M . » »M.^ Wiener Ztacli-kibüotiiek. 10723 --- 1" — Festbüchlein zur dritten äcular- erer der Drdettsstiftung der E. E. Arsuliner-Klosterfrauen, durch die heilige Jungfrau Angela Merici im Jahre 1537. tlon einem tveltprieste». Wien. Druck und Verlag der P. P. Mechitansten-Congregations- Buchhandlung. Gott! sei mir Sünder gnädig! Luc. 18, 13. Heute ist diesem Hause Heil widerfakren- Luc. 19, 9. Diese ist eine weise Jungfrau, welche der Herr wachend gefunden hat. Antiphon aus den kirchlichen Tagzeitcn. Historischer Vorbericht Einleitung. Eines der merkwürdigsten Jahrhunderte in der christlichen Kirchengerichte ist unstreitig das sechzehnte, welches, so wie es Abfall vom Glauben und gewaltsame Eingriffe in die seit Jahrhunderten bestandene Kirchenzucht mit sich führte: zu gleicher Zeit großartige Institute ins Leben rief, welche die Verkündigung und Aufrechthaltung der apostolischen Lehre, so wie die Erhaltung und Feststellung echt christlicher Sitte und heiliger Liebe beabsichtigtem Was der Norden in dieser Beziehung verbrach, suchte der Süden zu ersetzen; an die Stelle eines verlöschenden Lichtes gingen hellflammende Gestirne am Horizonte des christlichen Himmels auf; wo Hoffart, Selbstsucht, Sinnlichkeit zerstörend eingriff, baute De- 4 Muth, Selbstverläugnung, Liebe, neue Stützpfeiler an dem Gebäude der heiligen, katholischen Kirche. Der große Jgnatius von Loyola mit seinen rüstigen Streitern für die Ehre des Hauses Gottes, der liebereiche Johann v. Gott mit seinen den Werken der Barmherzigkeit geweihten Brädern, die demuthvolle Jungfrau Angela mit ihren um den Unterricht der Kleinen emsig besorgten Töchtern, gehören diesem Jahrhunderte an, und sie haben erfahren die Wahrheit des Wortes: Sehet ich bin bei euch alle Tage. Match. 28. 20. Denn wenn Jesus verheißen hat: Wo zwei oder drei versammelt sind meinem Namen, da bin ich mitten untev ihnen: Match. 18-20. so ist Er gewiß inmitten einer Gesellschaft Gott liebender Seelen, die Vater und Muter Bruder und Schwester, Haus'>, d Acker um seines Namens Wi en verlassen haben, Match. 19. 29. die 5 daher mit dem Apostelfürsten Petrus sagen können: Siehe wir haben alles verlassen, und sind dir nachgefolgt. B. 27. Diesen Beistand, diese Nähe Jesu Christi verkündet uns jene erhabene Feierlichkeit, welche die Gesellschaft der EE. Urstüiner- Klosterfrauen in diesem Jahre aller Orten festlich begeht, indem sie mit dankerfülltem Herzen das Andenken an ihre Begründung durch die heilige Jungfrau Angela, im Jahre 1537, also das dritte Sacular-Fest ihres Ordens feiern. Sr. päpstliche Heiligkeit, der glorreich regierende Papst Gregor - XVI. haben sich aus diesem Anlasse bewogen gesunden, sowohl den Klosterfrauen dieses Ordens, wie auch den andern Christgläubigen beiderlei Geschlechtes einen vollkommenen Ablaß zu ertheilen, wenn sie an dem von dem betreffenden Ordinariate für diese Festlichkeit zu bestimmenden Lage l.- wahrhaft Buße wirken, die heiligen Sa- 6 kramente der Buße und des Altares reu- niüthig empfangen, die Kirche der genannten Klosterfrauen andächtig besuchen, und daselbst für die Einigkeit der christlichen Fürsten, Ausrottung der Ketzereien, und Erhöhung der heiligen Mutter, der Kirche, fromme Gebete zu Gott richten. Der, von Sr. Fürstlichen Gnaden, dem Hochwürdigsten Herrn Fürsterzbischof von Wien,Vincenz Eduard, für seine Erz- diöcese hiezu bestimmte Tag ist der 26. des Novembers, an welchem Tage das Hochwürdigste Sakrament des Altares von 7 Uhr früh bis. 7 Uhr Abends in der Klosterkirche der EE. Ursulinerinnen zur Anbetung ausgesetzt bleibt. Als Vorfeier zu dieser hochfestlichen Andacht wird in genannter Kirche von Mittwoch den 22. bis Sonnabend den 25. November das vierzigstündige Gebet abgehalten. Am 1. Tage des äOstündigen Gebetes, den 22. November, ist um halb 10 Uhr 7 eine Predigt, um halb 11 Uhr ein feierliches Hochamt. Am 25. November, d. i. am Vortage der Säcular- Feier, ist um^ Uhr Abends eine feierliche Vesper, um halb 6 Uhr die Litanei mit dem heiligen Segen. Am 26. November, dem eigentlichen Säcular- Feste und Ablaßtage, wird um 7 Uhr früh das hochwürdigste Altarssakra- ment zur Anbetung ausgesetzt; um halb 10 Uhr ist die Predigt, um halb 11 Uhr ein feierliches Hochamt. Abends um-1 Uhr ist eine feierliche Vesper, um 5 Uhr eine Dankpredigt, nach welcher die Litanei und der Ambrosianische Lobgesang:»Großer Gott! wir loben Dich!« angestimmt, und zuletzt diese festliche Andacht mit dem heil. Segen beschlossen wird. Wir fügen einen Auszug aus dem Leben der heiligen Jungfrau und Ordensstifterinn Angela bei, welchem einige Notizen über die Einführung der Urfulinerinnen und ihr 8 Bestehen in unsrer Kaiserstadt folgen, und bitten die Gläubigen, welchen diese wenigen Zeilen in die Hände kommen, sie nicht als eine Geschichte des Lebens der heiligen Angela und ihres weitverbreiteten Ordens ansehen zu wollen, da es bei Abfassung dieses Schriftchens keineswegs die Absicht des Herausgebers seyn konnte, eine umfassende Geschichte zu schreiben. Ebenso werden dem gläubigen Volke die angeschlossenen Andachtsübungen, größtenteils aus bewährten Gebetbüchern gesammelt, nur als Ergänzungen dargeboten, welche unmittelbar auf das vorhabende Fest Bezug nehmen. K. Jugend und Berufung der heil. Mngela. ^^ie heilige Jungfrau, welcher der Orden der Ursulinerinnen sein Entstehen verdankt, stammt aus Desenzano, einer unbedeutenden Stadt im Gebiethe von Brescia, wo sie im Jahre 1474 das Licht der Welt erblickte, und in der heiligen Taufe den Namen: Angela(Engel) erhielt. Von gottesfürchtigen Eltern frühzeitig zum Gebete und zur Lefung geistlicher Bücher angehalten, fand sie daran eine solche Freude, daß sie in zarter Kindheit schon oft mit ihrer Schwester zur Nachtzeit aufstand, um ungestört zu beten, und nach dem Beispiele der Heiligen, deren Leben ihr beständig vor Augen schwebte, in Entbehrungen und Bußübungen aller Art sich übte. Als sie dreizehn Jahre alt geworden war, empfing sie zum ersten Male die heilige Communion, und von dieser Zeit an verlangte sie nach keiner andern Speise, als nach dem Brote der Engel, und wenn sie auch nicht täglich dasselbe genießen konnte, so war doch die Inbrunst, mit welcher sie alle Tage dem heiligen Meßopfer beiwohnte, und dabei geistlicher Weise kommunicirte, so groß, daß sie dadurch eben die Gnaden em- 10 psing, als wenn sie leiblicher Weise Jesum Christum empfangen hätte. Bald verlor sie ihren Vater und ihre ältere Schwester und im sechzehnten Jahre auch ihre Mutter. Der Schmerz über so große Verluste konnte nur durch jene vollkommene Unterwerfung in den göttlichen Willen gemildert werden, nach welcher sie in Allem, was ihr begegnete, die weiseste Unordnung Gottes erkannte, und mit der Heiligsten aller Jungfrauen sprach: Siehe ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach Deinem Worte! Luc. 1, 38. Um ihrem Heilande und Erlöser einzig anzu. gehören, flüchtete sie mit ihrem Bruder aus dem Hause ihres mütterlichen Oheims in Salo, der sie nach dem Tode ihrer Eltern zu sich aufgenommen hatte: um in irgend einer Wüstenei den heiligen Einsiedlern gleich zu leben, wurde aber bald von ihrem Oheime eingeholt; ließ sich eines Besseren belehren, und lebte in seinem Hause, ihrem Na- 11 men getreu, ein wahrhaft englisches Leben. Es war in ihrem zwei und zwanzigsten Lebensjahre, als sie nach dem Tode ihres Bruders, nach Desenzano zurückgekehrt, einer Erscheinung gewürdigt ward, in der sie ihre künftige Bestimmung erkennen sollte. Diese Erscheinung wird von allen Geschichtschreibern einstimmig also erzählet: Angela ging zur Erntezeit mit einigen Fräulein auf das Feld. Während diese das Abendbrot aßen, trennte sie sich von ihnen, und begab sich hinter einen Weinstock am Platze Brudazzo in der Nähe der Hauptstrasse zwischen Salo und Desenzano. Hier von den Blättern des Weinstockes gedeckt, überließ sie sich ganz dem Dränge ihrer Andacht, und bat Gott, daß er ihr den sichersten Weg zeigen wolle, um zum Ziele der Seligkeit zu gelangen, und auch die tauglichsten Mittel eröffnen möge, auf der rechten Bahn der Lugend und Gottseligkeit vorwärts zu schreiten. Als sie im brünstigen Gebete mit Seufzen und Thränen versunken war, sieh! da öffnete sich vor ihren Augen der Himmel, und sie sah, von der Höhe des Himmels bis auf den Platz herab, wo sie war, oine Leiter, auf welcher eine glänzende Schaar von Jungfrauen hernieder stieg. Sie waren alle kostbar gekleidet und mit einem königlichen Diadem gekrönt; sie kamen in würdevoller und majestätischer Ordnung herab, sangen heilige Lieder mit hinreißender Anmuth, indem ihnen eine zahlreiche Schaar Engel beistimmte, welche mit harmonischen Instrumenten die Jungfrauen begleiteten, und in Wechselgesängen mit ihnen das Lob Gottes verkündeten. Angela erstaunte, und war vor Freude außer sich, als sich die auserlesene Schaar ihr nahte, sie mit Namen rief, und also zu ihr sprach:»Angela! Wisse, Gott hat diese Erscheinung dir gezeigt, um dir zu erkennen zu geben, daß du vor deinem Tode noch Stifterinn einer 13 ähnlichen Gesellschaft von Jungfrauen in Brescia seyn sollst. So ist es sein heiligster Befehl.« Als dieses geschehen war, stieg die glänzende Schaar wieder in den Himmel, und die Erscheinung verschwand. Durch eine innere Erleuchtung erkannte Angela, daß die Jungfrauen, deren Stifterinn sie seyn sollte, vorzüglich zur Erziehung und zum geistlichen Nutzen ihres Geschlechtes bestimmt seyn sollten, und sie fing mit allem ihr eigenen Eifer an, bei jeder Gelegenheit diesen großen Zweck der Liebe zu verfolgen, vor allem aber sich selbst immer mehr zu heiligen; da sie wohl wußte, daß man Andere nicht auf dem Wege der Lugend leiten könne, wenn man nicht zuerst selbst der Mahnung des göttlichen Erlösers:Seyd vollkommen, wie euer Vater imHimmel vollkommen i st!(Match. 5, 48) mit allen Kräften nachgestrebt hätte. Zu diesem Ende entschloß sich Angela in den dritten Orden des heil. Franziscus zu tre- 14 ten; sie legte mit Bewilligung ihres Beichtvaters im 23. Lebensjahre ihre weltlichen Kleider weg, zog die Kleidung der Schwe- stern des dritten Ordens des heil. Franziscus an, und befliß sich von nun an einer solchen Vollkommenheit, daß Alles, was sie zuvor um Jesu willen that, nur gering erschien ge. gen ihre jetzigen Uebungen in der Buße und der heiligen Liebe. Ä. Angela reiset nach dem gelob- ten Lande. Sie erblindet. Aufenthalt an den heiligen Orten. Auf der Rückkehr erhalt sie das Augenlicht wieder. e^Hn wessen Herzen brennt das Feuer der göttlichen Liebe, und ersehnte sich nicht, jenen heiligen Orten zu nahen, an welchen das menschgewordene Wort, Jesus Christus, Seine unendliche Liebe offenbarte durch Sein hei- 15 liges Leiden und Seinen Opfertod am Stamme des Kreuzes! Auch Angela war von gleicher Sehnsucht erfüllet, aber immer mußte sie den heißen Wunsch ihres Herzens unterdrücken, weil sich keine schickliche Gelegenheit fand, eine so große und gefahrvolle Reise zu unternehmen. Endlich im Jahre 152/s sollte das brennende Verlangen ihres Herzens erfüllet werden, da sich ihr Schwestersohn, BartholomäoBiancosi, und ein sehr gottesfürchtiger Kaufmann, Antonio de Romani, in dessen Hause sie ihre Wohnung genommen hatte, gleichfalls entschlossen hatten, das Grab des allerheiligsten Erlösers in Andacht zu besuchen. In ihrer Gesellschaft reisete sie am 26. Mai, nach Empfang des allerheiligsten Altarssacramentes, von Venedig mit dem gewöhnlichen Wallfahrtsschiffe ab, und gelangte ohne Unfall ins mittelländische Meer, wo sie auf der Insel C and ia im Hafen der Hauptstadt Ca- nea vor Anker ging. Hier aber ereignete 16 sich ein Unfall, welcher beinahe das ganze Unternehmen der frommen Pilger vereitelt hätte: Angela erblindete. Wie sehr auch ihre Begleiter hierüber bestürzt waren und auf ihre Rückkehr drangen: Angela blieb ruhig und antwortete voll der tiefsten Demuth und des standhaftesten Vertrauens: sie dürften eines so kleinen Ungemaches wegen nicht bestürzt werden: wenn sie Gott ihres Gesichtes beraubt habe, so sei das zurStrafe für ihre Sünden geschehen, welche sie unwürdig mache, so heilige Orte zu sehen. Doch, wäre ihr auch das Sehen versagt, so hoffe sie von der göttlichen Güte, daß es ihr zu ihrem geistigen Vortheile gereiche, weil sie desto weniger von äußern Eindrücken gestört und zerstreut würde, und desto besser die heiligen Geheimnisse unserer Erlösung betrachten könnte. Sie möchten daher nur ohne weitere Besorgniß die Reise fortsetzen. Auf solche Aeußerungen ließ sich nichts Gegründetes'einwenden, die Reise ward fort- 17 gesetzt unv man langte glücklich in Palästina an. Dort bezog Angela dasHospitium der ehrwürdigen P. P. Franziskaner sur fromme Pilgerinnen, in welchem einige Schwestern des dritten Ordens die Fremdlinge bedienten. Mit welcher Freude, mit welcher Ehrerbiethung, mit welchem Andachtsschauer Angela den geheiligten Boden betrat, die heiligen Orte, den Oehlberg, den Kalva- rienberg, das heilige Trab besuchte, mag eine gottliebende Seele sich bester einbilden, als es sich beschreiben läßt. Nicht zufrieden, sie einmal besucht zu haben, kehrte sie öfter dahin zurück,und man konnte deutlich sehen, wie Gott durch innerliche Erleuchtungen den Trost reichlich ersetzte, welcher ihr in der sichtbaren Beschauung dieser heiligen Orte versagt war. Oft sah man sie in himmlischen Entzückungen versunken, und Angela würde sich wohl nie mehr von diesen Umgebungen getrennt haben, wäre nicht jener Ruf Gottes an sie ihrer Seele vorgeschwebt. Mit 18 reichen Schätzen inneren.Trostes und heiliger Reliquien versehen, trat sie endlich mit ihren Begleitern den Rückweg an, und landete wieder glücklich auf Candia. Hier war es auch, wo sie, vor dem wunderthätigen Kruzisixbilde inbrünstig bethend, der Herr möge ihr, wenn es zu seiner Ehre und zu ihrem Heile gereiche, das Licht der Augen wieder schenken, erhört, und von ihrer Blindheit wieder befreit wurde. So wunderbar sich Gottes Er- barmung an unserer Heiligen bei dieser Gelegenheit zeigte, eben so wundervoll erwies er sich auch auf der weiteren Fahrt, da die Pilgrime durch ihre Fürbitte aus der Gefahr des Sturmes und der Gefangenschaft durch Raubschiffe befreit wurden. 19 :r. Fernere Schicksale der heiligen Angela bis zur Gründung ihres Drdens. ^^ls die heilige Jungfrau nach Venedig zurückgekommen war, drängte man sich von allen Seiten herbei, um diejenige zu sehen, vbn derer wunderbaren Heiligkeit schon der Ruf so viel verkündete; ja man war darauf bedacht, sie selbst in dieser Stadt zurück zu halten, indem man sie bat, die Oberaufsicht über eine der weiblichen Stiftungen anzunehmen; doch ihre hohe Bestimmung, zu welcher sie Gott in Brescia berufen hatte, nicht aus den Augen verlierend, lehnte sie demüthig jeden Antrag ab, und kehrte nach Brescia zurück, wo sie am Feste der'heiligen Katharina am 25. November 152/s eintraf, eilf Jahre früher, als die von ihr gestiftete Gesellschaft ihren Anfang nahm. Im daraus folgenden Jahre als Papst Clemens VH so das große Jubiläum in Rom verkündigen ließ, begab sich Angela nach der Hauptstadt der Christenheit, und hatte die hohe Freude, zur Audienz mit dem heiligen Vater zugelassen zu werden, welcher aus ihren Gesprächen die Unschuld, die Liebe und Weisheit erkannte, womit sie begabt war, und sie<- gleichfalls einlud, in Rom zu bleiben, und die Leitung einer frommen Anstalt Zu übernehmen. Aber auch diesem Antrage wußte sie sich mit der größten Bescheidenheit zu entziehen, und kehrte mit dem Segen des heiligen Vaters in ihr geliebtes Brescia zurück. Dort besuchte sie Franz Sforza, Herzog von Mailand, und empfahl sich und seine Anliegen ihrem Gebete. Durch die Bedrängnisse des Krieges in Brescia beunruhigt, verfügte sie sich nach Cremona, wo sie durch außerordentliche Strenge und Buß- übungen sich eine so schwere Krankheit zuzog, daß man an ihrem Aufkommen verzweifelte. Hieronymns v. Patengola ver- S1 fertigte sogar eine Grabschrift für sie, welche die hohe Meinung beurkundet, welche man schon damals von ihrer Heiligkeit hatte. Sie lautet ins Deutsche übertragen, ungefähr also: Hier ruhet Angela begraben! Ein Engel— sagt ihr Name Dir; Dech ihre reinen Werke gaben Noch besser diesen Namen ihr. Stets hatte sie i-n stillen Zimmer Jungfräulich in dem Herrn gelebt: Und wahrer Friede hatte immer Ihr engelreines Herz umschwebt. Geliebt von Gott, von Gott geehret, Hat sie als seine treue Magd Dem, was die Sinnenlust begehret, Durch's ganze Leben abgesagt. Ihr Geist schwang sich zu Gottes Throne, Zur Himmels Seligkeit empor: Und freut im Schmuck der Sternenkrone Sich ewig in der Engel Chor. Doch die Stunde war noch nicht gekommen, in welcher sie de'n überreichen Lohn für SS ein Leben voll Selbstverläugnung und heiliger Liebe aus der Hand des Heilandes empfangen sollte. So sehr sie sich auch freute, aufgelöst zu werden und mit Chri. stozu seyn:(Philipp. 1, 23.) so wurde sie doch am Leben erhalten; denn noch hatte sie ja dem Rufe nicht Folge geleistet, der zu Brudazzo an sie ergangen war. Als sie nach ihrer Genesung nach Brescia zurückgekehrt war, dachte sie daher eifriger als jemals darauf, den ihr geoffenbarten göttlichen Willen zu vollziehen. 4. Angela errichtet die Gesellschaft der Ursulinerinnen, wird zur ersten Vorsteherin gewählt.— Sie stirbt. I^m ihrem heiligen Vornehmen Genüge zu leisten, wählte sie zwölf tugendhafte Jungfrauen: Simon« Borni, Katharina 23 ^ und Dominica Dolce, Pellegrina Casali, Clara Gassuri, Paula und Laura Peschieri, Barbara Fonta- na, Clara Martinengo, Margari- tha v. Olmo und Maria Bartoletti. Mit diesen trat sie in enge Verbindung, und ^ übte sich mit ihnen in allen Werken der Heiligkeit. Im Jahre 1532 machte sie mit diesen Gefährtinnen eine Wallfahrt auf den heiligen Berg in Vorallo, und nahm ihren Rückweg über Mailand, um dort den Nagel aus dem heiligen Kreuze Jesu Christi zu verehren. Dort erhielt sie vom Herzoge den Antrag, mit ihrer Gesellschaft in Mailand zu bleiben, mit dem Versprechen, er wolle für ihren anständigen Unterhalt sorgen. Aber nichts konnte sie bewegen, anderswo als in Brescia ihren bleibenden Aufenthalt zu wählen, und so zog sie wieder dahin zurück, suchte sich eine Wohnung nahe an der Kirche der heil. Afra aus, um in derselben mit Barbara Fontana zu wohnen, wo sie auch L4 bis ans Ende ihres Lebens verblieb. Im Jahre 1533 errichtete die heilige Jungfrau ein eigenes Oratorium, nahe an dem Domplatze, und fing an, dort ihre Versammlungen zu halten. Ihr vorzüglicher Zweck war, durch Errichtung ihrer Gesellschaft die Jugend durch eine gottselige Erziehung gegen den Strom der Laster und der Irrthümer zu sichern, womit Luther's und Calvins Ketzereien die gesammte Kirche bedrohten. Doch war dieß nur der erste Same der Gesellschaft, zu deren Errichtung Angela berufen war, aber aus tiefer Demuth sich nicht entschließen konnte, sie vollständig ins Werk zu setzen. Erst nachdem sie durch eine neue Erscheinung dazu war aufgefordert worden, faßte sie Muth, ihr Werk auszuführen. Sie bestimmte dazu den 25. November des Jahres 1535, indem, wie sie sagte, sich dieser Lag(der Lag der heil. Katharina) zur vorhabenden Feierlichkeit am be- »ü sten schicke, weil er das Fest einer mit Jesu Christo vermählten Jungfrau sei, und also jenen zur beständigen Erinnerung und Aufmunterung dienen könne, welche sich ver- pflichteten, alle irdischen Hochzeiten zu ver- schmähen, um das makellose Lamm zu ihrem 4^ Bräutigame zu haben. Am genannten Tage empfingen sie alle die heilige Communion in der Kirche der heil. Afra, und Angela legte ihrer Gesellschaft den Titel der Gesellschaft der heiligen Ursula bei. Als Grund dieser Benennung führte sie an, sie wisse keine passendere Benennung für ihre Gesellschaft, als diese: denn da sie ihre aufkeimende Familie von Jungfrauen unter den Schutz einer so Erlauchten Anführerin von Jungfrauen gebe, habe sie das Vertrauen, diese werde, wie sie es einst bei ihren heiligen Gefährtinnen that, auch sie auf dem beschwerlichen Wege der Jungfrauschaft in Mitte der Welt beschützen: und alle zusammen, sowohl die 2 heilige Anführerin, als ihre Gesellschaft, werde ihnen zum Schilde, zum Beispiele, zur Wegweisung dienen, um einst mit dieser triumphirenden Gesellschaft im Himmel vereiniget zu werden. Im Jahre 1536 verfaßte sie für ihre Gesellschaft eine Regel, welche sie dem gelehrten Cardinal Gabriel Cozzano zur Einsicht vorlegte, welcher sich darüber also aussprach:„Es ist in dieser Regel nichts „von dem Meinigen, außer das kleine Verdienst, daß ich ihre Gedanken so treu, als „mir möglich war, zu Papier brachte... „Sie allein ist die von Gott begeisterte Verfasserin: nur wollte sie aus Demuth nicht „zugeben, daß ich in der Vorrede zu den „Regeln ihren Namen nannte." Hierauf übergab sie dieselbe ihrem Bischöfe, dem Cardinal Franciscus Cornaro, welcher sie durch ein sehr ausführliches Decret vom 8. August 1536 vollkommen guthieß. Nun schritt sie zur Ausführung derselben; S7 und das Erste war, daß sie zur Vollziehung jener Hauptstücke Anstalt machte, in welchen von der Wahl einer Oberin, und der übrigen Vorsteherinnen gehandelt wird. Nachdem alles vorbereitet war, versammelte sie ihre Töchter in ihrem Hause in Gegenwart eines öffentlichen Notarius, den 18. März 1537, damit sie die gesetzmäßige Wahl vor sich nahmen. Aus den Wahl- acten? die von dem Notar ausgenommen wurden, erhellet, daß sammt der Stifterin 59 Jungfrauen versammelt waren, und 17 abwesend, welche nicht erscheinen konnten, so daß die ganze Gesellschaft damals schon bis auf die Zahl von 76 angewachsen war. Don allen Wählenden wurde einstimmig Angela Merici im 63.Jahre ihres Alters, als Mutter und Oberin erwählt. Ob sie gleich bat, und mit großer Beredsamkeit ihre Fehler und gänzliche Unfähigkeit ins hellste Licht zu^ setzen bemüht war. Stz auch ihr gebrechliches Älter vorstellte, fo- konnte doch die Meinung der Jungfrauen, nicht mehr geändert werden. Nur darin gaben sie nach, daß sie ihr nicht den Titel einer Stifterin gaben, welches doch alle wünschten, und wogegen die heilige Jungfrau sich jederzeit sträubte, indem sie sagte: Gott allein sei der Urheber dieser auserlesenen Schaar seiner geliebten Bräute. Nun wendete sie sich mit demuthvoller Bitte an den heiligen Vater in Rom, Paulus IU. um die Bestätigung und Gutheißung der neu errichteten Gesellschaft, welche im<^ah- re 1544 den 9. Zunius, also drei Jahre nach dem Tode der heiligen Stifterin erfolgte. Nachdem sie drei Jahre ihrer Gesellschaft mit aller mütterlichen Liebe und Sorgfalt vorgestanden war: wurde sie gegen das Ende des Zahres 1539 von einem leichten, unbedeutenden Fieber befallen. Doch sagte sie alsbald voraus, dieß sei ihre letzte Krankheit, und gebrauchte alle mögliche Sorgfalt, S9 ihre geliebte He erde zu sichern, und sich selbst zu einem glückseligen Ende vorzubereiten. Bei der Nachricht von ihrer Krankheit war die ganze Stadt in tiefe Trauer versenket, und Jedermann beeiferte sich, noch die letzten Augenblicke zu beuützen, sie noch einmal zu sehen und Zeuge ihrer frommen, Gott ergebenen Gesinnung zu seyn. Als ihre Kräfte immer mehr schwanden, verlangte sie die heilige Wegzehrung, welche sie mit solcher Innigkeit und Bedacht empfing, daß die Kreuden des Paradieses schon an ihren Mienen zu sehen waren. Hierauf, nachdem sie lange Zeit in heiliger Betrachtung versunken war, rief sie die Mütter und Jungfrauen der Gesellschaft zu sich, redete ihnen eindringlich über ihre hohen Verpflichtungen ans Herz, gab ihnen, wie eine liebevolle Mutter, zum letzten Abschiede den Segen, und entließ sie mit den Worten: sie werde sie auf Erden nicht mehr sehen, hoffe aber, sie alle im Himmel wieder zu sehen. 30 Nun ließ sie sich mit dem Gewände des dritten Ordens bekleiden, auf eine Decke auf die Erde hinstrecken, sprach zu wiederholten Malen den Namen Jesus mit der innigsten Andacht aus, bis sie endlich in die Worte des sterbenden Erlösers ausbrach: In Deine Hände, o Herr! empfehle ich meinen Geist! Dann neigte sie ihr Haupt, und ihr seliger Geist lösete sich sanft von seinem Kerker, und kehrte zu Gott den 27. Jänner 1540 an einem Dienstage beiläufig um 3 Uhr Nachmittags im angefangenen 66sten Jahre ihres Alters.— Johann Bapt. Nazari, öffentlicher Notar vonBrescia, welcher bei dem Hei- ligsprechungs-Processe der heiligen Angela*) zugegen war, schreibt von ihr in einer öffentlich verfaßten Schrift:„In ihr könn- „te man keine böse Neigung wahrnehmen, „denn sie war von fern von allemEhrgeize, von *) Sie wurde heilig gesprochen von Papst Pins VH. den 24. Mai 1807. 3t „aller Eitelkeit und vom Zorne; sie hatte „nur Freude an der Demuth, an dem beschaulichen und andächtigen Leben; verharrte stets auf dem Wege des Herrn, den „sie sich in seinem Leben vorgezeichnet sah, „in Fasten, Wachen und Beten, so daß sie „als eine wahre Geistliche, allzeit im Glau- „ben standhaft, im Umgänge demüthig, im „Betragen sittsam und musterhaft, im Mähen ausdauernd, im Gebete inbrünstig, in „den Widerwärtigkeiten geduldig, für die „Heilsgeschäfte höchst eingenommen, und „zu allen geistlichen Werken höchst bereitwillig war." Dieß Zeugniß wird von der allgemeinen Meinung aller Orte bestätiget, wo sie sich aufhielt, indem man ihr Namen beilegte, welche von ihrer hohen Vollkommenheit Zeugniß geben. Sie ward: die heilige Seele; die Jungfrau Christi; der Engel des Himmels; die vom heiligen Geist Erfüllte genannt. Nach ihrem Tode nahm die Gesellschaft die Gestalt eines förmlichen Ordens an, die 3S Jungfrauen verstanden sich zu einer gleichförmigen Kleidung; und wurden bald, besonders durch den heiligen Erzbischof, Ca- rolus Borromäus*) in der Erzdiöcese Mailand so sehr verbreitet, daß die Gesellschaft in Kurzem in 18 Häusern 600 Jungfrauen zählte. Auch in den angesehensten Städten Italiens entstanden Ordensgemeinden der Ursulinerinnen; im Jahre 1574 wurden sie in Frankreich, und zwar in AvW non eingeführt, von wo aus sie sich durch das ganze Königreich verbreiteten. In den Niederlanden, in der Schweiz, in ganz Deutschland, Polen, Portugal und Griechenland, an mehreren Orten Asiens, selbst in Amerika, in Brasilien und Kanada wur- Gewiß sehr bemerkenrwerth ist e«, daß beinahe zu gleicher Zeit auch eine Säcular-Feier zu Ehren dieser heiligen Kirchenfürsten in unserer Hauptstadt begangen wurde; indem die Pfarrkirche zum heil. CaroluS Borromäus vor wenigen Tagen dar hundertjährige Gedächtnißfest ihrer Einweihung feierte. 33 den den Ursulinerinnen Klöster errichtet, und überall blühten sie in schöner Zucht und Heiligkeit im Wandel, und zeichneten sich durch den liebevollen Eifer aus, mit welchem sie sich dem Unterrichte und der Erziehung christlicher Jungfrauen widmeten. S. Die Ginführung der E E. Ursulinerinnen in Wien. Ihre Wirksamkeit. ,,^(ls die von Gott bestimmte Zeit angekommen wäre, jene Stiftung zu stände „zu bringen, welche Zhro Majestät die Kay- „serin Eleonora seeliger Gedächtniß, Mutter des Kaysers Ferdinand! III. zu erdichten sich entschlossen; hatt Gott Jhro „Majestät, der Kayserin Eleonora, De- l„roselben Schwiegertochter, eingegeben, daß l„Gelübde ihrer Dorfahrerin ins Werk zu „setzen. Sobald der Russe dieser Entschließung zu den Ohren Jhro Excellenz der „Gräfin Lamboy gekommen, hatte sie nicht 84 „ermangelt die Ursulerinnen noch mehr anzuempfehlen; von welchen Zhro Maje- „stät schon einige Känntniß hatten, seyt ih- „rer Krönung zu Prag." Mit diesen Worten beginnt ein altes Ge- denkbuch der hiesigen Ursulinerinnen, in welchem ihre Berufung von Lüttich, ihre Reise über Prag, ihre Ankunft und Aufnahme in Wien, und die ersten Anfänge ihres Wirkens in dieser Kaiserstadt ausführlich beschrieben sind. Aus diesem Gedenkbu- che geht hervor, daß die genannte Kaiserin Eleonora, geborne Prinzessin von Mantua, schon im Jahre 1659 durch Ihre Excellenz die Frau Gräfin von Lamboy nach Lüttich eine Aufforderung sandte an die dortigen Ursulinerinnen, einige dieser frommen Klosterfrauen, unter welchen ausdrücklich die Mater Alexia genannt ist', nach Wien zu schicken, um auch hier den Unterricht und die Erziehung der weiblichen Jugend zu übernehmen. Ein neues Schrei- 35 ben dieser Gräfin setzte sie im Jahre 1660 nach Ostern in Kenntniß, daß alles in Bereitschaft sei zu ihrer Aufnahme; hierauf begaben sich die unten angeführten Klosterfrauen auf den Weg, und nachdem sie die Beschwerden der Reise glücklich überstanden hatten, kamen sie den 16. August 1660 über Znaim in Enzersdorf an, wo sie die Nachricht erhielten, die Gräfinnen Traun und Lamboy seien ihnen bis zur großenDonau-Brücke entgegengefahren, wo sie ihrer warteten. In Gesellschaft dieser Damen fuhren sie nun in Wien ein, wo sie bei der Kirche der P. P. Karmeliter in der Leopoldstadt abstiegen, und darin ein andächtiges Dankgebet für ihre glückliche Ankunft verrichteten. In einem der Gänge des jetzigen Klosters ist folgendes Verzeichnis der damals eingetroffenen Klosterfrauen zum beständigen Gedächtniß aufgehangen. Den 16. August 1660 hat unser Orden allhier seinen Anfang genommen, da auf Geheiß Ihrer Majestät der frommen Kaise- 36 rin Eleonora folgende Schwestern aus Lüttig hieher gekommen sind, und dann im ganzen Kaiserthum Oesterreich verpflanzet wurden: Mater Katharina Alexia,-j- erste Oberin dieses Hauses, hat 27 Jahre regiert. Mater Georgia-j- allhier. Mater Rosalia, ch zu Klagenfurt als Oberin. Mater Maria, ch zu Preßburg als Oberin. Mater Angela,-j-zu Görz als Oberin. Mater Anna, ch allhier. Mater Katharina, ch zu Görz als Oberin. Mater Johanna, ch allhier. Mater Cäcilia,-s zu Linz als Oberin. Mater Dorothea, ch zu Lüttig. Sie wurden Anfangs in einem Privathause in der Dorotheergasse untergebracht, bis 1675, die für sie in der Iohannesgaffe erkauften Bürgershäuser zum Kloster, Schul- tract und Kirche zu St. Ursula gänzlich vollendet waren*). Am 11. October dessel- *) Hormayr: Wiens Geschichte unv seine Denkwürdigkeiten, U. Jahrgang, ll. Band. ben Jahres eröffneten sie die Schulen, welche in kurzer Zeit einen großen Zulauf bekamen. Adelige Fräulein aus den vornehmsten Geschlechtern wurden ihnen zur Erziehung übergeben, und sie erfüllten ihr Amt als Lehrerinnen und Erzieherinnen mit der größten Gewissenhaftigkeit und Liebe. So wirkten und wirken sie bis zur gegenwärtigen Stunde zur Ehre Gottes, und zum Heile vieler Tausende durch Wort und Beispiel. Nach einer Durchschnittsrechnung be- läuft sich die Zahl der von ihnen seit ihrer Einführung Unterrichteten über HHOOO. Von ihrer ersten Oberin Mater Katharina Alexia zählen sie bis zur gegenwärtigen, M ater Alo isia*), sechzehn Vorsteherin- nen, darunter eine große Zahl aus adeligem Geschlechte. Ueberhaupt zählt der Orden unter seinen Mitgliedern, seit seiner Aufnahme in Wien: eine Fürstin(Auersperg) 23 *) Erwählt als Oberin am 28. Mai 1828, zum dritten Male consirmirt im Jahre 1837. 38 Gräfinnen, 5 aus dem Freiherr»- und 39 aus dem Adelstände, und im Ganzen 232 Chorfrauen und 8/s Laienschwestern. Mit allem Eifer sorgen sie dafür, daß in ihrem Gotteshause der Gottesdienst auf eine sehr anständige und feierliche Weise abgehalten werde, und erst im vorigen Jahre wurde durch die thätige Verwendung der dermali- gen Frau Oberin, Mater Aloisia die Kirche renovirt, ein neuer Hochaltar und eine neue Kanzel auf das Geschmackvollste hergestellt. Möge der Herr die frommen Bemühungen dieser würdigen Töchter der heiligen Angela, auch fernerhin segnen, und ihyen durch die Fürbitte ihrer heiligen Stifterin und ihrer heiligen Patronin Ursula und ihrer Gefährtinnen, in diesem Leben Stärke und Kraft, jenseits aber den Lohn im Himmel verleihen. Z..... Muhachtsribmrgen. Der Büß Psalm: Ntiserere. Erbarme Dich meiner, o Gott! nach Deiner großen Barmherzigkeit; und nach der Menge Deiner Erbarmniffe tilge meine Missethat. Mehr und mehr wasche mich von meiner Ungerechtigkeit, und von meiner Sünde reinige michz denn meine Missethat erkenne ich, und meine Sünde ist vor mir allezeit. Dir allein hab' ich gesündiget, und Böses vor Dir gethan,(ich bekenne es mit tiefem Reuschmerz,) auf daß Du gerecht befunden werdest in Deinen Worten, und den Sieg erhaltest, wenn Du(von anmaffenden Feinden) gerichtet wirst! Aber verzeihe mir gnädig; denn siehe! in Ungerechtigkeit bin ich empfangen: in Sünden hat mich empfangen meine Mutter. Siehe! die Wahrheit hast Du gelie- bet: die heimlichen und verborgenen Dinge Deiner Weisheit mir geoffenbaret. Besprenge mich mit Hysop, so werde ich gereiniget: wasche mich, so werde ich weißer, als der Schnee. - Gieb meinem Gehör Freude und Wonne(zu vernehmen die Bergebung meiner Sünden) so werden frohlocken die gedemü- thigten Gebeine. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden, und alle meine Missethaten tilge. Ein reines Herz erschaff in mir, o Gott! und den rechten Geist erneuere in meinem Innern. Verwirf mich nicht von Deinem Ange- sichte: und Deinen heiligen Geist nimm nicht von mir. Gib mir wieder die Freude Deines Heiles: mit dem fürnehmen Geiste befestige mich. 43 So will ich lehren die Ungerechten Deine Wege, nnd die Gottlosen werden sich zu Dir bekehren. Erlöse mich von den Blutschulden, Gott, Du Gott meines Heiles: so wird mit Freuden meine Zunge Deine Gerechtigkeit preisen. Herr! össne meine Lippen, und mein Mund wird verkündigen Dein Lob. Denn wenn Du Opfer gewollt hättest, würd' ich ja freilich sie gegeben haben: an Brandopfern wirst Du kein Gefallen haben. Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist: ein zerknirschtes nnd demüthiges Herz wirst Du, o Gott, nicht verachten. Thue Herr, Gnade nach Deinem guten Willen an Sion, damit die Mauern Jerusalems erbaut werden. Dann wirst Du annehmen das Opfer der Gerechtigkeit, Gaben und Brandopfer: dann wird man Kälber auf deinen Altar legen. 44 Ehre sei Gott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste, wie es war vom Anfange, jetzt, und allezeit, und in Ewigkeit, Amen. Ablaßgsbet, um Das allgemeine Wohl der Christenheit. 9^llgütigster, barmherziger Gott! da heute in diesem heiligen Tempel ein vollkommener Ablaß ertheilt wird, so komme ich mit dem eifrigen Verlangen, desselben theilhaft zu werden, und Dich für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit demüthigst zu bitten. Nimm deßwegen die Bitte aus meinem Munde gnädig an, und laß alle Menschen die Frucht meines Gebetes genießen. Erhalte, schütze, regiere, leite und mehre die katholische Kirche, und bewahre sie vor falscher Lehre: segne 45 und bewahre unsern Dberhirten, Papst Gregor XVI., erfülle ihn mit wahren apostolischen Eifer, und behüte die ganze katholische Kirche vor Spaltung, unsere heilige Lehre vor Verfolgung. Laß alle Gläubige Eins seyn mit ihren Bischöfen, alle Bischöfe mit dem obersten Hirten, dem Papste, und diesen mit Jesus Christus, damit die Kirche ein Gebäude sei, gebaut auf dem Felsen Petrus, gegründet auf den Eckstein Jesus Christus. Unseren Erzbischof Bin- zenz Eduard starke mit Deiner Kraft, erfülle mit Deinem Segen; gib den Seelsorgern,^» Arbeitern in Deinem heiligen Weinberge, die Gnade des heiligen Geistes, daß sie ihrem Stande gemäß leben, und ihre anvertrauten Gemeinden durch Wort und Beispiel den Weg des Lebens führen. Beschütze auch, allmächtiger Gott! unsern Kaiser Ferdinand!., und das ganze österreichische Kaiserhaus; gib ihm, und allen Fürsten und Regenten, von Davids Gottse- 46 ligkeit, von Salomons Weisheit, von Sam- sons Herzhaftigkeit! Lasse sie seyn treugesinnt für die allgemeine Wohlfahrt, stets wachsam zur Aufnahme Deiner heiligen Kirche, liebevoll gegen ihre Unterthanen, siegreich wider alle Feinde des katholischen Glaubens. Gib allen Richtern die Gabe der Gerechtigkeit, und allen Vorgesetzten die Gabe der Weisheit; damit bei uns und überall das Gute befördert, das Böse verhindert, was Löblich ist erhalten, und ein jeder in seinem Amte getreu erfunden werde. Deßgleichen segne alle Unterthanen, daß sie ihren Landesfürsten lieben, die Obrigkeiten ehren, die Gesetze getreu befolgen, und ihre Standespflichten genau erfüllen. Erhalte unser liebes Vaterland im guten Wohlstände, und gib ihm Gedeihen zu allem Guten. Behüte die ganze Christenheit und das ganze Menschengeschlecht vor ansteckenden Seuchen, vor Hungersnoth und Kriegsfeuer; segne den Hausstand, und verleihe allen Hausvätern und 47 Hausmüttern Frieden in der Ehe, Treue in der Liebe, Gedeihen im Gewerbe, Freude an ihren Kindern: den Kindern selbst gib zärtliche Liebe, herzliche Dankbarkeit, schnellen Gehorsam, kindliche Furcht, schuldige Ehrerbietung, und laß den Segen ihrer Eltern an ihnen reichlich erfüllet werden. Laß Dir, Vater im Himmel! empfohlen seyn alle Menschen, und gib jedem, was er bedarf; ernähre die Armen, speise die Hun- gerigen, tränke die Durstigen, kleide die Nackten, schütze die Reisenden, erlöse die Gefangenen, tröste die Betrübten, heile die Kranken, stehe den Sterbenden bei! Laß Dir, o lieber Gott! empfohlen seyn alle, die wie immer mich näher angehen; behüte sie vor allem Uebel, und gib ihnen alles Gute; regiere sie mit Deinem heiligen Geiste! Segne meine Wohlthäter, behüte meine Freunde; segne auch meine Feinde, und verzeihe meinen Verfolgern, und bringe uns endlich alle in das ewige Leben. Erbarme dich aller 48 verstorbenen Gläubigen im Fegefeuer§ erfülle ihr brennendes Verlangen dein göttliches Angesicht zu schauen, und führe sie ein in die Freuden der ewigen Seligkeit, durch Jesum Christum unsern Herrn, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (5 Vaterunser: Ave Maria sammt Glauben). Bitte für uns, heilige Jungfrau und Mutter Angela. K. Damit wir der Verheißung Christi würdig werden. O Gott! der Du in dem Herzen der heiligen Jungfrau und Mutter Angela, als sie auf Erden lebte, das Verlangen entzündet hast, das Heil der gläubigen Menge durch Werke der Liebe jederzeit zu befördern, verleihe uns, daß wir die Kraft ihrer Fürsprache im Himmel in allen unsern Anliegen erfahren, und jener Gnade theilhaftig wer- 3 4V den, zu denen uns berufen hat Jesus Christus, Dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Reimspruch des heiligen Thomas v. Aqnin; zu dem heiligen Altarssakrament. ^Kch bete Dich an, Herr Jesu Christ! Der Du uns hier verborgen bist. Mein ganzes Herz ist Dir geschenkt, Betrachtend ganz in Dich versenkt. Geschmack, Betastung und Gesicht Entdecken dieß Geheimniß nicht, Der Glaub' allein macht's offenbar; Denn Jesu Christi Wort bleibt wahr. Am Kreuz sah man die Gottheit nicht, Hier sieht man auch die Menschheit nicht. Doch Beides glaubend, bitte ich Wie einst der Schächer: denk' an mich. 51 3* Wie Thomas einst, erschau ich hier, Die Wunden freilich nicht an Dir; Doch glaube ich, ach gib, o Herr! Mir Glaube, Hoffnung, Liebe mehr! Denkmal von des Erlösers Tod, Das Leben spendet, Himmelsbrod! Gib! daß ich stets nur lebe Dir, Und Dein Genuß süß bleibe mir. O Jesus! treuer Pelikan! Dein Blut von Sünden rein'gen kann Die Welt, mit Sünden ganz besteckt, Ein Tropfen nur dazu erkleckt. Verhüllt den hier mein Aug' ersieht, Wann wird gescheh'n, um was ich bitt, Von Angesicht zu sehen Dich! Da ich nach Dir so sehne mich. Kirche,rgesang, zu dem allerhciligsten Altarssakramente. Christen! singt mit frohen Herzen, Preiset Gott! das höchste Gut! Das Geheimniß seiner Liebe, Seinen wahren Leib und Blut! Diesen Leib, der angeheftet An dem Kreuze, für uns starb; Dieses Blut, das dort geflossen, Und der Welt das Heil erwarb. Uns gegeben, uns zum Heile Trat der Friedensfürst herein; Aus Maria, einer Jungfrau, Wollt' Er uns geboren seyn. Seine Wunder gaben Zeugniß Bon der Göttlichkeit der Lehr'; Und das größte Liebeswunder Gieng vor seinem Tode her. Als er einst mit seinen Jüngern, Bei dem Abendmale saß, Und allda die vom Gesetze Vorgeschriebenen Speisen aß; Macht er eine Liebesstiftung Da das Mahl geendet war, Und gab selbst, eh' dann Er litte, Ihnen sich zur Speise dar. Nahm in seine heil'gen Hände, Segnete und brach das Brot; Und durch seiner Allmacht Worte Ist es wahrer Leib und Gott. Dann reicht er den Kelch des Heile Und sein heilig Blut darin, Zum Gedächtniß seines Leidens, Seinen lieben Jüngern hin. Christen! betet dieß Geheimniß In dem Geist der Demuth an. Unser Glaub' ersetze jenes, Was der Sinn nicht fassen kann. Dieses Denkmal seiner Liebe, In dem heil'gen Sakrament, 54 Fordert unsere Gegenliebe Jetzt im neuen Testament. Guter Hirt! der seiner Heerde Selbst sein Fleisch und Blut gewährt; Der uns schwach' und arme Pilger Mit dem Brot des Lebens nährt; Laß uns zu dem Gastmal kommen, Wo wir Dich, nicht mehr verhüllt, Ewiglich ansehen können, Wenn wir unsere Reis' erfüllt. Gott dem Vater und dem Sohne, Gleicher Kraft und Wesenheit, Und dem Geist am höchsten Throne Singet Lob mit Fröhlichkeit. Gott ist wahrhaft hier zugegen, Herr! ich glaub', ich hoff' auf Dich Vater! gib uns Deinen Segen, Deine Kinder lieben Dich. Litanei von dem heiligsten Altarssakramentc. «^err! erbarme Dich unser, Christus! erbarme Dich unser, Herr! erbarme Dich unser, Christus! höre uns, Christus! erhöre uns, Gott Vater, Du Erschaffer Himmels und der Erde! Gott Sohn, Du Erlöser der Welt! j Gott heiliger Geist, Du Heilig- und iLe-z ligmacher! I Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott st Jesus, Du Gottes und des Menschen! Sohn! l Jesus, Du Brot des Lebens und unsers Seligkeit, Jesus, DuAnordner und Einsetzer des letzten Abendmales, erbarme Dich unser! 56 Jesus, der Du das Bror nahmst, segne-" lest und gebrochen Deinen Jüngern mit den Worten gabst: Dies ist mein Leib! Jesus, der Du auch den Kelch segnend, und dankend sprachst: Trinket alle daraus, dies ist mein Blut, Jesus, der Du Deinen Jüngern befahlst, daß sie das nämliche zu Deinem Andenken thun sollen, Jesus, der Du allen, die Dein Fleisch und! Blut würdig genießen, das ewige Le-' ben versprochen hast,^ Jesus, Du ewiger wahrer Priester des! neuen Bundes,! Jesus, Du lebendiges Opfer zum Heil der Menschen, Jesus, Du kostbare Speise des Lebens, der Seligkeit aller, die Dich würdig empfangen. Jesus, Du trostvolle Wegzehrung der Sterbenden, Jesus, Du Unterpfand und Geber des ewigen Lebens,^ erbarme Dich unser! 57 Jesus! sei uns gnädig, verschone uns o Herr! Vom ersten und größten Uebel, der Sünde,> Vom Stolze und Hochmuthe des Geistes, Von der Habsucht, dem Geitze, und der Begierlichkeit der Augen, Von allen Ausschweifungen des Fleisches, Von aller Gleichgültigkeit und Trägheit im Geschäfte des Heils, Von aller Hintansetzung und Vergessenheit Gottes, Von aller Unandacht und Lauigkeit bei der Anbetung^nd bei dem Empfanges des heiligsten Sakramentes, Vom unwürdigen Genuße desselben, Durch die Liebe, mit welcher Du dieses heiligste Sakrament eingesetzet hast, Durch die Liebe, womit Du es Deinen Aposteln gereichet hast, Durch die Gnade, mit welcher Du es auch uns mitzutheilen befohlen hast, Durch den Gehorsam, womit Du Dich in das bitterste Leiden, und peinlichste Sterben so geduldig ergeben hast,^ erlöse uns, o Herr! Wir armen Sünder, Wir bitten Dich, er- erhöre uns! Daß Du uns im Glauben an Deine^ Gegenwart im allerheiligsten Al-! tarssakrament stärken und erhalten wollest, Daß Du unsere Hoffnung auf diese Speise des Lebens vermehren wollest, Daß Du unsere Herzen mit Verehrung und Liebe desselben erfüllen wollest, Daß wir dieses heilige Sakrament ja nie- mal unwürdig oder uncmdächtig empfangen mögen! Daß uns der Empfang des heiligsten Altarssakramentes zum Segen und zum' ewigen Leben gedeihe, O Jesus! Du Himmelsbrod! Sohn Gottes und Heiland der Menschen, O Du Lamm Gottes! welches Du hinweg- nimmst die Sünden der Welt! verschone uns, o Herr! wir bitten Dich, erhöre uns! 50 O Du Lamm Gottes! welches Du hinweg- nimmst die Sünden der Welt! erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes! welches Du hinweg- nimmst die Sünden der Welt! erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr! erbarme Dich unser. Christe! erbarme Dich unser. Herr! erbarme Dich unser. Vater unser rc. Ein Gedächtniß har er gemacht, Seiner Würde, der gnädige und barmherzige Gott. Y,. Er hat Speise gegeben denen, die ihn fürchten. Du hast uns, o Herr! Brot vom Himmel gegeben. Das alle Süßigkeit in sich hat. 60 A". Won deinem Altar, o Herr! empfangen wir Christum. tzd. In welchen sich unser Herz und Fleisch erfreut. Herr! erhöre mein Gebet, tzl. Und laß mein Geschrei zu Dir kommen. Gebet. Gott! der Du uns unter dem wunderbaren heiligsten Sakrament des Altar- geheimnißes das Gedächtniß deines Leidens hinterlassen hast; wir bitten Dich, verleihe, daß wir die hochheiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes also verehren, auf daß wir die Frucht deiner Erlösung jederzeit in uns empfinden mögen; durch unsern Herrn Jesum Christum, Amen. Herr Jesus Christus! Du Sohn des lebendigen Gottes, der Du aus dem Willen des Vaters und der Mitwirkung des heiligen Geistes durch Deinen Tod die Welt wieder 61 lebendig gemacht; befreie uns durch das allerheiligste Geheimniß Deines Leibes und Blutes von allen unsern Uebeln und Bosheiten; gib, daß wir allzeit Deinem Gebote anhangen und lasse uns auch nicht von Dir jemals abgesondert werden. O Gott! der Du in uns dein Ebenbild durch Deine Gebote und heiligen Sacra- mente erneuerst, leite unsere Schritte in Deinen Wegen, und verleihe, daß wir die Gabe deiner Liebe, wirksam in uns erlangen wögen. Gott, der Du denen, die Dich lieben, unsichtbare Güter bereitet hast: zünde die Liebe zu Dir in unsern Herzen an, damit wir Dich in allen Dingen, und über alle Dinge lieben, und durch diese Liebe Deine Verheißungen, die alles Verlangen übersteigen, an uns erfüllet sehen; durch Jesum Christum Deinen Sohn unsern Herrn, Der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Andächtiges Gebet vor dem hochwrirdigsten Geheimniffe. ^Glorreicher und mitleidiger Erlöser! mit der tiefsten Demuth bete ich Dich an, mit herzlicher Liebe und Andacht verehre ich Dich, Du bist wahrhaft in den heiligen Gestalten zugegen, o Jesu! obschon Dich das unbegreifliche Geheimniß vor unsern Augen verhüllt. Ach! Du bist mir so nahe, o Du, den Himmel und Erde nicht fasten. Wie kann ich mich genug demüthigen vor Dir? Mit Ehrfurcht werfe ich mich auf mein Angesicht vor Dir, und ich wünsche die Andacht, die Liebe zu haben, mit der Dich Deine Auserwählten verehren. Ja! Du bist wahrhaft zugegen, o Erlöser! und wie groß ist mein Glück, daß ich gewürdiget bin, so nahe bei meinem Gott zu seyn, bei Dir, meinem Vater, Freund, meinem unermüde- 63 ten Wohlthäter! Was darf ich nicht alles von Deiner freigebigen Gute erwarten? Was wirst, o Liebevoller! Du mir versagen? Wenn ich vor Deinem Throne in Deinem Himmel kniete, ach, du würdest mich segnen und erfreuen, uud siehe, ich kniee ja hier auch vor Deinem Throne, Du bist auch hier Güte und Barmherzigkeit, die unendliche Liebe. Ja, ich will Dir vertraulich meine Wünsche vortragen, ich will zu Dir rufen, daß Du mich mit Wohlthaten segnest. Erbarme Dich meiner, o Jesu, Du großes und bestes Gut, was ich mir wünschen kann. Habe Mitleid mit mir, und vergib mir meine Sünden. Durch Deine Liebe bitte ich Dich, verlasse mich nicht, weil ich oft undankbar und treulos gegen Dich gewesen, werde mein Retter, mein Befreier von der Knechtschaft des Bösen. Siehe meine Demuth an, meine Reue, o Menschenfreund! es schmerzt mich auch, daß ich jemals lieblos gegen Dich habe seyn 64 können. Viele Sünder haben Gnade vor Dir gefunden, laß auch mich sie finden, und hilf mir, daß ich in Zukunft sorgfältiger über mich wache, eifriger bemüht bin, das Böse zu meiden, und ein tugendhaftes, frommes Leben zu führen; daß ich mich bestrebe, meine Standespflichten mit der gewissenhaftesten Treue zu erfüllen; daß ich unter Deinen Augen wandle, und Dir ein Leben weihe, das so voll Deiner Wohlthaten ist. Gib meinem Herzen einen lebendigen Glauben, daß ich nach den Grundsätzen des Christenthums handle, die ich mit dem Munde bekenne; laß mein Vertrauen zu Dir unerschütterlich, meine Liebe herzlich, kindlich, wirksam seyn. Gib mir Standhaftigkeit in Versuchungen, Festigkeit im Unglück, Freude zur Arbeit, fromme uneigennützige Nächstenliebe, Ergebung in Deinen Willen, und Zufriedenheit mit allen Deinen Fügungen. Dann, o mein Erlöser! verdiene ich Dein 65 Wohlgefallen; dann bin ich ein guter und eben deßwegen auch ein glücklicher Mensch. Erhöre mich, o Jesu! Amen. Sromme Ginpflrrdrmgen vor' hochwnrdigsten Gute. o Heiligeres Geheimniß des Leibes und des Blutes meines Herrn Jesu Christi! sei mit herzlicher Liebe von mir verehret, und im Namen aller Engel und Menschen von mir gelobet und gebene- deiet. Mit tiefer, kindlicher Demuth werfe ich mich vor Dir auf meine Kniee, und mit allen Zeichen einer aufrichtigen Ehrfurcht erweise ich Dir die Huldigung, die Dir gebühret. Freude ist in meinem Herzen, o Gottmensch! wenn ich Dich in diesem Geheimniß betrachte, wie Du als ein zärtlicher Vater mitten unter Deinen Kindern wohnest, wie Du so voll Huld und Gute , bereit bist, jeden Armen, Leidenden, Schmach- 66 tenden anzuhören, wenn er Dir sein Elend klagt, um sein geängstigtes Herz zu erleichtern. Nimm meinen innigsten Dank, o Du Menschenretter! daß Du ein so wohlthätiges Geheimniß zu unserm Troste eingesetzt hast. Möchten Dich alle Menschen erkennen und verehren! Möchten sie bei Dir Hülfe und Schutz in ihren Bedürfnissen suchen! Allein, was so viele von meinen irrenden Brüdern nicht thun, das will ich thun, o Jesu! zu Dir will ich eilen, und bei Dir meinen Eifer für die Tugend entflammen; Du sollst mich trösten, wenn das Unglück seine schwere Hand auf mich legt, Du sollst mir Sündhaftigkeit geben, wenn die Versuchung mein schwaches Herz bestürmt, und die Beispiele der Bösen mich zur Sünde reizen; bei Dir will ich es erfahren, wie gut, wie weit über alle menschliche Glückseligkeit das Vergnügen ist, Dich zum Vater, zum Freund und zum Helfer zu haben. Nimm also mein demüthiges Gebet gnädig auf, o 67 guter Gott! erweise an mir Deine Barmherzigkeit und nimm meine Sünden von mir weg) gib mir die Gnade, daß ich mich unverzüglich und wahrhaft bessere. Heile die Wunden meiner Seele und reinige sse, o Du reinstes Wesen l von allen ihren Flecken, werde ihre starke und kräftige Nahrung für die Reise durch dieses Leben. Du allein sei meine Freude, Du meine Labung, wenn ich kraftlos bin. Entzünde mein Herz mit Deiner siegenden Liebe, die keine Schwierigkeit achtet, vor keiner Arbeit erschrickt, von keiner Versuchung zu Boden geworfen wird. Ja! Dir will ich leben, und für Dich, und keine Macht aus Erden soll mich von Dir trennen. Und dann auch, o Gottmensch! verlasse mich in jener entscheidenden Stunde nicht, die die letzte meines Lebens seyn wird. Sei Du dann Retter deines Dir kindlich ergebenen Geschöpfes! Du hast Dein Blut und Dein Leben hingegeben, damit ich selig würde; hilf mir jetzt leben nach Deinem 68 Willen; sende mir ein glückliches Ende; nimm mich auf in die Wohnungen Deines Vaters. Amen. Wsm; man mit dsm hochwür- digsten Sakramente den Segen gibt. ^Vei gepriesen, o gütigster'Jesu! mit herzlicher Andacht bete ich Dich an und bitte Dich um deinen heiligen Segen. Göttlicher Erlöser! so wie Du, als Du in Deinen Himmel fuhrest, Deine heiligen Hände aufgehoben und Deine Jünger gesegnet hast, so erhebe auch jetzt deine gebenedeiten Hände, und gib mir Deinen väterlichen Segen. Segne mich o mildester Jesu! durch Deine göttliche Kraft, und nimm den Fluch von mir, den ich durch meine Sünden verdiente. Drücke Dein heiliges Kreuzzeichen in mein Herz, daß mich dessen Kraft und die Erinnerung an dasselbe zum Guten stärke, und die 69 Versuchungen von mir entferne. Es segne mich Gott der Vater; es segne mich Gott der Sohn, es segne mich Gott der heilige Geist. Amen. Nrrbetrmg der heiligsten Dreieinigkeit. bete Dich an, o allmächtiger Vater! Du Schöpfer des Himmels und der Erde; ich bete Dich an, o eingeborner Sohn, Du Erlöser der gefallenen Menschen! ich bete Dich an, o heiliger Geist! Du Tröster der betrübten Seelen! ich bete Dich an, o einziger Gott in drei Personen! Du erhabener Beherrscher aller Geschöpfe! ich erkenne mein Nichts vor Deiner unendlichen Majestät; erkenne Dich als meinen Herrn und unumschränkten Gebieter. Ich lobe, ehre und preise Dich wegen Deiner höchsten Glorie und Herrlichkeit; und danke Dir für alle Gnaden und Wohlthaten, die Du mir 70 Unwürdigen, und allen meinen Mirgeschas- fenen mitgetheilt hast, wirklich mittheilest, und noch schenken wirst. O du ewige barmherzige Liebe! verwirf mich nicht von Deinem Angesichts, weil ich unrein und in Sünden bin; tilge vielmehr meine Missethaten, und betrachte an mir das Geschöpf deiner Hände und den Erlösten Deines Sohnes, erhalte meine Seele zum ewigen Leben. Amen. LitAUei zu der heiligen Jungfrau und geistlichen Mutter Angela. «^err! erbarme Dich unser, Christe! erbarme Dich unser, Herr! erbarme Dich unser, Christe! höre uns, Christe! erhöre uns. Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebährerin, Heiligste aller Jungfrauen, O selige Mutter Angela, O Engel im Namen, bitt für uns 72 O Engel im Werke, O Engel im Fleische, O Engel in der Reinigkeit, L Engel im beschaulichen Leben, O Engel im Gebete, O Engel im wirkenden Leben, D Jungfrau dem Stande nach, D geistliche Mutter vieler Kinder, L> große Verehrerin der heiligen Ursula, L Stifterin der Gesellschaft ihres Na-! mens, O Rose der Liebe Gottes, und des/ Nächsten, D Lilie der Unschuld, und reinen Mei-! nung, O Spiegel des Gehorsams, O Vorbild der heiligen Armuth, D Beispiel der Geduld, O Oelzweig des Friedens, D ungemeine Liebhaberin der heiligen Communion, D unermüdete Pilgerin nach dem heiligen Orte, bitt für uns! 73 O große Fürbitterin bei Gott im Leben, bitt für uns! O große Fürsprecherin im Himmel, bitt für unsi Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr!. Von allem Uebel,, Von aller Sünde- Won aller schädlichen Unwissenheit, Von aller Sorglosigkeit unseres Heiles, Von Trägheit und Lauigkeit im Guten, ' Von Müßigang, und allen Lastern, Durch die Verdienste und Fürbitte der > heiligen Mutter Angela, Durch ihre Auserwählung, Durch ihre Heiligmachung, Durch ihre Unschuld, Durch ihre Andacht, Durch die Strenge ihres Lebens, Durch ihre Demuth, Durch ihre Geduld, / Durch ihre Liebe Gottes, 4 Erlöse uns, o Herr! 74 Durch ihre Liebe des Nächsten, erlöse uns o Herr! Durch ihren geistlichen Lauf, erlöse uns o Herr! Durch ihren Seeleneifer, erlöse uns o Herr! Durch ihren heiligen Tod, erlöse uns o Herr! Durch ihre Glorie im Himmel, erlöse uns o Herr! O Du Lamm Gottes! welches Du hinweg- niMmst die Sünden der Welt, verschone uns o Herr! O Du Lamm Gottes! welches Du hinweg- nimmst die Sünden der Welt, erhöre uns o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinweg- nimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr! erbarme Dich unser. 75 Christe! erbarme Dich unser. Herr! erbarme Dich unser. Vater unser. Ave Maria. Gebet der Kirche. Erhöre uns, o Gott, unser Heil! daß, gleichwie wir uns in dem Andenken an dre heilige Mutter Angela erfreuen; also auch durch die Inbrunst ihrer gottseligen Andacht unterrichtet werden. Durch Christum unsern Herrn. Amen, Cin anderes Gebet zur heiligen Jungfrau Angela. gütigster, barmherzigster Gott! derDu die Verdienste Deiner Auserwahlten durch Mittheilung mannigfacher Gnaden und Wohlthaten offenbarest, verleihe mir durch die Fürbitte der heiligen Jungfrau Angela ein reines, und keusches Herz, welches durch keine Rei- zungen der Welt, oder der Sinnlichkeit von ^* 76 der wahren Liebe zur Reinigkeit möge abgewendet werden, entzünde in mir ein aufrichtiges Verlangen, meinen Nebenmen- fchen zu helfen, und gib mir Gelegenheit, auch werkthatig sein Seelenheil zu befördern, starke mich endlich mit Deiner Gnade, auf daß ich nicht allein gottselig anfange zu leben, sondern auch nach dem Beispiele der heiligen Angela in dem Lugend- Eifer täglich wachse und bis an das Ende verharre. Amen. Empfehlung zur heiligen Ursula. Ä^ir bitten dich, heilige Jungfrau und Martirin Ursula! laß dir empfohlen seyn jene geistlichen Jungfrauen, welche unter deinem Namen in Abtödtung und Selbstver- läugnung den Weg des Heiles wandeln, er- bitte ihnen bei Gott und Seinem Eingebor- nen Sohne die Gnade einer aufrichtigen, 77 unwandelbaren Liebe, englischer Reinigkeit, Verachtung aller zeitlichen Güter und eines demüthigen Gehorsams, sei im Leben wie im Tode ihre Führerin und Fürsprecherin, damit sie zur Glorie der Herrlichkeit gelangen durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Lobgesang zur heiligen Angela Meriei. (Im Tone: Lasset uns unsere Stimmen erheben) 1. ^ngel des Lichtes in irdischer Hülle, Angela, Christi reine Braut, Vielfachen Segen in herrlicher Fülle Hat seine Huld dir anvertraut. Ihm schon in zartester Jugend vermahlt, Hast du den besten Theil erwählt. 2. Ernst und besonnen in kindlichen Zähren, Suchtest du stets die Einsamkeit; Siegreich zu wandeln durch alle Gefahren, Ward im Gebet dein Herz geweiht; Reiftest zur Meisterin jetzt schon empor, Welche der Herr an dir erkor. 79 3. Anmuth, die leuchtend dein Antlitz umfloffen, Hat jedes Herz dir zugeneigt; Eintracht und Liebe sind wieder entsprossen, Wo du versöhnend dich gezeigt; Engel des Friedens! ward dir zum Gruß, Wo sich je hingewandt dein Fuß. 4. Fromme Gesinnung und heilige Sitte Zogen mit dir in stetem Bund; Reichlich aus jeglichem deiner Schritte Gab sich die Macht der Gnade kund; Burgen und Städte, worin du verweilt, Sahen von Thorheit sich geheilt. 5. Was für uns Jesus gethan und geduldet, Hat deine Seele tiefbewegt; Alle die Leiden, die wir nur verschuldet, Blieben in's Herz dir eingeprägt; Ihm und der Jungfrau, die ihn gebar, Gabst du dich selbst zum Opfer dar. 80 6. Mächtig von heiliger Sehnsucht gezogen Eiltest du fern in's Wunderland, Wo er gewandelt auf schäumenden Wogen, Und das Verlorne Schäflein fand; Wo er sein Opfer am Kreuz vollbracht, Wieder erstand aus Lodesnacht. 7. Als da der Himmel es anders gewendet, Jählings dein Aug' mit Blindheit schlug, Hast du die Pilgerfahrt dennoch vollendet, Dir war der Glaube Licht genug; Und mit Gott-innigem, heit'rem Sinn Nahmst du die schwere Prüfung hin. 8. Reichere Gnade noch ward dir ertheilet, Als sich dein Auge neu erschloß; Er, der verwundet und wiederum heilet, Zog dich aus wilder Fluthen Schooß, Flößte dir Muth ein, an's Werk zu geh'n, Wofür er längst dich auserseh'n. 81 9. Wie sie vor dir einst auf leuchtenden Stufen Himmelan stiegen Paar für Paar, Hat sie die Gnade zu dir nun berufen, Sittiger Jungfrau'» edle Schaar, Sollst ihnen Muster und Führerin seyn, Die sich dem Dienste der Jugend weih'n. 10. So zur Erzieherin bist du geworden Weiblicher Jugend nah und fern. Weithin bald grünte und blühte dein Orden, Fröhlich Gedeih'» ward ihm vom Herrn; Sproßte zum Baume mit lieblicher Frucht: Christlicher Sitte, holder Zucht. 11. Angela! Engel des Friedens, der Milde, Leuchtender Stern der neuen Zeit; Sieh' auf uns nieder vom Himmelsgefilde, Die wir noch steh'n vom Ziele weit; Meisterin, welche so Großes gethan, Zeige auch uns die rechte Bahn. 82 12. Woll' uns mir deinem Gebete beschützen, Daß wir getreu in uns'rem Kreis Gutes thun, eines dem andern nützen, Bis wir erlangt des Lebens Preis; Hilf uns den Weg der Gerechtigkeit geh'n, Und einst vor Jesu freudig steh'n. Inhalt. Seite Historischer Vorbericht. Einleitung. 3 1. Zugend und Beruf der heiligen Angela.- 8 2. Angela reiset nach dem gelobten Lande.— Sie erblindet.— Aufenthalt an den heiligen Decken.— Auf der Rückkehr erhält sie das Augenlicht wieder 14 3. Fernere Schicksale bis zur Gründung ihres Ordens 19 4. Angela errichtet die Gesellschaft der Ursuliner- innen, wird zur ersten Vorsteherin gewählt. — Sie stirbt 22 Die Einführung der E. E. Ursulincrinnen in Wien. — Ihre Wirksamkeit........ 33 Andachtsübungen. Der Bußpialm: Miserere. 41 Ablaßgebet um das allgemeine Wohl der Christenheit 44 Reimspruch des heiligen Thomas von Aquin, zu dem heiligen Altarssakramenle 51 Kirchengcsang zu dem heiligen Altarssakramente 53 Litanei, von dem heiligen Altarssakramente.. 55 Seite, Andächtiges Gebet, vor dem hochwürdigsten Geheimnisse Fromme Empfindungen vor dem hochwürdigsten Gute 65 Wenn man mit dem hochwürdigsten Sakramente den Segen gibt 68 Anbetung der heiligsten Dreieinigkeit.... 69 Litanei zu der heiligen Jungfrau und geistlichen Mutter Angela Gebet der Kirche zur heiligen Angela.... 75 Ein anderes Gebet, zu Derselben Empfehlung zur heiligen Ursula 76 Lobgesang zur heiligen Angela 78 i 7 . - G