Wiener Stadt- und Landesbibliothek 10581 A f k J t f Wiener Stadt - Bibliothek. F R O EH L I C H E THEILNAHME der WAISENKINDER AN DEM FEYERLICHEN EINZÜGE S R MAJESTAET des KAISERS VON OESTERREICH IN SEINE RESIDENZ, AM XVI. JUNIUS MDCCCXIV. EIN GEDICHT VON ANTON PASSY. A* ■p ■viiffc W I E N, —■ — Hic magnos potius triumphos, Hie am es dici Pater afque Princeps, Horat. L. i, Od, D ie Waisenkinder sah mit Lorberzweigen Ich neulich stehn am stolzen Isterstrom. Sie sangen: „Friede stiften, Feinden zeigen, Wie Liebe herrscht; demuthig, herzlich, fromm, Zu den Verlassenen herab sich neigen; Das war, das ist des Kaisers Streben.— Komm, O Vater, bald! — Geh träge Zeit geschwinder!“ So riefen ihren Herrn die Waisenkinder. Darauf ein Knabe sprach: „Aus fernen Weiten Ertönt ein Ruf: Er kommt, der uns beglückt. Siegreich, mit blanken Helmen, vor Ihm schreiten Zwey Friedensengel, kriegrisch aufgeschmückt, Die Treue, die Gerechtigkeit begleiten Ihn zu dem Ruhezeit, das hochentzückt Die Dankbarkeit dem Herrscher aufgeschlagen. O könnt’ ich dahin dringen, und Ihm sagen : Herr! welchen Tempel hast Du Dir errichtet In unsrer Brust; wie Grofses ist geschehn; Wie viele Wonne seh’ ich aufgeschichtet Auf diesen Tag; o welch ein Fest begehn Wir heut! Der Streit Europa’s ist geschlichtet; O welch Ereignifs , welch ein Wiedersehn Ist das ! Du stehst ein Schirmer deutscher Ehre In Mitte Deiner ruhmbedeckten Heere. Entzücken, Jubel grüfst aus allen Mienen Dich Tag der Tage, selbst den Engeln werth. Wie freundlich aber bist Du mir erschienen, Der, Vater, sagen darf zu Ihm — nun ehrt Die Welt Dich, einem Volke treu zu dienen, Wie Du gethan , auch unser Herz begehrt. Nun blüht recht alles Streben unsrer Jugend Im Glanz auf, Deiner Kraft und Deiner Tugend. Da sieh mit Glück und Ruhm des Himmels Walten In diesen letzten Tagen eng verband, Wie schön, wie herrlich, wirst Du nun entfalten Dich Österreich, mein theures Vaterland, Und jedes Volk, das noch in klugen, kalten Weltplanen nicht die rechte Ruhe fand, Wird jene Wahrheit nun im Licht erkennen: Nur wer durch Liebe lenkt, ist grofs zu nennen. -5 <•(-*- ff Auf diesen Felsengrund sahn wir Dick bauen Die befsre Zeit, o Herr, und Du bist grofs. Du mochtest Deutschland nicht in Fesseln schauen Und sprengtest sie. — Heut in des Volkes Schoos Kehrst Du zurück, und alsbald mit Vertrauen Gott übergibst Du, der Befreyten Loos. „„Du ew’ge Liebe, die den Feind geschlagen, Wie dank ich Dir!““ hör ich Dich bethend sagen. i-:fr O was an diesem schonen Liebesfeste Könnt ich vom Himmel Gröfs’res mir erbitten, Als recht in Mitte Österreichs, das Beste Kühn zu beschirmen einst; für deutsche Sitten, Für die man euch begraben, heil’ge Reste Der Männer, die für Freyheit sterbend stritten, Mit meinem Herrn Verdienste zu erwerben, Für’s Vaterland zu leben und zu sterben. Das wünsch’ ich heut, das ist es, was vor Allen Der Österreicher Herzen heut bewegt; Vergib, vergib, solch vaterländisch Lallen Du Guter, dessen Lieb’ uns fromm verpflegt. Nun recht nach Gottes Winken stehn und fallen Die Völker, wird gar ernsthaft angeregt Der leicht’ste Sinn. Doch sänken alle Staaten, Nie sinkt das Werk gerechter Heldenthaten. Nie ungestraft Iüftt Wahres sich verhöhnen, Das Rechte mnfs durch alle Bande dringen ! So sprach das Kind, mit Wünschen Ihn zu krönen Nach Kraft den Herrn und Kaiser zu besingen. Da hört’ es festlich die Trompeten tönen, Herr Gott Dich loben wir, die Völker singen, Und rief die Andern, welche niedersanken Und betheten voll heiliger Gedanken: „Gott! sieh die Völker Freudenthränen weinen, Und schirme selbst sie auf der neuen Bahn. Was Franz der Vater Einem von uns Kleinen Gar christlich that, hat er ja Dir gethan. So lafs’ uns lang die Friedenssonne scheinen. “ •Sie sprachen’s —- aber, als sie Franzen sahn, Den Öhlzweig tragend, vom Gebethe kommen — „Heil! riefen sie —Heil, dreyrnahi Heil dem Frommen .-ir'■ &J&*' ■fe».