser Ferdinand!!-. hatten die regu- lirken Priester der frommen Schulen durch die Wirksamkeit und den Nutzen ihres Institutes in Mahren, Böhmen und auch inOsterre ichzu Horn Eingang gefunden. Sie wünschten nun auch in Wien ein Collegium errichten und ihre Schulen eröffnen zu können, theils, weil sie den großen Vortheil ihres Institutes, besonders für die Vorstädte, erkannten, theils, um für die Ordensglieder, die wegen mancherley Geschäften, rücksichtlich des Ordens, sich öfters in Wien aufhalten mußten, einen geziemenden Wohnort zu haben. Sie machten darum im I. 1682 den ersten Versuch und wendeten sich bittlich an den Magistrat und Bürgermeister Her Stadt Wien, um Aufnahme in eine der Vorstädte; wurden aber durch Bescheid von, 3o. October an die kaiserliche Majestät verwiesen. Die bösen Kriegszeiten und das Heranrücken der Türken hinderten in den nächsten Jahren das Unternehmen. Im I. 1686 suchten sie in der Leopoldstadt, zehn Jahre später auf dem Neubau sich niederzulassen. Endlich erhielten sie von, KaiserL e 0 p 0 ld l. mit Decret vom i3. July 1697 die Bewilligung in einer der Vorstädte ein Collegium sammt Kirche auf eigene Kosten zu erbauen und ihr Lehrinstitut zum Besten der Volksbildung zu eröffnen. Sie kauften daher, in der außerhalb dem 5 Burgthors neu zu srrichtendenVorstadt(der jetzigsnJ oseph- st a d t) vom Marquis Malaspiua, den weitläufigen Rothe»Hof, bey den Ziegslösen genannt, und begannen im nächsten Jahre mit großer Thätigkeit den Bau des Colle- giums und der Capelle, so, daß man gegen Ende des Sommers zur Legung des Grundsteines schreiten konnte. Der Kaiser ließ sich huldvollst herbey, zur Verherrlichung dieser Feyer den Grundstein selbst zulegen, und bestimmte den 2. September zu dieser denkwürdigen Handlung. Eine schöne, mit Sammet belegte Tribune für die kaiserliche Familie erhob sich vor dem begonnenen Gebäude; mehrere Civil- und geistliche Behörden sammt einer ungeheuren Volks- maffe hatten sich versammelt, der Feyer beyzuwohnen. Es mußte allerdings für jeden Menschen von Gefühl ein rührender Anblick seyn, zu sehen, wie der ruhmgekrönte Monarch, Leopold!., an der Hand seines Sohnes Joseph, erwählten römischen Königs, hinabstieg in die bereitete Vertiefung und da, unter den gewöhnlichen Ceremonien, den Stein niederlegte, der, wie die Schrift sagt: „Zum Eckstein werden sollte, an dem allein das Heil ist." Apostelgesch. 4. Einefeyerliche Messe nebenbey in einer schön verzierten Laubhütte, der die Majestäten und alle Anwesenden in tiefer Andacht beywohnten, schloß diese merkwürdige Begebenheit. Der Bau wurde nun rastlos fortgesetzt. Den 2. August 1700 konnten die in der Nahe in einem Privathause (bey den zwey grünen Bäumen Nr. 126 in der Piaristen- gaffe) wohnenden Geistlichen das Collegium beziehen; aber wegen noch fehlender innern Einrichtung der Lehrzimmer waren sie erst am 16. November 1701 die Schulen zu eröffnen im Stande, wobey nebst den drey deutsche» Claffen, die man nach damahliger Gewohnheit in die derLe se-Schre ib- 6 und Reche nfchüler eintheilte/ mit der ersten und zwey- ten latein. Grammatikal-Classe der Anfang gemacht wurde. AlS erster Vorsteher der Lehranstalt wird nrtinu 5 s 8. L runo u«genannt; die Zahl der in diesem Jahre in die beyde» lateinischen Classen aufgenommenen Schüler betrug 72, die der deutschen Classen S78. Im nächsten Jahre kam Lurch das Aufsteigen der Schüler die dritte/ und im Schuljahre 1704 auch die 4. Grammatikal-Classe dazu/ indem die Schülermizahl der vier lateinischen Schulen auf 99 anwuchs. In dieser Verfassung blieb das Gymnasium bis 1726/ rn welchem Jahre erst die Vorlesungen über Rhetorik und Poetik begannen/ wozu die Priester der frommen Schulen von Kaiser Carl VI. durch ei» eigenes Diplom berechtigt wurden, in dem es unter andern heißt: „Wir Carl Vl. von Gottes Gnaden erwählter Römischer K a i?s e r rc. ro. bekennen für Uns/ Unsere Erben und Nachkommen öffentlich mit diesem Brief und thuen kund allermänniglich, daß uns die Ehrsame Liebe/ Andächtige,^.krovlneiglis, Ueoborund Collegium Lekiolnrum pisrum in der Josephstadt allhisr, demüthigst angezeigt, wie daß die gesammte Nachbarschaft daselbst sie schon öfters angegangen und beweglich vorgestellet, was- massen die bey denenselben 8)?ntnxill absolvirt, und sck ?oe'siu admittirts Jugend bey denen xstrikus 8o«1etst1s stlesii allhier nicht allein, wo die testimoni'u Hinlauten, nicht angenommen, sondern sogar einigesmahl zurück scl kramMStionm verwiesen worden wären, wodurch also die Jugend ihres EiferS zum Studieren entsetzet, auch derselbe» so mühsam als gefährlich seyn würde, zur rauhen Winters- und hitzige» Sommerszeit in die Stadt alltäglich viermahl aus- und einzugehen; Solchem nach allerunterthänigst 7 gebethen. Wir gerührten, als Regierender Herr, und Landssfürst, Unsern lüonsens, daß Sie Untres pinrirna Lokolnruin auch die Fünfte und Sechste Schule aufrichten und dociren dürfen, allergnadigst zu ertheilen." „Wann Wir nun diese deniüthigste Vorstellung und Bitte aus denen angeführt-erheblichen Bewegursachen, Beliebens den mittels Unrerrichtung der Jugend in der Furcht Gottes, sowohl als nützlichen Wissenschaft auf die Erfüllung ihres Berufes und Ordens-Jnstiluti abzielenden löblichen Eifer gnädiglich angesehen." „?lls haben Wir, über von gehörigen Orten abgefordert- und allergehorsamst erstatteten gutachtlichen Bericht mit wohlbedachtem Muth, gutem Rath und rechten Wissen eingangs ernannten?slr1bn8 pinrum Zekolnrum in der Josephstadt allhier den angesucht-» Landesfürstlichen Lonsens nebst denen bereits haltenden vier anderen kleinen Schulen auch die kossis und kilistoricsin dociren zu können allergnadigst ertheilet.'' rc. rc. Der Unterricht in dieser ganzen Periode, so wie noch lange nachher, beschrankte sich, wie damahls an allen solchen Lehranstalten, auf Gedachtnißübungen, und M-moriren des Katechismus und Latein; andere Zweige des Wissens, z. B. Geographie, Geschichte, Griechisch, Mathesis, wurden entweder gar nicht, oder nur sehr oberflächig und gelegentlich behandelt, und jemehr man den jugendlichen Körper an Kraft zunehmen sah, desto mehr trockne und abstracto Begriffe suchte man auch der Seele, ohne weitem psychologischen Rücksichten aufzubürden. Liegt in der Dehand- lungsweise etwas tadelnswerthes, so fallt die Schuld nicht so sehr auf die Schule, als auf den damahligen Zeitgeist; denn gedenkt man, daß damahls durch keine Hofverordnun- gen die Verfassung eines Lehrkörpers geregelt war, daß 8 noch kein philologischer Geist in das Gymnasial.Lehrsystem übergegangen war, daß man nicht leicht in den Geist eines Schriftstellerseindrang, sondern sich mit der Außenschale begnügte; daß man oft den größer,, Theil der Schulzeit in fromme» Feyerlichkeiten und kirchlichen Übungen zubrachte; so wird man sich im Gegentheile über die Leistungen eines solchen Lehrinstituts in scientifischer Hinsicht wundern. Gingen aber auch keine tiefen Denker aus dieser Schule hervor, so hatte man doch in moralischer und religiöser Hinsicht nichts versäumet, und der Gewinn war für Kirche und Staat gewiß nicht unbedeutend. Die Schule gewann mit jedem Jahre an Ruf und daher auch an Schüleranzahl, wie folgender Ausweis zeigt: Im Jahre 1710 befanden sich 68 1720—— 145 »73o— 194, durch Hinzufügung her Rhetorik und Poesie, im Jahre 1740—— Z20 Gymnasialschüler. Noch verdient bemerkt zu werden, daß nach Vollendung des Tractes des Collegiums in die Gaffe hinein, im November ,726 die geräumigeren Lehrzimmer in diesem Theile, wo sie noch heute sind, bezogen wurden, da sie bisher auf den Platz hinaus, neben den Wohnungen der Geistlichen bestanden. Zweyte Periode. Die weitere Ausbildung des Gymnasiums von 17äO—1790. In dem Geiste der vorigen Periode lebte und wirkte das Gymnasium noch längere Zeit fort, und man findet außer todten Nahmen nichts merkwürdiges aufgezeichnet. Indessen wurde bey dem fortschreitenden Geiste der Zeit das 9 Bedürfniß einer Veränderung in der Lehrmethode und in der innern Verfassung der Studien immer fühlbarer. Um diesem Bedürfnisse abzuhelfen, traten die Ordensvorsteher am Schluße des Schuljahres i^Z zusammen, und verfaßten einen ausführlichen Lehrplan, worin nicht bloß Latein und der römische Katechismus, sondern auch andere Gegenstände zum Unterrichts bestimmt wurden. Man schrieb vor, was und wie viel in jeder Classe vorgetragen werden sollte, und empfahl taugliche nahmentlich angeführte Werke als Schulbücher. Dieser Lehrplan, so wenig ausgebildet er auch war, zeigt doch klar das Streben, den Bedürfnissen der höheren Bildung entgegen zu kommen und wurde daher ge- wissermaffen die Grundlage des Lehrgebäudes, das unter mannigfacher Modisication bis auf uns gelangte. Zehn Jahr- darnach, 1774 schrieb der damahlige Ordensvorsteher P. A m b r 0 siu s Schulgesetze vor, die hauptsächlich von der Nothwendigkeit einer guten Schulzucht handeln, und einen s-hr humanen Geist verrathen.— Um diese Zeit lehrte der, später als Professor der Physik rühmlich bekannte, Remigius Döttler am Gymnasium. Mir dem Jahre 1776 begann ein helleres Licht nicht bloß für das Josephstädler, sondern für alle Gymnasien zu strahlen^ Würdige, vom Vaterlands geschätzte Männer arbeiteten rastlos dahin, die Fackel echter Religiosität und gründlicher Weisheit immer wehr anzuzünden; unverdrossen säeten und pflanzten sie in dem schonen Garten des aufblühenden Menschengeschlechtes.6 r s t i n n u 8 N n rx, Priester aus den frommen Schulen, Director der Theresianischen Rit- rer-Akademis, war Studien-Direcror in Österreich geworden. Als solcher setzte er einen neuen, durch langjähriges Denken und vielseitige Erfahrung geprüften Lehrplan inS Werk, nach welchem das Gymnasium aus 5 Classen redu- cirt ward, durchgehends neue Jnstructionsn für Lehrerund Präfecre ergingen und alle die Gegenstände, wie sie schon 1^63 vorgeschrieben wurden, eins weitere Ausdehnung erhielten. Um den Fleiß zu heben und die Thätigkeit auch in großen Beschwerden nicht erschlaffen zu machen, wurden P rämien und Accsssire nach eben dem Verhältnisse der Schüleranzahl, wie noch heute, festgesetzt, auch eins specielle Classiftcation des Fortgangs in den einzelnen Lehr- gegenstände» angeordnet, da bisher nur im Allgemeinen Fleiß und Gesittung des Jünglings bemerkt ward. Bis zum Jahre 1778 lehrt« man Rhetorik und Poetik in einem Locale vereint. Nun aber theilte man auf Kosten des Collegiums ein größeres Lehrzimmer durch eine Zwischenmauer ab, und gewann ein eigenes Lehrzimmer für die Rhetorik.—- Noch in diesem Jahre geschah die Vereinigung dieses Gymnasiums mit der Universität, und die Gymnasial Wchüler wurden daher durch Hosverordnung zur Jmmatrikulirung an die Universität verwiesen. Im Jahre 1780 wurden dem Gymnasium, das bisher keine sichern Einkünfte hatte, durch Hosresolution vom 8. July d. I. 6 Ducaten jährlich aus Prämien und Schul- reparation angewiesen. Vom Jahre 178z—rygo stand Gabriel Wallmann als Präfect dem Gymnasio vor; seine würdigen, und später durch besonders, vom Staate erlangte Auszeichnungen ruhmvolle» Mitarbeiter waren: P. R e i n h 0 l d M ü l- ler, Jnnocsnz Lang, Raimund Zobel, Achaz S r i e b a rd ') Diese Prämien bestanden damahls aus vergoldeten Medaillen, welche der damit^'lohnte das ganze nächste Schuljahr tragen durfte, und dem aus der letzten Gymnastal-Classe AuSlrelenden zur Erinnerung für immer belassen wurden. Seltsam ists, daß die Anzahl der Schüler, wie aus unten stehendem Ausweise ersichtlich ist, in demselben Verhältnisse abnahm, als an innerem Gehalte und Vervollkom- mung rücksichtlich der Lehrmethode, als auch der Lehrer, das Gymnasium zugenommen hatte, wozu die Kriegszeiten, der Verboth des Kaisers Joseph!!., nach welchem kein Stift oder Kloster durch 8 Jahre Candidaten aufnehmen durfte, die Rsgulirung des Studienplanes, wodurch das Studium erschwert zu seyn schien, und die Einführung deS Schulgeldes das Ihrige beygetragen haben mögen. Im Jahre zahlte das Gymnasium Zö^Schüler: — 1760—— 871 — 1770—— 828 »780—— 2g5 — 1790——»08 Dritte Periode. Das Gymnasium in der Blüthe von 1790— 18Z0. P. Benignuö Job, seit ,79a Präfectdes Gymnasiums, wurde zum Lehrer der Philologie bey Ihr. k. Hoheiten, den Erzherzogen Anton, Johann und R a i- »er erwählt, worauf P. I n» 0 ce n z Lang, gegenwärtig k. k. Hofrath, die Präfectuc übernahm..Nun ging die Lehranstalt mit raschem Schritte ihrer Blüthezeit entgegen, die Anzahl der Schüler wuchs wieder mir jedem Jahre, und das Gymnasium wurde den beyden andern in der Stadt vollkommen gleichgehalten; besonders danach Hof-Resolution vom 6. Jänner 1798 der Präfect und die 5 Professoren Beysitzer der Collegial- Versammlungen hiesiger Gymnasial- Lehrer im Universitats- Saale geworden waren. Bey Gelegenheit des Aufgebothes gegen den heranrückenden Feind im I. 1797 schloßen sich auch die Waffen- rL fähigen Schüler dieses Gymnasiums an die zahlreich zu den Waffen strömende Jugend an, und wurden nach bald erfolgten! Frieden, wie die übrigen am 6. July im Univer- sitäts-Gebäude mit silbernen Denkmünzen zur ewigen Erinnerung beschenkt. Bey Einrichtung des k. k. Convictes in der Stadt (1802) wurde der gegenwärtige Herr Hofrath Lang, der seit der Krankheit und dem Tode deS Herrn von Wand- rag, Studien-AffefsorS und Präfectens des akademischen Gymnasiums, der Präfectur an demselben Gymnasium vorstand, zum Director dieser Erziehungsanstalt und zum Di- rectvr der Gymnasial-Studien in Österreich ernannt, und P. Raimund Zobel als Vice-Director des Convictes und Präfect des Gymnasiums von hier dahin abberufen. Seit mehr als einem Decenium hatten alle Wissenschaften, besonders Philosophie, Physik, und Philologie sowohl an Umfang, als an einer, den Studien würdigern Behandlungswsise gewonnen; der allenthalben rasch aufstrebende Geist forderte immer mehr Nahrung und drang stets tiefer und umsichtsvoller in das Gebieth des Wissens. Man durfte auch mit den Gymnasial-Studien, als die Vorbereitung für die höheren wissenschaftlichen Zweige, nicht zurückbleiben, und sah daher einer Veränderung im Lehr- plane entgegen. Diese erfolgte auch im Jahre,8c>5, nachdem das Jahr früher, um den echten religiösen Geist zu erregen und zu erhalten, ein eigener Religionslehrer bestimmt worden war, der wöchentlich 2 Stunden in jeder Classe Unterricht zu geben, und alle Sonn- und Feyertage durch eine zweckmäßige Erhörte die Jugend zu erbauen hat. Der erste ReligionSlehrer war hier?. Isickorus Vnn koi. Man suchte den Geist der Neuern mit den Formen der Alten zu vereinigen, und dehnte daher die drey Grammati- ,3 kal-Classen auf vier aus, ordnete die beyden Humanitäts- Classen, wie sie in frühern Zeiten bestanden hatten, daß der poetische Theil in der ersten, und der orakorische Theil in der zweyten sollte gelehrt werden, und bestimmte für Geographie und Geschichte, Mathesis und Naturgeschichte eigene Professoren, die man Wandel lehr er nannte. Im ersten Jahrs lehrte man bloß am akademischen Gymna- sium und zu Krems nach diesem Plane; das folgende Jahr 1806 wurde er auf die übrigen Gymnasien ausgedehnt. Auch die Herbstferien unterlagen einer Veränderung. Seit den ältesten Zeiten bis 1786 fanden sie ungefähr von der Halste Septembers bis Anfangs November Statt, dann aber vom r5. July bis 3-. August. Im Jahre 1790 schloß man die Schulen wohl am i5. July, eröffnete sie aber erst am r5. September. Von nun wurde die Zeit vom r. September bis:6. Oktober zu Ferien bestimmt, und blieb auch so bis.1806, in welchem Jahre wieder die letztere Hälfte Septembsr und October Ferien wurden. In diesem Jahre 1806 ist durch Hofdecret vom 2i. November der Vorschuß auf Prämien, brauchbare Auctoren und Schulreparationen von 27 fl. auf fl. erhöht worden. Nun ist in pädagogischer? Hinsicht nichts vorzügliches bis 1819 anzuführen, außer, daß von Zeit zu Zeit Ver. ordnungen und Vorschriften über die Leitung des Gymnasiums erschienen; Früchte reifern Nachdenkens über Methodik, Früchte der Erfahrung. Im Jahre 1819 erschien eine neue Modifizierung deS bestehenden Schulplanes, vermöge der das Studium der Naturgeschichte und Naturlehre abgeschafft, die übrigen Fächer weiter ausgedehnt, und die W a n d e l le h r e r, wie früher, in L l a s ss nleh r er verwandelt wurden, wodurch man sich den Formen der Alten noch mehr näherte, als im Jahre 1806. Auch schuf man eine neue Fortgangsclaffe, die zwischen der ersten und der ersten mit Vorzug in der Mitte liegt, und mit aocsckens uck enrinentlsm, Annäherung zum Vorzugs bezeichnet wird. Der Andrang zu den Studien wuchs nun mit jedem Jahre bedeutender; so daß die Lehrzimmer nicht Raum hatten, die zahlreichen Schüler zu fassen und man zuweilen genöthigt war, die erste Grammatik»!- Classe in zwey Abtheilungen zu lehre». Daher wurde von Seite der Studien- Hofcommission verordnet, nie mehr als 80 Schüler in einer Classe zu belassen, wodurch jedoch bisher nicht sehr beträchtlich die Zahl der Studierenden abnahm. Die Zahl der Gymnasialschüler im Jahre i^gö betrug 23g —— 1800— 244 ---— i8o5— 288 — i8>«-— 282 —— a8i5— 26g — 1820— 640 —— i825— 463 im Monathe Jänner iL3o— 3g5 Im Jahre 1829 verlegte man die Ferien auf die Monathe August und September und das Schuljahr r83o begann daher mit 1. October. Gegenwärtig steht P. Joseph Czizek seit 1819 der Präfectur des Gymnasiums rühmlichst vor. Aus dieser Darstellung ergibt sich, daß das Gymnasium ,2g Jahre besteht, mit dem Zeitgeiste sich fortbildete, daß es milder Universität vereinigt, im WesentlichenKnAer neuern Zeit einerley Schicksale mit den übrigen Gymnasien rücksichtlich der innere» Verfassung hatte, und daß die ganz« r5 liche Reformation der Gymnasial-Studien, die verschiedenen Modifizierungen des Studienplanes und alle Vorschriften über Methodik beym Gymnasial-Unterrichte von Männern herrühren, die früher a» h i esig e r A n st al t als Lehrer dienten. Sehr viele von der hohen Landesregieruug den Gymnasial-Vorstehern und Lehrern ertheilte Belobungs- Decrete und Remunerationen beweisen zu Genüge die rast» lose Bemühung und das Fortschreiten zum Bessern. Viele würdige Mitarbeiter in dieser Bildungsschule sind daher auch vom Staate zum Lohne ihrer Verdienste zu hohen Ehrenstelleu erhoben worden, wie: l?.^clolpliu8 s.8. LoorAro, gleich ausgezeich» net als Prafect und Local-Oberer, der 1719 als erster Pfar» rer in der Josephstadt genannt wird, spater Ordens-Gene- ral zu Rom, dann Bischof zu Neustadt und darnach Bi- schaf zu Raab wurde, und als solcher zum Baue der Kirche und zum Behufs des L-Hrinflitules ao,ooo fl. an das JosephstLdter-Collegium übersendete. Er starb d-n 24. November 1743. k. 6 rsti 3 nns N 3 rX, der als Direttor der Theresianischen Ritter-Akademie vorstand, wie oben bemerkt, 1776 der Schöpfer einer ganz neuen Schulverfaffung und endlich Domprobst an derKathedral-Kirchezu Leobsn wurde. k. rnkioeentius I- 3 0§, früher Lehrer der jungen Erzherzoge, gegenwärtig k. k. Hofrath, Referent in Stu- diensachen und Dom-Dignitär vonGroßwardein. k. gegenwärtig infulirter Probst von Eisgarn. ?. 86dg8bignn8 X»ox, Feldcapelan der deutschen Leibgarde. k. veniAnii8 5ok, der als Lehrer der jungen Erzherzoge abberufen wurde. i6 k>. vo n Ätu8 kloI-iMgnn und nach ihm Raimund Zobel, k. k. Hofprediger., k. n ei 8 ou 8 SelrorrbsrAsr, Vice-Di- rector der Gymnasial-Studien, und im I. a8i3 Decan der Universität. I?. 6i)-cer1u8 Rubi8 eUer imI. i8n Decan der Universität. Schöne Sprößlinge wuchsen in diesem Garten aufs viele Männer legten hier den Grund ihrer wissenschaftlichen und sittlichen Bildung, die später prangend durch ihre Würde, durch ihre Verdienste, der Stolz des Vaterlandes wurden, und im Jnn- und Auslande Achtung und Ruhm ärnketen. — Nimmt man endlich an, daß seit des Bestehens der Lehranstalt im Durchschnitte jährlich nur 60 Schüler neu eingetreten sind; so wurden zum Mindesten n,ooc> Zöglinge daselbst gebildet. Wer sieht hieraus nicht die große Wirksamkeit und den Vortheil, den die ersten Gründer dieser Anstalt dem Staate heilig versicherten, auf eine schöne Weise realisirt? Möge der Segen des Himmels noch lange auf dieser Pstanzschule ruhen, damit auch der ferne Enkel der edlen Früchte sich freue, die er hier mühevoll säen und im Hochgefühle der Lust ärnten wird, und Ältern, Staat und Monarch die schön gefaßten Hoffnungen in des Erfolges Strahlenglanze herrlich schimmern sehen! G O U D -- M «- .«