Nachricht an das Publikum. (*) iLR.LK'r» H^-in Schriftsteller, der zweimal ünen gelehrten Banquerot gemacht hat, und sich dem Publikum zum drittenmal aufdringt, muß ein wunderliches und eigensinniges Geschöpf seyn; er handelt eben so lächerlich als ein Kaufmann, der sich in einem ähnlichen Falle befindet, und neuerdings von seinen noch unbezahlten Gläubigern Geld federt. Ungeachtet dessen bin ach standhaft genug, es zum drittenmal mit dem Publikum aufzunehmen , und zu versuchen, wer von uns beyden recht thut; das Publikum, wenn es sich um meine Schriften nicht bekümmert, oder ich, der er ihm wohlmeynend anräth sie zu lesen. Ich muß mich deutlicher erklären '. Ich habe im I. 177^» )( mit C*) 7W. Man muß diese Nachricht ganz lesen, wenn man wissen will, was darirm rnt-aLtey iß; keine urmöHige Erinnerung! mit Auszügen au« den besten europäischen Journalen angefangen, und sie durch fünf Vierteljahre fortgeführct; nur wenige Leser fänden sich ein, und meine übrigen Mitbürger wußten nicht einmal, daß diese Wochenschrift an das Licht getreten war, ob man gleich alles mögliche chat, sie bekannt zu machen ein Umstand , der den Verleger nothwendig aus seiner guten Laune bringen mußte, weil er nicht für gut fand, einen Schriftsteller für Makulatur zu bezahlen. Ein anderer schte diese Wochenschrift nach seiren eigeyen Ideen mit gleich schlechtem Erfolge bis zu Ende des i^^ten Äa!uc§ !ort. Äm 1.übernahm ich sie neuerdings, und das war der zwcyte Versuch, unter dem Titel'. Literarische Nachrichten von den besten Schriftstellern unsrer Zeit, ich bearbeitete sie nach der Art meiner Auszüge bis zu Ende des i^TIten Äahres, ohne daß Viele Luft gehabt hatten sie zu lesen. Ich sieng auf Anrachen meines Verlegers das i^6te Äahr nach der Art desjenigen an, der meine Auszüge fortgeschet hatte, und dann verdarb ich es vollends gar; ich erwarb mir dadurch nicht nur keine neuen Leser, sondern selbst die Wenigen, die meine Blatter noch gern gelesen hatten, verlohre:4 die Geduld , wodurch die Sache so weit kam, daß ich ^im zweytenmal von der gelehrten Schaubühne abtrettn mußte. Nun eine kleine Frage: Waren meine Auszüge, und Literarische Nachrichten , so, wie ich sie, wenn ich mich meiner narür- liehen Freyherc bedienen durfte, verfer- . tigre, Ligte, wirklich schlecht, und verdienten sie nicht von einem aufgeklärten Publikum gelesen zu werden? -Ich habe die Stimmen derjenigen gesammelt, welche als Leute von gutem Geschmacke allgemein bekannt sind, und sie waren einstimmig damit zu frieden. Allein es, gieng mir mit meiner Wochenschrift, wie dem guten Damöt beym Geliert, der feiner Phillis ein Geschenk mit Bändern machen wollte; Sie lobt sie, und — yiebt sie zurück. ^ Was ist also zu thun ? Ein Autor, den Männer von Kenntnissen und Einsichten loben, wird zu eitel, als daß er das Schreiben aufgeben sollte; man schreibt schon sehr ge^-n, wenn man sich allein gelallt; wie viel starker muß uns die Autorsucht überfallen, wenn wir einen sslchen Beysatl wissen! Ich trete also noch einmal auf, und kündige eine Wochenschrift unter folgendem Titel an: Gesammelte Fragmeme. Ich habe seit ungefähr 22. Jahren Gelegenheit gehabt, aus Ler- fchiedenen berühmten Schriftstellern, die vortrefflichsten Züge zu sammeln, und damit will ich das Publikum beschenken; wohl verstanden, auf Pränumeration. Die Materien, woraus meine Fragmente bestehen, betreffen die Philosophie ( meine Lieblingsschwachheit) die Erziehung, die Politik, die Geschichte nach allen Eintheilungen, die Naturlehre, die schönen Wissenschaften, die Litteratur, aber sehr sparsam, denn VeftiAiL terrent, und Anekdoten. In das Heiligthum dek Religion werde ich Mich nie, oder nur selte» L 2 wagen, wage», theils weil wie die vortrefflichsten Lehrer in diesem Fache besitzen, deren Gelehrsamkeit und theologische Kenntnisse den meinigen weit überlegen sind, theils weil meine Hauptabsicht ist, manche unsrer jungen Leute vorläufig zu Menschen zu machen; sybald ich diesen Endzweck werde erreichet haben, wird es sehr leicht sey», ihnen die achten Begriffe von unsrer Religion beyzubringen. Zudem schreibe ich Ar alle fünf Theile der Welt z wenn man mich gleich nur Ln einen Winkel der Erde liest. Nur in einem Winkel der Erde ? ——. Je nun, ein Prediger, wenn er auch noch so wenig Zuhörer hat, muß seine Reden doch so fleißig bearbeiten, als ob diesen die größte Kirche zu eng werden wollte. Dem schönen Gefchlechte empfehle ich meine Blatter vorzüglich; es soll Dinge darinnen finden, die es angenehm unterhaltest werden; und woraus es weit mehr Vortheile als aus Schmünke und hohen Haaraufsaße ziehen kann. Ein Mädchen, wenn es nur schön und gepicht ist, wird ihren Verehrer nie lang erhalten. An die schöne wie an die häßliche Gestalt gewöhnet man sich; aber die durch den Geist und die Feinheit des Verstandes verschönerte Tugend wird ihn alle Tage mehr fesseln, weil er dadurch alle Tage neue Reiße entdecket, die ihm noch unbekannt waren; dann wird sich die Neigung nickt nur seiner Sinne, sondern seiner ganzen Seele bemächtigen, und die zu unfern Zeiten so unbekannte ewige Liebe, selbst bey Eheleuten, keine Fabel mehr seyn. Ferner muß «ine vernünftige und tugendhafte Schöne allemal mal auf die Erzlehäng der Mannspersonen ein viel ßärkern Einfluß als alle Lehrer einer trockenen Moral haben, und weit mehr zu ihrer Ausbildung beytragen. Ach werde davon in meinen Blattern umständlicher handeln, und meinen Sah bis zue Augenscheinlichkeit beweisen. Endlich komme ich auf das Gründlichste mer> ner ganzen Anzeige, ich meyne die Pränumeration. Alle Mittwoche und Samstage wird ein Bogen in dem Format meiner litterarischen Aus» züge erscheinen. Daj^ür sind auf ein ganzes Jahr A ff. zu bezahlen. (* ) Wenn ich ohne Schaden durchkommen will, denn ich lasst diest Wochenschrift auf meine Rosien drucken: so muß ich durchaus 200 Pränumeranten haben. Diejenigen Leser, welche sonst mit meiner Auswahl interessanter Züge zufrieden waren, mögen es selbst auf sich nehmen, so viele anzuwerben, als zur Entstehung dieser Wochenschrift nöthig sind, wenn sie anderst noch Luft haben etwas von mir zu lesen. Dermalen, da die Sache auf meine Rechnung gehet, kann ich in der Mahl meinem GescHmacke ganz allein folgen/ und um so mehr darf ich auf den Beyfall meiner Leser, die mich bereits kennen sollten, Anspruch machem X z Stückst) 5 ff. auf einmal ! das ist viel. Wenn der v. unter dieser Zeit stürbe? O, meine Herrn , dann ist sein Verlust unendlich großer als der Ihrige. Indessen kann ich Sie versichern, da>ß mich «sch gar keine Lust dazu airwandelt. v Stückweise wird gewiß kein Blatt zu haben seyn, weil ich mich in der Anzahl der Exemplare bloß nach der Zahl der Pranumeranten richten werde; dazu kömmt noch, daß diese ihre Blätter nicht'so sehr cherumleihen werden , als es vormals zum größten Nachtseite -es Verlegers und folglich des Autors geschehen ist, weil sie besorgen müssen, ihr Exemplar mangelhaft zu besehen, wenn einer ihrer Freunde ein Stück davon verlieren sollte, wie dieses die traurige Erfahrung schon mehrmalen gezeiget hat. Noch habe ich zu erinnern, daß sich die -Herrn Pränumeranten bey Zeiten melden möchten, damit ich aus Ihrer Anzahl schließen kann, ob ich im Stande bin sie ohne Verlust zu bedienen. Unter dieser Bedingung wird dem dritten Julius dieses Jahrs das erste Blatt Ln der von Trattnerischen Buchhandlung an dem Graben , wo man auch die Pränumeration annimmt, ausgegeben werden. Die auswärtigen Leser belieben sich an das K. K. Postamt zu wenden. Ich werde meinerseits nichts ermangeln lassen, was zum Vergnügen und Unterricht aller Arten von -Lesern dienen kann, wenn sie, wir Wieland sagt, nur Linulables sind. Die Fragmente werden meistens kurz seyn, und sich so sehr wegen der Abwechslung als Wahl empfehlen. Manchmal werde ich meine eigene Gedanken mit untermischen, -NM zu erfahren , was meine Leser davon halten; darf ich mir noch damit schmeicheln, daß einige aus Ihnen es der LPühe werth achten, ihre eigenen Aufsähe meinen Blattern einverleiben zu lassen, sen , oder, weny sie meine Gedanken unrichtig Mden, ihre Gegengründe mir mit Ansrand mit- zutheilen, so .werden alle meine Wünsche erfüllst. Wien den so April 5776. Der Verfasser, H --d-s