Wisnss Stsät- un6 I_sri6ssbib>iottis>< 833 9- S0 2S- S0- 7611- 39S32 o . W»W0H^M«s^W M ELWÄ ! M » M MM' MÄMM8 «MWML .Xlü renüts 4^ cius etzri Erne'^ei sterbe^ic^ke öem erEen Ialiliunöi-r-huu^us »»»»»»»»WMSiWMWS- Ritter Beend's Geist, oder: das Zauberschwert. Eine Sage aus dem eilften Jahrhunderte Böhmens. -r-r---s 0^ k-* e-e-e- Neue verbesserte Original-Auflage. Wien und Prag in der Carl Haas'schen Buchhandlung. 1817. /> F'ZZ-/ ' i ^f.ooF- - x>> e u j> n Ungefähr im Jahre ,002 wandelte einmahl Mal- richen, Herzogen von Böhmen, die Lust an, in den entfernten und grauenvollen Wäldern, die sich wie eine schwarze Nacht, über einen großen Theil dieses Landes zogen, zu jagen. Mir seinem Gefolge begab er sich auf das Schloß Drstka, das einem seiner Va- fallen gehörte, und mitten in den Waldungen des heutigen Pilsner Kreises lag. Oft schon hatte die Sonne vom frühesten Morgen die Jäger aus dem Schloße in's dunkle Gehölz begleitet,— oft schon die grausamsten Scenen tyrannischer Lustbarkeit beschienen, und Herzog Udal- rich, der unermüdete Udalrich, war noch nicht gesättigt an diesem Zeitvertreibe; seine Freude daran nahm um so mehr zu, je weniger seinem adeligen Gefolge diese Beschäftigung gefiel, je mehr sie ihnen durch alltägliche Miederhohlung zum Ekel ward. Schon über einen ganzen Monath hatte er im Schloße Drstka zugebracht; die böhmischen Herren sehnten sich theils nach Prag, theils in ihre Schlösser zurück, aber Udalrich zeigte noch kein Verlangen, die Wildbahn zu verlassen. Er ließ die Ritter und Grafen zechen oder schlafen, und zog oft nur in Begleitung etlicher Knappen und Knechte in die Wild- niß, und stellte Wölfen und Bären nach. Nur wenig noch dämmerte einst der Morgen, ein rauher kalter Frühlingsnebel lag noch auf Feld und Wiesen, als Udalrich leise, nur von eurem einzigen Knappen begleitet, zur Burg heraus schlich, WWW 4 und der Wildbahn zueilte. Eine Armbrust und ein brei- res ungeheures Schwert waren die Waffen, die er, eine Jagdlanze und auch ein Schwert, die sein Knappe mitnahm. Kein Pferd rrug ihn; denn es war zu jenen Zeiten unmöglich mit einem Roße durch das dichtverzweigte Gehölz zu dringen. Tief drang der unermüdete Jäger in den Wald, steile Felsen und Berge wurden erklettert, Abgründe und Gruben übersprungen, und jede Steinhöhle und jedes Gebüsch durchsucht. Hier lag ein Wolf von seinem scharfen Pfeile getroffen, dort ein Bär von seinem Schwerte gelobtet, da ein Hirsch von seiner Wurflanze verwundet, und manches reißende Thier walzte sich schon in seinem Blute, als die Sonne an einem etwas minder fürchterlichen und wüsten Orte durch die Aeste der Bäume drang, und senkrecht den Schatten warf. Georg,(udalrichs Knappe.) Schon Mittag, edler Herr! Wollen wir nicht umkehren? Udalrich. Umkehren? Nimmermehr! So lange noch kein Stern am Himmel funkelt; laß uns hier ausruhen unter dieser Eiche, und dann von neuem beginnen!(Sie warfen sich ins Gras.) Gsorg. Ich dächte Herr, wir könnten für heute enden. Sieben Wölfe dort, drey Bären hier in ihrem Blute, sollte dieß wohl nicht genug seyn? Udalrich. Glaubst du, daß nicht noch zu Hunderten dieser Thiere übrig sind, die mein armes Böhmen zur Wildniß machen, und dem dürftigen Landmanne seine Heerden und Felder verwüsten? Da sieh sieh einmahl das Meer von Eichenwipfeln, ob du es zu übersehen im Stande bist, meinst du nicht, daß diese Waldungen den sechsten Theil meines Landes einnehmen? Siehst du nicht heut zum ersten Mahl jene unübersteiglichen Felsenklippen, diese wildverwachsenen Abgründe, die Moraste und Gebüsche, 5 die diesen Wald undurchdringbar machen. Keine Hütte ist zu sehen, kein Mensch wohnet hier, nur Baren und Wölfe, und ich sollte mein Land so verwildern lassen, nicht es zu reinigen suchen? O Georg, ists nicht Schande, daß noch kein einziger meiner Unterthanen diese Wildniß durchstrich, selbst der Ritter von Drstka nicht, dessen Burg doch am Rande dieses Waldes steht. G e o r g. Wie wollt Ihr begehren, was fast unmöglich ist? Wer würde es wagen, diese Abgründe zu durchklettern, diese Felsen zu übersteigen, diese Sümpfe zu durchwaden, wer wird es wagen in diesen unsichern, fürchterlichen, von reißenden Thieren bewohnten Ort zu treten, und sich hunderterley Gefah- ren auszusetzen? Udalrich. Ich— dem es nicht ansteht— der ledem seiner Unterthanen dieß zu befehlen die Macht und Befugniß hätte. Geor g. Auch nur ein Udalrich kann das. Udalrich. So lange ich einen gesunden Arm und dieses Schwert habe, kenne ich keine Gefahr, und will der Erste diesen ungeheuern Wald durchspä- hen, und forschen, was er enthält.. War's nicht ein Geräulch dort in jenem Busche? Georg. Es war—(steht langsam auf. zieht sein Schwert) vielleicht ein Wolf. Udalrich. Sieh einmahl, was es gibt.— Wir werden noch manche Woche jagen müssen, ehe wir hier im Grase eine Stunde ungestört ruhen rönnen. Georg schlug mit seinem Schwerte auf den Busch, und sieh da! ein Hirsch, weiß wie frisch gefallener «chnee, sprang aus demselben, und lief gerade neben Udalrichen vorbey. Der Herzog sah kaum dieses seltsame Thier, als die Jagdbegierde neuerdings in ihm entflammte, er sprang auf, und indem er mit etli- h chen Schritten daSWild verfolgte, und die Armbrust spannte, verschwand es. Da stand er nun unschlüssig, ob er's für Träu- merey oder Gaukelspiel eines bösen Geistes auslegen sollte, und starrte an den Ort hin. wo er die Erscheinung sah. Plötzlich sprang es wieder aus einem Gebüsche, und floh dem andern zu, Udalrich stand, und der schöne Hirsch bald auf diese, bald auf jene Seite, als ob er unsern Jäger necken wollte. Hitziger wurde nun Udalrich, je stärker das Wild floh; Gebüsche und Abgründe waren keine Hindernisse für ihn. Er verfolgte so lange die Spur, bis endlich der Hirsch abermahl vor seinen Augen am Rande eines steilen Felsens unsichtbar ward.—Jetzt wischte er sich die großen Schweißtropfen von der Stirne, und durchsuchte die nahen Gebüsche, ob sich nicht vielleicht das Wild darin verborgen habe. Als er aber seine Mühe vergeblich fand, als er weder den Hirsch noch seinen Knecht Georg sah, und merkte, daß er wohl tief in den Wald gedrungen seyn mochte, da schnallte er sein Schwert los, warf es ins Gras, lüftete sein Wamms und legte sich unter eine Eiche, willens da seinen Knappen zu erwarten— aber er wartete gegen eine Stunde, und Georg kam nicht.— Unwillig hob er sich von der Erde, und begann den Rückweg zu suchen, und den Knecht bey Nahmen zu rufen, da auch dieß vergebens war, ergriff er sein Hüft- horn, um vielleicht durch dieses Mittel ihn zu erreichen. Er blies mit solcher Stärke hinein, daß ein hundertfaches Echo den Schall zurückgab— aber kein Erwiedern von Georgs Horn tönte ihm zurück. Jetzt fing er an zu ahnen, daß er wohl diesen Tag aus dem Walde nicht gelangen, unfehlbar auch die Nacht hier werde zubringen müssen. Dieser Gedanke machte ihn unwillig— nicht furchtsam, ob- schon er sich in einer Wildniß befand, die, der Sage nach, noch kein menschlicher Fuß betreten, die von reißenden Thieren wimmelte. Ueberdieß war Udalrich ein Mann, der jede Gelegenheit aufsuchte, wo er Herz und Muthzeigen konnte, ein Mann, den ich genug geschildert zu haben denke, wenn ich sage, er war— ein Böhme. Nur unwillig wurde er also über sich selbst, daß er, wie es ihm schien, einem Phantom nachgejagt habe, das sich's zur Freude machte, ihn zu necken, er gab aber dennoch den Entschluß nicht auf, den Rückweg zu suchen, und drang murhig fort, bald aber merkte er, daß er tiefer in den Wald gedrungen sey, und keine Hoffnung habe, für heur aus der finstern Tiefe desselben zu gelangen. Fürchterlich war die Gegend, worin er sich befand, ungeheure Felsenmassen thürmlen sich empor, grau wie die Wolken, die sich rn ihren Gipfeln zu brechen schienen.— Abgründe zeigten sich, welche die hervorstehenden Felsenstücke, die nnt jeder Minute herabzustürzen drohten, unsicher machten, undurchoring- liches Gebüsch füllte die Thäler, und über die Berge breiteten sich dicht aneinander hundertjährige Eichen, die ihre Aeste so freundschaftlich zusammen flochten, daß die Strahlen der Sonne es nicht vermochten durch- judringen. Oede und grausende Stille herrschte rings um die ganze Gegend, welche manchmahl nur durch das Gebrülls der Baren und das Heulen derWölfe unterbrochen wurde. Udalrich, der vor Müdigkeit nicht vermochte weiter zu dringen, warf sich an einen Hügel, um seinen Betrachtungen nachhangen zu können. Un- gemahtes Gras, das hier in Mannslange schwankte, schlug seine Halme über ihn, und hatte ihn den Suchenden unsichtbar gemacht. Der fürstliche Zaster lag lang im Anschauen all 8 dieser Schönheiten der Natur versunken; allein, als eine vorüber zischende Schlange ihn aus seinem Nachsinnen weckte, und ihn an die Gefahr, die ihm auf hundertfache Art hier drohte, erinnerte, da hob er sich von der Erde, willens, eine Höhle, oder so,ist einen sichern Aufenthalt zu suchen, der ihm in der Nacht Schirm und Obdach gewähren, und ihn vor den Anfällen der Bewohner schützen könnte. So mit seinen Augen in dieser schauerlichen Gegend herumschweifeud, bald in die Abgründe, bald an die Felsenmaffen blickend, ersah er hoch an der Stirne des höchsten Felsens eine Eiche, die mit ihrem Haupte stolz über ihre Mitschwestern hervorragte, und deren Wipfel die Wolken zu erreichen schienen.—»Auf diese Eiche will ich klettern,« sprach Udalricy,»und sehen, ob ich nicht in der Nähe irgend ein Obdach finde.«— Mühe-kostete es ihn, bis er an des BergeS Spitze gelangte, Mühe, ehe er des hundertjährigen Baumes Wipfel erkletterte, und da er vollends die -Yohe erstiegweit über die Spitzen des Gehölzes -'E 1"" Erstaunen, als er mitten im Asalde vier runde Thürme erblickte? es seyn, das ließen ihn die ^ e^s^ern vermuthen, aber wem sie zugehöre, aus was für eine Art sie hier entstanden sey, blieb ihm ein Räthsel, indem er wohl wußte, daß kein eh-iie diesen Wald durchstreichen, keiner von den umliegenden Rittern von seiner innern Beschaffenheit, vielweniger von einer Burg etwas wisse. , die Bewohner dieser einsamen ^^^rnen, froh eine Herberge ge- b'b-'., merkte er sich gut die Gegend, . l^^ stand, stieg vom Baume herab, aerina^A k^eg dahin zu suchen. Es war k-ine g ringe Arbeit, ihn zu finden.— Undurchdrmgliches 9 Gesträuch und gefährliche Abgründe hinderten ihn, aber seinen Muth konnten sie nicht schwachen.— Mit dem Schwerte in der Faust bahnte er sich einen Weg, und drang so lange fort, bis er im Abend- rothe die glänzenden Mauern der Feste erblickte.— Nun stand er da,—nun konnte er die Burg, von der er, als Fürst des Landes, selbst nichts wußte, rn ihrer ganzen Größe sehen.— Auf einem Felsen stand sie, schauerlich und hehr, nur von einer Seite zugangig; denn von den andern dreyen schützten sie glatte Wände des Felsens.— Ihr Umfang war nicht groß.— Die vier runden Thürme stiegen auf den vier Seiten des Felsens empor, mit hohen Mauern verbunden, gebaut aus ungeheuren Steinklumpen, gedeckt mit Schiefer.— Udalrich stand und staunte. Unüberwindlich, wie aus dem Felsen empor gewachsen, unübersteiglich stand sie da, und nur mit Mühe gelang es ihm, den Hohlweg zu finden, der auf des Berges Ebne führte. Hier drängten sich ihm neue Hindernisse entgegen. Die Zug- orucke war aufgezogen, Raben schwärmten um die achurme, Fledermäuse um das öde Gemäuer herum, kein Mann zeigte sich auf dem Walle, und Grabesstille herrschte in der Burg. Er rief um Einlaß, aber stille blieb's, keine Antwort tönte ihm entgegen, und da auf einen drey Mahl wiederholten Ruf noch kein Laut folgte, schloß er, daß die Burg unbewohnt seyn müsset Dieß erweckte m ihm neue Vorstellungen, allein, er, der me gewohnt war, ihnen Raum zu lassen, und lieber' gleich zur That schritt, berathschlagte mit sich selbst, wie am füglichsten in die Burg zu gelangen sey. Am Rande des Gehölzes lag ein vom Winde umgeworfener Baum, diesen wählte er zur Ausführung seines Vorhabens'.— Er hieb mit seinem Wchwerce die Aeste ab, und ließ nur kurze Sprossen L0 am Stamme, so daß er einer einstämmigen Leiter ziemlich ähnlich war, legte ihn an ein Kellerfenster, und stieg voll Muthes hinan, alles, was ihm beg^ nen könnte herzhaft abzuwarten. Die ganze Sache kam ihm abenteuerlich vor, und er begann lächelnd die Untersuchung. Der Keller, in dem sich nun Mal- rich befand, war von Fässern besetzt— ha- dachte er, wie wunderbar! so viel Vorrath, daß eine ganze Familie hundert Jahre daran zu zehren hätte, indem er einen großen, hinter eineniFaße liegenden Humpen hervornahm, ihn einige Mahle füllte und leerte. Der alte, vortreffliche Wein, und die Reste des in seiner Jagdtasche befindlichen Imbisses kamen ihm herrlich zu statten. Nachdem er seinen müden Körper auf diese Art gestärkt hatte, sprengte er die Kellerthüre auf, und trat in einen langen Gang, der ihn in den Burghof führte. Hier sah es wüste und fürchterlich aus. Gras wuchs zwischen den Fugen der Quadersteine, mit denen der Burghof gepflastert war, hervor, Gesträuche verdeckten die Mau-rn, und ein Todtengeruch verbreitete sich rund umher, den das Wasser, das sich in der Mitte des Hofes gesammelt hatte, aushauchte. Lau- bengänge und Hallen zeigten sich seinem Auge, und steinerne Wendeltreppen lockren ihn in die Gemacher hinauf. Er bestieg sie, das Klirren seiner Sperren tönte schauerlich umher. Staub wälzre sich ihm beym Eintritte in die Zimmer entgegen, und sein einsamer Fußtritt wiederhallte in den stillen gewölbten Sälen.— Er brtrachtete alles genau, fand keine Pracht, nur was zur äußersten Bequemlichkeit nöthig war. Keine Tapeten von Gold und Silber hingen an den Wänden, keine kostbaren Vorhänge bedeckten die Schlafstellen.— Nur blank waren die Mauern, Harnische und Schwerter hingen an selben, und morsch waren die hohen Stühle, morsch die r i eichenen Tische, auf denen noch die zinnernen Humpen standen. Udalrich untersuchte alles genau, und neugierig sah er auch die Rüstungen an. Eine fiel ihm besonders auf, es war ein großer Panzer, Helm und Beinharnisch, neben welchen auch ein ungeheuer großes Schwert hing, das einem Schlachtschwerte wenig an Größe nachgab. Daß diese Rüstung ein riesenmaßige? Mann mußte getragen haben, ließ ihn ihre Gestalt Muthmaßen. Er besah das Schwert, und fand an dessen Flache diese Worte eingeprägt: Brendvon Altenburg. Um so neugieriger wurde er um die Geschichte dieses Schlosses zu erfahren. L>e Nacht war bereits herangerückt, der Mond schien düster durch die runden Glasscheiben, die das Alter grün gefärbt hatte, in das Gemach, und Herzog Udalrich mußte sich entschließen hier den Tag zu erwarten. Er stellte sich an das hohe, ovale Fenster, sah in die fürchterliche Gegend hinaus, und sein Geist beschäftigte sich mit verschiedenen Gedanken über die Begebenheiten des heutigen Tages. Sie waren so angenehm für ihn, daß Stunden ihm in dieser Beschäftigung unbemerkt verflossen.— Es wurde zusehends feyerlicher an diesem Orte, die Sterne funkelten hell am Htmmel, der Mond mitten unter ihnen, da wollte es ihm doch grausen, da begann ihm denn doch zu schaudern, und er sah sich nach einem Lager um. In einer Ecke des Zimmers stand ein Bett, dessen vermoderte Kiffen aber bey ihrer Berührung zerfielen; Udalrich schnallte seinen Regenmantel ab, legte ihn über das Bett, und warf sich darauf. Aber immer noch peinigten ihn Vorstellungen mancher Art, und ließen ihn nicht schlafen, so oft er sich auch umwandte, und Ruhe zu suchen sich mühte. Stunden verflossen, und Udalrich wachte. Plötzlich erfüllte die ganze Burg ein Ton, gleich einem langen, stöhnenden Seufzer, der Wind pfiiff, schüttelte die Fenster, und trillte an den knarrenden Wetter- hahnen.— Der Mond schien Heller, als zuvor in's Gemach, die Thüre zitterte, Udalrich schlief nicht, er schauderte—— aber er bebte nicht.— All seine Herzhaftigkeit zusammengenommen, richtete er sich im Bette auf, zog sein Schwert, und starrte nach allen Seiten hin, gefaßt auf alles. Da sprang die Thüre auf, ein Heller Schein drängte sich in's Gemach und eine riesenmäßige Gestalt, schwarz geharnischt, wie ein Ritter, mit offenem Visier, schwankte mit langsamen Schritten Udalrichs Lager näher. Die Gesichtszüge dieses Phantoms verriethen hohen Muth und Wildheit, und dennoch schien sein bittender Blick Traurigkeit zu verrathen.— Einige Schritte von Udalrichs Lager entfernt blieb es mit gestreckten Armen und in einander verflochtenen Händen stehen. Der Unerschrockene starrte es herzhaft an, und der Geist— seufzte; Udalrich griff nach seinem Schwerte, richtete sich in die Höhe, und der Geist löste langsam seine Hände, hob langsam die Rechte empor, und winkte ihm feyerlich zu folgen. Mit leichten Schritten schwebte er der Thüre zu, Udalrich nach.—Der Weg ging durch lange Gänge und über Treppen, endlich gelangten sie in's Freye; es war eine abseitige, .von der Burg getrennte Schanze, Ruinen deckten sie, und Schutt und Brandhaufen. Hier stand der Geist still, und schien betrübt um sich herum zu zeigen. Voll Erwartung dachte nun Udalrich die Erklärung aller dieser Geheimnisse zu erfahren— aber der Wind fing an zu brausen, die Elchen im Walde krachten, der Uhu krächzte, und der Geist verschwand. Herzog Udalrich hätte nicht Mensch seyn müssen, wenn er bey allen Schrecknissen dieser Erscheinung noch standhaft geblieben wäre.— Er schauderte, als der Geist zerfloß, sein Haar sträubte iZ sich gen' Berge, und das Schwert entsank seiner Faust, nur mit Mühe sammelte er die letzten Funken seines Muthes, um dem Schrecken nicht ganz zu unterliegen. Rasch hob er sein Schwert von der Erde, und eilte der Burg zu. Ein guter Genius mußte sein Führer gewesen-seyn, und ihm den Weg gebahnt haben; denn ehe er sich's versah, befand er sich schon in dem Gemache, wo ihm der Geist erschien.— Er warf sich aufs Bette hin, hüllte sich tief in seinen Mantel ein, und entschlief. Die Sonne stand schon hoch, als er erwachte. Mit unverwandten Augen starrte er auf den Platz hin, auf welchem das Phantom gestanden. Sein erster Blick als er die Augen weirer erhob, fiel auf die große Rüstung, und es schien ihm, daß sie ganz der Hülle gleiche, in welcher der Geist vor ihm stand', er muthmaßie also, daß es wohl Beend von Altenburg gewesen seyn mochte. Nachdenkend erhob er sich dann vom Bette, sah aufmerksam im Gemache umher, und erblickte an der Wand drey Gemählde, die er des vorigen Tages nicht gesehen, wenigstens nicht bemerkt halte. Es waren zwey Ritter in voller Rüstung mit offenen Visieren, und ein wunderschönes Weib in Lebensgröße. Bey dem ersten Blicke fand er in der Gesichtsbildung des einen riesenmaßig großen Ritters eine vollkommene Aehnlichkeit mit der Physiognomie des Geistes, und das andere Bild schien diesem nicht unähnlich, und dessen Bruder zu seyn. Er hatte gern alles genau betrachtet, und die Beschaffenheit der ganzen Burg untersucht, wenn ihn nicht der Hunger an die Rückkehr nach Drstka gemahnt harte. Der Mittag war nahe, und er hatte nach reifer Ueberle- gung keine Zeit hier zu verweilen, um noch vor Anbruch der Nacht in der Burg des Ritters von Drstka einzutreffen.— '4 Nachdem also Udalnch sich in dem Kellet durch etliche Humpen Weins wieder erquickt halte, eilte er ohne Verzug zur Burg hinaus, und irrte den gern- zen Tag im Walde umher, bis er endlich, als schon die Sterne hell am Himmel blinkten, am Burgthore von Drstka anlangte. Die böhmischen Herren saßen eben beym Abend- schmause, als Udalnch eintrat. Verwunderung zeigte sich auf allen Gesichtern, und Fragen strömten von allen Lippen. Herzog Udalnch setzte sich gelassen zn Tische, lobte ironisch den Muth seiner Ritcer, besonders den unermüdeten Geist des Herrn von Drstka, der so nahe diesem Walde, nicht ein Mahl in sein Inneres gedrungen sey, und erzählte zuletzt die ganze Begebenheit. Da staunte, da fragte man, und der größte Theil wollte alles für einen Traum halten, aber Udal- rich war nicht aufgelegt mir ihnen zu hadern. »Prim!« sagte er zu einem seiner Ritter,»Du bist der Einzige, auf den ich noch bauen kann, Dir will ich das Geschäft übertragen, ziehe hin, und forsche nach der Geschichte dieses Schloßes.« Prim. Und mein Lohn, gnädigster Herzog? Udalrich. Sey die Burg; sie soll dein Stammhaus werden, und Przimda heißen.—*) Prim. Wohl, mein Herzog! Ihr zieht nach Prag, und ich meinem Geschäfte nach, und nicht eher sollt Ihr mich sehen, bis ich vollendet waS ich angefangen habe. Prim war ein rauher, wackerer Ritter, der wohl- gemuth Abenteuern nachzog, und froh jede Telegen- Noch bis jetzt werden die Ruinen dieser verfallenen Burg Przimda, deutsch Fraucnberg genannt; sie beenden sich im Pllsncr Kreise unweit Haid. i§ heit ergriff, wo er sein Schwert wetzen konnte. Man schätzt ihn für den stärksten Ritter in Böhmen, wie er auch einst zum Beweise seiner Starke ein eisernes Panzerhemd zerriß, und einen Helm mit seiner Faust zerdrückte. An Größe glich ihm keiner im ganzen Lande, und jene Waffen, die Udalrich in dem Schloße sah, und die wegen ihrer ungemeinen Größe ihm so auffielen, dienten gerade seinen Leib zu bedecken. Als der Morgen anbrach, rüstete man sich zur Abreise. Udalrich mit seinem Gefolge zog nach Prag, und Prim in den Wald. Der Herzog hatte ihm die Gegend zu gut beschrieben, als daß er hätte fehlen können. Er schritt in die Wildniß hinein, bestieg zuweilen die höchsten Bäume und sah rund umher. Als die Sonne den Mittag verkündete, und Prim auf dem Gipfel einer hohen Eichesaß, da erblickte er schon in der Ferne die Thurmspitzen der Burg, und konnte nun seinen Weg um so sicherer einschlagen. Der Abend dämmerte, als er anlangte. Die Zugbrücke hatte Udalrich des vorigen Tages, weil es ihm von Innen leicht war, herab gelassen, da brauchte Prim also keine künstliche Leiter, und schritt ganz bequem in die Burg hinein.. Obschon er wußte, daß diese Mauern, die er nun so kühn betrat, eine Geisterbewohnung ausmachten, obschon er voraussah, daß auch ihm der Geist erscheinen werde, so schauderte er doch nicht, und ihm konnte ein ganzes Schattenheer erscheinen, so hätte er doch nicht gezittert. Er stieg mit raschen Schritten die steinerne Treppe hinauf in den Saal, nur schwach nebelte noch des Tages Licht und drohte mit jedem Augenblick ganz zu verlöschen. Aber Prim hatte sich darauf vorgesehen, und Windlichter und Feuerzeug mitgenommen, und es war ihm ein leichtes, die Gemächer, die das Tageslicht verlassen hatte, wieder zu erhellen. Nun sah er sich um.— Jeder, auch noch so geringe Gegenstand rechte seine Aufmerksamkeit, seine Neugierde. Mit der Fackel in der linken Hand durchlief er alle Gemacher, durchsuchte alle Gange, und vergaß über dieser Beschäftigung der Geistererscheinung. Endlich gelangte er wieder in das Gemach, wo Udalrich übernachtet hatte, und wo Brends Waffen hingen. Prim, erfreut über ihre Große und Stärke, hob sie eilends von der Wand, und versuchte einige Stücke an seinem Leibe. Er fand, daß sie ihm künftig zur Rüstung dienen könnten, und sagte lächelnd Beenden Dank, daß er ihm solche so lange aufbehalten hätte. Am besten gefiel ihm das ungeheure Schwert; er zog einen der festesten Tische, so im Zimmer standen, zu Bette, setzte das Licht darauf, und begann Brends Waffen mit einem Stücke seines Regenmantels zu putzen, weil den spiegelhellen Brustharnisch einige Rostflecke verunstalteten. Die Mitternacht näherte sich, ohne daß er'S wußte, und unvermuchet erfüllte wieder jener seufzende Ton die Burg, und Thür und Fenster zitterten.— Aha! sprach Prim zu sich selbst, dacht ich's doch, daß er nicht ausbleiben würde. Er kehrte seinen Blick gegen die Thür, sie sprang auf— der Geist schwebte herein, und blieb, feierlich winkend, in einer Entfernung stehen. Aber Prim ließ sich durch sein Winken nicht irre machen.»Wird nichts draus!« sagte er mit dem Kopfe schüttelnd, und fing an seinen Harnisch wieder zu putzen. Der Geist winkte übermahl.— Prim ließ seine Hand ruhen, und starrte ihn forschend an, als ob er sein Vorhaben prüfen wollte. Prim. Wer bist du, Geist?— Geist,(mit hohler, seyerlicher Stimme, die im ganzen Gemach widerhallte.) Ich bin Brend von Altenburg. Prim.(seine Waffen wieder putzend.) So!— und diese waren deine Waffen?— '7 Geist. Sie waren's!— was machst du hier mit ihnen? P r i m. Ich putze die Rostflecke von diesem Brust- harnisch Geist,(seufzend.) Das sind die Thränen die ich darauf weinte, als meine Mathilde an diesem Brustharnisch starb. Prim. Du wirst wohl erlauben, daß ich mich dieser Waffen bediene? Geist. Brauche sie. Auf diese Erklärung dachte Prim genug mit dem Geiste gesprochen zu haben, und fuhr in seiner Arbeit fort, ohne weiter auf ihn zu achten— aber der Geist winkte feyerlicher, als zuvor. Prim. Wohin willst du mich führen? Geist. An einen Ort, wo hundert Menschen von meiner Hand starben. Folge mir! Prim. Ich folge nicht. Der Geist winkte zum dritten Mahl. Prim. Was forderst du von mir? Geist(langsam mit bittendem Tone)— Erlösung. Prim. Soll ich für dich mit Geistern kämpfen, mich in der Erde tiefsten Schooß begeben? Geist Nun. Prim. Und was willst du, daß ich für dich thun soll? Ich wollte dir gern einen Dienst leisten, da du mir diese herrlichen Waffen gegeben hast, was kann ich für dich thun? Geist. Nimm dieses Schwert, und wallfahrte m die Hastischen Thäler, dort wird man dich zu dem Jman Wittowuth fuhren, der dir dieses Schloßes Geschichte erzählen wird. Prim. So?— Du hilfst mir auf diese Weise selbst zu meinem Zweck; nun sage, wie komme ich in die Hastischen Thäler? Geist. Höhere Macht wird dir den Weg zeigen, Ritter Brend's Geist. B ,6 ziehe über Meißen in's heidnische Preußen, und in den Haffischen Thalern wirst du den wendischen Für-- ffen Jman Witlowuth finden, dem bringe meinen, Gruß, und sage:»Brend von Altenburg sende ihm; sein Schwert zurück. j Prim. Und ich werde es also nicht behalten< können, dieses Schwert, mit welchem ich Hunderten^ entgegen gehen wollte?^ E er st. Du wirsts behalten, er wird es auf dein z Begehren dir wieder geben, achte es wohl. Ich wün-( sche dir, daß du es mit jenem Glücke führen mögest, j mit welche», ich und Rudolph und meine Vorfahren r es geführt haben. Nur mit deinem Leben laß dir es r aus deinen Handen winden, und wenn die Klinge in l hundert Stücke springt, so halte das goldene Heft i fest, und bring es meinem Freunde, dem Jman Wit- rowuch, denn nur nachUeberreichung dieses goldenen e Hefts wird er dir Frauenbergs Geschichte erzählen.§ Lebe wohl! reise bald; denn von dieser Reise hängt h dein Glück, nur von dieser Reise und deinem Willen? meine Erlösung ab.— Einst, wenn du diese Burg d wirst dein nennen, wirst du mich wieder sehen.? Er verschwand, und Prims bemächtigte sich solch d eine Schlafsucht, daß er ihr nicht widerstehen konnte, s so oft er auch seine Augen aufschlug, und auf den h Punct hinstarrte, wo der Geist verschwand. Er hätte k noch geü, seinen Neuen Harnisch zu Ende geputzt, t aber das Licht war verlöscht, und ihm blieb nun nichts d übrigals sich dem Schlafe zu ergeben. Da träumte d er viel von der Zukunft, viel von Glück und Freu-y ' ü' Ich will nicht die Beschwerlichkeiten des Weges, ür- nicht die Hindernisse erzählen, die er alle zu über- »en winden hatte, denn, da Prims Geschichte nicht zu hm der Geschichte, die ich schreibe, als in so weit sie zu ihrer Erklärung nöthig ist, gehört, so müßte ich beten fürchten, weitläufig und meinen Lesern beschwerlich ten zu werden, wenn ich jeden Gegenstand erwähnte, der zur Zeic dieser Begebenheit sich zutrug; wenn ich er- ein zählte, wie oft Priüi auf dieser Reise in heidnische ün- Gefangenschaft gerieth, und wie oft Brends Schwert >est, ihn aus solchen Gefahren errettet hatte. Ich will alles »ren dieses übergehen, und nur sagen, daß, nachdem er so r es viel gelitten, so viel überstanden, er in einer mond- ! in hellen Nacht in den hastlschen Thälern bestaubt und )eft rriefend vom Schmeiße anlangte. Lit- Es waren romantische Gegenden. In der Ferne neu erblickte er die Burg Hasty, den Sitz des Fürsten len. Wittowuth, der über eine Anzahl seiner Landsleute ngl herrschte, und sich für einen Enkel des großen Königs llen Wittowuth ausgab, unter dessen Regierung die Wen- urg den und Slaven so mächtig wurden. Solcher kleiner Fürsten gab es in Menge in diesen heidnischen Lan- olch den, wie Jman über die hastischsn Thäler war. Un- nte, ferin Prim gefielen diese Gegenden ungemein, je nä- den her er dein ungeheuern, alten, schon schwarzen Stein- ätte klumpen der Burg Hasty gelangte. Am besten gefiel tzl, ihm ein Hain von hohen Papelbäumen, der sich von chts der Burg tief in's Thal herabzog. Prim konnte sich mte das Vergnügen nicht versagen, in einem kühlenden reu- Schatten zu lustwandeln, er stieg von seinem Rap- Be- Pen, nahm ihn an die Hand, und durchschritt die nun lange Allee, die der Hain in der Mitte bildete. Ragen senbänke und Rosenlauben machten unsern Waller iach l nur noch neugieriger, er glaubte in ein Paradies ver- mg, letzt zu seyn, trat Lurch eine der Lauben, und erblickte auf einer grünen Fläche eme kleine Hütte, gebaut Bs aus Acsten, gedeckt mit Zweigen der Baume. Sie glich so ziemlich der Wohnung eines Einsiedlers, Prim hätte auch ihr Inneres besehen, aber die Thüre war i verschlossen, und er eilte nun, den Mann kennen zu> lernen, zu dem iyn der Geist beschieden hatte, und< von dem Rufe und Umstände ihm die beste Aufnahme, versprachen. i Jman Wittowuth war ein Mann von hohem Alter, dessen Gesichtszüge Ehrlichkeit und Biedersinn l verriethen; ein silberweißer Bart floß ihm vom Kinn f diS auf den Gürtel herab, der das lange Kleid um- c schloß, das seinen Köreer deckte. Ein großes Schwert hing ihm zur Sekte, und ein Heer von Kriegern und z Hofleuten stand um und neben ihm in dem Saale, m welchen Prim eingeführt wurde. Es war ein Saal von Marmor qebaut, auf marmornen Säulen ruhend. Behänge ron Gold und Silber deckten die Wände, s und gothische Verzierungen machten ihn vollends zu r einem Meisterstück. Prim, solcher Pracht nicht gewohnt, erstaunte, aber mehr schien Jman zu erschrecken, als er ihn erblickte.— Beend! Beend! schrie a er, ja er ist's, er ist s— indem er sich zu seinen Hofleuten wandte, und sein Blick Bestätigung„ forderte. Auch diese schienen äußerst erfreut zu seyn,( über Prims Ankunft, den sie, wie Jman WittowMh, h ebenfalls für Blenden selbst ansahen. Wundervoll z mußte dem Fürsten und allen Anwesenden des Rit-( ters Erscheinung seyn, indem die Sage berichtete, f daß ihre Vorältern ihn vor sechzig Jahren hätten ster»^ den sehen. Prim selbst bemerkte ihren Irrthum, und s bemühte sich, ihn zu lösen; aber Jman nahm ibn bey( der Hand, und führte ihn vor ein Gemählde, das je- i ncm Bilde vollkommen ähnlich sah,' das Udalrich in s der einsamen Feste Frauenberg im Böhmerwalde sah,> und das Brends Bildniß vorstellte.» äs Man(auf das Bild zeigend). O, ich irre mich Ll vie nicht, entweder ist Brend ein höheres Wesen, als wir im Menschen, oder Du bist sein Geist, und hast Dich >ar in jene Waffen gehüllt, die Du im Leben trugst, zu Schwarz sind diese Waffen, wie jene des Bildes, nd groß bist Du, wie dieses Bild, das Brend's Größe me pünctlich darstellt, und was das"überzeugendste ist, dieses ungeheure Schwert. em Pr rm. Höre mich, großer Fürst! Nicht Brend nn hin ich, sondern aus Böhmen ein Ritter. Wahr sprichst nn Du, Vrends sind diese Waffen, Brends dieses Schwere, m- aber dieser Körper, diese Knochen nicht. ert Iman. Und wie kamst Du zu diesen Waffen, nd zu diesem Schwert?— ie, Prim. Brend gab sie mir. wl Im an(hastig). Wie? Brenb!—lebt er noch? id. Pri m. Er ist todt, sein Geist gab sie mir^ sem >e, Geist^sendet mich zu Euch, und meldet Euch durch zu mich seinen Gruß. ze- Ima n. Sein Geist schickt mir seinen Gruß? >'e-— O sprecht, sprecht Ritter!— Erzählet alles— rie alles, was Ihr von diesem edlen Manne wißt! ei- P ri m. Aus eben dieser Ursache komme ich den ng weiten Weg auS Böhmen hierher— Euch um Brends m, Geschichte zu bitten, selbst BrendS Geist sandte mich h, hierher, die Erzählung seiner Begebenheiten von Euch oll zu begehren. Er sprach, von dieser Reise hänge mein it- Glück, und seine Erlösung ab-— Er sprach: wall- e, fahrte rn die Hastischen Thäler, und bringe meinem w» Freund, dem Iman Wittowuth meinen Gruß, und nd sage ihm, Brend sende ihm sein Schwert zurück! ey(schnallt sein Schwert los, und überreicht es ihm.^)— Hier je- ist es, großer Fürst, jedoch nur dieses will ich Euch in sagen, daß Brend mir diese Waffen geschenkt har, h, und— dieses Schwert, möchte ich— Ihr versteht mich wohl!— lch Iman. Sorge nicht!(zu seinem Sohne.) Geh! lieh nach, ob das Zeichen nicht trügt, ob es das Schwert der Freundschaft ist! JmansSohn entfernte sich, und kam nach einer Weile wieder mit der Bestätigung, es wäre das Schwert der Freundschaft, und das Zeichen hätce sich gefunden.— Da sprach Jman zu unserm Prim, der sich schüchtern nach Brends Schwerte umsah:»Sorge nicht, Fremdling, Du sollst beym Abschiede das Schwert wieder haben, nun ruhe und mache Dich bereit, morgen von mir Brends Geschichte zu hören!« Ein abseirig-s Gemach wurde ihm angewiesen, wo viele Diener erschienen, und ihn fürstlich bewirtheten. Der Tag verstrich ihm unter angenehmen Betrachtungen, die Nacht in süßer Ruhe, und der Morgen erschien, an dem ihm Frauenbergs Geschichte bekannt gemacht werden sollte. Wittowuth kam, und führte ihn in jenen Pappelhain, der ihm vorigen Tages schon so wohl gefiel. Hand in Hand durchstrichen sie ihn, und kamen endlich zu der Hijtre, bey der sie stehen blieben. Das war Brends Wohnung, sprach Wittowuth, von seiner Hand aufgeführt; in dieser Ro- lenlaube, von ihm gepflanzt, saß er mit seinem Weibe; in diesem schwarzen Tannenwald jagte er, brachte sich und seinem Weibe Speise, und verschmähte die niedliche Kost meines Großvaters, verschmähte seine fürstliche Gaben. Kommt her, Ritter! setzet euch mit mir unter jene Pappel; auf dieser Rasenbank will ich euch Brends und seines Bruders Albrechts von Alten- burg Geschichte erzählen.«—— >Läe setzten sich. und der Greis begann also, wie ich dir lieber Leser erzählen werde. Eine lange Reihe von Jahren lebte Rudolph Gi.., von Altenburg an der Seite seiner Gemahlinn Elsbeth. Albrecht und Beend waren die süßen 23 !rt Früchre ihrer Liebe.— Rudolph war ein berühm- nd ter, mächtiger Graf in Sachsen, der viele Bur- g, gen und Vasallen halte, und der sich, wie die Sage ei- erzählt, durch den Besitz eines großen Schwertes*) n- so furchtbar machte, daß keiner von seinen Nachte Harn es wagte, ihn zu beleidigen, und daß seine nn Feinde flohen, wenn sie das furchtbare Schwert in nd seiner Hand erblickten. Er war ei» treuer Diener ite seines Fürsten Heinrichs, und focht für ihn lange Jahre, bis er endlich nach Endigung eines Kreuzzugs, i, den er wider die heidnischen Wenden zu machen, ir- gezwungen ward, gänzlich dem Hofleben absagte, en seinen achtzehnjährigen Sohn Albrecht an seine er Stelle brachte, und für seine Familie zu leben !e- und zu fechten sich entschloß.— Brend, sein älte- th rer Sohn, blieb daheim in seines Vaters Burg; m denn er scheute das Hofleben, und lebte nur bloß für sich und sein Schwert. Albrecht hingegen trat a- frühzeitig in seines Vaters Fußstapsen, ward Ric- ie- ter, Held, und endlich Anführer der sächsischen Trup- o- pen, die gegen Conraden, römischen Kaiser, soch- o- ten, und diente seinem Fürsten mit solcher Treue, m daß nur ihm, seiner Klugheit und Tapferkeit, Hein- r, rich den Steg zu verdanken hatte, den er im Jahre r- yib bey Ehresberg**> über die Franken gewann, r- Da endlich Heinrich***) nach Conrads Tode zum Kaiser erwählt wurde, war Albrecht die Stütze, n- die ihn auf dem Thron erhielt, als Burkard von ch Schwaben, Arnulph von Bayern, Carl, der Ein- n- faltige, König von Frankreich, die Hunnen und Sclaven sich mühten, seinen Thron zu erschüttern. )h") Eben das Schwert. Las Prim von Vrends Geist bekam, h-*') Jetzt Stadberg. M Heinrich der I., Vogelsteller genannt. 24 — Doch still von ihm! Ich will nicht den Faden der Geschichte zerreißen, und zu Rudolph und Brend von-llrenburg zurückkehren. Diese hielten indessen auf ihrer Feste Alten- burg^Haus, und säuberten ihre väterlichen Fluren von Feinden. Beyde waren von gleicher kolassalischer Größe, nur sie beyde waren im Stande, jenes ungeheure Schwert fertig zu schwingen, daS ihnen, der Sage nach, allezeit den Sieg brachte, und wegen dessen Besitz Neider und Feinde ausstanden, die zu behaupten wagten, Rudolph müßte sich auf Zauberkünste verstehen. Selbst Heinrich, dem Rudolph doch so treue Dienste leistete, traute diesem Gerüchte, und hätte es oft gewagt, seine Hand nach dem Schwerte auszustrecken, hätte er sich nicht eben so oft besonnen, daß sein alter, treuer Diener diese Behandlung nicht verdiene. Ost waren Rudolphs Feinde ausgestanden, oft hatten sie ihn der Berrälherey und Unterhandlung mit den Feinden des Reichs beschuldigt, ihn oft unter mancherley Vorwand in seiner eigenen Burg belagert, aber der tapfere Graf hatte sich immer Recht zu schaffen gewußt, hatte die Stürmenden immer von seinen Mauern zurückgeschlagen, und jeden ihrer Anschläge vereitelt. Wenn aber er zuweilen in der größten Noth sich befand, die Feinde schon mit jedem Augenblicke die freywillige Uebergabe seiner Burg erwarteten, da erschienen mehrmahls plötzl-ch ganze Horden grau geharnischter und vermummter Krieger, verjagten seine Feinde, retteten ihn, und verloren sich eben so geschwind, als sie erschienen, so, daß Rudolphs Feinde nicht wußten, wie sie gekommen und wie sie verschwunden, und auf den Gedanken verfielen, sie müßten eine Frucht von seinen Zauberkünsten seyn, und nun nach dem Besitze des s5 Schwertes um so begieriger wurden, dem sie diese Macht zuschrieben. Natürlich mußte die Zahl von Rudolphs Feinden täglich sich mehren, je weniger er sich zu fürchten schien; aber er kannte sie nicht: denn Klugheit und Kabale hatte sie unterm Schleyer handeln gelehrt, und dir er für seine besten Freunde hielt, waren die gefährlichsten Feinde. Was hindert mich, sie dir kund zu machen, lieber Leser, was hindert mich, dir Scenen darzustellen, die dir den Biedermann und den Schurken aufdecken können? Der Anfang meiner Geschichte fällt in das zwey. te Jahr der Regierung Kaiser Heinrichs des Ersten, und war folglich das 922. Jahr nach unsers Heilands Geburt. Albrecht von Altenburg befand sich damahls in Heinrichs Diensten, und stand in Schwaben mit einem Heere; Brend, Rudolphs ältester Sohn, hauste auf seines Vaters Burg, um die Gäste zu empfangen, bieder alte Graf eben in eigener Person zu einem fröhlichen Trinkgelage einlud. Die Gäste waren bereits alle versammelt, aber Rudolph, der selbst herumritt, sie einzuladen, war von dieser Reise noch nicht zurückgekommen, und Brend schickte sich eben an, ihn aufzusuchen, als doch still, ich sehe ihn im Walde an der Seite eines Freundes ruhen, und will den Vorhang aufziehen. Wald unweit Altenburg. Rudolph von Altenburg und der alte Conrad, sein Vurggenosse, liegen im Grase, ihre Pferde scharren am Fuße eines Baumes, an dem sie angebunden sind. 3^udolph.(nimmt den Helm herab, und wirft ihn in'S Gras, Eonrad desgleichen.) Das war ein Ritt, Conrad, !. ab mich däucht's meine Gäste werden alle schon in Altenburg seyn. Conrad. Ja wohl,— der dritte Tag ist bereits verflossen, seit wir da herumirren— seh' ich doch schon die Zinnen Eurer Burg, und ich wette, wir schlafen heut noch nicht darinnen. Rudolph. Das sollte mich baß verdrießen! Die verdammten Gäuche! Conrad. Laßt's gut seyn, edler Herr! Werden sich alle die Hörner ablaufen, und Euer Schwert doch nicht erhäschen. Rudolph. Meinst du?— Bin ich Argus, daß ich mit hundert Augen meine Feinde bewachen könnte? Conrad. Hat's nicht Noth! bey meiner armen Seele! Hat's nicht Noth, Herr! Hatten wir heut nur jeder zwey Augen, und haben doch hundert unserer Feinde bethört.— Verdammt! Hätten sie uns nicht so herum gejagt, wir wären schon vor drey Tagen in Altenburg angekommen, aber so— bald da ein Haufen, bald hier ein Schwärm feiler Mörder! Ja! da wohl, da galt's Schleichen und Fechten, und wollten die Schurken Euer Schwert erhäschen, ja— gute Nacht, wenn Rudolph nicht Rudolph wäre, und ich keine Faust härte. Rudolph. Das S chwert macht's nicht, Conrad! Conrad. Hm! Sind noch dazu all dabey weidlich betrogen, denken, was ein Wunder damit zu erlangen, wenden all ihr letztes an, und wenn ihnen einstweilen das Glück würde, es zu bekommen, da würden sie staunen, und all einander auslachen. Rudolvh. Sind Schwachköpfe, die Buben! Dient nur das Schwert doch zu nichts weiter, als daS deine dir, wenn ich das goldene Heft Herabdrehe, und bringt mir so viel Feindschaft, so 27 viel Schaden/ aber trotz allen/ will ich es nicht von meiner Seite legen/ und streiten darum/ so lange nicht meine Faust erlahmt. (Wildes Getümmel in einer Entfernung, das Gesträuch rasselt, und Waffengeklirr wird gehört.) Eine Stimme(hinter dem Gesträuch.) Da wirst du bald wieder streiten müssen/ und schier/ wie ich hoffe/ soll deine Faust erlahmen.(Rudolph und Conrad springen auf, stürzen die Helme auf ihre Häupter.) »Rudolph. Hörst du? Dacht ichs gleich/ daß dieser Wald nicht ganz geheuer wäre. Conrad. Seht doch/ Rirter Rudolph— was es werden wird noch heute! Laßt mahl sehe»/ wo steckt denn der liebe Prophet?—(will auf das Gebüsch zugehen). Rudolph.(Indem er sein Pferd losbindet). Bleib/ Conrad! Hast du der Wunden für heut noch nicht satt? Laß uns aufsitzen/ und weiterleiten.(Beyde schwingen sich in die Sattel—> ein Mann ganz geharnischt und vermummt tritt hinter dem Gebüsch hervor). D er V e r m u m m re. Halt! Hier ist die Gränze vom Leben zum Tode, wenn du mein Begehren nicht erfüllst, Rudolph! Rudolph. Wieder Einer? Laß mabl hören, was dein Begehren ist, wird wohl auf eins hinauslaufen. Der Vermummte. Gib mir dein Schwert, Rudolph! Rudolph. Dacht ich's nicht, daß heute noch Ansprüche darauf kommen würden?— Da hast du dich weidlich geirrt, guter Mann, waren'S doch Mehrere schon, die mir's diesen Tag abforderten, und du wirst nicht derjenige seyn, vor dem ich mich fürchten werde. Weiche! Der Vermummte. Besinne dich; das Schwert, oder dein Blut! 28 Conrad. Ha, ha, ha! Wird nichts daraus! Rudolph.(zieht sein großes Schwert mit Ernst). Weiche!.,, Der Vermummte. Hier gilt es keines Wei- chens!— Kameraden, frisch darauf, es ist sein Wille!(Mehrere Bermummte stürzen aus dem Gebüsche hervor und überfallen Rudolpben.) Conrad. Ey Schurken! Schnitts mir doch, ich hab Euch heut schon mehrmahl gesehen!— (Allgemeines Gefecht.) Rudolph.(Haut mit seinem Schwerte bey dem ersten Streichen Drey zu Boden.) Mörder! Tod über Euch; so lange ich dieses Schwerr habe. Conrad.(Wird von einem der Ansprenger am linken Arm verwundet.) Bube!— Du hast gut getroffen. Rudolph.(Haut den Knecht, der Conradcn verwundete. nieder.) Hier hast du deinen Hohn dafür! DerVermummte. Feige, laßt Euch niederhauen, als wenn Ihr von Butter wäret! Einer von ihnen. Ja wohl, wer kann bezauberten Waffen widerstehen? Der Vermummte. Teufel und Hölle! Dann bleibt daheim, wenn Ihr nicht Muth habt zu streiten. Frisch daran! Entweder heut, oder nie. (verwundet Rudolphen.) Rudolph.(ergrimmt.) Nun hab ich satt des Kinderspiels, fort Knaben, weichet, ehe Euch mein Zorn vollends zermalmet! (Er sprengt mit seinem starken Gaule an, haut noch zwey von den Vermummten nieder, zerstreut die übrigen; ste weichen, auch der Anführer entfernt sich in's Gebüsche zurück.) Conrad. Seht, die weichen Buben haben genug gekriegt der Stöße, nun gute Nacht, wohl bekomm heute der Schlaf! Rudolph. Ha! Auch ich hätte satt, der 29 Sireiche für heut; dein Arm blutet, an meinem Leibe fühl ich sieben Wunden, warum sollen wir uns noch weiter der Gefahr aussetzen? laß uns fortreiten Conrad, ehe sie sich wieder sammeln! (Sie reiten gegen das Gebüsch, ein neuer Haufen Vermummter stürzt hervor.) Rudolph.(wüthend) Teufel! Seyd Ihr nicht eine Höllenbrut, die nichr zu vertilgen ist, und mit jedem Augenblicke sich mehrt? Mörder! Ist dieß ritterlich? (Gefechr.) Einer der Vermummten. Gib uns dein Schwert, und du sollst frey ziehen; wo dirs hin beliebt. Rudolph. Du wagst es zu reden, Bube? Du wagst es, mir das Schwerr abzufordern?— Fühle erst, wessen Faust es führt!(er haut nach ihm, und spaltet sein Haupt mit sammt dem Helme bis auf den Brustharnisch.— Das Gefecht wird unterbrochen, die An- sprenger stutzen und staunen.) Einer der,Vermummten. Verdammt! Das war ein Schlag! Dazu gehört auch mehr, als dieß bloße Schwert! Ein Anderer. Hu! Wie's krachte! Ich dachte, das Schwert hätte eher springen sollen, als dieser stahlfeste Helm! Ein Dritter. Brüder! Hier ift's mcht gut Hausen, wo es solche Fäuste, und solche Schwerter gibt. (Unter diesem Gespräch währet das Gefecht immer fort.) Wieder ein Anderer. Hätte wohl Lust umzukehren; hier ist kein Schwert, noch Lohn, wohl aber Wunden zu verdienen! (Indem hastet Rudolph gerade einen der Vermummten nieder.) Ein anderer Vermummter. Wieder 3o einer weniger! Der Teufel mag da fechten, nicht wir.(Er flieht.) Ein Dritter. Kurd hat Recht, ihr Bruder! — Mag weiter nichts haben mit diesem Streite. (Er drängt sich aus dem Getümmel, und flicht, die Uebri- gcn folgen seinem Beyspiele, bis auf Wenige und ihre» Anführer.) Der Anführer. Greift muthig an, Came- raden! Nur feige Buben fürchten sich vor dem Blinken eines Schwertes. Rudolph. Vor dem Blinken sagst du? Meinst du nicht, daß ich es heut genug im Blute getaucht habe?— Dein Blut soll vollends sein Blinken verwischen. Fliehe Mörder! (Rudolph verwundet den Anführer hart, so. Lag das Schwert seiner Faust entsinkt.— Conrad setzt dann mit Rudolphen ihre vereinigten Kräfte an. das Gefecht wird hitziger, der Staub wälzt sich empor, das Geklirr der Waffen erfüllt die Luft, und wird nur von dem Aechzen der Sterbenden unterbrochen. Die Zahl der Anspringer mindert sich zusehends, etliche fliehen, etliche werden niedergehauen. Endlich ergreifen auch die übrigen, sammt ihrem Anführer, die Flucht, und zerstreuen sich in das Gebüsch.) Rudolph.(stark blutend und wankend im Sattel.) Verderben über Euch, seile Mörder! Conrad, Conrad!(sinkt ohnmächtig vom Pferde.) Conrad.(fängt ihn in seine Arme.) Gott, Gott! Ihr blutet!— Lieber Herr!— Fasset, erniannet Euch!— o! o!— er stirbt in meinen Armen. Brend, Brend! wo bist du, daß du deinen Vater rächest? Lieber Herr, ermannet Euch! O Gott im Himmel! — Was soll lch anfangen?(er legt Rudolphen sanft auf die Erde und schnallt ihm den Helm vom Haupte.) Rudolph.(sich erhohlend.) Mörder flieht, flieht, Noch habt Ihr das Schwert nicht. 3, Conrad. Ha, er lebt, er spricht noch! O Wittowuth! Noch im Tode hält er den Bund der Freundschaft, noch im Tode umfaßt seine Faust den Griff des Schwertes, und halt ihn fest! Armer, armer Greis! du hast viele Feinde, und warum?— Ein Phantom, ein Hirngespinst, und falscher Wahn ist die Triebfeder, die ihren Haß im Gange halt.(Entwappnct Rudolphen, und schlägt dieHän- de jusammen.) Himmel! Neue Wunden. Nun, du hast tapfer gestritten! O Gott! laß ihn nicht sterben! Er war ja stets ein edler Biedermann! Lebe, lebe edler Gr.is!— Wenn Du einst wieder gesund bist, will ich mit Dir nach Hasty reisen, Deinem Freunde Wittowuth Deine Narben vorzählen, und sagen: Diese errang er um deine Freund, schaff. Rudolph.(schlägt aberniahl die Augen auf.) Conrad!(sagt ihn bey der Hand.) Guter Conrad!— bring— mich—nach Alten— bürg! Conrad.(wstcht sich die Thränen aus den Augen.) O Gott! So eine edle, liebe Seele!— Nur nicht sterben edler Rudolph! Hätten die Räuber mich so hart getroffen, es wäre mir ein Labsal gewesen, in seinen Armen zu sterben.(Cr reisn seine Feldbinde zusammen, und verbindet damit Rudolphs Wunden.) So, und nun will ich dich auf diesen schwachen Händen nach Altenburg tragen, und sollten meine Knie sinken, so will ich dein Schwert nehmen, und mich daran stützen, es soll mir trefflicher zu statten kommen, als wenn mich achtzehnjährige Füße trügen. (Er löst Rudolphs lange Feldbinde auf, schlingt sie um seinen Leib, und will ihn aus feinen Rücken schwingen.) Rudolph. Conrad, verbinde erst deinen Arm, du blutest sehr! Conrad. O mit diesen hat's keine Noth, und wenn er mir auch vom Leibe fiele, und ich nur 32 Dein Leben rettete, so würde ich mich freuen. Fort, fort, alter Conrad!— Muthig, vielleicht ist es der letzte Dienst, den du deinem lieben Herrn erweisest. (Er schwingt Rudolphen mit voller Kraft auf seinen Nucken, und schwankt mit ihm fort, nach etlichen Schritten fängt er an stärker zu wanken, und ist genöthigt sich an nne» Baum anzuhalten.) Ha, alter Bube, zu schwach sind schon deine Knochen! Das hat dich heutgewaltig mitgenommen. Ruhe, Ruhe starke dich, damit du weiter zu wanken vermagst.— OGort! Nur jetzt verleihe mir Mannskraft, daß ich ihn hintrage in die Burg, und dann wirf meinen siechen Körper auf's Krankenlager, und laß mich auch sterben! Rudolph. Conrad schone deiner, laß mich hier liegen! Conrad. Und sollte ich auf allen Vieren nach Altenburg kriechen, so muß ich— Er saßt Rudolphen fester an, und wankt mit ihm fort.) Feste Altenburg. (Brend von Altenburg, Koller vor Rabenstein, Hamos vom Berge, Luz der Ecksteiner, Kuno der Wilde, Siegfried von Feldeck, Otto von Thurnferg und noch mehrere Ritter sitzen am Rundtische und zcchen.) "voller,(schwingt den Humpen.) Nur noch diesen einzigen, Brend, auf Heinrichs Wohl!(reicht ihm den Humpen.) Brend.(trinkt.) Heinrich unser Kaiser lebe, Alle. Er lebe, er lebe! Luz. Und dein Bruder, Brend, ist der noch bey Hofe? Breii d. Er steht in Bayern an der Spitze eines Heeres, er ist oberster Feldherr, und, indem 33 ich hier in Altenburg müßig sitze, dem Spiele mei. »er Feinde zusehe, bey dem Außenbleiben meines Vaters gleichgültig bin, erwirbt er sich Lorbern, schlägt Burgharden von Schwaben, rückt gegen Ar- nulph von Bayern, und wird Heinrichs Stütze Kuno. Seyd ganz mißmurhig heut, Ritter Brend! macht Euch da Gespinnste, die Euch Eure Freude verleiden;— lustig, edler Graf, laßt Euern Bruder obersten Feldherrn seyn, seyd Ihr doch der tapferste Ritter m Sachsen, Auf Brend's Wohl, Kumpanen! Die Grafen von Altenburg sollen leben! Alle(trinken). Leben!— Brend O, wäre erst mein Vater heim, dann wollte ich auch mit Euch lustig fern, dann wollt ich mir den größten Humpen bringen und füllen lassen, und mit meinem Becherklang die Mitternacht begrüßen. Ottov. Th. Wird auch kommen, wird wohl nicht aus dem Wald hinaus geritten seyn. Brend. Wenn er nicht Feinde hätte, lieber Thurnberg! so würde ich ruhig seyn. Otto v. Th. Wankelmüthiger! Hat er nicht sein Schwert? Br end. Kann ihn dieses wider Meuchelmörder schützen? Luz. So lange er.es hat, ja! Oltov, Th. Und hat es ihn nicht schon so oft geschützt? Hat es ihm nicht schon so oft unerwartete Hülse zugeführt? Brend. Wahr! Aber eben dießmahl kann's trügen. Otto v. Th.(M sich) Dann wäre mein Wunsch erfüllt. Brend. Luz! Wenn war eS, daß mein Vater bey Euch war? Luz. Vor zwey Tagen, Conrad begleitete ihn. Ritter Brend's Geist. C 34 Brend. Und weder Conrad, noch er sind zurück gekommen. Mir ahnet nichts Gutes, und sollten unsere Feinde hier ihre Hand mit im Spiele haben, dann wehe— wehe ihnen; denn ob ich gleich nicht Rudolphs Schwert habe, so habe ich doch eine Faust und Rudolphs Herz.(trinkt). Otto.(für sich.) Wird Dir beydeS wenig nützen, wenn ich nur daS Schwert habe. Kuno. Du bist fürchterlich, Brend! Aber auch mir schwankt nichts Gutes— Bruder! solltest Du Fehde haben, hier hast Du meine Hand, Dein Spießgesell und Schwcrtkumpan bleib' ich, so lang ich ein Schwert, eine Faust habe- Brend. Dank Dir Bruder! Ich fordere nicht Deine Eisenhand auf Dein Versprechen, ein Trunk der Brüderschaft mache alle- aus.(schwingt den Humpen.) Kuno lebe!— Luz. Unsereins gibt kein Versprechen, keine Hand, aber bis Du einst im Schlachtfelde stehst, dann soll die Eisenwand neben Dir sagen, wer dein Bruder ist.— Hier spielt sich'S nur mit Humpen, und bey einem Spiele ist's klüger von ernsthaften Dingen zu schweigen. Laß einmahl Deine Trompete ertönen, und Du sollst sehen, wer zu Deiner Hülfe herbey eilen wird!— Wetter! Ich will Dir Männer, wie Felsen zuführen, vor deren Schwertblinken die Sonne erblassen muß, und hinter deren Fußstapfen der bleiche Tod schleichet!— Gelt Bruder, dann wirst Du Freund und Feind unterscheiden können. Otto v. Th. Das wird er. Wortgeprange ist ein eitel Ding; aber wenn's Noth ist, das Schwert zu ziehen, daS frommt. Kuno. Nun dann, so sind wir alle Schwertkumpanen!— Auf also, Brüder! Laßt uns heut lu- stig seyn, morgen wollen wir ganz Sachsen durchreiten, und unsern Nudolph suchen. Laß deine Keller 3S öffnen, Beend, von unserm Humpengeklirr sollen die Burgfenster zittern, und deine Thurmvögel verstummen.(Hebe den Humpen in die Höhe) Singt: Die Minne und der Rebensaft Sind Zeichen wahrer Ritterschaft, Thun unser Herz erfreu'n. Hat Minne mich gelabt und Trane, Dann zieh ich meinen Hauer blank, Und schlage wacker d'rein. Lsiegfried v. Feld. Ueber den alten Kuno> wie er heut lustig wird, als ob er sich um dreyßig Jahre verjüngt hatte.^ Luz. Ich hatt' ihn wohl in seiner Jugend mögen gekannt Habens da muß er,- traun! munter gewesen seyn. Kuno.(siegt den Humpen, nachdem er getrunken hat, auf den Tisch).— Wohl war ich's Brüder, da flatterten auch Dirnen um mich, wie Schmetterlinge um die Blumen. Luz. Oder Du um die Dirnen? Kuno. Mag seyn, ist's doch all ein's.- Humpengeklirr, Schwertgetöse und Dirnen- gelispel waren meine Lieblingsbeschäftigungen—aber alles in Ehren. Wenn meine Buben mich zur Fehde wappneten, ich schon den Helm aufs Haupt stürzte, schon mit einem Blicke auf das Schlachtfeld, mit dem andern auf meine Dirne sah,— da schlang ich meinen gewappneten Arm um sie, raubte ihr noch einen langen Kuß, und schwang den Humpen, den sie mir kredenzte, hoch in die Luft!— Sie mußte mir mein Lieblingslied:»Die Minne und der Rebensaft« singen, und nachdem ich den vollen Humpen geleert, schwang ich mich mit noch einmahl so vielem Feuer auf meinen Rappen, und jagte i'ns Schlachtfeld hinein, daß die Buben und Knappen mir nachgafften, und einan- C s 3t> der in die Ohren lispelten:»Seht, da rennt er, der wilde Kuno, fort— wehe seinen Feinden!« Und sie sprachen nicht unrecht; denn wo mein Schwert hin- traf, da mußten Armschienen und Panzerringe herunter, und das helle Blut hervorspritzen.(C-r trinkt.) Lu z. Aber nun Kuno, nun!— Kuno. Je nun, ob mir gleich die Dirnen nicht mehr kosen, wie sonst,— s° necke ich sie doch gerne, und raube mancher zierigen Schürze noch unvermerkt einen Kuß.— Und was die Waffen betrifft so fühle ich wohl schon Schwache in meinen alten Knochen, und keine Lust, den neuen Schichtspielen beyzuwohnen, die Kaiser Heinrich errichtet hat,*) wohl aber erträgt mein Leib den schweren Harnisch, und mein Arm das Schwert, wenn's Ernst ist und meine rit» terliche Ehre beleidigt wird. Dafür, ob ich gleich nicht mehr mich so oft im Schlachtfelds tummle, so fege ich meine Wälder und jage.— Wetter! Das Wild muß schon den Ton meines Hüfrhorns kennen; denn sobald ich die Bahn betrete, flieht alles, und es wird mir schwer, eines aufzujagen. Bring ich dann was nachheim,— dann gilts ein Schmausen; Knappen und Buben müssen sich freuen, und knarren müssen ihre zinnenen Kannen, und schäumen muß der Wein indem goldenen Pokale, der in dem Kreise meiner Freunde umher geht.— Und so soll's— traun— auch heut in deiner Feste gehen Brend! Ruf deine Buben herauf, daß sie die Harfe spielen, und singen! Brend.(geht an's Fenster und ruft) Meinhard! die Harfenbuben!—(plötzlich erschrickt er, und tritt staunend etliche Schritte zurück.) Ha! Was ist das?— ') Kaiser Heinrich, der Vogelsteller, soll der erste die Turnier», zur Übung des jungen Adels, eingeführt haben. 37 Mein Vater!(Die Ritter fahren erschrocken auf/ Kuno taumelt mit den Humpen in der Hand an's Fenster.) Kuno. Nu, nu— was gibts da? (Wildes Getümmel im Burghöfe.) Koller. Tausend Element! Unser Rudolph! L uz. Nun was habt Ihr denn hier für einStau- nen?(er sieht zum Fenster herab.) Tod und Hölle!— — Rudolph, Rudolph ermordet! Otto v. Th.(füfsich) Nun Muth, Otto, nun Verstellung, der Streich hat geglückt, und ich bin am Ziele. Siegfried. Da tragen ihn die Knechte übern Hof. Es war wohl wieder ein Streich seiner Feinde. Brend.(fährt plötzlich auf.) Weh, weh ihnen! Sie haben ihren Zweck erreicht, aber auch ich habe ein Schwert, Vater, Vater! -Brend eilte der Saalthüre entgegen, und sie sprang auf. Sechs Reisige trugen den schwer verwundeten Rudolph auf Lanzen herein, der alte Con- rad führte den Zug. Brend stürzte auf seinen Vater, die Ritter drängten sich um ihpr her, Verwünschungen, Flüche und Verschwörungen wechselten hier miteinander, und der Burgarzt mühte sich den Verwundeten in's Leben zutück zu bringen.— In kurzer Frist schlug Rudolph die Augen auf, streckte seine Hände den Rittern hin, und stammelte: Meine Freunde, — entkräftet sank er wieder zurück. O das war ein herrliches Trinkgelag!— Wein sollte fließen, und Blut färbte den marmornen Boden; Humpengeklirr sollte ertönen, und es rasselten die Waffen der Biedermänner, die seinen Tod sich zu rächen verschworen. Da standen sie nun, mit niedergesenkten Häuptern, mit traurigen Mienen, die eine Hand an den Schwertgriff gelegt, die andere gegen ihren Freund 38 gestreckt.— Oede Stille herrschte nach dem Ausbruche des Leides und des Staunens unter ihnen, es war die Stille des Todes, der schauerlich über ihrem Kreise schwebte. Nur Otto von Thurnberg heuchelte Traurigkeit, und wandte sich zuweilen um, das Lächeln zu verbergen, das trotz seiner Verstellung ob der gelungenen That auf seiner Stirne schwebte.— Der alte Conrad mußte den Vorfall erzählen, und als er das dennoch erhaltene Schwert Rudolphs vorzeigte, da verzog sich Thurnbergs Miene, er wandte sein Gesicht weg, und murmelte: »Daß dich der Teufel in seinen Krallen hätte!« Der Burgarzt befahl, den Verwundeten zu Bette zu bringen, und siehe!— alle Ritter streckten ihre Hände aus, hoben ihren Freund auf ihre Arme, und trugen ihn in sein Schlafgemach. Nach und nach erholte sich Rudolph, und wurde wieder vermögend zu sprechen, da winkte er seinem Sohne Brend, und bath seine Freunde auf eine Weile abzutreten, indem er ihm etwas Wichtiges zu entdecken habe. Ihr seyd zwar alle meine Freunde, sprach er, vor denen ich keine Geheimnisse haben sollte, aber es gibt Dinge, die dem Vater und dem Sohne wichtig sind, und die selbst bey Freunden keine Offenbarungen leiden.—SeinBegeh- rerrwurde erfüllt, die Ritter traten ab, und ich sollte nun billig meine Leser das Geheimniß behorchen lassen, das der kranke Rudolph seinem Sohne Brend zu entdecken hatte, aber da die Chronik, die diese Legende erzählt, hier selbst eine Pause macht und schweigt, um das Räthsel am einem andern Orte desto schicklicher zu lösen; so will auch ich nicht die Art ihrer Zusammenfügung trennen, sondern ihrem Beyspiele folgen. Nichts meldet sie unS, als, daß die Ritter, da sie wieder in Rudolphs Schlafgemach traten, gn Brend's Seite das ungeheure große Schwert fanden. Graf Altenburgs Freunde achteten nicht darauf, nur Otto von Thurnberg knirschte heimlich mit den Zahnen über den mißlungenen Streich. Wir wollen die Biedern an Rudolphs Krankenlager lassen, um uns nach einem andern Ort umzusehen, um zu lauschen, ob sich nichts zur Entzifferung des ersten Räthsels finden werde. Feste Thurnberg in Mtenburgs Nachbarschaft. Abend. (Meinhard. Otto's von Thurnberg Gohn. sitzt mit etlichen alten Knechten am Nundtische und zecht.'Otto von Thuru- bcrg tritt wild und finster herein.) ä^tto v. Th.(wirft Helm und Handschirme aus den Tisch.) Schenk ein, Wirth, schenk ein!(einer von den alten Knechten reicht ihm den Humpen, er stürzt den Weilt hastig hinunter.) Ich wollte, es wäre Gift gewesen. Meinhard. Ihr seyd fürchterlich, Vater! Otto. Hab's Ursach, hab ja einen Helden zum Sohne. Meinhard. Das war viel gesagt, mehr, als Ihr verantworten könnt, da, seht her! Hier diese Wunde über die Stirn» dieser Stich in dem Arm, diese zertrümmerte Waffen, was zeugen sie? Otto. Daß du ein Feiger, ein Kind bist, das daheim bleiben sollte, weil es nicht vermag gegen Männer zu streiten. Meinhard.(trotzig) Vater! dieß mein Lohn? Otto. Ja, dieß dein Lohn, junger Held! Hast Wunden errungen, und— das Schwert— das Schwert— O ich möchte mich in die Hölle verwünschen, daß ich solch einen Sohn gezeugt habe. 4o Meinhard. Gebt mir Niesenstärke, gebt mir hundert Arme, dann werd ich siegen, aber mich mit einem Häuflein feiger Knechte hinzuschicken gegen einen Helden, dessen Waffen unüberwindlich, vielleicht bezaubert sind, das war viel gefordert, und dennoch zog ich aus, lauerte ihm auf, focht und stritt, und Eure tapfern Knechte, Vater, flohen. Otto. Meine Knechte flohen? die mich in meiner Jugend in den Tod begleitet hatten,— diese flohen. Meinhard. Ja, diese Eure treuen Knechte flohen. Ich stand, bis Rudolphs mächtiges Schwert meinen Schild zerhieb, mir den Helm vom Haupte schlug, und mir diese Wunde versetzte, dann floh ich. Otto. Daß man nur Schwerter Euch zum Spott und Schande, Kindern zum Spiele gäbe, und Euer Nahme ein Spott der Weiber würde! Meinhard. Vater, dieß mir? Holle und Teufel, dieß mir? Otto. Dir, dir feigen Buben!— O ich möchte dein Schwert brechen, und dir die Stücke in's Gesicht werfen, Memme! Es war ein Meisterstreich dieser Strauß, beynahe dreyßig gegen zwey schwache Greise, und fliehen— fliehen! With. Laßt Euch sagen, edler Herr!— Ihr zürnt um einer nichtigen Sache willen, an der Euer Sohn nicht Schuld ist. Ich bin ein alter Knecht, der vielen Schlachten beywohnte, manchen ehrliche» Krieger fallen sah, aber solch ein Gemetzel, wie heut, sah ich noch nie.— Hab' ich Euch nicht in mehr als vierzig Schlachten begleitet? Otto. Das hast du, wo mein Schwert blitzte, da warst auch du. With. Erinnert Ihr Euch noch des Straußes bey Wiedberg, als der wilde Hanns auf mich 4, eindrang, und ich ihm seinen stahlfesten Schild mitten von einander hieb, und er fliehen mußte? Otto. Wohl erinnere ich mich, ich staunte über den Schlag.— Ha! warum mussten deine Knochen veralten?— Ich hatte mir bessern Erfolg von deiner Tapferkeit versprechen können, als von meinem Sohne. With. Erinnert Ihr Euch der Schlacht bey Ehresburg, als der große Franke Euch mit einem Streich zu todten schon bereit war, und ich ihn schnell bey fernem rechten, geharnischten Arm faßte, ihn mit Löwenstarke brach, und mit seinem eigenen Schwert ihm das Herz abstach? Otto. Das war ein Meisterstück deiner Tapferkeit, du hast mein Leben dadurch gerettet. With. Seht also, ich bin bekannt geworden mit dein Tode, ich habe schreckliche Scenen gesehen, aber keine die der heutigen gliche. Otto. Und du warst mit heut bey dem Strauß? With. Ich war. Otto. Und flohst? With. Ich floh. Otto. O Schande dann über das männliche Geschlecht, wenn du flohest. With. O mein edler Herr! Wäret Ihr dabey gewesen, Ihr hättet sagen müssen:»Das sind tapfere Männer!--— Wir fochten auch, daß Stücke von unsern Waffen umher flogen, aber Unmöglichkeiten konnten wir nicht trotzen; denn Rudolphs Stärke muß übernatürlich, muß eine Frucht seines Schwertes seyn.— Donner und Wetter!— Eurem wackern Kurt spaltete er das Haupt sammt dem Helm bis an den Brustharnisch. Otto. Dieß that sein Schwert, und dieß Schwert kann ich nicht erringen?— Ha! alle meine Macht will ich anwenden, und dann frohlocken, 42 wenn ich das Schwert erkämpfet, wenn ich meinen größten Feind überwunden und gestürzt habe. Otto von Thurnberg war, wie meine Leser sehen können, Rudolphs größter Feind. Er war es, der seinen Sohn Meinhard in jenen Wald beschick, auf Rudolphen zu lauern, und ihm entweder das Schwert, oder Schwert und Leben abzunehmen. Er glaubte wie die meisten Feinde des Grafen von Al- renburg, daß seine Macht von dem Besitze des Schwertes herrühre, und daß in selben ein Talisman verborgen seyn müsse. Da Otto nun ehrgeitzig war, nach Größe und Macht rang, so mußte ganz natürlich Rudolph sein ärgster Feind werden, indem er am meisten ihn in seiner Absicht hinderte, und durch die tägliche Vergrößerung seiner Macht ihm alle Plane vereitelte.— Rudolphen zu stürzen, ihn klein zu machen, um sich dann selbst zu erheben, war nun sein Hauptgedanke— diesen auszuführen, glaubte er vor allem andern sich des wunderbaren Schwertes bemächtigen zu müssen; denn dadurch wähnte er, sich Glück und Macht zuzuführen. Er war listig genug, im Verborgenen zu schmieden, und sich für Rudolphs besten Freund auszugeben, für den ihn auch Graf Altenburg hielt, dessen schlichte, biedere Denkungsart nie einen Schurken in seinen Mitbrüdern suchte. Wäre Rudolph scharfsichtiger gewesen, hätte er die gegenwärtigen mit den vergangenen Umständen verglichen; so hätte er ganz leicht seine Falschheit kennen gelernt. Von Alters her waren Otto's Vor- ältern Raubritter gewesen, selbst Otto trieb noch in seiner Jugend diesen Wandel, und doch traute Rudolph der Verstellung, doch glaubte er, Otto sey der frömmste, biederste Ritter seiner Zeit, sey sein Freund, habe sich gebessert. Hart an der Landstraße stand Otto's Feste, an 43 einem hohen, fürchterlichen Felsen, der schon allein dem vorüberziehenden Wanderer Schrecken und Furcht eingejagt hätte——.— schüchternd und bebend entfernte er sich aber von der Landstraße und suchte Nebenwege, wenn er das schreckliche Felsen- nest erblickte, das ihm schon beym Anschauen die Haare starren machte. Es waren schwarze, fürchterliche Mauern, an denen sich die Sonnenstrahlen verfinsterten, deren Steile die Augen des Hinaufsehenden ermüdeten, wenn er bis zur hohen Zinne des Thurms blicken wollte.— Dieß war ein Thurm, der tief durch den Felsen he» abführte, bis in den Strom, der an der einen Seite der Feste vorbey floß, wegen dessen man dieses Raubnest, Thurnberg, und die Besitzer desselben, die Herren von Thurnberg nannte. Weit und breit war dieser Thurm bekannt, jeder wußte von ihm zu sagen, sogar Ammen erzählten ihren Zöglingen Märchen von ihm. Man sagte, daß die Eigenthümer dieses Schlosses gewöhnlich ihre Gefangene hineingesperrr, die dann vermög einer verborgenen Fallthüre durch tausend aus den Mauern des Thurms hervorragende Dolche durchstochen in den Strom fielen, wo>ie ihr Grab fanden, wie man dann auch öfters entseelte und von Dolchen ganz zerrissene Körper darin entdeckt haben wollte. Bange Ahnung überfällt mich, wenn ich mir die Nahmen Rudolph und Otto von Thurnberg zusammen denke, und mich der allgemeinen Sage erinnere.— Doch laß uns von diesem Sundennest hinwegeilen, lieber Leser, lati uns lieber zu den Biedermännern zurückkehren, und unsern kranken Rudolph besuchen! Einige Tage hindurch war Rudolph so schwach, daß man alle Augenblicke sein Hinscheiden erwartete, Aber er starb nicht, es vergingen etliche Wochen, 44- und schon vermochte er im Gemache umher zu gehen, schon konnte er an's Fenster hinwallen, um in den Burghai» herabzusehen, der lieblich unter den Fenstern rauschte.— Die Wunden die ihm Meinhard nebst seiner Rotte beybrachte, waren nicht so rbdtlich, und nur das häufig vergossene Blut bewirkte die Schwachheit des Körpers, dessen Kräfte sich nun all- mahlig wieder zu sammeln begannen.— Bald vermochte er herabzusteigen, in den Hain, um sich dort freuen zu können, der herrlichen Werke des gütigen Schöpfers. Brend begleitete ihn bey solchen Spaziergängern An den Arm seines wackern Sohns gestützt, durchwandelte er oft die prächtigen Gegenden von Altenburg, und freute sich seiner wiederkehrenden Gesundheit. Es waren reißende Reviere, in deren Mitte die Festung Altenburg stand. Von einer Seite prangte der fürchterliche Eichenwald, von der andern rauschte unter den Burgfenstern der Birkenhain, grüne Wiesen zogen sich in die Länge, und blaue Berge begränz- ten den Gesichtskreis, auf denen Weinreben sich um ihre Stöcke wanden.— Fürchterlich ichön stand Altenburg mitten in diesen Eden, ihre Marmormauern verscheuchten nicht den Wanderer, und ihre vergoldeten Dächer blendeten seine Augen. Die Grafen von Altenburg waren keine gemeine Ritter, Pracht glänzte in ihrer Feste, wie an dem Hofe eines Fürsten, und Schimmer und blendender Glanz umgab sie. So wie das Aeußere von Macht und Reichthum zeigte, so sprach auch ihr Inneres davon. Laubengänge auf Marmorsäulen zogen ssch rund um den Burghof, und künstliche Statuen von den Händen der berühmtesten Bildner waren allenthalben auf die schicklichste und auffallendste Art angebracht. Unaufhörlich liefen Knappen und Bediente die breite inamorne Treppe auf und ab, in versilberte Harnische gewappnet standen die Reisigen Wache, und in seide- 45 nen Wappenröcken prangten die Leibjunker. In den Gemachern hatte sich Pracht und Kunst erschöpft. Säle reihten sich an einander, von Marmor gebaut, glänzend von Gold und Silber, bey Feyerlichkeiten von hundert Wandleuchtern erhcller. Kurz— der Vorzüge und Pracht, die Altenburgs Hof besaß, konnte sich kein Fürstenhof seiner Zeit rühmen Natürlich mußte ihm dieser Aufwand Neid erregen.— Neid macht Feinde, Feindschaft macht Schurken, und der größte aus dieser Zahl war, wie der Leser bereits wissen wird, Otto von Thurnberg. Einst saß Rudolph im Nachsinnen vertieft in seinem Armstuhle, und dachte den Kabalen seiner Feinde nach, da ließ er seinen Sohn Brend vor sich rufen.— Brend erschien, und der Greis saßt- treuherzig die Hand seines Sohnes:»Ich will dir mein Schwert vertrauen, sprach er zu ihm, das Schwert, um dessen willen mir von all.» Seiten Gefahr droht, ich will es dir vertrauen, aber tragen darfst du's nicht. Nur deinem Schul; will ich es übergeben, bewahre es auf, heimlich, damit Niemand meinen Anschlag er- rathe noch muthmaße! Um meine Feinde zu blenden, habe ich mir noch ein Schwert, diesem ähnlich schmieden lassen, dieses will ich führen, mit diesem will ich streiten. Ich will ihnen zeigen, daß ich mit einem andern Schwerte bewaffnet, noch Nudolph bleibe, und falle ich; so haben sie umsonst einen Menschen gemordet, und das Schwert doch nicht erlangt. Dann zeigst du ihnen das wahre vor, und sie werden vergehen vor Scham und Unwillen!« Nun zog er beyde Schwerter hervor, sie waren so ähnlich einander, daß Brend sie nicht vermochte zu unterscheiden. Obschon der Sohn sich lange wider sträubte, und seinem Vater zu bewesien sich mühte, in welche Gefahr er sich mit diesem falschen Schwerte setze; so ließ Rudolph nicht nach, sondern 4b gürtete das nachgeahmte Schwert um seine Lenden, und Btend mußte das wahre in seine Verwahrung nehmen. Unglücklicher Greis! Deine Unerschrockenheit hat dir dein Grab bereitet, was kann es dir frommen, Tapferkeit gegen List zu stellen? AIS Rudolphs Freunde von seiner Wiedergene- sung Nachricht bekamen, versammelten sich alle in Altenburg, um sich darüber mit ihm zu freuen.— Da gab's nun wieder Feste und Feyerlichkeiten, Alten- burgs Fenster zitterten ob dem Humpengeklirr der lustigen Zecher, und der Fichtenwald erbebte von dem Getöne der Hüfthörner der muthigen Jäger. Otto von Thurnberg war auch zugegen, und wüthete, da er wieder solche Pracht, nach der er so lange Jahre vergebens strebte, auf Rudolphs Feste sah. Viele Wochen wahrte dieser Jubel fort, bey Tage sah man die Wildlinge im Walde, und bey Nacht hörte man ihre Pokale klirren, und sah noch tief in die Nacht AI- tenburgs Fenster erleuchtet. Einst, als alle ermüdet vom Jagen, am Ausgange des Waldes, im Grase lagen, äußerte sich Luz, der Ecksteiner, er wollte nun zur Abwechslung auch ein Fest auf seiner Burg geben, und lud dazu Ru- dolphen und sämmtliche Ritter ein. Sie nahmen mit Dank sein Anerbiethen an, und als man des Schmau- sens auf Altenburg überdrüßig wurde, schwangen sich alle, auch Brend und Otto von Thurnberg auf ihre Pferde, und ritten in Gesellschaft nach dem Ecksteine hin, der volle sieben Meilen von Alkenburg entfernt war. Die Lustbarkeiten damahliger Zeit blieben sich immer gleich, und es würde wenig der Mühe lohne», wenn ich es wagen wollte, sie zu beschreiben, ^>agd, Wettrennen, Kämpfen und Zechen waren ihre Liebl,ngsunterhaltungen, und so ging es nun auch 4? auf dem Ecksteine zu. Da sie einst vertraulich beysammen saßen, und zechten, da verkündigte LuzenS Trompeter die Ankunft eines Fremden. Die Ritter horchten auf, und der alte Conrad, Rudolphs Burggenosse, trat herein. Luz. Ha!— willkommen Conrad! kommst du auch auf meine Burg, Lumpen zu leeren?(ihm die Hand schüttelnd) macht mir eine Freude dein Besuch, alter Kumpan!— da! trink mahl! Conrad.(nachdem er getrunken.) Habt Dank, Ritter Luz! Ihr habt da alle Eure Freunde bevsam- men, und es würde mir leid seyn, wenn meine An« kunft Euer» freundschaftlichen Zirkel stören sollte. Rudolph. Hm! Du sprichst Räthsel, Conrad, wie stehts in Altenburg? Conrad. In Altenburg wohl, aber um und herum leider! nicht zum besten. Brend. Mas sagst du? Conrad. Man fürchtet täglich einen feindlichen Ueberfall. Schon öfters haben sich bey Nacht feindliche Haufen gezeigt, und der Lügner berichtet, daß alle Nacht vermummte Männer in dem Walde herumgehen, und die Burg von allen Seiten ausspähen und betrachten. Kuno. Hm!— Sollte Jemand Lust haben, an den Mauern deiner Burg anzubeißen, so wird es für mich eine Freude seyn, für dich noch ein Mahl ^ in meinem Alter das Schwert zu ziehen und den Panzer anzulegen, Rudolph! Rudolph. Ist sonst alles wohl bestellt auf der Burg, sind die Reisigen gefaßt, einen Sturm abzuschlagen? Conrad. Auch mehrere; ich habe alles wohl geordnet, nur bin ich hergeritten, Euch davon Kynde zu geben. Luz. Und wollt vielleicht schon wieder fort, Alter?— /.8 Rudolph. Das darf er nicht. Conrad, du wirst hier bleiben! Conrad. Und wer wird in meiner Abwesenheit Altenburgs Mauern schützen? Rudolph. Brend, mein Sohn.(zu Beenden) Du weißt, was ich deinem Schutze übergab, geh hin, und wache darüber!— Du aber, Conrad, wrrst hier bleiben, und mit uns fröhlich seyn. Ich will meinen Feinden zeigen, daß ich auch bey drohender Gefahr munter seyn kann. Brend schwang sich ohne Widerrede auf seinen Rappen, und sprengte nach Altenburg fort, Conrad blieb auf dem Ecksteine und zechte wacker mit. Die Rmer hatten auf keine Heimkehr gedacht, wäre nicht den zurückgebliebenen Weibchen angst und bange geworden. Ein Böthe nach dem andern kam auf dem Ecksteine an, und meldete den Rittern den Gruß von ihren Weibern, und die Ermahnung auf baldige Wiederkehr. Siemußtpn sich endlich entschließen, ihrem Willen zu willfahren und Eckstein meiden. Aber Rudolph hatte kein Weibchen heim auf Altenburg, das seiner gewartet hatte, und kein Böthe mahnte ihn an die Rückkehr. Ihm war so wohl auf dem Ecksteine, so wohl, als es ihm noch nie war. Es hauste Ruhe und Einigkeit auf dieser Feste, und Freude in dem Kreise der Biedermänner, so daß Rudolph den Ritter Luz beneidete um diesen Ort, und gern seine Grafschaft mit ihm vertauscht hätte. Luzens Gäste verloren sich alle nach und nach und zogen heim, nur Rudolph blieb; denn er wollte noch einigeWochen des Vergnügens genießen, aufEckstein zu seyn, um in des Ritters Gesellschaft jagen und zechen zu können; allein dem alten Conrad wollte dieser Aufenthalt nicht behagen, ihm war besser zu Muthe, wenn er heim auf Altenburg sitzen, und den jungen Knechten Mährchon derVorzeit erzählen konnte. Uebcr- 49 dieß plagte ihn so eine gewisse Ahnung, eine Ahnung, die ihm ein Verbothe des Todes zu seyn schien und die ihn stets ermähnte, seinen Herrn zum Rückzüge zu bewegen. Conrud hielt viel auf Ahnungen, er verschmähte auch diese nicht, er blickte in die wahrscheinliche Zukunft, und zitterte, zitterte für sich und seinen Herrn, und er hatte nicht Unrecht.- Endlich gab Rudolph seinen Vorstellungen nach, und verließ d-n Eckstein. Drey Meilen hinter seiner Veste hatte ihn Luz begleitet, endlich stand er, ein brüderlicher Kuß schied sie—ach! auf immer. Luz sprengte nach dem Eckstein, ohne zu ahnen, daß er seinen Freund zum letzten Mahl gehalset, zum letzten Mahl geküßt habe. Ru- dolph und Conrad eilten indeß auch weiter, es war kaum Mittag vorüber, und sie harren noch vier Meilen bis Altenburg, noch diesen Tag dort einzutreffen, war ihr Entschluß. Zwey Meilen ritten sie ungehindert fort bey dem schönsten Wetter, plötzlich verzog sich der Himmel, als wenn er sich zu Rudolphs Untergänge mit seinen Feinden verschworen hatte. Schwarze Wolken thürmten sich auf, schwarz, wie die Mauern der Veste Thurnberg, vor welcher der feindliche Wanderer zitterte, Blitze durchschnitten den finstern Himmel, und ein Regen stark und häufig, der die Erde überschwemmen zu wollen schien, fiel auf unsere Reisende herab Die Tropfen plätscherten an ihren Harnischen, und die sonst schwankenden Federbüsche legten sich durchnäßt an den Stahl ihrer Helme. Es war ein Wald, in dem sie sich befanden, beyde waren von ihren Rossen gestiegen, und führten selbe hinter sich her, für heut in Altenburg anzulangen, schien ihnen unmöglich, und nur irgend wo ein Obdach anzutreffen, war ihr heißester Wunsch. Bald waren sie dem Ausgange des Waldes nahe, schon zeigte sich ihnen von ferne die Landstraße, und Ritter Brend's Geist. D 5o beywidcrholtem Scheine des Blitzes erblickte hoch auf einem Felsen gethürmt Rudolph eine Burg. Rudolph. Weißt du nicht Conrad, was das für eine Burg seyn mag? Conrad. Nach der Gegend zu urtheilen, müßte es Thurnberg seyn. Rudolph. O, da hatten wir ja gewonnen- Alter! Frisch, laß uns darauf zureiten!—Alten, bürg könnten wir heut bey diesem Wetter ohnehin nicht mehr erreichen, und es ist eben Recht, daß,wir da eine Herberge finden. Conrad.(besorgt) Herr ich dächte wir ritten lieber fürbaß! Rudolph.(sich verwundernd) Was sprichst du fürbaß reiten? Warum das? Conrad. Je nun, sieht mir da die Burg so schrecklich aus, als wenn ich mein Grab darin finden sollte. Rudolph. Träumer! Ist nicht Otto mein Busenfreund? Conrad. Wohl kann er's seyn.— Aber ununterbrochen liegt mir eine Stimme in den Ohren, daß ich heim auf Altenburg besser schlafen würde, als hier in diesem Raubnest. Rudolph. Conrad! Du beleidigst mich— Ich habe dich noch nie so sprechen hören, wenn dir bangt, so reite weiter! Mit diesen Worten spornte der Graf seinen Rappen, und ritt scharf der Mste Thurnberg zu, Conrad trotz Furcht und Ahnung ihm nach. Als sie der Burg naher kamen, als sie den ungeheuren Thurm, der sich von den Wolken herab in den Felsen bis an den Fluß zog, sehen konnten, da bäumte sich Rudolphs Roß, schäumte und sträubte sich, und Conrad unterließ nicht diese Erscheinung seinem Herrn als neue Warnung vorzustellen, aber der Graf, um 6, willig über seine Thorheiten(wie erst- nannte)spornte den Rappen, und rannte seinem Verderben naher. Unglücklicher Greis, ich erinnere mich der Sage, denke an dich, den Thurm, an deine Feinde, und zittere für dein Leben! Die Burgfenster waren erleuchtet. Rudolph schlug mit seinem stahlfesten Schwerte dreymahl an das eiserne Burgthor, es flog auf, und Otto selbst kam ihnen heuchelnd entgegen, und stellte sich munter und erfreut, besonders, als er das v-rmeinle Zau- berschwert an Rudolphs Seite erblickte. Jubelnd wurden Beyde hinauf in die Trinkstube geführt, wü Otto's Schanbgesellen saßen, alle Rudolphen alS Biedermänner bekannt. Man trank dem Grafen fleißig zu, und der unglückliche Greis leerte auf Otto's und seines Sohnes Gesundheit manchen Becher, die indessen Anschlage zu seinem Verderben schmiedeten. Alles wurde munter und gesprächig, der Wein schäumte hoch auf in den Pokalen, die rund im Kreise umhergingen. Rudolph trank wacker zu, indem er oft auf Conraden blickte, um ihm Beschämung über seinen Argwohn abzuzwingen, aber dem treuen Gefährten Rudolphs war es nicht wohl zu Muthe, und je mehr der Graf trank und ihm den Humpen zureichte, desto mehr sträubte er sich, und schützte Unpäßlichkeit vor. Allein man zechte so lang» bis die Gäste zu taunieln anfingen, und selbst Graf Rudolph, ziemlich betäubt vom Weine des Schlafs begehrte. Da wurden dann Beyde in ein Gemach deS Thurms geführt, und ihnen die Schlafstellen angewi«. sen. Prächtig sah es aus in diesem Gemache, ein lieblicher Duft verbreitete sich umher, und lud die Müden zum Schlafe ein. Graf Rudolph gehorchte dem Triebe der Natur und schlief; aber Conrad, dessen Herz bange Ahnung erfüllte, wachte, und verbarg die Dr 52 brennende Lampe hinter einer Bildsäule, damit sie nur einen geringen, kaum merkbaren Schein verbreiten möchte. Der S türm wüthete an den hohen Burgfenstern, an welche der Regen schlug, daß sie klirrten, die Wetterhahne knarrten, die Eulen, aufgescheucht durch das brüllende Gewitter, heulten. Rudolph schlief fest, allein Conrad saß an seinem Bette, das Schwert vor sich gepflanzt, und sein Haupt daran gelehnt. Fürchterlich war's in seinen Gedanken, als ob er den Tod erwartete.— Er hörte und horchte— und sieh da! als der Seiger des nahen Klosterthurms die Mitternachts- Stunde verkündete, da rauschte es unter seinen Füßen, als wenn ein Geist unter dem Boden sein Wesen triebe. Conrad hob sein Haupt empor, und faßte das Schwert in seine Hand, da öffnete sich eine verborgene Fallthüre, und vier Männer mit Dolchen und Hellebarden bewaffnet, stiegen beym Schein einer Handlaterne hervor.— Erwachet, Graf, erwachet; schrie Conrad, stürzte auf die Bewaffneten los, verwundere einen von ihnen, daß er zu Boden taumelte, aber ein neuer Haufe Verlarv- ter stieg auS einem andern Winkel des Gemaches hervor, und der arme Alte wurde übermannt und gebunden. Da zuckte einer der Knechte seinen Dolch, und trat hm vor das Bett des Grafen, der fest schlief, und nun, aufgeschreckt durch das Getöse, zu erwachen begann, aber schnell fuhr ihm der Mord- stahl durch die Brust, und er sank auf das Bett, von dem er sich empor hob, wieder zurück.— Mörder!— stöhnte er,-—ihr habt vollendet.— Ja wohl, du Host vollendet, sprach der Vermummte, um deines Schwertes willen vollendet, indem er's Meinharden, der sich nun entlarvte, überreichte.— Tonrad sah diese blutige Scene, sah seinen Herrn 53 morden, und konnte nicht helfen,— nicht retten. Laut schlug sein Herz unter dem Panzer, und ein Strom Blutes, von Schmerz erpreßt, stürzte ihm zum Munde hervor. Er tobte, fluchte und flehte, aber alles half nichts, er sah RudolphS Körper zucken, hörte ihn seufzen, seiner und seiner Söhne Nahmen röcheln, da schüttelte sich Conrad so fürchterlich auf der Erde, daß sein Harnisch krachte, und die Fenster des Gemaches zitterten Noch etliche Mahle senkte der Knecht den Dolch in Rudolphs Brust, und seine Seele entwand sich der Hülle, und schwand hinüber in eine verklärtere Spähre. Es ist vollbracht!— nahm endlich Meinhard das Wort, indem er sich schüttelte, und grausend den Leichnam des Ermordeten ansah. Nun eilet, fuhr er fort, und traget die Leiche in den Wald, damit der Verdacht nicht auf unS falle, und diesen Alten (auf Eonraden zeigend) sperrt in den Thurm, er war sein einziger Gefährte, sein Vertrauter, er muß ünS die Eigenschaften des Schwertes entdecken, wenn ihm sein Leben werth ist. Sein Befehl wurde eilends vollzogen, Rudolphs Leichnam in den Wald getragen, und Conrad in's Burgverließ geworfen. O wohl haltest du recht, guter Conrad, als du deinen Herrn warntest; wohl hatten dich deine Ahnungen nicht getauscht! Otto hatte schon lange aus so eine Gelegenheit gelauert, sein Sohn, nebst seinen Schandgesellen, waren die Vermummten, die jur Nachtszeir um Altenburg herumschlichen, um durch dieses Mittel Beenden von seines Vaters Seite zu locken, den Grafen allein in's Garn zu bekommen, und es gelang ihnen. Nun frohlockten sie. Niemand wußte, daß der Gräfin ihre Burg eingekehrt sey, und darum ließen sie auch seine Leiche in 54 den Wald tragen, damit Jedermann wähnen möge, er sey entweder von Räubern, oder von seinen Feinden, erschlagen worden. Nach und nach verzog sich das Gewitter, der Donner verstummte, die Sterne schimmerten, und die Natur erwachte mit einem schönen herrlichen Morgen. Da stahlen sich zwey Reisige heimlich aus Älrendurg, um ein Wild für ihre Weiber aufzutrei- ben, und eilten in den Wald. Von ferne erblickten sie Rudolphs Leiche, sie näherten sich ihr, und Himmel! es war Rudolph. Sie rüttelten und rieben ihn, aber längst entflohen waren seine Geister, und die treuen Knechte weinten, über ihn gebeugt Thränen inniger Liebe auf sein erblaßtes Angesicht. In tiefem Schmerz versunken, hieben sie Aeste von den Bäumen, flochten sie in einander zu einer Art von Trage, auf welche sie den Entseelten legten, und nach Altenburg brachten. Ein allgemeines Wehklagen erscholl b?y ihrer Ankunft durch die ganze Burg, schaurig erklang gedämpfter Paukenschlag von der Warte, still schliche» die Reisigen und Knechte einher, das Landvolk strömte zahllos herbey, um noch einmahl die Leiche ihres geliebten Herrn zu sehen, und alle Vasallen und Freunde Rudolphs versammelten sich, um dem Traue» zuge beyzuwohnen. Auf einem schwarzen Prunkbette lag des Gemordeten Lnche, die Biedermänner standen umher mit tbränenden Augen, aber Brend seufzte nicht, sondern wild blickte sein Auge umher, uud suchte unter den Anwesenden den Nerräther. Da drängte sich auch Otto von Thurnberg herbey, jammerte und wehklagte, heuchelte Thränen, und drückte einen verrätherischen Kuß auf Rudolphs erblaßte Lipvey, und Niemand wähnte in ihm den Bösewicht. Jetzt erinnerte sich Brend heS alten ConradS, fragte nach SS ihm, und daß er nirgends zu finden sey, war die Antwort:»Es war unsern Feinden um das Schwert zu thun, schrie der junge Graf von Altenburg, aber schrecklich haben sie sich betrogen. Hier ist das Schwert meines Vaters, indem er es aus der Scheide jog, und feyerlich in die Höhe hob. Hier ist es, mit diesem will ich das unschuldig vergossene Blut schrecklich rächen. Auch in meiner Faust wird es Kraft haben, und vor dir, großer Gott, betheure ich, daß ich diese Macht zu meiner Feinde Verderben brauchen will. Zittert Elende! In Brends Hause blinkt Ru- dolphs mächtiges Schwert, in Brends Herzen lodert Rache!c Otto erblaßte über diese Rede, in seinem Innern tobte es, da er sich vom Schicksale so betrogen sah, da er sah, daß er den unschuldigen Greis gemordet habe, ohne zu seinem Zwecke zu gelangen. Eine Höllenpein war es für ihn, in Brends Besitz das Schwert zu wissen, um dessen willen er zum Meuchelmörder herabgesunken war. Treuherzig reichten die Ritter nun einander die Hand, und schwuren zu rächen, Rudolphs Tod an dem Mörder, und in des wilden Kuno Auge zitterte zum ersten Mahle eine Heldenthräne. Da kam der Abr des nah gelegenen Klosters in aller geistlichen Pracht, begleitet von seinen Klosterbrüdern, einzusegnen den Leichnam des Verklärten, und ihn in der Burgcapelle beyzusetzen. Rudokph war von seiner Jugend an ein Freund des Klosters und der Mönche, er that ihnen so manche fromme Schenkung, errichtete so manchen Altar in ihrer Klosterkirche, und seiner Wohlthaten eingedenk kamen sie nun, ihm den letzten Dienst zu erweisen. Die Ritter selbst hoben die Baare auf ihre Schultern, und wallten mit ihr die marmorne Treppe herab. Voran gingen die Mönche, hinten nach 5b drängte sich der lange Zug reichbekleideter Leibknappen und Bedienten, und der Burghof war voll von Trauernden. Als die Bauern auf den Feldern die Fenster der Burgcapelle erleuchtet sahen, den feyer- lichen Pauksnschall von Altenburgs Warre, undj das traurige Glockengetön vom Klosterthurm hörten, da warfen sie Pflug und Spade auf die Seite, und eilten der Burg zu, um ihren geliebten Herrn zu Grabe zu begleiten. Heilige, feyerliche Stille herrschte in der Capelle, nur dann und wann von einem Seufzer unterbrochen. Wenige waren zugegen, die nicht in Schmerz versunken da gestanden, denen nicht Thränen über die Wangen gerollt wären.— Und als der Sorg hinabsank in die Gruft, da erhob sich ein allgemeines Weinen und Wehklagen in dem Burghofe, und Ritter und Knappen waren nur' eines Sinnes in ihrem Schmerz. Der Tag vergin, mit Trauern und Rücherinnerungen an die Vergau genheit, stumm faßen die guren Lieben im Kreise und starrten einander an; denn Rudolph fehlte in ihrer Mitte. Als der Morgen anbrach, da schwangen sich alle zu Pferde, d vierzig Reisige mußten mir aufsitzen, um den Wald zu durchspähen, und zu forschen, ob sich nicht Räuber in selben aufhielten, und ihren Verlornen Conrad zu suchen.— Sie ritten vier ganze Tage h mm, aber vergebens war ihre Mühe; denn die Ra aber und Conrad befanden sich auf Thurnberg. Endlich langten sie wieder auf Altenburg an, so klug als sie ausgezogen waren. Da versammelte Beend alle seine Freunoe um sich, und sprach: Bruder! Es gibt Geheimnisse zwischen Vater und Söhnen, die auch den Freunden Geheimnisse bleiben müssen. Ein solches ist der Auftrag, den mir mein Vater schon damahls gab, alS er das erste Mahl im Walde verwundet wurde und mir dieses Schwert übergab.— Nach meinem To- 57 de, erfülle diesen meinen Befehl, sprach er. Nun ist er todt, und ich eile ihn zu vollziehen. Ich werde mich von Euch auf etliche Monden entfernen, und dann wiever kommen, um in Eurem Kreise mein mühseliges Leben zu enden. Dir Kuno! Du bist der Nächste meiner Burg, dir übergeb ich sie, und die Aufsicht über alle meine Vasallen. Lebt wohl, Freunde, lebt wohl! Er umarmte sie wechselweise, drückte jedem traulich die Hand, und eilte herab in den Burghof, wo ein muthiger Hengst schon gesattelt seiner harrte. Luz von Eckstein erboth sich, ihn auf seiner Reise zu begleiten, aber er widerstand diesem Antrag, und ließ sich verlauten, daß das Geheime seiner Reise nicht einmahl einen Knappen ihm erlaube mitzunehmen. Rasch schwang er sich in den Sattel, rasch don- n ce er zum Burgthore hinaus. Die Ritter sahen ihm lange nach, bis er sich zwischen den Bergen verlor. Dann ließen sie sich ihre Roße vorführen, und jeder von ihnen ritl rraurig seiner Burg zu. Auch Otto von Lhurnberg kehrte in sein Raubnest zurück, trat mit glühendem Gesichte in das Gemach, wo sein Sohn Meinhard seiner wartete, und warf knirschend mit den Zähnen den Helm auf den Boden. Gib das Schwert her, sprach er zu Meinharden, das wir durch Mord erbeutet haben, und der Sohn reichte es ihm. Im Augenblicke trat Otto mit gepanzertem Fuße, darauf, daß es in Stücke zersprang, und warf es beym Fenster hinab in den Strom, wo es in den Wellen versank. Meinhard. Vater!— Was habt Ihr gethan? Otto. Wir haben umsonst gemordet, Sohn! Rudolphs vergossenes Blut schreyt zum Himmel um Rache über uns!—Das Schwert ist falsch, ist nachgeahmt, das wahre droht in Brendö schreckbarer Hand Rache dem Mörder seines Vaters. 58 Auch MeinhardS Miene verfinsterte sich nun, auch in seinem Busen entflammte Reue über die schreckliche That, und beyde Mörder saßen sich nun gegenüber, tranken einander den vollen Humpen zu, um das laut klopfende Gewissen zu betäuben. Aber in Ottos Herz loderte neuerdings Rachsucht über die mißlungene That empor, er suchte Ruhe, warf sich auf sein Lager, und schlief— nicht, sondern brütete über einen Plan, der die Menschheit entehrte, und ganz eines Teufels, wie Otto, würdig war Als er des Morgens aufstand, rief er seinen Sohn zu sich: Geh, sprach er zu ihm, und verschaffe mir eine Pilgerkucte, ich habe einen Plan ersonnen, über den die Hölle selbst mir Beyfall zujauchzen muß/ Meinhard gehorchte, brachte das Pilgerkleid, Otto bekleidete sich damit, drückte den Hut in die Stirne, nahm den Stab in die Hand, und eilte zur Burg hinaus. Er suchte die Feinde des Hauses Alcenburg, seine Freunde vermied er, um nicht verrathen zu werden. Als schon bereits der Abend zu dämmern anfing, gelangte er vor dir Beste Veits von Haßenstein, von dem er wußte, daß er Rudolphs Feind war. Hier ließ er sich auf die Pilgerruhe nieder, und forderte Erquickung. Die Knappen und Knechte brachten ihm Brod und Wein, welches er gieriger verschlang, als wenn er drey Tage gefastet hätte. Erster Knecht. Wohin geht ihr nun, guter Alter? Otto In meine Heimach zurück, mein Sohn! Habe dort auch eine Burg und Weib und Kinder, und habe mich vergangen vor einem Jahr an einem Rirrer, und ihn im Zorne erstochen, deßhalb ich nach Rom gewallfahrtet, und mir vom heiligen Vater den Ablaß geholt habe. ZweyterKnecht. Habt wohl Ursache gehabt, daß ihr rhn gemordet, den Ritter? 5y Otto. Ja wohl! Hat er mir verführen wollen mein Weib, und hab ich ihn ertappt auf der That, und mein Schwert in sein böses Herz gestoßen. Dritter Knecht. War eine rasche That. Otto Aber ich habe sie auch mehr, dann tausendmahl bereut und nimmer eine ruhige Stunde gefunden. Großer Gott, dachte ich oft, wie muß dem seyn, der aus Vorsatz mordet. ErsterKnechr. Hu! Im Kampfe hab ich manchen den Kopf gespalten, aber vorsetzlich morden wollt ich nicht, und wenn mir die halbe Welt zum Lohn würde. Otto. Wohl euch! Wenn ihr dieses Gefühl habt.— O es gibt Menschen in der Welt, die einander um nichtige Sachen morden. Denkt euch zum Beyspiel einen Vatermörder! ZweyterKnecht. Schrecklich, fast unglaublich, wie könnte das ein Mensch seyn? Otto. Und doch gibts solche Menschen, wie ich noch heut gehört habe, als ich vor Altenburg vorbey zog. Dritter Knecht. Vor Altenburg, Alter erzählt doch! Otto. Da mordete auch ein Sohn seinen Vater! ErsterKnecht. Abscheulich!— Wie hieß denn dieser Sohn? O t t o. Brend von Altenburg. Die Knechte. Was? was? Brend von Altenburg? Sein Vater wurde ja im Walde erschlagen. Otto Richtig, im Walde, und der Mörder, sagt man in jener Gegend soll Brend, sein Sohn, seyn, Habsucht soll ihn zu dieser gräßlichen That verleitet haben. Sein Vater Rudolph besaß einen Talisman, ein großes Schwert, durck dessen Macht er ansehnlich uyd gefürchtet sich machte. Dieses Schwert selbst zu besitzen, mordete Brend seinen Vater. 6o ErsterKnecht. Vatermörder! Das ist schrecklich! Aber wie konnte Brend dieß, da er bey seinem Tode so getrauert, und Niemand einen Argwohn auf ihn warf. Otto. Wohl hatcs man im Anfange auf ihn keinen Verdacht, aber später entdeckte man unwider- legliche Beweise. Denn, als die zwey Knechte Ru- dolphs Leichnam im Walde fanden, da sahen sie, daß sein großes Schwert weg war, und spater fand man es bep Beenden, der es ohne Scheu öffentlich an seiner Seite trug. Zweyter Knecht. Wahr; denn, wenn Räuber Rudolphs Mörder gewesen waren, die hätten ihm entweder das Schwert gelassen, oder weggenommen, und wie konnte es hernach in Brends Hände kommen? Otto Zweytens vermißt man den alten Con» rad, Rudolphs Burggenossen, der ihn, als sie vom Ecksteine weggeritten, begleitet hatte. Wahrscheinlich ließ diesen Brend durch seine Gehülfen fangen, und in irgend ein Verließ seiner Burgen vergraben. Dritter Knecht. O harret hier noch ein Weilchen, lieber Alter! Ich will meinen Ritter her- abholen, damit ihr selbst ihm Liese neue Mähr erzählen möget. Der Knecht entfernte sich eilig, und kam bald mit dem Ritter Veit von Haßenstein zurück, der ganz Ohr war, als Otto seine verleumderische Erzählung wiederholte. Veit ließ dem Pilger Wein und Braten zum Lohne auftragen, und schwang sich sogleich auf seinen Gaul, um diese Neuigkeit seinen Freunden mitzutheilen. So machte es Otto nicht nur an diesem, sondern an mehreren Orten, und dieser schändliche Entwurf gelang. Es vergingen wenige Tage, und man fing schon an, diese Mähre sich in die Ohren zu fli- b. stern. Kaum verstrichen etliche Wochen, so wurde die Sage laut und offenbar, und Brend wurde überall für den Mörder seines Vaters gehalten. Des Grafen Freunde versammelten sich, staun» ten über die ungerechten Beschuldigungen, und da Brend selbst abwesend war, und sich nicht vertheidigen konnte, so verstummte die Sage bald wieder, und schwieg endlich ganz still, als etliche Monden verflossen waren, denn, da seine Feinde sahen, daß ihre Verleumdung wegen seiner Abwesenheit fruchtlos sey, hörten sie auf das Feuer zu schüren, dessen Flammen bereits um sich zu greifen begannen, und»ersparten die Ausführung ihres Plans bis auf Brends Wiederkehr. Lange harrten die Biedermänner der Ankunft ihres Freundes, aber sie harrten vergebens; denn seit seiner Abreise war schon mehr, als ein halbes Jahr verflossen, und noch kam er nicht. Eines Tages, es war ein herrlicher Morgen, da stieg der Lügner seiner Gewohnheit nach, auf die Warte, um in die schöne, weite Gegend hinaus zu sehen, und sieh da!— Ritter Brend kam, vorn auf dem Sattelknopfe ein Dirnel habend, auf die Burg zugeritten, so schnell, daß sein Rappe schäumte, und der Staub hoch aufflog. .Erfreut stieß der Lügner dreymahl in die Trompete, und die Knappen und Knechte eilten dem Burgthore zu, und empfingen ihren Herrn mit lautem Jubel.— Aber staunend blieben sie stehen, als sie die Jungfrau gewahrten, die vor ihm auf dem Roße saß. Sie wähnten in ihr eine Göttinn zu sehen, so schön war sie, und beugten ihre Häupter und Knie vor ihr. Sie stieg anständig vom Pferde, grüßte sie freundlich, und schwebte so leicht, wie ein Nebel, an Brends Seite über den Burghof, und verbreitete solch einen Glanz um sich, daß die Knechte jung und alt die Mäuler weit aufrissen, und einander in die Lhren ös raunten:»Alle Wetter!— Das ist ein Weib, wie ein Engel.« Schön war Mathilde,(so nannt« Beend die Jungfrau) schlank wie ein Rohr, blendend weiß, wie eine Lilie, und die Rothe ihrer Wangen glich der Morgenröthe, groß war ihr blaues Aug, das schüchtern um sich blickte, und bey Jedem, der sie ansah, Ehrfurcht erweckte. Sitz auf Kurd, sprach Brend zu seinem Knappen, sitz auf, und reite zu meinen Freunden und Vasallen, und sage ihnen, daß ich wieder gekehrt sey, und sehnlichst sie erwarte. Kurd sprengte fort, und bald kam Kuno de» Wilde, Siegfried von Feldeck, Koller von Rabenstein, Luz, der Ecksteiner, auch Otto von Thurnberg mit seinem Sohne Meinhard auf Altenburg, wo sich alle, theils aus Freundschaft, theils aus Verstellung seiner Ankunft freuten, und über Mathilden staunten. Neugierig zu wissen, wer sie sey, bestürmten sie Brenden mit Fragen, aber stumm blieb er, und entschuldigte sich, es müsse ihnen ein Geheimniß bleiben. Er führte Mathilde und die Ritter hinab in die Ca-- pelle, wohin Pater Wendelin schon beschieden war, und sprach:»Freunde! Hier seht Ihr die, welch» ich mir zur künftig»« Gefährtinn meines Lebens erkor. Wer sie ist, darüber hat Klugheit und mein Schwur einen Schleyer geworfen, und es muß fernerhin allen, auch meinen Freunden, ein Geheimniß bleiben. Vor diesen Altar führe ich Euch meine Brüder, damit Ihr Zeugen seyd meiner Verbindung, vor diesen Altare führe ich dich, schöne Mathilde, damit du hörest meinen Schwur, und schwöre— schwöre bey Ritterehre, bey meinem Gott dort über den Sternen, dir treu zu bleiben bis in den Tod— und nun schwöre auch du Mathilde.«— Und die Jungfrau legte ihre beyden Hände auf ihr Herz, und schwur:»Bey meinem Gott dort über den Sternen schwöre ich, dich zu lieben und zu ehren, dir treu, gehorsam und un- terthänig zu bleiben, so lang ich lebe!» Und nun befahl Brend dem Pater Wendel!», sie einzusegnen, aber er weigerte sich, und schützte vor, daß er des Abtes Erlaubniß dazu nicht hätte, und nicht wüßte, zu welchem Glauben sich Mathilde bekenne. Aber die Ritter redeten ihm hart zu, und er gab dazu seinen Segen. »Nun bist du mein Weib, Mathilde!« redet« Brend die Jungfrau an, und drückte einen langen Kuß auf ihre Lippen.»Neid und Rachsucht mag sich die Zähne ausbrechen an dem Geheimniß unserer Vermählung, und ich lache— lache meiner Feinde.» Jauchzend ging der Zug in den Saal hinauf, wo man auf die Gesundheit des jungen Brautpaars wacker trank, und betäubt die Schlafstellen suchte. Alles schlief, nur Meinhard wachte und seufzte. MathildcnS Schönheit hatte solch einen Eindruck auf ihn gemacht, daß er die Verwirrung nicht bergen konnte, die in seinem Innern vorging, und sein Vater vermochte leicht zu urtheilen, daß Liebe gegen Mathilden in rhm sich entzündet habe. Ihm war eS lieb; denn diese Leidenschaft konnte ihm zum Sporn dienen, mit dem er Meinharden zu Thaten anreihen, konnte, die zu seinen Absichten nöthig wären. Da sie am Morgen auS Altenburg eilten, faßte Otto Mein- hards Hand, und blickte ihm ins Gesicht. Otto. Du liebst, Sohn! Meinhard.(verlegen) Woher diese Frage, mein Vater? Otto. Deine Aufführung, dein schüchterner Blick, deine glühende Wange lassen mich urtheilen, daß du liebst,— und der Gegenstand deiner Liebe? Meinhard. Ach lasset mich schweigen; denn ich sehe ein, daß ich nie ans Ziel gelangen werde. Otto. Verjagen darfst du nicht, Sohn! Ein k>4 Mann, der standhaft in seinem Entschlüsse, und Muth hat etwas zu wagen, verzagt nie. Also der Gegenstand deiner Liebe?—- doch ich will dir das Eestandniß ersparen— Mathilde ist es, nicht wahr, Meinhard? Meinhard. O Vater!— sie, sie ist es; die Sonne des weiblichen Geschlechtes; die einzige unter den Tausenden, die mich beglücken könnte. Otto. Desto größer die Freude für mich, wenn ich dein Glück bewirken werde. Du sollst sie haben, Meinhard, aber Dank für Dank sey das Bedingniß, Leine Hand darauf! Erst stürze Beenden in den Staub, und dann sey Mathilde dein— dein auf immer. Meinhard. Um diesen Preis geh ich alles ein, befehlt, was soll ich thun, das eure Absicht bewirken konnte?— Soll ich ihn morden? Ihm entreißen das zauberische Schwert?— Aber doch— doch, was frommts, wenn Brend gestürzt ist, wie erlange ich dadurch Mathilden? Otto. Auf die leichteste Art, wir werden die Zeit abwarten, und nur kalte Zuseher vorstellen. Gib acht, Sohn! In kurzer Zeit stürzt das Haus Altenburg von selbst. Noch hat sich Brend des Verdachtes nicht entledigt, daß er seines Vaters Mörder sey, und sein Weib selbst wird den Grund zu seinem Untergänge legen. Man wird Mathilden für die Tochter eines feindlichen Landes, und ihren Mann für einen Vatermörder und Landesverräther halten, man wird Rechenschaft fordern von ihm, er wird trotzen, Nian wird ihn verfolgen. Altenburgs Feinde werden aufstehen, und dann werden wir sicherer im Trüben fischen können, dann wird es uns ein Leichtes seyn, unter diesen VsrwirrungenMathilden und dasSchwert an uns zu bringen. Meinhard. Und dann beginnt für uns ein bS fröhliches Leben.— Fröhlich ritten Beyde in Lhurn- berg ein, und freuten sich im Voraus der Zukunft. Weit und breit ertönte der Ruf von Mathil- dens Schönheit, Ritter und Damen besuchten Alten- bürg, um sie zu sehen, und rümpften die Nasen, als ihnen auf die Frage, wessen Herkunft Mathilde sey, kein Bescheid wurde. Sie fteckren die Köpfe zusammen, und Merken einander verschiedene Vermuthungen zu. Mathilde begann nun freyer um sich zu sehen, Sachsen gefiel ihr besser, als ihr rauheS Vaterland, und die deutschen Ritter schienen ihr höflicher zu seyn, als ihre Landsleute. Nur dann und wann, wenn sie sich ihres VaterS erinnerte, trauerte sie, daß sie so weit entfernt von ihm lebe, und da schlich sie gewöhnlich in den Burghain, um dort ihren stillen Betrachtungen freyen Lauf zu lassen. Einst strich sie auch so im Birkenwald« umher, da trat Mein- hard aus dem Gebüsche, fiel vor ihr auf die Knie, eröffnete ihr sein Herz, und forderte— Gegenliebe — aber mit Würde hieß sie ihn sich entfernen, und redete ihn also an:«Ritter! Wenn dieß bey Euch Deutschen so Sitte ist, so denkt, daß jedes Land darin von einander abweicht.— Denkt, daß mein Vaterland mich tugendhaft zu seyn lehrte, denkt, daß ich eine Fürstentochter bin.«— Dieß Letztere sprach sie in einem Grade von Zorn, denn nie war ihr noch so ein schändlicher Antrag gemacht worden, und vermochte sich kaum in ihrem Unwillen zu fassen. — Das Wort Fürstentochter hatte sie gern zurück genommen; denn als sie sich besann, sah sie ein, welch einen Nachtheil das einzige Wort ihr bringen könne, um aber ihrem Gatten alle Unruhe zu ersparen, beschloß sie diese Begebenheit zu verschweigen, und die Folgen dieser Uebereilung abzuwarten. Meinhard eilte zu seinem Vater, und berichtete ihm, daß Mathilde eines Fürsten Tochter sey, da Ritter Brend's Geist. E l'b staunte der alte Bösewicht, und unterließ nicht, diese Neuigkeit den Feinden Altenburgs bekannt zu machen. Was der rank-volle Otto seinem Sohne prophezeit hatte, traf ein. Altenburgs Feinde erblickten nun den Zeitpunct, Beenden zu stürzen. Auf einmahl brach die Sage los, und nannte den biederm Beend einen Vatermörder, Landesverräther, einen Ehrlosen, der die Rirtergesetze übertreten, und sich ein Weib genommen habe, ohne ihr Herkommen zu kennen, ohne zu beweisen, ob es stiftmaßig sey.^zeder sah ihn bedenklich an, jeder floh ihn, nur die uns schon bekannten Biedermänner blieben ihm treu, blieben seine Freunde.,.^... Man hielt Mathilden für dre Lochter irgend eines Slawischen Fürsten, und Branden für einen Verräther, der mir diesem Volke, das dazumahl das deutsche Reich sehr beunruhigte, in Unterhandlungen stehe. Seine öage wurde auf einmahl gefährlich, Mathilde weinte an seinem Halse, und er— sah zuvor das Gewitter, das sich über seinem Haupte sammelte, aber>— zitterte nicht. Er war Held, und trotzte iedem Unglücke, und both standhaft allen seinen Feinden die Stirn. Er glaubte Anfangs, es würde bloß bey dem Gerede bleiben, keine weitere Folgen haben, aber er irrte, Kaiser Heinrich hatte längst auf das Haus Altenburg Verdacht gehabt, und das Reichsgericht schickte sich an, die Beschuldigungen zu ahnden, die öffentlich über ihn ergingen. Eines Tages saß er neben seiner Mathilde, den Arm um ihren Nacken geschlungen, da trat hinein der Abt des nah gelegenen Klosters, Kummer in seinem Gesichte verkündigte ihn als einen üblen Bothschafter. Brend. Willkommen Herr Abt! willkommen auf meiner Burg! Euer finsterer Blick verkündet keine frohe Bothschaft.— Sagt, was bringt Ihr mir? 67 Abt. Was ich Euch immer gebracht habe, Herr Ritter!— meinen Segen! Wenn Ihr Euch anders durch unritterliche Thaten dessen nicht verlustig gemacht habt. Nr end. Ich wüßte nicht, Ehrwürdiger Herr! Abt. Ihr wüßtet nicht?— und doch scheint der ganze Gau nur Eine Zunge zu seyn, die von Euern Verbrechen redet. Ich komme auf Befehl meines Bischofs, Euch zu mahnen, zu warnen, abzustehen von Euerm Sündenleben, zurück zu kehren wieder auf den Weg der Tugend. Brend.(sich hoch verwundernd.)— Verbrechen? — Sündenleben?—Was redet Ihr?—Ich begreif' Euch nicht! Abt. Verachtet meinen guten Rath nicht, Ritter Brend! Brend. Noch einmahl, Herr Abt! Ich begreif' Euch nicht! Abt. Nun, so muß ich Euch den Spiegel vor'S Gesicht halten, in dem Ihr Eure Lasterrhatcn in ihrer höllischen Abscheulichkeit sehen mögt! Ist es wahr, wie die allgemeine Sage spricht, daß Ihr Mathilden zur Gefährtinn Eures Lebens machen wollt? Brend. Sie ist es bereits, Herr Abt! denn durch feyerlichen Schwur, im Beyseyn edler Ritter, habe ich sie zu meinem Weibe erkoren, durch den Segen des Priesters zu meinem Weibe erhalten. Abt. Ohne Eurer heiligen Mutter, der Kirche zu melden, ob sich Mathilde zu unserm heiligen Glauben bekenne? Brend. Der Vater aller Menschen ist auch Mathildens Vater. Sie ward durch seine Güte auS dem Staube hervorgerufen, wie wir, sie ward durch seine Vorsicht bis auf den heutigen Tag erhalten, wie wir, und danket ihrem gütigen Schöpfer, ihrem E 2 btz liebevollen Vater, und wohlthätigen Erhalter, wie wir. Abt. Da man Euch zum Ritter schlug, da gelobtet ihr an dem Altare recht zu handeln, und die Gesetze Eures Ordens zu erfüllen. Aber wie erfüllt Ihr sie? Beend. Ha! wer kann mich einer schlechten That überwerfen?..,^.. Abt. Befehlen sie Euch nicht ern Werb zu wühlen, das tugendhaft, von edler Geburt und stift- maßig ist?„ Beend. Mathilde ist tugendhaft, dafür bürg« ich mit meinem Schwur,— von edler Geburt, und stiftmaßig. Wer will mir bey meiner Wahl Gesetze vorschreiben? Abt. Euer Fürst,(zu Mathilden) Und warum wollt Jbr Eure Geburt nicht offenbaren, schöne Mathilde? Man halt Euch für die Tochter eines Slawischen Fürsten, die Deutschlands Feinde sind, ihr macht durch diese Meinung Euer» Gemahl zum Lan- desverräther! Brend. Und wäre sie's,— kann mich Jemand einer Verräthersy zeihen? Abt. Warum wollt Ihr das Geheimniß eures Schwertes nicht kund machen? Warum tragt Ihr es den Rittern Sachsens zum Spott und Höhne? Beend. Um zu zeigen, daß ich den Bund der Freundschaft ehre, daß ich Macht habe, mich gegen meine Feinde zu vertheidigen. Abt. Wir nehmen das, was Ihr sagt, als wahr an. Woher habt Ihr nun diese Macht?— Entweder auf eine übernatürliche Art durch den Besitz des Schwertes, oder durch Verrathercy und Em- verstandniß mit den Feinden. Beyde Falle sind sträflich, beyde heischen Ahndung. Brend. Die Macht, Herr Abt, die ich besitze, 6<) liegt nicht in dem Schwerte, sie liegt in Meiner Herzhaftigkett, in meiner Faust. Jeder Andere, der sich meines Muthes, meiner nervichten Faust rühmen kann, wird die nähmlichen Thaten mit dem Schwerte verrichten, die ich verrichtet habe. Abt. Mäßiget Eure Hitze, Herr Ritter! Ich bin nicht gekommen mir Euch zu hadern. Mein Bischof sandte mich, liebreich Euch eines Bessern zu belehren, Euch mit Sanftmuth zu mahnen, Euch, als ein verirrtes Schaf aufzusuchen, und wieder zurückzuführen in den Schooß der Kirche. Brend. Habt Dank, ehrwürdiger Vater, für Eure Mühe! und meldet auch diesen Eurem Bischöfe für seine väterliche Sorge. Abt. Zuletzt noch eine Frage? das Gerücht macht Euch zum Mörder Eures Vaters, um durch seinen Tod sa eher in den Besitz deü zauberischen Schwertes zu gelangen. Brend.(auffahrend) Mich zum Mörder meines Vaters?— Suchet den ruchlosen Bösewicht unter denen auf, die mich des Mordes beschuldigen, dieß unerhörte Bubenstück muß die Hand des Rächers auf seine Stirne gestämpelt haben. Ha l teuflische List meiner Feinde! Mich zum Mörder meines Vaters?—— Wer wer zeiht mich dieser That? Abt. Ganz Sachsenland; denn sie ist klar, wie die Sonne am Mittag. Wie kam das Schwert in Eure Hände, da es Rudolph trug, und der Mörder es ihm weggenommen hatte? Brend. Und wenn ich Euch auflösen wollte dieses Räthsel, Ihr würdet mir nicht trauen.—> Aber der Tag wird auch kommen, an dem die Sonne meine Unschuld bescheinen soll Für jetzt bleibt meine Zunge gebunden, und dieß Schwert, als daS einzige Mittel zu meiner Vertheidigung, mir in der Hand. ?o A b t. Noch ein leichterer Weg, mein Sohn! bleibt Euch zur Rettung offen. Uebergebt Mathilden dem Kloster, und Euer Schwert dem Reichsgericht zur ewigen Aufbewahrung! Brend. Mathilde ist mein Weib, vor Gottes Altare schwur ich ihr den Eid der Treue, deß sind meine Freunde Zeugen, sie ist mein Weib, und nur der Tod kann sie mir entreißen. Abt. Und das Schwert. Brend. Ist mir ein Heiligthum geworden, um meines gemordeten Vaters willen, ist mir viel zu werth, als daß ich es je aus meinen Handen geben sollte,—(Er zieht das Schwert) Nein liebes Schwert! Treuer Gefährte meines Vaters! Zeichen der reinsten Freundschaft!— Nein! ehe stürze des Himmels Decke, ehe sollen mich meine Feinde unter die Trümmer dieser Burg begraben, ehe ich dich verlasse. Abt. Verblendeter!— Eröffnet Eure Augen! Ihr steht am Rande des fürchterlichsten Abgrundes— laßt Euch zurückführen!— Sonst— sonst fluchet Euch die Kirche,— sonst fallt Ihr in die Acht! Brend. Ha! Ehe ich des beschuldigten Verbrechens überwiesen bin? Abt. Nur aus Rücksicht gegen die Verdienste Eures jüngern Bruders Albrecht läßt Euch der Kaiser die Wahl bis zu Sonnenuntergang! Sonst wird Eure Ehre gebrandmarkt, Euer Nahme ein Spott der Kinder und Weiber, Ihr werdet ausgestrichen aus dem Buche der Edlen, und unstät und unsicher Eures Lebens, als ein Geachteter herum irren müssen. Bren d. Heinrich— Heinrich! Dessen Stütze Altenburg war?— O unmöglich! So undankbar kann Heinrich nicht seyn! Abt. Noch einmahl, Herr Ritter! Kehret zurück! Verlaßt den Sündenweg! Folget dem Rathe eines Greises, dem Eure Wohlfahrt wie einem Vater am Herzen liegt! 7» Mit diesen Worten verließ der fromme Abt Bren' dens Gemach, und begab sich nach seinem Kloster zurück.— Machilde fiel weinend ihrem Gatten um den Hals. O mein Brend, stöhnre sie, wie wird es uns ergehen? Brend.(mit Fassung) Gut, liebes Weib, gut. Verzage nicht! Die mächtige Hand der Vorsicht wird uns schützen, wird meiner Unschuld vielleicht eine Weile vorenthalten den Sieg, aber gewiß nicht versagen.— Sammle dich, gute Mathilde! Denn, wenn alle Stricke reißen, so gewahrt uns dein Vater eine Zuflucht. Ich werde aber erst alles versuchen, und das Aeußerste abwarten.— He Kurd! Sattle meinen Rappen! Ich will zum Burgvogt des Bischofs, vielleicht vermag dieser die Fehde zu schl-.chtom, das Gewitter abzuleiten, das sich über Altenburg zusammen zieht. Ritter Waldeck war ein Freund meines Vaters, wird auch der meinige seyn, vielleicht ist er un Stande die Sache bey dem Bischof, und dieser bey dem Reichsgerichte zu vermitteln. Er schwang sich auf seinen Rappen, und sprengte fort. Mathilde warf sich auf die Knie und seufzte. »Du, dort oben, großer Gott, der du aller Menschen Vater bist, leite unser Schicksal, sey die Stutze der Unschuld, und-nach- zu Schanden unsere Feinde vor den Augen der Welt! Laß ihn glücklich ziehen, Meinen Gemahl, und siegen über die Bosheit seiner Verleumder!« Da stand die Weinende auf von der Erde, ihr Herz klopfte laut; denn Furcht und Angst hatten sich ihrer bemächtigt. Drey Tage, die ihr eine Ewigkeit zu seyn schienen, verflossen in banger Erwartung, als die Verlassene sich auf die hohe au)urm- warle erhob, um ihrem Brend entgegen sehen zu können. Sehnsuchtsvoll blickte sie hinaus in die weite, unübersehbare Ebene, und wähnte in jeder aufsteigenden Staubwolke ihren Gemahl kommen zu sehen. 72 — Nach lange»! Harren kam er endlich daher gestürzt, wie ein Sturmwind, daß sein Roß schäumte, und die Steine aus dem Burghofe Feuer sprühten.' Mathilde eilte ihm entgegen, und flog in seine Arme, aber wie erschrack sie, als sie Rudolphs großes Schwert blutig in seiner Hand erblickte, und seine Augen vor Zorn und Unmuth funkeln sah. Es ist vorbey, keine Rettung, keine Hülfe mehr, sprach Brend, und drückte seine leidende Gattinn zärtlich an seine Brust. Mathilde. O mein Brend! Was hast du gethan? Brend. O mein Weib—meine Mathilde! wie wandelbar doch die Menschen sind! Ritter Waldeck, der sonst biedere Waldeck, der Freund meines Vaters, ist nun der gefährlichste meiner Feinde, chch kam zu ihm, erzählte ihm die verläumderischen Lügen, mit denen die Bosheit meiner Feinde meinen guten Leumund angegrifert, bath, flehte, beschwor ihn um seine Vermittlung bey dem Bischof, aber der gedungene Bube schalt mich einen Landesverrälher, einen Vatermörder, und auf seinen Wink waren bewaffnete Knechte, und Hellebardierer in's Gemach gedrungen, mich zusahen. Im Nu war mein Schwert gezogen— mit Rudolphs mächtigem Schwerte bahnte ich mir den Weg zur Freyheit. Ich hieb, wie ein wüthender, in die feile Rotte, auf meinen beyden Seiten fielen die Knechte, als ob ein Würgengel sein Schwert gezückt hätte, und— entfloh. Vorbey ist's nun mit unserer Ruhe, mit jeder Stunde werden sich unsere Feinde mehren, und uns verfolgen. ^ Brend irrte nicht. Des Morgens am andern ei.age fand man am Burgthore den Aechtungsbrief angenagelt, allen seinen Vasallen und Knechten wurde, wenn sie ihm ferner dienten, fernere Hülfe ihm leisteten, mit schwerer Strafe, ja sogar mit dem Fluche der Kirche gedroht. 7? Da wollte nun unserm tapfern Brend auch bangen; denn er sah die traurigen Mienen seiner Knechte, sah, wie sie die Köpfe zusammen steckten, nach und nach ihn verließen, und bis auf ungefähr dreyßig, die ihrem Herrn bis in den Tod treu zu bleiben entschlossen, flohen. Sorgfältig ließ er jetzt die Rüstkammer öffnen, die Schwerter wetzen, die Lanzen spitzen, und Steine in die Burg hinauf führen. Die Bekanntmachung der Acht, war die Losung zu seinem Untergänge. Seine Feinde rüsteten sich, zogen vor seine Burg, und wagten drey hartnäckige Stürme, die Brend mit seinen dreyßig getreuen Knechten tapfer zurück schlug. Auch Otto von Lhurn- berg fand es bereits für gut, die Larve abzuziehen, und kam mit hundert fünfzigen seiner Knechte vor Altenburg, um wider den bedrängten Brend zu streiten, darüber ergrimmten die Biedermänner, des jungen Grafen Vasallen, sammelten einen Haufen tapferer Krieger, schlugen, unter der Anführung des alten Kuno, die Stürmenden zurück, und zogen trium- phirend in Altenburg ein, ihrem Freunde ferner bey- zustehen. Vor ihrer Ankunft befand sich Brend schon in solcher Noth, daß er bald der Macht der Belagerer hätte nachgeben müssen. Wie freute er sich jetzt, da er sah, daß seine Vasallen ihm treu geblieben, und die Stürmenden zerstreut hatten, er schüttelte jedem treuherzig die Eisenhand, und jeder von ihnen schwur alles für ihn zu wagen. Schnell wurden alle mögliche Anstalten getroffen, die Neuangekommenen gut zu bewirthen. Er ließ die Keller öffnen, Wein herauf hohlen, und den Reisigen vorsetzen, da gab's nirgend großem Jubel, als in Altenburg,— aber er währte nicht lange. Auf die wiederholte Drohung mit schwerer Strafe und dem Fluche der Kirche, verstummte der fröhliche 74 Becherklang; Wein blieb in den Humpen stehen, bis er säuerte, die Knechte steckten ihre Schwerter traurig in die Scheide, und täglich verloren sich Haufen von Reisigen aus der Burg.- Brends Vasallen donnerten und fluchten, allein es half nichts, die Knechte flohen, und in kurzer Zeit war Alrenburg^o blank an Kriegern, wie sie es war, als die Ritter die Stürmenden zerstreuten. Da wollte es nun den Rittern auch anfangen, übel zu Muthe werden, obschon sie eine fröhliche Miene annahmen, um Mathilden und ihren Brend zu trösten; denn Altenburgs Feinde hatten sich wieder gesammelt, und waren mir doppelter Macht herangerückt. Dem Alrenburger entgmg Nicht die Verstellung seiner Freunde, er merkte nur zu gut den Kummer, der unter ihrer Herzhafrigkeit hervor blickte, und wollte eben seine Unruhe bergen. Daß keine Rettung, kerne Hülfe mehr möglich sey, war er überzeugt, und es blieb ihm kein anderes Mittel, als die Flucht.— Wie aber fliehen, da die Feinde die Burg von allen Seiten umringt hielten, und Altenburg kein Raubnest war, keine verborgene, unterirdische Gänge hatte?— Er mußte seine Rettung der Zeit überlasten, und beschloß, sich so lange als möglich zu wehren, und in Alrenburg zu verweilen. Als Brend dieses genauer überlegte, war es eben Nacht, und er ging auf dem Walle herum, um nachzusehen, ob alles in gutem Stande wäre. An der Hintern Seite der Burg, wo sie am wenigsten bewacht war, sah er, daß die Schanze viel von dem neulichen Sturm gelitten hatte, indem die Feinde mit den Mauerbrechern eine große Lücke hinein gemacht. Gleich dabey sah er einen Reisigen wohl gepanzert, und mit einem langen Spieye bewaffnet, beym Feuer stehen, und erkannte in ihm den starken Kurd. Nr end. Was machst d» hier, Kurd? Kurd. Meinen Dienst, Ritter! Ich habe die Wache. Nr end. Und fürchtest du dich nicht vor den feindlichen Pfeilen, die dich hier treffen können? Kurd. Ich diente Eurem Vater fünf und dreyßig Jahre, und nie hat er an mir ein Zeichen der Furcht bemerkt. Brend. Gott lob! Gott lob! Noch hab' ich tapfere Männer zu meinen Freunden! Kurd. Schier sollte mich Euer Mißtrauen in meine Treue verdrießen, edler Graf! Wäre Euer Vater in dieser Lage gewesen, gewiß, er hätte nichr so gesprochen. Der kannte seinen Kurd besser.»Kurd geh, sprach er, thu dieß und jenes, und Kurd ging, und wagte für ihn Leib und Leben. So sollet Ihr, traun! auch thun, edler Graf! Oder glaubt Ihr, daß es einen gemeinen Knecht nicht schmerzt, wenn man Zweifel in seine Treu und Redlichkeit setzt? Brend(ihm die Hand schüttelnd). Vergib mir, braver Kurd! Du bleibst mir also treu? Kurd. Bis in den Tod, edler Herr! Mit Euch will ich fechten und sterben. Voll süßer Gefühle eilte der Graf hinweg. Es -var ihm, als wenn ein Stein ihm vom Herzen gefallen wäre, so erfreut hatte ihn des Knechtes Treue, und er beschloß, mehrere so auf die Probe zu stellen, und siehe— Noch war er nicht arm an Knechten, er fand ihrer Viele, die es treu mit ihm meinte». Da flog er hinauf in s Gemach, und warf sich seiner Mathilde in die Arme. O meine Mathilde, stotterte er, es gibt noch gute Menschen, ich habe noch Freunde. Seine Vasallen waren noch wach, sie saßen bey der Gräfinn im Kreise, und berathschlagten sich über den gegenwärtigen Zustand, da erscholl in der ganzen Gegend ein Kriegsgeschrey, und Trompetengctöne, Waffen klirrten, Pfeile zischten. Brend riß das Fenster auf, und Himmel! was sah er?—-Eine förmliche Schlacht. Fackeln erleuchteten die Gegend, grau geharnischte Elsenmänner fochten wider die feindlichen Krieger, fochten lange, und erlangten den Sieg. Brend und disRil-ter wollten herbeyeilen; aber herein trat ein Mann, mit grauem Haupte, und einem Silberbart, der ihm bis an die Knie h-rabstoß, gekleidet in einen langen Talar: sechs grau geharnischte Männer, mit Fackeln und Hellebarden versehen, begleiteten ihn.»O mein Vater!« stammelte Mathilde, als sie seiner ansichtig ward, und siel ohnmächtig nieder. Brend eilte auf den Greis zu, die Ritter stutzten, und der Unbekannte küßte Mathilden auf die Stirn.»Nur Euch sehen wollt ich,« sprach er,»nur Luch retten. Lebt wohl!«— Und eilends wandte er sich um; und verschwand aus der Burg. Da stand Brend staunend, und glaubte zu träumen; da er aber in die Ebene hinaus blickte, und weder seine Feinde, noch die grauen Krieger sah, da überzeugte er sich, daß es kein Traum gewesen war. Mathilde erhohlte sich wieder, die Ritter standen, wie versteinert, fragten endlich: aber Mathilde seufzte, Brend blieb stumm, und blickte schüchtern an sein Schwert, das an seiner Seite hing.(Nach einer Pause das Schwert aus der Scheide ziehend und küssend.) Nein— nein!—^Nie sollst du aus meiner Hand, nimmer von meiner Seite kommen, mächtiger Rächer meiner Feinde, einziger, treuer Retter in Verzweiflung und Gefahr! Alle Kronen der Erde wiegen deinen Werth nicht auf'- Nein— nein— alle Elemente mögen sich wider mich verschworen haben, in deinem Besitze spotte ich ihrer Macht.(Er küßt es nochmahls, und steckt es in die Scheide.) , Jetzt glaubten die Ritter überzeugt zu seyn, 77 daß das Schwert eine geheime Kraft besitzen müsse; denn daß es bey dieser letzten Begebenheit nicht natürlich zuging, schien ihnen unlaugbar zu seyn. Auch die Reisigen steckten die Köpfe zusammen, und sprachen von Geheimnissen; aber da sie ihrem Herrn unbedingt treu waren, dachten sie nicht viel daran, und freuten sich nur, daß er gerettet sey. Brends Vasallen riethen ihm nun zur Flucht, weil sie jetzt freyes Feld, und keine Gefahr zu befürchten hatten, überlange war er dazu nicht zu bringen; erst nach etlichen Wochen, als die Feinde sich wieder zu sammeln begannen, und wegen ihrer geringen Anzahl sich in die Wälder versteckten, da beschick er seine Freunde in seine Burg, wo auf dem Hos drey gesattelte Pferde standen, und redete sie also an: -Freunde, ich muß fliehen, für Eure Treue dank ich euch, und werde stets Eurer gedenken. Zwar könnt' ich mich rächen, oder auch ein Heer nach Sachsen führen, und mich in dem Besitz meiner Güter befestigen, aber ich mag mich dem undankbaren Vaterlande nicht aufdringen. Ich fliehe mit meinem Weibe hin, in ein besseres Land, wo es Menschen gibt, roh und ungesittet, aber bieder und edel von Herzen. Wo es ist, dieses Land, muß euch ein Geheimniß bleiben; auch darf mich Niemand begleiten, als mein treuer Kurd, den ich mir zu meinem Gefährten erkiesen habe.« Hierauf schüttelte er den anwesenden Rittern die Hand, betäubt standen sie da, und Thränen flössen über ihre narbigten Wangen. Brend, Mathilde und Kurd schwangen sich auf die Pferde, ein dumpfes: Lebt wohl! erscholl in der ganzen Burg, und das getreue Kleeblatt verschwand hinter den Bergen. 79 beständigen Kriege und Streitigkeiten, die unsern guten Kaiser Heinrich gleich beym Antritte seiner Regierung umgaben, verstatteten Albrechten von Altenburg nicht, auf seine Heimath zu denken, und sich um die Umstände des väterlichen Hauses viel zu bekümmern. Gleich iin ersten Jahre trat Bernhard von Schwaben und Arnolph von Bayern auf, und wollten dem Kaiser die Krone streitig machen, aber Heinrich hatte eine Stütze, die vermögend war, seinen Thron aufrecht zu erhalten. Albrecht war es, der jüngere Wohn Rudolphs, der würdige Bruder Brends. Er war ein Mann, den Tapferkeit und Klugheit auszeichneten, der sich durch die kühnsten Thaten in ganz Deutschland berühmt machte. Schon, als Heinrich noch Herzog in Sachsen war, als er es mit Erbangen, Bertholt» von Schwaben, und Ar- nulph von Bayern wider den Kaiser Conrad hielt, schon damahls diente er ihm treu: er war kaum achtzehn Jahr alt, und schon Feldherr der sächsischen Truppen, die im Jahre gib den großen Sieg wider Eberharden, Kaiser Conrads Bruder, bey Ehresburg erfochten.— Männiglich schrieb man den Sieg der Klugheit und Tapferkeit Albrechts zu. Heinrich liebte ihn wie seinen Bruder; wo er war, war auch Albrecht. Heinrichs Kaiserwahl widersetzten sich Burkard, Herzog von Schwaben, und Arnolph von Bayern, aber Albrecht trieb sie bald zu paaren; denn der erstere unterwarf sich sogleich, als er Albrechten an der Spitze des kaiserlichen Heeres sah, und der letztere folgte seinem Beyspiel, und verglich sich mit dem Kaiser. Indessen bemüht sich Carl der Einfältige, Kö- lUZ von Frankreich, Elsaß und Lothringen unter sei- 74 ne Bothmäßigkeit zu bringen. Heinrich hätte ihn nicht gefürchtet, hätten ihn nicht die Hunnen und Slaven auf der andern Seite bedrohet. Er war gezwungen, sich mit ihm zu vergleichen, und dieser Vergleich sollte in Rom vor sich gehen. Der Kaiser zog dahin, und Albrecht begleitete ihn. Während dieser Zeit wurde indeß in Sachsen Rudolph ermordet, Brend geächtet und aus seinem Vaterlande vertrieben.— Heinrich wußte zwar von allem, aber er wollte das Herz seines Albrechts nicht kränken, und schwieg.— So geschah es, daß der jüngere Sohn Rudolphs gänzlich unbekannt blieb mit dem Schicksal, das sein väterliches Haus betraf. Zwar sprach man hie uud da in Rom davon, allein es waren nur Muthmaßungen, und Albrecht konnte zu keiner Gewißheit gelangen. Es mußten ihn auch wohl bloße Muthmaßungen in Kummer und Sorgen setzen; er hatte bereits über vier Jahre weder Vater noch Bruder gesehen, weder Nachricht bekommen von ihnen, und nun sprach man von Vatermord und Acht, und die Sage schilderte seinen Bruder als einen Vatermörder und LandeSverräther.— Schon wollte er Hinreisen in seine Heimath, um sich zu überzeugen, aber noch erlaubten es die Umstände nicht, noch arbeitete man an dem Vergleiche, den Heinrich der Kaiser mir Carl» von Frankreich schließen wollte. Eines Tages ging Albrecht aus, Roms Merkwürdigkeiten zu besehen, da trat ein Mann, alt und gebeugt, in einen Mantel eingehüllt, mit tief in die Stirn gedrücktem Hute auf ihn zu.— Albrecht stand, und faßte ihn scharfer in's Auge.— Himmel! Es war der alte Paul, Rudolphs Knappe, der ihn erzogen, ihn fechten und reiten gelehrt hatte. Was muß mir der für Neuigkeiten bringen, dachte er, und das Herz schlug ihm hoch; denn die Sage von Vatermord und Acht trat jetzt vor seine Seele. Auch 8o der alte Paul stutzte, als er Albrechten gewahrte, erkannte ihn, fiel ihm zu Füßen, umarmte seine Knie und stotterte:»O mein edler Herr!«— indeß ihm Thränen über die"bärtigen Wangen flössen. Albrecht(den alten Paul von der Erde aufhebend). Lieber, lieber Paul!— Was bringst du mir? Wie geht es heim?— Lebt mein Barer? Was macht mein Bruder? Paul. Wohl, wohl mir'', daß ich noch einmahl Eure Knie umfassen kann?— Ach mein Zögling! Edler, edler Graf! Albrecht..Laß das Winseln, Paul! Was macht mein Vater? Paul. Er schlummert. Albrecht. Schlummert? Paul. Um nie wieder zu erwachen. Albr ech t(erschrocken). Todt also, Paul,— todt? Paul. O dürfte ich nicht der Böthe dieser Schreckenspest seyn?— Dürste ich nicht Eure Klagen hören, edler Herr! O Gott!— Auch dieses noch. Es bricht mir das Herz. Todt ist Euer Vater, lange todt! Diese Nachricht war ein Dolchstich in Albrechts Herz; er faßte all seine männliche Kraft zusammen, und mühte sich, die Thränen zu unterdrücken, die in seinem Auge perlten, aber vergebens; obschon er Held war, blieb er doch Mensch, doch Sohn eines geliebten Vaters. Er blickte den Alten an, die Thräne entrann dem Auge und über dieWange herab.— Endlich sammelte er' sich. Albrecht. Ruhe sey seiner Asche!— Er war ein Biedermann.— Und nun, Paul, erzähle!— Wenn starb er? Paul. Vorigen Sommer, am Sr. ErasmuS- Tage. 8, Albrecht. Und ich konnte nicht dabey seyn, konnte ihm nicht die väterlichen Augen zudrücken! Paul. Luch Euer Bruder war nicht dabey, er war schon rodt, als ihn die Knechte im Walde fanden. Albrecht(stutzend). Was sagst du, im Walde? Rede, rede! erzähle alles— alles, wie es sich zugetragen!— O mein Herz! sey standhaft, du wirst schreckliche Neuiqkeüen hören! Paul. Ihr wißt, edler Graf, was für Fein- de Euer verstorbener Vater sich durch den Besitz deS Wunderschwertes zugezogen hatte. Niemand als er und der alte Conrad mußren um das Geheimniß, und Jedermann hielt es für einen Talisman, durch dessen Macht Rudolph so hoch gestiegen. Natürlich mußten alle darnach geizen Ungefähr acht Wochen vor St. Erasmus-Lage beschloß Graf Rudolph ein Fest zu geben auf Altenburg, und ritt zu diesem Ende, nur von dem alten Conrad begleitet, rund umher zu allen seinen Freunden, sie einzuladen. Da lauerten ihm seine Feinde auf, aber glücklich überwand er sie alle; doch wurde er so heftig verwundet, daß der alte Conrad ihn auf seinem Rücken nach Altenburg bringen mußte, von denen er auch bald wieder genas. Seine Freunde freuten sich der Wiederherstellung, und Luz von Eckstein lud alle auf seine Burg Dort wurde gejubelt und tapfer gezecht, und da sich nach und nach alle Gäste verloren, blieb der Graf noch oufLuzens Burg zurück. Endlich brach er in Csnrads Begleitung auf. Luz begleitete ihn drey Meilen hinter dem Ecksteine, und schied dann von ihm. Noch diesen Tag erwarteten wir ihn, aber er kam nicht, sondern, als am andern Morgen zwey Knechte aus Altenburg ausgingen, fanden sie ihn im Walde ermordet. Albrecht(starrend). Ermordet, Paul, ermordet?— Mein guter alter Vater ermordet?(seine Ritter Vrend'L Geist. F 82 Hand sagt unwillkuhrlich den Schwerrgriff.) O sag es, o sag es noch einmahl; ich kann ihn nicht fassen, diesen schrecklichen Gedanken, sag es noch einmahl! er-mordet, mein Vater! Paul. Drey Dolchstiche fand man in seiner Brust. Albrecht. Dolchstiche?.— So fiel er nicht im Kampfe? So wars feiler Mord? Nenne ihn mir, den Mörder, damit ich ihn kenne. O ich will mich in einen Tiger verwandeln, ich will sein verruchte» Herz ihm aus dem Leibe reißen, und mit meinen Handen zerstücken.— Nenne— nenne mir ihn! Paul. Wenn ich Euch den nennen sollte, den die Sage für Rudolphs Mörder ausgibt, Euer Haar würde sich empor sträuben, Euer Herz wür- bersten vor Schmerz. Albrecht. Und wenn ich die Entdeckung des Mörders in der Hölle suchen sollte, so muß ich ihn kennen, muß meinen Vater rächen, und eher sey mir keine Ruhe verliehen auf Erde, kein Funken von Freude labe mein Herz, bis ich den Meuchelmord meines Vaters auf eine teuflische Art gerächt habe! Sage, Paul, wer ist es, den die Sage für den Mörder hält! Paul. Brend von Alrenburg. Albrecht(Zusammenfahrend). Ha! Mein Bruder! Hölle, frohlocke, du hast einen Bösewicht ohne Gleichen geboren! Paul— Paul! dieß bricht mir das Herz. Der gute—gute Brend! Wie fromm er war in seiner Jugend, wenn wir mit einander spielten, im Laubengange fechten lernten, und nun Vatermörder!(Entrüstet) Ha, daß man den Teufel vom Sohne zum Hochgerichte schleife, und sein Haupt auf den Spieß stecke, zum ewigen Andenken einer so widernatürlichen, unerhörten That! Paul. Nicht so, edler Herr Graf! Brend ist 8Z Euer Bruder; und sterben soll ich sähen TodeS auf dieser Stelle, wenn er Schuld ist am Morde seines Vaters. Albrecht(frischen Muth fassend). Was sagst du, Paul, mein Bruder wäre unschuldig? Paul. Herr Graf! Brend war mein Zögling, wie Ihr; ich kenne sein Herz, es ist bieder und edel. Zwar zeugen viele der Umstände wider ihn: zwar scheinen seine Feinde ihn überwiesen zu haben, aber selig will rch nicht werden, wenn ich falsch spreche, und mein letztes Wort am Rande des Grabes soll seyn: Brend ist unschuldig. Albrecht. Deine Aussage, lieber Paul, ist mir der kräftigste Beweis seiner Unschuld. Rüste dich al,o, Paul! Noch einmahl müssen deine alten Knochen in's Feld, ich will nach Sachsen ziehen, will auftreten als Rächer meines Vaters, als Rächer meines Bruders. Ich will ihn in meinen Schutz nehmen, und zerstieben sollen seine Feinde, wie Spreu im Winde. Paul. Wenn Ihr ihn gefunden habt, edler Herr! Ach/ welche Erde setzt seinen Körper trägt, das weiß Gott!— O, noch viel hab ich Euch zu erzählen des Unglücks, das Euer väterliches Haus betraf. A lbrech t. So erzähle; ich bin gefaßt auf alles; mein Gefühl ist stumpf, meine Empfindung schweigt, aber wenn sie einmahl losbricht, dann wehe AltenburgsFeinden.— Erzähle! Paul. Acht Wochen ungefähr vor seiner Ermordung, als er das erste Mahl meuchlings verwundet ward, und sich dem Tode nahe glaubte, gab Graf Rudolph Eurem Bruder einen geheimen Auftrag wegen dem Schwerte, und nach seinem Tode machte sich Brend bereit, sich desselben zu entledigen. Zu diesem Ende reiste er, von keinem Menschen F- L4 beql-itet, ab; Niemand mußte wohin; und als er nach lanaer— langer Zeit wieder kam, brachte er sich ein Fräulein mit' schlank und wunderschön, und nahm sie zu seinem Werbe Alles stutzre— Machildens Herkunf: war jedem ein Geheimniß, auch mir Herr- auch nur blieb es das. Da standen Eures Bruders Feinde auf, entrüstet über seine Verschwiegenheit, und nannten ihn erneu Vatermörder und La-'.deöverracher. Sie hielten Mathilden, so nannte der Gras seine Gemahlinn, durchgehends für eine Herdinn; aber trotz diesem Argwohne war sie so gut, so bieder und edel, wie vielleicht kern Weib im ganzen Sachsenlande war. Albrecht. O Schicksal, warum entferntest du mich von meinem väterlichen Hause, warum konrw te ich kern Zeuge der tückischen Anschläge unserer Feinde seyn, tue es so gewaltig erschüttern? Paul. Das Reichsgericht fing an, die Thaten, deren die Sage Euern edlen Bruder bezüchrigte, zu ahnden; es ward ihm die Wahl, Mathilde» in ein Kloster, und das Schwert an das Reichsgericht zu liefern, oder geächtet zu werden; da er sich aber zur Auslieferung nicht verstand, und seine Unschuld zu beweisen nicht vermochte, traf ihn die gedrohte Acht. Albrecht. Traf ihk die Acht— O schändlich — schändlich— abscheulich! Paul D s waren Euch nun traurige Lage auf Alcenburg. Brends Feinde rüsteten sich, ver- mehrten mit jedem Tage ihre Macht, stürmten mit verzweifelter Gewalt aus uns, aber des Grasen? Muth,ge Vasallen, und dreyßig der Knechre, die dem gedrängten Herrn treu geblieben waren, schlugen sie tapfer zurück.— Endlich sahen wir uns unvermögend, langer zu streiten, länger ihren wiederholten Anfällen zu widerstehen; da entschloß sich Brend zu fliehen, machte den gefaßten Entschluß seinen Va- 85 fallen kund, rief mich unbemerkt auf die Seite, und sprach:»Suche meinen Bruder auf, und thu ihm kund das Schicksal seines väterlichen Hauses, sage ihm, daß ich geflohen bin auS meinem Vaterlan- de, und daß er sich mcht mühen soll, mich aufzusuchen, weil nur ein außerordentlicher Zufall es seyn müßte, der mich ihm bekannt werden ließe. Ich werde ihn vielleicht nie, vielleicht einst verborgener Weise wieder sehen. Sage ihm, daß ich ihm wünsche, glücklicher zu seyn, als ich es war, und daß er den Tod unsers VaterS rächen— schrecklich rächen möge!« Dann wandte er sich zu seinen Vasallen und Knechten, und redete sie also an:»Meinem Bruder Albrecht vermache ich meine Burg und all meine Habe, schrecklich will ich es ahnden, wenn ihm das Geringste davon entwendet würde« So sprach er, schwang sich sammt Mathilden zu Roße, und ritt, nur von dem einzigen alten Kurd begleitet, mit Windesschnelle davon. Auch ich verbarg mich in diesen Mantel, um unentdeckt durch die herumstreifenden Feinde zu kommen. Als d ess Eures Bruders Abzug erfuhren, fielen sie über die Burg und zündeten sie an. Ich war eben eine Meile weit geschlichen, und sah Altenburg lichterloh br nnen.— — Edler Graf! ich vermochte ihn nicht zu ertragen, diesen Anblick; sechs und fünfzig Jahre hatte ich in dieser Burg gelebt, hatte ihre biedern Bewohner gekannt, und nun mußte ich diese Wohnung des Friedens im Rauche aufgehen sehen. Nur mit Mühe kroch ich fort; nur mit Mühe gelangte ich hieher zu Euch, und freue mich, einmahl noch Eure Knie umfassen zu können. Ich habe meine Jugend in Eures VacerS Dienste verschwendet, verstoßt mich nun nicht im Alter! Ihr seyd der Letzte Eures Stammes, verweigert mir nicht die Freude, bey Euch zu seyn! Morsch sind meine alten Knochen, verlassen bin ich von-'l- 66 len; o nehmt mich auf, ekler Graf! gebt mir Kost und Lohn, damit ich im Dienste der Grafen von Al- tcnburq sterbe. Diese Erzählung deS treuherzigen Alten zerriß Albrecht das Herz, aber bald faßle er sich, tröstete den bekümmerten Paul, führte ihn in seine Wohnung, und ließ ihn mit Trank und Speise laben. Jetzt ließ er sich alles Vorhererzahlte noch umständlicher erzählen. Wuth über AlkenburgS Feinde kochte in seinem Busen; und Zweifel über Brends Betragen wirrten in seinem Kopfe umher. Die unvermu- thete Erscheinung des ehrwürdigen Greises in Alren- burg, der mit seinen grau geharnischten Männern die Feinde zurückschlug, und seines Bruders Pochen auf die Machk, da er doch fliehen mußte aus seinem Vaterlande, brachten ihn auf wunderbare Meinun> gen. Aber Pauls Versicherung von Brends Unschuld verdrängte alle Zweifel aus seinem Herzen, und er eilte mit ihm der kaiserlichen Residenz zu, um von Heinrichen die Lcslaffung zu begehren. Paul mußte im Vorgemache bleiben, indem Albrecht in des Monarchen Zimmer trat. Der Kai er befand sich zu gutem Glücke eben allein; der Feuerblick, die trotzige Miene seines Feldherrn, ließe» ihn keine gute Mähre hoffen. Heinrich. Was bringst du mir, Feldherr! Albrecht. Dein Schwert, erhabener Monarch! Ich habe ausgedient. Heinrich. Wie kömmt dir dieß? Bist du deS Heldenlebens sact geworden? Was ist es, daS dich beunruhigt? Albrecht. Das Schicksal meines VaterS. Wo ist er? Heinrich(verwirrt.) Ha! Ist die falsche Sage auch bis zu deinen Ohren gedrungen? Albrecht. Sie ist nur allzuwahr, diese Sa- 6? ge. Indeß ich mit auswärtigen Feinden kämpfe, nisten Räuber in Sachsen und— morden meinen Vater. Heinrich. Ich wollte dich nicht kränken, wollte den Schmerz dir ersparren, darum verschwieg ich dir seinen Tod. Albrecht. Der mein Herz um so empfindlicher verwundet, je spater ich Kunde von ihm erhalte. Wo hast du meinen Bruder, Kaiser? Heinrich. Als Mörder seines Vaters ist er geächtet, und vertrieben worden aus seinem Vaterlande. Albrecht. Als Mörder seines Vaters?(Er off« net die Thür, der alte Paul tritt herein.) Da steht ein Mann, redlich und bieder, für dessen Treue ich meine Seele verpfänden wollte: der soll zeugen. Sprich, Paul: War Brend der Mörder seines Vaters? Paul. Ich will nicht schwören, Kaiser, denn ein Bösewicht kann auch schwören, aber Gott, der Allmächtige, mag mich strafen, wenn ich die Wahrheit nicht rede. Schon steh' ich mit einem Fuße im Grabe, und sterbend will ich noch lallen:»Er war unschuldig an seines Vaters Blute; Brend war ein Biedermann!« Heinrich. Deine Aussage fruchtet nichts, lieber Alter, da so viele Umstände wider ihn gezeugt haben. Albrecht. Aber keiner davon hat ihn der That überwiesen; es war das Werk seiner Feinde, die ihn stürzen wollten. Ich habe Narben errungen für dich, habe dir treu gedient, dieß zeugen die Ehrenzeichen, die du mir selbst gabst, mein Kai ser, allein jetzt heischen wichtigere Angelegenheiten meinen Arm,— ich muß das unschuldige Blut meines Vaters rächen, muß wegtilgrn den Schand- 83 fleck, der auf meinem Stamme haftet.(Sr nimmt die Kette von der Brust, und schnallt sein Schwert loS.) Ist es geendet, das große Werk der Rache, hab' ich den Scharten meines Vaters mir dem Blute seines Mörders ausgesöhnt, habe ich gestürzt und zermalmr die Feinde meines Bruders, dann will ich mich in die Trümmer meiner väterlichen Burg ver- kriechen, Gesellschaft machen mir Eulen und Fledermäusen, und heulen mir ihnen über das Menschengeschlecht;— doch nein— ich will mich in einen Tieger verwandeln, will mit Räubern und Mördern Gemeinschaft machen, und lächeln, wenn die Unschuld unter meinen Händen sich wie ein Wurm krümmt und windet. Dem guten Kaiser war bey Albrechts Unwillen nicht wohl zu Murhe, Albrecht war der Einzige seiner Feldherrn, auf den er sich verlassen konnte, er war der Schrecken seiner Feinde, und Heinrich konnte nichts anders hoffen, als daß alle seine Widersacher aufstehen würden, wen» sie hörten, daß Albrecht seine Dienste ihm aufgekündet habe. Dieß bewog ihn, dem Feldherrn Vorstellungen zu machen, und nur mit Mühe gelang es ihm, ihn zu besänftigen, und zu bereden, daß er Kecre und Schwert wieder behielt. Jedoch mußte er ihm die ganze Verlassenschaft seines Bruders zusichern, Brenden durch ein Edict öffentlich der Acht, und der ganzen Beschuldigung los und ledig sprechen, mit diesem ihm auch die Erlaubniß ertheilen, die Mörder des Grafen RudolphS aufzusuchen, und im Falle sie Ritter wären, in offener Fehde zu züchtigen. Dadurch wurde nun Albrecht wieder mit seinem Monarchen versöhnt. Mit dem alten Paul schwang er sich mit An- bruch des Morgens zu Pferde, und rin seiner Heimach zu. Nie war ihm eine Reise länger vorgekommen, obschon er mit Flugeöschnelle über die Heer- 89 straße hinwegeilte. Endlich langte er i» Sachsen an, endlich erkannte er die Gegenden von Altenburg. Da schlug laut sein Herz unter dem silbernen Panzer, und der Zaum entfiel seiner Hand; denn er erinnerte sich der Zelten, die er als Knabe hier verlebte, stellte Vcrgleichungen an zwischen jetzt und der Vergangenheit, und der Schmerz bemächtigte sich seiner, daß er seines eigenen Daseyns vergaß. Auch der alte Paul trabte in gleichen Betrachtungen ve:üft langsam neben ihm her. Immer mehr und mehr kamen Altenburgs Thurmspitzen zum Vorschein, und immer stärker spornte Albrecht sein Roß, um bald die Ueberbleib- sel jener Mauern besehen zu können, in denen er geboren ward. Endlich stand sie da in ihrer ganzen Große die Burg, ihre sieben Thürme prangten noch, und nur ein fast unbeträchtlicher Theil der Mauern wurde von dem Feuer verheeret. Da senkte sich ein Strahl von Freude in des Ritters Brust, und Paul jauchzte laut aus. Beschäftigt mit frohen Gefühlen sprengte er durchs Thor, schwang sich von, Pferde, durchlief alle Gemächer, durchsuchte alle Winkel der Beste, und forschte, ob noch alles im alten Stande sich befände. Manche Erinnerung an die Vergangenheit preßte ihm Seufzer aus. Seine Ankunft wurde bald ruchbar. Sein Nahme war zu berühmt, als daß sich nicht alles herein- gedrängl hätte, den großen Mann zu sehen. Jeder suchte seine Freundschaft. Unterthanen und Vasallen kamen herbey, ihm zu huldigen, Reisige und Knechte bothen ihm ihre Dienste an. In kurzer Zeit wimmelte Altenburg von Dienern, Mannen und Knappen. Sie glich dem Hofe eines Königs, und Albrechten umgab Fürstengröße. Luz der Ecksteiner, Knno der Wilde, Koller von Rabenstein, und Siegfried von Feldkck, die Freunde Rudolvhs und Brends, yo freuten sich seiner Ankunft, und blieben ihm, als treue Vasallen, ergeben. Otto von Thurnbergs Betragen kam ihm aber verdächtig vor, er hatte den Bund der Freundschaft gebrochen, und befand sich, wie meine Leser bereits wissen, mitten unrer Brends Feinden, die ihn in Altenburg belagerten. Jetzt beschloß Albrecht den Mörder seines VaterS mit aller Mühe auszuspähen, am ersten in Thurnberg einzusprechen, um den alten Ritter selbst auf die Probe zu stellen, der ihm von seinen treuen Vasallen in einem verdächtigen Lichte gezeigt wurde. Zu diesem Ende ritt er an einem Nachmittag in Pauls Begleitung mit Schwert und Dolch wohl versehen aus, irrte bis in die Nacht umher, und kehrte dann, gleichsam ein Obdach zu suchen, in Lburnberg ein. Otto hieß ihn willkommen, Mein- hard ehrte ihn, als einen Freund des Kaisers, kurz, Beyde unterdrückten das bittere Lächeln des Neides, heuchelten Freude über seine Gegenwart, und betrugen sich so meisterhaft beym Trinkgelage, daß Albrecht wirklich betäubt wurde, und seiner Vasallen Muthmaßung schier für unergründet hielt. Das nähmliche Gemach im Thurm, in welchem Graf Rudolph ermordet wurde, ward auch ihnen zur Ruhe angewiesen. Ein kalter Schauer überfiel Albrechten unwillkührlich, als Otto und Meinhard ihn verließen, und er dem alten Paul gegenüber bey Tische saß. Oede feyerliche Stille herrschte im Gemach, und es schien, als ob der Schatten des Ermordeten um sie her schwebte. Der beyden Heuchler Freundlichkeit hatte doch bey aller ihrer Verstellungskunst den Eindruck nicht ganz vertilgt, den seiner Vasallen Verdacht auf Albrechts Seele gemacht hatte, wachsam zu seyn beschloß er dieserwegen, aber die Müdigkeit, und der vielleicht um einen Becher zu viel genossene Wein zwan- 9' gen ihn doch, sich auf's Lottcrbett hinzuwerfen! Paul wachre indessen, und schürte fleißig das Feuer un Camine, damit es nicht verlöschen möchte. Das Schicksal wollte jetzt den Schleyer hinwegreißen, der den Mörder des Grasen Rudolphs verbarg. Albrecht harre kaum etwas geschlafen, als er sanft aus seinem Schlummer geweckt wurde, kaum hatte er seine Augen eröffnet, als er ein ihm wohlbekanntes Gesicht erblickte. Leichenblaß stand der Geist seines Vaters vor ihm, zeigte auf seine Wunden, und an die Wand, an welcher Albrecht Bluc erblickte, da stammelte er: »Wer war dein Mörder?« »Otto und Meinhard von Thurnberg,« svrach hohl und düster der Geist, gab ihm noch einige Winke der Aufklärung über des alten ConradS Gefangenschaft, zeigte auf die Fallthüre zu dem unterirdischen Gange, und verschwand. In eben dem Augenblicke trat taumelnd der alte Paul vor sein Bette, und faßte seinen Herrn mit Kraft an, und rief ängstlich:»Wacht ihr, edler Herr?« Albrecht. Schrecklich, schrecklich! O mein Vater.— Ach! was hab ich gesehen! Paul. Lieber Herr! Hört mich doch! Ihr habt ängstlich gestöhnt und gewimmert! Albrecht. Was willst du?— Sahst du auch, was ich geseh.ii habe? Paul. Ich sah nichts, aber es war, als ob es hier umginge. Töne habe ich gehört, aber ich sah nichts.— Doch ja— ja ich habe etwas gesehen. Albrecht. So erzähle! Was sahst Lu? Paul. Ein sanfter Schlummer hatte mich überwältigt, da tönte ein lieblicher Klang in meinen Ohren,>o lieblich als ob Chöre von Engeln gesungen hätte», ich erwachte, blickte auf und doch Herr, verzeiht! es war doch nur ein Traum, Y2 Albrecht. Nun was sahst du? Paul. Da sah ich Euern seligen Herrn Vater so leibhaft, wie er lebte, nur leichenblaß war sein Gesicht, und durchsichtig weiß seine Gestalt. A» sei- ner Brust quoll aus drey Wunden Blut bervor. Er neigte sich über Euch, edler Graf, schwebte dann an dein Bette vorüber, und verschwand. Das loh ich, Schauer bemächtigte sich meiner, und ich weckte Euch. Albrecht. Ich sah ihn auch in dieser Gestalt, Paul, aber gewiß es waren Träume, Spiele unserer erhitzten Phantasie. Paul. Auch Ihr hattet dieß Gesicht?— Da war's wohl kern Traum, kein Spiel der erhitzten Phantasie, da waren's Winke vom Schicksal unS gegeben, laßt uns lis verstehen, edler Herr! Horch! Hort ihr nicht Töne? Es sind die Töne, die mich in den Schlummer wiegten. Und wirklich erklang eine stille, sanfte Musik, als ob sie aus unterirdischen Gegenden herauf käme. Albrecht sprang auf. Weile, weile Geist meines Vaters! sprach er, laß mich noch einmahl dein Antlitz sehen, noch einmahl aus deinem Munde hören, wer dein Mörder war!— Ach! es ist kein^.raum, es war Wirklichkeit. Die Töne verstummten, Paul zündete ein Windücht an, stellte es auf den Tisch, der an dem Bette stand, und Albrechts Blicke sielen unwlllkühr- lich an die Wand, wo ihm der Geist das Blut zeigte. Albrecht. Sieh, sieh, das ist das Blut meines Vaters, im Traume, oder wachend zeigte er mir die Fallthüre zu dem unterirdischen Gange, der aus der Burg führt, dort in jener Eck- muß sie seyn, hinter jener B ldsäule, komm, laß uns fliehen aus dieser Morderhöhle, ehe die Bösewichter den Anschlag ausführen, den sie vielleicht auch wider uns geschmiedet haben. 9Z Bald fanden sie auch die Fallthüre. Albrecht öffnete sie, Paul mußte mit dem Lichte in der Hand vorangehen, der Graf mit dem Schwerte unter dem Arm folgte. Viele Klafter tief zog sich der Gang herab, endlich gelangten sie zu einem eisernen Gitter, welches nur mit einem eisernen Riegel verschlossen war. Sie zogen den Riegel zur Seite, traten vor, und sahen sich in einem Kerker, wo in einer Ecke desselben ein Mann in Ritterkleidung auf faulendem Strohe lag. Seine Füße waren mit einer Kette gefesselt, die an einer großen steinernen Kugel fest geschmiedet war. Er schien eines sanften Schlafes zu genießen. Albrecht. Ha! Em neuer Beweis der Tyranney des Burgherrn. Der gute, alte Mann, wie ruhig er schlaft, als ob er auf Pflaum läge. Der Gefesselte,(im Traume) Nimm mich mit dir Rudolvh, nimm mich mit dir! P a u l. Hört Ihr? Er nennt den Nahmen Eures Vaters. O Herr Graf! Wie? Wenn—(erbeleuchtet dem Gefesselten das Gesicht.)— Herr im Himmel, er ist'S mein Waffengespann, mein theurer Conrad! Albrecht. Conrad, Conrad sagst du? Paul. Ja, Conrad, der Graf Rudolphen auf seiner Reise begleitete, als er ermordet wurde. O erwache Bruderherz!(rüttelt ihn) Conrad, Conrad! Conrad(erwachend) Soll's mein letztes Stünd- lein seyn, ihr Mörder?— Wohl, ich bin gefaßt. Paul. Still Conrad, ermanne dich! Deine Erlösung ist nahe. Sieh! Ich bin ja dein Waffen- genoß Paul, und hier steht Rudolphs Sohn, Albrecht! Conrad. Albrecht? Und du bist Paul? Und meine Erlösung wäre nahe? O zu viel, zu viel auf einmahl! Ich unterliege der Freude. O Albrecht, Albrecht!(er umfasset seine Knie und schluchzet laut.) Albrecht. Fasse dich, guter Conrad! Dein Lei- 94 den hat ein Ende.— Sag an! Wer war meines Va- ters Mörders Conrad. Der, welcher mich in dieses Verließ sperrte, Otto von Thurnberg. Albrecht. Also doch wahr. Freue dich Hölle, morgen sollst du die Zahl deiner Teufel vermehrt se- hcn.— Nun rathe, guter Conrad, wie wir ohne Verzug aus diesem Neste gelangen, sonst sind wir alle verloren. Conrad. Befreyet mich von dieser steinernen Kugel, edler Graf! Nehmt mir die Fessel ab, so will ich Euch in's Freye führen, sonder Müh' und Gefahr. Albrecht,(haut mit seinem festen Schwerte die Kette von der Kugel los.) Hier hast du die Freyheit, und nun führe uns! Conrad. Mit leichter Mühe. Ein unterirdischer Gang führt durch diesen Kerker in's Freye, dessen Thüren von innen ganz leicht, von außen aber auch mit der größten Gewalt nicht zu eröffnen sind. Oft saß ich hier auf meinem Stroh, wenn die Besitzer dieses Schloßes heimlich ausfielen, um Kaufleute zu berauben, da blieb der Gang offen, und ich vermochte doch nicht zu entfliehen; denn dieser runde Stein hielt mich zurück. Albrecht. Davon Alter, bis wir in Sicherheit sind, jetzt fort, so lange Nacht und Schicksal uns günstig sind! Conrad nahm nun das Licht in die Hand und zeigte den Weg. Der Kerker bildete ein förmliches Quadrat, in dessen vier Winkeln steinerne Bildsäulen standen. Zu einer dieser Statuen trat der alte Begleiter Rudolphs, sie stellte einen Ritter vor, der sein Schwert in die Höhe schwang, zupfte an dem Schwerte, und sieh! da erhob sich ein Getös, gleich dem Knarren eines Uhrwerkes, die Bildsäule biwegte sich, rollte auf die Seite, und unsern Rittern zeigte sich eine 95 steinerne Treppe, die sie bald in's Freye«nd«nrer Gottes blauen Himmel führte. Die Freude des alten Conrads war gränzenlos, der so lange im finstern Burgverließ schmachtete, und nun auf einmahl sich erlöst sah, und wieder freye, reine Luft athmete. Er erzählte fetzt die ganze Geschichte von Rudolphs Ermordung so umständlich und rührend, daß dem guten Albrecht heiße Thränen hervorbrachen, so schaue erlich, daß der alte Paul sich schüttelte, und Beyde ob der Gefahr, in der sie diese Nacht geschwebt hatten, zitterten.— Mit raschen Schritten nahten sie sich der Beste Altenburg, staunend wurden sie empfangen, und ergrimmt eilte Albrecht in den Rittersaal, riß sein Heerhorn von der Wand, und blies zur Fehde. Seine Vasallen, die sich noch von gestern auf den: Schloße befanden, stürzten in den Saal, und fragten:»Gen wem?«»Gegen Otto von Thurnberg,« antwortete der Graf, erzählte ihnen die Geschichte von seines Vaters Ermordung, und die Biedermänner schwangen sich zu Pferde, um heim zu reiten, und ihre Knechte mitzubringen. Trompeten erklangen nun, Schwerter blitzten auf dem Burghof, Getümmel von Streitroßen und Waffengeklirr erfüllte die Luft. Als der Morgen anbrach, erschienen die treuen Vasallen, jeder mit einem Haufen rüstiger Knechte. Pater Wendelin, der Burgpfaff, mußte sogleich niedersitzen, und den Fehdebrief schreiben. »Dem edlen Ritter Gruß und traulichen Handschlag!— Dem Mörder Fluch.« »Bösewicht, Mörder meines Vaters! Ich biethe dir blutige Fehde. Zwar ziemt es dem Edlen drey Tage Waffenzeit zu lassen, aber nicht einem Bösewicht, wie du Otto von Thurnberg bist. Rüste dich, um Mittag siehst du mich vor den Wällen deiner Bnrg, wo ich mit gewappneter Faust Genugthuung fordern werde.« »Albrecht, Graf von Altenburg, Feldherr.« 9<> So dictirte er dem Pfaffen in die Feder, schickte den Brief ab, und besetzte sogleich die ganze Gegend, damit der Bösewicht nicht entschlüpfen könnte. Kaum hatte Otto von Thurnberg Albrechts Ent- weichung wahrgenommen, als er auch schon einsah, wie übel es mit ihm stünde, und als der Herold ihm den Fehdebrief brachte, entfiel ihm vollends der Muth. tz,r raffte geschwind seine neuesten Knechte zusammen, um mit ihnen zu fliehen, aber schon hatte Albrecht alle Wege besetzt, schon sah er ihn mit dem Heere herannahen. Da galts ein Fechten und Stürmen. Steine hag-lten in und aus der Burg, Verzweiflung besetzte die Walle Thurnbergs, und Albrechten wäre es vielleicht unmöglich gewesen, die sturmfeste Burg zu erobern, hätte nicht Otto durch Zufall und Verwirrung vergessen, den heimlichen Ausgang zu bewahren, durch welchen Albrecht mit seinen Kriegern eindrang, und des Schlvßes Meister wurde. Otto's Knechte warfen die Waffen weg, und bathen um Gnade.»Wo ist Otto? Wo ist Mein- hard?« donnerte der Allenburger, und erfuhr, daß sie durch einen andern heimlichen Ausweg entflohen wären. Rasch schwang sich der erzürnte Albrecht zu Gaule, und sagte von Rittern und Knechten begleitet den Flüchtigen nach. In einem Hohlwege traf er auf sie, dreyßig Knechte waren Otto's Schutzwehre, mit denen er sich seinem Verfolger entgegen setzte. Verzweiflung stärkte ihre Arme, und lange kämpften sie, langehielten sie Stand, bis endlich Albrecht selbst auf Otto drang, und ihm daS Schwert durch die Brust stieß. »Rache mein Sohn!— räche mich!« stammelte Otto, vom Pferde sinkend, seinem Meinhard zu! Und der junge Thurnberger gab seinem flüchtigen Rappen den Sporn, und jagte davon, so schnell wie. ein Vogel in der Luft, daß keiner von Albrechts Leuten im Stande war, ihn zu ereilen. 97 Er floh, eingedenk der letzten Worte seines Vaters, Rache zu nehmen an Alb,echten. Als es Nacht wurde, färbte den Himmel eine Rothe, und er sah sein so lange gestandenes Raubnest im Feuer aufgehen. Dieß entflammte seine Rache noch mehr, er irrte lange in Wäldern und unwegsamen Gegenden herum, bis er einst in einer schauerlichen Nacht an eine Rau- berrotte traf, sich zum Hauptmann davon auswarf, und in dieser neuen Spahre seine Rache desto leichter ausüben zu können dachte. Thurnberg brannte fürchterlich, von allen Setz« ten lockre das Feuer Zuseher herbey, denen man Brends Unschuld bekannt machte, die Sage davon drang bald in alle hohe Häuser und überall bedauerte man ihn. Da versammelten sich seine Freunde, und zogen aus, ihn zu suchen und ihn zurückzubringen, aber ganz-Deutschland durchstrichen sie, ohne eine Spur von ihm zu entdecken, und Albrecht jammerte über den Verlust seines unschuldigen Bruders. Während dieser Zeit hatte indessen Kaiser Heinrich seine Tochter Gerberg an Gieselberren, Herzogen von Lothringen, vermählt. Da man überdrüßig wurde der Feyerlichkeiren in Lothringen, beschloß Heinrich in sein Erbland Sachsen zurückzuziehen, und in Merseburg seinem neuen Schwiegersöhne zu Ehren, auch ern Fest zu geben, bey welchem er ein Turnier veranstaltete. Heinrich war, wo nicht der Erfinder, doch der Erneuerer dieser Ritterspiele, wodurch er den jungen Adel in den Waffen zu üben gedachte. Dieses sollte eines der prächtigsten Turniere seyn, Gieselbert und andere Fürsten und vornehme Gaste und Ritter versprachen, sich dabey einzufinden. Helena, Heinrichs jüngere Tochter, sollte die Preise vertheilen. Der Ruf davon erscholl durch ganz Deutschland, die Kämpfer zogen haufenweise nach Merseburg, und auch Alb- Rilter Vrend'r Geist, G 98 recht ritt dahin. Mit einem versilberten Harnisch wappnete er sich, drey weiße Reigerfedern schwankten auf seinem Helme, und ein wilder Rappe trug ihn. Er führte im Schilde einen Löwen, den der Gott der Liebe an einer goldenen Kette leitete, an seinem ver» güldeten Speer wehte ein Fähnlein von lichtgrüner Farbe. Es war nicht der Ruf der Ehre, der ihn zu dem Ritterfeste leitete, es war die Macht der Liebe, die das ganze Füllhorn ihrer Seligkeit über ihn aus- gegossen halt". Er liebte die reihende KaiserSkochter, Helena, er hatte sie schon in ihrer Kindheit geliebt, als er an der Seite ihres Vaters bey Hofe sich befand. So wie sie zur Mannbarkeit heranwuchs, so wuchs seine Liebe gegen sie zur Riesenstarke, aber heimlich nährte er diese Leidenschaft, und nur dann erst zeigte er sich ihr im wahren Lichte, als er merkte, daß sie ihm nicht ungünstig sey. Auch Helena liebte ihn, den stattlichen Mann, den tapferen Feldherrn, den treuen Freund ihreS VaterS, aber überzeugt, daß die Welt nie ihre Liebe billigen werde, schwieg sie, und er mußte auch schweigen. Als er das letztemahl sich von ihr trennte, um mit dem Kaiser nach Rom zu ziehen, da wand sie ihm das grüne Fähnlein um den Sveer, und von der Zeit an war die grüne Farbe seine Lieblingsfacbe, grün war seine Leibbinde, grün seiner Knechte Anzug, grün die Wollust seiner Augen. Schon im vorigen Jahre hatte Helena cineFreun- dinn, gleich ihr an Herz und Seele, aber unglücklich in der Liebe, ein Beyspiel ihr, daß nicht immer Liebe gekrönt werde. Sie hatte die Geschichte derselben, welche ein Minstrel ihr aufgeschrieben, Albrechten mitgetheilt, und ihm die Warnung ans Herz gelegt, daß er wohl ihre Begebenheiten erwägen mochte. Diese hatte Albrecht gelesen, und ich theile sie meinen Lesern mir, so wie sie ihm bekannt wurde. yy Geschichte der unglücklichen Ulrike von Warry. Burg Steineck. Hildebrand, Guido. ^ildebrand.(trinkt) Auch dieß nicht? Auch dieser Rebensaft nicht, der mir sonst so wohlthätig manche Stund' verkürzte? Auch Schwert und Lanze nicht?— Guido. Wohlan! So will ich gehen, und die Todesglocke über Euch läuten lassen. Hildebrand. Spotte nur, dein Sactt trifft mich nicht. Wie kann, wie soll ich ruhig seyn? Wenn ich im Schlachtgewühle mein Schwert schwinge, Tod vor mir, Tod hinter mir verbreite, dann rergeß ich zuweilen der Leiden, und labe mich an dem Röcheln der Sterbenden, die von meinen Streichen fielen, aber bald verwischt ein einziger Gedanke an sie meine Ruhe. O Ulrike, Ulrike! ich denke an dich, sehe umher am Todesturnierplatze, habe Mitleiden mit den Gefallenen, und— und O Guido, hast du auch je geliebt? Guido. Auch ich habe geliebt, feurig, zügellos geliebt, aber so unbesonnen, wie Ihr— nie. Hildebrand. O Alter! Dein hartgewordenes Herz verschließt sich allem Gefühle. Ha!(steht wiis auf) Wenn ich mich betrachte, mich, den armen verstoßenen Hildevrand denke, dann empören sich alle meine Emvfindungen, dann möchte ich sterben,— denn sterben ist die einzige Wohlthat für mich. Guido. Ihr schwärmt, sollte denn gar kein anderes Mittel vorhanden seyn, das Eure Wunden heilen könnte? G s iso Hildebraüd. Kein anderes, als der Tod.— Schon jetzt bin ich für die Welt gestorben, geh laß über mich die Todesglocke läuten! Guido. Das wolle Gott bewahren! Ehe ich dieß zugebe, ehe ich Euch dahin welken, und vor Harm sterben sollte, ehe— doch was nützt der Entschluß, die Vollendung entscheide.— Als Knappe diente ich Eurem Vater, er schlug mich zum Ritter, und nahm mich zu seinem Burggenossen auf. Er starb, und Ihr setztet seine Wohlthat fort, beherbergt und füttert mich. Schon vierzig Jahre lebe ich Eurer Familie zur Last, schon vierzig Jahre esse ich von Eurer Kost, zehre mit Euch, wie ein Bruder, an Euren Gütern, und alle diese Wohlthaten sollte ich unbezahlt lassen? Zwar vermag ich nichr zu entgelten was Ihr an mir gethan, aber was n»ine Kräfte nicht vermögen, soll wenigstens meine gute Absicht erstatten. Hilkebrand, was soll ich für Euch thun? um Euch zu beruhigen? Schickt mich in den Tod, und ich gehe, sagt mir ein Mittel, womit ich Euch zum Ziele bringen kann, sagt es, und wäre es noch so schrecklich, wäre damit mein Tod verbunden, ich wag es! Hildeb r and.(gerührt) Dank dir edler, redlicher Guido! Dank dir! Aber alle deine Kräfte sind nicht vermögend mich zu retten. Ich bin verdammt zu unzähligen Leiden, so lange Biedersinn die Ob.rhand über die Liebe behält. Guido. Und doch— doch wäre vielleicht noch Hoffnung, noch Hülfe möglich? Hildebrand. Nichts weniger, als diese. Weißt du nicht, daß es mein Lehnherr ist, der mir meine Ruhe raubt? Den das Glück mir Ulrikens Hand lohnt?— Er ist Graf, er ist Lehnherr, und— ich sein Vasall. Wie kann ich's wagen mich gegen ihn aufzulehnen?— Und wäre ich Fürst, und er mein Unterthan, so könnt' ich so unedel nicht handeln. Er ist 101 der Glückliche, der das größte Recht ju ihrem Besitze hat, wie könnt ich eS wagen, ihn darin zu stören, ihn, den edlen, biederen Grafen von Warry, den das ganze Land liebt, an dem mein Herz mit aller Inbrunst hängt, für dessen Wohl ich willig mein Leben hingebe» würde, diesem sollte ich sein Glück, seine Ruhe, seine Geliebte raube»? O mein Guido! Schrecklich, über alles Maß schrecklich ist meine Lage. Guido. Auch mein Herz blutet, wenn ich Euch leiden sehe.— Aber tröstet Euch, Dankbarkeit ist's, die Ulrike dem Grafen zollt, nicht Liebe. Hildebrand. Ha! Ich verstehe deinen Wink, aber auch dieser führt mich nicht auf den Pfad der Ruhe. Ich gab ihr meine Liebe zu verstehen, ich seufzte, ich beschwor sie, und sie(wild) verschmähte mich. Guido. Dann hilft Biedersinn nichts, dann muß List an seine Stelle treten. Hildebrand. O märe nur erst dieser TaH verschwunden, er enthält tausend Marter für mein gequältes Herz. Heut wird das Todesurtheil über mich gesprochen, heut verbindet der Priester die Glücklichen auf ewig. Guido. Armer Hildebrand, unglücklicher Freund! Hildebrand. Ja wohl arm, ja wohl unglücklich, komm, laß uns das Maß meiner Qualen voll füllen, begleite mich, ich muß nach Warry, um dem Feste beyzuwohnen. Guido Wie? Ihr wollet— dieses Freudenfest wird für Euch Hölle seyn. Hilde brand. Nichts anders, ich muß meines Unglücks Augenzeuge seyn, ich bin sein Lehnträ- ger, ich muß hin, sonst würde mein Nichterscheinen sie in Aufruhr setzen. Guido. Gott stärke Euch! Hildebrand. Das woll' er! Ich bedarf seines Beystandes. Komm Guido-, geleite mich! ,«2 Hain vor der Feste Warry. Rechts der Rheinstrom, im Hintergründe ein schroffer Felsen, auf dessen Stirn die Burg Warry steht, an der Felsen- wand sind einige Sichten, um deren Stamme sich Weinreben winden.) Ulrike,(sie sitzt auf einer Rasenbank, das Haupt an den rechten Arm gestützt.) So schön, so herrlich, so anmuthsvoll die blühende Natur— und für mich nichts, für mich hingestorben alle Freude, verschwunden jedes Vergnügen.— Dorr hinter dem schwarzen Fichtenwald, der sich an Vater Rheins Ufern zieht, dort ragte die Burg des Friedens, der Wohnort meiner väterlichen Familie hervor. O wie golden waren die Zeicen, die ich in ihren Mauern zubrachte!— Verflossen sind sie, um nie wieder zurückzukehren. Nie— nie— o schreckliches Wort, und warum nie?— Ich habe ja hier auch edle Menschen um mich, schwebe in der Fülle von Pracht, besitze schöne Gemacher, wandle in diesem angenehmen Burghaine, warum nie—> Ach! er fehlt mir, der Geliebte meines Herzens, auf den ich drey Jahre lang schon harre. Siegfried — Siegfried, wo bist du? Hörst du nicht die Klagen deines Mädchens? Siehst du nicht die Zubereitungen, mich dir ewig zu entreißen, mir den grausamen Schwur abzulocken, dich ewig zu vergessen, ewig einen Andern zu lieben?— bind wer ist dieser Andere? Carl— Carl— mein Wohlthäter, der gute, edle, großmüthige Jüngling, der mich aus Rauberhänden rettete, der mich mehr anbothet, als liebt, er ist es, dem ich heute meine Hand, mein Herz geben muß. Ja ich muß— Sieg- loZ fried! ich breche nicht den Eid, den ich dir schwur. Als du mit dem Kreuz auf deinem Mantel vor mir erschienest, und mir deine Fahrt ankündigtest/ da hingst du so trunken an meinem Halse, und beschworst mich, drey Jahre deiner zu harren, drey Jahre mich allen Gesellschaften zu entziehen, keinem Jüngling den geringsten unbedeutendsten Blick zu schenken, und ich versprach es dir, ich schwur deinem Wunsche zu willfahren. Ich schwur, imd brach ihn nicht den Lid, du— du allein hast ihn zernichtet, drey Jahre sind vorbey, und du kommst nicht,— erinnerst dich nicht an dein Mädchen. O Schicksal! du zwingst mich, dem vielleicht noch lebenden, vielleicht in Ketten schmachtenden Jüngling das Herz zu durchbohren.(Sie steht auf, lehnt sich an eine Fichte, und versinkt in schwer, müthiges Nachsinnen.) Gertruds,(kommt leise herbey geschlichen, und bleibt mitleidsvoll hinter Ulriken stehen.) O Gort! Ulrike,(sich plötzlich umwendend) Gertruds, bist du's? Was seufzest du? Was ist dir? Gertruds. Soll ich nicht?— Fraulein, soll ich nicht langst schon dieß Rabenlied von Euch gelernt haben, soll ich nicht seufzen, da ich Euch immer trauern und weinen sehe? Ulrike. Hast du nicht auch getrauert, nicht auch geweint, da dir dein Vater starb? Gertruds. Nimmermehr, Fraulein! Dieß ist nicht die Ursache Eurer Schwermuth, auch ich habe geweint, aber seit Eures Vaters Tode sind schon zwey Jahre verstrichen. Ulrike. Sie waren für mich Jahrhunderte, und dennoch zu kurz, um auszuweinen. Gertrude. Sucht mich nickt zu hintergehen, Ulrike! Sehr, ich erzog Euch, ich wartete, ich pflegte Eurer, ich bin in Eurem Dienste alt roch geworden, lohnt meine Treue mit einem aufrichtigen Geständniß Eures Kummers! O wüßtet Ihr, wie mein Herz an Eurem Leiden Antheil nimmt, wie es mich schmerzt, wenn ich Euch weinen sehe^ gewiß, Ihr würdet mich aus dem Zweifel reißen. Ulrike,(ihre Hand tastend) Gute, edle Freundinn! Ja, du verdienst mein Zutrauen, ich will dir ein freymüthiges Bekenntniß ablegen. O meine Gertrud! Könntest du die ganze Last meiner Leiden wägen, du würdest mich doppelt bedauern. Gertrude. Sprecht, sprecht Fräulein! Vielleicht vermag ich's Euch zu trösten! Ulrike. Du vermagst es nicht, mein Schicksal ist bestimmt. Höre mich, und wenn du ein fühlbares Herz hast, so weine mit mir! Unrer deiner Aufsicht wuchs ich heran, und wurde ein Gegenstand der Bewunderung im ganzen Gau, mein Vater liebte mich, wünschte mich mir der Hand eines edlen, braven Jünglings zu beglücken, und gab fast immer, wie du weißt, Gesellschaften. Auch erinnerst du dich, daß sich die reichsten und schönsten Ritter in großer Menge ein- fanden, die nach meinen Blicken geitzten, nach meiner Liebe rangen. Aber unter allen befand sich nur Einer, dem ich meine Neigung zuwarf, den ich ganz meiner Freundschaft würdig schätzte.— Gertrude, ich lese Unwillen in deinem Gesichte, du zürnst, daß ich mich dir nicht geoffenbart, meine Liebe nicht gestanden habe, aber höre, und urtheile dann. Des geliebten Jünglings Varer lebte mit dem meinigen in immerwährendem Streit und Zank, wie konnte ich hoffen, daß meine Wahl ge- billiget werden würde? Ich schwieg, und verschloß das Geheimniß tief in mein Herz. Liebe wird immer von Mißtrauen begleitet, kannst du mir's verdenken, daß ich auch dir meine Leidenschaft ver- i»5 hehlke? ConradS Sohn, der edle, schöne Jüngling war es, der mein Herz fesselte, Siegfrred, der tapfere Ritter von Nordenburg war es, den ich liebte, der mir mit ganzer Seele zugethan war, und meine Liebe mit unendlicher Gegenliebe lohnte.— Wie selig war die Zeit, Gertrud, die ich in seinem Umgänge verlebte, aber sie war kurz diese Seligkeit; denn bald mischte sich Wermurh in den Becher unserer Freuden. Carl von Warry, der mächrige, biedere Graf, befand sich unter den Anbelhern, die um mich warben. Meinem Vater gefiel^r, und er begann mir Vorschläge zu machen. Das war eine harte Prüfung, manche Thräne entrann im Stillen meinen Augen, aber bald kam noch eine schrecklichere. Die deutschen Ritter rüsteten sich zu einem Kreuzzuge, unter diesen war auch Siegfried von Nordenburg. Gezwungen von seinem Vater, nahm er das Kreuz, und erschien als Kreuzritter im Burghain vor mir. Laß mich die Beschreibung meines Schreckens übergehen, laß mich nur das Nothwendigste sagen. Unser Abschied war feyerlich, die Natur selbst schien unsern Empfindungen beyzustimmen, der Hain war so stille, so traurig, der Rhein wälzte sich langsam unsern Blicken vorbey, und verlor sich zwischen Rebengeländern, die Sonne brach ihre Strahlen an der glatten Felsenwand, und beschien nur düster das hellgrüne Gras. Der Wind blies nicht, die Fichten rauschten nicht, nur dann und wann bog sich das Schilf vom sanften Westwinde gedrückt. Es schien, als trauerte die ganze Schöpfung mit uns. Lebe wohl, sprach Siegfried zu mir, indem er mit seinem eisernen Arme mich umschlang. Lebe wohl, Ulrike küßte die heißen Thränen von meinen Wangen, und entwand sich meinen Umarmungen. Drey Jahre, fuhr er fort, harre meiner, drey Jahre gönne keinem Jüngling? »ob einen Blick, und wenn ich in dieser Frist nicht wiederkehre, so bist du frey, so ist Siegfried nicht mehr. Ich schwur ihm, er schwang sich auf sein Roß, und bald verlor sich sein schwankender Helmdusch in der Ferne. O Gertrud! Ich habe ihn seit der Zeit nicht gesehen, drey Jahre sind verstoßen, Siegfried— mein Siegfried ist vielleicht todt. Ich hielt meinen Schwur, alle Jünglinge verloren sich nach und nach, nur Carl blieb standhaft in seiner Liebe. Ein Jahr verging, und ich blieb frey, aber das Schicksal zielte nach meinem Verderben. Räuber überfielen unsere Burg, und steckten sie in Brand. Schon lag mein Vater hart verwundet auf der Erde, schon war ich»n der Räuber Gewalt, schon schleppten sie mich fort, als plötzlich Carl uns mit seinen Knechten zu Hülfe eilte, mich rettete, und die Räuber schlug. Mein Vater hatte noch das Vergnügen vor seinem Ende, sie fliehen zu sehen, er wußte dem edlen Carl nicht besser zu danken, nicht anders zu lohnen, als durch mich.— Ulrike, sprach er, Carl liebt dich, reiche ihm deine Hand, werde sein Weib. Er starb, und Carl führte mich rriumphirend in seine Burg, ich mußte folgen, ich hatte keinen Freund, keinen Verwandten im ganzen Lande, auf dessen Beystand ich hätte rechnen können, die Burg meines Vaters stand in Flammen, und ward ein Schutthaufen. In Carls Schutze war ich vor ferneren Anfällen sicher, ich genoß alle Bequemlichkeiten auf seiner Veste, er bath mich, den Wunsch— den Befehl meines sterbenden Vaters bald zu erfüllen. Ich durfte nicht trotzen, seine Großmuth erweichte mein Herz, ich flehte, ich beschwor ihn, nach ein Jahr meiner zu schonen, noch ein Jahr zu harren. Carl willigte ein, und ich bestieg täglich den Wartthurm, um weit in die Ferne sehen zu könne», ob Siegfried nicht irgend in einer Staubwolke einhertrabe, aber Siegfried kam nicht, und meine Leiden mehrten sich mit jedem Tage. Ein Jahr verstrich und Carl begann seine Forderung aufs Neue. Nur noch ein Jahr, bath ich, und dann bin ich dein, dann frage nicht mehr nach meinem Willen, sondern befiehl, zwinge mich, und Carl, der großmüthige Carl willigte zum zweyten Mahle ein. O Gertrud.' o meine Freundinn! Diese Felsenwand, die so oft meine Seufzer nachlallte, kennt meinen Schmerz, weiß, was ich gelitten habe. Nun ist daS zweyte Jahr vorbey, so lange Carl zu harre» versprach, nun sind die zugesagten drey Jahre vorüber, und der Erwartete kömmt nicht, vielleicht ist er todt, vielleicht nahm ihn schon die Erde in ihren Schooß, ich weine vergebens, und meine Seufzer werden ihn nicht zurückrufen. Du bist traurig, geliebte Gertruds, hast Mitleiden mit deiner unglücklichen Ulrike, und doch scheint deine Minne für Carln zu sprechen. Ja ja— Carl ist so gut, so bieder, er ist mein Retter, mein Wohlthäter, und das Schicksal soll heut unser Glück entscheiden!— Du hast ausgeharrt, die Stunde nahet heran, in welcher der Priester daS unzertrennliche Band um unsere Herzen windet. O Gertruds! Ich zittere vor dem Augenblick.— Aber es sey, es geschehe! Lebe wohl Siegfried! Vergiß deine unglückliche Ulrike! Ehe die Sonne halb ihren Lanf vollendet hat, bin ich schon das Weib eines andern. O Gertruds, Gertruds!(sie verhülle ihr Gesicht in Gertrudens Busen.) Gertruds, Fasset Euch, Fräulein, vergeht auch ihr ihn, mäßigt euer» Schmerz, es würde nicht gut stehen, wenn Ihr an Eurem Brautkage mit roth gemeinten Augen vor Gottes Altar erschienet! Ulrike. Ja, ich will mich ergeben dem Wil- ro8 len des Schicksals, will ruhig seyn, genug— wenn ich leide. Sollte ich auch meinem Carl die Lage verbittern? Gertrude. O ihr seyd ein Engel, Fraulein! Gott schenke euch Ruhe und Freude in den Armen eures Gemahls! Ulrike. Das wolle er! Ha sieh! dort kömmt inein Carl, er wird meine Gegenwart schon vermißt haben. Sieh Gertruds, wie stolz er einher- geht, wie lieblich sein goldgelbes Haar um die Schultern flattert, sieh, sieh! Wie sein Blick starr zur Erde geheftet, wie er in sich versunken ist! Gertruds. Ulrike, er trauert. Ulrike. Er trauert, und die Ursache seiner Schwermuth wär' ich? Ha Ulrike sammle dich, er ist dein Retter, dein Wohlthäter, zerstreue die Wolken von seiner Stirne, und sey dankbar! Gertruds. Fräulein, seyd dankbar!(Die Vertraute entfernt sich.^1 Carl(erscheint schwermüthig und sagt) Ulrike! Ulrike(sich schnell umwendend.) Du hier, guter Carl? So unverhofft? Carl. Guter Carl? Ulrike! Dieß Wort ist Balsam. O nenne mich noch einmahl so, nenne mich immer, immer so!— Aber du bist wieder so traurig, deine Augen sind roth vom Weinen; soll denn dein Carl nie erfahren, was an deinem Herzen nagt? Als ich so leise hinter dich schlich, da hörte ich dich seufzen. Sprich, warum seufzest du; warum zehrt dieser Kummer an der Blüthe deiner Jugend, warum verunstalten diese Thränen deine Augen? Sprich, und wenn du dich vor dem Liebhaber Carl scheuest, so schütte deinen Kummer in das Herz deines Gatten!— Gattinn! O süßes Wort! O dreymahl selr- ger Tag, der du mir diese Wonne brachtest! Ulrike. Graf! roy Carl. Nenne Mich nicht Graf.'— In deinen Armen will ich nur dein Carl seyn; was willst— was verlangst du von mir? Ulrike. Schone meiner, dringe nicht in mich, daß ich die Ursache meines Kummers enthülle! Carl. Warum nicht? Hab ich nicht auch ein Herz, um zu fühlen, um mit dir zu trauern, wenn die Last deiner Leiden dich niederschlagt? Ulrike. Das sollst du nicht, sollst nicht auf die Thränen deines Mädchens sehen, sollst immer fröhlich, immer glücklich seyn! Carl. Aber werden nicht die Thränen meiner Gattinn mich betrüben? Werde ich glücklich seyn, wenn ich meine Angebethete werde leiden sehen? O Mädchen sage mir, sage deinem Carl, wie kann er schaffen Balsam auf deine Wunden? Ulrike. Carl, wenn du liebst, so zwinge mich nicht, ein Gestandniß abzulegen, das mich nur noch unglücklicher machen würde. Sieh: du bist am Ziele deiner Wünsche; Ulrike ist dein, noch heut auf ewig dein. Carl. Ulrike mein, ewig Mein.(sie umarmend) In diesen Worten liegt Seligkeit für mich! Ulrike. Dein bin ich, Carl! Ich liebe dich, aber bey dieser heiligen Liebe beschwöre ich dich, nie in mich zu dringen, dass ich dir den Grund meines Kummers entdecke. Carl. Nie, Ulrike, nie, bis dein Herz voll seyn wird des Schmerzens, bis es sich nach Theilnahme sehnen wird. dann bin ich der, dem du deine Leiden klagen kannst; dann bin ich der, der dich trösten und die Thränen von deinen Wangen küssen wird. Ulrike. Dank dir für diese Zusage, du hast dadurch meinen Kummer um vieles erleichtert, vollende dein Werk, schwöre mir, nie die Ursache zu begehren, warum ich deiner Liebe durch volle zwey Jahre 1,0 einen Damm setzte. Du weißt, Mädchen haben Launen, in einem Anfalle dieser Art that ich das Ge- lübd, durch drey Jahre keinem Jüngling Liebe, nicht einmahl einen günstigen Blick zu gewähren; in wie weit ich es erfüllt habe, wirst du am besten wissen. Carl. Ich gelob' es dir, fordre mehr, fordere alles, was in meiner Macht steht, es soll dir gewährt seyn! Ulrike. Nur eins noch! Du schwurst meiner Liebe ewige, unzertrennliche Gegenliebe, heut wird der Priester deinen Wunsch erfüllen, wirst du mir auch vor dem Angesichts Gottes in seinen! Tempel diese standhafte, diese nie wankende Gegenliebe geloben, wirst du mir stete Gunst, unverbrüchliche Treue schwören; wirst du mir schwören, daß sie nie wanke, nie schwacher werde, nie erkalte in deinem Herzen diese Liebe? Carl. Vor Gott und allen Engeln werd' ich meinen Schwur wiederholen. Ewig werd' ich dich ehren und lieben. Ulrike. Und dann werd' ich vielleicht in deinen Armen den Kummer vergessen, die Thränen werden vertrocknen, und die Schwermuth wird aus Meinem Herzen fliehen. Carl(sie umarmend) Ulrike! Ulrike! Ulrike. O mein Carl! Carl. Und nun komm Holde! Die Gäste harren unser, der Priester ist bereit zu unserm Empfange, komm, laß unsere Freunde Theil nehmen an Unsrem Glücke!(Arm in Arm ab.) (2m großen Saal der Burg Warry waren die Gäste bereits versammelt, als: 2wo von Rottenbach, Conrad von Waldgau, Urban von Wiesenricd der Rüstige, Hildebrand von Steincck und Guido, dosten Burggcnoffe. Man sah sie sitzen an einem Trinktisch und feyern den Tag der Ehre ihres Freundes und Lehnherrn, und es begann ein Gespräch vom Brautpaar unter ihnen.) 4 l» I w o. Wohl wahr, Conrad hat recht, mir könnte so ein Weib nicht behagen, immer so traurig, immer so schwermüthig. Urban. Aber auch immer so schön, immer mit dieser Engelsmiene, mit diesem sanften, einnehmenden Wesen, sollte sie seine Sinne nicht be- zaubert haben. Freylich würde Euch, Ritter Zwo, so ein Weib nicht behagen, weil ihr lieber ein festes Speer, als die weiche Hand einer Dirne in Eure Faust drücket, aber Carl. Zwo. Schweigt, dem sey, wie ihm wolle, Ulrike bleibt doch eine schöne gute Dirne— sie lebe!(stößt an.) Conrad und Urban.(sie stosscn an) Sie lebe! Sie lebe! Urban. Bey meiner Seele, mein Leben gebe ich für so eine Dirne hin. Sie ist werth des Grasen Weib zu seyn.— Hm! Hildebrand, sitzt du doch dort, wie eingewurzelt, und bist immer so, wenn wir von Weibern sprechen, wo es nicht Schlachtgewühl und Tod gibt, da bist du still, als wenn du nicht fünf zahlen könntest. Jagst mit heute im Forste? soll eine herrliche Jagd geben. Hildebrand. Heut nicht, auch morgen nicht, auch nie vielleicht mehr. Zwo. Das ist viel gesagt, er war doch immer dein Lieblingszeitvertreib.— Wetter! Hörst du nicht die Gaule wiehern, die Rüden bellen? Sieh! 's muß heut eine Jagd seyn, wie sie noch nie gewesen ist. Hildebrand. Viel Glück dazu! Vor meinem Spieß ist heut das Wild sicher. Conrad. So sprengst du nicht mit? Hilde brand. Nein, seht ihr nicht, daß ich meinen Panzer und Wurfspieß heim gelassen halE Urban. Dafür wolle» wir Rath schaffen. Carl H3 wird wohl eine Rüstkammer, und darin so ein Paar Wurfspieße und Panzer vorräthig haben, um dir's borgen zu können. Conrad. Da seht nur, da stehen in der Ecke Wurfspieße für ein ganzes Jägerbeer. I w o. Und Panzer liegen in der Vorhalle in Menge. Hildebrand. Ich dank euch Brüder, aber für heut kann ich die Freude nicht mitgenießen, mir ist— nicht wohl. Guido. Hätte ich ihn nicht in die Arme gefangen, als wir an Wiesenrieds Felsen ritten, er wäre von seinem wilden Gaule den Klippenab- hang gewiß herabgestürtzt, so schwach war er. I w o. Das wollte Gott nicht, daß deine Krankheit uns die Freude vergälle! Conrad. Wäre schad um ihn, war immer ein braver Ritter und wackerer Kampfgesell. Urban.(trinkt) Aus dein Wohl Hildebrand! Zwo, Conrad, Guido,(trinken) Er lebe! Hildebrand. Habt Dank, wackere Freunde! Muß euch auch einmahl Bescheid thun. Auf Euer und CarlS Wohl!(er trinkt) Carl von Warry lebe! Alle. Er lebe! er lebe! (Hier trat eben Carl zu den Fröhlichen ein, unter denen nur ein Trauriger war. Carl. Auch alle seine Freunde leben! Urban. Ey sieh da, das liebe Brautpaar! Willkommen Carl in unserer Mitte! Die Ritter unter einander. Willkom» men, willkommen! Carl. Seyd auch ihr mir tausendmahl will- ^ kommen! Ich habe Euch zusammen berufen, um in ^ DNer Mitte das Fest meiner Vermählung zu fey- Wi. Ich beschloß an diesem Tage recht fröhlich zu seyn, und wo könnte ich der Freude besser genie- sien, als in dem Kreise meiner edlen Bruder und Lehnmänner.(Sie schütteln einander traulich die Hände, 2wo ergreift den Becher.) Zwo. Diesen Humpen auf Euer Wohl, edler Graf! Glück zu Eurer Vermählung! In Ruhe und Wonne lebe das schone Brautpaar! Carl. Siehst du, meine Ulrike! Sagt' ich nicht, im Zirkel meiner Freunde gibrs Freude? O, es ist Wonne für mich, in ihrer Mitte zu sitzen. Ulrike. Du hast redliche Freunde, biedere Lehnmänner, guter Carl! Schütze sie, in ihren Armen wird unser Leben eine stete Quelle,der Wonne seyn! Carl. Das wird es, das soll es! Und nun laßt uns in die Burgcapelle ziehen, meine Brüder! Der Priester ist bereit, das unzertrennliche Band der Ehe um unsere Herzen zu schlingen. Seyd Zeugen meines Schwurs, den ich Ulriken zum Bürge meiner unveränderlichen Liebe und Treue vor Gottes Altare ablegen werde, seyd Vollstrecker der Strafe deS Rächers, wenn ich meineidig, wenn ich je bundbrü- chig werden könnte meinem Weibe. Jetzt begab sich das edle Brautpaar von Rittern, Knappen und Dienern begleitet, in die Capelle der Burg; zierlich war sie ausgeschmückt, die Ritter trugen die kostbarsten Rüstungen, und Reichthum und Pracht in dem Änzuge der Knappen und Diener blendete die Augen der Zuschauer. Der Priester empfing das edle Brautpaar am Altar, besiegelte den Bund der Liebe mit seinem Segen, die Gäste wünschten den Neuvermählten Glück und zahlreiche Nachkommenschaft, Knappen und Knechte jauchzten, und die ganze Beste Warry schien in einem Meere von Freude zu schwimmen. Nach geendigtem Mahle, bey dem dle Menge der ausgesuchtesten und theuersten Speisen schier die Ti- Ritter Becnd's Geist. H i>4 sche bog, der köstlichste Wein in den Humpen schäumte, und mancher auf das Wohl der Verbundenen zu viel leerte, bath Carl seine Ulrike eins auf der Harfe ihnen zu spielen, und mit(ihrer lieblichen Stimme in die Töne zu singen. Ulrike schützte die Feyer- lichkeit des Tages vor, ergriff aber dennoch die Harfe und sang: »Wenn ich in Gram vertieft im stillen Haine schleiche, Die Wolken wallen seh', die Gröste nicht erreiche, Die Liese Wolken hält, die alles Trockn« tränkt, D» tönt in meinem Ohr der Ruf Es ist ein Gott, der alles schuf! Und warum schuf sie Gott, als zu des Menschen Freude, Warum belebt Natur mit ihrem schönen Kleide Die Wiese und Las Feld? Warum entstand der Mensch? Zu deinem Ruhm, der Erden Thon beseelt. Zum Menschen Wohl erschufest du die Welt.« (Carl schlang seinen Arm um die Traute und verdoppelt» seine Aufmerksamkeit.) Hildebrand,(heimlich zu Guido) Ach! das ist Höllengual für mich!(Ulrike singt weiter.) »Wenn ich der Grille laut im dichten Grase höre. Die Lämmer springen seh', im Wald durch Sängerchöre Das Ohr sich schön ergötzt, wenn Feld und Wiese lacht. Da wallt mein Herz, da denk ich, diese Pracht Hast du, o Herr! zum Menschenglück gemacht. Froh seyn theilt Mensch und Thier auf dieser schonen Erd», 2m Schoosie der Natur flieht Sorge und Beschwerde, Des Menschen Kunst sey sie, sie wird Loch arm an ihr. Weg mit dem Tand, den Stolz und Rang verleih'», Gott sey geehrt! Er schuf uns froh zu seyn« Hildebrand. Herrlich, schöne Braut, herrlich, wir wollen Euer Lied befolgen, und immer fröhlich seyn.(Steht verwirrt auf, und rasft seine Hand- »>5 schuhe»om Tische.) Guido! Unmöglich, fort, ich er- trag's nicht mehr. Guido,(heimlich) Armer Ritter!(stehe auch aus) Urban. Nun, nun, werdet Ihr wohl nicht so bald Abschied nehmen. Carl. Was ist das, lieber Hildebrand, was ist Euch? Hilde brand. Erlaubet, Graf, daß ich heim reite, mir ist nicht wohl. Carl. Nicht wohl? Hat das Schicksal diesen Streich gespart, um uns heut unsere Freude zu ver- gällen? Hildebrand ich begleite Euch! Hildebrand. Nein, nein edler Graf! Stört nicht Euer Vergnügen! Bleibt, Guido begleitet mich. Seyd fröhlich Ritter, und ihr edler Graf lebet wohl! Die Ritter,(drängen sich um ihn, und reichen ihm die Hände.) Lebt wohl, Hildebrand, lebt wohl! Ulrike,(fallt ihn bey der Hand.) Lebt wohl, edler Ritter, und werdet bald wieder gesund! HildebraNd.(mit einem verzweiflungsvollen Trick auf Ulriken.) Seyd glücklich, Ulrike! Der Himmel schütze euch, lebt wohl! Conrad. Der arme Hildebrand, ich lieb ihn, wie meinen Bruder, er ist em edler, wackerer Mann! Carl. Das ist er, das ist er, aber seine Augen rollten fürchterlich, als er Abschied nahm, ich habe ihn noch nie so gesehen. Zwo. Gott erhalt' ihn! Ich will morgen in seine Burg einreiten, und um sein Befinden fragen. Urban. Ich begleite Euch, Ritter Zwo! Carl. Wir ziehen alle hin, denn er ist unser Aller Freund. Gott gebe ihm Besserung! Aber es ist Zeit zur Jagd, die Knechte und Rüde» harren unser, laßt uns aufbrechen! He Buben! Die Helme, die Spieße! Hs (Die Knappen reichten ihnen Wurffp ielie und Helme, das Jagdhorn erscholl im Burghofe, von allen Seiten rief cS »zur Jagd, zur Jagd:« Die Ritter drängten sich durch die Thüren und gingen dem Vergnügen nach, welches ihre Hoch zeiten immer zu begleiten pflegte.) Hildebrand war in seiner Burg Steineck angekommen. Stumm hatte er den Weg dahin zurück gelegt, nicht ein Wort hat Guido aus ihm bringen können. Jetzt traten sie ins Gemach. Hildebrand,(wirft mürrisch sein Schwert, und Helm auf den Tisch.) Fort, das waren bittere Stunden, das war Höllenqual für mein armes Herz. Guido. Ich bedaure Euch, Ritter! Hildedrand. Ja wohl bin ich zu bedauern, wie siedendes Öhl kocht es in meiner Brust, zentnerschwer liegt es mir auf dem Herzen.— O Guido, Guido! Ich vermags nicht länger anzusehen, wie er des schönsten Glückes in ihren Armen genießt. Guido. Und was ist also Euer Entschluß? Hildebrand. Carls Fall kann mich allein beruhigen.(Nach einer Pause.) Ha! was sagt' ich, Carls Fall?— Schrecklicher Gedanke, du machst mich zum Teufel, da ich doch ein Engel seyn wollte. O Biedersinn, wo bist du hingesioh'n? Wie eine Welt so schwer liegt es mir am Herzen, fort, fort; komm, komm, laß uns im Freyen Ruhe suchen! Wald, nicht weit von Nordhausen. (Siegfried und Reinhard, als Pilger, hernach Georg.) iegfried. O Gott! so soll ich mein Vaterland wieder sehen?— Soll ich so belohnt werden für dir Drangsale, die ich erlitt? Hak mich der Ehrgeitz "7 darum nach Asien gelocket, um mein Wohl zu untergrabe»? Wunde» am Leibe, Narben an der Stirn, isi dieß der Lohn, nach dem ich rang? Hatte ich nicht Recht, Reinhard, da ich beschloß, als Pilger mein Vaterland zu betreten? Schon damahls ahnete ich, ich würde meine Freunde, ich würde meine Ulrike nichr in dem Stande sehen, in dem ich sie verließ. Wer weiß in wessen grausamen Handen Ulrike schmachtet, wer weiß durch wessen mörderische Faust der Vater meiner Geliebten fiel? Reinhard. Und wer weiß, edler Ritter, ob er auch fiel, ob er nicht wirklich noch lebt? Siegfried. Überzeugen dich nicht die Ruinen seiner Veste? Trotzend der Ewigkeit stand sie da, Eintracht und häusliche Ruhe wohnten i» ihren Mauern, Wonne und Vergnüge» in ihrem Haine. Angenehm war dieser paradiesische Lustort dem forschenden Auge, einladend dem müden Wanderer zur Ruhe. O Reinhard, welch selige Tage genoß ich unter seinem Schatten! Die Wonne reiner Liebe athmete mir dort entgegen, und jetzt— jetzt? Drey Jahre werde ich deiner harren, sprach sie, kehre gesund wieder in meine Arme zurück!— O Ulrike sieh, ich bin da, und du kömmst mir nichr entgegen, rufst mir nicht den Gruß des Willkommens zu! Reinhard. Seyd ruhig, edler Herr! Ihr greift euer Gemüth zu stark an, mit diesen peinlichen Vorstellungen. Siegfried. Laß mich seufzen, laß mich klagen, es erleichtert mir die Last, lindert meine Pein. Reinhard. Aber bringt Euch nicht um ein Haar naher zum Ziel. Verwechselt diese bange Klagen mit der Freude der Wiedervereinigung; seht, da steht Nordenburg! Regt sich nicht Euer Gefühl, wallt Euer Geist nicht eurem alten Vater entgegen, der Euch vielleicht schon oft als todt beweinte? ,8 Siegfried. Ja, ich will, aber unerkannt, so in dieser Pilgerschafc will ich vor ihm erscheinen> seine Gedanken beobachten, und Kunde über UlrikenS Wohl begehren. Reinhard. Seht, der Mond geht auf, in Nordenburg leuchten schon die Fenster, laßt uns eilen, ehe sie die Brücke in die Höhe ziehen. Siegfried. Harre! Dort kömmt ein Knecht gerade auf uns zu, er scheint mir bekannt, und auS meines Vaters Beste zu seyn, laß uns ihn erwarten. Georg. Gott grüß euch, gute Pilger! Kommt ihr von Rom, oder vom heiligen Grabe? Siegfried. Vom heiligen Grabe, haben gebethet dort für der Christen Wohl, und viel Elend und Kummer ausgestanden. Georg. Und wohin gedenkt ihr nun? Siegfried. In unsere Heimath. Die Nacht scheint uns überraschen zu wollen, und yür haben noch keine Herberge gefunden. Georg. Habt ihr Euch nicht dort bey dem christlichen Herrn bekannt gemacht? Siegfried. O ja, wir haben viele Aufträge von Rittern alldort an ihre Ältern und Bekannten. Georg. So? Habt ihr dorr nicht auch einen gewissen Siegfried von Nordenburg gekannt? Siegfried. Auch ergab uns Auftrage an seinen Vater. Georg. Wie? wie? lebt er noch? O kommt, kommt, ihr werdet willkommen seyn in Nordenburg, da haust Siegfrieds Vater. O kommt, kommt, ihr werdet das Herz des edlen Greisen unendlich erfreuen. Siegfried. Hier haust Conrad von Nordenburg, hier haust Siegfrieds Vater? O wohl uns, daß wir so nahe am Ziele sind! Führet uns, und meldet uns bey eurem Herrn. Georg. Nur fort! Geschwinde, geschwinde! Beste Nordendurg. (Conrad von Nordenburg, Siegfried, Reinhard, letztere als Pilger verkleidet,) ^ onrad. Nur dieß, guter Vater!— Nur wie's ihm geht, wie er lebt, erzählt mir, eh ihr beginnt! Siegfried. Ich kann Euch keine dieser Fragen beantworten. Sein Auftrag war so wunderlich, seine Bitte so dringend, daß ich ihm schwur, alles auf die Art zu befolgen, die er mir vorschrieb.— »Vor allem andern, eh ihr meine», Vater mein Befinden kund thut, sprach er, so fragt ihn, wie es Ulriken ergehe, ob sie noch lebe, noch des Schwurs eingedenk sey, den sie mir im Burghain schwur, und ob sie noch frey über Hand und Herz zu gebiethen habe. Conrad. Wollte Gott, ich könnte ihm selbst diese Frage beantworten! Aber was frommt ihm dieser Auftrag, was nützt ihm die Beantwortung, dieser Frage, da er sie selbst nicht hört? Siegfried. Ein Mensch, der nahe dem Tode ist, hat seine Launen. Conrad.(hastig einfallend) Ein Mensch der nahe dem Tode ist, hat seine Laune», sagt Ihr? O quält mich nicht mit der marternden Ungewißheit! Nur diese einzige Frage, nur diese einzige beantwortet mir!— Lebt mein Siegfried noch? Reinhard,(heimlich zu Siegfrieden.) Seyd nicht so grausam, edler Herr! Siegfried. Schweig!(laue) Ich weiche nicht einen Schritt ab, vom Wege des Verfahrens, d-n mir Euer Sohn verzeichnete. 120 Conrad.(jammernd) O er ist todt, er ist todt! Ihr könntet mich sonst nicht so lange seufzen, nicht so lange jammern hören, wenn Ihr mir Kunde von seinem Leben zu ertheilen vermöchtet! Siegfried. Verzweifelt nicht, denkt, daß des Schicksals Fügungen wunderbar sind? Erzählet, damit auch ich mich meines Auftrags ent» ledige! Conrad. Erzählen soll ich, erzählen, da ganz mein Geist dem Schatten meines Sohnes nachge- fiohen ist?— Ja ich will erzählen, um bald seinen letzten Willen zu hören. Siegfried. Sprecht, lebt Ulrikens Vater noch? C onrad. Nein, er fiel durch Räuber. Siegfried,(erschüttert) Lebt Ulrike noch? Conrad. Sie lebt. Siegfried. Ist sie noch frey, noch unbemannt? Conrad.(verwirrt) Sie ist sie ist. Siegfried,(zitternd) Nun sie ist? Conrad. Schon Weib, gestern führte sie Carl von Warry zum Altare. Siegfried. Ha!(er sinkt erschüttert zurück.) Conrad. Was ist daS? Was geschieht ihm? (zu Reinharden.) Reinhard.(zu Siegfried) Fasset Euch(zu Conrad) Nichts— eine kleine Mattigkeit von der großen Tagereise. Siegfried,(mit einem Seufzer) Es ist geschehn! Conrad, Conrad! Conrad^ Was fehlt Euch? Ist Euch übel? Soll ich meinen Burgarzt rufen? Sieg fri ed.(sucht sich zu fassen) Nein, nein, es ist schon vorüber. Erzählt weiter, wie erhielt Carl Ulriken zum Weibe? Conrad. Durch edle Thaten— Dankbarkeit r2r überwand Ulrikens Herz. Sie liebte meinen Siegfried, als er mit dem christlichen Heere fort zu ziehen bereit war. Im Burghaine gelobte sie ihm, drey volle Jahre seiner zu harren, und sie hielt Wort. Siegfried,(erschüttert) Sie hielt Wort, Ritter? Conrad. Ja, sie hätte vielleicht zehn Jahre seiner geharrt, hätte das Schicksal sie nicht gezwungen, ihren Entschluß zu andern. Ein Jahr darauf, als mein Sohn nach dem gelobten Lande zog, überfielen Räuber Ulrikens väterliche Burg, und steckten sie in Brand. Ich war nicht heim, sonst wär ich ihm, wie er mein Feind war, zu Hülfe geeilt. Schon brannte die Burg lichterloh, schon schleppten die Räuber das Fräulen fort, schon lag der alte Ritter mit dem Tode ringend auf der Erde, als plötzlich Carl mir seinen Mannen erschien, die Räuber"zerstreuet«, und Ulriken rettete. Der sterbende Vater wußte auf keine andere Art diese Edelthat zu lohnen, als mit der Hand seiner Tochter. Er schlug seine Augen auf, als man ihn in die Hütte des nächsten Dorfes brachte, erblickte Ulriken, sprach mit gebrochener Stimme: meine Tochter, Carl liebt dich, reiche ihm deine Hand, werde sein Weib! und verschied. Dieß war sein Ende. Die Veste in einen Aschenhaufen verwandelt, konnte der vaterlosen Unglücklichen zu keinem weicern Aufenthalte mehr dienen; da setzte der junge Warry seiner Bie- d-rthat die Krone auf, ließ Ulriken auf seine Burg bringen, und sie, nebst ihren Zofen mit allen Bequemlichkeiten des Lebens im Uebcrflufse versehen. So wie sich die Verlassene Anfangs sträubte,'Carls Antrag anzunehmen, so gab sie seinen unablässigen Bitten doch endlich nach, und begab sich, weil sie seinen Edelsinn kannte, m seinen Schutz. Die Zeit hatte bereits Ulrikens Leiden in etwas gelindert, ,»2 als sie von Carl« an die Erfüllung deS Versprechens deS sterbenden Vaters erinnert wurde,— er zwang nicht, er forderte nicht, er bath.— Ulrike, ein- gedenk des Gelübdes, das sie meinem Sohne ablegte, blieb standhaft, und forderte ein Jahr Aufschub. Der großmüthige Warry willigte ein, ohne «ach der Ursache ihrer Forderung zu fragen. Indessen bewies er durch Thaten feine Achtung und Liebe. Er hielt ihr einen großen Hofstaat, gab Gastereyen und Ritterspiele, lud Grafen und Ritter auf seine Burg ein, und suchte auf alle Weise Ulriken daS Leben angenehm und süß zu machen. Aber sie blieb stets traurig: denn ihr Herz hing meinem Siegfried nach. Die geforderte Zeitfrist war verstrichen, Carl bath übermahl, und Ulrike begehrte noch ein Jahr Aufschub. Der gutmüthige Jüngling gab zum zweyten Mahle ihren Bitten nach. Als aber auch diese Zeit verfloß, ohne daß mein Sohn zurück kam, konnte sie nicht länger undankbar seyn, sie wartete noch drey Tage über die drey Jahre, und da keine Bothschaft von meinem Siegfried anlangte, so reichte sie dem Grafen von Warry ihre Hand, und hielt gestern mit ihm die Vermählungsfeyer. Siegfried,(mit unterdrückter Wuth) Gestern hielt sie ihre Vermählungsfeyer? Siegfried, Siegfried, dein sterbender Mund forsch die Wahrheit!— Conrad.(begierig) Und was sprach er? O redet doch! Lebt er noch? Siegfried. Als ich mit meinem Stäbe nach Jerusalem wahlfahrtete, und nahe am Ziele war, da bereiteten sich die Christen zu einer schrecklichen Schlacht, die sie den Ungläubigen liefern wollten, auch in mir erwachte der Muth zum Streit, ich legte das Pilgerkleid ab, und trat in die Reihen der christlichen Krieger. Ein glückliches Ungefähr stellte mich an die Seite Eures SohneS, wir fochten mu- »23 thig, Conrad und Euer Siegfried, wie ein ergrimmter Löwe. ConrNd. Wohl mir, wenn er sich tapfer hielt und den Ruhm seiner Ahnen vermehrte. Siegfrieo. Ein feindlicher Wurfspieß tödtete sein Pferd, er sank herab. Conrad. Er sank, und fand vielleicht im Getümmel den Tod. Siegfried. Ich hielt die eindringende Menge der Feinde auf, er erholte sich, stand auf und focht wieder. Conrad. O Siegfried, Siegfried! Hätte ich an deiner Seite fechten, an deiner Seite sterben können. Reinhard,(heimlich zu Siegfried) Herr, send nicht so grausam. Siegfried.(Reinharden nicht achtend) Sein Schild entsank, von feindlichen Hieben zerhauen, seiner Faust, er riß einem Saracenen das seinige aus, und focht mit neue» Kräften. Endlich benahmen die vielen Wunden ihm die Kraft, er fiel. Conrad. Er fiel! O Sohn, Sohn! Soll ich dich nie wieder sehen. Siegfried. Ich riß ihn vor mich auf's Pferd, schwang mein Schwert, drängte mich aus dem Getümmel und jagre»mit von den Fechtenden auf eine grüne Haide, wo ich ihn unter dem Schatten eine- Baumes niedersetzte. Sein Harnisch rauchte von Blut, das aus seinen Wunden hervorschoß. Conrad.(jammernd) O Gott! O Gott! Die Stütze ist gebrochen, die mich im Alter aufreche halten sollte. O mein Sohn. Siegfried. Umsonst bemühte ich mich dem Strome von Blut Einhalt zu thun, umsonst, er eilte mit großen Schritten dem Tode entgegen.»Du gehst zurück in dein Vaterland, dein Weg geht an »34 dem Rheinstrome herab,« redete er mich stammelnd an,»erweise mir Sterbenden die Wohlthat, und bringe meinem Vater die Bothschaft des Todes, sag ihm, warum, und wie ich starb. Unlängst erhielt ich von einem Ritter, der aus Elsaß zu unserem Heere kam, die Nachricht, daß Ulnke ihren Schwur gebrochen, und mit einem jungen Grafen sich verehelichen wolle. Diese Kunde setzte mich in Wuth, ich sah ein,' daß es nichts fruchten würde, wenn ich heim reisen, und ihre Vermahlung hindern wollte, weil die Zeit dazu kurz war, und ich viel zu spät kommen möchte. Ich starb ab der Freude, ich achtete nicht den Tod, ich wünschte ihn, stürzte mich in Gefahren und fand ihn.« »O,« setzte er endlich mit Thränen hinzu, »kennte ich nicht das Herz meines Vaters, wüßte ich nicht, daß er so fest den Ritterpflichten anhange, ich wäre vielleicht, trotz aller Hindernisse, auf den Flügeln der Liebe heim geeilt, hätte ihn um seinen Beystand angerufen, und mit seiner Hülfe vielleicht meine Ulrike gerettet, aber gut ist es, daß ich hier meinen Geist aushauche, mein Vater hätte mich nicht erhöret, hätte mir gewiß seinen Beystand versagt.« Conrad. Wär' er gekommen, ich hätte alles angewendet, um seine Geliebte zu rette». Siegfried. Hättet ihr das? Conrad. Gewiß! wäre er zurückgekehrt, mein Hab und Gut hätt' ich ihm aufgeopfert. Siegfried. Der Schmerz redet aus Euch. — Wie wenn er noch lebte, wenn er wirklich auf der Heimreise sich befände, wenn er käme, und Euch um Euren Beystand bäthe— Conrad.(Hoffnung fassend) Was sagt Ihr! (sieht ihn starr an) Auf Rilterwort, das ich noch nie brach,— ich würde—— Siegfried. Wie? Wenn Siegfried hier vor Euch stände? Co nrad.(zwischen Furcht und Hoffnung) Ha!— Ihr vielleicht? O enthüllt Euch mir!— Ich verspreche und halte alles— entreißt mich der Ungewißheit!^ Siegfried. Ich nehm' Euch beym Wort.(Er reiße Pilgerkleid, Bart und Hut herab, und steht als Ritter da.) O mein Vater! mein Vater!(stürzt sich in seine Arme.) Conrad. Ach Gott, Gott!— Siegfried— mein Sohn!— Siegfried, du nicht todt? Du hier? Und ich alter Narr erkannte dich nicht!(Er läuft voll Freude im Gemach herum.) Gott! Gott! Was soll ich thun? Was soll ich beginnen? Ha! ich will alle meine Unterthanen zusammen rufen, und ihnen sagen, daß mein Sohn— mein Siegfried noch lebe, daß er nicht todt, daß er hier sey.(ab.) Reinhard. Herr! Ich konnte mich der Thränen kaum enthalten. Siegfried. Ich wußt' es, ich mußte erst sein Gefühl aufwiegeln, mußte sein Herz rühren, seine Sinne umstimmen, um das VerMechen, daß er mir Beystand leisten wolle, aus ihm heraus zu locken, vielleicht werde ich davon Gebrauch machen können, vielleicht müssen. Reinhard. Das Schicksal muß uns nicht günstig seyn, sonst hätt' es uns um ein Paar Tage eher hierher gebracht..... Siegfried. Erinnere mich nicht daran, reiß mir nicht von neuem die Wunde auf! Gestern, Reinhard, ward sie vermählt, und ich kam nur um einen einzigen Tag zu ipät... Reinhard Beruhigt Euch, Ritter! Deutschland hat noch viele schöne Töchter, deren eine Euch gewiß Ulrikens Verlust ersetzen wird. »26 Siegfried. Keine, keine vermag dieß. Ich werde sie nie, nie vergessen. Reinhard! Ich will sie sehen, muß sie noch einmahl sehen, noch einmahl sprechen. Morgen will ich nach Warry eilen, und ihr Glück zu ihrem neuen Stande wünschen. Knechte und Reisige,(durcheinandcr auf dem Burghöfe.)»Viktoria, Viktoria! Heil ihm, Heil Siegfrieden!« Reinhard. Hört Zhr'S, wie Eure Getreuen Euch mit wilder Freude bewillkommen? (Der Lärm zieht sich näher.) Siegfried. Komm laß dem ersten Sturm ihrer zügellosen Freude ausweichen! Den Morgen darauf. Siegfried, Reinhard. 8^ einhard.(indem er Siegfrieden die Pilgerkutte anzieht.) Ihr wagt aber viel dabey, edler Ritter, wenn er Euch erkennt, wenn er Eure Absicht anders deutet.— Erklärung forderte er, und blutige Rache nahm' er an Euch! Siegfried. Denkst du etwa, ich sollte mich fürchten vor Gefahr, zittern vor dem Tode? Reinhard. Das nicht, aber auch nicht blind hinein rennen. Wie wollt Ihr Euch wehren, wenn er Gewalt an Euch zu üben so vermessen wäre? Siegfried. Dann hab' ich mein Schwert, und so lang ich dieses habe, zirtre ich in keiner Gefahr. Darum hab' ich unter diese Kutte den Panzer geschnallt, darum das Schwert umgegürtet, damit ,ch wich wehren kann, im Fall der Noth. Ich muß sie sehen, muß ihn kennen lernen. Ist er edel, ist er werth ihrer Liebe, dann will ich Ritterspflicht "7 üben, und ihn ungestört im Schooße dcS Glücke- lassen. Ist er ihrer unwürdig, dann will ich alle meine Macht aufbiethen, sie ihm zu entreißen,— und sollte selbst Nordenburg darüber zu Grunde gehen. Reinhard. Gott steh' Euch bey! Aber Ihr wagt doch immer viel. Siegfried. Eile, die Sonne steigt schon hinter den Bergen hervor, der Tag ist kurz und meiner Verrichtungen noch viel. Reinhard,(setzt ihm den Pilgerhut auf) So, nun seyd Ihr fertig! Siegfried. Ich gehe, und wenn ich nicht wieder kommen sollte, so melde es meinem Vater, und rächet mlch! Reinhard. Gott sey EuerMegleiter! Zimmer in der Burg Warry. Ulrike, Gertruds. (Ein Knappe tritt ein.) nap p e. Ein Pilger langt jetzt in der Burg an, er sagt, er käme vom heiligen Grabe, härte eine Both- schaft von elnem Bekannten aus dem christlichen Heere an Euch abzulegen, und begehrt Euch zu sprechen. Ulrike. Bring ihn her, eile, eile! O Gertrud, ich werde Nachricht erhalten von rhm, werde hören ob er noch lebt.— O ja, von ihm, von ihm, er ist ja der einzige Bekannte, den ich beym Heere habe. Gertrud! ob wir auch sicher sind vor Carln; ist er sicher nicht heim? Wird er mich nicht überraschen im Gespräch mit dem Pilger? Nicht uns behorchen? Gertrud. Sorget nicht, edle Frau! Er ist hin- i s8 über gerieten nach Steineck, um nach HildebrandS Befinden zu fragen. (Siegfried alt Pilger, tritt ein.) Ulrike. Gott grüß Euch, alter Vater! kommt Ihr von Jerusalem, habt Ihr einen Auftrag an mich? Sprecht, ich bin bereit Euch zu hören! Siegfried. Vergebt, edle Frau! wenn ich Euch Ungelegenheit verursache. Der letzte Wille meines sterbenden Freundes zwingt mich dazu. Nehmt mirs nicht übel, wenn ich an Euch, wie ein Vater an seine Tochter, einige Fragen stelle, und um deren Beantwortung bitte. Ulrike. Ihr sprecht Räthsel, guter Vater! Aber fraget, die Beantwortung soll Euch werden. Siegfried. Ihr kanntet einst einen Siegfried von Nordenburq. Ulrike- Ich? Ich? Wie kommt Ihr auf dies« Frage? Siegfried. Edle Frau! Ihr kanntet einst einen Siegfried von Nordenburg? Ulrike. Ja ich kannte ihn! Siegfried. Ihr liebtet ihn? Ulrike. Woher wißt Ihr das? wäret Ihr sein Freund, hat er Euch seine Geheimnisse entdeckt? Siegfried. Antwortet! Ihr habt ihn geliebt? Ulrike. Ach Gott!— Ich— liebte ihn. S i eg fried. Als er, bereit mit dem Heere der Kreuzfahrer ins gelobte Land zu ziehen, im Burg- hain von Euch Abschied nahm, da schwurt Ihr, drey Jahre seiner zu harren, ihm nicht untreu zu werden diese Zeit. Ulrike. Ha! Warum verwundet Ihr mein Herz mit dieser Erinnerung an ihn? Habt Ihr seiner schon vergessen? Sein Andenken so ganz aus Eure- Seele verwischt? U lr i kc. Das Gras im Burghain, das von mei- 129 nen Thränen befeuchtet, aufwuchs, beantwortet Euch diese Frage, der Felsen zahle Euch die Seufzer vor, die er so oft mir nachhallte. Siegfried,(gerührt, sucht sein G-sühl zu unterdrücken) Ihr gelobter ihm Treue, gelobtet drey Jahre seiner zu harren, und hieltet so schlecht Euren Schwur. Indeß, daß er für das Wohl der Christen kämpfte, nach Ruhm und Ehre kümmerlich rang, brächet Ihr den Eid, und habt Euch mit einem Anoern vermahlt. Ulrike. Nein, nein, guter Vater! Ich verdiene diese Vorwürfe nicht, ich brach nicht meinen Eid. Ich wartete drey Jahre und drey Tage auf ihn, und hätte vielleicht bis in den Tod gewartet, wären von dem erzürnten Schicksal meinem Willen nicht Fesseln angelegt worden. O hört meine Geschichte, und Ihr weidet mich dann selbst entschuldigen, werdet Mitleiden haben mit mir. Siegfried. Ich weiß sie, aber sie entschuldigt Euch nicht. Ihr dürft Euch nicht wundern, wenn ich Euch erzähle, daß Ihr Schuld an Siegfrieds Unglücke seyd. Ulrike,(die Hände ringend) O Gott, Gott! Meine Leser mit ekelhaften Wiederholungen nicht zu ermüden, muß ich hier anmerken, daß der vorgebliche Pilger Ulriken die ganze Geschichte von Siegfrieds Schicksale und Tode im gelobten Land« eben so buchstäblich erzählte, wie wir solche im Gespräche mit dem alten Conrad von Nordendurg gehört haben. Nur dann erst, als er sie genug auf die Probe gesetzt, und manche Wunde der Unglücklichen wieder aufgerissen hatte, als er durch die zärtlichste Theilnahme an Siegfriedens Mißgeschicke hinreichend vozi ihrer Liebe und Treue überzeugt zu seyn glaubte, gab er sich ihr zu erkennen. Ich knüpfe daher den Faden des Gespräches da wieder an, wo der vermumme Siegfried eine blu- Ritter Beend'« Aeist. I i3o tige Scherpe aus dem Busen hervsrlangt, und sie Ulriken überreichet. Siegfried. Erweise, sprach mein sterbender Freund zu mir, erweise Mir die letzte Wohlthat, und bringe Ulriken dieses, und meinen— Fluch! (er übergibt ihr die blutige Scherpe.) Ulrike. Ha! die blutige Scherpe, die ich ihm im Burghain um den Leib band, als er Abschied von mir nahm, als ich ihm ewige Treue schwur. Siegfried. Du kannst, fügte Siegfried hinzu, du kannst ihr sagen, daß sie bey jedem Blick an diese mit meinem Blute gefärbte Scherpe denken soll, daß sie Schuld an meinem Tode war. Ulrike,(mit Wehmuth und sichtbarem Schmerz.) Ich Schuld an seinem Tode? er sendet mir seinen Fluch? O Siegfried, Siegfried!— Wüßtest du, wie unschuldig ich bin! Wärest du doch zurückgekehrt, wärest du hier, daß ich dir meine Liebe, meine Unschuld beweisen könnte! Siegfried,(reißt den Bart und Pilgerhut ab.) Ulrike, ich bin hier, bin überzeugt von deiner Unschuld. Ulrike,(halb ohnmächtig ihn an sich klammernd im Ausdrucke der höchsten Freude.) O Siegfried, Siegfried! (mit tiefem Schmerze.) Armer, unglücklicher Siegfried! (Lange Pause.) (Carl und Hildebrand treten hastig herein, und bleiben erschrocken in der Thüre stehen.) Carl(er zieht sich langsam zurück.) Ha! was ist das? Hildebrand, was ist das?— Diese Stellung, diese Verkleidung?— Ist der Bösewicht nicht Siegfried von Nordenburg? Hilde brand. Er ist's, stille, laßt uns sie behorchen!(sie ziehen sich leise zurück.) Ulrike. Siegfried!— Unglücklicher! Warum kamst du nicht eher? »3> 2» Siegfried. Konnt'ich, da ich in Ketten und Banden schmachtete, da Sclavenskand mein Loos war. Carl.(leise zu Hildebrand.) Geh, rufe Meine Knappen, ich muß Rache nehmen an dem Ehrenlosen! Hildebrand. Handelt nicht übereilt! Carl. Geh, ich handle gerecht.(Hildebrand ab.) Ulrike. Das Schicksal warf mich in Ketten, um ganz unser Glück zu untergraben, Siegfried! Ich bin Carls Weib. Siegfried. Ich weiß es, ich kam nur, um dich zu prüfen, ob du mich noch lieblest, um dich nur einmahl noch zu sehen.— Ulrike, hast du deinen Siegfried in Abwesenheit geliebt? Ulrike. Gertrude zahle dir die Seufzer, die ich um dich ausstieß. Ich bin unglücklich, ewig in Carls Armen, unglücklich. Carl.(stürzt mit bloßem Schwerte herbey.) Ha, Ungetreue! Ha, Ehrloser! V-rrheidige dich! Ulrike(sinkt Gertruden ohnmächtig in die Arme.) Gott im Himmel! Siegfried,(wirft die Pilgerkutte rasch ab, und steht als Ritter in»ollem Harnisch da.) Carl, mein Wort, und dieses Kreuz bürgt dir für meine Redlichkeit. Carl.(gibt ihm auf die Schulter den entehrenden Schwertschlag) Bube! dein Nahme werde gebrand- markt, dein Wappenschild an den Pranger gestellt' Siegfried. Dieß ist zu viel, höre Mich und urtheile! (HilLcbrand tritt mir sechs Knappen ein.) Carl Ich hörte, ich sah euch! Knappen, werft ihn in's Burgverließ! Siegfried,(zieht sein Schwert gelassen.) Graf! Ihr kennt mich nicht, Ihr denkt, Euer Drohen wird mich schrecken, Ihr wißt nicht, daß dem Unglücklichen der Tod Wohlthat ist. Ulrike,(ermahnend.)Carl, Carl, hab'Erbarmen Gertruds. Graf, seyd nicht so grausam, laßt Euch besänftigen! Carl. Fort, führt sie fort! sie soll büßen für ihre Untreue, ich will richten, schrecklich richten. Siegfried. Du bist hart, Warry, du bist grausam, aber sieh, daß ich nicht zittre, hier hast du mein Schwert, mache, was du willst, richte mich, wenn ich schuldig bin, nur höre mich; wenn noch ein Funken Liebe zu deiner Gattinn in deinem Herzen loderte, damit ich sie rette, für mich ist der Tod eine Wohlthat(Sr wirft ihm Las Schwert vor die Füße, antritt unter die Knappen.) Führt mich fort! Carl. Führt ihn fort, den Unedlen, werft ihn in'ö Burgverließ, den Schänder der Ehre! Siegfried,(sich umwendend) Carl, schone bei» ner Gattinn! Carl. Fort, fort! (Die Knappen führen den Unglücklichen ab.) Carl. Die Schlange! Ist di-ß der Lohn für meine Wohlthaten, dieß der Ersatz für meine nahmenlose Liebe? Hildebrand. Ihr seyd ungerecht, daß Ihr Siegfrieden nicht höret, für einen Ritter zieme nicht das Burgverließ, vielleicht sind sie unschuldig Carl. O sag' das nicht! Ich hörte selbst das für mich so fürchterliche Bekenntniß! Ich bin unglücklich,» iprach die Treulose, ewig in Carls Armen unglücklich.« shildebrand. Das war viel, aber Siegfried! Carl. Ich verstehe dich, was du willst, es sey! Ich will nicht als Rächer handeln. Laß ihn herauf führen!(Hildebrand ab.) Carl. Schlag, schlag unglückliches Herz! Du hast viel gelitten in dieser Stunde. Die Meineidige! Ich wähnre selige Wonne in ihren Armen zu genießen, und fand Qualen der Hölle.— Ha, Schlange! zertreten will ich dich! und Wonne über deinen To- i3ct deskampf empfinden.— Unglücklich in meinen Armen? Die Elende! Ich wünsche mich ju rächen, und doch, doch muß ich mir selbst gestehen, daß ich die Verworfene— noch liebe. Siegfried,(eintretend) Du ließest mich zurück rufen, Warry, was verlangst Du? Carl. Siegfried, ich will mit dir ritterlich han- dein. Hier hast du dein Schwert, mit ihm deine Freyheit! Gott soll entscheiden, Gott soll deine Schuld oder Unschuld darthun.(wirft ihm seinen Handschuh hin) Hier hast du mein Wort! Morgen, um die zehnte Stunde, stell- dich vor die Schranken des Kampf, aerichts? Siegfried. Ich will mich stellen. Wo soll der Ort der Entscheidung seyn? Carl. Auf der Wiese bey Nordhausen. Siegfried. Gut, ich will erscheinen. Für meine Freyheit dank ich dir nicht; denn du handelst uur billig.(Geht st°lj ab.)^ Carl. Komm, laß uns die nöthigen Anstalten treffen, Hildebrand! So weit hatte Albrecht die Geschichte der unglücklichen Ulrike von Warry gelesen, als wichtige Angelegenheiten, ihn auf einen andern wchauplatz riefen. Die Begebenheiten seines Hauses, der Verlust seines Bruders, der Schmerz über seines Vaters Ermordung, hatten auf eine Zeit in ihm das Feuer der Liebe unterdrückt, jetzt, da er wieder freyer zu ath. men.begann, stammte es mit unwiderstehlicher Macht auf. Denn sollte er nicht eilen anf d" Streitbahn, als er hörte, daß Helena beym Turniere die Preise vertheilen würde, sollte er nicht vor ihren Augen zeigen, daß er ein tapferer Ritter sey? Sollte er nicht den Preis zu erringen trachten, den ihre schöne Hand >3ff ausspenden würde? Dazu wählte er die versilberte un- gewöhnliche Rüstung, um sich nicht gleich zu verrathen, wenigstens alle so lange im Zweifel zu erhalten, biS daß daS Schicksal ihn zum Sieger machen würde. Zu Merseburg wimmelte schon alles von Grafen und Rittern, Hunderte waren zugegen, nur Albrecht fehlte noch. Helena stand auf dem Erker des SchloßeS, von welchem man in die Stadt herabsehen konnte, sie suchte in jedem neu ankommenden Ritter ihren Geliebten, und— fand ihn nicht. Stattliche Streiter sprengten alle Augenblicke zum Thore herein, aber keiner unter allen war er. Thränen zitterten in ihren Augen, Mühe kostete eS sie, solche zurück zu halten, um nicht ihrer neben ihr stehenden Schwester Gerberg Ursache zum Fragen zu geben, um sich nicht dem Spotte deS Herzogs Giselbert auszusetzen, der an ihrer Seite die ankommenden Ritter begrüßte. Entweder hält ihn eine schwere Krankheit daheim, oder hat er mich gänzlich vergessen, dachte sie, und vermochte nickt die Traurigkeit zu bergen, die sich ihrer bemächtigt hatte. Es war der letzte Tag vor dem Turniere, daS Abendrots, färbte den Himmel, und nun durfte si Albrechts Ankunft nicht iänger hoffen. Der gewünschte Morgen brach endlich an, und die Sonne vergoldete die eingeschränkte Kampfbahn. Ringsum hielten die Ritter auf ihren Rossen. Hinter ihnen drängte sich das begierige Volk. Gallerten umgaben den Platz, von welchem die vornehmen Herren und Frauen herabsahen, in der Mitte saß der Kaiser auf einem erhabenen Throne, zu seiner Rechten die Herzoge und Grafen, zur Linken Helena, Gerberg und andere vornehme Damen. Schon turnierte man, schon hatte mancher seine Lanze zerbrochen, und Helena hoffte vergebens un- »35 ter den Kampfenden ihren Geliebten zu finden, als auf einmahl ein weißer Ritter, auf einem glänzen- den, schwarzen Hengste, geziert mit grüner Leibfarbe, herbeygesprengt kam, und zu stechen verlangte. Helene» schlug das Herz hoch vor Freude, sie sah an seinem Speer das grüne Fähnlein, und ahnete, daß er es seyn könnte, aber die versilberte Rüstung, die Albrecht nie zutragen gewohnt war. erregte ihr Zweifel. Indessen blieben ihre Blicke immerfort auf ihm haften, sie schien eingenommen zu seyn für seine Tapferkeit, indem sie ihm Beyfall zulächelte, wenn er einen oder den andern der Ritter vom Pferde stieß, oder sie an seinem felsenfesten Harnisch ihre Lanzen brachen. Selbst der Herzog Gieselbert, der sonst für einen sehr tapfern Ritter geachtet wurde, mußte den Sattel räumen, als er nach zweymahl gebrochenen Lanzen, den dritten Ritt mit dem weißen Ritter wagte. Trompeten- und Paukenschall erfüllte die Luft, und Jedermann sprach dem unbekannten Kämpfer den Preis des Sieges zu, und als er hintrat, um von Helenens Hand den Dank zu erhalten, als er den Helm herabnahm, und Albrecht da stand, da freute sich^baß darüber der Kaiser, weil er ihn liebte, und seine a.a- pferkeit dem Herzoge gerühmt hatte. Neues Jauchzen begann, da man den Feldherrn erkannte, neue Freude kehrte in Helenens Herz zurück, als er da stand vor ihr, als sie ihm die kastanienbraunen Locken von der erhitzten Stirne strich, und ihm den Preis reichte. Im Triumph begleitete man den Sieger in's Schloß zurück, und ihm wurde vergönnt, den ganzen Tag an der Prinzessin Seite zu bleiben, und sie zum Reihen aufzuführen. Von dem Jubel, der in Merseburg herrschte, widerhallte die Gegend rings umher, hundert Kronleuchter schimmerten in prächtigen Säle-, Pokale klirrten, und liebliche Töne, durch Instrumente aller Art hervorgebracht, bezauberten der An- wesenden Ohren. Alles athmete Wonne, die Trinker zechten, die Buhler koseten mit ihren Liebchen, und die Tänzer tanzten, mit den schlankern Dirnen den langen Reihen durch. Alles freute sich, nur an Helenenö gezwungener Miene sah Albrecht, daß ihr Herz nicht heiter sey, daß regend ein Kummer an ihm nage. Gern härt' er ihr die Ursache abgefragt, aber unmöglich war es ihm, die ichwärmenden HöiUnge nur einen Augenblick von ihrer Seite zu entfernen. Mit Sehnsucht harrte er des andern Tages, wo ihn ein günstiges Ungefähr in den schloßgarten führte, in dein er die Geliebte antraf, als sie eben in einem Laubengange nachdenkend und traurig auf und ab schlich. Er ergriff ihre zarte Hand, und wand seinen nervichten Arm um ihren schlanken Nacken. Albrecht. Warum weint, meine Helena? Woher diese abgehärmte Miene? Liebst du mich nicht mehr, Helena? Hele n a. Ich hatte zwey Jahre dich nicht gesehen, da wähnte ich, daß du vergessen hättest meiner, und weinte, und nun! Albrecht. Und nun? Enthülle mir den Kumme», der deine himmlische Seele ängstiget, und nun? Helena. O Albrecht! Wir müssen uns trennen. Ich bin die Tochter eines mächtigen Fürsten. Albrecht. Und der arme Graf Albrecht konnte es wagen, so hoch aufzublicken? Konnte dir Liebe abfordern? Wohl, Prinzessinn, ich will selbst meine Verwegenheit strafen, ich will Euch vergessen lernen, und sollte mein Herz vor Wemuth und Gram zerbersten. Helene. Du deutest meine Rede unrecht, Alb- du, daß ich so wenig Liebe für eich fühle? Glaube mir, sie ist eisenfest meine Liebe, »le dein Panzer hier, hell lodert ihre Flamme in mei- '3? nein Herzen, aber mein Vater sieht den Rang, diesen Felsen, der unS trennt, oder meinst du, daß er unsere Liebe billigen würde? Albrecht. Wenn du Muth hast, dem Manne zu folgen, den du zu lieben vorgibst, so wirst du nicht langer zweifeln. Die Liebe kennt keine Hindernisse, und ihr Opf-raltar muß eben kein Pallast, kann auch eine geringe Hütte seyn. Helena. Ich verstehe dich, und bin bereit dir zu folgen. Zwar kettet mich die Natur an meinen Vater, aber stärker ist die Macht der Liebe. O mein Albrecht! Bald wird die Gewitrerwolke brechen) die sich über unsern Häuptern sammelte. A l b recht. Was für eine Wolke? Hast du etwas gehört? Hat dein Vater etwas von unserer Liebe gemerkt? Helena. Nicht dieß, aber etwas Gefährlicheres für unS. Ich saß vor einer Stunde hierin dieser Sei- tenlaube, da ging mein Vater mit dem Herzog Gie- selbert vorbey, beyde sprachen von Sraatssachen, von Vortheilen, von Heirathen. Ich hörte deutlich meinen Nahmen, und konnte leicht urtheilen, daß es mich galt. Der Kaiser offenbarte ihm, daß er mich an den Herzog von— In eben dem Augenblicke trat Heinrich hinter der Laubenecke hervor, so unerwartet, so plötzlich, daß beyde in die äußerste Verlegenheit geriethen. Die Prinzessinn entfernte sich, Albrecht wollte nachfolgen, aber der Kaiser hielt ihn zurück. Bleib Albrecht, bleib.' Du hast mir gestern einen festlichen Tag gemacht. Das; du dem hochmüthigen Gieseldert den Preis abjagtest, freut mich mehr, als wenn du mir eine Schlacht gewonnen hättest Ich will dir zum Lohne eine Bitte frey stellen, begehr', und was ich vermag soll dir werden. Albrecht, dem diese Gelegenheit Herz und Muth »38 gab, und der in der größten Gefahr sich befand, seine Geliebte zu verlieren, warf sich schnell vor Heinrichs Füße, und bath um die Hand feiner Tochter. Aber ein Unwille bemächtigte sich des Kaisers, den er, ob- schon er sich baß mühte, zu bergen nicht vermochte. Heinrich. Ich will nicht deine Kühnheit rügen, Albrecht, begann der Monarch in einem ernsten Tone; denn dernem treuen, guten Herzen bin ich Dank schuldig, ich will dir nur mit gültigeren Vorstellungen beweisen, w>e ungereimt dein Begehren ist. Wär'st du gleich meinem Stande, so wollt ich keinen Augenblick zögern, deine Bitte zu erfüllen, allein so— ein Graf von Altenburg?— Was würde Gieselbert, was würden andere Herzoge und Fürsten sagen, wenn ich einen Grafen von Altenburg an ihre Seite setzte?(Albrecht stand da mit niedergeseiiktem Haupte, mit einem sichtbarem Verdruß im Gesichte.) Doch, ich will vergessen, waS du gefordert hast, und hoffe, auch du wirst meine Tochter vergessen. Albrgcht. Vergessen, Helenen?— Dieß werd' ich nie. Leb wohl!(will fort.) Heinrich,(hält ihn zurück) Wohin willst du wieder, rascher Mann? Ist es deinem Fürsten nicht erlaubt ein Wort zu reden? Oder soll alles nach deinem Starrsinn gehen? O Albrecht, Albrecht, du mißbrauchst meine Güte! Albrecht. Darum vergönne, mein Kaiser, daß ich mich entferne, damit ich nicht mehr Gelegenheit habe, deine Güte zu mißbrauchen. Heinrich. Und wo willst du hin? Albrecht, Ich will meine Waffen ablegen, will meine Burgen gegen eine mosigte Hütte vertauschen, will mich in Wäldern verkriechen, und einsam leben, ohne gekrankt zu werden.. Heinrich. Das sollst du nicht, Albrecht Ich habe im Sinn, gegen die heidnischen Wenden i3<) die Mark Brandenburg zu errichten, und du sollst Markgraf seyn. Albrecht. Mich blendet kein Fürstentitel, Kaiser! ich habe ausgedient,(ab.) Und fort eilte Albrecht aus dem Garten in seine Wohnung, schwang sich auf's Roß, und ritt nach Altenburg. Hier nahm er Edelsteine und andere Kostbarkeiten vom größten Werthe zu sich, und ritt abermahl fort, ohne zu bestimmen, wohin. Paul und Conrad begleiteten ihn. In sernör Seele ging etwas Außerordentliches vor, eim Gedanke, groß und fürchterlich keimte in seinem Herzen, und gedieh nach und nach zur Reife. Es war ein großer Entlchluß, den er faßte, und den er ob seiner Gefährlichkeit für jetzt auch seinen treuen Begleitern nicht entdeckte. In kurzer Zeit erreichten sie Regensburg. Hier fragten ihn die beyden Alten um den Zweck ihrer Reise, aber keine befriedigende Antwort wurde ihnen. Kaum daß sie einige Tage hier verweilt hatten, so befahl er schon, zu ihrem größten Erstaunen, wieder zu satteln, und fort ging'S auch aus Regensburg. Gegen Böhmen wandte sich Albrecht. Bald waren sie an der Gränze, fürchterliche und ungeheure Wälder nahmen sie auf. Zwar riethen Paul und Conrad, die Heerstraße einzuschlagen, aber taub für ihren Rath bog Albrecht um, und drang mitten durch das stärkste Gehölz. Daß er einen Entschluß dabey vorhabe, daß er absichtlich diesen Wald untersuchen wolle, schloßen sie daraus, weil er Brot und Wein mitzunehmen befahl, als sie aus der letzten Herberge ritten. Treu aber ihrem Herrn, waren sie nicht gewohnt, Zweifeln über seine Handlungen Platz zu geben, und folgten ihm ohne Murren. Immer schrecklicher wurde der Wald, immer unwegsamer 1^0 der Boden, sie mußten absitzen, und die Pferde hinter sich führe»; endlich konnten sie mit ihnen nicht weiter; denn der Wald wurde so dicht, daß es den Rittern selbst schwer wurde, durch das'Gebüsch zu dringen. Auch Felsen und Abgründe stellten sich ihnen entgegen.»Stecht Eure Gaule nieder,« sprach Albrecht, zog sein Schwert, und streß eS seinem Hengste in die Brust. Paul und Conrad sahen bald ihn, bald den röchelnden Hengst, bald ihre Pferde schüchtern an, und Mitleid über die Thiere schien sich ihrer zu bemächtigen. Conrad war der erste, der auch seinen Gaul niederrannte, und Paul folgte seinem Beyspiele.»So.« redete sie Albrecht an,»die Raubthiere werden sie schon finden, daß sie unsere Spur nicht werden verrathen können. Sie hingen sich die Weinschläuche an die Seite, die Bündel mit dem Brote an die Schwertgriffe, und drangen weiter. Wohl bekam's ihnen, daß sie geharnischt waren, sonst wären sie von dicht verwachsenen Gesträuchen weidlich zerrissen worden. Sie kamen in Gegenden, die noch kein menschlicher Fuß betreten hatte, immer fürchterlicher wurde es in dem Walde, immer dunkler und dunkler, endlich brach die Nacht an. Sie waren gezwungen, während der Dunkelheit, einen hohen Baum zu besteigen, um vor den wilden Thieren sicher zu seyn. Bald hörten sie Bären brummen, Wölfe heulen, und Füchse bellen, aber endlich begann der Schlaf sich Albrechten zu bemächtigen, er stieg Herab, die beyden Alten auch, Paul machte Feuer an, Albrecht und Conrad legten sich m's hohe Gras zu schlafen, und der dritte wachte. So machten sie es täglich, und die Knappen wechselten ordentlich mir dem Wachen ab. Nach einigen Tagen gelangten sie endlich im Wald in diejenige Gegend, die gleich im Anfange »4» dieses BucheS ist beschrieben worden« als Herzog Udalrich sich darin verirrt hatte. Albrechten schien jetzt ein zentnerschwerer Stein vam Herzen zu fallen.»Gottlob!« rief er aus,»ich habe gefunden, was ich gesucht.« Mit Wohlgefallen blickte er die ungeheuren Sreinmaffen an, mit Wohlgefallen bemerkte er einen steilen Felsen, zu dein man fast keinen Zutritt fand, und nun öffnete sich sein lange verschwiegen gewesener Mund. Prophetisch zeigte er auf die Stirn des Felsens, und sprach:»Ich will hier rine Burg aufbauen, als wäre sie selbst aus dem Felsen empor gewachsen, an der die Zelt Jahrhunderte hindurch vergebens ihren gefräßigen Zahn weben soll. Sie wird Frauenburg heißen, der Wald muß vor ihren schrecklichen Mauern zittern, der Donner soll beym Anblick ihrer Starke zurückkehren, uud tausend Krieger sollen vor ihr erblassen.« Jetzt begann er seinen Begleitern den entworfenen Plan umständlicher zu entdecken, wie er gesonnen siy, eine Beste hier zu erbauen, sich a^elenens zu versichern, und mit ihr sein Leben in diesem Aufenthalt zu beschließen. Ohne Widerstreben schwuren Eonrad und Paul ihm in allen seinen Unternehmungen unverbrüchliche Treue, in allen seinen Handlungen ihren Beystand. Begierig untersuchten^ sie die Lage des Ortes, und fanden alles vortrefflich zu ihrem Vorhaben. Unübersteiqlich war schon der Felsen von selbst, undurchdringlich der Wald, unbekannt die ganze Gegend, was konnte Albrecht für einen bequemern Platz wünschen. Fröhlich eilten sie zurück, alles in Ordnung, und ihren Plan in Gang zu bringen, aber unglücklich lenkten sie ihre Schritte, wo sie Hätten links ihren Weg nehmen sollen, hielten sie sich, ohne es zu wissen, immer rechts, und vertieften sich mit jedem Tritte tiefer im Walde. t/sü Biele Lage irrten sie in selben umher/ daß es ihnen endlich an Speise gebrach. Sie gruben Wurzeln, behalfen sich mit wilden Beeren, und suchten Quellen, um ihren Hunger und Durst stillen zu können. Nach mancher beschwerlichen Tagreise, nach mancher schlaflosen Nacht erreichten sie endlich des Waldes Ende, und befanden sich an der sächsischen Gränze. Begierig eilte» sie in das erste Dorf, um sich mit Speise und Trank zu laben. In der nächsten Stadt kauften sie frische Rosse, damit sie ihre Reise gemächlicher fortsetzen konnten; denn Albrecht entschloß sich jetzt geraden Weges nach Altenburg zu ziehen, und von da aus die nöthigen Anstalten zu treffen. Aber das Schicksal wollte unsere Reisenden in andere Gegenden führen, wo sie Ersatz für die Beschwerlichkeiten ihres Zuges finden sollten. Gleich Nach etlichen Tagen bemerkten sie, daß sie verfolgt wurden. Ihren Verfolgern konnten sie die Stirn nicht biethen, weil es nicht Muth, weil es Tollkühnheit gewesen wäre, wenn sich ihrer drey mit einem Haufen von etlich dreyßig gewappneten Reisigen zu messen unterstanden hätten. Sie suchten sie daher mit List zu überwinden, und wichen stets. Bey die- sen beständigen Wendungen verirrten sie sich übermahl vom rechten Wege, daß sie selbst nicht wußten, wo sie sich befanden, und wohin sie ihre Schritte lenken sollten. Überall, wo sie sich hinwandten, vertraten ihnen ihre Verfolger den Weg, manchmahl wurden sie Handgemenge, und da erkannte Albrecht den Buben Meinhard, dessen Vater er in der Schlacht getödtet, und seine Burg in einen Schutthaufen verwandelt hatte. Das Unglück leitete die Irrenden immer tiefer gegen Norden hin, so, daß sie sich in kurzem im heidnischen Gebiethe der Wenden befanden. Hier war es auch, wo Meinhard nachließ, sie zu ver- »4S folgen, aber schrecklichere Gefahren harrten ihrer daselbst. Sie hüllten sich tief in ihre Mantel, vermieden die Heerstraße, zogen durch ungebahnte Wälder und Gegenden, und suchten auf Geradewohl den Weg aus den Wüsteneyen. Einst lagen sie bey Nachtzeit in einem Holze im Grase, Paul hatte ein Feuer angemacht, um welches sie herumsaßen, und sich über ihren gefährlichen Zustand besprachen. Und sieh!—da zog ein Trupp fürchterlich geharnischter Krieger fürbaß, und hielt an, sie um ihr Thun und Herkommen zu befragen. Rasch sprang Albrecht auf, schwang fürchterlich sei» Schwert, und wollte ihnen keine Rede stehen, da begann ein Kampf wild und schrecklich, daß die Panzerr-nge umherflogen, und der Wald von dem Waffengeklirr widerhallte. Unter den Wenden zeich- riete sich besonders ein junger schöner Mann aus, der es mit Albrechten selbst aufnahm, weil er sah, daß er sich so tapfer hielt. Aber er konnte mit ihm nichts ausrichten, und der Sieg begann sich auf Albrechts Seite zu neigen. Da das die wendischen Krieger bemerkten, fielen sie einmüthig auf ihn ein, aber schnell winkte ihnen der junge Mann, sie zogen sich zurück, und senkten die Waffen. Auch Albrechten winkte der junge Heide Stillstand, und sprach:»Du hast wacker kämpfen gelernt! Ritter! vergönne mir, daß ich deinen Nahmen höre.« Albrecht. Den wirst du nicht hören, auch wenn ich über Leben und Tod die Wahl hätte. Eher kannst du dein blankes Schwert an meinen hart gewordenen Knochen schartig hauen, ehe du ein Wort aus meinem Munde bringst. Der junge Wende. Auch dann nicht, wenn ich dir Frieden anbiethe, wenn ich dir meinen Nahmen nenne? Albrecht. Was frommt es mir, deinen Nah- -44 men zu wissen, da du dennoch mich hintergehen, und meuchlings überwinden kannst? Der junge Wende. Hast du dem Manne zu trauen verlernt? Traun! Bey dir muß das Menschengeschlecht übel angeschrieben stehen, da du auch den, der dir seine Freundschaft anbiethet, für einen Schurken hältst! Albrecht. Du wirst mein Freund seyn? Womit härte ich dieß verdient? Der junge Wende. Weil es mir mein Herz sagt, daß du ein Biedermann bist.(wirft das Schwere weg.) Albrecht,(sich verwundernd.) Dein Nahme? Der junge Wende. Wittowuth Radaschin. Und nun dein Nahme, edler Ritcer? Albrecht. Ich bin ein Graf von Altenburg, des mächtigen Kaiser Heinrichs Feldherr! Radaschin.(erstaune.) Wie? Ein Graf von Altenburg? Hast du nicht einen Bruder, der sich Brend nennt? Albrecht,(gerührt.) Wohl hatt'ich ihn einst— jetzt nicht mehr. Radaschin. O laß unS einander umarmen, laß uns den Bund der Freundschaft schwören! Hast du nie etwas von meinem Vater, Wirlomuth Hasty gehört? Hat nie dein Vater Rudvlph, oder dein Bruder Brend von ihm gesprochen? Albrecht. Wohl hat mein Vater von diesem Wittowuth Hasty zuweilen gesprochen, aber immer lag ein Geheimniß dabey in seiner Miene, und ich konnte nichts Gewisses erfahren. Du wirst mir jetzt den Zweifel lösen können, der mich manche bittere Stunde beschäftigte. Radaschin. Du forderst viel, mehr, als ich dir jetzt gewähren kann, aber ich will dich zu meinem Vater auf Hasty führen, wo du über alle deine Zweifel Aufschluß erhalten wirst. .45 Albrecht. Wenn du Neigung zu mir fühlst, mir Freundschaft erweisen willst, so führe mich auS diesem Lande nach Sachsen, denn wichtige Angelegenheiten rufen mich in meine Heimach zurück. Radaschin. Sie werden nicht so wichtig seyn, daß du nicht einige Tage weilen konntest. Komm, morgen treffen wir in Hasty ein, auch wird es dich gewiß nicht reuen, hingezogen zu seyn; denn wenn du edel denkst, wenn du ein Biedermann bist, so wirst du dorr etwas finden, was dein Herz mit überschwenglicher Freude und Wonne erfüllen wird. Albrecht und seine Begleiter schwangen sich auf die Rosse und ritten mit. Unter Wegs mußte er Radaschin alle Begebenheiten erzählen, die sich nach Brends Abreise in Sachsen zugetragen haben. Der junge Wende schien so begierig zuzuhören, und an allem so warmen Antheil zu nehmen, als wenn von diesen Begebenheiten sein Schicksal abhinge. Am andern Tage erreichten sie die Burg Hasty, Radaschin führte seine Gaste in ein Gemach im untern Stockwerke, ließ ihnen Wein auftragen, und hieß sie so lange zu weilen, bis er ihre Ankunft seinem Vater gemeldet hätte Bald erschien er wieder, und führte sie in einen prächtigen Saal, wo sie Wtttvwuth Hasty, ein alter ehrwürdiger Greis, freundlich empfing.»Sey mir willkommen, Sohn meines ermordeten Freundes,« rief der alte, redliche Hasty Albrechten entgegen,»sey mir tausendmahl gegrüßt. Den zweyten Sohn Rudolphs auch einmahl zu sehen, ist mir selige Wonne,(Sr umarmt ihn.) Komm, ich will dich auf einen Ort führen, wo Freude, lange entbehrte Freude deiner wartet.« Jetzt nahm er lächelnd Albrechten bey der Hand und führte ihn aus der Burg, stillschweigend folgte RudolphS tapferer Sohn. Ein kleines Wäldchen, schaurig und schön, nahm sie auf, Albrecht wähnte in ein Paradieß Vermieter Brend's Geist. K setzt zu seyn, so angenehm wandelte sich's darin, Rosen und Jasmin dufteten umher, saufte grüne Rasenbanke luden die Müden zum Ausruhen ein, und Lauben von Lpheu bothen ihnen kühlenden Schatten an. In der Mitte stieg eine kleine Hurte aus dem Moose empor, ein Mann auf seine hohle Hand gelehnt, saß vor derselben auf einer Ruhebank. Seine Brust war schwarz gepanzert, seine Kleidung zeigte, daß er ein Deutscher— ein Sachse sey. Heilige Jungfrau, rief der alte Paul, indem er hastig vortrat, und Albrechten am Mantel zupfte, seht einmahl dort den Mann vor der Hütte, schenils doch, als wenn er ein Deutscher wäre, und hat er einen Panzer, schwarz, wie wir Knappen Rudelphs trugen, und wenn mich meine Augen nicht trügen, so wollte ich werten, es ist der alte Kurd, der mir mir von Kindesbeinen an Eurem seligen Vater diente.— Und es war auch Kurd. Paul und Conrad eilten auf ihn zu, sie herzten, und halste» einander. Indeß, daß Albrecht auch staunend und voll Ahnung sich hindrängte, dem alten Kurd traulich die Hand schüttelte, und ihn zu fragen nn Begriffe war, wie er hierher käme, da öffnete sich die Thür der Hütte, und sieh! Beend sein Bruder, am rechten Arm seine Mathilde führend, trat auS selber. Himmel! Was war das nicht für ein Auftritt? Ich bin zu arm an Ausdrücke» diese Scene zu beschreiben. Die Brüder fielen einander in die Arme, Paul und Conrad sän- ken Brenden zu Füßen, und Thränen der Freude rollten über ihre sättigten Wangen. Gerührt stand der Greis Wittowuth, sein Sohn Radaschin und Mathilde ihnen zur Seite, und sahen wonnetrunken dem himmlischen Schauspiele zu. Bruder, mein Bruder', stammelte nach einer langen Pause Albrecht, wo find ich dich? Unter edlen Menschen, entgegnen Brend, heim haben sie mir >47 glles verleidet/ nicht ein Fünkchen Biedersinn war mehr in Sachsen. O Albrecht, Albrecht! Du warst glücklich, daß du nicht gegenwärtig warst bey all den Auftritten, du weißt nicht, wie fein man den Plan anlegte, wie listig man die Miene grub, die dar Haus Altenburg stürzen, die eS zertrümmern sollte. Albrecht. Nun weiß ich es, ich habe den Bösewicht entlarvt, der dich unglücklich machte. Brend Hast du das? O laß dich küssen dafür, Bruder! diese deine That versöhnt mich wieder mit den Menschen. Wer war es, A brecht, wer war der Bube, der unsern Vater mordete, der die Blutschuld auf mich walzte? Albrecht. Otto, Graf von Thurnberg war der Böthe, war der Vollzieher dieser höllischen That. Aber ich habe dem Schatten unseres Vaters mit seinem schwarzen Blute ein Opfer gebracht, unter meinen Händen entquoll es, sein Sohn Meinhard floh in die weite Welt, und seine Veste Thurnberg ist jetzt— ein Steinhaufen. Brend. Aber meine Unschuld? Albrecht. Ist klar, ist erwiesen vor ganz Deutschland. Du bist frey von der Acht, diese schriftliche Versicherung des Kaisers ist der Beweis.(Sr reicht ihm eine Schrift.) Brend. Dank dafür deiner Liebe, deinem Edelmuts», theurer Bruder!— Laß uns hier auf diese Rasenbank setzen, und erzähle alles, was in Alten- burg, was in Sachsen nach meiner Flucht sich ereignete! Albrecht bemerkte indessen, daß der alte Paul sich zu Mathilden hingeschlichen, und ihr die Hand geküßt halte, und daß sie liebreich und herablassend mit ihm spreche. Er kannte die Fürstentochter nicht, fragte seinen Bruder, wer sie wäre, und erfuhr, sie sey seine Gattinn. Da blickte er ihr in's große, »4b blaue, heitere Auge, sah ihre Cngelsmiene, und wurde von süßer Empfindung hingerissen zu ihr, und ganz eingenommen von ihrer bezauvernden Gestalt. Freudig drückte er den Freundschaftskuß aus ihre Rosenlippen, und nie gefühlte Wollust bemei- sterte sich der Herzen aller Anwesenden. Nun setzte man sich gesellschaftlich auf die Rasenbanke, Albrecht erzählte alle Begebenheiten umständlich, unddieRück- erinnerung an die Vergangenheit preßte ihnen Thränen aus. AIS er nun zu Ende war, und von seinem Bruder gegenseitig die Erzählung seiner Schicksale begehrte, da blickte Brend den Greisen Wittowuth zweifelnd an, und zögerte, aber Rudolphs Freund gab>hm einen Wink, alles zu erzählen, und entfernte sich nnk Radaschin und Mathilden, um ihnen ungestörtere Gelegenheit zur Ergießnng ihrer Herzen zu lassen. Du wirst, Bruder, sprach Brend, indem er naher zu Albrechten rückte, du wirst öfter von einem großen Schwerte gehört haben, das unserm Vater Rudolph so manches Glück brachte, dieß Schwert ist dieses. Er schnallte es von der Seite, und reichte es seinem Bruder. Albrecht entblößte es, und fand eine starke, blanke Klinge, ein Schwert, wie jedes andere, nur daß es an Stärke und Größe alle andern übertraf. Dieses Schwert, fuhr Brend fort, das unsere Feinde für einen Talisman» hielten, gab Ursache zu meinem und unsers Vaters Sturz. Jeder trachtete es zu erlangen, Jeder wähnte durch seinen Besitz glücklich zu werden. Indessen würde es keinem gefrommt haben, der das Geheimniß nicht wußte, durch welches daS Schwert seinen Werth erhielt. Erneu geheimen Werth hatte es, dieß zeigte meine, und meines Vaters Liebe dazu an; denn eher hätten unsere Fäuste erlahmen müssen, ehe mir eS weggegeben hätten. '49 Nur unser Vater und hier der alte Ritter Con- rad wußten um das Geheimniß, selbst mir und dir verschwiegen sie es, bis mir endlich Vater Rudolph auf seinem Krankenlager das Räthsel löste. Wir waren noch Knaben, als er mit den Erbachern in Fehde stand. Das Glück wollte ihm wohl, er überwand seinen Gegner, und tödtete ihn in einer offenen Feldschlacht. Dieser Tod zog unserm guten Va» ter so viele mächtige Feinde aus den Hals, daß er sich, weil er nicht allen zu widerstehen vermochte, entschließen mußte, zur Büßung seiner raschen That. einen Kreuizug gegen die heidnischen Wenden anzuführen. Mehrere Ritter versammelten sich mit ihren Knechten vor Alcenburg, und Rudolph zog an der Spitze von zweytausend mulhigen Kriegern in das Land der Wenden. Tod und Verderben flogen vor dem Heer, wo es hinkam, da rauchten Dörfer, da floß Blut, und der Sterbenden Aechzen stieg gegen den Himmel. Die unvorbereiteten Heiden mußten fliehen; Greise, Kinder und Weiber sielen unter dem Schwerte. Aber unser Vater that diesem Grä'uel, diesem Gemetzel der Unschuldigen sogleich Einhalt, als es zu seinen Ohren drang. Einst lag er einsam und von der Reise ermüdet unter einem alten Baum, i» der Ferne rauchten noch die in Schutthaufen verwandelten Dörfer, da schlich ein langer Zug Greise, Jünglinge und Weiber der unglücklichen Wenden schüchtern zu ihm, auf ihren Gesichtern waren kennbar die Spure» des Kummers und der Verzweiflung zu seh n. Die Greise trugen ihre ermordeten Kinder auf den Armen, die Jünglinge ihre Vater und Mütter, die Weiber ihre Männer. Rudolph schauderte zusammen, und sprang wild auf. »Gib unS unsere Kinder, schrien die Greife, LÄV und zeigten ihm die Leichen der Ermordeten. Gib uns unsere Aeltern! riefen die Jünglinge. Gib uns den Frieden! stöhnten die Weiber.« O den Frieden, den Frieden! wiederholten alle: Was haben wir Euch gethan? Wir haben Eure Hütten nie verwüstet, Eure Felder nie verheere, und Euch im Besitze Eures Eigenthums ungestört gelassen! O großer Feldherr, laß dich von unserem nahmenlosen Elende rühren, gib uns den Frieden! Blaset zum Abzüge, Trompeter, blaset, rief Ru- dolph, ich will Euch Ruhe und Frieden geben, und heiße Thränen des Mitleids und Erbarmens entquollen seinen Augen. Trompeten schmetterten auf sein Geboth hoch in den Lüften, er schwang sich auf sein Roß, jagte davon, und machte den angesehensten Rittern des Heeres seinen Entschluß bekannt. Anfänglich sträubten sich ihrer viele, zwar seinem Vorschlage Gehör zu geben, aber seine Beredsamkeit, seine lebhafte Schilderung des Elendes der Unschuldige» bezwäng bald ihre Herzen, und sie willigten einstimmig in seinen Entschluß. Es war jetzt bereits Abend, und das ganze Heer lagerte sich in einer Ebene, die auf einer Seite ein dichter Wald umgab. Etwas seitwärts von der Menge saß auch Rudolph an einem sanften Hügel von seinen treuen Freunden umgeben, aber bald wurde er durch ein Waffengeklirr aufmerksam gemacht, er ritt nach dem Orte des Geräusches hin, und fand einige seiner Krieger, mit ungefähr dreyßig Heiden, die ihren Fürsten Hasty Wiclowuth begleiteten, in vollem Handgemenge. Rudolph geboth Ruhe; auf seinen Wink mußten die Knechte zurücktreten; er fragte Wittowuth, wer er wäre, und erhielt den Bescheid, er wäre der Fürst der Hastischen Thäler, wäre von einer Reise auf seine Burg zurückgehen, und von den Fremden hier unrirterlicher Weise überfallen worden. Sogleich doch er dem Fürsten seine Freyheit an, allem dieser schien nicht völlig zufrieden zu seyn. Vollende das Werk deiner Großmuth, sprach er, und gib mir auch mein Weib wieder. Unser Vater fragte wie? waS?— Und erfuhr, daß Wlttowuth Hasty auch sein Weib mitgehabt hatte, das ein Ritter von seinem Heere ihm von der Seite gerissen, und fortgeschleppt habe. Rudolph befahl seinen Kriegern, dem Fürsten ehrerbiethig zu begegnen, jaqr« auf seinem Gaule fort, und kain mit Witcownrhs Gattinn bald wieder zurück, übergab sie ihm, und ließ ihn ungehindert weiter ziehen. In kurzer Frist schien eS ernsthafter zu werden. Die flüchtigen Wenden hatten sich gesammelt, und zogen gegen die Sachsen. In einem hitzigen Treffen wurde unser Vater Rudolph gefangen, und zu dem Fürsten auf seine Burg Hasty gebracht. Willkommen, Feldherr! willkommen auf meine ner Burg, rief ihm Wictowuch entgegen. So nicht, erwiederte Rudolph, so nicht, als Gefangener! AlS freyer Mann, sprach Wlttowuth, oder denkt ihr, ich könnte undankbar genug seyn, zu vergessen, was ihr an mir gethan. Als Freund seyd ihr mir willkommen, und als Freund Werder ihr mir's nicht abschlagen, wenn ich Euch bitte, etliche Tage auszuruhen an meinem Hofe. Ich brenne vor Begierde, den Mann näher kennen zu lernen, der so großmüthig handeln konnte. Unser Vater staunte den braven Wittowuth an, und willfahrte seinem Verlangen. Ganz lernte er jetzt sein Herz kennen, und sah ein, daß auch der rauheste Himmelsstrich edle und biedere Menschen IZ2 hervorbringe. Hingerissen ward er von einer ihm un- erklärbaren Neigung zu dem Manne. Bald war er sein Freund, und wünschte ewig um ihn zu seyn, auch der wendische Fürst bemerkte dre Neigung unsers^Va- rers zu ihm, und beyde schwuren sich Freundschaft, jedoch Freundschaft, den Pflichten unschädlich, die sie ihrem Vaterlands schuldig wären. Traurig war ihr Abschied. Lebe wohl, und gedenke meiner, sprach Wittowuth; wenn du Hülfe brauchst, so komm nach Hasty; wenn dich irgend ein Mangel anwandelt, so eile zu mir, ich bin bereit dich in allen Fällen zu unterstützen, dir bey jeder Gelegenheit meine Hände zu biethen. Mit diesen Worten zog der edle Wittowuth einen Ring vom Finger, und brach ihn in zwey Hälf- t n. Nimm diese Hälfte fuhr er fort, an ihr werde ich deinen Bothen erkennen. Auf Enkel und Urenkel will ich diese Freundschaft fortpflanzen, wer immer nach Hasty kommen, und den zerbrochenen Ring vorzeigen wird, der soll aller Hülfe von mir und den Mei- njgen gewärtig seyn. Rudolph weigerte sich, aber der edelmüthige Fürst drang in ihn, daß er ihn behalten mußte Du weißt nicht, war seine Rede weiter, welches Schicksal noch deiner harret, du kannst von Feinden überfallen werden, und wenn du Gefahr ahnest, so sende zu mir, und hoffe Beystand und Hülfe. Lebe wohl! Vielleicht in kurzer Zeit werd' ich dich in deinem Vaterlonde besuchen. Unser Barer kehrte schwermüthig zu dem Heere zurück, wo alles bereit war, die Rückreise nach Sachsen anzutreten. Glücklich und wohlbehalten befanden sich in kurzer Zeit Ritter und Knechte auf vaterländischen Boden. Jedermann eilte seiner Heimath zu, und Vater Rudolph ward auf Altenburg von seinen Gr- freuen mit lautem Jubel empfangen. 153 Die Hälfte des zerbrochenen Ringes war ihm nun der kostbarste Schatz, stets trug er ihn bey sich, und er ließ zu dem Schwerte seines Änherrn ein neues goldenes Heft verfertigen, das hohl, und aufzuschrauben war. In diesem Schwertgriss verbarg er dieses Heiligthum der Freundschaft, und daher kam es, daß er in solches einen so hohen Werth setzte, und lieber sein Leben, als das Schwert verloren hätte. Dabey schraubte Brend den Schwertgriff von einander, und zeigte seinem Bruder das Bruchstück des Ringes. Niemanden, versetzte er weiter, vertraute Ru- dolph sein Geheimniß; denn er glaubte Verdacht in den Herzen seiner Landsleute zu erregen, und seinen Feinden Gelegenheit zu gehen, ihn als einen Verrä- ther des Vaterlands anklagen zu können. Miktowuths Freundschaft brachte ihn hoch empor, fürstliche Pracht glänzte auf Altenburg. Oft, wenn unser Vater, gedrückt von seinen Feinden, keinen Ausweg mehr wußte, keine Hülfe möglich fand, schlich Hasty mit seinen Kriegern einzeln in's Land, zerstreute Altenburqs Feinde, und schlich mit ihnen wieder einzeln und heimlich davon. Daß dieß alles Aufsehen erregte, daß sich die Zahl unserer Feinde mehrte, und Jedermann nach dem Besitze des Schwertes begierig war, dieß lieber Bruder weißt du! Als Vater Rudolph im Walde von Meuchelmördern überfallen, und heftig verwundet wurde, da glaubte er dem Tode nahe zu seyn, er entfernte die um sein Lager stehenden Ritter aus dem Gemache und sprach zu mir:»N,mm dieses Schwert, ziehe in die Hastischen Thaler, und übergib eS dem Fürsten Wittowuth. Sag ihm, daß ich todt sey, und das Zeichen seiner Freundschaft zurück sende. Conrad wird dich begleiten.« Ich war bereit dazu, und als unser Vecer ermordet wurde, zog ich, nachdem ich seine Lttch? hatt? »§4 beysetzen lassen, allein fort; denn von Conraden war, aller Nachforschung ungeachtet, keine Spur zu entdecken. In einer stürmischen Nacht langte ich endlich in Hasty an, der Schmerz über den Tod unsers Vaters griff den Biedermann heftig an, allein bald wußte er sich wieder zu fassen. Er ließ mir das Schwer! mit dem Ringe, und machte es zum Erbtheile aller Nachkommen Al- renburgs. O mein Bruder! Auch ich gewann den edlen Mann lieb, und er liebte in mir meinen Vater, ich verweilte gern an seinem Hof, aber ach! nicht bloß seinetwegen, es war ein anderer Zauber, der mich an Hasty fesselte.—Ich sah WittowuthS Tochter, die schone Elie— und die heftigste Liebe für sie entbrannte in meinem Herzen. Unmöglich war es mir, mich von ihr zu trennen, ich stellte mich krank, um langer auf Hasty bleiben zu können, und der Gott der Liebe krönte meinen Wunsch. Auch die reihende Elie liebte mich. Wir schienen ganz für einander geschaffen zu seyn. Der edle Wittoa-uth errieth bald das Feuer, das in unseren Herzen loderte, zwar billigte er unsere gegenseitige Neigung, aber er zitterte für die Zukunft. Mein Volk darf nicht missen, sprach er zu mir, daß ich auch meinen Willen zur Verbindung mit meiner Tochter gebe, denn die Gesetze des Landes verbiethen unsern Töchtern sich mit Fremdlingen zu verehlichen, und wenn irgendeine über diesem Frevel ergriffen wird, so ist der Tod auf dem Scheiterhaufen das unabänderliche Loos der Unglücklichen. Diesem Schicksale auszuweichen, machte ich den Vorschlag, die schöne Elle gleichsam heimlich zu entführen, und mit ihr nach Sachsen auf Alrenburg zu fliehen. Es geschah. In einer ziemlich stürmischen Nacht erhielt ich Elien, meine Geliebte. Ich nahm sie vor mich aufs Roß, und jagte davon. Des andern Tages ward Lärm, ich hatte dem Fürsten leine Prinzessinn entführt. Alles kam in Aufruhr, und die schnellesten .55 Reiter wurden uns nachgesandt, uns zu sahen und der Strafe zu überliefern. Ich harre aber einen zu großen Vorsprung gemacht, als daß ich erwas harre befahren dürfen. Bey meiner Ankunft in Sachsen, weißr du, wie es mir ging; denn wahrscheinlich wird dich einer von diesen Zweyen davon unterrichtet haben. (Auf Paul und Conras deutend.) Ich wurde geachtet, von meinen Feinden in Altenburg belagert, und befand mich l» der äußersten Gefahr, da erschien der redliche Würomurh mir seinen grauen Kriegern, schlug meine Feinde und befreyte mich. Endlich, als ich schon keine Hülfe für mich möglich fand, als meine Verfolger sich wieder sammelten, und die Anfälle auf meine Beste wiederhohlten, verließ ich meine Heimath, und zog mit meiner Elie, der ich in Sachsen den Nahmen Mathilde beylegte, nach Hasty. Aber ich Unvorsichtiger! Ich ahnete nicht die Gefahr, die da unserer wartete, und rannte geradenweges dem Verderbe^ entgegen. Kaum betrat ich mit meinem treuen Kurd und meiner Gattinn den väterlichen Boden, als unS das Volk umrang, und in das Gefängniß warf. I» einigen Tagen war das Urtheil über uns gesprochen, wir sollen in diesem Pappelhain des Todes auf dem Scheiterhaufen sterben. An einem heileren Morgen wurden wir ausgeführt. Ach Albrecht! was war das für ein schauerhaft rer Auftritt. Leichenblaß im weißen langen Florge- wände schwankte Elie, wie ein Schatten an meiner Seite, die Richter und ihr Gefolge neben uns, ein unübersehbarer Haufen des Pöbels machte dem Zug ein Ende. Doch unser Schutzgeist machte über uns, indem wir dem Scheiterhaufen nahe waren, schon den Tod vor Augen sahen, erschien Witlowurh, und suchte durch seine hinreißende Beredsamkeit, durch die heißen Thränen- die ihm, wie ein unaufhaltbarer Sirom aus den Augen quollen, die Herzen seiner Unterthanen zu rühren. i5b O Albrecht! Du hättest ihn sehen, hättest ihn hören solle», ein Engel hätte nicht feuriger, theilneh- mender und rührender sür uns sprechen können. Er selbst eilte zum Feuer, und both sich zum Opfer der beleidigten Gesetze an. Diese Scene durchbohrte die Herzen der Richter, ei» allgemeines Freudengeschrey erhob>ich:»Gnade, Gnade den Unglücklichen!— Sie sollen leben!« Im allgemeinen Gewimmel wurden wir losgebunden, und» von aller Strafe frey gesprochen, unser Retter, unser Vater, der edle Witro- wüth weinte Thränen der Freude in unsern Armen. Elie, theuerste Elie! stammelte ich, hier an dieser Stelle will ich mit eigener Hand uns eine Hütte bauen, hier wollen wir leben, wo wir sterben sollten. Ich hatte kaum diesen meinen Willen geäußert, als viele aus dem Volke nach Hause eilten, Holz, Steine, Beile und Spaden brachten, und an meiner Hütte zu bauen anfingen. In kurzer Frist stand sie da, so schön und angenehm, wie sie setzt noch steht. O ich lebe ruhig darin, Vater Wittowuth hat mir oft sein fürstliches Schloß zum Aufenthalte, seinen Tisch zu unserer Nahrung angebothen, aber ich zog diese einsame Wohnung allen Pallästen allzeit vor, und begnügte mich zur Speise mit dem Wilde, daß ich und Kurd erlegten. Nicht lange darauf gebar mir Elie einen Knaben, hold und schön, wie sie selbst. Durch dieses Geschenk meiner Gattinn erreichte meine Glückseligkeit die höchste Stufe. Brend wollte weiter erzählen, aber er mußte gbbrechen, denn es begann ein Fest, wo seine Gattinn zugegen seyn mußte, die er nicht allein wollte ziehen lassen. Albrecht blieb zurück, und endigte in einsamen Augenblicken, die von Helene» ihm überreichte Ge-. schichte der unglücklichen Ulrike von Warry. Fortsetzung der Geschichte der unglücklichen Ulrike von Warry. Zimmer in der Burg Steineck. Hildebrand, Guido, ^uido Siegfried, sagt Ihr? Hildebrand. Ja, ja Siegfried, sie hatte ihre Arme um ihn geschlungen, als wir, unbemerkt von ihnen, eintraten. Guido. Und Warry? Hildebrand. Schäumte vor Wuth, er ließ Siegfrieden ins Burgverließ werfen, und nur auf mein Zureden gab er ihm die Freyheit wieder. Guido. Und ahndete nicht schrecklicher den Schimvf? Hildebrand. Er schwur fürchterlich sich zu rächen, und forderte Siegfrieden auf zum Kampf, und dieser versprach sich zu stellen. Guido. Siegfried versprach's— Und dor Kampf beginnt? Hildebrand. Heut um die zehnte Stunde, auf der Wiese bey Nordhausen, in Gegenwart des Kaisers und aller Fürsten und Herrn. Guido. Noch wär' es Zeit, noch müßt ich Rath! Hildebrand. Du müßtest noch ein Mittel? Sprich, o sprich, Gmdo! Guido. Aber Ihr müßt erst Eure Denkart umändern! müßt vergessen, daß ihr Ritter seyd. Hilde brand. Nun? Und? Guido. Auf Entführung Euch einlassen. ,S6 Hilde brand. Pfuy, Guido: Ein Weiber- rauber! Daß die Knechte mir auf der Gasse nachriefen, die Ritter mich verachteten, Schwert und Schild mir brächen, und vor die FüAe würfen. Guido. Ihr habt keine von alleü diesen Beleidigungen zu befürchten. Niemand soll ahnen, daß Ihr der Thäter seyd, die Schuld soll auf Siegfrieden fallen. Hilde brand. Ha! Schrecklich, und doch nicht so schrecklich, als die Qualen meiner Liebe! Guido. Nun entschließt Euch! Noch ist es Zeit, so lang der Kampf nicht beginnt, wollt Ihr? Hildebrand,(wankend) Ich, ich will, aber wie? wo? Guido. Ihr wißt, Ulrike geht täglich um diese Zeit im Burghaine lustwandeln, nun, wäre es ein so großes Wagestück, wenn wir uns in Siegfrieds Leibfarbe kleideten, uns für seine Knappen ausgäben, und sie, wo nicht mit ihrem'Willen, doch gezwungen fortschleppten? Hildebrand. Aber der arme Siegfried! Guido. Auch für den wird Rettung möglich seyn. Kommt, nach vollbrachter That will ich sinnen, auch diesen Unglücklichen aus der Schlinge zu ziehen. Hildebrand. Du machst mich ganz zum Bösewicht, ich will dir folgen, ober die Schuld falle allein auf dein verrätherisches Haupt! Zimmer in der Beste Nordenburg. > Conrad und Siegfried von Nordenburg. (Letzterer in vollem Harnisch.) Conrad. Du ziehst in den Kampf, und ich sehe dich vielleicht nicht mehr? ,5,) Siegfried. Zaget nicht, lieber Vater! Euer Sohn hat kämpfen gelernt!— Oder liegt nicht meine Ehre auf dem Sp'? Könnt Ihr meine Unschuld bezweifeln? Conrad. Nein, ich bin deiner Redlichkeit, deiner gerechten Sache überzeugt. Zieh hin auf den Platz der Ehre, und komm als Sieger zurück in die Arme deines Vaters! Siegfried. Als Sieger, oder nicht mehr! Conrad. Aber Siegfried, schone des Grafen von Warry, er ist edel, er ist bieder und tugendhaft, was kann er dafür, daß blinde Eifersucht seine herrschende Leidenschaft ist? Siegfried. Nur meine Ehre zu retten, nicht zu morden, zieh ich in den Kampf. Conrad. Bleib' fest bey diesem Entschluß, und sey glücklich im Streite! Gott geleite dich! Siegfried,(schüttelt ihm die Hand.) Lebt wohl, Vater! Lebt wohl! Conrad. Laß mich dich auf den Burghof begleiten, ich muß dich auch auf deinem Streithengste sehen! Burghain vor der Feste Warry. Ulrike allein.(2m schwärmenden Ausdrucke.) sie war so schön, so feyerlich, diese Stunde! Das Schicksal krönte sie mit dem Glücke des Wiedersehens.— Freue dich, armes, bedrängtes Herz; du hast deinen Siegfried wieder.(Hält inne.) O, ich Thörinn, ick ipeistc meine Hoffnung mit Traumen! Siegfried, Siegfried! ich sah dich, und werde dich lbo vielleicht nie wieder sehen. Carl schwur unsern Untergang. Aber müßte der Verblendete, welche beiden in meinem Busen brennen, wie unschuldig ich bin: er würde Mitleid, nicht Rache hegen.— Wie hart sind deine Prüfungen, o Schicksal! Du sandtest mir den Geliebten, aber zu spät; du leertest das ganze Füllhorn des Elendes über mein Haupt.— Wohlthätige Natur! Löse auf die Bande, die mich an die Welt fesseln!— Sende mir wenigstens einen Strahl der Hoffnung,, der meine Qualen lindert! (Hildebrand und Guido treten, in Siegfrieds Lcibfarbe gekleidet, aus dem Gebüsche hervor.) Hildebrand(mit verstellter Stimme.) Das Ende deiner Leiden ist beschlossen. Ulrike, folget mir! Ulrike. Wer bist du, der du meinen Leiden ein Ende machen willst? Hildebrand. Fragt nicht lange! Des Harrens ist hier nicht viel; die Farbe dieses Kleides, das Mappen an der Brust, sollte Euch die Frage erspart haben. Wir kommen, von Siegfrieden geschickt, Euch zu befreyen, Euch in seine Arme zu führen. Folgt uns. Ulrike. Unmöglich, unmöglich! Das kann Siegfried nicht wollen. Ich folge nicht. Hildebrand. Versprach er's Euch nicht bey der Unterredung, als er als Pilger zu Euch schlich? Ulrike. Mann, ich traue dir nicht; du lügst: ich folge nicht. Hildebrand. So werde ich nach seinem Befehle handeln; denn sein Wohl liegt mir am Herzen.(Er eilt auf Ulriken zu, sie sinkt ohnmächtig in seine Arme; er schlingt seine Hände um sie, und will mit ihr fort.) Carl(mit blosiem Schwerte auf ihn stürzend.) Ha, Verräther! Nichtswürdige! Ungetreue! Hildebrand(erschrickt und läßt Ulriken fallen.) Seinen Anblick ertrag' ich nicht.(Er flieht.) ib» Guido. Verdammter Hasenfuß! Auf diese Art gelangst du nie zum Ziel.(Flieht auch.) Carl. Da fliehen sie, die boshaften Söldner! Gottes Fluch treffe euch und euern Herrn! He, Knechte!(einige Knechte kommen.) Nehmt die Ehebrecherinn, schleppt sie in ein Gewahrsam, und wachet vor ihrer Thüre!(Die Knechte halten die ohnmächtige Ulrike in ihren Armen.) Ulrike hermachend). Carl, mein Carl! Carl. Fort, fort! Carl wird schrecklich deine Untreue richten. Zittere, Schlange! (Die Knechte tragen Ulriken fort.) Carl. her lehnt sein Haupt an einen Fichtenstamm.) Versprach er's Euch nicht bey der Unterredung, da er als Pilger zu Euch schlich? Iwo, waren d.eß nicht seine Worte? Ha, die Heuchlerinn soll nicht sürder mein Weib seyn, die Hölle mit ihren Furien will ich über sie schicken, der Verworfenen zu lohnen. Geh, Iwo! erweise mir einen Dienst! I w o. Nun? Carl. Die Stunde des Kampfes naht, reite hin vor die Schranken, brich sein Wappenschild in Stücke, erkläre ihn für einen Frauenräuber, rufe das dreyfache Weh über ihn aus, und fordere Rache! Zwo. Ich gehe; seyd Ihr aber auch seiner Schuld ganz überzeugt? Carl. Ich bin's, kannst du sagen, daß ich unbillig handelte? I w o. Ich gehe; borgt mir Eure Rüstung, Euer Roß! Carl. Beydes. Komm! Rache sey unser Entschluß, ein qualenvolles Leben ihr Loos! Ritter BrcnL's Beist. s Saal in der Weste Nordburg. »t»2 Eonrad von Nordenburg, Reinhard. Eonrad(im jammernden Tone.) O Knappe, soll's wahr seyn, sollte daS Schicksal uns so hart verfolgen wollen? Reinhard. Ich selbst traute nicht dem Gerüchte: als ich aber überall seine» Nahmen, überall ihn einen Frauenräubrr nennen hörte, da glaubt' ich s. Es ist schrecklich, edler Herr, eS ist betrübt für uns! Eonrad. Gott, Gott! das ist zu viel! Reinhard. Ja wohl ist das zu viel, und Siegfried ist so gut,>'o bieder. Eonrad. Nie ist sein Herz so einer abscheulichen That fähig. Himmel! womit hab' ich das verdient? Schon wanke ich dem Grube zu, klein ist der Rest meiner Lebenstage, und noch keine Ruhe, nach seh' ich des Schicksals drohenden Finger mir entgegen winken. O Knappe! Wie ist es möglich, daß der Verdacht auf meinen Siegfried fiel? Reinhard. Schon der Besuch, den Euer Sohn als Pilger seiner Ulrike ablegte, machte ihn verdächtig- Dieses Verdachtes mochte sich ein schadenfroher Wollüstling bedient haben; denn die zwey Knappen, die Ulriken im Haine überfielen, waren in Siegfrieds Leibfarbe gekleidet, gaben vor, er selbst hätte sie abgesandt, die Gräfinn in seine Arme zu bringen, wollten auf ihre Weigerung Gewalt gebrauchen, wurden aber von Ritter Jwo und Carln überfallen, und flohen. Eonrad. Und flohen, und der Verdacht blieb auf meinem Sohne? ,k>3 Reinhard. Ganz natürlich. Conrad. O Sohn, Sohn! Warum mußtest du zurückkehren? Daß du lieber zehn Mahl den Tod eines Helden am Grabe des Heilandes gestorben wärest!(Trompetenstoß.) Ha! hörst du's, Knappe? Wer, wer kömmt? Reinhard. Was ist das? Was soll dieß? Gilk's etwa einen Ueberfall?(Er will zur Thüre hinaus.) Siegfried(stürzt rasch herein, wirft den Helm vom Haupte; seine Augen rollen fürchterlich, seine Miene zeigt Schmerz und Verzweiflung.) Zur Fehde, Barer, zur Fehde, Heraus mit Schwert und Waffen! Fort, Knappe, daß die Schlachtrosse gesattelt, die Knechte bewaffnet werden! Conrad. Was ist dir, mein Sohn? Siegfried. Verlangt es nicht zu wissen, Vater! Der Wachtlhurm unserer Beste wankt, er droht zusammen zu stürzen: laßt uns Rache nehmen, eh' der Schutt uns mitbegrabt!(wild.) Zur Fehde, Vater! Ihr müßt mit: auch Ihr seyd beleidigt in Eurem Sohn!(er ruft zum Fenster hinaus.) Zur Fehde! Zur Fehde! Georg(stürzt herein.) Wohin gilk's? Siegfried. Gen Warry.(Georg ab) Conrad. Warum zur Fehde, Siegfried?— Warum gen Warry? Rede, was hat dich so wild, so aufbrausend gemacht? Siegfried(sich erholend.) Ha, daß ist zu viel, das ist zu grausam,- nein, nein, rächen muß ich mich, rächen für den Schimpf! Conrad. So antworte doch, entreiße mich der Ungewißheit! WaS ist dir? Siegfried(seinen Vater wehmüthig ansehend, dann sein Gesicht von ihm wendend.) Armer, armer Vater! Conrad. Sohn! Hast du den Verstand verloren? L s Siegfried. Nein, Gott sey Dank! den hab' ich noch, aber Ehre und guter Nahme sind dahin! Conrad. Ehre und guter Nahme, sagst du? Siegfried. Ja, Vater, das Schicksal droht unserem Hause den Sturz, ich bin beschimpft, entehrt—— Conrad(einfallend). Gott im Himmel! iee stürzt in einen Armstuhl.) Reinhard. Was Ihr für Jammer anrichtet! Was brachte Euch zu dieser Wuth? Siegfried. Nimm ein Schwert, dann will ich dir antworten. Vater, sammelt Euch! Ihr braucht Eure Kräfte zum Kampfe, es gelle Sieg oder Tod Conrad(sich erholend.) Erzähle, ich bin auf Alles gefaßt! Gottlob, daß mein Schwert noch nicht verrostet, mein Panzer noch fest ist! Siegfried. So, Vater! So ist's recht: Nichts ist uns übrig, als fechten oder sterben. Höret, nehmt dann das Schwert>» Eure Hand, und strafet die Räuber unsers guren Leumunds. Ich geh' heut aus zum Kampf, voll von dem Gedanken, entweder zu siegen, oder ein Leben zu enden, das wir zur Qual ist. Indessen brauchte meine Abwesenheit ein Gösewlcht, bediente sich meiner Leibfarbe, wollte Ulriken im Haine rauben, ward auf dem Raube ertappt, und rettete sich durch die Flucht. Der Verdacht fiel auf mich. Ich harrte, des Frevels unkundig, lang auf dem Kampfplal;; der Kaiser, viele Fürsten und Reichsgrafen waren versammelt, und warteten auf Warry's Ankunft. Start seiner kam Jwo von Rottenbach mit Carls Rüstung und Wappen im Schilde versehen. Ich staunte, der Kaiser wurde unwillig, die Fürsten und Grafen murrten. Unversehens ritt Jwo vor den Schranken, ruß mein Wappenschild herab, zerbrach es an dem Pfeiler, und »6L warf mir die Stücke vor die Füße,»So, wie ich dein Wappenschild brach,« sprach er,»so brsch ich den Bund mit dir Ritter von Nordenburg. Du bist unwürdig im Kreise der Ritter zu wandeln, unwürdig Schwert und Speer zu führen.« Hierauf erzählte er, ich hatte Ulriken verführt, sie rauben wollen, und sey auf der That überrascht worden. Zwo stellte sich zum Zeugen, er hatte die Knechte, die die Gräfinn im Burghaine hatten entführen wollen, für die meinigen erkannt; sagte, Warry hielte sich für zu hoch mit einem Frauenrauber zu kämpfen, und bäthe um Genugthuung. Alles entsetzte sich ob dieser Nachricht. Wehe, wehe, schallte es von allen Seiten, wehe dem Frauenräuber! und der Kaiser und die Fürsten sprachen einhellig die Reichsacht über mich aus. Ich bebte vor Wuth und brannte vor Rachgier- de. Ihr mich ganz zu überlassen, beschloß ich, und und mein Vorhaben auszuführen, war Flucht nöthig. Ich zog mein Schwert, spornte mein Roß, flog über die Schranken und jaqre davon. Conrad. Gott, Gott! Siegfried. Reinhard, nimm meine Rüstung und mein Wappenschild, zieh' nach Warry, und kündige d-m Grafen Fehde an. Sag', um den Mittag will ich mit meinen Reisigen seine Beste besuchen. Reinhard. Ich gehe, indessen bereitet die Knechte! Conrad. Der Fall unsers Hauses rückt heran. Es sey, der Himmel kennt unsere Unschuld! Siegfried. Und dies- wird über das Laster siegen, Vater! Ich bin bereit, jeden Augenblick vor den Richterstuvl des'lllwissenden zu treten. Conrad. Auch ich, Siegfried! Indeß will ich noch ein Mahl mich m's Schlachtgewühl drangen. «6b Gott verleihe meiner Faust Kräfte, ich streite ja für die Unschuld. Siegfried. Vater! daß ich Euch den Abend Eures Lebens noch so trübe machen muß Conrad. Sey ruhig, es wird alles gut werden. Wir wollen fechten; siegen wir, dann wohl uns, dann kehrt Ruhe und Zufriedenheit>'i unsere Burg zurück; fallen wir, dann wollen wir in'S gelobte Land ziehen, und rühmlich sterben, weil wir nicht baben rühmlich leben können! Siegfried. Das wollen wir, Vater! Conrad. Komm, hilf mir den Panzer anlegen, und das Schwert fester schnallen! Rittersaal in der Burg Warry. Carl von Warry, Jwo von Rottenbach, Conrad von Waldgau, Urban von Wiesenried, Reinhard. und entstellt, seine Miene verräth innern Schmerz und unterdrückte Wuth.) Du kömmst V0M Ritter Siegfried von Nordenburg, sag' an, was ist deine Wirthschaft? Reinhard,(geharnischt als Siegfrieds Herold.) Gott zum Gruß, edle Ritter und Herrn! Mein Ritter Siegfried, Freyherr von Nordenburg, dessen Ehre Ihr freventlicher Weise gekräuket, den Ihr als einen Frauenrauber ausgerufen, und über ihn, wiewohl er höchst unschuldig ist, die Reichsacht gezogen habt, fühlt sich stark beleidigt von Euch, und entbiethet Euch offene Fehde!(wirst ihm den Handschuh bin) Gortes Gerechtigkeit soll sich durch Schwert und Lanze zeigen. Er sendet Euch seinen Gruß, und i6-/ laßt Euch durch mich melden, daß er gegen Mittag Eure Beste mit seinen Reisigen besuchen wolle. Carl. Er komme, er soll empfangen werden. Reinhard. Gehabt Euch wohl!(ab.) Carl. Ihr habt sie gehört die Ausforderung, meine Getreuen! schon langst ruhte das Schwert in seiner Scheide, laßt uns es wetzen, es geht zur Fehde. Ritter und Lehnmänner, ich fordere nun von Euch die Pflicht, die Ihr mir, als Eurem Lehnherrn schuldig seyd. Ziehet heim auf Eure Besten, in einer Stunde erwart' ich jeden von Euch mit vierzig Knechten. (Die Ritter schnallen sich die Schwerter fester.) Urban. Setzt indessen Eure Burg in Ver- theidigungsstand, wir wollen kommen, und kämpfen für Euer Wohl, und Siegfried soll fallen. Carl. Siegfried soll fallen! Hildebrand,(vor sich) Nein, er soll nicht fallen, so langa Hildebrand lebt.(ab.) Carl. Fort, in einer Stunde zur Fehde Die Ritter. Zur Fehde, zur Fehde!(Sie stürmen alle zur Saalthüre hinaus.) Rittersaal in der Beste Nordenburg. Conrad und Siegfried von Nordenburg, Reinhard. (Alle ganz geharnischt.) Reinhard. Er gab sein Wort, und nahm mei- nenHanbschirm an. Conrad. Es sey, das Gewitter zieht sich fürchterlich über Nordenburg zusammen. Bemerktest du nichts, Reinhard, als du von Warry heim rittest's ,b« Reinhard. Ich sah, wie sich CarlsÄnechte sammelten, sah die Reisigen der Ritter von Rottenbach, Waldgau und Wiesenried gen die BurgWarry ziehen. Siegfried. Und was hörtest du? Reinhard. Laßt mich schweigen, edler Herr! Siegfried- Rede, was honest du? Reinhard. Wie sie über Euch und die Beste Nordenburg Tod und Verderben riefen. Von allen Seiten erscholl die Sage von Eurer Aechcung, und als ich hier im Burghofe ankam, fand ich die meisten Eurer Knechte nicht. Conrad. Die Feigherzigen flohen. Siegfried. Recht so, alle, die mit ihnen gleiches Sinnes sind, mögen es auch thun, so lang es Zeit ist. Reinhard. Edler Ritter, wie viel habt Ihr Eurer Getreuen, auf die Ihr sicher rechnen dürft? Siegfried. Bey vierzig Knecht«, nebst dir, dem biedern Georg, und meinem Vater! Reinhard,(ernst) Genug, um ihnen eine Zeit die Nase drehen zu können. Sie sollen sich die Stirn an unsren Mauern mund rennen, und die Füße am Walle ablaufen, so leicht haschen sie Nordenburg nicht. Kömmt Zeit, kömmt vielleicht auch Enthüllung Eurer Unschuld. Conrad(sieht zum Fenster hinaus) Es ist vorbey— Alles verlaßt uns, Alles flieht uns und unsere Burg. Selbst Jene, die mir sonst die Getreue- stcn waren, fliehen. Siegfried. Zagt nicht, Vater! Sie mögen kommen unsere Feinde, aber sie sollen auch empfangen werden. Wehren will ich mich, wie ein Löwe, den man aus seiner Hohle verjagen will. Conrad. He, Bube! Bring Wein und Reinhards Harfe her, damit wir munter werden zum Kampfe.(Sin Knapxe«s.) >b>) Siegfried. Nun Vater, seyd Ihr gestimmt, wie ich Euch haben wollte.(Zieht sich an's Fenster.) Seht, da steht der hohe Wartthurm unserer Burg, fürchterlich und fest! Conrad. Er wankt mein Sohn! Siegfried. Wir wollen ihn mit unsern Armen unterstützen. Vater! wie lange steht er? Conrad. Durch volle fünfhundert Zahre. Siegfried. Und nun sollte er stürzen? Jetzt, da der Ruhm unseres Hauses auf's Höchste stieg? Nein, nein, laßt uns ihn schützen, laßt uns alle unsere Kräfte zusammen nehmen, fechten, und siegen oder sterben! Conrad. Ja, ja siegen oder sterben. Siegfried. Wir gehen Hand in Hand ins Gefecht! will's Gott zum Sieg, oder in den Tod. (Der Knappe bringt Wein. und eine Harfe.) Conrad.(mit einem Humpen) Auf Glück und Sieg! Reinhard,(trinkt) Es lebe die Unschuld! die Bosheit falle! Conrad. Nun Reinhard, laß uns ein Fehde- lied hören, damit der KrregSgeist in uns emporwalle! (Reinhard nimmt die Harfe und singt:) Spannt Eure Bogen, schwingt das Schwert In euren wackern Händen! Schwingt Kämpen euch auf eure Pferd', Laßt uns die Fehde enden! Hört! Schon durchheult Trompetenkiang Von Ferne her den Kriegsgesang Durch Fluren, Hain' und Wälder. Schnallt eure Helme gut und fest, Und lastt mit Schwert und Lanze Die Feind uns jagen auS dem Rost Zum grausen Todestqnze. >7° Hoch wehe unsre Sahn' empor. Dumpf töne ihnen in das Ohr Der Helden Schwertgcklirre Auf, tapfre Bruder! Schwingt das Schwert In euren wackern Händen! Die Siegeslorber find es werth. Die Fehde rasch zu enden. Rasch nur hinein, in's Schlachtgewühl! Sieg, oder Tod sey unser Ziel, Der Lohn, Tod oder Ehre! Siegfried. Sieg oder Tod sey unsere Losung! Conrad. Tod oder Ehre unser Lohn! Reinhard. Wohl mir, wenn Euch mein Lied Muth eingeflößt hat! Sie mögen nun kommen, wir sind bereit, nach Verdienst sie zu empfangen! (Trompetenstoß.) Siegfried. Horch! Trompetenstoß! Schwertgeklirr! Getümmel! Ha, was ist das?(Er eilt an's Fenster.) Sie kommen, sie kommen, auf, auf zum Kampfe! Georg,(athemlos hereinstürzend) Auf, auf, edle Ritter, die Feinde sind vor der Beste! Schon werfen sie Pechkranze in unsere Burg, der Hintere Theil brennt, und unsere zehn Schlachtschwerter*) sind entflohen. Siegfried. Tod und Hölle! auch diese sind entflohen? Conrad. Bleib hier, Siegfried, und zähle der *) Die Schlachtschwerter waren die besten und ausgesuchtesten unter den Kriegern, sie hatten diesen Nahmen von den ungeheuern Schwertern, die sie mit beyden Händen führten, und die allein bey den Deutschen üblich waren. »7» Feinde Menge. Gib Acht auf V-rrätherey, ich will hinab, will die Stürmenden zurückschlagen. Siegfried. Nimmermehr.' ich sollte Eurem Kampfe zusehen, und Euch ohne Schutz und Schirm dem Wüthen der Feinde bloß stellen? Conrad. Laß mir die Ehre des ersten AngriffS, ich bin zwar alt, aber»och vermag ich's ein Schwert zu schwingen, einen Helm zu spalten. Bleib zurück, bis Gefahr dich zum Kampfe ruft! Siegfried. Geht, Gottes Hand starke Euch! Conrad.(zieht die eisernen Handschuh an. nimmt die Lanze in die Hand und eilt zur Thüre hinaus) Sieg oder Tod!(mit Georg ab.) Siegfried,(sieht zum Fenster hinaus) Ha, Reinhard! Sieh, wie sich die Schaaren vor Nordenburgs Mauern drängen! O Knapve, bin ich nicht beklagens- werth, Warry nahm mir meine Geliebte, brachte mich um meine Ehre, und nun will er niir auch das Leben rauben.—Wohlan, er nehm' es hin, wenn er's vermag, theuer genug werd ichs zu verkaufen suchen. (Schlachtgetümmel.) Sieh! meine Knechte halten sich wohl, mein Vater streitet wie ein Held! Sieh, sieh Reinhard, wie er mit seiner Handvoll Krieger die Feinde zurückschlägt, wie sein nervichcer Arzn würget! O ich muß zu dir, muß an deiner Seite fechten, oder sterben, (er fährt zusammen) Ha! Reinhard. Was ist Euch? was seht Ihr? Siegfried. Er wankt, der edle Greis, ein Schelm hat ihn mit dem Wurfspieße verwundet.- Auf, laß uns hinabeilen, ich muß den Schurken lohnen, hinab, hinab, mitten unter die Schwerter! (er eilt der Thüre zu.) Reinhard,(am Fenster) Gott im Himmel- Schon haben die Feinde den Wall erstzegen, die Burg brennt lichterloh. »72 Siegfried. So laß uns eilen, so lange Rettung noch möglich ist. Conrad.(blutend mit bloßem Schwerte hereinstür- «end) Zum Kampfe, zum Kampfe! Die Burg brennt, die Feinde haben den Wall erstiegen, der westliche Theil der Beste stürzt krachend zusammen. Zum Kampfe, jum Kampfe! Siegfried. Fort, fort! Conrad. Fort, laßt uns wenigstens nicht un- gerochen sterben! Alle. Laßt unS siegen oder sterben! (Alle drängten sich mit bloßen Schwertern durch die Thüre.) Wald. 2n der Ferne sieht man auf dem Felsen noch die Neste Nordenburg rauchen, links eine Hohle. Conrad v. Nordenburg, Reinhard und Georg. (Eonrad liegt hinter einem Gebüsch im Grase, Reinhard und Georg stehen vor ihm.) (§onrad. Gott! Ist es so weit mit unS gekommen? Hört das Schicksal nicht auf uns zu verfolgen?(nimmt den Helm ab, seine grauen Haare wallen über seine Schultern) Ha! Hier brcnnts(legt die Hand an'S Herz) wie siedendes Oehl kocht es in meinen Adern! — Wunden am Leibe, drey Stiche an der Brust, und doch nicht der Tod, den ich so sehnlich wünschte.—> Georg, bring mir Wasser, daß ich meine schwachen Geister labe.(Georg verliert sich zwischen den Bäumen.) — Dorr— dort rauchen die Ruinen meiner Burg, die fünfhundert Jahre lang prangte, fünfhundert Jahre der Sitz edler und biederer Männer war!— O Nordenburg, Nordenburg! Nimmer werd ich in deine» Gemachern Hausen. Die Flamme hat deine trotzenden Mauern gedemüthigt, der Feinde Wüthen dich zertrümmert(wehmüthig) Reinhard! wo ist mein Sohn? Ist er unter der Zahl der Ermordeten? Reinhard. Nein, er lebt. Conrad. Er lebt? Wo? wo ist er? Reinhard. Warum zwingt Ihr mich, Euch die Hiobspost zu bringen? Eonrad. Wo ist Siegfried? wo ist er? Rede? Reinhard. Er ist gefangen! Von, Grafen von Warry. Conrad.(erschrocken) Hu! Von dem Unmenschen? Und ich bin nicht vermögend dich zu befreyen? Wo soll ich hinfliehen, wen um Hülfe stehen? Wer wird mir seinen Beystand gewahren, da ich der Vater eines Geächteten bin? Richter dort über der Sonne, ist eS möglich, daß dein gerechter Blitz so lange zaudern kann?(er versinkt in Schwermuth, indes! kömmt Georg und reicht ihm seine eiserne Helmhaub« mit Wasser.) Georg. Da löscht Euren Durst, edler Herr! Hab' lang laufen müssen, eh' ich eine Quelle fand.(er wischt sich den Schweig von der Stirne.) Conrad.(trinkt) Dank euch, ihr Redliche! Q womit werd ich eure Tugend belohnen, womit eure Treue vergelten können? Georg. Wenn's zu Eurem Wohl gediehe, so wollt ich diesen Augenblick mein Haupt dem Beile des Henkers darbiethen! C onra d. Macht mir nicht durch euren Edel, Muth mein Herz noch schwerer! G.org! würdest du nicht zürnen, wenn ich dich um einen Dienst bitten, wenn ich dich wohin senden wollte? Georg,(halb unwillig) Sendet mich in die Hölle, ich gehe. »74 Co n ra d. Geh, streife umher in dieser Gegend, und forsche, wies in Warry zugeht, wie sich mein Sohn befindet! Georg. Wo treff' ich Euch, wenn ich zurückkehre? Conrad.(steht schwach und zitternd auf.) Zn jener Höhle, ich will indeß meine Kräfte sammeln, ein wenig der Ruhe genießen, und deiner harren,(wann von Reinhard gestützt der Höhle zu.) Georg. Lebt wohl, edler Herr! Ich will bald wieder da seyn.(Er verliert sich zwischen den Bäumen). Saal in der Defte Warry. l2>arl. Nur du allein, Zwo, erscheinst auf meiner Burg? Wo sind die Völker? Zwo. Seht, auf jener Wiese dort, wehen ihre Fahnen, dort stehen sie zum Aufbruche bereit. Carl. Wo sind meine Lchensträger? Wo ist Urban von Waldgau? I w o. Bey den Völkern! Carl. Warum erscheinen sie nicht? Zwo. Werdet Ihr mir verzeihen, Graf, wenn ich mit Euch frey, wie ein Deutscher, und bieder, wie ein Ritter spreche? Carl. Eine sonderbare Bedingung! Sprich! Zwo. So wisset dann, daß Eure Lehnstra'ger heut nicht, morgen nicht, vielleicht auch nie mehr auf Eurer Burg erscheinen werden. Carl.(erstaunt) Was Ihr redet, vielleicht ist eine Empörung wider mich unter ihnen angezettelt? Zwo. Keineswegs, nur tragen sie Bedenken von einem Manne ein Lehn zu tragen, einem Man- „e zu dienen, der die Gerechtigkeit mit Füßen tritt. Ihr staunt, Graf! Aber verzeiht, ich rede, als der Gesandte Eurer Lehnsträger, die begierig auf mich und auf Eure Antwort warten. Carl. Unbegreiflich, was wollen die Undankbaren? Zwo. Wissen wollen sie, ob Zh»'» och fürder taub gegen das Wimmern der Unschuld bleiben, noch fürder die Tugend verfolgen wollt, damit sie sich richten, und das Band der Freundschaft, das sie mit Euch flochten, entweder fester knüpfen, oder zerreißen können? Carl. Ha! Wann war ich taub gegen das Wimmern der Unschuld? Wann verfolgte ich die Tugend? Zwo. Nie, als bis Eifersucht Euch blind machte, bis diese zügellose Leidenschaft Euren edlen Sinn verkehrte. Sagt an, was verbrach Conrad von Nor- dendurg, daß Ihr seine Beste zerstören, sein Eigen- thum mit Feuer und Schwert verheeren konntet? Carl. Warum unterstützte er seinen geachteten Sohn! Warum bestärkte er ihn in seinen Encschlüßen? Zwo. O Meuschenhecz! kann dich eine Leidenschaft so schnell zum Teufel machen?— Seyd Ihr überzeugt von Siegfrieds Verbrechen? Carl. Zeigt nicht alles wider ihn? Sein eigenes Gestandniß soll es bekräftigen! 2 wo. Der Schein zeigt wider ihn, aber ist es auch erlaubt, dem Scheine zu trauen? Handelt der unwissende Wanderer gerecht, wenn er dem Jrrlichte folgt? Graf! Ihr habt imr einen schweren Auftrag aufgebürdet, weil ich eben so unvorsichtig Eurer gerecht scheinenden Rache traute, und Siegfrieden wirklich für schuldig hielt. Ich riß bey dem Kampfgerichte sein Wappenschild herab, ich zerbrach es, tch rief das das dreyfache Weh über ihn, und— O könnte ich auslöschen mit meinem Blute die Beleidigung '76 die ich in Siegfrieds Person der Unschuld zufügteH Der Unglückliche krächzte vorSchtnerz uud Wuth auf seinem Gaule, der seines Reiters Leiden mitzufühlen schien, wüthend schnob, stampfte, und sich einem un° bezähmten Wüdfange gleich betrüg. Ich sah, wie den Augen des jungen Helden bittre Thränen entfielen, er spornte sein Roß, sprang domii über die geschlossenen Schranken, und jagte über die ganze Menge der Zuschauer mir seinem wilden Hengste davon. Kinder und Greise fielen unter den donnernden Füßen seines schnaubenden Gauls» und all diesen Jammer habt Ihr angerichtet, Graf! Carl. Ihr trügt Euch, das that der Bösewicht sich selbst. Zwo. Ihr habt ihn tief genug in den Abgrund gestürzt, den Schuldlosen.— Und was that Euch Conrad, der arme Greis, daß Ihr so unmenschlich gegen ihn Euch benahmt? Ist es ein Verbrechen, daß er seinen Sohn, den er unschuldig weiß, beschützte? Was würdet Ihr in einem ähnlichen Falle gethan haben? Prüfet Euer Herz! Würde Biedersinn und Gerechtiqkeüsliebe die vaterlichen.Triebe überwiegen, oder sie unterdrücken können? Der bedauernswürdige Greis! Wer weiß» wo er jetzt in Wildnissen umherirrt und Gort um Rache fleht?— Graf! Das Wimmern der Kinder und Greise steigt schnell zu dem Throne desjenigen Richters, der dort oben über dem Firmamente thront. Carl.(gerü'-rt und verlegen) Warum empört Ihr mein Gefühl? Warum zwingt Ihr mir Reue ab, über das, was geschehen ist? Zwo. Weil Reue und Erkenntniß der Unschuld das einzige Mittel ist, Euch auf dem Wege des Lasters aufzuhalten, Euch mit der beleidigten Tugend wieder zu versöhnen? Nun wozu seyd Ihr entschlossen, Graf? >77 Carl. Zur Rüche! Zwo. Bedenkt, was ihr redet! Siegfried und Euer Weib sind unschuldig. Schon zischelt man sich hie und da den Nahmen des Entführers der Gräfinn leise in die Ohren, und aus mein Ritterwort! ehe wir die morgende Sonne sehen, lst der Bösewicht entdeckt. Lebt wohl! Carl. Wo wollt Ihr hin? I w o. Zu meinen Gefährten. Mit diesen will ich die Wälder durchstreichen, und Conraden aufsuchen, wir wollen dem armen Greise das Unrecht vergüten, so viel wir können, das nur ihm in Eurer Gesellschaft angethan haben.(Schnell ab) Carl. Auch sie verlassen mich, meine treuesten Freunde, meine Lehnsmänner?— Und dieß um dich Siegfried? Und noch sollt ich Mitleiden haben mit dir und Ulriken? Die Elende! Geschworen hat sie mir am Altare ewige Treue, und brach ihren Eid am ersten Morgen unserer Ehe!— Nein, nein! Erwache Carl, erwache, du hast kein Weib mehr! Ulrike spottet deiner, sie hat deine ritterliche Ehre mit einem unaussprechlichen Schandflecke bezeichnet. Dieß fordert Rache, rächen will ich mich an der Ungetreuen, und sollte sich auch meine ganze Natur dawider stammen!(er ruft) Knappe!(ein Knappe erscheint) Sie sollen die Nichtswürdiqe herausführen!(der Knappe ab) Zittere nicht, mein Herz, schlage nicht ihrer Ankunft entgegen, sey hart, wie ein Fels. und strafe! (Ulrike erscheint vor Carsn in Begleitung der Knechte, und stürzt vor ikm auf die Knie.) Ulrike(im Ausdrucke heftiger Schmerzen.) Edler, großmüthiger Gemahl! Carl(sümpfend mit Rührung und Wuth, stöstt sie von sich.) Fort, Schlange! Dort stelle dich unter die Zahl duner Bewacher, wie eine Uebel thaterinn, und höre dein Urtheil! Ritter Brend's Geist. M 1^3 Ulrike. Carl, erbarme dich deiner Gattinn: Carl. Kein Erbarmen, keine Gnade! Die strengste Strafe wartet deiner, Meineidige! Ulrike. Du betrügst deine Sinne, du irrst dich, Carl, wenn du mich ungetreu, wenn du mich meineidig glaubst. Womit verdiente ich diese Vorwürfe, dre mein Herz durchbohre»? Womit die strenge Behandlung, daß du mir Wachen vor die Thüren meines Gemaches stellst? Carl. Durch deine Schandthaten. Ich war zu langmürhig in meiner Rache, aber heuc sey dein und deines Buhlen Schicksal entschieden, heut will ich richten. Ulrike(entschlossen aufstehend.) Törichte mich, hier steh' ich vor dir, unschuldig und rein. Carl. Weißt du, daß«Siegfried mein Gefangener ist? Ulrike. O schone seiner, mein Gemahl, Siegfried ist unschuldig. Carl. Er lst unschuldig?— Du, du bist also seine Verführerinn? Ulrike(frey und offen.) Nein, Gatte! nein, Dein Weib steht rein und treu vor dir, so wie ich es vor Gortes Altare schwur. Carl. Du beharrst also hartnäckig bey deinem Laugnen? Gut, du hast dir und dem Räuber meiner Ehre das Urtheil gesprochen. Ulrike(sinkt halb ohnmächtig einem Knechte in die Arme.) Unmensch! Hast du alles Gefühl verloren? Carl. Führt sie fort. Die Mitternacht entscheide euer Schicksal! Ulrike. Noch ein Mahl, Carl! noch ein Mahl — nur höre die Stimme deiner Ulrike! Carl. Fort, fort in ihr Gemach! Und bringt ihren Buhler her!(si« wird abgeführt. Carl ihr nachsehend.) Die Heuchlerinn! Ja ja ich will dich richten '79 und doch empört sich eine unbekannte Machr in meinem Innern. O war ich vermögend, die Flamme des Gefühls, die noch für sie in diesem Busen lodert, auszulöschen; ganz das Mitleid zu vertilgen, das noch für sie in meinem Herzen sich erregt. — Sie raubte mir das Glück, welches ich in ihrem Besitze zu finden wähnte: sie machte mich elend, und noch zaudre ich? Daß ich doch einen festen Entschluß fassen könnte, aber ein einziger Blick auf ihr holdes, reihendes Gefühl verdrängt die Rachbegierde aus meinem Sinn, schmilzt mein Herz, und lahmt meine zur Strafe ausgestreckte Hand. Ich staun« sie an, und vergesse, daß ich rächen will. Ha! könnte die Undankbare mein blutendes Herz sehen, könnte sie die Qualen begreifen, die ich leide! O ich möchte sie so gern unschuldig wissen, ich träume, meinen Geist zu beruhigen, und ach! desto größer sind dann die Leiden, wenn ich erwache aus dem Taumel der Phantasie, und nun ihre Untreue sich klar vor meine Augen stellt. Doch horch, er kömmt; verdammt sey der Bube, der mich so elend machte. Siegfried,(in Ketten, seine Miene zeigt Gelassenheit und Ernst.) Hier bin ich Graf von Warry, hast du mich aus der Finsterniß meines Kerkers herauf führen lassen, mir vielleicht zu drohen, mich mit Martern zu ängstigen, so muß ich dir nur eher sagen, daß meine Ohren taub für deine Drohungen, die Nerven meines Körpers fühllos für deine Martern sind. Carl. Schweig, dein Trotz kann mich nicht beleidigen, ich habe dich heraufhohlen lassen, um von dir ein freyes offenes Bekenntniß deiner Thaten zu hören. Siegfried. Meine Thaten sind männiglich bekannt, und bedürfen keines weitem Geständnisses. Ich habe nie unbillig, nie ungerecht, wie du gehandelt. M 2 ,8v Carl. Gedenke, daß du geächtet bist, daß ein jeder Knecht die Macht hat, dich umzubringen. Siegfried,(bitter lächelnd, und mit den Ketten rasselnd.) Sieh, diese Kelten sind schwer, aber nicht im Stande mich zu Boden zu stürzen, vielweniger deine Drohungen. Carl. Bedenke, daß du-in meiner Gemalt, daß du mein Gefangener bist. Siegfried. Dazu Hot mich das Schicksal gemacht. Ich bin in deiner Macht, zwar kannst du mich todten, aber mich zittern zu machen, vermagst du nicht. Carl. Du mußt sterben, wenn du nicht bekennst. Siegfried. Dazu war ich mchrmahl bereitet, als ich wider die Ungläubigen focht, warum sollte mir jetzt der Tod so schrecklich vorkommen. Du verschwendest umsonst deine Mühe. Ich sage dir noch ein Mahl, meine Ohren sind taub für deine Drohungen, die Nerven meines Körpers gefühllos für deine Martern. Carl. Ich werde dennoch ein Mittel finden, deinen harten Sinn zu beugen. Ulrike muß sterben, wenn du nicht bekennst. Siegfried(zurückbebend.) Unmensch! was forderst du von mir? Carl Freymüihiges Bekenntniß,->b du meine ritterliche Ehre geschändet, ob du entschlossen warst, Ulriken im Burqhain zu entführen? Siegfried. Bey Gott! Nein, Graf! Laß dich überzeugen! Carl. Vermagst du dieß, da die klarsten Beweise vorhanden sind? Ich verlange keine kahle Ausflüchte, keine Entschuldigungen, ich verlange ein offenherziges Geftändniß deiner Schandthat. Hast du Ulriken geliebt? ,8, Siegfried. Ja, ich liebte sie, aber nicht so, wie du irrig Carl(einfallend.) Genug, Nichcswürdiger! Ich weiß genug. Siegfried. Höre mich und urtheile! Carl. Schweig, willst du durch Ausflüchte deine Tdac beschönige»? Mir genügt an deiner Aussage. Du hast sie geliebt, sprachst du? Siegfried. Ja, ich habe sie geliebt. Carl. Und liebst sie noch? Siegfried. Warum soll ich es verhehlen, (ernst) ich liebe sie noch. Carl. Verdammtes Bekenntniß!(wüthend) Und hattest nicht meine Ehre geschändet, nicht deine Knechte gesandt, sie im Haine zu rauben, und sie in deine Burg zu überliefern. Siegfried. Trau nicht dem Scheine, der dich bethört; schone deiner unschuldigen Gemahlinn! Carl. Wehe, wehe über sie! Führt ihn fort, Knechto, vollzieht meinen Befehl: er ist zur Strafe reif, und nicht werth, auf Gottes Erde zu wandeln!(alle ab.) Eine wilde Gegend im Walde. Nacht, Mondschein. Jwo von Rottenbach, Conrad von Waldgau, Urban von Wiesenried. (Schleichen in Manteln vermummt hinter dem Gebüsche hervor.) ^wo. Der Mond scheint schon! Urban. Und noch fanden wir ihn nicht. ,82 Conrad v. W. Wir müssen eilen, unsere Völker werden ungeduldig harren. Zwo. Eile ist nöthig, daß wir noch die unglücklichen Schlachtopfer retten; wir haben höchstens noch eine Stunde Zeit. Urban. Wann bestimmte er die Entscheidung ihres Schicksals? Zwo. Um Mitternacht. Conrad v. W. Er könnte seinen Entschluß andern, er ist zu sehr verblendet. Ich wette, Siegfried ist unschuldig. Urban. Ich glaub' eS auch. Zwo. Gott gebe, daß wir die Unglücklichen dem Tode entreißen! Conrad v. W. Laßt uns eilen, es ist die höchste Zeit! I w o. Fort in das Thal, rechts! Urban. Da finden wir ihn vielleicht. Eine andere Gegend des Waldes mit der Hohle. (Conrad von Nordenburg, Reinhard und Georg liegen bey einem angemachten Feuer im Grase.) Eonradv. N.(zu Georg.) O wohl mir, daß du kömmst: bringst du Nachrichten? Hast du Kunde aus Warry, wie geht es meinem Sohne; wie behandelt man meinen Siegfried? Georg(seufzend.) O Gott! Conrad v. N. Du seufzest! sind deine Nachrichten schrecklich, bringst du mir den Tod? Georg. Wollte Gott! Ich könnte schweigen- Conrad v. N. Erzähle Georg, erzähle! Ist Siegfried todt? Georg. Nein, noch lebt er, aber er soll sterben. (Eonrad und Reinhard beben zurück.»Sterben!«) Conrad. Sterben soll er?(weinend) sterben soll mein Sohn? O Georg, von wem erfuhrst du diese schreckliche Nachricht? Georg. Fünf Knechte bewachen ihn; einer von ihnen war von jeher mein Bekannter; das Schicksal fügte es, daß ich ihm am Ausgangs des WaldeS begegnete, da er eben sein Pferd in die Schwemme ritt. Dieser that mir's kund: er, nebst seinen vier Gefährten hätten Befehl, Siegfrieden um Mitternacht zu enthaupten. Conradv. N.(wild auffahrend.) Enthaupten? Reinhard! Hab ich noch ein Schwert?(entblößt es). Hab ich noch Freunde? Knappe! Fort, fort, laß uns eilen, laß uns Hülfe suchen, noch ist es Zeit, noch können wir ihn retten,(sie wollen fort.) Iwo von Rottenbach, Conrad von Waldgau, Ur- ban von Wiesenried. «Sie sind in Manteln gehüllt, kommen aus dem Gebüsche und stoßen an den forteilenden Conrad.) Conrad v. N. Halt, Vermummte! Kommt ihr mich auch zu todten? Urban. Er ist eS. Conrad v. W. Er ist's.— Bist du s, Conrad von Nordenburg, bist du des unglücklichen Siegfrieds Vater? Conrad v. N. Ja, ich bin's, ich habe noch nie meinen Nahmen verläugnet, was fordert ihr von mir: seyd ihr gesandt, Mich aufzusuchen? Kommt ihr, mich zu sahen, und dem Verfolger meines Sohnes in die Hände zu liefern? I w o. Mit nichten, Conrad! Wir kommen, dich und deinen Sohn zu retten; trau unseren Wvr-' rbg, ten, wir sind zwar Carls Lehnträger, aber biedere Männer. Conrad v. N. Gotr! Wär's möglich? Könn» tet Ihr so edel seyn, mir Hülfe anzubiethen? Conrad v. W. So ist es. Nur schwört unS bey Eurem Ritterwort, daß Siegfried schuldlos sey! Conrad v. N. Bey meinem ewigen Wohl, bey meinem Schwert und meiner Ehre! Urban Hier unser Wort!(reicht ihm die Hand.) Wir wollen Euren Sohn retten Wißt Ihr, daß er um Mitternacht sterben soll? Conrad v. N. Eben erfuhr ich'S von meinem Knechte, ich wollte eilen, Hülfe zu suchen, und fand Euch. Iwo Brüder, es ist Zeit! Ich will unsere Völker herbey führen? Conrad v. W. Geh, wir wollen indessen mit Conraden in jene Höhle gehen, und uns berathen! Zwo. Gott verleih uns seinen Beystand!(ab.) Conlad v. N. Das wolle er! Ach, es gibt doch noch Menschen, die Herz und Gefühl haben. (Sie gehe» alle in die Höhle.) Gemach in der Burg Sterneck. Hildebrand, Guido. ^ildebrand(»oll Unruhe.) Nein, nein, ich halt' es nicht länger aus!(auf fein Herz deutend.) Dieser strenge Richter läßt sich nicht bestechen.— Ha, wie es brennt, wie es mich foltert, wie es an meinem Herzen frißt! Die ganze Last der Erde liegt auf nur >85 Von allen Seiten brüllt mir ein Teufel in die Ohren:»Du bist der Mörder der Unschuld, du bist der Slörer glücklicher Familien, du streutest den Samen der Zwietracht, der Eifersucht und der Rache aus«— sauf Guido stürzend) und durch dich» Unterhändler der Hölle, gedreh ich zum Bösewlcht —— fort, rort auß meinen Augen, oder ich sende dich durch diesen Bothen(er ergreift sein Schwert.) in dein Vaterland, in die Hölle zurück. Guldo(sich entfernend.) Der Rasende! Dacht' ich'S doch, daß dieß mein Lohn seyn werde,(ab.) Hildebrand. Aber noch ist es ja Zeit; noch kann ich die Unglücklichen retten. Auf, Auf, Hildebrand!(er gürtet hastig sein Schwert um.) Suche den trostlosen Vater auf: rüste dich mit deinen Freunden zu Siegfrieds, zu Ulrikens Rettung, bekenne vor Carls Angesicht, daß du der Verbrecher seyst, der ihm sein Weib rauben wollte, der diese höllische That auf den unschuldigen Siegfried walzte.— Ha! dieß sind die Früchte blinder Liebe. Unselige Leidenschaft, wie Manchen hast du vor» Gipfel des Glückes gestürzt.(Eilends ab.) Die Gegend des Waldes mit der Höhle. Conrad von Nordenburg, Conrad von Waldgau, Urban v. Wiesenried, Reinhard und Georg, hernach Zwo v. Rottenbach. (Stehen im Kreise vor der Höhle.) Conrad v. N. Ich höre Waffengerausch, gewiß, sie kommen, sie kommen. Conrad v. W. Dort ziehen sie heran! Con- rad, Euer Sohn soll nicht fallen! ,8b Conrad v. N. O Dank Euch, Ihr Edlen! Ohne Eure Hülfe wär ich und mein Sohn verloren. I w o.(tritt aus dem Gebüsch») Gottlob! Hier bin ich, die Völker stehen an der Waldheide, bereit für Euer Wohl ihr Leben auszuhauchen. Conradv. N. Gott lohn's Ihnen und Euch! Aber wie nun anzufangen? Sollen wir seine Burg stürmen? Siegfrieden mit Gewalt retten? Zwo. Laßt uns Siegfrieden im Anfange von Carln in Güte abfordern! Urban. Und im Falle der Weigerung Gewalt brauchen! Conrad v. W. Gut, Brüder! aber horcht! was raffelt im Gesträuche? Sieh da, Bruder Hildebrand! Hildebrand.(athe.nloS, mit stattevn-em Haare und zerstörter Miene.) Heil in Eurer Mitte! irr' ich nicht, so seyd Ihr Warry's Lehnsträger und meine Freunds. Zwo. Die sind wir. Was treibt dich in diese Wildniß, wen suchst du? Hilde brand. Conraden von Nordenburg. Conrad v. N. Sag' an, Ritter! was forderst du von mir? Hier steht Conrad von Nordenburg! Hildebrand. Du, du Conrad? Hier im Kreise meiner Freunde?(fällt auf ein Knie) Vergib edler, unglücklicher Greis, vergib dem reuigen Sünder! Conrad v. N. Deine Sinne sind zerrüttet, was fehlt dir? Hilde brand. Der größte Schatz des Menschen, ein gutes, ein ruhiges Gewissen fehlt mir, Conrad. O ich bin Schuld deines Unglücks—Schuld an dem harten Schicksale, das dich und deinen Sohn traf.(die Ritter staunen.) 187 Conradv. N. Was sprichst du, Hildebrand, du? Hilde brand. Ja, ich war der Verworfene, der Ulriken im Haine entführen wollte, der sich, um dieses Bubenstück ungehinderter ju vollenden, deines Sohnes Leibfarbe bediente. Die Ritter. Unmöglich, unmöglich! Hilde brand. Hört mich, Ihr werdet staunen, aber, ich hoffe, auch mich entschuldigen. Ich liebte Ulriken, und was der Mensch im Taumel dieser Leidenschaft zu unternehmen fähig ist, seht Ihr nun an mir. Gocr! Gott! Ich glaubte nicht, daß ich so tief sinken würde. Aber ich will vergüt ten! so viel ich kann, will zurücknehmen die Bürde, die ich Eurem schuldlosen Sohn auf seineSchultern lud. Die ganze Welt soll es wissen, daß Hildebrand sich an Warry's Eigenthum vergriff, daß er ihm sein Weib rauben wollte, und niederträchtig genug war, sich in die Leibfarbe des tapferen, tadelfreyen Siegfrieds zu verkleiden. O vergebt mir, edler Greis, die Beleidigung! meine Beste Steineck sey fürderhin Euer und Eures Sohnes Eigenthum, schaltet nach Gefallen damic. Ist Siegfried gerettet, dann sey Reue und Thränen in einer wüsten Einöde mein Loos. I w 0. Steh auf Hildebrand! Der edle Eon- rad verzeiht dir, auch sein biederer Sohn wird dir verzeihen. Und nun laßt mich den Völkern Siegfrieds Unschuld kund machen.^Verliert sich zwischen den Bäumen.) Conrad v. N. Gott! Wie wunderbar sind deine Fügungen! So soll ich noch einmahl fröhlich, noch einmahl glücklich werden! Conrad v. W. Horcht! Wie die Völker jauchzen, wie sie frohlocken! (Man hört von Ferne ein Freudengetümmel, und von alten Seiten:»ES lebe Siegfried l« schallen.) ,88 Conrad v. N.(vor Freud,! weinend.) Ach/ diese Freude, und dieß alles Euch, Euch Ihr edlen, hab' ich zu verdanken. Hildebrand. Ha! wie wohl ist mir, daß ich Euch wieder frey in's Gesicht sehen. Euch wieder meinen Freund nennen darf. Aber noch bin ich nicht ganz ruhig, mein Herz schlägt so bange, ick ahne nichts Gutes. Kommt, laßt uns eilen, Mitternacht ist nahe, laßt uns den unschuldigen Siegfried befreyen. Alle Riter. Fort, fort, laßt uns zu seiner Rettung nicht länger weilen. Zimmer in der Burg Warn-. Ulrike, Gertruds. ^^ertrude.(mit einem Licht in der Hand) Schlaft wohl Gräfinn.'(küßt sie) der Himmel verleihe Euch Ruhe. Ihr warer heut so schwermüthig, o ich möchte lieber bey Euch bleiben, und mit Euch machen. Ulrike. Verlaß mich, liebe Gertruds! Begib dich zur Ruhe, siehst du nicht, daß Mitternacht nicht mehr fern ist. Gertruds. Aber warum wollt Ihr mich nicht bey Euch dulden, warum dringt Ihr heut so auf meine Entfernung. Ulrike. Frage nicht nach der Ursache, sondern folge mir, und lege dich schlafen. Gertruds,(mit Thränen) So schlaft wohl, Ulrike! Gott schütze Euch!(küßt sie, und geht mit dem Lichte durch eine Seitenlhüre ab.) Ulrike. Schlafe sanft, gute Seele! Der Him- mel begleite dich auf deiner Lebensbahn! Du warst meine zweyte Mutter, meine Freundinn, meine i8y Lrostgeberinn. Morgen wirst du erwachen, und findest deine Ulrike vielleicht nicht mehr. Dein ahnendes Herz muß es dier prophezecht haben, sonst hättest du dich mit weniger Weigerung entfernt. Der Wille des Himmels geschehe! Ich bin aus alles gefaßt. Auch du, Siegfried,(weinend) auch du, Geliebter, gehst mit. Hand in Hand wollen wir den auf uns harrenden Engelchörcn entgegen wandern, vor Gottes Richterstuhl treten, und den Unmenschen anklagen, der uns in's Verderben stürzte. Horch, horch! — Eisentritce im Vorgemach— (Earl tritt mit rollenden Augen und einem Schwert unter dem Arm herein, hinter ihm ein Knecht mit einer Windfackel) Carl. Bist du bereit? Die Entscheidung deines Schicksals nahet heran! Ulrike. Was willst du hier mit diesem bloßen Schwerte, mit dieser drohenden Miene? Carl. Folge mir! Ulrike. Wohin willst du mich führen? Carl. Frage nicht, die Antwort würde dich schrecken.(,um Knechte) Fort!(der Knecht geht voran, Carl und Ulrike nach ihm.) Ulrike,(aus tiefer Brust) O Gott! Ein großer, schwarzer dunkel beleuchteter Saal, der in der Mitte durch einen schwarzen Vorhang getrennt ist, linker Hand hängt ein Cruzifix. Carl, Ulrike, der Knecht. (Treten ein.) Ulrike. Halt, ich folge nicht weiter. Was bedeuten diese Vorkehrungen, dieser schwarze trauernde Saal? Carl, wohin willst du mich führen? rya Carl. Sich hier deinen Heiland, knie nieder, und bereue deine Sünden! Ulrike. Gott! was beginnst du? Carl. Knie nieder und bethe! Ich möchte dich nicht gern unvorbereitet überraschen,(wild) Du mußt sterben, wenn du nicht bekennst. Bereite dich. Ulrike,(zitternd und sich End) Ich bin bereit vor Gottes Richterstuhl zu erscheinen, und meine Feinde anzuklagen. Carl. Heuchle nicht, du stehst an den Pforten des Todes, du mußt sterben, sterben von der Hand deines Gatten. Noch einmahl, bereue deine Sünden, und bereite dich zum Tode! Ulrike,(mit edlem Geist) Carl, mein Gemahl, sammle dich, eröffne deine Augen, laß dich von un- gegründeter Eifersucht nicht bethören! Carl. Ha, daß du dich von einmr Schandbu- den bethören ließest! Spare deine Siltensprüche, Schlange, die ich zu meinen, Verderben im Busen nährte! Bekenne, du mußt sterben. Ulrike,(auf das Kruzifix deutend) Dieser da, der sein Blut für mich vergoß, der den leisesten Gedanken meiner Seele weiß, sey Zeuge meiner Unschuld.' Carl. Hartnäckige! So muß ich deinen buhlerischen Augen ein anderes Schauspiel eröffnen. (Er zieht den Vorhang auf, im Hintergründe sieht man eine Art von niedrigem Schaffet, darauf ei» rothes, zusammengewickeltes Tuch liegt, vier geharnischte Knechte mit blofien Schwertern stehen dabey.) Hier enthülle sich dein Schicksal, Geh, dort empfange den Lohn deiner Thaten. Ulrike,(die Hände ringend) Gott! was ist das? Carl Eine Folge deiner Untreue.(Er nimmt sie beym Arm, und führt sie zum Schaffst.) Ulrike. Deiner blinden Eifersucht, deiner >9» Grau—(Carl hat indeß das roth« Tuch aufgewickelt, in welchem Siegfrieds enthaupteter Körper liegt. Ulrike stürzt auf ihn.) Heilige Jungfrau, Jesus, Maria! Carl.(reißt sie weg) Fort, von dem Elenden, er hat seine Strafe überstanden. Die Reihe ist nun an dir— bekenne, oder— (Wildes Getümmel von außen.) Ulrike,(im rasenden Schmerz) Unmensch, Mörder! So weir vermochte dich unselige Eifersucht zu führen?— O Siegfried, Siegfried, unglücklicher Geliebter! Carl.(sein Schwert schwingend) Geliebter? Der Schrecken preßte dir dieß Bekenntniß aus. Ha! Verworfene, stirb, stirb!(Er stößt ihr das Schwert durch die Brust.) Ulrike,(sinkt in sein» Arme, umschlingt mit ihren Händen seinen Hals, ihr Blut strömt über seinen Panzer.) Carl, mein Carl, ich sterbe unschuldig! Carl.(Stößt sie von sich, sie fällt auf's Schaffet zurück.) Fort Schlange, nur einmahl betrogst du mich! (Conrad von Nordenburg, Jwo von Rottenbach, Eon- rad von Waldgau, Urban von Wiesenried, Reinhard, Hildebrand, Georg, Knappen und Knechte.) (Alle siürzen in wildem Getümmel ein.) Hildebrand,(zurückbebend) Halt, es ist zu spat! Alle Ritter. Entsetzlich, entsetzlich! Carl. Es ist gescheh'n! Mein beleidigtes Herz ist versöhnt.(Conraden erblickend) Was willst du Greis, kamst du den Leichnam deines Sohnes abzuholen? (zeigt auf den enthaupteten Siegfried.) Conrad v. N.(aufs Schaffet stürzend) Gott im Himmel! mein Sohn, mein Sohn! Hildebrand. Ha! tödtet mich, ehe Der- IY2 zweiflung mein Herz ergreift!(er rauft sich die Haare aus.) Carl, was hast du gethan? Ulrike ist unschuldig, Siegfried ist unschuldig. Ich Kinder Elende, ich bin der Verbrecher! Carl.(wild) Fort, tausche mich nickt! Es ist gescheh n.(Die Ritter beschäftigen sich mit Ulriken.) Hildebrand. Ha, Barbar! Konntest du deine wilde Rachbegierde nicht zahmen? Mußtest du dem Scheine trauen, den höllischen Eingebungen der Furie Eifersucht dein Ohr leihen? Sieh ich bin der Räuber, der deine Gattinn im Haine dir entreißen wollte, ich bin einer von den Knechten, die in Siegfrieds Leibfarbe deine Augen tauschten! Ulrike,(sterbend) Carl, ich sterbe unschuldig. Hildebrand. Hörst du's! Ist die Stimme der sterbenden Unschuld nicht vermögend, dich aus deinem Todesschlafe zu stören? Carl. Wär's möglich? Solltest du der Bösewicht seyn? Sollte ich ungerecht gehandelt, unschuldiges Menschenblut vergossen haben? Conr a.d. v. N.(heulend) O mein Sohn! Mein Sohn! Gib mir meinen Sohn wieder, Mörder der Unschuld! Carl.(sich vor die Stirne schlagbnd) Unschuldig, Siegfried unschuldig, und ich sein Mörder, Mörder meiner Gattinn?(vor Ulriken niederstürzend) Ulrike, erwache, erwache, kehre noch einmahl zurück aus der Wohnung der Seligen, und verzeihe deinem Mörder! ulrike.(äusierst schwach) Beruhige dich, Carl, ich verzeihe dir, hier meine Hand zur Versöhnung, hier noch einen Kuß der reinsten Liebe! Du warst verblendet, sorge für den Vater des unschuldigen Siegfrieds——(Pause) Leb' wohl, Geliebter: ich sterbe schuldlos.(Sie stirbt.) Die Ritter. Gotc, Gott! welcher Jammer! iy3 Carl.(voll Verzweiflung) Wehe, wehe mir Verworfenen! Sie starben schuldlos— und ich war ihr Mörder!— Schon schreyt ihr Blut Rache über mein Haupt! Sie starben schuldlos— — und du Erde öffnest dich nicht, mich zu verschlingen?———(nach einer Pause gelassener.) O daß ich diese unerhörte That mit dem Verluste eines tausendfachen Lebens wieder vergüten könnte! Unglücklicher Warry! Wie konntest du einem Irrwische trauen, der dich in den schrecklichsten Abgrund führte? Wie konntest du der scheuslichsten der Furien, blinder Eifersucht, Platz in deinem Herzen einräumen? Ich Verblendeter! Herumirren werd' ich nun, mit deinem Fluch beladen,(er blickt gen den Himmel) sonder Rast und Ruhe, und deine Strafe ist gerecht. Zwo. Fasset Euch, Graf, Gott ist dem reuigen Sünder auch barmherzig. Carl. Auch barmherzig, sagst du? O du gießest Balsam in mein gefoltertes Herz. Auch barmherzig dem reuigen Sünder! So sey denn mein Leben bis auf den letzten Athemzug eine ununterbrochene Kette von Buße für meine Verbrechen! Wahl- fahrten will ich zu dem Grabe des Erlösers, trocknen sollen meine Augen nie von Thränen der Reue, bluten soll mein Körper mit zedem Tage von neuen Wunden, lechzen mein Gaum vor nagendem Hunger und brennendem Durst, vor Frost soll das Mark in meinen Knochen erstarren, und schmelzen vor Gluth, bis ich gerügt habe meine Schuld, bis meine Hände rein gewaschen sind vom Blute der Unschuld. (Er sinkt auf seine Knie vor dem Cruzifix.) O du, der du die Sünden aller Menschen tilgtest, verschone des Reuigen, und ihr Schatten der Verklärten verzeiht dem Verblendeten, der Euch aus Eifersucht das Le- Ritter Brend's Geist. N iq4 den nahm.(Di« Ritte- stehen all« in Wehmuth versunken, und scheinen von Carls Reue gerührt.) Hilde brand. Auch ich will abbüßen in einer Einöde meine Verbrechen. Carl.(zu Siegfrieds Vater) Und nun, edler Greis, könntet Ihr mir vergeben die Beleidigungen, die ich Euch zufügte? Conrad v. N. So wie ich die Vergebung Werner Vergebungen vom Himmel hoffe, so sey auch Euch alles vergeben. Carl.(umarmt ihn, mit einem tiefen Seufzer.) Nun wird mir wieder leichter. Meine Burg Warry sey fernerhin Euer Eigenthum, sey ein kleiner Ersatz für Euren Sohn. Lebt wohl! Mit der morgenden Sonne trete ich die Reise nach dem gelobten Lande an. Auch Ihr, meine Treuen, meine Freunde- gehabt Euch wohl, und nehmt meinen Dank für Euren E>ftr> für Eure Freundschaft zum letzten Mahl von mir! An Euch Ritter Zwo hab" ich noch einen Auftrag, noch eine Bitte, sie ist die letzte. Sorget, daß die unschuldigen Opfer meiner Eifersucht mit aller Pracht in der Familiengruft beygesetzt werden. Laßt ihnen von dem kostbarsten Marmor, von der Hand des berühmtesten Bildners, ein Denkmahl errichten, und zum ewigen Andenken ihrer Tugend die Geschichte mit goldenen Buchstaben eingraben. Bis zu Thränen hatte Albrechten die Geschichte gerührt. Nein, dachte er, nein, du sollst nicht so unglücklich seyn- nicht so hark gezüchtiget werden für Liebe, und sein Bruder Brend trat in's Gemach. Albrecht. Willkommen,Bruder! Ich habe einen Gedanken, fürchterlich und schön, und wenn du mich, wenn du deine Elie liebst, so mußt du ihn billigen. i>)5 Brend. Und dieser wäre? Zll brecht. Daß wir flöhen in eine Wildniß, und hausten dort, wie die Adler in Felsenhöhlen, verborgen dem Auge der Menschen. Brend. Du hast mir den Gedanken aus der Seele gerissen, Bruder, wir wollen ihn wagen! Albrecht. Es wird uns wohl gehen. Auch du Kurd, willst du uns Treue geloben, wenn wir eine Handlung unternehmen, die dir unbillig schiene? Kurd. Ich hab Euch Treue geschworen, und will sie unbedingt halten. Albrecht. Nun, so höret! Im Böhmenwalde fand ich eine Gegend, wild und schrecklich, kein menschlicher Fuß kann sie noch betreten haben. Ich will dort eine Feste aufführen, als wäre sie aus Erz gegossen, und dort wollen wir leben. Brend überdachte noch ein Mahl diesen hohen Gedanken, und willigte ein. Sie eilten zu Witte- wuth, um ihm ihren Entschluß bekannt zu machen, und dieser, der Albrechts geheimen Entwurf nicht wußte, billigte ihren Vorschlag. Ich bin noch, sprach er, meiner Tochter ein Heirathsgur schuldig; dieser Verbindlichkeit mich zu entledigen, will ich auf eigene Kosten die Feste aufführen lassen. Albrecht mag indessen Narungsmirrel besorgen. Zwar wollten sich Rudolphs Söhne weigern, aber sie mußten nachgeben. Wittowuth suchte zehn seiner getreuesten Knechte aus, die wahrend dem Baue, zur Sicherheit zugegen seyn sollten. In kurzer Frist brach der Zug aus: vier Pferde waren mit Geld und andern Kostbarkeiten beladen, und besonderen Knechten vertraut. An Brends Seite ritt seine sanfte Elie, neben Albrecht der junge Nadaschin, hintennach Conrad, Paul und Kurd, nebst den zehn wendischen Knappen. Ein Schauer überfiel die Reisenden, als sie den Wald betraten, Brend frohlockte, da er die furchtbare Ge- N s gend und die schroffen Felsen sah, auf denen die Burg sollte erbaut werden. In einer Felsenhöhle bereitete er indeß von Gras und Moos seiner Gattinn ein Lager, und ließ sie von zwey wackern Knechten bewachen. Einigen von der kleinen Gesellschaft warb die Sorge für Nahrungsmittel, andern Bauleute herbey zu schaffen, aufgetragen.*) Ehe noch mit dem Bau der Burg angefangen wurde, mußten die Bauleute eine geräumige Hütte aufführen, welche die Versammelten vor den Beleidigungen der Witterung schützen könnte, dann gings mit vereinigten Kräften muthig über die Beste her. Nach und nach stiegen ihre hohen Mauern empor; sie schienen aus den Felsen heraus zu wachsen. Als endlich die Vollendung des Baues herannahte, zog Radaschin fort, um hinlängliche Nahrungsmittel, Wein, Waffen, Kleidungsstücke und das übrige Hausgeräthe zu verschaffen. Albrecht hingegen trat, in Begleitung des alten Conrads, die Reise nach Sachsen an, um seinen Entschluß in's Werk zu setzen, Helenen zu seinem Weibe zu bekommen. Als er daselbst ankam, befand sich Heinrichs Tochter nicht mehr in Merseburg; denn weil der Kaiser auf einer Reise nach Worms begriffen war, hatte er sie, nebst feinen Angehörigem auf ein festes «r Die Chronik, die Mir den Stoff zu dieser Geschichte lieh, berichtet: Unsere Verbündeten hätten um Nachtszeit an den umliegenden Dörfern und Städten herumgestreift, wo sie verschiedene Bauleute auffingen, ihnen die Augen verbanden, und sie so, um den Bau heimlich zu halten, in die Wildnifi führten. Hier wurden sie streng bewacht, sie mufften Felsen sprengen, Steine hauen, Kalk brennen, und um ihnen grössere Lust zu machen, und den Bau zu befördern. bekamen sie auch ansehnliche Geschenke. Schloß bringen lassen, worüber hundert Knechte ihrer wachten. Albrecht sah dieses Schloß, und sein Muth begann zu sinken. Hoch auf einem Felsen stand es, von einer Seite schützte es die schroffe Fclsenwand, an deren Beste sich ein Strom vorüber walzte, auf der andern bewachten es die Reisigen. Wohl hundert Mahl ritt er vorbey, in der Hoffnung, sie an irgend einem Fenster des Schloßes zu sehen, aber immer vergebens. Endlich both sich ihm eine günstige Gelegenheit dar. Als er einst am Ausgange des Waldes, hinter einem Baum hielt, und in die Burgfenster hinauf lugte, sah er einen Harfner aus dem Thore gehen, der gerade dem Walde zueilte. Diesen beschloß er zur Ausführung seines Vorhabens zu wählen- »Wohin, Harfner?« rief er ihn an, als derselbe sich schon im Walde befand. Harfner. Jn's Dorf, gestrenger Ritter! Wird all bald Nacht werden, und ich muß mir wohl ein Obdach suchen. Albrecht. So hast du keine Hütte, wo du wohnen könntest? Harfner. Leider keine! Muß herumstreichen in der Welt, von Burg zu Burg, und oft unter Gottes freyem Himmel schlafen. Albrecht. Wer haust denn da auf dieser Burg, wo du gewesen bist? Harfner. S'ist des Kaisers Tochter, die Prinzessinn Helena. Man sagt sich Verschiedenes in die Ohren, warum der Kaiser sie eben hier in diese stark bewachte Burg bringen ließ. Albrecht. So? Hast du sie gesehen? Harfner. O wohl, gestrenger Herr Ritter! Bin seit fünf Tagen alleweil in der Burg, und spiele ihr auf meiner Harfe vor, und hab' wohl viele Mühe, eh' ich sie erheitere. >>)8 Albrecht. Ist sie so traurig? Harfner. Nicht wenig, sie schleicht umher, mit hängendem Kopfe, und immer rinnen ihr Thränen über die rosigen Wangen. Albrecht(entschlossen.) Höre, Alter! Du bist arm, verlassen von Allen, weißr nicht, wer sich erbarmen, und dich in Krankheit aufnehmen wird. Harfner(traurig.) Wohl wahr, edler Herr! Schon jetzt fangen mir an, die Finger schlaff zu werden, und der Arm sinkt mir vor Schwache, wenn ich eine Weile spiele. Albrecht. Ich will dich zu mir nehmen, du sollst bey mir leben, von meiner Tafel speisen, von meinen Gütern zehren, wenn du dich einschließen kannst, mir einen Dienst zu leisten, der für dich unbedeutend, für mich aber wichtig ist. Harfner. Tausend für einen, lieber Herr! Befehlt, ich, Euer Knecht, gehorche. Albrecht. Aber sieh, er könnte dir unbillig, vielleicht gefährlich scheinen, und du mußt mir im voraus dein Work geben s^derm, wenn ich dir mein Geheimniß enthülle, hast du dann keine andere Wahl, als leisten oder sterben.(Entblößt sein Schwert.) Harfner(fährt zusammen.) Hu! Ihr seyd fürchterlich, edler Herr! Wenn's nur nicht aufs Menschenmorden ankömmt? Albrecht. So weit geht's nicht. Du hast nichts, als ein wenig Verfolgung zu befürchten, vor der ich dich hinlänglich schützen werde. Harfner. So sey's, ich lebe Eures Willens. Albrecht. Hör' also! Ich bin Albrecht von Altenburg, ich liebe die Prinzessinn, sie liebt mich wieder, ich warb um sie, und erhielt abschlägige Antwort, weil ich nur ein Graf bin. Mein ganzes Glück aber beruht in ihrem Besitze, und dazu sollst du mir deine Hand biethen, ich will sie entführen. '99 Harfner. Himmel, wo wollt Ihr Euch vor des Kaisers Grimm verbergen? Albrecht. Sey ruhig' Dafür hab ich schon ^'^Harfner. Gut, aber wie anzufangen, daß wir sie aus der Burg bekommen?^. Albrecht. Dieß soll eben dem Werk seyn. Du wirst morgen früh mit einem Briefe, der sie zu dem Vorhaben bereiten soll, hingehen, und denselben ihr heimlich zu geben trachten. Abends wirf aber eine Strickleiter, mit der ich dich versehen werde, um jene Eiche, damit ich über die Felsenwand hinauf komme. Weiter hast du nichts zu thun, als n„t ^Der Harfner willigte in alles; Albrecht nahm ihn mit in sein- Herberge, wo er ihn noch umständlicher unterrichtete, und ihm den Br.ef gab. Das Schreiben erklärte Helenen, daß er gegenwärtig wäre, ihre Entweichung, wie sie«"abredet war, zu befördern: sie solle um Mitternacht auv der Burg zu kommen suchen, w° er an der Eich-'hr-r harren würde. Alles ging nach Wunsch, Harfne kan des andern Tages in d.e Burg, wo er bald Gelegenheit fand, ihr den Brief heimlich m die Hände zu '^*Die Prinzessinn liebte Albrechten i» sehr, als daß sie sich zu dem bestimmten Schritt nicht gleich hätte entfließen sollen. Sie bestach einen Knecht, der die heimliche Pforte an der Felsenwand bewachte, und darrte ängstlich der Mitternacht. Nach dem Mahle schlich der Ha^er wieder m die Burg, zuvor aber hatte er b'° Str.cklei er rm Bmqhain verborgen, d,e er hernach, als er spat Abends wieder aus dem Schloße eilte, hernahm, beym nächtlichen Dunkel an der^'4-befestigte. D' ser Baum stand am Rande der Felsenwand, über 200 welche sich die Strickleiter bis in den Strom herabzog. Der Harfner eilte ungesäumt in die Herberge und meldete dem Ritter: Helena hätte ihr Wort gegeben, und die Leiter wäre fest. Da sah Albrecht der Mitternachtsstunde mit banger Sehnsucht entgegen, sein Her; pochce laut unter dem Panzer. Jetzt schlug die Glocke eilf; Albrechr schwang sich auf sein Roß, neben ihm ritt der alte Conrad, der ein gesatteltes Pferd, das für Helenen bestimmt war, fübrte, hin- kennach trabte der Harter. In kurzem gelangren sie an den Felsen. Rauschend wälzte sich der Strom vorüber, der Mond schien hell, die Sterne funkelten, tiefe, feyerliche Sülle herrschte umher, die nur von dem Rauschen des Stromes unterbrochen wurde. Unsern Rittern begann bang zu werden, lange zauderten sie, endlich erblickte Albrecht eine Gestalt rn^ünglingskleidern hart an der Eiche stehen und Mit einem weißen Tuche winken. Es ist Zeit, sprach Albrecht leise zu dem Alten, und stieg in den Kahn, der ihn zur Strickleiter hinüber führte. Banges Erwarten verschloß ihre Lippen bis er jenseits des Stromes war. des Himmels schützt ihn, stammelte A'ä L i"dem seiw Herr die schwindelnde Hohe hinaufstieg, und mit jedem Tritte herabzustürzen in Gefahr war. Gierig waren ihre Augen auf ihn gerichtet, ihre Blicke verfolgten ihn bis an die Stirne des Helfen. Hier verlor er sich hinter der Eiche.»Gottlob, sprach der Harfner, glücklich hat er die Spitze erstiegen, hatt' er nun auch schon so glücklich wieder die Ebene des Thales erreicht.« Allein, unverhofft kam er mit Helenen zum Vorschein, er bestieg zuerst die Leiter, die Geliebte folgte ihm, mit beyden Armen suchte er sie sorgfältig zu schützen, da ein einziger Fehltritt sie und ihn in den Strom herabgestürzt härte. Doch ihre Engel wachten so l über sie, wohlbehalten erreichten sie den Kahn, wohlbehalten das Ufer. Des willkommen heißens, und der Umarmungen gab's nicht viele, Albrecht eilte weislich, alles schwang sich zu Gaule, und jagre davon. Vorbereitet auf den gefährlichen Schritt, den sie wagen wollte, hatte sich Helena in Jünglingstracht gekleidet, und stellte auf der Reise des Ritters Leibknappen vor. Wie auf Flügeln des Windes ging es nun den übrigen Theil der Nacht ungehindert fort. Mit Anbruch deck Morgens kamen sie an die Burg Ritter Kuno's des Wilden. Albrecht eilte mit seiner geliebten Beute in das Gemach des Burgherrn, und als dieser seine Gäste herzlich bewillkommt hatte, eröffnete der Graf dem Ritter sein Vorhaben. Dieser billigte es, rief seinen Burgpfaffen herbey, der das liebende Paar mit dem heiligen Band der Ehe verband, und Kuno entschloß sich, seine Heimach zu verlassen, niit Albrechren zu ziehen, und in seiner Gesellschaft das Ende des Lebens zu erwarten. Nachdem sich die Reisenden mit einem herrlichen Imbiß ge- gelabt, und einige Humpen guten alten Weins, auf das Wohl der Neuvermählten, gelehrt hatten, begann der Zug, die Burg zu verlassen, den Ritter Kuno nun mit zween seiner Knechte vermehrt halte. Glücklich erreichten sie nach einer ziemlich beschwerlichen und mühevollen Reise den Böhmerwald, aber nicht so glücklich konnten sie gleich den Ort ihrer Bestimmung finden. Sie irrten viele Tage umher ohne die geringste Spur zu sehen. In einer finstern Nacht lagen sie im Grase, als auf einmahl ein Heller Schein den Wald erleuchtete, und mit jedem Augenblicke stärker ward. Albrecht stieg erschrocken auf einen hohen Baum, sah in einer Ferne Feuer, und erkannte beym Schein der Flamme die Burg. Himmel! schrie er, meine Beste brennt wir sind verloren! Aber nach kälterer Ueberlegung, nach längerer Beobachtung fand 202 er, daß es nicht die Burg, daß es die gleich anfangs erbaute Hülle sey, die in vollen Flammen stand. Voll Ungeduld, voll Begierde zu retten, suchten sie nun den Weg dahin, und fanden ihn auch bald, da sie die Flamme am sichersten leitete. Aber welch ein entsetzender Anblick! Die Hütte vor der Burg in einer Schanze derselben, die im Anfange den Verbündeten zur Wohnung diente, brannte lichterloh. Zwar war alles rastlos beschäftigt der Verwüstung des Feuers Einhalt zu thun, aber ein heftiger Sturm both demselben so lange immer neue Nahrung an, bis die Hütte ein Aschenhaufen war. An einer Eiche gelehnt stand Beend, und rang die Hände, Radaschin zur Seite schien ihn zu trösten. DerEmpfang der Brüder war schauerlich. DasSchreck- liche deS Feuers, und die Freude des Wiedersehens kontrastiven fürchterlich, kaum vermochte die Stimme des Bewillkommens die Traurigkeit zu mildern. Bruder, sprach Albrecht, was soll das, was ist dir? Brend. O Albrecht! wir sind unglücklich,— ich bin der Unglücklichste,— unglücklicher, als diese unschuldigen Opfer der Flamme. Albrecht. Ich begreife deine Reden nicht! Brend. Durch mich haben ihrer Hunderte hier ihr Grab gefunden, ihre Witwen und Waisen schreye en um Rache zum Rächer über mich. Albrecht. Sprich deutlich, zusammenhangend, so fern du willst, daß ich dich verstehe. Brend. Die Biedermänner, deren Händen, deren Fleiße wir unsere Veste zu danken haben, fanden hier ihren Tod, fanden ihn durch mich. Albrecht,(sich entsetzend) Bruder! Welcher Satan gab dir diesen Gedanken ein? Du der Mörder dieser Rechtschaffenen, durch deren Schmeiß unsere Burg entstand. Gott! Gott! Wie tief bist du von deiner Höhe herabgestürzt! 2o3 Brend. Ich mordete sie in der besten Absicht, ich mordete sie, ohne sie morden zu wollen. Höre mich Bruder! der Bau der Beste war vollendet, und unsere Arbeiter forderten ihren Sold. Ich verhieß ihnen solchen mit dem Bedeuten, so lange zu harren, bis du zurück gekommen seyn würdest. Einige Tage herrschte Stille unter ihnen, dann fingen sie an zu murren, dann mit Ungestüm»! zu drohen, daß sie entfliehen, und uns verrathen wollten. Die gefährliche Lage, in der wir uns befinden, die alle erdenkliche Verschwiegenheit heischt, geboth Strenge Hb-wog mich alle in das anfänglich erbaute Gemach unter dem Verwände, ihnen ihren Lohn reichen zu wollen, zu locken, und als sie männiglich versammelt waren, hatte ich bereits Knechte bestellt, die sich der Thüre bemächtigten und die Empörer einschloßen. Durch zween voll« Tage ließ ich sie mit allen Bedürfnissen des Lebens versehen, nichts mangelte ihnen, als die Freyheit, und begierig sah ich deiner Ankunft entgegen, um mich mir dir über die Begebenheit zu berathen. Aber sieh! Da erschien gestern mit Anbruch der Nacht ein fürchterliches Gewitter, Donner folgte auf Donner, Blitz auf Blitz, der Sturm lobte, und alle Elemente schienen sich gegen einander zu empören. Ein fürchterlicher Donnerkeil fuhr unter dem gräßlichsten Gekrach in's Dach der Hütte, und setzte sie ,n helle Flammen. Die Knechte, die solche bewachten, machten Lärm, alles eilte das Feuer zu dämpfen, da aber der Sturm einen Funken auf das Dach der Burg führte, und dieses zu brennen begann, vergaßen die Wächter der Hütte, und aller Hände waren beschäftigt den Flammen in der Beste zu steuern. Indeß Bruder, indeß ! O laß dir das Kämpfen mit dem Tode, das Gräßlilche ihres Endes, die Flüche und Verwünschungen, die sie in Verzweiflung über mich aussns- ßen, von diesen unglücklichen, von diesen schuldlosen Opfern meiner übereilten Vorsicht selbst erzählen. 2«4 Albrecht. O Gott! Kuno und Conrad-(ringen die Hände.) Beend,(voll Reue) Mich schaudert, wenn ich auf die Asche dieser Unschuldigen meinen Blick hefte! (mit wachsendem Schmerz)—— Ich bin ihr Mörder! O wäre es möglich euch ihr Märtyrer wieder zu erwecken, euch euren trostlosen Gattinnen, euren weinenden Kindern wieder zurückzugeben!—— Freylich nur ein Wunsch für die That!(beruhigter) Verzeiht, verzeiht, ihr Witwen und Waisen, daß ich eure Stütze, euren Stab euch brach! Ich dachte weise, ich dachte vorsichtig zu handeln, und strauchelte, mich zu retten, gab ich Hunderten den Tod! O Vernunft! ohne Herz, ohne Liebe, was bist du? Brend hätte seinen Monolog im Gefühl der Reue noch weiter fortgesetzt, hätte seiner übereilten Vorsicht noch manchen Vorwurf gemacht, wenn Albrecht ihm nicht mit heilsamen Trostqründen zu Hülfe gekommen wäre, und ihn nicht gemahnt hätte, die gänzliche Heilung der Wunde, die seinem Herzen ein unvorgesehener Zufall geschlagen hatte, der Zeit zu überlassen. Die Ermahnungen des Bruders hatten die gewünschte Wirkung. Graf Brend sing sich an zu fassen, in seine Seele kehrte Ruhe zurück, und obschon Heiterkeit sein Gesicht wieder einnahm, so war darauf doch immer ein düstres Wölkchen des herzfressenden Grams zu erkennen. Jetzt begaben sie sich in die Burg, feyerlich war ihr Einzug in dieselbe, einer umarmte den andern, wechselseitig schwuren sie sich Freundschaft, Eintracht und Hülfe. Tiefer Ernst saß dabey auf allen Gesichtern, denn alle Blicke fielen umvillkührlich auf den Brandhaufen. Zur Sicherheit unserer Frauen haben wir diese Burg erbaut, zu ihrer Ehre soll sie auch Frauenbcrg genannt werden, so svrach Albrecht und begann ihre Beschaffenheit zu besichtigen. Er fand alles vortreff- 205 lich, stark und wehrhaft,»nb wohl für dreyßig Menschen auf hundert Jahre Wein, Gerüche und andere nothwendige Nahrungsmittel; denn Radaschin hatte für alles dieses unermüdet gesorgt. Noch eine kurze Heit blieb dieser wackere Wende auf Flauendem,"endlich zog er mit seinen Knechten heim, und seht fing die kleine Gesellfcbaft ein ruhiges, zufriedenes Leben an. Abgeschieden von allen Menschen lebten die Fröhlichen glücklicher, als i» dem Geräusche der Welt. Wenige waren ihrer nur, aber desto fester war ihre Eintracht, Herr und Knecht schienen ^ ihren Stand vergessen zu haben, und lebten wie Erüder. Albrecht, Brend, Helena, Mathilde, Ritter Kuno, seine zwey Knechte, Ritter Conrad, Paul, Kurv, der Harfner, und der junge Brend, diese waren es, aus denen die Bewohner Frauenbergs bestanden, bald aber wurden sie noch mit einem Knaben vermehrt, den Helena ihrem Albrecht gebar. Im Abgänge eines Priesters verrichtete Rttter Kuno die Taufhandlung und legte ihm den Nahmen Ru- dolvh bey. O welches zufriedene, welches glückselige Leben! In den rauhen Wintertagen saß man beym wohlthätigen Kamin, der Becher ging umher, die Knaben spielten in dem Schooße ihrer Mutter, und der Harfner spielte ihnen ein Lied vor, daß sie unvermerkt in die Vergangenheit versetzte, da hielt Albrecht freudetrunken den Becher in die Hohe, sein Auge weilte auf Helenen, und manche Wonnethra- ne rollte über seine Wangen. Kam dann wieder der Sommer, so schwärmten die Männer in den Wäldern herum und stellten Wölfen und Bären nach, die Weiber hingegen schlichen mit dem Harfner hinaus vor die Burg, setzten sich unter irgend einen Baum, und der Alte mußte sie mit Singen unterhalten, oder ihnen eine Weise vorspielen. 2o6 So vergingen ihnen in Freude und Vergnügen vier Jahre. Es war ein schöner herrlicher Frühlings- niorgen, da saß Mathilde einige hundert Schritte vor der Burg entfernt, an einem frisch begrünten, blumigen Hügel allein, in tiefes Nachdenken versunken, nur ihr Knabe Brend spielte neben ihr im Grase. In einem Huy sprang ein eiserner Mann aus dem Gebüsche und bohrte sie nieder; sie sank, Angst und ein nie gefühlter Schrecken entrissen sie der Ohnmacht: sie flehte nur um das Leben ihres KindeS, aber unerbitkerlich war der Mörder. O süße, süße Rache, murmelte er, indem er den fünfjährigen Knaben bey einem Fuße in die Höhe hob, und taub gegen sein Flehen und Weinen den Dolch ihm tief in die Brust stieß. Mörder, Mörder, ächzte! die unglückliche Mutter! Ein Strom von Blute drang ihr aus der Wunde. Sage deinem Brend, versetzte der Bösewicht mit schadenfroher Miene, dieß hätte Meinhard gethan. Schnell verlor er sich in's Gebüsche. Die Chronik erzählt nicht, wie und auf welche Art Meinhard in diese Wälder gerieth, nur dieß erwähnt sie, daß in dem nähmlichen Augenblicke Brend ohne sein Schwert, welches er stets in der Burg an der Wand hängen ließ, auf seine sterbende Gattinn traf, und sie noch so viel Kraft hatte, ihm den Nahmen des Mörders zu nennen. Sie verschied in seinen Armen. Wüthend raffle sich nun Ritter Brend auf, und stürzte hinweg: das Gesträuch, welches ihm im Wege war, riß er sammt der Wurzel aus der Erde, und machte sich eine Bahn. Durst nach Rache trieb ihn den mörderischen Meinhard nach; das Schicksal wollte, daß er den Bösewichl gleich des andern Tages an einem Strome antraf, der sich schäumend durch den Wald stürzte. Meinhard erkannte Beenden; ha, hab ich dich, Ruchloser! Indem er mit seinem Schwert 2»7 nach ihm hieb, das aber an Brendens festem Panzer abglitt, wie ein erzürnter Löwe fiel er auf den Mörder seines Weibes, packte ihn am Halse, und drückte mit seiner Riesenfaust ihm den Helm kragen so fest zusammen, daß er unter einem schrecklichen Gebrülle seine schwarze Seele aushauchte. Brend schleuderre ihn in den Strom, und eilte langsam tiefer in den Wald. Laß mich schweigen, lieber Leser, von dem Schmerz, von der Betrübniß, und von dem Wehklagen in Frauenberg, als man Mathilden und ihren Sohn ermordet fand, und den unglücklichen Gatten vermißte. Nie ist ein Leichenbegängnis, trauriger gehalten worden, als dieses. Unter unzähligen Thränen wurde Mutter und Kind in die Gruft versenkt, der Harfner wirbelte ihnen ein Todtenlied. Es vergingen Wochen und Brend erschien nicht wieder. Seine Abwesenheit vermehrte ihren Kummer. Einst endlich, als sie am späten Abend beym Mahle saßen, und von den traurigen Zufällen redeten, ertönten drey Schwertschläge am Burgthore, Kuno sah zuiii hohen Fenster hinaus, und erblickte Männer mit Fackeln, die etwas, wie eine Leiche zu tragen schienen. Ach! wohl war es eine Leiche! Als Albrecht das Thor öffnete, trat ihm Radaichin entgegen, und Knechte folgten ihm, die Brends Leichnam trugen. Größer und heftiger konnte Albrechts Schmerz nicht seyn, als jetzt. Lange hing er seinem todten Bruder am Halse, endlich, als er wieder zu Sinnen kam, als er wieder sah und hörte, erzählte ihm Ra- daschin, Brend wäre voll Verzweiflung nach Hasty gekommen, und aus Gram, da Meinhard seine Gattinn und seinen Sohn gemordet hatte, in seiner Hütte gestorben. Sterbend hätte er noch den Wunsch gchegt, m Frauenberg an der Seite seines geliebten Weibes begraben zu werden. Sein Verlangen wurde sc»9 ohne Verzug erfüllt, und nach drey Tagen wollte Kuno Brends Geist auf dem Walle herumwandeln gesehen haben. Albrecht beschloß in kommender Nacht zu lauer»; die zwölfte Stunde rückte heran, und er sah vorn Fenster auf dem Wall eine lange, schwarze Gestalt; sie schien Beenden ähnlich zu seyn. Albrecht redete den Geist an, aber er stand keine Rede, sondern seufzte und verschwand. Laßt uns nun einige Blicke auf Hclenens Vater werfen, der gerade in dem Jahr, als Mathilde ermordet wurde, und Brend starb, in Regensburg sein Hoflager hielt. Es war eine Zeit, wo dieser Monarch von den drückenden Geschäften sich wieder zu erhöhten beschloß. Neben andern Unterhaltungen war dazumahl die Jagd die größte Fürstenlust; auch Heinrich jagte gern, oft zog sich der Schwärm von Jägern bis in die böhmischen Wälder, wo sie um so lieber jagten, weil die Waldung ihnen ganz neu und voll Wild aller Arten war. Vielleicht wollte es Albrechts Schutzgeist, daß eben dieser Wald dem Kaiser eine neue Jagdbahn verstattete. Auf einer dieser Jagden verirrte sich Heinrich von seinem Gefolge. Er befand sich so tief im Gehölze, daß alle seine Bemühungen, aus selben zu gelangen, vergebens waren. Er blies in sein Hüft- horn, aber umsonst; er suchte den Rückweg, aber immer schrecklicher verirrte er sich, bis er endlich einsah, daß er bloß aufs geradewohl im Walde herumstreifen müsse. Zu seinem Unwillen gesellte sich noch die Angst, ob nicht etwa Räuber diesen Wald bewohnten. Diese Gefahr wenigstens halb zu vermindern, warf er sein fürstliches Geschmeide von sich, und setzte als ein gemeiner Jäger gekleidet seinen Weg weiter fort. Der Wald wurde immer dichter, immer fürchterlicher, es verging eine Nacht und noch zeigte sich keine Spur von einem Wege, die Gegend wurde - d L0Y immer schrecklicher, wo Sumpf, Wald und Gesträuch nichr war, da thürmten sich ungeheure Steinklum-- pen hoch in die Luft empor. Am dritten Tage endlich, als er schon matt von Hunger, den er nur mit Wurzeln und wilden Beeren gestillt hatte, einherschlich, erreichte er das Ufer eines Teiches. Es war ein dicker Nebel, er beschloß also neben dem Wasser so lange fort zu gehen, bis er irgend ein Dorf oder eine Hütte gefunden hätte. Das Glück leitete seine Schritte; denn ehe er sich'S versah, stand er vor einer schrecklichen Felsenburg, deren Mauern sich hoch empor thürmten. Es war Frauenberg. Voll Freude, doch wieder eine menschliche Wohnung gefunden zu haben, stieß er drey Mahl in sein Hüfthorn, und rief, man sollte ihn einlassen. Die Ritter in Frauenberg erschrocken, als sie einen Fremden vor ihrem Burgthore sahen, dennoch aber rief Albrecht ihm vom Erker herunter, was sein Begehren wäre. Ich habe mich verirrt, Ritter! schrie Heinrich, habe drey Tage nichts gegessen, seyd gastfrei) für mich, laßt mich in Eure Burg, und stillet meinen Hunger. Helena, die jetzt wieder Lust empfand, einen fremden Menschen zu sehen, bath, man möchte ihn einlassen. Albrecht willigte in ihre Bitte, die Zugbrücke wurde herabgelassen, und Heinrich trat ein. Gott grüß Euch, Fremdling! sprach Albrecht, indem er dem Kaiser die Hand schüttelte, waS meine Burg vermag, soll Euch werden. Aber Himmel! Welcher Auftritt für den erstaunten Kaiser, als er den Grafen Altenburg und seine Tochter Helena erkannte. Doch faßte er sich bald von seiner Betäubung/ und beschloß eine fremde Ritter Brend'S Geist. 2 sra Rolle zu spielen, weil er sah, daß keiner von Albrechts Gesellschaft ihn mehr kannte.*) Nachdem er sich mit Trank und Speise wieder gestärkt hatte, und um sein Herkommen gefragt wurde, gab er sich für einen ungarischen Ritter aus, der in Deutschland Geschäfte zu besorgen, und sich in diesem Walde verirrt hätte. Das Gespräch wurde bald auf andere Gegenstände geleitet, man fragte nach Neuigkeiten, und erkundigte sich auch endlich nach dem Befinden des Kaisers. Schlau, antwortete Heinrich, der Kaiser wäre seit einem Jahre todt. Helena,(zusammenfahrend) Todt? Todt? mein Vater todt?(sie ringt die Hände) O ich Unglückliche! So muß ich denn mit seinem Fluche beladen, mein Leben enden, kein Weg zur Versöhnung steht mir mit dem Beleidigten mehr offen. Ha! Ich zittre, wenn ich einen Blick in die Ewigkeit wage, wo er meiner harrt, seinen Fluch über mich zu donnern. Die ganze Hölle mit ihren nahmenlosen Qualen liegt in diesem Gedanken,(sie weint heftig) Todt? mein Vater todt? Und dieß durch mich, aus Gram, aus Zorn über sein pflichtvergessenes, ungehorsames Kind. O Liebe, unselige Leidenschaft! Was vermagst du nicht über den, der deinem Sirenengesang sein Ohr leiht? Du lösest die Bande der Natur, du sooitest mit frecher Stirne der heiligen Rechte des Blutes, du zerbrichst die unendliche Kette der Wesen und sonderst Ringe von Ring. Ha! Du allein schüfest nur den Stahl, womit ich Jenem, durch den ich bin, die Wohlthat des Lebens mit dem Tode vergalt. Albrecht. Sey ruhig, liebes Weib! Unser *) Kaiser Heinrich, sagt die Chronik, habe sich aus Leid über seine verlerne Tochter 5 Jahre hindurch den Bart nicht scheeren lassen, welches eine von den Ursachen war, Lass selbst seine eigene Tochter ihn nicht erkannte. L l 2 Vater war gut. O gewiß hat er uns vor seinem Tode verziehen, gewiß uns gesegnet. Helena. Geflucht, geflucht hat er uns, den Räubern seiner Ruhe, seines Lebens. O daß ich ihn noch einmahl, nur einen einzigen Augenblick noch sehen könnte. Heinrich,(gerührt, verbirgt aber seine Unruh«) Und was würdet Ihr thun, edle Frau! wenn der Himmel Euch diesen Wunsch gewährte? Helena,(hastig einfallend) Hinstürzen würd'ich zu seinen Füßen, umklammern seine Knie, mir blutigen Thränen der Reue ihn bitten mir und meinem Albrecht zu vergeben. Wir sind gefallen, haben den Weg der Tugend verlassen, aber Liebe war die Schlange, die uns bethört«, wir waren zu schwach ihrem Zauber zu widerstehen. Heinrich,(äusserst bewegt) Mich schmerzt Euer Unglück, edle Frau! Aber ich wette, Euer Vater hat Euch verziehen, ehe er starb, er war ein Biedermann, fern war sein Herz von Haß und Rache, und wie das Gericht sagte, soll sein letztes Wort Verzeihung, all seinen Feinde», all seinen Beleidigern gewesen seyn.,^^ Helena,(freudig) O Ihr seyd ein Böthe des Himmels! Heinrich. Begebt Euch zur Ruh, edle Hrau. Ihr habt des Schlafes nöthig, und auch ich bedarf sein"^, Albrecht. Ja, ja, laßt uns zur Ruhe gehen. Heinrich warf sich auf das ihm angewiesene Lager, aber ohne ein Auge zu schließen, und schied nur Anbruch des Tages freundlich von ihnen. Albrecht geleitete ihn aus dem Walde. Er eilte so lange, bis er wieder Regenspurg erreichte. Die Fürsten und Herren waren voll Freude, ihren für verloren gehaltenen Kaiser wieder zu sehen, sie bestürmten ihn O2 2l2 mit Fragen, aber Heinrich schwieg, erst nach etlichen Tagen versammelte er sie wieder um sich, und erzählte, wie er seine verlerne Tochter, Helena, im Böh- nierwald auf einer Felsenburq gefunden habe. wo sie mit Albrechten, Trafen von Altenburg, vermählt sey, wiesle ihn nicht erkannt und Reue über ihre Flucht bezeugt hatte, und wie er endlich entschlossen sey, ihr großmüthig zu verzeihen, sie mit seinem ganzen Gefolge abzuholen, und sie wieder an seinen Hof und in seine Gnade aufzunehmen. Die ganze Menge der Großen jauchzte dem gütigen Kaiser ihren Beyfall zu. In kurzer Frist begann der ganze Hofstaat des Kaisers im feyerlichen Zuge aufzubrechen, die Vornehmsten des Reiches begleiteten ihn mit ihrem Gesinde, und in einigen Tagen standen sie, an einem heitern Sommermorgen, vor der Burg. Albrecht glaubte im ersten Taumel eine himmlische Erscheinung zu sehen, und auf den dreymahligen Ruf des Kaisers:»Komm herab meine Tochter,« wähnte Helena die Stimme ihres Vaters zu hören, sie drang aus ihrem Gemach zu Albrcchren, der auf dem Erker stand, und bey dem ersten Blicke, den sie hinabschoß, schrie sie freudig:»Mein Vater, mein Vater, komm Albrecht, laß uns eilen! der Himmel hat meine Bitte gewährt, laß unS Vergebung von ihm, laß uns seinen Segen erflehen!« —— Und schon lagen Albrecht und Helena, und der kleine Rudolph zu des Kaisers Füß-n, sie umschlangen seine Knie, und Vergebung, Vergebung tönte aus ihrem Munde. Sie wollten verschiedene Gründe zur Beschönigung ihrer Flucht vorbringen. Aber Heinrich sprach,»steht auf, ich vergeb Euch, ich habe gehört, daß es Euch Ernst ist um Besserung und Reue. Ich war der ungarische Ritter, den Ihr neulich so gastfrey aufnahmt, und beher 2t3 bergtet, steht auf, ihr seyd nun wieder meine Kinder!« Es war eine Scene, die allen Anwesenden Thränen entlockte. Der Zug des Kaisers kehrte mit Albrechts Gefolge vermehrt nun wieder nach Re- qensvurg zurück, wo öffentlich Helenens Vermählung mit Albrechten mit aller Pracht gefeyert wurde. Frauenberg hatte der Kaiser zum ewigen An- Andenken stehen lassen, alles blieb daselbst unbeschädigt, wie es stand, selbst Brends Schwert blieb an der Wand hängen, nur die Zugbrücke wurde aufgezogen, den Herrn Stillschweigen auferlegt, und Brends und Albrechts Geschichte, geboth Heinrich geheim zu halten. So wie ich setze dir, lieber Leser, die Geschichte Frauenbergs erzählt habe, so erzählte sie auch Jman Wittowuth dein böhmischen Ritter Prim, den wir iin Anfange des Buches, auf der Rasenbank vor Brends Hütte im Pappelhain zurückließen. Wittowuth schenkte ihm nun das Schwert, nur die Hälfte des gebrochenen Ringes nahm er heraus, und als Prim alles besehen hatte, gab er ihm einen Wegweiser, der ihn bis an die böhmische Gränze geleitete. Es war rauhe Winterszeit, der Schnee deckte Wiesen und Felder, und Prim wünschte schon in Prag zu seyn. In etlichen Tagen erblickte er das königliche Schloß am Berge prange», es war für ihn ein entzückender Anblick. Ehe er Prag erreichte, hatte schon die Dämmerung die Stadt in Nebel gehüllt, in den Fenstern blickten Lichter, selbst das Schloß war ganz beleuchtet. Da muß es wohl ein Fest geben, murrte Prnn, hüllte sich in seinen Mantel ein, und ritt den hohen Bergweg hinauf. Endlich stand er am Thore, saß ab, und eilte die Stiegen hinan, um sie unvorbereitet zu überraschen. Prim irrte sich nicht, Herzog Udalrich hatte wirklich seine Freunde versammelt, und ihnen 2 ich ein Fest gegeben, sie saßen alle beysammen, als Prim eintrat. Zille fuhren auf. Prim, Prim, scholl es aus jedem Munde, man zog ihn auf den Sitz, und Prim mußte erzählen. Wohl mögen meine Leser diese Geschichte nicht so aufmerksam gelesen haben, wie aufmerksam Udalrich und die ganze Gesellschaft der Erzählung des Ritters zuhörte. Dank dir Pim, sprach der Herzog, als dieser geendet hatte, du hast dein Wort redlich gehalten. Prim. Und die Burg, mein Herzog? Ud alri ch. Sey dein, wie ich versprochen habe, sie soll das Stammhaus deiner Nachkommen werden, und— Przimda heißen. Prim bezog mit seinem jungen eben schwängern Weibe die Beste, und ließ sich's daselbst wohl behagen, ohne auf den Geist zu denken, der ihm einst wieder zu erscheinen versprach-. Die Nacht brach an; und der Ritter legte sich mit seiner Gemahlinn zu Bette. Es war das nähmliche Gemach, i» welchem Beend ei- st dem Herzoge und Primen erschienen war. Der unerschrockene Prim erzählte dieses seiner Beate, diese zitterte und wähnte in jedem Schatten, den der hellscheinende Mond im Gemache verursachte, Brends Geist zu sehen. Die Mitternacht begann, eine sanfte, melan- kolUche Musik, wie jene, die der alte Paul in Thurn- berg hörte, als Rudolph seinem Sohne Albrecht im Traum erschien, ertönte auch jetzt in der ganzen Burg, es war, als wenn Chöre von Engeln einen Lobgesang sängen. Prim horchte hoch auf, Beate schmiegte sich zitternd an ihren Garten, und blickte nach Thür und Fenster. Die Töne schienen immer näher und näher zu kommen, ein Heller Schein erfüllte endlich das ganze Gemach, der sich»ach und nach sam- nrelte, und eine Gestalt zu bilden schien. Endlich Ut5 stand ein hoher/ majestätischer Mann mit einer Miene der Freundlichkeit und des Dankes da. Er war nicht mehr in jene schwarze Rüstung gehüllt, nein, blendend weiß war sie, von einem glänzenden Scheine umgeben., Prim richcere sich Häher auf, Beate verbarg sich in das Kissen und blickte nur zuweilen verstohlen nach der Erscheinung. Der Geist. Wenn du wurdest diese Burg einst dein nennen, versprach ich dir, wieder zu kommen, hier bin ich!_. Prim.(bewegt'» Schatten des edlen Bierids sey mir willkommen! Sprich, ist alles wahr, wie ^man Witlowuth mir erzählte? Der Geist. Es ist es, du kannst ihm trauen. Prim. Und welches Schicksal treibt dich noch ein Mahl hierher? R-oe! Was willst du, daß du inir hier erscheinst. Der Geist. Dir danken! Prim. Danken? Wüßte wahrlich nicht, wie ich einen Dank um dich verdient hatte. Der Geist. Du hast mich erlöst. Prim. Ich- vielleicht unwissend. Der Geist. Höre mich!»Wie ich in den Hastischen Thalern in meiner Hütte starb, da flog mein Geist vor den Richterstuhl jenes Unendlichen, vor dessen Blicke Welten zittern. Sünder, donnerte mir seine Stimme entgegen, durch dich verloren Unschuldige ihr Leben. Mein Bück las m deinem Herzen, daß du nicht die Absicht hattest, sie eines so schmerzlichen Todes sterben zu lassen, aber du warst hart, einen Stemklumpei-. zu retten lag dir naher am Herzen, als ihr Leben. Das Klagen der armen Witwen, das Wimmern der verlassenen Waisen schreyt um Rache, drum wandle so lange in Frauenbergs Mauern umher, bis emer aus je- nem Lande, in welchem die Beste steht, sie findet, und sie zum Stammhaus seiner Nachkommen möcht.« »Die Brandstätte, die Herzog kldalrich sah, ist d^ Ort, wo die Unschuldigen aus übereilter Vor- ,icht für unsere Sicherheit gefangen waren, den ein Donnerkeil in Flammen setzte, nw sie durch meine Fahrlässigkeit zu Anstalten der Rettung das Feuer verzehrte. Achtzig Jahre hab ich hier gewandelt, und würde vielleicht noch langer wandeln müssen, wäre mir nicht vergönnt gewesen, Herzog Udalri- chen durch einen weißen Hirschen hierher zu locken.« »Du hast mich erlöst, Prim, du hast diese Burg zu deinem Stammhause gemacht; denn sieh; ein Knabe ruhet unter dem Herzen deiner Gattinn, und wird bald das Licht erblicken. Eine zahlreiche Nachkommenschaft wird von dir abstammen, Segen, vielfacher Segen ruht auf ihren Haüprern. Ich kann nun getrost dem Grabe zueilen, die Ruhe winket mir. Leb wohl! Leb wohl!« (Er verschwand.) - s-' - ^. - >- M ^- ^'!- K-- r..--? - E>U-^ >.>> i ÄZ E . K