S- -«A' vVisnki' btglii-kibliotkek - /Z /- .-Ä» 4. M« ^- d"«V»-.<», X - "1k- ' »» ».. 4? k. L>- .O - LIA E d - AL -- /- ' «. r» S» : /« E » - . S D K K 4* - - 5^- «s - 4>- LL — i -4 E-L«-- p Habstmrg Ein Denkbuch für Oesterreichs Völker rc von Carl Loritza. Dritter Band. Wohlfeile Volksausgabe Ha»s»«»g. E i n Denkbuch s«r Vcjtttich» V-lker. ......- ....... gesammelt und m-lst ml.Anga^^^^^ von Karl Loritza. .Dritter Theil. Wohlfeile Volksausgabe. Jos-f Wien, 1848. Stöckholzer«on Hiischs°ld. Vorrede. Uls das Dkanuskript gegenwärtiger Sammlung schon für Censur und Druck bereit, dem Herrn Verleger übergeben wurde, fiel dem Herausgeber derselben K. A. Schimmer's Kaper^o,es II. Anekdoten, kleine Vorfälle-c. Wien 1844 m 8. in die Hände und er wurde inne, da,; ,o manches, was er hier mittheilt, schon in dem genannten Werke enthalten. Um daher dem etwaigen Vorwürfe eines Plagiates zu entgehen, bemerkt der Herausgeber nur so viel, da,; er durchaus nur nach Ad. Frdch. Geißler's d. I. Skizzen aus dem Charakter und den Handlungen I ose s II. Sammlung 1—15- Halle 1784—1791. in 8. arbeitete, und glaubt auch, daß jeder kimstige Herausgeber oon Charakterzügen und Anekdoten^ v 1 eso zu dieser Hauptquelle zurückgehen mufie, wenn er Anspruch auf Glaubwürdigkeit machen will. Aus dieser Ursache konnte der Herausgeber lchon bestehende Auszüge aus Geißler, zu denen wohl auch S ch iin m e r's nicht immer mit der nöthigen historischen Treue gearbeitetes Werk gehört, mcht beachten und gab auch in der Darstellung in e r 1t Geißler's Worte. Hat er hie und da manche lobäußernde Einleitung oder dergleichen Übergängen, so ist dieß unbeschadet der historischen Treue 4 geschehen. Wo Geißlcr selbst aus älteren Quellen schöpfte, benutzte der Herausgeber nur dieselben und erwähnt hier nur ein Werk unter mehreren: Beschreibung der Reise des Grasen von Falkenstein sJoses II.). Scbwabach 1778 in 4. Uebrigens durchlas der Herausgeber säst alle, die Geschichte und das Leben Josefs behandelnden Werke von Cornova bis Paganel und Ramshorn. Vorzügliche Beiträge lieferte auch Hormayr's Archiv für Geschichte, Geographie, Statistik w. Den Beschluß dieser Sammlung wird verfolgende Band, dem auch eine kleine Sammlung der im Volksmunde circulirenden Anekdoten über Joses II. beigegebcn ist, machen. Sie sind ein treues Bild der Volksstimme iiber IosefII. lind die erste Sammlung der Art.— Nun wünscht der Herausgeber schließlich, daß das verehrte Publikum diese ausgewählte Sammlung mit eben der Liebe und Theilnahme aufnehmen möge, wie dieß bei ähnlichen Sammlungen der Fall war. An Fleiß hat es sich der Herausgeber nicht fehlen lassen. Der Herausgeber. Seinem väterlichen Freunde dem cdcldenkenden und biederen Manne, Kerrn Mnion Woffmann i» Wh»»"- bei Judenburg in der obern Steiermark widmet dieses kleine Gcdcnklmch an den großen Kaiser, als Zeichen steter Erinnerung, Treue und Dankbarkeit, Der Herausgeber. - »MiiS Kaiser Ja ses II. (Geboren den 13. März 1741, gestorben am 20. Februar 1790.) Erinnerung für t> cn Leser. Unter dem Namen Grar von Fatkcnstein ist stets Kaiser Joses H-, der denseN'en zu seinem Jncognito-Namcn auf Reisen erwählte, zu verstehen. So wie Friedrich II., König von Preußen, eben so wußte auch Kaiser Joses H. das Verdienst sremder Feldherrn zu schätzen. Bei dem östreichischen Compagnement im I. 1776 wurde bei Prag die Schlacht vom 6. Mai 1757 gerade auf dem nämlichen Platze, wo sie vorgefallen war und der drei und sie- benzigjährige Feldmarschall Gras Schwerin erschossen wurde, als er, die Fahne in der Hand, sein fliehende'.' Regiment wieder ins Feuer führte, nachgemacht, Raeb geendetem Manöver sagte der Hvaher:„Run müssen wir auch dem Schwerin die letzte Ehre erweisen." Sogleich trat er mit seinen Generälen auf die Stelle, wo der Held gefallen war, ließ die ganze Armee um sich her ein Quaree bilden und dein Verstorbenen zu Ehren aus den kleinen Gewehren und grobem Geschütze eine dreimalige Salve geben. Ja, er ließ sogar dem preußischen Generale auf dieser Stelle(Marien-Schanze) ein Denkmal errichten, daö noch heut zu Tage steht. Als König Friedrich II-, König von Preußen und Joses II. sich zu Neiße sprachen, suchten sich Beide 10 an Artigkeil zu übertreffen. Sehr wahr und witzig sagte Josef, da Friedrich nicht vorangehen wollte: „8i vous oommenven a manoenvrvr, il t°»ut gvv so volle:"(Wenn Sie zu manövriren beginnen, so muß ich weichen.) * Josef H. sprach einmal mit dem französischen Gesandten von Dreteuil über den König von Preußen, den großen Friedrich, und fällt folgendes Urtheil von ihm:„Alle Mittel sind ihm gleich," sprach er,„er verschmäht keines, das ihm nur den mindesten Vortheil darzubiethen scheint. Auch das Außerordentlichste, in seinen Folgen noch so Gefährlichste, sollte er mir zuverlässig wagen, wäre nur für den Augenblick ein guter Gewinn dabei. Ich habe viel mit ihm gesprochen, ich hatte sogar den Befehl dazu, immer fand ich den großen Geist, den sein Betragen von je her gezeigt hat. Aber ich erstaunte nicht wenig, von ihm zu hören, er hätte einen Operationsplan gehabt, er verachte sogar alle politische Voraussicht, im Gegentheile gehe er im Felde, wie im Cabinete immer nur nach den Umständen zu Werke und richte sich blos nach der Fährte der Leute, die aus der andern Seite in Bewegung seien. Dieß ist gewiß ein gefährliches 11 System, besonders meinem solchen Kopfe, wie Friedrich II. war." * Zu eben demselben Gesandten sagte Joses einst: „Ich versichere Sie: ich habe mir alle mögliche Mühe gegeben, um die Kaiserin Katharina II. von einem Kriege mit der Pforte abzubringen, aber diese Frau hat einen ungemeinen Kopf und nichts hält sie in ihren Plänen aus; Zwar vertritt die Inkonsequenz, fuhr der Kaiser fort,„oft die Stelle der Vernunft. Die bewaffnete Neutralität wollte sie mit aller Macht durchsetzen, aber einige Zeit nachher hatte ffe dieselbe so weit vergessen, daß sie dieselbe die bewaffnete Nacktheit nannte." -S Josef, der immer mit und neben Lascy kriegte, nie mit Laudon, hat gleichwol diesen dem ganzen Heere zum höchsten Muster vorgestellt. Ihm, den Theresia mit Würden und Geschenken überhäuft hatte, setzte Josef 1783 im Saale seines Hofkriegsraths dieß würdige Denkmal. Gideon Laudons, des stets strengen Feldmarschalls, des tapfern glücklichen KriegerS, des trefflichen Bürgers Beispiel, befahl Kaiser Joses II. auf daß «WW 12 ihm Heerführer und Krieger stets nachahmen, hier in seinem Bilde aufzustellen. * So oft Josef H. Grätz besuchte, bestieg er den Schloßberg, um sich dem Anblicke der Herrlichkeiten der Umgebungen zu erfreuen, dabei machte er alle jene seiner Suite, welche Grätz von diesem Standpunkte anS, noch nie gesehen hatten, mit den Worten:„Lehen Sie, hier ist eine der reizendsten Aussichten in meiner Monarchie!" auf dieses unvergleichliche Panorama aufmerksam und verließ auch jedesmal mit jei- ner ganzen Begleitung mit innigem Entzücken dasselbe. Als Kaiser Josef II. im I. 1763 seine erste Reise nach Italien machte, wurde von dem Reichs- Bice-Kanzler, Fürsten Colloredo, die Frage aufgeworfen, ob nicht in diesem Falle der Abwesenheit des Reichs-Oberhaupts die Reichs-Vicarien ihre Amtsrechte geltend zu machen suchen würden? Der Kaiser erwiederte darauf, so kurz als treffend,„bis sie eins werden, bin ich wieder da." Auf seiner ersten Reise im Frühjahre 1769 nach Italien, beschäftigte Josef II. ein Gedanke vorzüglich; die bevorstehende Pabstwahl. Allerdings, ein des rö- 13 mischen Kaisers würdiger Gegenstand, um so wichtiger in der damaligen Zeit, da die große Ausgabe gelöst werden mußte, den Mann zu finden, durch dessen WeiSheil und politische Tugenden die bourbonischen Höse mit dem römischen Stuhle versöhnt und Eintracht in der katholischen Welt erhalten werde. Zu Judenburg in Stciermark, wo er sich einen Tag anspielt, unterbrach Joses mitten im Vortrage über militärisch- ökonomische Gegenstände den Major durch die besremdendc Frage:„Kennen Sie den Cardinal G a n- ganelli?" Aus die verneinende Antwort erwiederte er lebhaft:„Ich sage Ihnen, Gang anet li ist ein Mann, den jeder österreichische Major kennen sollte."— Es ist bekannt, daß der Kaiser bald nach seiner Ankunft zu Rom von seinem Bruder, dem Großherzog Leopold begleitet, sich in das Conclave begeben und scherzend gefragt, ob es ihm erlaubt sei, hier den Degen zu tragen? und Cardinal Albani geantwortet: ..Dem Beschützer und Vertheidiger der Kirche gebührt allerdings dieses Recht."— Allein minder bekannt dürste folgender Zug sein: Beide Fürsten baten nun, sie zum Cardinal Ganganelli zu sichren und Joses redete ihn beim Eintritt ins Zimmer mit folgenden Worten an:„Heiliger Vater! der römische Kaiser und der Großhcrzog von ToSkana kommen, Sie um 14 Ihren Segen zu bitten. Ganganelli, obgleich betroffen, erwiederte mit Haustein Lächeln:„Um einen Pabst zu wählen, sind zwei Stimmen zu wenig, um aber eines alten Mannes zu spotten, sind ihrer zwei zu Viel. Doch mein Stand und mein silier berechtigen mich, zwei junge hoffnungsvolle Fürsten zu segnen, aus deren Thaten die Augen der Well gerichtet sind."— Mit Nachdruck und hoher Würde rief er dann aus:„So segne ich^ie im Namen des Allmächtigen, Dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Möge Ihr ganzes Leben der Wohlfahrt der Völker gewidmet sein, die Ihnen die Vorsehung anvertraut hat, mögen Sie Ihre große Sendung so würdig vollenden, daß Sie in der ernsten Stunde lächelnd von hinnen scheiden, während Millionen, von Schmerz durchdrungen, Ihren Verlust beweinen. Gerührt, ergriffen beide Fürsten die Hand, die Sie gesegnet, drückten sie innig dem würdigen Greise und verließen schweigend das Zimmer. Doch ihre Hoffnungen und Wünsche wurden nicht getäuscht und in kurzer Zeit verehrte die katholische Welt den Cardinal Ganganelli in Clemens XIV. als Oberhaupt der Kirche. 15 4t Wenige Wochen nach Eröffnung des Feldzuges im Jahre 1778 kam eines Abends ein Scharfschütze von den Grenzern im Hauptquartiere an und verlangte dringend, den Kaiser noch heute und allein zu sprechen. Als dieser ihn vorgelassen, meldete er:„Er habe auf dem Vorposten hinter dichten Gesträuchen versteckt, wahrgenommen, der König von Preußen nähere sich beim Recognosciren dem Elbuser so sehr, daß ein guter Schütze ihn leicht vom Pferde holen könne. Seitdem habe er stets bei sich nachgedacht, welch berühmter und reicher Mann er noch werden könne, wenn er das Haus Oestreich von seinem größten Feinde befreie. Als der König sich nun gestern der Stelle genähert, wo er als Vorposten verborgen gewesen, habe er'eben aus ihn anschlagen wollen, als ihm plötzlich eingefallen sei, doch eher den Kaiser darum zu fragen. Er habe daher heute gleich nach Ablösung den Hauptmann um einen Urlaub von sechs Stunden gebeten, um im Hauptquartier einen Bekannten zu sprechen, und so auch keine Unwahrheit gesagt. Erlaube Sr. Majestät ihm seinen Anschlag auszuführen, so stehe er mit seinem Kopfe dafür, der König von Preußen lebe nach acht Tagen nicht mehr, denn trotz seiner Jahre habe er noch einen festen Arm, ein scharfes Auge und MMWW» M 16 wisse noch genau, wie weit seine Büchse mit Sicherheit trage, mit der er schon manchem Bosniaken das Lebenslicht ausgeblasen!" Erschüttert fragte der Kaiser:„Dein Hauptmann weiß also nichts von Deinem Vorhaben?"„Nicht das mindeste" erwiederte der Grenzer,„denn ich hüthete mich wohl, Jemandem etwas davon zu entdecken, wie leicht könnte mir ein Anderer Lohn und Ehre entreißen." Joses athmete freier. „Wohlan", sagte er mit großem Nachdruck, indem er ihm ein Goldstück reichte:„bewahre dieß znm ewigen Angedenken, daß dein Schuhgeist dich gewarnet hat, auf den König zu schießen. Du begreifst nicht, welch' abscheuliche That du begangen hättest, wäre dieß gekrönte Haupt durch dich gefallen. Jeder brave Husar wagt wohl sein Leben, um den König im Gefechte gefangen zu nehmen, aber keiner wird so gottlos sein, ihn vom Pferde herunter zu säbeln und sollte er selbst daS Leben darüber verlieren." Der rauhe Krieger verstummte.„Es ist schon zu spät," fuhr Joses fort, bleibe diese Nacht hier, aber keine Silbe von dem, was wir gesprochen, kommt über deine Lippen; Mist"— mit dem Finger drohend—„morgen wirst du meine weiteren Befehle erhalten." Indem der Kaiser klingelte, befahl er dem eintretenden Kammerdiener, für die Verpflegung dieses Mannes zu sorgen. Aber auch mit 17 dem frühesten Morgen beschied der Kaiser den Grafen Lascy zu sich und erwiederte auf dessen Frage, an Sr. Majestät gerichtet:„Ich habe so viel, als gar nicht geschlafen, denn em furchtbarer Gedanke quälte mich die ganze Nacht." Er erzählte ihm nun den Antrag des Grenzers und fuhr mit Heftigkeit fort:„Der Mann muß von der Armee entfernt werden und daß noch heute, ein böser Geist konnte sonst sein Spiel mit ihm treiben. Schicken Sie ihn daher unter irgend einem Vorwande nach Haus, wo man ihm, um ihm nicht wehe zu thun, eine gute Anstellung verleihen kann. Auch müssen wir darauf denken, wie man ohne Aufsehen zu machen, verhindere, daß nicht ein anderer Schütze das ausführe, was dieser im Sinne gehabt. Denn, was würde die Welt von uns sagen, wenn ein solcher Bravo aus einem Hinterhalte denKönig erschossen hätte? Hat nicht Parteihaß den Kaiser Ferdinand zu verläum- den gesucht, weil Gustav Adolf bei Lützen geblieben? Was würde er sich erst gegen uns erlauben, da wir dem Könige gleichsam im Angesichte stehen? Unser guter Ruf wäre auf immer dahin!"—Gras Lascy bedauerte sehr, daß die Meldung des Grenzers Sr. Majestät eine schlaflose Nacht verursacht habe, indem man nicht wissen könne, ob er sich nicht in der Person getäuscht. Da aber dem Könige Alles daran Habsburg. in. 2 18 liege, einen schicklichen Uebergangspunkt über die Elbe zn entdecken und er im Laufe aller seiner Feldzüge nie seine hohe Person geschont, auch die Grenzer als Jäger und wahre Natursöhne mit so scharfen Sinnen begabt sind, daß mancher von ihnen, wahrend des siebenjährigen Krieges ihm bessere Dienste, als sein Fernrohr geleistet, so streite wenigstens nichts gegen die Wahrscheinlichkeit der Aussage. Die Wichtigkeit des Gegenstandes gebiethe daher, sie als unbedingt wahr anzunehmen und darnach zu handeln. Die edlen Besorgnisse Sr. Majestät ließen sich indeß aus eine sehr einfache Weise heben, Sie möchten nur geruhen, gleich nach eingenommenem Frühstück, von ihm und wenigen Ordonnanzen begleitet, die ganze Kette der Vorposten zu besichtigen und die nöthigen Befehle zu erlassen. Bis zu ihrer Rückkehr würden die Depeschen an den Hofkriegsrath bereit liegen, um sie durch einen Courier abzusenden, der den Grenzer nach Wien mitnehmen werde, um ihn von dort mit einen Auftrag in seine ^eimath zu senden. Uebrigens müsse die ganze Menschheit beklagen, daß zwei erhabene Fürsten von größter Hochachtung gegen einander beseelt, durch ein hartes Geschick gezwungen würden, sich als Feinde gegenüber zu stehen. Er theilte nun seinen Plan dem Kaiser mit, der ihn auch sogleich genehmigte. 19 Auf den Vorposten angelangt, erkundigte sich der Kaiser bei dem ersten kommandirenden Officier auf das genaueste über alle Tagesereignisse; vorzüglich aber über das Recognosciren der Feinde und setzte hinzu: „Es sei möglich, daß der König selbst den Vorposten sich nähere. Für diesen Fall ertheilte er den mündlichen Befehl, daß die äußersten Wachen, sobald sie den König erkannt, ihm durch das Präsentiren des GewehrS und des Salutirens mit dem Säbel die hohe Achtung bezeugen, die dem gekrönten Haupte, dem großen Feldherren und seinem persönlichen Freunde gebühre. Dieser Befehl sei auf das Genaueste zu befolgen und den ablösenden Officieren jedesmal mitzutheilen."— So wiederholte ihn Joses vom ersten Wachtposten an bei allen übrigen, weit über das preußische Lager bei Welsdors hinaus.— Nachmittags im Hauptquartier wieder angelangt, umarmte er herzlich den Grasen:„Sie haben mir so oft Gelegenheit gegeben, in Ihnen den treuen Staatsdiener zu achten, aber heute erkenne ich wieder meinen besten Freund, durch ihren weisen Rath haben Sie mir meine Ruhe wieder geschenkt und für meinen Ruf bei der Mit- und Nachwelt gesorgt." Durch die Vorsicht, die hohe Sorgfalt für Friedrichs Leben mit dem Schleier der Hochachtung für ihn 2* 20 zu bedecken, wurde Jose fs Absicht vollkommen erreicht; Niemand im Heere errieth den eigenthümlichen Zweck dieser militärischen Höflichkeit und selbst Friedrichs Scharfsinn konnte in ihm blos einen Zug der Artigkeit erblicken, die dem Kaiser ganz eigenthümlich, ihn an die feinen Sitten und die hochherzigen Gesinnungen des Ritterthums erinnerten. * Josef II. schrieb an den F. M. Laudon vor Belgrad:„Scheuen Sie keinen Aufwand in Pulver und Kugeln, wenn nur das Blut meinen braven Krieger geschont wird." * Als der große Geograph Büsching dem Kaiser Josef II. sein Werk übersendet hatte, ließ ihm dieser schriftlich mit der Bemerkung dafür danken:,, Beim Anblicke solcher gediegener Werke des deutschen Geistesund Fleißes werde er auch stets von dem Stolze be seelt, deutscher Kaiser zu sem." Ein kaiserliches Geschenk wurde als Andenken dem Briese beigefügt, von nun an nahm der Kaiser aus seinen Reisen die Theile Büschings mit, welche von den zu besichtigenden Ländern handelten und zeichnete mit eigener Hand mehrere Bemerkungen auf Blättchen, die er dann dem Bande beilegte. 21 Kaiser Joses II. schätzte Mozarts Opern hoch, es war daher für diesen Fürsten sehr unangenehm zu hören, Mozart habe unter sehr vortheilhasten Bedingungen einen Ruf nach Berlin erhalten. In der nächsten Audienz rief er dem Künstler zu:„Wie, Mozart, Sie wollen mich verlassen? Ich werde nun selten eine Oper mehr hören." Gerührt küßte Mozart seines gütigen Kaisers Hand und sagte:„Euer Majestät, ich bleibe!"—„Warum hast Du nicht," rief einer seiner Bekannten aus, dem er diese Unterredung erzählt,„sogleich eine nahmhafte Vermehrung Deiner Besoldung verlangt"?—„Wer kann in dem Augenblicke" erwiederte M o z a r t,„wo der gute Kaiser so liebreich spricht, an einen solchen Bettel denken." Es dürste wenigen Einwohnern von Paris oder auch keinen von ihnen bekannt sein, daß Josef II. mit entblößtem Haupte vor dem Standbilde Heinrich IV. auf der neuen Brücke verweilt und ausgerufen:„Nach emem solchen Beinamen, den dieser Held zurückgelassen, geitze ich, es gibt keinen schönern, als der Vater seines Volkes zu heißen."— Aber auch wenige Bürger von Wien dürsten aufmerksam genug gewesen sein, um sich von der Ehrfurcht zu 22 überzeugen, welche die Franzosen für Josef's Andenken getragen. Während ihres Aufenthalts in Wien zog keine ihrer Kriegerschaaren vor seinem Standbilde auf dem Josefsplatze vorüber, ohne das Gewehr anzuziehen und die Fahnen zu senken und jeder Befehlshaber grüßte dasselbe mit dem Degen. * Josef H. wurde gar oft der Härte beschuldigt, da er nicht selten den auf das Gesetz gegründeten Ausspruch der Richter noch verschärfte. Der psychologische Beobachter dürfte jedoch den Grund dieser Strenge, die wir keineswegs entschuldigen wollen, leicht auffinden. Bei größerer Wachsamkeit wurden schnell hintereinander mehrere Cassaveruntreuungen entdeckt, und da es theils Staatsgut, theils das Eigenthum von Waisen betraf, so glaubte Joses sowohl in diesen Fällen, als auch bei einigen höchst verruchten Thaten durch Verschärfung der Strafe abschreckende Beispiele ausstellen zu müssen. Daß er aber ein höchst mildes und wohlwollendes Herz erprobt, wo es nur immer Hilfe und Rettung leidender Brüder galt, zeiget eine Reihe der edelsten Handlungen, sein Feuereifer, seine schnelle und kräftige Hilfe bei Feuersbrünsten und verheerenden Überschwemmungen, ja er bewies ein zartes Gefühl für das Leben einzelner Menschen, in Fällen, wo er 23 im Namen des Vaterlandes berechtiget war, das Leben der Landessöhne in Anspruch zu nehmen. Es war bald nach Eröffnung des Feldzuges im Jahre 1778, als eine Abtheilung preußischer Infanterie, gegenüber von Kukus, auf das rechte Ufer der Elbe setzte, die österreichischen Vorposten zurück drängte und ein sehr lebhaftes Feuer unterhielt, während eine andere Schaar mit Schaufeln und Hacken versehen, rückwärts der Kämpfer eine Brustwehr mit allem Eifer auszuwerfen bemüht war, um durch einen Brückenkopf sich einem Uebergangspunkt zu sichern. Kaum nahm aber dieß der auf dieser Stelle kommandirende Major gewahr, als er mit den zur Unterstützung der Vorposten aufgestellten Truppen vordrang und die Preußen mit dem Bajonet aufs andere User der Elbe zurückwarf. Der Kaiser beobachtete an der Seite des Feldmarschalls Lascy aus einer Redoute dieses Gefecht, wurde aber ungeduldig und ängstlich, als er viele seiner Leute fallen sah und rief dem Feldmarschall zu:„Wozu diese Schlächterei?" Senden Sie dem Major sogleich den Befehl zu, sich zurückzuziehen und geben Sie ihm über dieses nutzlose Blutvergießen einen scharfen Verweis. Lascy bemerkte, daß der Bajonerangriff eben jetzt mit Erfolg unternommen werbe und stellte sich, als ob er die Worte des Kaisers mißverstanden, indem er erwiederte: 24 „So wie das Gefecht vorüber ist, werde ich sogleich die Ehre haben, den Major Euer Majestät vorzustellen. Er ist ein entschlossener Mann, der schon verdient, den Beifall seines Monarchen aus seinem eigenen Munde zu vernehmen, aber ich wünschte doch, daß Euer Majestät gleichfalls geruhten, ihn aufmerksam zu machen, daß er seinen Angriff etwas zu spät vorgenommen, denn es hätte den Preußen gelingen können, sich auf dieser Stelle einzulogiren, uns würde es dann viel Blut gekostet haben, sie aus ihrer Verschanzung wieder zu vertreiben, besonders, wenn sie auch noch einiges Feldgeschütz darin aufgeführt hätten, waS man bei ihrer Thätigkeit erwarten mußte." Josef erröthete bei der Wendung, die Lascy dem Gespräche gegeben, allein dem Rathe seines Lehrers und Freundes folgsam, dankte er mit vieler Herzlichkeit dem Officier, welchem er aus Liebe und Schonung für seine Krieger einen Verweis zugedacht hatte, und zog ihn zur Tafel. Die Gemüthsweichheit JosefH. entriß dem Grafen Lascy im Laufe dieses Feldzuges mehr als Eine Gelegenheit, sich der Welt als den umsichtigen und besonnenen Feldherrn zu zeigen. Es schmerzte ihn um so mehr, da er seinen höchsten Stolz darein setzte, daö Haupt seines kaiserlichen Zöglings und Freundes mit 25 Lorbeern zu umkränzen, damit dieser auch als Feldherr, vor der Welt als Friedrichs würdiger Nebenbuhler erscheine, nachdem sie bereits nach der schnellen Hilfe, die der Kaiser im Jahre 1771 seinen Böhmen gebracht, das Urtheil gefällt:„Friedrich liebe wohl, der Philosoph aus dem Throne zu heißen, aber Josef sei es in der Thal; jener spreche wohl von der Wohlfahrt der Unterthanen, dieser strebe mit Feuereifer sie zu begründen."— Aber Las cy's bester Wille und alle seine Vorstellungen mit den triftigsten Gründen belegt, vermochten doch nicht, Josefs Sinn hierin zu ändern und der Graf bedauerte nur, daß Theresia ihrem ältesten Sohne nicht erlaubt, einigen Feldzügen unter dem Feldmarschall Daun beizuwohnen; es sei nun, daß sie aus mütterlicher Liebe und Besorgnis; diese Bitte verweigert, es konnte Josef bei dessen Lebhaftigkeit gar leicht ein Unglück begegnen; oder aus Furcht, es dürste in ihm. aufgereiht durch daSBcispielFried- rich's, allzu großer Hang zum Kriegsruhme geweckt werden, der mit dem Gelde und dem Blute der Unterthanen erkauft, die Wohlfahrt des Staats untergrabe, ja nicht selten dessen Dauer aufs Spiel sehe. Eine dieser günstigen Gelegenheiten, einen entscheidenden Streich auszuführen, both sich dem Grasen dar, als der König die Feldbäckerei, welche bisher zu 26 Nachod gewesen, den 8. August nach Trautenau verlegte. Da dieser Ort, als der äußerste, also auch als der gefährlichste Posten anzusehen und doch nur mit einem Bataillon und hundert Pferden besetzt war, da in Schatziar nur ein Bataillon sich befand. General Dalwich mit 2 Bataillons und 5 Eskadrons bei Pilnikau, General Anhalt aber unterhalb dieses Orts aufgestellt war, während die Oestreicher die Gegenden von Hohcnelbe, Schwarzthal und Freiheit besetzt hatten und im Stande waren, sich dort nach Willkühr zu verstärken, ohne daß der Feind Nachricht davon erhalten konnte, so gestanden sich alle einsichtsvollen Feldherrn im preußischen Heere, daß die Feldbäckerei in großer Gefahr stehe, durch einen Ueberfall entweder aufgehoben oder zerstört zu werden. Aber keiner von ihnen, ja selbst der Erbprinz von Braunschweig nicht, wagte es, dem Könige über diese Gefahr ernste Vorstellungen zu machen, da Jedermann dessen Launen fürchtete, die schon in früheren Jahren keinen Tadel oder Widerspruch geduldet, jetzt durch Alter, Kränklichkeit und Mißmuth über die geringen Fortschritte in diesem Feldzuge sehr zugenommen hatten. Dieser von Friedrich begangene Fehler entging dem Scharfsinne Lascy's nicht, der sogleich alle Posten um Hohenelbe ansehnlich verstärkte, so daß sie 27 vereint gegen 8000 Mann betrugen. Er legte nun seinen Plan dem Kaiser vor: Die preußischen Schaa- ren unter den Generälen Dalwtch, Anhalt und Podewils sollten den 12. August in aller Früh angegriffen und der Kampf auf diesen 3 Punkten mit aller Thätigkeit fortgesetzt werden, um den Feind in dem Wahne zu erhalten, hier würde der Hauptangriff unternommen, während General dAlton den 11. mit Einbruch der Nacht mit 8000 Mann seinen Marsch aus der Gegend von Hohenelbe antrete, um mit dem frühesten Morgen Trautenau zu überfallen. Eine zweite Schaar von 4000 würde der ersten zur Unterstützung oder der Aufnahme folgen. Die Feldbackerei sollte zerstört, alle Vorräthe sammt den Wagen verbrannt, die Pferde gekoppelt, davon geführt und dann ohne Verweilen der Rückmarsch wieder genommen werden. Durch diesen einzigen Schlag sei der König genöthigt, zur Verpflegung seines Heeres den Rückmarsch nach Schlesien unverweilt anzutreten, der Feldzug werde daher auf dieser Seite ohne viel Blutvergießen beendigt, was Kenner der Kriegskunst würdigen und auch Ihre Majestät die Kaiserin in ihrem milden Sinne sehr erfreuen würde, da ihr Lieblingswunsch dadurch völlig erreicht werde.— Joses hörte dem Feldmarschall mit Aufmerksamkeit zu, und 28 fragte, so wie dieser seinen Vertrag geendigt, mit Heftigkeit:„Und was geschieht, wenn der König von unserm Anschlage Wind erhält, oder ihn aus der Bewegung unserer Truppen erräth und Gegenanstalten trifft?„Dann geben wir ihm eine kleine Revanche für die Geschichte von Maren." »Rein, zu diesem Ueberfall kann ich nie meineBel- stimmung geben, er scheint mir zu gewagt!" Vergeblich bemühte sichLascy, den Kaiser von dem Ungrunde seiner Besorgnisse zu überzeugen, selbst im schlimmsten Falle biethe das Terrain so viele Vortheile dar, um sich mit Ehre zurückziehen zu können.—„Und dann ist das Blut vieler braven Leute umsonst geflossen" erwiederte der kaisir, der auf seiner Meinung beharrte und zuletzt erklärte,„er erwarte stehenden Fußes den König am rechten Elbe-Ufer, wenn ihm die Lust anwandeln sollte, seine Redoute zu stürmen."—„Diesen Gefallen" erwiderte Lascy kalt,„wird uns der König nicht thun, denn er ist 66 und nicht 26 Jahre alt, um noch einen solchen Jugendstreich zu wagen." Der Ausbruch Friedrichs aus seinem Lager vor Welsdorf den 13.—15. August raubte Lascy die Gelegenheit, den Kaiser für seinen Plan zu gewinnen, aber eben dieser Marsch des preußischen Heeres both ihm eine andere Gelegenheit dar, für die Ehre der östreichischen Waffen zu handeln. 29 Durch die häufigen Fouragirungen, welche das preußische Heer im Lause von 5 Wochen vorgenommen, waren nicht bloö in der ganzen Gegend weit um das Lager, sondern auch in dem Theil von Böhmen zwischen Nachod, Eipel, Scburz, Jaromirzs und Neustadt alle Quellen des Unterhalts so sehr erschöpft, daß der König, auch ohne weitere Entwürfe im Sinne zu haben, zum Ausbruche genöthigt war. Bei Handhabung einer größeren Ordnung und besseren Mannszucht hätte das Heer allerdings noch 5 Wochen in jener alten Stellung ausharren können, aber der wilde Unfug, den sich die preußischen Truppen erlaubt, lag in dem Plane des KönigS, der sich mehrmals geäußert:„Er wolle dem feurigen Kaiser seine KriegSlust schon verbittern, er werde sich künftighin reiflicher besinnen, einen Krieg anzufangen, wenn er früher dessen Elend gesehen. Durch Plünderungen und Ausschweifungen verheert, hatte diese Gegend das Ansehen einer Wüstenei bekommen und der all seiner Habe beraubte Landmann hatte sich, um dem Hungertode zu entgehen, über die Elbe geflüchtet, war aber keineswegs, wie der königliche Schriftsteller zur Beschönigung seiner Gräuelthaten erzählt, von seiner Regierung gezwungen worden, bei Annäherung des preußischen Heeres mit seinem Vieh 30 auszuwandern. In diesem Falle hätte man gewiß auch die Verrathe mitgenommen oder zerstört. So wie man im kaiserlichen Lager den Aufbruch des preußischen Heeres am 13. August wahrnahm, hatte Gras Lascy auch schon seinen Plan gefaßt. Es mußte auf seinem Marsche nach Burkersdorf die ungeheuren Schluchten bei Kowalkowitz, Horsitzka, Nimmersat, Keule und Licbenthal durchziehen und man durfte beinahe mit Gewißheit voraussehen, daß unter dem Heere, das gegen 80000 Mann stark, mit einem großen Zuge von Geschütz, von Packwagen u. s. w. belastet war, aus dem Marsche durch diese Schluchten Unordnungen einreißen werden. Lascy wollte daher in der Nacht vom 14. auf den 15. einige Bataillons leichter Truppen in der Gegend von Kowalkowitz in einen Hinterhalt legen, vier Regimenter Husaren sollten in der Nähe sein, um über die erschreckte Nachhut der Preußen herzufallen, eine bedeutende Schaar aus Linicn-Fußvolk und schwerer Reiterei sollte im Noth- falle das Unternehmen unterstützen und General W urm- ser das Ganze leiten.— Joses schüttelte den Kopf, als Lascy ihm seinen Plan vortrug.„Wozu, lieber Feldmarschall," äußerte er,„wollen wir abermal Blut vergießen und dem Könige die Gelegenheit darbiethen, sich aus seiner Verlegenheit zu ziehen, in der er sich 31 gegenwärtig befindet? Der Feldzug ist nun einmal für ihn verloren, er mag thun was er will; es scheint nun, er werde sich aufwärts der Elbe ziehen, wir thun dasselbe und erwarten ihn; ihm ein Treffen anbiethen, heißt ein sicheres Spiel aufgeben und ein unsicheres anfangen. Lassen wir ihn ziehen, die Millionen, die er für diesen Fcldzug umsonst ausgegeben, werden ihn genug schmerzen."„Wir führen also einen sehr friedlichen Krieg," erwiederte Lasch,„nur befürchte ich, der König dürfte, wenn wir ihn so ganz ungestraft abziehen lassen, seiner Satire, und diesmal mit allem Rechte, freien Zügel schießen lassen, wie er dieß vor der Schlacht bei Hochkirchen, aber dann, als mit Unrecht, gethan." Mit dem frühesten Morgen am 15. standen I o- s e s und Lasch in einer Redoute und beobachteten durch Fernrohre den Abmarsch des preußischen Heeres. Als die Nachhut sich den Schluchten vor Kowalkowitz näherte, ereignete sich, was Lasch vorausgesagt, aber in einem Grade, den dieser selbst nie vermuthet, so daß Joses vor der Verwirrung, die unter dem preußischen Heere immer mehr über Hand nahm, hingerissen, dem Feldmarschall zurief:„Lassen Sie doch unverweilt einen Angriff unternehmen, der Feind muß einem bedeutenden Echec erleiden."— Lasch, übel 32 gelaunt, daß ihm die Gelegenheit, den Preußen einen empfindlichen Streich zu spielen, abermals entgehe, vergaß in seinem Aerger nicht blos die Rolle eines Hofmannes, sondern sogar die Pflicht des treuen Dieners, und rief ärgerlich aus:„Ja, wenn ich aus jeder meiner Hosentaschen ein Husaren-Regiment hervorzaubern könnte." Joses schwieg und blieb eine geraume Zeit ernst und düster, bis Lascy durch ein unbefangenes heiteres Gespräch zu erkennen gab, er bringe dem Willen des Herrn, auch den militärischen Ruhm zum Opfer. In seinen Denkwürdigkeiten bemerkt Fr i edrich und nach ihm alle preußischen Schriftsteller mit Befremden, daß die Oestreichs so ruhig dem Abmärsche des preußischen Heeres zugesehen. Sie wußten freilich nicht, welcher Gefahr sie entronnen, weil Josef das Leben seiner Krieger so hoch geschätzt. Das rühmliche Anerkennen treu geleisteter Staatsdienste gereichet sowol dem Fürsten, der in fester Ueberzeugung sein Lob ausspricht, als auch dem ergrauten Staatsdiener, der mit beseeligendem Gefühle aus seine bald vollendete Laufbahn zurückzublicken vermag, eben so sehr zur Ehre, wo es jüngeren Beamten zur Ermunterung dient, diesen gepriesenen Männern rühm- 33 lich nachzueifern. So mögen daher einige Briefe eines Fürsten erscheinen, der mit seinem Lobe sehr karg gewesen, das wahre Verdienst jedoch nur selten verkannt hat. Schreiben Josefs II. an den Freiherrn v. Hagen. 7. Jänner 1790. Nicht Amtsgeschäfte, sondern Gefühle veranlassen mich, diese Zeilen an Sie niederzuschreiben. Ich vernehme, daß heute der Tag sei, wo Sie seit 50 Jahren dem reichshofräthlichen Gremio beisitzen. Empfangen Sie aus diesem Anlasse meinen aufrichtigsten Wunsch über Ihr so glücklich erreichtes Alter und dessen noch längere Fortdauer— zugleich aber auch die Versicherung, daß Ich als oberster Richter für die Ehre der Reichsjustiz und für das Beste der Parteien nichts Sehnlicheres wün- Iche, als, daß Männer von Ihrer Rechtschaffenheit und Einsicht sämmtlich in die 50 Jahre diesem Reichsgerichte einverleibt bleiben und vorstehen mögen." * An Freiherrn v. Kresse!(Hof-Vice-Kanzler). 16. Jänner 1790. „Wenn Sie sich versichert halten, daß das wichtige Schulgeschäft in Böhmen durch die Ernennung des Prob- stenSchulstein zum Leutmeritzer Bischof nicht in Verfall Habsburg. HI. Z 34 gerathen werde, so will ich demselben, da er es gewiß vorzüglich verdient, disses Bisthum verleihen." Zugleich ernenne ich zu dem in Hungarn erledigten Stuhlweißenburger Bisthum, den mir durch seinen un- ermüdeten Fleiß, vorzügliche Menschenliebe und wegen des durch zwei Jahre sehr wohl verwalteten Amtes eines Feld-Superiors bei der Hauptarmee wohl bekannten Priester Millaß in, worüber Sie das Gehörige über diese beiden Biöthümer zu erlassen haben. Der Ort Perwang liegt an der äußersten Grenze des Jnnkreises und wird von Salzburg nur durch ein Büchlein und durch einen Fahrweg geschieden.— Als Joses H. diesen durch den Teschner-Frieden gewonnenen Kreis im I. 1779 bereiste, langte er den 28. Oktober auch an diesem Orte an. In seinem Gefolge befanden sich die Generale Langlois und Browne, zwei Officiere vom k. k. General-Stab und die nöthigste Dienerschaft. Ungeachtet des anhaltenden Regens war der Kaiser um den ganzen Mattsee auf Obertrau nach Perwang geritten, wurde vom Prälaten von Michaelbeuern, Anton Moser, am Hoslhore empfangen und in das Schlößchen, das jetzt zum Pfarrhofe dient, hinausbegleitet, wo er mit ihm beinahe eine halbe Stunde sprach. Er richtete darauf mehrere Fragen über das Oertlichc 35 dieser Gegend, über die Einwohner und die Art ihres Erwerbs, sowohl an den Hofrichter von Michaelbeuern, Pichler, als auch an den Unterbeamten des k.k. Pfleggerichts Friedburg, trat dann an das geöffnete Fenster und fragte das auf dem Hofe gedrängt stehende Volk:„Seid ihr alle aus dem Jnnviertel?"„Ja" erscholl die Antwort, worauf der Kaiser erwiederte: „Gut, so sind wir Landsleute." Durch die freundlichen und herzlichen Worte seines neuen Landesfürsten begeistert, erhob das Volk ein Jubelgeschrei und drängte sich, als Josef zur Tafel gegangen, unaufhaltsam in das HauS, über die Stiege hinauf, unter dem steten Ruf:„Wir müssen unsern Kaiser sehen!" In einem Augenblick war das Speise-Zimmer gedrängt voll und selbst der Stuhl des Monarchen von den Schaulustigen umgeben, so daß die Dienerschaft nur mit Mühe die Speisen bringen und wegtragen konnte. Bei der Lebhaftigkeit Josef's dauerten seine Mahlzeiten nie länger, als eine halbe Stunde, aber dießmal blieb er nach derselben noch eine Stunde sitzen, um seinen neuen Unterthanen nicht die Freude zu rauben, ihn recht nach Herzenslust ansehen zu können. Er befragte auch einige über die alten Verhältnisse dcö Bauernstandes, über die GerichtSpflegc auf dem Lande, über das Schulwesen und die verschiedenen ErwerbS- , 3* 36 zweige in dieser Gegend und beschenkte diejenigen, die ihm seine Fragen verständig beantwortet. Als er daraus wieder aus Fenster trat, stürzte das Volk eben so eilig wieder in den Hos, als es früher herausgestürmt war: Um 6 Uhr zog er sich in sein Arbeitszimmer, um mit beiden Generälen und Offizieren noch mehrere Arbeiten zu beendigen, was ihn bis 8 Uhr beschäftigt hat. Den 29. Morgens um 7 Uhr setzte sich der Kaiser ungeachtet des starken Regens wieder zu Pferde und ritt, begleitet von den Segenswünschen der Landleute, die sich auf beiden Seiten des Weges in langen Reihen aufgestellt, nach Michaelbeuern, höchst vergnügt über die Gesinnungen der Einwohner von Per- wang und der Umgegend, die sie für ihn in so herzlicher Einfalt ausgesprochen. Zur Erinnerung an diesen, für Perwang höchst denkwürdigen Tag, ließ der AbtAntott die Bildnisse, sowohl des Kaisers, als seiner erhabenen Mutter in Kniestücken durch den Künstler NikolaS Streichermalen und sie mit passenden Inschriften versehen, um damit den Speisesaal zu Perwang zu schmücken. Auch auf den Lehnsessel, dessen sich der Kaiser bedient hatte, wurde rückwärts das Jahr und der Tag aufgezeichnet, an welchem der Kaiser Perwang mit seiner Gegenwart beglückt hatte. 37 * Im August 1774 wurden zwei Arbeiter, welche in einer der Vorstädte WienS einen Brunnen gruben, durch das Einstürzen der Erde in einer Tiefe von ungefähr 6 Klaftern verschüttet. Der Kaiser, der den Vorfall erfuhr, begab sich augenblicklich an Ort und Stelle, gab Befehle, daß man ohne Aufhören an der Befreiung der Unglücklichen arbeite, hielt sich eine Stunde dabei aus, ermunterte die Arbeiter mit der Hoffnung einer Vergütung und tröstete durch seine Theilnahme und seinen liebevollen Zuspruch die trostlosen Weiber der beiden Arbeiter. Besorgt wegen der Schicksale dieser beiden Unglücklichen kam der Kaiser mehrere Male dahin, um durch seine Gegenwart, durch seine Wohlthaten, den Eifer und die Thätigkeit der Arbeiter anzuspornen. Ja, er befahl sogar, ihm die Stunde zu berichten, wann diese beiden Leute würden ausgegraben werden. Nach einer Arbeit von zwei Tagen und Nächten mit Hilfe aller Müheanwendung und Vorsicht brachte man sie an's Tageslicht. Einer der Beiden war nicht beschädigt, der andere nur leicht, aber er befand sich nach seiner Ausgrabung in einem Zustande völliger Entkräftung, der ihn des Verstandes beraubte. Der große Kaiser befahl, daß man für sie 38 alle nur erdenkliche Sorgfalt für ihre Wiederherstellung verwenden möge. (Siehe kromsKsot,-4.nnkt1es 6u keZne äs Hlsriv 1'Iwrese, p. 126) Während seines Aufenthaltes in Prag 1771 wollte Joses auch nicht einmal das Schauspiel besuchen. „Ich habe zu viele Geschäfte, um meine Zeit mit Vergnügungen zu verlieren!" gab er denjenigen zur Antwort, die ihn dazu Aukuben. Die Provinzial-Nachrichten aus den k. k. Staaten, welche bei Trattner in Wien durch ein volles Deeennium ausgegeben worden: erzählen(10. Dezemb. 1788) nachstehende Thatsache. Als der Kaiser Josef H aus seiner Reise durch die Niederlande seinen Weg von Mecheln nach der berühmten Stadt Löwen in einem Miethwagen fortsetzen wollte, ihm aber die Straße dahin unbekannt war, ließ er sich durch einen wohlgekleideten Bauern, den er unterwegs antraf, den Weg bis auf die Landstraße nach Löwen zeigen. Dieser erkannte den Monarchen, setzte sich zu Pferde und ritt neben dem Wagen her. Der Kaiser unterhielt sich mit dem Landmanne über verschiedene Gegenstände des Ackerbaues und dieser beantwortete alte Fragen mit einer anständigen Kürze und 39 Richtigkeit, welche dem Kaiser so wohl gefiel, daß er dem Bauer befahl, von seinem Gaule abzusteigen und sich neben ihm in den Wagen zu setzen. Inzwischen erreichte man die Straße von Löwen und der Bauer stieg aus dem kaiserlichen Wagen, machte die tiefste Verbeugung und sagte:„Jetzt brauchen mich Euer Majestät nicht weiter für heute; hier ist die gerade Straße, die Euer Majestät nach Löwen führen wird. Der Monarch wollte ihn beschenken, allein der Bauer bedankte sich mit den Worten:„Ich habe eben kein Geld vonnöthen, und es ist vielmehr der Flammländer Pflicht, Ihnen welches zu geben." * Es läßt sich nicht läugnen, daß die Raschheit, mit welcher Kaiser Josef II. zu handeln gewohnt war, und mit der er seine einmal gefaßte Idee auch ausgeführt wissen wollte, zu mehrseitigen Verstößen Anlaß gegeben hat. Der Historiker aber darf nie übersehen, wie denn, wo nicht höhere Motive, doch meistens versöhnende Nebenumstände zu Grunde lagen; alte Mißbräuche mußten dem aufgeklärten, menschlich gesinnten Monarchen als Nebel erscheinen, welche so schnell als möglich Hebung forderten, jedes langsame Eingreifen begünstigte in seinen Augen deren Fortbestand; da die Massen nicht geringe waren, trug er das angeborne 40 Mißbehagen an dieser auf jede Art Langsamkeit, oft selbst auf die scheinbare über. Als er nach dem Tode seiner großen Mutter die Zügel der Regierung allein ergriff, geschah es überdieß nicht ohne Ahnung der ihm kurz zugemessenen Herrscherjahre, ja diese steigerte sich bald zu einem Grade von Ueberzeugung, die ihn rastlos anspornte, seine Ideen ins Leben zu rufen, sollte er sie nicht umsonst gefaßt und ausgebildet haben; daß er von dieser Ueberzeugung getrieben in der Ausführung, in der Wahl der Mittel geirrt, oft selbst das Gesetz der Humanität, das ihn doch so tief und innig belebte, verletzt habe, wer wird es läugncn, wer aber zugleich das Urtheil der Verdammung darüber aussprechen können? Josef II. wollte überall das Gute und Beste; das Wollen aber ist der Prüfstein sowohl der Größe, als Gemeinheit. Unstreitig war die Idee, welche ihn bewegte, und auch die Kraft, die ihm geworden, groß, allein die Ausführung war nicht immer glücklich. Wird dieses dem Ruhme seiner Größe schaden? mehr scheint es der Vorwurf, der ihm häufig gemacht worden, daß er unbeugsam, in seinen Ansichten selbst dann nicht das Bessere erkannte. Ist es wirklich so, wo liegt der Grund bei seinem wahrhaft großen Wollen? Vielleicht in den tausend und wieder tausend Widersprüchen und Hindernissen, die er 41 gefunden hat, und gerade oft in Anordnungen, welche bald hierauf allgemein mit Bewunderung und dankbarer Anerkennung betrachtet worden. Doch es ist nicht so, denn wir könnten Beispiele in Menge anführen, die hinlänglich darthun, wie er dem gefaßten Plane, der vorherrschenden Ansicht zu entsagen, im Stande war, sobald er eines Bessern belehrt worden, zumal, wenn er dadurch ein Unrecht begangen zu haben glaubte; Ja er säumte keinen Augenblick, dieses selbst laut zu bekennen, und darin besteht wohl der Höhepunkt wahrer Größe. Aus vielen Zeugnissen hier nur Eines. Der Kaiser war eines Tages über den, seiner Meinung nach allzubedächtigen Präsidenten des Reichshofraths Grafen Harrach unwillig und in diesem Augenblicke der Aufwallung, ließ er ihm durch den Obersten und Kabinetssekretär Br. v. Röder sagen, das er seinen Abschied fordern könne." Der Gras erwiederte:„Es habe noch nie ein Harrach seinen Abschied gefordert, wenn aber Sr. Majestät ihm solchen geben wollen, sei er bereit, ihn zu erwarten." Dabei blieb es für dieses Mal. Bald darauf trat der Kaiser seine erste Reise nach Italien an, und schied von seinem Reichs-Justitzminister mit sichtbarer Kälte. In Mailand hörte er indessen allenthalben von dem seltenen Rufe, welchen sich hier der Graf als Statthalter erworben 42 und der im dankbaren Andenken in allen Classen der Bevölkerung sortlebte. Josef H. bemerkte hierüber, was zu bemerken war. Bei der ersten allgemeinen Aufwartung nach seiner Rückkehr erschien auch Graf Har- rach, der Kaiser erblickte nicht sobald den Eintretenden, als er ihm entgegen ging, und vor allen Anwesenden laut zu ihm sagte:„Ihr Andenken ist noch in ganz Italien in Veneration."—„Welcher Sieg," fährt der freimüthige Moser fort, dem wir die Aufbewahrung dieser Thatsache verdanken,„welcher Sieg selbst für den hochherzigen Monarchen, welcher Triumph für den Minister, der warten gelernt hatte." Josef sah aus einem seiner Spaziergänge, die er, entblößt von allen Kennzeichen seines hohen Standes, unternahm, eine junge Person, die in ihrem Fürtuch ein Paquet trug; sie schien in einen tiefen Schmerz versunken^ zu sein. Ihre Jugend und ihr Kummer nahmen die Aufmerksamkeit deS Monarchen in Ansprucb, er näherte sich ihr, aber mit dem Anstand und der Achtung, die immer große Seelen für das Unglück haben. Er fragte sie, ob man, ohne eine Jndiscretion zu begehen, erfahren könne, was sie trage. Die junge Person, deren vom Kummer beschwertes Herz die Nothwendigkeit fühlte, den Gegenstand desselben mit- 43 zutheilen, wie dieß wohl alle Unglücklichen gefühlt haben, konnte nicht lange dem Anfragen des Unbekannten widerstehen. Sie sagte ihm, das Paguet, das sie trage, schließe einige Wäsche ihrer Mutter ein, die sie nun zu verkaufen gehe, unter Weinen fügte sie hinzu, daß dieß die letzte und schwache Quelle sei, welche noch zu ihrer Beider Eristenz übrig bleibe, daß sie es niemals verdient hatten, ein solches Loos zu ertragen, daß sie die Tochter und ihre Mutter die Witwe eines Officiers sei, der mit Ehren und Auszeichnung in den Truppen des Kaisers gedient habe, ohne nur je eine Vergeltung, die zu fordern er das Recht gehabt hätte, erhalten zu haben.—„Er wird es versäumt haben, dem Kaiser ein Memorial zu überreichen," antwortete ihr der Monarch.„Haben Sie Niemanden gekannt, der ihm ihre Angelegenheit vortragen konnte?"— Sie nannte ihm einen jener Höflinge, die gerne versprechen und leicht vergehen, der auch schon lange die Sache betrieb, aber wie er sagte, nichts erhalten könne. Die Fruchtlosigkeit der Gänge hatten der jungen Person eben keine vortheilhaftcn Ideen von der Großmuth des Kaisers eingeflößt, und sie verheimlichte dieselben auch keineswegs. „Man hat Euch hintergangen," erwiederte der Fürst, indem er seine Aufregung zu verbergen suchte;„ich bin 44 gewiß, daß, wenn der Kaiser Eure Lage gewußt hätte, er würde sicher eine Abhilfe gefunden haben. Er ist nicht so, wie man ihn Euch gemalt hat, ich kenne ihn, er liebt mich, aber noch mehr liebt er die Gerechtigkeit. Macht ein Memorial, bringt es mir morgen in die Burg an den Ort und zu dieser Stunde. Wenn sich die Dinge so verhalten, wie Ihr sagtet, so werde ich das Memorial und Euch selbst dem Kaiser vorstellen und ihm Eure Bitte auseinandersetzen, und ich wage es, zu glauben, daß dieß nicht umsonst sein würde." Die junge Person trocknete ihre Thränen und ergoß sich in Danksagungen gegen den unbekannten Herrn, der noch hinzufügte:„Aber jetzt dürft Ihr Ezire Wäsche nicht verkaufen. Wie viel glaubt Ihr dgsür zu bekommen?"—„Sechs Dukaten" antwortete sie.„Erlaubt, daß ich Euch unterdeß zwölf leihen dürfe, bis wir den Erfolg unserer Sorgen angesehen haben." Mit diesen Worten trennten sie sich. Die junge Person beeilte sich, ihrer Mutter die 12 Dukaten und die Wäsche zu bringen, und erzählte, daß ein Unbekannter, ein Engel Gottes, ein Hofherr, ein Freund des Kaisers, ihr dieselben gab. Bei der Beschreibung, die sie von ihm machte, an den Reden, die sie von ihm erzählte, erkannte die Mutter oder irgend eine Person, die gegenwärtig war, daß es der Kaiser gewesen. Das Mäd- 45 chen blieb wie versteinert stehen, da sie sich der Aeußerungen erinnerte, die sie über die Person des Kaisers diesen selbst mittheilte. Sie wagte es nicht, am andern Tage in die Burg zu gehen, ihre Anverwandten mußten sie zur angezeigten Stunde dahin führen. Sie kam gerade in dem Augenblick dort an, als der Kaiser, ungeduldig, sie zu sehen, Befehl gab, zu ihr zu schicken. Sie konnte den Monarchen nicht verkennen und fiel in Ohnmacht. Was that der Kaiser in der Zwischenzeit? Erzog die genauesten Erkundigungen über den Vater deS jungen Mädchens bei den Ober-Offi- cieren des Corps, wo derselbe gedient, ein, denn er harte nicht vergessen, von ihr den Namen ihres Vaters und seines Regiments zu erfahren. Es ergab sich, daß ihre Erzählung vollkommen wahr, und er wurde dadurch versichert, daß seine Wohlthätigkeit durch die Gerechtigkeit schon begründet werden müsse und daher keineswegs übel angewendet sei. Nachdem die junge Person, die man in ein anderes Gemach gebracht hatte, zu sich selbst gekommen war, ließ sie der Kaiser sammt ihrer Anverwandten in sein Kabinet führen, übergab ihr für ihre Mutter die Anweisung einer Pension, die mit den, von ihrem Vater genossenen Einkünften vollkommen gleich war, und deren Hälfte, im Falle ihre Mutter stürbe, auf 46 sie übergehen solle.„lVlsclemoiselle," sagte dieser engels- gute Fürst,„ich bitte Eure Frau Mutter und Euch, mir diese Verspätung, die sie in eine beschränkte Lage gebracht, zu verzeihen. Ihr seid überzeugt, daß dieß ohne meinen Willen geschah, und wenn Jemand in Zukunft zu Euch über mich Böses spricht, so bitte ich Euch einzig allein, meine Partei zu ergreifen. I'ftervso, 267.) * Als sein Lehrer in der Logik, der damals ein Knabe war, über Selbst- und Menschcnkenntniß, aus Dellegarde vorgelesen hatte, setzte er dadurch den Prinzen so sehr in Feuer, daß dieser ihn mit einem warmen Händedruck bat, jenes Kapitel noch ein Mal zu wiederholen, weil er, wenn er einst zur Regierung kommen würde, die Selbst- und Menschen-Kenntniß sehr nöthig haben werde. * Hier folgen zwei Schreiben Joseph H.; das eine an seinen früheren Erzieher, den Fürsten Ba- thyani und daS andere an seine Schwester, bei Gelegenheit des TodeS seines Vaters Franz I. Welch edler frommer Sinn gab sich nicht bei dieser Gelegenheit in Josef kund. 47 Klon krinve! Wir sind in der Gesellschaft des Großherzogs v. Florenz und der beiden Erzherzoginnen Anna und Christina nach Jnöbruck gereist, um der Vermählung meines Bruders beizuwohnen, als den 18. die für uns traurige Katastrophe eintrat, daß den Kaiser plötzlich der Schlag berührte und derselbe in meinen Armen verschied. AIon krlnoe! Es ist über die Fähigkeit eines menschlichen Wesens, den hohen Grad von Schmerzen, das Uibermaß von Empfindungen so vorstellend zu schildern, wie es das Herz eines SohneS fühlt, der seinen Vater auf ewig verliert, von dem er überzeugt war, daß er geliebt wurde. Im Moment der schrecklichen Leiden, die mich folterten, vergaß ich meine Mutter nicht. Aber konnten Trostgründe eines Sohnes, dem die Wehmuth sein Herz zerrissen, konnten sie ein Ersatz für den grausamen Schlag sein, den ihr das Schicksal versetzte? Mein Vater hat die zärtlichste Zuneigung für mich gehabt, er war mein Lehrer, mein Freund und der größte Prinz seines HauseS, würdig des Zutrauens seiner Familie, so wie jenes seines ganzen Volks, großmüthig, gerecht, wohlthätig, ein Freund der Wissenschaften, der Künste, der Armuth und deS Bestrebens, 48 sich emporzubringen; war der Kenner der Privatver- dienste, selbst als Monarch! Ich bin jetzt 24 Jahre alt. Die Vorsehung hat mir in frühen Tagen den Kelch des Leidens hingegeben. Da ich meine Gemalin verloren, nachdem ich sie kaum 3 Jahre besaß— theure Elise! Du bist unvergeßlich für meine Tage— und seit Deinem Tode habe ich unnennbare Leiden gefühlt. Sie haben meine Jugend geleitet, unter Ihrer Anführung ward ich ein Mann! Unterstützen Sie mich nun auch als Monarch bei der Last der Pflichten, die mir mein Schicksal auferlegt hat und bewahren Sie Ihr Herz für Ihren Freund A 0 s b s. Jnsbruck den 20. August 1765. An seine Schwestern schrieb er: „Verzeihen Sie, meine sehr theuren Schwestern, wenn „ich im Uebermaß des Schmerzes, der mich erfaßt „und in Mitte der Beschäftigungen, mit welcher ich „behaftet bin, mich an Sie alle zugleich wende. Der „traurigste Schlag, der uns nur drohen konnte, hat „uns betroffen. Wir verlieren den zärtlichsten Vater, „den besten Freund. Unterwerfen Sie sich der Vorsehung, lassen Sie uns für die Ruhe seiner Seele beten, „und die Liebe zu unserer erhabenen Mutter, das ein- 49 „zige Gut, welches uns übrig bleibt, verdoppeln, ihre „Erhaltung ist meine größte Sorge in diesem schrecklichen „Augenblick. Wenn die innigste Freundschaft eines „Bruders, die ich Ihnen nicht mehr anbiethen kann, „weil Sie dieselbe längst besitzen, Ihnen nützlich sein „kann, so befehlen Sie. Ich umarme Sie alle, und „bitte nur um Ihr Mitleid für den unglücklichsten „Sohn." Josef. * Als Josef II. auf seiner Reise von Wien nach Neiße zunächst Mähren durchstreifte, begegnete er auf einem Felde der Lichtensteinischen Herrschaft Posowitz in Mähren, einen schlichten Bauersmann mit dem Pflug. In heiterer Laune ergriffJose f das Ackergeräts ackerte mit eigener Hand mehrere Furchen des Feldes und gab so einen thätigen Beweis, wie hoch er den Ackerbau schätze. In China ist es bekanntlich Gesetz, daß der Kaiser in jedem Jahre einmal an einem bestimmten Festtage pflügt, daher dann Manche in Josefs Benehmen wieder eine bloße Nachahmung einer fremden Sitte finden zu können meinten. Am schönsten würdigte diesen Akt fürstlicher Größe, Josefs würdiger Zeitgenosse Fürst Wenzel von Lichtenstein, der auf dem Acker, wo Josef gepflügt hatte, ein marmor- Habsburg, III. H 50 nes Denkmal setzen ließ, welches die Inschrift führt: Imp. 108epbo,«tivi I'rnneisvi et AI. 1'Neresine nuK'. piv. tilio»NK. guock is anno AIVL6KXIX me»8o »uK.U8 AVenee8!»U8, prinvep8 a b,ivblen8tejn. Außerdem ward auch die Pflugschar mit einer passenden Inschrift versehen, der Pflug selbst aber in Seide eingewickelt und den mährischen Ständen zum Andenken übergeben. * Als Joses II. mit einem kleinen Gefolge, Ga- lizicn bereiste, gelangte er ganz ermüdet und durch die Strapatzen der Reise entkräftet, cinnral in ein jüdisches Dorfe; er und sein Gefolge beabsichtigten hier Halt zu machen und durch eine Mahlzeit frische Kraft zu sammeln. Dennoch fand sich auch nicht da§ geringste Genießbare vor. Ihr Entschluß war schnell gefaßt. Jeder versprach in einer bestimmten Zeit eine von ihm selbst zubereitete Speise auf den Tisch zu bringen. Sie zerstreuten sich daher im Dorfe und Jeder suchte Etwas auszuweiden. Eier, Brot, Obst, Butter re. Zur bestimmten Zeit ward servirt. Der 51 Kaiser ging mit seiner Schüssel voran, die Generale folgten jeder mit der seinigen. * Bei eben dieser Reise warf sich eine edle Polin, die in den letzten Stürmen, welche ihr unglückliches Vaterland getroffen hatten, alles das Ihrige verloren und weder für sich, noch für ihre vielen verwaisten Kinder auch nur das Allernothwendigste ausbringen konnte, verzweifelnd zu deö Kaisers Füßen und flehte um Hilfe. Josef hals kaiserlich; er erbat sich die Kinder der unglücklichen Frau zum Geschenk, errichtete alsbald ein adclichcS Erzichungöstist und sicherte den schuldlosen Kindern hier ein Unterkommen. Solche Züge fürstlicher Großmuth und Freigebigkeit konnten nicht verborgen bleiben, und wenn die Wohlthaten, die Josef seinen Unterthanen erwies, nach einer Seite hin, sein nachmaliges Unglück vorbereiteten, so hatte er doch einen und den schönsten Lohn davon— die begeisterte Liebe des Einzelnen. * Bei Josefs Reise nach Paris ereignete sich manches Abentheuer und manche interessante Scene: So kam er unter anderm aus einer Poststation früher an, als man ihn erwartet hatte und fand keine Pferde. Der Postmeister, der ihn nicht kannte, bat ihn, er möge ein 4» 52 wenig Geduld haben, weil er alle seine Pferde fortgeschickt habe, seine Freunde abzuholen, die der Taufe seines Sohnes, den ihm seine Frau geboren habe, beiwohnen sollten. Josef— als Gras v.Falken stein— bot sich zum Taufzeugen an. Der Postmeister war damit zufrieden. Der Actus ging vor sich. Der Pfarrer fragte den Gevatter um seinen Namen.— Antwort: „Josef!"—„Der Familienname?"—„Wie? Josef dacht' ich, wäre genug."—„Aber doch!"—„Nun, Josef der Zweite!"—„DerZweite?"—„die Qualität?"„Kaiser!"— Der Pfarrer ward vor Schrecken bleich. Der Postmeister fiel dem Monarchen zu Füßen, der ihn sedoch freigebig beschenkte und an seinen Pa- th en zu denken versprach. » Zu Metz besuchte Josef die Parade. Es war gerade sehr unfreundliches Wetter und bald begann es selbst zu regnen. Sogleich both ihm einer der Officiere seinen Regenschirm an; denn das gesammte Officier- korps hatte sich, damit die zarten Haarfrisuren nicht litten, mit solchen Instrumenten versehen. Josef wies jedoch dieß Anerbieten zurück und bemerkte lächelnd: „Ich fürchte den Regen nicht." Diese einfache Bemerkung reichte hin, daö ganze Officierskorps aus der Stelle heroischer zu stimmen, denn alsbald waren 53 sämmtliche Regenschirme verschwunden und lustig träufelte der Regen in die bis dahin wohl conditionirten Locken. Zu Straßburg hatte sich eine ungeheure Volksmenge versammelt, um den Kaiser einfahren zu sehen. Als dieser beim Thore einfuhr, befahl er seinen Kutscher Schritt für Schritt zu fahren, damit jeder der Einwohner ihn genau sehen könne. Dieß ist ein kleiner Beweis von dem tiefen Gemüth, welches Josef II. inwohnte, so wie eine Bestätigung dafür, daß vielleicht nie ein Fürst die Liebe und Achtung des Volkes so zu würdigen verstand, als gerade Josef H. Die Königin Maria Antoinette, Josefs Schwester, die schon längst einen Besuch ihres Bruders gewünscht und erwartet hatte, war hocherfreut über seine Ankunft und stellte ihn ihrem Geniale, so wie den übrigen Mitgliedern deS königlichen Hoseö vor. Sie sprach mit ihm von den Appartements, die sie für ihn im Schlosse habe einrichten lassen, allein Josef antwortete, daß er keinen Gebrauch davon machen werde, da er auf der Reise stets im Wirthshause wohne. Als die Königin dennoch auf ihrem Wunsche bestand und ihn versicherte, daß er ganz frei, von allem Lärm 54 entfernt sein werde, sagte er, er wisse, d aß daö Schloß von Versailles sehr groß sei, und daß man darinnen so viele„lidortiim" logire, daß auch er wohl einenPlatz finden könne, allein sein Kammerdiener habe schon in einem Gasthofe sein Feldbett zurecht gelegt und er wolle dort wohnen. * Besondere Aufmerksamkeit schenkte Josef auch einer Taubstummenschule in Paris, welche der edle Abbe de l'Epee errichtet hatte. Der Kaiser war eben so gerührt, als er sah, wie der geistreiche Stifter der Anstalt als Lehrer sich in die Seelen seiner unglücklichen Zöglinge hineinstudiren konnte, als erstaunt, da er hörte, daß er vor der Hand nur im Stillen gewirkt und seine Anstalt noch in keiner Weise eine öffentliche Unterstützung gefunden habe. Josef beehrte ihn mit einer kostbaren Dose, worauf sein Portrait befindlich war und 25 Louisd'ors zum Besten der unglücklichen Zöglinge und ertheilte ihm dem Auftrag, ihm einen Schüler zu ziehen, der fähig wäre, diesen für daö Heil der Menschheit so nützlichen Unterricht in Wien zu leiten und es ist bekannt, wie dieser Besuch, zur Errichtung der vortrefflichen Taubstummen-Anstalt in Wien wirklich den ersten Anlaß gegeben hatte. Und wie von den großen gemeinnützigen Anstalten 55 keine zurückblicb, ohne von Josef einen Besuch erhalten zu haben, so wurde auch einzelnen ausgezeichneten Männern die Ehre des kaiserlichen Besuches zu Theil. Als Joses die Naturalicnsammlungcn in Augenschein nahm, konnte Buffon wegen einer Unpäßlichkeit nicht gegenwärtig sein. Joses begab sich, als er die Ursache der Abwesenheit des großen Naturforschers erfahren hatte, selbst zu ihm und fand ihn im Schlafrock. Buffon kam in äußerste Verlegenheit und wollte sich entschuldigen. Josef beruhigte ihn mit der Bemerkung:„Wenn der Lehrmeister von seinem Schüler einen Besuch erhält, so sieht man nicht aus den Anzug."— Eben so erhielt auch I. I. Rousseau einen Besuch von ihm und nicht minder interessant war Josefs Zusammentreffen auch mit diesem Manne. Josef fand denselben mit Notenschreibcn beschäftigt und konnte seine Verwunderung nicht unterdrücken,„daß ein so trefflicher Schriftsteller sich so beschäftige."—„Was ist zu thun?" antwortete der hypochondrische Philosoph.„Ich habe lange den Franzosen Gelegenheit gegeben, zu denken, aber es war umsonst, sie dachten nicht! Jetzt gebe ich ihnen Gelegenheit zu singen— und sie singen!"— * Als Josef II. in der Abtei St. Denys die königlichen Grabmäler betrachtete, in tiefe Betrachtung aber 56 versunken vor dem Monumente des großen Turcnne stehen blieb, bemerkte Jemand aus seinem Gefolge:„Für den Helden ist noch keine Grabschrift erfunden." Lebhaft antwortete der Kaiser:„Sie haben eben eine sehr passende gemacht." * Als man ihn einst fragte, ob die großen Strapa- tzen, denen er sich auf seinen Reisen aussetzte, ihn nicht ermüdeten? gab er zur Antwort:„tw i>o brüte point ma vlmntlello p»r tos«toux baut«, e est ee<^ui ms vonserverr».(Ich brenne meine Kerzen nicht an beiden Enden, das ist's, waS mich erhalten wird). * Um unsern Lesern eine Probe davon mitzutheilen, mit welcher Auszeichnung und Ehrerbietung Joscs überall, wo er sich nur blicken ließ, empfangen ward, möge hier die Beschreibung einer Scene folgen, welche sich zutrug, uls er den großen Gerichtshof von Paris besuchte, wo eben die Kammer Sitzung hielt. Kaum hatte man den Kaiser erblickt, als der erste Präsident sogleich den Obergerichtsdiener an ihn abschickte und ihn einladen ließ, in der Versammlung Platz zu nehmen. Der Kaiser nahm jedoch diese Auszeichnung nicht an, sondern blieb vor den Schranken in einer Gitterloge stehen. Der geschickte General-Advokat Seguier aber war dennoch von der Anwesenheit des Kaisers in Kenntniß gesetzt und gewandt genug, die gebotene Gelegenheit zu benützen, um auch hier einige Worte zum Lobe des hohen Gastes zu sprechen. Er hielt an die versammelten Räthe folgende Anrede: Meine Herren! Ehe ich die Ehre habe, Ihnen meine Bemerkungen über dem zwischen den Marquis Saint Simon und der Frau Marschallin v. Fitz-James entstandenen Rechtshandcl vorzulegen, kann ich Ihnen meine Verwunderung über die Wichtigkeit und Größe des Falles, der jetzt Ihre Entscheidung erwartet, nicht genug bezeigen. Ihr Ausspruch, meine Herren, wird es heute auf immer bestimmen, in wie fern Gesetze und Gewohnheiten fremder Mächte in unserm Königreiche rechtskräftig sein können und ob ein von dem König von Spanien mit Gütern und Würden reichlich beschenkter Franzose seine Erben verbinden könne, sich bei der Erbfolge nach den spanischen Rechten zum Nachtheile der französischen zu richten. Das Wichtige dieser Streitfrage wird dadurch vermehrt, wenn wir eineStheils bedenken, daß der König von Spanien mit unserm königlichen Hause verwandt ist, und zweitens, daß sie in Gegenwart eines Monarchen vorkommt, dessen Weisheit die Bcwunde- 58 rung von ganz Europa erregt. Er erlaube uns, ihm dieses Zeugniß öffentlich abzulegen und ihm im Namen der ganzen Nation die Empfindungen unserer Ehrfurcht zu versichern. Ich wollte auch die Empfindungen unserer Liebe nennen;— und warum sollte ich es nicht? Ein Fürst, der seine Staaten verläßt, um unter den Menschen zu reisen und sie zu erforschen, der sich unter alle Stände mischt, um sie kennen zu lernen, ein Fürst, der den äußerlichen Glanz seiner Macht mit dem Schleier des einfachen verhüllt, den man nach seinem bescheidenen Aeußerlichen für einen bloßen Privatmann halten würde, wenn seine Handlungen nicht mit jedem Augenblicke seine Größe verriethen, verdient ein solcher Fürst nicht die Huldigung anderer Nationen? Glücklich ist das Volk, das von einem solchen Fürsten sein Glück zu erwarten hat! Und noch glücklicher der Fürst, der kein anderes Vergnügen kennt, als das, Glückliche zu machen. Bald nach diesem Besuche, bei welcher Gelegenheit Josef in einer Gitterloge(lanterne) gesessen hatte, erschien folgendes Epigram: Asardorio. 6r»nck miraele, kssguin! soleilIe8 8»1et8 8vumi8 ä 8» pnwsanee, klamme il vt»it 8NN8 orainle, il mareknit 8si>8 6e- l'ense; Kar l amour«le 8vn penple il 8v oro^nit Karilv. (Noch größer durch sich selbst, als schon durch seinen Stand, Haßt' er, wie Du, Monarch, das lästige Gepränge. 61 Nie zog ein stolzer Wall von dichter Kriegermenge Einher vor ihm.— Er ging in seiner Bürger Schooß, Den Busen ohne Furcht, die Hüfte ganz wehrlos. Die Liebe meines Volkes, sprach er, ist meine Wache). Bei dieser auf Josef so passenden Stelle, richtete die Schauspielerin ihren Blick unverwandt nach der Loge, in welcher sich Josef befand. Dem Volke entging dieß nicht. Das ganze Parterre und alle Zuschauer in den Logen, standen feierlich auf und wie aus einem Munde tönte eS durch das Haus:„Es lebe der Kaiser!" Joses war von dem schönen Moment tief ergriffen. Mit einer Thräne im Auge, trat er in seiner Loge hervor und dankte mit einer huldvollen Verbeugung der freudig überraschten Versammlung. Während die Hofleute, so wie überhaupt die ganze Aristokratie von Paris es für gemein hielt, mit einem gewöhnlichen Fiaker zu fahren, bediente sich Josef während seines Aufenthaltes in Paris bei seinen täglichen Wanderungen eines solchen sehr oft, und als man ihm hierüber seine Verwunderung auSsprach, gab er zur Antwort:„Vous ns nie verriet l>»8 plus brillant a Vienne gu ä Versailles, Iiors ilix o» rlours kois 1' ruinös, gue)e snis forve ile taire l'Lmpereur 62 (Ihr würdet mich auch nicht zu Wien prachtliebender sehen, als zu Versailles, außer zehn oder zwölf Mahl des Jahres, wo ich gezwungen bin, den Kaiser vorzustellen.") * Ein interessanter Vorfall war folgender: Der Kaiser hatte einen Fiaker genommen, um nach dem Palais Luremburg zu fahren. Der Kutscher, der ihn für einen gewöhnlichen Partikulier hielt, ließ sich mit ihm in ein Gespräch ein und äußerte eine große Freude gegen ihn, diese Fahrt bekommen zu haben.„Denn, sprach er, wenn der Kaiser dahin kommt, um zu pro- meniren, so werde ich das Vergnügen haben, ihn zu sehen. Ich fürchte nur, zu spät zu kommen." Der ihm unbekannte Monarch, gerührt über dieses Verlangen, sagte ihm, er sollte nichts fürchten, der Kaiser werde gewiß nicht vor ihm zur Parade dahin kommen. Unter dem Thore von Luremburg gab der Kaiser dem Kutscher ein Stück Geld in Papier gewickelt, und als der Kutscher es öffnete, fand er einen Doppellnisd'or darin. Sogleich lies er dem Unbekannten nach, in der Meinung, er habe sich vergriffen, als er ihm daS Goldstück gegeben, denn so viel gibt man nicht für eine Miethkutsche. Die Redlichkeit rührte den Kaiser und er bestätigte ihm sein Geschenk mit aller ihm eige- «o 63 nen Leutseligkeit. Da merkte der Kutscher, wen er gefahren, er fiel nieder und rief laut:„.I'-ck vu I'Lm- l-erour!"(Ich habe den Kaiser gesehen.) * Die Begeisterung für Josef durchdrang selbst die niedrigsten Stände des Volkes. Einen deutlichen Beweis hiefür liefert ein ziemlich stürmisches Rendezvous, welches Joses gezwungener Weise mit den Fischerwei- bcrn hatte. Scharenweise hatten sich dieselben nach Treville in sein Hotel gedrängt, um ihm ihre Aufwartung zu machen.„Sie verzeihen, gnädigster Herr Kaiser", redete ihn eine von den Erschienenen an,„wir wissen wohl, daß Sie es sind, obwol Ihre Schweizer uns verboten haben, Sie so zu nennen, wir wollen uns blos erlauben, Ihnen zu sagen, daß Frankreich und wir uns glücklich preisen, einen Herrn wie Sie, hier zu sehen, einen Fürsten, der so großmüthig ist, Gold und Silber mit vollen Händen auszutheilen." Eine Andere warf sich vor seinen Füßen nieder, küßte seinen Rock und rief dabei:„Glücklich das Volk, daS diese Tressen bezahlt."— Zuweilen erinnerte Josef seine Schwester auf rührende Weise an die Einfachheit des Hofes ihrer Mutter. Beim Anblick so vieler Nebcrflüssigkciten rief er aus:„Was 64 für eine Menge von Sachen, davon wir in Wien keine nöthig haben." * Obgleich Joses II. es sich zum Gesetze gemacht hatte, die Meinung des Tages zu respektiren, begegnete es ihm doch einmal, daß er ihr widersprach, wofür man ihm schlechten Dank wußte. In einem Zirkel, wo er sich bemühte, Gefallen zu erregen, pries eine Dame sehr eifrig die Grundsätze des Congrepes und die unerschrockene Geduld der amerikanischen Soldaten. Verletzt durch daö Stillschweigen des Grafen von Falkenstein(Joses II.), wagte sie es, ihn um seine Meinung zu fragen.„Was halten Sie davon" sagte sie,„welche Partei nehmen Sie?"—„Ich muß gestehen," antwortete der Kaiser,„bei meinem Gewerbe ziemt es mir, Royalist zu sein."— Dieje aufrichtige Antwort machte einiges Aufsehen in den Gejelsichaften. * Von Paris aus mackte der Kaiser eine Rundreise durch Frankreich und bewahrte auf das strengste sein Jncognito eines Grasen von Falkenstein. Aber dennoch fehlte es auch aus diesem Wege nicht an Huldigungen und Auszeichnungen, die aber, weil sie Josef eben zuwider waren, in der Regel mit Kälte zurückgewiesen wurden. In Cacn hatte man sich alle Habsburg. III. 5 65 erdenkliche Mühe gegeben, seinen Empfang so herrlich als möglich zu machen. Namentlich sollte ihm zu Ehren ein glänzender Ball gehalten, und ein brillantes Feuerwerk abgebrannt werden. Um diesen lästigen Zudringlichkeiten zu entgehen, weilte er nur einige Augenblicke in der Stadt, und übernachtete lieber bei schlechter Bcwirthung im benachbarten Dorfe Millers. In Brest sollte ebenfalls ihm zu Ehren getanzt werden. Hier erklärte er jedoch: Er sei nicht nach Frankreich gekommen, um zu tanzen, sondern um Kenntnisse zu sammeln. In Rochefort gab er dem dortigen Gouverneur gleich im Voraus den Bescheid: Wenn man ihm nicht erlaube, gänzlich Jncognito zu sein, so würde er blos durchreisen, so großes Verlangen er auch habe, die Stadt genauer zu besichtigen. * Um langweiligen Besuchen, welche ihm in Bor- deaur Einige von Adel zugedacht hatten, auszuweichen, gab er dem dortigen Consul die nöthige Weisung: „Besuche sind gar nicht für die Absichten meiner Reise. Was ich suche, finde ich nur bei Personen von Ihren Kenntnissen, mein Herr! Kennen Sie mehrere Personen, die mich zu belehren im Stande sind, so bitte ich Sie, mir dieselben vorzustellen." WWW 66 » Knüpfte sich dagegen an das Aufgeben des strengen Jncognito ein kleines Abentheuer, so ging Josef in gleicher Weise gern darauf ein, wie es ihm zuwider war, wenn eine lästige Zudringlichkeit einen Ber- such machte, ihn aus seiner Rolle herauszubringen. So kam er einst in ein, nahe an einem Walde gelegenes Dorf. Josef begab sich daher mit einem einzigen seiner Reisegefährten in die Umgegend und ergötzte sich an der reizenden Lage des Ortes. Plötzlich hatten sich die beiden Reisenden im Gehölze verirrt. Endlich erblickten sie einen Lustgang zu einem Schlosse. Sie schlugen denselben ein und fragten bei ihrer Ankunft nach dem Herrn des Ortes.„Er ist nicht zu Hause," war die Antwort;„Madame ist aber hier." Nun wurden die Fremden in einen Saal geführt, und nachdem dieselben der Frau vom Hause mitgetheilt hatten, wie es ihnen ergangen sei, ließ die gnädige ürau dieselben zu Mittag bewirthen, bat sich jedoch die Er. laubniß aus, wegzugehen, um den Kaiser zu sehen, der, wie sie gehört habe, in Kurzem durchreisen werde. Beide Herren sagten:„Sr. kais. Majestät würden nicht sobald eintreffen^ sie wüßten dieß bestimmt, indem sie zu dessen Gefolge gehörten."—„Versichern Sie mir dieß auf Ihr Wort, meine Herren," sagte die Dame, 67 so werde ich meinen Gemahl nicht aussuchen."— Während der Tafel wurde von mancherlei Dingen, am meisten aber vom Kaiser gesprochen. Die Dame pries seine Naturgaben, seine Tugenden, die vorzüglichsten Eigenschaften seines Herzen und seines Geistes; endlich sagte sie:„Er ist ein vollkommener Fürst und ich verlange heftig darnach, ihn zu sehen. Meine Herrn," fügte sie hinzu,„Sie haben mir versichert, daß der Kaiser noch nicht in zwei Stunden kommen würde?"— „Ja," antworteten sie abermals. Endlich wollte man sich trennen; Josef nahm das Wort und sagte:„Madame, Sie scheinen große Lust zu haben, den Kaiser zu sehen?"—„Ja, mein Herr!" erwiederte sie,„denn er ist ein so gütiger Fürst."—„Ich kann," fuhr Josef fort,„Ihre Sehnsucht auf gewisse Art stillen. Hier haben Sie eine Tabackdose, auf der sich sein Portrait befindet."— Die Dame nimmt die Dose an, betrachtet das Bild und erkennt in demselben ihren Gast. Freudenthränen strömten aus ihren Augen, die Worte erstarken in ihrem Munde. Ein andermal fuhr er, um nach einem Seehafen zu gelangen, über einen Fluß. Auf der Fährte befanden sich mit ihm drei Bauernmädchen. Die Herzhafteste unter ihnen, welche vernommen hatte, wer er wäre, redete ihn alsbald an:„Herr! Sie sind unsers 5* 68 Königs Schwager?"—„Ja, mein liebes Kind," gab der Kaiser zur Antwort.—„Nun, da könnten Sie ihm auch wohl sagen, daß er unsere armen jungen Bursche losließe, die wegen ein Bischen Tabacks- Contre- band da unten auf der Galeere rudern müssen. Wenn Sie wüßten, was uns das für eine Freude wäre!"— „Wie heißt Ihr,"—„So und so." Darauf schrieb der Kaiser die Namen in seine Schreibtafel und sagte: „Seid ruhig, Ihr Kinder, ich verschaffe sie Euch wieder." Höchst possirlich war eine Scene in einem kleinen Dorfe auf dem Wege nach Rouen. Hier mußte Wohl oder übel Josef's Koch die Rolle des Kaisers spielen. In Begleitung seiner Dorfschuljugeud harrte daselbst der Dorfpfarrcr bereits 12 Stunden der Ankunft des Kaisers. Endlich erschien die sechsspännige Kutsche. Dem Pfarrherrn blieb kein Zweifel übrig, daß der Kaiser sich in derselben befinde. Sogleich naht er sich dem, der ihm unter den fremden Herrn in der Kutsche der Stattlichste scheint, und bringt demselben eine wohlstilisirte Bewillkommungsrede in tiefster Devotion entgegen. Der angeredete Koch versichert nun zwar dem höflichen Manne, daß er sich m der Person irre. Das hilft aber Alles nichts, denn der Psar- 69 rer hat gehört, daß der Kaiser das Jncognito liebe, und meint, auch jetzt wolle er sich nicht zu erkennen geben. Wohl oder übel, der Koch muß die Huldigungen an des Kaisers Statt annehmen und dieser fährt erst 2 Stunden später durch das Dorf ganz unbemerkt. * Bei der Durchreise durch Bern besuchte Joses den als Arzt nnd Schriftsteller gleich ausgezeichneten Halter. Joses fand denselben vom Alter geschwächt und von Krankheit niedergebeugt, aber immer noch von Büchern umgeben und mit Arbeiten beschäftigt. Dem ehrwürdigen Greis überkam beim Anblicke des hohen Gastes eine tiefe Rührung.„Gnädigster Herr" sagte er zu Joses,„Sie erweisen einem sterbenden Greise zu große Ehre." Als ihn daraus Joses fragte, ob ihn die Arbeit in so hohem Alter nicht ermüde? gab Hall er zur Antwort:„Sie ist meine einzige Er- quickung und allein geeignet, mir meine körperlichen Leiden vergessend zu machen." Darauf fragte ihn der Kaiser, ob er noch dichte?—„Das war meine Jugendsünde!" cntgegnete der bescheidene Greis. Es war dieser kaiserliche Besuch ein schöner Himmelsgruß für den würdigen Greis; schon wenige Monate darauf küßte ihn der Todesengel. Gleicher Auszeich- 70 mmg von Seiten Josefs hatten sich in Basel Winkelmanns Freund, der berühmte Kupferstecher Christian von Mecheln und in Waldshut der große Phi- siognom Levater zu erfreuen. Joses II. führte bei allen Dikasterien und Col- legien die Conduitlistcn ein. Es war diese eine Einrichtung, wodurch Josef sich zunächst die nöthigen Kenntnisse zu verschaffen suchte, welche Kräfte ihm bei der in AuSsicht stehenden Reformation seines Staates zu Gebothe standen. Damit in der engsten Verbindung stand seine Reform, welche er theils aus Grund der durch beständige Controlle gemachten Erfahrungen, theils aus andern leicht begreiflichen Ursachen mit einzelnen Beamtenstellen vornahm. Zu Maria Theresias Zeiten waren alle Hof- und Regierungskollegien, oder wie es im Oestreichischen heißt,„Stellen," mit Räthen und Subalternen übersetzt oder überladen. Josef besaß Scharfblick und dabei Kenntniß genug, um die untauglichen Subjecte bald herauszufinden und wieder hinlängliche Energie, um sofort unter diesen unnützen Staatsdienern aufzuräumen. Die meisten wurden jubilirt, oder mit einer mäßigen Pension in Ruhe versetzt und nur die arbeitsamen und tauglichen Subjecte beibehalten. Aus diese 71 Purificinmg des Staatsdienerpersonals bezieht sich auch jenes berühmte Handbillet des Kaisers, welches er bei einer, im Jahre 1783 nach Italien unternommenen Reise den Chefs der sogenannten Stellen hinterließ und welches wir hier als eine der denkwürdigsten Urkunden aus dem Leben Josef II. unsern Lesern wörtlich mittheilen: „Drei Jahre sind nun verflossen, daß ich die Staatsverwaltung habe übernehmen müssen. Ich habe durch diese Zeit in allen Theilen der Administration meine Grundsätze, meine Gesinnungen und meine Absichten mit nicht geringer Mühe, Sorgfalt und Lang- muth hinlänglich zu erkennen gegeben, ich habe mich nicht begnügt, eine Sache nur zu befehlen, ich habe sie ausgearbeitet und entwickelt. Ich habe die von Vorurtheilen und eingewurzelter alter Gewohnheit entsprungenen Umstände durch Aufklärung geschwächt und mit Beweisen bestricken. Ich habe die Liebe, die ich für das allgemeine Beste empfinde und den Eifer für dessen Dienst jedem Staatsbeamten einzuflößen gesucht." „Hieraus folgt nothwendig, daß von sich selbst anzufangen, man keine andere Absicht in seinen Handlungen haben müsse, als den Nutzen und das Beste der größeren Zahl? Ich habe den Chefs Vertrauen geschenkt und Gewalt eingeräumt, die Auswahl der 72 Personen ist ihnen srei gelassen worden. Schätzbare Wahrheiten habe ich von den Chefs, so wie von Jedermann immer mit Vergnügen aufgenommen. Täglich und stündlich war ihnen meine Thüre offen, theils um ihre Vorstellungen anzuhören, theils ihre Zweifel aufzuklären. Nun halte ich es für meine Pflicht und derjenigen Treue gemäß, die ich dem Worte in allen meinen Handlungen lebenslang gewidmet habe, daß ich mit Ernst aus die Erfüllung und Ausübung aller, ohne Ausnahme von mir gegebenen Befehle und Grundsätze halte, welche ich bis jetzt nicht ohne Leidwesen so sehr vernachlässigt sehe, daß zwar viel besohlen und erpedirt, aber auf die Befolgung und Ausübung auf keine Art gesehen wird, daraus entsteht, daß so viel wiederholte Befehle erfolgen müssen und man dennoch von nichts versichert ist, ja nur die Meisten in so weit handwerksmäßig die Geschäfte behandeln, daß nicht mit der Absicht das Gute zu bewirken und die Leute von demselben zu belehren, zu Werke gegangen, sondern nur das höchst Nothwendige geleistet werde, um nicht in einen Prozeß zu gerathen und die Cassation zu verdienen. Auf diese mechanische, knechtische Art ist es unmöglich, mit Nutzen die Geschäfte zu betreiben. Wer ein Vorsteher, er sei Geistlich, Weltlich oder Militärstandes, sein und bleiben will, muß: 73 1. Von nun an alle in seinem Fache von mir erlassenen Hauptentschließungen neuerdings aus den Registraturen erheben und dergestalt fleißig lesen, daß er den wahren Sinn derselben und deren Absicht ganz sich eigen mache. 2. Hat die Erfahrung leider bewiesen, daß, statt das Gute in einer Resolution aufzusuchen, den Sinn zu ergründen und die Befolgung sich angelegen sein zu lassen, man nur dieselbe auf der unangenehmen oder verkehrten Seite betrachtet, deren Expedition, so lange als möglich verzögert, ohne Erläuterung dahin gibt, keinen Menschen belehrt und dergestalt nur ein unwirksames Geschrei auszubreiten trachtet, ja meistens eine zur Befolgung nicht genug klare Belehrung hingibt, damit aber den Unterschied nicht beobachtet, daß der Landesfürst durch seine Befehle nur seine Absicht zu erkennen gibt, seine Hos und Länderstellen aber gemacht sind, seine Willensmeinung bestimmter zu erklären, und alle Wege, welche zu deren richtigen, genauen und geschwinden Befolgung führen können, zu wählen. Ohne dieses Absehen wäre die Beibehaltung so vieler Stellen und den davon abhängenden Beamten die übelste StaatSwirthschaft, weil mit vielen Kosten viele Leute gehalten würden, die mehr zur Verwirrung und Vereitelung der Geschäfte, als zu deren 74 Befolgung und Beförderung dienen. Wenn diese Stellen nur materialisch verbleiben, nicht wirken und nicht nachsehen, so könnte keine wirthschastlichere Einrichtung geschehen, als sie sämmtlich abzudanken und dadurch Millionen zu ersparen, die an der Contribution nachgelassen würden, und wovon der Unterthan eine viel größere Wohlthat spürte, als ihm jetzt bei schlechter Verwaltung von so zahlreichen Beamten zugethan. 3. Aus diesem folgt, daß bei allen Stellen Jedermann einen solchen Trieb zu seinen Geschäften haben muß, daß er nicht nach Stunden, nach Tagen, nach Seiten seine Arbeit berechnen, sondern alle seine Kräfte anwenden muß, die Geschäfte vollkommen auszuführen. Wer nicht Liebe zum Dienste des Vaterlandes und seiner Mitbürger hat, wer zur Erhaltung des Guten sich nicht von einem besonderen Eifer entflammt findet, der ist für Geschäfte nicht gemacht, nicht werth, Ehrentitel zu besitzen und Besoldungen zu ziehen. 4. Eigennutz von aller Gattung ist das Verderben aller Geschäfte und das unverzeihlichste Laster eines Staatsbeamten. Der Eigennutz ist nicht allein vom Gelde zu verstehen, sondern auch von allen Nebenabsichten, welche das einzige, wahre Beste, die aufgetragene Pflicht, die Wahrheit in Berichten und die Genauigkeit im Befolgen verdunkeln, bemänteln, verschweigen, verzögern und entkräften. Ein Chef, der von seinen Untergebenen dieses leidet, ist meineidig gegen sein Jurament, wogegen kein Erbarmen und Neben- rücksichten Statt haben können. Ein Untergebener, der seinen Vorgesetzten nicht angibt, handelt gegen seine Pflicht. 5. Wer dem Staate dient, muß sich gänzlich hintansetzen. AuS diesem folgt, daß kein Nebending, kein persönliches Geschäft, keine Unterhaltung ihn von dem Hauptgeschäfte abhalten muß und also auch kein ^.uotoritirts- Streit, kein Eeremoniel, kein llrang ihn abhalten muß, zur Erreichung des Hauptzieles das Beste zu wirken. Aus die beste Ordnung unter seinen Untergebenen zu halten, heißt der Erste und Vornehmste sein, ob also Jnsinuate, Noten und dergleichen Kanzleisprünge oder Titulaturen beobachtet, ob in Stieseln, gekämmt oder ungekämmt, die Geschäfte geschehen, muß für jeden vernünftigen Mann ganz gleich sein. 6. So wie es eines Jeden Pflicht ist, zuverlässig zu berichten, alle Facta nach den Hauptgrundsätzen zu beurtheilen und seine Meinung freimüthig bei- zurücken, so ist es auch die Schuldigkeit eines jeden Staatsbeamten, daß er selbst aus Abstellung aller Mißbräuche, auf die wahre und beste Art, zur Befolgung 76 der Geschäfte, aus die Entdeckung der dagegen Handelnden, nämlich auf Alles, was zum Besten und zur Aufnahme seiner Mitbürger gereichen könnte, nachsinne. 7. Die Schuldigkeit eines jeden Chefs ist, daß er alles Unnütze und Unnöthige anzeige und zur Abstellung vorschlage, so wie ein jeder Untergebener es seinem Chef vorzutragen hat, was er nur als einen Um- trieb der Geschäfte ansieht, der zum Wesentlichen nicht führt. 8. Da das Gute nur eines sein kann, nämlich jenes, so das Allgemeine und die größte Zahl betrifft, und ebenfalls alle Provinzen der Monarchie nur ein Ganzes ausmachen und also nur eine Absicht haben können: so muß alle Eifersucht, alles Vorurtheil, welches bis jetzt öfters zwischen Provinzen und Nationen, dann zwischen Departements, so viele unnütze Schreibereien verursacht hat, aufhören. Nation, Religion muß in Allen diesen keinen Unterschied machen. 9. Fälschlich werden die verschiedenen Theile und Branchen einer Monarchie unter einander verwickelt und verkannt. Schon vom Landesfürsten angefangen, dünkt sich jener der Mäßigste zu sein, welcher nicht, wie Viele das Vermögen deS Staats und seiner Unterthanen als sein vollkommenes Eigenthum ansieht und glaubt, daß die Vorsicht Millionen Menschen für ihn erschaffen und 77 sich nicht träumen läßt, daß er für den Dienst dieser Millionen zu diesem Platze von derselben bestimmt worden und jener von den Ministern hält sich für den Gewissenhaftesten, der nicht die PluSmacherei, um sich seinem Landesfürsten beliebt zu machen, zum einzigen Augenmerk nimmt; Ersterer und die Letzteren glauben sich gefällig genug, wenn sie die Staatseinkünfte als ein Interesse betrachten, welches ihnen von dem Capital des innern StaatsreichthumS zustehe, und für dessen Erhaltung sie zwar wachen, zugleich aber bedacht sein müssen, daß die Benützung in allen Gefällen und Rubriken, um ihr Capital nur stets auf höhere Procente zu bringen, immer wachsend gemacht werde. Ich betrachte die Finanzen nicht im obigen Gesichtspunkte mit dem großen Hausen, sondern ich erwäge Hiebei, daß, da die Belegung und Benützung der Gefälle will- kührlich vom Landesfürsten und seiner Finanzstelle abhängt, ein jedes Individuum sein Vermögen dergestalt mit blinden: Vertrauen auf den Landessürsten compro- mittirt, daß jeder nur in so weit belegt wird, als es die unumgängliche Nothwendigkeit der Sicherheit, die Verwaltung der Gerechtigkeit, die innerliche Ordnung und mehrere Aufnahme des ganzen Staatökörpers fordert. Sollte er nach hinlänglicher Vorsehung der Monarchie in allen Theilen etwas Ansehnliches in den 78 Ausgaben vermindern können: so ist er schuldig, in der Einnahme es durch Nachlässe zu vermindern, weil jeder Bürger nicht für den Ueberfluß, sondern nur für das Bedürfniß des Staates beiträgt. 10. In Geschäften zum Dienste des Staates kann und muß keine persönliche Zu- oder Abneigung den mindesten Einfluß haben. Alle müssen die nämliche Thätigkeit in Geschäften haben und zusammen ohne Rücksicht auf Rang oder Ceremonie die Geschäfte behandeln, einander besuchen, sich verabreden, Einer den Andern belehren, nicht Beschwerde gegen einander führen, vielmehr alles vergessen, um das Geschäft in Gang zu bringen. 11. Eigenliebe muß keinen Diener so weit verblenden, daß er sich scheue, von einem Lindern etwas zu lernen, er mag nun seines Gleichen oder weniger sein. 12. Die Erpedition der Befehle, so wie in wichtigen Sachen die Aufträge und Berichterstattungen, müssen nicht nach dem Matcriallaufe für Raths- und gewöhnliche ErpeditionStage verschoben werden. 13. Da Alles darauf ankommt, daß die Befehle richtig begriffen, genau vollzogen und die gebrauchten Individuen nach ihrer Fähigkeit beurtheilt und darnach angestellt werden, so hat jede Landstelle ihre Untergebene 79 alljährlich entweder in Person des Chefs oder durch einen vertrauten Mann zu untersuchen und selbige auf die Erfüllung der Vorschriften anzuhalten. Bei diesen Untersuchungen müssen die Conduit-Listen rektificirt und die Meinungen, die man von diesen Beamten im Publieo hat, erhoben und bestimmt werden. 14. Jeder wahre Diener des Staats muß bei allen Vorschlägen, welche offenbar für das Allgemeine nutzbarer, einfacher oder ordentlicher ausfallen können, nie auf sich zurücksehen, sondern sich stets nach dem großen Grundsätze benehmen, daß er nur ein einziges Individuum sei und das Beste des größten Haufens dasjenige eines jeden Partikuliers und deö Landesfürsten selbst, als einzelner Mann betrachtet, weit übertreffe. „Dieses sind im Kurzen meine Gesinnungen. Daß selbige befolgt zu machen, mich Pflicht und Ueberzeugung leitet, kann mein Beispiel beweisen, und daß ich selbige in Ausübung setzen werde, kann man hienach versichert sein. Wer nun mit mir so denkt und sich als einen wahren Diener des Staates ganz mit Hintansetzung aller übrigen Rücksichten widmen will, für diesen werden meine vorstehenden Sähe begreiflich sein und deren Ausübung jedem, so wenig als mir beschwerlich fallen. Jener aber, der nur daö seinem Dienste anklebende Utile oder Hono- risicum zum Augenmerke hat, die Bedienung des Staates 80 als ein Nebending betrachtet, der soll es lieber voraus sagen und sein Amt verlassen, zu dem er weder würdig, noch gemacht ist, dessen Verwaltung eine warme Seele sür des Staates Beste und eine vollkommene Entsagung seiner selbst und aller Gemächlichkeiten fordert." Josef. Wenige Tage vor dem Antritt der Reise nach Frankreich 1777, wurde Joseph eine Bittschrift wegen eines abgedankten Officiers, der mit einer Familie von 10 Kindern unweit Wien in einem dürftigen Zustande lebte, überreicht, in welcher um Vermehrung seines kleinen Gnadengehalts angehalten wurde. Eben der, welcher die Bittschrift übergab, empfahl den nothleidenden Offi- cier auf das nachdrücklichste; er versicherte dabei, jener habe dem Hause Oestreich viele und langjährige Dienste geleistet und schilderte dessen jetzige Umstände auf das rührendste. Josef erkundigte sich bei verschiedenen alten Officieren nach diesem Menschen, und da sie ihm alle die einstimmige Nachricht gaben, er sei ein braver Mann, von gutem Charakter, so erhielt er auf die Bittschrift weiter keine Antwort, sondern Josef entschloß sich, da er erfuhr, daß dieser arme Officier an einem Orte wohne, wo seine Reiseroute vorbeiging, sich persönlich nach dessen Umständen zu erkundigen. Diesem 81 zufolge begab er sich, als er den Wohnort des Osfi- ciers erreichte, ohne die geringste Begleitung zu ihm, und fand ihn eben mir 11 Kindern bei der Mittagsmahlzeit, die blos aus etwas Gemüse, das er selbst erbaute, bestand. Josef wurde durch den Anblick dieses ehrwürdigen Alten, dessen Gesicht schon ein tugendhaftes Herz' errieth, gerührt, fragte ihn nach seinen Umständen und fand, daß sie eben so waren, wie man sie ihm beschreiben hatte. Bei Erblickung der 11 Kinder sagte er:„Ich habe ja nur von 10 Kindern gehört, und jetzt sehe ich eils?"—„Dieses" erwiederte der Offieier, indem er auf das erlfte zeigte,„ist eine arme Weise, die ich an meiner Thüre fand; ich habe alle mögliche Mühe angewendet, um einige Personen, die vermögender als ich, zu bewegen, für sie zu sorgen, oder sie wenigstens in eine Armenanstalt zu bringen; aber alle meine Bemühungen sind vergebens gewesen, ich habe also das Wenige, was ich besitze, mit ihr getheilt, ich habe sie wie mein eigenes Kind auf- erzogen, und alle bei ihr bemerkten Neigungen lassen mich hoffen, daß sie ein tugendhaftes Mitglied der Gesellschaft werden wird." Josef bewunderte die edle und großmüthige Denkungsart dieses dürftigen Greises, gab sich ihm zu erkennen, und sagte zu ihm:„Diese Kinder sollen von nun an ihre Versorgung allein von Haislmrg III. 6 82 mir erhalten, fahren Sie indessen fort, ihnen Beispiele der Tugend und Ehre zu geben. Ich bewillige für jedes Kind jährlich lOOfl. Kostgeld, und JhrcnGnadengehalt vermehre ich jährlich um 200 Gulden. Morgen können Sie sich von meinem Schatzmeister das erste Quartal davon bezahlen lassen, woselbst Sie auch für Ihren ältesten Sohn ein Lieutenantspatent finden werden. Fahren Sie fort, der Pflegevater Ihrer Kinder zu sein, und ich will hingegen Vaterstelle bei ihnen vertreten."— Der alte Greis warf sich mit seiner ganzen Familie diesem wohlthätigen Freund und Vater zu Füßen, welche mit Thränen der Dankbarkeit benetzt wurden. Josef selbst konnte sich der Thränen nicht enthalten, sondern entfernte sich, nachdem er den Kindern einige kleine Geschenke gemacht. Als er wieder zu seinem Gefolge kam, sagte er zum Grafen Colloredo:„Für den heutigen Tag kann ich Gott nicht genug danken, er hat mir einen tugendhaften Mann im Verborgenen entdeckt."— In Baiern geschah es, daß Josef in einem Dorfe Mittag hielt. Er ging selbst in die Küche und da er einen großen Topf beim Feuer stehen sah, fragte er: für wen das wäre?„Für die Postillons und Bedienten," antwortete die Wirthin. Flugs ergriff er den nächsten Löffel, der vor ihm lag, fuhr in den Tops und dann 83 weiter.„Gut," sprach er:„wenn ich es nur allemal so hätte." Das wollten die guten ehrlichen Bauernwirths- leute, so lange ihnen ein Auge offen stand, nicht vergessen; und zum ewigen Angedenken des Glücks, daß Josef auf seiner Reise durch Baiern das Mittagsmahl bei ihnen eingenommen hatte, haben sie eine eherne Tafel mit dem kaiserlichen Wappen über ihre Hausthüre setzen lassen. * Während sich Josef in Augsburg im Gasthofe umkleidete, kam ein wälscher Galanteriehändler in das Zimmer, um seine Waaren feil zu bieten. Dieser hatte wohl gehört, daß der Kaiser, wie er sagte, da wäre, aber er kannte ihn nicht. Doch faßte er den Muth, zu fragen, ob der Kaiser nicht könnte gesehen werden. Josef sagte ihm:„Er wird bei Hofe speisen, da könnt ihr ihn sehen, mein Freund."— Der Italiener ging mit seinen Waaren fort und nach Hof. Hier sah er ihn, eben den, der ihm abgekauft und die erwünschte Auskunft gegeben hatte, erschrak aber in dem Augenblicke, da ll,m einfiel, daß er dem unbekannten Fremden im Gasthofe mit viel zu wenig Höflichkeit begegnet hatte. Josef aber, indem er es ihm anmerkte, daß er betroffen war, winkte ihm einen holdseligen Gruß zu und belebte dadurch den Muth des Italieners wieder. 6* 84 * Am 9. April 1777, Nachmittags um 4 Uhr, kam Josef nach Kehl und stieg vor dem Thore ab, um die Wälle des Hornwerks dieser verlassenen Reichsfestung zu besehen. Hier war unter den Zuschauern ein rüstiger Gerbergeselle, ein geborner Wiener. In dem Augenblicke, da dieser sah, daß Josef das letzte Mal den Fuß aus deutschen Boden setzen wollte, wurde sein patriotisches Herz rege, er schoß zum Wagen entschlossen hin und half Josefen heraus. Alles Volk, Josef selbst war voll Verwunderung über dessen Dreistigkeit und sahen ihn darum an.„Wer seid Ihr?" fragte der hohe Reisende.„Euer Majestät Unterthan, ein geborner Wiener!" antwortete der treuherzige Mensch. —„Was macht Ihr hier?" fuhr jener fort.--„Mein Handwerk auch in der Fremde lernen," versetzte dieser Mit Beifall horte ihn Josef so reden, beschenkte ihn, und hieß ihm dereinst in Wien zu ihm zu kommen, damit er ihn glücklich machet: könne. In Straßburg begegneten ihm zwei französische Of- ficiere, die er fragte, von welchem Regimente sie wären. Sie antworteten:„Von Lionnais."—„Also liegen Sie in der Citadelle in Besatzung?" fuhr er fort.„Ja, mein Herr Graf," erwiederten sie und folgten ihm mit 85 entblößtem Haupte. Sobald er dieses bemerkte, kehrte er sich um, und bat sie, sich zu bedecken. Indem er einige Augenblicke hernach wahrnahm, daß sie es nicht gethan hatten, sprach er zu ihnen:„In Wahrheit, meine Herren, wenn Sie Ihre Hüte nicht aussetzen, so muß ich den meinigen auch abnehmen."— Er that es auch wirklich, und nöthigte sie dadurch, daß sie sich bedeckten. Als sich Josef beim Commandanten von Straßburg sür seine Mühe bedankte, sagte er im Scherze zu ihm:„Aber, mein Herr Marquis, das war in der That zu viel sür einen kleinen Reichsgrafen; wollen Sie sich sür alle, die hier durchreisen, so stark bemühen, so werden Sie viel zu schaffen haben."—„Ach, Herr Graf," versetzte der Marquis,„es ist ein Unterschied unter den Grafen; mit den andern wollen wir uns schon abfinden." « Es war auf dem Wege nach Paris, daß er in einem Wirthshause abstieg, um über Nacht zu bleiben. Wie es öfters zu gehen pflegt, daß man die Leute nur nach dem Aeußerlichen zu beurtheilen pflegt, so ging es auch hier. Josef kam an und hatte fast Niemand von seinem Gefolge bei sich. Eine Magd sah ihn und ließ sich, ohne sich zu besinnen, in ein Gespräch mit ihm ein. „Man sagt, der Kaiser komme," sprach sie,„und das 86 möchte ich wohl wünschen, vielleicht schenkte er mir etwas, wovon ich den silbernen Teller bezahlen könnte, welcher verloren gegangen ist, und wosür ich stehen muß, er soll sehr gütig sein." Den andern Tag bei der Abrefle ließ ihr Joses 4 Louisd'ors geben. Den 21. April 1777, Vormittags von 8 bis 11 Uhr, brachte er mit Besichtigung des großen königlichen Spitals Hotel nieu und der herrlichen Kathedralkirche unserer lieben Frau zu. Im Hotel vieu erkundigte sich Josef nach Allem. Er ging in alle Säle, selbst in diejenigen, wo Leute mit Blattern, faulen Fiebern u. dgl. und sogar Todte lagen. Er besah die Apotheke, das Leinenzeugmagazin, die Zimmer der Nonnen, welchen die Aussicht über Wart und Pflege der Elenden ihres Geschlechts anvertraut ist. Nicht nur die Küchen wollte er sehen und die Brühen kosten, welche den Kranken gereicht werden, sondern er ließ sich auch nicht von dem Zimmer abweisen, wo die Kindbetterinnen zu sehen sind. Als ihn hier die geistlichen Schwestern durchaus nicht einlassen wollten, sagte er zu ihnen:„Lassen Sie mich immer den Anfang des menschlichen Elendes sehen," und indem er es betrachtete:„dieser Zustand kann Ihnen gewiß kein«. Reue machen, daß Sie das Gelübde der Keuschheit abgelegt haben."— Er machte zuweilen Anmerkungen: 87 z. B. in den Küchen über die Holzverschwendung, und da er in den Krankenzimmern beobachtete, daß in manchen Bettstätten zu 8 Personen von verschiedenen Krankheiten, auch Todte, Kranke und Genesende unter einander lagen, ließ er die Worte vernehmen:„Mein Gott, also zu liegen, ist keine Wohlthat, hier soll der Mensch Hilft finden, und man gibt ihn allen Drangsalen Preis." — Nachdem er nun in diesem Hause Alles mit Aufmerksamkeit, die seiner Menschenliebe die größte Ehre macht, besehen und allenthalben Spuren der Gütigkeit, Freundlichkeit und Großmut!) zurückgelassen hatte, beschenkte er dasselbe mit einem Angedenken von 48000 Livres. Als Josef einst frühzeitiger in einem Gasthoft anlangte, als sein Gefolge, so rasirte er sich zum Zeitvertreibe. Der Wirth fragte ihn, ob er etwa von dem Gefolge des Kaisers wäre.„Ja," antwortete er. Der neugierige Wirth fragte weiter:„Was für eine Bedienung haben Sie denn bei ihm?" Die Antwort Josefs war:„Ich rasire ihn bisweilen." * Josef besuchte den Minister MaurepaS. Dieser, der sich eine Ueberraschung von ihm vermuthete und unterdessen in einer Unterredung mit dem Minister, 88 Herrn Taboureau begriffen war, hatte seinen Bedienten besohlen, niemand als den Herrn Grafen von Falkenstein vor sich kommen zu lassen. Der Herr Gras von Falken st ein kam, von dem Herrn Grasen von Belgijoso begleitet, aber der Bediente war in der Irre, entweder, weil er seinen Herrn nicht recht verstanden hatte, oder den ihm unbekannten deutschen Namen nicht behalten konnte, oder wie man auch erzählt, weil der Herr Graf von Belgijoso nur allein seinen Namen hergegeben hatte. Kurz, der Kammerdiener antwortete, daß sein Herr mit dem Groß-Siegel- bewahrer beschäftigt, und also dermalen nicht wohl zu sprechen sei. Der Herr Gras von Falkenstein hatte nun bei 10 Minuten in dem Vorzimmer gestanden, um die Entwickelung des Auftritts abzuwarten, bis der Prinz von Havrai dahin kam und ihn erblickte. Das ist ja der Kaiser, dachte er zuerst; er unterrichtete sich und erfuhr, was vorgegangen war. Eilends wollte es jetzt der Kammerdiener seinem Herrn hinterbringen, aber der erlauchte Fremde hielt ihn zurück mit den Worten:„Der Graf von Falkenstein kann sehr wohl warten." Hierüber verlief nun wieder einige Zeit, so daß man sagt, er habe gegen eine Viertelstunde in dem Vorzimmer gewartet. Inzwischen ward der Minister von dem vorgefallenen Irrthum unterrichtet, wel- 89 cher dann in der größten Eile herbeikam, und sich ungemein entschuldigte, von dem Herrn Grafen von Falkenstein aber mit der vortrefflich gedachten Antwort beruhigt wurde:„Die Geschäfte zum Besten des StaatS haben billig immer den Vorzug vor den Besuchen von Privatpersonen." Der alte Herr war vor Freuden ganz außer sich. * Einmal ging Joses in der Früh um 8 Uhr in dem Park zu Versailles spazieren und wollte die Menagerie sehen. Hier begegnete ihm etwas, womit er sich hernach bei seiner Schwester sehr belustigte. Der Thierwärtcr wollte dem Herrn Grafen allein die Thiere nicht zeigen, sondern hieß ihn warten, bis mehrere Personen kämen, die Lust hätten, die Thiere zu sehen. Der Herr Graf wartete ganz gelassen, und ging unterdessen wohl eine halbe Stunde unter den Bäumen spazieren, bis sich Mehrere einfanden, mit welchen er dann unerkannt alles besah. Beim Weggehen gab die Gesellschaft 6 Livres und der Graf für sich allein t 0 Louisd'or, worein sich der Thierwärter gar nicht finden konnte, bis er hernach erfuhr, daß eS der Bruder der Königin war, den er hatte warten lassen. Josef ging einst in Begleitung der Grafen v. Merry und v. Colloredo in das Concert spi- rituel, wo eben die Demoijelle Danzi aus Mannheim und der churpfälzische Virtuos Le Brun zum letzte Mal sich hören ließen. Hier nahm er in einer Loge Platz, in welche kurz nach ihm eine Dame im größten Staate kam. Der Herr Graf v. Falken st ein stand auf, um sie zu grüßen. Aber der jungen Frau schien der Mann in einem Frack mit Stahlknöpfen keiner sonderlichen Achtung würdig und sie unterließ, seine Höflichkeit zu erwiedern. Josef ging dießmal bald aus dem Concert, bewies aber der Dame im Weggehen seinen Edelmuth. Man kann sich die Verwirrung vorstellen, die sich ihrer bemächtigt haben muß, als sie ihren Fehler erfuhr. Sie wurde auch in eben dem Grade von ganz Paris, das ihr Betragen bald erfuhr, gelästert, als Josef gepriesen wurde. Am 12. Mai 1777 beglückte Joses auch das von dem östreichischen Kardinal Mazarin sogenannte Kollegium der vier Nationen mit einem Besuche. Der Rector desselben, der dessen vermuthend war, hielt eS für seine Pflicht, ihn mit allem, einer Schule geziemenden Anstande zu empfangen. Einer der artigsten Zög- 91 linge des Collegiums stand mit einer lateinischen Anrede in Bereitschaft, und fing an, sie an den Herrn Grafen zu halten, als er eintrat. Allein die Blicke und Aufmerksamkeit des Herrn Grafen wurden sogleich auf andere Gegenstände und Gespräche gezogen, so daß er auf den jungen Redner nicht Acht zu haben schien. Dieser brach vor Verdruß seine Rede ab, ging beschämt bei Seite und zerfloß über die eingebildete Verschmähung jenes treugemeinten Schulopfers in Thränen. Der Herr Graf, dessen Aufmerksamkeit so leicht nichts entging, sah sich nach dem Schüler um, und erblickte ihn in einiger Entfernung weinend. Er erkundigte sich nach der Ursache seiner Betrübniß, welche ihm dcrRector eröffnete. Sogleich nahm der Herr Graf den Eleven bei der Hand, welcher seine Anrede auf's neue anfangen und ganz ablegen mußte. Nachdem ihn der große Jugendfreund huldvoll angehört hatte, fragte er ihn, welchen Platz oder Rang er hätte?„Ich bin der Primus" antwortete der Jüngling.„Gut," sagte der Herr Gras, „aber mich dünkt, die oberste Stelle hat noch eine gewisse Würde?"—„Ja, wenn Euer Majestät nicht hier sind, so bin ich der Kaiser," erwiederte der junge Mensch. Der Herr Graf freute sich ungemein über das entschlossene, offenherzige und natürliche Wesen deS jungen Menschen, und sagte zu dem Rektor, der dein 92 Knaben das ungeschmückte Lob sanfter Sitten und eines edlen Fleißes gegeben hatte, er möchte sich diesen Schüler empfohlen sein lassen, und seinen Eltern sagen, daß, wenn sie damit zufrieden wären, er für seine Erziehung und sein künftiges Glück sorgen wolle. Und beim Weggehen redete er noch den kleinen Studierenden mit den leutseligen munteren Worten an: „Junger Freund, komm du nur nach Wien, dann werden dort unser zwei Kaiser sein." » Ein Eilbothe kam von Florenz nach Paris, welcher dem Herrn Grafen die erfreuliche Nachricht von der glücklichen Vermehrung des großherzoglichen Hauses von Florenz und Toskana mit einer schönen Prinzessin, überbrachte. Der Eilbothe überreichte die angenehme Depesche in dem Augenblicke, da der Herr Graf beschäftigt war, einem Schneider eines seiner Kleider zu zeigen, welches einer Ausbesserung bedurfte und erhielt in demselben Augenblicke ein Geschenk von 150 Louisd'ors von ihm. Diese Anekdote ist darum schön und der Ausnahme würdig erschienen, weil sie zu einem neuen Beweise von der richtigen Denkungsart Josef II. dient, der es nicht unter seiner Würde hält, in Kleinigkeiten zu ersparen, und in eben derselben Minute zeigt, daß 93 es mcht aus Kargheit, sondern nach den Grundsätzen einer weisen Oekonomie geschieht. Es ereignete sich ein Mal, daß Joses an einem Spieltische stand, wo Madame Adelheid, des Königs Tante, spielte. Er lehnte sich mit dem Ellbogen auf den Lehnsessel der Prizessin an. Die Prinzessin, indem sie sich's eben jetzt kommod machen und sich auflehnen wollte, sagte lächelnd zu ihm:„Herr Graf! mich dünkt, sie vergessen Ihr Jncognito."—„Sie haben Recht," erwiederte er auf der Stelle und mit munterer Miene,„aber ich befinde mich ganz wohl dabei."— Josef war gewohnt, ein Kleid, zwar von feinstem Tuche, aber ohne Borden oder Galonen, Rock und Weste gemeiniglich überein, die Beinkleider schwarz, weiche Stieseln, den Hut ebenfalls ohne Galone, nur mit einer einfachen schwarzen Cocarde und das Haar, wie gewöhnlich, nur mit einer einzigen Locke auf jeder Seite, zu tragen. Seine Bedienten gingen einförmig bekleidet, in einem tuchenen Ueberrock, einer bordirten Scharlachweste und einem goldbordirten Hute. In diesem Aufzuge ging er oft mit oder ohne Bediente, welche sich auch bisweilen in einiger Entfernung halten mußten, nur zu Fuß aus, besonders, 94 wenn er Willens war, bei Kaufleuten und Künstlern zuzusprechen, oder ein Kaffeehaus zu besuchen. Tue Kunstverleger ESnant und Napilly hatten unter andern diese Ehre. Er begehrte das Portrait des Kaisers. Man reichte ihm ein Heft. Er verlangte den Preis zu wissen und als das Stück für 12 Sous geboten wurde, versetzte er:„Zwölf Sous? das ist nicht zu viel für einen Kaiser." Joses, der mit Vergnügen bemerkte, daß der Kaufmann dieses Wort in einem andern Sinn nahm, als er, kaufte 40 Stück und ging unerkannt weg. * Ein Mal ging Josef in das Kaffeehaus cko l» keZenoo, um eine Partie Schach zu spielen. Da er nun Niemanden daselbst antraf, fragte er die Wirthin um die Ursache der Leere. Dieselbe berichtete, es sei wegen des Kaisers, der so eben in dem Palais royal erwartet werde; das widerfahre ihr sehr oft, es schade ihr viel in ihrem Geschäfte und eS vergehe mancher Vormittag, ohne daß sie Geld löse; ganz Paris wolle den Kaiser sehen, es sei ganz natürlich, man schätze diejenigen, die Gutes thun, und das thut er.^znzwtt schen kamen vier oder fünf Personen herein, allein keiner von ihnen hatte Lust zu spielen, weil man den Kaiser sehen wollte, den man im Palais royal er- 95 wartete. Endlich hatte doch Jemand die Gefälligkeit für den unbekannten Fremden, sich mit ihm in ein Spiel einzulassen, doch mit der Bedingung, es auf das Kürzeste zu machen. Die Partie wollte so geschwind nicht ausgehen. Der Spieler aus Gefälligkeit ward unruhig, machte Wendungen und Drehungen hin und her, Bewegungen mit den Füßen.— Der Herr Graf fragte was ihm wäre?—„Ach! mein Herr, er wird den Augenblickkommen; ich muß—wir wollen die Partie auf den Abend oder Morgen ausmachen," so redete der gefällige Spiel-Gesellschafter. Gesagt und fort— Nun war der Graf mit der Wirthin allein, welche er fragte, ob sie den Kaiser auch schon gesehen hätte?„Noch nicht" antwortete sie,„mein Beruf läßt mir nicht zu, viel auszugehen, doch werde ich ein Mal Morgens einen Ausgang vornehmen, um ihn in seinem Absteigquartier zn sehen; man sagt, daß dieser Monarch den Leuten sehr artig begegne."— Der Herr Graf sagte nichts, zog aber einen Louisd'or heraus, gab ihn der Wirthin mit den Worten:„Da ist Ludwig XVI., und hier der Kaiser!" und verließ die erstaunte Wirthin. * Bei Hofe zu Versailles wurde vom Spielen geredet und man fragte Josef n., ob er auch das Spiel liebe? Er antwortete:„Nein, ich spiele auch nicht, ein 96 Fürst, wenn er beim Spiel verliert, verliert nur seiner Unterthanen Geld."— Bei einer andern Gelegenheit warf man die Frage auf, ob er ein Liebhaber von der Jagd sei. Er gab zur Antwort:„Nein, denn diese Belustigung ist gemeiniglich den Unterthanen schädlich, zerstreut das Gemüth und gibt Gelegenheit, ernsthaftere Beschäftigungen zu vernachlässigen. * Als Joses den berühmten Abt L'Enfant, einen Er-Jesuiten, dem vermöge eines Edicts, so wie den Andern seines aufgehobenen Ordens, das Predigen verbothen war, hatte eine Kanzelredc ablegen hören, soll er beim Herausgehen aus der Kirche gesagt haben:„Wenn ich einen so geschickten Prediger hätte, würde ich ihn gewiß nicht von mir lassen, auch nicht zugeben, daß er gekränkt werde." «- Josefs Güte und Herablassung war nicht von der Art, daß er nur gegen Fremde damit Staat machen und glänzen wollte; man war in Paris entzückt, zu sehen, daß er auch der gütigste Herr und bald möchten wir sagen, der liebreichste und dienstfertigste Freund seiner Bedienten war. Man erzählt, daß er es gewöhnlich allen seinen Bedienten wissen ließ, wenn er Briefe nach Wien abfertigte und daß sie vom Kammerdiener an, bis zum Küchenjungen ihm ihre Briese 97 an ihre Angehörigen geben durften, um sie in sein Paquet einzuschließen. Einmal bemerkte er sogar, daß Einer nicht geschrieben hatte, und fragte ihn, warum er keinen Brief zum Einschließen brächte. Und als dieser sich damit entschuldigte, daß er weder Tinte und Feder, noch Papier hatte, antwortete Josef voll Güte, „warum hast du keines begehrt?" Aber seine Weisheit hatte immer die Leiterin zur Seite. Folgende Geschichte, zwar klein, lehrt Josef von einer gleich verehrungswürdigen Seite kennen, wie er nämlich bei all' seiner Güte nicht so weich war, um alles nachzusehen und ungestraft zu lassen. Ein Kammerdiener bekam ein versiegeltes Papier von ihm, mit dem Befehle, solches vor einer gewissen Stunde des Tages nicht zu eröffnen. Allein, er ließ sich's einfallen, das Geboth zu übertreten und mußte zur Strafe sogleich nach Wien zurückkehren. Es geschahen zwar Fürbitten, aber sie konnten ihn nicht erweichen.„DaS kann mich lehren" sagte er,„wie übel ein Mann daran ist, wenn er viele Leute in seinem Dienste haben muß und sich nicht aufEinen verlassen darf. Ich hätte das von ihm nicht geglaubt." Jozes ging an einem Morgen etwas früh in ein Kaffeehaus, welches eines der ansehnlichsten in Paris HaM'urg. in. 7 98 ist, und verlangte einen Becher Chokolade. Er war in'ganz einfacher Kleidung, die Leute und Auswärter im Hause mochten aus seinem prunklosen Anzüge geschlossen haben, daß er der Mann nicht wäre, dessen Bedienung sie sich sonderlich angelegen sein zu laschn Ursache hätten. Kurz, der erhabene Unbekannte merkte, daß hier weder Aufmerksamkeit, noch Chokolade für ihn wäre. Er ging daher, ohne ein Wort zu sprechen, fort und Niemand begehrte, ihn aufzuhalten, oder zu der verlangten Chokolade Hoffnung zu machen. Jetzt ging er geraden WegS auf ein kleines Kaffeehaus zu und forderte das Nemliche. Der Wirth war höflich, bat um kleine Geduld, er wolle den Augenblick damit aufwarten und ließ Josef allein. Indem er Befehl gab, die Chokolade zuzubereiten, kam seine Tochter in die Stube, ein wohlgczogenes, artiges Mädchen. Als Josef sie grüßte, trat der Vater wieder in das Zimmer, zu dem Josef sagte, er habe da eine hübsche Tochter ob er sie bald verheirathen wolle?—„Ach, warum nicht," versetzte der Wirth;„aber wenn man Töchter verheirathen will, muß man Geld haben; ich bin nicht reich, ja, wenn ich ihr so ein tausend Thaler mitgeben könnte, so wüßte ich schon eine vortheilhaste Partie für sie, allein, waS ist zu machen?"— Indessen wurde die Chokolade gebracht, getrunken, bezahlt, 99 nur noch Tinte und Feder bath sich Josef aus, ehe er ging, welche das aufwartsame gute Mädchen brachte, ohne zu wissen, daß sie Josef II. bediente und schon so gut als Braut wäre. Der großmüthige Fremde schrieb e.ne Anweisung von 6000 Francs auf seinen Banquier in Paris, der sie zur Aussteuer des Mädchens bezahlen sollte. Als Josef II. am ersten Tage nach seiner Abreise von Paris am 31. Mai 1777 bei dem schönen Landsitze des Herrn van Boulogne, Magnenville, welches nur einige Meilen von Paris liegt, vorbeifuhr, ließ er anhalten, um sich ein wenig dort umzusehen- Er traf den berühmten Sänger Jeliote daselbst an, welchen er ersuchte, sich hören zu lassen. Der Virtuos weigerte sich so viel als möglich, schützte sein hohes Alter und die lang unterbrochene Uebung vor und entschuldigte sich hauptsächlich damit, er wolle dem Herrn Grafen, dessen seiner Geschmack bekannt war, nicht gern etwas Mittelmäßiges hören lassen. Er ließ sich endlich durch den einnehmenden Zuspruch des Hrn. Grafen zureden, ging an ein Klavier und sang mit jener Anmuth, mit der er ehemals ganz Frankreich be- zauberte. In den verbindlichsten Ausdrücken dankte ihm hierauf der vornehme Reisende, indem er sich un- 7* 100 ter andern des Ausdruckes bediente:„das Vergnügen, einen wahren Virtuosen gehört zu haben, mildert den Kummer, den mir die Abreise von Frankreichs Hof und Hauptstadt verursacht." * Von St. Sebastian Biskaya schrieb Josef an seinen Gesandten am spaniscben Hose, Herrn Grafen Dominikus von Kaunitz folgende Zeilen, die er eigenhändig dem Staatsschreiben beifügte: Mein lieber Dominik: „Ich setze diesem Quasiministerial-Schreiben zwei Worte bei, die ganz einfach, ganz natürlich sind. Wie befinden Sie sich in Ihrem dermaligen Klima; denken Sie auch dann und wann an die guten Wiener? Es ist wahr, ich bin ziemlich entfernt von Ihnen, aber die Erinnerung an meine guten Freunde begleitet micb auf meiner Reise überall hin. Machen Lie, Leien L^e so gilt, meine Eomplimente dem Könige, dem Prinzen von Asturien und vor allen der Prinzessin, deren (gesegnete) Umstände mir das größte Vergnügen machen, indem ich jederzeit an Allem, was sie angeht, Antheil nehme. Sagen Sie ihr viel Schönes und Angenehmes, ich weiß, daß Sie dazu aufgelegt sind. Versichern Sie den König, wie auch die fürstlichen Personen, daß es für mich das größte Vergnügen ge- 101 Wesen wäre, sie persönlich kennen zu lernen, wenn eS die Zeit erlaubt hätte, und daß ich nichts so sehr bedauere, als mich dieses Glückes beraubt zu sehen. Machen Sie Ihre Sachen, so gut Sie können, ich be- vollmächrige Sie vollkommen dazu. Ich versichere Sie, daß ich sehr wünsche, Sie wieder einmal zu sehen und Ihnen sagen zu können, daß ich Sie sehr liebe, woran Sie auch nicht zweifeln können, wenn Sie anders aufrichtig denken wollen. Ich bin unterdessen bis aus Wiedersehen, Gott weiß wann? unverändert der Ihrige. Joses Falken st ein. Einmal erschien gegen Josef eine Schmähschrift, die die ungereimtesten Beschuldigungen gegen ihn enthielt, Josef ließ sie nicht nur ungestört cirkuliren, sondern ließ sie sogar drucken, und zum Besten armer Protestanten verkaufen. In der Zeit, als sein Gesetz über die Freizügigkeit erschien, wornach jeder österreichische Unterthan ohne weitere Hindernisse von einem Orte zum andern ziehen konnte, erschien ebenfalls eine kleine Schrift, worin er wegen dieser Verfügung als despotftcher Monarch bezeichnet ward. Als Joses davon Nachricht erhielt, antwortete er:„Dieser Mann gibt seine Schrift nicht zur rechten Zeit heraus und 102 das, was mir am meisten leid dabei thut, ist, daß er sie nicht verkaufen wird." In Genf ereignete sich folgendes: Ein gewisser Herr von Weslow, ein Russe, von hohem Alter, welcher früher als Resident des Kaisers Peter des Großen bei Kaiser Carl dem Sechsten in Wien gestanden war, dermalen aber in Genf in der Stille lebte, begab sich selbst bei Josefs Durchreise in dessen Ab- sieigguartier und schickte durch einen feiner Bedienten an den Grafen Colloredo einen Brief, in welchem er um die Erlaubniß bat, den Herrn Grafen von Falkenstein sehen zu können. Der Bediente übergab den Bries, aber nicht dem Grafen Colloredo, sondern dem Herrn Grafen von Falkenftein selbst, welcher ihn kaum gelesen hatte, als er schon zum Herrn v. Weslow ging. Nach einer viertelstündigen Unterhaltung bat der alte Russe, welcher immer mit dem Herrn Grafen von Colloredo zu reden glaubte, abermals um die Ehre, den hohen Reisenden zu sehen.„Ich bin eö selber, mein lieber Alter!" erwiederte Josef, indem er ihm noch die gnädigsten Freundschaftsversicherungen ertheilte und sich ihm entzog. 103 AIS Kaiser Joses H. nn Jahre 1770 zu Prag war, besuchte er auch das dortige englische Fräulein- stift, um über die von der großen Maria Theresia dort zur Erziehung unterhaltene große Anzahl von Generals- und Offizierstöchtern dieser seiner Kaiserin und Mutter Bericht erstatten zu können. Nachdem er das Institut und die jungen Fräulein zusammen gesehen, ließ er jede einzeln vor sich kommen; und als er Jede um ihren Namen befragt, so war die Anrede des Kaisers:„Erbitten Siesich eine Gnade!"— Die meisten baten um eine„weltliche Kost," welches der Kaiser ihnen sogleich im Namen seiner Mutter versprach, indem er zugleich ihr Gesuch in einem vor ihm liegenden Verzeichnisse bemerkte. Ein Fräulein erschien aber und bat, Nonne werden zu dürfen.— Der gütige, damals in der Blüthe der Jugend schöne Kaiser fragte sie:„Wollen sie nicht heirathen?"—„Nein, Euer Majestät!"—„Ich gebe Ihnen einen Offizier, einen Gardisten, einen General."—„Nein, nein und«dermal nein!" war die Antwort.—„Aber wenn ich Sie selbst nehme?" sagte der Monarch.—„Da müßte ich mich besinnen."—„Sie haben keinen Beruf zum Kloster und Ihre Bitte kann Ihnen nicht gewährt werden," war Joses's Entscheidung." Als eben ein 104 Fräulein mit gleichem Gesuche erschien, das auf die letzte seiner Fragen:„Auch da nicht!" antwortete, so gab er ihr die Erlaubniß, ihr Noviziat sogleich anzutreten. Einmal ritt der Kaiser in den Vorstädten von Wien spazieren und fand da eine Menge Leute um einen Holzwagcn versammelt. Er erfuhr von den Umstehenden, daß ein Tabackaufseher einen Bauer ange- gehalten habe, und ihn unter dem Vorwande, er habe Taback versteckt, nöthigte, alles Holz auf der Stelle abzuladen, ungeachtet der Bauer diese Plage und Zeitverlust zu vcrhülhcn und zur Bezeigung seiner Unschuld mit weinenden Augen angebothen hatte, er solle ihn in die Stadt begleiten, wo er ihn des Gegentheils versichern wollte.— Sogleich ließ der Kaijer von der nächsten Wache einen Unteroffizier mit einiger Mannschaft kommen, denen er befahl, genau Achtung zu geben, bis alles Holz abgeladen sei, und wofern doch Taback sich aus dem Wagen fände, den Bauern, der so gut heucheln konnte, 50 Streiche geben zu laßen, hingegen aber die nämliche Strafe dem Zolldiener wie- derfahren zu lassen und denselben noch überdieß zu nöthigen, alles Holz selbst wieder auszuladen, wenn der 105 Bauer unschuldig wäre. Und das war er, der Tabackaufseher empfing seine Gebühr aufs Stattlichste und Pünktlichste und ladete den Wagen mit eigenen hohen Händen wieder zusammen. * Ein Grenadier bei dem k. k. Infanterie-Regimente zu Wien, der aus Perfien gebürtig war, bat um Urlaub, in sein Vaterland nach Jspahan abreisen zu dürfen. Er erhielt diese Erlaubniß und kam, da er schon 2 Jahr weggewesen, die Zeit seines Urlaubes, (doch ehe derselbe noch ganz zu Ende war) wieder zu Wien an. Wegen dieser unvermutheten Treue wurde ibm von dem Kaiser erlaubt, sich eine Gnade auszu- bitten. Er verlangte hierauf unter die Garde des Palais aufgenommen zu werden. Der Kaiser aber, der ihn noch besser versorgen wollte, gab ihm eine Unteroffiziersstelle bei der ungarischen Krongarde zu Preßburg. Ein Mädchen ging zu Wien mit einem Körbchen voll Bänder, welche ihr zum Verkaufe anvertraut waren, durch das Burgthor, plötzlich entriß ihr ein Kerl ihr kleines Magazin, sprang damit über die Brücke in den Stadtgraben, und entkam glücklich. Das Geschrei des Mädchens, der ihr Verlust ungeheuer er- 106 schien und der Lärm der herbei eilenden Menge Volks, drang bis zu den Ohren des Kaisers, der das Mädchen zu sich hinaufholen ließ, nach dem Werthe ihrer geraubten Bänder fragte und ihr solchen mit einem Souverain überflüssig ersetzte. * In den letzten Tagen des Dezembers 1772 wollten zwei östreichische Bauern Sr. Majestät dem Kaiser ein Memorial übergeben, und es wurde ihnen gesagt, sie könnten beim kaiserlichen Marstall den Kaiser zu sehen bekommen. Sie gingen hin und von ungefähr begegnet er ihnen selbst, keiner aber von diesen kannte den Kaiser, sondern sie fragten ihn, ob das der Ort wäre, wo der Kaiser herkommen würde, sie sollten ihm da ein kleines Memorial übergeben.—„Gebts nur her," sagte der vermeinte Höfling,„ich gehe so eben zum Kaiser, ich will es ihm bringen,"— und er nahm es, ging damit in ein Zimmer des MarstallS, schrieb die Resolution darunter und brachte es den Suppli- kanten zurück, mit der Anweisung, wo sie sich jetzt zu melden hätten. Da rückten die dankbaren Leute mit 2 Siebzehnern hervor, ihre Gemeinde hätte solche ihnen mitgegeben für den, der das Memorial bei dem Kaiser besorgen würde, sie baten, der Herr möchte so gut sein und das Geld annehmen. Und der Kaiser nahm 107 es auch, ging zu seiner allerhöchsten Mutter, erbot sich, die Summe mit ihr zu theilen und gestand am Ende den alten Lehrsatz:„Es ist kein Aemtchen ohne Läppchen."— Der Kaiser beschenkte die Bauerndepu- tation für ihre 2 Siebzehner mit 12 Dukaten und die große Maria Theresia ließ den in der Theilung auf sie gekommenen Siebzehner, weil es das erste Geschenk war, das sie als Kaiserin in der Art bekam, in Gold fassen. Ein armer Bauer in einem Dorfe bei Eger sollte, wenn er nicht binnen 24 Stunden 20 Gulden erlegte, von seinem hartherzigen Amtmann aus seiner Hütte heraus und in den Kerker geworfen werden. Er sah rings um sich keine Rettung; sein Sohn war wohl nach einigen 20 Jahren Abwesenheit auf Urlaub bei ihm, aber wie könnte ihn ein gemeiner Soldat retten?— Der rechtschaffene Soldat konnte es. Er entdeckte seinem Vater, einer seiner Kameraden wollte diesen Abend desertiren, er sollte es beim Richter melden, wofür er die auf die Anzeige bestimmten 24 Gulden Belohnung bekäme. So nöthig dem Alten daS Geld war, so verwies er doch seinem Sohne die Untreue an seinem Kameraden und wollte durchaus nicht durch fremdes Unglück gerettet sein. Er wich endlich den Vorfiel- 108 lungen seines Sohnes, zeigte es an, erhielt Geld und befriedigte damit seinen Amtmann. Am Abend in der Dämmerung schlich der Sohn an den Ort, wo derDeser- teur eintreffen sollte, wurde ergriffen und, weil er nicht läugnete, sogleich zum Regiment geliefert, welches ihn zu hartem Gassenlausen verurtheilte. Gelassen und standhaft hielt er seine Strafe aus. Aber er sollte nicht im Dunkeln edel gewesen sein, denn Josef II. erfuhr es. Nemlich, als die Spießruthen vorbei waren, sagte er für sich: Gottlob! nun ist es vorüber und mein Vater ist frei; Dieß hörten einige Kameraden und der Corporal, die es dem Obersten meldeten. Derselbe entdeckte die ganze Geschichte und sie kam vor den Monarchen, dessen Beispiel vortreffliche Handlungen erweckt, und der keine unbelohnt läßt, weil er selbst fühlt. Er machte den edelmüthigen Deserteur zum Lieutenant und befahl ihm, nach Wien zu kommen, wo er ihn noch überdieß reichlich beschenkte. * Eine Offizierswitwe, welche in dem wohlfeilen Ungarn mit 500 Gulden Pension lebte, kam in einem prächtigen Putz zum Kaiser, und bat um eine Vermehrung der Pension, weil sie unmöglich mehr mit der Summe auszukommen im Stande zei.—„Was," rief der Kaiser, in Ungarn können Sie mit 500 Gul- 109 den nicht leben? AuS ihrem Anzüge läßt sich das nicht schließen. Sie werden künftig mit 300 Gulden auskommen müssen." Und damit ging er von ihr und die gerechte Resolution blieb unveränderlich. Auf seiner Reise nach Siebenbürgen und Ungarn 1773 ereignete sich folgendes: Den Tag, ehe Se. Majestät aus Hcrrmannstadt abreisten, kamen Allerhöchst Dieselben Abends von der Besichtigung einiger nahen Dörfer zurück und als Sie vom Pferde stiegen, da warfen sich Ihnen drei Wallachen zu Füßen und flehten für ihren 90 jährigen Vater. Sie würden, sagten sie, von ihrem Grundherrn auf's slavischeste mißhandelt, und als dieser vernommen hätte, daß ihr Vater deswegen eine Bittschrift beim Kaiser einreichen wollte, so habe er ihn unmenschlich schlagen, Hände und Füße binden lassen und in eine, unweit der Stadt liegende Zigcunerhütte werfen lassen, wo der alte Mann schon 3 Tage ohne Speise und Trank halb todt in aller Un- rcinigkeit läge. Sogleich schickte der Kaiser mit diesen Leuten zwei Husaren und einen Offizier nach der Hütte, um den Alten zu befreien, schenkte den Söhnen 50 Dukaten und Freiheit von Steuern und Frohnen auf Lebenslang und befahl, den Edelmann zu schließen, und die Sache auf's Schärfste zu untersuchen. 110 * Aus dieser Reise wäre die kaiserliche Kutsche beinahe einmal umgeworfen worden und ein Kammerlakei brach dabei das Bein, der Kaiser ließ darauf ein Pferd losspannen und ritt bis zur nächsten Station, wohin der Kammerlakei sachte nachgefahren kam. In dem Wirthshause, wo der Mensch verbunden ward, fand zuletzt der Kaiser die Zeche gar zu gering, so daß er sich mit dem Wirthe in ein Gespräch über seine Umstände einließ. Dieser war ein Stück von einem Philosophen, hatte in Wien unter verschiedenen Gestalten seinem Glücke nachgejagt aber nichts gefangen und sich hernach für sein Bischen Armuth das Wirthshaus gekauft, wo er mit sich, dem Glücke und der ganzen Welt zufrieden, lebte. DemKaiser gefiel die Aufrichtigkeit desMannes, so wie seine Ehrlichkeit, und er schenkte ihm, um ihm zu zeigen, daß nun das Glück von Wien aus, ihn suche 500 Dukaten, übertrug ihm auch die Begleitung deö Bedienten zur völligen Kur, nach der Residenzstadt Wien.— Dort übergab der Mann der Kaiserin ein eigenhändiges kaiserliches Schreiben und empfing von der großmüthigen Monarchin für jeden Tag seiner Hin- und Herreise einen Souverain. 111 * In Mediasch kam eine Matrone vor den Kaiser, um ihn um die Entlassung ihres Sohnes aus dem Soldatenstande zu bitten. Sie redete ihn beim Eintritt also an:„Guten Tag, Herr Kaiser! Ich wünsche, daß der Herr Kaiser noch sein gesund sei, was macht die Frau Mutter? ist sie auch noch sein gesund?" Der gütige, herablassende Monarch antwortete der Alten ausAlles richtig, schenkte ihr einige Dukaten und sagte: Es hätte ihn auf all' seinen Reisen noch Niemand um seine Frau Mama gefragt, als diese Frau; in 11 Tagen sollte sie auch ihren Sohn frei bei sich haben und der kam nachher richtig am eilften Tage. In Kerz hörte ein Bauer, daß sein Kaiser hinkommen würde, sattelte sogleich sein bestes Pferd, putzte es nach Möglichkeit heraus und wartete aus der Straße damit, um es dem Kaiser zum Reiten anzubiethen. Endlich kommt der Kaiser ganz allein vorausgeritten und fragt den Bauer, was er da mache?„Da warte ich," sagte dieser,„auf unsern Kaiser, ich möchte ihm gerne mein Pferd zum Reiten anbiethen."—»Wißt Ihr was, gebt Ihr das Pferd mir."—„Was Herr! daraus wird nichts, das ist gar ein gutes Pferd und darauf muß der Kaiser reiten."— Der Monarch 112 wollte ihm gerne ein paar Dukaten schenken, er solle ihn nur reiten lassen.—„Umsonst, und wenn mir der Herr das Pferd bezahlt, so gebe ich's nicht her."— „Ich bin ja selbst der Kaiser, wunderlicher Mann, Ihr kennt mich nur nicht."—„Ja, das soll ich mir jetzt einbilden, aber so einfältig bin ich nicht, wenn hernach der Kaiser käme, so müßte ich mich nur ärgern und. ich habe mich doch so lange darauf gefreut."—„So seht nur hieher," sagte endlich der Kaiser und zeigte ihm den Stern.—„Ja, der Herr bekriegt mich doch nicht, ich habe solche Sachen in der Stadt mehr gesehen, und eö waren nicht lauter Kaiser."— Zuletzt kam das Gefolge nach, der Bauer sah, daß der, mit dem er geredet hatte, doch Recht haben müsse, läßt ihn aufsitzen, bittet um Vergebung, erhält sie ganz natürlich, und eine Hand voll Dukaten noch obendrein. * Als der Kaiser einmal bei sehr übler Witterung in den Augarten fuhr, traf er unterwegs einen Schön- brunner Gärtner an, der die Aufsicht über die Arbeiter hatte und eben im Begriffe war, zu denselben hinaus auch in den Augarten zu gehen. Der Monarch fragte ihn, warum er keinen Wagen nehme? und der Mann sagte, daß sich der mit seinen Umständen nicht vertrüge.„So setze er sich zu mir, weil wir doch 113 einerlei Weg haben. Und das mußte geschehen, so sehr sich auch die Demuth des Mannes weigerte. Beim Aussteigen sagte der gütige Kaiser noch scherzend, es hätte sich zwar geschickt, dem Fremden die rechte Hand zu lassen, da er aber die Pserde hätte lenken müssen, so müßte er's ihm zu gute halten. * Der Kaiser ritt, nur von einem Reitknecht begleitet, aus ein von Wien nicht weit entlegenes Dors. Da sie nicht den ordentlichen Weg ritten, so hatte der Reitknecht das Unglück, mit seinem Pferde in einem großen Schneehaufen zu versinken. Gleich sprang der Monarch vom Pferde und suchte aus allen Kräften, dem Knechte herauszuhelfen. Unmöglich, der Kaiser versank selbst und konnte sich nur mit äußerster Mühe selbst retten, er ritt also, nachdem er dem lebendig Vergrabenen(bewußt, daß er als Mensch seine Pflicht gethan und noch thue), baldige Rettung zusicherte, mit aller Macht nach seinen eigenen Wägen, die im Dorfe mit Fuhren beschäftigt waren, ließ eiligst einige Pferde abspannen und Helfer mitkommen, jagte ihnen voraus, um ihnen den Ort zu zeigen und der Stallknecht wurde halbtodt heraus gezogen, aber glücklich wieder hergestellt. Habsburg. III. 8 114 * Es erging zu Wien das Verbot, daß alle Kellnerinnen und Tänzerinnen in den Wirthshäusern in und vor der Stadt abgeschafft werden und sich zu bessern Arbeiten gewöhnen sollten und bei dieser Abschaffung mußte eS, ungeachtet aller dagegen eingereichten Vorstellungen der Wirthe und Musikanten, die ihren völligen Ruin daher leiteten, bleiben. Folgende Geschichte trug Vieles dazu bei: Die Frau eines Hofbedienten klagte es dem Monarchen, daß ihr Mann, sobald er sein Monatgeld erhielt, solches in den Bierhäusern vor der Stadt mit solchen liederlichen Frauenzimmern verthäte und sie dagegen jämmerlich mißhandle. Der Kaiser ließ sich des Bedienten Favorit-Bierhaus beschreiben und ging des Abends, verkleidet, in Geiell- schast eines vornehmen Cavaliers hin. Da fanden sie den Herrn bei seiner Dulcinea in größter Glorie sitzen. Sie forderten ein Nebenzimmer, eine von den Kellnerprinzessinnen folgte ihnen und wandte sich an denCa- valier, denn der Kaiser gab ihr kein Gehör und stellte sich, die Hand vor's Gesicht haltend, ganz verdrießlich an. Sie ließen sich Bier und aufgeschnittenen Braten bringen, welches sie, nach der Gewohnheit solcher Oerter, sehr theuer bezahlen mußten. Des andern Tags ließ der Monarch den Bedienten vor sich kommen, 115 verwies ihm leine Liederlichkeit, derer Zeuge er selbst war, gab ihm seine Entlassung, erklärte ihn aller weiteren Hofdienste unfähig, befahl ihm, augenblicklich die Burg zu räumen, ließ ihm aber aus Gnaden von seinem Gehalt, der monatlich 24 Gulden betrug, acht, das übrige gab der Kaiser der Frau und stellte es ihr frei, ob sie den liederlichen Mann zu sich nehmen wolle, oder nicht. 4k- 1775 besuchte der Kaiser mit dem Großherzog von Toscana die Hospitäler und Gefängnisse. In einem der letzteren fand er ein Frauenzimmer, welches schon einige Zeit als liederlich daselbst eingesperrt war, und zuweilen nach den Gesetzen war gestäupt worden. Dieses Frauenzimmer warf sich dem Monarchen zu Füßen, und bat um die Erlaubniß, ein Geheimniß zu offenbaren. Joses il. erlaubte es sogleich.„Ich bin von adeli- chcu Eltern geboren, sagte daS Frauenzimmer, die mir der Tod schon in meiner frühen Jugend entriß. Kaum war ich 20 Jahre alt, so hatte ich das Unglück, dem Br. B**' zu gefallen, der sich die größte Mühe gab, mich heirathen zu können. Unsere Vermählung, die ich für mein größtes Glück ansah, ward vollzogen. Ich kam mit ihm nach Wien und wir lebten sehr glücklich. Ich ward Mutter von drei Kindern, denen ich meine ganze 8* 116 Zärtlichkeit widmete. Plötzlich wird mein Gemahl auS dem Bette geraubt und als ein Missethäter in's Gefängniß gebracht. Nach der ersten Betäubung suchte ich die Ursache des Arrestes zu erfahren, und ich erfuhr, daß er mit einer andern Frau in Mähren verheirathet wäre. Ich staunte, dachte aber sogleich auf Mittel, ihn der Strafe, welche die Gesetze für ein solches Vergehen bestimmt haben, zu entziehen. Ich erschien vor Gericht, bekannte mich als eine Prostituirte in Gegenwart der gedachten Frau, und behauptete, die Rechte ihres Mannes auf eine schändliche Art genossen zu haben. Diese aber fuhr fort, ihren Mann auS Nacbe der Bigamie zu beschuldigen. Ich weiß nicht, wohin meine Kinder gekommen sind. So viel weiß ich, daß die erste Frau das Recht erhielt, ihren Mann wieder zu bekommen und daß ich auf ihr Verlangen hier eingesperrt bin, öfters geschlagen und dahin gebracht werde, zu wünschen, daß ein Strick meinem Leben ein Ende machen werde, welches Hunger, Verzweiflung und Schmerzen noch nicht endigen konnten. Ich weiß nicht, ob sich der Baron, ich unterstehe mich nicht, ihn ferner meinen Gemal zu nennen, meiner erinnert. Ich vergebe ihm indessen den mir zugefügten Schimpf, freue mich, ihn aus den Händen dcS Scharfrichters befreit zu haben und würde mich vielleicht weniger über meine unglückliche Lage beklagen, wenn ich 117 nur einmal meine Kinder an meinen Busen drücken könnte, von deren Schicksal ich leider noch nichts erfahren habe." Der Kaiser war von dieser traurigen Geschichte äußerst gerührt. Um sich völlig von der Wahrheit derselben zu überzeugen, fragte er nach allen Umständen— und ward überzeugt.—„Wie wollen Sie künftig leben?" fragte sie der liebenswürdige Monarch, mit einer Miene, die ganz sein inneres Mitleiden ausdrückte und so gestimmt war, der Unglücklichen Trost und Muth einzuflößen.„In einem Kloster" antwortete sie,„wenn Euer Majestät glauben, daß die, ohne meine Schuld auf mir ruhende Schande, die Würde eines gottesdienstlichen Zufluchtsortes nicht verletzet?" Joses erfüllte ihre Bitte, dankte der Vorsehung, die ihm Gelegenheit.gegeben, nicht nur ein unschuldiges, sondern auch zugleich ein tugendhaftes Frauenzimmer von Elend, Klagen und Kerker zu befreien, und verschaffte auch den Kindern, die er bald auffand, eine gute Erziehung. Ein kaiserlicher Soldat auS dem Reiche hatte von seiner Mutter einen Brief empfangen, über dessen Inhalt er äußerst bekümmert war. In der größten Verlegenheit entschloß er sich, endlich diesen Brief Sr. Majestät dem Kaiser selbst, in dem Lager bei Pesth zu überreichen. Derselbe lautete von Wort zu Wort also: 118 „Gott zum Gruß! lieber Konrad. Berichte Dir, daß der Vater gestorben ist, und daß ich nun eine arme verlassene Witwe bin. Der Vater hat Dir das Handwerk lernen lassen und nun gehst Du her und rüdes Nachbars Annamarie ein Kind und wirst ein Soldat. Der Vater seliger hat noch auf dem Todten- bette bitterlich über Dich geweint und gesagt: Laß nur den Konrad beim Kaiser. Ist der Kaiser doch, wie mir alle Leute sagen, ein gar guter Herr. Gott segne ihn. Und schreib' dem Konrad, er soll seine arme Mutter nicht vergessen und soll fleißig beten und brav thun.—-Und siehst Du nun, Konrad, so hat der Vater gesagt, und so ist er gestorben. Willst Du micb nun verlassen, mich armes Weib, die keinen Trost mehr hat, als Gott und Dich. Rede doch mit dem Kaiser und sage, daß ich ihn schön grüße und der Vater noch aus dem Todtenbette für ihn gebetet habe, und daß er so gut sein wolle, Dich, weil's Friede ist, heimzulassen, daß Du mir das Handwerk versehen kannst; Wenns Krieg ist, kannst Du in Gottes Namen wieder hingehen und für den Kaiser streiten und für Dein Vaterland. Kein Reisegeld kann ich Dir nicht schicken, denn ich habe alles aus des VaterS scl. Leiche verwendet. Gott wird Dir schon helfen, daß Du durchkommst, verbleibe Deme getreue Mutter Maria Sträub in. 119 Der Kaiser war über diesen naiven Brief gerührt, und fragte den Burschen, der ein sehr ansehnlicher junger Kerl war:„Willst Du denn heim zu Deiner Mutter?" —„Wie Euer Majestät wollen, aber ich bin gern Soldat und wollt' gern mein Leben für Euer Majestät aufopfern, wenn'S nur meiner armen Mutter geholfen wäre." So antwortete der brave Soldat und Thränen stürzten über seine Wangen.„So bleib dann" sagte Joses,„ich mache Dich zum Unterofficicr. Schreib' Deiner Mutter, daß sie von nun an wöchentlich einen Dukaten von mir hat, sie mag sich einen braven Gesellen anschaffen, dann wird's ihr gewiß lebenslang nicht an Unterhalt fehlen. Dir aber" setzte der Kaiser lächelnd hinzu,„will ich's wieder abziehen, wenn Du einmal eine eigene Eskadron hast."— Der Mann wollte niederstürzen und danken, aber der Kaiser verbarg sich in seinem Gefolge. * Als der Kaiser einmal spazieren fuhr, lief ihm ein 8 bis Ojähriger Knabe entgegen, streckte seine kleinen bittenden Hände gegen ihn aus und schrie unabläßlicb: „Ach, Jhro Majestät nur um einen Gulden, um einen Gulden, nur um einen einzigen Gulden bitte ich."— Josef, dem die Sprache der Kinder gefällt und der gern bei Nothleidenden verweilt, ließ den Wagen halten und sagte mit der Herablassung eines Engels zu 120 dem bittenden Knaben:„Wozu brauchst du denn dieses viele Geld?"—„Freilich ist es viel, Jhro Majestät, aber ich muß eö haben, und wenn es auch noch mehr wäre. Ich habe eine arme, aber fromme Mutter, welche recht krank ist, sie schickte mich fort, um einen Doktor zu holen, ich bin schon bei zweien gewesen, aber keiner will unter einem Gulden kommen und doch ist meine Mutter zum Sterben krank. Ach, Jhro Majestät, nur einen Gulden, nur einen einzigen Gulden und ich will mein Lebtag nicht mehr betteln."- Der Kaiser ließ sich die Wohnung der Kranken aufs genaueste beschreiben und gab dem Jungen den verlangten Gulden. Kaum hatte der Junge, was er wollte, so lief er in der Freudigkeit seines Herzens, ohne sonderlichen Dank abzustatten, spornstreichs davon. Allein die Folge entschuldigte den kleinen Bettler. Der Monarch, der sich von der Wahrheit der Erzählung selbst überzeugen wollte, fuhr auf die Hütte der Frau zu, stieg ab, hüllte sich in seinen Ueberrock ein, um weniger erkannt zu werden. Wie ein Bote des Himmels trat er in die Kammer und fand wirklich eine kranke Frau auf einem Bette liegen. Das arme Weib freute sich deS Besuches, denn sie meinte, eö wäre der Doktor und entdeckte ihre Krankheit. Josef ließ sie auscrzählen und verlangte Tinte und Feder.— Seien Sie so gütig und nehmen Sie dort das 121 Schreibzeug meines Sohnes herab und Sie werden Alles finden."— Der Monarch nahm eS, schrieb, und befahl, das Recept dahin zu schicken, wo die Apotheke benannt sei, wünschte ihr wohl zu leben und ging. Kurze Zcit darauf erschien der Knabe mit dem wirklichen Arzt. Der Knabe erzählte seine Geschichte und die Mutter die ihrige. Man wunderte sich, doch als man auf das Recept kam, und der Arzt es untersuchte, sagte er voll Erstaunen:„Dieser Arzt kann besser verschreiben, als ich. Das war Niemand anders, als der Kaiser selbst. Das Recept ist nichts weiter, als eine Anweisung an den Kameral-Zahlmeistcr aus 50 Dukaten, die auf Josefs Unterschrift ausgezahlt werden sollen." So groß die Freude war, so wurde doch die gute Frau etwas kränker, weil der Wechsel zu schnell auf einander kam. Doch nach und nach kam die Frau wieder zu Kräften und dankte Niemandem diese Heilung, als Josef H. In den preußischen Feldzug zog auch ein achtzigjähriger Greis mit seinen Söhnen. Dieser kriegerische Alte, der von dem Zuge war, der in der Mitte Aprils 1778 nach Wien kam, ging, wie mehrere seiner Kameraden nach der kaiserlichen Burg, um das HauS anzusehen, wo ihr Vielgeliebter wohne. Plötz- 122 lich war dieser neben dem Greise, den der Kaiser vermuthlich von seiner kroatischen Reise wohl noch kennen mochte.„Ihr mögt das Eurige Wohl schon gethan haben, Alter! hättet Euch die Ruhe gönnen sollen, oder hat Euch vielleicht Jemand zum Dienste gezwungen?" fragte ihn der Kaiser.—„O nein!" sprach der alte Kroate,„es ist mein eigener freier Wille und Entschluß; ziehe nun schon zum dritten Krieg hinaus und meine Arme sind noch fest genug, können gewiß Alles thun, was der Soldat soll. Ich ziehe auch nicht allein; es sind fünf von meinen sechs Söhnen auch dabei. Hab' wohl anfangs viel zugeredet, daß doch wenigstens zwei zu Hause bleiben sollen, damit nicht gar zu viel Arbeit aus ihren Weibern allein liegen bliebe, denn Weiber haben sie alle, aber konnte kaum den einzigen Jüngsten davon bereden. Sagten immer Alle: der Alte zieht ja fort; wir sind gewiß viel stärker, müssen alw auch mit. Gott behüte Dich, lieber Kaiser, sorge auch für unsere Familien."— Welch ein Wonne-Gefühl muß nicht die Brust eines Fürsten durchbeben, der die lautere Redlichkeit aus offenherzigen treuen Unterthanen sprechen hört, wie Josef II. von diesem guten Alten hörte. 123 * Ein Jurist, der als Rekrut ausgehoben worden war, wendete sich in einer Bittschrift an Se. Majestät den Kaiser, worin er unter andern vorstellte, daß er bereits nahe an dem Eramen und dem Doktorhut gewesen wäre und daß er, als eine graduirte Person, dem Staate weit größeren Nutzen hätte verschaffen können, als in der Uniform. Der Kaiser, der schon wußte, daß diesen Mann der Doktorhut zu nichts weiter, als zu einer unnöthigen Erdenlast gemacht haben würde, ließ ihn kommen und gab ihm zur Antwort:„Gut, mein Freund! ich habe jetzt eben einen Prozeß mit dem Könige von Preußen und kann denselben mit ihm allein nicht ausmachen, ich brauche besonders solche Subjecte zur Unterstützung dazu." Hierauf gab ihm der Kaiser 12 Dukaten mit diesem Zusätze:„Nehme er dieß Wellige hin und sei er versichert, daß er nach seinem Wohlverhalten gewiß belohnt werden soll."— Der Student nahm das Geld mit Dankbarkeit an und vergaß in dem Blick und Reden seines Kaisers seine ganze Juristerei und den Doktorhut. Im April 1799 wurde eine bestimmte Anzahl Truppen in Böhmen ausgehoben, und da traf sich's, daß ein Bauer, Franz Benesch, aus dem Dorfe 124 Katlow in der Herrschaft Panowiszek, CzaSlauer Kreises, seinen Sohn Josef auf den Assentirungsplatz zu stellen hatte. Sie kamen und brachten ein schönes starkes Pferd mit.—„Was wollt Ihr mit diesem?" wurde gefragt.—„Gestrenger Herr, auf jeden Fall werde ich mich als treuer Unterthan meines theuersten Kaisers aufführen, gebe da meinen Jungen von Herzen gern zum Dienst, wollte aber doch um die einzige Gnade bitten, daß Sie ihm das Pferd dort, ist meiner Treu keines von den schlechtesten, mitgeben, er sollte mir darauf seinen lieben Herrn dienen,"— sprach der Bauersmann und stand so hoffnungsvoll und seurig da; aber die Zahl der Reiter war leider schon vollständig, das marterte den Alten und selbst die Kommissarien, die gerne seinem Eifer den Gefallen gethan hätten, allein, einmal mußte der Sohn doch zum Infanterie-Regiment v. Wartenöleben abgegeben werden. Doch berichtete der Hauptmann v. So lden Hosen, unter Michael Wallis, den Vorfall an das General- Kommando und so kam dieser vor dem Kaiser. Sogleich befahl Josef, den Sohn mit seinem Pferde unter das Zweibrückische Dragoner-Regiment, jedoch als unobli- gat zu affentircn und schenkte übcrdieß dem Vater 200 Gulden für sein Pferd und eine Medaille von 10 Dukaten für seine Patriotismusprobe. 125 Ein gemeiner östreichischer Soldat kam zum Kaiser und bat um seinen Abschied, weil er zum ferneren Dienst untauglich wäre.—„Wie lange dienst du, Kamerad?" fragte ihn der Kaiser, mit der bekannten gnädigen, ihm eigenen Herablassung.—„Vier und dreißig Jahre," war die Antwort des invaliden Kriegers mit Anstand und Freimüthigkeit.—„Und bist nicht weiter gekommen?"—„Ja, weil ich nicht lesen und schreiben kann, wußte man mich zu zu nichts zu gebrauchen, als zum Schultern und Todtschießen," antwortete der Soldat.—„Komm in 2 Tagen wieder und vernimm meinen Willen," sagte der Kaiser. Der Soldat machte kehrt um und ging. Der Kaiser zog Nachricht ein und das Regiment lobte den Soldaten so sehr, daß man nicht einen einzigen Stockstrcich auf seine Ausbildung habe verwenden dürfen. Nach zwei Tagen erschien der Soldat wieder.—„Weil du nicht lesen und schreiben kannst," redete ihn der Kaiser sogleich beim Eintritt an, „will ich dir deinen Abschied geben und dich zum Thor- hüther einer gewissen Kanzlei machen, wo du zwar schultern, aber Niemanden todtschicßen darfst." Und nun stand sich der alte Soldat mit Verdienst und dessen würdig, so gut, als wenn er Lieutenant geworden wäre. 126 Auf seiner Reise in die Niederlande im Jahre 1781 ließ Josef nicht weit hinter Frankfurt am Mam vor einem Wirtshause, in dem es lustig herging, halten, ging ganz allein in das Haus hinein und fragte den Wnth, der ihn nicht kannte, warum es so lustig bei ihm herginge?—„Herr, wir halten eine Hochzeit," war die Antwort des Wirths.—„Könnte ich wohl Antheil an diesem Vergnügen nehmen?"fragte der liebenswürdige Monarch weiter, mit einer Art, worauf Niemand etwas abzuschlagen im Stande ist. Der Wirth ging in das Zimmer um von der Gesellschaft die Erlaubniß zu erhalten, welche auch gleich bewilligt wurde. Sobald er hereinkam, stand Jedermann auf. Das Brautpaar ward ihm vorgestellt und sehr leutselig von ihm empfangen. Er hieß auf die Gesundheit der jungen Eheleute trinken, hielt ,lck einige wenige Zeit mit Theilnehmung an dieser festlichen Freude auf und nahm endlich Abschied von dn Gesellschaft, deren Freude noch vergrößert wurde, als sie bei Wegnahme einer Weinflasche zum Einschenken unter derselben auf dem Tische eine Anweisung von 600 Gulden, von Josef II. unterschrieben fanden, mit dem Befehl an ein Comptoir, diese Summe sogleich bei Vorweisung als eine Aussteuer für die jungen Ehcleutc zu bezahlen. 127 * Wo sich das Gerücht von des Kaisers Ankunft verbreitete, lies Jedermann herbei, um ihn zu sehen, wodurch häufig ein großes Gedränge entstand. Als er nun einmal bei einem solchen Gedränge spazieren ging, fragte er eine Magd, wohin denn alle die Leute liefen?—„Haben Sie denn nicht gehört, lieber Herr" versetzte die Magd in einer Art unwillig scheinender, und doch auch freudigen Sprache,„daß unser Kaiser durch die große Straße kommen soll?"—„Das glaube ich nicht," sagte Joses,„ich versichere auch, daß er da nicht hinkommt, und daß alle diese Leute, die da zusammenlaufen, den Kaiser nicht sehen werden."— „Ich bin doch recht unglücklich," erwiederte das Mädchen,„ich kann also Josef H., von dem man so viel Gutes sagt, nicht sehen"— und Thränen glänzten in ihren Augen.—„Es könnte wohl sein, daß Ihr den Kaiser schon gesehen habt, ohne daß Ihr es wißt," sprach der Monarch leutselig zu ihr—„übrigens seht einmal, hier steht er."— Mit diesen Worten gab er ihr ein Goldstück, auf dem sein Bildniß geprägt war und verließ das Mädchen in einem solchen freudigen Erstaunen, daß sie ihn weder weggehen(wie sie hernach versicherte) gesehen, noch danken konnte. 128 Der Wirth des Gasthoses, wo der Kaiser während seines Aufenthaltes in Lurcmburg gewohnt hatte, war ein verehrungswürdiger Greis und der Kaiser hatte sich oft mit ihm auf das freundschaftlichste unterhalten, befahl ihm jedoch beim Abschied, sich eine Gnade auszukitten, worauf sich ihm der Alte, Freuden- thränen im Auge, zu Füßen warf. Der Monarch, der diese Stellung nie gerne leiden mochte, hob ihn liebreich auf, und fragte ihn auf die gütigst herablassende Art, warum er weine, da er nur verlangen vürfte?—„Ich habe einen Sohn in Euer Majestät Diensten," sagte dieser gute Vater„und all' meine Wünsche wären erfüllt, wenn ich ihn noch einmal sehen könnte, ehe ich in die nahe vor mir stehende Gruft hinabsinke. Der nachdrucksvolle Eifer, mit welchem der gute Alte diese Worte hervorbrachte, rührte den Monarchen, der ihn um den Namen und den Grad seines Sohnes fragte, sehr. Auf die Erfahrung seines Namens und die Antwort, daß er Fähnrich sei, und in Siebenbürgen stehe, zog der Kaiser das Aufführungsverzcichniß aus seiner Tasche und fand ihn darin von seinen Vorgesetzten gut anempfohlen, sowohl wegen seiner richtigen Dienstleistung, als auch in Ansehung seines übrigen löblichen Verhaltens. Der Kaiser gab ihm hierauf seine größte 129 Zufriedenheit kund und sagte dabei unter andern zu ihm, indem er ihm 150 Dukaten gab:„Das hier soll dazu dienen, Ihren Sohn besser auszustaffieren, denn er wird bald kommen und Sie als Hauptmann besuchen."— In der Kaserne zu Lurenburg kostete er das Brot der Soldaten und sagte zu ihnen:„Meine lieben Freunde, dieß Brot ist sehr gut und nahrhaft."—„Hernach sagte er zum Jngenieurhauptmann, der ihn immer begleiten mußte:„Das Brot ist nicht scharf genug gebacken und auch nicht hinlänglich gesalzen. Seien Sie besorgt, daß darauf Acht gegeben werde." Dem Soldaten, von dessen Portion er das kleine Stück Brot abgeschnitten hatte, um es zu kosten, gab er 4 Dukaten, mit den Worten:„Es ist billig, guter Freund, daß ich Euch dasjenige bezahle, was ich genommen habe. Zu Mons erercwte Josef in eigener Person ein Dragoner- Regiment. Als er bei dieser Gelegenheit hörte, daß ein Soldat mit sehr harten Worten angefahren wurde, sagte er zu dem Offizier, der es that: „Herr, Sie vergessen sich; dieser Soldat hier ist so gu ein Mensch, wie Sie. Er ist Ihr Bruder, so wie er Habsburg. III. Z 130 der Meinige ist. Ich will nicht haben, daß man diejenigen unter meinen Unterthanen, die sich dem Dienste des Vaterlandes widmen, übel behandle."— * In Mons, wo ihm die Stistsdamen bei der Audienz die Hände küssen wollten, zog er dieselben zurück und sagte lächelnd zu ihnen:„Nein! nein, meine Hand ist keine Reliquie." -X- Am 9. Juni 1781 übernachtete Josef im Gasthofe au vamisr zu Coutray im österreichischen Flandern. Der Wirth dieses Gasthofes hatte für seinen Schwager wegen eines Amtes, das er von den ständen von Flandern hatte, für 24,000 Gulden Bürgschaft geleistet. Dieser Schwager war seit einem Jahre außer Zahlungsvermögen gestorben und die Alande griffen den Bürger vor Gericht an, um die der Provinz zuständigen Gelder heraus zu bekommen. Dieser Wirth hatte 11 lebende Kinder und erwartete aufs neue, Vater zu werden. Und Vater, Mutter und Kinder würden unfehlbar durch diesen Umstand gänzlich zu Grunde gerichtet worden sein, wenn der Himme^ nicht den besten unter allen Regenten ihnen noch zur rechten Zeit zu Hilfe geschickt hätte. Die älteste Tochter des Hauses bat, sobald der Kaiser ab- 131 gestiegen war, um eine Audienz, wo sie die elende Verfassung ihres Vaters mündlich zu erkennen geben wollte. Der Kaiser sagte zu ihr:„Mademoiselle, etwas später werde ich Sie rufen lassen."— Gegen Abend ließ sie der Kaiser vor sich kommen und besprach sich eine lange Weile aus das Gnädigste mit ihr. Den andern Morgen kam sie wieder vor und überreichte eine Bittschrift. Der Kaiser las sie durch und bediente sich unter andern folgender menschenfreundlicher Ausdrücke:„Mademoiselle, ich weiß alles und werde Ihre Angelegenheit den Ständen besonders anempfehlen, seien Sie ganz ruhig, Ihr Vater und seine Kinder sollen nicht für den Fehler leiden, welchen sein Schwager begangen hat."— Zu gleicher Zeit, während er die tröstenden Worte sprach, stellte er dem vor Freude weinenden Mädchen eine Rolle mit neuen Dukaten zu, aus welchen sein Bildniß vorgestellt war mit den Worten:„Aus diesen lassen Sie sich zu meinem Andenken eine Dose machen."— Hierauf ließ er den Vater und die Mutter rufen und ließ sich unter andern zur Mutter w gnädigst herab:„Madame, Sie haben eine zahlreiche aber liebenswürdige Familie, mit Vergnügen habe ich die eilf Kinder gesehen, so ihnen noch übrig sind. Mit diesen, was Sie von mir haben, können Sie fortfahren, beide gute Vorsteher Ihrer Familie zu 9* 132 sein/'— Zu gleicher Zeit stellte er dem Manne ein Billet zu, welches sie alle glücklich machte und wegen der Angelegenheit mit den Ständen aus einmal außer alle Sorgen setzte. In Gent begegnete dem Kaiser Josef in der Schleifergasse das heil. Sacrament, welches zu einem Kranken getragen wurde. Sogleich ließ der Monarch den Wagen halten, stieg heraus, kniete auf die Erde nieder, ohne einen Lehnsessel, den man ihm von allen Seiten anboth, anzunehmen, und in dieser demüthigen Stellung erhielt er den Segen vom Pfarrer von St. Santeur. Diese rührende Bezeugung gegen Gott erbaute die Einwohner so sehr, daß sie die Steine, auf welche der Kaiser niedergekniet war, wegrissen und an die Stelle des aufgehobenen Pflasters einen Stein mit folgender Aufschrist setzten:„Den 15. Juni 1781 empfing Kaiser Josef H. den Segen auf diesem Platze vom Pfarrer dieses Kirchsprengels."— * In Antwerpen gab ein alter siebenzigjähriger Greis eine Bittschrift bei dem Kaiser ein; sie betraf einen langwierigen Prozeß, wegen dem der Alte schon 25 Jahre die größte Mühe angewendet hatte, um dessen Urtheils-Beendigung zu erhalten, aber umsonst! 133 Jetzt war er dem Monarchen von Luremburg bis nach Antwerpen zu Fuß nachgefolgt, übergab Josef H. die Sache und erhielt die menschenfreundliche Antwort:„Seid unbesorgt, ich nehme mich Eures Anliegens an, ich will Euer Vater sein!" und so brachte der Monarch ein Urtheil in einem Augenblick zu Stande, worüber Rechtsgelehrte über 25 Jahre nicht hatten einig werden könnten. Der ehr- licheAlte konnte vor innigem Gefühle der Dankbarkeit kaum einige Worte stammeln, hob die Augen und die Hände gegen Himmel, fiel ohnmächtig zu den Füßen des Kaisers nieder, welcher ihn selbst huldreichst aufhob und auf einen Stuhl setzte. Am 28. Juni 1781, wollte der Kaiser in den Park zu Brüssel gehen, der aber zugeschlossen war. Um die Schildwache zu probiren, that er, als wollte er über die Zaunhecke hinübersteigen. Der Soldat widersetzte sich, und nahm das Geld nicht an, das er ihm darboth, um seine Treue auf die Probe zu setzen.„Nein, nein, guter Freund," sagte die Schildwache,„gegenwärtig kömmt Niemand um Geld hinein," man muß warten, bis aufgemacht wird, und dann geschieht es umsonst."— Nachdem endlich eine Viertelstunde mit Hm- und Herstreiten vergangen war, merkte der Soldat, daß er sich seinem Monarchen widersetzte. Er erschrack darüber so heftig, 134 daß er sich kaum mehr halten konnte, und der Kaiser sah sich wirklich genöthigt, denselben wieder zu beruhigen.„Fürchtet Euch nicht," sprach er,„Ihr seid ein treuer Soldat, Ihr habt Eure Schuldigkeit gethan— Ich will für Euch sorgen, mein Freund." Er gab ihm eine Belohnung und verließ ihn mit Zufriedenheit, voll Selbstüberzeugung der Treue eines seiner Unterthanen. Es war auch in Brüssel, als ein alter Offizier kam, und nach dem Kaiser fragte. Als er zu ihm kam, sagte er zu ihm:„Es thut mir leid, daß ich unfähig bin, länger im Dienste Eurer Majestät zu bleiben. An Muth fehlt es mir nicht, aber meine Kräfte und meine Gesundheit sind geschwächt."—„Wie lange sind Sie schon im Dienste?" fragte der Monarch.—„Vierzig Iahn."—„Wie alt sind Sie?"—„Siebzig Jahre."— „Nun denn," fuhr der Kaiser fort:„Sie sollen-chrcn ganzen Gehalt als Gnadengehalt behalten."—„Dürste ich Euer Majestät um eine zweite Gnade bitten?"— „Worin besteht solche?"—„Ich möchte mich gerne zu meinem Vater begeben; der Gehalt, welchen Euer Majestät mir gnädigst zugedacht haben, würde ihm, wenn ich eS mit ihm theilte, seinen Lebensunterhalt verschaffen."—„Sie haben Ihren Vater noch? Ei, wie alt ist denn dieser?"—„Hundertund zehn Jahre," 135 war die Antwort,„er befindet sich wohl und hat mir melden lassen, sein sehnliches Verlangen Ware, mich wieder zu sehen und in meinen Armen sterben zu können."—„Ach, ich gewähre Ihnen all' Ihre Bitten," sagte der gute Kaiser, indem er des Alten Hand freundschaftlich ergriff und drückte.„Gehen Sie zu diesem verehrungswürdigen Vater und grüßen Sie ihn im Namen Josef II." Zu Würzburg stieg der Kaiser im Gasthofe zum weißen Schwan ab. Unter dem Miltagsessen hatte er den gemessensten Befehl gegeben, Niemanden einzulassen, weil er großen Zulauf des Volks besorgte, wie es denn stets geschah, an jedem Orte, das einen Josef II. in seine Mauern zu schließen das Glück hatte.—Die junge Wirthin vom Gasthofe brachte Kirschen und wollte damit ihrem hohen Gaste selbst aufwarten, allein sie wurde vor der Thüre angehalten.—„Wer hat's befohlen?" sprach sie.—„Se. Majestät der Kaiser!" war die Antwort.—„In meinem Hause hat mir kein Mensch was zu schaffen!" versetzte die Wirthin überlaut, so, daß derKaiser sich von derTafel erhob, nach der Thüre eilte und um den Polterer da draußen fragte. Die Wirthin verneigte sich ehrfurchtsvoll und zeigte dem Kaiser die Kirschen, womit sie ihre gehorsamste Aus- 136 Wartung machen wollte.— Der Kaiser lächelte über die gutherzige Dreistigkeit der Schönen, nahm sie bei der Hand, führte sie mit zur Tafel, unterhielt sich eine Weile aus das Huldreichste mit ihr, und beschenkte sie am Ende sehr reichlich. In Brock, einem Dorfe in Nordholland, wollte der Kaiser unter andern auch die innere Einrichtung einiger Häuser in Augenschein nehmen, weil er erfahren hatte, daß die Einwohner dieses Dorfes äußerst und ganz unglaublich auf die Reinlichkeit ihrer Häuser hielten. Es wurde an vier Thüren geklingelt, aber Niemand wollte aufmachen, endlich erschien der Besitzer des Hauses an der 5. Thüre. Der General Neischach, welcher den Monarchen begleitete, fragte ihn, ob es erlaubt sei, sein Haus zu besehen, indem dadurch einem sehr vornehmen Herrn eine große Gefälligkeit geschehen würde.— Der Mann fragte ihn dagegen, ob es wahr wäre, daß der Kaiser nach Brock kommen wolle? Der General antwortete ihm:„Ja, er sei nur einige Schritte weit entfernt, um seine Antwort zu erwarten, er wollte ihm denselben kennen lehren, wenn er es ihm erlauben wollte, seine Wohnung zu besehen.—„Und wenn der Herr der Kaiser selbst wäre," sagte der unmanierliche Bauer zu ihm,„so kann 137 ich ihm ohne meiner Frau Einwilligung mein Haus doch nicht zeigen."— Er ging und fragte seine Frau, diese schlug es aber ab, in der Vermuthung, daß der Kaiser seine Schuhe nicht ausziehen würde, um in ihr Haus zu gehen, und so schlug der Mann seine Thüre zu. Iosef ll. Sanstmüthigkeit und großmüthige Bescheidenheit überwand diese Begegung, die im eigentlichen Verstände in äußerste Grobheit ausartete, mit einem lächelnden Stillschweigen, that um sich her Gutes, und in sich selbst gerecht überzeugt, daß diese Gegend seines längeren Aufenthaltes und seiner Wißbegierde nicht würdig sei, machte er auch keinen Versuch dieser Art weiter, sondern setzte sogleich seine Reise nach Amsterdam fort. Ganz anders aber erging es Josef H. in dem Dorfe Zaandam, das vorzüglich wegen seiner reichen Einwohner berühmt ist, deren Geschicklichkeit im Schiffbaue Jedermann kennt. Peter der Große, hielt sich hier bekanntlich auf, um das Zimmerhandwerk zu erlernen. Nachdem Josef hier durch Augenweide seinen Forschungsgeist gesättigt und eben wieder in sein Ab- steigquartier gehen wollte, fiel ihm ein, das Innere eines hiesigen Hauses zu besehen. Er ging gerade auf eine Frau zu, die in der Thüre eines nur mittelmäßigen Hauses stand, diese aber, als sie den Kaiser aus sich 138 zukommen sah, ging ihm entgegen, nöthigte ihn in ihr Haus und bewies ihm hiedurch und ihre artigeAufführung überhaupt, daß nicht alle Nordholländer so unartig und grob sind, als jene in Brock. Der Kaiser fand in dem Hause Alles in der größten Ordnung und Reinlichkeit, worüber er seinen ganzen Beisall zu erkennen gab. Die Tochter des Hauses, ein sehr artiges Mädchen, deren Mutter aber nicht eben nach Art der Einwohner dieses Dorfes bemittelt hieß, ward vom Monarchen sehr hulb- voll angeredet und sie erwiederte diese hohe Gnade mit treffendem Witz und demjenigen demüthigen Anstand, welcher gefällt und daher ihr auch ein unähnliches Geschenk zu Wege brachte, zum Andenken, daß Josef H. in ihrem Hause gewesen.„Wenden Sie einen Theil davon an, Ihre Zimmer wieder reinigen zu lassen, die ich unvorbereitet in Etwas beschmutzt haben werde," sagte der Monarch lächelnd. Am 14. Juli 1781 traf der Kaiser zu Amsterdam ein, wo selbst schon Tags zuvor sein Gefolge eingetroffen war. Er durchging einige Straßen, wie er's wünschte, ohne erkannt zu werden. Da man ihn aber von einem Augenblicke zum andern erwartete, so fand er vor dem Gasthofe, den er zu seinem Absteigquartier ernannt, eine fast undurchdringliche Menge Volks, durch 139 welche er jedoch durchzukommen wußte, ohne im mindesten bemerkt zu werden. Die Hauswirthin selbst hielt ihn sogar für einen von seinem Gefolge, ob er gleich zu ihr sagte:„Madame, wollen Sie so gütig sein, und mich in das Zimmer des Kaisers führen." Sie führte ihn hin und erst alsdann, als er da war und nochmals zu ihr sagte:„Madame, der Kaiser ist hier sehr gut logirt," merkte sie ihren Irrthum. So wenig Auszeichnendes an Prunk und Kleidung hatte der Monarch an sich. * So lange der Kaiser Joses sich in Vaurhall befand, war Jedermann über seine Gegenwart so sehr erfreut, daß man an keine Belustigungen zu denken schien. Der Monarch fragte deßhalb eine Dame unter andern, warum man sich nicht mehr Veränderung mit Lustbarkeiten machte?„Weil man nicht müde wird, Sie zu betrachten," war die Antwort.—„Was wird man denn am Ende sehen?" erwiederte der Kaiser,„denn meine Gestalt ist doch nicht anders beschaffen, als anderen Leute ihre." Und hieraus veranstaltete er, daß die Spiele ihren Anfang nahmen. Eine andere Dame fragte den Kaiser, was er von diesem Orte hielte?—„Ich kann ihn nicht anders und besser beschreiben," sagte er,„als wenn ich ihm den Namen gebe, das Kaffeehaus von Europa." 140 » Von Spaa reiste der Kaiser nach Paris. Er hielt sich den 28. Juli 1781 bei Catelet aus, wo der Herr Q-turent äe I^onnv, Oberaufseher der Kanäle in Flandern und Pikardie, der ihm entgegen gekommen war, ihm die Quelle der Scheide und den Plan des unterirdischen Kanals zeigte, welchen sein Oheim Herr Laurent angefangen hatte, um diesen Fluß mit dem Sommefluße zu vereinigen. Der erhabene Reisende, welchen der Herr von Lyonne nach dem Dorfe Alsxnt- I-l k'osse führte, stieg nebst verschiedenen Personen in den unterirdischen Kanal hinab, den er auf einem Schiffe durchfuhr und bezeugte seine Verwunderung darüber in folgenden Worten:„Wenn ich solche Werke sehe, bin ich stolz darauf, ein Mensch zu sein."— * In dem Mückendorfer Lager 1781 hatte ein Kanonier, kaum 30 Jahre alt, das Unglück, daß ihm von einer Kanone beide Arme weggerissen wurden. Kaum hatte Josef von diesem traurigen Falle gehört, als er schon bei dem Kanonier sich befand, um dem Manne huldreichst Muth und Trost zuzusprechen. Allein, wie erstaunt war nicht Jedermann, als der Kanonier mit aller Gegenwart des Geistes über Schmerz und Schrecken siegend, sich äußerte:„Bin ich doch nur in dem 141 Dienste unsers huldreichsten Landesvaters, wie auf einer mir angewiesenen Station gegen die Feinde in diesen Zustand gerathen."— Der Monarch beschenkte ihn hieraus nicht nur und setzte ihm zugleich auf der Stelle täglich 20 kr. zu seinem lebenslänglichen Unterhalte auS, sondern geruhte auch, ihm für beständig einen Mann zu geben, um ihn zu bedienen. «- Wie sehr Josef H. jeden Angriff würdiger Personen durch Schmähschriften haßte, wird folgende Anekdote beweisen: Ein junger, unbedachtsamer Mensch, mit ziemlich poetischen Talenten begabt, glaubte die Den- kungsart und den Sinn des Monarchen dadurch zu treffen, daß er ihm ein Gedicht zueignete, worin er sich heftig gegen das Oberhaupt der Kirche ausdrückte. Er war dabei so unbesonnen, dieses Gedicht ohne Genehmigung der Censur drucken zu lassen, weil er sich ganz sicher überzeugt hielt, daß es dem Kaiser gefallen würde, allein Se. Majestät hatten es kaum gesehen, so schrieben sie an den Präsidenten der Behörde:„Einem sichern Waschke,(so hieß der junge Mensch) Verfaffer eines schändlichen Gedicktes, so mir zugeeignet worden, ist mein gerechtes Mißfallen über diesen Inhalt und über die Kühnheit, die er gehabt, mir solches zuzueignen, zu erkennen zu geben. Ich verbiete ihm, etwas von seinen 142 Werken herauszugeben und verlange, daß der Drucker dieses Stückes nach der Strenge der Gesetze bestraft werde."— * Josef, der mehrere Sprachen geläufig redete, liebte doch vor allen die deutsche, und seine Verdienste für die Cultivirung derselben, sind hinlänglich bekannt. Er wollte daher, daß man selber bei Hof den Vorzug vor der Französischen gebe und war daher nicht wenig besorgt, dieß bei jeder Gelegenheit an den Tag zu legen. Davon mag auch folgender Fall ein Beispiel sein. Bei der letzten Musik in Schönbrunn 1782, war der Monarch sehr aufgeräumt und ging unter andern zu einer Dame hin und erkundigte sich deutsch nach ihrem Wohlbefinden. Diese aber antwortete ihm in französischer Sprache. Der Kaiser war unwillig darüber und sagte:„Warum antworten Sie denn nicht deutsch, wir sind ja in Deutschland?" und ließ sie stehen. * Der Rath und Tarator einer Stadt, welcher aus der ihm anvertrauten Kassa gegen 20000 Gulden entwendet hatte, war in ein Kloster entflohen. Der Pater Guardian dieses Klosters wurde wegen den Folgen der Unvorsichtigkeit, daß man den Flüchtling aufgenommen hatte, besorgt. Er suchte also bei dem Kaiser selbst Au- 143 dienz und entdeckte ihm die Sache, die, wie er vorgab, in seiner Abwesenheit geschehen war. Der Kaiser antwortete:„Was geht das mich an?" und drehte sich um. Der Guardian glaubte nun genug gethan zu haben und ging wieder nach Hause. Der Kaiser ließ darauf den Chef der Commission zu sich kommen und sagte zu ihm: „Der Verbrecher ist noch in meinem Lande, man muß suchen, seiner habhaft zu werden," eröffnete aber weiter nichts. Es vergingen acht Tage und noch hatte man nichts ausgeforscht. Der Kaiser schrieb wieder ein Billet an vorerwähnten Chef, das ungefähr folgenden Inhalt hatte:„Der dumme Verbrecher ist noch in meinem Lande und ich verlange die genaueste Nachforschung nach ihm." — Und man war endlich so geschickt und glücklich, ihn auszukundschaften und nach Wien zu liefern. Anfänglich war ihm das Todesurtheil gesprochen, dann aber wurde er verurtheilt, wie andere Verbrecher und Züchtlinge Strafe zu leiden und im Zuchthause und beim Aufspritzen seine Arbeit zu verrichten und so war er auch nicht anders gekleidet, als jene. Verschiedene seiner Freunde und seiner Familie gaben sich alle Mühe, ihn zu retten. Sogar warf sich seine Schwester vor den Kaiser mit Bitten um Aenderung der Strafe nieder. Der Monarch hob sie gnädig auf, indem er freundlich zu ihr sagte: „Haben Sie einen Liebhaber, der ein rechtschaffener 144 Mann ist, so bringen Sie mir ihn, und wenn er Ge- schicklichkeit besitzt, so soll er versorgt werden, aber die Straft des Verbrechers wird nicht aufgehoben, der Dienst des Staates erfordert es."— Unter andern gab auch eine gewisse Stelle eine Vorstellung an den Kaiser ein, die ungefähr so lautete: Der Sträfling wäre nun so krank, weil sein Körper den Aufenthalt im Zuchthause nicht ertragen könne." Der Kaiser schrieb darunter: „Dergleichen unnütze Vorstellungen sollen künftig unterbleiben, ich weiß wohl, daß das Zuchthaus kein Gesundheitsbad ist und daß das Aufhenken der Gesundheit schädlich ist. Ein junger, ansehnlicher Mensch von vorzüglicher Größe hatte sich verschiedene Male bei den Franziskaner- Prior gemeldet und verlangte, in den Orden aufgenommen zu werden. Da der Prior denselben nicht ohne kaiserliche Erlaubniß annehmen durste, so verwies er denselben an den Kaiser. Der Monarch sah, daß der junge Mensch zu etwas Anderm noch zu gebrauchen sei, ernannte ihn zum Ladeten mit einer monatlichen Zulage von zwei Dukaten und sagte zu demselben, als er sich in der Uniform bedanken kam:„Solche Franziskaner habe ich gerne." 145 Ein alter achtzigjähriger Beamter stellte seine zwei noch unversorgten Söhne dem Kaiser vor und bat, sie bei einem Departement anzustellen; allein, da sie auf das Beste nach der Mode herausgeputzt waren, und Meter andern zwei Uhren anhängen hatten, so gab der Monarch, nachdem er sie eine Zeitlang betrachtet hatte, dem Vater zur Antwort, er möchte sie lieber bei einem Uhrmacher anzubringen suchen. * Am 30. Juli 1783, gab Herr S tuw er zu Ehren des ArmenfesteS im Prater ein Lustseuerwerk. Eine Menge Menschen, ein großer Theil des Adelö, der Herzog Maximilian, die Prinzessin Elisabeth von Würtemberg fanden sich ein. Endlich kam auch der Kaiser im simpelsten Anzüge von einem einzigen Reitnecht begleitet, aus dem Augarteu hcrübergerittcn. Er besprach sich auf der Gallerie mit einigen Damen und sah dann aus der Hofloge nebst seinem Bruder und der Prinzessin Elisabeth dem Feuerwerke zu. Nach Beendigung desselben führte er die Prinzessin bis zum Schlage der Karosse und rief dem Kutscher zu: ,,Gebt wohl Acht, daß Ihr bei dieser Volksmenge ja Niemanden beschädigt." Hamburg. in. 10 1-16 * An einem gewissen Orte warf sich dem Monarchen, als er aus einem besuchten Garten in sein Quartier zurückkehrte, ein junges Frauenzimmer weinend zu Füßen und konnte in ihrer Verlegenheit selbst nichts herausbringen, als:„Euer Majestät reisen schon morgen weg?"„Ja, meine Schöne,"— war die Antwort. „Und ich Unglückselige muß da bleiben!"—Nun sragte der Kaiser scherzend:„Wollen Sie mit mir reisen?" „Ach nein, aber ich bin unglücklich."— Es war die Tochter der reichen Gräfin B. K. von W., einer ge- bornen Gräfin P., welche vor einigen Jahren von dem Monarchen die Aufhebung ihres Klostergelübdes, wozu sie als ein Mädchen von 15 Jahren von ihrer Mutter gezwungen worden war, erbeten hatte, und seitdem von der Mutter verstoßen, enterbt und verfolgt, blos von dem Mitleid einiger Freunde erhalten wurde. Diese bat nun den Kaiser um die Wieder- aussöhnung mit ihrer Mutter. Der Kaffer ergriff die Weinende bei der Hand und führte sie zu der Mutter; er fand dieselbe mit andern Damen in der Allee spazierend. Er redete ihr anfänglich freundlich, liebreich und im Tone eines bittenden Freundes zu, allein die Mutter war nicht zur Aussöhnung zu bewegen. Der Kaiser ließ sie von sich und unterrredete sich einige Minuten mit der trostlosen Tochter und da er ihre Thränen nicht länger wollte fließen lassen, faßte er sie wieder bei der Hand, suchte nochmals die Mutter auf und fand sie jetzt an einer Ecke des Gartens am Spieltische sitzend, und nun schwand der allgemeine liebreiche Blick aus dem Gesichte des Monarchen und die ernste Miene des Gesetzgebers trat an die Stelle, als er so zur Mutter sprach:„Mutter, sei nicht grausam gegen deine Tochter, deine Tochter sündigte nicht, als sie Gott einen erzwungenen Dienst, der ihm nicht angenehm ist, versagte; und ich glaube, nicht geirrt zu haben, als ich sie davon zu befreien gedachte." Und die Mutter gab— oder mußte durch die eindrucksvollen Worte nachgeben. Ein Mann, der auf seinen: Schiffe Obst führte, landete zu Wien an, um selbes zu verkaufen. Nach geschehenem Verkauf fragte man ihn, was sein Schiff koste, denn Sr. Majestät hätten befohlen, alle Schiffe, die man bekommen könnte, zusammen anzukaufen. Der Mann versicherte, daß es ihm 70 Gulden gekostet hätte, wurde aber verlacht und ihm gesagt, der Kaiser bezahle keines theurer, als zu 20 Gulden, man zählte ihm also das Geld auf und nöthigte ihn, solches einzustreichen. Der arme Mann that eS mit pochendem Herzen, ging fort auf die neue Brücke zwischen 10* 1-18 der Roßau und dem Augarten und weinte da bittere Thränen. Der Pöbel versammelte sich um ihn her. Joseph kam eben aus dem Augarten geritten, fragte um die Ursache des Zusammenlaufeö, befahl hierauf dem Manne, ihm zufolge«, ritt langsam in dasWasser- bauamt, ließ sich das Protocoll aufschlagen, fand 80 Gulden für das Schiff eingeschrieben, schickte nach zwei Polizeidienern und ließ den Beamten in's Zuchthaus führen,(der dann Gassen kehren mußte), dem armen Manne aber die 60 Gulden noch nachzahlen, gab ihm auch für den erlittenen Kummer noch ein besonderes Geschenk. Als der Monarch zuletzt in Ungarn war, zog unter den gefangenen Gassenkehrern ein schöner alter Mann dessen Aufmcrsamkeit auf sich.„Warum arbeitet Ihr in Eisen," fragte der Monarch.„Ich schlug einen Hasen in meinem Hause todt," war die Antwort des Mannes.—„Was habt Ihr sonst verbrochen?"— „Nichts!"—„Sonst nichts?"—„Nein, gnädigster Herr>"—„Wer ist Euer Oberer? ich will für Euch bitten."—„O nein, Euer Gnaden! Nur das nicht, es hat schon einmal so ein gnädiger Herr für mich gebeten, hat mir aber nur nachher 50 Prügel gefruchtet, als er weg war." Der Kaiser ging hin zum Verwal- 149 ter, und erfuhr, daß die Aussage sich bestätige, ließ den Gefangenen loö machen und dem Verwalter die nämlichen Eisen anschlagen, auch sogleich 50 Prügel zurückzahlen. Herr Parhammer hatte bei den Besuchen, die der Kaiser oft in den neuen Gebäuden des großen Hospital, des Waisen- und des Findlingshauses abstattete, meistentheils Gelegenheit, mit dem Monarchen zu sprechen. Im Oktober 1783 beklagte er sich über die Hindernisse, die man ihm in vielen Stücken in den Weg legte, und über die Schmähreden^ die er über sich ergehen lassen müßte. Josef antwortete ihm:„Lassen Sie die Thoren schwatzen, so wie ich es thue." Als der Kaiser das Irrenhaus besah, fragte er den Aufseher, der ihn im Gebäude herumführte, wie man denn die Narren in den zu ihrer Wohnung bestimmten sogenannten Thurm bringen werde? Der Ausseher, der nicht darauf achtete, daß gerade der Kaiser in der Mitte zwischen ihm und einem seiner Begleiter ging, wiederholte zwei bis dreimal, daß voraus der Aufseher der Narren, in der Mitte der Narr und zuletzt die Wache gehe und ihn durch den engen Gang bis zu seinem Gemache führen würde. Endlich 150 sagte der Kaiser:„Ich habe Euch lange genug den Narren gemacht, jetzt stellt Ihr Euch in die Mitte." Der Aussetzer zitterte und bat um Bergebung seiner Unbesonnenheit, aber der Monarch sagte ihm lächelnd, eS habe mchts zu sagen, er solle deshalb unbejorgt sein. * Kaiser Josef II. reiste 1784 nach Rom. Bei der Oper in Nom befand sich der Sänger Bennnci, der im vorigen Herbste auf dem Hostheater zu Wien gespielt hatte. Als der Kaiser einmal in die Oper kam, stand Bennuci neben dem Impressen bei der Casse. Der Kaiser, der ihn erkannte, sagte zu ihm: „Vi saluto Sennuoi!" und legte zugleich 30 Duca- en auf den Kassentisch. Bennuci glaubte das Geld für sich bestimmt und wollte es einstreichen. Allein der Jmprcssar kam ihm mit den Worten zuvor: ,,ll voinpliwento er» per voi, m» ZU^eeliini sono per me.' (Das Compliment war für Euch, aber die Zechinen sind für mich). Worauf jedoch der Kaiser Bennuci dieselbe Zahl Ducaten gab. Zu Mailand besuchte der Kaiser, der jedes Talent ehrte, auch den ersten Operisten, der Tags zuvor eine Kaiscrrolle vortrefflich gespielt hatte. Der Monarch traf 151 ihn im völligen Neglige an, worüber der Operist in große Verlegenheit gerieth.—„Das thut nichts," sagte der Kaiser, indem er ihn von dieser Verlegenheit befreite,„wir Kaiserleute machen keine Ceremonien unter uns."— Im Mai 1784 besuchte Joses II. die P. P. Minoriten, die er auf das Land in eine überaus angenehme Gegend versetzt hatte und fragte sie, wie ihnen die Gegend gefiele?— Die ehrwürdigen Vater beugten sich und schwiegen still. Als der Kaiser wieder in den Wagen steigen wollte, so baten sie den Monarchen, ob er ihnen nicht die Ausziehungskosten vergüten zu lassen, geruhen wollte. Der Kaiser antwortete:„Ihnen, meine Herrn? früher haben Sie mir nicht antworten wollen und jetzt mag ich Ihnen nichts antworten."— * Ein Mal gerieth der Kaiser auf einer Parforcejagd in der Gegend der Brigittcnau in eine augenscheinliche Lebensgefahr. Er war von seinem Stande weggegangen, und wollte sich einen andern wählen, als ihm eben ein Hirsch entgegen kam. Der Kaiser schoß, traf aber den Hirsch nur leicht, der hieraus erbittert ward, und auf denselben loSging. Der Kaiser hatte so viel Gewalt des Geistes, daß er sich vorwärts 152 beugte, da denn der Hirsch nur dessen Rücken treffen kennte. Indessen ersah der Monarch seinen Vortheil und sprang einige Schritte zurück, schoß auch nochmals auf den Hirsch, ohne ihn gehörig zu treffen, worauf das erbitterte Thier seinen Angriff erneuerte, der aber durch die Wiederholung der vorigen Wendung eben so unschädlich ward. Indessen eilten einige von der Gesellschaft herbei, da denn der Hirsch die Flucht nahm. Ob nun gleich dieser Zufall ohne beträchtliche Verletzung abging, so war doch der Kaiser von dem Hirsch so sehr, und zwar einmal in die Seite gestoßen worden, daß er kaum darauf zu Pferd sitzen konnte. Das auf dem Rücken überall zerschlitzte Jagdkleid ward zum Andenken dieser Befreiung in das nächste, in der Bri- gittenau befindliche, Jägerhaus geschickt. Ein anderer unglücklicher Zufall Hiebei aber war, daß die Kugel des zweiten Schusses, von welcher der Hirsch nur leicht gestreift wurde, über die Donau flog und aus einer unglaublichen Strecke unglücklicherweise einen jungen Menschen, der eben hinter dem Gebüsche mit seinem Vater an'S Land ging, traf und zwar so traf, daß er gleich todt hinfiel. Der Kaiser wußte es nicht und konnte es nicht vermuthen. Sobald er aber diesen traurigen Vorfall erfuhr, schickte er gleich alles Geld, daö er bei sich hatte und das in 50 Dukaten bestand, dem Vater 153 zu und ging sofort sehr bekümmert nach Hause. Der Kummer des Kaisers über diesen Vorfall war so groß, daß er zwei Tage nicht ausging und sich seit dem entschlossen haben soll, nicht mehr aus die Jagd zu gehen. Dem unglücklichen Vater sendete er noch die Summe von 2000 Dukaten zum Geschenke. Dieser arme Mann geriet!) bei Erblickung dieser Summe wie außer sich.„Die Vorsehung," sprach er„hat mich mit Kindern reichlich versehen, aber sie waren Alle zur Armuth und zum Elend bestimmt, die Vorsehung hat es gewollt, daß ich einen Sohn verlieren soll, um alle andern Kinder wohlhabend zu machen, ich bin vollkommen getröstet und segne den huldreichen Kaiser, der für das Unglück nichts kann und doch mich und die Meinigen glücklich macht." * Als Böhmen durch Mangel an Korn gedrückt wurde, ließ Josef Vorräthe herbeiführen und austheilen. Viele damit beladene Wägen und Karren standen vor der Thüre eines Beamten, wo der unbekannte Monarch eben vorbeikommend, das Murren des Bauern bemerkte und sich darnach erkundigte.„Wir warten schon sehr lange," war die Antwort,„und haben noch eilten Rückweg von acht Stunden zu machen."—„Sie sagen nicht allein die Wahrheit," setzte der anwesende Amtsschrei- 154 ber hinzu,„sondern die Einwohner dieses Orts leiden auch darunter, welche der Austheilung begierig entgegen sehen."— Der Kaiser hatte eine ganz einfache Uniform an und der Beamte hatte große Gesellschaft. Der Monarch trat in's AmtShaus und ließ sich durch den Amtsschreiber anmelden.—„Wer sind Sie?" fragte der Beamte im stolzen Tone—„Lieutenant in kaiserlichen Diensten," antwortete der Monarch.—„Womit kann ich denr Herrn Lieutenant zu Diensten kein?" fuhr jener fort.— Der Kaiser:„Damit, daß Sie die armen Leute unten abfertigen, die schon so lange warten."— Amtmann:„Die Bauern können länger warten."— Kaiser:„Aber sie haben schon einen so weiten Weg gemacht und haben schon so lange gewartet."—Amtmann:„Was trägt Ihnen denn die Rückkehr der Bauern ein?" Kaiser:„Man muß menschlich sein, und die Leute ohne Noth nicht plagen."— „Ihre Sittenlehre, Herr Lieutenant, ist hier am unrechten Orte, ich weiß, was ich zu thun habe."— Länger konnte es der menschenfreundliche Monarch nicht aushalten, seine Geduld brach, da er sah, daß durch Güte die Herzlosigkeit von jenem nicht zu bewegen war.„Nun, so muß ich Ihnen eröffnen, Herr- Amtmann,"— fuhr der sonst so sanftmüthige Monarch in einem jetzt mehr ernsthaften und zum rechtmäßigen 155 Gebiether höher gestimmten Ton fort,„daß Sie das Korn ganz und gar nichts mehr angeht; und sich zu dem Amtsschreiber wendend, sagte er:„Höre er, lieber Freund! Fertige Er die guten Leute ab. Er ist von jetzl an Amtmann.„Und Er," wieder zu dem Amtmann gekehrt:„erkenne Er seinen Herrn, der ihn von seinem Amte absetzt."— Indem sich der Kaiser bei diesen Worten zu erkennen gab, ging er sogleich weg, um vermuthlich die bestürzte, ansehnliche Gesellschaft in ihrem ferneren Nachdenken nicht zu stören. Ein in Mannskleider verkleidetes junges Frauenzimmer arbeitete zu Wien als Taglöhner an dem neuen großen Militärhospital, welches daselbst in der Alser- gasse aufgebaut wurde. Zu Folge der Schwachheit ihres Geschlechts, suchte sie sich, so viel sie konnte, von der allzuharten Arbeit loszumachen, besonders wenn es auf s Klettern ankam. Ihre Kameraden, welchen von der Beschaffenheit ihres Geschlechts nichts bekannt war, gaben sie bei dem Baumeister als faul und träge an, und man war schon in Begriffe, ihr den Abschied zu ertheilen, da eben der Kaiser erschien, um das Gebäude in Augenschein zu nehmen. Sie warf sich dem Monarchen zu Füßen und entdeckte demselben das Geheimniß. Der Kaiser fragte sie, was für ein Beweggrund sie 156 auf den Entschluß gebracht hätte, eine solche Beschäftigung zu erwählen? Ihre Antwort war, sie hätte eine alte Mutter zu ernähren, wüßte aber keine Verrichtung zu wählen, die ihr täglich 15 Kreuher einbrächte, als die Taglöhnerarbeit."— Der Monarch schenkte ihr einige Dukaten, und befahl dem Baumeister, sie in weiblicher Kleidung im Dienste zu behalten, ihr eine für sie schickliche Arbeit anzuweisen und ihr den bisherigen Taglohn fortzugeben. Ein vornehmer Geistlicher kam im Monat Mai 1785 bei dem Kaiser um die Erlaubniß ein, nach Rom reisen zu dürfen, um die Gräber der heiligen Apostel Peter und Paul zu besuchen. Die Antwort des Monarchen war:„Es wäre uns viel angenehmer, wenn Sie, statt der Wallfahrt zu todten Gebeinen, Ihren Kirch- sprengel fleißig besuchten und dieß würden auch die Fürsten der Apostel gewiß viel lieber sehen."— Im Juni 1784 kam ein polnischer Bauer mit seinem Weibe nach Galizien und ließ sich im Zamos- cer-Kreise nieder. Sein Herr, der Graf BielSky Starost und Ritter des Weißen Adler-Ordens, ein junger, heftiger Mann, hatte kaum von dessen Ent- weichung gehört und den Ort seines Aufenthaltes erfahren, als er sogleich mit 5 ihm unterthänigen Land- 157 edelleuten den kühnen Entschluß faßte, ihn wieder zu holen. Dieser Entschluß wurde am Ende des Novembers ausgeführt und der arme Bauer darauf in ein unterirdisches Loch gesteckt, in welchem er schon eine große Menge Stockschläge empfangen hatte, als sein Weib seinen Aufenthalt erfuhr. Diese zeigte den Vorfall dem Kapitain des Zamocser-Kreises, Herrn v. Kollmanns hüber, an, der das Gouvernement von Lcmberg davon benachrichtete, welches die Sache an den Kaiser gelangen ließ. Der Kaiser ließ sogleich durch seinen Gesandten zu Warschau Genugthuung fordern, erhielt aber vom Könige die Antwort, daß dieß vom Conseil permanent abhänge und daß selbst dieses Conseil die Reichskonstitutioncn nicht umstoßen könne. Der Monarch entschloß sich also, sich die Genugthuung selbst zu verschaffen, die man ihm zu geben sich weigerte. DaS Gouvernement erhielt Befehl, sich genau zu unterrichten, wann der Gras auf die Güter käme, wo er diesen Despotismus ausgeübt hätte. Unterdessen hielten sich 80 Mann von der Zamocser Garnison und 40 von den Lobkowitz'schen Dragonern bereit, auf den ersten Wink marschiren zu können. Am 3. Jänner 1785, als man die Nachricht erhielt, daß der Graf auf einem Gute angekommen sei, betrat das Detache- ment das Gebieth der Nepublick, drang NachtS in das 158 Schloß des Grasen ein und hob ihn mit seinen 5 Landedelleuten aus. Sie wurden nach Zamocs gebracht, wo der Graf im Kloster der Barfüßermönche bewacht und seine Mitschuldigen unter das Gardekorps gesteckt wurden. Der Graf wurde verurtheilt, den Bauer loszugeben, ihm für seine empfangenen Stockschläge 1000 Gulden zu bezahlen, in die kaiserliche Kassa 15,000 Gulden zu erlegen und so lange gefangen zu sein, bis alles bezahlt wäre. Seine Mitschuldigen erhielten das Versprechen mit einer Belohnung von 100 Stockstreichen losgelassen zu werden, sobald ihr Beschützer los wäre. Dieß geschah auch, so sehr auch die Anverwandten des Grafen für ihn um Gnade flehten. Am Abende vor der Abreise nach Italien 1785 erinnerte sich der Kaiser einiger Schriften, die er mit sich zu nehmen für nothwendig hielt, im Augarten oder in Schönbrunn in seinem Studierkabinete vergessen zu haben. Er schickte sogleich einen Sekretär mit dem Schlüssel dahin, um sich selbige holen zu lassen. Der Sekretär kam halb bestürzt und außer Athem zurück;—„Euer Majestät! weder in Schönbrunn noch im Augarten habe ich die Schriften gefunden."— „In Larenburg, meine ich, werden sie liegen."— Und da schickte ihn der Kaiser bei spätem Abend noch mit 159 dem Auftrage nach Larenburg, daß er eilen sollte um ihm diese Schriften bald zu überbringen, er würde sich nicht eher schlafen legen, als bis er sie hätte, und wenn er auch die ganze Nacht wachen müßte. Der Sekretär eilte mit dem Schlüssel nach Larenburg und wollte ohneweiters in des Monarchen Kabinet hinein.— „Nein, mein Herr," sprach der wachhabende Hauptmann,„ich habe allen Respekt für Sie, aber dahin- einlassen darf ich Sie nicht, wenn Sie mir nicht eine Schrift selbst vom Monarchen vorzeigen können."— Das konnte er nicht. Nun drang er heftiger darauf und stellte dem Hauptmann vor, das Sr. Majestät wachend darauf warteten und ohne diese Schriften morgen früh nicht abreisen könnten. Der bescheidene und vorsichtige Hauptmann rief vier Mann in's Gewehr, eröffnete das Zimmer, fand die Schriften, steckte sie zu sich und führte den Herrn Sekretär wohl be- wachr zum Kaiser nach Wien zurück. Der Kaiser entsetzte sich über diesen Vorgang beim Anblick der Wache. Der Hauptmann entschuldigte sich, daß er, ohne eine Schrift von Sr. Majestät gesehen zu haben, dem Herrn Sekretär vollständig zu glauben, vernünftiges Bedenken getragen habe. Nun sagte der Kaiser:„Ja es ist wahr, ich hatte darauf Rücksicht zu nehmen vergessen, 160 Sie haben klug gehandelt, hier nehmen sie fünfzig Dukaten." * Im Jahre 1785 kamen zu Wien Ulmerschiffe mit Emigranten auö dem Reiche an. Der Kaiser befand sich eben am Ufer, sah die Leute auSsteigen und ließ sich herab, mit den meisten zu sprechen, befahl gleich, 200 Dukaten unter dieselben auszutheilen, und cedete unter andern mit einem sehr großen starken Mann. Aach etlichen Fragen, die dieser mit Ehrfurcht und vieler Geistes- Gegenwart beantwortete, schenkte ihm der Monarch noch einen Dukaten außerdem. Ein kleiner Schwabe sah mit kindischer Freude, wie dieser Mann sich vor dem Monarchen geberdete und erdreistete sich, Se. Majestät zu fragen, ob Sie der Kaiser wären, dem er zu dienen die Ehre haben sollte. Auch dieses Kind empfing einen Dukaten außerdem. Der dankbare Knabe faßt die wohlthätige Hand, will sie küssen, der Kaiser zieht sie zurück, der Knabe springt noch einmal hinzu und spricht:„O, ich bin wohl erzogen, einem Wohlthäter muß man die Hand küssen."— Lächelnd und gnädig liebreich ließ es nun Joses zu. In der Mitte Septembers 1785 begab sich der Kaiser ganz allein, in das Wiener-Bürger- Hospital 161 und ging allda in die Armeninstitutskanzlei, traf da einen jungen Beamten an, der wegen der Hitze seinen Rock ausgezogen hatte, und Zeitungen las.—„Gilt es nichts anderes zu thun, als Zeitungen lesen?"— sprach der Monarch.„Gehen Sie und zeigen Sie mir das Gebäude."— Der Beamte, nachdem er sich entschuldigt hatte, wollte nur nach seinem Rock gehen, allein der Monarch hieß ihn, selbigen liegen lassen und befahl, er sollte, damit es ihm ja nicht zu warm würde, ihn nur ohne Rock herumführen, welches derselbe auch voll Angst und Scham that. Der Kaiser ging sodann nach dem Lobkowitz'schen Hause, ließ sich von dem eben am Thore stehenden Hausknechte Sämmtliches zeigen und nachdem er Alles wohl besehen hatte, gab er dem Knechte zwei Dukaten und verfügte sich wieder in die Burg zurück. Bei Gelegenheit eines Verbrechens, welches ein Mann von dem vornehmsten Stande in Wien begangen hatte, machte man dem Kaiser die Vorstellung, die Strafe wegen deö Standes des Eavaliers zu mildern. Josef ertheilte folgenden Bescheid:„Laster ist einmal Laster. Wie soll sich jener einer Strafe schämen, der sich nicht schämte, das Laster zu begehen? Will ein Lasterhafter unter Lasterhaften noch einen Habsburg. IH. 11 162 Lorzug haben, ei, so strafe man ihn um so härter, weil er der Lasterhafteste, der Abscheulichste ist. Nur der Tugend wartet Belohnung und je tugendhafter, je größer die Belohnung, würde man Lasterhaften ihrer Person wegen Vorzug einräumen, und sie nicht ganz die Strafe ihres Lasters fühlen lassen, was würde dann Gerechtigkeit sein? Und hieße das nicht, das Laster in der Person belohnen?" * Der Monarch vertraute einem gewissen Erjesuiten ein gewisses Amt an. Die Feinde dieses Mannes stellten dem Monarchen vor, daß die Lehre und Den- kungsart eines Erjesuiten nothwendiger Weise verdächtig sein müßte, und daß derselbe schon mehrmals gegen die Verordnungen des Monarchen gemurrt habe. Die Antwort des Kaisers war folgende:„Ich weiß, daß die Erjesuiten nicht gerne nachgeben, wenn sie Necht zu haben glauben, und hierin haben sie auch nicht ganz Unrecht. Diesen kenne ich als einen rechtschaffenen Mann. Das Amt soll er haben. Derjenige, der niemals eine meiner Verordnungen getadelt hat, werfe den ersten Stein aus ihn." » Kurz vor Ablauf des Oktobers 1785 erhielt der Kaiser folgende Bittschrift: An Euer k. k. Majestät 11* 163 Josephus der Zweite.„Eine ersuchung und höflichstes Bitten. Ich, JosefGnedtinTiefenthalamWage- ram unter der Herrschaft Grafeneck in Unter-österreich ein Viertel untern Mannhartsberg in dem Haus Nr. II. unter dem Erzherzog Ferdinand Doscani Kreiß Bekenne, wie daß ich der einzige Sohn sei und einen Stieffatern habe und das Haus nicht bekommen werde und eine Lust hätte, Euer k. k. Majestät Sie möchte die Güte haben und mich aufnehmen unter die geringe Gavalleri und zum liebsten wär es mir, unter ein gc- ringgekleidetes Regiment, aber das bitte ich mir aus daß ich nicht unter ein Fußsolck komme, dann es wäre wider meine Natur, also bitte ich Euer k. k. Majestät Sie möchten mich balde zittiren lassen, ich wolle Euer k. k. Majestät treulich dienen und mein Fleisch und Blut dargeben, wenn es Gott gefällig wäre, ich verhoffe, meine Bitte bald zu erlauben, mein Alter ist 23 Jahre meine Länge 5 Schuh 7 Zoll und ohne Fehler, aotum Tiefenthal am Wageram. Josef Gnedt. Die Adresse war: Tlsen Briff per Bosto zu überschicken an dieHaubt- ffadt Wien an ihro k. k. Majestät Josephus der Zweite selbst einzuhändigen." Der Monarch stellte dem Supplicanten die Aus- 164 wähl des RegimentS frei und er diente lange Zeit treu und brav unter Lobkowitz cix-vsuxleK-ers. Da aus dem gewesenen Gumpendorfcr Spital für die Artillerie eine Kaserne gegen Ende Novembers 1785 hergestellt werden sollte, so fragte der Monarch den Eigenthümer eines daneben stehenden-Brauhauses, das, um einen hinlänglichen Platz zu erhalten, dazu genommen wurde, ob ihm sein Brauhauv seit jei, und was er dafür verlange. Hieraufantwortete der Mann: Es sei ihm eine besondre Gnade, Sr. Majestät dienen zu können und Allerhöchst dieselben möchten nur frei damit disponircn.„Das ist nicht genug," versetzte der Monarch,„ich muß wissen, was er dafür verlangt." Nichts begehre ich dafür, sondern es ist mir wahrhaftig eine Gnade, wenn eS Ew. Majestät nehmen wollen." „Wohlan denn, ich behalte das Brauhaus, indessen werde ich ihm einen Platz anweisen, da kann er sich dann nach seinem Wohlgefallen ein Brauhaus bauen, wofür ich alle Kosten zahlen werde." AIS nun der Platz angewiesen war, bedankte sich der Braumeister für diese Gnade und da er hinweggegangen war, sagte der Monarch:„Mit Niemandem bin ich noch besser ausgekommen, als mit diesem Manne, alles ist ihm eine Gnade. Zu wünschen wäre eS, daß ich mit meinen 165 Rathen so auskommen könnte, allein, da muß ich wohl oft den ganzen Tag reden, um sie zu überzeugen." » Ein ungarischer Oberstlieutenant hatte die ökonomische Direktion deö Corps, bei dem er stand. Es ergab sich aber dabei ein Deficit von ungefähr 9000 Gulden. In dieser Verlegenheit faßte er den Entschluß, diesen Mangel Sr. Majestät dem Kaiser zu gestehen. Der Monarch antwortete ihm, wenn er zu ihm, als seinen Richter käme, so müßte er ihm bekannt machen, daß die gegen dergleichen Verbrechen ergange- nen Verordnungen unfehlbar vollstrekt werden würden, käme er aber als zu seinem Freude zu ihm, so rathe er ihm, zu seinem Oberst zu gehen, ihm seinen Säbel zu geben und sich als Arrestant zu melden. Der Oberstlieutenant that auch das letztere. * Im Monat December 1785 erhielten die Barmherzigen aus der Leopoldstadt zu Wien aus Brünn einen neuen Frater, welcher eben damals, als der Monarch in dem dasigen Krankenhause verschiedene Aenderungen aus der Stelle eingeführt hatte, zugegen war. Nun wollte also der Frater das Krankenhaus worüber er jetzt die Direktion erhalten hatte und in daS er eben eingezogen war, auch nach diesem Ge- 166 schmücke einrichten. Er ließ daher in den Krankenzimmern mehrere Oeffnungen zu Abteilungen der ungesunden Luft anbringen, die sämtlichen Krankenbetten erhielten neue Vorhänge und man suchte allenthalben mehrere helle Zimmer zu verschaffen und endlich ließ man auch die auf den Krankenbetten gestandenen Hei- ligenstatuen gänzlich aus dem Zimmer schaffen. Als nun der Monarch darauf das Krankenzimmer in Augenschein nahm, bemerkte er gleich solche neue Aenderungen mit vieler Zufriedenheit und fragte, wo denn die Heiligen hingekommen wären? worauf denn der Fra- ter antwortete, er habe sie einstweilen aus den Boden bringen lassen.„Wohl Recht, denn ich befürchtete schon lange, es möchte einmal ein Heiliger herabfallen, und einen Kranken im Bette erschlagen." » Als der Monarch einstmalen bei der ungarischen Hofkanzlei aus dem Wagen stieg, fragte er den Portier:„Was gibt es gutes Neues, werdetJhr bald einen Kanzler bekommen?" Worauf dann der Portier ant-" wertete:„So lange Euer Majestät die Kanzlei so fleißig besuchen, haben wir wohl keinen Kanzler nöthig." Bei einem zu Wien in Garnison liegenden Jn- fanterie-Regimcnte wurde ein gemeiner Mann, da er 167 seinen, bei dem Spitalbau verdienten Lohn mit Ungestüm verlangte, mittelst eines Kriegsrechts zum zehnmaligen Gassenlaufen verurtheilt, während der Zeit nun, als der Mann seine Straft erhielt, verfügte sich dessen Eheweib zum Monarchen, und stellte ihm die Sache bittlich vor. Der Kaiser verordnete daher, die ganze Sache noch einmal durch unparteiisches Verhör zu untersuchen und sodann die Akten ihm selbst vorzulegen. Dieses wurde nun durch ein zusammengesetztes Verhör bewirkt, welches dann den Antrag dahin machte, daß nemlich der Karl Toftan'sche Auditor dem Manne 12 Dukaten zu einer Genugthuung zahlen solle; allein der Gerechtigkeitsliebcnde Monarch verordnete, daß der Auditor jenes Regiments entlassen sei, der dem Kriegsrathe guit pesoses beigesessene Major nebst 12 dem gemeinen Manne zu zahlenden Dukaten auf 8 Tage, sämmtliche Oberofficiere, die dem Verhöre beigewohnt, aus 24 Stunden beim Profosen zu sitzen hätten, und die übrige Mannschaft ebenfalls auf 24 Stunden in Arrest zu nehmen sei. * Auf der 1786 unternommenen Reise nach Agram in Kroatien, wurden Se. Majestät der Kaiser von einem Grenzer-Soldaten, dessen Weib so eben mit zwei Knaben entbunden worden war, zum Gevatter gebeten. 163 Der Monarch nahm den Antrag an und als der Pfarrer des Ortes denselben um die Namen fragte, die den Kindern beigelegt werden sollten, antwortete er:„Ich weiß nichts Besseres, als daß man jenen, der zuerst aus die Welt kam, den Namen ckosopkus Primus und den zweiten^»septnis Socunüus nenne." Dieß geschah auch, und der Vater der Kinder erhielt aus die Hand 50 Dukaten, lebenslängliche doppelte Löhnung, und das Versprechen, die Kinder zu versorgen, sobald sie das 9. Jahr erreicht haben. * Als der bekannte Kunstreiter-»k^ eu nach erhaltener Erlaubniß in Wien seine Geschicklichkeit zu zeigen, auch noch darum ansuchte, täglich unter Trom- petenschall durch die Stadt reiten zu dürfen, sagte der Kaiser:„Hat man ihm das Vogelfängen erlaubt, so muß man ihm auch das Locken erlauben." * In der Mitte Julius 1786 lagen bei der Büchercensur in Wien ungefähr 100 Eremplare von einer Bro- chüre, in der dem Kaiser wegen Verurtheilung der Verbrecher besonders des Z*** und S"", ungemein harte Vorwürfe gemacht wurden. Die Büchercensur-Hofkommission fertigte aus der Stelle eine Staffcte mit einem Eremplare an den auf der Reise befindlichen Monarchen 169 ad und man erwartete neugierig, ob diese Brochüre die Erlaubniß, öffentlich verkauft zu werden, erhalten würde oder nicht. Ungeachtet dessen befand sich die Brochüre in den Händen mehrerer Personen, die aber sehr geheim damit thaten. DaS Eremplar, daö kaum 3 Bogen stark war, ward auf dem Platze schon um 3 bis 4 Dukaten verkauft. Als nun der Kaiser die besagte Brochüre, die den Titel führte: Freimüthige Bemerkungen über die Strafe des Garde-Oberstlieutenant S** von dem Oberstlieutenant LourKuinou mit den Worten überreicht bekam:„Ich habe Euer Majestät ein Werk vorzulegen, bei dessen Ueberreichung ich zittere," antwortete der gerechte, nichts fürchtende Monarch:„Ich fürchte nichts, eS sei, was eS wolle, geben Sie mir die Schrift, ich will sie selbst lesen."— Als der Monarch sie gelesen hatte, befahl er, daß man ihr die Erlaubniß ertheilen solle, in Wien verkauft zu werden. Kurz vor der Abreise des Kaisers von Wien nach Kroatien, 1786, sprachen Se. Majestät mit einem dasi- gen deutschen Gelehrten, den Sie immer den deutschen Rousseau-zu nennen pflegten. Nebst andern an ihn gestellten Fragen sagte der Monarch:„Mein lieber Rousseau! WaS halten Sie von der Unsterblichkeit 170 der Seele? Schreiben Sie doch etwas darüber in Ihrem Style!"—Der Gelehrte antwortete:„8iro! Euer Majestät nennen mich Rousseau. Ich möchte lieber, daß Sie mich Montesquieu nennen(Rousseau schrieb unentgeltlich, Montesquieu ward seiner Schriften wegen Präsident). Was ich von meiner Seele weiß? daß sie dermalen in dem Körper eingehüllt verrichtet, davon kann ich Rechenschaft geben, aber was sie nach ihrem Hinscheiden aus dieser Hülle werden wird, muß ich erst bei meinem Tode erfahren; doch jetzt wünschte ich zu erfahren, was Euer Majestät aus ihr, da sie noch meinem Körper anklebt, machen wollen, denn jene Bestimmung bleibt dem Schöpfer anheim."—„Sie müssen es erwarten," sagte der Kaiser,„wie der Erzherzog Franz, mein Neveu, bis er römischer Kaiser wird." Einst ging eine sonst wohl gestaltete Bürgerstochter, in einer außergewöhnlichen Schnürbrust eingeschnürt, in dem Garten zu Larenburg spazieren. Der Kaiser, der sie zufällig bemerkte, schickte sogleich einen Cavalier an sie ab und ließ sie fragen, von welchem Geraffter- Regiment sie eigentlich sei? 171 * Zu Prag bat eine Officiersfrau den Kaiser um eine Pension. Se. Majestät fragten:„Haben Sie Kinder?" — Sie antwortete:„Drei Fräulein und zwei junge Herrn."— Der Kaiser antwortete:„Ich hatte auch ein Mädel, aber es ist mir gestorben." * Ein junger Mann, der bloß auf die Verdienste seine Vaters pochte, übrigens aber nicht einmal seinen Namen richtig schreiben konnte, bat den Monarchen um eine Anstellung. Der Monarch versprach ihm solche und gab ihm einen versiegelten Zettel an den Normalschul- Direktor mit, bei dessen Erbrechung Letzterer die Worte fand:„Ueberbringer dieses ist vorher mit den Trivial- und Normalgegcnständen in öffentlicher Schule bekannt zumachen, damit Seinesgleichen wo möglich abgeschreckt werden, mich um Anstellung zu behelligen, ehe sie recht schreiben und lesen können. Josef. Als man den Kaiser fragte, ob die Briefe über den Zustand GalizienS, die viele Anzüglichkeiten enthielten, und sehr heftig waren, gedruckt werden sollen, soll er geantwortet haben:„Warum nicht? Wen daS Anzügliche 172 trifft und beleidigt, der kann und wird sich bei mir melden. Kommt ja doch auch Vieles wider mich heraus." » Im kaiserlichen Audienzgange(sogenannten Kon- trollorgange) stand einst ein junges und reizendes Mädchen und wartete ängstlich aus den Monarchen."— „Wer ist Sie?" fragte der Kaiser.— ,.N a nett e, Ba- roneß Klein."—„Was begehrt sie?"—„Pension, Euer Majestät! freilich ohne alles Recht dazu."—„Und doch Pension?"—„Weil ich mir sonst ganz und gar nicht zu helfen weiß!"—„Das wäre! hat sie keinen Liebhaber?"—„Welches Mädchen hat den nicht, Ew. Majestät? der Meinige ist nur Lieutenant bei Preiß- Jnfanterie."—„Schicke sie ihn morgen zu mir."— Als am folgenden Tage der Lieutenant kam, übergab ihm der Kaiser ein versiegeltes Billet an den Ober- polizei-Direktor folgenden Inhalts:„Der Lieutenant N. N. quittirt die Militärdienste und wird hiemit bis zu besserer Versorgung, als Polizeidirektor mit 600 ff. angestellt, unter der Bedingung, die Klein'sche Nanette zu Heimchen. C** hatte den Staat betrogen und war verur- theilt worden. Nach dem Urtheilsspruche kam dessen Frau mit ihren Kindern vor die Thüre Sr. Majestät 173 und bat um Gehör. Der Monarch ließ ihr sagen, erkenne sie nicht sprechen, er wisse, daß sie für ihren Mann bitten wolle, es thue ihm leid, sie nicht hören und die Gerechtigkeit nicht hemmen zu dürfen. Sie versprach, von ihrem Manne nicht zu reden, und drang daraus, vorgelassen zu werden. Der Kaiser willigte ein. Als sie eintrat, warf sie sich dem Monarchen zu Füßen, weinte, schluchzte und konnte kein Wort vorbringen. Ihre Kinder umher waren in der nämlichen Lage. Von dieser Scene tief gerührt, war Josef seiner nicht mehr mächtig, unschätzbare Thränen deö Mitleids eiw stürzten seinen Augen.„Aber sprechen Sie doch" fing er endlich an zu reden,„was verlangen Sie von mir? reden Sie!"—„Euer Majestät," war die Antwort, wie Sie uns hier sehen, lind wir bettelarm und müssen vor Elend sterben, wenn unS Euer Majestät nicht helfen."— Und wovon lebten Sie bisher?"—„Vom Almosen guter Leute."—„Gehen Sie nur, ich werde aus Sie bedacht sein."—' Kaum war die Krau zu p^ause, so erhielt sie von dem Monarchen ein Geichcnk von 100 Dukaten mit der Erklärung, da ihr Mann den Staat hintergangen habe, könne ihr zwar keine Pension von der Staatskasse angewiesen werden, aber in Rücksicht ihrer Armuth und Unschuld an ihres Mannes Verge- hnngen, habe sie, so lange sie lebe, einer Pension von 174 800 Gulden aus seiner Chatulle sich zu erfreuen. Der älteste Sohn erhielt gleich darauf eine Bedienstung. * In der Mitte Januariuö 1787 begegnete der Monarch in der Hofburg einem Hofrath, der einen ziemlich großen Pack Schriften unter den Arm trug. „Sie tragen schwer," sagte der Monarch, zog 4 Bogen aus der Tchche.„Sehen Sie," sagte er,„ich trage schwerer im L-ack, wie Sie unter dem Arm, denn in diesen vier Bogen sind schwere Sünden von zwölf untreuen Beamten. Anfangs Mai 1787 kam ein getaufter Jude in den Kontrollorgang und perorirte dem Monarchen von seinen Verdiensten vor, die er sich dadurch erworben, daß nicht nur allein er, sondern auch seine Geschwister, die katholsiche Religion angenommen hätten, weßwegen er um eine Pension bat.„Sie haben so edel und so groß gehandelt, daß ich nicht im Stande bin, Sie zu belohnen; das muß Gott thun!" sagte Josef. ^m November 1787 trafen die beiden berühmten Heerführer Oestreichs, LaScy und Laudon bei dem Monarchen unvermuthet zusammen. Der Kaiser fragte Letzteren:„Wie viel Zeit glauben Sie wohl zu brauchen, um mit Belgrad fertig zu werden?"—„Euer 175 Majestät," erwiederte Laudon,„wenn alles an Ort und Stelle ist, was zur Belagerung gehört, so getraue ich mir binnen 10 bis 12 Tagen von Belgrad Meister zu werden."—„Wohl ein wenig viel gesagt," versetzte der große Taktiker Lascy.—„Wir müssen ihm aber schon glauben," unterbrach ihn der Monarch, Letztem bei der Hand nehmend,„denn wir Beide haben noch keine Festung eingenommen." * Als der Kaiser gegen Ende Aprils 1788 vom Hauptquartier nach Temeswar reiste, langte er in einem deutschen Kolonisten-Dorse, in welchem ein Postwechsel ist, ganz inooKnllo an. Er begehrte vom dortigen Postmeister 2 Pserde; dieser versetzte:„Mein Herr, ich kann Sie nicht bedienen. Nach dem Laufzettel bin ich befehligt, für Se. Majestät 16 Pferde in Bereitschaft zu halten."— Kaum redete er aus, so kam ein Postillion mit 2 ziemlich ermüdeten Pferden von einem Ritte zurück. Dieser mußte nun einspannen, stieß aber die gröbsten Flüche, wie der ärgste Fuhrmann aus. Der hier unbekannte Kaiser fragte ihn, warum er solche Lästerungen auSstöße.—„Potz alle Wetter" erwiederte der Kerl,„ich habe mich so gefreut, den Kaiser zu fahren, und nun bringt Sie der Teufel eben her; ich rechnete schon auf einen gewichtigen Dukaten 176 Trinkgeld und jetzt habe ich Larumfarum."— Der Kaiser versetzte:„Weißt du was, nimm Deine Pferde gut zusammen, ich gebe Dir eben so viel Trinkgeld."— „Das läßt sich zwar hören, aber wo bleibt mir den die Ehre, meinen Herrn zufahren?"— Er murmelte noch etwas in den Bart, spannte jedoch seine Gäule ein, und leierte fort. Auf der Station ließ der Kaiser den Postknecht rufen und gab ihm auf die Hand zwölf blanke Dukaten. Der Kerl war über so viel Geld betroffen, blinzelte jedoch niit halbgeneigtem Kopfe dem Passagier ins Gesicht, mit einem verstohlenen Blick auf die Dukaten; und mit halb verzerrter Gesichtsfalte zagte er:„Nun kann mich der Kaiser in der Traufe suchen." Bei der Belagerung von 8elmb»c:x war Lascy so nahe bei den Kanonen, daß er ganz schwarz vom Dampf derselben wurde. Da der Angriff lange dauerte, stieg er ganz ermüdet vom Pferde, der Kaiser, der den Feldmarschall stehend kommandiren sah, nahm, weil kein Stuhl da war, worauf der alte Held sitzen könnte, einige Generäle zu Hilfe und machte mit ihnen ihm einen Sitz und nahm einem Marketenderweibe den Korb vom Rücken, stürzte ihn um, breitete seinen Mantel daraus und so mußte Lascy Platz nehmen, 177 indem der Kaiser ihm seine Hand gab und sagte: „Setzen Sie sich, Herr Marschall, Sie verdienen Ruhe, Ihnen habe ich die Einnahme von und die Erhaltung des mir so kostbaren Lebens vieler braver Krieger zu verdanken."— Er aber und die hohe Generalität stand um denselben herum. Hieraus befahl der Monarch, daß die ganze türkische Mannschaft Kopf für Kopf vorbei defiliren sollte. Sogar bei dem Ausreißen der Pallisaden soll Lasch Hand angelegt haben. Als Josef hierauf in daS Zelt des würdigen Generals vonBuvroi eintrat und mit warmem Herzen dem edlen Krieger seine mitleidigen Empfindungen zärtlich äußerte, stieg dem braven Helden eine heiße Thräne in's Auge, er sah seinen Kaiser starr an und sprach:" „Dieser Tag ist einer der schätzbarsten meines Lebens. Befehlen Sie mit mir, für einen solchen Vater des Vaterlandes bin ich bereit, den letzten Blutstropfen mit Wonne zu vergießen." Ein zur Armee abgehender General wollte sich beim Feldmarschall Laudon beurlauben. Siebenmal war er in der Absicht dahingefahren, aber immer mußte er hören, der Feldmarschall sei nicht zu Hause. Als der General das zweite Mal zurückfuhr, begegnete ihm der Kaiser.„Wo waren Sie, Herr General?" fragte Habsburg. III. 12 178 ihn dieser.—„Beim Feldmarschall, mich zu beurlauben, ich komme aber das siebentem«! unverrichteter Sache zurück, denn er ist nicht zu Hause" antwortete der General.—„Vielleicht wird er doch für mich zu Hause sein? Begleiten Sie mich!" sagte der Kaiser. Der Kaiser und der General traten unangemeldet in das Zimmer des Feldmarschalls und fanden ihn in der Garderobe, im Schlasrock auf der Erde sitzend, mit Landkarten umgeben, mit Zirkel und Zeichenmaterialien in der Hand. Bei diesem Anblick stand dem Monarchen eine Thräne im Auge. Zum General aber sagte er: „Ich wünschte, daß so mancher General auf so eine Art nicht zu Hause wäre." Als in der Mitte August's 1788 der Feind bei Banizowa einen Ausfall wagen wollte, rückte ihm einige Cavallerie, die aber den Befehl, weder zu schießen, noch einzuhanen, hatte, in zwei Zügen entgegen. Ein Spahiö wurde solches gewahr, ritt hierauf in vollem Gallopp gegen die in Reih' und Glied stehenden Husaren und schoß einem den Tschako vom Kops, wo- über der Husar ergrimmte, dem Spahis nachsetzte und ihn zusammenhieb, dann aber wieder in seine Reihe zurückkehrte. Der Husar wurde als Uebertreter deS Befehls mit 25 Stockstreichen belegt und da die Sache 179 zum Kaiser kam, verlangte er den Husaren zu sehen, worauf er ihn fragte: warum er wider den Befehl gehandelt hätte? Der Husar antwortete:„Euer Majestät, ich'onnte von dem verdammten Türken nimmer den Schandfleck aushalten, denn ich halte auf mein Ehrenzeichen mehr, als aus mein Leben, und ich sage Euer Majestät, daß wenn noch einmal ein solcher Kerl meinen Tschako mit dem Säbel oder einer Kugel berührt, so wahr mein Gott lebt, und ich diese Ehrenzeichen von Euer Majestät trage, er durch meine Faust sterben muß."—„Du bist ein braver Lvldat," sagte der Kaiser, indem er ihm auf die Achsel klopfte, aber die Befehle mußt Du nie übertreten,", und beschenkte ihn mit 25 Dukaten. * Josef trank im December 1788 auf Vorschrift der Aerzte GeiSmilch mit Eselsmilch vermischt. Als er unter andern auch in den kaiserlichen Ställen war, sagte er ganz lakonisch zu den Umstehenden, die ihn husten hörten:„Ich habe einen hartnäckigen Proceß mit meiner Brust und weiß nicht, wer ihn zuletzt gewinnen wird." Im Feldzuge 1788 besuchte der Kaiser die Feldspitäler säst wöchentlich, und untersuchte Alles auf'sGenaueste. 12* 180 Als der Monarch aus einer Grenzbereisung in Kroatien zu Bakowitza am Cordon hörte, daß das Spital des Oguliner-Regiments da sei, aber in einem Gebäude, das wegen der Gebirge fast unzugänglich sei, ging er doch dahin und fand eben den geschicktesten Regiments- ChirurguS Wallinger mit dem Verbände derBlesstr- tcn beschäftigt.„Zeigen Sie mir doch die Wunden derjenigen," sagte der Monarch,„die am gefährlichsten sind,"— Herr Wallinger zeigte dem Monarchen 2 Kroaten, die zerschmetterte Knochen und Gliedmaßen hatten. Der Kaiser besah die Wunden genau, befühlte ihren Umkreis und blieb bis der Verband vollendet war.„Ich gebe Ihnen" sagte er dann,„meine Zufriedenheit zu erkennen; die Kranken sind wohl verpflegt, das Spital ist reinlich gehalten und so muß es allenthalben in meinen Spitälern geschehen. Sie haben gewiß auf der Josef's-Akademie zu Wien studirt?"—„DaS habe ich durch Euer Majestät Gnade."—„Nun, wenn sie mir lauter solche Männer zieht, so bin ich für meine kranken Soldaten getröstet."— Der Monarch beschenkte dann die Verwundeten und ging zu Fuß wieder durch das steile Gebirge zurück an die Grenze. Ein armer Geistlicher, der lange Jahre als Feld- pater gedient, und sogar manche Blessur empfangen 181 hatte, stellte sich dem Monarchen vor, der ihm schon ehemals seine Gnade zugesichert hatte und erinnerte ihn an sein hohes Wort. Der Kaiser sagte ihm:„Ich weiß jetzt nichts für Sie, mein Freund, melden Sie sich in ein paar Tagen wieder. Den dritten Tag kam der Pater wieder. Der Kaiser besann sich einen Augenblick nnd brach dann mit einer gedankenvollen Miene und etwas vollem Tone aus:„Wollen Sie ins Zuchthaus?"— Der Pater war überrascht und versetzte:„Es wird doch nicht lange dauern?"— Der Kaiser lachte über dieses Mißverständniß und sagte: „So ist'S nicht gemeint. Wollen Sie in's Zuchthaus als Pfarrer? diese Pfarre ist gestern leer geworden. Diese und keine andere kann ich Ihnen jetzt geben."— Der neue Pfarrer dankte gerührt und ging mit einer beispielosen Freude in'S Zuchthaus. Am 17. April 1789, ließ sich der Monarch zum ersten Mal in seinem Leben rasiren, da er dieß sonst immer selbst that. Da Niemand von seinen Leuten sich deßwegen auf's Rasiren gelegt hatte, so holte man aus dessen Befehl den ersten besten Barbiergesellen aus einem Gewölbe herbei. Nach geschehener Arbeit schenkte ihm der Kaiser 4 Souvcraind'or und sagte zu ihm: „Er ist der Erste, der mir in's Gesicht greift." 182 Ein italienischer Abt, den der Kaiser in Italien als einen guten Dichter kennen zu lernen Gelegenheit hatte, ging im Monat Juni 1789 im Larenburger Garten spazieren und stieß von ungefähr auf den Monarchen:„Ich werde vielleicht nächstens Gelegenheit haben," war die Anrede des Kaisers,„Ihr dichterisches Talent zu prüfen und Ihnen die Verfertigung eines kleinen Gelegenheits-Gedichtes aufzutragen. Wollen Sie solches übernehmen?"—„Euer Majestät befehlen und geruhen nur, mir den Stoff zu geben," war die Antwort des Abts.—„Diesen errathen Sie einmal" erwiederte der Monarch, und das können Sie leicht, wenn Sie mich nur erst recht ansehen."—„So wünsche ich" fuhr der Dichter fort,„daß ich Euer Majestät gänzliche Herstellung oder Ihre Siege besingen könne."—„Nein, nein, fiel ihm der Kaiser ein,„machen Sie sich lieber an ein Epithaphium, bringen Sie mir eS aber bald und zum Stoff mag Ihnen Dienen:„Hier liegt ein Fürst, der mit der besten Meinung keinen seiner Plane durchsetzen konnte."— Und hiemit verließ der Fürst den betroffenen Abt, ohne ihm Zeit zu lassen, weiter zu antworten. 183 Weil der kaiserliche Bereiter Tilling er von den Gesundheitsumständen des Monarchen Verschiedenes reden hörte, wollte er sich davon selbst überzeugen. Er ging also nach Larenburg, ließ sich beim Kaiser anmelden, der ihn auch vorließ. Als er in's Zimmer trat, fragte der Kaiser: ob es Etwas Neues gäbe?— „Nein," antwortete Tilling er,„blos daS heftigste Verlangen, Eure Majestät zu sehen, trieb mich hieher, da man so verschiedenes von Euer Majestät Krankheit spricht."—„Wohlan, sehe Er mich nur recht an, erwiederte der Monarch„und dann kann er wieder gehen."— Zwei Frauen, wovon die Eine einen Kopfputz ä M Vurgne hatte, überreichten gegen Ende Septembers 1789 dem Kaiser zu Hetzendorf Bittschriften. Er genehmigte das Gesuch der Einen, sagte aber zur Andern:„Sie müssen Sich an Ihren Monarchen, den türkischen Kaiser wenden, denn Ihr Kopf zeigt deutlich, daß Sie eine türkische Unterthan!» sind." * Dem Blicke Josef H. entging nichts. Als im Oktober 1789 der Rittmeister von H artmüll er,(welcher die erste Nachricht von dem Siege des Prinzen K o- 184 bürg überbrachte) inHetzendors sich anschickte, zu Pserd zu steigen, um in Wien als Siegesbothe einzuleiten, bemerkte der Monarch, daß sein Hut vom Moldauisch- Wallachischen Staube fast durchdrungen und ziemlich abgetragen war.—„Was haben Sie!" rief der Kaiser mitten in der Erzählung des Rittmeisters,„für einen zerdrückten und zerrissenen Hut?"—„Er war im Anfange deS Feldzuges ganz neu," versetzte der Kourier, „aber durch Strapatzen, die er als mein gewöhnliches Kopfkissen auszustehen hatte, ist er in den schlechten Zustand gesetzt worden und bei den Türken gibt eS keine Hüte zu erbeuten."—„Dieser Hut schickt sich nicht für einen Major" fuhr der Monarch fort. Der Rittmeister erkannte dieses schmeichelhafte Kompliment und dankte. Nun mußte ein Leiblaquai einen Hut des Kaisers bringen, den er auch beim Eintritt in Wien auf hatte. Nach einer andern Erzählung, nahm der Kaiser den Hut, den er selbst auf hatte, ab und setzte selben dem Kourier auf. * Im Augenblicke, als der Erzherzog Franz von Laudons Armee in Wien eintraf, brannte der kai- erliche Pavillon, das Lustwäldchen genannt, und der Erzherzog war der Erste, der es dem Kaiser anzeigte. 185 „Eine Kleinigkeit," sagte der Kaiser lächelnd,„es ist ohne Zweifel wegen Ihrer glücklichen Zurückkunft." * Ost schon hatte man gesagt und eS in Wahrheit bestätigt gesunden, daß der ruhige Tod eines wahrhaft edlen Menschen etwas Erhabenes, ja Göttliches habe. Kaiser Joses II. letzte Lebensstunden liefern einen herrlichen Beweis hiesür.„Ich fürchte mich nicht vor dem Sterben," sprach er zu seinem Leibarzte Quarin:„Sie können frei sprechen, aber es wäre für meine Staaten nicht gut, überrascht zu werden." Als Quarin tief bewegt, darauf antwortete:„Man kann für keinen Augenblick stehen," sagte der Kaiser:„Ich danke Ihnen, mein lieber Quarin, für diesen Beweis Ihrer Freundschaft, ich werde erkenntlich sein."— Und kaum möchte jemals eine Todesbothschaft so gelohnt worden sein, wie in diesem Falle. Quarin erhielt dafür ein Geschenk von 10000 Gulden und den Titel„Baron." * Wahrhaft ergreifend war die Scene, als Joses am 11. Februar 1790 von Laudon und Haddik Abschied nahm.„Reichen Sie mir Ihre alte Hand," rief er dem Ersteren zu„ich werde nicht mehr das Vergnügen haben, sie zu drücken," und darauf zu Haddik sich wendend, sprach er mit zitternder Stim- 186 me:„Gott befohlen, mein lieber Haddik, wir sehen uns hier zum letzten Male!"— Beide Männer, die >o oft festen Blickes dem Tode in die Augen gesehen, wurden hier von Wehmuth übermannt und schieden unter Thränen von ihres Kaisers Sterbelager. Haddik aber, als Hoskriegsraths- Präsidenten, hatte Josef beim Scheiden folgenden Tagesbefehl an die Armee übergeben: Ich würde mich der Undankbarkeit schuldig halten, wenn ich nicht in dem Augenblicke, wo ich das Leben verlasse, meiner Armee meine völlige Zufriedenheit mit ihrer unwandelbaren Treue, ihrer Tapferkeit und Zucht bezeugte. Der Ruhm und das Wohlbefinden meiner Truppen sind stets die vorzüglichsten Gegenstände meiner Sorge gewesen. Der letzte Feldzug hat meine heißesten Wünsche übertreffen und der Ruf meiner Truppen hat sich in ganz Europa verbreitet. Diesen Ruf werden sie erhalten, ich nehme diese Gewißheit mit mir, sie ist mein Trost in meinen letzten Augenblicken. Ich habe nicht in'S Grab steigen wollen, ohne meiner Armee dieß öffentliche Zeugniß meiner Liebe zu geben, nnd ohne den lebhaften Wunsch aus- zusprechen, sie möge meinem Nachfolger und dem Staate dieselbe Treue, wie mir, beweisen."— 187 Die Bekanntmachung dieses Abschiedes des Kaisers von der Armee war der letzte Dienst, den Had- dik seinem geliebten Monarchen erwies. Auch seine Lebenssackel verlöschte schon 4 Wochen nach des Kaisers Hingang. Nicht minder ergreifend und Josefs herrlichen Charakter in seiner ganzen Reinheit abspiegelnd, sind auch einige andere Schreiben von ihm aus seinen letzten Lebenslagen. Dahin gehört vor allem ein in französischer Sprache geschriebenes Antwortschreiben an Kaunitz, vom 19. Februar 1790, der ihm schriftlich seine Theilnahme an dem schmerzlichen Verlust bezeigt hatte, von welchem das Kaiserhaus durch den plötzlichen Tod der Erzherzogin Elisabeth getroffen worden war. Dieses Antwortschreiben lautete: Lieber Freund! Ich bin von dem Ausdrucke Ihrer Theilnahme innig gerührt, allein was kann ich bei den Verhängnissen der Vorsehung anders thun, als mich denselben unterwerfen? Was Sie betrifft, so empfangen Sie von mir die unbegränzte Versicherung der vollkommensten Hochachtung und des aufrichtigen Zutrauens, die Sie vor allen Andern verdienen, und seien Sie versichert, daß es mich unendlich schmerzt, wenn ich daran denke, daß 188 ich außer Stande bin, länger Ihre Einsichten zu benü- tzcn. Ich umarme Sie, und empfehle Ihnen in diesem gefährlichen Zeitpunkte mein Vaterland, das mir so sehr am Herzen liegt. Josef. Eben so herzlich war folgendes Abschiedschreiben Josefs an den Grafen Rosenberg: Mein lieber Gras v. Rosenberg! Die Freundschaft hat gewöhnlich ihre Grenzen, aber die Ihrige gibt sich mir ganz hin. Könnte ich die Welt verlassen, ohne Ihnen noch meine ganze Erkenntlichkeit für das zu beweisen, was Sie für mich gethan haben, für Alles, was Sie bei dieser langen Krankheit gelitten haben, während welcher Sie sich ganz aufopferten, um mir meine Last tragen zu helfen und mich zu trösten!— Die Weisheit und Vortrefflichkeit Ihrer Rathschläge, die Ergebenheit, welche Sie bei jedem Anlasse bis zum letzten Augenblick gegen mich bewiesen haben, durchdrungen mich mit Erkenntlichkeit und Freundschaft. Empfangen Sie die Versicherung derselben und glauben Sie, daß das Einzige, was ich bei meinem Austritt aus der Welt bedaure, die kleine Anzahl von Freunden ist, die ich verlassen muß und denen ich Angelegenheit 189 gemacht habe. Leben Sie also wohl; ich umarme Sie mit freundschaftlichem Herzen. Erinnern Sie sich immer Ihres aufrichtigen und empfindungSvollen Freundes Joses. Nachschrift. Nur meine zitternde Hand hat mich verhindert, Ihnen diese Zeilen mit eigener Hand zu schreiben. Und diesem Schreiben lassen wir endlich ein drittes folgen, welches er ebenfalls vom Todtenbette aus, an fünf Damen richtete, die in der Regel an den gewählten Abendgesellschaften des Kaisers Theilnahmen. Es waren diese Damen: die verwitweten Fürstinnen Franz Lichtenstein und Karl Lichtcnstein, die Fürstin Kinskv, die Fürstin Klary und die Gräfin Ernst Kau- nitz. An diese schrieb Josef: „Mein Ende naht heran, es ist Zeit, Ihnen noch durch die>e Zeilen meine ganze Erkenntlichkeit für jene Güte, Politesse, Freundschaft und angenehme Freiheit zu bezeigen, die Sie mir während so vieler Jahre, welche wir in Geselsichaft mit einander zugebracht haben, zu erweisen und angedeihcn zu lassen, die Gewogenheit hatten. Ich bereue keinen Tag, keiner war mir zu viel, und dieses Vergnügen, mit Ihnen umzugehen, ist daS einzige verdienstliche Opfer, das ich 190 darbringe, indem ich die Welt verlasse. Haben Lie die Güte, sich meiner in Ihrem Gebete zu erinnern. Ich kann die Gnade und unendliche Barmherzigkeit der Vorsehung, in Ansehung meiner, nicht genug mit Dank erkennen: Dieses Alles ist in derselben vereinigt, so daß ich mit ganzer Resignation meine letzte Ltunde erwarte. Leben Sie wohl, Sie werden meine unleserliche Schrift nicht mehr lesen können. Sie beweist meinen Zustand. Joses. Josef Ik. letzte Lebensnacbt nahte sich allgemach vom 19. zum 20. Februar 1790. Schon gegen Mittag des 19. hatte er eine Anwandlung von Ohnmacht, kam jedoch bald wieder zu sich und ungeachtet die Kräfte immer mehr schwanden, ging doch rie Arbeit des DiklirenS, Erpedircns, Unterschreibens unun- terbrocben fort. Selbst am Abend nahm^zoses no^a einen Besuch von Lascy und Rosenberg an; die arbeitenden Sekretäre blieben den ganzen^ Tag bw NacktS 10 Uhr bei ihm. Nachdem er dieMbcn einlassen, sagte er zu den Aerzten lateinisch— denn dieser Sprache bediente er sich gegen ste, wenn jemand von der Dienerschaft zugegen war—„Schon wird e.' nickt lange mehr währen; ich fühle in mir bereits den Todeskamps." Daraus ließ er den Beichtvater bei stch eintreten Der Leibarzt Störk erbot sich, die Nacht durch bei ihm zu wachen. Allein Josef lehnte diesen Liebesdienst mit den freundlichen Worten ab:„Nein,»lern Lieber; warum wollen Sie sich inkommodiren; wenn ich Sie brauche, werde ich Sie schon rufen lagen, worauf er noch lächelnd hinzusetzte:„Heute Aacht mutz 191 ich schon mit meinem schwarzen Herrn bleiben." Der Zustand des Kranken blieb leidlich, bis gegen Mitternacht, obschon er nur wenig schlummern konnte, und wenn er schlief, irre sprach. Die Zeit, wo er wach war, betete er mit dem Beichtiger und während er demselben die Gebete andeutete, die er ihm vorlesen sollte, betete er auch selbst:„Herr! Der Du allein mein Herz kennst, Dich rufe ich zum Zeugen an, daß ich Alles, was ich unternahm und befahl, aus keinen andern Absichten, als zum Wohl und zum Besten meiner Unterthanen meinte. Dein Wille geschehe. Gegen Mitternacht spürte er erst eine merkliche Abnahme des Gehörs, dann auch des Gefühls, daher er zu dem Geistlichen sagte:„Lassen Sie mich ein^wenig ruhen, ich werde Sie schon wieder rufen." Die Stunde der Entscheidung nahte gegen 5 Uhr Morgens, als eben die Aerzte erschienen. Stärk fühlte nach dem Puls, fand aber keinen mehr und erwähnte des Beichtvaters im Nebenzimmer. Joses verstand den Wink und ließ diesen wieder eintreten, um nochmals mit- ihm zu beten. Als dieser die Worte sprach:„Wir verlassen uns auf den Glauben, die Hoffnung und die Liebe" wiederholte der Kaiser das Wort „Glaube" mit ziemlich starker Stimme, das Wort „Hoffnung" leise, wenn auch noch vernehmlich, bei dem Worte„Liebe" aber schien er nochmals seine letzten Kräfte anzustrengen und sprach das Wort mit der ganzen Glut seiner Seele.„Wir wollen hier inne halten'," sprach er dann„ich fühle die Annäherung des Todes; dieses Bück Wird mir nicht mehr dienen, ich schenke es Ihnen, behalten Sie es mir zu Liebe." Seine letzten Worte, die er zu dem Beichtvater sagte, waren:„Beten Sie: In Deine Hände, o Herr! empfehle ich meine Seele!" Für sich selbst aber hörte man ihn sagen:„Als Mensck und Fürst glaube ich meine Pflicht gethan zu haben."— 192 Daraus legte er sich auf die Seite, um halb 6 Uhr verschied er unter drei Zuckungen. (Siehe Rainßhorn'S Josef H. x. 448—49.) * Josef II. verbot, seinen Körper zu öffnen, milder Bemerkung: Seine Krankheit sei sichtbar genug gewesen, man würde also durch die Oeffnung seines Leichnams nichts weiter lernen. Sein Testament war der treueste Spiegel seines Charakters. Es bestand aus 6 Zeilen und enthielt weiter nichts als die Verfügung, wornach er seinen Bruder und Großherzog von ToSkana Leopold zu seinem Universalerben erklärte. Als Codicill war angehängt, daß sein Sekretär und diejenigen Hofleute, welche unmittelbar seine Person bedient hätten, lebenslänglich ihren ganzen Gehalt genießen sollten." Ende des dritten Bandes. D Bei selbem Verleger'sind ferner so eben erschiene» und zu huben: Albrecht: Die Taborite« vor Brunn. Mit Kupfer. 1815. Amon: Wendest« der Raubritter, oder der unbekannte Rächer. Mit Kupfer. 1811. Wachmann: Waldmüllers Röschen. Mit Kupfer. 2t- Aufl. 1816. Boritz: Die Höllenbrüder im Wienerwalde, oder der Zweikampf in der Ahnengrnst. Mtt Kupf. 1815. Dorn au: Sympathien. Roman. 1816. Elmar: Liebesrosen. Novellen. 2 Bde. 1818. Fitz-Werth: Kreuz und Halbmond. Histor. Roman. 2 Bände. 2te Aufl. 1816. Seidlitz: Neue Novellen. 2 Bände. 1815. Für st edler: Novellen. 2 Bände. 1815. Thurnberg M. v: Die graue Schwester. Roman in 2 Bänden. 1818. Thurnberg M, v: Novellen, i Thle. 1811. — Der Jungfrau schönstes Ziel. Das neueste und beste Bildungsbuch für junge Damen. 2te verbesserte und vermehrte Auflage. Enders: Der kleine Universal-Fabrikant. Ein sehr nützliches Haus- und Hilfsbuch für Künstler, Kaufleute, Gewerbsmänner, und in jeder Haushaltung höchst »ortheilhaft. 2te verbesserte Auflage. 1816. MWWMM k* WZ - 5 ?-M ' f.-» /- »iH ff»SkNL /*E k,r i Si» E .'4 ?>,- B S ' - --i' s: s M -M E L »D M /> K L ' M Lss' d -V Ä -2 ?' - r »'« " 'E - 0-^ L' L/ S . - - "2 - - .«s M ».