Wiener biack-öiblioitiek. 1V837 X Beschreibung deS Denkmahles, welches in der gothischen Kirche der E. E V.B. des Augustiner Barfüßer Ordens zu Wien Ihrer königl. Hoheit der Erzherzoginn Maria Christin a, auf Befehl Sr. königl. Hoheit, Herzogs Albert zu Sachsen- Teschen durch den berühmten Bildhauer Herrn Anton Canova im Dekoder-L-L errichlet worden ist. 7 Wien, bey Anton Strauß,-8«L- . V'. - <-.-L^ ' L:> -,L-Ä- Beschreibung des Ihrer königs. Hoheit Maria Christin«, Erzherzogin» zu Oesterreich, errichteten Denkmahles. Ein Denkmahl, welches dem Ge dachtmsse einer durch ihre Geburt und durch ihre vorzüglichsten Tugenden erhabensten Fürstinn errichtet werden sollte, mußte Da»- A 2 n- erhaftigkeit, Erhabenheit, und Edelmuth vereinigen. Särge, Aschenkrüge, Begräb- niß-Säulen, und Pfeiler mit Statuen, oder mit erhabener Bildhauerarbeit verzieret, sind schon so oft angewandt worden, daß sie mit besonderer Schönheit, mit ausnehmender Zierlichkeit einer Meisterhand ausgeführet werden müssen, wenn sie den Geschmack der Kenner befriedigen sollen. Das Denkmahl des Ritter Emo zu Venedig, die prächtigen und wirklich mit einem erhabenen Geiste ausgeführten Grabmähler Clemens des xm., und Clemens des Xl V. erschöpfen fast Alles, was je 5 Die Kunst in diesem Fache geleistet hatte. Es blieb daher dem großen Künstler nichts übrig, als einen ganz anderen Weg einzuschlagen, wollte er änderst nicht ein bloßer Nachahmer bleiben. Die Grabhöh- len, in welche Hebräer, Aegyptier, Hetrurier, Griechen, Lateiner und Römer in den ersten Zeiten ihre Todten beysetzten, waren mehr überraschende, als schöne Gegenstände, die sich mit jener Zierlichkeit der Bilder nicht zusammen reimen ließen, die so ein Denkmahl erfordert. Eben so schickten sich die von den Griechen ihren verstorbenen Helden erbauten Tempel nicht zu den geläuterten Begriffen unserer heiligen Religion. 6 Am wenigsten aber taugten die Grabhügel und Steinmassen unserer deutschen Vorfahren in christliche Kirchen. Eben so konnten zwar die Grabmähler unserer ersten Christen, und die Sinnbilder in den Katakomben— Adam und Eva nach ihrem Falle unter dem Baume; Noe, der aus dem Schnabel der Taube den Oehlzweig höhlt; Abraham, der seinen Sohn Jsaak opfern will: Moses, der die Quelle zur Labniß seines Volkes dem Felsen entlocket; der Prophet Jonas, der vom Wallfische verschlungen wird; eben dieser Prophet unter dem Feigenbäume; die Anbethung unseres Hei- 7 landes durch die Weisen; die Vervielfältigung der Brode— das Gemüth eines guten Christen zur wahren Andacht erheben; aber den Künstler konnten solche Gegenstände nicht zu ungewöhnlichen und erhabenen Gedanken hinreisten, und seine Einbildungskraft entflammen; weil sie uns nur die Ungerechtigkeit der Verfolger wider die Bekenner des Christenthums mit blutigem Pinsel gemah- let und aufgezeichnet haben. Der Künstler, der ein Denkmahl erfinden wollte, welches einer Maria Christina,-er Tochter eines Kaisers, der Enkelinn so vieler Kaiser, der Schwester und 8 Base von Kaisern, würdig seyn sollte, mußte sich ein Vorbild unter einem der uns bekannten ältesten Volker wählen, welches die größte Verehrung gegen seine Todten hagte, und die Asche seiner Könige unter dem colossalischen Bilde der Ewigkeit aufbewahrte; mit einem Worte, er mußte die ägyptische Pyramide wählen. Die Aegyptier lehrten, die Pal- läste ihrer Könige seyen nur Gasthäuser, in welchen ihre Könige nur die kurze Zeit ihres Lebens wohnen könnten; aber ihre Grabstätte seyen ihr ordentlicher und beständiger Wohnort. Sie fanden, daß die Pyramiden sich unverän- 9 dert erhielten,«ahmen diese für ein Symbol der Ewigkeit an, welches dem Alles zerstörenden Zahn der Zeit widerstehen sollte; deßwegen errichten sie die Pyramiden von einer außerordentlichen Höhe, die sich bis heut zu Tage unerschüttert erhalten haben. Dieß Sinnbild wählte der Künstler, ein Sinnbild, welches sich mit unserer reinen Glaubenslehre verträgt, und nichts vom Heidenthume an sich hat. Der Hintergrund des Bildes war also erfunden; nun mußte dieser durch eine anpassende Compo- ßtion ausgezieret werden. Ein christliches Grabmahl soll uns den Menschen und sein künft tiges Schicksal vorstellen. Es soll uns die schrecklichen Bilder des Todes und der Schwachheit de Menschen auf eine edle Art vor- zeichnen. Er muß die tröstliche Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, von einem zukünftigen Leben, und von der ewigen Belohnung der Tugenden auf eine nicht zwey- deutige Art versümlichen. Aber nebst diesem muß er der Lobredner des Verblichenen seyn, und uns zu verstehen geben, daß dessen Seele sich unter den seligenAuserwählten befinde. Dem Bildhauer bleibet zur Vorstellung alles dessen nur die Allegorie. Das Feld der Allegorie n ist sehr weitläuftig,sie schöpfet aus der ganzen Natur, aus der Götterlehre, aus den Künsten und Wissenschaften aller Völker zu allen Zeiten. Bey dieser unversiegbaren Quelle hat sie aber auch für einen Künstler sehr gefährliche Klippen; weil sie die Wahrheit unter einem Schleyer verbirgt, und die Wahl dadurch sehr schwankend wird. Eine Wahl glücklicher, gelehrter und deutlicher Symbole vervollkommnet die Allegorie noch nicht. Man fordert nebst diesem Allen, daß der Künstler damit auch die Schönheit der Formen der gewählten Bilder verbinde, Richtigkeit der Umrisse, von allen Seiten betrachtet, eine meisterhafte Aus- sührung selbst der kleinsten Theile, Uebereinstimmung des Ganzen zu allen Theilen, und ein richtiges Verhältniß aller Theile zum Ganzen sind das Anlockende, welches selbst Nichtgelehrte zur Bewunderung eines Meisterwerkes Hinreisset. Nun wollen wir sehen, ob das Denkmahl in der Kirche der E. E. V. V. Augustiner diesen Beding- Nissen ein Genügen leiste. Auf einem Zockel von carari- schem Marmor, dessen Adern weniger abschneidend sind, als jene des veilchenblauen Marmors der Alten von 2;- Wienerschuh Höhe, 22z Länge, und Breite, erhebt sich eine Pyramide von einer Höhe von beyläufig 22 Wrenerschuh. Diese ist aus mehreren, symetrisch gehauenen Stücken jenes cararischen Marmors zusammen gesetzt, aus welchen gewöhnlich architectonische Werke erbauet werden; dadurch wird der ganze Bau schön und sest. Vor der Pyramide auf dem Vor- gründe befinden sich zwey Stufen, die zu der kleinen Thüre führen, welche nach dem, in ägyptischen Werken herrschenden Style in dem Sturze enger zusammen gezogen ist, sich in der Mitte befindet, und zur Begrabniß- Kammer führet; auf dem Sturze liest man: ckMIVOI. 14 8 Höher auf dem nähmlichen Felde der Pyramide links befindet sich in halberhvbener Arbeit die Glückseligkeit, die in ihren Armen das Bildniß der Prinzessinn tragt, es ist dieß im Geschmacke der Diana von Syrakusa, der Tochter der Ceres, gezieret, und von einer sich in den Schwanz beissenden Schlange, dem Sinnbilde der Ewigkeit, bekränzt. Die Inschrift über dem Kopfe lautet: Rechts sieht man einen kleinen, sehr reihenden Schutzgeist in den Lüften, welcher der Erzherzoginn den ihren Tugenden gebührenden Palmzweig entgegen tragt. Die 'S Leichtigkeit, mit der die Glückseligkeit in den Lüften schwebt, ihre Stellung, die Bewegung ihrer Arme, die kaum geknüpften, in schönen und leichten Locken fliegenden Haare, das im Geschmacke der griechischen Künstler leicht herumfiattern- de Gewand, das um den Busen gebundene, von sanften Lüftchen bewegte Band, die ganze Stellung tauscht so natürlich, daß man wähnet, sie schwinge sich gegen den Himmel an. So wußte der erfahrne Künstler dem kalten und gefühllosen Steine Bewegung und Leichtigkeit zu geben; so stellte er einen traurigen Gegenstand auf eine fröhliche und angenehme Art vor. Nun zur rührenden Feierlichkeit, die am Eingänge in das Grabmahl vorgestellet wird. Der Eingang ist offen, ein breiter Teppich bedecket nach der Quere von der Schwelle der Thüre an die zwey Stufen zum größten Theile, und eine Ecke desselben fällt über den Vorgrund herab. Die Tugend schreitet in langsamen Schritten gegen die Begräbniß- kammer, die tiefste Trauer hat sich ihrer bemächtiget, mit ehrfurchtsvoll gesenktem Haupte trägt sie in ihren Händen die Urne, welche die kostbaren Ueberreste enthält, ihre Stirne liegt auf der Urne, von der zwey Blumengehänge herab hangen, die bey ihren Enden -7 zwey kleine Mädchen in ihre Arme aufnehmen, und in der heiligsten Geistesversammlung die Tugend in ihrer Mitte, als in die heiligen Geheimnisse Eingeweihte, barfüßig begleiten, und zu Ehren des Aschen- kruges jede eine Trauerfackel tragen, mit der sie das Innere dieses Denkmahles beleuchten wollen. Die Tugend in der edelsten Gestalt bat sehr einfache, aber ausdrucksvolle Gesi'chtszüge, so wie solche eine Polymnia oder Mem- nosine haben soll. Ihre natürlich auf den Schultern zerstreuten Haare sind mit einer goldenen Krone von Lorberzweigen bekränzet. Sie ist in eine lange reichfaltige Tunica B gekleidet, die Geradheit dieser Falten deutet auf die Weiße ihrer Kleidung, in der uns die Alten immer die Tugend vorgestellet Haben. Von ihren Schultern hanget ein prächtiger Mantel herab, der fast ihren ganzen Hinteren Theil bedecket, von da sich unter dem Arm faltet, und so ihr dienet, das Aschengefaß noch feyerlicher zu halten. Dadurch entstehen neue Falten, die durch den Contrast ihrer leichten und breiten Falten, mit den engen feinen Falten der Tunica eine sehr schöne Wirkung machen. Die Ecken des Mantels zeigen unter den Armen die reihenden Kanten, indessen die über die linke Schulter geworfenen Ecken sich gegen den Rücken zu vereinigen, und mit ähnlichen Kanten einen edlen und anftandsvollen Faltenwurf zeigen. Es ist schade, daß man diese schöne Figur nicht von allen Ge-- sichtspuncten besehen kann, und eben so mit dem kleinen niedlichen Mädchen, welches zur rechten Seite der Tugend vortritt. Sie ist im Begriffe mit dem linken Fuße über die Schwelle in das Grabmahl zu schreiten, auf der sie schon stehet. Sie bieget ihren Leib etwas zurück, wie ein Kind, welches sich fürchtet in einen finsteren Ort, vorzüglich in ein Grabmahl zu gehen. Um desto sicherer hineinschreiten zu kön- B 2 20 uen, ziehet sie die brennende Fackel an sich. Sie hat edle und zärtliche Gesichtszüge. Ihre losen Haa- re flattern in symetrischen Massen auf ihren Rücken. Sie hat ein in etwas gefaltetes Kleid ohneAermel, auf der Seite offen. Sie tragt ein Mäntelchen, ungefähr wie die griechische Nemesis, oder wie wir sie auf hetrurischen Gefäßen sehem Dieß Mäntelchen reichet nur auf den halben Leib, und hat eine einzige Oeffnung, durch welche der linke Arm kann. Nach dem ältesten Gebrauche hat er keine Spange, und die ausgezeichneten Kanten entwickeln die einfachsten und zartesten Theile. Der Faltenwurf dieser kleinen Figur zeuget von der großen Erfahrung und Überlegung des Künstlers. Das zweyte Mädchen- die sich links neben der Tugend befindet, und deren Kleid sich mit dem unteren Theile jener des Mädchens verbindet, schreitet im feyerlichften Ernste vor, hänget ihr zartes und trauriges Gesicht auf die Brust, und ihre zarten Händchen, mit denen sie die brennende Fackel gegen die linke Schulter erhebet, drücken den anderen Theil des Blumen- gehänges, welches vom Aschenkru- ge herab hanget, an ihre Brust, und läßt davon das Ende über den linken Arm bis an ihr Knie herab fallen. Der Ausdruck dieser Stet- 22 lung übersteiget alle Beschreibung. Ihr Haarputz und ihre Kleidung ist die nähmliche, wie jene des andern Mädchens. Die Hände und Füße der beyden Mädchen sind von den schönsten und vollkommensten Formen im feinsten und erhabensten Style. Die Gruppe dieser drey Figuren stellet die betrübte Feyerlich- keit vor, mit welcher die Aschen der Verstorbenen in ihre Grabmähler übertragen wurden. Der Schwung der Blumenkränze, der unter ihren Füßen ausgebreitete Teppich, dessen einzige Falten sich dieser Gruppe nähern, verbinden Alles mit vorzüglicher Kunst. Nun folget eine andere nicht minder wichtige Gruppe, die vielleicht noch rührender und ausdrucksvoller ist, und der Tugend im feyerlichen Zuge nachfolgt. Etwas hinter dieser auf der untersten Stufe auf dem nähmlichen Teppiche schreitet mit dem linken Fuße das Mitleiden, oder die Wohlthätigkeit in tiefster Traurigkeit vor. Einfach in allen ihren Bewegungen neiget sie ihr Haupt in etwas gegen die Grabstätte, mit in das Kreutz unter ihren Busen gelegten Armen reicht sie noch ihre rechte Hand einem alten, armen Blinden, der sich auf einem Knotenstock, Mit der anderen Hand stützend, nachschleppet. Dieser Unglückliche hat seinen rechten Fuß auf dem Vor- grunde der Pyramide, indeß er auf der linken Seite von einem kleinen, -4 ungefähr fünfjährigen Mädchen mir gefalteten Händen, hinter der Wohlthätigkeit begleitet wird. Durch diese Gruppe drückte der Künstler die Wohlthätigkeit, die ausgezeichnetste Tugend der verstorbenen Wohlthäterinn, aus, und die Wahrheit dieses Ausdruckes ist zu groß, daß nur ein Unempfindlicher solchen ungerührt ansehen kann. Die Wohlthätigkeit ist in eine leichte Tunica von sehr feinem Sto- fe, ohne Aermel, aus zwey viereckigen Stücken verfertigt, gekleidet, die auf den Schultern sich in reiche Falten leget. Ueber die linke Schulter hat sie ein Ech ihres Mantels ohne allen Zwang, und wahrhaft nach der Natur in breiten Par- 2Z thien mit gut geordneten Kanten, geworfen. Die wohlgewählten Falten versammeln sich unter dem Arme in einem Buge, aus dem sie gegen die Mitte der Figur fallen, der Mantel wird von den Figuren an der linken Hand mit Leichtigkeit gehalten. Ihr Gesicht zeiget See- len-Adel und Anstand. Ein Band in der Gestalt einer Binde schlinget sich zierlich dreymahl durch die Haare, und vom Scheitel fallen einige sehr zierliche Locken herab, die dem Ganzen ein noch reißenderes Ansehen geben. Der linke Arm ist durch den Mantel bedeckt, der rechte ist bloß, und von der vortrefflichsten Form. Die Hände und Füße sind mit jenem Fleiße und Wahrheit aus- 26 gearbeitet, mit dem sich Künstler Canova in allen seinen Werken ausgezeichnet hat. Der arme Blinde schließet den feyerlichen Einzug ohne Unterbrechung in einer Querlinie, durch die Beugung seines Körpers. Dieser seines Augenlichtes beraubte Arme scheinet über die sechzig Jahre zu seyn, aber die Umrisse feines Körpers sind nicht unedel, und vollkommen einer Person angemessen, die durch unglückliche Zufalle und noch mehr durch die Blindheit in die größte Armuth verfallen ist. Dadurch hat der Künstler bewiesen, daß er die schönen Formen eines jeden Alters zu wählen versteht. Er steiget tappend die Stufe auf, wie dieß jedem Blinden eigen ist. Er erhebt das Haupt gegen den Eingang, wohin man ihn leitet, sein Angesicht drückt seinen lebhaftesten Schmerz über den Verlust seiner liebenswürdigsten Wohlthäterinn aus, und damit er ihrer Asche ein ehrenvolles Opfer darreiche, hält er mit der linken Hand (mit der er sich auf den Arm der Wohlthätigkeit stützet) ein Blumen- gehange, dessen anderes Ende über den Arm des kleinen Kindes geschlagen ist. Seine Kleidung ist, wie der alten Helden ihre, ein Stück auf der linken Schulter ruhendes Tuch mit einer Oeffnung, durch welche der Arm gegeben wird. Seine Rechte ist frey und hervorragend, 28 so daß seine Seite ganz bloß zu sehen ist. Um die Lenden ist ein grober wollener Schurz mit einem Gürtel gebunden, der die Schenkel bis etwas ober den Knie bedeckt, und wenige aber breite und zierliche Falten wirft. Das kleine Mädchen, welches sich an ihn anschließt, und ihn aufrecht erhalten muß, wirklich zu einer Stütze für seine linke .Hüfte im Aufsteigen der Stufe dienet, neiget ihr Haupt in etwas gegen ihren Busen, und gegen ihre zusammen gefalteten Hände. Ihre sanfte Gestalt stimmt mit ihrer Handlung überein. Ihre Haare sind auf dem Hinterhaupts zusammen gebunden, und Sie ist durch ein unter der Brust gebundenes Kleid bedeckt, welches bis auf die Erde herabfällt, und die Arme und Schultern bloß laßt. Dieses macht mit dem Alten einen sehr klugen 29 Contrast. Auch diese Gruppe wird mit der ersten durch den Teppich mit seinen wohlgeordneten und schön geschwungenen Falten, und durch ein auf die Erde geworfenes Vlumengehange so verbunden; daß daraus eine richtige Einheit entstehet. Nun folgt die dritte Gruppe: Auf der rechten Seite des Denkmahles, der Linken von der Thüre, liegt ein auf seine Vorderfüße traurig ausgestreckter Löwe mit der Lage gegen den Eingang des Grabmahles, als wollte er der getreue Wachter desselben, und des an die Pyramide gelehnten Wappenschildes seiner abgeschiedenen Freundinn seyn. Auf der unteren Stuffe sitzt ein geflügelter Genius, der seinen Ueber- rock auf den Löwen gelegt zu haben scheinet, und sich, vom Schmerze abgemattet, auf dasselbe mit dem Haupte leget, seinen gebogenen Arm halt er auf der Mähne des Löwens, der andere Arm hänget über die rechte Hüfte, und strecket die Hand gegen das Wappenschild Sr. königl. Hoheit von Sachsen-Teschen aus. Das rechte Bein ruhet mit dem Fuße auf dem Vorgrunde, und bedeckt mit dem Buge des Knie's einen Theil des Wappenschildes. Das Oberkleid, welches seinen Unterleib und die Halste der Hüfte bedeckt, entwickelt sich auf der ersten Stufe in sehr schöne Theile von Falten, und dadurch ist verhindert worden, daß ein bloßer Leib nicht auf einen scharfen Winkel der Stufe aufliegen müsse. Der Löwe soll die Seelengröße der erhabenen Prinzessinn bedeuten, der Genius die Zärtlichkeit, und Empfindsamkeit ihres herzog- 3* lichen Gemahles, der sich liebevoll in die Arme des Muthes wirft, um darin eine Linderung seines Schmerzes über die ihm durch den Tod geraubte so liebenswürdige Gemahlinn in dem Augenblicke zu finden, wo ihre theure Asche in dem Grabmahle beygesetzt wird. Der Ausdruck des Schmerzes im Genius ist wahr. Die Form aller seiner Glieder vom Kopfe bis auf die äußerste Spitze seiner Füße von der vollkommensten Schönheit, und durchaus richtig. Mit einem Worte! Im Genius bewundern wir den edelsten Anstand eines schonen Jünglings, in der Tugend die Würde und Erhabenheit erner vornehmen Frau, in den Mädchen, die sie begleiten, die blühende Jugend; in der Wohlthätigkeit eine junge Person in der Epoche ihrer größten Schönheit; im armen Blinden dre schönen Umrisse des Mannes, wenn er sich dem Alter nähert; im kleinen Kinde, die zärtliche Zuneigung, die sich so schwer durch den Meissel ausdrücken läßt; in der halberhabenen Arbeit, die Reiße eines Kindes im kleinen Genius, in der Glückseligkeit, den Frühling der Jugend. Dieß ist das Meisterstück, mit welchem die Freygebigkeit und Liebe zu den freyen Künsten, ein Selbstkenner und großer Meister, Se. königl. Hoheit zu Sachsen- Teschen unsre Stadt bereichert hat; welches von allem bewundert werden wird, die hierher reisen werden, um zu sehen. : G - M M --