4 E^ r^ Wiensn Stack-kibliotlivk. >8 7//^ k^ - ^ W» -M, -'- 'U . - -.-----'^ . >E ' ' ^- - Geschichte von Paraguay, und den Missionen der Gesellschaft Jesu in diesen Ländern. Nach dem Französischen des M^franrisrus de CHarlrvoia-, weiland Priester der Gesellschaft Jesu. Zweiter Band. Mit einer Karte von dem Lands Paraguay. TMien 1830. Druck und Vorlag der Mechitaristen-Congregations-Buchhandlung. 1. Ankunft eines Visitators in den Reductionen- P. Lo- renzana unter den Wilden. Folgen der Bekehrung einer Indianerinn. Rriege. Versuch;ur Bekehrung der Guaycurrus. Die Stadt Santjago verlangt die Jesu,- ten zurück. Llkissionare hei den Diaguite». Die ersten Reductionen der Guarani's blühetcn und vermehrten sich zusehends, zum größten Trost und znr innigsten Freude der Missionäre. Die Spanier dagegen sahen diese neuen Kirchen mit scheelen Augen und als den Ruin ihres Glückes an, und diese Priester hatten Alles von ihnen zu befürchten; als i. I. r6y3 plötzlich ein Visitator von Madrid ankam, den der König beauftragt hatte, über die Vollziehung seiner Befehle hinsichtlich dieser Jndier zu wachen. Dieser, nachdem er die Reductionen in Augenschein genommen, hieß alles gut, was die Missionäre gethan hatten, und setzte den Neckereien für einige Zeit ein Ziel. Seine Erscheinung erfreute diese guten Jndier gar sehr und seine Vorkehrungen wirkten dahin, daß auch andere Völkerschaften der Guarani's, die bis dahin nicht nachgelassen hatten, die Spanier zu befehden, sich zum Frieden erboten. Einer ihrer Kaziken erbot sich sogar, mit einer sehr großen Anzahl Jndier den König von 4 Spanien als seinen Oberherrn zu erkennen, wofern man ihnen Missionäre senden wolle. Der Gouverneur über diese Nachricht höchlich erfreut, theilte solche alsbald dem Bischof mit, und ersuchte ihn das Verlangen des Kaziken zu erfüllen; dieser aber sagte ihm geradezu, er habe nicht ciiicn einzigen Priester, der diesen Menschenfressern sich preisgeben wolle; dazu auch habe er selbst Mangel an Arbeitern und könne die Wenige», die an dem Heile der Gläubigen arbeiteten, unmöglich zu Barbaren senden, auf die man sich nicht verlassen könne. Der Gouverneur wendete ihm ein, daß die Gelegenheit vielleicht nie wiederkehren werde, die Pro- vinz von den Feindseligkeiten dieser Wilden zu befreien, und daß man noch größere Grausamkeiten von ihnen zu befürchten habe, wofern man diese Bitte ihnen versagte. Der Bischof hörte ihn ruhig an und fragte ihn, ob er diesen Priestern eine starke Bedeckung mitgeben könne? Der Statthalter wollte hierauf Gegenvorstellungen thun. Doch der Bischof blieb unbeweglich. Da wendete der Gouverneur sich an P. Tvrrez, den Provinzial der Jesuiten, klagte ihm seine Noth und sagte ihm, seine ganze Hoffnung beruhe auf dem Eifer seiner Religiösen. P. Torrez antwortete, er könne nur auf den einzigen Rector des Eolle- giums zu Assumtion rechnen, mit welchem er sich besprechen wolle. Und er hielt Wort. Als er nun die Sache im Collegium vortrug, und mit den Worten des Propheten fragte:»Wen soll ich senden? und 5 wer wird dahin gehen?« da kniete P. Lorenzana, der Rector nieder, und antwortete mit dem nämli, chen Propheten: Hier bm ich; sende mich(Jsai.öo). Und es erhob ihn der Provinzial, umarmte ihn, hin, terbrachte dann die Nachricht dem Gouverneur; und alle erstaunten in wundersamer Freude über den heiligen Eifer dieses Greises, der alsbald in Begleitung eines andern jünger« Priesters in dieß wilde Land abreiste. Doch fanden sie die Inwohner bei weitem nicht so bereitwillig, als der Kazike geäu- ßert hatte; und Vieles hatten sie von diesen rohen, äußerst abcrglänbigen und beinahe immer betrunkenen Wilden zu leiden. Sie erfuhren sogar, daß ihr Tod mehr als ein Mal war beschlossen worden. Schon hatten sie ein ganzes Jahr vergeblich ge- arbeitet, als endlich der Kazike der sie berufen hat, te, nebst noch einem andern ihrer Oberhäupter sich taufen ließ; und ihr Beispiel zog auch andere an; so daß die Hoffnung sich ergab, es würde die ganze Gegend in Kurzem gewonnen werden. Doch ward die Freude der Missionäre durch einen sehr widri, gen Vorfall gestört. Eine Indianerinn, welcher ihr Mann durchaus nicht hatte erlauben wollen, die Taufe zu empfangen, war mit ihrer Tochter in eine Ortschaft entflohen, wo die Missionäre sich aufhielten. Hierüber war der Mann wüthend; rottete, da er in großem Ansehen stand, eine bedeutende Anzahl Jndicr zusammen, und schwor hoch und theuer, an den spanischen Missionären sich zu rächen. Da er es jedoch nicht wagte, die Ortschaft selbst anzugreifen, 6 überfiel er die Mahoma's, ein Volk das mir den Spaniern verbündet war, tödtete derselben eine große Zahl und nahm eine noch größere gefangen. P. Lorenzana stellte dem christlichen Kaziken vor, es erfordere ihre Ehre und ihr Nutzen, solchen Unfug nicht zu dulden, noch auch zu gestatten, daß die Religion solchen Feindseligkeiten zum Verwand diene. Sie sahen dieß auch ein, und ließen die Gefangenen abfordern. Doch Jene antworteten übermüthig, sie würden nicht früher ruhen, bis sie nicht das Blut des letzten Mahoma in der Hirnschale des ältesten Missionärs getrunken hätten. Diese Antwort brachte die Kaziken auf, alle Christen und Neophyten vereinigten sich; ein tapferer Kazike, Ani- angara genannt, ward zum Befehlshaber ernannt, und begab sich alsbald mit diesem kleinen Heere an den Parana, wo die Feinde hausetcn. Unter Weges stieß noch ein spanischer Capitain mit seiner ganzen Compagnie und dreihundert Jndiern zu ihm, und sie schlugen diese Wilden in die Flucht und befreiten alle Mahoma's, ohne einen einzigen Mann zu verlieren. Kurze Zeit hierauf übersetzten die Missionäre, diese kleine Herde, die zu ihrer höchsten Freude sich täglich vermehrte, in eine andere, sehr bequeme Gegend, und benannten diese Reduktion, die noch heut zu Tage besteht, und die erste der dreizehn am Parana ist, nach dem Namen des heiligen Jgna- tius, unter dessen Schutz sie dieselbe stellten. Da indessen kurze Zeit hierauf die Feindseligkeiten abcrmal anfingen und man zu Assumtion er- 7 achtete, P. Lorenzana sei daselbst nicht in Sicherheit, ward ein Officier mit Mannschaft abgesandt, ihn abzuholen; doch er war nicht zu bewegen, seine Mission zu verlassen; und seine Gegenwart war auch daselbst um so nothwendiger, als bald darauf eine ansteckende Krankheit ausbrach, die einen großen Theil der Neugetauften hinwegraffte. Viele aber zerstreuten sich auch und schmähten ihn, weil man sie beredet hatte, das Christenthum sei Schuld an all diesem Unheil. Doch gewann seine wunderbare Sanft« muth, Geduld und Festigkeit die meisten wieder, und bald hierauf ward die Reduktion blühender denn zuvor. Während diese Dinge in den Gegenden des Pa- rana sich ereigneten, wagte es P. Torrez, die Bekehrung der Guaycurrus zu versuchen; wobei er zugleich die Absicht hatte, diese Nation mit den Spaniern zu versöhnen, welchen sie höchst lästig fiel, und die nicht hoffen durften, sie durch die Waffen zu bezwingen; auch wollte er dadurch eine bequemere Communication zwischen den Provinzen Paraguay und Tucuman zu Stande bringen. Sein Unternehmen gefiel dem Gouverneur und dem Bischof höchlich; doch sprachen sie, es ließe sich der Erfolg nicht verbürgen. P. Torrez aber antwortete ihnen, dieß dürfe einen apostolischen Arbeiter nicht abschrecken; Gott rühre täglich Herzen, von welchen dieß kaum zu hoffen sei, und seine Gesandten dürften durch keine Ungewißheit sich abhalten lassen. Ihm Seelen zu gewinnen. 8 Er sandte also einen sehr frommen Priester, Namens Gonsalez de Santa-Cruz dahin ab, dem er einen noch jüngern Gehilfen, P. Grifft genannt, beigab. Sie hatten aber das Land dieser Jndier kaum betreten, als sogleich das Gerücht sich verbreitete, die Spanier wollten sie unter dem Vorwand der Religion in die Knechtschaft zwingen, und sie sandten heimlich Spione nach der Hauptstadt des Paraguay aus, um die eigentliche Absicht der Reise dieser Missionäre zu erfahren. Diese beiden Vater sahen die Gefahr bald ein, in welcher sie schwebten; dennoch aber gingen sie mit Vertrauen in die erste Ortschaft, und erklärten dem Kaziken, ihre einzige Absicht sei, einen dauerhaften Frieden zwischen ihrer Nation und den Spaniern zu stiften, und sie zur Erkenntniß des wahren Gottes zu führen. Es sei ihnen nicht unbewußt, welcher Gefahr sie sich dabei aussetzten; um ihn aber von der Aufrichtigkeit ihrer Absicht zu überzeugen, überließen sie sich seinem Ermessen, und ersuchten ihn um die Erlaubniß, in ihrer Ortschaft zu bleiben, vor, züglich um ihre Sprache zu erlernen; denn sie redeten durch Dollmetscher mit ihm. Diese Freimüthigkeit milderte den Argwohn des Jndiers, und er verbot seinen Untergebenen, den Priestern Leides zu thun. Nun verlegten sich die Missionäre mit allem Eifer darauf, die Sprache dieser Wilden zu erlernen. Da aber diese Barbaren sa- ben, daß sie unaufhörlich mit ihrem Dollmetscher sich besprachen und alle seine Antworten niederschrieben. 9 erachteten sie, sie schrieben einen Plan, ihr Land an die Spanier zu verrathen; und beschlossen ihren Tod. P. Gonsalez, der ihren Anschlag errieth, kam auf den Einfall, öffentlich vorzulesen, was er geschrieben hatte; dieß aber waren die ersten Grundlehren des Christenthums in der Landessprache. Diese Lesung beruhigte selbst die Erbittertsten, und der Ka- zike, der sich Dom Martin nennen ließ, ward dar, über so gerührt, daß er eine besondere Zuneigung zu ihnen faßte und mit seiner Gattinn ihnen viel Gutes erzeigte, was auch diesen Heiden späterhin die Gnade der Bekehrung erwarb. Indessen hatten ihre Arbeiten geringen Fortgang; sie tauften bloß einige Kinder vor ihrem Tode; und da der Provin, zial nicht länger in diesen unfruchtbaren Feldern Arbeiter lassen wollte, die er anderwärts so gut verwenden konnte, beschloß er dieselben abzurufen. Er war so eben aus Chili nach Corduba gekommen, wo er eine Staffele von dem Gouverneur erhielt, der ihn dringend bat, zwei seiner Ordcns- lcute zu den Diaguiten zu senden, welche die Waffen ergriffen, weil die Spanier einige ihrer Oberhäupter getödtet hatten. P. Torrez sandte auch unverzüglich die PP. Johannes Dario und Diego de Boren dahin ab, aus welchen der erste kurz vorher die Calchaqui's versöhnt hatte. Als sie nach Santiago kamen, frohlockten alle Inwohner, sie wieder zu sehen; denn wie erinnert ward, waren sie wegen ihrer Theilnahme an den Jndicrn von dort vertrieben worden; und sowohl diese als die Inwohner 10 hörten seitdem nicht auf, um ihre Rückkehr zu bitten; was ihnen denn auch späterhin auf die Verwendung des Gouverneurs bewilliget ward. Nachdem sie also die Befehle des Statthalters daselbst in Empfang genommen, machten sie sich auf den Weg, überstiegen mit unsäglicher Mühe die Gebirge, wo sie dem Herrn eine große Anzahl Seelen gewannen, und kamen endlich zu der Nation der Diaguiten, die sie als ihre Beschützer aufnahmen und ihnen unter Thränen sagten:»Wenn ihr bei uns gewesen wäret, so wären unsre Oberhäupter nicht ermordet worden!« Sie schlichteten in kurzer Zeit den Frieden; und diese Jndier verhießen ihnen. Alles zu vergessen, wofern man nur ihrer Freiheit nicht nachstellte und sie in Ruhe ließe. Die Väter gaben ihnen die besten Versicherungen hierüber; ermähnten sie dann, sich aufrichtig zu Gott zu bekehren, und fanden sie auch so gelehrig und willig, daß sie gegen fünfhunderte derselben tauften, und Diejenigen, die vor wenigen Jahren waren getauft wor, den, durch das Sacrament der Buße versöhnten. Die Jndier boten alles auf, sie bei sich zurück zu behalten; doch sie mußten auf jeden Fall zurückkehren, dem Gouverneur Bericht zu erstatten; und sie trösteten und belehrten sie, was sie indessen thun sollten, bis man ihnen einen Missionär senden könne. II 2. Befehl des RLnigs in Ansehung der Jndier. Die Spanier werden den Jesuiten deßwegen abhold. Bekehrung der ersten vier Aeductionen. Unsägliche Bemühungen, Gefahren und Arbeiten der Missionare. Indessen war Dom Francesco Alfaro als königlicher Visitator nach Tucuman gekommen nnd hatte die gemessensten Befehle des Königs mitgebracht, den Frohndienst der Jndier abzustellen nnd die Jndier der Commenden mit Glimpf zu behandeln. Doch nach allen Verhandlungen blieb die Sache beinahe beim Alten. Als hierauf der Visitator mit dem neuernannten Gouverneur von Paraguay und dem Provinziell nach Affumtion reiste, dieselben königlichen Befehle auch dort vollziehen zulassen, ward er sehr angenehm durch den Sohn des Kaziken Dom Martin überrascht, den sein Vater dahin abgesandt hatte, ihn zu complimentircn, und der diesen Auftrag auf so feine Weise ausrichtete, daß alle sich fröhlich darüber verwunderten. Bald nach ihm kam Dom Martin selbst in Begleitung des P. Gonsalcz und einer großen Anzahl Guaycurrus nach Assumtion, und ward daselbst getauft. Er bat dann um Missionäre und erhielt solche auch; doch blieb P. Gonsalez nicht mehr lange daselbst, sondern wurde durch P. Romero ersetzt. Als nun der Visitator zu Assumtion den Willen des Königs erklärte mund seinem Namen befahl, daß die Guarani's und die Guaycurrus, niemals und unter keinem Vorwand zu Commenden sollten verge- 12 ben werden, sondern als unmittelbare Vasallen der Krone zu betrachten seien, da geriethcn die Inwohner in großen Zorn gegen die Jesuiten, und warfen es ihnen vor, daß sie diese Verordnung erwirkt hätten. Ja es kam so weit, daß diese Vater jvgar die Stadt verlassen und sich in ihrer Meierei einschließen mußten. Und ob auch die Vernünftigen dieß Unrecht bald einsahen, und sie abcrmal ersucht wurden, in ihr Collegium zurückzukehren, so war ihnen dennoch die Stadt seit dieser Zeit immer abhold) wie sich in Folge dieser Geschichte zur Genüge zeigen wird. Diese Vater jedoch bezeigten hier wie allenthalben große Gleichgültigkeit für ihre Rückkehr, damit man nicht etwa glaubte, sie hätten ihre Meinung hinsichtlich des Frohndienstes der Jndier geändert; und waren auch fest entschlossen, deßfalls nicht das Mindeste zu ändern. Hierauf richtete P. Torrez alle seine Gedanken nach Guayra. Ungesäumt sandte er P. Ruiz de Mon- toya, der erst vor Kurzem aus Spanien angelangt war, dahin, die Väter Maceta und Cataldino zu unterstützen, die nicht mehr zu der erstaunlichen Men- ge Guarani's genügten, die sich unter ihre Leitung begeben hatten. Indessen waren die vier von diesen Missionären gebildeten Reduktionen noch nicht sonderlich mit Christen bevölkert; und diese Väter bemerkten, daß die Meisten eigentlich nur aus Hoffnung sich dahin begeben hatten, nicht mehr von den Spaniern und den Portugiesen aus Brasilien beunruhigt zu werden, und weil sie dadurch auch besser im Stande 13 waren, gegen ihre alten Feinde sich zu vertheidigen. Übrigens brachten sie in diese Freistätten ihre ganze Wildheit, und eine Dummheit mit, die an gänzlichen Blödsinn gränzte; und waren dabei ungelehrig, unbändig stolz auf ihre übelverstandene Freiheit und hatten überdieß eine beinahe unüberwindliche Anhänglichkeit an ihrem Aberglauben. Indessen war doch schon viel dadurch gewonnen, daß sie ihrer umherschweifenden Lebensweise und der Gelegenheit zu vielen ihrer alten Laster entzogen waren; auch hörten sie doch ziemlich gern was man ihnen sagte, wiewohl Viele aus ihnen des geordneten Lebens bald überdrüssig wurden, wozu man sie hier verhielt; und, ehe man dessen sich versah, in ihre Wälder und auf ihre Gebirge zurückkehrten. Diese Ausreißungen zu verhüten, mußten die Missionäre sich großen Gefahren aussetzen und oftmals die Schmachredcn Solcher anhören, die keiner Vernunft mehr Gehör gaben, bei Allem Verdacht schöpften, in Wuth gericthen und bei dem geringsten Argwohn ihre Missionäre als ihre gefährlichsten Feinde ansahen; ja sie mußten die ganze Anstrengung der Hölle ertragen, deren Satclittcn alles aufboten, das Werk Gottes zu zerstören; und zugleich auch für die Sicherheit der Reduktionen wachen, so wie nicht minder für den Unterhalt Derjenigen sorgen, die sie dort vereint hatten; wobei sie täglich in Gefahr schwebten, im Innern von Denjenigen mißhandelt zu werden, die sie vor Mißhandlungen von Außen schützten. Endlich jedoch gelang 14 cs der unermüdlichen Standhaftigkeit dieser apostolischen Männer, alle Hindernisse zu besiegen. Eine große Anzahl Derjenigen, die sich der Gnade am hartnäckigsten widersetzt hatten, flehten um die^aufe und andere kamen in so großer Menge, dem Unterricht beizuwohnen, daß man bedacht seyn mußte, neue Colonien zu errichten. Oft aber mußte man auch die Wilden in ehren unzugänglichsten Schlupfwinkeln aufsuchen. Ein Missionär begab sich dann hinaus im Geleite der ältesten und eifrigsten Ncophyten, die schlecht bewaffnet, höchst dürftig mit Lebensmitteln versehen waren, und sich nicht sowohl auf Bogen und Pfeile als auf die Vorsehung verließen. Und oft fanden sie nur wilde Früchte und bittere Wurzeln, höchst selten trinkbares Wasser. Waren sie dann den ganzen Tag in glühender Sonnenhitze gegangen, so konnten sie oft kaum einen Ort zur Nachtruhe finden; und auch diese Ruhe ward sehr oft durch eine zahllose Menge Schnacken unterbrochen, die ihr Angesicht versengten; und widerfuhr es ihnen, daß sie durch Hunger, Durst, Hitze und Schlaflosigkeit erschöpft, krank wurden, dann waren sie ohne Hilfe und genöthi- gct, zurückzukehren, oder ihren Weg fortzusetzen; da sie nicht mit Sicherheit in den Wildnissen bleiben konnten.,,. Wie gewöhnlich, wie plötzlich und furchtbar die Überschwemmungen in diesem Lande sind, dieß sahen wir bereits im früheren Bande; in Jahreszeiten aber, wo nichts Ähnliches zu fürchten ist, ergibt es 15 sich sehr oft, daß man nicht von der Stelle kann, ohne mit dem Beil in der Hand, sich einen Weg durch undurchdringliche Wälder zu bahnen. Dieß Werk aber geht nur in sofern vorwärts als die Missionäre mit ihrem Beispiele vorgehen; und Anfangs zumal, widerfuhr es diesen Lätrrn öfters, daß mitten in einer solchen Waldung alle ihre Jndicr sie verließen, und sie sich dadurch genöthigt sahen, um den reißenden Thieren vor denen sie sich nicht wehren konnten, oder unversöhnlichen Feinden sich nicht preis zu geben, ebenfalls zurückzukehren. Und dieß unsägliche Ungemach war dennoch Kleinigkeit gegen die Widersprüche, welche diese Religiösen von Denjenigen zu leiden hatten, die überall Jndier suchten, um sie zu Sclaven zu machenz ja auch nun war es nahe daran, daß die Spanier alle Arbeiten vereitelten, welche diese Vätcr für die Vereinigung und Bekehrung der Euarani's aus sich genommen hatten. 3. Zusammenkunft des p. Lorenzana mit Wilden Lese,»dünge» der Jesuiten in Paraguay. Ein«euer Provinz,al der Jesuiten und seine Vorkehrungen. Arbeiten des p.(vonsalez. Nnklugheit des Gouverneurs und Gefahren, welche dieser Missionär von ihm abwendet. Es ward vorhin erinnert, daß P. Lorenzana eine Reduktion der Guarani's bei dem Flusse Para- na, unter dem Namen Sanct Jgnaz, errichtet hatte, und daß diese Niederlassung unter großen Wider- L6 sprächen der Ungläubigen zu Stande gekommen war. Nach einiger Zeit war P. Gonsalez ihm zur Hilfe gesandt worden; und dieser war der Meinung, die Ortschaft an einen vortheilhaftern Platz zu verlegen. Er drang also bis in die Gegend vor, wo der kleine Fluß Tejui sich in den Parana ergießt. Da er nun in dieser Absicht eine weite Strecke durchwandert, und auf viele Horden Jndier gestoßen war, erstaun, teil diese Wilden über seine Kühnheit, daß er ohne alle Bedeckung so weit, wie noch nie ein Spanier, vorgedrungen wäre. Er aber antwortete ihnen:»Ich weiß wohl, daß ihr allen euern Nachbarn, und sogar den Spaniern euch furchtbar gemacht habet; doch ich stehe unter dem Schutze Gottes, dessen Ge, sandter ich bin, und dessen Willen ich euch kund thue. Auch habe ich nur Worte des Frr^dens euch zu brin, gen.« Die Wilden hörten und bewunderten ihn; dienten ihm auch gern als Wegweiser. Und so machte er einen Weg von hundert Meilen und predigte allenthalben Christum, der für das Heil der Menschen gekr-uziget ward. Doch sah er wohl ein, daß dieser gute Same Zeit brauche, und kehrte nach Sanct Jgnaz zurück, wo, ob er auch allein daselbst verblieb, da P. Lorenzana nach Assumtion war zurückberufen worden,'dasRectorat seinesCollegiums wieder zu übernehmen, dennoch die Anzahl der Inwohner dieser Reduktion so sehr anwuchs, daß er endlich beschloß, sie an dem nämlichen Orre zu lassen. Die Jesuiten in Paraguay sahen indessen, daß 17 man ihnen allenthalben sehr abgeneigt war, und bezahlten den Schutz theuer, den der König allen ihren Unternehmungen gewährte; denn was nur die schmähsüchtigste Verleumdung ersinnen konnte, ward ihnen angedichtet; und ward auch die Lüge späterhin immer entdeckt, so hatten ihre Feinde doch immer die Schadenfreude des Augenblicks." Sogar Geistliche legten es darauf an, daß die Missionäre von einzelnen Reductionen abgerufen würden, damit diese Neophyten dann, ohne Schutz und ohne Hirten, leichter zu erbeuten wären; und während der bischöfliche Stuhl zu Assumtion'erledigt war, erklärte der Verweser desselben ganz laut, er wolle die Provinz Guayra von ihnen reinigen. Wirklich ließ er den P. Montoya nach Assumtion kommen, um sich wegen einer fälschlichen Beschuldigung zu rechtfertigen; und da nun P. Maceta allein mit der Leitung.aller dieser Kirchen beschäftiget war, verführten sie ihm einen Theil der Neubekehrten, und darunter auch einen Kaziken, Namens Maracona, der bis nun die Missionäre standhaft vertheidigt batte. Es kam aber das Strafgericht Gottes über viele Urheber dieser Gottlosigkeit; denn schon am folgenden Tage ward Maracona mit noch zwei andern vom Tode hinweg gerafft, und der Verweser des Bisthums ward nach seiner Rückkehr nach As- snmtion von einer Viper gestochen und nahm ein elendes Ende. Endlich ward P. Montoya über alle Anschuldigungen vollkommen gercchtfcrtiget, und kurze Zeit hernach blühte die neue Christenheit in Paraguay II. Bd.- 18 den Reduktionen, die man hatte unter den Schutt begraben wollen, herrlicher als jemals auf. In demselben Jahre 1615 bekam P. de Torrez den P. Pedro de Onnate zum Nachfolger in der Leitung seiner Provinz. Er hatte dieselbe sieben Jahre vorher mit sieben Religiösen gestiftet, und übergab seinem Nachfolger derselben hundert und sieben- zehn. Und gewiß hätte auch dieser weise und fromme Greis in allen seinen Unternehmungen für Gottes Ehre sich den glänzendsten Erfolg verheißen können, wenn er nur von Denjenigen hätte abhängen dürfen, von welchen er nach Recht hätte abhängen sollen; da der Pabst, der König, die Bischöfe und die Gouverneurs gemeinsam dahin wirkten, die Missionäre in allen ihren apostolischen Verrichtungen zu beschützen. Doch dieß selbst zog ihnen Haß und vielfältigen Verdruß von vielen Privatleuten zu, und es ward die äußerste Behutsamkeit erfordert, alles zu meiden, was auch nur den mindesten Anschein gegen diese Ordensmänner geben konnte. Nach mehreren trefflichen Verhandlungen für das Wohl der Missionen und andern Vorkehrungen für die Leitung der Provinz, ernannte der neue Provinzial den P. de Torrez zum Vorgesetzten des Collegiums und des Noviciates zu Corduba, und richtete dann seine vorzüglichste Aufmerksamkeit auf die Guarani's, unter welchen es noch immer einige Völkerschaften gab, die Todfeinde der Spanier waren. Ein großer Theil Derjenigen, die um den Pa- 19 rana wohnten, setzten ihre Feindseligkeiten ohne Unterlaß fort und drohten sogar, die Stadt Cor- rientes zu zerstören, die bei dem Zusammenfluß des Parana und des Paraguay erbaut war. Mit Mühe gelang es dem P. Gonsalez, Einige derselben zu besänftigen; und diese mußten ihm dann dienen, das Land besser zu erkennen, wo er sich nichts Geringeres vorgenommen hatte, als eine zahlreiche christliche Gemeine zu stiften. Er stieß während seiner apostolischen Reisen auf mehrere Völkerschaften, die seinen Muth bewunderten und durch seine Freundlichkeit gewonnen wurden, und suchte auch wirklich schon einen Ort, eine neue Reduktion anzulegen. Indeß er aber den Parana weiter hinaufschiffte, begegnete er Andern, die mit Keulen und Bogen bewaffnet, und am ganzen Leibe bemalt waren. Ihr Oberhaupt, der sich für einen Gott ausgab, fragte ihn, wie er sich erkühnt habe, in einem Lande sich sehen zu lassen, wohin es noch keinem Spanier gelungen wäre einzudringen?»Wisse,« sprach er,»noch kein Europäer hat dieß Ufer betreten, ohne dasselbe mit seinem Blute zu färben. Und kommst du, einen neuen Gott anzukündigen, dann hast du es mit mir zu thun, den allein man hier anzubeten hat.'« Diese Rede ward mit großem Beifall von Denjenigen aufgenommen, die den Kaziken begleiteten. Der Missionär überantwortete, ohne darüber betroffen zu werden:»Glaube ja nicht, daß ich über deine Drohungen erschrecke. Ich bin ein Gesandter des einzigen wahren Gottes, den alle Sterblichen 2* 20 anbeten müssen. Seine Diener geben mit Freuden ihr Blut für Ihn, denn dieß ist das höchste Glück, das ihnen widerfahren kann. Wäre ich hieher gekommen, euch Böses zu thun, so würdet ihr mich bewaffnet und in großem Gefolge sehen; aber ich habe keine andere Absicht als euch zu lehren, wie ihr als Menschen leben sollt, und euch die Gesetze Gottes zu verkündigen, der euch eine endlose Glückseligkeit geben wird, wenn ihr Ihm als seine Geschöpfe gehorchet!« Diese Festigkeit erregte das Erstaunen der Jn- dier; sie ließen sich in ein Gespräch mit dem Gottesmanne ein, der durch seine Sanftmuth sie gewann. Einige sogar ergaben sich an ihn, und niemand widersetzte sich seiner Durchreise. Nachdem er endlich noch etwa fünfzig Meilen höher gekommen war, hielt er sich an einem Orte auf, Itapua genannt, wo vier Kaziken mit ihren Vasallen sich versammelt hatten, die ihn anfangs übel genug aufnahmen, aber von der Kraft seiner apostolischen Worte besiegt, seiner Leitung sich überließen. Er gab ihnen zu verstehen, daß er, sie alle zu belehren, Hilfe brauche, und daß er sich derselben zu Assumtion holen wolle, wohin er auch auf der Stelle abreiste. Er hatte sie kaum verlassen, als sie von ihren Nachbarn überfallen wurden, weil sie den Missionär so willig aufgenommen hatten. Die streitenden Parteien waren ungleich, doch die Gerechtigkeit gesellte sich zu der geringeren Anzahl. Die Prosclyten riefen den Gott an, den sie durch P. Gonsalez hat- 2l teir kennen gelernt; und sie erhielten einen voll- kommnen Sieg, den sie Ihm allein zuschriebe». Als indessen P. Gonsalez zu Assumtion ankam, da erstaunte die ganze Stadt und die Freude war allgemein. Niemand konnte begreifen, wie ein Mensch allein ohne andere Waffen als sein Kruzifix, Gränzen überschritten hätte, die man bis dahin für undurchdringlich gehalten hatte. Er aber hielt sich daselbst nicht lange aus, sondern eilte mit der nothwendigen Hilfe nach Itapua zurück, daselbst eine Reduktion zu stiften. Indessen hätte der Gouverneur, der sein Schwager war, trotz seines besten Willens beinahe die ganze Unternehmung zerstört; denn er wollte, was immer P. Gonsalez einwenden mochte, diese Anlagen sehen. Da der Missionär ihn nicht abhalten konnte, ging er ihm voran, um seine Ankunft den Kazikcn zu melden, und sie zu beruhigen. Als er nun mit seiner Mannschaft vor einem Missionskreuze vorüberzog, begrüßten sie dasselbe durch eine Salve mit dem Fcuergewehr, zur Danksagung, daß durch die Kraft des Kreuzes sie nun einen Boden betreten durften, wo früher kein Spanier sich durfte sehen lassen. Kurz hierauf kam P. Gonsalez und sein Gefährte ihm entgegen, und der Gouverneur, um vor den Wilden die Achtung zu bezeugen, die man Dienern Gottes schuldig ist, küßte beiden ehrfürchtig die Hand. P. Gonsalez ordnete nun diese Ortschaft und setzte Beamte darüber, wie es in den übrigen Re, 23 ductionen üblich war. Da verbreitete sich plötzlich das Gerücht, die, über die Ankunft des Gouverneurs und spanischer Soldaten erschrockenen Jndier versammelten sich, ihm den Rückweg abzuschneiden. P. Gonsalez hatte dieß vorausgesehen, und den Gouverneur gewarnt, der seine Furcht ein blindes Schrecken genannt hatte. Es erübrigte ihm also nichts, als in größter Eile sich zu entfernen, was er auch unter dem Verwand that, seine Geschäfte erlaubten ihm keinen längern Aufenthalt, und er sei nur gekommen, sie zu besuchen und sie seiner Freundschaft und seines Schutzes zu versichern. Er schiffte sich auch unverzüglich ein, ohne zu wissen, daß drei hundert Mann bei einem Orte ihm aufpaßten, wo er nothwendig vorüber mußte. P. Gonsalez aber, der sich mit ihm eingeschifft hatte, entwaffnete diese Jndier durch seine Beredsamkeit. Da nun der Gouverneur sah, daß die Waffen ihren Händen entfielen, trug er ihrem Oberhaupte, Tabacamde genannt, den Commando-Stab im Namen des Königs von Spanien an. Der Kazike aber antwortete ihm:»Ich befehle schon lange in diesem Lande ohne deinen Stab, und du kannst denselben behalten bis du Einen findest, der begieriger darnach ist als ich!« Nach dieser beissenden Antwort entfernte er sich; der Gouverneur aber, der dieser Gefahr entkommen war, welcher seine Unklugheit ihn ausgesetzt hatte, sah ein und bekannte, daß die Missionäre weit geeigneter wären als streitbare Heere, die Völker der neuen Welt zu besiegen. 23 r. Blühender Stand der Redactionen. Vergebliche Arbeiten Lei den Gnaycnrru's. Wunder bei der Taufe- Schwere Gefahre» der Missionäre und heldenmnthige Tugenden unter den neuen Christen. Eine große Anzahl Jesuiten kommt aus Europa an. Arbeiten bei den Lalchaqui's. Während die untern Gegenden am Parana auf solche Weise sich mit Christen bevölkerten, blüheten die Reductionen in Guayra mit den schönsten Hoffnungen für die Missionäre auf, welche derselben pflegten. Täglich wurden der Herde Christi neue Schäflcin beigezählt und noch schneller hätte das Christenthum daselbst sich verbreitet, wenn die Missionäre sich nur gegen Heiden hätten erwehren müssen; allein die Spanier dieser Provinz und die Portugiesen aus Brasilien wollten um jeden Preis Sclaven bekommen, und wir werden bald sehen wie schwer diese Reduktionen dadurch litten. Anderer Seits hatten die Früchte, die man von den Guay- curru's gehofft hatte, diesen Hoffnungen nicht entsprochen, und man sah sich zuletzt genöthigt, die Missionäre zurück zu berufen, die keine Möglichkeit vor sich sahen, dem Evangelium Eingang bei diesen Völkern zu verschaffen. Gleichwohl machten die Vä- ter Romero und Moranla noch einen Versuch; da aber bald hierauf die Feindseligkeiten zwischen dieser Nation und den Spaniern aus's neue ausbrach, kamen diese beiden Religiösen mehrmals in Gefahr, ungeachtet des Schutzes der Kaziken, Dom Martin 24 und Dom Juan, von diesen Barbaren ermordet zu werden. Endlich ward zu Assumtion beschlossen, so treffliche Arbeiter nicht länger den Launen dieser wüthenden Jndier preis zu geben, die es nicht möglich war, durch Güte zu gewinnen. Die genannten zwei Kaziken reisten nun auf der Stelle fort, ihre Klagen vor den Gouverneur zu bringen. Am Ende kam es jedoch zu friedlichen Vermittelungen und P. Montoya verblieb daselbst, dem Unterricht der Kinder und der Neubekehrten abzuwarten, falls einige sich meldeten; P. Romero aber drang tiefer in s Land und erwarb sich die Liebe einer großen Anzahl Guaycurru's in so hohem Grade, daß sie ihm den Namen eines ihrer ehemaligen Kaziken beilegten, dessen Andenken in hohen Ehren bei ihnen stand; was ihm Gelegenheit verschaffte, das Heil vieler Jndier zu sichern. Es kam aber auch der Herr mit einigen Zeichen seiner Allmacht zu Hilfe, die Hartherzigkeit dieser Jndier zu erweichen. Denn da man mehreren Sterbenden die heilige Taufe ertheilte, wurzelte das Vorurtheil bei ihnen ein, alle Neugetauften müßten alsbald sterben; und was immer die Missionäre ihnen hierüber sagen mochten, war vergeblich, bis endlich auf das Gebet des P. Romero einige Sterbenden, welchen er die Taufe ertheilte, die Gesundheit erlangten. Es hatten aber die Missionäre auch sehr Vieles von dem Aberglauben, der Wildheit und demUnbc- stand dieser Völker zu leiden; und kaum waren sie 25 einer Noth lind Verlegenheit entkommen, stand bereits eine andere vor der Thür. Bald stellte man ihnen nach dem Leben, bald ward ihr Ruf auf die schmählichste Weise angegriffen. Zuweilen waren jene ihrer Neubekehrten, auf die sie am meisten sich verließen, plötzlich verschwunden. Oft wurden sie von Wüthenden und Trunkenbolden mißhandelt, ja nicht selten von Solchen selbst verrathen, die dem Anschein nach, ihnen am meisten ergeben waren. Durch solche und ähnliche Leiden ward die Tugend dieser apostolischen Männer geläutert und gestärkt, und zog den Segen des Himmels auf ihre Arbeiten herab. Auch nahm das Werk Gottes auf anschauliche Weise zu, und ward um so fester begründet als es auf der Grundvefte des Kreuzes und der Trübsale ruhte. Die Anzahl der Gläubigen hatte nicht nur bedeutend zugenommen, sondern man sah auch bereits in diesen noch aufkeimenden Kirchen Beispiele von Tugenden, worüber die Hirten selbst erstaunten, und die sie reichlich für alle Drangsale entschädigten, die sie zu leiden hatten. Zumal war dieß der Fall in Guayra, wo nur die geringe Anzahl Arbeiter Ursache war, daß nicht die ganze Provinz sich unter das Joch des Evangeliums beugte. Zwar hätte man Jene dahin senden können, die bei den Guaycurru's vergeblich sich bemühten; doch warteten diese Missionäre in heiliger Geduld die Zeit ab, wo es dem Allerhöchsten gefallen würde, dieHerzen dieser Wilden zu rühren; und dann konnten sie sich auch nicht 2l» entschließen, die geringe Anzahl Derjenigen zu verlassen, die ihre Herzen dem Ruf der Gnade eröffnet hatten. Endlich erschien die längst und sehnlich erwartete Hilfe, die der Ordensgeneral P. Mutio Vittellcschi auf die dringende Bitte des Provinzials und der Bischöfe nach dem Paraguay sandte, und es kam P. Diana mit einer großen Anzahl Vater der Gesellschaft zu Buenos- Ayres an. Sie wurden mit unbeschreiblicher Freude empfangen, und P. Ornante ließ hierauf ohne Zögerung die Collegien zu Buenos- Ayres, zu Santafe und zu St. Michael eröffnen, welchen man bis dahin noch keine Professoren hatte geben können. Auch sandte er zwei Priester nach Estcco, welche Stadt seit langer Zeit um Jesuiten gebeten hatte, vervielfältigte die Arbeiter allenthalben, wo die Ernte am ergiebigsten war und bestimmte vier derselben zu einer Unternehmung, die er bloß aus Mangel an Gehilfen so lange verzögert hatte. Die Lalchagur's, die man so oft zur Ruhe gezwungen hatte, fingen nämlich ihre Feindseligkeiten aufs neue an, und man war in Tucuman überzeugt, daß sie leicht zu bändigen wären, wofern man es nur dahin bringen könnte, den Jesuiten einen beständigen Sitz in ihrem Thale zu erwirken. Sobald man also erfahren hatte, es seien derselben eine ziemlich große Anzahl angekommen, ward der Provin- zial dcßfalls ersucht, und er sandte auch die vier Missionäre, die er sich erwählt hatte, zu den Cal- 27 chaqui's ab, die sie sehr gut aufnahmen. Sie errich- teten auch zwei Kirchen daselbst, und durchzogen das ganze Thal; doch konnten sie auf diesen so langen und mühsamen Reisen nicht einen einzigen Pro- selyten gewinnen. Denn diese Völkerschaften, die durch ihre Kriege geschwächt waren, hatten die Missionäre nur deßhalb so gut aufgenommen, weil sie anfingen zu fürchten, die Spanier würden sie am Ende gänzlich unterjochen, und suchten nur Zeit zu gewinnen, die Gefahr abzuwenden. Sie zogen sich also in ihre unzugänglichen Wohnstätten zurück, und die Missionäre waren abermal genöthigt, sie der Verstocktheit ihrer Herzen zu überlassen. Während dieß in Tucuman vorging, durchwanderte P.Gonsalez die Gegenden um den Parana, dem Herrn neue Anbeter zu gewinnen; wiewohl ihm nicht unbewußt war, daß viele Bewaffnete auf ihn lauerten, und er auch oft nicht einen einzigen Neubekehrten fand, ihn auf so gefährlichen Wanderungen zu begleiten. Doch niemals zeigte dieser apostolische Mann größere Festigkeit, als wenn er von allen Menschen verlassen war; und oft entwaffnete sein bloßes Wort diese Barbaren. Leichter ward den Missionären in Guapra die Arbeit, wiewohl auch sie beständig dreierlei Feinden ausgesetzt waren; aus welchen der geringste eine ansteckende Krankheit war, die große Verheerungen in den Reduktionen anrichtete; doch hatten sie dabei den Trost, daß diese große Sterblichkeit immer eine Zeit der Ernte für den Himmel war. Der zweite Feind, der sie auf 28 furchtbarere Weise beunruhigte, waren die Inwohner von Villarica, die nichts außer Acht ließen, so viele Inwohner sie nur konnten, aus den Reduktionen zur Knechtschaft zu entführen und sie dabei auch oft um das Gut des Glaubens brachten. Dieser Verfolgung sie zu entziehen, hatte man die Reduktion jenseits des Paranapane versetzt; doch indeß man einem Feinde auswich, näherte man sich einem andern, den man noch nicht kannte, und dessen Nähe allen diesen neuen Kirchen bald ungeheures Unglück brachte. Dieß waren die Inwohner von St. Paulus von Piratininga, einem Städtchen der Provinz St. Vincenz in Brasilien, deren Ursprung und Charakter wir hier mit Wenigem bezeichnen wollen. 5. Ursprung der sogenannten Mamelucken in Brasilien. Verheerungen und Arglist dieses Raubgesindels. Aberglaube der Zauberei. Sagen der Indier von dem heilige» Apostel Thomas, der in diesen Länder» das Evangelium verkündigte. Nachdem die Portugiesen Brasilien erobert und die Stadt St. Vincenz am Ufer des Meeres erbaut hatten, sandten sie Colonicn in das Land aus; diese bauten daselbst Städte, aus welchen eine der berühmtesten St. Paul ist, die in einer Gegend angelegt wurde, welche von den Eingeborene» des Landes Piratininga genannt ward. Es nahmen daselbst durch die Thätigkeit der Missionäre aus der Gesellschaft Jesu eine große Anzahl Indier die christliche 29 Religion an; doch konnten sie ungeachtet ihrer eifrigsten Bemühungen nicht verhindern, daß in Kurzem das größteSittenverdcrbniß daselbst überhandnahm. Dieß Übel kam von einer benachbarten Eolonie, wo die Portugiesen mit den Brasilicrn sich vermischt hatten; denn aus dieser Vermischung ging ein verkehrtes Geschlecht hervor, dessen Ausschweifungen aller Art so gräßlich waren, daß man diese Mcstitzen mit dem Namen Mamelucken benannte. Was immer die Gouverneurs, die Obrigkeiten und die Jesuiten mit aller Unterstützung der geistlichen Oberhirten thun mochten, diesen Strom des Verderbnisscs aufzuhalten, war vergeblich; die Sit- tenlosigkeit ward allgemein, und die Mamelucken warfen bald alles göttliche und menschliche Ansehen ab. Eine große Anzahl Straßenränder verschiedener Nationen, Spanier, Portugiesen, Italiener und Holländer, die der Gerechtigkeit der Menschen entflohen und die Gerechtigkeit Gottes nicht fürchteten, gesellten sich zu ihnen; auch viele Brasilier liefen ihnen zu; und da die Raubsucht ihre herrschende Leidenschaft war, verheerten sie bald einen großen Theil des Landes auf die furchtbarste Weise. Sie zu bezwingen, hätte man ein zahlreiches Heer gebraucht, das weder Brasilien noch auch die Provinz Paraguay damals aufbringen konnte. Dazu hätten auch dicse beiden Nationen Eins seyn müssen, was jedoch niemals zu Stande kam. Es war dieß aber um so erstaunlicher, als das Land selbst alle Lebensbedürfnisse im Überfluß hervorbringt, und sie auf ihren Raub- 30 zügcn das elendeste Leben führten, unsäglichen Beschwerden sich preis gaben, in beständigen Gefahren schwebten, und überdieß Viele aus ihnen umkamen. Sie entvölkerten diese großen Länder von zwei Millionen Menschen; blieben oft Jahre lang aus; und viele fanden dann bei ihrer Rückkehr, daß ihre Weiber sich wieder verheiratet hatten. Unfehlbar wäre auch ihr eigenes Land ohne Inwohner geblieben, wenn nicht die Gefangenen, die sie von ihren Streifzügen mitbrachten, die Stelle Derjenigen ersetzt hätten, die nicht mehr von denselben zurückkehrten. Es hatten aber die Spanier im Paraguay nicht weniger als die indischen Völkerschaften von diesem Raubgesindel zu leiden. Doch waren sie selbst Schuld hieran; denn hätten siedle Reductionen unterstützt, nimmer hätten dann die Mamelucken diese Schranken durchbrechen können. Allein sie sahen in diesen neuen Kirchen nur einen Zaum, der ihrer Habsucht angelegt ward, und erkannten den Vortheil derselben erst, als diese Gränze zerstört und entvölkert war. Da aber die Mamelucken gleichwohl Anfangs einigen Widerstand bei diesen neuen Christen fanden, und sich in einem offenen Kampf nicht schwächen wollten, wendeten sie List und Betrug an, sie zu fangen. Eine Arglist, die ihnen Anfangs einige Zeit hindurch gelang, bestand darin, daß sie in kleinen Horden erschienen, deren Anführer wie die Jesuiten gekleidet waren. Dieß thaten sie nämlich in Gegenden, wo sie wußten, daß diese Missionäre ausgin- 3t gen, Nettberehr re zu gewinnen. Sie pflanzten also zuerst Kreuze auf, machten den Jndier», die ihnen aufstießcn, kleine Geschenke, gaben den Kranken Arzeneien; und da die Sprache der Guarani's ihnen geläufig war, ermähnten fie dieselben, Christen zu werden, und erklärten ihnen auch in kurzen Worten die wesentlichsten Lehren des Christenthums. Hatten sie dann durch solche Betriegerei eine bedeutende Anzahl versammelt, dann schlugen sie ihnen vor, sich an einem bequemen Orte niederzulassen, wo sie, ihrer Versicherung zu Folge, alles Nothwendige im Überfluß finden würden. Die meisten ließen sich auch von diesen Wölfen im Schafspelz fortführen, bis die Verräther endlich die Larve ablegten, die armen Betrogenen banden; die sich widersetzten, ermordeten; und die Übrigen mit sich davon führten. Indessen entkamen ihnen dennoch je zuweilen Einige, die dann durch ihre Erzählungen alles in Schrecken setzten; und bevor dieser Betrug entdeckt wurde, hielten die meisten Jndier diese Banditen für wirkliche Jesuiten; so daß diese Vätcr oft sehr großen Gefahren ausgesetzt waren und lange Zeit keinen einzigen Jndier gewinnen konnten. Ich weiß nicht, ob ich diesen Feinden der christlichen Republik auch die vorgeblichen Zauberer berechnen soll, die die Leichtgläubigkeit dieses Volks oftmals mißbrauchten, dasselbe zu verführen. So viel ist gewiß, daß sie starke Neigung zu diesem Aberglauben zeigen, und daß die äußerste Keckheit dieser Betrieger, dem Werke Gottes lange Zeit hin- 3S derlich war. Erst als die Missionäre großes Ansehen über die Gemüther dieses Volkes gewonnen hatten, war es ihnen möglich, dieß Unkraut völlig auszurotten. Es erging seit langer Zeit in diesen benachbarten Provinzen die Sage, und der Kazike Maraco- na, von welchem früher die Rede war, nebst Einigen der Angesehensten unter den Guarani's versicherten die Missionäre, sie hätten von ihren Vorältern gehört, daß ein heiliger Mann, Namens pay Zu- ma oder Hay Tuma in ihrem Lande den Glauben des Himmels gepredigt habe; Viele auch hätten damals diesen Glauben angenommen, und er habe ihnen bei seinem Abschied vorher gesagt, sie und ihre Nachkommen würden den Dienst des wahren Gottes wieder verlassen, aber nach vielen Jahrhunder, ten würden neue Gesandte des nämlichen Gottes mit einem ähnlichen Kreuze kommen und die Religion unter ihren Nachkommen wieder herstellen. Als nun einige Jahre später die PP. de Mon- toya und de Mendoza in die Gegend von Tayati vordrangen, von welcher später die Rede seyn wird, und diese Jndicr sahen, daß sie mit einem Kreuz in der Hand zu ihnen kamen, nahmen sie dieselben unter Äußerungen großer Freude auf; so daß diese Vä- ter sich höchlich darüber verwunderten. Da aber die Inwohner ihre Verwunderung sahen, erzählten sie ihnen diese nämliche Sage, welche Maracona den Vätcrn Cataldino und Maceta erzählt hatte; mit welcher auch noch eine brasilianische Sage übcrcin- 33 stimmt. Deßgleichcn werden auch auf einer Anhöhe bei Assumtion Spuren von den Füßen eines Mannes gesehen, deren man auch an einem Orte in Peru sieht, wo verschiedene Wunder von diesem pay Tu- ma erzählt werden, den man für den Apostel St. Thomas hält. 6. Sta>id der Redactionen am parana. Von der Land- ^aguapua. Erscheinung des p. Gonsalez daselbst. Nnerschrockenheit dieses vllissionärs und segensreiche Wirkungen seines Eifers. Vergebliche Arbeiten bei den Guaycurru's. Die Jesuiten arbeite» an der Bekehrung der Mohren. Die Reduktionen am Parana waren nicht minder schwer als die in Guayra geprüft worden. Die Hungersnoth war daselbst auf's Äußerste gestiegen, und die schlechten Nahrungsmittel hatten viele Krankheiten erzeugt, die eine große Anzahl Neophyten hin- wcgrafftcu. Das Übel hatte auch sonst weit um sich gegriffen und sogar viele der irrenden Jndier gelobtet. P. Romcro, den die Guaycurrus nicht mehr anhörten, kam dem P. Gonsalez zu Hilfe; und ihnen folgte-u kurzer Zeit ihr Provinzial, der ihr Vorhaben billigte, die neuen Niederlassungen bis zu dem Uruguay hinauf zu verlegen; in welchen eine Menge Flüsse sich ergießen, deren Ursprung nicht fern vom Parana ist, wohin die Spanier noch niemals vorgedrungen waren. Hierauf erhielt P. Romcro Befehl, eine Reduction in einer Gegend auzu- Paraguay II. Bd.'- 84 legen, Z?aguapua genannt, und es ward ihm P. Thomas de Urvenia beigegebcn, dem er die Begründung dieser Ortschaft auftrug, indeß er selbst umher reiste, das umliegende Land zu erkennen. Er bekam aus dieser Reise einen so starken Zuwachs an Neu- bckchrten, daß diese Reduktion nicht nur bald eine der stärksten in ganz Paraguay ward, sondern auch hundert Meilen im Umkreis alle Jndier geneigt schienen, das Christenthum anzunehmen. Das Land selbst ist eines der schönsten; es hielten sich einst viele wilde und reißende Thiere darin auf; doch wurden sie großen Theils erlegt und die übrigen verloren sich in entferntere Gegenden. Als die Spanier dahin kamen, war das Land sehr stark bevölkert; doch wäre es heut zu Tage ohne die christlichen Reduktionen beinahe Menschenleer. Dom Ferdinand Arias, Gouverneur von Paraguay, versuchte es i. I. 1610 daselbst Eroberungen zu,flachen; doch verschlossen die Jndier ihm den Eingang . dergestalt, daß es ihm nicht möglich war, cinzudrin- ' gen. Es war der Kraft des Kreuzes vorbehalten, diese Provinz Gott und den katholischen Königen zu unterwerfen. Als einige Jndier aus den Gegenden des Uruguay von der Glückseligkeit der Reduktionen um den Parana hörten, wollten sie mit eigenen Augen sehen was an der'Sache sei. P. Gonsalez nahm sie sehr freundlich auf und ihre Freude hierüber überzeugte ihn, daß er eine gute Aufnahme bei ihnen finden würde. Er schrieb also an seinen Provinzial, und 3* 85 wahrscheinlich kam derselbe, wie erinnert ward, auf dieß Schreiben dahin und bewilligte dem P. Gon- salez seine Bitte. Dieser aber begab sich dann mit mehreren eifrigen Neubekehrten bis zu dem kleinen Flusse Aracana der sich in den Uruguay ergießt. Kaum war er dort erschienen, so kam eine große Schaar Wilder, nackt von, Kopf bis zu den Füßen aus ihn zu, und riefen ihm von weitem, keinen Schritt mehr vorwärts zu thun, wofern sein Leben ihm lieb sei. Er aber schritt beherzt weiter und antwortete ihnen, er sei nicht von so weiter Ferne gekommen, um unverrichteter Dinge zurückzukehren; er komme gesandt von dem Schöpfer und allerhöchsten Herrn des Himmels und der Erde; und er wäre einer so erhabenen Gesandtschaft unwerth, wenn die Furcht vor dem Tode ihn abhielte, die Befehle des Allerhöchsten zu vollziehen. Diese wenigen Worte und sein unerschrockener Anblick wirkten, daß sie verstummten und unbeweglich schienen. Er näherte sich ihnen, erklärte ihnen in wenig Worten die vorzüglichsten Puncte der christlichen Religion; und ob er sie auch nicht überzeugte, so ward doch ihre Wuth dadurch einiger Maßen besänftigt. Als diese Barbaren sich entfernt hatten, da stellten seine Neubckehrten ihm vor, daß er bei weiterem Fortschreiten unnützer Weise sich einem gewissen Tode preis gäbe; und baten ihn sich zu entfernen, so lange es noch möglich wäre. Er aber entließ sie im Frieden, und behielt nur zwei Kinder bei sich, die ihn nicht verlassen wollten. Mit diesen über- 36 nachtete er in einem Walde, wo er am folgenden Tage die heilige Messe für das Heil der Judier las, an deren Heil er arbeiten wollte. Und steh, noch am nämlichen Tage bekam er einen Besuch von einem Kaziken, der seines Schutzes ihn gegen alle versicherte, die ihm Leides thun wollten- Ja, es suchte derselbe auch noch andere Kaziken auf und bewog sie, daß sie mit ihm gingen, einen ganz außerordentlichen Mann anzuhören, der nur friedliche Absichten zu haben schiene; und führte sie zu dem Diener Gottes. Sie aber wurden über seine Unterredung sehr erfreut, und der mächtigste aus ihnen, Namens Niezu, lud ihn ein, in seine Ortschaft zu kommen. Bald nach seiner Ankunft sah P. Gonsalez sich von einer Menge Jndier umgeben, welchen er Jesum Christum verkündigte. Sie hörten ihn mit Ehrfurcht an; und durch so guten Erfolg ermuthigt, pflanzte er ein Kreuz auf, vor welchem auf sein Beispiel alle niederknieten. Hierauf ging er weiter bis zu einem Orte, Ibitaragua genannt, wo er am 8. December 1620 die Grundveste zu einer Reduktion legte, welcher er den Namen Conception gab. Es begann auch dieselbe mit Neubekchrten sich zu bevölkern, die der unermüdliche Missionär in ihren Schlupfwinkeln aufsuchte. Indessen waren die Fortschritte dieser Kirche dennoch nur langsam, weil die Ungläubigen den Neubekchrten ohne Unterlaß wiederholten, der spanische Priester versammle sie bloß in der Absicht, seiner Nation sie als Sclaven auszuliefern; und es vergingen mehrere Jahre bis diese Furcht gänzlich verschwand. Uin dieselbe Zeit wurde diese große Landes- strccke in die Provinzen Paraguay und Rio de la Plala eingetheilt, wie man sie noch jetzt auf den Karten verzeichnet findet. Es bot aber die Stadt Affumtion, welche neuerdings von den Guaycurru's, und zwar mehr als je beunruhiget wurde, Alles auf, die Jesuiten dahin zu bewegen, daß sie durch die Hcrzenshärte dieser Wilden sich nicht abschrecken ließen; und sie erhielt auch von dem Provinzial, daß statt des P. Romero, der anderswo weit nütz. licher beschäftiget war, P. Joseph Orighi dahin gcjandt wurde. Dieser Missionär reiste auch auf der Stelle ab und ward ziemlich gut von den Guay- curru's aufgenommen; doch der ganze Trost, der ihm dort ward, beschränkte sich darauf, daß er den Kazikcn Dom Martin bei seinem Tode taufte; denn er hatte bis dahin gezögert, dieß Sacrament zu empfangen. Da sein Sohn, der längst getauft war und in großem Ansehen stand, ihm nachfolgte, hoffte P. Orighi, daß er durch sei» Ansehen und durch seine guten Beispiele die Bekehrung seiner Unterthanen erleichtern würde. Doch er irrte sehr; denn dieß Volk schien in eben dem Maße an Wildheit zuzunehmen als man seine Bildung sich mehr angelegen seyn ließ, und der Missionär sah sich endlich genöthigt sie zu verlassen. Derselbe Fall war auch damals bei den Calchagtu s, die immer froh waren, daß Jesuiten zu ihnen kamen, wenn sie Einiges von den Spaniern zu befürchten hatten, und immer verstockt zu den Einflößungen der göttlichen Gnade blieben. Es 38 beschäftigten sich aber zu dieser Zeit die Missionäre vielfältig mit dem Unterricht und der Bekehrung der Mohren, die man als Sclaven aus Afrika in diese Länder hatte kommen lassen, und die in kläglichem Zustande waren, ja von denen man oft nicht einmal wußte, ob sie die Tanfe empfangen hatten; was zu nicht geringen Verwirrungen Anlaß gab. 7. Verhältnisse der Jesuiten im Paraguay. Entdeckungsreise des p. Romero- Die Guaycurru's verlangen aber- mal Missionäre- Neue Redaction in Guayra- Was sich daselbst Wunderbares mit einem feindlichen Heere ereignet. Der Razike Tayaoba und seine Völkerschaft, pp. Montoya und Salazar bei diesen Menschenfressern. Ihre Entschlossenheit. Tod des p. Johannes Romero und des p. Filds. Fernere Entdeckungsreisen- Die pp. Gonsalez und Petrus Romero stifte» eine Reduction am piratini- Die Jesuiten wachten mit größter Sorgfalt für die Aufrechterhaltung der Freiheit ihrer Neubekehrten, die unter keinem Vorwand zu Commenden durften vergeben werden; und waren daher schwerem Hasse ausgesetzt; was bei den Missionären aus dem Franciscaner-Orden nicht eben so der Fall war, deren Kirchen wohl auch Reduktionen genannt wurden, doch zu Commenden vertheilt wurden. Übrigens hatten die Jesuiten um diese Zeit(1628) in allen diesen Provinzen blühende Collegicn, wo sie mit dem Eifer arbeiteten, der ihrem Institut eigen ist; 39 indeß P. Cataldino die Reduktionen in Guayra, und P. Gonsalez jene am Parana und auch die neu errichteten um den Uruguay regierten. 3>r eben demselben Jahre erhielt P. Mastrilli, ein Oheim des, durch seine Wunder und seinen Märtyrertod berühmten P. Marcellus Mastrilli in Japan, statt des P. Onnate die Leitung der Provinz Paraguay. Kurz vor seiner Ankunft hatte der Gouverneur von Rio de la Plata den P. Petrus Romero um eine Sache ersucht, die ihm sehr am Herzen lag; nämlich dem Uruguay bis zu seinem Ursprung nachzugehen; was dieser Missionär auch im Geleite eines einzigen Spaniers zu thun begann. Er begegnete allenthalben nackten Wilden, die von der Jagd lebten und ihn mit dem Tode bedrohten, dafcrn er näher käme. Er jedoch ließ sich nicht abschrecken und drang noch hundert Meilen bis zu den ersten Wohnungen der Guarani's vor. Seine Absicht war, von dort nach Conception zu kommen, wo er Neophyten zu finden hoffte; die ihn bis zu dem Ursprung des Uruguay führen würden; Jene aber, die ihn bis dahin geführt hatten, wo er sich nun befand, wurden des täglichen Laufens bei beständigen Gefahren müde und führten ihn gegen seinen Willen nach Conception zurück. Dort fand er den neu angekommenen Provin- zial P. Mastrilli, der ihn zu den Guaycurru's sandle, die neuerdings Hoffnung zu ihrer Bekehrung gaben und eine Gesandtschaft an ihn gerichtet hatten, ihn um Missionäre zu bitten. Da dieser Vater ihnen verhieß, daß er ihr Verlangen erfüllen wolle, da- fern sie ihren ungerechten Kriegen und beständigen Raubzügen entsagen wollten, verhießen sie ihm dieß feierlich; doch sah P. Romcro bald ein, daß ungeachtet seiner guten Aufnahme bei ihnen, diese Nation durchaus nicht geneigt war, Wort zu halten, und daß man sich niemals auf sie verlassen könnte. Bessern Fortgang hatten die Missionen in Guayra und weit nützlicher wäre dieser apostolische Mann daselbst verwendet worden. P. Cataldino hatte dort seit Kurzem eine neue Reduktion angelegt und die wüthendsten Wölfe in sanftmüthige Lämmer der Herde Christi umgewandelt. Er gab dieser neuen Kirche den Namen des heil. Franciscus Xavier. Es hatte aber ein Kazike der Umgegend, der ihm den Eingang hatte streitig machen wpllcq, dieß kaum erfahren, da sammelte er in kurzer Zeit ein starkes Heer und zog mit demselben wider drei Ordensmänner und einige unbewaffnete Neubekchrte aus und sprach, er wolle sehen, ob das Fleisch der christlichen Priester besser als das der andern Menschen wäre. Er war nur noch eine Stunde Weges entfernt, als P. Montoya Nachricht von seinem Anzug erhielt. Alsbald berichtete er dieß seinem Obern, der eben an der Kirche arbeiten ließ; dieser aber antwortete ihm mit großer Ruhe:»der Wille des Herrn geschehe!« und fuhr fort, den Arbeitern seine Befehle zu ertheilen. Der Kazike der Ortschaft war bei dieser Antwort zugegen; und über eine so große Seelcnstärke erstaunt und von Ehrfurcht für den 4! Diener Gottes durchdrungen, ging er auf der Stelle fort, begab sich zu den Feinden und sagte ihnen was er so eben gesehen und gehört hatte. Seine Absicht war, sie zu bereden, daß sie so achtbare Männer in Ruhe ließen; er erstaunte aber nicht wenig als er sah, daß auf seine Erzählung hin dieß ganze Heer von Schrecken ergriffen ward und sich augenblicklich zerstreute. Als man späterhin eine so schnelle Flucht ihnen zur Schande deutete, antworteten sie, die große Ruhe dieser Missionäre habe ihnen die Furcht eingeflößt, daß sie bald von einem weit stärkeren Heere als das ihrige würden überfallen werden. Indessen ward durch diesen Rückzug die Reduktion um so fester begründet; es siedelten sich darin über vierhundert Familien an; ja es kamen auch die meisten aus Jenen selbst dahin, die die Waffen zur Zerstörung derselben ergriffen hatten; und P. Cataldino verblieb daselbst, ihr die Gestalt der übrigen Reduktionen zu geben, und sandte seine beiden Gefährten auf eine Unternehmung aus, die weit schwieriger war als diese, die so glücklich zu Stande gekommen war. Es ward bereits erinnert, daß Billarica an dem Flusse Guibay, dreißig Meilen vor dem Einfluß desselben in den Parana liegt. Oberhalb dieser Stadt fließt der genannte Strom durch eine Landschaft, wo acht Guaranische Ortschaften an dem Ufer desselben erbaut waren. Es ist nicht möglich höher hinaufzukommen, weil bei der letzten Ortschaft der Strom so reissend wird, daß die Jndier mit ihren 42 Kähnen nicht fortkommen. Der vorzüglichste Kazike dieser Landschaft, Tayaoba genannt, hatte mit allen übrigen ein Bündniß geschlossen, die allgemeine Freiheit aufrecht zu erhalten, welcher sie bereit waren, Alles aufzuopfern. Übrigens waren diese Wilden so gierig nach Menschenfleifch, daß sie, wenn es ihnen an Feinden fehlte, oft Diejenigen aus den Ihrigen fraßen, die sie heimlich erwürgen konnten. Schon seit langer Zeit hatte Tayaoba inGuay- ra sich furchtbar gemacht, und darum nannten auch die Spanier jene ganze Gegend nach seinem Namen. Doch hatten sie alles Böse verdient, das er ihnen anthat. Einige Jahre vorher hatte ein Commissär ihn mit drei andern Kaziken in die Stadt Villarica gelockt, wo sie auf sein Wort sich hinbegaben. Statt der Geschenke aber, die man ihnen verheißen hatte, wurden sie gefesselt und in einen finstern Kerker geworfen, wo man sie zwingen wollte, eine bestimmte Anzahl ihrer Unterthanen heraus zu geben. Die Gefährten des Tayaobo wollten lieber Hungers sterben als das Geringste versprechen; er selbst war eben so standhaft, doch war er glücklicher; denn er fand Mittel zu entkommen und in seine Ortschaft zurückzukehren. Nun schwur er hoch und theuer, keinen Spanier unter keinem Vorwand mehr in das Land zu lassen und an allen sich zu rächen, die ihm in die Hände fallen würden. Man machte ihm je zuweilen ziemlich vortheilhafte Anträge; doch keiner der Abgesandten konnte bis zu ihm gelangen. Endlich glaubten sie, es würde dieß den Jndiern leich- 43 ter werden; und sie sandten derselben zu ihm; erließ sie kommen, erwürgte sie und fraß sie auf. Zu diesen Menschenfressern sandte P. Cataldino die Vater Montoya und Salazar. Als der Erste mit fünfzehn Neophyten in die erste ihrer Ortschaften kam, sah er sich alsbald von einer Schaar blutgieriger Barbaren umringt, auf deren Angesichtern die lebendigste Mordsucht ausgedrückt war. Da bereitete er alsbald seine Neophyten zuin Tode, gab ihnen die Lossprcchung und erklärte dünn den Wilden in wenig Worten die friedliche Absicht seiner Ankunft. Doch sie schalten ihn einen Verräther und bedrohten ihn mit dem Tode. Auf Anrathen seiner Neubekehrtcn entfernte er sich; er hatte aber kaum wenige Schritte gethan, so fiel ein Siegen Pfeile auf ihn; sieben seiner Christen fielen todt zu seinen Füßen, die übrigen retteten sich und wnirden sammt ihm bis zu dem Ufer eines Flusses verfolgt; wo im Augenblick zwei Greise mit einem Kah n angelangt waren, in welchen sie ungesäumt stiegen. Diese beiden Männer waren gleichsam aufgöttlichen Antrieb dahin gekommen; denn sie konnten selbst niemals den Grund angeben, der sie bewogen hatte, dorthin zu kommen. Sie sagten sogar, sio hätten in zwei Stunden einen Weg zurückgelegt, dlen die stärksten Ruderer schwerlich in zwei Tagen zurücklegen würden. Nun schien es wohl aller menschl ichens Klugheit gemäß, keinen fernern Versuch zu wagen, in diese Gegenden einzudringen, und P. M ontoya selbst tonnte dadurch, daß die Vorsehung seine Entfernung so sichtbar beschützte, den Schluß folgern, der Himmel überlasse dieß Volk der Härte seines Herzens. Doch nicht also urtheilte er, und richtete sich nicht nach dem Urtheil menschlicher Weisheit; denn er wußte als ein apostolischer Mann, daß das Blut der Märtyrer dem Glauben Wachsthum verleiht, fühlte sich mehr als je ermuthiget, sein Unternehmen zu Ende zu führen, und bald werden wir sehen, daß die Folgen ihn rechtfertigten. Um dieselbe Zeit, nämlich i. I. 1625 hatte P. Johannes Romero, von dem im Anfang dieser Geschichte so oft Erwähnung gethan ward, sein apostolisches Leben in Chili beschlossen, und der Herr, den er verherrlichet hatte, gab seiner großen Heiligkeit durch mehrere Wunder Zeugniß. Auch P. Filds, einer der ersten Apostel in Guayra, starb damals in einem hohen Alter und hatte noch, bevor Gott ihn berief, den Trost zu sehen, daß das Feld, welches er mit unsäglichen Mühen gebaut hatte, die reichlichsten Früchte zu tragen begann. Gleichwie aber Guayra, gab auch die Provinz Uruguay die reichsten Hoffnungen, und P. Petrus Romero, den der Gouverneur von Rio de la Plata so dringend gebeten hatte, den Ursprung des Uruguay aufzufinden, arbeitete daselbst mit dem unverdrossensten Eifer der Liebe. Da aber jene Sache dem Gouverneur noch immer dringend am Herzen lag, bat er nun den P. Gonsalez, diese Entdeckung fortzusetzen; und dieser machte sich auch in dieser Absicht mit dem 45 Kaziken Niezu und einigen Neubckchrtcn auf den Weg. Als sie nun nach ihrer Reise nach Buenos-Ayres kamen, dem Gouverneur Bericht zu erstatten, da empfing derselbe sie an der Spitze des Adels zu Pferde, und ließ das Militär vor ihnen paradieren; hierauf führte er sie unter Trompctenschall in die Statthal- tcrci, wo er ihnen Erfrischungen vorsetzen ließ, und dann in die bischöfliche Wohnung, wo er, den neuen Christen die Ehrfurcht zu zeigen, welche die Spanier den Fürsten der Kirche erweisen, vor dem Bischof sich niederkniete und ihm die Hände küßte. Dieß wirkte tief auf die Jndier; Niezu gelobte dem König von Spanien Gehorsam, und verhieß, darüber zu wachen, daß die Befehle des Königs und der Gouverneurs an allen Orten seiner Herrschaft vollzogen würden; unter der doppelten Bedingniß jedoch, daß man ihnen niemals andere Missionäre als die Vater der Gesellschaft Jesu senden, und keinen seiner Jndier dem Dienst der Spanier unterwerfen sollte; was ihnen auch feierlich verheißen ward. Nachdem nun alles geordnet war, reiste P. Gonsalez mit P. Ampucro und den Jndiern zu seiner Kirche zurück. Er gewann unter Weges noch zwei Völkerschaften, die sich unter den Bedingnis- sen, die dem Niezu bewilliget waren, seiner Leitung untergaben; und sein Erstes, als er zu Conception ankam, war, bequeme Gegenden zu suchen, diese beiden Reduktionen anzulegen. 46 Nach mancherlei Arbeiten, Beschwerden und Gefahren, schifften die beiden Missionäre sich auf dem Jbicuy ein, und als sie denselben etwa fünf und zwanzig Metten hinaufgeschifft waren, begegneten ihnen Jndier, die sie warnten, nicht weiter zu gehen, wenn sie ihr Leben liebten. Da sandte P. Gon- salez seinen Gefährten nach seiner Kirche zurück und setzte seine Reise allein fort; wobei er den Vorsatz faßte, die Landschaft Tape zu besehen, welche die Provinz Uruguay gegen Morgen schließt und sich bis an Brasilien hin erstreckt. Dieß Land ist eigentlich eine Gebirgskette von zweihundert Meilen in der Länge, und überhaupt sehr fruchtbar. Die Ta- pez selbst sind eine Colonie der Guarani's und von Natur aus ziemlich sanstmükhig, Sie wohnten in mäßig bevölkerten Ortschaften. Die Spanier nennen die Inwohner der Reduktionen überhaupt, bald Ta- pez, bald Guarani's. Es sah aber P. Gonsalez, der daselbst nicht wenige Lebensgefahren überstand, da die Inwohner aus Liebe zur Freiheit allen Fremden äußerst abgeneigt sind, bald ein, daß diese Landschaft für die Saat des Evangeliums noch nicht reif war, und kehrte nach ziemlicher Erkenntniß des Landes in seine Mission zurück. Dort erfuhr er, daß bei dem kleinen Flusse Pi- ratini eine Nation sich bereitwillig erklärte, ihn aufzunehmen. Er machte sich also mit P. Petrus Ro- mero auf den Weg, stieß aber bald auf zweihundert Jndier, die ihn zur Rückkehr nöthigen wollten. Er jedoch erklärte ihnen, daß er dieß durchaus nicht 47 thun würde, und fügte bei, er sei einzig in dieß Land gekommen, allen Menschen Gutes zu erweisen, und sie hätten nichts von ihm, ja auch nichts von den Spaniern zu befürchten, so lange er bei ihnen wäre. Diese Worte entwaffneten sie, sie führten ihn in ihre Wohnftätten und alle zeigten sich bereitwillig, ihn anzuhören. Der apostolische Mann benütztc diese gute Stimmung, gründete daselbst eine neue Reduktion unter dem Namen Lichtmeß, und beauftragte seinen Gefährten damit, der daselbst in kurzer Zeit über drei Tausende dieser Völkerschaft versammelte, die sich(laasapammas nannten. 8. p. Maceta errichtet eine neue Reduction. Bekehrung des Raziken Tayaoba, und Folge» derselben. Schändliches Benehmen der Spanier zu villarica. p. Mon- toya vereitelt ihre Absicht und stiftet die Reduction zu den Erzengeln. Das Volk der Gekrönten. Neue Reduction daselbst. Klugheit und Muth des s). Mendoza. Noch zahlreichere und wundersamere Bekehrungen erzeugten die Hoffnung, daß bald ganz Guapra, den Gesetzen des Evangeliums sich unterwerfen würde. Indessen hatte daselbst ein Kazike Guiravera genannt, einer der boshaftesten Menschen, die je die Erde trug, den Missionären den Untergang geschworen, und war zumal gegen P. Maceta ergrimmt. Dem Diener Gottes war dieß nicht unbewußt; um jedoch diesem Barbaren zu zeigen, daß er ihn nicht 48 fürchte, errichtete er eine Reduktion aus seinen nächsten Nachbarn, ja sogar aus seinen eigenen Unterthanen. Guiravera bot alles auf, diesem Unternehmen sich zu widersetzen; doch vergeblich; die Reduktion ward unter seinen Augen errichtet; achthundert Familien vereinigten sich daselbst und ihre Anzahl erwuchs bald zu viertausend Seelen. Es konnte aber Tayaoba, jener furchtbare Ka- zike, von dem bereits die Rede war, und der diese ganze Provinz beinahe als unumschränkter Herrscher regierte, die schnelle Verbreitung des Evangeliums in diesen Gegenden nicht ohne eine Art Achtung gegen die Missionäre ansehen. Er erstaunte über ihren Muth; und was man ihm von ihrer Heiligkeit erzählte, versetzte ihn in noch größeres Erstaunen. Um sich nun zu versichern, ob man ihn deßfalls nicht belöge, sandte er seine beiden Sohne mit einem, ihm untergebenen Kaziken nach St. Franciscus Lavier, wo sie einige Tage verblieben, ohne daß Jemand sie erkannte. Endlich erfuhr dieß dennoch ein Knabe, der dem P. Diaz Tanno diente, welcher diese Kirche lenkte, und hinterbrachte es ihm. Da ließ der Missionär sie zu sich einladen, und erzeigte ihnen große Freundlichkeit. Hierauf führte er sie auf den öffentlichen Platz, und fragte sie in Gegenwart aller Inwohner, die er daselbst hatte versammeln lassen, aus welcher Absicht sie hieher gekommen wären. Sie aber antworteten, sie seien bloß gekommen, sich zu belehren und ihrem Vater zu berichten welches Leben die Christen führten; so wie auch mit eigenen Augen zu I!) sehen ob denn wirklich wahr wäre, was man ihm von der Weisheit und den Tugenden der Missionäre erzählt habe.»Und was bedünkt euch von unsrer Religion?« fragte hierauf P. Diaz. Sie aber antworteten:»Sie bedünkt uns wunderbar, und gewißlich werden wir thun was an uns liegt, daß unser Vater sie allenthalben einführe, wo seine Gewalt hinreicht.« P. Diaz Tanno, den die Unbefangenheit dieser Jünglinge sehr erfreute, gab bei ihrem Abschied ihnen einige Geschenke und berichtete dem P. Mon- toya was geschehen war. Dieser Vorgesetzte der Misstonen in Guayra begab sich hierauf unverzüglich nach St. Franciscus Xavier. Dieß erfuhr Tayaoba, und ging mit seiner Frau, mit dreien seiner Kinder und einem großen Gefolge ihm entgegen. Sobald er ihn ersah, lief er auf ihn zu, umarmte ihn, und bat ihn, als seinen Jünger ihn aufzunehmen. Desgleichen stellte seine Gattinn ihm ihre drei Söhne vor und bat ihn um die nämliche Gnade für sich und ihre Kinder. Der Gottesmann liebkoste die Kinder, die noch sehr klein waren, und bezeigte den Ältern seine Freude, daß sie endlich der heiligen Wahrheit die Augen erschlossen hätten. Tayaoba lud ihn dann zu sich ein und bereitete ihm einen prächtigen Empfang; er fand sogar einige Triumphbögen aus seinem Wege dahin, und ward mit Musik empfangen. Sein Erstes aber war ein Missionskreuz au dem Flusse Quibay zu errichten; worauf er eine Reduktion entwarf und acht und Paraguay II. Bd./ 50 zwanzig kleine Kinder des Tayaoba taufte, die dieser Kazikc von mehreren Frauen hatte. Er wollte mit der Taufe der Erwachsenen so lange zögern, bis er dieselben genugsam geprüft hätte; doch der plötzliche Einbruch eines großen Heeres Barbaren, welchen Tayaoba bei solcher Überraschung nur eine ungleiche Macht entgegenstellen konnte, bewog ihn, seiner dringenden Bitte zu willfahren, und die Taufe ihm zu ertheilen. Es war aber die Ceremonie kaum vorüber, als der Feind erschien, der vorzüglich auf P. Montoya ausging. Tayaoba aber nöthigte diesen Vater, seiner Frau und seinen Kindern an einen Ort der Sicherheit zu folgen. Er selbst folgte ihm bald mit seinen Kriegern dahin, die sich tapfer gewehrt hatten; der Feind aber, welcher sah, daß P. Montoya ihm entkommen war, zog sich alsbald zurück. Hierauf kehrte der Kazike zur Reduktion und traf Vorkehrungen, derlei Überfällen für die Zukunft vorzubeugen; und die Reduktion ward in kurzer Zeit eine der blühendsten im Lande. Indessen sah man zu Villarica diese täglichen Bekehrungen der Jndier mit Schmerz, weil sie dadurch vom Frohndicnste frei wurden. Da aber die Spanier es dennoch für unschicksam hielten, dem Fortgang des Christenthums sich geradezu zu widersetzen, hatten sie den listigen Einfall und gaben vor, es sei billig, den Kazikcn Tayaoba an seinen Feinden zu rächen. Sie sammelten also ein kleines Corps; ihre eigentliche Absicht aber war, bei dieser Gele- St gcnhcit eine gute Anzahl Gefangener zu gewinnen, und sie zu Sclaven zu machen. P. Montoya bot alle Gründe auf, sie von diesem Zug abzumahnen; doch er sprach zu tauben Ohren. Es erübrigte ihm nur dieß Eine, daß er die Spanier begleitete, um sie von allen Gewaltthätigkeiten abzuhalten, die der Religion nachteilig werden konnten. Sie brachen endlich auf, und kamen in ein kleines Dorf, das verlassen schien. Ehe sie aber dessen sich versahen, wurden sie von Pfeilen umflogen, ohne daß sie Diejenigen sehen konnten, die solche auf sie abschössen. Endlich gaben sie Feuer; worauf die Feinde sich in einen Wald begaben, gleichwohl aber fortfuhren, die ,Spanier mit Pfeilen zu begrüßen. Da thaten Einige den Vorschlag, sich zurückzuziehen. Weil man jedoch die Wege nicht so gut kannte als der Feind, ward als ratsam erachtet, sich zu verschanzen, bis man Verstärkung aus Villarica erhielte. Dieser Rathschluß ward auch ausgeführt. Indessen aber vermehrte sich die Anzahl der Wilden mit jedem Augenblick, und sie hielten die Spanier so enge eingeschlossen, daß keiner aus ihnen sich durfte blicken lassen. Endlich wagten es die Wilden sie anzugreifen; nachdem sie aber ihre Pfeile verschossen hatten, feuerten die Spanier auf sie los, und die Neu- bckchrtcn des P. Montoya schlugen sie völlig in die Flucht. Statt nun Gott zu danken, der sie aus so dringender Gefahr errettet hatte, kamen die Spanier auf den Einfall, dieser neuen Christen, die ihnen so hilfreich beigcstandcn waren, als Sclaven sicb ä* 52 zu bemächtigen, weil sie keine ungetauften Jndier hatten fangen können. P. Montoya aber, der hieven heimlich benachrichtiget ward, ließ den Neubc- kehrten den Wink geben, sobald die Nacht anbräche, sich in die Gebirge zu begeben, und ihn daselbst zu erwarten. Da nun die Spanier ihren Anschlag auf solche Weise vereitelt sahen, begaben sie sich mit bitterem Groll im Herzen nach Villarica zurück. P. Montoya begleitete sodann die Neophyten nach St. Paul, von wo sie ausgezogen waren, und stiftete hierauf unter unsäglichen Mühen noch eine andere Reduktion, unter dem Namen der heiligen Erzengel. Es zeigte sich dabei der Schutz des Allerhöchsten sichtbar, denn alle, die dieser Unternehmung sich widersetzt hatten, kamen auf elende Weise um's Leben; und Tayaoba, auf dessen Einrathen P. Montoya dieselbe gestiftet hatte, half ihm dabei mit dem Eifer eines thätigen Missionärs. Es errichtete aber dieser apostolische Mann kurz hierauf noch eine andere Kirche nahe bei einer Völkerschaft, die den Namen die Gekrönten führen, weil sie ihre Haare wachsen lassen, und die sich Anfangs auf's äußerste widersetzt, und diese neue Colonie mit aller Gewalt hatten zerstören wollen, weil sie dieselbe als ein Werkzeug zur Zerstörung ihrer Freiheit angesehen hatten. P. Mendoza der dieselbe leitete, war dabei oftmaligen und sehr schweren Gefahren ausgesetzt; doch seine Weisheit und der Schutz Gottes half ihm aus allen Nöthen und besiegte alle Bemühungen der Barbaren. 53 Einige Zeit hierauf wurde diese Ortschaft und selbst die Reduktion St. Franciscus Lavier von einem Heer Wilder überfallen, die von den Gränzen Brasiliens gekommen waren, und sogar einige Neubekchrtcn gefangen nahmen. Auch hatten sie ein Dorf dieser Gekrönten geplündert, ziemlich große Beutegemacht und mehrere Gefangene davon geführt. P. Mcndoza aber rief alle seine Tapfern auf, ließ die cn Räubern nachsetzen; und es wurde ihnen alle Beute abgenommen und alle Gefangenen befreit. Dieser wichtige Dienst brachte die Wirkung hervor, die der Missionär sich davon verheißen hatte; zehn Kaziken der Gekrönten verlangten unterrichtet zu werden; da sie aber vor der Hand noch mit Feinden zu thun hatten, ward dieß Werk für einige Zeit verzögert; und wir werden den Verlauf desselben in der Folge sehen. S. Zinderiiisse an der Verbreitung des Evangeliums in Lhaco. Eroberung dieser Provinz. Es werden Missionäre dahin gesandt. Zolländer im Paraguay. Verräthe- rey des Niezu- Martern der pp. Sonsalez, Rodri- guez und Lastillo. Rrieg gegen die Mörder derselben. Sie werden geschlagen und die Verbrecher gerichtet. Da die Bekehrung der Guarani's, die, ungeachtet der größten Hindernisse aller Art, in verschiedenen Provinzen zugleich einen so erwünschten Fortgang nahm, hätte man allerdings schließen mögen, daß man mit gleichem Erfolg an der Bekehrung anderer Völker, und vielleicht des 54 ganzen Chaco zum Wohl der Religion und des Staates, arbeiten würde. Doch wurde diesen Völkern immerwährend Veranlassung zu dem Glauben gegeben, daß man sie nur unter das Joch des Evangeliums beugen wolle, um sie dann ihrer Freiheit zu berauben. Man wollte ihnen freilich späterhin diesen Irrthum benehmen; doch erst dann als es zu spät war. Der Vicekönig von Peru hatte Dom Ledesma Valderanna zum Gouverneur von Tucuman eingesetzt und ihm dabei zur Bedingniß gemacht, Chaco zu erobern, so wie nicht minder zwei Städte darin zu erbauen. Die Wahl des Vicekönigs hätte nicht trefflicher seyn können; denn Dom Ledesma war ein tapferer und dabei frommer nnd weiser Mann, der auch gar wohl einsah, wie wichtiges für ihn wäre, Missionäre zu seiner Hilfe zu haben. P. Mastrilli verhieß ihm auch derselben; doch sagte er ihm zugleich, daß sie, wofern sie mit einem Kriegcsheere einzögen, kein Vertrauen bei diesen Völkern erwerben würden; weßhalb er denn früher die Eroberung des Landes vollenden sollte. Der Gouverneur fand diese Rede gegründet, zog in Chaco ein, wo er eben keinen sonderlichen Widerstand fand, erbaute daselbst eine Beste, die bald zu einer Stadt erwuchs, welche er nach dem Namen des Vicekönigs Santjago von Ouadalcazar nannte. Ob er aber auch durch die strengste Manns- zucht und Freundlichkeit das Wohlwollen der Einwohner zu gewinnen suchte, war dennoch das 55 Höchste, was er erreichte, daß sie die Spanier nicht beunruhigten; hierauf schrieb er an P. Mastrilli und bat ihn, nun sein gegebenes Wort zu lösen; der Provinzial aber sandte alsbald den P. Gaspar Osorio an ihn ab. Dieser Missionär langte im August des Jahres 1627 daselbst an, und fand die Inwohner ziemlich friedfertig. Die Furcht vor den Chiriguancn hatte sie dahin geneigt, den Spaniern sich zu unterwerfen, in der Hoffnung, Schutz bei ihnen zu finden; auch schienen mehrere benachbarte Nationen der christlichen Religion nicht abhold, wenn anders er selbst sie leiten wollte. P. Mastrilli hatte nicht die Absicht gehabt, diesen Missionär lange allein in diesem Lande zu lassen; denn er hatte gegründete Hoffnung, neue Arbeiter aus Spanien zu erhalten; und wirklich langte auch im April des Jahres 1628 eine ziemlich große Anzahl derselben zu Buenos-Ayres an, wo sie mit großer Freude empfangen wurden. Kaum waren diese Missionäre angekommen, so erblickte man in dem Hafen daselbst ein Kriegsschiff ohne Flagge, dessen Schaluppe voll mit Leuten war, welche die Tiefe und Breite des Flusses maßen. Man sah wohl, daß es kein spanisches Schiff und daß es nicht allein war. Überdieß wußte man auch, daß die Holländer vor Kurzem Ähnliches in Brasilien gethan, und daselbst die Hauptstadt überrumpelt hatte». Es befahl also der Gouverneur alle» Waffenfähigen, die Waffen zu ergreifen. Doch 56 nach drei Tagen verlor sich das Schiff und man fand an dem Ufer des Fluffes eine Menge Abdrücke eines Manifestes in spanischer Sprache geschrieben und in Holland gedruckt, worin die Inwohner von Paraguay unter glänzenden Verheißungen aufgefordert wurden, das Joch des Papstes und des Königs von Spanien abzuwerfen. Um wieder auf das Vorige zurückzukommen, waren diese Missionäregerade zur rechten Zeit eingetroffen. Die Reduktionen vermehrten sich mit jedem Tage, und der Eifer, Seelen zu gewinnen, beseelte die Ncubekehrten auf ganz wunderbare Weise; so daß sie mit größter Freude allen erdenklichen Gefahren sich aussetzten, die Bekehrung der Heiden zu bewirken. Doch fehlte es gar sehr an Hirten, und die PP. Gonsalez und Romero sahen sich oft von einer ungeheuern SchaarGötzendiener umringt, die sie allenthalben hinberiefen. Sehr schmerzlich fiel es diesen Vätern, ihr Verlangen nicht befriedigen zu können, da sie ihre versammelten Herden nicht verlassen konnten. Sobald sie jedoch erfuhren, daß eine so große Verstärkung angekommen sei, setzten sie ihrem Eifer keine Gränzen mehr; und P. Gonsalez drang in die ungeheuern Waldungen von Caro ein, wo er sechzig Kazikcn antraf. Daer mehrerederselbengewann, entwarf er alsbald den Plan einer Reduction, wo sich an fünfhundert indische Familien aus der Nähe versammelten, die sämmtlich Unterthanen dcs Nreztt waren, welcher hier große Gewalt hatte. Dock' 57 von eitlem Stolze aufgedunsen, hatte dieser Barbar das Joch des Glaubens abermal abgeworfen, sich allenthalben furchtbar gemacht, und forderte nun göttliche Verehrung für sich. P> Goufalez, der die Hoffnung nicht aufgab, ihn wieder zu gewinnen, bewog ihn, mit in die neue Reduction zu gehen und Niezu ward auch über die Weise, wie er ihn dort aufnahm, so sehr gerührt, daß er bei seiner Rückkehr nach Hause eine Capelle und eine Wohnung für einen Missionär erbaute, welchen der apostolische Mann ihm verheißen hatte. Da er jedoch seine Lebensweise nicht änderte, sah P. Gousalez wohl ein, daß dieß keine so leichte Sachesei, und daß große Geduld und Standhaf- tigkeit zu seiner Bekehrung erfordert werde. Diese beiden Eigenschaften hatte er an einem jungen Missionär, dem P. Johannes Castillo wahrgenommen, den er zu Niezu führte, wo sie am 15. August 1628 eine Reduktion unter dem Namen Maria-Himmelfahrt errichteten, die P. Gousalez ihm übertrug. Hieraus drang er selbst tiefer in die Landschaft Caro ein, in welcher er am letzten Oktober desselben Jahres mit seinem Gefährten an einem Orte eintraf, wo mehrere Kaziken mit ihren Vasallen ihn erwarteten. Er errichtete daselbst ein Kreuz, taufte alle Kinder und fing an, die Reduktion einzurichten. Indeß aber der apostolische Mann die größten Hoffnungen hegte, Christum in diesem ganzen Lande angebetet zu sehen, erwartete ihn selbst die Marterkrone. 58 Ein unglückseliger Abtrünniger aus der Redaction St. Franciscus Lavier, der von allem Hasse gegen die Missionäre glühte, dessen ein Mensch fähig ist, der den Glauben verläugnet hat, flößte dem Niezu, dessen Gesinnungen er genau kannte, und dem er als einem Gott Weihrauch streute, die Wuth ein, an den Missionären sich zu rächen, die ihn so tief erniedrigt und um seine Anbeter gebracht hätten. Niezu aber, der nur eine Gelegenheit erwartete, die Larve abzunehmen, ward hierüber sehr erfreut und traf alle Anstalten, die Väter Gonsalez und Rodriguez zu meucheln; was auch am l5. November in der Frühe geschah, als diese Väter eben an dem Baue einer Kirche arbeiteten; worauf diese Barbaren allen Ausschweifungen sich überließen, die Kreuze in's Feuer warfen, die heiligen Gefäße entheiligten und alle gotteslästerlichen Gräuel begingen, die sich von wüthenden Barbaren erwarten lassen. Ein Greis, der noch Catechumen war, wagte es, ihnen dieß Verbrechen vorzuwerfen, und fragte sie, was sie je hätte bewegen können, so fromme Männer zu erschlagen, die ihnen nur Gutes erwiesen hätten. Dieser Eifer erwarb ihm die Bluttaufe, und er empfing die Martcrkrone mit ihnen. Die Mörder indessen, die ihre Gränelthaten mit einem feierlichen Gastmal beschlossen, kamen »ach demselben an den Ort, wo sie die zerstückten Leiber der Märtyrer in ein großes Feuer geworfen hatten, und erstaunten, daß dieselben beinahe gar 59 nicht beschädiget waren. Noch mehr wuchs ihr Erstaunen, als sie eine Stimme vernahmen, die aus dem Herzen des P. Gonsalez zu kommen schien und also sprach:»Ich habe euch zärtlich geliebt, und ihr habet mich dafür grausamer Weise gelobtet. Schwer werdet ihr diesen Mord büßen; dennoch aber werde ich euch nicht verlassen, und euch noch Beweise meiner Liebe geben!« Es wollten aber die Neubekehrten, die über die Nachricht von dem Tode dieser Väter in die tiefste Betrübniß versanken, denselben aufdie furchtbarste Weise an den Barbaren rächen; doch hielt ihr Missionär sie hiervon zurück und sagte ihnen» die Religion fordere für das Blut der Märtyrer keine andere Rache als die Bekehrung ihrer Verfolger. Die Christen gehorchten; machten sich aber alsbald in bewaffneten Schaaren auf und holten die kostbaren Überreste dieser Märtyrer Christi ab, wobei sie der Rache sich nur schwer enthielten, die sie dabei leicht hätten ausüben können, da die Feinde nicht vereint, sondern zerstreut waren. Hierauf wurden die Gebeine beider bestattet und die Frömmigkeit und die schmerzlichen Thränen der Neophy- ten waren die größte Pracht dieser Leichenfeier. Es war aber der Blutdurst des abtrünnigen und gottlosen Niezu noch nicht gestillt; er stellte auch andern Missionären nach dem Leben, und jener Abtrünnige, Hotirava genannt, der ihn zu dem Mord der beiden Väter verleitet hatte, übernahm es mit einem andern Kazikcn, seinen Befehl auszu- «0 führen, und den P. Castillo zu meucheln, der noch nichts um die Marter seiner Vorgänger wußte. Dieser Missionär nahm die Ankömmlinge mit Freude auf, betrachtete sie als Neophyten, die der Himmel ihm zugesandt hätte, umarmte sie und machte ihnen kleine Geschenke, als er sich auf einmal gebunden fühlte. Nach vielen und schweren Martern, die sie ihm anthaten, durchschossen sie ihn endlich mit Pfeilen, stachen ihm die Augen aus und schlugen ihn vollends mit Keulen todt. Dieser Missionär war erst 33 Jahre alt, und seine Marter geschah am 27. November des Jahres 1628. Niezu, der den Dienern seiner Wuth alsbald nachfolgte, ließ die Kirche in Brand stecken, die heiligen Gefäße zerbrechen, und zog dann die prie- sterlichen Gewände an. Hierauf erklärte er Den, jenigcn, die ihm folgten, sie hätten nun keine Verheerung ihrer Felder mehr zu befürchten, könnten derMeiber so viele nehmen als sie wollten, und er hoffe nun sicherlich, daß Niemand mehr sich unterfangen werde, seine Gottheit ihm streitig zu machen. Hierauf ließ er sich alle getauften Kinder vorführen, wusch ihnen den Kopf mit warmem Wasser, rieb ihnen die Zunge mit Salz und schabte sie mit einer Muschel, des sicheren Glaubens, er habe sie dadurch entlauft. Sodann gab er Befehl, den folgenden Tag nach St. Nikolas, an dem Flusse Piratini zu gehen, die Väter de Aragon« und Clavic zu ermorden; die sie jedoch daselbst nicht fanden, denn ihre Neu- bekehrten, welche erfahren hatten, was vorgegangen war, hatten sie in Sicherheit gebracht. Da nun diese Wüthenden sie nicht antrafen, rissen sie ihre Wohnung nieder und warfen Feuer- brände in und auf die Kirche, die nur von Stroh aufgerichtet war. Doch wie sehr immer sie sich bemühten, die Kirche in Brand zu stecken, blieben alle ihre Anstrengungen ohne Erfolg. Während sie aber ihre Bemühungen deßfalls verdoppelten, hatte sich eine große Anzahl wohl bewaffneter Neophpten versammelt, die sie, nachdem sie mehrere aus ihnen getödtet und verwundet hatten, zum Rückzug zwangen. Dieser Erfolg crmuthigte sie, und die christlichen Kaziken versammelten indessen auf die Bitte der Missionäre ein Heer und beschlossen, diese Heiden förmlich zu bekriegen. Der Kazike Neangiürra zog gegen den Piratini hin, wo er Verstärkung erwartete. Indessen erfuhr man daß Niezu die indischen Völkerschaften, die dem Meer am nächsten waren, aufforderte, sich mit ihm zu vereinigen. Neanguirra aber, zu welchen indessen die Verbündetengestoßen waren, befand sich wenige Tage hierauf bei Sonnenaufgang im Angesicht eines großen Heeres, das Niezu in eigener Person befehligte. Ob sie aber auch weit schwächer waren und mit ihm sich nicht messen konnten, gab dennoch Neanguirra das Zeichen zum Angriff, und sie überfielen das feindliche Heer mit unerhörter Tapferkeit, bedeckten das Schlachtfeld mit Todten und zwangen die Übrigen in die Flucht. Niezn floh; und man erfuhr späterhin, daß er einer Schaar umherstrcifendcr Jndier in die Hände gefallen war, die ihn ermordeten. Indessen war die Niederlage des Niezu nur ein Vorspiel eines weit vollkommneren Sieges, der hierauf erfolgte. Denn indeß Neanguirra mit seinen wenigen Tapfern die Verschworenen in die Flucht schlug, erhob man in Guayra und bei dem Parana eine starke Armee, die Ruhe und Sicherheit der Provinz Uruguay wieder herzustellen. Ein portugiesischer Edelmann, Emmanuel ssabral genannt, der zu Sanct Johann dc Eorrientes wohnte, stellte auf eigene Kosten eine Escadron spanischer Reiterei; und da P. Borea die Stadt Assumtion nicht dahin stimmen konnte, den Christen zu Hilfe zu kommen, erhob er in Guayra ein beträchtliches Heer und führte dasselbe an den Fluß Piratini, den Cabral als den Sammelplatz des christlichen Heeres bestimmt hatte. Als nun hierauf fünfhundert feindliche Jndier nach Lichtmeß kamen, den Missionär zu entführen, ließ er sie herbei nahen, ohne sich zu entdecken; als sie aber dessen am wenigsten sich versahen, überfiel er sie so plötzlich, daß sie alle Ordnung verloren und trieb sie, ohne ihnen Zeit zu lassen, in einen Wald, wo sie von allen Seiten umringt waren; denn Ncan- guirra, der in der Nähe war, eilte bei dem Muske- tenfeucr herbei, fiel sie vom Rücken an, tödtete eine große Anzahl und nahm derselben fünfzig gefangen, unter welchen sich zwei Kazikcn und verschiedene andere aus Denjenigen befanden, die den größten Theil der Schuld an dem Tode der drei Missionäre trugen. Am folgenden Tage begaben sich die Sieger nach der Reduktion von allen Heiligen, wo Cabral die Oberhäupter versammelte, den Gefangenen das Urtheil zu sprechen. Vergeblich stellten die Jesuiten vor, sie könnten nimmcrmebr einwilligen, daß man, den Tod ihrer Bruder zu rächen, das Blut Derjenigen vergösse, für deren Bekehrung sie bereit wären, das ihrige bis auf den letzten Tropfen zu vergießen; sie erhielten zur Antwort, sie dächten und handelten wie es ihrem Stande geziemte; doch sollten sie Andere nach den Gesetzen der Gerechtigkeit handeln lassen. Sie bestanden auf ihrer Bitte; und Dom Cabral schlug einen Mittelweg ein, ließ nur zwölf der strafbarsten Verbrecher henken, und begnadigte die Übrigen, nachdem er ihnen früher das Versprechen abgenommen, daß sie nie mehr die Waffen gegen die Christen führen würden. Potivara, der erste Urheber des Übels hatte sich geflüchtet; doch es lieferten selbst die Ungläubigen ihn aus, und er ward auf der Stelle gerichtet. Einer der Mörder bestätigte das Wunder jener Stimme und sagte, er erkenne die Erfüllung der Weissagung des heiligen Märtyrers in allen Puncten. 64 W. Apostolische Arbeiten der pp. Montoya m,d Tanno Lei den Gnalachen. Ihr Benehmen gegen den grausamen Raziken Guiravcra und gegen die Mamelucken, welche die Aeduckion von der Menschwerdung überfallen. Neue Aeductionen. Bekehrung der Jndier, die Niezu verführt hatte, und des Naziken Guiravera. Während diese Dinge in der Provinz Uruguay vorgingen, wendeten die PP. Montoya und Diaz Tanno, nach fester Begründung der Kirche, die sie in der Landschaft des Tayaoba gestiftet hatten, ihre Blicke zu den Gualache's, welche von Einigen auch Guanoa's genannt werden; wiewohl diese offenbar ein anderes Volk sind. Diese Gualache's hatten keine Verbindungen mit ihren Nachbarn, lebten, ohne Feldbau, bloß von der Jagd und hatten allen benachbarten Völkern sich furchtbar gemacht; niemals hatte ein Europäer sich dürfen bei ihnen sehen lassen. Indessen hatte die Bekehrung des Tayaoba, der sie auf schreckliche Weise bekriegt hatte, ihnen erhabene Ansichten von der christlichen Religion eingeflößt; und sie sandten zwei Abgeordnete an P. Montoya, ihn zu sich einzuladen; der auch, die gute Stimmung dieser Völkerschaft nicht erloschen zu lassen, mit P. Diaz Tanno sich dahin begab, wo sie auf zwei verschiedenen Wegen, und unter oftmaliger Gefahr von streifenden Horden Menschenfressern verzehrt zu werden, endlich ankamen. Als sie nun zusammen trafen, da fanden sie das Land in größtem Elende, denn die Pest wüthete daselbst; 65 und sie tauften einige Sterbenden, die sie ohne sonderliche Mühe vorbereiteten. Sie durchzogen hierauf das Land und ihre Arbeiten wurden so sehr vom Herrn gesegnet, daß sie in kurzer Zeit zwei Reduktionen und darunter eine bei einem Kaziken, Namens Lurita anlegten, der die Spanier oft in großes Schrecken versetzt hatte. Als dieß zu Villarica kund ward, da erstaunten alle höchlich über ein so außerordentliches Werk, das man als ein abenteuerliches Unternehmen betrachtet hatte; und man konnte nicht begreifen, wie diese Vater bei einem so wilden Volke, ja bei Eurita selbst, der als der wildeste und grausamste Kazike bekannt war, mit so großer Ehrfurcht waren aufgenommen worden. Ihr Erstaunen aber erreichte den höchsten Grad, als sie erfuhren, was diese Mis, sionäre nun eben im Sinne hatten, um die ganze Nation unter das Joch des Herrn zu bringen. Es war schon früher von Guiravera, einem Kaziken die Rede, der einer der mächtigsten in ganz Guayra war, aber auch dem Christenthum sich am heftigsten widersetzte. Seine Grausamkeit war so groß, daß die Spanier ihn nur den Vertilger nannten. Seine Lieblingsspeise war Menschenfleisch, und alle Zauberer des Landes betrachteten ihn als ihr Oberhaupt. Oft hatte er gesagt, der größte Gc, fallen, den man ihm erweisen könne, wäre den Missionär zu tödten, aus welchem er sich ein Lieblingsgericht bereiten wolle; man mag daher schließen, in wie großer und beständiger Gefahr dieser Paraguay II. Bd.". Diener GotteS schwebte. Indessen hatte Guiravera dennoch eine Art Hochachtung für die Jesuiten, und lobte zuweilen ihre Tugend und ihren Muth; weil er sich aber göttliche Ehre erzeigen ließ, fürchtete er, von dieser hohen Stufe herabzufallen, wofern die christliche Religion die herrschende des Landes würde. Gleichwohl hatte er großes Verlangen, den P. Montoya zu sehen, den er für einen außerordentlichen Mann hielt; und als dieser Missionar einst in der Reduktion St. Paulus war, da kam er unversehens und rief mit lauter und fürchterlicher Stimme, er sei der große Kazike Guiravera. P. Montoya indessen erachtete als rathsam, seine Hoffart zu demüthigen, und ihm zu zeigen, daß er ihn nicht fürchte, wiewohl er von einer bewaffneten Schaar begleitet war. Er stand also nicht auf vor ihm, sondern blieb neben P. Maceta auf dem öffentlichen Platze sitzen und winkte dem Kaziken, sich auf eine Bank zu setzen. Hierüber ward Guiravera betroffen, setzte sich jedoch, stand aber bald wieder auf und besah die Ortschaft. P. Montoya begleitete ihn nicht, ließ aber zwei Ochsen schlachten, womit er ihn und sein Gefolge bewirthete. Da der Missionär gegen das Ende der Mahlzeit bemerkte, daß der Kazike den Argwohn hegte, man wolle ihn festhalten, sprach er ihn also an: »Fürchte dich nicht, Guiravera; wir selbst sind bereit zu sterben, dem allerhöchsten Gott, der uns gesandt hat, Anbeter zu gewinnen. Wir wissen 67 recht wohl, daß du gern an unserm Fleische dich ev- sättigen möchtest; aber wir stehen unter dem Schutz des Allmächtigen, und sind nur gekommen, ewige Glückseligkeit Denjenigen zu verschaffen, die Ihm, ihrem Schöpfer dienen. Du giltst hier als ein großer Mann, und bist so sehr verblendet, daß du dich selbst für einen Gott hältst. Dennoch bist du nur ein sterblicher Mensch wie ich, und bald werden unsre Leiber in Staub und Asche zerfallen. Unsre Seelen aber sind unsterblich und werden zu Gott zurückkehren. Doch wehe dem, dessen Seele so schändlich befleckt erscheinen wird als die Deinige; denn Er wird sie in ewiges Elend stürzen! Du bist nicht der Erste, der so thöricht war, sich für einen Gott zu halten. Aber wie kannst du je als ein kluger Mann erachten, du seist der Schöpfer des Weltalls? Kennst du denn auch nur den tausendsten Theil desselben? Sieh wohl zu, daß du die Ehre des Allerhöchsten dir nicht anmaßest; denn Er ist höchst gerecht und eifersüchtig auf seine Ehre! Doch ist Er auch höchst barmherzig gegen Jene, die ihre Schuld bereuen. Darum, wenn du weise bist, so folge meinem Rath und gib dich nicht unendlichem Elend preis!« Diese Rede machte geringen Eindruck auf den Barbaren, und er sagte kaltblütig, er werde sich besinnen. Einige aus seinem Gefolge aber sagten dem Missionär heimlich, er möchte ihnen Einen seiner Brüder senden; und sie wollten seiner Leitung gcrn folgen. Der Missionär gab ihnen die besten 68 Hoffnungen dazu; und da ihm sehr daran gelegen war, den Kaziken zu gewinnen, ließ er bei seinem Abschied ihm große Ehren erzeigen, was ihn um so mehr erfreute, als er dessen sich nicht versehen hatte. Es wollte der Diener Gottes ihm sogar einen Gegenbesuch geben, als er auf einmal erfuhr, die Mamelucken seien über den Fluß Tabariva, nahe bei Sanct Franciscus Tavier, gegangen und bedrohten alle Reduktionen in Guapra zu überfallen. Das Übel war noch größer als das Gerücht solches verbreitete. Die Mamelucken hatten die Reduktion der Menschwerdung überfallen, wo der Schrecken alle Inwohner ergriffen hatte; die Neubekehrten hatten die Flucht ergriffen, und eine Menge aus ihnen, die aus dem Felde arbeiteten, waren gefangen genommen worden. P. Montoya eilte herbei, rieth'den Christen, zu den Waffen zu greifen und die Feinde zur Rückgabe ihrer Brüder zu zwingen; doch sandte er früher die Vater dieser Reduktion mit einigen der Angesehensten an die Oberhäupter dieser Straßenräuber ab. Sie waren ihnen aber kaum nahe gekommen, so schössen dieselben eine Menge Pfeile und Feuergewehre auf sie ab, und Einer der Neophyten fiel todt zu ihren Füße» nieder. Auch P. Mendoza ward verwundet; drang aber dessen ungeachtet bis zu dem Commandanten vor und rieth ihm, sich zurückzuziehen, wofern er es nicht alsbald mit allen Jndiern der Reductionen zu thun haben wolle. Er verlangte auch die Gefangenen zurück, und wiewohl diese Bitte ihm versagt «9 ward, ging er dessen ungeachtet mit seinen Begleitern hin, befreite sie und führte sie mit sich davon, ohne daß ein Mensch es wagte, sich ihnen zu widersetzen, denn das ganze Heer war gleichsam vor Erstaunen gelähmt. Es entfernten sich auch diese Räuber, und man hörte ziemlich lange nichts mehr von ihnen; diese Zeit der Ruhe aber ward sehr sorgfältig verwendet. Denn es wurden während dieser Zeit bei den Gekrönten, von welchen bereits die Rede war, eine Reduction unter dem Namen Sanct Michael errichtet; P. Mvntoya selbst stiftete kurze Zeit hernach eine andere bei den Jbiguani's unter dem Namen Sanct Antonius; und da mehrere Kaziken, die Vasallen des Guiravera waren, den P. Diaz Tanno dringend ersuchten, eine ähnliche Niederlassung bei ihnen zu gründen, versammelte er sie auf einer Anhöhe, der Kirchhof des Pay Zuma genannt, wo der Sage zu Folge der heilige Thomas die Christen hatte begraben lassen; und diese Reduktion, wo achthundert Familien sich versammelten, ward nach dem Namen dieses heiligen Apostels benannt. Ja das Werk Gottes griff so sehr um sich, daß im Jahr 1629 als P. Franciscus Vasquez Tru- rillo in Paraguay ankam, das Provinzialat statt des P. Mastrilli zu übernehmen, der sich nun in Peru befand, bereits ein und zwanzig Reduktionen in Guayra, auf dem Parana und in Urugay gegründet waren; wiewohl einige derselben erst anfingen aufzublühen. Und waren auch manche dieser 70 neuen Christen noch nicht ganz von ihren alten lasterhaften Gewohnheiten frei, so war es doch auch nichts Seltenes Beispiele heroischer Tugenden, zumal in.den ältern Reduktionen zu sehen. Um dieselbe Zeit auch gaben die Jndier, die Niezu verführt hatte, Zeichen großer Reue. Dieß erfuhren die Missionäre, suchten sie auf, fanden sie alle von tiefem Schmerz durchdrungen und bereit, alles zu thun was immer man von ihnen fordern würde. Die Diener Gottes trösteten sie, ermähnten sie zu Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, und sagten ihnen, daß sie wegen ihrer getödteten Brüder nicht sowohl sich rächen wollten, als sie ihr glückseliges Looö beneideten. Hierauf ließen sie ein Kreuz aufrichten, und alle versammelten sich, den gekreuzigten Erlöser anzubeten und verhießen feierlich, alles wieder in die vorige Ordnung zu bringen. Auch erzeigten sie dem P. Provinzial, der hiervon benachrichtiget, selbst herbei kam, die größten Ehren, und alle mit Frauen und Kindern fielen ihm laut weinend zu Füßen und baten ihn um Gnade und Verzeihung. Der Provinzial selbst hierüber bis zu Thränen gerührt, umarmte die Oberhäupter und sagte ihnen, er könne eine so glückselige Umwandlung nur der Fürbitte der Märtyrer zuschreiben; erinnerte sie, daß die Stimme aus dem Herzen des P. Gonsalcz, der sie so sehr geliebt hätte, sie versichert habe, er würde sie nicht verlassen, und daß er nun unsichtbar gekommen sei, sein Wort zu lösen. Diese Antwort wirkte so tief auf sie, baß alle laut 71 aufschluchzten und sich entfernten, ohne ein Wort sprechen zu können. Am folgenden Tage las P. Trnrillo die heilige Messe an der Stelle, wo P. Gonsalcz sein Opfer vollbracht hatte; taufte hierauf eine große Anzahl Kinder, machte den Oberhäuptern Geschenke, nannte diese neue Kirche nach den drei japanischen Märtyrern und bestellte den P. Orighi als Hirten darüber. Um dieselbe Zeit aber gründete P. Boroa eine neue Redaction an dem Einfluß des Tabati in den Uruguai; so wie im folgenden Jahre die PP. Mon- toya und Maccta in denLändcreicn des Guiravcrra. Dieser Kazike widersetzte sich Anfangs der Gründung dieser Ortschaft nicht, als er aber sah, daß alle, die ihm früher die größten göttlichen Ehren bezeugt hatten, in großer Anzahl nach dieser neuen Reduktion eilten, geriet!) er darüber in Wuth. Man hinterbrachte dem P. Maceta, der daselbst allein verblieben war, sein Leben sei in großer Gefahr; doch sein Eifer ward dadurch nur um so lebendiger. Mehr als Ein Mal hielt er durch seine Festigkeit die Ausbrüche der Wuth dieses Kaziken zurück, gewann ihn endlich selbst und bekehrte ihn zum Glauben Christi. Und lange prüfte er ihn bevor er ihn der Anzahl der Christen beirechncte; und erst als er diese Proben dergestalt bestanden hatte, daß daraus seine aufrichtige Bekehrung unzweideutig hervorging, ertheilte er ihm das Sacramcnt der Wiedergeburt und gab ihm den Namen Paulus. 72 11. Einfalle der Mamelucken in die Reduktionen. Verheerungen derselben. Sie führen die Inwohner in die Gefangenschaft ab. Thätiger Liebeseifer der Missionare bei dieser Gelegenheit. Sie fordern die Befreiung der Ihrigen von dem portugiesischen Gouverneur. Ver- geblichkeik ihrer Bemühungen. Einige Zeit vorher war Dom Ludwig de Ees- pedes von Spanien abgereist, um seine Stelle als Gouverneur im Paraguay anzutreten. Er landete gegen alles Verbot in einem Hafen Brasiliens, um sich von dort zu Lande nach Assumtion zu begeben; und er befand sich eben in der Reduktion zu St. Paulus von Piratininga als neunhundert Mamelucken und zweitausend Jndier sich anschickten, unter dem Commando des Anton Rasposo, eines ihrer berühmtesten Anführer, nach Guayra einzudringen. Als er nach Loretto kam, ließ P. Montoya ihm große Ehren erzeigen; er jedoch behandelte diesen Missionär mit sehr harten Worten, die er schweigend übertrug; nichts desto minder erstaunte dieser Gouverneur über die wundersame Ordnung, die er in dieser Reduktion antraf. P. Montoya bat ihn dringend um Beistand gegen die Feinde, die, allem Vermuthen nach, von dieser Seite eindringen würden; er aber schlug sie ihm rund ab; was ihm späterhin vom königlichen Rath in indischen Angelegenheiten zum Verbrechen angerechnet ward. Das Ereigniß zeigte leider, wie wahr P. Montoya gesprochen hatte; und P. Mola, 73 der zu St. Anton war, hielt sich bereits gefaßt, vor allen andern angegriffen zu werden. Wirklich erschienen diese Räuberhorden daselbst, machten alles nieder was sich ihnen widersetzte, erwürgten sogar am Altar Diejenigen, die daselbst eine Zufluchtstätte gesucht hatten, legten die Oberhäupter in Fesseln, plünderten die Kirchen; und da Einige in die Wohnung des Missionärs traten, wo sie große Beute zu finden hofften, und nichts anderes als einen abgetragenen Talar und wenige zerrissene Wäsche fanden, zeigten sie solche den Jndiern und sagten ihnen, sie wären wohl rechte Thoren, daß sie Fremdlinge zu ihren Herren annähmen, die nur in ihr Land kämen, weil sie in ihrem eigenen nichts zu leben hätten. Besser würde es ihnen in Brasilien ergehen, wo es ihnen an nichts fehlen würde und sie nicht genöthiget wären, ihre Hirten zu ernähren. Diese Belehrung kam ein wenig spät; denn sie trugen solche Leuten vor, die sie gefesselt hatten, nachdem sie früher ihre Ältern, Verwandten und Mitbürger vor ihren Augen ermordet hatten. Da sie ihre grausamen Gewaltthätigkeiten un, ablässig fortsetzten, beschwor P. Maceta den Befehlshaber und fiel sogar vor ihm auf die Knie, ihn zu bitten, der Wuth seiner Leute Schranken zu setzen und der Unschuld und Einfalt dieser armen Jndier zn schone». Seine Bitten und Thränen hatten oftmals die Menschenfresser entwaffnet; doch er erfuhr hier, daß das Herz solcher Christen, die alle göttlichen und menschlichen Gesetze mit Füßen treten. 7i härter denn selbst das Herz der wildesten Barbaren ist. Die Missionäre riethcn in dieser großen Noth, ihren Neophptcn, in die Reduktion der Menschwerdung zu stichen, weil sie der Meinung waren, die Mamelucken würden es nicht wagen, diese Reduktion anzufallen, wenn sie erführen, daß daselbst so viele Jndicr sich vereinigten und auf ihrer Hut wären; Einige folgten auch diesem Rath, undP.Man- silla führte seine Neubckehrten selbst dahin, nm ihnen nicht Zeit zu lassen, ihren Entschluß zu ändern, und kehrte dann nach St. Michael zurück, wo er Diejenigen, die ihren Brüdcrn nicht gefolgt waren, beredete, sich in den Wald zu flüchten. Er aber und seine Gefährten blieben daselbst, um zu sehen was geschehen würde. Indessen schwebten sie dort in noch größerer Gefahr als selbst ihre Neophptcn; weil bereits in mehreren Reduktionen das dumpfe Gerücht sich verbreitet hatte, die Mamelucken hatten ihre Räubereien nur im Einverständniß mit den Jesuiten verübt; denn schon öfters hatten diese Banditen ähnliche Gerüchte verbreitet, die Jesuiten bei den Jndicrn verdächtig und verhaßt zu machen. Indessen sandte man von der, Reduktion der Menschwerdung aus eine starke Bedeckung nach St. Michael, um Diejenigen dahin zu geleiten, die sich noch daselbst befänden; doch ein beträchtliches Corps Mamelucken begegnet ihnen auf dem Wege,»ahm sie sämmtlich gefangen, führte sie fort und zerstörten St. Michael vom Grund aus. P. Mendoza selbst ward bei dieser Gelegenheit schwer verwundet. Die Bestürzung und Gährung ward hierauf in ganz Guayra allgemein. Da jedoch die Reduktion, wo Guiravcra seit seiner Taufe blieb, sehr stark bevölkert war, und man als gewiß erachtete, daß der Feind es nicht wagen würde, dieselbe anzugreifen, flüchtete man sich von allen Seiten dahin als an einen sichern Ort. Doch man hatte irrig gcurthcilt, weil man nicht wußte, daß ein zweites Heer dieser Räuber auf dem Wege war; und Emmanuel Mo- rato, der dasselbe anführte, näherte sich dieser Ortschaft so heimlich, daß kein Mensch die mindeste Nachricht davon erfuhr. P. Maccta, der die Leitung derselben hatte, hoffte, der Commandant würde wenigstens Achtung vor seinem pricstcrlichcn Stande haben, und näherte sich ihm; doch er ward schimpflich mißhandelt, und ein Kazikc der diese unwürdige Mißhandlung rügte, ward erschossen und fiel todt zu den Füssen des Missionärs. Hierauf zog der Feiud ungehindert in die Ortschaft und verheerte sie gleich den übrigen Reduktionen. Einige wollten christlichen Mädchen Gewalt anthun, doch ließen diese lieber sich ermorden als daß sie ihrer viehischen Leidenschaft einwilligten. Alles was nicht bei Zeiten durch die Flucht sich gerettet batte, ward gelobtet oder gefesselt, und Guiravera selbst gehörte sammt seiner Gattinn zu den Gefangenen. P. Espinosa eilte mit einer großen Anzahl seiner Ncophptcn von der Reduktion der Erzengel herbei; deßglcichcn kam auch P. Diaz Tanno mit drei- 76 hundert Mann aus der Reduktion St. Thomas; doch diese Hilfe kam zu spat; indessen setzten sie gleichwohl den Mamelucken nach, nahmen ihnen einige Gefangene ab und führten sie nach der Reduktion der Menschwerdung, wo beschlossen ward, daß die PP. Maceta und Mansilla dem Feinde bis nach Brasilien folgen, und daselbst Gerechtigkeit für solche Gewaltthätigkeiten von portugiesischen Unterthanen fordern sollten, die sie in Ländern des Königs von Spanien verübt hatten. Es gingen auch diese Väter noch an demselben Tage ab und holten die Mamelucken bald ein. Bei dem Anblick ihrer geliebten Ncophyten, die man gleich Galeerensklaven fortführte, ward das Herz des P. Maceta erweicht und sein ganzer Eifer rege. Er eilte, sie zu umarmen, und ließ sich weder durch gespannte Feuergewehre, mit welchen man nach ihm zielte, noch durch Rippenstöße abhalten, die er bei jedem Schritte zu leiden hatte. Endlich erhob er seine Stimme und flehte den Commandanten auf die rührendste Weise an, ihm seine geliebten Kinder in Jesu Christo zurück zu geben, oder ihn selbst mit ihnen zu fesseln. Man verlachte ihn als einen Thoren und fuhr fort ihn zurückzustoßen, wenn er zu nahe kam. Zuletzt trat ein Officier ihm Diejenigen, die ihm durch das Loos zugefallen waren, gegen ein Löse- gcld ab, das der Missionär ihm verhieß. Durch diesen guten Anbeginn ermuthigct, kehrte er zu einer andern Schaar Gefangener, die an Ketten gefesselt waren, und erklärte, daß er dieselben 77 nicht verlassen würde, bis man ihre Freiheit ihm bewilliget hätte. Zu dieser Schaar gehörte Gnira- vcra und seine Frau. Der apostolische Mann sagte diesem Kaziken, der vor seiner Bekehrung ihn schwer beleidiget hatte, und küßte dabei seine Kette, daß es ihn herzlich sreue, nun eine Gelegenheit zu finden, ihm aufrichtig zu beweisen, daß er nicht den mindesten Groll gegen ihn im Herzen hege, und versicherte ihn, er würde Alles aufbieten und wagen, ihn zn befreien. Diese Auftritte, die geeignet waren, auch das härteste Herz zu rühren, erbitterten Anfangs den Officier, dem diese Gefangenen angehörten, nur noch mehr; und mehr als einmal setzten sie dem Missionär die Pistole auf die Brust, um ihn zu nöthigen, sich zu entfernen. Endlich aber siegte dennoch seine Beharrlichkeit über die Verstocktheit des Kriegers, der ihm Guiravera, seine Frau und sechs andere Gefangene überließ, die P. Maceta auf der Stelle mit einer Bedeckung nach der Reduktion der Menschwerdung sandte. Endlich gelangten sie nach St. Paul von Pira- tininga, wo die Jesuiten noch ihr Collegium hatten. Doch waren sie, ob auch nach so ungeheuern Beschwerden entkräftet und erschöpft, nicht zu bewegen, sich einige Tage zu erholen; sondern sie eilten nach Rio Janeiro, und überreichten, sobald sie dort angekommen waren, dem königlichen Rathe von Portugal zwei Bittschriften, worin sie um die Freiheit ihrer Nenbekehrten und um eine Schntzwache für ihre Reduktionen ansuchten. Sie erhielten aber 7d die Antwort« der Statthalter allein könne ihr Gesuch bewilligen. Hierauf begaben sie sich nach der Bay Aller- Heiligen; und der Provinzial ihrer Gesellschaft in diesem Reiche, den sie zu Rko Janeiro angetroffen hatten, begleitete sie selbst dahin. Es nahm aber der Statthalter sie sehr gütig auf, ernannte auch einen Commissär, mit dem Auftrag sie nach St. Paul von Piratininga zu begleiten, und ihnen über alle Puncte ihres Gesuches Gerechtigkeit zu verschaffen. Da er ihm aber keine bewaffnete Mannschaft mitgab, seinen Auftrag mit Nachdruck auszuführen, sahen die Missionäre bald ein, daß dieß eine bloße Formalität war. Im Grunde meinte der Gouverneur es gut; doch hielten ihn zwei Ursachen ab, so wirksam zu handeln, als er es wohl gern gethan hätte. Die erste war, weil die Holländer bereits der Küste von Fernambuc sich bemächtiget hatten und Brasilien mit einem gänzlichen Überfall bedrohetcn; in welchem Falle er seiner ganzen Kriegesmacht bedurfte, einen so mächtigen Feind zurückzudrängen; die zweite aber, daß die fünfzehn- tausend Gefangenen, welche die Mamelucken aus Guayra herbeigeführt hatten, bereits in den verschiedenen Seehäfen verkauft waren und mächtige Personen derselben gekauft hatten, mit welchen er sich nicht in Strcithändcl zu einer Zeit verflechten wollte, wo er aller Welt schonen mußte. Als daher der Commissär, den der Statthalter zur Schlichtung dieser Sache nach St. Paul von Piratininga gesandt hatte, seine Amtshandlung vor-- 79 nehmen wollte, da gaben sie Feuer auf ihn und erklärten ihm, sie wollten sich lieber die Taufe nehmen lassen als es dulden, daß er nach den Befehlen deS Statthalters handelte; er sah sich daher genöthigt, sich in Eile durch die Flucht zu retten; die Vater aber mußten unverrichteter Dinge zu ihren Redactionen zurückkehren, wo sie zu ihrem größten Schmerz sahen, daß eine große Anzahl ihrer Ncophyten mehr als jemals überzeugt waren, man habe sie nur vereinigt, um sie der Sclaverci preis zu geben. Was immer diese Vater vorstellen mochten, und wie deutlich sie ihnen zeigten, daß sie selbst ja nicht den geringsten Vortheil von solchem Meineid hätten: ja wie vieles sie selbst von der Wuth der Feinde gelitten, und wie oft sie sich selbst aufgeopfert hätten: die Verzweiflung dieser Unglücklichen war so groß, daß sie nichts hören noch verstehen wollten. Die meisten waren im Begriff, sich öffentlich zu empören und selbst gegen die Missionäre Gewaltthätigkeiten zu verüben, als Guiravera öffentlich ihre Vertheidigung übernahm, und laut ausrief, alles was gegen diese frommen Männer gesprochen würbe, sei bare Verleumdung; ja er ging sogar von Ortschaft zu Ortschaft und erzählte laut, daß er dem P. Maceta seine Freiheit und sein Leben verdanke, der sich selbst vielfältiger Todesgefahr ausgesetzt habe, ihn aus den Fesseln zu retten, und daß, wofern es bei ihm gestanden wäre, alle Gefangenen frei geworden wären. Und dieß erklärte dieser Ka- zike zn einer Zeit, wo er bereits in der Religion zn 80 wanken anfing, die er, der Sage nach, in der Folge gänzlich verläugnete. 12. Verderbliche Wirkungen einiger sogenannten Zauberer in Guayra. Krieg der Lalchagui's gegen die Spanier. Unvorsichtigkeit eines gewisse» Urbina. Fernere Verheerungen der Lalchaqui's. wundersame Bemühungen der Missionäre bei der elenden Völkerschaft der Lai- guas. Blühender Zustand der Redactionen im Paraguay. Kurz vor diesen letzten Ereignissen hatte sich in Guayra Etwas ergeben, das die Missionäre daselbst nicht wenig bestürzte. Die Bewohner der Ortschaft von der Menschwerdung, die aus fünfhundert Familien bestand, waren von der gräßlichsten Wildheit zu einer so wunderbaren Sanft- muth übergegangen, daß man kaum glauben konnte, es seien die nämlichen Menschen. Bei der ersten Annäherung der Mamelucken aber ergab sich eine noch erstaunlichere Umwandlung; beinahe niemand wollte mehr von Gott reden hören; sie flohen die Kirche, verbargen ihre Kinder ängstlich, damit sie nicht getauft würden, und wichen dem P. Diaz Tanno, ihrem Hirten, den sie bisher innig geliebt hatten, von weitem aus. Vergeblich sannder äußerst bestürzte Missionär über den Grund dieses sonderbaren Benehmens und dieser Verkehrtheit; endlich erfuhr er die Ursache durch ein Kind, das ihm beim Altare diente. Es hatten sich nämlich sogenannte Zauberer in die Ortschaft eiugcschlichen und 8t beinahe alle Inwohner durch ihre Künste berückt. Diese also hatten aufzwei Bergen zwei Tempel errichtet und die Leichname zweier sehr berühmten Zauberer in dieselben übersetzt, die vor Kurzem gestorben waren; und sie erwiesen denselben göttliche Ehre und behaupteten von ihnen, sie gäben Orakelsprüche. Auch hatten sie ihnen Priester und Priesterinnen bestellt, und die Gaukeleien und Schändlichkeiten, die daselbst getrieben wurden, hatten bei weitem dieMei, sten verführt. Dazu auch hatten sie ihnen gesagt» es sei ein großes Verbrechen, ihren Missionären sich zu nähern, ein noch größeres, sie zu berühren; und sie hatten zu diesen Schändlichkeiten die Sonn- und Feiertage erwählt, damit zu solcher Zeit nie- mand in die Kirche käme. P. Diaz berieth sich hierüber mit dem Vorgesetzten der Missionen und mit andern, und es ward beschlossen, daß man in der folgenden Nacht mit einer Schaar Neubekehrter, auf die man sich verlassen konnte, diese beiden Tempel zerstören sollte; welcher Beschluß auch ausgeführt ward. Sie fanden aber daselbst ein Skelett, das in Gewände gehüllt und mit bunten Vogelfcdern geschmückt war. Auch im zweiten Tempel befand sich ein ähnliches Gerippe; doch die Jndier, die dasselbe bewahrten, nahmen bei dem ersten Lärm die Flucht mit demselben. Man holte sie jedoch bald ein, nahm ihnen solches ab und brachte dann am folgenden Tage beide nach der Menschwerdung. Es war gerade damals der Sonntag der heiligen Dreieinigkeit, und bei dem Paraguay II. Ld, H 82 Gerüchte dessen, was vorgefallen war, begaben sich beinahe Alle in die Kirche. P. Cataldino hielt eine gewaltige Rede über die schweren Übel des Abfalles vom Glauben und die Abgötterei; sie hörten ihn mit Aufmerksamkeit an und gaben große Zeichen der Reue. Hierauf ließ P. Dia; die beiden Gerippe auf den öffentlichen Platz tragen, wo Alle Zeit genug hatten, diese dürren Gebeine nach Muße zu sehen; er befahl ihnen dann, solche mit Füssen zu treten, welchen Befehl sie auch treulich erfüllten; und da sprang aus dem Schedel des Einen eine große Ratze hervor. Hierüber errötheten selbst die Strafbarsten und schämten sich, daß sie so lächerlichen Gottheiten Ehre erwiesen hatten. Indessen verbreitete sich, wiewohl unter schweren Mühen, die Religion bei den Qualache's, wohin P. Cataldino sich begeben hatte; in Tucuman aber, wo lange Zeit tiefer Friede geherrscht hatte, entspann sich nun ein Krieg, dessen Ende den Spaniern sehr verderblich ward. Wir sahen bereits, daß die Jesuiten in dem Tbale Ealchaqui zwei Reduktionen begonnen hatten. Diese Niederlassungen waren sehr geeignet, die Ruhe der Provinz von dieser Seite zu sichern; doch ward dadurch die Habsucht der Spanier beschränkt; gleich als ob diese Jndier, sobald sie aufhörten, ihre Feinde zu seyn, alsogleich hätten ihre Sclaven seyn sollen. Indessen ließ man sie reden; und wiewohl es sich von dieser Völkerschaft nicht hoffen ließ, daß sie sich so schnell bekehren würde, glaubten dennoch die Missionäre schon viel für die Provinz und für die Religion zu thun, wenn sie dieselben von ihren Raubzügen abhielten, sie allmälig bezähmten und ihre Achtung und ihr Vertrauen gewännen. Auch wurden bei ihnen viele Kinder getauft, die sich in Todesgefahr befanden. Dieß dauerte so lange bis man endlich die Missionäre, die in dem ThaleCalchaqui arbeiteten, nicht länger entbehren konnte. Sobald man sie aber abgerufen hatte, fingen die Inwohner von Salta und Rioja aufs neue an, diese Jndier zu necken, ohne daß Jemand sich widersetzte. Ein gewisser Urdina ließ es sich sogar einfallen, auf ihren Gränzen ein Landhaus zu erbauen und dasselbe also zu befestigen, als wollte er es zu einem Waffenplatz bestimmen. Hierüber aber crschracken die Calchaqui's, traten in ein Bündniß mit ihren Nachbarn, umringten dieß Haus, brannten dasselbe nieder, ermordeten Urbina und seine Frau, und entführten seine Tochter, die man um schweres Lösegeld erkaufen mußte. Und hieraus fingen sie ihre Streifzüge auf s neue an und plünderten, verheerten und brannten alle Wohnungen der Spanier ab, die sie erreichen konnten. Dieß erste Glück vergrößerte ihre Partei mächtig und machte sie noch trotziger; dazu auch empörten sich Jndier, die im Dienst der Spanier standen, und viele aus ihnen, die ihre Herren umbrachten, flüchteten sich in das Thal Calchaqui. Zwar zog der Gouverneur von Tucuman gegen sie aus, schlug sie auch und erbaute dann eine Citadelle, die er mit ziemlich starker Mannschaft besetzte; als jedoch 81 der Commandant derselben sich einst mit dieser Garnison ein wenig zu weit entfernt hatte, einem feindlichen Corps nachzusetzen, da schnitten sie ihm den Rückweg ab, machten ihn mit allen seinen Leuten nieder und schleiften die Citadelle. Bald hatte London das nämliche Schicksal, auch die Umgegend von Salta ward verwüstet und ganz Tucuman den Streifzügen eines Feindes preisgegeben, den sie sich mit Herzenslust gemacht hatten. Die Missionäre höchst betrübt, daß während dieses zehnjährigen Krieges beinahe alle Spuren ihrer Bemühungen bei dieser Völkerschaft verschwanden, suchten diesen Verlust durch die Missionen im Parana zu ersetzen, wohin die Mamelucken noch nicht eingedrungen waren. Einige Jesuiten entdeckten in den ungeheuern Wäldern zwischen diesem großen Flusse und dem Uruguay eine ziemlich zahlreiche und sehr wilde Nation, die keine bestimmten Wohnungen hatte und beständig in kleinen Schaa- ren umherstreifte. Sie nannten sich Caaigua's, d. h. Waldbewohner. Ihre Sprache ist äußerst schwierig zu erlernen, denn sie pfeifen gleichsam unarticulirte Worte durch die Kehle. Kaum haben diese Jndier Eigenschaften an sich, die den Men, schcn vorn Thiere unterscheiden; und manche sind wild bis zur Wuth. Niemals gelang es den Spaniern, auch nur einen Einzigen derselben zahm zu machen; und wenn sie Einige aus ihnen fingen, so bissen sie in die Fesseln, womit sie gebunden waren und schäumten gleich Rasenden, die von der Wuth befallen 85 sind. Einer ihrer Stämme ist so grausam, daß man sie mehr für reissende Thiere als für Menschen halten möchte; sie lauern den Vorübergehenden auf, ermorden und fressen sie; werden sie aber selbst gefangen, so berühren sie keine Nahrung, sondern sterben Hungers; und sind sie verwundet, so dulden sie es nicht, daß man sie heile, sondern überlassen sich ihrer Wuth und Verzweiflung. Die Missionäre, denen es gelang. Einige dieser Wilden in ihre Redactionen zu locken, konnten niemals auch nur Einen erhalten; sie wurden von der tiefsten Schwermuth ergriffen, in dem Umfang einer Ortschaft sich aufhalten zu müssen, und erkrankten alsbald. Die Freundlichkeit, mit der man sie behandelte, und ihr eigener Zustand machte sie dann ziemlich gelehrig; man unterrichtete sie so sehr es möglich war und taufte sie dann; sie starben aber bald. Man erachtete, es würde leichter werden, sie zahm zu machen, wenn man sich unter ihnen aufhielte; und P. Alvarez unterzog sich deß- falls einem Versuche. Er bahnte sich einen Weg durch dichte und so dornigte Wälder, daß er am ganzen Leib verwundet ward, ging durch Flüsse und Sümpfe, wo das Wasser ihm oft bis an den Hals reichte, und fand oft keine andere Stelle zur Ruhe, als Wege, welche Tiger und andere reissende Thiere gebahnt hatten, und wo er noch oft Reste von menschlichen Körpern fand, die diese Thiere verzehrt hatten. Endlich kam er dennoch zu den ersten Schlupf- 8Ü winkeln dieser Wilden, sah aber bald ein,»daß die Anlage einer Reduktion in diesen Wäldern ein abenteuerlicher Gedanke sei, und bot alles auf, diese unglückseligen Zndier zu bewegen, ihm an einen sicherern und bewohnbaren Ort zufolge»; doch konnte er nur achtzehn derselben gewinnen, die er auf dem nämlichen Weg, auf welchem er dahin gekommen war, in seine Ortschaft führte, wo er es mit unsäglicher Mühe dahin brachte, sie in sofern zu unterrichten, als unumgänglich nothwendig war, sie zu taufen; und zögerte auch mit diesem Sakramente bis zu ihrem Tode, der bald erfolgte; denn wie sehr er sich auch bemühte, sie zu erhalten, war es ihm dennoch nicht möglich, auch nur Einen zu retten. Er machte hierauf noch mehrere Versuche nach einander, doch mit dem nämlichen unglücklichen Erfolg. Endlich waren die Missionäre darauf beschränkt, die Erbarmungen des Herrn für die Wenigen zu loben, deren Heil sie gesichert hatten, und seine verborgenen Gerichte hinsichtlich der Andern anzubeten, so wie auch mit dem Bewußtseyn sich zu trösten, daß sie alles Mögliche gethan hatten, diese unglückselige Nation der Wohlthat der Erlösung theilhast zu machen. Um so trefflicher blühten die Missionen im Paraguay, wo i. I. i63o abcrmal zwei schöne große Reduktionen angelegt wurden und der Schade zum Theil ersetzt ward, den die Mamelucken angerichtet hatten. Überhaupt eilte man, diese Fricdenszcit zu benützcn; da alles von einem Feinde zu befürchten 87 war, der alles ungestraft thun durfte; und nach den vergeblichen Bemühungen bei dem Statthalter, wo man keine Schntzwache für diese neuen Christen hatte erhalten können, wunderte man sich nur über die Unthätigkeit der Mamelucken, von welchen man wußte, daß sie erst unlängst mit denTuprs, dem wildesten Volke in Brasilien, ein Bündniß geschlossen hatten. LZ. Abermaliger Einbruch der Mamelucken in die Re- ductionen von Guayra, die sie zerstören und deren Inwohner sie gefangen nehmen. Der Gouverneur versagt ihnen Ailfe. Andere Redactionen werden dürch die Pest verheert. Große Tugenden der Neophyten. Thätigkeit der Missionäre. Sie wandern mit den zwei ältesten und blühendsten Redactionen aus. Entsetzliches Elend bei diesem Auge. Die Mamelucken zerstören die Städte Liudad Real und Villarica von Grund aus- Doch noch in demselben Jahre i630 erschienen die Mamelucken urplötzlich in der Reduktion St. Paul, und P. Suarcz, der dieselbe leitete, erfuhr dieß nicht früher als bis der Commandant zu ihm eintrat und ihm die Pistole auf die Brust setzte. Er aber entblößte seine Brust und sagte ihm, er sei bereit, sein Leben für seine Schafe zu geben; nur beschwöre er ihn bei dem strengen Gerichte Jesu Christi, sich damit zu begnügen und der Christen zu schonen, die es auf keine Weise verschuldet hätten, in die Sklaverei gebracht zu werden. Der Officicr 88 erstaunte hierüber, entfernte sich, gab jedoch Befehle, alles niederzumachen, was sich vertheidigen wolle, und seine Befehle wurden genau vollzogen. Dasselbe geschah auch zum bittersten Herzeleid der Missionäre, die dieß Unglück nicht abwenden konnten, in zwei andern Reduktionen. P. Montoya, der eben bei den Qualachen war, eilte, sobald er Kunde erhielt, der Feind sei in Guayra, den Reduktionen zu Hilfe, die der Gefahr am meisten ausgesetzt waren; und da er dieselben öde fand, wollte er alle irrenden und fliehenden Neophyten in die Gegend von Villarica führen. Doch die Inwohner dieser Stadt waren ihm zuvorgekommen; denn sie hatten sich das Unglück der Reduktionen zu Nutzen gemacht und alle Diejenigen gefangen genommen, die so glücklich gewesen waren, den Mamelucken zu entkommen. Bei dieser Nachricht führte er große Klage über eine so schreiende Ungerechtigkeit; da er aber nichts erwirkte, sandte er den P. Diaz Tanno zum Gouverneur und beschwor ihn, Vorkehrungen für die Sicherheit der Reduktionen zu treffen. Dom Ludwig de Cespedes aber gönnte dem Missionär kaum Gehör, und sagte ihm, man habe ihm von Villarica geschrieben, die Jesuiten erregten wegen einer Kleinigkeit großes Geschrei, machten sich allenthalben verhaßt; und weigerte sich, den Christen in Guayra Mannschaft zur Unterstützung zu senden. Ja er ließ auch ungerechte Befehle ergehen, die den Jesuiten den Zugang in ihre Re- 89 ductionen erschwerten, was in dem Augenblick um so gefährlicher war, als die Mamelucken das Land verwüsteten. Doch mußte er diese Befehle auf Verordnung des königlichen Gerichtshofes zurücknehmen. Zu diesen Unfällen kam noch, daß in der Provinz Uruguay, wo die Missionäre in demselben Jahre zwei blühende Reductionen errichtet hatten, die Pest große Verheerungen anrichtete, die sich bis an den Parana erstreckten. Viele Seelen gewann der Himmel dadurch; und es erregte das höchste Erstaunen, daß Menschen, die man kaum eines vernünftigen Urtheils fähig hielt, dem Willen Gottes vollkommen ergeben waren, mit wunderbarer Lieblichkeit von Ihm sprachen und Tugenden übten, die das Gepräge der größten Heiligkeit an sich trugen. Ja, es gab Neubekehrte, und sogar solche, die noch nicht einmal getauft waren, und die sich erboten, die Arbeiten mit ihren geistlichen Vätern zu theilen, und sie auf ihren apostolischen Reisen begleiteten, ihnen die Wege bahnten und ganze Völkerschaften dahin stimmten, sich unter die Fahne des heiligen Glaubens zu reiben. Indessen setzten die Mamelucken ihre Raubzüge fort; und als der Provinzial nach Villarica kam und erfuhr, daß diese Räuber zu St. Franciscns lavier waren, bewog er mehrere Spanier dieser Stadt, jener Reduktion zu Hilfe zu eilen. Sie fanden jedoch dieselbe bereits zerstört und alle Christen in Fesseln; die Feinde aber hatten sich auf den Trümmern der Ortschaft verschanzt. Sobald sie nun 90 angekommen waren, fielen siedle Verschanzung mit größter Entschlossenheit an; da aber Einer aus ihnen getödtet und ein Anderer verwundet ward, gaben sie das Zeichen zum Rückzug. Weit mehr Muth bezeigte P. Sylveira, der über diese Kirche bestellt war, denn er rettete aus sünfzehnhundert Familien, aus welchen seine Herde bestand, wenigstens fünfhundert Personen. In einer andern Reduktion rettete der Provinzial an vierhundert. Mehrere andere hatten sich in die Wälder geflüchtet und P. Suarez stiftete aus diesen Trümmern eine neue Reduktion in der Gegend von Loretto. Es verbreitete sich aber dieser grausame Raubkrieg immer weiter; verschiedene blühende Reduktionen. wurden zerstört, zahllose Ehristen als Gefangene fortgeführt; und es gab sogar Spanier, die sich nicht schämten, das Elend dieser Kirche zu ihrem Nutzen zu verwenden, deren Untergang sie um so weniger bedauerten, als die Errichtung derselben sie geschmerzt hatte. Die Missionäre litten unaussprechlich über den Untergang so vieler ihrer geliebten Kinder, die sie unter den erschöpfendsten Anstrengungen und Arbeiten dem Evangelium gewonnen'hatten. Sie waren eben mit einer kleinen Schaar Neophyten versammelt, von welchen Einige ihre Ältern, Andere ihre Kinder, Andere ihre Gatten vor ihren Augen hatten ermorden oder davon führen sehen, und hielten Rath, was in so dringender Noth zu thun sei, als P. Montoya durch Eilboten die Nachricht erhielt, ein Heer Manie- 6l lncken ließe sich bei Villarica sehen, andere Schaa- rcn dieser Räuber aber wären von der Südseite Brasiliens aufgebrochen, und alle Wohnplätze und Städte sogar der Spanier wären^bedroht. Auf diese Nachricht ließ er den Commandanten von Villarica im Namen des Königs und in Kraft der Befehle seiner Majestät auffordern, ihm bewaffnete Mannschaft zu senden; und auf seine Antwort, er sei nicht im Stande, ihm die mindeste Hilfe zu reichen, ließ er die Rcductionen von St. Jgnatius und Loretto räumen, die einzigen, die in Guayra noch aufrecht standen und die ältesten, die darin waren gestiftet worden. Sie konnten mit den besten spanischen Städten im Paraguay sich vergleichen; ihre Kirchen waren sogar größer und schöner geschmückt, und die Neubekehrten unterschieden sich von den alten Christen nur durch ihre Unschuld und Frömmigkeit. Sie hatten treffliche Herden, bauten Baumwolle und gewannen derselben nicht nur so viel, daß sie sich selbst kleiden, sondern auch andere Reduktionen, die sich noch nicht so gut versorgen konnten, ja sogar arme Spanier damit beschenkten; alle ihre Felder waren trefflich bestellt, und man durfte hoffen, daß die übrigen es ihnen bald nachthun würden. Dieß selbst aber flößte den Vätern der Mission Furcht ein, daß sie diese Neubekehrten niemals bereden könnten, so schöne Niederlassungen mit dem Rücken anzusehen, und die Früchte so vieljähriger Arbeiten zu verlieren, deren sie nun anfingen zu genießen, um so weit zu gehen, einen Ort der Vcr- »2 bannung zu suchen und dabei Gefahr zu laufen, denselben nicht einmal zu erreichen. Doch wundersam ward P. Montoya überrascht, als sie bei der ersten Aufforderung alles zu verlassen, was sie nicht mit sich nehmen könnten, ihm einstimmig antworteten: »Geliebte Vater, ihr verschafftet uns das unschätz, bare Gut des Glaubens; wir bedürfen euer, denselben zu bewahren, wo immer also ihr hingehet, dahin werden wir euch folgen, und um des heiligen Glaubens willen Hunger, Durst und alle Beschwerlichkeiten leiden, die bei einer so langen Reise unvermeidlich sind.'« Und dieß war nicht etwa die erste Aufwallung eines vorübergehenden Eifers, sondern bei dem ersten Zeichen des Aufbruchs versammelten sie sich, ließen alles im Stich, schifften sich ein und fuhren den Parana hinab bis zum großen Wasserfall, wo auch Jene versammelt waren oder doch bald ankamen, welche die Missionäre hatten bewegen können, nicht von ihnen zu weichen. Doch ward die Freude der Missionäre, sie bis dahin geführt zu haben, gar sehr durch den Anblick des Elendes, worin sie nun sich befanden und durch die Erinnerung an Jene gemäßigt, die sie verloren hatten und von denen sie nicht mehr hoffen konnten, sie in den Schafstall Christi zurückzuführen, so wie nicht minder durch den Gedanken, daß nun alle Anbetung Christi in Guayra erloschen war. Ihr Kummer aber erreichte den höchsten Grad, als sie erfuhren, daß die Mamelucken in ihrer Verzweiflung, daß es ihnen mißlungen war, diese beiden Neductionen zu überfallen, große Tagreksen auf dem nämlichen Wege zurücklegten, den sie eben gemacht hatten, und das einzige Mittel, ihre Christen nicht alle zu verlieren, bestand darin, hinter dem großen Wasserfalle sie zu verschanzen, bei welchem sie versammelt waren; dieß aber war vielen Beschwerden unterworfen und forderte Zeit. Die größte Verlegenheit aber war, Schiffe genug hinabzulassen, und dann diese große Menge Männer, Frauen, Kinder, Greise und Kranke noch dreißig Meilen durch furchtbare Wildnisse zu führen, ehe man auf eine Ebene kam. Indessen war hier kein anderer Rath, und auch kein Augenblick zu verlieren. Man überließ also die Schiffe dem Strom, und alle zerbrachen, mehrere Neophyten ertranken, andere kamen von den Beschwerden eines achttägigen Marsches in brennendem Sande und über Abgründe um, wo jeder Fehltritt gefährlich war. Überdies waren alle, die Einen mit Gepäck, die Andern mit Kranken, die Weiber mit ihren kleinen Kindern, die Missionäre mit ihrer Kapelle und mit ihren hirt- lichen Sorgen beladen. Auch kamen alle mehr todt als lebendig an das Ziel, wo die Lcbensmittel anfingen ihnen auszugehen; wiewohl man ihnen Erfrischungen aller Art zusandte. Aber auch dort konnten sie nicht bleiben, sondern sie mußten nach einigen Rasttagen ihre Reise in einzelnen Caravanen fortsetzen. Und als sie endlich nach unsäglichen Mühsalen in die Reduktionen Christ» Geburt und Maria Major bei dem Flusse Igua- 94 zu ankamen, vermehrten sie daselbst die Hungersnoth, die seit einiger Zeit dort herrschte, weil die Ernte versagt hatte; und es entstanden Krankheiten, die in kurzer Zeit in diesen beiden Reduktionen einhundert Menschen hinwcgrafften. Damals zerstreuten sich alle, die am Leben blieben, in die Wälder, wilde Früchte und Wurzeln zu suchen; und manche starben daselbst und verschmachteten, ohne daß ihre Führer, die selbst Mangel an Allem litten, ihnen anders als dadurch helfen konnten, daß sie dieselben zu einem christlichen Tode bereiteten. Als endlich die Sterblichkeit nachließ, da fand es sich, daß von hunderttausend Seelen, aus welchen die Kirche von Guayra bestanden hatte, nur noch ungefähr zwölftausend mit den Missionären waren; die dann von den Pensionen, welche der König den Vatern der Misston anweisen ließ, Fürsorge für sie trafen und sie abermal in zwei Reduktionen bei dem kleinen Flusse Jubaburrus eintheilten, der sich in den Parana ergießt, und denen sie die Namen Loretto und St. Jgnatius gaben. Nie hatten die Spanier einsehen wollen, daß diese Reduktionen einen großen Theil ihrer Sicherheit in dieser Provinz ausmachten, und daß ihr Sturz die Städte Ciudad Real und Villarica den Streifzügen der Mamelucken preis gaben. Endlich aber öffneten sie die Augen, als sie die Umgegenden dieser beiden Städte von diesen Räubern überschwemmt sahen, die ganze Heere 2»dier nach sich schleppten. Doch es war zu spät. Da die Mame- 95 luckcn in Guayra keine neuen Christen mehr fanden, die sie zu Sclaven machen konnten, überfielen sie zuerst die Landwohnungen und zerstörten dann diese beiden Städte von Grund aus, ohne des Bischofs von Assumtion zu achten, der herbeigeeilt war, ihnen zu wehren. Ein Theil der Inwohner flüchtete sich nach dem Paraguay, andere suchten selbst bei ihren Feinden eine Zufluchtstätte. 14. Die Stadt kkeres verlangt Jesuiten. Ende des Rrie- ges der Lalchaqui's gegen die Spanier. Bekehrungen und neue Redactionen in Tape. Arbeiten der Missionäre bei den Jtatinen. bkeue Ueberfälle der Mamelucken. Der Gouverneur und der Bischof befeinden die Aeductionen. Die Jesuiten stimmen beide zum Frieden. Im Norden von Assumtion begann indessen die Gestaltung einer neuen Christenheit. Es hatte nämlich Zur Zeit, als die Missionäre noch mit ihren Neo- phyten am großen Wasserfall des Parana waren, die Stadt Xcres ihre Bitten wiederholt, daß die Jesuiten ein Haus in ihrer Stadt annehmen möchten; da sie oft Jahre lang keinen Priester sahen, außer einigen Vätcrn der Gesellschaft, die zuweilen Fastcnpredigten dort gehalten und ihr Verlangen nur noch mehr erregt hatten, ein Haus ihres Ordens daselbst zu haben. Einer der Gründe aber, wodurch sie vorzüglich hofften, den P. Montoya zur Annahme ihres Antrags zu bewegen, war die Versiehe- W rung, daß mehrere indische Völkerschaften in der Nähe von Xeres geneigt schienen, die Religion des Heiles anzunehmen; und dieß war auch wirklich ein Grund, der den P. Montoya dahin neigte, ihnen zu willfahren. Überdieß hatte der Provinzial den Missionären in Guayra empfohlen, die Atatinen je zuweilen zu besuchen, die in der Umgegend dieser Stadt waren, und darum sandte er alsbald den P. Ran^onnier, einen Franzosen, nebst P. Mansilla dahin ab, damit sie genau um die Stimmung dieser Völkerschaft sich erkundigten; und er befahl ihnen, sich zu nichts zu verpflichten, bevor sie ihm nicht genaue Auskunft von Allem gegeben und seine Antwort erhalten hätten. Sie wurden mit großer Freude empfangen, fanden die Dinge genau so, wie man sie dem P. Montoya geschildert hatte; dieser aber sandte auf ihren Bericht alsbald außer ihnen noch die PP. He- nart und Martinnez dahin, die indessen in diesem Weinberg des Herrn arbeiteten. Während dieser ganzen Zeit dauerte der Krieg zwischen den Spaniern und den Calchaqui's beständig fort, und die Stadt Nioja in Tucuman litt am meisten dabei. Es beschloß aber der Gouverneur, dieser lästigen Feinde ein für allemal ernstlich los zu werden, erhob Truppen und sandte den Befehlshaber Dom Eabrera gegen sie aus; der jedoch unter der einzigen Bedingniß den Auftrag übernahm, daß ein Jesuit mit ihm zöge; und wie groß auch der Widerwille dieser Vätcr war, an der Spitze eines 97 Heeres zu erscheinen, das diese Jndier bekriegte, mußten sie dennoch gehorchen. Dieser Capitain schlug sie auch einige Male wacker, und da sie endlich erfuhren, es sei ein Jesuit im Heer der Spanier, ließen sie ihn ersuchen, ihren Frieden zu vermitteln. Es war dieß jedoch keine leichte Aufgabe; denn diese Jndier, die einst waren unterworfen worden, hatten die fürchterlichsten Schwüre gethan, keinen Spanier zu verschonen, die Vater der Gesellschaft ausgenommen, die ihnen immer nur Gutes gethan hätten; und sie luden sie auch oftmals zu sich ein, weil Mehrere unter ihnen getauft waren. Es vermittelte also P. Hurtado ihren Frieden; doch hielten sie denselben nicht lange, sondern verheerten und versengten kurze Zeit hernach die ganze Gegend aufs neue, so daß der Vicekönig aus Peru Truppen dabin senden mußte, sie zu bändigen. Der Hauptgrund aber mochte wohl dieser seyn, daß die Spanier ihnen, als einer früher unterworfenen Nation, nicht die Freiheit gestatten wollten, deren die Reduktionen der Jesuiten genossen; und es war dieß um so sonderbarer, als sie noch bei weitem nicht im Stande waren, ihren Räubereien Schranken zu setzen. Indessen hatten sie doch Beispiele vor Augen, wie sehr diese Freiheit die Völker zum Christenthum anzog und sie der spanischen Krone unterwarf. Denn ein Jahr zuvor, ik>3i, hatten die Missionäre Nachricht erhalten, die Inwohner des Tape seien nun weit geneigter, das Christenthum anzunehmen als zur Zeit des P. Gonsalez; und P. Romero begab Paraguay II. Bd. v »8 sich selbst an Ort und Stelle, sich davon zu überzeugen. Als er aber mit seinen Gefährten dahin kam, da eilten verschiedene Kaziken ihm mit großer Freude entgegen; sie wurden allenthalben wie Engel Gottes aufgenommen, und fanden sogar, daß mehrere Ortschaften bereits selbst Reduktionen angelegt, Kirchen und Wohnungen für die Missionäre erbaut hatten und derselben in unaussprechlichem Verlangen entgegen harreten. Die Missionäre waren des sichern Glaubens, daß diese so große Umänderung ihrer Herzen eine Folge der Fürbitte des seligen Märtyrers Gonsalez sei; denn die Eifrigsten bei diesem Werke waren gerade Diejenigen, die diesen Gottesmann verhindert hatten, weiter in das Land vorzudringen. Doch während beinahe diese ganze Landschaft dem heiligen Glauben sich unterwarf, entsprachen die Itatinen den Hoffnungen der Missionäre bei weitem nicht so sehr, als diese Vätcr es erwartet hatten; und P. Ranyonnier, der bei ihnen war, sah bald ein, daß er die größten Schwierigkeiten bei ihrer Bekehrung finden würde. Denn dieß Volk war äußerst mißtrauisch, und mehr als ein Mal lief dieser Missionär Gefahr, ein Opfer ihres Argwohnes zu werden; wiewohl dieß bittere Mißtrauen gewisser Maßen bei ihnen zu entschuldigen war. Es war nämlich einige Jahre früher ein portugiesischer Priester, Namens Acosta bei ihnen gewesen und hatte eine große Menge dieser Jndicr unter dem Verwand versammelt, sie zu bilden und zur Erkenntniß des M wahren Gottes zu führen. Doch hatte er sie heimlich an Leute seiner Nation verkauft, die sie nach Brasilien abführen sollten. Zu seinem Unglück entdeckten sie diesen Verrath und ermordeten ihn. Diese Thatsache, die noch in frischem Angedenken stand, flößte ihnen die Furcht ein, der Missionär hätte die nämliche Absicht; zumal da ein anderer Europäer Einigen aus ihnen gesagt hatte, alle, die diesem Jesuiten anhingen, würden den Spaniern als Sclaven ausgeliefert werden. Indessen aber nahm der Himmel diese Mission in Schutz und Verschiedene aus ihnen, die sich unterstanden hatten, den Missionär zu beschimpfen und zu beleidigen, wurden auf der Stelle durch plötzlichen Tod bestraft; und diese sichtbare Rache Gottes wirkte so tief auf ihre Gemüther, daß auch Jene, die bis dahin dem Christenthum sich am meisten widersetzt hatten, großen Eifer zeigten, dasselbe anzunehmen. Ja es ward die Arbeit so groß, daß der Missionär unter der Last derselben erlegen wäre, wenn nicht die PP. Henart und Martine; zu seiner Hilfe erschienen wären. Die erste Sorgfalt dieser apostolischen Arbeiter erging nun dahin, eine Reduction zu errichten, welche sie nach dem heiligen Joseph benannten; und der Fortgang ihrer Arbeiten war so glücklich, daß sie in demselben Jahre noch drei andere unter dem Namen der Engel, des heiligen Petrus und des heiligen Paulus errichteten. Diese letzte Reduction lag in der Nähe von Paraguay, jenseits dieses Flusses und beinahe ge- 7^ 100 rade einem Wohnorte der Papagua's gegenüber, die zu jeder Zeit Erzfeinde der Spanier waren. Diese Nachbarschaft hatte Anfangs traurige Folgen für die Reduction, weil die bcstandlosen Ncophy- ten dort eine Zufluchtsstätte fanden, wo sie nicht zu fürchten hatten, daß man sie abholte. Da aber die Payagua's diese Überläufer fragten, auf welche Weise die Jesuiten die Jndier behandelten, die sich unter ihre Leitung begäben, und diese aufrichtig bekannten, sie könnten ihnen nichts als Gutes nachsagen, waren Mehrere aus ihnen neugierig, sie kennen zu lernen. Es kam einst eine ganze Schaar dieser Barbaren in die Reduction und betheuerten dem Missionär, sie wollten eben so glücklich werden als die Jtatinen; und ließen sich auch einige Zeit bei ihnen nieder; doch dauerte dieß nicht lange; denn ihr natürlicher Leichtsinn und ihre Raubsucht trieben sie bald an, ihre vorige Lebensweise wieder zu ergreifen. Da diese Reduktionen sich täglich mehr bevölkerten, hofften die Väter, die christliche Religion bald sehr weit gegen Norden hin zu verbreiten; und ein Haus ihres Ordens zu Xercs hätte dieß Vorhaben gewiß sehr gefördert. Da man aber zu lange damit zögerte, kam die Sache am Ende nicht mehr zu Stande. So viel ist gewiß, daß die Spanier nicht einsahen, wie wichtig es für sie war, diese Stadt zu erhalten und zu befestigen, die ihnen den ganzen Lauf des Paraguay bis an den See Tarayes sichern konnte; und daß sie nicht genug auf ihrer 101 Hut gegen die Mamelucken waren, die auf dieser Seite ihren Landsleuten einen Weg zu Entdeckungen bahnten, die ei» unersetzlicher Verlust für die Spanier waren. Die Gelegenheit, die sich gerade nun abermal ergab, hätte ihnen wahrlich die Augen ernstlich hierüber öffnen sollen. Denn plötzlich und ehe ein Mensch die leiseste Ahnung davon hatte, erschienen die Mamelucken aufs neue in großer Anzahl und in Begleitung eines starken Heeres der Tupis, überfielen die Redactionen, zerstörten mehrere derselben gänzlich, metzelten alle, die sich ihnen widersetzten, nieder, führten eine Menge in die Gefangenschaft; und kaum gelang es den getreuen Hirten nach den größten Anstrengungen und den schwersten Mißhandlungen, einige wenige ihrer Schafe zu retten. Die Reduktionen, die an dem Parana lagen, kamen dieß Mal mit der bloßen Furcht davon; doch drohte ihnen ein schweres Ungewitter von Seiten Derjenigen, die sie am meisten hätten beschützen sollen; nämlich von Seiten des Gouverneurs und des Bischofs. Vom ersten wußte man zwar, daß er seit seiner Anstellung daselbst diesen christlichen Colonien abhold war; und man wunderte sich nur, daß er es nicht noch ärger trieb; wiewohl er Kaziken und andere ncugctaufte Jndicr mißhandelte und sie mit dem Frohndienste bedrohte; wodurch er bald eine allgemeine Empörung veranlaßt hätte, welche die Jesuiten nur mit großer Mühe dämpften. Noch schwerer war's, einen zweiten Sturm mit 102 dem Bischof, Dom Christoph de Aresti, zu besänftigen. Diesem war plötzlich zu Sinne gekommen, daß er die, Einkünfte seiner Kirche bedeutend vermehren würde, wenn die Redactionen mit Hirten besetzt wären, die mehr von ihm abhingen als die Jesuiten. Er untersagte ihnen also alle kirchlichen Berrichtungen und nahm dabei zum Borwand, daß die neuen Christen, die unter ihrer Leitung standen, weder den zehnten noch den vierten Theil der Erdfrüchte bezahlten. Ein solcher Gewaltstreich erregte großes Erstaunen bei Allen, und man zweifelte sehr, daß er es bei einem solchen Anfang würde bewenden lassen. Auch der Gouverneur ließ von seinen Forderungen nicht ab, und man wartete schweigend, welches Ende die Sache nehmen würde, als auf einmal P. Nomero aus dem fernen Uruguay zu As- sumtion erschien. Er begab sich alsbald zu dem Gouverneur und stellte ihm vor, daß er wohl bedenken sollte was er thue, da die Könige von Spanien strenge verbothen hätten, gewaltthätig gegen die Jndier, zumal gegen jene der christlichen Reduktionen zu verfahren, und sie durchaus zu keinem Frohndienste zu verhalten. Der Gouverneur wollte Anfangs diesen Gründen sich nicht fügen, doch fuhr P. Romero mit so dringender Beredsamkeit fort, ihn zu überzeugen, daß er sich endlich ergab; ihm auch verhieß, die neuen Christen in Ruhe zu lassen, und die Gefangenen ihrer Haft entließ. Schwieriger als er war der Bischof. Da P. ros Romcro durch Gründe nichts bei ihm verfing/ überreichte er ihm die Bullen der Päpste und die Beschlüsse des indischen hohen Rathes, und zeigte ihm, daß er seine Gewalt offenbar überschritten habe, als er den Missionären die kirchlichen Verrichtungen untersagte. Doch er gab ihm keine andere Antwort als er allein habe die Pfarreien seines Bisthums mit Pfarrern zu besetzen. P. Romero wendete ein, die Rcductionen der Jesuiten seien keine eigentlichen Pfarreien; er aber behauptete fortwährend. Diese, n-gcn, welche dieselben leiteten, seien Pfarrer, die dem Ordinariat gleich den andern unterständen. Der Provinzial, der während dieser Verhandlungen ebenfalls nach Assumtion kam, übersandte dem Bischof die Patente des Königs, durch welche der Monarch, wem immer, und welche Würde immer er begleite, bei seiner Ungnade verbot, den Vätern der Gesellschaft Jesu, ohne seine Bcistimmung die Leitung ihrer Ncubekehrten abzunehmen, und sie unter was immer für einem Vorwand in der Ausübung ihrer kirchlichen Verrichtungen zu stören. Dieß wirkte; der Gouverneur selbst unterstützte nun die Jesuiten, und der Bischof ward, besonders nachdem er die Reduktionen besucht hatte, ihr bester Freund. 104 15. Neue Einfälle der Mamelucken. Apostolische Arbeiten in der Provinz Nruguay und bei den Itatinen. Die Missionäre schützen diese Letzter» gegen die Ansprüche der Spanier. Apostolische Aeise» des p. Lorca. Märtyrertod des p. Espinosa und des p. Mendoza. Nachtheilige Folgen der Gelindigkeit der Jesuiten gegen die Feinde. Sieg der Gläubigen. Gehässigkeiten des Gouverneurs gegen die Jesuiten. Folgen derselben. Pest in den Reductionen und in Tape. Neue, furchtbare Verheerungen der Mamelucken, p. Dia; Tanno und p. Montoya rverden nach Europa gesandt. Es hatte aber dieß Ungewitter sich kaum verzogen, als auf einmal das Gerücht, die Mamelucken seien im Anzug gegen den Parana, alle Reductionen daselbst aufs äußerste bestürzte. Und es war dieß kein blinder Lärm; denn es liefen bald von allen Seiten Nachrichten ein, der Feind habe über den großen Wasserfall gesetzt, und nahe sich in starken Tagreisen. Doch die Missionäre hielten schleunig Rath, ließen alle Reductionen räumen und brachten sie in Eile und guter Ordnung an den Jtapua und an die Ufer des Uruguay. Diese schnellen Vorkehrungen vereitelten alle Maßregeln der Feinde, die es nicht wagten, weiter in einem Lande vorzudringen, das sie nicht genugsam kannten, und in wüthendem Zorne zurückkehrten. Da nun P. Romero in der Provinz zurück war, legte er die letzte Hand an die Begründung einer fünften Reduktion, die er im Jahr zuvor im Tape unter dem Namen der heiligen Theresia begonnen 105 hatte. Diese Reduktion lag beinahe an dem Ursprung des Jgai, in einer der freundlichsten Gegenden des Landes. Als er hernach über die Gebirge ging, kam ein Kazike ihm entgegen, der mit allen seinen Vasallen ihn ersuchte, eine Reduktion bei ihnen zu errichten; und ihn versicherte, viele benachbarten Völkerschaften seien bereit, ihnen nachzufolgen. P. Romero, dem dieß überaus erwünscht war, legte alsbald Haud an das Werk, und stellte die Ortschaft unter den Schutz des heil. Joachim. Der Provinzial hielt eben zu dieser Zeit seinen Besuch in den Missionen, und ob ihm auch das Bein gebrochen war, ließ er sich dennoch in diejenigen tragen, die er noch nicht gesehen hatte. Er überstieg sogar die Gebirge des Tape und stiftete daselbst zwei neue Reduktionen. Während dieser Zeit fing auch die Kirche der Jtatinen an, von ihrem Verlust sich zu erholen; doch war sie nahe daran, von den Spaniern zerstört zu werden. Bei der ersten Nachricht des Einbruchs der Mamelucken hatte der Gouverneur der Provinz zwei Bataillone Fußvolk dahin gesandt, die jedoch zu spat kamen. Da beredeten ihn Einige, er sollte diesen neuen Missionen nicht die nämlichen Rechte wie den Reduktionen der Guarani's zugestehen, sondern die Jesuiten abrufen und Weltpriestcr an ihre Stelle thun. Dieser Borschlag gefiel ihm, und hätte nicht P. Trurillo ihm klar gezeigt, daß er hierzu nicht das mindeste Recht habe, so war die Freiheit dieser Jndicr dahin. Es legte ihm aber auch 106 der Provinzial die königlichen Verordnungen und Befehle vor, die ausdrücklich besagten, die Jndier der Reduktionen welche die Jesuiten errichtet hätten, seien gänzlich frei vom Frohndienste; und zeigte ihm auch, daß es ihm wenig Nutzen bringen würde, wenn er die Jtatincn als eine Ausnahme ansehen wollte; da sie bei der ersten Ankündigung, daß man ihnen andere Hirten geben wolle, sogleich einsehen würden, daß es ihrer Freiheit gelte und unfehlbar in ihre Gebirge sich zurückziehen würden. Dieß sah auch dep Gouverneur ein, und ließ sie in Ruhe. Überhaupt klagten die Jesuiten schon lange, daß man durch derlei Unbesonnenheiten oft alle ihre Anstrengungen und Maßregeln vereitelte, diese Jndier Jesu Christo und der spanischen Krone zu gewinnen. Sie hörten auch kaum auf, den königlichen hohen Rath in indischen Angelegenheiten um wirksame Abhilfe zu bitten; und auch Andere, denen das Wohl dieser Ungläubigen am Herzen lag, unterstützten ihre dießfälligcn Vorstellungen. Philipp IV. sah leicht ein, der Quell dieses Übels liege in dem Mißbrauch der Commenden, welcher, ungeachtet der ausdrücklichsten und strengsten Verbote seiner Vorfahren, in wahrhafte Sklaverei ausgeartet war; und er erließ in demselben Jahre ib33 deßfalls einen neuen Befehl an den Vicckönig von Peru, der von einem wahrhaft königlichen Herzen ausging, und das Wohl dieser Völker väterlich beabsichtigte; bei dessen Ausführung jedoch sich Widersprüche und Schwierigkeiten fanden, die man eigentlich'licht überwinden !07 wollte; weßhalb denn anch die Sachen so ziemlich beim Alten blieben. Denn selbst die traurigsten Erfahrungen konnten den Spaniern im Paraguay nicht begreiflich machen, daß ihr eigener Vortheil es erfordere, in die Ansichten ihres Monarchen einzugehen, und daß auch die Religion und die Gerechtigkeit sie dazu verpflichte. In dem nämlichen Jahre war P. de Borea dem P. Trurillo in dem Amte des Provinzials nachgefolgt; und er war eben begriffen, eine allgemeine Visitation in seiner Provinz zu halten, da er mit eigenen Augen sehen wollte, in welchem Stande die Reduktionen sich befänden. Dieß aber war eine Reise von zweitausend Meilen, und man mußte nur wie er in den mühsamsten Missionär-Arbeiten im Paraguay ergraut seyn, um nicht vor den Beschwerden und Gefahren zu erschrecken, welchen er sich aussetzte, und die kein Mensch besser kannte als er selbst. Er litt unter Weges Schiffbruch auf dem Uruguay und ward nur durch die Kühnheit einiger Neubekehrten gerettet, die sich selbst der augenscheinlichsten Todesgefahr preis gaben. Doch der Anblick der blühenden Reductionen, wo man im verflossenen Jahre dreizchntauscnd achthundert Taufen gezählt hatte; schöner Kirchen, die sich von allen Seiten gestalteten; und neuer Ehristen, die von feurigstem Seeleneifer entzündet, ohne Unterlaß mit ihren Hirten, oft auch ohne sie, mit Gefahr ihres Lebens durch Wälder und Wildnisse liefen, die Ungläubigen ihrer Glückseligkeit theilhast zu machen, dieß 108 Alles entschädigte einen apostolischen Mann, wie der Provinzial cs war, überreichlich sür alle Mühen, die er sich gegeben hatte, Zeuge davon zu seyn und selbst Antheil daran zu nehmen. Überaus schmerzlich aber ward sein Herz von einem Vorfalle ergriffen, der um diese Zeit sich ereignete. Die Christen der Reductivnen, welche die Mamelucken zerstört hatten und die an den Fluß Parana waren übersetzt worden, fanden sich beinahe in gänzlicher Blöße, weil die Baumwolle nicht gerathen war. Es ersuchte also P. Montoya den P. Espinosa, nach Santafs zu gehen und derselben daselbst zu kaufen. Als nun dieser Missionär mit fünf Neubekehrten sich auf den Weg begab, da siel er den Guapalachen in die Hände, die von den Spaniern waren mißhandelt worden und Gelegenheit suchten, sich zu rächen. In ihrer Wuth brachten sie zuerst die Neophyten um's Leben und marterten dann den Gottesmann auf schauerliche Weise, zcr- stückten seinen Leib und warfen die Theile zerstreut in den Wald, daß sie den reiffenden Thieren zur Nahrung gereichten. P. del Techo erzählt, die Nacht seines Todes habe ein Missionär bei den Jta- tincn ihn in wunderbarstem Lichte glänzen sehen und er habe ihm friedselig zugerufen: Gott mit Euch, lieber Pater, ich gehe in den Himmel! Der Ordensmann aber zeichnete Tag und Stunde der Erscheinung auf, und erfuhr späterhin, daß solche genau mit der Zeit seines Martcrtodes übereinstimmten. Zm folgenden Jahr i635 ward auch P. Men- doza, ein überaus frommer und eifriger Missionär, von dem bereits öfters die Rede war, durch die Marterpalme verherrlicht. Es besuchte dieser Diener Gottes die Gegend von Laaguape, wo er eine Redaction zu stiften gedachte. Auf seinem Wege dahin war ein Berg, wo einige Jndier ihren^Sammel- platz hatten, die wegen ihrer Zauberkünste im ganzen Lande verrufen waren. Ihr Oberhaupt, Namens Taguba, war der unversöhnlichste Feind des Christenthums im Tape. Die Christen hatten ihn einst zu St. Michael angetroffen, wo er seine ganze Beredsamkeit aufbot, die Ncubekehrten von der Taufe abzuhalten. Und da banden sie ihn und sperrten ihn in das Haus des Missionärs, nämlich P. Mendoza's ein. Da nun diese Geschichte ihn um einen großen Theil seines Ansehens brachte, glühte er vor Wuth, sich zu rächen. Als er daher erfuhr, P. Mcndoza werde bald über seinen Berg gehen, nahm er sich, seiner Rache um so sicherer zu seyn, vor, ihn gut zu empfangen. Ek.ging ihm sogar entgegen/ behielt ihn einige Tage in seiner Ortschaft und sagte ihm, er wolle eine so große Anzahl Jndier als nur möglich versammeln, um sich mit ihnen unter seine Leitung zu begeben; und bat ihn dann, bei seiner Rückkehr zu ihnen zu kommen, sie im Glauben zu unterrichten, was er ihnen auch verhieß. Als er sich aber auf den Weg begab, da lauerten sie ihm bei einem Fluße auf, über welchen er H0 gehen mußte, und es fing an, stark zn regnen. Während nun die Jndicr, die ihn begleiteten, sich ein wenig unter Bäume entfernten, ein Obdach zu suchen, entdeckten sie die lauernden Feinde, und die Meisten waren auf ihre Rettung bedacht; nur Einige liefen hinzu, ihren geistlichen Vater zu warnen, und ihn entweder zu vertheidigen oder mit ihm zu sterben. Er selbst war zu Pferde und konnte leicht entkommen; doch waren unter diesen Jndiern einige Catechumenen, die er früher taufen wollte. Sie waren bereits mit dem Feinde handgemein geworden, und indeß er mit ihnen sich vereinigen wollte, blieb sein Pferd im Moraste stecken. Da rief er ihnen zu, die Flucht zu nehmen, was sie auch thaten; und er befand sich ganz allein mitten unter dieser Horde Barbaren/ die ein lautes und schauriges Geheul erhoben. Sie schössen von allen Seiten Pfeile auf ihn ab, und er ward tödlich verwundet. Nun nahte sich Einer aus ihnen und versetzte ihm mit einem Pfahl einen Streich auf den Kopf; er fiel, und sie fuhren fort, ihn mit Pfählen zu schlagen; tödtcten ihn auf die grausamste Weise, warfen ihn dann in einen Bach und bereiteten hierauf zwei Leichname junger Jndier, die dem heiligen Manne am Altar gedient hatten und zn seiner Seite gefallen waren, zu einem Schmause. Es hatte sich aber die Nachricht von seinem Tode kaum im Tape verbreitet, als die Christen und Proselyten, deren Hirt er gewesen war und die ihn kindlich geliebt hatten, sich aufmachten. seinen Tod zu rächen. P. Mola gab sich alle erdenkliche Mühe, sie davon abzubringen; doch vermochte er es nicht, zu verhindern, daß ein Corps von vierhundert Mann unter dem Verwand abging, die kostbaren Überreste ihres Vaters abzuholen und ihm die letzte Ehre zu erweisen. Bei ihrem Einzug in das feindliche Land trafen sie auf Taguba, der an der Spitze eines stattlichen Heeres stand. Hierauf waren sienicht gefaßt gewesen und sie konnten sich in der ersten Überraschung nicht wohl ordnen; doch fanden sie sich bald in die Lage der Dinge, schloffen sich in Reihen und griffen den Feind mit solcher Gewalt an, daß sie das Schlachtfeld mit Todten bedeckten, ohne einen einzigen Mann zu verlieren. Da der Kazike von St. Michael den Taguba ersah, lief er auf ihn zu, faßte ihn an und fragte ihn mit gewaltiger Stimme, wo er den Gottesmann getödtet habe; nöthigte ihn, an den Ort selbst ihn hinzuführen und spaltete ihm das Haupt an der nämlichen Stelle. Sie fanden daselbst noch die Überreste des Märtyrers, brachten sie in die Reduktion und bestatteten sie unter Thränen. Leicht wäre es diesen tapfern Streitern gewesen, bei dieser Gelegenheit, die Landschaft Tape von einer großen Anzahl Betrüger zu reinigen, die durch ihre sogenannten Zaubcrwcrkc die Völkerschaften verführten; und es zeigte die Folge, wie unrecht die Jesuiten hatten, sie hievon abzuhalten. Denn als P. Diaz Tanno in diese Landschaft gesandt ward, dcn P. Mcndoza zu ersetzen, fand er seine H2 Reduktion durch die Ermordung eines Theiles der Inwohner und die Flucht einer großen Anzahl Anderer beinahe zerstört. Man zählte über dreihundert Kinder, die diese Barbaren unter fluchwürdigen Ceremonien erwürgt und dann aufgefressen hatten. Die übrigen Kirchen des Tape waren nahe daran, ein gleiches Schicksal zu erfahren; und, die einen aufrecht zu erhalten und die andern zu erneuern, mußte man den Krieg aufs Neue beginnen und Vorkehrungen treffen, deren Erfolg ungewiß war. Der Gott der Heerschaaren indessen erklärte sich bald für Gläubige, die die Waffen nur ergriffen hatten, die Entheiligung seines Heiligthums zu verhindern und Ihm Anbeter zu erhalten. Übrigens kämpften auch diese neuen Machabäer, nicht sowohl das Blut ihrer Feinde zu vergießen, als ihnen ein Joch aufzulegen, das sie ihnen sehr erträglich machten und ihnen auch abnahmen, sobald sie sahen, daß sie aufrichtig bereit waren, den Nacken unter das sanfte Joch Christi zu beugen. Mehr Zeit und auch mehr Mühe ward erfordert, die Lücken auszufüllen, welche die Feindseligkeiten in den Kirchen angerichtet hatten, die am meisten waren ausgesetzt gewesen; aber auch dieß gelang über alle Hoffnung. Im folgenden Jahre i636 besuchte Dom Martin de Ledesma, der dem vorigen Gouverneur im Paraguay nachgefolgt war, die Reduktionen beim Parana, und wollte auf Antrieb der Inwohner von Assumtion zwei derselben, die von Gayra in diese »13 Provinz waren übersetzt worden, der Stadt näher bringen, um sie dann den Inwohnern als Commen- den zu vertheilen. Die Jesuiten stellten ihm vergeblich vor, daß die Spanier keine Ansprüche auf ihre Dienste hätten; er ergab sich ihren Gründen nicht, bis nicht P. Diaz Tanno ihm den Befehl von dem hohen königlichen Rathe brachte, diese Sache einzustellen. Ähnliches widerfuhr auch dem Gouverneur von Rio de la Plata, der einen Groll gegen die Jesuiten hegte, und in seinem Ärger über sie, eine Stadt beim Uruguay erbauen wollte. Er berichtete dem König, dieß sei unumgänglich nothwendig, um die neuen Christen dieser Provinz, die sich bedeutend vermehrten, in Schranken zu halten. Philipp IV. jedoch fand diesen Grund sehr sonderbar; denn er wußte, daß es nicht nur keinesweges nothwendig war, ge, gen diese Ncophyten auf der Hut zu seyn, sondern er hielt sie auch für die beste Mauer dieser Seite gegen die Feinde und sandte dem Gouverneur Befehl, diesen Gedanken aufzugeben. Es erhob sich noch ein drittes Ungewitter, das nicht so schnell vorüberging. Man behauptete zu As- sumtion, die christlichen Jtatinen wären nicht in dem Freiheitsbriefe begriffen, der die übrigen Reduktionen der Jesuiten sicherte; und man könne sie folglich als Commenden vergeben. Die Habsüchtigen, die dieß behaupteten, hatten sogar die geistliche Behörde für sich gewonnen und es ward beschlossen, die Jesuiten daraus zu entfernen und sie durch Wcltprie- Paraguay II. Bd. 8 tlt ster zu ersetzen. Man wußte wohl, daß P. Diaz nicht feiern würde, und kam ihm bei dem königlichen hohen Rathe zuvor, wohin man eine, mit vielen Namen unterzeichnete Schrift absandte, in welcher eine Menge schändlicher Lügen gegen die Jesuiten enthalten war. Dieß selbst aber war Ursache, daß ihr ganzer Plan scheiterte. Denn Einer aus den Unterschriebenen, von seinem Gewissen gefoltert, entdeckte dem hohen Rathe den ganzen Betrug; und es erfolgte von diesem königlichen Gerichtshöfe das strengste Verbot, Etwas in. dieser Sache zu thun. Doch kam dieß Verbot zu spät; denn der Anschlag der Spanier war in den Reductionen bekannt geworden, und die Furcht vor dem Frohndienste hatte so tief auf diese neuen Ehristen gewirkt, daß die größte Anzahl aus ihnen sich zu den Heiden flüchtete. Zur Fülle des Unglücks brach eine Pest aus, welche Viele hinwegraffte und die Übrigen zerstreute. Die Väter Henart und Ranyvnnier, von Mühen und Verdruß niedergebeugt, erkrankten darüber; und P. Man- silla, der allein diese scheue Herde leiten sollte, hatte mehr Arbeit, dieselbe wieder zu vereinigen als es Mühe gekostet hatte, sie zu versammeln. Auch in Tape wüthete die Pest und hatte bereits eine große Menge Neophyten hinweggerafft, als man auf einmal erfuhr, die Mamelucken rüsteten sich übermal und zwar mit aller Macht, in das Land einzufallen. In diesem furchtbaren Raubkriege wurden neuerdings mehrere Reductionen gänzlich zerstört. H5 und eine große Anzahl Christen als Sclaven abgeführt. Die Vater der Mission arbeiteten über ihre Kräfte, sicherten auch manche ihrer Herden wenigstens zum Theil; doch konnten sie es nicht verhindern, daß man ihre geliebten Kinder Schaarweise vor ihren Augen in die Gefangenschaft führte. Vergeblich eilte der Provinzial und die Vorsteher der Missionen nach Assumtion, nach Corricntcs und nach Buenos-Ayres, um Truppen zu erhalten; vergeblich waren alle ihre dringenden Vorstellungen, daß der Feind bald selbst diese Städte überfallen würde; sie erhielten statt der Hilfe, die sie verlangten, nur harte Worte und Verweise. Die Anzahl der Gefangenen, die die Mamelucken in diesen drei Raubkriegen mit sich geführt und verkauft hatten, belief sich über sechzigtauscnd Seelen. Der Provinzial, der nun gesehen hatte, daß er durchaus nichts von den Spaniern zu hoffen habe, wofern nicht der königliche hohe Rath seine Sache verfocht, schrieb an diese höchste Stelle selbst, berichtete alles was vorgegangen war, und schilderte die traurige Lage der neuen Christen im Paraguay. Er sandte seine Briefe auf einem Schiffe ab, das nach Portugal segelte; und er glaubte, er habe die- selben Jemand anvertraut, auf den er sicher rechnen könne. Doch zweihundert Meilen vor Lissabon wurden dieselben iu's Meer geworfen. Jene indessen, die diesen Befehl gegeben hatten, gewannen hierbei nichts; denn kurze Zeit hernach wurde das Paket 8* II« im Hafen zn Lissabon gefunden uiw dem König von Spanien überreicht. Im folgenden Jahre 1637 ward P.Diaz Tann» nach Rom, und P. Montoya nach Madrid abgeordnet. Letzterer ward beauftragt, den hohen indischen Rath um kräftige Unterstützung gegen die Mamelucken zu bitten, und zu berichten was die Fortschritte der Religion im Paraguay verhindere. Der Auftrag des P.Diaz aber war, seinem Ordensgeneral Bericht über den Zustand der Provinz zu erstatten und ihn um Missionäre zu bitten. Der Bischof von Tucuman schrieb bei dieser nämlichen Gelegenheit an den König und schilderte ihm den traurigen Zustand seines Bisthums, die ungeheuern Arbeiten der Jesuiten und die Früchte derselben, den Mangel an Weltpriestern und die große Unwissenheit derselben; und flehte und beschwor den König, ihm vier- zig Väter der Gesellschaft Jesu zu senden, dem betrübten Stande des Bisthums aufzuhelfen. Wie groß aber auch die Sehnsucht der beiden Abgeordneten war, sich nach Spanien zu begeben, mußten sie dennoch ein HalbesJahr im Hafen zu Rio Janeiro sich aufhalten, ein Schiff zu erwarten, damit sie ihre Reise fortsetzen könnten. Indessen benutzten sie diese Zögerung, den Portugiesen an's Herz zu legen, wie schändlich dieser Handel mit Jn- diern, welche die Mamelucken geraubt hatten, und wie unwürdig derselbe ehrlicbender Menschen sei. Sie beschworen sie auch, der strengen Rechenschaft zu gedenken, die sie deßfalls vor Gottes Gericht einst geben müßten. P. Montoya sprach sich sogar einige Male auf der Kanzel darüber aus; und seine dringenden Ermahnungen blieben nicht ganz fruchtlos; denn mehrere Privatleute gaben den Sclaven, die sie den Mamelucken abgekauft hatten, vie Freiheit; und die Obrigkeiten erließen das strengste Verbot, diesen schändlichen Handel fortzusetzen. Doch sah dieser Missionär wohl ein, daß dieß dem Übel nicht abhelfen würde, und glaubte wirksamere Vorkehrungen treffen zu müssen, die Neophyten im Paraguay vor ihren Feinden zu schützen; und die Folge wird zeigen was er ausrichtete. 16. Versetzung einiger Misstonen wegen abermaliger Einbrüche der Mamelucken. Sonderbare Andacht dieser Räuber, die eine ganze Reductio» gefangen davon führten. Apostolische Arbeite» in Tucuman. Die Vater des Franciscaner-Drdens fordern eine Redaction zurück'. Folgen dieser Forderung. Marter der Väter Osorio und Ripario. Die Mamelucken setzen ihre Raubzüge fort. Arbeiten der Missionare, ihre Jndier zu rette». Es war aber nichts Geringes, das Amt eines Vorgesetzten der Missionen im Tape unter solchen Umständen zu begleiten; und P. Alfaro, dem dasselbe in Abwesenheit des P. Montoya übertragen ward, ob auch ein erfahrener und eifriger Mann, hatte nicht geringe Mühe, dasselbe zu verwalten; und mußte solches damit beginnen daß er die Re- 1l8 ductionen St. Joachim und St. Theresia näher an den Uruguay verlegte, da die Mamelucken erbitterter als je gegen die neuen Christen des Tape waren. Dieß aber war keine leichte Aufgabe; denn diese Neophyten weigerten sich dessen auf alle Weise und sagten, das Land, wohin man sie hinführen wolle, sei dem Feinde nicht minder ausgesetzt als das, worin sie nun sich befänden; und Einige zettelten sogar eine Verschwörung gegen die Missionäre an. Indessen verbreitete sich gleichwohl das Entsetzen bald allenthalben, denn die Mamelucken waren im Anzug; viele Neophyten zerstreuten sich. St. Theresia ward überfallen und alle Inwohner gefangen davon geführt. Dieß geschah zur Zeit der heiligen Weihnacht, und am Tage dieses Festes selbst erschienen die Mamelucken mit brennenden Kerzen in der Kirche und hörten die drei Messen des P. ökime- nes. Der Missionär aber bestieg hierauf die Kanzel und verwies ihnen ihre Ungerechtigkeit und Grausamkeit in furchtbaren Worten. Sie indessen hörten ihn mit so großer Ruhe an, als ob sie dieß nichts anginge, und schenkten ihm die zwei Knaben, die beim Altare dienten. Da nun die Missionäre sahen, daß sie sonst nichts erhalten konnten, verbargen sie die heiligen Gefäße und andern Schmuck der Altäre in die Erde und zogen sich nach Uruguay zurück. Auf ihrem Wege begegneten ihnen einzelne Neophyten, die in den Wildnissen umherirrten, und P. Ximenes führte sie an den Parana, wo sie mit offenen Armen aufgenommen wurden. Viele andere, die H9 noch nicht getauft waren und die Mamelucken nicht abwarten wollten, kehrten in ihre Wildnisse zu ihrer vorigen Lebensweise zurück; und Manche glaubten dem Gerede, das die Mamelucken überall verbreiteten, die Jesuiten hätten sie nur versammelt, um sie ihnen auszuliefern; so daß diese Missionäre bald nirgend mehr sicher waren und oft schwer mißhandelt wurden. Indeß aber die Religion in der Landschaft Tape einen, menschlicher Weise unersetzlichen Verlust erlitt, arbeiteten in Tucuman die Missionäre nach der Absicht ihres frommen Bischofs mit um so größerem Verdienst als Diejenigen, die sie vorzüglich unterrichteten, sie weniger anhörten; da sie solche nicht, wie die der übrigen Reduktionen, vom Frohn- dicnst der Spanier befreien konnten. P. Osorio arbeitete, auf die Bitte des Bischofs, in Chaco bei den Ocloia's unfern Jujuy, am Flusse Rio Ver- mcjo. Er wußte nicht, daß diese Völkerschaft, ob sie auch noch nicht unterworfen war, dem General Dom Juan Ortiz de Zarate als Commende war gegeben worden; und arbeitete mit P. Jgnaz de Me- dina unverdrossenen Eifers an der Bekehrung derselben; wo bereits vor vielen Jahren, die Vätcr des Franciscaner-Ordens gewirkt hatten; wo aber selbst die letzten Spuren des Christenthums erloschen waren. P. Mcdina hatte den Plan, sie in Eine Ortschaft zu vereinigen, weil sie in kleinen Horden zerstreut waren und er nicht alle einzelnen derselben 12« ohne großen Zeitverlust besuchen konnte. Sie willigten mit Freuden in seinen Vorschlag und die Ortschaft ward vier Stunden von Jujuy errichtet. Sie erbauten daselbst eine große Kirche; es sammelten sich auch noch viele andere Jndier, und in kurzer Zeit wurden über sechshundert Personen daselbst getauft. P. Medina erfreute sich im Herrn über das Wachsthum seiner Heerde, hegte die Hoffnung, daß bald die ganze Nation sich zum Christenthum bekeh, ren würde, und traf bereits Anstalten, zwei neue Ortschaften zu gründen, als auf einmal die Vater des Franciscaner- Ordens mit der Klage auftra, ten, die Jesuiten legten die Sichel an ihre Ernte. Vergeblich stellten sowohl der Gouverveur als der Bischof ihnen vor, sie sollten ihr Recht wenigstens ein ander Mal geltend zu machen suchen, ihre Forderung würde die Eroberung von Chaco vcr- eitel», an welcher sowohl der Religion als dem Staat gelegen wäre; und die Jesuiten würden, wenn dieselbe gesichert wäre, ihnen ihre alte Mission mit Vergnügen abtreten. Sie nahmen keine Vorstellung an, und sagten, sie würden, wenn sie in Tucuman kein Recht erhielten, ihre Klage vor das Gericht des Metropoliten, und sogar vor das königliche Hofgericht bringen. P. Osorio hatte aufrichtig geglaubt, diese Vä- ter hätten jener Misston längst entsagt; und überdies! arbeiteten die Jesuiten eben nicht sonderlich gern bei Jndier», die sie dem Frohndienste nicht entziehen konnten, und nur dann, wann sie, wie es hier 12! der Fall war, dem Bischof die Bitte nicht versagen konnten. Übrigens waren sie auch bereit, dem Frieden mit andern Orden Alles aufzuopfern. Wie sehr also auch die Oclo'ia's den P. Medina baten, bei ihnen zu bleiben, gehorchte er dennoch auf der Stelle seinem Provinzial, der ihm den Befehl sandte, sich zu entfernen. Indessen geschah was man vorhergesehen hatte; die Eroberung von Chaco ward vereitelt, und es kostete Denjenigen, die der Mission sich geweiht hatten, das Leben. Die PP. Osorio und Ripario, die sich einen neuen Weg zu ihrer Bestimmung daselbst bahnen mußten, wandelten einige Zeit mit Jndiern, die sich ihnen zu Begleitern erboten hatten. Da sie jedoch keinen sichern Führer hatten, ging P. Osorio nach Jujuy, daselbst einen zu holen und traf dann wieder bei seinem Gefährten ein; beide Väter umarmten einander und theilten sich gegenseitig das Vorgefühl ihres nahen Todes mit, den sie schon früher Andern gcweissagt hatten. Sie hatten kaum ihre Reise fortgesetzt, als ihnen Jndier verschiedener Nationen, meist Chiriguanen begegneten, die sich erboten, sie zu begleiten. Man nahm ihr Anerbieten an; da aber dnrch diese Vergrößerung der Gesellschaft die Lebcnsmit- tel bald aufgezehrt waren, sandte P. Osorio einen jungen Spanier, Namens Sebastian Alcaron, der das Verlangen hatte, in den Orden der Jesuiten einzutreten, und unter diesen beiden Missionären das apostolische Leben erlernen wollte, nach Jujuy, der- 122 sclbe» dort zu erkaufen. Zwei der Chiriguanen wollten ihn begleiten; und die Vater hatten nichts dagegen, da alle diese Jndier so gern von der Religion reden hörten, daß sie hofften, sie hätten dieselben bereits für das Christenthum gewonnen. Doch diese Barbaren hatten dabei eine ganz andere Absicht. Alcaron ward von seinen Begleitern ermordet, die ihn dann auffraßen. Hierauf kehrten sie zurück und kamen bei Nacht an den Drt, von wo sie abgegangen waren. Die Leiden Missionäre erhielten bald Kunde von dem Vorfall, und ihre Neubekehrten wollten sie bereden, die Nacht zu benützen, um ihr Leben zu retten. Dieß bedünktc sie jedoch ganz unmöglich; dazu auch sagten sie ihnen, daß sie.es für ein Glück hielten, in ihrem Berufe zu sterben. Sie entfernten sich also, um zu beten und ein wenig auszuruhen. Wenige Augenblicke hierauf hörten sie ein Geräusch; es waren diese Barbaren, die ihr Gepäcke plünderten; sie hielten dieß für ein Vorzeichen ihres nahen Todes; und bereiteten sich die übrige Nacht dazu vor. Am frühesten Morgen, als sie noch im Gebet begriffen waren, kamen Chiriguanen mit Bogen und Keulen bewaffnet, auf sie los. Die Ncophyten, die nicht sehr fern waren, liefen alsbald dem Walde zu und zweifelten nicht, daß die Missionäre ihnen folgen würden. Doch als sie bei ihrer Ankunft daselbst um sich blickten, sahen sie, wie diese Barbaren die Vater mit Keulen todtfchlugen, ihnen den Kopf abschnitten, sie plünderten, ihnen den Bauch öffne- 123 ten und sich entfernten. Die Ncophyten liefen alsbald herbei, bedeckten, weil sie kein Werkzeug zu ihrem Begräbnisse fanden, ihre Leiber mit Reisig und berichteten den Jesuiten zu Salta was sie so eben gesehen hatten. Diese beiden Missionäre vollendeten ihr Opfers am i. Aprill 1689. Der Bischof von Tucu- man befahl, den Triumph beider Bekenner Christi in allen Kirchen seines Bisthums festlich zu feiern. Indessen aber setzten die Mamelucken ihre Streifzüge ungehindert in der Provinz Uruguay fort; ob sie aber auch einige Reduktionen zerstörten, sammelte sich dennoch ein starkes Heer dieser neuen Christen und schlug sie einige Male mit abwechselndem Glücke. Durch diesen guten Erfolg ermuntert, verstärkten sie sich endlich immer mehr, bis sie dieselben auf ihrem Rückzug nach Brasilien auf das Haupt schlugen und vielleicht gänzlich aufgerieben hätten, wenn nicht ein Officier, der mit einigen Spaniern zu ihnen gestoßen war, gegen die Vorstellung der Jesuiten, die ihre Jndier in diesen Kämpfen begleiteten, sie gegen Bedingnisse, die sie nicht hielten, hätte frei abziehen lassen. Nun aber hielt der Provinzial es für nothwendig, alle Neophyten an Orte zu führen, wo sie gegen diese Räubcrhordcn gesichert wären, und ihnen Reduktionen am Parana zu errichten; was jedoch nur mit äußerster Schwierigkeit geschah, da die Wenigsten zu einer so weiten Auswanderung in ein ganz fremdes Land sich verstehen, und lieber allen Gefahren sich preisgeben wollten. Viele auch cnt- I2k flohen und wurden nur sehr schwer zurückberufen; nicht Wenige auch wurden höchst unwillig gegen ihre Wohlthäter, bildeten sich fest ein, man führe sie nur so weit, um sie an die Spanier auszuliefern, und mißhandelten die Missionäre; und es gehörte fürwahr die heiligste und stärkste Geduld undSanft- muth dazu, alle diese und eine noch weit größere Anzahl anderer Schwierigkeiten zu überwinden. 17. P.Montoya erwirkt be» Inbierii der Redactionen Feuergewehre. Wirkungen dieser Erlaubniß. Neue Streifzüge der Mamelucken. Sie werden gänzlich geschlagen. Der Gouverneur von Paraguay befreit die Provinzen von einem andern Feinde. Es genügte jedoch nicht, die Neubekehrten vor einem gähen Überfalle zu sichern; ihre Oberhäupter stellten dem Provinzial vor, daß sie niemals mit sicherem Erfolg gegen die Mamelucken sich vertheidigen könnten, wofern sie nicht mit gleichen Waffen stritten. Dieß wußten der Provinzial und die übrigen Missionäre sehr wohl; doch betrachtete man es in Spanien als Staatsmarime, den Jndiern keine Fcuergewehre zu geben; und dieß war allerdings sehr weise hinsichtlich Derjenigen, die zu Commenden vergeben wurden, weil diese das Joch nur trugen, so lange sie dasselbe nicht abwerfen konnten; was bei den freien Jndiern nicht zu fürchten war; zumal da sie die einzigen waren, auf die man sich verlassen konnte, um die Gränzen von Paraguay und I2S Nlo de la Plata gegen die Unternehmungen der Portugiesen und der Jndier dieser Seite zu decken, die die Städte Xeres, Villarica und Eiudad-Neal nur zerstörten und sich einen Weg zu den reichen Goldminen von Euyaba und Montrgrosso bahnten, seit man es hatte angehen lassen, daß sie die Reduktionen von Guayra zerstörten. Es erregt fürwahr Erstaunen, daß die spanischen Gouverneurs, welchen die Missionäre dieß so oft vorstellten, so wenig Rücksicht darauf nahmen und sich gegen diese Männer von Leuten aufbringen ließen, die nur sehr übel verstandener Eigennutz leitete, dem sie das Wohl des Staates und der Religion aufopferten, und nur solche Christen haben wollten, die ihnen als Sclaven dienten. In dieser Sache jedoch wollte man nicht einmal mit den Gouverneurs reden und P. Borea, der geflissentlich verhütete, daß seine Absicht im Publicum kund würde, hatte dem P. Montoya bei seiner Abreise aufgetragen, den Neubekehrten den Gebrauch der Fcuergcwehre vom König zu erwirken, um die Gränzen zu schützen, die Mamelucken zu vertreiben und für den Dienst des Königs in's Feld zu ziehen. Doch sollten diese Waffen nicht den Einzelnen zu Gebote stehen, sondern im Gemeindehaus niedergelegt und die Überzahl zu Assumtion aufbewahrt werden; auch wollte man sie aus den Almosen- geldern kaufen, so daß sie die königliche Easse auch nicht einen Heller kosteten. Der König aber fand diese Gründe so gewichtig und die Vorsichtsmaßre- 126 geln so zweckmäßig, daß er die Bitte bewilligte und deßfalls die nothwendigen Befehle an den Vice- könig und die Gouverneurs ergehen ließ. Viele bemühten sich in der Folge, einen Widerruf dieses Befehls zu erwirken; doch die Könige, die den großen Nutzen dieser Anordnung einsahen, gaben dieß nie zu. Auch bildete sich allmälig ein so treffliches Heer aus diesen neuen Christen, daß sie dem Monarchen die wichtigsten Dienste leisteten. Als aber die neuen Christen diese Fürsorge ihrer Missionäre für sie sahen, daß sie nämlich sie in den Stand setzten, nichts mehr von ihren Feinden zu fürchten, da hörte alles Murren wider sie plötzlich auf; und die Jesuiten benützten diese Ruhe, die Landschaft Tape und alle Umgegenden zu durch- wandeln, damit sie Diejenigen aufsuchten, die sich bei Annäherung der Mamelucken in die Wälder und auf die Gebirge verborgen hatten. Sie fanden auch derselben eine große Anzahl von jedem Alter und Geschlecht und führten sie nach Jtapita. Nun waren sie bedacht, die Todten, die Ausreißer und Diejenigen zu ersetzen, die nach Brasilien waren abgeführt worden. P. Palermo schiffte mit einer Schaar eifriger Christen am Parana hinauf und kehrte mit einer sehr großen Anzahl Proselyten in seine Kirche zurück. Indessen ließen sich dennoch je zuweilen noch Streifzüge der Mamelucken in den Gegenden der Reduktionen sehen; und als der Gouverneur von Paraguay, Dom Pedro de Lugo, der vor Kurzem sehr gemessene Befehle von dem König empfangen 127 hatte, alles für die Sicherheit der Reduktionen seiner Provinz aufzubieten, dieselben eben mit wohl bewaffnetem Geleite besuchte und erfahren hatte, dieß Raubgesindel schien gegen den Parana hin sich nähern zu wollen, versammelte er viertausend Jndier und eilte ihnen entgegen. P. Alfaro begleitete ihn mit einigen andern Jesuiten, und da er einst voranging, ward er von Einem der Mamelucken erschossen. Sobald der Gouverneur dieß erfuhr, stellte er sein Heer in Schlachtordnung und fiel den Feind, der sich dessen nicht versehen hatte, so plötzlich an, daß er Alle niederhieb, die sich ihm widersetzen wollten und beinahe alle Übrigen gefangen nahm. Er übergab sie der Obhut der Neophyten bis er über ihr Schicksal entschieden hätte; und überließ die Tupis, die sich unter den Mamelucken befanden, ihrem Willen. Sie aber behandelten sie so gut, daß sie dieselben Jesu Christo gewannen. Sie wurden dann in den Geheimnissen des Glaubens unterrichtet, und ihre Taufe war das Ende ihrer Gefangenschaft. Es folgte aber dem P. Alfaro, der zu Conception bei dem Uruguay begraben ward, P. Ruicr als Vorgesetzter der Missionen nach; und er hatte kaum sein Amt angetreten, als der Gouverneur von Rio de la Plata ihn um achtzig Neophyten ersuchen ließ; wobei er ihm erinnerte, daß die Unternehmung, die er vorhabe, sehr Vieles zur Sicherheit der Reduktionen beitragen werde. Es hielten sich nämlich an der Ostseite des Pa- 128 raguay, an einem vier Meilen langen und mit vielen Inseln besetzten See, der den Namen der Ca- racaras führte, eine Menge Raubgesindel auf; und zu jener Zeit hatten sich auch einige Renegaten und die Mörder des P. Espinosa dahin geflüchtet. Die Straflosigkeit, welche sie der Schwierigkeit verdankten, sie anzugreifen, hatte ihnen große Keckheit eingeflößt; oft richteten sie großen Schaden in den Umgebungen des Sees an und hatten auch seit Kurzem die Kirche der Reduktion St. Lucia abgebrannt. Von diesem Gesinde! wollte der Gouverneur die Provinz reinigen. Sobald also P. Ruier sein Schreiben empfangen hatte, theilte er solches dem P. Romero mit. Dom Pedro gab ihnen den tapfern Dom Juan de Garray zum Commandanten, der nach einem Marsch von mehr als hundert Meilen an den See kam, wo die Bewohner ihm den Eingang streitig machten. Indessen schiffte er sich dennoch mit seiner Mannschaft ein, und wiewohl der Feind alle Vortheile seiner Lage benützte, ward er dennoch von einer Insel zur andern verfolgt, und es war auch nicht Einer, der nicht entweder getöd- tet oder gefangen genommen ward. Bei dieser Gelegenheit erkannte man zum ersten Mal was diese Militz der Rcductionen im Stande wäre, falls sie wohl bewaffnet und gut commandirt würde. 129 18. Rückkehr der pp. Tanno und Montoya aus Spanien. Was Beide zu Rom und zu Madrid ausrichteten. Aufstand einiger Städte in Brasilien über ei» Breve Urbans VIII. hinsichtlich der Rückgabe der Gefangenen. Feindseligkeiten der Talchagui's in Tucuman. Der Gouverneur schließt Frieden mit ihnen; und was weiter hierauf erfolgt. Während dieser Zeit kam P. Diaz Tanno mit einer großen Anzahl Missionäre nach Buenos-Ayres zurück. Er hatte den P. Montoya bis nach Madrid begleitet und sich von dort nach Rom begeben, wo er seinem Ordensgeneral, dem P. Vitellcschi den traurigen Zustand schilderte, in welchem er die indischen Kirchen des Paraguay verlassen hatte. Der General weinte mit ihm über dieß große Elend und führte ihn hierauf zu Urban VIII., der damals die Kirche regierte, und der bei der Erzählung des Missionärs von den Raubzügen der Mamelucken und der Jndier nicht minder tief ergriffen ward, und ihm ein Breve zustellen ließ, in welchem er die Urheber und Beförderer so schwerer Drangsale mit dem Kirchenbann bedrohte, wofern sie nicht alsbald dahin wirkten, daß dieselben aufhörten. Hierauf ließ der Papst sich die Arbeiten der Jesuiten in Paraguay mit allen Umständen erzählen und bezeugte die innigste Liebe gegen diese apostolischen Arbeiter; gab ihm sehr schöne Geschenke für dieselben, insbesondere für den P. Orighi mit, den er seinen alten Freund nannte, dessen Bruder Car- Paraguay II. Wd. t) 130 dinal war; und bewilligte ihm Alles, um was er ihn für die Ruhe dieser neuen Christen bat. Er kam sogar seinen Wünschen zuvor, und die Freude des Missionärs wäre vollendet gewesen, wenn der Papst ihn nur hätte versichern können, daß die Bannstrahlen des Vaticans den Übeln, die er ihm geschildert hatte, wirksam abhelfen würden. Als er nun nach Madrid zurückkehrte, da hatte P. Montoya eine schöne Anzahl Missionäre versammelt, mit welchen er sich nach Lissabon begab, daselbst sich einzuschiffen, und sie segelten nach man, cherlei Schwierigkeiten endlich ab und kamen im Jahre 1640 im Hafen zu Rio Janeiro an, wo der Gouverneur, Dom Emanuel Sa, sie mit großen Ehren empfing. Nach einigen Tagen ließ P. Diaz Tanno mit Beistimmung der geistlichen Behörde das Breve des Papstes verkündigen, von welchem vorhin die Rede wan Dieß aber brachte einen großen Theil der Stadt wider ihn auf; man stürmte das Collegium der Jesuiten, und diese Religiösen hatten das Äußerste von der Wuth des Volkes zu fürchten, wofern nicht der Gouverneur die Garnison hätte ausrücken lassen und ihnen zu Hilfe gekommen wäre. Endlich ward beschlossen, dem Papste Vorstellungen zu machen, und dieß besänftigte das Volk. Doch nicht so leicht ward dasselbe in der Stadt Allerheiligen und zu St. Paul von Piratininga besänftigt, wo es zu den furchtbarsten Auftritten kam. Laut rief die empörte Menge, sie würde es auf keinen Fall dulden, daß man ihre Sclaven ihnen hinwegnähme, da ihr ganzes Vermögen darin bestände; man sollte Feuer auf die Priester geben; und sie beriefen sich auf den Fiscus des Königs. 2» ihrer Wuth rissen sie den Verweser des Bisthums zu Boden, setzten ihm den Degen an die Kehle und bedrohten ihn mit dem Tode, wofern er nicht Alles widerriefe, was er gethan habe. Auch vertrieben sie die Jesuiten, welche die Freiheit der Jndicr vertheidigten, unter vielfältigen Mißhandlungen aus der Stadt; und als diese Nachricht nach Rio Janeiro kam, da ließ der Capitain eines Kauffahrteischiffes, der im Hafen daselbst lag, alle seine Kanonen lösen, seine Freude darüber zu bezeugen. Der Gouverneur jedoch, der bereits einen andern Aufwiegler zu Peitschenhieben verurtheilt hatte, ließ auch diesen Officier strenge für seinen Muthwillcn bestrafen. Unter diesen Verhältnissen langte die Nachricht an, der Herzog von Braganza sei zum König von Portugal ausgerufen worden und das ganze Königreich erkenne ihn als solchen. P. Diaz Tanno, der die Folge dieses Ereignisses für die Provinz Paraguay leicht vorhersah, da'er den Haß der Portugiesen gegen die Spanier kannte; auch wohl wußte, daß der neue König noch lange nicht im Stande seyn würde, wirksame Vorkehrungen gegen die Raubzüge der Mamelucken zu treffen; ja dem man sogar diese Raubzüge als ein Mittel anpreisen konnte, die spanische Macht im 132 südlichen Amerika zu schwächen, suhlte sich aus diesen und noch andern Gründen bewogen, Brasilien so bald als möglich zu verlassen; was er auch im Anfang November 1640 that, in welchem Monate er auch noch zu Buenos-Ayres anlangte. Nicht minder glücklich als P. Diaz Tanno zu Rom, hatte auch P. Montoya seinen Auftrag zu Madrid ausgerichtet. Denn der König hatte die Freiheit der Jndier durch eine neue Verordnung sicher gestellt und alle früheren Beschlüsse deßfalls bekräftigt. Auch wurden die Übertreter dem Jnquisitionsgerichte unterworfen; und überdieß sollten die Jndier, welche nach Brasilien waren abgeführt worden, frei entlassen und die Mamelucken bestraft werden. Indessen sah P. Montoya wohl ein, daß, nach der Revolution von Portugal, die Neophyten nicht gegen die Raubzüge der Mamelucken gesichert wären, wofern sie nicht anders als mit Bogen und Keulen sich gegen sie wehren konnten; und man war in Paraguay über die Leichtigkeit erstaunt, mit welcher, auf die Vorstellungen des Missionärs, der König und sein hoher Rath den Jndiern den Gebrauch des FeUergewehres erlaubt hatte. Um aber auf P. Diaz Tanno zurückzukommen, fand dieser Missionär bei seiner Ankunft, daß die Provinz Tucuman sehr viel von den Feindseligkeiten der Calchaqui's zu leiden hatte. Es schloß zwar noch in demselben Jahre der Gouverneur Frieden mit ihnen; doch glaubte er, er könne nur dann mit Sicherheit rechnen, daß sie denselben nicht brechen 133 würden, wenn sie unter der beständigen Leitung der Jesuiten ständen und die Versicherung hätten, daß sie niemals und unter keinem Vorwand zur Knechtschaft verhalten würden Er traf deßhalb eine Verabredung mit dem Provinzial, der auch Missionäre dahin absandte, die mit Freuden aufgenommen wurden; und die Jndier selbst, die ihnen in Schaa- ren entgegen kamen, wiesen ihnen Plätze zu Wohnungen und zum Baue einer Kapelle an, bis man eine Kirche erbauen könne. Indeß aber die Väter der Mission die besten Hoffnungen für die Bekehrung dieser Völkerschaft hegten, griffen die Inwohner von Rioja die Dia- guitcn an, die Bundesgenossen der Calchaqui s waren; und diese betrachteten eine solche Feindseligkeit als einen Bruch des Friedens, den man mit ihnen geschlossen hatte. Die am meisten darüber aufgebracht waren, wollten, man sollte sogleich zu den Waffen greifen und vor allem Andern die Jesuiten ermorden. Diese aber fragten sich bei ihren Vorgesetzten an; P. Torrcblanca machte indessen Einem der vorzüglichsten Kaziken Vorstellungen und sagte ihm, die Nation hätte Unrecht, wegen eines Vorfalls zwischen einigen Spaniern und Diaguiten, einen allgemeinen Aufstand zu erregen; und es wäre dem Gouverneur gewiß sehr viel daran gelegen, mir allen Jndiern im Frieden zu leben. Da jedoch dieser Missionär sah, daß alle Vorkehrungen zu einem Kriege getroffen wurden, hielt er für rathsam, sich auf einige Zeit zu entfernen. » 134 Die Vorgesetzten jedoch glaubten, man müsse nicht sogleich alle Hoffnung aufgeben, da diese Jn- dier sich eben so bald besänftigen als aufbringen ließen, und wollten die Missionäre unverzüglich dahin zurücksenden; dieß aber wehrte der Gouverneur, der, wegen des gegenwärtigen Standes der Dinge mit Portugal, sich ihretwegen nicht in einen Krieg verflechten wollte, der ihm nun höchst ungelegen kam. Doch wurden die Calchaqui's bald hierauf wieder ruhig, und es zogen die Missionäre dahin, wo man sie auch gut aufnahm, und errichteten daselbst nach Kurzem eine Reduction unter dem Namen Sanct Carl. 19. Versuche zur Bekehrung der Völker i» Chaco. Reise des p. Pastor zu den Abiponen. Aufnahme der Missionäre daselbst. Bereitwilligkeit dieser Völkerschaft, p. Pastor wird abgerufen. Er wird nach Rom gesandt-'Die Mission wird verlassen. Traurige Folgen davon. Indessen war Chaco immer das Hauptaugenmerk des Gouverneurs von Tucuman, und auch dem sehr frommen Bischof lag die Bekehrung dieser Völker sehr am Herzen. Auf eine Unterredung mit ihm erbot sich P. Pastor, Rector des Collegiums Santiago, den Versuch zu wagen. Er wollte aber nicht an den Gränzen Tucuman's stehen bleiben, wo die Spanier zu sehr verhaßt waren, sondern sein Vorhaben war, bis an die östliche Gränze des Chaco, zu den Rbiponen vorzudringen, 135 Es gehörte aber zu dieser Unternehmung für. wahr ein sehr wüthiges Herz, denn um zu den Abi. ponen zu kommen, mußte man ein großes Land durchwandern, das von vielen Völkerschaften be. wohnt war, die nur durch ihre wilde Grausamkeit bekannt waren. Dazu fand man auch die Hälfte des Jahres hindurch nicht Einen Tropfen trinkbaren Wassers; die übrigen sechs Monate aber glich das Land wegen der unaufhörlichen Regengüsse, einem großen Meere. Gleichwohl erboten sich alle Vater des Collegiums zu Santjago, ihren Rector zu begleiten; er nahm jedoch nur den P. Cerqueyra mit, der die abiponische Sprache, die in ganz Chaco gesprochen wird, mit großer Geläufigkeit redete. Das erste Ziel ihrer Reise war eine große indische Ortschaft, Matara genannt, ungefähr hundert Meilen von Santjago; und man hatte sie versichert, daß sie daselbst Führer finden würden. Die Mata- ranen nannten sich Christen. Denn der heilige Fran- ciscus Solano hatte einst dieß ganze Land durchreist, und die Väter Agnasco und Barsena hatten das Evangelium daselbst gepredigt; wiewohl das Christenthum größten Theils erloschen war und sie demselben viele abergläubigen Gebräuche beimischten, auch allen heidnischen Ausschweifungen sich überließen. Es fingen also die Väter ihre Mission daselbst an, predigten, unterwiesen sie in ihren Pflichten, und man hörte sie mit großer Ehrsucht an; beinahe alle beichteten und es erübrigte den Missionären bloß, sie in ihren guten Vorsätzen zu kräftigen. Von dort aus hatten sie noch sechzig Meilen zu den Abiponen; und der Kazike von Madara erbot sich, die Jesuiten mit bewaffneter Mannschaft bis dahin zu begleiten; was P. Pastor mit Dank annahm; und gewiß auch war diese Hilfe ihm weit nothwendiger, als er es damals vermuthete. Er mußte nämlich durch Wälder ziehen, wo er den Weg nimmermehr gefunden hätte, und wo es ihm auch nicht möglich gewesen wäre, gegen Tiger und andere reißende Thiere sich zu vertheidigen, auf die man beinahe mit jedem Schritte stieß. Nach dem Ausgang aus diesen ungeheuern Wäldern aber kam man in große Wüsteneien; und zudem wird oft das ganze Land durch das Austreten des rothen Flusses so sehr überschwemmt, daß die Sümpfe und Moräste daselbst nie austrocknen. Die Mataranen wurden durch so große Schwierigkeiten bald abgeschreckt; sie wollten sogar die Missionäre zur Rückkehr zwingen; und sicherlich hätten sie dieselben verlassen, wenn nicht P. Pastor Mittel gefunden hätte, sie durch kleine Geschenke zu gewinnen. Endlich kamen sie bis an die Landschaft der Abiponen; doch da wurden die Mataranen von plötzlicher Furcht befallen. Sie stellten vor, daß sie in viel zu geringer Anzahl wären, der Wildheit eines feindlichen, durch seine Gnkusamkciten verrufenen Volkes sich auszusetzen; und nur mit großer Mühe konnte P. Pastor sie beruhigen. Endlich sandte er den P. Eerqueyra voraus, sich umzusehen, wo man am leichtesten in das Land eindringen könne, und 137 es entschlossen sich zwei Mataranen ihn zu begleiten. Sie wurden jedoch bald entdeckt; es entstand allenthalben Lärm und bald darauf sahen sie zweihundert Reiter, die in vollem Galopp auf sie lossprengten. Diese waren ganz nackt und ohne Sattel und Steigbügel, ihr Blick war wild und unsicher; die grausamste Rohheit war in ihrem Angesichtc ausgedrückt; und ihr drohender Anblick und der Wurfspieß, den sie führten, waren allerdings sehr geeignet, Furcht einzuflößen. Der Missionär jedoch voll Vertrauen auf Denjenigen, ohne dessen Willen kein Haar vom Haupte fällt, ging diesen Barbaren beherzt entgegen, die sich bereits theilten, ihn zu umzingeln, erhob sein Kruzifix und sprach:»Meine Kinder, zwei meiner Brüdcr haben bereits vor vielen Jahren Christum bei eurer Nation verkündiget, und ihre Achtung und sogar ihr Vertrauen erworben. Ich bin in der nämlichen Absicht zum Wohl eurer Seelen aus weiter Ferne und unter großen Gefahren zu euch gekommen. Es kann der Tod mich nicht erschrecken; vielmehr ist er großer Gewinn für mich; doch ihr würdet euch dadurch um ein großes Gut bringen; und dieß würde euch dann gewiß Leid thun. Zudem was babet ihr von einem einzigen und waffenlosen Menschen zu fürchten! Das Vertrauen selbst, in welchem ich zu euch komme, muß euch ja überzeugen, daß ich nur hieher komme, euch Gutes zu thun!« Die Wilden, Anfangs über die Kühnheit des apostolischen Mannes erstaunt, dann aber von sei- 138 ner Rede hingerissen, warfen ihre Waffen zu seinen Füßen und begrüßten ihn mit großer Ehrfurcht. Hierauf sagte er ihnen, er habe seinen Vorgesetzten in einiger Entfernung zurückgelassen; derselbe sei ein bejahrter Mann, den viele Völkerschaften gar sehr achteten; und der Befehlshaber der Horde sandte alsbald seinen Sohn ihm entgegen, um ihn einzuladen, zu ihm zu kommen. Als dieser junge Jndier den P. Pastor erblickte, stieg er vom Pferde ab, grüßte ihn ehrerbietig und richtete seinen Auftrag aus. Der Missionär aber, über eine Einladung erfreut, die er nicht gehofft hatte, begab sich auf der Stelle dahin, ward sehr wohl aufgenommen und nebst seinen Gefährten in die nahe Ortschaft geführt; wo man ihnen eine Malzeit bereitete, die jedoch so ekelhaft war, daß die Misstonäre, wie müde und erschöpft sie auch waren, dieselbe kaum berühren konnten. Am folgenden Tage ließ P. Pastor ein Kreuz aufrichten, bei dessen Füßen er das heilige Opfer feierte. Hierauf nahm er sein Krucifix in die Hand und hielt eine ergreifende Rede; nach deren Schluß alle vor dem Kreuze sich niederknieten. Den Tag darauf kam das höchste Oberhaupt der Völkerschaft, Ealiguila genannt, und als P. Pastor ihm eröffnete, daß er eine Niederlassung in seinem Lande gründen wolle, willigte er nicht nur ein, sondern bezeigte auch eine große Freude darüber, führte die beiden Missionäre in seine Ortschaft, die dem rothen Flusse gegenüber lag und bat ihn, sich näher über I3S sein Vorhaben zu erklären. Sie erklärten ihm alles genau, und er antwortete ihnen, er billige es zwar, daß die Kinder getauft würden; doch sollte man sie nicht nöthigen, täglich Frühe und Abends in die Kirche zu gehen, wie dieß in den Reduktionen der Guarani's geschehe, weil man sie nicht an ein müs- sigcs Leben gewöhnen wolle, wodurch sie minder zum Kriege geeignet würden, wie dieß bei den Ma- toranen der Fall sei. Es antwortete ihm aber P. Pastor, die christliche Religion benehme den Muth durchaus nicht; dieß könne man deutlich an den Spaniern und an den Guarani's selbst wahrnehmen, die nie tapferer gewesen wären als da sie gute Christen waren. Caliguila gab sich hiermit zufrieden; und hieraus ward noch Ein und Anderes für die künftige Einführung des Christenthums verabredet. Nach etwa einem Monat verließ P. Cerqueyra die Abiponen, um die Mataranen in ihre Heimath zurückzuführen, wie er es ihnen versprochen hatte. P. Pastor aber setzte jeden Tag seinen Unterricht bei Kindern und Erwachsenen fort und verfaßte ihnen überdieß einen kleinen Katechismus. Hierauf aber besuchte er auch die Nationen, die den Abiponen zunächst wohnten, und von welchen man ihm gesagt hatte, sie seien sehr geneigt, das Christenthum anzunehmen; worauf er weiter in Chaco vordringen wollte. Doch war er kurze Zeit hernach genöthigt, nach Santjago zurückzukehren, weil die Zeit, welche er der Erlaubniß der Obern gemäß daselbst zubringen sollte, bereits verflossen war. Er bezeigte da- Ittt her den Abiponen sein herzlichstes Leid, daß er sie so bald verlassen müsse und den P. Cerqucyra ihnen nicht zurücklassen könne, wie er sehnlichst gewünscht hatte; weil derselbe eine andere Bestimmung erhalten habe. Er versprach ihnen jedoch, daß er sie nicht verlassen würde, und sie baten ihn dringend, sein Wort sobald nur möglich zu lösen. Wirklich flehte er auch seinen Provinzial in den rührendsten Ausdrücken darum an; da aber die Reduktionen in der Provinz Uruguay sich vervielfältigten, und eine große Anzahl Missionäre beschäftigten, war es nicht möglich, auch nur Einen derselben zu den Abiponen zu senden. Wahrscheinlich sah man damals noch nicht ein, wie man es seitdem nur allzu wohl einsah, von wie großer Wichtigkeit eine Niederlassung in diesem Theile des Landes war, und daß man hätte alles aufbieten sollen, eine Nation zu gewinnen, die mehr als jede andere dazu beitragen konnte. Drei Jahre hierauf ward P. Pastor nach Madrid und nach Rom gesandt, um eine Anzahl Arbeiter an dem Missionsgeschäfte zu bitten; ob er aber auch zu Sevilla eine große Menge derselben fand, die ihn daselbst erwarteten, so kehrte er dennoch nur mit Einem Priester und einigen No- vitzen zurück, weil der größte Theil woraus sie bestanden, Portugiesen waren, und der königliche hohe Rath verboten hatte, andere als Spanier nach Amerika zu führen. Es war aber dieser fromme Priester untröstlich, daß er das Missionsgcfchäft bei den Abiponen, welches er so glücklich begonnen 111 hatte, nicht bei ihnen vollenden durfte, die seitdem bei mehreren Gelegenheiten sich als die unversöhnlichsten Feinde der Reduktionen zeigten. 20. Neue Einfalle der Mamelucken. Sie werden von den Neubekehrten geschlagen und auch von andern Jn- diern aufgerieben. Großer Friede in den Reductionen. Strafen Gottes über ihre Verfolger. Abermalige Erscheinung der Mamelucken. Sie werde» abermal ge» schlagen. Die Freude an dem blühenden Wachsthum ihrer Reductionen wird den Missionaren durch eine furchtbare und langwierige Verfolgung vergällt. Zur Zeit als P. Pastor sich vorbereitet hatte, den Abiponen das Evangelium zu verkündigen, hatte man eben Nachricht erhalten, die Mamelucken machten große Kriegszurüstungen; und auf der Stelle bildete man aus der Mannschaft der sämmtlichen Reductionen ein Heer von viertausend Mann, aus welchen die einen mit Bogen und Pfeilen, die andern mit Schleudern bewaffnet waren; denn Fcuergewehre hatte man nur den Officiers geben können, die dreihundert an der Zahl waren. Diese kleine Armee machte'sich auf und lagerte sich eine Tagreise weit von den Feinden, die bereits mit dreihundert Kähnen den Fluß Acaray herauf schifften, und aus vierhundert Mamelucken und beinahe eben so vielen Jndicrn bestanden. Ungeachtet dieser weit geringern Anzahl aber verachteten sie die neuen Christen so sehr, daß sie mit verdoppelten Kräften 112 ruderten, sobald sie erfuhren, daß dieselben sich näherten. Diese stellten sich bei einer kleinen Bucht in Schlachtordnung; ein Kazike Namens Abiaru führte sie an, und da er sah, mit wie großer Sicherheitsie heranrückten, stellte er sich ganz verzagt. Als sie nun nahe waren, und ihn aufforderten, sich zu ergeben, da warf er ihnen ihre Ungerechtigkeit und Grausamkeit gegen die Christen vor und gab das Zeichen zum Angriff. Die Schlacht ward durch einen Kanonenschuß eröffnet, der drei Kähne mit Mamelucken in den Grund senkte. Der Feind hoffte, er würde glücklicher zu Lande seyn; doch er irrte. Die Neophyten fielen ihn mit so großer Festigkeit an, daß sie ihn, wofern nicht die Nacht dazwischen gekommen wäre, gänzlich aufgerieben hätten. Am folgenden Morgen rückte der Feind abermal in Schlachtordnung heran; dieß thaten auch die Nco- phyten und schlugen ihn abermal. Ein Sturm der sich erhob, machte dem blutigen Gefecht ein Ende. Als aber derselbe aufhörte, verfolgten sie den Feind, der sich in einen Wald geflüchtet hatte, und endlich die Flucht ergriff. Den größten Verlust erlitten die Tupis, aus welchen späterhin Viele zu den Nco- phyten fließen, da sie, wie sie selbst bekannten, den anmaßenden Stolz der Mamelucken nicht länger ertragen konnten. Da nun die Mamelucken es nicht mehr wagten, den Reductionen sich zu nähern, fielen sie in kleinen Schaaren andere Jndier an und thaten verschiedene 143 Ausfälle, die ihnen jedoch übel bekamen. Denn sie wurden öfters sammt ihren Officiers von denSchaa- ren der Wilden niedergemacht, und verloren in kurzer Zeit an zwölfhundert Mann und einen großen Theil ihrer Hilfstruppen. Die Christen gewannen dabei viele Vortheile; zu den bedeutendsten derselben aber gehörte die Wiedervereinigung Derjenigen,- die aus Furcht vor der Sclaverei sich aus den Reduktionen entfernt, und die Befreiung anderer, welche die Mamelucken seit Kurzem geraubt hatten, aber aus Furcht vor beständigen Anfällen, nicht so sicher bewachen konnten, daß sie nicht aus ihren Händen entflohen wären. Hierauf genossen die Reduktionen eines Frie, dens, der nicht mehr durch die Furcht vor den Mamelucken gestört ward; sie vervollkommneten sich und erhoben sich allmälig auf die Stufe, auf welcher man sie heut zu Tage glänzen sieht. Der Segen des Herrn ergoß sich täglich mehr über die Arbeiten der Missionäre, und die Reduktionen erholten sich von dem vielfältigen und schweren Verlust früherer Zeiten. Auch sah man Beispiele der Güte und Gerechtigkeit Gottes, welche mächtig auf die Gemüther wirkten; was zumal bei zwei Kaziken der Provinz Uruguay der Fall war, die sich als erklärte Feinde des Christenthums ausgesprochen hatten. Der Erste derselben hatte sich mit den Mamelucken vereint, um dadurch in den Stand zu kommen, seinen Haß um so wirksamer sowohl an den Christen als an ihren Hirten auszulasten. Auch hatte 14! ihn wohl Eigennutz und die Hoffnung einiger wichtigen Vortheile dazu bewogen. Da er jedoch in diesem Bündnisse mir ihnen seine Erwartungen getäuscht sah, entsagte er demselben. Erbittert, daß er sie verlassen hatte, lauerten die Mamelucken ihm auf, und erschlugen ihn als sie ihn einst allein fanden.— Der Andere, der eine riesenhafte Größe und eine Vipernzunge hatte, war das Schrecken aller neuen Christen, und ersann täglich neue Verleumdungen gegen die Missionäre. Ja er sagte sogar allenthalben laut, daß er nicht ruhig sterben würde, bis er nicht alle christlichen Weiber entehrt und seine Hände im Blute des letzten Missionärs gewaschen habe. Gott schlug auch diesen Bösewicht; doch schlug er ihn väterlich und nicht zu seinem Untergang. Sein Weib war in die Hände der Mamelucken oder ihrer Verbündeten gefallen, die sie auf die schändlichste und grausamste Weise um's Leben brachten, und er hatte sich eben das Bein gebrochen, als er diese Nachricht erfuhr. Da stieß er einen lauten Schrei aus, bei welchem die Neubekehrten hinzuliefen; und da sie ihn auf der Erde liegend fanden, fühlten sie sich im Innern angetrieben, aller Übel wegen sich an ihm zu rächen, die er ihnen angethan hatte. Wahrscheinlich hätten sie auch ihre Rachsucht gestillt, wenn nicht der Missionär dazu gekommen wäre. Sie sagten ihm, nun hätten sie die schönste Gelegenheit, eines so gefährlichen Feindes los zu werden; er aber fragte sie, ob sie vergessen hätten, daß ein Christ sich nur dadurch rächen dürfe, daß er L45 statt des Bösen Gutes erweise? Und hierauf ließ er den Kaziken in die nächste Ortschaft tragen, wo er so gut behandelt und gepflegt ward, daß er in kurzer Zeit vollkommen genas. Eine so liebreiche und so wenig verdiente Behandlung änderte sein Herz; und die Achtung für eine Religion, die solche Werke einflößt, bewog ihn, dieselbe anzunehmen. Um diese Zeit verbreitete sich die Nachricht, die Mamelucken, die es nicht mehr wagten, die Reduktionen anzugreifen, durchstreiften die Wildnisse und Wälder, alle Jndier gefangen zu nehmen, deren sie daselbst habhaft werden könnten; und eine große Anzahl Christen, die man noch nicht hatte wieder vereinigen können, wären in ihre Hände gefallen, auch hätten sie mehrere derselben schwer mißhandelt, und sie stellten der Keuschheit der Frauen nach, hätten auch eine Witwe getödtet, die ihrer viehischen Leidenschaft nicht eingewilligt hatte. Alsbald ward ein Corps Neubekehrter zusammenberufen, die sie bis in die Gebirge des Tape verfolgten, den größten Theil derselben niedermachten und mehr als zweitausend Gefangene befreiten, unter welchen viele Heiden waren, die sich ihren Rettern ergaben und bald sehr eifrige Christen wurden. Da sahen die Mamelucken endlich ein, daß sie in der Nähe der Reduktionen keine Sicherheit mehr hätten. Doch die Freude an dem Fortgang dieser blühenden Missionen ward durch ein schweres Gewitter getrübt, das sich seit längerer Zeit über dem §>aupt der Missionäre zusammenzog, und nach schwe- Paraguay H- Rd. 10 146 ren Donnern endlich losbrach, und die längste, schwerste und peinlichste Verfolgung nach sich zog, welche die Gesellschaft Jesu vielleicht seit ihrer Entstehung erlitten hatte. Die Würde ihres Verfolgers und die großen Lobsprüche, mit welchen Diejenigen ihn erhoben, welchen er Waffen gegen die Jesuiten in die Hände gab, hielten Viele, die der Gesellschaft keinesweges abhold waren, lange Zeit im Zweifel hin. Lange Jahre hindurch ertönten sowohl in der alten als in der neuen Welt aus einer zahllosen Menge Schmähschriften die entsetzlichsten Beschuldigungen gegen die Jesuiten im Paraguay, die doch wahrlich ihr Betragen und ihre Lebensweise vor allem Tadel hätte sichern sollen. Endlich brach die Wahrheit dennoch durch die Wolken hindurch, durch die man so lange sich bemüht hatte, sie zu verdunkeln. Dieß anschaulich zu machen, darf man nur Denjenigen zeigen, der diesen Sturm erregt hatte. Er selbst schilderte sich in seinen eigenen Schriften und durch den Unfug, dem er sich auf eine solche Weise überließ, daß dieß allein hinreichte, Diejenigen zu rechtfertigen, die er hatte verderben wollen. Auch ist alles was hier von diesem Manne erzählt wird, den authentischesten Aktenstücken enthoben. L47 21. Dom Bernardin de Lardenas äus dem Orden des heilige» Franciscns. Seine Leidenschaft, für eine» Zeigen zu gelten. Er wird vom Gnardianat abgesetzt. Der Erzbischof von La plata ernennt ihn zu einer d17is° sion Er wird nach Lima berufen und in das Rloster eingesperrt; erwirbt sich dort Freunde und Gönner; wird znm Bischof von Assumtion ernannt. Sein Treiben nach seiner Ernennung. Er laßt sich vor Ankunft der päpstlichen Bullen weihen. Seine VOeihe wird als unregelmäßig erklärt. Dieser sonderbare Mann war Dom Bernardin von Cardenas, gebürtig aus der Stadt dc la Plata, der Hauptstadt in der Provinz Charcas, wo er einer adeligen Familie entstammte. Er trat früh in den Orden des heiligen Franciscus und verlegte sich nach ziemlich oberflächlichen Kenntnissen in der Gottesgelehrtheit auf's Predigen und hatte einen großen Zulauf. Er prahlte mit Erscheinungen, Gesichten und besondern Offenbarungen, und hatte eine ganz eigene Leidenschaft, für einen großen Heiligen zu gelten. Seine Obern ernannten ihn zum Quardian des Klosters in la Plata, hatten jedoch bald Ursache, es zu bereuen. Um nun als einen Heiligen sich zu zeigen, ging er einst mit einem schweren Kreuz beladen hinaus und alle seine Mönche mußten ihm folgen und sich öffentlich geißeln. Seine Obern hatten dieß kaum erfahren, so setzten sie ihn von seinem Amte ab und verboten ihm, das Kloster zu verlassen. Nach einiger Zeit bestieg er die Kanzel 148 abermal und gewann durch seinen Vertrag viele Zuhörer für sich, welche die Vorgesetzten tadelten, daß sie einen so heiligen Mann so schwer beschimpft hätten. Nicht lange hierauf hielt der Erzbischof von la Plata eine Provinzial-Synode, deren Hauptzweck war, die Sitten der Zndier zu bessern und sie unterrichten zu lassen. Da nun der Weltpriester zu wenige waren, nahm er seine Zuflucht zu Ordensgeistlichen, und P. Cardcnas war einer der Ersten, die zu diesem Amte erwählt wurden. Nun bot er Allesauf, der hohen Idee zu entsprechen, welche die Synode von ihm hatte, durchwanderte einen großen Theil der Provinz Charcas, predigte täglich, oft sogar mehrere Male und ward überall als ein Wundermann angekündigt, der mit himmlischen Gesichten und Offenbarungen begnadet wäre. Man sprach nur von seinen strengen Bußwerken, von den schweren Mißhandlungen, die er um des Glaubens willen von den Heiden erlitte, und von zahllosen Bekehrungen, die er unter ihnen wirkte. Manche fanden freilich Vieles dabei zu erinnern und schüttelten den Kopf; doch er hatte die große Menge für sich und es folgte ihm das Volk in Schaaren nach, hießen ihn nur den Heiligen und posaunten sein Lob allenthalben öffentlich aus. Das Ziel seines Apostolats war die Stadt Cochabamba, etwa dreißig Meilen von Potosi, und nachdem er seinem Eifer dort unter dem Zulauf einer ungeheuern Volksmenge freien Lauf gelassen 149 hatte, erfuhr er von den Jndiern, die ihm nachfolgten, daß irgend in der Nähe sehr ergiebige Sil- berminen waren; doch sollte er dieß so lange geheim halten, bis sie mit den Spaniern deßfalls eine Übereinkunft getroffen hätten. Er aber offenbarte die Sache dem Magistrate zu Cochabamba, der deßfalls ungesäumt an den Vicekönig von Peru schrieb; und man pries mit lauter Stimme den Eifer des heiligen Missionärs, der mit so glänzendem Erfolg an dem Heile der Seelen arbeitete und darüber den Nutzen des Vaterlandes nicht aus den Augen verlor. Mitten unter diesen so herrlichen Lobsprüchen erhielt er plötzlich Befehl, sich nach Lima zu begeben. Niemand zweifelte, er werde dahin berufen, sich mit dem Vicekönig über diese reichen Silberbergwerke zu besprechen; und auf diese Vermuthung hin steuerten Alle, sogar die Ärmsten, zu seinen Reisekosten bei. Er wies Niemand ab und zweifelte an dem Daseyn dieser Silberminen so wenig, daß er verhieß, er werde Alles, was man ihm gebe, mit reichlichen Zinsen ersetzen. Aber wie groß war sein Erstaunen, als er bei seiner Ankunft in Lima nicht vor den Vicekönig gelassen ward und auch die Väter seines Klosters ihn verhielten, seine Zelle zu hüten. Der Vicekönig nämlich war genau unterrichtet, daß diese Silberbcrgwerke nur in seinem Gehirn lagen; die Obern des Ordens aber waren betroffen, daß er durch diesen Lärm sich zur Fabel des Landes gemacht hatte. Dazu auch wußten sie, daß er auf seiner Mission viele Weltpriester und Ordensgeistlichen 150 wider sich aufgebracht hatte, die daselbst die Pfarreien versahen, da ihre Pfarrkinder sie verlassen hatten und ihm nachgelaufen waren. Auch hatte man ihnen einige Scenen berichtet, die an seine Prozession zu la Plata erinnerten; und überdieß hatte er in seinen Predigten einige Sätze vorgetragen, die ihm großen Verdruß von dem Jnquisitionsge- richte zuziehen konnten. Indessen sprach der Gehorsam, zu dem er verhalten ward, ihn nicht sonderlich an; er glaubte, er besitze Talente, die man nicht im Kloster verbergen müsse; und statt zu studieren, arbeitete er, sich Freunde und Gönner zu erwerben, entwarf Pläne für den königlichen hohen Rath und entfaltete seinen Eifer und seine Ansichten über die Verbreitung des Christenthums t^rter den Jndiern. Wirklich gewann er Dom Juan de Solorzano, ein Mitglied dieses Rathes, dem er, wie vermuthet wird, diese Schriften überreichen ließ; und dieser bewog den König dahin, ihm, als das Bisthum Assumtion in Erledigung gekommen war, dasselbe zu übertragen. Er hatte diese Nachricht kaum erhalten, als er augenblicklich das Kloster verließ und nach Potost eilte, ein Kreuz auf die Brust hing, und ohne sich auch nur mit dem Erzbischof zu besprechen, allenthalben predigte und Beicht hörte und sogar die Pfarre daselbst versah, deren Seelsorger vor Kurzem gestorben war. Dabei unterließ er nicht, seinen Zuhörern und Beichtkindern an's Herz zu legen, daß er ein armer Ordensmann sei, der der milden Gaben der Gläm 151 bige» bedürfe, die Ausgaben zu bestreiten, die mit der hohen Würde nothwendig verknüpft seien, zu welcher er wäre erhoben worden. Er hatte sogar die Unklugheit, einen Sterbenden zu bereden, daß er ihm sein ganzes Vermögen vererbte, und einen Andern dahin zu stimmen, daß er sein Testament ändern ließ und ein Vermächtniß von fünftausend Thalern an ihn übertrug, die Anfangs für einen Andern bestimmt waren. Dieß erregte Murren und Viele kamen darüber von dem großen Begriff zurück, den sie Anfangs von seiner Heiligkeit gehegt hatten. Als aber die Sache dem Erzbischof zu Ohren kam, da verwies er ihn höflich aus dem Erzbisthum und bat ihn, sich in das Bisthum zu begeben, zu welchem der König ihn ernannt hatte und daselbst die päpstlichen Bullen zu erwarten. Er sah nun wohl ein, daß diese Bitte ein Befehl war, und entfernte sich murrend, wiewohl er, der ohne einen Heller dahin gekommen war, reich in sein Bisthum kam, wo er sich sehr unruhig ge- berdctc, daß die päpstlichen Bullen noch nicht angekommen wären, wiewohl dieß wegen der Weite des Weges kaum möglich war. Es lag aber auch dieser Unruhe die Furcht zu Grunde, daß man dem König etwa ungünstige Vorstellungen von ihm gemacht und ihn zum Widerruf seiner. Ernennung bewogen habe. Diesem Unglücke zuvor zu kommen, beschloß er, sich sobald als möglich weihen zu lassen; und die Vorkehrungen, die er deßfalls traf, sind aus seinen Prozeßakten bekannt. Er begab sich also nach 152 Tucunran und kam im Monate August 1641 zu Salta an. Sein erster Besuch war im Collegium der Jesuiten daselbst, welchen er die großen Bedürfnisse des Bisthums Affumtion, so wie die dringende Nothwendigkeit schilderte, denselben sobald nur möglich abzuhelfen. Auch sagte er ihnen, er müsse glauben, daß die päpstlichen Bullen, die seit zwei Jahren ausgefertiget wären, von feindlichen Händen zurückgehalten würden, und zeigte ihnen zwei Briefe; den einen vom Cardinal Barberino, der ihm Nachricht von der Ausfertigung der Bullen ertheilte, den andern vom König, der ihm den Namen eines Bischofes gab. Der erste dieser Briefe war offenbar unterschoben; und niemals hätte ich weder selbst dieß sagen noch Andere davon überzeugen mögen, wenn nicht sein Advocat denselben einem Memorial zur Recht, fertigung des Dom Bernardin de Cardenas beigelegt, und solcher auch in einem Schreiben nach Rom wäre angeführt worden, in welchem er um die Lossprechung von den geistlichen Censuren bat. Nun fragte er die Väter des Collegiums, ob er nach diesen Beweisen von der Ausfertigung der Bullen sich könne weihen lassen; sie aber meinten, es würde keinen Anstand leiden. Er bat sie hierauf, diese Antwort ihm schriftlich zu geben; was sie sich nicht getrauten, ihm zu versagen. Nun sandte er auf der Stelle eine Abschrift dieser Äußerung an P. Borea, den Rector des Collc- giums und der Universität zu Corduba, und schrieb 153 ihm, daß er, ob auch diese doctrinclle Erklärung der Vater des Collegiums zu Salta ihm genüge, sich noch vor Ankunft der päpstlichen Bullen zum Bischof weihen zu lassen, dennoch auch gern seine und die Meinung der Universität darüber vernähme, und auch der sicheren Hoffnung sei, daß dieselbe damit übereinstimmen werde. Doch als er von dort den einstimmigen Ausspruch aller Gottesgclchrten erhielt und auch nicht ein Einziger eine solche Weihe als rechtmäßig anerkannte, gerieth er in einen solchen Zorn, daß er die Schrift zerriß. Der Bischof von Tucuman, den er dahin beredete und drängte, ihn zu weihen, und der ihm großen Theils nach der Äußerung der Jesuiten zu Salta willfahrte, machte ihm, als er dieß erfuhr, die bittersten Vorwürfe darüber und sagte ihm, er sei untröstlich, daß er sich habe zu einer solchen unrechtmäßigen Weihe verleiten lassen; was er nimmermebr gethan hätte, wofern die Erklärung der Universität ihm bekannt gewesen wäre; wiewohl er ihm bei dieser Weihe weder irgend eine Gewalt noch geistliche Gerichtsbarkeit ertheilt hatte; wie er dieß auch in einem Schreiben an ihn deutlich erklärte. Es erklärte auch das Tridentinische Concilium, dem die Sache zugesandt ward, diese Weihe als unregelmäßig, ungültig und nichtig hinsichtlich aller bischöflichen Verrichtungen; woraus sich ergibt, daß Dom Cardeuas eigentlich niemals eine geistliche Gerichtsbarkeit in dem Bisthum Assumtion hatte, da er erst von den geistlichen Censuren loöge- 154 spreche» ward, nachdem er.bereits dasselbe zwei Jahre verlassen hatte. 22. Reise des Dom Larbenas nach Lorduba. Seine Unterredung mit den Jesuiten. Sein sonderbares Benehmen auf der Reise und sein Einzug in die Stadt Affumtion. Er nimmt Besitz von dem Bisthum. Das Domcapitel protestirt dagegen. Sonderbarkeiten. Wirkungen seiner Erscheinung bei den Guaycnrru's. Ankunft der päpstliche» Bulle». Er maßt sich die weltliche Gerichtsbarkeit an. Benehmen des Gouverneurs. Nachdem nun Dom Cardenas die Weihe von dem Bischöfe von Tucuman erschlichen hatte, begab er sich nach Corduba, und die Jesuiten daselbst waren die Ersten, die ihm die Aufwartung machten. Er machte ihnen einen Gegenbesuch und ward von ihren Schülern in Versen und in Prosa bewillkommt. Er speiste auch daselbst und sagte während der Tafel zu dem Rector, er hoffe, daß er seine freundschaftlichen Äußerungen gegen ihn durch eine Schrift krönen würde, die von ihm und allen Professoren der Gottesgelehrtheit unterzeichnet wäre, und worin sie die Gültigkeit seiner Weihe anerkännten. Auch wäre es seine Absicht, sein Episkopat dadurch zu beginnen, daß er den Ordensjüngern, die sich zum Priesterthum vorbereiteten, die heiligen Weihen ertheilte. Doch der Rector antwortete ihm, es seien nun keine solchen im Hause; zudem habe er auch keine Vollmacht, solche ohne die Erlaubniß 155 seines Provinzials, zu den heiligen Weihen zuzulassen, dieser aber wäre nun eben abwesend und sehr weit entfernt. Hinsichtlich der Schrift aber, die er von ihm verlange, könne er sein Gewissen nicht verletzen, da seine Gottesgelehrten und Alle, die er um Rath gefragt habe, einstimmig sagten, es wären bei seiner Weihe Mängel unterlaufen, wodurch dieselbe unrechtmäßig würde. Diese Antwort erregte den bittersten Groll in dem Herzen des Dom Eardenas, den er auch nie gegen die Väter dieses Ordens ablegte. Indessen verbarg er seine Gesinnungen, entfernte sich jedoch bald von Corduba und begab sich in sein Bisthum. Seine Reise war ein Triumph- zng; denn überall ward er unter lautem Zurufen der Volksmenge empfangen. Als er an die Gränze seines Bisthums kam, empfingen ihn die Abgeord, ncten, denen noch zahllose Andere in Schiffen nafi,, folgten, die vor Ungeduld glühten, einen so heiligen Mann zu sehen. Als die Nacht erschien, da bat er die Abgeordneten, ihn allein zu lassen; sie aber sagten, sie hätten den gemessensten Befehl, nicht von seiner Seite zu weichen, um über die Sicherheit seiner Person zu wachen; doch würden sie es sich angelegen seyn lassen, seine Ruhe nicht zu stören. Sie erstaunten aber nicht wenig, als sie mitten in der Nacht durch das Geräusch einer langwierigen und starken Geißelung geweckt wurden, die der Prälat an sich ausübte; und da dieß auch die folgenden Nächte geschah, und er täglich in vollem L56 Pompe das Hochamt feierte, ertönte von allen Seiten das Lob dieses heiligen Bischofs, der auf den Spuren des heil. Thomas wandelte. Vier Stunden vor der Hauptstadt stieg er in einem Mcierhofe der Jesuiten ab, die sich dort versammelt hatten, ihn zu empfangen; denn sie wußten genau, was zu Corduba vorgegangen war. Es wollte aber der Prälat es nicht mit ihnen verderben» weil er bei der Besitznahme seines Bisthums Schwie, rigkeiten fürchtete, und dieß nicht die Zeit war, sich Feinde zu machen; er wußte zwar, daß die Jesuiten ihm nicht beistimmen würden; doch hoffte er, sie würden wenigstens schweigen; und dadurch hatte er viel gewonnen. Bei seinem Einzug in die Stadt war das laute Zurufen und der Zulauf des Volkes unbeschreiblich. Man geleitete ihn in die Kirche, wo er das Hochamt hielt und dann mit der Insel auf dem Haupte predigte. Hierauf ließ er sich die Hand küssen, entließ dann das Volk und sprach es sei nun Zeit, daß sie zum Essen gingen.»Ich aber,« fuhr er fort,»nähre mich von unsichtbarer Speise, und von einem Trank, den die Menschen nicht sehen können. Meine Speise ist, daß ich den Willen Dessen thue, der mich gesandt hat und sein Werk vollbringe.«— Er blieb also im Gebet bis zur Vesperzelt, worauf er übermal unter dem Jubel des Volkes in seinen Pallast zurück begleitet wurde. Man hatte indessen nicht geglaubt, daß er vor der Ankunft der päpstlichen Bullen sich irgend ein Recht anmaßen würde; doch man irrte. Er setzte 157 sich ohne wciters in Besitz der geistlichen Gerichtsbarkeit, ohne den Bestallungsbrief des Königs vorzuzeigen, ohne das Capitel zu berufen und ohne den Eid der Treue zu schwören. Hierüberaber staunte das Capitel nicht wenig, und der Domprobst und die Ältesten machten ihm Vorstellungen; er aber fertigte sie mit der Antwort ab, er sei ihr Öberhirt und wisse, was er zu thun habe. Sie schwiegen, versammelten aber alsbald das Capitel, um zu berathschlagen, was zu thun sei, und die Stimmen waren getheilt; einige wenige sagten, man sollte dem Bischof sich unterwerfen; die andern aber ließen ihm eine feierliche Protestation gegen alle Ausübung der geistlichen Gerichtsbarkeit überreichen. Hierauf legte er Beschlag auf ihre Einkünfte; sie aber klagten bei dem Metropoliten, der denselben alsbald aufhob. Nun hielt er täglich ein bischöfliches Hochamt, kniete sich nach der Wandlung nieder und betete ein lautes Gebet zu Jesu unter den sacramentalischen Gestalten; ja er fing bald an, täglich zwei Messen zu lesen; ging oft barfuß und mit einem schweren Kreuz auf der Schulter, trug auch zuweilen das Hochwürdigste durch die Gassen und auf das Feld und gab damit den Segen, die Krankheiten zu verscheuchen und den Feldern Fruchtbarkeit zu verleihen. Und solcher Dinge that er viele, die Aufmerksamkeit des Volkes auf sich zu ziehen, das ihn immer in Menge umgab und Gott für einen so heiligen Hirten dankte; wiewohl er dadurch auch Viele wider sich ausbrachte. Zumal dachten die Väter seines Ordens 158 über die Unrechtmäßigkeit seiner Besitznahme gleich den Domherren und schalten ihn einen Ehrsüchtigen, einen Heuchler und einen Menschen, dem kein Mittel zu schlecht wäre, um sich den Ruf eines Heiligen zu erwirken. Andere stellten ihm vor, man nähme es ihm übel, daß er täglich zwei Messen lese; er aber antwortete, er thue dieß niemals» ohne dadurch eine Seele aus dem Fegefeuer zu erlösen; andere Heiligen hätten sogar neun Messen an Einem Tage gelesen, und zudem sei er Papst in seinem Bisthum. Mehr noch ärgerte man sich daran, daß er die heiligen Weihen Solchen ertheilte, die beinahe gar kein Latein wußten, ja sogar Manchen, die in eine offenbare Irregularität verfallen waren, die er nicht die Gewalt hatte, zu lösen, oder die nicht aus seinem Bisthum waren und kein Entlassungsschreiben ihrer Bischöfe hatten. Er aber glaubte nicht nur alle Macht zu haben, sondern er betrachtete die Priesterweihe als eine Art Taufe; und man sah ihn, sehr lasterhafte Menschen bitten, daß sie sich weihen ließen, um alle ihre Sünden zu tilgen. Nicht lange nach seiner Ankunft zu Affumtion, hatte man Nachricht erhalten, die Guaycurru's, die seit einiger Zeit ihre Feindseligkeiten wieder angefangen hatten, seien zum Frieden geneigt, und ihre Abgeordneten seien sehr nahe. Da bildete er sich ein, er sei der Apostel des Friedens und dieß sei sein eigentliches Geschäft. Diese Behauptung befremdete den Gouverneur, der, weil er ihn darüber nicht 159 zur Vernunft bringen konnte, ihn endlich machen ließ. Er versetzte sich also in seinen bischöflichen Ornat, ging im Pluvial mit der Insel auf dem Haupt und dem Hirtenstab in der Hand, den Guaycurru's entgegen, die nicht wenig über solchen Anzug erstaunten und ihn mit Blicken ansahen, welche ihm nichts Gutes verhießen, wenn der Gouverneur nicht aus Vorsorge eine Abtheilung bewaffneter Mannschaft in die Nähe aufgestellt hätte. Es begnügten sich also diese Wilden, seinen bischöflichen Ornat mit großer Neugier Stück für Stück zu besehen. Er aber predigte ihnen durch einen Doll- metsch, taufte dann Einige aus ihnen, von denen er glaubte, sie hätten Lust, Christen zu werden, ermähnte sie, friedlich mit den Spaniern zu leben, und schrieb dann bei seiner Rückkehr nach Assumtion, an den König, er habe so eben der Provinz Paraguay den Frieden erwirkt und die gefährlichsten Feinde des Landes bewogen, die Waffen niederzulegen. Endlich kamen die päpstlichen Bullen an, und dieß zwar zu einer Zeit, wo selbst Diejenigen, die es gut mit ihm gemeint hatten, über sein Betragen sehr bedenklich wurden. Er gab solche einem Jesuiten, daß er sie in's Castilische übersetzte, damit er sie sowohl in lateinischer als in spanischer Sprache vorlesen ließe. Der Priester aber machte ihn aufmerksam, es sei darin ausdrücklich enthalten, daß alle seine Funktionen als null und nichtig zu betrachten seien, wofern einige Unregelmäßigkeit bei seiner I6<» Weihe vorgegangen wäre. Er dankte für die Warnung; und weil er wohl wußte, was man von seiner Weihe dachte, las er diese Bullen selbst öffentlich vor, hütete sich aber weislich, die gedachte Stelle abzulesen; und sprach dann, es könne nun Niemand mehr zweifeln, daß er der rechtmäßige Hirt von Paraguay, der Inquisitor des Rechts in seinem Bisthum, und mit unumschränkter Gewalt sowohl über das Geistliche als über das Zeitliche ausgestattet sei. Dem Gouverneur war dieß Letztere nicht entgangen; er schwieg indessen; doch hatte er bald Gelegenheit, dem Bischof, gegen den er schon oft zu seinem Schaden nachgiebig gewesen war, zu zeigen, daß seine Ansprüche in dieser Hinsicht sehr übel gegründet wären. Denn dieser sonderbare Mann stiftete ihm oft böse Händel, griff in seine Rechte ein, ercommunicirte ihn verschiedene Male und legte ihm schwere Geldbußen auf, gegen welche er ihn lossprach. Viele beschuldigten ihn der Schwäche, und gewiß ist's, daß er nicht Kraft noch Klugheit genug besaß, dem oft tollsinnigen Benehmen des Dom Cardenas sich ernstlich und wirksam zu widersetzen. 23. Feindseligkeiten zwischen dem Bischof und dem Gouverneur- Sonderbare Prozession. Oesfentliche Ärgernisse und Anschlage des Dom Lardenas gegen den Gouverneur. Dieselben werden vereitelt. Vorstellungen des p. Sobrino. Fernere Auftritte und Excommu- nicationen. Aergernisse eines Mönchs. Dom Lardenas verhüngt ein Interdict über das Listhum, das Dom- capitel widersetzt sich der Verkündigung desselben- Maßregeln gegen das Treiben des Dom Lardenas. Nraftige That des Lommandanten Dom Leon. Ein Neffe des Bischofs, Mönch des Francis- caner-Ordens, der jedoch seinem Stande auf keine Weise zur Ehre gereichte, hatte den Gouverneur sehr schwer und auf die schimpflichste Weise beleidigt, und da Dom Gregorio de Hinostrosa diese öffentliche Beschimpfung nicht auf sich beruhen lassen und auch keine Genugthuung von Dom Caidenas erhalten konnte, ließ er den Neffen desselben bestrafen. Hierüber aber gerieth Dom Cardenas in wüthenden Zorn, ercommunicirte den Gouverneur abermal und stellte eine Prozession an, wo er sich vor allein Volke blutig geißelte, ohne auf die dringenden Vorstellungen des Domcapitels und der geistlichen Orden zu achten, die ihn dringend baten, dieser Scene ein Ende zu machen. Er antwortete, der Orden des heiligen Franciscus sei in einem seiner Mitglieder(seinem Neffen) verletzt worden und fordere diese Sühne. Als er nun mit der Prozession in die Kirche des heiligen Franciscus kam, da wollten die Weiber das Blut, das von seinem Paraguay II- Bd. l l 162 Rücken floß, mit ihren Tüchern abtrocknen, P. So- brino aber, der Rector des Jesuiten- Collegiums, bedeckte ihn mit seinem Mantel. Kurz hierauf ließ er ein Glaubens-Edict ergehen, das allen Landbewohnern unter Ercommunication befahl, sich zu bestimmtem Tagen und Stunde in der Domkirche einzufinden. Der Gouverneur zweifelte nicht, daß dieser Anschlag gegen ihn gerichtet sei und ordnete eine Musterung seiner Truppen für denselben Tag an. Der Bischof hatte die Masse des Volkes für sich ünd gab nicht leicht einen Plan auf, den er sich vorgenommen hatte, durchzusetzen. Der Obrigkeit ward bange und sie suchte Wege zur Vermittelung. Man warnte den Bischof und sagte ihm, er würde allem Vermuthen nach den Kürzeren ziehen. Hierauf besprach er sich mit P. Sobrino, der alsbald zu dem Gouverneur ging und ihn versicherte, Dom Cardenas wollte sich gern mit ihm verständigen und ihn vom Kirchenbann lossprechen; er werde gewiß Ursache haben zufrieden zu seyn; nur bitte er ihn, seinen Soldaten zu erlauben, daß sie das Glaubens-Edict anhörten. Der Gouverneur ließ sich bereden und Alles fand sich zur bestimmten Stunde in der Domkirche ein. Da hielt der Prälat eine Rede, drang auf die Nothwendigkeit und das Ansehen des Jnquisitions- gerichtes, dem man bis zum Blutvergießen gehorchen müsse; ja die Bischöfe selbst müßten mit ihrem Beispiele vorgehen, wie St. Ambrosius gethan, der dem Kaiser Theodosius selbst widerstan- I«3 den hatte. Hierauf wendete er die Rede auf den Gouverneur, zählte mit großem Pathos alle seine verbrecherischen Anschläge gegen die Kirche auf und sagte, er wisse durch besondere Offenbarung, wie schwer Gott über ihn erzürnt sei; zeigte dann, wie glorreich Mopses gehandelt, als er eine große Anzahl rebellischer Jsraeliten vor dem Herrn geschlachtet, und sagte, der Himmel würde sich zwar hier leichter besänftigen lassen, denn es genüge, den Gouverneur zu verhaften; dieß aber sei unumgänglich nothwendig. Ilnd nun erhob er sich von seinem Throne und rief:»Mir nach, Christen! Wer sich weigert, mir zu folgen, den verurtheile ich zu einer Geldstrafe von tausend Thalern oder zu zweihundert Prügel! Alle, die der Fahne des Herrn folgen wollen, sollen nun kommen und mir helfen, den Feind der Kirche ergreifen; und finden sie Widerstand, so sollen sie ihren Bruder, Freund und nächsten Verwandten niedermachen.« Bei diesen Worten ging er hinaus, riß dem Wache habenden Officier die Fahne aus der Hand und erschien gleich einem zweiten Phineas von seinem Clerus begleitet, die sämmtlich Waffen unter den Kleidern trugen. Die erstaunte Menge aber wußte nicht, was sie thun sollte, fürchtete die Drohungen des Bischofs und wollte sich auch nicht wider den König dadurch empören, daß sie Hände an den Gouverneur legten. Der Bischof, der nur Geistliche um sich sah, ward betroffen, und seine Be, troffenheit nahm noch mehr zu, als er erfubr, der 164 Gouverneur erwarte ihn an der Spitze eines Bataillons Musketiere. Das Volk blieb immer unbeweglich; der Prälat aber verlor allen Muth. Endlich rief er einen seiner Vertrauten und sagte ihm in's Ohr, er möchte den Oberhäuptern und Vorgesetzten der geistlichen Orden zu verstehen geben, daß sie kommen und ihn bitten sollten, sich besänftigen zu lassen. Dieß geschah denn auch; und er antwortete ihnen, es sei erlaubt, Gewalt durch Gewalt zu vertreiben. Und er zog ein Billet aus seiner Tasche und sagte, ein großer Diener Gottes warne ihn, der Gouverneur wolle seiner Person sich bemächtigen; er habe die Rechte der Kirche verletzt; er sei ein Ercommunicirter, an welchen er das Recht habe Hand anzulegen; aber er könne der Fürbitte so vieler achtbaren Personen nicht widerstehen und bewillige ihnen die Gnade, um die sie ihn anflehten. Dieser Auftritt brachte ihn großen Theils um die Achtung der Provinz. P. Sobrino war sehr schmerzlich betrübt, daß er seiner sich bedient hatte, den Gouverneur zu äffen; und gleichwie er ihm schon früher vorgestellt hatte, er gebe seinen Rechten einen zu großen Umfang, da er jeden Augenblick sage, er habe in seinem Bisthum die nämliche Gewalt, wie der Papst zu Rom, so sagte er ihm auch, der König würde es gewiß sehr übel nehmen, daß er das Volk aufgehetzt habe, den Gouverneur gefangen zu nehmen. Doch wiewohl er dieß ihm mit großer Ehrfurcht sagte, mißfiel es ihm dennoch 165 aufs Äußerste; denn er hätte gewünscht, daß die Jesuiten seine Lobredner wären, da auch er sie, gegen ihren Willen, allenthalben lobte; wiewohl sie wußten, wie erbitterter gegen sie in seinem Herzen war. Es zeigte ihm aber der Erfolg seines Versuches gegen den Gouverneur, daß sein Ansehen so unumschränkt nicht war, als er es sich eingebildet hatte. Indessen hatte Dom Gregorio mancherlei Gründe, seine Aussöhnung mit dem Bischof zu wünschen, so wie hinwieder auch Dom Cardenas gern Frieden geschlossen hätte; sie näherten sich also einander, und die Bedingniß, unter welcher der Bischof ihn lossprechen wollte, bestand in einer Buße von viertausend Arroben Paraguaykraut, was sich auf etwa achttausend Thaler beließ. Nach vielen Streitigkeiten kamen sie endlich überein, Schiedsrichter zu ernennen, welchen der Bischof Vollmacht ertheilte, ihn loszusprechen. Der Gouverneur hatte jedoch in geheim betheuert, daß er diese viertausend Arroben nicht bezahlen würde; und Dom Cardenas hatte dieß kaum erfahren, als er ihm auf der Stelle sagen ließ, die Lossprechung sei null und nichtig. Der Gouverneur ersuchte den P. Sobrino, dem Prälaten vorzustellen, er möchte nicht mehr von ihm fordern als er bezahlen könne, und Dom Cardc- nas war auch ziemlich geneigt, dem Gouverneur zu willfahren, als ein Mönch, P. Lozano genannt, sich erhob und sagte, seine Meinung sei, den Gouverneur ohne Umstände so lange als ercommunicirt 166 zu erklären, bis er bezahlt habe; und diese Sache ginge die Jesuiten nichts an. Der Rector schwieg und nahm Abschied; der Mönch aber hob seine Kutte auf, folgte ihm, schrie aus vollem Halse und sagte Dinge, die seinem Stande schlecht geziemten. Wegen seines ärgerlichen Lebenswandels war derselbe von seinen Vorgesetzten zur Strafe gezogen worden und hatte sich zu dem Prälaten geflüchtet, der ihn als ein verirrtcs Schäf- lcin mit offenen Armen aufnahm; seine vorzüglichste Beschäftigung aber in diesem Zufluchtsort war Schmähschriften zu schreiben, für deren Verfasser er sich jedoch nur dann ausgab, wenn solche dem Publikum gefielen. Dieß war der Mann, auf dessen Rath der Bischof sich zu einem Schritte entschloß, der sein Bisthum vollends verwirrte und bestürzte. Er schiffte sich am Vorabend vor Pfingsten auf dem Paraguay ein und hinterließ seinem Verweser einen schriftlichen Befehl, am folgenden Tag ein allgemeines, örtliches und persönliches Interdikt für alle Orte zu verkündigen, wo der Gouverneur sich aufhielt. Doch es widersetzte sich das Domcapitel dieser Verkündigung an einem so festlichen Tage, und es bedünkte auch ein solcher Act ohne alle Form den Meisten ungültig. Der Gouverneur aber ließ ein Protocoll von Allem aufnehmen, was seit der Ankunft des Dom Eardenas in der Provinz sich ereignet hatte und sandte dasselbe an den königlichen hohen Rath nach Charcas; indeß das Capitel den 167 Bischof ersuchte, die Ercommunicirten vorn Bann loszusprechen und ihnen die Geldbußen nachzulassen; da in der ganzen Stadt sich nicht so viel Geld vorfände, als er fordere. Doch der Bischof verweigerte die Bitte und übte fortwährend so schwere Gewaltthätigkeiten, daß man Rath hielt, ob es nicht besser sei, seiner Gerichtsbarkeit sich gänzlich zu entziehen; zumal da die gelehrtesten Canonisten glaubten, er habe gar keine geistliche Gerichtsbarkeit. Als der Bischof dieß erfuhr, verhängte er ein neues Jntcrdict über die Stadt, was er einige Male that, wodurch das ganze Land in große Verwirrung gerieth. Da er so große Geldbußen vorschrieb, hätte man glauben mögen, er wolle seine Kirche dadurch bereichern; doch er ließ dieselbe in so großer Armuth, daß kaum der Gottesdienst auf anständige Weise darin konnte gefeiert werden; und diese Geldbußen waren ein unerschöpflicher Quell für seine treuen Anhänger und Räthe, die das Land plagten, wie kaum Feinde zur Zeit eines schweren Krieges. Am grünen Donnerstage des Jahres i6/,L ließen die beiden geistlichen Richter es sich einfallen, zwei Tische in dem Chor der Kirche aufzustellen, um daselbst Gelder einzucassiren. Je nachdem nun Einer zur Bezahlung erschien, ward er gewarnt, und sie sagten ihyr, wofern er Umgang mit Ercommunl-- cirten gepflogen habe, sei er selbst in den Bann verfallen und könne nur losgesprochen werden, wenn er schriftlich und mit einem Eid bekräftige, 168 daß er allen Bedingnissen sich unterwerfen wolle, die man ihm vorschreiben würde. Nun unterzeichneten beinahe Alle was man wollte, nur damit sie der österlichen Communion nicht beraubt würden; bloß zwei unter der Menge liefen davon, und man sah sie späterhin, den Einen im Beichtstuhl, den Andern beim Communiontische und vertrieb sie mit Gewalt aus der Kirche. Da trat der Commandant Dom Sebastian de Leon ein, dem man berichtet hatte was in der Kirche vorging, und er sprach zu den geistlichen Richtern, Judas habe seinen Herrn um dreißig Silberlinge verkauft; sie setzten ihn zu einem höhern Preise, wiewohl noch immer wohlfeil genug an. Er selbst werde sich wohl hüten, eine Lossprechung zu erkaufen, deren er nicht zu bedürfen glaube; sie wären wahre Simonisten, und es fehle nicht viel, so nehme er sein Degengehenke als eine Geißel, diese gotteslästerlichen Verkäufer, die nicht Opferthiere, sondern das allerhöchste und allerheiligste Opfer selbst verkauften, aus dem Tempel zu vertreiben; und wofern sie dieß Ärgerniß nicht den Augenblick einstellten, würde er demselben ein solches Ende machen, daß sie sich nicht dafür bedanken würden. Diese militärische Drohung wirkte; man ließ Diejenigen, welche noch nicht bezahlt und sich auch den Bedingnissen nicht unterworfen hatten, ruhig zur heiligen Communion gehen; und da die Wenigsten im Stande waren, die Geldbuße zu bezahlen, zu welcher sie verurtheilt waren, glaubte der Domherr u;9 Chapatro, es auf sich nehmen zu können, dieselbe auf ein Fünftel zu reduciren, weil er überzeugt war, man würde sonst gar nichts erhalten. Gr hoffte auch deßhalb Dank zu verdienen; doch der General-Visitator Dom Lopez dc Mousalva sandte ihm einen Befehl des Bischofs zu, der ihn aus dem Bisthum verbanuteund zu einer Strafe von drclpig- tausend Pfund Paragnaykraut verurtheilte. Über diese Mißhandlung entrüstet, die er nicht glaubte verdient zu haben, berief er Alle, deren Schuldbriefe er in Händen hatte, zerriß dieselben und erklärte ihnen, sie seien nichts mehr schuldig. Noch immer dauerten indessen die Fehden zwischen dem Bischof und dem Gouverneur fort und die Ercommunicationcn waren an der Tagesordnung, als dieser ein Schreiben vom Bicckönig erhielt, ,n welchem ihm bedeutet ward, er sollte die Unterdrückung nicht länger dulden, in welcher die Bewohner seiner Provinz seufzten, noch auch die Vernichtung seines Ansehens leiden, sondern die Ordnung nach den Gesetzen herstellen und den Bischof von Paraguay verpflichten, sich in den Schranken seiner bloß geistlichen Gerichtsbarkeit zu behalten. Bei Durchlesung dieses Schreibens fühlte der Gouverneur sich aufs Neue crmuthigt, hielt eine Musterung aller seiner Truppen, ließ den Judicrn der Umgegenden sagen, daß er mit nächstem zu ihnen kommen werde, und daß sie sich bereit halten sollten, die Befehle des Königs auszuführen, die er thuen verkündigen werde. 170 Dom Cardenas, welcher fürchtete, alle diese Anstalten seien gegen ihn gerichtet, sprach auf's Neue den Bannfluch gegen ihn aus und verbot unter der nämlichen Strafe sowohl den Spaniern als den Jndiern, ihm zu gehorchen; dieß that er zu Aaragon, wo er sich damals aufhielt. Der Gouverneur dagegen ließ ihm sagen, er habe einen wichtigen Auftrag für den Dienst des Königs, und er verlange im Namen seiner Majestät, daß man ihn von allen geistlichen Censuren freispreche. Da dieß nicht geschah, begab er sich nach Aaragon und ging mit seinem ganzen Gefolge geraden Weges in die Kirche. Dom Cardenas erschrack bei seinem Anblick und sprach ihn ungesäumt los, umarmte ihn dann und hielt hierauf das Hochamt; worauf er den Gouverneur zu Gaste bat und sich aufrichtig mit ihm zu versöhnen schien. 24. Der Gouverneur erhält Befehl, den Unfug des Prälaten nicht länger zu dulden. Der Bischoflegt ihn auf's Neue in den Ban». Der Gouverneur treibt ihn in die Enge. Benehmen des Dom Lardenas gegen die Jesuiten. Er läßt ihre Schulen sperren, untersagt ihnen ihre geistlichen Verrichtungen, will sie von Assumtiou vertreiben und die Reductionen zu Lommenden vergeben. Es sahen aber die Jesuiten täglich mehr ein, daß der Prälat nichts Gutes gegen sie im Sinne hatte. P. Grijalva, der einst die Messe in einer 17l Gegend las, wo er erfuhr, daß der Bischof sich aufhielt, hielt es für Pflicht der Höflichkeit, ihm einen Besuch zu geben; er erstaunte aber nicht wenig über die Art, wie er empfangen ward. Denn nachdem er seinen ehrerbietigen Gruß mit harten Worten und Vorwürfen erwiedert hatte, sagte er ihm, die Theologen seiner Gesellschaft wären unwissende Leute und alle Jesuiten wären Ketzer und Schismatiker, die er verfluche, ercommunicire und anathematizire. Denn er hatte erfahren, daß sie dem P. Trurillo beigestimmt hatten, der von dem Bann, den der Bischof ohne alle Formalitäten verhängt hatte, die Losfprechung ertheilt hatte. Dann warf er ihm auch vor, daß sie das Interdikt, das er über die Hauptstadt ausgesprochen, nicht gehalten hätten, und dieß zwar unter dem Verwand ihrer Privilegien, die sie vom Papst erhalten; da doch der Papst keine Freiheit zum Nachtheil der bi» schöflichcn Rechte ertheilen könne. Es war indessen erwiesen, daß die Kirche der Jesuiten zur Zeit dieses Interdiktes verschlossen war. Es hatte aber Dom Cardenas sich längst verlauten lassen, daß die Jesuiten in der Leitung des Biöthums ihm sehr beschwerlich fielen durch ihre Bitten für die Ercommunicirten und durch ihre lästigen Vorstellungen; ihr Stolz wäre unerträglich; sie erklärten sich bei jeder Gelegenheit gegen die Rechte der Kirche und steckten die Völker durch verderbliche Meinungen an. Auch sprach er beinahe von nichts Anderm in seinen gewöhnlichen Unterredungen 172 und bezeigte seinen Widerwillen gegen sie sogar in seinen Predigten. Indessen hofften die Jesuiten, daß sie durch strenge Aufmerksamkeit in ihrem ganzen Betragen es dennoch dahin bringen würden, daß er von seinen Vorurtheilen gegen sie zurückkäme; doch da sandte er ihnen plötzlich einen Befehl zu, ihre lateinischen Schulen zu schließen; und sie erfuhren zugleich, daß er einen Lehrer zum Unterricht der Jugend ernannt habe. Er hatte bereits bei den Weihen gezeigt, wie wenig es ihn kümmere, ob die Jünglinge Latein lernten oder nicht; weil ihm aber daran lag, diese Vater um das Vertrauen des Publikums zu bringen, erklärte er, er habe dieß auf Befehl des Königs gethan; worüber Viele betroffen wurden, weil man wußte, daß diese Rede nur erdichtet war. Ja, er ließ es hierbei nicht bewenden, sondern er untersagte ihnen kurze Zeit darauf, Beicht zu hören und zu predigen; und antwortete auf ihre dringende Bitte, alle Väter des Hauses zu prüfen, er zweifle keineswegs an ihren Fähigkeiten, allein es erfordere der Dienst Gottes, die Ausspendung der Sacramente und des Wortes Gottes ihnen zu verbleien. Indessen war er hierüber dennoch nicht ohne Unruhe, weil er bei allen diesen Dingen keine Fdrm beobachtet hatte und es ihm auch nicht verborgen seyn konnte, daß sein Benehmen nicht auf die beste Weise bei dem königlichen Hofgerichte zu Charcas gewirkt hatte. Ja, man hatte ihm sogar berichtet, daß ein Befehl von dieser königlichen Hofstelle unter 173 Weges sei, wodurch er verhalten wurde, alle Bannflüche zu widerrufen und zu lösen, ohne etwas dafür zu fordern, und überdieß alle Geldbußen zurück zu erstatten. Darum auch fing er nun an, gegen den Gouverneur sich freundlicher zu erzeigen, der ihn, wiewohl er seit dem Schreiben des Vice- königs größere Festigkeit zeigte, dennoch fürchtete; denn er hoffte, es sei ihm ein Leichtes, ihn dahin zu stimmen, daß er Alles was er bis nun gethan, gut heißen würde, und hoffte dieß um so viel leichter von dem Volke. Er hatte mehrere Unterredungen mit ihm und meinte, sie würden gewiß seit feiner Ankunft im Bisthum im friedlichsten Einverständniß mit einander gelebt haben, wenn nicht gewisse ehrsüchtige Männer durch ihre gefährliche Staatsklugheit dieß Einverständniß gestört hätten; doch wolle er nun sein Möglichstes thun, das Vergangene zu vergüten, und ihm auch die viertausend Arroben Paraguaykraut für die Ausstattung seiner Nichte erlassen; und er that ihm noch verschiedene andere Verheißungen und versprach, sein Vortheil würde ihm immer am Herzen liegen, wenn anders derselbe nicht in Berührung mit den Rechten der Kirche käme, welchen er als Bischof entschlossen wäre, sein Leben zu opfern. Er versuchte auch noch verschiedene andere Mittel, den Gouverneur zur Ausführung seines Planes hinsichtlich der Jesuiten für sich zu gewinnen, und sandte den Provinzial des Dominicaner-Ordens zu 174 ihm, der alle seine Beredsamkeit aufbot, ihn dahin zu stimmen, daß er mit dem Bischof in Freundschaft lebe, zumal da man niemals bei einer höheren Behörde Klage führe, ohne einen Theil seines Ansehens zu verlieren; ein Weiser Mann müsse Manches übersehen, und selbst wenn ein Bischof seine Macht hinsichtlich der zeitlichen Gerichtsbarkeit überschreite, sei es besser, sich in Güte mit ihm zu vergleichen als sich in einen Prozeß einzulassen. Hierauf rieth er ihm auch, sich nicht in die Angelegenheit des Bischofs zu mischen, die er wegen der Jesuiten im Sinne führe, die er beschlossen habe, aus Assum- tion und aus allen Missionen des Parana zu vertreiben, die zu seinem Bisthum gehörten; denn er wisse gewiß, daß er deßfalls die Beistimmung des Königs und des Papstes gewinnen werde. Endlich sprach er, sei Dom Cardenas entweder der heiligste Bischof der Christenheit oder der böseste Mensch in der Welt, und in beiden Fällen könne er nur verlieren, wenn er mit ihm in Streithändel geriethe. Der Gouverneur antwortete hierauf, er habe, weil er den Frieden liebe, beschlossen, die Augen zu Allem zu schließen was nicht mit seiner Ehre und seinem Gewissen im Widerspruch stände; doch würde er es, auch wenn er sein ganzes Vermögen darüber verlieren sollte, nicht dulden, daß man weder die Jesuiten noch irgend einen andern geistlichen Orden aus der Provinz vertriebe, deren Regierung der König, sein Herr, ihm anvertraut habe; es sei denn, er erhielte deßfalls einen ausdrücklichen schriftlichen Befehl von seiner Majestät. 175 Kurz hierauf ließ er den Jesuiten heimlich sagen, was gegen sie in Anschlag sei; ohne ihnen jedoch mitzutheilen was er selbst gesonnen war, für sie zu thun; und er benahm sich auch mit solcher Klugheit, daß Dom Cardenas sich an ihm irrte und der sichern Meinung war, er könne seinen Plan ausführen, ohne daß er ihn daran verhindere« Doch wollte er dieß nicht auf einmal thun, sondern all- mälig zu Werke gehen, und der erste Schritt, den er deßfalls that, war folgender. Die Jesuiten hatten von Dom Gabriel de Nera einen Meierhof erkauft, und er ließ sie ersuchen, ihm denselben gegen die Summe abzutreten, die sie dafür bezahlt hätten. Ohne jedoch ihre Antwort abzuwarten, ließ er ihnen sagen, sie wären reich genug, ihm ein Geschenk damit zu machen. Da er indessen nicht glaubte, daß er auf ihre Großmuth rechnen dürfe, sandte er abermal mit der Botschaft zu ihnen, dieß Landgut gehöre den Jndiern von Jaragon, und er befehle ihnen, solches binnen acht Tagen zu räumen; wo nicht, so würde er desselben sich bemächtigen lassen und Denjenigen, die seine dieß- fälligen Befehle ausführten, alle beweglichen Fahr- Nisse daselbst zum Loh» für ihre Bemühungen geben. Dieß Schreiben ward dem Rector des Colle- giums durch einen Häscher überbracht, der, ohne ihm Zeit zu lassen, dasselbe zu lesen, ihm sagte, es enthalte eine Entscheidung, von welcher man sich nur an den apostolischen Stuhl zu Rom wenden könne; da aber der Bischof Legat desselben sei, wäre 176 es vergeblich sich dahin zu berufen, und der Prälat würde ihm auch nicht Zeit dazu lassen. Der Bischof war indessen nach Aaragon abgereist, wo er die priesterliche Weihe ertheilte, und als ein von Gott begeisterter Mann alles gegen die Jesuiten declamirte was nur seine Heftigkeit ihm einflößte. Er sagte auch, er könne dem heiligen Geist nicht widerstehen, der durch ihn spreche; als Bischof müsse er die Rechte der Kirche vertheidigen; als königlicher Rath aber die Provinz von Solchen reinigen, die die Ländereien des Königs an sich rissen, um die Reichthümer derselben in fremde Länder, ja sogar in solche zu senden, die Feinde der spanischen Krone wären; und er könne es weder vor Gott noch vor den Menschen verantworten, wenn er nicht entdeckte, aus welche Weise die Jesuiten zum Nachtheil des Königs und der Kirchengüter sich zu Eigenthümern einer ungeheuern Anzahl Jndier aufgeworfen hätten. Auch lehrten sie ihren Neophyten eine abscheuliche Lehre, machten die Bischöfe verächtlich und hielten nichts auf ihre Bannflüche, setzten nach ihrem Belieben neue Hirten ein, ohne die Bischöfe zu fragen; sie besäßen reiche Goldminen, mit deren Erträgnissen sie nach Belieben schalteten. Er hätte ihnen die Schulen sperren lassen, weil die Schüler nichts darin lernten; und so fuhr er noch lange fort und schloß endlich damit, daß er den Zuhörern verhieß, sie sollten nun bald die Jndier der Reduktionen zu Commcndcn bekommen, worauf sie ein unbestreitbares Recht hätten, weil dieselben wären erobert worden. 177 Diese Reden wiederholte er in seinen Predigten und in besondern Unterredungen z und wiewohl Viele offenbar das Gegentheil von allem wußten was er sagte, und auch Niemand andre Goldbergwerke glauben wollte, war ihnen doch der Gedanke süß, daß sie die Jndier der Reductionen zu Commenden bekommen sollten. Er aber bekräftigte dieß allenthalben; versicherte auch, er handle hierin nur in Ge- mäßheit der Befehle des Königs und brachte es zuletzt so weit, daß viele mit Ungeduld auf die Ausführung eines Planes harreten, von welchem sie so große Vortheile hofften. Er selbst zweifelte nicht im geringsten, daß dieß alles nächstens in Erfüllung gehen würde, als er plötzlich Dinge erfuhr, wor, aus er erkannte, daß sich dabei Schwierigkeiten ergaben, die er nicht vorausgesehen hatte. 25. Vergebliches Bemühen des Dom Lardenas, den Meierhof der Jesuiten in Besitz zu nehmen. Sein Benehmen gegen den Gouverneur und die Jesuiten. Befehle des königl. Gerichtshofes. Der Prälat verlangt eine Verordnung Larls V. aus dem Archiv, einen ander» Gouverneur zu erwählen. Der Gouverneur kündigt ihm seine Verweisung aus dem Bisthum an. Rückkehr des Prälaten nach Assumtion. Empörung daselbst. Edict des Gouverneurs. Er läßt den Prälaten einschiffe». Dom Cardenas hatte gezögert. Besitz von dem Mcicrhof der Jesuiten zu nehmen, weil er gehofft hatte, diese Väter würden aus Furcht vor seinen Paraguay II. Bd. 12 !78 Drohungen denselben ihm abtreten. Doch wie sehr erstaunte er, als er erfuhr, der Gouverneur hätte auf die Bitte des P. Sobrino einen Alcaden der Inquisition mit einer starken Wache dahin gestellt! Alsbald sandte er einen Geistlichen mit zwei Schreibern und einem Jndier dahin, dem Alcaden und seiner Mannschaft zu erklären, sie seien im Kirchenbann, wofern sie sich nicht auf der Stelle entfernten. Dieser Jndier war wahrscheinlich mitgekommen, den Meierhof zurückzufordern; der Alcade aber antwortete ihm, wenn sein Kazike oder sein Corregidor irgend Anspruch auf dieß Landgut hätte, so sollte er deßfalls gerichtlich klagen; wofern aber er oder ein Anderer sich unterstände, die mindeste Unordnung anzurichten, so würde er nach Gebühr bestraft werden; und hierauf wendete er sich zu dem Geistlichen, der sich eben anschickte, den Bannfluch abzulesen, und sagte ihm, er sei hier auf Befehl des Gouverneurs, und er sollte die Verordnung des Bischofs dorthin tragen; worauf er ihn zwang, sich zu entfernen. Als der Prälat dieß erfuhr, da gerieth er vor Zorn außer sich; Einer seiner unzertrennlichen Anhänger jedoch ermuthigte ihn, den Gouverneur als einen Feind der Kirche zu behandeln, und die Jesuiten, die ohnedieß Ketzer und Schismatiker wären, aus der Provinz zu verjagen; in welchem Falle sie ihren Meierhof wie alles Uebrige im Stiche lassen müßten. Er traf auch ungesäumt Anstalt zur Ausführung dieses Vorhabens, ließ in geheim sechs Flöße bereiten, die Jesuiten mit einem Vorrath von 179 Zwieback und Pöckelfleisch einzuschiffen, und schrieb an die Vater der verschiedenen geistlichen Orden, sie sollten ihm in Eile Priester für die Reduktionen beim Parana senden. Hierauf setzte er im Namen des Volkes eine Klagschrift gegen die Jesuiten auf, die sich widersetzten, daß ihre Jndier zu Commen- den an die Spanier vergeben würden, die sie erobert hätten, nöthigte dann verschiedene Personen, dieselbe zu unterschreiben, und ließ sogar einen Kleriker peinigen, der dessen sich weigerte; worauf er einen Beschluß zu ihrer Vertreibung entwarf, den er nicht vollendete, und der nebst andern Schriften dem königlichen Hofgericht vorgelegt ward. Die Jesuiten blieben in großer Ruhe; auch kannten sie nicht einmal die Größe der Gefahr. Es traf aber der Bischof Verabredung mit dem Commandanten Dom Francesco Flore;, dem er große Verheißungen gab; und Dom Florez stellte sich, als wäre diese Unternehmung ihm sehr willkommen; begab sich aber auf der Stelle zum Gouverneur, der das Collegium der Jesuiten bewaffnen ließ, und den Prälaten beredete, als sei er vollkommen mit ihm einverstanden, die Jesuiten zu vertreiben. Indessen erhielt er geheime Befehle vom Vicekönig und sandte in Eile nach den Reductionen, wo er sechshundert bewaffneten Jndicrn den Befehl ertheilte, sich alsbald auf den Weg nach Assumtion zu machen. Auch der Bischof hatte neue Befehle von dem hohen königlichen Gerichtshof erhalten, alleErcom- municationen aufzuheben, ohne etwas von irgend 12* L80 einem Menschen dafür zu verlangen; allen Bedrückungen und Unordnungen ein Ende zu machen, sich seiner Würde gemäß zu betragen und sein Bisthum als ein weiser und tugendhafter Mann zu regieren. Er antwortete, er werde diesen Befehlen sich fügen, in so fern sie mit den Rechten der Kirche und ihrer Bischöfe sich vertrügen; wendete sich dann an einen Befehlshaber, sprach ihn von dem Bann und der Geldbuße los, in die er verfallen sei, jedoch mit der Bedingniß, ihm eine alte Verordnung Carls V. aus dem Archiv der Stadt einzuhändigen, kraft deren es erlaubt sei, falls der Gouverneur mit Tod abginge oder sich entfernte, einen Jnterims-Gouver- neur zu erwählen. Denn niemals, sprach er, sei diese Verodnung nothwendiger gewesen als unter den gegenwärtigen Umständen, wo es für die Ehre Gottes, den Dienst des Königs und das Wohl der Provinz so höchst nothwendig sei, das Volk von der Unterdrückung der Jesuiten zu befreien; und er bedürfe zu einem so höchst wichtigen Werke eines solchen Mannes wie er; da dasselbe gewiß gelingen würde, wofern er sich an die Spitze des Volkes stellte. Dom Leon bat ihn zu bedenken, was er thun wolle und wie ungerecht sein hartnäckiger Verfolgungsgeist gegen Religiösen sei, die ihm nichts zu Leide gethan hätten. Doch Dom Cardenas erklärte ihm hierauf, er sei aufs neue im Kirchenbann; er bedürft seiner nicht; er handle nur gleich einem geschickten Wundarzt, der, um die Hand zu erhalten. I8t einen brandigen Finger abschneide, und er sei allein im Stande sein Vorhaben auszuführen, wenn auch alle Welt sich ihm widersetze. Der Gouverneur sah endlich ein, daß er bald nicht mehr Herr in der Provinz, ja auch nicht länger in Sicherheit darin seyn würde, wenn er nicht in aller Eile seine ganze Macht gegen einen Mann anwendete, welcher behauptete, man dürfe außer seiner eigenen Macht keine andere erkennen. Während also Dom Cardenas zu Aaragon den ganzen Adel und das Volk gegen die Jesuiten aufbrachte und sie nebst allen, die mit ihnen im Verkehr wären, ercommunicirte, auch alle Anstalten zu ihrer Vertreibung traf, begab er sich mit den bewaffneten Jndiern auf den Weg nach Aaragon und verkündigte ihnen den Befehl des Vicekönigs, er sei aus der Provinz verwiesen und seine Einkünfte in Beschlag genommen. Nach verschiedenen ungeziemenden und vergeblichen Auftritten sah endlich Dom Cardenas sich genöthigt, dem Befehl zu folgen, und machte sich auf den Weg nach Assumtion. Er erfuhr unter Weges, die ganze Stadt sei in Aufruhr; und er baute auf diese Nachricht die Hoffnung eines willkommenen Empfangs. Wirklich war er auch daselbst Vielen willkommen, und er wollte diesen Umstand benützen und geraden Weges auf das Collegium der Jesuiten losziehen; da man ihm jedoch sagte, es hielten sich daselbst vierhundert wohlbewaffnete Krieger auf, was indessen bloß erdichtet war, änderte er seinen Ent- 182 schluß und stieg im Franciscanerkloster ab, das er bald in eine Vestung verwandelte. Mit Gewalt wollte er jene Verordnung Carls V. hinsichtlich eines Jnterims-Gouverneurs haben, streute mancherlei unwahre Gerüchte aus, gewann eine Menge Volkes für sich und rief:»Weil ich eure Rechte und Freiheiten vertheidigen will, werde ich gleich einem Aufwiegler aus der Provinz verwiesen! Ich ermähne aber als Rath des Königes alle die in Amt und Ansehen stehen, einen Gouverneur zu ernennen, der die Provinz von so^ schwerer Gefahr errette; und in einem so dringenden Falle vertritt die Nothwendigkeit die Stelle einer königlichen Verordnung.« Es war nahe daran, daß eine allgemeine Empörung ausbrach; denn der Bischof bot Alles auf, die Inwohner dahin zu bewegen, daß sie die Waffen ergriffen; und da man ihm jene königliche Verordnung nicht ausliefern wollte, legte er den Befehlshaber mit allen seinen Freunden als Schismatiker und Feinde des Vaterlandes in den Bann. Es kam so weit, daß eine Menge ehrbarer Leute sich aus der Stadt entfernten, wo sie nicht mehr mit Ehren bleiben konnten, und auch ihre Sicherheit gefährdet war; und der Aufruhr war nahe daran auszubrechen. Da traf endlich der Gouverneur ernstliche Anstalten, den Prälaten einzuschiffen, der mit Bannflüchen um sich warf; und ließ, um aller Unordnung vorzubeugen, die bewaffneten Jndier der Reduktionen in die Stadt; denn er selbst auch war sei- 183 nes Lebens nicht mehr sicher. Hierauf ließ er ein Edict verkündigen, worin erklärt ward, DomBer- nardin habe sich allen kirchlichen Gesetzen zum Trotz, in das Bisthum Paraguay eingedrungen, ohne irgend geistliche Gerichtsbarkeit zu haben. Er hatte die schriftlichen Beweise in Händen. Und der vorige Verweser des Bisthums mußte auf Ansuchen des Gouverneurs die Verwaltung desselben abermal übernehmen; was auch mit allen üblichen Feierlichkeiten geschah. Das Edict des Gouverneurs erklärte ferner, Dom Bernardin halte sich nun im Kloster der PP. Franciscaner auf, wohin er eine Garnison verlegt habe und er erfülle von dort aus die Stadt mit Aufruhr, Verwirrung und Ärgernissen; weßhalb es unter Todesstrafe verboten sei, sich dahin zu begeben, so lange der Prälat sich noch daselbst aufhielte. Auch der Verweser des Bisthums ließ eine Verordnung ergehen, kraft welcher er das Nämliche verbot und alle vom Gehorsam gegen den besagten Herrn Bischof lossprach. Dom Bernardin sah endlich ein, daß er sich nicht länger halten konnte, und erklärte, er wolle nicht mehr in einem Lande bleiben, wo beinahe Alle ercommunicirt seien; und nahm endlich am neunzehn tcn November 1644, nachdem er seiner Gewohnheit gemäß zwei Messen gelesen hatte, Abschied, wobei er sagte, er werde verwiesen, weil er der Noth der Familien habe abhelfen wollen, deren Erbgut(d. h. die Reductionen der freien Jndier) die Feinde der Kirche an sich gerissen hätten. Hierauf wiederholte 184 er alle schimpflichen Reden über diese vorgeblichen Räuber abermal, that sie auf's Neue in Bann und wies einige Kirchen an, wo er dem Gottesdienst beizuwohnen und zu beichten erlaube, hielt eine herrliche Lobrede auf die Priester derselben, von welchen vielleicht ihm allein unbekannt war, daß mehrere in einem schändlichen Concubinat lebten, und entfernte sich unter noch manchen unanständigen Scenen, mit seinem Gefolge in einer Barke zur großen Freude aller, denen die Ruhe und Ordnung lieb war. Es war aber Dom Cardenas bei weitem nicht so beruhigt über seine Weihe und Besitzname, als er sich den Anschein gab, es zu seyn; denn er arbeitete schon seit einiger Zeit daran und schrieb fleißig nach Rom, die Gültigkeit beider vom Papste zu erlangen. Es wurden auch darüber mehrere Sitzungen gehalten, doch dauerte die Sache sehr lange und er ward erst vierzehn Jahre hernach, nämlich ,653 losgesprochen; wiewohl er zu Assumtion, wo wir ihn bald wieder werden erscheinen sehen, sich abermal also benahm als wäre er nicht der mindesten kirchlichen Censur unterworfen. 185 26. Nachtheilige Folgen dieser Ereignisse für die Redactionen. Es verbreitet sich das Gerücht. die Jesuiten hatten reiche Goldbergwerke entdeckt. Die Sache wird untersucht. Dom Laris unternimmt eine Reise mit dem Angeber der Goldminen. Was sich auf dieser Reise ergab. Eügen des Dom Tardenae. Der Betrug wird entdeckt und bestraft. Es läßt sich denken, das alle diese Ereignisse, die seit zwei Jahren in der Provinz Paraguay sich ergeben hatten, die Religion in den Reductionen am Parana eben nicht sonderlich förderten; zumal da die Neophyten, die der Gouverneur zu Hilfe gerufen, mancherlei gesehen und an vielen Dingen großes Ärgerniß genommen hatten, überdieß alles aber täglich in Furcht schwebten, ihre Hirten zu verlieren und als Commenden vergeben zu werden. Zudem war auch die Anzahl der Arbeiter so gering, daß sie kaum im Stande waren, die Niederlassungen, die sie gestiftet hatten, aufrecht zu erhalten; und dieß war zumal in der Provinz Tucu- man der Fall, wo in manchen Drten^ahre vergingen, ohne daß man nur einen einzigen Priester darin sah. Was daher die Missionäre thun konnten, bestand meist in apostolischen Reisen, die oft sehr weit und über alle Beschreibung beschwerlich waren; und es mußte manche Misston bei Völkern unterbleiben, die sich geneigt zeigten, den Glauben anzunehmen. Um dieselbe Zeit verbreitete sich das Gerücht, 186 die Jesuiten hatten reiche Goldbergwerke in der Provinz Uruguay entdeckt und gingen mit äußerster Vorsicht zu Werke, den Spaniern die Kenntniß derselben zu entziehen. Wir sahen bereits, daß Dom Eardenas eine ähnliche Gelegenheit ergriff, seine Absicht zu rechtfertigen, die dahin erging, die Jesuiten aus den Reductionen zu verjagen. Das Geschrei dieses Prälaten wider sie und die Zuversicht, mit welcher er von dieser Entdeckung sprach, überzeugte zumal Jene, die der Eifer dieser Missionäre für die Aufrechterhaltung der Freiheit ihrer Neubekehrten wider sie aufgebracht hatte. Einige schrieben hierüber sogar an den hohen königlichen Rath in indischen Angelegenheiten, es erfordere der Dienst des Königs, sie aus den Reductionen zu entfernen und andere Seelenhirten dahin zu senden. Hierauf verbreitete man mit der nämlichen kecken Sicherheit, diese Ordensleute beschränkten sich nicht darauf, die entdeckten Schätze zur Bereicherung ihrer Gesellschaft zu verwenden; sondern sie führten auch vieles Gold in fremde Länder aus. Der hohe königliche Rath hielt diese Sache für so wichtig, daß er Befehl gab, in den Missionen des Paraguay uur solche Unterthanen zu lassen, auf deren Treue man bauen könne, und alle Missionäre zu entfernen, die nicht geborene Unterthanen des Königs von Spanien wären. Indessen verschwanden diese Goldbergwerke sehr schnell, und Viele schämten sich, daß sie einer Sache so leicht Glauben gegeben hatten, die nur auf der 187 Aussage eines einzigen Mannes beruhte, dessen Zeugniß aus mancherlei Ursachen wenigstens verdächtig seyn mußte. Dieß war ein Jndier, Namens Bonaventura, der einige Zeit in einem Kloster zu Buenos-Ayres gedient, und sich dann zu umherstrei- fenden Jndiern geflüchtet hatte. Mancherlei Abenteuer, die von einer solchen Lebensweise unzertrennlich sind, führten ihn in eine Reduktion der Provinz Uruguay, wo er eine große Frömmigkeit heuchelte und Eifer für das Heil der Seelen zeigte, plötzlich aber und ehe man dessen sich versah, mit einem verheirateten Weibe durchging, das er verführt hatte. Man eilte ihm nach, nahm ihn gefangen, führte ihn in die Ortschaft zurück, wo er öffentlich mit Ruthen gestrichen und hierauf nach Bue- nos-Ayrcs zurückgesandt ward. In dieser Stadt nun sagte er aus, die Jesuiten hätten in dem Lande, woher er käme, sehr ergiebige Goldbergwerke entdeckt; und er sprach darüber mit so großer Sicherheit, daß er Viele überzeugte; denn er behauptete sogar, er selbst habe darin gearbeitet, und sie hätten daselbst in drei Tagen so viele Goldkörner gesammelt, daß man einen halben Scheffel damit anfüllen konnte. Auch fügte er bei, er wäre mehr als einmal in Versuchung gekommen, so großen Reichthum für sich selbst zu be- nützen und hätte sich mit einem andern Jndier verabredet, so viele Goldkörner fortzutragen als sie konnten; sein Gefährte aber habe ihn verrathen. 188 und cr wäre grausam mit Ruthen gestrichen und aus der Provinz verjagt worden. Ein Umstand, der Jenen, denen er dieß erzählte, nicht hätte entgehen sollen, und wodurch die ganze Erzählung ihnen offenbar hätte verdächtig werden müssen, war die große Unklugheit, welche die Jesuiten sich hätten zu Schulden kommen lassen, wenn sie einen Menschen nicht festgehalten hätten, der im Besitz ihres Geheimnisses war und den sie so schwer mißhandelt hatten. Doch Goldbergwerke, welche Geistlichen angehörten, die ein Geheimniß daraus machten, reihten Viele zu sehr, als daß sie nicht ohne alle Untersuchung daran geglaubt hätten. Übrigens hatte Bonaventura auch die meisten Fragen, die man deßfalls an ihn thun konnte, so gut vorgesehen, daß er ohne Anstand auf alles Antwort gab. Er bezeichnete die Orte, die Anzahl und die Merkmale der Bergwerke genau, und seine Erzählung war so einfach und so unbefangen, daß sogar Diejenigen, die er nicht gänzlich überzeugte, dennoch der Meinung waren, man sollte die Sache an Ort und Stelle untersuchen. Indessen sprach man nur so überhaupt darüber und es ward nichts beschlossen, als der Rector des Collegiums den Magistrat ersuchte, die Sache gerichtlich zu verhandeln. Der Magistrat aber bewilligte das Gesuch; und der Angeber ward gerichtlich einvernommen, bestand jedoch schlecht beim Verhör. Man stellte ihm noch andere Fragen und entdeckte endlich, daß das Ganze nichts als ein Betrug war. 189 Dom Pedro Estevan de Avila, Gouverneur der Provinz, berichtete dem hohen Rath in indischen Angelegenheiten, diese Goldberge, von denen so viel gesprochen werde, hätten auch nicht einen Schatten der Wirklichkeit. Da schwieg der Angeber, welcher der Strafe nur auf die Fürbitte der Jesuiten entgangen war. Doch diese Straflosigkeit veranlaßte ihn, das Stillschweigen zu brechen. Er redete aber besonders mit Jenen darüber, die aus Spanien ankamen; und als indessen auch Dom Hiacinth de Laris kam, den Dom Pedro Estevan de Avila als Gouverneur abzulösen, sagte er ihm, es sei sonderbar, daß man einem Menschen nicht glauben wolle, der nichts ausgesagt hätte, was er nicht mit Augen gesehen habe; und dieß zwar bloß darum, weil die Furcht vor der Folter in seinen Antworten ihn verwirrt gemacht hätte. Dom Laris hätte nichts sehnlicher gewünscht, als daß dieser Mensch wahr gesprochen hätte; allein nach Allem, was vorgegangen war, wußte er nicht, wozu er sich entschließen sollte; als man auf einmal zu Buenos-Apres ein Schreiben von dem Bischof Dom Cardenas erhielt, in welchem er über diese Goldminen als über eine Sache sprach, die man nicht bezweifeln könne. Dieß Schreiben ward bald öffentlich bekannt; Bonaventuratriumphirte darüber und der Gouverneur hielt es nun für seine Pflicht, genaue Kunde von dieser Sache einzuziehen. Nach einigen Unterredungen mit dem Angeber, faßte er endlich den Entschluß, sich an Ort und Stelle zu lNN begeben, schiffte sich mit einem Geleite von fünfzig Mann ein; nahm den besagten Bonaventura und einen sehr geschickten Bergmann, Namens Martin de Vera mit und machte sich auf die Reise. Er war jedoch noch nicht auf halbem Wege, als der Jndier verschwand. Diese Flucht machte ihn stutzig; indessen war er bereits zu weit, um unver- richteter Dinge zurückzukehren. Er ging also bis zu den ersten Reduktionen am Parana, wo er Niemand etwas von der Ursache seiner Reise entdeckte; nur fragte er einige Neubekehrte über Bergwerke überhaupt und empfahl ihnen, nichts weiter davon zu sagen. P. Diaz Tanno jedoch, der damals Vorgesetzter der Missionen war, hatte bereits Nachricht von seinen Absichten erhalten, und bat ihn dringend, alle diese Redactionen zu besuchen; forderte ihn auch zugleich im Namen des Königs auf, von dem Bischof von Affumtion ernstlich zu verlangen, daß er ihm die Beweise der Versicherung geben möchte, die er in seinem Briefe hinsichtlich der Goldbergwerke behauptete. Er konnte eine so billige Bitte nicht versagen, sandte einen Eilboten, auf den er sich verlassen konnte, an Dom Cardenas ab, forderte denselben amtlich zur Beantwortung auf und kam dann in das Land, wo er bald wahrnahm, daß seine Erscheinung mit bewaffneter Mannschaft große Unruhen in allen Reduktionen erregte. Er fragte um die Ursache dieser Bewegungen, und erhielt zur Antwort, daß die Neophyten, die nur allzu gut von dem Vorhaben des Bischofs I9l Cardenas unterrichtet wären, die Missionäre aus diesen Provinzen zu vertreiben und sie durch Weltgeistliche zu ersetzen, bei seiner Erscheinung mit Soldaten, nicht zweifelten, er sei nur gekommen, diesen Plan auszuführen, und daß sein Caplan, den er bei sich habe. Besitz von allen diesen Kirchen nehmen wolle. Übrigens könne man für nichts gut stehen, wenn er diese neuen Christen nicht bald beruhigte, die hierüber keinen Scherz verständen; weil sie überzeugt wären, daß diese Veränderung nur in der Absicht vorgenommen werde, ihrer Freiheit sie zu berauben; und das geringste Übel, das zu befürchten stände, wäre die gänzliche Entvölkerung aller dieser Reduktionen. Der Gouverneur antwortete hierauf, er sei weit von den Ansichten des Bischofs von Assumtion entfernt; und um sie hievon zu überzeugen, ließ er seinen Caplan auf der Stelle nach Bucnos- Ayres zurückreisen und gestattete ihm nicht einmal in einer der Reduktionen Messe zu lesen. Die Abreise dieses Priesters und die Versicherung, die man den Neophyten von den freundschaftlichen Gesinnungen des Gouverneurs gegen die Missionäre gab, beruhigte Alle; die Jndicr erwiesen ihm alle Ehre, die seinem Range gebührte; und ungehindert setzte er nun alle Untersuchungen fort, die der Gegenstand seiner Reise waren. Vor Allem erklärte er seinen gesammtcn Soldaten, der Erste, der eine Goldmine entdecken würde, sollte zum Rang eines Hauptmanns erhoben 192 werden; er wolle ihn prächtig ausstatten und ihm ein Geschenk von zweihundert Philippinen machen. Es läßt sich denken, daß fünfzig Soldaten, durch solche Verheißungen beseelt, alles aufboten, zu finden, was gesucht werden sollte. Endlich kam Einer, dem ein Jndier sagte, er wäre noch als ein Kind von seinem Vater an einen Ort geführt wor- den, wo eine Goldmine wäre; und erbot sich, ihn hinzuführen. Der Soldat glaubte, sein Glück sei gemacht, ging auf der Stelle zu seinem General und verlangte die verheißene Belohnung. Dom Laris gab ihm abermal sein Wort, wofern die Sache wahr befunden würde; als er aber den Jndier fragte, antwortete dieser, er habe seinen Vater in einem Alter von fünf Jahren verloren; auf welche Antwort er eben nichts Sonderliches hoffte. Indessen übergab er ihn dennoch dem Bergmann, welchem er auch eine Bedeckung mitgab, die Mine zu besichtigen. Sie gingen einige Tage durch ganz entsetzliche Wege und kamen endlich an das Ziel, wo sie jedoch nichts als Muschelwerk fanden, dessen glänzende Farben ein fünfjähriges Kind wohl pures Gold bedrucken konnten; doch war auch nicht eine Spur von einer Mine zu sehen. Indessen langte der Eilbote, den Dom Laris nach Assumtion gesandt hatte, mit Briefen von dem dortigen Gouverneur und von Dom Cardenas an. Ersterer berichtete ihm, er habe oftmals von den Goldminen in Uruguay sprechen hören; doch auf so unbestimmte Art, daß 193 man vernünftiger Weise nicht daran glauben könne. Der Zweite aber schrieb, er wolle zu gehöriger Zeit an Ort und Stelle sichere Anzeichen der gesuchten Goldbergwerke geben; und schloß endlich nach langen Abschweifungen, die nicht zur Sache gehörten, man sollte vor Allein die Jesuiten aus diesen Provinzen verjagen, und der Gewinn, den dieß bringe, werde die ergiebigsten Bergwerke in reichlichem Maße aufwiegen. Dom Laris gerieth hierüber in großen Zorn und fing an zu denken, Jene, die ihn zu dieser Untersuchung bewogen, hätten sich von ihrem Haß gegen die Jesuiten verleiten lassen; doch wußte er anderer Seits auch nicht, wie er die Flucht des Bonaventura deuten sollte. Die Jesuiten aber, die allerdings erachteten, man würde bald sagen, sie hätten ihn unsichtbar gemacht, gaben sich alle erdenkliche Mühe, ihm auf die Spur zu kommen, und es gelang ihnen endlich auch, ihn zu finden. Der Gouverneur, vor den er gebunden geführt ward, ließ ihm sogleich seine Bande abnehmen, zog ihn dann bei Seite und sprach, ohne ihm den geringsten Vorwurf zu machen:»Freund, mein und dein Glück liegt in deinen Händen; führe mich zu den Goldbergwerken hin, die du deiner Aussage nach gesehen und von welchen du mit so großer Sicherheit gesprochen hast, und rechne darauf, daß ich mehr für dich thun werde, als du je hoffen könntest!«— Der Fndier aber antwortete mit dem Ausdruck der höchsten Verwunderung:»Herr, ich Paraguay II. Bd. 13 191 weiß nicht, was Ihre Rede bedeuten will; niemals und mit keinem Menschen habe ich je von Bergwerken gesprochen!« Der Gouverneur erachtete, er spreche nur darum also, weil er glaube er sei nicht frei. Er gab ihm also die feierliche Versicherung, er nehme ihn unter seinen besondern Schutz, und erinnerte ihn dann an Alles, was er ihm früher von den Bergwerken, wo er gearbeitet habe, von den Vestun- gen, die die Jesuiten erbaut hätten solche zu hüten, von den Garnisonen, die sie dort hielten, erzählt hatte; doch der Mensch behauptete hoch und theuer, er erinnere sich nicht, daß er jemals Ähnliches gesagt habe. Er ward auf die Folter gespannt; aber auch die Gewalt der größten Qualen konnte ihm nichts anderes erpressen, als daß er niemals von Bergwerken und Vestungen gesprochen habe, es sei denn er wäre betrunken gewesen.»Nun denn, sprach der Gouverneur, sei es Trunkenheit oder Betrug, du wirst es mit deinem Leben büßen!« Und er verurteilte ihn auf der Stelle zum Strange. Die Jesuiten indessen thaten Fürbitte für ihn, und durch ihr inständiges Bitten erhielten sie, daß er mit zweihundert Peitschenhieben davon kam. Diese Väter hofften nun, daß eine Verleumdung, die den Urhebern derselben so übel gelungen war, sie für immer mit der Schande abfertigte, daß sie dieselbe vergeblich zu ihrem Untergang angewendet hätten. Doch diese Verleumdung gehörte zu jenen, deren erster Eindruck Spuren zurückläßt, die 195 auch durch dic authentischesten Rechtfertigungen nicht getilgt werden. Denn bald machten diese Goldbergwerke im Paraguay größeren Lärm als je zuvor; ja sie wurden sogar vermehrt und dehnten sich weit über die Provinz Uruguay hinaus; und ob sie auch in den Mittelpunct der Erde zurückkehrten, und nach den genauesten Untersuchungen durch die feierlichste Erklärung öffentlich als eine Fabel erklärt wurden, so verbreitete man solche dennoch als eine wirkliche Thatsache in beiden Hemisphären; und noch zur Stunde gibt es Leute, die es nicht begreifen, wie man das Daseyn derselben bezweifeln kann. 27. Stand der Redactionen. Märtyrertod des H. Äomero. Treibe» des DomLardenas zu Lorrientes- Die Jndier der Redactionen schlagen die Guaycarra's. Dom Lar- denas erhält wiederholte Befehle vor dem k. Zofgericht za erscheine». Ankunft eines neue» Gouverneurs zu Assumtion. DomLardenas kehrt in diese Stadt zurück und verfolgt die Jesuiten aaste neue- Er vertreibt sie von der Redaction der Itatinen, u»d sendet Weltpriester dahin. Diese ergreifen die Flucht und die Redactionen stehe» i» kurzer Zeit leer. In Tucuman genossen die Jesuiten damals eines Friedens und einer Ruhe, dic durch nichts gestört ward, weil sie daselbst unter dem Schutz eines Bischofs arbeiteten, der ihnen mit seinem Beispiele vorging. Auch begnadete der Herr ihre Arbeiten mit seinem reichsten Segen. Übrigens waren, wie 13* 19» Vieles sie auch in den benachbarten Provinzen zu leiden hatten, ihre Reduktionen am Parana und am Uruguay blühender als jemals, sogar jene nicht ausgenommen, wo man oft das Gewitter ziemlich nahe erdonnern horte und von Zeit zu Zeit gewaltige Erschütterungen empfand. Reichlich hatten sie ihren Verlust ersetzt; man fürchtete daselbst keine feindlichen Anfälle, noch auch die Mamelucken und ihre Verbündeten mehr, und sie bildeten bereits jenen christlichen Staat, der Alle die denselben in der Nähe sehen, zur Bewunderung hinreißt. Es wurden Tugenden daselbst geübt, deren man Menschen dieser Art nie fähig geglaubt hätte, und was wunderbarer als dieß alles war, ihre merkliche Vergrößerung war beinahe eben so sehr das Werk der Neubekehrten als ihrer Missionäre, die ihnen den Eifer eingeflößt hatten, von welchem sie selbst beseelt waren. Doch nicht also erging's bei den Jtatinen, die ein Kazike aufgewiegelt hatte; und drei Missionäre, die bei ihnen sich aufhielten, wären beinahe um's Leben gekommen. Indessen verloren sie dennoch den Muth nicht; und da einst ein hungriger Tiger in die Ortschaft eingedrungen war und vierzehn Personen aufgefressen hatte, sagten ihnen diese Väter, daß dieß nur ein Vorspiel größerer Drangsale wäre, wofern sie sich nicht aufrichtig zum Herrn bekehrten. Diese Rede wirkte; und um das Übel gänzlich zu ersticken, ließen sie den Kaziken und seine Freunde von einigen Neophytcn in eine andere Ne- 197 diictioir bringen, die zweihundert Meilen entfernc war; worauf alle zur Ordnung zurückkehrten. Es hatten sich auch einige benachbarte Völkerschaften erklärt, daß sie zum Glauben sich bekehren wollten; und P. Romero begab sich alsbald zu ihnen; er hatte auch bereits ein Missionskreuz errichtet, und hoffte daselbst eine große Gemeine der Gläubigen zu stiften. Als er aber einst sein Brevier zur Hand nahm, die kirchlichen Tagzeiten zu beten, da fand er dasselbe an mehreren Stellen mit Blut befleckt, und er erkannte, daß er den Herrn durch den Märtyrertod verherrlichen würde, der längst das Ziel seiner Wünsche war. Und also geschah es auch; denn er ward von einer Horde Barbaren angefallen, die unter dem Anschein der Bekehrung zu ihm kamen, und ihn nebst einem Ordensjüngcr und einem getreuen Neophyten mit ihren Keulen erschlugen. Der kostbare Tod dieses berühmtesten Missionärs im Paraguay ereignete sich am 22. März 16/ch. Während dieser Zeit hatte Dom Bernardin de Eardeuas seine» Wohnsitz zu Corrientes aufgeschlagen, wo er zum nicht geringen Erstaunen Aller schaltete, als ob er Gouverneur und Bischof zugleich wäre, Beamte absetzte, andere an ihrer Stelle ernannte, Priester weihte, die kein Entlassungsschreiben ihrer Bischöfe hatten; und dieß alles nicht nur ohne die Einwilligung, sondern auch trotz alles Widerstandes des Verwesers dieses Bisthums. Die Jesuiten hatten noch kein Haus in dieser Stadt; da sie aber oft daselbst durchreisen mußten, und es auch 198 nicht selten an geistlicher Hilfe gebrach, hielten sie sich zuweilen auf die Bitte der Inwohner kurze Zeit darin auf. Dieß aber nahm dieser Bischof übel und seine üble Laune erstreckte sich sogar aufDiejenigen, die ihnen Obdach gaben; denn er belegte beide mit dem Interdikt. Und also trieb er es selbst dann noch fort, als das königliche Hofgericht ihn schon zweimal nach Charcas berufen hatte, Rechenschaft von seinem Betragen zu geben. Denn er achtete dieser Berufung nicht und antwortete darauf nur durch Schmähungen auf den Gouverneur und die Jesuiten, die alle Laster und Ketzereien verbreiteten, die Kirchen und Bischöfe ihrer Freiheiten beraubten, und die man nicht schnell genug von der Erde vertilgen könne. Es ergab sich in demselben Jahre 1646, daß die Guaycurrus sich mit andern indischen Völkerschaf, ten vereinigten und ein weit größeres Heer als die Spanier zusammen brachten, die Stadt Assumtion zu zerstören. Sie hatten bereits viele Inwohner der Landgegenden gemordet und alles zitterte und zagte; der Gouverneur aber, der frühzeitig Nachricht erhalten hatte, ließ ungesäumt die Militz der Reduktionen kommen; und die Barbaren, die gehofft hatten, die Stadt zu überrumpeln und sich keines Angriffs versahen, wurden plötzlich von diesen Tapfern überfallen, die das Schlachtfeld mit Todten bedeckten und so großes Schrecken verbreiteten, daß seitdem kein Feind es mehr wagte, in die Nähe der Stadt zu kommen. Der Gouverneur, der bereits dem 199 königlich- indischen Rathe Bericht über das Betra gen des Bischofs gegeben hatte, berichtete auch diesen wichtigen Dienst, den die Reduktionen dem Lande geleistet hatten; was, wie er beifügte, nimmermehr geschehen wäre, wenn er den Bischof nicht außer Stand gesetzt hätte, die Jesuiten daraus zu vertreiben; weil dann alle diese Jndier sich zerstreut hätten, und die Provinz vielleicht für immer verloren gegangen wäre. Noch immer hoffte dieser verwiesene Prälat, übermal im Triumph in sein Bisthum einzuziehen; denn er hatte Freunde und Beschützer beim königlichen Gerichtshof; doch ward er nicht wenig betroffen als er erfuhr, sowohl die Stadt Corricntes als alle übrigen Städte, wo er irgend Zuflucht finden konnte, hätten das Verbot erhalten, ihn aufzunehmen, wofern er nicht alsbald der Aufforderung sich fügte, vor dem königlichen Hofgericht zu erscheinen, da die Ruhe dieser Provinzen und der Dienst des Königs von seinem Gehorsam abhinge. Da indessen das königliche Hofgcricht ihn noch immer Bischof von Paraguay nannte, behauptete er, er müsse früher nach Affumtion reisen, einen Verweser über das Bisthum zu bestellen; und er schiffte sich zu Corrien- tes ein, nach dieser Stadt zu fahren; erhielt aber, als er noch acht Meilen davon entfernt war, das Verbot näher zu kommen, und eine abermalige Aufforderung des königlichen Hofgcrichtes vom 29. April>6/,7 datirt, worin ihm zugleich angezeigt ward, er sei zum Bischof von Popayan ernannt, 200 einer Provinz in Neu- Granada, die über tausend Meilen von Assumtion entfernt liegt. Er entschuldigte sich aber, daß der weite Weg und sein hohes Alter ihm nicht gestatteten, dieß Bisthum anzunehmen, das eigentlich, wie er sehr wohl einsah, nur eine ehrsame Verbannung war. Im folgenden Jahre 1648 folgte Dom Diego Escobar Osorio dem Gouverneur Dom Gregorio de Hinostrosa im Paraguay nach; und der Prälat hatte dieß kaum erfahren, als er sich sogleich nach Assumtion aufmachte, wozu er endlich die Erlaubniß erhalten hatte, um seine Geschäfte zu schlichten. Der neue Gouverneur hatte zwar Befehl erhalten, allem sich zu widersetzen, was der Bischof und seine Anhänger gegen die Jesuiten unternehmen wollten; da er jedoch wußte, welche Unannehmlichkeiten sein Vorgänger von diesem Bischof zu dulden gehabt hatte, schloß er über Manches die Augen; und Dom Cardenas unterließ nicht, sogleich wider die Jesuiten loszuziehen, und weil er so schwachen Widerstand fand, sich abermal in den Besitz des Bisthums zu setzen; wiewohl das Domcapitel abermal feierlich dagegen protestirte. Wie früher ließ er auch nun alle alten Verleumdungen, die er und sein Anhang gegen diese Väter seit Jahren verbreitet hatten, abermal ausstreuen, und er ward darin trefflich von einem Laienbruder seines Ordens unterstützt, der mit Hilfe Anderer eine zahllose Menge Schmähschriften wider die Jesuiten verfaßte, womit sogar Europa überschwemmt ward. Da es ihnen nun um Beweise zu thun war, das unparteiliche Publicum zu überzeugen, weil man die Anhänger des Bischofs kannte und ihre Unterschrift von keinem Gewichte war, zwangen sie sogar die Schüler, zu unterzeichnen; ohne ihnen zu erlauben, die Schrift selbst zu lesen. Einer dieser Jünglinge, Namens Ignatz Frias, dessen Vater ihm verboten hatte, seinen Namen unter eine solche Schrift zu setzen, ward bis aufs Blut gegeißelt, ohne sich beugen zu lassen. Dieser Jüngling trat späterhin in die Gesellschaft Jesu, und verwaltete darin die ersten Ämter in der Provinz mit Ehre. Während aber Dom Eardenas so gut von seinen Anhängern bedient wurde, war er selbst nichts weniger als müssig. Er wollte indessen allmälig zu Werke gehen und die Jesuiten ihrer Missionen berauben. Die erste, von weicherer sie vertrieb, war die Reduktion der Jtatinen; und er wußte diesen Versuch unter so scheinbaren Vorwänden zu verschleiern, daß der Gouverneur sich nicht widersetzte. Wahrscheinlich war es ihm unbewußt, daß man den Weltpricstern bewaffnete Mannschaft mitgegeben hatte, sich in den Besitz ihrer Pfarreien zu setzen, und daß die vier Missionäre, die man von dort verjagt und nach Assumtion zurück geführt hatte, so hart waren mißhandelt worden, daß P. dc Arenas daran starb. Das Traurigste bei dieser Sache war, wie es denn auch unfehlbar erfolgen mußte, daß die Jtatinen, die nicht zweifelten, daß man durch diesen Wechsel einen Anschlag auf ihre Freiheit 202 machen wolle, Aufruhr erregten, worüber die beiden Wcltpriester so sehr erschracken, daß sie in aller Eile nach Assumtion zurückkehrten. Sie sagten auch bei ihrer Rückkehr öffentlich, es wäre ihnen unbegreiflich, wie die Jesuiten unter diesen Jndiern bestehen könnten, die weder etwas für Messen noch für Beerdigungen, noch sonst irgend Stolagebühren bezahlten. In sehr kurzer Zeit endlich standen beide Reduktionen leer, und der Bischof, welcher erachtete, die Jesuiten könnten nur schlechte Christen bilden, wollte lieber eine irrende und zerstreute Herde ohne Hirten lassen, als Diejenigen dahin zurücksenden, die allein dieselbe in den Schafstall zurückführen konnten. Doch nicht also urtheilte der königliche Gerichtshof zu Charcas. Auf die erste Nachricht von dem Vorfall bei den Jtatinen sandte er alsbald die gemessensten Befehle, die Jesuiten dahin zurückzusenden. Diese Befehle jedoch kamen sehr spät an. Es war beinahe ein Jahr verflossen, seit diese Reduktionen leer standen; und wie sehr auch Diejenigen sich bcmühcten, die den Auftrag hatten, diese flüchtigen und in unwegsamen Ländern zerstreuten Jndier zu versammeln, gelang es ihnen dennoch kaum, die Halste derselben zurückzuführen. Ganz unbeschreiblich sind die Beschwerlichkeiten, die sie deßfalls zu leiden hatten; P. Mansilla konnte von den körperlichen Schmerzen, die er sich dadurch zuzog, nie wieder geheilt werden; dennoch aber verlangte er als eine Gnade, die man ihm auch nicht versagen konnte, sein Leben in seiner Mission zu beschließen. 293 28. Tob des Gouverneurs- Dom Tarbenas läßt sich zum Gouverneur und Commandanten ernennen. Er vertreibt die Jesuiten auf die schmählichste Weise aus der Stadt. Erhalt neue Befehle sich vor dem k. Zofgericht zu stellen. Dom Sebastian de Eeon erhalt den Auftrag, die Ruhe herzustellen und die Jesuiten wieder einzusetzen- ltrrieg zwischen den Truppen des Bischofs und Dom Sebastians. Die Bischöfliche» werden geschlagen und der Bischof zur Abreise genöthigt. Der Anhang des Dom Bcrnardin de Cardcnas vergrößerte sich durch die scheinbare Gleichgültigkeit, die der Gouverneur gegen die Jesuiten zeigte, mit jedem Tage, und es drohte diesen Vatern ein schweres Ungewitter; da ihre Freunde bei dem Anblick der Heftigkeit und der Bannflüche des Prälaten es nicht wagten, ihrer sich anzunehmen. Dom Cardcnas wußte indessen, daß der Gouverneur fest entschlossen war, allem sich zu widersetzen, was er gegen sie beginnen würde, und wiewohl er auch seiner eben nicht sonderlich schonte, so that er dennoch keinen gewaltsamen Schritt. Doch plötzlich fiel auch diese Schutzmauer; der Gouverneur starb, und sein Tod war gleichsam ein Aufruf zur Empörung und znm heftigsten Tumulte. Alles strömte in das Rathhaus, kraft jener vorgeblichen Verordnung Carls V., einen Interims-Gouverneur zu wählen, was offenbar in die Rechte des Vicekönigö eingriff; und das Volk, angetrieben durch die Schmcichelkncchte des Bischofs, rief den Dom Cardcnas zum Gouverneur und commaudirendcn Generale aus- Niemand zweifelte nun länger an der Vertreibung der Jesuiten; doch wollte Dom Eardenas sich den Anschein geben, als vertreibe er sie nur auf die dringende Bitte aller Stände der Stadt. Er fing also damit an, daß er alle Beamten absetzte, die nicht in sein Horn bliesen, und besetzte ihre Stellen mit seinen Anhängern; hierauf aber boten seine Getreuen alles auf, das Volk dahin zu bewegen, daß sie die Verbannung der Jesuiten aus der Stadt und der Provinz verlangten; und spiegelten ihnen vor, daß durch ihre Entfernung der bischöfliche Gouverneur zum Besitz von zwanzig tausend Jndiern gelange, die er den Spaniern je nach ihrem Eifer vertheilen wolle, den sie in dieser Sache bezeigten. Dazu würde die Provinz durch unermeßliche Schätze aus den Goldbergwerken bereichert werden, welche diese Feinde Gottes und des Königs so sorgfältig verheimlichten, die man aber leicht entdecken würde, wenn man sie einmal aus ihren Reduktionen verjagt hätte. Da nun die Gemüther also vorbereitet waren, traf der Prälat alle Vorkehrungen, und ließ endlich im Monat März 1649 das Collegium mit bewaffne, ter Hand gleichsam erstürmen; die Väter, die eben rm Gebet begriffen waren, erhielten Befehl, sich auf der Stelle aus der Stadt zu entfernen; selbst die Kranken wurden unbarmherzig aus ihren Betten gezogen; und alle wurden gebunden, bis an das Ufer des Flusses gezerrt, auf Kähne gesetzt und ohne allen Vorrath dem Strome des Flusses über- 205 lassen, der sie bisin's Meer hätte fortreißen können, wofern sie nicht an einer Insel gestrandet wären, die nicht weit von Eorrientes entfernt war, wohin sie nur mit großer Mühe kamen. Daselbst wurden sie von dem Befehlshaber der spanischen Truppen Dom Emanuel Cabral, sehr liebreich aufgenommen, der ihre Kranken verpflegen ließ und sie ein ganzes Jahr frei hielt; sie erbauten aber während dieser Zeit das Volk so sehr durch ihren Eifer und ihre große Frömmigkeit, daß die Stadt das größte Verlangen bezeigte, ein Collegium daselbst zu erhalten. Kaum hatten jedoch die Väter Assumtion verlassen, so ward ihr Haus wie eine eroberte Ve- stung geplündert; alles, sogar die Thüren des Klosters und der Kirche wurden fortgetragen, und das ganze Haus in einen Stand versetzt, daß solches kaum den wilden Thieren zu einem Schlupfwinkel dienen konnte. Hierauf war Dom Bernardin bedacht. Diejenigen zu belohnen, die ihm so eifrig gedient hatten; doch die Neger ausgenommen, die man sogleich in Beschlag nahm, fand sich sehr wenig Beute, die man unter so Viele hätte vertheilen können. Die Jesuiten aber ernannten nach dem Rechte, das Gregor XIII. ihnen ertheilt, und die Könige von Spanien in ihren Staaten anerkannten, einen Friedensrichter, der ihre Ehre verfocht, ein Zcugenverhör aufnahm, und den Dom Cardenas zum Widerruf und zu allem Schadenersatz verurthcilte; welcher Prozeß zwar Jahre lang dauerte, aber dann von dem Papst und dem König in allen Puncten bestätiget wurde. 2tt6 Es erstaunte aber der königliche Gerichtshof nicht wenig über diese unerhörten Dinge und ernannte, die Ordnung und Subordination in dieser Provinz wiederherzustellen, Dom Andreas Garavito de Leon zum Visitator und Interims-Gouverneur von Paraguay; sandte auch dem Dom Cardenas einen Befehl zu, unverzüglich vor ihrem Richterstuhl zu erscheinen, um daselbst Rechenschaft zu geben, aus welchen Gründen er sich das Amt eines Gouverneurs und commandirenden Generals angemaßt, und die Jesuiten vertrieben habe; denn da diese beiden Puncte dem weltlichen Gerichte zustanden, befreie seine bischöfliche Würde ihn nicht, vor der Gerichtsbarkeit des Hofgerichtes zu erscheinen; welchen Rathsbeschluß der Vicekönig bestätigte« Da indessen Dom Andreas Garavito de Leon noch andere Aufträge hatte und nicht so bald nach Assumtion kommen konnte, übertrug der königliche Gerichtshof bis zu seiner Ankunft dieß Amt dem Befehlshaber der Truppen Dom Sebastian de Leon mit dem Auftrag, genügsame Kräfte zu sammeln, um die Jesuiten wieder in ihr Collegium einzusetzen, und die Inwohner von Assumtion zu ihrer Pflicht zu verhalten. Dieser Officier hatte sich, so wie viele Andere aus der Stadt entfernt, um nicht Zeuge einer Sache zu seyn, die er nicht verhindern konnte, und sich nicht unnöthiger Weise Verdrießlichkeiten mit dem Bischof auszusetzen. Und er benahm sich mit großer Klugheit, wollte sich auch nicht sogleich in der Stadt sehen lassen, um die Verwirrung nicht 207 zu vermehren; zumal da er nicht der Stärkste darin gewesen wäre. Er theilte also seine Bestallung den entferntesten Wohnungen der Stadt mit und sammelte sich nach und nach einen Anhang. Als derselbe stark genug war, sandte er einen Courier nach Cor- rientes ab, die Jesuiten aufzufordern, daß sie sich zu ihm begeben sollten; ließ dann der Obrigkeit und den Officiers zu Assumtion seinen Auftrag kund thun, und versicherte sie, er wolle sein Amt nicht früher ausüben als er ihnen die Befehle des königlichen Gerichtshofes mitgetheilt hätte. Indessen warnte man ihn, sorgfältig aus seiner Hut zu seyn, weil man die Spanier und die Jn- dicr zu den Waffen greifen und allenthalben verkündigen ließe, keine Macht habe das Recht, dem Dom Cardcnas die Regierung von Paraguay abzunehmen. Er selbst schrieb hierüber an Dom Juan Ro- mero de Cruz, er sei nun im Begriff, sich durch Heldenthaten und Siege auszuzeichnen, und habe die Gerechtigkeit und Stärke für sich. Gott habe ihm die Regierung übergeben, und Jeden, der sich zum Gouverneur auswerfen wolle, den werde Er todten, wie Er den letzten Gouverneur getödtet habe. Dom Sebastian ließ ihm Zeit zur Besinnung; da er aber erfuhr, der Prälat treffe Vorkehrungen, wie man sie in einer Stadt zu treffen pflegt, die von einer Belagerung bedroht wird, ließ er die spanischen Truppen und dreitausend Jndicr der Redactionen berufen. Es erschracken aber die Truppen des Bischofs 2N8 nicht nur keineswegs, als diese sich heran nahten, sondern sie hatten auch eine große Freude; denn man hatte sie versichert, die Engel hätten dem Prälaten verheißen, daß sie für ihn streiten würden; und auf diese Versicherung hin hatten die Soldaten sich mit Stricken versehen, die Jndier zu binden, deren sie weislich zu schonen beschlossen, um sie zu Sclaven zu machen. Endlich erschienen sie, und noch immer hoffte Dom Sebastian, die Sache ohne Blutvergie- ßung abzuthun. Es kamen aber die Truppen des Bischofs ihm entgegen, indeß er selbst sich in die Kirche begab, wohin eine große Menge Frauen und Greise ihm folgten; und er betete daselbst vor dem hochwürdigsten Gute, daß der Herr seine Kirche und die Provinz von den Ketzern und Gottlosen befreien möchte, die sich gegen seinen Gesalbten und den König verschworen hätten. Dom Sebastian betheuerte, er käme in friedlicher Absicht, die Gerechtigkeit und die Ruhe in seinem Vaterlande herzustellen, und es würde ihm überaus schmerzlich fallen, wenn er sich gezwungen sähe, den Degen gegen seine Mitbürger zu ziehen, den er bisher nur zu ihrer Vertheidigung geführt habe. Doch sie hörten ihn nicht an, denn sie waren wie zu einem Kreuzzuge wider ihn, den der Bischof in den Bann gethan hatte, ausgezogen, und alle glaubten ein Verbrechen zu begehen, wenn sie dem Jnterims-Gouverneur gehorchten, weil der Bischof dieß bei dem Bannfluch und bei körperlicher Strafe verboten hatte. Sie antworteten also hierauf nur 209 durch ein tüchtiges Musketenfeuer, das einen Osfi- cier neben dem Interims-Gouverneur zu Boden streckte und ihn selbst leicht verwundete. Da gab er das Zeichen zum Angriff. Die Bischöflichen hielten den ersten Anfall mit der schwärmerischen Festigkeit Solcher aus, die sich für unverwundbar halten; doch die Engel kamen nicht, und, da sie in ihrer Hoffnung sich getäuscht sahen, wehrten sie sich, um nicht unter dem Beil des Henkers zu sterben, als Verzweifelte. Andere suchten ihr Heil in der Flucht, und Dom Sebastian verbot, ihnen nachzusetzen; Viele auch ergaben sich, und der Sieger zog ohne Widerstand in die Stadt, wo er seine Bestallung auf öffentlichem Platz vorlesen, und dann für die Verwundeten sorgen ließ. Hierauf ging er in die Kirche, wo der Bischof in vollem Ornate auf dem Throne saß und in der einen Hand den Hirten-, in der andern den Com- mandostab hielt. Dom Sebastian küßte ihm ehrerbietig die Rechte und bat ihn um den Commandostab. Der Prälat übergab ihm denselben, ohne ein Wort zu sagen und begab sich mit seinem ganzen Gefolge nach Hause; wo Dom Sebastian ihm alsbald vor Zeugen den Befehl des Hofgcrichtes eröffnete, sich unverzüglich nach Charcas zu begeben; was er auch verhieß. Und hierauf schritt er zur Wiedereinsetzung der Jesuiten, ließ ihr Gebäude auf seine Kosten Herrichten, befahl alles Hausgeräthe zurückzubringen und brachte es in kurzer Zeit dahin, daß diese Vätcr ihren geistlichen Verrichtungen abcrmal abwarten konnten. Paraguay II. Bd. Ich 2U> Endlich reiste Dom Cardellas ab und traf am 17. März 1651 zu la Plata ein, wo er viele Anhänger und Gönner hatte, die ihm einen prächtigen Einzug bereiteten. Man hatte Triumphbögen errichtet, zahlloses Volk zog ihm entgegen und des freudigen Zurufes war kein Ende. Auf solche Weise ward er in das Kloster seines Ordens geführt, wo er abzusteigen verlangt hatte. Die Mönche empfingen ihn unter dem Thronhimmel und führten ihn in die Kirche, wo das Te Denn, angestimmt ward. Von dort ward er in ein Haus begleitet, das man für ihn gemiethet hatte, und viele Personen von Ansehen und Geistliche besuchten ihn und küßten ihm die Hand. Diese Ehren gaben ihm große Hoffnungen für den Erfolg seiner Angelegenheiten. Doch dieser süße Irrthum dauerte nicht lange; er sah bald ein, daß die Rückkehr in sein Bisthum ihm für immer verschlossen war, zumal als man darauf bestand, er sollte das Bisthum Popayan annehmen. Es ward ihm auch der Vorschlag gethan, selbst nach Spanien zu reisen, wo er seine Angelegenheiten sicherer schlichten würde als der Sachwalter, den er dahin gesandt hatte. Doch er ging nicht in die Falle; und da auch das Hofgericht nicht darauf bestand, ließ der König ihm eine Pension von zweitausend Piaster zu seinem Unterhalt anweisen, bis sein Prozeß und sein künftiges Loos entschieden wäre. 29. Abermaliges Gerede von den Golbminen der Jesuiten. Diese verwenden sich für ihre Verfolger. Die Indier der Redactionen schlagen die Mamelucken. Neue Angabe jesuitischer Goldbergwerke- Der Verleumder widerruft Der Bischof von Buenos-Ayres will die Redactionen mit Weltpriestern besetzen. Wichtige Dienste der Redactionen gegen die Feinde. Der Visitator Dom Andreas Garavito de Leon war bereits auf seiner Reise nach Asiumtion begriffen; und je näher er kam, je mehr fand er Leute, die ihn versicherten, die Jesuiten besäßen reiche Goldbergwerke; doch erwiederten sie auf seine Frage um Beweise nichts anderes als, dieß sei ja eine bekannte Sache. Nun hoffte er zu Asiumtion, wo alle einzelnen Belege zu den Prozeßakten sich befanden, die man an das Hofgericht eingesandt hatte, sichrere Kenntnisse hierüber zu finden. Er verhörte alle, welche unterzeichnet hatten, so wie Jene, die angeben wollten, hörte auch die Zeugen an und stellte sie einander gegenüber; aber er erkannte bald das ganze Lügengewebe dieser Unterschriften, die man durch Furcht oder List erzwungen hatte; und ward überzeugt, daß alle Beweise auf das Gerede des Bischofs, seiner Anhänger und seiner Crcaturen sich beschränkten. Und hierauf hielt er Gericht und wollte alle, die zur Zeit der Vertreibung der Jesuiten obrigkeitliche Ämter begleitet, und diesen Gewaltthätigkeiten sich nicht nur nicht widersetzt, sondern vielmehr dieselben verübt hatten, sammt allen fal- 212 schen Zeugen bestrafen; doch baten ihn selbst die Jesuiten um Schonung, weil sie, um wirksam an dem Heile der Seelen zu arbeiten, die vornehmsten Familien des Landes, die in diese Sache verflochten waren, sich nicht zu unversöhnlichen Feinden machen wollten. Gleichwohl verbannte er die Angeber der vermeintlichen Goldbergwerke aus der Provinz und verurtheilte sie zu einer schweren Geldbuße. Da er nun den Auftrag des Hofgerichtes vollzogen hatte und sich eben anschickte, nach Peru zurück zu kehren, sah er sich plötzlich in einen Krieg verwickelt, den er unter gegenwärtigen Verhältnissen nicht im Stande war, mit Nachdruck zu führen. Er erfuhr nämlich, eine bedeutende Armee Mamelucken sei in vier Abtheilungen von Sanct Paul von Piratininga aufgebrochen, die Provinz zu überschwemmen. Da zu dieser Zeit der Krieg zwischen Spanien und Portugal bereits ausgebrochen war, verhielt es sich mit dieser Unternehmung nicht wie mit den frühern, die man bloß als Züge von Räubern betrachten konnte, die auf die Sclavenjagd auszogen; sondern es war ein förmlicher Krieg, den der Vicekönig von Brasilien im Namen seines Herrn unternahm, und wurde von regulirten Truppen geführt, die Commandanten an ihrer Spitze hatten, auf die man sich verlassen konnte. Nun konnte aber Dom Andrea de Leon durchaus nicht auf die spanischen und indischen Militze» der Stadt und der Umgegend bauen, die nicht zum 213 Krieg aiigeübt und auch nicht gewohnt waren, mit regulirten Truppen sich zu schlagen; und er setzte seine ganze Hoffnung auf die Truppen der Guara- ui's, weßhalb er auch in Eile in alle Reduktionen am Parana sandte, alle waffenfähige Mannschaft aufzurufen, daß sie die Pässe besetzten. Doch die Missionäre waren ihm zuvorgekommen; ihre Neo- phyten standen bereits im Felde und ihre Märsche waren so gut berechnet, daß sie an dem nämlichen Tage alle vier Abtheilungen der Mamelucken überfielen, eine sehr große Anzahl derselben zu Boden streckten und die andern drängten, die Flucht in solcher Eile zu nehmen, daß alles Gepäcke sammt den Verwundeten in ihren Händen blieben. Eben so schlugen sie auch die Guaycurrus, die sich mit jenen einverstanden hatten, oder die Verwirrung benutzen wollten, in welcher sie die Spanier vermutheten, mit solcher Gewalt, daß sie es seitdem nie mehr wagten, in der Provinz sich sehen zu lassen. Kurz nachdem Dom Leon nach la Plata zurückgereist war, fand sich abermal ein Angeber jesuitischer Goldminen; und wiewohl nach Allem was bereits geschehen war, das königliche Hofgericht dieser Angabe keinen Glauben beimaß, gab es dennoch dem Dom Juan Blasquez de Valverde, der mit noch größerer Vollmacht als Dom Leon die Provinzen als Visitator bereiste, den Auftrag, die Sache zu untersuchen. Es verhielt sich aber mit dieser Angabe genau wie mit den früheren; denn der Angeber war von dem Capitain Gabriel de Cuallar, einem der 214 eifrigsten Anhänger des Bischofs Dom Cardenas, zu dieser Lüge belehrt worden, und empfing die verdiente Strafe dafür. Dieser Gabriel de Cuallar aber wiederrief auf seinem Todbette mündlich und schriftlich alle Schmähungen und Lügen, die er wider die Jesuiten verbreitet hatte; sagte aus, Dom Cardenas hätte ihn dazu verleitet; bat die Väter der Gesellschaft Jesu feierlich um Verzeihung und brach in das größte Lob derselben aus. Diese Erklärung ward dem königlichen Rath in indischen Angelegenheiten zugesandt und wirkte um so tiefer auf das Gemüth des Königs, als der fromme Bischof von Tucuman ihm einige Male von dem wunderbaren und unermüdlichen Eifer der Jesuiten Bericht gegeben, und ihm auch eröffnet hatte, daß Dom Cardenas, der sich vorgenommen, diese Väter um jeden Preis zu verderben, durch seine Vertrauten eine Menge schändlicher Schmähschriften wider sie in diesen Provinzen hätte verbreiten lassen. Dasselbe berichtete er auch dem Papste Clemens X. und drückte in seinem Schreiben sowohl an den König als an den Papst seine Bewunderung aus, daß diese Väter nach so schändlichen Mißhandlungen, sich so sehr für ihre vorzüglichsten Feinde verwendet, und den Dom Andrea de Leon so dringend für sie gebeten hätten, daß die Strafe wozu er sie verurtheilt hatte, in eine Kleinigkeit wäre umgewandelt worden, die nicht der Rede werth war. Es hatte auch der Bischof von Buenos-Ayres, Dom Christoph Moncha de Delasco die Absicht gehabt, die Reduktionen der dortigen Provinz in eigentliche Pfarreien umzuwandeln; der Gouverneur aber, der die Folgen davon vorhersah, widersetzte sich im Namen des Königs. Der Bischof drohte ihm mit dem Bannfluch, wofern er ihn hinderte, in seinem Bisthum nach seinen Einsichten zu schalten; und der Gouverneur ließ ihn schalten. Es erließ also der Bischof ein Rundschreiben, in welchem er den Jesuiten befahl, die Reductionen zu räumen und seine Weltpriester aufforderte, sich zu diesen Pfarreien zu melden. Er ward jedoch nicht wenig betroffen als er sah, daß auch nicht ein Einziger sich meldete; denn es hatten diese Pfarreien eben nicht viel Anziehendes für sie; und sie zweifelten auch sehr, daß sie lange daselbst verbleiben würden. Dieß bewog den Bischof zum Nachdenken; er untersuchte das Betragen der Jesuiten genauer, bekannte aufrichtig, er habe ihren Verleumdern zu leicht geglaubt, ward ihr wärmster Freund und Vertheidiger und blieb es auch bis zu seinem Tode. Aber auch der Gouverneur hatte bald Ursache, diesem Prälaten zu zeigen, daß er seine Einwilligung in sein Vorhaben nicht ohne Ursache verweigert habe; denn noch in demselben Jahre 1655 rüsteten sich die FrontvMN und andere Völkerschaften, die Stadt Corrientes zu zerstören, die außer Stande war, ihnen Widerstand zu thun; und die einzige Kälfe in dieser Bedrängniß waren die Jndier der Reductionen, die diese Barbaren in die Flucht schlugen. Eben so verjagten sie auch die Calchaqui's; 2!6 und einige Zeit hernach selbst die Engländer, die Bue- nos-Ayres bedroht und gehofft hatten, diese Stadt zu überfallen; es aber nicht wagten, dem Hafen sich zu nähern, sobald sie erfuhren, daß derselbe so gut bewacht sei. Dennoch vermochten so wichtige Dienste es nicht, manchen Leuten die Augen zu öffnen, die mit aller Gewalt Jndier zu Sclaven haben, und nicht einsehen wollten, daß dieselben, sobald man ihre geistlichen Hirten entfernte und ihnen spanische Befehlshaber gäbe, aus Furcht ihre Freiheit zu verlieren, auf der Stelle die Flucht ergreifen und vielleicht die gefährlichsten Feinde dieser Provinzen werden würden, deren größte Sicherheit sie nun waren. 30. Der^ König von Spanien befiehlt die Lehre der Jesuiten zn untersuchen. Commission zu Affumtion. Lächerlichkeit der Behauptungen des Dom Lardenas. Abermalige Beschuldigung der Jesuiten über den geheimen Besitz reicher Gold- und Silberminen. Während dieß alles in Amerika vorging, überreichte der Laienbruder Diego Villalon in Spanien dem königlichen Rath in indischen Angelegenheiten eine Schrift um die andere gegen die Jesuiten und ihre Vertheidiger. Es wirkten dieselben nicht besonders; da jedoch der Bischof Dom Eardenas einen ganz eigenen Nachdruck auf die ungeheuern Ketzereien legte, welche die Jesuiten ihre Neophyten lehrten, erachtete der König, wiewohl er nicht glau- 217 ben konnte, daß diese Beschuldigung gegründet sei, da man diesen Religiösen weder in seinen europäischen noch in den übrigen amerikanischen Staaten Ähnliches vorwarf, es als rathsam, über einen so wichtigen Punct sich Aufschluß zu verschaffen; nicht nur damit man dem Übel, wofern solches wirklich sei, sogleich abhelfen könnte, sondern auch es nicht duldete, daß man die Lehre dieses geistlichen Ordens, der Misstonen auf dem ganzen Erdkreis hatte, länger in zweideutigem Lichte ließe. Es war übrigens hier nur von dem Katechismus die Rede, den die Jesuiten ihren Neubekehrten erlernen ließen, weil nach der Behauptung des Dom Eardenas alle Ketzereien darin enthalten waren, die er den Jesuiten vorwarf. Da aber die Prüfung dieses Katechismus nur an Ort und Stelle selbst und von Personen konnte vorgenommen werden, die der guarani- schen Sprache mächtig waren, in welcher derselbe verfaßt war, schrieb der König an den Erzbischof zu la Plata und gab ihm den Auftrag die Sache genau zu untersuchen. Sobald der Erzbischof das Schreiben des Königs empfangen hatte, forderte er Dom Eardenas auf, ihm binnen zwanzig Tagen anzuzeigen, was in diesem Katechismus Irriges enthalten sei, und worauf er seine Censur gründe. Dom Eardenas aber antwortete, aus vier Ausdrücken, die er in diesem Katechismus verdamme, hätten die beiden ersten Bedeutungen, welche die Keuschheit der spanischen Sprache nicht anzuführen gestatte, die bei- 218 den übrigen aber wären Namen von Teufeln. Der übrige Theil seines ziemlich langen Briefes waren heftige Schmähungen gegen die Jesuiten, wie in allen seinen Schreiben. Der Erzbischof sandte sowohl das Schreiben des Königs als jenes des Bischofs an Dom Juan Blasquez de Valverde, der bereits zu Assumtion war, und dem er den Auftrag gab, ungesäumt eine Commission von kompetenten Richtern zusammen zu setzen und die vier Ausdrücke, die der Bischof von Paraguay verdamme, nach aller Strenge zu untersuchen; er fügte bei, daß man diese Prüfung zu la Plata nur schwer abhalten könne, weil daselbst die guaranische Sprache nicht gesprochen werde. Der Visitator berief in Gemäßheit dieses Auftrags eine Commission aus angesehenen Geistlichen, die der guaranischen Sprache vollkommen mächtig waren; und alle erschienen, außer P. Franciscus Vasquez de la Mora, Provinzial der Jesuiten, der sich ent, schuldigen ließ und sich darauf beschränkte, eine Denkschrift zu senden, die gelesen und allgemein ge- billiget ward. Er bemerkte also darin, Dom Bernardin Car- denas habe nie und nimmer Kenntnisse der Sprache gehabt, in welche der Katechismus übersetzt sei, und habe in der Beurtheilung desselben sich auf Leute verlassen, die diese Sprache so wenig verstanden als er selbst. Ferner bemerkte er, die Übersetzung des Katechismus wäre kein Werk der Jesuiten, sondern er sei von P. Gregorio de Ossuna in peruvia- 216 nischer Sprache verfaßt und von dem ehrwürdigen Diener Gottes P. Ludwig Bolanos in das Gua- ranische übersetzt worden; welche Väter beide aus dem Orden des heiligen Franciscus wären. Das Original, sprach er ferner, sei von den zwei Concilien zu Lima, die Übersetzung aber von den beiden Bischöfen Paraguay's an der Spitze ihrer und noch einer andern Synodal-Versammlung gut geheißen, und in Folge dessen bei Strafe des Ungehorsams und Kirchenbannes allen Pfarrern und Missionären der Jndier, die das Guaranische sprechen, befohlen worden, diesen Katechismus, und keinen andern zu gebrauchen; dieß auch werde überall, sogar in Brasilien beobachtet; wo diese Sprache ebenfalls gesprochen werde; er sehe also nicht ein. Mit welchem Grunde Dom Bernardin de Cardenas den einzigen Jesuiten die Irrlehren zuschreibe, die, wie er behaupte, in diesem Werke sich befänden. Dieß alles war allgemein bekannt; dazu auch lag die Handschrift des P. Bolanos auf dem Tische. Es wurden also nur noch die vier Ausdrücke untersucht, von denen die Rede war, und es fand sich, daß es die einzigen waren, die sich anwenden ließen. Es erstaunte aber die ganze Versammlung über die Gründe, aus welchen jener Prälat die Ausdrücke Tuba und Tupä als Namen von Teufeln verwarf. Denn sein ganzer Beweis beruhte darauf, daß in einem Concilium, das i. I. 7/ch zu Rom gehalten ward, Papst Zacharias einen gewissen Adelbert verdammte, der ein Gebet verfaßt hatte, worin er 22tt denTubuelundTuhuas, die doch Teufel wären, als gute Engel anrief; woraus er den Schluß folgerte, Tub«, der in jenem Katechismus Gott, und Tupä der Gott den Vater bedeutete, wären zweiDämonen- Namen.— Auf solche Weise verschwanden alle ungeheuern Ketzereien der Jesuiten, von welchen Dom Cardenas ein so lautes Geschrei in ganz Amerika, sein Prokurator aber in ganz Spanien erhoben hatte. Schwerer war es Dom Blasquez de Valverde geworden, den Auftrag, hinsichtlich der Goldbergwerke der Jesuiten zu vollbringen. Denn er hatte eine weite Reise in rauhe und gebirgige Gegenden machen müssen, wohin jener Betrieger, von dem bereits die Rede war, ihn geäfft hatte; und die Bergleute, die er mit sich führte, versicherten nach allen möglichen Untersuchungen, bei schwerem Eide, das hier nicht nur durchaus kein Anschein einer Goldoder Silbermine wäre, sondern auch, daß das ganze Land nicht einmal zur Erzeugung solcher Metalle geeignet sei. Der Visitator hielt es nun für überflüssig, weiter zu gehen und wollte nach Assumtion zurückkehren, als plötzlich das Gerücht erscholl, man hätte so eben in der nämlichen Provinz Uruguay eine Silbermine entdeckt. Die Sache verhielt sich nämlich also. Ein Jndier hatte einem gewissen Mönch einen Stein gebracht, in welchem einige Silberadern waren, und ihm gesagt, man hätte denselben in einer sehr ergiebigen Silbermine gefunden, die den Jesuiten angehörte. Da nun dieser Mönch einige Zeit 221 hernach predigte, führte er die Rede auf die Silber- minen, welche die Jesuiten besäßen; und zum Beweis, daß er keine Fabeln spräche, zeigte er seinen Zuhörern den Stein, den man ihm gebracht hatte. Diese Mähre verbreitete sich wie ein Lauffeuer und selbst Diejenigen, die es gut mit den Jesuiten meinten, wußten nicht was sie hierüber denken sollten; als man auf einmal entdeckte, daß der Jndier, der dem Prediger diesen Stein gegeben, solchen aus der Kirche der PP. Franciscaner entwendet hatte, wo derselbe in dem Fußgestell einer Statue der seligsten Jungfrau gewesen war, in welchem sich mehrere Steine dieser Art befanden, die man aus Peru gebracht hatte. Dom Blasquez de Valverde erkannte hieraus nur so viel, daß die Jesuiten Feinde unter allen Ständen hatten, und daß dieselben zu allein fähig waren; ohne sich also länger aufzuhalten, kehrte er nach dem Paraguay zurück, wo er den Verleumdern den Prozeß machte, und sie nach Gebühr bestrafen ließ. 31. Verleumdungen der Jesuiten in Spanien. Der Röntg läßt dieselben untersuche». Erfolg dieser Untersuchungen- Abermalige Missionen im Lande Lhaco. Vergebliche Bemühungen der Missionäre. Kurze Zeit nach jener Versammlung, wo der Katechismus, in welchem Dom Cardenas alle Irrlehren der Jesuiten gefunden hatte, als echt katholisch erklärt ward, reiste P. Diaz Tanno i. I. 1660 222 nach Spanien ab, nicht sowohl die Sache seiner Bruder zu vertheidigen, als Aufschluß über die Mis- sionsgeschäfte zu geben und um Arbeiter zu bitten, deren Mangel in diesen Provinzen mit jedem Tage zunahm. Bei seiner Ankunft in Spanien aber fand er, wo immer er hinkam, Alles höchst über die Jesuiten erbittert; und er erstaunte nicht wenig, als ihm untersagt ward, nach Madrid zu kommen; wahrscheinlich damit seine Gegenwart nicht neuen Brennstoff zu dem Feuer gäbe, das man löschen wollte. Als er jedoch die Acten, die ihm von den Vatern seiner Provinz mitgegeben waren, dem hohen königlichen Rath in indischen Angelegenheiten überreicht hatte, erhielt er bald nicht nur diese Erlaubniß, sondern dieser hohe Rath erzeigte ihm auch die Ehre zwei seiner Mitglieder als Abgeordnete an ihn zu senden, ihm die Zufriedenheit des Königs mit dem Betragen und dem Eifer der Gesellschaft Jesu für die Verbreitung des Reiches Gottes in allen Provinzen des Paraguay, zu bezeigen. Kaum aber war er zu Madrid angelangt, so erfuhr er, daß daselbst die äußerste Erbitterung über die Jesuiten herrschte; daß der Laienbruder Villa- lon und einige andere Mönche eine Menge schändlicher Schmähschriften gegen sie verbreiteten, wo den Missionären im Paraguay Ketzereien, Dicbstähle, Offenbarung der Beichten als die geringsten Laster vorgeworfen wurden. In einer dieser Schmähschriften, von welchen die meisten öffentlich angeschlagen waren, las man, die Gesellschaft Jesu verdiene als 223 allerlei Betrügereien überwiesen, öffentlich ausgepeitscht, als aufrührisch und die öffentliche Ruhe störend, aus dem Lande verjagt, wegen ihrer Diebstähle, zur Galeere verurtheilt, und als ketzerisch, verbrannt zu werden. Eine andere Schmähschrift führte den Titel:»Katholischer Widerstand gegen die gottlosen uud öffentlichen Anschläge der Jesuiten wider die Kirche und den König in der Provinz Paraguay, die sie durch Waffen und ihre ketzerischen, mit dem Bannfluch belegten Irrlehren unterjochten, welche sie daselbst eingeführt haben, und die bereits anfangen, die benachbarten Provinzen zu vergiften.« Eine dritte war überschrieben:»Erklärung des prophetischen Sendschreibens des heiligen Paulus, worin dieser Apostel alle fluchwürdigen Werke der Jesuiten weissagte. Aus dem Latein in das Spanische übersetzt zum Verständniß für alle.« Es muß wahrlich sehr schlimm um eine Sache stehen, wenn man zu solchen Mitteln seine Zuflucht nimmt. Doch es gibt eine gewisse Frechheit, die wenigstens für eine Zeit gelingt; und die Agenten des Dom Cardenas befolgten seinen Wahlspruch:»Verleumde du keck, etwas bleibt immerhin kleben*)!« Übrigens hatte der Laienbruder Billalon sogar im Rathe selbst Schutz gefunden; und er verbreitete mit seinen Gefährten Lügen aller Art nach Herzenslust, und fand überall Glauben. Indessen erließ der König ein Verbot, wozu er durch die Erklärung des Lrclumnisre suäscter, semper sll<;u>ä liserelitt. 224 Dom Anton de Leon veranlaßt wurde, der den Prozeß im Rathe vortrug und erklärte, in allen Schriften, die der Sachwalter des Dom Cardenas überreicht habe, sei auch nicht ein wahres Wort enthalten. Da nun Villalon trotz dieses Verbotes nicht schwieg, ließ der König ihn in ein Kloster seines Ordens bei Sevilla verweisen; doch konnte auch dieß ihn nicht im Zaum halten; er begab sich einige Zeit hernach nach Rom, wo er sein Wesen wie in Spanien trieb. Ob nun aber auch der König nicht den geringsten Zweifel mehr über die Lehre dieser Missionäre hatte, die in der Versammlung zu Assumtion vollkommen war gerechtfertigct worden; noch auch über die Goldminen, über welche der Ausspruch des Dom JuanBlasquez de Valverde sogar die geringste Vermuthung verscheucht hatte; noch über die unermeßlichen Summen, die, wie Dom Cardenas sie beschuldigte, die Jesuiten an sich gerissen hätten; noch endlich auch über einen großen Theil seiner Herrschaft im Paraguay, wo sie königliche Macht ausübten, so wollte er dennoch sich überzeugen, ob nicht etwa einzelne Glieder der Gesellschaft Jesu in einem oder dem andern Punct, worüber man die ganze Gesellschaft anklagte, schuldig wären; und er schrieb dcßfalls an den Ordensgeneral P. Oliva, der im Einvcr- ständniß mit dem König einen Visitator nach Paraguay sandte, den kein.Verdacht treffen konnte; und der nach den strengsten Untersuchungen durchaus nichts fand, was die mindeste Veranlassung zu den 235 schweren Beschuldigungen gegeben hätte, die man den Jesuiten aufbürdete. Es erhielt auch der neue Bischof von Assumtion vom königlichen Rath in indischen Angelegenheiten den Auftrag, so bald nur möglich, alle Reduktionen der Jesuiten, nicht nur in seinem Bisthum, sondern auch zu Buenos-Ayres zu besuchen. Und nichts war den Jesuiten erwünschter; erstens wegen der Beruhigung ihrer Ncubekehrten, welche die Furcht, ihre Hirten zu verlieren und dann als Commenden vergeben zu werden, in große Unruhe versetzte; zweitens weil dadurch einmal der königlich-indische Rath vollkommen überzeugt würde, daß die Missionäre weit entfernt waren, die geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit in ihren Missionen an sich zu reißen und die Erhebung des Tributs zu verhindern. Und es entsprach der Erfolg dieses Besuches ihren Wünschen vollkommen. Der Prälat, an die größten Beschwerlichkeiten des apostolischen Lebens gewöhnt, machte diese lange und sehr mühevolle Reise als ein wahrer Hirt, fand auf derselben nichts, das ihn nicht in der großen Idee, die er von dieser christlichen Republik sich gebildet hatte, bekräftigte, und schrieb dem König und dem indischen Rathe darüber in den freudigsten Ausdrücken. Andererseits rechtfertigten auch die Ncophytcn die gute Meinung, die man dem König und dem indischen Rath von ihrer Treue und ihrem Eifer für den Dienst des Königs gegeben hatte. Es verging kein Jahr, wo sie nicht durch ihre Tapferkeit sich Paraguay II- 15 236 auszeichneten, die Provinzen vor feindlichen Anfällen und manche Städte vor gänzlichem Untergang schützten. Immer standen sie auf den ersten Wink der Gouverneurs bereit; und sie schlugen in demselben Jahre 1665 die Calchaqui's, welche die Umgebungen von Santa-ft verwüsteten und im Begriff waren, die Stadt selbst niederzureißen. Ja willig auch erboten sie sich zu allen Arbeiten; erbauten kurz hierauf auf die Bitte des Gouverneurs Diaz de Antino die Ve- stung Tabati, die Vestungswerke und die Domkirche zu Bucnos-Ayres, ohne sich auch nur einen Heller bezahlen zu lassen; da chie Reduktionen für ihren Unterhalt, ja selbst für den Unterhalt der Ihrigen sorgten; und waren trotz alles Geschreies des Dom Cardeuas, ob sie auch nur geringen Tribut bezahlten, die nützlichsten Unterthanen des Königs in Amerika. Doch achteten die Spanier, die die Früchte ihrer Arbeiten genossen, es als Geringes, daß sie auf solche Weise sich erschöpften und ihr Leben für das öffentliche Wohl preisgaben. Da die Provinz Tucuman ohne Unterlaß den Streifzügen und Mißhandlungen der Wilden ausgesetzt waren und man durchaus kein anderes Mittel sah, sie zu bändigen als daß man sie dahin stimmte, die Lehre des Evangeliums anzunehmen, wurden die Väter der Gesellschaft Jesu abermal ersucht, Missionäre nach dem Lande Ehaco zu senden; und wiewohl diese Väter durch frühere Versuche überzeugt waren, daß hiezu ein Wunder der Gnade erforderlich war, weil diese Völker in der Überzeu- 237 gung lebten, man wolle sie nur zu Christen machen um sie dann zu Sclaven zu machen; und üderdieß auch kaum für die geistlichen Bedürfnisse in Tucuman genügten, so waren sie doch höchst bereitwillig, diese Mission zu übernehmen. Es begab sich der Provin- zial, ein Greis von drei und siebenzig Jahren mit einigen Gefährten dahin und ermuthigte dieselben durch sein Beispiel, Hindernisse zu überwinden, deren bloßer Anblick fähig war, auch die Entschlossensten abzuschrecken. Als sie endlich die Ortschaften dieser Jndier erreichten, wurden sie dem Anschein nach gut aufgenommen, und fingen auch ihre Mission mit einigem Erfolg an; doch es dauerte nicht lange, so verschworen sie sich gegen die Missionäre, die endlich gegen ihren Willen sich entfernen mußten und keine andere Frucht ihrer ungeheuern Bemühungen ernteten als die Taufe dreier hochbetagten Greise, die kurz hierauf ihr Leben beschlossen. Es verlangte zwar im folgenden Jahre diese nämliche Völkerschaft«dermal, mit dringenden Bitten, die Missionäre zurück; doch auch diesmal waren ihre Arbeiten vergeblich; sie stifteten zwar eine Reduktion unter dem Namen des heiligen Franciscus Lavier, konnten jedoch dieselbe niemals dahin bewegen, das Christenthum anzunehmen. Die folgenden Jahre bis zum Jahr 1678 verflossen unter beständigen Kriegen der Spanier gegen die indischen Völkerschaften dieses Landes, die sich wider sie vereint hatten; und alle Versuche zur Bekehrung derselben blieben vergeblich. 238 32. Unternehmung der Portugiese» im Paraguay. Die In- dier der Redactionen nehmen eine» portugiesischen Capital! sammt seiner Mannschaft gefangen- Sie bestürme» die Vestung, welche die Portugiese» erbaut hatten und richte» ein furchtbares Blutbad im feindlichen Heere an. Die Jndier der Reduktionen hatten nicht wenig zu den Siegen der Spanier beigetragen; bald aber zeigte sich eine Gelegenheit, wo ihr Ruhm im ganzen südlichen Amerika ertönte. Gegen die Mitte des Jahres 1679 erfuhr Dom Philipps Corbulo», Gouverneur von Paraguay, es würden zu Rio Ja- neiro vierzehn Schiffe mit Truppen, Waffen, Munition und mit allem ausgestattet, was zu einer großen Unternehmung erforderlich sei. Auch hatte zu Assumtion das Gerücht sich verbreitet, es sei ein Corps portugiesischer Truppen im Anmarsch gegen die Reduktionen. Aufdiese Nachricht hin sandte Dom Philipp in Eile einen Courier an den Gouverneur von Rio de la Plata, den andern an die Reductio, nen, die er aufforderte, sich bereit zu halten, und ernannte zwei ihrer tapfersten Corregidors zu Feld- obersten. Auch befahl er ihnen, kleine Abtheilungen gegen die Küsten von Brasilien hin zu senden, die Bewegungen der Portugiesen zu beobachten. Dieß alles ward mit großer Schnelligkeit ausgeführt, und drei Abtheilungen, jede zu vierhundert Mann gingen, die erste längs dem Paraua, die zweite gegen Sankt Paul von Piratininga, die 239 dritte gegen das Meer hin, und legten einen Weg von mehr als dreihundert Meilen zurück. Als die dritte Abtheilung gegen das Vorgebirge Sankt Maria gekommen war, da überfielen sie einen Theil der Mannschaft eines portugiesischen Schiffes, das an der Küste gescheitert war, und nahmen dieselbe sammt dem Capitain gefangen, der nach Buenos- Ayres zog, wo er hoffte, daß der Plan des Statthalters von Rio Ianeiro noch nicht bekannt sei. Sie führten also ihre Gefangenen, die sie ohne die Ermahnung ihres Missionärs, bei der Erinnerung an alle Grausamkeiten, die die Portugiesen verübt hatten, sämmtlich getödtet hätten, nach ihrer Reduktion ab, und der Capitän bat den Vorsteher der Missionen vergeblich um die Erlaubniß, frei abzuziehen; er beklagte sein Unglück mit ihm, verwies ihn an den Gouverneur, der besser wisse was in solchen Fällen zu thun sei, und verhieß ihm vieles von der Menschenfreundlichkeit desselben; auch versah er ihn reichlich mit allen Bequemlichkeiten zu sei, ncr Reise, und ließ ihn von einer starken Anzahl Jndier dahin begleiten. Sobald der Gouverneur seine Ankunft erfuhr, sandte er ihm seinen Wagen und einen Officier entgegen, ihn zu complimentiren und in die Hauptstadt zu führen. Bei seiner Ankunft daselbst fand er die ganze Garnison unter den Waffen und er ward mit einer Salve des Muskctenfeuers begrüßt. Der Gouverneur erwies ihm große Höflichkeit, gab ihm mehrere Feste und hielt in seiner Gegenwart Musterung 240 über die vierhundert Indier, die ihn von Aapeju begleitet hatten. Gar sehr aber erstaunte dieser Of- ficier über den großen Unterschied dieser gutmüthigen Menschen die nun unter den Waffen ein so furchtbares kriegerisches Ansehen hatten, und noch mehr über die Trefflichkeit ihrer Waffenübung. Hierauf theilte der Gouverneur sie ab, und die eine Hälfte derselben stellten Spanier, die andere Portugiesen vor, und'es begann ein Kriegsspiel, wobei der Kamps so heftig ward, daß man solchen kaum von einem wirklichen Gefecht unterscheiden konnte, bis endlich die Portugiesen geschlagen und in die Flucht getrieben waren. Der Portugiese aber sprach ganz laut, daß diese Truppen unüberwindlich wären, wenn sie in vollem Ernst und mit solcher Ordnung, Geschicklichkeit und Ehrgefühl sich im Felde schlügen. Als die Feste zu Ende waren, sprach der Gouverneur zu seinem Gaste, er halte ihn für einen zu braven Mann als daß er bezweifeln könne, daß er in den Kriegespflichten unterrichtet sei und es ihm verarge, wenn er ihn mit seiner Mannschaft in der Vestung behielte, da er ihm die Freiheit nicht geben könne, ohne Verrath an seinem Monarchen zu begehen. Der Officier erstaunte, daß der Gouverneur so gut von allen portugiesischen Anschlägen unterrichtet war; doch wußte er bei weitem nicht so viel als der Gouverneur selbst. Denn dieser hatte bereits durch seine Kundschafter Nachricht erhalten, daß sie hinter den Inseln Sanct Gabriel eine ganze Vestung erbaut hatten. Es sandte aber der Gouvcr- 241 neur alsbald ein leichtes Kriegsschiff dahin ab, und ließ sie fragen, wer sie wären und was ihre Absicht sei. Sie sandten dem Parlamentär sicheres Geleite nebst einer Schaluppe, und er sah zu seinem Erstaunen eine regelmäßig erbaute Vestung mit Kanonen, Wällen, Sclaven und Magazinen voll der Waffen, Kriegs- und Mundvorrath, so wie auch mit allem versehen, was zur Erbauung einer Stadt erforderlich ist. Dom Manuel dc Lobo, der daselbst comman- dirte, gab sogar dem spanischen Officier volle Freiheit, alles in Augenschein zu nehmen und ließ ihn dann zurückkehren; am folgenden Tage aber sandte der Gouverneur zu dem portugiesischen General, ihn zu befragen, mit welchem Rechte er sich in es- nein Lande festgesetzt habe, das der spanischen Krone angehöre. Nach mehri.-aligen Anfragen und Antworten von beiden Seiten, worin den Portugiesen das Unrecht ihrer Anmaßung deutlich gezeigt wurde, forderte der Gouverneur von Buenos-Ayrcs, den Dom Manuel freundschaftlich auf, sich zu entfernen und sich nicht dem ungewissen Erfolg eines Krieges preis zu geben. Indessen aber erhob er allenthalben Truppen, nicht nur in seiner Provinz sondern auch, wie der Vicekönig ihn dazu ermächtiget hatte, in Tucuman und in den Reductiouen, wo er ein stattliches Heer zusammen brachte. Die Jndier trafen mit Trommeln und klingendem Spiel an dem Orte ihrer Bestimmung ein; und da die Spanier noch nicht alle zu 2!2 ihnen gestoßen waren, übte der Feldoberste Dom Antonio de Vera Mnzico sie zu einem Belagerungs- kriege an, der ihnen bis dahin unbekannt gewesen war; und er erstaunte über die Leichtigkeit, mit welcher sie diese Übung begriffen. Es hatte aber auch der portugiesische Befehlshaber diese Zeit benützt und mehrere VorwUke anlegen lassen. Übrigens bestand seine Garnison aus Kerntruppen, welche dem Hause Braganza die portugiesische Krone gesichert hatten. Als nun die spanische Armee in Ordnung war, forderte der Gouverneur den Dom Manuel de Lobo «dermal auf, den Ort zu räumen, und bat ihn den Rath nicht zu verachten, den die Vernunft, die Ehre und Religion ihm zur Pflicht mache, ihm zu ertheilen, da er der Übermacht nicht widerstehen könne; ja er erbot sich sogar, ihm alle portugiesischen Gefangenen abzugeben und ihm alles Nöthige zu einem ehrbaren Rückzug zu verschaffen. Doch der Portugiese, welcher glaubte, der Gouverneur thue ihm diesen Vorschlag aus Furcht, verschmähte denselben mit übermüthigem Stolze. Unterdessen hatte der spanische Oberbefehlshaber sein Heer geordnet; alle hörten die Messe und empfingen die Eommunion. Am 6. August ib8o brach die Armee um Mitternacht auf; die Pferde, ohne Reiter, gingen voraus; hierauf folgten drei Co- lonnen Jndier aus den Reduktionen von ihren Feld- obersten und drei spanischen Ofsiciercn befehligt; und zuletzt der Nachtrab, der aus den Truppen des Gouverneurs bestand. 213 Alle waren zu Fuße, und der Oberbefehlshaber hatte diese Anordnung getroffen, damit die ersten Kanonenschüsse bloß die Pferde träfen, die Truppen selbst aber, die davon wenig oder gar nicht gelitten hätten, dann im Stande wären, die Wälle mit Sturmleitern zu ersteigen, bevor die Belagerten Zeit zu einer neuen Ladung gewännen. Doch die drei indischen Feldobersten, welche die Ncophy- ten commandirten, stellten ihm vor, daß er auf solche Weise alle seine Truppen zur Schlachtbank führe, weil die Pferde durch das Kanonenfeucr scheu gemacht, eine so große Verwirrung unter das Heer bringen würden, daß es dann nicht mehr möglich wäre, dasselbe zu ordnen, wodurch die Portugiesen Zeit zu einem sehr glücklichen Ausfall erhielten. Der Oberbefehlshaber fand diese Bemerkung sehr richtig und erstaunte, daß diese Jndicr, die sich zum ersten Male bei einem Angriff dieser Art befänden, dieß auf den ersten Anblick übersähen, was weder er noch Einer seinerOfficiere eingesehen hatten. Er vertheilte also die Pferde auf die Flügel und in den Hinterhalt, damit man solche im Nothfall gebrauchen könne, und ließ dann die drei Colonncn auf- marschircn, die noch vor Tagesanbruch bei dem Fuß der Mauern eintrafen. Der Commandant hatte befohlen, den Angriff erst dann zu thun, wenn er durch einen Flintenschuß das Zeichen dazu gegeben hätte. Da aber ein Nco- phyt es gewagt hatte, den Wall zu ersteigen, wo Niemand sich zeigte, und die Schildwache schlafend 244 fand, hieb er ihm den Kopf ab. Dieß ersah ein Soldat, und gab sogleich Feuer auf ihn, um anzuzeigen, daß der Feind auf dem Walle sei; dieNeophy- ten aber, die in der Dunkelheit der Nacht nicht unterscheiden konnten, woher der Schuß kam, hielten solchen für das Zeichen des Angriffs, und im Augenblick hatte eine ihrer Colonnen den Wall erstiegen. Die Portugiesen, die im ersten Schrecken dafür hielten, die ganze Armee sei daselbst, liefen in großer Anzahl hinzu und brannten sogleich eine Kanone los, die aber so sehr überladen war, daß sie zersprang. Da drangen alsbald die beiden andern Colonnen der Jndier von zwei andern Seiten ein; und ehe die Belagerten Zeit gewannen, sich zu erkennen, sahen sie sich in ihrer Festung eingeschlossen, und ihr Pulvermagazin in den Händen der Feinde. Ihr Entsetzen war so groß, daß Einer ihrer Hauptleute, Namens Simon Sarto mit einem Theile seiner Compagnie in eine Schaluppe entsprang, um ein Schiff zu erreichen, das vor der Rhede lag; doch es kam ein spanisches Schiff ihnen entgegen, das sie gefangen nahm. Minder glücklich waren andere portugiesische Flüchtlinge, die in zu großer Anzahl in eine Schaluppe gesprungen waren und ertranken. Als die Portugiesen vom ersten Schrecken sich erholt hatten, stellten sie sich in Schlachtordnung und es begann der Kampf mit gewaltiger Erbitterung; doch fochten die Portugiesen zuletzt mehr der Ehre wegen, und die Jndier fielen sie mit so großer Wuth an, daß sie in kurzer Zeit die Erde mit Tod- tcn bedeckten. Sie riefen um Gnade, die Jndier aber, die ihre Sprache nicht verstanden oder sie von den Mamelucken nicht unterschieden, hätten sie alle bis auf den letzten Mann getödtet, wofern nicht die spanischen Officiers hinzugeeilt wären und ihnen gesagt hätten, der Kampfsei zu Ende. Die Portugiesen zählten zweihundert Todte; die übrigen wurden gefangen genommen. Der General hatte nicht gefochten, denn er lag krank in seinem Bette. Der spanische Commandant schützte ihn vor der Wuth der Jndier, die ihn aufsuchten und als die Ursache dieses blutigen Krieges todten wollten. Er besuchte ihn und bezeigte ihm die größte Höflichkeit. Die Spanier hatten an diesem denkwürdigen Tage nur sechs Mann verloren; von den Jndiern waren dreißig getödtet und eine noch größere Anzahl verwundet worden. Die Missionäre waren den Sterbenden, Freunden wie Feinden beigestanden, und hatten dabei oft Gefahr gelaufen, von beiden erschossen zu werden. Ein großer Gewinn aber, der aus diesem Siege ihnen erwuchs, war, daß solcher Vielen die Augen öffnete, die gegen ihre Rcductionen eingenommen waren, und ihnen zeigte, wie höchst wichtige Dienste sie in solchen Fällen leisten konnten. Auch empfing ihr Provinzial hierüber Belobungsschreiben von dem Vicekönig, von dem königlichen Hofgericht, den Gouverneurs und von vielen angesehenen Personen. Man sagte sogar in Chili und in Peru, wo ein engländischer Seeräuber ungeheuern Schaden angerichtet hatte, daß dieß Unglück nimmermehr geschehen wäre, wenn man in diesen Reichen Reduktionen wie im Paraguay gehabt hätte; und Dom Andrea de Roblez, der indessen von Spanien angekommen war, den Dom Joseph Garro als Gouverneur abzulösen, bat denVicekönig dringend, die Dienste, die diese neuen Christen der Krone auf so uneigennützige Weise erwiesen hatten« nicht ohne Belohnung zu lassen. 33. Folgen dieses Sieges. Vergebliche Bemühungen des Bischofs von Affumtion, eine Redaction zu errichte».— Die Jesuiten bringe» dieselbe zu Stande, arbeiten aber vergeblich an der Bekehrung anderer wilde» Völkerschaften. Neue Bekehrungsversuche in Lhaco. Marter des p. Solinas und des Dom Pedro Ortitz de Aavala. Die Spanier ziehe» gegen die Mörder derselben zu Felde. Ihre Schwäche gegen diese wilden Völker. Missionshaus der Jesuiten zu Tarija. Die Zerstörung dieser Colonie, welche die Portugiesen del Sagramento genannt hatten, fiel dem Regenten von Portugal sehr schmerzlich, und es wurden darüber lange Unterhandlungen zwischen beiden Höfen gepflogen; deren Folgen wir später sehen werden. Doch während es in der Provinz Rio de la Plata also kriegerisch aussah, herrschte in der Landschaft Paraguay ziemliche Ruhe. Daß aber zu As- sumtion immer noch eine gewisse Scheu vor den Jesuiten zurückblicb, war nach so schweren Verlernn- 247 düngen und Gewaltthätigkeiten kein Wunder; und der neue Bischof Dom Faustino de las Casas sah gleich bei seiner Ankunft ein, man würde es nicht gern sehen, daß sie neue Reduktionen stifteten, und er wollte deßfalls einige Personen von Ansehen schone», die sich hierüber lauter denn Andere erklärten» Dieß zeigte er bei folgender Gelegenheit. Es hatten sich irrende Indier bei dem Flüßchen Mondav, der sich in den Parana ergießt, in eine Ortschaft vereint und zeigten sich geneigt, einen Missionär anzunehmen. Sobald er nun dieß erfuhr, sandte er einen sehr eifrigen Ordensmann dahin ab. Sie waren aber desselben kaum ansichtig geworden» so flohen alle davon und verbargen sich in die Wal, der; er folgte ihnen dahin nach; doch konnte er es nicht dahin bringen, daß ihn auch nur ein Einziger angehört hätte. Nun glaubte der Bischof» dieser Mönch habe bei großer Tugend und dem besten Willen dennoch nicht das nothwendige Talent, und suchte unter seinem Clcrus einen Mann, der ihm ganz dazu geeignet schien, das Vertrauen dieser Barbaren zu gewinnen. Dieß war der Dechant seiner Kirche, ein heiliger und sehr kluger Priester, der das Biöthum lange und mit großer Weisheit geleitet hatte, und der diesen Auftrag auch sehr gern übernahm. Diesen hörten sie zwar an, jedoch nur aus Gefälligkeit und ohne den mindesten Willen, seinen Lehren zu folgen. Er sah bald ein, daß die Fürcht, ihre Freiheit zu verlieren, der Grund ihres Mißtrauens sei; was er auch dem Bischof mit dem 248 Beisätze erklärte, die Jesuiten wären die Einzigen, denen es gelingen könne, diese Wilden unter das Joch Jesu Christi zu bringen. Der Bischof, der sich nicht der Gefahr preisgeben wollte, den Untergang dieser Seelen zu verantworten, schrieb deßfalls an den Provinziell, der seiner Bitte sich fügte und zwei Missionäre dahin sandte, welche mit so großem Segen Gottes arbeiteten, daß sie nach zwei Monaten bereits zwei tausend Katechumenen zählten. Mit minder»« Erfolg jedoch predigten sie das Evangelium andern vereinzelten Völkerschaften, in Ländern, wo man kaum einen Schritt thun konnte, ohne auf eine Viper zu treten, oder aufreißende Thiere zu treffen und durch dichte und dornige Wälder zu dringen, wo sie oft bis aufs Blut zerrissen wurden. Dennoch gewannen sie manche Einzelne und führten sie in andere Reductionen, wo sie der Herde Christi beigethan wurden. Um dieselbe Zeit auch (l683—ib85) sandte der Provinzial neue Arbeiter nach Chaco, dessen Inwohner der Provinz Tucuman noch immer viel zu thun gaben, und die man nur dadurch zu bändigen hoffte, daß man sie zu wahren Christen bildete. Es gingen also P. Diego Ruiz und P. Antonio Solinas dahin ab, und begaben sich vorerst nach Salta, wo der Gouverneur gewöhnlich residirte. Dort vereinigte sich ein sehr frommer Priester, Namens Dom Pedro Ortiz de Zavala, aus einer der ältesten adeligen Familien, mit ihnen; denn er fühlte sich seit langer Zeit von unaussprechlichem Vertan- 249 gen angezogen, in dem Missionsgeschäfte zu arbeiten, und hatte lange um die Erlaubniß dazu gebeten. Sie machten sich also den 20. April i683 auf den Weg und kamen nach unsäglichen Mühen am 6. Mai auf die Spitze des Berges Santa, des höchsten Berges im Lande, von wo man bei heiterm Himmel das ganze Land übersehen kann. Die Spitze dieses Berges ist zu keiner Zeit von Wolken bedeckt; oft aber sieht man daselbst zu seinen Füßen wie ein weites Nebelmeer, das den Anblick der Erde den Augen gänzlich entzieht. Die drei Missionäre weideten sich in dieser Höhe an solchem Anblick; und sie hielten denselben für eine Weissagung, daß ihnen das Glück nicht zu Theil werden würde, die Finsternisse des Unglaubens zu zerstreuen, die diese unglückselige Gegend bedeckte; und daß die einzige Frucht ihrer Arbeiten der Himmel seyn würde, den sie hier in so großer Pracht und Herrlichkeit sahen, als man ihn an keinem Orte der Erde sieht. Um nun in die Ebene hinabzukom- men, mußten sie sich gleichsam in die Dichte dieser Wolken stürzen, die in Wasser zerflossen und eine so finstere Nacht bildeten, daß sie, um nicht von einander getrennt zu werden, einander beständig rufen mußten. Doch war diese Finsterniß ihnen in sofern nützlich, daß sie eine zahllose Menge Abgründe vor ihren Augen verbarg, wodurch vor Entsetzen das Hinabsteigen ihnen unmöglich geworden wäre. Endlich gelangten sie in das unwirthliche, mit Wolken von Moskitos bedeckte, oft überschwemmte und von Menschenfressern bewohnte Thal. 350 Gleichwohl besuchte sie dort ein Kazike, der sie in seine Ortschaft führte, und es versammelten sich daselbst eine ziemliche Anzahl Wilder aus den Stämmen Tobas und Tannos, die sie in eine Ebene führten und sich geneigt zeigten, unter ihrer Leitung zu leben. Sie fingen auch an, eine Reduction daselbst anzulegen, wo sie in kurzer Zeit gegen vierhundert Familien zählten. Da aber der Winter herannahte, wo die Eommunicationmit Tucumanunmöglich wird, mußte man für Lebeusmittel sorgen, damit die Inwohner der neuen Colonie sich nicht zerstreuten; und es übernahm P. Ruiz dieß schwierige Geschäft und begab sich nach Salta, wo er auch Unterstützung fand. Während seiner Abwesenheit aber, als die beiden andern Missionäre in den Stunden, die ihnen vom Prcdigtamte erübrigten, in die Umgegenden wandelten, Neubekehrtc zu gewinnen, verschworen sich wilde Völkerschaften wider sie und erschlugen sie mit den Jndicrn ihres Gefolges. Sie hatten auch ihm selbst nachgestellt, doch hatten sie, weil er einen andern Weg eingeschlagen, ihn verfehlt, und er fand bei seiner Ankunft die Reduction leer und erfuhr erst späterhin von einem Christen, der sich geflüchtet hatte, die nähern Umstände ihres Todes. Es ist zu Bitty in Sardinien ein Capuzincrklo- ster, wo ein Ordensmann aus Oliena, dem Geburtsort des P. Solinas, als dieMmcine eben im Rcfectorium war, plötzlich in einen ganz außerordentlichen Freudenruf ausbrach, der eine Art Ärgcr- uiß erweckte. Nachdem sie nun vom Tische aufge- 251 standen waren, gab der Guardian ihm deßhalb einen derben Berweis; er aber antwortete, Gott habe ihm in demselben Augenblick gezeigt, wie sein Landsmann, P. Solinas, Priester der Gesellschaft Jesu so eben in Chaco, einer Provinz im Paraguay, die Marterkrone empfangen habe; und es wäre ihm nicht möglich gewesen, seine große Freude darüber zu unterdrücken. Der Guardian befahl ihm, diese Erscheinung schriftlich aufzusetzen; was er auch in Gegenwart des ganzen Conventes that und mit einem Eide bekräftigte. Auch der Guardian und das Eonvent unterzeichnete die Schrift, und sandten das Original derselben nach Oliena, wo sie aufbewahrt wird. Im folgenden Jahre aber kam die Nachricht von seinem Tode an, der an demselben Tage sich ereignet hatte. Die Jesuiten fühlten sich durch das Beispiel ihrer Brüdcr ermuthigt, und hofften, daß das Land Chaco, von dem Blut und dem Schweiß derselben begossen, endlich fruchtbar an Christe» werden dürfte; weßhalb sie auch sehnlich verlangten, zu dieser Mission verwendet zu werden. Doch es war ihre Anzahl nicht groß genug; und sie konnten kaum genügen, die bereits bestehenden Missionen zu besorgen, 'oder neue unter Völkern zu stiften, auf die man weit sicherer als auf die in Chaco rechnen konnte. Anderer Seits aber glaubten der Vicekönig von Peru und der Gouverneur von Tucuman, es erfordere die Ehre der spanischen Nation, den Meineid der Mocovis und Tobas zu rächen, deren Stolz und Paraguay II> Bd. 16 Keckheit immer mehr zunahm, je schonender man mit ihnen verfuhr, um sie zur Ruhe zu verhalten. Es gab also der Vicekönig, Herzog von Palata dem Jnterims-Gouverneur den Auftrag, mit einem Heere nach Chaco zu ziehen und die Mörder des Dom Or- titz de Zavala und des P. Solinas für ihren Mein, eid zu züchtigen. Dieser Feldzug jedoch, auf den man die größten Hoffnungen gebaut hatte, lief dergestalt ab, daß die Völkerschaften in Chaco daraus nur ersahen, daß sie von den Spaniern nichts zu fürchten hätten, und ihre Gränzen ungestraft verheeren könnten; und die folgenden Unternehmungen der Spanier dienten nur dazu, sie noch mehr in diesem Glauben zu bestärken. Ja, es kam so weit, daß die Bewohner der Gränz- städte es nicht einmal mehr wagen durften, ihre Mauern zu verlassen, um dem Mangel abzuhelfen, den die Verwüstung ihrer Felder herbeigeführt hatte. Die Jesuiten indessen dachten auf andere Mittel, und hielten vor der Hand die Errichtung eines Ordenshauses in der Stadt Tarija, die an die vorzüglichsten Wohnungen der Chiriguanen gränzt, von welchen einige mit den Spaniern verbündet waren, für das Zweckmäßigste; weil sie von dort aus leicht in Chaco eindringen konnten; und auch ein solches Haus in der Nähe, den Missionen zu einem Sammelplatz und Rückzug dienlich war. Es kam auch dasselbe bald zu Stande. Doch die Vorsehung hatte dabei andere Absichten; denn es sollten bald zahlreichen Nationen, die sie nur noch dem Namen nach kann- 253 ten, die Bemühungen zu Guten kommen, die bis dahin immer vergeblich waren, und die sie dennoch unaufhörlich für die Bekehrung der Völkerschaften in Chaco verwendeten. 34. Neue Mission Lei den Lhirignanen. Liebeseifer der Missionäre daselbst. Der Gouverneur mahnt die Iestri- ten von dieser Mission ab, und beredet sie. eine Mission bei den Lhiquiten zu eröffne», p. Arce begibt sich dahin. Beschreibung dieses Landes und seiner Inwohner. Die Mission bei den Lhiquiten ist den Inwohnern von Santa-Lruz ein Dorn in den Augen. Die vorzüglichste dieser Nationen waren die Chiquiten, und die Vorsehung hatte einen apostolischen Mann zu ihrer Bekehrung erwählt, der von früher Kindheit an nach dieser Bestimmung geseufzt hatte, als zarter Jüngling in die Gesellschaft Jesu getreten war, und durch mancherlei schwere Proben und Gefahren alle Eigenschaften eines eifrigen Missionärs erlangt hatte. Sein Name war Joseph de Arce. Lange verweigerte man ihm die Erlaubniß zu diesem Geschäfte; da er aber einst auf dem Todbette lag, und der Provinzial, der ihn ungemein hochachtete, auf seine Bitte ihm erlaubte, das Gelübde zu thun, im Fall er die Gesundheit wieder erlangte, dem Missionsgeschäfte sich zu weihen, ward er auf der Stelle gesund. Dieser Umstand bestimmte seine Vorgesetzten, ihm die Erlaubniß nicht länger zu versagen; und weil damals in Tucuman nur von ,6* 254 den Chiriguanen die Rede war, ward er mit einem Gefährten dahin abgesandt. Er sandte Anfangs einige Guarani's als Kate- chisten voraus, um ihre Stimmung zu erforschen; und diese eifrigen Neophpten thaten ihr Möglichstes, ihnen die Glückseligkeit des Christenthums und die unverdrossene Liebe der Vater zu schildern, die ihre Freiheit mit aller Macht vertheidigten; dennoch sahen sie, daß diese Völker voll des Mißtrauens waren. P. Arce folgte ihnen bald nach, und stiftete einige Versöhnungen zwischen beleidigten Kaziken, erfuhr auch von den Guarani's, daß diese Völkerschaften überhaupt, zum Christenthum geneigt wären; ja er selbst fand sogar einige, die ihn mit Ehrfurcht anhörten und dringend baten, bei ihnen zu bleiben. Auch taufte er daselbst einige Sterbenden, die ihn um die Taufe anflehten. Als er an das Ufer des Guapay gekommen war, da kam ein Weib unter Thränen und Wehklagen zu ihnen. Sie war die Schwester eines Kaziken, die ihnen klagte, der Gouverneur von Santa Cruz de la Sierra habe ihren Bruder zum Tode verurtheilt, der doch an dem beschuldigten Verbrechen keinen Antheil habe; und bat sie dringend, sich bei dem Gouverneur für ihn zu verwenden. Die Gelegenheit schien den Missionären sehr geeignet, die Liebe der ganzen Nation zu gewinnen; und es leuchtete ihnen die Hoffnung, der Tag des Heiles sei bereits für diese Nation erschienen. Sie erboten sich auch zu Vermittlern dieser Sache und 255 begaben sich nach Santa Cruz, wo der Gouverneur sie mit großer Freundschaft aufnahm und ihre Bitte ihnen bewilligte. Da ein Theil der Chiriguanischen Völkerschaft in seinem Gouvernement lag, theilte der Missionär ihm seine Absicht mit, die gute Stimmung dieser Nation zu benutzen, sie zum christlichen Glauben zu bekehren; weil dieß das einzige Mittel wäre, sie aufrichtig und für immer mit den Spaniern zu versöhnen; und bat ihn, daß er diese Unternehmung mit seiner ganzen Macht unterstützen möchte. Der Gouverneur jedoch der mit großer Gottesfurcht große Erfahrung vereinte, sagte ihm, er zweifle nicht an seinem Eifer; aber er sei überzeugt, daß derselbe bei jeder andern Nation besser als bei den Chiriguanen angewendet wäre, deren unüberwindliche Entfernung vom Christenthum, Leichtsinn und Hartherzigkeit, Mißtrauen und Treulosigkeit allgemein bekannt wären. Auch sagte er ihm, die Hoffnung zur Marterkrone, die ihn belebe, sei kein hinreichender Grund, ein solches Volk andern vorzuziehen, die dem Reiche Gottes näher ständen. Die Chiquiten, seine Nachbarn, hätten seit einiger Zeit einen Frieden mit ihm geschlossen, an dessen Aufrichtigkeit man nicht zweifeln könne; sie bäten ihn um Missionäre, und er könne keine aus Peru erhalten, weil diese Väter kaum für jenes Reich genügten; er sei also der Meinung, er sollte die Chiriguanen fahren lassen, die sie nur aus Eigennutz an sich zögen, und die Chiguiten übernehmen, für 256 deren Gelehrigkeit er stehe; er wolle deßfalls an ihren Provinzial, und so es nothwendig wäre, sogar an den Ordensgeneral schreiben. Es antworteten ihm aber die beiden Missionäre, ihre Absicht sei keine andere als Seelen zu gewinnen; und sie seien bereit, dahin zu gehen, wohin ihre Vorgesetzten sie senden würden; da sie aber nun zu den Chiriguanen gesendet wären, hinge es nicht von ihnen ab, anders wohin zu gehen. Sie beurlaubten sich also von dem Gouverneur und kehrten an den Guapay zurück, wo sie wegen dieses so wichtigen Dienstes mit größter Freude aufgenommen wurden; und sie hegten die größten Hoffnungen für das Heil dieser Völker; arbeiteten auch eine sehr lange Zeit daselbst mit dem unverdrossensten Eifer der Liebe, besiegten alle Hindernisse und legten sogar einige Reduktionen an, erfuhren jedoch gar bald, wie wahr der Gouverneur gesprochen hatte; denn alle Frucht ihres rastlosen Wirkens war die Taufe einiger Kinder und Sterbenden; die Reduktionen, die sie angelegt hatten, hielten sie mit der Hoffnung hin, in der Folge Christen zu werden; sehr mühsam entkamen sie einigen Verschwörungen, und ehe sie dessen sich versehen hatten, standen die Reduktionen leer. Während dieser Zeit erhielt der Provinzial ein Schreiben vom Gouverneur aus Santa-Cruz, worin er ihn dringend ersuchte, eine Mission bei den Chiquiten zu eröffnen, die ihm als eine höchst wichtige Sache sowohl für die Religion als für das L57 Interesse des Königs am Herzen läge, und die auch des Eifers der Missionare sehr würdig wäre. Der Provinzial kam bei diesem Briefe in einige Verlegenheit; da er den P. Arce nicht wohl zu den Chi- gniten senden konnte, ohne die Chirignanen aufzugeben und dadurch vielleicht den Missionären die Landschaft Chaco für immer zu verschließen. Indeß er aber unschlüssig war, was in der Sache zu thun sei, erhielt er plötzlich die fröhliche Nachricht daß vierzig Väter der Gesellschaft zu Buenos-Ayres angekommen seien, und sandte sogleich an den Rector dieser Stadt, daß er fünf derselben an ihn absenden möchte; worauf er dem P. Arce den Auftrag ertheilte, sich nach Santa-Cruz zu begeben, um Rücksprache mit dem Gouverneur zu nehmen. Bevor wir jedoch weiter gehen, wollen wir etwas Weniges über diese Jndier sprechen. Es gibt mehrere Völkerschaften, die unter dem Namen der Chiquiten verstanden werden, und ihr Land reicht von dem vierzehnten bis zum ein und zwanzigsten Grad südlicher Breite. Es ist voll der Flüsse und Teiche, von welchen erstern einige sich von Mittag durch Osten gegen Norden hin entfernen, und sich dann abermal in dem Marmore vereinigen, in welchem sie unter dem Namen Rio de la Madera in den großen Amazonen-Fluß sich ergießen. Sie sind übrigens Fischreich und die Umgegend hat Wildpret zur Genüge; weniger jedoch als Schlangen und Vipern, die meist sehr giftig sind. Wenn die Regengüsse und Überschwemmungen vorüber 258 sind, wird Mais, Baumwolle, Zucker, Reis, Taback und Früchte und Gemüse aller Art gebaut; doch kennt man daselbst weder Getreide noch Wein. Die Hitze ist an manchen Orten sehr groß und das Cli- ma veränderlich, was schwere Krankheiten und jedes Jahr eine Pest erzeugt; bei welcher jedoch mehr Menschen durch ihre abergläubigen Gebräuche als durch die Schwere des Übels selbst umkommen. Der Wuchs der Inwohner reicht über die mittlere Größe, auch sind sie stark, scharfsinnig, von richtigem Urtheil, und überdieß arbeitsam, was den Missionären wohl zu statten kam, die deßfalls viel Mühe mit den Guarani's hatten. Die Trunkenheit ausgenommen, sind sie sonst nicht zu großen Lastern geneigt. Ihr Muth machte sie allen ihren Nachbarn furchtbar. Sie haben keine besondere Regierungsform und richten sich meist nach dem Rath der Alten; die Würde ihrer Kaziken ist nicht erblich, und es ist damit auch eben kein besonderes Recht verknüpft. Ihre sehr einfachen Wohnungen hatten sie gewöhnlich in Wäldern. Man fand bei ihnen keine besondern Anzeichen einer Religion; nur fürchteten sie die Dämonen, die, ihrer Aussage zu Folge, sich ihnen unter schrecklichen Gestalten zeigten. Auch hielten sie die Seelen für unsterblich, und sie begruben die Todten mit ihren Waffen. Die Sprache dieser Völkerschaften ist sehr schwer zu erlernen; denn jeder Bezirk, und hin und wieder jedes Dorf hat seine eigene Mundart; so daß die ersten Missionäre alle ihre großen Mühsale 259 als nichts gegen die Schwierigkeit achteten, diese verschiedenen Sprachen zu erlernen. Diese Völker führten beinahe immer Kriege mit den Spaniern, und schon Nuflo des Chaves, von welchem im ersten Bande die Rede war, mußte sich mit ihnen schlagen. Diese Fehden dauerten bis r6yo wo DomAu- gustin de la Concha Frieden mit ihnen schloß, und denselben dadurch verewigte, daß er ihnen die Glückseligkeit des christlichen Glaubens verschaffte. Es war zwar die Religion ihnen schon früher verkündiget worden, doch hatte man sie verlassen müssen; und zu jener Zeit war jede Spur des Christenthums unter ihnen verschwunden. Der eben genannte Gouverneur, der dre Chr- quiten durch sein freundliches Benehmen gewonnen hatte, fand sie ziemlich geneigt, das Christenthum anzunehmen; und da er sie dazu noch mehr aneifern wollte, gab er ihnen die Hoffnung, sie sollten Jesuiten zu Missionären bekommen und folglich nichts für ihre Freiheit zu befürchten haben. Also hatte die Vorsehung für die Gründung dieser zweiten christlichen Republik vorgearbeitet, welche diese Ordensmänner nach dem Muster der ersten bildeten; und ihre Reductionen sind fürwahr nicht in geringerer Anzahl., Es wollte aber diese Mission bei den Chiqui- ten den Inwohnern von Santa-Cruz durchaus nicht bebagen, und sie wendeten alles Erdenkliche an, den Missionär davon abzubringen. Sie sagten ihm auch, es sei nicht der mindeste Anschein, diese Barbaren 260 je zu bekehren, die außer der Gestatt, gar nichts Menschliches an sich hätten, alle Religionen verachteten, nicht einmal die ihrer Nachbarn annehmen wollten, die doch ihren Leidenschaften schmeichelte; und es wäre Erbitterung gegen die Spanier und Grausamkeit der Grund ihres Charakters; entkämen sie aber auch, was sehr unwahrscheinlich sei, der Wuth dieser Tiger, so würden sie in diesem verpesteten Lande durch das Clima selbst umkommen; und es wäre der Untergang so trefflicher Arbeiter sehr zu beklagen, die der Religion und dem Staate so große Dienste erweisen könnten. P. Arce jedoch hatte zu große Erfahrung, um die Gründe nicht zu durchschauen, welche diese Sprecher zu solchen Reden antrieben. Er wußte gar wohl, daß zu Santa-Cruz eine Gesellschaft zum Sclavenhandel sich gebildet hatte, die beständig Abenteurer im Felde hielt, alle zerstreuten Jn- dier zu fangen, die sie dann in Peru oder in den angränzenden Provinzen verkauften; und wie sehr auch manche ehrbare Männer sich dieß zu Herzen nahmen, wagte es dennoch selbst die Obrigkeit nicht, diese Abscheulichkeit durch die Strenge der Gesetze zu bestrafen, um nicht eine Empörung zu veranlassen, die noch schlimmere Folgen nach sich zöge. Es hatte sich sogar der Fall ergeben, daß die Missionäre der Moren und der Chiquiten bei dem königlichen Gerichtshof zu Charcas darüber Klage geführt hatten, und diese hohe Stelle, um nicht reiche und mächtige Personen zu beleidigen, keinen Ausspruch L6I in der Sache thun wollte, sondern dieselbe an den Vicekönig von Peru verwies, der solche kaum erfuhr, als er seine ganze Macht aufbot, ein solches Ärgcrniß zu heben. Er erließ also ungesäumt ein Edict, das unter Todesstrafe verbot, einen mit Gewalt entführten Jndier zu kaufen oder zu verkaufen; und den Gouverneur oder Commandanten, der einen so schändlichen Handel duldete, zur Absetzung von seinem Amte verurtheilte. 35. p. Arce unter den Chiquite». Großes Elend bei dieser Völkerschaft. Ihr eifriges Verlangen nach dem Christenthum. Die panoqui's bekehren sich. p- Arce erkrankt und wird durch ein Wunder gesund. Er wird plötzlich von seinem provinzial abgerufen. Einfall der Mamelucken. Sie werden von den panoqui's und von den Lhiquiten geschlagen. Neue Redactionen und blühender Stand derselben. Da nun der apostolische Mann seine Geschäfte zu Santa-Cruz beendiget hatte, beurlaubte er sich von dieser Stadt und fand nach vielen vergeblichen Mühen endlich zwei Wegweiser, die ihn zu den ersten Wohnorten der Chiquiten führten; wo er nach drei Wochen einer äußerst beschwerlichen Reise zu Ende des Jahres 1692 so erschöpft ankam, daß er sich kaum noch auf den Füßen erhalten konnte. Bei seiner Ankunft in der ersten Ortschaft ward er von dem Anblick des traurigsten Jammers ergriffen. Die Pest war daselbst allgemein und er sah sich mitten 262 unter Sterbenden, die Kranken aber verlassen'und ohne alle Hilfe. Was jedoch sein Erstaunen erregte und seinen Schmerz verdoppelte, doch zugleich ihm auch süßen Trost gewährte, war die tiefe Rührung vieler Inwohner, denen das Unglück Derjenigen zu Herzen ging, die vor seiner Ankunft gestorben waren, ohne die heilige Taufe zu empfangen, und die Herzlichkeit, mit welcher sie Gott für die Gnade dankten, daß sie nicht in Gefahr schwebten, dieser Glückseligkeit beraubt zu werden. Er nahm aber so innigen Antheil an ihrem Elende und bezeigte ihnen so große Liebe, daß dieß Volk ihn wie einen Engel Gottes betrachtete; ja es schien sogar als ob seine Gegenwart Vielen die Gesundheit zurückbrächte; denn nicht Wenige erholten sich und gingen wenige Tage hernach in den Wald, wo sie einen Baum fällten, ein großes Kreuz daraus zu gestalten. Dieß Misstonskreuz ward am letzten December an dem Orte aufgepflanzt, den man ausersehen hatte, eine Kirche daselbst zu erbauen. Alle sielen auf die Knie, den Gekreuzigten anzubeten; und der Missionär stellte die ganze Nation der Chiquiten feierlich unter den Schutz der Mutter Gottes. Ungesäumt ward nun an dem Bau einer Kirche gearbeitet, die dem Apostel dcr Jndier geweiht wurde; und nach zehn Tagen feierte der Missionär zum ersten Male das heilige Opfer darin. Die Folge entsprach einem so guten Anfang; der Eifer Aller, die sich hinzudrängten, um unterrichtet und getauft 263 zu werden, ließ ihm auch nicht einen einzigen freien Augenblick. Sie brachten einen Theil der Nacht damit zu, daß sie wiederholten, was den Tag hindurch diesen guten Leuten wohl zwanzig Mal war gesagt worden, sie aber nur zur Hälfte verstanden hatten; doch versüßte die Gelehrigkeit und das aufrichtige Verlangen dieser Neophyten eine so mühsame und unangenehme Übung gar sehr. Gern hätte der Diener Gottes den Katechumenen die Taufe ertheilt, um die sie ihn mit Thränen anflehten; aber die Erfahrung von dem Leichtsinn der Jndier hatte die Jesuiten zu dem festen Vorsatz bestimmt, den Erwachsenen dieß Sacrament nur nach langen Prüfungen zu ertheilen. Es beschränkte sich also P. Arce darauf, die Kranken, die in Todesgefahr schwebten, und die Kinder zu taufen. Während dieser Zeit sandten die Panoqurs, deren Vorältern Christen gewesen waren, zu dem Diener Gottes und ließen ihn bitten, sie zu besuchen; oder, wofern er diese Gnade ihnen nicht erweisen könne, ihnen zu erlauben daß sie zu ihm kämen. Er ließ ihnen antworten, er werde sie, wenn sie kommen wollten, wie seine Kinder aufnehmen; und sie brachen alsbald in Schaaren auf und wollten sämmtlich in die Anzahl der Katechumenen aufgenommen werden. Die Kirche war viel zu klein, sie alle aufzunehmen; und der Missionär war genöthigt, den Unterricht zu verschiedenen Malen des Tages vorzunehmen, welcher höchst anstrengenden Arbeit seine Natur unterlag. Zu dieser gänzlichen Erschö- pfung, die theils aus Mangel an Nahrung, theils auch daher kam, weil er weder Tag noch Nacht einen Augenblick Ruhe hatte, kam noch ein hitziges Fieber; und er glaubte seine letzte Stunde sei gekommen; plötzlich aber war er gesund und alle Schwäche war verschwunden. Da er in dieser wunderbaren Genesung die Vorsehung Gottes erkannte, die ihn zum Heil dieser Völker erhalten wollte, faßte er den Vorsatz, seiner nicht zu schonen und seinem Eifer sich mehr als jemals zu überlassen; doch da erhielt er ein Schreiben des Provinzials, der vermuthlich nichts um die Verhältnisse wußte, unter welchen er sich befand; und er verließ seine Chiqui- ten mit der Versicherung, daß er sie nicht verlassen würde; rieth ihnen, dem Flusse St. Michael sich zu nähern, woselbst die Luft gesünder und sie auch mehr gesichert wären, und schied endlich ungeachtet der Thränen und des lauten Schluchzens seiner geliebten Kinder, wohin der Gehorsam ihn berief. Nach seiner Abreise erschienen die Mamelucken bei den Gränzen der Chiquiten und wendeten ihren Marsch gegen die Völkerschaft der Panoquis, die noch Zeit gewannen, Vorkehrungen zu treffen, dem Feinde eine Falle legten, in welche er auch einging, und ihm viele Leute tödteten, ohne sich sehen zu lassen. Nicht glücklicher war dieß Raubgesindel in der Fortsetzung dieses Krieges; denn ob auch die Chiquiten manchen Schaden litten, schlugen sie am Ende dennoch den Feind in die Flucht und nahmen ihnen gegen fünfzehnhundert Gefangene ab. Ja es son- 265 derte sich auch eine Nation der Wilden, die den geringen Nutzen, den sie aus der Verbindung mit den Mamelucken einsahen, von ihnen ab und bekehrten sich zur christlichen Religion. Es hatte indessen die Furcht vor diesen Räubern die Bewohner der Reduction bewogen, sich näher gegen Santa-Cruz zu ziehen; doch die Furcht vor den Spaniern bewog die Missionäre, sie«dermal von dieser Stadt zu entfernen. Einige Inwohner schämten sich nicht, Neophyten zu rauben, die auf ihren Feldern arbeiteten, und sogar ihre geistlichen Hirten zu mißhandeln, die dieser Gewaltthätigkeit sich widersetzen wollten. Überdieß auch gaben sie diesen neuen Ehristen durch ihr ausschweifendes Leben Ärgerniß; und diese Gründe bewogen den P. Arce, die Ortschaft um achtzehn Meilen weiter gegen Norden zu verlegen. Es bildeten sich aber in kurzer Zeit mehrere Reduktionen nach einander, und die Väter der Mission hegten die Hoffnung, das ganze Land von Norden gegen Tucuman bis zum Paraguay hin mit Christen bevölkert zu sehen. Jedermann erstaunte über die Schnelligkeit, mit welcher diese neue Kirche sich gestaltete und zwar bei einer Nation, die man so fern vom Reiche Gottes geglaubt hatte. Denn man sah bereits heldenmüthige Tugenden unter ihnen; und es gab Neophyten, die den augenschein, lichsten Todesgefahren trotzten, Jesu Christo neue Anbeter zu gewinnen. Auch verbreitete sich die Kraft des Glaubens immer weiter; denn Missionäre, die an einem bestimmten Orte eintreffen sollten, der 266 durch ein Kreuz bezeichnet war, erstaunten nicht wenig, als sie auf ihrem Wege bei einer Art Fort ein hohes Kreuz aufgerichtet sahen, das die Völkerschaft der Parayua's dahin aufgestellt hatte, weil sie, die die Christen so vieles über die wunderbare Kraft des Kreuzes reden hörten, dadurch hofften, von den Tigern befreit zu werden, die ihnen großen Schaden zufügten. 36. Tapferkeit der Neophyten aus den Reduktionen bei der abermaligen Einnahme der Vestung del Sagramento. Indeß nun die Religion und das Königreich Spanien im Norden von Paraguay eine neue Provinz gewannen, die sich mit eifrigen Christen bevölkerte, machte Portugal übermal Versuche, eineCo- lonie in der Nähe anzulegen und die Vestung del Sagramento wieder herzustellen. Philipp V. ein französischer Prinz, der den spanischen Thron bestiegen hatte, gab dem Gouverneur von Rio de la Plata gemessene Befehle, den Hafen zu befestigen, und schrieb auch an den Provinzial der Jesuiten, ihn mittelst der Truppen der Reduktionen zu unterstützen; die bald darauf mit größter Unverdrossenheit an dieser Befestigung arbeiteten. Sie waren zweitausend an der Zahl und blieben ein halbes Jahr hindurch mit ihren Missionären vor der Stadt gelagert, wo sie sich selbst verpflegten; und als nach dieser Zeit, da der Bau vollendet war, der Gou- 267 verrieur ihnen eine Belohnung geben wollte und solche für jeden Einzelnen zu einem Realen anf den Tag berechnete, seit sie von Hause abwesend waren, betrug dieß eine Summe von achtzigtausend Piastern, die sie jedoch nicht annahmen; sondern für welche sie den Gouverneur ermähnten, die königlichen Magazine mit Munition zu versehen, woran es ihnen beinahe gänzlich gebrach. Indessen hatten die Portugiesen aus Brasilien, welche die Tapferkeit der Neophyten bereits aus Erfahrung kannten, sich mit einigen wilden Völkerschaften verbündet, und überfielen eine der Reduc- tionen, zu den drei Königen genannt, die sie auch plünderten und verheerten, so daß die Inwohner kaum Zeit gewannen, ihre Freiheit durch die Flucht zu retten. Doch sie mußten diesen Überfall theuer bezahlen; denn die Neophyten rafften in Eile ein Heer zusammen, das sie aufsuchte und nach mehreren sehr hartnäckigen Treffen so gänzlich schlug, daß nicht ein einziger Feind, weder Portugiese noch Jndier erübrigte, der nicht entweder todt auf dem Schlachtfelde blieb oder gefangen wurde. Es glaubten aber die Portugiesen, die in der Vcstung del Sagramcnto sich auf'ö äußerste befestiget hatten, es würde den Spaniern die Lust vergehe», sie von dort zu vertreiben; und fingen an, sie mit großem Übermuth zu behandeln. Plötzlich jedoch ertheilte der Vicekönig dem Gouverneur Dom Alonzo de Bälde Jnclan Befehl, alle Truppen der Provin zen zu sammeln und ihre Vestung zu erobern. Dom Paraguay II. Nd. 17 268 Alonzo verlor auch nicht einen Augenblick; er sandte Eilboten nach Tucuman, nach allen spanischen Städten, so wie auch an die Vorsteher der Reduktionen am Parana und am Uruguay und forderte sie auf, ihm so schnell als möglich viertausend ihrer Neo- phyten zu senden. Da nun das ganze Heer beisammen war, musterte er dasselbe vor den Augen der Portugiesen, vertheilte dasselbe und stellte diese Tapfern an einen Posten, der dem Kanonenfeuer am meisten ausgesetzt war. Doch sie beantworteten dasselbe bald selbst und verlangten nach einigen Schüssen die Erlaubniß Sturm zu laufen. Man gab ihnen zur Antwort die Bresche sei noch nicht groß genug; doch sie erwiederten, dieß sei ihre Sorge und sie hofften wohl die Mauern zu erstürmen. Man ließ sie also nach ihrem Willen thun. Kaum hatten sie sich in Bewegung gesetzt, so ward die ganze Batterie auf sie losgebrannt; doch sie standen wie eine Mauer, und nicht Einer wich aus seinem Gliede; eben so überstanden sie auch bei näherem Anrücken das Feuer des Fußvolkes, wiewohl sie Viele dabei einbüßten. Diese unerhörte Un- erschrockenheit versetzte die Belagerten in so gewaltige Furcht, daß sie, als diese Helden die Wälle erstürmt hatten, in Eile auf vier Schiffen sich einschifften, die eben mit Hilfstruppen ankamen, und ihre ganze Artillerie sammt allem Kriegsvorrath, mit Welchem die Vestung reichlich versehen war, im Stiche ließen. Diese Erpedition kostete den Spaniern sehr wenig; die Neophyten verloren dabei 269 fünfzig Mann und hatten zweihundert Verwundete. Ein so glänzender Sieg vergrößerte bei weitem den Ruhm dieser Jndier, und der Commandant berichtete dem König, daß er in ganz Amerika keine Truppen habe, auf deren Treue und Tapferkeit er sicherer rechnen könne. Auch dießmal nahmen sie nicht einen Heller an; wiewohl der Gouverneur ihnen eine Summe von hundert achtzig tausend Piastern anbieten ließ, die ihnen zu anderthalb Realen für jeden Einzelnen auf den Tag, seit ihrer Abreise gebührt hätte. 37. Blühender Stand der Redactionen bei den Lhiquiten. Arbeiten des p. Lavallerobei den Arupore; und Man- nacica's. Sage dieses Volkes von dem heiligen Apostel Thomas. Es blühte aber während dieser Zeit die neue Republik der Chiquiten mit nicht minderer Kraft heran, und der Herr segnete und verherrlichte sie durch Zeichen und Wunder. Die gänzliche Umwandlung der Herzen dieser Völker selbst auch war kein geringes Wunder des heiligen Geistes; denn es wogte eine übernatürliche Freude und Dankbarkeit für Gottes große Wohlthaten unter diesen neuen Kindern der Kirche, die sich selbst des Nothwendigsten beraubten, die Altäre zu schmücken und andere Heiden zur Anbetung Jesu Christi zu gewinnen. Oft zogen Schaaren dieser Neubekehrten in die Umgegenden aus, und selten kamen sie ohne eine^große 270 Anzahl Proselyten zurück. Gewöhnlich trug Einer aus ihnen eine Fahne voran, und sie begaben sich in indische Wohnungen, schilderten die Glückseligkeit im Dienste des wahren Gottes und erklärten die vorzüglichsten Lehrpuncte des Evangeliums. Manche brachten mehr als sechzig Familien von verschiedenen Völkerschaften mit sich zurück, die nicht einmal mit den Chiquiten verwandt waren, und bald nur Ein Herz und Eine Seele mit ihnen wurden. Nicht wenige von diesen neuen Aposteln auch vergossen ihr Blut für Christus, den sie verkündigten und erweckten unter ihren Brüdern ein heiliges Verlangen nach der Martcrkrone. Es hatte P. Cavallero die Leitung dieser neuen Reduktion von P. Arce übernommen, welche den Namen des heiligen Franciscus Lavier führte; und nie hatte vielleicht dieser Apostel der Jndier einen vollkommneren Nachahmer. Die Arbeiten dieses apostolischen Mannes, dessen Leben auch mit der Marterkrone geschmückt ward, übersteigen allen Glauben; es hatte der Herr ihn mit der Gnade der Heilungen begabt; und er bekehrte viele dieser Völkerschaften zum Glauben. Er kam einst zu Jndiern, deren Bekehrung ihm am Herzen lag, und war so erschöpft und hatte seine Gewände in den Dornen der Wälder so sehr zerrissen, daß nur noch einige dürftige Lappen an ihm hingen; so daß diese Leute ihn für einen Sclaven hielten, der den Spaniern entflohen wäre. Auch hatten einige spanische Räuber ihn schwer verfolgt, weil er sich ihnen mit Ge 27L walt widersetzt hatte, als sie Jndier zu Sclaven fangen wollten; und er befreite besonders die kleine Völkerschaft der puraxrs von diesen Räubern. Diese aber dankten ihm als ihrem Befreier durch den Mund ihres Kaziken, der ihn einlud, ihre Nachbarn die Aruporez zu besuchen, und ihn dahin begleitete. Er sagte ihm auch, sie wollten sich nebst ihnen und andern ihrer Verbündeten in Eine Ortschaft versammeln, um dort unter dem Gesetze des wahren Gottes zu leben. Der Missionär willigte mit Freuden in ihr Begehren; fand auch die Aruporez so gut gestimmt, daß er, nachdem er sie in den wesentlichsten Puncten des heiligen Glaubens unterrichtet hatte, ihnen die Bitte nicht versagen konnte, mehr als achtzig ihrer kleinsten Kinder zu taufen. Sein Vorhaben aber war, eine vorzügliche Völkerschaft, die waniracica's zu bekehren; und der Kazike, der ihn uugemein liebgewonnen hatte, that alles Mögliche, ihn von diesem Vorsatz abzubringen. Er sagte ihm, diese Nation sei sehr zahlreich, furchtbar durch ihre Tapferkeit und habe allen Spaniern, die große Grausamkeit in ihrem Lande verübt hatten, den Untergang geschworen; auch habe sie ihr Land unwegsam und unzugänglich gemacht. Der Diener Gottes aber ward hierdurch nur noch mehr ermuthigt, und machte sich auf den Weg. Er ging einige Zeit von dem Kaziken und seinen Kriegern begleitet, kam endlich bis an die Gränzen der Mannacica's und fand dieselben verrammt, wie 272 diese es ihm vorhergesagt hatten. Als er endlich in die zweite Ortschaft eingedrungen war, da umringten ihn diese Wilden mit zorntrunkenen Blicken und schössen bereits Pfeile auf ihn ab; er aber fühlte, wie er selbst dieß späterhin erzählte, nie größer» Muth. Der Dollmetsch indessen, den er bei sich hatte, rief ihnen zu, einem Manne nichts Leides zu thun, der nicht ihr Feind wäre, und hielt ihnen eine Rede über die Nothwendigkeit Gott zu erkennen; und es sprach der Geist Gottes so kraftvoll durch seinen Mund, und rührte auch ihre Herzen dergestalt, daß sie endlich sich vor dem Manne Gottes niederbeugten und sein Kruzifix küßten. Indessen aber war auch der Kazike der Puraris herbei gekommen und ermähnte sie mit seinen Jndiern zur Verehrung des wahren Gottes; sie aber verwunderten sich gegenseitig, daß sie, die früher feindselig gegen einander gewesen waren, sich nun so freundschaftlich mit einander besprachen, als ob sie immer im innigsten Bunde mit einander gelebt hätten. Während dieser Zeit hatte Igu, der Dollmetsch des Missionärs mit Hilfe einiger Verwandten ein großes Kreuz auf dem Platze der Ortschaft errichtet. Als P. Cavallero dasselbe sah, hielt er durch den Mund seines Dollmetschs eine Rede über das Heil und den Erlöser des menschlichen Geschlechtes, die mit großer Aufmerksamkeit angehört ward. Hierauf baten die Vornehmsten der Ortschaft ihn, bei ihnen zu bleiben. Er selbst hätte dieß sehnlichst ge- 273 wünscht; da jedoch der Winter herannahte und er nothwendig nach der Reduktion Sanct Franciscus Xavier zurück mußte, verhieß er ihnen, im künftigen Frühling wieder zu kommen; welche Verheißung sie mit einigem Trost aufrichtete. Endlich entließen sie ihn mit Zeichen der aufrichtigsten Freundschaft, und gaben ihm auch eine weite Strecke hindurch das Geleite. Es ist eine Sage bei diesem Volke, der heilige Apostel Thomas habe in ihrem Lande das Evangelium gepredigt; und gewiß ist's, daß aus ihren Fabeln manche Spuren des Christenthums hervorleuchten. Sie haben sogar eine entfernte Idee von einem Gott, der wegen des menschlichen Heiles Mensch ward; und Mie ihrer Sagen erzählt von einer wunderschönen Frau, die ohne Beiwohnung eines Mannes ein wunderbares Kind gebar, das in seinen männlichen Jahren Wunder wirkte. Todte erweckte, den Lahmen den Schritt, und den Blinden das Gesicht ertheilte, und zuletzt ein großes Volk versammelte, in deren Gegenwart er in den Himmel fuhr und sich in die Sonne umwandelte, die uns erleuchtet. Sie haben mehrere Götter und unter andern eine Art Dreieinigkeit, die aus Vater, Sohn und heiligem Geist besteht. Dem Vater geben sie zwei Namen: Gmequaturiqui und Uragoso- riso; den Sohn nennen sie Urasana und den Geist Urapo. Die Frau des Vaters heißt Guipoci, die ohne ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, Mutter des Urasana ward. Jene drei Götter werden auch 274 mit dem gemeinsamen Namen Tmiamacas genannt. Übrigens sind sie sehr abergläubig, und ihre Priester, Mapono genannt, verleiten sie zu vielem Unheil; der Mapono dieser Ortschaft insbesondere that sein Möglichstes, sie dahin zu bewegen, daß sie den Mann Gottes um's Leben brächten; ward aber durch einen furchtbaren Tod bestraft; was die Ehrfurcht gegen den Missionär noch mehr erhöhte. 38. P. Eavallero kehrt abermal zu den Mannacicas zurück. Seine Arbeite» daselbst. Er besucht die Guiri- quica's und stimmt sie zum Glauben an das Evangelium. Bekehrung des Mapono. Er bekehrt noch andere Völkerschaften. Besondere Veranlassung zur Bekehrung der Bahoca's- Es blieb jedoch der apostolische Mann länger in der Reduktion zu Sanct Franciscus Xavier als er es vermuthet hatte, und konnte erst im Oktober 1706 zu seinen neu gewonnenen Jndiern zurückkehren, die ihn mit großer Freude aufnahmen. Sein erster Weg war zu den Sibacas, der nämlichen Ortschaft der Mannacica's, deren Mapono sie hatte bereden wollen, ihn zu ermorden; und erwarb überaus erfreut als er daselbst eine große Anzahl Jn- dier fand, die sich bereitwillig zeigten, den Glauben anzunehmen, und die der Sohn und Nachfolger jenes Mapono selbst gewonnen hatte, dem bei seiner ersten Anrede die Augen waren aufgethan wor- 275 den, das Licht der Wahrheit zu erkennen. Es dauerte nicht lange, so erklärte sich die ganze Ortschaft, sie wollten Christen werden; der Missionär begab sich auf den öffentlichen Platz der Ortschaft, predigte daselbst und nahm bald wahr, daß ein mächtigerer Lehrer als er, die Herzen Derjenigen innerlich belehrte, die seine Worte anhörten. Als seine Predigt zu Ende war, ließ er ein großes Kreuz nebst einem Altar aufrichten, stellte daselbst die Bilder unsres Heilandes, der allerselig- sten Jungfrau und des heiligen Michaels auf; und es fiel das ganze Volk auf die Knie und wiederholte die Worte, die der Missionär ihnen vorbetete:»Jesu, unser Herr, sei unser Vater! Maria, Mutter Gottes, sei unsre gute Mutter!« Und diese Worte ertönten mit heiliger Freude in der ganzen Ortschaft. Ja es faßte auch der Glaube so tiefe Wurzeln in den Herzen dieser Jndier, daß derselbe bald stark genug ward, den heftigsten Verfolgungen zu widerstehen; und bald wäre der junge Mapono in seinem Blute getauft worden; denn es überfiel ihn eine Horde Barbaren, machte ihm die bittersten Vorwürfe über seinen Meineid gegen die Götter und wollte ihn zwingen, die Völkerschaft abermal zu ihrem Dienste zurückzuführen. Als er ihnen aber den schweren Irrthum der Abgötterei zeigte und ihnen sagte, er sei von der heiligen Wahrheit der. himmlischen Lehre so vollkommen überzeugt, daß er sein Leben dafür gebe, da schlugen sie ihn halbtodt und ließen ihn in seinem Blute liegen. 276 So schnelle und so treffliche Früchte hätten den P. Cavallero wohl dahin vermögen sollen, längere Zeit bei den Sibaca's zu bleiben; doch er sollte daselbst nur den Samen des Evangeliums ausstreuen; Andere sollten nach ihm kommen, zu begießen und zu ernten; denn er ward gleich den Aposteln von einem Volke zum andern getrieben, und seine größte Klugheit bestand darin, den Regungen des göttli, chen Geistes zu folgen. Ehe man also dessen sich versah, wendete er seine Schritte zu den Guiriquica's, die seit langer Zeit mit den Sibaca's in Kriege verwickelt waren. Er that dem Kaziken dieser Letzter» den Vorschlag, ihn zu begleiten; dieser aber wendete alle möglichen Gründe an, von seinem Vorha, ben ihn abzubringen. Indessen hatte er dennoch den Missionär so liebgewonnen, daß er mit ihm dahin ging- P. Cavallero hatte zwei seiner Neophyten dahin abgesandt, die Stimmung der Inwohner zu beobachten; diese aber kamen bald mit der Nachricht zurück, die ganze Ortschaft sei in großem Aufstand und sie erwarteten ihn, um ihn ihren Göttern zu schlachten. Der Missionär hörte ihren Bericht kaltblütig an, ging in die Ortschaft, fand dieselbe leer und nur Einen Jndier darin, Aonema genannt, der in der Folge ein Werkzeug zu ihrer Bekehrung ward. Der Diener Gottes kam in ihre Tempel und zertrümmerte, vom Eifer Gottes ergriffen, alle ihre Gvtzengebilde; der Kazike, der ihn begleitet hatte, hierüber von Furcht ergriffen, kehrte mit den Seinigen zurück. 277 Die Jndier dieser Ortschaft hatten sich in den Wald begeben und hielten daselbst Rath, was in der Sache zu thun sei; auch Soncma befand sich unter ihnen. Da sie nun unschlüssig waren, sagte ihnen dieser Jndier, man sollte diesen Mann ja nicht um s Leben bringen; seine Güte und Freundlichkeit übertreffe alles was man davon sagen könne. Dieß beruhigte sie; und sie beschlossen den heiligen Mann zu sehen und anzuhören was er ihnen zu sagen habe. Er nahm sie sehr freundlich auf, ohne sich über ihre Ankunft zu verwundern; sie aber erstaunten über ihn als über ein überirdisches Wesen. Auch ihr Mapono kam, sah ihn lange sittsam und ehrerbietig an, ohne ein Wort zu reden. Alle waren höchst aufmerksam auf die Rede des Missionärs, nur blickten sie je zuweilen ihren Mapono an, um auf seinem Angesicht- zu lesen, was er von der Lehre des Evangeliums hielte. Er aber ließ sie hierüber nicht lange im Zweifel; denn kaum war der Missionär zu Ende, da fiel er ihm zu Füßen, bat ihn, unter die Anzahl seiner Jünger ihn aufzunehmen und bekannte laut vor allen, dieß sei fürwahr das einzige heilige Gesetz, das die Menschen zur Bestimmung führen könne, für die sie erschaffe« seien; Christus sei der wahre Gott, und er ermähne sie von Herzen, Ihn anzubeten und seine göttlichen Lehren zu befolgen. Hierüber waren der Missionär und die Neo- phytcn so sehr erfreut, daß sie hinzucilten, und den Mapono umarmten. Es ward alsbald ein Kreuz aufgerichtet, und die Guiriquica's von süßer Freude 278 durchdrungen, versammelten sich vor demselben, beteten an und baten den GotteSmann dringend, ihre Kinder zu taufen, die sie ihm vorstellten. Er willigte in ihre Bitte, und es war die Anzahl derselben so groß, daß er den ganzen Tag dazu gebrauchte, und die Arme ihm oft vor Ermüdung sanken; zumal da er kaum einige Minuten fand, wenige Nahrung zu nehmen. Es hatte aber der Diener Gottes kaum die nothwendigeZeit gehabt, dieß Erdreich für die evangelische Saat zu bereiten, die so reichliche Frucht verhieß; denn es drängte ihn die Zeit und der Gehorsam, zu seiner Kirche zurückzukehren; was nicht ohne Thränen geschah. Er besuchte sie jedoch seinem Versprechen gemäß im August des Jahres 1707 übermal, gewann und versöhnte einige ihrer Völkerschaften, die sich gegenseitig befeindeten, und begab sich dann zu den Jurucorcz einem sehr bösen und tapfern Volke, die das ganze Land verheerten und Alles ermordeten was ihnen in die Hände fiel. Der Mapono dieser Völkerschaft, der von seiner Ankunft Nachricht erhielt, befahl im Namen seiner Götter allen Inwohnern, sich in die Wälder zu begeben; und es fand bei seinem Eintritt in die Ortschaft der Missionär beinahe keinen Menschen; denn auch die Wenigen, die noch daselbst waren, flohen bei seinem Anblick; nur ein Jüngling ließ sich in ein Gespräch mit ihm ein, und sagte dann seinen Lands-- lcuten, der fremde Priester sei durchaus kein solches Ungeheuer wie ihre Götter ihn durch den Mapono 279 geschildert hätten; und sie müßten schlechte Menschenkenner seyn, wenn sie vor einem so sanftmüthigen Manne sich entsetzten. Bei dieser Nachricht kehrten alle zurück, hörten ihn an, und das übernatürliche Licht erleuchtete ihre Herzen so sehr, daß sie alle ihre Götzen verbrannten» Er bewog sie auch, mit ihren Feinden Frieden zu schließen, was sie auf seinen Zuspruch ungesäumt thaten. Kurze Zeit hierauf schied er zu ihrem großen Leidwesen abermal von ihnen, besuchte mehrere andere Völkerschaften, die er zum Glauben vorbereitete, und kam auf seinen Reisen auch zu den Bo- hoca's, die durch ein sonderbares Ereigniß waren gestimmt worden, das Christenthum anzunehmen. Er hatte bereits früher aufseinen apostolischen Wanderungen bei ihnen eingesprochen und sie hatten ihn gut aufgenommen und in einer reinlichen Hütte beherbergt; wo er sich nicht wenig verwunderte, Geißeln zu finden, die mit Dornen besetzt waren. Als er ihnen seine Verwunderung über dieß Werkzeug der Buße bezeigte, sagten sie ihm, man habe derselben in allen einzelnen Hütten; auf seine Frage aber, was sie damit machten, antwortete der Kazikc wie folgt: Es baten uns einst die Borillo's, daß wir sie unter uns aufnehmen möchten, und wir willigten in ihr Begehren. Es war aber diese Völkerschaft sehr hochmüthig und stolz, begegnete uns mit Verachtung und stellte all unser Thun und Lassen in's Lächerliche. Dieß kränkte uns tief, und wir beschlossen, dieser 28st frechen Gäste los zu werden. Mitten in einer finstern Nacht also ermordeten wir alle Männer und behielten die Weiber und Kinder, die uns irgend dienen konnten. Da ward unsre ganze Ortschaft plötzlich von der Pest heimgesucht, und wir konnten nicht zweifeln, daß dieß eine Strafe des Himmels sei, dessen Zorn wir nun besänftigen wollten. Wir hatten gehört, daß die Geißel das Werkzeug der Christen sei, womit sie die Missethaten gegen Gott versöhnten, und»ahmen uns vor, auf gleiche Weise unser Verbrechen zu büßen. Wir pflanzten also ein großes Kreuz auf, bei dessen Fuße wir uns jeden Tag versammelten, auf das Angesicht fielen und uns dann bis auf's Blut geißelten. Der Himmel hatte uns sonder Zweifel dieß Mittel eingeflößt, ihn zu versöhnen; denn nach kurzer Zeit hörte die Seuche auf, und Niemand starb seitdem daran. Wir bewahren aber diese Werkzeuge unsrer Buße, damit wir das Andenken an unsre Heilung im Gedächtniß behalten. 3S- Feindliche Völker verheeren die spanischen Wohnungen und Städte. Sieg des Dom Estevan de Urizar über sie. Mehrere unterwerfen sich den Spaniern. Einige werden zu(kommenden vertheilt. Redaction der Lullen. Trägheit dieser Völker. Was ihre Bekehrung verhinderte. Gern hätte, vor seiner abermaligen Abreise nach St. Franciscus Lavier, P. Cavallero die Pflege 281 des Gartens bei den Mannacica's einem andern Missionär übergeben; doch konnte er wegen der traurigen Verhältnisse in Tucuman keinen einzigen von seinem Provinzial erhalten; denn die Jesuiten waren daselbst in geringer Anzahl und über alles Maß beschäftigt. Da die Chiriguancn das Land in Ruhe ließen, waren die Spanier so sorglos als hätten sie keinen andern Feind zu fürchten. Dieß aber nahmen einige wilde Völkerschaften wahr und fingen an zu rauben, zu verheeren und die Landwohnungen zu zerstören; und da diese Verwüstungen die Spanier noch nicht aus ihrer Schlafsucht erweckten, fielen sie die Stadt an, verheerten die Umgegenden derselben, begingen die größten Grausamkeiten und brachten die Inwohner an den Bettelstab. Die Stadt Estcco ward gänzlich zerstört; kaum konnte man aus ihren Trümmern ein Fort errichten, und auch dieß bestand nicht lange. Um diese Zeit(1707) ward Dom Estevan de Urizar, ein erfahrener Kriegcsmann, als Gouverneur nach dieser Provinz gesandt, und ersah alsbald nach seiner Ankunft die Nothwendigkeit, die Gränzen zu sichern, diese Barbaren in die Enge zu treiben und die Schmach, die sie den Spaniern angethan hatten, auf fühlbare Weise zu rächen. Seine erste Absicht war, mit ganzer Macht in Ehaco einzudringen; doch besprach er sich früher mit Solchen, die das Land kannten, und schrieb dann dem Vicc- könig über die Sache. Dieser antwortete ihm, seine Meinung sei, die Tobas, die Mataguayos, die 282 Mocovis und ihre Bundesgenossen zu züchtigen; und sobald nur möglich Anstalt zu diesem Kriege zu treffen. Dom Estevan säumte nicht und brachte in kurzer Zeit von allen Seiten Truppen zusammen, mit welchen er i. 1.1709 an verschiedenen Orten zugleich in Chaco eindrang. Nun erbaute er mehrere Forts, gewann die Lullen, von denen man beinahe seit einem Jahrhunderte nichts mehr gehört hatte, und die nun in der Nähe der Mocovis wohnten, und schlug die feindlichen Jndier allenthalben, wo sie sich sehen ließen; wiewohl die Mocovis und andere Völkerschaften, die den Spaniern den meisten Schaden gethan, sich in die unersteiglichcn Gebirge der Abiponcn zurück gezogen hatten. Eine dieser Völkerschaften zeigte sich nach mehreren Gefechten, zumal als sie erfahren hatten, daß die Spanier ihre Gefangenen gut behandelten, ziemlich geneigt, sich ihnen zu unterwerfen. Dieß waren die Maibaias; man knüpfte Unterhandlungen mit ihnen an, und der Erfolg derselben war so glücklich, daß dieKazi- ken mit der ganzen Nation zu den Spaniern stießen und einen Flächenraum verlangten, sich anzusiedeln. Die Kaziken wurden mit allen Ehren aufgenommen, und man wies ihnen einen Platz bei dem Flusse Valbuena an, wo die Spanier ein Fort erbaut hatten und eine starke Garnison hielten, die diese Jndier im Auge behielten. Auch unterwarfen sie sich in diesem Feldzuge noch einer andern Nation,(Djatas genannt, die das Verlangen bezeigten, die christliche Religion anzunehmen; so wie auch noch vcr- 283 schiedene andere Völkerschaften, die Feinde der Mo- covis waren und mit den Spaniern sich gemeinsam gegen sie vereinten. Also endigte dieser Feldzug zur Ehre der Spanier; und da bereits der Oktober sich neigte und die Flüsse anfingen auszutrcten, ließ Dom Estevan de Urizar alle Gränzen seiner Provinz in guten Stand setzen, erhob in allen Städten Tu- cuman's neue Militzen, dieselben zu bewachen, und entließ jene, die den Feldzug gemacht hatten. Indessen hatten sich alle Stämme der Lullen bei dem Flusse Valbucna niedergelassen und gleich den Otaja's Missionäre verlangt. Die Malbalas hingegen ließen sich von den Mocovis verführen, und der Gouverneur erfuhr von verschiedenen Seiten, daß sie nichts weniger im Sinne hatten als die ganze Kraft beider Völkerschaften zu vereinigen um einen Einfall in Tucuman zu thun. Daher beschloß er, sie nach Buenos-Ayres abführen zu lassen. Sie wider, setzten sich auch nicht, denn sie hatten eine geheime Absicht dabei, und waren fest entschlossen, die Mannschaft zu ermorden, die sie begleitete. Wirklich ermordeten sie den Commandanten und vier Soldaten, und hätten wahrscheinlich ihr Vorhaben ausgeführt wenn die Spanier nicht alsbald ihren Verrath wahrgenommen hätten, den sie mit dem Verlust ihrer Freiheit bezahlten; denn der Gouverneur ließ, sobald sie zu Buenos-Ayres angekommen waren, sie zu Commenden vertheilen, gab sie jedoch an milde Herren, und die meisten bekehrten sich in der Folge aufrichtig zum Christenthum. Paraguay II- Bd.>8 284 Es war aber Dom Estcvan ernstlich darauf bedacht, die Lullen und die Otaja's in zwei Redactionen einzutheilen; und er schrieb auch im September 1711 hierüber an P. Garriga, den er bat und im Namen des Königs aufforderte, Missionäre dahin zu senden. Doch dieß war bei dem besten Willen nicht möglich, da seit dreizehn Jahren kein Missionär aus Spanien gekommen war, und im vorhergehenden Jahre eine große Anzahl derselben, die nach Amerika hätten abgehen sollen, sammt dem Erzbischof von Lima von den Holländern waren aufgehoben worden. Es half zwar P. Machoni aus, der seit dem Anfang des Feldzuges an ihrer Bekehrung gewirkt hatte; doch sah der Gouverneur, der es ohnedieß für gefährlich hielt, diese beiden Völkerschaften so nahe bei einander zu lassen, sich zuletzt zu seinem großen Leidwesen genöthigt, auch die Otaja's nach Buenos-Apres zu senden, und sie einem Herrn zu unterwerfen; der jedoch seinem Vertrauen entsprach, und es sich angelegen seyn ließ, sie im Glauben unterrichten zu lassen, und sie als seine Kinder behan- deltc. Hierauf wendete er seine ganze Aufmerksamkeit auf die Lullen, deren Reduktion an dem Flusse Val- buena unter dem Namen St. Antonius angelegt ward; und deren Leitung P. Machoni bereits übernommen hatte. Dom Estcvan war väterlich besorgt, diese Jndier vor Verführung durch Ungläubige zu hüten und ihnen den nothwendigen Unterhalt zu verschaffen bis sie durch ihre Arbeiten im Stande 285 wären, ihre Lebensbedürfnisse sich selbst anzuschaffen; ja er wollte sogar, daß die Soldaten, die im Fort Valbuena als Garnison lagen, ihnen helfen sollten, ihre Ortschaft zu erbauen. Da er aber wahrnahm, daß zwischen den beiden Völkerschaften dieser Nation, welche die größeren und die kleineren Lullen hießen, einige Uneinigkeit herrschte, ließ er die Reduktion durch eine Mauer trennen; und die PP. Yegros und Machoni, die über sie bestellt waren, mußten im Fort übernachten. Es ward indessen die Geduld dieser Vater auf harte Proben gestellt. Denn diese Wilden waren keines Nachdenkens fähig, noch auch gewohnt, in gesellschaftlichem Verein zu leben, und konnten d-e Nothwendigkeit nicht begreifen, daß man arbeiten müsse, um sich die nothwendigen Lebensbedürfnisse zu verschaffen. Noch schwerer ging's, sie in den heiligen Geheimnissen zu unterrichten; denn sie waren allen Lastern ergeben und dumm wie kaum eine der wildesten Nationen. Es bedurfte fürwahr eines Wunders der Gnade zu ihrer Bekehrung; denn die Heiligkeit des Evangeliums flößte ihnen ein Entsetzen ein, von welchem sie sich kaum erholen konnten; und übcrdicg betrachteten sie auch die Taufe, die man Anfangs nur den Kindern, und auch diesen nur in Todesgefahr ertheilte, als ein wahres Gift; so daß sie lieber ohne alle Hilfe sterben, als die Taufe empfangen wollten; ja sich oft an solche Orte bringen ließen, wo sie gewiß waren, daß die Missionäre sie nicht finden würden. Es geschah zwar zuweilen, daß die Hilfe des Allerhöchsten die Bemühungen der Missionäre segnete, und Kranke, die sich taufen ließen, auf der Stelle die Gesundheit erlangten; dennoch aber wollte es mit der Bekehrung dieser Wilden nicht sonderlich vorwärts kommen. Das größte Hinderniß kam offenbar von einigen Abtrünnigen her, die in früherer Zeit waren getauft worden, und die Taufe durch die schändlichsten Ausschweifungen entehrten. Unter diesen befand sich ei» gewisser Ferrand, der sehr angesehen bei der Nation war, und sich verstellte, so lange er den Missionär brauchte, um bei dem Gouverneur beliebt zu werden, der ihn auch zum Feldobersten ernannte; dann aber aus einem Schmeichler des Missionärs sein Verfolger ward. Als nun der Diener Gottes einst öffentlich gegen das Laster der Unzucht und der Trunkenheit sprach, da fiel dieser Unglückselige ihm in die Rede und sagte, sie sollten diesem spanischen Priester keinen Glauben beimessen; er habe eine Menge Jndier gesehen, die sich feierlich zum Christenthum bekännten, und dabei sich täglich berauschten; was ihre Pfarrer ihnen nicht zur Sünde anrechneten;»was aber vollends die Weiber betrifft, fügte er bei, beweist das Beispiel der Spanier selbst, daß die christliche Religion hierüber große Freiheit läßt; denn es ist kein Zweifel, daß sie ihrer Religion sehr zugethan sind; und dennoch ist es allgemein bekannt, daß sie in dieser Hinsicht sich keinen Zwang anthun; man darf nur sehen, was alle Tage in ihrem Fort geschieht.'«— 287 Diese Rede wirkte nicht wenig auf die Zuhörer, von welchen die Meisten nur allzu oft Augenzeugen der Ausschweifungen gewesen waren, die in dieser Garnison herrschten. Die Ansteckung hatte indessen die größer» Lullen noch nicht ergriffen; Ferrand aber, der sie nicht hatte gewinnen können, verfolgte sie nun und that ihnen so vieles zu Leide, daß sie in großer Anzahl sich aus der Reduktion entfernten. Wenig fehlte, daß nicht alle Schrecknisse eines Bürgerkrieges über diese neue Colonie gekommen wären, und mehr als einmal waren die Missionäre in Gefahr, ein Opfer ihres Eifers zu werden. Ferrand verbreitete zumal die schändlichsten Verleumdungen gegen den P.Machoni; und er bot alles auf, es dahin zu bringen, daß die Redaction verlassen würde. Dazu benützte er vorzüglich die Zeit einer Krankheit, die darin ausge- brochen war; und sagte ihnen:»das einzige Mittel euer Leben zu retten, besteht darin, daß ihr zu euern alten Wohnplätzen zurückkehret; und zum Beweis, daß ich es gut mit euch meine, befolge ich selbst der Erste den Rath, den ich euch ertheile.« Er machte sich auch wirklich mit fünfzig Familien auf, und diesem Beispiele folgten bald Viele nach. Die Missionäre aber trösteten sich mit der Anzahl der Zurückgebliebenen und mit der Hoffnung, daß dieselben, die den Einflisterungen dieser Abtrünnigen nicht länger ausgesetzt waren, nun geschmeidiger und gelehriger seyn würden. Indessen war es sehr schwer, Barbaren dieser Art, die sich mehr aus Furcht und 288 Eigennutz an die Spanier angeschlossen hatten, und in der Nähe feindlicher Völker und lasterhafter Christen wohnten, zum Heile zu bekehren; und die Missionäre sahen bald ein, daß derlei häusliche Reduktionen niemals Christen bilden würden, die mit den Guarani's und den Chiquiten sich vergleichen ließen, welche derlei Hindernissen nicht ausgesetzt waren. 4«. H Lavallero kehrt zu den Mannacica's zurück- Nächtliches Abenteuer und andere Ereignisse daselbst. Fernere apostolische Arbeiten und Reisen dieses Missionars. Er predigt das Evangelium den puizocas. Sein Märtyrertod. Apostolische Arbeite» der HP). Zea und Legres. Märtyrertod des Bruders Romero und der Vater Arce, Blende, Silva und Maco, und vieler Neo- phyten. Während diese Dinge an den Gränzen von Chaco und Tucuman vorgingen, beschäftigte P. Ca- vallcro, der zu den Mannacica's zurückgekehrt war, sich ernstlich damit, die Früchte seiner mühsamen Arbeiten zu sammeln und seine Ncubekehrten nebst allen die er noch zu gewinnen hoffte, in Redactionen zu bringen; doch hatte die erste Reduktion, die er anlegte, und Conception nannte, wegen der waldigen und sumpfigen Gegenden, keine gesunde Lage. Er vereinigte mit ihnen noch einige kleine Völkerschaften, die er besuchte und denen er Verlangen nach der Erkenntniß Gottes und nach einem geselligen Leben einflößte, das ihnen den nöthigen Unterhalt sicherte. Es hatte dieser eifrige Missionär 289 gehofft, sie wären durch seine Ermahnungen bereits von ihren abergläubigen Gebräuchen geheilt; dennoch aber überraschte er sie mitten in der Nacht, da sie die Leichenfeier eines Weibes mit ihren gewöhnlichen Ceremonien hielten. Da gab er ihnen einen scharfen Verweis, und der Himmel unterstützte ihn; denn durch das abschreckende Exempel des Mapono, der dabei die Hauptrolle spielte und plötzlich verschwand, ohne daß man ihn je wieder gesehen hätte, flößte er ihnen ein dauerndes Entsetzen vor allen ihren abergläubigen Gebräuchen ein. Die Mannacica's, die der neuen Ortschaft zunächst wohnten, begaben sich auf den ersten Ruf des Gottesmannes dahin; die Entfernteren aber wollte er nach St. Franciscus Xavier abführen lassen; doch P Hervas, der sie dahin führen sollte, fand, als er in ihre Wohnorte kam, nichts als vertrocknete Gebeine; denn es hatte die Pest sie aufgerieben, sehr Wenige ausgenommen, die sich geflüchtet hatten. Er hinterbrachte also diese traurige Nachricht dem P. Cavallero, der zu Conception geblieben war; wo diese beiden Priester ein volles Jabr zubrachten, die neue Kirche zu ordnen; worauf P. HcrvaS bei ihnen verblieb; P. Cavallero aber seine apostolischen Wanderungen fortsetzte. Er kam zu einer Nation, die in beständigem Kriege gegen die Mannacica's lebten, doch weit minder wild waren als alle benachbarten Völkerschaften. Denn es herrschte daselbst eine wohlgeordnete Regierung und Polizei; die Ort,chaftcn waren 29l> sehr bevölkert, die Gassen nach der Schnur gezogen, die Häuser sehr reinlich, bequem und geschmückt, die Kriegesleute hatten künstlich verfertigte Waffen, und die Frauen bearbeiteten ihre Kleidung auf sehr feine Weise und durchwirkten dieselben mit künstlichen Blumen. Man rieth dem Missionär ab, diesem kriegerischen Volke sich preis zu geben, doch er ließ sich nicht leicht abschrecken; und da bei seiner Annäherung an die erste Ortschaft ein Zug Reiterei ihm entgegen kam, die, ohne ihn anhören zu wollen, einen Hagel von Pfeilen auf ihn abschössen, von welchen jedoch zu ihrem höchsten Erstaunen ihn kein einziger traf, und er beherzt auf sie losging, beschlossen sie ihn zu erwarten. Seine Anrede stimmte sie zum Frieden, sie wurden höflich, boten ihm und seinen Neophyten Erfrischungen an und gaben ihnen in der Nähe des Tempels bequeme Herberge. Eine nächtliche, mit schauerlichen abergläubigen Ceremonien ab- gehalteneBeerdigung jedoch flößte seinen Neubekehrten so großes Entsetzen ein, daß sie ihn nöthigten, mit ihnen nach Conception zurückzukehren. Er folgte ihnen auch, und hoffte diese Völkerschaft im künftigen Jahre abermal zu besuchen; doch es bekam dieselbe indessen mit den Spaniern zu thun und wurde so sehr von ihnen mißhandelt, daß er es nicht wagte, sich dahin zu begeben, und dieser Wunde Zeit lassen wollte zu verheilen. Auf seinem Wege nach Conception fühlte er sich mächtig angezogen, nebst andern Völkerschaften auch. und zwar vorzüglich, den Hmzsca's das Evangelium zu verkündigen; wiewohl er bei diesem Gedanken von so großer Angst befallen ward, daß er in kalten Schweiß ausbrach und darüber erkrankte. Indessen ergab er sich dem Willen des Herrn, und begab sich mit einigen Neophyten auf den Weg. Er war jedoch so schwach, daß sie ihn zuweilen tragen mußten. Der heilige Mann ward von den Puizoca's mit größter Freundlichkeit aufgenommen und sammt seinen Begleitern wohl beherbergt und bewirthet; es besuchte ihn auch der Kazike und besprach sich mit ihm über den Zweck seiner Ankunft. Als aber der Diener Gottes sich eben zum Gebet begeben wollte, da kamen einige seiner Neophyten» berichteten ihm die meisten ihrer Gefährten seien ermordet worden, und er habe keinen Augenblick zu verlieren, wenn er dem nämlichen Loos entkommen wolle. Da er ihre Rede unerschrocken anhörte, nahmen sie ihn auf ihre Schultern und eilten mit ihm fort; doch man setzte ihnen nach, und der Diener Gottes ward zwischen den Schultern von einem Pfeile tödtlich getroffen. Er bat den mitleidigen Neophyten ihn auf die Erde zu lassen und zu fliehen; und opferte dann sein Blut für seine Mörder, die ihn mit Keulen erschlugen. Dieß geschah am 10. September i7H. Zwanzig seiner Neubekehrten waren ihm in den Himmel vorangegangen; und sie waren die ersten Mannacica's, die ihren Glauben mit ihrem Blute besiegelten. Fünf aus jenen, die die Flucht ergriffen hatten, starben zu Conception an ihren Wunden und dankten Gott in heiliger Freude für einen so kostbaren Tyd. 292 Der heilige Missionär ward bitter von allen beweint, die ihn gekannt hatten. Diejenigen die aus- gesandt wurden, seinen Leichnam zu suchen,.fanden denselben mitten in der Nacht bei dem Schein eines Lichtes, das er ausstrahlte, und brachten ihn dann nach Conception; wo P. Bonavente seine Kleider und was ihm angehört hatte, unter die Chiquiten vertheilen mußte. Es blühte aber die Kirche daselbst in so reichlichem Segen, daß sie bereits aus fünf Reduktionen bestand, die hinsichtlich des Eifers und der trefflichen Ordnung nichts zu wünschen übrig ließen; und man war eben beschäftigt, eine sechste aus umliegenden Völkerschaften zu stiften; von welchen zumal die Boxo's, die Morotoco's und die (ILuiez zum Glauben des Evangeliums sich geneigt zeigten. Es trank aber in jenen Jahren(1712—1719) das Erdreich dieser Länder noch vieles Blut der Märtyrer; und zwar zuerst bei der Völkerschaft der Za- mucoc-, wo die Missionäre der Chiquiten die Absicht hatten, im Süden sich auszubreiten und die Hoffnung hegten, in ihren Reduktionen eine Verbindung zu unterhalten, welche die Communication zwischen Tucuman und Paraguay erleichterte. Da nun die Nation der Zamucos daselbst eine der vorzüglichsten war und in zehn ziemlich von einander entfernten Ortschaften wohnte, die einen großen Strich Landes einnahmen, beschlossen sie das Evangelium Jesu Christi daselbst zu verkündigen. P. Zea machte sich im Monat Julius 1716 mit 293 einer großen Anzahl Chiguiten auf den Weg, und kam nach unbeschreiblichen Mühsalen dahin. Stürme, Überschwemmungen, Hungersnoth, unwegsame Gegenden, wo sie oft mit dem Beil in der Hand sich einen Durchgang durch dichte Wälder, bahnen mußten, waren nur ein Theil ihrer Leiden; doch versüßte die freundliche Aufnahme bei dieser Völkerschaft und ihr aufrichtiges Verlangen nach der Erkenntniß Gottes alle diese Plagen so sehr, daß sie dieselben für überreichlich belohnt hielten. Sie errichteten daselbst alsbald ein Missionskrcuz und bekehrten Viele aufrichtig zum Herrn. Doch zu seinem großen Leidwesen erhielt P. Zea daselbst ein Schreiben seines Ordensgenerals, der ihm die Leitung seiner Provinz auftrug; und er mußte die Mission dem P. Aegros übertragen. Indessen aber hielt der Kazike nicht Wort; ja als P.Yegros ankam, ward er nicht wenig betroffen, als er die ganze Ortschaft leer und abgebrannt fand. Endlich erfuhr er, die Zamucos seien einige Tagreisen weiter zu einem fischreichen Teiche fortgezogen; und der Laienbruder Romero und einige Chiquiten, die mit ihm waren, drangen bis zu ih> ncn vor. Sie wurden sehr wohl aufgenommen und der Kazike begab sich alsbald in Begleitung Einiger seiner Leute mit ihnen auf den Weg, dem Missionär entgegen zu gehen und besprachen sich dem Anschein nach mit großer Freude über die Glückseligkeit, als Christen zu leben und zu sterben; doch ehe die Arg losen sich dessen versahen, überfielen sie dieselben und 2S4 erschlugen zwölf aus ihnen. Der Kazike spaltete dem Bruder Romero mit einem Beile das Haupt. Zwei Chiquiten, die diesem Blutbad entkamen, berichteten dem P. Aegros den Vorfall. Alle Kirchen der Chiquiten wurden über dieß traurige Ereigniß äußerst bestürzt; und die Missionäre trösteten sich nur durch die Hoffnung, die auch nicht zu Schanden ward, daß das Blut, welches das Land der Zamucos begossen hatte, dasselbe an wahren Christen fruchtbar machen würde. Nicht minder auch tröstete sie hie Gottseligkeit und der heilige Eifer dieser neuen Christen, die mit unermüdlichem Verlangen, Christo immer neue Anbeter gewannen, eine große Anzahl Jndier von den verschiedensten Völkerschaften an sich zogen, deren Sprache sie oft kaum verstanden, die Arbeit des Unterrichts mit den Missionären theilten und allen Ekel und Verdruß überwanden, bis sie solche bezähmten und zu wahren Ehristen bildeten. Während dessen aber waren die Väter de Arce und de Blende beauftragt, eine andere Communica- tion zwischen Tucuman und dem Paraguay höher im Norden zu suchen, und verkündigten den Völkern dieser Länder die Lehre des ewigen Heiles; wobei sie beinahe auf ganz ähnliche Weise zur Marterkrone gelangten, Als einst P. Blende bei den Payagua's mit großem Licbeseifer eine Rede über die Reinigkeit des Christenthums hielt, ergrimmten zumal die Jünglinge die allen Ausschweifungen ergeben waren, über ihn und beschlossen, dieses Sit- 295 tenrichters sich zu entledigen. Ein junger Neophyt, der mit dem Missionär war, beschwor sie mit Bitten und Thränen, dieß so große Verbrechen nicht zu begehen; doch er gewann dadurch nur so viel, daß er das erste Opfer ihrer Wuth ward. Als der Missionär seinen Tod erfuhr, bereitete er sich selbst zu seinem Opfer. Schon hörte er die Barbaren, die mit wildem Geschrei herbei kamen. Sobald er sie erblickte, kniete er sich nieder, schlug die Hände kreuzweise über der Brust zusammen und erwartete sie in dieser Stellung mit großer Heiterkeit und Ruhe. Ein junger Payagua versetzte ihm einen Schlag mit der Keule auf das Haupt und hierauf ward er mit vielen Lanzen durchstochen. Dieß widerfuhr auch an dem Ufer des Maniore dem P. de Arce, gegen welchen diese Wilden große Freundschaft heuchelten; und kurz hierauf noch zwei andern Vätern der Mission, den PP. Sylva und Mac», den Wilde dieser nämlichen Völkerschaft mit dreyßig guaranischen Neophyten erschlugen. 41. Erste Redaction der Lhiriguanen. Eifer derselben. Redaction der Lullen. Sie wird versetzt. Blühender Stand der Redactionen bei den Lhiquiten. Sie werde» von den Spaniern gegen die Lhiriguanen zu Zilfe gerufen. Ihre große Tapferkeit und ihre Siege. Es hatten aber während dieser Ereignisse auch die Chiriguanen abermal Schritte gethan, die Je- 296 suiten dahin zu bewegen, sie mit den Spaniern zu versöhnen, und feierlich betheuert, daß sie die Fehler bessern wollten, welche diese Vater genöthiget hatten, sie zu verlassen. P. Guevara, der den Gouverneur Dom Estevan de Urizar auf seinem letzten Feldzug begleitet hatte, war einst einem ihrer Ka- ziken begegnet, Morrnga genannt, und hatte seine Achtung und sein Vertrauen aufrichtig gewonnen. Moringa hatte seinen Eifer andern Chiriguanen eingeflößt, und als P. Guevara zu ihnen gesandt ward, versammelten sie sich in großer Anzahl um ihn; erbauten eine Kapelle; und hätte der Missionär von dem Grundsatz der Jesuiten abgehen wollen, diese Jndier erst nach langen Prüfungen zu taufen, so wäre die ganze Ortschaft bald christlich gewesen; denn es strömten von allen Seiten Proselyten herbei, und es fanden sich sogar viele,Kazikcn ein. Endlich ward jedoch im Jahr 1715 am 26. August die erste Redaction der Chiriguanen zur großen Freude dieser Nation unter dem Namen Conception errichtet. Immer hatte diese Völkerschaft gefürchtet, aus ihrem Lande fortzuziehen, weil sie als gewiß glaubten, sie würden dann den Spaniern dienstbar werden; und ob sie auch die Freiheit der Guarani's und der Chiquiten mit Augen sahen, so konnte dennoch selbst dieß offenbare Beispiel ihre Furcht nicht gänzlich zerstreuen. Dieß bewog die Jesuiten, auch nicht den mindesten Dienst von ihnen umsonst anzunehmen. Das schmerzte sie; und um die Aufrichtig- 297 keit ihrer Bekehrung deutlich zu zeigen, verließen sie, wie dringend auch die Feldarbeiten waren, alles, um ihre Kirche zu bauen, so daß die Missionäre sie durchaus nicht davon abbringen, noch auch bewegen konnten, ihre Wohnungen früher zu vollenden. Nun war es ihnen aber auch nicht länger möglich, die Taufe Denjenigen zu versagen, welche genugsam vorbereitet waren; und sie hatten den Trost zu sehen, daß das Sakrament die wundersamsten Wirkungen hervorbrachte. Conception ward bald eine so blühende Kirche, daß man hoffte, die ganze chiriguanische Cordilliere in kurzer Zeit christlich zu sehen und dadurch das Evangelium in Chaco zu verbreiten. Diese Hoffnungen dauerten auch so lange, daß der Himmel während dieser Zeit eine große Anzahl heiliger Seelen gewann, nichts von zahllosen Kindern zu sagen, die mit der Gnade der Taufe starben. Auch die Reduktion der Lullen fing nach der Entfernung jener Abtrünnigen an, mit trefflichen Früchten zu blühen; wiewohl die Väter der Mission noch immer fürchteten, daß dieselbe sich, ehe man dessen sich versähe, zerstreuen würde; weil die Lage der Ortschaft nicht gut genug war, den Inwohnern alles Nothwendige zu verschaffen, noch ihrem Vieh genügsame Weide zu gewähren; dann auch weil sie Denjenigen ihrer Nation zu nahe waren, die sich hatten irre führen lassen, und endlich weil man sie noch nicht an die Arbeit hatte gewöhnen können. Denn ihre Trägheit überstieg alle Begriffe; Dom Estevan 298 mußte sie weit länger erhalten, als er es sich gedacht hatte, und P. Machoni ging ihnen vergeblich mit seinem Beispiel voran. Sie sahen ihm ruhig zu; und dachten nicht einmal von fern daran, ihm zu helfen. Dazu kam auch noch das böse Beispiel der spanischen Soldaten, die in der Nähe waren und in der Reduction selbst die schreiendsten Ausschweifungen begingen. Das einzige Mittel, diesen Übeln abzuhelfen, war, die Reduction in eine bessere und von dem Fort selbst entferntere Gegend zu führen, und P. Machoni zeigte dem Gouverneur die Nothwendigkeit dieser Veränderung an und bat ihn um das verlassene Fort Miraflorez, wo es bessere Weiden, Wälder und Kalksteine zum Bau gab; der Gouverneur aber willigte mit Vergnügen in die Bitte. Die Übersiedlung geschah in großer Schnelligkeit am 10. August 1716. Nun stellte aber der Missionär den Lullen vor, daß dieß eine ausgezeichnete Wohlthat des Gouverneurs wäre; nur müßten sie sich auch gewöhnen, ihren Unterhalt durch Arbeit zu erwerben, die hier ohne Vergleich leichter sei als zu Valbuena. Sie versicherten den Missionär, er würde künftig nicht mehr über sie zu klagen haben; und sie hielten Wort. Gleichwohl erhielt diese Reduction sich nicht lange in dem Eifer, den sie in den ersten Jahren zu Miraflorez zeigte; und worin sie gewiß länger verblieben wären, wenn der tugendhafte Dom Estevan länger gelebt hätte; doch dieser edle Mann starb im Maimonat 1724 und mit ihm erlosch der Wohl- 299 stand und das Glück Tucumans. Der königliche Gerichtshof ernannte einen Jnterimö-Gouverneur, der sich so übel benahm, daß bald die Gränzen von feindlichen Parteien überschwemmt wurden; Nnd da nun die Lullen zu Millaflorez nicht länger in Sicherheit waren, und, indeß man eine Gegend für sie suchte, die Gefahr täglich überhand nahm, gingen viele in ihr Land zurück; P. Yegros aber, der nun ihre Reduktion leitete, führte, um das Ausreißen derselben zu verhindern, die noch übrigen in die Gegend von Sankt Michael. Die trefflichste, lieblichste und frömmste aller Missionen in diesen weiten Ländern, war und blieb die neue Republik der Chiquiten; wo es eigentlich keine Jndier mehr zu bekehren gab, und wo die neuen Christen von apostolischem Geiste beseelt, zuweilen allein, zuweilen mit ihren geistlichen Hirten ausgingeü, Heiden aufzusuchen, um sie ihrer eigenen Glückseligkeit theilhaft zu machen. Manche auch kamen in großen Schaaren dahin, um sich vor den Portugiesen zu flüchten, die sie zu Sclaven einsingen; und es brauchte Zeit und große Geduld, um so viele Proselyten von so verschiedenen Nationen an den nämlichen Geist zu gewöhnen. Vieles hatten die Missionäre von ihrer Rohheit zu leiden, und eine überaus schwierige Aufgabe war's, sie an die Arbeit zu gewöhnen, ihre Verirrungen zu ertragen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Bis nun hatten die Chiquiten die Waffen nur ergriffen, die Feinde zurückzutreiben, die sie anfie- Paraguay II. Bd. 30st len, und noch niemals für die Spanier gefochten. Indessen waren sie dennoch eine starke Schutzwehr gegen die Barbaren, welche die Provinz Santa- Cruz von dieser Seite anfallen konnten; selbst die tapfersten und unruhigsten Chiriguanen hüteten sich, Händel mit ihnen anzufangen. Doch hatten die Chi- quiten mehr als einmal bezeugt, daß sie sich nur ungern dazu würden brauchen lassen, mit den Spaniern gemeinsam zu fechten, wie die Guaranis zu thun pflegten. Nichts desto minder aber mußten die Spanier sie zu Hilfe rufen, als im Jahr 1726 die Chiriguanen in ungeheurer Anzahl aus ihren Gebirgen hervorbrachen, die Gegenden von Santa- Cruz plünderten und verheerten und alle Spanier ermordeten, die sie vereinzelt antrafen. DieLandes- bchörden schrieben deßfalls an P. Aquilar, daß er ihnen taufend Mann zur Verstärkung der spanischen Truppen senden möchte. Der Missionär berief alsbald die Kaziken; stellte ihnen vor, daß ihre Ehre es erfordere, dem König in so dringender Noth zu Hilfe zu kommen, und selbst die Beleidigung Gottes, dessen Tempel und Altäre diese Barbaren zerstörten, fordere sie zur Rache auf. Er überzeugte sie; und sie erboten sich, alles gern zu thun was er von ihnen verlangte. Es wurden aus sämmtlichen Reductivnen tausend Man» erhoben und P. Aquilar begleitete sie. Seine Gegenwart war auch höchst nothwendig, diese Neo- Phyten gegen vielfältigen Verdruß von Seiten der Spanier zu schützen, und es bedurfte seiner ganzen 301 Weisheit und Geduld, alle Mißverständnisse zu schlichten und alle Hindernisse zu heben. Die Chiqui- ten aber zeichneten sich in allen Gefechten aus; eine große Anzahl Ehiriguanen blieben auf dem Schlachtfeld, über eilfhundert derselben wurden gefangen, die übrigen in die Flucht getrieben und bis in die Cordilliere verfolgt, wo ihrer ebenfalls noch tausend gefangen genommen wurden; und ein so glänzender Sieg kostete den Siegern nicht einen einzigen Mann. Es rafften zwar bald darauf die Chiriguanen sich übermal auf, wurden aber von diesen Kriegern auch zum zweiten Mal auf das Haupt geschlagen.— 42. Neue Mißhandlungen der Jesuiten im Paraguay. Aufruhr zu Assumtion und in der Provinz. Dom Joseph Antequerra, Urheber desselben. Die Jesuiten werden drei Mal aus ihrem Lollegium verjagt. Was die Re. ductionen dabei erlitten. Ein neuer Gouverneur macht der Revolution ei» Ende. Während nun die Missionäre der Gesellschaft Jesu die Länder dieses Welttheils mit ihrem Schweiß und Blute bethauten, unzähligen Mühsalen und Gefahren sich Hingaben, das Evangelium den heidnischen Völkerschaften dieser wilden Länder verkündigten und eine neue christliche Republik stifteten, wo nicht nur die Religion wie in der ersten Kirche im schönsten Flor aller Tugenden blühte, sondern auch ihre Ncubekehrten die Gränzen beschützten und 302 den Königen von Spanien die wichtigsten Dienste ohne alle Vergeltung leisteten, bestand seit ihrer letzten Verfolgung im Paraguay durch Dom Ber- nardin de Cardenas noch immer ein geheimer Groll in den Herzen Vieler gegen sie, weil sie es dahin gebracht hatten, ihre Neophyten dem persönlichen Dienste der Spanier zu entziehen; und dieser Groll nahm in demselben Verhältnisse zu, als die Anzahl der Neubekehrten sich vermehrte; wiewohl die Kirche und der Staat vielseitig dadurch gewannen, und auch sie selbst gewonnen hätten, wenn sie nicht aus übertriebener Habsucht zu ihrem eigenen Vortheil blind gewesen wären. In dieser erbitterten Stimmung der Gemüther wartete man, zumal im Paraguay nur eine Gelegenheit ab, diesen Vätern neue Händel zu erwecken und die Freiheit ihrerNcubekehrten unter dem Schutt ihrer Reduktionen zu begraben. Der Ärger einiger Privatpersonen, die gränzenlose Ehr- und Habsucht eines Einzelnen von hohem Stande, und eine sonderbare Folge unerwarteter Ereignisse führten jedoch bald Mittel und Wege herbei und erweckten diesen Missionären eine überaus schwere Verfolgung, erfüllten die ganze Provinz mit Aufruhr und verflocht sie in eine Empörung, welche sie ohne Zweifel gänzlich zerstört hätte, wenn die Barbaren, welche dieselbe umwohnten, solche sich zu Nutzen gemacht hätten, und nicht jene nämlichen Neophyten, die man um jeden Preis in die Knechtschaft zwingen wollte, als eine feste Mauer da gestanden wären. 303 welche die Rebellen niemals durchbrechen konnten, und die immer fertig waren, die Revolution zu entwaffnen. Es dauerte dieser furchtbare Aufruhr von, Jahr 1717 bis 1735 beinahe ununterbrochen fort und ward Anfangs durch die Habsucht und die schreienden Ungerechtigkeiten des Dom Joseph de Antequerra, der vom königlichen Hofgericht zu einer Untersuchung nach dem Paraguay gesandt wurde, angefacht; und gab das ganze Land allen Schrecknissen eines Bürgerkrieges preis. Er vertrieb den Gouverneur, ließ sich selbst von dem Volke an seiner Statt ernennen, und weil er Widerstand von Seiten der Jesuiten fürchtete, fing er an, alle alten, oft widerlegten Verleumdungen gegen sie aufzuwärmen und ward darin trefflich unterstützt. Dreimal wurden während dieser Zeit die Vätcr dieses Ordens auf die schimpflichste Weise aus ihrem Hause zu Assumtion vertrieben, ausgeraubt und mißhandelt; ungeachtet die Verordnungen des königlichen Gerichtshofes, des Vicekönigs und des Königs von Spanien selbst zu wiederholten Malen befohlen hatten, sie mit allen Förmlichkeiten in ihren früheren Besitz einzuführen. Antequerra büßte zwar am Ende aus dem Blutgerüste seine Empörung mit dem Leben, widerrief vor seinem Tode feierlich alle Verleumdungen die er gegen die Jesuiten verbreitet hatte, und bat sie aufrichtig um Verzeihung wegen aller Mißhandlungen, die er theils selbst ihnen angethan, theils durch Andere hatte anthun lassen r doch erlosch auch mit sei- 304 nem Tode die Flamme des Aufruhrs noch lange nicht, und der Haß gegen diesen Orden bestand noch viele Jahre fort. Es widersetzten sich zwar so schreienden Gewaltthätigkeiten dieBischöfe und die königlichen Befehlshaber, so lange sie konnten, mit aller Macht; doch die Empörung hatte so gewaltsam um sich gegriffen, daß alle Ordnung gänzlich aufgelöst war. Ein Gouverneur und verschiedene andere Männer von Ansehen wurden ermordet, und die Verwirrung war so groß, daß man, wiewohl sich eine Junta gebildet hatte, oft nicht wußte, wer nun befahl, noch was zu thun war. Auch erkannte man keine Gewalt, und niemand gehorchte, außer in so fern es ihn gut dünkte und er seinen Nutzen dabei fand. Viele Personen kamen dabei um's Leben und es wurden die größten Gräuel im Verlauf einer so vierjährigen Revolution verübt; bis endlich nach mehreren Treffen die Rebellen im offenen Felde geschlagen und die Oberhäupter derselben durch die Strenge der Gerechtigkeit mit dem Tode bestraft wurden. Es litten aber die Reduktionen unter den Gewaltthätigkeiten einer so langen Empörung beinahe unersetzlichen Schaden. Der Vicekönig hatte während der Anarchie des Dom Antequerra einen General mit Mannschaft abgesandt, den Aufruhr zu dämpfen, die Truppen dieses Aufwieglers zu schlagen und die Ordnung wieder herzustellen. Dieser General jedoch, der nur wenige Spanier hatte, ließ einige tausend Jndier aus den Reduktionen herbei ei- 305 len, von welchen viele im Treffen blieben, andere aber durch die List des Antequerra gefangen genommen wurden, der sie dann als Sclaven vertheilte. Ja, er sagte sogar laut und öffentlich, es sei sein fester Vorsatz, der vier nächsten Redactionen am Parana sich zu bemächtigen. Er hatte dabei zur Absicht, die Jesuiten zu vertreiben und den neuen Christen die Feuergewehre abzunehmen; damit die königlichen Befehlshaber, denen gar sehr daran lag, daß sie bewaffnet blieben, sie künftig nicht gegen ihn anwenden könnten; und überdieß hatte er auch verheißen, alle diese Jndier zu Commenden zu vergeben. Die Neophpten hatten jedoch kaum Nachricht von seinem Vorhaben erhalten, so zerstreuten sie sich augenblicklich theils in entferntere Reduktionen, wo sie nichts von ihm zu fürchten hatten, theils in Wälder und auf Berge; und dieß geschah in so großer Eile, daß Viele dabei zu Grunde gingen und schwangere Frauen vor Elend und Schrecken auf dem Wege um ihre Leibesfrucht kamen. Auch wurden die Neophyten der Reduktionen oftmals von der königlichen Partei zu Hilfe gerufen und standen nicht selten zu Tausenden und lange Zeit hindurch im Felde. Darunter litten nun, Vieles andere zu geschweige», die Feldarbeiten; es entstand furchtbare Hungersnoth; schlechte Nahrungsmittel brachten ansteckende Krankheiten hervor, die sehr Viele hinwegrafften; und eine nicht geringe Anzahl Anderer flüchteten sich und suchten Lebensmittel in Wäldern und öden Wüsten. Der Kummer 306 aber, das Herzeleid, die Beschwerlichkeiten und grausamen Verlegenheiten der Missionäre unter so großem Elende waren unbeschreiblich; und sie trösteten sich einzig damit, daß ein so gewaltsamer Zustand den Eifer ihrer Neubekehrten in der Religion und im Dienste des Königs nicht verminderte, und daß in der Folge die meisten Flüchtlinge wieder könnten gewonnen werden; was auch großen Theils geschah. Endlich machte im Jahr 1735 Dom Bruno de Zavala, den der König zum Gouverneur von Paraguay ernannt hatte, durch seine große Klugheit, Tapferkeit und seinen furchtbaren Ernst bei vieler Sanftmuth diesen Stürmen ein Ende; und er ließ, nachdem er die Rebellen im Felde geschlagen hatte, die vorzüglichsten Urheber und Aufwiegler nach Verdienst bestrafen, stellte, wiewohl durch große Anstrengungen die Ordnung wieder her; und da nur die Feinde der Regierung und der Ordnung Feinde der Jesuiten gewesen waren, begehrte, sobald alles wieder in Ruhe war, die ganze Provinz die Jesuiten wiederholt und mit dringender Bitte zurück; die denn auch, nachdem der Provinzial die Sache in Berathung gezogen hatte, am zehnten Oktober desselben Jahres abermal in Affumtion einzogen, wo der Gouverneur an der Spitze der Truppen und der Obrigkeiten, der Bischof mit seinem Klerus und den Vorstehern der geistlichen Orden sie unter lautem Freudengeschrei des Volkes empfingen und nach der Domkirche, wo das Te Deum 307 abgesungen ward, und von dort in ihr Collegium zurückführte». Auch erhielten sie noch in dem nämlichen Jahre ein neues Collegium zu BuenoS-Ayrcs und zu Montevideo. Gern verziehen und vergaßen diese Vater, die immer zum Frieden geneigt waren, alle Mißhandlungen, und ergaben sich mit allem Eifer und unter sichtbarem Segen des Herrn ihren geistlichen Verrichtungen, heilten viele Wunden, welche die Revolution geschlagen hatte, und führten auch viele Verirrten zu ihren Pflichten und zu wahrer Besserung des Lebens zurück. 43. rrene Ueberfalle der wilden in dir Provinz Tuen,na» Die Spanier bitten, Missionare zu denselben zu senden. Abermalige Versuche, Lhaco zu gewinnen P. L- -ardi bei den Lhiriguanen. Mühsale der Missionare. Die Lhiriguanen überfallen die Reduct.on Loncept.an. Martyrertod des p. Lizardi und seines Gaer.stans. Gleichwohl aber schien der Zorn des Himmels über diese unglückliche Provinz noch nicht versöhnt; sie ward, als man dessen am wenigsten gedachte, der Gefahr ausgesetzt, ihre Empörung durch die Hände der Barbaren zu büßen. Die unversöhnlichsten Feinde der Spanier, die Guaycurru'ö und die Mocovi's, wollten die Schwäche benützen, in welche die großen Uneinigkeiten im Paraguay diese Provinz versetzt hatten, und fielen wie verabredet zu gleicher Zeit und an verschiedenen Orten ein, und 308 verheerten das Land bis zu den Pforten der Hauptstadt. Das Entsetzen war allenthalben über alle Beschreibung groß, und diese äußerste Noth des Landes konnte abermal nur durch die schleunige Hilfe der Reduktionen gehoben werden, denen sie so viel Böses nachgesagt, die sie aus unersättlicher Habgier so schwer mißhandelt hatten, und noch immer zu Sclaven haben wollten. Unter den übrigen feindlichen Völkerschaften, die das Land verheerten, befanden sich auch die Tobatmen, aus welchen schon vor vielen Jahren die Missionäre gegen /;oo Familien gewonnen hatten; die aber durch die Drohungen der revolutionären Partei, und durch den Hunger und das Elend in den Reduktionen des Parana, welchen sie zugetheilt waren, erschreckt und zur Verzweiflung gebracht, sich wieder in ihre Wälder entfernt hatten; nun aber alle Wege unsicher machten, die spanischen Wohnungen ausraubten und alles ermordeten was ihnen in die Hände fiel. Nun sahen die Spanier, die zu schwach waren, diese Völkerschaft zu bändigen, kein anderes Mittel, ihren Feindseligkeiten ein Ziel zu setzen, als Missionäre dahin zu senden; und sie baten den Gouverneur, den Bischof und alle Behörden, deßfalls bei dem Provinzial der Jesuiten sich zu verwenden. P. Aquilar aber, der diesem Amte vorstand, war selbst ein zu eifriger Mann, als daß es vieler Bitten bedurft hätte, ihn dahin zu vermögen; doch war dieß keine so leichte Sache, und die Missionäre, die er dahin sandte, fanden erst nach Jahren den 309 Aufenthalt, wohin diese Nation sich zurückgezogen hatte. Indessen aber ließ man auch die Absicht nicht aus den Augen, die Provinz Chaco mit den spanischen Ländern zu vereinigen; woran man schon seit mehr als einem Jahrhunderte arbeitete, und in welchem Lande schon so viele Missionäre ihr Blut vergossen hatten. Das vorzüglichste Hinderniß waren noch immer die Ehiriguanen, deren Bekehrung die Jesuiten so oft vergeblich versucht hatten, und gegen welche alle Macht der Spanier zu schwach war. Auch war diese Völkerschaft in beständiger Furcht, daß die christliche Religion nichts als ein Mittel sei, durch das man darauf ausging, sie zu Sclaven zu machen. Da indessen dieß das einzige Mittel war, die Ruhe der Provinz Tucuman zu sichern und diese Nation aufrichtig mit den Spaniern zu versöhnen, gab man trotz aller bisher mißlungenen Versuche den Gedanken nicht auf, sie durch die Sanftmuth der Religion zu gewinnen; und die Jesuiten, die die Marterkrone für die schönste ihrer Belohnungen hielten, und keinen Lohn ihrer Arbeiten von dieser Welt erwarteten, waren auch immer bereitwillig dazu. Dieß war allgemein bekannt; und die Stadt Tanja, die den Mißhandlungen dieser furchtbaren Jndier am meisten ausgesetzt war, beschloß den Eifer der Väter zu bcnützen, wendete sich an den Vi- cekönig, der die Vorgesetzten des Ordens auch dringend ersuchte, die Bitte zu bewilligen; und es meldeten sich so Viele zu dieser Mission, daß der Pro- 310 vinzial in Verlegenheit kam, wen er dazu ernennen sollte. Endlich fiel seine Wahl auf P. Lizardi, einen der heiligsten Priester der Gesellschaft, dem er noch die PP. Ehomöund Pons beigab; die, nachdem alles bereit war was zu ihrer Misston erforderlich war, im Anfang des Maimonats auf dem Uruguay sich einschifften. Als sie an den Gränzen ankamen, sahen sie zu ihrer großen Verwunderung, daß man eben im Begriff war, den Krieg gegen die Chiriguanen wieder anzufangen, und sie mit bewaffneter Mannschaft zu dieser Nation begleiten wollte. Sie aber waren entschlossen, gegen diese Völkerschaft nur mit dem Evangelium in der Hand zu fechten und sagten Denjenigen, die ihnen Vorstellungen darüber machen wollten, das einzige Mittel, das apostolischen Arbeitern gezieme, den Glauben unter Götzendienern zu verbreiten, sei nach dem Ausspruch sich zu richten, den der Welt- erlöser seinen Aposteln an's Herz gelegt habe, Diejenigen nicht zu fürchten, die nur den Leib tödtcn können; und ein Missionär müsse immer bereit seyn, die Wahrheiten, die er verkündige, mit seinem Blute zu besiegeln. So schwierig aber diese Mission war, war sie doch den Regeln der Vernunft nicht so sehr entgegen, als die Bewohner der Gränzstadt erachteten; denn die Reduktion, die einst zu Tari- quea gewesen war, war nicht so gänzlich zerstreut, daß man nicht hoffen durfte, noch einige Trümmer derselben zu finden; und P. Ximenes, der sie einst gelenkt hatte, und sein Ordcnshaus zu Tarija re- 31t gierte, hatte einst einen starken Besuch von seinen alten Ncophyten erhalten, die sich über seine freundliche Aufnahme so sehr freuten, daß sie beschlossen, in der Nähe sich niederzulassen; wodurch es geschah, daß immer mehrere sich daselbst ansiedelten, und zuletzt eine Reduktion chiriguanischer Christen sich bildete, die den Namen Conception erhielt und an Eifer und Liebe zur christlichen Religion keiner andern etwas nachgab. Dieß war's, worauf P. Lizardi und seine Gefährten einige Hoffnung gründeten, und sie sagten auch Denjenigen, die sie abhalten wollten, in so wilde Länder einzudringen, daß gewiß Niemand geglaubt habe, diese Wilden, die vor ihrer Bekehrung von dem Menschen nichts als die äußerliche Gestalt hatten, würden einst zu einer so hohen Tugend und Vollkommenheit gelangen. Nach so unerwartetem Erfolg also müßten alle menschlichen Gründe in den Augen Derjenigen verschwinden, zu welchen der Herr gesprochen habe:»Sieh, Ich sende euch wie die Lämmer unter die Wölfe!« Endlich drängten sie die Missionäre und sagten ihnen, es sollten zwei aus ihnen in Begleitung einiger Osficiere bis in das Salzthal gehen, und von dort aus zu den Chiri- guancn der Cordilliere senden, um sie einzuladen, einen dauerhaften Friedensvertrag zu schließen; P. Chomr aber sollte dann die erste Gelegenheit bcnü- tzen, in die Cordilliere selbst einzudringen. Diesen Vorschlag hielt P. Lizardi für vernünf tig und befolgte ibn auch- Doch die Cbiriguanen 312 entsprachen seiner Einladung nicht. Er ging hierauf selbst mit P. Pons ihnen entgegen; konnte aber keinen dahin stimmen, daß er ihm in das Salzthal gefolgt wäre. Sie thaten hierauf Reisen bis in die Eordilliere selbst, wo die Wege sogar die Unerschrockensten zurückschrecken konnten) nichts davon zu sagen, daß die furchtbarste Hitze oft augenblicklich mit der grimmigsten Kälte wechselte, und man nicht einen Fehltritt thun konnte, ohne in einen Abgrund zu fallen; überdicß auch jeden Augenblick Gefahr drohte, von wilden und immer hungernden Thieren zerrissen zu werden. Sie richteten jedoch daselbst so wenig aus, daß sie ihrem Provinzial schrieben, menschlicher Weise zu urtheilen, gebe dieß Volk durchaus keine Hoffnung zur Bekehrung; ja sie hätten eine so große Abneigung gegen die christliche Religion, daß Mehrere erklärten, sie wollten sich lieber in Stücke zerhauen lassen als dieselbe annehmen; und sie duldeten die Missionäre nur in der Hoffnung einige Geschenke von ihnen zu bekommen. Indessen wären sie dennoch entschlossen, noch weiter vorzudringen, ohne sich von der geringen Frucht früherer Versuche abschrecken zu lassen; und sie hätten das feste Vertrauen, der Herr, dem zu Liebe sie so unaussprechliche Mühsale auf sich genommen, würde ihre Arbeiten am Ende segnen. Indessen kehrten sie dennoch bald zurück, und als P. Lizardi nach Conception kam, fand er die Neophyten in großer Bestürzung, weil das Gerücht erging, die Chiriguauen bereiteten sich, sie anzu- 313 fallen. Er wollte sie beruhigen; doch dieß gelang nur dann als er selbst noch einmal in die Cordillicre zurückging, um zu sehen, ob daselbst Vorkehrungen getroffen würden; wo er jedoch nicht das Geringste wahrnahm. Er gewann auf dieser Reise einen Ka- zikcn, der ihm mit seiner ganzen Familie folgte, und ihn vor einer Verschwörung gegen sein Leben sicherte. Als er nun in der Reduktion zurück war, die er einige Zeit hindurch leitete, wurde seine Herde so gewaltig von seinem heiligen Eifer ergriffen, daß es sich klar zeigte, daß die Chiriguanen die trefflichsten Christen werden konnten, sobald sie der Stimme der Gnade in ibrem Herzen Gehör gaben. Am i5. Mai desselben Jahres 1735 erhielt P. Lizardi abermal Nachricht, die Chiriguanen von Jn- gre bereiteten sich, seine Reduktion anzugreifen. Er jedoch erachtete, es sei dieß abermal ein blinder Lärm, oder die Gefahr sei wenigstens nicht so dringend; und um seine Ncubekehrten nicht zu erschrecken, beschloß er, ihnen nichts davon zu sagen. Wie gewöhnlich kehrte er am späten Abend nach Hause, wartete Andachtsübungcn ab und begab sich dann kurze Zeit zur Ruhe. Um Mitternacht stand er seiner Gewohnheit gemäß auf, hielt sein Gebet und bereitete sich, das heilige Meßopfer zu feiern. Kaum hatte er diese heilige Feier begonnen, so kam eine Schaar Chiriguanen in der dunkeln Dämmerung heran; und ein junger Christ, Manuel genannt, lief eilends in die Kirche, wo alle Ncophpten versammelt waren und rief aus ganzer Kraft, der Feind sei vor dem Thor! 314 Bei dieser Stimme eilten alle hinaus und erreichten einen nahen Wald; der Priester war eben beim Offertorium und blieb allein mit seinem Sa- cristan. Die Neophyten hatten nicht gezweifelt, daß er ihnen folgen würde, und wurden sehr betroffen als sie ihren Zufluchtsort erreicht hatten und ihn nicht sahen. Er war am Altar geblieben, doch hatte er die Messe nicht weiter gelesen, weil er fürchtete, sie nicht vollenden zu können; und war einzig damit beschäftigt, Gott das Opfer seines Lebens darzubringen. Die Barbaren fanden ihn in dieser Stellung und fielen gleich Wüthenden über ihn her, zogen ihm seine pritzsterlichcn Gewände aus, rissen ihm die Kleider vom Leibe, nahmen seinen Sacri- stan gefangen und traten alle Bilder und heiligen Gefäße mit Füßen. Nach dieser Entheiligung raubten die Barbaren die Hütten aus und zündeten die Reduktion an, die in kurzer Zeit in einen Aschen- haufen sich umwandelte; worauf sie mit ihrem Raub und ihren Gefangenen sich entfernten. Die Kälte war grimmig und P. Lizardi beinahe nackt und dem Erstarren nahe. Da er nicht mehr weiter konnte, setzten sie ihn auf einen Felsen und banden ihm die Hände los. Er faltete dieselben kreuzweise, hielt in der einen sein Erucifir und erwartete in dieser Stellung den glückseligen Augenblick, der ihn mit Gott vereinigen sollte. Er wartete nicht lange; eine Wolke von Pfeilen, die alle trafen, tödtctc ihn am 17. Mai 1735, im neun und dreißigsten Jahre seines Alters. Ihm folgte sein getreuer 315 Sacriftan zur Marterpalme und ward auf die grausamste Weise getödtet. Am folgenden Tage sandte P. Pons, der Nachricht von diesem Überfall erhalten hatte, einen Neophyten aus, um zu erfahren, wo P. Lizardi hingekommen wäre; und da dieser nichts erfuhr, machte er sich selbst auf den Weg, bekam endlich Nachricht von dem Ort und der Weise, wie er sein Opfer vollendet hatte, und fand seine entseelte Hülle auf, die mit größter Feierlichkeit bestattet wurde. Die zerstreuten Bewohner von Conception aber wurden in eine andere Reduktion übersetzt. Dieß waren auch beinahe die einzigen Christen, die aus den Chiriguanen sich bekehrt hatten; denn alle übrigen früheren und späteren Versuche, dieß Volk für das Christenthum zu gewinnen, waren vergeblich; nur daß beinahe auf allen Zügen der Missionäre einzelne Auserwählte die Taufe empfingen oder den Missionären folgten. P. Pons leitete die Reduction, wohin sie waren übersetzt worden; P. Chome wurde in die Landschaft der Chicas gesandt; doch berief sein Provinzial i. I. 1730 ihn von dort zurück und sandte ihn zu den Zamucos, wo man endlich eine schöne Kirche erbaut hatte, und eine große Anzahl dieser Völkerschaft durch den unermüdlichen Eifer dieser Missionäre sich zum christlichen Glauben bekehrte. P.iraguay II. Bd. 20 3!6 44. Beschuldigungen der Jesuiten in Spanien. Der RLnig ordnet Untersuchungs-Tommissionen an. Die Jesuiten rechtfertigen sich gegen die falschen Anklagen ihrer Heinde und Verfolger. Indeß nun in allen Provinzen dieses weiten Continentes die Missionäre ihres Schweißes und Blutes nicht schonten, die Jndier unter das Gesetz des Christenthums zu bringen und das Ansehen der spanischen Könige zu begründen, hatte ihr Provin- zial und ihr Prokurator in Spanien vollauf zu thun, die alten Verleumdungen zu widerlegen, die man wider sie erdichtet hatte, und nicht ermüdete, zu wiederholen. Dieß laute Geschrei von allen Seiten erweckte endlich selbst bei einigen Mitgliedern des königlichen Rathes in indischen Angelegenheiten Zweifel über gewisse delicate Puncte; wiewohl sie sonst von der Unschuld der Angeklagten überzeugt waren; und der König selbst wollte, daß die Wahrheit der Sache in das helleste Licht gesetzt würde, damit die Feinde dieses Ordens beschämt würden und schweigen müßten. Schon im Jahr 1715 erschien ein französischer Geistlicher, der in seiner Jugend im Dienste der Seefahrer seiner Provinz Amerika bereist und Plane zur Vergrößerung ihres Handels entworfen hatte, am spanischen Hose und fand Mittel dem König eine Schmähschrift gegen die Jesuiten zu überreichen, die alle Anklagen ihrer Feinde enthielt; und er schlug 317 darin Mittel vor, dem Unheil abzuhelfen, dessen Urheber die Jesuiten wären. Der König aber, nachdem er die Schrift gelesen und zu untersuchen besohlen hatte, ließ ihm sagen, er sei besser über die Angelegenheiten im Paraguay unterrichtet als jeder Andere; und bestätigte alle Privilegien, die er und seine Vorfahren den Jesuiten und ihren Neubekehrten verliehen hatten. Dieß nöthigte den Geistlichen, Spanien zu verlassen; und er ließ seine Schrift in französischer und lateinischer Sprache drucken, und verbreitete dieselbe in sehr kurzer Zeit nicht nur in diesem Königreiche, sondern auch in protestantischen Ländern, wo dieselbe mit großem Beifall aufgenommen wurde. Da indessen die Jesuiten nichts darin fanden, das nicht schon gründlich widerlegt worden war, verachteten sie die Schmähschrift nach dem Beispiel des Königs; die Anhänger der Revolution im Paraguay aber ruheten nicht und brachten, nachdem dieselbe längst vergessen war, solche im Jahr 1732 übermal mit großem Lärm zum Vorschein, und vertheilten Exemplare an die Mitglieder des hohen Rathes und der Hofstellen; die um so aufmerksamer daraus wurden, als manches darin mit früheren Berichten, zumal des Gouverneurs Dom Martin de Barua vom Jahr i?3o übereinstimmte; und dieß bewog die Jesuiten darauf zu antworten. P. Gaspar Rodero General-Procurator für Indien widerlegte die Anschuldigungen so bündig, daß niemand darauf antwortete. Der Gouverneur Dom Barua aber. 318 den der König um seine Meinung über frühere Berichte gefragt hatte, fand darin manches, das nicht in seinen Kram taugte, und er setzte einen andern Bericht auf, der dem indischen hohen Rathe viel zu denken gab; besonders über zwölfmal hunderttausend Thaler, welche die Jesuiten seiner Behauptung zu Folge dem König noch von dem Tribut ihrer Jn- dier schuldig wären. Philipp V. wußte woran er war; indessen befahl er dennoch durch ein Dekret vom 28. December I7L3, daß man die Sache genau untersuchen und entweder eine so schwere Beleidigung und uner^äg- liche Verleumdung gegen einen ganzen geistlichen Orden bestrafen, oder aber eine so unverzeihliche Nachlässigkeit, einen so bedeutenden Schaden und eine so schreiende Verletzung der königlichen Rechte klar erweisen sollte; und er trug seinem obersten Haus- und Hofrichter Dom Juan Vasquez deAgue- ro auf, sich an Ort und Stelle zu begeben, alle Thatsachen durch eine königliche Commission genau untersuchen zulassen, mit den Vorgesetzten der Jesuiten sich zu besprechen; zu hören, was sie über den Tribut zu antworten hätten, und befahl auch einem der königlichen Räthe in indischen Angelegenheiten, hierüber den General-Procurator der Jesuiten für Paraguay zu vernehmen, der sich eben damals in Spanien befand. Dieß alles ward genau ausgeführt, und Dom Vasquez de Aguero schrieb im Februar des Jahres 1736 einen langen Bericht an den König, worin er 319 unter andern meldete, daß die Anzahl der Tibutfä- higen Jndier bei weitem nicht so groß sei als Dom Barua solche angegeben habe; denn nach den beeideten Listen der Pfarrer wären derselben in allen dreißig Reduktionen nur neunzehn tausend Neubekehrte, die Tribut zu bezahlen hätten; da die Anzahl derselben durch ansteckende Krankheiten, dann durch den Abgang Derjenigen, die in den Kriegen und in andern königlichen Diensten zu Grunde gegangen wären, so wie auch von den Mamelucken, wären aufgerieben worden, die mehr als die Hälfte der Redactionen zerstört, eine große Menge Inwohner getödtet und eine noch weit größere gefangen genommen hätten, bedeutend herabgesunken wäre. Auch bemerkt er, daß sie diesen Tribut von einem Thaler für den Kopf von dem Ertrag ihrer Arbeiten bezahlten, und immer richtig bezahlt hät, ten, wiewohl ihre geistlichen Hirten zur größten Sparsamkeit verpflichtet wären, um sie in den Stand zu setzen, solchen zu bezahlen; und auch unablässig ein wachsames Auge haben müßten, da diese Jndier durchaus nicht sparen könnten und auch nicht sonderlich arbeitsam wären, überdieß aber die Gouverneurs oft eine große Anzahl derselben für den Krieg und zu Arbeiten des Königs verwendeten; so daß man sie, im Fall der Tribut vergrößert wcr> den sollte, in die Unmöglichkeit versetzen würde, denselben zu bezahlen; wie sie solchen bis nun immer mit größter Pünktlichkeit bezahlt hätten. Das Wesentlichste jedoch für die Rcchtfcrti- 320 gung der Jesuiten war die Widerlegung des Berichtes Dom Martin's de Barua. Dieser Gouverneur hatte mehrere Abschriften davon in geheim vertheilt. Eine derselben war dem P. Gabriel Novat in die Hände gerathen, der über die Verleumdungen, von welchen diese Schrift strotzte, und über die arglistige Wendung im Vortrag erschrack und solche seinem Provinzial, dem P. Aquilar mittheilte, der auf der Stelle die Feder ergriff, sie zu widerlegen. Der oberste Hofrichter erstaunte über die Gründlichkeit dieser Widerlegung, die nichts zu wünschen übrig ließ, und hegte die größte Verehrung für den P. Aquilar. Das nämliche Urtheil fällte auch der königliche Rath in indischen Angelegenheiten und mehrere Räthe wünschten sehr, den Verfasser derselben persönlich kennen zu lernen. Nach dieser Schrift verfaßte der berühmte Muratori das bekannte Werk:»das glückliche Christenthum im Paraguay in den Missionen der Gesellschaft Jesu,« das beinahe in alle Sprachen übersetzt ward. P. Aquilar zeigte also nebst vielem Andern, wie sehr dieser Gouverneur irrt, wo er vierzig tausend Jndier angibt, die dem Tribut unterworfen seien, und erweist sowohl aus früheren als aus späteren, ja aus den eigenen Angaben des nämlichen Gouverneurs vom Jahr i?3o, daß man in sämmtlichen Reduktionen 2y5oo Familien zählte. Dazu war in demselben Jahre l?37 diese Anzahl durch Hungersnoth, Krankheiten und Ausreissun- gen auf drei und zwanzig tausend Familien herab- 32t gekommen, wie es sich aus den amtlichen und beeideten Listen der Pfarrer ergab. Da nun die Grundlage, auf welche Dom Martin de Barua den Satz baute, die Jesuiten wären der königlichen Caffe zwölfmal hundert tausend Thaler schuldig, durch seinen Rechnungsfehler zerstört war, zerfiel die Folgerung desselben von selbst. Da aber dieser Artikel einen sehr delicaten Punct betraf, den man kaum genugsam beleuchten konnte, erörterte P. Aquilar denselben mit aller möglichen Genauigkeit. Er zekgte, daß alle Behauptungen dieses Gouverneurs falsch waren; und zeigte dieß so klar, daß Philipp V. und seine indische Rathsversammlung über so große Unwissenheit bei einem Manne, der den besten Theil seines Lebens im Paraguay zugebracht hatte, und über so große Gewissenlosigkeit bei einem Beamten von so hohem Range erstaunten. Barua hatte sich nicht gescheut, zu behaupten, das Erträgniß der Arbeiten dieser Jndier werde sammt und sonders den Jesuiten übergeben, die ihren Ncophyten nur so viele Leinwand verabreichten als sie zu ihrer Kleidung bedürften, das Übrige aber zu eigenem Nutzen verwendeten. Dieser harten Beschuldigung setzte der Provinzial das einstimmige Zeugniß vieler competcnten Männer entgegen, die besser denn er unterrichtet waren und mit Augen gesehen hatten was in den Rcductionen vorging; und führte unter andern an was Dom Pedro Farardo, Bischof zu Buenoö-Ayres, nach seinem Besuch in 322 allen Reduktionen an den König selbst geschrieben hatte, den er versicherte, er habe in seinem ganzen Leben weder eine so große Ordnung in allen Dingen, noch auch je eine Uneigennützigkeit gesehen, die der Uneigennützigkeit dieser Missionäre gleich käme, die von Allem was ihren Jndiern angehörte, sich auch nicht das Geringste, weder für ihren Unterhalt noch für ihre Kleidung irgend zu Nutzen Machten. Der Berichterstatter setzte ferner voraus, die Jndier der Commenden bezahlten dem König jährlich einen Tribut von vier Thalern für jeden Kopf; und meinten, der König könne sich hinsichtlich der Jndier der Reductionen mit zwei Thalern begnügen, da sie dem Staate bedeutende Dienste erwiesen; jene wenigstens, die in die Gerichtsbarkeit von Buenos-Apres gehören; denn die nach Assumtion gehören, fügte er bei, hätten seit mehreren Jahren keine Dienste gethan. Hierauf erwiederte P. Aqui- lar, Dom Martin de Barua sei wahrscheinlich der Meinung, der König dürfe es diesen Jndiern für nichts anrechnen, daß sie die Gränzen so lange Zeit hindurch gegen eine Partei gesichert hätten, die er begünstigte, und daß ihre Gegenwart allein Dom Bruno de Zavala in den Stand gesetzt habe, die Provinz Paraguay unter den Gehorsam des Monarchen zu zwingen. Doch es war dem König nicht unbewußt, was dieß ihnen gekostet hatte. Auch war der Monarch gar wohl unterrichtet worden, daß sie die Hauptstadt dieser Provinz vor den Unglücksfäl- 323 len gesichert hatten, mit welchen sie von Seiten der Gnaycurrus bedroht gewesen war. Überdieß, wenn es sich wirklich also verhielt, daß der Tribut, seit derselbe auferlegt war, so schlecht bezahlt wurde, daß die Reductionen noch zwölfmal hundert tausend Thaler schuldig wären, so hätten sie also seit lögt entweder nicht bezahlt, oder sie hätten weit mehr Inwohner haben müssen, die zum Tribut verpflichtet waren, als Dom Martin de Barua selbst zählte, denn er mußte doch, da er selbst im Lande war, wohl wissen, daß seit der Zählung im Jahr 1677, in Gemäßheit welcher die Totalsumme des Tributs sich auf 10500 Thaler beließ, kraft einer königlichen Verordnung vom 17. Julius 1684 bestimmt ward, daß der Tribut nur auf diesem Fuße zu erheben sei, bis man es anders anzuordnen befinde, was bis zur Zeit, wo er seinen Bericht verfaßte, noch nicht geschehen war. Seiner Behauptung noch mehr Nachdruck zu geben, versicherte Dom Barua, die königlichen Beamten, die mit der Erhebung des Tributs beauftragt wären, setzten sich mit diesen Missionären in's Einvernehmen und thäten ihre Schuldigkeit nicht; »was mich, fügte er bei, nicht wundert. Denn diese Väter sprechen so laut von ihrer Macht, daß ich selbst es niemals wagte, ihren Unternehmungen mich wegen des Einverständnisses zu widersetzen, das sie mit dem Vicekönig Eurer Majestät in Peru unterhalten; dem sie um so leichter weis machen können was sie wollen, als es in einer so weiten Entfer- 324 nung schwerer ist, daß die Wahrheit bis zu ihm dringe. Dann waren sie auch so sinnreich den Bischof von Paraguay zu allem was sie wollten zu neigen; und ich war bereits so frei, Eure Majestät auf die Folgen eines solchen Einverständnisses aufmerksam zu machen.« Es war aber höchst sonderbar, daß Dom Barua es wagte, von einem so ausgezeichneten Vicckönig, wie der Marchesc von Castel-Fuerte, und von einem so ehrwürdigen Bischof wie Dom Joseph Pales, auf solche Weise und zumal unter solchen Umständen zu schreiben; da nichts so sehr geeignet war, den Monarchen in dem Argwohn über sein Einverständniß mit der revolutionären Partei im Paraguay zu bestärken. Es drang aber P. Aquilar in seiner Antwort über diesen Punct vorzüglich darauf, daß es dem Verfasser des Berichtes sehr übel lasse, die Macht der Jesuiten so hoch zu erheben und ihnen den Mißbrauch, den sie nach seiner Ansicht davon machten, zu einer Zeit vorzuwerfen, wo sie mit Schmach von ihrem Eollegium zu Assumtion verjagt wurden und der Vicekönig die ernstlichsten Drohungen anwenden mußte, ihn zu ihrer Wiedereinsetzung in dasselbe zu nöthigen; auch in der ganzen Provinz niemand sich für sie erklären durfte, ohne seinem Zorn sich auszusetzen. Doch die Arglist Dom Barua's zeigte sich noch deutlicher in der Antwort auf die Frage des Königs, was er von dem Vorschlag Dom Bartelmi's de Aldunate dächte, spanische Corregidors in den 325 Reductionen einzusetzen. Denn er antwortete dem König, es wäre dieß ein gefährliches Unternehmen in den Reductionen der Jesuiten; und er habe zumal seit den fünf Jahren, während welcher er die Provinz Paraguay regiere, die Erfahrung gemacht, daß die Jndier, die von den Jesuiten geleitet würden, bloß von ihnen abhingen; welche Macht sie an sich gerissen hätten und nicht einmal mit dem Monarchen theilten. Woraus er den Schluß folgerte, es sei sehr gefährlich in der Art und Weise diese Völker zu leiten auch nur das Geringste abzuändern, und die spanischen Beamten, die man in diese Ortschaften einführen wollte, wären daselbst ihres Lebens nicht sicher. Wer auch fügte er bei, möchte wohl bei den bekannten Grundsätzen der Jesuiten, eine solche Commission übernehmen? Die Antwort des P. Aquilar auf eine so boshafte Anschuldigung war, daß die Jndier sich wirklich der Leitung der Väter der Gesellschaft Jesu überließen, die sie oft mit unermeßlichen Arbeiten, ja nicht selten um den Preis ihres Blutes aus ihren Wäldern und kaum ersteiglichen Bergen geholt hätten, wohin es den Spaniern nie möglich gewesen wäre, einzudringen; daß sie es mit Hilfe der göttlichen Gnade dahin gebracht hätten, diese Menschenfresser in fromme und eifrige Christen umzubilden, und aus den ergrimmtesten Feinden der königlichen Unterthanen zu den getreucsten Vasallen zu machen, die Seine Majestät in der neuen Welt habe; die immer bereit wären, die Befehle des Königs und der 826 Gouverneurs auf eigene Unkosten zu befolgen und ihr Leben in ihrem Dienste zu opfern. Auch erinnerte er, Dom Martin dc Barua und alle, die gleich ihm dächten, hätten die Dankbarkeit, das Vertrauen und die Anhänglichkeit der Jndier an ihre geistlichen Vä- ter, die sie zur Erkenntniß Gottes geführt und ihnen so große Vortheile unter dem Schutz der katholischen Könige verschafft hätten, einzig darum getadelt und ihnen die schwersten Verfolgungen erweckt, weil sie niemals in ihrem standhaften Eifer ermüdeten, diese Jndier in dem Besitz ihrer Freiheit zu erhalten. Er stellt nicht in Abrede, es sei mehr als wahrscheinlich, daß sie es als einen Einbruch in ihre Freiheit betrachten würden, auf die sie äußerst eifersüchtig wären, wenn man ihnen spanische Eorregidors geben wollte; weil sie sich für überzeugt hielten, sie würden bald die unglückseligsten aller Menschen seyn, wenn sie einmal Commandanten unterworfen wären, die der bloße Eigennutz bewegen könne, solche Ämter anzunehmen. Und fürwahr, fügte der Provinzial bei, es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Corre- gidors, über die niemand das Recht hätte, ein wachsames Auge zu haben, die Einfalt und Treue dieser Jndier bald mißbrauchen würden, wie man dessen, wiewohl ohne allen Beweis, die Missionäre beschuldigt; und wer sich davon überzeugen will, darf nur die Art und Weise sehen, wie man, ungeachtet aller wiederholten Befehle der spanischen Könige, die Jndier der Eommenden selbst unter den Augen der Gouverneurs und der Bischöfe behandelt. 327 Endlich gibt er auch zu, die Reduktionen seien also gelegen, daß eine Empörung der Neophyten, wenn man sie dazu antriebe, leicht und ohne Abhilfe wäre; doch zeigt er dabei, daß dieß von allen indischen Ortschaften sich sagen läßt, von wo es übrigens den Inwohnern um so leichter sei, zu entfliehen und mit den Feinden der Spanier sich zu vereinigen, als viele Ortschaften der Jndier nahe genug wären, um daselbst eine Zufluchtstättc zu finden, wo die Flüchtlinge gut aufgenommen würden; was nur allzu oft der Fall sei. Und noch weit schlimmer wäre es, fährt er fort, wenn Jene, die unter der Leitung der Jesuiten stehen, von spanischen Cor- regidors befehliget und sich in Gefahr sehen würden, ihre Freiheit zu verlieren, es nicht dabei bewenden ließen, sich zu zerstreuen und zu ihren alten Wohnplätzen zurückzukehren, sondern auch auf den Einfall geriethen, die spanischen Wohnorte zu zerstören, um sich dafür zu rächen, daß man ihnen nicht Wort gehalten und ihre Dienste so schlecht erkannt hätte. Dann bemerkt er auch, daß man in den Städten selbst nicht gegen sie gesichert wäre, wofern man sie aufs äußerste triebe, da es in den Provinzen wenig Städte gebe, die sich nicht mit größter Anstrengung gegen eine Handvoll weit ungeübterer Heiden vertheidigen müßten, die schon mehr als eine Stadt zerstört hätte»; und man sogar in den Hauptstädten selbst genöthigt wäre, täglich die größten Mißhandlungen von diesen Barbaren zu dulden. 328 die man nicht im Stande sei, durch Gewalt zurückzudrängen. Und was, fährt er fort, vermöchte man auch zwanzig tausend Jndiern entgegen zu stellen, die sich mit den besten spanischen und portugiesischen Truppen gemessen, die Portugiesen zweimal von der Colonie del Sagramento vertrieben haben und seit so vielen Jahren alle indischen Nationen ihrer Umgebungen in Furcht erhalten?— Nach allem diesem schließt er, daß wenn dieser Gründe ungeachtet, der König es für rathsam hielte, spanische Corregidors in den Reduktionen einzuführen, die Jesuiten sich nicht nur nicht widersetzen, sondern ihr ganzes Ansehen über die Neophy- ten verwenden würden, sie dahin zu vermögen, daß sie diese Beamten aufnähmen; ob sie auch überzeugt wären, daß bei der ersten dießfälligen Vorstellung alle ihre Christen davon laufen, und sie selbst vielleicht die Ersten seyn würden, welche diese Jndier ihrem Rachegefühl zum Opfer brächten. Auch bittet er den König zu betrachten, daß die Jesuiten, als sie diese christliche Republik so weit von den spanischen Städten und Wohnorten verlegten, dieß im Einverständniß mit den Gouverneurs und den Königen, seinen Ahnen, gethan hätten, die dabei zur Absicht hatten, eine Mauer gegen die Unternehmungen der brasilianischen Portugiesen und der Jndier dieser Gränze aufzurichten; abgesehen von andern Gründen, deren Wichtigkeit man durch die Ereignisse selbst erkannt habe; übrigens aber wäre es so wenig die Absicht dieser Väter, die 329 Freiheit ihrer Neubekehrten nach ihrem Wohlgefallen zu benutzen und den Ertrag ihres Handels zu eigenem Gewinne zu verwenden, wie Dom Martin de Barua behaupte, als es offenkundig sei, daß bei der Art und Weise, wie dieser Handel betrieben werde, die Spanier den größten Gewinn davon bezögen. Auch zeigte er deutlich, was man schon öfters vorgestellt hatte, daß wenn man zwischen ihnen und den Spaniern einen freiern Umgang zuließe, Liederlichkeit und Ausschweifungen bald in einer so erbaulichen Christenheit, die der Religion zu so großer Ehre gereiche, an die Stelle der Unschuld, der Frömmigkeit und des Eifers treten würden, die man, die ersten Jahrhunderte ausgenommen, selten sah; nichts davon zu sagen, daß die Leichtigkeit, mit welcher sie sich betriegen ließen, sie bald in das äußerste Elend stürzen würde, das sie außer Stand setzte, ihrem Monarchen wie bisher unentgeldlich zu dienen, und den Gottesdienst'mit jenem Glanz und Pracht zu feiern, die man nun so sehr bewundere. Doch Philipp V. bedurfte hierüber keiner neuen Beweise, nach allem was die Bischöfe, die Gouverneurs und andere, deren Zeugniß nicht verdächtig seyn konnte, ihm oftmals geschrieben hatten, und nach dem kläglichen Zustande, in welchem er wußte, daß die vier indischen Ortschaften sich befanden, die in der Nähe von Buenos-Ayres waren wiewohl sie nur Christen zu Bewohnern hatten. Zudem war es diesem Monarchen und auch den Bischöfen dieser Provinzen allzu wohl bekannt, wie unmög- 330 lich es ist, wirksam an der Bekehrung der dortigen Jndier zu arbeiten, die in der Nähe der Spanier leben, oder oftmals in den Fall kommen, zu sehen was bei ihnen vorgeht. Es hatte aber der oberste Hofrichter Dom Juan Vasquez de Aguero, noch bevor diese Schrift des P. Aquilar ihm eingehändiget ward, auch den P. Rodero, Gencral-Procurator für Indien, um diese Dinge befragt; und dieser antwortete hinsichtlich des Tributs, es wäre bare Ungerechtigkeit, wenn man von den Reduktionen so viel forderte als von Denjenigen, die man durch die Gewalt der Waffen unterworfen habe; erstens weil ihre Unterwerfung freiwillig gewesen war; zweitens weil die Dienste, die sie dem Staate ohne alle Vergütung und mit eigenen großen Kosten leisteten, mehr als das Equi- valent dessen betrugen was die übrigen Jndier bezahlten. Dieser Rechnung ließ sich nicht widersprechen; und er zeigte überdieß augenscheinlich, daß wenn man den nämlichen Tribut und die nämlichen Abgaben von ihnen forderte, die von Jenen eingefordert werden, welche am meisten belastet sind, und ihnen dagegen die nämliche Bezahlung für den Krieg und öffentliche Arbeiten verabfolgte, ihnen noch eine große Summe übrig bleiben würde; die, abgesehen von diesem Allem, sowohl im Kriege als im Frieden immer bewaffnet wären, und sich selbst ihre Waffen und Munition für ihr Geld anschaffen müßten. Über die Freiheit aber, mit den Spaniern Um- 33 t gang zu pflegen, die man in den Reduktionen einführen wollte; weil man den Missionären den Vor- wurf mache, sie zielten dahin, ihre Neophyten von der Regierung unabhängig zu machen, antwortete er was P. Aquilar; und fügte noch bei, die meisten Spanier, welche Mittel und Wege gefunden, in die Reduktionen sich einzuschleichen, hätte» sich höchst selten daraus entfernt, ohne daß sie den Neubekehrten Ärgerniß gegeben, ihre Weiber verführt oder entführt und alles mit sich genommen hätten, was ihnen gefallen habe. Auch genüge es, diese neuen Christen in der größten Abhängigkeit zu erhalten, daß die Bischöfe, die Gouverneurs und die königlichen Commissäre die Reduktionen besuchten so oft sie wollten, oder ihre Befehle durch sichere Personen dahin sendeten; man habe bis jetzt noch nicht die geringste Ursache zu Klagen gehabt, daß sie nicht auf geziemende Weise wären aufgenommen worden, und daß man nicht alle ihre Anordnungen mit größter Pünktlichkeit beobachtet hätte. 4Z. Erfolg dieser Untersuchungen. Anordnungen des Rö- »igs. Die Lhiquiten werden zu unmittelbare» Vasallen der Rrone ernannt- Schreiben des Marchese del Valle Umbrosa an den königlichen Kommissar. Glückliche Beendigung dieses Geschäftes. Dom Juan Vasquez de Aguero erstattete dem König einen ausführlichen Bericht, und der König befahl, solchen nebst der Widcrlegungsschrift des P. Paraguny II- Bd. 21 332 Aquilar und noch andern dem öffentlichen Druck zu übergeben; auch ward nach denselben eine königliche Verordnung abgefaßt, die Philipp V. am 28. December desselben Jahres 1748 unterzeichnete. Hierauf erließ der Monarch zwei Schreiben an den Pro- vinzial der Jesuiten und an die Untergebenen desselben, worin er ihnen dankte, zu dem glücklichen Ausgang dieser wichtigen Angelegenheit Glück wünschte, wo die Verleumdungen und Betrügereien ihrer Feindesich in ihr Nichts aufgelöst hätten, und sie ermähnte, ihre Bemühungen fortzusetzen, die Völkerschaften ferner unter ihrer Leitung in der Ausübung der reinsten Lehren des Christenthums und der Treue zu erhalten, mit welcher sie ihm bisher immer gedient hätten. Ein Umstand aber, der nicht wenig gewirkt hatte, den König dahin zu stimmen, daß er den Missionären eine so öffentliche und so vollkommnc Gerechtigkeit erweisen ließ, war, daß beinahe kein einziges Schiff von Buenos-Ayres nach Spanien kam, selbst zur Zeit nicht, wo ihre Feinde alles aufboten ihn wider sie aufzubringen, ohne daß es die Nachricht irgend einer neuen Eroberung brachte, die sie der Kirche und dem Staat gewonnen hatten, und die Anzeige eines oder mehrerer Märtyrer ertheilte, die ihr Blut für die Verkündigung des Evangeliums vergossen hatten. Besonders aber ward der König sehr gerührt, als er erfuhr, daß sie die Grundvcste zu einer neuen christlichen Republik gelegt hatten, von welcher wir bald umständlicher sprechen werden. 833 Man wird sich vielleicht wundern, daß weder in dem Bericht des Dom Juan Vasquez de Aguero noch in den Verordnungen des Königs von Spanien der christlichen Republik der Chiquiten gedacht wird. Dieß kommt theils daher, weil diese Sache den königlichen Rath in indischen Angelegenheiten noch nicht sonderlich beschäftigte, zumal da diese Völkerschaft zu weit entfernt war, um nähern Umgang mit den Spaniern zu pflegen, und auch der Gefahr nicht ausgesetzt war, zu Commenden vergeben zu werden; weßhalb auch die Missionäre daselbst größerer Ruhe als in den übrigen Provinzen genossen; theils auch, weil die Chiquiten noch nicht als unmittelbare Vasallen der Krone erklärt, folglich auch dem Tribut noch nicht unterworfen waren. Indessen genossen sie gleichwohl aller Freiheiten, welche den Reduktionen der Jesuiten gestattet wurden, die sie aus ihren Wildnissen gezogen und vereint hatten. Auch wurden sie von den Bischöfen und Gouverneurs der Provinz Santa-Cruz gegen die Anmaßungerfder Spanier geschützt und selbst für den Dienst des Königs in Anspruch genommen. Bei einer solchen Gelegenheit ersuchte P. Rico, der damals in Spanien General-Procurator der Gesellschaft Jesu war, den König höchst angelegentlich, die christlichen Chiquiten auf gleichen Fuß mir den Guarani's zu setzen; und Philipp V. willigte in das Gesuch, und erließ im Jahr I7ä5 einen Befehl an Dom Francesco Palacios, Auditor beim königlichen Gerichtsbof zu Cbarcas, dieselben nach den 2l* 334 mitgesandten Vorschriften als unmittelbare Vasallen der Krone aufzunehmen. Dieser Commissär reiste auch alsbald dahin ab; da er aber nur eine oberflächliche Kenntniß von diesen Missionen hatte, schrieb sein Freund Dom Pardo de Figueroa, Mar- chese del- Valle Umbroso, der, wegen seiner großen Kenntnisse sogar in Europa Aufsehen erregte, ihm einen Brief, worin er ihm alle Einsichten mittheilte, deren er bedurfte, seine Commission wohl zu vollbringen. Diese Zuschrift lautete wie folgt: »Ich werde es als ein großes Glück betrachten, wenn das Geschäft, das Eure Herrlichkeit bei den Ehiquiten zu Stande bringen soll, den glücklichen Erfolg hat, den dasselbe verdient; doch gibt es kaum etwas Schwierigeres als eine Zählung dieser neuen Christen zu halten, nach welcher der Tribut, der ihnen soll auferlegt werden, sich genau bestimmen ließe. Denn ich kenne dieß Land genugsam um Ihnen^u sagen, daß so oft der Südwind daselbst weht, epidemische Krankheiten entstehen, auf welche immer eine große Sterblichkeit folgt; so daß die Anzahl der Inwohner, weit entfernt, mit jedem Jahre zuzunehmen, oft vielmehr umgekehrt von Jahr zu Jahr sich bedeutend vermindert.« »Übrigens werden Sie das Vergnügen haben, daselbst Christen zu finden, die sowohl in der Religion als in allen Pflichten des bürgerlichen Lebens vollkommen unterrichtet sind; zumal aber' werden Sie über ihre Fertigkeit in allen mechanischen Künsten und über die Gewandtheit erstaunen, mit wel- 335 cher sie die Waffen zu gebrauchen wissen. Auch werden Sie über ihre Musik sich erfreuen; denn sie führen die größten Parthien mit großer Vollkommenheit auö. Sie spielen alle Instrumente vortrefflich, und ihre Tänze würden selbst in Frankreich und Italien gefallen. Bekennen muß man fürwahr, daß in Amerika nur die Jesuiten solche Umwandlungen zu wirken vermögen. Sie werden ein sehr liebreiches Volk, den Gottesdienst in seiner ganzen Pracht und wahre Christen sehen, die von allem Eifer der ersten Kirche durchdrungen sind.« »Dieß sind die Reichthümer, welche diese apostolischen Männer in der neuen Welt suchen; und darin besteht die Herrschaft der Jesuiten im Paraguay. Durch unermeßliche Arbeiten erwarben sie der Kirche und dem Monarchen Unterthanen, die, ehe sie in ihre Hände kamen, nicht sowohl Menschen als wilden Thieren ähnlich waren, und aus welchen sie eine Republik bildeten, die den Himmel täglich mit Heiligen bevölkert. Ich kann es Eurer Herrlichkeit nicht zu sehr empfehlen, daß Sie diesen Missionären mit aller möglichen Achtung begegnen, und bin auch überzeugt, daß sie Ihnen nichts vorschlagen werden, das nicht, dem Geiste ihres heiligen Instituts gemäß, nach der größeren Ehre Gottes zielt.- Als der Auditor nach St. Franciscus Lavier, der ersten und ältesten der Reduktionen kam, die in diesem Lande gestiftet ward, begegnete er daselbst dem P. Stephans Palozzi, dem obersten Vorsteher der Missionen, und dem P. Diego Paul de Con- 336 trcras, die sich dahin begeben hatten, ihn zu empfangen und überall umher zu führen. Er ward höchlich über seine Aufnahme, und sie nicht minder über seine Höflichkeit erfreut. Bei solcher gegenseitigen Stimmung konnte die Commission nur einen guten Ausgang nehmen. Die Missionäre kamen dem Commissär in Allem zuvor, was ihm angenehm seyn konnte,- er aber schien ein eben so aufrichtiges Verlangen als sie selbst zu haben, die Sache so gut zu schlichten als sie es nur wünschen konnten. Die Chi-- quiten fühlten sich geschmeichelt, daß der König von Spanien ihre Freiheit dadurch sichern wollte, daß er sie zu unmittelbaren Krön-Vasallen aufnahm; und sie verpflichten sich sehr gutwillig, ihm den nämlichen Tribut gleich den Guaranis zu bezahlen. 46. Abermalige Feindseligkeiten der wilde» in lucnman. Neue Hoffnungen der Missionare für Lhaco. Feindseligkeiten der Abiponen in Rio de la Hlata. Die Mo- covi's verlangen Missionare, Verratherei eines Aazi- ken der Mataguayo's. Zungersnoth in de» Redactionen vonparana und Uruguay. H.^egros bei den To- batinen. Bekehrung der Genoas und anderer Völkerschaften. Schon seit mehreren Jahren hatten indessen die Völkerschaften in Chaco ihre Feindseligkeiten und Räubereien in Tucuman abermak begonnen und die Grausamkeiten, die sie daselbst verübten, waren mehr als barbarisch. Dom Juan de Montiso und 337 Moscoso, Gouverneur dieser Provinz, machte sich endlich i. I. i7/»r mit einem stattlichen Heere auf, drang in das feindliche Land ein, schlug die Jndicr in mehreren Gefechten, nahm ihnen eine große Anzahl Gefangene ab und verbreitete das Schrecken der spanischen Waffen weit in Chaco. Die Tobas baten am ersten um Frieden und bewogen auch die Moco- vi's, die Bedingnisse einzugehen, die der Gouverneur ihnen auferlegte; doch beide Völkerschaften hielten nicht lange Wort. Die Mocovi's waren zumal von den Zamuco's gezüchtiget worden. Sie hatten gehofft, die Reduktion derselben St. Jgnatius zu überfallen) da man jedoch eben das Fest des heiligen Joseph feierlich begehen sollte und alle Feldarbeiter versammelt waren, ergriffe», bei Annäherung dieser Feinde, unter lautem Geschrei die Zamuco's die Waffen, ordneten sich und schlugen diese Barbaren so wacker, daß sie ihre Waffen von sich warfen, um so schneller zu fliehen; doch die Zamuco's setzten ihnen nach und verfolgten sie bis weit in die Wälder, ohne mehr als drei Pferde zu verlieren. Dieser Sieg flößte den Zamuco's großen Muth gegen einen Feind ein, den sie bis dahin für unüberwindlich gehalten hatten; und die Tobas verloren für immer die Lust eine Nation zu bekriegen, deren Wildheit das Christenthum in eine weise und geordnete Tapferkeit umgewandelt hatte. Damals hofften die Jesuiten auf's neue, das Licht des Evangeliums in Chaco zu verbreiten, was die Furcht vor der Knechtschaft, und die bösen Beispiele der Spanier 338 bis dahin vereitelt hatte. Dessen ungeachtet hegte» sie das Vertrauen, ihre Beharrlichkeit und das vergossene Blut ihrer Bruder würde endlich dieß Land fruchtbar machen, das sie nicht nachließen, mit ihrem Schweiß zu begießen. Ihre Hoffnung ward durch die Milde vermehrt, mit welcher man die Gefangenen behandelte; und die Macht des bösen Beispiels zu mindern, fingen sie nun in den Städten Tucu- mans selbst Missionen an, die der Herr so reichlich segnete, daß bald alle Ausschweifungen und Ärgernisse verschwanden und die Unschuld der Sitten, der oftmalige Gebrauch der Sacramente und die Ausübung der Tugenden zurückkehrte. Während aber Tucuman hierauf einer ziemlich allgemeinen Ruhe genoß, ward die Provinz Rio de la Plata fortwährend von feindlichen Parteien verheert. Die Abiponen hatten der Stadt Santasi beinahe den gänzlichen Untergang gebracht und die Stadt Corrientes war in noch traurigerem Stande. Die Garnison hatte zwar einige Vortheile über diese Barbaren errungen, doch dieß hatte die Inwohner eingeschläfert; und als sie dessen am wenigsten sich versahen, kamen diese Wilden auf einmal, überschwemmten das Land, raubten und mordeten; und es war um die Stadt geschehen, wofern nicht die Abiponen, als man dieß am wenigsten hoffte, mit ihrem Raub und ihren Gefangenen verschwanden. Man pflog späterhin Friedcnsunterhandlungen, doch ohne sonderlichen Erfolg; gleichwohl als man bereits daran verzweifelte, machte der Friede sich wie 33» von selbst; und die Mocovi's, die sich seit l?30 während der Expedition des Dom Estevan de Urizar zu den Abiponen geschlagen hatten, stimmten diese Völkerschaft dazu. Man verwunderte sich aber nicht wenig, als man nach dem Friedensschluß zu Santasi sah, röie die Mocovi's schaarweise in diese Stadt kamen und ihre Weiber und Kinder mitbrachten. Ihre Nengier trieb sie in das Collegium der Jesuiten, die sie mit großer Freundlichkeit aufnahmen; und es wirkte zumal die Feier des Gottesdienstes tief auf ihr Gemüth. Ihr Beispiel und ihre Reden zogen auch die Abiponen dahin, und die Vater des Hauses machten ihnen Vorstellungen, mahnten sie von ihren Räu- bereien und Feindseligkeiten ab, und ihre Vermittlung brachte die besten Wirkungen hervor. Ja die Mocovi's gingen noch weiter; einer ihrer Kaziken, Anacaigui genannt, bat um einen Missionär und um einen Platz zu einer Reduction; was auch nach der nothwendigen Rücksprache mit dem Gouverneur und dem Provinzial zu Stande kam; und es ward der sehr eifrige P. Burghez dahin gesandt, den diese Völkerschaft mit großer Liebe aufnahm. Die Reduction erhielt den Namen St. Franciscus Lavier; und nahm so sehr zu, daß nach kurzer Zeit P. Zea die Arbeit mit P. Burghez theilte; und als endlich die Reduction weiter entfernt ward, da vereinigten sich nicht nur die übrigen Mocovi's, die bloß aus Furcht vor den Spaniern sich nicht zur Annahme des Christenthums angeschlossen hatten, sondern auch eine große Anzahl Abiponen selbst mit ihnen. 340 Während dieser Zeit hatte ein Kazike der Ma- taguayo's in der Landschaft Chaco sich einen Missionär von dem Gouverneur von Tucuman erbeten; und P. Eastanjarez, wiewohl er mit sehr schweren Schmerzen behaftet war, hatte auf seine dringende Bitte vom Provinzial die Erlaubniß erlangt, dahin zu gehen. Ein sehr frommer Mann, Franz Azoca genannt, begleitete ihn mit einiger Mannschaft. Sie waren aber kaum in das Land gekommen, als eine innere Stimme dem Diener Gottes verkündigte, daß die Marterpalme ihn erwarte. Er ward zwar in der ersten Ortschaft wohl aufgenommen; als er aber seine Begleiter um Holz zum Bau einer Kapelle ausgesandt hatte und mit Azoca allein war, da ward er von dem nämlichen meineidigen Kazi- ken, dessen Name Gallmazo hieß, und der mit vielen Wilden herbei kam, sammt seinem Gefährten erschlagen. Sein Tod ergab sich am 15. September 17ää- Hierauf fingen die Völkerschaften in Chaco ihre Feindseligkeiten gegen die Spanier auf's neue an; doch der Gouverneur, Dom Felix Arias und der Commandant, Dom Francesco Barrcda rückten ihnen mit starker Mannschaft entgegen und schlugen sie so gänzlich, daß die Gränzen lange frei und gesichert blieben. Man hatte erwartet, daß die Ma- taguayo's als die ersten Feinde erscheinen würden; doch zum Erstaunen Aller erschien kein Mann dieser Nation im Felde; vielmehr kam eine große Schaar derselben dem Gouverneur auf dem Wege nach Salta 341 entgegen; boten ihm ihre Dienste an und sagten ihm, daß sie den schändlichen Meineid des Gallinazo verabscheuten. Es schloß auch diese Nation ein Schntz- und Trutzbündniß mit den Spaniern, und als kurze Zeit hernach P. Pons einen Besuch bei ihnen machte, ward er mit den unzweideutigsten Zeichen der Freude und der Freundschaft aufgenommen; alle baten ihn dringend, ihrer Seelen sich anzunehmen und verhießen ihm eine Gelehrigkeit, mit welcher er gewiß zufrieden seyn würde. Es brach aber während dieser Zeit in die Reduktionen am Parana und Uruguay ein Feind ein, gegen welchen die Stärke nichts vermag und der größte Muth nur geringe Hilfe gewährt. Dieß war die Hungersnoth mit allen Übeln, die in ihrem Gefolge sind. Hagel, Heuschrecken und Überschwemmungen hatten alle Feldfrüchte gänzlich vernichtet. Niemals zeigte sich die Tugend dieser Jndier und ihre Ergebung in den göttlichen Willen so offenbar als in dieser großen Noth. Die geistlichen Hirten wurden darüber bis in's Innerste gerührt; doch sahen sie dabei wohl ei», daß, wofern nicht Vorkehrungen zur Abhilfe getroffen würden, die Inwohner der Reductionen sich nothwendig zerstreuen müßten, Lebensmittel zu suchen; und daß ihre gänzliche Auflösung unvermeidlich wäre, wenn die Felder nicht für das künftige Jahr bestellt und besäet würden. Sie bauten also auf die Vorsehung und unternahmen es im Vertrauen auf sie, für ihre Neophy- tcn zu sammeln; es segnete der Herr ihre Bemühun- 3ir gen; und niemand starb Hungers. Ja, um die Freude dieser eifrigen Misstonäre zu krönen, erhielten sie plötzlich Nachricht von der Völkerschaft der To- batinen, die im Jahr»738 plötzlich aus der Reduc- tion zu unsrer Lieben Frau verschwunden waren. Jahre lang hatten die PP. Yegros, Villagar- cia und Escandron mit unsäglichen Beschwerden alle Wälder, Berge und Wildnisse durchstreift, wo sie nur irgend vermuthen konnten, daß ihre Flüchtlinge sich hingezogen hätten; und P. Yegros, der sich am meisten um sie bemüht hatte, erhielt nun den Auftrag, ihnen an ihren jetzigen Wohnort hin zu folgen, wohin sie theils aus Furcht vor der spanischen Knechtschaft, theils auch um einen fruchtbareren Bezirk zu bewohnen, sich hingezogen hatten. Ihre Freude war unbeschreiblich bei seinem Anblick; sie baten ihn, die Kinder zu taufen, die ihnen seitdem geboren waren; und alle vereinigten sich hierauf in einer sehr freundlichen Gegend, und waren überaus thätig, sich Wohnungen und eine große Kirche zu bauen, die unter den Schutz des heiligen Joachim gestellt wurde, nach welchem die Reduction Sanct Joachim de Taruma genannt wurde. Um dieselbe Zeit ward auch eine andere Völkerschaft gewonnen, die sich Genoas nannte, und in der Nähe der Redactionen des Parana wohnte, von welchen sie durch große Waldungen getrennt war. Einige aus ihnen waren öfters aus Neugier in den Mcierhof der Reduction St. Michael gekommen, wo P. Herera, so oft er sie sah, ihnen zu Herzen rc- 343 dete, wiewohl seine Worte nichts verfingen. Er bemerkte endlich, daß sie eine besondere Achtung gegen einen indischen Beamten der Reduktion bezeigten, und bat diesen Mann, dem er sagte, es bedanke ihn, Gott habe zu diesem Werke ihn ersehen, sie zum Glauben vorzubereiten. Dieser handelte genau nach den Vorschriften des Missionärs; und seine Bemühungen brachten gesegnete Früchte. Im Jahr 1746 kamen im Monat Junius eine große Anzahl derselben zu einem Besuche und waren über die freundliche Aufnahme sehr erfreut. Einige Tage nach ihnen erschien ihr vorzüglichster Kazike und sagte dem Missionär, er und alle seine Vasallen seien bereit, das Christenthum anzunehmen; nur wollten sie ihr Land nicht verlassen; stellten es ihm aber frei, eine Redaction anzulegen, wo es ihm daselbst gefiele, doch müßten die Wälder anfalle Fälle zwischen ihnen und den Guarani's bestehen. Der Missionär willigte gern in seinen Antrag und sagte dem Kaziken, daß er seinem Vorgesetzten auf der Stelle schreiben wolle, um die Genehmigung desselben zu erhalten. Es zeigte sich jedoch, als die Sache endlich zu Stande kommen sollte, daß der Kazike mehr versprochen hatte als er halten konnte; denn es waren bei weitem nicht alle Genoas so geneigt als er glaubte, das Christenthum anzunehmen. Es ermähnte also der Missionär den Kaziken, sich von jenen zu trennen, die nicht gleich ihm dachten; und er war auch sehr willig dazu; ersuchte dann aber 344 auch den Missionär, ihn bald zu taufen. Als aber der Vater ihm erwiederte, er sei noch nicht genugsam dazu vorbereitet, drang er in ihn, den Unterricht so bald als möglich zu beginnen; und er war dabei sehr aufmerksam. Wirklich auch empfing er das Sakrament der Wiedergeburt in kurzer Zeit; denn sein Glaube ward auf ganz wunderbare Weise gekräftigt. Als er nämlich einst wegen seines Sohnes, der auf dem Tod, bette lag, äußerst betrübt war, da fühlte der Missionär im Innern sich angeregt, durch die Fürbitte des heiligen Antonius von Padua, zu dem er eine besondere Andacht trug, um die Genesung dieses Kindes zum Herrn alles Lebens zu stehen. Und er hatte dieß kaum gethan, als der Knabe plötzlich die vollkommenste Gesundheit erlangte. Wenige Zeit hierauf kam ein anderer Kazike dieser nämlichen Nation, die näher bei dem Meere wohnten, und verhieß ihm, mit seiner ganzen Völkerschaft den christlichen Glauben anzunehmen, sobald man wegen eines Ortes zu einer Reduktion im Reinen seyn würde; was i. I. 1746 zu Stande kam. Um die nämliche Zeit begann auch das Licht des Evangeliums in Chaco einzudringen, die Reduktion der Lullen blühte in neuem und höchst erfreulichem Eifer auf, und die Väter Andreci und Arriquez, welche dieselbe leiteten, hatten daselbst seit kurzem mehrere Isistinez aufgenommen, die ein friedliches doch zerstreutes Volk waren; und man arbeitete in demselben Jahre daran, diese ganze - 315 Nation zu vereinigen. Auch ward durch den Eifer eines sehr tugendhaften Priesters aus dem Capitel der Domkirche Tucuman's die Nation der Viletas gewonnen; doch weigerten sich die Jesuiten, die Leitung derselben zu übernehmen, weil sie ihre Sichel nicht an fremde Ernte legen wollten; und übcr- dieß ihrem Eifer sich ein großes Feld im südlichen Amerika eröffnete. 47. Eröffnung einer Mission bei den Pampa's. Sitten dieser Völker. Errichtung emer Redaction unter ihnen. Blühender Instand derselben. Die Spanier verleiten sie zum Gebrauch des Branntweins. Verderbliche Folgen. Es kommt eine spanische Fregate zu einer Entdeckungsreise an. Auflösung der Redaction bei den Pampa's. Man kannte seit langen Jahren in dem großen Landstrich, der gegen Süden von der magellanischen Meerenge, gegen Osten durch das magellanische Meer, gegen Westen durch die Cordilliere von Chili und gegen Norden durch Tucuman und Chaco be- gränzt ist, eine irrende Völkerschaft, Pampa's genannt, die in den weiten Ebenen vonBuenos-Ayres bis zur Stadt Mendoza hin streift, welche von Chili abhängt, wo der Gesichtskreis durch nichts beschränkt ist, noch auch die Gewalt der Winde, welche die Spa uier Dientos Pamperse- nennen, und die anf dem Rio de la Plara oft die heftigsten Stürme erwecken, irgend ausgehalten wird. Es gibt auch Bergvölker 346 unter ihnen, die in der Umgebung eines feuerspeienden Berges wohnen und Tuelches genannt werden. Übrigens sind alle diese Völkerschaften, wie überhaupt alle südlichen Völker, leichtsinnig, unbeständig, unentschlossen, und übertreffen beinahe alle andern an Stolz und Hoffart; wiewohl kaum Menschen auf Erden zu finden sind, die ein armseligeres und elenderes Leben führten. Es rührt aber ihre Armuth nur von ihrer Trägheit her; und die Einzigen, die in der Nähe der Spanier wohnten, haben sich aus dringender Noth ein wenig an die Ar, beit gewöhnt. Diese Bergvölker würden, wiewohl eine grimmige Kälte in ihrem Lande herrscht, eher nackt gehen, als sich die Mühe geben, sich selbst Kleider zu verfertigen. Sie kaufen Decken und Stoffe von den Aucaes, welche Herden weiden und aus der Wolle derselben eine Art Gewände verfertigen. Die gewöhnliche Nahrung dieses Bergvolkes ist das Fleisch der Stuten, der Füchse, der Strauße und der Guana- co's; die Pampa's halten das Fleisch der Ochsen für einen Leckerbissen und stehlen derselben von den spanischen Wohnorten so viele sie können; ihre eigenen weiten Ebenen sind zwar voll wilder Ochsen, doch scheuen sie die Mühe, solche zu fangen. Jene die am öftesten mit den Spaniern zusammen kommen, haben das Spiel von ihnen erlernt, das sie leidenschaftlich lieben, und wobei sie oft ganze Nächte zubringen. Übrigens sind sie die Eigennützigsten aller Menschen; und je mehr man ihnen gibt, um so mehr 347 fordern sie. Sie erzeigen Niemand den geringsten Dienst, der sie nicht vorausbezahlt, und sind im Handel eben so große Betrieger als sie sonst verwegene Diebe sind. Indessen scheinen sie gleichwohl einen Begriff von Gott zu haben und ihre Sprachen haben auch Worte, das allerhöchste Wesen auszudrücken; die Aucaes beten auch die Sonne an; und alle halten die Seelen für unsterblich. Sonst haben diese Barbaren eine Menge abergläubiger Gebräuche. Wer unter diesen Völkern sich verheirathen will, muß sich ein Weib erkaufen; doch senden sie dieselbe fort, sobald sie ihnen nicht gefällt und kaufen sich eine andere; die Kaziken und die Reichen können sich derselben halten so viele sie wollen. Wiewohl die Pampa's sich nie öffentlich als Feinde der Spanier erklärt hatten und sogar mehrere ihrer Kaziken Namen der Heiligen und spanische Familiennamen sich beilegten, hatte man dennoch alle Hoffnung aufgegeben, sie zu wahren Christen zu bilden, als i. I. i?5y zwei ihrer Oberhäupter und zwei der Bergvölker den Feldobersten Dom Juan de St. Martin zu Buenos-Ayres um Väter der Gesellschaft Jesu ersuchten, sie im wahren Glauben zu unterrichten. Dom Juan berichtete die Sache sogleich an den Gouverneur, und dieser an P. Machoni, der damals Provinzial war. Der Provinzial aber, der eine so günstige Gelegenheit nicht verlieren wollte, diesen Völkern das Licht des Evangeliums zu bringen, trug die Sache den Vätern des Collcgiums zu Paraguay II. Bd. 22 348 Bueonos-Apres vor, wo P. Mathias Strobl und P. Manuel Guerini sich dazu erboten und angenommen wurden. Da die Kaziken einen Ort verlangt hatten, eine Reduction zu errichten, ward derselbe alsbald nach ihrem Wunsch drei Meilen von dem magellanischen Meere gesucht und in einer schönen Ebene dem Cap Santa Maria gegen über gefunden. Am 6. Mai begab sich demnach diese ganze neue Colonie mit ihren Missionären auf den Weg dahin und gelangten nach zwanzig Tagen am Himmelfahrtsfeste des Herrn an ihrer Bestimmung an, wo sogleich ein Kreuz aufgepflanzt ward, bei dessen Fuße die Vater der Mission das heilige Opfer feierten. Einige Guarani's, welche die Vater begleitet hatten, errichteten auf die Bitte derselben eine Kapelle und Hütten für alle. Es war aber die Hand des Herrn mit seinen Dienern, und ertheilte vielen aus den Kranken die Gesundheit auf wunderbare Weise. Auch drängten alle Neubekehrten sich mit größtem Eifer hinzu, die Worte des Heiles zu hören und glühten vor Begierde das Sacrament der Wiedergeburt zu empfangen. Weil aber die Väter sich schwer in der Sprache dieser Völkerschaften ausdrückten, baten sie dieselben, spanisch zu ihnen zu sprechen, was sie ziemlich gut verstanden, ob sie selbst auch nicht reden konnten. Das Gerücht von so manchen Wunderdingen zog viele Heiden nach dieser Reduction, die den Namen Conception erhalten hatte; und vieles hatten die Väter von der Rohheit dieser Wilden zu leiden; bis endlich ihre unermüdliche Geduld und Liebe sie 349 besiegte und die Gnade Gottes ihre Herzen rührte, daß sie sich aufrichtig bekehrten. Auch kostete es unsägliche Mühe, diese Völker, die einen gleichsam unüberwindlichen Abscheu vor der Arbeit hatten, daran zu gewöhnen, daß sie ihre Felder pflügten und be- säeten. Sie selbst und ihre Guarani's nahmen Anfangs den größten Theil der Arbeit auf sich; und es bedurfte einer langen Zeit, bis diese Menschen sie endlich nachahmten. Nicht wenig ward auch ihre Geduld von den Spaniern selbst geübt, die alles aufboten, den Jndiern Mißtrauen gegen sie einzuflößen; während sie selbst den Vätern zuredeten, diese Wilden zu verlassen, die sie niemals bezähmen würden; denn es lag ihnen daran, sie in ihreFrohn- dienste zu bekommen. Endlich aber ward ihre Geduld gekrönt; denn ihre Neubckehrten wurden arbeitsam, gelehrig und so eifrig im Dienste Gottes, daß die Colonie im holdesten Frieden blühte und man Tag und Nacht den Lobgesang des Herrn in der Ortschaft ertönen hörte. Um dieselbe Zeit(I7LL) ward auch Frieden zwischen einigen dieser Bergvölker und den Spaniern geschlossen; und die Missionäre hofften nun, das Licht des Evangeliums in allen magcllanischen Ländern ungehindert zu verbreiten. Nach diesem Friedensschlüsse schickte der Gouverneur von Rio de la Plata sich an, einem unlängst erhaltenen Befehl des Königs zufolge, diese Reduktionen zu besuchen und die Erhebung des Tributs zu ordnen, damit in Zukunft keine Schwierigkeit sich darüber erheben möch- 350 te. Die Jesuiten hatten den König um diesen Befehl gebeten, weil dieß das einzige Mittel war, die Verleumdungen ihrer Widersacher zum Schweigen zu bringen. Doch eben als der Gouverneur zu dieser Reise sich anschickte, kam sein Nachfolger, Dom Joseph de Andoneagui an, und dieß Geschäft mußte auf eine spätere Zeit verschoben werden. Übrigens hatte der Monarch die Verbreitung des Christenthums in diesen Gegenden zu seiner größten Freude erfahren, und dem Gouverneur Befehle ertheilt, dieselbe auf alle Weise zu fördern, alle nothwendigen Ausgaben für den Unterhalt der Missionäre, ihrer Kapellen, und für die Begründungen dieser Niederlassungen aus der königlichen Casse zu bestreiken, und wofern es nothwendig wäre, den Vätern eine Bedeckung auf ihren dießfälligen Reisen mitzugeben. Es hatte sich aber auch gezeigt, wie nützlich diese Reduktionen dem Lande waren, und wie sehr sie in den Kriegen mit den Wilden dieser Gegenden zu einer Schutzwehr dienen konnten. Übrigens ward der Feldbau beinahe nirgend so gut betrieben, und die Frömmigkeit und der Eifer für den Gottesdienst konnte kaum größer seyn. Eine so schnelle und so wunderbare Umwandlung umherirrender Menschen, die allen Lastern ergeben gewesen waren, konnte nur bei Solchen Glauben finden, welche dieselben mit Augen sahen. Da man es indessen nicht hatte wehren können, daß, zumal während des Krieges, diese Neubckehrten mit den Spaniern umgingen und zuweilen nach Buenos-Ayres kamen, fanden die Spanier Mittel, ihnen Geschmack für den Branntwein 851 beizubringen, und es ward derselbe allmälig, obne Vermissen der Missionäre in die Ortschaften selbst eingeführt; da nun diese Völker sich in nichts zu mäßigen wissen, ward die Trunkenheit bald allgemein. Es erzeugte aber der Mißbrauch dieses Getränkes bald ungeheure Folgen; es entstanden die wü- thendsten Feindschaften unter den verschiedenen Stämmen, die hier friedlich unter einander wohnten; sie griffen zu den Waffen und es ward viel Blut vergossen. Man hörte die Missionäre nicht mehr an, ja sie selbst kamen in Lebensgefahr. Sie berichteten endlich dem Gouverneur die Sache, der auf der Stelle eine Compagnie Soldaten nach Conception sandte und die Strafbarsten auf die Bestung Mon- te-Video schickte. Bald ward die Ordnung hergestellt; und da ohnedieß die Lage des Ortes, wiewohl sehr angenehm, dennoch wegen seiner Tiefe ungesund war, suchte man einen erhöhteren Ort auf einem Hügel, der vier Meilen voin Meere und gegen den fünf und dreißigsten Grad südlicher Breite gelegen war. Dieß kostete nun freilich nicht geringe Mühe; doch ward auch diese überwunden und die Reduktion war bald blühender denn je zuvor und es herrschte die lieblichste Eintracht und Frömmigkeit darin. Kaum war dieß Geschäft zu Ende, so langte zu Buenos-Apres eine spanische Fregatte von hundert fünfzig Tonnen und acht Kanonen an. Es befanden sich auf derselben die geschicktesten spanischen Seefahrer, und ihre Bestimmung war, die westlichen Küsten des magellanischen Meeres bis nach der ma- gellanischen Straße zu befahren und Beobachtungen 352 daselbst anzustellen. Die erste Absicht des Königs war, auf dieser Küste Völkerschaften aufsuchen zu lassen, die das Christenthum annähmen und unter der Leitung der Jesuiten Reduktionen gleich denen im Paraguay errichteten; die zweite aber, einen bequemen Hafen aufzufinden, den man leicht befestigen könnte, damit er den spanischen Schiffen zur Zuflucht diente, einen leichten Eingang in das Festland versicherte und andere Nationen verhinderte, sich daselbst niederzulassen. Durch den Besuch dieser Küste erhielt man eine weit wichtigere Kenntniß derselben als man bisher davon hatte. Es fand sich aber als gewiß, daß sie weder Inwohner hat noch haben kann. Bei den Unterredungen welche P. Cardiel, der die Reise als Beobachter mitmachte, mit den Gebirgsbewohnern der äußersten Gränzen hielt, sagten sie ihm unter andern, es theilte der sogenannte Weidenfluß in der Nähe des Meeres sich in zwei Ar. mc; und auf der Insel, welche diese Theilung bildete, befänden sich Spanier, das heißt Europäer, denn die Inwohner pflegen alle Europäer also zu nennen; und sie fügten bei, ihre Vorältern hätten mit diesen Spaniern Handel getrieben; da sie aber Einige aus ihnen getödtet hätten, wäre dieser Verkehr unterbrochen worden; dennoch sähe man sie zuweilen noch mit Schaluppen nach dem großen Lande fahren; und die ältesten Jndier hätten niemals gewußt, wie und um welche Zeit sie sich auf diese Insel begeben hätten. Indessen verschwanden die Hoffnungen gar bald, die christliche Religion in dem ganzen Umfang der magellanischen Länder bis an das äußerste Ende des 353 südlichen Amerika verbreitet zu sehen; und so viel ist gewiß, daß die Reduction Conception, deren Gründung und glückseligen Fortschritte wir sahen, und die keiner andern im Paraguay weder an Anzahl noch an Eifer nachstand, nicht mehr besteht, und daß in den letzten Jahren(1746— 4?) der Krieg zwischen den Spaniern und dieser Völkerschaft äußerst hitzig war; was vielleicht nicht geschehen wäre, wenn man nicht durch eine Eilfertigkeit, die weder nothwendig noch befohlen war, von diesen neuen Christen gefordert hätte was ihre Kräfte überstieg, und wodurch ein großer Theil derselben zu Grunde gehen mußte; auch hat man dabei nichts anderes gewonnen, als daß man sie in Wuth brachte; so daß sie nun die erbittertsten Feinde der Spanier sind, und daß die Missionäre mehr als einmal Gefahr liefen, das erste Opfer derselben zu werden. 48. Aufhebung des Ordens der Gesellschaft Jesu und Schilderung der Mißhandlungen, die ihnen im Haraguav widerfuhren. Doch es zog sich bald ein anderes, allgemeines Ungewitter über dem Horizont dieser blühenden Kirchen und ihre geistlichen Vätcr zusammen; und es erübrigte letzter» nichts weiter als Gottes uner- forschliche Gerichte anzubeten. Sehr ergreifend ist dieß Ereigniß in P. Florian Pauke's Reise nach Paraguay*) geschildert. Dieser Missionär, der selbst *) Sich Pater Florian Pauke's Reise in die Missionen nach Paraguay und Geschichte der Missionen St. Raver und 354 i. I. 1763 eine neue Reduktion gegründet hatte, schreibt nach seiner Rückkehr nach St. Franciscus Xavier i. I. 1765 wie folgt.(S. i36—157). »Friedlich und ruhig lebten wir hier, und hörten nur, wie Spanier und Portugiesen die alten Missionen verfolgten. Häufiger kamen uns von allen Seiten Erzählungen zu, wir Jesuiten hätten ein Reich im Paraguay und einen eigenen König Nicolaus. Es wurden goldene Münzen gezeigt, welche dieser Jesuitenkönig im Paraguay hätte prägen lassen. Der Ruf dieser erdichteten Begebenheiten war so verbreitet, daß man ihm sogar in einigen Städten Paraguay's Glauben schenkte. Wir lachten über diese Fabeln, deren Ungrund uns vor Augen lag, und konnten uns auch nicht überreden, daß unser Sturz beschlossen sei. Wir erfüllten unsre Pflichten immer eifrig fort und bekehrten Heiden. Im I. 1766 kam abermal ein Kazike zu mir und verlangte, daß ich ihm eine Reduktion errichten sollte, in fünf Monaten würde er mit seinem Volke kommen.« »Indessen nahte sich der uns verderbliche Sturm; die Jesuiten waren schon aus Frankreich und Portugal verwiesen; wir in Paraguay aber hatten noch das St. Peter. Ein Beitrag zur Geschichte der Jesuiten im Paraguay. Aus der Handschrift Pauke's herausgegeben »011 P. Johann Fräst, Cisterzienser des Stiftes Zweck und Pfarrer zu Edelbach. Wien 182g. Bei Anton Edlen von Schmid, k- k. privilegirten und n. ö. LandschaftsBuchdrucker und Buchhändler.— Eine sehr interessante Schrift, die alles Lesens würdig ist. 355 feste Vertrauen, daß der König von Spanien nicht zulassen würde, daß man das Gleiche über uns verfüge.« »Den 16. Juli 1766 um vier Uhr des Morgens wurde das Jesuiten-Collegium zu Santaft mit Soldaten umringt. Abgesandte Beamte kamen zur Pforte, verlangten, der P. Rector sollte eilends zu einem Kranken gehen; und als er kam, nahmen sie ihn und den öffnenden Pförtner gefangen, drangen in das Haus, in jedes Zimmer, trafen Einige betend, Andere mit dem Ankleiden beschäftigt, jagten alle in den Speisesaal und versperrten sie so lange bis alle Zimmer ausgeräumt waren. Nachmittag mußten die Bäter ihr Ordenshaus verlassen, das Bild des Gekreuzigten am Halse hängend; das Brevier unter dem Arm mußten sie die Stadt verlassen, ohne ihren Freunden ein letztes Lebewohl sagen zu dürfen... die ganze Stadt war in Aufruhr, als dieß unerwartete und harte Verfahren bekannt wurde.« »Den 2l. Juli saß ich und mein Mitbruder eben beim Mittagmale, als ein spanischer Knabe kam und uns vom Schicksal unsrer Brüder in der Stadt die erste Kunde brachte. Mir fiel das Messer aus der Hand, und ohne mir einen beruhigenden Grund angeben zu können, schüttelte ich ungläubig das Haupt, bis mein Freund, der Officier Dom Franz de Andino mit vier Soldaten und einem Briefe des Commandanten in mein Zimmer trat. Seine Miene, seine Thränen sprachen unser Unglück laut genug aus. Das Schreiben des Commandanten berichtete, daß auf hohen Befehl die Jesuiten des Collegiums nach Bucnos-Apres abgeführt worden seien; daß aber 356 rücksichtlich der Missionäre noch gar nichts bestimmt sei. Er beauftragte mich, mein Amt wie vorhin zu verrichten, und den Jndiernvon dem Vorgefallenen ja nichts zu sagen. Der Officier entfernte sich nach einer Viertelstunde schon; und er war kaum aus dem Dorfe als das Jammern meiner Jndier in meine Stube drang. Gleich darauf hörte ich, daß sie sich mit Weib und Kindern rüsteten, in die Wildniß zu ziehen. Ich lief zu ihnen; den Einen tröstete ich; den Andern mußte ich mit Gewalt vorn Pferde reißen; alle lärmten, keiner beantwortete meine Fragen. Die Kaziken waren im höchsten Grade bestürzt. Ci- thaalin wollte sich gar nicht sehen lassen; er konnte vor Schluchzen kein Wort mit mir reden. Ich stellte ihnen vor, sie möchten nur noch einige Geduld haben, denn es sei ja noch nichts entschieden; aber sie selbst hatten einige Männer nach Santafe geschickt, die Wahrheit zu erforschen; und die brachten die Gewißheit zurück, daß in der Stadt kein Pater mehr zu finden sei. Nun packten sie neuerdings zusammen. Ich trat unter sie und sprach: Meine Kinder, sollte es auch so kommen, daß ich euch verlassen müßte, so werdet ihr ja doch nicht vor der Zeit von mir gehen... Meine lieben getreuen Kinder folgten mir bis auf Cithaalin, der mir erklärte, erwürbe, wenn auch ich wie die Väter in der Stadt abgeführt werden sollte, sich entweder mit seinen Untergebenen an den Spaniern vergreifen, oder sterben müssen; um beiden: auszuweichen wolle er indessen in die Reduktion St. Hicronymus ziehen. Er ging auch wirklich mit vierhundcrten von seinem Stamme fort. 357 Der Commandant und die ganze Stadt erschrocken über seine Einweichung; denn sie fürchteten ihn sehr. Indessen hatte ein unbesonnener Spanier in St. Peter gesagt, man würde nun bald kommen, die Vater zu heben; und die ganze Gemeinde zog zum zweiten Male weg. Ich fand sie wieder und brachte sie noch, mals zurück.« »In der folgenden Woche schickte der Commandant mir die Anzeige, daß auch wir Missionäre fort müßten, und ersuchte mich, ihm an einem bestimmten Tage gut bewaffnete und treue Jndier in die Stadt zu senden, welche königliche Commissäre in meine Reduktion geleiten sollten. Ich ließ ihm durch den Überbringer des Briefes melden, er möchte sorgen, daß diese Commissäre ja ohne Soldaten zu mir reisen möchten; denn sonst wäre zu befürchten, daß sie auf dem Wege von den Jndicrn, die in ihrer Erbitterung gegen die Spanier keine Gränzen mehr kannten, ermordet würden.« »Die Gemeinde von St. Peter entwich abermals; ich brachte sie jedoch wieder in ihr Dorf. Während meiner Abwesenheit aber hatte man in St. Xaver den Plan entworfen, sich in die tieferen Waldungen zu begeben und uns Missionäre mitzunehmen. Ich widersetzte mich diesem Ansinnen. Kinder, rief ich ihnen zu, ihr werdet durch solches Beginnen, die Verfolgung der Spanier auf euch laden? Wir fürchten sie nicht, entgegneten sie; sie werden nur immer muthig, und stehen gegen die Wilden, wenn wir bei ihnen sind; sind sie aber allein, so zittern sie und laufen davon. Schießen sie auf uns, so sprin- 358 gen wir seitwärts und fallen auf die Erde; so werden sie wenig treffen; und haben sie ausgeschossen, so gehen wir mit unsern Wurfspießen auf sie, lassen sie nicht mehr laden und streiten mit unsern Lanzen, die sie schon von alter Zeit her kennen. Würden sie uns dann doch noch weiter verfolgen wollen, so haben wir Winkel genug in unserm Lande, die sie nicht finden werden, wenn sie auch wie du zuweilen, mit langen Augen(so nannten sie mein Fernrohr) sehen würden.« »Ich ließ nun meinen Domingo(einen Kaziken) mit fünf und zwanzig gut bewaffneten Jndiern nach Santafe reiten, um die Commissäre und den Missionär abzuholen, welche nach einigen Tagen anlangten. Einige Spanier waren als Zeugen mitgekommen. Zum Unglück hatten sie lose Bursche zu Bedienten, die meine Vorrathskammer ausraubten und meinen Garten plünderten. Die Gemeinde wurde sehr unwillig und ihre Unzufriedenheit äußerte sich so laut, daß ich Gewaltthätigkeiten befürchten mußte. Denn weil sie sahen, wie die Bedienten über meine Habe herfielen, glaubten sie, die Reihe werde auch bald an die ihrige kommen. Ich stellte den Commis- sären, die ohnehin den widrigen Eindruck, den ihre Gegenwart auf meine Jndier machte, bemerkt hatten und sich gewaltig fürchteten, nachdrücklich vor, daß es hohe Zeit sei, den Unfug ihrer Dienerschaft zu enden, wenn sie selbst nicht Hunger leiden oder Mordthaten veranlassen wollten. Sie erschrocken sehr und baten, ich sollte den Dorfbewohnern melden, sie dürsten jeden Angekommenen, der sich ein 35S Unrecht erlaube, nach ihrem Gutdünken strafen. Ich verlangte, sie sollten dieß den Jndiern selbst sagen, um einen Beweis der Achtung für ihre Sicherheit zu geben; und da sie folgten, verzog sich dieß Ungewitter.« »Das erste Geschäft war die Aufnahme meiner kleinen Besitzungen. Sogar der mindeste Hausrath wurde aufgeschrieben, wie lang, wie breit die Tische, von welchem Holze rc. Nachdem alle Kisten und Kasten schon durchsucht waren, fragte man um das Geld. Ich erklärte ihnen, daß die Reduction gar keines habe, weil wir alle unsre Bedürfnisse nur eingetauscht hatten, und zeigte ihm meine Barschaft, nach deutscher Münze, drei Gulden und einige Kreuzer. Ich sollte einen Eid darüber ablegen, daß ich nicht mehr besitze. Ich betheuerte die Wahrheit meiner Aussage auf meine priesterliche Ehre. Da wurde den Spaniern das Herz weich und der Obercommis- sär Dom Pedro rief mit Thränen im Auge aus: Sind das die großen Reichthümer, die man bei den armen Missionären sucht? Behalten sie dieses Geld für sich; Sie dürfte-» es vielleicht brauchen, um sich auf Ihrer Reise Brot zu kaufen; wir haben nur Befehl, das Geld der Reduktionen abzufordern, nicht aber was Ihnen eigen ist. Wollte Gott sie hätten es mit meinem andern Eigenthum auch so gemacht! Ich hatte viele Bücher, die ich theils aus Europa mitgebracht, theils hier eingehandelt oder von guten Freunden zum Geschenke bekommen hatte; ferner drei schöne Fernrohre, musikalische Instrumente und verschiedene Werkzeuge und mathematische Instrumente. Alle diese Sachen nahmen die Herren vor mei- 360 »en Augen für sich; mir ließen sie nichts als das Bild des Gekreuzigten, ein altes Brevier und zwei kleine geistliche Bücher.« »Aus meiner Wohnung ging man die Kirchen- sachen aufzuschreiben, und das Vieh so viel möglich zu zählen. Ich übergab 24,000 Stück Hornvieh, 1200 Stuten zur Zucht der Maulthiere, 1500 Pferde, 1700 Schafe und 500 Zugochsen. Meine Jndier sahen betrübt zu; damit sie aber nicht zaghaft würden, machte ich eine fröhliche Miene, so sauer sie mich ankam.« »Herzlichen Trost hatte ich, gepaart mit unendlicher Wehmuth, als meine Pfarrkinder mich baten, sie noch einmal mit Gott zu versöhnen und Beicht zu hören. Ich brachte die ganze Zeit in der Kirche zu, während die Commissäre noch überall Nachfuchuugen anstellten, und mich nur rufen ließen, wenn sie einen Anstand fanden. Von hier reiste die Colonie nach St. Peter, ich gab ihnen fünf und zwanzig Mann als schützende Begleitung mit; sie drangen aber in mich, auch mitzugehen; und da ich merkte, daß sie sich nur unter meinem Schutze sicher hielten, überließ ich meine Leute indessen dem neuen Pfarrer und meinem betrübten Mitbruder Raimund Wittermayer, der immer weinte. Den für St. Peter bestimmten Weltpriester nahmen wir gleich mit. Hier dauerte die Aufzeichnung vier Tage, dann ging die Reise nach St. Hieronymus, wohin ich sie ungeachtet ihrer Bitte nicht begleitete, sondern ihnen wie sie verlangten, vierzig Mann Bedeckung mitgab.« »Nach dort vollendeten Geschäften nahmen sie 361 die zwei Missionäre mit zurück nach St. Peter, gesellten sich auch hier den Missionär zu, und trafen dann bei mir ein, um auch mich und meinen Gefährten wegzuführen... Mein Herz wollte mir zerspringen, da die Trennung nun unvermeidlich war; und um den Schmerz des immer fortgesetzten Abschiednehmens zu verringern, gab ich meinen Wunsch zu erkennen, Niemand sollte mir das Geleite geben... Aber vergebens; als wir aufbrachen saß mein theurer Domingo mit fünfund zwanzig Jndiern zu Pferde und ritt mit uns; das ganze Dorf rang die Hände und weinte; so daß selbst dieCommissäre tieferschüttertwurden. Von allen Zungen erschallte der Ruf: Ge- hetund reiset Vater; aber kehret in kurzer Zeitzurück!« »Als wir zu Santafe angekommen waren, mußten wir Halt machen. Sechs Soldaten kamen, uns sechs Missionäre zu bewachen. Da die Commissäre dem Commandanten berichteten, daß Jndier mit uns gekommen, ließ er dem Domingo befehlen abzuziehen. Dieser aber, seines Zornes nicht Meister, redete so, daß ich erstaunte. Es kann nicht wahr seyn, donnerte er in sie, daß euer König befohlen, unsre Väter uns zu rauben; noch viel weniger, daß wir mit ihnen gar nicht reden sollen. Ihr habet dieß vielleicht unter euch ausgesonnen; eure Schalkhaftigkeit, die ihr uns und unsern Vatern schon bewiesen, ist die Ursache, daß dieß Übel uns getroffen hat. Meinet ihr, daß ihr durch die Vertilgung unsrer Vater glücklicher seyn werdet? Ihr habet keinen Grund, dieß zu glauben. Ihr wisset gar wohl, wie wir mit euch verfahren sind, ehe wir mit diesen Vä- 362 lern lebten; was werdet ihr jetzt Gutes von uns zu hoffen haben, da ihr unsre Vater wegführet, die uns zu einem sittlichen Leben und zum Gehorsam gegen unsern König angeleitet haben? Seid ihr Afterchristen? Sind eure Wunden schon geheilt, die wir euch einst geschlagen? Gebet Acht, wir können sie erneuern. Ich weiß alle die Freundschaftstücke, die ihr uns erwiesen! Saget euerm Commandanten, daß er den Stab, den er trägt, erst unlängst erhalten; ich trage den meinigen schon länger. Er soll uns einen Beweis seiner Herzhaftigkeit geben und nicht in der Stadt sitzen bleiben. Will er uns bekriegen, so darf er nicht glauben, daß wir davon laufen werden. Er soll in seiner Stadt, aber nicht uns befehlen; ich werde nicht eher zurückreisen, bis es mir selbst gefällig seyn wird, und wenn er will, so soll er ausrücken, und uns mit Gewalt von hier wegtreiben; auf seinen Befehl weiche ich nicht, und werde unsere Väter so weit begleiten als es die Kräfte unserer Pferde zulassen.« »Diese Post hatte den Commandanten nicht wenig erschüttert; er schickte sogleich die Antwort, Do- mingo könne uns das Geleite ganz nach seinem Belieben geben; es sei nie sein Befehl gewesen, ihn wegzuschaffen. Ein Soldat müsse diese Lüge ersonnen haben rc.«.... Den folgenden Tag beredete ich meinen treuen Domingo, nach Hause zurückzukehren, der gern nach Buenos-Ayres gezogen wäre, den Statthalter zu bewegen, mich wieder der Reduktion zu geben. Ich zeigte ihm, daß dieß die Macht des Statthalters übersteige; und nun erst bestieg er 363 mit seinen Leuten die Pferde. Sie ritten zu meinem Wagen, stiegen ab, küßten mir unzählige Male die Hände und weinten. Nur Domingo's Auge näßte sich nicht; ohne Sprache stand er vor mir, plötzlich wurde er leichenblaß, Hände und Füße zitterten ihm. Die Spanier eilten herbei, weil sie glaubten, der Schlag habe ihn gerührt. Nach langer Weile kam er zu sich. Sieh, Vater, sprach er, alle deine Söhne weinen um dich; ich allein weine nicht, und kann auch nicht weinen. Es ist nicht darum, daß ich kein Leid in meinem Innersten empfinde, sondern es geschieht wegen der Heftigkeit des Schmerzes, weil du von uns scheidest; es ist mir als könnte ich nicht genug athmen. Vater! Gott vergelte dir, was du uns gelehrt, was du bei uns ausgestanden hast; und lasse dir nie entfallen, daß wir dich als Vater geliebt haben rc.»Ich gab ihnen meinen Segen, und sie ritten davon.« »Am vierten Oktober sahen wirBüenos-Ayres, und fuhren nach neun Uhr in die Stadt zu dem Col- legium Bethlehem. Zwei Compagnien Grenadiere erwarteten uns mit aufgepflanztem Bajonette. Der Zulauf der Städter war so groß als wenn die Hinrichtung vieler Missethäter anzusehen gewesen wäre.... Zwei Missionäre starben; kein Glockengeläute durfte ertönen; wir mußten unsere Brüder ganz in der Stille dem Grabe übergeben. Unsere Freunde, sie mochten seyn wer sie wollten, wurden in unser trauriges Geschick verwickelt; mehrere wurden von ihrem Hause entnommen und nach Monte Paraguay II. Bd. 23 364 Video oder benachbarten Inseln verwiesen. Jlson, ehemaliger Statthalter von Paraguay, schickte unserm P. Anton Miranda, seinem alten Freunde, eine goldene Dose mit Goldmünzen angefüllt, um dessen Elend zu erleichtern, und wurde in der Nacht verhaftet, auf ein Schiff gebrachtund auf eine achtzig Meilen von Buenos-Ayres entfernte Insel gesandt.« »Täglich wurde die Wache gewechselt, und nach einem gegebenen Zeichen die Musterung über uns vorgenommen. Wie Soldaten mußten wir uns aufstellen, um gezählt zu werden; und fehlte Einer, so wurden alle Winkel durchstöbert, bis man ihn gefunden hatte. Von außen so gequält, mehrten sich unsere Leiden durch innern Verrath. Die Jesuiten, die im Hause der geistlichen Übungen wohnten, waren meist Amerikaner, die den Gedanken, ihr Vaterland verlassen zu sollen, nicht ertragen konnten. Es fehlte daher nicht an Äußerungen ihres Unwillens, die den Statthalter, wenn sie ihm bekannt würden, aufbringen mußten. Zwei Priester, unserm Orden noch nicht durch die Gelübde verbunden, verlangten vom Statthalter, aus unserer Gesellschaft entlassen zu werden, und in ihrem Vaterlande als Weltpriester leben zu dürfen. Um ihren Wünschen ihn geneigt zu machen, wußten sie Mittel zu finden, an ihn zu schreiben und über alles was sie sahen und hörten, Bericht zu erstatten. Ich entdeckte diese unedle Handlung durch einen ihrer Briefe, den ich in der Wohnung eines Officiers fand, und es gelang mir auch, sie durch den Major, der mich 365 liebte und uns sehr geneigt geworden war, aus dem Hause in eine andere Verwahrung zu bringen.« »Durch diesen Major erfuhren wir auch, wie es nach unserer Abreise aus den Missionen bei unsern vormaligen Gemeinden zugehe. Die Quelle seiner Erzählung war der Statthalter selbst. Acht Tage nach unserer Entfernung kehrten die Bewohner der Eolonie Sanct Peter in ihre Wildniß zurück. Meine Mocovi's zu Sanct Raver verhielten sich aber ruhig und gehorchten ihrem Pfarrer. Die Wilden spuckten wieder überall, sie krochen aus ihren Waldungen und verlegten die Wege nach Peru. Die Pampa's fielen in das Dorf Magdaleua, etwa eine Stunde von Buenos-Ayres, ein, raubten die Kinder und mordeten die Erwachsenen. Sie wurden von der Reiterei verfolgt, und als sie sich schon sicher glaubten, überfallen. Zwölf Jndier wurden getödtet, sechs gefangen, die übrigen fanden ihr Heil in der Flucht. Die Spanier durch diesen Sieg beherzt, drangen noch tiefer in die Waldungen, sahen sich aber am dritten Tage umringt, mit Wuth angegriffen und fielen unter den Streichen der Jndier. Vergebens erwartete man die Rückkunft der Ausgeschickten. Keiner kam. Der Statthalter schickte Dragoner fort, um Nachricht zu erhalten. Nach vier Wochen rückten sie wieder mit der Kunde ein, das Schlachtfeld gefunden, und die von den Tigern abgenagten Knochen ihrer Waffenbrüder gesehen zu haben.« »Auch fanden gute Freunde von Buenos-Ayres 366 Mittel, uns von einer Mission Nachricht zu geben, die ihr Statthalter veranstaltet hatte, um zu beweisen, daß wir ganz überflüssig und leicht zu ersetzen wären. Er schickte zwei Dominicaner in das Vorgebirg von Hornos, die dortigen Jndier zu bekehren. In der Stadt machte man Pasquille auf sie und den Statthalter und weissagte, sie würden un- verrichteter Dinge zurückkommen. Es geschah auch so. Die zwei Priester landeten und fanden unfern des Gestades den Zweck ihrer Reise, und verkündeten den Jndiern durch einen Dollmetsch, daß sie ihnen den Weg des Heiles predigen würden. Die Jndier fragten: Woher kommt es denn, daß ihr weiße Kleider traget? Wir haben gehört, daß die wahren Vater unserer Landsleute schwarze hatten. Der König hat sie in ein anderes Land berufen; sagten die Spanier. Auf die Frage warum? antworteten die neuen Prediger unüberlegt, sie sind darum fortgeschickt worden, weil sie dem König untreu wurden, und weil ihre Lehre nicht die rechte gewesen sei. Die Jndier stutzten, und meinten, ob man denn dieß nicht früher gewußt hätte? Sie hätten überdieß immer gehört, daß die schwarzen Väter gute Männer gewesen wären; und wenn der König mit guten Leuten also umginge, wie würde er erst mit ihnen verfahren, die noch keine Christen und nicht gut seien?— Die Dominicaner suchten ihre Zweifel zu lösen und beschenkten sie reichlich; gaben auch ihren Kindern Speise und luden sie ein, den kommenden Tag auf dem nämlichen Platze zu erscheinen. Sie kamen aber nicht; die Priester gingen 367 zu den Hütten der Saumseligen und fanden sie leer, und die ausgetheilten Geschenke aufgehängt. Sie verweilten noch acht Tage daselbst; es ließ sich kein Mensch blicken, und sie mußten ihre Geschenke einpacken und nach Hause schiffen.« »Während unseres Aufenthaltes zu Bucnos- Ayres erschütterte uns das herzzerreißende Schicksal junger Ordensbrüder. Sie, hatten sich in Europa mit dem heiligen Eifer eingeschifft, in unsern Missionen im Weinberg des Herrn zu arbeiten. Der Gedanke, daß sie bei ihrer Ankunft den Wirkungskreis ihrer sehnlichsten Wünsche verschlossen sehen würden, kam ihnen nicht in den Sinn. Durch zehn Monate wurden sie von Stürmen auf dem Meere umhergetrieben, während die Orkane durch unsere Feinde erzeugt, unsern Orden in den Abgrund senkten. Ohne Ahnung ihrer bösen Zukunft, freuten sie sich beim Anblick Monte-Bideo's, nun einmal wieder Land betreten zu können; sie warfen die Anker, lebensfroh eilten sie, das Schiff zu verlassen, da— kam der niederschmetternde Befehl, kein Jesuit dürfe das Bord verlassen; das Schiff müsse wieder nach Spanien zurück, denn der Orden sei vernichtet!«— »Mehrere Jesuiten lagen auf dem Schiffe gefährlich krank; man bat, wenigstens diese an's Land bringen zu dürfen, und erhielt die höhnende unmenschliche Antwort, es sei einerlei, ob sie zu Wasser oder zu Lande stürben; auf dem Schiffe würden sie nicht einmal einen Todtengräber brauchen, die Erde für sie aufzuwühlen. Als aber der Schiffsca- pitän die Vorstellung machte, die kranken Jesuiten 368 könnten ihm seine ganze Mannschaft anstecken, wurden neun Jesuiten in eine Barke gelegt, die sie zu den Bethlehemiten in Buenos-Ayres, die der Kranken pflegen, bringen sollte. In der ersten Nacht ihrer Fahrt schleuderte der Sturm sie an die Felsen, und die Fluthen nahmen gastlich Diejenigen auf, welchen man auf Erden keinen Ruheplatz gegönnt hatte. Der Leichnam eines Novitzen wurde an der Küste del Sagramento gefunden und dort auf Befehl des portugiesischen Statthalters prächtig be- graben. Der spanische in Buenos-Ayres ließ einige, an das Gestade geworfene Leichen der Jesuiten ohne Sang und Klang einscharren, wodurch alle Bewohner der Stadt mit Abscheu erfüllt wurden. Ihr Gefühl wurde noch mehr empört als man die Kirche des großen Jesuiten-Collegiums vermauerte und die Kirchengeräthe von Gold und Silber in die Wohnung des Statthalters brachte. Der Unwille gegen sein Betragen äußerte sich laut, und er schrieb ihn unsern Aufregungen im Volke zu. Daher verdoppelte er unsere Wachen und ließ uns melden, daß er uns, wenn wir mit den Bewohnern der Stadt in die mindeste Verbindung auf was immer für eine Weise treten würden, auf dem öffentlichen Platze würde aufheulen lassen.«.... »Am Ende des Märzes hörten wir, daß zu Monte-Video eine Kriegsfregatte des Königs von Spanien gelandet sei. Wir vermutheten daß dadurch der Zeitpunct unserer Abführung nach Spanien gekommen sei, und hatten uns nicht geirrt- Den ersten April 1767 verließen wir Buenos-Ayres wie Ver- 3«S brechet. Des Morgens zog doppelte Wache vor unser Haus; nach dem Mittagmale wurden wir abgezählt. Wir baten, daß ein sehr schwer kranker Missionär und ein Jesuit aus dem Collegium zu Corduba, den unsere Lage um den Verstand gebracht, bei den Bethlehemiten unterbracht würden. Der erste kam dahin, der zweite mußte mit uns. Bei der Pforte stand eine Compagnie Grenadiere, die uns in die Mitte nahmen und abführten. Die Soldaten hatten die Gewehre scharfgeladen, und den Befehl, auf jeden, der zu entfliehen suchen würde, Feuer zu geben. Obwohl man uns zur Zeit der gewöhnlichen Mittagsruhe aus der Stadt brachte, so waren doch sehr viele Menschen auf den Straßen, welche uns herzlich beweinten.« »Am sechzehnten Mai endlich wurden die Anker zur Reise nach Spanien gelichtet. Ein Sturm hätte uns bald die weitere Reise erspart; doch die Klugheit unseres Capitäns rettete uns. Wir im untern Raum des Schiffes hatten täglich mit Ungemach zu kämpfen. Weil wir hier, hundert ein und siebenzig Jesuiten beisammen liegen mußten, und unsere Betten viel zu kurz und zu schmal waren, fanden wir keine Nacht Ruhe; Ungeziefer jeder Art quälte uns, und unsere gefährlich Kranken erfüllten uns mit banger Sorge, weil wir ihnen nicht helfen konnten, und befürchten mußten, von ihnen angesteckt zu werden.... Zwei Jesuiten starben auf unserer Fregatte; man versenkte ihre Leichen in's Meer. Die Nahrung, die man uns reichte, war karg; und wenn ich allein aus besonderer Vorliebe des Capitäns bcs- 370 sere Speise erhielt, so blutete mein Herz, wenn ich sah wie meine Bruder am Hungertuche nagten rc.« Dieß also war das Ende, dieß die Belohnung dieser eifrigen Diener Gottes für die getreuen Dienste, die sie der Krone von Spanien geleistet, und für die unermeßlichen Wohlthaten, die sie so vielen Nationen der Jndier erwiesen; welche sie aus wilden Menschenfressern zu vernünftigen Menschen und heiligen Christen gebildet, mit großmüthigster Aufopferung ihrer selbst, unter unaussprechlichen Mühsalen und Lebensgefahren, ihren Schlupfwinkeln und kaum zugängigen Wildnissen und Gebirgen entrissen, unh deren Boden sie durch zwei Jahrhunderte mit ihrem Schweiß und Blute befeuchtet hatten.— Fürwahr sie gehörten zu Denjenigen, die der Herr selig pries, wenn sie um seines Namens willen gelästert und verfolgt würden, da ihre Belohnung groß im Himmel seyn sollte. Auch war die Erde viel zu arm, so heldenmüthige Tugenden und Arbeiten zu belohnen; der Herr der Ewigkeit allein war ihr überaus großer Lohn, dessen heiligen Namen und Evangelium sie diesen Völkern verkündigten. Indessen aber trösteten sie sich, daß eine große Anzahl derselben durch ihre apostolischen Arbeiten zu dem ewigen Heile gelangten. Was seitdem aus diesen armen Völkerschaften ward, hat die Geschichte gelehrt; und es erübrigt darüber nur, die unerforschlichen Rathschlüsse der ewigen Weisheit in wehmüthiger und tiefer Demuth anzubeten. Anhalt. Seite 1. Änkunft eines Visitators in den Reductionen. P. Lorenzana unter den Wilden. Folgen der Bekehrung einer Indianerinn. Kriege. Versuch zur Bekehrung der Guaycurrus. Die Stadt Santjago verlangt die Jesuiten zurück- Missionäre bei den Diaguiten. 3 2. Befehl des Königs in Ansehung der Jndier. Die Spanier werden den Jesuiten deßwegen abhold. Bekehrung der ersten vier Reductionen- Unsägliche Bemühungen, Gefahren und Arbeiten der Missionäre n 3. Zusammenkunft des P. Lorenzana mit Wilden. Befeindungen der Jesuiten im Paraguay- Ein neuer Provinzial der Jesuiten und seine Vorkehrungen. Arbeiten des P- Gonsalez. Unklugheit des Gouverneurs und Gefahren, welche dieser Missionär von ihm abwendet.... r5 Blühender Stand der Reductionen. Vergebliche Arbeiten bei den Guavcurru's. Wunder bei der Taufe- Schwere Gefahren der Missionäre und heldenmüthige Tugenden unter den neuen Christen. Eine große Anzahl Jesuiten kommt aus Europa an- Arbeiten bei den Calchaqui's.. 23 5. Ursprung der sogenannten Mamelucken in Brasilien. Verheerungen und Arglist dieses Raubgesindels. Aberglaube der Zauberei. Sagen der Jndier von dem heiligen Apostel Thomas, der in diesen Ländern das Evangelium verkündigte. 28 6. Stand der Reductionen am Parana. Von der Landschaft Daguapua. Erscheinung des P. Gonsalez daselbst. Unerschrockenheit dieses Missionärs und segensreiche Wirkungen seines Eifers. Vergebliche Arbeiten bei den Guaycurru's Die Jesuiten arbeiten an der Bekehrung der Mohren. 33 7. Verhältnisse der Jesuiten im Paraguay. Entdeckungsreise des P. Romero. Die Guaycurru's verlangen übermal Missionäre. Neue Reduction in Guayra. Was sich daselbst Wunderbares mit einem feindlichen Heere ereignet- Der Kazikc Tayaoba und seine Völkerschaft- PP. Monloya und Sa- Seite lazar bei diesen Menschenfressern. Ihre Entschlossenheit. Tod des P- Johannes Romero und des P. Filds. Fernere Entdeckungsreisen. Die PP. Gonsalez und Petrus Romero stiften eine Re- duction am Piralini 38 8. P. Maceta errichtet eine neue Reduetion. Bekehrung des Kaziken Tayaoba, und Folgen derselben. Schändliches Benehmen der Spanier zu Vil- larica- P. Montoya vereitelt ihre Absicht und stiftet die Reduetion zu den Erzengeln. Das Volk der Gekrönten. Neue Reduetion daselbst. Klugheit und Muth des P. Mendoza.-. 4? 9. Hindernisse an der Verbreitung des Evangeliums in Chaeo. Eroberung dieser Provinz. Es werden Missionäre dahin gesandt. Holländer im Paraguay. Verrathe»» des Niezu. Martern der PP. Gonsalez, Rodrigucz und Castillo. Krieg gegen die Mörder derselben. Sie werden geschlagen und die Verbrecher gerichtet 53 10. Apostolische Arbeiten der PP Montoya und Tanno bei den Gualachen. Ihr Benehmen gegen den grausamen Kaziken Guiravera und gegen die Mamelucken, welche die Reduetion von der Menschwerdung überfallen. Neue Reduktionen- Bekehrung der Jndier, die Niezu»erführt hatte, und des Kaziken Guiravera..... 64 11. Einfälle der Mamelucken in die Redactionen. Verheerungen derselbe». Sie führen die Inwohner in die Gefangenschaft ab. Thätiger Licbeseiscr der Missionäre bei dieser Gelegenheit- Sie fordern die Befreiung der Ihrigen von dem portugiesischen Gouverneur. Vergeßlichkeit ihrer Bemühungen 72 12. Vergebliche Wirkungen einiger sogenannten Zauberer in Guayra. Krieg der Calchagui's gegen die Spanier. Unvorsichtigkeit eines gewissen Urbina. Fernere Verheerungen der Calchagui's. Wunder- same Bemühungen der Misstonäre bei der elenden Völkerschaft der Caiguas- Blühender Zustand der Redactionen im Paraguay... 80 13. Abermaliger Einbruch der Mamelucken in die Reduktionen von Guayra, die sie zerstören und deren Inwohner sie gefangen nehmen. Der Gouverneur versagt ihnen Hilfe. Andere Reduktionen werden durch die Pest verheert. Große Tugenden der Neophyten. Thätigkeit der Missionäre. Sie wandern mit den zwei ältesten und blühendsten Reduktionen aus. Entsetzliches Elend bei diesem Zuge. Die Mamelucken zerstören die Städte Ciudad Real und Villarica von Grund aus 14- Die Stadt Leres verlangt Jesuiten. Ende des Krieges der Calchaqui's gegen die Spanier- Bekehrungen und neue Reductionen in Taxe. Arbeiten der Missionäre bei den Jtalinen. Neue Ueber- fälle der Mamelucken. Der Gouverneur und der Bischof befeinden die Reduktionen- Die Jesuiten stimmen beide zum Frieden.... 15. Neue Einfälle der Mamelucken. Apostolische Arbeiten in der Provinz Uruguay und bei den Jtati- nen. Die Missionäre schützen diese Letzter» gegen die Ansprüche der Spanier. Apostolische Reisen des P. Borea. Märtyrertob des P. Espinosa und des P. Mendoza. Nachtheilige Folgen der Gelin- digkeit der Jesuiten gegen die Feinde. Sieg der Gläubigen. Gehässigkeiten des Gouverneurs gegen die Jesuiten. Folgen derselben. Pcst in den Reduktionen und in Tape. Neue, furchtbare Verheerungen der Mamelucken. P. Diaz Tanno und P. Montoya werden nach Europa gesandt. 16. Versetzung einiger Missionen wegen abermaliger Einbrüche der Mamelucken. Sonderbare Andacht dieser Räuber, die eine ganze Reduction gefangen davon führe». Apostolische Arbeiten in Tucuman. Die Väler des Franciscaner-Ordens fordern eine Reduction zurück. Folgen dieser Forderung. Marter der Väter Osorio und Ripario. Die Mamelucken setzen ihre Raubzüge fort- Arbeitt» der Missionäre, ihre Jndier zu retten 17. P. Montoya erwirkt den Jndiern der Reductionen Feuergcwchre. Wirkungen dieser Erlaubniß. Neue Skreifzüge der Mamelucken- Sie werden gänzlich geschlagen. Der Gouverneur von Paraguay befreit die Provinzen von einem andern Feinde. 18. Rückkehr der PP. Tanno und Montoya aus Spa. nie». Was Beide zu Rom und zu Madrid ausrichteten- Aufstand einiger Städte in Brasilien über ein Brcve Urbans VIII, hinsichtlich der Rückgabe der Gefangenen. Feindseligkeiten der Eal- chagui's in Tucuman. Der Gouverneur schließt Frieden mit ihnen; und was weiter hierauf erfolgt 19. Versuche zur Bekehrung der Völker in Ehaev. Reise Seite de§ P. Pastor zu den Abiponen. Aufnahme der Missionare daselbst. Bereitwilligkeit dieser Völkerschaft. P. Pastor wird abgerufen Er wird nach Rom gesandt. Die Misston wird»erlassen. Traurige Folgen davon i3H 2». Neue Einfälle der Mamelucken- Sie werden von den Neubckcbrten geschlagen und auch von andern Jndiern aufgerieben. Großer Friede in den Reduktionen. Strafen Gottes über ihre Verfolger, Abermalige Erscheinung der Mamelucken. Sie werden abcrmal geschlagen. Die Freude an dem blühenden Wachsthum ihrer Reduktionen wird den Missionaren durch eine furchtbare und langwierige Verfolgung vergällt.... iHi 21. Dom Bernardin de Cardenas aus dem Orden des heiligen Franeiscus. Seine Leidenschaft, für einen Heiligen zu gelten. Er wird vom Guardia- nat abgesetzt. Der Srzbischof von La Plata ernennt ihn zu einer Mission. Er wird nach Lima berufen und in das Kloster eingesperrt; erwirbt sich dort Freunde und Gönner; wird zum Bischof von Assumtion ernannt. Sein Treiben nach seiner Ernennung. Er läßt sich vor Ankunft der päpstlichen Bulle» weihen. Seine Weihe wird als unregelmäßig erklärt..... 1^7 22. Reise des Dom Cardenas nach Corduba. Seine Unterredung mit den Jesuiten. Sein sonderbares Benehmen auf der Reise und sein Einzug in die Stadt Assumtion. Er nimmt Besitz von dem Bis- thum. Das Dvmcapitcl protcstirt dagegen. Sonderbarkeiten. Wirkungen seiner Erscheinung bei den Guaycurru's. Ankunft der päpstlichen Bullen. Er maßt sich die weltliche Gerichtsbarkeit an- Benehmen des Gouverneurs.... i5H 23. Feindseligkeiten zwischen dem Bischof und dem Gouverneur. Sonderbare Prozession. Oeffcntliche Aergernisse und Anschläge des Dom Cardenas gegen den Gouverneur. Dieselben werden vereitelt- Vorstellungen des P. Sobrino- Fernere Auftritte und Crcommunieativnen. Aergernisse eines Mönchs. Dom Cardenas verhängt ein In- tcrdict über das Bisthum, das Domcapitel widersetzt sich der Verkündigung desselben. Maßre- geln gegen das Treiben des Dom Cardenas. Kräftige That des Commandanten Dom Leo». 161 24. Der Gouverneur erhält Befehl, den Unfug des Prä- Seite latcn nicht länger zu dulden. Der Bischof legt ihn auf's Neue in den Bann. Der Gouverneur treibt ihn in die Enge. Benehmen des Dom Car- denas gegen die Jesuiten. Er läßt ihre Schulen sperren, untersagt ihnen ihre geistlichen Verrichtungen, will sie vonAffumtion vertreiben und die Reduktionen zu Eommcnten vergeben.. i?o 2ö. Vergebliches Bemühen des Dom Eardcnas, den Meierhvf der Jesuiten in Besitz zu nehmen- Sein Benehmen gegen den Gouverneur und die Jesuiten. Befehle des königl. Gerichtshofes. Der Prälat«erlangt eine Verordnung Carls V. aus dem Archiv, einen andern Gouverneur zu erwählen. Der Gouverneur kündigt ihm seine Verweisung aus dem Bisthum an. Rückkehr des Prälaten nach Affumtion. Empörung daselbst. Edict des Gouverneurs. Er läßt den Prälaten einschiffen. t?7 26. Nachtheilige Folgen dieser Ereignisse für die Reduktionen. Es verbreitet sich das Gerücht, die Jesuiten hätten reiche Goldbergwcrke entdeckt. Die Sache wird untersucht. Dom Laris unternimmt eine Reise mit dem Angeber der Goldminen. Was sich auf dieser Reift ergab. Lügen des Dom Cardenas. Der Betrug wird entdeckt und bestraft i85 27. Stand der Redactionen. Märtyrertod des P. Ro- mcro. Treiben des DomEardenas zuEorrienies. Die Jndier der Redactionen schlagen die Guaycur- ru s. Dom Cardenas erhält wiederholte Befehle vor dem k. Hosgericht zu erscheinen. Ankunft eines neuen Gouverneurs zu Affumtion. DomCar- dcnas kehrt in diese Stadt zurück und verfolgt die Jesuiten auf's neue. Er vertreibt sie von der Reduction der Jtatincn, und sendet Weltpricster dahin. Diese ergreifen die Flucht und die Redactionen stehen in kurzer Zeit leer...198 28. Tod des Gouverneurs. Dom Cardenas läßt sich zum Gouverneur und Commandanten ernennen- Er vertreibt die Jesuiten auf die schmählichste Weise aus der Stadt Erhält neue Befehle sich vor dem k- Hosgericht zu stellen- Dom Sebastian de Leon erhält den Auftrag, die Ruhe herzustellen und die Jesuiten wieder einzusehen. Krieg zwischen den Truppen des Bischofs und Dom Sebastians. Die Bischöflichen werden geschlagen und der Bischof zur Abreise genöthigt 2c>3 2g. Abermaliges Gerede von den Goldminen der Jesui« « X Seilten. Diese verwenden sich für ihre Verfolger- Die Jndier der Reduktionen schlagen die Mamelucken. Neue Angabe jesuitischer Goldbergwerke. Der Verleumder widerruft- Der Bischof von Buenos-Ayres will die Reduktionen mit Weltpriestern besetzen. Wichtige Dienste der Reduktionen gegen die Feinde 211 30. Der König von Spanien befiehlt die Lehre der Jesuiten zu untersuchen. Commission zu Assumtion.» Lächerlichkeit der Behauptungen des Dom Car- denas. Abermalige Beschuldigung der Jesuiten über den geheimen Besitz reicher Gold- und Sil- terminen 216 31. Verleumdungen der Jesuiten in Spanien. Der König läßt dieselben untersuchen. Erfolg dieser Untersuchungen. Abermalige Missionen im Lande Chaco. Vergebliche Bemühungen der Missionäre 221 32. Unternehmung der Portugiesen im Paraguay. Die Jndier der Reduktionen nehmen einen portugiesischen Capilän sammt seiner Mannschaft gefangen. Sie bestürmen die Vestung, welche die Portugiesen erbaut hatten und richten ein furchtbares Blutbad im feindlichen Heere an..238 33. Folgen dieses Sieges. Vergebliche Bemühungen des Bischofs von Assumtion, eine Reduction zu er- richten.— Die Jesuiten bringen dieselbe zu Stande, arbeiten aber vergeblich an der Bekehrung anderer wilden Völkerschaften. Neue Be- kehrungsversuche in Chaco. Marter des P. So- linas und des Dom Pedro Ortitz de Zavala. Die Spanier ziehen gegen die Mörder derselben zu Felde. Ihre Schwäche gegen diese wilden Völker. Missionshaus der Jesuiten zu Tarija. 2-f6 34. Neue Mission bei den Chiriguanen. Licbeseifer der Missionäre daselbst. Der Gouverneur mahnt die Jesuiten von dieser Mission ab, und beredet sie, eine Misston bei den Chiquiten zu eröffnen. P. Arce begibt sich dahin. Beschreibung dieses Landes und seiner Inwohner- Die Mission bei den Chiquiten ist den Inwohnern von Santa- Cruz ein Dorn in den Augen.... 253 f» 35. P. Arce unter den Chiquiten. Großes Elend bei dieser Völkerschaft. Ihr eifriges Verlangen nach dem Christenthum Die Panoqui's bekehren sich. P. Arce erkrankt und wird durch ein Wunder gesund- Er wird plötzlich von seinem Provinzial Seile abgerufen- Einfall der Mamelucken. Sie werden von dcn Panoqui's und von den Ehiquiten geschlagen. Neue Reduktionen und blühender Stand ^» derselben... 2«Zr 3b. Tapferkeit der Neophyten aus den Reductionen bei der abermaligen Einnahme der Vestung del Sa- gramenlo 266 37. Blühender Stand der Reductionen bei den Ehiqui- * ten. Arbeiten des P. Eavallero bei den Aruporez und Mannacica's. Sage dieses Volkes von dem heiligen Apostel Thomas 26g 3». P. Eavallero kehrt«dermal zu den Mannacica's zurück. SeincArbeiten daselbst. Er besucht die Gui- nquica's und stimmt sie zum Glauben an das Evangelium. Bekehrung des Mapono. Er bekehrt noch andere Völkerschaften. Besondere Veranlas- .lung zur Bekehrung der Bvhoca's... 274 og. Feindliche Völker verheeren die spanischen Wohnungen und Städte. Sieg des Dom Estevan de Uri- zar über sie. Mehrere unterwerfen sich dcn Spaniern. Einige werden zu Eommcnden vertheilt. Reduktion der Lullen. Trägheit dieser Völker- Was ihre Bekehrung verhinderte... 280 4». P. Eavallero kehrt zu den Mannacica's zurückNächt- 4 liches Abenteuer und andere Ereignisse daselbst. Fernere apostolische Arbeiten und Reisen dieses Missionärs. Er predigt das Evangelium den Pui- zvca's. Sein Märlprertod. Apostolische Arbeiten der PP. Zea und Aegros. Märlprertod des Bruders Romero und der Väter Arcc, Blende, Silva und Maco, und vieler Neophptcn.. 288 41. Erste Reduction der Ehiriguanen. Eifer derselben, Reduction der Lullen. Sie wird verseht. Blühender Stand der Reductionen bei den Chiqui- ten. Siewcrden von den Spanier» gegen dieEhi- riguaiicn zu Hilfe gerufen. Ihre große Tapfer- kcit und ihre Siege 298 ä2. Neue Mißhandlungen der Jesuiten im Paraguay. Aufruhr zu Assumtion und in der Provinz. Dom Jo,cph Antequerra, Urheber desselben. Die Ic- 4 suiten werden drei Mal aus ihrem Eollegium verjagt. Was die Reductionen dabei erlitte». Ein neuer Gouverneur macht der Revolution ein Ende Zoi HZ. Neue Ueberfalle der Wilden in die Provinz Tucu- man. Die Spanier bitten, Missionäre zu dcnsel- den zu senden. Abermalige Versuche, Chaco zu gewinnen. P-Lizardi bei den Cbinguanen. Mühsale der Missionäre. Die Cbiriguanen überfallen die Reduction Conception. Märtyrertod des P. Lizardi und seines Sacristans. ,../ 44. Beschuldigungen der Jesuiten m Spanien- Der König ordnet Untersuchungs-Commissionen an. Die Jesuiten rechtfertigen sich gegen die falschen Anklagen ihrer Feinde und Verfolger--- 48. Erfolg dieser Untersuchungen. Anordnungen des Ko- nigs.Die Chiguiten werden zu unmittelbaren Vasallen der Krone ernannt. Schreiben des Mar- chese del Balle Umbrosa an den königlichen Com- miffär. Glückliche Beendigung dieses Geschäftes 46. Abermalige Feindseligkeiten der Wilden in Tucu- man. Neue Hoffnungen der Missionäre für Chaco. Feindseligkeiten der Abiponen in Rio de la Plata. Die Mocovi's»erlangen Missionäre. Verräthercr eines Kaziken der Mataguayv's. Hungersnoth in den Reduktionen von Parana und Uruguay. 4. Pegros bei den Tvbatincn. Bekehrung der Gcnöas und anderer Völkerschaften.... 4?. Eröffnung einer Mission bei den Pampa's. Sitten dieser Völker. Errichtung einer Reduction unter ihnen. Blühender Zustand derselben- Die Spanier verleiten sie zum Gebrauch des Branntweins- Verderbliche Folgen- Es kommt eine spanische Fregate zu einer Entdeckungsreise an- Auflösung der Reduction bei den Pampa's 48. Aufhebung des Ordens der Gesellschaft Jesu und Schilderung der Mißhandlungen, die ihnen M Paraguay widerfuhren--->- Seite 3»7 3-6 aal 336 345 354 Verbesserungen. Seite Jette 2tS, 7 v- u.. 2S2, z v- u., 3tS, 1V-0-, statt lies erstaunten, erstaunten, eine anders, einer andern. Tibutfäh-, tribntfäh-. -^z- s^c- j4(^inko s'.l 7 -1'.NVI Ä»I>L ^ ttz-t > 1,-7 / 7/ !<-^ I n Ä1 L212 N i l o ii L- / ^<>11 V2 wel iio I»>'^,>i!i>1, il^^fiocckl> li'O A 7!il(7>7 s" FL- >'!.7>iMt >»i>«r.c-s - ---- ^^^) s .M l<<^- >i V --« § -S ''"'"-'7c., KjX' A7. -)x<- V I 7777<1 /c,^ /F'/' /^' > X U X 6 V-X L- ,^t7 7i7>l!lsl7'I'7> ^->x7 X^ » — ,! Z! >