6 -- 6 N zÄk- >- s? ' ' s -.^ >' ''V L BtzK- .H MM -*<'L LSii: MMUM .,- >7 ^WWZ W^W M» MM --—> Katholisch cs Lese - und Gebethbuch -um Vorzüglichen Gebrauche für die I u g e n d. Er st e s Bst ndchen. Wien, im Verlage der k. k. Schulbücher-Verschleiß-2ldmini- stration öey St. Anna in der Johannis-Gasse. 1824 . V o r r e de .. ^ - a tr Ältern, Lehrer und Erzieher. Mehrere, mirfchatzbäre Fugendfreun- dehaben mich aufgemuntert, ein, dem vortrefflichen Lehr-undGebethbüchlein des würdigen PaterÄgidius Zais ähnliches zu verfertigen, das nicht nur die vorhandenen Materialien enthielte, sondern noch kntz destndere unserer er- wachsenenFugend, und denjenigen, welche dieses Alter auchschon zurück gelegt haben, noch immer dienen könnte. Ich war daher beflissen, die Brauchbarkeit diesesLehr- undGebethbuchesssd viel als möglich, zu erweitern. Wer diesen aus- gedehnten Zweck vor Augen hat, wird, bemerken, daß es nicht leicht möglich war, so wohl in der Wahl, als in der Bearbeitung der Gegenstände, immer auf eine,-bestimmte Masse MüÄflcht M nehmen. Ob ich gleich junge Leute gewöhnlich vor Augen hatte, so wollte ich doch äirch den etwas' Kleinern, besonders im Lesebuche (weil es getrennt wer-? den kann) nicht MuerMydlichwerdM; dem.,Erößexn aber wollte ich dasjenige Ln das G edächtniß^urück. rufen, was sie vielleicht in früheren Fahren weit- läuff^s Werber; Leßöxpthaben.. Zndes- sen,kommen auch in^Lesebuche Dinge vor^welche hie Kleinern füglich werden Überschlagen können, z. B. die Allste-» gung der heiligen Messe, das, was non Lesung der Lehensgeschichten der Heiligen Gottes, von der Fürbitte für die Verstorbenen gesagt wird, u.s. w. Da es mir zu thun war/ Ln beyden Theiten dasjenige zu sammelm was ich für rin Buch dieser Art für nothwendig erachtete ; so wird ihnen in dennachfolgenden Fahren dasjenige gar wohl brauchbar werdeN/ was ße für jetzt vielleicht auf eine Meile entbehren können. Diewei- fe Sorgfalt, christlicher Altern und Lehrer wird unserer Fugend sehr leicht dasjenige aus diesem Buche vorlegen, was ihreHgedesmahligen Bedürfnissen wird angemessen seyn. Ach wollte aber zu gleicher Zeit auch den Erwachsenen nützlich werden. Wenige Änderungen. Ln Abstcht auf die Gewissenserforschung, und eine kleine Rücksicht auf einige Gedeihe und Lesungen, abgerechnet, werden sie daß ganze Buch für sich brauchen können. So dachte ich derFugend ein Buch in die Hände zu geben, dessen Brauchbarkeit sich nicht nur auf ihr gegenwärtiges Alter, sondern auch auf die späteren Fahre erstrecken sollte. Fch er- kenne mit innigem Danke die Bemühungen derjenigen, die mir in diesem Stücke vorgmKeitet haben. Ich habe absichtlich die Erklärung MgemeinerÄndüchten unserer heiligen Kirche, z. B. der LitÄeyen/W Auslegung der heiligen Messe rc. in dieses Buch ausgenommen, um durch eine würdige DarsteMng derselben, Heils die Zerstreuung zu verhindern, 'theils auch um den jungen Christen Mit dem Geiste der Kirche näher bekannt zumachen, in welchem fle wünschet, daß man diesen Andachtsübungen Heywdhnen soll. " ^ ^ Möchte Gott diesen wohl gemeinten Versuch an unserer Fugend gesegnet sepn lassen, und die Früchte seiner reichen Erbarmungen über alle diejenigen ergießen, die sich desselben bedienen werden! Inhalt des Lesebuches- - Seite, Än Älter», Lehrer und Erzieher. An den jungen Leser . ^ . . . . , Lesungen aus der christlichen Glaubens- und Sittenlehre auf jeden Tage im Monathe Christliche Glaubenslehre. L. Gott « . » » . . . . 2 s. Der Mensch ...... 6 Gott ist unser bester Vater . . . .9 4. Gott ist allgegenwärtig und weiß alles . n 5 . Gott ist heilig und gerecht « . . 12 6. Gott ist langmüthig und barmherzig . . r 5 7. Jesus Christus. Er ist das frömmste Kind, und der beste Kinderfreund ... 17 6. Jesus unser göttlicher Lehrer . . 20 9. Jesu Wunder. Er war dergrößteWohlthäter der Menschen und das Vorbild aller Tugend 24 ro. Jesus unser Erlöser . . . . 27 LL. Von dem heiligen Geiste . . . 29 12. Von der Kirche . . . . . 3o r 3 . Don der Bibel Und Tradition . . . Z 4 r 4 . Von den letzten Dingen des Menschen . 37 Christliche Sittenlehre. Eingang ....... 4z » 5 . Pflichten gegen Gott ... . . 44 r6. Pflichten gegen den Nächsten . . .So 17. Pflichten gegen sich selbst .... 55 »8. Pflichten gegen Altern ins besondere . . 57 ig. Pflichten gegen Lehrer ... . 60 »0. Übrige Pflichten zu Hause und außer dem Hause . . . . . . . 62 2i. Pflichten in der Kirche, und wie die Svnn- und Feyertage zuzubringen . . 64 Seite. Einige der vorzüglichsten Lugenden der'Jugend. rr. Demuth . . . . .67 23 Schamhaftigkeit . . » 7» 24. Fleiß und Arbeitsamkeit ... 72 Einige der gewöhnlichen Jugendfehler. 25 . Das Lügen » « . . . 74 26. Heucheley, Eigensinn, Muthwille, Vorwitz, Plauderhaftigkeit . . . . 76 Z7» Von der bösen Gewohnheit . . 78 28. Von der guten Meinung . ^ . 80 Lg. Von einigen löblichen Gebräuchen » . 6r 3 s. Von der christlichen Tugend ... 83 Zi.« Lehren . . » 4 ° 85 Anhang. ' I. Unterricht vom Gebethe » . 2 ^ 6g II. Unterricht von der heiligen Messe, nebst einer Auslegung derCeremonien und Gebethe bey derselben .,. . . - . 98 III» Unterricht von dem heiligen Sackamente der Buße . . ^ . . . irr IV. Unterricht von dem Ablasse . . ^ 141 V. Unterricht von der heiligen Eommunion . 143 VI Über den öftern Gebrauch der heiligen Sa-- cramente . . « . . . ^ 4 ? VII. Von der Anbethung und Besuchung des allerheiligsten Altars-Saoramevtes . » i 5 r VIII. Von der Andacht zur Mutter Gottes . e 1S4 (Oder Unterricht, von der Verehrung und , . Anrüfung derselben, von ihren Festtagen, von dem englischen Gruße, dem Rosenkränze und der lauretanischen Litaney.) IXi Von der Andacht zu den heiligen Engeln . 170 X. Von "der Andacht zu den Heiligen Gottes . 172 (Oder Unterricht von ihrer Verehrung und Anrufung. Worin eigentlich die wahre Andacht zu den.Heiligen bestehe. Vom Lesen ihrer Lebensgeschichten. Erklärung der Litaney von allen Heuigen.) XI. Vvn dem Gebethe für die Verstorbenen . L9H XII. Über die Fasten . . » 199 An den jungen Leser. -E>u empfängst hier ein Buch, in welchem du alles beysammen findest, was du in Absicht auf dein Seelenheil für dein Alter nöthig hast, und es kommt nur darauf an, daß du hiervon den rechten Gebrauch machest. Lies demnach i tens oft und aufmerksam in diesem Buche. Du wirst es sicher verstehen, wenn du nur ein wenig nach denkest. Sollte aber gleichwohl hier und da dir etwas dunkel Vorkommen; so bitte deine Aeltern, Lehrer oder andere verständige Leute, daß sie dir sagen möchten, wie dieses oder jenes zu verstehen sey. Allein es ist noch lange nicht genug, daß du nur lesest und verstehest, was in diesem Buche enthalten ist; du sollst auch stens darnach handeln, wenigstens sollst du dir Mühe geben, nach und nach alles das zu beobachten, was du darin findest. Auf diese Art wirst du ein guter und rechtschaffener Mensch werden. Dazu schenke dir Gott seine mächtige Gna- denhülse. Er lasse dich heran wachsen zur Verherrlichung seines heiligen Rahmens. Nimm täglich zu im Glauben und in der Frömmigkeit; werde die Freude deiner Aeltern, und erfülle die frommen Wünsche und Hoffnungen, die alle Kath. Lese - und Gebekhb. I« Bändchen. U 2 gute Menschen für deine Wohlfahrt im Herzen tragen. Lesungen aus der christlichen Glaubens - und Sittenlehre auf jeden Tag im Monathe. Christliche Glaubenslehre. ».Gott. Wir wollen von Gott anfangen. Ihn, das höchste Gut, den besten Vater recht kennen Zu lernen, soll uns ja das Erste und Liebste seyn. Wir können zwar Gott nicht sehen, und kein Mensch kann es ganz begreifen, wüs Gott an und für sich ist; aber was Er für uns lsi, das heißt, was wir von Gott zu wissen brauchen , um ihn recht zu ehren und zu lieben, damit wir fromm und güt werden, das kann jeder Mensch wissen und verstehen. Erhebe nur deine Augen, und sieh hin und her. Da erblickest Himmel und Erde, Wasser und Land, Felder und Wälder, Menschen und Thiere. Wer hat wohl dieses alles hervor gebracht? Hat es sich vielleicht selbst gemacht? Gewiß nicht! denn du weißt ja: Nichts entsteht von sich selbst. Oder hat etwa ein Mensch die prächtige Sonne, die funkelnden Sterne, alle die zahllosen Pflanzen und Thiere hervor gebracht? Auch das nicht; denn alle Menschen zusammen sind nicht einmahl im Stande, auch nur eine Blume hervor zu bringen. Gott, Gott s hat es gemacht. Und weil außersthm niemand da war, so konnte ihm auch niemand geholfen haben; ja, weil außer ihm gar nichts vorhanden gewesen ist, so mußte er auch alles aus Nichts und ohne Werkzeug erschaffen haben. Diese Welt sammt Allen ist demnach bloß durch den allmächtigen Willen Gottes entstanden. Weil er wollte, so war sie da. Mit Recht nennen wir ihn daher den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde. Wie sehr muß es dich freuen, einen so großen und mächtigen Gott Zu deinem Herrn und Schöpfer zu haben! Er kann dir also alles geben, was du brauchest, und keine Noth ist so groß, aus der er dich nicht retten könnte. Denn ihm ist kein Ding unmöglich. Setze dein ganzes Vertrauen auf ihn, und suche dich ihm durch Gehorsam gegen seine Befehle wohlgefällig zu machen. Gott hat alles sehr schön und gut gemacht. Sieh nur einmahl, wie prächtig er die Erde mit Gras und Bäumen geschmücket hat. Welche Freude ist es, wenn man so über Wiesen und Felder nach den schönen großen Bergen Hinsehen kann! Betrachte, mit welchen herrlichen Farben er die Vögel in der Lust und unzählige Thiere, ja die niedrigsten Blumen auf der Erde gezieret hak! Und wie gut hat er nicht erst deinen Leib, deine Augen, Hände und Füße eingerichtet? Einen so guten Gott sollst du wohl über alles lieben, ihm herzlich danken, und das, was er dir Gutes thut, recht gebrauchen und anwendcn. A s 4 Gott hat auch alles sehr verständig und weise angeordnet. Die Sonne hat schon ihre Zeit, wann sie aufgehen und untergehen muß. Bald ist es Tag, bald Nacht. Bey Tage kann man arbeiten, zu Nacht können Menschen und Vieh ausruhen. Im Frühtinge haben wir neue Freude, wenn wir alles wieder grünen und blühen sehen. Im SoMMer läßt Gott Obst wachsen und reifen, um uns bey der großen Hitze durch den Genuß desselben zu laben und zu erquicken. Aber die meisten Früchte werden erst im Herbste eingesammelt , damit wir in der darauf folgenden Jahrszeit zu essen und zu leben haben. Doch läßt Gott auch das Obst und die Feldfrüchte nicht auf einmahl zeitig werden, damit eine Arbeit nach der andern, eine Freude und Wohl- that auf die andere folgen könne. Nach dem Herbste kommt endlich der WlNter, damit die Erde sich wieder erhöhten und die Menschen von der harten Feldarbeit wieder ausruhen können^ Je mehr du nun recht nachdenkest, wie gut alles in der Welt eingerichtet ist, desto mehr wirst du auch Gottes Weisheit und seinen höchsten Verstand bewundern müssen. Sey demnach mit allen Einrichtungeil Gottes in der Welt zufrieden , und wenn du auch nicht gleich den Nutzen davon einsiehst, so denke nur: Gott ist höchst weise; was er thut, muß also das Weiseste — das Beste seyn. Endlich : Gott ernährt und erhält glles was er erschaffen hat. Er läßt so viel wachsen, daß wir genug zu essen und zu leben haben. 5 Es gibt viele Lausend und tausend verschiedene Thiere; aber alle finden auf den Feldern, im Walde oder im Wasser ihre hinlängliche Nahrung. Ob ihrer gleich so viele alljährlich von den Menschen aufgezehret werden, oder durch andere Zufälle umkommen, so erhält sie doch Gott, indem er immer neue nachwachsen läßt, und man kann nicht sagen, daß eine ganze Gattung solcher nützlicher Thiere völlig aus- gestorben wäre. Besonders sorgt Gott für den Menschen. Er weiß alles in der Welt so anzü- ordnen, wie es jedes Mahl für uns am besten ist. Dieses nennet man Gotteö Vorsehung. Du kannst demnach ruhig dein Schicksal der Vorsehung Gottes überlassen; er wacht und sorgt für dich. Thust du, was du thun kannst, so erwarte alsdann getrost, daß dir Gott alles geben wird, was du nöthig hast. Deine Hoffnung und dein Vertrauen auf Gott wird nicht zu Schanden werden. Betrachte also wohl, wie Gott alles auf das beste gemacht hat. Lerne Gott aus seinen Werken, den Schöpfer aus seinen Geschöpfen kennen. Gehe nicht unachtsam durch seine schöne Welt hindurch, sondern denke nach über das, was du siehst. Bethe Gott an, danke ihm, liebe ihn, und sage oft in deinem Herzen: Was ich sehe, ruft mir zu: Gott, wie groß, wie gut bist du! Deine Allmacht beth' ich an, Du hast alles wohl gethan. Was ich habe, kommt von dir, Was ich brauche, gibst du mir, 6 Gut bist du, du liebest mich, Höchstes Gut! wie lieb' ich dich! ». Der Mensch. Unter allen sichtbaren Dingen ist der Mensch das vornehmste Geschöpf Gottes. Schon seine Gestalt zeiget an, daß er Zu etwas Höherem erschaffen ist, als die Thiere. Diese schauen auf die Erde nieder, aber das Gesicht des Menschen ist aufwärts gerichtet, nähmlich dorthin, wohin auch seine Gedanken sollen gerichtet seyn, zu Gort, gegen Himmel. Die Thiere sind stumm, aber der Mensch kann reden, und andern zu erkennen geben, was er haben will. Wie groß und wichtig ist also schon dieser Vorzug vor den Thieren! Aber der Mensch hak nicht nur einen Leib, er hat auch eine vernünftige Seele. Die Seele kann man nicht sehen und nicht anfühlen, weil sie keine Th eile hat, und deßwegen nennt man sie auch: Geist. Ich will dich nun mit den schönen Eigenschaften bekannt machen, die Gott der Seele des Menschen gegeben hat. Durch seinen Verstand erkennet er viele Dinge, und durch sein Gedächtnis erinnert er sich wieder an das, was geschehen ist. Der Mensch kann henken, das heißt einfthen, wie diese oder jene Sache beschaffen ist, und warum sie so und nicht anders seyn muffe. Er kann auch zwischen Gut und Böse unterscheiden, und deßwegen sagt man, er habe Vernunft. Er hat auch einen freyen Willen, das heißt, er kann 7 thun, was er will, Gutes oder Böses, und er ist weder zu dem einen noch zu dem andern gezwungen. Sieh! so viele Kräfte liegen in deiner Seele. Hast du schon einmahl recht darüber nachgedacht? Ohne Verstand würdest du nie Gott und seine schöne Welt recht kennen lernen; ohne Gedächtniß würdest du dir Nichts von dem merken können, was du gelernt hast. Ohne Vernunft wüßtest du nicht, was gut oder böse ist, und wenn du nicht freywillig, sondern nur immer gezwungen das Gute thun müßtest, wie könnte dich Gott deßwegen lieben oder belohnen ? Danke also Gott fleißig, daß er deiner Seele so schöne Eigenschaften gegeben hat. Aber dieses ist noch nicht alles. Die Seele des Menschen ist auch UNsterb- sich. Sie wohnet in dem Leibe, fast so, wie der Mensch in seinem Hause wohnet. Wenn nun das Haus eingerissen wird, so zieht der Mensch aus und anders wohin. Also auch, wenn der Leib zu Grunde geht, so vergeht doch die Seele nicht. Der Leib wird, wie du weißt, in das Grab gelegt, und da verweset er in der Erde. Hingegen die Seele kann nicht in Stücke zerfallen, weil sie keine Th eile hat, sie lebet auch nach der Verwesung des Leibes noch fort und Zieht in eine andere Welt. Wie angenehm muß dir diese Nachricht seyn! Jetzt hast du dich also nicht vor dem Tode zu fürchten, weil du ein künftiges Leben hoffen kannst, das nie aufhören wird, und wo wir erst vollkommen gut und glückselig seyn werden» Endlich: Gott hat die Seele des Menschen nach seinem Ebenbilde erschaffen; das heißt, der Mensch ist Gott in einigen Stücken ähnlich. Die Seele des Menschen ist, wie du weißt, ein Geist, und Gott ist in seinem Wesen auch ein Geist. Gott ist unsterblich, und die menschliche Seele ist es ebenfalls. Gott erkennet durch seinen unendlichen Verstand alle Dinge, und vermöge seines heftigsten Willens liebt er immer das Gute, und verabscheuet das Böse. Auch der Mensch hat von Gott einen Verstand empfangen, nur keinen so vollkommenen, als der göttliche ist. Auch wir können das Gute lieben, und das Böse verabscheuen, wenn wir nur ernstlich wollen. Obgleich also Zwischen Gott und dem Menschen ein unendlicher Abstand ist, so ist er doch in vielen Stücken Gott ähnlich. Du sollst demnach recht dankbar erkennen, zu welcher großen Würde dich Gott aus so vielen Geschöpfen erhoben hat. Du mußt dich aber zugleich hüthen, das schöne Ebenbild Gottes Zern ah ls durch eine schlechte Aufführung zu verunstalten; du sollst vielmehr trachten, Gott immer ähnlicher Zu werden. Dieß geschieht, wenn du deinen Verstand durch fleißiges Lernen immer mehr ausbildest, dich von allem Bösen enthaltest, und stets frömmer zu werden suchest. Dir Gott sey Preis und Dank gebracht! Dir Schöpfer und Erhalter! Ich bin ein Wunder deiner Macht, Mein Schöpfer, mein Erhalter! Aus Erde ward mein Leib gebau't. Und wird auch wieder Erde; 9 Doch weiß mein Geist, der Gott vertraut, Daß er nicht sterben werde. Ewig, ewig werd' ich seyn, Uno bey dir, mein Gott! mich freu'n. Z. Gott ist unser bester Vater. Der allmächtige, ss gute und verständige Gott, den du bisher hast kennen gelernt, ist auch zugleich unser liebreichster Vater. So nennen wir ihn, weil er alle Menschen, wie seine Kinder liebt. Wir können von ihm alles Gute hoffen und erwarten; wenn wir uns nur als gute, gehorsame und fleißige Kinder verhalten. Sollte es nicht deine größte Freude seyn, dich einem so lieben Vater wohlgefällig zu machen? Gott, unser Vater, verbiethet uns, das Zu thun, was unrecht ist; und er will, daß wir das thun, was recht und gut ist. Gott hat wirklich schon unseren ersten Altern und dann von Zeit zu Zeit auch andern frommen Menschen seinen Willen bekannt gemacht. Um vieler Bey- spiele nicht zu gedenken, so erinnere dich nur der Zehn Gebothe, die er einst seinem auserwählten Volke, den Juden, durch Mopses geben ließ. Sie sind folgende: i) Du sollst allein an Einen Gott glauben. 2) Du sollst den Nahmen Got?^ tes nicht eitel nennen; (nicht unehrerbietig und nicht ohne Noth aussprechen). Z) Du sollst den Feyertag heiligen. 4) Du sollst Vater und Mutter ehren, daß du lange lebest und es dir wohl gehe auf Erden. L) Du sollst nicht Lobten. 6) Du sollst nicht Unkeuschheit treiben. 7) Du sollst IO nicht stehlen. 8) Du sollst kein falsches Zeugniß geben wider deinen Nächsten. 9) Du sollst nicht begehren deines nächsten Hausfrau, io) Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut. Vermöge der zwey letzten Gebothe werden uns nicht nur allein böse Handlungen, sondern auch sogar die bösen Wünsche und Begierden verbo- then; weil Gott haben will, daß wir nicht nur in äußeren Handlungen, sondern auch innerlich fromm und gut gesinnt seyn sollen. Ueberhaupt ist aus allen diesen Gebothen klar zu ersehen, daß uns Gott, wie ein guter Vater nur das gebothen hat, was uns nützlich ist, und nur das verbothen hat, was uns schädlich ist. Oder wäre das wohl gut, wenn die Menschen einander nach Belieben tödten, und einer den andern um das Seinige bringen dürften? Und so gilt es von allen Gebothen. Dieser liebe Gott hatte also dabey für uns sehr wohlmeinende Absichten. Wenn wir sie nun übertreten; so handeln wir wider seinen Willen, wir sind ungehorsam, wir sündigen , und Gott muß dann an uns nothwendig Mlß^üTkN haben. Wenn wir aber seine Gebothe halten, und seinen Willen thun, so hat Gott an uns Wl-htgefnTeN. Wir können ihn nicht besser ehkkN, als wenn wir ihm willig gehorsamen. Denke also oft daran, das Gott dein bester Vater ist, und befleiße dich, seinen Gebothen zu gehorsamen. Sag' und bethe oft: O Gott mit Freuden folg' ich dir, 11 . Weil du mein bester Vater bist. Du willst, was recht und billig ist; Was Unrecht ist, verbiethst du mir Mit Freuden, Vater! folg' ich dir. 4. Gott ist allgegenwärtig, und weiß alles. Gott ist Überall im Himmel und auf Erden, er ist an allen Orten. Wir können ihn zwar nicht sehen, weil er keinen Leib hat, sondern ein Geist ist, aber er steht uns, er steht alles, er Hort alles , und weiß alles, was du thust, es mag Tag oder Nacht, du magst allein oder bey andern seyn. Gott weiß sogar, was du denkest. Du wirst schon oft gehört haben, daß du Gott beständig vor Augen haben sollst; das heißt, du sollst an den allgegenwärtigen, allwissenden Gott denken, der dich überall sieht, wenn dich gleich sonst niemand steht. Du sollst dich also gegen Gott, deinen unsichtbaren Vater so verhalten, wie sich ein gutes Kind gegen seinen sichtbaren Vater verhält. Sieh! du würdest dich nicht getrauen, vor den Augen deines Vaters, was Unrechtes z» thun , oder das zu thun, was er verbothen hat. Nun aber sieht dich Gott, dein himmlischer Vater überall; er weiß auch alles. Habe also Gott beständig vor Augen, und fürchte dich vor Gott Böses zu thun; wenn du dich auch sonst voy niemanden Zu fürchten hättest. Denk : Wo ich bin, und was ich thu', Sieht mir Gott, mein Vater, zu« r 2 5. Gott ist heilig und gerecht. Gott ist von allen Fehlern und Mängeln gänzlich frey und rein, er ist vollkommen gut; d. h. er ist heilig. Er liebet alles, was gut ist ; am Bösen aber hat er das größte Mißfallen.- Er warnet uns sogar recht väterlich davor, ob er es gleich^ geschehen läßt, weil der Mensch seinen freyen Willen haben muß. Gott kann nichts anders wollen und thun, als was recht und gut ist. Alle seine Gebothe und Anordnungen zielen dahin, daß wir auch gut und heilig werden sollen, wie er ist. Daran sollst du dich recht oft erinnern, und bey dir gedenken: Gott ist heilig; was er thut, Was er immer will, ist gut. Möcht' ich auch von Sünden rein, Möcht' ich ihm mehr ähnlich seyn! Gott ist gerecht, d. h. er vergilt einem jeden, wie er's verdienet. An guten Menschen hat er sein größtes Wohlgefallen, und er belohn et die Frommen im Himmel mit ewigen Freuden. Dort wird er einen jeden so glücklich machen, als er es hier durch sein Wohlverhal- ten verdienet hat. Wir sollen aber nicht bloß deßwegen das Gute thun, weil es Gott belohnet; sondern weil er will, daß wir thun, was recht und gut ist. Auch schon in diesem Leben / läßt es Gott den Frommen insgemein wohl ergehen. Das Gute bringt wieder Gutes hervor. So z B. werden gute Menschen meistens von an- lA dern wieder geliebt und geschätzt; und sie können in ihren Herzen zufrieden und froh ftpn. Freylich geht es oft auch einem frommen Menschen ganz hart; aber wenn er nur standhaft zu lhun fortfährt, was recht ist, so kann er sich doch immer mit dem Gedanken trösten: In der andern Welt, wird es schon besser gehen. Er kann Zu sich selbst sagen: Gott vergißt des Guten nicht! Thu' ich immer meine Pflicht; So wird einst vor Gottes Thron Groß uns ewig seyn mein Lohn. Wie Gott düs Gute liebt, so hat er auch am Bösen sein höchstes Mißfallen; er sucht es zu verhindern, und deßwegen MUß ev es LMch bestrafen. Aber er straft nicht aus Zorn; sondern, damit die Menschen vom Bösen abge- halten und gewarnet werden. Gott straft das Böse sehr oft schon in blkstr Welt. Es ist Zwar nicht alles Strafe, was man oft für Strafe Gottes hält. Denn vieles kommt nur uns, weil wir es nicht recht verstehen, als ein Nebel, oder als eine Strafe vor, das doch an sich gut, nützlich, ja sogar nothwendig ist. Unterdessen hat doch Gott eine solche Einrichtung getroffen, daß das Böse meistens auch schon in diesem Leben schlimme Folgen nach sich zieht. So macht sich ein feindseliger Mensch überall verhaßt; dem Lügner glaubt man nicht; der Faule kommt bald in Noch; wer etwas Unrechtes oder Schändliches Mut, der muß sich 14 fürchten; er Musi sich vor Gott und den Menschen , ja vor sich selbst schämen. Unausbleiblich aber folgt die Strafe bösen Menschen in der andern Welt nach. Denn das Sprichwort sagt: „Wie man lebt, so stirbt man/' Wer aber stirbt, ohne vorher sich gebessert zu haben, der kann auch nicht in den Himmel kommen. Dort nimmt Gott nur die , Frommen zu sich, die Bösen aber werden vom Himmel ausgeschlossen, diese kommen Ln die Hölle. Dort werden sie ohne Ende bereuen, was sie Böses gethan haben, und unaussprechlich deswegen leiden müssen — aus eigener Schuld. Wie schrecklich Gott die Sünde straft, das kannst du an folgendem Beyspiele lernen. Noch vor Erschaffung des Menschen, hatte Gott eine große Anzahl himmlischer Geister hervor gebracht, die man Engel nennt. Gott hat sie in seiner Gnade und mit vielen Vorzügen erschaffen. Aber nicht alle blieben in diesem seligen Zustande. Denn einige aus ihnen haben sich durch ihren Stolz an Gott versündigt. Diese hoffärtigen Engel, die nun Teufel heißen, hat Gott auf ewig von sich verstoßen, und in die Hölle zu endlosen Qualen und Peinen verwiesen. Lerne hieraus, was für ein großesUebel die Sünde ist, und wie unausbleiblich die Strafe auf dieselbe folge. Mensch hüthe dich! Früh oder spat Zieht jede böse That Auch eine Straf' nach sich« 6. Gott ist langmüthig und barmherzig. Gott hasset das Böse, weil er unendlich heilig ist; aber er straft es nicht alle Mahl gleich nach der That. Er steht lange zu, ob sich denn der Mensch nicht bessern wird. Sieh nur, so geduldig und laNgyMthig ist Gott. Ja er ist sogar bereit, ihm alles zu verzeihen, wenn er nur seinen Fehler erkennt, und sich ernstlich bessern will. Das kannst du recht klar aus der Geschichte unserer ersten ÄltevN abnehmen Sie waren, als sie aus der Hand des Schöpfers kamen, fromm und unschuldig; denn alles, was Gott gemacht hatte, war sehr gut. Allein sie mißfielen Gott rechts da sie von einer Frucht aßen, die er ihnen doch verbothen hatte. Nun hätten sie allerdings verdienet, wie die hoffärtigen Engel auf ewig verstoßen zu werden. Aber Gott wollte sie nicht so unglücklich machen, weil er sah, daß ihnen ihr Fehler leid that, und daß sie sich bessern würden. Er versprach ihnen einen Erlöser Zu schicken , der statt ihrer die Strafe leiden, und so der göttlichen-Gerechtigkeit genug thun würde, damit sie wieder selig werden könnten. So gnädig ging der liebe Gott mit Adam und Eva um! Auch wir alle sind wie UhülN und Eyck sündhafte Menschen. Denn gleichwie ein verdorbener Baum keine guten Früchte trägt; so konnten auch die Kinder dieser Aeltern nicht anders als böse seyn, und auch sie mußten daher dem lieben Gott mißfallen. Es stammen aber r6 alle Menschen von Adam und Eva ab ; alle Menschen bringen also die Sünde der ersten Aelkern von der Geburt mit aufdie Welt, wir erben ste, und deßwegen wird sie auch die Erbsünde genannt. Du weißt es aber, daß die Menschen nebst dieser Erbsünde noch viele andere Fehler und Sünden begehen. Da wäre es denn wieder um unsere Seligkeit geschehen, wenn sich Gott nicht auch unser erbarmet Hütte. Aber sieh! eben jener Erlöser, den Gott unsern ersten Aeltern versprochen hat, ist auch unser Erlöser geworden. Er har nicht nur für unsere crstsn Aeltern, sondern für alle Menschen die Strafe übernommen, die wir verdienten; nnd so hak er uns mit dem gerechten und heiligen Gott wieder ausgesöhnt, und von der Sünde be- freyct, wenn wir anders entschlossen sind, das Böse zu hassen, und in Zukunft fromm Zu leben, wie es Gott haben will. Durch Adams Fall und Satans New, Ist jeder Mensch verloren, In Sund' und Ungerechtigkeit Empfangen und geboren. ' Dies; Elend sah Gott vor der Zeit, Und wollt' uns retten lassen, Durch Zesum mit Barmherzigkeit Und Vaterhuld umfassen. Gelobt sey Gott, gelobt sein Sohn! Durch den er Gnad' erweist. Lobt Engel ihn vor seinem Thron; Erheb' ihn auch mein Geist! /. Fesus Christus. ErwardasfrmnM- ste Kind, und ein zärtlicher Kmder- / freund. Es ist nicht genug, Gott zu kennen Au hast erst gehört, daß es um unsere Seligkeit wäre geschehen gewesen, wenn uns der gütige Gott nicht einen Erlöser geschickt hatte. Dieser Erlöser war der Sdhu Gvttes selbst. Denn merke recht wohlm Gott hatte vor aller Zeit, nahm- lich von Ewigkeit einen Sohn , der so mächtig und weise, ja Gott selbst war, wie sein Vater. Dieser Sohn hat-sichmun entschlossen, ,als ein., Mensch auf die Welt Zu kommen ^damit er für uns leiden, und bey Gott seinem Vater uns wieder in Gnaden bringen.könnte. Er war also wahrhaftig Gott und Mensch zugleich; Gott war er von Ewigkeit her, Mensch aber wurde er erst um das vier laufendeste Jahr der Welt; denn erst um diese Zeit wurde er geboren. Seine Mutter war Maria, eine fromme und heilige Jungfrau: sie hatte diesen ihren Sohn von Gott selbst auf eine sehr wunderbare Art erhalten, wie du schon noch hören wirst. Sein Nähme war Jesus Christus. Auch ihn mußt du also kennen lernen. Und o, welche Freude wird dir seine Geschichte machen! Bitte nur deine Aeltern und Lehrer, daß sie dir recht vrel bon Jesu erzählen. Denn er war, da er auf Erden lebte, das frömmste und. beste Kmhz der liebreichste KmöerfreUNd, der größte Wshlthäter der Menschen, und düs Kath: Lsse-rmd Geöethb. Bändchen. B ,8 schönste Vorbild aller Lugend. Er war unser göttlicher Lehrmeister; denn da ihn sein Vater selbst zu uns Menschen sandte, so lehrte er uns den lieben Gott immer besser kennen, machte uns seinen Willen bekannt, und zeigte uns, wie wir aus Sündern fromme, gebesserte Menschen werden, und so in den Himmel kommen können. Endlich wurde er durch die Leiden, und durch den Tod, den er für uns Menschen litt, unser Retter, unser Heiland, unser Erlöser und Seligmacher. Sieh! so hat Gott die Welt geliebt, Daß er aus freyem Trieb' Uns seinen Sohn zum Heiland gibt, Wie hat uns Gott so lieb! Ich sagte, Jesus sey das frömmste, beste Kind gewesen. Ja; denn er liebte von seinen frühesten Jahren an seinen himmlischen Vater über alles. Den Willen Gottes thun, war ihm alle Mahl das Erste und Nothwen- digste, war seine einzige Freude. Er ging, da er erst zwölf Jahre alt war, mit seinen frommen Aeltern nach Jerusalem , um allda Gott öffentlich zu verehren und anzu- bethen. Er hörte aufmerksam an, was die Lehrer sagten, und wußte schon damahls auf ihre Fragen so gut zu antworten, daß sich alle dar?- über verwunderten. Seiner Mutter Maria, und seinem Nährvater Joseph erwies er alle Ehrerbiethung; er war ihnen in allem gehorsam. Als er größer ward , arbeitete er fleißig mit Joseph in der Werkstatt. Noch am Kreuze sorgte er für seine betrübte verlassene Mutter, und übergab sie seinem Freunde Johannes, daß er sie von nun an zu sich nehmen, und verpflegen sollte. Auch gegen andere Menschen war der Knabe Jesus gut und freundlich. Er that niemanden etwas zu Leide; vielmehr erzeigte er jedem, wo und wie er nur konnte, einen Liebesdienst oder Gefallen. Jesus war emgezogen und sittsam ; in feinen Reden zeigte er ungemein großen Verstand; alles, was er that, war recht und gut. Sein Leben war voll AnMÜth und Unschuld^ Deswegen äußerte auch Gott sein Wohlgefallen an ihm immer deutlicher. O, wenn alle Kinder so fromm und gut wären! wenn alle dem Knaben Jesus nachfolge- ten ! Was für Wohlgefallen würde Gott und die Menschen daran haben! Jesu! deine erste Jugend War voll Anmuch und voll Tugend! Wie an Jahren, nähmest du An Verstand und Weisheit zu. Jesu! dies; sey mein Bestreben, Auch so fromm^ wie du, zu lebem Bestes Kind! du sollst allein Meiner Jugend Vorbild seyn. Fesus war auch der beste, zärtlichste Kinderfreund. Er zeigte es öfters Ln feinem Leben, wie sehr er die Kinder liebte. Bor allen war er besorgt, haß ja niemand den Kleinen sin böses Beispiel geben möchte. Er stellte die« B 2 jenigen als erzschlimme Leute vor, die ein Kind zum Bösen anführen. Auch sagte er, daß sein himmlischer Vater für die Kinder Engel aufge- stellet habe, die ihr Leben und ihre Unschuld beschützen sollten. Einst stritten die Jünger vor Jesu, wer aus ihnen besser und vornehmer wäre. Da nahm Jesus ein gutes Kind bey der Hand, stellte es mitten unter sie hin, und sagte , sie sollten so wenig stolz und neidisch seyn, als dieses Kind, wenn sie seine Jünger seyn, und in sein himmlisches Reich kommen wollten. Ein anderes Mahl brachten viele Aeltern ihre Kinder zu Jesu, daß er sie segnen möchte. Da wollten nun einige die Kinder nicht hinzu lassen. Jesus aber gab ihnen einen Verweis, und sagte: Lasset doch die Kleinen zu mir kommen ; denn für solche unschuldige Kinder ist das Himmelreich. So lieb waren ihm fromme und gut geartete Kinder. Sieh! Jesus ist dein bester Freund, Der es so gut, so liebreich meint, Sey also fromm mein Kindl Sey so, wie er gesinnt: Und thu', was er gethan, Daß er dich lieben kann. 8. Fesus unser göttlicher Lehrer. Als Jesus dreyßig Jahre alt war, fing er an öffentlich zu lehren. Weil sich die Menschen von Gott, dem höchsten Wesen, keinen rechten Begriff machen konnten; so stellte ihnen Jesus Gott als einen Vater vor, der alle Menschen L» wie seine Kinder liebet, und dem wir aus Liebe gehorsamen sollen. Von sich selbst sagte er, daß er der Sohn Gottes/ und mit seinem Vater Eins sey, d. h. eben dieselbe Natur und Eigenschaft habe. Er hat es den Juden ftey und unverhohlen heraus gesagt: Ich und der Vater sind Eins. Joh. »o, Zo. Und als ihn einst Philipp gebethen hatte, er möchte ihm doch den Vater Zeigen, so antwortete ihm Jesus: Ich sage dir, Philipp, wer mich sieht, sieht auch den Vater. Joh. 14, 9. Jesus hat fernes gelehret, daß nebst ihm und dem Vater auch der heilige Geist sey, der von beyden zugleich ausgehe, und der eben so wie er und der Vater Gott von Ewigkeit sey. Joh. rH , 26 und r6, 1 z. Doch diese drey göttlichen Personen kannst du aus folgender Geschichte noch deutlicher kennen lernen. Eben als Jesus etwa dreyßig Jahre alt war, predigte in der Wüste ein frommer Mann, mit Nahmen FohcMNks. Er bereitete die Leute zur Ankunft Jesu vor, ermahnte sie zur Buße und Besserung ihres Lebens, und wenn sie das versprachen, so taufte er sie , d. i., er begoß sie mit Wasser, damit sie sich bey dieser äußerlichen Reinigung erinnern sollten, wie sehr sie nöthkg hätten, ihre Seele von den Sünden zu reinigen. Nun kam Fesus auch hinzu, nicht anders, als wenn er der größte Sünder wäre, und ließ sich vom Johannes im Flusse Jordan Laufen. Allein kaum war er in das Wasser gestiegen. 22 so sah man den heiligen Geist sichtbar in Gestalt einer Taube über dem Haupte Jesu schweben , und aus den Wolken hörte man folgende Worte : Dieß ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein größtes Wohlgefallen habe. So redete sein VNtev aus den Wolken des Himmels. Du siehst es also nun klar: Es sind drey Personen, der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Alle drey find gleich, und nur Ein Gott. Dreß ist freylich hart zu verstehen, aberdeßwe- gen ist's auch ein großes Geheimniß , das man demüthig glauben, aber nicht begreifen soll. Man nennet es mit einem Worte das Geheimniß der allerheiligsten Dreyfültigkeit oder Dreyeinigkeit. Jesus lehrte uns ftrners, daß kein Mensch ohne den Beystand Gottes etwas für den Him- mel wirken, ja nicht einmahl einen guten Gedan- » ken fassen könne. Joh. iL. L. 2 Korinth, cz, L. Diesen göttlichen Beystand nennt man die Gnade Gottes. Um uns wie ein gütiger Vater in unserer Schwachheit recht aufzuhelfen, so hat er besondere Heilslnittel eingesetzt, wodurch er uuS alle Gnaden mittheilet, deren wir bedürfen. Man nennet sie Sacramente, und es sind ihrer sieben, i. Die Aaufk, damit der Mensch von der Erbsünde und von jeder andern Sünde, wenn er eine solche etwa vor der Taufe begangen hätte, gereiniget werde. 2. Die FjxmUNg, damit wir unfern Glauben an Jefum und seine Lehre standhaft bekennen, und bis Zum Tode ver- LZ Lheidkgen. 3 . Das allerheiligste Sacra- ment des Altars, wodurch unsere Seele mit dem Fleische und Blute Jesu genähret, und im Guten gestartet wird. 4. Die Buße, damit wir von unsern Sünden losgesprochen werden, und die Freundschaft Gottes wieder erhalten. F. Die letzte Dehlung, damit die Kranken in Anliegen des Leibes und der Seele von Gott Hülfe bekommen. 6. Die Priesterweihe, wodurch Gott den Geistlichen, die er zur Verbreitung seiner heiligen Lehre sich wählte, die Gnade gibt, daß sie ihr Amt mit Frucht und Segen verwalten. 7. Endlich die Ehe, damit auch die Aeltern, bey ihren mannigfaltigen Leiden, bey ihren beschwerlichen Hausgeschäften, und bey der Erziehung ihrer Kinder Glück und Segen haben sollen. Auch über den Instand des MettschM nach dem Tode hat uns Jesus belehret. Doch davon wirst du in diesem Buche bald mehr lesen Endlich hat uns Jesus auch mit dem Willen Gottes bekannt gemacht, was wir nähmlich thun sollen, um fromme und tugendhafte Menschen, zu werden. Er erklärte uns die Ge- bothe Gottes, und führte sie zuletzt auf einzige zwey Gebothe Zurück, in denen alle übrige enthalten sind. Er lehrte sie mit folgenden Worten: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, und aus allen Kräften, deinen Nach- Z4 sten über wie dich selbst. Das ist im Kurzen die ganze christliche Stttenlehre. Und bannt wir diese Gebothe desto leichter halten könnten; so ermahnte er uns zugleich den Brystand Gottes durch fleißiges Gebkth zu erflehen. Er Lehrte uns aber auch zugleich UM waö und wie wir bethen sollen. So wurde Jesus unser Lehrer. Suche demnach fest Zu glauben alles, was er uns gelehrt, aber auch gehorsam zu erfüllen, was er uns zu thun befohlen hat. Denk' oft, o Mensch! an diese Lehren, Die Jesus Christus uns ercheiit, Sie sind es , die dein Glück vermehren, Auf Erden und in Ewigkeit. Fesu Wunder Er war der größte Wohlthäter der Menschen, und unser Vorbild in aller Tugend. Damit dir Menschen an ihn und an feine Lehre desto fester glauben sollten; fo that er er- stüunenswürdige Dinge, welche kein Mensch von sich selbst, sondern nur Gott zu wirken im Stande ist. Solche Dinge nennt man Wunder. Er wirkte viele solche Wunder und allezeit zum Besten der Menschen. Er machte Blinde sehend/Laube hörend, Stumme redend, und Lahme gehend. Er heilte allerhand Gebrechen und Krankheiten, und erweckte sogar Lobte wieder zum Leben^ und das alles oft nur mit einem einzigen Worte. Er war der größte Wohtthäter der Menschen. Freundlichkeit und Güte bezeichnen» jeden seiner Schritte. Unermüdet zog er allenkhalben herum, um den Menschen Gutes zu thun. Die Traurigen fanden an ihm einen Tröster, und die Nothleidenden einen Erretter, Voll Begierde allen zu helfen, rief er ihnen selbst Zu: „Kommet her zu mir alle, die ihr mit Noch und Mühseligkeit beladen seyd, und ich will euch erquicken." Ueberall suchte er die Menschen zu unterrichten, die Sünder zu bekehren, und zu Gott Zu führen. Er kam nicht, umsich dienen zu lassen, sondern daß er andern diene, und Zuletzt sein Leben für unsere Erlösung dahin gebe. Hütte uns wohl jemand größere Wohltaten erweisen können? Ueberdenke also, wie wichtig Jesus den Menschen seyn sollte. An seinem Leben ist er den Menschen ein Vorbild in jeder Lugend geworden. Was er lehrte,, übte er selbst der erste aus. Er suchte nie seine Ehre, sondern allezeit die Ehre seines himmlischen Vaters. Im Gkhethk war er so eifrig, daß er oft allein guf einem Berge halbe Rächte damit zubrachke. Wie gütig und liebevoll er sich gegen alle Menschen betrug, das hast du eben vorher gelesen, und kannst es leicht daraus abnehmen, weil er alle seine Wunder nur zum Besten der Mensche» wirkte. Er führte von Jugend auf ein stilles, und bis an sein Ende MÜHvollks, arbeitsames Leben. Er liebte die ArMUth so sehr, daß er gar nichts Eigenes besaß, oft nicht einmahl so viel hatte, wo er sein müdes Haupt hinlegen konnte. Vor allem haßte er HochttMth und Prahlerei» Dcßwegen wirkte er oft ganz in der Stille das Gute, und geboth ausdrücklich denjenigen, denen er half, nichts davon zu sagen. Seine DkMUth war so groß, daß er die niedrigsten Dienste nicht scheute, sondern bey einem Nachtmahle, das er mit seinen Jüngern hielt, ihnen sogar ihre Füße wusch. Er führte rin so reines und unschuldiges Leben, daß selbst seine größten Feinde, deren er viele hatte, ihm hierüber nichts ausstellen konnten. Die Wahrheit liebte er über alles. Nie suchte er sich durch eine Lüge zu helfen, und nichts konnte ihn abhalten , stolzen und eigensinnigen Menschen ihre Fehler freymüLhig zu entdecken. Wie geduldig er in allen seinen Leiden gewesen sey, wirst du bald hören; noch sterbend bath er für diejenigen, die ihm Böses thaten. Wer sollte wohl Jesum nicht lieben, wenn er sieht, wie fromm und heilig er lebte! Befleiße dich nur aber auch, je älter du wirst, ihm immer ähnlicher zu werden. Welch hohes Beyspiel gabst du mir, Mein Heiland! durch dein Leben: Sollt' ich nicht gern und mit Gebühr Dir nachzuahmen streben? Dein Herz von keiner Sünd' entweiht-. War rein wie deine Lehre; Dein ganzer Wandel Heiligkeit; Dein Endzweck Gottes Ehre. Der Kummervollen Trost zu seyn. Zu wehren jedem Leide , Stets wohlzuthun und zu erfreun - War deine! Sorg und Freude. Ern solches Beyspiel hast du mir Zum Vorbild hinterlaffen, Daß ich zu folgen ähnlich dir, Mich sollt' bewegen lasten. Ich will, o Herr! Gib, daß ich treu Auch andern selbst ein Beyspie! sey. io. Jesus unser Erlöser und Selig- rnacher. Drey Jahre lang bemühte sich Jesus durch seine Lehre die Menschen fromm und tugendhaft zu machen. Allein Undank ist der Welt Lohn. —> Eben weil es Jesus so gut meinte, mußte er vieles ausstehen. Viele wollten sich an seine Lehren und Ermahnungen gar nicht kehren. Die Lehrer des Judenvolkes (Schrift- gelehrte und Pharisäer hießen sie größten Lheils) verfolgten ihn aus Neid. Jesus hielt ihnen öfters ihre groben Fehler vor, und wollte sie dadurch zur Besserung bringen; aber sie wurden nur noch mehr gegen ihn aufgebracht, Endlich beschlossen sie gar, Jesum um das Leben zu bringen. Es würde ihnen dieses nicht gelungen haben, wenn Jesus nicht gewollt hätte. Freywillig ging er seinem Leiden und Tode entgegen, weil er nach dem Willen seines himmlischen Vaters für unsre Sünden zu sterben beschlossen hatte. Jesus litt mit unbeschreiblicher Sanftmuth und Standhaftigkeit die größten Schmerzen an Leib und Seele. Man schlug ihn in das Angesicht, beschimpfte und verspottete ihn. Man verwundete sseinen heiligen Leib mit Ruthen und Geißelstreichen, und drückte eine Krone von Dornen aufssein Haupt. Dieß war der numerisch- 28 lichen Grausamkeit ferner Feinde noch nicht genug. Jetzt mußte er erst noch, von Leiden und Schmerzen abgemattet, fern Kreuz aufden To-- deshügel tragen, jenes Kreuz, an welches sie ihn alsdann auf die grausamste Art annagel- Len. Sechs martervolle Stunden hing Jesus am Kreuze zwischen Himmel und Erde, und noch sterbend bath er drn himmlischen Vater für seine Feinde. So gab der beste und gütigste Jesus —- der gute Hirt für seine Schafe-, aus Liebe für uns Menschen sein Leben hin. — Was konnte er wohl mehr thun, als er gethan und gelitten hat, um uns von der Sünde zu erlösen und selig zu machend Er wurde darauf in ein Grab geleget, aber am dritten Tage ging er, wie er es selbst vorher gesagt hatte, wieder lebendig aus demselben hervor. Dadurch zeigte er, daß seine Lehre wahr, und daß er Gottes Sohn sey, und daß wir auch einst wieder von den Loden auftrstehen werden. Am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung fuhr er sichtbar und glorreich in den Himmel. So ist endlich Jesus durch Leiden in seine Herrlichkeit eingegangen. Da denkt er stets an uns, die er auf Erden zurück ließ, und will uns auch einst zu sich aufnehmen, wenn wir an seine Lehre glauben, und darnach leben. Damit wir sollten selig werden, Kommst du, o Gottes Sohn! auf Erden. Uns von der Sünde zu befreyn, Erlittest du die Todespein. Wenn ich mich halt' an deine Lehre, . . ' Dich durch getreue Nachfolg'ehre, So wirst du auch mein Heiland seyn ; Und ich bin, Jesu! ewig dein. i i. Von hem heiligen Gerste» Gleich als Jesus öffentlich zu lehren anfing, wählte er sich Zwölf Männer, die er zu seinen Vertrauten machte , und die nach seinem Tode seine heilige Lehre weiter verbreiten sollten. Man nennet sie Apostel. Weil sie aber Jesus Lehre noch nicht gehörig verstanden, und im Guten noch nicht standhaft genug waren; so versprach er ihnen noch bey seinen Lebzeiten öfters, er werde ihnen den heiligen GeM senden, der sie alle Wahrheit lehren^ und im Guten befestigen wird^ Wirklich kam dieser heilige Geist am fünfzigsten Lage nach der Auferstehung Jesu über die Apostel. In Gestalt feuriger Zungen schwebte er über ihrem Haupte; und von dem Augenblicke an wurden diese Zwölf Apostel so gestärkt, daß sie bereit waren, die Lehre Jesu überall ftey zu verkündigen, und dafür alles, auch den Tod zu leiden. Daß der heilige Geist Gott selbst sey, weißt du schon aus dem Geheimnisse der allerheiligsten Dreyeinigkeit. Aber zu deiner Freude muß ich dir sagen, daß nicht nur die heiligen Apostel, sondern auch alle Christen den heiligen Geist empfangen. Wir erhalten ihn schon iri der heiligen Taufe, und En einem noch reichlicherem Maße im heiligen Saeramente der Firmung, Ao Der heilige Geist heiliget deine Seele. Er erleuchtet deinen Verstand, daß du fleißig lernen uttd dir merken kannst, was du von Jesus Lehre hörest. Er macht dir durch feinen innerlichen Beystand das Gute leicht und angenehm, und wenn es dir auch bisweilen schwer ankommt, so gibt er dir doch Ruth und Kraft dazu. Erkenne mit.dankbarem Herzen diese Gnaden des heiligen Geistes, und bitte ihn, daß er stets chey dir bleibe. Jede gute Gabe, Die ich nöthig habe, Kommt heil'ger Geist von dir; O welche nie von mir! Durch ein frommes Leben Will ich mich bestreben Mich gänzlich dir zu weih'n, Und deiner werth zu seyn. LL. Von der Kirche» Gleich nach der Sendung des heiligen Geistes verkündigten die Apostel die Lehre Jesu aller Orten, wo sie hinkamen. Sie waren auch bald so glücklich, daß sehr viele Menschen dasjenige zu glauben und Zu halten versprachen, was sie predigten. Diese neuen Gläubigen machten nun eine von den Juden und Heiden ganz abgesonderte Versammlung aus, welche die christliche GemeiHe oder Kirche genannt wird. Die Glieder dieser Kirche lebten sehr fromm und heilig; Sie betheten, und lobten Gott mit einander, sie genoffen gemeinschaftlich das heilige Abendmahl, und sie Heilten von dem, was jeder hatte, gern und willig einander mit. Sie lebten in größter Eintracht bey einander, und waren alle wie Ein Herz und Eine Seele. Wenn einige starben, die sehr fromm und heilig waren, so verehrte man sie nach ihrem Lode, und bath sie um ihre Fürbitte bey Gott. Man bewahrte sorgfältig ihre Leichname auf, oder Ueberbleisel davon, die man RellssUlkll nannte; man stellte auch ihre Bildnisse auf, nur damit man sich recht oft an ihre Frömmigkeit , und an ihre Fürbitte erinnern sollte. Waren die Verstorbenen nicht so heilig j so bethelk man für sie zu Gott- daß er ihnen gnädig dasjenige Nachlassen wolle, was sie etwa noch zu leiden hätten, ehe sie in den Himmel kommen könnten. So hatten also die lebenden Christen so wohl unter sich, als mit den Heiligen und Verstorbenen eine gewisse Gemeinschaft. Alle he- theten für Einen, und Einer für Alle, und so suchten sie sich, in Leibs - und Seelennöthen einander zu helfen. Diese von den Aposteln gestiftete Kirche hak sich nach und nach in alle Länder verbreitet, und heißt deßwegen auch die allgemeine oder kathy^ lische Kirche. Anfangs waren die Apostel selbst die Vorsteher der Kirche , bald hernach aber bestellten sie auch andere zu ihren Nachfolgern, die man Bischöfe nennet; damit die Schäflein Jesu Christi nicht ohne Hirten wären. Je größer und aüsgebreiteter nun die Kirche wurde/ desto mehk Bischöfe waren auch nökhig. Sie. Zr müssen Sorge tragen, daß die reine Lehre Jesu Christi fortgepflanzt, und die Gläubigen in ihren Pflichten unterrichtet werden, kurz sie haben die vornehmste Aufsicht über die ihnen an- vertrauten Kirchengemeinden. Und damit sie sich nicht irren sollten in dem, was zur Lehre Jesu gehöret, so versprach ihnen der Heiland mit seinem Bey stände bis au's Ende der Welt bey ihnen Zu verbleiben. Marth. 28, 20. Was nun diese Bischöfe einstimmig und als Jesus Lehre vorstellen, das können wir sicher fürwahr halten- und deswegen müssen wir auch-ihren Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren Ungezweiftlten Beyfall gebem . - Ja, um diese Einigkeit im Glauben recht fest Zu erhalten; so ist einer untkr den katholischen Bischöfen der vornehmste, so wie unter den Aposteln Petrus dm Vorzug vor allen übrigen hatte. Denn nur zu ihm allein sagte Jesus: ,,Du bist . Petrus, d. i. ein Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und selbst die Hölle wir- sie nicht überwältige;;." Der heilige Petrus war aber lange Bischof in Rom ; daher wurde immer sein Nachfolger im Amte, nähmlich der Bischof zu Rom, als das Oberhaupt der Kirche erkannt, und Püpst, d. i. Vater der Gläubigen genannt. Der Papst trägt Sorge für die ganze katholische Kirche, daß darin Einigkeit in der Lehre beobachtet werde. Wir sollen ihn daher sehr hoch schätzen- ihm Gehorsam erweisen, und be- " rhen, daß ihn Gott in der mühevollen Regierung seiner Kirche leite und stärke. So lange noch die heiligen Apostel selbst der Kirche vorstanden, so machten sie verschiedene nützliche Anordnungen - je nachdem es Zeit und Umstände forderten. Dazu haben sie von Jesu selbst die Vollmacht erhalten, da er zu ihnen sprach: ,,Gleichwie mich der Vater gesandt hat, eben so (mit gleicher Macht) sende ich euch." Zoh; 20, 2l. Nach dem Tode der Apostel haben ihre Nachfolger - dir Bischöfe, diese Nahm- liche Macht auch ausgeübet,, und ebenfalls verschiedene Anordnungen gemacht - welche alle Christen befolgen müssen- weil die Bischöfe vom heiligen Geiste gesetzet sind - die Kirche Gottes zu regieren. Apostelgesch. 20, 2 r . Diese für die Christen verbindlichen Befehle Nennt man chengebothe. SiL sind folgende fünf. L. Du sollst die gebothenen Feyertage halteru 2. Du sollst die heilige Messe an Sonn-und Feyerta- gen Mit gebührender Andacht hören. Z. Dü sollst die gebothenen Fasttage halten, als: die vierzigtägige Fasten, die Quatember-Zeiten, und andere gebokhene Fasttage; auch sollst du am Freytage und Samstage di ch vom Flei sch essen enthalten. 4. Du sollst deine Sünden dem verordnten Priester jährlich zum wenigsten Ein Mahl beichten, und' um die österliche Zeit das hochwürdigste Sacrament des Altars empfangen. L. Du sollst an verbotenen Zeiten keine Hochzeit halten. Lerne sie recht gut auswendig, und laß dich von niemanden abhatken, sie fleißig KaLH. Lese-und Gchethb. 2 . Bändchen. E Z4 zu beobachten; denn Jesus sagt selbst: Wer'die Kirche nicht höret, den soll man für einen Heiden und verworfenen Menschen halten. Matth. i8, »7. Wir nehmen eine Kirche an, Die Christus selbst errichtet: Und die durchaus nicht irren kann, Die auch kein Feind vernichtet. Darum erfülle die Gesetze, Die dir die heil'ge Kirche gibt; Und denk', daß sie es theuer schätze, v Wenn man sich im Gehorsam übt. (Luch' deiner lieben Mutter Willen, In allem treulich zu erfüllen, Und denk', daß, was sie dir befiehlt, Gewiß auf deine Wohlfahrt zielt. ,Z. Von der Bibel, und der Tradition. Der liebe Gott hat schon unsre ersten Ael- lern belehret, was sie thun sollen, um glücklich zu werden. Später hak er sogar selbst die zehn Gebothe den Juden gegeben / damit sie seinen Willen immer besser erkennen sollten. Auch hat er den schon unfern ersten Aeltern versprochenen Heiland von Zeit zu Zeit immer deutlicher verkündigen taffen, bis dieser endlich selbst angekommen ist. Alle diese und noch viele andere Dinge haben fromme Männer auf den Befehl Gottes ausgeschrieben. Ihre Schriften sind auf uns ge« kommen, und lehren uns, was Gott von Erschaffung der Welt bis zur Ankunft Jesu für Anstalten getroffen hak, um die Menschen Z5 zu unterrichten. Man nennt ihre Bücher hie heiligen Schriften des alten Testamentes. Nachdem Jesus auf die Welt gekommen war, so schrieben seine heiligen Apostel und Jünger bald nach seinem Tode einiges von dem auf, was er gethan und gelehret hat» Auch schrieben sie viel gute Lehren oft an ganze christliche Gemeinden , so wie es die Umstande nothwendig machten. Diese ihre Schriften sind ebenfallsauf uns gekommen, und machen das Neue Testament aus. Die Schriften des alten Testamentes wurden auf Gottes Befehl von frommen und rechtschaffenen Männern geschrieben, denen der Herr beystand, daß nichts Falsches einge-- Mischt werden konnte; die Bücher des neuen Testamentes aber sind von lauter Männern geschrieben , die den heiligen Geist empfangen hatten. Daher sollst du von Jugend auf die größte Hochachtung und Ehrfurcht gegen dieses heilige Buch tragen. Es macht uns immer besser mit dem lieben Gott und mit seinem heiligen Willen bekannt; es gibt uns die beste Anweisung, wie wir's machen sollen , um hier und dort glückselig zu werden. Lies demnach, wenn du älter wirst, mit einer heiligen Freude in der Bibel, und denke dir ledes Mahl, so oft du darin liefest, Gott rede mit dir. Lies sie aber auch mit demü- thigem Geiste, denn so manche Dinge sind darin schwer zu verstehen; und hüthe dich, dieselbe nach deinem Belieben etwa zu erklären; denn du sollst die heilige Schrift nicht anders verstehen C 2 wollen, als wie sie deine Mutter, die Kirche, versteht, welche die sicherste Auslegerinn der heiligen Schrift ist, weil ihr in dem, was Jesu Lehre betrifft, der Beystand des heiligen Geistes versprochen ist, wie du schon aus der vorigen Lesung weißt. Frage demnach einen frommen und verständigen Priester der Kirche um Rath, was du aus der Bibel lesen sollst, und wie etwa dieß oder jenes zu verstehen ftp- wenn dir bey Lesung derselben ein Zweifel aufstößtz Endlich gibt es auch viele Lehren Jesu, welche die heiligen Apostel nicht ausgeschrieben, sondern nur mündlich vorgetragen haben. Diese von den Aposteln in den Christengemeinden mündlich vorgetragenen Lehren würden alsdann von den Bischöfen oder andern frommen Männern ausgezeichnet, und von der ganzen katholischen Kirche als Lehre Jesu angenommen und sorgfältig aufbewahret. Die Sammlung dieser apostolischen Lehren nennt man Tradition, d. i. mündlich überlieferte Lehren. Sie sind eben so göttliche Lehren, wie jene, die in dem neuen Testamente enthalten sind; der Unterschied besteht nur darin, daß die letzten von den Aposteln selbst sind ausgeschrieben worden- die mündlich überlieferten Lehren aber wurden nicht von ihnen ausgeschrieben - sondern öffentlich in den Versammlungen der Christen vorgetragen - und so fortgepstanztr Du mußt daher sowohl die geschriebenen , als ungeschriebenen Lehren Iesin- glauben, und für wahr halten, wie sie deine A7 heilige Kirche glaubet, die vom Geiste Gottes geleitet wird» Die ganze Schrift mit allen ihren Lehren, Bestimmt zu deinem Licht uns zu bekehren, Ist, Gott! dein Werk, ward uns von dir gegeben, p» Zum Heil und Leben. Was deine Priester lehren und erzählen, Was sie verbiethen und befehlen, Was sie verheißen, ist von dir, rst Klgrheit, Ist Helle Wahrheit. Herr öffne selbst Verstand und Herz, Daß wir dein Wort erkennen, Und daß wir stets in Freud und Schmerz Gerührt davon entbrennen. Laßt uns nicht Hörer nur allein, Lgß uns auch Tha'ter deines Wortes feyn, E Und hundertfa'lt'ge Früchte bringen. 14, Von dm letzten Dingen des Menschen. Aste Menschen müssen sterben, Du wirst es oft schon bemerkt haben, daß der Tod weder die Kinder, noch die Alten verschonet. Aber wann und wie man stirbt, das weiß niemand. Der Heiland sagt sogar, daß der Tod, wie der Dieb k unvermuthet hereinbrechen^werde, zu einer Zeit, wo man es am wenigsten glauben wird. Matth, 24,4z. Du solltest also recht wachsam über deine Aufführung seyn, und oft und andächtig be- Lhen, damit dich der Tod nicht unbereitet überfalle. Ein frommes Leben ist die beste Vorbereitung zum Tode. » Nach dem Tode wird die Seele des Men- 38 scheu sogleich gerichtet, das heißt: Gott belohnet oder straft ihn, je nachdem er es verdienet hak. Die Frommen nimmt Gott da zu sich in den Himmel, die sündhaften Menschen aber, die sich im Leben nie bessern wollten, verstößt er auf ewig in die Hölle. Diejenigen, welche sich Zwar in diesem Le en gebessert, aber für ihre Sünden noch nicht hinlänglich gebüßet haben , kommen in den Drt der Reinigung, welcher auch das FegeskUL? genannt wird. Da leiden sie wie ein Schuldner, der aus seinem Gefängnisse so lange nicht heraus kommt, bis er den letzten Haller bezahlt hat. Getrennt von dem lieben Gott, müssen sie da unter vielen Leiden und Schmerzen der göttlichen Gerechtigkeit genug Lhnn, bis sie vollkommen rein in den Augen Gottes sind; denn in den Himmel kann nichts Unreines eingehen. Diese leidenden Seelen verdienen es wohl, daß du für sie um Barmherzigkeit zu Gott flehest. Aber lerne zugleich aus ihrem betrübten Zustande, wie weit besser es ist, wenn man hier schon fromm lebt, oder wenigstens seine Fehler jetzt schon gut zu machen , und abzubüßen suchet. Lerne auch kleine Fehler meiden, und schätze dich glücklich, ein Glied der katholischen Kirche zu seyn, die ihre Kinder selbst nach dem Tode nicht verläßt, indem sie für sie bethek. Ich sagte, nur die Seele werde gleich nach dem Tode gerichtet; denn der Leib wird in das Grab gelegt, und verfaulet. Jedoch: ,,E§ wird eine Zeit kommen, wo die Todten die Stimme ^ A9 Gokres hören, und lebendig aus den Gräbern wieder hervorgehen werden." So lehrte es Jesus. Joh. 5, 2^. Man nennt diese Erweckung unserer Leiber die Auferstehung der Tobten. Alsdann wird sich die Seele eines jeden Menschen mit ihrem Leibe, denkste im Leben gehabt ff' hat, wieder vereinigen , und lebendig aus dem Grabe hervorgehen; aber dieser Leib wird weit schöner und herrlicher seyn, als er vorher war, so wie die Blume weit schöner und herrlicher ist, als der in die Erde gestreute Same, aus dem sie hervor wachset. Freue dich demnach, daß du einstens auftrstehen wirst; erinnere dich des erstandenen Jesus, als des Erstlings aller Entschlafenen, und stärke durch sein Andenken den ^ Glauben an deine eigene Auferstehung. Denk oft bey dir selbst: Die Nacht, die mich im Grabe decket, Bis mich der Engel Gottes wecket, Ist kurz; dann werd' ich auferstehn, Gleich Jesu aus dem Grabe gehn, Halleluja! Die Todten werden deswegen wieder auferwecket werden, damit sie vor dem MgelMMM Gerichts erscheinen, das Jesus einst halten * wird. Denn Gott will nicht nur die Seele eines jeden Menschen gleich nach seinem Tode richten; sondern er will auch durch Jesum unsern Erlöser ein allgemeines öffentliches Gericht halten taffen, damit es alle einsehen, wie gerecht sein Ur- theil sey, damit nichts verborgen bleibe, und die Menschen auch an ihrem Leibe gerichtet werden , je nachdem sie mit demselben Gutes oder 4o Böses werden gethau haben. Der Tag, an welchem Jesus zum Gericht kommen wird, heißt der jüngste oder letzte Tag, weil mit ihm das Enöe her Welt hereinbricht. Höre r was für eine fürchterliche Schilderung Jesus selbst von dieser feiner zweyten Ankunft macht. Sonne, Mond und Sterne, sagt er, werden ihren Schein verlieren, die Himmelskörper werden mit entsetzlichem Getöse vergehen, die Erde wird beben. Berge und Städte werden einstürzen, das Meer brausend aus seinen Gränzen treten, und die Erde fammt allem, was darauf ist, verbrennen. Endlich wird Jesus Christus als der göttliche Richter, in seiner Majestät und Herrlichkeit, begleitet von unzähligen Engeln aus einer lichten Wolke wie auf einem Richterstuhle erscheinen , neben ihm das heilige Kreuzzeichen, an welchem wir erlöset wurden. Alle Menschen werden sich vor ihm versammeln müssen, und nun wird es offenbar werden, was für ein Unterschied zwischen den Guten und Bösen sey. Wie ein Hirt die Schafe von den Böcken absondert, so wird es auch'Jesus machen. Er wird die Guten zu seiner Rechten stellen, und es öffentlich rühmen, daß sie so fromm waren. Besonders wird er da aufdie wohlthätigen und barmherzigen Menschen sehen. Denn er wird die Liebe, womit sie Hungerige gefpeiset, Durstige getränket, Nackte bekleidet, oder andern Dürftigen geholfen haben, diese Liebe wird er so ansehen, als wäre sie ihm selbst erwiesen worden; freudig wird er ihnen zuruftn: Kommet ihr Gesegnete meines 4i Vaters! und ererbet das Reich, das euch vom Anfänge der Welt bereitet ist. Und sie werden eingehen in die ewige Freude. Da werden sie dann in die Gesellschaft aller guten und frommen Menschen kommen, Da werden sie ihre lieben Aeltern, Freynde und Bekannte , um die sie auf der Erde so oft weinten, wieder finden. Da werden sie in der glücklichen Gesellschaft aller Engel und Heiligen Gottes leben, und das unaussprechliche Glück haben, Jesum den Erlöser der Menschen in seiner Herrlichkeit zu schagen, den lieben Gott immer besser kennen zu lernen, und einzusehen, wie gut es der liebe Vater im Himmel mit uns Menschen meinet. Je mehr sie nun Gott werden kennen lernen, desto liebenswürdiger wird er ihnen Vorkommen, und-desto glücklicher werden sie sich schätzen, Hey ihm zu seyn. Sie dürfen auch nicht fürchten, Gott wieder ungehorsam zu werden und zu mißfallen, denn indem Himmel sündiget man nicht mehr. Ganz anders wird es den Bösen ergehen, Jesus wird sie bey feinem Gerichte zur Linken stellen« und es ihnen öffentlich Vorhalten, daß sie so boßhaft und lasterhaft gewesen sind. Besonders streng wird er mit den Grausamen verfahren, und mit allen denen, welche lieblos gegen den Nächsten gehandelt haben, Er wird die Unbarmherzigkeit, die sie an andern ausgeübt haben, so ansehen, als wenn sie ihm selbst geschehen wäre. Drohend wird er sie von sich weisen, und sagen r Gehet von mir hinweg, ihr Vey? 42 fluchten! Ln das ewige Feuer, das dem Teufel und seinem Anhänge bereitet ist. Und so werden sie eiugehen in die ewige Pein. Da werden sie daun in die traurige Gesellschaft des Teufels kommen. Unter lauter Zänkischen, neidischen, boßhaften Menschen, unter Räubern und Mördern, kurz unter den verruchtesten und abscheulichsten Bösewichtern werden sie ihr elendes Leben dahin bringen. Da werden sie auf ewig von Gott getrennt seyn, und an ihm keinen Vater mehr, sondern den strengsten Richter haben, der sie ihrem eigenen Verderben überläßt, weil sie seinen Warnungen im Leben nicht folgten. Ach! bedenke es doch : vom lieben Gott sich entfernen müssen, das ist ohne Zweifel die schrecklichste Strafe in der HyTe. Denn wohin soll dann derjenige gehen, der einmahl von Gott verstoßen ist? und wo könnte ein Mensch, den Gott auf ewig verworfen hat, noch Ruhe und Trost finden? Ueber dieß wird der gerechte Gott auch noch andere unaussprechliche Leiden und Schmerzen über diese unverbesserlichen Menschen verhängen. Nichts von allem, was sie wünschen, werden sie erhalten, und alles, was sie befürchten, wird über sie kommen. Sie werden ein Feuer leiden, das nicht verlischt, und ihr Gewissen wird es ihnen hart vorwerfen , daß sie die Zeit der Gnade versäumet haben. Wie ein nagender Wurm wird sie der Gedanke guälen: Ich bin selbst Schuld an meinem Unglücke. Niemand wird über ihr Elend Mitleid haben, niemand ihnen zu HrUfe kom- 4A wen; denn sie werden alle diese Pein ohne Linderung und ohne die geringste Hoffnung einer Erlösung ausstehen muffen. Daran solltest du dich recht oft erinnern, besonders wenn du angereitzet wirst, eine Sünde zu begehen. Sprich oft bey dir: Die Ewigkeit, die Ewigkeit Ergreift mich nach durchlebter Zeit; Da wall' ich hin, da wartet mein Das Anschaun Gottes oder Pein. O, lasse Jesu, dein Gericht Mir immerdar vor Augen seyn, Und drück' sein schreckliches Gewicht Recht tief in mein Gewissen ein, Ach Gott, mein Heil und mein Verhraun, Laß mich dein selig Antlitz fchaun? Christliche Sittenlehre. Eingang. Du hast bisher gesehen, wie sich der liebe Gott als Vater, Sohn und Geist den Menschen geoffenbaret, wie Jesus seine Kirche gestiftet hat, und uns nach dem Tode ein glückli- liches oder unglückliches Leben bevorstehe^. Ein glückseliges Leben kann nur derjenige erwarten, der feine Schuldigkeit gethan hat. Du mußt also wissen, was du dann für Schuldigkeiten oder Pflichten beobachten sollst. Du hast mancherley Pflichten: gegen Gott, gegen deinen Nächsten, und gegen dich selbst. Lerne sie frühzeitig kennen und beobachten r denn dadurch wirst du hier und dort glücklich. Selbst der Glaube, ohne 44 den doch kein Mensch selig werden kann. (Hebe, r i, 6.), selbst der Glaube könnte dir allein nichts nützen, wenn du nicht auch darnach leben würdest. Was nützt es, meine Brüder, schreibt der heilige Apostel Jakob 2, 14., wenn jemand saget: er habe den Glauben, hat aber die Werke nicht; wird ihn wohl der Glaube (allein) schon selig machen? Nimm dir also recht zu Herzen, was du in den folgenden Blättern lesen wirst. 15. Pflichten gegen Gott. 1, Liebe Gott. Gott zu lieben, ist eine deiner ersten Pflichten. Du liebst ja schon einen Menschen, der dir Gutes erweiset; solltest du nicht um so mehr denjenigen lieben, von dem du das allermeiste Gute empfangen hast? Ihm hast du ja alles zu verdanken, Leib und Seele, Nahrung und Kleidung, Aeltern und Freunde, furz alles, was dir Freude macht. Bedenke, wie er sich deiner durch Jefum erbarmet'; und all dieß Gute erzeigt er nicht nur dir, sondern allen Menschen. Müßte der nicht ein Herz wie Stein haben, der Gott nicht lieben wollte? Doch wir sollen Gott nicht allein deßwegen lieben, weil er gegen uns so gütig ist. Unsere Liebe soll noch reiner und vollkommener seyn. Du liebst ja nicht nur jene, die dir Gutes thun, sondern auch die, an welchen du schöne Eigenschaften bemerkest. Nun hast du aber gehöret, wie mächtig und weise Gott fey, wie sein Verstand alles kennt und weiß, wie HZilig und gerecht er ist ; außer ihm ist nichts 4L so schön, so vortrefflich als evt Du mußt daher die größte Freude empfinden - wenn du an ihn denkst, und es kann dir auch nichts so lieb und angenehm seyn, als er. Dieß heißt eigentlich Gott über alles lieben. Wer Gott aufrichtig lieb hat, der Lhuk nichts- was ihm zuwider ist. Das gewisseste Kennzeichen derLiebe Gottes ist also die treue Erfüllung seiner Gebothe. Das hat einst Jesus ausdrücklich gelehret: Wer meine Gebothe weiß,undsie hält,(spricht er beyJoh. 12- 14.21.) der ist's, der mich liebet. Die wahre Liebe Gottes besteht also darin, daß wir Gott, als das beste, vollkommenste Wesen hoch schätzen, und aus Achtung gegen ihn seinen Willen thun, und seine Gebothe halten. Man kann einen Menschen nicht liebes, den mau nicht kennt, oder von dem man nichts Gutes weiß. Suche daher Gott immer besser kennen zu lernen, denk' oft an seine Wohltha- ten, und du wirst ihn immer mehr und eifriger lieben. Deßwegen mußt du recht aufmerksam seyn, wenn man dich in der Kirche oder in der Schule unterrichtet; so wirst du in der Erkennk- niß Gottes und seiner Wohlthaten immer zus nehmen- und das ist das beste Mittel Zur Liebe Gottes zu gelangen. 2. Danke Gott für alles. Es kommt ja alles Gute von ihm. Wer so leicht auf Gottes Wohlthaten vergißt, verdienet der wohl in Zukunft^ wieder neue zu erhalten? Wie mißfällig 46 Gott die Undankbarkeit sey , das kannst du aus folgender Geschichte lernen. Jesus hatte einst Zehn Aussätzige geheilet, aber es kehrte nur Einer aus ihnen Zurück, ihm dafür Dank zu sagen. Da sprach Jesus zu ihm: Sind ihrer nicht Zehn gereiniget worden, wo sind denn die neun übrigen? Es mißfiel ihm also sehr, daß sich keiner gefunden hat, der Gott die Ehre gegeben , und ihm gedanket hätte, als dieser einzige. Luk. 17, »8- Erkenne daher die Wohltha- ten Gottes, dank' ihm oft 'dafür, wenigstens Früh und Abends, und wende seine Gaben gut an, denn darin besteht die beste Dankbarkeit; so wie Mißbrauch der göttlichen Wohlthaten der schwärzeste Undank und eine große Sünde ist. Sey aber auch mit Wenigem zufrieden; Gott gibt jedem so viel, wie es nach seinen weifen Absichten am besten ist. Z. Setze auf Gott dein ganzes Vertrauen» Es kann keine Noth so groß seyn, aus der dich Gott, wenn er will, nicht retten könnte. Und warum sollte er denn nicht wollen? Er ist ja dein bester Vater; er liebt dich, er sorgt für dich. Zudem , so kann er ja auch alles machen, was er will, denn er ist allmächtig. Es wäre demnach sehr unrecht, wenn du in irgend einer Noth an der Hülfe Gottes verzweifeln würdest. Du kannst dich im Vertrauen auf Gott recht stärken, wenn du eifrig und andächtig bethest. Aber du mußt auch das Deinige Lhun, deine Kräfte nicht sparen, sondern allen Fleiß und Mühe anwenden, und fromm seyn.* 47 Alsdann kannst du sicher Hostien, daß der liebe Gott alles recht machen wird. Vor allen hüthe dich, aus eigener Schuld in böse Gelegenheiten oder Gefahren dich zu begeben; wer das thut, und doch von Gott Hülfe erwartet, ist ein vermessener Mensch/ der es verdienet, von Gott gänzlich verlassen zu werden. Höre nur, was für eine schöne Antwort Jesus dem Teufel gab, als er ihn zur Vermessenheit verleiten wollte. Der Teufel stellte ihn einst auf das Dach des Tempels zu Jerusalem, und sagte, er solle sich herunter stürzen; denn Gott werde ihm schon helfen, daß er nicht zu Grunde gehe. Allein Jesus that es nicht, sondern gab gleich zur Antwort : Es steht geschrieben, du sollst Gott deinen Herrn nicht versuchen. Das solltest du wohl bedenken, wenn du etwa bisher so leichtsinnig wärest, dich in einem reißenden Strome zu baden, oder gefährliche Spiele zu unternehmen. Fürchte Gott. Böse Knechte fürchten Zwar auch ihren Herrn, aber bloß darum, daß er ihnen nicht schade, und deßwegen nennt man ihre Furcht eine knechtliche Furcht. Gute Kinder hingegen scheuen sich aus Liebe zu ihrem Vater etwas zu thun, was verbothen ist; und das ist die wahre, die kindliche Furcht. Auf diese Art sollst du Gott fürchten; du Mußt dich scheuen, vor ihm, als vor deinem allwissenden und heiligsten Gott etwas Böses IN thNN So dachte der fromme Jüngling Joseph in Aegypten. Als ihn einst die lose Frau des 48 Pokiphars zu etwas Bösem verführen wollte, da entfloh er von ihr mit den Worten: Wie! sollt' ich vor Gott ein so großes Nebel thun? Fürchte dich also niemahls vor den Menschen, sie können dir nicht schaden, wenn Gott es nicht zuläßt; aber fürchte dich allezeit, und überall vor Gott, das heißt, scheue dich stets, etwas zu thun, was Gott verbothen hat. Der Anfang aller Weisheit, sägt die Schrift —- ist—die (kindliche) Furcht Gottes. L. Ehre Gott, das heißt, achte und schätze ihn über alles; er verdient es, denn er ist ja das allerhöchste und heiligste Wesen, ge es auch in all deinem Thun und Lassen, daß dir an Gottes Willen und Wohlgefallen ^mehr gelegen ist, als an der ganzen Welt, Sprich den Nahmen Gottes, und den allerheiligsten Nahmen Jesu nie ohne wichtige Ursache, und immer mit Ehrerbiethung aus- Hüthe dich vor Fluch- und Scheltworten. Schwofe me, auch wenn du groß wirst; ausgenommen, du wirst von deinen Dbern dazu aufgefordert; und da muß es immer mit großer Ueberlegung, und mit der völligen Neberzeugung geschehen, daß du die Wahrheit redest. Versprich Gott nichts, was du nicht halten kannst. Freue dich - vor allen Menschen deine Ehrerbiethung gegen Gott bey dem öffentlichen Gottesdienste zu beweisen. O, wie schön ist es, wenn sich da eine ganze Menge Menschen versammelt, um Gott gemeinschaftlich anzubethen, seinen Willen und sein Wort anzuhören, und ihm auf's neue Gehör- 49 sam zu versprechen! Da erscheinen sie alle, als Kinder eines Vaters im Himmel, als Brüder unter einander. Wer sollte da nicht besser und frömmer werdend Erscheine demnach fleißig iri der Kirche; sey da stille, sittsam und andächtig. Denk, daß schlechte Aufführung in der Kirche allezeit eine große Sünde wider die Ehrfurcht Gottes ist. (Sieh hierüber noch mehr in der 2i. Lesung^) Aber nicht nur in der Kirche, sondern auch zu Hause und an allen Orten sollst du Gott ehren. Dreß geschieht, wenn du gern an Gott denkest, oft zu ihm bethest, und besonders, wenri du dich fromm und rechtschaffen aufführst; denri nichts entehret Gott so sehr als ein böses, lasterhaftes Leben. Das Merke dir wohl. Denk manche weinen- sie hätten Gott recht geehrt, wenn sie nur viele Gebethe herab plaudern- und lange in der Kirche sind. Wenn du wissen willst, wie man Gott recht verehret, so höre die Worte Jesu selbst; Gott ist ein Geist , sagt er, und die ihn anbethen, müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit anbethen. Joh. 4,2z. Das heißt - Gott ist nicht wie ein Mensch , der nur auf's Aeußerliche sieht; er sieht vielmehr auf's Herz und auf den guten.Willen. Mit Lobsprüchen ist Gott nicht gedient- wenn nicht Mund- Herz und Leben mit einander übereinstimmen. Was hilft es, wenn wir viele schöne Worte aus- fprechen, aber nicht verstehen, Und nicht bedenken , was wir sagen, wenn wir es nicht auch Kath, Zese-und Gebsthh.l. Bändchen. A Lv thun, was wir versprechen, wenn wir durch unser Bethen nicht besser werden? Wie nur das einem guten Vater Freude und Ehre macht, wenn sich seine Kinder wohl verhalten; so wird Gott nur durch ein frommestugendhaftes Leben wahrhaft geehret. All unser Thun und Lassen, soll also zur Ehre Gottes gereichen. Gott dienen heißt auch nichts anders, als seinen heiligen Willen thun, und unser ganzer Lebenswandel soll ein beständiger Gottesdienst seyn. Seyn, und Vernunft und Geist und Leben, Kurz, was ich Hab' und bin, hast du mir Herr! gegeben. Und was willst du, Daß ich dagegen rhu'? — „Mit Dank und Zuversicht dich lieben, fürchten, ehren." Mein Gott! so wenig für so viel kannst du begehren! r6. Von den Pflichten gegen den Nächsten. Wer unser Nächster sey , das har Jesus gar schön in folgender Geschichte erkläret. Ein Jude wurde einst auf seiner Reise von Mördern angefallen, und tödtlich verwundet. Ein vorbey reisender jüdischer Priester sah ihn zwar in seinem Blute liegen, ging aber ungerührt vorbey. Eben das that ein jüdischer Levit. Endlich kam auch ein Samarit. Obgleich nun zwischen den Samariten und den eigentlichen Juden wegen ihres Unterschiedes in der Religion ein beständiger Haß war; so erbarmte sich doch der mitleidige Samarik über den unglücklichen Inden, goß Oehl und Wein in seine Wunden, und ließ sich recht zärtlich seine Wiederherstellung angelegen seyn. Damit wollte Jesus an- Zeigen, daß jeder Mensch ohne Ausnahme unser Nächster sey. Du mußt also nie darauf sehen, ob der, dem du Gutes thust - ein Bekannter oder ein Fremder, Freund oder Feind, gut oder böse sey; genug daß er ein Mensch ist, und unsere Hülfe nöthig hat. Wir müssen den Nächsten wre uns selbst lieben. Was das sagen wolle, hat uns Jesus ebenfalls sehr deutlich gelehret, indem er sagte: Alles was ihr wünschet, daß euch die Menschen thun sollen- das thUL ihnen auch z und was ihr nicht wollet, daß euch andere Lhun- das thut auch ihnen nicht. Matth. 7- 12. Setze dich demnach alle Mahl in die Stelle des anderen, und frage dich selbst r Was wünsche- te ich wohl in diesen Umständen- daß mir andere thäten? Würde ich Zufrieden seyn, wenn es andere auch so macheten, wie ich ihnen begegne? Dann wirst du leicht erkennen, wie du dich gegen andere verhalten sollst. Was du nicht willst- daß man dir Lhu', das füg' auch keinem andern zu. Also 1. Hüthe dich, daß du anderen einen Echsts beu ßusügest. Laß und gib jedem das Seine; entwende nicht das Geringste; verdirb fremde Sachen nicht. Klage andere nicht falsch an; lüge und bekriege nicht. Beneide andere nicht um das Gute, vergönne ihnen kein Nebel. Denn D 2 Z2 wer sich über den Schaden des Nächsten freuet, der hat ein böses Herz. 2). Nimm dich in Acht, daß du andere nicht zum Bösen verleitest, oder vom Guten ab- haltest; vielmehr bemühe dich, daß auch andere etwas Gutes hören oder lernen; sage ihnen selbst, was du Gutes gehört, oder gelesen hast; leih ihnen vielleicht deine Bücher. Z). Habe Geduld und Mitleid mit denen, die Böses thun; denke, daß auch du Fehler hast. Wenn du bey deinen Geschwistern oder anderen etwas Böses siehst, so ermahne sie liebreich, daß sie es nicht mehr thun sollen. Bessern sie sich nicht; so zeige es deinen Aeltern oder solchen Leuten an , die helfen können und helfen sollen. 4). Verachte kernen Menschen. Keiner ist so schlecht, daß er nicht etwas Gutes an sich Hütte; keiner so schlimm,, daß er sich nicht mehr bessern könnte. Denke und rede von andern lieber Gutes als Böses. L). Gib anderen keine Schimpfnahmen. Spotte nicht über arme, alte, krüppelhafte Leute. Die alten Personen sollst du ehren, und mit den Unglücklichen sollst du Mitleid haben. 6) . Sey nicht feindselig, mürrisch oder zänkisch , sondern verträglich, freundlich und dienstfertig; erweise gern andern eine Gefälligkeit. Hilf, wo du kannst; und wo du nicht kannst, dort wünsche es doch wenigstens, und bethe für den Unglücklichen. 7) . Liebe auch deine Feinde, das ist, diejenigen , die dich beleidiget haben. „Wenn ihr rmr jene liebet, sagt Jesus, Match. z,44., die euch lieben, und nur jenen Gutes erweiset, von denen ihr Wiedervergeltung hoffet; so thut ihr nicht mehr, als was auch ein Ungläubiger und böser Mensch thut. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; thut denen Gutes, die euch Haffen; segnet diejenigen, die euch ffuchen; und bethet für die, welche euch verleumden und verfolgen, damit ihr Kinder eures himmlischen Vaters seyd, der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen läßt." Wenn dir also jemand zuwider ist, weil er dich beleidiget hat, so denke, daß er's nicht so übel gemeint hat, als du glaubst, und daß er dessen ungeachtet doch noch ein Kind Gottes, und dein Bruder oder deine Schwester bleibe. Mso verzeih ihm seine Fehler, erinnere dich, daß auch du die deinigen hast, und daß man auch mit dir Geduld haben müsse. Hilf dem Nächsten , nicht so viel aus weichherzigem Mitleiden, oder weil du etwas dafür bekommst, sondern, weil er ein Geschöpf Gottes ist, und weil es Gott so haben wist. Das ist reine, uneigennützige und evangelische Menschenliebe. Jur Nächstenliebe sind wir bey Verlust unserer Seligkeit verpflichtet. Wer den Nächsten nicht liebt, der liebt auch Gott nicht, und ohne Liebe Gottes kann kein Mensch selig werden. Denn, wer sagt, er liebs Gott, haßt aber seine Brüder, der ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm. i. Joh. 4, 20 . Wir L4 können also unsere Liebe gegen Gott nicht besser Zeigen, als wenn wir den Nächsten Lieben. Gott ist ja Vater aller Menschen, wir alle seine Kinder; wir sind demnach Bruder unter einander; Brüder aber sollten sich ja nicht hassen, sondern lieben. Gott liebt alle Menschen. Allen erweiset er Gutes. Alle will er durch Jesum selig machen. Hieße das wohl Gott nachahwen, wenn wir jemanden pon unserer Liebe ausschließen würden? Das ganze Christenthum hat kein größeres Geboth, als das Geboth der Liebe. Um es uns recht einzuschärfen, so sagte Jesus noch am letzten Lage fernes Lebens, nähmlich bey dem heiligen Abendmahle, zu seinen Jüngern: Dreß ist mein Geboth, däß ihr euch unter einander liebet; daran wird man erkennen, daß ihr meine Schüler seyd, wenn ihr Liebe gegen einander habet. Joh. ZZ,Z4. FF. Ja er sagte sogar: Was ihr einem aus meinen Brüdern (so nennet er die Menschen) Gutes thun werdet , das ist so viel^ gls hättet ihr mir's gethan. Matth. 2F, 40. So jemand spricht, er Liebe Gott, Und haßt doch seine Brüder! Der ist ein Lügner. Liebt er Gott,1 So liebt er auch die Brüder. Gott ist die Lieb' und will, daß ich Den Nächsten liebe gleich als mich» Ein unbarmherziges Gericht Soll über den ergehen, Der lieblos seinen Nächsten nicht In Noch eilt beyzuste-hen. Drum glb, daß meiner Pflicht ich treu, Barmherzig, Gott! und liebreich sey» Pflichten gegen sich selbst. Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Beyde sollst du nach dem Willen Gottes erhalten und vervollkommnen, und was du dazu thun schuldig bist, nennt man die Pflichten gegen sich selbst. 1. Sorge demnach für deine Gesundheit und für dein Leben. Ein kranker Mensch kann nicht so viel Gutes thun, als ein gesunder, und wer sich muthwillig sein Leben verkürzt , der thut groß unrecht, den» es ist ein Geschenk Gottes. Um deine Gesundheit zu erhalten, sey vor allem müßig im Essen und Trinken. 2. Sey häuslich und sparsam, schone deiner Kleider, so wirst du auch weniger brauchen; gib kein Geld unnützer Weise aus, so wirst du eins haben, das du für dich und andere zum Guten anwenden kannst. Z. Sorge auch für deine Ehre, und für deinen guten Nahmen ; oder mit anderen Worten: führe dich so auf, daß gute Menschen auch gut von dir denken können. Aber die Menschen wissen nicht alles; nur Gott kennet dich ganz. Wenn nur er an dir Wohlgefallen hat; dieß gilt mehr, als das Loh der ganzen Welt. An Gottes Wohlgefallen muß dir also zuerst, und am mekstrn gelegen seyn. Vor allen gib dir Mühe, deine Seelt zu vervollkommnen; den» sie ist noch weit schützbarer als alles, was ma» hier auf Erden lieb hat. §6 Also: Sey aufmerksam auf gute Lehren und auf nützliche Wahrheiten; denk über das bey dir selbst nach, was du von deinen Aeltern, Lehrern, und anderen vernünftigen Leuten gehört, oder in guten Büchern gelesen hast. 2 . Brauche deinen und deine Vernunft; du kannst oft leicht erkennen, was recht oder unrecht ist. Denke nur: „Wäre es allen rechtschaffenen Menschen lieb und recht, wenn ich dieß oder jenes thäte? Was alle vernünftige Menschen wollen, das sollst du thun, Und was kein vernünftiger Mensch 'billigen würde , das darfst du nicht thun. Z. Gib auf dein GewMeN, oder auf die innerliche Stimme deines Herzens Acht, die dir sagt, was recht und unrecht ist. Es rühret sich so etwas im Innersten, wenn man was Böses oder Schändliches thun will; man merkt es selbst, daß man sich zu fürchten und zu schämen hat. Gib nur Acht darauf. Glaub' bösen Menschen nicht, die oft sagen, dieß oder jenes sey picht Sünde. 4. Hüthe dich auch vor geringeren Fehlern; wer kleine Fehlek nicht achtet, der wird bald in größere fallen. Endlich wird gar eine Höfe Gewohnheit daraus, die man hart oder gar nicht mehr ablegen kann. Uehe dich im Guten. Laß dich nicht gleich Ä wenn dir Anfangs etwas schwer ankommt. Du kannst schon, wenn du nur Willst, und nach und nach wird's immer leichter. Wenn du upn auf hie beschriebene Art für 57 Leib und Seele sorgst, so liebst du dich recht. Denn das heißt sich selbst rechtlieben: Vi)k allem, und Ln allem nach dem trachten, was recht undMott gefällig ist. Wer liebt sich selbst? Der immer das, was recht ist, thuk: Und Tugend liebt, Denn sie lft unser höchstes Gut. r8. Pflichten gegen die Rettern ins besondere. Wie hart wäre es für Kinder, wenn sich ihrer niemand annehmen wollte? Nun hat aber der liebe Gott schon in deiner Kindheit recht väterlich für dich gesorget. Er gab dir Aeltern, die dich lieben, und die sich gern und Mt Freuden deiner annehmen. Denk nur ein wenig nach, was sie dir Gutes erzeigen. Sie nähren und kleiden dich ; sie machen dir allerhand Vergnügen und Freude; und wenn du krank bist, warten sie deiner, und sparen weder Fleiß noch Geld, dein Leben zu erhalten. Wie viel schlaflose Nachte hast du ihnen verursacht, da du noch klein wärest ! und wie viel Kummer und Sorgen kostet sie noch jetzt deine Erziehung! Bist du wohl im Stande ihnen so viel Gutes Zu vergelten? Aanfk ihnen fleißig dafür, und siebe sie herzlich, weil auch sie dich so sehr geliebet haben, Kinder können ihre Liebe gegen die Aeltern nicht besser zeigen, als wenn sie gern und willig thun, was ihnen ihre Aeltern befehlen, und das ist auch sehr billig. Kinder sind ja noch schwach und unverständig, sie wissen sich in vielen Stücken nicht zu rächen und nicht zu helfen ; Aeltern aber wissen es, was ihnen wahrhaft gut und nützlich ist, Auch meinen es rechtschaffene Acltern mit ihren Kindern alle Mahl aufrichtig, sie wollen nichts anders, als was zu ihrem Besten ist, und sie verbuchen ihnen nur das, was unrecht und schädlich ist. Wenn also deine Aeltern dir etwas ernstlich befehlen oder untersagen , so folge ohne Verzug, ohne Murren, und ohne vorher um die Ursache zu fragen. Deine Aeltern wissen, schon, warum. Endlich mußt du deinen Aeltern jederzeit mit großer Achtung und Ehrfurcht begegi- nen. Sie sind älter als du, und haben auch mehr erfahren; sie verdienen cs also, daß du sie schätzest und in Ehren haltest. Zudem so hat sie ja Gott selbst gefetzt , daß sie über dich wachen und dich erziehen sollen. Deswegen hat er allen Kindern das große und wichtige Ge- both gegeben: Ehre Vater und Mutter. Die Aeltern sind wahre Stellvertreter Gottes, und was du ihnen anthun würdest , will Gott so anfehen, als ob es ihm geschehen wäre. Den Aeltern ungehorsam seyn, heißt also, Gott selbst ungehorsam seyn; sie verachten, heißt, Gott selbst gering schätzen. Wehe demnach einem Kinde, das durch Boßheit und Ungehorsam seinen Aeltern Herzensleid verursacht! Gott befahl schon im alten Testamente, solche gottlose Kinder Zu tödten. E5. 2 L, ^7. Auch hat er zu allen Zeiten die fürchterlichsten Straf-E/empel an Kindern ergehen lassen, welche die Pflichten gegen ihre Aeltern verletzten. Cham mußte lebenslänglich den Fluch seines Vaters tragen, weil er ihm ein mahl verächtlich begegnet ist. Die beyden Söhne des hohen Priesters Heli hat Gott an einem und demselben Tage an dem Leben gestra- fet, weil sie seinen so oft wiedcrhohlten Warnungen kein Gehör gaben. Absalom, der treulose Sohn des frommen Königs David, nahm ein schreckliches Ende, weil er sich wider seinen Vater empört Und aufgelehnt hatte. Auf seiner Flucht im Walde blieb er mit seinen Haaren an einem Baume hängen, und so wurde er von dem Kriegsobersten Joab mit einer Lanze erstochen. Lerne hieraus, wie die Strafe nicht aus- bleibt, womit Gott schon einst gedrohet hat, da er sagt: Verflucht ist, der seine Aeltern nicht ehret; das Auge dessen, der seinen Vater verspottet , oder seine Mutter verachtet, das sollen die Raben am Bache aushacken, und die jungen Adler sollen es fressen. Deut. 27. 16. Sprichw. Zv. 17. Was steht so bösen Kindern erst in der andern Welt bevor? .—- Gott hat aber auch frommen Kindern große Belohnungen versprochen. Er hat ihnen ein langes Leben und viel Gutes schon hier auf Erde verheißen. Das vierte Geboth ist aus allen das einzige, das den Zusatz hat: auf daß du lange lebest und es dir wohl gehe auf Erden. Wer seine Aeltern ehret, heißt es ihm Buche Sprach, 6o der wird Freude erleben, und wenn er Gott um etwas bittet, so soll er erhöret werden. Diesen Segen Gottes haben viele fromme Kinder schon erfahren. Der ägyptische Joseph mußte zwar Anfangs viel Ungemach ausstehen; aber Gott rettete ihn aus allem Unglücke, und erhob ihn aus der Niedrigkeit eines Sclaven sogar bis ZurMürde eines Vice-Königs in Aegypten. Und dieß that Gott, weil er in seiner Jugend ein frommes und gehorsames Kind war. Ein ähnliches Beyspiel des göttlichen Segens haben wir auch an dem frommen Tobias, der seinen Aeltern stets eine kindliche Ehrfurcht und willigen Gehorsam bezeigte. Gott gab ihm deswegen sogar einen Engel zum Beschützer und Begleiter auf seiner Reise, und segnete ihn mit einer glücklichen Heirath und mit großem Vermögen. Tob. 6, 9. Gott ! dir verdank' ich jede Gabe, Die rch von meinen Aeltern habe; Hilf, daß ich ihnen meiner Pflicht getreu, Durch Lieb', Gehorsam, Achtung dankbar sey, 19. Pflichten gegen die Lehrer. Die Aeltern können nicht alles allein thun; oft müssen ihnen auch andere Leute helfen, daß die Kinder etwas lernen, und Zum Guten abgerichtet werden. Dazu sind nun deine Lehrer. Sie müssen in vielen Stücken die Stelle der Aeltern vertreten. Du bist ihnen daher auch eben so wie deinen Aeltern Liehe , Gehorsam und Ehrerbiethung schuldig. Sie sind ja in der Lhat mit den Aeltern deine größten Wohlthäter. Sie tragen so viel Geduld mit deinen Fehlern, sie unterweisen dich in nützlichen Kenntnissen/ damit du verständig und weise werden sollst. Wie undankbar wärest du also, wenn du durch Zerstreuung und Nachlässigkeit deinen Lehrern Verdruß machetest, und ihre so große Mühe noch mehr erschweretest? Erinnere dich nur, wie aufmerksam und eifrig Jesus schon als zwölfjähriger Knabe den Lehrern im Tempel Zuhörte, und trachte daher sein Bepspiel nachzuahmen. Denk, wie unglücklich dü wärest, wenn sich niemand deiner annähme, niemand dich unterrichten wollte. Du würdest aufwachsen, wie das liebe Vieh im Walde, und dein ganzes Leben hindurch unwissend und unverständig bleiben., Gehorche also deinen Lehrern, denn sie wachen über dich, auf daß sie ihr Amt an dir mit Freuden und nicht mit Seufzen verrichten. Hebr. rZ. 17. Besonders sollst du den Geistlichen willigen Gehorsam und schuldige Ehrfurcht erweisen. Sie unterrichten dich ja in der Lehre Jesu, und leiten dich zur Tugend an; sie ermahnen dich zum Guten, und warnen dich recht wohlmeinend vor dem Bösen. Merk also fleißig aufdas, was sie dir sagen, und thu es auch. Wollt' ich die nicht lieben , ehren, Und nicht denen folgen wittiglich, Die mich leiten, die mich lehren; O dann war'ich selber wider mich. Laß mich, 0 Herr! doch weiser seyn, Und laß an mir der Lehrer Werk gedsihm so. UebrLge Pflichten zu Hause uns außer dem Hause. r. Du weißt nun schon, wie du dich gegen Aeltern und Lehrer zu betragen hast. Folge ihnen nur willig, gern und schnell; laß dir nichts zwey Mahl schaffen; murre nicht, wenn dir etwas schwer ankommt. Verrichte alles fleißig , was dir aufgetragen wird. 2. Entwende weder deinen Aeltern, noch sonst jemanden im Hause auch nur die geringste Sache; es wäre wahrer Diebstahl. Z. Gegen deine Geschwister und gegen andere sey gut, freundlich und dienstfertig; zanke und streite nicht mit ihnen; noch weniger sollst du auf andere schlagen, sie beschimpfen, oder ihnen sonst etwas zu Leide thun. Ein feindseliger Mensch wacht sich überall verhaßt. 4. Gegen die Dienstbothen sey nicht hart oder trotzig. Sie sind ja auch Menschen. Daß sie Zu dienen genothiget sind , dieß soll dir Mitleiden gegen sie einflößen, und nicht Verachtung, welches ihnen ihr ohnehin trauriges Schicksal .durch lieblose Begegnungen noch mehr erschweren würde. Das wäre unchristlich, ja unmenschlich. Sie müssen für dich und deine Aeltern hart arbeiten, und ihren Lohn oft sauer genug verdienen; du darfst sie nicht auch noch plagen. Und wie gern werden sie dir eikst dienen, wenn sie sehen, daß du ein liebreiches Herz gegen sie hast d Verklage deine Geschwister und Dienst- buchen nicht gleich wegen jede? Kleinigkeit» Wenrt 6z sie aber schon etwas Größeres thun, was böse und unrecht ist; so zeige er den Aeltern an, damit sie es absiellen können. z» Wenn du einem andern einen Dienst erweisen, einen Gang ober eine Arbeit ersparen kannst, so thu' es mit Freuden. Ein dienstfertiger Mensch könnte oft jemanden der Mühe überheben. Wie schön wäre dieß vor Gott und den Menschen! 6. Deine ersten Gedanken beym Erwachen seyn auf Gott gerichtet. -— Gewöhne dich zeitlich aufzustehen, denn die Morgenstund trägt Gold im Mund, und ein Mensch der so lange schläft, wird nur faul und träge. -—- Kleine dich hurtig an, unterlaß das Waschen nie, und sey reinlich in deinem Anzuge; denn der äußere Mensch verräth oft den inneren. — Schone deine Kleidungsstücke nach Möglichkeit, und verdirb sie nicht aus Muthwillen; halt alle deine Sachen, deine Bücher, dein Schulgeräth, kurz alles, was du hast, in Ordnung ; einen ordentlichen Menschen liebt jedermann — Wenn des Morgens, Mittags und Abends zum Gebethegeläutet wird, zur Todesangst an Donnerstagen, Zur Scheidung an Freyragen, vor und nach dem Lernen, vor und nach dem Esten, und besonders Abends, ehe du schlafen gehest; um diese Zeiten vergiß nicht, dein Gebeth zu verrichten; ja du sollst vielmehr in deiner Andacht recht angeeifert werden, wenn du denkest, daß um alle diese 64 Zeiten recht viele Menschen zugleich mit dir zu dem lieben Gott berhen. —> Was du außer dem Hause beobachten sollst. 1. Junge Leute sott man nie aufder Gasse herum laufen sehen ; dieß thunnur schlimme und ungezogene Kinder. Wenn du demnach an einen Ort geschickt wirft, so gehe -einen Weg fort, halte dich nirgends auf, und verrichte fleißig, was du zu verrichten Haft. 2. Geh nicht mit solchen Menschen um, die gern lügen, zanken, keck und freche muth- Ivtllig und ausgelassen sind. Schlüpfe nicht in Winkeln herum, verstecke dich nicht vor den Leuten; wer nichts zu fürchten hat, der darf auch die Leute nicht scheuen. Z. Spotte nicht über arme oder alte Leute; auch du kannst arm und alt werden. Würde es dir wohl gefallen, wenn man dir hernach so hart begegnete? 4- Rühre nichts Fremdes an, nimm nichts, was nicht dir gehört, kein Obst, keinen Pfennig, gar nichts. Wer wenig stiehlt, ist auch ein Dieb. 2.. Uebrrge Pflichten -iuder Kirche. Wie Sonn- und Feyertage zuzubringen sind. Wenn du in der Kirche bist, so denke daran, wo du bist , und warum du da bist. Obgleich Gokt überall ist , und man überall bethen kannst heißt man doch die Kirche das Gottes- 6z Haus, ein BethHaus, weil MSN in die Kirche geht, um da Gott gemeinschaftlich anzu- bethen. Wie strafbar es in den Augen Gottes sey, wenn man sich nicht andächtig in der Kirche beträgt, das kannst du aus folgender Geschichte abnehmen. Jesus kam einst in den Tempel. Da sah er, wie so viele Leute, statt Zu bethen, vielmehr Handel und Gewerb trieben, und durch ihr Schreyen und Lärmen sogar die Frommen in der Andacht störten. Darüber gerieth Jesus in einen heiligen Eifer; er warf ihre Stühle und Wechselbänke zusammen, und trieb alle diese uir- andächLigen Käufer und Verkäufer aus dem Tempel. ,,Wisset ihr denn nicht, sprach er zu ihnen, was geschrieben steht? Mein Haus soll ein BeLhhaus seyn; ihr über habet aus demselben eine Mördergrube gemacht.^ Schließe daraus, wie mißfällig dem liebelt Gott eine schlechte Aufführung in der Kirche seyn müsse. Und wäre das nicht wirklich ein sehr böser Mensch, der gerade an dem Orte sich schlecht aufführen würde, wo alle gute Menschen zusammen kommen, den höchsten Herrn des Himmels und der Erde zu loben, zu preisen , und ihn um seine Gnade zu bitten? Hieße das wohl Ehrfurcht vor Gott haben, wenn du in seinem heiligen Hause Unfug treiben wolltest? Lache und schwatze also nicht in der Kirche; gehe, wenn du kannst, von denjenigen hinweg, die gern schwatzen, oder unruhig sind; gehe daher auch lieber mit deinen Aettern, als allein oder Kach-Lese- mrd Gebeßhb.I. Bändchen- E 66 Mt solche« in die Kirche, die dich nur abh altes wurden, andächtig zu seyn; tändle nicht mit dem Gebethbnche, mit dem Rosenkränze, oder mit andern Dingen, stoß andre nicht, sieh nicht vorwitzig hin und her; wie könntest du sonst deine Gedanken zusammen nehmen, und auf Gott denken? Es .ist schön und löblich, wenn du niederkniest, und die Hände aufhebest, da du bethest, um auch äußerlich deine Ehrerbiethung gegen Gott zu bezeigen, und andern ein gutes Beyspiel zu geben. Merke unter der Predigt und Christenlehre fleißig auf. Man heißt sie auch Gottes Wort, weil uns da vorgetragen wird, was Gottes Wille ist. Merke besonders auf das, was Kinder und junge Leute angeht. Wie hu die Sonn- und Feyertage zubringen sollst. Die Sonn- und Feyertage sind bestimmt, daß du an denselben mehr an Gott denken, und recht ungestört an deiner Frömmigkeit und Heiligkeit arbeiten sollst. Es sollte also deine größte Freude seyn, an diesen Tagen in der Kirche und bey dem Gottesdienste zu erscheinen. So haben es die ersten Christen gemacht. Sie brachten einen guten Theil des Tages in der Kirche Zu. Da lobten und priesen sie Gott durch gemeinschaftliches Gebeth, durch heilige Lieder und Gesänge, hörten eifrig das Wort Gottes an, wohnten fleißig der heiligen Messe bey, und fanden sich andächtig bey 6 / dem Tische des Herrn ein, um das Andenken an Jesum mit dankbarem Herzen zu ftyern. Ahme auch du ihnen in dem heiligen Eifer nach, ss viel du nur immer kannst. Wenn der Gottesdienst vollendet ist, so mußt du dich nicht gleich wieder zerstreuen, herum laufen oder müßig gehen; dann sollst du über das Nachdenken, was du in der Predigt oder Christenlehre gehöret hast. Lies selbst auch etwas aus einem guten, nützlichen Buche. Frage .deine Aeltern und andere verständige Leute, wie dieß oder jenes, was du gehört oder gelesen hast, zu verstehen und zu brauchen sey. Es ist indessen nicht nöthkg, daß du an diesen Tagen immer bethest und betrachtest. Nein du darfst auch andere Dinge vornehmen. Uebe dich im Schreiben. Viele vergessen es nach und nach wieder ganz - weil sie selten schreiben. Ist es nicht Schade? Noch eher ist das Rechnen vergessen, wenn man sich nicht beständig darin übet. Dü darfst dich an diesen Tagen wohl auch ekgetzen, nur muß es nicht zu lange dauern, Uttd dabey nichts Unrechtes geschehen. Ergetze dich zu seiner Zeit; Doch alle Mahl mit Sittsamkeit. Einige von den vorzüglichsten Lugenden der Fugend. La. Demuth. Mancher junge Mensch bildet sich recht viel ein, weil er schöne Kleider hat. Aber ist das E 2 6Z mchL thsrichN ,,Da§ Kleid macht des Mann nicht aus," sagt das Sprichwort, und man kann schone Kleider haben, und doch dabey ein unwissender, schlechter Mensch seyn. Mancher ist auch stolz, weit er von den Menschen gelobt wird, und weil er mehr kann als andere. Allein darauf sollte er wahrlich nicht stolz seyn; denn was er hat und besitzt, hat er ja nur von Gott empfangen, wie kann er demnach mit einem fremden Geschenke groß Lhun? Aber höre einmahl, was der Apostel sagt: 2. Kor. A, L. Wir können aus uns selbst nicht einniahl einen guten Gedanken fassen; sondern all unser Vermögen ist aus Gott. Und anderswo: wenn wir auch alles gethan hätten, so sollen wir nach der Ermahnung Jesu denken, wir haben nur unsere Schuldigkeit gethan, wir seyn nichts anders, als unnütze Knechte. Sieh! so demüthig will Jesus haben, daß wir von uns, und von unfern wenigen Verdiensten urtheilen sollen. Alles Gute, was wir an uns haben nnd thun, sollen wir nur Gott allein, und nicht unser« Kräften zuschreiben; nirgends sollen wir nach eitlen Vorzügen trachten, nie uns über unsern Nächsten erheben. Das heißt wüh?h(lft demüthig styn. In dieser Demuth ging uns Jesus mit dem schönsten Beyspiele selbst voran. Er, ob er gleich Gottes Sohn war, nahm doch die Gestalt eines armen Menschen an; er wählte sich eine niedrige und demüthige Jungfrau zur Mutter, und einen armen Zimmermann zu seinem 6 ? Pflegevater; er führte auf Erden ein mühevolles und dürftiges Leben; nie schrieb er die Ehre seiner Wunderwerke sich selbst, sondern seinem himmlischen Vater zu, nie erhob er sich über andere Menschen; ja, da sie ihn einmahl zum Könige haben wollten, verbarg er sich vor ihnen, und ging auf einen Berg. Er war auch überall besorgt, wo er nur konnte, den Menschen die Demukh einzuprägen. Einmahl erzählte er ihnen das Gleichniß von zwey Menschen, die in den Tempel gingen um zu bethen. Der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer prahlte sich da öffentlich mit seinen Werken, zählte dem allwissenden Gott wie an den Fingern her, was er alles Gutes thue, und verachtete dabey den armen Zöllner, der vor Neue über seine Sünden kaum sich aufzublicken getraute, sondern demükhig an seine Brust schlug und sagte: O Gott, sey mir armen Sünder gnädig und barmherzig! Am Ende dieser Erzählung sagte Jesus die merkwürdigen Worte: Ich versichere euch, dieser Zöllner ging vor dem Pharisäer gerechtfertigt in sein Haus, (er erhielt Vergebung seiner Sünden) dkNN ein jeder, der sich selbst erhöhet, wird erniedriget werden, wer sich aber erniedriget, der wird erhöhet werden. Luk. t8, 10. 14. Ein anderes Mahl merkte Jesus, daß Ln den Herzen seiner Jünger ehrgeitzige und ruhmsüchtige Gedanken aufstiegen. Da nahm er ein kleines Kind, stellte es in ihre Ritte, und sprach: wenn ihr nicht so demükhig werdet, wie dieß /o Kind da, fo könnet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Matth. r8, Z. Ja, um ihnen diese vortreffliche Tugend nur recht ejnzuprügen, erniedrigte sich Jesus vor ihnen so sehr, daß er ihnen sogar beym letzten Abendmahle die Füße wusch. Da war es, wo er ihnen sagte: Sehet, ich gebe euch ein Äeyspiel, das ihr nachahmen sollet. Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. War ich als euer Meister so demüthig, so sollet auch ihr als meine Schüler es seyn. Joh. »Z, 1L—--6. Du begreifest es nun, wie nothwendig dir dieDemuth sey. Ohne sie kann man nicht fromm und nicht selig werden. Du erinnerst dich noch, daß Gott die hoffärkigen Engel wegen ihres Stolzes auf ewig verworfen hak. Schließe daraus was Gott für einen Abscheu an dem Hoch- wuthe habe. Und so ist es auch. Die Hoffarti- gen sind ein Gräuel vor seinen Augen, aber den Lemüthigen gibt er seine Gnade, r. Petr. L, So gehe also, da du an Jesu ein so schönes Vorbild der Demuth hast, gehe und thue desgleichen. Wer sich in schonen Kleidern blähet, Der ahmet stolzen Pfauen nach: Und wer bey Ehre sich erhöhet, Deß wartet sicher Schand und Schmach. So sey dann Demuth mein.Bestreben, Mein ganzer Ruhm sey, fromm zu leben. 2Z. Schamhaftigkeit. Nebst der Demukh ist Schamhaftigkeit eine von den nothwendigsten und schönsten Tugenden des jugendlichen Alters. Man kann es dir nicht nachdrücklich genug sagen, und du kannst es nicht genug begreifeu, wie Unglücklich ein Mensch wird, wenn er frech und unehrbar ist: wie er sich schämen und beständig fürchten muß; oft, gar oft wird auf einmahl alles offenbar, was er gethan hat. Und wenn es auch nicht bekannt wird, so weiß es doch Gott, der an einem solchen Menschen sein größtes Mißfallen hat; er kann ihn nicht zu sich in den Himmel nehmen, wenn er sich nicht bessert. Aber solche Leute bessern sich gar selten; ja sie werden nur immer kecker, und kommen immer tiefer und tiefer in die abscheulichsten Laster hinein. , Wer aber züchtig und schamhaft ist- an dem hat Gott fein besonderes WohlgkfüTm, und er läßt es ihm auch gewiß in andern Dingen wohlergehn. Er kann immer munter und fröhlich feyn> er kann jedem, ohne sich zu fürchten, unter die Augen treten, und die Leute lieben und schätzen ihn. Die Unschuld ist das größte Glück, und die schönste Zierde der Jugend. Bewahre also sorgfältig diesen kostbaren Schatz, deine Unschuld. Thu nichts, und laß auch nichts zu, was nur im Geringsten wider ' die Ehrbarkeit und Sittfamkeit ist. Flieh', so viel du kannst, alle diejenigen, die unanständige 7Z Rede« führen, ungebührlich scherzen, und frech, keck oder ausgelassen sind. Wende deine Augen alsobald weg, wenn du etwas siehst, das wider die Ehrbarkeit ist. Lauf davon, oder ruf um Hülfe, wenn ein muthwilliger Mensch mit dir etwas Unrechtes Vorhaben will, O, es gibt böse Menschen, die auch andere Zu den abscheulichsten § Dingen anführen und «beichten wollen! Sey aber auch recht ehrbar und schamhaft,' wenn du ganz allein bist. Wenn dich schon kein Mensch sieht, so habe doch Gott immer yor Augen. Was du von anderen nicht zulassen darfst, das darfst du auch selbst nicht thun, Denke nie; Ey, dieß ist nur was Geringes; dieß ist nicht so sehr verbokhen >—- Nein! alles ist sehr ver-- bolhen, was wider die Ehrbarkeit ist; und fängt « man einmahl an, etwas Ungebührliches Zu thun; so wird man immer kecker, und endlich gar unverschämt. Wie viele gerathen so in das größte Unglücks Hüthe dich, und denke oft; Ich will bey andern und allein ' Recht sittsam, keusch und schamhaft seyn, Gott weiß ja alles, was ich thu Auch wenn mich niemand sieht, sieht er mir zu. s4. Fleiß und Arbeitsamkeit. Der liebe Gott will, daß wir arbeiten, uns durch eigenen Fleiß gut und ehrlich fortbringen, und uns so vor Mangel und Elend bewahren sollen. Er hat uns Hände gegeben, daß wir arbeiten können, und Verstand zum Nachdenken, wie wir dieses oder jenes machen sollen. Gott 7Z läßt alleZ auf Erden wachsen, wüs wir brauchen; aber der Mensch muß nach sinnen, wie er es anftellen soll, daß er etwas bekomme und brauchen könne. Der Bauer muß z B. ackern, aussäen und einschneiden, wenn er Brot haben will. Und so ist es in allen Ständen. Der Mensch muß das Seinige thun z und thut er es, so wird Gott gewiß auch seinen Fleiß segnen. Der Mensch hat dabey noch die Freude, daß er den Segen Gottes auch als eine Belohnung seiner Arbeit ansehen kann; denn das ist ja eine besondere Freude, wenn wir sagen können: „Dieß habe ich unter Gottes Beystande durch meinen Fleiß verdienet." Wer gern arbeitet, der ist auch froh und zufrieden und größten Theils gesund. Nach der Arbeit schmeckt das Essen; wer recht gearbeitet hat, schläft auch gut; er steht wieder munter vom Bette auf, und geht wieder frisch zur Arbeit, und die Zeit vergeht ihm, er weiß nicht wie. Hingegen ist ein fauler und träger Mensch fast immer verdrossen, er hat nirgends eine Freude; Tag und Nacht wird ihm zu lang. Er taugt selbst zu nichts, und steht auch andern in den Weg ; er macht sich also bey allen Menschen verhaßt und verächtlich. Oft kommt es so weit, daß er nichts zu essen, nichts zu leben hak. Da will ihm niemand helfen oder geben; da muß er überall hören: „Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen." Das Schlimmste ist noch, daß dem Faulen, dem Müßiggänger allerlei) Böses ekufällt, und er thut es alsdann auch. Müßig- 74 gang ist Mer Taster Anfang. Wer gern arbeitet, hat nicht so viel Gelegenheit Böses zu khun. Ja der Müßiggang ist schon für sich selbst TÜnöe, wie es einem jeden sein eigenes Gewissen sagt. Es darf also niemand müßig gehen; Gott hat den Müßiggang allen Menschen ver- bothen. Der Arbeitsame ist auch in seinem niedrigen Stande ehrenwerth. Bedenke dieses wohl! Flieh den Müßiggang, sey fleißig, arbeite und hilf anderen arbeiten, und Gott und die Menschen werden an dir^ Freude haben, Zur Arbeit, nicht zum Müßiggang Bin ich, o Gott! auf Erden; Drum will ich auch mein Leben lang Kein Müßiggänger werden. Ich will schon jetzt, obgleich noch Kein, Recht arbeitsam und fleißig seyn. Einige der vorzüglichsten Fugend- fehler. Z5, Von dem Lägen. . Lügen ist höchst schändlich. Du wirst es vielleicht schon selbst gesehen und beobachtet haben , daß ein Mensch, wenn er eine Lüge sagt, oft die Farbe -im Angesichte verändert, mit der Zunge stottert, oft zittert und bebet, weil er sich dabey schämt z weil er weiß, daß Lügen unrecht und schändlich ist, und daß es Gott ver- bothcn hat. Und wer soll sich nicht schämen, wenn man von ihm sagt: „Er ist ein Lügner, 7L ihm kann, ihm darf man «ichLs glauben." Man vermachet sogar und nicht ohne Grund, daß derjenige, der sich Zu lügen getraut, auch kern Bedenken tragen werde, noch andere böse Dinge zu thun. Es ist sogar ein Sprichwort: „Wer gern lügt, der stiehlt auch gern." Nun, was ist dieß für eine Schande, wenn einer für einen bösen Menschen, für einen Bekrieget, für /inen Dieb gehalten wird! Das Lügen ist auch höchst schädlich. Es wird leicht zur Gewohnheit. Wer ein Mahl lügt, dem glaubt man gar nicht mehr. Und wie schlimm ist das? Was soll ein Mensch thun, wenn man ihm nichts mehr glaubt? Wie hark wird es ihm ergehen? Er kann um Hülfe rufen, und niemand wird ihm helfen; er mag sich vertheidi? gen, daß er in dieser oder jener Sache unschuldig sey, und niemand wird sich feiner annehmen, er mag sagen, was er will, man wird ihm nicht glauben, selbst wenn er die Wahrheit spricht. Junge Leute, wenn sie einen Fehler begehen, wollen sich oft mit Lügen hinaus helq fen, und sie machen es damit oft noch schlimmer, sie kommen noch tiefer hinein, und meisten Theils wird die Sache offenbar, und dann werden sie billig doppelt bestraft, nicht nur wegen des begangenen Fehlers, sondern noch vielmehr wegen des begangenen Lügens. Wer die Wahrheit redet, der kommt am leichtesten durch. Und wenn auch dieses nicht wäre, so sollest du doch nie lügen, sondern lieber den Fehler aufrichtig gestehen ! Denn wenn du dich mit Lügen ent- ?6 schuldigest, so begehst du einen rwch grSßern Kehler. Lügen ist also das Anzeigen eines bösen, arglistigen Menschen, und wer sich einmahl darauf verleget, der bessert sich schwerlich mehr. Du hassest Falschheit, o mein Gott! Drum will ich es nie wagen Je eine Lüge in der Noch, Je eine nur aus Scherz zu sagen. r6. Von andern Fehlern und Unarten der Fugend. Das Lügen ist wohl ein sehr gewöhnlicher Fehler der Jugend, aber es ist nicht der einzige. Zunge Leute haben noch viele andere böse Gewohnheiten und Unarten an sich, vor denen du dich sorgfältig Huchen mußt. i. Einige wollen vor den Menschen, vor ihren Aeltern und Lehrmeistern fromm und gutherzig und sittsam scheinen; allein sie sind nichts weniger als dieses. Dreß Betragen nennt man Heucheley. So ein junger Heuchler ist ein ehrvergessener Betrieger; denn er lügt nicht nur in Worten, sondern auch in Geberden, Mienen und Handlungen. Muß er nicht mit Recht fürchten, daß Gott, der sein tückisches Herz kennt, seine Boßheit aufdecke , und ihn vor der ganzen Welt zu Schanden mache? Sich besser stellen, als man ist, was heißt es anders, als in seinen Fehlern vorsätzlich verharren wollen? Gott behüthe dich auf immer vor einem so großen Unglücke! r. Andere sind entsetzlich halsstarrig und 77 eigensinnig. Alles soll nach ihrem Kopfe gehen. Sie widerstreben allen guten Ermahnungen, und geben weder um sanftes Zureden, noch auf Schläge etwas. Was kann wohl da aus einem solchen Menschen werden? Er verräth die Anlage zu einem unverbesserlichen Bösewichte, der seinen Aeltern in der Folge viele Thränen. kosten wird. Gewiß, es wäre ihm besser, wenn er nie geboren worden wäre. Z. Nochmndere sind MUthwlsiig und auö» gelasien. Sie haben ihre Lust daran, wenn sie allerley böse Streiche ausüben, andere necken und kränken, über Naturfthler und Unglück anderer spotten können Sie frohlocken noch, ihre bösen Handlungen andern auch zu erzählen, und scheuen sich nicht zu lachen, worüber sie vielmehr weinen sollten. Welch ein böses Herz muß der haben, der so was thun kann! Weh den armen Aeltern, die mit einem solchen Kinde gestraft sind; aber weh auch solchen Kindern selbst! Sie zeigen schon jetzt an, was mit der Zeit aus ihnen werden wird. — 4. Wieder andere sind vorwitzig und tzlaU-- derhuft. Sie glauben alles sehen und hören zu müssen, was sie doch nichts angeht, und wollen sogar auch Dinge wissen, die sich für sie noch gar nicht schicken. Solche vorwitzige Menschen sind auch gemeiniglich sehr geschwätzig. Sie plaudern alles wieder aus, was sie von andern gehört haben, und wo sie nur immer etwas aufschnappen können, da tragen sie es unter die Leute, um sich einzuschmeicheln. So ein kleiner 78 Hausfpion stiftet dann-viel Böses in einer Familie, weil er durch seine Plauderhaftigkeit allerhand Mißtrauen, Argwohn und Uneinigkeiten veranlaßt. Wahrlich ein schändlicher Fehler, der sich aber gemeiniglich an ihnen selbst hark bestrafet. Denn überall beschämt man sie hernach , und am Ende will niemand neben einem solchen Plauderer sepn. Sey daher gern verschwiegen, und rede nur dann, wenn du gefragt wirst. Endlich noch andere sind in ihrem Betragen sehr unartig und unanständig. Sie laufen mit ungewaschenen Händen und Gesicht, und mit unreinlichen Kleidern herum. Wenn sie reden sollen, halten sie die Hand vor den Mund, und sprechen so geschwind oder so leise, daß man sie kaum versteht. Sie drängen sich überall vor, und machen die unanständigsten Stellungen und Geberden. Meide diese und andere Unanständigkeiten , sonst wird dich alles verachten, und üiemand lieben, denn: Wer sich selbst nicht einmahl ehrt, Der ist auch keiner Ehre werth. 27. Bon der bösen Gewohnheit. Es heißt, den Baum muß man biegen, da er noch jung und zart ist; wenn er einmahl ausgewachsen und stark geworden ist, läßt er sich nicht mehr so leicht Liegen. Aus einem krummen Bäumlein wird ein krümmer Baum, und wie er ist, so bleibt er. So ist es auch mit den Menschen. Man muß sie ziehen^ da sie noch jung 79 mrd klein sind, wenn sie größer und älter geworden sind, ist es zu spat. Wenn junge Leute ihre Fehler und Unarten nicht bey Zeiten adle- gen, so wachsen diese mit ihnen auf, werden immer größer, und endlich ist gar nicht mehr zu helfen. Denk also nie: Das ist nur ein kleiner Fehler! O, er wird mit dir aufwachsen, und immer größer werden! Zuerst ist man ungehorsam, dann wird man trotzig, endlich widerspän- stig. Wer in seiner Zugend unachtsam ist, wird in seinem reifen Alter bey den wichtigsten Geschäften leichtsinnig und sorglos seyn. Aus einem eigensinnigen Kinde wird oft ein zänkischer, unverträglicher, feindseliger Mensch; aus einem trägen ein Taugenichts; aus einem plauderhaf- Len ein Händelstifter; aus einem naschhaften ein Verschwender oder gar ein Dieb. So weit kommt es endlich, wenn man geringe Fehler nicht achtet, und nicht gleich in der ersten Jugend zu verbessern sucht. Sage auch nicht: „Ey , „ich will Mich schon bessern, wenn ich größer und älter werde." Aber warum nicht jetzt, da es noch leicht wäre ? Nach und nach werden deine Fehler und Unarten zur Gewohnheit, die du schwer oder gar nicht mehr wirst ablegen können. Wer einmahl das Lügen, das Müßiggehen, das Zanken gewohnt ist, laßt nichls Gutes von sich hoffen. So auch von andern Fehlern. O, man kann diese nicht so leicht mehr ablegen, wenn man älter geworden ist! Das Sprichwort sagt: 8o ,,IunH gewohnt,- alt gekhan," oder: Wie der Baum aufwächst, so bleibt er. Befleiß dich also, deine Fehler und Unarten von Stund an zu verbessern. Folge deinen Aeltern und andern guten Menschen , die dich ermahnen und warnen; es geschieht nur Zu deinem Besten und du wirst ihnen in deinem späten Alter noch dafür danken. Gottleite mich in meiner Jugend! Und führ' mich auf den Weg der Tugend. Wenn ich auf diesem jetzt nicht bin, Wo komm' ich einst im Alter hin? LZ. Von der guten Meinung. - Du wirst schon oft gehört haben, daß an her guter Meinung recht viel gelegen ist; Gott sieht nähmlich auf das Herz, auf den guten Witten, oder wie wir es meinen, und warum wir dieß oder jenes thun. Du hast eine gute Meinung, WkNN du thun willst, was und wie es Gott gefällt, und darum, weil es recht und gut ist. Aber es ist nicht genug, daß du es nur gut meinest; du mußt dich auch zugleich befleißen, daß du es auch gut treffest und sd gut machest, als du kannst. Sieh also, dieß ist eine gute Meinung, wenn du nicht bloß mit den Worten sprichst, sondern recht ernstlich im Herzen denkest: AH will jetzt dieses thun, weil es Gott so will , ich will es thun, wie es ihm gefällt, so gut ich kann. Seine Gedanken, Worte und Werke Gott aufopfern heißt nichts anders, als den ernstlichen Willen haben , immer so zu denken, zu reden und zu handeln, wie es Gott gefällt. Was unrecht und sündhaft ist- kann man Gott nicht aufopfern. Alles mit den Verdiensten FesuChri- sti vereinigen heißt, wünschen und trachten, alles so zu thun, wie es Jesus gelehret und ge- than hat, um Gott durch ihn Zu gefallen- Dann geschieht es im Nahmen Fesu- Die beste Meinung also ist diese: Ich will dieß thun oder leiden- als ein Kind Gottes, nach dem Willen und Wohlgefallen des himmlischen Vaters- Als ein Christ- nach der Lehre und dem Beyspkele Jesu Christi. Mit der Gnade und aus Antrieb des heiligen Geistes, nähmlich Gott und dem Nächsten Zu Liebe; oder mit drey Worten: JmNahmen Gottes, des Vaters, und des Sohnes- und des heiligen Geistes, Amen- »9- Von einigen löblichen Gebräuchen- Wenn du in die Kirche gehest, oder bethen willst, so machst du das heilige Kreuzzei- chen. Erinnere dich da öfters an deine gute Meinung, und überlege, was du dabey sagest- Du sagst: IM Nahmen Gottes des Vaters/ das heißt: zur Verehrung Gottes, Lin Glauben und Vertrauen, daß Gott dein Vater ist/ der dir gewiß beystehell wird, wenn du sein gutes und gehorsames Kind bist- —^ Und des Käth. Tese- und Gebsthb-1. Bändchen- ^ Z» Sohnes ; erinnere dich da , daß dich Jesus durch sein Blut am Kreuze erlöset hat, und daß du als ein Christ, nach seiner Lehre und nach seinem Beyspiele leben sollst. — Und des heiligen Geistes ; denke dabey, daß du von dem heiligen Geiste bist geheiliget worden ; daß er alles Gute in dir wirkt, und daß du dich vom Geiste Gottes, das ist, von der Liebe Gottes und des Nächsten sollst leiten lassen. Mit solchen Gedanken solltest du das heilige Kreuzzeichen machen. Du gebrauchest öfters bey deinem Gebethe den RosenkMUZ. Das ist schon recht: aber du weißt ja doch, was bethen heiße? Was nützt es dir aber, wenn du den Rosenkranz in die Hand nimmst, und dabey nicht an Gott, nicht an etwas Gutes denkst. Du nimmst oft ein WeihwuAer; deine Aeltern und die Geistlichen besprengen dich damit. Weißt du aber auch, was es bedeute? Es bedeutet, daß du deine Fehler ablegen, dich von Sünden rein erhalten, und von den begangenen reinigen sollst, so wie man mit dem Wasser abgewaschen und gereiniget wird. Wenn du deine Aeltern oder andere Leute recht dringend um etwas bittest, so heöeA du Heine Hände auf. Das Lhut man auch, wenn man Gott anruft. Ja, man kniet Nieder, wenn man mit Gott redet, um zu zeigen, daß man sich vor Gott recht demüthigen soll. Du hast deine Freude an schönen Bildern; du sollst aber auch einen Nutzen davon haben. 8,Z Dreß wird geschehen, wenn du dich an das erinnerst, was die Bilder vorstellen: an Gott, an Jesum, an seine heiligste Mutter und an fromme Menschen, die jetzt im Himmel sind, und daß du auch dorthin kommen wirst, wenn du jetzt fromm lebest. 3o. Von der christlichen Tugend. Oft heißt es: ,,Dieß ist ein tugendhafter MenschAber tugendhaft seyn, o, dieß will ga? viel sagen, dieß ist was Großes! Tugendhaft seyn heißt, nicht nur ein oder anderes Mahl etwas Gutes thun, sondern allezeit Zum Guten bereit seyn ; cs heißt nicht nur Einen Fehler, sondern alle Fehler meiden; nicht nur diese oder jene schöne Handlung ausüben, sondern sich alles Guten möglichst befleißen. Ein Kind z. B. / das zwar fleißig, aber nicht gehorsam und schamhaft wäre, könns te Man noch nicht tugendhaft nennen, weil Zur Tugend nicht Eine, sondern alle gute Eigenschaften erfordert werden. So auch würde ein Kind noch nicht tugendhaft seyn, das sich eine Woche gut, und die andere wieder schlecht aufführete, nein, wahrhaft tugendhafte Menschen Zeigen sich als solche durchaus in ihren Handlungen. Tugendhaft also ist nur derjenige, der bey jeder Gelegenheit alles, was recht und gut, ist, thut, und es deßwegen thut, weites Pflicht und Schuldigkeit ist , und weil es Gott so haben will; also aus GehorssM und Liebe zu Gott- Dieß ist Lugend. Und christliche Tugend ist es, wesv Wir dabey as Jessm denken, der uns gelehre! hat, daß wir in allen den Willen Gottes thun sollen, und der auch selbst seinem himmlischen Vater gehorsam war -—> bis Ln den Tod. Also : Wer ist ein tugendhafter Christ? Der immer nur, was recht und gut, Nach Jesu Lehr' und Beyspiel thut; Es thut, weil's Gottes Wille ist, Der ist ein tugendhafter Christ. Wer tugendhaft feyn will, der muß es sich Muhe kosten lassen, und was recht und gut ist, auch dann noch thun., wenn es ihm schwer fällt. Aber wir sollen uns keine Mühe gereuen lassen, um tugendhaft zu werden. Die Tugend ist ja alles werth, sie ist das Beste, waS der Mensch haben und wünschen kann. Und wenn wir Gott und das Gute recht lieb haben, so wird es uns auch, was sonst schwer ist, leichter ankommen, und immer leichter, je öfter wir es thun. Auch hilft der liebe Gott selbst dazu,- daß wir tugendhaft seyn können, wenn wir nur recht ernstlich wollen. Übrigens weißt du ja wohl, was recht und unrecht ist. Recht ist alles, was Gott will, das du thun sollst; was dir deine Aeltern, Geistliche, oder andere fromme und verständige Leute rarhen, oder befehlen; recht ist, was alle Menschen thun sollten, wenn sie in deinen Umständen wären. Noch leichter kannst du wissen, was unrecht ist. Da rührt sich gleich das Gewissen, wie mau sagt; man schämt und fürchtet sich, 85 wenn man was Unrechtes thun will oder ge- than hat. Thu also nichts, dessen du dich zu fürchten oder zu schämen hättest. Zr. Lehre n. (Ans den Sprichwörtern Salomons gezogen.) r. Der Anfang aller Weisheit ist die Furcht des Herrn. Aber die Furcht des Herrn hat vor allem Bösen einen Abscheu. L, 7. 8, tZ. 2. Merke auf den Unterricht deines Vaters , und unterlaß den Befehl deiner Mutter nicht, t, 8. 2. Weisheit ist besser als Gold und Silber. Was nützen dem Thoren die Reichthümer, da er sich damit die Weisheit nicht kaufen kann? Z, 14. 17,16. 4. Zucht und Ermahnung gibt Weisheit, aber ein Kind, das scinem Willen überlassen bleibt, wird die Schande seiner Mutter seyn. 29, rz. 5. Wer mit weisen Menschen umgeht, wird weise werden ; der Freund der Thörichken aber wird auch diesen bald ähnlich seyn. 10, 19. 6. Wer antwortet, bevor er erst anhören soll, der zeigt, daß er ein Thor ist. 18, rZ. 7. Der Mensch nimmt sich vor, aber Gott führt es aus. Der Mensch macht Anstalten. Gott aber leitet seine Schritte. 16, 1. 9. 8. Vertraue auf Gott aus ganzer Seele: denk an ihn bey jeder Unternehmung, und stütze dich nicht auf dich selbst; entferne dich von allem §6 Böse«, und habe Ehrfurcht vor dem Herr». I, L 6. 7. 9. 9. Mein Sohn! wenn dich die Sünder locken, so sey ihnen nicht zu Willen; gehe nicht mit ihnen um, denn ihre Wege sind böse. Kann man wohl glühende Kohlen berühren, ohne sich Zu verletzen? i, io. iL. 16. 6, 28. 10. Das Andenken des Frommen bleibt in Ehren; aber der Nähme der Lasterhaften wird mit Schande vergehen. Was der Gottlose fürchtet, wird über ihn kommen, aber die Wünsche der Gerechten werden erfüllet werden, io, 7. 24. 1 r. Aller Orten sind die Augen des Herrn sowohl auf die Guten als auf die Bösen gerichtet. Er wird jedem vergelten nach seinen Werken, r 5, 24, r 2. ,.2. An sieben Dingen hat der Herr einen vorzüglichen Abscheu: am Stolze, am Lügen, am Blutvergießen, an einem Herzen, das bösen Anschlägen nachhangk, am schnellen Entschlüsse zu einer bösen That, an einem falschen Zeugen, und an dem, der unter seinen Nebenmenschen Uneinigkeiten stiftet. 6, 16- ly. iZ. Wer das Gute mit Bösem vergilt, von dessen Hause wird nie das Unglück weichen. »7, »A. 14. Hoffart geht gemeinlich vor dem Falle, und Demuth ist die erste Stufe zur wahren Größe. 18, r 2. iF. Nicht du sollst, sondern ein anderer müsse dich loben. 27, 2. »6. Wer segne Fehltritte zu verbergen juckt, 87 der wird auch nicht von denselben befrcyet werden; wer sie aber bekennt und davon absteht, der wird Vergebung erhalten. «8/ iZ. 17. Der Jüngling Hnrd seine Gewohnheit, auch wenn er ein Greis wird, nicht verlassen. 22, 6. (Jung gewohnt alt gethan.) ry. Wo können Aeltern Herzensleid erfahren ? Wo ist Zank, Verführung und Schlägerey anzutreffen? Nicht wahr bey Freß- und Saufgelagen? 2Z, 29. Z0. 19. Herr! gib mir weder Mangel noch Reichthum, sondern nur soviel, als ich zu meinem Auskommen nöthig habe, damit ich nicht etwa im Wohlleben deiner vergesse, aus Roth aber nach fremdem Gute trachte, und dich beleidige. Zo, 8. 9. 20. Fauler! geh hin zur Biene, und sieh, wie sie arbeitet. Ohne Anführer und Lehrmeister bereitet sie im Sommer ihre Speise, und sammelt ein, damit sie alsdann zu leben habe. Wann wirst du, Träger, von deinem Schlafe erwachen? Doch schlummere nur, aber wisse, daß Mangel und Noch wie ein bewaffneter Krieger dich überraschen werden. Wer den Müßiggang liebt, wird Mangel leiden. 6, 6- 1 r. rjz, »y. 21. Besser ist, wenig recht besitzen, als viel mit Ungerechtigkeit. 16, 8. 22. Ein guter Nähme ist besser, als viele Reichthümer. 22, «. O 28. Geduld ist besser, als Starke, und wer über seine Leidenschaften Herr ist, hat vor dem Eroberer den Vorzug. 16, 3 r. Z8 Z 4 - Eine gelassene Antwort bricht den Zorn, aber eine harte Rede erreget ihn. Der Zanksüchtige unterhält Gehässigkeiten, aber der Sanft- müthige sucht sie zu mildern. iF, i. 13. 2L. Hindere nicht, daß man Armen Gutes thue. Hilf vielmehr selbst, wenn du es im Stande bist, Sag nicht: Geh, komm morgen wieder, da will ich dir helfen; wenn du es gleich thun kannst, Gott hat den Armen wie den Reichen erschaffen. Z, 27. 28. 22, 2. ^6. Einen treuen Freund erkennt man in der Noch. 11, 17, «7. Freue dich nie über den Sturz deines Feindes, denn das mißfällt dem Herrn. Gib ihm vielmehr Speise und Trank, wenn er ihrer bedarf; so wirst du glühende Kohlen über fein Haupt häufen, (ihm zwar empfindlich wehe thun, aber dennoch nützen) und der Herr wird dir's vergelten. 24, »7. 2F, 21. 2s, sZ. Wer einem eine Grube gräbt, fällt leicht selbst darein, und der Stein, den du auf einen andern wirfst, wird auf dich zurückfallen. 26, 27. 29. Wer jemanden zurecht weifet, der wird von dem Gebesserten mehr Dank empfangen, als derjenige, der ihm durch süße Worte schmeichelt- 28, 2Z. Zo. Menfchengunst ist bezüglich, und Schönheit vergeht, aber Furcht des Herrn bringt wahres Lob. Z L, ZO. Zi. Mein Sohn! Vergiß jameine Lehre nicht. und bewahre meine Ge buche in deinem Herzen; denn dreß wird dir langes Leben und 89 Friede» gebe» ; Gnade und Wohlgefallen wirft du dadurch bey Gort und Menschen finden; süß wird dein Schlaf und angenehm deine Ruhe seyn; denn der Herr steht dir zur Seite, und wachet über deine Schritte. Z, i. 2. 4. 2 4 / 26. Anhang einiger Lesungen über besondere Gegenstände. (Folgende wichtige Lesungen find deßwegen hier in einem Anhänge nachgetragen worden, damit durch sie der Zusammenhang der vorher gehenden nicht gestöret werde.) I. Von dem GeöeLhe. Bethen heißt: Seine Gedanken zu Gott erheben, oder aus seinem Herzen mit Gott reden. Wenn du recht an Gott denkest, und dir dabey etwas Gots Wohlgefälliges vorstellest, so redest du mit Gott und bethest. Das Bethen muß nicht so viel mit dem Munde als vielmehr mit dem Herzen geschehen Auf die Worte allein kommt es nicht an, Gott ist nicht wie ein Mensch, der nur auf das Acht gibt, was man ihm vorsaget: Gott weiß schon alles ; er sieht aufdas Herz und auf den guten Willen. Ein Mensch, der zwar nieder kniet, die Hände aufhebt, und das Va» 9 « ter unser oder ein anderes Gebeth hersagt, aber dabey nicht an Gott, nichts Gutes denket, der bethek nicht; er thut nur dergleichen, als wenn er bethete; er spricht nur leere Worte aus, die ihm, wie Christus selbst sagt, nichts nützen, und Gott nicht gefallen können. Matth. 6, 7. 8. und wer sollte sich wohl getrauen, Gott etwas vor- zusagen, das ihm nicht vom Herzen ginge? Du denkest vielleicht: „Fch weiß Nicht, ,was ich in meinem Gebethe Gott sagen sott." Aber, einem guten Kinde kommt es ja nicht schwer an, mit seinem Vater zu reden. Es bezeigt ihm seine Ehrerbkethung und Liebe, seine Freude an ihm; es dankt ihm für das Gute, das es von ihm empfangen hak, oder es bittet ihn um das, was es braucht; es verspricht ihm, sich wohl zu verhalten, und bittet ihn für seine Fehler um Vergebung; es bittet den Vater für seine übrigen Geschwister, daß er auch ihnen Freude mache, So d rrf sich ein gutes Kind nicht lange besinnen, oder erst vorfagen lasten, was es mit feinen! Vater reden soll; es redet, wie es ihm um's Herz ist, Und so mache du es auch mit Gott, deinem himmlischen Vater. Stelle dir ihn nur als recht gegenwärtig vor. Ueberdenke, was du alles von ihm weißt und gehöret hast; erinnere dich an das Gute, das du von ihm schon empfangen hast und noch hoffen kannst; überlege, was er von dir verlangt, und wie du dich gegen ihn bisher verhalten hast; wenn du an diese Dinge denkst, so bethest du, ohne daß du ein Wort dabey ausfprechen darfst. 9 ^ Gesetzt nun, du schauest gen Himmel, oder auf der Erde herum; du betrachtest da, wie schön und gut Gott alles gemacht, und eingerichtet bat; wie er alles erhält, und für alles sorgt; und du rufest dann in deinem Herzen voll Ehrfurcht und Bewunderung aus: ,,Mein Gott! wie mächtig, wie weise , wie gut bist du, wie sollt' ich dich lieben, wie kann ich dich würdig verehrenso ist das eine AnötHUNg Gottes. Oder du denkest nach, wie viel Gutes dir Gott schon gethan hat, und noch immer thut, und du freuest dich also, daß er dein so guter Vater ist; du dankest und versprichst ihm, seine Gaben auch gut anzuwenden; so ist das ein Dankgebeth. Oder du bittest Gott für dich und andere um seinen Beystaud und um die übrigen nothwendigen Dinge,. ohne welch», wir nicht leben können; oder du erinnerst dick, daß Gott der Allerheiligste ist, daß er alles sieht, und überall bey dir ist; und du bittest ihn da um Vergebung deiner Fehler, und sagst also in deinem Herzen: Mein Gott! es ist mir innig leid über das, was ich gethan habe; ich will von nun an mich so ausführen, wie du es haben willst,,und alles meiden, was dir mißfällig ist;" so hast du ein Bittgebeth verrichtet. Und so ein Gebeth, kn dem du einen guten Vorsatz fassest, ist gewiß das beste, denn es gefällt Gott am meisten. Ans solche Art wird jeder gute Gedanke au Gott ein Gebeth; und das heißt UUs dem Herzen bethen, oder sein Herz zu Gott rc- §2 den lassen. Sieh! so kannst d« dir leicht selbst ein Gebeth machen, und überall, zu Hause, auf dem Felde, und wo du immer bist, bethen ohne Gebethbuch und ohne nur den Mund Zu bewegen. Habe nur Gott vor Augen, und ser- fromm; dann wird dein eigenes Herz-dir schon eingeben, was du Gott sagen sollst. A.urz und gut. Das Bethen sollte deine größte Freude seyn. Erstlich -schon deßwegen, weil du das Glück hast, mit deinem Gott wie ein Kind mit seinem Vater zu reden, ob er gleich der höchste Herr des Himmels und der Erde ist. Zweytens, weil das herzliche Gebeth zu Gott Linderung und Standhaftigkeit in den Leiden dieses Lebens verschafft. Denk nur, wie gestärkt Jesus am Oehlberge von der Erde aufstand, nachdem er in der Angst seines Herzens zu dem himmlischen Vater gebethek hatte; denk, wie muthig und standhaft er nach diesem Gebethe seinen Feinden entgegen ging, und sich ihnen sogar selbst zu erkennen gab, da er sagte: Ich bin Jesus von Nazareth, den ihr suchet. Drittens endlich ist das Gebeth ein überaus kräftiges Mittel, fromm und tugendhaft zu werden. Denn es gewöhnet uns zum vertraulichen Umgänge mit Gott. Gleichwie uns nun der vertraute Umgang mit guten Menschen vom Bösen abhält, und zum Guten antreibt; so ist auch der öftere Umgang mit Gott im Gebethe ein sicheres Verwahrungsmittel gegen die Sünde, und der stärke sie Bewegungsgrund zu allem Guten. Wem 9Z es also um seine Besserung Zu thun ist, der soll fleißig Lethen. Daß viele Menschen so wenig Lust am Gebethe haben, kommt gewiß daher, weil sie Gott nicht recht kennen und lieben, und weil ihnen ihre Besserung nicht recht am Her- Zen liegt. Du hingegen bethe oft und gut; dieß wird dir Kraft zum Guten geben. Wer recht zu bethen weiß, der weiß auch recht zu leben. Manche Menschen glauben, fle dürfen ZU Gott nicht bethen, weil er ohnehin wisse, woran es ihnen fehle. Allein so mußt du nicht denken. Obgleich ein guter Vater gar wohl weiß, woran es seinen Kindern gebricht, so will er d/ch haben, daß sie ihn darum bitten sollen. Und sieh, so will's auch der liebe Gott mit den Menschen haben. Wir sollen und müssen ihn um das bitten, was wir nöthig haben; Zwar nicht seinetwegen, als ob wir ihm erst sagen müßten, was wir brauchen; sondern unsertwegen, damit wir unsere Schwachheit immer besser erkennen, damit wir es einse- hen, daß wir nichts von uns selbst, sondern alles von Gott haben, und damit wir die Wohltha- ten Gottes recht schätzen, und nach seinem Willen anwenden lernen. Aber wird denn auch Gott unser Ge- beth erhören? Ja, denn er hat es versprochen , und was Gott einmahl verspricht, das hält er auch. Gott lügt nicht wie ein Mensch, weil er heilig ist. Er hat selbst gesaget: Bittet, und ihr werdet erhalten. Zoh. 16, 24. Ihm 94 ist's auch ein leichtes sein Versprechen zu halten, und uns zu helfen; denn bey Gott ist ja kein Ding unmöglich. Endlich liebt Gott die Menschen weit zärtlicher, als ein Vater seine Kinder. Wenn nun jeder leibliche Vater seinen Kindern hilft; sollte dann der himmlische Vater allein so grausam seyn, und die Menschen verlassen , wenn sie ihn so recht dringend in ihrer Noch um Hülfe bitten? Das kann nicht seyn, denn Gott ist ja höchst gütig und barmherzig, er ist'die Liebe selbst. Manche Menschen, denen Gott nicht gleich gibt, was sie begehren, sagen zwar: das Ge- beth helfe nichts aber laß dich dadurch nicht irre machen. Diese Menschen haben vielleicht nie recht gebethet, vielleicht haben sie Gott gar um Dinge gebethen, deren Erfüllung ihnen schädlich gewesen wäre. Uebrigens haben tausend und tausend Menschen zu ihrem Tröste die Erhörung ihres Gebethes erhalten, Abraham, Isaak, Jakob, Mopses, David, Salomon, Daniel, wie oft hat Gott ihr Gebeth erhöret! Und im neuen Testamente, wie viele Arme und Kranke haben auf ihr Bitten von Jesu Hülfe erhalten! Du mußt aber auch recht bethen, wenn du wünschest, daß dich Gott erhören soll. Merke dir demnach folgende Stücke: r. Wenn du Gott um etwas bittest, so habe ein recht lebhaftes Vertrauen aus ihn, d. h glaube fest, daß dir Gott helfen könne und wolle. Dieses große Vertrauen 9F auf Gottes Allmacht und Güte war es jederzeit, das Jesus von denen begehrte, die ihn um Hülfe bakhen; und um dieses großen Vertrauens willen hat er ihnen auch wirklich geholfen. Darum heißt es oft im Evangelio: Stehe auf, dein Glaube hat dir geholfen. Zweifle also nicht, Gott wird dir gewiß geben, um was du ihn bittest, wenn anders die Erhörung deiner Bitte für dich gut und nützlich ist. Denn besonders merke dir: 2^ Um was du bittest, das muß etwas Gutes seyn. Was du selbst dir nicht getrauest, Gott zu sagen, das ist gewiß nichts Gutes, und um das darfst du auch Gott nicht bitten. Wenn du ihn aber um seinen Beystand anrufest, daß du gut lernen, deine Fehler verbessern, deine Unschuld erhalten, und immer frömmer werden mögest; o, das ist wahrhaft gut! es ist das Beste, was du wünschen kannst. Ein solches Gebeth gefällt Gott, und er wird dich gewiß erhören. Aber vom Herzen muß es dir gehen, und Ernst muß es dir dabey seyn, sonst wäre es ja, als wenn du beym Gebethe Gott nur spotten wolltest. Du mußt also Nachdenken, was für Fehler du an dir hast, zu welchen du am meisten geneigt bist , und was du thun oder meiden sollst. Nimm dir dann ernstlich vor, und versprich es Gott, daß du deinen Fleiß nicht sparen, sondern deinen Verstand, die Gelegenheiten und Mittel gut anwenden wollest. Ein Kind, das selbst schon gehen kann, darf nicht verlangen, daß es der Vater tragen soll; rhu yT also, was du kannst; und was du nicht kannst, das überlasse Gott. Mit seinem Beystande kannst du alles thun- was du Lhun sollst, wenn du nur ernstlich willst^ Aber ohne deine Mitwirkung kann dir auch Gott weder die Lugend noch den Himmel geben. Derne Schwachheit darf dich nicht zaghaft machen; vertraue nur recht auf Gottes Beystand; fasse Much; denk aber auch öfters daran, was du Gott versprochen hast; besonders wenn dich das Böse reihet, oder das Gute schwer ankommt. Du darfst wohl auch Gott um dein zeitliches Wohlergehen und um Hülfe in der Noch bitten, aber dabey mußt du auch wieder, wie erst gesagt worden, das Deinige Lhun. Ern erwachsenes Kind, das schon arbeiten kann > muß sich selbst sein Brot Zu verdienen suchen; ohne eigenen Fleiß wird es der Vater nicht immer ernähren. Also darf auch der Träge und Nachlässige sich nicht darauf verlassen, daß Gott für ihn sorgen werde. Da heißt es: Mensch ! hilf dir selbst, so wird auch Gott dir helfen. Wenn du also Gott bittest, daß es dir wohl ergehe; so mußt du auch fromm und fleißig seyn. Wenn du wünschest, daß Gott deine Aeltern mochte lange leben lassen, so mußt du dich auch hüthen, ihnen Verdruß und Kummer zu verursachen, wodurch ihr Leben abgekürzet wird. Wenn du bethest, daß dich Gott vor diesem oder jenem Nebel bewahre, so Mußt du dich auch selbst davor zu hü- khen trachten, und nicht Lhun, was dir schädlich ist« So ist es such Ln andern Stücken« 97 Z. Bethe allezekl mit gänzlicher Ergebung in den Willen Gottes; das heißt, überlaß es Gott ruhig, ob und wann er dein Gebeth erhören will oder nicht. So hak Jesus am Oehlberge gebethek: Baker! sprach er, nicht mein Wille, sondern der deinige soll geschehen." Und fürwahr! du weißt, er wird es gewiß am besten machen. Du weißt oft nicht, was dir gut, oder was besser ist; aber Gott dein himmlischer Vater weiß es; er sorgt für dich, Ein guter und vernünftiger Baker thut und gibt seinen Kindern nicht gleich alles, was sie verlangen« Diese bilden sich oft etwas ein, was gar nicht möglich oder was ihnen schädlich ist« Oft sagt auch der Vaterr Noch kannst du das nicht brauchen, oder du mußt es erst durch Fleiß und Wohl- verhalten verdienen« Und so kannst du dir vorstellen , daß es auch Gott mit seinen Kindern mache. Er laßt uns oft lange um etwas bitten, damit wir öfters an ihn denken, und es desto besser anwenden, wenn wir es hernach erhalten. Oft gibt er uns was anders, und noch dazu was Besseres , als wir begehren. So gut ist erl Merke dir alfo dieses. Wenn du Gott um etwas bittest , so erwecke ein festes Vertrauen auf Gott, deinen allmächtigen und besten Vater; begehre von ihm nichts anders, als was dir wahrhaft gut und nützlich ist, thu dabey, was du kannst, und überlasse übrigens die Erhörung deiner Bitte ganz dem Willen Gottes. Um was wir hauptsächlich bitten sollen, das ist in dem Gebethe des Herrn, im Vater unser Kath., Lese - and Gebethb. k Bändchen. G 94 enthalten. So hat uns Jesus Sethen gelehret. Du wirst im Gebethbuche die Erklärung davon in der Umschreibung desselben finden. Er hat auch versprochen, daß uns der himmlische Vater gewiß erhören wird, wenn wir in seineM Nähmen, das ist, nach seiner Anweisung und auf fein Wort, Gott um etwas bitten. Jesus ist jetzt bey feinem Vater im Himmel, durch ihn verleiht uns Gott alles Gute. Nur durch Jefum können wir gute Kinder Gottes und feiner Wohlthaten würdig werden. rr. Unterricht von der heiligen Messe, nebst einer Erklärung der Gebethe und Ce- rernonien, welche bey derselben Vorkommen. Einsetzung des heiligsten Altarssacraments.) (Was die Messe sey, und wie man sie hören soll.) ^esus Christus, der Sohn Gottes, ist in die ! Welt gekommen , um die Menschen zu bessern, von der Sünde zu erlösen und selig zu machen. > Das hat ihn aber viel gekostet, er hat deswegen viel leiden und endlich, wie du weißt, sogar am Kreuze sterben müssen, Aus Liebe zu uns hat er dem himmlischen Vater dieses schmerz- i hafte Opfer gebracht, damit wir mit dem ge- ^ rechten Gott wieder ausgesöhnet und von der , ewigen Strafe befreyet seyn sollten, die wir unserer Sünden wegen verdienet haben. 9 ^ Die Menschen hatten nach und nach leicht feiner grossen Liebe, und seines Todes vergessen können. Aber siehe, was Jesus that, dass die Menschen oft, und so lange die Welt steht, an fein Leiden und Sterben denken möchten! Am Abende vor seinem Leiden fass Jesus bey seinen Jüngern, wie ein liebreicher Vater unter seinen Kindern, bey Tische; er redete Vieles von seinen bevorstehenden Leiden, und nahm Abschied von ihnen. Darüber wurden die Jünger sehr betrübt; aber Jesus richtete ihr niedergeschlagenes Herz durch seine liebevollen Gespräche wieder auf. Endlich, da das Abendessen deS Osterlamms vorbey war, nahm Jesus ein Brot in seine Hände, erhob feine Augen gegen den Himmel, und segnete das Brot, dann brach er es, gab es seinen Jüngern zu genießen, und sprach: „Nehmer hin und esset, dikß ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird." Auf gleiche Weise nahm er auch einen Kelch mit Weine, segnete ihn und sprach: „Nehmet hin, und trinket alle daraus; dieß ist Mein Blut, das Blut des neuen Bundes, das für viele wird vergossen werden, zur Vergebung ihrer Sünden. Dieß thut (so oft ihr zusammen kommet) Zu meinem Andenken." Der liebevolle Heiland wollte nähmlich gern alles leiden, ja sogar sterben, wenn nur auch die Menschen seine Liebe erkennen, öfters an seinen Tod denken, und sich denselben durch getreue Folgsamkeit zu Nutzen machen würden. Ks I 00 Deßwegen fetzte er die Worte hinzu: „Dreß thut zu meinem Andenken." Durch diesen Befehl wurden die Apostel zu Priestern eingesetzet, und nach dieser Anordnung fe perlen sie mit den ersten Gläubigen das heilige Abendmahl zum Andenken an das Opfer, das einst Jesus für uns am Kreuze vollbracht hak. Eben dieses geschieht noch henk zu Tage Ln der heiligen Messe. Die Priester der katholischen Kirche opfern dem allmächtigen Gott Brok und Wein bey dem Altartische , und sprechen darüber die nähmlichen Worte, die Jesus bey dem heiligen Abendmahle gesprochen hat, wodurch dann Brot und Wein Ln seinen Leib und in sein Blut verwandelt werden. Hierauf genießen sie den Leib und das Blut des Herrn, und Heilen es auch den Anwesenden mit, die zur Abendmahlsftyer vorbereitet sind. Dieses alles geschieht Zum Andenken an jenes blutige Opfer, das er einstens am Kreuze für uns vollbracht hak. Diese ganze feyerliche Handlung heißt nun bep uns dieWIeAe. Sie ist demnach die fortwährende Erinnerung an den Kreuzestod Jesu; sie ist die unblutige Aufopferung des Heilandes, der sich einst blutend am Kreuze für uns Menschen seinem himmlischen Vater aufgeopfert hat. Du siehst also schon, was der herrschende Gedanke bey der ganzen heiligen Messe seyn soll. Die Erinnerung an das Elend der Menschen durch die Sünde, die Befreyung davon durch Jesum, die Erinnerung an seine Lehren und Lhaten, an sein Leiden und Sterben, und 101 an die dadurch bewirkte Aussöhnung mit dem gerechten Gott; alles dieß sollte uns während der heiligen Messe beschäftigen. Darauf zielen alle Gebethe und Ceremonien in der heiligen Messe. Das Confikeor erinnert uns an unsere Sünden, die Epistel und das Evangelium an Jesu Lehren und Thaten, das Offertorium, die Wandlung und Communion an sein letztes fey- erliches Nachtmahl, und an seine großmüthige Aufopferung in den Tod. Vereinige also auch du iu der Messe Mt dem Priester diese frommen Gesinnungen. Denke an Jesum deinen göttlichen Freund und Lehrer , denke an seine Liebe, an sein Leiden und Sterben, und wie er sich für dich aufgeopfert hat. Opfere dich aber auch Gott auf, das ist, nimm dir vor, auch deine Liebe zu Gott und zu Jesu durch ein frommes Leben zu zeigen. Auf diese Art machest du dir Zu Nutzen, was Jesus für dich gethan und gelitten hat. Du weißt nun, was die heilige Messe ist, sind was du während derselben vorzüglich überlegen sollst. Da sie das einzige wahre unblutige Opfer der Christen und die allerfeyerlichste Handlung unserer Religion ist, so sollst du auch derselben mit allem äußerlichen Anstande, mit Ehrerbiethung und Andacht beywohnen. Viele machen bey der heiligen Messe bloße Zuschauer. Sie sehen nur, was der Priester thut, ohne zu wissen, warum er dieses oder jenes Lhut. Wenn sie einsähen, was die Ceremo- men und Gedeihe bey der Messe bedeuten, so 102 würden sie bald aufmerksamer und andächtiger dabey seyn.. Deßwegen will ich dir die Messe auslegen und erklären, wie alles darin Zu verstehen fey. (Auslegung der Ceremonien und Gebethe, welche bey der heiligen Messe Vorkommen.) Zuerst über die Kleidung, Lichter und über das Räuchern bey der heiligen Messe. Schon im alten Testamente verordnete Gott, daß die Priester bey gottesdienstlichen Handlungen eigene Kleider gebrauchen sollen, damit man denken möchte, wie wichtig es fey, wenn man vor Gott erscheint. Da nun die Opfer des alten Testamentes nur ein Schattenbild von dem Opfer der Christen sind, so siehst du wohl selbst ein, wie es noch weit schicklicher ist, daß die Priester bey Darbringung des heiligen Meßopfers auch durch äußerliche Kleidung ihre Ehrfurcht bezeigen. Uebrigens erinnert uns die feyerliche Kleidung des Priesters, daß wir mit größter Ehr- erbiethigkeit und Reinigkeit des Herzens der heiligen Messe beywohnen sollen. Auch die Lichter und das Räuchern war von Gott schon im alten Testamente angeordnet, um den Menschen Ehrfurcht gegen die Majestät Gottes einzufiö- ssen. Bey den ersten Christen, welche wegen der heidnischen Verfolgungen das heilige Abendmahl in dunkeln Höhlen halten mußten, dienten die Lichter zugleich, um die Finsterniß zu zerstreuen; das Räuchern aber wurde um des Übeln Geruches willen angewandt, der in dieses öden und wüsten Berghöhlen herrschen mußte. Unterdessen kann dich beydes auf sehr gottselige Gedanken hinleiten. Die Lichter erinnern dich, daß diese ganze feierliche Handlung ein Nachtmahl sey, das bey brennenden Lichtern ist ein- geseßet worden; daß Jesus Christus, der da- bey aufgeopfert wird, das Licht der Welt sey, und also auch wir im Lichte des Glaubens wandeln sollen. Das Räuchern ist ein schönes Sinnbild von der Erhebung einer Seele zu Gott, Denn gleichwie der Weihrauch in die Höhe steigt , so dringt das fromme Gebeth der Gläubigen durch die Wolken zu Gott, Und gleichwie der Weihrauch einen angenehmen Geruch verbreitet, so können auch wir durch Frömmigkeit bey Gott angenehm werden. Die Heilige Meßhandlung fängt mit dem Stuffelgebethe an. Der Priester nähmlich begibt sich an die unterste Stufe des Altars, und sucht sich durch Verdemüthigungen und Gedeihe zur würdigen Feyer dieser heiligen Handlung vorzubereiten. Das merkwürdigste aus diesen Gebethen ist das Eynstteov, oder die offene Schuld. Nichts ist nothwendiger und billiger, als daß wir demüthig zu Gott um Vergebung der Sünden stehen, ehe wir ihm das unbefleckte Lamm zum Opfer darbringen. Denn, wer sollte es wagen, mit beflecktem Herzen vor dem Allerheiligsten zu erscheinen? Deßwegen steht der Priester in einiger Entfernung von dem Altäre, nähmlich an der untersten Stufe desselben, in der bußfertigen Stellung des Zöllners im Evan^ 164 gelio (Luk. »8, »Z,), schlägt wie derselbe au seine Brust, und legt ein öffentliches Bekennt- «iß seiner Sünden ab. Eben dieses khuk hernach auch der Ministrant im Nahmen des Volkes. Denn Volk und Priester opfern ja gemeinschaftlich dem barmherzigen Vater im Himmel seinen liebsten Sohn für ihre Sünden auf; sie haben daher auch beyde nöthig für einander Zu bitten, und vor der heiligen Opferung selbst ihr Gewissen zu reinigen. Merke dir ein für allemahl, der Ministrant vertritt in allen seinen Antworten die Stelle des Volkes. Durch diese öffentliche Zerknirrschung und Beicht ist der barmherzige Gott bereit, uns die läßlichen Sünden nachzu- laffen; denn die schweren Sünden werden nur durch die sacramentalifche Absolution in der Buße vergeben. Wie rührend ist es nicht zu sehen, wie sich Priester und Volk vor Gott und in der Gegenwart aller Engel und Heiligen an- klagenl Da stehen die sich Anklagenden mit zerschlagenen Herzen, und wollen durch ihr demü- thiges Bekcnntniß vor dem Angesichte des Himmels und der Erde einen Beweis ihrer Buße geben; sie klagen sich in der Gegenwart aller seligen Einwphner des Himmels an, damit auch diese sich über ihre Buße freuen mögen. Dreß ist also das erste Opfer, welches in der Messe dem Herrn dargebracht wird, und woran Gott Wohlgefallen hat; denn ein geängsteter Geist ist ein Gott wohlgefälliges Opfer, und ein zerschlagenes und gedemüthigtcs Herz verachtet Gott nicht. Ps Lo, r9. Nach voNendekem Staffelgebethe geht nun der Priester hinauf vor die Mitte des Altars, auf welchem einige Reliquien der Heiligen aufbewahrt werden, und küßt ihn. Dieser schöne Gebrauch schreibt sich aus den ältesten Zeiten her. Denn die ersten Christen, bey denen das gemeinschaftliche Band der Liebe auch durch den Tod nicht konnte zerrissen werden, gingen öfters zu den Gräbern der in der Gemeinschaft der Kirche vollendeten Gerechten und heiligen Märterer hin, küßten sie, und betheten an diesem Orte. Da nun diese Gräber gemeiniglich in unterirdischen Grüften oder Höhlen waren, so dienten sie ihnen zugleich, wegen der Verfolgungen , zu Versammlungsorten, woselbst sie die heiligen Geheimnisse feyerten. Wie rührend muß es nicht gewesen feyn, das Liebesmahl Jesu mitten unter den Tobten, und selbst über den Gräbern der heiligen Leichname zu halten, die in Kraft des Todes Jesu bereits in das ewige Leben und zur Hochzeit des göttlichen Lammes eingegangen sind! Apokal. 19, 90. Welch ein rührender Anblick! sich da zugleich der ausgekämpften Streiter Jesu, deren irdische Ueber- reste sie vor Augen sahen, in Liebe zu erinnern, sich wechselweise ihren Glauben, ihre Treue, ihre Tugenden zu erzählen, und einander zur Nachfolge brüderlich aufzumuntern! Daher kommt es, daß die Kirche bey der Messe öfters der Heiligen gedenket. Nachdem es nicht mehr nöthig war, die heiligen Geheimnisse kn Klüften Zu feyern, fs fing man an, in jeden Altay ro6 kleine Hohlen zu graben, und Reliquien der Heiligen darein aufzubewahren, um damit das Andenken jenes uralten Gebrauches zu erhalten und die Gräber der Heiligen abzubilden. Der Priester tritt nun auf die Epistelserte, ws das Meßbuch liegt, und bethet sodann den Introitus oder Eingang, der aber auf jeden Lag verschieden ist, doch endiget er sich gewöhnlich mit den Worten: Ehre sey dem Vater rc. Hierauf stellet sich der Priester vor die Mitte des Altars, und spricht erstlich mit dem Meß- diener abwechselnd das Kyrie eleison, (Herr! erbarme dich unser) und dann das Gloria, welches ein Lobgesang auf Gott ist, der mit den Worten anfängt, womit die Engel bey der Geburt Jesu Gott verherrlichet haben. Wie schön ist dieser Eingang, wodurch wir zur Verherrlichung des großen Gottes, und zum feyerli- -chen Lobopfer gegen den Herrn ermuntert werden ! Die erhabene Lobrede auf Gott in dem: Ehre sey dem Vater u. s.w. ist das schönste und zugleich kürzeste Bekenntniß unsers Glaubens an die allerheiligste Dreyeinigkeit. Die oft- mahlige Wiederhoblung des Kyrie eleison, erbarme dich unser, soll für uns eine Erinnerung seyn, daß wir nicht oft genug an unser tiefes Sünden - Elend denken, nicht oft genug den Herrn um Gnade und Erbarmung anflehen können. Endlich die zweymahlige Wiederhoh- lung der tröstlichen Wahrheit im Gloria: da^ Jesus das Lamm Gottes sey, welches die Sünden der Welt trägt, ist die dem- r«? lichfte Hinweisung aus das Opfer, welches mit Abschlachtung dieses göttlichen Lammes am Kreuze für die Sünden aller Menschen dargebracht wurde, und dessen Undenken gegenwärtig gefeyert wird. Nach Vollendung des Gloria wendet sich der Priester gegen das Volk und spricht: NUs voblscUM (der Herr sey mit euch). Dieses thut der Priester öfters während der heiligen Messe, und es ist dieß nichts anders, als ein frommer Gruß des Priesters, wodurch er die Anwesenden einladet, ihr Gebeth mit dem feinigen zu vereinigen. Wirklich fängt er nun alsogleich an, die CEeetM zu bethen. Darunter versteht man die Sammlung derjenigen Gebether, die auf den einfallenden Festtag vorgeschrieben, und daher auch jedes Mahl verschieden sind, nebst einigen andern Gebethern, die für die allgemeinen und besonderen Bedürfnisse eines jeden, für die Wohlfahrt des Landes, für geistliche und weltliche Obrigkeiten verrichtet werden. Der Priester bethet sie in der Messe drey Mahl; jetzt nach dem Gloria, und da heißen sie die ersten Collecten, dann nach der Opferung , und da heißen sie Sekreten, weil sie ganz still gelesen werden, und endlich nach der Com- munion, wo man sie die letzten Collecten nennt. Diese Wiederhohkung geschieht, um unser heißes Verlangen auszudrucken, mit welchem wir von Gott die Erhörung unfers Gebethes wünschen. Sie schließen sich immer, wie alle Kir- chengebethe überhaupt mit den Worten: durch LOZ Jesum Christum re., weil uns Jesus die Grhö- rung ttnscrs GebeLhes versprochen hat, wenn wir es in seinem Nahmen zu Gott richten würden. Zoh. r6, LZ. Du kannst da jederzeit nichts Besseres thun, als Gott inständig bitten, daß er das Gebekh des Priesters, welches auch deine Wünsche enthält, gnädig aufnehmen wolle. Nach den Collecten liefet der Priester ein Stück aus dem alten oder neuen Testamente; meistens ist cs ein Stück von den lehrreichen Briefen, welche die heiligen Apostel an die Christen geschrieben haben, deßwegen nennet man diesen Lheil der Messe Epistel, d. i. Brief. Hierauf bereitet sich der Priester durch einige Gebethe auf das Evangelium vor, welches auf der anderen Seite des Altars übgelesen wird, Zum Zeichen , daß das Evangelium, welches die Juden verwarfen, nun den Heiden verkündiget wurde. Evangelium heißt eigentlich eine erfreuliche Botschaft, weil darin wirklich recht viel Erfreuliches enthalten ist. Wir werden da mit den Lehren und Thäken Jefrr bekannt gemacht, wie sie von den vier Evangelisten sind beschrieben worden. Das Aufstehen unter dem Evangelium ist ein Zeichen der Ehrerbrethung und der standhaften Bereitwilligkeit, den Lehren und Thaten Jesu nachzukommen. Da das heilige Meßopfer vermöge feiner Einsetzung zum Andenken an Jefum bestimmt ist, so ist es wohl sehr schicklich, noch vor der Opferung selbst durch die Lesung und Betrachtung einiger Abschnitte aus her heilige« Schrift das Au denke« an Jestr Leh- LOY ren und Lhaken Z« erneuern, und uns dadurch Zum Guten Zu ermuntern. Deßwegen bestieg in den ersten Zeiten der Christen der Priester nach Ablesung der Epistel und des Evangeliums die Kanzel, und erklärte in einer Predigt die abgelesenen Stücke. Auf diese Art wurde zugleich das Volk in den nothwendrgsten Stücken des Heiles unterwiesen, und zum Guten ermuntert. Dieser schöne und löbliche Gebrauch wird noch letzt, besonders auf dem Lande beybehalten, und du siehst daraus, daß die Predigt wirklich einen Therl der heiligen Messe ausmacht. Wer also der Messe beywohnet, sollte auch die Predigt hören, wenigstens ohne dringende Nothwendig- keit davon nicht ausblriben; weil der Unterricht in der Lehre Jesu uns so nothwendig und heil-' sam ist. Vor allem wirst du gut Lhun, wenn du das für jeden Sonn - und Feyertag bestimmte Evangelium und die Epistel jedes Mahl vor der Messe zu Hause mit Aufmerksamkeit und Ehr- erbkethung liesest , und dich bey der Messe an. den Inhalt derselben erinnerst. Bis hierher durften im Anfänge der Christenheit alle bey der Messe bleiben, Juden und Heiden, die Büßer (welche noch nicht die Lossprechung erhalten haben) und die Katechume- mn, das sind diejenigen Heiden und Juden gewesen, die sich, Christen zu werden, entschlossen hatten, und sich daher in der Lehre Jesu unter* richten ließen, und zur Tauft vorbereiteten. Hingegen nach vollendeter Auslegung der Epistel oder des Evailgelii wurden alle diese Meru- i rischen entlassen oder hinausgefchafft. Darnach setzte der Priester die Messe für die eigentlichen Gläubigen fort, denn nur diese würdigte die Kirche, den heiligen Geheimnissen beyzuwohnen. Liese Messe für die eigentlichen Gläubigen fing also mit dem Credo oder mit dem Glau-' Henöbekenntnijse an. Darunter versteht man ^ einen kurzen Auszug der vornehmsten und wichtigsten Glaubenswahrheilen in der christlichen Religion. Dieser Gebrauch war sehr löblich und heilsam. Denn da sich die Gläubigen nun bald zur gemeinschaftlichen Opferung anschickten, so war es auch sehr passend, noch vorher durch die feyerliche Ablegung dieses Glaubensbekenntnisses ihre Einigkeit in dem Glauben einander zu versichern. Auch du sollst bey diesem Theile der ^ heiligen Messe das Glaubensbekenntniß der katholischen Kirche andächtig und aufmerksam oblegen, und so deinen Glauben mit dem Glauben des Priesters vereinigen. Und nun kommt das Dffertorium oder die Dpserung. In den ersten Zeiten der Kirche verhielt sich die Sache also: Die Gläubigen brachten Brot, Mein, Oehl und andere Gaben in die gottesdienstlichen Versammlungen, ' und legten sie auf einen besondern Tisch. Von diesen dargebrachten Gaben wurden dann so viel Brot und Wein abgesondert, als zur Feyer des heiligen Abendmahles jederzeit nöthig war. Das Uebrige wurde zur Unterstützung der Priesterschaft und der Armen, und zur Bestreitung des Kostenaufwandes für den Gottesdienst, für die ^ StR Lichter v. f w. verwendet. Heut zu Lage werden statt dieser, besonders in den Landkirchen kleinere freywillige Geldbeträge während des Offertoriums gesammelt, und wer da etwas geben kann und will, thut gut, weil dieses Geld zum Besten der Kirche verwendet wird. Uebri- gens, da in jeder Kirche heut zu Tag Wein und Brot so viel, als nothwendig seyn dürfte, schon vorhanden ist; so brauchen auch die Gläubigen jetzt nicht mehr wie ehemahls, diese Opfergaben nutzubringen. Indessen bleibt die Hauptsache die nähmliche. Der Priester nimmt jetzt wie vor- mahls, die zur Feyer der heiligen Geheimnisse bestimmten Gaben: Brot und Wein, (letztere» mit wenig Wasser vermischt) und bringt sie im -M Nahmen des Volkes dem himmlischen Vater mit andächtigen Gebethen als ein reines unbeflecktes Opfer dar, welches sie nun bald in der Wandlung seyn werden, weil alsdann Jesus Christus unter Brots-und Weinsgestalten ge^ genwärtig seyn wird , der am Kreuze das Opfer für die Sünder einer ganzen Welt geworden ist. Da nun Brot und Wein zu einem so heiliges Endzwecke gewidmet sind, so will sie auch der , Priester nicht mehr mit ungewaschenen Händen berühren, sondern er wäscht sich die Hättde am Altäre, und ermahnet darauf die Anwesenden zu bethen, (beym Orate Fratres: Bethet Brüder!) daß Gott sein und ihr Opfer in Gnaden aufnehmen wolle. Während der heiligen Opferhandlung sollst du-dich ganz mit dem Priester vereinigen, mit ihm Brot mrd Wem ge- mekllfchaftlich dem allmächtigen Gott andächtig äufopferu. ' Das Händewaschen soll dich an die große Ehrfurcht und Reüügkeit erinnern, mit der man einer so wichtigen Handlung beywoh- nen soll. Bor allen andern hast du hier die schönste Gelegenheit, mit der Opferung dieser Gaben die Aufopferung deiner selbst Zu verbinden. Bergiß nie darauf beym Offertorium. Schon der heilige Paulus ermahnet uns dazu mit den Worten: „Gebet euere Leiber zu einem lebendigen, heiligen, Gott wohlgefälligen Opfer dar." Rom. 12, r. Ware es nicht Undank gegen deinen Heiland, wenn du jetzt nicht mit Leib und Seele dich Gott opfern wolltest, da doch Jesus einst, unter so vielen und großen Schmerzen, sich für dich am Kreuze aufopferte, und diese Aufopferung für dich noch täglich in der heiligen Messe (unblutig) fortseßt! Uebergib dich also jetzt mit kindlicher Demuth und Zuversicht deinem himmlischen Vater. Bringe ihm ein Opfer mit deinem Herzen, das du nun ganz nach feinem Wohlgefallen bilden willst. Fasse den Enfchluß, alles, was dir lieb ist, wenn es Gott verlangt, willig hinzugeben, und alles, was dir schwer fällt, aus Liebe zu Gott geduldig zu ertragen, dich selbst und deine Neigungen zu besiegen, und nur nach dem Willen Gottes zu leben. Das ist die beste Selbstaufopferung. Wenn nun die Aufopferung vorbey ist, so bethet der Priester die Setzten, oder die zwepken Collecten, um durch ihre Vereinigung r iA Mit den geopferten Gaben die Erhörung unserer Wünsche desto sicherer erwarten zu dürfen. Nach vollendeten Getreten bethet er die PräfütWN, die gleichsam eine Vorbereitung Zu dem nun folgenden allerheiligsten Theile der Messe ist. Diese Präfation ist, wie das Gloria, eine Ermunterung zum Danke und Lobe Gottes; Wir erkennen darin mit dem Priester unsere Schuldigkeit , Gott für seine uns so freygebig erwiesene Wohlthaken aller Orten zu danken, ihn zu loben und zu preisen. Sie schließt sich mit dem Jubelgefange der Seraphinen: Heilig, heilig, heilig rc. Und mit den Worten, welche das gut- müthige Volk dem Heilande bey seinem Einzuge Ln Jerusalem entgegen jauchzte Was kannst du hier Schöneres thuN, als Herz und Mund mit dem Lobgesange der Seraphinen und des hebräischen Volkes vereinigen? Nun kommt der allerwichtigste Thekl der Messe, nähmlich der CüNYlt. Canon heißt eigentlich eine Regel oder Richtschnuran der Nichts zu ändern ist^ Wirklich besteht der Canon Ln einer Sammlung von solchen Gebethen, die Jahr aus Jahr ein größten Theils die nähmlich en sind. Die Kirche hält die im Canon befindlichen Gebekhe für so ehrwürdig, daß ihre Priester aus Hochachtung den ganzen Canon mit einer feierlichen Stille abbethem Fromme Gläubige bethen ihn auf ihren Knien, in eben der andächtigen Stille, mit dem Priester. Damit du mit gleicher Ehrfurcht diesem so wichtigen Theile der heiligen Messe beywohnest, so Kath. Lese- und Gebechb.!. BändchsU; H r»4 will ich dir den vorzüglichen Inhalt desselben bekannt machest. Der Canon vor der Wandlung bestehet erstlich in Fürbitten und dann in dem Andenken der Heiligen. Alle Christen zusammen machen, wie du schon weißt, einen Leib aus, wovon Jesus das Haupt ist. Durch seinen blutigen Tod hat er uns alle erlösen, und durch das heilige Abendmahl, das er zum Andenken dieses blutigen Opfers einsetzte, uns alle noch enger mit einander Ln der Liebe vereinigen wollen ; wie schicklich ist es also, hier für einander zu bethen! Deßwegen wendet sich der Priester im Gebethe zu Gott, und flehet ihn durch die Verdienste Jesu um Heil und Segen für die Kirche, für die ganze Christenheit und für die Gegenwärtigen und Abwesenden. Er nennet da- bey ins besondere mit Nahmen den römischen Papst, als Oberhirten der ganzen Kirche, unsern Bischof, den Landesfürsten und einige andere Personen, die ihm besonders nahe am Herzen liegen; ganz im Geiste und nach dem Befehle des Apostels i. Tim. 2, i. 2. da er sagt : „So ermahne ich denn, daß vor allen Dingen geschehe, Bitte, Gebethe, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für die Obrigkeit, auf daß wir in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit ein ruhiges und stilles Leben führen mögen." Was das Andenken und die Anrufung der Heiligen betrifft, so weißt du schon aus der Erklärung des Staffelgebethes, und dessen, was darauWlget, durch welche Veran- laffung cs geschah', daß der Heiligen Gottes in der Messe gedacht wird. Uebrigens können wir ohne Zweifel desto zuversichtlicher die Erhörring unserer wechselseitigen Fürbitten hoffen, wenn wir unser Gebeth mit der Fürsprache der verklärten Freunde Gottes vereinigen; denn die Schrift sagt ja selbst, daß das Gebeth der Gerechten viel bey Gott vermöge. Der Priester gedenket aber hier nicht aller Heiligen nahment- lich, denn ihre Zahl wäre zu groß, sondern nur einiger, nähmlich der allerseligsten Jungfrau, der. heiligen Apostel und Evangelisten und einiger anderer, die in den ersten vier hundert Jahren den Märterertod gelitten haben. Nach dieser Anrufung flehet der Priester demürhig, Gott möchte nach seiner unbegreiflichen Allmacht Brot und Wein in den Leib und in das Blut seines geliebtesten Sohnes Jesu Christi verwandeln. Auch stehst du, daß der Priester noch vor der Wandlung seine Hände über die Opfergaben leget. Dieser Gebrauch kommt aus dem alten Testamente her, wo der Priester über das Opferthier der Versöhnung die Hände legen mußte, um anzuzeigen, daß dieses Thier gleichsam mit den Sünden des ganzen Volkes beladen würde. Wie schön erinnert dich diese heilige Ceremonis an Jesum, der als das Lamm Gottes die Sünden einer ganzen Welt trägt , und aus erbarmender Liebe zu den Menschen die uns zugedachte Strafe auf sich genommen hat» Nun geschieht die WtMdlÜNg. Der Priester spricht und Hut, was Jesus im letzten ir 6 Abendmahle gesprochen und gethan hat. Er redet schon nicht mehr mit seinen, sondern mit den Worten Jesu Christi. Die Einsetzung des heiligen Abendmahls ist dir aus dem Dbigen bekannt. Durch den allmächtigen Willen Gottes, bey dem kein Ding unmöglich ist, geschieht es jetzt, daß auf dem Altäre nicht mehr Wein und Brot, sondern der wahre Leib und das Blut des Erlösers, mit einem Worte, Jesus Christus in seiner Menschheit und Gottheit gegenwärtig ist. Nicht Brot und Wein, sondern die Gestalten derselben bleiben nur noch zurück. Du siehst also Jesum Christum unter den Brotsund Weinsgestalten in den Händen des Priesters, der die heiligen Sacramente in die Höhe hebt, und sie dem auf den Knien liegendem Volke zur Anbethung zeiget. Was für ein rührender Anblick ist dieses für eine fromme gläubige Seele! Du siehst den erhobenen Heiland, der durch feine besondere Gnadengegenwart dir so nahe ist. Denke dich im Geiste hin auf die Schädelstätte, wo Jesus Christus vor den Augen ganz Jerusalems am Kreuze erhöhet, und als das Versöhnungsopfer der ganzen Welt geschlachtet wurde. Falle nieder auf deine Knie, und bethe an den Vater, der dir seinen Sohn zum Erlöser aus Gnade gegeben hat. Bethe aber auch den gekreuzigten Heiland der Welt an, der sich für dich in den Tod hingegeben undssür dich sein heiligstes Blut vergossen hat. Nach der Wandlung wird der Canon fortgesetzt. Er besteht hier vorzüglich in dem drey- fachen Andenken an Jesum, an die Verstorbenen und an die Heiligen. Da die Feyer des heiligen Abendmahles insonderheit Zum Andenken an Fesum bestimmt ist, so gedenket der Priester im Nahmen des Volkes mit Recht, hier zuerst, des erniedrigten Standes Jesu durch sein Leiden und Sterben, dann aber auch seiner Erhöhung durch die Auferstehung und Himmelfahrt. Er gedenket hernach der vetMköeneN Gläubigen, weil auch sie durch den Glauben und die Liebe noch immer mit uns verbunden bleiben, und daher auch ferner noch zu derjenigen heiligen Gesellschaft gehören, wovon Jesus das Haupt, die Gläubigen aber, sie mögen in dem Himmel, auf der Erde oder in dem Fegefeuer sich befinden , die Glieder davon sind. Wenn wir nun, nach der Ermahnung des heiligen Jakobus, schon hier für einander bethen sollen; um wie viel mehr sind wir schuldig, dieses für die Verstorbenen zu thun, da sie unser Mitleid so sehr verdienen, und wir ihnen, außer dem Gebethe, keinen andern Liebesdienst mehr erweisen können? Wie gern wird Gott unser Gebeth für sie erhören, da sie noch immer Gegenstände seiner zärtlichen Vaterliebe bleiben! Wie könnte uns der barmherzige Gott unsere Bitten versagen, da wir für diese verlassenen Seelen ihm seinen eingeboruen Sohn darbringen, an welchem er das größte Wohlgefallen hat? Was endlich das Andenken der HeAlgen betrifft, so geschieht dieses hier aus den nähmlichen Ursachen, wie oben vor der Ll8 Wandlung, Es ist nur eine Fortsetzung des Gedächtnisses der Heiligen, die im genannten Verzeichnisse Vorkommen. Zuletzt segnet der Priester noch die heiligen Saeramente, Dieß thut er nicht, als ob etwa sein Segen noch nöthig wäre; nein, sondern um das Andenken an jenen löblichen Gebrauch zu erhalten, vermöge dessen die von den Gläubigen auf einen besondern Tisch hingelegten Gaben jetzt geweiht und gesegnet wurden. Daher schreibt sich die Gewohnheit, zu gewissen Festzeiten, besonders zu Ostern, Brot, Fleisch und dgl. zu weihen. Selbst der heilige Chrifam zur Firmung und das Tauf- und Krankenöhl werden noch jetzt von dem Bischöfe unter diesem Lheile der heiligen Messe geweihet. So endiget sich der Canon, ^ Nun bethet der Priester das Paternoster (Vater unser). Da Jesus selbst auf dem Altäre gegenwärtig ist, der uns dieses Gebeth ge lehret hat; so dürfen wir die Erhörung unserer Bitten um so zuversichtlicher erwarten, wenn wir nur auch mit kindlichem Vertrauen sie Gott darbringen. Er zerbricht hierauf die heilige Hostie yach dem Beyfpiele des göttlichen Erlösers, der bep dem letzten Abendmahle das Brot ebenfalls gebrochen hat, und die Jünger dadurch auf seinen gewaltsamen Tod aufmerksam machen wollte, in welchem sich seine heiligste Seele von dem Leibe trennte. Indessen stirbt Jesus, wie der Apostel sagt, nicht mehr, und deswegen läßt auch der Priester sogleich wieder einen Theil 119 der heiligen Hostie in den Kelch fallen, um durch diese Vermischung anzuzeigen, daß das heiligste Fleisch und Blut deK Herrn hier nicht abgesondert vorhanden sey , sondern Jesus Christus sowohl in den Brots- als Weinsgestalten ganz und ungetheilt mit seiner Gottheit und Menschheit genossen werde. Alle Gebethe, die nun folgen, sind gleichsam eine Vorbereitung zur Communion. Der Priester nennt Jesum mit den Worten des heiligen Johannes des Täufers drey Mahl das Lamm Gottes , und bittet ihn zugleich um Erbarmung und um seinen Frieden. In den ersten Zeiten der Christen küßten sich die Gläubigen , ehe sie zum Tische des Herrn gingen. Denn, da sich Jesus durch die Communion mit den Gläubigen auf das innigste vereiniget, so wäre es wohl den Absichten Jesu ganz zuwider, wenn die Gläubigen mit Haß und Feindschaft zum Tische der Gnade, der Liebe und des Friedens hinzu gingen. Der Friedenskuß war gleichsam ein äußerliches Zeichen dieser Liebes- vereinigunL. O, möchten nur auch wir alle bey dem Empfange des heiligen Abendmahls Ein Herz und Eine Seele seyn! Obgleich heut zu Tage der wechselseitige Friedenskuß nicht mehr gewöhnlich ist, so sollen wir doch allen Neid und Haß aus unserem Herzen verbannen, ehe wir uns dem Tische des Herrn nähern, allen Stolz, Groll und Feindschaft ablegen, und nur mit einem wohlwollenden Gemüthe, das alle Menschen liebt, und^ keinen davon ausschließt, zu feiner Tafel 120 hinzugehen. Ohne diese Gesinnung sollen wir es nicht wagen, Jesum zu empfangen. Er sagt ausdrücklich bey Matth. §, SZ. ,,Wenn du deine „Gabe auf den Altar opferst, und du erinnerst „dich, daß dein Bruder etwas wider dich habe, ,,so laß dort deine Gabe vor dem Altäre, versöhne dich Zuvor mit deinem Bxuder, und dann „komm, und opfere deine Gabe." Also nicht xinmahl zu opfern ist erlaubt, mit feindseligem Herzen, um wie viel weniger Jesum empfangen! Nachdem nun der Priester alle Vorberei- tungsgebelhe zur Communion vollendet hat, so ruft er, wie der Hauptmann zu Kapharnaum, Matth. 8, 8, O Herr ich bin nicht würdig re. dieses wiederhohlet er drey Mahl, um aus ganzem Herzen seine Demuth und Unwürdigkeit zu bekennen. Hierauf genießt er andächtig den Leib und das Blut des Herrn, In den ersten Zeiten der Kirche communicirten mit dem Priester alle anwesenden Gläubigen, weil sie auch alle mit ihm geopfert hatten. Allein da in der Folge der Eifer erkaltete, und viele nicht hinlänglich vorbereitet waren, so wollten sie sich lieber aus Ehrfurcht enthalten , als unwürdig communiciren. Du hast mit dem Priester geopfert, es wäre daher auch sehr schicklich und heilsam, mit dem Priester das reine, unbesteckte Opfer des göttlichen Lammes zu genießen. Wenn du aber nicht vorbereitet bist, so halte dich aus Ehrfurcht zurück, und communicire mit dem Priester wenigstens geistlicher Weise, d. h. wünsche von ganzer Seele, Jesum in dein Herz 121 aufzunehmen , erwecke Glauben, Hoffnung und Liebe, und wahre Reue über deine Sünden, und bitte Jesum mit dem chananäischen Weibe, daß er dir doch einen Theil jener Gnaden zuffießen lasse, welche er denjenigen so reichlich mitthei- let, die ihn würdig empfangen. Nach vollendeter Communion danket der Priester dem allmächtigen Gott für seine Gnade, und bethet die letzten CEecteN. Hierauf segnet er das Volk im Nahmen des dreyeinigen Gottes, (so wie er die heilige Messe im Nahmen desselben auch angefangen hatte ,) und entläßt es mit den Worten: Ate MMn kD, d. h. Gehet; die Messe ist vollenden Zum Schluffe liest er den Anfang aus dem EvÜN- gelw des heiligen Ayhannes, worin von der ewigen GottheitJesu, und von seiner Menschwerdung gehandelt wird. Dieser Anhang, ist zwar kein nothwendiges Stück der Messe, aber es verrätst doch Kälte und Leichtsinn, wenn man noch vor dem wirklichen Schlüsse derselben fort- eilet, und Gott gleichsam den Rücken zukehret, da mar: noch mit ihm reden könnte und sollte. Du verharre in der Andacht mit dem Priester vom Anfänge bis zum Ende. Auf diese Art hoffe ich nun, wirst du die vorzüglichsten und wichtigsten Ceremonien und Gebethe in der heiligen Messe verstehen. Wenn du diese Auslegung öfters liefest, und denn wirklich kein Gebethbuch bey dir hast, so darfst du nur den Priester aufmerksam beobachten und da- Sey andächtig an das Gelesene denken, um der L22 heiligen Meise in der That mit Nutzen und gottgefällig beyzuwohnen. Wie schön und zugleich wie leicht ist diese Anleitung, Messe zu hören! Willst du aber diese Herzensandacht zugleich in Worten auflösen, so werden dir die Meßgebethe im Gebethbuche gute Dienste leisten. Nur bethe sie langsam, laß alle unnütze Gedanken fahren, And richte dein Gemüth nur recht auf Gott, den ewigen Vater und auf seinen eingebbrnen Sohn Jesum. III. Unterricht von dem heiligen Saeramen- te der Buße. (Diese Vorerinnerung kannst du am Abende vor deinem Beichttage lesen; sie ist die schicklichste Vorbereitung zu deinem wichtigen Unternehmen.) Wir sind, wie du weißt, zwar alle in dem Sacramente der Taufe durch das Wasser und den heiligen Geist von der Sünde gereiniget, zu wohlgefälligen Kindern Gottes, und zu Erben seines ewigen Himmelreiches ausgenommen worden. Aber diese schönen Vortheile gehen alle zu Grunde, sobald der Mensch nach der Taufe sündiget ; denn der heilige und gerechte Gott hat am Bösen fein größtes Mißfallen. Der Mensch verliert, sobald er sündiget, das gnädige Wohlgefallen Gottes, seine Freundschaft und die Gnade, die ihn zu guten Handlungen stärket, und zum ewigen Leben heiliget. Vorher war ihm das Andenken an Gott und der vertrauliche Umgang mit ihm im Gebethe süß und angenehm, denn er konnte, wie ein gutes Kind mit seinem Vater reden; jetzt aber wird jeder Gedanke an Gott ihn traurig und bestürzt machen; denn alles erinnert ihn an feinen Ungehorsam und an den Undank, womit er die heiligen Befehle seines besten Vaters übertreten hat. Die ehemah- lige Gewissensruhe und der süße Friede des Herzens weicht nun, und Angst, Unruhe und Mißvergnügen mit sich selbst treten an ihre Stelle. Die trostreiche Aussicht in den Himmel schließt sich vor den Augen des Sünders, und die unglückliche Ewigkeit öffnet sich gleichsam unter seinen Füßen, wenn er ernstlich bedenket, daß Jesus Christus einst kommen wird auf den Wolken des Himmels, um einem jeden nach seinen Werken zu vergelten. Sieh, das ist der betrübte Zustand einer Seele, die nach der Taufe das Unglück hat, Ln eine schwere Sünde zu fallen. Kann es noch ein größeres Unglück geben, als von seinem Gott nicht geliebt, sondern verstoßen zu seynd Wo soll dann derjenige hingehen, der einmahl von Gott verlassen ist? Du begreifest nun freylich, wie übel ein Mensch daran ist, der gesündiget hat. Aber, wie wird er sich aus diesem elenden Zustande heraushelfcn? — Danke Gott, er hat auch in diesem Stücke für deine Ruhe gesorget. Schon im alten Bunde hat er mit einem Eide versprochen , daß er seine fehlenden Kinder nicht unglücklich machen wolle, wenn sie sich aus gan- r24 zem Herzen zu ihm bekehren würden. „Bekehret „euch, spricht er durch den Propheten, (Zachar. „L, Z.) bekehret euch von ganzem Herzen zu „dem Herrn, eurem Gott, und auch er wird „sich zu euch wendenund bey dem Propheten Ezechiel. ZZ, r r. „So wahr ich bin, ich „will den Tod des Sünders nicht, sondern, daß „er sich bekehre und lebe." Im neuen Bunde hat Jesus alle diese tröstlichen Verheißungen bestätiget, und vielen Menschen, die ihn ba- then, ihre Sünden selbst verziehen; er hat die Gewalt dazu sogar seinen Aposteln und Nachfolgern Hinterlasten. Als er nähmlich nach seiner Auferstehung den versammelten Jüngern erschienen ist, hauchte er sie an, und sprach: Nehmet hin den heiligen Geist, welchen ihr die Sünden vergeben werdet, denen sind sie vergeben, und welchen ihr sie Vorbehalten werdet, denen sind sie auch Vorbehalten. Joh. 20,22. 2Z. Sieh, wie lieb uns Gott hat! Damit wir, wenn wir nach der Taufe das Unglück haben. Ln eine schwere Sünde zu fallen, nicht zu Grunde gehen; so verspricht er, sich unser neuerdings zu erbarmen, gibt den Priestern des neuen Bundes sogar die Gewalt, die Sünden der Menschen in seinem Nahmen nachzulasten, und will um der Leiden und Verdienste seines Sohnes willen, diese Sündenvergebung auch im Himmel genehm halten. O, wie trostreich ist es aus dem Munde des Priesters die gnädige Versicherung der Sündenvergebung zu erhalten! Was nun Gott haben will, damit der I2Z Mensch dieser Sündenvergebung würdig und theilhaftig werde, dieß hat Jesus sehr schon in der Geschichte des verlornen Sohnes angezeigt. Luk. iL. ii- 24. Ein reicher Mann hatte zwey Söhne. Der jüngere war böse und leichtsinnig, und wollte nicht länger mehr unter der Aufsicht seines guten Vaters bleiben, sondern nahm sich vor, Ln die Fremde zu gehen, damit er da nach seinem bösen Willen leben könnte. Er verlangte daher von seinem Vater jenen Theil des Vermögens, der ihm sonst nach des Vaters Tode als einErb- theil zugefallen wäre. Der gute Vater warnete ihn freylich , allein es half nichts; er nahm sein Geld, und zog fort. Jetzt that er nun, was ihm beliebte, führte ein böses, unordentliches Leben, und brachte in kurzer Zeit das ganze Vermögen durch. Kaum war er damit fertig, so entstand eine große Hungersnoth in dem Lande, wo er sich aufhielt. Weil er nun kein Geld mehr hatte, so mußte er auch darunter am meisten leiden. Um nicht vor Hunger zu sterben, wurde er ein Schweinhirt. Gern hätte er, um seinen Hunger zu stillen, von dem Futter der Schweine gegessen, aber auch diese Gutthat mangelte ihm. Einsam und verlassen dachte er jetzt seinem kläglichen Schicksale nach, und erinnerte sich zurück an seines Vaters Haus. ,,Wie viele Tagelöhner, sprach er nun zu sich selbst, hat nicht mein Vater, und diese haben alle ihren hinreichenden Unterhalt, dg ich hier vor Hunger verschmachte! Wie? wenn ich wieder Zu meinem »26 Vater zurück ginge? — Ich wills! Furcht und Scham soll mich nicht länger abhalten; ich will zu ihm gehen, und ihm meine große Versündigung bekennen und abbitten." Mit diesen Gesinnungen begab er sich auf den Weg und ging zu seinem Vater« Dieser erblickte ihn schon von Ferne, und erkannte ihn alsogleich. Jetzt brach ihm sein väterliches Herz. Voll Mitleid über die erbärmliche Gestalt, darinder gütige Vater ihn erblickte, lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals, und küßte ihn auf das zärtlichste. Demüthig und tief gebeugt sprach da der reumüthige Sohn: Bester Vater! ich habe mich an Gott und an dir schwer versündiget, und bin nicht mehr werth, dein Sohn zu heißen. Der gute Vater, gerührt über dieß reumüthige Geständniß seines Sohnes, vergab ihm alles, schenkte ihm wieder seine Gnade und Liebe, und ließ zum Zeichen seiner Freude eine Mahlzeit anstelle«. Er sagte allen seinen Hausgenossen , sie sollen fröhlich und vergnügt seyn, weil sein irrender Sohn sich wieder gebessert hat. Aus dieser Geschichte siehst du nun, wie bereit der himmlische Vater zum Vergeben sey, und was du thun mußt, um diese Vergebung zu erhalten. Der verlorne Sohn dachte ernstlich über sich, über sein Elend und über dasjenige nach, was er gethan hatte; so mußt auch du Nachdenken über deine Sünden und Fehler, und dieses heißt fein Ee^ wissen erforschen. Dem verlornen Sohne ging ferners sein trauriger Zustand zu Herzen; es that ihm wehe, daß er seinen guten Vater betrübet chatte/ und deß- L27 wegen swar er auch entschlossen, sein böses Leben zu ändern. Auch du mußt die Sünde, als Beleidigung deines besten himmlischen Vaters verabscheuen, und ein anderes besseres Leben anzufangen dir ernstlich vornehmen. Dreß heißt Reue und Vorsatz haben. » Der verlorne Sohn verhehlte gar nicht seine böse Aufführung, sondern bekannte alles aufrichtig und demüthig seinem Vater. Auch du mußt, wenn du die Lossprechung empfangen willst, deine Sünden dem verordneten Priester aufrichtig und demüthig bekennen, und dieß heißt man Beichten. Endlich war der verlorne Sohn bereit, für seine Beleidigung alles zu leiden, was der Va- l ter verlangen würde. Auch du mußt dir gern gefallen lassen, die Bußwerke auszuüben, die dir der Priester vorschreibet; und dieß heißt für die Sünden genug thUN, oder sie abbüßen. Wenn du nun diese fünf Stücke genau beobachtest, so hast du das heilige Buß-Sacrament gewiß mit Nutzen und würdig empfangen. Du kannst von der Gnade Gottes mit Recht hoffen, daß die Lossprechung des Priesters auch vor Gott gelten werde. Es ist also wohl rathsam, daß du dich allezeit eifrig und andächtig dazu vorbereitest. i. Erkenntniß der Sünden. Ohne diese Erkenntniß kannst du ja nicht recht und vollständig beichten; es ist also unumgänglich nothwendrg, daß du dein Gewissen erfor- 128 schest. Wähle dir, wenn du kannst, einen einsamen Ort, und eine ruhige Zeit. Vor allem bitte Gott um Erleuchtung. Wer mit Gott anfängt, wird mit Gott auch glücklich enden. Erforsche dich nun recht ernstlich und fleißig, was du Böses gedacht, geredet, gethan, oder, was du Gutes, das du hättest thun können und sollen, Untertanen hast. Besinne dich an die Jett, an den Drt, an die Personen, wann, wo, und mit wem du gesündiget hast. Vergleiche deine Gedanken, Worte und Werke mit den zehn Gebothen Gottes, und mit den fünf Gebothen der Kirche. Denke nach, ob du nicht an fremden Sünden schuld bist; ob du bey der testen Beichte eine wahre Reue gehabt, ob du deine Vorsätze erfüllet, die Gelegenheiten Zu sündigen vermieden, und denjenigen Fehler abgeleget hast, zu dem du bisher am meisten geneigt wärest; ob du keine Sunden verschwiegen, ob du die auferlegte Buße genau und andächtig verrichtet hast. Endlich erforsche dich auch über deine besonderen Pflichten^ So wie die Erwachsenen gewisse besondere Schuldigkeiten auf sich haben, so hak auch die Jugend ihre Pflichten, und ihre ganz besonder» Fehler und Tugenden. Denke also ins besondere nach: Wie du dich gegen den lieben Gott verhalten hast. Hast du nicht etwa durch längere Zeit gar nicht an ihn gedacht, mit freywilliger Zerstreuung gebethet, dein Morgen - Abend - und Tischgebeth vernachlässiget? Bliebst du nicht gleichgültig, wenn Gott beleidiget wurde? Hast du nicht öfters seinen heiligen Nahmen ohne Noth und Ehrfurcht gebrauchet? Hast du dich nicht durch leichtsinniges Fluchen und Schwören versündiget? Hast du die Sonn - und Feyerta- ge nicht mit Müßiggehen, Spielen und Nichts- thun zugebracht? Hast du fleißig, andächtig und aufmerksam der heiligen Messe, Predigt und Christenlehre beygewohnet, oder wärest du nach- läßig im Gottesdienste und saumselig/ dich in den Glaubens - und Sittenlehren der Religion unterrichten zu lassen? Wie verhieltest du dich in der K-rche? Hast du da nicht geschwätzt, gelacht, oder vorwitzig umgesehen ? Wärest du nicht unruhig? Hast du nicht andere von der Andacht abgehalten, oder in derselben muthwillig gestö- ret, und durch dein leichtfertiges, unsittliches Betragen vielleicht gar geärgert? Wie verhieltest du dich gegendeine AeltevN/ Lehrer und Vorgesetzte; Hast du ihnen nicht die gehörige Ehrfurcht versaget? Säumtest du nicht, ihre Befehle pünktlich zu erfüllen? Murrtest du nicht, wenn sie dir etwas zu thun befahlen? Fuhrest du sie nicht mit rauhen Worten an? Wärest du gegen sie nicht trotzig und wi- derspänstig? Hast du dich nicht mit Unwillen ihrer Strafe unterzogen? Hast du ihnen nicht etwas Böses gewünschet/ oder dich wohl gar erfrechet, die Hand gegen sie zu erheben? Vergaßest du nicht für sie zu bethen ? Wie hast du dich in der Schule und gegen deine Lehret ins besondere verhalten? Hast, du deinem Lehrer nicht durch dein unruhiges, unaufmerksames Be- Kökth.- Le ft- und Gebethb. I. Bändchen. c> rZo trage» Verdruß verursachet? Vergaltest du seine Mühe und Liebe nicht mit Unachtsamkeit und Unfleiß? Wie hast du dich gegen deine Geschwister, Mitschüler und Dienflbothen betragen? Hast du ihnen nicht feindselig begegnet, sie boß- hafter Werse verklaget, mit ihnen gezanket, ge- raufet, sie geschlagen, ihnen Schimpfnahmen gegeben? Hast du sie nicht beneidet, wenn sie etwas mehr, als du, empfingen? Freutest du dich nicht über ihren Schaden, oder wenn ihnen ein Unglück begegnete? Wie wärest du überhaupt gegen alle Menschen gesinnet? Freundlich, liebreich und wohlwollend ? Hast du niemanden gering geschähet, verachtet, belogen? Hast du nicht alle Leute verspottet, arme Menschen hart angefahren? Suchtest du dich nie zu rächen? Hast du Niemanden betrogen, oder verstohlener Weise etwas weggenommen? Hast du andere nicht lächerlich gemacht mit einer gewissen Schadenfreude von ihren Fehlern geredet, oder sie gar aufgedeckt, da sie noch niemanden bekannt waren? Hast du nicht aus Ehrgeitz ihren guten Nahmen verdunkelt, und sie um die gute Meinung gebracht, die man von ihnen hatte? That es dir nicht wehe, wenn sie einen guten Fortgang im Lernen und in der Frömmigkeit machten ? Hast du nicht anderen Gelegenheit zur Sünde gegeben? Hast du bey bösen Streichen nicht mitgeholfen, ange- reihet, geschwiegen oder noch dazu gelachet? Hättest du nicht manchem eirrrn Gefallen erwei- ssn, etwas zeigen, geben, .-elfen können, und du hast es nicht gethan?. Wie verhieltest du dich in Absicht auf dich selbst? Wärest du nicht stolZ und hoffärtig? Hieltest du dich nicht für besser als andere? Schriebest du nicht den guten Fortgang im Lernen weit lieber deinen Kräften, als der Gnade Gottes zu? Richtetest du wohl alle deine Handlungen zur Ehre Gottes ekn, und suchtest du nicht vielmehr bey denselben das Wohlgefallen der Menschen zu gewinnen? Wolltest du nie frömmer und fleißiger schemeN, als du wirklich gewesen bist? Wie verwendetest du dein erspartes Gelb? Nicht zu bösen Dingen und Näschereyen? Vergaßest du dabey nicht der Nothleidenden? Wünsche Le st du dir nicht Geld, weit mehr um es zu hüben, als um es gut anzuwenden? Hast du nichts gethan, geredet, mit Wohl- ge fall Ln angehöret, oder angesehen ,. zugelassen, oder auch nur im Sinne gehabt, was wider die Ehrbarkeit ist, und dessen du dich schäMM würdest, wenn es andere Leute erführen? Wärest du sittsam und eingezogen? oder muthwillig und ausgelassen? Wärest du nicht unmäßig im Esten und Srln?en? Schadetest du nie deiner Gesundheit durch Unmäßlgkeik, durch gefährliche Spiele? Liebttst du nicht Müßiggang und Trägheit? Erzürntest du dich nicht gleich über jede Kleinigkeit? Hast du dich nicht ernstlich bestrebet, nachzugeben, Beleidigungen zu ertragen, zu Z 2 -Z2 verzeihen und zu vergessen d Wärest du nicht zornig und rachgierig? So mußt du dein Gewissen erforschen, lieber- Me dich nicht. Du nimmst dir ja zu so vielen andern Dingen die gehörige Zeit, warum nicht auch zu diesem so wichtigen Geschäfte? Du kannst dir diese Sache ungemein erleichtern, wenn du dich angewöhnest, alle Tage vor dem Schlafengehen dein Gewissen zll erforschen. 2. Reue und Leid. Ohne Reue und Leid gibt es keine Sündenvergebung ; denn nur an einem zerkrrirrschten und gedemüthigten Herzen hat Gott Wohlgefallen Pf. Lv. Es ist aber bey weitem nicht genug, daß du Reue und Leid nur her sage st, oder aus einem Buche heraus liesest: die Reue muß dir vom Herzen gehen; du mußt wissen, und auch überlegen, was du sagest. Die Reue besteht in der Traurigkeit über sein Sündenelend, und in dem Ab scheue, siebegangen zu haben. Um diese Traurigkeit, diesen Abscheu in dir zu erwecken, betrachte nur recht ernstlich , was im Anfänge dieser Vorerinnerung vorkommt, nähm- lich, wie unglücklich sich ein Mensch mache, der sich von seinem Gott durch Sünden entfernet. Aber die Hauptsache bey der Reue ist die Liebe Gottes. So lange ein Mensch das Böse verabscheuet, und darüber traurig wird, weil er sich dadurch zeitlicher Weise unglücklich gemacht hat; so ist eine solche Reue eigennützig, und daher weder heilsam, noch Gott gefällig. Wenn ihn seine Sünden schmerzen, weit er sich dadurch um die Belohnung des Himmels gebracht und die Strafen der Hölle zugezogen hat; und wenn er dabey sich ernstlich vornimmt, recht an Gott zu denken und ihn zu lieben; so ist eine solche Reue zwar gut und zur Lossprechung hinlänglich , aber man heißt sie eine unvollkommene Reue, weil es auch eine vollkommnere gibt. Wenn nähmlich ein Mensch seinen Gott vom ganzen Herzen liebet, so wird ihm bey seiner Sünde nichts schmerzlicher fallen, als daß er dadurch den lieben Gott, der es so gut mit ihm meinet, beleidiget hak. Dieß ist eine rechte, eine vollkommene Reue, und so soll auch die deinige beschaffen seyn.^ Wenn du eine solche Reue erwecken willst, so stelle dir recht lebhaft vor, wie böse du gegen deinen besten Vater gewesen bist. Er liebte dich so sehr, und du fragtest nichts nach dieser Liebe. Er gab seinen ein- gebornen Sohn für dich in den Tod hin , und du beleidigtest ihn aufs neue durch deine Sünden. Er meinte es so gut, da er die Gebothe uns gab, und du hast sie so leichtsinnig übertreten, und seine Warnungen verachtet. Du tha- thest, was dein allerbester Vater, doch nur aus Liebe zu dir, verbothen hat. An seinem Beyfalle und Wohlgefallen war dir wenig gelegen; du wußtest feinen heiligen Befehl, und folgtest doch dabey deinem bösen Willen. Die Sünde ist daher grober Undank und Ungehorsam gegen Gott; und daher heißt sie auch eine Beleidigung Gottes. Wegen Gott muß dir also vorzüglich r,?,4 leid seyrr, gefündiget Zu haben; und gewiß, wenn du dieß alles recht überlegest, mußt du nicht darüber trauriger werden , als wenn du das Liebste auf Erden verloren hättest? Muß dir die Beleidigung Gottes nicht mehr zu Herzen gehen, als selbst der Verlust des Himmels, und alle Strafen der Hölle? ^ Du weißt nun , wie die wahre Reue beschaffen ist ; mit derselben muß aber nothwendig 3. der ernstliche Vorsatz/ fein Leben Zu ändern, verbunden werden. Eine Reue ohne Besserung ist keine Reue. Könnte wohl ein Vater meinen, daß dem Kinde sein Fehler ernstlich leid thue, wenn es sogleich hin» Mge, und den alten Fehler wieder begehen wollte s Würde er ein solches Kind wohl wieder in seine väterliche Gnade aufnehmen 2 Ohne Besserung ist keine Vergebung der Sünden zu hoffen, Durch die Erfüllung dieses ernstlichen Vorsatzes zeigest du erst, daß du eine wahre Reue hast, und daß es dir mit deinem Seelenheile Ernst ist, - Wenn dein Vorsatz recht ernstlich und fest gelasset ist, so muß er auf das Vergangene und auf das Zukünftige gerichtet seyu. In Absicht auf das Vergangene mußt du alles wieder gut machen, was gut zu machen ist. Hast du also etwas genommen, so mußt du es zurück geben. Hast du jemanden geschadet', so mußt du diesen Schaden zu ersetzen suchen, oder ihm etwas anders dafür geben, und erweisen. rZZ Hast du jemanden übel nachgeredet, so mußt du es widerrufen, und Gutes von ihm reden. Hast drr jemanden zur Sünde verleitet, so mußt du nun suchen, daß er sich bessere. Hast du in der Schule, zu Hause, ans der Gasse, oder wohl gar in der Kirche Aergerniß gegeben, so mußt du jetzt durch dein gutes Beyspiel das Gegen- theil zeigen. Hast du jemanden, z. B. deine Aeltern, beleidiget, so bitte sie um Verzeihung, ehe du zur Beicht gehest. Bist aber du selbst von einem andern beleidiget und dadurch zornig auf ihn geworden, so lege deine Feindschaft ab, und versöhne dich mit ihm, wie getrautest du dich sonst mit einem feindselig gesinnten Herzen zum Tische des Herrn zu gehen? — In Absicht auf die Zukunft mußt du deinen guten Vorsatz sogleich in das Werk setzen, und dich zu bessern anfangen; daher mußt du insonderheit die Gelegenheit und Gefahren sorgfältig meiden, wodurch du in Sünden gerathen könntest; z. B. solche Oerter, Spiele und Gesellschaften fliehen, die dir eine Gelegenheit zur Sünde werden könnten, ,pder vielleicht schon geworden sind. Endlich mußt du auf dich selbst recht aufmerksam seyn und fleißig bethen, damit du nicht in die vorigen Sünden fallest. Wenn du dieses alles thust, so hast du deinen ernstlichen Vorsatz erfüllet , und dein Versprechen gehalten, welches du Gott bey diesem Geschäfte gethan hast. F Die Beicht, Beichten heißt dem Priester ferne Sünden bekennen, um von ihm die Lossprechung zu erhalten. Da der Priester von Gott die Gewalt hak die Sünden nachzulassen, oder vorzubehalten, so mußt du sie ihm nothwendig eher sagen; wie wüßte er sonst, ob du der Lossprechung würdig wärest oder nicht? Ferners der Priester soll dir heilsame Mittel zur Besserung , und nach dem Maße deiner Sünden größere oder kleinere Bußwerke auferlegen f wie kann er das thun, wenn er deine Sünden nicht weiß? Kann der Arzt einem Kranken helfen, wenn dieser ihm seine Krankheit nicht entdeckt? Es ist also unumgänglich nothwendig, daß du beichtest. Um aber recht zu beichten, mußt du alle deine. Sünden aufrichtig und reuevoll bekennen, dabey sagen, wie oft, oder wenigstens bky- läustg, wie oft du dieses oder jenes gethan hast: Z. B. ob es alle Wochen, oder alle Monathe oder alle Tage geschehen ist. Du mußt dabey die Umstände hinzusetzen, welche machen, daß eine Sünde größer oder kleiner wird: Z. B. ob du etwas aus Versehen oder aus Boßheik gethan hast; ob du es aufs erste Mahl, oder gegen wiederhohlte Ermahnungen gethan hast; ob du einem Reichen oder einem Armen etwas entfremdet hast? u. s. w. Verschweige nur nichts in der Beicht. Emme thun es aus Furcht, andere aus Schamhaftigkeit. Allein du hast dich ja vor >Z7 dem Beichtvater nicht zu fürchten. Sey versichert, er wird dich desto inniger lieben, je aufrichtiger du sagst, was du. gethan hast. Er ist ein Mensch wie du, und er wird daher Mitleiden mit deiner Schwachheit haben. Dü darfst auch nicht fürchten, daß er es andern wieder sage, was du ihm in der Beicht entdeckest; denn dieses zu thun ist ihm auf das strengste verbo- then. Er wird dich darum nicht einmahl anfe- hen, denn ihm liegt nnr deine Besserung am Herzen. Du hast dich aber auch nicht zu schämen. Schämen hättest du dich sollen zu sündigen, nicht aber Zu beichten; denn das Letztere ist etwas Gutes. Es ist ein Zeichen der Demuth und ein Mittel zur Besserung. Wenn du freywillig etwas Großes oder Schändliches in der Beicht verschweigest, so machst du es mit deinem Beichten nur schlimmer. Wenn du dir einen Holzschiefer eingezogen hast, so muß er wieder herausgezogen werden; lassest du ihn aber stecken, so wird dir auch nicht geholfen, vielmehr das Nebel größer werden. So auch wenn du eine Sünde oder etwas Schändliches begangen hast^ und du es dem Beichtvater nicht offenbaren willst; so kann er dir auch nicht helfen. Einmahl mußt du es doch sagen, sonst wird dir die Sünde nicht nachgelassen; ja du müßtest alsdann nicht nur die verschwiegene Sünde beichten, sondern auch alle vorigen Beichten wiederhohlen, weil sie alle ungültig waren. Sieh, so gut ist es, wenn man gleich Anfangs recht beichtet. Gehest du nun in den Beichtstuhl, so falle vor dem Priester, der hier'Görkes Stelle vertritt, auf deine Knie nieder, und denke dir , du feyest , wie die büßende Magdalena vor den Füßen des Erlösers. Klage dich nun aufrichtig an, wie du dich vor Gott schuldig weißt. .— Lasse weg, was nicht Zur Beicht gehöret. — Sprich langsam und so, daß du von dem Beichtvater kannst verstanden werden. Nenne die Mitschuldigen nicht bey dem Nahmen, du konntest ihrer Ehre leicht zu nahe treten. Rede auch nicht von den Sünden anderer; denn du mußt deine, und nicht die Sünden anderer beichten. Wenn du einen Zweifel hast, ob dieses oder jenes auch Sünde ist., so frage den Beichtvater. Erschrick mchr, wenn er dich um etwas fragt. Antworte ihm aufrichtig, weil er es am besten mit dir meinet, und dir rathen und helfen will.—- Merke endlich auf das, was er dir sagt, und befolge feine Ermahnungen. F. Die Genugthuung. Wenn du nun so mit wahrer Reue aufrichtig beichtest, und den redlichen Willen hast, deine Fehler zü verbessern, so hast du Hoffnung, daß dir Gott deine Sünden vergeben werde. Allein, das kannst du von Gott nicht verlangen , daß er dich nun ganz wie einen Unschuldigen behandle, der nie etwas Böses gekhan hat. Eine solche Sündenvergebung würde den Menschen nur leichtsinnig und sorglos machen. Jede Sünde verdient Straft, und diese muß entweder in dieser Welk oder im andern Leben -Z9 abgekußck werden. Entweder Gott oder der Mensch muß die Sünde an sich bestrafen. Es ist ja schon ein großes Glück für den sündigen Menschen, daß ihn Gott wieder in Gnaden auf- nimmk , und von der ewigen Strafe befreyet; sollte er noch auch begehren können, von anderen zeitlichen Strafen verschonet Zu bleiben? Nein, das hat Gott nirgends versprochen, vielmehr zeigt die heilige Schrift gar oft das Ge- genthcil. Unsere ersten Aeltern sündigten. Gott verzieh ihnen; aber sie mußten für diese Sünden in ihrem Leben viel ausstehen. Die Israeliten murrten in der Wüste gegen die Anordnungen Gottes. Er verzieh ihnen, weil sie ihn wieder aufrichtig darum bathen; aber sie wurden zur Strafe von dem gelobten Lande ausgeschlossen. So ists auch mLL uns. Gott verzeiht uns durch den Priester die der Sünde und die' ewige Strafe; aber eine zeitliche muß gleichwohl gelitten werden. Damit man nun alle zeitliche verdiente Strafen lieber in diesem Leben noch abbüßen möchte; so hat die Kirche, in den ersten Zeiten, den Sündern sehr harte und lang dauernde Strafen aufgeleget. Heut zu Tage können die Priester aus vielen Ursachen den Sündern keine so harten und langwierigen Strafen ansiegen. Du mußt dich also keineswegs mit der von dem Priester verordneten Buße begnügen, sondern noch mehr thun, sonst stehest du in der Gefahr, den Ueberrest der zeitlichen Strafen im Fegefeuer ab tragen zu müssen. Solche Bußwerke, die du dir selbst au siegen kannst, sind r40 unter andern folgende: Wenn du aus Buße das Hochwürdigste in den Kirchen besuchest, und daselbst ausgesetzt , oder im Tabernakel mit bußfertigen und reuevollen Gedanken anbethest; wenn du dir vornimmst, aus einem guten Buche durch einige Tage im Geiste der Buße eine eigene Lesung anzustellen und darüber nachzu- denken; wenn du dir aus freyem Willen hier und da etwas Erlaubtes entziehst, weil du das gethan hast, was verbothen war ; wenn du jemanden aus Buße einen Gefallen erweisest, oder mit solchen Gesinnungen etwas geduldig leidest, z. B. eine Krankheit, oder eine Beleidigung; wenn du in der nähmlichen Absicht von deinem Ersparten einem Armen etwas gibst oderthust; wenn du das heiligste Sacrament zu Kranken, oder eine Leiche zu Grabe mit bußfertigen Gedanken begleitest, u. f. w. Wenn du nun die vom Priester auferlegten Bußwerke treulich verrichtest , und dir noch über dieß einige selbst auflegest; dann sagt man, du habest für deine Sünden genug gethan. Endlich merke dir noch dieses recht gut. Alle deine Genugthuung würde vor Gott nichts helfen , wenn Jesus nicht für deine Sünden dem lieben Gott genug gethan hätte. Denn, was ist auch alle Genugthuung eines armen sündigen Menschen gegen die Beleidigung eines unendlichen, heiligen und gerechten Gottes? Bon der Genugthuung Jesu erhält die deinige erst ihren Werth; wenn du deine schwachen Kräfte mit den Verdiensten Jesu vereinigest. Um seines Leidens und Sterbens willen nimmt Gott deine Genugthuung , deine Beicht, deine Reue und deinen redlichen Willen an. Fm BtUteFesU, sagt die Schrift, werden wir gewaschen, und niemand kommt zu dem Vater als durch den SpHn. Das heißt : Wegen Jesu Leiden und Sterben verzeiht uns Gott unsere Sünden, und nur um Jesu willen nimmt uns Gott zu sich in den Himmel. IV. Unterricht von dem Ablasse. (Besonders an Ablaßtagen zu lesen.) Ablaß heißt man die Nachlassung derjenigen zeitlichen Strafen, die der Sünder, wie du weißt, leiden muß, wenn ihm auch schon wirklich die Sünden selbst vergeben sind. Die Kirche lehret dich hierüber zwey Wahrheiten, an die du dich unverbrüchlich halten mußt. Die erste ist, daß sie die Gewalt habe, Ablässe zu ertheilen; diezweyte, daß es nützlich und heilsam sey, solche zu gewinnen. Wirklich hat die Kirche diese Gewalt immer ausgeübet. Schon der heilige Paulus ertheilte einem Gläubigen zu Korinth einen Ablaß, der ein großes Verbrechen begangen hatte; und in den ersten Jahrhunderten behandelte die Kirche nicht selten die Sünder mit eben dieser Nachsicht auf die Fürbitte der heiligen Blutzeugen, die sich für sie ins Mittel gelegt hatten. Eben das geschah , wenn Verfolgungen ausbrachen, so, daß der Sünder, die lang- 1F2 wierige Brrßzeit vielleicht gar nicht erlebet hätte, oder wenn man sah, daß der Sünder in seinen Baßübungen sehr eifrig war, und sich besserte. Dann ließ man die auferlegten Bnßwerke entweder ganz nach, oder kürzte die Zeit derselben ab, oder veränderte sie in leichtere Werke. Du siehst, daß nur aus wichtigen Ursachen, und allezeit nur den eifrigen Büßern die Ablässe ertheilet wurden. Also kann auch heut zu Tage kein Mensch einen Ablaß gewinnen, wenn er sich nicht bessern will, und nicht nach Kräften über seine Sünden Buße thut. Die Kirche will durch die Ablässe nicht die Trägheit der Sünder unterstützen, sondern nur dasjenige ersetzen, was wir selbst vielleicht wegen unserer Schwäche gar nicht abbüßen könnten, und doch abbüßen sollten. Die Kirche kommt also, wie eine mitleidige Mutter, unserem Unvermögen zu Hülfe, und benimmt uns durch die Ablässe die Furcht über diejenigen Zeitlichen Strafen, die wir unserer Sünden wegen zu leiden hätten. Wer sollte demnach nicht wünschen, einen Ablaß zu gewinnen? Nebst der eifrigen Buße und Bekehrung gehöret zur Gewinnung des Ablasses auch dieses, daß du diejenigen guten Werke verrichtest, welche die Kirche dir vorschreibt; z. B. daß du dich vorher durch die heiligen Sacramente der Buße und der Com-» munion mit Gott versöhnest; daß du gewisse Gebethe, Liebeswerke oder andere Bußübungen verrichtest. Denn dieses gehört zu den Bedingungen, unter welchen die Kirche Ablässe erthei- len will. Und Hütest du diese leichten Werke -43 nicht gern und eifrig vollziehen, da du hoffen kannst, Gott werde dir dafür weit beschwerlichere Abbüßungen nachsehen? Wenn zur Gewinnung des Ablasses Gebethe vorgeschritten sind, so betreffen sie gemeiniglich die allgemeinen Bedürfnisse de^ ganzen Christenheit. Du wirst im Gebethbuche die Muster finden, Ln welchem Gerste sie verrichtet werden sollen. V. Unterricht von der heiligenCommunion. (Ist besonders als Vorbereitung zur heiligen Communion zu lesen.) Was du von dem heiligen Abendmahle zu glauben hast, und warum es Jesus eittsetzte, hieß weißt du aus dem Meßunterrlchke; es enthält nähmlich unter den Gestalten des Brotes, so wie des Weines, Jesum Christum mit Leib und Seele, mit seiner Gottheit und Menschheit, so wie er auf Erden war, ufid für uns am Kreuze gestorben ist. Er hat es eingesetzet, um uns ein Denkmahl seiner Liebe bis an das Ende der Welt zu hinterlassen, und uns recht oft an das zu erinnern, was er für uns gethan und gelitten hat. Also das Andenken an Jesum ist eine Hauptsache bey dem heiligen Abendmahle. Wenn du hinzu gehest, so gibst du öffentlich Zu erkennen, daß du durch Jesu Leiden und Tod die Vergebung deiner Sünden und die ewige Seligkeit hoffest; du mußt also ernstlich entschlossen seyu, aller Sünde zu entsagen, und 144 fromm, gottesfürchtig, unschuldig und heilig zu leben. Du wirst gut thun, bey dieser Gelegenheit dein Taufgelübde abznlegen. (Sieh dasselbe im Gebethbuche.) Wenn du zur Communion gehest, so gibst du zu erkennen, daß du alle Menschen, wie deine Brüder lieben willst. Denn der Heiland wollte durch dieses gemeinschaftliche Mahl die innigste Verbindung zwischen ihm und seinen Gläubigen stiften und Unterhalten. Deßwegen hat er alle zu Einer Tafel geladen, und alle mit Einem Brote, nähmlich mit seinem allerheiligsten Leibe speisen wollen. Communion heißt auch auf deutsch nichts anders, als Gemeinschaft. Und sollte es wohl möglich seyn, da Jesus aus Liebe sich dir sogar Zur Speise gibt, daß du ihn nicht wieder lieben und allen Menschen von Herzen gut seyn solltest? Hüthe dich also, daß du nicht mit feindseligem Gemü- the zum Tische des Herrn hinzu gehest, oder wenn du eine Feindschaft gegen deinen Nächsten im Herzen hast. Solche Menschen will Jesus bey dem Abendmahle nicht haben. Denn da er es einsetzte, sagte er selbst Zu feinen Jüngern, man werde feine getreuen Schüler daran erkennen, wenn sie sich unter einander lieben würden. Die ersten Christen, um diese wechselseitige Liebe recht zu zeigen, genoffen das heilige Abendmahl gemeinschaftlich unter der Messe sammt dem Priester, luden alsdann die Ärmeren zu sich, theilten Speise , und was sie hatten, mit ihnen, rmd vereinigten so mit dem » 4.5 Abendmahle des Herrn Zugleich ein Mahl der christlichen Liebe. Du kannst diese frommen Seelen nachahmen , wenn du vor jeder Com- munion recht eigentlich den Vorsatz erneuerst, alle Menschen zu lieben, und allen Gutes zu thun, so viel du kannst; vielleicht kannst du Armen und Nothleidenden am Communion-Tage ein kleines Almosen geben. Besonders wird es schicklich seyn, das^Gebethfür seine Mitmenschen bey dieser seyerlichen Gelegenheit zu bethen. (Sieh das Gebekhbuch.) Endlich mußt du auch große Ehrfurcht bey dem heiligen Abendmahle haben. Bedenke nur, wer hu seyst, und wer derjemge sey, der zu dir kommt» Du bist Staub und Asche mit Elend und Müh-felig keilen bedeckt, kurz, ein sündhafter Mensch» Es ist aber der allerheiligste Gott, der zu dir kommt, es ist der Herr Himmels und der Erde, es ist Jesus, das Lamm Gottes, /den du durch deine Sünden getsdtet hast, der aber, von dem Lode erwecket, einst kommen wird, dich mit allen Menschen zu richten, und dir zu vergelten, was deine LhaLm ausweisen. Verdemüthige dich also Lief vor deinem göttlichen Heilande, schlag an deine Brust, wie der reu-mükhige Zöllner, und bekenne gleich dem Hauptmanne im Evangelio deine Unwürdigkeit , Jesum zu dir aufzunehmen. Wenn du mit diesen Gestnungen das heilige Abendmahl empfangest, so communicirest du wÜkhlg. Wer aber nicht Nachdenken will, ob er auch so beschaffen ist, wem Jesu Lehre Rath. Lese- und Gebethb. I. Bändcken. K »46 gleichgültig oder gar verhaßt ist, wer fich nicht bessern will, wer sichs nicht Zu Herzen nimmt, was Jesus für uns gethan und gelitten hat, sondern in der Sünde fortfährt; werJesum und seinen Nächsten nicht liebt, sich selbst vor Gott, der ihn heimsucht, nicht verdemüthiget, der com- rnunicirt unwürdig, er macht sich am Leibe und Blute des Herrn schuldig, weil er zwischen der geheiligten Seelenspeise und der täglichen Speise des Leibes gar keinen Unterschied macht, er ißt und trinkt sich selbst das Gericht und dieVer- dammniß hinein. 1. Kor. ir-28. Die unwürdige Communion hat Judas, den Verräther Jesu, in die ewige Verdammniß gestürzet. Welch ein Unglück, da den Tod sich hohlen, wo man das ewige Leben finden könnte. Darum prüft dich selbst, und gehe nicht ohne Vorbereitung Zum Tische deines Herrn ! es möchte dir sonst, wie dem Gaste im Evangelio ergehen, der aus Mangel des Hochzeitkleides aus dem Saale verstoßen wurde. Wenn du aber deine Sünden aufrichtig bereuet und gebeichtet hast, wenn es dir mit deiner Besserung Ernst ist, und du diese ganze Betrachtung recht zu Herzen nimmst; dann sey nicht kleinmüthig, sondern gehe getrost zu deinem Gott, und vertraue auf seine Barmherzigkeit. Eben in diesem heiligen Sacramente wirst du alsdann Kraft und Trost finden. Es wird deiner Seele (so wie das gemeine Brot dem Leibe) Nahrung und Stärke zum Guten und Kraft zum ewigen Leben erthcilen. »47 Jeden Communion-Tag wirst du alsdann unter die glücklichsten Tage deines Lebens zählen. O, erheitere dein Gemüth und steh, wie froh und selig das Christenthum mache! Eile freudig dem Herrn entgegen, und erinnere dich der schonen Worte, die er einst zu dem Zachäus gesprochen hat: Komm geschwind Zachäüs! drnn heute will ich in deinem Hause einkehren. Vl. Ueber den öfteren Gebrauch der heiligen Sacrarnente. (Besonders am Communion-Tage zu lesen.) Laß dir den öfteren Gebrauch der heiligen Sacramente empfohlen seyn. Nichts ist fähiger den Menschen zu heiligen, als diese, wenn sie mit der rechten Gemüthsoerfaffung empfangen werden. Das öftere beichten macht dich mir der wahren Beschaffenheit deines Seelenzustandes immer bekannter, du fängst an, auch kleinere Vergehungen zu fürchten; die wiederhohl- ten Uebungen der Reuc machen deinen Abscheu gegen die Sünde und deine Liebe zu Gott mimet lebhafter;/ die öftern Ermahnungen des Priesters ermuntern dich zum Guten, und feine vorgeschlagenen Mittet schützen dich vor dem Rückfälle in die Sünde. Endlich wird, so oft du das Sacrament der Buße würdig empfängst, die Gnade Gottes, die allein den Menschen heiliget, in dir gestartet und vermehrt. Was für schätzbare Vorkheile sind das! — K S- rq-8 Hingegen ist NachläßigkeiL in diesem Stücke die unglückliche Quelle, aus der die Lauigkeit vieler Christen entspringet. Je länger man das Beichten verschiebet, desto schwerer kommt es einem an. Unterdessen nehmen die Versuchungen überhand ; die Kühnheit zu sündigen wächst; die gemachten guten Vorsätze verschwinden all- mählig; die Erleuchtungen des heiligen Geistes und die Bewegungen der Gnade werden immer schwächer, wenigstens merket man nicht so sorgfältig darguf; endlich schleicht sich unvermerkt in das ohnehin so schwache menschliche Herz Furcht und Hl'el vor dem Beichten ein. Was Wunde?, dass man auf diese Art von Tag zu Lag m de? ch^st-ick-en Vollkommenheit abnimmt und fs immer laue-. , träger und kälter wird. W' yK du b-stchieu sollst, läßt sich im Allgemeine'", -/ -/ nest-.MMen/ Verschieben sollst du es wo-'.-i - ^du das Nnglück hast , in eme sch . -'? Sen.-» z er.seun die Gefahr säe dein/ s-eele ist m giop - auch ist nichts, was ///scheu tr/den Mfrieden stellen kann, ---K : . /ne-Sie Kirche schreibt n:e B: " ' r ngst/-L:/ Mahl des Jahres vor; aber ' ' großen V -ryeile willen, die du eben gelesen sch , ist es lehr rathsam, sich öfters dieses H.chisn.ittels zu bedienen. Du kannst dich zu delr Festtagen deiner heiligen Kirche nicht schöner Md Gott angenehmer vorbereiten, als wenn du an den Vorabenden derselben dein Gewissen reinigest. Es ist dieses ein frommer Gebrauch, welchen die Christen schon in den erste« Zciketch beobachtet haben. L4,9 Um in deinem Heilsgeschäfte noch sicherer zu Werke zu gehen, wähle dir einen frommen und erleuchteten Priester Zu einem beständigen Beichtvater; der wird dir über dieses noch nähere Belehrungen geben- Schenke ihm dein ganzes Zutrauen, und verhehle ihm nichts. Gehe auch dann nicht weg, wenn du das Unglück haben solltest, etwa gar in die nähmliche Sünde wieder Zu fallen. So, wie der Arzt einen Kranken, dessen Zustand er schon kennet, weit leichter heilet, so wird auch ein Beichtvater, wenn ihm einmahl dein ganzer Seelenzustand bekannt ist, weit glücklicher an deinem Seelenheile arbeiten, als wenn du von einem zu dem andern laufest. Bitte nur recht eifrig Gott um einen solchen Beichtvater, und du wirst ihn sicher fmdeu. So nützlich und noch wendig dir das öftere Beichten ist, so ist auch die yfteee ("Mit Ml)N. Der Leib kann ohne Speis' beym sMerr nicht erhalten werden, und eben so-wem. g My die Seele ohne das heilige AbeMmaßl lE-su. Dreß sagte Jesus ausdrücklich im io: Joh. 6 , 54. „Wahrlich, wahrlich chgelc-.uch, wenn ihr das Fleisch des Menfchensohnrs ÄH( esset, und sein Blut nicht trinket, so könnet ihr das Leben nicht in euch Häsen." So Wieder menschliche Leib durch die Nahrung MH gestartet werden, so wird auch die Seele des Menschen nur durch dieses lebendige. HimmelsbrsL Zum ewigen Leben gestartet. Es bewahret dein Herz vor der Anhänglichkeir an diese Welt, und erhebet deine Seele schon jetzt über die Erde,, IFO Cr stärket dich bey den Versuchungen zur Sunde , reiniget, schwächet und tödtet die Leidenschaften , und hält dich mit Gott schon hier, noch im Lhale des Jammers, vereiniget. Bedenke nur, daß derjenige^ der im heiligen Abendmahle zu dir kommt, der Weg, die Wahrheit und das Leben sey; und du wirst leicht begreifen, wie viel Gutes du von der öfterer Com- munion erwarten kannst. Erinnere dich ferners^ wie Gott selbst eine Freude hat, bey uns Menschenkindern zu seyn. Er rufetuns zu: ,,Kommt her zu mir alle, die ihr mit Mühseligkeiten beladen seyd, ich will euch erquicken.^ Er wartet auf uns Tag und Nacht, er ladet uns in den schönen Gleichnissen von des Königs Hochzeit und vom großen Abendmahle so dringend zu sich, verspricht uns so viele Gnaden, wenn wir ihn würdig in unser Herz aufnehmen; ja er drohet sogar denjenigen mit dem ewigen Tode, die zu seinem Tische nicht kommen würden. Brauchst du wohl noch mehr, um dich zu überzeugen, wie, wohlgefällig Gott, und wie notwendig und heilsam für dich die öftere Commu- nion sey? Es würde dir wehe thun, wenn du jemanden öfters zu Tische ladetest , und derselbe schlüge ohne Ursache deine Einladung aus. Mache hieraus den Schluß, wie undankbar du gegen Gott und Jefum wärest, wenn du gegen seine so dringenden Aufforderungen, gleich den geladenen Gasten im Evangelio, dich entschuldigen wollest. Erscheine also öfters an dem Gnadenrische deines Heilandes. Thue es aber nicht gedankenlos und aus Gewohnheit, sondern andächtig und mit der wahren Ueberzeugung deiner Seelendürftigkeit. Thue es nach der Anleitung, die dir in diesem Buche ist gegeben worden. VH. Von der Anbethung und Besuchung des heiligen Altars-Sacramentes. (Besonders in der Frohnleichnams-Octav zu lesen, und überhaupt bey Gelegenheit, da das heilige Sacrament zur öffentlichen Anbethung ausgesetzet wird.) Ich kann dich nicht dringend genug ermuntern, jede Gelegenheit, welche die heilige Kirche darbiethet, zu benutzen, um die lebendigen Beweise von der Hochachtung und Ehrerbiethung, die der rechtgläubige Christ dem heiligsten Al- tars-Sacramente schuldig ist, öffentlich an Lag Zu legen. Dieses geschieht, so oft man würdig communiciret, den öffentlichen Bethstunden bey- wohnet, und aus eigenem heiligen Eifer seinen Heiland in den Kirchen besuchet und anöethet. Diese Besuche, wodurch sich der Christ so viele Gnaden und Segnungen Gottes erwirbt, sollst du nicht unterlassen. Wenn du erwägest, daß du so oft und so gern deine Freunde besuchest, müßtest du dann, wenn du nicht eben so oft, und mit noch innigerer Freude deinen Erlöser zu besuchen verlangest, nicht selbst be- kennen, daß'es Kalt sinn und Undank verrathe; weil dieser dein größter Freund rmd Wohlkhä- ter ist? Aber es ist noch etwas, was dich Zu diesen heiligen Besuchen ermuntern soll. Bey der Anbethung und Besuchung des heiligsten Altars- Sacramentes wird der Mensch auf eine recht augenscheinliche Art in die Gegenwart Gottes gesetzt; die Gefühle der Anbethung und Ehrfurcht erwachen: Lob und Preis über Gottes Größe, Dank für seine WohlthaLen, Scham und Reue wegen des Bewußtseins, mit Sünden bedeckt vor dem Allerheiligsien zu stehen, der Entschluß, künftig würdiger zu erscheinen, redliche Zusage, den Gebothen des Herrn gehorsam zu seyn: dieses alles bemächtiget sich da unserer Herzen- Der Gedanke an die so nahe Gegenwart Gottes durchdringt die ganze Seele, reißt sie, wenigstens während dieser glücklichen Augenblicke, vo« der Erde los, und bringt sie gleichsam Gott nahe. Das Andenken an Jesu Leiden und Tod und an seine Liebe, mit der er sich uns zu genießen giebt, und bey uns bis an das Ende der Zeiten bleiben will, wird da aufs lebhafteste erneuert, und wir fühlen uns hingerissen, denjenigen wieder zu lieben, der uns zuerst so unaussprechlich gelte bet hat. Kann es wohlthätigere Empfindungen geben, als es die find, welche da erwecket werden? Und zuletzt, wenn du deine Armseligkeit be-- ttachtest, wie sehr hast du Ursache, zu deinem Arzte zu eilen! Sieh, wie er einst im Juden- lande keinen ohne Trost von sich ließ, der zu ihm kam! so wirst auch du von ihm nicht ohne Segen zurück kehren. Hübe nur ein festes Berkrauen, und er Wird die/Wunder seiner Gnade an dir erneuern« Er wird dich in deiner Blindheit erleuchten, deine Schwachheit stärken, und deine Krankheiten heilen« Düs Leben des Menschen ist voll Elend und Geistesübel; solltest du demnach dich nicht glücklich schätzen, .daß du den DrL kennest, wo du Ruhe von der Welt hast, und Hülfe nnd^ Trost für deine Seele sin den kannst? Der verkrame Umgang, den du da in -er feyerlichen Stille ,mit der Gottheit pflegest , sollte der dich nicht frömmer und zufriedener machen? Tausende erfahren täglich die segensvollen Wirkungen dieses heiligen Besuches; laß dich also auch ermuntern, ihrem Bey- spiele zu folgen. Zu nützlichen Andachtsübungen dienet dir aus dem Gebethbuche das Gebeth und Lied von dem allerheiligsten Altars-Sacramente; die An- bethung Gottes und Danksagung für alles Gute am Sonntage; das tägliche Gebeth, und das Gebeth für seine Nebenmenschen, und überhaupt die Gebethe Zu den gewöhnlichen Beth- ftunden. »54 VM. Von der Andacht Zur Mutter Gottes. Neber die Verehrung und Anrufung derselben. (Besonders an den Festtagen Mariä Zu lesen.) i. Wenn du die Würde betrachtest, Zu der dl e seligste Jungfrau Maria ist erhoben worden, so kannst du wohl keinen Augenblick anstehen, sie als das glücklichste Geschöpf auf Gottes Erde zu preisen, und gegen sie diejenige Hochachtung und Verehrung zu beweisen, die ihr unter allen Sterblichen am ersten gebühret. Ja, Gott der Herr, der mächtig und dessen Nähme heilig ist, hat große, große Dinge an ihr gethgn. Er sah mit Wohlgefallen , auf die Niedrigkeit seiner Magd herab, und wählte sie unter Taufenden ihres Geschlechtes zur Mutter desjenigen, durch den uns unglücklichen Adams-Kindern Heil widerfahren ist. In ihrem geheiligten Schooße ist das ewige Wort des Vaters Fleisch geworden; die Kraft des Allerhöchsten hat sie überschattet, und was aus ihr geboren wurde, das kam vom heiligen Geiste. Von diesem Augenblicke an , sagt die Schrift, werden sie alle Geschlechter selig nennen. Durch ein Weib kam der Tod in die Welt, und durch eine Jungfrau das Leben, »5A lisch e Schlange den Menschen getödtet. Maria aber war für uns eine glückliche Mutter, die unter ihren Herzen denjenigen trug, der uns aus der Gefangenschaft des Satans^ und vom ewigen Tode befreyte. Sie glich dem ausgehenden Morgensterne, der uns die Sonne der Gerechtigkeit, Jcsum Christum verkündigte , womit der Vater des Lichtes die verfluchte Erde zu erleuchten beschlossen hatte. In ihr haben sich seit der WeltschöpfUNg die Wunder der Allmacht, Weisheit und Liebe Gottes vereiniget, und selbst Gabriel, einer von den sieben Geistern, die um Gottes Throne stehen, preiset und erhebet sie, da er bey der' Verkündigung ihrer göttlichen Mutterschaft sie gnadenvoll und die gesegnetste aus allen ihres Geschlechtes nennet. Braucht es noch mehr, um dich zur Hochachtung und Ehrfurcht gegen Mariam zu ermuntern, die der Himmel selbst so entscheidend begünstigte? 2. Selig ist Zwar der Leib, der unfern Erlöser getragen hat, und selig die Brust, die ihn gesauget hat, aber noch seliger, spricht Jesus, sind diejenigen, die das Work Gottes hören, und es befolgen. Luk, l r, '2-7—28. Es wird also nützlich seyn, dir diese erhabene Mutter unseres Erlösers auch von der Sekte zu zeigen, wie sie in aller Weise Gottes Willen treulich befolgte, und als das liebenswürdigste Vorbild der menschlichen Tugend uns vorgn ging. Führe dir deM i Z6 nach Zu Gemüthe die unbefleckte Keuschheit und Em-gezogenheit, die stejdurch chr edles Betragen bey der- Erscheinung des Engels zu erkennen gab; ihren unbedingten Glauben an das Wort des Himmelsbothen: „Die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten';" und die vollkommene Ergebung in den göttlichen Willen , als sie sagte: „Sieh! ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte.,, Erwäge ihre Dankbarkeit gegen Gott, womit sie ihn bey der Heimsuchung Elisabeths geehrek, und es hoch angerühmet Hatte, daß der Herr so große Dinge an ihr that, und die riefe De- muth , womit sie sich aller dieser Gnaden viel Zu niedrig schätzte. Bedenke ihre mütterliche Zärtlichkeit, mit welcher sie ihr göttliches Kind pflegte, mit ihm nach Aegypten floh, ihn ängstlich bey der Rückkehr vom Osterfeste suchte, und unermüdet für seine Erhaltung und Erziehung besorgt war. Erinnere dich an ihren pünktlichen Gehorsam gegen die Landesgesetze , da sie Dem Befehle des Kaisers Augustus nachkam , und an die gewissenhafte Beobachtung der ihr yorgeschriebenen Religionsübungen Hey der Beschneidung Jesu, bey seiner Aufopferung in dem Tempel, und bey jeder andern Gelegenheit. Bemerke ^überhaupt ihr stilles liebreiches Betragen in allen Vorfällen ihresjLebens; ihre zuvorkommende Freundschaft gegen Elisabeth, und ihr wohlwollendes Herz, das bey der Hochzeit zu Kana die Stunde ihres Sohnes nicht ab warten konnte, sondern von den zärtlichen Worten überfloß- Sie haben keinen Wein. Bewundere endlich ihre innigste Theilnahme an den Schicksalen, so wie an dem Leihen und unverschuldetem Tode ihres geliebtesten Sohnes; ihre gk0^- müthige Entschlossenheit, ihm bis an die Schädelstätte zu folgen, und ihn, wie in der Wiege, so auch unter dem Kreuze nicht zu verlassen, sondern, wenn es ihm gefällig wäre, daselbst Zu sterben. -—> Dieß ist in Kurzem das liebenswürdige Gern äh lds von den Tugenden der heiligsten Jungfrau. Mußt du sie nicht recht lieben und hoch- schatzen, wenn du diese ihre herrlichen Eigenschaften betrachtest? und besonders, mußt du dadurch nicht überaus ermuntert werden, ihr schönes Beyspiel nachzuahmen? Z. Wenn dm diese beyden PuneLe recht überlegest, so.wirst du bald eirrsehen , aus welchen Gründen die katholischen Christen Mariam um ihre- Fürbitte anruftn. Dieß geschieht nähmlich wegen ihrer göttlichen MutterwÜvhe und wegen ihrer Erhöhung in den HiMMkl, welche eine Belohnung ihres gottseligen Wandels auf Erden war. Wir sind, nach der schonen Bemerkung der heiligen Väter, unter dem Kreuze Jesu, in der Person des heiligen Johannes zu Pflegekindern dieser heiligen und tugendhaften Mutter angenommen worden; kannst du demnach glauben, daß sie ihrer empfohlenen Kinder im Himmel vergessen werde? Ihre Freude war es schon hier auf Erden, manches gute Wort *L8 zum besten der Menschen bey ihrem Sohne zu reden, wird sie diese wohlthätigen Gesinnungen gegen uns nicht auch im Besitze ihrer Herrlichkeit beybehalten haben? Sie hat sich bey minder wichtigen Gelegenheiten, wie z. B. die zu Kana war, so wohlwollend der Menschen angenommen; sollte sie uns verlassen können, wenn wir sie um ihre Fürbitte in den wichtigsten Angelegenheiten unseres Lebens anssehen? z. B. vor einem wichtigen Unternehmen, bey gefährlichen Versuchungen Zur Sünde, in der heran- nahenden Todesstunde. Sollen wir arme sündige Menschen die Erhörung unseres Gebethes von Zesu nicht weit Zuversichtlicher erwarten können; wenn wir es durch die reinen und unbefleckten Hände seiner heiligsten Mutter darbringen? Zweifle auch nicht, daß eine solche Fürbitte der allerseligsten Jungfrau sehr wirksam sey. Die Schrift erzählt, daß Jesus in seinem sterblichen Leben seinen Aeltern unter- thänig war; was sollte also dieser liebevolle Sohn seiner Mutter abschlagen können, wenn sie für uns arme Kinder um Hülfe zu ihm ruft? Die Schrift erzählet, daß die Bitte Mariä zu Kana in Galiläa nicht umsonst war; und die mitleidige Fürbitte einer so sehr verherrlichten Mutter in dem Himmel sollte an dem Gnadenthrone ihres lieben Sohnes vergeblich feyn? Wie? Maria, die den Sohn der Barmherzigkeit in ihrem Schooße trug, sollte für unser Heil vergeblich bey demjenigen bitten, der uns zu erlösen von dem Himmel auf die Erde herab r§9 kam? Sieh , man müßte wenig Glauben haben, wenn man so denken wollte. Aus dieser Ursache haben die katholischen Christen zu allen Zeiten ihr Vertrauen zur Fürbitte Mariä an den Tag geleget. Durchgehe die Geschichte der Heiligen, und du wirst mit Vergnügen bemerken , daß sie zugleich große Verehrer Mariä gewesen sind. Ganze Völker und Königreiche haben sich unter den milden Schutz ihrer Fürbitte begeben; ja die ganze Erde ist voll der schönsten Denkmähler, die zum ewigen unumstößlichen Beweise dienen können, wie sehr die katholische Christenheit bemühet war, der seligsten Jungfrau ihre Hochachtung zu erkennen zu geben, und sich ihrer Fürbitte zu empfehlen. Diese ausgemachten Thatsachen können dich zugleich überzeugen , daß die Andacht zu Mutter Gottes nichts NeUkö sey. Wahrlich nicht. Sie ist so alt, als das Christenthum selbst. Die erste Ehrenbezeigung hat sie von einem Engel empfangen, und feit dieser Zeit haben die Scharen der Christen dieser beglückten Jungfrau allgemein ihre Verehrung bewiesen. Eben so un- gegründet ist auch der Vorwurf einiger Leichtsinnigen , als ob die Verehrung Mariä der Ehve Gotteö zu nahe träte, und unser Ber-- tMUeN auf die göttliche Barmherzigkeit und auf die Verdienste Jesu schwächen würde. Allein außerdem, daß wir die Mutter Jesu weder für die Gottheit anerkennen, noch auch ihr göttliche Ehre erzeigen;> so wird im Gegentheile die Ehre Gottes durch unsere Andacht zu Maria vermeh- r6y ret. Denn wir preisen Gott als den Urheber der Vorzüge und Gnaden, die er in ihrer Person vereinigte. Wir glauben, daß sie uns durch Jesum, und nicht aus eigenen Kräften helfe. Gott geben wir also die Ehre , wenn wir von ihm durch Maria Hülfe erlangen. Unser Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit und auf die Verdienste Jesu Christi wird durch unsere Zuflucht, die wir zu Maria nehmen, nicht geschwächt, sondern vielmehr ge stärket; denn wir wählen nur die reinsten und unschuldigsten Hände, um unsere Gebethe und , Wünsche vor den Thron der göttlichen Barmherzigkeit hinauf zu bringen , . und von da uns auf solche Art der segenreichen Wirkungen der Verdienste ' Jesu Christi zu uns der Fürbitte . sls .mcs Mittels, wozu uns -er Heiland selbst einen Wink gegeben ha-. „Denn da der Sohn Gottes durch diese, heiligste und reinste Jungfrau zu uns'kam; so! ist „dieß eür Zeichen, daß wir durch eben diese ,,heiligste Jungfrau zu ihm kommen sollten, um „der Schätze seiner Gnade und Liebe Lheilhaf- „tig zu werden/^ Also spricht der heilige Vernarb in einer schönen Rede auf die heiligste Jungfrau. Die Verehrung und Anrufung der heiligsten Jungfrau kann demnach der Ehre Gottes und den Verdiensten Jesu keines Weges zu nahe treten. Fliehe also ohne Anstand unter den Schutz der heiligen Goktesgebäreriun, habe eine recht kindliche Andacht zu chiefer zärtlichen Gnaden- mutter, achte die große Wurde, Zu der sie Gott erhoben hat, siehe aber auch auf ihre Tugenden, die sie dir zur Nachfolge hmterlassen hat; dieses ist die Hauptursache bey ihrer Verehrung. Wer glaubt, Mariam zu verehren, ohne ihre Lugenden nachZuahmen, der täuscht sich, und, ohne Vorsatz einer ernstlichen Lebensbefferung, auf ihre Fürbitte vertrauen/ heißt vielmehr ihres Schutzes sich unwürdig machen. Außer den Samstagen (Sonnabenden), die das ganze Jahr hindurch der Verehrung Mariä gewidmet sind, feyert die katholische Kirche vorzüglich folgende Feste: 1) Den Lag ihrer unbefleckten Empfäng- Nlß am 8. Decembek. Erneuere an diesem Tage mit der heiligen Kirche die fromme Meinung, nach welcher wir glauben, daß Gott sie wegen ihrer-so erhabenen Bestimmung von der Makel der Erbsünde ausgenommen habe. Empfehle dich besonders heut in den Schutz dieser unbefleckten Jungfrau, und fasse den Entschluß, allen Anschein der Sünde zu fliehen , besonders dich vor solchen zu hüthen, welche die schöne Reinig keit deines Herzens verletzen könnten. 2) Fhre Geburt , den 8. September. Freue dich da, daß endlich diejenige geboren wurde, die uns unfern Heiland auf die Welt brachte. Fasse zugleich den Entschluß, an Weisheit und Tugend immer zuzuuehmeu, und ein Freund und Wohlthäter deiner Brüder zu werden, damit die Menschen Ursache haben, auch deinen Geburtstag zu segnen. Wehe demjeni- Kath.Lese-und Gebsthb.T. L i6s gen, der durch seinen gottlosen Wandel den Wunsch veranlasset, daß er doch lieber nie wäre geboren worden! Z) Das NahmensfesL Mariä , am Sonntage nach ihrer Geburt. Die Kirche feyert dieses Fest, damit wir öfters an Mariam denken, und bey der andächtigen Aussprechung unö^Wie» derhohlung ihres Rahmens uns zugleich an ihre hohe Würde und an ihre großen Tugenden erinnern sollen. Die Kirche verleihet an diesem Tage, wie am Nahmen Jesu-Feste, unter den dir schon bekannt gemachten Bedingungen ihren Kindern einen vollkommenen Ablaß. Möchtest du dich öfters dieses heiligen Rahmens ehrer- biethig gebrauchen, aber auch zugleich bedenken, an was er dich erinnern soll. Bedenke endlich, daß vor Gott nur Tugend und Rechtschaffenheit gilt, und daß man sich auch nur dadurch einen wahrhaft guten Nahmen machen könne. 4) Fhre Opferung, den 2I. November. Erinnere dich da an den schönen Entschluß, mit welchem die seligste Jungfrau schon in ihrer Jugend die unschuldsvollen Tage ihres Lebens Gott heiligte, und laß dich dadurch zu einem ähnlichen Vorsätze ermuntern. Fromm und unschuldig zu leben, muß zwar das Pestreben jedes Christen seyn; aber diesen Vorsatz schon in der Jugend fassen, und öfters mit Bedacht erneuern, ist ein kostbares Opfer vor den Augen Gottes. Der Baum trägt keine Früchte, wenn das Stämmchen nicht Wurzel gefaßt hat.—- 5) Fhre Verkündigung, den 25. März. l6Z Erinnere dich da des glückseligen Augenblicks der Menschwerdung Zesu, und erwäge- zu was für einer Würde Maria erhoben wurde, da ihr der Engel ihre göttliche Mutterschaft verkündigte. Denke über ihr schönes Betragen bey ihrer Verkündigung nach, und laß dir da vorzüglich ihre Liebe zur Reim'gkeit, ihren Glauben, und ihre Ergebenheit in den Willen Gottes zum nachahmenswürdigsten Vorbilde dienen« 6 ) Ihre Heimsuchung , den 2. Zuly« Erinnere dich hier an den gottseligen Besuch, den Maria ihrer Anverwandten, der heiligen Elisabeth, machte- und an die schönen Ereignisse - die damit verbunden waren« Hier in den Armen einer gottesfürchtigen Freundinn ergoß sich die fromme Seele Mariä vollkommen« Hier war es, wo ihr ganzes Gefühl der Andacht und Liebe, der Demuth und des Vertrauens erwachte- und in einen Lobgesang aus- brach - den man nicht ohne Entzücken lesen kann. Hier ist er. -Meine Seele, (sprach sie) lobet den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott meinem Heilande« Er hat die Niedrigkeit seiner Magd in Gnaden angesehen« Von nun an werden mich selig nennen alle Geschlechter; denn er, der mächtig, und dessen Nähme heilig ist, hat große Dinge an mir gethan. Seine Barmherzigkeit währet vom Geschlechts zu Geschlechts über die, welche ihn fürchten. Er hat die Macht seines Armes gezeiget; die Hoffär- tigen hak er zerstreuet. Mächtige vom Throne gestürzet- und Geringe erhöhet, die Huugerigen L 2 164 hat er mit Gätem ßMtkkgeE, m»d die Reichen leer entlaßen; Er har sich Israels, feines Knechtes angenommen, eingedenk der Barmherzigkeit, wie er unfern Veraltern, Abraham rnd seinen Nachkommen auf ewige Zeiten verheißen hat!" So ergoß sich Maria. Sie überblickte die Herrlichkeit der Erbarmungen Gottes, und stellt ihrer Freundinn die ganze Reihe derselben vor Augen ; sie sieht im Geiste den Arm des Allerhöchsten die Schicksale der Königreiche lenken, erniedrigen und erhöhen, ersätügen und leer fortschicken, Zerstreuen und sammeln; sie sieht, wie kein Gottesfürchtiger noch verlassen war, und auch nicht wird verlassen werden. Wie verehrungswürdig muß dir Maria in allen diesen Ereignissen Vorkommen, und wie geschickt ist dieß schöne Gebeth, auch deine Seele zu ähnlichen Empfindungen zu stimmen. 7) Ihre Reinigung , den 2. Februar. Die Kirche erinnert sich an diesem Feste an den Gehorsam, mit welchem Maria nach den vollendeten Tagen ihrer Reinigung das Kind Jesus in dem Tempel dem Herrn dargestellet, und das vorgeschriebene Opfer gebracht hatte. Du hast hier eine schöne Gelegenheit, die Betrachtung über dich anzustellen, mit welcher Achtung du bisher die Gebräuche und Ceremonien der Kirche angesehen, und mit welcher Bereitwilligkeit du ihre Gebothe befolget hast. 8) ZumAndenken an dieSchmekzen Mariä - den Freytag vor dem Palmsonntage. A« diesem Tage erinnert dich die Kirche au den zärtlichen Antheil, den die Mutter Zss« au allen Leiden ihres So.) -es hatte, und besonders an die standhafte ö gebuug, mir der sie unter dem Kreuze Ieftr stand, und is-ren Sohn verbleichen sah. Hier Wae es, wo die Weissagung des alten Simeon ft§ c f den letzten Buchstaben erfüllet mm-de: daß nähmlich ihre Seele das Schwert des Schmerzens drrrchdringen-werde. Erwecke dankbare Empfindungen des Mitleids über- die ansgestanveaen Schmerzen Mariä , und nimm dir von chrer Geduld und Standh.aftigkei! das Muster,. nach welchem du dis Widerwärtigkeiten dieses Lebens ertragen sollst. 9) Die Himmelfahrt Mariä, den 15. August. Wir erinnern uns an diesem Lage des seligen Hintritts Maria und ihrer Aufnahme in den Himmel, wo sie Gott für ihre Tugenden und für ihre ausgestandenen Leiden belohnte. Andie- feM Tage wurde sie bey ihrem göttlichen Sohne die verherrlichte Fürsprecherin» aller Christen. Erwecke demnach kindliches Zutrauen auf'ihre mächtige Fürbitte^ aber auch ein heißes Verlangen nach dem Himmel, welcher ein Lohn für jene ist, die da leiden, und Gutes thun auf Erden. Da du nun die vorzüglichsten Festtage dev Mutter Gottes kennest, so will ich dir noch zum Schluffe die gewöhnlichsten Gebethe an zeigen, mit welchen die Mutter des Herrn von der ganzenChrk- stenherk geehret wird. Außer den Tagzeiten, welche die Kirche eigentlich nur den Priestern vorschreibet , sind es: der englische-Gruß, der Rosen Kauz und die lauretamsche Litamp. t) Der englische Gruß. Was den Ursprung dieses Gebethes betrifft, so mag es dir genug seyn, zu wiederhohlen, daß der selige Himmelsbothe, Gabriel selbst, der Urheber die» ses Gebethes gewesen sey. Ex hat der erste mit seinem Gruße die Hoheit und VprtrefflichkeiL dieser seligen Jungfrau der Erde angekündiget. Er hat di^ prächtige Lobrede angefangen: die nachmghls von der Kirche rviederhohlet, bis auf den heutigen Tag erhalten wurde, und bis an das Ende der Zeiten wird fortgesetzet werden. Schon in den ersten Jahrhunderten wurde dieser Gruß des Engels mit besonderer Andacht gebekhet, und die Kirche billigte in der Folge nicht nur diesen heiligen Gebrauch, sondern fügte demselben auch den Gruß der frommen Elisabeth, und ein kurzes Gebeth um die Fürbitte der Mutter Gottes hinzu. Seit dieser Zeit ist es gewöhnlich, mit dem Vater unser dieses Gebeth zu verbinden. Möchtest du nur auch von den Gesinnungen des Erzengels, der heiligen Elisabeth und der Kirche beseelet seyn, so oft du dix Mutter des Herrn: mit diesem Ge- bethe verehrest! (Sieh die Umschreibung desselben im Gebethbuche.) s) Der Rosenkranz ist eine Wiederhoh- lung des englischen Grußes mit dem inzwischen gesetzten Vater unser, und einigen andächtigen Betrachtungen über die merkwürdigsten Geheimnisse des Glaubens. Der Nähme Rosenkranz will so viel sagen, als daß er ein recht schönes Gebeth sey, welches, wenn es mit wahrer An». i 6/ dacht verrichtet wird, Jesu und Maria sehr wohlgefällig ist. Er ist emgeführet worden , damit die Andacht zur Mutter Gottes noch mehr verbreitet, und die guten Leute, besonders diejenigen , die nicht lesen können, auf eine leichte Art an die vorzüglichsten Geheimnisse des Glaubens erinnert würden. Eigentlich ist diese Art Zu bethen eine Nachahmung des Psalter-Gebe- thes. Nach dem frommen Gebrauche vieler Christen, welche täglich die hundert und fünfzig Psalme Davids bethen, wollte man denjenigen, welche mit Arbeit beladen sind, eine kürzere Anweisung geben, durch die zehnmahlige Abbe- thung der fünfzehn Geheimnisse die hundert und fünfzig Psalme, davon jede- Ave Maria einen vorstellte, wenigstens vorstellungsweife zu bethen. Leichtsinnige Menschen spotten zwar über die öfter» Wiederhohlungen, die daselbst Vorkommen , und sagen, sie wären unnütz und abergläubisch — aber laß dich dadurch nicht irre machen, noch gegen ein Gebeth einnebmen, welches man billig das liebste Volksgebeth nennen kann. Wir finden ja schon bey dem Propheten Jsaias und in der Offenbarung des heiligen Johannes, daß die Chdrubine, die Engel und die Heiligen Gottes nicht aufhören den Lobge- sang zu wiederhohlen, womit sie die Heiligkeit Gottes preisen; und im Evangelio steht ausdrücklich geschrieben, daß Jesus am Öhlberge das nähmliche Gebeth dreymahl verrichtet habe. Warum sollten also die Wiederhohlungen im heiligen Rosenkränze unnütz und aberglau- i68 bisch seyn? Freylich wäre es Aberglaube, wenn wir in die Anzahl der Worte und Wiederhohlungen eine geheime Kraft setzten; es wäre stolz und sündhaft gehandelt, wenn wir Gott unser Gebeth gleichsam verzählen wollten, aber das Hut kein guter, wohl unterrichteter Christ, sondern wir geben durch diese Wiederhohlungen unser heißes Verlangen zu erkennen, Jesumund seine göttliche Mutter nach Würde und nach Kräften zu ehren. Bediene dich demnach ohne Anstand dieses schönen Gebethes, aber sieh darauf, daß du deine Aufmerksamkeit versammelt haltest. Du wirst in dieser Absicht gut thun, bey Abbethung des Rosenkranzes fleißig an die Geheimnisse Zu denken, die daselbst Vorkommen. (Siehe den Rosenkranz mit den Geheimnissen im Gebethbuchy.) s) Die laurelanische Litaney. Ihr Gebrauch ist seit mehreren Jahrhunderten in der ganzen katholischen Kirche allgemein geworden. Sie enthält die Ausbrüche einer andächtigen Seele, welche in der Person Mariä die göttliche Mutkerwürde, das schöne Vorbild menschlicher Tugend, und die zärtlichste Fürsprecherin» bey dem Throne ihres'göttlichen Sohnes verehret. Sie enthält also gleichsam lln drey Abschnitten die drey Ursachen, um derentwillen Mariä diese Lobsprüche beygelegetwerden. Vermöge ihrer göttliche» Mutterwürde preiset sie die Kirche öffentlich als die heilige Gottesge- bärerinn, als die Mutter Jesu Christi, als eine Mutter der göttlichen Gnaden, als eine Mutter L§9 Wi-f^es Schöpfers mch Erlösers; deswegen nen- Kkt sie die Kirche die Ursache unseres Heiles, ein geistliches, ehrwürdiges, vortreffliches Gefäß , eine geistliche Rose, den Thurm Davids, ein goldenes Haus, d'e Arche des Bundes, die Pforte des Himmels, und den Morgenstern; Ausdrücke, die dir in den angesch offenen Erklärungen der LiLaney im Gebethbuche schon verständlicher werden gewacht werden; und deß- wegen erhebt sie die Kirche über alle Menschen, über alle Heilige und Engel, kurz , über alle Geschöpfe Gottes. Wegen ihrer vortrefflichen Augenöm gibt ihr die Kirche den Nahmen der allerreinsten, keuschesten, ungeschwächten, unbefleckten Mutter , deßwegen nennet sie die Kirche eine ehrenvolle, lobwürdige, gütige Jungfrau und einen Spiegel der Gerechtigkeit. Vermöge ihrer wirksamen FükspMche bey Gott wird sie eine mächtige Jungfrau- das Heil der Kranken, eine Zuflucht der Sünder, die Trösterin» der Betrübten und die Hülfe der Christen genannt. Endlich wie die Litaney im Nahmen undr mit dem Bekenntnisse des dreyeinigen Gottes, mit der Anrufung desselben ist angefangen worden; so schließen wir sie auch im Nahmen Jesu mit dem Bekenntnisse, daß er als das Lamm Gottes unsere Sünden getragen hat, und mit der demüthigen Bitte um seine hülfreiche Er- barmung. Dieß zeigt wieder recht schön den Geist der Kirche, vermöge dessen die Verehrung der Mutter Gottes zuletzt immer auf Gott gerichtet bleibt, und «ix di-e um- nsthwe-ndi-eM 170 Gnaden zwar durch die Fürbitte Mariä, aber nur von Gott allein zu erwarten hoffen. Möchtest du die lauretauische Litaney mit diesem Gerste betrachten und bethen! IX. Von der Andacht zu den heiligen Engeln. Ueber die Verehrung und Anrufung derselben. (Besonders am heiligen Schutzengelfeste zu lesen.) Es gibt, wie du schon aus dem Lesebuche weißt, außer unserer Welt noch unzählige andere vernünftige Geschöpfe, die von einer ganz geistigen Beschaffenheit und weit vortrefflicher sind, als wir Menschen. Ihrer Bestimmung wegen, Gottes Befehle im Himmel und auf Erden zu vollziehen, heißen sie Engels d. i. Bothen, Abgesandte Gottes. Sie sind stets bereit, den Willen Gottes eilfertig und schnell zu erfüllen, darum werden sie mit Flügeln abge- hildet. Diese Bereitwilligkeit, diesen schnellen Gehorsam der Engel stellt uns Jesus zum Muster auf, wenn er uns bethen heißt: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch aufErden." Die heilige Schrift erzählet uns von ihnen recht herrliche und trostreiche Dinge. r) Sie sehen das Angesicht Gottes im Himmel, Matth, 18, 20. Das ist: sie besinden sich im Himmel bey Gott in dem se- r ^ r ligsten Zustande. Er hat sie in den wichtigsten Ereignissen zur Ausführung feiner heiligsten Absichten bestimmt. So ließ cr durch den Erzengel Michael die hoffärtigen Engel in die Hölle verstoßen, und durch Gabriel die Menschwerdung seines SohneS verkündigen. Duweißt es/ wie sehr die Engel GotteS an allen Schicksalen des Erlösers Th eil nahmen , und dabey beschäftiget waren: bey seiner Geburt , in der Wüste, am Oehlberge, bey seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Ja sie werden einst mit dem Richter der Welt erscheinen und Absondererder Guten von den Bösen, Schnitter der Ernte, Sammler der Auserwählten und Zeugen der allgemeinen Auferstehung, des Gerichtes und der ewigen Vergeltung feyn. Wie sehr muß dich diese Kenntniß der heiligen Engel von ihrer so erhabenen Bestimmung mit Ehrfurcht und Hoch- schätzung gegen sie erfüllen! 2) Sie sind aber auch für das Wohl der Menschen auf Erden besorgt. Der heilige Paulus nennet sie dienstbare Geister, aus- gesandt zum Wohl aller, die die Seligkeit erben sollen. Hebt, i, 14. Was kein Monarch der Welt seinen Unterthancn gethan hat, das that uns Gott durch seine heilige Engel. Ihnen hat er unsertwegen befohlen, uns auf allen Wegen zu schützen, und auf ihren Händen zu tragen, damit wir nicht unfern Fuß an einen Stein stoßen. Ps. 90. Sie lassen sich unser Seelens keil aufs zärtlichste angelegen seyn, trauern über ^rn Fall eines Sünders, und freuen sich un- aussprechlich, wenn er Buße thut. Luk. r^, 10. Sie bringen vor den Thron des Allerhöchsten unsere Gebethe und Wünsche. Lob. 12, 12. Apokül. 8 , r-/t. Ja sie bitten selbst für uns, ihre mindern Brüder, und Gott hat versprochen , auf ihre Fürbitte Rücksicht zu nehmen. Wenn aus Tausenden nur ein Engel für ihn redet, heißt es bey Job AZ, 2Z., so wird sich Gott über ihn erbarmen. Die heilige Geschichte ist voll rührender Beyspiele von den Liebesdiensten, welche den Menschen durch Engel erwiesen wurden. Einem Engel hatten der sterbende Jsmael und der gehorsame Isaak ihr Leben, der fromme Lothdre Befreyung aus Sodoma, der Prophet Elias seine Nahrung in der Wüste, und der König Ezechias die Rettung der Stadt Jerusalem zu verdanken. Ein Engel hat die Unschuld der keuschen Judith, den Daniel in der Löwengrube, und die drey Knaben im Feuerofen unverletzt erhalten. Ein Engel hat den jungen Tobias aus seiner Reise begleitet, und das Gebeth seines alten Vaters dem Herrn dargebracht. Durch einen Engel wurde der Hauptmann Cornelius unterrichtet, was er Lhun sollte, um selig zu werden, und eben durch einen Engel ward der heilige Petrus aus dem Kerker befreyet. Dieses ist genug, um emzusehen, wie sehr die heiligen Engel uns lieben, und mit unserer Wohlfahrt beschäftiget sind. Du bist ihnen demnach für so viel Gutes aufrichtige Liebe und herzliche Dankbarkeit schuldig. Begehe and ach- tig die Festtage, weLche die Kirche Zu Hree Verehrung bestimmet hat, empfehle dich eifrig in ihre Fürbitte, und mache dich ihres Schutzes dadurch, würdig, daß du dich gegen ihre Eingebungen gelehrig und folgsam bezeigest» Vorzüglich aber soll dich die Ehrerbiethung gegen deinen heiligen Schutzengel abhalten, auch, wenn du allein bist, etwas zu thun , zuzulassen, oder zu denken - was wider dÜe Reimgkeit und Sitt- samkeit ist.. und dessen wir uns vor ehrbaren Menschen zu schämen hätten» Von der Andacht zu den Heiligen Gottes. Ueber die, Verehrung sund Anrufung derselbe^ (Besonders an dem Festtage aller Heiligen zu lesen.) Es ist wichtig, daß du über die Verehrung und Anrufung der Heiligen einmahl recht nachdenkest, Heils, damit du die Lehre der Kirche hierin einfehest, Heils auch, damit du dich durch die übereilten Reden derjenigen nicht irre führen lassest, die über diesen Gegenstand zu wenig unterichtet sind. Wir achten diejenigen Menschen schon hier auf Erden, welche von andern geschähet werden, und an denen wir liebenswürdige Eigenschaften entdecken; sollten wir denn also deßwegen nicht noch weit mehr die Heiligen in dem Himmel *74 hochschätzen ? Jetzt sind sie verherrlichte Freunde Gottes, er selbst belohnet ihre Treue, ihren Glauben, ihre geprüfte Geduld mit entscheidenden Vorzügen - wir erblicken an ihnen die herrlichsten Beyspiele derTugendm für alle Verhältnisse des menschlichen Lebens. Sollten wir also nicht die treuen Diener in Ehren halten, die der Herr selbst schätzet, weil sie einst seinen Willen so pünctlich erfüllten? Die wahre Ursache demnach, warum katholische Christen die Heiligen verehren, ist derer frommes Leben auf Erden und derer Verherrlichung in dem Himmel, wodurch Gott selbst seine Liebe gegen sie an den Tag leget. Achte nicht auf die Reden derjenigen, welche vorgeben, als wenn durch die Andacht zu den Heiligen der Ehre Gottes zu nahe getreten würde. Nein, wir erweisen weder der Mutter Gottes, noch den übrigen Heiligen göttliche Ehre, ja, du sollst bald sehen, daß durch die Verehrung der Heiligen die Ehre Gottes vielmehr befördert werde. Denn, was Lhun wir eigentlich , wenn wir die Heiligen verehren? Wir erinnern uns lebhaft an die treuen Diener Gottes und an ihre Tugenden; wir preisen sie glücklich, daß sie die irdische Laufbahn so herrlich vollendet haben, und nun als vollendete Gerechte bey Gott sind. Wir bezeigen unsere gerechte Freude über ihre Erhöhung Zum vertrauten Umgänge mit Gott, und danken demjenigen, der sie erhöhet hat. So ist zuletzt ja immer unsere Verehrung der Heiligen eigentlich r?5 auf Gott gerichtet, der ihnen jene Heiligkeit und Beständigkeit geschenket hat. So dienet uns derer Verehrung zu einer gesegneten Uebung im Guten, und Zur kräftig-en Aufmunterung, den Glauben und die Tugenden der Heiligen nachzuahmen und nach einer gleichen Seligkeit zu streben. Wird auf diese Art Gott nicht in seinen Heiligen geehret, und sollte ihm unsere Andacht zu ihnen mißfallen, da wir dadurch selbst zum Guten so kräftig ermuntert werden? Wir gehen von der Verehrung der Heiligen zu ihrer Anrufung über. Merke dir hier folgende zwey Stücke, du wirst bald sehen, was wir daraus für einen Schluß machen müssen. r) Die Heiligen bitten für uns. Wir stehen in Gemeinschaft des Glaubens mit ihnen; sie haben nie aufgehört unsere Brüder zu seyn. Kannst du demnach glauben, daß die triumphi- rende Kirche sich um die streitende gar nicht bekümmere ? Wie die Apostel und Märterer be» theten in ihrem sterblichen Leben für andere, und jetzt, da sie die Früchte ihrer Siege genießen, sollten sie das weniger thun? Der heilige Paulus sagt selbst, daß auf sein Gebeth bey einem Schiffbruche Gott 272 Personen beym Leben erhalten habe; und nun , da er bey Jesu Christo ist, sollte er kein Wort zum Besten derer reden, die seinem Evangelio glauben? Es ist also gewiß, daß die Heiligen bey Gott für uns bitten. Es ist aber eben so gewiß, daß Gott 2), Auf diese ihre Fürbitte und auf ihre Verdienste eine gnädige Rücksicht 1 76 NkylM. Wir lesen im alten Bunde, daß Gott mehrere Mahle seinem Volke, um Abrahams, Isaaks und Jakobs willen gnädig gewesen. Wir lesen, daß Gott um zehen gerechter Menschen willen ganze Städte vom Untergange hat be- freyen wollen; mußt du daraus nicht schließen, daß er uns noch weit mehr um seiner Heiligen im Himmel willen Barmherzigkeit erzeigen werde? In ihnen steht er ja das ungezogene Ebenbild seines Sohnes; in ihnen will Gott die Verdienste Jesu belohnen, als wenn sie ihrs eigenen wären; und so ist er um dieser seiner Lieblinge willen auch andern gnädig und barmherzig. Gott befiehlt fcrners im neuen Bunde, Jak. F , 16., daß wir für einander bethen sollen; um wie viel mehr wird ihm also das Ge- beth der Liebe gefallen, das die Heiligen für ihre dürftigen Brüder auf Erden verrichten? Es ist demnach sehr vernünftig und der Schrift ganz gemäß zu glauben, daß der gnädige Gott bey Bestimmung der menschlichen Schicksale auch auf diese Fürbitte Rücksicht genommen habe. Gesetzt nun, du wüßtest, daß deine Brüder sich gern für dich bey deinem Vater verwenden, und dieser sie gern anhöret, und wohl auch schon Afters ihre Bitte ihnen gewähret habe; würdest du dich noch weigern, an deine Brüder zu gehen- besonders wenn dein Vater wegen deiner Vergehungen Ursache hätte, dir manche Bitte abzuschlagcn? Wende das Gesagte auf die Heiligen an. Wir sind durch den Glauben unterrichtet, daß sie bey Gott für uns bitten, und »77 daß Gott ihre Fürbitte gnädig aufnehme; wir können also nicht mehr zweifeln, daß es auch billig und nützlich fey, die Heiligen aNZUrtt- fett. Sieh, dieß ist der Schluß, auf den ich dich führen wollte. "Diejenigen, welche nicht hinlänglich genug unterrichtet sind, geben zwar vor, als ob wir bey Anrufung der Heiligen ihnen allein das Gute zuschrieben, was wir erhalten, und dabep auf Gott, den eigentlichen Geber alles Guten, vergäßen. Allein, behüthe Gott! daß wir so etwas dächten. Ein Kind, das sich der Fürbitte feiner Brüher empfiehlt, weiß gar wohl, daß es das Gute yicht von ihnen, sondern vom Vater auf die Fürbitte der Brüder empfängt. Und so glaubt auch der katholische Christ nicht, daß ihm die Heiligen aus eigener Macht helfen, sondern, daß ihm aufdie Fürbitte der Heiligen von Gott geholfen werde. Er ruft sie an, um sich, als einen sündhaften Menschen, durch ihre Fürbitte der göttlichen Gnaden fähig und würdig zu machen, und die Hoffnung der Erhörung seines Gebethes noch mehr zu beleben. Die heilige Kirche gibt ja deutlich genug den Unterschied zwischen der Anrufung Gottes und der Heiligen zu erkennen. In ihren öffentlichen Gebethen, bey der Anrufung Gottes heißt es immer: Erbarme dich unser; bey der Anrufung der Heiligen aber: Bittet für uns. Kann uns etwas klarer von der Genauigkeit der Kirche überzeugen, mit der sie so sorgfältig Ausdrücke wählet, die allem Mißverstände Vorbeugen? — Du weißt nun die wah- Kath. Lese - und Gebethb. 7. Bändchen» M r/8 ren Gründe, auf welchen die Verehrung und Anrufung der Heiligen beruhet. Uebrigens wirst du auch aus dem Gesagten leicht abnehmen können, WDVM eigentlich die Andacht Zu den Heiligen besteht. Sie besteht nähmlich in der Hochachtung ihres Andenkens, in der Anrufung um ihre Fürbitte, und in der Nachahmung ihrer Tugenden. Wer sie nicht hochschätzet, der muß ein stolzer und unbilliger Menfch feyn; den wir halten ja sogar das Andenken würdiger Personen auf dieser Welt schon in Ehren. Ist es also nicht eben so billig , das-Andenken der Heiligen zu ehren? Wer sie nicht anrufet , handelt Zum allerwenigsten unklug; denn da ich dir gezeigt habe, daß Gott allerdings auf die Fürbitte seiner Heiligen Rücksicht nehme, so würdest du ja deinen eigenen Vortheilen zuwider handeln, wenn du sie nicht anrufen wolltest; nicht zu gedenken, daß du dadurch zugleich die schuldige Ehrfurcht gegen deine Kirche verletzen würdest, welche allgemein die Heiligen verehret und anrufet. Wer sie endlich verehret und anrufet, ohne ihre Lugenden nachznahmen, der hat eine falsche Andacht, die Gott und den Heiligen mißfällt; Gott, weil ihm keine Andacht gefallen kann, wodurch wir nicht besser werden ; den Heiligen, weil es gewiß ihr Wunsch ist, daß wir durch Nachahmung ihrer Tugenden Mitgenossen des Reiches werden sollen, das ihnen Gott zum Lohne ihtzes Wohlverhaltens gefchenket hat. 179 Um die Heiligen zu schätzen und ihnen nachzuahmen, muß man sie kennen. Ich empfehle dir daher die Lebensgeschichte der Heiligen zu lesen. Schon in den ersten Zeiten der Kirche hat man sie in den Versammlungen der Christen als die würdigsten Muster zur Nachahmung ausgestellt. Du erinnerst dich noch, was in der Meßauslegung bey dem Introitus gesagt wurde, daß man nicht selten über den Gräbern der Märterer die heiligsten Geheimnisse feyerte, und die Höhlen , worin sie lagen, unter andern auch deß- wegen zu Versammlungsorten der Christen wähle , um das Andenken der Heiligen zu ehren, und durch die Erinnerung an ihre Tugenden, an ihre Kämpfe sich im Guten zu stärken, und Zu einer gleichen Nachahmung sich aufzumun- lern. Und gewiß, nichts ist fähiger, den menschlichen Geist zur thätigen Ausübung des Christenthums zu stimmen, als der Hinblick auf die Heiligen. Man bewundert da mit anbethendem Erstaunen die Größe Gottes, der seine Diener mit einer unendlichen Verschiedenheit auf nur ihm bekannten Wegen an das Ziel führet. Man hört und liest mit einer Art von heiligem Vergnügen die großen Kämpfe, welche diese tapferen Streiter wider die Feinde des christlichen Rahmens, oder wider ihr eigenes Fleisch aus- halten mußten. Wenn man endlich so recht ihre große Liebe zu Gott, ihre rastlosen Bemühungen um die. Verbreitung der Religion, ihre Verdienste um die Menschheit , ihr abgetödetes Leben, ihre Flucht vor allem, was uus sklavisch rLo an die Welt bindet, wenn man die tiefe De- muth, die Keuschheit, die Geduld, die großmü- thige Verachtung der Reichthümer, und mehr dergleichen Tugenden, womit sie beseelet waren, betrachtet, und zugleich sich selbst ins Herz saget: Sieh, solche edle Menschen gab es zu allen Zeiten, in allen Orten, aus allen Ständen und Gesellschaften, in jedem Verhältnisse des menschlichen Lebens; wenn man dieses alles recht aufrichtig überleget, so wird man, wie durch ein Gesicht, gleichsam in den Garten des Christentums, versetzt, wo man auf einige Augenblicke die schönen Pflanzen sieht, welche so herrliche Früchte tragen. Man fühlet ein heiliges Vergnügen bep einem so gotteswürdigen Anblicke; die reinste Freude erquicket den an die Erde gehefteten Geist des Menschen, das Herz wird erwärmet und empfänglich für das Gute, Thränen fallen, und der redliche Entschluß erwacht, so edel, so würdig nach dem Glauben zu wandeln, wie diese Heiligen. Der Gedanke, daß sie einst das waren, was wir jetzt sind, schwache, sündhafte Menschen, dieser Gedanke flößet uns Muth ein, daß wir uns durch nichts abschrecken lassen, ihren Fußstapfen zu folgen, sondern, daß wir Vielmehr unter der Leitung der Gnade Gottes mit herzhafter Freude auf der Leiter der Tugend nach jener Vollkommenheit trachten können, in der sie uns voraus gegangen sind. Sieh, so wirken Beyspiele mehr als alle Lehren, und so kann die Lesung der Geschichten der Heiligen den rvohlthätigen Einfluß auf dein Herz haben. Und » 6 » zu dem ist es ja eine wahre Schande fär den Christen, wenn er sich um jede Stadtneuigkeit eifrig bekümmert, aber nachlässig ist zu erfahren, was sich in der grossen Stadt Gottes, im Reiche Jesu Christi zugetragen habe. Uebrigens ziehe deinen Beichtvater zu Rath; er wird dir hierüber die besten Bücher, und die sicherste Anleitung geben, wie du sie gebrauchen sollst. Wie allgemein die Andacht zu den Heiligen Gottes ist, kannst du schon daraus schließen, weil die Kirche an jedem Tage des Jahres das Fest einiger Heiligen begeht. Es kann dich aber in Absicht auf die Spöttereyen des Leichtsinnes pngemein beruhigen, zugleich zu wissen, daß eben diese Andacht zu den Heiligen schon im grauesten Alterthume der Kirche ihren Ursprung habe. Einen unwiderleglichen Beweis dazu gibt das Verzeichniss der Heiligen im Canon, den du schon aus der Meßerklärung kennest, und der schöne Gebrauch, von welchem ich kurz vorher Meldung machte. So alt nun diese Meßgebether und diese schönen Gebräuche sind, so alt ist auch die fromme Andacht zu den Heiligen. Du siehst, daß du hier mit deinen Gedanken bis in die Zeilen der Apostel zurück gehen musst, und folglich hie Andacht zu den Heiligen schon in den ersten Tagen des Christenkhums gebräuchlich war, Eine von den gewöhnlichsten Uebungen, wodurch die Kirche ihre Andacht zu den Heiligen an den Tag leget, ist die LLtaney V0N dett Heiligem Erklärung der Litaney von allen Heiligen. Die Kirche hak, wie du weißt, im Canon der Messe schon der. Heiligen gedacht. Wie nun mit ledem Jahrhunderte das Verzeichnis der Heiligen immer größer wurde, so las man, um die Messe nicht gar sehr Zu verlängern, bey dem Canon derselben das kleinere Verzeichniß, welches einige Heilige aus den ersten vier Jahrhunderten der Kirche enthielt; das größere Verzeichnis aber gebrauchte man hernach bey dem so genannten nachmittägigen Gottesdienste. Du siehst also, daß sich die Litaney in Rücksicht aus ihren Ursprung aus den ehrwürdigsten Zeiten des christlichen Alterthums herschreibt. Was ihre Einrichtung betrifft, so fängt sie, wie dir bekannt ist, mit der Anrufung dev Barmherzigkeit Gottes an: Herr, erbarme dich unser! u. s. w. Welch ein würdiger Anfang! Vor allem gebührt Gott die Ehre, und unsere Erhörung können wir von Gott nicht leichter hoffen, als wenn wir das Gebeth mit Demuth und mit dem Gefühle unserer Dürftigkeit anfangen. Hierauf folgt das schöne Bekenntnis der allerheiligsten Dreykinigkeit, und dann die eigentliche Anrufung der Heiligen Gottes nach der Ordnung. Billig steht oben an die Mutter deö Herrn aus dir schon bekannten Ursachen. Darnach folgt das Gedächtnis der heiligen En- gek, als der Erstgeschaffenen, und als derjenigen, die zunächst um Gottes Thron stehen; dann I8Z das Andanken des heiligen Johann des Täufers und Josephs, jenes, als des größten Propheten aus den Menschenkindern, dieses, als des von Gott erwählten Bräutigams der heiligsten Jungfrau. Die Kirche gedenket dieser Gerechten vor andern deswegen, weil die Schrift selbst sie vor allen übrigen mit so entscheidenden Vorzügen beehret. Sie will auch die Väter des ulten Bundes von ihrer Verehrung nicht ausschließen; denn die Schrift selbst rühmet ihren unverbrüchlichen Glauben an den Messias, ihre Treue im Dienste des Allerhöchsten, und ihren willigen Gehorsam gegen die Befehle Gottes. Aber sie kann sich der großen Menge wegen nicht aus einzelne einlassen, sie gedenket daher aller Seligen des alten Bundes unter dem Nahmen der Patriarchen, (verstehe Adam, Abel, Seth, Henoch, Noe, Abraham, Isaak, Jakob rc. und der Propheten, von Moses anzufangen bis,Malachias den letzten aus ihnen.) Aus dem neuen Bunde gedenkt alsdann die Kirche mit Recht zuerst der heiligen Apostel und Evangelisten, als der Grundsäulen der Kirche; dann der ersten Schüler Jesu, die man die Jünger des Herrn nennet, und der unschuldigen Kinder, denn diese sind wirklich durch ihren Märterertod und im Blute des Lammes Gottes gewaschen, in das Heiligthum des Himmels eingegangen. Die Kirche gedenket dann einiger aus ihren ersten Diakonen, d. i. derjenigen, die dem Priesterthume am nächsten waren, und zur Verpflegung der Armen auserwählet r§4 wurden, dergleichen waren Stephan, Lau- renz re. Sie gedenket dann einiger vorzüglicheren Märterer, z. B. des heiligen Vinzenz, Sebastian u. s. w. Von den Märterern geht sie zu den heiligen Bischöfen und Päpsten, wie z. B. Nikolaus, Sylvester, MärtM u. s. w waren, und zu den übrigen Priestern, Mönchen und Lehrern der Kirche über. Unter die Lehrer der Kirche rech-? net man vorzüglich die Heiligen Gregor, Ambrosius, Augustin und Hieronymus. Sie schließt endlich dieses Verzeichniß mit der Anrufung der heiligen FuttgfraueN und aller Heiligen Gottes überhaupt. Wie schön und tröstlich wäre es, wenn du dich durch die fleißige Lesung der Lebensgefchichten der Heiligen in Stand setze- test, bey einem jeden, wie mit einem Blicke, wenigstens dich auf eine oder die andere Tugend desselben zu erinnern. Da wäre wohl eine Hauptabsicht der Kirche erreicht, warum sie die Heiligen verehret, nähmlich, daß du bey der Erinnerung an sie zum Guten gestärket würdest. Mach der Anrufung der Heiligen wendet sich die Kirche unmittelbar zu Gott, und sie glaubt nun, durch die Fürbitte der Heiligen unterstützet, mit desto größerer Zuversicht die Abwendung aller Nebel, vorzüglich der SÜttbk, die Be- freyung von den Strafen der göttlichen Gerechtigkeit und der übrigen Leibes - und Seelennöthen von dem Allerhöchsten zu erwarten. Sie kommt da auch dem in der heiligen Schrift uns so sehr empfohlenen Gebothe nach, dem z» Folge wir für eMtMbek bethen soTeN. Der noch übrige Lheil der Litaney enthält daher lauter Fürbitten für die Sünder, für die Kirche, für ihr Dherhaupt, für die christlichen Fürsten und Könige , für die christlichen Völker, für alle unsere Gutthä- ter, Brüder, Freunde und Feinde, und für Me lebende und verstorbene Menschen, gerade wie es der heilige Paulus haben will; 1. Tim. 2, r—-s. Und damit wir die göttliche Barmherzigkeit desto mehr erweichen, so beschwören wir gleichsam Jesum bey allem, was uns das Heiligste von ihm ist, bey seiner Menschwerdung, Geburt, bey seinem Tode, bey seiner Auferstehung, seiner Erhöhung zur Rechten des Vaters, bey der Sendung des heiligen Geistes. Dieses alles geschieht in kurzen Absätzen und mit wiederhohlten Unterbrechungen des Volkes ; denn dieß ist die wahre Sprache eines Kindes, das seine Bitten gerade vorträgt, und mit einer heiligen Ungestümheik, die Jesus selbst empfiehlt, (Luk. r i, .5>—-,Z.,) sich an seinen Vater anschließt. Endlich folgt das dreymahlige Bekenntniß, daß Jesus das LüMM GotteS sey re. Da wir durch dasselbe von Gott die Vergebung unserer Sünden erhielten, so können wir allerdings noch zuversichtlicher um Jesu willen auch die Erhörung unserer Vit? ten erwarten, Die Litaney schließt, wie sie anfing, mit der Anrufung der göttlichen BaNN- Herzigkeit; denn das demüthige Gefühl des Menschen, daß er Staub und Asche, Gott aber i86 sein Herr ist, soll der Anfang und das Ende unserer Gedanken, Worte, Gebethe und Handlungen seyn. Sehr gewöhnlich enden die katholischen Christen ihre Gebethe mit dem Vater unser und mit dem englischen Gruße. Dieß geschieht nun auch hier am Ende der Litanei), so wie später am Ende der ganzen Nachmittagsandacht. Was jetzt folgt, hat die heilige Kirche in der schönen Absicht zur Litaney hinzu gesetzet, um unsere Andacht mit Gott noch ferners zu unterhalten. Wirklich taugt hierzu recht vortrefflich der schöne neun und sechzigste Psalm, der nun gebethe! wird. Die Worte dieses Psalmes sind dem königlichen Propheten David zu jener Zeit in den Sinn gekommen, als er eben durch seinen aufrührischen Sohn Absalon, und durch den bösen Anhang desselben in der größten Gefahr war. Der Christ ist in Absicht auf sein Seelenheil auch alle Augenblicke von unzähligen Gefahren umgeben. Die Welt, das Fleisch und der Teufel, sind die gefährlichen Feinde, die der Seele des Menschen unaufhörlich nachstellen. Du darfst also Davids Worte in seinem Anliegen nur auf deine Seelengefahren anwenden, so wird dir dieser ganze Psalm recht verständlich feyn, und zugleich deine Andacht ungemein erwecken. Der Psalm fängt so an: Gott! steh auf meine Kettung, Herr! eile mir,zu helfen. In dem Munde Davids sind diese Worte ein Auf- ruf zu Gott bey der Gefahr, Ln der er sich wegen seines aufrührischen Sohnes und des bösen Anhanges desselben befunden hatte; in dem Munde des Christen können sie auf alle leibliche und geistliche Nöthen angewendek werden. In jeder Lage kann der Christ rufen: Herr! eile mir zu helfen, weil er nie sicher ist, und stets Gottes Hülfe braucht. Schamroth, heißt es weiter, und zu Schanden sollen sie werden, die meiner Seele (meinem Leben) nachsiellen. Ungeachtet der großen Gefahr, in der sich David befindet, hoffet er doch, daß Gott seine Feinde zu Schanden machen, und ihre heillosen Absichten gegen ihn vereiteln werde, und daß sie sich auf diese Art Zuletzt selbst noch werden schämen müssen. Was es immer für ein Anliegen ist, in welchem der Christ um Rettung bittet, so muß er, wie David, auf Gott vertrauen, und sicher hoffen daß ihm nichts schaden werde. Dieses lebhafte Vertrauen ist eine nothwendige Bedingung, wenn uns Gott helfen soll, und daran sollst du dich bey diesem Verse vorzüglich erinnern. Weichen müssen sie, und zu Schanden stehen, die mir Uebels wollen; beschämt müssen sie abtreten, die mir sagen: Da! da, recht auf ihn. David verbindet hier zugleich die lebhafte Beschreibung der boßhaften Gesinnungen, mit welchen seine Feinde gegen ihn erfüllet waren. „Die mir Uebels wollen, (heißt es) d. i. die Wohlgefallen an meinem Untergange haben, die i6S darüber jauchzen, und durch ihr wildes Gefchrey: Dtt! dü! wie mit Fingern auf den Gegenstand ihrer Wuth hinzejgen,^ s Die Abscheulichkeit dieser teuflischen Gesinnungen hat die Kirche auf den allgemeinen Feind der Religion und Tugend angewendet, und darunter alle diejenigen verstanden, die durch Verführung dem geistlichen Leben der Seele nachstellen, und an Ungerechtigkeit oder an Ausführung irgend einer bösen That Wohlgefallen haben. Die Kirche läßt daher die Gläubigen zu Gott bethen; Der treue Hirt möchte seine schwache Herde gegen so mächtige Feinde in Schutz nehmen, die aus derselben schon die Opfer ihrer Verführung ausersehen, und ihre bösen Gesellen zur Unterstützung mit dem Rufe versammelt haben: Da! da! recht auf ihn! machet ihn vom Glauben und von der Tugend abwendig; vergiftet jeden seiner guten Gedanken durch Vorspiegelung böser Reitze und Beyspiele; tödtet seine Seele Zum ewigen Verderben. Aber mit dem Gebethe und mit der Hoffnung des göttlichen Schutzes in solchen Gefahren des Lebens mußt du auch stets bereit feyn, diejenigen Mittel zu verbinden und zu gebrauchen, welche Vernunft und Religion in solchen Fällen dir verschreiben. Sie sind vorzüglich strenge Wachsamkeit über dich selbst, um den Reitz dev Sünde noch in der Geburt zu ersticken, und eilige Flucht der Gefahren und bösen Gelegenheiten. Anders kannst du Gottes Schutz weder hoffen, noch darum bitten. Vom Gebethe um Hülfe und Beschämung seiner Feinde geht David zur »89 Fürbitte für die Frommen über. Me? alle, die dich suchen, spricht er, sollen frohlocken, und sich Ln dir erfreuen, und die dein Heil (deine Hülfe) lieben, sollen immerdar sagen: HochgelobeL sey der Herr! Die Frommen will David sagen, die mein Unglück nicht wünschen, sondern sich vielmehr um Hülfe für mich zu dir wenden, müssen sich dann über die Erhörung ihres Gebethes freuen, und dich, den Helfer aus der Noth, loben und preisen bey allen Menschen. Im Sinne der Kirche enthalten diese Worte ein allgemeines öffentliches Gebeth, daß Gott alle Frommen, die sich in den Angelegenheiten ihres Heiles und in ihren Bedrängnissen für sich und für andere zu ihm wenden, gnädigst erhöre, damit sie ihn dafür loben und preisen mögen. Ach aber bin dürftig und ohnmächtig, o Gott! stehe mir bey; denn nur du bist mein Helfer und Erretter, o Herr! verweile nicht. Das Gefühl der großen Hülfs- bedürftigkeit preßt dem bedrängten Könige diese Worte aus. Aber eben weil er dieses demüthig erkannte und öffentlich bekennete, so half ihm Gott auch aus seiner Noth. Sehr anwendbar sind diese Worte für jeden Christen. Wir sollen beym Gebethe nie unsere eigene Schwäche vergessen. Wer es nie beym Bethen denkt und fühlt, wie ohnmächtig und arm er ist, dem fehlt ein wesentliches Erforderniß zum wahren Gebethe; die demüthige Empfindung unserer 190 Armseligkeit und Abhängigkeit von Gott. Erst dann, wenn er dieses fühlt, sagt der Mensch mit Empfindung seines Herzens: Komm, eile mir zu helfen, du bist mein Retter Herr! verweile nicht. Dann ist er aber auch erst der Er- hörung seines Gebethes fähig und werth. Dieser schöne Psalm endiget sich nun mit den Worten: Die Ehre sey dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie im Anfänge, so auch jetzt, und zu ewigen Zeiten. Er enthält, wie du siehst, das schöne kurze Bekenntniß der allerheiligsten Drepei- mgkeit. Was nun folget, enthält kurze Sprüche, Wünsche, Bitten und Fürbitten, größten Theils aus der heiligen Schrift gesammelt, und dann vom Volke wechselweise bestätiget und beantwortet. Mache selig deine Diener, die auf dich hoffen. Mit diesen Worten bittet die Kirche Gott für jene, die auf ihn ihr Vertrauen setzen; sie kann die Erhörung dieser Bitten um so getrösteter erwarten, da er selbst verheißen hat, daß diejenigen nicht zu Schanden werden sollen, die auf den Herrn hoffen. Sey UNs, Herr, ein starker Thurm wider unsere Feinde. Gleichwie ein Thurm zum Schutz gegen die Feinde dienet, eben so bittet die Kirche Gott möchte uns wider unsere Seelenfein- de statt eines unüberwindlichen Thurmes dienen. Welch ein schönes Bekenntniß der Allmacht Gottes ist das! Lasse den Feind nichts vermögen wider uns; und das Kind der Boßheit schade uns nicht. Mt diesen Worten bittet die Kirche um den Sieg über unsere Seelenfeinde, die oft in der Schrift Kinder der Boßheit und des ewigen Verderbens genennet werden. Herr! handle nicht mit uns nach unseren Sünden, und vergelte uns mcht nach unseren Boßheiten. Dreß ist ein demüthiges Bekenntniß unseres großen Verderbens und eine gläubige Aufforderung der göttlichen Barmherzigkeit, unser zu schonen. In diesem Geiste rief einst David im 129. Psalm: Herr! wenn du aller Vergehungen gedenkest, wer wird vor dir bestehen können? und im 142. Psalm: Herr! gehe noch nicht mit deinem Diener ins Gericht; denn vor deinem Angesichte ist kein Sterblicher gerecht. Lasset UNs bethen für unfern Oberhirten N. Der Herr erhalte ihn lebendig in allen Gefahren, mache in schon hier auf Erden selig, und übergebe ihn nicht denHän- den seiner Feinde. Diese Worte sind aus Ps. 40. genommen, und enthalten die schöne und zugleich pflichtmäßige Fürbitte für das Oberhaupt unserer Kirche. Eben so reinen und liebevollen Sinnes sind die folgenden Fürbitten für Wohlthäter, Verstorbene und abwesende Brüder. Die Kirche bittet, Gottmöch- te ihnen Hülfe von seinem Heitigthume schicken und sie von Zion aus beschützen. Diese Worte sind eine schöne Anspielung auf die Arche im alten Testamente, welche das Heiligthum der Juden war, und in der Stadt r ys Davids auf hem Schlosse Zion aufgestellt wurde. Da hatte Gott seine» besonder» Wohnort aufgeschlagen, und sein auserwähltes Volk in Gnaden angesehen. Dahin waren aller Augen gerichtet, und von dort aus, aus Zion von der heiligen Arche her, erwartete der Jude Segen und Hülfe. Die Arche der Christen ist der Tabernakel, und die Stadt, in der dieser Tabernakel aufbewahret ist, sind unsere Tempel. Da erfreuet uns Gott mit der gnadenreichen Gegenwart seines Sohnes Jesu, und rufet uns zu: Kommet her zu mir alle , die ihr mit Mühseligkeiten beladen seyd, und ich will euch erquicken. Wenn du also die Worte hörest: Herr! sende Hülfe von deinem Heiligthume rc. so erhebe deine Blicke zum Throne der göttlichen Barmherzigkeit, wo das Lamm Gottes unter den Brotsgestalten verhüllet sich deinen Augen darstellet, und rufe: O Jesu! sieh mitleidig von deinem Heiligthume auf uns alle herab; lasse uns und allen, für die wir dich bathen, von deinem Gnadenthrone Hülfe und Schutz erfahren. Herr! erhöre mein Ge- beth, und laß mern Rufen zu dir gelangen! Dieß ist ein gewöhnlicher Eingang, mit welchem David seine Gebethe zu Gott anfing; und da der Priester im Nahmen des Volkes nun mehrere Gebethe zu Gott richtet, so stehen diese Worte hier an einem sehr schicklichen Orte. Uebrigens / da diese kurzen Aufrufungen des Priesters und die Antworten des Volkes größten Theils, wie du gesehen hast, aus der Schrift !YZ genommen wurden, so bemerkeich hier wieder den liebenswürdigen Geist der Kirche. Wo sie nur immer kann- wählt sie die Sprache der Schrift, und ob es gleich richtig ist, daß Gott nicht auf die Worte, sondern aus das Herz sieht- so glaubt sie doch durch diese sorgfältige Wahl unseren Geist und unser Herz mit derjenigen Andacht und Ehrfurcht zu erfüllen , die wir überhaupt gegen die Schrstft, da sie Gottes Wort ist , haben müssem Die nun folgenden Gebethe sind so deutlich, daß du sie nur aufmerksam mit dem Priester be- then darfst, um sie zu verstehen. Ihr Inhalt ist; Bitten um Verzeihung der Sünden und Nachlassung ihrer Strafen; um Erhörung des demüthigen Volksgebethes; abermahlige Fürbitte für den Papst; Bitte um Frieden, Keuschheit- Segen bey unfern Unternehmungen und um Erhörung unserer Fürbitten überhaupt Hierauf folgt das Gebeth für den Landesfürsten, und dann das schöne Gebeth für die Anliegen der ganzen Christenheit, ganz nach dem Geiste der Kirche- nach welchem sie Ln ihren Andachten immer die Wohlfahrt des Ganzen vor Auges hat; Wirklich laßt sich fast kein Bedürfniß denken, von welchem hier nicht Meldung geschähe. Alle ihre Kinder, ohne Ausnahme, sammt den Verstorbenen empfiehlt sie da mit wahrhaft mütterlicher Sorgfalt der treuen Vatergüker des Herrn, und erneuert so unvergleichlich die selige Gemeinschaft, welche die triumphirende, streitende und leidende Kirche unter sich hak. Sie Kath. Lese- und Gebethb. I. Bändchen. R 194 schließt endlich diese Gebethe, wie oben die Li- taney, mit Abbethung der gewöhnlichen fünf Vater unser und Ave Maria- und des apostolischen Glaubensbekenntnisses. Wenn du diese Erklärung öfters und mit Aufmerksamkeit liesest; so hoffe ich - daß du mit Ruhe und Erbauung und mit Segen für dein Seelenheil dem nachmittägigen Gottesdienste beywohnett werdest. XI. Von dem Gebethe für die Verstorbenem Über das ehrwürdige Alterthum und den Werth desselben. (Besonders am Aller-Seelen-Tage zu lesen.) Die katholische Lehre von dem Fegefeuer ist dir schon aus dem bekannt, was oben von den letzten Dingen des Menschen ist gesaget worden^ Um dich nun zum Gebethe für die Verstorbenen aufzumuntern, so will ich dir vor allem das ehrwürdige AtterthUM desselben zeigen. Zum Lheil erhellet dieses schon aus der merkwürdigen Stelle 2. Machab. 12, 46., worin erzählet wird, daß der tapfere Feldherr Judas Macha- bäus nach einer blutigen Schlacht eine große Menge Silbers nach Jerusalem geschickt habe, um für das erschlagene Kriegsvolk opfkVN und bethen zu lassen ; ja der heilige Verfasser der obigen Stelle setzt noch hinzu: Es ist ein heil- r§5 samer Gedanke, für die Tödten zu bethen, damit sie von ihren Sünden (d. i» von der Straft derselben) befreyek werden- Der Gebrauch, für die Todten Zu bethen- ist folglich noch älter als das Christentum selbst ; er schreibt sich schon aus den Zeiten des alten Testamentes her. Jesus hatte demnach nicht einmahl nöthig, hierüber eigene Vorschriften zu ertheilen, weil so wohl dir Lehre vom Reinigungsorte, als auch vom Gebethe für die Verstorbenen schon zu fers neu Zeiten allgemein bekannte Dinge waren- Daß aber auch schon in der christlichen Kirche zu dett Zeiten der Apostel das Gebeth für Verstorbene üblich gewesen sey, wird daraus klarweil die ältesten Lehrer der Kirche immer behaupteten - daß sie den Befehl dazu von den Aposteln erhalten haben- TerttllliüN bezeuget in seiner Aufmunterung zur Keuschheit und im Buche von der Siegeskrone eines christlichen Märterers, daß der Gebrauch. für die Verstorbenen zu bethen, von den heiligen Aposteln setöst in die christliche Kirche eingeführet worden sey. UNd der heilige Chrysost0lNUs in der dritten Homilie über die Epistel des heiligen Paulus an die Philipper i. Kap. sagt: Es ist nicht umsonst von den heiligen Aposteln verordnet worden, daß man bey der Handlung der ehrwürdigen Geheimnisse auch derer gedenke, die von hier geschieden sind. Wenn es auch dieser heilige Lehrer nicht gesagt hätte, so würdest du es schon aus der Meßerklärung wissen-, daß man im Canon derselben zu allen Zeis Ns 196 len der Verstorbenen gedachte; denn man glaubte, sagt der heilige CyNll in der fünften Katechese 8. § , daß es den Seelen zur größten Erquickung gereichen müsse, für sie in einem Zeitpunkte zu bethen, da die heiligsten Geheimnisse begangen werden. Was dich aber ins besondere zum Gebethe für die abgeschiedenen Seelen ermuntern soll, ist das Gesetz der christlichen Liebe. Sieh, die Seelen in dem andern Leben und die Kinder Gottes auf Erden stehen sammt den glücklichen Bewohnern des Himmels in der genauesten Gemeinschaft unter einander. Sie machen unter ihrem Oberhaupte Jesu Christo nur Eine Kirche Gottes aus, und sind durch das Baud der Liebe mit einander verbunden. Auch sie sind und bleiben in der Ewigkeit unsere Brüder, und haben Anspruch auf unsere Liebe, die der Tod nicht schwächen oder unterbrechen kann. Wenn nun die Liebe in der aufrichtigsten Theilnahme an dem Schicksale der Kinder Gottes bestehet, so darf es uns schon nicht mefir gleichgültig feyn, in was für einem Zustande sich unsere abgeschiedenen Brüder und Schwestern befinden. Nun weißt du aus der Lehre von den letzten Dingen des Menschen; daß das Schicksal der Seelen im Fegefeuer wirklich bedauernswerth ist. Viele aus ihnen sind noch über dieß vielleicht deine Aeltern, Freunde, Wohlthärer und Bekannte , die dir auf dieser Welt viel Angenehmes und Gutes erwiesen haben. Die Liebe also und bcy den letzter« auch zugleich die schuldige 197 Dankbarkeit, verbinden dich , für sie zu Gott zu siehe« , daß er ihre Leiden abkurze, und sie der ewigen Glückseligkeit theilhaftig werden lasse. Auch das Gesetz der Billigkeit verbindet dich dazu. Jesus hat es bey Matthäus 7, 12. also vorgetragen: Alles, was ihr wollet, daß die Menschen euch thun sollen, das thut auch ihr ihnen. Nun sage mir, wenn du dich einst in der Lage d-m abgeschiedenen Seelen befinden wirst, (und wer stirbt wohl so rein, daß er dieß nicht fürchten dürfe?) würdest du da nicht wünschen , daß deine lebenden Brüder und Schwestern für dich den himmlischen Vater bitten möchten? Du hast es gern, daß die Seligen in der Ewigkeit durch ihr Grbeth dir zu Hülfe kommen; ist es demnach nicht eben so billig, daß auch du durch das deinige den Abgestorbenen ihr hartes Schicksal erleichterest? Gewiß, Gott und die Abgeschiedenen müssen Freude an einem solchen Gebethe haben. Gott, weil es ein schöner Beweis deines kindlichen Gehorsams gegen sein thcures GeboLh ist, durch welches er uns brüderliche Liebe gegen einander aufgetragen hat. Selbst um dieses Gehorsams willen wird er dein frommes Gebeth für sie nicht unerhört lassen. Aber auch diese Seelen werden sich freuen, selbst dann noch freuen, wenn sie wirklich deine Fürbitte nicht mehr nöthkg haben sollten. Denn gleichwie ein Verreiseter Freude empfindet, wenn er erfährt, daß eine unbekannte Hand ihm auf seinem beschwerlichen Wege ein Labsal zuschicke, gleichwie 198 >- es ihn freuet, wenn er auch nur daran denkt, daß seine Freunde, ob er gleich von ihnen entfernet lebt, doch noch immer feiner gedenken; eben so freuen sich auch die Verstorbenen, welche bereits sh re Reife in die Ewigkeit angetreten haben; sie freuen sich , daß ihre lebenden Brüder auf Erden ihrer gedenken, und es tröstet sie die Rück- k* erinnerung, daß durch ihre Fürbitte ihnen Linderung verschaffet, und die Zeit ihrer Leiden abgekürzet werde. Aber du denkest vielleicht: Was werde ich dem Verstorbenen durch meine Fürbitte nützen, da sein Schicksal bereits entschieden ist? Wird Gott auf meine Fürbitte seine unveränderlichen Rathfchlüffe andern, und das Strafurtheil über den Verstorbenen zurück nehmen, das er nun * ein Mahl über ihn beschlossen hat? -— Wenn diese Schwierigkeit nicht gehoben werden könnte, so würde nothrvendig folgen, daß gar alles Gebeth ohne Nutzen sey. Denn alle unsere Schicksale sind von Gott vorher gesehen und bestimmt, ehe wir noch waren. Wenn wir nun deßwegen nicht bethen sollten, was waren dann die göttlichen Aufforderungen zum Gebethe? was wären die tröstlichen Verheißungen der ge- ' wissen Erhörung? Allein, nichts ist leichter als diese Schwierigkeit zu heben. Es ist wahr, unser Schicksal ist bereits bestimmt, und Gott ändert seinen Rathschlnß nicht mehr. Aber hat ?r denn nicht auch unser Gebeth und unsere Fürbitte voraus gesehen? Hat er nicht bey Anordnung unserer und anderer Schicksale in dlk- 199 sek und in jene? Welt auch auf unser Gebeth und auf unsere Fürbitte Rücksicht nehmen können? Hat er nicht nach dieser Vorausse- hung seinen Entschluß von Ewigkeit abmessen, und alles so einrichten können, daß unsere Bitten und die Erhörung derselben Zusammen treffen müssen? Und wenn er es könnte, so that er es auch , weil er die Erhörung gar zu steuerlich verheißen hat. „Es wird geschehen, (sagt der Prophet Isaias 6§, 64.) ehe sie rufen, will ich sie schon erhören." So hat er dann auch unsere Fürbitten für die Verstorbenen schon voraus gesehen und erhöret, ehe wir und sie noch vorhanden waren, ja, wenn sie sich wirklich schon im Orte der Erquickung befinden, so kann unser Gebeth für sie dazu etwas beyge- tragen haben. Welch ein beruhigender Gedanke! Und wer sollte nicht gern für die Verstorbenen bethen, um dieses süße Vergnügen fühlen zu können! X!l. - Mer die Fasten, (Besonders an gebothenen Fasttagen Zu lesen.) Die Kirche, wie du weißt, untersagt uns das ganze Jahr hindurch am Freytage und Samstage den Genuß der Fleischspeisen. Sie gebiethet uns ferners durch die ganze Fastenzeit (die Sonntage ausgenommen), an den Vigilien oder Vorabenden einiger hohen Feste, 2ßq «. und drey Tage zu einer jeden IahrszeiL, die man Quatember nennet, nebst der Enthaltung vom Fleische, noch den Abbruch, welcher darin besteht, daß wir uns mit einer Mahlzeit begnügen müssen. Um dich Zur gewissenhaften Haltung dieses Gebothcs zu ermuntern, wird es genug seyn, dich mit dem ehrwürdigen Alter- thmn der Fasten und mit den heiligen Abrichten der Kirche bekannt zu wachen, welche sie durch die Auflegung derselben bcy ihren Kindern erreichen will. Die Fasten ist eigentlich so alt, als das Menschengeschlecht selbst. So lange es Menschen gegeben hat, so lange waren auch Lkl-» bkNschtchtkN vorhanden. Diese Leidenschaften nun, die uns so sehr bestürmen, sind es vornehmlich , die den Menschen unglücklich machen. Diese müssen also gedämpfet werden, wenn der Mensch zu der ihm so nothwendigen Ruhe des Geistes gebracht werden soll, Dazu nun ist Fasten eines der schicklichsten Mittel. Wenn der Magen zu voll ist, wird der Geist in feinen Beschäftigungen gehindert. Der Unmäßige verfällt in Laster, davon der Mäßige frey ist. Andererseits ist derjenige, der die Mäßigkeit beobachtet, allezeit geschickter Gott zu dienen, um ihm sein Anliegen vorzutragen. Durch einen von Zeit zu Zeit sich auferlegten Abbruch werden die schädlichen und überflüssigen Säfte im menschlichen Körper verzehret, den Lüsten des Fleisches wird entgegen gearbeitet, und so werden schon einmahl unsere einhei- SOt mischen Feinde unterdrücket. Man verschafft sich durch das Fasten ein Art von sittlicher Leichtigkeit , welche verursacht, daß wir uns lieber zu Gott mit unsern Gedanken empor schwingen, und wir erlangen hierdurch, so zu sagen, eine heilige Kraft, unser Seilenheil zu wirken. Eben solche Vortheile gewahrt auch die Enthüllung von gewissen Speisen. Wer sich nichts versagen kann, der besitzt die so nvthwendige Stärke des Geistes nicht, die der Mensch doch fast olle Augenblicke nothig hat, wenn er gute Werke ausführen und die Hindernisse besiegen will, welche der Tugend so oft aufstoßen. Wer e§ aber einmahl in der Verläugnung seiner selbst so weit gebracht hat, daß er freywillig und mit einer Art von Freude auf gewisse Dinge, und besonders auf die reitzenden Gegenstände, die den Gaumen lüstern wachen, Verzicht thun kann, der ist auf dem glücklichen Wege der Selbstbeherrschung; er wird bald seinen Leib dem Geiste unterwerfen; die Sinnlichkeit wird ihn nicht mehr beherrschen, und seine Wünsche und Begierden werden geordnet bleiben. Das Fasten ist demnach, als Abbruch und Enthaltung betrachtet, so gar ein Bedürfnis des vernünftigen Menschen, weil es, wie du siehst, ein zuverläßiges Beförderungsmittel der Tugend ist. Mir finden auch schon bey dem ältesten Ge- bothc, daß der Herr unseren erDtN Aeltern gegeben hat, nicht nur das Dasepn der einen Art von Fasten, sondern auch eine ziemlich 202 deutliche Hinweisung auf die Absicht Gottes, die mit den erst genannten Gründen vollkommen übereinstimmet. Er wollte ihnen Gelegenheit verschaffen, nicht nur ihre» Gehorsam gegen seine' Gebothe zu zeigen, sondern auch zu beweisen, daß sie bey einem vorkommenden Reitze mit Beharrlichkeit die Herrschaft ihrer selbst * über die Sinnlichkeit behaupten könnten. Es ist aber nicht nöthig, bey diesem Beyspiele zu verweilen; du wirst durch den Verlauf der ganzen Geschichte mit Vergnügen bemerken, wtk aut gesinnte Menschen zu allen Zeiten den heilsamen Einfluß der Fasten erkannten, und dazu ihre Zuflucht nahmen. Ein Unterschied zwischen reinen und unreinen Thieren war zu Noe Zeiten schon so all- ? gemein bekannt, daß wir mit Grunde vermu- then können, er rühre von einem göttlichen Gebothe an die Menschen derMllerersten Zeiten her, und sey durch Uebergabe bis Noe fortge- pflanzet worden. Moyseö, der Gesetzgeber der Juden, nahm Kraft eines göttlichen Befehls, nicht nur diesen Unterschied in seine Gesetzgebung auf, sondern verboth so gar aufdas schär- feste den Genuß des Fleisches von unreinen '' Thieren. Es gehört nicht hierher, die Ursachen zu melden, aus welchen Gott durch Mopses dieses Geboth geben ließ, eben so wenig, als die bekannte Ausflucht, das Mosaische Gesetz verbinde hier die Christen nicht, zu entkräften, genüg, daß wir schon in so frühen Zeiten die Enthaltung von gewissen Speisen gebothm sin- den. Dieß ist auch nur allein, was ich hier zeigen wollte. Nicht minder merkwürdig ist die Nachricht des Mopses in seinem vierten Buche A 0 . Kap. Er meldet da von Eheleuten und Jungfrauen, daß sie sich zur Fasten und Enthaltung von anderen Dingen so gar durch ausdrückliche Gelübde verbunden haben. Zu den Zeiten der Richtet finden wir, daß das ganze Volk gefastet habe, um sich mit dem beleidigten Gott wieder auszusöhnen. Richter 20 . Gehe die Geschichte der Könige und Propheten durch, und auch da wirst du die Fasten in allgemeiner Ausübung finden. Deun bald ermahnen die Propheten durch Reinigkeit des Herzens die Fasten zu heiligen; bald legen die Priester dem Volke, bald legt sich das Volk selbst eine außerordentliche Fasten aus; bald liesest du, wie sie mit Fasten und Bußthränen Gott um Erbarmung bitten, und selbst die Heiden zu Ninive halten eine dreytägige Fasten, von der so gar die Lhiere nicht ausgeschlossen waren, sie halten sie für das einzige Mittet, sich und ihre Stadt von dem Untergänge zu erretten. Bald findest du eine junge Witwe, die im Bußkleide, vom Fasten ausgezehret, die drohende Strafe abwendet. Judith 8- Bald hörest du den König David selbst bekennen, daß er sich vor dem Herrn im Fasten gedemü- thiget und hierdurch Gnade gesucht habe. Ps. Z4, 6Z. Man erkannte also in hen ältesten Zeiten des Menschengeschlechtes, daß das Faßen ein Mittel sey, tugendhafter zu werden, 2 04 Strafgerichte des Himmels ab zu wenden - und sich Gott wohlgefälliger zu machen. Welch eine herrliche Übereinstimmung der Ge- sch ichte mit denB e dürfniff endesmensch- lichen Herzens! Billig wirst du dich dann erst wundern, wenn i.ch dich weiter in die folgenden Zeiten führe, und dir zeige, daß die Fasten so gar mit den edelsten Aufopferungen begleitet war. Ich meine die Zeiten der Müchübäer. Jünglinge und Knaben findest du allda, die unter den entsetzlichsten Deinen lieber sterben, als von Speisen essen wollen, die ihnen das Gesetz ver- bothen hat. Erinnere dich hier jen^r standhaften Mutter, die ihre lieben Söhne zum Marterertode ermuntert, da man sie zwingen will, von den im Gesetze verbothenen Speisen zu essen. Als bereits die sechs altern vor ihren Au- gen getodtet da lagen, so kam die Reihe nun an den siebenten, welcher der jüngste war. Man führte ihn seiner Mutter vor, damit sie ihm Zureden sollte, fein Leben zu retten. Allein die fromme. Mutter, die Gott mehr als ihr Kind liebte , streckte ihre zitternden Hände nach dem Knaben aus, als ob sie ihn das letzte Mahl umarmen wollte, und mit lauter Stimme rief sie ihm entgegen: Ach, mein Sohn! bedenke, daß ich dich mit mütterlicher Sorgfalt in der Religion deiner Väter und in dem Gesetze des Herrn erzogen habe; solltest du nun diesem deinen Herrn untreu werden können? O , ich bitte dich Sohn! sieh an den Himmel und die Erde, SOL die Gott aus nichts erschaffen hat; das Andenken an Gott stärke dich in deinem Leiden, und so hoffe ich, dich einst mit deinen Brüdern in dem Orte der ewigen Erbarmungen wieder zu finden. Man hatte kaum den liebenswürdigen Knaben gemartert, so folgte ihm auch seine standhafte Mutter durch alle Arten von Qualen in das ewige Leben nach. >—> Höre noch ein anderes Beyfpiel aus diesen Zeiten. Eleazar, ein Greis von neunzig Jahren, einer der Vornehmsten in Jerusalem, und ein eifriger Verehrer des göttlichen Gesetzes, wurde unter andern von den Heiden hergebracht und uusgefor- dert entweder von den im Gesetze verbothenen Speisen zu essen, oder zu sterben. Da steht der ehrwürdige Alte, mitten im Kreise der Götzendiener und seiner abtrünnigen Landsleute, zwar von Jahren gebeuget, aber in dessen Brust ein Herz schlägt, das noch stark genug ist, zur Ehre Gottes den letzten Blutstropfen zu verspritzen. Beweint von seinen Freunden, dachten sie auf Mittel ihn zu retten. „Eleazar, (sprachen sie mit leiser Stimme,) wir bringen dir heimlich Speisen, die dein Gesetz erlaubet, iß alsdann öffentlich davon , damit die Heiden glauben, du habest ihrem Befehle genug gethan; allein der ehrwürdige Greis verwarf einen solchen Vorschlag. Ich will lieber sterben, antwortete er, als daß ich der Jugend und meinen Glaubensgenossen zum Aegerniß werde. Denn, wenn ich euch folgen würde, so müßten sie denken, Eleazar habe noch in seinen letzten Jahren das 2o6 Gesetz meineidig verlassen. Ich aber will ihnen vielmehr ein Beyspiel des schuldigen Gehorsams geben. Er sprachs und ging großmüthig in den Tod. Sollten wir uns, als Christen, bey so liebenswürdigen Beyspielen nicht gern an die Beobachtung unseres Fastengebothes gewöhnen, da es heut zu Tage noch lange nicht ums Blutvergießen und um den Verlust des Lebens zu thun ist? So war dann Abbruch und Enthaltung in den bedrängten Zeiten der Juden nicht nur allgemein hoch geschähet, sondern auch bald frey- willig, bald dm Gesetzen zu Folge aufs strengste beobachtet« Sogar bis zu den Jetten Feslt hinauf finden wir merkwürdige Beyspiele ausgezeichnet- die uns den Geist des damahligen Zeitalters in diesem Puncte nicht undeutlich zu erkennen geben. Bey Gelegenheit, da das gött» liche Kind Jesus am vierzigsten Tage in den Tempel gebracht wurde, finden wir über die fromme Anna folgende merkwürdige Worte ausgezeichnet: „Sie war eine betagte Witwe von 84 Jahren, die nie aus dem Tempel kam, sondern Gott mit Fasten und Bethen Tag und Nacht diente.^ Luk. 2- Wir lesen bork Johannes in der Wüste, daß er daselbst eine seht strenge Enthaltung sowohl von einer vollkommenen Sättigung - als auch von gewissen Gattungen der Speisen beobachtet habe; Matth; Z, r—6. So war nun die Fasten bis auf Jesu Ans Kunst beschaffen« Er fand sie in allgemeiner 20 / Ausübung und fastete wohl auch selbst auf eine sehr strenge Art. In dem Evangelio, das uns die Kirche am ersten Fastensonntage oorle- get, heißt es / daß Jesus vierzig Tage und Nächte gefastet habe, Dieses that er, um uns durch sein Beyspiel zur Fasten stillschweigend zu ermuntern, Im 6. Cap. des heiligen Matthäus gibt uns Jesus sogar eine schöne Anweisung, Wie wir unsere Fasten gottgefällig einrichten sollen. Und im 9. Cap. eben dieses Evangelisten sagt Fesus nicht undeutlich den künftigen Gebrauch derselben vor. Die Schüler Johannis kamen nähmlich zu Christo- und fragten ihn, warum sie und die Pharisäer so häufig fasteten - seine Jünger aber nicht? Christus antwortetet Es sey unmöglich, daß die Seele traurig sey - so lange der Bräutigam bey ihr ist; aber es werde schon eine Zeit kommen, da der Bräutigam wird weggeUom- men werden - und da werden sie trauern und fasten. Es läßt sich allerdings vekmuthett - daß die Apostel diese Weissagung des Heilandes irr Erfüllung gebracht haben, da wir in der heiligen Geschichte lesen/ daß sie bey besonderen Anlässen sogar zum Fasten ihre Zuflucht gekommen haben.. So zum Beyspiel heißt es in der Apostelgeschichte 1, iZ—14. - daß sich die versammelten Jünger zur Ankunft des heiligen Geistes mit Gebeth und Fasten vorbereiteten; und im iz, 2. lesen wir, daß sie dem Paulus und Barnabas nicht eher die Hände auflegken/ 308 als nachdem sie vorher viel gebekhet und gefastet hatten. Die ersten Christen, welche den wohlthätigen Einstuß der Fasten auf unsere Heiligung vollkommen erkannten, traten mit einer Art von Wetteifer in die Fußstapfen der Apostel. Bald schrieben die heiligen Vorsteher der einzelnen Kirchengemeinden eine Fasten ans, bald legten sich die Christen selbst freywillig eine solche auf. Schlage die christlichen Jahrbücher nach, und du wirst finden, daß in der allerersten Kirche schon jährliche und wöchentliche Fasten, Enthaltung und Abtödtung in allgemeiner Ausübung waren. - Unter der jährlichen Fasten verstand man gemeiniglich die Osterfasten, denn in elnigen Kirchen fastete man auch einige Wochen vor dem heiligenWeLhnachtsfeste. Die wöchentliche Fasten hingegen begriff den Freytag und Samstag, in einigen Kirchen auch sogar die Mittwoche. Die Enthaltung bestand in der Beseitigung alles Fleisches, wohl auch der Mitch- und Eyerspeisen; der Abbruch aber darin, daß man erst nach Sonnenuntergänge Speise zu sich nahm. Es kann dir nicht unangenehm seyn, den ehrwürdigen Gebrauch der alten Kirche Zu vernehmen, damit du desto richtiger einsiehst, wie wenig wir in diesem Stücke über die Strenge unserer nachsichtigen Mutter zu klagen haben. An den bestimmten Tagen fastete man bis zur Nsn, das ist, bis drey Uhr Nachmittags, in der Osterfasten nber sogar bis zur Vesper, das ist, bis sechs Uhr Abends. Während dieser ganzen Zeit lebten alle Christen in der El rsam- 2k»9 keit und im Stillschweigen; sie unterbrachen des Nachts ihren Schlaf durch langes Wachen- um vor Gott zu seufzen, und ihre Sünden zu beweinen; sie beschäftigten sich einen guten Lheil des Tages mit geistlichen Lesungen und dem Gebethe, und fpeifeten die Armen mit dem- was sie sich selbst aus Abtödtung entzogen hatten. Dieser Eifer unserer Vater hat sich durch mehrere Jahrhunderte standhaft erhalten; endlich aber ist die Lauigkeit stufenweise eingefchli* chen, und hier und da auf einen solchen Grad gestiegen, daß die heilige Kirche bewogen wurde, den eben so fruchtbringenden als uralten Gebrauch der Fasten öfters und auf das eindrin- gendste zu empfehlen, und durch eine allgemein verbindliche Vorschrift zu verbreiten- in der vollsten Ueberzeugung, daß Fasten den wohltätigen Einfluß auf den Geist und die Sitten der Christen äußere. Um also einer Seits dem Wi- derwillen des sinnlichen Menschen gegen alle Art von Abtödtung überhaupt entgegen zu arbeiten- und anderer Seits unseren Willen desto gewisser zum Entschlüsse zu bringen- kam die heilige Kirche unserer Schwachheit durch ein ausdrückliches Geboth zu Hülfe - und selbst da bewähret sie sich noch als eine wahrhaft zärtliche Mutter. Denn nicht nur- daß sie vieles von dkk alten Strenge dieses Gebothes nachgelassen hat, so will sie auch nicht einmahl diejenigen verpflichten- welche eine Krankheit, oder eine Schwäche des Alters, oder eine schwere Arbeit, oder auch eine andere wichtige Ursache außer Kath. Lese-und Geßethb.I. Bändchen. D Ä»o Stand setzet, das Fastengesetz Zn erfüllen. Allein eben diese Gelindigkeit unserer Kirche soll dich in der Beobachtung dieser Vorschrift desto getreuer machen- und obwohl es wahr ist, daß man vor der Zurücklegung des 21 sten Lebensjahres zum Fasten nicht strenge verbunden ist ; so muffen sich nichts desto weniger junge Leute an besagten Tagen vom Fleische enthalten von ihren gewöhnlichen Mahlzeiten etwas abbrechen, sich gewisse kleine Annehmlichkeiten versagen, deren Abgang ihrer Gesundheit nicht schädlich seyn kann, und sich so nach dem Maße ihrer Kräfte in der Abtödtung üben. Das nähmliche gilt von denjenigen - welche die Kirche aus einer rechtmäßigen Ursache von der strengen Beobachtung des Fastengebothes befreyet hatt Wenn sie dieses Bußwerk nicht ganz erfüllen können, so müssen sie wenigstens einen Theil desselben entrichten, sie müssen dieses mit dem Bußgeiste der Kirche vereinigen, und durch andere gute Werke das ersetzen, was sie nicht thun können» Und welches ist nun eigentlich das Ares UNö Ende- das sich die Kirche aufgestellet hat, da sie uns die Fasten vorschrieb? Es ist, um in uns den heilsamen Einstuß derselben, denn du im Anfänge dieser Blätter gelesen hast, wirksam zu erhalten; es ist, uni in uns den Geist der Buße zu beleben und zu unterhalten, den Jesus zu empfehlen nie aufgehört hat, und welcher gleichsam der ganze Inbegriff seiner göttlichen Sittenlehre ist; es ist endlich, um den Leib ab- LLL zutödken und dadurch die Leidenschaften zu schwächen, die begangenen Fehltritte zu tilgen, und uns vor dem Rückfalle zu bewahren. Wir sind Sünder, und aus dieser Ursache sind wir verbunden, Buße zu thun; wir sind Kranke, und aus dieser Ursache muffen wir alle Mittel anwenden, um zu genesen. Man büßet die Sünden durch die Werke der Abtödtung ab, und man leistet dadurch der göttlichen Gerechtigkeit eine Genugthuung; die Krankheiten der Seele aber, welche aus der Herrschaft der Leidenschaften entstehen, werden geheilet, wenn man ihnen das entzieht, was ihnen schmeicheln kann. Nebst diesen MgelMMM Ursachen, welche die Kirche hat, da sie uns das Fastengeboth auflegt, hat sie noch die dir nicht unbekannt bleiben sollen. Um sie einznsehen ^ so folge mir in der Betrachtung der ungeordneten Fasttage. Die Kirche gebiethet uns an jedem Freytage die Enthaltung von Fleischspeisen, weil an demselben de§ Sohn Gottes unserer Sünden wegen an das Kreuz geheftet wurde, und es daher billig ist, daß wir Thcil nehmen an seinen Leiden, wenn wir an der Gnade der Erlösung Thcil haben wollen. Der Samstag wurde zum Fasttage bestimmt, um die Begräbniß unfers Herrn zu ehren, und um sich zur Heiligung des Sonntages vorzubereiten. Die vierzigtägige Fasten wurde eingefetzet um jene unfers Heilandes Nachnahmen, und um uns vorzubereiten, das große Fest der Ostern würdig zu ftyern. Die Fa- O 2 s l2 sie« der Luatember-Zeiten wurde angeordnek, um durch die Buße alle Jahrszeiten zu heiligen, um den Segen Gottes über die Güter der Erde herabzuziehen, und um ihn zu bitten, daß er seiner Kirche gute Diener schenke; denn zu diesen Zeiten empfangen jene die heiligen Weihen- die sich dem erhabenen Dienste des Altars widmen. Endlich die Fasttage an den Vigilien oder an den Tagen- welche hohen Festen Vorgehen, wurden eingeführet, damit man sich bereite, die hohen Feste gebührend zu begehen, und größeren Nutzen daraus zu ziehen. Ich habe dir jetzt das ehrwürdige Alterthum der Fasten und die wichtigen Gründe ge zeiget, welche die Kirche bewogen haben, ein allgemein verbindliches Gesetz darüber Hu verfassen. Laß dich demnach durch nichts verleiten, auf irgend eine Art diesem Gesetze untreu zu werden. Das hohe, bis in die allerersten Zeiten des Menschengeschlechtes sich verlierende Werthum der Fasten, ihre Allgemeinheit uud Wohlthätigkeit, und die lebhafte Ueberzeugung, daß durch die Beobachtung derselben sich nicht nur ganze Volker und Städte zu eben der Zeit vom Verderben und Untergänge retteten, da ihrer Sünden und Laster wegen Gottes Strafgerichte über sie loszubrechen drohten, sondern auch, daß sich durch die Ausübung der Fasten die frömmsten Menschen der Vorwclt, die Apostel und Jünger des Herrn, ja selbst unser Herr und Heiland Jesus Christus zu den wichtigsten Unter? uehmungen vorbereiteten, und zum gedeihlichen Gelingen derselben den Segen vom Himmel herab zogen; alles dieses mache dich eben so gegen den verderblichsten Leichtsinn einiger, wie gegen die schädliche Irrlehre anderer unerschütterlich, erhalte dich getreu in der Erfüllung dieses Gebothes, und stärke dich, daß auch die Gewalt des Beyspiels der frechen Uebertreter dieser heilsamen Vorschrift nichts über deine Treue, Standhaftigkeit und Beharrlichkeit vermöge. Seelenfrieden und Gottes reichlichen Segen wirst du bey der gewissenhaften Beobachtung desselben erhalten, so wie diejenigen, die nichts darnach achten, und mehr Zum Gefallen ihrer bösen Neigungen und Gelüste, als nach dem Willen Gottes und seiner Kirche, die er durch Zesum gestiftet hat, leben,, der verdienten Strafe nicht entgehen werden. Denn, es ist Sünde, die von der Kirche verordnete Fasten nicht zu halten, wofern nicht gegründete Ursachen eintreken, die eine Ausnahme gestatten. Dieses Geboth freywillig übertreten, heißt, wider Gott selbst fündigen, der uns befiehlt, der Kirche zu gehorchen. Jesus Christus hat ihr die Gewalt ertheilet, Gebothe zu geben; von ihr hat er gesprochen: ,,Wer euch höret, der höret mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich." Man kann also der Kirche nicht ungehorsam seyn, ohne sich die schrecklichen Gerichte Gottes selbst über fein Haupt zu laden. Siehst du mehrere katholische Christen leicht- 2»4 sinnig ohne Grund diesem Gebokhe zuwider leben, so sollst du ihnen nicht folgen, sondern darüber als über das größte Aergerniß seufzen, und dich übrigens desto standhafter bezeigen, damit du nicht von dem Strome der Verführung dahin gerissen werdest. Du weißt das Ge- hoth deiner Kirche, die Menge der Uebertre- ter wird deinen Ungehorsam nicht rechtfertigen können. Höre sie nicht an, wenn sie dir fagen: Es sey vor Gott eine ganz gleichgültige Sache, ob man sich dieser oder jener Speisen bediene. War es denn Gott gleichgültig, da unsere Stammüttern ^ Adam und Eva, von der verbotenen Frucht aßen? Es ist ohne Zweifel nicht der Unterschied an Speisen, der für sich selbst Gott ehret; aber es ist doch keine gleichgültige Sache vor Gott, der von ihm selbst eingesetzten Macht sich zu unterwerfen ,»oder nicht Zu unterwerfen : es ist keine gleichgültige Sache vor Gott, den von ihm so nachdrücklich an empfohlenen Geist der Buße zu unterhalten oder zu vertilgen ; es ist endlich keine gleichgültige Sache vor Gott, seinem-Nebenmenfchen Aergerniß zu geben. Der Heiland spricht im Evangelio ein entsetzliches Weh über diejenigen aus, die durch ihre Übertretungen andern eine Gelegenheit zum Kalle werden; und der Apostel ist in diesem Stücke so behuthfam, daß er kein Bedenken trägt, zu sagen: ,,Wenn mein Bruder an meiner Speise möchte geärgert werden-, so will ich in Ewigkeit kein Fleisch essen." L. Kor. 8, rZ« 2LL s, Möchten diese schönen Worte mit Flammen^ scherst deinem Herzen eingedruckt werden! Ich habe oben gesagt, daß die allmählige Angewöhnung an das FastengeboLh deiner Gesundheit nicht schaden könne; ich setze noch Hinzu , daß sie derselben so gar Zuträglich sey. Denn außer dem, daß Mäßigung und Enthaltsamkeit den wohltätigsten Einfluß auf die menschliche Gesundheit haben, so kannst du diese von der Macht und Güte Gottes um so zuversichtlicher hoffen, je angenehmer ihm die Opfer eines willigen Gehorsams sind. Ich will dir Zum Schluffe ein Beyspiel erzählen, das diese Behauptung recht augenscheinlich in das Licht setzet. Daniel- von königlichem Haufe - wurde in den unglücklichen Tagen Jerusalems Mit vielen andern in die Gefangenschaft nach Babylon geführet. Der zwölfjährige Knabe, von zarten Gliedmaßen, von edler Erziehung, leb- Haftern Geiste und blühender Gestalt, gefiel dem Könige vor andern - und wurde mit drey Knaben seines Alters ausgewählt, daß sie die Sprache, Sitten und Gebräuche der Chaldäer erlernen, und nach drey Jahren bey Hofe auf- warten sollten. Es wurde ihnen dann Speise und Getränk vom königlichen Tische angeschafft. Und Malasar, der Hofhert, hatte den Auftrag, sie aufs beste Zu halten, damit sie zu ihrer Zelt gefällig und anziehend vor den Augen des Königs erscheinen köttntett. Aber die Speiset! der Heiden waren den Juden verboten. ,/Jch bitte , sagt Daniel zu Malasar, verschone 216 uns, und zwing uns nicht von Speisen zu essen, die unser Gesetz verbrechet." Aber wie? In so dringenden Umständen? Beynahe in einer Unmöglichkeit, andere Speisen zu erhalten? Und die Gefahr, wenn sie übel aussehen sollten; wenn es der rasche König erführe? Die Gefahr für ste als Ungehorsame; für alle Mitgefangene; für Malasar? Würden sich denn nicht auch Christen in dieser Lage alles ertauben? Aber Daniel ist entschlossen, dem Gesetze mit den Seinigen getreu zu bleiben, und die Hülfe von Gott zu erwarten. „Versuch es nur, guter Malasar! sagte er mit inständiger Bitte, gib uns durch einige Zeit nur Hülsenfrüchte und Wasser.. Sollte es nicht eben so gut für unsere Gesundheit ausfallen, dann magst du sehen, was du zu Lhun hast. Malasar läßt sich erbitten, und die vier Knaben, da ste dem Könige nach drey Jahren ausgesührt worden sind, haben stch gleichwie an Wissenschaft und Geistesfähigkeit, so auch an Gesundheit und blühender Farbe vor allen ihres Gleichen ausgezeichnet.