13701 als Wiens Trasyllus mit einer Prüfung der Apotheosis seines Lieblingsarchitekte». Jmbeygelegten Plane des graff. Friesischen Hauses und der kalvinischen Kirche. Herausgegeben von Antibaumeister. Wien, mit Salz ersehen Schriften. 1784« X <^eA,Ia xro^onäe ignorsnce, r^nl inspire Io ton äoAmaÜHue. Velui c^ui ne Lait rien, ctoit enleitzner Kux aMres ce vi« . ent a'axxkenare lui meme. Vs Za Vkuyers. Eingang*) Hinter den grossen Revoluzionen, welche die Geschichte der Nachwelt ausgezeichnet hat, sind nicht jene die Denkwürdigsten, Ln denen Monarchien aufblühten, oder mächtige Königreiche scheiterten, weil sie durch eine lange Reihe blutiger Kriege und bürgerlicher Auf- rühren erschüttert wurden, sondern nur jene rühmlichen Epochen verdienen eine allgemeine A 2 Auf- *) löieser ganze Eingang ist eine bloße Parodie des schwülstigen Anfangs der Vrochüre Baumeisters , und muß als eine Aefferey im ironischen Verstände gelesen werden. Mulruptz. LiLmoris. 4 Aufmerksamkeit , in welchen das menschliche Herz über die politischen und physischen Ue- bel getröstet wird, und die edlenWissenschaften und Künste einen vorzügliches Grad der Vollkommenheit erreichen; solche sind die Jahrhunderte Alexanders, August/ Ludwigs — und Baumeisters l Zwar alle Zeiten haben grosse Männer an das Licht gebracht; alle Völker erlebten wichtige Staatsveränderungen; aber der Kenner vom Geschmack, der Musenfreund, und Philosoph -zahlet nur jene sich auszeichnenden Jahre / in welchen neue Genien eine neue Bahn brechen, und allen Hindernissen zum Trotze neue Gebürtem mit schöpferischem Geiste erzeugen. Das sind die Jahrbücher des menschlichen Verstandes, und das aüfmun- ternde Beyspiel für die kommenden Enkel. Selbst die Natür fetzt diese Jubeljahre fest, in denen sie gleichsam alle ihre Kräfte versammelt , besondere Genien mit ausserordentlichen Gaben auszuschmücken, und die Welt mit nemn Kenntnissen zu bereichern. Ist dieser goldene Zeitraum vorüber, so ruhet sie majestätisch aus, und seyert ihre Brgchjahre. Das erste dieser verewigten Jahrhunderte war jenes Philipps und Alexanders, oder besser zu sagen, eines Perikles, eines Demo- mysthenes, Aristoles, Plato, Apelles, Phi- diaB, Praxiteles. Durch diese unsterblichen -Männer hob Griechenland sein blühendes Haupt stolz auf der Erde empor, indeß die übrigen Völker entweder ihren Verstand ungepflegt schlummern ließen, oder eine traurige Nachlese hielten. Das zweyte Jahrhundert ist jenes Cäfars, und August, welches ein Lukrez, ein Cicero, ein Titus Livius, Virgil, Horaz, Oyid, Varro, Vitruv verherrlichten. Das Dritte ist jenes der Eroberung Konstantinopels durch Mahomet den Zweyten. Eine bürgerliche Familie stand auf Ln Italien , und vollbrachte, was mächtige Könige hätten unternehmen sollen. Die edlen Mediceer beriefen die Künstler in Italien, welche durch die unwissende» Saraeenen aus Griechenland, diesem alten Tempel der Weisheit verjagt wurden, und den rühmlichen Sitz her Musen in Wällschland festsetzten. Durch Aufmunterung und fleißige Pflege erreichten. Die Künste und Wissenschaften auf diesem fruchtbaren Boden bald die alte Mllkommen- heit, und der Geist der Kenntniß verbreitete sich auch in die benaclcharten Staaten. Frankreich , England, Deutschland, Spanien fühlten die sanften Einflüsse der wohlthätigen A Z Auf- 6 Aufklärung. Die Wanderer sammeln noch mit unerm'detem Eifer die Reize des Verstandes eines Ariost, eines Lasso, eines Galileo, und staunen bey den Meisterstücken eines Michel Angelo, eines Raphaels eines Ber- mni. Das Vierte Jahrhundert ist jenes Lud- Lvigs des vierzehnten. Neue Lichter standen auf, und verewigten die schönen Tage Frankreichs. Der menschliche Verstand erwachte, und machte in dem thätigen Europa neue Eroberungen. Die Weltweisheit, die bisher 4n Finsternissen schwebte, zertheilte plötzlich die dicken Nebel, drang durch die finstere Nacht von alten Vorurtheilen, und streute Helle Stralen der Erkenntniß aus. Es begann das philosophische ewigdenkwürdige Jahrhunderts England und Deutschland stiegen empor, und wetteiferten mit würdigen Nebenbuhlern um die goldene Ausbeute der Weisheit. Welche Männer, welche ehrwürdige Namen glänzen mir entgegen! Dort Corneille, Racine, Poileau, Moliere, hier ein Milton, ein Locke, ein Dryden, ein Newton, da ein Leibnitz,> ein Helvetius. Aber ich eile mit Adlerflügeln zu meinem Endzwecke zu einer neuen, fünften, und un- Rerblichen Epoche, in der es der große Ban- —M— ^ ^ meUer *) übernimmt, unser blindes Deutschland aus seiner alten Barbarey zu ziehen, und mit der hellleuchtenden Fackel seiner Weisheit zu beleuchten. Er ist jenes durchlauchtige Genie, welches den unwissenden Deutschen, besonders uns vergessenen Wienern, den ersten huldreichen Wink —- zur Aufklärung, und späten Verfeinerung des verderbten Geschmackes giebt. Ich preise den gütigen Himmel, der mich noch diese goldenen Zeiten erleben läßt, in denen ich endlich jene morschen Vor- urtheile bekämpfet, aus der Wurzel gerissen, und vertilget sehe. Unter seinen schaffenden Händen bildet sich der erwachende Nationalgeist, die Vaterlandsliebe entbrennet in allen Herzen, und Künste und Wissenschaften springen aus ihrem Chaos hervor. In diesem seligen Augenblick lächelt uns gleichsam die ganze Natur durch diesen ersigebohrnen Günstling der Musen zu. Heyl sey dir großer Mä- cen aller unterdrückten Talente, Dank dir du A 4 un- Ein verlarvter Schmierer, der eine gedungene Brochüre herausgab welche d.en Titel führt: Ueber das Bethaus der reformieren Gemeinde, nebst einer Kritik über den Graf Friesischen Pattast u. s. rv. Man erwähnt diesen Umstand solchen Lesern, tue etwa diese. Antwort zur Hand nehmen, ohne bis Schrift zu kennen. S-SW-! unsterblicher Alcid, unter dessen unüberwind- Ucher Riesenkeule die Unwissenheit zu Koben geschleudert und vernichtet wird! Nach dieser kleinen Skizze einer gelehrten Geschichte führen wir unfern Helden noch Leschweißt von -den blutigen Gefechten, und bestäubt vom Sande der olympischen Kampfplätze in ein erquickendes Baad, und überlassen es den lächelnden Grazien ihren Liebling mit harmonischen Gesprächen zu unterhalten. Wir profanen Sterbliche machen uns indeß zur Erstaunung gefaßt, und zergliedern mit einem heiligen Schauer die herkulischen Arbeiten dieses Epochenstifters, so wie man die siegreichen Schlachten großer Feldfürsien «ufden aufbewahrten Planen noch in den spätesten Zeiten überdenkt. Erlaube großer Gönner der Musen, der du so dreist alles ausposaunest , was dich auf dem Herzen drückt, und was dein schwärmendes Gehirn auHbrüttet, erlaube, sag ich, dw ein bischen die reine Wahrheit zuzulispeln. Glaube nicht, daß ich weniger patriotische Wünsche als du, für mein geliebtes Vaterland mache, nein, mein Eifer übersteigt den Deinigen; aber ich trenne in dir izt den Patrioten vom Großsprecher, dieser beleidigenden den Gattung von Insekten habe ich allzeit den Krieg angekündiget, und ich nehme deine dreiste Ausforderung an. ^ Ich will in dir den Kunsirichter und Patrioten entlarven, und es wird zuletzt ein kleines Skelet eines Pralers erscheinen. Mir blutet das Herz, so einen grossen Mann ent- göttern zu müssen. Hör also die Stimme der Wahrheit: Die Absicht, die reine Vaterlandsliebe bildet den wahren Patrioten, nicht gleissende Worte, nicht der Prunk chimärischer Entwürfe, nicht das heimliche Gift, das im Herzen liegt, und nicht der künstlichversiekte unverdaute Groll gegen Privatpersonen. Ein Häuchler ist der Mann, der seine schwarze Rache auf Unkosten der Nazion ausübet! So eine Hanhsung ist um so niederträchtiger, weil er bey sich entweder nicht Muth oder genug Stärke fühlet, seine Feinde öffentlich zu bekriegen, seine Sache also zur Allgemeinen machet, ^und sich unter dem Dekmantel des Wohlseyns des Vaterlands mit einer teuflischen Bosheit rächet. So ein gsmietheter Meuchelmörder des Ruhmes lügt kühn einen Brutus, indeß er im Herzen Katihma ist! Herr Baumeister, Sie schneiden wilde Gesichter, Sie werden alle Huldgöttinnen von Az M 10 , sich verscheuchen *). „Fiel etwa das Stein- „ chen Daniels auf Ihr Gewissen, und stürzte ,, der aufgedunsene Koloß ^ ? Erlauben Sie l-t Meister Hercules, Ihnen die fürchterliche Löwenhaut abzustreifen , und unter der gelben Mähne die ehrwürdigen Ohren zu bewundern I^ed ns —> wüere evs must, decanüiä, ^vlier-s ' can! Dort seh ich einen Mann am attischen Gestade sitzen! Er heißt Trasyllus. Er rechnet den ganzen Tag, und ist ein geschäftiger Müßiggänger. Kommen Schisse, so springt er hastitz auf, steigt auf das erhabenste Ort des Ufers, und winkt — ( Merken Sie wohl Herr Baumeister, er winkt wie Sie!) Trasyllus giebt tausend Zeichen, und macht trotzige Geberden, als wenn er schon von ferne den Ankömmlingen seine Befehle, und Machtsprüche ertheilen wollte! Endlich ist Las Schiff in der Rhede eingelaufen; er eilt der erste hin; er schreyt den Bootsleuten zu, rr lärmet, befiehlt, droht, ordnet, setzt ab, entwürdet wett er will; doch er wird als ein bekannter Schwärmer von von allen Schiffern er *) Dieß sind seine eignen Worte, die man hiev auf ihn amvendtt, ---rW—- ir verhöhnt, ansgestossen, und nicht mehr eines Blickes gewürdiget. Er bleibt unermüdet; er verzeichnet thätig alte Waaren, schätzt sie eigenmächtig, zählt die Fremden, bestimmt die Zollabgaben, und fliegt zu seinen schmutzigen Rechenbüchern, durchsieht alle Plane, zieht die Bilanz, schlägt sich als ein Unsinniger auf das Gehirn, das ihm übrig ist, wenn er nach seiner Meynung einen Verlust beym Handel muthmasset, und freut sich mit einer rasenden Ausgelassenheit, wenn er Gewinn warnimt. Ist Krieg, und sind Seehelden zuwählen, so eilt er hastig auf den Markt,winkt den Volke — Er ernennt aus dem Stegreif den Schifsadmiralen ,und die ersten Offiziere Macht mit wenig Worten Anstalt zum Krieg, und beherrschet den ganzen Staat. Das Volk lacht und thut, was es will. Er geht zum Gestade zurück , erwartet begierig den neuen Feldherrn, räumet ihm seine heimlichen Aufträge zu; zeigt ihm einen Entwurf zum Feldzuge; berechnet die Kriegskosten , und die künftigen Vortheile, und bestimmt ihm die Stunde zur Abreise. Vorher besichtiget er den Bau der Schiffe, verbessert, märzet aus, und alle Schiffseigenthümer lachen über den armen Lrasyllus, der weiter nichts ist als ein Narr und Bettler, der sich geschäftig in Dinge mischet, die ihn gar nicht betreftn. Herr Herr Baumeister pochen sie izt an das Herz, und rufen Sie: msa 6ulx>a, meamL- ximg OuIpL! — Sie sind gewiß das redende Pendant dieses griechischen Gecken ; es ist ein Trost für Sie, ein anticker Narrzu jeyn! Wollte Gott, daß ich an Ihnen nur ThoF- heit, nicht auch ein böses Herz tadeln müßte; aber Sie fallen leider, weit unter die ^Tra- syllen hinab! Izt will ich Ihnen das Bild des ächten Patrioten schildern, und rufen sie am Ende, mit Cicero ; ImLc inüramim, llaec vera,llLea maMA, llaee äivina sunt! --- Der schäzbare Biedermann blikt ruhig aus seinem stillen Winkelauf seine theuren Mitbürger. Er bemerkt ihre Tugenden und freut sich darüber. Auch ihre Thorheiten entwischen nicht ft4nem scharfsichtigen Blicke, eb seufzt. Er sieht oft das Verdienst verdrängt, verachtet, ausgestos- seu; er hofft bessere Zeiten, nnd das Ende der Kabalen. Er sieht die Unwissenheit belohnt, gekrönt, selbst die Laster stolz sich brüsten; die mögliche Veränderung der Zeiten und Umstände tröffet ihn, und seine Hofuungen werden selten getäuscht. Er liebt alle Mens sehen, als seine Brüder. Der Fremde ist ihm werth, cheuer ist ihm sein Mitbürger. Jeder Künstler in jedem- Fache bleibt der Gegenstand ferner Bewunderung. Mischt er sich un^ Ler sic, so spächt er ihre Kunstgriffe, erschleicht ihre Meisterzüge, stellt schüchtern seine Arbeit uns, tadelt niemand, erwartet fremdes Urtheil, und überlaßt oft der richtenden Nachwelt, wem sie die Lorbeer» der Unsterblichkeit zuwerfen will: Bringt es sein Amt mit sich, daß er belehren muß; so ist sein Vortrag so menschenfreundlich, daß er sein redliches Herz auf den Lippen trägt. Er spricht immer allgemein, neidlos, greift die Thorheit nie den Thoren an;- Er drängt sich nirgends zu; wird er gesucht; so eilt er höflich entgegen. Er ist immer Mich gelassen. Er ge- räth nur dann im Wuth, wenn er dreiste gedungene Verleumder die Ehre seiner lieben Brüder antasten sieht. Dann steht er auf,' tr vergißt sich selbst; er ist begeistert; seine Wohlredenheit schüzt die Unschuld, die gekränkte Ehre seines Nächsten, und er zerdon- nert die Frevler! Er hat seinen Feind kaum gedemuthiget; so reut ihn seine Hitze, er wünscht Versöhnung; er sucht Reue auf den Blicken seines Gegners , und eilt hinzu, umarmet und küsset ihn brüderlich, denn er haßt nur die Bosheit nicht den Menschen. Er wird von seinen Feinden selbst bewundert, welche nicht erröthen unter den siegenden Klauen eines Löwen zufallen. Schon dieser Charakter würde Sie und alle ihre Chimären bestreiten; aber betrachten wir doch mit wenigen Blicken ihre Schrift — ssuumne- vblecrotLi, Iroc äiÄum erat? vews Oeäiäi. Der Eingang ist nichts weiter als eine frostige Wiederholung der Geschichte der Baukunst, die wir so oft, so schön, so gründlich in vielen Sprachen, auch häufig in unserer Muttersprache/ und unzählichmal in Verkürzungen lesen können. Bon diesem magern Elench, den er noch mit faden Glossen begleitet, macht er einen Sprung auf Wien; erklärt mit wenig Worten, als ein gebietender Herr die Hauptstadt Oesterreichs zum Mittelpunkt von ganz Deutschland, ohne die benachbarten Könige und Völker um ihre Einwilligung zw begrüßen; giebt endlich auch seiner lieblingssiadt väterliche Maulschellen, und zweifelt, ob er jemals im Stande seyn wird, Wien in Athen zu verwandeln. Dann verbessert er mit einem Federzug despotisch die Akademie, jagt allergnädigst die Maurermeister aus der Stadt, und solche Kleinigkeiten mehr; er ebnet spielend Berge, und trinkt Meere. Er erinnert mich auf den Ursprung der petits maitre8 in Frankreich. *) ___ Gott *) Llese Insetren entsra.iden unter Ludwig dem vierzehnten. Sie waren die Affen seiner Größe. Gott gebe dem nkerschrockeneti Mann ein langes Leben, er bildet in drey Jahren die ganze Welt um, ohne von seinem Schreibpult aufzustehen. Viele Leser ärgern sich vielleicht bey seinen neurunasfttchtigen Gaskoua- den; ich aber glaubte den großen Sancho Pansa in seiner Statthalterschaft zu sehen; oder ein Feenmährchen zu lesen, in welchen die Zauberer , Geister, Feen, und Gnomruen so erstaunliche Wunderdinge im Augenblick ausführen. Der ganze Baumeister ist ZVla^ni Hominis umdra, -- und baut Luft- schlößer, oder wie die Kinder — Karten^ Häuser! Mitten Ln seiner Erzählung macht er einen feurigen Ausfall in einer Begeisterung, wie einst Simon Magus in einer Rede, und er wünscht sich selbst feyerlich Glück, daß er unter so .viel Brochürenschreiben der erste einzige Originalkopf ist, der den unsterblichen Gedanken aushecket, die Baukunst zu beurthei- len. Glückliches Vaterland, welch ein großes Genie hat der Himmel, der für deine Vergrößerung wachet, so plözlich, so unvermu- thet aus der möglichen Reihe erhabener Geister eben in diese Epoche versandt, uns rauhe Barbaren zu belehren, die noch wie wilde Huronen in öden Steinklüften wohnen! Glückliche Stadt, die dieser große Wohlthäter zu eu- 16 M feklMtt Äshnsitze zu erwählen würdigte, durch seine gründlichen Anstalten wirst du bald deine stolze Scheitel über die alten gothischen Städte emporheben, und deine artigen Bürger werden in attischen Pallästen wohnen l Unsere spätesten Enkel werden einst mit forschendem Auge die kostbaren Bruchstücke aufsuchen, und wie jene des weisen Griechenlands als ewige Denkmäler unserer Aufklärung, und des verfeinerten Geschmackes aufbewahren! O du verewigter Baumeister — neguitise kr^e moäum tuae ^ ?LMo1l8Hne ladoridns l —- Wenn bisher keiner von deinen rüstigen Mitbrüdern in einer Brochüre der Baukunst erwähnte, so kömmt es gewiß daher, weil auch diese entbehrliche Gattung Menschen so viel Bescheidenheit, und Einsicht hatte, daß man den Bauliebhabern keine Gesetze vorschreiben soll, da auch eine bescheidene Kritik die wenigen Reichen, die etwas bauen wollen, vollends abschrecken könnte, und also auch die Hofnungen der brodsuchenden Arbeiter vereitelt würden. Aber denkt ein neidischer Schmierer wie Baumeister auf die Menschlichkeit? — §u!a äi§ns ra- xachbuä l Bey ^7 Bey allgemeinen Gebäuden, welche auf Kosten einer ganzen Nazion erbaut werden, als da sind Büchersäle, Universitäten, Tempel , Schaubühnen, königliche Pallästc, Spitäler, Denkmäler u. s. w. könnte vielleicht nach dem Tode der Baumeister eine Kritik Statt finden; aber Privathäuser anzutasten, die nach dem Willen, nach den Gemächlichkeiten nach den wirthschäftlichen Absichten, nach der Lage des Ortes un^ tausend andern Umständen abgemessen werden, mit einer tolldreisten Unverschämtheit zu tadeln, ihre Baumeister bis zu Stümpern abzuwürdigen, ist eine Handlung , wobey mein Verstand still steht, und ich muß dem Tadler zurufen: bim ni§er elr, Uurm Romans caveto! Herr Baumeister, sie möchten zweifeln, ich will Ihnen ihre Thorheit besser einleuchtcn machen. Da Sie vermuthlich niemals griechische und römische Palläste bauen, und ihr Lieblingsarchitekt schwerlich aus ihrem Säckel sich bereichern kann ; so muß ich meine Zuflucht zu einer niedern Gleichnis nehmen, die mit ihrer Größe harmonirt. Sie werden sich doch ein Kleid bestellen. Bilden Sie sich ein. Sie hätten ein Kleid neu, oder aus einem Alten gewandt , nach ihrem Geschmacke aus der Werkstatt ihres Schneiders erhalten. Es entspricht ganz ihrer Absicht. Sie.wissen dem B flei- fleißigen und wirthschäftlichen Manne großen Dank. Sie erwarten vom ganzen Publikum BeyfalU Sie erscheinen lächlend auf dem Platz; die Bemerkungen ihrer Freunde sind verschieden; aber überhaupt sagt man Ihnen, daß Ihnen das Kleid gut sizt«. Plözlich stöhrt Sie in ihrer süssen Zufriedenheit ein Sonderling; Ein schreibsüchtiger, vielleicht gar bestellter Trasyllus ihrer Art bemerkt Sie; geht nach Haus, schmiert eine B^chüre, und beginnt prächtig mit der Universalgeschichte der Trachten und Moden; zeigt unsern Stammvater Adam mit seiner theuren Hälfte in Ziegenfellen, geht durch die Hebräer zu profanem Völkern über, zergliedert kritisch den Kleidergeschmack ddr Griechen und Römer; schleicht gelegenheitlich in die Wälder unserer biedern alten Deutschen, welche die edle Freyheit^al- len Bequemlichkeiten des Lebens verzogen, und in einer einfachen Lebensart vielleicht glücklicher als prächtige Sklaven waren, grHbt die ehrwürdigen Knochen unserer Ahnen'mit unheiliger Hand aus, und streut den edlen Staub lästernd in die vier Winde; dann schließt er etwa seine gelehrte Encyklopedie mit Frankreichs Zierpuppen, und faßt mit Grimme ihren armen Schneidermeister gewaltsam bey der Kehle, und brandmaalt ihn zum Gothen und Vandalen, weil er in diesem Jahre ein Kleid verfertiget hat, das nicht seinen seinen Veyfall verdienet. — Herr Baumeister was würden Sie von dem enthusiastischen Tintenklecker denken? Was hat mein Schneider, würden Sie sagen, mit der ganzen Geschichte der Moden zu thkn? er hat mir gut gearbeitet, meinen Beutel zu Rath gezogen, ich will doch den dreisten Narren sehen, der mir verbeut, meinen Kleidern einen willkürlichen Schnitt zugeheN! — So beyläufig würden gewiß ihre eignen Worte seyn. Izt machen Sie also die Anwendung auf sich selbst! — Intus et in eute novik Mein lieber 'Herr Baumeister ich will Ihnen auch einen freundschaftlichen Wink geben. Voll allen Wissenschaften und Künsten- nicht nur von der Baukunst kann man meistens sagen: (^uiäcjuiä äelirantlveAez pleLtuntur ^.cUivi — Zuerst muß der Große wollen , und für die Ehre seines Vaterlandes eifern. Er muß die den Königen so wenig bekannte Wahrheit wissen, daß nicht die Kriegespalmen sondern die Lorbcrn der Wissenschaften und Künste einen Staat schmücken und glückselig machen. Nach dem höchsten Vorbilde formet sich der Adel, legt seine Vorurtheile ab, und liebt sich selbst in seiner Nation. Allmählich verfeinert sich durch dieß rühmliche Pevspiel der B s Ge- Geschmack des ganzen Volkes. Aber wo sind wir? — Iliacoä incra muros xeeLLtur et extra l Die Kritik ist zu ^eittn übttfläßig, oft gar schädlich. Meistens sollte sie die Gränzen der sanftesten Bescheidenheit nicht überschreiten. Ich will nur einen Umstand erwähnen. Es gicbt in allen Zeiten denkende ^Köpfe. In ihnen liegt ein verborgener Trieb zur Erfindungskraft; sie Haffen die knechtische Nachahmung, und fühlen die Fässeln der Regeln. Jhro thätige Seele arbeitet ünermüdet sie wollen fliegen; aber die Bleykugeln fässeln diese jungen Adler an die Erde. Die fleißige Vorwelt, hat bereits in allen Künsten und Wissenschaften durch ihre Meisterstücke das erreicht, was die Erfindungskraft gebähren kann. Doch ermüdet ihr kühner Geist nicht. Wie grausam ist es, solche rastlose Arbeiter wegen einigen Fehlern zu tadeln ! Ist es nicht besser unsere Nachsicht zu zeigen , sie zu trösten , und sind wir nicht mit dem Erfinder genug belohnt, wenn unter hundert Versuchen nur einer gerath? Wie lieblos hingegen ist oft unser Betragen ! Alle großen Erfindungen haben ihr daseyn den Versuchen und oft dem blinden Ungefähr zu danken, und wir berauben die Welt der schönsten Geburten, wenn wir aufkeimendc Gwien durch skolasiischen Pe- dan- 21 dantismus gleichsam morden. Bilden wir uns ekn^ daß man einen feurigen Sakespear ängstliche TheaLerregeln aufgehrungcn hätte, wo wäre der Geist Schakespearä? Ich bin bisher den allgemeinen Weg einer Wiederlegung der ganzen Schrift gegangen; ich muß mich nach dem gewöhnlichen Schlendrian wider meinen Willen zum methodischen Kunstrichter herablassen; aber ich bitte meine Leser, mir es zuvergeben wenn ich so ekle Arbeiten, die meinen Charakter beleidigen fo viel möglich abkürze. Wieviel Unsinn müßte ich von Seite zu Seite widerlegen'. Ich hasse Splitterrichtereyen, und liebe zu sagen, karva loves caxiunt ariimos. Seine Schrift, sagt Baumeister, ist mm eine Skizze, mit der er sein Vaterland beschenkt , er droht uns mit fürchterlichen Entwürfen. Gott sey den armen Künstlern und Gelehrten Deutschlands gnädig! Wie viel Menschen wird er noch ihrer Würden entsetzen, wieviel Remter vertheilen! denn der Mann hat im ganzen Staat das praelentauch. Mich ärgert nur, daß ihn die Monarchen nicht besser zu Rath ziehn, er grebt für einige Groschen so viele Rathschläge, als man in Jahrhunderten ausführen kann. 0 Quanta l'xecies, cerebrum non dabet! Wäre LS ' Wäre doch nur das seichte Gehirn sein einziger Fehler! *) Ich will den Leser und mich mit den geheimen Anekdoten verschonen, mit welchen ich das hin und wieder mit Vorsatz ausgestreute Gift und die boshaften Anspielungen auf gewisse Privatpersonen beleuchten müßte. Dann sähen sie unfern Baumeister als einen bloßen Pasquilanten. Baumeister, der so dreist über alle Künste herfällt, verbeut als ein Schulmonarch allen Gelehrten von Künsten zuschreiben, als wenn nicht gelehrte Männer einen Theil ihres Studiums durch einen angenehmen Wechsel anmuthiger macken könnten. Wieviel Liebhaber überholen oft die Kunstgenossen in a^- len Fächln! dse Musen reichen einander schwesteplick) die Hände. So schrieb ein Virgil vom Ackerbau, und andere wählten sich Gegenstände , die niemals mit ihren Berufsgeschäften in Verbindung standen. Seine Seufzer über den wackern Lessing sind ihm ganz unnatürlich. Er ist: Hui Der Kunsi-und Brodneid hat auf unserer besten Welt häßliche Ungeheuer ausgebrüttet; man sah Menschen, die ihre Wohlthäter untergruben , und aus Haß trotzig laugneten, was ihre Gönner für sie gethan haben. 23 ein captät riü.s dominum, k-MAM^us äi- lnd cacis! en, or- Endlich sagt er uns in einer grundge- ln- lehrten Anmerkung unerhörte Dinge. Ergiebt be- uns nämlich einen historischen Wink — daß in- Nero seinen B.eyfall verdient, wenn er aus Verschönerunsabsichten das alte Rom ange- zündet hat. Sehen Sie meine verehrungs- in- würdigen Leser, die Moral ist neu! Aber der rch bescheidene Herr Baumeister ziert sich dabey rls jungferlich, und äußert großmüthig, daß er ih- dieses Beyspiel nicht zur Nachahmung em- ch- pfehlen will, doch läßt er uns den heimlich- chen Wunsch errathen, daß er der Verschö- a^- rlerungskommiffion die Ehre gönnte, durch ei- )ec nen Universalbrand der Stadt Wien eine neue ;il Gestalt zu geben. So einen mordbrenneri- >e- schen Patriotismus besizt dieser ausserordentli- ;e- .che Mann. Wir sind keine Minute sicher, .rf- daß ihn nicht ein Nemungsparoxismus an- mz wandelt, und er über unfern Köpfen die Stadt in die Asche legt. Möchte doch eine weise Obrigkeit, die für die Sicherheit ihrer Bürger wacht, dieses feurige Genie mit einer freyen Wohnung im neuen Tollyause beschenken, er hat es gewiß durch seine ans- .^1 gezeichneten Verdienste vom Staat vcrdie- net; da fände er zugleich Gelegenheit, seinen n rühmlichen Plan auszuführen, alle neuen ' Ge- 24 - ' Gebäude zu schildern, und erkannte für die Nachwelt den Narrenthurm nach den Regeln der attischen Baukunst prüfen, so würde er in Bequemlichkeit seinen spekulativischen Chimären nachhängen können, und bey glücklicher Muße mit dankbarem Herzen ausrufen; Veu§ nobis llaoe otia Lecitk In der Folge verbeut er allen Künstlern die Beurtheilung, bevor sie selbst Meisterstücke aufzeigen können- Er aber als Gesetzgeber setzt sich über seine eignen Gesetze hinaus, und beweiset uns seine Sendung durch keine Wunder. Wir wünschten, er hätte in Eile ein Duzend Palläste in Geschmacke Griechenlands gebaut, um unfern blühenden Künstlern die kostbare Reise nach Italien zu ersparen , und ihnen im Vaterland Modelle an- zuweisen. In seinem Zorn wider die Maurermeister, über welche er den allgemeinen Bannstral aus- fiuchet, eifert er sogar wider unsere Vorfahren , die diesen Leuten Arbeit gaben, und drükt sich so aus: Sie warfen ihnen dieselbe hin, wie die Perle den Schw—en! Hier zeigt er uns eine jüdische Delikatesse, daß er zwar Grobheiten sagt, aber das Wort Schwein als ein Profanes unter die vcrba male omniata zählt- Im Eifer macht er derbe Sprachfehler 25 die ieln ! er hi- kli- ern icke ber md m- ein m- -si. >a- >Ns l', s- h- rkt r, er ar ls ta )- ler. Es sollte nicht heißen: sie warfen ihnerr dieselbe hin wie die Perle vor den Schweinen, sondern er sollte sich so ausdrücken: sic warfen ihnen dieselbe wie die Perle den Schweinen vor, oder, wie die Perle für die Schweine. Solchen nonsensikalischen Cchnikschnak muß man oft verdauen, man sehe S. Z7. und 41. in den Glossen, und hin und wieder, denn ich bin müde Unsinn abzuschreiben. Iy seinen Gleichnissen ist er oft so neu, daß man von Herzen lachen muß. Z. E. „ Die „ Baumeister, sagt er, sollen nicht mehr als „ ihre eigene Kunst ausüben , so wie die Him- „ meitzkörper sich nicht in verschiedene Ephä- ,, ren wagen dörfcn, weil sie sonst das Welt- „ system zerstöhren. „ Wie die lebendigen Baumeister, und die tobten Himmelskörper kontrastiren! Noch seltsamer spricht er, in dem er erklärt, " daß die Rotonda kurzweg lsse- ,, terskirche heissen soll, so wie der Bruder „ des französischen Monarchen nur Monsieur „ genannt wird. ,, Die Prinzen von Geblüt hatten gewiß keine Ahnung daß sie jemals mit einer Peterskirche sollten verglichen werden. ^Da heißtes wohl: Omnis similitucio clLuäicat. Seine lateinischen Texte kommen oft wie Pontius in das Sreäo — *) *) Einen Text kann ich nicht mit Snllschwer,- gen vorüberlassen, er ist zu komisch. Nach dem 2Y E Endlich eilt er zu seinem Endzweck , unv^. ß daraus weis man erst, was er mit der gan- Ä zen Chimäre im Schilde führt. Er schließt C indem er seine Schrift mit einem Regen g vergleicht, der allgemein befruchtet, aber ein- 8 zelnen Menschen schadet. Meine Gegenschrift ti soll eine Sündfluth seyn, die auf die Felder d der Boshaften herabsiürzet, und ihre höllische n Schadenfreude durch eignen Schaden verei- a telt! Aber ich muß auch wie er zum Endzwe- 5 cke eilen, indem ich vorher den heiligen Wunsch. ( wiederhole: ij d Ne?ueri,ne tantaanimis asuescite bella ^ n patriae valiäas in visecra vertite vires s Lasset ab meine würdigen Freunde von diesen häßlichen Federkriegen; denn was mich, betrift, beschütze ich bloß eine gerechte Sache, und bediene mich des natürlichen Verth eidi- gungsrechtes wider einen unv rschäntten Tadler. Erhabne Muftnsöhne höret meine fey- e erliche Bitte: lasset eure Beschäftigung senn, L durch ausgezeichneten Fleiß den Ruhm Deutsch- C lands zuerhöhen; ntasset euch keiner ansschlie- Z ßen- s ___ V h dem Baumeister tausend Lügen gesagt hat, ruft er : Ode jLm 5üris eU , und läßt uns den* kcn: rumpum meruZscia Unaysrn! Solche ar- § rige 5^lvxoüri finden rviv mehr- ^ 27 undx- ßenden Rechte am; alle Deutsche sind unsere ;an- Brüder! Was immer für eine Stadt das ließt Genie hervorbringt, sey niemals von euch »gen gerüget, das Werk muß den Meister loben! ein- Bauet den Ruhm der ganzen gebrüderten Na- -rift tion auf unlaugbare Meisterstüke, beglücket ldcc das Vaterland durü) wahre Aufklärung, lebt lsche neidlos, gesellschaftlich im Frieden unterem- net- ander, seyd alle thätige Glieder eines ganzen we- Körpers, einer^ Gelehrten Republick, dieß ist nsch. ( Herr Bauermeisier horchen Sie zu! ) dieß ist die Stimme des Volks, der edle Wunsch der deutschen Nation, des rechtschaffene Maltas nes, und des ächten Patrioten! Prüfung der Apotheosis mch Des Architekten des Bethauses. che, --- idi- ad- Da sieht der vergötterte Architekt! Der ey- entzükte Baumeister zündet ihm Ampeln an. >m, O du kleiner Götze erlaube mir, deine junge sch- Gottheit ein bischen zu prüfen ; laß deine lie- Nase vom aromatischen Weihrauch nicht Fu - sehr anfchwellen , denn dein Räucherer ist __ blind! Ist das also ihr erstes Kind, Herr Ar- ar- Wtrkt, das sie so väterlich Herzen und brüten ken, und bey dessen Geburt vermuthlich Herr Baumeister zum Gevatter ernannt wurde? " Co eine natürliche Schwachheit ist noch ver zeihlich. Ich will den Säugling beschauen. ^ Die Feen haben wvhlthätig ihren Günstling begabet. Ein allerliebstes Kind ist es in der That. Wir der freundliche Schalk lächelt'. ^ Der kleine Affe sieht seinem Vater so ähnlich, ^ als wenn er ihm aus den Augen gerissen wä- ^ re. S6)ade, das Kind schielt. Gott geb ihm ^ lange und gesunde Jahre! Schielt es nicht "" Herr Papa, was glauben Sie ? -— Der un- gestüme Wechselbalg schreyt erschreklich, und macht zu vielen Lärmen bey seinerErscheinung auf der Welt, Lassen wir ihn also noch in den Windeln liegen, und gehn wir erst zu dem jauchzenden Vater, unfern Glückwunsch - in tiefster Ehrfurcht zustottern. Sie lächeln Herr Architekt? — Nein, ohne Schmäuche- ley, Sie scheinen mir ein Erzhofmann zufeyn. Nicht wahr Sie haben ihr Lieblingslind em- pfohlen, und wie eine zärtliche Mutter ihren ^ Herzenssohn mit Empfehlungen in die große ^ Welt geschickt? --- Nur nicht so schüchtern! ^ Ich verstehe ihren Wink — Wie politisch Sie dabey zu Werte giengen , Sie schlauer Mann! Italien, Italien! Wir plumpen Deutschen fallen bey solchen Kunstgriffen zu kurz. Sie > ^ sind nicht umstonsi gcreiset, das war beson- ^ ders sinnreich, durch die dritte Hand — ss ^ rächt Herr i'ächt man sich romanisch — die blödsinnigen Wiener merken nichts, Hahaha! die Thoren 2^,. wollerr wie schnellen! — Wie Sie ihre ganze ^ Galle ausgossen! —Unter uns, ein bischen ge- kling Ehrlich war den Schritt, sowas macht Fein- der ^ freylich haben Sie recht, ihr al- )elt! Groll — die Rache ist süß — Man muß lich ^"ten Wohlthätern auf die Kehle treten, da- mit sie uns nicht beschämen — Wissen Sie ihm ^n Anschlag vom Altar? — so was war licht zuverdauen, man müßte einen Strau- un- ßenmagen haben; — dann sind Sie auchVa- und Was thut nicht ein zärtlicher Vater ung ^ sein erstes Kind ! Cs ist auch ein aller- liebstes Püpchen, zum fressen, man kann ihm , ^ nicht feind seyn. — Kein Wort Herr Archi- nsch ^ verlassen Sie sich auf meine Verschwie- heln ^nheit > ich schwatze nicht aus der Schule. che- :yn. em- )ren oße rn! Sie nn! den Zie on- ss Ein kleines Pröbchen einer Folter! Hokus Bokus, wie Taschenspieler gehen weiter ! — Ich werde in diesem Theile sehr kurz seyn, denn da ich bereits im ersten Theile berührt habe, daß Baumeister aus gchäßigen Absichten schrieb , und mit dem Architekten eine verabredete Rolle spielt, so begreift man leicht, daß weder gemietetes Lob, noch erkaufter Tadel von einigm Gewichte seyn kann. Ich habe also nichts weiter zuthun, als das übertriebene Lob des Herrn Architekten zu Vekmindett^ Md den unbilligeir Tadel mir ein Paar Generalöemerkungen zu vernichten. ^ Leute, die aus Leidenschaft handeln, können ko nicht tadeln, nicht loben. Nur ein unbe- ^ fangenes Herz ein freyes Hirn fällt eilt gesundes Urtheiü he S Hätte Baumeister auf Anregung des Ar- öer chitekten bloß desselben Lob auspoftmnet, so un könnte so eine menschliche Schwachheit hin- Ur gehen; aber was soll ich von seiner unverzeihlichen Schmähschrift sagen? Muß Matt die Rechte der Menschlichkeit beleidigen, und ^ nur auf Unkosten seiner Nebenmenschen sich ^ Ehrensaulen bau»? Kann man nicht sagen ke Raphael ist ein großer Mann , ohne daß ^ man zuerst beweiset, daß Coreggio, Rubens ^ und andere große Genien bloße Schmierer ^ waren? Können nicht große Männer in einer "n Reihe stehen, und alle Ruhm, und Unsterb- lichkeit verdienen? Nein, so ein edles Lob behagt Ihnen nicht Herr Baumeister und Compagnie ; Sie reisten erst alle Künstler zu Boden, zermalnen alle Kunstgenossen mit Fussen, und bauen sich auf den blutigen Knochen die Pyramide , die. Sie verewigen soll. Man Lei muß beym ersten Bau ihres Architekten aus- ^n rufen, was einst der Dichter vom alten Rom ker sagte: kraterno xrüui macluernnt LanZüins UN muri !> Irr mir ÄSt nehmen wit das allerliebste Kind ten.. wieder ans der Wiege, tragen es in den ana- inen komischen Hörsaal- und prüfen ein wenig die nbe- holdseligen Glieder dieses ersten Meisiersiü- ckes unsers Architekten. Sie müssen verzei- henHerr Papa, daß wir so dreist sind; allein Sie haben selbst das Kind für etliche Kreu- Ar- zer dem Publikum wie Zwergen, Riesen, und , si andere seltne Mißgeburten öffentlich gezeigt, hin- Und wir reden als Zuschauer für unser Geld— ver- man Erstens erzählen ww die Zufälle vor der und Geburt , die sehr merkwürdig sind. Der Ar- ^ch chitekt saß mit schöpferischer Miene, Überdachtgen te seinen unsterblichen Ban, und trug für daß E Mauern zu schwach an. Zum Glück kam >ens die praktische Kenntniß und wachende erer Vorsicht des Herrn Maurermeisters zu Hü seiner und diesem weisen Geburtshelfer hat derVa- erb- zu danken, daß sein embrionischer Bau Lob uicht zusammen siel, om- Bo^ Er vergaß auch bey feinem Entwurfauf sen, mitten Brunnen, und einen Keller , welche die beide bereits existieren, und plözlich wie un- Nan gebetene Gäste zum Schrecken des Architekten us- in der Scene erschienen, das war ein fürch - iom terlicher Leus ex maedinÄ für ihren Freund lins und Gönner, Herr Baumeister r In seiner Zerstreuung machte er einen Fehlet ^ der einen Schüler beschämen würde. Sein ganzer Plan war um drey Schuhe zugroß. Elk Natürlicher Fehler der Eltern, daß sie schon bey der Geburt ihren Kindern mehr Raum bestimmen als ihnen auf der besten Welt gehört. Das Gebäu wäre also neben der kalvinischen Kirche gegen die Dorothea er um drey Schuh ohne Erlaubniß der gesunden Vernunft vorgesprungen , wenn nicht wieder die Wachsamkeit des Herrn Maurermeisters und des geschickten Poliers es noch früh genug entdeckt hätten. Daher war der gelehrte Baumeister und sein Freund so groß- müthig, und sezten in ihrem neuen Gesetzbuch aus Dankbarkeit alle wakern Maurermeister ab, nnd zwar sehr billig, warum sind diese Leute so geschikt, die Fehler junger Architekten zu verbessern ; sie sollen moros lehren, und hübsch dumm bleiben, so spielt der Schielende unter den Blinden den König! — Endlich kömmt der sehnlich erwartete Em- Lrion auf die Welt. Wie eilen das Kind zu sehen. Wir sehen ein mittelmäßiges Haus für einen Bürger der Vorstädte Wiens, das solang es sich durch eine reinliche F'arbe von alten Nebengebäuden unterscheidet, ein wenig bemerkt wird; mehr davon auf den ersten Anblick zu sagen, wäre Lhorheilr Die do- ZA rische Ordnung hätte dem Bau mehr Würde gegeben, deUn die Jonische Bauart ist zu weibisch, und verräth mehr die Wohnung einer zärtlichen Aspasia als eines ehrwürdigen Deth Hauses. Mir eilen zur Zergliederung. Die Thore sind zu nieder , gedrückt, und sehen einem Backofen ähnlich ^ vermutlich nicht ohne Absicht ,wie wir gleich erinnern werden , sondern um das Ganze mit dem gegen überstehenden Backhause recht nachbarlich zu verbinden. Die Verzierung ist unter der Kritik. Doppelte Tragsieine sind aufeinander gethürmet, und machen eine so komische Wir* kung, wie zwey Nasen in einem Gesichte. Bey näherer Prüfung findet man, daß das Gewölbe üöer dem Sturz durch die Tragsieine zerschnitten wird. Die Verdachungen übet den Thoren und Fenstern haben ihren Vorsprung nicht erreicht, sie sind vorne zu wenig, und auf der Seite zuviel ausgeladen. Die Tragsieine ragen zu weit hervor, und sind nicht genug bedektt Die Schneckendannn sind zuviel geschnirkelt, und. zu flach. Der ganze Schmuck wird verschwinden, wenn das Haus einige Male über- dünchet wird, weil man dabey die weise Art der Alten ganz vergessen hat, welche alles tief E SU-" zugraben, u-.rd zu erhöhen pflegten, um die alles verzehrende Zeit zu trotzen» In einer Reihe stehen Fenster mit ungleichen Verzierungen. Warum" hat doch der Architekt diese zwcy Fenste?, die wir so- kahl erblicken, so unväterlich enterbt, und nicht wie ihre Brüder mit Tragsieinen ausgesteuert? Sie erinnern ulls auf die armen Kadeten, die Hey einem magern Pflichttheile darben, indeß die reichen Majorarhherren im Ueberfluße schwelgen. Die armen E-tieffcnster dauern mich! Aber wir nähern uns mit ehrfurchtvol- lex Bescheidenheit dem großen Unterscheidungszeichen^ wie Baumeisters Orackel spricht, wodurch dieses Bethaus von allen übrigen exi- srirendcn Gebäuden sich so glücklich, so charakteristisch auszeichnet. Endlich finde ich die seltne Gelegenheit diesem Manne das Recht zu lassen. Gewiß, dieß gepriesne Unterscheidungszeichen , nämlich die Vezierung in dem darüber weg laufenden Aand, giebt unserer gereizten Neugier einen unläugbaren Wink — daß es ein Beckershauö ist! — Denn die so künstlich-, so natürlich, so sinnreich ange- LrachLen Bretzen, und fortlaufenden Bengelringe crreg.cn beym ersten Anblick um so mehr dresen^chhrscheinlichen Gedanken, weil durch . eine glückliche Fügung eine Backstube, gerade ge- die gegenüber ist , und man also in der Gegend die Wohnung des Beckermeisiers sucht. Daß aber hier ein Bethaus scyn sollte, davon an- muthmassen wir leider, nichts! Die unbe- der dachtsamen Wanderer, die forschend alle Sel- ahl tenheiten bemerken , gleiten bey der Lieblingsicht gebürt des Architekten ohne mindeste Ahndung rt? vorüber- wie blinde durch den Vatikan schleim die chen, phne zu wissen, daß dort die Denkmadie ler der Kunst bewahret sind. >el- i Endlich faseln wir gähnend durch das verzierte Kellergewölbe, denn so was scheint es ol- zu seyn, über eine Schneckensiiege in einen zs- Gang, der sich an die evangelischlutherische so- Kirche füget. Hier Hat der Architekt in sei- xi- «er gelehrten Zerstreuung vergessen, daß die - Scheidemauer den Dachsiuhl tragen muß. Da die : in unfern wunderlosen Zeiten die Engel nicht cht mehr so löbliche Beschäftigungen ans sich zu et- nehmen belieben, mußte das Dach so lang em auf Stützen ruhen, bis man die Mauer oben rer verstärken, und das fliegende Dach mit Hölzer- —- nen Riegeln darauf befestigen konnte. Man so sieht auf den ersten Anblick ein, welch ein Feh- ;e- ler es ist, wenn die Mauer oben dicker als el- im Grunde gesezt wird; aber ammeisten ver- hr dienet hier Tadel, daß der Vundramen zu- .ch gleich den so genannten Tiepelbaum vertret- de ten muß, und samütt der Uauerbank einge- H 2 MftH- ^6 ,-n — mauert ist» Wie gefährlich solche verzweifelte Maaßregeln sind, wird eine löbl. Feuerkommission entscheiden, wenn sie einst diese Entdeckung macht. Sie erlauben izt, daß wir in das Bethaus eintreten. Wir haben den Hut bescheiden unter dem Arm und höflichen Leuten versagt man din Eintrit nicht. *) Uns däucht, Sie vergeben unserer kritischen Dreistigkeit, und scheint es, als wenn die im Fries angebrachte Verzierung nichts taugte. Es wäre zu wünschen, daß die Schrift ohne die gekrümmten Schlangen stünde. Zwey kleine Kuppeln hangen in der Höhe. Der Architekt gieng hier nicht weislich zu Rath. Zuerst trug er in seinem Plane auf eine Kuppel mit einer Latern an; da aber dem Bau die Gestalt einer Kirche versagt wurde , beharrte der Archijekd doch bey der Idee einer Kuppel, und sah sich wegen seinem Eigensinne genöthiget, diese gebrüdertett Halbkuppeln mit erschreklrch wirthschaftlichem Feuer, wie Baumeister ganz hübsch in seiner Of- fen- *) Beym Eintrit giebt uns der Architekt selbst die körperliche Richtung , wir schreiten willig dem ausgezeichneten Gleise nach, und wenn wir Im Bethause stehn, zeigen wir -er Kanzel 37 fenbarung bemerkt, auzubringeu. Eine schöne regelmässige Kuppel giebt einem Tempel ein majestätisches Ansehen; aber zwey zusam- mengelWn^ Geivölber verlieren allen Schmuck. Reifer wäre sein Plan überdacht gewesen, wenn er eine flache Decke wie jene in der kaiserl. Reitschule mit seiner Wahl angebracht hätte; so würde das Bethaus eine wal-re Zierde erhalten, und mehr Licht gewonnen haben, ohne die unregelmässigen und ungeheuren Fenster über den kleinen und schmalen Thoren zu bedarfen. Die 'Säulen in der Kirche sind zu schwach für das Gewicht, das man ihnen auflastet. Sie' sirrd wie die wadenlosen Beine, die einen wohlgemästeten Körper tragen müssen. Daß diese Säulen nur halbgestreift sind, ist weder Zierde noch richtige Ueberlegung, denn sie sind von den Stühlen nicht versteckt, man sieht zet den Rücken: da aber alte Menschen nur in den Tempel treten, die Predigt zu hören so sollte die Kanzel der erste Gegenstand seyn, der dem Auge begegnet, und vermög dieser richtigen Bemerkung müßte die Kanzel als der Hauptgegenstand dem Eingang gegenüber , oder am Platze der Orgel stehen. Herr Baumeister überdenken Sie das mit ihrem Einsager , ich gebe Ihnen auf dem Plane einen Wink. — fleht sie ganz, und was die Abnützung betrift, mußte der vorsichtige Architekt eine Weinschenke, wo nichr g^r einen Stall im Gedanken haben. Ueberhaupt machen diese Säulen eben soviel Aufsehen, als wenn Sonderlinge gestickte Kleider mit Stiefeln vereinbaren. Jzt nähern wir uns der MaLerey, und wir nehmen die Apokalyps des Herrn Professor Baumeister zur Hand, er sagt: die weise Erfindung hat auch dem schöpferischen Ar- chitekten^seyn Daftyn zu danken l — Ich, der ich im Widder gebohren bin, und durch einen fatalen Einfluß der Gestirne das Unglück habe, immer widersprechen zu müssen', wenn man falsch spricht, behaupte gerade das Ge- gentheil. Der ganze Llan ist mehr für einen Stukanrr , als einen Maler, und der Architekt versteht gar keinen Malerentwurf anzugeben. 8utor ultra Erepiäain ! Herr Ge- Vater Baumeister prägen Sie ^och diese Wahrheit ihrem Freunde tief in das Herz! Man hätte sollen, dem Künstler die freue Wahl und Anordnung überlassen. Dieser geschickte Maler hat manche rühmliche Beweise seiner gründlichen Kcnntmß in Privathänftrn seit vielen Jahren gegeben, und auch in diesem Bethanse selbst eine Rose znm Muster ausgestellt, die vssrch ihre sanften Erhöhungen das Auge in einer kle-nen Entfernung so glücklich sich täuschte, daß man sie als eine erhabene Arbeit betrachtete. .Drey Monden stand diese schöne Musterrose, bis sie endlich mit dem übrigen Plane des Architekten mußte verhunzt werden/ Ich rüge nicht gern körperliche Fehler; aber hier muß ich eines erwähnen. Der Architekt hat Znm Unglück ein blödes Gesicht ; hiezu kam noch innerliche Blindheit, und er beurtheilte die Malerey falsch, weil alles, was no.b so (tUsdruckvoll war, seinem Kranken Auge matt schien , und er zwang den Künstler durch das Ansehn seines Würde als Ausseher über den ganzen Bau , seine eigne Schande z"n malen. Der gute friedsame Maler war des Gezänkes müde, und erfüllte den Willen des despotischen Architekten; aber was thuk dieser große Mann? — Da vermuthlich bessere Augen als die Eeinigen diesen auffallenden Fehler entdeckten, und er den Tadel von sich lehnen wollte; so geht er hin, miethet einen feilen Schriftsteller, brandmarkt die Fehler, die er angegeben hat, und beschämt den wackern Künstler, den er- gezwungen hat, seine eigne Kunst zu verläugnen! Giebt es noch eine schwärzere Handlung? — Wer den guten Nus eines Künstlers hämisch herabsczt, raubt ihm seine Rahrungswege , und erwürgt ihn! — l-laec uu§R seria f/aJ-mt ! — Wollte der Architekt, seinen Entwurf malerisch machen, so müßte er so zu Werke gehn: Da der Einsatzpfalz zwischen dem Band und dem Garnis eine widrige Wirkung in der Malerey macht, und diese Art Verzierung im Garnis sich zu wenig auszeichnet, weil sie zu oft wiederholt wird; so wäre ein Rund- stab mit Schlangeneyern verziert ohne Ein- fatzfalz unter das Band zu legen, durch diese Zusammensetzung würde die Malerey reiner, und dpm Auge mehr behagen. Genug der Architekt hat bey seinem Plane zwar nicht die Regeln, aber den Maler vergessen. Die Kanzel sieht einem Hausthore.gleich, das zwey Säulen, und einen Balkon hat, auf welchem acht Personen bequem Raum haben; so wie man es in dem Augspurgerku- pfern häufig findet. Wenn man also in das Pethaus eintrit; glaubt man in einem Vesti- . bel zu seyn durch dessen prächtiges Thor man erst in den Tempel zu kommen hofft. Da der grübelnde Baumeister sich gelegcnheitlich über den Kirchenbau in Generalbemerkungen ausdehnet , muß ich schon wieder die Ehre haben, ihm mein Kompliment zu machen. Die erste Idee eines wandelbaren Tempels für die wahre Gottheit war, wie uns die heilige Schrift lehret, durch den göttlichen Geist selbst dem Mopses gegeben; in der Folge baute Salomon auf ebendiese göttliche Be-' Begeisterung ein Denkmaal der Große. Es scheint also daß die prächtige salomonische Bauart die einizige Art ist, welche die, Majestät einer göttlichen Wohnung auf der Erde erreicht. Christus lehrte in eben diesem Tempel , und da er seinen Aposteln und Jüngern keinen Plan eines Tempels zurückließ; so däucht uns der alte prächtige Bau sowohl mit dem Kostüm des Alterthums, als auch mit dem feinsten Geschmack und den Absichten unserer bürgerlichen Gesellschaft vereinbarlich zu seyn. Selbst der -Architekt und sein' Gevatter Baumeister scheinen sich für die salomonische Bauart einigermassen zu erklären > weil wir in dem Bethaus eine kleine Migniaturnachah- mung finden, indem man weis, -daßdiePri- sierwohnungen mit dem Tempel Salomons vereiniget waren, und auch hier das Pfarrhaus mit dem Bethause zusammenhanget. Izt Hab ich als ein wahrer Eiferer eine neue Schönheit des großen Meisterstückes unftrs Archiv rekten ausgefunden. Die Frage des Herrn Baumeisters von der Gestalt einer Kanzel kann durch ebendiese Gründe beantwortet werden. In einer Gesellschaft warf man einst die nämliche Frage auf. Ein witziger Kopf rief aus dem Steg- 44 Stegreif; der geistliche Redner spreche wie Cicero ex roiiris! ----- Und da man auf eine Erklärung drang, sagte er lächelnd: Wir lesen im Evangelium, daß, da die Zuhörer häufig zudrängten, Christus das Volk lehrte , indem er in ein Schifflem stieg» -- Aber wir spatzieren nych als Vcwunde^ rer im ^ Bethause; wir drehen uns plözlich um , und erblicken einen artigen GläserschranE oder Schenkkasten!— Gewiß ist es eine figürliche Nachahmung der Bundslade, und vcrmuthlich werden Hier wie im salomonischen Tempel die heiligen Gefäße und Schau- Lrode bewahret» — Welche Erstaunung befällt uns, es ist eine Orgel! Der Architekt ist ein zweyter Dädalus, er führt alle Augen irre- lu^emolas llomo eK! — Aber warum runzelt der Orgelmacher so finster die Stirne? ffr murmelt unter dey Zähnen: der,ganze Plan taugt nichts, ich hahe den Quark oft verbessert, und doch nur meine Schande gearbeitet! — So erlebt unser Architekt lauter Undank; er macht die Schönsten Entwürfe, und Maurermeister , Maler, und Orgelmacher empören sich wider ihn. Wie lang werden diese kleinen Handlanger den Wertk dieses OrginalgenieH-anißkennen, und verweigern einen Schöpfer zu bewundern-, der zugleich, Ar- 43 Architekt, Maler, und Orgelmacher ist! — Lx omnibus aliciuiä u, 5 w. Itz sollte ich nach dem Faden der feind- Lichen Kritik zu dem Graf friesischen Gebäude meine Schritte lenken. Baumeister steht Vermuthlich schon mit vollen Pausbacken und hochgespitztm Ohren, und sagt hohmä- chelnd: Itzt ist uns Antibaumeifter auf die Ferse getreten, und hat uns ziemlich geneckt; nun wird ex mit rauschender Trompete die von mir so witzig erklügelten Fehler vertheidi- gen, und die Schönheiten des Graf frkesichen Gebäudes anpreisen. .Aber Herr Gevatter Baumeister, Sw und ihr geschwätziger Genius sehen sich in ihrer Erwartung gänzlich hintergangen, und bis zum 'Schluß meiner Verteidigungsschrift will ich Sie durch einen Labyrinth führen, dessen Ausgang ' Sie miß- kennen. Das Bethauß als ein öffentliches Gebäude, das auf allgemeine Kosten einer ganzen Gemeinde gebaut ist, kann nach meinen bereits angeführten Gründen einigermasM der Kritik unterliegen, besonders da man die Kenner dazu feyerlich eingcladen , und durch den Ruf der Posaune zum Streit aufgekoderr hat; Hingegen die Wohnung eines Privatmann 44 mannes, wie ich oben bewiesen habe, ist die ri ehrwürdige Freystäte, die eben so wie die ^ Person des Bewohners selbst von aller be- k! Leidigenden Kritik in einem gesitteten Staat E frey seyn muß. Alles verletzet die Wohlan- D siändigkeit, was die häusliche Ruhe lder Bür- T ger stöhrt. Tretten wir also mit stiller Ehr- h furcht bey dem Heiligthum des Friedens E vorüber,--- nehmen wir nicht Antheil an n« den voreiligen und ungesitteten Fehlern ei- sl! nes Mannes, der alle Regeln der gesunden si' Vernunft und des Wohlstandes kühn beleidi- m get- Vernünftige Menschen denken ihre Mey- yüngen, oder lispeln sie ihren Freunden im Vertrauen zu. Rur kritische Kannengießer, ^ welche Gattung Leute so gerne zu sagen E' pflegt, wen» ich König wäre, werden auch ^ bey diesem neuen Gebäude wichtig die Na- *e se rümpfen, und mit erweiterter Kehle ru- i ^ fen: Wenn ich Architekt dieses Hauses ge- ^ wesen wäre, so hätte dieses so, und jenes ^ anders seyn müssen; aber ihr Herren Verbes- ; ^ serer hätten Sie alsdann gewiß den allge- meinen Beyfall erhalten? ft- (^uam mnZnus mirsatium, tam ma^nus ^ inckiviäsntium populns est! G Damit aber unsere Bescheidenheit nicht w. etwa von hämischen Spöttern als eine Un* i ne rühm- 1 ! die? rühmliche Flucht und als ein Geständniß der die^ Neberzeugung ausgedeutet wird, will ich eine be-? kleine Probe hersetzen, wie leicht thörichte aat^ Sptitterrichtereyen zu widerlegen sind. Alle an- ^ Vorwürfe einer Antwort zu würdigen, wäre kr- ^ Thorheit, weil sie nicht einmal auf die Wahrer- - heit gegründet sind, und ein Blick auf den ns > Bau selbst die Spinnengewebe unserer Geg- an! ner widerleget. Zum Beyfpiel ist es gründet- - falsch, daß die Eisgrube unter der Küche en! steht u. s. w» Ich will von allen Irrthü- )i- > mern nur einen beleuchten» y-! nr i Baumeister reitet wie ein zweytcr Baä- k ^ ; lam auf seinem Esel eilends her, vergißt im en Eifer, daß er uns wie jener den Israeliten ch ^ fiuchen sollte, und segnet uns. Herr Archi- r- tekt, Sie spitzen vermuthlich die Ohren, ge- r- I wiß ihr armer Prophet hat ihre sinnreichen i Eingebungen nicht verstanden, oder der ein- s ! blasende Geist selbst war ein Lügner. Es n ! lauten die Worte unsers Balaams so: das ^ i erste Stockwerk hat seine Existenz xer rmio i wem inversam. --- Herr Grübler, was bewei- l set das anders, als edle Harmonie? Denn s ^ iksrio, wenn wir mathematisch, und durch ! Behspiele gründlich sprechen wollen, ist eine ^ Größe, welche mit der andern verglichen wird, t wie 2. 4: : 8. l6. beide l^ationes bilden ci- k ^ nerley Proportion, alternmiäo wie s. 8:^4. » 6 . i r6>. iuvortLnZü dder per rationell! inverikm, ! wie 4- 2: r 16» 8° eomxomrt, und multixli- eirt man rurn in dem ersten Fall 2X i6"Z2. 4X8 — Z2; so sieht man, daß das Produkt der beiden äußersten Glieder dem Produkt der mittern Glieder in allen Fällen gleich ist- also xer rationem inverlam nichts anders! gesagt wird, als das dieses Stockwerk ein gutes VerlMtniß, und eine achte Proporz tion mit dem zweyten Stockwerk habe. ; Wir ^danken für diese freywillige Lobrede. Man hat dem Gebäude Ehre gegeben, indem man es tadeln wollte, kvilum teneatiL ^mi> Man muß bey der Kritik eines Baues di« Gestalt des Platzes zur ersten Grundlage setzen- weil dadurch grosse Schwierigkeiten! entstehen» Nur das Quadrat, der Cirkel, ! das OblongUm sind regelmässig. Der Archi- l Lekt hatte einen unregelmässigen Platz, wie - beyliegender Plan ausweiset. Setzen wir! noch hinzu, daß er den Gedanken nie vergessen j durfte , daß er in Mitte prächtiger Palläste ^ einHaus bauen mußte.Wie unüberlegt wäre sein Plan gewesen, wenn er so wie Baumeistex ' gedacht hätte, und die ganze Masse in kleine Theile zerschnitten hätte; denn zerstückt! man ein grosses Ganzes; so muß man jedem > Theile nach dem Ebenmaaß seine gehörigen s Eigenschaften geben, dadurch wird das rich- i tende . ' IN, ! Z2. ^ nkt »kt ist? us kirr >r- bc. se, em lü- rge sn -l. )ie . i nr en sie ün lec ei- ckt ! en ^ 47 Lende Auge auf dem drsten Anblick mit einem gründlichen Mgaßstab versehen, das Ganze zu beurtheilen, und nimmt das ungleiche und beleidigende Verhältniß eines Privathauses mit großen Palläsien wie die Kais. Bibliothek unverzüglich war. Hingegen, wenn man das Auge mit der ganzen weitschichti- gen Masse überrascht, und zu sehr beschäftigt, kann es die ungleiche Proportion mit den verbrüderten Nebengebäuden nicht so schnell abmessen § und der Architekt erreicht durch diesen Kunstgriff seine Hauptabsicht, und begegnet durch diese glückliche Täuschung der voreiligen Kritik. Eine ähnliche Ueberlegung veranlaßte den Herrn Hofarchitekten auch zu andern Maaßregeln, die man falsch beutthei- let. Er entzog zwar der Gestalt des Hofs einige Vortheile; aber er gab dadurch den Zimmern mehr Regelmässigkeit. Was Baumeister vom Gewölbe beym Einfahrthore > welches sich in die Mauer verwert, ohne einWi- derlaggesims zu haben, unüberlegt anführt, verdient gar keine Antwort. Beyliegende Aufgabe wird jeden Bauverständigen von der Wahrheit überzeugen, und auch gewissen kritischen Schnlknaben *) kann sie zur häuslichen Uebung dienen, ehe sie wie junge Gaukler ihre Gesichter mit Greisbärten verlarven, und *) Sieh tzie Brieftasche. -48 ^ « unö Aft kichkerlicheM Tone im Arcopagus alles trotzig entscheiden^ Was mich in Erstattnuttg sezt, ist, daß Baumeister und sein heimlicher Schutzgrist so unwerft handeln, und sich auf die Brieftasche berufen. Schriften, die beym ersten Anblick eine zu tiefe Unwissenheit einer Kunst verra- rhen, verdienen nicht die Ehre als Beweise angezogen zu werden. Wir sollten Leute in die Seele der edlen Baukunst je eingedrungen seyn, die nicht einmal die Anfangsgründe und nöthigen Kunstwörter verstehen? Wir verweisen solche geschwätzige Schüler zum A. B. C. der Kunst - und wenn sie in vielen Jahren durch Fleiß und gründliche Anleitung höhere Kenntniße erreicht haben, alsdann wollen wir überdenken, ob es die -Mühe lohnt, Ihnen zu antworten. — Ich füge hier zum lieber* fiuß eine kleine Probe aru Der Bau, von dem die'Rede ist, heißt ein Haus, denn ein Pallast ist die Wohnung eines großen regierenden Fürsten. Das Gebäude muß frey, stehen, und Stücke enthalten , die Ln keinem Privathause, von welcher Größe es immer ist, anzutreffen sind. Zum Beyspiele einen großen Garten, einen Schau- platz, herrliche Säle, die zu ausserordentlichen Feyerlichkeiten bestimmt sin- u. s. w. Kaiser 49 ser August war der erste, der die Wohnung der Kaiser zu Rom auf dem Berg Palatinus Palatium - das ist Pallast nannte. *) Eben so verhält es sich mit dem Aus-- druck Portal, d^r bey diesem Gebäude nicht recht angewandt ist, denn ein Portal ist nur bey Kirchen üblich, und kann bey keinem Haufe gebraucht werden» Eine Grundmauer ist nichts mehr odex weniger, als eine Grundmauer, und eine Cache braucht nicht dasjenige zu vertreten was sie seyn soll, wenn sie es wirklich ist. Noch ein Wort vom Mezzanin, oder Entresole. Wenn es für ein Stockwerk gehalten wird; so ist der Tadel, daß der erste Stock gegen den Zweyten eingeschrumpft, und eingedrükt scheinet, vernünftig; wenn aber ein Entresol für das gielt, was es wirklich ist; so liegt der Fehler in der Benennung, nicht in der Sache selbst, denn ein wahres Entresol ist eigentlich zu den Wohnzimmern des Hausinhabers bestimmt, weil sie im Winter warm, D viel Andere schreiben, der Ri ese Palas habe nach seiner Größe ein Haus geb aut, und weil es alle Häuser an Größe übertraf, wurden ausserordentliche Gebäude der Großen Palläsie genannt. viel bequemer > und angenehmer sind als große hohe prächMvcrzierte Zimmer, die nur Hey besondern Gelegenheiten eröfnet,und dadurch auch reinlicher erhalten werden. Wenn zu den erwähnten Bequemlichkeiten einer Wohnung noch eine leichte kurz? Stiege hinzu- kömmt, auch die Stille bemerkt wird, welche durch keine ungestümen Fußtrite -Ln Hähern Stockwerken gestöhrt wird, und endlich das edle männliche Ansehen in Betrachtung kömmt, welches das darauf ruhende höhere Stockwerk durch die bescheidene Gestalt eines Mezzanins erhält, so däucht mir, daß ein solches Cntresole seine gewissen Verdienste hat. Leä manurn äs tabula ! — 8axiLmi pauca !— Genug ist es, daß edle Menschen sagen werden der Architekt dieses Gebäudes ist ein berühmter Mann , der bereits bey vielen wichtigen Gelegenheiten die schönsten Beweise 'seiner gründlichen Kenntniß, seines feinett Geschmackes, und seiner besondern Geschiklich- keit gegeben hat. Seine bewunderten Werke schmücken seit vielen Jahren die Stadt; der Jnnländer und Fremde läßt ihnen Gerechtigkeit wiederfahren. Wir sehen von ihm in Schönbrunn in diesem edlen Denkmaal The- resiens, die Kolonade, die Ruinen, den Obelisk , die große Stiege, den großen Bassin, auch auf der Wiesen, in einer Vorstadt den Ho- Hohaltar, und wir erwarten von ihm bey den Augustinern den neuen Hohaltar. Der Herr Hofarchitekt bekleidet zugleich mit Ehre und Unterscheidung wichtige Würden, welche ihm mit Beyfall des Hofes zur Ausnahme der Künste anvertraut sind. Es ist also, vernünftig Zu muthmaffen, daß solche Männer wie er einen hinreichenden Grund bey ihren Geburten haben , warum etwas so und nicht anders feyn muß. -- Dieses soll mein letztes Wort von diesem Gegenstände seyn. Was da immer neidische oder gedungene Federn ausbrütten mögen, soll alles , als wenn cs nicht bestünde, mit einem verächtlichen Siüschweigem beantwortet werden , und wenn man Baumeisters Schrift einer Widerlegung würdigte; fo geschah es, weil er wenigstens unter den häufigen Gele- genheitschrcibern durch einen mehr als gewöhnlichen Styl sich ausgezeichnet hat, der uns den freundschaftlichen Wunsch entreißet, daß ein Mann , der mehr als alltägliche Kenntnisse mit einigen Stralcn von Moralität her- vorblickeu läßt, sich nicht zu so niedern Handwerken als in unfern Tagen die Brochüren- schmiererey zur Scl-ande Wiens und zur Abnahme der ächten Litteratur geworden ist, abwürdige,r sollte. Und damit Herr Baumeister selbst überzeugt wird, wie sehr diese Derthei- D 2 di- 52 digungsfchrift von der gewöhnliche« Art sich unterscheidet, füge ich hier zu feinem Tadel auch sein Lob. Ich finde hin und wieder in seiner Schrift fo artige Züge einer gefunden Vernunft, die mit dem Ganzen in Widerspruch siehen, daß mir sein ganzes Betragen ein Räthsel wird. Vielleicht hat er sich in dar Hitze übereilet, vielleicht hat er die Arbeit auf Anleitung böser Rathgeber übernommen. Wie glüklich würde ich mich schätzen, wenn ich einen Mann, der etwas Gutes leisten kann, dem Heiligthum der edlen Musen zuführe , und ihn in einen Priester der Wahrheit verwandle. Dieser angenehme Gedanke entlockt mir eine Frendenthräne, die mir theu- rer ist, als alle Siege, die man auf Unkosten seiner Mitbürger erhält, indem man ihre Ehre zweydeutig macht. Herr Baumeister soll mir in den künftigen Tagen die schöne Gelegenheit geben, rühmliche Thaten von ihm anzupreisen, ich werde gewiß mit mehr Vergnügen die Arbeit beginnen, als ich zu seinem Tadel die Feder ergriff. Gelehrte und Künstler arbeiten für Ruhm. Da^ Lob ist jener reizende Lorbeer, den sie mit edlem Schweiß erringen. Eigne Ruhmredigkeit entehrt. Der Charakter eines ächten 53 ten Künstlers muß sich also nach diesem bescheidenen Laisten bilden: Non eoprl suc belieb, e non Ues- xo5e! Nur ein sittsames Lob aus dem Munde würdiger Männer schmückt die Talente, und ich will mein Werk damit schließen, indem ich zeige, wie Herr Baumeister seinen Freund und feinen Bau hätte preisen sollen: Der Herr Architekt des Bethauses ist ein hofnungsvoller Mann, der bey seinem ersten Werke viele Hindernisse besiegen mußte , und also viel geleistet hat. Wenn er einst seine theoretischen Kenntnisse durch die Praxis, und im Umgang geschickter Männer ausbildet, verspricht er einen Meister, der seiner Kunst Ehre macht. So schreibt ein unbestochener Lobredner, und man glaubt ihm — Von dem Bethause schreibe ich so: Daß ich der ganzen ehrwürdigen Gemeinde der re« formirten Glaubensgenossen meinen feyerli- chen Glückwunsch über die gute Wahl eines Architeckten mache. Sie hat sich in ihrer Erwartung nicht hintergsngen, und wenn ja einige Unvollkommenheiten eingeschlichen sind, Dz so 54 ,,<» > >! sa »uiß^ie erwägen, dc»s; viele ^ .ylrier'af/, l ,« der Kuusi im Üste»sr staube». Geuilg das :"'ilmuo »>! ei» Gebüu, »velN>es sei»e» E»»dz.'-»l err-icht, die ganze Gemeinde e»- daul - und die s.tadl jchulukl. Daraus werde» E>e erlenueu , wie »vclt ich eutsernl di», dllv sK'ü solcher Müuuerz» s.^ er»> , die e>' verdiene»; »nv wie sehr?>< »u- ai» .serzetl lieg», die Ehre des sleißige»» Mitbürgers nach »leinet» Kruste»» z»» vergrs ßer». ?;ch wü»lschte, das; ich etwas zur Ausmunterung aller würdigen Künstler de») tragen^ lönnte, es wsjrde mich mehr entzücken , als wenn ich sehe, daß oft die Kunst darbt, und was noch unglücklicher ist, daß Neid und Haß die Herzen der Künstler gegeneinander waffnet. Friede ft») zwischen euch, ihr heiligen Ensen ! Küsset euch in sch weste r- ' licher Eintracht. Dieser warme Wunsch stießt aus meinemHerzen, und beweiset, daß ich so und nicht anders schreiben mußte. Vielleicht sagt selbst einer meiner Gegner § Antibaumeister überraschte mich am-" 5^-L ^>r- W«»I>»! Md « Problem. 4 >^eber die Berechnung dev Bogeupfeiler bet> Gewälbern nnd Bögen. Die Aufgabe ist zwar nicht ganz neu, und schon von cie la ILirs auf eine ähnliche Art aufgelöfet worden; I) Weil er aber den Winkel 6. O. L—45 Grad annimmt, welches der Natur der Sache nicht gemäß ist, indem in der Berechnung die Pfeiler überflüßig breit herauskommen würden; so stelle - man sich die "Sache folgender Gestalt vor r Wenn ein Schwibbogen das Vermögen hat, seinen Pfeiler seitwärts zu drücken; so rührt solches unstreitig von dem Theile des Bo- 56 z-ü'-M--« SsgEds 6^1)^ her - denn wenn man nach Vir lMM Öefnung 6 ? perpentikulair ? ? zieht : sö ruht unstreitig das Stück des Bo- genß k'L L auf dem Pfeiler, und kann wegen der senkrechten Kraft der Schwere keinen Seitenbruck verursachen; aber das freystehen- be Stück? —6A.V § übt seinen Druck, wegen der schrägen Fusammenfügung der Steine , gegen eine schiefe Fläche 6 § aus , und muß also nothwendig den Pfeiler nach der Richtung der Tangente e k. von sich zustossen suchen: es läßt sich also hier sehr leicht ein Hebel denken, dessen Ruhpunkt I. ist, denn wenn der Pfeiler dem Bogen aus- weichen soll; so Muß sich solcher öffenbar um seine äußerste Ecke in bewegen. Eine senkrechte Linie L auf die Tangente eL ist der Hebelarm der Kraft, die Kraft selbst ist das Gewicht, oder welches einerley ist- wenn Bogen und Pfeiler gleich dick sind, der Flächeninhalt des Bogens 6 v § multiplicirt mit dem Cosinus des Winkels 6 6 6. .Deö Hebelarm der Last ergiebt sich aus der Halen Breite des Pfeilers, und endlich die Last ms bem Flächeninhalt des Pfeilers, und der Theil des Bogens ??L zusammengenommen/ nd so wird es leicht seyn, die beyden Momente miteinander zu vergleichen. Es 57 Es sey das Gewicht oder der Flächeninhalt des Bogens 6 ^ v § um ?; so wird die Kraft, welche nach der Richtung der Tangente e X. drükt -—" k eoün: das ist, sie wird sich zum Flächeninhalt 6 verhalten , wie der CosinuS des Winkels 6EL zum Linototo. Der Flächeninhalt kLZ sey um p. Die höhe des Pfeilers Lkluuin seine Breite uu X ; so wird sein Flächeninhalt um k X , folglich die Last I ' !r x f x. Man setze klI - - m; so wird k. X oder der Hebelarm der Kraft um s m x j cos. der Hebelarm der Last —klE — — s^lich 2 x ! d x x j u— k Oos. j m — xl Eos. oder S 2 '2 L dX -r- px - 2 k in Eos — 2 kx Eos. 2 2 » Dahero x -r-x > s?Eos -i-p j uu 2 km Eos Ii 1i 2 2 2 «nd x! ll; ,so läßt sich aus dteftn drey bekannten Stücken alles Uebrige bestimmen; denn'nmmtt man den-Punkt s da an, wo die Mittenlinie der halben Bogeubreite die Perpentikularlinie L ? schneidet; so hat OL - r man —— oder-^ 2 mm Oos. und e e r Iremit den Winke! e; 0 8 erkannt. Es sind zwar in diesem Fall -die S-rey-eeke L e 6 und tze L einander' nicht ganz gleich; aber der Unterschied ist 'sichre gering, und hat einen so unmerkLichen Einfluß auf die Rechnung, daß es nicht die Mühe lohnt, solchen genauer zu bestimmen. Weiter setzt man^das Derhöltniß im Zirkel LQo: Z14 7.m 1 so ist der Inhalt deö BogensLvmm 1 '»^-: 2 > 4 ^2^2 2r.^/ der 59 der Inhalt des Stückes 6 AT 8 Los. 9 ^) : 4 L "4> 2 » I ? (wo Lol: die Anzahl der Grade des Winkels LOS bedeutet ^ zieht man diesen von dem Inhalt des ganzen Bogens ab, so bleibt der Inhalt des Stückes l)§ im k übrig; endlich ist die Linie L e r. l'aiiF. 2 folglich ss I oder m ^uli lanZ ^ r lan^, und hiemit die nSthige^ Vorbereitung gemacht. T^e Auflösung kn Zahlen läßt man weg, um nicht weitschweifig zu feyn. _ MM ^ K -v^;' 7^^-'L-.2^ DKM , ^-, ' 7 ' .' HÄM