Wiener 8lM-8ibIioiiieI< L 830Y » U M - ö^. - M " D e r gelb gewordene Lord a u s Jamaika. E i>: T tt s 6) e n b u ch f« r das Zahr i8n- Mit ein und zwanzig illuminirten bildlichen Darstellungen seiner Abenteuer. Wien und Trisst, ' X)or einigen Monden kam ich auf das**sche Haffehhaur, wo die zahlreichste und verschieden- te Zusammenkunft seit vielen Jahren gerühmt vird. Ein alter Herr, mit einem höchst passiven Gesichte, wollte entweder sich oder mich nicht so müßig sitzen sehen, und klagte über den Leichtsinn der jungen Leute, die sich bey offenen Fenstern und Thüren am Billard erhitzen, wodurch sie leicht von den gefährlichen Fieberkrankheiten befallen werden können. ^ Einem, der redelustig ist, braucht man nicht viel zu antworten, und ich glaubte den Hypo- 4 chondristen durch meinen stummen Kopfnicke, ein wenig in die Schranken zu bringen. Allein slbst diese hölzerne Begünstigung machte seine Zmge so geläufig, daß mir kein anderes Mittel ülrig blieb, als nach der ersten besten Zeitung zu greifen um nicht seine ganze Krankengejchichte anhören zu müssen. Ich blätterte schon eine gute Weile in der Vorschlägen der englischen Minister innerer unk äußerer Angelegenheiten, indem mein Nachbar noch immer von den convulsivischen Träumen und Fantasien des hitzigen Fiebers sprach, und als er denn endlich doch auf meine geringe Theilnahme seines Gespräches aufmerksam werden mußte, s» brach er mit einigem Widerwillen ab, indem er sagte: die Menschen achten ihre Gesundheit so wenig als einen guten Rath; Punsch und Kaffeh habe zu der Zeit, als er noch jung war, keiner von den jungen Leuten getrunken, und das ab- 9 scheuliche Tabakrauchen koste dermahlen manchem Lunge und Leber. Ein lautes Gelächter, welches nicht fern von uns ausbrach, machte mich und die ganze Gesellschaft auf eine kugelrunde, im Gesichte glühende Gestalt aufmerksam, die mir kühnem Ansehen allen imponirte. Dies; ist der Engländer... sagte ein Dritter in meiner Nähe, als dieser von Wohlbehagen strotzende Britte mit dem rauchenden Punschgla- se, und einer dampfenden Tabakspfeife auch schon vor uns stand, und sich unter dem Gesichte deS blaffen ängstlichen Allen auf den Wanst schlug, indem er mit der vollsten Selbstzufriedenheit das Glas höher hob, und ausrief: Das ist das beste Mittel gegen die Verhärtungen im Leibe. Zwey Glas Pimsch! rief er dem Mariner 6 zu, und rückte sich den Sessel quer an uns, den er sammt Pfeife und Glas so überschritt, als wenn er darauf ein Wettrennen mitmachen wollte. Der Alte schüttelte unzufrieden den Kopf, als der Sessel unter dieser Last gefahrvoll zu knarren anfing, die Fröhlichen lachten, und B.. au machte in seiner unbefangenen Sprache die Bemerkung: daß das weiße Sommerbeinkleid des Reiters einen auffallenden Schalen durch den großen Schritt gelitten habe; sein Bruder wollte, als natürliche Folge dieses Risses, noch etwas insbesondere bemerkt haben, aber sein Freund erstickte die Behauptung, indem er eine Ähnlichkeit zwischen dem braunen Sessel, und einem englischen hagern Wettrenner anzog. Pfeifen! rief der Dickbauch dem Burschen zu, welcher den Punsch brachte, indem er eins dieser Gläser dem Alten vorsetzte, und ihn bald darauf auch zum Tabakrauchen bereden wölke; aber als er sah, daß dem Furchtsamen der grimmige Tod in dem Glase und in der Pfeife erschien, welcher sich von feinem Sitze erhob, um sich ängstlich seinem Ende zu entreißen, zog er ihn bey der Hand wieder in die vorige Krümmung, und reichte dem ersten an ihm die Pfeife sammt dem Glase, indem er sagte: Sie werden Ihre Krankheit alt machen, wenn diese Arzney bey ihnen keinen Beyfall findet. Ich habe Ihrem Gespräche, fügte er mit lautem Gelächter bey, zugehört, und mich ärgert es immer, wenn ich wahrnehmen muß, daß der Mensch mit seinem Feinde der Krankheit auf eine gelinde Weise fertig werden wolle. Fest packen muß man sie, und schnell! indem er mit der Hand vor sich Hindrang, als wenn er im Haust- kampfe begriffen wäre, und sich das halbe GlaS Punsch über die scandalöse Wunde seiner Bein- kletder goß. b Dieses Versehen gab den Witzigen Gelegenheit zu manchem drolligen Vergleiche/ und sie versagten sich nicht, es so laut als ihnen gefiel, zu machen. Aber unsern beleibten Punschfreund storre dieß nicht im geringsten, er wischte sich unter dem maliziösesten Gelächter mit seinem Sacktuche ab, und forderte ein volles Glas. So lang die Ärzte, schrie er mit einem Mund voll Rauche heraus, die Fieber in unsern Gegenden nicht bis zu einer so unbedeutenden Krankheit machen, als die Schnupfe ist, bleibt mir der Keller die liebste Apotheke, und sollte ich das gelbe Fieber selbst am Halse kriegen. Wohl bekomm's! sagte der Aste für sich, indem einige ohne Scheu: das ist ein Kerl! ausriefen. Dieß alles und noch weit derberes war für 9 den kühnen Fremdling so viel als gar nichts gesagt; den«/ so wie sich die Zahl der Punsch-Portionen in seinem Wanste vermehrte/ so nahm auch seine Geschwätzigkeit und die Kühnheit in seinem Benehmen zu, welches die Witzler um ihn auch immer und immer zügelloser machte. Ihr wißt den Teufel/ rief er allenAnwesen- den zu/ wie der Mensch/ der viele Jahre zur See und in fremden Welttheilen lebt/ sein eigener Arzt werden muß. Hier habt ihr leicht zu lachen; denn wenn es euch zwey Mahl im Bauche kneipt, so müssen sich die alten Weiber die Fuße nach Ärzten ablaufe«/ drum könnt ihr auch nur einen Fingerhut voll Mallaga oder Punsch vertragen. Dort geht hin, wo das gelbe Fieber die Menschen, wie der erste Schnee die Mücken, umwirft, und ihr werdet gescheidtere Gesichter bekommen. B.. au fragte ihn: ob er in diesen Gegen- ro den das Talent, welches wir nun hier an ihm bewundern, ausgebildet habe? und er donnerte ein Ja! im vollesten Bewußtseyn darauf, indem er wieder nach dem Glas griff. Es ist zu bewundern, sagte eine Stimme hinter mir, daß der Mann so viel vertragen kann, ohne betrunken zu werden. Sie werden wahrscheinlich das gelbe Fieber in jenen Gegenden zu Grunde getrunken haben, sagt-ein Anderer; worauf der Engländer sogleich ein: das hab' ich! auch erwiederte, und nach der Tasche griff, als wvllts er uns etwas Merkwürdiges vorzeigen. Während der Pause fielen meine Augen auf den alten Herrn neben mir, und ich glaubre den Angstgedanken; vielleicht noch jetzt von diesem, aus jenen ungesunden Ländern hier angekomme- nen Fremden angesteckt werden zu können, auf seiner Stirne zu lesen. Eine Prise Tabak, d>e er mit aller Anstrengung und Hastigkeir aufschnupf- te, ließ mich vermuthen, das; er die Ansteckung auf dem Wege durch die Nase gefürchtet hat. Sonderbare Eigenschaften der Menschen, und doch so verschieden in ihren Erscheinungen, dachte ich mir; wenn nun dieser alte Herr dem Gedanken, welcher ihn bewog, diese Prise Tabak gegen die Ansteckung zu nehmen, heftiger anhing, und ernstlicher nachforschte, so würden wir neben des Weingeistes, welche» der Engländer als Universalm.it- tel ausruft, von diesem eben so den Schnupftabakrühmen hören; doch ich durfte meine Bemerkung nicht äußern, um nicht in die Fatalität zu kommen, sogleich von einem Dutzend junger Herrn auf das unsterbliche Mittel des in Wien bekannten Dorfbarbiers erinnert zu werden. Indessen brachte der angestaunte und belach- re Insulaner eine Rolle unter mehreren Papieren grad und quer aus der Tasche, und derKreis von Neugierigen um uns ward nun noch gedrängter, als er diese sieben Blatter, die der Leser hier in den Händen hält, aufrollte und vorzeigte. Das ist die Geschichte eines meiner besten Freunde, der, wenn er meinem Rathe gefolgt wäre, in Jamaika ,gewiß nicht an dem gelben Fieber gestorben wäre. Ja! schlug er am Tisch, wenn ich noch vor seinem Ende dort angekommen märe, Balomel hätte andere Recepte verschreiben müssen, oder ich wollte ihm das gelbe Fieber beym Rücken hinein geprügelt haben. Diese sieben Blätter habe"ich zum Andenken meines John S in Kupfer stechen lassen, denn es war ein ganzer Bursche! Ein hagerer junger Mann sagte: dafür hätten Sie etwas anderes, was der schönen Kunst entsprechender gewesen wäre/ wählen können. Karrikaturen bleiben, sie mögen sich auf lebende Charaktere beziehen, oder freye Mißwächse der Fantasie seyn, immer nur eine Verletzung des reinen poetischen Gefühls und Geschmacks. Ihre Nation hat uns mit derley Geburten über- schwemmr, aber zum Glücke keinen großen Theil der Künstler in Deutschland damit angesteckt. Der Engländer sah den jungen Mann eine Weile an, zog einige Mahle an seiner Pfeife, und sagre: ich lebe schon eine längere Zeit in Deutschland, kenne die merkwürdigsten Städte, auch viele der mir angerühmren Leute dieses Landes; aber ich finde, daß in ganz Deutschland nur zwey, höchstens drey Menschen leben, und das sind jene, die sich unter den andern schon ein Mahl den Ruhm erworben haben, über Künste und Wissenschaften reden zu können. Die übrige Zahl der Künstler und Gelehrten lassen sich auf Gerathewohl von diesen führen. Sre werden aber doch nicht bei) der Nase herumgeführt? fiel ihm B..au ein. Ich habe die Weiber bey dürftigen Mahlzeiten oft von der Bereitung der köstlichsten Speisen reden gehört/ und das Gespräch hat gewöhnlich mit wechselseitigen Seufzern ein Ende genommen/ sagte der lachende Fremde. Wollen Sie damit auf den Mangel des absoluten Knnstvermögcns anspielen/ so zeigen Sie/ daß Ihnen wirklich noch Alles in unserm Lande fremd ist/ erwiederte der junge Mann. Ich will Punsch trinken/ und der Sache Recht wiederfahren lassen/ wenn sie mit lebendiger Hand hingesetzt, in ihrer Art lebt. Die geschätztesten Bilder nechen wie die Leichen, wenn sie das Gedächtniß nur nach der Regel hervorgebracht hat; aus dem Herzen müssen sie kommen. Aber war hat denn Ihren Freund veranlaßt, nach Jamaika zugehen? fragte B..au. Einmahl andere Gesichter zu sehen, als diese waren, die er schon zu oft um sich gesehen hat, sagte der Engländer. Ah! das ist John auf Jamaika, sagte ein Mann von mittlerem Alter, indem er die Blätter in die Hand nahm. Als ich vor zwey Jahren m London wgr, war er das Gespräch aller Leute. Sie erzählten mir, daß ihn ein fehlgeschlagener Liebesantrag bewogen habe, nach Jamaika zu gehen. Johann kommt auf Jamaika an. Hier sehen wir ihn also wohlbeleibt, und wie die Haltung seines Körpers und der gestützten Hände vermuthen läßt, auch im Stande sich eines der schönsten Häuser zu erkaufen. Auch ist zu sehen, sagte B..au, daß es keine Bosheit dieser englischen Dame war, ihm den Korb zu geben; denn wie es scheint, so ist diesem Menschen der eigene Bauch das liebste unter der Sonne. Er wendet seine Schritte von dem kleinen etwas schon windschiefen Hause dort auf den Berg, dieß scheint ihm nicht anzustehen, und er wird ohne Zweifel so eben einen besseren Gegenstand im Auge haben. Johann's Vermögen verschaffte ihm auch bald das schönste Haus sammt allem dazu Gehörigen auf dieser Insel, welches er auch für alle die Gerathschaften, die er aus London mitgeführet hatte, haben musste; denn es ist all zu bekannt, das seine Auswanderung das Ansehen eines Heereszuges gehabt hat. Wir sehen ihn aber so allein in dieser Wüste, als wenn er zur Wurzelnahrung verbannt *7 wäre, bemerkte Einer. Hinter den Bergen, lieber Freund, dort kommt schon der Zug, das Gepäcke heran, nur Geduld, Geduld. Sie werden sehen, der Mann war prächtig möblirt. Er ließ auch nicht das Geringste seiner Habschaft zurück, um sogar jede Erinnerung an seine Person in seinem Vaterlande zu vertilgen, und dennoch durfte seine Dienerschaft, die er bey dem fehlgeschlagenen Gesuche im Verdacht hatte, ihm nur bis an die Gränze folgen, obwohl er für ihren lebenslänglichen Unterhalt großmüthig gesorgt hat. Das war klug, sagte B..au, denn bey den Schonen auf Jamawa hatte sich jeder seiner Diener vielleicht besser als Johann selbst beliebt machen können, und das wäre eigentlich erst die rechte Wirthschaft geworden, wo man nicht gewußt hätte, wer Koch oder Kellner ist. r Aber, wie ich gehört habe, fügte er bey, so wollte keiner von seinen Dienern mitreisen, weil sie klüger waren, und die zitronenfarbige Haut gefürchtet harten. Wer sich in die Gefahr begibt, kommt in der Gefahr um, sagte der alte Herr. Sie werden nicht eine Hand breit von dem Flecke begraben werden, wo Sie geboren win- den, versetzte der Engländer, der bey der Erzählung der Lebcnsgeschichte seines John s in sich gekehrt seine Pfeife rauchte. Die ersten Wochen brachte Johann sehr angenehm auf der Insel zu, und unterrichtete die wenigen Schwarzen, welche ihm mit dem Kaufe des Gutes zugeeignet wurden, in ihrem Dienste. Quassi, der Geschickteste unter den männlichen Leibeigenen, wurde in den Geschaf ten eines Kammerdieners, Aussehers und dergleichen gezogen. Kitly, die Geschäftigste der weiblichen, hatte die Küche zu verstehen, nebst der beygefügten Anmerkung, daß sie sich auch der etwa noch außer der Küche nothwendigen Dienstleistung unterwerfen müsse, zu welchem sich Kitly ohne Murren verpflichtete. Als Johann sah, daß in seinem Hause Püfteck und Punsch so gut, wie in England, zu haben war, hielt er sich fast für einen zweyten Prometheus aus dieser Insel, und ward für die übriggelassenen Schüsseln und Gläser von den Schwarzen auch hochgeschätzt. Doch nach und nach flellce sich der alte Hang zum Mißmuth wieder ein, und da ging es der schwarzen Dienerschaft nicht wohl, zumahl stieg seine üble Laune auf einen hohen Grad, als sich die Mücken, von denen wir unsern Johann im zweyten Bilde geplagt sehen, wieder furchtbar über die Insel Jamaica verbreiteten. 20 Alle Menschen waren in dieser Gegend in banger Erwartung/ denn, wie bekannt, glaubte man, der giftige Stachel dieses Jnsects impfe den Gestochenen das gelbe pestartige Fieber ein. Johanns Verdruß über die Unmacht der Menschen, selbst einer Schar so kleiner Thiere nicht mächtig werden zu können, mehrte sich alle Tage, und er versuchte alle Mtttel, d,e man in Europa gegen die Fliegen zu brauchen pflegt; aber Alles war vergebens. Er verwünschte dieseRace, als er wahrgenommen hatte, daß sie sich der Leimruthe gar nicht nähert, sondern nur immer die größte Lust auf die menschliche Haut zeigte, sie mag schwarz oder weiß sey», Quassia und Fliegensteinwaffer hineinsaugte, ohne den geringsten Anfall zu bekommen, welchen wir bey unsern einheimischen Mücken, deren Organism weit zarter zu s-yu scheint, nut Blitzesschnelle bemerken. 2l Der geplagte Johann schlug mit dem Tuche um sich/ und fluchend zog er sich des Tages tausend und tausend Mahl in alle die Wendungen/ die wir an den papiernen Hanswursten sehen/ an welchen der Zugfaden alle Theile des Körpers über und unter einander schlagen macht. Die Schwarzen mußten um ihn herumlaufen/ dieses feindselige Geschlecht zu haschen/ und er konnte mitten unter seinen Plagen oft über die possierlichen Sprünge lache»/ wenn die schwarze Dienerschaft auf die stachlichten Ungeheuer Jagd machte/ wobey mancher vorwärts und rückwärts hinstolperte. Um den besondern Eifer zu belohnen/ stellte Johann auch einen Preis aus, und wer von seinen Leuten eine solche Bestie fing, und aus der Hand mit so viel Gewalt zur Erde warf, daß man kein Zeichen des Lebens an ihr wahrnehmen konnte, bekam ein kleines Glas voll Arrak. 22 So löblich diese Anstalt war, so mußte Johann davon abgehen, denn er sah, dafi die Stärksten nur eines solchen Wurfes fähig waren, und diese selbst dadurch zu schnell ermüdet wurden. Sollte denn das so schwer seyn? sagte einer unter der Gesellschaft. Ein Glas Punsch wette ich, sagt- der Engländer, der ehezuvor schon halb schlafend da gesessen ist, sie werfen mir keine von den Mücken todt, die hier auf den Tisch und Fenstern herum sitzen. Nun das müßte doch keine Hererey seyn, riefen einige unter den Herumstehenden. So viele es versucken wollen, rief der Wettlustige, gegen jeden em Glas. Halt! schrie er, als er sah, daß einige schon im Begriff waren. Fliegen zu haschen, wir wollen vorher die Wette zusammen legen, und in einem Augenblicke sah man das Geld für mehr als dreyßig Glaser Punsches aus dem Tische liegen, das Alles gegen den Engländer galt. Der Kaffehgeber, der mit der Zusammenrottung eher nicht zufrieden schien, da sich Mancher vom Spiele entfernte, erheiterte wahrscheinlich durch die Berechnung, daß ihn diese Wette genugsam entschädigen werde, und da er sich seiner Stärke bewußt, derentwegen er auch oft von andern gerühmt wurde, so konnte er sich nicht enthalten, auch seinen Arm zu versuchen. Einer, der neben den Engländer saß und wahrscheinlich das Talent eines Helden nicht besaß, theilte diesgewetrete Summe, Glas gegen Glas zu Häufleins, damit nach jedem Wurfe, dieser oder jener die Wette einstreichen konnte. 24 Bald war der drolligste Auftritt zu sehen, zu welchem Johann auf Jamaica die Veranlassung war, und der Engländer schien sich vergnügt in die Lage seines ehemaligen Freundes zu versetzen, indem er die herumtummelnde Gesellschaft, die mit Fliegenfangen und zur Erde werfen, unter den sonderbarsten Ausbrüchen von Verdruß, vollauf zu thun hatte, beobachtete. Er vergaß sich ganz und rief: wem es zuerst gelingen werde, eine Fliege so zur Erde zu werfen, daß sie sich nicht mehr bewegt, dem soll dre ganze Wette zu Theil werden. Dieser Zuruf, obwohl er zwar weniger bedacht, alr herzlich gemeint war, machte unter der Gesellschaft gerade den entgegengesetzten Eindruck, den er auf der Insel Jamaica gemacht hrben würde; denn einige dieser Herren wollten sich so gerade zu nicht für die fiiegen- haschenden Jamaicaner des Johanns ansehen lassen, und äußerten sich, daß, wenn es dem Süffling gelüsten sollte, es noch ein Mahlzu sagen, er die Antwort aus seinem Gesichte werde wischen müssen. Es ist nicht möglich, rief der Kaffehsieder, als er sich schon niüde geworfen und trocken geflucht hatte. Seinem Beyspiele folgten bald die Übrigen nach und nach, als er arhemlos wieder seinen Sitz nahm. Der lachende Dickbauch, der die ganze Summe gewonnen hatte, händigte sie sogleich, nachdem sich keiner mehr zu wetten getraute, dem Kaffehsieder ein, und begehrte so viel Glaser Punsch zu bringen, als er Geld erhalten hatte. Mein Nachbar, der den Engländer in Betreff der Karrikaturen zuvor anzog, ärgerte sich 26 recht sehr über die Menschen, die einen so thörichten Hang haben. Alles was ihnen noch unbekannt ist, es dürfe an sich noch so niedrig seyn, nachzuahmen, und kam mit seinem Freund, der neben ihm saß, in einen höchst gekehrten Streit, als dieser behaupten wollte, daß es höchst langweilig und einsylbig unter den Menschen zu leben wäre, wenn sie nur immer das Ruhmwür- digste nachahmen wollten, und noch hinzufügte, daß ihm überhaupt jede Nachahmung ganz unter der Würde des Menschen schiene, obwohl diese Posse keineswegs eine Nachahmung, sondern eine Wette im vollesten Sinne dieses Wortes wäre, weil jeder sich, ohne die Sache versucht zu haben, mehr zugetrauet hat, als er doch leisten konnte. Es ist mir bekannt, sagte jener, daß Sie das Rohe so gern in Schutz nehmen. 2? Und ich, erwiederte der andere, sehe sie täglich roher werden,>e mehr Sie die Rohheit zu befeinden, und ihr Unvermögen in das stoisch e Schubkastchen einzuengen sich bemühen. Auf vier großen Tassen kamen nun die unzähligen Gläser voll Punsch an, deren Erscheinung einen Nachtrag des vorigen tollen Speetakels veranlaßte. Hatten sich die meisten der Herren eine Weile zuvor geschämt, für Wilde gehalten zu werden, so scheuten sie sich nun bey der Erscheinung des allgemein preisgegebenen Punsches nicht, es zu seyn, und langten einer über den andern, wer auch dazu etwas beygetragen haben mochte oder nicht, nach den Gläsern. Einige, die in der Wette heftig wurden, und mehrere Gläser bezahlen mußten, jetzt aber keines davon tragen konnten, rissen dem ersten besten das Glas aus der Hand, und machten über und unter sich ein geistiges Bad. 28 Der Engländer hielt sich den Bauch vor Lachen, und das tolle Zeug mag ihm nie das Leichenmahl seines Freundes auf Jamaica vorgekommen seyn. Der Kaffehgeber bemühte sich, diesen und jenen, welcher bey der Plünderung Schaden gelitten hatte, zu besänftigen, und brachte es mit geübten Worten auch glücklich zu Stande. Einige gingen murrend davon, andere setzten sich wieder lachend nieder. Ich habe immer gehört: ein Narr macht Tausend, brummte der alte Herr, als zwischen einigen aufs neue der Wortwechsel anfing, und die Flamme des Zwistes bald wieder ausgebro- chen wäre. Laßt das gut seyn, riefen die Klüger«, und zogen den Erzähler auf seinen vorigen Sitz, 29 lüden! sie ihn bathen, vielleicht nur um die Beleidigten vom Verdruffe abzubringen, in der Geschichte Johanns auf Jamaica fortzufahren. Die verdammten Mücken, schüttelte lachend der Engländer den gesenkten Kopf, und verstummte in der vorigen Attitüde. Johann, fing der Erzähler wieder an, raffte, als er alle Mittel vergebens fand, sich von dieser Mückenqual zu retten, endlich auch seine geistige Thätigkeit zusammen, und brachte sein Wesen oft zu einer ästhetischen Höhe. Der junge hagere Moralist blickte gegen Himmel, und konnte sich eines ärgerlichen Lächelns nicht enthalten. Denn so auffahrend, fuhr der Erzähler fort, als wir ihn hier in diesem Bilde sehen. 3c> so entschlossen gab er oft stundenlang seinen Körper der Qual hin, ohne die geringste Bewegung zu machen, ja ohne eine Miene im Leiden zu verziehen. Johanns Entschlüsse zu dieser Hingebung und Selbsterhebung waren rasch und oft in einer Blitzesschnelle darauf, wenn er am tollsten sich betrug- Dieses Bild wird, wie ich nicht zweifle, gerade den Übergang des höchsten Unmuthes in die stoische Sclbsterhcbung vorstellen, denn der kleine Mohr, der wahrscheinlich den Auftrag gehabt hat, einen großen Napf Punsch zu bringen, der als ein Verzweiflungsmittel getrunken werden sollte, scheint zurückgewiesen, und flaunt seinen Herr» nichr ohne Freude,? an, in der Hoffnung: diese Dosis für sich behalten zu dürfen. Er fühlte seinen Puls und das Zittern seiner Adern. Nun diese Stellung, sagte B..au, wird doch nicht aus den ästhetischen selbsterhebenden Momenten Johanns aufgefaßt worden seyn. Zumahl mit dem Tuche um das Haupt, welches wahrlich auf einen gänzlichen Ban- gueroute zu deuten scheinet, bemerkte der Moralist. Das kann gerade, sagte ein Anderer, von einer allzu starken Thätigkeit in diesem Theile herrühren, und wir habe» ja die Erfahrung von unsern besten Kopsen, setzte er hinzu, daß sie alle an dem peinlichsten Kopfweh, und anKram- pfen leiden. Das sind auch die zwey Eptreme unserer Zeit, sagte der Mann, der zuvor mit dem Moralisten einen Streit hatte, es zeigt sich der Künstler entweder im Krampfe oder im Rausche, und er gefällt auch so der getheilten Menschenclasse seiner Zeit: diese loben sich die Gesundheit, indem sie sich im Schlummer hinabsenken, jene die kühne Entkörperung, indem sie das Leben mißverstehen. Zur Geschichte, lieber Freund, sagte el- ner zu dem Erzähler, wir brauchen keine krampfhaften Erklärungen der Krämpfe. Es will doch kein Mensch die Wahrheit hören, murrte der alte Herr, indeß der Erzähler fortfuhr: Johanns Gesundheit schien wirklich angegriffen zu seyn, krampfhaft wurde er im Unterleibs von Schmerzen angefallen, und eine düstere Furcht vor dem Tode beschlich ihn, so frey er ihm auch in vielen Momenten entgegensehen konnte. Der Spiegel, welcher alle die Leute so sehr beschäfriget, welche an der schleichenden Hypochondrie leiden, wurde auch von unserem Johann so oft zur Nede gestellt, und er wurde in den ängsuglichen Ahndungen immer 33 immer erfinderischen, so oft ihm dieser eine unerwünschte Antwort gab. Er nahm das Herzklopfen und das Zucken seiner Adern unter den heftigsten Kopfschmerzen gewahr, und glaubte durch ein Glas voll Arrak oft die Abnahme seiner Gesichtsfarbe wieder herstellen zu können; allein dieß war nicht vermögend den bösen Stoff zu dieser Krankheit zu vertilgen, wenn es auch eine kurze Linderung, die mehr eine Betäubung war, herbeysührte. Der Mann entsagte einer Lebensweise m seinem Vaterlands, die ihm vielleicht sehr angenehm war. Und diese Gewalt gegen das eigene Herz, bemerkte Einer, bringt stets diesen verzehrenden Hypochonderischen Zustand hervor. Wohl, sagte der Gegner des Moralisten, sobald der Mensch einem Hange entsagen muß, ohne dem Ziele seiner Bestimmung zusagen zu Z 24 könne». Das ungewöhnliche Vermögen der Fantasie fordert in der körperlichen Reifwerdung auch U eine ungewöhnliche Pfleg- und Leitung des eige-§l nen Triebes; sie selbst wird die Geißel des Be- A sitzers, so lang er sie nicht bis zur Vernunft^ ordnen kann. All- Hülfs- und Nothbüchlems sind hu-c unvermögend zu helfen, der Menich muß das Unsichtbare m ihm einzig und allein m für sich anerkennen, außer welchem alles Übrige ch, nichts>st, er muß der ruhige Beschauer aller sie Entstehungen in seinem Inneren werden, ewig de thätig seyn, wenn er auch nichts zu thun scheint, ho dann sollen diese Schreckens- Gestalten des To- D des erscheinen, sie werden wie die Mücken zu jh> Asche gebrannt, die sich des Nachts dem Lichte nähern. täj Wre ist es aber mit dem Stoffe, welcher„e u> unserem Körper dieser Krankheit zum Grunde liegt'i sagte der alte Herr. 35 Ohnmächtige Stoffe werden stets von der Macht vertilget/ wenn unser Wesen diesen Ern- klang bekommt. Die ehrwürdigen Völker des Alterthums waren mit dieser Qual nicht be haftet. Sie sollten Ihre Ideen, sagte der aufmerksam gewordene Alte, schriftlich bekannt machen, und er hätte sich vielleicht bald erbothen, sie drucken zu lassen, wenn ihm das Gezische der andern, die die Geschichte Johanns lieber hörten, nicht Stillschweigen geheißen hätte. Daß doch die Gelehrten bey jeder Gelegenheit ihre Gelehrsamkeit' auskramen müssen! rief Einer unter der Gesellschaft, indem der unterbrochene Erzähler wieder begann: Johanns Zustand ward täglich bedenklicher und für seine schwarze Dienerschaft oft von bösen Folgen. Er verlor nach und nach die Eßlust, und 56 zog ferne Leute, als die Speisen einen bittern - Geschmack für ihn hatten, in Verdacht; Küche äj und Speisevorrath wurden untersucht, und doch g keine boshafte Verfälschung wahrgenommen. Aber Johann ließ sich von der Meinung C nicht abbringen, man misch- ihm bittere Krau- g. ter unter die Gerichte, um sie auf diese schlaue sh Art dann an sich zu bringen. Bald glaubte er ke durch die Reinigung des Mundes diesen etwa auf der Zunge und zwischen den Zahnen zurückgebliebenen Stoff, wie wir ihn in dem ersten st Bilde auf der zweyten Tafel sehen, wegwaschen ei zu können, und als dieß Alles nicht vermögend g, war, ihm diesen wahrhaft krankhaften Geschmack e, zu benehmen, so wurde er ungeduldig, und d, prügelte oft auf geradewohl, schuldig odn unschuldig, gewaltsam unter die dienstbare« 3? rn Möchten Sie dieß Benehmen nichr auch che ästhetisch nennen? sagte lächelnd der hagere jun- och ge Mann. Wenigstens, entgegnete ihm sein voriger mg Gegner, möchte ich einem Solchen das Vermö- äu- gen es werden zu können, nicht so schnell ab- aue sprechen, als Einem, dessen Beschaffenheit gar ! er keine Leidenschaft auflodern laßt. rwa rick- Als Johann von der Zerrüttung seines ge- ste» funden Zustandes überzeugt war, verwünschte che» er das Land, in welches ihn seine Grille zu ;eiü gehen bewog. Er änderte seine Lebensweise und nark enthielt sich vom übermäßigen Genusse erhitzen- ruii der Getränke, odn are« Das war auch der erste dumme Streich, den John auf Jamaica begangen hat, rief der halbschlummernde Engländer. 58 Ich habe ihm schon einige auf den Fingern e nachgezahlt, sagte B.. au. I s Das zweyte Bild dieser Tafel überzeugt s Üns auch von der viel geringeren Portion des l Essens, wenn wir nur die kleinen Schaalen, r welche der kleine Mohr herein bringt, mit den j vorigen großen Behältern, die wir, wie ich l glaube, schon einige Mahl zu Gesichte bekom-> men, vergleichen wollen. Doch ehe wir dieses> Bl ttchen aus der Hand legen, so kann ich nicht 1 umhm, eines Ereignisses zu erwähnen, welches sich kurz zuvor mit dem alteren Bruder dieses schwarzen Knaben begeben harte. Johanns Ausdruck im Gesichte, drückt nicht so bestimmt das Fluchen über seinen jetzigen Zustand in diesem Augenblick aus, als wie es jedem deutlich wird, mehr Besonnenheit, und einen Zug von Groß- lmrth. Aber es mochte mir und manchem von den Herren die Zeit kostbarer seyn, als daß ich ,'N es erzähle»/ und Sie es anhöre» sollten; litdew sich der Erzähler anschickte sortzugehen und ein ander Mahl wieder die Geschichte Johanns zu gt schließen versprach. Auch als sich Einige äußerten, es daß es wohl einzusehen sey, wie undankbar es n, wäre, die Biographie eines solchen Menschen en zu erzählen, wenn man der Begebenheit treu ich bleiben, und wie schwer, wenn man sie in n- eine dichterische Form kleiden wollte, drum ies nehme er auch die Ausflucht, wie B.. au sagte, cht weil ihm der Faden wohl zu Ende gehe. !Ss ses Zwar waren es diese Bemerkungen nicht, die ,s- ihn zu bleiben bewogen, sondern ein plötzlicher >as Regenguß, welcher die gesammte Gesellschaft em zwang, das Dach, unter welchen sie saß, vor rd, drey Stunden nicht zu verlassen. ,ß- .on Diego, ein Bursche von ohngefähr sieben- ich zehn Jahren, fuhr der Erzählende nach einer Weile fort, welchen Johann wegen seiner Schlauheit besonders im Verdacht hatte/ weil er bemerkte, daß er unter den Geschenken, dw der Dienerschaft im Bausche zur Theilung gegeben wurden, mit einer unglaublichen Geschick- lichkeit immer das Beste an sich zu ziehen wußte, wurde vor wenigen Tagen von seinem Herrn ohne aller Schonung gezüchtiget. Doch er hatte keine Schuld am lethigen Munde seines Gebiethers, auch war es kein niedriger Eigennutz, daß er bey der Theilung verschiedener Kleidungsstoffe und anderer Kleinigkeiten immer nach dem Besten strebte und gewöhnlich glücklich erlangte; denn er liebte Kittlys jüngere Schwester über Alles, was ihn umgab, und scheute keine Schwierigkeit, um sie mit einem neuen Geschenke zu überraschen. Thella, seine Geliebte, war ihm auch mit ganzer Seele zugethan, denn sie war der Liebs ihres Diego gewiß, und wußte, daß keine Klippe so hoch seyn kann, von welcher Diego nicht zu ihr herabstürzte, wenn sie ihm im Thäte riese, keine Schlange sie todten könne, Diego müßte zuvor das Opfer seyn. Auf einer Anhöhe, die reich an Palmen war, und derer Gipfel die Sonne am längsten beschien, erwartete sie Abends immer ihren geliebten Diego, und hüpfte mit aufgehobenen Armen in die Höhe vor Lust, wenn sie ihn aus der Ferne kommen sah. Er. blickte Diego seine Thella, so setzte er wie ein Reh über die höchsten Gebüsche, und trug jauchzend das umklammerte Mädchen in den Schatten der Baume. Dort saßen sie stundenlang verstummt in dem seligsten Vereine, umschlungen wie zwey Stamme, die mit gleicher Gluth an einander aus der Erde schießen, und kaum berührt, sich wechselseitig umwindend, empor Mchsen. So liebevoll erwartete Thella auch vor kurzem ihren Diego, und da er ungewöhnlich lang nicht kam, erkletterte sie den Gipfel manches Baums, um ihren Geliebten zu erblicken, oder von ihm bemerkt zu werden, stieg aber immer wieder voll banger Ahndung herab, und versank in ein quälendes Nachsinnen. Sie konnte nicht ruhen, und wollte dem bangen Gedanken nicht Raum lassen, daß Diego ein Unglück begegnet sey. Beklemmt von Sehnsucht und Trauer saß sie auf der Erde, und riß gedankenvoll und doch nichts denkend die Blumen und Blatter um sich ab, und als in diesem Hinbrüten schon ziemliche Häufchen von duftenden Krautern um sie herum lagen, scharrte sie sie zusammen, und machte ein Lager daraus, worauf sie sich bald voll Ungeduld hinwarf. Hingegossen in Liebe lagen die schonen Glieder des schwarzen Mädchens voll Rsitz und Anmuth auf dem bunten, Leben aushauchenden Blumenbette, ihre Augen glühten, und glichen zwey Sternen, die aus dem dunklen blauen Firmament auf dieses üppige Lager herabgesunken sind. Schon sank die Sonne hinter die fernen durchsichtig scheinenden Berge, und bestrahlte noch den zarten schlanken Körper des im Traume wachenden Mädchens, die in der Ferne wie auS schimmerndem Golde gegossen schien. Diego näherte sich langsam, durchdrungen vom Schmerze, mit knirschenden Zahnen dem reihenden Lager, und sank stumm an die Seite des Mädchens. Thella sprang vor Freude auf, und warf sich mit einem Schrey um den Nacken des Geliebten. Als sie aber den verhaltenen Schmerz, und die Beulen und Wunden an dem theuren Körper wahraenommen hatte, brachen perlende 44 Thränen au» ihren funkelnden Augen, und sie sog winselnd das triefende Blut von den Wunden des mißhandelten Drego. So brachten die Liebenden die halbe Nacht dahin, und Thella hob flehend die schonen Arme zum sternenleuchtenden Himmel, als Diego an ihrem Nacken in Schlummer sank. Sie belegte dann mit kühlenden Blättern die Wunden des oft im Schlafe auffahrenden Jünglings, und wachte lauernd auf jeden Athemzug an seiner Seite mit der tiefsten Theilnahme. Wenn uns die Erklärung dieser ein und zwanzig Bilder auf diese Art zu Theil wird, sagte Einer unter der Gesellschaft, so werden wir wohl auf vierzehn Tage Speise und Wohnung hier bestellen müssen. Viel Kopfe, vielerley Sinn, rief ein Anderer; lassen Sie sich nicht irre machen. 45 Zwey Mahl schon fand die Sonne das liebende Paar auf der anmnthigen Hohe, und Diego konnte, obwohl seine Schmerzen gänzlich vergangen waren, und er die glühende Starke wieder in sich fühlte, nicht mehr bleiben, denn mit der Genesung bekam er ein Zutrauen zu seiner Kraft, die ihn zur Rache für die ihm geschehene Schmach reitzte. Am Abend des zweyten Tages stieg die Gluth seines Zornes über sein Bewußtseyn, erdrückte bebend vor Wuth die geliebte Thella an seine Brust, und laut erknarrend in der ganzen Gegend brach der Ast von dem Baume, den Diego entschlossen faßte, und davon flog. Thella ahndete sein Vorhaben, rief, und eilte ihm geflügelt nach. Wenn Johann das bevorstehende Unglück betroffen hatte, bemerkte der strenge junge Mann, 46 so wären wir der übrigen Bilder aus seiner Geschichte doch enthoben gewesen, worauf aber Niemand etwas erwiederte, und der Erzähler ohne daraus zu achten fortfuhr: Tue Sorge um den Geliebten beschleunigte den Lauf der liebenden Thella, und ste stürzte sich mit abgewandtem Gesichte über den in Schwermuth sitzenden Johann, indem Diego nut dem geschwungenen Aste wie versteinert stehen blieb, und das Blut aus seiner, zwischen den Zahnen verbissenen Zunge spritzte. Lhella's Angstaeschrey erschallte m einem so wunderbaren Laut, daß in ihr sowohl Diego s Vorhaben, ihre Furcht um den geliebten Jüngling, und auch das Flehen um Schonung deutlich wurde. Johann dachte schon einige Mahl diese» hart gestraften Jünglings, und bereute seinen 4? Zorn, daher erklärte er sich die Wuth an ihm jetzt geneigter als er es jemahls gethan haben würde. Er hob mitleidig das Mädchen auf, als sie sich zu seinen Füßen warf, und dieß bezähmte den Zorn des Rache glühenden Diego. Er ergriff hastig die ihm dargebothene Hand seines Herrn und überströmte sie mit Thränen, die aus seinen Augen stürzten. Johann versprach ihr ein Geschenk, aber Diego wendcce verneinend das Gesicht weg, und als sein Herr sah, daß noch die letzte Gluth seines Grolls nichr ganz erloschen war, so hieß er rhn unbesorgt mit dem Mädchen seiner Wege gehen. Dreß scheint der Moment zu seyn, welcher für dieses Bild gewählt wurde. Diego's jüngerer Bruder bringt die Schüssel herein und steht im Erstaunen, als er seinen Herrn ganz gleich- 48 müchig nach seinem Bruder fragen harr, une erzählt, nachdem er um Manches gefragt wird, seltene Beyspiele der Entschlossenheit und Lieoe seines Bruders. Johann sinnt nach, das junge Paar glücklich zu machen. Nun, das war voraus zu sehen, sagte einer der Herumstehenden, so enden alle gewöhnliche Romane, und hier muß es auch wieder ein großmüthiger EngcllLnder seyn, welcher das Füllhorn der Glückseligkeit ausschüttet. Auf dem dritten Bilde der zweyten erafel scheint unser Engellander sagte B... au wieder etwas auszuschütten, welches aber weder ihm noch seinen Sclaven eine Freude macht. Dieß denk' ich denn doch nicht, bemerkte ein Anderer, obwohl er zwar einen sonderbare» Griff nach dem Kopfe macht. Das laßt sich wohl rd vermuthen, daß einer, welcher ohne dieß krank d, liegt, keine freudenbezeugende Bewegung machen öe werde, wenn ihm der ungeschickte Diener, wie qr das Blättchen auch betitelt ist, indem er den Sessel, welchen der Kranke verlangt, um zu versuchen, sich aus dem Bette zu heben, unge- ie>: schliffener Weise die Lehne des Stuhls in die che Zähne stoßt, erwiederte ein Dritter, ein >a§ Man sollte nicht glauben, keuchte eme fleischige Gestalt, wie boshaft so eine schwarze Kanallie seyn kann. Ich wette, schrie er immer lauter, als hatte er noch die wichtigste Bemer- kung von Allen gemacht, der Rabenbursche hat der eS so tückisch angelegt, daß sein Herr geglaubt hat, es sey ein bloßes Versehen: aber ich wollte die Kerls gestrichen haben, rkte Als der im Schlummer gesunkene Engel. länder an unserem Tische daö Wort: Wette -^ 4 5o hörte, machte er die Augen ein wenig auf, und blickte um sich, doch da man ihn versicherte,; daß da keine Wette zu machen wäre, ließ er, den Kopf auf die geschlossenen Arme wieder her-^ ab sinken.< r Der Erzähler hatte bey diesem Blattchen nichts weiter anzumerken, da er genügsam^hsil-e an sich selbst sehr deutlich, und von andern Perso-< nen hinlänglich erklärt wurde. l Johann, nahm er dann aber wieder das§ Wort: konnte dieses fieberhaften Anfalles, web e cher ihn mit heftigen Kopfschmerzen, und dn z gänzlichen Abnahme der Eßlust plagte, ohn« e der Zuflucht zu Arzneymitteln nicht machttz s werden, und wir bemerken hier auf dem e»e» t Bilde der dritten Tafel wie auf der vorigen Fla- l scheu, die mit der Signatur der Apotheke rtt- l sehe» sind. So eine Signatur aus der Apotheke auf der Insel Iamaica sagte ein junger Mann, wäre merkwürdiger zu sehen, als manches dieser Bilder, vorausgesetzt, fügte er bey, wenn es kein Vergriff des englischen Bildermachers war. Das klingt ja wie Kleidermacher lachte B.. au, indeß der Erzähler den Faden der Geschichte wieder aufnahm und sagte: daS rff Kitly die altere Schwester der Thella, die wir hier schon wieder mit einer Schüssel, worin der Löffel, welcher gerade in der Mitte steckt, aus ein ziemlich substanzioses Ragout deutet, sie tragt auch, wie es scheint, etwas verdünnendere Suppe in der Hand, sollte es ihrem Gebiether zu derb ausgefallen seyn. Im Grunde aber ein gutes Mädchen, und ihrem Herrn mit aller Achtsamkeit zugethan. Ü2 Das schwarze gurr Häutchen freute sich sehr, als sie bemerkte, Laß Johann wieder zur Genesung gelangt, und versagte sich oft den erfreulichen Gedanken nicht, ihre Kochkunst habe ihn allem wieder gestärkt, und wie wir hier sehen, zwar noch nicht auf die Beine, aber wenigstens aus dem Bette auf die Stühle gebracht. Johann erkannte auch Kitlis Eifer und das Wohlwollen für ihn, daher nahm er si-k vor, sie, wenn es ihm möglich wäre Auch glücklich zu machen, fiel eine Stu" me ein. So eine Person verdient es auch, sag« der alte kränkliche Herr. Johann, wie wir ihn eben hier mit del Unterschrift: er erhohlt sich wieder, so path-- 55 tisch sitzen sehen, fragte das Mädchen; ob sie vielleicht diesen oder jenen Wunsch hege, und versicherte sie seines Wohlwollens, aber Kitly lachte unbefangen, als sie nichts in ihrem Herzen wahrnehmen konnte. Liebst du nicht? Kitly! fragte Johann in der ruhigsten Haltung. Ich glaubte zu lieben, gab sie zur Antwort. Du glaubtest zu lieben, sagte ihr Johann nach. Ich konnte noch leben, als mein Freund mir entrissen wurde; daraus konnt' ich sehen, daß ich doch nicht liebte. Nun fällt die Erzählung gar in die drama tische Form, kickerte Einer hinter dem Sessel des Erzählers. Du warst achtsam in deinem Dienste, Kitly, sagte Johann, und ich will dieß lohnen. 54 Wünschest du auf irgend eine Weste besser zu leben/s° will ich dir dazu behülflich seyn. Ich bin gern bey dir, Herr; antwortete Kitly nnt ganzer Seele, aber Johann faßte nur die Worte, und nicht die Fülle des Gemüthes in der Stimme dieses Geständnisses auf, daher blieb Kitly eine treue Magd und Nichts weiter in seinen Augen, obwohl sie besorgter um das Wohl ihres Herrn, und theilnehmender an seinen Leiden war, als sie es sich jemahls zu sagen getraute. Dieß nächste Bildchen mit der Unterschrift: ^er wird besser," überzeugt uns nur von der schnellen Zunahme der Gesundheit Johann». Er betrachtete mit Vergnügen, ja man konnte sagen mit einer Art Übermuth das Flaschchen, worin sich die Arzney befindet, die ihn wieder genesen ließ. 55 Ja, rief B.. an das ist sehr deutlich ausgedrückt, man hört fast die Worte: O du Com? positum so mächtiger Arlane des verewigten Eskulaps! Dir ward es verliehen, mich dem Schlunde des Orkus zu entreißen, mir cck'r Freuden des unschätzbaren Lebens wieder aufzutischen, sprich auszuschließen. Ganz recht, sagte der strenge Beobachter, einem solchen Menschen werden die Freuden des Lebens nur aufgetischt, da er unvermögend jenes Genußes ist, welchen man aufgeschlossen nennen sollte, und wozu eine reinere höhere Thätigkeit vorher wirken muß. Aufgeschlossener Genuß! murrte ein Anderer, dieser Ausdruck könnte mir gar nicht gefallen, und führt sogar auf allerley Ideen. Einer, der einen Geldkasten aufbricht, um zu stehlen, könnte sich dessen wohl bedienen, denn 56 er stehet dann vor dem aufgeschlossenen Genuß; n aber es ist keine reinere, höhere, sondern eine li äußerst grobe Thätigkeit vorhergegangen.» Das verwünschte Grübeln und Wortstechen'. sagte der Engelländer, indem er wieder etwas dl aus dem Schlummer kam; Ich will euch s sa- st gen, sagte er mit halb geschlossenen Augen, Jonny sitzt da, als wenn er sagen wollte, ja! und sagen gesollt hat: Ich bin ein Esel, daß ich diese elende Quacksalberey für daS Mittel halre, welches mir meine Gesundheit wieder gab!^ Ich bltte, nahm B.. au wieder das Wort, nur dieses so sprechenden Ungeheuers oder Hun-° des auch nichr zu vergessen. Es rst gewöhnlich, fuhr er fort, daß die englischen Karrckaturen- Zeichner gern kontrastirende Gestalten zusammen-" stellen, und hier scheint es wieder derselbe Fall" zu seyn; indem sich der martialische Johann ft>- 5? ner Wiedergcnesung freut, siehet man den be- ne liebten Cerberus ganz gewaltig peinliche Mienen machen, und ich glaube nicht zu irren, daß er in dieser vertrauten Stimmung über seine eigene n! Unpäßlichkeit klagt. Ist denn dieß so unmöglich, >as daß ein Hund auch angesteckt werden kann? und sa- so umgekehrt, en, ja! Das möchte wohl öfter der Fall seyn, sagte ,aß der junge Mann halblaut lachend. itel ah! Ja, schrie der Engclländer auf, der Hund hatte das Zeugs fressen sollen, und ich habe aus >rt, Ärger über den sonst braven Jonny diesen Hund un- erst in Deutschland dazu machen lassen, ich, -en- 3ch zweifle nicht, bemerkte Einer der Her- ,e„. umstehenden; Sie haben das Bitten, ja ich mochte sagen, das Zureden, in der Miene des Hunds verlangt; daß sein Herr sich doch von ob dem Glauben an dieses Mittel Nicht v-rle.ten lassen solle, und man wird dadurch wirklich so»n unentschlossen, welchem dieser beyden Gesichter hu mehr Klugheit zuzumuthen wäre.^ G> Der Engellander wollte mit einem Blicke M antworten, aber das matte, schon roth getrunkene Aug' konnte nichts Deutliches mehr hervor- Fü bringen. Da bleibt mir nun auch wieder nichts mehr lau zu sagen übrig, sagte der Erzähler, als er wie- pe- der zu Wort kam; Und wir sind nun in diesen, ca darauf folgenden Bilde:„er gehet auf die Jagd,"" von Johann's Wohlbefinden gänzlich überzeugt,"o un Nichts weniger als das! sagte der scharfe tei B-nrtheiler, denn ich finde in diesem, wie in allen vorher gegangenen Bildern, den Menschen/^ Hund, Bäume, im höchsten Grade krank. WWWMI b<) Sie werden doch, rief ihm em Anderer unter der Gesellschaft entgegen: in diesen schnell hingeworfenen Skizzen, welche ganz in dem englischen Karikaturstile gegeben sind, die tiefen Grundsätze der alten italienischen und deutschen Meister nicht erwartet haben? Betrachten Sie nur, sagte B.. au, die Füße unsers Johanns, und es wird auch einige Tiefe der Erfindung an diesem Bilde nicht zu laugnen seyn. Sehen Sie nur, wie die Kap- penstiefel an denen noch nichr in ihre vorige Ge? stalt getretenen Waden des Rekonvaleszenten unausgesüllt umherschlenkern, wie der linke Fuß noch unter der Last des Körpers zusammenfallt, und ich könnte noch Vieles als Beweis anführen, wie Wollten Sie, fiel ihm der gespannte Kritiker ein, diesen gelähmten Jagdhund nicht auch in Schutz nehmen? Man konnte, erwredertc ihm sein Gegner, mit diesem bellenden Wachter wohl manchen Vergleich aufstellen, wenn uns die große Schea be des Hutes nicht auf den wohlthätigen Schirm der Nacht, welcher über der ganzen Schöpfung liegt erinnerte, unter welchen wir arme Erschöpfe uns oft der Sonne nahe dünken, indessen uns hier nur eine künstliche Raquette oL» gar nur ein glühender Lumpe« leuchtet. Wohlthätig mag es wohl Manchem seyn, welcher so gern das Licht flieht, sagte der ernß- haste junge Mann, indem er beym Fenster hm ausblickte, und unzufrieden mit dem noch hefl gen Regen seine vorige Stellung nahm« Ob diese Wahl, hier in den sogleich« einander folgenden Bildern, zwey so verschiedene Hunde vorzustellen, nicht auch in Bezug geschehen ist? sagte ein Dritter, ohne daß ihm j- 6i er, mand geantwortet hatte, und der Erzähler um >en die Fortsetzung dieser Geschichte von der Gesellte schaft ersucht wurde, rm ,ng Da unser hier jagende Johann, fing er Ir, wieder an, nun auch genugsam durchgejagt ist, des so wollen wir das erste Bild der vierten Tafel >dei mit der Unterschrift:„er wird liederlich," zur Hand nehmen, und wir sind bald überzeugt, daß Johanns Übermuth, als er sich wieder ganz her N)N, gestellt fühlte, auf einen hohen Grad stieg. -ich ^ An gute Gesellschaft bey Tische gewohnt, ^ wußte er oft nicht, auf welche Art er sich die Zeit verkürzen, und den leeren Raum beleben sollte. Hier sehen wir ihn in seiner Lieblings- deschaftigung. iedr- ^ g, Sie meinen das Tabakrauchens fragte Ei- nner unter der Gesellschaft. Das ist hier nur eine Nebensache, entgegnen der Erzähler, aber das Bouteillenste- chen, in welchem Johann nicht ungeschickt war, wird wohl einer Erklärung brauchen, doch che e§ zu dieser Erläuterung kam, hob der eher immer schlafende Engelländer in Deutschland den einen Fuß auf den Tisch, streifte eine Flasche, die vor ihm stand, damit herab, und ehe si- noch zur Erde fiel, warf er sie mit der Spike ves andern Fußes wohl über zwey Ellen m du Hohe, und fing sie mit der Hand, ohne daß an derselben etwas beschädiget worden wäre. Hier sehen sie die beste Erklärung, sagte der Erzähler zu der Versammlung, indem Emigr darunter die Geschicklichkeit dieses Wurfes bewunderten, und die herumstehenden Bierflasche» ergriffen, um es auch zu versuchen. Der schlummernde Trinker platzte mied« 65 in ein lautes Lachen aus, als er in einem Augenblicke eine Menge Flaschen zertrümmert auf der Erde sah, und die Übrigen, welche zu dieser Probe nicht versucht wurden, den Nachahmungsgeist verwünschten, welcher sogleich die Menge ergriff. Der Hypochonder flüchtete sich zitternd m ein anderes Zimmer, und aus diesem bald wieder voll Angst in ein drittes, als diese Lust so schnell um sich griff. Doch als sich Einige an Hand und Gesicht merklich beschädiget hatten, und der Kaffehgeber bittend und ermahnend herumlief, wurde es wieder etwas ruhiger. Jene, welche besonders Theil an Johanns Geschichte auf Jamaica nahmen, blieben um den Erzähler versammelt, und er kommentirte das zweyte Bild dieser Tafel, in welchem wir 64 rme aufgelöst- Schnalle an d;m Schuhe Johanns bemerken. Er schlägt den Quassi, und das gewiß nicht zum ersten und letzten Mahle, sagte er, denn Johanns Gahzorn wurde am heftigsten, wenn er sich vornahm, sich in einem recht bequemen Augenblicke bedienen zu lassen, und er gerade im demselben wegen der Unbehülflichk-it oder Mangel an Kenntniß der Dienerschaft, seine« Hange nicht nachhangen konnte. Hier sehen wn ihn so eben wegen einer schlecht eingemachte« Schuhschnalle gewaltig aus seinen Hausmeister und Kammerdiener Quaffr losschlagen, mdesse» die Stühle in der Stube umherfliegen. S selbst ist ohne Zweifel in einem Augenblicke aus gefaßt, wo ihn das Gleichgewicht verlassen hatt-/ und welches seinem Hausgesinde nicht un^ wohnlich vorkam. 65 zo- cht nn Nil ie» ade der >en> irir >te« ster ffe» E' tte/ rgi' Dieses kurze elegante Beinkleid, bemerkte B.. au, laßt auf eine interessante Bekanntschaft deuten, welche dieser Herr auf der Insel gemacht. So war es auch, sagte der Erzähler, aber wenn man keine Weißen hat, muß man mit Schwarzen tanzen; und Johann zeigt sich auch in dem darauf folgenden Bilde wirklich, wie er u In 5runk>ocse bey der beliebten Melodie: ÄlorALwruttle krer eto. mit der Wirthinn eines Tanzsaales herumspringt. Diese Melodie, sagte B.. au. wird wohl mit unsern Heubauern in gleichem Range stehen. Ohngefahr, erwiederte der Erzähler. Doch ehe wir dieß Bild,„er tanzt Nachte durch' «erlassen, kann ich nicht umhin, mit Wenigem K 66 den Charakter dieser schwarzen Frau und ihr-Yaus- wesen zu beleuchten. Als Kind von zehn Jahren wurde Oltza sammt ihrem Vater von einem englischen Juden, welcher damahls eine Zeitlang auf der Inst! Jamaica lebte, mit nach England gebracht, uck lies; sich nicht lang darauf, als ihre schwarze Gestatt die Neigung manches Lüstl-rs gewann, von einer bejahrten Dame bereden, ohne Wisse« ihres Vaters die Reise nach Frankreich mit zit machen. Unter der Leitung dieser langst verblub ten Schönheit lernte sie bald die spitzfindig! Denkungsart, womit sich jene Weibspersonen, welche zur Ausartung geneigt sind, gern nnl leicht ausrüsten, und womit man sie ihr U> wesen dann mit einem Grad von Resignation treiben sieht; Lüge, Absicht und Schamlosigke« machen das Dreyeck ihres Wesens, worauf dann rhr momentanes Wohlbehagen gegründet wüsi Un ze> in dc! Üb dm 3" th< S, am schl brk msi er ga! »nii ' 6? und die schwarze Oltza brachte es in dieser schwarzen Kunst bald aus einen hohen Grad. Sie sah in dieser Schule, wie leicht sich die Männer in ^ den Augenblicken der langen Weile und des Überdrusses der Betäubung hingeben, und dachte darauf, ein solches Institut auch auf der ^ Insel, von welcher sie herftammte, mit Vor- ^ theil anzulegen. nn,> Eine geraume Zeit trieb sie schon diese s" Speculation aus Jamaica, als Johann dort angekommen war, und faßte sogleich den Ent- schlufi, auch ihn in ihr schwarzes Garn zu ""s bringen, uiü Der Mißmnth Johanns über die einsör- mige Lebensweise, und der Verdruß, welchen Ukll sich zwar nur selbst mit seinen Leuten machte, gaben ihr die besten Hoffnungen sich dieses über- müßigen Engländers zu bemeistern. 66 Kelly sah die Zudringlichkeit dieser ihr verhaßten Müklermn, glühte oft vor Zorn über di- unverschämten Einladungen, mit welchen st-^r sich zu ihren Herrn schlich, aber ihr stilles m sich^ selbst verglühendes Gemüth konnte zu keiner^ warnenden Sprache kommen, und ihre Unbefangenheit auch keine Kunst erfinden, trotz ihm Jugend und angenehmern Gestalt sich bey ihre»,^ Gebi-ther schätzbarer zu machen, als dies- ab gelebt- Buhlen,,», die durch die schlechten Er- fahrungen fähig war, den Lüsten des Englä»- ders besser zu willfahren als sie. Ost saß Kitly von Schmerzen und bange»^ Ahnungen bewegt in Thränen die Nacht schlaf^ » los auf ihrem Lager, welche Johann im Le» mel bey Oltza und ihrem Trosse durchbracht-. Doch was vermag ein liebendes Gemüih geg- lief die gemüthslose Absicht, welche rn der Ma-- fax der Liebe zu berauschen suchte. Zi 6g Was die Poesie gegen den Verstand? Nur den Unverdorbenen Werth seyn, lispelte ein blonder junger Mann lächelnd seinem Nachbar ^ zu. Aber es kommen viele in Schaafskleidern in unserer Zeit, fügte er etwas derber bey. lbe- Kitlys Sorge um ihren geliebten Herrn "" war auch nicht ungegründet, fuhr der Erzähler fort, und wir sehen unsern Johann auf dem ^ ersten Bilde der fünften Tafel wirklich in dem ^ Rückfalle seiner Krankheit. Doctor Calomet fühlt ihm den Puls, u'H schüttelt bedenklich den Kopf über den stürmischen h"" fieberhaften Anfall. Lait Dieser Herr Doctor Calomet wäre wahr- lich ein Gegenstand, welchen ich eher davon ^ jagen, als rufen ließe, in einem so bedenklichen Zustande, sagte B..au, und mich dauert der 7» Sind.-,»°k-- l" j«>,A»?°I-»g' h-t-n«---»»"""" d.» B-.d- di-'» T-ftU-«"" der krank.".. Und i-V--i» D--"«"»" Bild,„» m-«. d.d T.»-«-»- KUI, m d-m 3°»°.'»-' s.n>-d.. E,M», I»-r--»--««*- ''^'sch-n«>-»-- S-°s-»>üch>g' l-ch» d,< S-> '^ Mtt der Nd-n-in«.»»!-» M«-., Ich-'«- 2°»"" j» m°».n,-md s--M D-.----- H°«>" »-d-!ch°>«l---> s-d"»'"»°b--- r°d„-» L--S>-»° d--L,dch--> zu dürfen, und dieser Klauselstecher scheint den Willensbeschließer darauf aufmerksam zu machen, das; Kitly erst auf der Insel losgekauft werden müsse, um dann wie ein Seeschwein und dergleichen Waare den Weg dahin nehmen zu können. Der macht es gut', riefen Einige, indem ihn die andern aufforderten, die Geschichte Johanns nach den Bildern weiter fortzusetzen. Das kann ich auch, wenn ihrs haben wollt, sagte er und schlug die sechste Tafel auf:„er schreibt nach Hause." Lieber Bruder.'(denn ich zweifle nicht, daß dieser würdige Stamm mehrere Zweige gehabt habe) also: „Lieber Bruder! Ich habe auf der JnselJa „maica so viele Untersuchungen gemacht, daß ich „nun gänzlich überzeugt bin, die Insel sammt Allstem, was sich darauf bewegt, ist mit einem gellsten Schleyer überzogen, ich rekommandire dir D-w-,»«->!> mch-»'»» " ch"- ch„-«->- u»k»-".k. i""7" macht ist. Sollst du auch Lust haben, r übng.n»,-b-,w.-d„«. „d.! übm-«»st»-I»°» Dein Bruder Ionny. I°s>°>« d-s--- Er HÄt sich wieder für bester, ansdresem I. schl.ch,"7 B,.-u-„»>!>-H-">«k-' „ hi» P» d-» D-uch m-i»«!° Stellung, indem er die Wanderung wieder zum Bette beginnt, einige Hoffnung haben kann, obwohl das spanische Kcippel wirklich auf eine Fuß- reije deutet, welche der Herr Johann im Sinne hat. Daß ihm aber der Stab nur bis ins Bette seinen Dienst verliehen hat, wird in dem nächsten Bilde:„er wird vom gelben Fieber heftig ergriffen," nur zu deutlich. Die schwarze Dienerschaft vertritt ganz die Stelle der unterirdischen dienstbaren Geister, und es bleibt kein Zweifel übrig, daß Johann's Stünd- lcin gekommen ist. In dem delirirenden Zustande halt er wahrscheinlich seine Zunge für ein Stück Rostbccf, welches ihm vor zwey Monden bey dem Ball der schwarzen Lais zwischen den Zahnen geblieben ist, und ist im Begriff sie heraus zu reißen. Ich wünsche ihm schon lange das Ende, sagte der junge Mann, indem er aufstand. - Seinem Beyspiele folgten noch Mehrere, /u als sie sahen, daß sich das Gewitter ganzüch v-r- >oq, und es nach und nach zu regnen aufhatte. MemeHerrennefB..auihrbenehmteuch argen nnch nrcht am arügsten, und zum Teufel, ich glaube doch nicht weniger Achtung al-^er vorige ErMer zu verdienen. Ist°s euch aber darum zu thun, emen hineingeflickten Roman an- zuhören, s° will ich diese G-schrchte noch aus zwey Tage hinausdehnen. Damit kannst du uns verschonen, gaben rh »mc,-, -»f t,m-W»f»m s° k° lange wollen wir noch Geduld haben. ' Also vorwärts nut dem Mantelsagte er; .er werd eingesegnet" stellt das erste der sieben- ren und letzten Tafel vor, doch auf Ehre zu gestehen, davon sah ich nicht das geringste. Aber ganz anders scheint es sich hwr mtt dem Dotter Calomel zu verhalten, doch ich mußte vorher von dem schlafenden Englisman da überzeugt werden, ob ich mich nicht irre, denn der Umstand, welchen ich vermuthe, ist wichtig. Man rief dem Schlafenden zu, zupfte ihn, aber alles Bemühen war vergebens. Der Punsch machte ihn gehörlos, und ließ ihm alle Zurufe, uns mit Schnarchen beantworten. Ist denn niemand von euch, meine Herren da, sagteB..au, in England scheintodt gelegen, ohne das Gedächtniß und das Gehör zu verlieren. Einige, die sich nicht erklären konnten, was er mit dieser unsinnigen Frage wollte, lachten ohne zu reden. Keiner! sagte B.. au. Nun so machts nichts, wenn ich euch auch eine Muthmaßung als Wahrheit auftische. Sehet doch nur den würdigen Herrn mit dem Buche in der Hand sammt den ihm gegenüber stehenden verstockten Doctor Calomel an, »nd es wird euch kein Zweifel irre machen, daß dieser rothuasige Diener des Esculaps e-mminirt würd. ->s,«,,s„ M-tiku-, sch<>"> d-> H-» .«-».n-nda» die»>«>>>u fchnb ,-ine- Pst»- S-mis> g-l-mm-n,.<«-^g-' ,u„» n-uede- D.n«,->- d»s°--st-«>».»»-- g. mit-m-m: 2-, die-nd.-n, aus».- S-"»-» N!hm«chdi--,ft-t Hast»»dich.mstlech, nndm.. «,m«-h.-n,..«.»-»>-» Antei-d-ed-ml.n deiiden Menschengeschlechte zu helfen,-',-u, die«-.h«-»dtg-», und nie->t-!>»--»^°» Kenntnisse deine-Amt--,-d-e dein» Kunst, i» verschaffen? Zweytens: Hast du, dre vielleicht Anfangs minder gefährliche Krankheit, nicht dadurch verschlimmert, daß du sie sehr lercht behandeltest, um auf diese Weise, dir, hier V.eles und Unnützes deiner Mühe bezahlen zu lassen? Nein! Drittens: Hast du den Kranken, s° ganz als deine eigene P°rs°n, werth gehalten'? 77 Ja! Viertens: Zu der dritten noch anzuschließenden Frage: Keinen neuen, nicht genugsam, vorher überdachten Versuch, an dem Kranken gemacht? Nein! Ja! und Nem! das scheint schon ein durchgetriebener Knoll zu seyn, denn damitverschnappt er sich nicht, sagte einer der noch Anwesenden. Aber wie kann man denn einem Arzt solche Fragen vorlegen? rief ein Anderer. Bedenken Sie nur! auf der Insel Jamaika, sagte B.. au lachend, und glauben sie denn, daß diese Einrichtung, oder dieses Gesetz so schlecht rst? Keineswegs! riefen einige, es wäre zu wünschen, daß es allgemeiner, ja sogar in Europa statuirt wäre. O Jemine! riefeln trivialer junger Mensch, als er das darauf folgende Bild sah, Stieglitz! 1Ü Stieglitz!'s Zeiserl ist todt. Aber ganz so auch dasSchachterl, wie i emal mein Vogel begraben hob. Bravorrefen die Zuhörer, nun kommt em Dritrer, der uns drese Gallerte kommenürt; abel- nur Schade, zu spät. Der glaub' ich, hätt'-S noch am Besten gemacht, sagte Einer darunter. Ober sogt's m'rdoch, fing der junge Men?cy wieder an: woS mochen denn die schwärzen Kerls olle im Hemd auf den Kirchhof do? O Ie- kerl! O Iekerl! da steht schon der Todtengro- ber! H°b m r dr emvl! Hob m'r di emoler blies diese letzten Wort-, wre ein- Posaune in die Hand, und die Gesellschaft griff nach den Hüten. B.. au steckte im Weggehen die zusammen gerollten Bilder dem auf den Händen schnarrenden Engeländex zwischen den Kragen,'lud er blieb so gehörnt allein da. 7ö Als ich die Stiege hinab ging/ standen noch Einige von der Gesellschaft beysammen/ und so >icl man aus ihrem Gespräche wahrnehmen könn- ce/ konnten sie darüber nicht klug werde»/ was den Erzähler bewogen haben mag, über diese äußerst flüchtigen Bilder, welche, wie sie sagten, an sich selbst so handgreiflich die Geschichte des auf Jamaika gebliebenen EngeländerS geben, eine so ausgedehnte Erklärung zu erfinden. Mir scheint, sagte der Eine, der Mann wollte damit alle Commentatoren der Bilder persifli- ren.— Das ist es nicht, sagte der andere. Aber ich habe die Gewohnheit, mir so das Ganze, wie angelegt ist, auseinander zu setzen, um über die Sache ins Klare zu kommen. So auch hier: alle die Bemerkungen, welche bey der Erzählung gemacht worden sind, die Personen. Sie glauben demnach, siel ihm der Erste ein: daß es auf die Neckerey der zwey jungen gebiü bo deten Männer, die sich doch unterAllen am nutzsten waren, angelegt war, auch daß der Erzähler so ungerufen dw Bilder ergriffen, und n« Ion- voleng vor Allen das Wort führte, endlich, daß auch der Engländer ohne zuzuhören einschläft, und« Ja' ja! rief der andere, denken Sie nur n-ch,«nd S>- Ich-»-us di- Sk„>«-»- Geht, g°ht, sagt- ein Dritter, es wäre fast nöthig, daß man euch am Ende zu jedem Commentar, wieder-inen Commentar machte. Ich habe zugehört, well rch im Regen nicht fortkomm" konnte, und damit Punctum. - M W" k' ' j — - 7- - W -- - . '«M / 8 - , --4 / X 4^LLr^v/ <'^' /