Wienei' 8igm-8im>otnsk 8744 "^7 ' 7". F e st g e s ch e n k ür gute Söhne und Töchter. Eine Sammlung lehrreicher Erzählungen und merkwürdiger Begebenheiten zur Erweckung des religiösen und moralischen Gefühls. Von Leopold Chimani. Mit einem Titelkupfer. Wien, 1624. Bey I. G. Ritter von Möble sei. Witwe, am Graben Nro. ri44. Nedrulkt b«« I. P. S o I>in g e r» r Jacob, der Tirolerjunge. «Hn einer abgelegenen ärmlichen Hütte neben einem schauerlichen Bergabhange in einer der unfreundlichsten Gegenden Tirols lebte die Witwe A th a n a- sia Rüttler von den Erträgnissen eines kleinen Ackerlandes und einiger Wiesen. Eine Kuh und drey Ziegen waren ihr größter Reichthum. Sie gaben Milch, Butter und Käse für ihre drey Kinder, von welchen Jacob acht, Martin sechs und Life vier Jahre alt waren. Der Vater war mit den Waffen in der Hand als tapferer Vertheidiger des Vaterlandes gestorben, nachdem er lange Zeit unter Anführung des Paffeyer Sandwirths Hofer zum Schrecken der Feinde mit unüberwindlichem Muthe gekämpft harte. Die Witwe genoß auch eine kleine Aushülfe aus einem Fonde, welchen gutgesinnte Männer zur Unterstützung der Witwen und Waisen zusammen getragen hatten, deren Gatten und Vater in Vertheidigung des Vaterlandes gefallen waren. 2 Gute Erziehung der Kinder. Bey aller Armuth und Dürftigkeit erzog die Witwe Rüttler ihre Kinder sehr gut. Sie gewohnte sie an Arbeit, flößte ihnen Gottesfurcht und gute Gesinnungen ein, und suchte ihre Sitten rein zu erhalten; und hierin kam ihr der alte Meister Anselm, der Taufpathe der Kinder, mit Rath und That zu Hülfe. Er war einst Schullehrer in ei- flem ansehnlichen Marktflecken gewesen, hatte seinem Amte vierzig Jahre mit Ehre und Nutzen vorgestanden, und sich bey zunehmendem Alter in sein Geburtsort in das Thal, in welchem die Witwe Rüttler wohnte, zurück gezogen. Vater Anselm belehrt die Kinder. Da ließ Vater Anselm die Kinder zu sich kommen, befragte sie über das, was sie in der Schule . lernt hatten, ermähnte sie zum Fleiße und zur guten Aufführung, erzählte ihnen lehrreiche Geschichten, und las ihnen auch oft etwas aus einem Buche vor, ron welchem er eine nützliche Anwendung auf die Denkungs- und Handlungsweise der Kinder machte. Die Kinder verehrten den Greis mit kindlicher Liebe, und Vater Anselm wußte sie auch noch dadurch, für sich ganz zu gewinnen, daß er sie nie. : wenn er mit ihnen zufrieden war, und die Mut- ^ ter keine Klage gegen sie führte, ohne Geschenk entließ. Jacobs Anlage zur Musik. So hatte Vater An se lin auch einmahl, wo er mit Jacob besonders zufrieden war, demselben eine alte Flöte geschenkt; denn der aufmerksame und erfahrene Greis hatte schon lange bey dem Knaben Anlage zur Musik entdeckt, indem derselbe alle Volkslieder und Reihen, die im Gebirge üblich waren, sehr lieblich und geläufig sang. Vater Anselm hoffte, durch das Geschenk die Musik-Anlage des Knaben zu wecken, und er hatte sich nicht getauscht; denn Jacob versuchte bald Töne aus der Flöte hervorzulocken, und da ihm dieses gelang, war er unablässig bemüht, ganze Reihen auf derselben zu spielen, wozu ihm der alte Anselm, der die Flöte einst sehr gut geblasen hatte, deutliche Anleitung gab. Nach Verlauf einiger Monathe spielte J!aeob schon fertig die Flöte, und alle Weisen, die er sang, wußte er auch bald auf der Flöte vorzutragen. Jacob will sein Glück in der weiten Welt suchen. J.acob machte auch in der Schule guten Fort- — 4— Sang/ wozu der alte Vater Anselm durch Ermunterung und Nachhülfe sehr viel beytrug. Besonders beschäftigten den Knaben in einsamen Stunden die lehrreichen Geschichten, welche Vater Anselm erzählte oder vorlas. Er dachte viel über dieselben nach, und suchte nützliche Lehren und Lebensregeln für sich daraus zu ziehen. So hatte er von armen, hülflosen Knaben gehört, die durch Fleiß und gute Aufführung in entfernten Gegenden ihr Glück gegründet hatten, und dann die Wohlthäter ihrer Ältern und Geschwister geworden sind. Er fühlte sich auch hierzu berufen, und es drängte ihn, in die weite Welt zu gehen um sein Fortkommen zu suchen. Sein Gedanke war insbesondere auf Wien gerichtet. Jacob macht sein Vorhaben bekannt. Als Jacob zwölf Jahre alt war, machte er sein Vorhaben der Mutter und seinem verehrten Taufpathen, dem Vater Anselm bekannt; denn Jacob hatte so viel Ehrfurcht vor dem Greise, daß er ihm stets sein Herz öffnete, und ihm bey jeder Gelegenheit um Rath und Belehrung bath. Die Mutter zitterte vor dem Gedanken, ihren geliebten Sohn ohne alle Hülfe in die weite Welt zu schicken. Vater Anselm aber, der die Reinheit der Sitten, die guten Grundsätze und den Thätig- keitsttieb des Knaben kannte, glaubte in dem Dränge des Knaben zur Wanderung, den er unverhohlen bey jeder Gelegenheit aussprach, einen inneren Beruf, den Finger Gottes zu sehen, und beredete die Mutter, sich in den Willen des Knaben zu fügen und ihn in Gottes Nahmen abreisen zu lassen. Vater Anselm schickte ihn mit einem Briefe an einen Freund nach Innsbruck. Dieser hatte einen Bruder, der ein reicher Schlffmeister und zugleich ein menschenfreundlicher und wohlthätiger Mann war. Der Schiffmeister gab unserm rerseser- tigen Jacob ein Plätzchen auf einem Schiffe, das eben nach Wien abging, und befahl seinen heuten ihn während der weiten Reise zu verkosten. Dafür konnte der Knabe zu verschiedenen Arbeiten auf dem Schiffe verwendet werden, denen sich Jacob auch gern unterzog, wie er auch bald die Liebe der ganzen Reisegesellschaft sich erworben hatte. Sein Flo- kcnspiel trug ihm auch manchen Silbergroschen von den Reisegefährten ein. Das Schiff landet in der Nähe Wiens. Nun. war das Schiff inNußdorf, in der Nähe Wiens angelangt. Jacob wies seinen Paß vor; er war in Ordnung, und nun konnte der Kna- — 6— wandern, wohin er wollte. Einen kleinen Bündel auf dem Rücken, Stock und Flöte in der Hand folgte er einem Reisegefährten auf dem Fuße nach, der in Döbling einen Bruder aufsuchte, welcher im Dienste eines Wechslers als Koch stand. Jacob setzte sich an der Gartenmauer nieder, dachte nach, was er nun beginnen sollte, und da er keinen Entschluß fasten konnte, nahm er seine Flöte zum Munde, und fing recht artig zu spielen an. In dem Garten, wo die Familie des Wechslers versammelt war, horchten alle auf die fremdartigen Weisen, die der Knabe lieblich blies; man sah nach ihm, ließ ihn kommen und spielen, und da er auch einige Tiroler-Volkslieder gesungen und gegurgelt hatte, entließ man ihn mit Geschenken. Wie Jacob zurück ging, lud ihn der zudem sein Bruder von dem Knaben gesprochen harte, zu sich in die Küche ein; er mußte singen und die Flöte spielen; er bekam reichlich zu essen, und noch Brot und Braten auf den Weg mit. Jacob wählt sich ein Nachtlager. Der Anfang ist gut, dachte Jacob; aber es wird schon Abend, wo soll ich übernachten? Er hatte zwar einige Groschen in der Tasche, aber es that ihm leid, für Nachtherberge einen Heller auszuge- b-n. Er beschloß, auf einer Bank, die nebe» dem Eingänge in einem großen Garten unter weit ausgebreiteten Castanien- Bäumen angebracht war, die in dieser Jahrszeir ohnehin kurz- Nacht zuzubringen. Jacob war so vergnügt, daß er in kurzen Zwischenräumen einen oder andern Tiroler- Reihen zu gurgeln anfing. Um die Kühle und erfrischende Abendluft zu genießen, harte sich Herr B eck mann, em Freund deS Großhändlers von G., dem der Garten gehörte, an dessen Eingang Iae° b saß, von der im Land Hause versammelten Gesellschaft getrennt, und er wandelte einsam durch die Laudgange des Gartens herum. Da gelangten die Töne des Tiroler-Rechen, welche Jacob gar lieblich gurgelte, zu den Ohren des Lustwandelnden. Herr Beckm a.n n, selbst-ur Tiroler, fühlte jene angenehme Rührung, we-che besonders bey den Gebirgsbewohnern die melodifchsn Töne der Heimath hervor bringen, die den^ lang. Abwesenden an sein Vaterland, an ferne Jug-!-- sehnsuchtsvoll erinnern. Er schlich den Tönen nach, gelangte unwillkührlich zum Eingänge des Gartens, und sah den lebensfrohen I acob, wre er sem Stru. Brot mit dem Braten verzehrte, Wasser a'.m sn — 8— nem mitgebrachten hölzernen Becher trank/ und mitunter auf recht gut tirolisch jodelte. Jacob macht Bekanntschaft mit einem Landsmanne. Herrn Beckmann ergriff jene unerklärbare Sehnsucht nach der Heimath/ die bey dem Gebirgsbewohner nur zu leicht bey gleichen Anlassen zu entstehen pflegt/ immer mehr; der helle Mond beschien den lieblichen Sänger/der in seiner National-Tracht das ländliche Bild der Heimath der Phantasie des Beschauers vorführte; Herr Beck mann ging auf den kleinen Tiroler zu, und sprach ihn treuherzig an: „Du scheinst heute recht guter Laune zu seyn? Jacob. Warum sollte ich es nicht seyn? ich habe nicht bald einen so guten Tag gehabt. Zuerst habe ick in einer reichen Küche vollauf zu essen und noch obendrein au den Weg ein Stück Brot und Braten bekommen, nachdem ich vorher für ein Bischen Flotenspielen reichlich beschenkt worden war. Herr Beckmann. Aber was machst du denn hier so spat, warum gehst du nicht nach Hause schlafen? Jacob. Da hätte ich wohl weit hin. Ich bin erst heute von der weiten Reise aus Tirol angekommen und kenne hier noch keinen Menschen. Es schläft sich hier unter freyem Himmel auch gut. Sollte ich etwa drey bis vier Groschen auf die Nachtherberge verwenden? Davon kann ich morgen leben, und im Gasthause sieht man die Gäste nicht gerne, welche nichts verzehren. Ich werde von dem Stücke Brot und Braten ganz satt, und die Nacht dauert ohnehin jetzt nicht lange. Herr Beckmann. Was wirst du denn Morgen machen? Jacob. DaS weiß ich selbst noch nicht. Ich verlasse mich aus Gott und gute Menschen, und wer auf Gott vertraut, der hat auf keinen lockeren Grund gebaut. Ich werde einen Meister suchen, der mich in die Lehre nimmt. Ich bin ein rechtschaffener Junge z das weiß aber nur ich, und die Leute aus meinem Geburtsorte wissen es auch; wenn man mir nicht auf mein ehrliches Gesicht traut, dann ist es übel für mich. Herr B eck mann. Suche dir einen Meister, und-wenn du keinen sinkest, so komm zu nur. Ich wohne in der Stadt Wien.(Er beschrieb ihm genau die Gasse und das Haus.) Morgens bis acht Uhr wirst du mich gewiß immer zu Hause antreffen. Jacob gibt Briefe ab. Jacob brachte die Nacht aus der Bank zu. 1S Mir Sonnenaufgang machte er sich auf den Weg in die Stadt. Er hatte einige Empfehlungsbriefe von dem Vater Anselm, von dem Herrn Pfarrer und selbst von dem Schiffmeister an einige Tiroler erhalten, welche in Wien Handelsgeschäfte trieben, und die in den Briefen gebethen wurden, denIacob als Lehrjungen irgendwo unterzubringen. Aber am ersten Tage konnte dieses' so leicht nicht geschehen. Ein gutherziger Landsmann, dem Ja- cob einen Brief überbracht hatte, gab ihm wenigstens Mittagsmahl und Herberge. Jacob sucht Herrn Beckmann auf. Am zweyten Tage um 7 Uhr Morgens war Jacob schon bey Herrn Beckmann, und bath ihn ganz unbefangen, sich seiner anzunehmen, da er bis jetzt keinen Lehrherren gefunden hätte. Herr Beckmann lächelte über die offenherzige Zutraulichkeit des Knaben, und fragte ihn, wie er heiße, wo er geboren sey, ob seine Altern noch lebten, und noch um andere Dinge, die ihm Aufklärung über den Knaben geben konnten. Endlich sagte er, daß er ihn selbst in den Dienst nehmen wollte, wenn er genaue Erkundigungen über ihn würde eingezogen haben, und er fragte Jacob, an wen er hierüber nach seiner Heünary schreiben konnte. Jacob nannte ihm seinen Taufpathen, den alten Vater Anselm, den Herrn Pfarrer und den Schullehrer und meinte, daß er von allen Seiren gute Nachrichten über ihn bey einer Nachfrage erhalten würde. Jacob, der auch nicht ganz unbedingt in den Dienst treten wollte, fragte Herrn B e ck m a n n ganz naiv, ob er bey ihm auch etwas lernen konnte; denn die Absicht seiner Wanderung sey, sich rechc viele nützliche Kenntnisse zu verschaffen, damit er einst sein Brot ehrlich erwerben und seiner Mutter und seinen jüngsrn Geschwistern nützlich seyn konnte. Herrn Beckmann gesiel diese Äußerung sehr wohl. Er behielt den Knaben sogleich bey sich, und versprach ihm, daß er immer bey ihm zu bleiben hätte, wenn gute Nachrichten aus Tirol über ihn eingingen, und er sich gut aufführen würde. Gute Zeugnisse langen an. Durch ein glückliches Ungefähr war der alte A Ilse lm Beckmanns Lehrer in der Jugend gewesen. An diesen schrieb er, und erhielt das beste Zeugniß über I a co b sBetragen in seinem Geburtsorte, und Vater Anselm empfahl ihm den Knaben sehr 12 angelegentlich, der sich gewiß durch Fleiß und Treue auszeichnen würde. Nun war Jacobs Glück gegründet. Herr Bsckmann, ein wohlunterrichteter, menschenfreundlicher und rechtschaffener Mann, wollte nicht nur einen treuen Diener an Jacob sich erziehen, sondern ihn auch jene nützlichen Kenntnisse lehren lassen, wodurch er sich einst auf eine anständige Art seinen Lebensunterhalt verschaffen und seiner Mutter und seinen Geschwistern nützlich werden konnte. Da Herr Beckmann selbst Liebhaber und Kenner der Musik war, und oft ausgezeichnete Tonkünst- !cr in den Abendstunden sich bey ihm versammelten, welche die herrlichsten Musik-Stücke aufführten; so hatte Jacob Gelegenheit hier seine Anlagen zu entwickeln, und ein ausgezeichneter Flötenspieler both sich an, dem Jacob, dem herzensguten Tiroler Knaben, den bald alle, die ins Haus kamen, lieb gewonnen hatten, von Zeit zu Zeit unentgeltlichen Unterricht auf der Flöte zu geben. Jacob brauchte nur geringe Anleitung, sein beharrlicher Fleiß that das Meiste; er übertraf die Erwartungen des Meisters, lernte ihm alles vom Munde ab, und brauchte endlich nur mehr in schwierigen Fallen Nachhülfe. Nach zwey Jahren spielt- — iZ— Jacob'.ehr fertig, und jetzt W er ein Meister auf der Flöte. Jaaobs Eifer im Lernen. Herr Beckmann prüfte Jacob im Lesen, Schreiben und Rechne»/ und er fand/ daß der Knabe die Dorfschule mit gutem Fortgange besucht habe. Er ließ ihn durch einen eigends bezahlten Meister in diesen Gegenständen und auch in der Sprachlehre noch weiter ausbilden. Jacob machte auch hier erstaunungswürdigs Fortschritte; denn lebhaft beschäftigte ihn der Gedanke immer, daß er nur durch Fleiß und erworbene Kenntnisse sein Glück gründen, seiner Mutter und seinen Geschwistern nützlich werden ksnnte. Als er einst eine italienische Sprachlehre in die Hände bekommen hatte/ fing er von selbst an/ diese fremde Sprache zu erlernen. Herr Beckmann beobachtete den beharrlichen Fleiß/ mit dem er in diesem Buche lernte/ und bezahlte ihm endlich einen Meister. Nachdem Jacob die italienische Sprache sich eigen gemacht hatte/ fing er auf gleiche Weise die französische zu lernen a»/ und suchte nebenbey durch Lesen nützlicher Bücher seinen Verstand auszubilden. Auf allen Seiten kam ihm der Menschenfreund- liche Herr Beckmann zu Hülfe/ der mit sichtbarem Vergnügen Jacobs Fleiß und Fortschritte beobachtete und lohnte. Jacobs kindlich f r 0 m m e s G e m ü t h. Jacob machte sich aber auch durch seine guten Gesinnungen/ durch seine Gottesfurcht und Diensttreue bey seinem Herrn beliebt. Alles/ was er that/ fing er mit Gott an. Oft überraschte ihn sein Herr, wie er am frühesten Morgen auf den Knien in seinem Kämmerlein lag/ und für seine Mutter und Geschwister zu Gott flehet«/ daß er es ihnen wohl möge ergehen lassen. Bey keiner Kirche in der großen Hauptstadt ging er vorüber, ohne in dieselbe hineinzutreten, und seinen Geist zu Gott zu erheben. Von dem wenigen Gelde, das er erhielt, theilte er gern wahrhaft Hilfsbedürftigen mit, und vierteljährig sendete er das, was er erspart hatte, seiner Mutter. Seinem Herrn hing er mit unbestechbarer Treue an, und liebte und schätzte ihn als seinen größten Wohlthäter und zweyten Vater. Wo er dessen Nutzen befördern, ihm ein überraschendes Vergnüge» machen konnte, that er es mit edler Selbstverleugnung und mit Aufopferung des eigenen Vortheils. Gegen Jedermann war er höflich und gefällig, im Umgänge anspruchslos und bescheiden. Er war immer heiter und froh; denn sein Gewissen hatte ihm nichts vorzuwerfen, und wenn er die Jahre seiner Kindheit mit seinem jetzigen Zustande verglich, hielt er sich für den glücklichsten Menschen, und dankte Gott, der sein Schicksal so wunderbar geleitet hatte. Jacob bekommt einen Jahrs gehallt. Herr Beckmann war Geschäftsführer mehrerer Adeligen und reichen Privatleute, die von der Hauptstadt abwesend waren. Nachdem sich Jacob mehrseitig ausgebildet hatte, verwendete er ihn zur Führung der Bücher und Rechnungen, zui- Briefschreiben und zu andern wichtigen Geschäften, und als Jacob'sich hierin die nöthige Fertigkeit erworben hatte, gab ihm Herr Beckmann freywillig einen ansehnlichen Jahrsgehalt, den Jacob durch pünktliche Genauigkeit und unermüdeten Fleiß in seinen Amtsgeschriften noch mehr zu verdienen suchte. Ein beträchtlicher Theil desselben floß seiner Mutter zu, die er bath, daß sie das, was sie von dieser gutgemeinten Gabe erübrigen könnte, auf den Unterricht seiner Geschwister verwenden möchte, damit sie sich auch einst leichter ihren Lebensunterhalt erwerben könnten. Ein Secretär wird gesucht.' So arbeitete Jacob Rüttler mehrere^zahle im Dienste und zum Nutzen seines Herrn, von welchem er immer neue Wohlthaten erhielt Da kam Graf S., dessen Geschäfte HerrBeckmann schon viele Jahre besorgt hatte, aus Pohleu nachWien, und suchte einen fähigen und treuen jungen Mann, der ihn als Secretär auf einer Reise durch Frankreich und Italien begleiten sollte, und deßwegen die französische und italienische Sprache neben den übrigen erforderlichen Kenntnissen vollkommen inne haben müßte. Er versprach nicht nur einen sehr beträchtlichen Jahrsgehalt, sondern auch lebenslängliche Versorgung in seinen Diensten, wenn der Se- eretär seinen Erwartungen ganz entspreche. Er both sich an, sich schriftlich hierzu verbindlich zu machen. Jacob wird zu der S ec re tä r s- S t e lle empfohlen. Herr Beckmann hatte den Auftrag, einen iun- gen Mann mit den nöthigen Eigenschaften, wobey aber erprobte Ehrlichkeit und Treue oben an stehen mußten, zu suchen, und seine Wahl fiel sogleich auf Jacob Rüttler: denn Herr Beck mann gehörte unter die geringe Zahl jener uneigennützigen — r?— Männer, welche ihren eigenen Vortheil aufopfern, wenn sie das Beste ihres Nebenmenschen befördern können. So unentbehrlich ihm Jacob geworden war, so wollte er ihm doch diese vortheilhafte Anstellung zuwenden. Er schlug ihn daher dem Grafen vor, so viel Jacob auch Einwendungen machte, welcher wohl wußte, wie viel Dank er ihm schuldig sey, wie schwer ihn sein Herrund Wohlthäter entbehrte, dem er, so lang er lebte, nützlich seyn wollte. Doch nichts machte Herrn Beckmann in seinem reif überlegten Vorhaben wankend, und I a- cob mußte sich nach seinem Willen fügen. Graf S. wünjchte sich Glück, daß er einen so geschickten, fleißigen und redlichen Mann, wie Jacob Rüttler war, in seinen Dienst bekommen hatte, und die Urkunden über lebenslängliche Versorgung wur- den ausgestellt. Beschluß. Jacob Rüttler ging mit dem Grafen auf Reisen, und hatte das Vergnügen auf dem Wege durch Tirol seine Mutter, Geschwister und seinen Taufpathen, den Vater Anselm nach so langer Abwesenheit wieder zu sehen und zu umarmen, welche er alle mit Geschenken überhäufte. —:8— ' Er kam durch ganz Italien und Frankreich, sammelte auf dieser weiten Reise view neue Kenntnisse und machre Erfahrungen/ die ihm durch seine gan- ze Lebenszeit nützen werden. Er kam mit dem Grasen wieder nach Wien zurück/ und reisete von da nach PohleN/ wo er aus den Gütern des Grasen im Wohlstände lebt. Der Graf ehrt ihn als Freund, und unternimmt nichts ohne seinen Rath und ohne seine Beystimmung. Er ist geliebt und geacbtet von asten, die mir ihm in nähere Berührung kommen. Herrn Beckmann verehrt er noch immer als seinen größten Wohlthäter; seine Mutter unterstützt er mir einer beträchtlichen Summe, die er vierteljährig an sie gelangen läßt.-Seinem Bruder- Martin hat er eine Bauern- wicthschafk angekauft, und seine Schwester Life bey ihrer Verbeirathung reichlich ausgestattet. Gerechtigkeitssinn nnd Dankbarkeit. Sylvester, ein armer Bauer, ging in den Wald, um Holz zu hohlen. Es war streng verkochen, mir einer Ä>t oder einer Säge bahrn zu gehen; nur abgefallenes Holz durfte man sammeln, oder die dürren Äste mit einem Haben von den Bäumen abreißen. Sylvester aber hatte, und das war nicht recht, eine kleine Säge mirgenommen, war auf eine hohe Eiche^etierrclt, uno fing eben an, einen Äst abzusägen, als er ein Geräusch horte. Er glaubte, daß der Förster herbeykäme, der erst vor kurzem den strengsten Befehl von der herrschaftlichen Kanzelley erhalten harre, auf die Holzdiebe genau zu achten. Sylvestern starrte das Blut in den Ädern; denn wenn er mit der Säge ertappt wurde, so stand ihm ein dreytägiger Ärrest bevor. Er verbarg sich daher dicht hinter dem Laubwerke, und verhielt sich mäusestill. Sylvester rettet demForster das Leben. Da schlich ein Mann mit einer geladenen Flinte heran, und stellte sich hinter den Eichenstamm, indem er bey sich brummte:„Heute entgeht mir der Förster nicht, heute muß er die Kugel vor den Kops bekommen, sonst gilt es meinen Balg." Sylvester merkte gleich, daß er einen Wilddieb unter seinen Füßen habe, der dem Förster auflauere; er verhielt sich desto ruhiger und bereitete sich vor, die beabsichtigte Mordthat zu verhindern. Nach einigen Minuten ertönten die Hufschläge eines Pferdes. Der Förster kam geritten. Der Wilddieb legre die Flinte an das Gesicht, und in gleichem Augenblicke schleuderte Sylvester dem Wilddiebe seine Säge so geivrrteig er am ganzen Leib zuckte, und der Schuß weit von dem Förster in die Erde fiel. Der Wilddieb ergriff die Flucht durch das dichteste Gebüsch. Der Förster sprang vom Pferde, und verfolgte ihn. Auch Sylvester kletterte eilig vom Eichenbaume um dem Förster beyzustehem Aber in der Entfernung hörten beyde einen durchdringenden Diebspfiff, welcher vermuthen ließ, daß eine größere Zahl Wilddiebe zur Hülfe ihres Spieß- gesellen in der Nähe sey; der Förster schwang sich auf das Pferd, üeß Sylvestern hinter sich aufsitzen, und sprengt in größter Eile aus dem Walde. Als beyde in Sicherheit waren, mußte Sylvester den ganzen Vorgang erzählen, wie er den Schuß von des Försters Haupt abgewendet hatte. „Wie bist du denn mit der Sage auf den Baum gekommen? fragte der Förster." „Ich wollre mir nur ein Paar dürre Aste absagen," entgegnen Sylvester," und dieses Unrecht ist ja nicht so groß, da ich grünes Holz nie angegriffen hatte-— „So sagst du", erwiederte der Förster,—»doch ich weiß, was ich dir schuldig bin" Beyde schieden von einander, und der Förster wünschte seinem Retter eine gute Nacht. Strafe statt gehofsten Lohnes. Sylvester erzählte seinem Weibe, was vorgefallen war, und diese freuete sich, daß er dem Förster einen so großen Gefallen erwiesen hatte. „Da wird der Förster gewiß nicht unerkenntlich seyn", sagte sie,„und am Holze wird es uns Hinfür nicht mehr fehlen. Vielleicht kommen auch ein Paar Hasen ins Haus." Alle gingen vergnügt zu Berte. Am andern Morgen pochte, als Sylvester 22 kaum aufgestanden war, der Gerichtsdiener an der Thür, und höhlte ihn in die Amtskanzelley. Sylvester machte sich Hoffnung, daß er dort öffentlich belobt werden würde, weil er dem Förster den großen Dienst erwiesen hatte. Aber wie erschrak er, als ihm der Amtmann ankündigte, daß der Förster ihn als Holzdieb angegeben habe, und er deßwegen in das Gefängniß wandern müsse. Da half keine Entschuldigung; dagegen vermochte nichts der dem Förster geleistete Dienst, den Sylvester sehr hoch anschlug; Bitten und Flehen waren fruchtlos. Sylvester mußte in das Gefängniß wandern. Diese harte Behandlung Sylvesters machte im ganzen Dorfe Aufsehen; alle Leute schimvften auf den Förster, beschuldigten ihn des Undankes und der Hartherzigkeit, da er den großen Dienst, weichen ihm Sylvester erwiesen, so schlecht belohne. Beschluß. Am Abende des dritten Tages wurde Sylv s-. ster durch den Gerichtsdiener aus dem Gefängnisse gerade in des Försters Haus geführt. Sylvester wollte gar nicht eintreten, so — 23— aufgebracht war er gegen den Förster. Da die Thür sich öffnete, sah er seine Frau und Kinder an dem reich besetzten Tische des Försters sitzen, und Sylvester mußte neben ihnen zwischen dem Förster und dem Amtmanne Platz nehmen. Auf dem Teller lagen sechs blanke Ducaten in ein weißes Papier gewickelt. Sylvester sah mit noch umwölkter Stirne bald den Förster und den Amtmann, bald sein Weib und seine Kinder an. Da nahm der Förster das Wort und sagte, indem er Sylvestern freundlich die Hand both:„Volle drey Tage wirst du auf mich geschmollt, und mich einen Undankbaren gescholten haben. Es that meinem Herzen wehe, daß ich so streng gegen dich verfahren mußte; aber Gerechtigkeit geht vor Dankbarkeit. Es stand nicht in meiner Macht, dir die Strafe zu erlassen, welche auf den Holzdiebstahlgesetzt ist; durch Eid und Amtspflicht bin ich verbunden, ihn gewissenhaft anzuzeigen. Nun nachdem ich die erste Pflicht gethan, will ich mich für die Rettung meines Lebens ewig dankbar an dir bezeigen." „Zwey Klafter Holz weiden, wahrend wir hier sitzen, in deinem Hofe abgeladen, und jährlich sollst du sie von mir erhalten Kein Hirsch soll im Walde fallen, von dem du nicht einen Antheil erhältst. — 24— Bleibe mein Freund/ und nie werde ich vergessen./ was du an mir gethan hast.'' Alle verzehrten froh und vergnügt das Mahl/ und als Sylvester mit den Seinigen nach Hause zurück kehrte, gab ihm der Förster eine schone Hirschdecke aus Beinkleider, Tuch und Fuchsbalge aus einen Wintervelz mit. Seltene Ehrlichkeit. Uran vo» Berghofer, die Gattinn eines angesehenen Beamten brachte einen Sommer mit ihren kleinen Töchtern in Carls bad zu. Der kleine Jeremias, ein armer Waisenknabe, kam zu ihr, und both ihr Nähnadeln, Fingerhüte, Bleyfedern und dergleichen Kleinigkeiten, die er von Haus zu Haus und auf den öffentlichen Spaziergänger, in einem Kästchen herum trug, zum Verkaufe an. Die ehrlichen Gesichtszügs des Knaben, sein offenes ungezwungenes Benehmen und die Zutraulichkeit, mit welcher er seine Waare anboth, gewannen ihm das Wohlwollen der guten Frau, und sie kaufte von rhm öfters Nadeln, nicht weil sie dieselben brauchte, sondern nur um den Knaben einigen Erwerb zu verschaffen, und sie war mit den. Kaufe immer zufrieden Ein bescheidener Wunsch. Welten ging der Knabe an dem Hause, wo Frau vsn Berghofer wohnte, vorüber, ohne daß er' 2 — 2Ü— sich anfragte/ ob sie nichts von seiner Waare benö- thigte, und die guten Kinder der Frau ließen sich oft in ein Gespräch mit ihm ein. Da erzählte er ihnen/ daß er schon vor mehreren Jahren Vater und Mutter verloren habe, daß ihn ein armer Verwandter/ ein Nadelmacher, zu sich genommen habe, dessen Waaren er zum Verkaufe herum trage, und dabey sehr wenig gewinne, weil die Waare an sich nicht viel Werth habe. „Hätte ich nur fünfzehn bis zwanzig Gulden," sagte der Knabe eines Tages ganz treuherzig,„daß ich Scheeren, Federmesser und dergleichen kleine Waaren kaufen und verhandeln konnte, mein Gewinn würde viel großer ausfallen, und ich zweifle nicht, daß sich mein Handel mit der Zeit ansehnlich vergrößern müßte. Der Wunsch wird gewährt. Frau von Berghofer hörte diese Worte, und immer sehr wohlthätig, war sie eben jetzt in einer Stimmung, wo sie so gern Gutes verbreitete.^ „Glaubst du also, Jeremias,"' sagte sie zu dem Knaben,„daß eine Summe von fünfzehn bis zwanzig Gulden dein Glück begründen könne, so will ich sie dir geben; aber unter der Bedingung, — 27- 2 d-ßdu ttm- die geborgte Summe, wenn du sie leicht entbehren kannst, wieder zurück zahlest." au/no^'^ Übermaß der Freude auch noch Zinsen davon zu geben. Die gute Frau a-yelte, gab dem Knaben zwanzig Gulden, und wünschte, daß sie ihm gute Früchte bringen möchten. -deremias halt sein Wort. Nach-mig-n W-ch-n»if», «!-„ju-ück. u„d kam ,»»,«!>,„ach Karlsbad. m die Wohnung der Frau von Berghofer und verlangte angelegentlich mit ihr zu sprechen. Erwürbe vorgelassen.^ »Ich komme," sprach der Fremde,»eine Schuld bey^hnen abzutragen, was ich schon längst hätte rhun sollen; aber ich wollte mir das Vergnügen machen, Ihnen die mir geborgte Summe sammt den -E-ressen selbst einzuhändigen, und Ihnen meinen wärmsten Dank abzustatten." . Die Frau von Berghoher sah den Fremden m-t großen Augen an, und wußte sich seine Worte nicht zu erklären. Da sirgte der Fremde:„Sie kennen mich nicht mehr; Ach, ich sehe schon, Sie haben den kleinen — 28— Jeremias in Carlsbad, dem Sie so wohlthätig die Summe von zwanzig Gulden geliehen, vergessen; hier steht er groß gewachsen vor Ihnen."— „Wie," sagte die Frau,„Sie sind der Waisenknabe, der mit Nadeln handelte?' „Ja, ich bin derselbe", entgegnete der Fremde, „und die mir geborgte Summe hat mein Gluck gegründet- Ich habe mich viel bemühet, es ist mir oft sehr sauer geworden; aber jetzt treibe ich schon auf eigene Rechnung Handel mit Juwelen, mit Gold und Silbergeschmeide. Ich bringe nicht nur die Summe von zwanzig Gulden, sondern ich bitte Sie auch, statt der Zinsen den Ring als einen Beweis meiner Dankbarkeit anzunehmen." Beschluß. Frau von Bergh o fe r weigerte sich, weder cas Geld noch den Ring anzunehmen.. Da traren dem ehrlichen Manne g.hranen in die Augen.„So ist meine größte Freude zernichtet;" rief er mir Wehmuth aus. Da die Frau nun sah, daß st- den Mann kranke, wenn sie das Geschenk zurück weise, so nahm sieden Ring an, und bath ihn, die zwanzig Gulden unter die Armen zu vertheilen. Sie zog den redlichen jungen Mann an ihre Tafel, wo er weitläufiger er- — 29— zahlte, wie er mir den geborgten zwanzig Gulden den Handel angefangen und sich zu einem nicht unbedeutenden Wohlstände erhoben habe. Fleiß und Ehrlichkeit thaten das Meiste dabey, und der ehemahls arme Ieremias war nun der Wohlthäter seines Pflegevaters, dessen Nadeln er einst zum Verkaufe herum getragen hatte. 3o Der Doppelgänger. ÄRanche Abergläubige meinen, es gebe Menschen, welche sich, an zwey verschiedenen Orten zugleich könnten sehen lassen. Solche Menschen nennen sie Doppelgänger. Gott sey es gedankt, und unsern guten Schuleinrichtungen, daß man fast allgemein von diesem Aberglauben zurück gekommen ist, den meistens nur Täuschung veranlaßt hat, wie folgende wahre Geschichte beweiset. Der Baumeister Meineke inM« gdeburg, der vor einigen Jahren noch lebte, hatte sich in Lebensgröße in Wachs abbilden lassen- Der Künstler hatte ihn sprechend ähnlich getroffen. Die Figur wurde mit den nähmlichen Kleidern angethan, die der Baumeister gewöhnlich zu tragen pflegte, und mit einem Buche in der Hand, als ob sie lese, an einem Tische sitzend, im Wohnzimmer aufgestellt. Ein Dieb schleicht ins Haus- Ein iungsr Taugenichts schlich sich unter dem »— Zi— Verwände, Petschaft zu stechen, in die Häuser ein; er kundschaftete aber nur aus, ob es nichts zu stehlen gäbe. So kam er in das Haus des Baumeisters, der eben aus der Srube trat, um die Treppe hinunter zu gehen. Der junge Kerl sprach ihn um Arbeit an; der Baumeister fertigte ihn aber kurz ab, und ging zum Hause hinaus. Der schlaue Dieb hatte bemerkt, daß der Baumeister das Schloß an der Thür nicht abgelassen hatte. Nun schien es ihm leicht, im Zimmer zu stehlen. Er spähete zuvor aus, wohin der Baumeister gehe, und da er ihn um die Straßen-Ecke herum beugen sah, kehrte er zurück, schlich über die Treppe an die Zimmerthür, und klopfte behuthsam au, um seiner Sache gewiß zu seyn. Schreckliche Täuschung. Da niemand herein! rief, machte er die Thür sachce auf, aber mit einem fürchterlichen Schrey und an allen Gliedern zitternd, stürzte er in dem nähmlichen Augenblicke zurück,— er hatte den leibhaften Baumeister, der doch ausgegangen war, an dem Tische sitzen und lesen gesehen. Er lief eilig über die Treppe hinab, um durch 32 dieHausrhür zu entfliehen; aber ein Geselle, der ihn schon beobachtet hatte, als er über die Treppe hin- aufgeschlichen, war dicht hinter ihm, und packte ihn hinten am Halstuche. Da er nicht das Herz hatte, sich umzusehen, glaubte er, daß er von dem Doppelgänger, dem Baumeister, fest gehalten werde; er zitterte wie ein Espenlaub, und brach in ein gräßliches Angstgeschrey aus. In dem nähmlichen Augenblicke kam der Baumeister zurück, und der Dieb glaubte sich nun von vorn und hinten von dem nähmlichen Manne angegriffen. Die Schreckens-Scene endete sich mit einer tüchtigen Tracht Schlage für den Dieb, welcher fest bey dem Gedanken blieb, daß die Wachsfigur, die er in dem Zimmer gesehen hatte, ein Gespenst, und der Baumeister ein Doppelgänger sey. War es aberglaubige Furcht, oder bewirkten es die empfindlichen Hiebe auf den Rücken, der schlaue Dieb wagre sich nicht mehr in die Zimmer um zu stehlen oder auszuspähen. » Das todte Meer. §8§enn man von Ägypten über die Landenge Surz ging, gelangte man in das Land der Israelitin, Canaan, das gelobte Land, auch Palä st i- n a genannt. Dieses Ländchen, jetzt die zum türkischen Reiche in Asien gehörige Provinz Syrien, wird besonders durch das todte Meer merkwürdig. Es ist ein großer Landsee, eilf Meilen lang, drey in der Mitte breit, mit einem Umfange von sechs Tagreisen. Noch zu Abrahams Zeiten wär da, wo jetzt der See ist, das schöne und fruchtbare Thal Siddim mit Sod om, Gomorra und mehreren Städten, Flecken und Dörfern. Da aber die Einwohner von Sodom und G o- morra sich den schändlichsten Lastern ergaben, und durch ihren ruchlosen Lebenswandel die Strafe Gottes auf sich gezogen hatten, gingen diese Stätte und das ganze Thal unter, und es bedeckte dieselben eine Wasserfläche, die noch heut zu Tage sicyr- - 34- bar ist, von den Anwohnern Bahharet Luth, ^.d. i. Loths Meer, von uns aber das stille oder todte Meer genannt wird. Trauriger Anblick des Sees. Andere Seen stellen das erfreuliche Bild der Lebendigkeit dar, sie erheitern die Gegend, erleichtern durch Schiff-Fahrt den Verkehr der Menschen, sie wimmeln von Fischen und andern Wafferthieren, sind von Bäumen und Gräsern umgeben, und befördern Wachsthum und Gedeihen. Hier ist von Allem das Gegentheil. Kein Fisch, kein Schalthier, kein Seegewächs gedeihet in den Wässern dieses Sees. Die ganze Gegend herum ist eine Wüsteney. Die ringsum sich erhebenden Berge stellen ein Grausen erregendes Bild der todten Natur dar. Da wächst weder am Ufer noch auf den nahen Hügeln ein Baum, noch ein Gras, noch eine Pflanze. Das Auge erblickt nur Wildniß und Unfruchtbarkeit. Fürchterliche Abgründe zerreissen die Steingebirge, von welchen der See umgeben ist. Kein Dorf, keine Hütte sieht man an den öden Ufern, nicht einmahl wilde Thiere nähern sich denselben. Seit Jahrhunderten hält sich jeder menschliche Fuß von diesem See des Todes entfernt. Selbst 35 die von demselben abgelegen wohnenden Menschen sprechen mit Bangigkeit von derWildniß seiner Ufer, wohin nur selten die einsamen Fußtritte eines wißbegierigen Reisenden gelangen, der sich voll Grauen dem See nähert. Innere Beschaffenheit deS Sees. Der Boden des Sees besteht aus Sand und Salz, unter welchem sich eine Lage von zähem, stinkenden, schwarzen Peche befindet. Das Wasser ist überall klar und hell, aber so salzhältig, daß von den Ausdünstungen selbst die Kleider derjenigen, welche in der Nähe des Sees reisen, mit einer Salzrinde überzogen werden, und nicht selten, besonders am Morgen sieht man eine dichte Wolke me- phitischer und erstickender Dünste auf seiner Oberfläche liegen, die jedem den Tod drohen, der sich nähert. Zuweilen steigen Dampfsäulen aus dem Wasser auf. Aus der Tiefe des Sees quillt Asphalt oder Judenpech in sehr großer Menge, durch die unterirdische Hitze geschmolzen, hervor, weiches durch die Kälte des Wassers wieder verdichtet und in der kalten und stürmischen Jahrszeit von dem See ausgeworfen wird. In diesen See fällt der Hauptfluß von PalL- 56 siina, der Jordan/ in welchem Jesus von Johannes getauft worden war, und da der See keinen Abfluß hat/ so geht alles Wasser/ welches ihm durch den Fluß zuströmt, wieder durch die starken Ausdünstungen fort, welche durch die unterirdische Hitze des in der Tiefe noch immer brennenden vulkanischen Feuerherdes erzeugt werden. Mumie n. Nie alten Ägypter glaubten, daß von der Erhaltung des Körpers nach dem Tode die Ruhe der Seele abhänge. Sie meinten nach ihren heidnischen Reli- gionsbegriffen, daß sobald der Körper zu verwesen ansauge, die Seele ihn verlasse, und nun durch die Körper aller Thiere des Landes, Wassers und der Luft durchlaufen müsse, bis sie nach 3ooa Jahren erst wieder in einen menschlichen Körper fahre. Deßwegen wendeten sie alle Mühe und Kosten auf, um die Leichname vor Verwesung zu bewahren, und sie recht lange zu erhalten. Gestalt der Mumien. Dazu diente das E i n b a lsa m i r e n. Solche einbalsamirte Körper der alten Ägypter haben sich bis auf unsere Zeiten erhalten, und viele Natura- lien-Cabinette haben einen oder andern vor Verwesung geschützten Körper auszuweisen. Man nennt sie Mumien. — 33— Das Fleisch derselben ist ganz schwarz, und so von Gummi und Erdharz durchdrungen, daß es damit wie eine Masse ausmacht. Der ganze Körper ist trocken und hart wie Holz, und hat einen schwach gewürzhaften Geruch. Er ist in schmale Binden aus Baumwolle von verschiedenen Farben über und über eingewickelt, und zu manchen Mumien sind über tausend Ellen Bänder verwendet worden. Gewöhnlich ist das Gesicht ganz frey gelassen, welches sich an manchen Mumien so gut erhalten hat, daß die Augen in ihrer völligen Gestalt geblieben sind. Die Binden sind so fest umgewickelt, und durch die Länge der Zeit von den Balsamen so durchdrungen, daß sie so braun oder schwarz wie die Mumien gefärbt und mit denselben in eine Masse verwandelt zu seyn scheinen. Wie das Einbalsamiren geschah. Wenn ein reicher und angesehener Ägypter gestorben war, so wurde er eigenen Leuten übergeben, welchen das Einbalsamiren oblag. Diese zogen ihm das Gehirn durch die Nase mit Hacken heraus, und gössen balsamische Flüssigkeiten in die Hirnhöhlen, bis sie ausgefüllt waren. Nun wurde ein Einschnitt in die linke Seite des Leibes gemacht. Aber der, welcher den Schnitt an- — Zg— brachte, mußte eilig davon laufen, um den Verwünschungen der Verwandten des Verstorbenen zu entgehen; denn nach den damahligen Begriffen hielt man es für ein Verbrechen, einen todten Körper zu verletzen. Die Eingeweide wurden herausgenommen und mit Palmwein gewaschen. Während dem wurde der Leib mit Spezereyen von innen gesalbet, und die gereinigten Eingeweide wieder in den Leib gesteckt, und dieser zugenäht. Dann salbe man ihn durch dreyßig Tage mit Cedern-Ohl, und legte ihn dann noch siebenzi'g Tage lang in Salpeter. Sodann wurde er rein abgewaschen, der Unterleib mit Balsamen versehen, der ganze Körper mit Binden umwunden, welche mit Cedern-Harz, wohlriechenden und balsamischen Ohlen getränkt waren. Die Kosten dieser Einbalsamirung betrugen nach unserm Gelde wohl an 6000 Silbergulden. Der Sarg. Der so einbalsamirte Leichnam wurde in einen ausgeschnitzten, mit mancherley Mahlerey versehenen Sarg gethan, dessen Deckel gemeiniglich mit oiner Mumien- Gestalt bemahlt war. Der Sarg —- 4»— wurde dem Körper jgenau angepaßt, und hatte oben die Gestalt eines Kopfes. Der Mumie zog man auch manchmahl über das Gesicht eine Art lederner Kappe, auf welcher das Gesicht des Verstorbenen schön, zuweilen mit Gold gemahlt wurde. Auch wurde die Mumie im Sarge noch mit einer Decke umgeben, die oft sehr kostbar war. Sie bestand aus vielfach zusammen gepappten Byssus, oder einer Art Cattun, sie war sehr künstlich gewebt, oft mit kostbarer Mahlerey versehen, mit Gold und Edelsteinen geschmückt. Diese einbalsamirten, und so vor Verwesung bewahrten Todten behielten oft die Angehörigen bey sich, und hatten so den süßen Trost, die um sich zu wissen, die ihnen im Leben theuer gewesen waren. Sie nahmen sie auch wohl zu Mahlzeiten mit sich, setzten ihnen zu essen vor, und die Anwesenden pflegten zu einander zu sagen: Iß, trink, sey fröhlich, aber bedenke, daß du bald auch so seyn wirst, wie diese Mumie. Andere Arten des Ei nb a l sa mi r en s- So umständlich und kostbar, wie ich eben be schrieben habe, wurden nun freylich nur sehr reiche Verstorbene zubereitet. Die Leichen der minder Wohlhabenden wurden auf wohlfeilere Art zu Mumien — 4i— gemacht, indem die Eingeweide nicht aus dem Leib« genommen wurden, sondern derselbe bloß mit Ee- dern-Harz ausgespritzt, dann einige Zeit in Salpeter oder Natrum gelegt, hiernach mit Binden umwickelt wurde, die man mit einer Art Gummi überstrich. Die Körper der Ärmern wurden nur siebenzig Tage hindurch in Salpeter, hierauf in den Sarg gelegt. 42 Wie der liebe Gott die verborgene schlechte That bekannt werden läßt. Zwey ungerathene, gottvergessene Bursche, sie waren Fleischerknechte und auch noch Brüder, faßten den ruchlosen Entschluß; in der Gegend vom N* im Jänner 1824 einem Manne in einer mondhellen Nacht im Walde aufzulauern, ihn zu ermorden und seines Geldes zu berauben. Sie hatten ihren verbrecherischen Plan sehr schlau angelegt, um nicht verrathen zu werden. Sie führten die gräßliche That aus, und glaubten ihres Raubes sicher zu seyn. Der Ermordete wurde gefunden, und es waren keine Anzeigen da, daß man dem Mörder auf die Spur kommen konnte. Am allerwenigsten fiel aufdie zwey Bursche ein Verdacht. Ein geringes Anzeichen. Der Fleischhauer, bey welchem die beyde Bursche dienten, war gegenwärtig, als man den Ermordeten gerichtlich untersuchte, und fand bey demselben den Verband eines Fingers, der aus einem Fleckchen gedruckter Leinwand mit Zwirn umwickelt, bestand. — 45— Der Ermordete hatte keinen verwundeten oder schwierigen Finger; man vermuthete daher, daß der Mörder den Verband bey Ballführung der gräßlichen That verloren habe, und man stellte heimliche Nachforschungen an. Man kommt dem Thäter auf die Spur. Als der Fleischhauer»ach Hause kam, sah er sein kleines Töchterchen mit der Puppe spielen. Sie kramte die Kleiderchen derselben und einen großen Verrath von Flecken aus. Unter denselben bemerkte der Fleischer ein abgerissenes Stuck, welches dem Zeuge des Verbandes ganz gleich war. Er fragte daS Töchterchen, ob sie niemanden von diesem Stücke ein Fleckchen gegeben habe, und sie sagte, daß vor etlichen Tagen vcr Fleischerknecht ein Stück davon abgerissen, und sich mit demselben den Finger verbunden habe. Der Fleischhauer eilte mit dem aufgefundenen Fleckchen zu Gericht; man verglich es mit dem Verbandstücke, es paßte genau an dasselbe, wie es abgerissen war, und der Verdacht fiel nun, auf den Fleischerknecht, der auch einen verwundeten Finger hatte. Er wurde eingezogen, er gestand, daß er den Mord mit Beyhülfe seines Bruders begangen hatte, und beyde wurden durch Henkers Hand hingerichtet. — 44— Eine andere merkwürdige Geschichte. Eine Lhulrche Geschichte trug sich fast zu gleicher Zeir in Frankreich zu. Eine Wirwe wurde ermordet und beraubt. Man harte zwar auf einen leichtsinnigen und liederlichen Menschen Verdacht, der aber so wenig gegründet war, daß man den Verdächtigen nicht gerichtlich einziehen konnte. Als die Ermordete entkleidet wurde, fand man zwischen ihrem Halstuche einen vom Ohre abgebrochenen metallenen Knopf. Dieser konnte leicht von dem Mörder bey der gräßlichen That verloren worden seyn. Man forschte rm Geheim noch, ob man nicht durch dieses kleine Anzeichen auf den Thäter gelangen konnte: und sieh da! dem verdächtigen Burschen fehlte an der Weste ein Knopf, und der gefundene glich genau Ha-a-^^ W-sts sich ksfauLsn; ja er paßte sogar genau auf das Ohr, welches an der Weste noch fest angenäht war. Der Bursche wurde nun ins Verhör genommen, und mußte dre schwarze That gestehen. Er wurde zum Tode ver- urtheilt. Was du thust— Gott sieht und hört dich'. Gottvergessener! Dieses schrecke dich! Der Faden wird nie so sein gesponnen, Er kommt doch einmahl gewiß au die Sonnen. 45 Wiedervergeltung. Mach der Schlacht von Vittoria in Spanien rückte das englisch-spanische Heer unter Wellingtons Anführung in Frankreich ein, und stürnne am 14. April! 1614 Toulouse. Eine matte feindliche Kugel traf einen Schottländer aus der englischen Armee in die Seite. Er stürzte ohnmächtig nieder, ohne verwundet zu seyn, und konnte kaum athmen. Man trug ihn zurück, labte ihn mit Wasser aus seiner Feldflasche, und brachte ihn wieder zur Besinnung; doch war er so matt, dass er sich sitzend kaum aufrecht erhalten konnte. Da drangen die Franzosen im wilden Ungestüm vor, und die Engländer wichen zurück. Zwey französische Soldaten stürzten mit gefälltem Bajonette auf den halb ohnmächtigen und kraftlosen Schotten, der nicht fliehe» konnte, zu, um ihn niederzustoßen. Eben wollte der Vorderste mit einem Stosse seinem Leben ein Ende machen, als ihn der andere - 46- Leym Arme faßte, und ihm zurief:„Halt, Lamerad l Thu' mir diesem wackern Schotten nichts." Ein seltenes Zusammentreffen. Der wehrlose Schotte faßte Muth, und sah seinem Retter starr in's Gesicht- Da sagte dieser:„Ich habe mich nicht geirrt, ja du bist derselbe! Kennst du mich nicht?" „Nein," entgegnete der Schotte.— Der Franzose fuhr aber fort:»Wackerer Schotte, erinnerst du dich nicht mehr a» das Gefecht bey Sobral? Mir ist dieser Tag unvergeßlich." Jetzt fiel es dem Schotten ein, daß er dort einen Franzosen, dem ein Portugiese so eben den To- deSstreich versetzen wollte, in Schutz genommen halte, und dieser wurde jetzt sein Retter. „Du bist also der," fragte der Schotte,„den ich vor der Wuth des Portugiesen schützte?" „Ja, das war ich," antwortete der Franzose. „Damahls rettest du mich; jetzt rette ich dich, und nun sind wir quitt.—- Da nimm einen guten Bissen;(er warf ihm einen Pfannenkuchen zu) und gehab dich wohl. Wisse, daß der Franzose keinen Dienst schuldig bleibt!" Mit diesen Worten zog er ab. 4? Ged-cmüth igter Stol z. ^er Sohn des Amtmannes in L* war einige Jahrein der Stadt gewesen, um sich in Wissenschaften auszubilden. Er hatte die Zeit nicht nutzlos dort zugebracht; aber er überschätzte bey weitem die Kenntnisse und Fertigkeiten, die er sich erworben hatte, und thar sich darauf viel zu Guten. So bildete er sich auch ein, daß er eine sehr wohlklingende Tenor-Stimme und eine sehr gute Schule im Gesänge habe, und der Schullehrer des Ortes mußte ihn für den ersten Sänger gelten lassen, und im Dorfe konnte er es auch leicht seyn, da außer ihm und dem Schullehrer niemand singen noch ein musikalisches Instrument spielen konnte. Der junge Herr, aufgeblasen von dem Vorzüge seines Gesanges, veranstaltete eines Tageseine musikalische Unterhaltung, und lud zu derselben Freunde und Bekannte aus der ganzen Nachbarshaft ein. Unter denselben war auch eine alte Base, die man zu der Gesellschaft zog, nicht weil sie Musik liebte. — 48- und schätzte, sondern weil es sie würde gekrankt Haien, wenn man sie ausgeschlossen hätte. Sonderbare Wirkung der Musik. Es wurden verschiedene Tonstücke, so gut es mit Dorf-Musikanten geschehe» konnte, aufgeführt. Insbesondere wollte aber der junge Herr(so nannten ihn die Bauern gewöhnlich), durch seinen Gesang glänzen und Bewunderung erregen. Er schrie und trillerte, daß die Ohren gällren. Da fing die alte Base schmerzlich zu weinen an. Der junge Herr Vetter meinte, daß sein Gesang sie bis zu Thränen rühre, und wollte des Singens kein Ende machen. Er hoffte großes Lob zu ernten, das ihm auch von anwesenden Schmeichlern zu Theil wurde. Da ging der junge Herr mit sichtbarer Selbstgefälligkeit auf die alte Base zu, und fragte sie, warum sie während feines Gesanges geweint habe. Er glaubte auch von ihr ein stattliches Lob zu erhalten, und lauerte auf jedes Wort, das über ihrä Lippen kommen sollte. Schreckliche Täuschung. Da sagte die Alte mit einem tiefen Seufzer: >.,Ach, lieber Herr Vetter, wie Sie gesungen haben, - 49- haben Sie mrch an meinen armen Esel erinnert, den ich erst vor fünf Tagen verloren habe. Ach, die arme Haut! Gerade so hat er geschrien, wenn er Futter verlangte, wie Sie manchmahl in der Hohe und Tiefe die Töne herausgestoßen haben, und ich glaubte ihn leibhaft zu hören. Das hat mein Herz heftig angegriffen, daß ich fast saut habe weinen muffen." Der eingebildete Sänger war bey diesen Worten, welche ein großer Theil der Anwesenden gehört hatte, wie vom Donner gerüh.t, und verließ die Base ohne ein Wort zu entgegnen. * — 5o— Menschenliebe und Dankbarkeit. «Hin Anfange des Feldzuges im Jahre 1809 hatte sich Graf Achilles von W* durch Muth und i Tapferkeit rühmlich ausgezeichnet. Als Cadet war er in ein leichtes Reiter-Regiment getreten, und schon im ersten Gefechte hatte er solche Proben seiner Unerfchrockenheit gegeben, daß er zum Officiere befördert wurde. In der Schlacht bey Regensburg hatte sich l der junge Achilles in den Kopf gesetzt, dem Feinde einen Adler abzunehmen. Seine Schwadron/ kam iists Gefecht gegen die französischen Lanzenträ-, ger. Er stürzte mit verhängtem Zügel auf die Feinde, hieb den Adlerführer vom Pferde, ergriff den f Adler, und eilte in das Glied zurück.> Aber in dem nähmlichen Augenblicke wurde er von den Lanzenträgern umrungen, die mit gefällten Lanzen artt ihn eindrangen, und mit Säbelhieben ihm den Kopf zu spalten droheten. Von drey Lanzenstichen dltt hbohrt, stürzte der wackere Achilles vom — 5i— Pferde, das Siegeszeichen entsank seinen Handen, und er blieb als todt liegen. Drey Stunden war er ohne alles Bewußtseyn auf dem Schlachtfelds; seine Cameraden wurden zurück geworfen, und es gelangte keine wohlthätige Hülfe zu ihm. Achilles ist stark verwundet. Das Schlachtgetümmel zog sich in weitere Entfernung, und Achilles, den man schon für rsdt gehalten hatte, kam wieder zu sich. Er suchte aufzustehen; mit Mühe und Schmerzen gelang es ihm. Er sah nach seinen Wunden; einen Stich hatte er in das dicke Fleisch des rechten Schenkels erhalten. Diese Wunde erschwerte ihm zwar das Gehen, hinderte ihn aber nicht ganz daran. Der Schmerz im rechten Arme zeigte, daß derselben von einem Lanzenstiche durchbohrt worden war. Doch schienen keine Flechsen verletzt zu seyn. Die Wunde schmerzte sehr, war aber nicht gefährlich. Der dritte Stich war in der Gegend der Brusthöhle; er war aber nicht tief eingedrungen. Die Wunde war angeschwollen und sehr schmerzhaft. Das Blut in der Wunde stockte, und erschwerte das Athmen. 3* Achilles sucht Hülfe. Achilles suchte, auf seinen Säbel gestützt, weiter zu gehen, und mit unsäglicher Mühe und nahmenlosen Schmerzen gelang es ihm, das User der Donau zu erreichen, welches nur an Lreyhundert Schritte entfernt war. Da landete eben ein bejahrter Mann in einem kleinen Kahne: seine Tochter, ein Mädchen von vierzehn Jahren, war bey ihm, und half ihm rudern. Graf Achilles winkte, daß sie zu ihm kommen, und ihm Hülfe leisten möchten. Er war todtenblaß, und durch den Blutverlust so abgemattet, daß er kaum sprechen konnte. „Habt Mitleiden mit mir," sagte Achilles mit schwacher Stimme,„ich bin mit drey Lanzenstichen verwundet; bringt mich auf den Versandplatz; in dem nahen Dorfe dort ist gewiß ein Arzt, bringt mich zu ihm, ihr rettet mir das Leben. Die beyden guten Menschen wurden von Mitleiden gerührt. Der Alte war selbst Soldat gewesen, hatte rühmliche Wunden vor dem Feinde erhalten, nnd genoß noch einen Ruhegehalt als Invalid. Er bewohnte nahe an der Donau eine kleine Hütte und nährte sich vom Fischfänge. Lebherz ist sein Nahme. A chilles ist erschop ft. Vater und Tochter ergriffen sanft den Verwundeten/ und trugen ihn in den Kahn. Da überzog Lodtenbläße sein Gesicht/ und er schloß die Augen. „Vater!" rief da die geängstigt« Tochter/„der arme Officier stirbt!"— „Er stirbt nicht/' entgegnen der Vater,„es rst nur eine Ohnmacht." Der gute Alte legte ihm schnell seinen Rock unter den Kopf, schöpfte mit der hohlen Hand Wasser aus dem Flusse, und wusch ihm Gesicht und Schlafe. Dann lüftete er ihm Halstuch, Rock und Weste, und sah die hoch angeschwollene Wunde auf der Brust, in welcher das Blut stockte, welches das Athmen erschwerte., „Da steckt das Übel," sagte der Alte,„wenn wir das Blut zum Fließen bringen konnten, so würde der Arme sich gleich wieder erhohlen. Man dürfte ihm nur diese Brustwunde auslaugen, dann würde es gleich besser gehen. Doch wer mag das thun'i"— „Ich sehe dort am Dorfe Soldaten geschäftig, welche Verwundere hin und her tragen. Ich will dorr ärztliche Hülfe für unsern armen Verwundeten suchen. Ich werde eilen, so viel ich kann. Bleib - 54- du, liebe Tochter indessen bey ihm: fürchte nichts, er ist nicht todt; es ist noch Leben in ihm." Laura hat Mitleiden mit Achilles. Der Alte sprang aus dem Kahne, band ihn fest an's Ufer an, und lief schnell nach dem Dorfe. Laura, so hieß das Mädchen, betrachtete den Ohnmächtigen mit Thränen im Auge. „So jung," sprach sie,»und doch dem Tode schon so nahe. Wie werden deine Ältern um dich jammern— Sie wusch ihn wieder mir Wasser; aber er er- hohlts sich nicht. Da legte sie ihm ihre zitternde Hand auf die Brust, und rief halb erfreut:„O, sein Herz schlägt noch, er ist nicht todt!" Während sie so sprach, glaubte sie eine Bewegung an den Lippen des Ohnmächtigen wahrzunehmen, und er lispelte die Worte:„O meine liebe Mutter— ich werde dich nicht mehr sehen!" Diese Worte erschütterten das gute Mädchen. Sie hatte erst vor zwey Monathen ihre geliebte Mutter verloren. Darum traf der Nahme Mutter so schwer ihr Herz, und erregte.noch tieferes Mitleiden für den Verwundeten. 5ö Laura bereitet eine schöne That. „O/ wenn ich ihn nur retten könnte," sprach Laura,„wie gern wollte ich ihn seiner Mutter erhalten!"—„Aber wo bleibt mein Vater? die Geschwulst wird mit jeder Minute größer, das Blut stockt immer mehr, und erstickt zuletzt den armen Verwundeten."—„Wenn das Blut wieder zu fließen anfinge— sagt mein Vater, so wäre der lunge. Mann gerettet— aber das kann nur durch Aussaugen der Wunde bewirkt werden-— Ist vielleicht Gefahr dabey, oder ist es nur der Ekel, der meinen Vater abgehalten hat, seinen Mund an die Wunde zu legen?— Mir ekelt vor dem Bluts nicht, wenn es darauf ankommt, einem Menschen das Leben zu retten.— Ich bin allein, niemand steht mich als Gott, wenn ich meine Lippen an die Brust des Jünglings lege, und ich glaube, ein gottgefälliges und menschenfreundliches Werk zu thun.— Ich erhalte den Sohn der Mutter—meine verklärte Mutter wird mit Wohlgefallen auf mich- sehen." In dem nähmlichen Augenblicke seufzte der Verwundete wieder, indem er leise den Nahmen Mutter, Mutter! wiederhohlt stammelte. — 56— Laura r e r te t A ch i l le s Da war der schone Entschluß des Mädchens gefaßt. Mit einem Blicke gen Himmelnder hernach die Gegend rund herumArmschauete, ob sie von niemanden beobachtet würde, zog Laura das Kleid von der Wunde weg, legte zitternd ihre Lippen an dieselben, saugte, und das Blut floß. . Der Verwundete fing an, leichter zu athmen, die Todtenbläße verlor sich, er schlug die Augen aus, und erhohlte sich langsam, wahrend Laura fich Lippen ü"d Gesicht wusch, um durch die Blutflecken nicht verrathen zu werden: denn Laura hatte sich vorgenommen, das Geheimniß immer und ewig zu verwahren. Der Verwundete richtete sich auf, und Laura lMterstützte ihn mit ihrem Arme, damit er lerchre: aufrecht sitzen konnte. Der Arzt ko mmk. ,' Da kam der alte Vater mit dem Wundärzte, und rief von ferne:„Wie geht es dem Verwundeten, er ist doch nicht gestorben „Es geht schon besser, er athmet vielmehr schon leichter," entgegnen die Tochter freudig. Der Arzt untersuchte die Wunden, und sagte: „Die Brustwunde ist die gefährlichste; aber das Blut - 5?- fliest noch, die Gefahr ist nicht mehr so groß, und ich halte den Leidenden für gerettet. „Sie haben also gute Hoffnung?" siel Laura schnell ein— „Ach ja!" entgegnete der Arzt,„die Wunde ist nicht tief, und nur das gestockte Blut brachte Gefahr. Es ist gut, daß das Blut wieder fließt; die gute Natur und jugendliche Kraft kommen bey jungen, kraftvollen Leuten den Ärzten oft zuvor, und thun Wunder; wer hatte geglaubt, daß bey der hohen Geschwulst und Entzündung die Wunde von selbst sich wieder öffnen sollte? Achilles forscht nach seinem Retter. Indessen hatte sich Achilles immer mehr er- hohlt, obwohl er sehr schwach war. Er schlug die Augen auf, und sah sich von mehreren Menschen umgeben, die mit dem alten Lebherz und dem Arzte herbey gekommen waren. „Ach!" sagte Achilles,„ich komme wieder zum Leben, wie danke ich Golt!— Wem von euch, gute Menschen, habe ich es zu danken, daß ich wie der freyer athme?" Alle sahen einander verwundernd an, und L a i- ra ging einige Schritte abseits.„So tief ich in Ohnmacht lag,"— fuhr Archilles wuter fort. mer- — 58— so Habs ich doch die wohlthätigen Lippen an ner Brust gefühlt, die mir die Wunde wieder öffneten. Wer ist mein Retter? Mein Herz sehnt sich, ihn zu lennen, und ihm meinen Dank zu beweisen. „Von uns ist es niemandsagten alle,»denn wir kommen jetzt erst an. „Sollte eS meine Tochter gewesen seyn? erwiderte der Alte, mit einiger Verwunderung.-- „Das kann kaum seyn, und doch— sie war ja a- lein bey ihm die ganze Zeit, wahrend ich um den Arzt zu hohlen, abwesend war." Laura wird verrathen. Alle suchten nun Laura mit neugierigen Blicken, welch- die Verlegenheit, in der sie ttch jetzt befand, zu verbergen suchte; denn Schamrothe hatte ibr aanreS Gesicht überzogen.— D-..,-- A-«,d»r°ch.-. ,1, ho»,!,.'-»>?-!>, d-i G-»-,m»,s> s-il I»«««ah. ren. Der Vater drang mehr in die Tochter, der Verwundete horte nicht auf zu bitten, alle bemer^ ren Blutflecken an LaurenS Hal-tuche-- sie brach in Thränen aus, warf sich in die Arme des Vaters, und gestand, was sie früher niemanden' indem sie zugleich bath, mehr auf dre gme Aosicht, die sie hatte, als auf die That selbst zu sehen. — 29— Der alte Vater drückte Laura an seine Brust, und sag-e:„Heute ist mir der glücklichste Tag meines Lebens aufgegangen: ich bin stolz eine so brave und menschenfreundliche Tochter zu besitzen. Achilles brauch't ein ruhiges Krankenlager- Graf Achilles erschöpfte sich in Dankesbezeigungen, daß ihm der Arzt rieth, den Dank auf die folgende Zeit zu»ersparen, wo es mit seinen Wunden besser stehen würde, weil jetzt jede Gemüthsbewegung das Blut mehr in Wallung bringen, und ihm gefährlich werden konnte. Er verband die Wunden, und versicherte dem Kranken wiederhohlt, daß keine, selbst auch nicht die Brustwunde todtlich sey. „Aber," setzte der Arzt hinzu,»Ihr Zustand erfordert große Behuthsamkeit, und eine gemächliche Ruhe, die Sie nicht leicht hier im Dorfe finden werden, und die Brustwunde ist von der Art, daß man Sie nicht ohne Gefahr von einem Ort zum andern, noch viel weniger in weite Entfernung bringen kann." „Wenn das ist," sagte der alte Fischer,„so biethet ja meine Hütte ein ruhiges Plätzchen für einen schwer Verwundeten dar. Sie hat zwar nur eine Stube und eine Kammer; aber sie i c sonnig und — 6o— gesund gelegen. Die Stube trete ich nun dem Verwunderen ab, und ich ziehe mich mitLaura in die Kammer zurück. Auch weiß ich mit Kranken und Verwundeten umzugehen, und ich habe selbst, da ich zu Kriegsdiensten untauglich geworden war, in Feldspitälern als Krankenwärter gedient-" Achilles geneset von seinen Wunden. Der Alte machte aus abgehauenen Baumästen eine Tragbahre zurecht. Er legte seine Kleider auf dieselbe, Laura höhlte ein Kiffen aus der nicht weit entfernten Hütte, der Verwundete wurde auf die Bahre gebracht, und in die Hütte getragen, wo Laura schon ein weiches Bett für den Verwundeten bereitet hacte- Achilles fand bey diesen herzensguten Leuten eine Pflege, wie er sie nur immer wünschen konnte; bey der geschickten Behandlung des Arztes besserten sich seine Wunden zusehends, und bey den freundlichen und wohlwollenden Umgebungen erheiterte sich seine Seele so, daß seine Genesung rasch vorwärts schritt. Achilles gibt seiner Mutter Nachricht. Wie Achilles zu Kräften kam, schrieb er an seine Mutter nach Wien. Sein Vater war schon — 6i— vor mehreren Jahren gestorben. Er schilderte ihr die Gefahr, in welche ihn seine Wunden gebracht hatten, wie er durch L aura erhalten worden, und jetzt bey so guter Pflege getrost seiner vollen Genesung entgegen sehe. Er bath seine Mutter, dem braven Leb herz und seiner guten Tochter zu lohnen, was sie an ihm thaten. Die Mutter war reich, lind Besitzerinn großer Güter. Da ihr gutes Herz sie schon von jeher bestimmte, allenthalben wohlthätig zu seyn, so hoffte der gute Sohn, daß sich die Mutter gewiß auf eine ausgezeichnete Ärt dankbar an seinen Wohlthätern bezeigen werde, damit Bater und Tochter nicht mehr nöthig haben würden, in einem zerbrechlichen Kahne die Donau zu befahren, um mit Fischfang ihren kärglichen Lebensunterhalt zu suchen. Die Gräfinn kommt an. Mehrere Wochen verflossen, die Wunden singen schon an, sich zu schließen, und der Leidende gewann an Kraft und Heiterkeit des Gemüthes. Da hielt ein Reisewagen vor der Hütte, Achilles richtete sich von seinem Lager auf, und sah zu seiner unaussprechlichen Freude seine Mutter aus dem Wage» steigen, ur;d in die Stube eilen. Der alte Leb herz saß an der Seite des Leidenden, 4 — 62— Laura hielt noch die Lasse in der Hand, in der sie ihm eben Arzeney gereicht hatte. Die Gräfinn warf sich über das Lager des Sohnes, und bedeckte ihn mit Küssen. Er hatte eben einen heileren, fast fchmerzenlosen Tag. Lebherz trat einige Schritte ehrerbiethig zurück, Laura war über den unvermutheten Besuch verlegen. Nachdem die Gräfinn die ersten Freuden des Wiedersehens mit ihrem Sohne genossen, wandte sie sich zu Lebherz und sagte, indem sie ihm wohlwollend die Hand reichte:„Euch danke ich die Erhaltung meines Sohnes; ohne Eure Hülfe hätte ich keinen Sohn mehr. Mein Dank wird nie versiegen." „Und du,i liebes Kind," fuhr die Gräfinn fort, indem sie sich zu Laura wandte,„du hast meinen Sohn gerettet: komm her in meine Arme. Der Kuß, den ich Dir hier auf die Stirn drücke, sey Dir ein Unterpfand, daß ich Mutterstelle an dir vertreten werde." „Ach,gnädige Gräfinn," entgegnen Laur a schüchtern,„man müßte kein Menschenherz haben, wenn man einen so guten und braven Officier nicht beystände!" Die Gräfinn sagte noch viel Verbindliches dem alten Vater und der Tochter, und ihr Plan war festgestellt, wie sie sich an ihnen dankbar bezeigen wolle. Indessen wünschte die Gräfinn nur, daß ihr Plan bald ausgeführt werden könnte. 65 Die Gräfinn bezeigt sich dankbar an dem alten Lebherz.' Der Arzt erklärte, was die Mutter insbesondere wünschte, Achilles sey so weit genesen, daß er zu Wasser nach Wien gebracht werden konnte. Die Gräfinn belohnte den Arzt und alle, welche ihrem Sohne Dienste geleistet hatten, reichlich, und bereitere sich zur Rückreise. Sie wollte zu Land abfahren, und Leb herz und Laura sollten den Sohn auf dem Schiffe in die Hauptstadt begleiten. „Was soll ich in der großen Stadt machen, w» ich ganz unbekannt bin", sagte Lebherz.„Begleiten und pflegen will ich den jungen Grafen auf der Reis- wohl, aber dann kehr- ich wieder zurück. Ich bin hier schon angewohnt, und will hier merne alten Tag- beschließen. In meinem Alter liebt man die Veränderung nicht mehr." Da sagte die Gräfinn, daß sie eine Schloßwar- tersstelle auf einem ihrer Güter dem alten braven M^nne bestimmt habe. Dorr sollte ihm es an nichts ermangeln, er sey dort aller harten Arbeit enthoben, und könne dort seine Tage ruhig verleben. Durch diese Versorgung woll- sie sich dankbar an ihm be- zeigen. Der Alte machte Einwendungen, die aber alle — 64— gehoben wurden, so daß er zuletzt einwilligte. Nur seine Laura lag ihm am Herzen, und er gab deutlich zu verstehen, daß er auch ihretwegen einige Gewißheit haben möchte. Auch für Laura wird gesorgt. Da sagte die Gräsinn:„Ich habe versprochen, Mutterstelle an dem Mädchen, die meinem Sohna -in rettender Engel war, zu vertreten. Ihr, guter Alter, habt zwar alles Recht, eine so gute Tochter bey euch zu behalten, damit sie euch im hohen Alter verpflege. Die mit der Schloßwärterstelle verbundenen Einkünfte sind hinreichend, daß nicht nur ihr und euere Laura, sondern eine ganze Familie davon leben kann. Doch bitte ich euch, wenn ich eurem Herzen nicht zu nahe trete, mir die Tochter zu überlassen. Sie soll meine treue Gefährtinn seyn; als die Retterinn meines Sohnes werde ich sie immer lieben und schätzen, und nur eine anständige Versorgung die ich ihr bereiten werde, soll sie von mir trennen. Vater und Tochter leben glücklich. Alle kamen wohlbehalten in Wien an. Graf Achilles genas ganz von seinen Wunden, und nach einem halben Jahre war er wieder bey seinem — 65— Reg-'m-nte. Lebherz zog aus das Gut der Gräfinn, und gefiel sich dort recht wohl. Er hatte em Garlcheii, das er zum Vergnügen bebaute, uiid die großen Teiche in der Nahe, über die er als Sachverständiger auch die Aufsicht bekam, machten ihm mehr Unterhaltung als Mühe. Laura blieb bey der Gräfinn, sie wurde in allen weiblichen Arbeiten unterrichtet und so ausgebildet, wie es der bürgerliche Stand erfordert, über welchen sie die Gräfinn nicht hinaufziehen wollte; denn so wie sie das Mädchen vom ganzen Herzen liebte, so wollte sie dasselbe doch nicht an Bedürfnisse gewöhnen,"nd Wünsche in ihm erregen, welche es in der Folg nicht leicht würde befriedigen können. Laura machte sich durch ihre guten Eigenschaften allen achtbar, welche Gelegenheit hatten, sie näher zu beobachten. Beschluß. Nach mehreren Jahren starb der Amtmann auf dem Gute, wo Leb h e rz Schloßwarcer war, und ein geschickter und braver junger Mann erhielt dessen'Stelle. Erwarb um Laurens Hand, und sie glaubte, eine glückliche Ehe mit ihm schließen^zu können. Sie erhielt gern die Einwilligung ihreS-Va- rers und der Gräfinn, von der sie sehr reichlich aus- — 66— gestattet wurde, und eine Morgengabe von 4vc>» Gulden bekam. Achilles war ihr Zeuge bey der Vermählung, er gab ihr zum Andenken ein mit Brillanten besetztes Kreuz mit goldener Kette, und verschrieb ihr, wenn er einst die Güter selbst antreten sollte, einen Iahrsgehalr von 3oo Gulden. Sie verlebt nun mit ihrem Gatten die glücklichsten Tage. Vater Leb herz ist i» ihrer Mitte. Die Gräsinn bringt jährlich zwey Sommermonalhe auf diesem Gute zu, und Achilles henützt oft diese Zeit, mit Urlaub bey ihnen zu seyn. Daß oft und mit Rührung die Geschichte von der Brustwunde besprochen wird, dafür bürgt das gute Herz der Gräfinn und ihres wackeren und dankbaren Sohnes. - 6?- Bruderliebe und Entschlossenheit. Nie Familie Härtender g verlebte die vergnügtesten Tage des Sommers in ihrem Landhause zu Erlen bürg. Der Bruder Carl/ ein feuriger, -munterer aber auch ziemlich leichtsinniger Knabe von zwölf Jahren/ war mit guten Zeugnissen seines Fleißes und Wohlverhaltens nach vollendeter Prüfung aus der Erziehungsanstalt angekommen/ und nicht viel später rückte Adolph der altere Bruder, der in der Militär-Akademie in Neustadt erzogen wurde, mit einem vierwöchentlichen Urlaube bey den Ältern ein. Die Schwestern Mathilde, Adelheid und Theodor« freueten sich schon Monathe lang auf diese Ferienzeit, wo sie einige Wochen mit ihren Brüdern angenehm und fröhlich verleben könnten, und selbst die Ältern machten Vorbereitungen, damit es den Kindern an Unterhaltungen nicht fehlete. Es war ein wahrhaft angenehmer Anblick, die Ältern mit ihren Kindern, welche in jugendlicher Kraft und Unschuld wie Rosen blüheten, vereinigt — 68— zu sehen und dieß geschah des Jahrs nur einmahl; denn außer der Ferien-Zeit kamen sie nie alle zusammen. Der Spaziergang in dieAu. Alle hatten ein frohes Mittagsmahl eingenommen/ und für den Nachmittag wurde ein Spaziergang in die Auen, die neben dem ziemlich breiten und reißenden Flusse sich hinzogen/ verabredet- Vater und Mutter konnten an dem Spaziergange nicht Theil nehmen. Sie mußten einen Krankenbesuch in dem eine Stunde weit entfernten Schloße abstatten, und sie fuhren bald nach Tische fort. Als sich die Kinder alle zum Spaziergange anschickten, gab der schelmische Carl Geschäfte vor, die er noch geschwind verrichten wollte,und versprach bald nachzukommen. Er ging aber in den Pferdstall, und nöthigte den nur zu nachgiebigen Reitknecht, ihm, der doch im Reiten gar nicht geübt war, ein Pferd zu satteln, auf welchem er am andern Ufer des Flusses reiten, und über die weit oben gelegene Brück- seinen Geschwistern in die Au zuvorkommen, und sie auf diese Art überraschen wollte. Ein unglücklicher Ritt. Mathilde, Adelheid, Theodora und Adolph schlenderten untw traulichen Gesprächeir und Scherzen an dem blumenreichen Ufer des Flusses gegen die Au zu, als sie auf einmahl auf dem jen- seirigen Ufer ein Pferd gallopieren, sich bäumen, und hinten ausschlagen sahen. Der Reiter war nicht mehr im Stande es zu leiten; er hielt sich mit Mühe auf demselben fest, und hatte schon seinen Hut verloren- Da stieß Adelheid einen Angstruf aus, und schrie:„Das ist Bruder Car l, unser unglücklicher Bruder Carl! Das Pferd wirft ihn ab, und da bricht er Hals und Bein!" Alle drey Schwestern fingen zu jammern und zu weinen an. Adolph wird der Retter des Bruders. Ohne ein Wort zu sagen, lauft^A dolph zu dem Flusse, wirft Hut und Jacke weg, und stürzt sich hinein.(Er war ein geübter Schwimmer). Der Fluß war an der Stelle reißend und tief. Adolph verschwindet vor den Augen seiner Schwestern, sie werfen sich auf die Knie und flehen zum Himmel um Hülfe und Rettung.— Adolph erscheint wieder auf der Oberfläche des Wassers, er rudert mit Händen und Füßen gegen das jenseitige Ufer hin, er erreicht es, er erhäscht den in das Wasser hängenden Ast eines Weidcnbau- — 7"— nies/ er schwingt sich auf das feste Land, und läuft dem Pferde entgegen, welches durch den Stich einer Hornisse in Wuth gebracht, den armen Carl eben abschüttelte. Zum Unglücke blieb er mit einem Fuße am Steigbügel hängen, und war in Gefahr mitgeschleppt zu werden. Aber in dem nähmlichen Augenblicke hatte Adolph das Pferd beym Zügel ergriffen, und suchte es zu besänftigen, während Carl sich von dem Steigbügel losmachte. Außer einer Beule am Kopf hatte der unbesonnene Carl keinen Schaden genommen. Beschluß. Die Schwestern erhoben am andern Ufer ein Freudengeschrey, als Adolph ihnen zurief, daß alles ohne Schaden abgelaufen sey. Man eilte nach Hause. Carl, der vor Schrecken noch todtenblaß war, mußte manche Vorwürfe leiden, daß er sich so muth- willig in Gefahr begeben hatte, und Adolphen, den wackeren entschlossenen Adolph überhäuften alle mit Dank und Liebkosungen. Meine lieben Leser werden sich leicht einbilden könne», was die Ältern bey ihrer Zurückkunft zu beyden Söhnen werden gesagt haben. Angestrengter Fleiß überwindet Alles. beyläufig dreyhundert fünfzig Jahre vor Christi Geburt lebte zuAthen in Griechenland Demosthe- nes, der berühmteste Redner aller Zeiten. Er gibt uns ein Beyspiel, was fester Wille und Beharrlichkeit vermögen; wie man durch anhaltende Bemühung das unmöglich Scheinende erreiche», und selbst angeborne und durch lange Gewohnheit gleichsam zur Natur gewordene Fehler verbessern und ablegen kann. Ich erzähle von den unablässigen Bestreben des Demosthenes, sich zum öffentlichen Redner auszubilden, wozu ihm die Natur fast alle Anlagen versagt hatte, für euch, Zunge Freunde, denen es oft viele Mühe kostet, in den Wissenschaften fortzuschreiten, denen die Natur glückliche Anlagen versagt hat. Verdoppelt euren Fleiß, harret aus bey dem Schwersten, bemühet euch unablässig dort, wo es euch am wenigsten gelingen will, lasset nie den Muth sinken, habet Selbstvertrauen, und ihr werdet sehen. daß angestrengter Fleiß und Ausdauer alle Schwierigkeiten überwinden. Der Erfolg wird euer Bemühen krönen. Demosthenes wird jung verwaiset. Dem eschenes war der Sohn eines Waffenschmiedes, und verlor seinen Vater schon im siebenten Jahre. Er war arm und auch vom schwachen Körperbaue. Ein Handwerk, welches viel Kraft erforderte, konnte er nicht lernen, und er hatte auch keine Gelegenheit, sich in den Wissenschaften auszubilden. Er wuchs daher fast ohne allen Unterricht auf. Auch war er in seinem Äußeren blöde, er stammelte , im Sprechen, und wurde deßwegen oft von seinen Spiel-Cameraden geneckt und verlacht, welches ihn nicht wenig verdroß, und in ihm den festen Willen erregte, zu lernen, und seine Fehler zu verbessern. Demosthenes will ein Volks redn er werde n. Damahls wurden alle Staatsangelegenheiten öffentlich vor dem Volke verhandelt. Redner bestiegen die Bühne, und suchten das Volk durch die Macht ihrer Beredsamkeit zur Annahme oder zur Verwerfung eines Beschlusses, den die Obrigkeit zur Berathung vorlegte, zu bestimmen und zu bereden. —-- Einmahl sollte ein berühmter Redner eine solche öffentliche Rede halten. Alles war neugierig darauf; auch der junge Demosthenes wünschte ihn zu hören. Eigentlich waren Knaben von einer solchen Volksversammlung ausgeschlossen; aber ein Bekannter nahm denDemo sthenes mit, und verschaffte ihm einen guten Platz, von wo er jedes Wo t deutlich hören konnte. Der Knabe war entrückt über alles, was der Redner sagte; solch eine Kraft hatte er in der menschlichen Rede nicht geahnet. Wie der Redner schwieg, brach die ganze Versammlung in lauten Beyfall aus, und tausend Zungen priesen sein Lob. Demosthenes wurde von diesen Beyfallsbe- zelgungen so ergriffen, daß er den Entschluß faßte, auch einmahl ein Redner zu werden, es koste ihm, was es wolle. Demosthenes bereitet sich alsKnabe vor. Von der Zeit an war jedes Spiel verbannt, und die Zeit nur dem Lernen gewidmet. Wenn er ja noch, um sich zu erheitern, mit andern Knaben zusammen kam, so war einer der Richter, der Andere der Verklagte, und Demosthenes hielt eine R-de, um ihn zu vs theidigen, daß er von der Strafe losgesp ochen werden mußte. War Dc- — 74— mosthenes alleiw, so laS und schrieb er unaufhörlich; denn er wußte wohl, daß man nur durch gründliche Erlernung der Regeln, durch Lesung vorzüglicher Muster und dann durch eigene schriftliche Übung sich die gehörige Fertigkeit im-richtigen Ge- dankenausdrucke und eine abgerundete Sprache erwerben kann. Der erste Versuch mißlingt. Unter unabläßlichen Übungen wuchs Demo- sth euer heran, und bildete sich zum Volksredner aus. Als er das gehörige Alter erreicht hatt-, um vor dem Volke auftreten zu können, bearbeitete er eine Rede schriftlich mit allerSorgfalt und Umsicht, und lernte sie auswendig. Er hoffte ganz sicher aus großen Beyfall, wenn er sie dem versammelten Volke vortragen werde. Aber wie wurde der arme Demosthenes in seiner Erwartung getäuscht! Das Volk lärmte, lachte höhnisch, und pfiff ihn aus.— Ganz niedergeschlagen, bluiroth vor Scham, lief er nach Hause, und gelobte sich im Unwillen über den mißlungenen Versuch, nie wieder die Rednerbühne zu besteigen. Neue Ermunterung. Lief gekrankt schlich Demosthenes lange —?5— Zeit einsam und in sich gekehrt herum, und getraute sich niemanden vor Scham anzusehen. Da begegnete ihm eines Tages ein alter, ehrwürdiger Greis, der ihn gut kannte. Freundlich nahete er sich dem Demo sich enes, nahm ihn bey der Hand, und sagte: „Wie Schade ist es um dich, junger Mann, daß du deine schöne Rednergabe so unbenutzt lässest! du könntest einer der ersten Redner werden; aber aus Muthlosigkeit oder gar aus Trägheit willst du die guten Anlagen nicht ausbilden." Demosthenes meinte Anfangs, der Alte höhne ihn. Dieser aber sprach ihm aus Herz eindringlich, undDe mosthenes mußte versprechen, wenigstens noch einen öffentlichen Versuch zu wagen. Er arbeitete wieder eine sehr gründliche Rede aus, und lernte sie mit allem Fleiße auswendig. Zweyter Versuch. „Nun dieses Mahl," dachte er,„wird es doch gewiß gut gehen," und er genoß schon im Voraus der Freude über den allgemeinen Beyfall. Aber du armer Demostbenes! Kaum hatte er den Mund geöffnet, so brach auch das Volk wieder in ein schallendes Gelächter aus, und hörte nicht auf zu pfeifen und zu zischen. Demosthenes stand wie vernichtet da, und 4* — 76— hatte in die Erde sinken mögen. Er hüllte sein Gesicht in den Mantel, und lief, als brennte ihm der Kopf, nach Hause. Da warf er sich voll bittern Unmuts s in den Sessel, und brütete mürrisch in finsteren Gedanken. Demosthenes lernt einsehen, wo es bey ihm sehlt. 5 och saß er, auf die Ungerechtigkeit des Volkes zürnend da, als ein Freund ihn besuchte, der ein berühmter Schauspieler war. Bitter beklagte ersieh gegen denselben über seinen Unstern, und sagte voll Unmuth:„Das Volk weiß nicht, was es will. Mich verlacht es mit meiner nach allen Regeln fleißig ausgearbeiteten Rede, und andern Hort es mit Aufmerksamkeit und Beyfall zu, die dummes Zeug wie Trunkenbolde von der Bühne Herabschreyen. Das Volk ist ungerecht— ganz verdreht in seinen Ansichten und Meinungen." '„Höre einmahl," erwiederte der Schauspieler, „ich will dir sagen, woran es fehlt. Sey so gut, und trage mir nur einige Absätze aus den Werken des Sophokles oder Euripides vor,"(beyde waren berühmte griechische Schauspieldichter, von denen noch einige Werks übrig sind). Demosthenes that es, und glaubte seine — 77" Sache recht schon gemacht zu haben. Aber wre erstaunte er, als nun der Schauspieler die näymlichen Stellen auch hersagte; aber mit einer Kraft und einem'Ausdrucke der Stimme, mit ss lebhaften und treffenden Mienen und mit einem so lebendigen Geber- denspiel, daß D e m o st h e n e s nur Auge und Ohr war, und ganz andere Stellen zu hören glaubte. Demosthenes bemüht sich die Fehler abzulegen. Nun merkte er erst, woran es ihm fehle, daß er den Beyfall des Volkes nicht erlangen könne. Er hatte eine schwache Stimme, einen kurzen Arhem, und konnte das R nicht aussprechen. Das Schlimmste aber bey seinem Vortrage war dir lächerliche Gewohnheit, daß er fast bey jedem Beystrich, wie er mir der Stimme inne hielt, auch mit der einen Schulter zuckte. Sein Freund, der Schauspieler machte ihn auf alle diese Gebrechen aufmerksam. Nun fing Demosthenes mit allem Eifer neue Übungen an. Bald ging er an den Mseres- strand, und suchte daS tosende Geräusch der an die Felsen anprellenden Wellen zu überschreyen; bald legte er sich kleine Steine auf die Zunge, und bemühte sich, trotz dieses Hindernisses deutlich zu spre- —— chen; bald sagte er, indem er einen stellen D-rg hinansticg, laut lange Reden her. Durch diese Übungen suchte er eine stärkere Stimme, einen längeren Athem und eine deutlichere Aussprache zu bekommen. Beharrlicher Fleiß. Dann miethete sich D e m o st h e ne s eine Wohnung unter der Erde, um in der Einsamkeit vollends alle Müngel zu beseitigen, und damit er ja nicht Lust bekommen sollte, auszugehen, schor er sich auf einer Seite des Kopfes die Haare ganz ab- Nun stellte er sich viele Stunden lang vor den Spiegel, sagte lange Reden her, und übte sich in dem Spiele der Mienen, in der Bewegung der Arme und Hände, überhaupt in den Geberden. Um sich das lächerliche Zucken mit der Schulter abzugewöhnen, hing er ein bloßes Schwert mit einer scharfen Spitze an der Decke seiner unterirdischen Wohnung, und stellte sich so darunter, das; die scharfe Spitze seine entblößte Schulter berührte, und ihn empfindlich verletzt-, wenn er sich einmahl vergaß, und die Schulter bewegte. Wenn er von diesen Übungen müde war, arbeitete er schriftlich neue Reden aus. 79 Demosthenes, ein vollendeter Redner. Als nun drey Monathe verflossen waren, ging Demosthenes als ein vollendeter Redner aus seinem unterirdischen Loche hervor, und betrat die R-dnerbühne mit neuem Muthe, uno da zeigte sich was fester Wille und beharrlicher Flerß vermögen. Das Volk belustigte sich schon voraus, als es ihn öffentlich auftreten sah, es dachte, wieder etwas zu lachen zu bekommen. Aber wie erstaunte es, als D em o st h e u es den Mund öffnete, und mit hinreißender Beredsamkeit sprach. Es glaubte, einen ganz andern Redner zu höre». Es ward mit Achtung gegen den jungen Mann erfüllt, der Wille, Kraft und Ausdauer befaß, die widerlichsten Gebrechen zu überwinden. Sein Ruhm war von nun an gegründet Alle horten mit gespannter Aufmerksamkeit zu, wenn Demosthenes sprach, und die Wirkung seiner Rede war erfolgreich; er beredete das Volk zu was er wollte. Leider hat er den Einfluß, den seine Beredsamkeit auf das Volk hatte, nicht immer zn den besten Zwecken verwendet, und ost war feine Beredsamkeit für Geld feil.—-- Das alte Kirchenjahr. Das alte christliche Kirchenjahr begann eigentlich mit der Sonnenwende im Winter und dem Feste der Geburt Christi. Jetzt fangt es mit dem ersten Sonntage im Advente an. Es war in Jahres-, Mondes-, Wochen- und Tageszeiten abgetheilt, welchen KaiserLarl derGroße deutsche Nahmen gegeben hat. Die vierJ ah rsze i ten wurden nach vier großen Kirchenfesten abgetheilt. Für den Winter war das Fest.der Geburt Christi, oder der Erscheinung Gottes unter den Menschen. Es wurde und wird noch Weihnachten genannt. Für den Frühling war das Fest der Auferstehung und llnsterblichleit, oder Aftern; für den Svmmerdas Fest des heiligen Geistes oder Pfingsten; für den Herbst das Fest des göttlichen Gerichtes der Belohnung und Vergeltung, oder Allerheiligen und Allerseelen. Von den zwölf Monathen im Jahre war fast — Li— jeder einem der zwölf Apostel angewiesen. Jede Woche, die sieben Tage der Schöpfung vorstellend^ endete, weil Ch ri st u s da er standen war, mit dem Sonntage als Ruhetage,, und jeder^Tag deK Jahres führte den Nahmen, oder das Fest eines Heilig en. Die Advent-Zeit. Drey Wochen vor dem Feste der Geburt Christi oder vor Anfang des Jahres wurden im Gebethe, mit Reue über die Sünden und mit Bußwerken zugebracht. Dieses war die Zeit der Erwartung oder Advent-Zeit. Wie ehemahls die Allvater in der Vorholle auf die Zeit der Ankunft Jesu warteten, so harrete auch jeder bußfertige Sünder darauf als auf die Zeit seiner Erlösung. Und nun erschien das Fest der Geburt Jesu in aller der Herrlichkeit und Demuth, wie es den Hirten bey Bethlehem erschienen ist. Weihnachtsfest. Unter dem feyerlichen Gesangs:„Christus ist uns heute geboren!" wurde der menschgewsrdene Gott mit aller Pracht und tiefer Andacht auf dem Altare verehrt und angebekhet. Aber neben dem Altare wurde das Christ-Kindlei» in Armuth und Nie- 82 drigkeit, in der Krippe liegend zwischen Hirten und Thieren dargestellt, auf daß auch Arme und Kinder in dem Menschgewordenen Jesu ihren göttlichen Bruder finden und lieben mochten. Die Weihnacht war, wie sie es noch setzt ist, ein Fest der Kinder. Sie durften sich das göttliche Kind mit seiner Mutter und dem Pflegevater Joseph auch zu Hause in Bilder vorstellen. In jeder Familie hatten die Kinder einen Stall mit der Krippe, in welcher das Jesu- Kindlein lag. Die Kinder wurden mit neuen Kleidern, Obst, Zuckerwerk und andern Spielsachen beschenkt, als wenn ihnen dieses alles das Christ-Kindlein gebracht hätte. Am dritten Tage nach Weihnachten war den Kindern ein eigenes Fest geweiht; das F e st der unschuldigen Kinder. So erblühet« in den al^en Zeiten mit der unschuldigen Freude Religiositär, Gehorsam und Liebe gegen die Ältern in den Herzen der Kleinen fest und wirksam für die Zukunft. Neujahr. Mit dem ersten Jänner begann das bürgerliche Jahr, und das christliche vermischte sich jetzt eine Ze'stang mit ihm, um Kirche und Staat im Einklänge zu erhalten. Alle wünschten sich da ein glück- — ÖZ— ü'ches Jahr. Man gab sich wechselweise Geschenke, man bewirthete sich in Häusern und auf den Plätzen. In Städten zogen die Bürger und Beamten in festlichen Kleidern und mit Musik begleitet zu den Höfen ihrer Fürsten, oder an die Wohnungen ihrer Obrigkeiten, und brachten ihnen ein glückliche» neues Jahr. Bald darauf folgte das sogenannte drey Königsfest, welches für Könige und Fürsten bestimmt war. Diese opferten während dem Hochamte Gold, Weihrauch und Myrrhen, und kamen damit kniend zum Altare. An diesem Tage war an ihren Höfen große Pracht und Herrlichkeit; es wurden große Tafeln und Festgelage gegeben. In jeder Familie wurde an diesem Lage ein König entweder durch Stimmen oder durch das Loos gewählt, welcher den Tag hindurch im Hause herrschte. Von nun an wurde die Zeit der Freude und dem Vergnügen gewidmet. Es war die so genannte Faschingszeit. Anfangs, in der Halste des Januars ging es dabey ganz mäßig zu, wie aber die so genannte F a st- nacht herannahete, da gab es Gastmahle, Gau- keleyen, Tanz, Narren- und Pofsenspiel Die drey - 64- letzten Tage waren rechr eigentlich der menschlichen Thorheit Preis gegeben. Schmausereyen, Schauspiele, Musik- Mummereyen, Hanswurste und Possenreißer erlustigten die Leute jeden Standes bis zur Tollheit. Nun aber trat ernst und nüchtern die Aschermittwoche ein. Das Volk nahm Abschied von allen Lustbarkeiten, und ging zur Kirche. Der Priester zeichnete, wie es noch jetzt an diesem Tage in der Kirche geschieht, jedem mit Asche ein Kreuz auf die Stirn, indem er sprach:„Gedenke Mensch, daß du aus Staub bist, und wieder zu Staub werden wirst." Durch dieses Erinnerungszeichen wurde der in Vergnügungen und Freude verirrte Geist wieder an Besonnenheit, Buße und Ewigkeit erinnert. Von nun an war ernste Stille eingetreten; Schmause, Tanze, Possen und Gaukelspiele hatten aufgehört, und fromme Betrachtungen und ernsthafte Beschäftigungen waren im häuslichen und öffentlichen Leben an der Tagesordnung. Die Menschen, welche noch kurz zuvor in bunten Reihen bey schallender Musik den Tanzboden durchfiogen, gingen jetzt mit gesenktem Haupte paarweise gereihet, die Bußpsalmen singend, in die Kirchen und Capellen. — 85— Die Tisch-, welche wahrend der Faschingszeit mit allen Arten vstt Speisen und Getränken üppig besetzt waren, bothen jetzt nur sparsam mäßige Gerichte dar; der Überfluß wurde den Armen gegeben. Statt der fröhlichen Gesänge bey dem Schauspiele hörte man jetzt nur in Chören Büßlieder und das klägliche Miserere, oder von der Kanzel eine Büß- und Strafpredigt. Diese Fastenzeit dauerte vierzig Tage; und verbreitete sich selbst in die Hose und Palläste der Könige und Fürsten. Da war keine Prunktafel, kein festlicher Aufzug, keine Galla und keine Lustparthie zu sehen. Die Könige besuchten jetzt mit ihrem ganzen Hofstaate die Kirchen. Statt der glänzenden Hoffeste hielt man jetzt Bethstunden, start derNar- rensposten der Lustigmacher hörte man jetzt die ernsten Worte der Prediger und Bischöfe, und statt der prächtigen Kleider waren Fürsten und Könige in schwarze Trauerflöre gehüllt. Die Char woche hindurch stiege» die Gegenstände des Ernstes und der Trauer auf einen höheren Grad. Der Kirchen- gesang wurde dumpfer und schauerlicher, die Enthaltsamkeit an Speisen strenger. Kein Altar war verziert, keine Glocke würde geläutet, keine Trom- — 66— mel oder Pfeife, ohne gedampft oder abgespannt zu seyn, gehört, und nicht einmahl ein Prachtwagen rollte auf der Gaffe. Fürsten und Unterthanen, Vornehme und Niedrige, Reiche und Arme mußten zu Fuß gehen, und wer es bezahlen konnte, in schwarzen Kleidern erscheinen. Ja selbst die sonst rauschende Soldaten- Musik tonte wie ein Trauermarsch. Am Palmsonntage sing die Vorlesung und Vorstellung der Leidensgeschichte Jesu an. Nachdem die Palmzweige zum Einzüge des Heilandes geweihet waren, sah man sowohl in Kirchen als bey Umgängen keine andern Bilder, als die des leidenden Messias, man horte keine anderen Gesänge und Predigten, als die daraus Bezug hatten. Nachdem man am Gründonnerstage das heilige Abendmahl empfangen hatte, wuschen, wie es noch heut zu Tage zu geschehen pflegt, die Könige und Fürsten zwölf armen Männern, die Bischöfe ihren Priestern die Füße, und bedienten sie bey Tische. Am Char freytage wurde in allen Kirchen die Grablegung Christi oder das heilige Grab vorgestellt. Das schauerliche, nur mit gebrochenem und matten Lichre erleuchtete — 67— Gewölbe, die mit schwarzem Tuche behängten Wände, die feyerlichen Klagelieder des Jeremias, den Ernst und die Andacht auf allen Gesichtern der Bethenden mußte auf jeden, der die Kirche besuchte, einen tiefen Eindruck machen. Bis jetzt haben sich diese Kirchengcbräuche erhalten, und ihre Wirkung aus das fromme Gemüth ist bedeutungsvoll. Diese stieg in der Nacht vom Charsamstage auf Ostern, zum höchsten Grade, als das Hochwürdige in einem goldenen Kästchen aus dem heiligen Grabe von dem Bischöfe oder Priester auf das Hochaltar getragen wurde. Die Domherren und andere Geistlichen begleiteten dasselbe mit Abrennenden Kerzen; ein dumpfer, seyerlicher Choral wurde dabey abgesungen, und alles war hehr und erhaben. Als nun das Kästchen auf dem A ltare geöffnet wurde, schlug die Glocke eben zwölf Uhr um Mitternacht. Da erschallte auf einmahl mit voller Stimme:„Christus ist erstanden, Alleluja!" Die Glocken tönten im dumpfen Gelä'.te von den Thürmen herab, die Orgel wirbelte und schnarrte in frohen Tönen durch die Hallen der nun hell be- leuchtete->> chre- guten To ter. Beyde Familien leben von gesunden Kindern umgeben, zufrieden und glücklich. Lreue Freundschaft, auf Liebe und Dankbarkeit gegründet, verbindet sie auf ewig, und jährlich wird mit Dank gegen Gott und mit einem freundschaftlichen Wähle der Tag geleyert, an dein Eusebia ihrer Freundinn Bertha das Leben gerettet hat. n2— Was du find est, gib zurück. Der ehrliche.Handwerksbursche. Am 9. May 1809 alS sich der Feind der Residenz- Stadt Wien näherte, und alle Einwohner e.sll Besorgniß und Ängstlichkeit waren, räumte gegen Abend der Diener des Buchhändlers H* verschiedene Sachen aus dem Handlungsgewolbe in die Wohnung. Beym Zusperren setzte er ein Paar neue Stiefel ^ur Seite, und als er wegging, vergaß er in der Dunkelheitler Nacht Meselben, und ging fort. Erst spät erinnerte er sich an den Verlust, und gab bey dem Drängen und Treiben der Menge in den Gästen die Stiefel für verloren, und wie hätte er sich an diesem Tage der Angst und Betrübniß, wo alles auf dem Spiele stand, noch viel um ein Pärchen Stiefel bekümmern sollen? Wie wurde aber dieser Mann überrascht, als er einige Tags darauf dieselben bey der Polizey-Ober- Direction hinterlegt fand! Wer harte sie gefunden, und ehrlich zurückgestellt? — ri3—- Ein armer Handwerksbursche/ der in der nähmlichen Zeit ohne Arbeit und Verdienst war/ und der diesen Fund gut hätte brauchen können. Aber sein Gewissen sagte ihm/ daß es Pflicht sey/ das Gefundene zurück zu stelle«/ und er folgte dieser Stimme ohne alle Hinsicht auf Vergeltung und Lohn; denn der Buchhändler/ der über diesen Zug strenger Redlichkeit innig gerührt war/ wollte dem braven Burschen den ganzen Werth der Stiefel zur Belohnung auszahlen; aber er konnte ihn nirgends auffinden; der Brave wollte unerkannt und »«belohnt redlich gehandelt haben. Belohnte Ehrlichkeit. In einer der besuchtesten Straßen von Pari- (rus Laint-IIonore) verlor ein Engländer/ der Ge- schäfte halber sich einige Zeit dort aufhielt/ im Februar 1619 seine volle Brieftasche. Kein geringer Verlust— es befanden sich in oerselben bey 100a Pfund Sterling in Banknoten/ welche nach unserem Gelde 9412 fl. So kr. in Metall-Münze betragen. In den großen Hauptstädten bey der ungeheuren Volksmenge ist es oft der wachsamsten Polizey kaum möglich/ den Finder zu entdecke»/ wen» dieser nicht ehrlich ist/ und das Gefundene aus freyem Antriebe zurück bringt. — n4— Dem Engländer war nicht wenig bange um sein Verlornes Eigenthum, obwohl es ihm von dein ehrlichen Finder leicht konnte zurück gestellt werden, da aus dem ersten Blatte der Brieftasche sein Nahme und seine Wohnung standen. Doch seine Besorgnis; dauerte nicht lange. Ein Mann in schlechter Kleidung suchte den Engländer in seiner Wohnung auf, und händigte ihm die Brieftasche mit allem, was sich darin befand, ein. Wer war dieser ehrliche Finder? Ein armer Castanien-Verkäufer, der an der Ecke der Straße, in welcher die Brieftasche in Verlust gerathen war, seine Waare feil both. Kaum hatte der ehrliche Mann die Brieftasche gefunden, al? er auch eilte, den auf dem ersten Blatte hezstcynvrrn^EtAEhttTrr^ vuszusuwrir'; u„v dieses that er gewiß nicht in der Hoffnung einer großen Belohnung; denn er nahm das Fünffranken- Stück(r fl. 55 kr. M. M-), welches ihm der Engländer zum Lohne seiner Ehrlichkeit gab, mit Dank an. Wie? was? werden meine lieben Leser sagen, einen so geringen Lohn gab ihm der Engländer, für einen so großen Dienst? So karg lohnte er eine so ausgezeichnete Ehrlichkeit? Der Engländer muß ein filziger Mann seyn? Nur nicht voreilig und feindselig geurtheilt. — n5— meine Lieben. Der Engländer ist mein Mann, und wahrlich ein wackerer, menschenfreundlicher Mann! Er wollte den ehrlichen Finder durch die kleine Gabe nur versuchen, ob er einer größeren würdig sey. Da der Castanien-Verkäufer sich so dankbar für das kleine Geschenk bezeigt hatte, und seines Weges an den gewohnten Platz fortging, folgte ihm der Engländer in einiger Entfernung auf dem Fuße nach, und erkundigte sich bey den Nachbarn um das sonstig« Verhalten des Castanien-Verkäufers. Alle sagten von ihm aus, er sey zwar arm, aber so grundehrlich, daß jeder unrechtmäßig erworbene Häller sein Gewissen drücken würde. Da rief der Engländer den ehrlichen Mann bey Seite, und überreichte ihm 4000 Franken, das ist nach unserem Gelde die große Summe von ,553 fl. 20 kr. Metall-Münze, indem er beyfügte, daß man die Ehrlichkeit bey einem dürftigen Manne nicht reichlich genug belohnen konnte. Warum? das werden meine lieben Leser selbst errathen. Der arme Mann wollte sich weigern, das Geschenk anzunehmen, es half nichts; er wollte danken, das konnte er nicht; denn der Engländer entfernte sich schnell, mit der Bitte, seinen Nahmen niemanden zu nennen, wenn er von seiner Gabe spräche. — 116— Wie Gott oft das Übel zum Guten wendet. Ein Kaufmann reisete zur Messe nach Frankfurt. Er hatte zum Einkaufe der Waaren eine große Summe Geldes bey sich. Gegen Abend wurde er in der Nähe eines Waldes, durch den der Weg führte, von einem schrecklichen Ungewitter überfallen. Der Kaufmann war zu Pferd, der Regen fiel in Strömen, ein kalter Sturmwind brausete. Der arme Reisende wurde ganz durchnäßt, bekam einen Fieberschauer und ein Bauchgrimmen, daß er sich kaum auf dem Pferde erhalten konnte. Er kehrte eilig um, ritt in das nächste Dorf zurück, legte si-b im Gasthofe zu Bette, und pflegte seiner. Der Kaufmann war über diese Unpäßlichkeit sehr betroffen, und sie ängstigte ihn um so mehr, da er zu rechter Zeit in Frankfurt nicht eintreffen konnte, wo er Zahlungen am bestimmten Tage zu leisten hatte.,.,.. Der Kaufmann war aber ein frommer und got- tesfürchtiger Mann, der sich nicht gegen die Fügungen Gottes zu murren aetrauete, weil er wußte, daß dem Menschen kein Haar auf dem Hauvte ohne Zulassung Gottes gekrümmct wird, und daß alles, was in der Welt geschieht, durch Gottes weise Lei- —„7— tung gut geschieht. Ein Hollunder- Thee/ den der Kranke nahm, und der seinen Schweiß beförderte, stellte ihn wieder her, so daß er am folgenden Nachmittage seinen Weg bey schönem Wetter wieder fortsetzen konnte. Als er abreisen wollte/ trat ein alter Bettler in den Gasthc«-'/ und sprach den Kaufmann um ein Almosen an/ das er auch reichlich erhielt. Er hörte von der Unpäßlichkeit spreche«/ welche den Kaufmann gestern»«vermuthet befallen hatte. Da sagte der Bettler: „Wie glücklich sind Sie/ daß Sie auf dem Wege vor dem Walde krank geworden sind. Eine ganze Bande Räuber, welche früher ausgeforscht hatte, daß. Sie viel Geld bey sich führten, lauerte auf Sie im Walde, um Sie in der Dämmerung zu plündern, und vielleicht bey tapferer Gegenwehr Sie gar zu ermorden. Ich habe das Gespräch dieser Räuber belauscht, als ich mich wegen des heftigen Regens in einem hohlen Baume verborgen hatte." Da erhob der Kaufmann seinen Blick dankend gen Himmel, faltete die Hände, und sprach mit Rührung: „Göttlicher Vater, wie weise und gütig sind deine Fügungen! Du hast mich nun auf's neue überzeugt, daß nichts ohne deinen göttlichen Willen geschieht, und daß alles, was du thust, wohlgethan ist!' Der Kaufmann nahm dann ein Sicherheitsgelette, und kam wohlbehalten in Frankfurt an- Inh a l t. Seite' Jacob, der Tirolerjunge........ i Gerechtigkeitssinn und Dankbarkeit.... ig Seltene Ehrlichkeit Der Doppelgänger Zo Das todte Meer 33 Mumien--- 2? Wie der liebe Gott die verborgene schlechte That bekannt werden läßt.- 42 Wiedervergeltung 43 Gedemüthigter Stolz 4? Menschenliebe und Dankbarkeit..... 5« Bruderliebe und Entschlossenheit 67 Angestrengter Fleiß überwindet alles... 7* Das alte Kirchenjahr 80 Kindliche Liebe 90 Dem Verdienste gebührt der Lohn.... 93 Was du findest gib zurück"2 Wie Gott oft das Übel zum Guten wendet.."6 . -