Diener 8iL<1r-Li!)lior!ieIr 8900^ '.- l^ W Das Leben Jesu s ü r Kinder erzählt, und anwendbar gemacht. Von einem Katecheten. Mit Seiner kais. kön. apost. Majestät aller- gnadigster Druckfrepheit. Wien, im Verlage der k.?. Schulbücher- Verschleiß. Ab. ministration bey St. Anna in der ZohanniS.Gasse. i 8 3 o. M «'d - 5- ^' Vorrede» Liebe Kinder? Buch ist für euch geschrieben» Es enthält Erzählungen und Lehren aus dem Leben Jesu, die ihr euch merken und beobachten sollet. Schon aus dem Inhalte könnet ihr abnehmen, wie nützlich es für euch sey. Es kommen darin nur solche Lehren vor, die sich für euch schicken. Auch ist bey jeder Lehre angemerkt, warum und wie ihr sie befolgen söffet. Ihr werdet es mit Vergnügen lesen; denn ich weiß, daß ihr Erzählungen gern leset. Ihr bekommet hierdurch die ganze Geschichte Jesu zu lesen, und zwar in der Ordnung, als er etwas that, oder lehrte. A 2 Die- 6 Dieses Buch wird euch auch dazu dienen, daß ihr daraus dasjenige wieder- hohlen könnet, was euch in der Schule oder Kirche bey der christlichen Lehre gesagt worden ist. Ihr könnet es gebrauchen, wenn ihr nicht mehr in die Schule gehen Ihr könnet enern Ältern zu Hause etwas daraus vorlesen, oder euer kleines Geschwister aus demselben unterrichten. Ihr werdet alles, was darin vorkommt, leicht verstehen; denn ich habe mich beflissen, alles klar und deutlich zu sagen. Bekommt ihr das Evangelium in die Hand, oder höret ihr es von dem Prediger in der Kirche lesen; so werdet ihr durch Hülfe dieses Buches alles leichter und richtiger einsehen, was in demselben gesagt wird. Leset es daher oft; ich kann euch zu euerm Unterrichte nichts besseres geben- Selbst Selbst die Jünger Jesu wußten den Menschen, welchen sie predigten, nichts Nützlicheres zu sagen, als die Thaten und Lehren ihres Meisters zu erzählen. Empfehlet dieses Buch auch andern Kindern, die es nicht haben- Erzählet ihnen daraus einige schöne Thaten und Lehren Jesu, und saget ihnen, daß es eine Schande für Christen wäre, wenn sie nicht einmahl die ganze Geschichte ihres Lehrmeisters Jesu Christi wüßten,^ Habet ihr vermögende Ältern, so bittet sie, euch die Kupferstiche aus der Lebensgeschichte Jesu Zu kaufen, oder euch zu erlauben, daß ihr dieselben für euer erspartes Geld anschaffen dürfet, Ihr könnet das Geld nicht besser verwenden, Sie werden euch sehr wohl gefallen, denn sie sind schön. Auch werden sie euch sehr nützlich seyn, indem sie euch 8 euch das, was ihr gelesen habet, vor Augen stellen, und dadurch ins Gedächtniß zurück rufen werden. Mein Wunsch ist, daß euch dieses Buch recht angenehm, recht lehrreich, recht nützlich seyn möge. Der Verfasser. M Eange vorher, ehe Jesus Christus, der Welt- Heiland, geboren wurde, ließ Gott die Geburt des Messias, des Lehrers und Erlösers der Menschen, durch fromme Männer ankündigen» Diese sagten voraus, auS welchem Geschlechte er abstammen, wann und wo er auf die Welt kommen, waS er thun und leiden würde. Sie wußten dieses von Gott. Man nennet sie Propheten. Vorzüglich freueten sich die Israelitin auf die Ankunft des MessiaS, weil ihnen zuerst und zunächst von Gott verheißen war, daß sie durch ihn glücklich werden würden. Sie verstanden aber die göttliche Zusage nicht so, daß sie von ihm belehrt, zu einem guten, Gott gefälligen Leben angeführet, von Irrthümern und Sünden, und von den Strafen der Sünden werden befreyet werden. Sie meinten, der Mes. sias werde ein mächtiger König seyn, und sie von ihrem damahligen Landessürsten, dem römischen Kaiser, dem sie nur aus Zwang gehör, sam waren, befrexen. Ver- — ro-- Verkündigung und Geburt Johannes, des Täufers. ließ daher vor Jesu noch ein anderes Kind geboren werden, welches, wenn es er. wachsen seyn würde, den Juden die Ankunft des Messias bekannt machen, sie darauf vorbereiten, und auf Jesum aufmerksam machen sollte. Der Vater dieses Kindes war Zacharias, ein Wischer Priester. Dessen Mutter hieß Elisabeth« Beyde waren alt, fromm und kinderlos. Zacharias verrichtete eines Tages sein prie« sterliches Geschäft im Tempel zu Jerusalem, der Hauptstadt des Landes. Da er Rauchwer? auf dem Altar anzündete, wurde ihm auf einmahl durch einen Engel, oder Bothen Gottes, die erfreuliche Nachricht verkündiget, daß Gott sein Gebeth um ein Kind erhöret hat. Deine Frau, sagte er, wird dir einen Sohn gebären, diesem sollst du den Nahmen Johannes geben. Er werde Freude an diesem Kinde haben, sagte ihm der Engel weiter, und auch viele Juden werden Ursache haben, sich darüber zu erfreuen, weil dieses Kind sie einst lehren sollte, wie sie wieder gute, und Gott wohlgefällige Menschen werden können. Zacharias wollte es sogleich nicht glauben: aber der Engel sagte ihm, er werde zum Zeichen, daß es gewiß geschehen wird, stumm seyn bis zu der Geburt des Kindes selbst. Eli- Elisabeth bekam auch wirklich nachher die- ses Kind, und freute sich darüber mit ihrem Manne und ihren Besreuudten. Als es acht Tage alt war, sollte es nach jüdischer Gewohnheit einen Nahmen bekommen. Der Vater, der noch nicht reden konnte, schrieb auf ein Taselchen: Sein Nahme ftp Johannes. In diesem Augenblicke bekam er wieder seine Sprache. Da sagte er dem lieben Gott Dank dafür, und lobte, ihm Die Leute aber wunderten sich sehr, und sprachen zu einander: 366s wilD Mts sem Kinde werden? Denn sie merkten gar wohl, daß Gott sich desselben ganz besonders annehme. Der Vater, dem es von Gott bekannt gemacht wurde, redete nun auch'öffentlich dgvon, was aus diesem Kinde werden würde. Er erzog das Kind in der Speise i im Tränke, in der Kleidung, in allem zu einen sehr gemeinen Lebensart. Er ließ es, da es großer und älter wurde, in Gegenden wohnen, wo wenig Leute sich aufhielten. Es war ihm so von dem Engel im Tempel besohlen worden. Aus dem Kinde sollte ein Mann werden, der in den unbewohnten Gegenden des Landes(in der Wüste) sich aufhalten, und daselbst predigen sollte. Er mußt- daher schon von Jugend aus gewohnt werden, ein sehr gemeines und unbequemes Leben zu führen.„ Auch euch, liebe Kinder^ ist es sehr nützlich, wenn euch eure Ältern zu gemeinen Sper- sen, zum bloßen Master, zur wohlfeilen Kleidung !2 düng, zur Hitze und Kälte, zu einer unbequemen Lebensart gewöhnen; ihr werdet dadurch stark und gesund, übertraget leichter die Veränderungen des Wetters, könnet das, was ihr brauchet, eure Bedürfnisse, leichter erhalten, und eure Nothwendigkeiten wohlfeiler anschaffen. Ihr werdet zu mehreren Geschäften dadurch tauglich. Dieß ist euch sehr nützlich, denn ihr wisset noch nicht, was aus euch einst werden wird. Wenn ihr euch Hetzt schon viele unnöthige, theure, kostbare Dinge angewöhnet, so wird es euch einst hart an- kommen, derselben zu entbehren, wenn ihr sie nicht haben könnet. Hüthet euch vor der Weich? lichkeir, und bethet; Hilf Herr, daß ich vor Weichlichkeit H Mich standhaft stets bewahre; ^ Und wo die Pflicht mir Müh gebeut, ^Mie meine Kräfte spare. HÄaS müsse mein Vergnügen seyn, ^Mich den Geschäften gern zu weih'n, Die du mir auferlegest. E Verkündigung der Geburt Jesu. twa vier lausend Jahre nach der Erschaffung der Welt, zu der Zeit nähmlich, die von den Propheten zur Geburt des Messias war angegeben worden, kam der Engel Gabriel zu einer sehr frommen, eingezogenen jüdischen Jungfrau, mit Nahmen Maria. Sie stammte aus dem Hause, d. i. von den Nachkommen, Davids, eines bey bey —»3— den Israelitin berühmten Königs, und ward von Gott erwählet die Mutter seines Sohnes zu werden. Sie hielt sich in der kleinen Stadt Na- zaret auf. Der Engel grüßte sie bexm Eintritt« in ihre Wohnung freundlich, nannte sie die gna- denvolle und glücklichste unter allen Frauen, weil ihr vor allen die Ehre geschah, die Mutter Jesu zu werden. Sey gegrüßt, sagte er, du Gnadenvolle? der Herr ist mit dir, du bist die Gesegnete unter allen Weibern. Sie wußte weder, wie auf einmahl ein Engel zu ihr komme, noch, was es zu bedeuten habe, und erschrack darüber. Er aber ermunterte sie liebreich mit den Worten: Fürchte dich nicht Maria, du hast keine Ursache dazu, du stehst bey Gott in Gnaden. Sieh.' du wirst einen Sohn gebären, den du Jesus heißen sollst. Dieser wird einst groß seyn, und der Sohn des Allerhöchsten heißen. Erwirb ohne Aufhören die Menschen glücklich machen. Sie sagte voll Verwunderung! Wie kann das seyn? Aber er antwortete: Bey Gott ist nichts unmöglich. Auch deine Anverwandte, Elisabeth, hat einen Sohn betomryen. Sie überließ es also dem lieben Gott, und sagte: Sieh; ich bin eine Magd des Herrn. Mir geschehe so, wie du getagt hast. Gott kann mit mir vornehmen, was er will. Und so verließ sie der Engel. Sie mußte nun wohl sehr vergnügt gewe-- sen seyn, daß sie vor so vielen jüdischen Jung» ^ stauen — r4 sramn zur Mutter Jesu erwählt wurde, besonders da sie artn, und daher unangesehen war. Allein sie wurde dazu auserwählet, weil sie sehr fromm war. Gott sieht nur aus gute Gesinnungen und Neigungen, und auf das Innere, auf das Herz. Man kann sich nur durch ein gutes, untadelhastes Betragen dessen Wohlgefallen erwerben. Ihm ist kein Mensch angenehm, wenn er nur schön, reich, angesehen und verständig, aber nicht tugendhaft ist. Dieß merket euch, Kinder, und suchet, euch durch ein gutes Herz seine Liebe zu erwerben. Maria wollte sogleich ihrer Verwandten» Elisabeth die freudige Nachricht des Engels mit. theilen, und reisete eilend zu ihr. Sie grüßte dieselbe. Aber Elisabeth wußte schon von Gott selbst, wie geehrt Maria von Gott sey, und sreuete sich mit ihr. Maria lobte Gott, dankte ihm für seine große Güte und Liebe, und reisete nach drey Monathen nach Nazaret zurück. Die. Geburt Jesu. I^aria war mit einem frommen, und Gott gefälligen Manne, Nahmens Joseph, auch aus der Familie Davids, versprochen, ehe noch der Engel zu ihr kam, und ihr die Geburt Jesu Verkündigte. Ein Engel mußte demselben sagen, daß er sie wirklich zur Frau nehmen soll; denn nur ritt so ausnehmend gut gesinnter und tugendhafter Mann war würdig» für dasen kommen, daß eure Ältern und Lehrer euch er- on mahnen, bedrohen, oder wohl gar strafen müs- es sen. Thut nie Böses, so ersparet ihr dieß den rth Ältern, und euch die schädlichen Folgen, die dar- aus entstehen, nähmlich: Angst, Traurigkeit, und vie das Mißfallen Gottes. rer Habet ihr aber Böses gethan, so verharret zu- nicht bep demselben, erkennet sogleich eure Fehlen ler, bereuet sie, bessert euch, bekennet sie euern ,ng Ältern, Lehrern und den Priestern, damit euch reit diese wieder aus den rechten Weg bringen, und en. von den bösen Folgen losmachen. Vorzüglich auf- M- richtig und genau saget den Priestern, was ihr isi gethan habet, wie ein Kranker, der sich ganz dem die Arzte entdecke!, damit sie euch auch die gehörigen Zu Mittel, wie der Arzt dem Kranken, vorschreiben, icht und euch von euren Sünden lossprechen kön- ge. nen. Trachtet sogleich aus allen Kräften, den er: euch oder andern Menschen zugefügten Schaden !get zu ersetzen, und wendet die vorgeschriebenen Mittel hh- an. Mit einem Worte: Thut Buße, sonst en, würde es euch sehr übel ergehen, wie dem Kränzen. ken, der aus seine Heilung nicht bedacht ist. )se» S" Leben Jesu. L Itzs - 34- Jesus wird von Johannes getaufel, und als Gottes Sohn erkläret. Äls Jesus dreyßig Jahr a'.t war, ging er von seinen Ältern weg, und kam auch zum Johannes in die Wüste. Er begehrte von ihm, wie die Juden, getaufet zu werden. Johannes verwunderte sich, wie er das verlangen könnte. Ich hätte wohl eher nöthig, sagte er, von dir getauft zu werden. Jesus aber bestand daraus, und Johannes führte ihn also in das Wasser hinab, und taufte ihn. Nachher ging er mit ihm wieder an das Ufer hinauf. Ein Heller Glanz verbreitete sich nun auf einmahl über den Ort, wo Jesus war. Man sah den Himmel über ihm sich öffnen, und den Geist Gottes wie eine Taube aus ihn Herabkommen. AuS den hell glänzenden Wolken erscholl die Stimme Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Man wußte nun von Gott selbst, welche eine hohe Person Jesus sep, nähmlich Gottes SohN. Als diesen machte ihn Johannes vor allen bekannt. Dafür mußten ihn alle halten, die diese Erscheinung gesehen, und die göttliche Erklärung gehört hatten. So ließ nun der liebe Gott seinen Sohn Jesus immer mehr bekannt werden. Bey seiner Geburt hatten die Hirten zuerst die Ehre, ihn zu sehen; dort war es ein Engel, der ihn verkündigte. In dem Tempel mußten der fromme Simeon und die gottesfürchtige Anna es bekannt ma- 35 h machen, daß er kein gemeines Kind-, sondern der Heiland der Menschen ftp. Auch die Weisen mußten einsehen, daß er weit mehr, als ein königli- >n eher Prinz wäre, weil sich Gott so sehr seiner an« es nahm, und ihn beschützte. Und das war auch recht a- gut, daß die Menschen ihn so nach und nach ken- te nen lernten, so konnten sie auch um so viel mehr sk seinen Lehren Glauben beymessen. Wer konnte x- auch besser das Gute wissen, als Gottes Sohn? is, Wer sollte es besser mit den Menschen meinen, als n- er, der zu ihrem Besten geboren wurde? Wen sollten sie eifriger nachzuahmen suchen, als ihn, von er dem Gott selbst sagte: Der ist es,n in eurer Jugend an, eure Pflichten genau zu Se-> >, odachten, und fahret damit fort, ohne jemahls -n aufzuhören, so erwerbet ihr euch auch das Wohl- m gefallen Gottes. Habet ihr dieß, so könnet >ie ihr ruhig und getrost leben, und könnet euch Gottes besondere Liebe versprechen. In eurer M Jugend aber müsset ihr dazu den Anfang ma- -j. chen, damit ihr es im Guten zu einer Leichtigkeit bringet, und recht viel Gutes thun könnet. Bars durch werdet ihr nicht nur eine kurze Zeit, sonne dern stets glückselig seyn. nk E L Gott! 36— Gott! wären wir vom Jüngling bis zum Greise Gehorsam deinem Willen, gut und weise: Was würden wir mit freudigem Gewissen Für Glück genießen! Wie würde jede wahre Lust aus Erden Erhöht, und jede Last erleichtert werden! Der Aufenthalt Jesu in der Wüste. ^Hesus ging auf göttlichen Antrieb von Johannes weg in die Wüste unweit Jerusalem. Da hielt er sich vierzig Tage und Nächte auf, ungeachtet er hier alle Speisen, des Umganges mit seinen Ältern und Freunden entbehren, unter frep. em Himmel wohnen, und alle Abwechslung der Witterung ausstehen mußte. Er machte es bey. nahe so, wieFohannes, der sich vor dem Ansän» ge seines Predigtamtes auch in wüsten Gegenden aufhielt. Jesus konnte ja hernach, wenn er zu lehren anfing, ebenfalls nicht mehr zu Hause blei. den, konnte wenig Bequemlichkeit genießen, mußte stets auf Reisen sepn, die Ungemächlichkri» ten der Witterung übertragen, und mit jeder Nahrung zufrieden sepn, die er bekam. Ein solcher einsamer Drt ist auch sehr geschickt, seinen Geschäften nachzudenken, und zu Überlegen, wie man sie gut und nützlich verrichten könne. Dieß lasset euch, Kinder, für alle Mahl gesagt seyn. Wenn ihr etwas Wichtiges zu thun habet, so wählet euch vorher einen einsamen Lrt in ruerm euerm Häuft, oder diejenigen Stunden, da ihr im Zimmer am wenigsten gestöret werdet. Dann denket nach, wie ihr eure Schuldigkeit zu eurem Nutzen, und zur Ehre eurer Ältern thun könnet, und alles wird wohl von Statten gehen. Sind es aber Verrichtungen» wobey ihr manches Ungemach ertragen muffet, so machet es wie Jesus, bereitet euch dazu durch Übertragung und Er. duldung mancher Beschwerlichkeiten vor. Zuletzt gewöhnet ihr euch daran, und verrichtet die mühsamsten Geschäfte ohne große Mühe. Äesus wird versuchet. » Jesus aus der Wüste weggehen wollte, ward er noch etwas durch folgende Begebenheit aufgehalten. Er wurde aus die Probe gestellek, ob er etwas thun könnte, was die Menschen zu thun nicht im Stande sind, oder ob er sich nicht zu etwas Bösen verleiten ließe, woraus man abnehmen könnte, daß er wirklich der Sohn Gottes nicht ftp. Dieß Heißt: Er wurde versuchet. Der Versucher trat zu ihm, und sprach: Sieh, du bist hungerig. Wenn du aber Gottes Sohn bist, so sprich, daß aus den Steinen, die da sind, Brot werde. Du wirst es können. Allein das wollte Jesus nicht thun; denn es war nicht nothwendig. Um Speise zu bekommen, brauchte er nur aus der Wüste zu gehen. Selbst dort gab es allerhand Dinge, die man ZZ man jn der Noth essen konnt-, obschon sie keine ordentlichen Speisen waren. Es gibt außer dem Brote so viele andere Lebensrnittel, Fleisch» Gemüse, Obst und dergleichen, die der liebe Gott zur Nahrung der Menschen erschaffen hat, und zwar so mannigfaltig, so allgemein, daß man sich darüber wundem, und ihm herzlich dafür danken muß. Jesus sagte daher auch zu ihm: Der Mensch lebt nicht vom Brote allein, sondern von allem dem, was der allmächtige Gott zur Nahrung der Menschen erschaffen hat. Ihn als den Sohn Gottes zu erkennen, brauchte es dieses Wunder nicht) die Stimme von oben, die ihn daf«r erklärte, verdMte;a allen Glauben. Der Versucher führte dann Jesum aus der r Wüste weg nach Jerusalem aus das flache Dach t- (die Zinne) des Tempels, und jagte zu ehm; Stürze dich V.?U da hlMö. 88enndu Gottes Sohn bist, so wirst du dich nicht beschädigen; denn es steht geschrreoen, daß Gott seinen Engel« befohlen habe, dich zu bewahren. Er aber antwortete ihm, es sey vsr- bothen sich in Lebensgefahr zu stürzen, und eS daraus ankommen zu lassen, ob uns^ Gott durch seine Macht helfen wolle.^Es steht tM Gesetze geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht versuchen. Seht, Kinder, wie vorsichtig Jesus war, um sich nicht zum Bösen verleiten zu lassen. Ahmet ihn hierin nach. Lasset euch nie zu gefährlichen Dingen anreißen, ohne euer» Ältern oder >— 3y-— oder Lehrern davon zu sagen, als: zum Schwimmen, starken Lausen, Springen, Baumklettern, Glitschen auf dem Eise, Schaukeln und derglei- chen, Ihr könnet euch Schaden an eurer Gesund- heil, an den Gliedern des Leibes zufügen, oder gar das Leben einbüßen, und euer» Ältern viel Schmerzen verursachen. Vermessene Waghälle sind strafbar, und stürzen sich selbst ins Unglück. Bittet Gott täglich, daß ihr klug und verständig werdet, die Reitzungen zum Dösen zu erkennen, und stark genug, sie zu überwinden. Der Versucher unternahm es noch Ein Mahl, Jesum auf die ProLLLl stellen. Auf einem Berge, von welchem man die herumliegenden Gegenden sammt den Städten, Dörfern, Wiesen, Äckern und Gärten übersehen kann, sagte er zu ihm: Alles, was du hier siehst, will ich dir geben, wenn du auf deine Knie fällst und mich als Gott verehrest. Ein schwacher, habsüchtiger, leichtsinniger Mensch würde sich dazu haben verleiten lassen. Die meisten Menschen thun ja nur darum Böses, weil sie daraus Vortheile erwarten. Jesus redete ihn aber mit Ernst und Unwillen an: Hinweg von mir Satan. — Steht nicht im Gesetze: Du sollst Gott allein die höchste Ehre erzeigen? Kinder, wenn mau nur gleich der guten Lehren sich erinnert, die man von seinen Ältern, Lehrern, in der Schule, oder in der Kirche empfangen hat, so hat es bep den Reitzungen zum 4o zum Dosen so leicht keine Gefahr, so widersteht man ihnen bald. Dazu gab Jesus das Beyspiel. Er ließ sich nicht verführen, sondern erinnerte vielmehr den Versucher an die Gebochk Gottes, und zeigte ihm dadurch sein unrechtes Begehren, Das thut auch, liebe Kinder. Saget dem, der euch zum Ungehorsam gegen eure Ältern, zur Unehrerbiethigkeit, zum Undank verleiten will; Weißt du nicht das Geboth: Du sollst Vater und Mutter ehren? und dem, der euch zum Stehlen, zu einem falschen Zeugnisse anreit- zen will, antwortet: Weiß du nicht das Geboth: Du sollst nicht stehlen? Du sollst kein falsches Zeugniß geben? So machet es durchaus, und ihr werdet der Versuchung entgehen. Jesus nimmt Jünger an. Erstes Wunderwerk. D)esus ging sodann wieder in die Wüste, wo Johannes taufte. Kaum sah ihn dieser, als er sogleich zu den Leuten, welche da waren, sagte: Dieser ist es, der von dem himmlischen Vater als Gottes Sohn erkläret wurde. Er ist eine so hohe Person, daß ich nicht werth bin, ihm den geringsten Dienst zu erweisen. Ich bin nur vor ihm, als einer sehr vornehmen Person, gekommen; er wird bald selbst nachkommen und lehren. Er wird die Menschen von ihren Sünden besrexen, wie ein Hamrn, das zur Tilgung der Sünden geschlachtet- — 4-— tet wird. Er ist das Lamm, welches die Sünden, der Welt hiweg Nimmt. So redete Johannes immer von Jesu, und wies aus ihn, so oft er ihn sah. Er machte ihn allenthalben bekannt, damit die Leute nur ihm nachgehen, und sich von ihm sollten belehren lassen. Sogleich gingen auch zwey Jünger des Johannes, Andreas nähmlich undPetrus, Jesu nach, und bathen ihn, daß er sie zu seinen Jüngern an, nehmen mochte. Diese waren schon erwachsene Leute, hießen aber Jünger, weil sie noch erlernten. Jesus nahm sie aus. Sie führten ihm noch zwey zu, den PHSlippus und Nathanael. Dazu gesellten sich nach der Zeit noch mehrere. Er wählte unter allen zwölf, die Apostel(Gesandte, Bothen,) genannt werden, weil er sie zum Lehren aussandte. Diese nahm er daher überall mit, wohin er ging. Sie mußten alles sehen, was er that, alles am besten hören, was er lehrte. Mit ihnen unterredete er sich am meisten, und benahm ihnen ihre falschen Meinungen und Voruriheile. Mit ihnen ging er wie ein Freund und Vater um. Er sorgte auch von der Zeit an für ihren Unterhalt. Mit den vier genannten Jüngern reisete Jesus nach Galiläa, und wohnte mit ihnen einer Hochzeit bey, zu der auch seine Mutter geladen war. Diese bemerkte bey der Mahlzeit, daß der Wein mangelte. Sie sagte zu Jesu: Sieh doch, sie haben keinen Wein, Sie glaubte, er würde dem Mangel zur Ehre der Braut- 42 Brautleute abzuhelfen wissen. Jesus wartete die schicklichste Gelegenheit dazu ab, damit zugleich seine Wunderkrast bekannt würde. Er befahl bald darauf den Auswärtcrn, in sechs steinerne Krüge Wasser zu schöpfen. Das Wasser in den Krugen ward Wein. Er befahl, davon dem Speisemei- ster zu trinken zu geben. Dieser bemerkte, daß es guter Wein war, wußte aber nicht, woher er gekommen wäre. Er fragte den Bräutigam, warum er doch so guten Wein aus die Letzt aufbehalten, und nicht nach Gewohnheit zuerst hergegeben habe. Da sagten es die Aufwärter, woher er gekommen wäre. Darüber verwunderten sich alle Gäste. Die verwandten Jesu, die auch zugegen wäre«, und ihn vorher nicht sehr schätzten, bekamen nun von ihm eine überaus hohe Meinung. Seine Jünger aber wurden dadurch in der Überzeugung, daß er Gottes Sohn sey, gestärket. Wer anders, als Jesus, hätte so ejn Werk verrichten können, wozu göttliche Kraft erfordert wird? Dieses Wunderwerk war hier sehr nützlich, darum verrichtete er es. In der Wüste wollt er keines wirken, weil es weder nothwendig, noch nützlich gewesen wäre. Zugleich zeigte er sich ge- gen die Brautleute und die Anwesenden sehr gefällig, indem er zu ihrem Vergnügen etwas bey- trug. Dieses soll auch unser Bestreben seyn, nach unserm Vermögen andern Vergnügen und Wohlergehen zu verschaffen. Wir haben ja dazu manche Gelegenheiten. Zum wenigsten sollen wir - 43- wir das Vergnügen anderer Menschen nicht stören, Dieß ist manches Mahl ein Fehler der Kinder bey ihren Spielen, daß sie ungefällig oder störig sind. Die diesen Fehler an sich haben, müssen ihn ablegen, und das Beyspiel Jesu nachahmen. Dieses lehrt auch zugleich eine für euch sehr angenehme Sache, nähmlich daß ihr euch zuweilen ergehen dürfet. Daher nahm er die Einladung zur Hochzeit an, ynd führte auch seine Junger dahin. Ergetzungen sind ja für fleißige, arbeitsame Menschen sehr gut. Sie heitern auf, geben neue Kräfte und neuen Eifer zu den Geschäf. reu. Der himmlische Vater hat daher für die Menschen/ seine Kinder, auf Erden so viele an- genehme Dings erschaffen, und ihnen Verlangen darnach, und Fähigkeiten, sie zu genießen, ge. geben. Nur, Kinder, genießet alles mäßig, und dankbar gegen Gott. Bittet ihn; Wenn ich Vergnügen hier genieße, So laß es mir Vernunft geschehn, Und, daß ichs mir noch mehr versüße, Mit Darck auf dich/ den Geber, sehn.: Aus dich, der du unS zärtlich liebst, Und Nahrung und Equickung gibst. Lasset euch dieses ja gesagt seyn. Ihr wollet oft bald zu viel essen, bald zu viel spielen, oder solche Vergnügungen haben, die euch schädlich sind, wobey ihr an den lieben Gott gar nicht denket. Ziehet daher allen Ergetzungen d,e 44 Spaziergättge auf das freye Feld, in Gärten, in Kunstkammern vor. Solche Unterhaltungen müssen euch sehr lehrreich werden, indem ihr dadurch Gottes Weisheit, Güte, Allmacht immer besser einsehen lernet. An solchen Ergetzungenwird euch nie ekeln, ihr werdet darüber nie Ursache haben euer Thun, und Lassen zu bereuen. Die Welt glänzt für die Tugend nur, Der Unschuld ist sie schon; Umsonst schmückt sich mit Reihen die Natur Für Augen, die nicht sehn. Jesus reiset nach Jerusalem, und treibet die Verkäufer aus dem Tempel. ^Hesus begab sich darauf in die Stadt K!aphar- naum, hielt sich daselbst eine. kurze Zeit mit seinen Jüngern auf, und reiset; alsdann mit ihnen, gleich andern Einwohnern des Landes, zum Osterfeste nach Jerüsalem, zu dem er mit seinen Ältern schon als zwölfjähriger Knabe gegangen war. Er richtete sich in Dingen, die seiner Lehre nicht entgegen waren, ganz nach der Gewohnheit der Juden. Er beobachtete daher alles genau, was eingeführet ward, und wollte, daß dieß auch von andern geschähe; dort mußte er mit Unwillen bemerken, daß im Vorhofe des Tempels Markt gehalten wurde, wo Vieh zum Opfer verkaufet, Geld eingewechselt, und dabey geiarmet, geschrien und — 45— betrogen wurde. Dadurch wurden diejenigen, welche bethen, Gott danken, ihre Dpser darbrin« gen, und den Lehrern zuhören wollten, gestöret- Auch zeigte dieses wenig Hochachtung gegen den Tempel an, den man doch als ein Haus betrachtete, das Gott zu Ehren gebauet war. Er konnte es nicht länger leiden, und trieb die Verkäufer mit Ernst hinaus. Er sagte: Es schickt sich nicht, daß ihr dieses Haus einer Hohle ähnlich machet, wo Räuber, Diebe und Mörder zusammen kommen, ihren Raub zu theilen. Es ist ein Bethhaus; ihr aber habt daraus eine Mördergrube gemacht. Kinder, diejenigen thun ganz gut, welche besorgt sind, dahin den Kirchen und neben den- selben Stille und Ruhe herrsche. Wie könnten sonst die Leute ungestört bethen, Gott Dank sagen, den Predigten und dem Gottesdienste bey. wohnen? Wäre es nicht auch höchst unanständig, da unruhig oder geschwätzig zu seyn, wo mau zu so heiligen Verrichtungen zusammen kommt? Wurde dieß nicht die äußerliche Geringschätzung gegen Gott selbst anzeigen? Daher seyd still, ruhig und ehrerbiethig in den Kirchen. Lastet euch erklären, was allda geschieht, so werdet ihr selbst einsehen, daß man mir Aufmerksamkeit und Hochachtung dabey gegenwärtig seyn müsse. Die Leute wurden nun sehr aufmerksam auf Jesum. Sie verwunderten sich, daß er sich so etwas zu thun getrauet habe. Er aber zeigte ihnen, daß er dazu Macht habe; indem er ge- kom-' --- 46 kommen sey, die wahre Gotk-sverehrung zu lehren. Er wirkte hier mehrere Wunder zum Besten derKranken und Elenden. Dieß floß!- ihnen Hochachtung gegen ihn ein. Sie--kannten nach und nach, daß er recht gethan habe, und daß er eine sehr hohe Person seyn müsse. Selbst ein Mitglied des hohen Rathes, Nicodemus, erkannte ihn für einen ganz andern Lehrer, als die übrigen waren, kam zu ihm, ließ sich von ihm belehren, und glaubte ihm. Johannes, der Täufer, wird gefangen und getödtet. Johannes predigte noch immer in der Gegend des Jordans, und verkündigte Jesum als den verspro. chenen Heiland der Menschen. Er ermunterte die Seme ernstlich zur Besserung, und taufte sie. Allein her Landesherr Herodes sah nicht gern, daß ihm so viele Leute nachgingen. Er fürchtete, sie möchten von ihn. abfallen, und dem Johannes anhängen, und dieser könnte sich etwa gar als ihren Herrn erkennen lassen. Er befahl daher, ihn gefangen zu nehmen, und auf einem Schlosse zu verwahren. C- erkannte freylich gar bald, daß er von ihm nichts zu fürchten gehabt hätte; denn Johannes wollte ja nur die Einwohner bessern. Er hörte ihn selbst lehren, richtete sich hier und da nach seinen Ermah- nungen, und erlaubte dessen Jüngern, ihn im Gefängnisse zu besuchen. Diese Jünger wies nun Johannes an Jesum, ihn sollten sie als den ver- heißenm großen göttlichen Lehrer ansehen. Diese könn- _§7 - konnten nur nicht recht begreifen, daß es JesuS a wirklich sepn sollte, da er sich in der Kleidung und Lebensart so wenig von den übrigen Menschen uns » kerschied. Er schickte daher zwey von ihnen zu Je- e su selbst, damit sie sich dessen ganz überzeugen sollt d ten. Als sie bep Jesu ankamen, und ihn deßwegen r fragten, war er gerade damit beschäftiget, den , Kranken, deren m»n viele zu ihm gebracht hatte, d die Hände auszulegen, zum Zeichen, daß er sie gesund machte. Er antwortete ihnen: Aus dem, ( was ihr jetzt gesehen habet, könnet ihr abnehmen, wer ich sey: Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Stummen reden, die s Tauben hören, die Aussätzigen sind rein. >-(Solche Werke hatten die Propheten von dem e Messias voraus gesagt.) An der Niedrigkeit und n Armuth meiner Person aber muß man sich nicht o stoßen, sondern bloß auf das sehen, was ich tbue- n Die Jünger gingen nun, überzeugt, und voll > Hochachtung gegen ihn, weg. n Nachher trug sich aber für Johannes etwas a Trauriges zu. Er konnte nicht mehr die Freude r haben, die Leute zu unterrichten und zu bessern, s Herodes versprach bep einem Freudenfeste der » Tochter seines Bruders, alles zu thun, was. sie , von ihm begehren würde, und beschwor es. Die- . se ging zu ihrer Mutter, und fragte, was sie - verlangen sollte. Die Mutter war gegen Zohan- a nes ausgebracht, weil er ihren bösen Lebens- > wandel getadelt hatte. Sie sagte zu dem Meid- e chen: Begehre das Haupt des Johannes. Das - 48- Las Mädchen that s, und HerodeS getraust sich um der Mutter willen, die er liebte, und wegen des gemachten Versprechens nicht, es ihr abzuschlagen. Er befahl mit heimlichem Wider» willen, den Johannes zu enthaupten. Kinder ihr sehet, warum Johannes, dieser rechtschaffene, unschuldige Mann, sterben mußte — bloß, weil Herodes sich gegen die Mutter des Mädchens, die er sehr liebte, gefällig bezeigen wollte. Gefälligkeit ist allerdings eine Sache, die euch nach dem Beyspiele Jesu sehr zu empfeh- len ist; aber nur Gefälligkeit in guten, erlaubten Handlungen, sonst ist sie sündhaft und verwerflich, wenn sie auch eure besten Freunde verlängeren. Wurde von euch einst etwas Unerlaubtes verlanget, so entschuldiget euch.— Gute, wohl» gesinnte Menschen werden von euch nie etwas solches verlangen; und den bösen könnet ihr es ohne Bedenken abschlagen. Lernet zugleich, nicht un-- besonnen etwas versprechen, wie es Herodes that, der aus Scham, sein Wort zu brechen, verleitet wurde ein neues Verbrechen zu begehen. Das Gespräch Jesu mit einer Samari- terinu. ^Hesus wollte nach Galiläa zurück kehren, und nahm den Weg durch das Land Samarien. Hier setzte er sich von der Reise müde, gegen Abend bey einem berühmten Brunnen außerhalb der Stadt Sichar nieder, seine Jünger.aber schickte er in dieselbe, Speise einzukaufen. — 49— Als sie fort waren, kam ein Weib aus der Stadt zum Brunnen, Wasser zu schöpfen. Er begehrte zu trinken. Sie verwunderte sich darüber, weil sie sah, daß er ein Jude war; denn die Sama» riten und Juden lebten seil langer Zeit in äußerster Feindschaft, ohne den geringsten Umgang mit einander. Du bist ja ein Jude, sagte sie, wie kommt es, daß du Wasser von mir, einer Samarilerinn verlangest? J-sus antwortete: Wenn du den kennetest, der von dir zu trinken begehrt, du würdest ihn um Wasser gebethen haben— und er hätte dir kein solches gegeben, nach welchem man wieder durstet, sondern ein Wasser, das für immer den Durst stillet. Unter diesem Wasser verstand er seine trostreichen Lehren, die zu einem sehr glücklichen ewigen Leben anweisen. Das Weib verstand es aber nicht, und verlangte solches Wasser. Jesus wollte sich also ihr zu erkennen geben, und sagte, daß sie schon fünfMänner gehabt habe, und noch etwas, daS niemand als ihr allein, bekannt war. Darauf antwortete sie: Herr, ich sehe, daß dir ein Prophet bist. Sage mir doch, ist es dieser Berg, der vor uns liegt, oder Jerusalem, wo man Gott allein anbelhen MUß? Er antwortete: W kpipmi nicht auf den Lrt an, Gott ist ein Geist, man kann ihn daher überall anbethen. Die es aber thu«. Müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit anbethen, das ist, andächtig, recht herzlich Leben Jesu. D und 5o n„d aufrichtig. Das Weib fuhr: 26ttNt Christus einmahl kommen wird, so wird er uns in allen dergleichen Dingen unterrichten. Ich, sagte Jesus, der ich Mit der spreche, bin es..-. Nun kamen die Jünger mit den Speisen, und verwunderten sich, daß er mit einem samaritischen Weibe redete. Dieses ließ den Krug stehen, ging in die Stadt, und sagte laut: Kommt, und sehet einen Mann, der mir alles sagte, was ich gethan habe. Er ist Christus Die Einwohner begaben sich sogleich auf den Weg. Ehe sie bey ihm eintrafen, reichten ihm die Jünger Spei« s-dar, mit der Bitte, daß er doch essen möchte. Er aber sagte daraus: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennet. Den Willen desjenigen thun, der mich gesandt hat, und sein Werk vollenden, das ist meine Speise. So eitrig erfüllte Jesus feine Amtspflichten, und gab uns ein Beyspiel der Arbeitsamkeit und des Diensteifers. Essen und Trinken vergessen oder sich versagen, und das aufgetragene Geschäft zu vollen« den, das heißt Jesum, unsern Meister nachahmen. Glückliche Kinder, die sich sitzt schon gewöhnen, ihre Geschäfte mit solcher Lust zu verrichten! Sicher vor Armuth und Lastern, die dem Müßiggänger nacheilen, werdet ihr einst von dem himmlischen Hausvater die erfreulichen Worte hören: Getreuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn I Die Einwohner kamen bey Jesu an, und snbrrm ihn mit Hochachtung in die Stadt. Sie , hör- 5i horten ihn aufmerksam zu, und sagten dann zum Deibe: Jetzt glauben wir nicht mehr wegen deiner Aussage, sondern wegen seiner Lehren, die wir selbst gehört, und dadurch wir uns überzeugt haben, daß er der Heiland der Welt ist. Sie wünschten, ihn recht lange bey sich zu haben, er blieb aber nur zwey Lage, und setzte dann seinen Weg weiter nach Galiläa fort. Mit Freuden ging er weiter, weil er hier so viel Gutes gesiisiet haue. Es ist ja für jeden Lehrer das größte Vergnügen, wenn er sieht, daß sein Unterricht mit Begierde angehöret wird. Das macht ihm neue Freude zum Lehren, und ermuntert ihn zu diesem mühsamen Geschäfte, weil er sich verspricht, daß seine Lehren auch befolget werden. Jesus lehrt, heilt einen'kranken Sohn, die Schwiegermutter des Petrus, und viele Kranke. Der reiche Flscbzug» cx ^)esuS kam nun wirklich in GaNläa an. Zu Cano, wo er das Wafftr in Wein verwandelt hatte, trat ein vornehmer Beamter des Königs zu ihm, und bath ihn, nach Kaphar- naum zu kommen, und seinen sterbenden Sohn zu heilen. Er hatte zwar großes Zutrauen zu Jesu, glaubte aber, daß er selbst zu dem Kranken kommen muffe, um ihn gesund zu machen» Jesus verwies es ihm. Allein er achtete nicht daraus, sondern bath sehr dringend um schleu- D 2 m- 52 nige Hülfe, J-sus sagte: Geh, LeM Sohn lebt, er ist gesund. Indem er nach Hause gmg, kamen ihm seine Hausleute mit der freudigen Nachricht entgegen, sein Sohn sey gesund. Er fand, daß er in dem Augenblicke gestM geworden war, als Jesus sagte- Dem Sohn lebt. Er hielt ihn nun mit allen seinen Haus- leuten für den Heiland der Menschen. Da kam Jesus nach Nazarcth, und lehrte daselbst in der Synagoge.(So nannte man das Haus, wo das Volk am Sabbathe zum Unterrichte und Gebethe zusammen kam.) Er machte bekannt, daß er der verheißene Erlöser und Hei- land sep, und zeigte es aus den Weissagungen der Propheten. Allein man wollte es nicht glauben, weil ihn die Leute in seiner Jugend daselbst aufwachsen, und wie einen gemeinen Juden handeln sahen, von demWeltheilande aber sich ganz andere Vorstellungen machten. Er zeigte es ihnen klar und deutlich, und redete ihnen hierüber ernstlich zu. Das verdroß sie. Sie wurden gegen ihn erbittert, und wollten ihn schon über den Berg, auf dem die Stadt lag, hinab stürzen; allein er wußte ihnen unbeschädigt zu entkommen. Er r-is-le von dieser seiner Vaterstadt mrßver- anügt weg nach Kapharnaum. " Hier lehrte er wieder in der Synagoge, und die lchrbegierigen Einwohner hörten ihm sehr aufmerksam zu. Sein- Art zu lehren gefiel ihnen sehr wohl. Sie wollten überall, wo sie ihn antrafen, daß er sie lehrte. Daher lehr» lehrte er oft auf der Gaffe, auf freyem Felde, oder aus einem Berge. Einst trafen sie ihn bey der Stadt am See Genesareth an. Gr sollte sie unterrichten. Er thats gern, und weil der Zulauf so häufig war, daß er auf dem Gestade nicht ruhig stehen konnte, stieg er in ein Schiff, das dem Petrus gehörte, ließ es etwas vom He-,^ stade tauchen, und lehrte aus demselben. Dann sprach er zum Petrus: Fahr werter in den See hinaus, und fang zu fischen an; denn er wollte etwas thun, wodurch alle Anwesende von ihm eine sehr hohe Meinung bekämen. Dieser sagte: Herr, das haben wir schon die ganze Nacht gethan, und nichts gefangen. Aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Es geschah, und es fingen sich so viele Fische auf den gemachten Zug, daß das Netz zerriß, Petrus den übrigen Fischern winken, und die Fische auf mehreren Schiffen unterbringen mußte. Die Verwunderung darüber war bey ih, nen sehr groß. Petrus erkannte sich für unwürdig, Jesum bey sich zu haben, und sagte daher: Geh von mir hinweg, denn ich bin nur ein sündiger Mensch.— Jesus gefiel diese Rede, und er sprach zu ihm: Von NUN NN laß das Fischen stehen; du sollst dafür Menschen fangen, das ist, du sollst durch Belehrung Anhänger meiner Lehre sammeln. Auch die Bruder Jacobus und Johannes, beyde Fischer, wurden Jünger Jesu, und ließen die Fische sammt den Fischgeräthe andern über, in der ge. gewissen Meinung, daß ihnen bey Jesu nichts^ mangeln würde.. D Bald nach dieser wunderbaren Begebenheit^ wurde Jesus g-b-then, die sehr krankeSchwieger. r mutier dcs.Perrus zu heilen. Sie hatte das Fieber. Jesus ging zu ihr, nahm sie bey der Hand, damit sie sich ausrichtete. Sie konnte es sogleich, stand aus, war gesund, und im Stande, die Geschäfte einer Hausmutter zu verrichten. Alles erstaunte darüber, und man erzählte die That sogleich in der ganzen Stadt. Dieß erregte auch bey den übrigen Kranken' die Hoffnung, von Jesu geheilet zu werden. Sie kamen häufig vor das Haus des Petrus, oder ließen sich dahin bringen. Man meldete es Jesu. Er ging sogleich heraus, sah die Elenden, sührte sich ihren Zustand zu Gemüthe, und fühlte Mitlei. den.— Er ging zu einem jeden, legte ihm die Hände auf, zum Zeichen, daß er ihnen die vorige Gesundheit wieder ertheilte, und heilte alle. Bis tief in die Nacht war er mit den Kranken beschäf» tiget, und ließ alle froh nach Hause gehen. Ihm war keine Mühe zu groß, den Menschen zu helfen» Er war ein sehr großer Wohlthäter.—- ii F, ' i H du Helfer der Elenden! Wer hat nicht von deinen Händew Segen, Hüls und Trost bekommen, Der betrübt zu dir gekommen? Wie ist dir dein Herz gebrochen, Wenn dich Kranke angesprochen Und 55 ^« F.^ G G ' Und wie pflegtest du zu eilen. Das Gebethne mitzutheilen! Lehren Jesu von den Seligkeiten. §beil Jesus sich so wohlthätig gegen Kranke und Elende bezeigte, und dabey so schone Lehren gab, gingen ihm die Leute immer mehr nach. Sie kamen aus allen Gegenden zusammen. Er stieg auf einen Berg, wo er alle übersehen konnte, und fing an, sie wiederzu kehren. Seine Jünger mußten die nächsten bey ihm seyn, weil einige Lehren sie vorzüglich angehen sollten. Er sagte zuerst, welche selig» das ist glücklich, sind; damit sie sich bestreben sollen, auch so zu werden« Glücklich sind diejenigen, welche erken. neu, daß sie arm am Verstände sind, daß ih- nen die wahre Kenntniß des Guten fehler. Diese lassen sich belehren und bessern; für diese schicken sich recht meine Lehren, sie sollen ihnen auch bekannt gemacht werden. Es sind Lehren vom Himmel herab, die sich aus Erden wie ein großes Reich ausbreiten werden: Selig sind die Armen am Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich. Glücklich sind diejenigen, die jetzt traurig sind und weinen. Für sie geschieht etwas, das sie erfreuen und trösten wird. Meine Lehren werden ihnen Freude und Trost verschaffen: Selig sind, die jetzt trauern; denn sie werden getröstet werden. Glück- Glücklich sind' diejenigen, welche sich durch Beleidigungen und Unbilden nicht zum Zorne bringen lassen, sondern sie gelassen übertragen, und sanstmüchig bleiben; sie werden immer am ruhigsten leben, und das, was sie auf Erden besitzen, zufrieden genießen. Selig sind die Sanftmüthigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind diejenigen, die nach dem, was recht und gut ist, so ein Verlangen hüben, wie Hungerige nach Speise, und Durstige nach einem kühlenden Tränke; sie werden dazu Unterricht und Beystand erhalten; ihr Verlangen wird befriediget werden: Selig sind, die nach der-Gerechtigkeit hundert und durstet; denn sie werden gesättiget werden. Glücklich sind diejenigen, welche durch Noth und Elend anderer Menschen zum Mitleiden gerührt, und zur Hülsleistung angetrieben werden; auch ihnen wird in dem Unglücke ge- helfen werden: Selig sind die Barmherzigen, denn auch ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren. Glücklich sind diejenigen, die ganz gute Gesinnungen und Neigungen haben, und von allen bösen Begierden frey sind; denn sie sind fähig, über Gottes Eigenschaften und Lehren recht nachzudenken, und unterrichtet zu werden. Diese werden Gott so erkennen lernen, als ob sie ihn mit Augen sähen: Selig sind, deren Herz reitt ist; denn sie werden Gott anschauen. Glück- - 5?— Glücklich sind diejenigen, welche friedlich, einig, verträglich und nachgiebig sind, denn dieß schickt sich für Menschen, die Kinder des himmlischen Vaters sepir wollen. Dadurch werden sie ihm, wie gute Kinder ihren Ältern, ähnlich seyn, und in Wahrheit seine Kinder heißen: Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Glücklich sind diejenigen, die darum per« folget werden, weil sie thun, was recht und gut ist; für sie taugen recht meine Lehren; sie werden in denselben Ermunterung und Zufriedenheit finden: Selig sind, die wegen der Gerechtigkeit Verfolgung leiden; denn ihrer ist das Himmelreich. Da er wußte, daß seine Jünger sehr viel Bö, ses werden auszustehen haben, so sagte er, sie sollen sich dadurch von ihm nicht abwendig machen, und von der Ausbreitung seiner Lehren nicht abhalten lassen; denn je mehr sie würden zu erdulden haben, desto größer werde einst ihre Belohnung sepn. Seligseyd ihr, wenn man euch meinetwegen beschimpfet, verfolget, und alles Böse von euch saget. Freuet euch, und frohlocket; denn euer Lohn im Himmel ist groß. Alle diese Lehren beherziget, und befleißet euch, liebe Kinder, sie zu befolgen, damit ihr erfahret, wie glücklich sie machen. Besonders aber seyd gelehrig, sanftmüthig, friedfertig, barmherzig, und eines reinen Herzens. Ss kann euch nichts Besiers empfohlen werden. 58—- Heu. Die SattftMUth ersparet euch viel Verdruß, Unzufriedenheit mit euch selbst, und alle schädliche Folgen, die aus dem Zorne entstehen.— Deßgleichen auch die Friedfertigkeit; denn man gewinnet gute Freunde, g-räth in keine Streitigkeiten und Feindschaften, zanket sich nicht mit seinen Geschwistern, oder Dienstleuten, Nachbarn, man ersparet sich dadurch tausend Unannehmlichkeiten. Barmherzigkeit verschaffet den Elenden und Bedürftigen Hülfe, Freude und Vergnü- gen, macht sie froh und zufrieden, und ge- rvinnt uns Helfer und Freund-, wenn wir in «ine Noth gerathen. Wie erwünscht endlich muß uns nicht die Reinigkeit des Herzens seyn; Durch sie haben wir stets ein gutes Gewissen, und Freudigkeit b-p allen Geschäften; ohne sie würdet ihr immer unzufrieden mit euch selbst ftM. Der Verlust derselben ist nur durch bil- tern Schmerz, und lange Bemühung wieder zu ersetzen. Sprecht bey euch'selbst: Sollt, ich ein frohes Leben Für Lust der Sünde geben? Und darum die innre Pein, Mich selber zu beklagen, In meinem Busen tragen? Gott laß dieß ferne seyn! Die Reinigkeit des Herzens macht uns fä. Hig, Gottes Eigenschaften recht einzusehen, an sseinm Lehren Lust zu finden, und mit Ve» trau- - 5y— trauen zu Gott zu bethen. Gewiß wurde Jesus nicht gleich Anfangs diese Lehren, als Mittel selig zu werden, empfohlen haben, wenn sie nicht dazu überaus dienlich wären. Er kannte auch die Menschen am besten, und wußte, daß wir vorher unsere Gesinnungen und Neigungen bessern müssen, ehe wir im Stande sind, gut und rechtschaffen zu handeln. Lehren Jesu von der Versöhnlichkeit,' dem Schwören und der Feindesliebe. tA, q^ch bin, sagte Jesus weiter zu dem Haufen des Volkes, nicht gekommen, die Gebothe Gottes aufzuheben, sondern das, was bisher unrichtig verstanden oder ausgelegt worden ist, zu berichtigen, und das Abgängige zu ergänzen. Aus der Ursache sage ich, daß alles davon bis auf das Kleinste beobachtet werden muß. Bisher, sagte er, legten einige das Geboth: Du sollst nicht todten, so aus, daß dadurch nur der wirkliche Todtschlag verbothen sey. Ich aber sage euch, daß auch derjenige dagegen sündiget, der andere erzürnet, beschimpfet, und mir ihnen keinen Umgang mehr haben, sondern unver, sohnlich leben will: Wer sich über seinen Bruder auch nur erzürnet, der fällt unter das Gericht. Wer zu seinem Bruder sagt: Du Raka(ihn beschimpfet), der fällt unter den hohen Rath. Wer aber gar sagt: Du Narr! der ist des Feuers schuldig. Das — 6o Das Gebeth und Opfer eines unversöhnlichen Manschen werden Gott nicht gefallen, bis er sich mit seinem Feinde wird ausgesöhnet haben. Wen» du deine Gabe opferst, und erinnerst dich, daß dein Bruder etwas wider dich hat, so geh, versöhne dich zuvor mit ihm, dann komm und opfere. Vergleich dtch mit deinem Feinde geschwind, ehe noch, als er zum Richter kommt; sonst ziehst du dir Gefängniß, üble Behandlung von Gerichtsdienecn, und Unkosten zu. Merket euch, liebe Kinder, diese Warnungen und Lehren wohl. Ihr habet vielleicht auch manches Mahl Ursache, mit euern Geschwistern, mit euern Mitschülern oder andern zu zanken, und dann ihren Umgang zu meiden. Lastet euch nicht ein, werdet nicht böse aufße, gehet ihnen eure Hand, als ein Zeichen eurer friedfertigen Gesinnungen, und versöhnet euch gleich wieder. Dieß ist immer das Beste. Ihr wisset schon selbst, wie Übel ihr davon kommet, wenn ihr bey euern Ältern und Lehrern klaget. Gesetzlauch, ihr wäret sehr beleidiget worden, so zieht ihr euch durch Unverföhnlichkeit nur noch mehr Verdruß zu, ihr machet die Aussöhnung immer schwerer, und niemand würde zuletzt mit euch umgehen wollen. Bedenket: Ihr seyd Bürger Einer Welt, Kinder Eines Vaters, Bruder, Die er huldreich all' erhält, Alle Eines Leibes Glieder, Die 6r Die sein weiser Allmachtsruf Alle sich zu dienen, schuf. Und ihr sollet euch entzwcpen? Lieblos euch einander hassen? Und zu eurer eignen Pein Euch durch Neid beherrschen lassen? Wer kein.Freund des Nächsten ist, Ist fürwahr kein Mensch, kein Christ. Es ist jm Geseße verbothen, fuhr Jesus fort, ohne Noth zu schworen, das ist, Gott zum Zeuge« anzurufen, daß das, was man sagt, wahr ist: Du sollst nicht schwören. Schwörest du aber, so halte dem Herrn deinen Schwur. Ihr habet aber die Gewohnheit, nicht bep Gott allein zu schwüren, sondern auch bep dem Himmel, brp dem Erdboden, bep der Stadt Jerusalem, beym Haupte, bepm Tempel, bepm Altare, bepm Opfer, bcpm Gold im Tempel— und wisset hernach bep diesen Schwüren allerhand Auslegungen, Ausnahmen und Verdrehungen der Worte zu machen, damit ihr von der Verbindlichkeit los werdet. Auf diese Art schwöret gar nicht, sondern saget die reine Wahrheit gerade heraus. Sprechet ohne Zusätze und Betheuerungen: Ja, so ist es: Nein, so ist es nicht. Kinder, wenn ihr einmahl angehalten werdet, vor Gerichte zu schworen, so bedenket wohl, was das heiße, Gott den allwissenden, den höchst gerechten, zum Zeugen anzurufen. Redet allezeit die Wahrheit,— Wie schändlich 62 lich, wenn ihr die Unwahrheit bezeuget, und entdecket wurdet! Wie nachrheilig für die Neben- menschen, wenn ihr etwas Falsches vordem Richter bezeuget hallet! Wie schrecklich, wenn Gott von euch darüber Rechenschaft forderte! Ziehet euch auch die üble Gewohnheit nicht zu, außer Ge- richte, und oft wegen geringer Dinge zu schworen. Dieß thun nur ungezogene Leute. Sie schwören, wie die Juden es machten, bey ihrer Ehre, bey ihrer Seele, bey Himmel, Erde und heiligen Sachen, verfluchen und verwünschen sich dabey. Sie thun dieß, daß man ihnen glauben soll. Sie setzen Mißtrauen aus ihre eigene Reden, und haben es mei. siens auch Ursache, weil sie gern lügen. Wer schwört, der lügt. Redet nur immer nach der An. Weisung Jesu Ja, oder Neitt; so wird man euern Aussagen mehr Glauben beymeffen, alS den größten Schwüren solcher Kinder, die gern schwören. Ferner, sprach Jesus, ist euch bisher ge- sagt worden, nur eure Landsleule wären eure Nächsten, nur diesen müßt ihr euch hülsreich be- zeigen; die übrigen Menschen seyen als Feinde anzusehen und zu hasten: Liede deinen Nächsten, und Haffe deinen Feind. Allein, dieß ist sehr unrecht; auch die ihr für Feinde haltet, verdienen eure Hülfe und Liebe, auch ihnen sol« let ihr Gutes thun, wenn sie euch gleich hasten. Könnet ihr sie nicht zurecht weisen, und fahren sie fort, euch zu verfolgen und zu verleumden, so bethet für sie. Läßt doch Gott seine Sonne über sie, wie über Gute, aufgehen, und auch 63 iiber ihre Felder regnen.— Die Freunde nur grüße» und seinen Wohlthätern wieder Gutes erweisen, ist nichts vorzügliches, das thun auch die Heiden. Ihr muffet zeigen, wessen Vaters Kinder ihr seyd: Ich sage euch: Liebet eure Feinde, thut denen Gutes, die euch haft sen, bethen für eure Verfolger und Verleumder. Denn so seyd ihr Kinder eures himmlischen Vaters, der seine Sonne über die Besen, wie über die Guten aufgehen, und über die Ungerechten, wie über die Gerechten regnen läßt. Denn, wenn rhr nur diejenigen liebet, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Thun das nicht sogar die Zöllner? und wenn ihr nun eure Bruder grüßet, was thut ihr da Vorzügliches? Thun das nicht selbst die Heiden? Seyd also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Suchet, liebe Kinder, diese schönen Lehren genau zu befolgen; ihr sehet fa, wie es sich Zesus angelegen seyn ließ, sie einzuschärfen. Seyd daher gegen alle Menschen, wer und wie sf mögen, gütig, gefällig, dienstfertig, mitleidig und barmherzig. Liebet alle. Alles, wie ihr gehöret habet, werden auch von Gott geliebet, sind also auck seine Kinder. Nun will aber ein Vater, daß es seinen Kindern wohl gehen möge. Ihr wisset das von euern Äl- a-"' ihr es, so bezeiget ihr euch als Kinder des himmlischen Vaters, und als Bruder der aller Menschen. Ihr werdet ihm auch in seiner Güte immer ähnlicher, ihr werdet immer besser und vollkommner seyn. Wir haben Einen Gott und Herrn. Sind Eines Leibes Glieder: Drum dienen wir dem Nächsten gern. Denn wir sind alle Bruder« Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, Mein Nächster ist sein Kind, wie ich. Lehren Jesu vom Gebethe. Das Gebeth des Herrn. Was Zesus vom Gebethe sagt, ist für euch, liebe Kinder, wieder sehr gut. Das Bethen ist eine gar nützliche Sache. Wir unterreden uns dabey mit dem lieben Gott, wie mit unserm Vater, wir tragen ihm unsere Anliegen, unsere Bedürfnisse vor, habenVer- rraucn auf seine Güte und Macht, daß er uns geben kann und wird, was uns nothwendig ist. Wlk fühlen Trost und neuen Muth zu unsern Geschäften, wenn wir recht vertraut mit ihm reden können- Es ist uns die größte Ehre, mit ihm reden zu dürfen, und wir können dieß, so oft wir wollen. Beth' oft zu Gott, und schmeck in Freuden, Wie freundlich er, dein Vater, ist; Beth' oft zu Gott, und fühl im Leiden, Wie göttlich er das Leid versüßt. Gott hörts, Gott ists, der prüfe schafft; Er gibt den Müden Trost und Kraft. - 65— Es ist also fthr wichtig zu wissen, was JesuS davon gelehret hat. Er sagte zuerst, daß man nicht bethen soll, um von den Menschen als fromm angesehen, und gelobet zu werden; Wenn ihr bethet, so machet es Nicht, wie die Heuchlers die in den Synagogen, und an den Ecken der Straßen stehend zu bethen pflegen, damit sie von oen Leuten gesehen werden. Führwahr ch tage euch, damit haben sie auch schon Ihren Lohn empfangen. Wenn ihr bethet, so thut es bloß wegen eurer Bedürfnisse, euers Trostes, eurer Beruhigung. Wählet euch dazu stil- !e einsame Örter und Stunden, und ihr werdet den Nutzen des Gebethes gewiß erfahren. Denket doch dabey nicht, fuhr Jesus weit. ter fort, daß es nöthig ftp, Gort erst daran zu erinnern, was er euch geben soll. Dazu ist dav Gebeth nicht. Die Menschen muß mau wohl so erinnern, weil diese oft nicht wissen, was wir wünschen, wenn wir es ihnen nicht sagen; Gott aber, euer Vater, weiß es schon, ehe ihr lyn bittet, wessen ihr bedürfet. Aus der Ursache dürfet ihr bey euerm Gebethe nicht viele Worte gebrauchen, und nicht denken, daß ihr deßwegen eher erhöret werdet. In die,er Meinung stnd die Heiden, die von Gott keine richtige Kenntnisse haben. Sie meinen, daß sie ihn durch langes und vieles Bitren endlich bewegen werden. Wenn ihr bethet, so machet nicht viel Geschwätz, wie die Hei-- L-b-n Jesu. Z — 66— den; denn diese meinen, sie würden deßwegen erhöret.. Kinder, redet mit dem lieven Gott, wie mit euer« Ältern. Denket vorher nach, was ihr mit ihm reden wollet. Wie ihr es aber vortragen sollet, darüber seyd noch weniger be- kümmert, als bey euecn Ältern. Wisset ihr eure Gedanken und Wünsche nicht auszudrucken, seist der bloße Gedanke und Wunsch dem allwissenden Vater genug. So könnet ihr oft za Gott bethen, frühe, unter Tages, am Abende, bey euer» Verrichtungen, ohne euch an eine Stunde, an einen Ort, oder an gewisse Worte und Gedeiher zu binden. Habet ihr aber länger Zeit, so denket euern vielen Bedürfnissen nach. Je besser ihr einsehen lernet, was euch wahrhaft nothwendig, nützlich und heilsam ist; desto inbrünstiger werdet ihr Gott darum bitten. Bit. tet ihn auch um das, was eure lieben Ältern, Freunde und Verwandten, eure Lehrer und Gut- Ihäter, eure Obrigkeiten, und besonders der Lan. dsssürst gebrauchen. Bethet ins besondere für du- jenigen, die euch beleidiget haben- Beth' oft zu Gott für deine Brüder, Für cklle Menschen als ihr Freund: Denn wir sind eines Leibes Glieder, Ein Glied davon ist auch dein Feind. Solch Bitten, das aus Liebe fließt, Ehrt Gott, der selbst die Liebe ist. 6?— ch Ich will euch sagen, fuhr Jesus weiter fort, um was ihr Gott nebst den übrigen Bedürfnissen bitten sollet. Bittet ihn erstens, daß ft-ne schönen und herrlichen Eigenschaften immer mehr von den Menschen erkannt werden, und saget.- Vater! geheiliget werde dem MstYMe» Zweptens, daß seine Lehren, die nun durch mich bekannt werden, von allen ange» werden mögen. Zukomme u.w dem Zkelch. Drittens, daß sein Wille von allen Menschen so genau und freudig erfüllet werde, wie ihn die seligen Geister erfüllen; Dem WMe geschehe wie im Himmel, also auch aus(-rveu. Viertens, daß er euch alles ver. leihe, was euch zu euerm Auskommen nöthig ist- Gro uns heute unser tägliches Brot.' Fünftens, daß er euch eure Sünden verzeihen wol» le; wogegen ihr versprechet, denjenigen zu ver» zechen, die euch etwas zu Leide gethan haben: Vergib uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldiger». Sechstens, daß er euch vor gefährlichen Reibungen zur Sünde bewahre. Führe Utts nicht in Versuchung. Dleventes, daß ihr von allem Übel befrepet seyn möget: Erlöse uns von dem Übel. Amen. Dieß Gebeth soll uns nach dem Willen Jesu an diese für die Menschen sehr wichtigen Bitten nur erinnern. Es kann mir unseren ei- genen Worten ausgedrucket werden. Es dient vorzüglich zu einem allgemeinen Gebethe, das von allen verrichtet werden kann, weil es Din- E 2 ge gr betrifft- die allen vorzüglich nothwendig sind. Daher wird es auch in den Kirchen laut und all- gemein gebethet. Bethet ihr es, so überdenket dabey, um was ihr bittet. Denket auch nach, was ihr selbst für Mittel anzuwenden habet, damit Gott euer Gebeth erhören könne. Bittet doch Gott, fuhr Jesus fort, ihr Werdet empfangen, was ihr bittet. Macht, als ob ihr wo anklopfetet, es wird euch aufgemacht werden, Gott wird euch erhören. Sucher alles bey ihm an, ihr werdet es finden; denn er ist euer allmlichti. grr Vater. Wo ist ein leiblicher Vater, der feinen Kindern, die ihn um Brot bitten, einen Stein gibt, oder eine Schlange, wenn sie ihn um einen Fisch bitten, oder einen Scorpion, wenn sie ihn um ein Erbitten? Wenn nun die Menschen, die(mit Gott verglichen) böse sind, ihren Kindern gute Gaben geben; um wie viel mehr wird euer himmlischer Vater denen, die ihn bitten, Gutes geben? Lehren von der göttlichen Vorsehung. Abir können nicht nur all unser Vertrauen zu Gott haben, und deßwegen zu ihm bethen, son- Hern uns auch seiner weisesten Fügung ganz überlassen. Er sorget für unS, wie ein Vater für seine Kinder. Diese Lehre, die für unS o tröstlich ist, haben wir Jesu zu verdanken. Wir sollen mir trachten, nach seiner Anweisung gute, — 6y— rechtschaffene Menschen zu werden; dadurch wird e§ geschehen, daß uns altes übrige, was wir brauchen, zu Theil werden wird. Suchet, sagte er, zuerst das Reich. Gottes, und seine Gerechtigkeit, das Übrige wird euch zu- Wer nach den Lehren Jesu lebet, der wird auch stets das thun, wodurch sich die Menschen den Lebensunterhalt erwerben. Er wird folgsam, fleißig, treu, aufrichtig, gerecht, dienstfertig seyn, mäßig und ordentlich leben. Kinder, ihr wisset noch zu wenig, wie viel Sorgen der Unterhalt der Menschen macht. Jetzt sorgen noch eure Ältern für euch. Aber es wird ei.-e Zeit kommen, wo ihr es selbst wer- bet thun müssen. Gewöhnet euch also von Zu- gend an, nach der Anweisung Jesu zu leben; so werdet ihr euch nicht ängstlich darum besorgen. Er sagte zu seinen Zuhörern: Nicht wahr, das Leben habet ihr von Gott? Und dieß ist weit was Vorzüglicheres, als die Nahrung. Hat nun Gott euch das Leben gegeben, so wird er euch auch das minder Vorzügliche, die Nah, rung, verschaffen. Sorget er doch für die Böge!, die nicht arbeiten, um wie siel mehr wird er sm- euch sorgen, wenn ihr allerley nützliche Geschäfte treibt? Und ist nicht der Leib mehr als die Kleidung? Hat Gott aber euch den Leib gegeben, so wird er es euch auch an Kleidung nicht fehlen lassen, er, der sogar öre Wiesen mit den schönsten Blumen, wie mit einem prächtigen Gewand«, ziert. Dieß sollet ihr über- 70 überdenken, und nicht ängstlich besorget seyn, was ihr essen, oder womit ihr euch bekleiden, mir Einem Work, woher ihr euer» Lebensunter, halt haben werdet: Ist das Leben MÄ)L mehr, als die Nahrung, der Leib nicht mehr als die Kleidung? die Vogel in der Luft säen nicht, und ernten nicht; und doch ernähret sie eurer bimmlischerVater. Seyd ihr nicht mehr werth, als sie?— Und kleidet er eine Wiese so sch ön mit Feldblumen, die heute noch blüh en, und mor- gen ahgemähet werden; um wie viel mehr wird er es euch thun? Euer himmlischer Vater weiß ja, wessen ihr bedürfet. Meine Kinder, was wurde es euch nützen, so ängstlich darum bekümmert zu seyn? Alle Gor, gen reichen allein nicht zu, uns Speise und Kleidung zu verschaffen, sie können auch unsere Le- j Venszeit nicht um Eine Stunde über das bestimmte Ziel verlängern. Das Leben hat ohnehin manches unzertrennlich Unangenehme. Zeder Tag hat etwas davon.' Um es also leichter zu ertragen muß man es an Einem Tage nicht verdoppeln: Estst gkNUg, daß ein jeder Tag sein eigenes Ungemach habe. Nur muß ich euch, Kinder, auf diesen!« gest Lehrcrr wieder erinnern, die ich euch schon einmahl gegeben habe, nähmlich, daß ihr euch von Jugend aus zu einer gemeinen Lebensart gewöhnet. So werden eure Bedürsr.tsse gewiß be-? friediget werde«. Gewahrtet ihr euch aber'"M i '^ tzie, siele und koftb-re Dinge: so werdet ihr oftinFäl- !e kommen, daß ihr eure Wünsche nicht werdet befriedigen können. Ihr könnet dann nicht Gott die Schuld geben; denn er hat nicht versprochen, einen jeden Menschen insonderheit mit sehr mannigfaltigen Dingen zu versorgen. Erkennet aus diesen Lehren euern himmlischen Vater, euern Seelsorger, und den Verfolger aller Geschöpfe. Erinnert euch künftig dieses Gebers, wenn ihr etwas genießet, und saget: Gott, du versorgest, was da lebet. Der Wurm im Staub' ist dir bekannt. Und jedeS Vieh aus unsern Triften, Und jeder Vogel in den Lüften Ersättigt sich aus deiner Hand. Du bist's, der Äcker, Feld und Gärten So reich an Speisen für uns macht! Wie vieles Obst läßt du uns pflücken, Und Millionen Blumen schmücken Berg und Thal mit großer Pracht. Dich loben wir, o milder Vater! Der allen wohlthut, alle liebt; Der will, daß alle, wenn sie wollen, Auf immer glücklich werden sollen, Und ihnen er das Leben gibt. Lehren Jesu von dem Verhalten gegen alle Menschen. ^um Beschlusse sagte Jesus noch eine sehr wich. üge Lehre, die alle Menschen angeht; wie sie ".sich - 72- sich nähmlich gegen einander verhalten sollen. Me soll eine Hauptregel all unsers Thun und Las- sens seyn. Sie schlieft alle Gebothe gegen den Ncbenrnenschen in sich ein. Sie zeigt uns, was andere wünschen und verlangen, wenn sie uns auch ihre Gedanken nicht sagen, wenn sie auch nicht einmahl bey uns sind. Sie beißt also:§l)UtbeN Menschen alles, was ihr wollet, baß sie euch thun sollcn. Nicht wahr, Kinder, das wisset ihr gar wohl, was euch recht und angenehm ist l Ihr brauchet zum Beyspiels Nahrung, Kleidung, Wohnung, Geld, Gesundheit, einen guten Nahmen, und ein frohes Gemüth.—- Unangenehm wäre es euch, wenn ibr belogen, bestohlen, geschlagen, verleumdet wurdet. Andere Menschen aber sind eben so, wie ihr beschaffen, sie brauchen eben das, was euch nothwendig ist, sie freuen sich über eben das, was euch froh macht, sie betrüben sich über eben das, was euch traurig macht. Hieraus wisset ihr aber schon, wasihr ihnen thun,odernicht thun sollet. Noch mehr könnet ihr es wissen, wenn ihr euch vorher selbst fraget, ob es wohl recht, und euch angenehm wäre, wenn euch andere so bce gegneten, wie ihr mit ihnen verfahren wollet, und wenn ihr euch vor seder Handlung an ihre Stelle setzet. Was ihr dann von ihnen wünschen würdet, das thut ihnen auch. Befleißet euch, mit den Umständen, in welchen sich andere befinden, recht wohl bekannt zu werden, weil ihr euch ohne genaue Kenntniß derselben nicht recht recht m iMMtelle versetzen könnet. Geschieht dieß, so werK ihr auch immer das thun, was -recht und^tzch^snschen nützlich ist. DieMHre ist sehr nothwendig; sonst wür. den wir oft etwas Unrechtes thun, andere betrüben, ihnen schaden, oder etwas Gutes unterlassen. Sie würden dagegen auch uns betrüben, uns scha. den, oder wenigstens nicht helfen. Ließ wäre aber sehr übel für uns, denn wir brauchen stets die Hülse anderer Menschen; wir können das Wenigste allein machen, wie z. B. Häuser bauen, Kleider und Speisen verfertigen, und dergleichen. Das merket euch. Die meisten Menschen «erden sich gegen euch so verhalten, wie ihr euch gegen sie bezeiget. Denn damit, sagte Jesus, ist es, wie mit dem Ausleihen und Wiedererstatten gewisser Waaren. Wie ihr ausmessct, wird euch wieder emgemessen werden. Denket von andern nichts Böses, so werden sie von euch auch nichts Böses argwöhnen, verdammet andere nicht, so werden sie euch auch keiner Strafe würdig halten. Dieß gilt von allen Handlungen. , Besonders soll der die Fehler und Verbre- chen anderer Menschen nicht ausstellen, welcher «elbst größere an sich hat. Es wäre eben so, a.s wollte er jemanden einen kleinen Splitter aus d-m Auge ziehen, und bemerkte den Balken nicht, welche» er in seinem eigenen Auge hat. Was stehst du, sagte Jesus, den Splitter in der» ues Bruders Auge, und des Balkens, der der in deinem Auge ist, ivrr8^ nicht ge- ^ Sehet daraus, wie wenig will, daß man andern Menschen übel bsgegMk^soll, da er nicht einmahl leidet, daß wir von ihnen Böses denken. Denket daher von euerrn N-benmen- schen ohne hinlänglichen und sichern Grund me Bdses. Vergrößert das Böse nicht-, breitet es nicht aus, freuet euch nicht darüber, wie es mehrmahls böse Kinder zu thun pflegen. Solchen thut nicht nach, habet auf euch selbst Acht, und bittet für eure fehlenden Bruder, und für euch: Hilf, Jesus, daß ich meinen Nächsten liebe, Durch lieblos Richten ihn ja nicht betrübe. Ihn nicht verleumde, noch durch falsche Ranke Sein Wohlseyn kränke! Laß mich deinem Geist nachleben; Herr, du wollst den Sinn mir geben, Der bey Fehlern Nachsicht zeigt, Und mit Sanstmuth'spricht und schweigt. Endlich wünschte Jesus, daß die Lehren, die- er gab, auch befolgst würden, und versprach dem-^ ienigen, der darnach lebet, eine so dauerhafte, Glückseligkeit, als wenn er ein Haus auf Stein-, selsen gebauet hätte, das Regengüsse, Überschwem-, mung-n undSkurmwinde nicht beschädigen können.> Deriemge aber, welche sie nicht befolget, wird zwar hoffen, auch glücklich zu werden, i aber — aber es nie wirklich seyn. Es wird ihm gehen, o!s hatte er sein-Haus aus Sand gebaut, welches von Regengüssen bald weggeschwemmt, oder von Sturmwinde leicht beschädiget wird. Merket euch Kinder dieses Gleichniß, und bc,olgek stete- die Lehren Zeju, so werdet ihr auch immer glücklich seyn. Jesus heiletemm Aussätzigen, einen Gich- bruchlge»,«nen achtund dreyßigjähngm ^alranren, und einen Lahmhändigen. ^ach vollendeter Rede stieg Jesus vom V-rge herab, fing aber gleich wieder an, wohlzuthun. Er sah einen sehr bedauernswürdigen Menschen,' mit dem sich niemand umzugehen getraute, weil er eine ansteckende Krankheit, den Aussatz oder Aus- Wag von Geschwüren am ganzen Leibe, hatte. Dieser Elende blieb auch deßwegen in der Ferne von lym stehen, und bath ihn, daß er ihn reinigen mach. L.Mitleiden mit ihm, und sprach: ^sch Will, sey rern davon. Er ward es, und dan.te freudig seinem Helfer. Dieser aber sagte """^ dich den Priestern. Diese mußten nach den Landesqe- fttzm untersuchen ob der Aussätzige ganz geheilet war., und ihm die Erlaubniß ertheilen, wieder allen Umgang mit den Gesunden zu haben. -äe,us erkannte sehr wohl, wie§ut und nothwendig dieß ist, und wollte daher nicht, aß der Aussätzige das Gesetz übertrete. Solche Gesetze gibt es auch bey uns, die dahin ab- zk, —?6— zielen, daß die Gesundheit der Einwohner nicht verdorben werde. So ist z. B. verbothen, g-wisi- Lhiere, die krank sind, zu verkaufen, aus einem Lande, wo eine ansteckende Krankheit ist, in ein anderes ohne Erlaubniß und vorhergegangene Untersuchung zu gehen, auf die Gaffen Unflath zu schulten und dgl. Auch muffen die todten außerhalb der Städte und Dörfer, entfernt von Häu- fern tief genug begraben, und die Betten von Kranken, die ansteckend waren, gereiniget werden. Wir sollen dieß gern und genau befolgen, weil es zu unserm Besten so angeordnet ist. Jesus kam darauf nach Kapharnaum, und lehrte in einem Hause, wo sehr viel- Leute bey- sammen waren. Dahin brachte man auch einen Kranken, der gichtbrüch'g war. Man mußte ihn vom Dache in den Hof des Hauses hrnab lassen, weil es vor der Meng- der Leute nicht möglich war. durch die Thür hinzukommen. Je-^ sus spricht zu ihm: Diese Krankheit rührt von deinen Sünden her, aber sie sollen dir nach- U gelassen seyn; nur begeh sie nicht mehr. Einige bösgesinnte Menschen glaubten, er eigne sich eine göttliche Gewalt zu, die er nach ihrer Meinung nicht hätte. Um ihnen aber zu zeigen, daß er sie besitze, sprach er zu ihm: Stteh E, nimm dein Bett, und geh. Sogleich hob er sein Tragbeit aus die Schultern, dankte seinem Wohlthäter, und ging froh nach Hause. Jesus reisete wieder nach Jerusalem zum Osterfeste. Da sah er bey dem berühmten Gesund- — 77- sundheitsbaöe Siloah einen acht und dreyßrgjah- eigen Kranken, der mit mehreren Kranken auf die Bewegung des Wassers wartete, um, wenn es am heilsamsten war, hinein gelassen zu werden. Er wartete aber schon mehrere Jahre vergebens, niemand half ihm hinein. Jesus hörte ihn dieß wehmüthig klagen, und sagte zu ihm: Warte nicht länger, steh auf. Nimm dein Bett, und geh, wohin du willst. Er konnte es, wurde darüber sehr vergnügt, dankte Jesu dafür, und machte es überall bekannt Nach dem Feste reiset- Jesus wieder nach Gal.laa zurück, und lehrte daselbst in den Sxna. Zogen. In einer derselben bemerkte er einenMen. schen, dessen recht- Hand lahm, und zu allen Verrichtungen unbrauchbar war. Es war ein Sabbath, an welchem die Pharisäer es für unerlaubt hielten, jemanden zu helfen. In ihrer Gegenwart ließ er ihn näher zu sich kommen. Er fragte sie alsdann, waS sie thun würden, wenn ihnen am Sabbathe ein Schaf in eine Grub- fiele; ob es also wohl unerlaubt seyn könne, an dem Sabbathe einen Menschen Gutes zu thun, und zu helfen. Sie konnten ihm nichts darauf antworten, weil sie «nsaheu, daß man dem Menschen wohl zuerst hel- !en mußte, da sie-S für erlaubt hielten, ein Thier aus der Grube zu ziehen. Er sprach dann zu dem Lahmyandigen: Strecke deine Hand aus. Er thats, und es ward ihm geholfen. ^ So verkehrt, meine Kinder, dachten die ^udm von ihrem Sabbathe, so unrichtige Vor- stel- — 78 stelluttgen machten sie sich von Gott, der an dem^ selben von der Arbeit auszuruhen besohlen hatte, daß sie glaubten, sie dürfen am Sabbathe nicht einmahl einander bepstehen. Dieser Lag war doch zu ihrem Nutzen, wie bey uns der Sonntag, be- stimmt; sie sollten desto weniger gute und heilsame Handlungen unterlassen haben, je mehr sie dazu an diesem Tage Gelegenheit hatten. Dieß gilt auch von unsern Sonn-und Festtagen. Kin- der, ihr würdet sehr irren, wenn ihr dachtet, daß ihr an solchen Tagen zur Hülfe und zum Nutzen eurer Nebenmenschen keine Arbeit verrichten dürfet. — Der Sabbath, sagte Jesus, ist wegen des Menschen(zu seinem Nutzen), und Nicht der Mensch wegen des Sabbaths gemacht. Er wgrf den Pharisäern öfter vor, daß sie nicht recht verständen, was die Worte der heiligen Schrift sagen wollen: Ich will Barmherzig« keit, und nicht Opfer. Jesus heilt einen Gichtdrüchigm, erweckt den todten Jüngling zu Naun, und bezeigt sich gegen eine reumüthige Sünderinn barmherzig. Kapharnaum kamen Leute zu Jesu, und bathen ihn, den gichtbrüchtigen Knecht eines rö- mischen Hauptmannes zu heilen. Sogleich woll-- .te Jslus in das Haus hingehen; allein der Hauptmann hatte von ihm schon sehr viel Wundervolles gehört, und deßwegen eine sehr große Mei- — 79— Meinung von ihm gefaßt. Daher ging er Jesu entgegen, und sagte- Herr, das biu ich nicht werth, daß du in mein Haus kommest. Es ist auch nicht nothwendig. Du, als ein göttlicher Mann, darfst nur ein Work sagen, so wird wem Knecht gesund. Ich bin unrein geringer Mann, und doch sind mir meine Leute gehorsam^ um wie viel eher wird geschehen, was du befiehlst? Jesus verwunderte sich darüber. Wahrhaftig, sagte er, eilte so hohe Meinung haben nicht einmahl die ÜMdett vor mir, und sprach zu ihm: Geh, dein Knecht ist gesund. An diesem Hauptmanne muß, euch, Kinder vorzüglich gefallen, daß er für seinen kranken Knecht so besorgt war. Dienstleute verdienen immer eure Hülfe in ihrem Elende, und in der Noth. Denn sehet doch, sie arbeiten für euch, sie verrichten gerade die schwersten Arbeiten, stehen Hitze und Käl- te aus, haben wenig oder gar keine Bequemlichkeit, verdienen euern Ältern oft Geld. Und dieß alles thun sie für wenig'Lohn und geringe Kost. — Pfleget ihrer daher in ihrem Alter, oder in einer Krankheit, oder vergeltet ihnen daher ihre Mühe, besonders wenn sie bey euch alt und krank geworden sind, und treu und fleißig gedienet haben. Ihr ins besondere, Kinder, werdet am meisten durch sie bedienet. Machet ihnen daS Leben dafür nicht bitter, begegnet ihnen nicht grob und verächtlich. Denket doch; wenn ihr an ihrer Stege wäret, und man begegnete euch grob grob und verächtlich, wie hart würde euch dieß fallen! Was aber ihr nickt wollet, daß euch die Leute thun, das thut ihnen auch nicht. Ihr könnet ihnen vorzüglich durch Fürbitte bey euer» Ältern Hülse zuwege bringen. Thut es doch! Jesus kam hernach gegen die Stadt Naim zu. Unter dem Stadtthore begegnet- ihm ein Leichrnzug. Man trug einen Jüngling zu Grab, den einzigen Sohn einer Wittwe. Er sah die be- trübte Mutter weinen. Dieß bewog ihn zum Mit- leiden. Weine nicht, sagte er zu ihr, winkte den Trägern> stehen zu bleiben; sprach zu dem Todten: Jüngling, ich befehle dir, steh auf! rührte ihn dabey an, als ob er ihn nur vom Schlafe aufwecken wollte. 1!ttd tk stand auf, erkannte seine Mutter, und rede--. Wie freuete sich Jesus, der betrübten Mutter dieß Entzücken gemacht zu haben. ' Diese That wurde gleich überall bekannt gemacht. Es kamen bald sehr viele Kranke dahin, mit der tröstlichen Hoffnung, von ihm geheilet zu Werden. Er machte sie alle gesund, und sreuere sich ihnen wohlgethan zu haben. Bald hernach wurde er zu einer Mahlzeit bey einem Pharisäer eingeladen. Unter dem Essen kam eine Weibsperson, warf sich Jesu zu Füßen, konnte aber kein Wort vorbringen, sondern weinte über ihre Sünden bitterlich. Mit den Thränen benetzte sie seine Füße, küßte sie,^ trocknete sie mit ihren Haarlocken ab, erbrach ein kleines Zläschchen, und goß Balsam darüber. Lau- 81— Lauter Zeichen des Bewußtseyns ihrer Fehler, -hr-r Reue und ihres Vorsatzes sich zu bessern, .^esus sagte zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Sey ruhig und beglückt» Die Gä. sie ärgerten sich darüber, daß er mit dieser be. kannten Sünderinn so gut umging. Er aber sagte rhnen, daß sie es durch ihre Reu so verdienet habe.' Und wünscht nicht jedermann, der gefehlet hat, und es bereuet, daß man mit ihm Mitleiden habe? L wie gut ist es, daß Jesus eben so genekgt ist, uns Fehler zu vergeben, als er be- reit ist, Wohlthaten zu erweisen! Wie traurig und ängstlich würden wir sonst nicht seyn müssen! Gleichmßreden Jesu von Samen, von dem verborgenen Schatze und dem Netze. ^esus verglich nicht selten das, was er lehren wollte, mit einer sinnlichen Sache, die mit sei, uer Lehre eine Ähnlichkeit hatte, um solche dem reuten begreiflicher zu machen. Weil dabey ei- n- Sache mir der andern ausführlich verglichen wird, so heißt man dieß eine Gleichnißrsde oder eine Parabel. Einmahl verglich Jesus die Wirkungen seiner Lehre mit dem Gedeihen des Samens, den ein Ackermann aussäete. Ein Theil des Samens fiel auf den Weg. Dieser ward gleich zertreten, oder von den Vogeln aufgefressen, in Theil fiel auf einen steinigen Grund, der Leben Jesu. F mit 82 mit wenig guter Erde bedeckt war. Diestr ging schnell auf. Allein kaum beschien ihn die Sonne, so wurde er welk, und verdorrte, weil er keine Wurzel hatte. Ein anderer Theil fiel unter die Dornen. Kiese wuchsen mit aus, und erstickten den Samen. Ein Theil siel auch auf gutes Land, und dieser truK hundert' sechzig- oder wenigstens drey- Higsültige Frucht. Eben so verschieden, sagte Jesus, ist die Wirkung meiner Lehre, auf die Meu- scheu. Aus den, der sie nicht versteht, macht sie keinen Eindruck. Sie keimt in seinem Herzen eben. so wenig, als der Same auf der harten Straße»§ In wenigen Stunden ist keine Spur mehr davon, übrig. Aus einige macht sie zwar einen Eindruck, i und wird mit Bereitwilligkeit angenommen; allein§ die heilsame Rührung ist von keiner Dauer. Sie vergeht bey der ersten Widerwärtigkeit, die sie r um dieser Lehre willen leiden sollten, so wie der v wurzellose Same die Sonnenstrahlen nicht aus- S Hält, sondern verdorret. Bey andern wird die? gute Wirkung meiner Lehre von der Sorge für g zeitliche Güter, und von den Reihen des-Reich- b thums, wie das Gedeihen des Samens von den A Dornen unterdrückt. Einige endlich nehmen sich« dieselbe recht zu Herzen, und befleißigen sich, dar- ni uach zu leben. Bey diesen bringt sie gute Gesin-, b- -nungen und Handlungen hervor, gleich dem Sa- A mcn, der auf ein gutes Erdreich fiel, und reichn- ke^ che Früchte trug. Daß solches in der Welt P. noch geschieht, könnet ihr, meine Lieben, s-ldsi wc beobachten. In der Schule, in der Kirche wer- ' den — 83— der, allen dieselben Lehren vorgetragen und ein- gescharfrt; aber wie ungleich werden sie nicht befolget!^^ Dbschon, sagte Jesus weiter, lauter.'gute Lehren gegeben werden, und dadurch alle Menschen gut werden könnten, so gibt es doch viele böse unter ihnen, grade so: wie ein Landmann lauter guten Samen auf seinen Acker streuen läßt, aber doch auch Unkraut findet, wenn die Saa! gewachsen ist. Gleichwie er aber beydes mit einander aufwachsen, reif werden, und erst bey der Ernte von einander absondern läßt- eben so werden auch gute und böse Menschen' bepsam. wen bleibe», bis sie endlich einmahl werden ab» gesondert werden. Es ist mit meinen Lehren bey den Juden, wie m,t einem Schatze der in einem Acker liegt, ohne daß es der Eigenthümer weiß, und sich die -Ruh- gibt, darnach zu graben. Fremde Völ. er werden sie erkennen, annehmen, und dadurch glücklich werden, so wie der Fremde den Schatz -merket und all das Seine verkauft hat, um den Acker zu kaufen, und den Schatz zu graben. Oder -st damit, wie mit einer Perle, die ein Kauf, wann sucht, und theuer erkaufet, weil er viel da- d-p zu gewinnen hoffet. Eben so wird es auch Menschen geben, die den Werth meiner Lehre er. -nn-u, so wie einen Schatz, wie eine kostbare p-rle ansehen, und allem dem, was ihnen lieb war, vorziehen werden. F s Mit — 8--- Mit der Absonderung der Menschen, der guten von den dosen, wird es sepn, wie mit einem Netze, das zum Fischen ausgeworfen, dann aber aus Land gezogen wird. Wie da nun die guten und brauchbaren Fische behalten, die übrigen aber wieder weggeworfen werden; so werden auch die bösen Menscher- von den guten abgesondert werden., Diese Gleichnisse zeigen euch, liebe Kinder, an, wie vortrefflich die Lehren Jeju sind, da er^ sie mit einem Schatze, mit einer kostbaren Perle! vergleicht. Befleißet euch also, dieselben immer mehr zu lernen, damit ihr desto besser einsehet, wie vortrefflich und nützlich sie sind. Dadurch werdet ihr auch Lust bekommen, darnach zu le- den, um nicht von den guten Menschen, wie Unkraut vorn Weihen, oder wie schlechte Fische von guten, abgesondert und weggeworfen zu werden. Bethe zu Gott: Hilf kräftig mir, mein Gott, Daß ich auf gute Lehre Begierig acht, und auch Sie mit Gehorsam ehre. Jesus stillt einen Sturm auf dem See, erweckt die Tochter Iairs zum Leben, heilt zwey Besessene und em krankes Weib, macht zwey Blinde sehend, und einen Stummen redend. ^Hesus fuhr darauf über den galiläischen See, auf die andere Seite. Seine Junger war-« bep 85 bey ihm. Er hatte sich mit Lehren sehr ermüdet, und schlief auf dem Schiffe ein. Auf einmahl erhob sich ein heftiger Wind, das Wasser schlug so hohe Wellen, daß sie auch in das Schiff drangen, und es beynahe versenkten. Die Jünger und die Schiffleute waren bestürzt und ängstlich: sie weckten Jesum auf, und sagten: Rette UNs, wir gehen zu Grunde. Sie hätten aber be- denken sollen, daß ihnen bey seiner Gegenwart nichts Böses widerfahren könne. Er machte sich auf, und sagte: Schweig! und Winde und Wellen legten sich. Gleich darauf, als sie ans Land kamen, wirkte er ein neues Wunder» indem.er zwey besessenen Männern, die in ihrer Raserey die ganze Gegend beunruhigten, äugen- blicklich half. Als er wieder zurückfuhr, wartete schon ein Vater Nahmens Jair, Vorsteher einer Synagoge, auf ihn. Dieser bath ihn fußfällig» sein Mädchen, welches gestorben war, zum Leben zu erwecken. Sogleich ging Jesus, heilte aber auf dem Wege ein Weib, das zwölf Jahre an einer Krankheit litt. Diese drängte sich durch die Schar der Leute, die mit Jesu gingen, und rührte den Saum seines Kleides an; denn sie hatte eine so große Meinung oon seiner Macht, daß sie glaubte, auch dieß allein werde sie heilen können. Er wandte sich um, und sagte: Dein Vertrauen hat dir geholfen, und sie ward gefund. Er ging zum verstorbenen Mädchen, ließ die Leute aus dem Zim» mer — 86 Wer treten, und sagte: Das Mädchen ist nicht todt, es schläft nur, es ist, als ob es nur schliefe. Er nahm es bey der Hand, als wollte er es aufwecken, und das Mädchen stand auf zum Leben..Da steuere sich der Vater und alles Volk, welches zugegen war. ' Als Jesus von dem Jair wieder wegrsisete, traf er aus dem Wege zwey Blinde an, welche bettelten. Sie konnten nicht arbeiten, und auf eine andere Art war für ihren Unterhalt auch nicht gesorgt. Sie erfuhren, daß er sich ihnen näher, te, und riefen ihn voll deS Vertrauens zu: su, erbarme dich unser! Aber es brauchte nicht viel zu bitten, er ließ sie zu sich führen, fragte sie, ob sie glaubten, daß er ihnen helfen könne, und sagte: Es geschehe euch, wie ihr glaubet, und wünschet. Sogleich konnten sie sehen, und sich alles des Schönen freuen, was man durch die Augen wahrnehmen kann. Kaum aber waren diese weg, so führte man ihm einen Menschen zu, der stumm war. Ein bedaurungswürdiger Mensch! Jesus erbarmte sich sogleich über ihn, rührte ihn an, und machte durch seine alles vermögende Kraft, daß er sprechen konnte. Dieser dankte ihm freudig. 5- Jesus speiset mit wenig Brot und Fischen eine sehr große Menge Volkes, heilt die Tochter eines heidnischen Weibes, und einen Taubstummen. ^esus fuhr wieder über den See Genesarcth, um des großen Zulaufes der Leute auf einige Zeitlos zu werden', und in der Einsamkeit zu seyn. Da pflegte er gewöhnlich die Zeit in stillen Betrachtungen und im Gebethe zuzubringen. Seine Jünger waren bey ihm. Diese sollten auch sehen, wie er sich mit seinem himmlischen Vater unterhielt, und wie er die Ruhestunden nützlich zubrachte. Allein dieß Mahl hatte er wenig Ruhe, die Leute umgingen den See, und kamen dort wieder zu ihm, wo er ans Land gestiegen war. Sie reihten ihm nach, um noch mehr Lehren, womit er ihre Wißbegierde so nützlich und angenehm beschäftiget hatte, zu hören. Es waren Leute, welche weit hergekeiset waren, und die vom Hause mitgenommenen Nahrungsmit- tel ganz ausgezehret hatten. Sie schienen aus das Essen zu vergessen um nur bep ihm seyn zu können; so lernbegierig waren ste. Jesus aber lehrte sie nicht nur, sondern bemerkte auch ihren Mangel an Lebensmitteln, und nahm sich vor, sie zu speisen. Er ließ sich das vorhandene Brot bringen(es waren fünf Laibe), ließ die Leute niedersitzen, dankte dem himmlischen Vater, brach es, gabs den Irrn« gem zum Austheilen, und fügte noch zwey Fische 88 fche bey. Alls bekamen davon, obgleich ihrer bey fünf Lausend waren. Alle wurden satt, und noch blieb so viel übrig, daß die Jünger fünf Reiskörbe damit anfüllen konnten. Alle verwunderten sich, und wollten Jesum zu ihren Könige machen; allein er ließ es nicht geschehen, weil er kein weltlicher König seyn wollte. Er entfernte sich darauf noch weiter. Doch ein heidnisches Weib entdeckte wieder seinen Aufenthalt, und bath ihn fußfällig, ihre kranke Tochter zu heilen. Er ließ sse länger, als er gewohnt war, bitten, um ihr Vertrauen zu prüfen. Sie aber ließ nicht nach. Jesus antwortete ihr: Ich bin nur gesandt, die irrenden Jsraeliten zurecht zu weisen.— Es schickt sich nicht, den Kindern das Brot zu nehmen, und es den Hunden vorzuwerfen. Herr, das ist wahr. antwortete sie, ich erkenne wohl, daß ich es nicht verdiene, da ich eine Heidinn bin; aber auch die Hunde dürfen die Brosamen fressen, die von den Tischen ihrer Herren fallen. Mit Verwunderung hörte er dieß, und sagte r Dem Vertrauen ist groß! geh, deineLoch- 1er ist gesund. Das Weib eilte freudig nach Hause, und fand ihre Tochter von der Krankheit ganz befreyk. Zu eben dieser Zeit führte man ihm einen sprach- und gehörlosen Menschen zu. Er führte ihn zur Seite, berührte mit einem Finger seine Hhren, mit dem andern seine Zunge, und und sagte: Offne dich, Ohr! Zunge, löse dich! Der Taubstumme konnte hören und reden, und seine Heilung nun selbst verkündigen. Jesus ging wieder in die Einsamkeit, ward aber auch hier von neuem entdecket. Sehr viele Menschen bey vier tausend(Weiber und Kinder ungerechnet), kamen zu ihm, sich belehren zu lassen. Sie blieben drey Tage bey ihm, verzehrten auch allen Lebcnsvorrath, und litten schon Hunger, ohne noch zu wissen, woher sie Speisen erhalten sollten; denn in der Wüste war nichts zu haben. Jesus bemerkte es wieder, und sagte zu seinen Jüngern: Mich erbarmet der Leute, und lasse ich sie ungespeiset VON mir gehen, so verschmachten sie auf dem Wege. Er ließ sich, wie das erste Mahl, Brot ge. ben, sieben Laibe, und einige Fische, dankte dafür, brach das Brot, und gab es zum Austhei. len. Die Jünger konnten allen davon geben, bis sie satt wurden— und sammelten von den übrig gebliebenen Stücken noch sieben Körbe voll. Seht, Kinder, so besorgt war Jesus für die Nahrung der Menschen, wie für ihren Unterricht. So wußte sa auch der Erlöser der Menschen sepn. Er mußte alle unser- Bedürf. uiffe wissen, und selbst erfahren, um Mitleid zu fühlen; er mußte mächtig und gütig sepn sie befriedigen zu können, und zu wollen. Er gab uns aber auch ein schönes Beyspiel, was wir mit den Überbleibseln zu thun l-aben, wenn unser Hunger gestillet ist. Wir sol- ^ yo— 'sollen sie nicht unbesonnen oder übermüthig liegen und verderben lassen, sondern für uns, oder unsere uothleidenden Nebenmenschen ausbewah- reu. Dieß merket euch, Kinder, wenn ihr mehr zu essen bekommet, als ihr nöthig habet. Es gibt immer Menschen, welche arm und hungerig sind, und wenig oder nichts zu effen haben. Folget da dem Beyspiele Jesu, und theilet, wenn es eure Ältern erlauben, von dem, was ihr habet, denselben mit. Dadurch erhaltet ihr, wie er, das Vergnügen wohl zu thun. Ihr könnet eS wenigstens auf eine Art genießen, da ihr nicht, wie er, zugleich Kranke heilen könnet. Glückliche Kinder, wenn ihr früh. zeitig das Vergnügen, wohlzuthun, fühlen und wertschätzen lernet! Nicht nur denen, die euch lieben, Dder euch um Hülfe flehen, Allen eilt aus guten Trieben, Wie ihr könnet, beyzustehen! Sucht die Armen, die im Stillens Weinen, und die Noth verhüllen! Genießet ihr aber Speise und Trank, so denket, wie er, an den Geber alles Guten, danket ihm ganz kurz vor dem Esten; dann esset oder trinket mit Mäßigkeit. Je« 9r— Jesus lehtt m Jerusalem, wird verfokget, ^ und heiir einen Blindgebornen. ^-sus reisets mit fernen Jüngern ohne Aussehen zu einem Feste nach Jerusalem. Er ging daselbst in den Tempel und lehrte. Vor allen warf er seinen Zuhörern vor, daß sie Gott nicht recht kennen. Sie stellten, sich ihm nähmlich als einen strengen Herrn vor, der besonders darauf sehe, ob sie die Gebräu, che alle beobachteten, und reichliche Opfer an Vieh und Gelde zum Tempel brächten. Sie hatten von seiner Güte, Weisheit, Allmacht, Allgsgenwart, Barmherzigkeit keine richtigen Begriffe. Er wollte ihnen seine schönen Ei» genschasten bekannt machen— Mein sie meinten, ohnehin alles zu wissen. Sie wurden durch seinen Eifer im Lehren noch beleidigt, besonders die Gesetzgelehrten, die am wenigsten irrige Mei. nungen zu haben glaubten. Die Rathsherren schickten sogar Gerichtsdiener, die ihn gehangen nehmen sollten. Diese kamen, sahen aber bald, daß nichts zu thiM sey, weil zu viele Leute bey ihm waren, denen seine Lehren sehr wohl gefielen, und die es nicht zugelassen hätten. Sie selbst hörten ihm zu, find sagten dann zu den Vorstehern und Rathsherren: So gm und deutlich, wre er, hat noch niemand geredet. Aber auch unter den Rathsherren nahm sich einer, Nahmens Nicodsmus, Jesu als eines Freundes an. Er stellte den übrigen vor, — 9 2— daß es unrecht sey, jemanden zu vrrurtheilen, ehe man ihn gehört, und seine Handlungen untersucht habe.— Man soll ja immer sich des Unschuldigen annehmen, und ihn vertheidigen, besonders wenn er unser Freund ist. Er litt wegen Jesu man. che Spottrede und manche Beleidigung geduldig. Weil man Jesum nicht gefangen nehmen konnte, so wollten ihm seine Feinde eine Rede auffangen und verdrehen, um ihn dem Volke verhaßt zu machen. Sie stellten ihm ein Weib vor, das auf einer Untreue gegen ihren Mann war betreten worden, und legten ihm die Frage vor: Was soll mit dem Weibe geschehen? Du weißt, daß sie nach Moses Gesetze sollte gesteiniget werden. Heimlich freueten sie sich schon darüber, daß er sich verfänglich machen werde, er möge antworten, was er wolle. Wur» de er sie zur Steinigung vrrurtheilen, so woll- ten sie ihn bey dem Landpfleger verklagen, daß er ihm in sein Recht einen Eingriff machte; würde er sie nicht vrrurtheilen, so dachten sie, ihn alS einen lasterhaften Menschen, als einen Verächter des Mosaischen Gesetzes zu verschreyen, Jesus wich aber allen diesen Gefahren aus, und sagt- zu ihnen: Wer von euch sich keines Fehlers bewußt ist, mag den ersten Stem, sie zu todten, werfen. Sie schlichen sich fort .— und wurden dadurch belehret, daß man auf die Abstrasung anderer Menschen nicht dringen dürst, so lange man selbst Strafe verdienet. Zu » den? dem Weibe aber sagte er: Geh, Mld fÜNdkge hinfort nicht wieder. Zu dem Volke sprach er: Meine Lehren erleuchten den Verstand des Menschen, daß er das Gute und Böse deutlich erkennet, so wie das Licht -in finsteres Zimmer erleuchtet, und alle Gegen- stände kennbar macht. Der meine Lehren beobachtet, wird sich nicht aus Unwissenheit und Irrthum unglücklich machen. Ich bitt das Licht der Weit, der Lehrer der Menschen, wer mir nachfolget, und sich von mir beleh. ren läßt, wird nicht in der Finsterniß wandeln. Ich allein sagte er, kann solche Lehren wissen, weil ich von Gott gesandt bin. Meine Thaten, die ich wirke, zeigen von mir, daß ich von ihm gesandt worden bin. All« meine Lehren sind göttlich; denn ich UNd der Vater find eins. Allein sie glaubten es nicht. Sie meinten, er mache mehr aus sich, als ihm zukomme, hoben schon Steine auf, ihm damit zu werfen. Er ging aber unbeschädigt aus dem Tempel weg. Gleich darauf(es war ein Sabbath) bemerkte Jesus im Vorbeygehen einen Blindge- dornen, und versicherte seinen Jüngern, Gott habe denselben nur darum blind auf die Welt kommen lassen, damit durch dessen Heilung seine Wunderkrast und Messias. Würde recht augenscheinlich würde. Er spuckte aus die Erde, machte vermittelst seines Speichels einen Koth, bestrick) damit die Augen des Blinden, und befahl ihm, sich in dem Bade Silve zu waschen. Der Blinde ging hin, wusch sich, — 94 Und kam sehend zurück. Die Nachbarn, und alft diejenigen, welche ihn blind gekannt Hütten, wurden über seine Person irre, und fragten einander voll Verwunderung: Ist dieß nicht eben der Blinde» welcher ehemahls da gesessen und gebettelt hat? Einige behaupteten es, andere sagten, er sehe ihm nur gleich. Er selbst machte ihrem Streite ein Ende, mit der Versicherung, daß er eben derselbe ist. Aus die Frage, wie er denn das Gesicht erlangt habe, erzählte er ihnen den ganzen Verlauf. Nun. führten sie den Menschen vor die Pharisäer. Auch diese fragten ihn, wie er zum Gesichte gekommen ftp. Er erzählte es ihnen auf dieselbe Art. Einige Pharisäer sagten hierüber: Jesus ist nicht von Gott gesandt, weil er den Sabbath nicht fepert; andere versetzten: Wie kann ein gottloser Mensch solche Wunder verrichten, die nur durch Gottes Kraft verrichtet werden können? und so entzweiten sie sich. Sie fragten daher den Blindgebornen: Was hältst denn du von dem, der dir zum Gesichte verholsen hat? Er antwortete: Ich halte ihn für einen Propheten. Auf diese Antwort fingen die Pharisäer an, in Zweifel zu ziehen, ob der Mensch auch wirklich blind gewesen ftp. Sie ließen dessen Ältern kommen, um sie zu verhören^ ob dieser ihr Sohn ftp, ob er wirklich von Geburt aus blind war, und wie er sehend geworden ftp. Die Ältern versicherten, daß dieser Mensch ihr Sohn ist, und von Geburt an des Gesichts beraubt war; sie wüßten aber nicht, —- 9§^ auf welche Art, und von wem er sehend ge- macht worden sey.„Fraget ihn selbst. Er ist alt genug, euch zuverlässige Antwort zu geben." Dieß sagten die Ältern aus Furcht; denn die Juden hatten schon beschlossen, denjenigen von der Religionsgemeinschaft auszuschließen, der Jesum für den Messias erkennen würde. Das Wunder war also außer allem Zweifel. Die Pharisäer ließen den Blindgebornen zum zweyten Mahl vorrufen, um ihn durch ein neues Verhör eine widrige Aussage zu erpressen. Zu dem Ende sagten sie ihm zum voraus: Jesus sey ein gottloser Mensch, von dem man nichts wisse, wo er her sey. Allein der Blindgeborne beharrte standhaft auf seiner ersten Aussage, und erwiederte den Pharisäern: Es ist doch sonderbar, daß ihr nicht wisset, woher Jesus ftp, da er doch ein unerhörtes Wunder an mir gethan hat. Wäre er nicht von Gott, so könnte er nicht dergleichen thun. Auf dieses Bekenntniß schalten sie ihn einen verhärteten Bösewicht, stießen ihn hinaus, und verbothen ihm, bep dem öffentlichen Gottesdienste zu erscheinen. So viele Mühe gaben sich die Feinde Jesu, dieses Wunder aus einen eiteln Betrug oder als das Werk eines gottlosen Menschen darzustellen, und den Blindgebornen zu einer falschen Aussage zu verführen! Welch eine verab. scheuur-gswürdige und sträfliche Dößheit, der erkannten Wahrheit.so zu widerstreben! Wie üchtRngswuth wird dagegen der arme Blind- M^ f ge- — 96-- geborne in unsern Augen, daß er durch keine Drohungen und Strafen von dem aufrichtigen Bekenntnisse der Wahrheit sich hat abbringen lassen! Dieß heißt der Versuchung widerstehen, und.seinen Glauben standhaft bekennen. Am sträflichsten unter den Feinden Jesu aber waren die Lehrer des Volkes, die Schriftgelehrten- Diese hätten sich über die wohlthäki-- genÄehren und Thaten vorzüglich erfreuen sollen. Jesus zeigte ihnen auch in einem Gleichnisse, daß sie keine wahre, gute Lehrer wären.- Er verglich sie mit Hirten, aber mit solchen, die nicht durch den ordentlichen Weg in den Schafstall gekommen sind, und'von den Schafen auch nicht erkannt werden. Ich aber, sagte er, bin ein guter Hirt, ich bin als ein echter Lehrer für das Wohl der Menschen» wie ein guter Hirt für die gute Weide und Sicherheit der Schafe besorgt. Sie sehen es auch ein, sie folgen meiner Stimme. Zu ihrem Besten setze ich mein Leben in Gefahr. Das hat er auch gethan, Kinder; er segle sich in Gefahr, sein Leben zu verlieren, und hat es auch wirklich unsertwegen verloren, wie ich euch noch erzählen werde. Wie glücklich sind wir, daß wir Jesum zu unserm Lehrer, zu unserm Hirten haben! Gern wollen wir dir auch folgen, liebreicher Hirt! göttlicher Lehrer! Die Verklärung Jesu- ^esus reisete mit seinen Jüngern von Jerusalem weg in die Gegend des Jordans, wo I»- han- — 97— Harmes geprediget hatte. Auf dem Wege dahin sagte er: es wird nun bald die Zeit kommen- da wir wieder nach Jerusalem reisen werden.' Dann wird erfüllet werden, was von mir schon lange vorher gesagt worden ist. Ich werde den Römern übergeben, verfolget und getödtet werden; aber am dritten Tage will ich wieder zum Leben auferstehen. Kr wollte es ihnen nicht verhehlen, was mit ihm geschehen werde, damit sie alsdann, wenn es einträfe, daran denken, und nicht zweifeln sollten, er wäre dessen ungeachtet der Heiland der Welt gewesen, da er so genau alles vorher wußte. Wie leicht hatten sie ihn auch verkennen können, da er von so vielen verkannt wurde. Um sie aber noch mehr zu überzeugen, daß er Gottes Sohn ftp, ging er mir Petrus, Ja- cobus und Johannes auf einen Berg. Oben wurde es auf einmahl ungewöhnlich hell und licht. Die Jünger sahen auf Jesum. Der glänzte herrlich, wie die Sonne, seine Klei- der schienen von dem Lichte„,..als wären sie schneeweiß. Sie bemerkten beche». zwey längst schon verstorbene sehr berühmte ner, den Nvses und Elias, mit denen er redete» Petrus befand sich dabey so wohl, daß er immer da bleiben wollte. Willst du, sagte er zu Je- su, so bauen wir hier Hütten, und bleiben da. Da er aber so redete, ließ das helle Licht nach, und eine Stimme sagte: Dieser ist L-ben Jesu. G mein — 98— mM Sohn, der Geliebte, den sollet ihr hören, ihm sollet ihr gehorchen. Die Jünger erschrocken so sehr darüber, daß sie zu Boden fielen, und sich nicht auszusehen getrauten. Jesus rührte sie aber an, und sagte: Fürchtet euch nicht, stehet aus. Sie sahen auf, sahen aber Jesum allein, und das gewöhnliche Tageslicht. Nun erkannten sie um so gewisser, daß er der Sohn Gottes sey, dessen Lehren sie befolgen sollten. Selbst sein ichmcch- licher Tod, den er zu leiden hätte, sollte sie hierin nicht irre machen. Er verboth ihnen aber, von dem, was sie gesehen und gehört hatten, etwas m sagen, bis er vom Tode würde auferstanden seyn. Nachher aber konnten sie verkündigen, sir hätten seine Herrlichkeit so groß, wie sie dem em- gebornen göttlichen Sohne zukommt, gesehen. <^esus heilt einen Knaben, und zahlt die ^^ Tempelsteuer.: ^ls Jesus vom Berge herab kam, ward er gebethen, einen Knaben zu heilen. Dieser war von einem^"ki Dessen, welcher ihn stumm machte, entsetzlich quälte. Erwürbe oft a-zwungen?'.>it den Zähnen zu knirrschen, zu schäumen, auf die Erde zu fallen, sich zu walzen, und in das Feuer oder in das Wasi-r^zu stürzen. Der Vatek des Knaben war darüber M- «erst bekümmert. Er bath Jesum inständigst, ihn zu heilen. Ich habe das Vertrauen zu du- Herr, sprach er, du wirst Ihm doch helfen. — 99- Jesus halte Mitleiden mit dem Knaben, der in dem Augenblicke wieder auf das heftigste gequält wurde; er heilte ihn auf der Stelle." Alle, die es sahen, verwunderten sich darüber; denn man wußte ihm gar nicht zu helfen. Der Vater dank. te Zesu als seinem Wohlthäter. Jesus ging nach Galiläa zurück, und hielt sich zu Kaphar- naum auf. Da forderte man von Pelro für ihn und Jesum die gewöhnliche Tempelsteuer, de» ren Ertrag zur Erhaltung des Tempels verwendet wurde. Petrus meldete es seinem Meister. Da sie aber eben kein Geld hatten, befahl Jesus demselben, mit einer Angel zu fischen, und den gefangenen Fisch auszumachen, wo dann das nothwendige Geld für bexde zu finden war. So that Jesus als ein jüdischer Einwohner alles, was die LandesgefeHe vorschrieben, und hielt auch seine Jünger dazu an. Er gab uns dadurch ein schönes Beyspiel, die Abgaben an die Obrigkeiten zu geben, und alles zu leisten, was wir schuldig sind. Es wer« den ja davon so viele Dinge bestricken, die alle wieder zu unserem Besten gereichen. Es werden Kirchen, Schul- und Pfarrhäuser, Brücken, Straßen, Soldaten, Beamte, Obrigkeiten und dergleichen davon unterhalten. Jesus wußte gar wohl, wie nothwendig und nützlich es war, den Tempel im guten Stande zu erhalten; darum gab er die Steuer so gewissenhaft, baß er dazu sogar ein Wunder wirkte. Kinder, wenn chr groß werdet, so bezahlet die ausgemessenen G A Uhr Abgaben eben so genau und willig» wie es Je- sus gethan hat. Lehren Jesu von der Einfalt der Gesinnungen, und von dem Verhalten gegen " Fehlende und Beleidiger. ^Hesus gab hernach seinen. Jüngern eine sehr wichtige Lehre, wie sie nähmlich stets gesinnet seyn sollten. Er bemerkte an ihnen, daß sie hierin manchen Fehler hatten, den sie ablegen müßten, wenn sie seine Jünger bleiben wollten. Er ries einen Knaben, der in der Nähe war, herbex, ließ ihn neben sich stehen, und sagt« zu ihnen, daß sie an Güte des Herzens, an Un- verdorbenheit der Gesinnungen, an Einfalt eben so, wie dieser unschuldvolle, gutherzige, un- verstellte Knabe, seyn müßten. WeNN ihr Nickt so werdet wie dieses Kind, so schicket ihr euch für meine Jünger nicht. Sie sollten z. B. niemanden verachten, der so gutherzig, und so gut gesinnet wäre, wie ein Kind, denn durch Verachtung würde man den Menschen muthlos machen, und in ihm das Gute unterdrücken. Es wäre dem, der dieß thut, besser, daß ihm ein Mühlstein angehänget, und er ins Meer versenket wurde. Sie sollten sich von den aufrichtigen Ge> sinnungen nicht abbringen lasten, wenn sie auch glaubten, dadurch etwas entbehren zu müssen, dessen Verlust ihnen so schmerzlich wäre, als wenn ihnen eine Hand oder ein Fuß abgenom- !0l ««« wurde. Alles sollten sie lieber verschmer- zen als etwas thun, so unrecht wäre. Ärgert dich dein rechtes Auge,, so reiß es aus, und wrrf es von dir. Ärgert dich deine Hand,so haue sie ab.— Der Mensch würde «ber das Böse, das er thut, den glücklichen Aufenthalt im Himmel verlieren, und sich»n. MMich, machen: Und was nützt es dem Menschen, wenn er alles Angenehme genießt, dre ganze Welt gewinnt, aber dabey an fernen guten Neigungen und Gesinnungen, an ferner Seele Schaden leidet; denn er wird eS zuletzt bedauern, es bereuen, und es wird ihm ss übel zu Muthe seyn, als ob ein Wurm in ihm unaufhörlich nagete, als ob ihn ein unauslöschliches Feuer brennete. Sie sollen ja Acht haben, daß schwache, fehlerhafte Menschen nicht noch fehlerhafter, son. d-rn besser werden. Ich selbst, sagte er, bitt ja gekommen, diejenigen selig zu machen und zu retten, die wie verloren waren. Ts ist mit mir, wie mit einem Menschen, der hundert Schafe hat, und eines davon verlieret. Ec sucht es auf, und wenn er es gefunden hat; s° freuet er sich recht sehr darüber. So suche such ich diejenigen wieder zurecht zu brinaen, o-e bisher nicht gut gelehrt haben. Ich mache es, wie ein Weib, das zehn Groschen besessen, und einen verloren hatte. Sie sucht ihn so bis sie ihn findet, und dann freuet sie 1H mit ihren Nachbarinnen. So wenig der Hirt »02 §>irt ein Schaf, das Weib einen Groschen gern verliert- eben so wenig will Gott, daß ein Mensch unglücklich werde. Er will, daß alle Menschen zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen, und gluck- selig werden.,., Sollten sie auch von einem solchen schwachen und fehlerhaften Menschen beleidiget werden, sso dürften sie deßwegen doch nicht aufhören, an s-t- uer Besserung zu arbeiten. Thut dir, sagte er, dein Bruder etwas zu Leide, so geh, rede mit ihm allein, ur.d suche ihm die Sache so vorzustellen, daß er sich bessere. Hort cv dlch aN, und läßt er sich bessern, so hast du deinen^ Bruder gewonnen, und die Sache ist gut. Hort er dich nicht an, so suche ihn durch andere von sei- uem Unrechte zu überführen, NIMM Nvcy MM oder zwey zu dir, damit d-e Sache n.cht w-im komme. Hört er auch dlese Nicht an, I^sage es der Gemeinde, zu welcher ihr beyde gehöret, und überlaß es ihrer Entscheidung. Will er auch diese nicht hören, so halte ihn für einen Menschen, der ohne Ordnung und ohne Gesetze leben will,und flieh stinenUmgang. Herr, fragte Petrus, wie oft soll ich dem verzeihen, der mrch beieldlget r Hss eS genug sieben Mahl? Nern, antworten Zesus, sondern siebenztg sieben Mahl, oft du beleidiget wirst. M ist ohnehin die Beleidigungen der Menschen eme genug Sache, wie um eine Schuld von hundert Grn scheu; aber um die Fehler gegen Gottes llen, wie eine Schuld von zehn tausend Pfund Geldes. Gott erläßt sie den Menschen, wenn sie ihn darum bitten, wie es ein König machte, der seinem Knecht eine Schuld von zehn taufend Pfunde schenkte. Wie aber der König hörte, daß dieser Knecht seinem Mitknechte eine kleine Schuld von hundert Groschen nicht nachgelassen halte, sondern ihn gefangen setzen ließ, so forderte fer auch von dem unbarmherzigen Knechte die ganze Schuld wieder ab. Und so macht es auch mein himmlischer Vater; er vergibt euch eure Fehler nicht, wenn ihr nicht einander von Herzen verzeihet. Sollen wir die Vergehungen gegen uns dem Nebenmmschen nicht nachsehen, da uns Gott weit größere Fehler verzeiht? Gewiß, Kinder, das wollen wir thun. Können wir, doch so froh seyn, daß wir von Jesu wissen, Gott vergebe uns unsere Sunden. Die Beleidigungen der Menschen, was sind sie meistens, als Fehler, die aus Leichtsinn, aus Unvorsichtigkeit, aus Übereilung, aus Mißverstand, aus Aufhetzung herrühren, und entweder gar keinen oder einen kleinen Schaden verursachen? Bedenket aber, welchen Schaden ihr euch zuziehet, wenn ihr sie nicht vergebet, nähmlich, Mißvergnügen, Unzufriedenheit, Feindschaft, Haß, Zänkerepen, besonders aber das Miß. fallen Gottes, der euch eure Fehler auch nicht Vergeben wird. Ihr wünschst ja, daß euch andere die Beleidigungen vergeben? Was aber ihr io4 ihr wollet, daß euch die Leute thun sollen, daß thut ihnen auch. Es kann nicht anders seyn, als daß mir von andern zuweilen etwas Unangenehmes erfahren; wir sind ja im Alter, im Stande, in Geschäften, in der Erziehung gar sehr von einander unterschieden, und daher auch in der Art zu denken, zu wünschen, und zu handeln einander sehr unähnlich. Ihr seht dieß in eurem Hause, in der Schule.Wenn wir nUn alles so hoch aufnehmen, und uns sogleich für beleidiget halten, oder die Beleidigung nicht vergessen wollen, wie übel wären wir daran! Wie gut und vorsichtig ist es daher gesagt: Vergehet! Lasset euch liebe Kinder, die von Jesu vorgeschriebene Art, die Fehlenden zurecht zu weisen, gefallen. Findet ihr sie nicht^eueren Wünschen ganz angemessen? Wollet ihr wohl gern, daß man eure Fehler sogleich andern bekannt machete? oder daß man sie euch bitter verwiese? Wollet ihr nicht Zeit haben, euerm Thun und Lassen erst recht nachzudenken, oder euch von Bekannten und Freunden vorstellen zu lassen, daß ihr wirklich Unrecht habet? Bereuet ihr nicht manches Mahl bald euern Fehler? Wäre es euch also lieb, wenn man euern Fehltritt überall bekannt machete, oder euch sogleich für unverbesserlich hielte? euch von allem Umgänge ausschloß«? Was aber ihr nicht wollet, das thut auch andern nicht. Endlich bleibt bey euern guten, aufrichtigen, unschuldigen Gesinnungen. Ihr sehet, wie °.sehr sehr sie Jesus empfiehlt. Seyd den Taube» ähnlich, die nicht, wie Raubvogel andern nachstellen, die nicht arglistig und verstellt sind. Es ist sehr schwer, wieder gute Gesinnungen anzunehmen, wenn man schon schlechtere angenommen hat. Ihr wisset, wie hart es geht, daß ein böses Kind wieder ganz gut werde. Darum ge. bet um so mehr daraus Acht.- Seyd wachsam, daß keine böse Gedanken bey euch Bexsall finden, so wie ein Wächter Acht hat, daß bep der Nacht kein Feuer entstehe, kein Dieb einbreche, keine Zänkerepen angefangen werden.— ^Holde Tugend Wohn in eurer Brust, Für das Alter, für die Jugend Hat sie Himmelslust. Ruhm und Segen Folgt der Frömmigkeit, Aus der Tugend sichern Wegen Folgt Zufriedenheit. Die Sanftmuth Jesu. -x^esus wollte von Galiläa zum letzten Mahle nach Jerusalem zum Osterfeste reisen. Ehe er aber wegging, machte er einen Blinden zu Vethsaida sehend, und half einen andern elenden Menschen, der ebenfalls blind und zugleich stumm war. Die Feinde Jesu wollten die Leute glauben machen, daß er diese Wunder nicht durch seine seine Macht, sondern durch die Hülfe Belze- bubs verrichte, von dem die Juden glaubten, daß er so große Ding- thun könne. Allein so groß auch diese Beleidigung war, indem man ihn so verschrie, als ob er mit ei- nem bösen Wesen Gemeinschaft hätte; so zürnte er doch nicht, sondern vertheidigte sich aus eine gut-, faßliche Art, und zeigte, wie unrecht man ihm thue. Wenn ich, sagte er, mit Beize- hub Gemeinschaft hätte, so würde ich fa nichts zu seinem Schaden thun, und die Macht, die ich von ihm hätte, nicht zu seinem Verderben anwen- den. Auch sind meine Werke alle gufund wohlthätig. Wenn ich es mit ihm hielte, Wd durch seine Hülse wirkte, so müßte ich böse Thaten verrichten; denn er ist nach eurer Meinung böse, und sucht nur dem Menschen zu schaden. Den Pharisäern, die ihm beym Volke verhaßt zu machen suchten, gab er wohl Verwei, se; weil sie auf diese Act demselben schadeten, indem sie es von ihm abhielten. Sie verdienten diese Verweise auch noch wegen ihres bösen Wandels. Aber er schmähet- nicht, wie es sonst die Menschen machen, wenn ihnen Unrecht geschieht. Er warnete nun seine Jünger sorgfältig vor ihnen-, machte ihnen dir Fehler derselben bekannt, damit sie sich davor hüthen konnten. Er trat dann seine Reise nach Jerusalem an, und wollte, um eher dahin zu kommen, -durch Samaria reisen. Er sandte seine Jan- g-r in das nächst gelegene samaritanische Dorf, —'»07— wo er über Nacht bleiben wollte, um ihm eine' Herberge zu bereiten. Die Einwohner wiesen sie ab. Das verdroß die Jünger Johannes und Jacobus so sehr, daß sie in heftigen Zorn geriethen, und zu Jesu sagten: Willst du, so soll Feuer auWrWUn, und sie deßwegen verbrennen. Jesus aber, der eigent- lich beleidiget war, der nun einen Umweg nach Jerusalem nehmen mußte, übertrug es gelas. sen und sanstmüthig. Er sagte zu seinen Jün. gern: Ihr HM noch nicht ganz den Geist desjenigen, dessen Jünger ihr seyd. Ich bin ja gekommen die Menschen glücklich zu machen, und nicht sie zu verderben und zu vertilgen. Er ging von dem Wege, aus dem er reisen wollte ab, und nahm in einem andern Dorfe die Nachtherberge. Sehet, Kinder, so befolgte Jesus zuerst und sehr genau die Lehren, die er gab, und sah es mit Mißvergnügen, daß seine Jünger noch nicht recht wußten, wie er gesinnt sey. Ä, laß uns dir nachfolgen, Jesu, du bist das beste Muster! Laß es uns recht einsehen, wie gut die Sanftmuth sey, damit wir wachsam seyn, und be^ Beleidigungen uns sogleich fasten, wenn das -M in Wallung gerathen will! D, wie wird das Herz beschweret Durch des Zornes Leidenschaft! Zanksucht und der Haß verzehret Nach und nach des Körpers Kraft» Im Zorne denket niemand nach, Mas Was Gott gefallen sollte: Die Rache selbst vermehrt die Schmach, Der man entgehen wollte. Die Aussendun^^wey und siebenzig ^esus hatte in das dritte Jahr»»ermüdet ge- lehret, alS die Zeit kam, daß er zu Jerusalem gefangen und gelobter werden sollte. Er wollte nun, daß seine Lehren noch ein Mahl wiederhol), tet, und auch dort bekannt würden, wohin er selbst nicht mehr kommen konnte. Es lag ihm sehr am Herzen, daß alle Einwohner deS jüdischen Landes ihn erkenneten, und seine Lehre annähmen. Er schickte zu dem Ende zwey und siebenzig Jünger aus, die Paar und Paar her- um reisen, und die Lehren ihreS Meisters verkündigen sollten. Gebet hin, sagte er, wie Schafe unter die Wölfe. Eilet, das aus- zurichten, wasich euch aufgebe, und verweilet nicht. Seyd nicht erst wegen der Reisekleider besorgt. Wünschet den Leuten, wohin ihr kommet, Gutes an. Nehmet zu essen an, was man euch auffetzet. Heilet die Kranken, wo ihr einige antreffet. Verkündiget überall mein Daseyn auf Erde. Nimmt man euch in einer Stadt nicht auf, so gehet in eine andere. Wenn man euch aufnimmt, euch anhört, euch ehret, so ists so viel, als ge- — loy— geschähe es mir. Wer das nicht thut, den sehe ich so an, als ob er es mir selbst nicht gethan hätte. Gleicken Auftrag hatte« die zwölf Jünger erhalten und befolget. Sie reiseten nun überall hin, und thaten mit Freuden, was ihnen Jesus befohlen hatte. Sie kamen zurück, und erzählten ihm, was fie ausgerichtet hatten. Jesus freuet- sich darüber, wendete sich zu Gott und sagte: Lob UNd Dank dir, Vater Himmels und der Erde, daß du diese Lehren den guten unredlichen Menschen, diesen guten Kindern geoffcnbaret hast! Er sah nähmlich vor, wie nützlich sie ihnen sepn würden. Er stellte sich auch vor, als waren alle Menschen vor ihm zugegen, und redete sie an: Kommet zu mir alle, die ihr bisher wenig guten Unterricht genossen habet, die ihr im Irrthume wäret, und die ihr die Mosaischen Gesetze als eine schwere Last traget. Nehmet dafür meine Lehren an; sie sind gut, wahr und leicht zu beobachten. Ihr werdet Ruhe für eure Seele finden; denn Mein Joch(meine Lehre) ist fuß, und meine Bürde ist leicht. Mit Schmerzen erinnerte er sich aber auch derjenigen, die ihn lehren hörten, Wunder wirken sahen, und doch seine Lehren nicht annahmen, sich nicht besserten. Diese waren Einwohner der Städte Chorazrn, Bekhsaida, Ka» pharnaum— wo er sich sehr oft und lange be- fand HO fand. Er rief mit Wehmuth aus: Unglückseliges Chorazm! Unglückseliges Bethsaida! Und du einst glückliches Kapharnaum! Du wirst um so viel unglücklicher sepn, weil du dir meinen Aufenthalt so wenig zu Nutzen gemacht hast!^ Sehet, Kinder, wie Jesus alles that, um die Menschen zur Glückseligkeit anzuweisen; wie er sich sreuete, wenn seine Lehren angenommen wurden; und wie es ihn kränke, wenn es nicht geschah. Hatte er besser für unser Wohlergehen besorgt sexn können? Dieß muß uns antreiben, nach seinen Lehren zu leben. Scheinen sie uns auch manches Mahl beschwerlich; müssen wir schon uns Gewalt anthun, die Neigung zum Bösen zu überwinden; so sind sie doch unsern Bedürfnissen so angemessen, und derselben Beobach. tung hat so erfreuliche Folgen für uns, daß wir selbst sie uns wünschen müßten, wenn wir sie nicht hatten. Alle, die sie befolgen, erfahret!, wie gut sie sind. Auch wir wollen sie befolgen, um dieß zu erfahren. Was er gebeuth, ist für uns gut; Er will nur unser Heil. Wohl dem, der seinen Willen thut, Ihm ist das beste Theil! Schon hier schmeckt es, ihm zugethan, Zm Herzen wahre Ruh, Und eilet auf gerader Kahn Getrost dem Himmel zu. 111 Jesus ist ein zärtlicher Kinderfreund. dald darauf kämm Ältern zu Jesu, die'ihre Kinder an der Seite Hatten, und ihn bitten wollten, daß er denselben seine Hände auflegen, al. les Gute wünschen und erbitten möge. Dieß pflegen die jüdischen Lehrer zu thun. Man hieß es segnen. Die Jünger aber sahen nicht gern, daß man Jesum, wenn er mit ihnen oder mit andern redete, dadurch unterbach. Sie wurden unwillig, wenn sich dir Ältern zu ihm drängten, und wollten es ihnen wehren. Allem ^esus dachte ganz anders, gsb den Jüngern einen Verweis," und sagte zu ihnen: Lasset sie zu mir kommen, drese Kleinen, und hallet sie nicht zurück. So bescheiden, so unschuldig, so unverstellt, wie diese Kinder sind, müsset ihr auch werden, wenn ihr meine Jünger sipn wollet.^ Er richtete sodann seine Aufmerksamkeit ganz auf dieselben, umarmte sie, drückte si- an seine Brust, legte einem jeden die Hände auf, und mrließ sie mit dem besten Segenswünsche. Die Ältern waren darüber voll Freuden, und führten ihre Kinder mit zufriedenem Herzen weg. Er warnte die Leute, daß sie Kindern kein böses Beyspiel geben sollten, damit sie nicht böse würden. Seinen Jüngern sagte er, sie sollen sie ja deßwegen nicht verachten, weil sie noch schwach und einfältig waren; indem sie Gott selbst achtt. Ich Hm, fuhr er fort, gekommen r-uch auch dreserKleinen anzunehmen, die 112 bisher ganz außer Acht gesetzt und vernachlässiget waren. Ich will jede Wohlthat, die ihnen erwiesen wird, so ansehen, als ob sie nur selbst wäre erwiesen worden. Dafür aber, Kinder, daß Jesus euch so sehr liebet, verdienet er auch eure Liebe, die ihr ihm dadurch zu erkennen gebet, wenn ihr allezeit seinen Willen befolget. Sein Wille aber isi, daß ihr immer verständiger und besser werdet; daß ihr auch dann, wenn ihr groß werdet, an Unschuld und Einfalt Kinder seyd. Jesus empfiehlt die Beobachtung der Gebothe Gottes. Einst kam ein reicher Jüngling zu Jesu^ und fragte ihn: Bester Herr! was mutz ich denn thun, um glückselig zu.werden. Jesus antwortete ihm: Du wirst wohl die G-both- wisse»: Du sollst niemand iM-n- Dn sollst nicht»»keusch seyn. Du sollst nicht stehlen. Du sollst kein falsches Zeugniß ablegen. Du sollst d-in-AIt-i»-!»- ren. Der Jüngling sagte mlt frohem Gewissen. Herr, dieß habe ich von Jugend auf beobachtet. Sag mir, was ich jetzt noch weiter thUN könnte. J-lu gefiel dieses sehr wohl, er lobt- seine gute Aufführung, und M- derte ihn auf, sein Jünger zu werden. Da- zu aber verstand sich der Jüngling doch nicht, weil er seine Güter hätte zurück lassen, und Je»" nachreisen müssen.^ is — ri3— . Was für ein schönes Beyspiel aber gibt euch Kmder, dieser Jüngling, da er sagen durste- Äch habe alles von Jugend auf beobachtet! Ihr sehet daraus, daß es leicht sey. die Gebothe Gottes zu beobachten. Er war doch auch schwach, er konnte sich auch verführen lassen, besonders, darr reich war, er liebte gewiß auch das frohe muntere Leben, wie ihr. Er that aber nichts Böses, fügte niemanden Schaden zu, redete stets die Wahrheit, gehorsamte seinen Äl» tern, und ehrte sie. Noch war es zu wenig, er wollte neue Geboth- haben, um sie auch befolgen zu können.—Folget diesem Beyspiele. Beobach. tet die Gebothe Gottes, die ihr in eurer zarten Fugend schon gelernet habet. Hüthet euch, daß ihr sie nicht übertretet; sie sind gut und heilsam. Dieß erfuhr der Jüngling, und verlangte daher noch andere Gescße, um immer glücklicher zu werden..^° Als der Jüngling fort war, belehrte Je- lus seine Jünger, sich nie zu sehr in die Reich, thumer zu verlieben; dieß würde sie in der Erfüllung ihrer Pflichten, stets herum zu reisen und zu predigen, sehr hindern. Auch, sagte kr, hindert die Liebe zu Reichthümern und Bequemlichkeiten gar oft die Annahme und Befolgung meiner Lehre; so daß hier das Sprichwort daß ein Kamehl durch in^ /Alohr gehe, als daß ein Reicher m das Rerch Gottes komme: es ist unmög- rch, daß derjenige meine Lehren annehme und L-b-n Jesu. H h«. — ir4— beobachte, welcher die zeitlichen Güter und Be- quemlichkeit zu sehr liebet. Zwar Der weise Vater wehrt uns nicht, Hier Güter zu besitzen. Er gab sie uns, und auch die Wicht, Mit Weisheit sie zu nützen; Sie dürfen unser Herz erfreun, Und unsers Fleißes Antrieb sepn. Doch nach den Gütern dieser Zeit Mit ganzer Seele schmachten, Nicht erst nach wahrer Heiligkeit, Nach Himmelsgütern trachten; Das ist nicht eines Menschen Ruf, Den Gott zur Ewigkeit erschuf. Lastet euch, Kinder, dieß kein Hinderniß sepn. Ihr könnet immer recht viel Gutes genießen, gute Speisen essen, schöne Kleider tra- gen, in großen Häusern wohnen, schon eingerichtete Zimmer haben, allerhand kostbare Sachen besitzen, an Vergnügungen und Unterhaltungen Theil nehmen, wenn ihr nur genau darauf sehet, daß ihr alles mäßig, mit Dankbarkeit gegen Gott ge. nießet, dabey nichts Böses thut, und es unfeine erlaubte Art erwerbet; so wie es der Jüngling gemacht hat. Unschuld wohn' in euern Herzen! Keine Boßhcit todte sie! Ihr könnt fröhlich seyn und scherzen. Nur verscherzt die Tugend nie! Gleich- - ,,5- Gleichnißrede von den Arbeitern im^ Weinberge. Die Gebothe der Liebe' ^gegen Gott.und den Nächsten. ^Hesus wurde hernach von seinen Jüngern gc- l ügt, was denn sie für eine Belohnung bekom» men werden, weilssie alle ihre Güter und Hab. schasten zurück gelassen haben, und ihm nachge- folget- sind. Erzantwortete, sie würden nach dem Tode eine große Belohnung erhalten, die allen zu Theil werden soll, welche seine Lehren ausbreiten würden, ohne Rücksicht auf die Zeit, wann jeder aus ihnen angefangen hat. Dieses lehrte Jesir^ durch das Gl-ichniß von einem Hausvater, der zuerst mit Anbrnch des Tages, dann um neun, um zwölf, um drey und um fünf Uhr Arbeiter in seinen Weinberg schickte, und doch allen einen gleichen Lohn auszahlen ließ. Da er noch so redete, kam ein Gesetzge-- lehrter, und fragte ihn: Herr, was MUß ich thun, um das ewige Leben zu erhalten? JesuS wies ihn sogleich an das Gesetzbuch, das er oft vorlesen mußte; indem er ihn fragte, welches darin das vorzüglichste Geboth sey, Dieses, antwortete er, finde ich als das Hauptgeboth: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften; deinen Nächsten aber wie dich selbst. Du hast recht geantwortet; sagte Jesus. Thu das, so wirst du leben, glücklich werden; denn in diesen beyden Gebothen ist alles enthalten. H 2 was — ri,6— » was immer das Gesetz sonst vorschreibt, 'H oder die Propheten gelehret haben. Wie schon ist diese Lehre, Kinder' Um einer immer dauernden Glückseligkeit würdig zu werden, wichen wir wahre Liebe gegen Gott, und unsern Nächsten haben. Wir muffen oft und mit Freude an Gott denken, uns aufrich- tig bestreben, ihm durch Befolgung seiner Gebothe gefällig zu.werden, und darum alle die Kräfte die er uns gegeben bat, nur dazu an« wenden, daß wir seines Wohlgefallens würdig werden mögen. Aber auch unsere Neber- menschen müssen wir lieben, ihnen so herzlich wohlwollen, wie wir es mit uns selbst meinen, uns über ihr Glück so freuen, wie wir über unser eigenes froh werden, dasselbe so zu befördern trachten, wie wir-uns bemühen, uns selbst glücklich zu machen, über ihr Unglück so trau. ern, wie uns unser eigenes betrübet,. und allen Schaden von ihnen zu entfernen trachten, wie wir ihn von uns selbst abzuwenden suchen. Sollte uns dieses alles wohl schwer werden; Wer verdient unsere Hochlchätzung und Liebe so sehr, als Gdtt? Er ist fa das beste, heiligste, vollkommenste Wesen, der Inbegriff der vortrefflichsten Eigenschaften, an welchen wir als vernünftige Geschöpfe,-das größte Wohlgefallen haben können. Über dieß haben wir alles Gute, das wir genießen, nur von ihm. Sollen wir Uns seine Wohlthaten nicht oft vorstellen, und zu Gemüthe führen, um dadurch zur Liebe gegen ihn bewogen zu werden? —,!7— Und wie könnte eS uns hark werden, un, fern Nächsten zu lieben? Ist er doch auch ein Gejchupf Gottes, auch ein Kind des hinimli- ichen Vaters, auch von Jesu erlöset, und zur gleichen Glückseligkeit mit uns berufen! Gott will uns alle glücklich sehen; er will, daß wir in der Welt, wie Geschwister in einem Hause, leben. Wir zeigen ihm also unser Bestreben, ihm zu gefallen, am besten, wenn wir unsere Rebeümenschen aufrichtig lieben. Kinder, sobald ihr wahre Liebe gegen Gott und den Nächsten habet, so werdet ihr alles erfüllen, was die Gebothe Gottes vorschreiben. Wer Gott liebet, wird nichts thun, was ihm mißfällig ist, um die Eigenschaften Gottes immer mehr nachzuahmen trachten, um Gort ähnlicher zu werden; jo wie es Kinder machen, die ihre Ältern lieben. Und wer seinen Nebenmen- schen liebet, wird ihm gern alles erweisen, und j-deKränkung desselben vermeiden, wie es Gott befohlen hat.— Es ist kein Geboth, das in diesen zweyen nicht schon enthalten wäre. Nur durch diese Liebe gefallen wir Gott, sichern uns hier auf Erden ein frohes, ruhiges Leben, und machen uns einer ewigen Glückseligkeit würdig. Der GeseHgelehrte fragte weiter, Wer ist denn mein Nächster? Jesus antwortete mit einer erdichteten Erzählung: Ein Mensch, sagte er, reisete nach Jen- cho, wurde aber auf dem Wege von Räubern angefallen, halb todt geschlagen, und gänzlich ausgeraubet. Verwundet und blutig lag er da, unge. ungewiß, ob jemand kommen, sich seiner erbarmen, und ihm helfen würde. Es kam zwar ein jüdischer Priester dahin, der denselben W-g reisete; dieser sah ihn an, führte sich aber seine Noth nicht zu Gemü- the, und reisete fort, ohne ihm zu helfen. So machte es auch ein Levit, ein Mensch, der in dem Tempel zu Jerusalem seine Verrichtungen hatte. Endlich kam ein Samarit. Dieser bemerkte seine Schmerzen, fühlte sogleich Mitleiden, trat näher, richtete ihn auf, goß Lhl und Wein in seine Wunden, verband sie, führte ihn auf seinem Lastthiere in ei. ue Herberge, und pflegte seiner. Als der Samarit des andern Tages weiter reisete, empfahl er ihn der Sorgfalt des Wirthes, ließ ihm Geld für den Elenden zurück, und sagte: Astkgk seiner, UNd was du darüber ausgeben wirst, will ich dir bey meiner Rückreise erstatten. Darauf fragte Jesus den Schristgelehrten: Welcher unter diesen dreyen war dem, der unter die Mörder gerathen war, der Nächste? Dieser antwortete: Der, welcher ihm Bat'M Herzigkeit erwiesen halte. Gut, versetzte Jesus, geh hin, und thu deßgleichen; sich denjenigen für deinen Nächsten an» der deiner Hülfe bedarf. Unser Nächster ist also jeder Mensch, wer er auch sey, wenn er auch nicht unser Religivns- genösse, nicht unser Landsmann wäre; denn der Samarit und Jude waren weder Lands, lrute, noch gleicher Religion, und doch sagte J-sus: Geh hin, und thu deßgleichen. Wir haben nur darauf zu sehen, ob jemand unserer — ri9— Hülfe bedurft, und ob wir ihm helfen können. Helfet also jedermann gern. Und damit ihr dazu geneigt werdet, so nehmet euch nur immer die Noth und das Elend anderer recht zu Herzen, so wie es der Samarit machte; dann werdet ihr Mitleiden haben, und dieß wird euch antreiben ihnen zu helfen. L, unterdrücket dieß Gefühl nicht! der liebe Gott hat es euch zum Nutzen anderer Menschen, und ihnen zu euerm Wohlergehen ge- geben. Bethet dafür oft zu Gott: Gib mir o Gott, ein Herz, das jeden Menschen liebet, Bey seinem Wohl sich freut, bey seinem Schmerz sich trübet; Ein Herz, das Eigennutz und Neid und Harte flieht, Und allen wohl zu thun, mit Eifer sich bemüht. Gleichmachen Jesu vom reichen Manne, von Knechten, vom unfruchtbaren Baume, vom Senfkorne, vom Sauerteige, von einer Mahlzeit, Heilung einer kranken Frau. §)ie Pharisäer und Schriftgelehrten legten überall die Gebothe Gottes falsch aus; sie hielten die Leute sorgfältig zur Beobachtung gewisser Gebräuche, Ceremonien und Reim- gung der Eß- und Lrinkgeschirre an, sahen aber wenig daraus, ob sie dabey gut gesumet wären, und gute Handlungen verrichteten. Jesus sus lehrte dagegen, daß man besonders auf gute Gesinnungen und rechtschaffene Handlungen sehen müsse, dann liegt wenig daran, uus welchem Geschirre man esse und trinke. Was M dkN Mund hinein geht, sagte er, verunreiniget, verschlimmert den Menschen nicht; aber aus den Herzen können allerhand böse Neigungen entstehen, diese verunreinigen, verschlimmern ihN- Er gab ihnen scharfe Verweise über ihren schlechten Unterricht, und über ihren bösen Lebenswandel. Er warnete seine Jünger recht väterlich, ihnen hierin nicht nachzufolgen. Besonders warnete er sie vor ihrem Geitze. Wirklich braucht der Mensch auch nicht viel zur Erhaltung seines Lebens. Er weiß auch nicht, wie lange er leben werde; warum soll er sehr um Gelde und Gut bekümmert seyn? Es könnte ihm ergehen, wie einem reichen Manne, dem seine Felder eine solche Menge von Früchten eintrugen, daß er sie nicht alle unterzubringen wuß. te. Er hatte Vorralhshäuser, allein diese waren angefüllet. Da habe ich, dachte er, erneu schönen Vorrath; aber was soll ich damit anfangen, da meine Fruchtbehälter zu klein sind, denselben aufzubewahren. Ich will sie niederreißen, größere bauen lassen, und in diese von Jahr zu Jahr meine Ernten und Einkünfte sammeln— und dann lasse ichs mir recht wohl seyn. Gut, will ich dann zu mir sagen, du hast Vorrath auf viele Jahre, genieß einmahl dein § eben, iß, trink, mach dir Freude! Ss denkt er-Aber Gott denkt: Du Narr! diese nachstkunftrge Nacht wird es dir genommen dein Leben, wo kommt dann dem 3o0rratb HEll? Wirst du, oder wird ein anderer ihn verzehren, wenn du todt bist? EiN solches Ende nimmt das Sammeln der Schätze, wenn man dabey arm bleibt an Werken der Wohlthätigkeit. Jesus sagt ferner zu seinen Jüngern, sie sollen recht sehr besorgt sepn, an guten Handlungen reich zu werden; weil die. se nicht, wie Geld und Habschaften. von Dieben gestohlen, von Motten gefressen, und vom Roste aufgezehret werden können. Sie sollen bereit sepn immer ihre Schuldigkeiten zu thun, und die Lehren ihres Meisters zu verkündigen, wie Knechte, die bep der Nacht mit der Fackel in der Hand auf die Heimkunft ihres Herrn warten, um ihm sogleich das Thor zu öffnen, und seinen Willen zu vollziehen; oder wie ein Mann, der immer wachjam ist, weil er nicht weiß, zu welcher Stunde der Dieb, dem er aufpasset, kommen werde. Sie sollen seyn wie ein Hausvater, der zu jeder Zeit Sorge für das Hausgesinde trägt. Sie sollen sich als Knecht« betrachten, die den Willen ihres Herrn wissen, und sollen daher ihre Pflichten genau erfüllen; sonst würden sie mehr, als diejenigen gestrafet werden, die den Wille» ihres Herrn nicht so gut als sie wissen konnten. Lasset diese Ermahnungen auch euch gesagt sepn, Kinder, wenn ihr künftig gewisse Geschäft schäfte überkommet. Erinnert euch dieser Gleichnisse recht oft. Ihr könnet euch leicht daran erinnern; denn Knechte und Hausväter sehet ihr immer vor euch. Aber schon jetzt könnet ihr davon die Anwendung machen, da ihr wirklich allerley Pflichten auf euch habet, nähmlich, zu lernen, Ausgaben zu machen, häusliche Arbeiten zu verrichten und dergleichen. Es kam die Nachricht zu Jesu, daß zu Jerusalem mehrere Menschen durch den Einsturz eines LhurmeS sind erschlagen worden. Er sag. te zu den Umstehenden: WeMI ihr euch Nicht bessert, so werdet ihr alle zu Grunde gehen. Es ist mit euch, wie mit einem Bau. me, der im Weinberge stehet, aber keine Fei- gen trägt. Der Herr des Weingartens sagte zu dem Winzer: Hau ihn UM, was MMMt er den Platz ein? Er trägt ja schon drey Jahre keine Frucht. Dieser antwortete aber: Herr, laß ihn nur dieses Jahr stehen bringt er hernach keine, so kannst du ihn umhauen lassen. Wenn ihr euch nicht bessert, so werdet ihr, wie dieser unfruchtbare Baum, ausgerottet werden. Kinder, vergesset dieses-Gleichniß nicht. Auch von euch erwartet man noch erst Früchte, wie von neu gepflanzten Bäumen. Würdet ihr keine bringen, so wehe dann euch! In der Synagoge, wo Jesus lehrte, war eine Weibsperson, die schon durch achtzehn Jahre einen so gekrümmten und vorwärts gebogenen Selb hatte, daß sie nie eine aufrechte Stellung — rs3—- annehmen konnte. Jesus harte Mitleiden mit ihr. Weib, sagte er, du sollst von deinem Uebel befreyet seyn. Er legre ihr die Hände auf, und sie ward gerade. Das Weib dankte ihm mit größter Freude. Er lehrte dann wieder fort, und sagte: Mit der Ausbreitung meiner Lehren ist es, wie mit dem Säen und dem Wachsen eines Senfkornes. Sie sind Anfangs wenigen bekannt, und werden so wenig bemerket, als man das Senfkorn in der Erde bemerket; sie werden aber sich stark ausbreiten; überall bekannt und angenommen werden, so wie auch die Pflanze des Senfkornes so groß wird, und ihre Zweige ausbreitet, daß^ sich die Vogel darunter verbergen können.^ Die Kraft meiner Lehren kann mit der Kraft des Sauerteiges verglichen werden. Gleichwie ein wenig Sauerteig einen Teig von drey Meßen Mehl säuert, so werden meine Lehren auch ganz andere Gesinnungen und die größten, besten Thaten bey vielen Menschen her. vor bringen. Sie dürfen nur erst recht bekannt werden, so werden sie bey denen, die sie befolgen, von selbst alles Gute bewirken; so wie aus einem guten Samen gute und reichliche Früchte erwachsen. Sie müssen nur erst allenthalben vorgestellt werden, wie ein Licht, das man anzündet, und auf dem Leuchter stellt; so werden sie bald als gute und heilsame Lehren erkannt werden. Mittelst derselben werden die Menschen die Dinge nach ihrer wahren Beschäl- 124 schaffenheit kennen und schätzen lernen; so wir man bey einem ausgestellten Lichte alles recht sehen und unterscheiden kann. Aber die Zeit der Bekanntmachung dieser Lehre darf von den Menschen nicht versäumet werden, sonst könnte geschehen, daß sie zur Kenntniß derselben nicht gelangeten, und dann wäre es mit ihnen so, wie mit Gästen, die von einem reichen Herrn zu einer Mahlzeit geladen waren, aber zur bestimmten Zeit dabey nicht erschienen, und als sie endlich doch kamen, von dem HauSvater abgewiesen wurden. Wer die Lehren jetzt, da sie geprediget werden, nicht anhöret, nicht annimmt, der wird sie zuletzt nicht mehr hören können, obschon er Verlangen darnach haben wird. L, so wird es vielen Menschen ergehen! fuhr Jesus fort. Jerusalem, Jerusalem wie oft habe ich deine Kinder(Einwohner) um mich her versammle« wollen, sie zu belehren, wie eine Henne ihre Jungen versammelt, um sie zu ätzen, und du hast nicht gewollt! So lasier euch dann die bösen Folgen davon gefallen. Eure Stadt und euer Tempel werden so zerstöret werden, daß man sie nicht mehr kennen wird. Er sagt-es mit Wehmuth.'— Und das ist auch geschehen, liebe Kinder. Seyd doch ihr besser, folget seinen Lehren, und lasset euch von ihm zur Glückseligkeit anführen. Dieß macht ihm Freude, euch macht es glücklich. Ihr habet ja aus den Gleichniss sen sen von, Sauerteige, von dem guten Samen, von dem aufgestellten Lichte gelernet, wie nütz, lich seine Lehren sind. Lasset aber ja die eigentliche Zeit des Unterrichtes und der Angewöhnung zum Guten, eure Jugendzeit, nicht verstreichen. Wer weiß, ob ihr in euern höher» Jahren Zeit und Gelegenheit dazu haben werdet! Jesus heilt einen Wassersüchtigen. Er lehrt Bescheidenheit und Gutthätigkeit. ^)esus reisete immer weiter gegen Jerusalem zu. An einem Sabbathe ward er von einem angesehenen-Pharisäer zu Mittage eingeladen. Bep der Mahlzeit kam ein Wassersüchtiger, um g-heilet zu werden. Jesus wußte wohl, daß die Pharisäer für unerlaubt hielten, er wußte aber auch, daß die Heilung Gott wohlgefällig wäre, und achtete nicht aus sie, sondern rührte ihn an, und der Aranke wurde sogleich gesund. Bey der Tafel bemerkte Jesus, daß die Gäste die ersiern-Plätze bep Tische aussuchten und besetzten. Er sagte daher zu dem, der neben ihm saß: Sehe dich, wenn du geladen wirst, immer unten an, damit der, weiter dich geladen hat, zu dir sagen könne: Rucke hinaus. So hast du Ehre davon. Denn wer sich selbst erniedriget, wird er- hö- ^ ,26— höhet werden; wer sich hingegen selbst erhöhet, wird erniedriget werden. Dieser Anweisung sollet ihr, liebe Kinder, folgen; sie ist eine wichtige Regel der Bescheiden. Hern Lasset andern Menschen vor euch den Platz, besonders den Erwachsenen. Je vornehmer eure Altern sind, desto höflicher bezeiget euch; denn von diesen Kindern erwartet man mehr Artigkeit als von andern, weil sie mehr Belehrung bekom. men. Denket nicht, daß man euch etwa deßwegen, weil eure Ältern vornehm und geehrt sind, auch Lhre bezeigen soll. Ihr müsset sie erst, wie eure Ältern, durch gute und rechtschaffene Handlungen zu verdienen suchen. Bethet daher fleißig zu Gott: Gib, daß ich in der Freundlichkeit, In der Geduld und Liebe, Zn Langmuth und Gefälligkeit Mich unermüdet übe. Kine noch wichtigere Lehre gab JesuS dem Hausvater selbst. Er sagte ihm: Wenn du Lust hast, eine Mahlzeit zu geben, worüber du Freude haben willst, so sollst du nicht eben deine reichen Anverwandten und Nachbarn einladen, denn diese laden dich wieder ein, und du hast nichts Besonderes gethan. Lade dafür Arme, Hungerige, Blinde. Lahme, und solche ein, die sich nichts erwerben können. Diese werden dir dafür danken, und Gott wird dich dafür belohnen, weil sie selbst es dir nicht ver- gel- — 12?— gelten können. So kannst du mit deiner Mahlzeit gutthcilig seyn. Dieß, Kinder, sollen wir also thun, wenn wir einigen Überfluß an Speise und Trank ha- den. Welch ein Vergnügen können wir dadurch nicht den Armen verschaffen! und dieses wird uns angenehmer sey, als die besten Speisen. Dieß meinte Jesus, als er versicherte: Es ist seliger, es macht mehr Freude, zu geben, als anzunehmen. Ihr könnet dieß V-rgnü. gen genießen, wenn ihr mit Erlaubniß eurer Ältern euer Frühstück, euer Mittagmahl, euer Jausenbrot mit einem armen Kinde, mit einem Mitschüler theilet, oder wenigstens eure alten Kleidungsstücke ihm zukommen lasset. Denn Jesus wollte zeigen, daß wir mit dem, was wir zu viel haben, den Dürftigen aushelfen sollen. Ach, was fchaffts für sanfte Freuden, Der Verlassenen Helfer sepn! Sehn, wie sie in ihren Leiden Sich durch uns gestärkt erfreun! Ein betrübtes Herz erquicken, Welch ein himmlisches Entzücken! Wer dieser Erde Güter hat, Und sieht die Drüber leiden, Und macht den Hungrigen nicht satt, Laßt Nackende nichtstleiden^ Der ist ein Feind der ersten Wicht, Und die die Liebe Gottes nicht. Noch Noch setzte Jesus hinzu: Mit meinen Lehren ist es, rvie mit einem Gastmahle, das ein vornehmer Herr zurichten ließ, zu dem aber die Geladenen nicht kommen wollten, vbschon sie durch mehrere Bothen erinnert wurden. Sie entschuldigten sich mit ihren Geschäften. So machen es auch die Menschen; sie nehmen sich wegen ihrer Geschäfte nicht Zeit, meine Lehren anzuhören und zu erlernen. Der Herr ließ sodann zu seiner Tafel Leute vorn Lande einladen. Diese kamen und aßen. So werden auch meine Lehren fremden Völkern verkündiget, und von ihnen angenommen werden. Die Geschichte des Verlornen Sohnes. Pharisäer und Schriftgelehrten tadelten an Jesu, daß er mit bösen Leuten umging. Dieß that er aber, um Gelegenheit zu haben, sie von ihrem bösen Leben abzubringen, wie ein Arzt, der nur der Kranken wegen da ist. Er antwortete ihnen; Es ist M sey Gott eine größere Freude über einen Sünder- der sich gebessert hat, als über neun und neunzig solcher Gerechten, wie ihr seyd, di- böse sind, und doch glauben, daß sie der Buße nicht bedürfen. Denn Gott verhält sich gegen die fehlerhaften, sündigen Menschen, wenn sie sich bessern, wie ein Vater, der zwey Söhne hatte, deren einer aber nicht länger gehorsam, fleißig, arbeitsam, ordentlich seyn wollte, und daher den Theil deS Erbguts verlang- Le§ — ,2A— r-, der ihm nach dem Tode seines Bakers zuge. fallen wäre. Der Vater ließ ihm den Willen, und der Sohn lebte nach seinem Gefallen- arbeitete nichts, ging mit liederlichen Leuten um gab das Geld für überflüssiges Essen, Trinke»! und ander-»nöthige und unerlaubte Sachen hin, bis er nichts mehr hatte. Er, obgleich ein Jude mußte einen Schweinhirten abgeben, um nicht vor Hunger zu sterben. Die Noth veran. laßte ihn, seinem bisherigen Lebenswandel nachzudenken. Er erinnert- sich, wie wohl es ihm im väterlichen Hause gegangen war. Dort, sprach er. hat es der geringste Tagelöhner besser, als l(y. Er bereueke seinen schlechten Lebenswandel, und faßte den ernstlichen Entschluß, sich künftig zu bessern. Ich will mich aufmachen, sagte er, ich will zu meinem Vater gehen, und ihn bitten, daß er mich we- "tgstens m seinen Dienst aufnehme; denn rch tun Nicht werth, sein Sohn zu heißen. M ging wirklich zu seinem Vater, bezeigte ihm laue Reue, und seinen Vorsatz, künftig sich besser aufzuführen, als er es bisher gethan hatte, und ^gtezu ihm: Vater, ich habe gesündigttvor Gott und dir: bin nicht mehr werth, dem«söhn zu heißen! Nimm mich nur als demen Tagelöhner auf! Der Vater sah die Reue, die Beschämung, den Vorsatz seines Soh. «es, und erbarmte sich über ihn. Er führte ihn in vas Haus, ließ ihn neu kleiden und zieren, befahl chm eine Mahlzeit zu bereiten. nahm ihn wie. -er als seinen Sohn«uf, und freute sich, ihn Leben J-su. I wie- — i3o—„ wieder gebeffert zu sehen. So macht es auch der himmlische Vater mit den Menschen, wenn sie sich wahrhaft bessern, und ihn um Vergebung b,t. ten. Cr hat keine Freude, wenn die Men,chen unglücklich sind, und er vergibt ihnen gern wieder, wenn.sie gut werden. D, wie schon ist dießes Gle'chmß! Es ver- dient von euch. Kinder, vorzüglich gemerkt zu werden. Ihr sehet daraus, was ihr zu thun habet, wenn ihr einmahl so unglücklich.werden solltet, eine Sünde zu begehen. Hülhet euch aber, daß ihr keine begehet. -Nr sehet aus dieser Geschichte, wie übel es d-m Sohne erging, weil er Böses that. Dieß ha immer schlimme Folgen, die nie ausbleiben, und bald früh, bald spät. aber gewiß kommen. Hüthel euch ferner, von euern lieben Altern ohne ihren Willen wegzugehen, um alsdann nach «uerm Belieben handeln zu können. Ihr noch zu wenig unterrichtet, daß ihr allein rech und gut zu leben wüßte-. Eure Altern muffen euch zu allem Guten anweisen, euch vor Gefahren warnen, und von dem Dosen abhalten. Manche Kinder glauben freylich, daß sie es zu Hause nicht gut haben, weil ihre Ältern sie Ms zurechtweisen, sie mahnen, ihnen drohen, oder auch sie gar strafen. Aber bedenket selbst, was doch werden würde, wenn dieß nicht geschähe, o er wenn Kinder wohl gar von ihren Ältern entfernt lebeten! Darum wünsche keines von euch, den Augen seiner Ältern zu entgehe«. Ihr werdet WM einst für ihre Zurechtweisung danken.' AuM- — IZl. Auch das verlanget nicht, was dieser Mo^n von seinem Vater verlangte, nähmlich Meld. Kinder, so lange ihr klein sepd, sorgen ohnehin eure Ältern für euch; ihr brauchet also noch kei. nes. Lernet vorher den rechten Gebrauch davon. Zhr sehet schon aus dieser Geschichte, wie aus so vielen andern Beyspielen, wie übel unerfahrne Kinder das Geld verwenden. Es verleitet zum Naschen, zum Einkaufen allerhand unnützer Din» 8-, zur liederlichen Gesellschaft, oft auch zum Stehlen. Sehet, dieß ist die Ursache, warum euch eure Ältern entweder kein Geld geben, oder euch vorschreiben, wie ihr es gebrauchen sollet, und > achsehen, wie ihr es angewendet habet. Gleichnißreden von dem Haushaltet, dem reichen Manne zmd dem armen Lazarus. man den rechten Gebrauch von seinem Gelde und seinen Gütern machen soll, lehrte Je- sus durch folgendes Gleichniß: Es war ein Haus- halter, der seinem Herrn nicht gut und treu wirthschaftete, und deßwegen von» Dienste kam. Ehe er aber noch Rechnung ablegte, ließ er den Schuldnern feines Herrn Vieles nach, damit sie seine Freunde würden, ihn hernach b-p sich wohnen ließen, und ihn mit allem versorgeten. So wie es dieser listige Mann machte, der für seine künftige Versorgung, obwohl auf eine uner- laubte Art, bedacht war, und sich von dem Gelde seines Herrn Freunde erwarb; so sepd auch ihr Z r he. 132 bracht, mit euerem Vermögen andern zu helfen, besonders den Armen; diese dienen euch anstatt der Freunde, und ihr werdet dafür bep Gott Belohnung erhalten. Wir sollen nach dem Willen Jesu nicht bloß daiür sorgen, daß wir Übeifluß an Spei- se, Trank, Kleidung und andern Dingen haben, sondern sollen gegen Hungerige, Durstige, Nackende, Nothleidende barmherzig ftpn, und ihnen davon mittheilen. Es würde uns sonst ergehen, wie einem sehr reichen, aber unbarmherzigen Manne. Es war ein reicher Mann, der sich prächtig kleidete, täglich eine kostbare Tafel unter, hielt, und sich all- Lustbarkeiten erlaubte. An dem- selben Orte war auch ein sehr armer Mann(er hieß Lazarus), der mit seinem elenden und?-an. ken Körper lange Zeit vor der Pforte des Reichen lag, und nur die Brosamen wünschte, die von des- selben Tafel sielen, um seinen Hunger zu stillen. Niemand kam zu ihm als etwa Hunde, um seine Geschwüre zu lecken. Der Arme starb, und kam an den Ort der Seligen zu nächst an Abraham. Nach einiger Zeit starb auch der Reiche, und kam zur Strafe an einen Ort, wo er unerträgliche Peinen fühlte, in die Hölle. Als er von da einmahl aussah, erblickt- er von fern Abraham an dem Orte der Seligen, und Lazarum neben ihm. Da rief er: L), Vater, Äbra-- Harn! habe mit mir Elenden Mitleiden, und sende den Lazarus zu mir! Möchte er nur seinen Finger ein wenig mit Wasser — ,33— benetzen, und meine nach Kühlung lechzende Zunge berühren! ich leide unausstehlich in diesen Flammen. Abraham ant. warmeSohn, erinnere dich, daß du einst gute Tage haltest! Du genössest alle Annehmlichkeiten des Lebens, ohne dich um die Glückselig, keit nach dem Tode zu bekümmern, Du bist selbst Schuld daran, daß es dir jetzt so übel geht.§a- zarus hingegen hatte damahls feine bösen Tage; nun findet er Trost und Ersatz für seine Widerwärtigkeiten. Über dieß findet zwischen uns und euch keine Gemeinschaft Statt, esistttN Abgrund zwischen uns und euch. über den man nicht kommen kann. So bitte ich dich wenigstens, Vater Abraham, sprach der Reiche, daß du Lazarum in meines Vaters Haus sendest, um meinen fünf Brudern, die so leben, wie ich es machte, zu sagen, was für eine Hual hier auf sie warte. Sie haben, antwortete Abraham, die göttlichen Schriften, die es ihnen deutlich genug sagen. Wenn sie göttlichen Schriften nicht Gehör geben; fo würden sie sich eben so wenig zur Besserung bequemen, wenn auch einer von den Todten ausstände, und ihnen predigte. Ihr sehet, Kinder, daß Jesus bey jeder Gelegenheit die Hülfe und Barmherzigkeit gegen andere Menschen empfiehlt, und denen, die sie ausüben, dafür ein ewig glückliches Leben verspricht, ein unglückliches Leben aber den» jes jenigen androht, die sein Hauptgeboth.' Lfebtz den Nächten, nicht erfüllen. Und wer sollte dieß mehr thun, als vermögliche reiche Leute? Denn, da andere nur durch guten Rath, durch Empfehlung, durch Arbeit helfen können; so sind diese im Stande, mit Geld und Gut an die Hand zu gehen, welches oft nothwendig ich Speiset die, die Hunger leiden, Welche durstig sind, die tränkt; Eilt, die Nackenden zu kleiden, Tröstet die, die Kummer krankt; Schwache sucht zu unterstützen! Unterdrückte zu beschützen! Jesus heilt zehn Aussätzige. GleichnG rede vorn Pharisäer und Zöllner. Äuf eben derselben Reise nach Jerusalem be, gegneten Jesu zehn Aussätzige, die sich ihm zu nähern nicht getrauten, sondern in einiger Entfernung riefen: Jesu, erbarme dich unser! Geht, sagte er zu ihnen, und zeiget euch den Priestern, und sogleich wurden sie rein, und auch von den Priestern dafür erkannt. Alle gingen gesund nach Hause, ohne Jesu dafür zu danken, bis auf Einen, der ein Samarit war. Dieser kehrte zurück, siel vor ihm nieder, und dankte ihm. Dieß gefiel Jesu wohl; hingegen mißfiel es ihm sehr, daß die übrigen so une dankbar fortgehe« konnten, und er sagte: Sind euer euer nicht zehn gereiniget worden? Wo siud denn die neun? Es zeigte wirklich ein unempfindliches Herz an, wenn jemand Wohlthaten empfängt, und dafür nicht danket. Eine abscheuliche Sache, Kinder! Was kann man doch weniger von dem erwarten, dem man Gutes erwiesen hat, als daß er danke? Sogar die Thiere liebkosen den Menschen, der sie füttert. Ein undankbarer .Mensch machet auch, daß man ihm nicht so leicht und gern wieder Gutes erweiset. Dankbarkeit aber bringet uns noch mehr Gutes zu wege. Lasset uns also dankbar seyn! Jesus gab uns aber auch hierin ein Bey. spiel, das bewundert und nachgeahmt zu werden verdient. Obwohl ihm für seine Wohlthaten nicht gedanket wurde. so ließ er sich doch nicht abhalten, wieder Gutes zu erweisen. Er that es nicht, um dafür Dank und Ehre zu erhalten, sondern um den Dürftigen zu helfen. Kinder, ahmet ihm auch hierin nach! Seinen Jüngern sagte er voraus, daß sich viele Berrieger für den Messias ausgeben wer- den, von denen sie sich nicht sollen hintergehen lassen. Ferner sagte er, es werde ein großes Unglück über das jüdische Land kommen, dem sie durch die Flucht aus demselben entgehen sollen. Die Juden werden es nicht glauben, und sicher zu seyn meinen, wie es die Leute vor der allgemeinen Sündfluth, und vor der T erwüstunz Sodoma's machten. Sie werden — ,36— ab» von dem Unglücke übereilet, und bep ihren Geschäften getrennt werden. Seine Jünger aber socken dabep alles Vertrauen zu Gort haben: so wie eine Frau ihr Vertrauen auf einen Richter sie zwar lange Zeit warten ließ, aber endlich doch erhörte. Sie sollen nur Gott, wie die Frau den Richter anhaltend bitten. K-p dem Gebethe aber sollen sie es nicht so machen, wie der Pharisäer, welcher mit einem Zöllner zu gleicher Zeit in dem Tempel bethen ging. sich vorne hin, zählte Gott alle seine Werke vor. wodurch er sich dessen Gna. de erworbenen baden glaubt-, und verachtete den Zöllner, der sich einiger Fehler bewußt war, und^ne solchen Werke, wie er verrichtet hat' !*' G.ott.' sprach er, kch danke dir, daß ich mchk bm, wre dieser Aöllner hier!^rch bcLrrege, stehle und morde nicht! ftch bm mcht, wie andere Leute.' ich faste bethe oft, gebe oft Opfer, und den zehn- den Tempel""" wächst, an ..^°. ft.ll. te sich bepm Eingänge des Tempels hin, ae. traute sich vor Neue und Scham über seine Sun. den, mcht die Augen zu erheben, sondern schlug reumurhig an ferne Brust, und sagte: Gott f-Y mir Sander gnädig! Ich m«ß ,üch '§uhr Jejus fort, daß dem Pharisäer G-beth nichts nützte. Er ging als ein böser Mann aus dem Tempel; der Zoll,er dagegen erhielt —.3/— Mk Vergebung seiner Fehler und kehrte gebes- A zurück Es blieb b-p dem Sprichwort-: -Ser sich selbst erhöhet, wird erniedriget werden; wer sich aber selbst erniedriget, wrrd erhöhet werden.^ Aus dieser Erzählung sehet ihr, liebe Kin. ber, daß Gott densenigen die Sünden nicht vergibt, welche sich ihrer guten Handlungen wegen rühmen, und über andere erheben. Dieß kommt daher, weil Menschen, die so von sich eingenommen sind, ihre Fehler nie einsehen, folglich sich auch nicht bessern.. Ihr sollet euch also eurer guten Handlung weder vor Gott, noch vor den Menschen rühmen, sondern vielmehr bedenken, wie Vieles ihr noch an euch zu bessern hgbet. Jesus empfahl oft seinen Jüngern, ja nicht deßwegen Gutes zu thun, Almosen zu geben, zu be- then, zu fasten, damit sie von Menschen gelobet werden. Willst du bethen, sagte er, so siehe IN deine Kammer, bitte bey verschlossener Thür deinen unsichtbaren Vater; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten. ^esus macht zwey Blinde sehend, kehrt bey.Zachaus ein, und lehrt durch ein Glerchmß von einem Könige, der sich vermiete.^ r^)esus setzte seine Reise fort, und kam gegen die Stadt Jericho. Außer derselben saßen zwey Llin. r38 «Llindr- und bettelten. Sie erfuhren' von den Vorausgehendenden, daß Jesus komme, von dem sie schon so viel Gutes gehört hatten. Dieß erregte in ihnen Vertrauen.zu ihm, und sie riefen: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich unser! Er hörte sie kaum, so erbarmte er sich auch über sie, und sagte: Ihr sollet sehen. Er berührte ihre Augen, UNd sie sahen. Voll Freude verkündigten sie die erlangte Wohlthat. Als er von der Stadt wegging, begleitete ihn eine große Menge Volkes. Unter diesen war ein Aufseher der Zolleinnehmer, Zachäus, besonder- begierig, Jesum zu sehen. Er stieg, weil er klein rvar, auf einen Baum, bey welchem Jesus vorbey gehen sollte. Als Jesus dahin kam, sah er hin, auf, und sagte: Zachäus, steig herab, ich will heute in deinem Haufe einkehren. Dieser stieg sogleich herab, und nahm ihn freudig auf. Durch das liebvolle Benehmen Jesu ermun» tert, bekannte er, daß er vorhin unrecht und be- triegerisch gehandelt hätte, aber es künftig nicht mehr thun, und den zugefügten Schaden den Be. trogenen und Armen ersetzen wolle. Er sagte: Herr! die Hälfte von meinen Gütern gebe ich den Armen, und erstatte denjenigen, die ich betrogen habe, es vierfach wieder. Sein Vorsatz war aufrichtig und gut. Jesus voll Vergnügen darüber, sagte: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren; indem ich Ursache seiner Besserung geworden bin. Dieser Mann thut, wie es sich für einen Nachkömmling — i3«)— bkl rechtschaffenen Abraham schickt; Sk lst' elw Sohn Abrahams. So will ich die Menschen die gesündiget haben, wieder zurecht bringen; denn ich bin gekommen, selig zu machen, was verloren war. Sehet, Kinder, wie gern sich Jesus derer annahm, von welchen er wußte, daß sie sich bessern würden. Solche Leute rief er gern zu sich, und ging mit ihnen um. Wie frevele er sich, einen Sünder zur Besserung gebracht zu haben! Sehet aber auch daraus, auf was es bey her Besserung ankommt. Es ist nicht genug, das Kose nur meiden zu wollen; man muß auch den Gelegenheiten und Gefahren dazu ausweichen. Wer sich in die Gefahr begibt, wird darin umkommen. Man muß Gutes thun, und ein besserer Mensch werden, als man vorhin war. Man muß den Schaden, den man sich oder andern zu- gefügt hat, wieder ersetzen, so wie es Zachaus machte. Wer ein beschädigtes Haus hat» thut nicht genug, wenn er es nicht noch schadhafter werden läßt, er muß auch Dach und Fenster, Thüren und Mauern ausbessern. Ein Kind, das nachlässig, unmäßig, verleumderisch ist, muß nicht nur aufhören es zu seyn, sondern auch das Versäumte herein bringen, die Kleidung und die Bücher um so länger erhalten, das Böse wider- rufen, so er von andern gesagt hat, und seine Gesundheit wieder herzustellen suchen. Je- — rLo— Zesus ging dann weiter. Viele, die ihn begleiteten, waren der Meinung, daß er nun bald sein Reich errichten werde. Jesus aber sagte, daß er erst wie ein König, den seine Un- terthanen haßten, verreisen, dann aber wieder kommen werde. Wie aber der König, welcher sich verreisete, und inzwischen ein neues Land eroberte, bey seiner Zurückkunst die Unkertha- nen, die ihn haßten, zur Strafe zog; so werde auch er bey seiner zweyten Ankunft aus Erden es die Juden fühlen lassen, daß sie ihn haßten, und nicht als ihren Heiland annahmen. Maria, Martha und Lazarus. Eine kleine Stunde von Jerusalem indem Flecken Bethanicn wohnten zwey Schwestern Maria und Martha mit ihrem Bruder Lazarus. Sie wa. ren Jesu mit der innigsten Freundschaft zugethan. Auch Jesus hatte sie lieb, trat bey ihnen ab, wenn er nach Jerusalem reisete, und unterwies sie in seiner Lehre. Einst da er zu ihnen kam, setzte sich Maria, nach damahliger Sitte, gleich zu seinen Füßen, und hörte seinem Unterrichte zu, indessen Martha sorgfältig alles veranstaltete, ihn recht wohl zu bedienen. Diese beschwerte sich aber auch bey Jesu, daß ihr die Schwester alle Arbeit überlasse. Allein Jesus gab ihr zur Antwort: Gute Martha, du machest dir viele Mühe und Un- ruhe, aber nicht um das, was doch allein nothwendig ist; Maria hat, indem sie um ihre B-. lehrung besorgt ist, den bessern Theil er- wählet, den ihr niemand wird entziehen können. Ein anderes Mahl, als Jesus aus seiner Reise nicht mehr fern von Jerusalem war, erhielt er die Nachricht, daß sein Herzensfreund Lazarus krank sep. Hierüber äußerte er sich, der Zweck dieser Krankheit jep nicht, das Lazarus sterbe, sondern daß Gott und Gelles Sohn verherrlichet werden, und blieb noch zwey Tage an demselben Orte. Dann trat er den Weg nach Judäa an. Semen Jüngern sagte er: Unser Freund Lazarus schläft, aber ich gehe hin, ihn aufzuwecken. Da dieJünger diese Worte ganz im eigentlichen Sinne nahmen, sagte er ihnen gerade heraus: Lazarus ist gestorben, und ich freue mich um euertwillen, daß ich nicht bep ihm war, damit ihr in dem Glauben an mich gestärket werdet. Als er in Bethanirn ankam, war Lazarus schon seit vier Tagen begraben. Es waren viele Juden aus Jerusalem da, um die Schwestern, über diesen Todfall zu trösten. Sobald Martha horte, daß Jesus dem Orte sich näherte, ging sie ihm entgegen, und sprach: Herr, wärest du hier ge» wesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Je- sus tröstete sie mit der Versicherung: Dein Bruder wird auferstehen. Sie verstand aber dieses nicht von einer baldigen Auserweckung, sondern von der Auferstehung am jüngsten Ta» ge. Darauf ging sie zu ihrer Schwester, und meldete ihr insgeheim die Ankunft Jesu. Die. se eilte ihm sogleich entgegen. Die anwesenden -7-»42—- tzen Zuden folgten ihr, in der Meinung, sie gehe zum Grabe, dort zu weinen. Als sie zu Jesu kam, warf sie sich ihm zu Fußen, und sagte weinend: Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. AIs Jesus Mariam und ihre Begleiter weinen sah, wurde er auf das innigste von Mitleiden gerührt, und weinte selbst. ^ Auferweckung des Lazarus. ^Hesus, der so oft bey dem Anblick- der Elenden und Traurigen gerührt war, wurde hier um jo viel me. beweget. Er tröstete nicht nur die beyden Schwestern des Lazarus, sondern zeigte auch in der That, daß er an ihrer Traurigkeit Theil nahm, er weinte— Auch mitgeweinte Zähren Erwecken Seligkeit Durch halbgeiheiites Leid. Dadurch wird nicht selten unser Schmerz gelindert, wenn wir sehen, daß andere mit uns trauern. Allein dieses ist nicht genug, man muß auch nachsinnen, wie man den Traurigen Trost einsprechen und Hülse erweisen könne. Dieß that JesuS. Man führte ihn zur Höhle des Grabes, das mit einem Steine verschlossen war. Er befahl, den Grabstein wegzuschieben, und der üble Geruch der Verwesung verbreitete sich alsbald. Dann bethete er wegen des umstehenden Volkes laut zu seinem himmlischen Vater, und rief: La- — ,-3— Lazarus, komm heraus! dem Augenblicke war der Leichnam belebt. Lazarus, dessen Hände und Füße mit den Grabtüchern umwickelt waren, richtete fich aus, u«d ging aus dem Grabe hervor. Diese Begebenheit sahen vieie Juden, und glaubten deßwegen an Jesum. Ei. nige berichteten dieselbe den Pharisäern. ES ward der hohe Rath zusammen berufen, und der Entschluß gefaßt, Jesu das Leben zu nehmen. Auch den Lazarus wollten die Dberpriester umbringen lassen, weil die Sache immer bekannter wurde, und einen Zulauf nach Bethanien verursachte, um Jesum und den auferweckten LazaruS zu sehen. So öffentlich und unwiderspeechlich bewies Jesus seine göttliche Sendung. Zugleich gab er uns ein rührendes Beyspiel wahrer Freundschaft. Solche Eigenschaften, wie sie Jesus gehabt hat, sollen auch diejenigen haben, die ihr zu Freunden wählet: Liebe, Mitleiden, Bereitwilligkeit zu helfen.— Habet ihr solche Freunde gefunden, so suchet sie zu behalten; sie werden euch die besten Dienste erweisen. O welch ein Segen ist ein Freund, Der, Gott, durch dich mit mir vereint, Mich zärtlich und vertraulich liebt. Mit mir sich freuet und betrübt! Wir theilen alles, Lust und Leid, In inniger Vertraulichkeit;. Und jede Zärtlichkeit versüßt Dem andern, was ihm schmerzlich ist. Be. —»44— Befleißiget euch aber auch, dieselben guten Eigenschaften zu haben; denn nur dadurch wird eure Freundschaft dauerhaft seyn. Ihr, Kinder, besonders brauchet gute Freunde, die euch zu al. lern Guten anleiten, euch recht rathen, euch von» Wösen abhalten, im Guten stärken, oder dazu aufmuntern; denn ihr seyd leicht zum Bösen zu verleiten, unerfahren, unwissend und unstäk.— Ihr machet auch zu gern Freundschaft mir jeder, mann. Hüthet euch, Freundschaft mit Bösen zu stiften, untersuchet die Beschaffenheit eines solchen Menschen, dessen Freundschaft ihr wünschet, ge. nau, und fraget deßwegen eure Ältern und Lehrer um Rath» Der feyerliche Einzug Jesu zu Jerusalem. Eine von den Schwestern des Lazarus, Ma- ria, bezeigte gar bald ihre Dankbarkeit und tiefe Hochachtung gegen Jesum. Sie nahm ein Flälchchen des wohlriechendsten und kostbarsten Dhles, goß es ihm, da er bey einem gewissen Simon zu Gaste war, auf die Fuße, di- fle wieder mit ihren Haaren abtrocknete. Sein Jünger Judas wollte dieß nicht billigen, weil man das Dhl, wie er sagte, hätte theuer verkaufen, und das gelöste Geld den Armen austheilen können. Jesus aber vertheidigte ihr Betragen, und antwortete ihm: Arme werdet ihr allezeit unter euch haben, denen ihr Gutes erweisen sollet, mich aber nicht immer. — 145— Er näherte sich dem Lhlberge, der nicht weit von der Stadl Jerusalem liegt. Nun wollte er in die Stadt kommen aber auf eine feperliche Art, damit ihn die Einwohner als den verheiße, nen Messias erkennen sollten; denn es ward durch einen Propheten voraus gesagt, daß der Messias einen f-xerlichen Einzug halten werde. Er schickte zw-p seiner Jünger in das Dorf Bethphage, und befahl thuen, die daselbst an einem Scheidewege angebundene Eselinn sammt ihren Füllen ihm zu. zufuhren Sie bereiteten ihm den Sitz durch ihre Ober leider, und freueten sich, daß er sich endlich öffentlich zu erkennen geben wolle. Viele Juden aus der Stadt waren dabep; sie jauchzten vor Freude, und schrien oben auf dem Berge der Stadt zu: Gelobet sey, der da im Nahmen Gotteö kommt. Auch hieben sieZweige ab, und bestreueten damit den Weg, wo er ritt. Andere breiteten ihre Lberkleider dahin. Alles war nmn. ter und froh, nur Jesus nicht.— Er sah die Stadt an, deren Einwohner ihn als den wahren Messias nicht erkennen, und dadurch unglücklich werden würden,— und weinte. Ach sagte er. wenn du es doch erkannt hättest, und zwar noch m dieser Zeit, wo du in Frieden lebst, was zu deinem Glücke dient! Aber du siehst es nicht ein. Es wird eine Zeitkommen, daß deme Feinde euren Krieg mit dir ansangen, ernen Wall um dich her aufwerten, drch einschließen, dich verwüsten, und remen Stern auf dem andern lassen wer- -ebrn Jesu. H den; — ,46-- den; weil du die Zeit, da dich Go« glücklich machenwollte, nicht erkannt und benutzet hast Du weintest um Jerusalem Des Mitleids Thränen, Jesu!: Die Stadt, die dich verspottete! Er kam in die Stadt, alles Volk sreuete sich jetzt über ihn, sogar die Kinder riefen ihm mit Entzücken zu. Er ritt zum Tempel hin, weiter sich dort besonders zeigen wollte» Hier hatte er aber wieder das Mißvergnügen, die Verkäufer und Geld. Wechsler sammt vielem Viehe im Vorhofe anzutreffen. Er verwies ihnen ihre Geringschätzung des Ortes, und sagte wieder: WölU AüUs ist fck kill Bethhauö, und ihr machet es zu einer Mördergrube! Er stieß dann die Tische um, trieb das V eh, und mit diesem auch die Verkäufer hinaus, wodurch wieder Ruhe hergestellt wurde. So wendete Jesus zuletzt noch alles an, die Juden zur rechten Gottesvrrehrung anzuleiten« Daß sie ihn als den wahren Messias nicht anerkennen, und in ihren falschen Meinungen, ungeachtet seines Bestrebens, verharren würden, betrübte ihn so sehr, daß er darüber Thränen vergoß, wie ein Vater, der über das Unglück seiner Kinder weint. Gern hätte er sie überzeugt, daß er der Heiland sey. Er ritt deßwegen öffentlich zu ihnen ein. Sie freueten sich auch über ihn,, aber die meisten in der irrigen Meinung, daß er ein irdisches Reich stiften werde. — 147— Und dieß war die Ursache ihres Unterganges. Sie glaubten, da Jesus nicht mehr bep ihnen ar, einigen Vetriegern, die sich für den verheißenen Messias ausgaben. Diese wollten sie von der Un. terthänigkeit gegen die Romer losmachen, fingen Krieg an, wurden aber geschlagen, die Stadt ward eingenommen, und gänzlich verwüstet. Jesus lehrt, daß er Gottes Sohn sey, . und daß man Abgaben geben solle. Gleichnißrede von bösen Pachtleuren. §)ie vorzüglichsten Feinde Jesu waren die Pharisäer, Schriftgelehrten und Rathsherren. Die- se stellten ihn zur Rede, warum er die Verkäufer aus dem Vorhofe des Tempels vertrie- ben habe. Er aber vertheidigte seine That, und belehrte sie, daß er Gottes Sohn ftp, und also Macht und Recht dazu gehabt habe. Sie sollen nur, sagte er, zurück denken, was Johannes von ihm gesagt habe. Sie sollen doch auf seine Ausführung und auf seine Thaten sehen, um daraus abzunehmen, wer er sep. Allein mit euch ist es, wie mit jenen Pachtleuten, denen ein Hausvater seinen Weingarten gegen einen jährlichen Zins überließ. Zur verabredeten Zeit wollten diese den ZinS nicht bezahlen, sondern schlugen und todteten die Knechte, welche denselben abzufordern kamen. Als der Herr zuletzt seinen Sohn, den Erben des Weingartens, schickte, in der Meinung K L die- 1-8 diesem würden sie mit Hochachtung begegnen; sv ,lugen sie ihn ebenfalls todt, in der Absicht, sich den Weingarten zuzueignen. Wie wird wohl der Hausvater mit den Pachtleuten verfahren? fragte Jesus. Sie antworteten: Er wird diese Missethäter vertilgen, und seinen Weingarten an andere vermiethen. Unter dem Hausvater verstand Jesus Gott den himmlischen Vater, unter den Pachtleuten, das indische Volk, unter dem Weingarten seine Gebothe, unter dem Zins die schuldige Beobachtung derselben, unter den Knechten, die mißhandelt und getodtet wurden, die Propheten, unter dem Sohne des HausvaterS sich selbst.—. Dir Priester und Pharisäer merkten es wohl, daß das Gleichniß sie anging. Sie unterdrückten dir Erbitterung gegen ihn, und sprachen: Das sey fern von uns! Ein Engel vorn Himmel verkündigte ihn im Tempel, in Gegenwart deS Volkes, als Gottes Sohn.— Jesus aber sagte, er werde für das Wohl der Menschen sterben, und ermunterte sie zur Annahme seiner Lehren, aber immer vergebens.— Dir Pharisäer und Schriftgelehrten suchten ihm zu schaden, und ihn zu todten. Um dazu eine Ursache zu finden, machten sie einen Versuch, um ihn in der Rede zu fangen. Sie schickten deßwegen einige ihrer Jünger mit einigen Anhängern des Herodes, die sich gut verstellen konnten, zu ihm, mit der Frage: Meister! wir wissen, du redest wahr, und scheuest dich nicht zu sagen, was du denkst. —" denkst. Sage uns: Ist den Juden, d-e nur Gott zu ihrem Herrn haben sollen, erlaubt, dem Kaiser Steuer und Abgaben zu geben, oder nicht? 3-sus kannte und verwies ihnen ihre Berstellung. Es ist euch doch wohl nicht Ernst, dieß zu wissen, sondern nur, mich auf die Probe zu stellen. Ich will euch aber sagen, was ihr zu thun habet. Zeiget mir die Münze, die ihr führet. Sie reichten ihm einen Denar(eine Münze von drey Groschen am Werthe). Er fragte fle: Weit stellt dieses Bttdniß darauf vor? Und wen betrifft die Überschrift? Sie sagten.- Den Kaiser. Gut, versetzte er, so erkennet ihr ihn Za selbst als euern Lberherrn, weil ihr sein Geld führet. Nun so gebet ihm die Abgaben, welche ihr ihm schuldig seyd. Und weil Gott euer Herr ist, so bezeiget euch auch gegen ihn gehorsam. Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Ihr sehet daraus, liebe Kinder, was für böse Menschen die Pharisäer und Schriftgelehrten waren, wie falsch sie mit Jesu umgingen! H ah» met fle nicht nach, sondern verabscheuet stets Falschheit und Verstellung! Diese Denkungsart ist sehr arg, weil man dadurch unter dem Scheine der Aufrichtigkeit andern zu schaden suchet, ihnen ihre Meinung ablocket, und dann einen Mißbrauch davon machet. Lasset euch auch nie von andern zu solchen Unternehmungen verleiten, damit ihr das Lob der Aufrichtigkeit stets erhalten möget. Er 100- Er fing daraus wieder von seiner Person zu reden an, und erinnerte seine Zuhörer aus einen Spruch des Königs David, welcher sagte: Der Herr hat zu meinem Herrn gesagt: Ich will dir die höchsteGewalt geben, und dir alles unterwerfen. Aus diesem Spruche könner ihr abnehmen, fuhr Jesus fort, wer ich sey. David redete von einem seiner Nachkommen. Er nennet ihn seinen Herrn. E.c könnte doch wohl nicht einen seiner Söhne und Kindes- kinder seinen Herrn genannt haben, wenn er unter demselben nicht den Weltheiland verstanden hätte. Über dieß sagte er ja, daß diesem Nachkommen von Gott alle Gewalt ist gegeben worden, wann ist diese je einem Könige zu Theil geworden? Müsset ihr also nicht denken, daß er von mir geredet habe, der ich alle Gewalt von» himmlischen Vater bekommen habe? Darauf konnten sie ihm nicht antworten, allein belehren ließen sie sich doch nicht, sondern gingen von ihm weg, wie manche Kinder, die alle guten Ermahnungen und Lehren in den Wind schlagen. Gleichnißreden von einem Könige, von Knechten und von zehn Jungfrauen. Jesus gar so wenig durch seine Lehren bey den Einwohnern der Stadt Jerusalem ausrichtete, so stellte er ihnen von neuem vor, daß sie deßwegen sammt ihrer Stadt ZU Grunde ge- M, — i5»— gehen würden. Alsdann ging er mit feinen Juri. Zern aus den Dh'.berg hinaus. Bon dort aus übersah er die PrächtigenGebäude dieserStadt, und sagte ihnen: Davon wird nicht Ein Stein auf dem andern bleiben» Er belehrte sie darauf in dein, was sich vor und zur Zeit der Zerstörung er- eignen würde, damit sie es bemerken, und zu rechter Zeit noch entfliehen könnten. Aus den Ereignissen sollen sie hie Ankunft der Verwüstung erken. nen, so wie sie aus dem Ausschläger: des Feigenbaumes auf die Annäherung des Frühlings schließen. Die Jünger fragten ihn auch, wann das Ende der Welt seyn wird; allein er bestimmte keine Zeit, sondern belehrte st? nur, immer dazu bereit zu seyn, weil alsdann Gericht über alle Menschen wird gehalten werden. Diese sollen sich wie Knechte verhalten, denen ihr Herr Geld zum Wirthschaften anvertraute, Und weg- reisete. Gleichwie der Herr bey seiner Zurück? kunft Rechenschaft von seinen Knechten förderte, so wird auch von den Menschen über ihr Thun und Lassen Rechenschaft gefordert werden, Sie sollen es machen, wie ein Thürhuther, der wachsam ist, um zu jeder Stunde in der Nacht, wenn der Herr kommt, das Thor auszuschließen. Sie sollen es nicht mache», wie einige Knechte, die denken, daß ihr Herr noch lange nicht kommen werde, und daher im Hause allerhand böft Streiche begehen. Sir werden bey der un- Vermutheten Ankunft ihres Herrn bestrafet werden. Mit der»»vermutheten Ankunft Jesu zum Gs- rö? Gerichte ist es, wie mit der Ankunft des Bräuti- gams, der zur Nachtzeit die Braut in sein Haus abhohlte. Es waren zehn Jungfrauen bestimmt, dem Brautpaare vorzuleuchten. Weil die Zeit der Ankunft des Bräutigams ungewiß war, versahen sich fünf davon, aus Vorsicht, mit Lhl für den Fall, daß sie länger warten sollten. Den übrigen fünf verloschen ihre Lampen, weil sie diese Vorsicht nicht gebraucht hatten. Während sie hingingen, Hhl zu kaufen, kam der Bräuti- gam. Die fünf vorsichtigen Jungfrauen leuchteten dem Brautpaare in den Hochzeitsaal, und durften an den Freuden dieser Feperlichkeit Theil nehmen; die unvorsichtigen aber kamen zu spät, und wurden von dem hochzeitlichen Feste ausgeschlossen. Eben so vorsichtig sollen alle Menschen s-pn, und sich auf die Ankunft Jesu bereit Halten, weil sie eben so wenig die Zeit derselben wissen, als die Jungfrauen dieZeit der Ankunft des Bräutigams wußten. Kinder, ihr sehet daraus, daß Jesus einst nachforschen wird, wie ihr seine Lehren befolget ha- bet; so wie eure Ältern, wenn sie von einer Reise zurückkommen, sich um eure Aufführung erkundigen. Es ist ihm ja nicht gleichgültig, wie seine Lehren beobachtet werden; eben so wenig als euer» Ältern gleichgültig ist. wie ihr euch gegen ihre Befehle oder gegen eure Lehrer verhaltet. Aber freuet euch, daß euer Thun und Lassen nicht unbekannt bleibt, wenn es gut ist. Befleißet euch also, stets nach seinem Willenzu handeln, und bethet zu Gott. Herr -53 Hirr! laß mich gewissenhaft Meine Zeit anwenden, Eingedenkt der Rechenschaft Jeden Tag vollenden. Gib, daß ich Darauf mich Allzeit, auch noch heute, !lich vorberrit Ernstlich ^ Die Zeit bK dahin mag euch vorkommen wie der Winter, wo die Pflanzen unter dem Schnee verfaulen. Was liegt an dem Leibe, der begraben Wird, und verfaulet? Es kommt der Frühling, wo die Pflanzen von neuem schön und herrlich hervor wachsen. So wird auch euer Leib am Lage des Gerichtes schön und herrlich, unverweslich und unsterblich hervorkommen, wie ein Samenkorn, das erst in der Erde aufgelöset wird, aber alsdann zu einer schönen Pflanze hervor wachst. Allgemeines Gericht. Belohnung und Strafe." ^n jenem Tage des Gerichtes wird es öffentlich bekannt werden, wie die Menschen in ihrem Leben gehandelt haben: denn es wird eine allgemeine Untersuchung geh-, tsn, und darnach das Urtheil über gute und böse Thaten gesprochen werden, damit, wie Jesus sagte, ein jeglicher empfange, Me er m seinem Leber? gehandelt hat. B-. lvhnung oder Strafe, Gutes oder BöfeS. Ein ,54—- Ein Vater machet eS ja ebkN so. Er un- terstrchet, welche von seinen Kindern er belohnen, und welche er bestrafen soll. Und wer sollte besser urtheilen können, als eben Jesus, der allwissende Lehrer der Menschen wie fie gehandelt haben? Des Menschen Sohn, sagte er, wird dabK koMMLN, und die versam- die C ändert; und die Schafe wird er zu feiner rechten Hand, die Böcke aber, die bösen Menschen, zu seiner linken stellen. Dann wird er ihnen aber auch die Ursache ihrer Absonderung sagen, diese nähmlich, daß sie feine Gebothe, besonders das Geboth der Liebe gegen den Nächsten erfüllet, oder nicht erfüllet haben. Erwirb den guten Menschen einige Werke der Liebe vorfiel, len, die sie gethan haben, sie darüber beloben, weil sie dadurchseimnWjllen so befolgethgben, chs hak- ten sie ihm selbst diese Werke erwiesen. Er wird sagen: Kommet hör, ihr Gesegnete, Lieb. linge meines Vaters, ererbet das Reich, den ewigen Wohnort der Glückseligkeit, der euch von allem Anfange her bereitet worden ist. Ich bin hungerig gewesen, und ihr habet mich gespeiset Ich bin durstig gewesen, und ihr haKc mich getrau- ket. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habet mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habet mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habet —»55— mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seyd zu mir gekommen.-— Was ihr immer dem geringsten eurer Mitmenschen gethan habet, das sehe ich an, als hättet ihr es mir gethan. Wie werden sich die guten Menschen freuen, von Jesu die Worte zu hören: KoMmet her, ihr Lieblinge meines Vaters! Genießet die ewigen Freuden k O. wie wünsche ich, daß diese Worte auch zu euch gesprochen werden, liebe Kinder! wie groß muß das Vergnügen sepn, von Jesu belohnungswerth erkannt zu werden! Ihr wisset sa,, welche Freude es euch machet, wenn eure Ältern oder Lehrer euch lol ben und belohnen. Wie herrlich muß dann erst fene Belohnung selbst sepn! Genug, daß der gütige, allmächtige, höchstweise, heiligste Vater, den ihr immer mehr erkennen werdet, euch belohnen wird; der Gott, der euch auf Erden schon so viel Gutes erweiset, der seinen einzigen Sohn gesandt hat, daß ihr glücklich werdet. Mit eurem unverweslichen, unsterblichen Leibe werdet ihr eines ewigen Lebens fähig, wo keine Sorgen, keine Schmerzen, keine Thränen seyn werden. Eure Seele wird ohne Ende immer mehr Kenntnisse erlangen, und sich unaussprechlich freuen. Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, keines Menschen Herz hat es je empfunden, was Gott denen vorbereitet hat, die ihn lieben. All- — ,56— All dieß Vergnügen werdet ihr in Gesellschaft Jesu, der Engel, und aller guten Menschen ewig genießen. Dieß soll euch>a aneisern, die Gebothe Gottes freudig zu befolgen, und die- zenigen Leiden nicht zu achten, die ihr deßwegen zu erdulden habet« Thun doch manche um ein vergängliches Vergnügen so vieles! die Wettläufer, die Fechter standen viele Beschwerlichkeiten aus, um einen verweltlichen Lorberkranz zu bekommen. Sollten wir nicht alles thun, um ein unaufhörliches Vergnügen zu erhalte»? Nur einige konnten die Kränze erhalten? wir hingegen alle können das ewige glückliche Leben erhalten. Welcher Vorzug! Die Vorstellung dieser Freuden muß euch auch trösten, wenn ihr betrübt sepd; sie muß euch zum Guten anreißen, wenn es euch beschwerlich wird, und von, Bösen abhalten, wenn ihr dazu versuchet werdet; sie muß euch eure Pflichten leicht, und das Sterben angenehm machen. Was seyd ihr Leiden dieser Erden Doch gegen jene Herrlichkeit, Die offenbar an uns soll werden Von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie Ist doch ein Augenblick voll Müh! So erinnert euch dann oft an sie. Zu den bösen Menschen aber wird Jesus sagen: Gehet hinweg ssn mir ihr Verdamm- — r5^—- dämmten, in die ewige Pein!—Denn ich bin hungerig, durstig, nackend, krank und gefangen gewesen, und ihrhabetmich nicht gespeiset, nicht getränker, nicht bekleidet, nicht besuchet, und nicht erlöset. Was ihr den geringsten eurer Mitmenschen nicht gethan habet, das sehe ich an, als hättet ihr es mir abgeschlagen. Und diese werden in die ewige Pein gehen» Wie abschreckend, liebe Kinder, sind doch diese Worte! Böse Menschen machen sich hier schon unglücklich, entweder arm, oder krank, oder verhaßt, oder mißvergnügt und unzufrieden, weil sie faul, unmäßig, zänkisch, neidisch, geitzig, zornig, ungefällig und undienstfertig sind. Und nach dem Tode leben sie dann wieder in dieser dosen Beschaffenheit, in Gesellschaft lauter böser Menschen, von Gott entfernt, in Weinen— ewig fort— wo sie ihre Fehler vergebens bereuen werden, wo ihnen das Gewissen Angst und stete Unruhe verursachen wird, gerade, als ob ein Wurm sie nagele, ein Feuer sie brennete. Der Mensch denke oft an die vier letzten Dinge: den Tod, das Gericht, die Belohnung und die Strafe; so wird er nie sündigen. Diesem Spruche denkt fleißig nach, und sprechet. Laß mir täglich dein Gericht, Gott vor Augen schweben. Und mich eifrig meiner Pflicht Treu i58 Treu zu seyn, bestreben; Daß ich nie Thöricht sie Aus den Augen setze, Noch mit Fleiß verletze! Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße, wird von Judas verrathen, hält eine Abschiedsrede. ^esus ging vom Öhlberge weg nach Bethanien, aß mit seinen Jüngern ein Abendmahl, und sagte ihnen wieder, daß er leiden und sterben würde. Nach dem Abendmahle steht er auf, zieht seine Dberkleider aus, nimmt ein Luch, und fangt an, feinen bey Tische sitzenden Jüngern nach Art eines Hausfreundes die Füße zu waschen, und mit dem Luche abzutrocknen. Petrus erkannte, wie sehr sich Jesus dadurch vor ihnen, seinen Jüngern, erniedrigte. Aber Jesus wollte ihnen eben dadurch ein Beyspiel geben, wie auch sie sich gegen andere bezeigen sollten, und sagte daher: Lernet aus dem, was ich jetzt gesagt habe. Ihr nennet mich euer» Herrn und Lehrer, und das mit Recht; denn ich bin es. Wenn ich nun als Herr, als Lehrer, euch die Füße gewaschen, und euch dadurch einen niedrigen Dienst erwiesen habe, so sollet auch ihr einander die Füße waschen, einander Liebesdienste erweisen, und alle Ansprüche auf Vorzüge aus- ge- ——I' geben; denn ihr seyd alle nur Jünger, alle einander gleich. Kinder, wir sind alle Jünger Jesu. Dieses Beyspiel sollen auch wir nachahmen. Wir sollen gegen einander gefällig, herablassend, dienstfertig demüthig seyn, so wie Jesus gegen seine Jünger war. Sind wir doch in seinen Augen alle gleich, alle von ihm belehrt und erlaset! Haben wir doch alle wechselseitige Hülse und Beystand nöthig? Auch der ärmste Mensch besitzt Gaben, die ihn schätzbar machen; Er lebt nicht umsonst, er nützt Bey Betreibung unsrer Sachen. Lebten wir mit ihm allein, L wie werth würd' er uns seyn! Jesus hatte sich wieder zu Tische gesetzt, und sagte mit Wehmukh zu feinen Jüngern: Was ich euch sagen mußl Einer von euch wird mich verrathen, es meinen Feinden sa. gen, wo ich mich aufhalte. Er meinte den Judas. Dieser wehmüthigen Äußerung ringe- achtet ging Judas vom Tische seines Lehrers, und machte dessen Feinden folgenden Antrag: Was wollet ihr mir geben, daß ich ihn euch in die Hände liefere? Eine sehr schändliche That, liebe Kinder! Judas hatte so schöne Lehren von Jesu gehört, so viele Wohlthaten empfangen, und konnte ihn, seinen Lehrer und Wohlthäter, verrathen! und es halfen nicht ein. — i6v— einmahl Warnungen etwas! Aber höret auch, was die Ursache davon war. Die Begierde nach Geld.— Die zu große Begierde darnach verleitet die Menschen zu abscheulichen Handlungen, wie ihr an jedem Geißigen sehen könnet. Der Geitz erniedrigt Sinn und Herz, Erstickt die edlen Triebe. Die Liebe für ein schimmernd Erz; Verdränget Gottes Liebe. Als Judas fort war, sagte Jesus zu den Jüngern: da ich nicht mehr lange bey euch, seyn werde, so gebe ich euch zum Abschiede noch j diese Lehre: Liebet einander. Liebet euch so, I wie ich euch geliebet habe. Dieß ist das Kennzeichen, woran jedermann erkennen wird, daß ihr meine Jünger seyd. Er, verhielt sich gegen sie, wie ein sterbender Vater, der seine Kinder zum Bette kommen läßt, i ihnen seine letzten Ermahnungen gibt, sie trö- j stet, und von ihnen Abschied nimmt. Dem Pe-§ trus sagte er voraus: Du wirst wich künfti-! ge Nacht, ehe der Hahn krähet, drey Mahl verläugnen und betheuern, du i kennest mich nicht. Da sie über seinen Abschied! traurig wurden, tröstete er sie damit, daß er§ zum Himmlischen Vater gehe, und daß sie einst^ auch dahin kommen würden; Ich will auch,? sagte er, den Vater bitten, daß er euch I einen andern Lehrer gebe, den Geist der! Wahr- — r6r Wahrheit.— Ich werde euch nicht als Waisen zurück lassen. Ich komme wieder zu euch. Er segnete sie dann, und sagte wer- trr: Ich hinterlasse euch einen Abschiedssegen. Den besten Segen gebe ich euch.— Darum werdet nicht unruhig. Ich gehe ja nur weg, damit die Menschen erkennen, daß ich den Barer liebe, und das thue, was er mir anbefohlen hak- Auch hier bezeigte sich Jesus wieder als den besten Freund seiner Junger. Er tröstete sie, verspricht, sie bald wieder zu sehen, ihnen einen andern Lehrer, denheili- gen Geist zu senden, recht viel für sie bey dem himm» Uschen Vater zu thun, wenn sie seine Freunde und getreuen Jünger bleiben würden. Jesus fetzt das Abendmahl ein. aber die Jünger sich recht oft an ihn, ihren Vater, Freund, Lehrer und Erlöser, erinnerten, so hinterließ er ihnen ein Andenken, so wie es ein zärtlicher Vater, ein aufrichtiger Freund macht. Als er mit ihnen das letzte Abendmahl aß» (Einen Tag vor seinem Tode), da, wo er sagen mußte: Nun essen wir das letzte Mahl mit einander. Nun trinken nur zum letzten Mahle von dem Gewächse des Weinstockes— da nahn. er noch das übrig gebliebene Brot in seine Hände, dankt- seinem himmlischen Vater dafür, brach es in Stücke, gab Leben Jesu. L ei- i6 so wie es Kinder oder Freunde zu machen pfle. i gen, die das von ihren Ältern oder Freunden i hinterlassene Andenken oft in die Hände nehmen, und sich dadurch derselben erinnern.> Kinder, das, was die Jünger Jesu tha- i ten, geschieht, noch immer von den Priestern in l der heiligen Messe bep der Wandlung. Sie segnen Brot und Wein, und sprechen dabey j die Worte Jesu aus. Sie thun es, um das Andenken des Todes Jesu zu erneuern. Die Z Chri» — i6Z Christen, welche dabey gegenwärtig sind, haben Anlaß, an seine Wohlthaten und Lehren, be. sonders aber an seinen Tod zu denken, ihre Dankbarkeit zu erwecken, über ihre Handlungen nachzudenken, Reue über ihre Fehler zu empfinden und den Vorsatz zu ihrer Besserung zu machen. Daher schlagen sie an ihr- L-ust, wenn sie sehen, daß der Priester die heilige Hostie und den Kelch, den Leib ünd das Blut Jesu, in die Höhe hebt, und bezeigen dabey die tiesste Verehrung. Das thut denn auch, so oft ihr die heilige Messe höret. Die Christen genießen auch, besonders zur österlichen Zeit, der Iah. reszeit nähmlich, da Jesus gestorben ist, dessen Leib und Blut, weil es höchst billig ist, daß wir öfter, besonders aber zur Zeit, da er für uns gestorben ist, an ihn denken, und all des Guten theilhast werden, wozu er das heilige Abendmahl eingesetzt und angeordnet hat. Sie bereiten sich dazu durch einen guten Lebenswandel vor, bereuen vorher ihre Sünden, beichten fle, und empfinden beym Empfange selbst alle Liebe und Dankbarkeit gegen Jesum So oft ihr, liebe Kinder, dieß thut, oder künftig thun werdet, so befleißet euch allezeit mit reinem Herzen, mit der größten Hochachtung, Liebe und Dankbarkeit gegen Jesum zu thun. Zum letzten Merkmahle der zärtlichen Liebe gegen die Jünger hob Jesus seine Augen gegen Himmel, um für sie zu bethen und sprach: Vater! ich habe die Geschäfte, die du mir L 8 auf- — ,64— aufgetragen hast, vollendet'— Jetzt, da ich nicht länger in der Welt bleibe, wo diese Jünger noch länger bleiben, bitte ich für sie, erhalte sie fest in dem, was ich sie von dir gelehrt habe. Sie werden deßwegen von den Menschen gehastet werden. Dieß kann ihre Treue gegen mich wankend machen. Bewahre sie daher vor der Verführung. Vater! laß sie auch an den Ort hinkommen, wo ich seyn werde, damit sie die Herrlichkeit sehen, die du mir verleihest. Jesus wird gefangen, und zum Tode vermtheilet. denselben Abend ging Jesus mit seinen Jüngern gegen den Dhlberg in den Garten Geth- semane, wo er sich öfter ausgehalten hatte. Erließ sie daselbst nieder sitzen und warten, bis er wieder kommen wurde. Ich will, sagte er, weiter gehen und bethen. Bethet auch ihr, damit ihr von der Versuchung zum Bösen be-! wahret werdet. Er nahm, da er weiter ging,! Pekrum, Jacobum und Johannen, mit. Aus dem^ Wege stritte er sich die schmerzlichsten Leiden vor,, die er unschuldiger Weise von seinen Landsieuten,, ausstehen würde, wurde darüber sehr traurig, und§ sagte: Meine Seele ist bis zum Scer-- ben betrübt. Die drey Jünger ließ er nun j auch allein, mit der Ermahnung: Wachet,, da- —- r6Z— damit ihr nichts Unrechtes thut, ging etwas weiter fort, fiel dann zum Bethen nieder, und sprach: Mein Vater! alles ist dir möglich; so verschone auch mich mit dem bittern Tränke, dem Leiden, das ich ausstehen soll. Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Er wußte nähmlich, daß Gott ihm nichts befehlen würde, als was sehr nothwendig und nützlich wäre.;) Er wollte durchaus gehorsamen, so schwer es»hm auch ankommen sollte. Welch ein schönes Beyspiel für euch! Kin- der. Sprechet immer zu euren Ältern: Nicht unser, sondern euer Wille geschehe! Noch mehr aber habt ihr Ursache, so zusprechen, wenn euch der Nebe Gott etwas widerfahren läßt, so euch unangenehm ist. Bedenket, daß er nichts anordnet, als was euch gut ist. Er muß am besten wissen, was euch nützlich ist; er meint es am besten mit euch, und erweiset euch taufest» Wohlthaten. Sprechet daher immer: Herr! nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Dir Traurigkeit wurde bey Jesu so groß, die Angst und Bangigkeit so schwer, daß sie ihm blutigen Schweiß auspreßten. Er stand aus, fand seine Jünger schlafend, weckte 6s aber, und empfahl ihnen Wachsamkeit und Gebeth, und ging wieder bethen. Dieß that er zum zweyten, ja auch zum dritten Mahle. Da wurde er aber beym Gebethe ruhiger und getrostster heiterte sich auf, und die Angst verlor sich. Er ging nun zu den übrigen Jüngern zurück, weckte sie i66 «sie auch aus dem Schlafe—- als schon eine Schar bewaffneter Gerichtsdiener, mit Fackeln daher kam. Jesus fragte die Ankommenden standhaft: WkN suchet ihr? Sie sagten: Je- sum von Nazaret. Der bin ich, antwor. tete Jesus. Die Jünger naheten sich ihm. Ju. das trat auch unter sie, näherte sich ihm, küßte ihn, und sagte: Sey gegrüßt RaM(Meister). Dieß war das verabredete Zeichen, an dem Jesus im Finstern unter den Jüngern von den Gerichtsdienern erkannt werden sollte Diese That, meine Kinder, ist so schändlich, daß wir sie nicht länger betrachten wollen. Der undankbare Jünger! Da Jesus gefangen genommen wurde, woll» ten sich die Jünger widersetzen. Petrus zog das Schwert, hieb darein, und verletzte einem Gerichtsdiener das Ohrläppchen. Jesus aber befahl il n: Steck das Schwert in die Scheide. Dieser bittere Trank ist mir ja vorn Vater bereitet. Er heilte auch sogleich das verwundete Ohr— und gab uns ein Beyspiel, wie man sich gegen diejenigen verhalten soll, die uns beleidigen und verfolgen. Geduldig ließ er sich binden, und in die Stadt fortführen, weil es s in himmlischer Vater so haben wollte. Die Jüu» gsr aber fingen an, sich so sehr zu fürchten, daß sie davon flohen; nur Petrus und Johannes getrauten sich, in der Ferne nachzufolgen. Es war ungefähr um Mitternacht, als Jesus zum Hohenpriester Kaiphas gebracht wurr de, —»67— de. Bey diesem hatten sich schon viele Rathsherren, lauter Feinde Jesu, versammelt, um über ihn das Lodesurtheil zu sprechen. Kai- phas fragt ihn bald um seine Jünger, bald um seine Lehren. Jesus antwortet: Ach habt st? öffentlich gelehret; du darfst nur die fragen, welche meine Zuhörer waren. Er wollte nähnüich andere von sich das Zeugniß geben lassen. Kinder, wenn man stets recht gehandelt hat, so kann man sich auf das Zeugniß anderer Menschen sicher berufen, und sich leicht verantworten.— Auf diese so bescheidene Antwort gab iym ein Gerichtsdiener einen Schlag in das Gesicht, und die Richter bestraften diesen bösen Menschen nicht.— Es fanden sich zwey Männer, die von Jesu etwas Böses aussagen wollten; allein es ging ihnen, wie allen Lügnern und falschen Anklägern, sie stimmten in ihren Aussagen nicht überein. Kaiphas stellte ihn endlich selbst sehr nachdrücklich zur Rede, und sprach: Sage mir, bist du der Heiland, Gottes Sohn? Ach beschwöre dich, es zu sagen. Ich bin es, sagte Jesus. Da zer- riß Kaiphas sein Dberkleid zum Zeichen seines größte» Mißfallens an dieser Rede. Er hat Gott gelästert, rief er aus, was brauchen wir ihn weiter zu verhören! Alle sagten: Er hat dafür die Todesstrafe verdient (denn nach jüdischen Gesetzen verdienten die Gotteslästerer eine solche Strafe), und gingen aus einander. Je- i68 Jesus wurde bis zum Morgen in dem Hause des Kaiphas behalten, wo ihn die unbarm. herzigen Gerichtsdiener beschimpften, ihm ins Gesicht spien, das Haupt verhüllten, ihn schlugen, und dann sagten: Weissage Utts, WLV ists, der dich geschlagen hat? Er litt alles gelassen. Im Hofe des Hauses befänden sich Petrus und Johannes, um zu erfahren, wie es ihrem Lehrer ergehe. Petrus aber fürchtete sich so sehr, als dessen Jünger erkannt zu werden, daß er Jesum wie es ihm vorhergesagt wurde, drey Mahl verleugnete, und betheuerte: Ich hin kettt Schüler von ihm. Ich kenne den Mann nicht. Göttliche Strafe soll mich treffen, weNN ich den MaNN kenne. Diesem Jünger erging es wie manchem Kinds, das seinem Freunde beym Wohlergehen alles Gute, die standhafteste Freundschaft verspricht, aber sogleich davon ab- läßt, wenn es seinetwegen etwas Unangenehmes erfahren sollte. Eine Schwachheit meineKinder, vor der ihr euch wohl in Acht nehmen müsset. Alle RathSherren kamen den folgenden Morgen sehr zeitlich zusammen, und beschlossen ein- wüthig, daß Jesus sterben müßte. Da sie ihm. aber die Strafe nicht selbst konnten anthun lassen, weil ihnen dieses Recht vom Kaiser benommen war; so führten sie ihn gleich zum obersten Richter Pontius Pilatus, der die Aussicht und Pflege über das ganze Land hatte. Als er durch den Hof des Hauses geführt wurde, sah er '— röy— er den Petrus sehr bedenklich an. Dieser fühlte den Blick, erinnert- sich sogleich seines/ begange- nen Fehlers, bereute ihn an der Stelle, verhüllte sich in seinen Mantel, ging eilend aus dem Hause, und weinte bitterlich. Wollte Gott, Kinder, daß jederzeit ein ernster Blick eures Vater oder Lehrers eure Herzen zu reumüthigen Thränen über eure Fehltritte erweichen mochte! Solche Thränen sind sehr heil. sam! Dieß ist das erste Mittel, wieder gut zu wer» gen, und die Verzeihungcher Sünden zu erlangen, deren man sich bewußt ist. Jesus wurde der Todesstrafe schuldig angeklagt. Man sagt von ihm: Der Mensch verführt das Volk, verbiethet, dem Kaiser Steuer zu geben, indem er sagte, er selbst sey König. Dadurch wollten sie den Landpfleger wider ihn einnehmen. Er fragte Jesum auch wirklich: Bist du der König derIudeu? Ich bins, sagte Jesus, allein mein Reich ist kein irdisches. Ich habe keine Unterthanen, Ein Kölllg bin ich wohl, in dem Verstände aber, daß lch die Wahrheit von Gott und seinen Gesetzen lehre, und durch Überzeugung mir Anhänger samm- l-. Der meine Lehre annimmt, ist mein Unterthan. Da erkannte Malus, daß die Ankläger ihn falsch beschuldiget hatten, und sagte ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Dies« bösen Menschen fuhren doch sott, aufihren Anklagen, so falsch sie auch waren, zu beharren. Dep —— Bep dieser Gelegenheit erfuhr Pilatus, daß Jesusein GaUläer sep, und also unter die Loth- Mäßigkeit deS Königs Herodes gehöre. Er schickte ihn zum Könige Herodes, weil er sich gerade damahls zu Jerusalem aushielt. Herodes freute sich sehr Jesum zu sehen; denn erhalle ihn schon langst gern gesehen, weil er vieles von ihm gehört hatte. Auch hoffte er, daß Jesus ein Wunder wirken werde, dergleichen er mehrere in Galilaa gewirket halte; allein er that es nicht, denn zum bloßen Zeit- vertreibe wollte er keines wirken. Er redete auch gar nichts, obschon seine Ankläger allerhand Böses von ihm sagten. Er wollte sich nicht vertheidigen, weil es ohne Nutzen gewesen wäre. Da wurde er nun verhöhnt und verlacht, weil er sich als einen König ausgegeben hatte, und dann wieder zum Pilatus geschicket. Indessen sah Judas ein. daß seine Ver- rächertp Ursache all des Übels ist, das man Jesu zufügte, bereute sein Verbrechen, ging hin, und sagte zu denen, von welchen er das Geld dafür empfangen hatte: Da isi euer Geld. Ich bin Schuld an dem Tod dieses Gerechten.! und wollte ihnen das empfangene Geld wieder auszählen. Sie aber nahmen das Geld nicht an, und sagten ihm: Was gehet das uns an? Da siehe du;u! Da er sah, daß seine Neue nun zu spät wäre, daß er auf keine Weise den Schaden gut machen, und Jesum besrepen konnte, warf er das Geld zum Tempel- schatz, wurde immer trauriger, und sich selbst un- — 17-— unerträglich. Angst und Bangigkeit nahmen übechand, das Leben ward ihm zur Last, ex ging, und erhängte sich an einem Baume. Dieß, Kinder, war das traurige Ende eines Jüngers, der seinem Lehrer so wenig nachahmte! So gerathen manche Kinder, die ihren Ältern nicht folgen, in Laster, in unaussprechliches Elend, und am Ende in Verzwei, selung. L, daß es nie wieder solche Menschen gäbe! Späte Reue ist schmerzlich und unnütz! Als Jesus wieder vor Pilatus stand, sagte dieser zu den Anklägern: Ich UNd Hervdes finden ihn unschuldig, darum will ich ihn los lassen; nur gegeißelt soll er werden, und schickte ihn daher in seinen Pallast. Indessen fisl ihm ein, daß Dstern wäre, wo oie Juden immer einen Gefangenen los bekämen. Er ließ ihnen die Wahl zwischen Barabbas(einen Mörder) und Jesu, in der Meinung, der größte Hause des Volkes würde Jesum los verlangen. Dieß würde auch geschehen sepn, wenn nicht seine Feinde sich beflissen hätten, das Volk wider ihn einzunehmen, und es zu bereden, er sep viel ärger als Barabbas. Nicht IesUM, schrie der aufgehetzte Haufe, laß los, sondern Barabbam. Jesum laß aus Kreuz schla gen! Pilatus rief: Was hat er denn ü- dels gethan? Da schrie das Volk noch mehr: Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Er aber ließ ihn geißeln. Die Soldaten trieben Spott mit Jesu, flochten einen Dornenkranz, setzten ihn statt einer Krone auf sein Haupt, legten ihm einen ro- — j^T- rothen Mantel statt eines königlichen Mantels um, gaben ihm ein Rohr statt eines Zepters in die Hand, und lachten über ihn, als einen ein- gebildeten König. Er litt alles mit der größten Geduld. Die Frau des,Landpflegers hatte von Jesu geträumt, hielt ihn für einen gerechten Mann, und ließ ihren Gemahl bitten, ihm nichts Übels zuzufügen. ' Malus wünschte wirklich, Jesum frep lassen zu können, ließ ihn vor das Volk Ohren, wie er noch d' Krone auf dem Haupte, und den Mantel um harte, und suchte das Volk zum Mitleiden zu bewegen. Seht, sagte er, diesen MeN- scheu, wie er verwundet ist! Das aufgehetzte Volk schrie noch mehr: Kreuzige lhtt! Lässest du ihn nicht kreuzigen, so bist du kein Freund des Kaisers. So drohte es, ihn zu verklagen, daß er einen Menschen, der sich zum Könige auswirft, nicht hätte bestrafen wollen, Pilatus befürchtete einen Ausstand. Er ließ sich daher Wasser bringen, wusch sich öffentlich die Hände, zum Zeichen, daß er an dem Tode nicht Theil nehmen wolle, und sprach dann unwillig: Jesus soll gekreuzigt werden Ich aber bin unschuldig an dem Tods dieses Gerechten. Ja, wir nehmen es auf uns, war die Antwort. Sein Blut komme über uns, und unsere Kinder: Wir wollen es entgelten, wenn ihm Unrecht geschieht. So sehr, Kinder, vergaß das Volk all die vortrefflichen Lehren, die schönen Bep- spie- — ,^3— spiele des Gallen, die es von Jesu erhielt, daß^ , es sogar auf seinen Tod dringen konnte. So ' sehr vergaffen Alle die ihnen erwiesenen Wohlthaten, daß sie ihn nun einer sehr schimpflichen Todesstrafe überließen. Welche Undankbarkeit! Man befliß sich nun, an ihm die Todesstrafe bald zu vollziehen. So bald er wiedersein gewöhnliches Kleid an hatte, mußte er das Kreuz auf sich nehmen, und den Weg nach Golgatha, den bestimmten Drt der Kreuzigung, in Gesellschaft zweyer Missethäter antreten. Von allen, selbst von seinen Jüngern verlassen, ging er dahin; der einzige Johannes folgte ihm nach. Doch seinen Jüngerinnen, und vielen Frauen aus der Stadt ging sein Leiden nahe, sie zogen hinter ihm her, und beweinten seinen Zustand. Er aber wandte sich zu ihnen, und sagte: Weinet nicht über mich, sondern über euch selbst, und über eure Kinder! Er wußte nähmuch, wie übel es ihnen nach der Zeit ergehen werde, wenn die Romer kommen, die Stadt belagern, beängstigen, erstürmen, verwüsten, die Einwoh. ner zu tausenden todten, und die übrigen alle zerstreuen würden. Da er vor Mattigkeit das Kreuz kaum mehr schleppen konnte, mußte es ihm auf das Zureden hes Hauptmannes, dem die Vollziehung der Strafe aufgetragen war, ein gewisser Simon, von Eyrene gebürtig, nachtragen. Zs war ungefähr neun Uhr, als, er auf den Richkplatz ankam. Er wurde ausgezo- gen, auf das Kreuz gespannt, mit Nageln an- ge-, — ,74— geHaüet, emporgehoben, und zwischen die Missethäter gestellt. Ober seinem Haupte stand die Aufschrift: Jesus von Nazaret ein Körnst der 2uöen. Dadurch wollte man die Ursache seiner Strafe ausdrücken. Seins Feinde fanden sich häufig auf dem R'chtplatze ein, und da er im Schmerzen da King, verspotteten sie ihn, und sagten: Wenn du Gottes Sohn bist, so steig herab! Hilf dir selbst! Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen! und dergleichen wehr. Er litt es, und schwieg. Als die Beschimpfung auf höchst- stieg, richtete er seine Augen gen Himmel, und bethete für sie: Vater! vergib ihnen; sie wissen nicht, was sie thun! O Liede! o Großmuth ohne Beyspiel! So erfüllte Jesus sein erhabenstes Geboth, das Geboth die Feinde zu Neben. So sollen auch die Handlungen seiner Schüler mit den Lehren Lberein stimmen, die sie bekennen. Liebe Kinder, präget euch tief diese Worte ein. Denket daran, wenn ihr beleidiget, beschimpfet und verspottet werde!; und ihr werdet such schämen, auf Rache zu sinnen. Bittet Jesum, daß ihr ihm hierin ähnlich werdet, und jedes von euch spreche: Wohl mir, wenn ich dir ähnlich bin! O flöße deinen sanften Sinn Doch auch in meine Seele! Gib, daß bey der Verfolgung Schmerz 7<«> i?5—. Ich dir des Feindes hartes Herz, Und meine Sach' empfehle. Besänftige mein reges Blut. Und flammt des Zornes wilde Gluth Mein Herz zur Rachbegierde an; O so erinnre mich daran; Herr Jesu Christ, Wie du am Kreuz durch dein Gebeth Selbst deinen Mördern Gnad erfleht. Sogar einer von den Missethätern, der ihm zur linken hing, sagte höhnisch zu ihm: Bist du Messias, so hilf dir und uns! Der andere aber bestrafte ihn dieser Rede wegen, und rief zu Jesu: Herr gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst! Heute noch, war die Antwort, wirst du bey mir seyn im Paradiese, bey den Seligen. Kindliche Liebe Jesu gegen feine Mutter- Sein Tod. ^esus bemerkte bey seinem Kreuze den Junger Johannes, und seine betrübte, verlassene Mutter, die nun alles das litt, was ihr der fromme Simeon im Tempel vorgesagt hakte. Er sorgte nun dassir, daß sie statt seiner einen an. dern hätte, der sie, wie ein verständiger Sohn, tröstete, und für ihren Unterhalt sorgte. Dieß sollte Johannes thun. Er rief ihr daher zu: Sieh da, Maria, deinen Sohn. Zu dem Jün- --' Jünger sagte er: Sich da Johannes,^ deine Mutter. Dieser sorgte von der Stunde an für sie. Liebe Kinder, könnet ihr einst, wenn ihr groß, vermögend und angesehen werdet, euren Ältern etwas Gutes thun, o, so thut es nach dem Beyspiele Jesu, der auch für seine Mutter sorgte! Ihr thut ihnen ja nur aus eine kurze Zeit, was sie euch von eurer Kindheit an gethan haben. Ihr werdet es, da sie meistens schon alt sind, nicht lange mehr thun, ihnen die vielen Plagen und Sorgen, die sie euretwegen gehabt haben, nicht recht vergelten können. Bedenket, daß ihr durch ihre Sorgfalt und Verwendung genährt, gepflegt und groß gezogen worden, zu nützlichen Kenntnissen und guten Gesin- nungen, vielleicht auch zu Ehren und Vermögen ge. langet seyd! Bedenket, daß es unverzeihlich wäre, seine Ältern Noth leiden zu lassen, da man ihnen helfen kamrl-Diese Pfl'cht lehrte uns Jesus nicht allein durch eigens Busübung, die er unter den heftigsten Schmerzen nicht unterließ, sondern auch mit ausdrücklichen Worten. Denn er verwies einst den Pharisäern, daß sie diejenigen davon lrey sprachen welche ein Gelübde gemacht hatten, ihr Vermögen dem Tempel Gottes zu schenken« Gott hütbe- fohlen: Du sollst Vater und Mutter ehren.—Dagegen jaget ihr, daß man ihnen alles abschlagen, und die schuldige Pflicht versagen dürft, wenn man dasjenige,^wo- mit man sie unter stützen könnte, dem Dem- pel durch ein Gelübde versprochen hak. Zernichtet ihr durch diese eure rvillkührli-- chen Gesetze nicht die ausdrücklichen Gesetze Gottes? Bethet daher zu Gott: Den Ältern, die mich treu erziehen, Vergilt ihr Sorgen und Bemüh-«: Gib, daß ich ihnen dankbar sep, Sie nie betrübe— stets erfreu'! Indessen war es Mittag geworden. Um die Mittag-stunde wurde es auf einmahl im ganzen Lande finster, und die Finsterniß dauerte bis drey Uhr. Während dieser Zeit litt Jesus hef. tige Schmerzen. Er merkte, daß er bald sterben würde, und sagte daher: Es ist vollbracht! es ist geschehen, was zum Heile der Menschen angeordnet war. Dann rief er mit lauter Stimme: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist! Nimm du mich zu dir auf! Sein Haupt sank, und er starb.— Kinder, Jesus starb, um uns vott bett Sünden und Strafen zu befrepen, um uns das Wohlgefallen Gottes zu erwerben, und uns ewig glücklich zu machen. Welch eine große Wohlthat hat er UnS erwiesen! An diese erinnert euch, wenn ihr künftig das Bild Jesu am Kreuze sehet. Danket ihm dafür, und nehmet euch vor, künftig nicht wieder zu sündigen, da er uns schon Ein Mahl von der Sünde befrepet hat. M In Leben Jesu. — ,78- In den, Augenblicke aber, da Jesus starb, zerriß der große Vorhang im Tempel von oben bis unten entzrvey, in und außer der Stadt wurde ein starkes Erdbeben verspürt, die Felsen^ bekamen Risse und zerbarsten, die Gräber öffneten' sich. Der Hauptmann, und diejenigen, welche mit ihm bey Jesu die Wache hatten, geriethen hierüber in heftigen Schrecken. Wührhaftlg, sprachen sie, dieser war Gottes Sohn! Begräbniß und Auferstehung Jesu- lebten oft einen ganzen Lag, manches Mahl noch viel länger. Nach dem Mosaischen Gesetze aber sollte keiner über die folgende Nacht an dem«Pfahle bleiben, sondern abge. nommen und begraben werden. Die Juden bathen also den pilatus, daß den Missethätern die Beine gebrochen, und ihre Leichname abgenommen werden mächten, damit sie nicht über Nacht, und während des großen Sabbakhscstcs am Kreuze blieben. Nach erhaltener Erlaubniß brachen die Soldaten den beyden gekreuzigten Missethätern die Beine. Als sie aber zu Jesu kamen, und sahen, daß er schon todt sey, so brachen sie ihm die Beine nicht, sondern ein Soldat stieß ihm den Speer durch die Brust. AuS der Wunde floß geronnenes Blut, ein gewisses Zeichen seines Todes. An demselben Tage gegen Abend wagte es Joseph von Arimathäa, ein reicher, angesehener '79— Net, Mann, ein geheimer Anhänger Jesu, z,-mPi. Intus zu gehen, und um den Leichnam Jesuzubit- ten; denn ohne die Erlaubniß des Landpflegers ! durfte der Körper eines verurkKsiltm Missethäters nicht ehrlich begraben werden. Malus verwundet, te sich, daß Jesus schon gestorben sey, und ließ den Hauptmann kommen, sich. davon zu versichern. So bald dieser ihn dessen versichert hatte, bewilligte er Josephs Bitte. Nun kaufte Joseph eine feine Lein- kraus,und eben der NikodemuS, derbes Nachts zu Jesu gekommen war, brachte, bep hundert Pfund Mprrhen uno Aio-e.Hirrausnahmen sieden Leichnam Jesu, hüllten ihn nach jüdischem Gebrauche in Grabtücher, und legten ihn in die neue GrabhShk^ l die Joseph für sich in seinem Garten hatte ausharren lassen. Den Eingang-dazu verwahrten sie mit einem grdßen Steine. So suchten sie ihm noch die letzte Ehre zu bezeigen, die ihnen möglich war; so wie Kinder und Freunde ihren Ältern und Freunden durch die Begleitung des LeichenzSges die letzte Ehre zu erweisen pflegen. Auch seine Jüngerinnen kauften noch demselben Abend die zur Sinsalbung erforderlichen Spezerepen ,- um,ihrem Lehrer nach dem Sabbathe gleiche Ehre, wie Nikodernus, zu bezeigen. Indessen erinnerten sich die Feinde Jesu^ daß tt einst gesagt hatte: Ich werde am dritten 'Lage wieder auferstehen. Sie meinten, daß seine Junger kommen» den Leichnam wegnehmen, und dann vorgeben könnten, er sey auferstanden, Sie begehrten daher vom Malus M 2 Wa- — ,8o Wache zum Grabe, stellten sie dahin, und versiegelten den Stein vor dem Eingänge. Der Leib Jesu lag also im Grabe vom Nachmittage des Frextages, als dem ersten Tage, den Sabbath oder Sonnabend hindurch, bis den dritten Tag. Dieser war bey den Juden der erste Wochentag; bey uns ist er der letzte, nähmlich der Sonntag- An diesem Tage kamen die Jüngerinnen sehr frühe zum Grabe, um ihn zu salben. Es waren Maria Magdalena, Salome, Johanna und noch einige. Ehe sie aber ankamen, ward beym Grabe ein starkes Erdbeben verspürt. Ein Engel erschien, und walzte den Stein weg, und setzte sich darauf. Und da war es, daß Jesus vom Tode wieder zum Leben ausstand.— Die Wächter erschracken, flohen in die Stadt, und sagten es dem Hohenpriester und den Rathsherren; sie erhielten aber von diesen ge» gen Geld den Auftrag, zu sagen: Die Jünger Jesu sind gekommen, und haben, da wir schliefen, den Leib weggenommen. Als die Jüngerinnen zum Grabe kamen^ fanden sie den Stein weggewälzt, und keine Wache mehr. Magdalena glaubte, der Leib sey mit Gewalt weggenommen worden, eilte zu den Jüngern Jesu in die Stadt, und sagte wehmn- thig und ängstlich: Man hat uns den Herrn aus dem Grabe weggenommen, und ich weiß nicht, wo man ihn hingeleget hat. Petrus und Johannes liefen geschwind zur Höhle hin. Johannes bückte sich zuerst hinein, und — r8,— fand sie leer. Beyde gingen wieder in die S-abt zurück. Die Jüngerinnen gingen hernach auch hinein, sahen aber einen Jüngling in weiß glänzen, der Kleidung, der sie anredete: Ihr suchet Je- sum, den Gekreuzigten? er ist auferstanden. Sehet hrer den Ort, wo er gelegen hat. Gehet eilend, und saget es seinen ^ungwn; sie sollen nach Galiläa gehen, VortwerdeN sie ihn sehen. Maria Mazda!ena, als sie wieder von der Stadt zurückkam, ging auch hinein, und sah zwey Jünglinge in weißer Kleidung, die sie anredeten: Warum Weinest dU? Sie sagte: Weil man mir den Herrn hier weggenommen hat, und ich nicht weiß, wo er sich oestudet, und kehrte wieder weinend um. Sie ging im Garten betrübt umher, glaub», dort den Gärtner zu sehen, und fragte ihn: Herr hast du ihn weggenommen? Dieser war aber Jesus selbst, der sie mit der gewöhnlichen Stimme anredete: Maria, sie kannte ihn sogleich, und sagte: Mein Lehrer! Sie wollte ihn umfassen; er aber sagte: Maria, halt mich jetzt mcht auf.— Geh zu meinen Jüngern, und sage ihnen, ich werde zu meinem und euerm Vater und Gott gehen. Sie eilte weg, es ihnen zu sagen, und die sreudi- ge Nachricht von seiner Auferstehung zu bringen. Wirklich eine freudige Nachricht, meine 'inder! Wäre Jesus nicht vom Tode aufer. standen, so könnten wir uns nicht darauf ver- assen, daß er Gottes Sshn gewesen ist, daß fei- i8s seine Lehren wahr sind, daß auch wir einst auferstehen. und zu einem bessern Leben kommen werden. So aber dürfen wir nicht zweifeln. Seine Lehren müssen wahr seyn, denn sie sind durch seine Auferstehung bestätiget worden. Mein Glaube darf nicht wanken. D tröstlicher Gedanken; Ich werde durch sein Auferstehn, Gleich ihm aus meinem Grabe gehn? Jesus erscheint seinen Jüngern, bestimmt sie zu Aposteln, ertheilt ihnen die Macht zu taufen und Sünden nachzulassen. 8^och an demselben Lage, da Jesus auferstanden war, gingen zwey von seinen Jüngern am Abende aus der Stadt nach dem ein Paar Stun- den entlegenen Dorfe Emmaus, und redeten von ihrem Meister. Dieser gesellte sich zu ihnen auf dem Wege, und fing mit ihnen ein Gespräch an. Sie unlerredeten sich mit ihm, ohne ihn zu erkennen. Er erklärte ihnen, was sie von ihm nicht recht verstanden, besonders das, was von ihm schon lange vorher gesagt worden war. Bey Emmaus selbst beredeten sie ihn, mit ihnen einzukehren. Er that es, setzte sich mit ihnen zu Tische, nahm das Broi, dankte Gott, brach es, und gab es ihnen aus die Art, wie er es immer bey seinen Jüngern zu thun gen Wyhnt war. Da sahen sie ihn genauer an? ,83 und erkannten ihn. Voll lebhafter Freude kehrten sie gleich wieder um, als sie ihn nicht mehr sahen. Sie gingen zu den übrigen Jüngern, und erzählten ihnen, daß sie Jesum gesehen hätten. Sie hatten es kaum gesagt, als ZesuS selbst in das Zimmer, worin sie sich aus Furcht vor den Juden verschlossen hatten, trat, und sie grüßte r Der Friede sey mit euch! Sie erstaunten, und glaubten einen Geist zu sehen. Er aber sagte: Seht da meine Hände und Füße, rührt mich an. Ein Geist hat kein Fleisch und keine Beine, wie ihr an mir sehet. Habt ihr was zu essen? Sie bothen ihm ein Stück Fisch und Honig dar. Er aß davon. So ließ er sich von ihnen besehen und anrühren, redete mit ihnen, und aß in ihrer Gegenwart, ihnen allen Zweifel zu benehmen, daß er es sey, der gestorben, und wieder auferstanden war. Beym Abschiede von ihnen sagte er wieder: Der Friede sey mit euch! Dieß pflegte man einander zu wünschen als das Beste, was in einem Hause unter mehreren Menschen seyn soll. Er sagte noch vorher: Wieder Vater mich an die Menschen gesandt hat. so sende ich auch euch an sie. Dadurch bekamen sie die Gewalt, die Menschen so zu lehren, und zum Guten anzuführen, wie er es gethan hatte. Er hauchte sie auch an, und sprach: Nehmet hin den heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie auch von Gott erlassen; und welchen ihr sie vor- r behaltet, nicht nachlasset, denen sind sie auch von Gort nicht nachgelassen. Sie sollen nähmlich sehen, welche ihre Sünden erkennen, be- reuen, und durchsein« Lehren glücklich werden wollen. Diesen sollen sie die Sünden nachlassen. Kinder, ihr wisset, daß dieß die Nachfolger der Jünger Jesu, die Priester» noch immer thun, wenn die Sünder zu ihnen kommen, ihre Fehler beichten, ihre Reue darüber, und den Vorsatz zur Besserung anzeigen, und Genugthuung dafür leisten. Die Priester geben ihnen die Mittel an dir Hand, wie sie hernach gut und fromm werden können, wir sie den zugefügten Schaden ersetzen sollen, wie sie wieder ganz gebesserte Menschen werben können. Sie thun das, was die Ärzte bey den Kranken thun. Da wird dem Sünder leicht um das Herz, da hat er Trost und Ruhe in seinem Gewissen, da empfindet er Freude. Welch eine gute Sache ist also die Buße! Einer von den Jüngern, Thomas, war nicht zugegen, als Jesus erschien. Er wollte es daher auch nicht eher glauben, als bis er dessen Wundmahle gesehen hätte. Nach acht La- gen aber war Thomas bey seinen Mihüngern; da kam auch Jesus, wie das erste Mahl, zu ihnen, und grüßte sie nach der gewöhnlichen Art. Er wendete sich sogleich zum Thomas, und sagte: Gib deinen Finger her, und sieh da meine Hände. Halte deine Hand an Weine Seite, befühle die Wunde, und sey i85 sey nichtungläubig, fvtchern glaube es, daß ich auferstanden bin. Ganz überzeugt, sagte Thomas: Mein Herr und mein Gott! Jesus aber antwortete: Du glaubst es NUN, Thomas, weil du mich gesehen hast. Glückselig sind diejenigen, die es glauben, ohne es selbst gesehen zu haben. Wie konnte es auch geschehen, daß alle es sehen sollen? Wie konnten besonders diejenigen, die außerhalb dem jüdischen Lande waren, und die nach seiner Himmelfahrt erst lebten, es gesehen haben? Auch wir können es nicht sehen. Aber seine Jünger sahen ihn gewiß, sahen ihn mehr als Ein Mahl. Diesen dürfen wir also glauben, weil sie es uns als eine gewisse Wahrheit gesagt habe», für welche sie hernach sogar ihr Leben hergaben, Wir glauben ja auch, so viele andere Dinge, die wir nicht selbst gesehen haben, bloß, weil es uns glaubwürdige Menschen sagen. Die Junger reiseten nach Galiläa zurück, und einige davon fingen ihre vorige Beschäftigung, das Fischen, an, worunter Petrus und Johannes waren. Jesus kam an das Gestade des Sees, wo sie fischten, und begehrte Fische. Da sie aber keine hatten, nAh er ihnen, die Netze zur Rechten auszuwerfen. Sie thaten es, obwohl sie die ganze vorher gegangene Nacht gefischet, und nichts gefangen hatten. Sie fingen hundert drey und fünfzig große Fische. Darüber wurden sie auf ihn aufmerksam, erkannten ihn, versammelten sich um ihn, und er aß mit ihnen Fische. Den Petrus fragte er dabep drey Mahl i86 Mahl, ob er ihn herzlich liebe, denn er wollte sich von dessen Liebe und Sündhaftigkeit versichern. Petrus antwortete jedes Mahl: Hetr,DU weißt, daß ich dich liebe! Jesus empfahl ihm sodann besonders die Sorge für diejenigen, die feine Lehren annehmen würden. Einmahl waren die eils Jünger, und viele andere, über fünfhundert, auf einem Berge in Galiläa versammelt. Da zeigte sich ihnen Jesus. Er befahl ihnen: Gehet NUN aus in alle Weltgegenden, lehret alle Völker, und taufet sie im Nahmen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes. Lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe.— Wer meine Lehren glaubet, und getaufet ist, wird selig werden; wer aber nicht glaubet, wird von der Glück. seligkeit ausgeschlossen, verdaMMt werden. Ich aber werde, obschon nicht mit dem Leibe, doch mit meinem Beystände, bkl) euch seyn, bis aus Lude der Welt. Die Jünger gingen auch nachher überall hin, so weit sie kommen konnten, lehrten, daß Jesus auferstanden sey, machten seine Lehren bekannt, riechen zur Buße, und tauften diejenigen, welche sich bessern wollten, und die Lehren Jesu annahmen. Auch euch, liebe Kinder, haben eure Ältern, so bald ihr geboren wäret, kaufen lassen. Ihr habet dadurch eine große Wohlthat empfangen, indem ihr dadurch von der Erbsünde be- frepet> und zur Kirche Jesu Christi aufgenommen worden seyd. Ihr habet nun Gelegenheit, in 187— in den Lehren Jesu unterrichtet zu werde«, die schönen Beyspiele derjenigen zusehen, die dar. nach lebten, und zu allem Guten ermuntert zu werden. Danket daher euern Ältern dafür, und lernet jetzt die Lehren recht fleißig, damit ihr sie auch befolgen, und glücklich werden könnet, hier schon, und nach dem Tode. Wiederhohlet dahex auch oft das Versprechen, das eure Pathen statt euer bey der Taufe abgelegt haben, das Versprechen, Jesu Lehren standhaft zu bekennen, und genau zu beobachten. Jesus verspricht seinen Jüngern, den heiligen Geist zu senden. Seine Himmelfahrt. Jünger Jesu reiseten von Galiliia nach Jerusalem zum Pflügst-oder Erntefeste der Juden. Da sie zu Jerusalem noch vor dem Feste angekommen waren, erschien ihnen Jesus, befahl ihnen, von Jerusalem nicht eher wegzugehen, bis sie den heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, welchen er ihnen vor seinem Tode versprochen hatte, würden empfangen haben. Von diesem sagte er jetzt: Ihr werdenden göttlichen Geist in reichem Maße empfangen, und hernach in Jerusalem, in Samarien, und m der ganzen Welt Zeugen meiner Aufer-. stehung seyn« Er gab ihnen dadurch zu verstehen, daß sie ihn überall bekennen, und seine Lehren,, besonders, daß er von» Tode auferstanden ist, bekannt machen würden« Dieß, ,88 Dieß, Kinder, traf auch am Pfingstseste ein. Man hörte in dem Saale, wo die Jünger waren, «in starkes Getöse, wie eines rauschenden Windes, das Haus selbst wurde erschüttert, und da war es, als die Jünger den heiligen Geist empfingen. Man sah ober ihnen feurige Flammchen, welche anzeigten, daß sie nun Muth und Standhastigkeit erhal- ten haben, die Lehren Jesu allenthalben und ohne Furcht zu verkündigen, daß sie nun über alles belehrt worden sind, was ihnen vorher von Jesu dunkel und unverständlich war. Auch erhielten sie die Gabe, Wunder zu wirken, in fremden Sprache» zu reden, und künftige Dinge vorher zu sa, gen. Von der Zeit an predigten sie überall von ihm, wirkten Wunder, und tauften diejenigen, welche die Lehre Jesu annahmen, und sich zu bes. fern versprachen. Auch ertheilten sie denen, welche gerauft wurden, den heiligen Geist, und solch« Gaben, wie sie empfangen haben; indem sie zu Gott über sie betheten, und ihnen zu Zeichen die Hände aus das Haupt legten. Und dieß, Kinder, geschieht auch noch bey uns« Die Bischöfe, welche Nachfolger der Apostel Jesu sind, bethen über diejenigen, welche den heiligen Geist empfangen wollen, damit sie von ihm in den Lehren Jesu, die sie schon wissen müssen, noch mehr erleuchtet und bese, stiget, und bey dem guten Vorsätze, nach denselben zu leben bestärket werden möchten; sie salben sie alsdann mit dem heiligen Chrisam, zum Zeiche« der Stärke und Standhastigkeit, die sie als —- 18y—- als Christen bezeigen sollen, und legen ihnen zuletzt die Hände auf, zum Merkmahle ihres festen Entschlusses. Man heißt dieß die heilige Firmung. Ihr könnet daraus lernen, was ihr schon wissen müsset, wenn ihr sie empfangen wollet, was ihr dabey für einen Vorsatz machen, und um was ihr den lieben Gott bitten sollet. Jesus führte seine Jünger auf den Dhlberg. Es war der vierzigste Tag nach seiner Auferstehung. Da war es, daß sie ihn, ihren besten Lehrer, das letzte Mahl sahen.—Er ward vor ihren Augen aufgehoben, bis sie ihn zuletzt vor den' Wolken nicht mehr sehen konnten. Eine Wolke entzog ihn ihren Augen.— Sie sahen noch immer dahin, wo sie ihn zuletzt erblickten, als sie von zwey weiß gekleideten Männern angeredet wurden: Ihr Männer von Galiläa! Was stehet ihr hier, und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, der dahin ist aufgenommen worden, wird wieder kommen, wie ihr ihn in den Himmel auffahren gesehen habet.— Dieß allein koMte noch die betrübten Jünger trösten, so wie es die Kinder tröstet, wenn ihnen der abreisende Vater sagt: Kinder, bald, gewiß komme ich wieder. Dieß soll auch uns trösten, daß wir einst das Vergnügen haben werden, Jesum zu sehen. Nur müssen wir uns befleißen, so zu handeln, daß wir Ursache haben, uns auf seine Wiederkunft zu freuen. Er wird uns alsdann auch zu seinem himmlischen Vater aufnehmen, so wie er von ihm ist ausgenommen worden. Er ist voraus ge. gangen> uns gleichsam den Weg vorzubereiten damit, wo ex ist, auch wir seyn mögen. D Jesu? Du, der du in dem Himmel thronst. Ich soll da wohnen, wo du wohnst! Und du erfüllst einst mein Vertrauen, In meinem Fleische dich zu schauen! Säen will ich hier mit Fleiß Zu der Ernte jenes Lebens. L wie glücklich, daß ich weiß, Dieß geschehe nicht vergebens! Ewig freut sich seiner Saat, Wer hier treulich Gutes that. Gott, laß deinen guten Geist Mich zu dieser Weisheit führen, Und wie es dein Wort verheißt, Meinen Wandel so regieren, Daß ich Gutes hier ausstreu', Und mich dessen ewig freu'. «UW«W»» 0. 8 §8 «« « ,--—-—-' L- M- -,>7-^^>^7_^2> V>^-7,>v>> 7^7-77-^' 77^'^is»^-'77- ^ 777^.--s-7'-->777.7.^ 77.7 7.>> 77-E7777-7 ''^M'L E/WMH K/>'E -F-E-- --- 7-> L- « »77i»«7>777»777 M W*M - ^ MM .--M-'»^Gt.:L 7^,-7.7 V^^LÄ-rLÄlWL^«?.^»8MW' A?e^ 777- > 77777' MME7.-W k« » L«M -7MM W ?LNE- 7 7 -. 7. ^. 7 77 7^ ^^77 rrE^*' 7" 7 7^'.„-7«-^-L» A-« ^,5 . A UM 8 M- L.. 7^7 7777. ^ 77>?'7-L^^M^^"Z7K i-E" V-'^ WM^°' > ^MEL A M«s WU^ Ltz 8«. '-.s