M!6N6k' ZtM-Mbimtkek > W- » ' > L' p S M M ß M M--W-K !?;. Theater von K o tz e b u e. Drey und zwanzigster Theil. Die hübsche kleine P utzma cherin n. Der Gimpel auf der Messe. Die Sparbüchse oder der arme Candidat. Hygea. Mädchenfreundschaft oder der türkische Gesandte. Der Trunkenbold. Wien, i8il. In Commission bey Anton Dell. Theater von K o tz e b u e. Drey und zwanzigster Theil. D i e A r hübsche kleine Putzmacherinn. E i n Lustspiel. in einem Aufjug. P ersone n. Kk«u Silier, eine reiche Wittwe. Wilhelm Silier, ihr einziger Sohn. Pauline, eine junge Waise, Putzmacherinn, «lolpersu-HS, ein reicher Kaufmann und aller Hagestolz. Verghof, sein Stiefbruder. «in Hauskuecht. (Der Schauplatz ist ein kleines, ärmlich moilirkos Zimmer im vierten Stockwerk, Paulinens Wohnung. «Line Miltelihiir führt auf die Treppe, eine Seilenthür in ein Cabinet. bin Fenster gebt auf die Straße, und neben dem Fenster außerhalb ist«ine Klingel angebracht. Hier und da stehen Haubenkopfe, Pappschachteln un» dergleichen.) V o r b e r i ch t- -^er dritte Jahrgang meines Almanachs dramatischer Spiele enthalt abermahls sechs kleine, in jedem Zimmer leicht darzustellende Lustspiele. Zwey derselben, nähmlich der Trunkenbold und der Gimpel auf der Messe, sind dem wackern Holberg nachgebildet. Bey ihm heißen sie: der verwandelte Bauer und der eilfte Juny. Daß von dieser neuen Bearbeitung mir so viel angehört, als allenfalls nöthig wäre, um diese Stücke mein eigen zu nennen, wird jeder Leser finden, der Lust hat, Holberg selbst nachzulesen.— Hygea wurde für den Geburtstag eines wa- 6 ckern Mannes gedichtet, und von dessen Kindern aufgeführt. Ich glaube, es könne mit geringen Veränderungen bey mancher ähnlichen Gelegenheit dienen. Statt der Büste laßt sich auch ein Bild, oder ein transparenter Nahme gebrauchen.— Zu dem türkischen Gesandten habe ich die Idee aus dem niedlichen französischen Lustspiele: I.s xneün cle Sunüne genommen. Berlin, den 5. April! 1604. K o tz e b u e. Erste Scene. tigt.) ^rmePauline! arme fünfzehnjährige Warst! nichts haben meine Ältern mir hinterlassen, als das Beyspiel ihrer Tugend; mit ihm, die Kraft tausend Lockungen zu widerstehen. Arbeit und leichter Sinn gaben mir Zufriedenheit auch in diesem Dachstübchen; aber seit mein Herz mich um den leichten Sinn betrogen—(Man hört dran« sie,, klspfe».) Wer klopft's Nur herein! Zweyte Scene. Paulins und Frau Silber, unter dem Nahmen Christiane. Frau Silber (ungefähr wie eine Haushälterinn rechtlich gekleidet.) Stör' ich Sie nichts P a u l i ii e. Nie! nie! wie oft soll ich Ihnen daS wieder- hohlen? Frau Silber. Immer so fleißig? P a u l i n e. Sehen Sie, liebe Nachbarinn, derSchleyer ist fast vollendet. Frau Silber. Da haben Sie gewiß einmahl miedet bis tief i» die Nacht gearbeitet? Pauline. Ich will es Ihnen nur gestehen, bis gegen Morgen. Heute muß ich meinen Miethzins zahlen und brauche also Geld. Frau Silber (sie scharf beobachtend.) Ich glaube nicht, daß der Hausherr Sie mahnen wird. PaUliNe(lachend.) O gewiß nicht! er ist mein unterthanigcr Diener, ich hab' ihm den Kopf um und um ge- dreht.— Aber lassen Sie uns von etwas Andern! sprechen. Ich habe ein kleines Projekt. Frau Silber. Welches? Pantine. Ich muß ein wenig weit aushöhle». Kurz nach dem Tode meiner Ältern fand ich eine zwey- te Mutier in Madam Berghof, einer damahls reichen Frau, für die ich Putz machte. Sie hat oft stundenlang hier auf meinem Dachstübchen gesessen, mich zur Arbeit ermuntert, im Guten befestigt, meine Erziehung vervollkommnet— (Mit bewegter Stimme.) Ich werde nie vergessen waL ich ihr schuldig bin. Frau Silber. Und was ist aus ihr geworden? Pa uline. Ihren braven Mann verfolgte das Unglück. Er machte im vorigen Jahre Banguerott. Seine Gattinn starb im Elend-- ihre armen Kinder haben keine andere Zuflucht als— o ich habe meine Mutter zum zweyten Mahl verloren! Aber— liebe Nachbarinn— ob ich Sie gleich §xst seit den zwey Monathen kenne, da Sie ne« ben mir unter dem Dache sich eine Wohnung mietheten, so habe ich doch schon recht viel Vertrauen und Liebe zu Ihnen.— Ihre Ordnung, Ihre Rechtlichkeit, Ihr zartes Gefühl— ja, S i e konnten mir meinen Verlust ersetzen. Frau Silber. GuteS Kind! in Ihrem Alter ist man so offen, gibt so leicht sich hin. P a u l i n e. Nein, nein, ich nicht; ich habe so gut wie Soerates einen Dämon der mich warnt. Doch wieder auf mein Projeck zu kommen— erzählten Sie mir nicht, daß Ihre verstorbene Herrschaft Lhnen nur wenig hinterlassen können? Frau Silber. Freylich, man muß sich einschränken. P a u l i n e tubi-eft.) Wiewae's, wenn wir zusammenzögen? Gemeinschaftliche Einnahme und Ausgabe, dabey würben wir beyde sparen. Frau Silber(überrascht) Allerdings. Pantine(immer lebhafter.) Dieß Stäbchen, nnd die Kammer daneben, Platz genug für uns beyde. Dabey wird schon die Hälfte deS Miechzinses erspart. Ich helfe Ihnen Ihren Kummer tragen, Sie schützen mich vor Verführung; ich erleichtere ihr Alter, Sie. leiten meine Jugend; so versüßen wir uns wechselseitig das Leben. Frau Silber. Ja, ja, gute Panline, ich nehme Ihren Vorschlag an. P a u l i n e. Herrlich! ich werde Sie M u t t e r nennen. Frau Silber (hastig und mit BeSeukUttg.) Mutter! ja thun Sie das. P a nli n e. Sie muffen aber auch Ihre Tochter dutzen. Frau Silber. Das will ich. P a u l i n e. Wir haben von nun an nur eine Casse.- Frau Silber. s Ich führe die Wirthschaft, und was wir ersparen— Paulins(hastig.) Damit helfen wir Unglücklichen! O es ist so süß- Frau Silber. Hast du aber auch bedacht, liebe Pauline? Ach werde dir oft lästig seyn. P a u l i n e. Nimmermehr! Frau Silber. Du empfängst Besuche von gewissen Leuten >—>(Pauline schlägt die Augen nieder) denen meine Gegenwart gar nicht angenehm seyn wird— Unser alter Hausherr zum Exempel, er kömmt alle Tage! Pauline(lächelnd.) Ja das thut er. Frau Silber(sie beobachtend.) Und nicht er allein— auch ein gewisser junger Mensch— Pauline (mit halb komischem Unwille».) Den ich schrecklich lieb habe! ich kann es nicht .leugnen. Frau Silber. Ich sah ihn nur von weitein, er scheint mir aber— Pauline. Zum Entzücken! Seine Augen— und die Seele in seinen Augen— ich verdanke ihm viel, vielleicht mein Leben. Hören Sie nur, Mutter, wie gut er ist. Vorigen Winter, beym Glatteis, wollte ich Putz zu einer Dame tragen; in der langen Straße fiel ich, schlug mir ein großes Loch in den Kopf, und blieb betäubt liegen. Ein Haufen Pöbel sammelte sich um mich. Niemand hals mir, da drängte er sich herbey, nahm mich in seine Arme, führte mich sanft nach Hause. Auf meinem Zimmer wurde ich ohnmächtig; als ich zu mir selber kam, sah ich Arzt und Wundarzt an meinem Bette, er hatte sie gehöhlt, er war um mich beschäftigt wie ein liebender Bruder. Frau Silb er(sehr bewegt.) Weiter, mein Kind! Du glaubst nicht, wie sehr deine Erzählung mich interessirt. Paulin e. Achtzehn Tage war ich in Gefahr, täglich und stündlich forschte er ängstlich nach meinem Zustande, Alles both er auf ihn zu erleichtern. Ich erhielt endlich meine Gesundheit wieder, aber— meine Ruhe war verloren! Er würd' es gewahr— wie läßt sich das verbergen?— Er liebt mich, er sagte es mir, ich ihm dasselbe-— Ja, Mutter, nun wissen Sie Astes. Frau Silber. Und wie heißt der junge Mensch? Pauline. Wilhelm Silber; er ist auS Dresden, der einzige Sohn einer reichen Wtttwe. Frau Silber. Hat er dir Heirakhsvorschlage gethan? Pauline. Allerdings, sehr oft— aber— ich darf sie nicht annehmen. Seine Mutter, die eine sehr wackere Frau seyn soll, hat andere Absichten mit ihm. Dieser Sohn ist ihre einzige Hoffnung, sie liebt ihn über Alles, Frau Silber. Und er? P a u l i n e. O er bethet sie an! er nennt sie seine beste Freundinn; er spricht nie von ihr ohne Thränen in den Augen.(Frau Silber sucht ihre freudige Rührung zu verbergen.) Sie ist ihm das Liebste auf der Welc, mich ausgenommen, das versteht sich. Und eine solche Mutter sollt' ich betrüben? Nimmermehr!— Drum hab' ich mich auch lieber entschlossen, ihr selbst AlleS zu entdecken; denn kommt mir Niemand zu Hülfe, so kann ich mich unmöglich von Wilhelm trennen. Ich bin ja doch auch nur ein Mädchen. Ich hör' es auch recht gern, wenn ein schöner edler junger Mann zu mir sagt: ich liebe dich!— Ach gute Nachbarinn! sehen Sle nun wohl, daß ich Ihrer bedarf? Frau Silber. Du selber wolltest der Mutter entdecken—? Pau litte. Freylich. Mein Brief ist schon geschrieben. l l i n e. Auf Wiedersehen.(Sie umarmt Frau Silber.) Sie werde» mich lieb haben? Frau Silber. Ich liebe dich schon. Pauline(im Abgehem) Adieu, Mutter. Frau Silber. Leb' wohl, meine Tochter. Dritte Scene. Frau Silber allein. Ein herrliches unverdorbenes Geschöpf! Ja, ich fühle, daß ich deine Mutter seyn werde!—> Dieser Brief—sie ahnt nicht, daß er bereits in rechten Handen ist; daß ich selbst unter dieser Verkleidung sie kennen lernen, sie prüfen wollen, um meines Sohnes Glück zu sichern.— Doch geschwind, was schreibt sie denn an mich?(Sie Nest.) „Madam. Ihr Sohn liebt mich, und ich lieb' „ihn unaussprechlich."— Sehr naiv.—„Er „will mich heirachen, aber ich bin arm und von „geringer Herkunft, das würde Sie betrüben, „es muß also nicht seyn."— Schone Seele! —„Ja ich werde den Muth haben, die Hand „meines geliebten Wilhelms auszuschlagen, „aber ohne Ihre Hülfe kann ich mich nicht von „ihm trennen. Kommen Sie geschwind! reis- „sen Sie Ihren Sohn nicht auS meinem „Herzen— das kann Niemand— aber aus „meinen zitternden Armen, die ich voll Vertrauen nach Ihnen ausstrecke!"— Nein, gutes Kind, ich werde dich nicht von ihm trennen.— Noch heute— doch nichts übereilt— so lange mein Sohn mir nicht zufällig begegnet— er glaubt mich ruhig in Dresden, schreibt mir Briefe über Briefe—(Si- setz« sich und strick«.) Schwer wird es mir, wenn ich zuweilen seine Stimme höre, nicht herein zu stürzen und ihn an das Mutterherz zu drücken. Vierte Scene. Stolper fuchs und Frau Silber. Stolperfuchs (in, Hersjnirclen lauschend.) Sie ist allein. Frau Silber. Aha! der verliebte Hagestolz. Stolper fuchs (naht sich schmunzelnd.) Mein allerliebstes'Paulinchen—(Er erkennt Frau Silber.) Ach alle Hagel! ist Sie es? FramSllbe r. Ja, Herr Stolperfuchö! Pauline ist ausgegangen, aber wenn Sie etwas an sie zu bestellen haben, so sagen Sie es nur mir. Stolperfuchs(bey Seite.) Ey ja doch, die alte Hexe— Frau Silber. Sie sehen ja aus wie ein Spieler der aus Trumpf wartet? *9 Stolperfuchs. Immer fei» spaßhaft, Frau Christiane.(Ve» Seite.) Hohl' dich der Teufel! Frau Silber. Immer galant, Herr Stolperfuchs! Stolperfuchs. Was soll mau thun? Man wird alt, mau ist reich, man hat weder Kind noch Kegel; folglich muß man eilen das Leben zu gemein'!!. Kiir mich gibt es denn so c^rnsi keinen größern Genuß auf der Welt, als der lieben Armuth beyzu- siehen. Frau Silber. Wenn die liebe Armuth nähmlich jung und hüsch ist?- Stolperfuchs. Ha! ha! ha! das kann auch nicht schaden. J h sehe wohl, die Frau Christiane ist eine erfahrne—(bey Seite) vNt'L INNMN.(Laut.) Ich muß Ihr also nur gestehen, die Pauline, die kleine Pauline, hat mir so«^unsi den Kopf verrückt, und ich muß sie haben, es koste waS es wolle. Frau Silber. Das wird Ihnen schwerlich gelingen. Stolperfuchs. O— o— o— o! wir haben Geld— viel Geld. Frau Silber. Pauline ist arm, aber sie besitzt den Stolz der Tugend. Stolperfuchs. Bah! bah! Stolz»— Hä! HL! HL!— Da kenn' ich sie besser. Sie liebt das Geld, recht sehr liebt sie es. Frau Silber. Welche Beweise hake? Sie davon? Stolperfuchs. Hat sie nicht noch neulich welches von mir angenommen? Frau Silber. Pauline? Stolperfuchs (ihr vachsxottend.) Ja ja, Pauline! Frau Silber. Sie hat angenommen? Stolp erfu chs. Nicht zum ersten Mahl. Sie hat von Zeit zu Zeit recht artige Summen von mir erhalten.— Freylich spielt sie dem ungeachtet noch immerfort die Grausame— lacht mich wohl gar spöttisch aus— o es ist Huasi ein kleiner Teufel!— Aber wenn Sie wollte, Frau Christiane— ja, wenn Sie wollte— Frau Silber. Was denn? Stolper fuchs. I nu, Sie versteht mich wohl. Pauline hat Vertrauen zu Ihr, rch weiß, ich weiß. Damüß- te Sie nun etwa ihr sagen— daß ich, für mein Alter, norp recht hübsch wäre— und ein lustiger Kautz, und reich, undfreygebig, und yuasi. «in ehrlicher Mann— sie könnte auch wohl noch einmahl von mir erben— Frau Silber. Das sind allerdings starke Gründe. Stolperfuchs. Nicht wahr?— Nun,»ch verlasse mich ganz. auf Sie, Frau Christiane, es soll Ihr S chade nicht seyn. Sie muß ihr nur recht begreiflich mache», von wegen meiner hübschen Gestalt— Frau Silber. Schon gut, schon gut. S t o l p e r f u ch s. Aber von dem Gelde darf Sie nichts erwähnen, was ich der Kleinen schon gegeben habe. Das mochte sie übel nehmen. Frau Silber. Freylich. S t e l p e r f ii ch s. Die kleine Hexe ist so niedlich und appetitlich—> jch wäre e^iasi. capabel um ihrerwillen recht dumme Streiche zu machen. Lebe Sie wohl, Frau Christiane, mache Sie Ihre Sachen gut; man ist großmüthig, man ist schenerss.(Ar.) 23 Fünfte Scene. Frau Silber allein. Ich kann von meinem Erstaunen nicht zu mir selber kommen!— Wie? Pauline härte mir Unschuld gelogen? Pauline von diesem allen Wollüstling Geld angenommen?— Warum hatte sie denn aber die ganze Nacht hindurch gearbeitet, um den Mierhzins zu verdienen? Woher dieß Verlangen, mit mir vereint zu leben?— Diese Räthsel muß ich lösen. Sechste Scene. Pauline. Frau Silber. Pauline. Da bin ich schon wieder. Frau Silber (Fassung suchend.) War der Schleyer so recht? Pauline. Vollkommen. Auch bin ich soMch haax he- 24 zahlt worden. Hier ist mein kleiner Schatz.(Sie zeigt einen Beutel mit Geld.) Ein guter Anfang zu unserer Wirthschaft. Frau Silber(be, Gute.) Ich weiß mich kaum zu fassen. Pauline(sehr herzlich.) Nun Mütterchen? Haben Sie meinen Brief gelesen? Frau Silber (Ihr den Brief zurückgebend.) Ja— mit wahrem Vergnügen. Pavline. Darf ich ihn so absenden? Wird meines Wilhelms Mutter nicht zürnen? Frau Silber. Sicher wird sie empfinden— was ich empfunden habe. Paul ine. Ja wenn sie Ihnen gleicht. Sie sind so gut, so nachsichtsvoll—(Sie ergreift ihre Hand» Frau Silber ist etwas zurückhaltend.) Aber was fehlt Ihnen? Frau ^ Frau Silber, zu Mir? nichts. Pauline. Sie sind nicht mehr so freundlich, so— wie soll ich sagen? hingebend! Hab' ich Ihnen mißfallen? Das wäre wohl möglich, denn ich bin zuweilen unaussprechlich albern; aber gute Chnstmne, mein Herz hat nie Theil daran. Frau Silber(be» Sei'e.) Wenn dieser Ton, diese Züge tauschen können— P a v l i n r. Gewiss, Ihnen fehlt etwas! Bitte! bitte! ^ verschweigen Sie mir nichts. Frau Silber. Ich muß es nur gestehen, wahrend deiner Abwesenheit— P a u l i n e. Nun? Frau Silber. Ich habe Betrachtungen angestellt über unsere künftige Wirthschaft— Paulins, dacht'ich, Kehebue's Theater 23. Vo» B 26 ist kaum halb so alt ich; wis lange wird eswäha ren, so kann ich gar nicht mehr arbeiten; dann bin ich ihr eine unnütze Last— Pauline (Mit herzlichem Gefühl.) O Gott! nein! nein!— Gesetzt/ das Alter machte Sie unfähig zur Arbeit, gesetzt/ ich wäre so glücklich Sie einst du>ch meinen Fleiß zu ernähren; so wäre damit meine Schuld noch nicht abgetragen. Die Führerinn meiner Jugend/ die Beschützerinn meiner Unschuld, wird doch immer meine Wohlthäterinn bleiben. Frau Silber. Wohlan/ es sey. Auch hab' ich einen Entfall, der, wenn du willst, auf immer uns beyde vor Mangel sichern kann. * PaUliNe(hastig.) Ey wie das? Frau Silber. Stolperfuchs liebt dich. Pauline(lachen-.) O ja,Hr ist ganz närrisch in mich verliebt. 27 Frau Silber. Wenn man die Sache listig einfädelte, so könnte man ihn zu Allem bringen. Paul ine(stutzt.) Pfuy! Frau Silber.. Warum nicht? er ist sehr reich— ziemlich dumm— Pauline (sieht Fuui Silber starr an.) Gewiß, Sie denken nichr so wie Sie reden. Frau Srlber. Ich wüßte gar nicht warum— Pauline(mit Würde.) Wenn ich Ihnen dergleichen zutraute— Alles wäre aus zwischen uns. Aber nein, Sie haben mich nur prüfen wollen— auch eine,solche Prüfung thut weh. Hegten Sie noch Argwohn gegen mich, warum sagten Sie es nicht lieber gerade heraus? Dre Freundschaft halt nicht so hinter dem Berge.— Ich bin nur eine arme Waise, aber das Gefühl meines innern Werthes wird mich, so Gott will, nie verlassen.(Sie B 2 28 »richt in Thränen aus.) O Sie haben mir in der That recht weh gethan! Frau Silber. (gerührt und hingerissen.) Vergib! Ja ich zweifelte, dahin deiner Lage, deinem Alter, bey so vielen Reihen— vergib, gute» Kind!(sich vergessend.) Bedenke daß die Ruhe meines Lebens, das Glück einer Mutter—(sich fassend.) Du selbst hast diesen Nahmen mir gegeben— Pauline(an ihrem Halse.) Ja, jetzt hör'ich meine Mutter wieder. Frau Silber. Du hast überwunden, jeder Argwohn ist vernichtet. Aber erkläre mir doch, was der elende Stolperfnchs-— (Man hü" die Klingel nutzen vor dem Fenster.) Pauls ne(eilt ans Fenster.) Diese Art zu klingeln- ist mir bekannt. Frau Silber(bey S-ite.) Unmöglich kann das Laster diesen Schein «rhaucheln. 29 Pauline(hinaussehend.) Zst Jemand unten?— richtig, es ist Wilhelm. Frau Silber(bey Seite.) Mein Sohn—- ich muß unter irgend einem Vorwand— Pauline(hinausredend.) Ist die Hausthür verschlossen? Gehen Sie nur durch den Thorweg.(Sie macht Las Fenster zu.) Frau Silber. Ich lasse dich allein mit ihm, und will indessen meine kleinen Habscligkeiten zusammen packen. Noch heute zieh' ich herüber, um mein Unrecht wieder gut zu machen.(Sie geht.) Pauline(ihr nachrufend.) Sobald Wilhelm fort ist, komme ich Ihnen zu helfen. S i e h e n t e S c e n e. Paul ine(allein.) (Sie horcht an der Thür.) Ja ja, das ist sein Gang, oder vielmehr sein Sprung, denn er nimmt immer vier Stufen miteinander.(Sie in« vor.) Soll ich meines Briefes an seine Mutter erwähnen?— Nein, warum ihn vor der Zeit betrüben? es wäre ja möglich, daß— Ach da ist er! Achte Seen e. Wilhelm und Pauline. Wilhelm(auf sie zueilend.) Meine Pauline!(Er will sie küssen.) Pauline du (hält ihn sanft von sich ab.) Springinsfeld! woher so früh? W i lh«kni. Es ist heute Posttag, ich erhalte gewiß Briefe aus Dresden, da wollt' ich eben selbst ist auf die Post— ist Pauline (mit einem Blick auf den Brief in ihrem Busen.) AM Dresden, sagst du? Von deiner Mutter vermuthlich? Wi lhelm. Die bald auch deine Mutter seyn wird. Pauline. Ach das ist noch im weiten Felde! eine so reiche Frau— Wilhelm. Die nur das Glück ihres Sohnes will. Pauline. Und eine arme Waise— Wilhelm. Undankbare! ist Mutter Natur dir noch nicht freygebig genug? O wenn meine Mutter dich sieht, wenn sie dich nur erst sieht—. Paulin e. Freylich mit deinen Augen. Wilhelm. Und dann werd' ich sagen: Nicht wahr, sie ist schon? doch ihre Seele, Mutter, ihre Seele ist noch weit schöner! Pauline. Du willst mich roth machen. Wilhelm. Nun ja, du wirst errathen, und noch zehn 32 Mahl hübscher seyn, und meine Mutter wird dich freundlich mit feuchten Augen betrachten, wird meine Hand fassen, sie in die deinige legen, dich Tochter nennen— Pauline. O mein Freund! mein lieber Wilhelm! Du träumst so schön— Wilhelm. Kein Traum! kein Traum! es ist ja Mutterliebe auf die ich baue. r s ^ s Neunte Scene. Der Hausknecht. Die Vorigen. Hausknecht. Ein Billet an die Mamsell. Paulrne^ (nimmt das Billet, tritt in den Vordergrund und lieii hals laut.) „Kommen sie nicht zu mir, gute Paulin«, es „wäre vergebens. Mein Gläubiger ist une>- „bittllch. Ich kann die hundert Thaler uich! 3Z d„schaffen, und mus; durch die Flucht mich ret- !,„te„. iseben Sie wohl! Bedauern Sie Mich! e-„— Berghof." O die armen Kinder! Wi lhelm -u(sie unruhig beobachtend.) Sie scheint bewegt— verwirrt— Paulino st-(nachdem sie einen Augenblick nachgedacht.) Ja, das ist das einzige Mittel.,(Sie eilt a» den Tisch, schreibt ein paar Worte auf eine» Zettel und hikt ihn dem Hausknecht.) Geb' Er diese» Zettel sogleich dem Herrn der ihn schickt. Hausknecht. Gut, Mamsell. Pauline. Sag' er ihm dabey, er soll sich in Acht nehmen, das; ihn Niemand gewahr werde. Er wird ^"uch schon verstehen. Hausknecht. " Gut, Mamsell.(Ab.) eich!^ Zehnte Scene. r Wilhelm und Paul ine. e ü Wilhelm si (per alles, wo» vorging unruhig beobachtet, bey Seite.) t« Ich weiß nicht was ich denken soll. d, Pauline(unbefangen.) Lieber Wilhelm, alles das ist ein Räthsel für dich. Ich werde es dir losen.— Aber du scheinst so bewegt i Wilhelm. Ich? ach nein, ganz und gar nicht. de P a u l i n e. Du stotterst? Du siehst mich nicht an?— Wilhelm könnest du Verdacht gegen Paulinen hegen? Wilhelm. Verdacht? der Himmel bewahre mich dafür!^ Pauline. au Mein Geheimniß ist mir sehr werth, aber rai eS wacht dir Unruhe, du sollst Alles wissen. de Z5 Wi! h e l-n. N''^! nein! ich will nichts wissen. Daswa- rs erniedrigend für uns beyde. Vergib, daß ich euien Augenblick— ich schäme mich vor mir leihst.— Die Post muß angekommen seyn, ich si'egs und finde ich einen Brief von meiner Mut- ker, so lesiu wir ihn mit einander. Auf Wiedersehen. esr^ehk.) P aul! n e. Bald. Wilhelm (kommt zurück Und schüttelt Ihr die Hand.) rnre und Vertrauen müsse,, nie von einander scheiden. Leb' wohl.(Ab.) E ilfty Scene. Paul ine allein. Edler Jüngling! wie war' es möglich dich nicht zu lieben!— Himmel!, welch' ein Lärm auf der Treppe?(sie horcht.) Ha! ha! ha! der .^aichs Wilhelm hat den Herrn C tolperfuchs über den Haufen geworfen. Der klagt, der schimpft 36 nun wird es wieder ruhig. Gut daß er kommt. — Bild meiner Wohlthäterin»! umschwebe mich!— Zwölfte Scene. Stolperfuchs und P a u l i n e. Stolper fuchs (noch hinausredend, Kleid und Perücke in Ordnung bringend.) Haftnfuß! unsinniger Luftspringer! Man soll Respect haben, wenn man einem ezrursi hon- neccen Manne begegnet—(hervorkommend.) Aha! dieß Mahl find' rch das schone Paulinchen zu Hause. P a u l i ii e. Sind Sie es, Herr Stolperfuchst Stolpe rsu ch s. Ich selbst, mein scharmantes Kind. Der junge Beugel, der eben von Ihnen herauskam, hat mich unverschämter Weise auf der Treppe zum Sitzen genöthigt. 2? Pauline(theilnehmend.) Sie haben doch keinen Schaden genommen? S to lp e rf uchs. Einige Quetschungen an verschiedenen Glied« Massen, sonst nichts.(Er fasst ihre Hand.) Ach das liebe zarte Parschchen! wenn man das nur so alle Morgen zum Frühstück verzehren dürfte. (Er küsst die Hand gierig.) Pauline -(zieht ihre Hand zurück.) Weil sie einmahl da sind, so will ich Ihnen gleich den fälligen Miethzins bezahlen. Stolperfuchs. Bezahlen? ey! ey! Pauline. Nun freylich, es ist ja heute der Termin. (Sie zählt das G-ld hin.) Hier ist das Geld, ich bitte mir eine Quittung aus. Stolperfuchs (seht sich t« schreiben.) Quittung? O ja, herzlich gsr-n.(Schwmizslnd.) Aber das Geld— nicht wahr, das nehme ich nicht? Pantine. Allerdings muffen Sie es nehmen. Schulden zahle ich piincrlich; die dürfen nie mit Ihren Geschenken verwechselt werden duren Werth ich ubrrgens sehr lebhaft suhle— Stslp er fuchs. Wenn das wahr ist, mein Engel, warum denn immer noch so wild, du kleiner Satan? Pantine. Ey, wo denken Sie hin? Herzen gewinnt^ man nicht in einem Tage-(Mit ein wenig Kokette-'>, Sie haben schon große Rechte aus meine Dankbarkeit— und— es wird nur von Ihnen abhängen sie noch zu vergrößern. n Stolperfuchs. Wie denn, mein Schatzcheu? wie denn? Pauline.^ Ich bin so eben in Verlegenheit—- Stolper fuchs. In welcher? in welcher? Pauline. Eins Schuld abzutragen— -9 Stolpe r f u ch s. Eine Schuld? - Pauline. Eins heilige Schuld! aber ich brauche— Stolperfuchs. Nur heraus mit der Sprache. P a i! li tt e. Eine ziemlich große Summe. Stolp er fuchs. Ey, ey, was machen Sie dsnnmit all' dem Gelde, das ich Ihnen c^unsi gebe? Ihr Putz ist immer so einfach— Pauline. Gleichviel. Wenn ,ch in einer Viertelstunde nicht hundert Thaler habe— S t o l p e r f u ch s. Hundert Thaler!? Dreyzehnte Scene. Frau Silber. Die Vorigen. Frau Silber (bleibt an bor Thür unbemerkt siehe« und horcht aufmerksam.) Pauline(schmeichelnd.) Es ist freylich viel Geld. Stolperfuchs(schmnnzei> Kleine Hexe. Pauline(ihn streichelnd.) Aber Sie sind so em scharmanter alter Herr— S tolp er fu chs. Nu, nu, alt eben nicht. P a n l i n e. So csuasi wohlthätig— S t o l p e r f u ch s. Der Henker mag der Clrce wiederstehen.(§e jieht den Beutel.) Frau Silber(bey Seite.) Gott! was muß ich sehen und hören! Pauline. O Sie wissen nicht, wie glücklich Sie mich machen? O t o l p e r f u ch s. Ich will hoffen reeis'roce. So viel hab' ich nicht bey mir. Hier sind indessen sechs Lvuisd'or. Pa uliue (nimmt das Gold und legt es auf den Tisch, Bey Seite.) Wieder meinen Willen steigt mir das Blut ins Gesicht. Es ist doch wohl nicht ganz recht, war ich thue— aber kann ich anders? Stvlp er fuchs(sey Seite.) Die alte Frau Christiane soll leben! sie hab mir gut vorgearbeitet. Frau Silber(bey Seite.) Die Häuchlerinn ist entlarvt. Stolpersuchs. Ich will nur sogleich das übrige hohlen. Aber holdes Paulinchen, darf ich nunmehr auch hoffen, daß eine so ansehnliche Bereitwilligkeit— P a u l i n e. Von mir vergolten werden wird? Allerdings. Und— topp, Herr Stolperfuchs, noch heute sollen Sie dafür belohnt werden. Frau Silber (zeigt durch G-berd-n ihren Abscheu an, und entfernt sich.) Stolperfuchs(entzückt.) Endlich! endlich! du appetitliches Kind! du ljuasä Mäuschen! es soll dein Schade nicht /,2 seyn. Ich will dich halt?» wie eine Prinzessinn,, wie eine Königinn!— Glücklicher Stolperfucbs! sie ist dein! Leb' wohl, mein Zuckermund! gleich bin ich wieder bey dir.(m.) Vierzehnte Scene. Pauline allein. Ha! das ist mir sauer geworden, blutsauer — Wußt' ich sein Geld nicht zu veredeln— Doch wo bleibt Berghof? er konnte schon hier seyn! Himmel! wenn er den G-richt-dienern bereits in die Hände gefallen wäre, wenn ich mich umsonst erniedrigt hotte— Still, ich höreksm- men. Er ist es. Fünfzehnte Scene. Berghof und Pauline. Berg Hof. Hier bin ich, weil Sie es gewollt haben. 4-,", P a u l i n e. Stolperfuchs hat Sie doch nicht gesehen? Berghof. Nein, ich bin ihm ausgewichsn. Aber welche Hoffnung— Pauline. Ihr Geld ist parat. Berghof> Wie? sollte mein Bruder— nach den vielen Geschenken die Sie mir schon von ihm gebracht— P a u l i n e. Er rettet Sie— und bald, hoffe ich, Mrd er sich auch mit Ihnen versöhnen. B erghof. Wär' eS möglich! o mein guter Engel! P a u l i n e. Dem Gatten meiner Wohlthäterinn seine Ruhe rviederzuschenken'.st mein heißer Wunsch: '— Es kommt Jemand. Gehen Sie geschwind in das Cabinet, und kommen, Sie ja nicht eher heraus, bis ich Sie rufe. 44 Frau Silber (ersche» t an der Thür.) Berghof (Paulincn die Hand küssend.) Liebe, edle Pauliue!(Er schlüpfe hinein.) Sechzehnte Scene. P a u l i ii e und Frau Silber. Frau Silber (bey Seite, indem Panline nsch mir Berghsf beschäf- i:gt war.) Laß doch seh'n, wie weit sie die Unverschämtheit treiben wird. Paulin e. Sieh da, liebe Nachbarinn, haben Sie Ihren Hausrath zusammen gepackt? Frau Silber. Ja— ich hoffe noch heute— aber hört' ich nicht Jemand hier sprechen? P a u! i n e. Herr Stolperfuchs ist gewesen. Er hat mir nach löblicher Gewohnheit seine Cour gemacht. Frau Silber. Hüthedich, Panline. Dem guten Rufe eines Mädchens schadet Leichtsinn oft mehr als Laster.(Mit Bedeutung.» Zuweilen birgt auch ein schöner Körper eine schwarze Seele. Doch srüh oder spät rächt sich die Wahrheit. Pauline(etwas verlegen.) Sie heften Ihr Auge so star>' auf mich? Ihr Ton ist so bedeutend?— Wollen Sie mich schon wieder prüfen? Frau Silber(fast spöttisch.) Prüfen? O nein, das hab'ich nicht mehr nöthig. Es war nur so eine hingeworfene Bemerkung. P aulin e. Aber ich sehe— Sie sind nicht was Sie vor einer Stünde waren. Die Besuche unsers Haus- wrrths mißfallen Ihnen? Wohl, wir schicken ihn fort, er darf sucht mehr kommen- O wenn Sie. nie größere Opfer v-n nur verlangen—(Sie schmiegt sich tindüch gn sie.) Frau Silber(Sey Seite.)^ Kaum kann ich mich noch halten.^ Pal! line. Wenn ich zum Exempel auch Wilhelm nichi mehr sehen dürfte— ei Frau Silber(heftig bewegt.) Wilhelm?! Pauline.«r Trotz der süßen Hoffnungen, mit denen Sie A selbst mir schmelchelrcn, fürchte ich doch noch immer, seine Mutter werde nicht ernwilligen. Frau Silber(ausrechend.) Nimmermehr! nimmermehr! Panline(erschrocken.) Mein Gott! S>e sagen das mit einer Harte— Frau Silber(fleh fassend.) Vergieb— ich wollte dir eine Beschimpfung ersparen. Paul ine(ssorz.) Beschimpfung?— wer kann mich beschim-!" pfen, wenn ich sS nicht selbst thue?— Wil-^ .) lichi -gt.) ?ie im- lld.) Helms Mutter kann mir ihren Sohn rauben— sie kann mein Herz zerrelsscn— aber mich beschimpfen kann sie nicht. Frau Silber. Ich rathe indessen, sich je eher je lieber von dem jungen Menschen zu trennen. P auli n e. O ja, heute noch, wenn es seyn muß.(Sie erblickt Wfthelm der hereintntt und rüst schmerzhaft.) Ach Wilhelm! Frau Silber (steht sich schnell nach der Thur ziuuck; so daß Wilhelm sie nlcht gleich gewahr wird.) Zx. Siebenzehnte Scene. Wilhelm. Die Vorigen. ^ Wilhelm "Z(mit einem Briefe in der Hand, eilt fretirig auf Pau- littkn zu.) Triumvh, liebe Pauline! Ain Brief von meiner Mutter— sie kommt hierher— sie wüst-^^ 48 P a»- Pauline(freudetrunken.) Ist er möglich! Wilhelm. Höre nur!(Sr liest.'» „Ich re,se morgen ab.— Nach sichern Er „knndigungen fange ich an zu glauben, taf „P.-uline eben jo tugendhaft als reihend ist. „Finde ich es wirk! ch so, nun so komm' uf „Euren Bund zu segnen." Pauline. O Oott! Gott!—(Sie eilt auf Frau Gilb!! zu.'. Nun, meine Freundinn, jetzt freuen S« Sich mit mrr! Wilhelm ^(erblickt seine Mutter.) Was seh' ich! Frau Silber (breitet die Arme aus.) Wilhelm! Wilhelm (stürzt sich in ihre Arme.) Meine Mutter! Er taj ,5 Nlbo S>> §9 Pau litte(unbeweglich.) Seine Mutter!? Frau Silber. Endlich schließe ich dich wieder in meine Arme! Pauline. Wer hatte das gedacht! seit zwey Monathen -— ein so dürftige» Leben— Frau Silber(sehr ernst.- Das nimmt Sie Wunder? Lernen Sie, Mademoisell, daß einer Mutter das Glück ihres Sohnes nicht zu schwer fallt. Ja, ich habe unter dieser Verkleidung— Wilhelm. Meine Pauline prüfen, sich selbst überzeugen wollen, ob sie des Nahmens Ihrer Tochter würdig sey! Wohlan, Mutter! Sie kennen das liebe Mädchen, hab' ich zu viel gesagt?— (Er ergreift Poulineus Hand.) O kommst komm! empfange ihren Segen. Frau Silber (stösit PauUnen juriiek.) Halt! Wilhelm. Gott! was ist Las! KetzebM'S Theater 3L. Band.^ 5o Frau Silber. Pauiine, mein Sohn ist deiner mnverth. Wilhelm. d Meiner unwerth!?^ -" he. Gott weiß, daß mein Herz sie schon Loch^ tcr genannt hatte. Doch ein einziger Augenbliil^ vernichtete die Täuschung. Sie kann nie dieLer^ nige werden. Wilhelm." Nie? Warum nicht? Frau Silber. Folge mir, du sollst alles wissen. k Wilhelm. Ich? Paulinen so verlassen? Frau Silber (ergreift seine Hand.) Folge mir. th. P a u l i n e (wirft sich zwischen beyde.) Nein, ich-äffe Sie nicht fort von hier! Sie dürfen nicht aus diesem Zimmer, bevor ich nicht den Grund dieser grausamen Erniedrigung weiß. (Stelz.) Nicht an Sie, Madam, wende ich mich; Murtersorge macht Sie unempfindlich für frcm- Lrni! de Leiden—(sehr bewegt.) aber ÄU^mestrS-gute Orachbarinn— Christiane!— der ich so oft meines Herzens Innerstes aufgeschlossen!(hastig )dir,""" verzweifelndg Madam! es steht Ihnen frey Reu wich von Ihrem Sohne zu trennen, mir das dych, Liebste auf der Welt zu rauben— aber seyn iblii! Sie gerecht! Lassen Sie mir wenigstens seine Der Achtung und meine Ehre!— Ich habe weiter nichts auf der Welt, aber beydes will ich mit meinem Leben vertheidigen!(Sie wankt, Wilhelm unterstützt sie.) Wilhelm. Mutter! wenn das nicht die Sprache der Unschuld ist— F rau Silbe r. Wohlan man zwingt mich, Alles zu entdecken. Ss Achtzehnte Seen e. St olper fuchs. Die Vorigen. Stolperfuchs (ganz außer Athem.) Da bin ich! da bin ich! Frau Silber. Sie kommen eben recht, um mir diese Betrügerinn entlarven zu helfen. Sdolperfuchs. He! was soll denn das c^rursi bedeuten? F r a u S i i b e r. Hat Mamsell nicht Geld von Ihnen empfangen? hier? noch vor wenigen Augenblicken. Stolperfuchs (sieht alle wechselsweise an, und weiß nicht was er sagen soll.) Hm!— wie?— Geld? Pauline(gefaßt.) Ja, Geld. Es ist ganz wahr. Wilhelm. Es ist wahr?! Frau Silber. Sollten Sie nicht noch mehr hohlen? und zwar unter dem Versprechen, noch heute dafür belohnt zu werden. Stolper fuchs. Hm!>— wie?— heute 4 Pauline. . Auch das ist wahr. Frau Silber. Nun, Manche!!? und hab' ich nicht eine >e- Mannsperson bey Ihnen angetroffen, die Ihnen die zärtlichsten Dinge vorgirrte? kurz, die noch hier in Ihrem Schlafzimmer verborgen ist? Wilhelm. Gott! so muß ichs glauben. N- Paullne(sehr fchmerzhchtI Auch du! Wtlhelm? Liebe und Vertrauen sollten nie von einander scheiden!—(Sie öffnet ihr Eabinct.) Kommen Sie, Herr Berghos, für den ich so viel gelitten, bezeugen Sie meine Unschuld. Letzte Scene. B e r g. h o f. Die Vorigen. B e r g h o f. nb Wer wagt es, Ihre Unschuld zu bezweifeln? S l o l perfu ch s. Alle Hagel! mein Bruder! Wilhelm. Sein Bruder? Frau Silber. Wie hangt das zusammen? Bergho f. Ja, ich bin dieses Mannes Stiefbruder. P a u e. Der Gatte meiner verstorbenen Wohlthäterinn. B e r g h o f. Unverschuldet verlor ich mein Vermögen. Auch mein Bruder litt dobep einigen Verlust, das entfernte ihn von mir— Paulin e. Vergebens bath man ihn, seinen redlichen Bruder aufzuhelfen; Herz und Beutel blieben stets verschlossen, indessen er mich mit Geschenken überhäufte. Meine Wohlthäterinn war todt, ihre armen Kinder litten Mangel— mein sittliches Gefühl empörte sich allerdings gegen die Geschenke dieses Mannes— aber in der Hoffnung, über lang oder kurz die Bruder auSzu- 55 sahne», und dann gerechtfertigt da zu stehen, faßte ich den Muth, m:t reinem Herzen für den Bruder anzunehmen, was der Bruder mir both. Wilhelm(freudig.) Ja, so ist es! Frau Silber. Wär' es wahr? Berghof Storperfuchs.) Ja, in deinem Nahmen brachte sie mir die Geschenke, die ich nur als ein Zeichen deiner wiederkehrenden Liebe betrachtete. Stolperfu chS. ^ t— so? so?— daS ist allerdings recht christlich, recht exemplarisch—(b-u Seite.) Da muß ich wohl in einen sauern Apfel beißen. (Laut.) Nun, Bruder, sie soll dich nicht betrogen haben— ich breite csuasi meine.Arme nach dir aus.(Die Bruder umarmen sich.) Pauline. So hab' ich Wort gehalten. Das war der versprochene Preis. Frau Silber. Ich habe viel wieder gut zu machen, erochtsr! 56 Pauline(stürzt in ihre Arme.) Der Schein war gegen mich. Wclhelm. Mutter! ich bin stolz auf meine Wahl. Stolperst» ch s. Seins Mutter? Pauline(lächelnd.) Allerdings. Die reiche Madam Silber aus Dresden. Frau Silber. Der Sie auch eine Belohnung versprochen haben. Stolpe rfu ch s. Pst' pst! Alle Teufel! da hatt' ich mich schön adr-ffirt. P a u l i n e. Mein guter Herr Stolperfuchs, sie sind kein Weiberkenner. Nur zu ofc verdammt man uns auf bloßen Schein. Stolperfuchs. Und muß sich hinterdrein^nasi schämen, ganz richtig. Aber man hat Geld, man schämt sich nicht; sondern man macht mir nichts dir nichts ein freundliches Gesicht zum bösen Spiel. D e r Gimpel anf^ der Messe. Eine Posse in z wey Auszügen. Personen. Hans Stoffelsack, eines reichen Pachters Sohn aus dem Stadtlcin Schild«. Baron Wiirfelknochen, ein Lkevalior ä'inäu- klrie. Kiluh, sein Bedienter. S ch w a rzw i l d, der Wirth jum Paradiese. Lucretia, eine seiner Hausjungfern, Hartleb«r, ein Fremder. Das Stück spielt in einer ansehnlichen Stadt, w, Messe gehalten wird. ^9 Erster Act. Der Schauplatz ist eine Strasie oder ferner Platz. M einer Seite ein Haus mit einer practikabeln Thür. Die übrigen im Stücke genannten Häuser brauchen nicht lichtbar zu seyn, sondern dürfe» von den spielenden Personen kloß angedeutet werden. Erste Scene. Baron Würfelknochsn und Filüh. Filuh. 2-bie stehts, Herr Baron? die Meistgsht bald zu Ende, wir sind schon in der Zahlwo- che, und unsere Ernte hat noch immer nicht angefangen? Baron. Wer hätt' auch glauben sollen, daß jemahls Mißwachs an Dummköpfen entstehen würde. Dafür ist an manchen Orten durch Magazine gesorgt.— Doch Scherz bey Seite: daß wir nichts verdienen ist schlimm, aber daß wir heute Wechsel bezahlen sollen, ist noch weit schlimmer. Baro n. Darüber hab' ich meinen Entschluß gefaßt. Filuh. So? darf'man wissen worin er besteht? Baro n. Ich werde nichts bezahlen. F il uh. Sehr gut,— aber— Baro». Mit jedem Aber wirst du mich verschonen, sobald ich dir meine ttrsach nenne; ich habe keinen Heller. Filuh. ES ist nicht möglich eine triftigere Ursache anzuführen. Baro n. Wenn mir nicht noch heute irgmd ein Gimpel m§ Garu lauft-- Filuh. Hier wäre wohl ein guter Platz um Netze auszustellen. Dort die Vörse sammt dem Rath- haus; gleich daneben ein Restaurateur, wo man frühstücken kann ü in korrrolteite? links ein bsruhmtes Gymnasium au iroklu suu clu kiUar6; und endlich hier ganz in der Nähe unser Freund Schwarzwild, der eine Pen- sion'Sanstalt für schmiegsame Jungfrauen errichtet hat. Baron. Still, da kommt ein Fremder. Vermuthlich ist er reich, denn ersieht impertinent aus. Filuh. Wenn ich nicht irre, so sehe ich das Organ des Gsitzes an seiner Stirn. Zweyte Scene. H a r t l e b e r. Die Vorigen. Baro n. Mr Diener, mein Herr. Hartleber. Großen Dank. Baro n. Vermuthlich ein Fremder? Hartleber. Zu dienen. Baron. Eine respectable Physiognomie, nicht wahr, Muh? F i l u h. Ganz teufelmaßig respectabel. Baron. Sie verzeihen, mein Herr, ich bin ein großer Liebhaber von der phisiognomischen Kunst; Lavatcr war mein Freund, mein Duhbruder; und ich werde immer entzückt, wenn ich eine Stirn sehe wie die Ihrige, eine so weitriechende Nase, solche verstanrschlürftnde Lippen— H a r t! e b e r. Allzugütig. Baron. Heilige Sympathie! ich fühle deinen allmach- 6Z tige» Zug. Worin kann ich Ihnen dienen, mein Herr? reden Sie; Eigennutz ist mir fremd.Haben Sie Bekanntschaften in guten Häusern? H a r t l e b e r. Nein, mein Herr. Baron. Desto besser! ich werde Sie überall präsen- tiren. O mein Herr! wo Baron Würfelknochen sie präsencirt, da werden Sie mit offnen Armen empfangen. Auch in die Comödie werde ich Sie führen. Sie sollen griechische Chöre vernehmen, ein griechisches Fatum kennen lernen. Hart'leber. Ey was, ich bin kein Grieche. Hier aber darf ich ohnehin nicht an die Comödie denken, die Börse ist mein Comödienhaus. Baron. Vermuthlich Geldgeschäfte? H a r t l e b e r. Ich habe da eben eine große Summe eingenommen. BarvN(sehr sreuMich.) Eingenommen? Hartleber. Und der sie wieder leihen wollte, braucht sie nun nicht; daS setzt mich in Verlegenheit. Filuh. Mein Gott, aus dieser Verlegenheit könnten ja der Herr Baron dem wackern Manne wohl helfen? Baro n. Du hast recht, Filuh. Ich brauche es zwar nicht, ich borge in meinem Leben kein Geld, aber ich habe denn doch Bekanntschaften und weiß es eher unterzubringen.— Also— wie viel beträgt die Summe?' H a r t l e b e r. siooo Thaler. Baron. Bagatelle. Ich nehme sir. Doch nicht mehr als ein halbes Procent monathlich. Hartleber. Das wär' ich schon zufrieden. Welche Hypothek können der Herr als Sicherheit stellen.? Baron. Hypothek? Ha! ha! ha! ha! Das ist wahr- 65 hastig zum ersten Mahl, daß man Hypotheken von nur begehrt. Ein Wort vvm Baron Wür- felknochen ist so gut als die beste Hypothek- Doch ich verdenke Ihnen da» mchl, mein Herr! Sie kennen mich nicht. Fragen Sie nur»ach dem Baron Würfelknochen; da, fragen Sie zum Exempel diesen ehrlichen Menschen, er heißt Fi- luh, der wird Ihnen sagen, odMan jemahls Hypotheken bey mir sucht? FiLuh. Nein, niemahls, so lange ich in des Herrn BaronS Diensten bin. Hartlebe r. Kann wohl seyn; aber ohne Hypothek wird nichts daraus. Baro n. Ich weih nicht, welch' eine geheime Macht mich zwingt, Ihnen wieder Ihren Willen zu dienen. Nun wohl, Sie sollen Hypothek haben, meine Hand und Siegel auf Stämpelpapier. H a rtlebe r. Das ist nicht hinreichend. Baro n. Und meine Cavaliers Parole obendrein. Hartleber. Respect so viel Sie wollen/ aber kein Geld. Filu h. O Sie können ganz ruhig seyn; mein Herr wird Ihnen das Geld schuldig bleiben/ als ein ehrlicher Mann. H a r t b e b e r. Zhr gehorsamer Diener.(Er will gehen.) Baro n. So warten Sie doch. Es ist mir um Ihr Geld ja gar nicht zu thun. Behalten Sie es in Gottes Nahmen, wenn Sie glauben es besser unterbringen zu können. Ihnen zu dienen ist mein einziger Wunsch, es sey in Geldgeschäften oder sonst. Sie sind fremd, ein Fremder ist tausend Prellereyen ausgesetzt, drum warne ich Sie, auf Ihrer Huch zu seyn, zum Exempel beym Spiel, besonders beym Würfelspiel; ach Sie glauben nicht, wie gewissenlos man da mir Fremden umgeht. Seh'n Sie diese Narbe—(er zeig« ihm seine Hand.) Das ist ein Hieb, den ich vor vier Wochen im Duell erhielt, weil ich einen Spieler auf falsche.« Würfeln ertappte, mit welchen er einen reisenden Holländer betrog. Nicht wahr, Filuh? 6y Filuh. Hohl' mich der Teufel! es ist wahr. Hartleb er. Da haben der Herr Baron wie ein braver Cavalier gehandelt. Bars n. Ich spiele selbst manch Mahl zum Zeitvertreib, aber ich muß die Würfel kennen, und darum führe ich auch immer meine eigenen Würfel bey mir. Nicht wahr/ Filuh? Filuh. Der Herr Baron gehn nie ohne dieselbe» aus dem Hause. Baron. Dia hat der ehrlichste Drechsler in der ganzen Welt gedreht, Meister Caspar dort an der Ecke. Mit denen kann man sicher spielen, nicht wahr, Filuh? Filuh. O wenn Meister Caspar sie gedreht hat— Baron. Haben Sie Lust, mein Herr? Wir stehen hier gerade vor dem Easthsf zum Paradiese. 66 Der Wirth ist eil, ehrli ycr Mann, er war vormahls Kammerdiener bey mir. Wenn Ihnen gefällig ist ein wenig zu würfeln. Hartleber. Sehr verbunden. Baro n. Oder ein Piquet'l Hartleber. Ich spiele nie. Baron. Bravo! ich habe mich doch in dem Manne nicht geirrt. Eine solche Nase widersteht allen Versuchungen. Wir muffen unS näher kennen lernen, mein Herr. Wir wollen eine Flasche Wein zusammen ausleeren. Hartleber.^ Ich trinke keinen Wein. Baron. Nun, so wollen wir die Zeitungen mit einander lesen. Hartlebe r. Ich lese keine Zeitungen.(Er g??r av.) D r i t.t e S c e n e. Der Baron und Filuh. Bars n. Der Kerl ist ein Flegel. Filuh. So zah als eine Büffelshaut. Baron (nachdem er einige Mahl ungeduidi;, auf und niedergegangen.) HLre, Filuh, wiust du mir Gesellschaft leisten? Filuh. Von Herzen gern. Baron. Zch will mich aufhangen. Filuh. Achlra muß ich denn doch bitte»/ sich fürs erste ohne Bedienten zu behelfen. Baron. ' Ist es nicht eine verdammte Gewohnheit/ daß man seine Schulden bezahlen muß? Filuh. Eine abgeschmackte Erfindung. Baron. Man sollte doch wenigstens nur diejenigen dazu anhatten, die bezahlen könne»? Filu h. Freylich. Baron (nach einigein Nachdenken.) Es bleibr mir nur noch eine Hoffnung. F> lu h. Darf man wissen—? Baron. Mein Freund und College, der Herr von Aspic, schreibt mir gestern aus dem Stabilem SchUda. Filu h. Ist er jetzt in SchiWa? O da wird er gute Geschäfte machen. Baro n. Allerdings, und mir weifet er auch etwas zu. Er meldet nähmlich, ein reicher Pachter aus der Nachbarschaft schicke dieses Jahr zum ersten Mahl seinen Sohn auf die Messe/ einen Tölpel mit gefülltem Beutel. Filu h. Willkommen! Baro n. Mit der heutigen fahrenden Post soll er arriviern; drum steh' ich hier und behalte das Thor im. Auge. Ist er so ein junger unbeleckter Bar/ wie mein Freund ihn schildert/ so hab' ich eine lustige sLomodie mit ihm im Sinne. F i l u h. Lieber ein Spectakelstück/ sonst trägt'S kein Geld ein. Baro n. Ich rechne dabey auf dich und aufweinen alten Universttacsfreuiid/ den Wirth zum Paradiese. Filuh. Auf unsern ehrlichen SchwarzneiW Mit dem ist schon etwas anzufangen. Baron. Da kommt er wie gerufen. 72 Vierte Scene. Schwarzwild kommt aus dem Hause. Die Vorigen. Schwarz w i l d. Sieh da, Herr Bruder Baron von eigene» Fabrik, ich habe dich ja in drey Tagen nicht gesehen? Die Leute sagten, der Teufel hatte dich gehöhlt. , Baron. Herr Bruder, mit uns beyden eilt der Teufel nicht so, uns hat er ohnehin gewiß. Filu h. Es wäre denn daß meine Fürbitte^ S ch w a r z w i l d. Wenn du dem Himmel näher kommst, sö geschieht es auch nur, indem du hinauf gezogen wirst.(Er macht die Pantomime dcü Hängens.) » Baron. Süll, Kinder, den Witz verspätt als Beykost zum Champagner. Schwarz- Schwarzwild. Da wird er wohl noch lange ruhn, denn § dir fehlt der silberne Kellerschlüssel. Baron. Mit deiner Hülfe, Brüderchen, denke ich ihn Heine noch zu finden. Vormahls, als wir beyde noch dem edlen Studierhandwerk oblagen, . haben wir ja manchen Philister geprellt. Nun find wir zwar selber Philister geworden, aber unser Genie blüht noch in Tugendkraft. Schwarzwild. n-'" Höre, Brüderchen, du bist kein Dummkopf, aber mit mir musst du dich nicht vergleichen. Deine Akad e ch ie ist gut, aber meine Pension banst alt ist besser. Filuh. sb Gott sey Dank! ich bin da in eine treffliche o- Schule gerathen. Schwarzwild. Du hast schon feine Kenntnisse mitgebracht. Baron. Wir wollen jetzt nicht über unsere Naturga- Kotzebue's Theater LZ, BS. D den statten. Sage mir nur, Freund Schwarzwild, ob ich auf deinen Beystand rechnen darf? Schwarzwild. Warum nicht? Wenn es etwas dabey zu verdienen gibt? Baron. Und ob unter deinen ehrsamen Hausjungfern sich erwa eine findet, der man eine Rolle von Bedeutung anvertrauen konnte? Schwarzwild. Da sey außer Sorgen, und wenn es die Rolle der keuschen Jungfrau von Orleans wäre. Mamsell Lueretia zum Exempel— Baron. Gut, Mamsell Lueretia ist deine Frau, sie ist verliebt in meinen Gimpel, du bist eifersüchtig. Da hast du mit drey Worten deine Jnstruc- tion. 8->^ikNti 8Ut.(Man hört ei» Posthorn in der 8-r»e.) Horch! die Post kommt. Geh hinein. Du auch Fttuh. Für dich werden sich noch Nebenrollen finden. Filnb (indem er in das Ha«is geht.) §s ist doch hart, daß ein Talent, wie das Meinige, nur für Nebenrollen gebraucht wird. Schwarzwild(ihm folgend.) Nimm dich nur in Acht, Brüderchen, daß die Jusiih keine Rolle dabey zu spielen bekommt, denn die deelamirt zu laut und übertreibt gewöhnlich. Baron(in die Ferne blickend.) Da ist eben eine Figur ausgestiegen— die mochte wohl geradesweges aus dem Stabilem Schilda kommen. Fünfte Scene. Hans Stoffelsack und der Baron. (Hans Stoffelsack trägt gelblederne, Beinkleider, Stolpenstiefel, einen braunen oder blauen Rock mit Mass» silbernen Knöpfen, ein rothes Halstuch, einen grünen Schifferhur, dicke Locken, steifes Zäpfchen, und in der Hand ein langes spanisches Rohr mir silbernem Knopfe» Er hat sehr rothe Backen und ist wohl genährt.) Hans(unibergaffsnd.) Ey du Herr Jemine! das lst eine schöne D 2 ?6 Stadt!(er klatscht mit domMunde) gewaltig schön! — und höfliche Leute. Der Herr, der sich am Thore die vieleMühe gab, meinen Koffer zu vi- sitnen, nahm mir weiter nix als ein Paar Schinken, und sagte, er wollte sie auf meine Gesundheit verzehren.— Hernach kamen recht freundliche junge Herren, sie nannten sich Studenten, die hielten Mich für einen gewissen Herrn Fuchs. Sein Diener, Herr Fuchs! sagten sie immer; und als ich Mich bedankte und sagte, sie irrten sich, ich hieße Hans Stoffelsack, da lachten sie und der eine Spaßvogel nannte mich einen ledernen Fuchs, ha! ha! ha! ha! ha: Wenn ich doch nur erst wüßte, wo mein Vetter wohnt? Da stehrs wohl auf dem Briefe, im Thomas- gaßchen, aber wo find' ich das Lhomasgaßchen rn der ungeheuern Stadt? Bars n (geht an ihm vorüber«Nid grüsit ihn sehr höflich.) Hans(mit großen Kratzfüßen.) Ganz gehorsamster Diener!— Schon wieder ein höflicher Mann. Den könnt' ich ja wohl nach meinem Vetter fragen? Denn als ich den Pa» nid den Kettenhund zum letzten Mahl umarmte, da sagte der Kettenhund— ue der Pa- pa sagte—> Hans, mit Fragen kommt man durch die Welt.- Pst! pst! Musje! Baro n. Was steht zu Ihren Diensten? Hans. Können Sie mich nicht berichten— ich habe da einen Brief an Musie Musje Zitteraal, put eis clnlindre tras leuommst a 1.erp/,>K, der ist mein Vetter im Thomasgäßchen. ^ Baron. Wie? Ist es möglich? Sie waren—? Ich härte das Glück meinen geliebten Vetter, Hans Stoffelsack aus Schilda, vor mir zu sehn? Hans. Ey alle Hagel! Sind Sie selber der Herr Vetter Zrtteraal? Bars n. Ob ich es bin? Urtheilen Sie aus meiner Freude—(Er drückt ihn entsetzlich I» seine Arme.) HanS(schreyt.) Ha! ha! ja, es ist richtig. Sie drücken mir !a die Kalkarmen aus dem Leibe. > "8 Baro n. Sehn Sie die Freudeitthranen die mir auS dem Unken Auge fließen. Hans. Ach das ist ein herzensguter Mensch! er macht mich ganz wehmüthig. Baron(schluchzend.) Erlauben Sie, daß ich diese Perlen in mein Schnupftuch auffange. Hans sfängt an zu flennen.) Perlen? Was das für rührende Ausdrücke sind! Baron. Wenn ich aber dem Vergnügen Sie zu sehen mich überlasse; wenn ich Ihre ferste Consistenz betrachte, so ergrerft mich die Fröhlichkeit, ha! ha! ha! ha! Hans. Nicht wahr, Herr Vetter, ich bin wohl bey Leibe? ha! ha! ha! ha! Baron. Ach! daß Dero würdige Frau Mutter nicht mehr lebt! Sie war die Krone von Schilds!(Er weint.) Hans(weint mit.) Ja, sie machte die besten Leberwürste im ganzen Lande. Baron. Wie befindet sich denn Dero liebenswürdige Jungfer Schwester? H a n s. Welche meinen Sie denn? Die Schielende oder die Hinkende? Baron. Ich meine die Schielende, für die ich immer eine besondere Zärtlichkeit empfunden. Hans. Ach die hat jetzt Triefaugen; aber die Hinkende ranzt noch immer ihren Stiefel mit weg. Baron. Und der Herr Vetter Nielas, wie befindet sich der? Hans. Der befindet sich gar nicht mehr, der ist v»- «Miss riges Jahr bey der große» Viehseuche gestor be». Baron. Ey, ey, ist der selige Mann todt? Hans(lacht ih» aus.) Nu freylich, sonst konnte er ja nicht selig seyn. B a ro n. Um Verzeihung, liebwerthester Herr Vetter, man kann oft eher fragen: ist der selige Mann gestorben? Als: ist der Man» selig gestorben? H a n s. Ha' ha! man hört es doch gleich, daß der HerrVetter aus einer gelehrten Unverschra: wohnt. — Na, nehmen Sie Ihren Brief. Es sollten auch ein Paar Schinken dabey seyn, aber die Herren im Tdore memten, sie ließen nur lebendiges Vieh paffiren. Die Gottesgabe sollte aber mcht umkommen, sie wollten sie aus meine Gesundheit verzehren. Baro n. Ach! was frag' ich nach den Schinken? Wenn ich nur den Brief von meinem lieben Vetter habe. Hans. Es liegt auch ein Wechsel darum für den Brauiischweigischen Hopfen, den der Herr Vetter neulich geschickt hat. Sechzig Thaler zwölf Groschen. Bare n. Nu, nu, dar wird sich schon finden. Hans. Ne, ne, Papa will erpresse haben, ich soll selber dabey stehn, wenn der Brief erbrochen wird, dam-ck ich so recht geiwß weis?, daß der Wechsel m die rechten Hände gekommen. Baron(erbricht den Brief.) Wenn Sie so befehlen. Sehen Sie, da ist der Wechsel m rechten Handen. Hans. Gut, gut. lasse der Herr Vetter sich ihn ja noch heule auszahlen. Baron. Werde nicht ermangeln. Ü2 Hans. Nu/ lieber Vetter/ auf den Abend besuche ich Sie/ wenn Ihr Bier gut ist. Jetzt sagen Sie nur einmahl/ wo ich das Wirthshaus zum grünen Esel finde? Da hat mein Papa immer logier- und da will ich denn auch einen Thaler Geld sitzen lassen. Bars n. Ey nicht doch/ Herr Vetter/ der grüne Esel war vor Zeiten recht gut, jetzt wird aber dort eure schlechte Wirthschaft getrieben: da kommt allerley Weibsgesindel zusammen/ Sie verstehen mich schon. Hans. Ey pfuy Teufel! ne/ da setze ich keinen Fuß über die Schwelle. Wo ich logirS/ da muß es honett zugehn. Baron. Leider hab' ich selber keinen Platz/ aber ich führe Sie zu meinem Schwager/ da sind Sie wie in Abrahams Schooß. Er ist hier der Wirth zum Paradiese/ eine ehrliche Haut/ hat gutes Bier. Wenn der Burgemeister aus Schrlda herkommt/ logirt er nirgend anders als bey ihm. H auS. Unser Burgemeisiec?- Ach da muß sein Bier wvh! gut seyn, denn der versteht sich drauf. Baro». Nur eins muß ich Ihnen sagen: Schwager Schwarzwild har eine hübsche junge Frau, auf die er ganz verdammt eifersüchtig ist. Da müssen Sie sich^in wenig in Acht nehmen. H a n s. I hören Sie, das ist just meine Sache. Ich Haselire gar zu gern mit hübschen Weibern, ha! hä! ha! Baro n. Kleiner Schelm! Sie mögen schon Unheil genug unter den Köchinnen in Schild« angerichtet haben. Hans(in sich lachend.) Pst! pst! pst! Herr Vetter, man redet nicht gern davon. Es hat den Papa etliche Mahl schon einen huschen Thaler Geld gekostet; den— hi! hi! HU ich hab'ei» curikses Malheur, wenn ich ein hübsches Madel nur einmahl in d e Backen kneipe, gleich, melirt sich das Consistorium drern. B> a r o n. Das hat hier nichts zu bedeuten. Nehmen Sie sich nur sonst>n Acht, lieber Herr Neuer, daß Sie nicht von Gaunern geprellt werden, die hier immer den Fremden nachzustellen pflegen. H a n s. Mich prellen? Ha! ha! ha! da musi einer früh aufst.hen. Unter uns, Herr Vetter! hi! hr! wenn'S nur nicht umgekehrt herauskommt. Baro n. Wie so? HanS. Mein Papa hat seit etlichen Jahren alle falsche Münze um ein Spottgeld eingewechselt; ich habe einen ganzen Sack voll mitgenommen, und denke ste alle wieder los zu werden. Baro n. Bravo! Der Papa erlebt Freude an Ihnen. Haben Sie sonst keine Geldgeschäfte? Hans. O ja. Ich soll vier hundert Thaler beym Bang-,1er Sommer heben. Daist die Anweisung. Papa hak schlechten Flachs dafür geliefert. Baro n. Beym Banquier Sommer? Armer Herr Vetter! wisse!! Sie denn nicht, daß drr Mann vorgestern banquerott gemacht hat? Hans. Banquerott?!-— Herr Vetter, um l^ct- teswillen! führen Sie nicht solche lästerliche Reden, mich rührt der Schlag auf der Steile! Baro n. Was ist dabey zu thun? Der Concurs ist schon verhängt. Hans. Was verhängt! Wenn die vier hundert Thaler verloren sind, so hänge ich mich selbst, und der Papa hängt sich, und die ganze Familie hängt sich auf. Baro ii. Das war' ein schreckliches Blutbad. Wissen Sie was, Herr Vetter, viellerchr kann ich noch helfen. Haus. Ach Herr Vetter, Sie sind ein prächtiger Tausendsassa! Baron. Sommer ist mein Freund. Ich weiß, er hat noch Wechsel von den, berühmten Hause Muh et Lompagme. Sie werden es kennen? / Hmns, Filuh ot Compagnie? Ne das kenn' ich nicht. Bar» n. Gleichviel! Es ist eines der berühmtesten Häuser, es hat seine Comtoirs in allen vier Welt- theilen. Wenn ich nun Sommer überreden konnte, daß er Ihre Anweisung ganz im Stillen gegen Einen von diesen Wechseln umtauschte— Hans. So würden die übrigen Creditoren noch obendrein geprellt? Ha! ha! hä! Das wäre delikat. Baron. Wir wottens versuchen. Hans. Herr Vetter, wenns gelingt, es soll Ihr Schade nicht seyn. Meine falsche Münze ist mir nicht ans Herz gewachsen. Baro n. So geben Sie mir nur schnell die Anweisung. 67 Hans -> ,.,z einer sMivar-lederne» Brieftasche hervor.) ca! mrc Gsrres Legen und Hülfe! Bar» n. Ich führe Sie unrerdeffen hier ins Paradies und stelle See»»einem Schwager vor. Hans (umarmt ihn gerührt und streichelt ihm die Back«».) Ach Sre Ueber scharmanter Herr Becker! waS es doch für ein Trost cn einer fremden Sradc ist, wenn man gleich einen wahren Freund, einen Blucsverwandren sinder. Ohne ihn hatte ich von ' Filnh nt Coinpagnie keine Sylbe erfahren, u.d säße im grüne» Esel starr im Paradiese.(V»»)de geh» Rri» in Arm in das Haus.) 83 Zweyter Act. Erste Scene. Hans Stoffelsack kommt aus dem Hause. §^as ist ein Leben! ey Heer Jemine! gutes Brer, Bratwürste, eine hübsche Frau Wirthinn — man weis! nicht, wornach man zuerst greife» so». Säe ist mir gut, ich hab'» gemerkt. O io was hab'ich gleich weg. Als ich so einen gewissen Biick auf sie schosi, da schlug sie die Augen nieder, wre ein Maulwurf, und als ich mn der Hand recht martialisch auf meine ledernen Hosen klatschte, da fahr sie ordentlich zusammen. Der Herr Schwager paßt verdammt auf, aber bey Tische wollen wir einmahl sehen, wer am besten trinken kann. Ich werte um ei» falsches Viergroschenstück, daß ich ihn heute Abend unter den Tisch saufe, und hernach, hi! hi! hi!— bethe ich mit seiner Frau den Abendsegen.— Potz alle Hagel, da kommt sie! Die ist geschossen! die kann keine Minute mehr ohne mich seyn. Zweyte Scene. Lucretia und Hans. (Lncretia seht sich mit ihrem Strickjeug auf die Sank vor dem Hause, schielt oft ziirwch ü»er ihre Arbeit hinweg nach Hansen, seufzt tief, wischt sich auch »o„ Zeit zu Zeit eine Thräne ant- dem Au>e.) (Hans beobachtet sie von der Seite. Stummes Spiel beyder.) Hans(bey.Seite.) Wie sie nach mir schielt!— Hu! die Augen brennen wie faules Holz— Jetzt hat sie geseufzt — die arme Person— Horch, da ließ sie schon wieder einen dicken Seufzer fahren— es ist erbärmlich rührend kein Wunder wäre es, wenn dw Pflastersteine Thränen schwitzten.— Was? Ich glaube gar sie weinr?— Ey, ey, Hans Scoffeisack, was hast du gemacht?— Wenn HO dir die dicke Life wüßie.— Da fahrt sie üben wiwsr mit den Fingern in die Äugn,— Ne, nun wird mirs zu bunt! Es ist doch ein armes Christenmensch— und die christliche Barmherzigkeit— ich will ihr ein bisse! Coi rage machen. —(gx nähert sich ihr, ohne sie anMrhrn.) sich! Lucr etia. Ach! H a n s. O! Lucretia. O! Hans. Frau Muhme! Lucretia. Herr Vetter! Hans(kür sich.) Wie geb'ichs nun recht verblümt?—(Laut.) Aber ins Teufels Nahmen, Frau Muhme, was fehlt Ihnen denn? So thun Sie doch nur das Maul auf, Sie haben ja keinen Klotz vor sich. n Ludretia. Ach! mir ist ein Unglück widerfahren, ein großer Unglück! Hans(für sich.) Haha ha ha!(Laut.) Courage, Frau Muhme! Geben Sie's von sich. Betrachten Sie meru Herz, es ist wie eine Tasche, Sne können alle4 hinein stecken. Luer,etia. Ach, ich darf mich Niemand vertrauen! und Ihnen am wenigsten. H a n s. Ey potz Wetter! warum denn nicht? Lucretia. Heiliger keuscher Mond! wo U meine strenge Tugend, auf die ich so stolz war! Hans. Ja sehn Sie, Frau Muhme, man muß Metz mehis hoffärng in der Welt seyn. Es findet am k Ende doch jeder seinen Meister. Hi! hi! hi! hü ^ L n er etia(weinend.) Ich will katholisch werden, ich will meine Schande in eut Kloster begraben. Hau s. Ach warum nicht gar! Was wäre denn das für eine Schande? Ja, wen» Sie sich m einen dummen Bengel verliebt hätten— L u c re t ia. Verliebt! ich verliebt! O Gott! Hans. Nu ja! machen Sie nur nicht so viel Paper- lapapp und Dudeldumdey. Sie sind nicht die Erste. Lucretia. Grausamer! Hans. Wer sagt denn, daß ich grausam seyn will? kni tutteiuunZ cunträu. Sie gefallen nur ganz pasiabel. Lucretia. Ach! wenn mein zärtlicher Gatte das wüßte! Hans. Gatte? Das soll wohlJbr Mann seyn? I, wer wird s denn dem aus die Nase binden. Lucreria. Mein Gewisse»— Hans. Lirum larum! In der Osterwoche thun Sie Buße, so sind Sre wieder eben so ehrlich als zuvor. Luc re t i a. Meine Ehre— mein guter Nahme— Alle Studenten haben bis jetzt meine Tugend bewundert! Hans. Stellen Sie sich doch an, als ob es den Hals kosten wurde. Seyn S»e ruhig, Frau Muhme. Der liebe Gott har mich sehr wohlgeluldet erschaffe», dafür können Sie inx Die Augen können Sie mcht zumachen, wie? lind der Mensch ist ein schwaches Gefäß, das macht die Erbsünde, dafür können Sie wieder nix. Lucretia. Ach ich höre meinen Mann kommen, und zittee wre eine Verbrechen»». Hans. I Herr Jemine! es ist ja noch nix passirt» Mann hangt die Leute nicht eher, bis sie gestohlen haben. Dritte Scene. Schwarzwild. Die Vorigen. Schwarzwild(zu Lutretieii,) So? finde ich die Madam hier brausten?^ Das ist doch son^ Zh" Art nicht? L u e r e t i a. Das schone Wetter, lieber Mann, hat mich herausgelockt. Schw arzwild. Ey? Das schone Weiter, oder der schöne Vetter? Hans. Ey ey, Herr Schwager, Sie sind spaßhaft. Schwarzwild. Ganz und gar nicht, mein werther Herr Stoffelsack. Über gewisse Dinge verstehe ich keinen Spaß. Es ist nur zwar eme Ehre und Freu- de, so einen scharmanten jungen Herrn in mei »ein Hanse zu bewirthen, aber Tugend und Keuschheit gehen hier im Paradiese über Alles. (Zu Lucrekien.) Sieh da, ertappe ich deine Augen nichr schon wieder auf verborhenen Wegen? Marsch! hinein? Du leichtsinnige Crealur! Zn den Keller will ich dich sperren, so lange, bis gewisse Leute wieder zum Thore hinaus sind. Marsch!(Er pißt sie beym Arm und schiebt sie hinein.) Lucretia. Ach!(sie wirft Hansen noch verstohlen«inen Kuß t».) Vierte Scene. Hans allein. Hu! der rst schaluh! hä! hä! ha! ha! Und sie hat mir doch hinter seinem Rücken ein Kuß- paischchen zugeworfen.— Curios, wie das Weibsen auf mich versessen ist. Die dicke Life auf unserm Dorfe eben so, und die Bessnbindrrs§rau in Schild» accurat so.(Er besieht seine Demo mit WEg-sEn.) Freylich der liebe Gott gibt sich nicht alle Tage die Mühe. Fünfte Scene. Baron Würfelkno chen und Hans. Baron. Da bin ich, mein werthester Herr Vetter. Ohne Ruhm;u melden, hab' ich meine Sachen excellent gemacht. Der alle Sommer hat ganz in der S rille Ihre Anweisung genommen, und mir statt dessen euien herrlichen Wechsel auf Fi- luh ot Compagnie gegeben. Da, nehmen Sne. Hans. O Sie goldner Vetter Zitteraal! Eine gewaltige Freude wird der Papa haben, wen» er das vernimmt. Also die Anweisung br» ich los? Baron. -Ja die sind Sie richtig los. Hans. Und der Wechsel auf Filuh er Compagnie ist mem? Ba- Bars n. Den wird Ihnen kein Mensch streitig machen. Hans. Wann kann ich ihn haben? Baron. Er ist m drey Woche» fällig. Hans. Scharmant. Meine Sachen hab'ich unterdessen von der Post hierher bringen lassen, es kostet mich acht Groschen. Nun liegt mir nur noch eine Sorge auf dem Herzen. Der Papa bar mir tausend Thaler in Golde mitgegeben, die soll rch sicher unterbringen zu fünf Procent. Baron. Ey dazu wird auch wohl Rath werden. Hans. Wenn der liebenswürdigste Herr Vetter sich der Sache annehmen wollten? Baron. DaS versteht sich. Ich werde nicht eher ruhn, bis ich auch das letzte Goldstück in sichern Handen weiß. Kotzebue's Theater 2->. Band, E Hans. Na, das ist mir noch ein Vetter!(Er umarme den Baron.) Aber kommen Sie nur einmahl nach Schilds, da sollen Sie auch Bier trinken, so viel Sie nur wollen. Hören Sie's? So viel Sie wollen. Baron. Allzu generös. Ich thue nichts aus Eigennutz. — Sehen Sie doch einmahl da unsern ersten hiesigen Banquier, Jacob Schaumlöffel, wie der in tiefen Gedanken von der Börse geschlichen kommt. H a n s. Ist das Jacob Schaumlöffel? Ich habe die Ehre ihn nicht zu kennen. Baron. Wie? Haben Sie nie von Jacob Schaumlöffel gehört? Das ist ein Mann, der hat seinen Hof mit harten Thalern gepflastert. Hans. Das war' der Teufel! Baron. Alle seine Bratspieße sind von Silber. """ 99 Hans. Ey, alle Hagel! Baro n. Eben jetzt laßt er zwey neue Keller graben. weil er mehr weiß, wo er die Geldsacke hinthun soll. Hans. Mohrensapperment! Baro r«. Sehn Sie, wie kurz er die Leute abfertigt. Das waren gewiß wieder Kapitalisten, die ihr Geld bey ihm unterbringen»rollten. Ja freylich, wer es bey dem stehen hat, der kann ruhig schlafen. Hans. Ja der wird nichts nehmen. Er darf ja nur im Nothfall die Bratspieße einschmelzen., Baron. Freylich, wenn der Geld nimmt, so geschieht es nur aus besonderer Gefälligkeit. Aber ein guter Mann ist er, ich kenne ihn, ich habe seinen Sohn im geographischen kluruli unter- E 2 richtet/ da halt er denn noch immer große Stücke auf mich. Hans. Der tausend! Herr Vetter! wie wärs, wenn— Daro n. Ich verstehe Sie, aber ich zweifle. Indessen eine Anfrage hat man umsonst, und da er uns eben hier in den Wurf kommt— Hans. Ey, und da Sie seinen Sohn im geographischen 1'lurulr unterrichtet haben? Baron. Ja, ja, Ihnen zu Liebe will ichs versuchen. Sechste Scene. Hiluh(als Kaufmann gekleidet, kommt langsam als in tiefen Gedanken.) Die Vorigen. Baron(mit viele» Revereui«»-) Ganz gehorsamster Diener, mein werther Herr Schaumlöffel. Hans (macht gleichfalls viele Bücklinge.) Filnh(vornehm thuend.) Sieh da, mein lieber Zitteraal, wie gehts? Es thuc mir leid, daß ich jetzt nicht Zeir habe, mich mit Ihm zu unterhalten. Ich habe da eben Contraete über eine Hanflicferung geschlossen, die etwas über eine halbe Million beträgt. Hans < macht ihm eine tiefe Verbeugung-) Tausend Schwerenoth! Filuh. Nun weiß Er wohl, mein lieber Zitteraal, ich bin zwar ein wohlhabender Mann, aber eine> halbe Million hat man doch nicht»mmer baar im Hause: es werden jetzt in meiner Cafse kaum vier-Mahl hundert tausend Thaler vorrakhig seyn. Hans(vorbeugt sich abermahls») Mordsapperment! Filuh(lächelnd.) Also muß man doch ein Bischen nachdenken, wie man das übrige schnell herbeyschafft. Adieu, mein lieber Zitteraal!(stellt sich, als wolle er gehn.) 102 Baron. Eyz wenn der Herr Schaumlöffel ohnehin Geld brauchen/ so könnt' ich meinem werthesten Herren Patron vielleicht einen Posten zuweisen. Filuh(verächtlich.) Sie? Baron. Zwar nicht selbst/ aber hier mein Herr Vetter, Hans Stoffelsack aus Schilda, welcher tausend Thaler in Golde sicher unterzubringen wünscht. Filuh(höhnisch lachend.) Tausend Thaler? Das verlohnt sich wohl nicht der Mühe, davon zu sprechen. Baron. Freylich wohl nickt, aber wenn der Herr Patron aus Gewogenheit für mich— Filuh ,(Hansen vornehm betrachtend.) Wie nannten Sie den jungen Mann? Bars». Hans Sioffelsack, aus Schilda. io3 Filuh(sich besinnend.) Stoffelsack?— Stoffelsack?— Wen» ich nicht irre/ hab' ich einmahl mit einem sehr wackern Pachter Stoffelsack zu thun gehabt— Hans(schnell.) Das ist mein Papa. Filuh. So? So?— Er hat so eine spitzige Nase, nicht wahr? Hans. Ns, er hat eine dicke rothe Nase mit vielen kleinen Naschen. Filuh. O die werden erst nachher geboren worden seyn.— Ja, ja, Ihr Papa ist gar ein lieber pfiff-lgsr Mann, und wenn Sie mich versichern können, daß Sie sein Sohn sind— Hau s. O ja, die Mama hat es wohl hundert Mahl gesagt. Filuh. Nun, so will ich anS Gefälligkeit die tau- .10 4 send Thaler in Golde nehmen, doch nicht hoher als zu vier ein halb Proccnt. H a n s. Ach du lieber Goit! könntens nicht füufe seyn? Filuch. Jacob Schaumlöffel gibt nie fünf Procent. Baron(leise zu Hans.) Ilms Himmelswillen, machen Sie ihn nicht böse. Wenn der Papa hört, das! sein Geld bey Jacob Schaumlöffel untergebracht worden, so ist er auch mit vier ein halb zufrieden. Ha n s. Na, avenn Sie meinen. Aber wie stehts denn mit der Hypothek? Denn der Papa hat mir erpresse befohlen, und hat mich dabey am Ohrläppchen gezupft: Hans! Hans! ,a kern Geld ausgeiiehen, ohne Hypothek. Filuh. Das lob' ich, und daran erkenn'ich den braven Pachter Stofftlsack. Hypothek soll Er haben. Gott sey Dank, daran fehlt es uns nicht. Mein lieber Zitteraal, zeig' er doch dem.jungen Herrn dort mein Haus. Baron(leise.) Spitzbube! was für ein Haus? Filuh(leise.) Das Rathhaus.(Laut.) Dort das große Haus, welches ich erst neulich gekauft habe. DaS will ich ihm verschreiben. Hans(klotzt in die Ferne.) Ach! das schöne, gewaltig große Haus? Da will ich geschwind mein Beutelchen aus dem Koffer hohlen.(Er läuft ins Haus.) Siebente Scene. Der Baron und Filuh. Baron. Man muß bekennen, mein lieber Filuh, daß du schone Anlagen zum Galgen hast. Filuh. Ich müßte mich ja schämen, wenn ich ist einer solchen Schule ein Gimpel bliebe. i«6 Bars n. Das Rathhaus zu verpfänden, das ist ein Meisterstück. Filuh. Kleinigkeit, gnädiger Herr. Es gibt Leute, die uns den Himmel verpfänden, ohne mehr Theil daran zu haben, als ich am hiesigen Rath- hause. Achte Scene. Hans. Die Vorigen. H a n s,(mit dem Beutel.) Da ist das Geld, wohlgezählt und vollwichtig. F i l n h. Nicht eher als bis Sie die Verschreibung in Handen haben. Es sind nur zwey Schritte nach der Dorfe, ich bin gleich wieder hier.(M.) H a ns. Das ist ein Mann, der halt auf Ordnung. Baro n. O Herr Vetter! Judas Jscharioth war ein großer Kaufmann, aber gegen Jacob Schaumlöffel kommt er nicht. Hans. Und das prächtige Haus mit der großen Treppe, was er mir da verpfändet hat! Darf ichs denn wohl einmahl besehen? Baro n. Ey warum nicht? Da werden Sie finden welch' ein Gewühl von Schreibern— wie das hin und her, auf und nieder rennt. Hans. Vor einer St-unde traten etliche Musikanten heraus auf den Alcan, und bliesen ein geistliches Lied. Was hat denn das zu bedeuten? Baron (verlegen, doch bald sich fassend.) Das— Sehen Sie, Jacob Schaumlöffel ist ein frommer Mann— das ist seine Tafelmusik. Filuh (kommt zurück und überreicht Hanse» ein Papier.) Hier ist die Verschreibung. Hans(mit vielen Kratzfüßen.) O mein verehrungswiu'digster Herr Schaumlöffel! hier ist das Gold. Aber es möcht Dieselben incommodiren; ich will es selber nach Ihrem Hause tragen. Filuh(greift nach dem Beutel.) Nein, nein, geben Sie nur her. Hans. O Sie erlauben— es ist ja nur wenige Schritte— Filuh (reißt ihm den Beutel weg.) Ey, ins Teufels Nahmen! machen Sie keine Umstände. Ich l»n ein Mann von altem Schrot und Korn, ich Haffe, die Complunente. Wollen Sie diesen Mittag bey mir essen, so soll mirS lieb seyn. Aber Hausmannskost, nicht mehr als zwanzig Schüsseln, das sag' ich Ihnen vorher; und dreyerley Wein, mehr hab' ich nie auf meinem Tische. Leben Sie wohl unterdessen. Punct Eins wird angerichtet. Mein lieber Zitteraal, er kann auch mitkommen.(As.) ,og Neunte Scene. Hans und der Baron. Hans. Zwanzig Schüsseln! ey Herr Jemine! Bars n. Diese Ehre verdank' ich Anen, mein lieber Netter. Ich will nur geschwind meu, Mtttagses- sen abbestellen, und dann gehn wir miteinander. Ke» Seit?.) Dem Filuh muß>ch nachsetzen, der ist sonst capabel, mit dem Golde zur Stadt hinaus zu laufen.(Ab.) Hans(ihm nachrufend.) Punct Eins wird angerichtet.— Potz alle - Hagel! wenn das der Papa wüßte, wie mirs hier so wohl geht. Der wird all sein Lebotage keinen andern Menschen wieder auf die Messe schicken, als mich. Lro Zehnte Seene^ Lucretia und Hans. Hans(für sich.) O ho! die grau Muhme ist ihrem Manne wieder eschappirt. L u er etia. Mein Tyrann ist im Keller und zapft Wein ab; so hab" ich cs gewagt, meinen Stern zu suchen. Hans(sich kitzelnd.) Hi? hm O Frau Muhme, Sie sind gar zu gütig; ich bm nun wohl eben kein Stern, ich bin nur eine tiampe.)!ber, gleichwie eins iianipe auch brennen thut, so gut als ein Stern, also auch mein Herz.(Bey Seite.) Tausend Sapper- nient! das fließt mir rom Maule. Lucre tia. ?-ch, Herr Vetter! wenn Sie vollends so anfangen— da wird mir grün und gelb vor dem Gemüthe. Hans(rareffirend.) Sprechen die Frau Muhme lieber: rosen- roth, denn solches ist die Farbe der Liebe. Mau ^ ist denn auch nicht hinter dein Zaune jung geworden, man hat die asiatische Baniss gelesen, man weiß sich auszudrücken. Folglich, theuerfle >ie Frau Muhme, thue ich Sie«vertiern, daß mein Herz über und über bunt aussshn thut, als von lauter Flohstichen; solches ist aber von Amors Pseilen dermaßen bleffirk, turbiret und attabiret — und brennt dermaßen in helllodernden Flammen, daß nur ein Balsam von dero Lippen solches zu kuriren vermag.(Er küßt sie.) Luoretia "(fleh jungfräulich strauSend.) b Ach Sie Schelm! Sie mögen wohl selbst,der ^ Eupido seyn, der unter der Gestalt von Hans Srvffrlsack sich in dieses unrerwahrte Herz geschlichen.- Hans(bey Seite.) Sapperment! nun werde ich hitzig.>' Taut.) Ja dn Federbett meiner Gedanken! Du Großvaterstuhl meiner Wünsche! was ist der Glanz von Jacob Schaumlöffels harten Thalern gegen die Fackel deiner Augen'; Was sind seine silbernen Bratspieße gegen Amors Pfeile! Ich frage den Henker nach seinem Pallas! mit sammt der Tafelmusik, wenn du nur vergönnst, im einsamen Kämmerlein—(umarme sie ungeschickt.) Lucretia. Ach wie wird mir!— welche Gefühle! welche Flammen!— o Tugend! Tugend!(sie sinkt gleichsam ohnmächtig in seine Arme.) Hans (indem er sie in dem einen Arme hält, und mit der andern Hand mit seine!» Hnte ihr Lust zufächelt.) Lasie-N Sie die Tilgend zum Teufel gehen, lirbwertheste Frau Muhme. Wir wollen sie gelegentlich schon wieder hohlen. Heute Abend will ich Ihrem Manne recht aufs Leder saufen, dann bringen um- ihn zu Bett, dann schlaft er wie ei» Ratz— L""" Ei lft e Scene. Schwarzwild. Die Vorigen. Schwarzwild (der schon früher herbey geschlichen und hinier Hansen gestanden, ergreift ihn jetzt Plötzlich beym Kragen.) I du verfluchter Kerl! dich soll ja die Tausend Schwerenoth! Hans(zitternd und bebend.) Ach Herr Schwager! Herr Schwager! Schwarzwild. Der Teufel ist dsi» Schwager! Warte, Bursche! Du sollst keinen ganzen Knochen mit nach Schilda bringen. Hans(weinend.) Alle Wetter, Herr Schwager, was kann ich denn dafür, wenn seine Frau sich in mich verliebt? Lucretia. Was? Ich mich in dich verliebt, du Meer- katzenqesicht? So ein Schöps, der nicht einmahl zum Henkel an einen Kochropf zu gebrauchen wäre? n4 Hans(ganz versteinert.) ' Frau Muhme! Frau Muhme! Haben Sii nicht gesagt ich wäre Ihr Stern? Lucretia. Stern? So ein PfeniiigStalJicht? Seht mir doch einmahl den Kohlstrunk, was er sich einbildet. Kommt daher aus Schilda, will ems ehrliche Frau verführen, meine Tugend! um»! Keuschheit— H a n s. Ach du Herr Jemine! S chwarzwild. Sey nur still, Lucretia, der soll keinem ehrlichen Manne wieder ins Gehege gehen. Erst schlage ich ihn todt, und wenn dann noch für dre^ Pfennige Leben in ihm ist, so überliefere ich ist L er Obrigkeit. O wir haben Gott sey Dank! ein recht scharmantes Zuchthaus. Hans(kn-et und weint.) Allerliebster Herr Schwager! erbarmen Sir sich doch über mein junges Blut. Schwarzwild (zerrt ib» Kragen.) Nichts da! herein! geh voran Liieret!«/ rüst die Knechte mit den Kardätschen. i,5 L u c r e t i a. Ich muß auch dabey seyn. Ich will ihn durch- wymsen, daß er den Himmel für meine Nachtmütze ansehen soll— Hans. Hülfe! Kommt mir denn Niemand zu Hülfe! Zwölfte Scene. Der Baron. Die Vorigen. Baron(springt dazwischen.) Mein Gott! was gibts denn da'? H an L. Gott sey Dank! der Vetter Zitteraal. Baron. Schwager, was macht Ihr denn mit dem jungen Htrrn Stoffelsack? Schwarzwild. Ey der Tausend Sapperment hat mir meme ehrliche Frau verführen wollen. Ich hab ihn ertappt, und nun soll ihn der Teufel kuranzen! Baron. Ey, ey, Herr Vetter, ist das wahr? Hans. I sie hat ja selber— Lu cretia. Willst du Seehund schon wieder eine honiiet- teFrau verleumden? Der Kerl sieht aus wie ein Götzenbild, das die Wilden in Klötze schneiden, und meint, ich werde mich ui>> einen Üaternen- pfahl verlieben. Baro n. Herr Vetter, Ihre Sache steht schlimm. Hans. Ach du lieber Herr Jemine! ich bin ja so un- schuldig— Schwarzwild. Kannst du läugnen, du Katzenpandur? Wolltest du mich nicht unter den Tisch saufen, iin> nachher mit meiner Frau caressrren? He d Baron(juckt die Achseln.) Ja wenn eS so ist— da sind unsre Gesetze sehr streng. "7 Hans(halb weinend.) Lieber Vetter^ h»hl'der Teufel alle Ihre Gesetze! Es war ja nur ein Spaß, ich wollte die Frau Muhme nur auf die Probe stellen. L u c r e t i a. Der Körer will mich probiren? Sieht er nicht aus wie ein Huhn, das den Pips hatt Schwarzwild (ruft in sein Haui.) Heda! Nielas! Peter! kommt mit den Kardätschen. Hans. Herr Vetter, um Gotteswillen! erlösen Sie mich aus dem verfluchten Jammer. Bar» n. HLr'einmahl, Schwager Schwarzwild, laß ein vernünftiges Wort mit dir rede». Der Mensch ist jung, dcinr-Frau hübsch— Feuer und Stroh. Nach unsern Gesehen kannst du ihn freylich auf zwey Mvnach insZuchchaus sperren lassen, aber was hast du davon? Du tust ein armer Teufel; nimm lieber ein Stück Geld und laß ihn > 18 » » Wp: M » Schwarzwild. Schwager, dir zu gefallen wollt' ich schon ein'Auge zudrücken, aber die Ehre meiner Frau — sie verlangt Satisfactio». Baro n. I nu, Frau Schwägerinn, Sie werden doch auch kein Kieselherz haben. Wenn der junge Herr Stoffelsack sich vor Ihnen drmüthigt— Hans(fällt auf bkliLe Kniee.) Ach ja, Frau Muhme, ich will mir in meinem Leben nicht wieder einbilden, daß Sie mich für einen Stern ansehen. L!i cr et ia. Wenn mein zärtlich geliebter Gatte ihm verzeihen will— Schwarzwild. Wen» er fünf hundert Thaler gibt, so mags drum seyn. Hans(springt auf.) Fünf hundert Thaler! Gott bewahre! Schwarzwild (ruf! in sein Haus.) Peter! Niclas! Bar on. Herzensvetter, machen Sie keine Umstände, und seyn Sie froh, daß Sie so daron kommen. Bedenken Sie nur, erst die Prügel und dann das Zuchthaus; hier fackelt man nicht. Hans (»ich« Lei, Varon sey Seite.) Hören Sie, Vetter, wenn ich mich nun oder prügeln lasse,, muß ich dann immer auch noch ins Zuchthaus? Baron. Freylich, das ist eben der Teufel. Nun bedenken Sie einmahl, wenn der Papa kommt, ein reputirlicher Mann, und fragt: wo ist mein Hans? Mein einziger Sohn? Und ich muß ihm antworten: er sitzt im Zuchthause und raspelt Hirschhorn. Hans. Raspeln? Ne, das thu' ich pmrwttemnng nicht, lieber geb'ich meinen letzten Heller. Aber, süßer Vetter, ich habe ja keine fünf hundert Thaler mehr in meinem Vermögen? Jcy müßte ihm denn den Wechsel von Filuh et Compagnie Lehen. Bare n. Denn nimmt er nicht, der ist erst in drey Wochen fällig- Was haben Sie denn noch übrig? Hans (mit jämmerlicher Gederdc.) Einen Sack mit falscher Münze und etwa fünfzig Thaler gures Geld, vier Hemden, eine Nachtmütze, drey blaue Schnupftücher, ein Pfund Taback, und eine halbe Wurst. Schwarzwild. Na, wird'« bald? Baron. Hört einmahl, Schwager, laßt mit Euch handeln. Der Koffer des jungen Herrn steht in Eurem Hause. Er gibr ihn Luch Preis mir Allem was drinn ist. Drum seyd barmherzig und»ehnü vorlieb. Schwarzwild. Was soll ich mit den Lumpen? Hans. Ey, es ist auch schönes Geld dabey. Lu- L«vwv Lucrs tia. Laß ihn laufen, mein geliebter Gatte. Mein Zorn ist verraucht, und ich bin zufrieden, daß meine Ehre, meine Tugend, meine Keuschheit—- aIIs(bey Seite.) I du verfluchte Frau Muhme! S ch w ar z w ild. Na, es mag drum seyn. Wenn er weiter nichts bey sich hat, so muß man Großmulh üben« Leben Sie wohl. Müsse Sroffelsack, Lucretia. Grüßen Sie den Papa. Schwa rzw ild. Und wenn Sie einmahl wiederkommen, so vergessen Sie das Paradies nicht. Luc retia. Und wenn Sie einmahl heirathen, so gebe Ihnen der Himwel eine eben so keusche Frau, als Ihre gehorsame Dienerinn.(Beyde ab.) flotzebae's Theater 23. Band, F 122 Dreyzehnte Scene. HanSund der Baron. Hans kbcv Seite.) Ne, da lob' ich mir die dicke Lisel Baron. Ich gratulire Ihnen/ Herr Vetter/ daß Sie so wohlfeilen Kaufe abgekommen. H a n s. O ja, ich weiß ein Liebchen davon zu singen. Das Hemde auf dem Leibe hoben sie mir gelassen/ sonst gar nix. Baron. Es ist ein Malheur. Aber was machen Sre sich daraus? Wenn Sie erst einmahl wieder zu Hanse sind— Hans. Ey ja, wenn ich nur erst wieder zu Haust wäre. Wie soll ich denn aber nach Hause komme»? Baron. Ich an Ihrer Stelle setzte mich noch heut« wieder auf die Post. ^ 2.0 . Hans. Ach, Herr Jemine! waS wurde der Papa sagen? Bars n. Der muß Sie noch obendrein loben. Haben Sieihm nicht vier hundert Thaler gerettet? Bringen Sie ihm nicht den Wechsel von Filuh et Compagnie? Han s. Ja, das ist wahr. B^ro n. Und die herrliche Hypothek von Jacob Schaumlöffel? H a n s. Freylich, freylich. Baro n. Also haben Sie ja in der kurzen Zeit alle seine Auftrage mit der größten Geschtcklichkett besorgt? H a n s. I ja, das wohl. Er hatte in ganz Schilda keinen gefunden, wie mich. Aber, alle Hagel! ich habe ja keinen Groschen mehr in der Lasche, wovon soll ich denn das Postgeld bezahlen? F 2 Baro ii. Ey Sie habe» ja da noch die schönen silbernen Knöpfe auf dem Rocke. Hans. Lieber Gott, die hat mein Urgroßvater noch getragen. Bars n. Und wenn sie Methusalem getragen hatte, was liegt daran? Sie tonnen sich nun hier einmahl mit Ehren nicht langer aufhalten. In Ihrer jetzigen Lage würden Sie den Nahmen Stoffelsack beschimpfen. Sehn Sie, dort am Ende der Straße, da wohnt ein Goldschmidt, der schneidet Ihnen die Knöpfe gleich vom Rocke und bezahlt sie nach dem Gewicht. Dann gehen Sie narr drey Schritte weiter, da finden Sie gleich die Post. Ehe eine Stunde ins Land kommt, sind Sie schon auf dem Wege nach Schilda, und haben dieß Mahl noch den Vortheil, daß Sie für Ihr Gepäcke nicht zu bezahlen brauchen. Hans. Ja, das ist wahr, ich befinde mich recht leicht. Na, ich wcklS denn in Gottes Nahmen so machen. Der Herr Vetter weiß mir doch am best«! 125 zu rathen. Aber— apropos! wenn nun Jacob Schaumlöffel mit dem Essen auf mich wartet? B a ro n. Ich werde Sie schon excusiren. Han s. Wollen Sie das, liebwerthester Herr Vetter? Na, so leben Sie wohl! Gott lohne Ihnen alles Gute, was Sie an mir gethan haben. (Er umarmt ihn.) Wenn S i e nicht gewesen wä- "»,^2 hatte mir recht schlimm ergehen können. SehnSie, ich bin ganz bewegt, die dicken Thränen stehen mir in den Augen. Baro n. Ach es ist alles gern geschehen. Lebm Sie kohl, mein geliebter Herr Vetter! grüßen Sie du lieben Ihrigen, und besonders die Jungfer Schwester mir den Triefaugen. Hans. Werde nicht ermangeln. Grüßen Sie mir auch den Jacob Schaumlöffel, den Ehrenmann, und bitten Sie ihn, er möchte doch ja nicht böse werden, daß ich heute seine Hausmannskost ver« schmähe. Ach! ich harte mir so fest vorgenommen, von allen zwanzig Schüsseln zu essen— Na, es is6 hat dieß Mahl nicht seyn sollen. Gott befohlen, Avertiren Sie gelegentlich Filnh«t Compagnee, daß der Wechsel in meinen Handen ist. Baron. Soll geschehen. Kommen Sie bald wieder. H anS. Ja, Herr Vetter! Aber im Paradiese logier ich mein Lebskage nicht mehr, lieber ü»> grünen Esel. M.) . H, Baron (ihm lSchrlnd nachsehend.) Wohl bekomme die Leetion. So gehtö, wenn man Kmder und Narren zu Markte schickt. D r e Sparbüchse, >» oder der arme Candidat. (§ in Lustspiel in einem Aufzu g. Personen Meister Puff, ein Hufschmidt. Minchen, seine Tochter. Theodor, sein Geselle, tzrohiuann, ein armer Candidat. Der Schauplatz ist Meister Puffs Wohnstuhe, aus welcher eine Treppe hinauf in Srohmanns Dachstübchen führt. Erste Scene. Meister Puff und Minchen. Meister Puff. Ä^sine, wo steckst du? Mlnchen (komm!»V« Frshmaans Treppe herab.) Vater, ich komme. Meister Puff. Schon wieder bey dem Candidaten? Minchen. Ich hab' ihm sein Frühstück gebracht. Meister Puff. Und eine halbe Stunde verplaudert! Minchen. Ich lerne immer etwas von ihm» i3o Meister Puff. O ja, gelehrt ist er, hochgelehrt: M i ii ch e n. Und gut, sehr gut. Meister Puff. Und ein Narr, ein großer Narr. M i n ch e n. Das meint Ihr nicht so, lieber Vater. Meister Puff. Freylich meine ich es so.— Hohle mir das Brod aus dem Schranke.— WaS hilft ihm alle Gelehrsamkeit? Damit lockt er keinen Hund aus dem Ofen.— Ein Glas Doppelkümmel aus der runden Flasche. Minchen (die ab«nd jygehr, und herbey trägt.) Er lebt zufrieden. Er bedarf so wenig. Meister Puff (schneidet sich Brod.) Seine Ältern waren wohlhabende Bärgersleute. M inche,i. Er macht seinen Altern keine Schande. Meister Puff. Dieß Haus hinterließen sie ihm frank und frey. M i n ch e n. Hat er denn Schulden darauf gemacht? Meister Puff. Noch weit schlimmer. Er hat es so zu sagen verschenkt. M i n ch e n. Aber doch Wohnung und Kost bey Euch sich auSbedungen, bis an sein Lebensende? Meister Puff. Ist daS auch ein Preis für so ein Hans? Wie lange kann er denn leben? Alt ist er, und sieht er nicht aus, wie die complette Schwindsucht? Minche n. O macht mich nicht traurig, Vater! . Meister Puff. Und wenn er auch noch'zwanzig Jahr k-W >32 Was ißt er denn? Was trinkt er denn- Was bewohnt er?— Alles das würd' ich ihm ja umsonst gegeben haben, wenn er mich drum ersucht hatte.— Meinst du, ich hätte ihn nicht auch lieb? Minchc n. Und doch nennt Ihr ihn immer einen Narren. Meister Puff. Nu freylich, eben deßwegen hab'ich ihn lieb; denn die gescheiten Leute taugen nicht viel, sie denken immer nur an sich; wenn's ihnen nur wohl geht, so mag die ganze Welt der Teufel hohlen. Die Narren hingegen, von Herrn Frohmanns Gattung, lebe» immer außer sich, und schaden keinem Menschen, als sich selber. M in ch e n. Gott lass es ihm lange wohl gehen! Ohne ihn war' ich dumm geblieben. Meister Puff. Da mußt du erst deinen Bräutigam, den Theodor fragen, ob's dem auch recht ist, dast d« -klüger geworden bist? Geh', trag'ihm das Früh- rZZ stück hmaus. Aber vertändelt mir die Zeit nicht/ der Bursche hat dringende Arbeit.(Mimr-sn«b.) Zweyte Scene. Meister Puff allein.(Er höhlt cin großes Con- ioduch«uS Sem Schranke.) Nun, frisch aus Werk. Es'ist eine verdrießliche Arbeit. Ich null lieber ein Dutzend Hufeisen schmieden, als eine einzige Rechnung machen; aber es m^ß doch auch geschehen. Besonnn' ich heute memEeld— es rst ein hnchchss rundes Sümmchen— i nu, so sollen die Kinder auch nicht vergessen werden. Nach grade war' es mir selber lieb, wenn ich dem Dinge oald den letzten Hammerschlag gebe» konnte. tEr rechnet, brummt in den Bart, kratzt sich im Kopfs und ist verdrießlich.) Es gebt nicht.— 24 dürfte freylich nur die Mine hereinrufen, denn die versteht es trotz einem RechenElster; das hat sie auch von dem Candidaten gelernt; aber ich schäme mich, und will es ihr nicht weiß machen, daß sie es besser versteht, als ich. ,34 Dritte Scene. Froh mann42 Meister Puff. Ja so! Also wars nicht meine Schuld, daß es, mit der Rechnung haperte. Frohman n. Nur einen Augenblick Geduld, ich mache sie schnell auf meinem Stubchen.(Er geht hinaus.) Vierte Scene. Meister Puff allein.(Indem er seine Perück aussetzt und seinen Rock anz-cht.) Ein wackerer Mann, brav aber wunderlich. Allen Leuten dient er, das ist seine Freude, nur sich selber nicht. Haben ihn doch neulich die Herren Kirchenvorsteber zu St. Nicolaus zum Nach- mitkagsprediger wählen»vollen. Ich bedanke mich, hat er gesagt, ich nehme kein Amt an, denn ick liebe die Freyheit, und habe so viel ich brauche. Da bat er, nun freylich nicht gelegen, denn er braucht so viel als nichts. Eine Flasche voll Din- te, ein Paar Rieß Papier und ein Geinseflügel, damit ist er auf eu> ganzes Jahr versorgt.(§r, steigt, während er spricht, hinauf zu Frohmann.) Fünfte Scene. Minchen( mit Eyern in der Schürze.) Meine Hennen legen fleißig. Die Eyer könnt' ich verkaufen, aber das bringt wenig. Lieber lasse ich sie ausbrüten, dann hab' ich gleich nach Weihnachten junge Hühner, die werden theuer, theuer bezahlt. Ich weiß Leute genug in der Stadt, die keinem Armen einen Groschen geben, aber für Leckerbissen zahlen sie, was man fordert. Da geh' ich zum Herrn Dompropst, der hat einen französischen Koch, der handelt gar nicht, da bekomm' ich viel viel Geld in unsere Sparbüchse. sWahrend dieser Rede hat sie die Eyer in d-n Schrank geschlossen.) Sechste Scene. Theodor und Minchen. Theodor (indem er sich den Schweig auS dem Gesichte wischt.) llf! wo ist der Wasserkrüg? Ich muß mich "frischen. >44 Miuchen(ihn liebkosend.) Armer Theodor! Du lässest es dir so sauer weckoeu. Theodor. Thutnichts, liebes Müichen, thut gar nichts. Weis; ich doch, warum ich es mir so sauer werden lasse. Mit jedem Hammerschlag rück' ich dem Ziele naher; und endlich, endlich kommt ein Lag, da schleudr'ich denHammer von mir, und ziehe meinen Drarenrock an, und pudre mein Haar,— und siehe, du trittst mir entgegen mit dem Myrtenkranzchen auf dem Kopfe und dem großen Blumenstrauß vor der Brust; dann wandern wir beyde steif und ehrbar zur Kirche— O Minchen! Milchen! wäre der Augenblick doch schon gekommen!(Er umarmt sie feurig.) M i n ch e n. Ja, du mußt mich aber nicht erdrücken, ehe der Augenblick kommt.— Du wolltest ja ttiu- i ken? Dort steht der Wasscrkrug. Theodor. Und mär' es ein Weinkrug, ich lass' ihn stehen. Erquicke mich durch einen Kuß von du. Mrii- M inche n (trocknet ihm den Schweif; von der Stirn und küßt ihn.) Schelm! Wirft du nach der Hochzeit auch so sprechen? Siebente Scene. Meister Puff und Frohmann(sind indessen aus der Stube auf die Treppe getreten.) Meister P uff. So, so, Kinderchen, thut euch keinen Zwang an. Manche N(prallt zurück.) Mein Vater hat uns gesehen. Theodor. Was thuts? Er muß sich doch einmahl daran g.wöhnen. MeisterPuff(herabkommend.) Ihr pranumerirt, wie ich merke? Minchen. Lieber Vater— Katzetue's Theater 2Ä. Vd. G >46 Meister Puff. Und eine Andre wurde sich doch noch zieren, ein Bischen Umstände machen; aber die Jungf« reckt ihr Halochen selber hin, wie ein Täubcheu. ei L M i» ch c n. Theodor war—von der Arbeit so erhitzt—l und ich wollre nur— Meister Puff. 2hn abkühlen durch einen Kuß? Ja/ je, das ist ein ganz neues Mittel.— Ey, Sappeu ment! ich bin auch erhitzt. Wenn deine Küssest^ kühlend sind, so komm doch her und küß' auch* «». s Minchen(fliegt in seine Arme^ s Mein guter Vater! Theodor. Ach! wann wird die Zeit kommen, daß auch i s ich euch so nennen darf? i Meister Puff. Bald, Kinderchen, bald. Nur Geduld. Ich gehe da eben mit einer ansehnlichen Rechn»»!! zu dem dicken reichen Kaufmanne. Wenn er nnch bezahlt, so fallt wieder ein schöner Groschen eure Dächse. Stellt mir unterdessen eine Flasche Weißbier in frisches Brunnenwasser, hört Ihr"? M i n ch e n. Ich gehe sogleich in den Keller. Theodor. Und ich an den Brunnen. Meister Puff (t>> Arohmann.) Wohlan, Herr, so komm' Er mit mir. Bis an die Ecke haben wir ja einerley Weg. Und Potztausend! einerley Geschäfte haben wir auch. Jeder sucht den Lohn seiner Arbeit; nur mit dem Unterschied: bey mir kl ing t s, und bey ihm raschelt nur das Papier, ha! ha! ha! Froh mann. Ey, wenn nur Jeder zufrieden ist. Hätt' ich so liebe Kinder zu versorgen, ich sahe auch mehr «ufs Klingen.(Beyde ab.) rst8 Achte Scene. Minchen und Theodor. Wir sind allein. Geschwind laß uns in die^ Sparbüchse thun, was wir hinter meines Va-! tcrs Rücken gesammelt haben. Theodor. Du hast Recht. Aber geschwind, daß wie nichts versäumen.(Sie laufen beyde nachdem Schrei» ke und bohle» die Sparbüchse heraus; dann setzen sich im Vorgrunde und stellen die Sparbüchse zwischen sich.) Minchen. Sie fangt doch schon an schwer zu werden. Theodor. 'Ach! wir sind leider noch nicht auf die Hoch 1e. Aber nur Muth, es muß doch gehen. Wieviel hast du für deine Spitz-nhaube bekommen l Minchen. Sechs Gulden. Theodor. Nicht mehr? Minchen. Sie war so alt. Meine Mutter hatte sie von meiner Großmutter zum Geschenk bekommen, die sie wieder von ihrer Großrante geerbt hatre.(S;- Mt in die Büchse.) Eins— Zwey— Drey — Vier— Fünf— Sechs. Theodor. Da hast du ja noch mehr Geld? Minchen. Ich muß dir wohl alles sagen. Ich habe auch ein Perlen- Halsband, und meine kleinen gold- nen Ringe verkauft. Ich dachte: wozu hab' ich dar nöthig? Meinem Theodor gefall' ich auch ohne Schmuck. Theodor. Gutes, liebes Mädchen! O wenn du nur "st meme Frau bist, ich will buch schon wieder herausputzen. Minchen (indem sie ihr Geld vollends in die Büchse wirft.) .Sechs und Zehn macht Sechzehn; und wenn ">"> noch dazu kommt, was mein Vater heute ^'UM, dann wird ander Halfce nicht vielmehr fehlen. i5o Theodor. Ja, nu» haben wir aber auch nichts mehr zu verkaufen. Minchen. Leider nein! Hast du denn gar nichts, das du entbehren konntest? Theodor. Ich habe da wohl eine silberne Medaille. W ,ieh« sie aus der Tasche.) Aber die hat einst mein Barer bekommen, weil er drey Menschen au§ dem Wasser gerettet hat; die Medaille ehrt meines Vaters And-nken, die kann ich nicht weggeben. Minchen. O nein! nein! die mußt du heilig aufheben. Es geht mir ja eben so mit diesem goldnen Herzen,(sie richt es au» dem Busen) das ein Reisender meiner Mutter gab, weil sie ihm seinen verlernen Beutel wieder brachte. Das kommt nie von meinem Halse. i5i Neunte Scene. FrohmaII>1(tritt leise herein.) Die Vorigen. Theodor. Freylich werden wir wenigstens noch ein ganzes Jahr warte» muffen— Minchen. Ey nun, wir sind doch beysammen»«i> thun was wir können. Theodor. Wenn nur dein Vater nicht so viel auf Credit gäbe— Minchen. Und oft an reiche Leute, die in einem Tage wehr vcrschmausen als wir zum Glück unsers Lebens brauchen würben. Nur noch fünfhundert Gulden, und wir tauschen mit keinem Fürsten. -- Doch genug, lieber Theodor, wir verplau- drrn die Zeit.(Sie stehen auf und setzen die Sxar- biichse wieder in den Schrank. Arshmann»erdirgt sich himsr der Treppe.) Minchen. Jetzt eile ich i» den Keller. Theodor. Und ich zum Brunnen. Geschwind, ehe dein Vater zurückkommt.(Beyde ab.) Zehnte Scene. Froh mann allein. Ihr guten Kniee»'. Nur noch fünfhundert Gulden und ihr tauscht mir kttn.m Fürsten?— Nun diese Demüthigung sollen die Fürsten noch heute erfahren.(Er geht einen großen Beutel heraus geht zuni Schrank, öffnet ihn hastig, nimnit die SpM biichse und seht sie vor sich auf den Tisch.) Da steht ek, der kleine Schatz, den Hoffnung und Liebe zusammentrugen. Wie vielArbeit und Mühe, wü manche Entbehrung har er gekostet! Geschwind lege die Freundschaft ihr Scherflein dazu. lN leert den B-Utal.) Es ist das erste Geld, das ich mit meinen Schriften verdient habe( wie konnt tch es besser auf Zinse» legen?—(Er fetz!^ Sparbuchs« wieder in dc» Schrank.) Mit dem, W>>S der Kopf erworben, das Herz beglücken, und fremde gute Herzen an sich fesseln, welch'^ a5Z icl.ges Gefühl für Gegenwart imd Zukunft! Gr lieig« in fti„ Zimmer.) E i lft e Scene. Meister Puff. Theodor und Minchen (mit Bierflasche und Wnfferkrug.) Meister Puff. Nu? Wo steckt ihr denn? Bier gehöhlt? Wasser gehöhlt? Fein langsam! Ich war doch eine hübsche Weile abwesend. Theodor. Zürnt nicht, lieber Meister. Minchen. Ist Eure Rechnung bezahlt worden? Meister Puff. Ja; nicht einen Heller hat mir der Kaufmann abgezogen. Und seht, Kinder, daS ist mir lieber all sein Geld, denn so beweist, daß er wich für einen ehrlichen Mann halt. Hier sind tler und achtzig Gulden—(er zieht einen leder) nen Beutel herver) davon ein Dritte! in Eure Spar- buchst. Acht und zwanzig Gulden, die hab'>ch hier schon in ern Papier gewickelr. Da, nehmt. M i n ch e n. O das wird unserer Sparbüchse wohl behagen.(Sie höhlt die Buchse und schüttet deSVakert Griebe» hinein. Darauf will sie dieselbe wieder wegsetzen.) Es ist doch curios, wie schwer die Büchse auf einmahl geworden ist. Fühl' einmahl, Theodor. Theodor(hebt sie.) Ja wahrhaftig, recht schwer. Meister Puff. Natürlich, achtund zwanzig Gulden haben schon ein Gewicht. Theodor (wiegt die Büchse noch immer.) Das Ding kommt mir ordentlich bedenklich vor. Meister Puff. Der Drache wird wohl zum Schornstein hereingeflogen seyn. Minchen. Oder eS hat uns Jemand zum Schabernack ein Stück Bley hinein praerizirt. Theodor. Eh wir können ja die Büchse aufmachen. "" i55 Minchen. Ja ja, das können wir. Meister Puff(lächernd.) Bey der Gelegenheit haben wir die Freude unsern Schatz zu überzählen. Theodor(öffnet die Büchse.) Minchen (wirft einen Blick hinein.) Ach mein Gott! Theodor(ganz erstarrt.) Was ist das? Meister Puff. Nun? War gibts? Theodor und Minchen (jugleich.) Lauter Gold! Meister Puff. Da haben wir den Drachen. Minchen. Kein Scherz, lieber Vater! Seht nur selbst. Meister Puff(steht hinein.) Sapperment! Ja, eS ist richtig. Aber«ißt rä6 ihr auch, daß solche Streiche mir sehr mißfallet Pfuy, schämt Euch. Theodor. Was denkt ihr denn Meistert M inche n. Warum zürnt ihr auf uns? Meister Puff. Meint ihr, ich wäre so dumm und merkte nicht wie das zugegangen? Ihr seyd verliebt, ihr seyd'»'-geduldig, ihr möchtet einander lieber heute als morgen heiracheu. Weil es nun mit dem Sammeln zu langsam gmg, so habt ihr geborgt, M i n ch e n. Nein, Vater, wahrhaftig nicht. Ich hab' Euch nre belogen. T h e o d o r. Und ich, Meister, w-.ll mich auch nicht zu Eurem Schwiegersohn lügen. Wie das Gold da hmem gekommen, mag Gott wissen; aber wahrlich wir sind unschuldig. Meister Puff. Hm! Ihr seht imr beyde so ehrlich dabey m i»7 die Auge»— fast möcht' ich Euch glauben.— Aber, Sappermsnt! es ist Loch keilt Kobold in meinem Hause. Th- o d o v. Ich begreif' es nicht: Minche». Erst vor einer Viertelstunde haben wir gezahlt. Meister Puff (der ein wenig uLchgeseinien.) Potz Element! wir fallt ecwasbey. Soeben ist mir der Gevatter Briefträger auf der Straße begegnet, und hat mir aesagr— Richtig, ich hab's. Das Geld kommt von Herrn Froymann. Theodor. Von dem armen Candidaten? Mi nch.en. Unmöglich. Ja, seinem Herzen ficht es wohl ähnlich, aber sein Beutel-- Meister Puff. Er ists, sag' ich Euch. Er hat geschrieben, ich weiß nicht was; hat hundert Ducaten dafür bekommen, ich weiß nicht von wem. Der Gevatter Briefträger sagt, vor einer halben Stunde hab' er das Geld empfangen. Da ist er flugs nach r56 Hause gekommen, ist ein Narr gewesen, unk hat es m eure Sparbüchse geworfen. Minchen (indem sie die Treppe j» Frohman» hinauf«!».) O der gute edle Mensch!(g« Metk i„ sei, Gtübchen.) Theodor. Der arme Candidat! Wer hattedasgedacht! Meister Puff. Es ist doch ein prächtiger Mensch, dieser Narr. Zwölfte Scene. Minchen, Frohmann. Die Vorigen. Minchen sticht 3r»hmann mit sanfter Gewalt aus seinem Zimmer.) Nein, Sie müssen mit mir herunterkommen, Sie müssen bekennen-- Frohmann(lächelnd.) Mein Gott, das klingt ja, als hätt' ich ein großes Verbrechen begangen. Theodor. Diese Sparbüchse— Mi» chen. Dieses Gold— Thrvd or. Es kommt vom Ihm, Herr— Meister Puff. Ja, Herr, laugneEr nur nicht. DerBrief- trager hat alles verrathen. Frohmann. Sonst nichts? Nun ja, lieb« Kinder, ich hab' euch ein kleines Hochzritgeschenk in die Büchse geworfen. Was ists denn nun mehr? Ich bedarf dessen nicht. Unvermuthet hab' ichs empfangen, wie konnt' ichs besser anlegen? Minchen(detoegt.) O Herr— Theodor.^ Unser Dank— Frohma nn. Stille! stille! Wer gewinnt am meiste»? Euer Glück hab' ich doch nur ein Paar Monathe früher befördert, mir aber auf meine Lebenszeit eine frohe Erinnerung bereitet. Meister Puff (schüttelt ihm die Hand.) F r o h m a n n. Seht ihr, dieser, Händedruck eines ehrliche» Mannes und eure dankbarem Blicke, sind mir reiche Vergeltung. Theodor. Juchhe! die tausend Gulden sind voll!(Er schließt Milchen in seine Anne.) Meister Puf f. Und künftige Woche ist Hochzeit. F r ohmann.^ Lernt daraus meine Freunde: Der Menschheit schönste Freuden sich zu pflücke», Vertheilte Gort die Kraft uns Allen gleich; Um wohlzuthun, um Andre zu beglücken. Ist nicht vonnorhen vornehm seyn und reich. Kann jeder doch in reger Brust bewahren Das Mitgefühl für Andrer Freud' und Schmerz; Die Gnügsamkcit weiß immer zu ersparen, Und das Ersparte gibt ein offnes Herz; Zn offnen Herzen keimt zu stillen Freuden Dem armen Geber seine fromme Saat;— So darf den reichen Prasser nicht beneiden Der arme Candidat. H Y g e a. Ein Vorspiel Geburtstags eines guten Vaters. Personen. Eduard, und 1 Matchen iwey Kinder. Ei» altes Männchen. Der Schauplatz ist ein Garten oder grüner Platz! in der Mitte der Biihne ein Rosendusch.) ,65 Eduard kommt von einer Seite, Matchen»«» der andern; jedes hat ein- kleine Sparbüchse, die es ,u verbergen sacht. Edllard(sür sich, indem er nach seiner Sparbüchse, schielt.) ^)ie Mutter gab sie mir. Matchen(eben so.) Ich habe sie erwischt. Eduard. Sie ist recht schwer von alten Münzen. Matchen. Viel Silber und nut Gold vermischt. Eduard. So reich als ich sind keine Prinzen. Matchen. Ey guten Morgen, Bruder. 16^ Eduard. (Nutski Morgen, Schwester. M a Ich e n. Was wird denn da von dir versteckt? Eduard. Was hältst du denn da immer fester, Von deiner Schürze ganz bedeckt? Matchen. Je nun, willst du mich nicht verrathen. So werde deine Neubegier gestillt: Es sind die Thaler und Ducaten Mit welchen Vater, Mutter, Pathen, Die Buchst nach und nach gefüllt. Edua r d. Ey sieh, da höhlt' ich nur so eben Auch mein Erspartes auö dem Schrank. Wozu? Malche n. Eduard. Wozu? M alchen. Was soll's denn geben. Ed u ard. Die Thaler sind so schon, so blank, Viel Geld zu Apfeln und zu Nüssen— Ja, meine Freude dran ist groß, Doch heute schlag' ich alles los. M a l ch e n. Ey, und warum? Darf man das wissend Eduard. Hi! hi! Was gibst du mir? Matchen. Seht doch den Schlauen) Hm! ein Geheimniß hab' ich auch; Vertraust du mir, so will ich dir vertrauen Das ist so in der Welt der Brauch. Eduard. So HLr'! Des Vaters Wiegenfest ist heute» Match sn. Du Narr, das weiß ich lange schon, Drmn treuen sich so viele Leute, Und rede» so gerührt davon- r 66-»»»» Eduard. Was reden! Man musi mehr als reden. Die Worte sind nur blauer Dunst; Ja, freuen wirds wohl einem Jeden, Und sich zu freu'n ist keine Kunst; Doch ihm beweisen daß die Freude Recht aus des HerzenS Innern bricht. Vor Allen muffen das wir beyde. Das, Schwesterchen, ist unsre Pflicht. Molchen. Wie machen mirs? Eduard. Begreifst du nicht? Statt unser Geld tagtäglich zu begaffen, Seyn wir vielmehr darauf bedacht, Ein artiges Geschenk dafür zu schaffen. Das unsern guten Vater Freude macht. Molchen. Recht so! Ja, lieber miff' ich alle Tags So lang' ich leb' Rosin' und Mandelkern. Nun, Bruder, ist nur noch die Frage: Was kaufen wir? was hätt' er gern? Eduard (leg« den Finger an die Nase und denkt nach.) Ein Pelz von iie,igcbornen Schafen? Der wärmt den Magen und die Fantasie. Molchen(macht es eben so.) Oder ein weicher Stuhl zum Schlafen, Den stellen wir in die Akademie. Eduard. Oder die Musen alle Neune, Mit welchen er so gern spazieren schweift? Matchen. Oder das absolute Eine, Nach dem er jede Woche drey Mahl lauft?*) Eduard. Wo denkst du hin? Ja,>»enn die Thaler heckten? Das Eine wird viel zu theuer seyn. ') Der brave Mann, zu dessen Geburtstage dieß kleine Siüek gedichtet wurde/ hörte, sammt dem Dersaffer, bey dem Herrn Professor S i ch t« eiu Kollegium über die WissenschqftSlchre, drey Mahl wöchentlich. 168 Malchen. Wie? wenn wir hinter die Mutter uns steckte»- Der fallt gewiß das Rechte ein. Und ist es gleich nichts Absolutes, -Was sich so etwa selber setzt. Gib' Acht, so ist es doch was GuteS, Woran der Pater sich ergetzt. Eduar So lass' uns gehn. Matchen. Wer kommt denn dort? Edii a-r d. Ein altes Männchen schleicht am Stäbe. DaS alte Männchen (teilt auf.) S gute Kinder, lauft nicht fort! Erfreuet mich durch eine Gabe, Molchen. Er bettelt. Eduard. Ja, er dauert mich. Doch i6g Doch ich verstopfe flugs mein Ohr, Denn, Schwester, das verstehet sich, Der gute Barer geht doch vor. M alche n(jinn Alten.) Wir können heute nichts euch geben, Obschon die Noth uns wohl zu Herzen ging. Eduard. Denn wisset, Alter, heut' empfing Der beste Vater einst das Leben. Und diesen frohen Tag zu feyern. Geht Alles drauf was wir erspart. Das alte Männchen. S>o seh' ich— ach! mein Loos ist harr! Die Noth mit jedem Morgen sich erneuern! Fünf nackte Kinder wimmern nur auf Stroh Die todre Mutter liegt daneben>— Wo soll ich Hülfe suchen! wo! Es will mir Niemand einen Bissen gehen! Eduard. Ach, Schwester! tief im Busen regt Das Mitleid sich-— Ma lchen. Auch ich hin sanft bewegt. Ketzesue'r Theater 3s. Band. H Eduard.- Gib deinen Sparpfennig dem Armen,! Des Herzens inn're Stimme sprichks.! Matchen. Dann bleibt ja aber für den Vater nichts? Eduard. 1 Wenn wir des Greises uns erbarmen. Das wird dem Vater lieber seyn, Als kauften wir ihm Gold und Edelstein. j Hat er doch selbst, voll Mckleid und Geduld,- Von seiner Thür keinen»och entfernt. Und machten wirr nicht recht, so ist es seine, Schuld, Wir haben es von ih m gelernt. Matchen^ (gibe ihre Buchse dem Alten.) Da nimm, erquicke dich.« Eduard(mach» es«den so.) Und auch die Deinen., Das alte Männchen. Dank, gute Kinder!— Das vergelr' ich euch. Die Menschen sind nur selten was sie scheinen:< H 2 Ich scheine arm— und doch bin ich so reich, Daß, ohne Gab' aus meiner Hand, Der Reichste nie ein wahres Glück empfand. Eduard(lochend.) Ha! ha! Du reich?— Die Krücke ist dein eigen? Und allenfalls die weißbeschneyte Locke? Das alte Männchen. Ich will sofort euch überzeugen, Brecht Jeder eine Rose dort vom Stocke— Bende Kinder. Wozu? Das alte Männchen. Zum Lohn für euch, ihr lieblichen Geschwister! Vertraut auf mich, erfüllet mein Geheiß. (Eduard und Molchen gehen juni Nosenbusch; sie Jeder eine Rose Pflücken wollen, verschwindet der Lusch plötzlich, und statt desselben erscheint ihres Vater« Büste, über welche ein kleiner G,ni»S einen Rosenkranz hält. Das alte Männchen verwandelt sich in d««e luden Augenblicke in die Göttinn Hygea.) Eduard. Gott! was ist das! 1^2 Matchen. Der Vater! Eduard. Ja, das ist er! Matchen (die Göttinn erblickend.) Und diese Frau? Eduard. Wo blieb der Greis? Hygea. Der Greis verschwand. Hygea ist»nein Nahme, Als Göttin» der Gesundheit ehrt man mich. Ruhm, Liebe, Gold—von all dem eitlen Krame Genießt man wenig ohne mich. Wo ich den Schlangenstab nicht neige, Da ist die Liebe bittre Kost; Wem ich nicht meine Schale reiche, Dem wird zu Gift der süße Most. Wem ich nicht lächle— o dem nützet Kein Gold das mühsam er gespart; Wer nicht an meinem Altar sitzet. Der sitzt auch auf dem Throne hart. Eduard und Matchen (kiiua nieder.) * Bist Du so mächtig in des Himmels Höhe»/ Und hast Du gute Menschen lieb. So höre was wir kindlich flehen. Das beste Glück dein besten Vater gib! Hygea. Und waS bedarf er noch hienieden? Ihm ward ein köstlich Loos bescheert; Ihm ward oom Glücke längst beschieden. Was es nur Lieblingen gewährt.— Auch hat er ja— was nur Verdienst erwirbt— Des besten Königes Vertrauen; Und.— was fürwahr auch nichts verdirbt— Er hat die lieblichste der Frauen. Die Musen sind ihm freundlich hold, Sie lauern auf ihn wenn er müffig; So viel vonnöthen hat er Gold, Und das ist auch nicht überflüssig» ES strahlen auf seui Angesicht Der Ehre warme Sonnenblicke, Der Freundschaft traulich Mondenlicht— So sprecht, was fehlt ihm noch zum Glücke'i— i?4 O nichts! als nur die Fähigkeit Es immer fröhlich zu genießen, Damit, was Abends seine» Geist erfreut. Am Morgen nicht der A o rp e r müsse büßen- Drum keine Gaben mehr für ihn, Er müßte sich des Überflusses schämen; Ich will ihm lieber etwas nehmen; Den bösen, den verdammten Spleen. Nie soll hinfort der Unterleib Den wackern Mann am Lachen hindern. Stets freundlich sehe ihn sein gutes Weib, Stets froh erschein' er seinen Kindern. Der Kopf— der oft ihm Schmerz gebracht- Soll sich hinfort zur Ruh bescheiden, Nie muff' er andre Schmerzen leiden. Als die etwa in stiller Nacht Ein reifes Musenkind ihm macht. DaS Auge— das so unverdrossen Das Gute sucht, das Schon' entdeckt— Es werde vor den Hausgenossen Durch keinen grünen Schirm versteckt. Nie soll ihm seine schwarze Briste Hypochondrie, der Unhold, leih'»; Durchström' ihn der Gesundheit Fülle Gleich einem hundertjahr'gen Wein! Eduard. So bleibe bey uns! immer! immer! Und hohle ein was Du versäumt. M a l ch e n. Es werde unser schönstes Zimmer Dir, gute Göttinn, eingeräumt. H y g e a. Nicht Prunk gewahret mir Vergnügen; Da, wo er sich Minerven weiht, Da, wo ihm Morpheus Schlummerkörner streut. Da will ich schwesterlich mich an ihn schmiegen. Auch aus dem Kreis der frohen Zecher Wird er von mir drum nicht verscheucht. Denn ich verschmähe nicht den Becher, Wenn ihn die Freude reicht. So werde zu der Ruhe schattenreicher Bucht Vom milden Hauch sein Schifflein hingefloyet, So leb' er froh, bis einst die reife Frucht Sich sanft und leicht vom Lebensbaume löset. Eduard. O rede nicht von solchen fernen Dingen! Lang ist der Faden den die Parze spann, Und wenn die Liebs Alles kann, Ey nun, so kann sie auch die Zeit bezwingen. -?6 Ja, wenn die Zeit zu rasch a» uns vorüber- tanzt. So halten wir sie fest und wollen sie verschließen; Die Blumen, die dem Vater unsre Liebe pflanzt, Die wollen wir sie zwingen zu begießen. O weile Du nur stets, und wache, Und grüß' ihn freundlich jeden Morgen; Das übrige ist unsre Sache, Dafür lass' unsre Liebe sorgen. Mädchenfreundschaft oder der türkische Gesandte- Ein Lustspiel i n einem Auszug. Personen. Modem Braun, Vorsteherinn einer Pensionsanstalt für junge Mädchen, sinore, Z Natalie,>» i» Pension bey Mad. Braun. Wilhelm,"«, I Hopsa, ein Tanzmeister. Rose, LenorenS Bräutigam. Maulwurf, ein Gärtner. Kleine Mädchen als Penflonairinnen, so viel Man will, (Der Schauplatz: ein Saal mit mehreren Thüren, >m Hintergrund««in Katheder, Stühle uns Bänke für die Penfionaire.) i79 Erste Scene. Madam Braun, auf dem Katheder, gibt Unterricht und ist von allen ihren Pensionairs umgeben; die wenigsten derselben haben Acht aus die Lectnrn; sie plaudern, sie necken sich, u. s. w. Madam Braun. ^§rill, Kinder! still! Man kann ja sein eigenes Wort nicht hören. Mamsell Leonore, Sie sind die Älteste, Sie sollten mit gutem Beyspiel vergeh',,. Lenore. Wir haben alles gehört. Madam Braun. Nun? wovon hab'ich zuletzt gesprochen? L e n o r e. Von der spanischen Poesie. Madam Braun. Da haben wir's! Ich war schon längst bey der griechischen! He! wer- weiß mir zu sage»/ wovon zuletzt die Rede ward N a t a l i s. Von der Naturgeschichte. Wilhelm ine. Ja, von den Thieren, die den Moschus in einem Beutel tragen. Madam Braun. O leichtsinnige Jugend! Ich sprach freylich von Moschus, aber von einem Jdyllendichter, der vor 2ooa Jahren in Syrakus lebte. Kinder! Kinder! wenn ihr nicht mit Ernst dergleichen wichtige Dinge zu erlangen strebt, wie wollt' Ihr denn einch liebenswürdige Gattinnen werden d— Ihr tanzt, Ihr singt, Ihr spielt auf der Guitarre, das ist alles recht gut, und gehört allerdings zur häuslichen Zufriedenheit; aber um Eure Männer ganz zu beglücken, müßt Ihr auch wissen, wer Moschus war, und müßt, gleich ihm süße Verse dichten lernen. L e n o r e. Hab' ich nicht am Sonnabend ein Liebchen auf meinen Dompfaffen gemachtd Madam Braun. Ja, die Gedanken waren ganz artig; aber die Reime noch so n 1a, Geliert. Heutzutage verlangt ein Ehemann— N a t al ie. Ey was kümmert es uns, was ein Ehemann verlangt i Wir drey heirathen doch nie. Madam Braun. Alberner Schnack! Lenore ist ja schon Braut- Leu o r e. Bewahre der Himmel! Oncles und Tanten wogen das wohl unter einander so ausgemacht haben, aber ich thue es nicht. Da müßte ich mich ja von meinen Freundi! neu trennen? Das geschieht nimmermehr! N a L a l i e. Nein, Madam Braun, das thut keine von uns, eher sagen wir Nein am Altare. Madam Brau». Nun,-nun, das wird sich schon finden. Jetzt wieder auf den JdyNendichrer Moschus zu kommen—(Man hört eine Uhr drey schlagen.) 182 Alle Pensionairs (indem sie die Bücher wegwerfe,, und davon laufen.) Es hat drey geschlagen! es hat drey geschlagen! Madam Braun(allein.) Prrr! Das kann die Zeit nicht erwarten, bis die gymnastischen Übungen anfangen. Zweyte Scene. Maul Wurf(ein klein wenig betrunken.) Madam Braun. M a u l w n r f. Madam/ aus dem Rasenplatz vor der Gartenthür kann nichts vernünftiges werden; denn wenn das junge Volk so mit einem Mahle aus der Schale stürzt, wie jetzt eben, da fallen sie darauf wie die Heuschrecken, und tanzen mir das junge Gras gleich zu Schanden. Madam Braun. Kinder müssen froh seyn, hüpfen, springen. M aulwur f. Freylich; aber dieMamsellchenShierin)Hau- i85 se tanzen gar nicht wie andere Kinder. Sie falten die Hände über den Kopf/ und strecken die Beine bald vorne bald hinten hinaus/ und machen mit den Halstüchern so curiose Posituren/ daß ich meinen Gärtnerburschen nur immer weit wegschicke. Madam Braun. Sie lernen Ballet tanze«/ wie es jetzt unter sittsamen jungen Frauenzimmern Mode>st. M a u l w u r f. Meinetwegen! Da hab' ich auch im Gartenhause ein Buch versteckt gefunden. Madam Braun. öaß' sehn.(Sie lieht den Titel an.) Lueinde. s das hat nichts zu sagen, das ist ein Buch, m welchem sich dre höhere Poesie mit der Religion der Liebe vermahlt. Leg' es nur wieder dahin, wo du es gefunden hast. Maulwu r f. Sehr wohl. Draußen steht aber auch ein junger Herr, der gern herein möchre, und der mir noch gefährlicher aussieht, als ein Buch. Madam Braun. Wie heißt erd M aulw u r f. Ja Gott weist! Er nannte sich Rose; das that er aber wohl nur mir zu gefalle», weil er sah, daß ich der Gärtner bin. Madam Braun. Nein, nein, ich kenne ihn. Es ist LenorenS bestimmter Bräutigam. Last ihn kommen, M aulwur f. In Gottes Nahmen. Madam Braun. Bleib in der Nähe, wenn ich dich brauche. (Maulwurf ab.) Madam Braun(allem.) Er wird erstaunen, wenn er sieht, wie schön sie tanzt. Da liegt auch eins Zeichnung von ihr, «in nackender Apoll, der gewiß nicht» zu wünschen übrig läßt.(Aie findet«Mm Strickstnnuxf. den sie verbirgt.) Nur ihren S'trickstküwpf muffen wir bey Seite thun, denn da sieht es übel aus. ,85 Dritte Scene. ' Rose. Madam Brau n. Rose (überbringt ihr einen Brief.) Madam, dteseS Schreiben von Lenorens Oheim ivird Ihnen sagen,>ver ich bin, ui>dinit welchen süßen Erwartungen ich hierher tonnne. Madam Braun. Ich freue mich, die Bekanntschaft eines so gebildeten jungen Mannes zu machen, obgleich er kommt, mir einen menier liebenswürdigsten Zöglinge zu entführen. Rose. Meine Familie bestimmt mir L-onoren zur Braut. Ich kenne sie noch nicht, aber da sie Ihrer Erziehung anvertraut war— Madam Braun. Allzugütig. R o se. Einen kleinen Schrecken hat mir der Ohm» dennoch eingejagt. ,66 Madam Braun, Wie so? 'Rose. Er sagte mir, Lenore habe einen irnüber- windlichcn Wiedcrwillen gegen das Heimchen. , Madam Braun. Ku>derey. Sie hat mir zwey junge» Mädchen ihres Alters eine felsenfeste, einige Freundschaft errichtet. Alle drey sind schwärmerisch gleichsam in einander verliebt; hat die Eine einen Fehler begangen, so nehmen die andern beyden die Strafe auf sich. Alles theilen sie schwesterlich, keine kann vergnügt seyn ohne die anders. R o se. Und diese zarten Freundschaftsbande soll ich zsrrciffsn? Madam Braun. Ich habe sie freylich schon auf«ins nahe Trennung vorbereiten wollen, man hat mir nur durch Thranenströme geantwortet; aber Ihre Gegenwart—- R o se. Wenn es weiter nichts ist als Madchenfreiind« schaft, die kenn' ich und fürchte sie nicht. Madam Braun. Maulwurf! geh und rufe Lenoren hierher. Sag' ihr aber nichts von diesem jungen Herrn, sonst kommt sie nicht. M aulwurs. Sie steht da draußen und redet mit der Pfirschblüthe.(Indem er fertstslpert.) Mamsell Lauere! Mamsell Lsnore! Kommen Sie geschwind! Da ist ein junger Herr der Sie heirathen will. Madam Braun. Tölpel!—(gu Rose.) Ich hoffe, mein Herr, Eis werden sowohl durch Gestalt als Geistesbildung Ihrer Braut sehr angenehm überrascht werden. Ich habe, ohne Ruhm zu melden, nichts verabsäumt, um das häusliche Glück eines braven Gatten zu gründen. Ich darf sogar versichern, daß sie, an jedem Ihrer Geburtstage, Eie mit einem selbstversertigten Gedicht erfreuen wird. Ro se. Ich werde mir alle Mühe geben, unser Glück aus der Drchterwelr in die wirkliche zu versetzen. Maulwurf(komme zuriick.) Der Henker mag die einhohlen. Als sie vom r86 Heirathen horte, da raunte sie fort, als hatten die Wespen sie gestochen. Mada m B raun. Bicin Freund, du bist ein Esel. Oeh' und sag' ihr, der junge Herr sey fort, ich wollet sprechen. M a U l>v U r f(fsrttaumclnf.) CurioS! sich so vor dem Hsirachen zu fürchte», als ob Lebensgefahr dabey wäre. Madam Braun(zu Me>) Geh'» Sie unterdessen in dieses Nebenzimmer. Ich werde ihr das Köpfchen zurecht setze». Rose. Und dann werde ich mit dem Herzchen>»e»> Heil versuchen.(Ab.) Madam Braun(allein.) Halsstarriges Mädchen! Hundert Mahl hab ich ihr gesagt, daß die Freundschaft in der große» Welt eine lächerliche Schwarmerey ist. Ma» sieht sich gern, so lange man sich die Zeit»ei- treibt; man hört aus sich zu sth'n, wenn andere Verhältnisse eintreten. »69 Vierte Scene. Lenore(kommtschüchtern.) N a talie und Wilhelm i II e(folge» ihr von ferne.) Madam Braun. Nun? warum so schüchtern? Nur naher, Mamsell! Lenore. Der alte Maulwurf hat mich so erschreckt. Madam Braun. Es brachte mir jemand einen Bries von Ihrem Oheim, der Sie durchaus verheirathen will. Lenore. Dacht' ich'S doch, Sie würden mir Kummer machen. Antworten Sie meinem Oheim, eher wollt' ich in's Wasser springen. Madam Braun. Sie wissen doch, daß Sie Jhr.m Oheim Aren ganzen Wohlstand verdanken? Lenore. Das weiß ich, und erkenne es dankbar. I HO""" Madam Braun. Wenn er Sie nun aber enterbt? Was wollen Sie anfangen? Bey wem eine Zuflucht ftw den? Lenore. O ich habe zwey Freundinnen— Madam Braun. Die sich auch verheirathen werden. Lenore. Nimmermehr! Wir haben einander seyet« lich zugeschworen— Madam Braun. Kinderey. Oh dvci ed.) Kie Lenore. Sehr wohl. Bin ich noch ein Kind, so kann ich auch noch nicht heirathen; und bin ich kein Kind mehr, so darf ich meinen Eid nicht brechen. S«! Madam Braun.^ Genug der Albernheiten. Jetzt im Ernste/ Mamsell, Sie werden heirathen. Lenore. Lieber sterben! '9* Madam Braun. So muß ich Sie binnen drey Tagen Ihrem Oheim zurückschicken, und dann werden Sie doch von Ihren Freundinnen getrennt.(Sie geht O>) L e nor e. Ach! ich Unglückliche! Natalie und Wilhelmine Kit bisher im Hintergründe lauschten, kommen herbey.) Meine geliebte Freundinn! wir haben alles Hört. W i l h e l m i n e. Madam Braun ist ein Tieger. N atalie. Und dein Oheim ein Leopard. W i l h e l m i n e. Die Zweyzüngige! Hundert Mahl hat sie unS gesagt: die Männer waren flatterhaft, Betrü- Stt, wir sollte» uns vor ihnen hürhen— N a t a l i e. Und nun will sie dich dem ersten besten an den Hals werfen. Ig2 Lenore(schluchzend.) Ich Unglückliche! von Euch mich trennen! W il h e lwi n e. Das überlebt keine von uns. N a r a l i e. Weißt du was, wir laufen davon. W i l h e l m i n e. O ich bin es zufrieden. LeIIore. Ich auch. Aber wohin? N a t a l i e. Ja, wohin? Laßt uns geschwind Kriegsrath halten, denn wir haben keine Zeit zu verlieren. W i l h e l m i n e. Wenn wir katholisch waren, so gingen wi> alle drey ins Kloster. Lenore. Wir könnten ja allenfalls katholisch«erden? Natalie. Immer besser al-s einen Mann nehmen. L e n v- LeIIore. Hast! ich habe einen köstlichen Einfall. Was erzählt? Madam Braun gestern in der geographischen Stunde von den Türken? Natalie. Daß sie viele Weiber nehmen— Wilhelmine. Die in prächrigen Harems wohnen— L e n o r e. Alle Schatze und Wohlgeruche Arabiens verschwenden— N a l a li e. Von einer Menge Sclaven bedient werden.—- W i l h e l m i n e. Die hübschesten Mädchen aus allen Landern— L e n o r e. Und vor allen Dingen, daß sie stets b e y- sammen wohnen. Nun?— errathet Ihr nicht, was ich im Sinne habe? Natulie und Wilhelm ine. O vortrefflich! vortrefflich! Koyebue's Theater 23. Land. 2 Lenore. Wir sind, ohne Ruhm zu melden,, alle drey auch recht hübsch. N a t a l i e. O gewiß. Aber Constantinope! ist weit, wie kommen wir dahin? Wilhelm ine. Wenn wir auch an den Großsultan schrieben, es wahrt so lange ehe die Antwort kommt. Natalie. Unterdessen müßtest du fort— Lenore. Nein, nein, ich weiß ein Mittel. An unserm Hofe ist ja ein türkischer Gesandter, er wohnt in dieser Straße, an den schreiben wir. Natalie und Wilhelmine. Ja, ja, wir schreiben. Lenore. Und unserLanzmeister Hopsa bestelltwshl den Brief- Natalie. Auf jeden Fall laßt uns den feyerlichen Schwur ic^5 wiederhohlsn, unS nie zu trennen.(All« drey regen dir rechten Hände in einander, heben die linken-um Schwur in die Höhe, und sagen mit hohler Stimme.) Wir schwören! L e n o r e. So. Es ist vollbracht. Nun will ich schnell an den Gesandren schreiben. Ich höre den Lanz- meister schon auf der Treppe.(Sie seht sich und schreibt.) Fünfte Scene. Hopsa. Die Vorigen. Natalie(mit einem tiefen Knix.) Monsieur Hopsa, vos ires-iiunMes ser- vantes. Wilhelmine (mit einem tiefen Knix.) Nonsienr Hopsa, se snis cirarmeö äe >0us voir. H opsa. Ey, ey, NösstemoiseHes, was mak Sie 2 2 for slekte lieverenoe? Wer woll so prasentir der Hinter^ sein wie ein Ent der wackel mit die Stuß. Natalie. Wir machen es, wie Sie uns gelehrt haben. Hopsa. Klein Impertinente sein nix wahr. Der Brust ein wenik heraus, der Hinter-rvee xr»- ee innwendik vermalt, so aben ich kesakt. Lenore (gibt den«ndeen beyden ein Zeichen zu unterschreiben.) Mein lieber Monsieur Hopsa, wir wollen heute gar keine Stunde nehmen. H opsa. Kein Lection? sein der pur« Fauleit, muß ich rapportir an Madam Braun. Lenore. Es ist Ihnen ja doch nur um unsere Karten mit dem Pettjchaft zu thun; da nehmen Sie. Hopsa. Wofür seh Sne mik an? Wer da nir leben deonon und nehme die Kart/ der sein Spiffebub. Keb Sie man her die Kart.(Sr steckt sie ei».) Wishelmine (gibt Lenoren de» Brief von hinten.) Lenore. ?lpropoS,, Monsieur Hopsa, besuchen Sie noch fleißig den türkischen Gesandten? Hopsa. karkleu! freylik, ik seyn sein Sprakmeister. L e n o r e. Lieber Monsieur Hopsa, Sie sind ein so gefälliger, artiger Mann; wollten Sie wohl so gut seyn, diesen Brief an den Gesandten zu bestellen? Hopsa. <)ue ckiakle! was ab Sie su sreib an die türkisch^nikitssackeun? Leno r e. Wir lernen fetzt türkisch, und wollen ihn um Rath fragen wegen eines Ausdrucks, den wir nicht versteh'«. Hopsa. Aha! Sie lernen turcsue? von die todte Sprak? Lli kivn. ik maken 2hr6omnüssi«n. Leno r e. Aber ja reinen Mund halten. H op sa. Verlaß sik auf mein Lisvretion, ick sein krsnLniu^on. Lenore. A. l-evuir, Nonsieur liopsa.(Leiser» den Andern.) Er ist ein Dummkopf. N a t a li e. Aber er tanzt schon.(Zu Hopsa.)^.äieu! Wilhelmi»e (wirft ihm neckend«inen Kuß zu.) mon I)i^ou!(Alle drey ab.) Hopsa(allein.) Das sein malisiöö petitas creatures. drey Stück. Arm pauvre mari, der werden fiel aben fon ukaZl'in. L 0 0 Sechste Scene. Madam Braun und Hopsa. Madam Braun. Sieh da, Monsieur Hopsa! Wo sind denn die drey Unzertrennlichen? Sind Sie zufrieden>mt ihren Fortschritten? H o p sa. O sie Uanss wie der Engel. In diese Moment sie ab kenomm ihre Lection, da sein die — Lt voila eneone csnelcsne olrose. Sie ab mir serbok, Madam, ik soll mk sein der^rorteni' von verdacktik Bries? Dieser aasn ein solk Physiognomie. Madam Braun. Geschwind zeigen Sie her.(Sie Nest die Adresse.)„An Se. Excellenz, den türkischen Herrn Gesandten allhier?"— Was soll das heißend Hop sa. Sie woll studir der türkisch Sprak. Madam Braun (öffnet den Brief und liest.) „Herr Ambaffadeur! Wir haben in der Ges- „graphie gelesen, daß Sie mehrere Frauen hei- „rachen dürfen. Wir sind drey junge hübsche „Mädchen in Ihrer Nachbarschaft, wir haben „geschworen uns nie zu trennen, und da Sie, „wie wir hören, unser» Höh nächstens verlassen, „um in Ihr Vaterland zurückzukehren, so fra- „gen wir hiermit an, ob Sie uns mitnehmen „wollen?— Antworten Sie uns durch Mon „sieur Hopsa, oder komme» Sie lieber selbst, „uns zu seh'n. Auf jeden Fall sind wir entschlossen nach Constantinopel zu reisen, sobald wir „zum Ersten Mahl zur Beuchte gewesen sind. „Herr Ambassadeur! Ihre gehorsamen Dienerinnen Lenore. Natalie. Wilhelmin e." Sind die Mädchen toll? Soll ich lachen oder böse werden? Hops a. Monsieur I'^mdussusteur werde laken. 'Irois solics stlles, umis sie werd ihm schon eiß mak sein Kop. Mad. ni B r a n n. Niir fallt ein herrliches Mittelein, die Mädchen zu bestrafen, und zwar gleich.—Apropos, Sie versprachen mir ja Kleider zu Zaire, di« 20t meine Pensionairs in einigen Tagen aufführe» wollen? Hopsa. Sein schon kester arrivir, ein ganz Trödelbud. Madam Braun. Desto besser: folgen Sie mir. Auf der Stelle will ich den Einfall ausführen. Hopsa. Jk folge mit kroß ouistosilL. (Beyde«l>.) Siebente See n e. Lenore, Natalie, Wilhelm ine (schleichen herein.) Lenore. Der Tanzmeister ist fort. Mir klopft das ! Herz. Natalie. Sage mir doch, Lenore, wenn der Ambas- lade^r uns heirathet, müffelr wir uns denn auch türkisch kleiden? 2o2 Lenore. Freylich. Wilhelmine. O das ist allerliebst! Der Turban wird mir recht hübsch steh'». Lenore. Mir auch. N a t a l i e. Mrr auch. Lenore. Wir wollen uns auch in Constantinopel nie einzeln sehen lassen. Alle Abend fahren wir zusammen in die Comödie. Natalis. Ich hoffe, unser Türke wird so galant seyn, eine Loge zu abonniren. Wilhelm ine(spSttis-h.) Das versteht sich; ich wollt' ihm nicht rathen, uns ins Parterre zu führen. Lenore. An Winter fahren wir täglich auf dem Schlitten Natalie. Ach ja, in Zobelpelzen. Wilhelmin e. Da) soll eine Lust werden L e n o r e. Dann sind wir aber verschleyert. Natalie. Thut nichts/ wir können doch von der Seite ein wenig lüften. Siehst d»/ so.(Sie macht die Pantomime, als Hilde sie den Schleysr auf.) (Die andern beyden machen es ihr nach.) Ja, so. L e n o r e. O, wir werden die glücklichsten Tage verleben? Umarmt mich, Schwestern! Mir habt Ihr den herrlichen Einfall zu verdanken.(Sie umarmen sich.) Natalie. Ewige/ ewige Freundschaft! Lenore und Wilhelmine. Ewig! Ewig! 2. A ch t e S c e n e. Madam Braun. Die Vorigen. Madam Braun. Kinder, ich bin in der größten Verlegenheit! So eben läßt mich der türkische Gesandte um Erlaubniß bitten, meine Pension zu besehe». (Die Mädchen jiipken sich verstohlen.) Aha!— Merkst du was?— Er hat unsern Brief empfangen— er kommt. Madam Braun. Er kommt mir so»»vermuthet über den Hals—- ich kann ihn aber doch nicht abweisen. — Jetzt, meine schönen Mamsells, haben Sie Gelegenheit Ihre Talente zu zeigen. Sie sind die ältesten in der Pension, Sie müsse» die kloiinoul's machen. Der Gesandte ist ein vornehmer Herr, er besieht alle Merkwürdigkeiten der Stadt; von Ihnen erwarte ich, daß Sie ihm einegute Idee von meinem Institut beybringen. Leno r e. Sollen wir uns nicht besser kleiden? Madam Braun. Das ist gar nicht nöthig. In ihren Jahren ie einfaches, je besser. Natalie(zu Sonoren.) WaS meinst du, liebe Freundinn, wie sitzt mir die Chemise? L e n or e. Recht gut; aber stecke mir doch die Blume ein wenig anders. M a dam Bra n» kb-v Seite.) Schon Koketterie? Ein gutes Zeichen. Neunte Scene. M a u l w u r f. Die N o r i g e n. M aul>v u r f. Zu Hülfe! zu Hülfe! Madam Braun. Was gibts? M aulm»r f. Ach das Unglück! Da haben wir nun alle Lo6 Sonntag in der Litaney gebethet: vor den Türken uns bewahre Gott! und da steht auf einmahl eine ganze türkische Armee unten vor der Thür, und mosten mit des Teufels Geivalt einbrechen. Madam Braun. Dummkopf! es ist der Gesandte. Führ' ihn geschwind herein. Maul>v u r f. WaS? einen türkische» Wolf in diesen christlichen Schafstall? Madam Braun. Thu' was ich dir sage. Maul m u r f. Nun, ich wasche meine Hände in Unschuld. Aber all' mein Lebsrage Habs ich gehört: ein Iltis im Taubenschlag, und ein Türke unter jungen Mädchen— Madam Braun. Wirst du geh'»? Maul w u r f. Ich gehe schon. Gott sey den armen Kindern gnädig! Solche Barbaren—(ab.) 2c>7 Die drey Mädchen (untereinander.) , Fühle wie mir daS Herz pocht— Mir auch — Mir auch— L eno r e. Nur Muth gefaßt. Ein Türke ist ja doch auch nur eine Mannsperson. Madam Braun. Was zischeln Sie da untereinander? Setzen Sie sich in Positur, ich höre kommen. Zehnte Scene. Rose lind Hopsa(alt- Türken verkleidet, mit Gefolge. Rose grüßt nach türkischer Sitte»nd lafit sich dann auf ein Kiffen nieder, welches ein Sklave ihm nachtrug.) Die drey Mädchen (unter sich.) Ein hübscher Mann— Es geht wohl an— Er ist nicht häßlich. Madam Braun (leise zu Rose.) Die Blondine ist Ihre Braut. Rede» Sie jetzt, im orientalischen Styl. 2o3 N 0 se(zu Madam Vrami.) Springbrunnen der Weisheit! Quelle der Sittsamkeit! Wenn mein Auge Dich betrachtet, so sehe ich den Pomeranzenbaum, in dessen Scharten die Lilien wachsen. Lenore(zu den andern Sevden.) Er spricht ziemlich gut deutsch. M aulmur f. Ein schlechter Gärtner. Wer Teufel setzt Lilien unter einen Pomeranzenbaum. Madam Braun. Em. Excellenz drucken sich sehr gnädig aus. Erlauben Sie, daß diese meine Zöglinge einige Talente in Ihrer Gegenwart üben, um zu beweisen, daß die jungen Frauenzimmer in meiner Pension zu wackern Hausfrauen gebildet werden. Rose(nickt mit dem Kopfe.) Madam Braun. Wohlan, Wilhelm ne, tanzen Sie ein Solo. 6 enore(empfmSlich lie»-Seite.) Das ist doch auch sonderbar, daß man die Jüngste zuerst auftreten läßt- 20 g Wilhelm ine(ranzt.) Hopsa(leise zu Rose.) Sie aben von mir kelernt. Rose. Beym Mahomet! sie schwebt wie ein Paradiesvogel und hüpft wie eine Gazelle.(Er gibt Hopsa einen Diamantring, der ihn Wilhelwinen überreicht.) Lenore. Brillanten? Ich hoffe für uns drey. W i l h e l m i:i e. Sacht-/ Mamsell/ der Ring ist für mich allein. Madam Braun. Jetzt/ Natalie, singe» Sie. Lenore-chey Seite.) Das ist abscheulich. Am Ende kommt die Reihe gar nacht an»uch. Nacalie (singt ein Liedche» oder eine Romanze.) Rose. Allah! Allah! ich bin entzückt! So singen die Huris im Paradiese!(Er gibt Hopsa ein Sliisch- chc» mit Roseneffenz, der es Natalien überreicht.) Lenore(bey Seite.) Ich ersticke. Madam Braun. Um Ew. Excellenz nicht zu ermüden— Lenore (zupft sie und sagt empfindlich.) So, Madam? Mich wollen Sie gar nicht erscheinen laste»? Madam Braun(bey Seite.) Sie ist empfindlich. Desto bester.(Laut.) Wen» Se. Excellenz erlauben— Declamiren Sieden^ schönen Monolog aus Schillers Jungfrau von^ Orkans*) L en ore(thut es.) Rose(nickt zwar seinen Beyfall, aber als Hopsa sich ihm nähert, um auch ein Geschenk für Lenoren i» empfangen, steht er auf, ohne etwas zu geben.). Lenore(bey Seite.) Mein Gott! er geht fort. ') Statt dessen kann nach Belieben etwas anders gewählt werden. Madam Braun. Ich werde jetzt die Ehre haben, Ew. Excellenz mein ganzes Haus zu zeigen. (Das Gefolge entfernt sich. Rose reicht Madam Braun die Hand, kehrt aber noch einmahl um, betrachtet die drey Freundinnen, und wirft endlich Lenore» das Schnupftuch zu ,' die mit einem solchen Geschenke sehr unzufrieden scheint. Darauf geht er mit Madam Braun ab.) Eilfte Scene. Lenore. Natalie. Wilhelm ine. N a t a l i e. Nun, liebe Freundinnen, was sagt Ihr dazu? Wilhelmine. Ich bin zufrieden; aber die arme Lenore! Er hat nicht einmahl aus Höflichkeit gethan, als ob er zuhörte. Lenore. Weil er vor lauter Seh'n nicht zum Hören komme» konnte. Er hat mich ja in einemsort starr angeblickt. 61?. Wilhslmine. Da irrst dir dich, Loschen. Auf mich haltt er die Augen immer geheftet. Natalie. Ihr seyd doch in der That alle beyde sehr leicht zu tauschen. Habt Ihr deun nicht bemerkt, als ich sang— Lenore. Du? Gesungen i Ach ich bitte dich, rede doch daoo n nicht. Du hattest heute gar kerne Stimme. Wilhelm» ne. Das ist wahr. Ich stand Deinetwegen wie auf Nadeln. Natalie(spöttisch.) Liebes Minchen, hast d u denn etwa heute gut getanzt? Lenore. O erbärmlich. W i l h e l m i n e. Mein Tanz war doch wohl'besser als Deine Deelamation. Natalie. Den besten Beweis geben ja wohl die Ge- 2l5 schenke. Das Meinige ist allerliebst, und riecht — und duftet—" Wilhelmine. Und das Meinige glänzt! und schimmert! Natalie. Deines, liebe Lenore, ist eben nicht sonder-- lich. Lenore. Sehr einfach; aber er hat es mir selbst gegeben, und m?t welcher Grazie! Euch hat er durch seine Sclaven bedienen lassen. W i l h e l m i ii e. Seht doch, wie eingebildet! > Lenore. Und du, wie eifersüchtig! Natalie. Und du, wie übermüthig! W i l h e l m i n e. Schon gut, ich sag' es dem Gesandten. Natalie. Mamsell hat üble Laune. Wir wollen sie lieber allein lasse». Wilhelm ine. Unsere Schuld ist es ja nicht, daß der Gesandte ihr bloß ein.Schnupftuch gegeben. L e n o r e. Ich bitte Euch, geht wohin es Euch beliebt; Ihr ärgert mich. Wil Helene (indem sie abgeht, hätt sie Lenoeen den Ring vor die Augen.) Wie daS flimmert! Natalie (macht es eben ss mir der Rsseneffenz.) Wie das duftet!(Beyde ab.) Lenore(allein, fast weinend.) Unausstehliche Eitelkeit! Ach! wenn ich ße doch ein wenig demüthigen könnte! Ich weiß nicht— seit einer Viertelstunde ist mir so wunderlich zu Muthe— ich empfinde etwas das ich nie empfunden habe.— Mein Gott! da kommt der Gesandte. Ich zittre und bebe. 2,5 Zwölfte Scene. Rose und Lenore. Rose. Liebenswürdige Lenore! ich bin dem lästigen Gedränge entschlüpft. Mein Herz führt mich hierher zurück. Sie sind allein? Wo sind Ihre beyden Freundinnen? Lenore. Ich weiß es nicht. Rose. Sollt' ich so unglücklich seyn, daß sie vor mir flohen? Lenore. Davon haben sie nichts gesagt. Rose. Aber Sie, schöne Lenore, Sie scheinen so bewegt? Lenore. Ach! lassen Sie mich zufrieden. Ich habe mich geärgert, so geärgert— Sie sind schuld, daß Mit uns gezankt haben. »W" 216 Rose. Wär' es möglich! Die unzertrennlichen Freu», binnen? Die Verfasserinnen>enes allerliebste« Briefes? Darf man fragen warum? Lenore. Mamsell Wilhelmine— Rose. Unmöglich kann sie Schuld daran seyn. Ihre lebhafte Physiognomie, ihre Grazie, die süße Unschuld, der kein Herz widersteht— Lenore. Es ist ja nur ein Kind. Rose. Aber ein sehr liebenswürdiges Kind. Lenore(bey Seite.) Er ist rasend in sie verliebt. Rose. Natalie hingegen sieht so gut aus, ist e>» Engel von Sanfkmuth. Lenore sglei»g>iltig.) Ja, es ist ein recht gutes Mädchen. Ro- 2i7 Rose. Es wird nicht schwer halten Sie wieder zu versöhnen. Sind wir nur erst auf dem Wege nach Constantmopel— Lenore. Auf mich, Herr Ambaffadeur, dürfen Sie bey dieser Reise nicht zahlen. Rose. Himmel! was sagen Sie! Lenore. Reisen Sie in Gottes Nahme» mit meinen °-Yden Ire,indi,inen. Ich habe keine Lust mich aufopfern zu lassen. Rose. Aufopfern? Lenore. Wilhelmine ist so schön, Natalie ist so gut ^ was brauchen Sie mehr? Sie nahmen mich nur aus Höflichkeit mit. Rose. f Wer wagt es, solche Lästerungen aus zustoße»!? K-tzkbue's Theater 23. Ban». K 2,8 Lenore. Die heyden Mamsells. Sie behaupten, ich hätte mchc einmahl die Ehre gehab,, von Ihm» bemerkt zu werden. Rose. Ha! schönste Lenore! und das konnten Sie glaubend Sre wissen nicht, wie tief der Emdru-k ist, den Sie auf mein Herz gemacht haben. Lenore. Sie tauschen mich. Rose. Natalie und Wilhelmine mögen uns b-gl-i- trn, aber Sie werden über ihre Freundinne» herrschen, wie über mich. Lenore (mit autteechender Freude.) Ich werde über sie h errs che n?(Sie E^ Nicht doch— wir sind zu vertraute Freundinnen— um alles in der Welt mochte ich l-m! von beyden kranken.— 2» der That, Herr M" haffadeur, wenn ich's recht bedenke-- so Sie wohl am Besten beyde hier zu lassen. K 2 Rose(bey Seite.) Sie ist allerliebst.(Laut.) Wie? Sie wollten sich allein mit mn verbinden? Sie hatten Neigung zu mir?— Nicht mein Rang, mem Reichthum— Lenore t halb ärgerlich, halb freundlich.) Ach Gott, nein! Rose. Sie sprechen das Glück meines Lebens aus. Der treuste Liebhaber schwört zu Ihren Füße,,/ >ue für eine Andere, als für Sie zu athmen. (Er kniet, faßt ihre Hand, und druckt fie an fein» Lippen.) Drepzehnte Scene. Madam Braun. Natalie. Wilhelmine Die Vorigen. Madam Braun. Himmel! was seh' ich! / 22o Lenore(bey Seile.) Ich bin verloren! Madam Braun. Wie, Mademoisell! waren Sie es nicht, die den Befehlen Ihres Oheims so halsstarrig widerstrebtet N a t a l i e. O das ist ganz abscheulich! W i l h e l m i n e. Lesen Sie ihr den Text nur recht tüchtig. Rose. Madam, Sie kennen mich und meine Absichten. Ich wünsche dieß liebenswürdige Kind zu heirathen. Naralie. Vergessen Sie nicht die Bedingung, Herr Ambafsadeur. Wrr gehen alle Drey n.tt. Rose. Darüber hat nur meine Geliebte zu entscheiden. Lenore. Liebs Freundinnen! es würde mir allerdings 22 L unendlich angenehm seyn— Euch um mich zu seh»—(Lcise zu Rose.) Nehmen Sie sie nicht mit.(Laut.) Aber ich muß den Befehlen meines künftigen Gemahls gehorchen(Leise.) Sagen Sie, es gehe nicht an. Wilhelm ine. Schon, Mamsell, recht schon. So etwas Schlangenartiges! Natal^e. Wo bleibt der feyerliche Schwur? Eidbrü- Hopsa. Aber so laß Sie Lok nur los mein Ohr. Vierzehnte Scene Maul wurf(führtHspsa beym Ohr herein.) Die Vorigen. Madam! Madam! es sind keineTürken. So eken hab' ich diesen Schelm erwischt, wie er meinen Wein aussoff. Maulwncf. Es rst der Musje Hopsa. Madam Braun (stellt sich verwundert.) Was bedeutet das? Rose. Ich bekenne die Schelmerei). Ich bin kein Muselmann, sondern ei» ehrlicher Deutscher. Lenore. Himmel! N a t a l i e. Desto besser. Wilhelm ine. Er hat sie nur für den Narren gehalten. Rose. Geliebte Lenore! ich bin der Mann, ben Ihr Oheim Ihnen bestimmte. Mochte Ihr H"i nicht widersprechen. Lenore(bey Seite.) Ha! ich erhöhte mich! 223 Rose. Ich könnte mit Reichthum prahlen,, ich könnte Ihnen sagen, daß ich die schönsten Güter im Rheingau besitze— Maul w u r f. Im Rheingan? Sapperment! da liegt der Jvhannisberg. Rose. Aber nur meiner Liebe will ich Ihre» Besitz verdanken. Lenore (gibt ihm verschämt die Hand.) Ich gehorche meinem Oheim. Rose (schließt sie i» seine Arme.) Es soll Sie nie gereuen! Hopsa. Keb Sie ackt, er werde Sie eyrathen. Sie tanzen kut, daS werden seyn ein g'ücklick Eh. Natalie. In meinem Leben glaube ich nicht mehr an die Freundschaft. Wilhelmine. Ich auch nicht. Madam Brau». Vergessen Sie wenigstens nie, daß die Freundschaft bey unserm Geschlecht zwey gefährliche Feinde hat: Eigenliebe und Koketterie. Der Trunkenbold. Eine Schnurre in zwey Aufzügen, nach Holberg frey bearbeitet. Personen. Nako* Hefe«schreck. Dessen K a m m er r i e»er. Doc«or Pamphiiius. Matz Bartkcl, ei« Bauer. Asne, sei» Weib. üaesb Schuster, ei» Schsnkwirth. Erster Act. Der Schauplatz ist ein Dorf, oder freyer Platz, Mit einer Schenke. Erste Scene. Bärth el und A n n e. Anne (stößt Bartheln vor sich her.) heraus, Faulpelz! Barthel. Aber, liebe Anne, du treibst es doch auch zu arg mit mir. Der Herr Pfarrer hat gesagt: ich soll dein Herr seyn. Anne. Da hätte der Herr Pfarrer wohl etwas Klügeres sagen können. Du lieber Gott! wenn du 228 Herr im Hause wärest, du hattest ja laugst dein Weib und keine Kinder um eure Flasche Branntwein verkauft. B a r t h e l. Um eine Flasche? Ey bewahre! Hattest du noch gesagt ein Faß. Anne. Du, Säufer, wirst endlich selber noch zum Fasse werden. B a r t h e l. Ach! wenn mir der liebe Gott die Gnade erzeigte— A n n e. Du schämst dich nicht und grämst dich nicht. B a r t h e l. O ja, ich schäme mich wohl: daß ich unter dem Pantoffel stehe— A n n e. Narr, die klügsten Leute stehen unter dem Pantoffel. Barthel. Ist auch so übel nicht, wenn's nur kein Holz- . schuh ist. «vw* 22H A nne. Wirst du schweigen?— du erkennst meine zärtliche Liebe gar nicht. Barthel (sich den Buckel kratzend.) Warum denn nicht? Ich fühle sie ja täglich. A n n e. Ohne mich wärst du ein Verschwender. Barthel. Es ist wahr, du bist so gefällig mir keinen Groschen in die Hände zu geben. A n n e. Ohne mich ein fauler Taugenichts. Barthel. Es ist wahr, du bist so gefällig mich schon vor Tags mit deinem Ellenbogen aus dem Bette zu schieben. A n n e. Weil ich dich liebe. Barthel(seufzend.) Ach ja l A»ii e. Weil ich so zärtlich um dein Glück besorgt bin— Barthel. Das mir die Augen übergehen! A n n e. Du bist ein Dummkopf. Barthel. Ja, wenn ich das nicht wäre— Anne. Mach'forr, daß du in die Stadt kommst. Ich brauche Seife, horst du? Zwey Pfund. Hier hast du Geld» Aber das sag' ich dir, daß du mir unterwegs nicht Maulaffen fei! haltst! Daß du mir längstens in drey Stunden wieder hier bist. Barthel. In drey Stunden soll ich drey Meilen gehen? A n n e. Wer heißt dich gehen? Laufen sollst du. Wenn du zU rechter Zeit wieder kommst— du weißt, ich habe noch ein Fäßchen im Keller. 2 Barthel. Sauer Bier, ich weiß. Anne(gibt ihm einem Puff.) Tropf! die Liebe macht alles süß.(Sie dreht.) He! ists etwa nicht wahr? Barthel. Ja ja ja! Du hast ganz vollkommen recht. Süß wie Zucker. A n n e. So geh, und g'nade dir Gott, wenn du nicht zu rechter Zeit u, meine Arme zurückkehrst. B a r t h e l. In deine Arme! Ja, lieber Gott, ja!(Anne ab.) Zweyte Scene. Barthel(allein. Hais reist.) Ich mochte wohl wissen, wie nahe meine Frau Mit dem Satan verwandt ist? Wenigstens Geschwisterkind.— Die Leute im Dorfe sprechen: 2^2 ich guckte gern zu tief ins Glas. Aber wo soll ich denn hingucken, wenn in meinem Hause der Teufel los ist? Es gibr doch nur zwey Mittel, um ein böses Weib zu vergessen, Aufhängen oder Besaufen. Nun kann mir doch Niemand verdenken, daß ich mich Ueber bcsause, als nuch aufhänge?— Nachbar Stefir» sagt, ich soll sie prügeln, aber das thu ich nrcht, denn erstens hab' ich sie viel zu lieb; ich spüre so etwas pudel- arliges in meiner Natur: zweyccns hab'ich auch kerne Courage. Das ist nicht meine Schuld. Die Courage ist eine Gabe Gottes. 24 wünsche rhr nicht einmahl den Tod. Es grbr böse Werber genug in der Hölle, es möchte dem Teufel zu viel werden, und er könnte auf den Einfall gerathen, sie mir zurück zu schicken, ärger als vorher.— Ach Gott! das lose Maul wollt'ich rhr schon gönnen, wenn sie nur kerne Arme, oder ich kernen Rücken hätte!— Soll ich denn nun mir trock- ner Kehle nach der Stadt gehn?— Nicht capa- bel. Ein Gläschen muß ich trinken. Eins nur. — Geld hab' ich zwar nicht, aber Gevatter Jacob borgt mir wohl auf mein ehrliches Gesicht. (Er klopft an die Schenke.) He! Gevatter Jacob! 2Z3 Dritte Scene. Jacob und Barthel. Jacob. Wer Teufel klopft denn schon so früh? Barthel. Guten Lag, Gevatter Jacob. Jacob. Sieh da, Freund Barthel. Barthel. Gib mir für einen Groschen Branntwein. Jacob. Recht gern; gib mir nur erst den Groschen. Barthel. Morgen, Gevatter, morgen. Jacob. So wartest du auch wohl mit dem Schnaps bis morgen. Barthel. So wahr ich ehrlich bin, ich habe kein ande- 2Z4 res Geld bey mir, als dar meine Frau zum Einkauf in der Stadt mir gab. Jacob. Da kannst du ja leicht ein Paar Groschen ins Unterfutter fallen lassen. Barthel (reibt sich bedenklich den Buckel.) Wenn sie's erfährt— Jacob. Possen! Wo soll sie's erfahren? Du schworst Stein und Bein, du hast daS Geld ausgegeben. Barthel.. Ausgegeben? Richtig, darauf kann ich schwirrn. Da, Gevatter, ein Zwepgroschenstück. Jetzt geh'und hohle mir den Tröster. Jacob. Gleich, gleich.(Er geht hinein.) Barrhel. Wenn nur der Henker mein Weib nicht herausführt.(Er lauscht nach der Gegend, wo Anne hingegangen.) Tue Hausthür kann rch von hier sehe». Steh da, der Herr Schulmeister geht eben hin« 235 ein. Nun hat es nichts zu bedeuten; wenn der bey ihr ist/ da denkt sie nicht an mich. Jacob (mit Glas und Solche' schenkt ein.) Wohl bekomm'es/ Barthel. Barthel (stürzt den Vramitwein hinunter.) Da sey du ohne Sorgen; innerlich ist mirs noch niemahls schlecht bekommen. Jacob. Noch eins, Barthel? Barthel. Halts Maul, Gevatter Jacob, ich darf nicht mehr. Wechsle mir mein Zweygroschenstück, dann will ich in Gottes Nahmen hinschlendern. Jacob. Brüderchen, ich habe keine Scheidemünze. Du behältst ein Glas Branntwein bey mir zu Gute. Barthel. Ey was! ich borge Niemanden. Hast du keine Scheidemünze, so schenke lieber das Glas noch einmahl voll. 236 Jacob(schenkt ein.) Acht Barthel. Es ist auch so besser. Barthel(trinkt.) Alle Teufel! jetzt wachst mir der Muth. Nun geh' ich in die Stack und sehe die Wachparade. Der Küsterist bey meiner Frau, der mag sehn wie er mit chr zurechr kommt. Jacob. Glück auf die Reise, Gevatter Barthel.(Er geht hinein.) Vierte Scene. Barthel allein.(Er singt.) „Meine Mutter hat Gänse, fünf blaue, „sechs graue, sind das nicht Gänse?"— Hohl' mich der Teufel! ein schönes Lied! Ein Kind kann es begreifen.-— Ich bin ganz lustig geworden.— Wenn ich nur noch für einen Groschen trinken dürfte!— Wenn nur das Wirthshaus mir nicht so vor der Nase stünde! Ist es denn meine Schuld, daß ich grade hier vorbey muß. wenn ich nach der Stadt will?— Vorbey kann ich nichts da bm ich wie ein stetisches Pferd.— Wie wär'S wenn ich von dem MarktgelLe noch ein Paar Groschen.—(Er greift zagend und unschlüssig in die Tasche.) Ja/ spricht der Plagen; nein/ sagt der Rücken.— Aber Potz Werter! har der Magen nicht mehr Autorität als Rücken? — He! Gevatter Jacob!— Halt, Barthel! Zum Glück hat er's noch nicht gehört. Um ein lumpiges GlaS Branntwein sollt'ich meine hüus- liche Zufriedenheit Preis geben?(Indem-r sia, den Buckel reibt.) Nei»/ Barthel, sey ein Mann! Der Küster ist bey deiner Frau mach' daß du fortkommst.(Er will gebe». Zu seinen Fügen.) Run? Was wirds? Warum marschlkt ihr nicht vorwärts? Die Bestien wollen nicht. Meine Glieder zanken sich mit einander. Der Magen und die Füße wollen in die Schenke, der Rücken will in die Stadt.— Wohlan/ Barthel, so ergib dich in dein Schicksal. Gibcs am Ende ein Trauerspiel, so ist doch das Schicksal Schuld daran. —- He! Gevatter Jacob! 236 Fünfte Scene. Jacob und Barrhel. Jacob. Bist du schon wieder da, Barthel! Ich dacht' es gleich, was können die Paar Tropfen meinem Gevatter helfen t B a r t h e l. Du hast Recht, Gevatter, schenk nur ein. Jacob(streckt die Hand aus.) Erst Geld. B a r t h e l. Wir wvllen's einmahl an die schwarze Tafel schreiben. Jacob. Ich hab's verschworen. B a r t h e l. Du kannst allenfalls die Kreide doppelt nehmen. Jacob. Was helfen mir Zahlen! Barthel. Habe doch ein christlich Herz. Jacob. Ey wenn du em armer Teufel wärst. Aber du hast Geld im Sacke. Barthsl. Ich soll ja Seife dafür kaufen. Jacob. Wer braucht nothwendiger? Deine Frau die Seife? Oder du den Branntwein? B a r t h e l. Höre, Brüderchen, da hast du Recht. Jetzt geht nur em Licht auf! Mein' See!', ich brauche den Branntwein nothwendiger. Ins Teufels Nahmen! schenk ein. Jacob(schenkt ein.) So recht. B a r t h e s. Ha das schmeckt!— und Courage gibts— Es ist denn doch eine prächtige Erfindung, daß man die Courage für zwey Grosche« trinken kann.(Er singt.) Es ritten drey Reiter zum Thor hinaus. Juchhe!— Schenk' ein, Gevatter. """" 2^0 Jacob(thu« es.) Nun seh ich doch, daß du es gut mit mir meinst; daß du mir ein Paar Groschen zu verdienen gibst. Barthel. Je,, Gevatterchen, ich meine es gut mit dir. Blos; um Deinetwillen rrink' ich. Schenk' em, da hast du noch einen Groschen. Die Erde trinkt Regen, das Meer trinkcFlüsse, die Sonne zieht Wasser— Alles trinkt! alles trinkt! Jacob(schenkt ein.) Prosit, Gevatter! B a r t h e l. OdltAti, mon serviiLUv trös-kiumble. Jacob. Was zum Henker! Du sprichst gar französisch! B a r t h e l. Selten, Brüderchen, selten; nur wenn ich einen Rausch habe. Jacob. Also tägl'ch nur Einmahl. Bar- Barrhel-lallend.) Ich habe ja sAttiip.iKumu mitgemacht; hatt' es weit bringen können. Jacob. Ja ja, du warst schon Stückknecht. Ich bin ja auch dabey gewesen. B a r t h e l. Es ist wahr, Gevarter. Wurdest du nicht einmahl gehangen, weil du davon gelaufen warst? Jacob. Nein, Brüderchen, ich sollte gehangen werden, bekam aber Pardon. B a r t h e l. Pardon! Das ist Jammerschade!— Jetzt besinne ich mich, wir haben damahls nicht auf deine Gesundheit getrunken. Wir wolien's nach- hohlen. Da hast du mein letztes Geld. Schenk ein. Jacob(thut es.) Ich denke Barrhel, nun hast du genug? Bart he!(taumelnd.) Genug? Alle Wetter! wofür hältst du mich? Koyebiis's Theater 25. Bh. L 2st2""" Meinst du, ich konnte nicht trinken? Und wenn deine Flasche immerfort liefe, wie eine Dachrinne— ,J acob. Aber deine Frau— die Seife— Barthel. Ey was, sie wird mich schon waschen ohne Seife. All- Hagel! ich nicht trinken? Da mein Gevatter Pardon erhalten? Jacob. Nun ja doch, Brüderchen, warte nur, ich hohle dir eine frische Flasche.(Indem er hineingeht, Kr sich.) Da kannst du lange warten. Sechste Scene. Barthel allein. Ein vernünftiger Mensch, mein Herr Gevat- rer— er höhln eine frische Flasche.— Es ist doch gut, das; sie ihn Nicht aufgehängt haben.—(Weinend.) Ich unglückliches Weib! was soll ich machen?(Schluch- p„d.) Ich muß die Kardätsche hohlen, und ihn so'ange liebreich kuranzen, bw er wieder nüchtern wird. Ist das nicht ein rraurigeö Schicksal! Andere Frauen dürfen ihre Männer immer liebkosen, ich muß den Mcuttgkn immer prügeln. Das thut mir i>> der Seele weh.(Sie will qc-en.) L 2 Achte Scene. Baron Hasenschreck. Die Vorigen. Baron (kommt von der Jagd, die Flinte aus dem Rucken.) He, Anne! warum weint ihr? Anne. Ach, gnädiger Herr! da sehe» Sie nur, da liegt mein Mann, der Trunkenbold, und streckt alle Viere von sich. So geht es nun alle Tage. Am frühen Morgen schon versäuft er den Verstand. Baron. Da hat er wohl eben nicht viel zu verfällst«? Anne. Nein, gnädiger Herr, nicht viel. Ich würde mir auch gar nichts daraus machen, wenn er nur das Geld nicht zugleich mit versöffe. Aber wenn das Geld zum Henker ist, wo soll denn die Liebe herkommen? Bars n. Freylich. A n n e. Als ich meinen Barthel, den Esel heiratete, da war er ein wohlhabender Mann, und ich liebte lhn so zärtlich, das weiß Gott! Jetzt aber 2-5 — mit jedem Thaler, der in die Schenke wandert, lost sich ein Faden von meinem Herzen. Baron. Ihr solltet ihn durch Liebe auf andere Wege bringen. A n n e. Ach, gnädiger Herr Baron, der hat ausgesiebt! Das ist eine todte Kohle. Baron. So solltet ihr ihn kurz halten. A n n e. Mein Gott, das thu' ich ja. Zaum und Gebiß leg' ich ihm in den Mund. Aber er ist hartmäulig wie ein Pferd. Meister Erich ist noch der Einzige, vor dem er einigen Respect hat. Boro n. Meister Erich? Wer ist das? A n n e. Em. Gnaden kennen den Meister Erich nicht? (Lächelnd und»crschämt.) I nu— das ist so zu sagen— die Kardätsche. Baron. Wie? Ihr prügelt euren Mann? . 2^0..." A nne. Mir blutendem Herzen! Darv n. Und das leidet er? A n n e. Was soll er machen? Gott hat mir die Kräfte verliehen. B a ro». Ey ey, das ist eine böse Ehe! A n n e. Ach nein, gnädiger Herr; den kleinen Umstand ausgenommen, fuhren wir das einträchtigste Leben von der Welt. Ew. Gnaden glauben garnicht, meinBarchel ist sonst das beste Schaf auf zehn Me-.len in die Runde. Er bekümmert sich um nichts. Was er nicht sehen sofl, das sieht er nicht. Frau Nachbarin», pflegt unser Schulmeister zusagen, halte sie mir den Mann in Ehren, der verdient eine Krone. Ach freylich! ich hatte.auch nichts dagegen, wenn nur das verma- ledeyts Saufen nicht wäre. Baron. Wißt ihr was, Anne, mir fällt ein Mittel bey, ihn von diesem Laster zu knnrsn. A,i>i e. Em. Gnaden sind gewaltig gnädig,' aber es vermag Niemand etwas über ihn, außer Meister Erich. B a r o n. Man kann es ja doch versuchen. Schläft er auch wohl recht fest? A n n e. Wie ein Niehlsack. O wenn er so da liegt, da kenn' ich ihn schon, da ist nichts nur»hm anzufangen. Baron(ruft i» die Ferne.) He! Caspar! Johann!(Zwey Jäger-der Bedienten erscheinen.) Nehmt diesen Bauer und tragt ihn aufs Schloß, nur grade in das beste Gastzimmer. Kleidet ihn behiuhsam aus, zieht ihm meinen damastnen Schlafrock an, und legt ihn in das seidne Bett. Ich werde gleich selbst nachkommen und anordnen was weiter zu thun ist, (Die Jäger tragen Bnrihel» fsrt.) A n n e. Ums Himmelswillen gnädigster Herr, was soll das vorstellen? Baron. Seyd außer Sorgen, eurem Manne soll kein 24Ü Haar gekrümmt werden. Folgt mir aufs Schloß, damit Ihr in der Nahe seyd, wenn wir Euch brauche».(Ab.) Neunte Scene. Anne allein. Nein, ich wollte in der That nicht, daß ihm ein Leid widerführe. Er ist ein Trunkenbold, aber ich prügle ihn. Wenn er todt wäre— mau müßte sich freylich darein ergeben und einen Ander» heiralhen, das konnte aber eben wieder ein Trunkenbold seyn, der noch obendrein mich prügelte. Der alte christliche Reim lehrt: Du nicht allein zu tragen hast, Der Nachbar trägt auch seine Last, Und jeder, wenn man ihn thut fragen,^ Vermeint die schwerste Last zu trage»; Doch wenn nun aller Menschen Bürde Auf einem Haufen liegen würde, Und Jeder dürste sich sein Joch Beliebig auf den Rüekcil binden. Was gilts, so würde Jeder doch Die alte Last am leicht'sien finden. (Sie folgt dem Baron.) 24g Zweyter Act. Ei» schönes Zimmer im Schlosse. Erste Scene. Barthel allein. (Eine sanfte Musik läßt sich in der Ferne hören. Er liegt im damastnen Schlafrocke auf dem seidnen Bett und erwacht langsam. Er wischt sich die Augen, erschrickt, sieht sich überall um, greift nach seinem Kopfe, bekommt eine feine höbe Nachtmütze mit seidnem Band in die Hände, wischt sich abermahls die Augen, wendet die Nachtmütze hin und her, betrachtet den Schlafrock, das Zimmer, horcht auf die Musik und macht wunderliche Ge- bcrdcn. Als die Musik zu Ende geht, faltet er die Hände und fängt an zu weinen.) Lieber Gott! was soll dem, das vorstellend Wie bin ich zu all'der Herr- lichkeir g-ronimr:,? Träume ich etwa?— Wo >si denn mein Haus? Mein Weib? Und ich selber, wo bin ich denn?(Er ruft leise.) Änne! Anne!— Vermuthlich hak mich gestern der Schlag gerührt, da bin ich gestorben, und heute bin ich ohne meine Schuld im Himmel.— Aber ich lebe ja noch? Ich fühl' es ja an meinem Rücke», daß ich noch lebe.— Zwar, wenn ich wieder den Echlafrock betrachte, den vermuthlich der heilige Peter hergeliehen hat— und wenn ich die Mu- scka höre von den holden Engelein— so Meile ich wohl, daß ich mausetodt bin— jedoch selig entschlafen.— Vielleicht steht jetzt eben unser aAerr Pfarrer auf der Kanzel und hält mir die Leichenpredigt. Seht, wiedersagen, da liegt er, der Matz Barthel! Auf dem Betts der Ehren ist er gestorben. Alle» verzehrt vor seinem End, macht ein richtiges Testament. Da steht die betrübte Frau Wittwe und schluchzt, daß sie der Dock stößt; ja, nu» hat sie gut schluchzen. Frau Anne! Frau Anne! diesen kalten Leichnam wird Meister Erich nicht wieder ins Leben rufen.— Unterdessen die ganze Gemeinde so wehklagt, stör ich hier oben im Himmel und lache ins Fäuste chen!— Eines begreif ich aber nicht— der 25t Herr Pfarrer hat wir oft gesagt,. im Himmel sey man weder hungrig noch durstig, und ich -! durste, daß mir die Zunge am Gaumen klebt.— Möchte ich noch einmahl wieder lebendig werden, i so wäre es nur, um bey Geralter Jacob einen Krug Bier zutrinken— Auch soll man ja seine verstorbenen Freunde im Himmel wieder finden, und ich bin hier Murterseelen allein.— Halt! , Jetzt kommt Jemand. Es wird wobl Einer von den lieben Heiligen seyn, der mich bey Hofe § prüseiiure» will. Zweyte Scene. Der Kammerdiener, einige Bedien-- re, und Barthel. Kammerdiener. Nnterthanigsten guten Morgen, gnädiger Herr. Haben Eiv. Gnaden wohl geruht? Barthel(Mcrnv.) Ach, gestrenger Herr Kammerdiener! sind 2Ü2 Lie auch hier"! Haben Sie doch die Barmherzigkeit mir zu sage»/ wo ich eigentlich bui? Kommerdiene r. Ey, ey, der Herr Barv» sind ja auf Dero hochfreyherrlichem Schlosse. Barthel. Auf meinem hochfreyherrlichen Schlosse? So so? Aber gestern war ich ja noch Matz Barthel hinter der Pferdeschwemms? Kammerdiener. Ew. Gnaden sind heute bey besonders guter Laune, das sehen wir gern. Aber ums Himmels- wrllen, warum weinen Ew. Gnaden? Barthel. Ich bin ja nicht Ew. Gnaden. Ich bin der Matz Barthel, ein Unterthan vom Herrn Baron von Hasenschreck. Wollt Ihr mir nicht glauben, so lasit nur mein Weib kommen, die Anne; aber sie soll den Meister Erich zu Hau!« lassen. 255 , Kammerdiener (zn den Bedienten.) Mein Gott, was ist dem gnädigen Herren wiederfahren'( so pflegt er ja niemahls zu scherzen. Er muß noch schlaftrunken seyn. Barthel(halb weinend.) Es ist nicht wahr. Ich weiß, daß ich durste, und folglich wach' ich auch. Aber ich bin kein gnädiger Herr Baron. Kammerdiener. Michael, der Herr fantasirt. Lauf doch geschwind zum Doctor.(Ein Bedienter geht.) Barthel. Der soll mir vom Halse bleiben. Kammerdiener. Ew. Gnaden setzen das ganze Schloß in Schrecken. Barthel. Ich bin ja selber erschrocken, daß ich an alle» Gliedern zrrtre. Thut mir nur nichts zu lei- s5>? de. Da/ nehmt den Schlafrock des heiligen Peter, und laßt mich in mein Haus hinter der ?stferdefchwemme. Kammerdi e n e r. Erinnern sich Ew. Gnaden denn nicht, daß Sie gestern auf der Jagd waren? B a r t h e l. Was? ich ein Wilddieb? Das ist nicht wahr. Ich b.kummre mich in meinem Leben nicht um die Jagd, außer wenn ich zum Treibjagen mit heraus kommandier werde, und das ist eine vcr- fluchte Arbeit. K a m merdiene r. Ich hatt-: ja aber selbst die Ehre, Sie gestern zu begleiten? B a r t h e l. Es ist nicht wahr! Ich bin nirgends gewesen, als bey meine-m Keoaiter Jacob, bey dem ich einen Schnaps getrunken, oder ein paar. 255 Dritte Scene. Doctor Pamphilius. Die Vorigen. K a mmerdiene r. Dem Himmel sey Datik! da kommt der Leibarzt des gnädigen Herrn. Doctor. Ich vernehme mit Betrübnis;/das, Ew. Gnaden sich nicht wohl befinden. B a r t h e l. Recht sehr wohl. Ich bin nur allein noch durstig anf den Branntwein, den ich gestern bey meinem Gevatter zu mir genommen. Ich brauche keine Arzeney. Gebt mir einen Krug Bier, und laßt meinetwegen alle Doctocs zum Teufe! gehen. Doctor. Ey ey, daststeine starke Fantasie. Erlauben E-v Gnaden Dero hochfreyhcrrltchen Puls zu 256 fühlen.(Er tt,ut cs.) Hu! da wird ein Aderlaß aus der Stelle nöthig scmi. Barthel. Ach, hochgeehrter Herr Doetor! verschonen Sie doch mein junges Blut! Docto r. Vielleicht haben der Herr Baron einen schweren Traum gehabt, daß es Ihnen vorgekommen, als wären Sie ein schlechter Bauer geworden? B a r t h e l. Getroffen, Herr Doetor' ich träume schon so etliche vierzig Jahre hintereinander weg. D o c t o r. Man muß dem gnädigen Herrn kräftige Speisen und feurigen Wein vorsetzen. B a r t h e l. DaS ist einmahl ein vernünftiger Rath. Doetor. Seine Lieblingsspeisen. Bar t^h e l. Erbsen mit Speck. Doctor. Auch muß man ihn mit einer aufgeweckten Musik unterhalten. Kammerdiener. Soll alles sogleich besorgt werden.(Er winkt, eine muntere Musik läßt sich in der Ferne hören.) Barthel (gewinnt etwas Zutrauen, und macht einige Bewegungen nach der Musik.) Ja ja, das mag ich wohl leiden. Geht es denn immer so lustig hier zu? Kammerdiener. So oft es Ew. Gnaden beliebt. Wir stehen ren dürfen, was ihm beliebt?—Ich bin ja gar nicht von dieser Stelle weggekommen. Baron. Haft du nicht meiner Braut, der Fräulein von SchnssganS, einen Kuß geben wollen? Barthel. Nun freylich— das kann ich nicht läugnsn— und das gnädige Fraulein hat mir auch eine Ohrfeige appllcirt, daß ich fast davon erwacht wäre— Baron. Warte, Kerl! das bringt dich an den Galgen! Barthel. Ach, gnädigster Herr Baron! haben Sie doch Erbarmen! Ich bin der Fräulein Braut garnicht auf die Nahe gekommen. Es ist so eins sittsame 2^5 Person— und wenn sie auch Gott weiß was wäre, ich habe ja schon ein Weib, mit Nahmen Anne, ein kreuzbraves Weib, mit dem ich alle Hände voll zu thu r habe— Baro n. Da kommt sie eben. Deine Züchtigung über- lass' ich ihr.var ich ein Stündchen—hernach wieder auf dem Schlosse— und bey der Fraulein Braut — und bey Tische— kurz Lberall, nur nicht in der Stadt. Anne (zieht ihm das Paqust aus der Tasche.) Mas hast du denn da mitgebracht?(Sie öffnet es.) Ey sieh'doch, Barthel, das ist ja st? Seife, nach der ich dich schickte! Schone, Herr- liche Seife! und reichliches Gewicht! Barthel (der so» seinem Erstaunen gar nicht zu sich selöer komme» kann. Ja nun, da muß ich doch wohl in der Stadt gewesen seyn. A» n e. Ganz gewiß.' Ich danke dir," mein liebes Barihelchen, daß du meine Commission so brav misgerichtet— BLrthel. O es ist gern geschehen. Aber nunmehr steht mir der Verstand auch ganz still— uno wenn ichs recht bedenke, liebe Anne, so hac der Gott sey bey uns mit mir sein Spiel getrieben. A n n e. Wohl möglich. Barthel. Ja ja, es ist nicht anders. Ach ich armer elender Sünder! Der Canaillcnsccr den ich getrunken habe, der mochte wohl in des Teufels Weinberge gewachsen seyn. A n n e. Siehst du nun, Barthel? Man hat solche Exempel.. B a r t h e l. Und das Fräulein Braut— der lange Rock war auch nicht umsonst— da steckte der Pferdefuß. Anne. Wohlan, so geh' in dich, Matz Barthel, und erkenne, daß ich den Meister Erich bloß zu deiner Seelen Heil angeschafft habe. 28c» ' Barthel. Ja, liebe Anne, ich bin ein bußfertiger Sünder. Von heute an, verspreche ich dir, soll kein Tropfen Branntwein wieder über meine Zunge kommen. Laß uns hereingehen zum Gevatter Jacob, da will ich dir bey einem Gläschen Doppelkümmel zuschworcn— Ä u n c. Da haben wir's! Ein Trunkenbold kehrt sich an den Teufel selber nicht. B a rthe l. Zinn letzten Mahl, liebe Anne! Ich muß doch Abschied nehmen von der Flasche. Wir sind von Jugend auf so freundschaftlich mit einander umgegangen; es wäre undankbar, wenn ich nun so gleichsam hochmüthig davon ginge. A n n e. Wohlan, Saufans! heute mag's hingehen aus gewissen Ursachen. Ich will dich noch einmahl tractiren. Aber in Zukunft gehst du mir nie in die Schenke, ohn«' den Saian auf der rechten Seite und den Meister Erich auf der Unken. s8i Bar th e l. Da werde ich mich doch lieber rechts halten. (Er umarmt Annen, und indlin er mit ihr nach der Schenke tanzt, singt er:) Juchhe! meine Mutter hat Gänse! fünf blaue, sechs graue, sind das nicht Gänse? W i s N/ geSruUtbsy Anten Strauß. E 8! M^ « 4« UM lW ''!r S; '8 U rMiTj UW, W < 4 -- ^- , » Ä ' Ä M » - W MW ÄK » ÄU' M MA SA» » BK « ^-N' NW W « s-k Ä A AS 'A M) ZW?" Uz,.. >^^ ^ s