VVI6N6!- AM-MbliotklkK. Chr. F. Weis,es Jugendtheater. C. F. Weisse, des Kinderfreundes, Zugendtheater. Der geselligen Freude und sittlichen Veredlung guter Kinder bestimmt. Den Zeitbedürfnissen gemäß eingerichtet und durchaus verbessert von WüspÄHrrA. Viertes Bündchen. Enthält: Lve jungen Spieler. Lustspiel in einem Aufzuge. Der kleine Schadenfroh. Lustspiel mit Gesang. Wien, Mausberger's Druck und Derlag. I 8 2 7. - Jugendtheater, rv. D i e jungen Spiele Lustspiel in einem Aufzuge. T P e r s o n e ni Herr Albert, ei» reicher Kaufmann. Carl, sein Sohn von vierzehn Jahren. Hendrich,) Triks, Fröhlich, Biedermann. Lottchen, Earls Schwester. Carls Gespielen. Der Schauplatz stellt einen Garten mit einer Laube Erster Auftritt, Hendrich, Biedermann. Biedermann. wollen wir aber hier, in Allberts Garten? Ich wollte dich, nicht ihn besuchen? Hendrich. Ich muß ihn sprechen. Du kennst ihn ja auch? Biedermann. Ich kenne ihn^ aber weiter nicht, als daß ich ihn bisweilen an einem dritten Orte gesprochen habe. Ihr wäret sonst eben nicht sehr mit einander bekannt? Hendrich. Seit ein Paar Wochen, daß wir Nachbarn sind, sind wir's geworden. Wir haben des Abends einander an der Thüre gesprochen, und er ist einige Mahle bey mir gewesen, wo wir ein Spielchen zusammen gemacht haben. Biedermann. Du machst jetzt oft Spielchen! Ich sehe dich immer in der Gesellschaft von jungen Herren. Lriks, - 4- Furber, Fröhlich, und wie sie weiter heißen, auf die ich gar nicht viel halte. Hendrich. Leider nur zu wahr! und ich wollte, daß ich sie nie kennen gelernt hätte. Biedermann. Nun? ist es nicht noch Zeit, sich von ihnen los zu reißen? Es hängt ja bloß von dir ab, ihren Umgang zu suchen, oder zu meiden. Hendrich. Ach! jetzt nicht mehr! Würdest du mich verrathen, wenn ich dir was anvertraute? Biedermann. Eine artige Frage! Du kennst mich, dächte ich, lange genug. Nur muß es nichts seyn, wobey meine Ehrlichkeit in Gefahr kömmt. Hendrich. Sie haben mich sehr unglücklich gemacht, und zu mancherley Dingen verführt, daß ich erst recht unglücklich werden kann, wenn es mein Bater erfährt; und das steht mir jetzt bevor. Biedermann. Du erschreckst mich ganz. Run? Hendrich. Für's Erste haben Sie mich immer zu dem Italiener Malvasia geschleppt. Da haben wir uns Sect und andere süße Weine geben lassen. Wir haben ge- 5 spielt, und sie haben mir nach und nach all mein Bischen Geld abgenommen. Biedermann. Eine gerechte Strafe! Warum spielst du? Indessen lasse dich durch deinen Schaden klug werden, spiele nicht mehr, so wird dein Verlust für dich Gewinn seyn. H e n d r i ch. Das geht nicht. Höre nur weiter! Da ich kein Geld gehabt habe, und immer meinen Schaden wieder durch's Spiel zu ersetzen glauben, so haben Sie mir obendrein meine silberne Uhr, meine Garnitur, silberne Schnallen, HemdeknZpfchen, und alles, was ich nur von einigem Werth hatte, abgenommen, lleber- dieß bin ich beym Italiener 6 Rthlr. schuldig. Dieser will morgen Früh zu meinem Vater gehen,— und ach! du kennst seine Strenge! Biedermann. Die verdienst du! und das Beste wa'r', dich seiner gerechten Züchtigung mit einem offenherzigen Bekenntnisse zu unterwerfen. Hendlich. Nimmermehr! o du weißt nicht, was ich zu befürchten habe! Sein Zorn— Biedermann. Run? Was soll aber daraus werden? 6 H e n d r i ch. Ich muß dir sagen: Ich habeTriksen und Fröhlichen meine Verlegenheit entdeckt; habe ihnen die Folgen vorgestellt, wenn es mein Vater erführe, und sie haben mir einen Vorschlag gethan, wie sie mir heraushelfen wollen. Biedermann. Der msg-sKSn seyn! H e n d r i ch. Je nun, freylich nicht der beste. Sie haben meine Bekanntschaft mit dem jungen Albert gesehen, und ihn auch schon bey mir kennen gelernt. Er hat Geld und sogar ein Ducaten-Börschen. Biedermann. Nun? sie werden ihn doch nicht etwa bestehlen wollen? Hendr ich. Pfuy! sie wollen es nur mit ihm so machen, wie sie es mit mir gemacht haben, und ihm nebst mir das Geld abgewinnen, damit ich davon dasNöthigste von meinen Schulden bezahlen könne. Biedermann. So? Also, da sie mit dir fertig sind, sollst du ihnen deine Freunde zum Raube liefern? Und woher weißt du, oder sie, daß Ihr gerade auch von ihm gewinnen werdet? Kannst du nicht noch mehr dazu verlieren? H e n d r i ch. Pein, für's Erste kann er das Spiel, das wir spielen, nicht recht. Zweytens spielt er sehr hitzig, und so dumm ehrlich— Biedermann. Und du? spielst denn du spitzbübisch klug? Hen brich. Ey, ich habe allezeit ehrlich gespielt! Biedermann. Und hast dabey verloren? und jetzt, wenn du auch, wie ich hoffe, künftig so spielen willst, bist du denn da gewiß, daß du gewinnen werdest? denn du mußt wissen, daß das Glück oft dem einfältigsten Spieler am günstigsten ist. H e n d r i ch. Ja nun, da weiß ich eben nicht, wie das zugeht. AberLriks versichert mich, daß sie kleine Kunstgriffe wüßten, durch welche Jener, her das Ding nicht verstünde, an sie immer verlieren müßte. Biedermann. Kunstgriffe? Das heißt mit einem Worte, Be- trügercyen.— O pfuy! deren wolltest du dich bedienen, oder daran Theil nehmen? Siehst du, ich bin ein armer Schelm, und genieße von deinem Vater Wohlthaten; aber, wenn ich auch so reich, wie ein Krösus werden könnte, so möchte ich nicht auf diese Art gewinnen, und—ich wollte, daß du mir davon nimmermehr Ein Wort gesagt hättest! 8 Hcndrich. Biedermann! habe Mitleid mit mir! Ich verspreche dir— Biedermann. Mir versprechen, wenn ich mit betrügen helfe? H e n d rich. Rein; aber ich verspreche dir, wofern ich nur so glücklich bin, daß ich durch ein Paar Thaler den Italiener zum Schweigen bringen kann-- daß ich gleich diesen Umgang aufgeben, nie eine Karte wieder anrühren will; und, wenn ich es thue. so sollst du zu meinem Vater gehen, und ihm Alles, Alles sagen.— (Biedermann sinnt nach, und schüttelt mit dem Kopfe.) Noch mehr! ich kann gar nicht betrügen; denn ich bin nicht der Spieler, ausweichen hier Alles ankömmt; der ist Triks. Ich lasse mir bloß die Karten geben, und sie haben mir versprochen, daß sie, wenn ich verliere, nichts von mir nehmen, sondern bloß den Gewinn mit mir theilen wollen. Biedermann. Gut; darf ich zusehen? H endrich. Das versteht sich. Ich bitte Albert auf diesen Nachmittag zu mir. Sein Papa ist in Lauchstädt, und wird in einigen Tagen erst wiederkommen. Biedermann. Wohl; aber das sage ich dir, wenn sie in ihrer Betrügerey zu weit gehen— H e n d r i ch. Du? du wolltest mich unglücklich machen? Ist das der Lohn für mein Zutrauen zu deiner Freundschaft? O hätte ich dir doch nimmermehr Etwas gesagt! Biedermann. Ja, das wünschte ich! So hätte ich nichts zu verantworten. Hendrich. Verantworten? bey wem hast du denn zu verantworten? Biedermann. Bey meinem Gewissen, wenn ich sehe, daß ein guter Mensch betrogen wird? ' Henbrich. Aber, ich betrüge ihn nicht, du betrügst ihn nicht— Biedermann. So? also thue ich wohl recht, wenn ich sehe, daß Jemanden das Schnupftuch aus der Tasche gezogen wird, und schweige? Hen brich. Je nun, verliert Albert auch einige Thaler; vielleicht ist das ein wahrer Dienst für ihn, und er wird aus einmahl vom Spiele abgeschreckt. Biedermann. Ja, so wie du abgeschreckt worden bist. Man spielt, um wieder zu gewinnen, was man verloren hat, und hört mit dem Betrüge auf. Hen brich. Still! ich höre Jemanden die Hecke heraufkommen— Biedermann. Es ist der junge Albert selbst. Zweyter Auftritt. Hendrich, Biedermann, Carl. Carl. Ihr Diener, Hendrich, Ihr Diener, lieber Biedermann! Hendrich. Und Sie sind heute den schönen Tag nicht im Garten, und noch dazu an einem Feyertage, wo Sie keine Stunden haben? Biedermann. Unser Albert läuft nicht so umher, wie du; ein gutes Buch ist ihm lieber. Carl. O! ich bin heute Früh, sechs Uhr, schon im Garten gewesen, und habe mit Vater und Mutter und meiner Schwester den Thee dort getrunken, dann sind wir in die Kirche gegangen. Hendrich(ein wenig erschrocken). So? ist Ihr Vater wieder hier? das ist Ihnen wohl nicht lieb? — II— Biedermann. Wohl recht lieb, willst du sagen? Carl. Das versteht sich! O ich habe eine Freude gehabt! Nachdem ich ihn drey Wochen lang nicht gesehen, und wir ihn erst in einigen Lagen erwarteten. H e n d r i ch. Nun, ich habe meinen Vater auch lieb, aber, das gesteh' ich ganz gerne, wenn er mir einmahl den Gefallen thun und verreisen wollte, so würde ich eben nicht böse seyn. Carl. Nein, so denke ich nicht. Ich wollte, daß mein Vater ewig bey mir bliebe; denn er ist so gut— Hendrich. Ja, und meiner so strenge— daß er mir gar kein Vergnügen gönnt! Biedermann. Wer weiß, was du für Vergnügungen haben willst? Ich habe doch viele Beweise von seiner Güte. Carl. Ich dächte, es fehlte Ihnen auch nicht dran. Seit Sie hier in meiner Nähe wohnen, seh' ich Sie des Abends ja immer vor der Thüre. Ich bin bey Ihnen gewesen; wir haben im Gartenhäuschen gespielt; und hat es Ihnen ein Mensch gewehrt? -k ,2 H e n d r i ch. Ja, nun; mein Papa besucht in der Woche öfter eine Gesellschaft, wo er vor Abends zehn Uhr nicht nach Hause kömmt. Carl. Und Ihr Herr Hofmeister? Hen drich. Der wohnet in der Stadt, und geht Abends hinein. Das ist auch die Zeit, welche ich mir zu Nutzen mache. Aber nun, da Ihr Vater wieder hier ist, so werden wir einander wohl Abends nicht mehr so oft sehen. Carl. Warum nicht? Er versagt mir kein erlaubtes Vergnügen; er muntert mich vielmehr dazu auf, und macht sich's selbst zur Freude, dabey zu seyn, sobald er nur Zeit hat. Hen drich. Ey, das ist ein vortrefflicher Vater! er erlaubt Ihnen also, auch wohl wegzugehen, wenn und wohin Sie wollen? Carl. O ja, wenn ich nichts Wichtigeres versäume, und es ihm sage. Biedermann. Ja, und weil er weiß, daß Sie an keinen unrechten Ort gehen; nicht wahr? .3 Henbrich. Wo sollte ich hingehen? Er weiß wohl, daß bey meinen Bekannten und Verwandten nichts Unrechtes geschieht. H e n d ri ch. Und was machen Sie denn da zusammen? Carl. Den Sommer über gehen wir meistens spazieren! Hendrich. Spazieren? Ach! da wird man sobald müde. Ich kann nicht lange gehen, und beym Spazierengehen wird Einem ja endlich die Zeit lang. Wenn man nun geht und geht, und nichts weiter thut als geht— Biedermann. So? als ob die Bewegung, sobald man lange genug gesessen ist, nicht eben so gesund als angenehm wäre? Carl. O! und die Unterhaltung? Sie sollten nur einmahl mit uns gehen! Da hat mich mein Hofmeister und mein Vater die Blumen und Kräuter kennen gelehrt; nun suchen wir welche! Das ist eine Freude, wenn Eins von uns ein neues Pfla'nzchen entdeckt! Nein, Sie glauben nicht, was wir da für Wunderdinge finden, wenn wir sie zergliedern!—Oder wir schwätzen auch von andern artigen Dingen, erzählen einander—. Jugendtheater. IV ,, — ,4— Hendrich. Nun, und den Winter? Carl. Je nun, da spiel' ich bisweilen mit dem Vater, der Mutter, oder Lottchen ein Schach; oder, bin ich bey meinen Bekannten, so spielen wir ein Spiel im Pochbrete, oder das witzige Kartenspiel, oder Spruch- wörter— Hendrich. O! ich dächte, die wären zum Theil sehr langweilig und Kops anstrengend;— und niemahls itt der Karte? Carl. O ja! auch in der Karte; obgleich selten, Tris- set, Quadrille, L'hombre, wie es kömmt. Hend r i ch. Und um Geld? Carl. Freylich um Geld! Aber um eine Kleinigkeit. Wenn etliche Groschen verloren gehen, so ist s viel. Her, brich. Ja nun, das ist auch recht; man muß sich nach seinem Beutel richten. Carl. O! Monsieur Hendrich. Am Gelde fehlt mir's nicht. Mein Vater gibt mir ein gar hübsches Taschengeld. — iZ— Hendrich. Nun, wie viel denn? Carl. Wöchentlich Einen Thaler. Biedermann. Ey, das ist viel! und dafür dürfen Sie sich nichts von Kleidungsstücken, oder sonst so Etwas schaffen? Carl. Kleinigkeiten, um die ich den Papa nicht erst überlaufen will. O das ist lange noch nicht alles. Zu meinem Geburtstage setzt es allzeit vier Ducaten; und von meiner Großmama-— zu der komme ich nicht leicht, daß es nicht so ein Goldstückchen setzt, und gerade habe ich jetzt ein Börschen mit 24 Ducaten. Hendrich. Ey! das istzum Erstaunen. Und was machen Sie denn mit allen dem Gelde? Carl. Je nun, was macht man damit? Ich lasse ein paar arme Knaben in die Schule gehen. Ich habe einen alten Schreibemeister, der blind geworden ist, und wöchentlich was von mir bekömmt. Ich kaufe mir zu Zeiten ein hübsches Buch, oder sonst so Etwas, das mir gefällt; lasse mir Roten abschreiben; mache meinem Hofmeister, oder meiner Schwester, oder sonst Jemanden bey gewissen Gelegenheiten eine heimliche Freuds, verliere auch wohl einmahl im Spiele— H e n d ri ch. Ey, da werden sie was Rechtes verlieren, wenn Sie, wie Sie vorhin sagten, niemahls über etliche Groschen verlieren! Carl. Groschen machen Thaler, lieber Hendrich. Indessen soll auch nicht alles aufgehen. Wer weiß dann, was einem bisweilen bevorsteht, und da ist es immer gut, wenn man ein gespicktes Beutelchen zum Rückhalt hat? Biedermann. Ja wohl, guter Albert. Geld braucht man immer. Hendrich. Ah! a propos? wie gefallen Ihnen denn dieSpiele, die wir ein paar Mahl bey uns gespielt haben? der gelbe Zwerg und vinzd-nn? Nicht wahr, sie sind recht hübsch? Carl. Je nun, wenn man sich nicht den Kopf zerbrechen will;— sonst spiele ich noch immer eins, wo man auch seinen Verstand ein Bischen zu Rathe ziehen muß. Hendrich. Des Kopfbrechens wegen spielt man auch nicht, sondern sich vom Kopfbrechen zu erholen. Sind sie für den Nachmittag versprochen? >7 Carl. Nein, so viel ich weiß,— nicht. Hendri ch. O! so machen Sie mir doch die Freude und kommen Sie nach fünf Uhr zu mir. Ich bin heute ganz allein zu Hause, wir wollen uns die Zeit recht angenehm vertreiben. Furber, Triks, Fröhlich kommen auch. Carl. Das könnte ich wohl thun. Ich will meinen Va ter fragen, wenn Sie ein wenig warten wollen? Hendrich. Nein, ich will lieber indessen nach Hause gehen, daß meine Bekannten nicht wieder fortlaufen—Biedermann kann mir Antwort sagen. Wollen Sie das? Carl. Meinethalben. (Hendrich geht ab). Carl. Wollen Sie mit hinauf kommen, Biedermann? Biedermann. Wenn Sie erlauben, will ich lieber hier bleiben und mich im Garten ein wenig umsehen! Carl. Auch das! Ich bin gleich wieder hier. __ ,8— Dritter Auftritt. Biedermann(allein, nachdenkend). Ich weiß nicht, was ich thue? Hendrich dauerr mich!— Wenn ich ihm helfen könnte—soll ich aber den armen Albert so hintergehen lassen? Nein, der Hehler ist so gut, als der Stehler, und an solchen Betrügereyen Theil nehmen, oder sie verbergen helfen, ist so viel, als selbst betrügen!—> Doch still! .— da kommt Alberts Schwester! Gut wäre es,»renn ich rhn durch diese zurück halten könnte. Vierter Auftritt. Biedermann, Lottchen. Lottchen. Je, wo kommen Sie denn hieher, lieber Biedermann? Habe ich Sie doch fast seit einem Jahrs nicht gesehen! Biedermann. Freylich wiederfährt mir das Glück selten, ich müßte Ihnen denn einmahl im Vorbeygehen meine Ehrerbiethung bezeigen? Lottchen. Suchen Sie etwa meinen Bruder? — ly— Biedermann. Nein, ich war mit dem jungen Hendrich hier, und habe ihn eben gesprochen. L o t t ch e n. Sie sind wohl ein sehr guter Freund Hendrichs? Biedermann. Wie Sie wollen, ja und nein; ich bin seinem Vater viel schuldig, und auch ihn liebe ich. Löttchen. Vermuthlich, weil er es verdient? Biedermann. Im Ganzen— ja; er hat kein böses Herz. Löttchen. Aber sagen Sie mir Bester,— Sie sehen, daß ich mit Ihnen aufrichtig rede— ich muß gestehen, daß ich von der Gesellschaft, in der ich ihn immer sehe, nicht viel Gutes gehört habe. Bi e d e r m a n n. Vermuthlich, weil man von ihr nicht viel Gutes sagen kann. Hendrich ist unter sie gerathen, und er dauert mich; denn sie geben nicht viel Kluges an, und am Ende wird er mit verführt. Löttchen. Und das könnte meinem Bruder auch widerfahren? Das sollte mir sehr leid thun; denn ich habe MeinenBru- der so lieb, so lieb— Er hat das beste Herz von der Weltl Nur überläßt er sich allzu geschwind einer Lei- ^ V^---- — 20 denschaft, hält Jedermann für so gut, als er ist, und Alles für Gold, was glänzt. Biedermann. Ja, ja, da kann man freylich leicht Lehrgeld geben! L o t t ch e n. Ich habe ihn immer gewarnt, daß er die Bekanntschaft mit Hendrich nicht so innig treiben soll, um so mehr, da er mir gesagt, daß von seiner gewöhnlichen Gesellschaft Einige da wären. Biedermann. Bis jetzt, glaube ich, haben Sie nichts Unrechtes vorgenommen. Indessen wird er wohl thun— doch, ich will nichts gesagt haben— Lottchen. O Sie können mir Alles sagen; ich sage nichts wieder! Biedermann. Je nun, ich wollte auch nicht— Ich bin ein armer Junge, der sich wenigstens vor dem Schabernack solcher Leute hüthen muß. Sie haben angesehene Aeltern, und wenn sie glaubten, daß ich hin und he« trüge, oder sie verkleinerte— Lotlche n. Wer wird einen guten Freund verrathen? Indessen fürchte ich eben nicht, daß die Bekanntschaft mit Hendrich von sehr nachteiligen Folgen für mei- 21 neu Bruder seyn werde; denn merkt mein Vater Etwas, so ist die Sache gleich zu Ende. Biedermann. Man merkt aber bisweilen Etwas zu spat, und dann— wenn's auch nicht weiter geht, so macht man doch das, was geschehen ist, nicht allezeit wieder gut. Lottchen. Ich verstehe Sie nicht. Biedermann. Je nun, sehen Sie, z. B., wenn nun so Hendrich mit solchen Burschen in Gemeinschaft gera'th; diese verführen ihn erst zu einem kleinen, dann zu einem großen Spiel; gewinnen ihm sein Bischen Taschengeld ab; das reicht nicht mehr zu; dann verkauft er von seinen Sachen; er borgt—> Lottch en. O pfuy doch! das werden sie doch nicht thun? Wenn sie auch ein gesellschaftliches Spiel zum Zeitvertreibe spielen, so wird es um eine Kleinigkeit seyn. Biedermann. Ah, man kann auch aus Gewinnsucht—im Kleinen und Großen spielen; spielen, um Geld zu haben, das man vernascht, und auf unnütze Dinge verwendet. Lottchen. Sie machen mir Angst. Ist etwa meinem Bruder schon so Etwas widerfahren? sagen sie mir es aufrichtig! Biedermann. Bewahre der Himmel! aber ob es nicht geschehen könnte— Hendrich hatte ihn für heute Nachmittag hinüber zu sich gebethen? vermuthlich wird es sein Vater erlauben? Lottchen. Ich zweifle nicht, wenn ich es nicht zu verhindern suche; und das möchte ich doch nicht, weil ich ihn dadurch um sei» Vergnügen brächte. Biedermann. Wenn sie nun aber gleich heute spielten, und ihm brav abgewönnen? Lottchen. So wird der Schaden ihn für die Zukunft vielleicht klug machen. Biedermann. Wenn sie das meynen? Ich siehe wenigstens nicht dafür—und ich könnte es nicht wehren, wenn es geschähe. Lottchen. Je nun; vielleicht kann ich es dem Vater sagen. Er hat mir versprochen, herunter zu kommen, sobald sein Besuch fort ist. Biedermann. Ah! d'rum kömmt wohl Ihr Bruder nicht wieder? Er wollte Mir Antwort bringen, ob er zu Hendrich kommt oder nicht. 23 Lottchen. Ah! ich höre die Klingel von der Gartenhausthüre; ganz gewiß ist er's, oder der Vater— Biederm a nn. Es möchte der letzte seyn; und ich wollte nicht, daß er das, was ich Ihnen vertraut habe, von mir hörte. Ist es Ihr Bruder, so will ich seine Antwort vor der Gartenthür erwarten. Sagen Sie ihm aber nicht, was ich Ihnen mitgetheilt habe. Lottchen. Richt,einmahl, daß ich Sie gesprochen hatte. Biedermann. Desto besser!(Ab.) Fünfter Auftritt» Lottchen, Earl. E arl. Ich wollte, daß der"Herr Doctor Wunderlich sonst wo wäre. Da sitzt er dort, und fragt den Vater über seine Badecur nicht anderswie einen Jn- qursiten aus, so daß man kein Wort anbringen kann. Lottchen. Ey, du wirst ihm auch recht Nothwendiges zu sagen haben! Ich dächte, des Vaters Gesundheit ginge allem vor? Carl. nun, so konnte er früher oder später kommen, und gerade nicht, wenn ich ihm Etwas zu sagen habe. Lottchen. Vermuthlich Sachen von großer Wichtigkeit! Carl. Wichtig genug für mich; weil ich den Nachmittag nicht Lust habe, zu Hause zu bleiben, und Weggebethen bin? Lottchen. ZuHendrich; nicht wahr? Carl. ZuHendrich; nicht anders. L o tt ch en. Sehr gut; ob ich gleich nicht sagen kann, daß Herr Hendrich die Ehre hat, mir zu gefallen. Carl. Da ist er freylich sehr zu beklagen; und wie muß man gemacht seyn, wenn man die Ehre haben soll dir zu gefallen? L o t t ch e n. So wie du, lieber Bruder. Carl. Spotten Sie nicht, Fräulein Schwester. Lottch en. Nein, nein, es ist mein ganzer Ernst. Du bist ein guter, lieber Mensch. Carl. Was heißt das? L o tt ch e n. Je nun, ich werde dir doch nicht, als einem so gelehrten Herrn, die gemeinsten Wörter erklären sollen? Ein Mensch, der nichts Böses denkt, redet und thut; aufrichtig, offenherzig, fleißig, auch manierlich ist—freylich gegen seine Schwester nicht immer. Carl. Ja, weil seine Schwester eine kleine Reckerinn ist, und den Bruder bisweilen böse macht, sich immer klüger und weiser, als er, dünkt. Aber was soll das alles? Ich frage, warum Hendrich das nicht seyn soll, was du aus bösem Spotte an deinem Bruder rühmst? Kennst du ihn denn? Lottchen. Vom Angesicht— und da ist erein hübscherJunge. Carl. Vom Angesicht, und also weiter doch nicht? Lottchen. Je nun, wenn ich Jemanden nicht kenne, so suche ich, ihn aus seinen Handlungen kennen zu lernen. Carl. So? hast du denn viele von seinen Handlungen gesehen? Lottchen. Das nicht; aber ich beurtheile ihn aus seinem Umgänge. Jugendtheatee. IV. 3 Carl. K e^ gefallen, weil er meine Gesellschaft, und meinen Umgang sucht,? Lottchen. Das war ein Stückchen Bosheit, Bruder. Ich ^"°eh ältere und längere Bekanntschaften a s dich, und von denen habe ich seit einiger Zeit mehr als einmahl gehört, daß sie Taugenichtse sind. Carl. Und wer hat dir denn das gesagt? , Lotä ch e n. D-e zusammen spielen, das Geld einander abgewinnen, vernaschen— Carl. Je nun, rch dachte Wunder, was es wäre. Wenn sie nun auch zusammen spielen. Wir spielen auch, und gewinnen, und verlieren; vernaschen auch bisweilen em Paar Groschen in Kirschen und Erdbeeren. Ich habe„ mit seinen Gesellschaftern auch gespielt, und gesehen, was sie gespielt, und sogar von ihnen ei- mge Groschen gewonnen Lottch en. -^a,;a, und einmahl gewinnst du die Groschen, und sie später die Thaler— So verliere ich sie ml'r und nicht dir; aber nni, unmer die Hofmeisterinn machen, und wir me,n Vergnügen entziehen. Da ich hinge- — 27— gen—ich wüßte nicht was? in der Welt thäte, dir eine Freude zu machen—- L o ttch e n. Ich dich um ein Bergnüngen bringen? die Hof- meisterinn bey dir machen? nein, lieber Bruder, gerade das Gegentheil. Dein Vergnügen ist meines. Du würdest mich aber dauern, wenn du bey deinem guten Herzen in schlimme Hände sielest. Carl. Run, laß' es nur gut seyn; ich weiß, daß du mich liebst, und ich liebe dich auch. Aber, das muß ich gestehen, daß es mich verdrießt, wenn du mich für so blind hältst, daß ich nicht mrt offenen Augen sehen soll. L o t t ch e n. O, mit weit geöffneten Augen kann man blind seyn, und du wärst nicht der erste junge Mensch, der sich für klug gehalten, und es auch gewesen ist, und doch—-Ah, unser Vater— Sechster Austritt. Carl. Lottchen. Albert. L o t t ch e n. Gut, daß Sie kommen. C a r l. Ja, guter Vater, und der Herr Doctor Wunderlich hat ewig bey Ihnen gesessen! — üg— Albert. Seyd Ihr denn froh, daß Ihr mich wieder habt, meine besten Kinder? Lottchen. O, wer sollte nicht? Sie sind ja unser liebster, bester Freund? Unser Haus ist eine wahre Einöde gewesen, so lange wir Sie nicht gehabt haben. Carl. Ja gewiß, Ach! ohne Sie— Albert. Gleichwohl möget ihr es immer lernen, auch ohne mich in der Welt zu seyn; denn nach der Ordnung der menschlichen Natur muß ich doch ein Mahl vor euch eine Reise antreten, von der man nicht wieder zurück kommt. Lottchen. Stille davon, lieber Vater, wenn Sie nicht wollen, daß ich weinen soll. Carl. Ich hoffe, Sie sollen noch lange, lange zu unserer Freude und zu unserem Glücke leben.— Jetzt habe ich eine Bitte an Sie, lieber Vater! Albert. Run? Carl. Hendrich— Sie wissen, daß sein Vater jetzt unser Nachbar ist,— Hendrich hat mich den Nachmittag zu sich gebethen. — 29— Albert. Ah, eine neue Bekanntschaft? Es ist mir lieb, wenn du so nahe einen guten Umgang findest. Lottchen. Einen guten Umgang— horst du Bruder?! Carl. O ja, Vater; das ist er, denke ich. Man vertreibt sich die Zeit recht gut mit ihm; ich bin schon einige Mahle bey ihm gewesen, und habe dort auch noch ein Paar andere junge Leute kennen gelernt. L o t t ch e n. Auch gute junge Leute? Carl. Schwester, rede nur nicht darein!—>ja, auch gute junge Leute. Albert. Wenn ich von einem guten Umgang rede, lieber Carl, so will ich damit sagen, ob der junge Mensch gesittet— Carl. O, recht höflich und artig— Albert. Fromm, tugendhaft, fleißig, seinen Pflichten getreu ist? Lottchen. Lieber Papa, wie kann er das wissen? denn sie haben bloß des Abends bey einander an der Thüre gestanden, und— — 3o— Carl. Und bin ich nicht auch drey bis vier Mahl auf ein Stündchen und länger d'rüben gewesen? Albert. Und worin hat denn da eure Unterhaltung bestanden?i Lottchen..' In Spielen? Carl. Warum nicht in Spielen— in Spielen allein? — Wir haben geschwätzt, gescherzt— L o tt ch e n. Und nicht gespielt? Albe r t. Je nun, ich finde da nichts Unrechtes, wenn sie auch gespielt haben. Zwischen Spielen und Spielen ist ein Unterschied. Carl. Ja> auch gespielt haben wir; der Vater erlaubt es uns ja auch. Albert. Ja, sobald es ein Spiel ist, das zu einer kleinen Zerstreuung für den Geist, der sich durch Fleiß und Arbeit zuvor angestrengt hat, dient; ein Spiel, das nicht mit nachtheiligem Verlust oder Gewinn verbunden ist, wodurch Liebe zum Spiel erzeugt oder eine Leidenschaft genährt wird; kurz, ein Spiel, wie es in unserer Familie gewöhnlich ist, unschuldig, — 3i— ehrlich, ohne eigennützige Absichten, zu einer Zeit, wo man gerade nichts Befferes thun will, oder vielmehr, thun ka n n. Lottchen. Thun kann, lieber Papa?. Zch dächte, da gab' es keinem Zeit, wo man. nicht etwas Befferes thun könnte. Carl-'' Man kann aber nicht immer über den Büchern sitzen, immer lernen? Albert. Lottchen hat so gar Unrecht nicht.. Etwas Besseres könnte man noch immer thun, wemmLie GL- sellschaft, in der wir uns befinden, immer so beschaffen wäre, daß wir genug Nahrung zur Unterhaltung in einer erbaulichen, lehrreichen, oder auch scherzhaften Unterredung fänden. Wo man aber in Ermanglung dieser zu Schmähungen und-licbtos-li .Beurtheilungen seines Nächsten, zu unanständigem oder läppischen Geschrvätz seine Zuflucht nehmen, oder bloß die Wände ansehen und gähneN muß, da wißt ihr, wie gern ich euch zu einem kleinen Spiel ermuntere, oder auch wohl gar selbst daran Theil nehme.. Lottchen. Habt ihr so ein Spiel gespielt? Carl. Hast du darnach zu fragen? Albert. Warum nicht, lieber Carl? sie fragt doch aus bloßer Freundschaft für dich? Carl.' Ja, oder daß sie Ihnen diesen Umgang verdächtig machen, und mir ihn nicht, gönnen will! Albert. Das kannst du deiner Schwester zutrauen? Lottchen(sieht ihn zärtlich an). Bruder! Carl(gerührt). Schwester, vergib mir!— Aber du hast wenigstens einen falschen Verdacht! Albert. Je nun, vielleicht hat sie einen Grund dazu; man kann ihn'hören, und wenn er falsch ist, ihr ihn benehmen. Wir sind ja alle drey so gute Freunde zusammen (Lottchen und Carl fassen ihn bey der Hand). Lottchen. O Vater, wie gütig! Carl. Ja, gewiß; Sie vergessen bey uns stets den Vater; sind immer der Freund. Albert. So wäre ich kein recht guter Vater, wenn ich das nicht wäre! Nie müßt ihr ein Geheimniß haben, das ihr mir nicht frey entdeckt, und wenn es von der 33 Artist, daß ihr nicht wünschet, daß es der Vater wieder erfahren möge, so soll es ihm der Freund auch nicht wieder sagen. Lottchen. O, ich hoffe, daß ich niemahls Geheimnisse haben werde, die ich einem so lieben Vater zu entde, cken mich scheuen sollte. Carl. Und ich denke, ich habe auch noch nie eines von der Art gehabt; denn! Sie mögen auch als Vater strafen, wenn es einen Fehler betrifft, so pflegen Sie doch nie den Freund dabey zu vergessen. Albert. Gut, gut, wenn ihr das stets von mir denkt. Meine freundschaftlichen Warnungen bey jedem Schritte, den ihr thun wollt, werden euch vor der Gefahr sicher stellen, in einen Fehler zu verfallen, oder ihn ganz zu begehen. Was hast du also, Lottchen, wider diese neue Bekanntschaft unsers Carl's? Lottchen. Ze nun, ich habe gehört, daß diese jungen Herren ein Bischen locker wären, das Kärtchen fleißig in den Händen hätten und zusammen spielten. Carl. Und wer hat das gesagt"? Lottchen. Daran liegt nichts, weres gesagt hat; sondern es fragt sich, ob es wahr ist? — 3ch— Albert. Ich habe über das Spiel schon meine Gedanken gesagt. Es kömmt darauf an, was ihr gespielt habt? Carl. Je nun, ein Spiel, das nicht vrel Kopfbrechens braucht, und unterhaltend genug ist: es^hieß vinAt- ren. Albert. Ich kenne es; aber ich muß dir sagen, daß es Mir nicht gefällt. Carl. Warum? es ist leicht gelernt. Wer den ein und zwanzig Augen am nächsten kömmt, bekömmt von Denen bezahlt, die über und unter ein und zwanzig haben. Albert Und man kann auf die Blätter so viel setzen, als man will. Aber weißt du, daß das ein bloßes-Glücks- oder sogenanntes Hazardspiel ist? Carl. Das heißt, je nachdem mir das Glück günstig oder ungünstig ist, kann ich gewinnen oder verlieren; und das findet ja bey jedem Spiele Statt? Albert. Allerdings; nur mit dem Unterschiede, daß hier bloß das Glück entscheidet, während bey den gewöhnlichen gesellschaftlichen Spielen auch viel darauf ankömmt, wie ich spiele. Ich kann nähmlich, wenn mir 33 auch das Glück nicht günstig ist, durch Vorsicht, Klugheit und Wahl Manches verhindern, manchen Verlust vermeiden, und also wenigstens dem Glücke gewisse Grenzen setzen; da jene, ich meyne die Hazard- spiele, wenn sie ohne betrügerische Kunstgriffe gespielt werden, bloß gesunde Finger und keinen Kopf brauchen; ein Spiel aber, wo man keinen Kopf braucht, mißfällt mir. Lottchen. So ein Spiel, dächte ich, müßte gar nicht unterhaltend seyn? Carl. Ey, mit Gunst; die augenblickliche Ungewißheit, ob unsere Erwartung, den Gewinst einzustreichen, durch das aufgehobene Blatt nicht erfüllt werden werde, ist unterhaltend genug. Albert. Ja, weil sich schon die Leidenschaft des Geizes einmischt. Carl. Es ist aber bey jedem Spiel bloß um den Gewinn und Verlust zu thun. Albe r t. Sehr wahr; nur daß bey einem gesellschaftlichen Spiele für s Erste gewisse Grenzen von Verlust und Gewinn gesetzt sind, die nicht leicht Jemanden auf ein Mahl seinem Untergänge nahe bringen können, zweytens, daß wir das Glück durch Verstand, wie — 3b— ich schon gesagt habe, gewisser Maßen in unserer Hand haben. Endlich, und das ist die Hauptsache, daß man bey den sogenannten Hazardspielen sehr oft ein Raub der niederträchtigsten Betrüger werden kann. Carl. Ey, wie wäre das möglich? Lottchen. O! ich kann mir das vorstellen! Wenn sie die Karte so zu mischen wissen, daß sie immer günstig für sie ausfällt? Albert. So ist es. Wie sie es machen, mein Sohn, weiß ich nicht; denn ich bin nie ein Spieler gewesen, habe auch nie mit dergleichen Menschen Gemeinschaft gehabt. Daß sie es aber können, weiß ich gewiß, und habe auf meinen Reisen die schrecklichsten Beyspiele gesehen. Carl. O! so ein Beyspiel, lieber Vater! Albert. Als ich einst in Pyrmont war, sah ich einen jungen Menschen—ich glaube, es war ein Engländer,— an Einem Abend sein ganzes Vermögen— und man versicherte, daß es sich auf 80,000 Pfund belief, und Alles, Alles, was er um und neben sich hatte—im Spiel verlieren. — 37— Lo t t ch e n. Das ist ja schrecklich! sein ganzes Vermögen? Je, wovon lebte er denn hernach? Carl. Der muß eine schöne Miene gemacht haben! Albert. Die Verzweiflung bemächtigte sich sogleich aller Gesichtszüge, als er nichts mehr hatte, und alle Hoffnung des Wiedergewinnens dahin war. Jetzt sah er starr vor sich weg, mit Blicken, die ich nicht noch einmahl sehen mag; er knirrschte mit den Zähnen, schlug sich vor die Stirne; bald saß er wieder ganz stumm, und ächzte und stöhnte wie ein Sterbender; endlich sprang er jähling auf und stürzte zur Stube hinaus. Carl. Je, hatte denn von Denen, die es ihm abgewonnen, Niemand so viel Mitleid mit ihm, daß sie ihm sein Geld zurück gaben? Das hätte ich nie über das Herz bringen können! Albert. O die Bösewichte saßen dort, spielten mit ihrer gewöhnlichen Kaltblütigkeit fort, und sahen ihn bloß mit Seitenblicken der Verachtung und des Hohnge- lä'chters an— Lottch e n. Die garstigen Leute! Ich dachte, kein Mensch auf Erden hätte mit ihnen jemahls wieder gespielt? Iugcndkheatcr. rv. 4 — 38— Albert. Du kennst die Blindheit der Menschen nicht! Zehn Thoren für Einen traten in demselben Augenblick wieder um sie her.— Das Traurige von jener Geschichte aber folgt erst. Den nächsten Morgen erfuhr man, daß sich dieser junge Mensch, der sonst sowohl seiner äußerlichen Person, als tausend anderer guten Eigenschaften und trefflicher Talente wegen, sehr liebenswürdig war, durch einen Pistolenschuß das Leben geraubt. L o t t ch e n. Durch einen Pistolenschuß? Carl. Das war aber auch schlecht, sich deßwegen das Leben zu nehmen. Gesetzt, daß er alles verloren; wenn er etwas Nützliches gelernt hatte, so konnte er sich ja wieder Geld erwerben. Albert. Ja; aber du siehst, wie Ein unglücklicher Schritt immer zu dem andern verleitet, uns Vernunft, Besonnenheit und Religion raubt, zuletzt in Verzweiflung stürzt. Carl. O Papa, nie rühre ich wieder eine Karte an; nie— ich verspreche es Ihnen, und den Augenblick will ich zu dem jungen Triks gehen, und ihm sagen— Albert. Halt! immer übereilt in Allem, was du thust, — 3-)— mein Sohn! Man muß nie gleich eine Sache ganz verreden, wenn bey ihrem Mißbrauche für uns Scharben entstehen kann. Ich habe dir schon oft gesagt, daß ein kleines gesellschaftliches Spiel unter Freunden sogar nützlich seyn kann. Carl. Nützlich? Albert. Ja. In so fern man seine Leidenschaft dabey mäßigen, und das Glück in seinem Wechsel ertragen lernt. L o t t ch e n. Das heißt, mein lieber Bruder, nicht trüim- phiret, wenn man gewinnt; und nicht den Kopf sinken läßt, wenn man verliert. Albert. Ganz recht; und daher, ehe man spielt, wohl überlegt, ob man den möglich größten Verlust ohne einen merklichen Nachtheil ertragen kann; dann aber, man verliere oder gewinne, immer die angenehine Heiterkeit, die edle Gleichmüthigkeit und Freyheit beybehält, wodurch man beweiset, daß man kein Sclave des Geizes oder irgend einer andern Leidenschaft ist. Es versteht sich aber noch ein Mahl, daß man nicht mehr verliert, als man ohne Nachtheil seines ökonomischen Zustandes verlieren kann. Carl. Ich bin nicht geizig; aber, daß es mich n'cht — 4«— verdrießen sollte, wenn ich verliere— nein, es wird am besten seyn, ich gehe nicht zu lhm, damit ich nicht spiele. Albert. Das ist falsch, mein lieber Carl. Wer wird deswegen gleich eine Bekanntschaft aufgeben, die man erst angefangen hat, da sie uns in der Folge doch Vergnügen gewähren kann? Muß eS denn gespielt seyn? C a r l. Sie werden aber wollen, daß ich spiele. Albert. Nun, so spiele. Spiele, was sie wollen; dieß wird ein Mittel seyn, diese jungen Herren näher kennen zu lernen, und entweder dich um ihre Freundschaft zu bemühen, oder sich von ihnen aufimmerdar zu entfernen. Doch, statt zu dem jungen Lriks zu gehen, so bitte ihn mit seinen Cameraden zu dir. Sage, daß deine Schwester vielleicht auch mit spielen würde— Lottchen. Ich, lieber Papa? Albert. Ja, ich erlaube dir's. L o t t ch e n. Und, wenn mir nun die Herren das Geld abgewinnen? - 4»— Albert. So sollst du es von mir haben. Sage ferner, du hättest einen Freund, der vielleicht auch kommen und mitspielen würde? Carl. Wer wäre denn das, lieber Vater? Sie leiden ja sonst keine Unwahrheit von mir? Albert. O es ist auch keine! Hast du keinen Freund zu Hause? ich dachte— Lottchen. Der lose Papa meynt sich gewiß selbst. Albert. Ja wohl, wir sind ja über diesen Artikel einig. Carl. Nun ja, da werden es die jungen Herren wohl bleiben lassen, mitzuspielen, wenn Sie dabey sind. Albert. Warum nicht? Sage Ihnen nur nicht, wer der Freund ist, den du erwartest; sprich vielmehr, ich würde vermuthlich ausgegangen seyn, und vor Abends schwerlich zurück kommen. So bald es meine Geschäfte zulassen, werde ich erscheinen, Theil oder nicht Theil an euerm Spiele nehmen, wie es mir gut däucht.— Spielt, meine Kinder, was sie wollen; spielt so hoch, wie sie wollen, verweigert nichts, was sie dicßfalls vorschlagen, gewinnt oder verliert, ihr habt meine völlige Einwilligung. — 42— Carl. Also soll ich gehen, und Hendrich einladen? Albert. Ja. Lottchen. Biedermann soll Antwort bringen, und er erwartet dich deßhalb vor der Gartenthüre. Albert. Warum kommt er nicht herein? Seine Lehrer loben ihn, und ihr habt mir selbst viel Gutes von ihm gesagt. Carl. O es ist auch ein sehr guter Mensch, lieber Vater!— Noch eins! sollen wir hier im Garten bleiben? Albert. Wenn ihr wollt? Es ist ein so schöner Nachmittag, und ihr könnt euch dort in die Laube, oder auch in den kleinen Pavillon setzen. (Carl geht ab). Siebenter Auftritt. Lottchen, Albert, Albert. Du wirst vermuthlich deinem Bruder die Hand bieten, wenn er Etwas braucht; denn du hast ja die Spielgeräthschaft in deiner Verwahrung? L o t t ch e ii. Sehr gern, lieber Vater. Sie liegt nüch von acht Tagen her im Pavillon. Aber— wissen Sie, daß Sie recht wohl thun, wenn Sie bey dem Besuche meines Bruders zugegen sind. Albert. Wie so§ Lvttchen. Aus dem, was ich von dem jungen Biedermann gehört, kann ich schließen, daß die Bursche einen Anschlag gemacht haben, meinem Bruder das Geld abzunehmen. Albert. Desto besser, wenn sie sich hinteraangen sehen! Ich werde ihnen Lust lassen, mich hinter die Laube stecken, und erscheinen, wenn ich es für gut halte. Willige in alles, was sie dir vorschlagen werden, und scheine es nicht einmahl zu bemerken, wenn sie sich Betriegereyen erlauben sollten. L o tt ch en. Das ist eine schwere Aufgabe! Den jungen Hend- rich, wie mir Biedermann sagt, sollen sie gar sehr verführt haben, und deßwegen warnte ich Carln. Albert. Schon gut; vielleicht kann man etwas Gutes stiften. Genug, wenn ich so viel erhalte, daß Carl vorsichtiger, und von dem leidigen Spiel abgeschreckt wird, zu dem er mir Hang zu haben scheint. — 44— Lottchen. Freylich ist er so gut, daß er sich gar leicht zu Allem bereden läßt, und so hitzig, daß er Alles durchsetzt, wenn er einmahl etwas unternommen hat— Seur noch eins, Papa! Biedermann hat mich gebethen, ihn ja nicht zu verrathen. Albert. Nicht mehr, als billig. Lsttch en. Ich glaube, ich höre sie an der Gartenthüre. Albert. Gut; ich will mich in das Gartchen hinter die Laube^schlcichen. (Geht hinter eine Hecke). Achter Auftritt. L° ttchen(allein). Ich bin voll Ncugier, wie das Ding ablaufen wird.— Wenn sie Unrechtes gegen meinen Bruder im Schilde führen, so will ich mich recht freuen, wenn sie sich so hintergangen sehen — 45- Neunter Auftritt. Lottchen, Carl, Lriks, Biedermann, Fröhlich, He n brich. (Sie machen sämmtlich Lottchen ihr Compliment). Lriks. Es thut mir leid, Mademoiselle, daß wir Ihnen beschwerlich fallen sollen: aber Ihr Herr Bruder— Lottchen. Mein Bruder hat Ihnen die Wahrheit gesagt; es ist uns angenehm, wenn Sie sich bey uns die Zeit vertreiben wollen. Lriks. Sonst wäre es bey uns sehr gut angegangen/ Mein Vater ist nicht zu Hause. Lottchen. Und auch der unsrige nicht, Carl. Ich lasse überdieß meine liebe Schwester nicht gern allein, und— du bist heute doch nicht versprochen?— Lottchen. So viel ich weiß, nicht. Carl. Desto besser; so kannst du uns Gesellschaft leisten, wenn wir spielen. Lottche n. Herzlich gerne; wenn mich die Herren dazu nehmen wollen. Fröhlich. Viele Ehre für uns(heimlich zu Lriks). Das ist verdrießlich! da werden wir aus Höflichkeit spielen sollen, was sie will. Carl. Es kömmt vielleicht noch ein anderer guter Freund, der mich aussucht. Hen brich. So? Wer denn das? Carl. Ich weiß selbst nicht. An Feyertagen sucht immer Einer den Andern auf. Lottchen. Wollen Sie sich mit in das Haus bemühen? Triks. Können wir nicht im Garten bleiben? C a r l. O ja, dort in der Laube, wenn Sie lieber wollen; es sind Tische und Stühle da. Biedermann. Ich dächte selbst; da kann man hübsch spazieren gehen. Fröhlich. Spazieren? Wollen Sie spazieren gehen? — 47— Biederm« nn. Ja; was soll ich sonst machen? Hendrich. Spielen. Biedermann. Spielen kann ich nicht; und wenn ich es auch könnte, so habe ich kein Geld zu verlieren. L riks. Als ob man gerade verlieren müßte! Biedermann. Man kann aber verlieren, und da traue ich nicht. Carl. Ich verspreche ihnen, wenn sie an mich verlieren, es ihnen zurück zu geben. Lriks. Auch ich. Fröhlich. Auch ich. Hendrich. Ich gewiß auch. Biedermann. Dazu bin ich zu stolz; zu verlieren, um es geschenkt zu haben, in der Absicht, Etwas zu gewinnen, um es zu behalten;— in dem Falle müßte ich es also auch zurück geben, und dabey kömmt nichts heraus. Carl. Ja, da haben Sie recht. -48- Biederm«»!!. ^ch kann ja zusehen, oder im Garten herum gehen; kurz, um meinen Zeitvertreib seyen Sie unbesorgt! L o t tch e n. Erlauben Sie, daß ich etwas Caffeh bestelle wenn Jemand von Ihnen Appetit hätte. Lriks. Ich verbitte ihn. Biedermann. Auch ich. Fröhlich. Hendrich hat schon bey mir getrunken^ Carl. Aber ein Stückchen Kuchen oder Gebackenes, Schwester; denn mich hungert! L o t t ch e n. So geh' einmahl vor, und bestelle es bey Christianen. Ich will indessen nach der Kartenwirthschast gehen. Triks. O! ich habe eine bey mir, Mademoiselle. Carl. H)fuy doch! wer wird denn mit einer Karte im Cchubsack gehen? Hendrich. Nicht wahr, du trägst lieber ein Buch bey dir? — 49— Carl. Je nun, wenn Eines seyn soll, so ist dieß doch besser, als das andere. Fröhlich. Ja; nur, daß man bey unsers Gleichen überall eher-in Buch, als ein- Karte findet. Da kann man zu meinem Nachbar Großwerth kommen, und im ganzen Haus weiß kern Mensch, was eine Karte sür ein Ding ist. L o tt ch e n. Haben sie auch Marken bey sich? Lriks. Nein, die müßten wir uns wohl ausbitten; wenn wir nicht um bar Geld spielen wollen. H e n d r i ch. Das bare Geld ist nicht allezeit theilbar! also — wenn Sie so gütig seyn wollen— Lottchen(zu Carl). Gut! So geh' du nach dem Kuchen, ich will die Marken holen—(Lottch-m und Carl gehen ab; die Uebrigen aber in die, aus der Seite offen stehende Laube). Jugendtheater. IV. S 5o Zehnter A ufrr i t t. Triks, Fröhlich, Hendrich, Biedermann. Triks. Es ist mir gar nicht gelegen, hier zu spielen; und Sie(zu Hendrichen) hätten es durchaus nicht annehmen sollen. Hendrich. Hier oder bey mir! das schadet ihm gar nichts. Wenn Albert verliert, so bekommen wir sein Geld, wir mögen spielen, wo wir wollen. Früh lich. Und vielleicht leeren wir das Beutelchen des Jüngferchcns zugleich aus. Triks. Meinethalben! Geht s jetzt nicht, so geht es ein andermal,!. Abgeredeter Maßen bin ich Spieler, und ihr setzt! Aber seyd hübsch klug. Wir sangen mit Dreyern an, und wenn wir sehen, daß sie im Feuer sind, so geht es bis auf die acht Groschenstücke. Fröhlich. Aber der Verlust? Hendrich. Ja, Ihr wißt,was Ihr mir versprochen habt! Uebcr- morgen werde ich bey meinem Vater verklagt, wenn ich morgen nicht bezahle. Triks. Den Gewinn theilen wir; unser Verlust an einander geschieht bloß in Marken, die wir gegenseitig nicht bezahlen. Im Anfange will ich das Ding schon zu karten suchen, daß wir ein Paar Gulden an Albert und seine Schwester verlieren. Hendrich. Ich habe aber kaum ein PaarGroschen bey mir. Triks. Es thut nichts. Wir bezahlen für Sie, oder Sie bleiben schuldig, bis es zur Abrechnung kömmt, und dann am Ende sollen Sie Ueberschuß genug haben, wenn es gut geht. Fröhlich. Der Freund, den Albert noch erwartet, sollte nur noch dazu kommen; denn das ist gewiß so ein Schaf, wie er. H e n d r i ch. Unfehlbar der junge Sober; der steckt immer bey ihm. Er soll sehr geschickt seyn; übrigens aber— Triks. Uebrigens heißt dieß so viel, daß er ein Dummkopf ist, und daß man ihm Nasen drehen kann, wie man will; denn die gelehrt en jungen Herren— Fröhlich. Stille! Biedermann denkt sonst, wir machen eine Satyre auf ihn. Biedermann. So viel Ihr wollt! mir könnt Ihr keine Nasen drehen; denn ich spiele gar nicht. Hendrich. Du wirst aber doch nichts sagen, Biedermann? Biedermann. Ich denke, ich werde nicht gefragt werden. Triks. Sonst— ich verspreche Ihnen einen halben Gulden von meinem Gewinne. Hend rich. Auch ich. Fröhlich. Ich biethe noch zwey Groschen besser. Biedermann. Es thut mir leid, daß Sie mich verkennen. Ich bin arm, aber nicht so arm, daß ich mir die Verschwiegenheit abkaufen lasse. Lriks. Ja, ich rathe Ihnen nicht— Hendrich. Ich stehe für Biedermann; er ist mein Freund -—(reicht ihm die Hand); Biedermann(zu Triks). Glauben Sie, daß ich Sie fürchte? Sobald Sie mir drohen, so sind Sie nicht einen Augenblick sicher, daß ich Ihre Stückchen bekannt mache! 53 Lriks. (In einem sehr demüthigen Tons). Es war nicht so bösegemeynt, lieber Biedermann; ich bitte Sie bloß— Hendrich. Ah, Biedermann ist eine ehrliche Haut;—Du weißt, was Du mir versprochen hast? Biedermann. Schon gut! Lriks. Ich dächte, wir singen jetzt gleich an, damit wir schon im Spiele begriffen sind, wenn sie wieder kommen. Ich kenne meine Karte ziemlich, und habe sie schon so gelegt, wie ich sie brauche, und wie sie auf einander kommen müssen.(Er zieht ein Spiel Karten heraus, läuft sie ein Mahl durch, mischt sie dann, und gibt Fröhlichen und Hendrichcn die gewöhnlichen zwey Blatter).— Gebt acht! jetzt sollt ihr Alle verlieren— Nun, Hendrich?— Eins? Hendrich. Her!^ T r i k s. Sie auch, Fröhlich? Fröhlich. Eins!—(Nachdem er es angesehen). Noch Eins. T r ik s. Run, wie viel? Hen brich. Fünf und zwanzig? Fröhlich. Ich— gar sieben und zwanzig. Lriks. Also hättet Ihr beyde verloren--- Aber nun will ich, daß ihr gewinnen und immer ein und zwanzig oder doch die nächste Zahl daran haben sollt.(Er gibt wieder die Karte). Nun, Hendrich, noch Eins? Hend r i ch. Rein; nichts mehr! Fröhlich. Mir noch Eins. Hendrich. Zwanzig— fröhlich. Achtzehn, Hendrich. Aber wie geht, das zu? Lriks. Je nun, jetzt kann ich's Ihnen wohl zeigen, da wir so gute Freunde sind. Oben suche ich immer die Bilder hin zu prakticiren, und unten die Dreyer, Vierer, Fünfer u.s.w. Z. B. da haben Sie zwey Blätter,(er gibt ihm eins) das ist ein Bube, macht zehn, das zweyte, eine drey, macht drcyzehn; Sie werden aber gewiß noch eins haben wollen, um dem einund zwanzig näher zu kommen. Sie lassen sich also noch 65 Eines geben, und sehen Sie—(er schlagt die Karte auf) das muß wieder ein Bild'seyn; also haben Sie drey und zwanzig, und verlieren—Ah! stille! Mam--. sell Albert— Eilfter Auftritt. Die Vorigen, Lottchen. 7 Lottchen. Schon so geschäftig? T r i k s. Ich zeigte nur da meinem Freund Hendrich Etwas. Lottchen. (Hat ein Kästchen mit Marken und Spielkarten). Hier sind Marken und Karten. Lriks. Gut; spielen Sie mit, Mademoiselle? Lottchen. Ich weiß noch nicht, und eben so wenig, ob ich auch das Spiel kann, das Sie spielen werden. ^ Fröhlich. VinAt-un. Es ist so leicht; und wenn Sie es in Ihrem Leben nicht gesehen hatten, so würden Sie es doch gleich verstehen. Lottchen. Ich bin eben nicht so klug, daß ich gleich alles begreife? Indessen— nicht wahr? es bekömmt ei- Sb ner vom Spieler zwey Blätter; man kann auch auf zwey und drey Häufchen, und auf diese so viel Marken setzen, als man will; und läßt sich so viel Karten zugeben, als man für nöthig hält, die ein und zwanzig Augen, oder doch die nächsten, dazu zu bekommen? Fröhlich. Ganz rechtoDarüber oder drunter verliert! Man kann auch so viele Marken auf ein Blatt setzen, als man will, und der Banquier muß halten. Lottchen. Spielen Sie mit, lieber Biedermann? Biedermann. Rein, Mademoiselle, ich kann es nicht, und habe auch kein Gelb zu verlieren! Lottchen. So wäre ich wohl klug, wenn ich auch nicht spielte; indessen— mache ich Ihnen allerseits ein Kergnügen? Triks. Ey, jawohl, das größte, das sich nur denken laßt. Fröhlich. Besonders, wenn Sie brav verlieren. Lottchen. O ich bin Willens, Alles zu gewinnen. Triks. Nun, nun, machen Sie immer Ihre Börse zurecht. — 5?— -7' Lottchen. Ich lange sie nicht eher hervor, als bis es zur Zahlung kömmt. Ah! da kommt ja Carl! Zwölfter Auftritt. Die Vorigen, Carl(mit einem Teller Kuchen); Carl. Da ist auch Etwas für den Schnabel. Langen Sie zu, meine Herren! Lriks. Etwas später. Lottch en. Sie können dieß ja auch bey der Arbeit thun (Sie biethet den Teller umher). Langen sie zu! Triks(zu Carln)»L> Sie spielen doch vingl-un mit? Carl. Das versteht sich. Fröhlich zu(Lottchen). Ich bitte mir die Marken aus.— Wie viel gebe ich denn Einem? Lriks. Mich däucht, vor der Hand sind sechs Dutzend genug; und das Dutzend wie hoch? Hendrich. Das muß die Mademoiselle bestimmen. — 58— Lottchen. .Wie Sie sonst zu spielen gewohnt sind- Fröhlich. Das richtet sich, je nachdem wir Geld haben: die' Marke einen Dreyer, Sechser, Groschen und mehr. Carl. Je nun, wir spielten letzthin zu einem Dreyer. Lriks. Gut!(zu Fröhlich) Haben Sie bald abgezählt^ Fröhli ch. Ich bin gleich fertig: Jedes erhält zwey Con- tracte, macht zwey Dutzend; die Runden, Jeder vier, sind wieder zwey Dutzend; und der Langen, das sind einzelne—vier und zwanzig. (Nachdem sie alle Marken bekommen haben, sangen sie zu spielen an.-— Triks nimmt das Spiel, gibt, und weiß es so zu karten, daß nach einigen Sprelen Carl und Lott- chen einige Dutzend gewonnen haben).^ Lottchen.. Ey, ey, wenn das so fortgeht; so wird meine Prophezeyung eintreffen. Fröhlich. O! so lange wir um die Dreyer spielen, so werden Sie mit uns nicht fertig; wenigstens einen Groschen die Marke. C a r l. Meinethalben um die Zwcygroschensiücke; ich habe da noch ein Beutelchen, das man nicht so gleich leeret. (Er zieht ein seidenes Dorschen heraus und klopft darauf. Triks und Fröhlich sehen einander lächelnd an). Lriks. Also um die Zwcygroschensiücke? Lottchen. Je nun, so viel, als Carl zu verlieren hat, kann ich auch,verlieren. Lriks. Ich dächte aber, wir bezahlten zuvor einander die Dreyer, und zählten Jedes unsere sechs Dutzend aufs neue, um zu sehen, was Jedem fehlet, damit wir nicht irre werden.(Er zählet seine eignen Marken) ich habe vier Dutzend verloren, macht zwölf Groschen— hier! (Er zählt sie hin). Fröhlich. Mir fehlen dritthalb Dutzend; macht sieben Groschen, sechs Pennige— hier! Hendrich. Ich habe fünf Dutzend verloren; sind fünfzehn Groschen; ich habe aber nicht so viel einzeln bey mir; ich wechsle und bezahle hernach. 6a Lottchen. Nein, das ist nicht erlaubt, daß wir allein gewinnen; ich habe sechs Dutzend gewonnen. Carl. Und ich fünf und ein halb. Hendrich(zu Carl). Ich bezahle Ihnen meine fünfzehn Groschen hernach, Freund Albert. Sie streichen indessen die achtzehn Pfennige em. Triks- Nun, also— die Marke um zwey Groschen. (Er gibt). Dreyzehnter Auftritt. Die Vorigen, Herr Albert. (Lriks, Fröhlich und Hendlich fahren Zusammen, legen erschrocken die Karten nieder, und stehen auf). Albert. Sitzen geblieben! Sitzen geblieben!— Willkommen, meine lieben jungen Herren! Lassen Sie sich nicht stören— Carl, lasse deine Freunde sich setzen!— Carl. O, setzen Sie sich! Mein Väterchen stört uns gewiß nicht in unserer Freude. Er ist mein Freund! Ich sagte es ja, daß noch ein guter Freund kommen würde. Ich darf ihm halbweg ein gutes Wort geben, so spielt er selbst mit. Richt wahr, lieber Papa? Lottchen. O ja, liebster Vater. Wir möchten Ihnen gern recht viel abgewinnen. Ich weiß gewiß, die Herren machen sich's zur Ehre und Freude. Albert. Ihr wißt schon, daß ich euch nicht gern etwas abschlage.>—> Bor allen Dingen nehme Jedes wieder seinen Platz ein!(Die jungen Leute sind so betreten, daß sie vor Angst kaum wissen, was sie thun sollen, und drücken solches durch alle möglichen Aeußerungen von Schüchternheit aus. Sie wollen nach ihren Hüten greifen. Carl aber zieht sie zurück).— Warum so schüchtern?— Ich bin ein frommer Mann und thue Niemanden etwas. Sie werden mir wohl auch zutrauen, daß ich ehrlich spiele?(Sie setzen sich endlich). Nun fort, Triks! Ich sah, daß Sie Karten gaben; fahren Sie fort! Ich bitte mir aber auch welche aus! denn Sie werden mir doch erlauben, daß ich mit spiele?—(Er hebt die Karre auf, um sie Triks zu geben; indem er sie aber hin und her schiebt:) Das ist doch artig; die Bilder oder Zehner liegen fast alle hinter einander?— Aber Lottchen, warum gibst du solche halbschmutzige Karten? gib jene her, die dort noch auf den Spieltellern liegen! Jugendtheaker. IV. 6 Lottchen. Ich kann nichts dafür; Lriks hat die Karte Mitgebracht, und sie spielten schon, als ich mit der meinigen ankam. Albert. Und sie spielen nicht mit, lieber Biedermann? , Biedermann. Nein, erlauben Sie, daß ich zusehe. Ein Mensch, der von den Wohlthaten Anderer lebt, wie ich, muß nicht spielen. Albert. Nun, wie es Ihnen gefällt.—Da, Monsieur Lriks! hier ist die Karte—(Er reicht sie ihm. Lriks nimmt sie mit bebender Hand).--- Sie spielen? Carl. Albert. Die, Marke zu— Carl. Zwey Groschen. Albert(voll Verwunderung). Zwey Groschen?— Es mag seyn! Wenn Sie das verlieren können, so werde ich es ja auch aushalten.—'So geben Sie, Monsieur Lriks, daß wir etwas zu Stande bringen!—(Triksist so bestürzt, daß er die Karten aus der Hand fallen läßt). Was fehlt Ihnen, ist Ihnen nicht wohl? 53— Triks(zitternd). I— a, erlau— den Sie—daß ich—(H en d- rich fängt zu weinen an, Fröhlich schwitzt über und über, und wischt ein um das andere Mahl das Gesicht). Albert. Monsieur Hendrich weint und der junge Herr hier(auf Fröhlich zeigend) schwitzt durch und durch—(zuTriks). Und Sie beben wie ein Espenlaub? Carl(ängstlich). Ah! was ist Ihnen denn zusammen widerfahren? — Pfuy! da wird aus unserem Spiel viel werden? Albert. Ich sehe schon, ich muß sie aus der Verlegenheit reißen.— Sieh, Carl, dieß sind die Früchte eines bösen Gewissens! Ein Glück, daß es noch nicht so verhärtet ist, daß sie ihre niederträchtigen Absichten auf dich i mit einer eisernen Stirne zu verläug- nen, oder in Unschuld zu verkleiden suchen. Vielleicht ist jetzt noch Rettung für sie da, da sie sehen, daß man in der Welt seinen Mann findet; daß keine Bosheit unentdeckt bleibt, und man aus dem Wege des Betruges zu keinem wahren Glücke kommt. (Sie stehen alle betroffen, und wie halb todt dc^ und sehen zur Erde). Carl. Was sagen Sie, lieber Papa?— O, ich bitte — Sie irren sich— Lottchen und ich haben eben erst den jungen Herren beynahe ihre ganzen Prisen abgewonnen. Triks (der wieder ein wenig Muth bekömmt). Ja— und— wir haben sie redlich bezahlt, bis hier— auf Hendrich. Albert. Du schließest, mein Kind, von deinem unschuldigen Herzen, in das noch kein Betrug gekommen ist, auf die ihrigen. Aber ich sage dir, daß dieß eine kleine Bande Betrieger und Spieler ist, und von nun an untersage ich dir allen Umgang mit ihnen. Carl. Aber, lieber Vater! woher wissen Sie das? Es ist nicht das erste Mahl, das ich mit ihnen spiele, und noch nie— Albert. Lerne jetzt, wie Vortheilhaft es ist, den Vater immer zum Freunde zu haben und ihn in Allem zu Rathe zu ziehen. Carl. Ich bin aber selbst der gewesen, der den Antrag gethan, die Marke auf zwey Groschen zu setzen. 65 Triks. Ja— und— die Mademoiselle— wird es bezeugen können.— Albert. Und wäre ich nicht gekommen, so wäre sie aus acht Groschen getrieben worden. Richt wahr? und man hätte euch Beyde um eure ganze kleine Habseligkeit gebracht?— Gesteht es, junge Schelme, daß dieß eure Absicht war, daß Ihr sie Dreyer gewinnen ließt, um ihnen in der Folge die Thaler abzunehmen? daß Triks sein- Karte hervorzog, weil er sie kannte und schon seinem Zwecke gemäß so gelegt hatte, daß Ihr am Ende verlieren mußtet, daß er sich deßwegen zum Banquier auswarf, um stets Herr des Spieles zu seyn, daß— Hen brich(die Hände ringend). O, Herr Albert! es ist wahr, alles wahrlich bin strafbar, sehr strafbar, daß ich mich verführen ließ— Albert. Ist es wahr, daß Ihr verabredet, das, was Ihr unter einander verlieren würdet, in keine Rechnung zubringen, den Gewinn von meinen Kindern aber unter euch zu theilen? H e n d r i ch. Ach! Alles, Alles leider! wahr! aber wenn Sie wüßten— Lriks. Wir verlangen—auch nichts zurück von Allen,, was wir verloren haben. Al b ert. Das wäre eine wichtige Bestrafung für eure Be- triegereyen! Rein, euren Verlust sollt ihr wieder haben; aber, durch eure Lettern,— Diese braven Leute muffen es erfahren, was sie für Unglück erleben werden, wenn sie solche Bösewichte in euch erziehen. Doch, ich sage es nochmahls: Vielleicht seyd Ihr noch zu retten, ich thue der Welt einen Dienst, indem ich euch den größten erweise— Morgen— Lriks. O! mein Herr Albert! Vergeben Sie es uns nur dieses Mahl! Nimmermehr wollen wir Ihre Schwelle wieder betreten. Fröhlich. Gewiß, Herr Albert!— Albert. Nein, es ist mir nicht genug, daß Ihr meine Kinder nicht bekriegt und verführt; ich bin auch Andern diesen Dienst schuldig. Schrecklich! in euren wahren nicht nur schon Spieler, sondern sogar falsche Spieler, Betrieger zu seyn, die häßlichsten, strafbarsten Menschen aus dem Erdboden' Vor dem ärgsten Spitzbuben und Straßenra'uber kann ich mich schützen; aber vor dem, der mir unter dem Scheine eines freundschaftlichen und vertraulichen Vergnügens in die Tasche greift—> Pfuy! Kinder der edelsten, besten Lettern,— ich schaudere vor dem Gedanken— Kündiget ihnen morgen meinen Besuch an. Carl. Liebster Vater! Darf ich nicht ein gutes Wort für sie einlegen! Sie haben mich ja noch nie hintsr- gangen— Albert. Es ist die Frage nicht, was sie gethan haben, sondern, was sie zu thun willens, was sie zu thun fähig waren, und was sie gewiß gethan haben würden, wenn ich nicht ihre Anschläge hier angehört und zerstört hätte— Gehet jetzt, seyd zufrieden, daß euren Betrug noch Niemand, als eure Vater von mir erfahren sollen. Verlasset euch aber darauf, daß — sobald ich irgend höre, daß Ihr dieß Handwerk fort treibt, ich eure Geschichte aller Welt erzähle! (Triks und Fröhlich gehen stumm und äußerst niedergeschlagen fort). — L»8- Vierzehnter Auftritt. Herr Albert, Carl, Lottchen, Hendrrch, Biedermann. Albert (zu Hendrrch, der noch steht und traurig in den Hut guckt): Nun? was erwarten Siel Ich verbitte die nachbarliche Bekanntschaft mit meinem Sohne, wenn Sie keine andere Absicht hatten, als ihn in solche Gesellschaften zu ziehen und zum Spiele zu verführen. H end rieh. Herr Albert!.— ich bitte um Gottes willen, sagen Sie es nur— meinem Vater nicht!— seine Hitze— ach! ich glaube! er— er verbannt mich auf ewig aus seinem Gesichte— ich bin in diese Gesellschaft unglücklicher Weise gezogen worden. Sie haben mich in die Weinhäuser, zum Spiele verführt, mir das meinige abgenommen. Nun, da ich in äußerster Gefahr bin, daß Schuldner,— denn leider habe ich sogar Schulden— mich bey meinem Vater verklagen, haben sie mich beredet, Ihren lieben Sohn ihnen zum Raub zu überliefern, und versprochen, die Beute mit mir zu theilen, damit ich davon bezahlen und sie nicht bey meinem Vater verrathen — 6y— möchte. Erbarmen Sie sich meiner! Biedermann kann Zeuge seyn, wie ungern ich daran ging— Carl. Lieber Vater! wenigstens für Hendrichen lassen Sie mich bitten; ich glaube gewiß, daß er es ohne die angeführte Ursache nie gethan haben würde. L o t t ch e n. Biedermann hat mir von ihm gesagt, daß er sonst ein guter junger Mensch gewesen wäre. Aus Freundschaft für uns vergessen sie auch jetzt nicht, daß Sie unser Freund sind! Biedermann- Ich muß ihm das Zeugniß geben, daß er nie böse gewesen ist, und vielleicht angeloben würde, nie wieder eine Karte anzurühren. Hendrich. Ja, das will ich, und will es auch halten. Albert. Aber, Sie sagen, Sie sind schuldig, Sie werden gedrängt, Ihr Vater wird es erfahren— Hendrich. Leider! und wenn ich den Mann, der sein Geld haben will, nicht mit Bitten und Flehen erweiche, so glaube ich, daß ich— daß ich morgen davon lausen muß. — 7«— Albert. Und was dann?— Zum Soldaten taugen Sie noch nicht. Carl. Lieber Vater! Darf ich dem armen Hendrich von meiner Börse Etwas anbieten? Was hätte ich thun muffen, wenn sie mir es abgewonnen hatten? Ich habe ihm heute, obgleich ohne seine Absicht, die Entschließung zu danken, die ich bey dieser Entdeckung gefaßt habe: zu einem Hazardspiele, es sey so klein oder so groß es wolle, nie wieder die Karte anzurühren. Albert. Versprich mir das! Carl. Ja, Vater, auf's Heiligste. Nimmermehr! Albe rt. Und du willst für ihn da bezahlen? Carl. Das kann ich nicht versprechen, ehe ich weiß, ob ich auch kann? Reicht mein Beutel zu— ja— sagen Sie! Albert. Diese Behuthsamkeit gefällt mir ebenso sehr, als der Beweis, den du mir von deinem guten Herzen gibst. Gut, junger Mensch-' so sagen Sie, was Sie schuldig sind. Dann wollen wir sehen— Hendrich. Ach! wie könnte ich das Herz haben! Biedermann. Darf ich es sagen? Albert. Gut, wenn Sie es wissen. Biedermann. Sechs Thaler ist er bey dem Italiener Malva- sia schuldig. Carl. Ah; das bezahle ich. Alb e'rt. Nein; diese Bezahlung will ich übernehmen, und dem Manne zeigen, was es heißt, solchen jungen Leuten dergleichen Gelage zu verstatten. H e n d r i ch. O liebster Herr Albert— Albert. Weiter! Biedermann. Dann hat er an die jungen Leute, die ihn verführt, seine Garnitur silberner Schnallen, und seine Uhr verloren. Albert. Diese sollen die kleinen Schurken wieder heraus geben, sobald ich mit ihren Aeltern gesprochen haben werde. Hendrich. Aber, wenn mein Bater— Albert. Ueberlasssn Sie das mir! Aber nun, junger Mensch! das^ sage ich Ihnen, sobald ich höre, daß Sie diese oder ähnliche Gesellschaften wieder besuchen— Hend rich. Wenn ich jemahls wieder eine Karte anrühre, so strafen Sie mich so sehr, als ich es verdiene. O Herr Albert!(er küßt ihm die Hand). Sie entreißen mich einem Verderben— Albert. Das soll mir eine Freude seyn. Sie wissen meine Entschließung; diese ist fest! Der Umgang mit meinem Carl soll Ihnen erlaubt seyn— Hendrich (fällt Carln um den Hals). O mein allerliebster Albert! Was bin ich Ihnen schuldig— Sie sollen mir Beyspiel und Muster seyn! L o t t ch e n. Aber unserm Biedermann— gewiß, Vater, dem sind wir das Meiste schuldig. Biedermann. Ihre Gewogenheit, Herr Albert— —— A l b e r t. Sie haben mir heute einen Beweis von Ihrer Rechtschaffenheit und guten Denkungsart gegeben, die mir Ihren Umgang für meinen Sohn vorzüglich schätzbar macht. Bleiben Sie diesen Abend mit dem jungen Hendrich bey uns und unterrichten Sie mich auf das Genaueste von Ihren Umständen. Dann wollen wir sehen, was ich für Sie thun kann. Vielleicht — mein Sohn braucht einen guten Jüngling zum Gefährten, der seiner kleinen Unbesonnenheit, Ueber- eilung und Hitze durch eine freundschaftliche Warnung Einhalt thut, und ihm ein Beyspiel der Mäßigung und Nüchternheit bey seinen wachsenden Leidenschaften gibt— Doch davon ein Mehreres! Carl. Lange habe ich mir solch einen Freund gewünscht! — O wie ich Sie lieben, wie ich Ihnen folgen will, Biedermann! Biedermann. Golt! Wie soll ich Ihnen danken! Ich habe eine arme Mutter, diese soll ihr Gebeth mit mir für Ihre und der Ihrigen Wohlfarl vereinen. Mein ganzes Leben soll Ihnen gewidmet seyn! Albert. Lernet, meine Kinder, aus dem, was Ihr heute erfahren, wie behuthsam man in der Wahl seiner Jugcndtheatee. IV. p — 74— Freunde seyn müsse, und wie leicht böse Gesellschaften gute Sitten verderben. L o t t ch e n. O wir lernen auch, wie glücklich die Kinder sind, deren Vater ihr Freund ist! D e r kleine Schadenfroh. Ein Lustspiel mit Gesang. » Personen: Herr Gärtner. Frau Gärtner. Fritz, ihr Sohn. Julchen, ihre Tochter. Arnold, x Fritzens Schulcameraden. Rothe,^ Der Schauplatz ist ein Saal, wo im Hintergründe ein Ge- würzschrank, mit einer Gitterthüre steht. Erster Auftritt. (Madame Gärtner, im Begriff auszugehen, und einen Besuch abzustatten.) Julchen. AAoch Ems, liebe Mama! ehe Sie gehen! Sie kommen doch vor Abends nicht wieder nach Hause, und wenn Fritz aus der Schule kömmt, so wird er Etwas zu essen haben wollen; denn Sie wissen, er hungert immer, wie ein Wolf, und man ist in Gefahr, von ihm angebissen zu werden. Wollen Sie mir nicht für ihn Etwas da lassen? Mad. Gärtner. Eigentlich würde es ihm nichts schaden, wenn er einmahl ein Stück trockenes Brot äße. Dort im Git. terschranke steht noch ein Stück Kuchen. Das theile mit deinem Bruder. Julchen. Darf ich mir den Schlüssel auskitten? Mad. Gärtner. — 76— Julchen(will nach dem Schranke gehen). Wollen Sie nicht warten, liebe Mama, bis ich den Kuchen heraus genommen habe? so kann ich Ihnen den Schlüssel gleich wieder geben. Mad. Gärtner. Es wird mir zu lange. Behalteihnnur; aber— Duett. Laß mir ja die Büchsen steh'«! Julchen. Sorgen Sie dafür nur nicht. Mad. Gärtner. Gut, sehr gut! ich werde seh'n. Julchen. O ich kenne meine Pflicht. Mad. Gärtner. Und ich kenne dich zu gut. Julchen. Ey, wie hätt' ich dazu Muth! Mao. Gärtner. Alles Süße steht dir an: Julchen. Doch nur, wenn ich's haben kann. ZweyterAuftritt. Julchen(allein). Laß mir ja die Büchsen steh'»! sagte die Mama — Ganz gut, aber ich hätte doch große Lust, hinein — 7Y— zu sehen, was drinnen wäre.— Daß man doch nicht kann, wie man will!— Seltsam genug. Die großen Leute können, und wollen nicht; und die Kleinen möchten gern, und dürfen nicht. Freylich müssen jene besser wissen, was gut ist; aber, wenn ich Papa und Mama wäre! alle Tage äß' ich so ein Büchschen mit Eingemachtem aus. Es kommt zehn Mahl auf den Tisch, ohne daß sie einen Bissen anrühren.— Was hilfts?— es ist verbothen— Run, wenn ich nur einmahl groß werde!— Ha, Fritz—> Dritter Auftritt. Julchen, Fritz. Fritz(kömmt singend.) Juchhe! die Schul' ist aus; Und guten Appetit Mit guten Zähnen bring' ich mit; Was gibt mir nun das Haus? Heut klingt auch die Censur ganz fein; Drum bin ich frohen Muthes; Drum muß es auch was Gutes seyn; Denn gern eß'ich was Gutes, was Gutes, was Gutes! Julchen. Kömmst du, Wildfang? Fritz. Wie du siehst, Jungfer Ehrbar. Julchen. Und redest schon wieder vom Essen, ehe du noch in der Stube bist? Fritz. O mein Magen hat mir es schon zugeruft, ehe es der Mund noch sagen durfte. Lieber hätte ich bey dem Herrn Informator ein Stück Kuchen dividiret, und die Bissen numeriret, als die verzweifelten Zahlen. Und wenn er dir in der Geographie so die Hauptstädte mit Makeronen, und die übrigen mit Rosinen und Mandeln belegte, heh! da wollte ich sie finden, daß es eine Art hätte. Julchen. Ey, ja doch; Jammer und Schade, daß der Magen nicht da, wo der Kopf steht, und man sich nicht gelehrt essen kann! du würdest ein grundgeschei- der Mann werden. Nichts als Essen von frühem Morgen an, bis in die Nacht. Fritz. Ick, das macht, daß man vom Essen lebt.— Lebst du von der Lust? Julchen. Nein, man lebt aber nicht, um zu essen. Fritz. Freylich, so wenig, als von den Sittenlehren. Das kannst du vortrefflich, wenns Andere gilt; und doch gibt es keine größere Räscherinn, als dich!— denn, wenn ich deinem Beyspiele folgen wellte— — 8t— Iulchen. Schon gut, schon gut; was willst du? Fritz. Eigentlich hast du nichts darnach zu fragen.— Ich will zur Mama. Iulchen. Hast du es nicht bey Tische gehört, daß sie den Nachmittag nicht zu Hause seyn würde? Fritz. So? Je nun, vermuthlich wird sie mir also wenigstens Abendbrot da gelassen haben? I u l ch e n. Ohne Zweifel, ein großes Stück Brot im Brotschranke. Fritz. Ganz gut! doch auch was dazu? Iulchen. Allerdings. In der Küche eine große— große Salzmäste. Fritz. Du hast mich zum Besten, Mädchen. Hätte ich Las gewußt, nimmermehr hätte ich mir's in der Schule so sauer werden lassen. Iulchen. O man sieht dir's an, daß du darüber ganz elend geworden bist. 62 Fritz. Und die gute Censur von dem Informator— was hilft mir diese nun? Julchen. Freylich nichts; denn daran liegt dir nichts, daß du heute um etwas klüger, als gestern geworden seyn solltest? Höre, Fritz, du bist auch ein entsetzlich klein denkender, sinnlicher Mensch. Also lernst du um der Censur willen, und nicht um besser und weiser zu werden? und wieder nicht um der Censur—ich meine um der Ehre willen, lieber Lob als Tadel einzuernten, sondern um des Gaumens und Magens willen, weil du hoffst, daß es etwas besseres zu verschlucken geben werde. Fritz. Wie viel kriegst du denn Besoldung für dein Predigen? denn vermuthlich hat dich mir die Mama, so lange sie weg ist, zur Hofmeisterinn gesetzt? Sie hat mir zwar nichts davon gesagt, und deßwegen— ja, deßwegen wird's bey mir stehen, ob ich draus hören will. Julchen. So kannst du es bleiben lassen. Fritz. Das möchte auch wohl geschehen.— Also keinen Apfel? keine Birne? keine Pflaumen? Julchen. Keinen Apfel, keine Birne, und keine Pflaumen. — 83 Fritz. Hm!(er kratzt sich hinter den Ohren.) Also geht es nach dem Brotschranke.(Im Weggehen.) Du hättest wohl die Mama daran erinnern können. Wenn du nun was Gutes gehabt hättest, so hätte ich dir noch das Vergnügen gönnen wollen, deine weisen Ermahnungen anzuhören, weil ich indessen das Vergnügen gehabt hätte, etwas Gutes zu kauen. I u l ch e n. Nun, so komm nur her,— doch nein, geh' und hole mir ein Messer.— Ich hab's doch nicht übers Herz bringen können, und die Mama für dich gebethen. Du sollst ein Stück Kuchen kriegen, und ich will rndessen hier den Gewürzschrank ausschließen. Fritz. So redest du doch einmahl wie ein kluges Mädchen. Ich muß ohnedieß meine Bücher abladen. Wie der Wind werde ich aber wieder bey dir seyn; denn der Kuchen wird mir Flügel machen.(Geht ab.) -84- Vierter Auftritt. Julchen(anfänglich allein, dann) Fritz. Geh nur, Herr Bruder! Ich habe schon ein Messer bey mir. Ich kann mich indessen im Schranke ein wenig umsehen, was es drinnen gibt.—Vielleicht, ja vielleicht(sie geht und öffnet den Schrank, welcher ziemlich tief ist, daß sie hinein treten kann; hinten sind einige Regale mit Büchsen und Schachteln.) Riecht es doch so gut nach Gewürze— ah! Ja, wer dürfte?—»Laß mir ja die Büchsen steh'»!« sagte die Mama.— Stehen sollen sie wohl bleiben: aber— vielleicht>— Vielleicht ist etwas zu erhäschen, Das man nicht merken kann: Ein kleines Bischen naschen, , Das, dacht' ich, ging wohl an— Behuthsam muß man freylich seyn! Denn würd' es wahrgenommen, So würden mir die Räscherey'n Gewiß sehr schlecht bekommen. (Fritz kommt, er stutzt und horcht.) Fritz(heimlich).; So? so? laß' uns doch ein Bischen zusehen! I u l ch e n. Was mag in den Schachteln seyn— eine Hand voll Russe und Mandeln, oder ein Paar Zeigen wür- 85 den mir nicht übel behagen—(sie macht einige nach einander auf) Nudeln?— nichts für mich— Reis? ja, wenn du zu Muße gekocht, und mit Zucker und Zimmt bestreut wärest— Hahnbutten?— Pfuy, die kratzen im Halse— ein Süppchen davon ging wohl an.— Pfeffer?—warum nicht gar!—Mus- catennüffe? eben so wenig— da hätte ich etwas zu beißen.(Indem sie arbeitet, die Schachtel wieder zuzumachen.—) Fritz(heimlich). Nein, das wird mir zu lange. Ich muß erst mein Stück Kuchen haben, und kann sie ja dann genug belauschen.(Laut.) Mit dem verwünschten Messer! Eine Viertelstunde habe ich gewiß gesucht, ehe ich eines gefunden. Julch en(als sie Fritzen hört, erschrickt, und läßt die Schachtel fallen, daß die Muskatnüsse umher rollen.) Ah— hast du mich nicht erschreckt! Siehst du, was du machst? Fritz. O ja, und ich sehe, was du machest. Du guckst in die Schachteln, um zu sehen, ob so etwas für dein Schnäbelchen darin ist?— Julch em. Ja, warum nicht gar? Du kannst mir nun die Nüsse auflesen helfen. Fritz. Gut; so gib mir erst mein Stückchen Kuchen. JuzenLtheatcr. rv. 8 — 8b Lurchen. Da!— Siehst du? ich gebe dir das größte. Hier ist auch der Teller, du kannst es indessen hin auf den Tisch setzen:(sie gibt ihm den Teller, und legt seinen Kuchen darauf.) Fritz(nimmt das Stück Kuchen, und läßt ihr den Teller). O nicht doch! sey sie so gut, und lese sie ihre Arbeit selbst auf. Jetzt muß ich essen, und wenn ich auf allen Bieren herum kröche, so müßte ich das Stück Kuchen im Maule tragen, oder so lange warten. Julchen. Du bist aber recht garstig, Fritz! Wenn ich nicht bey der Mama um ein Abendbrot für dich gebeten hätte, so wäre an den Kuchen nicht gedacht worden, und nun— nun mir nicht so viel zu Gefallen zu thun!—. Fritz(lacht sie aus). Hahaha. Wie Schade! daß es nicht der Reis, oder die Pfefferkörner sind, da würde die Motion noch besser gewesen seyn. Lulch e n. Schon gut, Herr Bruder, eine Liebe ist der andern werth! Aber davon weißt du nichts, und die Zeit wird vielleicht kommen, daß ichchavon auch itichts werde wissen wollen. — 87" Fritz. Adieu, Mamsells Schwester! Das Bücken wird Ihnen sehr wohl thun; es macht einen geschmeidigen RMen.^—(Er geht ab, gibt aber durch Zeichen zu verstehen, daß er bald wieder da seyn und sie belauschen werde.) Fünfter Auftritt. Z U l ch e N. Ein kleiner boshafter Bube!— Geh nur, es ist mir lieb, daß ich deiner los bin; desto sicherer kann ich in dem Verzeichnisse fortgehen.——(Sie ist mit Auflesung der Muscatnüsse fertig.) Ah! ist mir's doch so sauer geworden!— Die Mühe verdient einen kleinen Trost; aber mit den Schachteln— nein, da ist nichts weiter zu thun. Also— zu den Büchsen—(Fritz kömmt, und schleicht sich nach und nach bis hinter die Thüre.) Ein Büchschen eingemachter Nüsse— Hier hol' ich eine mir— Noch eine!— ey, wie süße Das schmeckt! Eins— zwey— drey— vier- Zwey davon werde ich in das Papierchen einschlagen, (sie zieht ein Papierchen aus der Tasche, Und wickelt 89 sie ein) und mir sie für Morgen aufheben; denn die Mama sagt: es ist besser, eine gespaltene, als eine gedarbte Mahlzeit zu haben.(Sie fährt mit Eröffnung der Büchsen fort.) Hier Kirschen!>— auch etwas für mich!—> Und hier— Johannisbeeren: Die lieb' ich! liebes Büchschen, dich Möcht' ich wohl gänzlich leeren! (Wahrend dieses Auftritts macht Fritz allerhand Mienen und Geberden, wodurch er ihr Raschen nachmacht. Beym Schlüsse der Arie schlägt er die Thüre zu, und zieht den Schlüssel ab.) Fritz. Ha! glücklich erwischt!— Ihr Diener, Jungfer Professorinn. Ah! Sie wollen mir gewiß die Beyspiele zu der Sittenlehre geben, die ich vorhin anhören mußte? I u l ch en. Fritz, Fritz, was ist das für einfältiges Zeug? mach' auf! Fritz. Behüthe der Himmel! eine so weise Lehrerinn muß billig in ihrem Studierstübchen verschlossen sitzen, damit sie die Büchsen ungestört durchstudieren kann. -8y- I u l ch e n. Was redest du durch einander? Mach' auf, sonst — Lch glaube gar, du denkst— Fritz. Ich denke(er singt ihr nach) Ey, wie süße Das schmeckt! eins— zwey— drey— vier. I u L ch c n. Pfuy, Fritz! Es war ja nur Spaß; ich werde doch zählen, oder in die Büchsen sehen dürfen, was d'rinncn ist. Fritz. O ein allerliebster Spaß! ich mochte ihn mit machen. Hier Kirschen! auch Etwas für mich!— Und da Johannisbeeren: Die lieb' ich! liebes Büchschen! dich Möcht' ich wohl gänzlich leeren! Julchen. Fritzchen! mach immer auf!— siehst du, wenn du es thust, so will ich dir auch aus jeder Büchse Etwas geben. Fritz. So? damit ich mit gezüchtiget werde, wenn die Mama merkt, daß die Vögelchen ausgenommen sind. Iulchen. Nein, wenn sie es merkt, so will ich die Strafe ganz über mich nehmen. Fritz. Laß seh'n.—(er denkt einen Augenblick nach.) Nein, das Bischen Süßigkeit ist der Freude nicht werth, die ich mir noch machen will, ob ich gleich ein klein denkender, sinnlicher Mensch bin, der nicht lernt, um besser und weiser zu werden, sondern um des Magens willen. Siehst du, Schwester, da du so wenig sinnlich bist, so will ich dich zur Jungfer Professorinn machen. Der Würzschrank soll dein Catheder seyn, und jetzt will ich meine Camcraden, die unten an der Thüre auf mich warten wollten, bis ich gegessen hatte, herauf holen, damit du auch Zuhörer, oder wenigstens Zuschauer hast.— (Er läuft fort.) I u l che n(ruft ihm nach.) Fritz! lieber Fritz!— mach immer auf! Sechster Auftritt. Julchen(allein, weinerlich). Ach! sollt' er wohl so boshaft seyn?— ich würde mich zu Tode schämen— Himmel! wenn Papa und Mama dazu kämen!— es ist aber auch wahr. — y,— das verwünschte Raschen! nimmermehr will ich wieder etwas anrühren!— Es geschieht mir recht.— Ich muß nur sehen, ob ich nicht aufmachen kann— (sie macht drinnen Versuche). Umsonst!— es ist ein Riegelschloß(sie rüst) Fritz, Fritz!- wenn nur er- nes von unsern Leuten käme— St!(sie horcht) ach! ich bin voller Angst!- der Schelm bringt gewiß andere Jungen mit Siebenter Auftritt. Zulch e n(im Schranke), Fritz, Arnold, Hein- ze, Müller, Rothe, Arnold. Nun, was willst du uns denn weisen? Fritz. Ein Mäuschen in der Falle. H e i n z e. Wir haben Mäuse genuss gesehen! da hättest du uns unten sortspielen lassen können. Fritz. Ein solches Mäuschen mit zwey Beinen gewrß nicht. Ein gepudertes, weißes Mäuschen, ein Mäuschen mit einem seidenen Schlepprocke— Kommt nur her—(erführt sie an den Schrank) ha, das Mäuschen hat den Vorhang vorgezogen. Wir müssen aber doch — 92— sehen, was dahinter steckt. Arnold, leih' mir einmahl deinen Stock.(Arnold gibt ihm den Stock, und er schiebt den Vorhang zurück; sie will sich bemühen, ihn zu halten; er schlägt sie aber auf die Finger). SehtJhr's? Seht Jhr's? Iulchen(im Schranke). Du solltest dich schämen, daß du deine Schwester so mißhandelst!— Gib den Schlüssel her, sage ich—(Sie fangen ein großes Gelächter an und zischen sie aus). Fritz. Freylich ist die Falle zu; das Mäuschen istfge- fangen. Da sitzt es und hängt nun das Köpfchen. Weil es so lieblich ihm schmeckte, Dacht' es an keine Gefahr; Das Mäuschen leckte und leckte, Bis es gefangen war. (Sie treten alle hin, und singen diese Strophe zusammen, dann machen sie ein großes Geräusche mit Zischen und Ausklatschen.) I u l ch e n. Ich habe nicht genascht! aber du bist der undankbarste Mensch.— Ich geb ihm ein Stück Kuchen, und indessen, daß ich noch im Schranke stehe, schlägt er ihn zu, zieht den Schlüssel ab! Fritz. Nein, sie hat nicht genascht-außer ein, zwey, drey, vier Nüsse, ein Dutzend eingemachte Kirschen, ein Paar Löffel voll Johannisbeeren. Sie ist das Muster aller Muster: sie kann über die Mäßigkeit so schön predigen— (Er singt in dem Tone eines Bänkelsängers, ein Stückchen in der Hand, mit dem er ost an den Schrank schlägt.) Was ist doch die Enthaltsamkeit Für eine schöne Lugend! Sie ist ein Schatz für jede Zeit, Schmückt Alter und die Jugend. Drum, liebe Kinder, wollet Ihr Fein ihre Lehren nützen: So kommt! leibhaftig seht Ihr hier Sie aus dem Throne sitzen. (Die Knaben machen ein großes Gelächter, und klatschen in die Hände.) Müller. Ja ja, das ist sie leibhaftig! Ihr Diener, Jungfer Mäßigkeit! H e i n z e. Aber, wie Henker kömmt sie hierher? — 94— (Die Knaben singen mit großem Geschrey zusammen.) Sie weihte diesen Würzschrank ein, Der Mäßigkeit zum Tempel, Und gibt, erbaulicher zu seyn, Hier Lehr'und auch Exempel. (Sie klatschen und zischen wieder). Zulch en(weinend). Es ist schon gut, Bruder! ich werde deine Aufführung dem Papa und der Mama erzählen— Monsieur Arnold! Er hat es immer mit mir gut gemeynt, kann Er mich von meinem Bruder so mißhandeln lassen? Gesetzt, ich Hätte genascht; hat jener ein Recht, mich zu bestrafen? Fritz(ihr nachäffend). Und ich werde es auch dem Papa und der Mama erzählen, was sie mir für ein kluges Mädchen zur Hofmeisterinn gesetzt haben. Arnold. Es ist auch wahr, Fritz! Hör' einmahl auf, das arme Mädchen zu quälen, und gib den Schlüssel her! Fritz. Geh' Er, geh' Er, Herr Advocat! daraus wird Nichts! versteht Er mich? Die übrigen Knaben(zu Fritz). Nichts! gib ihn nicht her! sie muß stecken. -- y5 Iulchen. Fritz, ich will dir auch das Stück Kuchen geben, das für mich seyn sollte, das könnt Ihr unter euch theilen; schließe nur auf! Die übrigen KNaben. Ein Stück Kuchen, Fritz? gib den Schlüssel her! Arnold. Ohne den Kuchen! sie soll den Kuchen behalten. — Fritz! den Schlüssel her! Die übrigen Knaben. Nein, dem Kuchen— den Kuchön muß sie erst hergeben! Fritz- Sie mag den Kuchen hergeben oder nicht; so gebe ich doch den Schlüssel nicht her! Arnold. Du mußt!(Sie machen alle zusammen einen gewaltigen Lärmen, indem sie Fritzens Taschen durchsuchen wollen; Einer schreyt:) den Kuchen!(der andere:) den Schlüssel!(indem tritt der Vater herein; sie fahren aus einander, ziehen die Hüte ab, und stellen sich ganz ehrerbietig an die Seite). — y6— Achter Auftritt. Die Vorigen, der Vater. Vater. Was gibt es hier für einen Lärmen? Fritz(frohlockend). Ich habe sie erwischt, lieber Papa! ich habe sie erwischt. Vater. Bon wem sprichst du? Fritz. Ueber dem Naschen— hier steckt sie— hier im Schranke— Vater. Wer denn? Friß. Schwester Iulchen. Julchen(im Schranke). Ach ja, bester Papa! Mein ungezogener Bruder hat mich hier eingeschlossen, den Schlüssel abgezogen— Fritz,(der ihr in's Wort fallt). Ja, ich habe ihn abgezogen, weil sie alles be- nascht hat. — 97— Vater(zu Fritz). Stille!— Zulchen(weinend). Dann hat er alle seine Spielcameradea herbey geholt, und mich die ganze Zeit über auf das Empfindlichste geneckt. Mein Bitten und Flehen—nichts hat ihn bewegen können>— Fritz. Von allem hat sie genascht! EingemachteNüsse, Johannisbeeren, Kirschen— Sie dachte, nachdem sie mir Abendbrot gegeben, nun würde Fritz über alle Berge seyn! aber sie betrog sich; er schlich sich fachte herbey, und da fand er das Aelsterchen im Weinberge. Vater. Gib vor allen Dingen den Schlüssel her—(er gibt ihn. Au den andern Knaben.) Ist dem also? wie er sagt?(er läßt sie heraus). Arnold. Wir wissen weiter nichts, als daß Mamsell Lurchen im Schranke stack, als er uns holte, und daß Monsieur Fritz uns aufmunterte, sie fleißig auszulachen. Julchen(geht demüthig zu ihrem Vater, und küßt ihm weinend die Hand). Ja, ich war schuldig; aber gewiß, liebster Papa! nie sollen Sie mich wieder über diesen Fehler Augendchcater. IV. y -<)8- betreten, oder— mich doppelt bestrafen. Vergeben Sie mir nur dieß Mahl! Vater. In der That, daß Raschen ist ein sehr unanständiger Fehler; und ein junges Frauenzimmer muß sich hauptsächlich davor hüthen. Ihrer Ausächt werden so viele Dinge dieser Art anvertrauer. Sie soll dem Gesinde ein gutes Beyspiel geben! und wenn sie Nun selbst alles benascht, wie wird sie jemanden Anderen jemahls darüber bestrafen— Doch, du hast deinen Fehler erkannt, bereuet, und versprichst Besserung; das ist mir genug! Nun ist nichts übrig, als daß du dein Versprechen hältst. Julchen(küßt ihm die Hand). O ja, bester Papa! das will ich, gewiß, daS wist icht Fritz. Run nun; wir wollen sehen, Papachen, ob sie sich bessern wird! Sie soll gewiß, ehe sie sich's versieht, von mir wieder belauscht werden. Vater. So?— Und dann? Fritz. Ja, dann, wenn ich sie wieder so in'die Falle locken kann, so will ich gewiß die halbe Stadt zu- — 99" sammen rufen, damit man das Äausekätzchen kennen lernt. Vater. Vortrefflich! Doch damit du auch weißt, wie sich's hier steckt, so nimm indessen ihr Plätzchen im Schranke ein, und bleibe hier ohne gegessen und getrunken zu haben, bis zur Abendzeit. Fritz. Ich?— was hab' ich denn gethan? Vater. Du fragst noch? Vielerlei). Julchens Fehler war bloß eins kleine Lüsternheit, die sie freylich hätte unterdrücken sollen. Dein Fehler, wo es nicht vielmehr den Rahmen eines Lasters verdient, ist Schadenfreude; und diese verräth immer ein schlechtes fHerz. F r i tz. Aber! sie verdiente ja Strafe! Vater. Doch nicht von dir?— Wer hat dir dazu ein Recht gegeben?>—> Du konntest es deinen Aeltern sagen, wenn sie Unrecht that; durftest aber nicht sie s'lbst bestrafen. Ueberdieß solltest du ihren Fehler nicht bekannt machen, und sie deinen Freunden zum Gelächter Preis geben, sondern als ein liebenderBru- der ihn vielmehr verbergen. Sprich! was konntest du dabey für eine Absicht haben? 100— Fritz. Daß— daß— daß ihr Fehler bestrafet würde. B a t e r. Also findest du in der Bestrafung deiner Schwester Vergnügen? Fritz. Das nicht! Aber— Aber— Vater. Aber, es verrath eine sehr unedle Denkungsart. Setze dich an ihre Stelle. Welches von deinen Geschwistern würdest du dem Andern vorziehen? Dasjenige, das Mitleiden mit deinen Fehlern hätte, und bey verwirkter Strafe für dich bey mir bäthe; oder jenes, das in deiner Beschämung oder Strafe frohlockte? Wer seinem Nächsten lieber etwas Böses als Gutes gönnt, und sich über seinen Schaden freut, er mag ihn verdient oder unverdient treffen, wird nie meiner Liebe werth seyn. Er verdient so bestrafet zu werden, wie er gesündigt hat. Also—> unverzüglich in den Schrank! Julchen. Darf ich bitten, liebster Papa? Fritz meynte es vielleicht nicht so böse! Vater. So muß er lernen, was gut oder böse gemeynt ist, und über sein Herz wachen lernen. Alles kann 10» ich eher vergeben, als Schadenfreude, und hierüber nehme ich keine Fürbitte an, so sehr diese deinem Herzen zum Lobe gereicht. Ohne fernere Widerrede also in den Schrank, wenn du nicht noch eine nachdrücklichere Strafe leiden willst!(Er kriecht weinend hinein. Der Vater zieht den Schlüssel ab. Zu den Knaben.) Ihr habt die Freyheit, euch über den kleinen Schadenfroh so lustig zu machen, als Ihr nur wollt.— Wollt Ihr aber auch ein Beyspiel daran nehmen, desto besser für euch! (Geht ab.) (Dir Knaben hüpfen um den Schrank her, singen und zischen den kleinen Gefangenen aus, sie singen Alle zusammen). Du kleiner Schadenfroh! was machst Du hier so weinerlich? Du, der du über andre lachst, Weinst jetzo über dich? Aha! Du fingst ein Mäuschen ein; Dieß war dir lächerlich! Es bath umsonst; du lachtest sein, Und nunmehr fängt man dich! Und nunmehr lacht man über dich! Und das verdienest du; Man freut ob deiner Strafe sich. Und zischt und klatscht dir zu. — 102 Wohl dir! denn willst du weise seyn So nütze unsern Scherz! Und laß dich deinen Fehler reu'n, Und bessere dein Herz! In Mausberger's Verlags-Buchhandlung, in der großen Schuierstraße, an der Ecke der Grünangergasse Rr. 85o, sind erschienen und zu haben: Lehren und Rathschläge für die studirende Jugend, Um ihre Studien mit Nutzen zu betreiben. Von I. N. Schmidt, Doctorand derMedicinund ehemahlrgemNormal- und Gymnasial- Professor. Preis: Steif broschirt, im gefärbten Umschlage, 24 kr. C. M. Christoph S chmid's unterhaltende und sehr lehrreiche Jugendschristen in 13 Bändchen. Preis: Ungebunden 2 fl., steif gebunden im gepreßten Papiere 3 fl. C. M. Ferner erscheint Heftweise und im Wege der Vorauszahlung die dritte durchaus verbesserte und verschönerte Auflage von dem Werke D i e Fabeln des Aesop i n deutscher, lateinischer, französischer und italienischer Sprache. 2 Bande, mit Y2 Kupferrafeln in 8. und 24 Bogen Text. Um dieses schöne und durch zwey Auflagen bereits anerkannte nützliche Werk allgemein zugänglich zu machen, soll dasselbe in 28 Heften erscheinen; jedes Heft enthält demnach 4 Kupfertafeln und 1 Bogen Text, das letzte Heft aber 4 Kupfertafeln, 2 gestochene Titel und s Bogen Text. Der Preis eines Heftes ist auf 1Z kr. C. M. festgesetzt. Man bezahlt das r3ste Heft voraus, und jedes andere bey Empfang; mithin kommt das ganze Kupfer- werk auf Z st. 45 kr. C. M. zu stehen; der nachhe- rige Ladenpreis wird 8 fl. C. M. seyn. Das neunte Heft ist bereits zu haben. Alle Sonnabende erscheint pünctlich ein Heft. Jede Provinzial- Buch- und Kunsthandlung nimmt auf dieses Werk Pränumcration an, und ist im Besitz eines Probe-Heftes. Die fromme Königinn Mathilde. Eine rührende Geschichte der Vorzeit. Zur Verbreitung des religiös-moralischen Gefühls für fromme Söhne und Töchter erzählt. Von Leopold Chimani. Mit einem illuminirten Kupfer, steif im eleganten Einbande: 48 kr. C. M. Ritter Landsberg, oder die wunderbaren Wege der göttlichen Fürsehung. Eine rührende Geschichte des Mittelalters. Lehrreich für die Kinder erzählt zur Belebung des religiös-moralischen Gefühls. Von Leopold Chimani. Mit einem illuminieren Kupfer, steif im eleganten Einbande; 48 kr. C- M. Hundert sehr lehrreiche zweyversige Fabeln für die Jugend. Don I. Müller. Mit prächtig gestochener Titel-Vignette im elegante n Einbande: 24 kr. C. M. Heldenspiegel der österreichischen Krieger, worin ihre ausgezeichneten Heldenzüge umständlich beschrieben, und die Nahmen der betreffenden Tapfern, sammt ihren Regimentern, nebst den besondern Belohnungen derselben, aufgezeichnet sind. Ein Beytrag für jeden Patrioten des Vaterlandes, und echten biedern Oesterreicher, für Offiziere und Gemeine, für Jünglinge in militärischen Erziehungshäusern, und für Vater und Mütter, deren Söhne für Deutschlands Freyheit in den Kriegs-Jahren i8>3 und 1814 fochten. Herausgegeben von Jos. Ritter von Seysried. 8. Wien, ,624, steif broschirt im gefärbten Umschlag: 48 kr..C. M. —MWWW Mahlerische Darstellung der k. k. Haupt- und Residenz-Stadt Wien, vderkurz gefaßte Geschichte derselben von ihrem Ursprünge bis aus den gegenwärtigen Augenblick. Mit vier Sttua» kions-Plänen. Im Taschenformate: i fi. i s kr. C.M. Blümchen. Ein Geschenk für die Jugend. Bon Müller. Auf Schreibst. steif brvschirt: 24 kr. C-. M- Die zehn Gebothe Gottes in biblischen Bildern betrachtet. Ein vortreffliches und sehr heilsames Haus- und Lesebuch für Söhne und Töchter, HausvLtcr und Hausmütter, mit einem Worte, für jeden katholischen Christen. In zwanzig Fasten-Predigten, vorgetragen von weil. P. Pasqual Skerbinz, Franciskaner-Ordens-Provin- zialcn und gewöhnlichem Prediger zum heil. Hie- ronymus in Wien. Wien, 182S, gr. 8., 828 enggedruckte Seiten stark, mit neuen Lettern gedruckt, und steif gebunden:> fl. 8ü kr. C. M. Dank- und Denkbuch für das Gnaden- jahr 1826, Oder Gebethe und Betrachtungen eines frommen Christen nach empfangenem heiligen Jubel-Ablasse, und nach jedesmahligem würdig empfangenen Sacramente der Buße. Herausgegeben vonAloys Christ. Auf Post-Druckpapier, steif gebunden, 24 kr. Auf ord. Papier, gefalzt 12 kr. W i e n. Mausberger's Druck und Verlag. >02^.