o Wienei- 8tgrit-8ibli»ilisl< 8071 G G -2 M - H s G G G G G .... G 2' » 2 Q 4Z - G > n » L - Für edle Herzen. Von H. Kasimir Kurrz. O grabt m Erz und Marmor diese Szene, Daß sie der Strom der Zeiten nicht verwnlbkr Und wehret selbst der LhLne!^wascht. Damit sie keinen Zug von dieser That verlöscht. Auf den Tod des Herzogs Leopold von Braunschwetg. Wien, I?86. Bey Georg Philipp Wucherer, .V- A. D. G. F. ersten Augenblick, als ich die Ehre hatte, Sie kennen zu lernen, ward der Wunsch in meinem Herzen rege, Ahnen ein Denkmal meiner vorzüglichen Achtung zu errichten. Geschäfte meiner Bestimmung hinderten mich an der frühern Ausführung meines Vorhabens, auch konnte ich lange Zeit mit mir nicht einig werden, ob der Gegenstand, den ich mir zu behandeln vornahm, Ihren Tugenden und Verdiensten, die Sie als Gattinn, Mutter und Menfchenfreundinn in einem unerreichbaren Grade besitzen, angemessen sey. Doch— ich danke es dieser Ün- A 2 ent- entfchlosscnheik, sie verschaffte mir Gelegenheit, Ihr schönes, edles Herz, das voll der tugendhaften Gefühle ist, nach seinem ganzen Werth zu bewundern. Mehr von den vortrefflichen Eigenschaften Ihres Verstandes und Herzens sagen, sie in ein helleres Licht setzen, hiesse Ihre Bescheidenheit beleidigen. Erlauben Sie also, daß ich Ihnen gegenwärtige Sammlung edler Handlungen zueignen darf. Ich werde, wenn ich das Glück habe, Ihren beneidenswerthen Beyfall zu erhalten, königlich für meine Mühe belohnt, ich werde darauf stolzer seyn, als wenn mich alle Kritiker und Rezensenten der Welt priesen. In grenzenloser Ehrfurcht habe ich die Ehre zu seyn Ihr nritetthänigster Diener F. K. K. Vorrede, § Vorrede Handlungen der gewissenslosesten ^ Bösewichter werderr zur Schande der Menschheit der Menschheit in Archiven und Gerichtshöfen aufbewahrt. Des Guten, das der Edle im Verborgenen wirkt, wird selten gedacht. Kaum, daß ein Zeitungsschreiber die edelsten Thaten des Einrückens würdig achtet, oder wenn sie ja den leeren Raum anzufüllen, aufgenommen werden, welcher Lohn harrt ihrer? Welchen Vortheil können sie dem menschlichen Geschlechte A z ge- gewahren? H Wahrlich— so fern das Bewußtseyn großmüthiger Handlungen nicht selbst Lohnes und der Wonne genug in sich schlösse— jeder Keim der Tugend müßte im menschlichen Herzen ersticken; denn gepflegt, gewartet, gereizt zu fernerem Wachs- thume wird er sicher nicht. Ob ich mich durch gegenwärtige Sammlung um die Tugend und Menschheit verdient gemacht habe— darüber werden Menschenfreunde das billigste Urtheil sprechen. Ich gestehe mit deutscher Freymü- thigkeit, daß der Kreis, welchen mein Schicksal ") Daß sie gleich den übrigen Zeitungsartikeln flüchtig gelesen, und wie ein nn- zeitiger Embrio ohne Sang und Klang begraben werden. Schicksal mir vorgezeichnet, eng und eingeschränkt sey, daß es mir nie am Wunsche und Willen mich an die Reihe der wenigen Edlen Zu ketten, wohl aber an Gelegenheit und Mitteln mer- ne Entwürfe Zu realisiren, gebrochen habe. Indeß bin ich stolz, so viel schöne Handlungen dem Untergänge entrissen zu haben. Die Quellen, aus welchen ich geschöpft, sind meiftentheils öffentliche Blätter. Der Genius unserer Zeiten, dessen Hauptgeschäft es ist, nichts Gut und Schön zu finden, was irgend eine Beziehung auf Moral und Tugend hat, mag immerhin mit seiner Schwester Kritik hohnlachen, mich wird zu keiner Zeit mein Unternehmen reuen. Erwecken diese Anekdoten nur mehrere Herzen zu ähnlichen Thaten, wird die Flamme der Wohlthätigkeit und Menschenliebe dadurch A 4 nur s> nur mehr angefacht; so ist mein Ziel erreicht, und meine Arbeit ist keinem Baum zu vergleichen, der, weil er keine Früchte tragt, ein Opfer des Feuers wird. Wien, den 8. Julius -765. F. Kasimir Kunz. Anhalt. * Inhalt. 1. Beyspiel der Dankbarkeit. 2. Edelmukh des Herzogs von— gegen seine Tochter. 3' Muster seltener Rechtschaffeuheit. Edler Tod der Markise von Spadara. 5- Ludwig der Sechzehnte belohnt einen Einnehmer in der Pikkardie auf eine edle Art. 6. Großmüthiges Bezeigen der Richter zu Rouen gegen einen Schulden halber eingesperrten Tischler. A 5 7. Groß-- 7- Grvßmuth eines Türken geaen einen von den Algierern gefangenen Schiffsparrvn. Edle Rache einer Obsthändler,n in Paris. Nachahmungstvürdige?' Beytrag zur eingc- a>che,len Stadc Göppingen von einem Bürger in Schwaben. 10. Großmitth des Herr» Apchon. Bischofs zu Auch. gegen zwey dürftige Mädchen von gu,er Abkunft. n. Anekdote von einem Wachshündler in Ton- nerre.^ Friednchs des Zweyten großmüthige Begna- oignng an einem Kaufmann zu Frankfurt an der Oder. Ein Frauenzimmer rettet ihre Unschuld mit dem Tode. Großmüthige Verzeihung des Herrn Barons von Wüt. iz.. Edelmuth eines Indianers. - i6. Nnek- i6. Anekdote von dem regierenden Fürsten von Dessau. Paul Jones. r?. 18. Rührendes Beyspiel von Dankbarkeit eines Fürsten gegen seinen ersten Minister. ly. Ein Jüngling wird durch großmüthige Unterstützung emes ungarischen Kavaliers von dem Gefängnisse befreyet. 20. Nachahmungswürdiges Muster kindlicher Liebe. 21. Seltsame Errichtung eines Grabmales. 22. Ein paar Züge von dem Charakter des Grafen von d'Orvilliers. 23. Anekdote von einer Handelsgeselljchaft in Weissenfels bey Leipzig. Eine Dame erläßt aus edlem Mitleid ihrem Schuldner die Zinsen des Kapitals. SZ. Zweytes Beyspiel von Großmuth des Herrn Apchon, Bischofs zn Auch. 26, Gan- 26* Ganganelli Consulator der Inquisition. ^^ian Ludwig Herzogs zu Mekienburg-Schwerin»^ 28. Tugend, wo man sie nicht vermuthete. GanganM's Empfehlung der Duldung und Edelerhaöene Antwort Ludwigs des Sechzehn- Eur Muselmann rettet einem in die Donau gestürzten Schiffknechr das Leben. H'roßmuth einer Schauspielerinn. Muster eines Testamentes, wie es wenige giebt. Schweden. Anekdote aus dem Leben Pozzobonelli's, Erz- blichofs zu Mailand."§ 36. Edle 36. Edle Retmng der Spanier und Franzosen von Elliot. 37. Edles Schreiben des Herrn Christian Grafen zu SrolU erg, an den Herrn Amtmann zu Eichstadr, im Hollsteinischen. 38» Großmuth eines brittischen Schauspielers. . Zy- Eine Mehlhandlerinn in Irland nimmt z Kinder einer armen Frau für eigen an. 40. Herr Doktor St— zu Frankfurt am Mayn schenkt auf eine sonderbare edle Art einem Prediger eine Schuld von 1000 Thaler. 41. Seltner Edelmuth einer Kaufmannsfrau ,'n Ansehung der Untreue ihres Mannes. 42. Ein Vertrag wird auf eine edle Art gebrochen. Anekdote von der Menschenliebe Gustavs des Dritten. 44. Freyherr von Hänel zahlt die Schulden seiner Unterthanen. 45» Besondere Großmuth des Herrn Fürst- Bischofs zu Lattich. 46. Großmuth eines Metzgers in Berlin. 47- Großmuth einer Negerin, einzig in ihrer Art. 48. .Drey Tagwerker retten eine schwangere Frau von, Tode. Ein seltnes Beyspiel ihrer Uneigennützigkeit. Merkwürdiges Beyspiel von Freundschaft zwi-« schen zween Negern. 50. Ein armer Greis von 102 Jahren speist an der Tafel des Herrn Fürst- Bischofs zu Würzbnrg. 5r. Ein Bauer aus Westphalen erhalt einem Jude» auf eine sonderbare Art das Leben. Erkenntlichkeit desJuden gegen den Bauer. 52. Eine Probe der edelsten Denkart des Herrn Le Fevre d'Ormesson. 5?. Beyspiel kindlicher Liebe in China. 54- Großmut!) des verstorbene» Erzb'gchofö von Paris. 55» Noch eine Szene aus seinem Leren. 56. Der Nachtwächter zu Käftrthal befreyct eine» Juden vorn Erfrieren. Nachahmungswürdige Rache des Herrn Professors Seibt in Prag. 58> Karl Friedrich Markgraf von Baadcn. 59» Edelerhabene Antwort des Großfürsten von Rußland. 60. Edle Hochachtung eines rußischen Frauenzimmers für das Alter. br. Befreyung eines Geistlichen von Z Räubern. 62. Edle Verwendung der Madame Necker für einen Gefangenen in der Pikkardie. 6z. Ein Beyspiel seltener Großmuth. 64. Ein Zug des edlen Charakters des Grasen von Attoiö.. 65. Em -H 6.5» ch.b,' dl-«l.i, K-^->«»,-m--d,e A,,z„ erlruum. Herzog von Montag». 66. 6?. Des Grafen von Norden edle Sorge. 6§. Ä«-«-Mich-» M- bee Raynald. Wohl heim. Edle Wohlthätigkeit eines Kaufmanns in Man- Edelmüthige Vertheidigung der Unschuld. ?ady, Afgill, Graf Vel-genneS, Washington. Leopold Herzog von Brauuschweig. 1. Sel- Seltnes Verspiel rer Dankbarkeit« ^war beut dem Edlen das Vechuilftin edler Thaten Lolms in der Fülle an, doch überirdisches Wonnegefühl muß sich seiner Seele bemächtigen; wen» er den ansge- si> euren Samen der Tugend gedeihen, und Früchte nagen sieht! Der Fürst-Erzbischöfliche Herr Kanzler in Ollmüz, ein edler Menschenfreund, der sich beionders aus der Untersiüzung der Armen von jeher ein angenehmes Geschäft gemacht hat, nahm vor einigen Jahren einen Nnglüklichen, elternlosen Waisen au, ljeß ihn das Fsichler Handwerk lernen, und leistete ihm bis zu seiner Wanderschaft in die Hl^mde alle Hülfe, die man nur von einem ^atel erwarten kann. Lange Ieit verstrich, A daß L 2, Laß er nichts von seinem Zögling aus Lee Fremde vernahm. Der Edle beklagte sich nicht über den Undankbaren, bedauerte ihn nur, und sieh! da fuhr unvermutbet ein ungarischer Mann in einem Wagen bei dem Thor seiner Wohnung an, sprang hastig aus dem selben, eilte in sein Zimmer, unh lag an seinen Füße.. Es sey ihm unmöglich, sagte er, länger seines Glükes zu gemessen, ohne dem Urheber desselben aufs innigste zu danken, nnd ihn noch einmal zu sehen. Den jungen Tischler Gesei en hatte sein Schicsal lief in Ungarn ansäßig gemacht, wo er ein reiches Mädchen zur Gattin bekam, mit welcher er zufrieden, und glüklich lebt. Er überreichte seinem Wohlthäter zum Opfer der Erkenntlichkeit ein prächtiges mir Gold ausgelegtes Damenbrett, nebst einem Antheil vom besten Tokaier. 3 2. Edelmuts) des Herzogs von— gegen seine Tochter. Segen komme über daS Haupt des Vaters, der bei der Wahl feiner Tochter nicht nach Reichthum und Geburt ihres künftigen Gatten forscyc; der sie beneidenswert!), und glücklich blos deshalb achtet, weil der Gegenstand ihrer Liebe tugenohast ist. Daß sich noch manches Kind so eines Vaters rühmen könne zeigt nachstehende Anekdote. Herr von— ein junger liebenswürdiger Mann, gieng wahrend des legten amerikanischen Krieges mit einer Kommission des Grafen von Vergennes wegen Auswechslung der Kriegsgefangenen nach London. Seine Verrichtungen führten ihn unter andern ansehnlichen Häusern auch in das HauS des Herzogs von—. Die Tochter des erhabnen Dritten verliebte sich in ihn. Er war von London schon wieder auf der Rükreise nach Paris begriffen, als Lad»— ihrem Vater entdekte, wie sehr sich ihr Herz für den lie- A 2 benswür- 4 b entwürdigen Fremdling entschieden hätte. Der großmüthige Vater willigte in die reinen Absichten seiner Tochter. Herr von— wurde durch einen nachgeschikten Kourir zu- rük berufen, und der edeldenkende Herzog both ihm sein einziges Kind mit einem Brautschatz von 100, ooo Pfund jährlicher Einkünfte an. Ob Herr von— über dieses nnvermuthete Gluk erstaunte, ob er dem Stifter desselben zu Füssen sank, das junge reizende Mädchen umarmte— Per kann hier fragen? Genießet sie in vollem Maaße eine Ewigkeit hindurch die Freuden edler, absichtsloser Liebe. Z. Muster seltner Rechtschaffenheit. folgende Handlung eines Kaufmanns zu Lyon, ist zu,schon, als daß sie nicht zum nachahmungswürdigsten Muster der Nachwelt aufbewahrt werden sollte. Dieser vortrefliche Mann hatte einem Fabrikamen 50000 Livers vorgeschossen. Dieser 5 Dieser war auf dem Punkt zu falliren;' er fand aber die billigsten Ursachen seinen redlichen Freund den Kaufmann schadlos zu halten, und gab ihm nicht nur von seiner kritischen Lage, sondern auch von der Sicherheit Nachricht, die er für sein Kapital getroffen hätte. Ihr habt mich, sagte der großmüthige Kaufmann, zu eurem Vertrauten gemacht, und ich würde der Mitschuldige eures Bankerots werden, wenn ich die angebothene Zahlung annähme. Vergeßt diese Schuld, und erhaltet, wenn es möglich ist, Kredit und Ehre. Seyd ihr aber dem ungeachtet gezwungen euer Vermögen abzutrotten, so jezt mich unter die übr gen Gläubiger, mit denen ich ein gleiches Schiksal haben will. In einem Zirkel so redlicher, großmüthiger, ränkeloser Männer würde ich mich nicht auf der Erde mehr, ich würde mich in einer Gesclljchasl von Wesen überirdischer Art zu seyn glauben. 4. b 4. Ein Beweis grenzenloser mütterlicher Liebe sey der edle Tod der vortresii- chen Markise von Spadara. edle Dame fiel im Augenblike des schreklichen Erdbebens in eine Ohnmacht, ihr Gemahl schleppte sie in diesem Zustande rnir Hälfe einiger Bedienten fort, auf das freye Feld. Indeß sie sich wieder erholte, bemerkte sie, daß ihr Kind zurükgeblieben war. Schnell entreißt sie sich den Armen ihres Gatten, lauft, wie beflügelt in das Hans Zurük, die Treppe hinauf, und schließt den winselnden hilflosen Säugling an ihr mütterliches Herz. Entzükt, Tod und Gefahr ge- Irozt zu haben, will sie nun mit der kostbaren Beute in die Arme ihres Gemahls zurük fliehen, aber ein neuer Stoß erschüttert das Haus, es kracht auf allen Seiten, und die Treppe verschwindet vor ihren Augen. Sie lauft auf den Balkon, fleht um Beistand uud zeigt ihr Kind; allein vergebens, alles war zu sehr mit selbst eigener Rettung beschäftiget, die Flammen ergriffen endlich die z 2» Kalabrikn im Jahr 178Z, die Überbleibsel ihrer Wohnung, und die edle Mutter wurde mit ihrem Kinde ein trauriges Opfer grenzenloser Zärtlichkeit und Liebe. Friede des Himmels sey mit ihrer Asche! 5. Ludwig der i6re belohnt einen Eins nehmer in der Pikkardie auf eine edle Art. Frankreichs Titns, Ludwig der r6te, erfuhr durch den vortreflichen Herrn Neker, dem die Ausübung wohlthätiger Handlungen vielleicht mehr als die Verwaltung der Finanzen am Herzen lag, daß ein königlicher Einnehmer in der Pikkardie zu einer Zeit, da sein Haus in voller Flamme stand, sich mit Hintansetzung seiner Familie, und des eigenen Vermögens nichts so sehr angelegen seyn ließ, als die königlichen Gelder, die in einigen tausend Limes, bestanden, zu retten. Gerührt von dem Diensteifer dieses recht- schaf- 8 schaffencn Mannes für seinen König, was that der großmüthige Monarch? Er befahl -- was Fürsten so selten thun, dem Unglük- üchen die Koranen zu trokneu, ihiu einstweilen zum Lohne feiner Treue mit dem geretteten Gelde ei» Geschenk zu machen, und berief ihn nach Paris, wo er die Tugend m dem Vater und den Seinigen königlich lohnte. 6. Großmüthiges Bezeigen der Richter zu Rouen gegen einen Schulden halber einscherten Tischler. Durchblättert die Geschichte, und zeigt mir ein Beispiel so edler, mitleidsvoller, gerechter Richter. Zu Rone» wurde ein Tischler wegen Schulden ins Gefängniß gebracht. Als er von dem Gerichte befragt wurde, was er zu seiner Vertheidigung vorzubringen habe, erwiederte er ganz offenherzig, daß er zu seiner s 7. ner Entschuldigung weiter nichts anzuführen wisse, als daß seine Gattin schon lange bettlägerig sey, daß er dabei vier Kinder ernähren müsse, nnd daß das Elend seines- Hauses ihm gleichsam die Arme vom Leibe gerissen, und den Geist sich dem Unglücke zu entwinden völlig erstikt habe. Die Richter von Mitleid durchdrungen, einschlössen sich großmüthig, die Schulden dieses Unglücklichen zu bezahlen, sandten zur Wiederherstellung seiner Gemahlin einen Arzt in das Haus, aeerschaften ihm Arbeit, und gaben ihm zu den erforderlichen Materialien seines Gewerbes noch eine ansehnliche Summe in die Hände. Daß dieser dem Rande der Verzweiflung Entrissene über die unerwartete Wohlthat vor innigster Rührung seinen Rettern nicht danken, zu ihren Füssen nur stammeln— nur weinen konnte, wird jeder meiner Leser fühlen, der mit dem Elende stmpathisirt. Wie glücklich die Erde, wenn allenthalben so würdige Menschenfreunde Sachwalter der Gerechtigkeit wären! »«^^ 10 7. Großmukh eines Tücken gegen einen von den Algierern gefangenen Schiffs' parron. Eül Schiffspatron hatte das Unglük, am Bord seines Schiffes von Korsaren gefangen und nach Algiee gebracht zu werden. Ein Lürk, der ihn auf käsigem Markte gekauft hatte, und ibu nach seinem Haufe bringen ließ, frug ihn, ob er ihn wohl kenne? Ramai, so hieß der Ungläkliche, der noch ein weit harre- res Schikfal besorgte, verfezte voll Schreken, daß er sich feiner nur in etwas erinnere. Ich kenne dich besser, sagte der Lürke, und kaufte dich nur deswegen, um dir die Freiheit zu schenken, weil du mir, als du mich von Li- vorno mit Depeschen meines Deys nach Neapel führtest, ausnehmend freundlich begegnetest. Zum Danke hast du nun deine Freiheit; ich schenke dir zugleich ein Schiff, besser als das deinige, und Geld und Passe, um wieder zu den Deinigen nach Hause zu reisen. Der afrikanische Menschenfreund hielt Wort, und Ramai kam glüklich nach Livorno. 8. 8. Edle Rache einer Dbsthandlerm in Paris. Eine Obsthändlern, zu PariS nährte sich und jhre zehn Kinder, die sie von achtzehn noch am Leben hatte, von ihrem kleinen Handel, und dem geringen Verdienste ihres 62;ähngsn Mannes. Sie hatte eine Schwester, welche Witwe war, und nach ihrem Tode einen Knaben hinterließ. Das Betragen der Lezten war picht das untadelhafteste, und ihr Ruf nicht der beste. Aus diesem Grunde hielt sich die dürftige Obsthändlern, verbunden, ihrer Schwester von Zeit zu Zeit deshalb Vorstellungen zu machen, welche bei ihr aber keine andere Wirkung hervorbrachten, als daß sie ihr Vermögen, das sich auf einige tausend Livres belief, einer wohlhabenden Backerin vermachte. Die arme vergessene Menrhe, dieß ist der Name der Edlen, bath einen Advokaten um Rath; dieser aber versicherte sie, daß das Testament nicht umgestoßen werden könne. In diesem Augenblike hielt sie den Knaben der Verstorbenen bei der Hand, umarmte ihn mit Zärtlichkeit und Liebe, und rief in bewegtem aber edle» edlen Ton-:'„Diesen Nachlast von meiner Schwerer wird mir Niemand-streitig machen, ich nehme ihn zu nur, weil ich weiß, daß die Erbin des Vermögens seiner Mutter ihn bald sich vom Halse schaffen würde. Der Advokat stellte ihr vor, daß es ihr bei der Last ihrer eigenen Kinder jchwer fallen würde, auch dieses zu ernähren.„Wie? erwiederte die Edle lebhaft, Gott— der den Vögeln der Luft Federn, der jedem, auch dem mindesten seiner Geschöpfe, Speise und Trank in Fülle darbietet, sollte seine Hand mir entziehen? Nein! ich will auf ihn trauen, und die Sorge für das Glük dieses elternlosen Waisen soll nicht minder, als für das Wohl meiner eigenen Kinder mir am Herzen liegen. Sey stolz, vorcrefliches, unvergleichliches Weib! Du stehst unter den ersten der Edlen, bist deines Herzens wegen beneidens- würdiger, als wenn du eine Krone trügest. Nachahmmigstvürdiger Vertrag Zur MterstüZung der eingeäscherten Stadt Göppingen von einem Bürger aus . Schwaben. ^^ewahre sie auf in deinen Marmor Felsen Geschichte, diese edle Handlung des biedern Menschenfreundes, zum Muster gefühlvoller Seelen, und zur unauslöschlichen Schande so Manches hartherzigen, jeder menschlichen Empfindung unfähigen Reichen l Ein Bürger einer Reichsstadt in Schwaben, der mit seiner Gattin nach Stutgard reisen wollte, um die Feycrlichkeiten, welche dem Herrn und der Frau Gräfin von Norden zu Ehren gegeben wurden, mit anzusehen, hatte zu diesem Ende ein beträchtliches Reisegeld bestimmt. Da er nach Göppingen kam, und das Elend dieser eingeäscherten Stadt sah, gab er von edlem Mitleid gerührt den Unglück- *) Unter diesem Titel bereiste der Großfürst von Rußland i78r den größten Theil von Neurfchland und andere Lander Europtns. -4 Unglücklichen sein ganzes Reisegeld grossmü- thig hin.„Wir haben, sprach der Wohlthätige Menschenfreund, zwar eine ganz andere Szene gesehen, alö wir zu sehen wähnten; statt Empfindungen der Freude ist unser Her; mit Mitleid und Schmerz und das Auge beim Anblicke des Elendes mir Thränen erfüllt worden, aber Dank sey es der Vorsicht, die meine Tritte hieher leitete. Vielleicht, baß ich doch die Last einiger unter dem Drucke des Elendes schmachtender Menschen erleichtert;, daß ich ihnen durch diese kleme Gabe ihr Schiksal erträglicher gemache habe. Von hohem Gefühle der Tugend und Engeim des Himmels begleitet eitte er nun mit seiner edlen Gattin ohne die Herrlichkeiten gesehen zu haben, in die Arms der Seinigen zurück. Großmuth des Hemr Apchon Bischofs zu Auch gegen zwey dürftige Matchen von guter Abkunft. ^)err Apchon Bischof zu Auch, als er seinen bischöflichen Sitz in dieser Stadt bezogen hatte, hörte, daß zwey Franenzimer von guter Herkunft in grosser Dürftigkeit lebten. Sie waren die ersten, die dieser edle Hirt besuchte, und indem er auf ein Mittel sann, sie Zu unterstüzen, ohne ihre Ehre zu kränken, erblickte er während dem Gespräche ein Gemälde. Dieses wählte er zu feiner Absicht, und sagte:„Wenn ich nicht dachte, daß sie allzusehr an diesem vvrtteflichen Gemälde hingen; so würde ich sie bitten mir selbes zu überlassen. Es ist wenigstens 2000 Thaler- werth. Die Antwort war, daß es ganz zn seinem Befehle stünde, ohne irgend-einen Preis vorauszusetzen. Sie machen mir ein wahres Vergnügen, versezte der Gesalbte Menschenfreund, und Freude verbreitete sich sichtbar über sein Antlitz, daß ihm sein Vorhaben so gut nach Wunsch seines Herzens l6 Ölungen war. Noch denselben Tag wurde das Stück nach dem bischöflichen Palafte ge- schikt, und der großmüthige Prälat Übermächte mit dem verbindlichstem Danke den Verlassenen das angebothene Geld. Streue Blumen auf das Grab deines edlen Hirren, du ihm einst anvertraute Heerde! Nicht Worte, wie so viele der Priester, Handlungen, großmüthige Handlungen hinterließ er dir zur Nachfolge. II Eilt lCbas)sbandfrr zu Donnrrrr urr- wendet den seiner Tochter zugedachten Bmutschüz zur Unterstützung der Abgebrannten eines benachbarten Dorfes. L^err Roze, Wachshandler in Tonnerre, eine; kleinen Sradt in Champagne, war eben im Begrif seine Tochter zu verheurachen, als eine Feüersbrunst ein benachbartes Dorfvöilig verwüstete.„Liebe Kinder, sprach der edel- müthige Vater, als er die traurige Nachricht erfuhr, ich hatte hundert Thaler zu eurer Hoch- r? Hochzeit bestimmt, ich will diese Summe nach Vaulichiere'y schiaeu, euer Vergnügen würde doch druck den Gedanken vergiftet werden, daß wir dieses Geld zur Erleichterung des Unglücks unserer Nachbarn hätten anwenden können. Die gerührten Verlobten stimmten seinem edlen Vorsatz mit vollkommener Zufriedenheit bei, und wünschten sich Glück, einen ihrer Liebe und Ehrerbietung so würdigen Mann zum Oberhaupt und Muster ihrer Familie zu haben. Herr Roze schikte sogleich Loo Livres an die Einwohner von Van! ichicre, und hundert an seinen Winzer, der sich auch unter der unglücklichen Zahl der Abgebrannten befand. Die Verbindung beider Verlobten wurde bald darauf vollzogen— Freilich nicht mit lärmender Freude, aber mit einem überzeugendem Gefühl, daß sie ihren neuen Stand unter keinen schönem Hoffnungen hätten antrete» können. 12, Der Name des abgebranten Dorfes- B -8 42. Friedrichs des zweiten großmüthige Begnadigung für einen Kaufmann zu Frankfurt an der Oder. Ein Kaufmann von Frankfurt an der Oder hatte durch Fleiß und Geschicklichkeit sich ein schönes Vermögen erworben, das er zur Erziehung seiner zahlreichen Familie verwandte. Sechzehn Kinder machten es für ihn nothwendig seinen Handel mehr auszubreiten, aber das Glück kehrte ihm den Rücke». Drey Sch.fsdräche und die Wegnahme von andern Schiffen, brachten ihn in die gröste Dürftigkeit. Verzweiflung und Liebe zu den Seinen, denen er bei seinem hohen Alter dennoch den nothdürstigen Unterhalt verschaffen wollte, verleiteten ihn zu einem Handel, der den Gesetzen zu Folge scharf verboten ist. Durch die Wachsamkeit der Aufseher ward er aus seiner Uebertremng ergriffen, und in Fesseln geschlagen, aus welchen ihn nur der Tod durch Henkers Hand befreyen konnte. Bei dem Anblick der Strafe erbebte der zärtliche Vater, weniger in Absicht seiner Person, als in Betracht tracht des Austandes seiner Kinder. Die väterliche Sorge brachte ihn auf einen Anschlag, um wenigstens das königliche Mitleid gegen so viele unschuldige Schlachropfer rege.zu machen. Archer Dunkelheit seines Gefängnisses sczte er eine Bittschrift auf, welche seine Familie an einem Gallatage vor den Thron bringen mußte. Einer seiner Sohne, ein iz jähriger munterer und einnehmender Knab, führte das Ljlort. Der Monarch durch die naive und rührende Bitte dieses KindeS bewogen, begnadigte auf der Srelle den Vater, und der junge Redner wurde zur Belohnung demjenigen das Leben erhalten zu haben, dem er das seinige verdankt, mit einem Jahrgehalr von iooo Neichörhalern, und jeder seiner Bruder mir der Hälfte davon beschenkt. Der Vater, besten guter Name durch diesen Aufall wenig gelitten, ist zum allgemeinen Vergnügen seiner Familie bei dem Pachtwefen zu einer einträglichen Bedienung angewiesen worden. Genieße-- theuerster Monarch, ununterbrochen die Wonne, die nur Götter gemessen, Unglükliche zu retten, und ihnen wohl zu thun. so IZ. Ein Frauenzimmer rettet seine Unschuld mit dem Tode. 3?och ist sie nicht ganz der Erde entfloh», die liebenswürdigste Tochter des Himmels, die Unschuld, noch weilt sie unter den Sterblichen, zwar seltner im prunkvollen schimmernden Pa'aste, als in einfacher ländlicher Hütte. Folgende Anekdote diene zum Verreiß! Zu Dunkfield in Schottland lebte ein Mann von geringem Vermögen. Er besaß eine liebenswürdige Tochter, welche zu allen Vollkommenheiten, die das schöne Geschlecht schwülen können, geschaffen zn seyn schien. Sie hatte ihr sechzehntes tugendhaftes Jahr erreicht, und war nach Verlust der Mutter die Scüze ihres Vaters. Nicht weit von ihrem Hanse wohnte ein Mann, der längst schon, obwohl vergeblich, auf eine Gelegenheit gelauert haue, das unschuldige Mädchen zu Grunde zurichten. An einem der schönsten Sommerabende gieng die Liebenswürdige Schöne mit alle-; Gr.r->eu der Tugend geziert nach 2k nach den Feldern spgziren, und als Sie sich ermüdet hatte, sezte sie sich an einer rieselnden Quelle nieder, um sanft auszuruhen, wusch ihre Rosenwangen, und trank mir der hohlen Hand aus dem Silberbache. In dieser Lage, ohne sich eines Unfalls zu versehen, sprang der Vdsewichk, welcher schon längst ihr Unglück beschlossen harre, aus einem Gebüsch hervor, und faßte mit viehischer Brunst das Mädchen in seine Arme. Betroffen über diesen unerwarteten Besuch, rieß sie sich aus seinen wilden Händen los, und sezte mir einer unbeschreiblichen Behendigkeir über den Bach. Der Nichtswürdige verfolgte sie über ein Feld, bis sie zu einem steilen, sehr tiefen Abgrunde, deren es in dieser Gegend viele giebt, kam. Auf einmal in ihrer Flucht gehemmt fiel Sie auf ihre Knie, und bath um des Himmelswillen um Verschommg. Vergebens war ihr Flehen, er ergrieff sie aufs Neue mit dem fest- gesezten Entschlüsse sie zu stürzen. Zulezt da die Edle einen solchen Gedanken nicht aushalten konnte, rang sie, und strengte alle ihre Kräfte an, bis sie sich endlich an dem Rande des Abgrundes befand. Hier nach Aufbielhung aller ihrer Kräfte sich aus den Händen des Ungeheuers loszureissen, warf B z sie 22 sie sich mit einem schnellen Sprung rüklings in die fast unersetzbare Tiefe hinab, wo sie gräßlich zermalmt ihren unschuldigen Geist aufgab. Der Unglnkliche, als er nach diesem unschuldigen Schlachtopfer sehen wollte, verrohr das Gleichgewicht, und stürzte ihr nach, er brach beide Beine und den Rücken und in etlichen Stunden entsteh sein ruchloser Geist» Ein Schäfer, der in einer Entfernung dieser Lrauerszene zusah, hat djese Umstände erzählt. Ihr, die ihr nur der Befriedigung eurer Lüste nachjaget— welch eine schrekliche War- vung! 14. Großmüthige Verzeihung des Herrn Baron von Wüt. Unwiderstehlich ist die Macht der Schönheit, wenn sie mit der Tugend schwesterlich einherwandelt. Hier ein Beweist ihrer Jau« bergewalt. Der 2Z Des junge Herr Baron von Witt, Obri- ster eines pohlnischen Dragoner Regiments, vermahlte sich zu Kaminiek, wo sein Baker Kommendant war, mit einer jungen, reizenden und tugendhafte» Tochter eines griechisch m Kaufmanns aus Kandia. Ueber diese ungleiche Vermahlung wurde der Vater des Bräutigams so aufgebracht, daß er seinen Sohn nicht mehr vor sich zu lassen, und gänzlich zu enterben beschloß. Bei einem Spaziergangs glückte es der jungen Griechin, und ihrem Vater, dem altenBaron, der beide nicht kannte, zu begegnen. Sie machte eine tiefe Verbeugung, und ihre Zauberre tze wirkten auf das Herz des beleidigten Vaters einen so lebhaften Eindruck, daß er stehen blieb, und sie näher kommen hieß. Hier warf sie sich auf ihre Knie, bekannte sich für die Gemahlin seines Sohns, und bath auf eine eben so rührende, als zärtliche Art für ihn und für sich um Verzeihung und Gnade. Der edelmäthige Greis gerieth durch diesen unvermuthelen Auftritt in eine solche Verlegenheit, daß er alle Kräfte aufbieten mußt', sich zu fassen. Jörn über den unbesonnenen Schritt seines Sohns, Liebe für ihn, und Simpathie für dessen Gemahlin bestürmten den ehrwürdigen Krieger Wechsel« B 4 weis, 24 weis. Endlich siegte Schönheit und Tugend, er nahm das Frauenzimmer bei der Hand, führte sie nebst ihrem Vater in seinen Palast, ließ auch seinen Sohn dahin rufen, und versöhnte sich mit ihm bei einem prächtigen Fe- stm in Gesellschaft vieler Standspersonen aufs liebreichste. Der herrlichste Sieg, den dieser Held je erringen konnte. 15. Edelmuth eines Indianers. Ein Indianer, der aus der Jagd nichts gefangen, und sich verirrt halte, kam zu einem Pflanzer und bath ihn um Brod und Wasser. Beides schlug der Unmensch dem lechzenden Wilden ab, schallt ihn einen Indianischen Hund, und befahl ihm sein Haus zu verlassen. Einige Zeit nachher fügte es sich, daß auch der Pflanzer auf der Jagd seinen Weg verfehlte. Von der Nacht und einem fürchterlichen Gewitter überrascht, ersuchte er dpi; Bewohner einer indianischen Hütte ihm den 16. den Weg zu zeigen. Dieser riech ihm zu übernachten, und das Ende des Sturms abzu, warten, sezte ihm Erfrischungen vor, und sühne ihn des Morgens auf die rechte Straffe. Leim Abschiednehmen frug der Indianer den Pflanzer, ob er ihn auch kenne? Dieser sah den Wilden genau an, und enldekte, daß eS der nämliche Mann sey, dem er unlängst so hart begegnete. Er wollte sich entschuldigen, der edle Wilde aber ließ ihn zu keinen Worten kommen, und sagte:„Wenn ihr künftig wieder einen von Hunger und Durst abgematteten Indianer sehet, so scheidet ihn za keinen Hund—-! Mit diesen Worte» verließ der großmüthige Neger den Pflanzer, und eilte nach seiner Hütte zurük« Welch eine schöne liebenswürdige Seele in einem schwarzen Körper» 26 16. Der vortrestiche Fürst von Dessau rettet einem aus dem Wasser gezogenen Mühlknecht durch seinen edlen Beistand das Leben. Ä'ls IN der strengen Kalte) ein Mühlknecht zu Dessau sich damit beschäftigte, die Wassermühle aufzuessen, damit sie nicht einfrieren möchte, glitschte er aus und stürzte in das Wasser. Einer seinerKamraden, derdas Geschrey hörte, sprang in die Mühle, und rief um Hülfe. Der Unglückliche hatte so viel Gegenwart des Geistes, daß er eine Schaufel des Wasserrades ergrief, und sich mit demselben dreymal eintauchen, und wieder hervorziehen ließ. Jtzt verließen ihn seine Kräfte, er mußte das Rad fahren lassen, und sich dem Strome Preis geben. Indeß kamen einige Männer aus der Mühle mit Stangen und Hacken, faßten ihn auf, und zogen ihn, da er eben unter das Eis sinken wollte, glük- lich heraus. *) Im Jahr 1784. Da 2? Da eine Menge von Menschen herbei eilte und der Menschenfreundliche Fürst von seinem Fenster den Anlauf des Volkes bemerkte, forscht er um die Ursache desselben, erfährt das Unglück, und tragt nicht etwa einem seiner Bedienten auf für den Verunglückten Sorge zu tragen— Nein— von Liebe zu seinen Unterthanen beflügelt, war er im Nn an der Seite des Halbwdten, und rettete ihm erst durch seine Gegenwart daS Leben. Eben war man im Begriffe den Erstarrten in ein stark eingeheiztes Zimmer zn bringen, wo er ohne Zweifel bald seinen Geist würde ausgegeben haben. Aber der Edle einzig für das Wohl seiner Unterthanen wachende Fürst, befahl, ihn in eine mässig warme Stube zu tragen, wo er durch die vorzügliche Bemühung des Fürstlichen Leibarztes gänzlich dem Tode entrissen wurde, 17- Paul Iones. wahre Tapferkeit von Edelmuth und Menschenliebe unzertrennlich sey, beweiset nach- 28 nachstehende, großmüthige Handlung des im legten amerikanischen Kriege so berühmt gewordene Kapital» Paul Jenes» Dieser ruhmvolle Held unternahm eine Landung in Schottland, um sich eiuiger Edelleute zu bemächtigen, und dadurch die Engellander wegen der zu befürchtenden Repressalien von aller Strenge gegen die amerikanischen Gefangenen abzuhalten. Einige Schlösser wurden deshalb sorgfältig durchsucht, um die Eigenthümer als Geiseln mitzunehmen. Allein diese waren wider alles Vermuthen verschwunden. I» dem Schlosse des Grafen von Selkirk fand man eine Kiste mit Silbergeschier, welche auch für eine gute Piche erklärt, und mitgenommen wurde. Hier entwarf der Edle den Plan zu einer Handlung, die seinem Herzen, wie sein Lorberkranz gleichviel Ehre macht; er gab seinen Leuten den ihnen gehörigen Theil am Gelde, und wurde nun allein Besitzer des Silbers. Nach geendigtem Kriege schrieb er an die Gräfin von Selkirk:„Mylady! Es ist mir unendlich leid, daß Sie während dem Kriege ihres Silbergeschirs sind beraubet worden; allein Sie zu überzeugen, daß auch unter dem Geklirr sy klirr der Waffen die Tugend selbst an dem Feinde verehrungswürdig ist, bitte ich Sie, Mir eine Person in London zu nennen, an die ich dasselbe addressiren, und Sie es ohne alle Bedingung wieder in Empfang nehme» könnten. Ich wünsche, daß Sie diese Handlung, als ein Zeichen der Achtung für ihre Verdienste, die Sie sich um die leidende Menschheit erwarben, und die in entfernten Weltgegcnden in Ihnen geschäzt und bewundert werden, ansehen möge». Als ihm die tugendhafte Dame hierauf in den verbindlichsten Ausdrücken geantwortet, bath der großmüthige Krieger den Grafen von Vergen- neS") um die Begünstigung, diese Kiste von Orient nach Kallais zollfrei schikken zu dürfen. Der Friedensstifter ließ es sich besonders angelegen seyn, dem edlen Gesuche des Kapi- tains zu willfahren, und in kurzer Zeit wurde das Silber ohne alle Kosten dem Eigcnthüa mer zugestellt. Wüßte die Nachwelt von diesem tapfere» Krieger keine andere Heldenthat auszuweisen, dieser Aug seines Herzens allein müßte ihn unsterblich machen. 18. 5 So nannte ihn Rußlands große Kaiserin Katharina die Zweite. 3-» 18. Rührendes Beispiel von Dankbarkeit eines Fürsten gegen seinen ersten Drener! Herzog von Meklenburg Strclitz entließ seinen ersten Minister, den Herrn von Dewitz, den er dem Herzog von Meklenburg Schwerin abgetrctten hatte. Am Tage, der zum Abschied bestimmt war, kurz vor Mittag, da eben Herr von Dewitz zur Herzoglichen Tafel fahren soll, werden bei ihm einige Razeburgische Stiftsbauern gemeldet. Doch die Zeit sie zu hören mangelt, uud diese wird ihnen gegen Abend angewiesen. Wahrender Tafel geschieht im Diskurs der Razeburger Erwähnung. Der Herzog äußert den Wunsch, daß die Leute in seiner Gegenwart, von dem Minister angehöret wurden, und ihre Abfertigung erhielten. Die Geforderten nahen sich dem Minister, und reden ihn in plattdeutscher Sprache also treuherzig an:„Sie hätten vernommen, er würde sie verlassen, er, welcher ihrer Rechte so kun- kundig wäre, jederzeit ihre Klagen gehört. Böses von ihren Hütten abgewendet, und jeden auch den geringsten unter ihnen, so wie die Seinigen geschüzt hätte." Sie kämen um ihn noch einmal zu sehen, ihm ihren Kummer über seine Abreise zu bezeugen, ihm ihren, und der ihrigen ehrerbiethigen Dank noch einmal zu zollen, ewigen Segen auf ihn her- abzufleh'n, und ihn dringend zu bitten, zuweilen auch in der Ferne ihrer zu gedenken."— Wie hier Herr von Dewitz gerührt sich zu sammeln sucht, und eben antworten will, erblickt er seinen Durchlauchtigsten Fürsten in Thränen, alle Anwesende in tiefem Schmerz versenket, und erkennt itzt die vermeinten Ra- Zeburger Landlente für Erste am Hofe, seine Freunde und Anverwandte, die sich nur in jener Tracht verkleidet hatten. Was sind Schlüssel, Orden, und all der Tand, mit dem Grosse Verdienste belohnen, gegen die Thränen dieses edlen Fürsten? Z- -9. Ein Jüngling wird durch großmüthige Unterstützung eines Ungarischen Kavaliers von dem Gefängnisse befreiet. r, ein Jüngling von bester Anlage, und einem fühlbaren Herzen, kam ohne seine Schuld znm Theil, znm Theil aus Leichtsinn in sehr bedrängte Umstände. Er machte einige Schulden, und d-eser konnte er sich alles seines Bestrebens ungeachtet wie eines bösartigen Fiebers nicht erwehren. Der gutmüthige Jüngling tröstete sich von einer Zeit zur andern, suchte vergebens Aushülse, und der Krebs des Kummers fraß immer tiefer. Er lernte einen ungarischen Kavalier kennen, der, dem Aensserlichen des Jünglings nach, den richtigen Schluß machte, daß dcrseloe wohl nicht in den beste» Umstanden seyn möchte. Er trug ihm an, mit ihm aufs Land zu gehen, und daselbst seine wohleingerichtete Bibliothek einzurichten. Unter diesem Verwände gab er ihm alle Monate 6 Dukaten. -H—r bezahlte damit das Interesse seiner ausstehenden Schulden, und beim Herannabenden Win- 33 Winter, da der edeldenkende''Kavalier nach Wien zurükkehrte, verlor der Bedauernswürdige Neuerdings alle Hoffnung, seinem Elends zu entkommen. Hier war keine Bibliothek einzurichren, die 6 Dukaten hörten auf, nicht die fast alltäglichen Einladungen zur Tafel. Eines Tages erschien der bedrängte Jüngling ganz blaß, und zerstöhrt, äst wenig und sprach gar nichts. Der Graf bemerkte dieß, und zog ihn, sobald die Tafel vorbei war, auf die Seite. ,, Hören Sie, lieber Freund! sagte der großmüthige Kavalier, Sie haben ein Anliegen? Vertrauen Sie sich mir?— Was fehlt Ihnen? H—r zurre die Achseln, und schwieg»och einige Sekunden, endlich brach sein beklemmtes Herz in folgende Worte aus: Allerdings Euer Excellenz! ich habe ein schweres Anliegen; denn ich muß graben wegs von hier lieber selbst ins Gefängniß gehen, und dieß, wegen hundert Dukaten Schulden, die ich auf keine Art zu bezahlen weis, und weshalb ich dieser Tagen soll eingezogen werden. So? verftzte der Graf, und schwieg, gieng in sein Kabinet, und kam mit Stvk und Hut versehen zu dem trostlosen Jüngling zurück. Hier sind die 102 Dukaten, sagte er, aber künftig machen Sie keine Schulden. In die- C sein 34, sein Augcnblik war er die Treppe hinab, ohne den Dank des Geretteten abzuwarten. Daß doch alle Adeliche so edel dachten, daß diese menschenfreundliche Handlung dieses Biedermannes mehrere Herzen zu solchen Thaten aus ihrem Schlummer aufstörte! 20. Nachahmungswmdigcs Muster kindlicher Liebe. W l^Ver wird dem edlen Jüngling nicht seinen Beifall zulächeln, der so entschlosten, so heldenmüthig dem Tod entgegen geht, dem Rachen des Würgers seine theure Mutter zu entreißen? Wer wird ihn nicht segnen? Wer wird so ein edles, liebevolles Herz nicht jedem Kinde wünschen? Wer?— Joseph Lerch, ein vaterloser, armer Jungl-ng von ungefähr siebzehn Jahren, gieng mit seiner als Magd dienenden Mutter von dem Dorfe Libotschau") nach Saaz.") Sie *) In Böhmen. Eine Kreisstadt. Sie mußten daselbst über einen kleinen Steg, der über den vorbeifliegenden damals sehr hoch angeschwollenen Bach, geführt ist, gehen. .Die Mutter hatte das Unglück abzugleiten, und rükwärts in den reißenden Strom hinab zu stürzen. Die Wellen dekten Sie augenblicklich, fünf bis sechsmal wurde sie überstürzt, und bereits einige Schritte fortgerissen. Zwar lief eine Menge Volks zusammen, allein niemand wollte eö wagen, die Unglückliche zu retten, doch der eds wüthige Jüngling zauderte nicht lange auf bequeme Rettungsmittel zu denken; entschlossen, eber selbst sein Lehen aufzuopfern, als seine Mutter im Wasser umkommen zu sehen, sprang er von Liebe gestärkt ins brausende Wasser, ohne auf die Schwäche seiner Glieder und Uuersahrenheit im Schwimmen zu denken. Die Fluchen verschlangen ihn sogleich, höben ihn wieder empor, und schon zittMe man für sein Leben; allein die Macht kindlicher Zärtlichkeit verlieh ihm Kräfte, er arbeitete sich mit Wfäglicher Mühe durch die schäumenden Wellen durch, ergrief die mehr tod als lebende Mutter bei den Hände», und nun eilte er mit der geliebten Beute aus dem Wasser heraus. Welch ein Frohlocken entstand itzt unter den Zuschan- C 2 ern. Z6 ern, wie bewunderte!! sie den edlen, muth- vollen Jüngling, dem nun, indeß er seine rhenre Mutter mit beiden Armen noch umfangen hielt, Thränen der Freude zahlos enr- srürzcen.— Doch diese Szene kann nur gefühlt nicht beschrieben werden. Eltern mögen diesen Edlen als ein Muster der Zärtlichkeit ihren Kindern aufstellen, mögen ihnen sagen, welch ein Glück es sey, so geliebt zu seyn. 21. Seltsame Errichtung eines Grabmahls. Entscheidet—! Ob das Andenken des vcr- bliechenen Gatten durch diesen rühmlichen Zug des Edelmuths seiner vvrtreflichen Gemahlin nicht unvergeßlicher gemacht ward, als wenn der Meisel eines Nahls ihm eine Ehrensaule errichtet hatte? Man überredete die Wittwe eines in Mannheim verstorbenen Churfürsilichen Raths, das Andenken ihres Garten durch ein steinernes 37 nes Grabmahl auf dem Kirchhof zu verewigen. Ja: erwiederte Sie mit der ihrer.schö- »en Seele ganz eigenen Entschlossenheit: ich will dem Entseelten eine Denkfaule stiften, die dem nagenden Iahn der Zeit Jahrhunderte hindurch Troz bieten soll. Was that die Unvergleichliche, tugendhafte Dame? Verschrieb Sie etwa einen Künstler auS Rom? Ließ Sie den Riß dazu in London oder Paris verfertigen, um unter dem Verwände, das-Gedächtniß ihres erblaßten Mannes der Welk zu überliefern, ihrer Eitelkeit ein Opfer zu bringen? Nein!— Sie schifte 400 st. an die allda errichtete Krankenwärter-Kasse, um mit den jährlichen Einkünften einige dürftige, wieder genesene Personen mit anständiger Nahrung zu versorgen. Bewnndre Nachwelt dieß unsterbliche Monument ihres edlen tugendhaften Herzens. C 22. s 22. Z8 Hier ein paar Züge aus dem Leben des Französischen Seehelden Grafen 6' OeviMers, des würdigen Nebenbuhlers eines Keppels, der nun seiner Gemahlin, und seines Sohnes beraubt in stiller Einsamkeit, unter wohlthätigen Handlungen die Stunde seiner Reise nach der Ewigkeit mit UnerschrokenheiL erwartet. ?.) ^ls sich dieser vortrefliche Held, dessen Werth Frankreich einst nach seinem Tode ganz empfinden wird, mit seiner Familie zu Roche- fort befand, rraf er einen seiner Bedienten und die Kammerjungfer seiner Gemahlin in einer Handlung an, die den Verlust der Ehre, Schmerz und. Reu^zur Folge hat, st' Oevillier? sehikte sich an, als sah' er nichts, begab sich in seine Kajütte(er befand sich eben auf dem Schieff,) und war im Begriffnnter Segel zu gehen. Auf der Stelle machte der Großmüthige zwey Rollen, jede von 50 Touisst'm-. Abends 39 Abends ließ er beide Strafbare vor sich kommen, und olme ihnen den mindesten Vorwarf über ihr Vergehen zu mache», sprach er vielmehr mit der Sanftmut!) eines Vaters: „'Hier sind hundert Uoui^ä'or, für euch bestimmt, die aber nicht eher euer Eigenthum werden sollen, bis ihr verheurathet seyd; so fern aber diese Verbindung innerhalb ig Tagen nicht zu Stande kömmt, so ist euer beiderseitiger Abschied beschlossen. Ohne Verzug eilten die Verirrten dem großmüthigen Befehle ihres Herrn zu gehorchen, dessen edle Freygebigkeit die Fehler der Liebe durch die Bande der Ehe wieder zu vergüten wüste. 2.) Durch den Tod seines tapferen Sohnes des Ritters ch Osvi'lüee? geriet!) die lVlritrelle desselben, ein junges(diesen einzigen Fehler abgerechnet) liebenswürdiges Mädchen in bedrängte Umstände. Sie hatte ihn zum Vater einer Tochter gemacht, die ungefähr zwey Jahr alt seyn mochte, und erwartete zu Brest die Zurückkunst ihres Geliebten. Untröstlich war die Unglückliche, als sie die traurige Nachricht von seinem Tode erfuhr. Vergebens beweinte Sie ihre blinde Empfindsam- E 4' keil 42 keil— Doch Noch macht auch die blödesten unternehmend, sie entschloß sich einige rechtschaffene Offiziere, die ihres verstorbenen Geliebten Freunde waren, und sie als ein gutes, sanftes Mädchen kannten, um Rath zu fragen. Man ward einig, daß sie an den Grafen, welcher von dem doppelten Verlust seiner Gemahlin und seines Sohnes noch tief gerührt war, schreiben solle. Ein Brief wurde ihr diktirt, in welchem Sie ihre kläglichen Umstände aufs lebhafteste schilderte, den Sie noch an selben Tage dem Admiral einhändigen keß. Am folgenden Morgen kam der würdige Vater ihres Geliebten in einem ganz einfachen Anzüge zu ihr ins Zimmer, und brachte— nicht Fluch— nein, wie ein Böthe des Friedens— Gnade und Segen für Kind und Mutter; verlangte das Kind' welches noch schlief, zu sehen, umarmre es, wollte die weinende Mutter mosten, und bedurfte selbst des Trostes eines Engels, Vor Wehmuth konnte er sich lange nicht fassen, endlich ermannte sie der Edle, und sprach im Tone deö zärtlichsten Vaters:„ Zagen Sie nicht! Hat gleich das Verhangniß Ihnen Meinen Sohn entrissen, so danken Sie der Vorsicht, daß ich noch lebe, ich will für Sie, und und ihre Tochter sorgen. Sogleich gieng er Zu einem-Notar, und verschrieb der natürlichen Wittwe seines Sohnes 1202 Livres aus Lebenszeit, und dem Kinde, welches zu Paris anständig erzogen wird, eine gleiche Summe beständiger Renten. Spät— wende Narur und Tugend den Kranz von Heldenthaten geflochten um die Urne dieses Edlen. 2Z. Eine Handelsgesellschaft von Meisen- ftls bei Leipzig erläßt aus großmüthigein Mitleid einer Wittwe in Wien eine Schuld von 2788 Gulden. Ein Wiener Bürger, der, ungeachtet eines redlichen und ämsigen Wandels, dennoch vom Glücke nicht begünstigt war, starb, nnd hinterließ eine Wittwe-mit Z unerzogenew Kindern nebst einer drillenden Schuldenlast von 2788 fl., die eine Handelsgesellschaft von Weisensels bei Leipzig an dem Verstorbenen s« 42 zu federn harte. H. Z. C. E. ein Mitglied dieser Gesellschaft ward kaum von dem hnlf- losen Zustande dieser Familie benachrichret, als er von edlem Mitleid gerührt, nicht nur gugenbliküch auf seinen Antheil Verzicht that, sondern sich auch bei den übrigen Theilneh- menden mit großer Thätigkeit, und mensche,!- fteundlichsm Eifer um die Erlassung jener Schuld für die arme Wittwe, ohne ihr Wissen, bewarb. Wirklich brachte es dieser großmüthige Menschenfreund dahin, daß alle übrige Theilhaber jener Schuld dem edlen Beyspiel folgten, und die Wittwe von derselben gänzlich lossprachen. 24. Eine Dame erläßt aus edlem Mitleid ährem Gläubiger die Zinsen ihres Kar pitals. ^?)efnhllose— die ihr Schadenfroh das Mark aas den Beinen eurer Bruder saugt, nachstehende Anekdote einer edlen, großmüthigen Dame sey der Spiegel, der sich enern Augen nie entziehen müsse! Eine 43 Eine vornehme Dame zu Mann;, lieh ein ansehnliches Kap im l an Leute, welche anfänglich, so sehr sie sich immer bestrebten, nicht vermögend waren, das Interesse davon zu bezahlen, Die gefühlvolle Menschenfteundin sah das Unvermögen der Unglüklichen ein, gab ihrem sinkenden Muthe durch wiederholten freundschaftlichen Trost neue Kraft, und schenkte Ihnen aus edlem Triebe ihres tief gerührten Herzens nicht allein die ersten, sondern alle künftigen Zinsen, bis sie sich wieder erholt, und der Verlegenheit, in der sie sich befanden, entwunden hatten. Das Gluck sezte die bedrängte Familie bald in eine bessere Verfassung, und durch den edelmüthigen Beistand dieser über alles Lob erhabenen Wohlthäterin befand sich der redliche Schuldner in kurzer Zeit im Stande, der gnädigen Retterin das Kapitalmit frbiichem, und dankvol- lem Herzen überreichen zu können. DieVor- trefliche Dame über diese seltne Rechrschaffen- heit gerührt, und zugleich erfreut eine gesunkene Familie wieder auflebend gemacht zu haben, legte das Geld hin, und fasste den herrlichen Entschluß, daß dasselbe nicht eher angegriffen werden soll, bis ein Norhleiden- der. 44 der, dem es auf gleiche Weise übergeben wird, sich damit wieder retten kann. Daß doch alle Reichen mit ihrem Pfunde auf so eine erhabene Art wucherten, daß Sie e-ä nie beim Anblik der weinenden Menschheit noch tiefer vergrüben! 25. Zweites Beispiel der Großmuth des Herrn Apchon Bischofs zu Auch in Guicnne. 3^och eine Blume aufdas Grab dieses Edlen! Bei einer heftigen Feuersbrunst, wo das unterste Stokwerk eines Hauses, in dessen oberem Theile eine Frau mit ihrem Kinde um Hülfe schrie, in voller Flamme stand, both dieser edle, nie genug beweinte Menschenfreund eine lebenslängliche Pension demjeni-* gen an, der es wagen wollte, beide zu retten. Keiner der Anwesenden besaß zu dieser Unternehmung genug Entschlossenheit, der tu-^ gendhaste Prälat allein vorn Geiste der thätigsten 45 tigsten Menschenliebe beseelt, stürzt sich mitten in die Flammen, kömmt siegprangmd wie ein Cherub mit seiner Beute glücklich, und unbeschädigt znrük, und versichert den Geretteten einen lebenslänglichen Gchalt von 1200 Livres. Wer vermag das Wonnegefühl dieses großmüthigen Gesalbten des Herrn. als er die dem Tode bestimmte Beute durch seine Hülfe gesichert sah, mit Worten beschreiben? 26. Ganganelli Consultor der Inquisition. Äls dieser unsterbliche Pabst noch Consultor der Inquisition war, wurde ein rechtschaffen ner Bürger in Rom bei ihm angeklaget, daß er einen Tonkünstler, der sich zur protestantischen Religion bekenne, in seinem Hause habe, und mit ihm verbotene Bücher lese. Bei der Untersuchung fand Ganganelli, daß ein Jeder dem Verklagten das Zeugniß eines unbescholtenen Mannes gab, der die Pflichten des Christen mit jenen des Bürgers vorrreflich zu vereinigen wußte. Er federte ihn vor sich.— Freund, sprach er zu ihm sehr liebreich, er '.st 46 27. ist im Verdacht, er lese verbotene Bücher.— „Ich suche die Wahrheit, antwortete der Bürger, wo sie zu finden ist; meinetwegen mag sie Zoroasier, Kvnfuz, Sokrates, oder Luther gesagt haben.—„Da handelt er recht; aber wer ist der Fremdling in seinem Hanse?— Ein Deutscher Musikuö, und zwar ein Protestant. Durch seine Geschiklichkeit hat er sich die Achtung der ersten Häuser in Rom erworben. Sein Leben ist so harmonisch, wie seine Kunst. Er bezahlt mich alle Monat richtig; sollt ich ihm Schutz und Aufenthalt in meinem Hause versagen? Der Vomefliche Menschenfreund bewunderte die edlen Gesin>> nungen des Bürgers, und munrerce ihn auf, der Weisheit und dem Evangelium noch länger treu zu bleiben. Au den Anklägern aber sag er:„Sie werden wchüy-u, Meine Her en! wenn sie in Zukunft vorher das Leben derjenigen genau untersuchen, die sie anklagen wollen. Lebten alle Menschen, wie dieser redliche Mann, so könnte man alle Inquisitionen aufheben. Diese That allein machte dich der dreyfachen Krone würdig, die zur Ehre der Menschheit dich— ach! nur eine zu kurze Zeit schmükte, 47 27- Begnadigung, die Christian Ludwig Herzog zu Meklenburg Schwerin einem Holzdiebe großmüthig widerfahren ließ, Äls dieser edeldenkende Fürst 1751 im Sommer zu Nvsiok residirte, wurde hinter seinem Paläste der fürstliche Garten verändert, und ein Bauer mußte darin zur Strafe Erde karren, weil er wiederholtermalen junge Eichen auö dem Frost gestohlen, und in Rostok verkauft hatte. Der Herzogliche Oberjägcnnci- srer erkannte ihm vorzüglich diese Strafe zu, indem man denselben schon dreymal bei dem Holzdiebstah! betroffen hatte, und die Züchtigung immer vergeblich war. An einem schonen heitern Morgen gicng der Herzog mit dem Lberjagermcisier im Garten spaziren; einige Alleen wurden unter launigren Gesprächen durchstrichen, doch am Ende einer Teraffe wird der Edle des Bauers an der Karre ansichtig. Von B— kannte die Güte und Theil- nehmung seines Durchlauchtigsten Fürsten und suchte ihn auS diesem Grunde in einen andern Gang zu führen. Allem der Herzog blieb stehen. 48 stehen, und sogleich eilte der unglückliche Aüchtling mit seiner Karre herbei, und redete. ihn also in plattdeutscher Sprache sehr freimä- j thig an:„Gnädiger Herr! ich sehe es an ihrer Kleidung, und da sie hier im fürstlichen Garten spaziren gehen, daß Sie doch auch wohl zu meinem Gnädigen Landesherr» kommen, sagen Sie ihm doch, daß ich ein armer fürstlicher Bauer bin, hier karren müsse, mein- Weib und Kinder aber zu Hause Hunger und Noth leiden. Freilich habe ich ein Verbrechen begangen, da ich einigemal drei Haseln aus der fürstlichen Waldung heimlich abgehauen und in Rosiok verkauft habe; allein die äußerste Noch trieb mich dazu, denn ich hab.e eine Frau und iz Kinder zu ernähren, und muß- meine Dienste und Abgaben gehörig leisten,; wozu das Einkommen meines Hofes nicht hin- i reicht, besonders da die leztc Arendte ganz karg j ausgefallen ist. Ja, wenn mein Gnädigster Lau-! desfärst dieses alles wüßte, er würde sich mei- i ner erbarmen. Don den fürstlichen Forsibe- dienren werden so viele Baume heimlich auS der Heide verkauft, kommen in keine Rech? nung, und ich Elender muß für meinen klei-! neu Unterschlcif solche harte Strafe ausstehen.^ Hier lächelte der Herzog, a»wkn der Oder- jäger- 49 jägermeistsr ward durch diese Reden-es Bauers höchst empfindlich aufgebracht, und sagte: Durchlauchtigster Herzog! Dieß sind Unwahrheiten, dieser Frevler hat den Forst bestohlen und die schönsten jungen Eichen nach Rostok zum Verkaufe gebracht. Auf einmal erheiterte der Unglükliche sein Gesicht, fiel auf die Knie und sprach:„O ich höre, daß Sie der gnädigste Landesvaker selbst sind, erbarmen Sie sich doch über mich, mein Weib, und viele Kinder l Ich habe wirklich aus Noch diesen Betrug begehen müssen. Der gerührte großmüthige Herzog antwortete sehr gnädig: Du sollst sogleich deine Freiheit haben, und nach Hause zu deiner Wirthschaft gehen; ich werde untersuchen lassen, ob du so dürftig bist, und dich in den Stand setzen, deine Kinder zu erziehen, daß du in Zukunft keine Die- bereyen mehr zu begehen genöthigec bist. Eine Kette von so edlen Thaten war Sein Leben. D 28. Tugend wo man sie nicht vermuthete. ^)n Paris verlor ei» reicher Mann des Abends seine Brieftasche, mit Einmalhunderk tausend Livres. Ein dürftiges Mädchen, das eben um diese Zeit auf der Straffe ihre Zärtlichkeit zum Verkauf ausbot, war so glüklich selbe zu finden. Diese Nichtwesiale that, was tausend andere nicht gethan haben würden, sie brachte die Brieftasche unversehrt am andern Morgen zum Polizeyleutenant Herrn Is Noir. Ueber die Ehrlichkeit dieses Mädchens erstaunt, fragte er:„Was treibst, du meine Tochter. Ach Gott! Freilich nichts gutes— I.s d^oir verstand die Sprache, und machte sich anheischig bei dem Eigenthümer für sie eine würdige Belohnung zu besorgen. Sie mußte ihm deshalb ihre Addresse zurüklassen. Zwo Stunden darauf erschien der bestürzte Besitzer, zeigte den Verlust an, und bath um Rath, wie derselbe wieder gefunden werden könnte. Seyn Sie ausser Sorgen, versezte die Magistratsperson, ihre Brieftasche ist schon m meinen Händen, ließ sogleich das Mädchen D s SA. Zr chcu zurükhölen, und den Mann die Brieftasche durchzählen. Nichts fehlte, und freudig zog der Besitzer 10 solcher 1020 Livresbillete heraus, und reichte sie Herrn Is Koir mit der Frage, ob es genug sey, hin.— Genug!— Und nun meine Tochter, was wirst du mit diesem Gelde anfangen? Man wird dich darum bringen, laß mir die Sorge über, ich will es dir anlegen, daß du davon anständig letzen kannst. Unendlich dankte die Jurükgelei- tete ihrem Wohlthäter, überließ sich seiner Führung, und genießt jährlich eine ansehnliche Rente im beneidenswürdigsten Glücke^ ohne selbes durch sündhafte Umarmungen auf Kosten ihres Gewissens zu erkaufen. Ob dieses Mädchen, troz ihren ehemaligen Ausschweifungen, dieser einzigen Tugend wegen nicht liebenswürdiger, als manche hochandach- tigc Heuchlerin ist; wer wagt es hier nicht Schiedsrichter zu seyn? 30. Z2 29. Ganganelli's Empfehlung der Duldung und Liebe. 3^iemand wußte besser, wie viel die Religion öfter? durch einen unvorsichtigen Eifer gelitten habe, als der vortrefliche Pabst Kle- niens der i4te. Um diesem, so viel als möglich, aufs künftige vorzubeugen, beobachtete er eine evangelische Toleranz, wie der göttliche Gesezgeber in Ansehung der Sadduzaer, und Samaritaner that. Er pflegte zu sagen: „ Wir legen die Liebe zu oft bei Seite, um den Glauben Aufrecht zu erhalten, und überlegen nicht, daß, wenn es nicht erlaubt ist, den Irrthum zu dulden, es doch verboten ist, diejenigen zu Haffen, und zu verfolgen, welche «nglüklicher Weise darein gerathen sind." 53 30. Edel erhabene Antwort Ludwigs des i6ten. dieser von seinen Unterthanen abgöttisch verehrte, und von den entferntesten Na- zioncn geschäzte Monarch als der edelste Menschenfreund denkt, und handelt, entwickelt sich aus allen Zügen» Als eines Tages ein Hofkavalier anmerkte, daß Seine Majestät bei künftiger schöner Jahrszeit nicht so viel Vergnügen haben würden, als im verflossenen Jahre, weil da» Wild im tiefen Schnee zu Grunde gehen müsse, antwortete der Monarch voll edlem Unwillen:„Wie? Sie lassen sich beisallenmir von Thieren zu sprechen, die von Kälte nnd Hunger in den Wäldern aufgerieben werden? Eher möge das ganze Wild, welches sich in dem Gehölze aufhält, zu Grunde gehen, als daß ein einziger Mensch zum Opfer der grimmigen Kälte werden sollte.) D z Lud- *) Im Winter 1784- 54 Ludwig der XII. Heinrich der IV würden anders nicht geantwortet haben, wenn Ihnen so eine Anmerkung gemacht worden wäre. Zi. Ein Muselmann rettet einem in die Donau gestürztem Schiffknecht daö Leben. ^änf Schiffknechte waren bestimmt von Sems lin aus in einem Fischerkahne auf der Donau zu einem beladenen Frachtschiffe, das sich im Saustrvme befand, zu fahren. Die Unglücklichen waren von dem zuvor häufig zu sich genommenem Weine ganz betäubt; der Kahn wurde nicht gehörig regiert, und an der Mündung des Saustromes von dem sehr reiffend hineinstürzenden Wasser in die Donau zurückgetrieben, wo er das Schicksal hatte von einem Eißschollen umgeworfen zu werden. Vier dieser Elenden wurden sogleich von dem Flusse verschlungen, der fünfte aber hatte das Glück einen Eißschollen zu erwischen. Er klemmte sich da, und schrie aus allen Kräften um Hülfe. Die Nacht war eingebrochen. D 4 32. 5Z chen, und der Unglückliche bereits über 400 Schritte die Donau hinunter geschwommen; als ein Türk von dem erbärmlichen Geschrey bewogen, noch 3 andere herbei rief, und den Sterbenden, der schon ganz erstarrt kein Lebenszeichen mehr von sich gab, mit einem kleinen Fahrzeug aus der Gefahr erretteten. Sie brachten den armen Tropfsogleich in das nächste Haus, und arbeiteten so glücklich an seiner Wiederherstellung die ganze Nacht, daß er den folgenden Tag sich erholte. Mit Erstaunen sah er sich von einer Menge Türken umgeben, ohne zu wissen, wie er unter sie gekommen war. Sein edler Erretter belehrte ihn aufs freundschaftlichste von allem; behielt ihn den ganzen Tag und die folgende Nacht bei sich; erwies ihm viel Gutes, und brachte ihn unentgeltlich den Seinigen zurück. Ist das nicht eine herrliche That? Kann man noch fragen; Wer ist mein Nächster- Ein Samariter. Freund, ein Türk? i 36 Z2. Großmuth einer Schauspielerin, *^ier, in dieser Skizze bewundert Adel deS Herzens, und Grösse brittischen Geistes! Mistres Porter, eine Schauspielerin in London, durch ihre edle Denkart so sehr, als durch den Zauber ihrer Kunst berühmt, pflegte öfters in einer einspännigen Kalesche spätren zu fahren. Ein Buch, und ein paar Pistolen waren allenthalben ihre Begleiter. Als sie eben in einer entferntem Gegend von London anf einer ihrer Promenaden begriffen war, ward Sie von einem Strgssenräuber, der ihre Börse foderte, angehalten. Sie hatte soviel Gegenwart des Geistes, eine Pistole auf ihn zn spannen. Der vermeinte Räuber, über diese seltne Unerschrockenheit eines Frauenzimmers betroffen, gestand ihr im Tone der äussersten Verlegenheit, daß er kein Straft senrauber sey, nur zum Schein Gewehr, das picht geladen ist, bei sich trage, und daß ihn die Noth, um seiner in unendbarem Elende schmachtenden Familie Unterhalt zu verschaffen, zn solchen Mitteln, dagegen sich seine ganze Natur entsetze, verleite. Der 5? I» Der Unglückliche nannte ihr'seine Woh- mmg, und machte ihr einen so rührenden Abriß von seinem Elende, daß die Edle von Mitleid durchdrungen, ihm sogleich ihre ganze Börse darreichte. Schnell fuhr Sie hierauf fort, warf um, und verrenkte sich die Hüfte..Dieses schmerzlichen Zufalls ungeachtet ließ sich die großmüthige Menschenfreunds» dennoch nach dem Unglücklichen erkundigen, fand, daß er die Wahrheit geredet hatte, und sandte ihm theils von dem ihrigen, theils an Kollekte 60 Pfund Sterling. Zage nicht— wenn die Stunde deiner Auflösung sich naht— Erhabne Freundin der Tugend!— Du bist unsterblich, ohn' an der Seite deiner Könige zu schlummern. 33. Muster eines Testamentes, wie es wenige giebt. N. t-un eine Blume, die auf vaterländischem Boden gedieh.' 58 In Wien starb ein Mann, der fünf Kinder. rrnd ein beträchtliches Vermögen hinterließ. Bei Eröffnung des Testamentes war ein Sohn gegenwärtig. Er hörte mit Bestürzung ablesen: Jedem von meinen vier Kindern vermache ich 40000, dem fünften aber 10000 Gulden. Ein.Donnerschlag für den edlen jungen Mann^ der im Nu bei den übrigen war, nnd ihnen den Willen des verblichenen Vaters kund machte. Eines seiner Kinder, sprach der großmüthige, ist auf eine gewisse Art enterbt, oder doch weniger bedacht» Wie? Wenn wir uns untereinander abfanden, wenn wir die ganze Erbschaft in fünf gleiche Theile schieden, nnd dadurch den Folgen, die aus dieser Ungleichheit des Erbes entstehen könnten, zuvorkämen? Der Vortrug des edelmüthigen Mannes, welcher jederzeit des Vaters Liebling war, die Furcht, daß ein jeder der Enterbte seyn könne, machten, daß der Vorschlag gebilliget wurde. Izt entdekte der Vortrefliche— baß die Schwester, die an einen jungen liebenswürdigen Mann verheu- rachet ist, mit dem sie glücklich lebt, der abex ihrem 59 Wem Vater zri mißfallen das Unglück hatte, diejenige sey, die das unglückliche Leos getroffen hätte. Bedarf diese edle, schöne Handlung einer Empfehlung, bedarf siejeines Lobredners, Nachahmer zu erwecken? 34» Gustavs des zten Königs von Schweden edle Herablassung gegen einen Schiffmann, und dessen Sohn. Äls König Gustav auf seiner Reise in das Innere von Schweden 1772 die Gegend um den Swinesund in Augenschein nahm, und der dasige Schiffmann Lars auf das schwedische Ufer viele Norweger, die den König zu sehen wünschten, hierüber geschifft hatte, trat Lars vor Ihn hin, und sprach: Euer Majestät sind zu nahe bei meinem Hause vorbei gegangen, als daß Sie es übel nehmen sollten, wenn ich Sie willkommen heiße; ich habe meine Frau, zween meiner Söhne, und eine Schwägerin bei mir, die mit mir das Glück 6a Glück und die Freude Sie zusehen, theilen wollen; ich unrerstche mich zu hoffen, daß Euer Majestät es erlauben werden.„Der König antwortete dem Schiffmann mit seiner angebohrnen Leutseligkeit. Während Lars seine Familie holen laßt, fährt er fort den König zu unterhalten. Es ist schon lange her, daß ihre Familie auf dem Thron sitzt, und seit undenklichen Jahren, ist die meinige im Besitz dieser Fahrt. Der König fragte: ob er das Amt einem Sohne zu hinterlassen gedenke? Allerdings erwiederte Lars, mein Weitester hat, seitdem er Kräfte dazu bekommen, immer das Ruder geführt, um seinem Vater zu helfen. Ich habe meinem Vater diesen Dienst erwiesen, nun ist die Reihe an meinem Sohn ihn mir zu leisten. Der Monarch ließ den kleinen Knaben, der eben mit Lars übriger Familie gekommen war, sich nähern, und liebkoste ihn. Hier wurde das Vaterher; doppelt rege, und der gefühlvolle Schiffmann konnte sich nicht enthalten zu sagen," daß er vergnügt sterben würde, wenn er dem König die Ehre und das Vergnügen, das er ihm anthat, vergelten könnte, warum haben Euer Majestät nicht auch einen Sohn, den ich auch liebkosen könnte,,? Lars kommt ringe-? ungefähr»ach Stokholm, während die Königin im Kindbette liegt; der König erblikt ihn in der Gegend des Schlosses, und mit ihm regt sich das Andenken der gehabten Unterredung. Der Monarch last ihn holen, und führt ihn selbst zum königlichen Prinzen. Sieh da! meinen Sohn, sprach der edle Fürst, du wünschtest ihm die Schmeicheleien wiedergeben zu können, die ich deinem Sohn machte, küsse ihn. Der Schiffmann, gerührt über die bewundernswürdige edle Herablassung des Königs, küste das königliche Kind, warf sich auf seine Knie, und betete zu Gott nm Segen über den Großen Vater des Kindes. Eine Szene, werth, von dem grösten Künstler der entferntesten Nachwelt aufbewahrt zu werden. 35- Anekdote aus dem Leben Pozzobonelli's Erzbischofs zu Mayland. Eine Frauensperson von bürgerlichem Stande, drang sich zu Mayland bis in die Zimmer des dasigen Erzbischc-fs, Kardinals Poz- zobo- 62 zobonelli, trug ihm in rührendsteU Ausdruke« ihre unglücklichen Umstände vor, und' überreichte eine Bittschrift des nähmlichen In- j Halts. Der großmüthige Bischof hörte Sie gnädig an, nahm ihre Bittschrift, und schrieb darunter, daß ihr aus seiner Kasse zoo Liren ausgezahlt werden sollten. Wer war vergnügter als die Bittende. Sie dankte ihrem grossen Wohlthäter in den feurigsten Ausdrücken. Nun waren all ihre Wünsche erfüllt. Sie eilte freudig zu dem Erzbifthöslichen Kassir, um sich die ihr zuerkannte Summe auszahlen zu lassen. Als aber dieser die Unterschrift seines Herrn auf der Bittschrift recht ansah, fand er, daß statt zoo Liren l Z02O unterzeichnet waren. Die Unglückliche mußte sich mit der Auszahlung gedulden, bis! der Kassir darüber selbst mit dem Erzbischofe! gesprochen hatte. Der edle Prälat sah zwar aus der Unterschrift, daß er sich selbst um eine Nulle verschrieben hatte, allein weil er glaubte, daß dieß ein geheimer Wink der Vorsicht seyn könnte, die Arme noch reichlicher zu unterstützen, gab er augenbliklich Befehl, ihr Zoos Liren sogleich auszuzahlen. Zch wünsche nicht Reichthum, nicht Orden und Ehrsnsteüen—- aber die unsägliche Wonne, welche welche edle Thaten bis zum Grabe gewäb- reu, diese wünsche ich einen Augenb'uk nur ganz zu empfinden. Z6. Edle Rettung der auf den schwimmenden Batterien zu Grunde gegangenen Spanier und Franzosen von General Elliot. Edel und groß ist die Handlung, welche der vortrefliche brittische Held Elliot nach der Zerstörung der schwimmenden Batterien') an seinen Feinden ausübte. Durch einen ungeheuern Hagel von Bomben, Kartetschen, Feuertöpsen und glühenden Kugeln wurden diese so hoch gepriesenen Maschinen in kurzer Zeit zernichtet. Von einigen tausend Kriegern, die sich darauf befanden, wurden viele getödtet, viele durch den entzundenen Vorrarh des Pulvers samt den Batterien in die Luft gesprengt, und viele, die sich allenthalben von Tod und Verderben umrungen sahen, stürzten sich ver- zwei- Sie wurden bei der Uzten Belagerung vor Gibraltar gebraucht. 64 zweiflungsvöll in die See. Kaum hatte der Held davon Nachricht erhalten, als er ohne! Verzug Befehl ertheilte, kleine Fahrzeuge zu bemannen, und die Unglücklichen, die im Wasser hülflos herumschwammen, zu retten. Durch seine großmüthige Sorgfalt wurden Ger 500 dem Tode glücklich entrissen. Ist diese That, die bei einem solchen Umstände, bei so grosser Beschäftigung, der ganzen Seele eines Kriegers, welcher in diesem Augenblicke so viel dringende Gegenstände seiner Pflicht zu beobachten hatte, nicht! über alles Lob erhaben? Du bist werth des Ruhmes, Mit dem dich deine Feinde krönen, werth der Achtung- die drey Königreiche dir zollen. 37- Edles Schreiben des Herrn Christian^ Grafen zu Stollberg an den Herrn Amtmann zu Eichstadt im Holsteinischen. ^lö vor einiger Zeit Graf von Stollberg, ein dritter Bruder der beiden berühmten Diäter dieses Namens, in einem Iweykamyfe, 6Z von einem Studirenden zu Kiel getödtet wurde, schrieb der ältere Bruder des Entleibten m, den Vater des unglücklichen Mörders, folgenden vorrreflichen Brief». „Ich biethe Ihnen mit herzlichem Mitleide meine Hand, bejamernswürdiger Mann! „und gebe Ihnen zum Troste die aufrichtige „Versicherung, daß gegen ihren armen, unglücklichen Sohn, unter dessen Hand mein „geliebter, hoffnungsvoller Bruder gefallen ist, „keine Empfindung des Grolls, oder derRache „in meine Seele gekommen sey. Seyn Sie „vielmehr sowohl von mir, als meinen Geschwistern überzeugt, daß wir uns die sorgsamste Mühe gegeben haben, und noch ge- „ben werden, um sein Schicksal auf die möglichste Weise zu mildern» Und wenn auch „das Urtheil, so viel ich auch von der Milde „der Richter hoffen kaun, dennoch nicht nach „unserm Wunsche ausfiele; so werden wir „uns auch in diesem Falle eifrig bestreben, „von dem König eine Milderung zu erflehe», „die man uns gewiß nicht verweigern wird, „Ihnen diese Worte des Trostes zu sagen, „Unglücklicher Vater! fand ich mich in weigern Herzen verbunden, und ich bitte Sie E„in- 66 „inständigst das gröste Vertrauen in meine „Versicherungen zu setzen. Aber/ ach! wie „schwach wäre dieser Trost, wenn ich ihn nicht „mit einem viel höheren, der voll Erquickung „für Sie seyn muß, begleiten könnte. Beurtheilen Sie ihren Sohn nicht mit der Strenge, ,zu der Sie der Erfolg einer Handlung verleiten könnte, deren Absicht gewiß von dem un- „glüklicheu Ausfall weit entfernt war. Lassen „Sie mir den Trost ihnen zu sagen, daß ich' „einen Brief von ihm gelesen habe, der auS „keinem andern als edlen Herzen stießen konnte, und der mir die bittersten Thränen des „Mitleids erpreßt hat. Die Wege det gdttli- „chen Vorsehung sind undurchschaubar, und „führen, so lübirintisch Sie sich auch winden, „gewiß dennoch alle zum Ziel, wie es unser „ewiges Heil erfoderk. Einst wird uns die „Hülle von den Augen genommen werden, und „alsdenn werden wir vielleicht Gott preisen, „daß er ihren Sohn und meinen Bruder die- „se Wege habe wandeln lassen. Beide Jünglinge, in der schönsten Blüthe ihres Lebens - beide allen Gefahren der Versuchungen „ausgefegt, von den vielleicht den einen nur> „ein früher Tod- und den andern ein solches „gewalt- Ü7 „gewaltsames Einkehren in sich selbst, bes „freyen konnte. An die Möglichkeit des „Todes haben sie beide nicht gedacht, es war „kein Keim der Feindseligkeit in ihr Herz gekommen, und das lezte Wort meines sterbenden Bruders war Verzeihung, und Fürsorge für ihren Sohn» Auch diese Berge-- „bring unsers Bruders soll uns antreiben, unS „mit dem grösten Eifer für das Wohl ihres „Sohns zu bekümmern, dessen Schicksal bereits izt schon gelinder ist, als es in ähnlichen Fallen zu seyn pflegt. Gott tröste Sie „mit seinem besten Seegen, und gebe ihnen „die Gnade- daß ihr Sohn, der Sie so tief „niedergeschlagen hat, Sie durch seine aufrichtige Besserung wieder trösten, und die- „ses schreckliche Andenken aus ihrer Seele „vertilgen möge» Christian Graf zu Stvllberg» E s 38. 65 Z8. Großmuth eines brittischen Schauspier lers. Ein Mann, der allgemein geliebt, und geschah war, borgte von David Garrik dem grbsten Schauspieler, den England je hervorgebracht, 500 Pfund Sterling, und gab ihm darüber eine Handschrift. Durch Unglücksfälle kam dieser Mann sehr herunter; Seine Freunde und Verwandten, die ihn liebten, entschlossen sich ihm aus der Verlegenheit zu helfen, und seine Gläubiger zu befriedigen. Es ward ei» Tag bestimmt, an dem sie zu diesem Ende zusammenkommen, und dabei recht vergnügt seyn wollten. Der edelmüthige Garrik ersuhrs, aber anstatt die Nachricht dahin zu bringen, daß er seine Federung gellend gemacht hätte, siegelt er die Handschrift in einen Brief, worin er an seinen Schuldner schrieb:„Mein Freund! „Ich habe gehört, daß Sie und ihre Freunde „zusammen kommen, und sich einen guten „Tag machen wollen; ich würde mir es nie „verzeihen, wenn ich zur Verherrlichung desselben 6y „selben nicht auch etwas beitrüge, deshalb „bitte ich Sie, die Znnlageden Flammen auf- „zuopfern." Das untrügliche Gepräge einer edlen gefühlvollen Seele, wer verkennt es in diesem grosse n Manne? 39- Ei. e Mehlharwlerin in Irland-limnlr drey Kinder einer armen Frau für eigen an. 3^un eine Anekdote, die ich dem Leser zu beurtheilen überlasse, er mag entscheiden, ob sie im Reiche der Edlen einen Plaz verdiene. Eine arme Frau von Dungangon in Irland, welche drey Kinder hatte, die nach Brod riefen, kam weinend zu einer Mehlhand- kerin, brachte ihre alten abgetragenen Klei-' dungsstücke, als das Einzige, was sie noch übrig hatte, und begehrte etwas Habermehl für diesen Versalz. Die Mehlhändlerin fand die Sachen keine zwey Stüber werth, und versagte der trostlosen Mutter die verlangte Hülse. Doch izt ward das Gefühl der Menschen- liebe in ihrem Herzen rege, nnd der klägliche Zustand der Unglücklichen jammerte sie, allein die Verlassene war nun fort. Abends als ihr Manu nach Hause kam, erzählte Sie ihm die traurige Geschichte und gab zn verstehen, wie sehr sie es bereue, die arme hülfloss Mutter, die mit so vieler Innigkeit um Hülfe flehte, leer von sich gelassen zu haben. Der edle Gatte, dem bei dieser Erzählung Thr-nen des Mitleids entstürzten, raste sich augenblik- lich auf, und eilte mit Brod und andern Nahrungsmitteln versehen, nach dem Hause der Armen. Aber welch ein tragischer Auftritt! Er fand die bedauernswürdige Mutter auf einer Bank todt hingestreckt: Hunger, Mitleid und äußerste Verzweiflung hatten ihr das Leben genommen. Drey kleine nakte Kinder weinten, und schryen nm sie her, eines hieng an ihrer Brust, und.suchte vergebens Nahrung in der ausgetrokneten Quelle, Der wohlthätige Mann stand versteinert da, als er sich endlich von dem traurigen Vorfall erholt hatte er theilte das Brod unter die Kinder, nahm den Säugling auf seine Arme, und kehrte mit den Z Waisen in sein Haus zurück. Seine Frau war untröstlich über die Nachricht, die sie 7- sie izt vernahm, entschloß sich aus eigenem Triebe ihres gerührten Herzens, die 4 elternlose Kinder für ihre eigene anzunehmen, an ihnen Mutterstelle zu vertretten, und für ihre Wohlfahrt nach ihren Kräften Zeitlebens zu sorgen, Edler konntest du dich mit der beleidigten Menschheit nicht aussöhnen. 40. Herr Doktor St-- zu Frankfurch am Mayn schenkt aufeine sonderbar edle Art einem Prediger eine Schuld von 1200 Thaler. » Ein rechtschaffener Prediger zu Frankfurt am Mayn hatte für seinen verstorbenen Vater so viel Liebe, daß er, um die Ehre desselben nach dem Tode zu retten, seine hinterlassene ziemlich grosse Schuldenlast, statt eines Erbtheils übernahm. Weil aber der edle Mann dieselbe aus seinem eigenen Vermögen nicht sogleich zu tilgen im Stande war, so sah er sich geno- tiger. ?2 tiget, auf seinen Namen Gelder dazu aufzus nehmen. Unter andern nntcrstüzke ihn ein noch lebender Rechtsgelehrter Herr Doktor St— mit einer Summe von iooo Thalern. Nun war freilich die Ehre des Vaters gerettet, allein weil der gutmüthige Sohn wider sein Verschulden kaum vermögend war die Interessen der zur Ehrenrettung des Bacers aufgenommenen Gelder zu entrichten, so kam seine eigene Ehre izt eben so sehr ins Gedränge, als vorhin des Vaters seine gewesen war. Dieß nagt.e dem ehrlichen Manne Tag und Nacht am Herzen, so daß er vor Kummer weder ruhen noch rasten konnte. Bon ungefähr wurde er von Doktor St— dem stärksten seiner Gläubiger zu Gaste gebeten. Diese Einladung war ein Donnerschlag seinem Herzen: denn theils scheute er sich dem Manne vors Gesicht zu tretten, dessen Anblik ihm den Vorwurf machte, daß er noch sein Schuldner sey, theils befürchtete er kränkende Vorwürfe von demselben hören zu müssen. Doch gieng er hin, obgleich mit pochendem Herzen und scheuen Blicken. Er wurde freundlicher empfangen, als er vermuthete. Man trug Wein auf, rauchte eine Pfeife Tobak, wozu der großmüthige Gläubiger seinem Schuldner einen 7Z «en Fidibus:( das ist ein Papier zum Allste» cken) reichte. Allein dem. beängstigten Prediger wollte weder Wein, noch Toback schmecken, obgleich wider all sein Vermuthen nicht ein Wort von dem schuldigen Kapital, noch von den ausstehenden Interessen gesprochen wurde; bis endlich der sorgenvolle Mann seinem beklemm, Herzen Luft zu machen, selbst die Unterredung darauf lenkte, und um Geduld bath. Der edeldenkende Gläubiger schik- te sich an, als wenn er von diesem Schulden- diskurs gar nichts verstünde, der Prediger fand sich genöthiget deutlicher zu reden. Was wollen Sie damit Herr Pfarrer? erwiederte der edle, großmüthige Rechtsfreund, Sie haben sa diesen Augenblik ihren Wechsel am Lichte angezündet, und ihre Pfeife damit angestekt; Sie sind mir nichts mehr schuldig. Mit Erstaunen und Freude kämpfend konnte der tugendhafte Geistliche den heißesten Dank, den aber sein Herz desto inniger empfand, seinem wohlthätigen Retter nur stammelnd an Tag legen, dieser wollte ihn aber zu keinem Wort kommen lassen, weil das Bewußtsein edel gehandelt zu haben ihm des Dankes genug war. Wer 74 Wer bestimmt hier die Grenze, welcher von diesen zween Edlen am edelsten gehandelt habe? 41. Seltner Edelmuts) einer Kaufmanns-- ftau in Ansehung der Untreue ihres Mannes. ^)n einer kleinen Stadt in der Provence wachte ein seit einigen Jahren verheurathetec Kaufmann, der Kinder hatte, einem ledige« Mädchen seines Standes die Aufwartung. Er war jung, munter, wohlgebaut— er war zum Verführen fähig. Schmeicheleyen, Geschenke, und sein gefälliges, einnehmendes Wesen brachten die Schöne dahin, es zu vergessen, daß Sie von ihrem unbesonnenen Betragen Folgen zn befürchte» hatte, welche der Urheber nicht wieder gut zu machen im Stande wäre.— Doch die Liebe macht keine Ver- mrnftschlüße, vorzüglich in einem Lande, wo sie gebetherjsch zu befehlen gewohnt ist. Die Leichigläubige erfuhr bald, daß sie nicht alles vorausgesehen hatte; sie gebahr, und ihr Geheim^ 75 heimmß ward izt das Märchen der ganzen Stadt. Der Vater konnte auch nicht lange verborgen bleiben, man nannte ihn, und seine Frau war nicht die lezte, die von diesem verstohlenem Vaterstande Nachricht bekam. Man errath, leicht was für Vorwürfe der bundbrü- chige von ihr habe erdulden müssen. Eifersüchtig, aber in eben dem Grade gefühlvoll und edel/ ertrug sie großmüthig die Beleidigung ihres Mannes und vergalt seine Untreue mit doppelter Zärtlichkeit und liebe. Indeß mußte für den Unterhalt des Kindes gesorgt werden, und die vortreffliche Gattin war die erste welche darauf denkt.— Das glücklichste Schik- sal für solche unschuldige Geschöpfe, die von ihrer Geburt an zur Schande bestimmt sind. ist, daß man sie einer um Lohn gemietheten Amme überlaßt. Ein gleiches Loos wartete des unschuldigen Kindes, aber die der seltensten Tugend wegen liebenswürdige Frau des Kaufmannes befahl, daß man es ihr bringen sollte. Die großmüthige Gemahlin hatte kürzlich einen Sohn, dem sie selbst die Brust reichte, verloren; sie entschloß sich ihre Milch und mütterliche Sorge dem Kinde einer Person, die ihr fremd, und die Frucht der Un- 76 Untreue ihres Mannes war, zu weihen. Fn kurzer Zeit verschwendete sie eben solche Beweise der Zärtlichkeit au dem Kinde, als sie ihren eigenen zu geben gewohnt war; bald unterschied man, wenn sie den Säugling an ihre Brust legte, den angenommenen Sohn »richt mehr von denen, welchen sie selbst das Leben gegeben hatte. Nur empfinden laßt es sich—das Große, Edelmüthige und Erhabene dieser Handlung, sie in ihrer vollkommenen Würde Zu schildern, dazu ist mein Geist an Gedanken, meine Junge au Ausdrücken zu arm. 42. Ein Vertrag wird auf eine sonderbare Art gebrochen. §8er freutesich nicht des Glücke» ein Mensch zu seyn, sofern er Menschen so großmüthig handeln sieht, wie uns nachstehende Anekdote ein Muster aufstellt? Ein 7? Ein vermoglicher Mann zu Portau Printe hatte acht Tage vor einer kürzlich daselbst entstandenen Feuersbrunst einem seiner Freunde ein Magazin für 180222 Livres verkauft, wovon 60002 gleich erlegt wurden, die andern 122022 aber nach Verlauf dreyer Jahre bezahlt werden sollten. Beide, Käufer und Verkäufer^vraren Zuschauer deö schreklichen allev vvrwüstenden Feuers. Der unglückliche Käufer beklagte sich auf das rührenste, daß dieser Zufall ihn ganz zu Grunde richte, falls die Flamme auch das Magazin verschlingen sollte. Freund stellen Sie sich zufrieden, erwiederte der Edle in den tröstendsten Ausdrücken, murreu Sie nicht über ihr Schiksal, Sie haben Familie, aus Liebe, die ich ohne Unterschied für alle Menschen, uud aus Freundschaft, die ich vorzüglich gegen Sie hege, habe ich bei dem Verkaufe die Bedingnisse ihrem Willen ganz überlassen,— und noch sind Sie Herr darüber: Bleibt daS Magazin unversehrt, sprach der großmüthige Menschenfreund, indeß er den beängstigten Käufer sanft auf die Achsel klopfte, so gilt der Kauf, den Sie für sich vortheilhaft achteten; sollte es aber ein Raub des Feuers werden, so bin ich bereit den 43< den Schaden allein zu tragen. Bei unsereni Vertrage ahndeten wir beide dieses Unglück nicht, und ich würde untröstlich seyn, wenn ich an dem Untergänge eines meiner theuerste» Freunde, eines zärtlichen Gatten und eines sorgenvollen Familienvaters Tbeil haben sollte. Das Unglük traf das Magazin, das Feuer verzehrte es bis auf den geringsten Ueber- resi ganz, der großmüthige, wohlthätige Menschenfreund aber sandte die erhaltene Summe von 60000 Livres dem Eigenthümer zurück, und der Kauf ward auf die edelste Art gebrochen. Das höchste Ideal menschlicher Tugend — den empfindlichsten Streich des Unglückes von sich entfernen können, aus edler Menschenliebe aber ihn mit Heldenmuthe selbst tragen—kann ein Sterblicher edelmüthiger handeln? 79 43. Uttckdcke von der Menschenliebe Gus stavs des Hiten. Äls dieser erhabene Monarch bei dem Antritt der Reise nach Italien zn Warnemünde im Meklenburgischen anlangte, und dieselbe wegen Mangel der Pferde nicht weiter sortsezen konnte; so kehrte er nnter dem Namen eines schwedischen Barons in dem nächsten Dorfe Bistov bei dem Prediger des Ortes ein, mit dem er sich unerkannt bis spat in die Nacht unterhielt. Unter andern erzählte der Pfarrer von dem allgemeinen Besorgniß über den durch eine Sage verkündigten Landertausch, welcher wegen Pommern und Wismar im Werke sey. Der hohe Reisende erwiederte:„Ich kenne den König von Schweden zu gut, als daß er in einen solchen Tausch sich einlassen, und auf diese Art von, deutschen Boden entfernen sollte, er nähme wohl eher etwas dazu, als daß er daß Geringste davon abgeben sollte. Als er hierauf einen Sohn des Predigers bei dem Namen Gustav nennen hörte, sagte er, daß er auch eine» Sohn dieses Namens 82 44« mens habe, rief den kleinen zu sich, unterhielt sich mir ihm, und gab ihm sein Wort ihn bei dem Könige von Schweden zu ein-? pfehletr, wenn er, so bald er größer wäre, nach Schweden käme. Wirklich ließ der wohlthätige Monarch dem Prediger eine Addresse zurück, wo er sich zu melden hatte, im Fall sein Sohn einst nach Schweden kommen sollte« Julezi fiel es dem Pfarrer ein, sich um das! Wohlbefinden des Königs nach dem erlittenen Armbruche zu erkundigen.„Recht gut, Herr Pastor, war die Antwort: des Königs Arm ist schon wieder so gut, als der meinige. Bei der Abreise wurde die Frau Pastorin mit einem brilliantenen Ringe beschenkt, den sie wenig achtete, weil Sie vermuthlich den Werth desselben nicht kannte, bis in der Folge Nachfrage um den Monarchen geschah, und sie erfuhr, welchen hohen Gast sie bewirthet hatte. 8l 44. Freyherr von Hänel zahlt aus edlem Triebe seines Herrens die Schulden seiner Unterthanen. «Eeni Mensch— auch der Gefühlloseste wird diese Anekdote ohne Rührung lesen-, die Reize der Tugend sind zu mächtig, als daß das Laster selbst ihren Beifall und Verehrung versagen könnte. Freyherr von Hänel trat den Besitz eines ererbten Landgutes an. Das erste Geschäft, so dieser würdige Menschenfreund Unternahm, war, daß er sich um die Wohl- farth seiner neuen Unterthanen erkundigte. Sein edles Herz wurde tief verwundet, als er erfuhr, daß beinahe sämtliche Bauern des Dorfes an Juden schuldig waren, und sich auser Stande befanden, weder Kapital noch die wucherlich berechneten Interessen zu bezahlen; doch dankte der Edle der Vorsicht, daß sich ihm eine so schikliche Gelegenheit darböthe, seinen Unterthanen Beweise seiner Liebe gegen sie an Tag zu legen. F Durch 82 45. .Durch den Gcrichtschreiber des Ortes ließ er genaue Verzeichnisse der schuldigen Summen aufnehmen; legte sie in sei» Kabinen und zu jedem den Betrag an baarem Gelde» Die Schuldner wurden sodann vor ihn gefedert.„Ich habe, sprach der biedre Menschenfreund, mit Wehmuth erfahren, daß Noth und Unglüksfalle euch zwangen, Gelder aufzunehmen, davon ihr die Interessen zu bezahlen auser Stande seyd. Schulden sind ein bösartiges Fieber, dessen man sich nie ganz erwehren kann, nun aber ist der wärmste meiner Wünsche dieser, reden meiner Unterthanen glücklich zu sehen— ich beschloß alle eure Schulden zu bezahlen, daß keine Sorge euch unterbreche, euer Wohl zu befördern. Hier liest der edle Wohlthäter Jedem das Geld für die ihm angegebene Schuld, ohne je etwas davon zurükzufodern, überreichen. Die ihrem Kummer aus eine so un- vermuthete Art entrissene Bauern konnten ihren Dank nur stammeln, und Thränen der Freude rollten über ihre Wangen. Heiter-»-> wie Tage des Frühlings, die kein Wölkchen trübet, müsse das Leben dieses Edlen seyn! 4Z» Besondere Großmuch des Herrn Fürst Bischofs zu Lürtich, Grafen von Honsbrök. ^!uter dem Haufen von Arbeitsleuten, die um die Lieferung von:Hofe anhielten, befand sich der Tischler, der dem neu erwählten Fürsien als Domherrn von langer Zeit her gearbeitet hatte. Er wurde vorgelassen, und machte Seiner Fürstlichen Gnaden mündlich eine unterthanige Vorstellung. „Nein, alter Mann! erwiederte der Prinz mit angenommener Ka lre: Ihr seyd , auser Stande, mir zu dienen, ihr seyd alt, und schwach, ich muß rüstige Arbeiter haben." Der alte Mann stand wie versteinert.„Nun, sprach er. Hätte ich niemals geglaubt, daß sich der Herr Graf von Hons- brdk so ändern würde!— Die Thränen traten ihm izt in die Augen, und er gieng der Thüre zu. Der Vortrefliche Fürst befahl ^ seinem alten Tischler im Vorzimmer eine ! Erfrischung zu reichen. Hier überließ sich F r der 84 46. der gute Mann ganz seinem Grame, da er Niemand als die Bediemen zu Zeugen hatte.„Ich bin alt, sprach er; aber ich hätte mir auch junge Leute halten, und ihnen recht nach den Fingern sehen können.„ Der Fürst, dem eines seiner Worte entgangen war, ließ ihn zurükkommen.„Das geht nicht an, guter Alter! Ihr seyd ganz außer Stande mir zu dienen.„Aber ich habe Euer Fürstlichen Gnaden so lang gut gedient, ich dachte——— Das ist es eben, fiel ihm der liebreiche Fürst in die Rede, ihr habt mir so lange redlich gedient, nun will ich euch dienen. Ihr müßt in euren alten Tagen Ruhe haben, und ich setze euch eine lebenslängliche Pension fest, die euch von der Nothwendigkeit der schweren Arbeit befteyt; sollte sie nicht hinreichen, so erinnert euch, daß sich Honsbrok auch als Fürst nicht geändert hat, und sucht ihn. Aller Anwesenden Augen füllten sich mit Thränen, und ihre Herzen huldigten der Tugend ihres edelmüthige» Fürsten. 85 46. Ein Mezgermeister in Berlin rettet durch seine Großmuth eine unglückliche Familie. dar einigen Jahren starb in Berlin ein rechtschaffener Kaufmann, und hinterließ seiner Witwe mit vier Kindern beinahe nichts, als den Ruf eines unbescholtenen Mannes, Aur Befriedigung seiner Gläubiger wurde sein Haus öffentlich zum Verkauf ausgebothen. Ein Mezgermeister") ein redlicher Freund des Verstorbenen, dem das Schiksal der trostlosen Witwe, und der vaterlosen Waisen vorzüglich zu Herzen gieng, sann auf ein Mittel, durch das er hindern konnte, daß die Unglücklichen nicht auS ihrem Hause getrieben würden. Seine Gattin, ein gefühlvolles Weib, ganz des edlen Mannes werth, rieth ihm, das Hans selbst zu kaufen, weil er dadurch in den Stand gesezt würde, den Verlassenen ungehindert seine Hand zu bie- F Z then. *) Georg Ernst Teichman» ist der Name des Edlen. 86 then. Der Vorschlag ward gebilliget, und Teichmann brachte es gerichtlich für 4225! Reichsthaler an sich. Izt eilte der großmüthige Freund zu der hülflosen Witwe, tröstete Sie, und goß durch seinen thätigen Beistand Balsam in das verwandte Herz. „Der geringe Preis, sprach der wohlthätige Retter, für den ich ihr Haus erstanden, soll Ihnen zum Nutzen gereichen. Bedienen Sie sich desselben, als ob es noch ihr Eigenthum wäre; nur statt der Miethe sorgen Sie die Zinsen von meinem Kapital abzutragen, die ich zusammen legen, und dann zur Bezahlung des dem Verstorbenen vorge- sirekren Geldes verwenden will Sehen Sie sich indeß um einen Käufer um, der für das Haus mehr bezahlt, als ich gegeben habe, der Ueberschuß soll ihr Eigenthum seyn. In kurzer Zeit führte das Glük einen Kaufmann her, der 6zc>o Thaler dafür gab. Der edle Mezgermeister nahm davon seine 422z Thaler, und der Ueberrest wurde der Witwe als ihr Eigenthum übergeben. Das D Teichmatttt hatte von dem Kaufmann 420 ReichSthglcr zu federn. 87 Das herrlichste Denkmal der Tugend, das nach Jahrtausenden troz Tod uno Verwesung in seinem ursprünglichen Glänze „och stehen wird. 47- Großmuth einer Negerin, einzig in ihrer Art. ZAei dem schreklichen Erdbeben, welches 1770 die Insel St. Dominikque verwüstete, befand sich eine Wohnn ganz allein in einem Hause mit dem Kinde ihres Herrn. Das Gebäude fieng an durch die Gewalt der heftigsten Erdstöße einzustürzen. Jedermann suchte in der Flucht seine Rettung; nur die unglük- liche durfte es nicht wagen, dieses Mitte! zu ergreifen, ohne ihren geliebten Säugling der augenscheinlichsten L»bensgefahr auszusetzen. Zu was entschloß sichre Edle? Zu einer That, zu der sich manche zärtliche Mutter kaum entschlieffen würde, aus Liebe und Großmuth gab sie sich selbst zum Opfer des Todes 88 Todes hin; machte mit ihrem Körper eins Bedeckung über das Kind, und ließ die einfallenden Bretter auf sich stürzen, ohne sich zu bewegen. Nach der Gefahr eilte man zu Hülfe, das Kind war gerettet, die heroische Negerin aber endigte, als ein Opfer der schönsten Tugend, einige Tage darauf ihr Leben. Du verdienst, edles Weib! einen Plaz unter den ersten der Edlen.— Gefühlvolle Seelen bewundern deine Tugend,— beweinen deinen Tot?. 48. Drey Tagwerker retten eine schwangre Frau vom Tode. Ein seltenes Beispiel ihrer Uneigennüzigkeit. ^)-.i Frankreich verursachte das eingefallene Lhauwetter 1784 in den Gegenden von Va- lenziennes eine grosse Ueberschwemmung, Die Ströme traten allenthalben aus ihren Ufern, und die unbedeutendsten Gewässer schw ol- 89 schwollen hoch an. Die nach der Stadt führende Straffe wurde von einem reißenden Bache durchbrochen, und die Wiesen umher in eine Art von tiefen Sumpf verwandelt. Ein Mann, der nach der Stadt ritt, war so unvorsichtig, mit seinem Pferd über den Bach zu setzen; allein Mann und Roß, und eine schwangere Frau, die sich eben mit auf dem Pferde befand, wurden von der Gewalt des Wassers dahin gerissen. Gegenwart des Geistes, Stärke, und Behendigkeit halfen dem Mann sich glürlich an die Strasse heran zu arbeiten; allein die unglükliche Frau ward gerade an einen Ort hingerissen, wo das Wasser einen tiefen Schlnnd gemacht hatte, sank in denselben, und kam wechselweis in die Höhe. Ihr Tod schien unvermeidlich zu seyn, als drey Tagwerker von edler Menschenliebe anfgemundert, sich in den Schlund stürzten, und troz der Heftigkeit des Stromes, und der ungeheuern Eisschollen" bis zu ihr drangen, sie ergriffen, und glüklich herausbrachten. Nach dieser edelmüthigen That gaben sie noch Proben einer gleich schönen Uneigennüzigkeit: jeder dieser Men>chen- ' freunde weigerte sich für Mühe und Gefahr Pas geringste anzunehmen. So arm sie auch yo waren, muste man sie doch erst lang aufsuchen, um ihnen von dem König eine ansehnliche Belohnung aufzudringen. Nichts hält den Edeldenkenden ab auch ohne Belohnung groß, nüzlich und bieder zu seyn, wenn ihm die Vorsehung Mittel darbeut. 49. Merkwürdiges Beispiel von Freunde schast zwischen zween Negern. einem öffentlichen Verkauf von Negersklaven zu Santakruz befanden sich unter vielen andern, zween, etwa zo Jahr alt, die «ach ihrem Betragen über die andern erhaben zu seyn schienen. Sorgfältig verheelten sie ihre Würde; betrugen sich ziemlich stolz gegen alle übrige, verriethen aber in jedem Blck, in jeder Handlung die zärtlichste Liebe und Freundschaft gegen einander. Als der Kapitän des Schiffes, der sie überbracht hacke. «e, zu dem nothwendigen Geschäfte schritt, seine zu verkaufenden Güter in gewisse Loose einzutheilen, fielen beide mit einem Ernste, welcher mehr als ein gemeines Gefühl verrieth, ihm zu Füssen, umfaßten seine Knie, und baten um die einzige Gnade, daß sie doch nicht von einander getrennt werden möchten. Allein diese Bitte ward Ihnen abgeschlagen, entweder aus Gefühllosigkeit, oder weil man befürchtete, sie möchten sich zu aufrührerischen Absichten mit einander vereinigen. So ernfllrch sie indeß in ihrer Bitte zu seyn schienen; so ertrugen sie doch die Verweigerung mit Gelassenheit, und als jeder seinem Herrn überliefert werden sollte, baten sie blos um Erlaubniß, einige Worte insgeheim mit einander zu reden. Dieß ward Ihnen zugestMden, und nach einer kurzen Unterredung, Umarmten sie sich, und schieden von eirunder. Sieben Tage nach diesem Vorgangs wurden beide zu einer Zeit, wie sich nachmals ergab, vermißt, und koam ten, so sorgfältig man auch suchte, nicht ausfindig gemacht werden. Endlich fand ein Pflanzer, welcher durch ein Gebüsch ritt, das zwischen seinen Plantagen lag, zu seinem großen Erstaunen zween Leichname an einem einem Baume hangen, welche die Arme fest um einander geschlungen hatten, und sich auf diese Art lieber in den Armen des Todes vereinigen, als ohne einander leben wollten.—- Nach angestellter Untersuchung fand man, daß es die beiden getreuen in Verzweifelung gerathene Freunde waren. Dämon und Pythias, Orest und Pila- des! Leicht sey die Erde der Asche dieser Edlen. 50. E n armer Greis von ioo Jahren speist an der Tafel des Herrn Fürst Bischofs von Würzburg. Em armer, hundertjähriger Greis, der noch so viel Leibessiarke besaß, daß er eine 22 ständige Reise zu Fuß machen konnte, kam nach Würzburg, um dem Fürstbischof eine Bittschrift, die sich auf eine erledigte Schulmeister Stelle für seinen Sohn bezog, einzureichen. 93 reichen. Der menschenfreundliche Fürst, der wie TituS jeden Tag verloren hält, an dem er zur Ehre der Menschheit nicht eine edle That ausübt, empfieng den ehrwürdigen, sorgenvollen Vater wie einen seiner Freunde mit Sanstmuth und Liebe. Noch hatte der Greis sein Her; nicht ganz eröfnet; als der edeldenkende Fürst seinem Wunsche schon zuvorkam, und ihn der Gewährung seines Gesuches aufs liebreichste versicherte. Im Taumel der Freude warf sich der Bittende zu den Füssen seines Eebiethers, segnete ihn, und Thränen rollten über seine Wangen, welche die Empfindungen seines gerührten Herzens deuteten. Der wohlthätige Fürst hob den ver- ehrungSwürdigen Alten selbst von der Erde auf; ließ ihm an seiner Tafel Speise und Trank reichen; sicherte ihm eine Lebenslängliche Pension zu, und ertheilte Befehl einen Hofwagen anzuspannen, in welchem der Greis überhäuft mit Geschenken in seine Hütte zu- rükgebracht wurde. Wie schön— ein Fürst — ein Gesalbter des Herrn— und dabei auch so ganz ein Mensch zu seyn! Ll. 94 St. Ein Bauer aus Westphalen erhall einem Juden auf eine edle Art das Leben. Erkentlichkeit des Juden gegen den Bauer. E n Schiff voll Reisender, die aus Westphalen nach Holland gierigen, daselbst Arbeit zu suchen, und dann mit ihrem verdienten Gelde zurükkehrten, strandete, und alle waren in Gefahr zu ertrinken. Etwa vier Personen klimmten den Mast hinan, und hielten sich fest. Einer dieser unglüklichen, ein armer Bauer, wurde von einem Juden ersucht, sich an seine Füsse hangen zu dürfen, weil er sonst nirgend mehr Rettung fände. Der gutmüthige Landmann gestattete es, und her Jude ward mit den übrigen durch ein dazu kommendes Schiff gerettet. Der edle Jsraelite bath sich den Namen seines Lebenserhalters, und des Dorfes, wo er wohnte, aus; dankte ihm in den verbindlichsten Ausdrücken, und versprach, so bald er könnte, thätig z» beweisen, daß er der Wohlthat eingedenk sey. 95 fty.„ Reift hin—in Gottes Namen, sagte der menschenfreundliche Landmanu, ich that nichts anders, als was ein Mensch dem andern zu thun verbunden ist, danke Gott— der uns das Leben erhalten. In einer Zeit von zwey Jahren schrieb der Jude an den Amtmann des Dorfes, wo sich sein Wohlthäter befand, einen Brief, der das edle Herz desselben in seiner ganzen Größe zeigte, und bath ihn, seinem Erretter zo Dukaten und verschiedene Stoffe zu Kleidungen, die sich eben dabei befanden, zu überreichen. Der Bauer wurde vor den Amtmann gefedert, stand aber wie versteinert, rieb sich die Augen und weinte, als er die Nachricht erhielt und die ihm zugeschikren Kleider sah. Nun Gott vergelts dem Juden, sagte er stotternd, ein so erkenntliches Herz hab' ich wahrhaftig in ihm nicht vermuthet. Noch grösser war sein Erstaunen, als ihm der Amtmann den Brief vorlas, und 50 Dukaten auszahlte. Bor innigster Rührung konnte der Edle kein Wort reden; sah den Amtmann beständig an, und schien über die Großmuth des Juden in eine Art von Enk- zükuug gerathen zu seyn. Endlich hub er im beweg- tzü bewegtesten Tone an: Mein Gott! Du weist es, ob ich diese Belohnung für ein BiSgeu Schürtelnö an Füssen verdient habe, segne ihn vielfältig> und entzieh ihm dem Irrenden dein Angesicht nicht! Izt floh der für seine Liebe so reichlich belohnte Bauer um seine Gattin, beide dankten dem Amtmann aufs rührendste, und mehrere Geschenke von dem edlen Juden waren lange Zeit die Folge einer großmüthigen Handlung. „Kein Trunk frischen Wassers dem Lechzenden aus Fülle des Herzens gereicht, solk euch«»vergolten bleiben." Der Menschenfreund findet den Himmel in diesen Worten. 52. Eine Probe der edelsten Denkart des Herrn I.L ssevel ä'Oemeüoa. 3^ur grosse Seelen, die sich über Tand, und irdisches Flitterwerk wegznschwingen im Stande sind, können so edelmüchig handeln, wie 97 wie diese»' gepriesene Menschenfreund. Sein Freund, Graf von Rosmadek machre Ihn zum Univeksalerben einer Dcrlaffenschaft von Zooooo Livres am baaren Gelde, und all seiner Landgüter, die jährlich eine beträchtliche Summe abwarfen. Die bei der Eröffnung des Testaments gegenwärtigen Anverwandten des Verstorbenen, erstaunten nicht wenig, da Sie sich ganz vergessen sahen; stillschweigend wollten sie sich schon entfernen, als Ihnen der Edle eine förmliche Renunziationsakce be- händigte.„Mir, sprach der großmüthige Menschenfreund, hat das Glück soviel beschieden, daß ich der Summen, die mir Ihr Freund ganz unbedingt zusicherte, entbehren kann. Ich würde mir es in meinem Grabe noch nicht vergeben, wenn ich den Fehler, zu dem Ihn sein hohes Alter verleitete, nicht zu tilgen, und die Wunde, die ihnen dadurch ist zugefüget worden, zu heilen suchte. Sehen Sie sich von izt als die rechtmäßigen Erben der ganzen Verlassenschaft an, mit-fertigem Herzen gebe ich alle meine Ansprüche für immer auf! Nur— wenn Sie mir einen Beweist ihrer Freundschaft mehr abschlagen; G so Y8 so bitte ich mir nichts, als einen mir gefälligen Wagen zum Andenken meines Freundes aus. Ob dieser Zug einer so grossen Seele bewundert, ob ihm sein Gesuch gewährt wurde? 53- Beyspiel kindlicher Liebe m China. Ein Gesetz in China vermtheilte die Obrigkeiten, wenn sie Betrügereyen vorgenommen hatten, daß ihnen die Hände abgehauen werden sollten. Ein Mann darin wurde dieser Strafe schuldig gefunden, und eben tollte sie an ihm vollzogen werden, als seine Tochter mit allem Reiz der Jugend und Schon- heil geschmücket, seine Vertheidigung übernahm. Sie hielt eine kurze, aber nachdrückliche Rede.„Nichts ist gerechter, großer! Kaiser, sagte sie, als sie sich dem Monarchen vorstellte, mein Vater hat die Strafe verdient, die ihn izt erwartet, und seine Hände müssen abgehauen werden. Hier sind st-, 99 sie, sezte sie hinzu, indeß sie die ihrigen darboth. Ja, großer Kaiser, fuhr sie fort- diese Hände, welche sie hier sehen, gehören meinem unglücklichen Vater, ,Zum Unterhalt seiner Familie nnnüz, überliefert er sie der Strenge der Gesetze, diejenigen zu erhalten, die uns meinem Großvater, meinen Brudern, und mir die Nothwendigkeiten des Lebens verschaffen. Der Kaiser konnte bei einem so rührenden Auftritt sich kaum der Thränen enthalten; er bewunderte in den schmeichelhaftesten Ausdrücken die Tugend und den Heldenmuth des edlen Mädchens, und der Vater wurde begnadigt. Der Glanz ihrer Jugend und Schönheit ward durch die Lobsxrüche, die der ganze Hof ihrem Herzen machte, noch mehr erhoben. Und die ihr auf dem ganzen Erdcrund keine edle Seele versagen wird. G s 54. 120 54. Großmuth des verstorbenen Erzbischor ses von Paris. §3 ider diesen würdigen Hirten erschien eine Schrift von den beleidigendsten Anzüglichkeiten. Der Verfasser derselben wurde von der Polizei ausgeforscht- und ohne Wissen des Erzbischofes eingesperrt. Im Vorzimmer des Herrn von Beau- rnvnt) fand sich eines Tages ein arme-,- Weib ein, das sich ihm, als er eben aus seinem Kabinet gieng> zu Füssen warf, und ihn um die Befreyung ihres Mannes anflehte. Sobald der erhabene Menschenfreund die UM zache von dessen Verhafmehmung erfuhr, schrieb er an den Minister, und bath ihn um die Loslassnng des Gefangenen. Der Minister versagte ibm fein Gesuch, aber der Edle besieht zu widerholten malen darauf. Der Verfasser wird endlich seines Gefängnisses entlassen; voll Reue einen so würdigen Mann beleidigt zu haben, eilt er in den erzbischbfll- chen Palast, feinen Wohlthäter um Verzeihung *) Se hieß der LMß'Mithige Prälat. rar hung zn bitten, und ihm für seine Befreyung zu danken. Aber mein Freund! sagte der edle B.schof, habe ich Ihnen irgend etwas z» Leide gethan? Habe ,ch Ihnen Ursache gegeben, mein Feind zu werden?— Nein, lttou- 5ei§ueur, antwortete der Schuldige, ich harte nie die Ehre Sie zu kennen, izt ist es das erstemal, daß ich S'e sehe.„ Warum haben Sie ei» so empfindlich beleidigendes Buch gegen mich geschrieben? Ach kckonCeigncmr'. erwiederte der Verfasser in den reuvollcsten Ausdrücken, ich unternahm dieses schändliche Werk um etwas zu gewinnen, sonst hatte ich mit meiner Familie noch gefährlichere Schritte wagen müssen, um nicht Hungers zn sterben." Warum, versezce im liebreichsten Tone der beleidigte, großmüthige Menschenfreund, haben Säe ihre Zuflucht nicht zu mir genommen, ich würde ihnen gewiß ihr Schicksal erträglicher gemacht haben; ich verzeihe Jhnen von Grund meiner Seele, und bin erfreue Ihnen ihre Freiheit verschaff zu haben. Izt ließ er ihm iO Louisd'or überreichen, und nahm sich in Zukunft seiner gleich dem zärtlichsten Vater an. Verzeihen und Wohlthun war die Rache des Edlen. G z 55. 56, ror 55. Noch eine Szene aus seinem Leben. V^mes Tages gieng dieser gefühlvolle Meu- zchensreuud, als er sich auf einem seiner Landgüter befand, allein ohne alle Begleirung auf dem Felde spaziren. Ein Offizier näherte sich ihm, und stellte ihm seine drückende Noch vor. Gerührt von der Schilderung des Elendes sprach der edle Hirt,„ Ich möchte Ihnen wohl sagen mir in mein Schloß zu folgen, weil ich eben lein Geld bei mir habe, Sie mußten aber befürchten die Bemerkung meiner Leute, daß Sie Linderung ihrer Verlegenheit gesucht, und meinen Beistand dazu anf- gefodert haben. Dieses würde ihre Ehre krmrken; allein hier ist meine Sakuhr, nehmen Sie selbe an, und suchen Sie sich damit indeß auf eine Zeit ihre Umstände zu verbessern, komme ich wieder nach Paris; so machen Sie Rechnung auf fernere Hülfe und Unterstützung. So stand sein Herz, wie sein Palast bis auf den legten Athemzug seines Lebens dem Elend offen. roz 56. Der Nachtwächter zuKaferthalbcfteyet etnen JuDeu vom Erfrieren. Dei der'strengen Kälte 1784 verirrte sich. als eben die Nacht anbrach ein halb blinder Ho jähriger Jude in dem Walde nahe bez Käfetthal. und blieb von Kälte erstarrt barfuß in dem tiefen Schnee stecken. Der Nacht? Wächter horte, als er ein Uhr verkündigte, eine heulende Menschenstimme; nach Verlauf zwo- er Stunden vernahm er dicies Geheul wieder. Der edle Mann untersuchte nicht, wer der Elende seyn möge, der so erbärmlich um Hülfe rief; weckte seinen ältesten Sohn auf, und eilte mit demselben von thätiger Liebe beflü- qelt der kläglichen Stimme nach. Ein guter Genius führte sie augenblicklich dem Orte zu, sie fanden den Unglücklichen im Schnee halb erstarrt, und schon ganz sprachlos. Mit Vergnüge» entschlossen sie sich ihn in das Dorj zu tragen; doch der ungeheure Schnee hinderte sie ihren Entschluß zu vollziehen, sie legten den Unglücklichen nieder, und indeß ihn der menschenfreundliche Nachtwächter beständig an ' Hand Hand und Füssen neb, hatte der Sohn einen Schütten ans dem Dorfe geholt, auf welchem sie ,hn glücklich in ihre Hütte brachten. Hier l-eß der großmüthige Erretter die erfrorne Füsse in kalres Wasser setzen';reichte ihm nach und ii'.ch warmen Thee, und brachte den Halb ent,eeüen durch sein rastloses Bemühen aufs neue zum Leben. Eine großmüthige unbekannte Dame schickte dem edlen Manne eine m.,.-d!gt> Belohnung, so wie ihm auch die Regierung für seinen Eifer ein ansehnliches Geschenk am Gelde zuerkannte. Doch was sind nach einer so edelmüth/- gen Tbat Geschenke, was sind Belohnungen gegen den Beifall des Gewissens? 57. Nachahme nsivürdige Kache des Herrn . Professors Gerbt in Prag. ^er ruft diese,n Weisen nicht auch jenseits des Grabes noch Heil und Segen zu? Durch I2Z Durch eine ungewöhnliche Austrocknung des Gehirnes gerieth Herr W— in Prag in eine Raserey und stürzte sich in die Moldau. Dieser Unglückliche war unter den vielen Feinden, die jeder Biedermann, lind so auch Herr Professor Seibt zählte, der unversöhnlichste; sein Herz war voll des Hasses gegen diesen würdigen Lehrer der Tugend, und der wärmste seiner Wünsche war, ihn zu stürzen. Doch dem Elenden gelangen seine Entwürfe nicht; denn die Tugend steht zu festen Fusses, als daß sie erschüttert werden könnte, nur der Tod machte der Verfolgungssucht ein Ende. Kaum hatte der Großmüthige die Nachricht von dem bedauernswürdigen Schicksal seines Verfolgers erfahren; als er sogleich der unglücklichen Wirwe schrieb:„Ich beklage Sie Madame! Schicken Sie mir ihre beide Knaben, von izr bin ich ihr Vater.,, Einen dieser Waisen brachte er in das Seminarium, wo er ihn auf eigene Kosten, und den andern unter dem Beistaude mehrerer Menschenfreunde in dem Waiseuhaufe anständig erziehen laßt. Welch eine grosse That! Nicht blos Tugend lehren, selbe so schön auch selbst ausüben— Sich! das Gepräge edler Herzen! 58. ro6 58. Karl Friedrich Marggraf von Banden entreißt eine von Schulden gedrückte Witwe der Verzweiflung. Eine arme Bürgersfrau in dem Fürstliche» Baadenschen Amtsstecken Schod gerieth durch den Tod ihres Mannes in die äusserste Verlegenheit. Baares Vermögen war gar keines, wohl über bei einigen Grundstücken dringende Schulden verbanden, die nun doppelt schwer wurden; weil der Ämtmann des Ortes einige Rückstände Mit vieler Strenge einfoder- te. Gedrängt von allen Seiten weiß sich die Unglückliche nicht zu helfen, lauft znm Pfarrer und andern Freunden ihres verstorbenen Mannes, und steht um Hülfe. Diese riechen ihr eine Bittschrift an den Durchlauchtigsten Fürsten aufsetzen zu lassen, nach Carlsruhe zu gehen, aber sie auch selbst dem Landesherr» einzuhändigen. Der Rath wird auf der Stelle befolgt, das gute Weib lauft ihre Schuhe und Strümpfe zu sparen, mit blossen Füßen den achtstündigen Weg, bis dicht an d4n den Fürstlichen Schloßgarten, der durch eine Mauer so abgesondert ist von der Landsiraffe, da» man aus dein Garren alles, was auf der Straffe vorgeht, bequem sehen kann. Hier sezte sie sich nieder um ihre Schuhe anzuziehen. Zu gleicher Zeit gieng der Marggraf mit seinem Erbprinzen im Garten fest an der Mauer spaziren, erblickt^das Weib, und fragte:„Was macht ihr hier? Ach! mein Herr, ich bin eine unglückliche Witwe, ich will morgen zu meinem Gnädigsten Fürsten. Es bat mich Jedermann versichert, er helfe den Unglücklichen so gern, ich will ihn auch um seinen Beistand bitten,„ WaS fehlt euch denn, fragte Karl Friedrich, mit seiner menschenfreundlichen, sanften Stimme, die schon st» manchen Unglücklichen sprechen lehrte, wenn er eben verstummen wollte. Ja mein bester Herr, fuhr das Weib fort, dieses kann ich Ihnen nicht sagen, man hat mir ausdrücklich eingebunden„meine Sachen dem Fürsten selbst, sonst Niemand' vorzukragen. Ganz gut, aber ich bin beim Fürsten wohl gelitten, sagt mirs.nnr! Ich will euch morgen Gelegenheit verschaffen, Ihn selbst zu spre- sprechen.--- Ja, wenn Sie das thun Untren, so will ich Ihnen das Räthsel wohl auslosen. Ich erzählte sie ihm ihre ganze tragische Geschichte. Durchdrungen von dem Abriß deS Elendes, den sie ihm machte, fragte der Edle— Habt ihr keine Bittschrift bei euch? Ja freilich— Hier zog sie den Aufsatz aus dem naß gemeinten Busen.„Gebt sie mir, ich will sie dem Arsren einhändigen, damit er euch morgen schon kennt.— Dieß bewahre der Himmel, mein lieber Herr! Man sagt, der Fürst habe Soldaten vor seinem Schloß, welche die armen Unterthanen nicht vor ihn lassen." Dieß soll euch nicht geschehen, ich will's ihm sagen, daß er seinen Soldaten befielt, euch vor ihn zu führen. Gebt mir nur die Bittschrift. Endlich faßte die Unglückliche Zutrauen, tritt näher an die Mauer, und will dem Marggraftn ihre Schrift hinaufreichen, allein es war zu hoch; sie erblickte seinen Stock mit einem Band, und sagte: Biethen Sie mir ihre» Stock, ich will den Aufsatz ins Band stecken. Der wohlthätige Fürst thats, und zog einen grossen Theil des schwere» Kummers, mit der leichten Bittschrift im Stockbande hinauf, bestimmt ihr auf den künftigen I2Y tiqen Morgen die Smnde, und entfernt sich unbekannt. Nun fällt dem armen Weib erst ein, daß sieden Namen des Mannes nicht wisse, dem sie ihre Bittschrift anvertraut hatte. Sie fängt ein lautes Geschrey an, und der Erbprinz laust noch einmal an die Mauer und fragt:„Was ist euch? Ach lieber Herr! ich weiß ja den Namen desjenigen Herrn noch nicht, dem ich meine Bittschrift hinaufgereicht habe. Mein Fürst wird mir morgen nicht glauben. wird mich für eine Betrügerin halten. Nein gute Mutter, erwiederte der Erbprinz, ich will'ö ihm selbst sagen, und dabei seyn, wenn ihr vor ihn kommt. Getröstet gieng die bekümmerte Witwe in das nächste Wirthshaus, übernachtete daselbst, und sah dem Tag mit Heister Sehnsucht entgegen. Die ihr bestimmte Smnde schlug nach langem Harren, sie gieng auf den angewiesenen Plaz vor dem Schlosse, wo sie die Wache so gleich in ein Vorzimmer des Marggrafeus führte. Der Fürst«geheim, dav Weib erkennt ihn, sinkt halb in Ohnmacht, und kann nur noch sagen: Gott, wenn Sie der Fürst sind; so habe ich ja schon gestern 110 59. mit Ihnen gesprochen. Nun doch der Fürstliche Menschenfreund ihr selbst einen Sessel, daß Sie sich von ihrem Schrecken erholen konnte, und sprach im liebreichsten Tone: Ja ihr habt mit eurem Fürsten gesprochen. Ich habe eure Schrift gelesen, finde, daß ihr die Wahrheit gesagt, und freue mich euch zu helfen. Aber hier auf der Stelle kann ich euch keinen Bescheid geben, ich muß mich zuvor beim Amt erkundigen. Gnädigster Fürst! wenn dieß geschieht, versezte sie, dann bin ich verkehren. Der Amtmann ist ein hartherziger, gefühlloser Mensch.„ Sorgt nicht, und seyd gu.tes Muthes, ich rette euch gewiß. Hier nehmt einstweilen etwas auf die Reise: (er gab ihr ein Geldgeschenk) und die arme Bingervfrau gteng nnt thränend segnendem Auge aus dem Zimmer Karl Friedrichs des edlen Menschenfreundes, der sogleich den Borgang untersuchen ließ, wahr befand, und seinem Rentkammerkollegium den Befehl ertheilte, der armen Witwe die ganze Zoderuna zu erlassen. irr 59. Edel erhabene Antwort des Großfürsten von Rußland. sich Paul Petrowitsch, der würdigste Prinz einst det, Thron seiner Grossen Mutter zu besteigen, auf seiner Reise 1782 in Frankreich zu Lyon befand, wollte man ihn, als er die Spitäler besuchte, von einem Ort entfernen, der von Elcndleidenden ganz angefüllt war.„Ich will Sie sehen, die Unglücklichen, sprach er mit rührender Lebhaftigkeit, wir können mit dem Elende der Menschen uns nie zu viel bekannt machen.,, 60. Edle Hochachtung eines Rußischen Frauenzimmers für das Alter. §§egne die Umarmung beneidenswürdiger Barer, unter welcher ein>0 edles Kind aus deinen Lende» hervorgieng l Dein Leben müsse ein Il2 ein immerwährendes Dankopfer seyn für das kosibahrste Geschenk des Himmels für deine tugendhafte edle Tochter. Bei einem berühmten Arzt fand sich ein rußischer Kavalier von hohem Range ein, von seiner Tochter, einem reizenden Frauenzimmer von etwa fünfzehn Jahren begleitet. Das Zimmer war voll von SrandeS und andern berühmten Personen aus verschiedenen Landern, als ein bejahrter Landmann, mit einem überaus langen grauen Bart eintrat, „.vtch metle sprach ein eleganter anwesender junger Herr zu der jungen Dame, daß sie diesen Plann nicht küssen werden. Zwölf LouiSd'orS Johann, sprach die liebenswürdige Grazie, zu ihrem Bedienten, reicht diesem Herrn den Teller, hier sind meine zwölf, legen Sie nun die ihrigen dazu. Zurückweichen galt nun nicht,^4 Lomsd'or lagen auf dem Teller. Izt begab sich die edeldenkende Dame zu dem ehrwürdigen alten Manne. Ehrwürdiger Greis! erlaubt mir euch zu bewillkommen, küßte ihn auf seine beide bärtige Wangen, nahm hierauf den Letter aus des Bedienten Hand, und übergab ihn - --^ uz ihn dem alten Manne mit den Worten: ,,Da, ehrwürdiger Vater, nehmt dieses Geld zu einem Angedenken, daß Rußlands Tochter das Alter zu ehren sich ein Vergnügen machen. Mit Beifall und Ruhme der ganzen Gesellschaft gekrönt entfernte sich nun die edel- müthige Dame. 61. Befreyung eines Geistlichen von dreh Räubern. Ein Geistlicher, der Geschäfte halber inL—s war, fand bei seiner Zurückreise an der Straffe in einem Wald einen bewaffneten Soldaten im Schnee liegen. Der wohlthätige Menschenfreund ließ seinen Schlitten still halten, nahm gewahr, daß er schlafe, weckte ihn auf, both ihm einen Plaz an seiner Seite an, und brachte ihn glücklich nach Hause. Hier empfahl er ihn einem Juden, in dessen Wohnung er ausschlafen, und nüchtern werden könnte. Binnen einer kurzen Zeit erwachte der Soldat? H sein sein Wirth erzählte ihm, wie er an diesen Ort gekommen war, und überließ sich nochmal dem Schlafe, bis er um n Uhr des Nachts ganz bei Verstände von seinem Lager aufstand. Der dem Rande des Grabes entrissene Soldat, äusserte izt den Wunsch seinem wohlthätigen Retter Dank abstatten zu können. Der Jude begleitete ihn. Als sie beide zu dessen Wohnung ankamen, sahen sie den Fensterladen etwas offen, Licht in dem Zimmer, und z Räuber mit dem Geistlichen, den sie an Hand und Füssen gebunden hatten, beschäftiget, ihn zur Anzeige seines Geldes zu zwingen; denn er hatte an eben dem Tage in L—- Schulden eingefodert und andere Gelder er« hoben. Der Krieger dankte in seinem Herzen der Vorsicht, die edle Handlung des Geistlichen sogleich mit einer andern erwiedern zu können, feuerte auf die Räuber, von welchen einer todt zur Erde stürzte, und die zween andern die Flucht«astmen. Der geistliche Menschenfreund wurde sogleich von seinen Fesseln befreyt, und in die Wette priesen sie das Verhangniß des Himmels, welches Sie auf eine so wunderbare Art zu wechselseitigen Rettern bestimmt hatte. Sieh HZ Sieh hier.die schüzende Hand der Vorsicht! Bewundre die Folgen edler Thaten« 62. Edle Verwendung der Madame Nekec für einen Gefangenen in der Pikkardik. groß der Ruhm ist, den sich der würdige Gemahl dieser vortreflichen Dame durch die Verwaltung der Finanzen bei allen Patrioten erworben; so allgemein und billig ist die Verehrung, die das ganze Reich der Edlen ihrem Herzen bezeiget« Leset— nur einest einzigen Zug ihrer unbegrenzten Menschenliebe! Seit 27 Jahren saß in dem Schlosse Kam in der Pikkardie ein Mann in einem Gefangniße, welches kaum acht Schuh im Gevierten hatte. Sein Lager war vermodertes mit Ungeziefer angefülltes Stroh, und der Mangel an Licht und Kleidern bewog ihn mehr als einmal sein Dasein zu verfluchen. Zwey andere Gefangene, und ein Stabsoffi- H 2 zier- zier, welche von dem Schicksal dieses Unglücklichen, den sie als eine Person von gutem Herkommen kannten, unterrichtet waren, schrie- bei, deshalb an die Madame Neker. Diese großmüthige Menschenfreundin, gerührt von dem Elende dieses Gefangenen, verwandte sich so»„ermüdet für ihn, daß gleich mit der ersten Post auch der Befehl ankam, den Unglücklichen in ein lichtes, bequemes ZimmM zu bringen, ihn zu reinigen, und mit neuen Kleidern zu versehen. Dieß war das Werk der edlen Dame; allein noch nicht damit zufrieden, brachte sie es dahin, daß fein Verbrechen, das ihm eine so schwere Strafe zugezogen harte, untersucht wurde. Vermuthlich rvird der Unglückliche dieser Wohlthäterin der Menschen seine vorige Freyheit, oder doch Linderung seiner Strafe verdanken. 6Z. H7 6Z. Ein Beyspiel seltner Großnmth. Ei» Mezger aus Kassel gieng über Land Vieh einzukaufen. Auf der Strasse begegnet ihm ein Mann, der um Almosen bittet. Gerührt von dem sichtbaren Elende des Armen, wendet sich Schnell(so hieß der Großmüthige) seitwärts, um für ihn einige kleine Geldstücke aus seinem Verrathe auszusuchen. Aber plötzlich schlagt ihn der vermeinte Bettler mit einem knottigten Stocke so heftig auf den Kopf, daß er betäubt zu Boden stürzt, und nun macht sich der Bösewicht über ihn, sich seines Geldes zu bemächtigen. Zu gleicher Zeit fallen aber auch die beiden Hunde, die der unglückliche Mezger bei sich hatte, wütend über den Räuber her, und zerrten ihn übel zugerichtet in einen nahen Sumpf. Die treuen Gefährten kehrten sodann zu ihrem Herrn zurück, und beleckten ihm das Gesicht so lang, bis er aus der Ohnmacht erwachte, und wieder zum völligen Gebrauch seiner Sinne kam. Sein Geld fand er noch ganz beisammen, und war eben im Begriff weiter zu gehen; 64 Ii8 gehen; gls er in der Nahe ein ängstliches Winseln hörte. Er gieng dem Laute nach, und sah bald seine Hunde sich mir einem Menschen balgen. Aber der Großmüthige springt entschlossen in den Sumpf, und rettet seinem Feind, der ihm den Tod zugedacht hatte, das Leben. Die Antwort auf die Frage einer so grausamen Begegnung war Entschuldigung mit der äussersten Noth, die ihn drücke, und dem Elende, unter dessen Drucke er zu so einer unmenschlichen That verleitet wurde. Ich, sprach der beleidigte Menschenfreund, könnte dich mit Rechte als einen Mörder, als. einen Strassenrauber dein Gerichte überliefern, aber fern sey Rache von mir. Hier nimm das für die Wunden, welche dir meine Hunde zugefüget haben, und wandle vom Himmel begleitet deine Wege im Frieden. Mit diesen Worten gab. er dem Unglücklichen einige Thaler, und verließ ihn. Feinde! die ihr mich betrübt. Wisset, daß mein Herz euch liebt. Euch verzeih» ist meine Rache. HA 64. Em Zug des edlen Charakters des Grafen von Artois. der Reift nach Spanien wurde dem Grafen von Artois zu Ehren ei» Sliergeftcht gegeben. Als der Prinz einige Menschen er- blikte, die den Stier auf allerhand Art zum Kampfe auffoderten, fragte er:„Wer sind diese Unglücklichen? Sind sie zu dieser Düa- fe verurtheilt worden? Auf die Antwort, daß sie freywillig diesen Streit unternahmen, um seiner Königlichen Hoheit ein Vergnügen zu machen, erwiederte der edle Menschenfreund: „O so eilet, und versichert sie, daß ich von ihrer Geschiklichkcit in dieser Art zu fechten, völlig überzeugt, sie blos bitte, von diesem Kampf abzulassen, wofür ich Ihnen mehr Dank wissen werde, als für das Vergnügen, das sie mir mit Gefahr ihres Lebens verschaffen wollen, und welches mein Herz nur verwunden würde. 6A. rsn 6§. Herr von Mantsch giebt die Liebe für den Kaiser auf eine edle Art zu erkennen. .^m Jahr 178k, als die k. k. Truppen aus dem Lager bei Pest wieder nach ihrem Standort aufbrachen, wurde dem Kürassier-Regiment Schakmin in dem sehr kleinen Dorfe Azur ein Rasttag angewiesen. Da die adeli- chen Gebäude von der Unterbringung deS Militärs ausgenommen sind; so war es beinahe unmöglich den zwey Divisionen, dem Hospital und Stab Wohnung zu verschaffet!. Allein der Eigenthümer des Dorfes, Herr von Ma- r itsch half dem Quartier machenden Offizier bald aus seiner Verlegenheit, und sagte zu ihm auf eine edle Art:„Ich schäze meinen Kaiser zu viel, als d-ß ich seine Soldaten, die er liebt, und seine Söhne nennt, nicht gut bei mir bewirthen sollte. Sogleich befahl der edelmüthige Menschenfreund die Kranken in die herrschaftlichen Gebäude, den Major ins Schloß und 26 Dienstpferde in seine eigene Stallung anszirnchmen. Er ließ die besten Ochsen Ochsen seiner Heerde schlachten, den Soldaten den besten Wein um einen geringen Preis reichen. Die Offiziers speisten die zween Tage über an seiner Tafel, und die Kranken wurden aus der herrschaftlichen Küche bedient» 66. Des Herzogs von Monkagu edles Bei streben nach Wohlthätigkeit. §^er verstorbene Herzog von Montag« war ein menschenfreundlicher Mann, der den Genuß der Wohlthätigkeit innigst empfand, und nach edlen Handlungen, wie Nach Abentheu- crn jagte. Es gelang ihm ein unverdorbenes Gefühl im Kreis der grossen Welt zu erhalten; und doch blieb er allen angenehm, weil erkei- nen Preis auf eigene Verdienste fezte, keine Tugend überspannte, und durch seine gefällige Laune alle Herzen an sich zog. Kurz nach dem lezten Aachner Frieden ward er im Park eines mitkeljahrigen Mannes von edler Miene gewabr, der eine zwar reinliche/ liehe aber veraltete Uniform trug, immer im einsamsten Gange längst dem Wasser hinschlich, zuweilen stille stand, und seineAugenmm emer traurigen Würde gen Himmel hob. Der Herzog fand bald Jemand, der ihm die Geschichte des Unbekannten erklärte. Sein Name, hieß es, ist Randall, er ist tapfer, wie sein Degen, und erndrete im lezten Krieg Wunden und Ehre genug, aber er hat seine Kompagnie, die ihn sein ganzes Erbtheil kostete, durch die Reduktion verloren, und nun ist er freilich zu beklagen, wenn er anders beklagt seyn will. Er lebt in London von der Hälfte seiner Gage, um em besseres Glück in der Nahe abzuwarten, und seine Frau hungert mit zwey Kmdern bey der andern Hälfte in Uorkshire- Man sagt, daß er das arme Weib schwärmerisch liebt, und vielleicht macht ihn ihre Abwesenheit schwermüthig. Hat der Mann keine Freunde? Allerdings war die Antwort, aber er meidet sie, und begegnet Ihnen zurückhal- tent«üd kalt. Er nennt eS eine gefährliche Prüfung, Hülfe zu federn, und will, wie er sich gegen Jemand herausließ, keinen alten Freund verachten lernen. Nun wissen sie Mylord, daß man Niemand seine Wohlthaten aufdringt, iMd daß es eine schiefe Art zu denken verräth, wenn I2Z wenn uns das Unglück stolz mach!. Dem edlen Herzog schlug das Herz geschwinder, und er entwarf sich auf der Stelle einen Plan. Einige Zeit nachher, als eben Randall in tiefen Gedanken auf einer Bank des Parks saß, näherte sich ein Kammerdiener des Herzogs, und bath ihn im Namen seines Herrn den folgenden Tag zu Gaste. Randall stand mir einiger Bestürzung und wie vom Traume erwachend auf,maaß den Fremden mit den Augen und antwortete kalt, daß er sich in der Person irren müsse, weil er den Herzog nicht kenne. Wenn Sie, erwiederte der andere, Kapitän Randall vom iZten Regimente sind, so gilt mein Auftrag Ihnen. Gur, sagte der Schwermüthige, ich begreife das nicht, aber ich werde die Ehre haben, aufzuwarten. Der Herzog empfieng ihn allein, und indem er ihn vertraulich bei der Hand ergrief, sprach er leise mit einer gehcimnißvollen Miene:„ Sie errathen die Ursache meiner Einladung wohl nicht, und ich bin ungewiß wie siemeine Freiheit anfnehmen werden. Ich habe durch einm Zufall erfahren, daß eine junge Dame von meiner Bekanntschaft nichts weniger als gleichgültig gegen Sie ist, daß ihr Herz und ihre Ruhe daran hängt, Sie zu sprechen, und weil weil es im Hause der Lady nicht seyn kaun, so habe ich mir die unschuldige Freude gemacht, sie beide hier zusammen zu bringen, ich hoffe daß Sie darum nicht geringer von mir denken. Bei jedem Worte des Herzogs erweiterten sich die Augen des Kapitäns, der endlich mit starrem Blick und zitternder Unterlippe zum Wort kam. Mylord, sagte er feyerlich, entweder hat man Sie, oder mich zum beßten, und wir sind, wie ich bei Gott! nicht die Leute darnach. Der Herzog antwortete eben so ernsthaft, ich bin ein Mann von Ehre Kapitän; und was ich Ihnen sage, ist reine Wahrheit. Hier gieng die Seitemhüre auf, und Randall erblikte— seine Frau, die an den Hals ihres halbver- sieinerten Mannes flog, und seine Kinder, die sich fest um seine Schenkel klammerten, jhn ansahn, und laut weinten, weck die Unschuldigen die Thränen in den Augen ihres Vaters mißdeutete». Hundert Fragen durchkreuzten sich.„Weist du denn auch? rief die Frau;,, Wie kommt ihr nach London? der Mann; Daß der Herzog, fuhr die Frau fort, das Werkzeug unsers Glückes ist? Daß er mir schrieb eiligst nach London zu kommen, weil mein Lnkel, der mit unserer Verbindung unzusrie- de» war, ihm auf seinem Todbette—hier ist das Las Papier.< Es war eine Annuität auf hundert Pfund Sterling jährlich.) Der ehrsüchtige, empfindliche Randall erriech, verschlang das Geheimniß. Ach Mylvrd! rief er aus—Lassen Sie es gut seyn, sagte der edelmürhige Herzog, wir wollen auf des Onkels Andenken fröhlich und guter Dinge seyn. Der Onkel war wirklich todt, aber das Vermachmiß eine Fabel. Heilig wird nach Jahrtausenden noch dein Andenken der Menschheit seyn, Trophäen und Monumente, die sich Eroberer und H den durch ihre Thaten errichten, werden von der Zeit zertrümmert, schon wieder Staubund Asche seyn; aber der Ruhm deines edlenHer- zens wird mit jeder Generation neu ausblühen, und Verwesung und Tod werden ihn nicht zer-- siöhren. i2ä 67. Des Grafen von Norden edle Sorgtz und Verpflegung eines Knechtes/ der von dem Pferde stürzte. 3^och eine Anekdote von einem Prinzen, der einst Vater von Millionen zu seyn von der Vorsicht bestimmt ist. Im Oktober 1782. fuhr dieser Erlauchte Reisende durch Altättingen in Oberbaiern. Eilt Knecht, der einen sechsspännigen Wagen von dem Gefolge zu führen hatte, war so un- gluklich von dem Pferde zu stürzen. Kaum daß der cdelmüthige Fürst davon Nachricht erhielt, war nichts wichtig genug das ihn abhalten konnte, zu dem Unglücklichen zu eilen; er bezeigte die lebhafteste Theilnehmung darüber, ließ den Verwundeten in den nächstgele- genenOrc bringen, befahl ihn aufs sorgfältigste zu pflegen, beschenkte ihn mit ioo Dukaten, und sägte noch dieser Gnade mit der tröstlichsten Versicherung hinzu, daß, wenn er durch diesen Fall unbrauchbar würde, oder nicht mehr geheilt werden könnte, sich bei Seiner Hoheit Hoheit melden, und eine lebenslängliche Versorgung zu erwarten haben sollte. 68. Ein Zug zum Gemälde des vottreflr- chen Abbe Raynals. ^wey arme, aber tugendhafte Mädchen» davon die erste der katholischen, die andere der reformirten Religion zugethan war, wurden in Berlin auf Kosten dieses edlen Menschenfreundes ausgehcurathet. Jeder stand es frey sich einen Gatten nach ihrem Herzen zu wähle», und damit zu ihrem künftigen Glücke nichts fehlen möge, wurde jeder eine ansehnliche Summe Geldes als eine Morgengabe ausgezahlt, welche der Großmüthige zu dem Ende bei den Konsistorien beider Kirchen niedergelegt hatte. Ein thätiger, unermüdeter Menschenfreund» ein warmer Verehrer der Tugend, groß an Verdienste um die Wissenschaften, grösser an Adel seines Herzens— Sein LooS ist-- verbannt—verfolgt zu seyn. 70. M 69. Edle Wohlthätigkeit eines Kaufmanns in Manheim. angesehener Kaufmann in Manheim, gab einem Landkrämer in Nekershause« einen Kredit von Spezereywaaren an dreyhun- dert Gulden. Er versprach ihm, daß er diesen Kredit auch künftig genießen sollte, wenn er mir der Zahlung richtig einhalten würde. Die allgemeine Uiberschwemmung 1784. traf auch Nekershausen. Unter den Verunglükten war auch Bnzzini's Schuldner. Nach diesem empfindlichen Streiche des Verhängnisses gieng er zu seinem Gläubiger, und stellte ihm vor- daß er weiter nichts mehr habe/ als wie er da vor ihm stehe.„Ich weiß ihr Unglück schon, sagte der edle Menschenfreund mit der theil- nehmendsten Miene, beschenkte ihn reichlich, erließ ihm seine Schuld, und gab ihm einen neuen Kredit von dreyhunderl Gulden. Zeichnet sie auf in den Annalen der Menschheit—diese schöne, edle That. FAY 70. Edelmüthige Vertheidigung der Um schuld. dein Bild, liebenswürdiges, edles Mädchen, verdien! im Tempel der Lugend z» glänzen. Ein Becker aus einem Dorfe schikte seine Tochter in die Stadt, um daselbst 600 fl. zu empfangen. Ehe sie forlgieng, suchte sie ihren Liebhaber, und bath ihn, ihr nach der Stadt Gesellschaft zu leisten. Der Heuchler erfüllte sogleich ihr Gesuch, und alles gieng bis zu ihrer Rükkehr gut von statten. Er schlug nach dem Dorfe einen angenehmern Weg, der von der gewöhnlichen Straffe etwas entfernt war» vor. Die tugendhafte, welche nichts ArgeS vermuthete, billigte seinen Borschlag, und überließ sich seiner Leitung. Doch, der Bösewicht führte sie, seinem schändlichen Entwurf Wirklichkeit zu verschaffen, in einem Gebüsche an den Rand eines riefen Abgrundes, und verlangte mit Ungestüm das erhobene Geld. Das Mädchen glaubte anfänglich, daß er scherze; lächelte, und versagte ihm sein Verlangen, 3 Das rzo Das Begehren ward wiederholt, aber auch zugleich wieder verweigert. Endlich zeigte sich der Lasterhafte in seiner ganzen abscheulichen Gestalt. Mit Henkerswuth drohte er, sie in den Abgrund zu stürzen, falls sie ihm das verlangte Geld nicht sogleich hergäbe. In der äußersten Verlegenheit, und über dieses Verfahren ganz betroffen, both sie m,t zitternden Handen dem Räuber den ganzen Vorrarh des Geldes dar. Noch nicht genug, daß ich das Geld habe, sprach izt der verstellte Bube, ich muß dich heur ganz entblößet sehen, und dieß gegenwärtigen Augenblik, oder— Nur fühlen laßt sich der Zustand dieser Unglücklichen. Ver, gebens weinte, vergebens bath sie um Schonung, vergebens warf sie sich zu seinen Füssen; nichts rührte das Felsenherz, mir Freude der Hölle, die über sein ganzes Gesicht ausgebreitet war, drohte er, sie in den Abgrund zu stürzen, sofern sie ihm nicht alsobald willfahren würde. Aller Hülfe beraubt stellte sich die Edelmüthige an,als ob sie ihm gehorchte, zog ihre Kleider aus, und als es auf das Hemd kam, bath Sie ihn sich umzuwenden, damit sie es wenigstens vor seinen Augen nicht ablegen dürfe. Der elende aller Vernunft beraubte Bösewicht kehrte sich auf ihre Bitte um. um; o izt sammelt- die tugendhafte Heldinn all ihre Kkafte zusammen, und stieß ihn selbst mir einer ungemeinen Behendigkett in das Thal hinab, und entfloh. Der Böftwichi hatte das Unglück beide Füsse zu brechen, und sich HM zu zerschmettern; mehr todt als lebend wurde er hierauf den Händen her Gerechtigkeit überliefert, wo erden völligen Lohn seiner Schandthaten empfieng« Schreiben Gustavs des Dritte» an sei. nett Kriegsralh. ^on allen einem Könige anständigen Eigen- ? galten ist die ,Nilde diejenige- die ich am meisten schaze, und wenn einstens die Nachwelt mit der Wage der Gerechtigkeit alles dasjenige abwägen wird, was ich seit dem Antritte meiner Regierung gethan habe, so wird sie zugeben, daß mein Herz zu dieserLu- gend geneigt gewesen ich Aber jede Lugend hat ihre Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen- und wenn dre Milde eines Mo- I» Narchen rzs narchen Fehler hingehen läßt> welche die öffentliche Sicherheit verlezen, so isi sie nichts mehr, als eine der Sicherheit nachrheilige Schwachheit.' Diese wird noch verderblicher, wenn sie Fehler dekt,die Frieden und Einigkeirstöhren, und die Rechte und Ruhe der Laudleute, des schwächsten, und desjenigen Theils des Volkes verlezen, dem eben seine Schwäche ein grösseres Recht zu dem Schutz des Fürsten giebt; dieses Theils der Bürger, dessen Wohlstand die wesentliche Stärke, und Wohlfarch des Staates ausmacht. Ich würde also den Eid brechen, den ich geschworen habe, den Frieden und die Gerechtigkeit in meinem Lande zu handhaben, wenn ich, von überspannter Milde hingerissen, den von meinem KriegSrath gegebenen Spruch nicht gut hieße, und für gerecht erklärte. Aus diesem Grunde bestät- tige ich alles was in Betreff des— von meinem Kriegsrathe ist entschieden worden. Gustav der Dritte, Bönig der Schweden und Gocyen rc. Der Vorfall, auf den sich dieser schöne Brief bezieht, ist der Welt ein Geheimniß geblieben. Indeß steht er nicht am unrechten Orte, rZZ Orte, da er der Denkart, und dem Herzen dieses vortreflichen Monarchen so viel Ehre macht. 72. d^sgill—dieser Unglückliche, dessen Schik- sal ganz Europa beklagte, und das in Deutschland mit vorzüglicher Theiluehmung beherziget wurde, diente als Kapitän bei der englischen Marine. Er hatte das Unglück mit einigen andern Dritten in dem lezten Kriege von den Amerikanern gefangen, und durch das Lovs bestimmt zu werden, daß man ihn zum Opfer des Vergeltungsrechtes in dem Gefängnisse aufbewahrte. Sein Tod schien unvermeidlich, aber die Stimme der Natur und Menschheit hat den Würger, der Seiner schon gierig harrte, entwaffnet. Hier ist der Brief, den seine trostlose Mutter au den Grafen von Vergen- nes, und dieser an den General Waschingroy schrieb. rZ4 Nes^.§§111 an den Grafen von Vers genrres. Ä8enn die Höflichkeit des Französischen Hofes es einer Fremden erlaubt, sich an densel- Acn zu wenden, so müssen die Bitten einer Person, in der sich alle mögliche, zärtliche Gefühle vereinigen, bei einem Edelmanne eine günstige Aufnahme finden, dessen Charakter nicht nur seinem Vaterlande, sondern auch der Menschlichen Natur Ehre machr. Die Ursache, hie mich Ihren Beistand anzuflehen bewegt, st für mich zu herzdurchbvhrend, um mich lange dabei zu verweilen, und Las allgemeine Gerücht hat sie Lochst wahrscheinlich schon davon unterrichtet. Die schmerzhafte Veschrei. bmig desselben ist also unnöthig. Mein Sohn (ein einziger Sohn) so geliebt als tapfer, voll Verdienste, nur 19 Jahre alt, der, kraft der Kapitulationö- Artikel von Yvrktown in Kriegsgefangenschaft gerieth, sizt in Amerika gefangen, und an ihm soll das Vergeftungö. recht vollzogen werden. Soll der Unschuldige für den Verbrecher büssen? Stellen Sie sich die Lage einer Familie unter diesen Umstanden tzyr. Gegenstände des Elendes umgeben mich von von allen Seiten, Angst und Kummer zerreis- sen mein Herz. Keine Worte können die Empfindungen ausdrücken, nnd die Szene beschreiben. Mein Mann war einige Stunden vorher, ehe die schreckliche Nachricht ankam, von den Aerzten aufgegeben, und nicht im Stands von diesem Unglücks unterrichtet zu werden; meine Tochter liegt im Fieber und Raserey, sie schreyt nur über Ihren Bruder und hat keinen Augcnblik von Vernunft, als wenn sie nachbessern Nachrichten von ihm forscht. Ihr eigenes Gefühl, mein Herr! mag für mein namenloses Elend sprechen. Ein Wort von Ihnen, wie eine Stimme vom Himmel, kann uns allein dem Wahnsinne und der Verzweiflung einreisten. General Waschington, ich weiß es, verehrt Sie. Sagen Sie Ihm nur, daß Sie die Freiheit meines Sohnes wünschen, und Er wird ihn seiner unglücklichen Familie, und dem Glücke dieses Lebens wieder geben. Die Tugend und Tapferkeit meines Sohnes wird diese That rechtfertigen. Das Gefühl der Ehre führte ihn nach Amerika. Seine Geburt versprach ihm Ueberfluß, Unabhängigkeit und die glücklichsten Aussichten. Ich flehe noch einmal Ihre Güte an, ehrerbietigst bitte ich Sie Ihren kräftigen Einfluß für die Unschuld, für rz6 für die gerechte Sache, für die Menschlichkeit zu verwenden. O schreiben Sie an den General Waschington von Frankreich aus, und beehren Sie mich mit einer Abschrift Ihres Briefts, um sie von hier nach Amerika zu sc! ickcn. Ich weiß es. ich verlange viel, aber ich bin überzeugt, Sie mögen mir meine Bitte gewahren, oder nicht, so werden Sie doch das Elend bemitleiden, das mich dazu vermochte; Ihre Menschlichkeit wird, falls sie ein Vergehen wäre, eine Thräne darauf fallen lassen, die es auslöscht. Ich bitte den Himmel, das Sie nie des Trostes bedürfen mögen, den Sie im Stande sind zu geben Ihrer 73- Graf von Vergennes an den General Waschington. ist nicht im Namen meines Königs, der em Frcund und Bundsge noffe der vereinigte» Cmaieu ist,(wiewohl es mit Vermissen, und Einwilligung seiner Majestät geschieht,) daß -Z7 Laß ich jezt die Ehre habe, an Euer Ercellenz zu schreiben. Ich schreibe, als ein Mann von Gefühle, als ein zärtlicher Vater, der die ganze Gewalt väterlicher Liebe empfindet, und als ein solcher nehme ich mir die Freyheit, Euer Ercellenz aufs bringenste für eine Mutter, und Fam lie zu bitten, die izt in Thränen zerfließen. Ihre Lage verdient um so mehr von unserer Seite bemerkt zu werden, da die Mutter ihre pufluchr zu der Menschlichkeit einer Narion nimmt, dre izt mir der ihrigen im Kriege begriffen ist, und solchergestalt dasjenige zu bewirken glaubt, was ihr die unpartheyi- sche Gerechtigkeit ihrer eigene» Generals verschaffen sollte. Ich habe die Ehre Euer Excellenz die Abschrift des eben erhaltenen Schreibens der Mss^Lgill beizuschliessen. Ich bin ihr nicht bekannt, auch wußte ich nicht, daß ihr Sohn das unglückliche Opfer seyn sollte, welche» das Leos dazu bestimmt hat, um das verhaßte Verbrechen zu büßen, daß eine vormahls verweigerte Gerechtigkeit Sie izt zu rächen Verbinder. Euer Ercellenz werden den Brief nicht ohne die größte Rührung lesen. Er harte d-eselbe Wirkung auf den König und die Königin, als ich Ihnen solchen mittheilte. Die Güte der Herren Ihro Majestäten bewegt Sie zu wün- 1Z8 wünsche», daß die Angst einer unglücklichen Mutter gestillt, und ihre zärtlichen Besorgnisse gehoben werden mögen. Ich weiß, daß es Fälle giebt, wo selbst die MenschliclAcit die äußerste Strenge fodert, vielleicht ist derjezi- ge von der Art. Aber gesezt, daß auch Repressalien gerecht sind, so sind sie doch für diejenigen nicht minder schreklich, die das Opfer davon sind, und Euer Erceüenz Charakter ist mir zn gut bekannt, als daß ich nicht versichert seyn sollte, daß Sie nichts mehr wünschen, als einer so unangenehmen Nothwendigkeit auszuweichen. Ich muß noch eine Betrachtung anfuhren, die, wenn sie gleich nicht entscheidend ist, doch aus Ihren Entschluß einen Einfluß haben kann: Kapitän Asgill ist unstreitig Ihr Gefangener, aber er ist einer von denen, welche Ihnen mit Hülfe der königlichen Waffen in die Hände fielen. Obgleich dieser Umstand ihm keine Sicherheit verschafft, so rechtfertigt er doch gleichwohl die Freyheit, die ich mir nehme, mich in dieser Sache zn verwenden. Wenn es in Ihrer Gewalt sieht, dieses in Erwägung zu ziehen, und solches hei sich etwas gelten zu lassen, so werden Sie dadurch Ihren Majestäten tcn einen grossen Gefallen erweisen; die Gefahr -es jungen Asgill, die Thränen, die Verzweiflung seiner Mutter rühre» Ihre Majestäten aufs empfindlichste, und Allerhöchstdieselben werden es mir Vergnügen sehen, wenn dieser unglücklichen Familie ein Srral der Hoffnung und des Trostes wieder aufgehen könnte. Indem ich den Herrn Asgill von dem Schiksal, das ihm droht, zu retten suche, bin ich weit entfernt zu wünschen, daß Sie ein anders Opfer suchen mögen; die Begnadigung muß, um völlige Zufriedenheit zu gewahren, ganz vollständig seyn, und ich glaube nicht, -aß schlimme Folgen daraus entstehen können. Wenn der Englische General nicht im Stande gewesen ist, das schrckliche Verbrechen, darüber Sie sich beklagen, auf eine so exemplarische Weise zu strafen, als er wohl halte thun sollen, so hat man Gnmd zu glauben, -aß er die kräftigsten Maaßregeln nehmen werde, um in Zukunft solche Vergebungen zu verhüten. Ich wünsche aufrichtig. daß meine Für- spruche von glüklichem Erfolge seyn möge. Nie Empfindung, die mich dazu bewogen hat, und »42 und die Sie selbst bei allen Gelegenheiten so deutlich beweisen, giebt mir die Versicherung, daß sie bei den Bitten und Thränen einer Familie nicht ungerührt seyn werden, die durch meine Vermittelung ihre Zuflucht zu ihrer Gnade nimmt. Diese anzuflehen, heißt Ihrer Tugend huldigen. Ich habe die Ehre mit vollkommenster Hochachtung zu seyn. äs Ver§SMS5, 74- General Waschingwn an den Kapitän Asgill. Mein Herr'. Es gibt mir ein ungemeines Vergnügen, daß ich Ihnen die eingeschlossene Abschrift einer Congreß- Akte zuschicken kann, vermöge welcher Sie aus der unangenehmen Lage befreyel werden, in der Sie sich so- lange befanden. Da ich vermuthe, daß Sie so bald als möglich nach Neuyvrk zu gehen wünschen, so lege ich einen Paffeport zu der Abschrift für Sie hierbei. Ihr i4i Ihr Brief vorn—kam richtig zu meinen Händen, und ich bitte Sie zu glauben, daß es nicht vom Mangel der Aufmerksamkeit, oder der Gefühle für Ihre Umstände herrühre, daß ich denselben nicht eher beantwortet habe. Ich war in täglicher Erwartung, daß Ihr Schiksal ron dem CongreS würde entschieden werden. Um deswillen hielt ich es für das Beste, bis dahin lieber zu warten, als Sie mit Hoffnungen aufzurichten, die vielleicht Ihrem bedrängten Herzen schmeicheln, aber doch vergeblich hätten seyn können. Ich kann von Ihnen nicht Abschied nehmen, ohne Sie zu versichern, daß, man mag, was ich in dieser unangenehmen Sache von meiner Seite gethan habe, ansehen, in welchem Lichte man will, ich doch gewiß nie durch blutdürstige Absichten dazu bin bewogen worden; sondern durch Gefühle meiner Pflicht, die mich laut aufloderten, solche Maaßregeln zu ergreifen, die,fo unangenehm Sie mir auch immer waren, doch endlich der Wiederholung zencn unerhörten Grausamkeiteu ein Ende machen möchten, die zu dem, was ich gethan, Veranlassung gegeben haben. Daß izt zu vermuthen stehet, daß diese Absicht ohne Vergies- sung 142 sung unschuldigen Blutes werde erreicht werden, kann Ihnen keine grössere Erleichterung verschaffen, als Ihrem General Washington Die schonen Briefe, die der junge Krieger nach seiner Befreyung an den General Waschingkon, und an seinen Retter VergenneS schrieb, konnte ich aller Mühe ungeachtet nicht habhaft werden. Ich bedaure, daß ich diese inkressante Geschichte nicht vollständig zu liefern im Stande bin. 75. ^eine Leser werden sich wundem.keine der edlen Thaten aus dem Leben-des Verewigten Prinzen Leopolds von Braunschweig zu finden. Unlängst wurde eine vollständige Biographie dieses Edlen Verklärten Menschenfreundes versprochen, ich will keinen Schattenriß liefern, da das Publikum ein ganzes Gemälde zu hoffen hat. Nur sey mir erlaubt einen einzigen Brief, der in Betreff seines Todes von einer unbekannten Hand an den Sradtsrach von Frau- furth geschrieben wurde, einzurüken. r4Z EirrwohttSr von Zr/.nkfurr! sebe eure Augen voll Thränen, indem ihr auf die Fluchen der Oder blicket. Weinet/ denn eure Thränen sind gerecht, und ihr vergießt sie nicht allein, aber euch bleibt doch allein der Trost, daß Leopold in eurer Mitte unsterblich wurde. Eilet euch des Tributes zu entledigen, den ihr ihm schuldig seyd. Errichtet ihm ein bleibendes Denkmal, doch gebt ihm den Namen des Grossen nicht, dieß ist nicht der Name, der sich für ihn ziemt. Nnmet ihn den Einzigen^ weil er sein einziges Leben für die Erhaltung des Lebens seiner Michrüdcr qufgcopftrt hak. -Och 5 4v" ) H-.-?^- < »V Ll'ij'j' M'^^>- k > «! c - G o » - G G . T-X-Dk "»» ^ l M"*X^,..' S --1 s^ G-^«LM-- >, s «. » s 7 o S « -7- '2- 7 G D W - 7 Q