WiskiSk' Ltscii- l_9sict68didIi0M6l< 9- 8V 25- 25- 894- 115518- 38 WlöliSl' Lischt- Ullä ^.sncjssdidHoikisk 9- 3V 25- 25- 894- 115518- 38 r- sE W w-^rEkLLrui^,«lSLir " ß - ^ 9 V!-'. Band R;-- MMmhck.Seorg Eckt. ^^^^ V s WWW Neue Legende der Heiligen. Nach einem hinterlassenen Manuscript des Voltairs. Mit Rupfern. Salzburg in der neuen Buchhandlung. 1 7 8 4» L 2-- v-r - /!>/ LidHoik Vl/2!tLk Liu- Vorrede- Uuf meiner Kirche, die ich in Ferr nay baute, ließ ich die Worte setzen: Veo errsxir Voltaire. Diese einzige Aufschrift sollte mich schon bey meinen Feinden gegen die Beschuldigung der Atheisterey rechtfertigen. Es würde meiner Philofophie schlechte Ehre machen, wenn ich ein allbelebendes, allerhaltendes Wesen laug- nete. Um einen Gott zu glauben, darf man nur Augen, und etwas Hirn im Kopfe haben. Aber eben, weil ich dieses ewige unendliche We- fen glaubte, konnte ich um so wem. ger auf Roms fabriciree Heilige halten- Die Habsucht dieses christlichen Raubnestes reizte meinen Eifer. Es verdroß mich, daß Mens fchen, die doch in ihren übrigen Hand- lungen etwas mehr Verstand, als Affen zeigen, sich von einem wal- sthen Pfaffe so lang am Narrenseile führen liessen, und vor Heilige Hinknien, die, nach der Legende selbst, größtenteils Schurken oder Narren gewesen. Ich glaubte also meinen geringen Verstand nicht besser anwenden zu können, als wenn ich meinen Mitmenschen wieder zur Freyheit des Ihrigen verhalfe. Hätte mir mein alter Busenfreund Friederich seine bärtige Grenadiers anvertraut, ich würde mein Werk anders angegriffen haben; so aber konnte ich die Teufeln in der Engelsburg blos mit meiner Feder bekriegen. Ich hatte das Vergnügen zu sehen, daß Viele meine Kugeln trafen, und ich hoffe, daß auch gegenwärtige das Ziel nicht verfehlen soll- Voltaire. Erinnerung des U i b e r f e tz e r s. -viele werden es nicht glauben wollen, dast diese Schrift von Voltaire« herkomme, und ich würde es selbst nicht glauben, wenn nicht sein Name auf dem Manuskript stünde. Freylich redt Voltaire hier von Dingen, die nach seinem Tode geschehen sind, und redt also mit prophetischem Geiste; aber warum soll ein frommer Mann, wie Voltaire war, nicht eben so gut, als andere, mit prophetischem Geiste reden können? Und so könnte es sich wohl fügen, daß ihn eben das Rom, das ihn verfolgte, gerade wegen dieser prophetischen Schrift, einst noch a 4 Heilig spräche. Es kömmt alles darauf an, daß die Buchhalter, die ihm seine Werke nachgedruckt haben, und noch nachdrucken werden, das nöthige Geld dazu Herschiessen, und ihren Diebssahl mir dem pWlichen Hofe theilen. Erste Fabel. s>- Leben des heiligen Einsiedlers Si- meonis Stylita. >o dieser heilige Simeon gebohren worden ist, das weiß sein Geschichts- schreiber nicht; hingegen weiß er uns mit aller Gewißheit zu sagen, daß ihn seine fromme Eltern sehr fromm er- a 5 zo- (?2) zogen, und daß er in seiner Jugend das Vieh gehütet habe. Als er etwas erwachsen war, hörte er einen ebenfalls frommen Eremiten gewisse Kapitel aus den Aposteln lesen, die er aber nicht verstand, und, wie wir aus der Folge sehen, der Eremit auch nicht; denn sonst würde er dem armen Sirneon nicht den Vorzug des geistlichen Standes, und insonderheit des Klosterlebens daraus erkläret haben. Indessen war diese Schilderung vom einsamen Barnleben, die der gute Eremit nach seiner Art wird aufgeputzt haben, hinlänglich dem Viehhirten das Gehirn zu entzünden. Sein ganzes Dichten und Denken gieng nun dahin, wie er aus einem brauchbaren Sauhirten ein, unnützer Mönch werden könnte; und so verleiteten ihn seine fanatischen Begriffe dazu, daß er das Haus seiner Eltern verließ— Ein Schritt, ( rZ 7 Schritt, durch den der Heilige bewies, daß er nichts weniger als fromm erzogen war; denn ein fromm erzogenes Kind wird jn keinem Falle seine geliebten Eltern heimlich verlassen, und wenn wir ihn dem Gotresmanne verzeihen, so geschieht es, weil wir wissen, daß es, nach der Erklärung der Apostelkapikel, in seinem Kopfe nicht mehr so ganz richtig aussah. Sein erster Ausflug war in eine Wüsteney, wo er seine Bußmanöuvres anfieng, weil er aber schon nach sieben Tagen wieder die Einöde verließ, und nach einem Kloster wandelte, so muß er entweder von Krautersuppen, und Wurzelkassee kein Liebhaber gewesen seyn, oder er mag als ein runmul lo- ejgchils einen Hang nach Menschen irr sich gefühlet haben. Wo ( 14) Wo das Kloster, zu dem unser angehender Heilige kam, gelegen war, weiß sein Geschichcsschreiber abermal nicht; aber er weiß uns dafür ganz umständlich zu erzählen, daß er dem Prälaten demüthigst zu Füssen gefal, len, und um die Aufnahme in den heiligen Orden gebeten habe. Der Prälat fragte zwar unsern heiligen Deserteur, wer seine Eltern waren; allein dieser antwortete ihm nur: Fraget nicht, wer meine Eltern sind, sondern nehmet mich vielmehr ins Master auf, und erhaltet meine arme Seele. Aus dieser närrischen Rede erkannte der Abbt alsogleich den wahren Klosterberuf, und nahm ihn ins Kloster.— Hier zeigte sich, wie uns sein Biograph erzählt, die Gnade des heiligen Agi- ( iZ) Geistes sichtbar in allen Handlungen des jungen Klosterrekruten; denn, als er einst an einem Brunnen einen harnen Strick fand, band er sich denselben so fest um den Leib, daß er für Schmerzen kaum gehen konnte. Dieser Strick fraß sich nach und nach tief in das Fleisch hinein; es entstanden Wunden, in diesen wuchsen grosse Würmer, und der Heilige fieng endlich durch die Gnade des heiligen Geistes so zu stinken an, daß Niemand neben ihm bleiben konnte. Seine Speisen gab er den Armen, und aß durch die ganze Woche fast nichts; des Sonntags aber that er sich einen guten Tag an, und führte mehr ein englisches als menschliches Leben. Seine übrigen Mitbrüder konnten aber diesem englischen Schweinleben nicht langer gelassen zusehen, und verklagten ihn beym Prälaten. Dieser hatte (!6) le schon selbst m seiner Zelle*) stinken- de Würmer gefunden, er ließ also dem armen Eüneon die Kutte vorn selbe reisten, und den Strick aus dem lebendigen Fleisch nehmen, wobey er sich aber der Thränen nicht enthalten konnte— und welch empfindliche Seele würde bey dem Anblick dieses unglücklichen Schwärmers nicht ebenfalls Thränen vergossen haben? Ein Narr erregt unser Mitleid, er sey ein heiliger: oder ein profaner Narr Wie Wir bitten hier alle hochwürdige und gnädige Herren Prälaten, denen dieses Opnlculum in die Hände kommen sollte, demüthigst um Vergebung, daß wir uns myerfiengcrr, sie in ihren Residenzen, i.iid auf ihren weiche» Polstern an die fatale Perirde zu erinnern, in der ihre Vorführer noch in Zellen wohnten, das Brod im Schweiß ihres Angesichts verdienten, und, stakt Hvllanderleiuwand, eine rauhe Kutt« auf dem Leibe trugen« ( r?) Wie uns der Gefchichtsschreiber weiters erzählt, betrug sich der heilige Simeon bey der ganzen Operation fröhlich und gelassen, und bar inständig, ihn sammt dem Stricke seiner Sünden wegen sterben zu lassen. Der Abbc, der der vielen Wunden wegen seinen Tod selbst für unvermeidlich hielt, ließ ihn auch für todt liegen, und gieng mit weinenden Augen davon. Doch der heilige Mann wurde durch die Gnade des heiligen Geistes, nach fünfzig Tägen wieder gesund, wo ihn der mitleidige Abbr zum Kloster hinausstieß, und ihm befahl, einen weg nach Belieben zu wandern, wozu zwar nur eine Erlaubniß, aber kein Befehl gehörte. Menschenfreundlicher wä>^ es gewesen, den guten Jungen seinen Eltern wieder zuzuschicken, oder ihn in einem Tollhause unterzubringen z aber vermuthlich hielt b man c«s i man es damals bey der unzähligen Nett- ge von Klöstern für überflüßig, noch bes-ndere Narrenhauser zu bauen. Nächst dem Kloster war ein tiefev Brunnen, bey welchem sich viele Teufeln, und andere giftige Thiere aufhielten. Hier verweilte der Heilige siebe» Tage, und Niemand wußte, wohin er gekommen war. Der Abbt, der im Grunde ein guter Mann seyn mochte, und dem es doch Leid that, daß er den armen Schelm so ohne alle Hilfe von sich jagte, hatte, wie der Biograph erzählt, seinetwegen erschreckliche Erscheinungen, und sein Geist konnte nirgend Ruhe findem Er befahl also den Seinigen, be» Nann Gottes überall aufzusuchen, die ihn auch, nicht ohne Schrecken, an, besagten Brunnen, und also in Gesellschaft von Teufeln und giftigen Thieren, ren, fanden, bey denen er sich besser, als im Kloster, zu befinden schien; denn feine Mitbrüder mußten ihm alle Gewalt anthun, um ihn dahin zu bringen. Als er wieder im Kloster ankam, fiel ihm der Abbt zu Füssen, und bat ihn um Vergebung; und dieser Zug machte dem Herzen des Prälaten allerdings Ehre. Auch seine übrigen Mitbrüder begegneten ihm mit vorzüglicher Achtung, so wie man überhaupt einem guten Menschen, wie der heilige Si- meon wirklich im Grunde war, gut seyn muß, sobald er nicht mehr stinkt. Allein der gute Heilige war so eine Begegnung nicht gewohnt, und, weil sie sein demüthiger Geist in die Lange nicht aushalten konnte, so lief er heimlich aus dem Kloster davon. Er eilte einer Einöde zu, wo er 5ch eine Zelle aus Steinen baute, und, b r wie ( 20) wie seinLebensbeschreiber sich ausdrückt, Gott dem Herrn mit einem neuen Geist zu dienen anfieng. Er führte hier so ein strenges und bußfertiges beben, daß es kaum zu beschreiben ist: indessen wird dieses beben doch beschrieben; denn wie geschrieben steht, wachte und fastete er unaufhörlich, und, wenn er doch zur Erhaltung des bebens etwas gemessen mußte; so waren es Linsen und kaltes Brunnenwasser- Seine Zelle war aber ganz offen: wenn es also regnete, so wurde er naß, und wenn die Sonne schien, so brannte sie ihn. Welches alles sehr^natürlich zugieng. Nachdem er sich durch vier Jahre so wassern und braten ließ, zog er übermal weiter, um eine strengere Lebensart anzufangen. Wo ( 21) Wo er diese Lebensart eigentlich anfieng, können wir unsern Lesern nicht sagen; denn der Biograph hat abermak für gut befunden, diese Kleinigkeit mit Stillschweigen zu übergehen. Genug, daß er an dem ungenannten Orte eine vier Ellen hohe Säule aufrichtete, auf der er weder gehen noch liegen, noch sitzen konnte, obwohl man sonst auf einer Säule, wo zum Stehen Raum ist, auch wohl im Nothfalle sitzen könne. Auf dieser Säule(wie er hinaufkam, wird nicht erzählt) stand er vier ganze Jahre: als aber seine Heiligkeit in der Gegend bekannter wurde, liessen ihm die herumliegenden Völker, denen vermuthlich das Ding gefallen mußte, eine 12, dann eine Zo, und letztlich gar eine 40 Ellen hohe Säule errichten. Hier produzirte er sein Kunststück durch 16 Jahre, und, wie die Legende sagt, auf eine wunderbare ?Deise; da er aber, nach eben der Le- b 3 gen- ( 22) gende, auf eine natürliche Meise Speis und Trank zu sich nahm, so ist zu vermuthen, daß er gewisse Bedürf« nisse des menschlichen Körpers ebenfalls auf eine natürliche weise verrichtet hat, und das mußte entweder für den Heiligen, oder für die Leute, die unter der Säule standen, seine Unbequemlichkeit haben. Damit ihm bey dem immerwährenden Stehen die Zeit nicht lang wurde, wirkte er verschiedene Wracket, von denen viele benennet, aber keines bewiesen ist. Indessen hatte seine liebe Mutter, die ihn schon 2? Jahre vergebens aufsuchte, auch ein Wort von dem grossen Rufe ihres Wundersvhnes gehört. Sie eilte also mit freudigem Herzen seinem Aufenthalte zu, in der Hoffnung, den geliebten Flüchtling wieder zu sehen» Als ( 2Z) Als sie bey seiner Säule ankam, weinte sie bittterlich, und bat um Audienz. Ihr fromm erzogener Sohn aber ließ sie nicht vor die Augen, sondern sprach blos zu ihr: Setzt euch ein wenig nieder, ich will euch alft>bald sehen. Die Mutter gehorchte, gab aber in eben demselben Augenblicke ihren Geist auf, welches auch der heilige Sis meon abermal durch die Gnade des heiligen Geistes erkannte. Er ließ al'o die todte Mutter hark an die Säule hinbringen, betete ganz inbrünstig für ihre liebe Seele, und hatte das Vergnügen zu sehen, daß Die todte Mutter liebreich gegen ihm hinauflächelte. Bey diesem Faktum wird wohl jeder Leser bey sich die Frage thun: Wenn der Heilige Tag und Nacht auf einer Säule stand, auf der er weder b» st* ( 24) sitzen noch liegen konnte, so mußte ihn seine Mutter ohnehin sehen, ohne daß sie nöthig hatte, um Audienz zu bitten? Oder war vielleicht die Säule von oben mir einer Wand umgeben? (Und daS war sie nach dem eigenen Ausspruch seines Geschichtschreibers,) so fallt ja alles Wunderbare bey der Sache weg; denn, sobald der Heilige sich verstecken konnte, so konnte er wohl auch versteckt sitzen, schlafen, u. s. w. und so konnte es sich wohl gar fügen, daß der Mann Gottes, den wir bis itzt noch immer für einen Schwärmer oder Narren hielten, am Ende, wie es noch viele sogenaunte Männer Gottes sind, ein feiner Betrüger war? Der Umstand, daß er seine betrübte Mutter nicht sehen wollte, spricht wenigstens sehr wider sein Herz, noch mehr aber ihr schneller Tod, der wohl leichtlich ein Werk seiner Jünger seyn konnte, die von dem Gaukelspiele des Hei- ( 25) Heiligen Bauch und Beutel füllten, und bey dem Anblick der Mutter besorgen mußten, es möchte der Kredit des Simeons, und mit ihm ihre Einkünfte abnehmen, wenn es bekannt würde, daß der Mirakelmacher einst Schweine gehütet hatte. Wir fahren weiter. Nach diesem Mirakel,(nämlich nach dem liebreichen Lächeln des todten Körpers; denn der schnelle Tod wird wohl keines seyn?) wirkte Gott ein Wunderwerk nach dem andern durch ihn. Es wird zwar nicht ein einziges genennt; indessen mußten sie sehr in die Augen gefallen seyn, weil sogar die ungläubigen Sarazenen steh haufenweise zu ihm begaben, und sich, gleich einem gewissen Volke, Arm und Bein entzwey treten liessen, um von seiner Simeonischen Heiligkeit den 4O Ellen*) hohen Segen zu erhalten. b 5 Der *) Da man in einer gewissen Stadt die Kraft ( 26) Der Heilige theilte auch so kraftvolle Segen aus, daß er den König der Sarazenen von der Gicht befreyte, der Königinn aber zu einen Leibserben tzerhalf.—Uiberhaupt sollen die U)ald- heiligen, besonders im Punkte der Fruchtbarkeit, ihre Wunderkraft gezeigt haben. Er befreyte aber auch einen Mörder aus den Handen der Obrigkeit: ein Mirakel, das ihm in unsern Zeiten leicht eine Stelle bey der geschlossenen Kompagnie verschaffen könnte. Die wilden Bestien machte er durch blosse Segen von ihren Schaden gesund, und wenn irgend ein Erdbeben war, flohen die Leute haufenweise zu ihm, und fanden Hilfe.— Al- Krast des pabstlichen Segens nach Kans- nenschüffen ausgemeffen hatte, so mag es uns erlaubt seyn, die Kraft des si- meonischen Segens nach Ellen zu berechnen. ( 27) Allein die Lebensart dieses Heiligen fieng nun selbst andern frommen Einsiedlern an verdächtig zu werden; und wem sollte es nicht verdächtig werden, wenn ein Mensch, ohne zu schlafen, frey auf einer 40 Ellen hohen Säule durch viele Jahre steht? Natürlich konnte so etwas nicht zugehen, und übernatürlich auch nicht; denn es ist doch nicht zu vermuthen, daß Gott, der den Menschen zur Arbeit erschufen hat, seine Freude daran haben soll, wenn ein Geschöpf von ihm sich peiniget, und auf einer 40 Ellen hohen Säule, fast durch sein ganzes Leben, den Tagdieb macht.— Also mußte eine kleine Schelmerey hierunter stecken. Um also zu wissen, od dieß alles von Gott, oder etwa von bösem Feinde herkam, haben sie Seine Heiligkeit auf folgende Art erforschet. Sie schickten nämlich einige gottselige Ein, sied, ( 23) siebter zu ihm, die ihm seine ungewöhnliche Lebensart mit harte» Worten vorhalten sollten. Damit der Teufel aber den Braten nicht etwa rieche, gaben Sie ihnen die geheime Instruktion mit, ihn durch das Gelübde des Gehorsams, das die Mönche weniger, als die übrigen Gelübde zu verletzen pflegen, auf die Probe zu stellen. Sie sollten ihm nämlich in Kraft des heiligen Gehorsams befehlen, von der Säule herab- zufteigen. Gehorcht er, so sollen sie ihn stehen lassen— gehorcht er nicht, so sollen sie ihn mit Gewalt herab- reissen. Mit dieser weisen Instruktion grenz die Deputation ab. Als *) Bey den Mönchen ist doch alles heilig. Gie sagen: der heilige Orden, die heilige Kutte, der heilige Gehorsam, u. f. w. ( 29) Als sie bey dem Statisten*) anlangten, konnten sie für lauter Ehrerbietung ihre Augen nicht gegen die Säule emporheben; doch verwiesen sie ihm, um ihren Auftrag zu vollziehen, fein unerhörtes Bußleben, und befahlen ihm, Kraft des heiligen- Gehorsams, die Säule zu verlassen, und wieder in sein Kloster zu kehren. Kaum hörte der Heilige das Wort Geh-rstrm, so fetzte er den Fuß an die Leiter, und war im Begrif, her- abzusteigen. Die Deputirten entsetzten sich über diese fromme Bereitwilligkeit, und baten ihn, sich nicht weiter zu in- kommodiren; ja sie befahlen ihm, noch fer- Statisten nennt man diejenigen, dir auf dem Theater stumme Personen vorstellen;'.vcil nun der heilige Simevn ebenfalls unthätig da stand, so scheint uns das Wort Grmrst nicht übet angefacht. ( 30) ferners, seine statische Arbeit fortzusetzen, und Gott den Herrn für sie, und die ganze Christenheit zu bitten. Wenn der Heilige gleich sieben Tage bey dem Brunnen mir den Teufeln Bruder im Spiele war, so konnte Satan doch, als ein Kind des Ungehorsams und des Stolzes diese deuiü- thiggehorsanie Handlung nicht langer ge- lassen ansehen. Er sann auf einen Schabernack» Als ein alter Prakticus, und erfahrner Aueialist wußte er, daß ein Teufel nie leichter seinen Endzweck erreiche, als wenn er die Gestalt eines Engels annimmt: er kehrte also den Rock um, setzte sich auf einen feurigen Wagen, ließ sich feurige Pferde vorspannen, und fuhr in dieser Equipage zur Säule des heiligen Simeons. H>öee mich an, Simesn, sagte er auf englisch, derc (Zl) der Herr hat mich seinen Engel mir diesem feurigen Magen und Pferden dich abzuholen geschickt. Es ist das nämliche Fuhrwerk, das einst den heiligen Elias nach den Himmel brachte. Steig also herein, wir w-llen dahin fahren, damit dich die Engel und Heiligen dort anschauen und verehren. Si'meon verrichtete bey dieser Anrede sein Gebet, streckte dann den rechten Fuß aus; weil ihm aber das ganze Fuhrwerk fremd vorkam,(denn . damals wußte man noch nichts von tNontgolstnifchen Luftkugeln- machte er zur guten Vorsorge mit der rechten Hand das Zeichen des heiligen Kreuzes. Hier verschwand der Satan augenblicklich, und der Eimeon merkte eS nun erst, daß ihn der Teufel zum Nar- ren hatte. Dieß brachte den heiligen Mann zum erstenmal aus seinem Psteg- ma; weil er sich aber an dem verschwur;- ( Z2) denen Teufel nicdt rächen konnte, so mußte es sein armer rechter Fuß entgelten. Du sollst( sagte er im Eifer des Geistes zu seinem Fuß) bis zu meinem Tod die Säule nicht mehr berühren, sondern also ausge- streckt verbleiben, bis der Herr mich armen Sünder von der Welt nimmt; und so blieb er auch wirklich bis an sein Ende mit ausgestrecktem Fuß auf einem Beine stehen, und that also, was weder Vestris, noch irgend ein wälscher Gaukler zu thun im Stande wäre. Nach dieser Periode eigentlich haben ihm die umliegenden Völker erst die 40 Ellen hohe Säule errichtet. Von dieser predigte er dem umstehenden Volke zweymal des Tages, Lispu- tirte,( trotz dem P. Merz) mit Ke- ( 33) Hern, Heiden, und Juden— versöhnte die Feinde*) legte den KathechismuS aus, der daiual noch nicht zusammengeflickt war— ermähnte die Bischöfe und den Kaiser( es steht nicht welchen) war für aller Menschen Seligkeit sorgfältig, und that alles dies, gleich den schlafenden Gänsen, auf einem Bein. Nun erzählt uns sein Biograph, nach welcher Manier der Heilige auf der Säule stand» Es war nämlich auf ihrer Oberfläche ein starker Balken eingemauert» An diesen ließ er sich anfänglich so fest c bin- *) Diese ist die einzige schöne Handlung, die wir in dem ganzen Leben des Heiligen finden. Wenn er sie nur nicht so versöhnte, wie die Mönche junge Eheleute,«der unsre grosse Herren zween streitende Potentaten zu versöhnen ofle> gen.——— ( 34) binde«, daß er sich gar nicht bewegen konnte. Darauf fastete er durch vierzig Tage, und, weil er vermuthlich fastete, wie unsre Prälaten und Kardinale zu fasten pflegen, so fand er sich durch diese vierzigtägige Fasten st> gestärkt, daß er nun unangebuuden, und ohne sich zu beugen oder anzulehnen, 40 Tage, unter freyem Himmel, stehen konnte. Die Spitze der Säule- wo er stand, war mit einer schlechten Wand umgeben(und hier lag eigentlich der Hund begraben.) Weil ihm aber doch das Stehn auf einem Beine zu beschwerlich fiel, so ließ er einen Schmied kommen- der ihm den einen Fuß an eine grosse Kette anschmieden mußte; allein der Bischof von Antio- chien besorgte, das Volk möchte den Heiligen, der Kette wegen, wohl gar für einen Narren halten, befahl ihm, sie abzulegen. Wen« ( 35) Wenn er zu Gott betete, neigte er sich so rief, daß seine Stirne die Zehen der Füsse*) berührte. Ein frommer Mann, der abermal keinen Namen hat, zahlte in kurzer Zeit über tausend, zwey hundert, vier und vierzig solch tiefer Reverenzen, oder Lalti mortali— Das waren sie auch im Grunde. Als der Heilige an einem Char- freytage abermal solche Fvrcebücklinge machte, mußte ihm das Blut in den Kopf geschossen seyn; denn sein Jünger Antonius fand ihn todt auf der Nase liegen. Vom he legen^eibe gieng ein so süffer himmlischer Geruch, daß es er *) Hier vergaß der Bisgrarh, daß ein Lügner ein gutes Gedächtniß haben rnüA; denn, wer auf einem Beine steht, kann wohl die Zehen des Fusses, aber im, L bis Zehen der Füsse nur der Stirne bk»- rühren. ( Z6) er sein Lebtag dergleichen nicht gero- chen hatte. Wenn der Jünger Anto- nius so ein Schweinygel war, wie sein Lehrmeister, so mochte der Gestank von Wärmen allerdings ein angenehmer Geruch für seine Nase seyn. Als der junge Antonius merkte, daß Simeon mit dieser Positur nicht etwa: WS-E--S, machte, bat er den todten Heiligen um seinen Segen.—— Darauf antwortete der todte Heilige: Ich will weder dich, noch diese Säule verlassen, viel weniger diesen heiligen Berg, auf welchem mich der Herr ge- heiliget hat. Steig alsdbald herab, zeige keinem Menschen, als allein dem Bischöfe zu Antiochia meinen Tod an, damit er mich herabnehme, und zur Erde bestatte» Hier ( 37) Hier widersprach sich der Heilige. Erst wollte er die Säule nicht verlassen, dann sollte ihn der Bischof zur Erde bestatten? Doch ein Tsdtek weiß viel, was er spricht. Sobald der Bischof den Tod deS Heiligen vernahm(denn sie waren vermuthlich eben solche Herzensfreunde, als Gassner und sein Bischof) eilte er zum Landbogt, der mit 6c>OO bewaffneten Männern, in Begleitung des Patriarchen und 6 andrer Bischöfe, den heiligen Leichnam in die Stadt Antio- chien überbrachte, wo er, bis sie ihm einen eignen Tempel erbauet, indessen in der Kirche des heiligen Kaßian beygesetzt wurde. Sein Biograph erzählt ein Mirakel, das er kurz vor seinem Ende soll gewirket haben. Wir wollen es ihm, zu gutem Ende, nacherzählen. c 3 In (38 7 In dem rechten ausgestreckten Fuß setzte sich ein Geschwür an, aus dem das Eyrer auf die Säule, und von der Säule auf die Erde floß. Es wuchsen auch grosse Wurme darinn, die ebenfalls auf die Erde fielen; aber so oft so ein Wurm herabfiel, mußte sein Jünger Antonius, der eigentlich den Bagliazo vorstellte, dem Heiligen die Herabgefallenen Wurme wieder hinaufreichen. Dieser quartierte sie dann wieder in seine Wunden ein, indem er zu ihnen sagte r Esser nur wacker von dem, was euch der Herr zubereitet hat; denn es gehört euch zu. Da ereignete es sich nun, daß der König der Sarazenen,( vermuthlich der nämliche, der durch ihn zum Vater wurde) ihm einen Besuch abstattete. Bey dieser Lmrevste fiel ein Wurm aus der Wunde. Der Türk löste ihn hon der Erde hastig auf; der Heilige rief ( 39) rief ihm zu: wirf weg, was von mir armen Sünder gefallen ist; denn es ist ein wurm des faulen Fleisches. Der König aber antwortete: Da bin ich kein Narr(denn er hatte statt des Wurms eine kostbare Perle in der Hand) Dieß soll mip zum Segen, und zur ZTfachlassung meiner Sünden dienen. Amen. e 4 Mo- ( 4v) Moral. Aus dem, daß der Geschichtschreiber uns nicht zu sagen weiß, wo der Heilige gebohren worden— wer seine Eltern waren— wo das Kloster lag, aus dem er entlief— in welchem Jahre er gestorben u s. w. sollte man mit vieler Wahrscheinlichkeit schließen, daß es nie einen heiligen Simeon gab, und daß er eben so gut als der berühmte heilige Benedikt eine Geburt der Imagination sey. Aber auch zugegeben, daß er wirklich existirk habe, so finden wir in seinem ganzen seben nicht eine einzige Handlung, die ihn berechtigt hatte, auf Heiligkeit eine Pra'tension zu machen» ( 41) Ein Heiliger muß mit außerordentlichen und zwar praktischen Tugenden des Christenthums glänzen. Sein frommer Lebenswandel muß so beschaffen seyn, daß er den übrigen Christen zum Muster dienen könne: er muß aber nicht Rarrenstreicbe begehen, die das Tollhaus verdienen. Wir wollen die Handlungen des guten Cimeons in das vortheilhafteste Licht stellen: Wir nehmen an, daß er seinen Eltern blos aus einem falschen Heiligkeitseifer entlaufen, daß er an dem schnellen Tode seiner Mutter unschuldig war, daß nicht er, sondern vielleicht der Jünger Antom'us, oder ein andrer Jünger an der sarazenischen Königinn das fruchtbare Mirakel ge- wirket habe— daß sich die eigennützigen Jünger, auf gut jesuitisch, seine c 5 Schwär- ( 42) Schwärmerey zu ihren Absichten bedienten— daß auch der Hokus- Po- kusstreich mit der Perle, und dem Wurm nicht von seiner Erfindung war — ja, wir nehmen sogar an, daß er streng gefastet, daß er wirklich auf der Säule gestanden, und sogar auf einem Beine gestanden sey, so sehen wir doch an dem ganzen Heiligen( wir mögen ihn noch so schön aufputzen) weiter» nichts, als einen unnützen Mitbürger des Staates, und, wenm wir ihn recht gelinde beurtheilen, einen Schwärmer, und bedaurungswürdigen Narren. Ob aber auch diejenigen, die ihn heilig sprachen, diesen gelinden Namen verdienen, wäre eine andre Frage ,' wenn es nicht schon weltkündig wäre, daß Rom sogar den Teufel heilig spricht, wenn er gut bezahlt. Be- ( 43) Beschreibung de 6 Kupferstiches. heilige Simeon steht auf einer hohen Säule mit ausgestrecktem Beine. Um die Säule hat sich vieles Volk«er? sammelt. Der König der Sarazenen klaubt«inen herabgefallcncn Wurm von der Erde auf. Die ganze Gegend stellt einen Wald vor. Der ( 44) Der Jünger AnroniuS führt die sarazenische Königin» aus seiner Eremitage.— c-- wo- Zwvte Fabel. 2 Das Leben der heiligen Theresia. wir nicht etwa diese Heilige, ^eich dem heiligen Simeon, für ein Findelkind halten mögen, macht uns der Biograph gleich anfänglich zu wissen, daß sie zu Abula in Spanien von edeln und gottseligen Eltern gebohren wor- ( 4-6)- worden.) Der Vater soll ein besonderer Liebhaber von geistlichen B ehern gewesen seyn, und weil die Eltern gemeiniglich ihre Thorheiten den Kindern einzuflößen pflegen, so fühlte er auch seine Tochter zu diesem heiligen Gebrauche an. Ihre Lieblingslektüre war die Legende der Heiligen Gottes. Es darf uns also nicht Wunder nehmen, wenn sie darüber verrückt wurde. Theresie hatte eine weiche Seele, ein feuriges Blut, und war eine Spanierinn.-- Das Leben der Märtyrer gefiel ihr vorzüglich, und sie fühlte e nen unwiderstehlichen Kitzel in sich, sich ebenfalls martern zu lassen. Weil sie aber ver- ») Wie der Vater hieß?— In welchem ^;chre sie Mohren worden? Sind«dermal in Leu'Lagen der Biographen unbedeutende Sachen. (^47) vermuthlich die übrigen weifsen Nationen nach den Spaniern beurtheilte, so besorgte sie, diese möchten sie nicht nach Herzenslust martern,*) und entschloß sich daher, ihr Marterkranzchen bey den Mobren zu suchen. Die kleine Schwärmerinn steckte auch ihr Brüderchen Noderiko mit dieser Naserey an, und eh man sich's vorsah, liefen beyde aus dem väterlichen Hause fort, um sich nach Afrika einschiffen zu lasten. Zum Glück erhäschte sie des Vaters Bruder, eh' sie ihr Vorhaben ausführen konnten, und brachte sie den bekümmerten Eltern zurück. The- --eae gute Tbcrese mußte nie einem ^uro elg fer: ju>..'gewrhnt habe;,, sonst hatte sie gewiß ihren L-rndsleuken in diesem Stucke ein keßers Talcnr rngekeaur. ( 48) Theresia war nun untröstlich dar, über, daß ein Strich durch ihre Rechnung gemacht wurde, und entjchloß sich, die ihr entwischte Marterkrone auf andere Arr zu ersetzen. Sie errichtete, wie der Biograph selbst sagt, in ihrer kindlichen Einfalt Eremitagen und Zellen, und brachte ihre Zeit sammt ihrem Brüderlein im Beten, Weinen, Fasten, und All- mosengeben zu. Mit zwölf Jahren verlor sie ihre Mutter, und wenn sie dieser Verlust gleich sehr schmerzte, so wurde er ihr doch reichlich ersetzt; denn die Mutter Gottes bot sich selbst an Mutterstelle bey ihr zu vertreten; weil sie aber besorgte, Theresia möch- > te in der bösen Welt verführt werden, und statt ein Kränzchen zu erobern, wohl gar das ihrige verlieren, so befahl sie ihr, in den Karmeliterorden zu gehen, den die Mutter Gottes, wie c 49) wie die Legenden, und die keuschen Karmeliter: erzählen, eigenhändig soll stabilirt haben- Jhre Verwandten wollten sie von ihrem heiligen Vorhaben abhalten(man sollte kaum glauben- daß se Spanier waren)»al!ein die junge Heilige setzte ihnen solche Gründe entgegen, daß ße schweigen, und ihr Recht geben mußten» Nebst andern Gründen sagte sie eines Tages zu ihnen: Was ist doch das Fasten, wachen, Beten, und die verläugnung des eignen willens gegen das höllische Feuer: zu rechnen t Wir glauben aber, die Heilige werde wichtigere Berufsgründe, als diesen, gehabt haben; denn die Furcht vor dem höllischen Feuee ist ein sehr unvollkommner Beruf» b Nach, ( 5°) Nachdem sie von der Welk Urlaub genommen hatte, trat sie in den Orden der Karmeliterinnen, wie ihr von ihrer allerheiligsten Pflegmutter befohlen worden. Daß man eine Kan- didatinn, die von der Ordensstifterinn selbst eineRekommandation, und, ausser dieser, ein ansehnliches Watrimo- nium mitbrachte, mit offnen Armen werde aufgenommen haben, daran ist nicht zu zweifeln. Im Probjahre ließ sie allerhand Zeichen künftiger Heiligkeit an sich spüren, und mußte s.wohl innerlich, a s äusserlich(sie sah doch wohl keinen Mann, als ihren Beichtvater) schwere Versuchungen überstehen. Von welcher Art diese Versuchungen mußten gewesen seyn, laßt sich aus den vielen Krampfungen, denen Theresia sehr hau, fig unterworfen war, schließen. Sie lag öfters durch mehrere Tage in Zu- ckun- ( 5-) ckungen dühin, und sah wahrend dieser Zeit, wie überhaupt Leute, die phantasiern, Verjchiedenes zu sehen pflegen, die peinen der Hölle, die Freuden der Seligen, und diele andere wunderbare Dinge. Der Doktor, der vermuthlich ihre Krankheit errieth, ließ sie wieder in das Haus ihres Vaters bringen, wo sie drey Jahre krumm gelegen, und unerhörte Schmerzen litt. Nach dieser langen Zeit wurde sie, wider alles Verhoffen, durch die Gnade Gottes, und durch die Fürbitte Mariens, und des heiligen Josephs, gesund, und kehrte wieder in das Kloster zurück. Zu selbiger Zeit pflegten viele Weltleute das Kloster zu besuchen, und mit allerhand weltlichen Reden ihre Freundinnen zu erlustigen. Theresie, bey der die ausgetretenen Safte nun d L wie« c r») wieder im Geleise waren/ und die über- Haupt durch Arzneyen ihr Blut abgekühlet hatte, glaubte,„es würde ihr „übel anstehen, wenn sie nicht mit- „machte, und nicht that, was sie andere Klosterfrauen, die sie immer für „sehr fromm gehalten, thun sah/* Sie empfand zwar über ihre neue Lebensart manchen Skrupel; allein ihr *) Beichtvater tröstete sie mit der Versicherung, daß es nur läßliche Sünden seyen, die leicht ausgelöscht wer^ den können. Auf diese Versicherung fuhr die heilige Theresia in ihrem eiteln Geschwatze fort; als sie aber einmal am Klosterthore mit einem adelichen Herrn von *) Also gab es auch schon vor Meister Same liez kluge Beichtvater, die das schone Geschlecht in und ausser der Beicht zu befriedigen wußteir. ( 53- von weltlichen Dingen redete, er« schien ihr Christus, so wie er einst bey der Geißlung an der Säule stand. Er sah sie mit betrübten Augen an, und sprach mit beweglicher Stimme: Der« neewegen bin ich vor Zeiten also Zerfetzet worden, und werde nun «dermal auf diese weise von dir gepeiniget, und verwundet. Ist das der Dank für st> grosse dir erzeigte Liebe, daß du dasHerx von mir abziehst, und den Menschen giebst? Christus dachte also ganz anders, als Therestens Beichtvater, und hatte keine Molinististhe Grundsätze» Nach dieser Erscheinung ließ sie ihren Galan am Thore stehen, lief auf ihre Zelle, warf sich vor einem Paßionbild auf die Kniee, und zahlte alle die Wunden her, die sie Christo geschlagen hatte. Das mußte d Z Se- ( 54) beträchtlich ausgefallen seyn; denn das Herz wollte ihr fast für Reue zerspringen.... Nachdem ste ausgeweint hatte, sagte eine Stimme zu ihr: Ich will nicht haben, daß du von nun an Gemeinschaft mit Menschen,*) sondern blos mit Engeln haben sollst. Theresia, die sich in ihrer bilderreichen Phantasie die Engeln wohl noch schöner, als ihren adelichen Herrn vorstellen mochte, schien mit dem Tausch zufrieden, und floh von nun an alle ausgelassene lVeltleute. Sie ergab sich mit *) Wie wir weiter abwart» sehen, verstand Christus unter dem Worte Menschen blos die ausgelassenen Weltleute. ES wäre also Vermessenheit, die frommen Mönche und Nonnen Wer die Menschen zu zählen. ( 55) mit allen Kräften des Leibes und der Seele den Betrachtungen und Bußwer-» ?en. Die Bekehrung der heiligen Mag- dalene war(vielleicht wegen einer Aehn- lichkeit mit ihrer eignen Geschichte,) ihre Lieblingsbetrachtung. Sie fieng an, nach ihrem Beyspiele, ihr zartes Fleisch ohne Unterlaß zu kreuzigen, und benahm ihm durch Harne Kleider, und beständiges Geißeln den Appetit, stch je wider den Geist aufzulehnen. Dafür aber hatte sie Christus auch so lieb, ^ls seine Magdalene. „Er überhäufte sie öfter mit so ;>vielen Süßigkeiten, daß sie aus Rath „ihrer Bcichtväter, sich denselben ruft „-ersetzen mußte. Je mehr sie aber „solche von sich abzuhalten suchte, je „mehr wurden ihr diese Süßigkeiten umgegossen." (56) Endlich kamen der heiligen The- diese Süßigkeiten, Verzückungen, Erscheinungen, und göttliche Heimsuchungen selbst verdächtig vor. Sie besprach sich also darüber mit dem heiligen Petrus von Alkantara, dem heili- gen Franziskus Borgia, und andern hocherlauchten Männern, die ihren Geist sorgfältig prüften, und allzeit für gut, und göttlich hielten. Es gab zwar einige fromme Männer, die ihre Erscheinungen, und die andern Gaben für Betrug erklärten; txr kam aber der Herr, und tröstete sie mit den Worten: Zweifle nur nicht; denn die Wahrheit wird bald offenbar werden, und diejenigen, die eine üble Meynung davon haben, werden in sich gehen. Von nun an war Ruh' und Friede in ihrer Seele. Da ihr der Herr Le- ( 5?) befahl, blos mit Engeln umzugehen, so hat es uns schon sehr befremdet, daß noch keiner zu ihr kam« Nun aber leM wir zu unserm größten Vergnüge, daß sie ganz»»vermuthet so einen Besuch erhielt. Sie sah namlrch(vermuthlich in ein^r schwülen Sommernacht) einen Engel neben ihr stehen, der ihr das Herz mit einem feurigen Pfeile durchbohrte. Dkr Schmerz war so groß, daß er ihr die Araft zum Schreyen benahm, und ihr blos zu seufzen erlaubte; zugleich aber erweckte die gemachte Wunde solche Brunst der göttlichen siebe in ihr, daß sie solche mit allen Freuden der Welt reicht vertauscht hatte. Das Feuer lief ihr durch alle Adern, sie brannte von Flammen der göttlichen Süßigkeit, und, wenn sie die Gegenwart ihres himmlischen Bräutigams nur einen Augenblick nicht ver- d 5 spür- ( 58) spürte, so gieng sie gleichsam für Begierde zu Grunde. Sie wiederholte oft die Worte des Psalmisten: Gleichwie ein Harsch verlangt zu den Brunnen der Wässer, als- verlange meine Seele zu dir, o Herr Darauf bekam sie gemeiniglich, in Gegenwart vieler Menschen, plötzliche Zu, ckungen ider Biograph nennt sie Verzückungen) biß sie zwar zu verbergen suchte, aus Verhangniß Gottes aber nicht konnte. Der Herr belohnte sie aber auch mit einer eben so brennenden Gegenliebe. Sobald er nur einen Augenblick im Himmel abkommen konnte, war er bey seiner innigstgeliebten Therese. Die legende hat uns einige vertraute Gespräche aufbewahrt. Einmal sagte er zu ihr, indem er die Hand gegen sie ausstreckte:„Schau an diesen „Na- ( 59) „Nagel, durch welchen bedeutet wird/ „daß du hinfüro meine Braut seyn „sollst, welches du bishero noch nicht „verdienet hast. So sollst du dann „von itzt an für meine Ehre Sorge „tragen, nicht allein, dieweil ich dein S,Erschafer, König und Gott bin, sondern weil ich auch dein Bräutigam, „du aber meine Braut bist „Anitzt ist meine Ehre deine, und Veline Ehre meine." Was Therefe auf diesen Heurathsantrag geantwortet habe, sagt die be gcnde nicht; vielleicht hat ihr der die besschmerz abermal die Stimme benommen. Ein andermal, als er sehr fest an ihrer Seite war, sagte er ihr die Assen Worre:„The.rese, wenn ich den „Himmel nicht erschaffen hatte, so woll- „te ich ihn deinetwegen erschaffen" und kurz ( 6o) kurz darauf:„Du bist anitzt ganz mein, ,mnd ich ganz dein." Könnte ein Planst verliebter und gglanter sprechen? Schwärmerinnen sind fast immer auch unruhige Köpfe. Theresien war Vieles in ihrem Orden nicht anständig; sie dachte also auf eine Reformation. Sie sprach mit ihrem Bräutigam aus der Sache, der ihr seine Protektion versprach, und ihr befahl, das erste reformirte Konvent das Bissteo des heiligen Josephs zu rennen; sa, er gab ihr sogar das Wort, daß er sammt den Jungfrauen im Kloster wohnen wolle. Seine Mutter, die Himmelskönigin«, sott das vordere, der heilige Joseph aber das Hintere Thor bewachen. Bevor sie aber Hand an's Werk legte, möchte sie doch, der guten Ordnung wegen, mit ihrem Beichtvater reden. Das ( 61) Das that sie auch; um aber in der Sache noch sicherer zu gehen, zog sie auch'den heiligen badwig Bertrsnd, und ihren guten Freund Petrus zu Rath, die dann abermal gegen die schöne Theresia so galant waren, und auch diese Eingebung, so wie vorher, die eingegoffene Süßigkeit für ein Werk von Gott hielten. Nach dem geistlichen Konzilium stetig die heilige Theresia an, in der Stadt Abula ein armes Klösterlein aufzurichten; allein sie mußte so viele Schmach- reden anhören, daß sie kleinmüthig worden Ware, wenn sie ihr Bräutigam nicht besonders getröstet hatte.—- Sie wurde in der ganzen Stadt für eine vermcssne und Verführte Person gehalten. In ihrem eignen Kloster waren ihr alle ihre Mirschwestern, die oiellekcht von den Süßigkeiten Wind ockommen Hatten— zuwider, und sie muß- ( 62) mußte bald hie bald da herzbrechende Snchreden anhören. Ihr eigner Beichtvater hieß sie vom angefangenen Werke abstehen; da er aber von Theresien hörte, daß der ^err abermal bey ihr war, und er ihm selbst en xastaM zu verstehen gab, daß die Heilige in dem Bau fortfahre, und daß er ihr dazu behilflich seyn wolle, nahm er sich der Sache mit al- lem Eifer an. Der heilige Joseph, dem daran lag, seine Thorsteher-Charge nicht zu verlieren, kam auch zu ihr, und hieß sie fortbauen, mit der Versicherung, daß ihr das Geld nie ausgehen werde, und daß sie nach Belieben über den himmlischen Kammerbeutel difpcniren könne- Ss ( 6Z) So kann jeder Narr bauen, wird Mancher bey sich denken. Den Herrn zum Baumeister— den heiligen Joseph zum Zimmermann— und die himmlische Kasse zur Disposition l! l Doch was Andere denken mögen, geht uns nichts an. Bald darauf kam abermal der heilige Joseph zu ihr, brachte aber auch die Mutter Gottes mit sich. Sie zogen der heiligen Therese ein weisses Kleid an, und ermähnten sie, ohne Furcht im Bau, und in der Reformation fort zufahren. Bey dieser Gelegenheit wirkte Theresia das erste Mirakel; denn sie erweckte ein Kind vom Tode, und stell' re es den Eltern ganz gesund zurück. Nun gierig die Heilige mit Ernst M den Bau. Der leidige Satan aber, der d 64) der gern mit deü Heiligen seine 5surz- weile treibt, konnte auch dießmal die Schelmerey nicht lassen. Er schlich sich Nachts heimlich zum Bau hin, und warf ihr eine grosse starke Mauer zü Boden. Theresie aber ließ sich durch so eine Kleinigkeit nicht irre machen, und brachte alles glücklich zu Ende» Darauf zog sie mit noch andern vier frommen Jungfrauen in das Klosterlem» Weil sie aber ihre^mour mit dem Herrn nicht langer geheim halten wollte, so legte sie sich den Namen ihres geliebten Bräutigams bey, und nannte sich öffentlich Theresia von Jesu. Dem Kloster gab sie den Namen des heiligen Josephs, und so fieng sie nun an-, die erste strenge Regel des Karmelitenordcns wieder einzuführen» In- (65) Indem sie nun so ganz stcher mit ihren vier vertrauten Freundinnen ein mehr himmlisches als irdisches Leben führte, und alle Süßigkeiten genoß, spielte ihr der Satan abermal einen Streich; denn, auf sein Anstiften, ge- riech fast die ganze Stadt Abula wider fle in Aufruhr, und es wurde(vermuthlich von Seiten der Polizey) beschlossen, das neue Kloster, dem Boden gleich, zu schleifen. Die heilige Therese mußte, auf Befehle des Pro- vinzials, das Kloster verlassen, und wieder in ihr voriges zurückkehren; allein, wenn man den Pabst zum Vetter hat, so ist leicht Kardinal werden. Sie nahm also ihre Zuflucht zu ihrem himmlischen Bräutigam, und Tröster, der ihr zur Antwort gab:„Weißt du denn „nicht, daß ich alles kann? Was fürchtest du dich dann? Wisse für gewiß, „daß das Kloster auf keine Wege soll „niedergerissen werden. Was ich versprach, das werde ich halten." e Das ( 66) Das'erwarteten wir auch; denn es hatte uns wirklich befremdet, weny der Herr ein Kloster, das er selbst zu seinen Absteigequartier bestimmte, und wo auf Maria und Joseph ein einträgliches Pfortner-Aemtchen wartete- ungeahndet, gleich einem Borde!, hatte schleifen sehen, da er doch seiner Braut ausdrücklich sagte:„Deine Eh- „re ist nun die meine, und die meine „deine," und daß der ganze Auftritt der Ehre der heiligen Theresia nach- theilig seyn mußte, kann doch Niemand laugnen. Unterdessen hielt die Stadt Abula bey dem Gouverneur inständig an, daß das Kloster möchte abgebrochen werden» Die Ursachen dieses inständigen Ansuchens deckt der Biograph mit seinem Mantel zu; vielleicht aus Besorgniß, sie möchten kein gar zu vortheilhaftes Licht auf Theresiens Heiligkeit werfen» Auffallend ist es immer, daß zu einer Zeit, ( 67) Aeit, wo alles Klöster baute, und der ^aye vor jeder Kutte im Staube hinfiel, und anbetete, eine ganze Stadt, ohne äusserst wichtigen Beweggründen, auf die Demolirung eines armen Klö- sterleins soll gedrungen haben. Doch, der Geschichtschreiber sagt ja, daß alles auf blosses Anstiften des leidigen Satans geschehen sey, und so sind alle Einwürfe gehoben. Dieser heftige Sturmwind wahrte ein ganzes Jahr. Endlich mußte der Teufel des Spieles müde geworden seyn, denn der Wind legte sich, und die heilige Theresia erhielt vom P. Provinziell die Erlaubniß, mit den vier Jungfrauen wieder in ihr Klöster- lein zurückzukehren, und die erste Regel des Ordens nach ihrer Strenge zu halten. e 2 u-'c ( 68) Uiber diese unverhoffte Nachricht fiel sie für Freuden in Zuckungen, und sah den Herrn zu ihr kommen, der ihr zu den überstandenen Mühseligkeiten gratulirte, dann setzte er ihr eine Krone*) auf, und erquickte dermas- sen ihre Seele, daß sie alle Bekümmernd gänzlich vergaß. Der Herr wollte ihr auch seine übermäßige Gewogenheit dadurch beweisen, daß er viele edle Jungfern animirte, die Welt sammt ihren Eitelkeiten zu verlassen, ihrer fürnehmften Bestimmung zu entsagen, und sich lebendig in dem Kloster der Reformationsnärrinn zu begraben. Nach, *) Sobald«in Monarch seiner Braut die Krone aufsetzt, ist sie als Mitregentinn anzusehen-- und so konnte man mit Recht die heilige Theresia eine Bcherr. schirmn der Himmel, oder, gleich der Mutter Gottes, eine Himmelskoniginn nennen. ( 6y) Nachdem sie vier Jahre dieses strenge Leben geführt hatte, spürte sie eine heftige Begierde in ihrem Herzen, die angefangene Reformation weiter fortzusetzen, und erhielt auch, auf ein Fürwort von ihrem Bräutigam, die Erlaubniß vom General der Kar- metten, und vom Bischöfe zu Abula dazu. Für Liese Gnade dankte die seraphische Jungfer ihrem Seelenbräu- tigam, und errichtete zu Medina de Kampo das zweyte Klösterlein mira- kul-ftr weise, welches ungefähr so viel sagen soll: Theresia bauete übermal ein Kloster, ohne daß man wußte, woher sie das Geld nahm: aber so könnte man auch aus dem nämlichen Grunde sagen, daß auch in unsern Zeiten manche Schauspielerinn, oder andere Nymphe mirakylostr weist mit prächtiger Eguipage herumfährt, und wohl gar Landhäuser aufbauet. e 2-dies ( 76) Viele Fürsten und vornehme Herren schrieben an die heilige Thercsie, baten sie, in ihre Lander zu kommen, und neue Klöster darum aufzurichten, welches sie sich auch nicht zweymal sagen ließ, und so sah man zu Valiso- ler, zu Medina, zu Toleto, zu Po- strana 7 zu Salamantika, zu Alha, und vielen andern Städten solche The- resienklöster entstehen. Allein der Baugeist konnte den Geist der Liebe üus ihrer Seele nicht verdrängen. Er nahm vielmehr vom Tage zu Tage an Heftigkeit zu;„ja, „sie hätte unfehlbar für grosser Jn- „brunnst der göttlichen Liebe den Geist „müssen aufgeben, wenn der Herr durch „öftere Verzückungen sie nicht aus dem „Leibe geführt, und ihr sich in seinen „heiligsten Wunden zu erquicken, zugelassen hatte." Kurz c 71) Kurz nach Errichtung dieser Klöster wurde se vom Vistator des Ordens zur Priorinn über das Kloster äe In- Larnacione ernannt. heißt Menschwerdung, und was der Herr unter Mensch versteht, ist schon vor, warts in einer Note gesagt worden. Dieses Kloster war eben dasselbe, wo sie Profeß ablegte, und die Herzbrecherischen Srichreden anhören mußte.— Sie wollte also diese Ehrenstelle durchaus nicht annehmen; allein ihr Bräutigam machte ihr verschiedene Vorstellungen, und so unterwarf sie sich dem Willen des Vtsitators. Anfänglich kamen sie und ihre Mit- fchwestern sich zwar öfters in die Haare; aber se wußte durch ihre Heiligkeit die widerwärtigen.Gemüther so zu befriedigen, daß sie ihr am Ende mit Leib und Seele anhiengen. Die armen Kinder hatten vorher kaum das liebe e 4 Brod ( 72) Brod zu esien; nun aber ist ihnen alles reichlich und über flüßig zugeflossen; denn, da Theresia über den himmlischen Kammerbeutel zu aebieten hatte, so wird sie wohl auch über die himmlische Hofküche haben disponiren können. * Sobald die Zeit ihres Priorats zu End« war, setzte ste den Stab weiter, und folgte ihrem Reformationsberufe. Sie verhielt sich unterwegs, wie in ihrem Kloster, und gab ihren Schwestern, die fünfzig und mehr Meilen von ihr entfernt waren, zum Gebete und zur Meditation das Zeichen mit einem Glöcklein. Sie hatte vom GeneM die Erlaubniß, so viele Klöster zu erbauen, als nur immer möglich war, welches sie auch, aus Liebe zu Gott, und dem Nächsten, fleißig that. Leu- ( 73) Leute, die ihre Heiligkeit nicht kannten, hielten es mehr für eine Der- messenheit als Andacht, und redeten ihr gemeiniglich übel nach. Ihre eigene Ordensvater wurden endlich selbst auf den guten Fortgang der Reformariou-eifer- süchtig, und suchten ste auf alle Wege zu unterdrücken. Der Provinzial schrieb ihr einen Brief, den sie gewiß nicht an's Fenster steckte. Er sagte ihr,^daß es mit ihrem Klosterbau, und der ganzen Reformation bald Matthäus am Letzten seyn werde: daß man sie allgemein für ein unruhiges, böses Weib halte, und daß alles, was sie unternimmt, nicht weit her sey. Viele Prediger, und ansehnliche Männer haben sie hart angetastet, und öffentlich ehrenrührerisch von ihr geredet. Eines Tages wurde sie von bösen e 5 seu- ( 74) Leuten(so nennt sie der Biograph) auf offner Strasse in's Gesicht gesagt, daß sie des Kerkers würdig sey. Kurz, Theresia stand, wie aus ihrer ganzen Geschichte abzunehmen ist, weder bey den Weltleuten, noch bey der Geistlichkeit im beßtcn Kredit, und es wurde von beyden Theilen darauf angelegt, die Reformation zu reformiren. Allein die heilige Therese ließ sich von ihrem Bräutigam einen Brief an den König von Spanien in die Feder diktiern, der dadurch so bewegt wurde, daß er sich der neuen Reformation annahm, und sie durch pabstliches Ansehen b denn dgmal lebte noch kein Aran- da) vorn Gehorsam des allgemeinen Ordens befreyte. Wenn ihr irgend ein Fürst oder grosser Herr bey ihren Ahsichten zuwider war, so lief sie spornstreichs zu ihnen ( 75) nen in's Haus, uud weil, wie die Legende sagt, diese grosse Herren alle bey ihrem ersten Besuche aus Feinden Freunde, und wohl gar Beförderer des Ordens wurden, so erhellet klar, daß Therese ihr Handwerk verstand. Die Liebe gegen ihrem Bräutigam blieb aber bey allem diesem unruhigen Zigeunerleben, das die Heilige führte, das Centrum ihrer Begierden. Ja, sie wurde letztlich so sehr in den Herrn verliebt, daß ste in die Hände ihrer Obrigkeit das Gelübde ablegte, nie wieder wissentlich eine läßliche Sünde zu begehen, ohne zu bedenken, daß dieses vermessene Gelübde schon an sich selbst die größte Sünde sey. Der Teufel, der den Heiligen nie recht traute, wollte vermuthlich auch dies Gelübde auf die Probe stellen; er Kellte ihr also häufiger nach als vorher. Nach ( 76) Nach der Legende, sollte er sie oft hef, tig gestossen und geplagt haben. Als sie zu Abula aus dem Chöre gieng, warf er sie die Treppe hinab, wobey sie sich einen Arm zerbrach. Ein andermal peinigte der Schelm die Braut Chri- sii durch fünf Stunden äusserlich und innerlich), so, daß sie es nicht langer aushalten konnte, und ohnmächtig wurde. Bon welcher Art diese Peinigung war, wird nicht gesagt. Weil sich aber die heilige Theresia nach der Ohnmacht erklärte, daß sie diese Tor- mcnten bis an das Ende der Welt gerne leiden wollte, wenn es dem Herrn gefällig wäre, so sollte man zur Entschuldigung des Teufels glauben, daß er doch nicht gar zu unchriMich mit ihr müsse umgegangen seyn. Allein der Biograph erzählt, daß diese Erklärung den höllischen Satan sehr verdroß; denn er erschien der heiligen Theresie wieder, schwärzer als ein Mohr, und ( 77) und wollte äs. eaxo zu Werke gehn; die heilige Jungfer aber goß ihm den WeihbrNnnkessel über den Kopf, und nöthigte ihn, sich zu verkriechen. Warum versagte sie dann den Teufel? wird Mancher bey sich denken. Hat sie sich dann nicht erst erklärt, daß sie diese Tormenten bis an das Ende der Welt gerne leiden wolle? Darauf wissen wir nichts zu antworten, als daß die heilige Therese als ein Frauenzimmer ihre eigenen saunen harte. Vielleicht war die Begiessung mir dem Weihwasser nur ein kleiner Muthwille von ihr— vielleicht wohl auch ein neuer Kunstgrif, ihn zu neuen Tormenten aufzufordern. Ausser den Martern, die rhr der Teufel anthat, marterte sie sich auch selbst. Sie schlief auf einem harten Brete— trug auf dem blossen selbe ei« ( 78) ein wollnes Kleid- kasteyte ihren allen kranken Leib mit eisenen Ketten— geißelte sich— und wälzte sich',(denn das Walzen war bey den Heiligen m-anäs moste) in Disteln und Dörnern— Sie hatte ihren schwachen Leib noch gerne gepeinigt, wenn ihre Beichtvater, die aus altem hergebrachten Recht, auch über den Leib der Nonnen ein Wort zu reden haben, ihr solches nicht untersagt hatten. Man könnte uns mit Recht einer sträflichen Parteylichkeit beschuldigen, wenn wir die guten Handlungen, die wir von der heiligen Therese in der Legende finden, mit Stillschweigen Übergängen. Nach diesem Legende, soll sie überaus mäßig, und so keusch gelebt haben, daß sie diejenigen, die unkeusch lebten, durch ihre blosse Ansprache zur Keuschheit bewog. Sie beweinte mit unaufhörlichen Seufzern den Untergang ( 79) gang fo vieler Seelen von Heiden, Ke, Hern und bösen Katholiken, und wird also wohl auch die Einwohner der Stadt Äbula in ihre Andacht miteingeschlossen haben. Gott gab ihr eine besondere Gabe, die Niedergeschlagnen aufzurichten, und die Betrübten zu trösten. Sie besuchte die Kranken mit grosser siebe, theilte den Armen nach ihrem Vermögen Allmosen aus, und ließ keinen Tag vorbey gehen, an dem ste nicht ein besonders Werk der Alebe an ihrem Nächsten ausübte. Was endlich dem Biographen an Theresiens- Handlungen besonders lobenswürdig scheint, ist, daß sie die innersten Gedanken der Menschen errieth,(und also mehr, als Lavatev konnte) und daß sie verschiedene geistliche Bücher schrieb, die sogar von der heiligen spa «scheu Inquisition für heilig und katholisch erkannt wurden. Doch- ( 82) Doch, da die heiligen Kloster- leute eben so gut, als die bössii Weltmenschen sterben muffen, so mußte das TodeslooS endlich auch die heilige The- rese treffen—nur mit dem Unterschiede, daß sie nach der Gewohnheit der Heiligen, ihren Tod, und so.gar die Art*) ihres Todes, einem Pater aus ihrem Orden acht Jahre vorhersagte. Sie starb in einem heftigen Blutgange, den 4. Oktob. im Jahre nein! das Jahr ihres Todes weiß uns der Geschichtschreiber eben so wenig zu sagen, als das Jahr ihrer Geburt. Sie *) Da ihr Tod von einer Art war, von der die Frauenzimmer nicht leicht mit ei, nem Manne reden, so ist zu vermuthen^ daß sie mir dem P. aus ihrem Orden auf vertrautem Fuße müsse gelebt haben. ( 8r) Den 4. Oktober legte sie sich auf die eine Seite, so wie man die heilige Magdalene zu malen pflegt, und hielt das Portrait ihres geliebten Bräutigams beständig in den Handen. Ihr heiliges Angesicht war wegen der innerlichen brennenden Hitze(die Legende nennt es eine göttliche Hitze) ganz feurig, so wie es bey allen Leuten ist, die am warmen Brand sterben. Sie betete beständig in grosser Ruhe 5 blieb unbeweglich und verzückt bis in die Nacht liegen. Diesen Punkt berührt der Biograph nur obenhin; und doch konnte Theresia unmöglich ohne Mirakel zugleich verzückt seyn, unbeweglich liegen, und ruhig beren- Bey ihrem glorwürdigen Hinscheiden haben viele andächtige Personen himmlische Lichter auf dem Dach, über ihrer Zelle, und zum Fenster hinaus- glänzen sehen(das letztere steht matt f auch ( 82) such bey uns, wenn grosse Herren todL auf ihrem lir äs rexos liegen, und die Fenster nicht verhangen sind. FrömmereLeute haben noch mehr gesehen. Sie sahen Christus mit vielen Engeln in und ausser ihrer Zelle umhergehen; ihre Seele aber sahen Einige wie eine weisse Taube, Andere wie einen glänzenden Krystall aus dem Leibe fahren. Wie eine und eben dieselbe Seele dem Einen als eine Taube, dem Andern aber als ein glänzender Krystall vorkommen könne, ist schwer zu begreifen, aber noch schwerer zu begreifen ist es, wie eine unsichtbare, Und, nach dem Ausspruch der Schul- nietaphysiker, unmaterielle Seele gesehen werden konnte. Nach ihrem Tode ist sie Einigen sehr glorreich erschienen, und hat ih- ÄSN entdeckt, daß sie nicht wegen Stärke ( 8Z) ke der Krankheit, sondern wegen)n- brunnst der göttlichen Liebe— und also doch am Brand-— gestorben sey. Ihr heiliger Leichnam blieb nach dem Tode ganz weiß und schön, und gab einen süsten himmlischen Geruch von sich. Sie ist noch bis diese Stunde unverwesen, und aus ihren Glie? dern fließet ein heilsamer Balsam. Wo sie aber unverwesen liege§ Und wo also dieser heilsame Balsam flieste, und zu haben sey, behalt Biograph abermal in xerw. Nach ihrem Tode soll der Herr unterschiedliche Wunderzeichen durch sie gewirket haben. Wegen diesen und UNS dern Ursachen(die andern Ursachen lassen sich doch errathen) ist sie dom GregoriuS dem XV. im Jahre f L r6»a. ( 84) ,622. in die Zahl der*) Heiligen versetzt worden. Urban der VIII. aber erklärte sie(vermuthlich abermal wegen diesen und andern Ursachen zur Schutzpatroninn von ganz Spanien. Ihre letzten Worte waren:„Verwerfe mich nicht vor deinem Angeweht, und deinen heiligen Geist nimm „nicht von mir. Ein zerknirschtes Herz „wirst du, o Gott, nicht verachten," und so sprach sie vernünftiger in ihrem Tode, als in ihrem Leben. Sie empfieng darauf die letzte Oe- lung, betete zu allen Salbungen, (soll heißen, betete bey jeder Salbung) und antwortete allzeit: Amen. *) Dieser Pabst bestätigte den Piaristcnvr- den. Mo- ( 8Z) v Moral. 88enn wir bey Beurtheilung der Heiligen so zu Werke giengen, wie Rom bey ihrer Heiligsprechung; das heißt: Wenn wir blosse Indizien und Relationen für Thatsachen und Beweise gelten liessen, so müßte aus gegenwärtigen Akten der Spruch sehr zu Theresiens Nachtheil ausfallen; denn wir müßten die heilige Therese für ein wollüstiges intrigantes Weib halten, das sein Herz zwischen Gott und der Welt getheilt hatte. Wir sind aber diel billiger als Rom. Wir verzeihen ihr, daß sie ihren lieben Eltern davon lief, und ihren Bruder mit Scharmerey ansteckte. f3 Wir ( 86) Wir glauben ferners fest, und glauben es zu ihrer Ehre, daß ihr Umgang mit dem adelichen Herrn platonisch war, wenn sie gleich die übergroße Reue etwas verdächtig macht. Auch glauben wir, daß alle die Unterredungen mit Christus eine blosse Erdichtung des Geschichtschreibers seyen; denn Christus konnte ohnmöglich als Gott zu Theresten sagen:„Wenn „ich den Himmel nicht erschufen hatte, „so würde ich ihn deinetwegen erschaffen—noch weniger konnte er ihr befehlen:„für seine Ehre Sorge zu «ragen" Das Geschöpf soll für die Ehre seines Schöpfers Sorge kragen? Um noch grössere Beweise unsrer Billigkeit und Toleranz zu geben, nehmen wir als eine ausgemachte Wahrheit an, daß die Einwohner von Abula, her Provinzial und andere Prediger, und ( 87) und Ordensleute der Heiligen nicht etwa einer lüderlichen Aufführung wegen, sondern vielleicht aus Nebenabsichten, und wohl gar auf Anstiften des Teufels so abgeneigt waren, obwohl es uns schwer fallen würde, The- resten über diesen Punkt zu vertheidigen; denn, wie wir bereits sagten, es bleibt mehr als auffallend, eine ganze Stadt im Llostersakulum wider ein armes.Rlösterlein— wider«ine Herzige in Aufruhr zu sehen. Und, indem wir dieses alles glauben, würden wir uns wohl hüten, ihre häufigen Verzückungen, Muk- Lerzustande— ihre Krankheit, einen warmen Brand und überhaupt die gute Therese ein hitziges, verliebtes, unruhiges Weib zu nennen, wenn gleich ihre letzte Krankheit, und die vielen Krampfungen das Gegentheil beweisen, f 4 Mk ( 88) Aber was folgte daraus? Wa^ sie deswegen eine Heilige? Wo ist die grosse außerordentliche Handlung, die den Schein um den Kopf verdiente? Das Mirakel mit Erweckung des Kindes?-- Gut! allein dies Mirakel ist mit keinen Beweisen belegt--- der Biograph sagt uns nicht, wie, wo, und wann dieses Wunder gewirket worden,. und also ist es uns als ächt katholischen Christen erlaubt, das Wunder in Zweifel zu ziehen. Hatten wir ein Wort bey There- siens Heiligsprechung zu sagen gehabt j? so würden wir die Frage aufgeworfen haben: ob das Kind wohl nicht gar «ine Klosterfrucht von Theresien, oder einer andern Nonne war, und ob es mchc ein feiner Kunstgrif gewesen, es ( 89)/ auf diese Art i» der Weit unterzubringen, und zugleich die Ehre des Klosters zu retten? Der viabo1u5 rotL hatte wohl diese Frage thun sollen. Wir haben, wenigstens in unsern Zeiten, mehr solche Klostcrmirakel erlebt. Die wenigen guten Handlungen, die wir von Theresien wissen, sind, daß sie die Betrübten tröstete, die Kranken besuchte, und den Armen Almosen gab; allein durch diese leiblichen Werke der Barmherzigkeit konnte sie wohl auf den Namen einer guten Christinn, nie aber( so wenig als der Pabst, blos weil er Pabst ist) auf das Prädikat Heilig Anspruch machen, Denn wäre dies, so müßte und könnte Jeder, der die Betrübten tröstet— die Kranken besucht— und den Armen Almosen giebt heilig gesprochen perden. f A Bß- ( 9«) Beschreibung des Kupferstiches, Ein« Klosterzelle. Auf einem Betscheinmel liege» Disciplinen, ein Todtenkvpf, und das Lebe» der heiligen Magdalens. Die Heilige gießt dem Teufel, der sie sthpn mit einem Arm umschlungen hat, de» Weihbrunnkessel über den Kopf, indem sie vsm Herzen über seine Grimassen lacht. Der heilige Joseph und die Mutter Got> LeS kommen zur Thüre herein. Der heilige Joseph tragt das rveisse Kleid für die heilige Lberesie in einem Korb. Beyde lächeln über den gergrrfren Teufel. Dritt Dritte Fabel. Leben des heiligen Aloysius, aus der Gesellschaft Jesu. heilige Aloysius wurde zu Ka- stilwn in Italien, aus Marggräflichem Geschlechte im Jahre 1563. gebohren. Der Biograph benennt zwar das Jahr nicht, ( YL) nicht, da der Heilige aber, nach seinem Bericht, im Jahre IZ91. starb, und damals-rz Jahre alt war, so ließ sich das Jahr seiner Geburt bald berechnen. Er empfieng die heilige Taufe noch ehe er recht gebohren war. Das scheint uns zu heißen: der Heilige wurde im Mutterleibe getauft. Wir wol-, len aber nicht hoffen, daß der Geschichtschreiber aus diesem Umstände seine künftige Heiligkeit folgern wolle. Seine gottselige Mutter Martha führte ihn zu solchen Tugenden an, daß er, wenn er gleich am Hofe erzogen ward, doch nie seine erste Unschuld, verlor— worüber, sich-der Ge-'s schichtschreiber schr zu v e rwu über ü. scheint',' ohnffzu bedenken, daß er mit- seiner Verwunderung den sammÜichen ein schlechtes Kompliment mache- ( W) Damit wir aber eine kleine Probe dieser Erziehungsmethode bekommen, erzählt er uns, daß der junge Heilige seine Gebeter niemal unterließ/ wenn er gleich durch achtzehn Monate mit Lein viertägigen Fieber behaftet war» Täglich sein Gebet verrichten, ist die Pflicht eines jeden Christen; aber es im Paroxismus des Fiebers thun wollen, ist eine HTlarrheit, und wenn sein Biograph aus diesem Zuge seine Heiligkeit, oder wenigstens seine gute Erziehung beweisen wollte, so konnte er so etwas ebenfalls nur im rismus thun. Seine Mama, die sehr viele Kim der hatte, äusserte öfters den Wunsch, daß doch einer ihrer Söhne Geistlicher werden möchte. Der (§4) Der kleine AloysmS, der damals nur acht Jahre alt war/ folglich nicht wissen konnte, was eigentlich ein Geistlicher sey, sagte seiner Mama, daß er der Mann wäre, der ihren sehnlichen Wünsch erfüllen würde. Dazumal wu^ rete die Pest in Italien. Aloyims wurde also mit feinem Bruder Rudolph nach Florenz, das zwar in ItülieN liegt, zum Studiren geschickt. Hier verliebte er sich in die ksskUt« ter Gottes, und zwar so sehr, daß er in einem zehnjährigen Alter ihr vor einem mirakellofen Marienbild, die ewige Jungferschaft verlobte. Es *) Die größten Mirakel mögen wohl diese gewesen seyn, daß junge Schwindelköpse das strafbare Gelübde der ewigen Jung- gcstllschaft vor ihr ablegten, und den rntt nützen, unseligen Klvsterstand mittaten. (95) Es wäre aber ein grösserer Beweis seiner Unschuld gewesen, wenn er mit zehn Zähren noch nicht gewußt hätte, daß er eine Jungferschaft: jü verlieren habe. Um der Mutter Gottes, oder vielmehr seiner geliebten Braut sein Wort recht pünktlich zu halten, floh er den Umgang mit allen Weibsbildern, schaute nie einer m s Gesicht(obwohl sonst die Blicke Lu äestous an beyden Geschlechtern verdächtig sind) und wollte nicht einmal mit feiner Frau Mama sich täte ü röte einlassen- So keusch der kleine Heilige auch !ebke, so hatte er doch den fatalen Zustand, daß er das Wasser nicht halten konnte. Der Biograph sagt zwar nur, daß er sehr wegen des Urins geplagt wurde; da ihm aber die Aerzte riechen, durch Abbruch des Ttunks Liese schad- ( 96) licherr Feuchtigkeiten zu verringert so scheint uns die Auslegung: er konnte das Wasser nicht halten, wahrscheinlicher- und dem Geiste des Au- rhors angemessener, als: er konnte das Wasser nicht lassen. Obwohl wir die genauere Entscheidung dieses Urinfakrums den gelehrten Gesellschaften gerne überlassen« Wir fähren es blos deswegen an, Ml< es mit seiner künftigen Heiligkeit in genauer Verbindung steht. Denn dieser Zustand legte den Grund zu feiner übergroffen Mäßigkeit, die er dann. auch, nach vollendeter Kur, beybehielt« - Weil er sich aber durch dieses Zuchthausleben den Magen verdarb, und seine Gesundheit durch beständiges Betrachten und Weinen zu Grunde rich^ rete, so ließ ihn sein Vater, der ein vernünftiger Mann war, zu sich nach Msntserrat kommen- Er ( 97) Er setzte hier seine Studien fort§ machte Bekanntschaft mit den Kapuzj, mern, verliebte sich in ihr frommes Leben, und ihre Kapuzen, und bekam Lust zum geistlichen Stand; und, da der Heilige schon einmal der Mutter Gottes seine Jungferschaft geopfert hatte, so wüßten wir wahrhaftig nicht, zu was er auf der Welt nutz gewesen wäre» Er fieng auch wirklich das Kapu- Zinerleben en miZmaturs an— ja, er that vielleicht mehr, als je ein Kapuziner gethan hak, und noch thun wird. Er fastete die Woche dreymal bey Wasser und Brod— disciplim'rte sich wöchentlich dreymal bis auf das Blut, und weil er kein Cilizium hatte, so brauchte er statt dessen die Rädchen von seinen Spornen. Wie aber der Biograph alles so genau wissen könne, ist uns ein Räthsel. Der Hest st lige ( 98) 1,'ge wird wohl seine Bußwerke nicht ausposaunet, oder so verrichtet haben- wie unsre Mönche ihren Chor und andere Andachtsübungen, die sie immer durch den Laut der Glocken der ganzen, Stadt zu wissen thun. Im 14. Jahre nahm ihn sein Vater, der mit dem Schwärmer, wie wie aus der Folge sehen werden; gar nicht zufrieden war, nach den königl. Hof in Spanien, gewiß in der Absicht, dem kindischen Heiligen die Klostergrillen aus dem Kopf zu treiben. Allein der gute Aloysius lebte hier wie zu Hause, und- wie der Biograph sagt, so heilig, daß alle Hofleute darüber erstaunten.*) Man Es steht zwar, daß sich die Hofleute nuferbamen: allein, wer nur etwas 'mit der Geschichte bekannt ist, und die Ga« ( 94) Man würde auch in unsern Zeiten an dem christlichen Hofe über einen Prinzen erstaunen, der blos Wasser und Brod Lßr, sich disciplimrl, in Betrachtungen wie ein Stock da sitzt, und so wenig Lebensart hat, daß erden Frauenzimmern, mit denen er spricht, nicht ins Gesicht sieht Man kann ein frommer, und sogar ein heiliger Mann seyn, ohne die Menschheit, ohne den natürlichen Wohlstand zu verläugnen, und, gleich einem Schelme, die Augen abwärts zu schlagen-, g L So Galanterien dieses Hofes gelesen hat, wird das Erstaunen ivadrscheiiNicher, als die Auferbauang finden. Wenigstens würde es den Hofieuren keine Ehre gemacht haben, wenn sie sich an den Handlunqcn eines Halbmenschcn auHr- bauet hakten. ( Ivo) So wenig der heilige Äloystus auH Ley den spanischen Damen und Hofman» nern, vermög seinen Lapuzinersit- ren, sein Glück machte, so sehr erwarb er sich dafür die Gunst und Gewogene tzeit des heiligen Jesuitenordens. Ein Mann, wie der Heilige Aloy- sius, konnte dem Adlerauge dieser frommen Patres nicht entgehen. Äloysius war jung, schön, war ein Prinz- und Schwärmer, und war also ihr Mattn« Vielleicht hatten sie auch von seiner Neigung zum Kapuzinerleben Spur bekommen, und das wäre allein Ursache genug gewesen, ihn diesen Herren abzujagen. Auf welche Art ste ihn m ihre jüssen Schlingen gezogen haben, wird nicht erzählt. Der Biograph sagt blos, daß Aloystus nach einem anderthalbjährigen Aufenthalt in Spanien sich ( ryi) entschlossen habe, in die Societät zu treten. Er entdeckte es am ersten seinem -Beichtvater, der es ohnehin wußte— dann seiner Mama, die keinen andern Wunsch hatte, als diesen— und endlich demjenigen, der es am ersten hatte wissen sollen, seinem Vater» Dieser dachte aber ganz anders; denn er ergrimmte heftig, suchte ihn auf alle Wege von seinem Vorhaben abzubringen, und schickte ihn, da er seine Bemühung fruchtlos sah, wieder nach Italien zurück- Hier suchten, sowohl der HerzoZ von Mantua, als der würdige Bischof") g Z dem *) Wir kennen Bischof«, die nicht so edel- müthig handeln würden— Bischöfe, die noch jtzt vom ZesuitriiFkist angesteckt sind----- die (.'lO2> dem verführten Prinzen den geistliche» Stand abzurathen. Sie werden ihm als vernünftige Männer wohl vorgestellt haben, daß ein Prinz eine wichtigere Bestimmung, als zu einer Jestiitenkut- te, habe: daß ihm Pflichten obliegen, die sich nicht im Kloster erfüllen lassen, und daß eine Kost von Wasser und Brod, so wie die peitsche, für Hunde, aber nicht für Menschen, und am allerwenigsten, für einen Prinzen gehöre. Sein die heimlich den Staat untergraben, der sie nährt, und mit ihrer Seele an Rvm hangen. Bischöfe, die die weisesten Verordnungen der Landesfürsten in falsches Licht setzen— Hindernisse ihrer Ausführung in den Weg legen— Wölfen ihre Heerds anvertrauen— bey fchlgcschla- genen Versuchen hammifch lächeln— und durch Emissäre den Geist des Mismuths, und vet Unzufriedenheit im Heike ausstreuen. ( io3) Sein Vater kam endlich auch wieder aus- Spanien an, und wiederholte diese Vorstellungen mit noch grösserem Nachdruck. Aber was vermag der vernünftigste Vater, wenn die Mutter yicht will, und wenn ein Pfaff die Hand im Spiele hat??? Der arme Mann mußte nachgeben. Anfänglich setzte er wohl die Be- Lingniß hinzu, daß sein Sohn nicht vor dem 25. Jahre in das Kloster gehe; Aber die Mutter, und der Sohn, und die Jesuiten( dies laßt sich nur errathen) trieben ihn auch aus dieser Ver- schanzung heraus—und so ließ er dann den schwärmerischen Jüngling seinem Schicksale über.—— Als die Kastilioner dies hörten, waren sie sehr betrübt. Es schmerzte sie, einen so lieben Herrn zu verlieren; (denn Aloysius wurde als Erstgebor- Z 4 11er ( 104) ner vom Kaiser zum Erben derMarg- grafschaft ernannt) Männer und Webber baten ihn mit Thränen, nach seines Vaters Tode ihr Fürst zu seyn aber alles vergebens. Der Prinz hatte nun einmal die Kutte im Kopfe- und blieb auf seinem Vorhaben. Er übertrug also seinem Bruder Rudolph seine Rechte, bat den Kaiser, sie zu bestattigen, und ließ sich bey Hofe auf seinem Zimmer die Jgnazi Uniforme von einem Jesuiten anziehen. In diesem Aufzug erschien er im Speifesaal, wo viele Fürsten zugegen waren. Alle weinten bey seinem Anblick; aber sein Vater war untröstlich. Und welcher Vater wird nicht weinen, wenn er den Hauptstamm seines Hauses in der Blüthe verdorren, und einen edeln Prinzen in eine elende Jesuitenkutte sich verkriechen sieht? Wer« ( 125) Überhaupt war es nicht schön vom Heiligen gehandelt, daß er sich im Spei? fesaal zeigte, da er doch wissen mußte, wie schmerzlich seinem Vater diese Ver? Wandlung fallen würde. Der Heilige dachte zu gut, um es aus Muthwillen gethan zu haben; da? her wollen wir diesen Schritt blos seiner kindisHen Freude über das neue lMcid zuschreiben. Am folgenden Tage reifete er, nach genommenen Abschied, in Gcse^e fchaft eines Jesuiten und vieler Die? per, nach^auretto ab. Der Biograph, der nach Art der Legendbeschreiber, Hauptsachen vorbey? geht, und Kleinigkeiten anführt, er, zahlt uns von feinem Aufenthalt in hau? retto die wichtigen Anekdoten,„daß fein ,,heiliger Held 6 heil. Messen nach ein- g 5»an« (!S6) „ander hörte, und den ganzen Nach- ,,mittag in der Kapelle verharrte: daß <.,er dann auf seiner Winterryise nach „Rom, allein voran ritt-— daß er, „weil es sehr kalt war, grosse Kalte „ausstand, und alle Abend"(vermuthlich, damit ihm warm wurde)„eine „scharfe Disciplin machte." U. s. w» Kaum war er in Rom angelangt, so begab er sich zu seinem General warf sich ihm zu Füssen, und übergab sich ihm als sein Unterthan. Dadurch wollte derHeilige zu verstehen geben, daß die Ordensgenerale wirklich unumschränkte, souvrane Herren seyen, die mit den übrigen Ordensgliedern, als ihren wahren Unterthanen, schalten und walten können. Am Tage Katharinens im Jahre 1^85, seines Alters siebenzehn Jahre und 8 Monate, gieng er in das Noviziat. ( to?,) ziat. Der Biograph benennt hier Jahr und Monat, um uns den Wink zu geben, daß eigentlich von diesem Tage an das Leben des Heiligen anfange. Wir können dies um so mehr glauben, da er das Jahr seiner Geburt gänzlich mit Stillschweigen übergeht. Als ihn der Novizcnmeister in sein Zimmer führte, vermeynte er, in das Paradies einzugehen. Das vermeynte aber nicht der heilige Alonsius allein: das vermeynen alle unschuldige Schlachtopfer des Klosterlebens. Und welcher»«erfahrne Jüngling sollte es sich auch nur im Traume einfallen lassen, daß unter dieser reizenden Aussenseite des ruhigen, einsamen Lebens, unter den frommen Mienen, und den brüderlichen Umarmungen die Hölle, mit ihren Furien, soll begraben liegen? Sei- ( MZ) Seme Lebensart im Noviziat war die nämliche, die er zu Hache führte. Er lag auf den Knieen, meditirte, und meditiere endlich so viel, daß er krank darüber wurde» Nach einiger Zeit wurde ihm der Tod seines rechtschaffnen Vaters berichtet, worüber sich( nach den Ausdrücken des Biographen) der Heilige gar nicht Verstörte, da er doch vielleicht Schuld an seinem Tode war.— Doch, dieses hartherzige Betragen eines Sohnes bey dem Tode eines liebenden Vaters, wird ihm wohl von den Jesuiten zum Verdienste seyn ausgelegt worden. Der Vater war kein Freund ihres Ordens— Sein Tod war also eine wohlverdiente Strafe für seine Ver- messenheit, mir der er sich dem Vorhaben des Prinzen widersetzte.— So ( 109) So rachgierig dachte schön dama! iLrid denkt noch itzt, nach ihrer Aufhebung/ eine Gesellschaft, die sich von Jesus herschreibt, der den Feinden Gutes zu thun befahl. Nachdem er sich durch zwey Jahre in allen Klostertugenden, und besonders in Verachtung seiner selbst, grübet hatte, wurde er zur Profeßion gelassen. Er setzte dann seine Studien fort, dispütirte/ defendirce, und thar, was die übrigen Ordenskammeradert thaten, die nicht heilig gesprochen wurden. Nach vollendeter neunten Schule begehrte er, wider den Ordensbrauch, die Knaben der ersten Klasse zu Unterrichten; nicht etwa, um das Herz und den Verstand der Jungen auszubilden, sondern, auf daß er sich in deo Demuth üben möchte. (. llO) Nun hat zwar ein Lehrer der niedrigeren Klaffen Gelegenheit genug, si h -n der Geduld zu üben; wie sich der Heilige aber in der Demuth üben konnte, ist uns unbegreiflich— wir nützten nur annehmen, daß er' ch von den Schulkindern zum plärrn haben ließ, allein in diesem Falle wäre seine Demuth dem Unterrichte schädlich gewesen. Um uns aber einen Begris bon seinem Hang zur Demuth zu gehen, erzählt uns der Geschichtschreiber, daß der Heilige mit größten Freuden dre schlechtesten Klofterdienfte verrichtete—- die Schüsseln abspühlte— Haus und Zimmer kehrte-- die Spinnweben mit hinein Besen abmachte— dem Koch Holz und Wasser trug— daß er einen schlechten, abgeschabetwn Rock getragen— mit einem Lack um den^ls Brod betelte— den Armen die Suppe ( m) Zur Pforte brachte— die Aldsterla» kernen putzte, und mit Oel füllte— und allerhand demüthige Werke verrichtete; in welchen demüthigen Werken wir zwar eine grosse Anlage zu einen Llosterhausknecht, und Latern- «rnzünder, aber nicht die geringste Spur von Heiligkeit finden; denn die wahre Demuth besteht im Geist, und aussert sich in Handlungen, die nach- ahmungswürdig sind. Nun war der Heilige vier Jahre in der Societät, da entstand zwischen seinem Bruder Rudolph, und dem Herzog von Mantua ein grosser Streit, der don Niemanden beygelegt werden konnte. Die Mutter des Aloysius, die rhn immer ihren Engel hieß, bat ihn, nach -Rassilien zu kommen, und zwischen bey- hm Herren Friede zu machen. Und so rei- ( H2) reifste auch der Engel ab, um einem Streit beyzulegen, den kein Mensch beilegen konnte« Der Heilige reifste aber nicht allein, sondern hatte einen Gesellen, nämlich einen andern Zehnten bey sich» Sie waren auch so glücklich, den Streit zu beyderseiciger Zufriedenheit zu endi--- gen, und wenn hier der Geselle nicht das Meiste dabey gethan hat, so ist es wirklich ein Mirakel; denn wie sollte der heilige Aloystus beym Holz- Und Wassertragen, und Lanternputzen die Advokatensprünge und Statistik erlernt haben? Ausser diesem Prozesse war aber auch»och eine kitzlicke Konststorialsache abzuthun. Sein Bruder Rudolph, der den Frauenzimmern mehr als Aloystus/ in s Gesicht sah, hatte sich heimlich mit einem Fräulein, vem geringen Adel/ der. ( HZ) berehliget. Nun wollte die Mutter? die dieses Fräulein für eine blosse Bey- schläferinn ansah, daß sich Rudolph mit einer Marggrafinn vermähle; dieser aber entdeckte sich seinem Bruder, der ein schlechter^sesvir und probt?- bilist wüßte gewesen seyn, wenn er mit so einer Kleinigkeit nicht fertig geworden wäre. Von Kastilion reisete er nach May- land, und das ohne Handschuhe. Hier mußte er, auf Beseht des Rektors, eine Predigt halten, durch die er so viel bewirkte, daß sieben hundert Menschen beichteten und kommunizirten. In unfern Feiten- würde es schwer halten, die Zahl der Menschen zu bestimmen, die durch eine Predigt zum Beichten und Kommuniziren beweget würden^ Zn tz W '( ri4) ZnMayland offenbarte ihm Gott/ Haß er über ein Jahr sterben würde. Das freute den Aloysius über die Massen; aber sein Wünsch war in Rom, vnd also im Lande desjenigen zu sterben, der Heck son Himmel, und Hölle ist. Er getraute sich, nach der erste« Gefälligkeit, den Herrn nicht um diese zweyte zu bitten. Der Herr las aber? seinen Wunsch in den Nieren, rrnd wußte es so zu fügen, daß der Heilige von dem General nach Rom berufen wurden Auch, ohne Offenbarung, haben Siele Menschen, die, wie der heilige Aloysius, kränkelten und sich fühlten, ihr Ende vorausgesagt. ( 175) Au Rom wählte er sich ein dun- kels enges Kammerlein, worinn er so heilig lebte- daß sein Beichtvater nie Materie- ihn zu ab'olvr'ren fand. Das heißt: der Heilige sündigte nicht, und war also—— kein Mensch- Indessen sagte ÄloysiUs mehr als einmal von sich:»Je langer ich lebe, „desto mehr zweifle ich aN meinem Heih ,jSolIce ich aber Priester werden, so ^,würde ich meines Heils noch ungewisi „ser seyn, weil Gott sogar strengL „Rechnung von ihnen fordert»" Ein Mensch, dem Gott sein Ende offenbart— der sich über diese Nachricht unendlich freuet— an dem fein'Beichtvater keinen Stof zur Absolution findet, kann entweder nicht an seinem Heil zweifeln, oder, bey der Nachricht von seinem Tode, sich hie gefreuet ha- h L IM (n6) - Zch Jahre 1591. regierte die Pest gar stark in Rom— Aloysius gieng, Hessen ungeachtet, durch die ganze Stadt, und sammelte Almosen für die Kranken, denen er selbst diente.— Llnd was wagte er dabey, da er, vermög göttlicher Offenbarung, nur wenige Monate noch zu leben hatte? Er wurde auch wirklich von der Pest angesteckt, und mußte sich am 4- Marz zu Bette legen. Seine Freude, daß die Offenbarung sich ihrer Entwicklung näherte, war ungassprechlich. Aus lauter Freude bat er den P. Provinziell um die Erlaubniß, zu guter Letzt eine Disciplin machen zu dürfen.— Der Pro- vincial erwiederte, daß er zu schwach sey—„Gut l" sagte der Heilige,„so „befehlt denn einem andern, daß er „mich vorn Haupt bis zum Fuß disci? .-'pli- ( H7) „plinire"— auch diese Freude wurde ihm versagt—„nun so bitte ich dann" (rief er nochmal)„daß man mich auf „den Boden lege, damit ich chs ein „Bußfertiger sterben möge:" als wenn man im Bette nicht so bußfertig sterben könnte? Am 7. Tage feiner Krankheit gierig eine besondere Veränderung mit dem Heiligen vor. Die Pest verwandelte sich in ein Fieber, an welchem er noch drey Monate krank lag. Der Biograph erzählt als eines neuen Zug seiner Heiligkeit, daß er einen sehr bittern Trank, den ihm der Doktor verordnete, vorschlich recht langsam verschluckte, um nur desto mehr zu leiden. Aber, daß ihn verschieden^ Kardinäle besuchten— daß er sein ex h Z Mut- ( rrs) Mutter verbot, über den Tod ihres geliebten Engels zu trauern— daß er, wenn er allein war, aus dem Bette kroch, und, wie die kleinen Kinder, Au einern Krueißr aus der E^de hiu- rutschte— und solche Streiche mehr wird der Herr Biograph wohl nicht als Zeichen seiner Heiligkeit angeführt haben? Wir haben schon vorhin gesagt e baß der Heilige, trotz dem, daß er seinem Beichtvater keine Materie zur Absolution gab» und, trotz der Freude über seinen Tod, sich doch für der Pasi> sage durch das Fegfeuer fürchten mußte.-' Wir flössen hier auf eine Stelle, bis es noch mehr beflattiget; denn Aloysius fragte seinen Beichtvater:„ob „ein Mensch wohl ohne Fegfeuer in den „Himmel kommen könnt?" Worauf ( Hl)- dieser mit„Ja" antwortete, und hinzusetzte:„er glaube, Aloysius werde „wohl einer von diesen seyn." Uiber diese Antwort war er so erfreut, daß er in Zuckungen fiel, und in dieser Verzückung, wie es der Geschichtschreiber nennt, den Tag seines Kodes erkannte. Diese Erkenntniß war überflüßig; denn, da ihm geoffenbart wurde, er würde nach einem Jahre sterben, so hatte er nur den Kalender zur Hand nehmen, und wohl auch an den Fingern, ohne weitere Zuckung und Vers zuckung, seinen Sterbtag ausrechnen können. An letzten Tagen seiner Krankheit kamen grosse Herren zu ihm. Der Pabst Gregorius gab ihm den voll- konmincn Ahlgß, und seinen pfibst- h 4 M ( I2O) lichen Segen, und mit diesem Passe- port trat er d-en so. Jun. 1591. die Reise in die andere Welt an. Er war 6 Jahre Jesuit. c Viele Leser werden sich wundern j daß dieser Heilige so wenig, und so zu sägen, Hak nicht vorn Teufel angefacht peil wurde. Manche könnten glauben, es geschah vielleicht deswegen, weil der Teufel überhaupt die Feinheiten der Jesuiten kennt, und nickt gerü den Kürzern zieht. Allein der Biograph erklärt uns das Räthsel besser, indem er uns anvertraut, der Heilige habe sich'S, bey Aufopferung seiner Aungserfchaft, von der Mutter Got« tes ausbedungen, daß er nie von schweb ren, unkeuschen Gedanken angefochten werde. Die Geschichte zeigt, daß die Mutter Gottes die Bedingniß hielt, pbfchon auch, ohne Zuthun der Mutter Gottes, kränkliche und schwächli, (' i r r-) ehe Leute, wie der heilige Aloystus war, vor solchen starken Anfechtungen ohnehin Ruhe haben. Bey Entblößung seines Leichnams, fanden sich seine beyden Kniee mit einer sehr dicken Haut überzogen,— und das beweiset blos, daß der.HeiljÄ- ge mehr auf den Knieen, als arst dex. Fußsohle gieng. Alle feine Kleider und gebraucht ten Dinge(also wohl auch seine Beinkleider, sein Nachttopf, u. s.-w.?) wurden geraubt seine Hgare, Nagel, und sogar zween kleine Finger,, (soll heissen die zween kleinen Finger, sonst könnte man glauben, der HeiligL. habe mehr kleine Finger gehabt) war« den ihm abgeschnitten, und als es»? HejligthuM aufbewahrt. ( 122) Er war kaum todt und begraben, so wirkte er ein Mirakel» Er erschien seiner Mutter, die ebenfalls krank lag? und, nach bereits empfangenen heiligen Sakramenten, sterben wollte. Das wollte aber Aloysius nicht; denn er hat es ihr ja in seinem Briefe besohlen, sich überfeinen Tod nicht zu betrüben— daher trat er blos an ihr Bett, lächelte sie an, und machte sie durch sein Anlächeln gesund. Er wirkte ausser diesem noch so viele andere Mirakel,( welche wir, ha nicht ein einziges benennt wird, dem Author, auf sein Wort, glauben müssen- daß der Pabft endlich dadurch bewegt wurde, ihn in die Aahl der Seligen zu schreiben, bis er späterhin aus diesen und andern Ursachen, zum Heiligen promovirt wurde. Da- i (!2Z) Damit wir aber sicher glauben, daß seine Glorie im Himmel unendlich groß sey, wollen wir die Worte der heiligen Magdalene von Pazzis, die sie im Jahre 1600 den 4» April, in einer' Verzückung, und also(von Sinnen) mit Heller Stimme sprach, zum Be§ schluß anführen: „O was für grosse Glorie bc> „sitzt Aloysius, IgnazySohn! Dies „hatt' ich nimmermehr geglaubt, „wenn es mir mein Jesus nicht hatt „te geoffenbaret. Ich hckte nicht ver- ,,meynet, daß solche grosse Glorie „imHimmel wäre,alsichsehe,Aloy- „sium zu haben. Ich sage, daß ex „ein grosser Heiliger sey. D wenn „ich durch die ganze Welt laufen, „und verkünden konnte, wie heilig „Aloysius sey. Gr ist ein unbekannr „ter Märtyrer gewesen; denn er hat «sich selbst zum Märtyrer gemacht- ( 124) „D wie heftig hat er Gott auf Er- „den geliebet! Darum besitzt er itzt „Gott in der Fülle der Liebe.— „M sehe, daß er eifrig bete für „diejenigen, welche ihm auf Erden „eine geistliche Hilfe geleistet haben," ( und so wird er wohl schwerlich für seinen Vater gebetet haben)—?Hch „will auch zum Heil der Seelen mitwirken, auf daß, wenn eine Seele „durch mich in den Himmel komme, „sie auch für nach bete, gleichwie „Aloysius für diejenigen bittet, web „ehe er zu Witwirkern feines Heils gehabt hat, Amen." ( t2Z) Moral. ärDir haben von den unzähligen Heiligen der Jesuiten, das heißt, von ihren heilig gesprochenen Verführern, .Aufrührern des Volkes, und heilig gesprochenen Königsmördern, mit denen jre, und Rom für Geld, den Himmel und den Kalender anfüllten, vorschlich den Unschuldigsten gewählt; denn Aloystus war doch wenigstens ein .gutes unschädliches Geschöpf. Aber wir mögen auch diesen von was immer für einer Seite betrachten, wir mögen seine Handlungen in-. und ausser dem Kloster noch so unpärthey- isch durchgehen, so bringen wir keinen Heiligen heraus- Au» '< 126) Aus seinem Discipliniren, Eedw tiren» Treppen-und Laternputzen/ u. s. w. blickt ein schwacher Kopf durch) der nie über die Bestimmung des Menschen nachdachte. Christus war demüthig— aber er machte keine Disciplin) und kroch nicht auf dem Boden herum. Wenn wir einen Heiligen beurtheilen wollen, so müssen wir nicht auf die Wunder, die er nach seinem Tod: soll gewirkt haben, sondern auf die Handlungen sehen) die er im heben thgf. Denn nur ftomrne und ausserördentlich tugendhafte Handlungen HÄligen dM Menschen— und so wird Alopsius als du, u n schu! di g e s Schlachtopfer der Schwärmerei) und des Klostergeistes, immer durch sein wirklich gutes Herz Unser aufrichtiges Mitleiden, nie aber unsre Eswunderungt verdienen. j.!nd ( 127) Und doch war dieser Aloysius das Vorbild, das die Jesuiten den Jünglingen zur Nachahmung aufstellten! Hatten ste ihren grossen Plan nicht durch ihre übrigen Handlungen verrathen, so würde er schon aus diesem einzigen Umt stand hervorgeleuchtet haben. Sie hakten zu ihren Absichten einen Nachwuchs von Schwärmern nöthig, die sich dem General cils Unterthanen Hingaben, und den Mordstahl suf den ersten Wink in die Hand nahmen.— Und so lohnten sie das Zutrauen des Staates durch seine Untergrabung, und so lohnen sie ihm noch itzt die großmüthige Unterstützung,*) die er ihnen, trotz Sie gemessen ansehnliche Gnabenaeldtr, besitzen reichliche Pfründen— sind Pfarrer— Domherren., und sogar Bischöfe: .('räZ) rrotz ihrer Verbrechen angedeiben lä^t, durch falsche Lehre und Verführung seiner Bürger— und werden es so lang thun, bis die Langmurh der Fürsten ermüdet, und dieseUngeheuerdem Scblun- de^) zuschleudert, der sie ausgespielt obwohl dies alles wider die Bulle des heiligen Ganganelliz den sie, weil sie Irrlehre! sind, von, Unterricht der christlichen Gemeinde gänzlich wdlltc ausgeschlossen wissen. Vermuthlich scheint hier Dolkaire auf Rom anzuspielen.— Anmerkung des Uiberseyers. Be- ( 129) Beschreibung des Kupferstiches. V.IN grosser Speisesaal. Der Marggraf sitzt mit vielen vornehmen Herren an der Tafel. Der junge Alvysius steht, als Jesuit ge, kleidet, vor ihnen, und predigt über die Ei, telkeit der Welt. Die Mutter will ihm für Freuden den Fuß küssen; dem Vater aber sieht man die Traurigkeit am Gesichte, und in feinen Ge, darben abgemalt. Die Damen halten die Schnupftücher für's Gesicht. Man kann also nicht sehen, ob sie weinen oder lache». i Ein ( tZO) Ei» anderer Jesuit, der Leu AaniMett diener bey der Einkleidung gemacht hat, steht in bemüthiger Stellung im Hintergrund, und lacht in's Fäustchen. Ein Diener prasentirt ihm ein Glas Wein. Vier- Vierte Fabel. Leben der heiligen Katharina von Senis. !^a haben wir übermal eine Heilige^ von der wir nicht wissen, wann he ge- bohren worden, und wer ihre Eltern waren» Alles, was uns der Beschicht- j A schrei- ( IZ2) schreibe»: zu sagen weiß, ist, daß ihre Eltern fromm waren, und ihr Kind zur Gottesfurcht erzogen, welches, mit Erlaubniß zu reden, eben nicht die beß- te Erziehung war—Denn uns scheint es vernünftiger, die Kinder zur Liebe Gottes zu erziehen, weil die Furcht mit der Liebe, die Liebe aber selten mit der Furcht verbunden ist. Im siebenten Jahre ihres Alters wußte sie schon,»vas für ein kostbarer Schatz die Jungferschaft wäre; denn sie trug heftiges Verlangen, diesen kostbaren Schatz bis an das Ende ihres Gebens unbemackelt zu erhalten, und legre das Gelübde der Keuschheit ab. Sie verachtete im siebenten Jahre alle weltliche Wollüste, betete fleißig, ka- steyte ihren Leib mit strengem Fasten, und scharfen Geißeln. Um ( r33) Um aber der Andacht desto besser abzuwarten, rmd sich ungenirter geisseln zu können, lief sie, zum ersten Beweis ihrer Anlage zur Heiligkeit, ihren Eltern davon, und begab sich, ausser der Stadt, in eine Höhle« Sie mußte Brod mit sich genommen haben; denn der Biograph sagt, daß sie hier blos trocknes Brod, und Krauter genoß; allein das Brod war entweder zu Ende, oder die Wurzel- und Krauterkost bekam ihr eben so wenig, als dem heiligen Simeon, weil sie bald wieder in das Haus ihrer Eltern zurückkehrte» Die Legende sagt, daß sie solches aus Gottes Eingebung that, und daß ste besorgte, vom Teufel verführt z» werden; obwohl uns diese Besorgniß er siebenjährigen Helliginn etwas voreilig scheint; denn, wie wir aus dem i 3 1e- (r34) Leben aller heiligen Jungfern sehen, haß der Teufel zu seinen Verführungen immer das vierzehnte und fünfzehnte Jahr abgewartet» Ob ihr kostbarer Schaß vor dem bösen Teufel in der Stadt besser verwahret war, wird nicht gesagt. Der Legendschreiber laßt vom siebenten bis zum zwanzigsten Jahre, und gerade in der schlüpferigsten Periode des weiblichen Lebens, eine grosse Lücke offen, und erzählt uns blos, daß sich die Heilige im zwanzigsten Jahre des Brodessens*) enthielt, und also noch nicht gescheuter war, als in ihrem siebenten. Bey Nacht schlief sie wenig— lag auf einem harten Bret, und schlug sich *) Da wird sie aber wohl auch die Stelle im Vaterunser: Gieb uns heute un- tägliches Brod, ausgelassen haben» ( lZZ) sich täglich eine halbe Stunde mit einer harten Kette so lang, bis das Blut auf die Füsse lief. Ihre Eltern, die sie gern an Mann gebracht hätten, besorgten, sie möchte ihnen sitzen bleiben, wenn ihre Lebensart bekannt würde; denn welcher ver* künftige Mann wird ein Mädchen zum Weib nehmen, das kein Brod ißt— die ganze Nacht nicht schläft—„nd sich täglich mit Ketten bis auf das Blut peitscht. Sie benahmen ihr also Gelegenheit zum Beten— vermuthlich zum übermäßigen Beten—denn wer den ganzen Tag blos betet, ist so gut ein Aagdieb, als wer den ganzen Tag spatzieren geht. Man sieht, daß der Biograph ein Mönch ist. Es verdroß ihn, daß ihre vernünftigen Eltern der Dchwärmerey ihrer Tochter Einhalt i» 4 thar (?Z6) thaten, um sie also gehaßig zu machen- fügte er: sie benahmen ihr alle Gelegenheit zum Beten, da sie doch die Jungfer Kathel, wie es ihre Schuldigkeit war, blos zum Schlafen, zum*) Brodessen, und statt des müs- sigen Gebets und Meditirens, wie die Legende selbst sagt, zu häuslichen Geschäften werden angehalten haben. Allein die Bemühung der Eltern war fruchtlos. Mit iedem Tage war die Heilige mehr in Sorgen, den kostbaren Schatz: Den sie nun schon zwanzig Jahre herumtrug, in der bösen Welt zu verlieren. Kein Ort schien ihr zu dessen Ein Mädchen, dar kein Brod ißt, ist, deswegen noch nicht heilig, und macht, sich verdächtig, daß sie heimlich wohl bessere Dinge essen möge. In dem Häuft ihrer Eltern aß sie doch wohl keine Wurzeln und Krauter.— Von was mag sie also«ohi gelebt habe»? ( 127) dessen Aufbewahrung sicherer, und geschickter, als ein Kloster. Sie trug in ihrem Herzen eine grosse Neigung zum Predigerorden, neil sie aber doch nicht recht bey sich einig werden konnte, so erschienen ihr in einer Nacht verschiedene Ordensstifter, die einer dem andern diesen kostbaren Schatz wegzukappern suchten---- Die Heilige aber gab gleich einem zweyten Paris den Apfel, dem heiligen Dominikus, und bestattigte dadurch das Sprichwort: wer zweifelt, der harschem gewählt« i Z Der ) Auch Haller hat diesen Vers in seinem Gedicht an Doris, und so konnte die Originalität dieses Gedanke>s dem guten Voltaire wohl streitig gemacht werden. Anmerkung des Uiberseyers. ( iZs) Der heilige Dominikus lief ihr für Freuden entgegen, und versicherte sie, daß ihre Begierden bald wurden erfüllet werden» Nach diesem kam sie zu sich, und bat dann Tages darauf ihre Eltern, ihr;'a zu erlauben, einen Orden anzunehmen, zu dem sie der heilige Ordens- stifter selbst— im Traum berufen Hat. Da die Eltern sahen, daß sie auskerne Weise von ihrem heiligen Ei§ gensinn abzubringen sey, willigten sie endlich in ihr Begehren. Bey Anziehung des Orbensklsids war sie so voll Andacht und Eifer, als wenn sie in der siebe Gottes zerschmelzen wollte. Dann legte sie sich, für ein Weib, gewiß eine strenge Buße auf; denn sie sprach durch drey Jahre kein einziges Wort, und sagte also Wenigstens keine Sottisen. Durch dieses Still- schwer- (!Z9) schweigen gewann sie so grosse tliber- flüßigkeiten der göttlichen Gnaden, und erlangte solche Gemeinschaft mit Christus, daß er ihr, in eigner Person, den Weg zur Sellgkeit zeigte, und clles gab, was sie nur von ihm begehrte, Sie hatte aber auch die Ulber- Süßigkeiten göttlicher Gnaden höchst nöthig; denn, wie der Biograph erzählt, wurde sie vom Teufel, der gern ihren kostbaren Schatz gehabt hatte, gar heftig versucht. Er gab ihr die schändlichsten Gedanken ein, und zeigte ihr im Schlaf viele schand iche Dinge, wie es dann sehr natürlich ist, daß uns diese Dinger iin Traum vorkommen müssen, wenn wir wachend r'rymer an sie denken.— Kaum (!40) Kaum war aber Katharine aus derley garstigen Traumen erwachet; so geißelte sie ihren unschuldigen Leib bis auf's Blut, und gab also unwissend zu verstehen, wo der Teufel stecken müsse, der ihr Liese Dinger zeigte. Allein, wenn sich ein Teufel was in den Kopf setzt, so bleibt es nicht bey einem Versuch. Er wiederholte seine Angriffe, sprach ihr anfänglich, wie ein Beichtvater, in Güte zu, von dieser strengen Lebensart abzustehen, und sich nicht selbst den Tod zu verursachen— Als er seine Beredsamkeit erschöpft hatte, suchte er seine Gründe durch Lxem- xlu zu beleuchten. Er prasentirte ihr verschiedene Weibs- und Mannspersonen, die l!n- kcuschheit trieben, und wollte sie zu dergleichen Laster anreizen; ja, er sagte es ( 141) es ihr gerade zu, daß er nicht abstehen würde, bis sie seinen Willen erfüllet hatte. Die Heilige antwortete aber: „Du sollst wissen, daß es mir die höch- „ste Freude ist, nicht allein diese/ „sondern alle und jede Mübscligkeiten „von meines Erlösers wegen zu leiden, „so lang es demselben gefällig ist." Nach diesen Worten, und nach, dem er die Heilige, vermuthlich noch mit diesen Mühseligkeiten wird ge- plagt haben, nahm der Teufel den Hut, und cedirte Christus, der eben in grosser Klarheit eintrat, den Platz. Seine Anrede war:„Meine Tvch- „ter Katharina, sieh, was ich deinet- „wegen gelitten habe. Darum fürch, „te dich nicht, auch etwas meinetwegen zu leiden." Sie aber sprach:„Ws „warft ( 142) „warst du aber, o Herr, als Meist „Herz mit so vielen Schändlichkeiten „angefochten war?" „Ich war inwendig in dcinent ^Herzen. „Wie ist es möglichversetzte sie,„daß du damal in meinem Herzen „warst, als es mit solchen unreine« „Gedanken umgeben war?" Die Frage war verfänglich Christus aber faßte sich, und antwortete— M bon^ssuits— durch eine andere Frage: „Sage mir, was haben solche „Gedanken in deinem Herzen gewirkt? „Freud oder Schmerzen?" Was für eine Frage, dachte Katharina bey sich? Dürfen wir Weiber dann ( I4Z) bann sagen, was uns Freude nmchet? Und so antwortete sie nach der Regel: ;,Daß es ihr keine Freude, sondern die höchsten Schmerzen verursacht habe." Nun Mußte Katharina freylich nicht, daß Christus Frage ein Dilemma oder Falibret war; denn sie moch, te antworten, wie sie wollte, so war sie in der Schlinge.— Hatte sie gesägt: Freude, st war die Antwort fertig. „Sieh, mein Kindwürde es geheissen haben,>,das geschah auf mei» „ne Zulassung. Ich wollte deine Treue „auf die Probe stellen, und sehen, „was solche Freuden über dein Herz ^vermochten u. s. w." ( 144) So antwortete die heilige Katha- rina aber Schmerzen, und so ist nichts in der Welt natürlicher als die Antwort: „Eben dies ist dasjenige, was ich „damal mit meiner Gegenwart verrichtet habe, denn, wofern su derselben „warst beraubt gewesen, so würdest du „ein Wohlgefallen an solchen Schand- „lichkciten geschöpft haben."*) Die gute Katharina mußte dergleichen Verfolgungen nicht blos vom Teu- *) Man nenne die Zergliederung dieses Gespräches nichr Gotteslästerung. Nicht Voltaire, sondern der Biograph lästerte Gott, indem er ihn, wie einen Jesuiten, reden läßt. Die Legenden strotzen von dcrley Gesprächen, und, wenn Voltaire ihren Unsinn aufdeckt, so verdient er unsern Dank. Anmerkung des Uiberfttzers. ( 145) Teufel, sondern auch sogar von Menschen ausstehen. Sie hat«her nicht allein alles mit höchster Geduld überstanden, sondern ihre Feinde(und also auch den Teufel) zur Erkenntniß ihrer Sünden gebracht. Eine Ordensschwester mit Namen Plamerina( vermuthlich Blamerina von Blamer) schmähte die Heilige öffentlich, und konnte nicht einmal ihren Namen aussprechen hören, und doch verschaffte ihr Katharina durch ihre Fürbitte ein seliges Ende. Und so könnte man sagen, daß Ganganelli durch die Fürbitte der Jesuiten ebenfalls ein seliges Ende nahm. Eine andere alte kranke Schwester, berste, wahrend ihrer Krankheit, allen Beystand leistete, vergalt ihr ihre Liebe mit Undank; denn ste brachte die Heilige in den Verdacht, als war' sie keine Jungfer mehr. k Als (!46) / Als ihr die andern dies öffentlich vorhielten, antwortete sie blos:„Ich „bin durch die Gnade Christi eine -.Jungfer." Inzwischen that ihr dieser Vor« wurf doch sehr weh. Daher klagte sie es Christo mit vielen Thränen, der ihr auch alsobald erschien, in der rechten eine goldene, in der linken Hand aber eine dörnere Krone hielt, und ihr die Auswahl ließ. Nun würden Millionen Weiber nach der goldenen Krone gegriffen haben; Katharina aber langte nach der dörneren Krone, und setzte sie mit diesen Worten auf den Kopf: „Herr, ich begehre iu diesem Leben „deinem Leiden gleichförmig zu „werden, und deswegen greife ich „statt der Wollüste nach den Müht ^Seligkeiten" Von ( 147) Von selber Zeit empfand sie immer grosse Kopfschmerzen, die ein jeder empfinden wird, der die Narrheit begeht, fr eywiüig eine Krone von Tor- nern aufzufetzen. Ein andermal kam der Herr in der Nacht zu ihr, drückte sie an die Wunden seiner heiligsten Seite, und erquickte sie mir dem Uiberfiuß seiner göttlichen Gnaden» Den Armen gab sie alles, was ste nur hqben konnte, und beraubte sich vielmal der nothwendigen Klei- düng, und also blieb sie nackt. Chri, stus selbst hat, in Gestalt eines'Bettlers, ihren Rock ohne Ermel, her, nach ein leittcnes Kleid, dann auch die Ermel zum Rock von ihr verlangt: und, als sie ihm dies alles gegeben hatte, und er eben so viel für seine Gesellen verlangte, sprach sie zu ihm: k 2„Ich ( k48) „Ich wollte deinen Gesellen gerne „helfen; aber ich habe nichts mehr." Darauf lächelte der Herr: und sprach:„Ich sehe deinen guten Wilr „len, damit bin ich zufrieden: du „aber gehab dich wohl." In der folgenden Nacht kam er übermal in der Gestalt eines Bettlers zu ihr, und brachte den nämlichen Rock mit, den er indessen von seinem himmlischen Hofjubelier mit vielen köstlichen Edelsteinen besetzen ließ. Ausser diesem kostbaren Präsent verehrte er ihr auch ein Kleid*) welches sie für allem Frost be- *) Dieses warme Kleid ist ohne allem Zweifel im Himmel fabricirt worden. Da sich nun in keinem Mauiharchiv eine Spur findet, daß Christus den Konsummvzoll entrichtet, so ist es bewiesen, daß Christus dieses Kleid hereingeschwarzt habe. Hat aber (?49) beschützte; denn die Heilige verspürte weder im Winter noch im Sommer ein widerwärtiges Lüftchen, sondern war allzeit warm, und wohlbedeckt. Diese feine Galanterie würde jedem französischen Marquis Ehre gemacht haben. Aber, die Heilige sorgte nicht allem für die Leiber ihrer Nächsten, sondern auch für ihre Seelen. k Z Die aber Christus geschwärzt(dem wir doch nachfolge» sollen) so begreifen wir nicht, warum man es den arme« Kaufleuten so sehr verdenkt, wenn sie, nach seinem Beyspiele, eiuen Schleichhandel treiben, und, statt Nürnbergerwaare, Manchester vnd andere Artikel hereinschwarzen, die die Lanbesfürsten aus dem falschen Grund- Atz, Daß das wohl des Sraares dem wohl einzelner Kaufleute vorzugehen sey, zu verbieten den Eigensinn hatte». ( IZV) Die Agende hat uns ein Gebet von ihr aufbewahrt, daß die Sorge für die Seelen bestatfigen soll, obwohl, nach unsrer Meynung, guck d«'c Ltzir ber miteingeschlossen sind. Es heißt: „Mein Herr und Gott,, wie kann ich ,,es leid.en, daß diejenigen, die nach „deinem Ebenbild erschaffen sind, in „Ewigkeit sollen verdammt werden? „Es würde zu deiner grösser« Ehre gereichen, wenn es ohne Verletzung der „Liebe geschehen könnte, daß ich allein „verloren würde, und, durch Hinwer- „fung meines Leibes, die Thüren der „Höllen versperrte, und alle höllische „Marter erlitt', als daß so viel tau- „send Seelen von der Gesellschaft deiner Seligkeit ausgeschlossen werden. Hierauf antwortete ihr Christus: „Es kann keineswegs seyn, daß die Lie- „be einen Orr in der Hölle finde; denn ;;die Kraft der Liebtz ist dermaßen »groß. ( rzr) „groß, dass sse diel eher die Flammen „der Hollen auslöschen, als von ihnen „verletzt werden könnte. Dies sind in der ganzen Legende die einz igen Worte, die Christus konnte gesagt haben, denn sie sagen nichts anders, als:„Nein, liebes Weib, tper liebte „kann nicht verdammt werden; denn „die Liebe ist der Fels, auf dem „ich meine Kirche baute, und die „wird die Gewalt der Hölle nicht „überwältigen" Diese Worte haben das Herz der Heiligen noch mehr mit der göttlichen Liebe entzündet, so, daß sie aus lauter Liebe nicht vom Bett aufstehen konnte. Sie bat anfänglich den Herrn, sie von dieser Welt abzuholen; da sie «ber vermerkte, daß Gottes Wille ih- k 4 rem ( rZ2) rem Begehren zuwider war, veränderte sie ihre Bitte, und ersuchre ihn, sie derjenigen Schmerzen theilhaftig zu machen, die er auf Erden gelitten hatte. Diese Bitte hat ihr Gott auch gewahret, indem er sie durch allerhand Trübseligkeiten betrüben, und anfechten ließ. Wir haben wider dieses nichts einzuwenden, als daß wir es mit dem kostbaren Galakleid von Edel- steinen, und dem warmen Rock nicht zusammen reimen können. Indessen wurde doch auf diese Versicherung die Liebe Christi in ihr so sehr vermehrt, daß ihr wunderlicherweise Las Herz von oben bis unten zersprang. Andere ehrliche Leute würden übet so einen Zufall den Geist aufgeben; bey der heiligen Katharine hatte die Aerfpringung aber keine andere Folge, als daß sie verzückt wurde, und ( 153) unaussprechliche göttliche Geheimnisse sah. Erstens erforschte ste die unerr forschlichen Freuden der Heiligen, gieng dann von-einem Ertremum zum andern: zur Hölle über, wo sie die entsetzlichen Pcinen und Strafen der sündhaften und ohne Büß dahin gestorbenen Menschen in Augenschein nahm. Auf dem Rückweg besuchte sie das Feg- feuer, und wenn sie gleich, nach der segende, von Christus erhalten konnte, was sie begehrte, so finden wir doch nicht, daß sie auch nur eine einzige Seele daraus erlöset habe; welches ihrem sonst so guten Herzen wenig Ehre bringt. '.Als sie aus ihrer Phantasie zurückkam, empfand sie grosse Schmer, jen, und weince drey Tage und Nächte unaufhörlich. k 5 Wie ( 154) Wie aber bey Weibern nichts!an, ge wahrt, so gieng auch bey Kathqri, neu dieses göttliche Aebesfieber vorüber, und so kam ihr alter Bräutigam, eh' sie es sich versah, zu ihr, und machte ihr den Antrag: sich mit ihr im Geiste zu Vermahlen, und, was das Sonderbarste dabey war, bestimmte er ge, rade den Fasching dazu. Die Heilige bat ihn ganz inständig um diese Gnade, und, indessen die Weltkinder leichtfertiges Spiel trieben, sperrte sie sich in ihr Zimmer, und wartete auf die Kopulation. Christus ließ nicht auf sich war, ten, und damit aller nach Vorschrift des Ehepatents vor sich gehe, bracht? er den heiligen Dominikus als Hofka- psllan, den heiligen Petrus und Paulus als Beystände, und die Mutter Gdttes als Kränzljungfer mit. DieVer- mählung geschah auf eine so sonderbar? Wer-? ( IZZ) Weise, daß es keine menschliche Zunge genug aussp'.echen kann: und, nach den Worten des Biographen, wurde erfüllet, was geschrieben steht: Meine Wollust ist bey den Menschenkindern zu seyn.—— Kurz nach dem Beylager im Glauben verlaugnete sie abermal ihre Natur, und bat den Herrn, daß er ihren eigenen Willen aus dem Herzen xeisse, damit sie ihm desto gehorsamer seye. Da kam es ihr vor, als eröf- nete Christus ihre linke Seite, nähme ihr das Herz heraus, und gixng damit fort. Sie erzählte dgs ihrem Beichtvater; und sagte, daß sie nun kein Herz mehr hatte. Der Beichtvater aber lächelte, weil er es für unmöglich hielt, daß man ohne Herz beichten könne: so sagt der Biograph.— Er könn« te te aber auch'wohl aus andern Ursachen gelächelt haben. Als Beichtvater mußte er ja das verliebte Temperament Kathan'nens kennen, und so war es vielleicht nicht das erstemal, daß sie um ihr Herz kam. Wenn ihr Christus das Herz genommen hat, so begieng sie ja keine Sünde; was hatte ste also nöthig, dem Beichtvater diesen kleinen Drebstahl zu erzählen? Aber der Beichtvater mochte lächeln, und wir mögen über sein lächeln wie immer raisoniren, so war doch sicher Katharinens Herz beym Geyer; denn der Biograph erzählt uns mit der ernsthaftesten Miene von der Welt, daß nach wenigen Tagen, als die Heilige aus der Kirche gehen wollte, Christus ihr im schönsten Glanz erschienen sey, und ein schönes rothes Herz in der Hand hielt. ( 157) Er näherte sich ihr, und setzte durch die nämliche Oefnung, aus der er ihr Herz herausnahm/ der verliebten Hei- Ngl'nn dies schöne rothe-Herz in ihre linke Seite, mit den Worten: Siehe meine Tochter, dahast du mein Herz für dein Herz. Es giebt, besonders in Deutschland, viele schlecht unterrichtete katholische Christen, die eine besondere Verehrung zum fleischernen Herz Jesu tragen; aber es wird in einer grossen Hauptstadt, in einer grossen Hauptkir- che, ein grosser Haupt**** aufstehen, der durch seinen Unterricht das Volk verführen, diese Verehrung in Anbe- thung ") Hier war das Manuskript unleserlich. Weil ich also unmöglich errathe» kann, was Voltaire sagen wollte, so ließ ich diese Stelle zu beliebiger Auslegung oft fc» stehen. Anmerkung des Uiberseyers> ( i53) thung venvandelu, und diese Anbe- thung des fleischenen Herzens Jesu, mit Handen und Füssen, gegen die gesunde Vernunft, und gegen die reinen Grundjatzs des Christenthums selbst vertheidigen wird.*) Da wünschten wir nun, daß in besagter Stadt Jemand aufstünde, der ihm die legende der heiligen Kathürins vor die Nase hielt, und ihn überzeugte, dgH er und seine Am Hanger nicht das Herz Jesu, sondern einen Wechselbalg anbeten, weil Christus sein fleischliches, schönes, rothes Herz gegen das zersprungene Herz der heiligen Kathärine eingewechselt hat. Wollte aber dieser sask unüberweisba- re Mann, und seine EkZ—. Anhänger, *) Es soll sich wirklich in einer grossen Hauptstadt ein Hauptpfarrer befinden, der diese Anbetung schriftlich vertheidiget, und w bat sa übermal der prophetische Geist aus Voltaire» gesprochen. Anmerkung des Uiberseizers, ( 159) ger, dessen ohngeachtet, in ihrem Unsinn forrfahren, das fleischene Herz Jesu anzubeten, so sollen sie, um der Wahrheit getreu zu bleiben, statt Anbetung des Herz Jesu, in Hinkunft sagen: Anbetung des ausgewechselten Herzens Jesu, oder noch richtiger: Anbetung des Herzens Jesu in der heiligen Katharina. Man verzeihe Uns diesen Seiten- spnmg. Nachdem Christus der Heiliginn die Seite geschlossen hatte, gierig ct wieder fort.— Damit aber Liese Auswechslung nicht etwa für eine Phantasie gehalten würde, ließ er an dem Orcc, wo er ihr sein Herz einsetzte, ein Mahl- zeichen zurück, welches von ihren Mik- sthwestern vielmal gesehen und berührt worden. Ob sie es auch ihrem ungläu* Hjgen Beichtvater gewiesen, und ob er dann ( 160) Dann noch ferner gelächelt habe, wird nicht erzählt. Was nun aus so einer Veränderung der Herzen erfolgt sey, kann sich Jeder leicht denken. Die Heilige spürte so eine Erneuerung der Seele in sich, daß sie sich erst vier oder fünf Jahre alt zu seyn dünkte— und also wAde Katharine durch das Herz Jesu wieder zum Kind. Aber so sehr sie auch ihre fugend/ lichen Kräfte wieder erhielt, so konnte sie doch ihrer Nervenzustande nicht los werden. Denn, als sie zu Pisa einst kommunizirte, fiel sie abermal in Verzückung, und wurde für todt nach Haus getragen. Als sie zu sich kam, erzählte sie ihrem Beichtvater, daß sie in dieser Ohn- < röi)' Ohnmacht mit den fünf Wunden Christi wäre bezeichnet worden, worüber der Beichtvater wohl abermal wird gelächelt habem Vom.Airfang der Fasten bis Pfingsten erhielt sie sich blos mit der heiligen Kommunion, und nahm nicht das Geringste von leiblicher Speise zu sich. Wenn das Heilige Abendmahl, wie es vielleicht damal üblich gewesen, ( denn wir wissen nicht, wann die Heilige lebte) in einem Slüek Brod bestand, und sie die Kommunion des Tages öfters wiederholte, so fallt ein grosser Theil des Mirakels weg. Aber der Biograph erzählte uns ferners, daß sie durch ganze acht Jahre weder Brod, noch sonst eine Speise der Welt, wohl aber, zur Verhütung der Nachrede, den Saft der Krm^ l ter ( 162) trr verschluckte, den sie jederzeit wi^ der von sich geben mußte, weil ihx Magen, so wie kein menschlicher Magen, so etwas vertragen konnte. Allein das Wunderbare fallt auch hier weg; denn wir lesen weiter, daß Katharine auf die Frage:„Warum „sie nichts esse," geantwortet habe: „Der Herr habe sie ihrer Sünden -.wegen mit einer» schweren Krank- „heit heimgesucht, und daß sie keine „Speise bey sich behalten könne." Und so war also Katharine durch K Jahre krank, und so war der Krautersaft eine blosse Arzney, die ihr der Doktor, zur Herstellung ihrer Gesundheit, wird verordnet haben; und so kennen wir Leute, die ebenfalls durch acht und mehrere Jahre keine Speise behalten können, und so hätte der Biograph kein Mirakel daraus machen sollen. Das ( röZ> Das ganze Leben dieser Heiligr'nn War, nach den Worten ihres Geschichtschreibers, ein anhaltendes Gebet, und so verlor sie über des innerlichen Trostes so sehr alle Empfindlichkeit, daß ihr heiliger Leib öfters von der Erde erhoben, und in den Lüften hangen blieb, und das ist ein wahres Wunder, ohne Empfindlichkeit sich von der Erde erheben, und in der Luft hangen zu bleiben, Sie führte überdies so ein unschuldiges Leben, daß nie( besonders durch die drey Jahre, wo sie gar nichts sprach) ein vergebliches Wort aus ihrem Munde gieng. Durch ihr Gebet hat sie viele boshafte Menschen dem Teufel, dessen schwache Seite sie nun wohl kennen mußte, aus dem Rachen gerissen, und sehr viele eitle Menschen zur Derach, l-r rung ( 164) jung der Melt, beredet, für dl'e flx Gott erscha fsen hatte. Ihren inpcsiirten Beichtvater Raymund machte sie liNversehers Wie-' der gesund. Zween Uibelthater, die sich nickt wollten henken lassen, wurden durch ihr Gebet reumüthig aufs gehangen. Sie heilte eine Menge unheKa§ re Krankheiten, und wurde von Chri. stus selbst öfters mir seinem heiliges Leib und Blut eigenhändig kommuni- ciret^——— Eines Tages arbeitete die heilige Katharine am verdorbnen Mehl, und wollte also dom verdorbnen Mehl für ihre Mitschwestern Brod backen. Da' erschien ihr die Himmelsköniginn, und half ihr den Teig kneten. Daraus ist dann aus dem verdorbnen Mehl so ein, schö- ( i6Z) schönes und kostbares Brod geworben, baß sich Alle darüber verwunderten, und Manche sich noch auf dem heutige« Tage darüber verwundern werden. Em andermal hat sie aus einem leeren Faß den Letzten Wein abgezapft, und ist damit den Armen beygesprun- gen, und das will noch mehr sagen, als Wasser in Wein verwandeln. Ihrem Beichtvater verschaffte sie so eine Zerknirschung des Herzens, daß er sich kaum fassen konnte. So erwarb sie auch einem andern Geistlichen eine ungewöhnliche Andacht, und eine neue Zärtlichkeit des Herzens. Nichts kömmt aber in dem ganzen Leben der Heiliginn dem Biographen wunderbarer vor, als daß sie Gott mit himmlischer Weisheit be- l 3 gabt ( 156) gabt hatte. Ihre himmlische Weishnt aber bestand darin», daß sie durch ganze Stunden von Gort, und den himmlischen Dingen, und also von Manne im Mpnd, plaudern konnte. Sie gab noch einen andern De- weis dieser himmlischen Weisheit; denn als zu selbiger Zeit von der unfehlbar ren Kirche zween unfehlbare Pabsts Zugleich erwählt wurden, haben die Kardinale der heiligen Katharine, und also einem Weibe, den ganzen Handek übertragen, den sie auch wunderbarer Weise geschlichtet hat.— Doch eine Persdn, die schon durch acht Jahre keine Speise behalten konnte, habe so viele himmlische Weisheit, als sie wolle, so kann sie es doch nicht in die sänge ausdauern, und so mußte auch die wirklich gute Kqtharinq schM (-6?) schon Lm drey- und dreyßigsten Jahre ihr Leben beschließen. Der Teufel machte ihr sogar auf ihrem Sterbbette noch vielen Verdruß, und hielt ihr vor, daß sie ihre Büß- merke aus blos eitler Ehre unternahm. Allein; so sehr der Teufel auch sonst in andern Stücken Recht habe»? mag, so scheint er der guten Katha- rine diesmal Unrecht zu thun. Daher war auch ihre Antwort „Was eitle Ehre! Hinweg mir dirL „Ich habe niemal mit dir einige „Gemeinschaft gehabt. Für die eins „zige Ehre Gottes habe ich Sorge „getragen." Dann wandte sie sich zu ihrem himmliichen Bräutigam, und sprach? „In deine Hände, o Herr, befehle r 4„ich ( 163) „ich meinen Geist."— und so fuhr fle- ivie der Biograph sagt, zu den himmlischen Freuden. Pabst PiuS der II. hat sie in die Zahl der Heiligen geschrieben, und Kle- mens der VIII. befahl ihr Fest in der katholischen Kirche öffentlich zu feyern» Mora l. haben wir nun abermal eine be^- dauernswürdiqe Schwärmerinn— nur ein weit bessers Geschöpf, als die r§' formfüchrige Theresi?war. Katharina hatte das zärtliche Herz einer NmvN, und war', ben einer vernünftigern Richtung ihrer hiebe, die zärtlichste Gattinn, die beßte Mutter geworden« Daß die Verkaufchung der Herzen nur im Traum und in der erhitzten Imagination der verliebten Katharine vorgieng, wird jeder Katholik, dessen Hirn nur halbweg in guter Hage ist-> vyn selbst einsehen. Christus soll ei- l> 5 nem ( 172) ASM Menschen sein wahrhaft sseische- nes Herz einsehen? Und so wird rr wohl auch die Gespräche mir Christus entweder für Geburten ihrer bilderreichen Phantasie, oder für Erdichtungen des Biographen halten.. Die Unterredungen mit dem Teufel mögen etwas mehr Grund haben; auch ließ sich aus dem blossen Lächeln des Beichtvaters Manches entziffern. Bey einem Mädchen von so verliebten Temperamente, wie Katharina war, konnten wohl kleine Galanterien pnit untergelaufen seyn. Der alte Bettler, der das Kleid mit den Edelsteinen brachte, hat ganz hie Miene eines Unterhändlers. Der öffentliche Vorwurf: sie sey keine Jungfer mehr, und das von Mitschwestern, die ihre () ihre Handlungen belauschen konnten» wär' wohl auch ein starkes Indizium; so auch die Vermahlung im Glauben im Karneval— so ihre häufigen Mut- terzustande, und so noch viele andere Dinge. Da aber vor unserm Aichterstuhl keine Indizien gelten, so wollen wir in so lange, bis man uns Gegenbeweise giebt, die heilige Katharine von allem diesem scheinbaren Verdacht lossprechen, und fest glauben, daß sie ihren Eostbaren Schatz unverletzt in die andere Welt mit hinüber nahm. Wie sie aber dort aufgenommen wurde, und ob der Schöpfer ihr es verziehen, daß sie das anvertraute Pfund vergrub,— ob man dort auch, wie zu Rom, die Unfruchtbarkeit für eine Tugend halte, und jedem Narrn oder Schurken, den ein Mensch ( 172) Mensch kanonisirte, für einen Heiligen gelten lasse? Dies sind Fragendes wir der Erwägung eines jeden Katholiken insbesondere überlassen. ( r?3) Beschre ibung des Kupferstiches- Eine Klosterzelle. Die heilige Katharina steht Mit Christus vor ihrem kleinen Altar. Der heilige Dcniinikus, der eine St»^ !e um hat, giebt sie zusammen. Die Mutter Gottes setzt der HeilisiNN einen Kranz auf. Der heilige Petrus und Panlns stehen Äs Beystände auf der Seite. Zween () Zween Eng-l sind beschäftiget, den Tisch zu Hecken- Ein bettlet komm eben mit dem Körb zur Thüre Herrin. Man sieht verschiedene Bon- teilten mit Champagner und Tokayer zum Korb heraürscheil, Der Teufel guckt unter dem Bette heb- vor- und riecht den Braten— Fünf- Fünfte Fabel, - ^- 'M 8eöen des heiligen Thomas von Aqum, englischen Dsk- Lorö. Spanien, das unö die Donqmt- schoM/ und Italien, das uns die weit 5.' ab- Machet könnte hier die Ausdrücke englischen ( r?6) schädlichem Pabste liefert, hat uns, wie die Legende zeigt, auch die meisten Heilige gegeben, Und so ist auch der heilige Thomas in Italien, aus dem gräflichen Geschlechte von AflUM gebohren worden- Als seine Mutter mit ihm schwanger gieng, kam ein Eremit zu ihr, der ihr das Bilvniß der Mutter Gottes- und des heiligen Dominikus anhieng» Ein Bettelmönch hangt einem aber nichts an, vhne.es nicht zugleich mit lischt» Doktor im wörtlichen Verstands nehmen, und wob! gar glauben, daß der Heilige ein englischer Lr,r, oder auch «in englischer Pferddoktor gewesen sey. Allein hier ist englischer Doktor to viel, «ls Doktor der Theologie, wodurch man den Layen zu verstehen geben woltt! te, daß die Eottcsgclabrhcit eine englische, und also eine unmenschliche Wissenschaft wäret ( m) Mit einem frommen oder bösen Wunsch zu begleiten. Die Mutter mußte eine grosse Gutthäterinn des Eremiten gewesen seyn; denn es wurde aus dem frommen Wunsche sogar eine Prophe- zeihung, und die Mutete, daß ihr Lind eine Glorie ihres Gtam- mens, ein Licht der ganzett Melk, und ein Geistlicher im(Orden des heiligen Dominikus seyn werde. Was uns bey dieser Prophezei- hung Wunder Nahme, war', wie det Eremit das Geschlecht des Kindes im Mutterleib errathen konnte, wenn wir nicht wüßten, daß auch in unsern Zeiten die Bettelmönche in diesem Punkt einen prophetischen Geist haben. In der heiligen Taufe erhielt er den Namen Thomas. Der Taufna^ me scheint Manchen gleichgiltig und unl m Le, (-78) bedeutend, und doch bestimmt oft blos dieser unsern Charakter. Hier ist freylich nur von schwachen Köpfen die Rede. Nur ein Beyspiel: Man trift selten ein Frauenzimmer mit dem Namen Aschen an, das nicht schnippisch und schlimm wäre, und das blos, weil sie von ihrer Kindheit an hören, daß alle Lischen schlimm find.— Sie glauben, diesen Namen nicht zu verdienen, wenn sie aus der Art schlügen, und so werden sie schlimm, weil sie Lischen heissen, und so würden sie es nicht seyn, wenn sie einen andern Namen hätten. Jeder hänge dieser Grille weiter nach l Wir kommen wieder auf unsern Thomas» Tho- ( r?9) Thomas war nur wenige Woche» alt, als er schon Beweise seiner künf- tigen grossen Gelehrsamkeit von sich gab. Die Kindermagd wollte ihm ein Stückchen Papier, auf dem der englische Gruß geschrieben war, aus der Hand nehmen; allein er hielt es fest, und ließ es nicht ohne Thränen fahren: wie Kinder es überhaupt machen, wenn man ihnen ihr Spielwerk nimmt. Wenn er weinte, war er nicht anders zum Schweigen zu bringen, als wenn man ihm ein schönes Buch aufschlug, und vor die Augen hielt. Man muß aber mehr als Kind seyn, um aus diesem eine künftige Gelehrsamkeit zu folgern. Damit ja die Prophezeiung des Eremiten erfüllet werde, steckten ihn seine Eltern schon mir fünf Jahren in das Kloster Kaßino, das Benediktiner m» be- ( r3o) bewohnten, damit er die GoMsfurchk und Andacht von Kindheit auf erlerne. In diesem Stift waren mehr dergleichen Kinder; allein der fünfjährige Heilige gierig ihnen allen an Fleiß, Sittsamkeit, Stillschweigen, Gehorsam, und allen übrigen Tugenden vor. Nachdem er hier so guten Grund gelegt hatLL, schickten ihn seine Eltern nach Neapel, damit er da seine Studien fortsetze, und die freyen Künste -erlerne. Er wa.r nach dem Ausspruch des Biographen, und auch nach seinen Schulattestaten, ein von Gott gesegneter Jüngling, hatte einen klaren Verstand, und war also zu bedauern, daß er ihn nicht besser anwendete. Die ( r8r) Die ehrwürdigen Patres Dominikaner waren damal eben nach Neapel gekommen, und leuchteten(durch den Glanz der Scheiterhaufen) in grosser Heiligkeit, Thomas war so glücklich— mein Thomas mußte, vermög der Prophezeiung, ihre Bekanntschaft machen. Sie entdeckten bald seinen Beruf; ein Pater sah sogar Stralen um fein Haupt, und so wurde Thomas, der als Kind alle Tugenden ausübte, als Kind die freyen Künste erlernte,-auch als Kind in den heiligen Orden aufgenommen. Die armen Patres mußten zwar, ohngeachtet ihrer grossen Heiligkeit, und ohngeachtet ihnen die Inquisition anvertraut war, vom Volke diele Schmachreden anhören. Man warf ihnen vor, daß. sie ein zartes Rind m g falsch. ( r82) fälschlich zu ihrem Orden beschwatzt, und überredet hatten. Die Mutter, die sich in ihrer Schwangerschaft vom Eremiten ein Bildchen anhangen, und prophezeihen ließ, kam nun selbst zum Kloster, und wollte ihren Sohn zurück haben. Dies ließ sich nicht wohl zusammen reimen, wenn man nicht voraussetzte, daß die Mutter als eine Gräfinn auch ihren gräflichen Schuß gehabt habe. Allein die Dominikaner, die nach Art der übrigen Klöster, sich das Recht anmasseten, der strafenden Gerechtigkeit Mörder und Diebe vorzuenthalten, glaubten um so mehr das Recht zu haken,«in Gut, das sie gleichsam selbst stahlen^ ja nicht wieder zurückzustellen, und so liessen sie die Mutter vergeblich um ihren Sohn flehen, und fchickten ihn heimlich nach Paris. Die ( 183) Die Brüder des Heiligen lauer- ten ihm auf dem Weg auf, und wollten ihm die Kutte ausziehen. Nun ist zwar das Schlagen den Geistlichen untersagt; allein der junge Dominikaner glaubte vermuthlich, daß ein Orden, der seine Mitmenschen braten darf, ste ja wohl auch schlagen könnte; und so schlug er sich, zu Ehren des heiligen Dominikus, mit seinen Brüde>» so tapfer herum, daß ste zwar semer Person, aber nicht seiner heiligen Kutte Meister wurden. Woraus stch aber schließen läßt, daß ste mit dem kleinen U)ildfang eben nicht gar zu unglimpfs lich müssen verfahren seyn. Man kann es aus dem schließen, daß ste ihn auf ein Schloß führten, wo ihm die Mutter, und seine liebenswürdige Schwestern mit den beßten Worten zusprachen, diesen Küttel auszuziehen, und diesem schlechten sebenzu entsagen- m 4 Al- (?84) Mein die Gnade Gottes wirkte so stark in ihm, daß er keiner vernünftigen Vorstellung Gehör gab, und gleichwie ein Narr zehn rnnchp, so beredete er seine älteste Schwester, die ihn bereden wollte, daß sse der Welt entsagte, und eine A.axrrzmerittfl wurde. Seine Prüder waren indessen in den Krieg gezogen. Bey ihrer Rückkunft fanden sie ihre Mutter wegen ihrem Sohn Thomas noch immer in sehr grosser Betrübniß. Sie griffen den zerrissenen Dominikaner also ernsthafter an, und zohen ihm, als sie ihre Bemühung vergebens sahen, die Kut- ks mit Gewalt aus. Darauf sperrte» ste ihn in ein Gefängniß, und liessen ihn bewachen« Um ihn aber desto leichter zum Abfall bom heiligen Orden zu bewegen, ( i85) gen, schickten sie ein böses Mägdlein zu ihm, die ihn zur blnkeuschheic reizen mußre. Sie kam wohlgeputzt zu dem Diener Gottes, und unterfieng sich, ihn. durch Küssen und Greifen anzureizen, s Dies sind die eignen Wyrte der liegende.) Der keusche Jüngling aber ergriff, als ein ächter Dsmmikaner, einen Brand aus dem Feuer, gab ihr einen starken Verweis, jagte sie zum Zimmer hinaus, und verriegelte die Thüre stark hinter ihr, Nun ist zwar sehr wahrscheinlich, daß ihm seine Bruder, die den Phantasten nicht langer in dieser lächerlichen Maske auf dem Schloß herumlaufen sehen konnten, die Kutte mit Gewalt ausgezogen haben; daß sie ihm aber sstw lose Dirne, ihn zu verführen, zürn 5 schick- ( 186) schickten, ist eine von den gewöhnlichen Derlaumdungen des segendfchreibers. Wie wir bereits vorher sahen, wußte seine Mutter um alles. Wie konnte also eine Mutter, die ihn gok, tesffrchkig erziehen ließ, wie könnten Drüder, die ihn liebten(denn wenn sie ihn nicht liebten, hatten ste ihn lm Kloster gelassen) den bereits durch Pfaffen verführten Jüngling durch ei, ne gemeine Dirne verführen lassen? Und was hatts- ihnen diese Verführung genützt? Sie wollten ihn ja nur bom geistlichen Stande abwendig machen, und waren sie denn schon so sicher, den Alo, steigerst durch den Geist der lust zu vertreiben, da sich selbst noch in unfern Zeiten Kütkel*) und Autte so gut zusammen vertragen? Es *) JA französischen Original ficht Ivgcm» Ich ( r37) Es laßt sich wohl errathen- was vhngefahr an der Sache war. Mutter und Bruder mochten gehört haben, daß ein Weib schon manchen fast inkurablen N 6 rrn wieder zu recht brachte, und so konnte es ihnen wohl eingefallen seyn, bey dem heiligen Thomas auch dieses Mittel zu versuchen. Sie werden also um ein Mädchen für ihy umgesehen haben, das mehr Verstand als er hatte, und sich für ihn zum Weib schickte. Nun ist nichts natürlis cher, Ich hakte es auch deutsch mit Unrerrock geben können; allein, da ich bemerkt habe, daß man diejenigen Patres, die stark mit Frauenzimmern Umgang pflegen, Rüttelparres zu nennen pflege, so wählte ich statt Unterrock, den Ausdruck Rüttel, weil er sich theils mit der Rune besser zusammen reimt, theil« auch den wahren Sinn des Original- richtiger ausdrückt. Anmerkung d«» Uiberseyers. ( r88) cher, als daß sie, um ihren Zweck zu erreichen, den Thomas mit der Schönen irgend zusammenbringen mußten. Weil aber der Heilige vielleicht wie eine Nachteule auf seinem Zimmer eingesperrt war— zu keiner Gesellschaft gieng, und also ihr Bemühn lange vereitelte, so mögen sie endlich wohl auf den Gedanken gekommen seyn, das Mädchen zu ihm zu führen. Vielleicht kannte ihn das Mädchen vorher, vielleicht liebte sie ihn auch, und in diesem Falle war' ihr auch ein Kuß zu verzeihen gewesen, daß dann der Thomas, so wie die meisten Heiligen, keine se- bensart hatte, und ein Frauenzimmer, das ihn besuchen wollte( wäre sie auch ein böses Mägdlein gewesen) mit einem Feuerbrand zur Thüre hinaus- ssgte, ist wahrscheinlich, und sieht ganz einem katholischen Heiligen gleich. Det ( I8S) 'Der Umstand, daß sie geputzt: war, spricht schon Dr unsre Meynung; denn zum Verführen wählen die Damen das VsegUge- Als das Mädchen fort war, machte er mit seinem Feuerbrand ein Kreuz an die Wand— warf sich auf den Boden, rief Gott und seine werthe Mutter um Hilfe an, und schlief ein.— Kaum war er eingeschlossen, so sah er mit geschlossenen Augen zween Engeln zu sich kommen, die ihn anfänglich über den erhaltenen Sieg bekomplimentirten, darauf aber mit einem breiten Gürttzl die(enden dermaßen stark zusammen gurteten, daß er zu schreyn anßeng. Die Wächter(soll heißen Diener) liefen herbey, und wollten die Ursache wissen, Er aber behielt die Ehre und Unehre, die ihm die En^ geln anthaten, bey sich, und dankte Gott, (!90) Gott, daß er ihm die Gnade der ewigen Keuschheit mitgetheilt habe. Dies elende Wesen soll zwey Jahre gewähret haben, und, was der Biograph am meisten zu bedauern sseint, ist, daß kein Geistlicher zu ihm kam' obwohl ein Mensch, der Besuche von Engeln erhalt, leicht der Geistlichen sollte entbehren können. Allein, wir zweifeln auch mit Recht, ob es so ganz richtig sey, daß er mit Geistlichen nicht, wenigstens einen verborgenen Umgang, soll gehabt haben; denn der Geschichtschreiber erzählt, daß er kurz darauf heimlich zu einem Fenster herabgelassen, und den Patern Dominikanern, die seiner unten am Schloß warteten, wieder zugestellt worden sey. War' so etwas mit Einwilligung der Mutter und Bruder geschehen, so hätte man nicht nöthig ge- ( ryr) gehabt, ihn zum Fenster herabzulassen. Es ist also klar, daß ihn die hochwür- digen Herren, die ihn verführt hatten, nun auch entführten; das ist, und bleibt aber( mit aller Ehrfurcht für die heilige Inquisition sey es gesagt) ein wildes Bubenstück. Sie führten ihn, in seinen zerrissenen Kleidern, wieder nach Neapel, wo er im stebenzehnten Jahre die drey Gelübde des Ordens vor Gott dem Herrn freudig ablegte. Weil sie sich aber mit ihrem Aaub in Neapel doch nicht recht sicher wußten, schickten ste ihn nach Rom. Von Rom gieng er nach Paris, und von Paris nach Köllu, wo er unter dem berühmten Albertus Magnus studirte. Hier ( ry2) Hier machte er, wie die Geschieh? re erzählt, für einen Heiligen und Gelehrten, einen sehr dummen Streich; denn er zerschlug dem guten Albert ein Automat, an dem er über Zü Jahre arbeitete, mit seinem Stock zu Trümmer, unter dem Vorwand, er habe ihn für einen Dieb angesehen. Wenn wir indessen der Liegende mehr als dem Werth seiner Schriften glauben müssen, so hat Thomas unter> diesem fürtrcsslchen sehrer an weltli- cheu und geistlicher Geschicklichkeit so sehr zugenommen, daß er in der ganzen Schule seines gleichen nicht hatte. Also wurde damal in geistlichen Schulen auch die weltliche Geschicklichkeit gelehrt? Sein Hauptverdienst war das Stillschweigen; wegen welcher Tugend ihn die übrigen Schüler auch den ( I9Z) den stummen Ochsen zu nennen pflegten. Allem dieser stumme Ocvs dispu- tirte in der Folge von subtilen, und schweren Sachen, und Alberc sagte von ihm, daß dieser stumme Ochs dereinst noch so laut schreyen werde, Laß es die ganze Welt soll hören. In Paris erhob er das erstemal seine Stimme, und wtkkde zum kaLLL- iLursus'1'iisoloZiiL promovirt. Er prorestirre anfänglich wider diesen Ch- renrirei; allein, aus Verordnung Gottes, und auf Befehl seiner Obrigkeit, mußte er ihn annehmen, So wurde Thomas, aus Befeh! seiner Obrigkeit, Dokror der Theologie, indessen in Deutschland mancher Chormeister*) und Domherr aus n Spaß *) Es scheint, als habe Voltaire hier übermal mit prophetische» Geist gesprochen, nur ( 194) Spüß und im Rausch zum Doktor der Philosophie erhoben wird. Der heilige Bonaventura, ein eben so grosser Schwärmer, und nachmals Kardinal, promovirte zugleich mit ihm. Es entstund auch unter ihnen so eine Freundschaft und Vertraulichkeit, daß sie sich oft besuchten, und Mitsammen von himmlischen Dingen, Und also von Dingen sprachen, von denen sie nichts verstanden. Kaum hatte Thomas das Doktorat erhalten, so mußte er in Paris, Äom und Neapel die heilige Schrift lehren, und sogar die Akademien mit den Strülen seiner Gelehrsamkeit und Heiligkeit erleuchten. Der nur können wir nicht errathen, wer diese Vvraussagung in Erfüllung gebracht habe. Anmerkung de» Uibersetzers. (-95) Der pabstliche Hof war ihm bes sonders gewogen, wie er überhaupt den Leuten gewogen ist, die seine Rechte vertheidigen. Bevor der heilige Mann sich zum Studiren begab, hat er jederzeit Gott um Erleuchtung angeruffen. Das muß aber fein Biograph nicht gethan haben, sonst würde er nicht sagen können, daß das von dem Heiligen kom- ponirte OKeium dorn heiligen Frohn- leichnamsrag zierlich komponier sey. Einst kam dem Heiligen ein Skrupel an, ob er auch wohl recht gelehrt und geschrieben hätte? Um das zu wis, sen, gieng er zum Dberrezensenten, zum Herrn, der ihm dann auch mit deutlicher Stimme sagte: Du hast wohl von mir gesthrieben ^>^2 Tho- *) Hier ist übermal kme«bschcu!iche Laste- rung. ( 196) Thsms'. Mas wirst du für einen Lohn von mir bekommen? ( Der Allwissende fragte, was Thomas für eine Belohnung von ihm bekommen werde? Er hatte fragen sollen, welche Belohnung Thomas von ihm verlange. Thomas antwortete: B>eine andere, als dich, a H>err? Die Stimme des stummen Ochsen erscholl aber nicht allein durch die ganze Welt, sondern sie erreichte sogar das Fegfeuer. Daher gierigen verschiedene arme Seelen auf Urlaub- und kamen zum heiligen Thomas um Hilfe. Er erlöftte sie auch durch sein Gebeth, wofür sie ihm dann wieder demüthigst dankten. Die Verzückungen sollen ihm sehr gemein gewesen seyn, das heißt, der Heilung. Gott soll sagen, daß schlecht geschriebene Bücher wohl geschrieben seyen- ( 197) Heilige litt sehr an Nervenschwache, wie alle senke, die viel sitzen und schreiben So eine Verzückung überfiel ihn in Paris an der königlichen Tafel, dann bekam er eine andere auf dem sandgut seiner Schwester, die drey Tage dauerte. Wahrend dieser Zeit sah er viele göttliche Dinge, gegen die er seine Wissenschaft für nichts achtete., Bey dieser Himmelreise erfuhr er auch, daß das End seines sebens her- annähere; denn er entdeckte es seinem Ordensbruder Reginaldus. Aber, indem der Tob im Anzüge war, reisete der Heilige weiter. Der Pabst ließ ihn auf das Konzilium beruffen, und Thomas, der seiner Mutter ungehorsam war, gehorchte dpin Pabst als ein gehorsamer Sohn. ( ry8) Er wurde aber unterwegs plötzlich so krank, daß er nicht weiter konnte, und einige Zeit auf dem sandgut sei« «er Baase liegen bleiben mußte. Hier kam dem kranken Heiligen ein Appetit nach Haringe, die waren aber nirgend zu haben r wohl aber hatte man Sardellen im Schloß, Was geschieht? Der Herr hört kaum den Wunsch seines kranken Dieners, so verwandelt er die gesalzenen Sardellen in ebenfalls gesalzene Haringe. Ein recht gehorsamer Sohn würde dem himmlischen Bater für dieses gesalzene Mirakel gedankt, und die Haringe mit Appetit verzehrt haben; der Heilige gebardete sich aber wie ein Kind, das nach einem Spielwerk verlangt, solches aber, sobald man seinen Willen thut, wieder von sich wirft. Der Heilige wollte nun die Haringe, nach denen ihn so sehr lastete, aus lautn ( IH9) Ar Mortifikatlon nicht essen, und so mußte der Herr des Haspels wegen umsonst, und um nichts ein Mirakel machen. Ais er ein wenig zu Kräften kam, machte er sich eilends von seinen Verwandten weg, und erreichte, nicht ohne grosse Mühe, das Bernardinerkloster Fossa nova. Er berührte kaum das Klosterthor, so erkannte er, aus' göttlicher Eingebung, daß sein Sterb- stündchen nahe sey. Denn die Heiligen erkennen immer, durch göttliche Eingebung, was wir Unheilige, ohne göttliche Eingebung, erkennen. Damit ihm beym Sterben die Zeit nicht lang würde, ersuchten ihn die Bernardiner, ihnen das wollüstige hohe sied Salomons zu erklären. n 4 Er ( 2OO) Er wollte anfänglich nicht daran. Endlich ließ er sich doch bereden, nnd erklärte ihnen fünf Kapitel, beym sieche sten aber nahm ihm der Tod, der die Verhunzung der treflichftcn Liebesode nickt leiden konnte, die Feder aus der Hand» Er starb im Jahre i uüd ward gerade fünfzig Jahre alt. Bor seinem Ende unterwarf er seine vielfältigen Traktaten und Bücher, die ohnehin, cum xermistu 8uperiorum, gedruckt wurden, dem Urtheile der hei, slgen katholischen Kirche; denn er woll, te, wie die Legende sagt, nickt das geringste Buchstabiern Wider ihre Lehre geschrieben Haben. Einige Tage vor seinem Tob erschien über dem Kloster Fossa nova ein hellglänzender Stern. Kein Mensch was er bedeute; als aber dies ( LO!) fek Stern nach dem Tode des Heilige^ verschwand, hat man seine Bedeutung gründlich verstanden. Es sind aber noch unbegreiflichere Wunderwerke nach seinem Tode geschehen. Ein gewisser Pater Fersn- rius, der fast blind war, wurde, indem er die heiligen Reliquien küßte, alfobald sehend. Die Podagriften verloren ihre Schmerzen, die Gichtbrü- chigcn ihre Lahmigkeit, die Besessenen wurden vom Teufel befreyt, die Fieberhaften verloren ihr Fieber, die Aussätzigen die Unreinigkeit: kurz, die unheilbarsten Kranken wurden durch ihn von ihren Krankheiten befreyet. Aus seinem Leichnam gieng ein himmlischer Geruch, wie aus jedem ein- balsimirten Körper; daß aber das Ein- balsamiren ein uralter Gebrauch war, laßt sich aus dem schließen, daß selbst n Z Jo- ( 2OL) Joseph und Nikodamus Christus in aromatische Tücher hüllten. Nach 14 Jahren wurde sein Körper noch unverwefen im Grab gefunden. Wegen allem diesen, und besonders der schönen Bücher wegen, setzte ihn Pabst Johann der XXII.(wird heissen sollen derXXI. unter dem Huß und Hyeromnius verbrannt wurden) in die Zahl hex Heiligen. /' Msr ( 2OZ) Moral. ganze Leben dieses heilig gesprochenen Dominikaners heißt mit wenigen Worten: Er wurde gebohren<— wurde wider den Willen seiner Eltern ein Mönch— ward Dyktor der Theologie— schrieb viele schwärmerische, unbrauchbare Bücher, wurde krank, und starb— und war also ein gewöhnliches Geschöpf, wie viele taufende auf dem lieben Erdboden herumwan- deln, die, gleich ihm, gebohren wurden— wider den Willen ihrer Eltern in einen Orden traten— nach dem gewöhnlichen Schlendrian Doktor der Theologie wurden— schwärmerische, unbrauchbare Bücher schrieben, und, gleich dem heiligen Thomas, durch irgend eine Krankheit, aus der Welt gehen ( 2S4) Heu werden, ohne daß es einer christlichen Seele einfallen könnte, diese un- nütze Geschöpfe, auch nur als außerordentliche Menschen, geschweige dann als heilige Männer zu betrachten. Allein da.s Hering t Mirakel? Gut! Das Haringmirakel ist eine von den gewöhnlichen Lügen, mir denen Rom, ohne daß die Heiligen ein Wort davon wußten, die Legenden anfüllte. Da dieses geistliche Handlungshaus so wenige achte und erprobte Tugenden der zur Heiligkeit vorgeschlagenen Landiraten auszuweisen hatte, so mußte es ja wohl blendende Wunderwerke fingiren, und der ganzen Christenheit Sand in die Augen werfen, damit sie die schönen Dukaten nicht sähe, die-Rom für seine^ciliasprc- chungen einstrich. Hat- ( 2O5) Hätte Gott eines Thomas wegen wollen ein Mirakel machen, so würde er ihn gesund gemacht haben, Aber, daß er, uin den Appetit des Heiligen zu befriedigen, einen gesalzenen Fisch in einen andern gesalzenen Fisch verwandeln sollte, das getrauten wir uns, aus Furcht Gott zu lästern, nicht einmal zu Lenken. Diese Verwandlung könnte auch, wenn sie doch vorgieng, sehr natürlich zugegangen seyn. Der heilige Thomas dürfte im Spaß die Sardellen nur zerschnitten, und dann, ebenfalls im Spaß, seiner Baase gesagt haben, daß er die Sardellen nun in Haringö verwandelt habe; wie auch wirklich zwischen zerschnitt tenen ( 226's tönen grossen Sardellen und Hanngen kein zu merklicher Unterschied ist. Dergleichen spaßige Mirakel machen die Bettelmönche, wenn sie auf ihren Sammlungen sind, wohl öfters Ja, sie wissen sogar ein Kopfstück bon einem Fisch in eine gebratns Kapaunflüge zu verwandeln.— Und wer ihnen dabey nicht auf die Finger sieht, und nicht bey sich überzeugt wäre, daß Gott eines unnützen Bettelmönchs wegen Unmöglich ein Mirakel machen könne, könnte leicht in Versuchung gerathen: es für eines zu halten. Allein der Stern über dem Mofter Fosta Nova? Der Stern be, weiset gar nichts. Er- ( 227) Erstens steh! nicht, daß dieser Btern auch am Tage gesehen wurde, Und bey Nacht steht ja, wenn anders der Himmel heiter ist, ober jedem Kloster irgend ein Steril.—. Und so wirb das ganze Wunder, werk darinn bestanden seyn, daß etliche Tage vor seinem Hintritt der Himmel heiter war, bey seinem Tode aber steh, nach dem vorgeschriebenen^aus der Natur, verdunkelte. Die guten Bernardiner(, deren Ordensstifter Frankreich, statt auf dem *) Dieser unselige Fanatiker ist Schuld, daß tausend und lausend christliche Helfen in dem durch ihn, und den blutdürstigen PaLst Eugen gepredigten Kreuzig, (' 208) dem Altar zu verehren- anderswohin stellten sollte) konnten mit dem Stern wohl auch eine kleine Schelmerei) getrieben haben« SL2 M, in Palästina ihr Grab fanden. Das Volk hieß ihn auch, nach geendig- tcm Zug, einen Verführer, falschen Propheten, und den Untergang der Christenheit.'—— Und doch sprach Rom diesen Betrüger heilig—>——— und Frankreich, das sein Andenken verfluchen soll und noch itzt die Wunden fühlt verehrt auf allen Altare» den Mörder— der den Kern von Helden auf die Schlachtbank führte, und mästet die Mitglieder seines Ordens. ( 20Y) Sie wußten, daß Thomas bey dem pabstlichen Hofe in gutem Kredit stand, wußten, daß er bey ihnen nach seinem Tode begraben würde— und so mochten sie seine künftige Heiligsprechung gewittert, und die Vortheile berechnet haben, die für sie daraus ent» stunden, und so konnte der Stern wohl von ihrer Erfindung gewesen seyn. Obwohl das blos eine Muthmaßung von uns ist. Daß aber ein fast Blinder bey seinem Tode sehend wurde, der Poda- grist das Podagra, der Aussätzige den Aussatz, u. s. w. verlor, ist kein Mi- rakel, weil ein Mensch, der nur fns? blind ist, auf hunderterley Art sein Gesicht erlangen, so wie der Podagrist sein Podagra, und der Aussätzige seinen Aussatz, ohne daß ein Wunderwerk dazu gehört, verlieren kann. Eben ( 210) > Eben so wenig giebt der Umstand, daß er nach 14 Jahren noch unverwe- sen befunden worden, ein Privilegium zur Heiligkeit, weil sonst mancher Lon- vivant, der an der Abzehrung starb, und überhaupt, jede egyptische Mumie heilig gesprochen werden könnte. Bee ( 211) Beschreibung des Kupferstiches. ^-in grosser Wald.— Der Heilige schlägt sich mit senwn zween Brudern, mit dem Brevier, herum. Den eine» hält er bey den Haaren, nach dem andern, der ihm die Hand auslosen will, stoßt er mit den Füssen. Zween Diener eilen herbey, um abzuwehren. o 2 I» ( 212) 2« der Ferne stehen ihre Reitpferde. Der Kompagnien des heiligen Thomas hat die Kutte über den:Kopf zusammen ge, DU« nommen, und nimmt das Fersengeld durch den Wald., Sech Sechste Fabel. Leben und Leiden der heiligen Urr sula, und ihrer eilf Lausend Jungfern. 28as der Biograph bey den übrigen Heiligen zu wenig that, bringt er nun bey der heiligen Ursula ein; denn er er- o Z Mt ( 214) zahlt uns hier umständlich, daß sie um das Jahr Christi 220. unter Regie- rung des Pabsts Aephvrinus, der schon, im Jahre 216. gestorben war, von königlichen Eltern gebohren wurde. Ihr Vater soll Dionetus, und ihre Mutter Darra geheißen haben. Sie lebten lange Zeit im Ehstand unfruchtbar, um ibn also fruchtbar zu machen, ssengen sie an zu beten, und lagen gottseligen Uibuncen so lange ob, bis sie endlich ein Mädchen zur Welt brachten.— Ihr Wunsch war* freylich ein männlicher Erbe gewesen; allein Etwas ist besser als Nichts. Sie liessen also diese Frucht ihres Gebets taufen, und erzogen sie in der Furcht und Liebe Gottes— und die ist wirklich die einzige Heilige, die in Her Liebe Gottes erzogen worden. Wenn ( 2IZ) Wenn man gleich um dieselbige Aeit in der christlichen Kirche, nichts von Calibat wußte, und die Priester und Bischöfe in siona. Laritate mit ihren lieben Weibern lebten, so erzählt uns doch der Biograph, daß die heilige Ursula, als sie sich zu fühlen an- fieng, Gott dem Herrn ihre Jungferschaft soll aufgeopfert haben— und also legte sie das ewige Gelübd der Keuschheit ab, das damal noch nicht eristirte, und schwur eine Tugend, die damal keine Tugend war. Ohngeachtet dieses Gelübdes aber konnte sie doch nicht verhindern, daß ihr himmlischer Bräutigam nicht einige Nebenbuhler bekommen hatte. Unter diesen war der Sohn des heidnischen Königs Agripinus, der sie zur Gemahlinn verlangte. o 4 An- ( 216) Anfänglich erzählt der Biograph, -aß der Ruf Von den Leibs- und See- lentugenden der heiligen Ursula zu den Ohren des Vaters gedrungen, und -aß er sie dieserwegen feinem Sohne zum Weib geben wollte; gleich darauf aber vergißt er sich, und sagt, daß -er Vater diese Manage, wegen der Erweiterung seines Reichs, gern gesehen hätte— und da der König ein ssmpsr /ruZustus war, so ist Letzteres auch viel wahrscheinlicher. Es wurden also, wie es bey solchen Gelegenheiten gewöhnlich ist, Gesandte an den Hof des Dionetus abgeschickt, die mit der einen Hand die Präsenten, mit der andern aber die Drohung überreichten, daß man die Prinzeßinn mit Gewalt nehmen würde, wenn er sie nicht gutwillig hergäbe. Der ( 217) Der gute Dionetus war über diese Nachricht sehr bestürzt; inzwi- scheu trug er seiner Tochter das Begehren vor, die dann ebenfalls sehr darüber bestürzt war. Sie nahm aber ihre gewöhnliche Zuflucht zu ihrem himmlischen Bräutigam, und bat ihn, ihren kostbaren Schatz, der nun sein war', so gut möglich zu beschützen. Da kam bey der Nacht ein Engel zu ihr(daß doch die Engeln nur immer bey Nacht kommen) der ihr anbefahl, die königlichen Geschenke anzunehmen, und das Jawort zur Heurath zu geben, doch mit diesem Vorbehalt, daß das Beylager erst nach drey Jahren vollzogen werde, und der Prinz Bräutigam sich inzwischen im christlichen Glauben unterrichten lasse; ausser diesem sollen in beyden Königreichen , eilf tausend Jungfern ausgehoben, o 5 und c--s) und an die Soldaten des Königs Agrk- pinus verheurathet werden. Nachdem der Engel seine Botschaft erfüllet hatte, vertraute er der heiligen Ursula an, daß ihr Bräutigam, sammt ihr, und den eilf tausend Jungfern die Marterkrone erlangen werden, und verschwand. Die Heilige konnte diese gute Zeitung nicht bey sich behalten, sondern entdeckte sie ihrem Vater— aber nur zum Theil, und also ist zn vermuthen, sie würde doch den Punkt der Marterkrone bey sich behalten haben; denn, wie die Legende sagt, ließ der Vater die Heurathspunkte aufsetzen, und das hatte er doch ohnmöglich thun können, wenn ihm die Metzgerey, die seiner Tochter und den eilf tausend Jungfern bevorstand, bekannt gewesen Ware. Hat ( 219) Hat er aber wirklich davon ge- wußt, und doch in die Manage gew-.s- liget, so war' er freylich, nach päbKr- lichen Grundsätzen, ein frommer Christ, wenn er gleich vor Gorr und der Welt als ein schlechter König, und noch schlechterer Vater angesehen würde. Als die Gesandten dem König Agnpums die Bedingniffe vorlegten, war er anfänglich nicht damit zufrie- den, dem Sohn aber, der vielleicht auch einen Besuch von einem Engel erhielt, oder dem es vielmehr gleichgültig seyn mußte, eine Prinzeßinn, die er nicht kennt, und also auch nicht lieben kann, nach drey oder zehn Jahren zu heurathen, gefielen sie sehr. Er ließ sich also im christlichen Glauben unterweisen, und changirte, um gemartert zu werden, die Religion, In, ( 222) Indessen suchten die beyden königlichen Vater auch den schweren Punkt in Ordnung zu bringen, und liessen nicht nuc in ihren Landern, sondern auch in den herumliegenden Königreichen(denn? nach dem Befehl des Engels, werden es wirkliche Jungfern haben seyn sollen, und welches Land kann für sich allein so ein Quantum aufbringen*?) die verlangten eilf tausend Jungfern anwerben. Zugleich wurde der Bau von eilf grossen Schiffen für die eilf tausend Jungfern angefangen, so, daß also für jedes Schiff tausend Jungfern gerechnet wurden. Kaum waren die Schiffe fertig, so gieng die weibliche Flotte nach dem Land der Heiligen ab. Wo aber die« ses Land lag, oder wie die Stadt hieß, die *) Man lese hierüber meine Lupelle ä'Or. , lesns, der ich eine» grossen Theil mck nes Ruhms zu verdanken habe. ( 221) die die Heilige bewohnte, wo die Schiffe gebauet wurden, u. s. w. sind Kleinigkeiten, um die sich ein Geschichtschreiber nicht zu bekümmern hat. Genug, wenn man den Lesern sagt, daß die Jungfern, ohne Wasser zu fangen, glücklich da ankamen, wo sie ankommen mußten, und daß sie von der heiligen Ursula, ebenfalls Jungfer, mit grosser Freundlichkeit empfangen wurden. Sie ermähnte sie vor allem zur jungferlichen Ehrbarkeit und Zucht,' und theilte sie, damit sie das christliche Glaubensererciz um so leichter erlernten, in verschiedene Regimenter ein.. .Die Oberbefehlshaberinnen waren eine gewisse Pumofa, eines gewaltigen Fürstens Tochter— dann eine gewisse Cordula, dann Eleutheria—— und endlich Florentma. Diese waren untergeordnet: Zotha— Bemgna— Genien- ( 222) mentia— Sapienna— Karpophsr ra—Columba— Benedikra— Odi- lia— Chelindrrs— Sibtsta— und Lucia. Und diese eilf Jungfern waren also gleichsam die Regimencsinhaberin, nen der eilf weiblichen Legionen; aber die Erzjungfer Ursula behielt sich die Stelle des Generalißimus bevor. Sie exercirte sie fleißig in den Kunstgriffen, die Jungferschaft zu erhalten, und wider das Fleisch, die Welt, und den Satan, zu streiten; (und das heißt, unnüßerweise die Anzahl seiner Feinde vermehren) die Vorsicht wider den Teufel war besonders nöthig; denn die eilf tausend Jungfern waren kaum angekommen, so hatte er schon seine Fallstricke ausgestellt. Es mußte ihm auch geglückt haben, verschiedene davon in sein Garn zu locken, weil die Heilige, nach dem Bericht des Biographen, innigst betrübt war, und, bey ( 22Z) bey dem Anblick der Gefahren, noch stärkere Desertion besorgte. Mein, es kam abermal der Engel des Herrn zu ihr, der sie tröstete, und sie wegen ihrer Seefahrt nach Britannien, und andern Dingen fleißig unterrichtete. Nach dieser Tröstung begab sie sich mit ihrem ganzen Anhang zu Schiff — Gott schickte unversehens einen starken Wind, und trieb ihre eilf Schiffe von dem Orte, den wir nicht wissen, Tag und Nacht mit schnellen fauf über die See weg, bis sie endlich glücklich in den Haben zu Tile einliefen. Nun findet es der Geschichtschreiber für ein grosses Glück, daß eben Jahrmarkt in Tile war. Für die Krümmer möcht' es allerdings ein grosses Glück seyn, die Messe durch eine plötzliche ( 224) liche Ankunft von er'lf tausend jungfräulichen Käuferinnen vermehrt zu sehen; es war aber auch für die Sacklerin- rrcn ein Glück, weil sie hier Dinge fanden, die sie auf der Reise entbehren mußten, und ausbessern konnten, was an ihnen im Sturm beschädiget wurde- Sie hatten aber kaum alle nothwendige Sachen herbeygefchafft, so spannten sie die Segeln wieder auf, und fuhren, durch eine besondere Anordnung Gottes, in vierchalb Tagen den Rhein hinauf bis Kölln. Hier empfieng sie der Bischof Aqui- linus, und traf die Anstalt, daß die Jungfern in christliche 8)ürgershäuser einquartirt wurden, wo sie sich freylich, da damals nur wenige christliche Häuser seyn konnten, mit den Betten so gut als möglich behelfen mußten. In unsern Zeiten würde es, wenn wieder so ( 22Z) so eine Flotte mit eilf tausend^ung, ferfthaftci, in Kölin eintraft, viel leichter lassen, weil sich gewiß jeder Ka- pitularherr ein Vergnügen machte, im Nothfall wohl auch sein eignes Bett mit seiner Ouartierjungser zu theilen. Kaum hatten sich die Jungfern dem Scklaf in die Arme geworfen, so fiel die heilige Ursula auf ihre Kniee, und bat den Herrn, ihr doch zu sagen, welch' Abentheuer sie nun ferners mit ihrer Gesellschaft bestehen soll? Dar, auf begab sie sich ebenfalls zu Bett. Sie konnte aber noch nicht mit dem linken Fuß darinn gewesen seyn, so kam schon eine Mannsperson mit himmlischer Klarheit umgeben, vor ihr Bett, die diese freundliche Worte zu ihr sagte:„Liebe Tochter, du sollst mist „sen, daß du sammt deiner Ges ist „schaft nach Rom reisen mußt. Und v„wenn ( 226) „wenn du allda dein Gelübde Uni) „Gebet wirst verrichtet haben, sollst „du abermal mit der ganzen Zahl „deiner Gefährten hieher kommen; „denn an diesem One ist euch die „Ruhe zu ewigen Zeiten von Gott „verordnet." Das heißt, du sollst nach Rom beten gehen, um in Kölln gemartert zu werden. Den folgenden Tag erzählte die heilige Ursula den übrigen eilf tausend Jungfern, was ihr die Mannsperson in der himmlischen Klarheit im Bett gesagt hat, welches ein allgemeines Frohlocken bey ihnen erweckte. Darauf ließ sie die Schiffe mit allem versehen, was eilf tausend Jung- fern nothwendig auf der Reise brauchen, und kam, nachdem ße in Kölln 48 Stunden Rasttag hielt, mit den übn- ( 227) übrigen eilf tausend 1kntörro(§0N wunderbarerweise in Basel an. Hier geschah der Empfang aber- Lnal durch denBrMof, der an der Gesellschaft von eilf tausend Jungfern solches Behagen fand, daß er sich entschloß, die Reise mit ihnen über das hohe Gebirg zu machen. Die heilige Ursula hielt während der Reise so gute Mannszucht, daß der ganze Aug einer wohlgeordneten Prozeßion ähnlich sah; wie man dann überhaupt über hohe Berge nickt anders, als prozeßionweis gehen kann.— Der Herr hat den sämmtlichen Jungfern auch solche Kraft ertheilt, baß sie ohne Mühe die höchsten Berge auf- und abstiegen, und, nach Art aller jungen Mädchen, immer bey gutem Humor waren; woraus aber so ziem- p L lich ( 228) lich klar erhellet, daß ihnen der Herr Generalißimus von der Martcrkrcme keine Sylbe mußte gesagt haben; denn es ist doch nicht wahrscheinlich, daß cilf tausend Jungfern zugleich in ihrem saft- volien Alter, die Haut nach Wunden, und Tod soll gejuckt haben. In und ausser Italien stießen noch andere vornehme Jungfern, und Matronen zu ihnen, und Gott speisete und tränkte sie alle wunderbarerweise, wie die Kinder Israel.; Noch ehe sie in Rom eintrafen, kam ihnen der Bischof Casareus entgegen. Er war ein fandsmann der heiligen Ursula, und wunderte sich sehr über ihre Ankunft, wie sich noch jeder vernünftige Mann heute zu Tag wundern würde, wenn er eintausend christliche Jungfern in einem heidnischen kande ankommen sahe. Weil ( 229) Weil er aber einige bekannte Gesichter, und sogar Blutsverwandte unter ihnen antraf, blieb er ebenfalls in ihrer Kompagnie— wurde aber dafür auch xur LompuZnie in der Folge mit ihnen gemartert. Ausser diesem Bischof hatten sich noch viele andere(essteht nicht, wessen Geschlechts) zu den Jungfern gesellt, und hier macht der Biograph die Bemerkung, daß durch diese Zugesel- lung die Kompagnie grösser wurde. Der Pabst Pontianus*) wurde damals eben aus Rom gesagt. Sie p I konn- *) Dieser Pabst starb im Jahre 2;;— Da Ursula also 220 gebohrcn ward, so komue sie höchstens r; Jahre alt seyn. Ein Jahr ist sie ohngefahr herumgezogen, drey Jahre haben die Schiffe beym Bau weggenommen, also war die Hei- ( 2ZS) konnten also blos bey feinem pabstücheu Statthalter Eyriakus aufgeführt werden.—— Dieser war übermal, aus Schickung Gottes, ein bandsmann der heiligen Ursula, und weil er ebenfalls Verwandte in ihrer Gesellschaft hatte, und überdies ihm auch geoffenbarte wurde, daß er mit diesen Jungfern die Marterkrone erwerben sollte, so re- signirte er seine Statthalterschaft, und legte die ihm anvertrauten Petrus- schlüssel in die Hände der Aardittäle, die dazumal noch nicht eMirten, nieder.— Er taufte die christlichen Jung- fern, die noch nicht getauft waren, und führte diese eilf tausend Jungfern in- coi-nico zu den heiligen Oertern und Gräbern der Apostel. Die Heilige, als sie Agrivpinens Sohn begehrte, höchstens 11 Jahre alt. ( 2ZI) Die heilige Ursula sehnte sich mit zedem Tage mehr nach den Martern, und weil sie sich von der sämmtlichen Geistlichkeit nicht langer aufhalten ließ, so zog endlich der Vicepabst sammt den Kardinalen,(es war' zu verzeihen, wenn es Bischöfe hieß) Vin- zenrius— Pontius— Ignatius— Iakobus— Fiolanus— Simpli- tius— Mauritius— Casarius, nebst vielen andern Geistlichen mit den Jung- fern über das Gebirg von Rom nach Basel zurück. Und nun hatte die Heerde doch eine propornonirte Zahl von Führern. Denen Heiden konnte aber dieses göttliche Werk nicht verborgen bleiben, und, wenn sie nur halbweg eine gute Polizey hatten, so mußte ihnen freylich der Heerzug von eilf tausend Jungfern, hie vogelfrey in ihren Landern herumr P 4 strel- ( 2Z2) streichen, und bey ihrem Aufbruch aus der Hauptstadt, nach dem Ausspruch der begende, den Vicepabst, sammt dem ganzen Kardinalkollegium, und der Geistlichkeit hinter sich herziehest, sehr aufgefallen seyn. Sie sollten aber das Herz nicht gehabt haben, dieser heiligen Gesellschaft die geringste Ungelegenheit zuzufügen. Der Kaiser, wenn er gleich Se- veruö hieß, war den Christen, und also auch, um so natürlicher, denen eilf tausend jungen, mit unter auch fthönen Christinnen zugethan. Ja, wie der Biograph erzählt, hatte er, als heidnischer Kaiser»>ogar, auf Zureden seiner Mutter, Christus und Moyses Bildniß in seiner Hosiapcllk aufstellen lassen. Der ( 2ZZ) Der Stadtvogt in Rom backte indessen nicht so günstig, als der Kai, serz als er also hörce, daß ihre Reise von Rom nach Kölln gieng, schrieb er an den Julius Maximinianus, der das kaiserl. Heer in Deutschland komman, dirte, daß er, als ein tapfrer Römer, die ei!f tausend Junfern bey ihrer Ankunft rodlschlagen soll. Den ic>. Oktober im Jahre(aber, mal eine Lücke)traf endlich diese weibliche Armee, nachdem sie auf Der Reise vier heilige Jungfern eingebüßet, wohlbehalten in Basel ein. Hier hörte Ursula von den Grausamkeiten, die dieser Maximinianus verübte, und erkannte aljogleich, daß dieser derjenige seyn würde, der ihr zur Martert one verhelfen soll. Sie be, gab sich also wieder zu Schiff, und fuhr p 4 nach ( 2Z4) nach Straßburg hinab. Hier gieng wieder eine Jungfer zu Grunde. Indessen, kam ihr Bräutigam, der von der wunderbaren Reise nach Rom nichts wissen mochte, und als? nicht begriff, wohin der TiZiud die Braut und die eilf saufend Jungfern geführt hatte, durch eine sonderbare Schickung Gottes, aber auf eine natürliche Art, in Mainz an Und so landete die Jungfer Braut, durch eine besondere Schickung Gottes, HlageS darauf ebenfalls in Maynz. Die Freude, einen Bräutigam zu sehen, der mit ihr gemartert werden sollte, war unaussprechlich; und indessen der Bischof Ruthcrus den übrigen e lf tausend Jungfern O.uarrier machte, erzählte die heilige, und der heilige Cyriakus dem jungen König aus Enge land(ha! ha! ha! im Jahre 2^ ein Kö- ( 2Z5) König in England'.!!) alle gehabten Offenbarungen, und was sich mic ihnen zugetragen habe, wodurch der junge König fs gerührt wurde, daß er sich .entschloß, sich erst taufen, und dann mattem zu lassen. Nun mußte in einer dieser Offen-, barungen der heiligen Ursula auch der Tag ihres Todes seyn geoffenbart worden; denn der Biograph sagt, sie hatten alle gewußt, daß sie nach drey Tagen sterben würden. Sie beichteten also reumüthig, komMUNM'tM, theilten ihr Vermögen unter die Armen, und fuhren( doch nicht wunderbar erweise, wie nach Basel den Rhein htttt üb, gerade auf Kölln zu. Hier fanden sie den Paß gesperrt. Weil also Entrinnen eine Unmöglichkeit war, so ermähnte der heilige Ey- xiakus die Mannspersonen, die heilige Up ( 2Z6) Ursula aber die Jungfern zur Stand- haftigkeit. Hier hat den Biographen übermal sein Gedächtniß verlassen. —— Erst waren sie alle dem Tode freywillig entgegen geschifft, dann ermähnte sie Cyriakus zur Standhaf- tigkeit, weil hier Entrinnen eine Unmöglichkeit war. Wie können Heilige, die freywillig dem Tod entgegengehen, eins Entrinnen denken? Sie waren kaum angelandet, so wurde der heilige Cyriakus sammt den übrigen Geistlichen, gefangen genommen, die heilige Ursula aber, sammt ihrem Bräutigam^ dein Fürsten der Hunnen vorgestellt. Er fragte sie Verschiedenes wegen, ihres Geschlechts und Herkommens, und weil die heilige Jungfer un- ( 227) ungemein schön war, jo unterfieng sich der Tyran, sie ebenfalls schön zu finden, und sie. was vom Schönfin- dc»r gemeiniglich die Konsequenz ist» zu lieben. Das wird ihm Niemand verdenken; daß er aber ihren Bräutigam, und also einen jungen König von England, in ihrer Gegenwart mit dem Schwert durchbohren ließ, hätte ihm gewiß Niemand verziehn, als die heilige Ursula; denn diese sagte Gott herzlichen Dank, daß ihr keuscher Bräutigam in ihrer Gegenwart abgestochen, wurde. Nach dieser ersten Galanterie setzte der Tyran noch heftiger in die keusche Jungfer. Da er sie aber weder durch Liebkosungen noch durch Drohworte erobern konnte, befahl er, ihre ganze Gesellschaft hinzurichten. Die Soldaten ( 4zs) ten Mußten eine schöne Arbeit haben, bis sie mit eilf tausend Jungfern fertig wurden. Der Biograph sagt, daß die Jungfern bereitwilliger waren, sich den Tod geben zu lassen/ als die Soldaten sie umzubringen. Einige sind Mit gehaltenen Handen vor ihren Peinigern gestanden/ und haben also gleichsam um den Tod gebeten, andere empfirngen den Streich kniend— etliche schlugen die Augen Legen Himmel— viele aber machten die Augen dabey zu. Die heilige Ursula sah der bltl- eigen Exekution der Jur-Zfeen unverzagt und standhaft zu, und wurde, beym Anblick dieses herrlichen Kanu pfes, immer begieriger Nach gleichen Martern. Der ( 2ZY) Der Tyrair, der ihre Begierde sah, veränderte, nach der Legende, seine Liebe in Haß, und seine^erschliche Neigung in einen unVerschnlichenZorn, und, Weiler das Herz der heiligen Ursula nicht erobern konnte, befahl er einem seiner Soldaten, es mit einem Pfeil zu durchschießen. Und so gab die Heilige, auf den zweyten Schuß, ihre Seele in die Hände des Herrn. Auf eine besondere Verordnung Gottes durften sich die barbarischen Soldaten an deN keuschen Leibern der todten Jungfern nicht vergehen; denn es fiel ein unvcrsehener Schrecken in das ganze Kriegsheer der Hunnen, der ße zwang, die Belagerung Köllns aufzuheben, und so wurden die eilf tausend Jungfern mit allen Ehren von den Bürgern auf dem Orte ihrer Marter begraben. Ei- ( L40) Eine Von den-st'auptjungfern mrk Namen Kordula, hat sich aus Furcht der Marter in den untersten Theil des Schiffes verborgen; da sie aber durch eine göttliche Offenbarung( vielleicht auch durch eine Oefnung des Scl iffes) die grosse Glorie ihrer- Micgespieiinnen sah, bereuete sie ihre Zaghaftigkeit, und überlieferte sich selbst Tages darauf an einige herumstreichende Soldaten, die ihr dann auch zu gleicher Glorie verhalfen. Damit aber die ganze christliche Nachwelt diese jungfräuliche Niederlage um so gewisser erfahre, hat es Gott fo wunderbar gefugt, daß der Patriarch von Antiochien, der bey ihrem Martertod nicht zugegen war, uns die Nachricht davon, nebst den Namen der vornehmsten Jungfern hinterließ. Für welche litterarische Arbeit er, aus allerhöchsten Gnaden der heidnischen ( 241) yischen Truppen drey Tage nach dem Tod der eilf tausend Jungfern, in den ewigen Lhiiescentenstand versetzt wurde.— Die Gebeine der heiligen Ursula und ihrer Gesellschaft sind einige hundert Jahre, unter der Erde gelegen, nach und nach aber von unterschiedlichen gottseligen Männern,( ohne Namen,) ehrerbietig erhoben worden. Den selb der heiligen Ursula hat eine Taube entdeckt. Der heilige Ku- nibertus, der, nebst seiner HeÜWkeil, auch Bischof von Kölln war, las im Jahre 640 in der St. Ursu a- Kirche Meß. Da flog eine weisst Taube auf sein Haupt, vom Haupt in der Kirche herum, und endlich auf das Grab der heiligen Ursula. Die- q Dieses Mirakel bewog den Bischof, auf demselben Orte nachgrabe» zu lassen, und so wurde der!^eib der heiligen Ursula, durch die Gnade Gottes, und Mitwirkung der Taube, gefunden, und mit Freuden erhoben.—- Amen. ( 243) M o r a l. A)ir haben bey dem Leben dieser Heiligen so wenig Anmerkungen eingestreuet, weil wir uns, bey einer so offenbaren Lüge, es zu beweisen schämten, daß sie eine Lüge sey. Man darf nur einen Anstrich von historischen Kenntnissen haben, um gründlich überzeugt zu seyn, daß dieses ganze Leben der heiligen Ursula, und der eilf tausend Jungfern eine von den Hauptlügen sey, die so häufig in dem römischen LügenkabineL ausgebrüte^ wurden. Britannien stand im dritten Jahr- hunder fast gänzlich unter römischer Bottmäßigkeit. Es ist zwar wahr, daß die christliche Religion, vorzüglich q L in ( 244) in diesem Lande, Anhänger fand.-- Allein diese mußten sich noch sehr im Verborgenen halten. Ein christlicher König in Britannien im dritten Jahrhundert ist also ein Unding, so wie die Kardinäle im dritten Jahrhundert ein Unding sind, und für rechtswegen noch bis diese Stunde ein Unding seyn sollten. Doch, wenn wir auch nicht diese historischen Beweise vor uns hatten, so müßte schon der Umstand, daß uns der Biograph von dem Geburtsort der heilig seyn sollenden Ursula und ihres Bräutigams, nicht das Geringste zu sagen weiß, ein überzeugender Beweis seyn, daß ihr ganzes Leben eine Fabel sey. Und Gott und der Religion zu Ehren, wird es jeder gutdenkende Christ wünschen, daß sie ja nichts anders als ei- ( 245) Line Fabel seyn möge. Wir müßten sonst dieser Ursula alles Böse wünschen, die durch ihre Schwärmerei) eilf tausend Jungfern dem Tode zugeführt, die Gott zum Leben, und Leben geben erschaffen hat.— Obwohl es immer höchst unwahrscheinlich bleiben würde, daß Soldaten, die nur zu gut wissen, zu was Jungfern zu brauchen sind, silf tausend unschuldigen Jungfern kaltblütig den Tod geben sollten. Daß vielleicht irgend eine Schwärmerinn mit Namen Ursula sich einen kleinen Anhang machte, und von den Römern, weil sie eine Störerinn der innerlichen Ruhe war, sammt ihrem Anhange hingerichtet wurde, könnte möglich seyn; allein, in diesem Falle wurde ihr die Strafe zu Theil, die sie verdiente, und wäre eben so wenig eine heilige Martyrin, als die Je- q Z sui» ( 246) sinken heilige Märtyrer sind, die in Indien den Tod der Aufrührer starben, wenn sie gleich Rom heilig gesprochen hatte.————— ( 247) .Beschreibung des Kupferstiches. Ein grosses hohes Gcbirg, Aber das die hcir »jge Ursula mit ihren eilf tausend Jungfern von Rom«us zurück nach Basel zieht. Jeder Kardinal oder Geistlicher führt- Jungfern am Arm. Ein Theil der Kompagnie hat sich unter Baume gelagert. Der heilige Cyriakus, und die heilige Ursula sitzen ebenfalls in einem vertrauten Gespräch unter einem Baum. q 4 Der- ( 243) Verschiedene Engel bedienen die Jungfern mit Gefrornen. Der Teufel sitzt seitwärts auf einem Hü, gek. Tr hat eine grosse Rolle Pergament in der Hand, und scheint alle Zotten und Dumm, Heiken aufzuzeichnen, dir die Geistlichen Leu Jungfern sagen. Zwo Jungfern gucken ihm über die Ach, sel hinein. Schluß- ( 2-tS) / 7 Schlußrede des U i b e r s e tz e r s. dem Leben der heiligen Ursula endiget sich das Manuscript. Auf einem fliegenden Blatt standen von der nämlichen Hand noch folgende wenige Zeilen. „Ich habe bey diesem kleinen Werk „blos die Absicht, die katholischen Men> „sehen überhaupt aufmerksam auf die „Legende ihrer Heiligen zu machen— „Wenn ihnen dann ihr Herz und Ver-- „stand sagt, daß die meisten Narren „oder Schurken waren, und sie doch „fortfahren, vor ihre Altare hinzuknien, o 5»so ( 250) „so müssen sie selbst eines von beyden „seyn." „Die wahre Religion verliert „nichts durch meine Schrift. Je weniger die Menschen auf diese erkaufte „heiligen halten, desto mehr halten „sie auf Gott.", „Ich kopierte hier blos die Ori- „ginale, die Rom aufgestellt hat. Ei- „nein öffentlichen Lehrer der Malerakademie würde man es übel nehmen, „wenn er den Schülern das Werk ei- „nes Schmierers zum Muster vorlegte; „aber Niemand verdenkt es Rom, das „uns durch viele Jahrhunderte Narr „reu und Bösewichte zur Nachah- „mung vorstellt." „Ich weiß zwar, daß Rom selbst „die Legende der Heiligen zu unterdrücken sucht; allein es unterdrückt sie „nur, ( 2ZI) „nur, weil es sich schämen muß, diese „beilig gesprochen zu haben, so wie es „dem gemeinen Manne die Sehrist „verbot, aus Furcht, er möchte sie vernünftiger auslegen, als seine The«-- „logen." Da dieses fliegende Blatt von der nämlichen Hand geschrieben war, so ist gar nicht daran zu zweifeln, daß es ebenfalls vom Voltaire sey.— Sollte aber Jemand deswegen daran zweifeln, weil durch das ganze Werk immer in Wir gesprochen wird, so bitte ich gehorsamst zu bedenken, daß sich grosse Herren und Autores das Recht angemaßet haben, für ihre Person in Vervielfachen Zahl zu reden. Was nachstehenden Auszug aus dem Leben des heiligen Makarius betrift, ist selber zwar mit einem schwarzen Faden an das übrige Manuskript angeheftet ( 2Z2) tet gewesen, und würde daher mancher Diplomatiker den Schluß daraus ziehen, daß es von eben demselben Verfasser seyn müsse. Da dieser Auszug aber von einer ganz verschiedenen Hand geschrieben ist, überdies auch am Rande abermal von einer andern Hand verschiedene Noten angebracht waren, von denen mir die meisten nichts weniger als voltärise!) vorkommen, so glaube ich, daß das Werk nicht von Voltaire,— sondern einem andern lustigen Kopf herrühre; die Noten aber könnten wohl gar, weil es wahre Kapuzinerschrift, und Kapuzinerstyl ist, von dem Kapuziner, den Voltaire als Tisthnarrn bey sich hatte, ihren Ursprung haben. Man urtheile selbst. Aus- ( 2ZZ) Auszug aus dem Leben des heiliger: Makarius. d^akarms ein grosser Sankt gewesen ist, Der tausend Teufeln nicht gewankt, Noch ihrer Hsk— Der Höllen allersiegreich'ster Held Fand seinen Muth Bald in der Hose räumte s'Feld, Und lief Luxut. Sein *) Das war er gewiß; Leim er war ein gurer Freund des heiligen Anroniu», der ebenfalls ein grcsscr Sank, gewesen ist. Geschah ihm Recht dem Spitzbuben,"warum ließ er sich mit dem Heiligen ein, ( 254) Sein Lieben ist sans Platten« Gar wundersam, Ihr frommen Christen leset die HiKoriam Der Blasbalgmeister Urians Gab ihm mal Wind Dom Grabe, woMambree und Hans Verscharret sind. Zween Teufel in Satans Livrey Bewachten es. Gargantua bey nreiner Treu Und Herkules. War'n Zwerge gegen jene zween Denn grimmiger, War noch bis dato nicht zu sehen Ein walscher*) Bar k Euch *) Der Amor iß ein Esel. In Italien giebt es wohl Agrvinäle und Prälaten, aber keine Baren. Oder soll der Schurz kc ivobl gar auf irgend einen luminum komiücem angesvielt haben? ( 255) Euch will ich— dacht der Sankt bey sich Den Weg zur Hell' Bald weisen, nur beschütze mich Sankt Michael*) Dazu hatt' Mancher wenig Herz, Ein say nur gar! Satan versteht blutwenig Scherz Riecht gleich zum Haar.' Ein anders ist im Priester-stand!**) Da wird man gleich Wie'n Budel mit die Barn bekannt Im Höllenreich— Er *) Rechr, daß er den heiligen Michael um ' Hilfe anrief, der kann die Teufeln, die Schmcißkerln schon karaiizeii. **) Dafür sind wir auch geweiht und sind also Herren über Himmel und Hölle, ( 256) Er gieng. Als er dem Grabe nah Kömmt auf einmal Von Teufeln(all in Maskera) Ein ganzer Schwall. Der erste aussah wie ein(eu Und brüllete—- Der war des Barn Konterfei), Und brummete. Dem folgete ein Tyger nach., Und heulete; Der vierte war ein graufer Drach Und kirrete. In *) Ja wohl stecken die Teufeln in Masquen, Was haben wir nicht dawider gepredigt— abcc haben unsre Predigten wohl je was gefruchtet? (257) In ihrer Mitte kam daher, Mir blossem Schwert,*) Der Höllenfürst selbst, Lucifer— Aum Sankt gekehrt. „Mordsakerment" der Leid'ge flucht, Und also spricht: Er kecker Pfaff, was er da sucht, Das find't er nicht. „Doch für den Vorwitz laß er sehn"— Nahm ihn beym Schöpf „Wie fest ihm wohl am Leib mag stehn Sein grauer Kopf. Doch Sankt schwang kaum den Rosenkranz Mit heil'ger Hand, Gleich zog die schwarze Brüt den Schwanz Ein, und verschwand, r Und *) Hatte ich ru befehle», so dürfte mir Niemand ein Schwert führen, als der Pabst, und der heilige Ekiengel Michae- ( 2Z3) Und mir nichts, dir nichts, setzt er fort Den Wanderstab, Bis er kam zum bewußten Ort, Zum Zaub'rers Grab» Schaut um und um, und sah, weiß lang Jtzt nicht mehr was? Schlug Zinal s'heil'ge Kreuz, und sang: Vn!!! D'rauf kehrt er wieder auf den Weg Zurück, und trank, Und aß sich durch die zwanzig Tag An— Fasten krank. Als er vor Mattigkeit war schier Dem Falle nah, Stand plötzlich mil'nem Trinkgeschirr Ein Magdlein da, Um sie würd' manch Katholikus Ein Renegat, Bey ihr vergaß manch Fngidus Aufs Calibat.*) ^ Zwo^ Der Autor mag vielleicht so ein Schliip sel ( 2ZY) Zwo Pechkugeln, der Schwannenhals Die runde Brust, Das weisse Knie— in Summa— all's Reizt an zur Lust. Er gieng des Magdleins Wasterkrug Drey Tage lang Schon nach, roch endlich Teufelstrug Und Bocksgestank*) Denn wenn er sie kaum eingeholt, Und gierig schon Bey der Karthausen haschen wollt**) War sie davon. r 2 Graf gel sey», der sich um so eine weibliche Teufelsbrut beschneiden ließ. Und was will er mit seinem Srigivus? Glaubt er, ich weiß nicht, wo er hin zielt? Dacht ich mirs nicht gleich, daß der Teufel darunter stecke? **) Hätt' er sie nur bekommen, er würde sie gerupft haben.—— Die Heiligen ' lassen in diesem Punkt mit sich nicht spaßen. '''/ ( s6O) Graf Satan wollt ihm unfehlbar Den Proritum lebendig machen, doch für wahrs D>e Sach gieng krum« Denn schickt auch zu Makarius Die Grazien In xuris paturalibus, S' würd nichts gescheht Er sprang in's Wasser,(wo er stand, Gleich einem Kloß SechsMonat lang) wusch sich vomBrand Der Unzucht los Doch kehr das Aug von Mädeln um Der saubern Waar? Und steh da!(ein Mirakulum Ganz sonnenklar) Kömmt eine Schaar gehörntes Wild, Und eine Kuh Bleibt in der Mitte stehn, und brüllt Dreymal Jmu<*) *) Richtig, und steht fast von Wort zu Wort in dkk heiligen Legende, die durch deq hoch- ( röi) Die Milch der vollen Kuh fast auf Die Erde rann— Und eine Stimm erscholl: Da sauf, Du Gottesmann. Er soff und soff die Kuh halb aus. Das fromme Vieh Ihm leistete bjs nacher Haus Die Kompagnie. Wer noch nicht schläft, doch möcht es bas, Lis— ML toi Es hilft— beym Pater Cochem das*) Lt eecera. hoch würdigen Pater Martin v. Cochem, der rheinischen Provinz Kapuziner, Jubilarivm nnd 8enjo»em herausgegeben, und besonders in Deutschland flechsig gelesen wird. -») Ich glaube, der Lumpenhund will über den hychwürdigcn P. Cochem spotten t Doch er ist ein Esel, ei» Ochs, und ich wünsche, daß ihn der Teufel hoch. Amen. Verbesserunge n. In der Vorrede, der vorletzten Zeile lies meiner. Seite: Feiler Soll heissenr - IZ- 9 Kapitel. - 24- 7 Geschichtschreiber. - Zo- i statistische. zi- 15 montgolfierischen. - Z4- 2i und befahl - 41- 7 Narrnstreiche. - 47- 9 versah. - 7Z- 2l ihr - 78^ 7 mehr gepeiniget -—.- 17 Dieser Legende. - 99- 2 christlichsten. - 108- 14 Verdienste. - 119- 17 an den - 128- 9 der sie - lZ5- IZ alle Gelegenheit. - 181- 6 nein! statt mein. , 222-— in der Note: xuceLIe. - 224- 6 Seglerianen. Beschreibt!« g des Titelkupfers. (Dies Blacr wird nach der Vorrede gebunden.) Em päbstltcher Audienzsaal.*) Der Pabst sitzt auf dem Throne. Der Kapuzinergeneral küßt ihm den Pantufel, und dankt für den Konsens zur Heiligsprechung. Verschiedene Kardinäle und Prälaten stehen um den Thron. An einem Scitentisch zahlt ein Ka- puzinerfrater die Heiligsprechungstaxe. Der päbstliche Kammerzahlmeister hat bereits fünf grosse Geldsäcke in Verwahrung Wo mag wohl Petrus seinen Audienz- saal gehabt habe»? rung genommen, und schaut halb lächelnd auf die schönen Dukaten, die der Kapuziner noch eben darauf zahlt. Ein anderer Prälat halt daö Treve zur Heiligsprechung in der Hantu —- HW W. .>„»^ s.'' - 56 L >^ "» r>^-- > /'/!» S '^ F? /. F -- 1^7 .-E -- L. s.r» Ä- § L'P B U '? K. - ^-:'S .".-7 PM M F L-s S: >V-t §7---'^ l ' Ä-