Wisnei- 8tM-8ib!lMeIi 8 " ' » - e r T he a t von K o tz e b u e. Zwey und dreyßigstcr Theil. ubaldo. Das Intermezzo, oder der Land inn? er zum ersten Mahl« in der Residenz. Der blinde Gärtner» oder die blühende Aloe. Wien, 16, i. Ln Commission bey Anton Dole. A T h e a t er »» n K o tz e b u e: Zwey und dreyßigster Thei!, >KWWWW>W>W>WU ><>. A 2 u b a l d v. Ein Trauerspiel rn fünf Auszügen» ^Erschien»So8.) P e r s o n e n. Alfonso, König.') Alwin«, Königinn. Herzog Ubaldo, des Königs Oheim nnd Feldheer. Camilla, seine Gemahlin». Bianca, seine Tochter. Graf Ea in ponero. Graf Serravalle. Tederico, ein alter Kämmerling des Königs. Ein Oberster. Ein Hauptmann der Leibwache. Ein Officier der Leibwache. Ein Jäger. Eine Bäuerinn mit einem Kinde. Kriegsobersten. Trabanten. Pagen. Bauern und Bäuerinnen. ') Das Coststm ist spanisch oder alt italienisch, X Erster Act, Ein Zelt, Erste Scene. Die Kriegsobersten versammelt erwarten he» Herzeg. Ubald 0 tritt unter sie. Ubaldo.^hr begehrt mich zu sprechend Ein alter Oberster. Euch zu bitten. Herzog, ward mir ein ehrenvoller Auftrag von Allen, die hier stehen. Ubaldo. Redet. Oberster. Siegreich kehren wir zurückund nahen schon der Residenz, wo Euch, den tapfern Feldherrn, der König dankbar, das Volk jubelnd erwartet; wo wir, die treuen Gefährten Eurer Siege, im Schooß der Unsrigen Lohn 6 und Ruhe hoffen. Aber schmerzlich empfinden wir, daß einige unserer Bruder, statt dieses frohen Tages Erwartung zu theilen, noch in Fesseln schmachten; darum sind wir bekümmert zusammen getreten, und lütten Euch, gnädigster Herr, gebt sie frey. Ubaldo. Sie sind Verbrecher. Oberster. Doch nur aus Liebe zu Euch. Im Siegestaumel wollten sie den angeberheten Feldherrn auf den Thron erheben. Ubaldo. Und meineidig werden. Oberster. Sie haben sich vergangen. Man ches mildert ihre Schuld. Ubaldo. Nichts entschuldigt verletzte Pflicht. Oberster. Ihr, des Komgs Oheim, sein Vormund einst, schon als Regent erprobt, geliebt, bewundert, jetzt Feldherr, mit uns Allen nur Gefahr und Ehre, nicht unsere Beute theilend, wahrend der junge Konig daheim der Lust pflegt— was Wunder, daß auf einem fernen Schlachtfeld erhitzte Liebe den Hochgestellten hoher noch zu stellen unternahm? Ubaldo. Verleiten wollte man die Truppen. Oberster. Verzeiht, Herzog, dessen bedurfte es nicht. Der Sold blieb aus, Zuschoßt 7 ihn vor. Ein Zufall wollte, daß an einem Tage, wo die llnsrigen in Morasten wateten, eine Bande Tänzer, aus der Fremde verschrieben, in kostbaren Wagen an uns vorüber rollte. Da murrten Jene. So ist's entsprungen. Die letzte Schlacht, wo Ihr, obgleich verwundet, nicht aus dem Treffen wicht, trieb es zum Ausbruch.—> Laßt Euch bewegen! wir bitten vereint. Uns habt Ihr Belohnung zugesagt: Eure Verzeihung unsern Brüdern gelte dafür. So meinen wir Alle. Ubaldo. Ihr fordert ein Großes. Erinnert Euch meiner Strenge gegen Serravalle. Oberster. Der konnte sein Verbrechen mit Lorbeecn, für das Vaterland errungen, nicht bedecken, wohl aber unsere Bruder können das. Sie waren stets die Tapfersten im Heere. Ubaldo. Wohlan, so will ich sie bestrafen wie tapfere Männer. Verzeihen kann ich nichr, doch sie sind frey, und mögen auch die Beule theilen, doch nicht den Ruhm. Wenn wir dem Kbnige die Fahnen überreichen, die sie— ich weist es wohl— erfochten haben, so mögen sie daheim bey ihren Weibern Ruhe und Reue finden. So erfülle ich Eure Bitte und meine Pflicht. Ein Offerier(tritt herein.) DerKönigsendet seinen KammerUng Federico Euch entgegen. Ub ald o. Laßt ihn kommen. Geht, meine Waffenbruder. Das Heer sey zum Abbruch bereit. In wenig Stunden begrüßen Euch die Freunde. unter den Thcreii der Restd» nz. T och zuvor gelobt mir Schweigen. Der Komg müsse nie erfahren, was einen Augenblick das Lager entweihte. Wir dürfen weder seine Ruhe stören, noch das Volk vertraut mit Schwindeleysn machen- Die Obersten(neigen das Haupt und legen ihre Hände auf die Vrnst.) Ubaldo. Ihr seyd entlassen.(Die Obersten entfernen sich.) Ubaldo(nachdenkend.) Daß ich dieß Mahl ungern streng war, das macht auch mich zum halben Verbrecher. Irrende Liebe zu bestrafen, mag leicht der Pflichten schwerste seyn. Ich bin nicht ganz mit mir zufrieden. Zweyte Scene. Federico. Ubaldo. Ubaldo. Willkommen mein alter treuer Diener. Fed. Ja der bi» ich noch und werd' es kleinen; wenn gleich Ihr mich zum Könige verstoßen. Ubaldo. Verstoßen nennst du das? F e d. Verzeihr dem alten Manne! wie mag ich jetzt die Worte Äagen, da ich meines edlen Herzogs glorreiche Rückkunft erlebe, und der Erste bin, der ihn begrüßen- darf.(Er küßt ihm die Hans.) Ubaldo. Was bringst du wir k Fed. Der König heißt Euch willkommen und wünscht, Ihr möchtet seitwärts nach Villabella reiten; dort findet Ihr ihn diesen Morgen. Ubaldo. Warum nicht in der Stadt? Fed. Er hat den schönen Landsitz der Königinn geschenkt, die eben heute dort ein Fest begeht; ihren Vermählungstag—> Ubaldo. Ganz recht, zwey Jahre sind es schon. Fed. Freylich hätte sie zuvor auch fragen sollen, ob Alfonso gern an diesen Tag erinnert seyn möge? Ubaldo. Zweifelst du? Fed. Ach gnädiger Herr! es hat sich viel verändert. Wie konnt' es anders kommen? Ihr habt es prophezeiht. Eins Nonne vom Altare einführen, bringt kein Gedeihen Die schnelle Glulh ist erloschen. Ich darf Euch nn Vertrauen Glück wünschen, gnädigster Herr. Ubaldo. Mw? Fed. Prinzessinn Blanca— nicht wahr, ich hab' eS oft gesagt, als ich noch bisweilen das holde Kind auf meinen Armen trug: Sie wird ein schönes Fräulein werden. Nun sie ist's geworden. Ubaldo lstutzt.) Wie kommst du jetzt auf meine Tochter? Fed.,ut.) Wohlan meine Kinder, euer König, mein Gemahl wird kommen. Scheut ihn nicht. Naht ihm kindlich. Er ist gut, er ist wahrlich gut! Ihn empfange der einfache Gesang, den ich euch gelehrt. Feldblumen streut auf seinen Weg.— Seht den Staub, der in der Ferne wirbelt. Das sind seine Rosse. Mir pocht das Herz. Eilt ihm entgegen. Eh' ihr vollendet, umschlingt ihn mein Arm.(Ab in die Kapelle.) (Die Bauern treten dem König entgegen, Kinder streuen ihm Blumen.) Fünfte Scene. Der König. Graf Camponero. Die Vorigen. Chor. Erinnerung im Feyerkleide Schmückt die blütherüose Haide, i4 Greise werden jung; Der Liebe und des Lebens Freude— Erinnerung!— König. Ich danke euch Kinder.(Zu dem Grafen.) Fast klang das Lied wie Spott. Erinnerung — oft des Lebens Qual!— mir heute. Graf. Ihr hättet ausweichen sollen, gnädigster Herr. König. Wie konnt' ich das? Die Königinn hat Rechte auf mein Herz. Graf. Mit der Liebe schwinden alle Rechte. König. Ihr Glücklichen, ihr schafft euch eure Welt, und Niemand fragt: ziemt euch das?— Wir aber sind umringt von kleinen Tyrannen, und dürfen nicht den Handschuh lüften, ohne ängstlich umzuschauen: wer sieht es? und wie wird er's deuten? Ja, keiner dieser Bauern ist so gering, daß er nicht fordern dürfe: seilt Urtheil soll der König ehren. Graf. Nun wahrlich, wenn Ihr mit Euch selber so strenge rechte,, wollt— König. Thu ich das? ach»ein, ich thu es nicht. Nur weiß ich leider, daß ichs musste. Gut oder böse, glücklich nenn' ich den, der mit sich selber einig ist. Ich aber, von Ubaldo erzogen, trag' einen lästigen Femd im Busen. Graf. Ihr beglückt Euer Volk/ und dürftet selbst nicht glücklich seyn? König. Ich darf/ wenn ich kann. Ich bin es zuweilen/ Bianca gegenüber/ doch nur träumend, bis Erinnerung mich weckt. Graf. Schade um die kostbare Zeit, die Ihr auf Montesilva jetzt verträumen konntet. König. Ihr habt Recht. Der Herzogkehrt zurück. Wie zwangvoll künftig die Besuche!— es sind die letzten schönen Stunden, die ich zum Opfer bringe. Graf. Um hier das Fest der kindischen Empfindsamkeit zu feyern. König. Nennt es nicht so, Graf. Das hat Alwina nicht um mich verdient. Noch immersteht ihr Bild mit rührenden Zügen vor meiner Seele. Ihr müßt nicht, was sie mir geopfert. Graf. Einen Nonnenschleyer. König. Der Glaube hatre ihngewebt,und das Gewissen ihn zum HeiUgthüm gestämpelt. Genug Graf, Ihr begreift das incht. Ich aber weiß und fühle, daß ich müde Schonung dieser Entweihten schuldig bui, denn wahrlich! sie hat nicht den König in mir geliebt. . Graf. Sie wußt' Euch das zu überreden. König. Schweigt!— Ha! was seh'ich? s Sechste Scene. Die Königinn(als Nonne gekleidet.) D i r Vorigen. Königin n. Kennt Ihr dieß Gewand nicht mehr?— es ist dasselbe, das ich vor zwey Jahren zum setzten Mahle trug. Dasselbe Herz schlagt noch darunter und klopft wie damahls Euch entgegen. König. Ein schöner Tag, an den Ihr mich erinnert. Königinn. Laßt mich ihn seysrn, sowie heute, so oft er wiederkehrt. O diese Villa ist mir ein liebes Geschenk aus Eurer Hand. Hier darf meine kindliche Schwärmerei) die ganze Gegend mit Erinnerungen schmücken. Seht Euch doch um. Erkennt Ihr die Capelle? König. Ha! wie sollt' ich nicht? wahrhaftig, ganz dieselbe— die Wallfahrtskirche, in der ich Euch zuerst erblickte. Königinn. Auch im Innern sollt Ihr nichts vermissen: dieselbe Marmorstufe, auf der ich damahls kniete— der Pfeiler, an den Ihr stumm gelehnt mit brennenden Blicken nach mir hinstarrtet. König(hingerissen.) Du warst so schön— Du bist so schön! Königinn. Vergönne mir die Freude, diese Capslle jetzt durch beglückte Hebe einzuweihen. Sieh dieses junge Paar. Enälhlt du meinen Wunsch? König. Ich w'll es reich beschenken. Königinn. Nicht beschenken, segnen sollst du es. Unserer Liebe Segen last auf ihm ruhen. Tretet naher Kinder. Gelobet eurem König, was ihr bald vor Gott wiederhohlen werdet: Treue Liebe in Noth und Tod! treue Liebe, wenn auch Stunden wechseln, Jahre schwiuden, Reitze verblühen! Wenn auch Alles um euch her sich wandelt, nur an euren Herzen sey die Zeit machtlos! Erfahret nie den Schmerz, den bittersten, euch leise zu bekennen: es ist nicht mehr wie eS war!(sie schmiegt mit verhaltenen Thräne» sich an des Königs Busen.) König(ängstlich bewegt.) Warum dieß Gefühl der Schmermuth an einem Freudentage?—. Schone deiner— fasse dich— der Herzog kehrt zurück; ich hab' ihn her zu dir entbothen. Königinn. Der Herzog? Du erwartest ihn?— o dann muß ich eilen dieß Gewand von mir zu werfen! S o darf er mich nie wieder se-- ,6 h§n. Es würde den allen Groll nur wecken. Wohlan wem Gemahl! ehret die Braut, wie ich den Bräutigam ehre. Zum Altare führen wir daö junge Paar. Könrg(verlegen.) In der That Alwina, ich erwarte jeden Augenblick— Königinn. Nur den Einzigen gewähret mir! laßt mich heute nicht vergebens bitten. An diesem Tage Glück der Liebe zu vollenden, hei,cht mein Herz mir Ungestüm. König. Du willst? ich folge dir. Königinn(ju den Bauern.) Auf meine Kinder! zum Altar! bethet für die Neuvermählten! bethet auch für mich! (Sie reicht dein Jüngling, der König dem Mädchen die Hand. Alle Bauern folgen, unter ländlicher Musik, tn die Kapelle.) Siebente Scene. Graf Camponero allein. Muß ich folgen?— was seh' ich dort? noch mehr Beweise blinder Liebe zu einem Gatten, der sie verschmäht?— Genug des Giftes träufelte>ie schon in die alte Wunde.— Es muß anders werden— n»d es wird. Benutzen wir den freyen Augenblick, um, vor der Bühne la». schend, das Spiel der Handelnden zu überschauen. lPause.- Ein Thor fragt: was geschieht? der Kluge: was wird geschehn?— Der Strom beginnt zu schwellen. Laß sehn, wo stehst du? am Ufer oder auf dem Hügel?— Der Konig liebt — er will besitzen— wo führt da» hin?— zur Buhlschafr? nein, das wagt er nicht.— Trennung von der Nonne?— Die wäre leicht. Wer mag sie schützen, die Einzelne?— wird auch dann noch die Verstoßene mich verschmähen? wohin vcm Throne, wenn nicht in meine Arme?— und danken muß der Konig mir. Ich opfre mich für rhn.—(Pause.) Aber eine neue Königinn—was wird aus dem Gü-nstling?— Nun, der darf trotzen, denn ohne ihn kein Diadem. Das wird die kluge Mutter sie schon lehren wird auch den rauhen Vater kirren. Mitschuldig ist er nicht zu fürchten.—Wohlan, der Strom mag schwellen, wir stehen auf dem Hügel,— Jetzt Schritt vor Schritt, Zug um Zug, langsam aber sicher.— Sieh da kommen die Helden von ihrem Leitstern geführt. Wehe den Spitzen unserer Damen, wenn diese klirrenden Sporn am Hofe erscheinen. Achte Scene. Ubaldo von leinen Obersten umgeben. Der Graf. Graf(ihm entgegen.) Herzog Ubaldo! des Vaterlandes Stolz! und kein donnerndes Geschütz, kein Glockengeläut verkündet dessen Ankunft? Ubaldo. Noch immer so reich an Worten Graf? Ihr seyd ein Verschwender und dennoch unerschöpflich. Graf. Wär' ich das, wurden gerade setzt mir Worte mangeln, um die Bewunderung auszudrücken— Ubaldo. Ist der König hier? Graf. In jener Capelle. Nicht um für Eure Siege dem Himmel zu danken, sondern um eine hübsche Bauerdirne zu vermahlen. Ubaldo. Ich höre gern, daß er ländlich« Freuden nicht verschmäht. Graf. Gefälligkeit— Ubaldo. Auch die ist löblich. Graf. Sie>v§r ihm wahrlich heute lästig. Der Augenblick, m dem, Euch zu empfangen, er sich bereit hielt— Ubaldo. Ich warte gern. Graf. Ihr wißt nicht edler Herzog, wie hoch Ihr steht. Nicht den Oheim, nicht den Helden allein schätzt der König in Euch— Ubaldo. Ich hoffe auch den Menschen. Gra f.Was Euch umgibt,Euch zugehört, was Euren Nahme» tragt, Eure Tugenden erbt, ihm ist alles theuer geworden, unaussprechlich theuer. Ubaldo. Was wäre unaussprechlich Eurer Zunge- Graf(verheugt sich tief.) Euer Ruhm.— Eine herrliche Abendsonne wird inS Meer sich tauchen. Laßt einen Strahl auf Euren Diener fallen. Ubaldo(sehr wecken.) Und damit gute Nacht. (Er wendet sich j» den Geinige» und spricht leise Mit ihnen.) Graf(bey Seite.) Die hoff' ich zu erleben, stolzer Graukopf. Dem Hofe werden solche Nebensonnen bald lästig. Ein Officier. Der König' Neunte Scene. Der König. Die Königinn. Die Vorigen. König. Seyd ihr schon hier, mein tapferer iDheim!(tibeido will das Knie beuee», der K», ma schließt ihn in seine Arme.) Dankbar heißt der König Euch willkommen, der Freund von Herzen! Königinn. Laßt mich hoffen, edler Her- zog, daß ihr auch meine Stimme nicht überhören werdet. König. Ihr ward so reich an Thaten, so karg mit Worcen. Königinn. Dem Feinde blieb die Sorge Euern Nahm zu verkündigen, König. Doch ließt ihr den Hof nie müßig. Königinn. Denn Eure Siege brachten immer neue Feste. Ubaldo. Ist mir gelungen eine Fürstenpflicht dem Vaterlands abzutragen, so dank' ich es der Kraft und Eintracht diese: Männer. Alle die hier stehen, empfehle ich Ew. Maiestat. Ihre Thaten einzeln nennen, hieße die Berichte unserer Siege wiederhohlen. 23 König. Keiner soll vergessen werden. Ubaldo. Wollt ihr denTapfersten im Heere einen schönen Augenblick gewahren, so vergönnet, daß sie vor den Thoren. Eurer Residenz die eroberten Fahnen Euch zu Füßen legen. König. Eui willkommenes Geschenk.(Für sich.) Erwünschte Freyheit!(zu der Königinn) Ihr hört, mich ruft eine süße Pflicht. Das ländliche Fest muß ich vertauschen gegen ein kriegerisches. Doch keine Freude werde gestört. Befriedigt Euer Herz. Spendet Wohlthaten. Gern bin ich Euer Schatzmeister.— Kommt Herzog! wir schwingen uns auf die Roße, und eilen zu den Gefährten Eures Ruhmes.(Ab mit dem trafen.) (Ubaido und die Seiuigen verbeuge» sich tief gegen dls- Königinn und folgen dem Könige.) Zehnte Scene. Die Königinn allein. (GeiU-end.) Ich hatte viel von diesem Taa« erwartet— der Morgen war kühl— wird der Abend Milder seyn?—^Schaudernd, O es ,.'»kk ze-störend, wenn man so im fairen Nebe! steil, rriid die Tropfen von sich streift.— Wann wird die Sonne hervorbrechen! und was wird sie mir h beleuchten! 2 Er l ft c Seen«. ei Das 8 a n d v o l k aus der Capelle, mit sanfter Musik an tz der Königinn voriUrrzieyend. cklwiNü sieht dem ZU» ge schwenniithig zu. Die KoIIininn. Hab' ich auch glückliche bl Mensche» gemacht'!— ich hab' es gewollt» Mehr kann auch kein Fürst. H El» Kind(schmiegt sich an sie.) DieKöniginn(überrascht, nimmt es in ihre Arme.) Liebe Kleine/ hast du Vertrauen zu wir? — O wie thut mir das so wohl!— ich war so ganz allein!— rede, rede liebe Kleine. D a S K> n d. Du bist gut. Königinn. Bin ich das?—ja ich bin es« Willst du bey m.r bleiben?— Wo lst des Kindes Mutter? E ne Bäueri n n. Ich bin es gnädigste Königinn. Königin n. Laß mir deine Kleine. Ich habe kerne Kuidev.(Sm sich) Ja, wenn ich Ki'-der hälils 25 hätte— Alles wäre anders, o gewiß!(Laut.) Ich will die Kleine nur mir nehmen, sie erziehen, sie glücklich machen. Wollt ihr gnte Frau? — Ihr weuit? Die Bäuerinn. Ach! ich habe nur das einzige Kind und bin Wutwe. Königinn(betrachtet sie wehmüthig.) Warst du glücklich mit deinem Gatten bis ans Ende? Bäuerinn. O ja wohl! Königinn(schiebt ihr dar Kind hin.) Behalte deinen Reichthum. 24 bin arm!(Sie entfernt sich schwermüthig,) (Der Vorhang fällt.) Kehesue's Theater 32. Bb. B 2 b Zweyter Act. Saal im Pallast des Herzogt. Erst« Scene. «i»n Page öffnet»je Flügelthüren. Camilla und BlaIIca treten in Sicisekleidern herein. Ca m. 38o ist mein Gemahl? Page. Noch bey Hofe, doch erwarten wir chn jeden Augenblick.(Ab.) Cam. O wie mein Herz ihm entgegen klopft dem Manne, dessen Liebe mein Stolz ist. Blanca. Ein langes Jahr entbehrten wir den Vater. Eam. Doch seiner Thaten Ruf drang bis in unsere Einöde. Er war uns gegenwärtig überall. An jedem Feste strömte Volk hinaus in unsere Gärten, um mir ehrsruchtsvsller Neubegier die Frauen zu betrachten, die sich Ubaldo's Gattinn, Ubaldo's Tochter nennen dürfen. Doch um den Vorzug, Kind, eifr' ich mit dir. Dich gab ihm der Zufall, mich hat er gewählt. Ha? die freye Mahl eines bewunderten Mannes ist der Gattinn höchster Stolz und Genuß! Wenn andere nur von Ferne ihm ehrerbiethig nahen, so Lenktdas Weib entzückt; ich ruh'an seiner Brust! --- Doch rede Blanca. Macht dich die Freude nicht auch geschwätzig? dem Fröhlichen ist vergönnt, das längst Bekannte, als wär es neu, zu wredei hohle», denn alles wird lebendig im Augenblicke der frohen Erwartung! B lanca. Freude verstummt bisweilen. Cam. Tausche mich nicht. Du warst so kindlich heiter als wir in den Wagen stiegen; Wangen und Augen glühten— warum beyde jetzt erloschen? Blanca. Der Schrecken liebe Mütter, der Zufall mit den Pferden— Cam. Sprich vielmehr r der Zufall, der zu unserer Hülfe den jungen Serravalle herbey- führte. Blanca. Ich läugne nicht, die Gefahr,der seine Kühnheit trotzte, jagte mir das Blut zum Herzen. B L Cam. Nun die Gefahr, die war bereits vorüber als er kam! die scheuen Rosse standen. Bianca. Ha Mutter, allein der Sprung vcm steilen Felsen, als er in weiter Ferne unsere Nolh gewahrte— C a m.(kalt.) Man sagt, er sey ein kühner Gcmsenjager. Bianca. Und dann der kalte Strom, der ihn von uns trennte— C a m. Nicht tief genug um zu ertrinke». Bianca. Und wie er, von Wasser triefend, vor Kalte bebend, den Rossen in die Zügel siel— C a m. Ais sie langst schon ruhig standen. Bianca. Hätte er nicht dasselbe gethan im wildesten Jagen, am Rande eines Abgrunds? s gewisi er hatte! C a m. Nun ja, wir haben ihm freundlich gedankt. Blanca. Und mit weicher rührenden Bescheidenheit er zu mir sprach:„Der Dank gebührt mir nicht,Prinzessinn, ich kam zu spat. Das Schicksal will mir nicht einmahl vergönnen, mein heben für Euch zu opfern." C a m. Diese Rührung— diese Lebhaftigkeit Blanca, ich schaue in dem Herz. Blanca, Verschließ' ich es etwa vor mei- nsr Mutter? wird sie mein Bekenntniß tadeln? Dieser Jünglmg bleibc mir ewig werth, wenn gleich ein feindliches Geschick uns trennte, denn er warb mit Herzlichkeit nm meine Hand. War es seine Schuld, daß in Zeiten, wo wir beyde noch als Nachbars- Kinder spielten, sein Vater ein Staatsverbrecher wurde? Daß der Meinigs ihn bestrafen, verbannen mußte? Durfte nicht der Sohn vom gerechten Uba'dtt hoffen, es werde nicht die fremde Schuld den Schuldlosen belasten?— ach! er wurde verschmäht! Ca m. Nicht von dir, wie mich dünkt? Blanca. Nicht von mir. Ca m. Laß den Vater das nie hören. Blanca. Er weiß es. Ich habe ihm still gehorcht, mehr hat er nicht von mir begehrt. C a m. Der Herzog hatte gute Gründe. B la nc a. Wie immer. Wer zweifelt daran. Ca m. Er wußte, daß der alte Serravalle geschworen, jeden Augenblick seiner Verbannung eifrig anzuwenden, um in seinem Sohne einen Rächer sich zu erziehen. Er wußte, daß der Jüngling, auf seines Vaters Waldburg, keine andere Stimme hörte, als die der feindlichen Erbitterung. Was sollte der Herzog denken, als plötzlich dieser Sohn vor ihn trat, und mit Ungestüm um die Hand seiner Tochter warb? Blanca. Der Zufall brachte mir ihm naher. 2hc wißt es Nkutter: in einem brennenden Dorfe, wohin daS Miilcid uns geführt, sah ich ihn zuerst nach vielen Jahren wieder. Er trug einen Greis aus den Flammen— ich sorgte für den Geretteten>— aus seinen verbrannten Handen empfing ich ihn. Wir kannten uns beyde nicht. Wir thaten beyde still, was Menschlichkeit von uns heischte. Erst als die Gefahr vorüber war, erfuhr ich seinen Nahmen, er den Meinigen, und wir erschrocken beyde. Wie könnt ich nun für unsern F e i n d ihn achte»? es war ja unser Dorf, an seiner Gränze nur gelegen, wohin die Begierde, Unglücklichen zu helfen, ihn so rasch getrieben. Soll ich ihn nicht beklagen, daß er dort sein eignes Unglück fand? Cam. Sein rauher Vater hat es ihm geschmiedet, nicht der Deinige. Der Herzog, weit entfernt, seine Weigerung auf einen bloßen Argwohn zu gründen, ließ durch Vertraute den alten Serravalle erforschen, ob des Sohnes Liebe von ihm gebilligt werde l Das, meinte Ubaldo, müsse doch vorausgehn, ehe er mit Ernst den Jüngling prüfen könne. Allein der rachedürstig« Greis verwarf den Gedanken mir Abscheu. Bianca. Es ist vorüber. Nur eine wehmüthige Erinnerung, wie Sie heute mich ergriff, such' ich vergebens zu bemeistern. Cam. Will dein Herz dich überwältigen, so rufe deinen Stolz zu Hülfe. Graf Serravalle warb zu kühn um eine Fürstentochter aus königlichem Geblüt. Bianca. Ist er nicht der erste Vasall des Reichs? Cam. Doch nur ein Vasall. Du vomKönig selbst so leidenschafrttch ausgezeichnet— Blanca. Ach Mutter! Cam. Du jetzt vielleicht schon Königinn, hätte nicht ein jugendliches Abenteuer den Monarchen verstrickt— B l a n ca. Ich bitt'Euch, schweigt davon. Cam. Ha! meme Blanca auf dem Throne l der Gedanke berauscht. Ja, ich.könnte grollen mir deinem Vater, daß sein Eigensinn darauf beharrte, dich fern vom Hofe zu erziehen. Warum mußte nur ein Zufall dem Könige dich unter die Augen stellen? und warum so spät? Blanca. Ich bin zufrieden. 32 Cam. Weil du fünfzehn Jahre lang mir deine Blumen kanntest. Bianca(seufzend.) Kannt' ich nicht auch Ser- ravalle? Page(tritt herein.) Der Herzog. Cam. Mein Gemahl! ihm entgegen! Zweyrr Scene. U b a l d o. Vorige. Cam. Willkommen siegreicher Held! Blanca. Willkommen mein guter Vater! Ubaldo. Das hör' ich lieber. Den Sieger hat der König empfangen; ihr sollt den M a n n in seiner Handlichkeit begrüßen. Ich drück'Euch wieder an mein Herz, von keinem Panzer mehr umschlossen. Das böse Jahr liegt hinter uns. Ich darf nun wieder Euch, und mir, und der Natur im stillen Kreise leben. Blanca. Nun kommen auch die schönen Abendstunden wieder, wo in der Dämmerung, M Euer Knie gelehnt, Aug' und-Ohr an Eure» Lippen hingen. Ubaldo. Sie kommen wieder. ZZ Cam. Und jene herrlichen Feste, wo in unsern Garten der ganze Hof die wahre Freude kennen lernte. Ubaldo. Auch diese. Blanca. Und Euer gutes Landvolk wird sich wieder um Euch drängen. Ubaldo. Hat es mich vermißt? Cam. Und der König selbst, die leeren Förmlichkeiten hassend, wird gern in unsern frohen Kreis sich mischen. Ubaldo. Gut, daß du an die Förmlichkeit mich mahnest. Wir müssen heute noch erfüllen was sie heischt. Geh Bianca dich zu schmücken. Du bist dem Hofe noch nicht vorgestellt. Es muß geschehn, und bald. Cam. OderKönig hatbereits—- Ubaldo. Geh Blanca, thu was ich von dir begehrt. Aber einfach kleide dich, wie es einem Landmädchen ziemt. Blanca. Und wie mein Vater es liebt.(As.) Dritte Scene. U b a l d o. C a m i l l a> Ubaldo. Nun Camilla? WaS hat derKö- «?g bereits? C a m. Unsere Tochter gesehn und ist entzückt «vn ihr. Ubaldo. Entzückt? Cam. Seine schöne Muhme pflegt er siez» nennen. Ubaldo. Wirklich? Cam. Er kann sich Stundenlang an ihrer holden Kindlichkeit ergetzen— Ubaldo. Stundenlang? E a m. Er strebt so herzlich ihre Schüchternheit zu überwinden— Ubaldo. Gelingt eö ihm? Cam. Den König, spricht er, lass' ich an den Pforten eurer Schlosses; den Bruder nehmt ihr lieber auf.— O mein Gemahl! Mich dünkt ich lese in seinem Herzen. Schade, Schade, das«— Ubaldo. Ehe du weiter redest, erkläre mir: wie kam der König nach Montesilna? Cam. Er jagte in der Nahe, war ermüdet, forderte ein Frühstück— Ubaldo. Wie vormahls öfter schon geschah. Doch pssegts dann sich Bianca zu entfernen. Du weißt, daß selbst an jenen Festen, die ich bis,weilen dem Hofe schuldig bin, und deren Wiederkehr du eben wünschtest, unsere Tochrer nie erschienen? Ca m. Der König nennt das scherzend eine Grille, die er Euch so bald nicht zu verzeihen ent« schloffen ist. Ubaldo. Und wie nennst du es? C a m. Ich glaubte, mein Gemahl befolge bloß ein Gesetz der Etikette, weil Blanca's Jugend bisher gehindert, sie dein Hofe vorzustellen. Ubaldo. Ich hatte bessere Gründe, und berge dir nicht, daß ich ungern höre, was geschehen. Doch es ist vorbey. Du warst im Irrthum. Jetzt wach ich selber. Noch wenige Tage wird der Hof mich fesseln. So bald das Heer entlassen, übergeb' ich meinen Stab, und wir eilen, unser Bergschlofi zu bewohnen. Cam. Warum so fern? warum die öde Gegend? Ubaldo. Ich liebe Stille. Cam. Dort ist Grabestille. Ubaldo. Mir blüht das Knabenalter dort sufs neue. 86 Cam. Jetzt aber, dünkt mich, List du deiner Würde schuldig— Ubaldo. Die Schuld bezahlt' ich auf dem Schlachtfelde. C a m. Wenn nun der König— Ubaldo. Auch ihm ist bequemer, mich in der Ferne hoch zu achten. Ein alter strenger Man» taugt nicht an diesen Hof. Genug Ca- milla. Es ist so besser, glaube nur. Sobald die Thürme der üppigen Residenz aus unsern Augen verschwunden, reden wir mehr von meinen guten Gründen. Jetzt zur Königinn, Euch vorzustellen. Cam. Aber—ohne Schmuck—den ließ ich in der Eile zurück. Ubaldo kachelnd.) Fürwahr, ich würd'es kaum verzeihen, hatte nicht die Bothschaft von des Gatten Wiederkunft den Gedanken an deinen Schmuck verdrängt. Sen unbesorgt. Die Königinn achtet dessen nicht. Cam. Du hast Recht. An deiner Seite bedarf ich keines Schmuckes.(Neydc gehen Haub in Hand.) Vierte Scene. (Ein Saal im königlichen«Pallast. Rechter Hand die Zillu «er der Königinn. Linkt die des Königs.) Graf Camp o II er ch(aus den Zimmern des Königs.) Graf. He! Ein Jäger(tritt herein.) Graf. Geschwind des KöttigS Leibroß. Er will jagen. Jäger. Wo? Graf. Im Park von Montesilva. Jäger. Gnädigster Herr, der letzte Hirsch ward gestern— Graf. Ihr gehorcht.(Jäger ab.) Graf. Hirsche? wem liegt daran?— blindes Volk. Fünfte Scene. Der Kö nig. Der Graf. König. Hier bin ich schon, und habe mich für heute den verdrießlichen Gejchäften entwun- 58 den. Die alten Rätbe sahen freylich scheel dazu; aber heure konnt' ich langer nichr die langweiligen Vorkrage hören. Hinaus! hinausN'.chMon- tesilva'! ehe ich dorr den Anbllck der lieblichen Bewohnerinn durch tausend Förmlichkeiten von ihrem Barer erkaufen muß. Heute treffen wir sie noch allein, denn ich habe de» Herzog mit dem Kriegsminister in Rechnungen verwickelt, und ehe da nichr jede Null berichtigt morden— ich kenn' ihn ja—eh' weicht er nicht. Graf. Doch wenn es ihm ru Ohren kommt, baß ihr gerade heure, am Tag? seiner Ankunft, ihm unbewußt, nach Montesilva geritten König. Ein Zufall—wer mag dem Jäger Ort und Weg bestimmen?— Das fliehende Wild hat mich dahin gelockt. Gras. Der Vorwand gleist, und mehr begehrt vermuthlich der Herzog selber nicht, um schweigen zu dürfen. Jäger. Die Reffe stehen bereit. König. Ich komme.(Zum Grafen.) Ob Ihr mich begleiten wollt, steht bey euch.(Will»ch».) Sechste Scene. Die Kcnigin n. V o r ig e. Königinn. O mein Gemahl! ich höre schon wieder die lärmende Jagd. Doch heute mir entschlüpfen., nein das dürst Ihr nicht. Dieser Tag ist mein. Die ländliche Feyer von diesem Morgen hat meine Erfindungskraft noch nistn erschöpft. Auch der Abend bringt ein Fest. Über- raschen sollt'esEuch; die Freude hat Eure Jagd- lust mir gestört. Ich mußte eilen, Euch vorzubereiten. Geht nicht von mir heute. K o I! i g(verlegen, mit erzwungener Zärtlichkeit.) Liebe Alwiua, ich danke dir—du bist so aufmerksam— so gütig—ein Fest von dir veranstaltet wie dürft' ich fehlen? Doch auf den Abend erst, nicht wahr? o dann bin ich langst zurück Ich habe heute viel gearbeitet— der Kopf ist mir s» wüst— ich muß ei» wenig hinaus in'» Freye.— Auf Wiedersehn!(Ab.) Siebente Scene. Die Königinn. Der Graf. Königinn(stutzend für sich.) Ergeht!— /Ho auf Wiederseht,!— Ach! wie er einst war/ seh' ich ihn nicht wieder!—'(gu dem Grafen, der sie laurend beobachtete, und nun dem Könige folgen will.) Graf Camponero, müßt Ihr den König begleiten? Graf(stuht.) Ich sollte wohl— Königinn. So geht/ ein anderes Mahl. Graf. Schwerlich wird Alfonso mich vermissen/ den» dort, wohin er geht, ist ihm Gefolge lästig. Doch unbedenklich würd' ich selbst den König zu erzürnen wagen, denn Eure Aufforderung, gnädigste Frau, ist so selten und so schmeichelhaft— Königinn. Graf, Ihr seyd ein Höfling. Die Ammenmilch würd'Euch bereitet aus Speisen von der königlichen Tafel, und schon als Kna- öe habt ihr Euch geschminkt. Auch sey fern von mir die Zumuthung, Euch zu verwandeln. Man wirft bey Hofe die Haut nicht ab wie die Schlange im Walde. Doch muß im Fall der Noth ein Höfling Alles können, auch sogar die Wahrheitsagen. Wollt ihr das? Ein Mahl nur? Graf. Wie könnt' ich anders? Königinn. Seht, ich hab' es um Euch verdient. Erinnert euch der Tollkühnheit— ich nenne sie nicht mehr. Ein Wort— ihr war't vernichtet. Ich schwieg. Vergeltet mir. 4' Graf. Euch hab' ich nie getauscht. Von Anbeginn hat euer Blick in meuiem Herzen gelesen. Königinn. Ich bitte nichts von Eurem Herzen. Ober doch: Ihr kragt es ja im Kopse. Wohlan,- wagt Euren Vertheil ab. Ihr wißt, wie schnell am Hofe die Sterne auf-und niedergchn. Wie leicht kann noch ein Tag erscheine»/ an dem ihr Schutz bedürftig nach mir umblickt. Darum verschmähet nicht die jetzt ohnmächtige Beschützerinn. Verschwiegenheit gelob' ich Euch— bey Gott! Ihr wißt, mir gilt ein Schwur. Graf. Reihende Königinn! foderr mein Leben— Königinn. Ich fordere mehr— die Wahrheit. Umsonst verhehlt Ihr sie. Schon lange schleichen meine Dienerinnen mir Geheimnißschweren Herzen um mich her/ und ihre Augen bitten mich um eine leise Frage nur/ die sie berechtige sich zu entladen. Noch hab' ich meine Würde nicht vergessen. Es soll kein Zofenmund das Ohr der Königinn offen finden. Den Freund des Königs will ich fragen, Aug' in Auge: woher die Jagdlust/ die so plötzlich meinen Gemahl ergriffen? Er, den sonst nie das Hukthorn von meiner Seite rief, wie kommt es, daß er täglich nun den Forst durchstreift?—oder— sucht er nicht das Wild im Forste? war lockt ihn? redet. Graf(bey Seite.) Erwünscht.(Laut.) Ihr stellt mich, Königinn, altf eine harte Probe, denn es gilt Eure Ruhe. Doch muß ich reden, um Eure Zweifel an diesem treuen Herzen zu vernichten. Mit dem Geheimniß geh ich mein Leben ül Eure Hand. Daraus erkennt, daß Euer Zauber mächtiger wirkt, als die Ammenmilch des Höflings. Königinn. Ohn« Vorbereitung. Graf. Wahrend des Königs Gefolge tagstch den Forst durchschwarmt, sucht Alfonso Zeitvertreib auf Montesilva. Königinn. WaS dort? Gra f. Er bewundert.eine Knospe, die sich eben entfaltet— Prinzessinn Dlanca— Königinn(hastig.) Wenn ihr lügt— Graf. So treffe mich das Härteste: Verbannung aus Eurer Gegenwart. Königinn(entschuldigen».) Sie ist ihm nah verwandt. Graf. Und schön. Das erfuhr schon Mancher. Der junge Serravalle, der mächtigste Gras im Königreiche, warb um sie vergebens. Ma» schmeichelt sich mit einer glänzenderen Zukunft. 45 icht Königinn(hingeworfen.) Wirklich? schon Freyer? Ich hörte ja von ihr bis jetzt nur alt Ihr von einem Kinde sprechen. e,in Graf. DaS Kind wuchs heran. ZU- Königinn(mit erzwungener Kalte.) Die Mut- iich- ter freylich— ihr war Alsonso nie zugethan— , ii,-alldin er schätzt den tapfern Herzog— um diesen ,bsr auszuzeichnen— gewisi nur darum— )öf- G r a f. Die Herzoginn ist eine eitle Dame, sie nimmt das anders. Königinn. Eitel, nun ja. Wie nimmt stich sie es? ,er- Graf. Mütterliches Wohlgefallen glänzt in ihren Blicken, wenn der König Stundenlang -mit ihrer Tochter kost und tändelt; ihr eine Blu- sich me raubt, oder die geraubte Blume in ihre blsn- den Locken flicht; wenn er mit trunkenem Auge an ihren jugendlichen Reitzen hängt, und, sich ver- rer- astend, unbedeutende Fragen mit Seufzern beantwortet. >l(ch Königin n.Meint Ihr, ich glaub' Eoch das? Graf. Ihr federtet Wahrheit— ich gehorchen- te— ob Ihr glauben wollt— )raf Königinn(sehr bew-gk.st Nein Graf, nim- !?a» mermehr! brldetEucb doch ja nicht ein, ihr hättet fk. 6uch erschüttert, denn seht, ich bin sehr ruhig. 44 Graf. Das zeugt von Eurem Edelmuth. sä Wie manche Fürstinn, solcher Reihe sich bewußt, re würde, so gekränkt, nur dre erlaubte Rache ho- a, ren. be Königinn. Rache? erlaubte Rache?—ich- verstehe Euch. Von etwas Anderm Graf, geschwind von etwas Anderm! sc Graf. Ich weiß nicht, gnädigste Frau— T Königinn. Schön nanntet ihr die junge R Prinzessinn? Graf. Sehr schön. G Königinn. Und wie gebildet? ich meine»c ihren Geist. Ihr begreift— so nah verwandt — es muß mich freuen. Graf. Sie scheint sehr einfach, doch verständig. de Königinn. Und ihr Benehmen? Graf. Unbefangen, kindlich, bisweilen kin- öo disch. Mit der Ordenskette an des Königs Halse be kann sie noch spielen. Kaum hab'ich sie jungfräulich erröthen sehn, als er neulich schäkernd um" einen Kusi sie bath. ich Königinn(hastig.) Den sie verweigerte? Graf. So schien es. Allem die gefällige D Mutter— Königin n. Genug Graf. Ich hab' Euch"" 45 ch. schwatzen lassen um zu erfahren/ wie viel sich Eu- it, re Zunge erlaubt. Vermeint Ihr aber, er habe ö- auch nur e in Ton von Eurem Liede meine Brust bewegt, so irrt Ihr. Ich kenne meinen Gemahl ich— und kenn' auch Euch. >e- Graf. Wer hatte je geglaubt, daß ich w ü n- schen könnte, als Lügner vor Euch zu stehn?— Doch gelbst um diesen Preis erkauft' ich Eure ge Ruhe, und spräche stolz: ich habe gelebt. Page(tritt herein.) Der Herzog bittet um die Gnade, Ew. Majestät die Prinzessinn Bianca „e»orzusiellen.(Der Graf stutzt.) dt Königin n. Wo sind sie? Page. Im Vorgemach. w- Königinn(höhnisch lächelnd.) Nun Gras? der König ist auf Montesilva? Graf. Ich erstaune. Der König wußte nicht, n- doch wenn er das Gesuchte dorr nrcht sindet, so lse lehrt er sicher schnell zurück, u- Königinn. Wohlan, so geht, um nicht an vermißt zu werden.(Als der Graf»»«zögert.) Soll ich den Rath Euch wiederhohlen? ? Graf(seufzend.) Ich gehorche.(Bey Seite.) ge Der Pfeil drang tief in die Brust. kAv.) Königi n n(gibt dem Page» eine» Wink, der sich ich«Merm.) Achtzehnte See,n e. K ö n i g i n n allein. Sie mögen warte»; und immerhin mög' es die Stolzen kränken. Ich brauche Lust in die gequälte Brust!— Auch du mein Herz, du des Gemahls treuer Fürsprecher, auch du schweigst? O denn hat der Lügner wahr geredet!—wahr! denn was er sprach, hast du längst geahndet.— Zerstreuung, freundliche Kalte, peinliches Bestreben mir noch der Vorige zu scheinen—> ängstliches Vermeiden jeder Vernachlässigung, sonst leicht gewagt, wo sichere Liebe keine Mißdeutung befürchtet— ach! mehr als genug um Argwohn zu erwecken. Ja, ich kannte seinen Wan- kelmuth, nur necht den Gegenstand.— Ein Mädch-u in. der ersten Jngendblmhs— ist die meinige denn verwelkt?— Unschuld, rechende Schüchternheit—wer hat sie m i r entrissen?— Lebt' ich verborgner nicht als jene Fürstentvch- ter?— O wen muß—wen darf ich hassen? ihn meines Herzens Herz? oder sie, die Feindinn meiner Ruhe?— ja sie hat ihn gelockt, sie oder die «rtle Mutter, gleichviel. Weine Qualen find ihre süßen Morgenträume, mein Jammer ist ihr Stolz.— Sie soll ich sehen? freundlich begrüßen? jetzt? in diesem Augenblicke?— Ha! die Wand/ dir uns noch trennt, hindert mein Auge nicht. Ich sehe, wie sie draußen auf und nieder schwebt, und lächelnd in den hohen Spiegeln ihre Gestalt bewundert. Ich sehe sie Hereintreten, mit der durchsichtigen Larve der Bescheidenheit vor einem Antlitz voll heimlichen Triumphes.—- Arme Alwins! so ist auch dir eine Stunde gekommen, wo du, gebornen Fürsten gleich— die bittersten Gefühle in den Glanz der Krone hüllen mußt!— Wohlan! stelle das gekrankt« Weib nicht ihrem Höhne bloß— rufe die Königinn zu Hülfe!— Page!—1 N(erwiedert es steif und wendet sich dann kalt zu dem Herze-,.) Der Herbst hat wohl die Wegs schon verdorben's Ubaldv. Die Kanonen thaten auch das ihrige. Königin n. Gut daß sie endlich schweigen. Ihr Donner verschlang die Stimmen aus der Heimath. Ubaldo. Des Soldaten Heimath ist das Lager. Königinn. Ihr habt Recht. Im Felde muß er die Ehre gewinnen, die bisweilen daheim indessen verloren gehl. dlbaldo(sieht sie starr an. Nach einer kurze» Pause.) Mir Vergnügen erfülle ich heute wieder eine angenehmere Pflicht, rüdem ich mein einziges Kind dem Schutz der Königinn empfedle. csr taste Bianca bey der H-,nd> und führt sie einen Schritt naher» Verbeugungen wie das erste Mahl.) Königinn tzum Herzog.) Ihr habt den Frieden selber unterzeichnet? ll b a I d o. 2^- Königin n. Als der Courier die frohe Both- schafr brachte, war der Kön-geben aufderJugd. Man Man wußte wirklich nicht, wohin man die De- peche senden sollte. Ubaldo. Sie war gewiß ihm überall willkommen. Königinn. Ihr habt dem Könige eine Provinz erobert. Wir waren unterdessen auch ,nichr müßig— nur ohne Geräusch— und wer weiß, ob nicht der König lieber hier verlor, als dort gewann. llbaldo(sieht die Königinn abermähls starr an, und schweigt.) C am.(die nicht länger an sich zu halten vermag.) Ew. Majestät geruhn, meine Tochter gnädig zu empfangen; des Königs Vater war ihr Oheim. Die Königinn(blickt stelz auf die Herzoginn, dann auf Bianca, reicht dieser die Hand zum Kuji, neigt ein wenig das Haupt und geht.) Zehnte Scene. Die Vorigen ohne die K önig inn. Cam Was war das? Ubaldo. Eme Laune. Kogcbue's Theater 32. Band. E 5o Cam. Tie ihr duldet? Ubaldo. Kann ichs ändernd Cam. Ihr bleibt gelassen? Ubaldo. Ich versuch' es. Cam. Eure Tochter beschimpft— Ubaldo(zu Bianca.) Bist du das? Cam. Eure Gemahlinn verhöhnt— Ubaldo. Schlug d ei n Gewissen? Cam. Legt ihr wirklich keinen Sinn in ihre bittern Worte? Ub aldo. Thäte ich es/ auf wen müßt' ich zürnen? Ca m.(außer sich.) O daß die Helden doch so gar nichrS sind/ als eben Helden. Ubaldo. Camilla/ deine böse Stunde— laß uns gehn. Cam. Ja zum Konig! Er soll esrächen- Ubaldo. Damit seine Rache gegen dich beweise? Ein Kamme r Herr(aus den Zimmern der Königinn.) Mit Erstaunen hat die Königinn laute Stimmen m ihrem Vorgemach vernommen. Jh- ro Majestät behalten sich vor/ die Herzoginn künftig einzuladen.(Ab.) Cam.(fast erstickend.) Nun Herzog? C' 2 Ubaldo. Wollr ihr des Befehls Wiedrr- hohlung erwarten? C a in. O nei,^ ich gehorche. Denn wo des Königs Oheim Gemahlinn und Tochter von einer abtrünnigen Nonne mißhandeln laßt/ da steht Camilla nicht an ihrem Platze.(Sie ergreift der Tochter Hand.) Komm Blanca, dir lebt ein Rächer; nur in dem Vater such' ihn nicht. Bianca(zögernd.) Mein Vater— U b al d o. Folge Kind. Blanca. O warum bin ich für den Hofge- boren.(Ab mit. EamMa.) Ubaldo. Ziemt mir Empfindlichkeit?— oder soll ich hier ungewohnte Waffen führen lernen?— Die Herzoginn büße die Schuld der eitlen Mutter.(Er fugt.) (Der Vorhang fallt.). 52 g a sl Dritter Act- Zm Garten. Erste Scene. Graf Camponero(«ritt aus.) E S -<^eyds nach der Stadt berufen'? plötzlich? ha- h stig?— warum?— will er selbst die schöne Tochter dem Könige bequemer zeigen?—oberste d in strengere Obhut nehmen?— Mag er daS. 2 Wir wurden ohnehin schon allzu ruhig.— So oder so, er ist verloren. Stammt er sich des b Königs Leidenschaft entgegen, so spricht er sein 8 Verbannungsurtheil. Gibt er nach, so weckt er in der eignen Brust den Feind— ihm der ge- e> sichtlichste. Solche Schwärmer, die in stiller Zwietracht nm sich selber grollen, mißgreifen Al- 5Z les, verlieren die alte Kraft, ohne eine muezll gewinnen. Jedem Sturme trotzt ihr Muth; aber leises Murren hier tauf die Brust deutend.) schlagt sie zu Boden. Triumph! Ubaldo ist umstrickt— die Königinn dem Falle nah— Ein Schritt noch, und ich steh am Ziele. Zweyte Scene, Der König. Der Graf. König. NunGras? was geht vor? Graf. Mutter und Tochter beriefet» hastiger Befehl des Herzogs an den Hof. Bepdege- a- horchten vermuthlich ungern, ne König. Was sollen sie hier, wo das Bley sie der Etikette jeden Schritt hemmt? wo tausend S. Augen jeden Blick bewachen? Gra f. Vielleicht nur eine Nacht verweilen, es denn der Herzog sandte Eilbotheu nach seinem in Bergschloß an der Gränze, er König. Wie? Zwischen öde Felsen dürste e- er die holde Jugend vergraben? " Graf. Um Falken abzurichten. König. Erwäge es nicht! er zittre! nie war ich noch so reitzbar. Traf. Vergönnt mir, gnädigster Herr, ihm das Wort zu reden. Ihr seyd vermahlt. Was bleibt ihm übrig? König. O wenn er wüßte—kein Opfer meiner Liebe zu groß— Er fordere nur. Graf. Und wenn er kühn für seine Tochter die Krone Eurer Gemahlinn fordert? König. Was fällt euch ein?— Das wird er nicht. Graf. Gebt acht, um keinen geringeren Preis verkauft der Stolze seinen Liebling. König. Kann ich der schuldlosen Gattinn die Krone von, Haupte reißen? G r a f. Warum reißen? warum nicht sanft abschmeicheln? Der Königinn schwärmerische Liebe ist auch wohl großer Opfer fähig. König. O ja, ich kenne sie. Mit ihreni Leben erkaufte sie mein Glück; nur muß ich es nicht finde» in fremden Armen, das ertragt sie nicht. Graf. Sie wird es tragen lernen, wenn sie muß. Koni g. Ihr.solchen Schmerz bereiten? nimmermehr? 55 Graf. So überwindet euch und schweigt. König. Kann ich das?— o Graf, Ihr seyd ein schaaler Tröster, ei» kühler Rathgeber, Graf. Mein König, es ist schwer zu rathen, wo noch kein fester Zweck vorhanden, Ihr wollt und wollt auch nicht. Ihr droht und zittert. Ihr strebt nach einem Ziele, und wagt es incht, den Blick darauf zu heften — nur auf das Ziel, mehr auf die wenigen Dornen, über die Ihr schreiten müßt. Gesetzt, Ihr bringt der Königinn das schwere Opfer, wird sie darum glücklicher seyn?— wird sie nicht in Euren Armen fühlen, Euren Blicken lesen: Nur Mitleid gab mir den Sieg über die verhaßte Nebenbuhlerinn? König. Ach! ich fürchte es. Graf. lind wird dann nicht ihr Zartgefühl sie elender machen, als wäre sie verstoßen?— Wahrlich! die Thränen der Verstoßenen sind minder bitter, als die der kühl Geduldeten. Könrg. Ihr habt Recht. Es ist nun einmahl so. Ein Gort muß mich verwandeln, wenn ich jemahls ihrem Herzen wieder Freude geben soll. Graf. Und steht es nicht in Eurer Macht, das unvermeidliche Loos ihr königlich zu erleichtern?—> Vermehrt ihre Schätze, verdoppelt ih 56 ren Schmuck, lasit ihr das Gepränge, mit dem so gern die Weiber leere Stunden füllen. Sie habe nichts verlohre», als Euer Herz. König. Auch meinem Herzen wird sie ewig theuer bleiben! Trennt mich von ihr ein unerbittliches Geschick, o so möge sie in der Ferne des Gatten Wankelmuth beweinen. Ihre Thränen würden mich auf Blanca's Lippen brennen. Graf. Thränen versiegen, und wer weiß, ob nicht bald, von Euch begünstigt, ein treuer Diener sie zu trocknen unternähme. König(stutzt.) Alwina— in den Arme» eines Andern?— seltsam— der Gedanke empört mein Innerstes. Graf. Zählt auf Entfernung und Gewohnheit. Ihr besitzt die schone Grafschaft am Fuße der Apenninen, wo die Natur ein Paradier geschaffen. Dort möge sie leben, herrschen, gemessen und vergessen. König. Wo sie will; was sie fordert. Bianca mein!— Gott! welchen Funken in die todte Brust habt ihr geworfen!— Die bloße Möglichkeit--aber einen Vorwand, Graf, einen Vorwand, den ist der König seinem Volke schuldig. Graf. Wäre der so schwer zu finden? Ihr seyd kinderlos; und guügt auch das dem Volke nicht, so macht der Gemahlinn Treue verdächtig. König. Satan! das hieße die Unglucklcche ermorden. Graf. Muß denn sie selbst darum wissen? darf sie es je erfahren? Hier ist ja nur um ein Gerücht zu thun, den Pöbelzungen hingeworfen. König. Memr ihr, es werde Glauben finden? Graf. Das Volk glaubt Alles. König. Nicht einem Jeden. Graf. Doch seinem Götzen, der muß reden. König. Und der wäre? Gra f. Der Herzog. König. Ihm traut Ihr zu?— Graf. Seine Tochter eine Königinn. König. Er ist unbestechbar. Graf. Kein Mensch auf Erden. Man ergründe nur. zuvor, was den höchsten Preis im Auge dessen hat, den man besteche» will. Kön ig. So könnt' ich auf euch selbst nicht bauen? Graf. Hab nicht Eure Gnade mich bestochen? Sie ist mein höchstes Kleinrd- König. Wohlan Versucher, tritt hin zu. 58 dem Gerechte»/ und zeig' ihm meine Herrlichkeit. Graf. Gern gnädigster Herr/ allein Ihr wißt/ der Mann ist mein Feind. König. Seyd stolz darauf/ wenn dem so ist. Graf. Soll der Antrag wirke»/ so muß die Stimme seinem Ohre nicht zuwider seyn. Ein Wort von Euch vermag hier AllsS. Kü nig. Leiht mir Eure Stirn. Graf. Ihr tragt ein Diadem. Fehlt Euch/ von dem geschützt/ der Muth zu spreche»/ so liebt Ihr nicht. König. Ob ich, liebe?— Ha! wäre hiervon einem andern Tausch die Rede/— Pallas: gegen Hütte—, Scepter gegen Hirtenstnb— Ihr solltet nicht an meinem Muthe zweifeln/ Aber eine schuldlose Gattinn ins Elend verstoßen — einer sanften Dulderinn das Herz zertreten — o welche feindselige Macht hat mich fest gebunden an dieß brennende Rad/ und läßt es rollen den Felsen hinab! K r a s. Faßt Euch. Die Königinn— Dritte Scene. Die Königinn Die Vorigen. Kön.lginn. GrafCamponero, ich wünsche mit meinem Gemahl allein zu seyn.(Dev Graf entfernt sich.) (Der König steht verlegen. Die Königinn kämpft mit sich selber, und rafft ihren Muth zusammen.) Königinn. Vergebt mir, wenn ich Worte suche— die rechten nicht zu finden weiß— König. Redet, Königinn, ohne Scheu. Königinn. Nicht die Königinn tritt vor Euch, nur die Gattinn.— Wohl ihr, daß die Natur sie lehrt, was ihr im Kloster fremd geblieben.— Es ist etwas zwischen uns, das ich leise nur berühren möchte, um die wunde Stelle nicht zu entzünden.— Ihr seyd nicht glücklich mehr-- wie könnt' ich es seyn!— Ob- ich Eure Liebe noch besitze? darum mag ich weder mich noch Euch befragen. Das Träumen thut dem Menschen oft so wohl! und er sollte lieber um sein Lager den Vorhang dichr zusammen zieh'n, als dem unwillkommnen Lichte verstatten ihn zu wecken. Ich thue das und träume fort.— Aber kann tch mir auch verhehlen, daß Eurer Lieb« 6c, kester Theil, daS Vertrauen mir entschwunden? — Ihr leider— schweigt— tragt einen Kummer— theilt ihn nicht mit mir!— Wer hat ein heiligeres Recht darauf?— jener Graf?— oder wer sonst? König. Warum euch betrüben? Königinn. Was wäre schmerzlicher alt Euer Schweigen? König. Wenn fruchtlose Klagen— Königinn. An der Brust des liebenden Weibes verrauscht der Gatte jede Klage gegen einen Trost. Ja selbst dann, wenn Königs Sorgen Euch belasteten,— aber»ein, so ist eL nicht. Eure Waffen kehrte» siegreich heim, Friede, Friede überall, nur nicht inzEurem Herzen. O, so öffnet mir dieß wund« Herz, ich will es heilen. König. Wenn Ihr das könntet— wen» Ihr es wolltet— Königinn. Ob ich will?— Gott! du siehst mich— ja ich will!— Ob ich kann? — Wer zweifelt an der Liebe Kraft?— Zwei- felst'Du? meiner Liebe, die einst um dich Bande zerriß, mit welchen sie an Gott gefesselt war!— meiner Liebe, die ein schreyemdes Gewissen verstummen hieß vor den leisen Worten Deiner Lippen! Welchen Bürgen soll ich dir noch biethen, daß ich alles. Alles für Dich wage» kann? König. Hüthe Dich, Alwina, daß ich nicht beym Wort Dich fasse. Königinn. Fasse mich! gleich jetzt! Ver« trauen! Vertrauen! König. Du weißt nicht, was du forderst. Königinn. Nicht mehr, als Du täglich einem Camponcro gewahrst. König. Wenn ich dieß gefolterte Herz Dir öffne, wirst Du seiner Wunden schonen? Königinn. Nur schonen? König. Ja eS steht in deiner Macht sie zu heilen. Königinn. Grausamer! und du schwiegst so lange? König. Auf Deine Großmuth will ich bauen. Königin n. Auf meine Liebe! König. Laß mich noch Einmahl Dir mein Glück vei danken. Königinn. So schaff ich ja das Meinige. König. Erleichtre mir das schmerzliche Bekenntniß— errathe, was die Zunge auszuspre- chen stockt— des Herzogs Tochter— Bianca-— ihre Reize— ich liebe sie! 62 Königinn(»ach einer Pause mit bitt'rer Weh- muth.) Und ich verzeihe Dir. K önig(hastig.) Du willigst ein? Königinn(stutzt, sieht ihn ängstlich an, un» spricht mit beklommener Erwartung.) Was mein Gemahl beschlossen, wirb seiner würdig seyn. K ö n ig. Wenn Du freywillig meiner Ruhe dieses grosie Opfer bringst, so wähle, fordere, die köstlichste Provinz meines Reichs, unbeschränkte Freyheit, glänzenden Hofstaat—^ Königinn. Halt! nur ein Grab! K ö n ig. Wie Alwina? Königinn. Das hatt'ich nicht erwartet! — Auf Schmerzen war ich vorbereitet, nicht auf den Tod! König. Du ließest mich hoffen.— Königinn. Ich Thörichte! was hab' ich selber nichtgehofft! Durch Sanftmuth wähnt'ich« zu erhalten, was langst verloren war! Wie hab' ich doch so kindlich meine Traumpaläste an diesen gährenden Vulcan gelehnt! ach! seine Feuerwellen haben sie verschlungen! es ist vorbey! König. Habt Ihr mein Geheimniß mir nur entlocken wollen? Königinn(ohne auf ihn zu hören.) Das ist der Lohn für grausenvolle Nachte, aufdenStu- 63 ftn des Mars von der Meineidigen durchwacht, im Kampf mit dem brennenden Gewissen! Das ist der Mann, zu dem ich sprach! sieh, mich tobtet meine Angst, laß mich hier! denn der erste Augenblick, den Deine Liebe nicht mehr um- leuchtet, ist der letzte meines Lebens und der Erste meiner Höllenqualen!— Das ist der Mann, dem jeder Zweifel an seiner L'.sbs Dauer Lästerung schien. Nun ist'svorbey! erbiethet mir Provinzen für ein entrissenes Himmelreich! und einen glänzenden Hofstaat, damit ich das Geburtsfest der künftigen Gemahlinn seyerlich begehen könne. König. Schonung verspracht Ihr einem schwachen Herzen, und brecht in Bitterkeiten aus. Königinn. Ei» schwaches Herz erfand der Kopf des Mannes, nur um Sinnlichkeit zu bemänteln. Die Treue kämpft und siegt. Konig. Gott weiß, ich habe gekampft. Königinn. Aber einsam nur, oder wohl gar der Verführerinn gegenüber; nicht in meinen Armen, nicht von meiner Liebs unterstützt. S Alfonso! hier an dieser treuen Brust versuch' es einmahl noch! aus rhr wird Kraft in Deinen Busen strömen, und meine Thränen sollen Dlan- «a's Bild aus Deinem Hermen waschen.— Bin ich denn so ganz verwandelt? Har,mein Frühling nur im Nonnenschleyer dich emzü^l? O so nimm Dein Diadem zurück, und gib mir diesen Schleyer wieder! aber mir ihm Deine Liebe! König. O daß ich es konnte! mir wäre wahrlich besser! Königinn. Knieend hast Du um mein Herz geworben, knieend will ich um das Deinige ringen.(Sie wirft sich v»r ihm nieder.) An diesem Augenblicke hangt mein irrdlsches Glück, mein ewiges Heil!(in höchster Angst.) Verstößest Du mich jetzt, so taumle ich zu den Furien hinab! Drum aus Barmherzigkeit ermorde mich, ehe der fürchterliche Wahnsinn mich ergreift! König(sie gerührt umfassend.) Warum zerfleischest du mein armes Herz? Du willst mich glücklich wissen—ach! ohne Blanca ist für mich kein Glück auf Erden! Königinn(erhebt sich) Du hast mein To- desurtheil ausgesprochen. Ich lasse ab von Dir. Mein Jammer soll den Brautreigen Dir nicht stören. Blanca's Flötenstimme möge das Winseln der Verstoßenen Dir vom Lhr wegflüilern. Ich habe keine Ältern, die mich aufnehmen, kei- «e Bruder, die mich rächen werden. Ach! nicht 65 einmahl bey dem verrathenen Gott darf ich Zuflucht suchen!— Nur noch ein Freund— der Tod— O daß ich keine Murterhoffnung in meinem Schooße trage, um auch diese, mit mir zugleich, zu vernichten. Ha! dann trat' ich, ein blutiges Gespenst, vor das hochzeitliche Lager mit Deinem ermordeten Kinde auf dem Arm, und heulte Flüche in die Seufzer Deiner Wollust! König(schaudernd.) Ihr raset. Königinn. Ach diese Wohlthat verleihe mir ein versöhnter Gott! er vernichte und ersticke jedes zartere Gefühl des Menschen, des Weibes, und lasse mir nur einen Gedanken: Rache! Rache an der Räuberinn meiner Seligkeit! König. Blanca ist unschuldig. Königin», wenn Ihr zu wagen Euch erkühntet— Königinn. Ihr mir drohen? hahaha! Habt Ihr nie gehört, daß eines Königs Macht nur bis an die Gränze der Verzweiflung reicht? Ein Schrittchinüber, und der König>st vogelfrey. Ihr mir drohen? hahaha! der Vortheil ist ungleich. I h r habt zu verlieren, ich nichts mehr! Darum droh'ich Euch, und I h r müßt zittern! vor jedem Glase Wasser zittern, mit welchem Eure neue Geliebte die buhlerische Hitze dampfen will! ja vor dem Leichnam Gottes sollt Zhr zit- 66 lern, daß er nicht vergiftet von ihr genoffen werde! Darum, wollt Ihr ruhig in ihren Armen schwelgen, so vollendet Euer königliches Bubenstück. Auf! floßt mir Euren Dolch in die Brust! König. Faßt Euch um Gotteswillen'! ich sehe den Herzog. Königinn. Was kümmert mich der Kuppler? noch bin ich seine Königinn! und war' ich seine Magd, das sollte mich nicht hindern, der Verachtung volles Maß mit einem einzigen Blicke dem Gleisner an das graue Haupt zu schleudern!(Sie spricht die letzten Worte, indem sie am Herzog vorder geht.) Vierte Scene. ttbaldo. Der König. König(sehr verlegen.) Ihr werdet staunen, Herzog,— die Königinn ist außer sich, sie verkennt Euch. ubaldo(seht- gelassen.) So scheint es. König. Aber eS soll ander» werden. Seyd unbesorgt. U bald o. Das bin ich. 67 König. Ihre Sanfnnuth war mir furchtbar; ihre Heftigkeit thut mir-wohl. Jetzt steht mein Entschluß. Ja. Sie selbst hat mich mit Trotz gewaffner. Ubaldo. Gnädigster Herr, ich kam Eure Befehle zu vernehmen. Es ist nicht gut, daß unser Ariogsrolk langer noch müßig hier im Lager stehe. Der heimkehrende Sieger ist ohnehin geneigt zum Übermut!). Müßiggang erzeugt Ausschweifungen, oder Hirngespinnste, ofc beydes. Daher mein Nach, die Truppen zu zerstreuen. König. Noch eh' ich ihren Feldherrn würdig belohnte? Ubald 0. Ich habe meine Pflicht erfüllt und weiß es— mehr brdarf es nicht. König. Das mag dem Helden genügen, nicht dem Könige, nicht dem Volke. Freylich sind auch Königs arm, können nur die Lorbeerkronen winden, zu welchen das Verdienst die Zweige selbst gepflückt. Ja, wenn ich hoffen dürfte, daß meine eigene Krone euch begehrens- würdig schiene, gern theilt' ich sie mit Euch. Ubaldo. Jede Last derselben übernehm'ich willig. K önig. Warum nicht auch, was ihr an Ehre zukommt?— Ihr freylich, Ihr bedürft 66 des fremde» Glanzes nicht; doch pflegt der Ahnherr seiner Thaten Frucht gern auf Enkel zu vererben. Ubaldo. Nur Ein Kind gewahrte mir das Schicksal/ eine Tochter. König. Kann sie nicht Mutter von Helden werde«/ die Eurer würdig? Hat der Gedanke keinen Reiz für Euch, in spaten Jahrhunderten durch Euren edlen Stamm Völker zu beglücken? Ubaldo. Diese Pflicht ist schon die Lunge/ und Euer Stamm der Meinige. König. Aber die getrennten Zweige wieder zu vereinige«/ wäre das nicht schön? Ubaldo. Ich versteh' Euch nicht, mein König! K önig. Laßt mich offen zu Euch reden. Ich will nicht laugnen, daß mein Herz die Pflicht der Dankbarkeit mit seinem eignen Glücke zu verbinden strebt. Ihr seyd mein Oheim— wäret mein Lehrer— o laßt zu diesen traulichen Nahmen mich noch den traulichsten— den des Vaters fügen.^ Ubaldo. Des Vaters? König. Gebt mir Eure Blanoa zur Gemahlinn. Ubaldo. Mein König— verzeiht— ich habe wohl nicht recht vernommen. König. Ich errathe, warum Ihr staunt, — ich bin vermahlt— allein nicht unauflöslich, darf ich hoffen, lind wart Ihr es nicht selbst, der gegen diese Verbindung mit Heftigkeit sich stammte? Ubaldo. Ich that es, weil ich mit des ReichesWohlfahrt, dem Ruhm der Krone, ja selbst mit dem Gewissen sie unverträglich hielt; nicht weil ich eine Tochter hatte. König. Wer zweifelt? Meine blinde Jugend verschmähte damahls Euren Rath. Seitdem hat Erfahrung mich weiser gemacht. Ubaldo. Oder Genuß kühler? König. Gleichviel, wie mir die bessere Einsicht zugekommen. Genug, ich bin erwacht, und weiß: der König ist dem Volke schuldig, von der unfruchtbare n Gattinn sich zu trennen. Ubaldo. Schuldig?— Eines Fürsten erste Schuld gegen sein Volk ist: das Beyspiel strenger Redlichkeit. König. Ich sag' es ungern— die Königinn hat mir Argwohn gegen Ihre Treue eingeflößt. Ubaldo. Die Königinn ist unschuldig. A o» i g., I h r vertheidigt sie? ll b a l d o. Ich. König. Fürwahr, das hat sie nicht um Euch verdient. U b a ld o. Das gilt mir gleich. König. Ihr dachtet doch nicht immer s» günstig von Alwinen? Udalds. Immer. Daß der Nonne kein Thron gebühre; das; der König dem Altare sie nicht entfuhren dürfe: das war meine Meinung, und ist es noch. Aber diese Nonne warf mitdem Schleyer keine Tugend von sich, enthüllte vielmehr deren täglich neue. Ihr habt zur Königinn sie erhoben; des Papstes Segen hat den Mackel in des Volkes Augen vertilgt— so halte auch ich sie jetzt der Krone würdig, und bin ihr treue- ster Unterthan. K önia. Auch wenn sie Euch Haß und Verfolgung schwur? Ubaldo. Auch dann. König. Und wenn sie den Gemahl, mit ihm den Thron beschimpfte? U b a l d o. Dessen halte ich sie unfähig. König(eniPsi.wüch,) Und ich sage Euch Herzog, es ist so. Ubaldo. Beweist es ihr, dann handeltnach Gefallen. Kö nig. Beweisen? soll ich der Welt zum Spott und Mährchen dienen, oder Euch durch Erzählung meiner Schande belustigen? Traut Ihr meinen Worten nicht? Ubaldo. Ich schweige. König. Handle ich denn nicht weiser,großmüthiger, wenn ich dem Gerücht nur zu murmeln verstatte? wenn ich die Verbrecherinn blos verbanne, und ihr nichts entziehe als mein Herz? Ubaldo. Der König fragt mich? König. Ja. Ub ald o. So sag'ich ne in! Ihr verliert Euch selbst, und gewinnt dagegen nur des Volkes Abscheu. König. Wie? wenn ich, mit verdoppelter Kraft, sein Wohlthäter werde? Ubaldo. Auch dann. Den König zu beurtheilen, vermag das Volk nicht, wohl aber den Privatmann. Nie wird es Jenen lieben, wenn es diesen verachten muß.— Verzeiht gnädigster Herr, das Wort ist heraus, und ich kann es incht zurücknehmen. Koni g. Herzog, Ihr reitzt mich sehr— doch >ch will denken, der Vater habe gesprochen. 72 Üb aldo. Nur der Freund. König. Nun wohl, der ängstliche Freund, der sich überredet, des Volkes Haß werde einen König treffen, der seiner Gemahlinn Untrcue beweint. Ubaldo. An die glaubt Niemand. König. Es stünde nur bey Euch, jeden Zweifler stumm zu machen. Ubaldo. Bey mir? König. Ein Wort, das Euch entfallen, gilt für Glaubensartikel.— Ihr schweigt— Ihr meßt mich mir glühenden Blicken?— O Herzog! besinnt Euch! opfert Eure rauhe Strenge Einmahl nur einer weisen Politik! Gebt den Bitten Eures Königs-- Eures Sohnes nach! Ubaldo. Als dieß Gespräch begann, da hielt mein König mich einer Belohnung würdig, und jetzt beschimpft er mich. König(empfindlich.) Herzog! Ubaldo. Um künftig mir und Euch solche bittere Augenblicke zu ersparen, muß ich Euch „innern, daß— so oft von einer bösen That die Rede,— Ihr mich nrcht mit Camponers verwechselt. Kon ig. Ihr werdet kühn. Ubaldo. M-rne Pflichr. Von wem soll der Kö- Kvnig Wahrheit hören? Aus den Hütten dringt sie nicht zu ihm. Ich steh'am nächsten. Sein Gewissen schweigt, so muh ich reden. König. Ich überheb' Euch dieser Pflicht. U b a! d o. Das kann Niemand. Gnädigster" Heer! wenn Ihr Eure schuldlose Gemahlinn verstoß^ ,o seyd Ihr— ein Sclave der Leidenschaft—„,chr würdig ein Volk zu regieren. Euren Nahmen wird die Geschichte zu dem des ach. "" H''"richs schreiben, die Mitwelt schweigend, dw Nachwelt laut Euch richten— der Wollust- Rausch, der Schmeichler Summen, Euer Gewissen nicht betäuben. Des Königs Beyspiel, jedem BLsewicht e,n Schild, wird Zerrüttung in Familien verbreiten; die von, Throne verbannte fugend bald in keiner Hürke mehr eine Frey- sratt finden, stumm jeder Redliche von Euch werden, und ich, der Erste, um meine Entlassung König(erbittert.) Die habt Ihr. uoaldo(sich verbeugend.) Ich entferne mich. ^ ön ig. Halt! nicht so-rasch! Zuvor erfüllt Minen, letzten Befehl: kündigt Eurer Tochter daß ,ch G,:nahi,nn ste erkohren. kibalho. Wollt Ihr, ein zweyter Apprus,', Kdtzetziie's tyeater BS. D das blutige Schauspiel erneuert sehe»/ daS jenen Tyrannen stürzte? Konig. Herzog treibt mich nicht aufs Äußerste! ich konnte vergessen— ja ich konnce werden, wozu Ihr mich machen wollt. Noch geb' ich Euch Bedenkzeit: Vater oder Feind, Thron oder Verbannung— Euch bleibt keme anders Wahl. (Ab.) Fünfte Scene. Ubaldo allein. ' Bedenkzeit?— es ist ein herrlicher Vorzug der Pflicht, daß sie nie Bedenkzeit braucht, nie abzuwägen hat; und stünde sie Jahrtausende lang, von Wellen umrauscht, von Sonnenstrahlen umschmeichelt; die Unveränderliche kann nie wanken. Sechste Scene. Der Graf. Ubaldo. Graf. Herzog, Ihr sehr mich bestürzt, denn ich muß euch betrüben. Ubaldo. Wer weiß ob^Jhr das konnt? Graf. Ihr seyd gerecht, ich konnt' es nicht, denn schon langst gab ich dem Hofe das Beyspiel der Verehrung. Aber nur zu oft steht meine Pflicht im Widerspruch mit meinem Her- jen. Ubaldo. Dann bedaure ich Euer Herz. Ohne weitere Wortverschwenduiig: thut Eure Pflicht. Graf. Ihr habt Euch gegen Seine Majestät vergangen— Ubaldo. Nein. Graf. Bewußtseyn großer Verdienste erhubt>ich seicht eine kühne Sprache. Ubaldo. Nur die der Wahrheit. Graf. Mein theurer Herzog. Wahrheit achtet klüglich auf Personen, Zeit und Ort. Ubaldo. Das wolle Gott nicht! Die Wahr» D 3 h'sit, mein Herr Graf/ ist weder klug, noch um klug, sondern nur die Wahrheit. Graf. Den König hat sie beleidigt. U k a ld o. Da» schmerzt mich um des Königs' Willen. Graf. Bis auf weitern Befehl sollt Ihin den Hof meiden. Ubaldo. Ich werde gehorchen. Graf. Doch die Residenz nicht verlassen, Ubaldo. Sehr wohl.' Graf. Weder Ihr noch Eure Familie. Ubalho. In meinem Hause bin ich König., Gr af, Ich kann Euch nicht verhehlen, daß Se- Majestät im ersten Zorn damit umgingen, aller Würden Euch zu entsetzen. Ich hab' c-s abgewendet. Ubaldo. Erwartet keinen Dankl Graf. Nur vom Vaterlands. War^um wollt Ihr d e m seinen Helden rauben, da Ihr so leicht Lurch Nachgiebigkeit— Ubaldo. Ich bitt' Euch- redst nicht aus, Wir denken verschieden. Kein Wunder. Wichhat die Natur, Euch der Hof erzöge,,. Schon als Knabe verbannte mich des König» Vater, weil meine Geburt mir drohende Rechte zu geben schien. Doch ließ er mir das Leben, denn er war kein Sultan. Auf einem fernen Jagdschloß, mitten im Walde, hat mich ein weiser Mann des geschenkten Lebens Werth und Zweck gelehrt. Seine Lehren übend, gewann ich, ohne es zu wollen, als Mann des Königs Vertrauen wieder. Aus der Hand des Sterbenden empfing ich sogar den Zepters um ihn zu tragen wahrend Alfonso's Minderjährigkeit. Ihr wart damahls Page, des Prinzen Spielgefell.—^Mun begreift Ihr wohl, Herr Graf, daß ich alter Mann nicht mehr so leicht zu werfen und zu fangen bin, als der Ball, den Ihr damahls mit dem Prinzen schlugt. Darum—wenn Ihr sonst von Er. Majestät keine weiteren Befehle a» wich habt— so bitte ich, Ihr wollet den Genuß des schönen Abends mir vergönnen. Graf(höhnend.) Ich zweifle nicht, die Nachwelt werde aus den Sternen, welche da herauf- »uh'n. Euch eine Krone flechten.(As.) Siebente See n e. Ubaldo allein. (Nach eimr Pause.) Ja/ die Sterne zieh'» herauf, und dieser prachtvolle Himmel ist ein aufgeschlagenes Buch.— Diese unendlichen Raume zu durchschauen, gab der Schöpfer meinem Auge Kraft, damit es lese: Du bist mehr als Staub! Dir unsichtbare Kette, die dieses All in Eins verbindet, schlingt sich auch um deine Welt und um dich!— Es gibt ein Höheres— ein Höchstes! es hat nichts gemein mir dem kurzen Traume einer Sinnenwelt. Alle Wünsche, alle Hoffnungen, ja selbst die Tugend, lösen dort sich auf in dem göttlichen Begriff der Pflicht— derPflicht, die kalt ist wie die Sonne, aber gleich ihr den Wärmestoff entbindet.— So sprach mein Lehrer.—> Mensch, wie klein bist du unter diesen Welten und wie groß! denn sie, gleich dir, gehorchen Einem Gesetz! es ist dieselbe Kraft, die sie zu ihren Sonnen und dein Blut zum Herzen treibt. Ha! wenn du dich an jene diamantene Säule im Mittelpunkt des Weltall- lehnen darfst, wozu»och Ehre? Tugend? die nur gelten, wo Menschen beysammen leben und rechnen für das gemeine Wohl.— Stund' ich allein, der einzige Bewohner dieser Erde, mein bliebe dennoch was mich an den Himmel knüpft! lAi-.) (Der D» rha» z f« ltt.) 6-> Vierter Act. > Im Palast des Herj^gz. Erste Scene. Bianca allein. Mutter bleibt so lange. Meiner Bitten «chtete sie nicht. Ja, den Borwurf mußt ich dulden, daß meines Hauses Ehre mir nicht am Herzen liege. Ist sie denn befleckt, weil eine unglückliche Gattinn ihren Irrthum bitter airssprocht—- Ich kann die Königinn nur bedauern. Zweyte S c e,n r. Ubaldo. Blanca. Ubaldo. Guten Morgen Blanca. 8r Blanca. Mein Vater! ihr habt uns lange allein gelassen? Der Abend war so dufter. Ubaldo. Du kennst mich: Einsamkeit ist Seelenarzney. Nun ist mir wohl. Du so allein? Wo ist deine Mutter? Blanca. Sie ist— sie ist nach Hofe gefahren. Ubaldo(stuizt.) So früh? Was dort? Blanca. Ich weiß nicht ich vermuthe— Ubaldo. Will mein Kind mir etwas verhehlen? Blanca. Da sey Gott für! Ubaldo. Nun so rede. Blanca. Die Mutter glaubte— unsere Ehre heische/ dem Könige zu klagen/ was uns wie- derfahren. Ubaldo. So?— dar u m fuhr sie hin?— und meine Tochter billigte—? , Blanca. Einen Schritt meiner Mutter? ziemte mir ein Urtheil? Ubaldo. Recht Blanca, der Ausdruck war übel gewählt. Doch erwarten durft' ich, deine Bitten würden es gewendet haben. Oder hast du nicht gebeten? Blanca(schlitternd.) Doch mein Vater, ich Habs. Ubaldo. Nun so irrt' ich nicht in dir.— Mich dünkt ich höre einen Wagen---6 essen sie es auch. Das war dein Fall d" hast es nur vergessen. E a m.(sich an feinem Busen verbergend.) O mein guter, trefflicher Ubaldo! verachte nicht dein schwaches Weib! Ubaldo. Die Natur gesellte zu eurer Schwachheit das Gefühl, und machte so den Mipgrjff wieder gut. Ich habe dein Gefühl erweckt, sehr bist du stark. Es bedurfte,nicht ein- muhl dich zu erinnern, daß Bianca selbst dein 88 sogenanntes Glück unwillig von sich stoßen würde. Kenn' ich sie recht, die reine Seele, an der kein Hauch der Sinne noch gehaftet, so wird der Antrag sie mit Schmerz erfüllen. kEe Sffncl die Thür des Nebenzimmers.) Blanca! Vierte Scene. Blanca. Die Vorigen. Ubaldo. Wir bedürfen deines Ausspruchs. Altern mögen gern der Kinder Glück nach eigenen Begriffen modeln. Wir nicht. Du selbst entscheide. Der König wirbt um deine Hand. Blanca. Ich hoffe, mein Vater har bereits entschieden. Ubaldo. Den Thron, und waS noch seltener, auch sein Herz, biether dir ein mächtiger Monarch. Blanca. Sein Herz gebührt der Königin«/ mit ihm der Thron. Ubaldo. Er will sich von ihr trennen. Blanca. Gott! um meinetwillen?! Ubaldo. Vielleicht hat er noch andere, bessere Gründe. B l,1 n c a(hastig.) Nein mein Vater/ er hat -keine. Ihre Tugend/ ihre Saustmurh sind gepriesen/ Freunde bethen sie an, Feinde werde» ihre Schmeichler. Eine Laune trennt den Konig von ihr, eine Laune führt ihn zu mir. Sich kennt er nicht, wenn er sich überredet, erwerbe treuer an mir hangen; mich kennt er nicht, wenn er mahnt, ich sey fähig, Fluch und Thränen der Unschuld auszupressen! und— laßt mich kühn hinzufügen— auch Euch kennt er nicht, wenn er mit Eurer Billigung sich schmeichelt. llbaldo. Recht Bianca, so sind auch wir gesinnt.(Er fast l>e»dcr Hände.) Also Einigkeit, Gottlob! was vermag den Mann kräftiger zu starken, wenn die Welt ihn verkennt, als die Gewißheit: im engen Kreise meiner Lieben werd' ich nicht verkannt! Auch ich strebe vergebens, von diesem milden Einfluß mich loszuwinden; auch ich bekenne, daß, von Euch getadelt, selbst bey erfüllter Pflicht, die Freudigkeit mir mangeln würde. Jetzt ist alles gut. Meine Gattinn! weine Toch-er!(Er schließt beyde in seine Arme.) Ihr scheltet Mich bisweilen kalt— was soll ich reden? suhlt, ich sey es nicht. E a m. Du bist es nicht. Vlanca. Ihr wart es nie. go Ubaldo. Genug wir dürfen die kostbaren Augenblicke nicht in Weichmuch verlieren. Der König wird da nicht stehn bleiben/ er ist zu weit gegangen. Gewalt in der Hand der Leidenschaft ist eins brennende Fackel in der Faust des Wahnsinnigen. Für mich ist keine Gefahr, zum mindesten keine, die ich fürchte.'Allein für Euch— für dich Bianca. Wußt' ich einen Mann, der mein Vertrauen und dein Herz verdiente, war' er gleich dir nicht ebenbürtig, schnell würd ich dich vermahlen. Blanca. Ein Kloster, mein Vater— Ubaldo. Die Klosterpforten haben keinen Riegel für einen König. Er hats bewiesen. Nur eine Zuflucht bleibt dir noch, im Fall ich dir entrissen werde. Mein ödes Bergschloß an der Gränze— zu deiner Aufnahme ist es bereit. Hast du Muth dich einzusperren, bis ein neuer Gegenstand, wer weiß wie bald, in des Königs Brust dein Bild verlöscht? Blanca. Gern mein Vater. Ubaldo. Und du Cauülla, willst du sie begleiten? Cam. Von dir mich trennen! Ubaldo. Mutter, dein Kind ist in Gefahr! Lam. O ziehe mit uns: 9l Ubaldo. So bald ich darf. Jetzt ihr allem — meine besten Roße, ein leichter Wagen— «och in dieser Stunde müßt ihr fort. Ein Page(tritt herein.) Der junge Graf Serravalle begehrt mit dem Herzog alleinzusprechen. (Bianca erschrickt.) Ubaldo. Giaf Serravalle? waS führtden zu mir?— Geht, macht euch fertig. So bald er mich verlassen, empfangt ihr meinen Abschiedskuß. (CaINilla und Blanca ab.) Ubaldo(jum Pagcn.) Führ' ihn herein. Fünfte Scene Serra volle. Ubaldo. Serrav. Herzog, Euer Leben ist in Gefahr. Ubaldo. Wie kommt ihr zu dieser Both- schaft? Serrav. Ihr sollt alles wissen, doch zuvor müßt ihr gerettet werden. Meine Roße stehn be- reit. Auf meiner Waidburg sucht Niemand den Todfeind meines Vaters. Ubaldo. Junger Mann, ach floh noch nie vor wirklichen Gefahren, minder noch vor eingebildeten. Serrav. So Hort. Vor wenigen Stunden lebte mein blinder Vater noch. Seitdem er Eure Strenge und seine Verirrung einsam beweinte, fand ihn jeder Morgen in des Waldes Schatten, oft bethend unter einem Baume. Auch heute kniete er im dichten Gebüsch, und hatte seine Diener fortgesandt. Jagdhörner störten ihn. Des Königs Gefolge sprengt' an ihm vorbey, und bald vernahm er Stimmen zweyer Männer, die, ohne seiner zu gewahren, dicht neben ihm sich lagerten. Es war der König selbst und sein Vertrauter. Sie sprachen lange, viel, von Euch, von Eurer Tochter. Ich wiederhohl' Euch Alles, wenn Ihr geborgen seyd. Jetzt nur den Schluß:'noch heute wird man Euch in einen Kerker, Eure Tochter in den Pallasch führen. Ubaldo. Das Alles laßt mich Euer Vater wissen? Serrav. Ach nein! er haßte Euch bis in den Tod. Entzückt von dem was er vernommen, konnte seine Ungeduld l.->r Diener Rückkunft nicht erwarten. Den oft betretnen Pfad versucht' er jetzt allein zu finden, erreichte glücklich des SchlossesPforte, rief meinen Nahmen überlaut, und—während ich hinunter eilte, stieß er sein graues Haupt heftig, gegen die Mauer, sank halb entseelt zu Boden, in seinem Plure fand ich ihn. Nur noch einmahl sammelt'er die letzte Kraft, um mir zuzurvcheln: der Augenbl'.ck derNache ist gekommen! In seine kalte Hand sollt ich schwören, flugs den König aufzusuchen, mich zum Henker oder Meuchelmörder anzubiethen. Uba>do. Und Ihr schwurt't E> errav.(sto>z.) Mär' ich hier? Ubaldo. Und Euer Dalerk Serrav. Ging Euch fluchend aus der Welt. U b a l d o. Was bewog Euch, junger Mann— s Serrav. Fragt jetzt nicht, folgt mir, ich mein es ehrlich. Die Roße harren, mein Wappen tragen die Begleiter. In ihrer Blute sucht Euch Niemand. Argwöhnt Ihr aber dennoch eine,, Verräther in nur, so übergebt mich Eurem Gelrenesieu, ich will als Geisel mit meuikt» Leben-für Euch, haften. 94 Ubaldo(faß! seine Hand.) Graf Serravalle, ich begehr zu wissen, was Euch zu dem Entschluß vermögt? Serrav. Ich liebe mein Vaterland, ich hasse unedle Rache. Ist Euch Las genug? Ihr seyd unglücklich, wir sind versöhnt. Ubaldo(forschend.) Soll Euch etwa des Va< ters Rettung der Tochter Besitz gewinnen? S e rr a v. Herzog, Ihr sollt besser von mir d enken. Ich weiß Euch gerade nicht spitzfindig zu entwickeln, was mich Hergetrieben; genug, es ist etwas in mir, das vernahmlich sprach: handle so, dann ists recht. Darum empfanget meine» Schwur: nie komme der eitle Gedanke in meine Seele, als hatt' ich mir ein Recht aufBlaN- ca erworben. Ihr dem Volke wieder geschenkt i ch auf meiner Waldburg still und einsam wie zuvor. Nicht mein Anblick soll Euch mahnen. Selbst um eine Blanca wübk nur Einmahl der verschmähte Serravalle. Seyd Ihr nun zufrieden? Zögert langer nicht. Rettet Euch! d! b a l d o(betrachtet ihn sinnend.) Ihr entsagt meiner Tochter? Serrav. Nicht dem Ruhme ihrer würdig zu seyn. Ubaldo. Du bist es Jüngling.(Er öffn<« die NebenthKr^ Eamilla! Blanca! her zu mir! Ein Augenolick hak Alles umgestaltet. Sechste Scene. Camilla. Blanca. Die Vorigen. Ubald o. Kennt ihr den Mann, der euch mit edlem Trotze grüßt? Dein Errathen, Bianca, ist bejahend. Aber wähnt nicht, er sey gekommen, um den Gefallenen abzutrotzen, was ihm der Mächtige versagte. Nein, nur um den zureiten, den er seinen Feind genannt, seht ihr ihn hier, nicht achtend des sterbenden Vaters feindseligen Fluch. Wohlan Jüngling, du hast nicht vergebens dem Etwas gehorcht, dasich wohl kenne,du aber nicht zu nennen weißt. Zwar bedarf ich keiner Rettung, noch bin ich mir selbst genug. Aber dieses Mädchen vor Gemalt zu schützen, wird Gewalt nnch hindern; darum verrraue ich sie dir, sie ist deine Braut. Um sie hinweg zufuhren, kamst du herab von deiner Waldburg; eile jetzt zurück von ihr begleitet. Serr a v.(ent-intt und überrascht.) Herzog— ^6 Ubaldo(jl, Eamilla.) Du stimmst ein? C a m. Ihr wählt das Beste. Ubaldo. Und meine Tochter gehorcht? Bianca(reicht Scrravalls dir Hand.) Ihrem Vater und ihrem Herzen. Serrav. Gott! erhalte mich bey Sinnen, daß rch, im Rausche des Entzückens, der neuen Pflichten nicht vergesse, die Eure Großmuth mir auflegt. Ich habe wieder einen Vater! Nur warnen durfte der Fremdling, der Sohn darf betten mit der Liebe Ungestüm. Rettet Euch zuerst mein Vater!(zu Kamm» und Bianca.) Helft ihn mir erweichen! Der König trachtet nach seiner> Freyheit, vielleicht nach seinem Leben. Cam. Unmöglich! Serrav. Ach! so ist es. Sterbend und frohlockend hat mein Rarer es bezeugt. Ihr sollt Alles wissen. Jetzt bringt der nächste Augenblick Gefahr. Cam. Flieh Ubaldo! Bianca. Wo vc-u rrgen wir den Vater? Ubaldo tmit cdieu, Unwillen.) Verbergen? E er r a v. Au seiner Rettung ist alles von bereiter. Meme schnellsten Roße—ein Geleite, stark genug ihn zu schützen—^ eine Burg, fest genug ihn zu beschirme». O Mutter!»Geliebt 97 te! helft mir überreden! Euch sind die Töne ja bekannt, die zu seinem Herzen dringen. Cam. Du zögerst Ubaldo? Blanca. Gebt nach mein Vater! C a m. Liebe bittet— Blanca. Angst federt— Cam. Uns gehört dein Leben! Bianca. Und dem Vaterlande— Ubaldo. Und der Pflicht. Serrav. Sie ebengebiechst Euch Sslbster- haltung. Ubaldo. Nicht immer. Serrav. Wozu ein fruchtloses Opfer? Ubald o. Sieh da, schon wieder einer mit der Wage in der Hand, in dieser Schaale Pf! icht, in jener Vortheil. Jüngling, lerne — denn du bist werrh es zu lernen— daß der rechte Mensch nie um sich blickt, um zu erspähen, was wohl daraus entstehen werde, wenn erhandelt wie er muß. Folgen gibt es nicht für ihn weder gute, weder böse; denn das ganze Heer der Folgen umschließt Euer Dunstkreis, und was ihn bestimmte, war ein Höheres. Darum laßt ab von mir. Ich Habs mein Lebe» uuzerstückelt an Eines nur gesetzt, kann Eure Bilder aufmei- Kotzibm'S Theater 32. Bd> E z,en Altaren nicht dulden, trügen sie gleich Ch- renbinden und Tugendkonen. Cam. Dein Eigensinn wird dich und uns verderben. Ubaldo. Das Rechte fassen und am Rechten halten, ist nicht Eigensinn. Siebente Scene. Kraf Camponero; ein H a u p t m a» n mit Wache. Die Vorigen. Blanca. Ha! zu spat! Cam.(zugleich.) Mein Gemahl! Serrav,(in sich murrend.) Er ist verloren! Graf. WaS ich befürchtet. Herzog, ist geschehn, des Königs Zorn durch stilles Brüte» gewachsen. Ihr errathet, was mit diesem Gefolge mich zu Euch führt.(Er überreicht dem Haupt- mann«in Papier.) Hauptmann, der Befehl deS Königs. (Der Hauptmann nimmt und liest.) Serrav.(leise zu Maldo») Noch sonnt durch Entschlossenheik Euch retten. Ubaldo, Fehlt es nur daran?. 99 h- S e.rr a v. Ein Wink und meine Begleiter stürmen herauf. Zittern sollen die Miethlinge, ni ubald o. Zitlrs du selbst Empörer! Haupt mann. Dieser Befehl— verzeiht ch- mir, edler Graf— ich bin so bestürzt— Graf. Mangelt ihm Deutlichkeit? Ha up tm a n. Ach er ist nur allzudeutlich> Dem Herzog soll ich das Schwert abfordern, mit dem er einst— der König hat das nicht gewußt oder vergessen—das Schwert, mit dem er einst ^ meinem Vater, seinem Freunds, in der Schlacht das Lebe» rettete.— Verleiht, ich kann das nicht. Gras. Wie Hauptmann? Ihr ,veigertdem Könige eure Pflicht? Hauptmann. Ich fühl' eS wohl, ich ;e- handle strafbar. Aber auch in meiner Brust spricht eri e>n Gesetz, das ich nimmer abgeschworen. Ich ol- meinte, es werde nie im Widerspruch mit den pi- Pflichten des Soldaten stehn. Weh mir.' so ists. ö- Warum habt ihr eben mich zu diesem Geschäft erkorenst Ich gehe alsobald mich selbst zu überliefern. Der König sey mein Richter. Das streng- hr ste Urtheil werd' ich leichter tragen, a!S dieses Mannes Blick. E 2 Ubaldo. Faßt euch Hauptmann, erfüllt des Königs Willen, mich beleidigt ihr nicht. Hauptmann. Vergebens sprecht Ihr, wie -s Eurer Große ziemt. Ich kann nicht gehorchen, weiß Gort, ich ka n n nicht!—(Aul den Grast« »eutend.) Soldaten, diesem Manne ttbergeb' ich das Commando. Des Königs Befehl ist in seiner Hand, ihm gehorcht. Ich gehe, aber ich entstiel)« nicht.(AS.) Achte Scene. Die Vorigen ohne den Hauptmann. Gras(mit verbissener Wuth zu den Soldattu.) Nun wohl, ihr habt gehört, ich bin euer Haupt- mann. Führt den Herzog ins Gefängniß. (Die Soldaten murren.) Graf. Soll ich den Befehl euch wieder- hohlen t ErsterSoldat. Unser Feldherr— Zweyter. Unser Irater— Dritter. Wir haben ihn fechten sehn— Vierter. Er hat sein Brod mit uns S«' theilt. 101 Graf. Noch ein Wort und euer Leben ist verwirkt. Ubaldo. Genug Herr Graf. Ihr durftet ia nur mir den Befehl verkünde». Laßt sehn. (Er wirft eins» Bück auf das Papier.) Ja. Es ist der Nahmenszug, den ich einst auf meinem Schoo- ft ihn selbst gelehrt. Hier mein Schwerdt. Meldet dem Könige, sein Wille sey vollbracht.(Will gehn.) Eamilla und Blanca(hängen flch an ihn.) Mein Vater! mein Gemahl, Ubaldo. Schöne Titel, aber keiner Pflicht im Wege. Nur Lins noch: was ich diesem Man- »e zugesagt(auf Serravalle deutend) erfüllt sogleich, »och in dieser Stunde. Versteht ihr mich? Nun ists genug. Wird euch vergönnt mich zu besuchen, so kommt, ihr sollt mich heiter finden. (Zu den Soldaten.) Auf Kameraden! folget m i r. Wir gingen ja schon manchen rauhen Weg zusammen.(Ab mit der Wache.) ivL Neunte Seen e. Die Vorigen ohne Ubaldo. 6) ras(innerlich wüthend.) Vlitz auf Vlih! und immer noch höhnt die Eiche. Serrav. Aiich dünkc, Herr Graf, Ihr thätet wohl. Euren Trabanten zu folgen, da» was hier vorgegangen, muß Eure Gegenwart beschwerlich machen. Graf. Wer ist der Fremdling, der es wagt, sich einzumischen'? Serrav. Mein Nahme sieht zu Eure« Diensten. Ich heiße Serravalle. Graf. Etwa der Sohn des Mannes, der— Serrav. Sprecht nicht weiter. J'h>'hab» errathen. Eines Mannes Sohn, der kein Höfling war wie Ihr. Gra f. Der wegen Hochverrath— Serrav. Kein Wort mehr! derVaterhat gefehlt, gebüßt; der Sohn erduldet keinen Vor- wurf, am wenigsten von Euch. Graf. Man hört ja wohl, des Vatttl Geist, ruht auf dem Sohne. Serrav. Leider nicht so ganz; den wahrlich Graf! mein Vater hatt' Euch langst gezüchtigt- > Graf. Mir das? Serrav. Euch. Graf. Jüngling massigt Euch. Ich stehe hier im Nahmen des Monarchen! Serrav. Gab Euch der König noch andere Befehle/ so erfüllt sie schnell und geht. G r a s. Herzoginn, und Ihr Prinzessinn, folgt mir in den Pallast. Serrav. Das Euer Auftrag? zu spat« Vermeldet dem Könige, Prinzessinn Dlanca sey meine Braut. Graf. Ich hoffe nicht— Serrav. Auf Eure Hoffnung freylich nahm der Herzog keine Rücksicht. Graf. Redet, gnädige Frau, widersprecht dem Kühnen. Cam. Es ist wie er sagt. Graf. Der Herzog, ein Staatsverbrecher, kann in dieser Lage nichts verfügen. Der Mutter Einwilligung ist vonnöthen. Cam. Die hat er. Graf. Wie gnädige Frau? man hätte Euch bethort? Cam. Bethort? das ist das rechte Wort.. Ich war herhört? jetzt bin ich es nicht mehr. Graf. Wahrhaftig? nach Gefallen. Allein der König wird nicht dulden, daß man die Prin zeffin» zwinge. Bianca. Ich liebe diesen Mann. Graf. Man hat fürwahr sich hier das Wort gegeben, des Herzogs Eigensinn zu vertrete». Ich kann dazu nur lächeln, und die Verblendung bedauern. Der König selbst mag richten. Viel« leicht, daß er die Sache leichter nimmt, als mir sie scheint. Ihr wißt ja, Herzoginn, wie viel Ihr über ihn vermögt; darum zögert länger nicht, mir zu folgen. Cg m.(verseze,,.) Entschuldigt mich hepSk. Majestät— ein wichtiges Geschäft— Graf. Das wichtigste scheint mir: Gehorsam. Serrav. Mutter, laßt den Grafen nicht in Zweifel. Die Tochter zum Altar zu führe», ist das Geschäft, dem Se. Majestät die nächste» Augenblicke vergönnen werden. Graf. Wie? jetzt gleich? Ca m. Ja Herr Graf. Meines Gemahls Wille. Darum verzeiht, wenn wir Euch verlassen. G r a f. Und ihr Prinzessinn? t<>3 Bianca. Meines Vaters Befehl hat meinen Wunsch ausgesprochen. Serrav. Ist euch nun Alles klar? G r a f. Vollkommen/ und ich sehe mit Vergnügen/ daß wir alle Förmlichkeiten hier bey Seite setzen. Wohlan, so muß auch ich, im Nahmen meines Herrn, bestimmt erklären: Jhrwagt es mehr. Eure Wohnung zu verlassen. Serrav. Ihr habt vergessen Traf,daß Euch Trabanten fehlen, um Euren Worten Kraft zu leihen. Zwar, Ihr tragt ja selbst ein Schwerdt, und Eure Treue für den König laßt erwarten, daß Ihr den Gang mit mir nicht scheuen werdet. Graf(legt die Hand an das Schwerdt.) Schweigt oder— Serrav.(zieht rasch das Sci»!ge.) Was beliebt? Graf. Entblößte Waffen? Euer Maaß ist voll. Meine Pflicht hab ich erfüllt, und stell' er nun dem König anheim. Empfangt indessen meiden Glückwunsch zu der raschen Verbindung.(W.) i«6 Zehnte Scene. Die Vorigen ohne den rafen- Serrav. Jetzt, Mutter, saßt uns eilen. C a m. Ich bin bereit. Bianca. Auch ich. Doch Eines gelobt mir zuvor: Vom Altare führt mich in Ubaldo'S Kerker; denn Eure Burg betritt die Gattinn eher nicht, bis der geliebte Vater frey an ihrer Leite wandelt. Serra v.jRettung— Rache— ja die schwör' ich Euch! Nicht eher soll mein Mund die Lmpe» der Braut berühren, bis ich den Schwur gelöst. — Schon steht es klar vor meiner Seele, waS geschehen wird und muß. Nur ein Nah nie fehlte mir,, um eS zu vollbringen. Ubaldo'S Sohn! Dieser Nahme bewegt das Volk, erschüttert das Heer. Ubaldo'S Sohn! ihm folgen wrl- lig Herzen, Waffen. Fort zum Altare! Des Priesters Segen werde mir zum Fluche, wenn die nächste Sonne schamrokh Ubaldo'S Kerker noch erleuchtet.(Er zieht beyde mit sich fort.) (Der Vorhang fällt.) Fünfter Act- Ein Platz iinGarten. Erste Scene. Die Königinn(teilt finster schwernilithiz auf.) d?ö„ner hörr' ich klagen: es sey ein herber Schmerz, wenn Fürstenundank Treue lohnt; oder wenn der Freund zum Verrather wird; oder wenn Verleumdung den Redlichen trifft. Es mag weh thun— aber der Schmerzen tiefsten Gründ hat nur die liebende Gattinn gemessen, als ste gemißhandelt vor der glücklichen Nebenbuhlerinn stand!— Ach! warum hat die Natur am zarten Weibe »ersucht, was Körper und Seele zu tragen vermögen!— Der Sterb enden Seufzer auf dem ro8 Gchlachtfelde müssen verstummen, wenn die Gebaren,,n wimmert. Gefolterter Ehrgeiz, getausch. te Hoffnung, verrathene Freundschaft müssen schweigen, wenn die gekränkte Gattinn weint:^ denn der Mann gibt nie Alles, aber daS Weib; dem Manne ist Eines nie Alles, aber dem Weihe.— Wohlan! wer mag daS Weib verdammen, wenn es, im Übermaß der Leiden, auch kein Maß für seine Rache kennt?— Wie sie da stand, die ränkevolle Mutter, Lurch ein hoffartiges Lächeln die gedemüthigte Fürst»,» vernichtend— die vernichtete Gattinn zermalmend! und wie er mich in den Staub trat, der Mann, den ich andethe!— O warum zog er mich einst hervor aus dem Staube! Warum lockte er die Anwende von den Stufen des Altars auf den Thron?— Warum mußte ihre Hand das leichte Crucifix gegen den jchweren Zepter vertauschen? Er hat es gewollt. Jetzt bin ich Königinn und will es bleiben.— Ich habe ihn nicht gelockt, Habs mit keiner Fürsteniochrer um sein Herz gebuhlt— jetzt b in ,ch Königinn und will es bleiben! log Rache meiner gekränkten Liebe! Rache mejx nsr beleidigten Würde! Zweyte Scene. SerravalIe. Die Königinn. Serrav. tdcr die letzte» Worts bort.) Ja Rache, edle Königinn! Dieß Wort heißt mich willkommen. Königinn. Wer seyd Ihr? waS wollt Zhr? Serrav. Ich bin Serravalle. Königinn. Der seyd Ihr? ich weiß wen Ihr sucht— was hab' ich mit Eurer verschmähten Liebe gemein?— Geht zum Könige— oder flieht— es ist doch zu spat. Serrav. Euch such' ich Königinn. Blan- ta ist meine Gemahlinn. Königinn(erstaunt.) Eure Gemahlinn?! Serrav. Durch Priesters Segen. Königin n. Wer zwang die Braut? Serrav. Ihr Herz war längst mein. Königinn. War— Serrav. Ist mein, hegt keinen Zweifel. Königinn. Und ihr Vater? S> erra v. Der gab sie mir. Königinn. Er? Euch? Serrav. Der Edle, von Euch Verkannte. Königinn. Und ihre Mutter? Serrav. Sie hat der Ehrsucht Binde von den Augen gerissen. Ksnigi n n. Wem erwählt Ihr Eure Mahr- chen? Seyd Ihr wirklich S'erravalle? oder hat man Euch gedungen? Verzecht Signor, ich hab Euch ine zuvor gesehn. Serrav. Wohl gehn hier Dings vor, die Mohrcben gleichen. Blanca's Barer im Kerker—- Köurgin n. Udaldo?! Serrav. Er, des Staates Geist und Stutze, des Königs Oheim, Vormund, Erzieher—' Ubaldo mrt Narben und Ruhm bedeckt, schmachtet im Kerker! Kon,ginn. Wenn Ihr wahr redet>—ich kenne den König— nur die gewalrigste Leide»- schafc vermochre zu ersticken, was Dankbarkeit gepflanzt und lange Gewohnheit befestigt hatte. Serrav. U n Blanca's Besitz verkaufter das Blut seiner getreuen, das Herzensblut seiner eklen Gemahlinn. Königinn itief seufzend.) Ach! so ists! E-err a v. De. emsg durfte fodern: auch btti Purpur hacke Alfo-iso mir ihm getheilt. Der Unerschütterliche mahlte Fesseln. K ö u i'g i n n. So steh' ,ch tief beschämt vor ihm, A-h! Ihr wißt nicht Graf, wie jedes Eu- i-r Worte mein Elend mehrt. Ich hatte noch ei. neu Lrost: ich durfte meinen Haß theilen, ja den größten Theil auf Ubaldo werfen— jetzt bin >ch ganz elend, denn ich darf nur den noch hassen, den ich liebe! Serrav. Den König allein. Er hatte Eu- r«i Untergang beschlossen— Ein Wort Ubaldo's, und Eiire Krone schimmerte anf Blanca's Hai.pt. Er gab nur die Tochter und ging freymillig in Kerker. Königinn. Des Mannes Größe drückt Uiich zu Boden. serrav. Erhebt Euch! helft ihn retten! Königin,!. Was vermag die Verstoßene? Serrav. Des Königs Allmacht ist verschwunden, er steht allein, ein einzelner gehaßter Mensch. Das Volk ist müde seiner Launen, das Heer fordert ungestüm den geliebten Feldherrn. Ich, sei,, Eydam, wage Blut und Leben. Wir brechen seinen Kerker— mir vertrauen deS 1 H 3 Staates Ruder seiner erfahrnen Hand— wir huldigen Euch.^ Königinn(erschrocken und erstaunt.) Mir?! Serrav. Euch, edle Fürstinn. Ihr habt, durch Wohlthaten des Volkes Liebe, durch sanftes Dulden sein Mitleid gewonnen. Eure Herkunft ist vergessen, man kennt nur Eure Tugenden. Ihr werdet einen fürstlichen Gemahl wählen, Eurer würdig, Dem und Euch wollen wir gern gehorchen. Koni ginn. Und Alfonso? Serra'v. Sterbe! Königinn. Nimmermehr! Serrav. So danke er Euch im Kerker eist Leben der Neue gewidmet. Alles ist bereit. Fasset Muth, Königinn, folget mir ins Lager. Man erwartet Euch. Zn wenigen Stunden haben wir es vollbracht, dann stellen wir Euch dem Volke dar, als dessen geliebte Beherrscherinn. K ö nig i n n. Nein! nein! Serrav. Meine Worte sind des Heeres Stimme. Königinn. Was hab' ich mit dem Heer« zu schassen? Wollt Ihr Hochverrath mit dest> Schleyer eines Weibes bedecken? Entfernt E"^ Signor! ich will nichts weiter hören. IIH Serrav. So verschmäht zum Mindesten die Warnung nicht. Das Beschlossene wird ausgeführt. Ko.-nginn oder Nonne ist Euer Loos. Königinn. Ich habe gewählt. Fort Si- gnor! Werrav. Jetzt, llbaldo, wenden alle Blicke sich nach dir!(M.) Dritte Teene. Die Königinn allein. Wie geschah mir?—den Rache-Demo»hab' ch selbst gerufen, er ist erschienen mir zum Schrecken.— Was hab'ich denn gewollt? weiß ich es »och?— Eine Nebenbuhlerinn verderben— sie war es >üe. Eine eirle Mutter züchtigen— es ist geschehn, ihre stolzen Entwürfe sind vernichtet. Einen treulosen Gatten strafen— er ist gestraft, Blanca vermahlt.— Ich den Thron ihm rauben?—War es mir denn je um seinen Thron zu thun?— Ich ein Werkzeug seines Unglücks?—(Bewegt) Er hat r 14 mir schone Tage gegeben, sie können wieder kommen, ist er doch nur ein Verirrtsr.— Unglück!--- ja wenn du es regieren könntest nach Gefallen; wenn dn rufen könntest: halt! nun ist genug! Dann möcht'er leiden, sich und mir zum Gewinn. Denn Herzen, die sich fremd wurden, führt leicht das Unglück wieder zusammen. Es tilgt Haß und Neid, erregt Wohlwollen in fremder Brust, und Leidende lieben sich untereinander.— Ja, im Kerker wurde mich Alfonso lieben, denn nur ich würde seine Fesseln theilen. Aber ist er stark genug den Verlust einer Krone zu tragen d— Nein, er ist ein Mann, gewohnt zu herrschen. Keinem Manne gnügt an Herrschaft über ein treues Herz. Wie bin ich so verwandelt?—Sind die schwarzen Gedanken unter diese Blumen geflohen?— Sieh da. Alles blüht um mich, hab' ichs doch zuvor nicht bemerkt. Monso muß gerettet werden. Ich muß ihn retten!—Aber wie?— Soll ich eS bereuen, daß ich nie um Einfluß buhlte?^— wen hab' ich jetzt? nur mich? Nur mich? bin ich mir nicht genug?— Ich will ihm Alles entdecken.—Alles? nein, er möchte wähnen, ich wolle durch rr5 ein Opfer ihn bestechen. Darum nichts von mir — nichts von dem, wozu man mich mißbrauchen wollte. Er sey gewarnt. Ich will ihm schreiben. Kein unbedachtes Wort verrathe mehr, als er wissen darf und muß. Vor seinem Bilde will ich schreiben, vor seinem freundlichen Bilde, so gedenke ich keines harten Zuges, der mir heute weh gethan.(M.) Vierte Scene. DerKonig und Graf Camponers, König. Geht dort nicht die Königinn's Graf. Sie scheint Euch zu fliehen. König(ttauecns.) Sie flieht mich und ich meide sie. Ach! es gab eine Zeit, wo ich nur an Einem Tage in jeder Woche sie sehn durfte; damahls lebte ich nur an diesem Einen Tage—> Und nun!— ich ron ihr geflohen, sie von mir gemieden!— O Graf! was ist der Mensch! besitzt er denn so gar nichts, wovon er rühmen darf, es werd' ihm bleiben bis- an seinen Tod? — Graf, bisweilen möcht' ich wünschen, Blanc« Nie gesehn zu haben. (Äraf. Es steht ja nur in Eurer Macht— König. Meint Ihr?— Nein, so mächtig bin ich nicht. Mir gehorcht ein Volk, nicht mein Herz.— Nun hab' ich sie erblickt. Kann ich es! ungeschehen machen? oder kann ich durch ein De- cret diesem Herzen Schweigen gebiethen? Graf. Das nicht, doch es befriedigen. König. Genusi mag die Gewalt erzwingen, Befriedigung nicht. Graf. Eure Stimmung gnädiger Herr— König. Ist Verstimmung. Ich möchte anders seyn, und kann nicht anders werden. Ich möchte der Vergangenheit gebiethen umzukehren, und bin nur ein Mensch, der seine Ohnmacht doppelt suhlt, weil er das Unglück hat, ein verwöhnter Fürst zu seyn. Graf. Denkt ihr so? gebricht es Euch an Kraft, so zahlt auf Ubaldo. Sein Eigensinn wird Eurer verirrten Tugend bequeme Wege bahnen, doch freylich mit dem Ehrenkcanz nur sich selber schmücken. König. Versteh' ich Euch? Graf. Man sagt er wolle rasch die Tochter vermahlen, oder—habe sie schon vermahlt. König(»oll Entsetze»,.) Gras—Ihrlügt— "7 Ihr wollt mich prüfen— das ziemt Euch nicht— bekennt! wozu dieß Mahrchen? Graf. Wie dürft' ich solche Kühnheit- König. Es ist nicht wahr! widersprecht mir nicht! wagt es nicht noch einmahl Bianca vermählt zu nennen. Graf. Ich schweige. Konig. So? nun wißt Ihr zu schweigen, nun Ihr den Widerhaken in meine Brust geworfen. Jetzt redet ich befehle es Euch. Gras. Serravalle— König. Nennt mir den verhaßten Nahmen nicht! Graf. Mit ihm sprach ich das Übrige aus. König. Erfindung, kümmerliche Erfindung, itbaldo hat schon längst ihn abgewiesen. Graf. Andere Zeiten— gereihter Eigensinn, des Jünglings Beharrlichkeit— der Tochter Liebe— König. Ihr seyd des Todes, wenn Ihr das Noch einmahl wtederhohlr. Gras. Blanca's eigne Worte— König. Stoßt zu! der Dolch ist vergiftet. Graf- Gern hätt' ichs ganz verschwiegen; ober solltet Jhr's von fremden Lipoen hören? fremden Augen Euren Kummer zur Schau stel- 118 len? Lieber mochte Eures Zornes erster Ausbruch über mich ergebn. Ja gnädigster Herr, in meiner Gegenwarrschlosi sie den Bund, der ihres guten KonigsHer.z zerreißt. König. In Eurer Gegenwart vortrefflich! daran erkenn' ich den Freund. G ra f. Konnt' ich mehr thun als mein Leben wagen!! ich that es, erlaßt mir die Erzählung. Es mochte scheinen, alS wollt ich ein Verdienst um Euch geltend machen. Wozu auch jetzt von mir? Bianca muß befreyt, Ihr müßt gerettet werden. König. Ist sie vermählt, was bleibt mit übrig, als mit ohnmächtiger Wuth in des Schicksals Ketten zu beißen? Graf. Ohnmächtig? Seyd Ihr nicht Herr? — man hat das Äußerste gewagt, so thut i'hr nun das Äußerste. Man trotzt dem Kömge-, so räche sich der König!— Noch ist nichts verloren. Ein. drohendes Wort, und Bianca selbst schmiegt sich erschrocken in Euren Arm.. Kon ig. Dieß Wort? G r a f. Tod! König(schaudert.) Wem? Graf. Wem sonst als. dem übermüthigen/ der noch in Fesseln. Euch verhöhnt! König. Ubaldo? nimmermehr! er war meiner Jugend treuer Führer, meines Reiches tapfere Grütze. Mein Gchwerr konnte sein« Brust nicht berühre», ohne auf Wunden zu treffen, die er für mich empfing.— Nimmermehr! in meiner Hochzeltkammer, auf meinem Sterbelager, würde ich sein blutiges Gespenst erblicken.— Ich kau,, ihn hassen— ich Haffe ihn! aber er ist doch ein Mann! Graf, er ist ein Ehrenmann, ihr fühlt das wohl! Graf. Will ich denn seinen Tod? nur die Drohung, das Urtheil, nur Eure Unterschrift. Wenn er Ernst gewahrt, wenn eines schimpflichen Todes Schrecken ihn umgeben; wenn Gemahlinn, Tochter, wimmernd an ihm hangen— das wird ihn beugen. K ö ui g. Ihr kennt ihn schlecht. Wie, wenn er dennoch unerschüttert bleibt? Wem, er ruhig seinen Nacken dem Beile biethet? Graf. So ruft Ihr: Gnade! König. Und was wäre dann gewonnen? Graf. Ich möchte fragen: was wäre dann verloren? Bessern kann mein Rath, verschlimmern nicht. König., Und welchen Verwand für die Gauckeley? Pag« der Königinn(«ritt auf und übe«' »eicht dem Königs einen versiegelten Zettel.) Von der Königinn. König. Schon gut, die Antwort werd' ich senden, wenn es einer bedarf. (Paae ab.) König(indem er den Zettel erbricht.) Vermuthlich neue Klagen, neue Wuth. Sie sollie meiner schonen. Das erbittert nur. Ja« war ich selbst mit mir zufrieden, dann möchte sie klagen, wüthen.(Er liest.) Nein— nein— ha! Graf!—' was ist das?(Er liest laut.) „Ich warne den König und beschwöre „den Geliebten, auf seiner Huth zu seyn. „Im Lager ist Empörung. Er eile, sich „die Krone, mir sein Leben zu erhalten." Welche RSthsel! Graf. Die ich löse. So schlimm als die Königinn es macht, und machen muß, um durch Großmuth zu glänzen oder zu rühren, so schlim»! ist es nun wohl noch nicht. Aber Gehrung herrscht und ein Geist der Widersetzlichkeit senkt sichrem Haupte herab auf die Glieder.— Gnädiger Herr, Ihr suchtet eben eine» Vorwand für di« Gauckeley, wie, wenu Ihr einen für den Ernst gefunden härtet?— Ich wellt es Euch vec- i > k h ir d E i f- A tS f- 8 fa de ne verhehlen, den Vater Blanca's schonen; aber wenn es um sich greift, wie der Königinn Warnung befürchten läßt, dann wäre Schweigen Verbrechen. Wisset, die mir zugeordneten Trabanten weigerten sich den Herzog zu verhaften. König. Und doch befindet er sich im Kerker? Graf. Er ging freywillig. König. Hm! das sieht ihm ähnlich! Was hab' ich zu fürchten von einem solchen Mann! Graf. Nichts von ihm vielleicht; aber wie, wenn man ihn zwingt? War' er der erste, dem Soldaten eine Krone aufgedrungen? Er ist Euch„ah verwandt, des Heeres Abgott— König. Tugend ist der seinige. Graf. Achilles Ferse war verwundbar. Doch ferne sey von mir, des Königs edle Brust mit Argwohn zu erfüllen. Nur eine Antwort galt ^ auf die Frage: wie ein Todesurtheil sich rechtfertigen lasse? König. Ihr scheint von diesem Kunstgriff Wunder zu erwarte»? Wohlan, auf Eure Gefahr. Ihr möcht versuchen, ob es Euch gelingt, Mann zu schrecken. Graf. Doch nur, wenn mir der König seinen Nahmen leiht. KPevue'L Theater 32. Van». F 122 KLntg. In meinem Nahmen möcht Ihr sprechen.^ Graf. Wieder mir glauben ohne Eure U»-^ rerschrifr'i z^ Konig. Genug!— selbst nicht im Scherz^ möcht ich die Feder so mißbrauchen. W i e er es aufnimmt, davon will ich ein verborgener Zeuge^ seyn. Verdoppelt überall Wachen und Vorsicht. Dringt mir die Schlüssel zu dem Thurme, der^^ «n Ubaldo's Gefängniß stoßt. Ihr selber ließt ja! dort, während des letzten Krieges, eine künstliche Anstalt treffen, um Staatsverräther zu belauschen. Davon weiß der Herzog nichts, denn wahrend ihr so bautet, focht er für den Sraat. Dort höre ich Alles und trete zu rechter« Zeit hervor." Graf. Ich gehorche. d König. Auf der Stelle! Jeder Augenblick ir ist eine Marter, bis mein Schicksal sich entschley- u ?rt. Kaum darfs ichs wünschen. Hoffnung S allein beglückt den Menschen und doch bangt« e- immer nach Entscheidung.— Graf, ich fürchte E dieser Zettel wird mir einst in Dlanea's Arme» kc mit Flammenschrift an der Wand erscheinen. Du^ Ä Königinn durch m i ch verbannt— ich von i Ist l'< gewarnt— meine Harte— ihre Großmut? jj rZZ — kommt! kommt! wirgchnauf Lava-Rkde, sus jeder Spalte lecken Flammen empor!-Ab.) Gra f. 3>ur immer zu, so kannst du nieiner nie entbehren.§ dem Lehrling Nutzen brächte.— Laß sehn, was lern' ich von dirs— Netze weben?— N-in. Witterung prophezchhen?— warum nicht ed wäre bey Hofe eine willkommene Kunst.— E'whs, da halst du dich an einem Faden, den ^«um das Auge erblickt- sicher schwebst du in der . uft.—. Härte dir allein der Schöpfer die Ga- ! Glicht,, solch' einen Faden aus dir selbst zu ftmuen?— Mit Nichten! auch dem Menschen F 2 der picht klagen soll, er sey vergessen, als jedes Geschöpf einen Trieb empfing. Ihm war ein Edleres—- die Pflicht! Über einem Abgrund schwebt er sicher an ihrem unsichtbaren Faden! Sechste Srene. Camilla. Blanca. Ubaldo. Cam. Ich bringe dem Vater die vermahlte Tochter. Ubaldo. Komm an mein Herz geliebtes Kind! schau nicht so beklommen um dich. Der Ort ist düster, mein Auge heiter. Blanca. Ach! mein großer guter Vater! so beschimpft um meinetwillen! Ubaldo. Beschimpft? wer hält mich dafür? — ich nicht, und der König wahrlich auch nicht. Will mich doch bedünken, ich sey noch nie so stolz gewesen; denn nun hab' ich ja mich selbst erprobt, und bin mir treu geblieben.— Hörst du Bianca, dein Vater ist ruhmredig geworden, dochM Halste aus Liebe für dich. Muth wollte er dir einflößen, auf daß du ruhig mit deinem Manne ziehest, den Vater in der unfreundlichen 125 üttiig nicht elend mahnest. Glaube nur, es ist ein großer Genuß des innersten Menschen, in ei. »er schweren Lage sich selbst zu begegnen, wie einem treuen Freunde, den man durch Mißtrauen gekränkt.— Nun ists genug. Ich segne Euch l - geht. Cam. Ich geh»?— So hart wird mein Gemahl nicht strafen. Er hat mir verziehn, und hier ist mein Platz. Bianca. Ich hab? keinen Bruder, keine Schwester, die mir ein heiliges Recht hier streitig machen dürfte». Ubaldo. So bleibe die Mutter, auf das ße nicht des Grolles mich verdächtig halte, den ich nie gegen Irrende gehegt. Aber dich, Blanca ruft die Pflicht zu deinem Gatten. Warum kam er nicht selbst? ich hätte so gern einen Sohn umarmt. Doch er hatte Recht. Die Fußtapfen gehn hier nur in die Höhle. Auch er ist nun dem Könige ein Verbrecher. Cam. Keine Furcht hat ihn gehindert. Blanca. Der süßen Pflicht hat er die heilige vorgezogen. Ubaldo. Welche? Blanca. Den Mann zu retten, der nun auch sein Vater ist. 126 Ubaldo. Retten? was habt ihr vor? C a m. Du, des Heeres Stolz und Liebe.— Ein Wink deines Eidams, und alle Schwerte! blinken dir zur Brustwehr. Ubaldo(erschrocken.) Meint Zhr das? nun? wie weiter? Cam. Deines KerksrS Pforten werden gesprengt; dergehaßte Tyrann vom Throne gestürzt; die kinderlose Königinn verschmäht die Krone, du der nächste Erbe.— Ubarvo. Hake ein! spare den Athem bis zum Viv.at am Krönungstage. Rede Blanca,>vs ist dein Gemahl? Blanca(schüchtern, aber mit steigendem Feuer,! Wir verließen ihn im Lager. Er ging von Zelt zu Zelt. Aus jedem strömte ein frischer Häuft ihm nach. Endlich stand er im dichten Kreise. Die Augen blitzten, der Mund donnerte. Wer ih» horte, murrte laut. Wer die Worte nicht vernahm, wurde von des Blickes Feuer ergriffen. Die Alten stampften, die'Jünglinge entblößte» ihre Schwerter, die Pannerführer rissen hasül! ihre Fahnen von einander, ließen hoch in der Luft sie flattern, und alle jauchzten dem kühne» Manne zu: führ uns an! wir folgen dir! Ubaldo. lind er? Cam. Die Königinn, rief er, hat euch aufgegeben; ihr mangele Kraft und Muth euch zu beherrschen. So wählt den Würdigsten, dem langst schon Tapferkeit und Tugend Kronen wanden. Herzog Ubaldo! schrie das ganze Heer, Ubaldo unser König! Ubaldo. Verflucht sey Serravalle! verflucht das treulose Heer! So ist es mir»och immer nicht gelungen, diesem Volke Ehrfurcht einzuflößen? es wagt mich zu beschimpfen? eS begehrt, dnß ich ein tadelloses Leben durch eine geraubte Krone schänden soll? cS vermengt mich mit d-em Heldenpöbel, dem alles Heilige in der Brust um Herrschaft feil ist? Bianca(leise.) Ach Mutter! sagt ichEuch daS nicht zuvor? C a m.(leise.) Sey ruhig er wird endlich dem stürmischen Verlangen des Volkes weichen. Ubaldo. Doch was nützt msm Toben gegen diese Weiber? kostbar sind die Augenblicks. Herzoginn, Euch erkenn' ich des Hochverrathes mitschuldig, Ihr bleibt eine Gefangene in diesem Kerker, und begrabt hier Euren Ehrgeitz. Du Bianca, eilst hinaus umschlingst deinen Gemahl, und kreischest shm ius Ohr: ich bringe dir memes 128 Vaters Fluch!— der König muffe schnell erfahr ren—he! Wache! Wache! Siebente Scene. Graf Camponero. Die Vorigen. (Der König erscheint am Thurmgitter.) Graf. Was beliebt Euch Herzog? Ubaldo. Ihr kommt zu rechter Zeit. Warnt Euren königlichen Freund. Im Lager ist Aufruhr- Man greift verwegen nach seiner Krone. Alfon- so's edle Gemahlinn schlug sie aus. Jetzt droht man mir. Graf. Habt Ihr den kühne» Frevel schon vernommen? Desto besser'. Ein großer Mann in solcher Lage bedarf keiner Erinnerung/ daß er dem Staate ein Opfer schuldig ist. ttbaldo. Der König fordere. Graf. Er fordert Euer Leben. (Mutter und Tochter schreyen laut auf.) klbaldo(unerschüttert.) Mein Leben steht ia seinen Handen. Graf. Ihr begreift. Herzog/ wie selbst da? r2g Madigste Vertrauen in Euren erhabenen Charakter dem Könige hier nicht für seine Ruhe bürgt, indem ein toller Haufen droht, selbst wider Euren Willen Euch auf den Thron zu stoßen. So lange ihr lebt, würde er täglich seinen Scepter als ein Geschenk von Eurer Tugend empfangen müssen, und jeder gemeine Empörer, der seine eigne niedre Denkungsart Euch unterschiebt, würde, zahlend auf Eure Hülfe, das Panier des Aufruhrs pflanzen, Ubaldo. Der König mag recht haben. Graf. Darum ward ich hergesandt, ein betrübter Zeuge Eurer letzten Stunde zu seyn. Doch die Wahl der Todesart bleibt Euch überlassen. Ubaldo. Auch das ist Dankes werth. (Mutter und Tochter umklammern ihn ängstlich.) C a m. Mein Gemahl? Bianca. Mein Vater! C a m. Willst du auch noch jetzt deiner furcht baren Tugend opfern? Ubaldo. Jetzt nicht? wann denn sonst? Bianca. Hat der König in diesem Augenblicke Euch von jeder Pflicht-Mbunven? Ubaldo. Das kann selbst Gott nicht. C a m. Bist du deiner Gattinn, deinem Kinde, gar nichts schuldig? ,3o Ubaldo. Unverletzte Pflicht bis in den Tod, Blanca. Ein Volk winkt Euch auf den Thron. Ubaldo. Seig König lebt. Cam. Von dir heischt eS Gluck. Ubaldo. Meine Pflicht ist der Preis. Bianca. Könnt Ihr sie retten? Ubaldo. Ich kann, denn ich will. Cam. Insgeheim wirst dn ermordet, der Welt als ein Verrather vorgespiegelt. Ubaldo. Das verantworte der König. Bianca. Aber welche Frucht nehmt Ihr mit ins Grab? Ubaldo. Mein Bewußtseyn. Cam. lind wir, was soll aus uns werden? Ubaldo. Weinende auf dem Grabe eines ManneS, der auch dann sich treu blieb, als er von seinen Lieben gewartet wurde. Cam. Sage was du willst, wir lassen dich^ nicht. Bianca. Wir umklammern deine Kniee, dein Hertz! Cam. Gib uns nicht der Verzweiflung^ Pr-is! Blanca. Laß dich meine Todesangst bewegen! C a m. Höre den Jammer deiner Wittwe! Blanca. Das Wimmern deiner Waise! Cam. O ich sehe dich erschüttert. Jetzt will ich nicht ablassen; jetzt will ich mein Blut auf deine Hände weinen! Blanca. Vater! Vater! du bist gerührt — Du bist überwunden— du bist mein!(Sie umklammert seinen Nacken.) Ubaldo(sich fanftloswmdcttd.) Gattinn! Tochter! was fordert Ihr? wozu treibt Ihr mich! Ja es ist Euch gelungen eine Thräne der Angst in mein Auge zu pressen!— Gott! hier steh'>ch ein schwacher Greis. Gerüstet war ich gegen die Gewalt, aber nicht gegen Liebe.— Halte mich Gott! ich unterliege in diesem Kampfe! Zeige mir die verklärte Gestalt meines Lehrers! Laß noch Ein Mahl seine Stimme an meinem Ohrs ßüstern! Neisse mein Herz von seinen Adern los! Glb mir Kraft, daß nicht im letzten Augenblicke die Frucht des langen Lebens mir entrissen werde!— Graf, ich bitte Euch, eilt, denn ich dm nur ein Mensch. Graf. Wollt Ihr diese Phiole?(Er reicht Hm ein Glas.) »As Ubaldo. Gebt. (Mutter und Tochter drängen ihn kreischend»li! Gewalt zurück.) Cam. Ehe du trinkst, mußt du mich sterbe» s-hn. Blauen. Vater! willst du dein Kind wahnsinnig hinterlassen? Graf. Warum quält Ihr Euch? steht es nicht in Eurer Macht, durch ein einiges Wort, Euer Glück, des Königs Ruhe, des Volkes Frieden herzustellen? Cam. Sprecht es aus! Graf. Bianca.— Der Herzog.werde d-S Königs Vater und aller Argwohn schwindet. Ein heiliges Band verknüpft auf ewig die Zweige eines Stammes. Ubaldo(sehr ruhig.) Meine Tochter ist vermahlt. Graf. Der Papst kann lösen. Ubaldo. Nunmermehr! Graf. Wohlan, so trinkt. Dlanea(in höchster Angst.) Vater! ich will meine Liebe opfern. Ubaldo. Schweig. Graf. Prinzessinn, rettet Euren Vater wider seinen Willen. Erkläret laut, daß ihr de» Thron des Königs theilen wollt/ und augenblicklich ist jede Gefahr verschwunden. ubaldo(sieht sie starr an.) Erkläre Blanca. B lanc a(kaum ihrer mächtig mit schwacher Stim nie.) Ich will— llbaldo. Halt ein!— OGott! so hättest du für meine letzte Stunde den bittersten Tropfen aufgespart! ich müßte sterbend meinem Kinde fluchen! Ja, ich fluche dir Tugendvergesse- ne! Erkaufst du mein Leben mit deiner Schande/ so siehst du nie mein Antlitz wieder! Zum heiligen Grabe will ich mich betteln/ und jedem heimkehrenden Pilger einen neuen Fluch für dich umgeben.— Redet Herzoginn! rede Mutter zu deiner Tochter. Warst du mir kein treuloses Weib, so lehre sie jetzt ihre Pflichte».-- Wie? du schweigest? Cam. Allmächtiger! soll ich denn meines Gatten Lodesurtheil sprechen! Blanca. Ich kann nicht mehr(sie sinkt an dem Vater nieder und hält sich liegend an feinem Knie.) kl b a l d o(zum Grafen.) Gebt. Der König(hmter dem Gitter.) Halt ttbaldo(stutzt.) Was war das? Gras. Der König selbst. C a m. So todte der Tyrann mit Einem Streiche Barer, Mutter und Kind!(Sie umschlingt ihres Gemahls NaSen.) Achte Scene. Der König. D i e V o r i g e u. König. Seyd ruhig Herzog. Ubaldo. Ich bin es. König. Ihr habt kein Ungeheuer an Eurem Busen erzogen. Eure Lehren sind mir unvergeßlich, denn ich stehe beschämt vor Euch, und finde dennoch Kraft in mir Euch Eure Größe zu verzeihen. Ubaldo. Das ist Königlich. König. Erhohlt Euch, schöne Blanca. Ihr sehr mich tieferschüttert, und aus dem wahrsten Herzen dringt der Wunsch, daß Ihr den Bruder- Nahmen dem Reuigen nicht versagen wollet. Graf. Welch ein Getümmel! Ca m. Serrasalle! Blanca(taumelt auf.) Mein Gemahl! Ubaldo. Ha! dec Verwegene!— König. Graf, eilt hmauS. Unterrichtet ,55 Euch. Sagt dem Volke/ daß in diesem Kerker Friede herrscht; daß der König selbst gekommen/ die Fesseln seine« Freundes zu lösen.'Der Graf gehe indem er die geballte Jaust mit innsrm Grimm en die Stirn schlagt.) Cam. O möchte blinde Wuth den schönen Traum nicht aufs neue vernichten. Bianca(ängstlich.) Das Getümmel nähert sich. Cam. Verworrenes Geschrey. König. Ein Wort des Grafen wird die Gemüther schnell besänftigen. Stimmen draußen. Es lebe Köm- llbaldo! König. Ha! was war das? Ubaldo, Befürchtet nichts. Neunte Scene. Ein Ofsicier. Die Vorigen. Officier sl,ästig.) Reitet Euch mein Kö- iüg! Das Volk stürmt den Pallast. Schon ist der Graf ein Opfer seiner Wuth gefallen. König. Ha! mir das? i56 Officier. Die Tapfersten im Heere steh« an des Aufruhrs Spitze, dringen in denPallast, verfolgen Eure Trabanren von Saal zu Saal. Viele sind erschlagen, wenige kämpfen noch. Ubal- do! rufen die Empörer, daß es in den hohe« Hallen gräßlich miedertönt. Ubaldo, schreyt das Volk auf dem großen Platze, und aus fernen Straßen gibt ein dumpfes Echo den Nahmen zurück. Da bahnt' ich mir einen Weg über Leichen. Meinem Könige bieth' ich den Arm, die Wurzel auszurotten. Ein Wink—ich stoße den Gefangenen nieder.(Er zieht den Säbel.) Ubaldo. Recht. Stoß zu! (Mutter und Tochter werfen sich kreischend dem entblößten Säbel entgegen.) König. Dein Schwert in die Scheide! um diesen Preis erkaufe ich keinen Thron. Officier. So flieht, mein König flieht! Der Gang durch diesen Thurm— König. Ich fliehe nicht. Durch Zagheit werden verirrte Unterthanen nicht wieder gewonnen. Herzog, ich bin Ener Gefangener. Ubaldo. Da sey Gott vor! König. Wollt Ihr das nicht, so tret'ich hinaus unter den rasenden Pöbel. Auch sterbe» hab' ich von Euch gelernt. Ubaldo. So seyd Ihr wieder ganz des Thrones würdig. Ihr geht nicht ohne mich.(Er- »greift den König bey der Hand und will mir ihm hinaus.) Zehnte Scene. Die Königinn(stürzt herein,«sdie»b!e!ch, mir zerstreuten Haaren.) Königinn. Er lebt! erlebt! Rette Dich Alfonso! der Pöbel lechzt nach Deinem Blute; — Herzog, hab' ich Euch verkannt, o so verzeiht dem liebenden Weibe von Eifersucht gepeinigt! rettet meinen Gemahl! rettet ihn für Eure Tochter! ich entsage allen Ansprüchen, allen Hoffnungen. Ich will zurück in mein Kloster gehn— nur daß er lebe! daß er glücklich sey! Ubaldo. Edle Seele! Kann Dir Liebe diesen Heldenmuth einhauchen? und die Pflicht vermochte weniger?— Faßt Euch Königinn. Noch ist nichts verloren. Das Volk wird meine Stimme hören. Fort! hinaus! iZ3 Königinn. Ha! sie kommen!(Sich in BImu ca's Arme stürzend.) Schuhe ihn Schwester! er ist dein Gemahl! er war der Meinige! wir müssen beyde für ihn sterben!(Siesink; oh,uu«i4>> tig zi! Beden.) Ei lft e Scene. Terra valle. Ä r i gs o b s r ste n. Soldaten Volk. Scrrav. Hierklbaldo! Triumph! erlebt! Alle. Ubaldo unser König! Einzelne Sri in m e n. Fort mit dem Ty- oannen! Das Volk.- Greift ihn! schleppt ihn hinaus. Die Soldaten(mecheii eine Bewegung g«- gen den König.) Ubaldo(wirft sich vor ihn.) Hört mich, Zhk Rasenden! mir wollt Ihr gehorchen? Wohin» so hört! A l l e, Rede Herzog! Ubaldo. Welch' ein Wahnsinn hat das Volk ergriffen? Diese von Wmh verzerrten Gesichter sind meine Waffenbruder? Soldaten, hab' ich Las um Eirch verdient? Hab' ich Mangel und Gefahr nicht mit Euch, Ihr den Ruhm mit m i r getheilt. Diesem Kotige hab' ich geschworen; Ihr wollt mich zum Meineid zwingen? So, hatt' ich darum ein langes Leben mir unbefleckt erhalten, daß ich, ein Spielmsrk Eures Wahnsinns, wie ein gemeiner Abenteurer, auf einem besudelten Throns endigen sollte? Erwacht! erwacht aus diesem fürchterlichen Taumel! hinweg vom Abgrund-, aus dem nur die Reue zu Euch herauf stöhnt! Serrav. Vergebens sträubt Ihr Euch, mein edler Vater, gegen des Volkes einmürhigeStimme. ttbaldo. Wer bist du, der du wagst, mich Vater zu nennen? ich kenne dich nicht ich habe dich nie gekannt. Fluch dir und deinem Geschlechte, wo du nicht dein Schwert augenblicklich zu den Füßen deines rechten Herrn legst. Bianca. Gehorche Serravalle! Serrav. Für ihn allein ergriff ich das Schwert. Ubalb o. Mein Abscheu ist dein Hohn. Ha! Ihr Männer, die ich oft in blutigen Kampf ge führt, wie mochtet Ihr diesem ehrgeitzigen Knaben folgen? Nicht für den Greis hat er sich bewaffnet, nur auf den Greis wollte er die Schuld des Raubes walzen, und dann die Beute von. ihm erben. Serrav. Ha! das ist zu viel. Wahrlich! wahrlich! eine gute That gedacht' ich zu vollbringen, war' auch mein Leben der Preis. Doch wenn dieser Mann sich von uns wendet, so ist frevelhaft was wir beginnen. Seinen Abscheu ertrag ich nicht. Hier liegt mein Schwert. Folgt meinem Beyspiel! Ein Oberster. Nimmermehr! wir haben eS begonnen, so muß es vollendet werden. Es gehe wie Gott will. Herzog, Ihr seyd unser König. Ubaldo. Wollt Ihr statt des mühsam errungenen Lorbeers, eine glühende Krone auf mein Haupt drücken? Ich will Euer König nicht seyn! Der Mann, den Ihr vom Throne stoßt, hat jedem Bettler einen Willen gelassen, und I h r wollt m ich zwingen? DerOberste. Herzog, Ihr seht die Hauptleute des ganzen Heeres um Euch versammelt: es ist reiflich berathe», beschworen, besiegelt; das Volk stimmt ei»: Ihr m üßt unser König werden! Ihr seyd dein Vaterlande verschuldet. Ubaldo. Willst du mich meine Pflichtengegen das Vaterland lehren?(Cr schlägt auf seine Brust.) Hier stehn sie mir ins Herz gegraben! Laßt ab! ich beschwöre Euch! zwingt mich nicht, meine Narben aufzureißen, um jene heiligen Pflichten im blutenden Herzen Euch lesen zu lassen! Das Volk draußen. Es lebe König Ubaldo! Der König. Herzog, weicht der Gewalt. Ubaldo. Laßt ab! es möchte Euch zu spät gereuen! Der Oberste. Das Volk dringt zu. Es will dem neuen Beherrscher huldigen. Auf Kameraden! auch Liebe darf Gewalr brauchen. Hebt ihn hoch auf Eure Schultern! tragt ihn hinaus, damit des Volkes Jubel seinen edlen Widerspruch ersticke. Alle. Hinaus! hinaus! hebt ihn auf eure Schultern!(Sie drängen aus ihn ein.) Ubaldo. Zurück! Ihr mordet mich! Die Soldaten(immer näher dringend.) Ubaldo unser Könrg! 1^2 ubaldo(der dem Ungestüme» Haufen nichtmehr einweichen kann, ergreift rasch das Schwert, welches Scrravalle von sich geworfen und stürzt sich hinein.) (Alle, von Entsetzen ergriffe», beben zurück, Mutter und Tochter werfen sich heulend auf den Verwundeten. Der König starrt ihn voll Vewnnbernng an. Ser- «avalle verhüllt sein Gesicht mit beyden Händen. Grausend« Stille folgt auf den Tumult. In der Ferne schrey! das Volk: cS lebe König Ubaldo!) Ubaldo. Jetzt tragt mich hinaus— ich will zum Volke reden, denst taub sind meine Waffenbruder. Oder hat die That Euch erschüttert? vermag der Sterbende mehr über Euch? nun so will ich gern mit meinem Blute Eure Schuld tilgen. Kehrt zu Eurer Pflicht zurück— der Konig wird mir die letzte Bitte gewahren. — Euch verzeihen— (Dumpfes Gcmurmel unter dem Volke.) Ubaldo. Wankt Ihr noch? Ihr habt mich zum Könige erwählt— wohlan, ich bm.s— gehorcht!—(auf den König deutend.) Dieser ist mein Erbe. Der Oberste. O Herzog! warum habt Ihr uns das gethan! Ubaldo. Kameraden, wir Alle haben einst geschworen, unser Blut stur den Kvu'.g zu vergießen— sehr, ich habe.meinen Schwur A.eha'--' den— haltet jetzt den Eurigen-- meine Augenblicke sind gezahlt— soll ich/ Euer Ankläger, vor Gott treten?— o laßt mich fröhlich sterben — laßt mein brechendes Auge seh'n, wie Ihr Eure Waffen niederlegt. Der Oberste. Bruder gehorcht ihm!— Du hast gesiegt. (Alle kuiee» nieder gegen den König gewendet und strecken ihre Waffen.) ksbaldo. Ich danke dir Gott! es ist vollbracht! König. Großer Mann! icl/schmöre in deine kalte Hand, daß ich mein Volk beglücken will.^ Ubaldo(faßt seine Hand.) Dein Volk und Deine Gattinn. König(streckt gerührt die andere Hand nach der Königinn aas.) bind dich Alwins! Königi II n(wirst steh schluchzend an seine Brust.) Ubaldo. Allen Irrenden verzeihe— auch chm, den ich wieder meinen Sohn nennen darf. König. Er soll mein Bruder seyn. Ubaldo. So sterb' ich einen schönen Tod — Gott— nur noch einen Athemzug>— um Meine Kinder zu segnen. König(umarmt sei»« Gemahlinn, und kniet mK chr neben dem Sterbenden.) Auch wir sind Deine Kinder. Ubaldo(streckt seine Hand segnend aus, versucht noch zu sprechen, allein vergebens. Die Rechte ruht anf dem Haupte seiner schluchzenden Tochter, die»Unke hat der knieende König gefaßt. Sein Haupt sinkt auf den Busen seiner Gattinn. Er lächelt uns stirbt.) § (Der Vorhang fällt.) ei Das Inte r m e z z o oder der Landjunker zum ersten Mahle in der Residenz- Ein Lustspiel in fünf Aufzügen. (Erschien i8oA,) Ksrl,>ebus' Lheattr 3r. V«n8. Ä Personen. Junker Hans v o n Bi rk e n, Erbhcrr auf PlW- persdorf. Matz. sein Diener. Krau von Klingen. Amalie, ihre Tochter. Seelmann, vormahls Prediger zu Plumpersdorf. Ernestine, seine Tochter, Amaliens Kammermädchen. Earl, sein Lohn, ein Schauspieler. Dessen Frau. Lieutenant von Silbsrforst. Baron Volt«, ein Spieler. Ein Visitator. Ein verdorbener Grude nt. Eine puuvre irontenie. Ei» Kesselflicker. Ein Taschendieb. Ein Gast Wirth. EinLohnlaquay. Ein Postillion. Ei» Galanterie-Krämer. Ein K au f m an n s d ie n e r. Ein Bedienter der Frau von Klingen. Ein P o l i z ev- B e a m t e r. Drey Bettelbuben. Der Schauplatz ist in Berlin. Erster Act. Ein Dsesaal bey der Krau von Klingen, Erste Scene. Ernest ine allein, am Näheahmen. ^ch muß fort— und will fort— heute noch. "" Ferne sey von mir, die Ruhe meiner Wohlthäterinn zu stören; aber auch meine Ruhe muß ich retten—(seufzen») wenn ich kann!— Zweyte Scene. Amali e. Erne st in e.' A m a l i e. Weißt du schon, liebe Ernestine, daß heute noch das Posthorn mir einen Bräutigam vor die Hausthür blast? Ernestine. Ihre Frau Mutter ließ ein Wörtchen davon fallen.> A m alle. Ach wenn sie doch den ganzen Vorsatz fallen ließe! Der Oncle schreibt:„Werihge-; ..schätzte Frau Cousine! Laut testamentarischer „Verordnung meiner seligen Frau Schwägerinn, „Ihrer im Leben vielgeliebten Frau Schwester, „sende ich heute deren einzigen ehelciblichen Sohn „und Erben, Junker Hans von Birken, per „Extra Post nach Berlin, um daselbst außer „verschiedenen andern Gcschnf-en mit Dero Frail- „l.-in Tochter sich zu vermahlen, falls selbige an- „noch lediger Standes und Herzens erfunden „werden sollte." Lediges Herzens? wie gefallt Dir die Bedingung? E r n e st i n e. Gut, denn die wenigsten Mcin- Ner fragen darnach. A nislis. Aber weiß der Oncle denn nicht, tzaß ich zwanzig Jahr alt bin; meint er, ich hatte mein Herz, wie meine Parhenpfennige, der Gouvernante in Verwahrung gegeben, um es für den Junker Hans von Birken aufzuheben? Ernestine. Die Alten pflegen von ihrer eignen Jugend nichts zu vergessen, als die Gefühle derselben. Amalie. Und bemerke doch, ich bitte dich,, den allerliebsten Ausdruck: der Junker soll, außer verschiedenen andern Geschäften, auch nebenher mich heirathen.(Sie«ritt vor den Spiegel.) Nun sage mir ums Himmelswillsn, hab' ich denn ein Gesicht, mit dem man Geschäfts treibt? Ernestine. Was kümmert den Oncls ihr Gesicht? davon sieht nichts rm Testamente. Amalie. Sein verdammter Brief—- ich weiß ihn fürwahr scheu auswendig— enthält der erfreulichen Dinge noch mehrere.„Belieben «die gnädige Cousine(so schreibt der gnädige „Herr Oncle) sich keineswegs^ an die etwas rauhe „Oberfläche meines besagten Neffen zu stoßen, „sintemahl derselbe einer gesunden Nuß in einer „harten Schale gleicht." Ernestine(bey Seite.) Er hat Recht! Amalie. Wie gefällt dir das, bin ich denn' geschaffen, um junge Baren tanzen, zu lehren? Ernestine. Ach liebes Fräulein! WaÜ wir in unsern Jahren Bildung der Männer zu nennen belieben, ist selten Bürge für eheliches Glück. Amalie. So? wo hast du denn die Erfahrung gemacht? Ernestine. Ich bin seit drey Jahren i» Berlin und Sie fragen noch? Am alie. Gleichviel. Woher soll ein Mädchen wissen, welche Eigenschaften es künftig von seinem Manne fordern wird? Wer kann ihm zumuthen, daß es die H a u sm utter schon« Hochzeittage spielen soll? Man vermahlt sich heute, weil morgen, und auch wohl noch übermorgen aus jedem Winkel Fröhlichkeit und Liebe lächeln. An die nächste Woche, oder gar an das nächste Jahr, wer kann daran denken? Ernestine, Ich weiß, mein Fräulein, das Sie scherzen. Am alie. Laß mich immer. Der plumpe Cousin wird bald genug die Scherze verscheuchen, Ernestine. Auch wenn er wirklich ein braver, gefühlvoller, nur etwaö vernachlaßigter junger Mann wäre? Am alie. Ich glaube fürwahr, du nimmst dich seiner an? Ernestine(»erwirkt) Ich?>— ich kenne ihn za nicht. Am alie. lind ich mag ihn nicht kennen lernen, wenn ersuch der edelste Landjunker und tapferste Hasenjäger aufzehn Meilen in die Runde wäre. Hast Du vergessen, daß ich den Lieutenant Silberforst liebe? ganz entsetzlich liebe? Ernestine. Seine Armuth— Am alte. Amor ist ein nackter Knabe, und doch ein Herr der Welt. Ernestine. Ihre Frau Mutter— Amalie. Warum schreyst Du Regenvogek, während die Nachtigallen um mich her singen? Erne st i n e. Werden Sie ihren Befehlen- ihren Bitten widerstehe» können? Amalie. Ihre» Befehlen?— Vielleicht. Ihren Bitten-— Leider nein. Erncstine. Sie hat ihr Vermögen eingebüßt; sie hofft von dieser Verbindung erneuerten Glanz ihres Hauses. Amalie. Armseliger Glanz, den ein geopfertes Mädchen erneuern soll! Ecnestine. Sre liebt den Aufwand, daK Spiel. Amalie. Aber auch mich! Ernestine. Von 2H"E erwartet sie die Mittel, ihre alten Tage in gewohnten Zerstreuungen zu verleben. Amalte. Du thust ihr unrecht. Sicher ist l52 mein Glück ihr erster Wunsch. Und sprich/was würde aus mir werden, ich darf wohl sagen aus u n s? Denn du würdest ja mit mir ziehen, mir gegenüber sitzen, mich im Gähnen ablösen, mir die Kühe zahlen helfen. Exn e st ine. Nein, liebes Fräulein, ich würde nicht mit Ihnen zieh',,. Amalie(erstaunt.) Nicht? hast du solchen Abscheu vor dem Landleben? E rnsstine. Scadt oder Land, ich werde auf jeden Fall Ihr Haus verlassen. Amalie. Ernestine! bist du unzufrieden mit mir? s- Ernssti n e. Wie könnt' ich das? Amalie. Ich weiß, ich habe zuweilen Launen, alberne Launen. Ernestine. Mir unbekannt. Sie habe» mich deren keine empfinden lassen. Ich war weniger Ihr Kammermädchen, als Ihre Freundinn. Verzeihen Sie das stolze Wort, Ihre Güte hat mich dazu berechtigt. Amalie. Und doch willst du mich verlassen? E r n e st in e. Ich muß. Am al i e. Soll die Ursache mir ein Räthsel bleiben? Ernestine. Sie werden sie erfahren, und billigen. Am alte. Geschwind, rede. Ernestine. Ich muß zuvor mit meinem Vater sprechen. Er wird kommen. Ich habe ihn her bitten lassen. Amalie. Mädchen, du machst mich imge- duldig. Ich höre meine Mutter. Von deinen Grillen sag' ich ihr kein Wort. Doch sind mir allein, so setze ich wahrlich die Pistole dir auf die Brust. Dritte Scene, Frarnvon Klingen. Die Vorigen. Fr. v. Klingen. Nun Amalie? der Mittag rückt heran. Du hast noch keine Toilette zum Empfang deines Bräutigams gemacht? Am alie. Er wird mich leider hübjch genug auch ohne Toilette finden. Fr. v. Klingen. Leider? Amalie. Warum sollt' ich's Ihnen verhehlen? Ich hatce ja nie ein Geheimniß vor mei- ..... z5^ ner Mutter. Die ganze HeirathSgeschichte ist mir fatal. Fr. v. Klingen. Doch nur weil du den Lieutenant Silberforst liebst? Amalie. Das könnte wohl seyn. Fr. v. Klingen. Zch appellier an deine Vernunft. Amalie. Ach Mütterchen,die ist gefangen. F r. v. Klingen. An deine kindliche Liebe. Amalie. Die wird gehorchen— aber seufzen! Fr. v. Klingen. Glaube meiner Erfahrung, die meiste» glücklichen Ehen wurde» seufzend geschloffen, die meisten unglückliche» im Rausch des Entzückens. Amalie. Nun fürwahr, so ist die Natur sehr hämisch. Fr. v. Klingen. Nicht die Natur mei» Kind; unser Leichtsinnn tragt die Schuld. Wir fragen bey unserer Wahl:„Wie benimmt sich der Mann in der großen Welt?"—Wirsollte» seinen Bedienten fragen:„Wie benimmt er sich gegen dich?"— Der Haustyrann ist oft der liebenswürdigste Gesellschafter, die Seele aller Zirkel. Dort erschöpft er Freundlichkeit und Witz, indessen er daheim brummt und verstummt. Sei- i55 ne Gattinn wird beneidet. Niemand ahndet, das; ßs oft sich emsperrt um ihre rothgemeinten Augen zu verbergen. Amslie. Es mag freylich solche Fälle geben— F r. v. Klingen. Sie sind häufiger als du glaubst. Hingegen kenne ich Männer, die in Gesellschaften nicht glänzen; nicht von allem geläufig schwatzen; mit ihren Frauen nie liebäugeln; wohl gar in fremder Gegenwart ein hitziges Wort Herausstoßen— die arme Frau! schreyt die ganze geschliffene Versammlung; aber Niemand weiß, wie reich diese arme Frau an häuslichen Freuden ist.— Ja, mein Kind, ich habe Trauungen beygewohnt, bey welchen die Draur in Ohnmacht fiel, während eure Andere >hr Ja mit Entzücken sprach. Nach wenigen Jahren habe ich die Erstere als die glücklichste Haus- srau, die Letztere als ein Bild des Grams wieder gefunden, Amalie. Ach! so ist ja der Ehestand die betrügerischste Lotterie. Und konnten Sie mich mir dem Sprichwort trösten: wer wagt, gewinnt! F r. v. Klinge n. Ein Mädchen muß nun einmahl w age n, oder en tbehren. »v-»"^ 56 Am ali e. Lieber das Letztere. Gute Mutter, Hazard-Spiels sind verbothen. Fr. v. Klingen. Wenn der Verstand zu rechter Zeit die Karten mischt, so bleibt es zwar immer noch ein Spiel, oberes hört doch auf ein Hazard- Spisl zu seyn. Wir wollen den Cousin prüfen. Er ist ungebildet, folglich Ver- stellung ihm fremd. Finden wir sein Herz nicht unverdorben, seine Gemüthsart nicht vertrag' lich, so unterdrücke ich meine» Wunsch.. Amalie. Beste Mutter! F r. v. Klingen. Ist er aber, wie der Oncle ihn schildert, dann— nicht wahr?— dann wird meine gute Amalie eine unbesonnene Neigung opfern? Amalie. Unbesonnen?—- F r. v. Klingen. Nicht, als wäre die P e r- son des Lieutenants mir zuwider: ich haltest» vielmehr für einen braven, liebenswürdige» Wann; allein er ist arm, sehr arm. Amalie. Mütterchen, ich bin keine Ro- manenheldinn, aber seine Armuth macht ihn m" noch lieber. Fr. v. Klingen. So denkst du jetzt, und eS wäre mir leid, wenn du nicht so dachtest Du hast noch nie das Nothwendige entbehrt; d» weißt nicht/ wie manchen Ü be rfl uß eine ju» gc hübsch- Frau für nothwendig halt. Am alre. Ich würde mich so gerne behelfen. Fr. v. Klingen. So sprechen All- im Rausch der Liebe. Jeder Trunkene schürft süß-, auch auf Stroh. Aber man erwacht nüchtern. Glaube mir, ein gold'ner Thau muß den Kenn der Liebs wenigstens benetzen, sonst zeigt er nur bis grüne Spitz-, und verkümmert. Vierte Scene. Lieutenant Silberforsi. Die Vorigen. Lisut. Verzeihen Sie, gnädige Frau, meinen frühen Besuch. Ich habe heute die Wache am Frankfurter Thore, will eben hinaus, und konnte mir nicht versagen im Vorbeygehen Sie ehrcrbiethig zu begrüßen. Fr. v. Klingen. Sie wissen, Herr Lieutenant, daß Sie in meinem Hause stets willkommen waren, und eben jetzt erscheinen«Die zu rechter Zeit. Ich schätze Ihren Charakter, darum rede ich freymüthig zu Ihnen. Sie lieben meine i58 5"-^-»', Amalie ist Ihnen gut; aber Sie sind a>^-uo n- i r nistt reich. Ein Mann von gro- s m^ernir;en wirbt um Amaliens Hand.Ver- m»: und Redlichkeit werden Ihnen sagen, was S-e zu thun hab-II. L II'.! t. Gnädige Frau— ich bin so bestürzt — ich magre zu hoffen— der Proceß um mein väterliche» Gut ist seinem Ende nahe— vielleicht schon entschieden— das Gut wird auf dreyßig tausend Thaler geschätzt.— Fr. v. Klingen. Genug für die genügsame Liebe, auch m i ch würde daS zehnfach größere Vermögen ihres Nebenbuhlers nicht blende», denn es läge ja in Ihrer Schale meiner Tochter Glück. Aber es thut mir leid Ihre Hoffnung zu zerstören— aus sicherer Quelle ist mir bekannt, daß Sie Ihren Proceß nicht gewinnen. Licu t. Das wäre traurig. Fr. v. Klingen. Es ist so. Fassen Sie sich. Das Schicksal will aufJhrer Laufbahn Sie bloß von Verdiensten begleitet wissen. Lieut. Ach gnädige Frau! Sie durchbohren mein Herz, und sagen mir hinterher ein Cow- pliment. Fr. v. Klingen. Nein, Herr Lieutenant, ich will Ihnen auf der Stelle beweisen, welche Achtung, welches Vertrauen ich zu Ihnen hege. Ich lasse Sie mit meiner Tochter allein. Nehmen Sie Abschied von ihr. Ich weis-, Sie werden Ihre Gemalt über dieß kindliche Herz nicht Mißbrauchen.(Ah.) Fünfte Scene. Die Vorigen ohne Frau v. Klingen. Lieut. lasch einer Paust.) Und Sie Amalie, Sie sprechen kein Wort? Am alie. Ach, man muß schweigen, wenn mau nichts klugeS zu reden weiß. Lieut. Sagen Sie lieber, nichts h erz li- ch e s. Am alie. Ware denn das herzliche klug? Lieut. Es wäre zum mindesten tröstlich. A mali e. Sie sehen ja wohl, daß Thränen m meinen Augen stehen. Lieut. Thräne» um mich? Amalte. Gehen Sie, mein Freund, gehen Sie auf die Wache. Mer hat meine Mutter die Wache über mein Herz vertraut) dieß Vertrauen will ich nicht täuschen. Lieut. Soll ich nicht einmahl den Nahmen meines glücklichen Nebenbuhlers erfahren'l A m alie. Mein Cousin, Junker Hans von Birken, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Plum- persdorf«t nueteiur et vaatLru. Lieut. Birken, derselbe, dessen Mutter seit zehn Jahren um mein väterliches Erbe mit mir stritt? Amalie. Derselbe. 'Lieut. Sonderbar! ein Mensch, den ich nie gesehn, nie beleidigt habe, raubt mir Vermögen und Geliebte. Ach möcht' er jenes nehmen! aber diese. Amalie. Im Vertrauen, mein Freund, noch hat erdiese nicht. Treiben Sie die Hoffnung nicht ganz aus Ihrem Herzen, aber halten Sie sie eingesperrt in einem stillen Kammerlein, denn vorder Hand ist sie wahnsinnig. Wer weiß, ob sie nicht über kurz oder lang wieder vernünftig wird, dann hohlen wir sie im Triumph heraus.. Lieut. Amalie! dieser Trost— Amalie. Ist wenig werth. Noch kann ich nichts versprechen, auch nicht sagen, was ich thu» will, denn ich weiß es selbst nicht. Den Junker muß ich zuvor kennen lernen, ablauern, wir und wo ihm beyzukommen. Ist er kein Achill, oder hat er auch nur eine verwundbare Ferse, ss zahlen Sie auf mich. Lieut. Dank, daß Sie den Stab nicht ganz gebrochen. Amalie. Gabe ich Ihnen doch lieber einen grünen Aaronrstab mit auf den Weg. Leben Sie ffohl. Ich wette, meine Mutter ist unruhig, trotz ihres schönen Vertrauens. Wir wollen es verdienen— nichts verabreden—nichts beschwören— aber fest an einander glauben. Nicht Wahr, lieber Carl? (Sie wirft ihm einen Kust jU und geht.) Lieut.(nach einer Pause.) Wie ist mir geschehen? Mann von Grundsätzen! die Prüfungsstunde schlägt.(Ab.) Sechste Scene. Ernestine allein. (Die bleibt während der vorigen Scenen stets mit ihrer Stickerei- beschäftigt.) Endlich darf ich Luft schöpfen.— Niemand bemerkte meine Thränen— ätzende Thränen— i6Z denn die Blume, auf die sie sielen, hat ihn Farbe verwandelt. Warum stick' ich auch Vergiß mein nicht? hat er mich doch längst vergessen! — Mo bleibt mein Vater? mir wird so ängstlich hier im Hause— ha! ich höre seinen Gang! (Sie springt auf.) Siebente Scene. Pastor S e e l m a n n. Ernestine- Ernestine(ihmentgegen.) Willkommen MÄ Vater! P. Seelmann. Guten Morgen, liebt! Tinchen. Ernestine. Verzeihen Sie, daß ich gt- wagt, nach Ihnen zu schicken. Ich wußte, de!> ihr Weg Sie hier vorbey trug. P. Seelmann. Wozu die Entschuldigunß- Der Weg zu meinem Kinde ist nicht beschwerlich. Hast du mir etwas zu sagen? du weißt, nie«» Stunden sind eingetheilt. Ernestine. Ja Vater, ich habe Jh«e" viel, recht viel zu sagen, Waffnen Sie sich mit Geduld und Liebe. r65 P. Seelmann. Geduld? deren hab' ich nie bey dir bedurft. Liebe— hast du nie bey mir vermißt. Ernestine. Herr von Birken wird heute kommen. P. Seelmann(stuhl.) So? Ernestine. Hierher ins Haus. P. Seelmann. Weiß er, daß du hier bist?— Ernestine. Nicht um meinetwillen kommt er nach Berlin. Er wird dar Fräulein heirathen. P. Seelmann. Dein Fräulein? Ernestine. Er wird mich wieder seh'n, die «lts Neigung konnte erwachen— meine Ruhe, die Ruhe seiner künftigem Gattinn— P. Seelmann(hastig.) Du mußt das Haus sogleich verlassen. Ernestine. Das war mein Entschluß. P. Seelmann. Ich billige ihn. Ernestine. Aber wohin? P. Seelmann(nachstauend.) Ich habe nur ein einziges Stäbchen— Ernestine. Zu meinem Bruder— P. Seelmann. Das seh' ich incht gern. Erne stine. Warum nicht? P. Seel m a n n. Seine Gesellschaften. Ebnest ine. Meine Schwägerinn ist eine brave Frau. P. Seelmann. Ich glaub' es, aber— Ernestin e. Der Schauspiclerstand ist Ihnen zuwider? P. Seelmann. Mir ist kein Stand zuwider. Achtungswerthe Menschen findet maniü jedem. Ernesti n e. Auch mein Bruder— P. Seelmann. Er ist leichtsinnig.— Erne st i n e. Aber gut. P. Seelmann. Ich hoff' es. Ernest ine. Sie sahen ungern, daß er die Bühne betrat. P. Seelmann. Weil ich wünschte, er mochte meine Kanzel betreten. Doch als mir die genommen, mir und ihm jede Aussicht verschlossen wurde, da konnt' ich seinen Entschluß nicht mißbilligen. Ernesti n e. Mein Vater, ich befinde mich in gleichem Lage. Ich muß dieß HauS zu einer Iahrözeit verlassen, wo niemand seine Bedienung wechselt. Wo soll ich hin?—- Ihnen lästig werden?— Ihnen, der Sie mühsam jeden Groschen durch Unterrichten kleiner Kinder erwerben?— lieber wollt' ich betteln!— mei- i6v ües Bruders karge Besoldung verzehren helfen? — lieber wollt ich einer Küchenmogd den Mürkt- lorb nachtragen—> Was bleibt mir übrig? mein i Bruder überredet mich, Schauspielerinn zu werden. P. Seel m ann(stutz?, nach eines Paust.) Hättest du Lust dazu? Ernestins. Ich habe Lust mein Brod zu verdienen. Ich will mir eine Aussicht offnen zur ilnterstützttng meines alten Paters. P. Sselman n. Traust du Talent dir zu? Ernestino. Mein Bruder hat nur eins kleine Rolle einstudiert, und ist zufrieden. P. S e.st m y. Zitterst du nicht vor den Erfahren der Verehrung? Ern«st i n e. S o lange ich meines Vaters kehren und eine reine Liebe im Herzen trage, so lange trotze ich der Verführung. P. Seelmann. Noch immer liebst du ihn? Ernestine. Könnt ich je den Mann vergessen, der«inst mit Lebensgefahr einen tollen Hund zu meinen Füssen erschlug? der um meinetwillen die härteste Behandlung von seiner siol- I M Mutter duldet«? den ein hitziges Fieber an ; den Rand des Grabes warf, als ich ihm entrrs- ^ st» wurde? ,66 P. Seelmann. Recht mein Kind. Doch vergiß auch nicht, was dein Vater mit einem Eide seiner Mutter zugesagt. Ernestine. Ihrem Sohne nie nachzustellen. Ich weiß, sie kannte uns so wenig, daß sie einen solchen Schwur für nöthig hielt. Wir hohen Wort gehalten. Sie, mein Röter, um meinetwillen Ihres Dienstes beraubt, haben seit drey Jahren ein saures Brod von Haus zu Haus gesucht. Ich lebte seit drey Jahren still verborgen; und jetzt, da ein Zufall den Gefährten meiner Kindheit mir wieder nahe bringt, jetzt wanke ich keinen Augenblick, die ruhige Freystattzu verlassen, mich wagend auf ein klippenvolles Meer, um den zu fliehen, best ich liebe. Konnte seine Mutter noch mehr erwarten? P. Seelmann. Nein, du bist ein braves Mädchen. Doch zittern werd' ich, wenn du einen Pfad betrittst, auf dem die Schlangen unter Rosen, oft auch unter Dornen liegen. Überleg' es noch. Geh zu deinem Bruder, doch entscheide nichts. Diesen Abend komm' ich selbst. Vielleicht gelingt es mir indessen, einen schicklichen Platz für dich zu finden; das wäre mir doch lieber. Die Stunde ruft, ich muß. fort. Ernestiüe. Sie segneten mich, als ich dieses Haus betrat— P. Seelmann. Nicht ohne meinen Segen sollst du es verlassen.(Er legt gerührt die Hand auf sie und geht.) Achte Scene. Ernestine allein. Beklommen bin ich, aber furchtsam nicht» Mit reinem Herzen weih' ich mich einem Stande, dessen tägliche Pflicht heischt, die Tugend liebenswürdig darzustellen. Neunte Scene. Matz. Ernestine. Matz(mit steifen Äratzfiistcn.) Mit Erlaubnis?, bin ich hier recht bey der Frau von Klingen? Ernestine(Sey Seite.) Ha! sein Bedienter! Matz. Potz Velten! das ist ja wohl das i66 gnädige Fräulein selber, die unser gnädiger Herr zur gnädigen Frau machen will? Erne st i n e(bey Seite.) Gottlob, er hat mich nicht erkannt.(Laut.) Nein, mein Freund, ich bin nur das Kammermädchen, ich werde aber sogleich der Frau von Klingen melden, daß er sie zu sprechen wünscht.(Ab.) Zehnte Seen e. Matz allein. Das Kammermädchen? alle Hagel, die ist hübsch, da läuft der Mund voll Wasser. Gib' «chr, Matz, die vornehme Braut, die wird noch aus ganz- andern Augen schauen. I nu, mein Herr ist auch ein schöner gnädiger Herr, das wird eine prächtige Race geben. Holla! der Jäger spricht, ich wäre so zu sagender Kammerdiener, und da müßte ich der Mode halber das Kammermädchen lreb haben. Meinetwegen! wenn meine Trete nichts davon erfahrt, so kann das wohl geschehn.— Ihr Gesicht kömmt mir so bekannr vor, wie die rothbäckige Sonne auf unserer Dorfuhr. Hab'ich denn irgendwo aus si> einet Kirmsß mit ihr getanzt?(Er erblickt sich plötzlich im Spiegel.) Sieh da—ha! ha! ha! da werd ich auch ein bekanntes Gesicht gewahr.(E- nickt iich ju.) Guten Tag! Guten Tag! Willkommen in Berlin. E i l f t e Scene- Frau von Klingen. Amalie. Matz. Matz(schneidet allerley Gesichter gegen den Spiegel, verbeugt sich und merkt nicht, daß die Damen hinter ihm stehen.) Kr. v. Klingen(lachend.) Willkommen.in Berlin! Matz(erschrickt heftig, dreht sich um» scharrt eine Menge Kratzfüße, kann aber nicht reden.) F r. v. Klingen. Vermuthlich/ mein Freund, gehört er zu der Suite der Herrn von Birken? Matz. Suite? ne, wir h'-ben keine Suite. Fr. v. Klingen. Er steht doch in seinen Diensten? Matz. O ja, ich steh' und geh'/ reite und fahre in seine» D'-enst. N. Kttzedne's Theater 32. Bd, H § r. v. Klingen. Ist sein Herr schonvenn zwey ehrliche Leute mit einander Prozession. Ich ez„„„ wohl nicht angefangen, das schreibt sich noch von meiner seligen Frau Mutter her, und der Gsrichtshalter sagt, ich hatte Recht. Lieut. Es ist hier nicht der Ort das zu un- lös versuchen. Wenn der Richter mein kleines Ertheil Ihnen zuspricht, so muß ich ohne Murren auch dieser letzten Hoffnung entsagen. Leben Sie wohl.(Ab.) Dritte Scene. Junker Hans allein. Sein kleines Erbkheil? seine letzte Hoffnung?»— ich wollte er hatte das nicht gesagt; es macht mich verdrießlich.— In meinem Leben hab ich noch keinem Menschen seine Hoffnunggs- raubt, und nun gar die letzte?— Sein Ertheil?— lirum larum was geht mich denn ß>» Erbtheil an?— Der Advokat soll mir erzählen, wie das zusammen hangt—(Er erblicke ewig- druckte Zettel an der Mauer.) Ey sieh dock, t hslm> sie eine Menge Papiere aus die Mauer gr-lebt. (Er liest.)„Heute mrrd aufgeführt M a- „rie Stuart, Trauerspiel in> u u s „Acten"— Das muß ich sehn, da wirds rsr- mnchlich zu lachen geben.—(Lttst.) E in wen ßer Pl! del ist abhanden gekomme»- — Wenn der Msitaror ihn erwischt hat, so kit^l aöi ihn sein Herr nicht wieder.(Liest-) Ein Hahne n s ch l« g a u f der Hasenweide.— Da geh ich hin.(Liest.) I a ni tsch are n m usi k. Die muß ich hören.(Liest.) Ein Kind von drey Jahren hat sich verlaufen. Der arme Wurm! Vierte Scene. Junker Hans. Matz(außerAthem.) Matz. Potz V-ltem da sind Sie ja schon. Junker Ha n s. Nun Matz? Hast du meine Braut gesehn? Matz. Die Braut, die Mama, die Kammerjungfer, den airen Defsauer, und den großen Churfürsten zu Pferde. I u n k er Hans. Ist sie hübsch? Matz. Die Kammerjungfer? ja die ist verdammt hübsch. Jun ke r HanS. Aber meine Braut? Matz. I nu, die pafsirt. Junker Hans. Ach so hübsch wie mein Tünchen war, sind ich doch keine wieder, was Meinst du Matz? r§2 Matz- E>v. Gnaden^ dazu meine ich gak nichts, denn wenn ich einen Menschen in vier Wochen nicht gesehen habe, so weiß ich nicht mehr wie er aussieht. Junker Hans. Und so lieb wie mein Tien- chen kann ich sie nimmermehr haben, wenn sie such noch zehnmal schöner wäre. Matz. Alle Hagel! da sind fremde Menschen über unsere Koffer hergefallen. Junker Hans. Laß gut seyn, Matz, des ist hier so Mode. Jeder Reisender muß auf dtt Straße auspacken. Matz. Warum das? Junker Hans. Um zu sehen, ob er den Zolltarif auswendig weiß. Matz. Wenns noch der Katechismus wäre, so kamen doch lauter Christenmenschen zum Thore herein. Junker Hans. Siehst du den Mann, der so hungrig aussieht, und an jeder Hand fünf Bohrer hat? Das ist der Visikator, der wittert die verbothene Waaren wie unser Dachs die Feldmäuse. M a tz. Ew. Gnaden, jetzt steckt er was i» die Lasche. i83 Junker Hans. Meinen Taback und meine Spitzen, die sind zum Teufel. Matz: O weh!— ich habe noch frische Butter im Magazin, die erst vor vierzehn Tagen gemacht ist, wenn die nur nicht auch der Satan erwischt. Fünfte Scene. Der Visitator. EinigeBettelbuben. Die Vorigen. V i si t.(schwer bepackt.) Ich habe alles gefunden. Nun kann der Herr in Gottes Nahmen fahre». Was die Strafe anlangt, so werde ich schon gehörigen Ort darüber rapportire». Wünsche viel plnisin.(Ab.) Junker Hans. Lirum larum. Aus den Spitzen mache ich mir nichts, die waren ja dicht für Lienchen, aber um den Taback ist mirs leid. (Die Vettelbube!, Habs» Mäh umringt.) Der Er ste. Geben Sie mir doch einen Groschen. Matz. Geh zum Teufel. Der Zweyte. Ich habe heute noch nichtß gegessen. Matz. Pack dich fort! Der Drrtte. Ich habe eine alte blinde Mutter. M a tz. Nichts da. Der Erste. Schoner junger Herr. Matz. Schöner junger Herr? Da hast du einen Groschen. Der Zweyte. Gnädiger Herr! M a tz. Gnädiger Herr? Da da(gibt ihm.) Der Dritte. Excellenz. Matz. Excellenz? Da da(gib! ihm.) Jetzt laßts gut seyn, ich habe nichcs mehr. (Die Jung?» lache» ihn„uz und laufen davon.) Junker Hans. Komm fort, Matz/mich hungert. Sechste Scene. E i n v e rd o r b e n e r Student. Die rige n. Student. Ach mein Herr! mich hungett auch. i85 Junker Hans. So mach es der Herr wie ich und suche sich was zu essen. Student(jttckt die Achsel».) Ohne Geld. Junker Hans. Geld muß ein gesunder Mensch verdienen. Student. Euer Gnaden scheinen nicht zu wissen, wie eS in der Welt zugeht. Dlesenigen die Geld verd ienen, bekommen kein», und die es bekomme n, verdienen es selten. Junker Hans. Zu welcher Classe rechnet sich der Herr?^ Student. Zu der Erster». Ich habs^stu- dirt in Halle, Jena, Göttingen, Chemie, Geographie, Staatswirthschafk. In der Chemie habe ich besonders das Kapital von der Gahrung pracnsch durchgearbeitet. Wo nur irgend gebraut »der distillirt wurde, da sucht' ich meine Kenntnisse zu erweitern. In der Geographie hab' ich de» so sehr vernachlaßigten Theil, die Lage der Dörfer, aufs Reine zu bringen gesucht. Wo ich hinkam, war es meine erste Sorge, rings umher »>it den Dorfe» mich bekannt zu machen. In der Staatswirtyschaft hab ich das große Problem ju losen unternommen, die Einkünfte von drey Jahren immer voraus zu verzehren, und dennoch Kredit zu finden. r86 Junker Hans. Ist Ihnen das geluiiMl Student. Ich hoffe eS werde mir bey Ew. Gnaden gelingen. Junker Hans ttäch-nd.) Um des guten Zutrauens willen, da mein Herr Gelehrter.( den Appetit verdorben.(Will gehn.) K ab D be ne 'Al un T> ke Acht t e Scene. Ein Kesselflicker. Die Vorigen. Kssselfl. Um Vergebung, sollten Gnaden meine Kunst nicht bedürfen? Junker Hans, Welche Kunst treibt da Herr? A e sfe l fl> Ich pflege mich bloß unter den» ti Ni in ri^ P in C da lk Heidenen Titel eines Kesselflickers anzukündigen^- aber ich bin ein Tausendkünstler, ich flicke Alles-, Junker Hans. Das wäre! Kesselfl. Meine Kunst ist heut zu Tage die erste in der Welt. Ja, mein Herr, die Erste. Denn etwas Neues schaffen, neue Stoffe bearbeiten, die man wählen, zuschneiden, ord- »en, vergrößern, verkleinern, kurz nach Gefallen damit umspringen darf/ das ist keine Kunst. Aber aus Flicken, Lappen, Fragmenten, wiederum ein schönes Ganzes hervorrufen, das ist der Triumph des Genies! Junker Hans. Kann wohl seyn. Ich habe aber nichts zu flicken.. Kesselst. Sie scherzen, gnädiger Herr. Wo gab' es wohl in unsern Tagen einen Menschen, dem nicht irgend etwas zerbrochen, zer- risten, zerschlagen worden wäre? Haben Sie kei- uen Prozeß? Ich flicke die Wagschale der The- uns, damit das Gold nicht durchfällt. Sind Sie ein Kriegsmann? Ich flicke die Feldkessel oder die Pauken. Smd Sie ein Philosoph? Ich fUcke neue Systeme aus alten Lappe» zusamm en. Sind Die ein Theolog? Ich flicke Ihnen ein Concor- bat. Sind Sie ein gebrechlicher Mensch? Jchsli« ^ Sie, trotz der medicuuschen Fakultät, daß Sü iga nichts auf der Welt mehr taugen, und denn»lf leben. Kurz, mein Herr, Sie haben doch v»» den drey Sternen gehört, welche blos Fragn« te eines zersprungenen Planeten seynsolleni- Man bringe mich nur dahin, und weitn ich!" nicht zusammen flicke, so will ich verdammt sey«, die Kessel zu flicken, in welchen der Teufel t» armen Seelen schmort. Junker Hans. Aber, mein Herr sendkünstler, warum ist denn Ihr eigner R«' Z- w ki r< u tl b «! r l > > « ! V«l Ilk«- hs- ey», ll» R-i 8>!S- ,W kisö ckül' >rzl veä ch! k!lf f" ogsl dkü U!.Ü i^r kaufen es dreist für eignes Machwerk. So gewissenlos verfahr' ich nicht. Junker Hans. Bey solchen Talenten kann es dem Herrn nicht fehlen. Kesselst. Ich wär auch sicher schon ein reicher Mann geworden, aber— eine einzige unglückliche Speculation hat mich an den Bettelstab gebracht. Junker Hans. Die war? Ke sselfl. Ich wollte mein Vaterland wieder zusammen flicken, und darüber würd'ich ban- Perout. Junker Hans(gibt ihm Geld.) Lirum lamm. Ein andres Mahl seh' der Herr sich vor. Aesselsl.(sich freundlich bedankend.) Ja wenn Erfahrung klug machte. Ew. Gnaden haben mich reichlich beschenkt, ich will Ihnen dagegen ein Geheimniß vertrauen, das untern Brudern doppelt so viel werth ist: Die Menschen theilen sich in Narren und Weift; aber heute sind die Narren weise, und morgen sind die Weisen Narren: lernk aus Erfahrung! dafür habt ihr die beschichte! so rufen bald diese, bald jene; aber lieberGott, es bleibt beym Rufen, und kei- »er lernt. LA2 Junker Hans. Herr, den Krimskranii versteh ich nicht. Kesselst. So will ich Ew. Gnaden noch ein anderes Geheimniß mittheilen, aus dem ein kluger Kopf großen Vortheil schöpf«!, kann. Ve» Verliebten, die sich täglich zankten und wird« vertrugen, pflegte man vormahls zu sagen: dai »st ein wahres Kesselflicker? Volk Heut zu Tage gilt das nicht mehr von Berückten. Das Sprichwort und die Kesselflicker s>"d beyde vornehm geworden. Ich empfehle mich.(M.) Junker-Hans. Die Leute reden viel i» Berlin. Matz. Ums liebe Brod.(Beyde wollen Neunte..Scene: Ein Taschendieb. Die Vorigen. Taschendieb(rückt dem Junker dreist auf Leib.) Mein Herr, Sie sind ein Fremder, ich ein ehrlicher Mann, ich warne Sie. Junker Hans. Wovor? Ta- Taschendieb. Ich habe schon lange von ferne mit angesehn, wie das Gesinde! sich um Sie drangt, Ihnen Geld abbettelt, Sie wohl gar bestiehlt. Junker Hans. Das Betteln wehr' ich »iemanden, mit dem Stehlen hats nichts zu bedeuten. Taschendieb. O Sie wissen nicht, wie geschickt hier die Taschendiebe sind. So ein Kerl ficht aus wie unser Einer, kommt mit vielen Complimenten, erkundigt sich„ach Ihrem B-» finden, erbiethet sich zu allerley kleinen Diensten, drangt sich unvermerkt immer naher an Sie,und -ehe Sie sichs versehn, ist die Uhr zum Teufel!(Er stiehlt ihm die Uhr.) Junker Hans. Ha! ha! ha! rchwillmich Hon Hütchen. Taschendieb. Dergleichen wiedersähest dem Klügsten. Eine gut gemeinte Warnung. Junker Hans. Ich danke, ich danke. Taschendieb. Ew. Gnaden werden sich meiner gewiß bald erinnern.(Will entschlüpfen.) Kstzedue's Theater 3s. Band. Zehnte Scene. tzieutenantSilberforst. DieVorig e n. Lieut.(der schon«ine Zeitlang von ferne stand und beobachtete, packt jetzt den Taschendieb.) Halt Spitzbube! Taschendieb(sehr erschrocken.) Herr Lieutenant/ Herr Lieutenant. Junker Hans. Ey mein Herr, lassen Sie doch den ehrlichen Mann zufrieden, er hat es eben so gut mit mir gemeint. Lie« t. Die Uhr hat er Ihnen gestohlen. Junker Hans(fahrt schnell nach der Uhr.) Das wäre der Teufel. Lieut. Heraus damit. Taschendieb(gibt die Uhr her.) Barmherzigkeit! Lieut. Da mein Herr, nehmen Sie. Junker Hans. Ja, ja, das ist meine Uhr. Matz Der Kerl kann mehr als Brod essen- L--- t. Jetzt fort mit dir in die Wache! Taschendieb. Erbarmen! ich habe hungernde Kinder, die Noth hat mich verleitet, Lieut. Gleichviel. Marsch fort. Junker Hans. Herr Lieutenant, noch ei» , nen?lugsnblick. Was wird dem Menschen denn wiederfahren? Lisut. Ich tiefte ihn der Obrigkeit ab, und vermuthlich wird er gehangen. Junker Hans. Gehangen!(Sehrerschro, s-n.) Weil— weil ich ihm eine Uhr geschenkt habe? Taschendieb(in grosser Angst.) Ja, ja, geschenkt. Junker Hans. Freylich hab ich sie ihm geschenkt. Da nimm, lauf(gibt ihm die Uhr.) Lieut. Nun wenn Sie's so haben wollen. lEr laßt den Taschendieb los, der sich eilig davon macht.) Junker Hans. Hören Sie lieber Herr Lieutenant, es mag sich nun mit dem Schenken verhalten wie es wolle, so werden sie mir doch N'-chr zumuthen nach Berlin zu kommen, um gleich am Thor einen Menschen um meinetwillen hangen zu lassen? Lieut.(reicht ihm die Hand) Herr von Birken, ich bitt« um Ihre Freundschaft. Junker Hans(schlägt-i„.) Von ganzem Herzen. Lieut. Sie sind ein braver Mann. Junker Hans. Lirum tarum. Doch wohl 2 2 nicht, weil ich lieber eins Uhr verliere, als emeil armen Teufel am Galgen sehen mag? Matz(tür sich.) Ich hatte den Kerl hangen lassen. So was sieht man nicht alle Tage. Junker Hans. Sie Herr Lieutenant, S i e sind brav. Sie führen Prozeß mit mir, und leiden doch nicht, daß man mich bestiehlt. Ein Anderer hätte ins Fäustchen gelacht. Wenn ich sage ein Anderer, so mein' ich nicht mich. Ne, ich hatte auch nicht zugesehn. Kurz und gut mir sind Freunde. Besuchen Sie mich Herr Lieutenant. Lieut. Sobald ich abgelöst werde.(M.) Ei lft e Scene. Junker HanL und Matz. Junker Hans. Was meinst du Matz? wenn es in ganz Berlin so zugeht wie am Thor, so pac!' ich heute Abend wieder aus. M a tz. Ich bin dabey. I. v u k e r H a n s. Was mir am besten ge- fä!, das sind die Zettel da an der Mauer. Siebst du, wenn was zu schauen ist, oder Einer n>aS '97 Leriorni hat/ so laßt er nur so ein Ding drucken, klebt es dorthin, und gleich weiß eS die ganze Stadt. Matz. Das muffen Ew. Gnaden in Plum« persdorf auch so machen. Junker Hans. Narr, dort kann ja nie- tnand lesen. M a tz. Der Schulmeister kann'» vorlesen. Junker Hans. Sieh, da ist zum Exempel die Frau Maria Sruart, die kenn ich nicht, aber heute.Abend geh ich zu ihr. Und da hat sich ein Kind verlaufen, wenn ich das finde, so weiß >cl) gleich, wem ich es bringen muß.— Sap- permenc Matz! ich habe einen kostbaren Einfall, Wie wars, wenn ich auch so ein Zettelchen drucken ließe, und fragte, ob niemand weiß, wo wein Verlornes Tienchen geblieben ist? M a tz. Ja, das geht recht gut an. Junker Hans(sicl, besinne»!).) ,Ne Matz, geht doch nicht an. Tienchen würde sich schären, wenn alle Leute lesen, daß ich sie lieb habe. Matz. Und das gnädige Fraulein Braut? Junker Hans. Ach! die hatt'.ich beyna- he vergessen. i Zwölfte Scene. Der Postillion. Die Vorigen. Pvstil-(mit der Peitsche klatschend.) Na, wir lange solls denn noch wahren? Junker Hans. Komm Schwätzer, wii sind fertig. Postil. Wo soll ich Ew. Gnaden denn hinfahren? Junker Hans. Ins Wirthshaus. Postil. Aber in welches? Junker Hans. Wo es am ehrlichsten zuseht. P o stil.Hisr geht es überall ehrlich zu. Matz. Ey Potz Velten! das ist eine prächtige Stadt, wo alle Gastwirthe ehrlich (AN««d! (Der Vortzans fäll«.) —»99 Dritter Aet» Saal im Wirthshaus. Erste Scene. Junker Hans. Matz. Der Gastwirth, G«stwirth(aufs Nebenzimmer deutend, aus wel-> chem der Junker eben heraus trat.) hoffentlich werden Em. Gnaden mit diesen Zimmern zufrieden seyn/ und hier der Vorsaal, der hat die Aussicht auf die Linden. Junker Hans. Da sieht es verdammt Stau aus. Gastw. Bunt wollen Sie sagen k Junker Hans. Ich meine den Staub. Gast w. Unsere schonen Geister nennen das 200 Wolken, in welchen die Berliner Göttinnen einher schweben. Junker Hans. Schöne alte Linden. Gastw. Man Horts doch gleich, daß En>. Gnaden ein Landmann sind. Junker Hans. Ja Herr, so ein Dam ist mir lieber, als alle die bunten Schleyer. Gastw. In Berlin sind aber die Schleyer nothwendiger als die Baums. Doch vor alle» Dingen, daß wir daS Nothwendigste nicht vergessen, belieben Ew. Gnaden mir Dero Nahme»/ Stand und Geschäfte zu vertrauen. Junker HanS. Ist schon am Thor geschehen. Gastw. Muß hier nochmahls wiederhohlt werden, so will es die Polizey. Junker Hans. Du mein Gott! es fahren alle Tage Leute durch Plumpersdorf und ich bekümmere mich um niemanden.(Verdrießlich,) Junker Hans von Birken, kommt aus Pommern. Gast w.(schreibt.) Birken— Pommern. Dero Geschäfte? Junker Hans. Muß ich die Alle sagen! Gastw. Alle. Junker Hans. Erstens will ich eine Frau nehmen. 20 L Gastw. Ein kitzliches Geschäft. Junker Hans. Zweytens will ich einen Prozeß abthun. Gastw. Ein verdrießliches Geschäft. Junker Hans. Drittens hat mein Oncle wir aufgetragen, einen Wechsel von 2oo Frie- drichsd'or zu bezahlen. Gastw. Wird dem Empfänger sehr willkom--- wen seyn. Die FriedrichSd'or sind hier knapp. Junker Hans. Nun wissen Sie alles. Gastw. Lauter eigene Geschäfte? Matz. Muß ich auch sagen, was ich in Berlin zu thun habe? Gastw. Wenn es von Wichtigkeit ist, allerdings. Matz. Erstens soll ich der Frau Amtman-- Änn Teltauer-Rüben mitbringen. Zweytens—> Gast w. Solche DinAe braucht dle Polizei nicht zu wissen. Junker Hans. Herr Wirth, mich hungert. Gast w. Wollen Ew. Gnaden auf dem Zimmer speisen, oder an takle cl'kote? Junker Hans. An takle cl'kvte? Was ist das? Gast w. Das ist mein eigner Tisch, an dem ich nnr's zur Ehre rechne, hohe Gäste zu bewirthen. ZQZ Junker Hans. An Ihrem eigenen Tisch? Das ist brav von Ihnen. Wenn ich das am Thore gewußt hätte, so hätte ich Ihnen gleich noch drey oder vier Gäste mitbringen können. Gastw. An meinem Tisch ist Jedermann willkommen. Junker Hans. Ey das ist eine wohlthätige Einrichtung. Vermuthlich sind Sie der einzige Gastwirth in Berlin, der so christlich denkt? Gastw. Bitte um Vergebung, alle meine Herren Mitbrüder thun dasselbe. Junker Hans. Wahrhaftig? Wackett Leute! nun, da wimmelts wohl immer von Armen an Ihrem Tische? Gastw. Bitte gehorsamst. Arme werden nicht zugelassen. Junker Hans. Nicht? Gastw. Die Portion kostet einen Thaler ohne Wein. Junker Hans. Lirum larum! nun begreif' ich. Gastw. Um zwey Uhr wird gespeist. lO «int vielen Kratzfüßen.) Matz. Labeltsd— Was soll denn daä heißen?»Er wird doch wohl nicht.den Tod mit Tische setzen? Zweyte Scene. Der Postillion. Die Vorigen. > Postil. Die Koffer sind herausgeschafft. Jetzt bitt' ich um mein Trinkgeld. Junker Hans(gibt ihm.) Da. Postil. Warum gibt denn der Herr mir weniger als meinem Kameraden aus der letzten Station? Junker Hans. Weil du deine Pferde im tiefen Sand hast trottiren lassen. Postit. Das hab' ich ja dem Herrn zu Liebe gethan. Junker Hans. Ey, du sollst deine Pferde lieb haben, und nicht mich. Postil.(den Kopf schüttelnd.) Ein curiofer Passagier,(Ab.) Dritte Scene. Ein Lohntag uay. Die Vorigen, Lohnt. Brauchen Zw. Gnaden einen Lohn- liUjUay. Junker Hans. Wozu? Lohnt. Wenn Sie etwa eine Reisebeschw Lunq liefen, wollen; ich habe schon manchen ssj lehrten Herrn mit Nachrichten bedient. Junker Hans. Lirum larum. Ich m kein Gelehrter. Lohnt. Oder um die Merkwürdigkeiten z« besehen. Ich weiß Alles, schaffe Alles, besrck Alles, erforsche Alles. M a tz. Das ist ein Teufelskerl. Funker Hans. Die Merkwürdigkeiten; ja die will ich besehen. Lohnt. Ich führe Sie aus der Oper inde« Clubb, aus der Bibliothek in die Akademie, aut der Thierarzney-Schule in dasTaubstummen-Zn- stitut; wir fahren von Berlin nach Potsdam, von Potsdam«ach 8aussouci, von Saussouei nach Charlottenburg. Junker Hans. Halt! halt! daß wir»ich! außer Athem kommen. Für's Erste will ich Heu« Abend in die Eomodie geh'n» Lohn!. Befehlen Ew. Gnaden eins LeF oder einen gesperrten Sitz? Junker Hans. Gesperrt? Wie kann ich denn hinein. 2oS Lohn!. Er wird aufgemacht. Da versammeln sich die Kenner, die Kunürichrer. Junker Hans. Lirum larum, ich habe in meinem Leben noch keine Comöine gesehen. Lohn i. O deßwege n können Ew. Gnaden doch immer mir urtheilen; es wird da so genau nicht genommen. Junker Hans. Re, ne, ich schäme mich zu urtheilen, wenn ich eine Sache nicht verstehe. Lohnt. Ach! dergleichen noble Schamhgf- tigkeit werden Ew. Gnaden hier bald ablegen. Junker Hans. Lieber will ich in einer Loge sitzen. L o h n l. Werde sogleich ein Billet hohlen, stlnterdeffen— haben Ew. Gnaden schon für Karten gesorgt? Junker Hans. Karten? wozu? Lohnt. S»e werden doch vermuthlich befallen hohen Herrschaften Besuche abstatten wollen? Junker Hans. Freylich wills der Oncle so haben. Aber braucht man denn Karren dazu? Lobnl. Allerdings, denn sehen Ew. Gnaden, für denjenigen, der die Visite» macht, ist es ein langmerliges Geschäft, und diejenigen, welche sie empfangen, fragen auch den Henker d t e Fo6 darnach. U-n sich nun die Wage zu erleichtern, gibr man bloß Karten in den vornehmen Häusern ab. Junker Hans. Warum macht man denn Visiten? Loh nl. Um sie gemacht zu haben. Junker Hans. Und warum empfängt man sie. Lohnt. Um viel Karten an den Spiegel zu stecken. Junker Hans. Lirum larum. Na, geh er nur nach dem Billet, für die Karten will ich schon sorgen. Noch Eins/ weiß er nicht/ ob Mamsell Tienchen hier in Berlin ist? L oh n l. Mamsell Tienchen? Nein, die kenn' ich nicht. Ich bin doch sonst hier ziemlich unter den Mamsells bekannt. Aber ich will sie schon erfragen.(Ab.) Junker Hans. Erst rühmt sich der Windbeutel/ er wüßte Alles/ und nun weiß er nicht einmahl, wo Tienchen zu finden ist.— Du, Matz, geh du unterdessen zum Wirth, laß dir Karten geben, und trage sie in der Stadt herum- Matz. Zu wem denn? Junker Ha n s. Du darfst nur Acht geben, wo so'ein dicker großer Taugenichts d § ni Li sich E> W da -"-»»> Lc>7 der Thüre steht, mit einem Ordensband von rothem Tuch mit Silber verbrämt, da soll immer eme vornehme Herrschaft wohnen» M a tz. Ey, warum stellen denn Ew. Gnaden in Plumpersdorf nicht anch einen solchen Kerl vor die Thür? Junker Hans. Weil man die Taugenichtse nur in der Stadt brauchen kann. Geh. Matz. Ich ginge lieber in die Garküche. M.) Junker Hans(tritt ans Fenster.) Schone Anden! alte Linden! Aber auf dem Lande sind sie doch weit grüner, und sitzen auch wohl Nachhallen darauf; hier nur Sperlinge. Vrerte Scene. Junker Hans. Ein Galanterie- K räine r. G al. Krämer. Kann ich die Ehre haken Ew. Gnaden mit meinen Waaren zu bedienen. Junker Hans. Was hat der Herr für Maaren? G a l. Kr« m e r. Ich führe Alles, wohlfeil, dauerhaft und von der besten Qualität. Junker Hans. Aucy guten Klessaamenl G a l. K> äme r. N> in, den führ' ich nicht»^ Junker Ha n s. Nu, was denn? G a l. Krämer. Hier zum Exempel eint' schöne gvldne Dose. Junker H a n s. Ich schnupfe keinen Taback.- Gal. Krämer. Man kann sich ihrer auch in gewissen Verlegenheiten bedienen, wenn um' eben nicht weiß, wo man die Hände lassen soll. Man spielt damit zwischen den Fingern, dreh!^ sie hin und her, öffnet sie, guckt hinein, und^ höhlt nicht selten einen Gedanken heraus. Junker Hans. Hm! die könnt' ich doch^ wohl brauchen(Nimmt sie.) Gal. Kram er. Hier ist ein Opern-Gucker- l Junker Hans. Meine Augen sind gesund.^ Gal. Krämer. Er ist so eingerichtet, daß Man zugleich von der Seite eine Dame bewach« ten kann, ohne daß sie es gewahr wird. Junker Hans. Darf man denn hier des Damen nicht gerade in's Gesicht seh'n? Gal. Krämer. Bey Leibe nicht! daswe- re eine große Beleidigung. Junker Hans. Aber von der Seite darf man sie betrachten?< 209 Gal. Krämer. Oja! das nehmen sie nicht übel. Junker Hans. Na, so muß ich das Ding woh! kaufen.(summt den Opern-Gucker.) G al. äkränier. Hier ist eine vortreffliche Brille, sehr elegant in Gold gefaßt. Junker Hans. Sieht der Herr nicht, daß ich noch jung tun? Gal. Krämer. Eben deßwegen. Alte deute tragen heut zu Tage keine Brillen, aber die liebe Jugend ist stolz daraus, blind zu seyn. Junker Hans. Es ist ein Glück, wenn die armen Menschen sich in ihr Schicksal finden. Gal. Krämer. O sie sehen deßwegen so gut als wir. Aber ohne solche Brillen würden sie nicht bemerkt werden. Ich rathe Ew. Gnaden, diese nicht fahren zu lassen. JunkerHans. Nun wenn der Herr meine. (Nimmt sie.) Gal. Krämer. Hier ist eine kostbare Brustnadel mit echten Perlen besetzt. Junker Hans. Wozu braucht man das Ding? Gal. Krämer. Um die Hemdkrause damit snziistscken« Junker Hans. Das kann man ja auch mit eurer Stecknadel thun." Gal. K ramer. Dann würde kein Mensch hinseh'n. Aber solch ein Kleinod zieht aller Au- gen auf sich. Bemerken Lw. Gnaden die Buch-'> siakcv von Haaren. k Junker Hans.?llle Wetter! das ist je ein I? d Gal. Krämer. Ganz recht. Tinchen, Tonchen, Trudchen, Ew. Gnaden können da-^ raus machen, was Sie wolle». Bey mir kaust k man Buchstaben nach Belieben; der Friseur lir- s fert mir die Haare, und die jungen Herren ge- s den dann gelegentlich zu versteh'«, daß es dir d Haare ihrer Schönen sind. Junker Hans. Sage mir der Herr auf- s richtig: sind diese Haare von Mamsell Lurche»! k ' Gal. Kramer. Das kann wohl sey». Junker Hans. Ja, ja, sie hatte braunes Haar. Dafür gebe ich, was der Herr fodcrt. Gal. Krämer(der seinen M«,»I erräth.) ist freylich das theuerste, kostbarste Stück in meinem Kram. Junker Hans. Da hat der Herr recht. Gal. Kram esi. Alles zusammen, die 2 L 1 st, die Brille, der Operm Gucker, die Brust- nadel, macht eine Summe von 172 Thalern. Junker Hans. Lirum larum. Der Herr ist ein Narr, daß er so wohlfeil verkauft.(Lffnet «ne Schatulle und zieht einen Beutel heraus.) Da! es wird sich etwas mehr d'rin finden. Gal. Krämer. Empfehle mich zu Gnaden, der Lohnlaguay weiß meine Adresse.(Ab.) Junker Hans(Sie Brustnade! betrachtend.) Tinchen! Tinchen! ja so braun wäre« deine Locken, wenn du den Strohhut in den Nacken schobst, und das Haar um die rothen Wangen stielte.—> Ist mir doch zu Muthe, als wärst du mir ganz nahe— Was hilft's'i—Bleib lieber fern von mir. Wenn die Cousine zu haben ist, st muß ich sie heirathen, das hab' ich der sterbenden Mutter versprochen. F ü n f- t r S e- e n e. 2 u n ker Hans. Baron V 0 lta, welcherden Matz herein stößt. Matz. Ne, Potz Welten! prügeln laß ich .kuich nicht. Hier steht mein Herr, der kann mich prügeln, aber m't so einem kranken Her ing neh« ich-S noch auf. iZeigt idm die Fäuste.) B. Volta. Ist dieser Schurke in Ihm Diensten? Junker Hans. Ich habe keinen Schur ken in meinen Diensten. Was gibks denn M«! was hast du angestellt? Matz. Ich? gar nichts. Ich habe mir Kar ten vom Wirthe gehohlr, der hat mir zweyg» ze Spiele gegeben, die hab' ich von Haus Haus den Leuren angebothen, und bin überall aB- gelacht worden. Endlich bekam ich das Ding M Der Herr da begegnete mir, und weit er so ei« Kreischen auf dem Rocke tragt, so meint'ich, er müsse wohl reckt vornehm seyn, und gab ihit tue Karten alle imt einander. i« W NI «i e> t! di B. Volta. Ist das auf Ihren Befehl g<> s schehen? h Junker Hans. Freylich.» B. Volta. Was wvll:en Sie damit^^ gen? Eine Satyrs auf mich machen? Junker Hans. Ey warum nicht gar! ei soll ja hier Mode seyn Karten herum zu schicket d> B. Volta. Vistten-Karttn. Junker Hans. Sehen denn die ändert aus'? T 2l3 B. Volta(bricht in kin laPes Gelächter aus.) Junker Hans. Nun wärmn lachen Sie? B. Volts(bei) Seite.) Da führt mir ja wohl der Zufall einen Gimpel ins Netz.(Laut.! Verzeihen Sie mein Herr, sS war ein Irrthum. Man pflegt weiße Karten zu schicken, worauf «an seinen Nahmen schreibt.(Er schielt nach der «Anen Schatulle.) Junker Hans. A ch so! warum hat der kohnlaguay das nicht gesagt? Matz. Nun da haben wir's. Darum lachten die Leute auch Alle, als ob sie närrisch waren» B. Volra. Indessen wünsche ich mir Glück, daß dieser lnst'.ge Irrthum mir eine so interessante Bekanntschaft gewährt. Ich muß Ihnen gestehen, ich glaubte— da ich dann und wann jum Zeitvertreib gern ein wenig spiele— es habe Jemand eine» plumpen Scherz mit mir treiben wollen, und im Punct der Ehre bin ich verdammt kihftch. Junker Hans. Ich denke, mein Herr, d>e Ehre muß so rief stecken, daß man sie imt dem Kitzel»., gar nicht erreichen kann. Volra. Bravo! eine Sentenz. Junker Hans, War das eine Sentenz? ^aran bin ich, weiß Gott, unschuldig. 2t4 V. Volta. Ihre Naivität entzückt mich. Lassen Sie sich umarmen, mein neuer Freund. Junker Hans. Freund? Wir müssen erst einen Scheffel Salz mit einander essen. B. Volta. Die Sitte ist schon längstai- gekommen. Jetzt thut eine Bonteille Champagner die nähmlichen Dienste, und die wollen wir noch heute mit einander ausstechen. Junker Hans. Das kann geschehen. B. Volta. Sie sind unbekannt in Berlin! ich werde Sie überall in den ersten Häusern prä- semiren. Man wird Sie mit offenen Armenaus- nehmen; die Spieler werden zusammen rücken, Ihnen sogleich am Faraotisch den besten Platz einräumen. Junker Hans. Ich verstehe kein Spiel B. Volta. O weh! Sie wagen sich in die Residenz, und versteh'» kein Spiel? Wissen Sie denn nicht, daß man in Gesellschaften nur dann willkommen ist, wenn man spielt und schch spiest! Sie glauben nicht, wie verlegen die Frau vorn Hause mit einem Gaste wird, den sie an keine» Spieltisch setzen kann. Junker Hans. Ich habe gemeint, man käme zusammen um zu reden. D. Volta, Was soll. man denn rede»! LiÜ Ttadtneuigkeiteii? die sind bald erschöpft. Po- liiik? das ist gefährlich. Litteratur? das ist gemein. Wissenschaften? dafür hat man Vorlesungen im Winrer» zwey Friedrichrd'or. Selbst die Damen— vor alten Zeiten erschienen sie wohl in Assemblern, um durch Ringe oder Brillanten j» glänzen, aber auch das ist langst vorbey. Jetzt. spielen sie trotzten Hs>ren; sitzen mit hochrothen Wangen und glühenden Augen am grünen Tische, und könnten einem Mahler zum Modell einer schonen Bacchantinn dienen. Also mein Herr, wer nicht spielt, der macht eine traurige Figur, und käme er, ein Prinz aus dem Monde, man wird ihn ein Paar Minuten angaffen, Ad schnell wieder zu den Karren eilen. Wer hingegen zu jeder Stunde bereit ist, jedes Spiel s» hpch man will, zu spielen, der wird fetirt, um den reißc man sich. Niemand fragt nach. sei-' Umi Range, seiner Herkunft, die Kartenblat- Ür geben ihm 52 Ahnen; Niemand bekümmert sich um seine Sitten, seinen Ruf. Er ist vrel- iiichl in Spaa geprügelt, und in Pyrmont zum Unsrer hinaus geworfen worden; gleichviel, wenn « nur spielt. Junker Hans. Hören Sie, das gefällt u>ir nicht. 2lÜ B. Volta. Was soll man thun'/ Sielen neu das alte Lprichwort: mit den Wölfen miif man heulen. u n k e r H a n s. Man kann ja auch wez- bleiben, wo es Wolfe gibt. B. Volta. Somusi man auf dem Lack bleiben und Kartoffeln pflanzen. Junker Hans. Ey das ist so Übel nicht Die Kartoffeln/ mein Herr— B. Volta. Ich beschwöre Sie, nichts M den Kartoffeln. Ob die auf den Bäumen odtt in der Erde wachsen, das begehrt hier Niemand zu wissen. Wollen Sie eine Zeitlang in Berlin sich aufhalten, ,so lernen Sie spielen, oder ck stellen Sie noch heute Ihre Postpferde. Junker Hans. Nu, wenns nichr-anderk' seyn kann— aber es wird schwer halten. In meiner Jugend hab' ich kaum das Schnips schnapp Wchnurr begreifen lernen. B>. Volta. Seyn Sie unbekümmert, Man braucht eben nicht alle Spiele zu verstehen- Gluekllcherweife gibt es Eins, mit dem man durch die ganze Welt kömmt, so wie bekanntlich eine Sprache alle übrigen entbehrlich macht» Farao, mein Herr, ist das königliche Spül, das schon seit manchem Menschenalter in Geselle schasst. che >>g kin inc nii sei Sb ge k>l k, t« n w! lk sHüften von gutem Ton den Vorsitz führt, wv-- j» man kein Fünkchen Verstand gebraucht. Und welches der Dummkopf wie das Genie in gleicher Vollkommenheit spielen. Ist es Ihnen gefällig, da wir eben Karten bey der Handhaben, so können Sie es in zwey Minuten lernen, Junker Hans. Zn zwey Minuten? Die möcht' ich wohl daran wagen. B. Volta(setz, sich hinter den Tisch.) Treten Sie naher. Belieben Sie Acht zu geben. Ich mische die Karten. Sie heben ab. Nun bemerkt» Sie, die Karte zur Linken verliert, die zur Rechten gewinnt. Aß hat verloren, die sept gwsnnen, der Bube verloren, die Zehn ge- Monnen. Junker Hans. Das begreift sich bald. B. Volta. Nicht wahr? es ist keine Vor- lrsung von Fichte. Nun nennen Sie einmahl eu Karte, zu der Sie Vertrauen haben. Junker Hans. Die Dame. B. Volts(zieht ab.) VinH 6t Imit. roi üuit,^.88 6t IlninL. Ihre Dame hatge- Mennen. Eine andere Karte. Junke r Han s. Ich bleibe bey der Dame- B. Volta. Sehr wohl.(Erzieht ab.) Va- vt vsnre. 8c>n66n gewonnen, Sie haben «stzek-ue's Theater 32. Vd. K u»"» 2,8 Glück mein Herr. Nikons! um dem Spiel hn einiges Interesse zu geben, setzen Sie ein P« Friedrichsd'or. Iunker Hans(zieht den Beatek.) Da, H die Dame. B. Volta(zieh« ah.) lieirk et se^rt, M' ruo st k>uit. Dieß Mahl hat die Dame verlsm (Er streicht ein.) Junker Hans. Und nun gehört dasM Ihnen? B. Volta. Freylich. Aber Sie können ü Heym nächsten Abzug doppelt wieder gewinne», u n k e r H a n s. Doppelt? wie das? V>. Volta. Wenn Sie noch einmahl sl »iel auf die Karte sehen. Junker Hans. Nun da. B. Volc a. Sie bleiben der Dame getttiü Junker Hans. Ich weiß wohl, was ich tabey denke. B. Volta rzi-h- ,r.) tzuatre ek Valei. ireril et Uui, Ourne ot troir. Sie hat wieder verloren.(Er streich,«in.) Funker Hans. Hohl^ sie der Henker! ich nehme die Zehn.i das werk ich schon. Sie werden uns Allen aufzuratheiige- ber;. Leben Sie wohl, mein Herzensfreund! Sie glauben nicht, welche Sympathie mich Sie fesselt. Ich liebe Sie schon wie meinen Bruder. Ich könnte mich für Sir schlagen; ich könnte die letzte Auster mit Ihnen theilen.(timE> ihn. ü rsvnir.(Zu Matz, indem er ihm Gerd Da, mein Freund, nehm' er das Kartengeld. '(Aß.)! 2 21 M atz(besieht es.) Kart« ngeld? Es ficht Ms wie Silber. Junker Hans. Begriffen hab' ich das Spiel nun wohl; aber ich denke, es wird am iestsn seyn, wenn ich es gleich wieder vergesse, Sechste Scene. Der Prediger Sestmann(der ein Paar kleine Kinder über die Bühne führt.) Die Vor ig e n, P. Seelm. Kommt Kinder, die Uhr hat Gon geschlagen. Juuker Hans(ihn erblickend.) Seh' ich recht? Herr Pastor! lieber Herr Pastor!(Erläuft «Ik ihn zu und umarmt ihn Mit Heftigkeit.) P. S eelm. Herr von Birken! Sind Sie es?— Junker Hans. Nun, so möcht' ich doch schreyen und jubeln wie ein Knabe am JohanniS- Äeild.(Er schüttelt ihm beyde Hände.) Lrehen Sie, die Augen werden mir naß. Ich muß lachen, daß kur die Thränen über die Backen lausen. P. Seelm. Lieber Herr von Birken, Zinnern Sie sich Ihres alten Lehrers noch? wie können K Junker Hans. Pfuy, so häßlich fragen? Matz(schiebt sich seht geschmeidig dem Pttchl! »Niet die Augen.) Der Matz ist auch da. Zunker Ha mö. Kommen Sie her, schätzen Sie mit mir, erwähle» Sie mir. P. Seelm. Geht nur Kinder, ich koiiW .gleich nach»(TUe Kinder lausen fort,) Junker Hans. Sind das Ihre Kindes! P.-Seelm. Ä»ein, ,dr- Wirkhs KiM, .die ich.ü» Lesen und Schreiben unterrichte. Junker Hans. Ich will nicht hoffeil/l:.i Sie aufbisse Weise Ihr Brod verdienen? P. Seelm. Warum denn nicht? Junker Hans. S">d Sie' denn-mA Prediger hier? P. S eelm. Sie wissen ja, warum ich akzk fetzt wurde. Junker Hans. Abgefetzt? davon weiß^ nichts. P. Sselm. Nichts? Junker Hans. Meine Mutter sagte wir, Sie hätten einen bessern Dienst erhalten;^ sollte nur nicht erfahren wo? Sie wissen weh! w a ru m. Aber war' ich nur nicht krank geworden; ach Herr Pastor! ich war damahls sehr krü»r- 223 Diele Wochen sang hab' ich den Mond für eine Laterne, und den blauen Himmel für ein blühendes Flachsfeld angesehen. Als ich endlich wieder gesund wurde, da waren Sie schon über alle Berge, und niemand wollte mir sagen, wohin? P. Seelm. Es that mir weh, Sie ohne Abschied zu verlassen. Junker-Hans. Abgesetzt sagen Sie? Warum? warum? P. Seelm. Man wollte gefunden haben, daß ich gefährliche Grundsätze predigte, und man Mißte das Consistvrium dahin zu bringen— IunkerHans. Man? man? Was heisst das? wer ist der man? P. Seelm. Lasten Sie uns nicht weiter daran denken. Junker Hans. Ich verstehe Sie— meine Mutter— O ich wollte lieber, Sie hatten mich geschlagen. Sie ist nun todt, vergeben Sie ihr. P. Seelm. Ich habe ihr nichts zu vergeben. Sie glaubte ihre Mutter-pflicht zu erfüllen. Junker Hans. Ach ja, st? meinte es gut -— aber es war doch nicht gut— ich sollte Tinten nicht lieben, nicht heirathen— und ich war 224 mit Tinchen aufgewachsen, und wir warn n wie die jungen Birken, die auf ihrer Wiesest» n sen, in einander gewachsen. Hören Sie, K Birken stehen noch dort, und ich liebe Tichk d noch immer. Geschwind sagen Sie mir, weis! sie r was macht sie.?( P. Seelm. Sie ist gesund. Junker Hans. Wo? wo?„ P. Seelm. Das darf ich Ihnen»ich! i sagen. t Junker Hans. Warum nicht? r P. Se elm. Weil ich Ihrer Mutter eSP r .geschworen habe, j Junker Hans. Aber meine Mutter D» Loht. P. S e e l m. Gleichviel. j Junker Ha n s. Es ist freylich wahr, ste -hat verlangt, ich soll meine Cousine heiratheii,> P. Seelm. Hoffentlich ist der letzte M Ihrer Mutter Ihnen heilig.< Junker H a n s. Aber ich liebe meine i sine nicht, ich kenne sie nicht einmahl. P. Seelm. Ich kenne sie, es ist ein st» t benswürdiges Frauenzimmer. Junker Hans. Wer weiß auch/ obste j mich mag? Lieber Herr Pastor, wenn sie wir ei- st« lüs'kl >0>!> Hj ri^ ,ß- )S»i ;>K eil- lie< st- ei- 225 neu Korb gäbe, dann wär' ich doch wieder los und ledig? wie? P. Seelm. Für eine Jede, bey der Sie den Segen Ihrer Mutter voraussetzen dürften. Junker Hans. O ja, was giltö, wenn Sie nur wieder kommen dürfte.(Er ergreift des Predigers Hand mit inniger Verlegenheit.) Hören Sie^, meine Mutter hat Ihnen weh gethan— ich bin ihr Erbe, ich muß das wieder gut machen. Nein, daran sollen Sie mich nichr hindern, wenn Sre mir auch Tinchen vorenthalten. Daß Sie in Ihrem Alter von Straße zu Straße laufen, mit kleinen Kindern sich quälen, das leid ich nicht, «ein Herr Pastor, das leid' ich nicht! P. Seelm. Ich verdiene mein Brod, bin gesund und zufrieden. Junker Hans. Sie müssen eine Pension den mir annehmen.(Bittend.) O ja?— P. Seelm. Das würd'ich ohne Bedenken, wenn ich mir nicht sagen müßte, es geschieht um meiner Tochter wrllbn. Junker Hans. Auch das schlagen Sie mir ab? P. Seelm. Ich bin zufrieden, und will zufrieden bleiben. Junker Hans. Lirum larum. Sie sind in Berlin recht hart geworden.(Verlegen.) Sie wissen nicht— daß meine Mutter— in ihren letzten Tagen schon ganz anders dachte— sie hat in ihrem Testamente Ihnen ein Legat vermacht-— P. Seelm. Mir? ein Legqt? Junker Hans. Ja, von zwcyhundert Ariedrichsd or.(Er schielt»ach feiner Schatulle.) Ver- mnthlich wollte sie ersetzen— P. Seelm. Herr von Birken! Sie wa-- ren als Knabe immer so Wahrheitsliebend. Junker Ha.n.s. Ey das bin ich noch. P. S ee l m. Ist das Legat keine großmüthige Erfindung von Ihnen? un k e r H a n s(verstellt sich so gut er kann.) -Nun da höre mir Einer!— Nein Herr Pastor, nun bin ich böse— das nehm' ich Übel— Sie haben mich beleidigt— nun bin ich entsetzlich böse. -P- S e e lm. Sie beleidigen? Las sey fern. Junker Hans. Da sehen Sie her, da liegt das Geld schon eingewickelt. Nun werden Sie mir doch glauben? P. Seelm. Ich weiß fürwahr nicht— Junker Hans(dringt ihm die Rolle» aub) Nehmen Sie, oder ich werde frank vor Verdruß. P. Seelm. Es sey damit wie es wolle/ ich nehme es dankbar. Diese Hülfe erscheint mir in einem Augenblick,, wo ich eine gelcebte Person vielleicht vom Rande eines Abgrunds damit Mten kann- Siebente Scene. EinKaufmannsdr e n er. Die Vorigen. K. Dien e r. Logirt hier der Herr von Birken t Junker Hans. Ja mein Freund, der bin ich. K. Diener. Ich habe schon in fünf Gast- höfen nach Ihnen gefragt. Hier ist ein Wechsel, den ich prasentiren soll. Junker Hans(sehr verlegen.) Ein Wechsel? ja ganz recht. P. Seelm. Sie haben Geschäfte. Auch ich muß eilen, das Versäumte nachzuhohlen. Junker Hans(bey Seite.) Gott sey Dank! (reut.) Nun leben Sie wohl lieber Herr Pastor. Aber Siv besuchen mich doch bald wieder? P. Seelm. Morgen gewiß.(Ab.) Junker Hans(be» Seite.) Der ging zu 228 rechter Zeit.(Laut.) Ja mein Freund/ mit dem Wechsel hak es seine Richtigkeit. K. Diener. Der Herr Oncle schreibt, er hsbe Ihnen die zweyhundert Friedrichsd'or mitgegeben. Junke r Hans. Ja, das hat er gethan. K. Di euer. Da nun heute der letzte Termin ist. Junker Hans. Der letzte, richtig. K. Diener. So bitt' ich um das Geld. Junker Hans. Das Geld hab' ich nicht mehr. K. Diener. Wie? anvertrautes Geld? daS haben der gnädige Herr verthan? Junker Hans. Nicht so eigentlich verthan, aber— kurz es ist nicht mehr da. K. Diener. So werden Sie sich auch nicht wundern, daß wir unsere Sicherheit nehmen. Junker Hans. Nicht mehr als billig. K. Diener. Siebekommen Wechsel-Arrest. Junker Hans. Arrest? Matz. Alle Hagel! Junker Hans. Das wäre ja wohl gar ein Schimpf. Matz, geh' doch geschwind zum Wirth, er soll mir zweihundert Friedrichsd'or schicken.(Matz lauft fort.). K. Diener. Haben Sie sonst keine Hoff« nung das Geld aufzutreiben? - Iunker Hans. Seyn Sie unbesorgt, der Wirth hat mir sein ganzes Haus angebothen, ich soll damit nach meinem Belieben schalten. K. Diener. Ich fürchte, Sie haben die Rechnung ohne diesen Wirth gemacht. Achte Scene. Baron Volta. Die Vorigen. Junker Hans. Ach gut, daß Sie kommen, mein neuer Freund, leihen Sie nur doch ge,chwmd zwsyhundert Friedrichsd'or. B. Volta. Jch'l Wie käm' ich dazu? Junker HanS. Man droht mir mitWech- sel-Arrest. B. Volta. Was geht das mich an? Junker Hans. Sie wollten Ihre letzte Auster mit mir theilen? B. Volta. Austern sind keine Friedrichsd'or. Matz(kommt»urück.) Der Wirth sagte, er hätte kein Geld,.und, sagte er, wenn Ew. Gnaden mich kein Geld hätten, so mochten Sie je eher je Ueber sich aus dem Hause packen, Junker Hans. Lirum larum. Jetzt merk' ich, daß in Berlin die Worte wohlfeil sind. K. Diener. Auf der Stelle hohl'ich die Wache.(Will to".) Neunte Scene. Lieutenant Silberforst. Die Vorig sn. Lieut.(welcher die letzten Worte hört.) Dir Wache? was geht hier vor? Junker Hans. Man will mich arretiren, weil ich einen Wechsel nicht gleich bezahlen kann. Lieut. Einen Wechsel? wie groß? K. Diener. Zweyhundert Friedrichsd'or. Lieut. Kennen Sie mich? K. Diener. O ja Herr Lieutenant. Lieut. Haben Sie Vertrauen zu mir? K. Diener. O ja! Lieut. Ich verbu-ge nuchfur diesen Herrn. K. Diener. Sehr wohl. Junker Hans. Sie sind ein Ehrenmann» Lieut. Der Dienst ist sehr gering. Vermuthlich hat bloß Unkunde Sie in diese Verlegenheit gestürzt. Ohne Zweifel haben Sie Cre- dubriefe? Iu nck er Hans. Potz Belten! ja, von so Mein Dinge hat der Oncle viel geredet.(Er zieht hin Taschenbuch heraus.) Da sind meine Briefe. Lieut.(durchläuft sie.) Splittgerbsr Lt ^iZniL— zweytausend Friedrichsd'or. B. Volta. Warum sagten Sie das nicht gleich, mein theurer Freund? hier ist meine Börse. Junker Hans. Obligirt. Lieut.(zu dem K.ausman«sdi«ncr.) Sie sehen, iltt Herr ist sicher. K. Diener. Ich werde mich Nachmittag wieder einfinden.(Ab.) IunkerHans. Herr Lieutenant, wie kann ich's vergelten? ich habe Sie herzlich lieb. L. i eu t. So ist es schon vergolten. Ich kam nur einen Augenblick, um Sie zu fragen, ob wir mit einander im Casino speisen wollen? Junker Hans. Topp! mich hungert,und S» Ihrer Seite wird mir's doppelt schmecken. B. Volta(br« Seite.) Der entführt mir ihn. 232 Junker Hans. Aber ich muß zuvor noch einen Besuch bey meiner Braut, dem Fräulein von Klingen abstatten. Der Oncle hat mir das auf die Seele gebunden, auch bin ich schon durch den Matz gemeldet. Kennen Sie sie etwa, lieber Herr Lieutenant? Lieut.(einen Seufzer unterdrückend.) O fa! ich kenne sie. Junker Hans. Desto bester. Führen Sie mich zu ihr, stellen Sie mich ihr vor. Lieut. Damit verschonen Sie mich. B. Volta. Zu mir, mein Freund, ich bin sehr bekannt in dem Hause der Frau von Klingen, ich werde Sie begleiten. Junker Hans. Gehorsamer Diener(M ju dem Lieutenant.) Mit Ihnen ging ich lieber. Lieut.(reise.) Verzeihen Sie mir, ich habe Gründe, ich kann diesen Wunsch nicht erfüllen. Gehen Sie nur mit dem Herrn da, aber lasten Sie sich sonst nicht mit ihm ein, er ist ein Spieler von Profession. Junker Hans. Leider kenn' ich ihn schon- Lieur. Auf Wiedersehen im Casino, M.1 2Z5 Zehnte Scene. Die Vorigen ohne Lieutenant. B. Volta. Wo haben Sie die Bekanntschaft dieses Pedanten gemacht? Junker HanS. Pedant? was heißt das? B. Volta. Das heißt so viel als abgeschmackt. Junker Hans. Herr, das verbitt' ich mir. Hinter dem Rücken laß ich von niemand Übels reden, und am wenigsten von einem solchen Ehrenmann. B. Volta. Ein Ehrenmann, nun ja ein langweiliger Ehrenmann» Junker Hans. Er spielt wohl nicht? B. Volt a. Er kennt keine Karte. Junker Hans. Der arme Mensch! Aber Sie wollten mich zu meiner Braut führen? B. Volca. Augenblicklich. Sie haben das schone Fräulein von Klingen noch nie geseh'n? Junker H a n s° Nein. B. Volta. Ohne Zweifel wissen Sie schon, wie man in der heutigen Welt mit den Damen sich benehmen muß? Junker HanS. Höflich und bescheiden, das weiß ich noch von meiner seligen Frau Mutter. B. Volta. Vermuthlich war die selige Frau Mutter eine Dame aus der alten Welt. Höflich? bescheiden? um's Himmels willen nicht! Wirle« ken im Zeitalter des Jmponirens. JunkerHans. Was ist das? B. Volta. Zn's Hochdeutsche läßt es sich schwer übersetzen. Kennen Sie das plattdeutsche Wort Verblüffen? Junker Hans. Wie sollt' ich das nicht kennen? es ist ein ehrliches pommersch'eS Work. B. Volta. Also mein Freund, das Verblüffen ist an der Tagesordnung. Ich konnte Ihnen die wichtigsten Begebenheiten, die größten Thaten herzähle», die bloß durch Verblüffen gelungen sind. Doch wir bleiben vor der Hand bey den Damen stehen. Zuversichtlich, auch wohl ein wenig unverschämt muß man auftreten; sie ganz zu übersehen scheinen, oder ihnen starr in die Augen blicken, bis sie roth werden; mit Zweydeutigkeiten um sich werfen: aus oen letzten leeren Stuhl sich pflanzen, wenn auch noch ein Dutzend Damen stünden; niemanden zum Wort kommen lassen; über Alles urtheilen, al- sZ5 lsö tadeln, besser wissen, Alles besser g e se y' ü haben; trällern; vor den Spiegel treten; Halstuch und Gillet zurscht schieben; Jugendstreich- erzählen; anit Siegen prahlen; das Alter verspotten envlEi'Letent'lern. Sehen Sie mein Freund, das imponirt, und wenn Sie babey noch einen tüchtigen Backenbart sich wachsen lassen, so werden Sie der Liebling aller Damen. Junker Hans. O weh! das lern' ich mein Lebstage nicht. B. Volta. Geben Sie nur Acht auf mich. Ein Paar Tage in meiner Gesellschaft, und Sie werden die erstaunlichsten Progressen machen. sBeyds«t.) E i l f t e S c e n s. Matz allein. Mein Herr ist ein wenig dumm. Ich will's schon begreifen. Für's Erste laß'ich mir den Backenbart wachsen, das übrige kommt dann schon von selber. Ja, die hübschen Mädchen in Berlin, die gefallen mir wohl. Sie laufen so häufig auf den Straßen herum? wie in Plumpersdo'.l 236 die Hühner und Gänse. Dos zwickert, das lächelt, das nickt, das winkt. O wenn ich doch meine Grete mitgenommen hätte, die immer die Augen niederschlägt, als ob sie Stecknadeln suchte, hier könnte sie Lebensart lernen. Na, komm' ich nur nach Hause, die will ich verblüffen. M.) (Der Vorhang fällt.) 287 Vierter Act. Das Zimmer der Fra» von Künaem Erste Seen e. Frau von Klingen. Amalie. Frauv 0 n Klingen. §^er Bediente ist zurück gekommen/ er hat ihn gesehn; er beschreibt ihn als«inen schonen jungen Mann. Amalia(wirf! den Kopf zurück.) Fr. v. Klinge n. Das scheint dir gleichgültig? Amalie. Liebe Mutter/ ich entsinne mich eben Ihrer eignen Worte:„Es ist boshaft von ber Natur/ daß sie zu einer ewigen Verbm- 238 düng durch vergängliche Eigenschaften uns lockt." Fr. v. Klingen. Ja mein Kind, das hab' ich gesagt, und ich denke auch noch so. Um der Schönheit willen heirathen, ist eben so viel als um der Rosen willen ein Landgutkaii» ftn. Ja, das Letztere wäre noch vernünftiger, denn die Rosenzsir kömmt doch jährlich wieder. Aber eine angenehme Z«g a b e bleibt dir Schönheit doch immer. Am alle. Das sage ich mir so oft ich den Lieutenant sehe. F r. v.K l i ng e n. Ich warne dich vor Verglei- chungen. Eine Frau muß ihren Mann betrachten, wie ihr Gesicht, das ste mit keinem andern vertauschen würde, so häßlich es auch seyn mag. Amalie. Nun ja, wenn der Pommersche Herr Cousin erst mein Mann seyn wird. F r. v. Kli n g e n. Das soll die nächsteStunde entscheiden. Er wird mtt dem Baron Volts sogleich hier seyn. Amalie. Mit dem Baron Volta? Wie kommt er an den? Fr. v. Klingen. Das mag der Himmel wisse«. Vermuthlich hat der Baron ihn ausge- Witter^ denn du weißt, auf alle Fremden macht « Jagd, > Amalie. Ich gestehe ihnen liebe Mutter, daß ich ihn nicht gern in unserm Haufe sehe. Fr. v. Klinge n. Ich auch nichr, aber Spieler muß man schonen, es sind die einzigen Menschen, denen alle Thüren offen stehn, und die Alles sagen dürfen. Eine Verleumdung am Spieltisch hingeworfen, ist gefährlicher als jede andere, denn da hat niemand Zeit sie zu widerlegen. Amal ie. Wissen Sie auch, daß er meinem Kammermädchen nachstellt? Fr.».Klingen. So? Amalie. Daß er oft die Zeit ablauert, wo wir nicht zu Hause sind? Fr. v. Klingen. Desto schlimmer für ihn, denn die brave Ernestine still, icy höre kommen. Zweyte Scene. Baron Volt«. Junker Hans. Die V o rig en. B. Volta. Meine gnädige Damen, ich h»° be die Ehre Ihnen meinen vertrauten Freund den Herr von Birken vorzustellen. Fr. v. Klingen. Der Cousin ist schon a»-- gemeldet und herzlich willkommen. Junker Hans(mit viele» Unke» Vevbeugu»- aen.) Der Oncle läsir sich gehorsamst empfehlen— und läßt gehorsamst bitten— Sie mochten es nicht übel nehmen—Sie wissen schon, warum ich komme.— Fr. v. Klingen. Sie scheinen verlegen, lieber Cousin? Vergessen Sie nicht, daß Sichler unter Freunden und Verwandten sind. Junker Ha n s. Wenn die gnädige Tante erlauben— wenn ich mirs mit dem Reden bequem machen dürfte. Fr. v. Klingen. Ohne allen Zwang. I unke r H a n s. Es könnte sich wohl treffen— baß ich bisweilen— oder auch oft—- etwas Dummes sagte. Fr. v. Klingen. Wer das befürchtet, der thut es selten. Junker Hans. O doch. Ich bin in Pom- me,.n so aufgewachsen— ich verstehe die Manieren nicht— der Herr Baron ist wohl so gut gewesen mir Unterricht zu ertheilen— B. Volts. Nur eine Skizze, I u n- Junker Hans. Er hat mir gesagt/daß die Bescheidenheit aus der Mode ist. B. Volta(vcrlegcu.) Ich sprach von der Blödigkeit. Junker Hans. Ich soll der Cousins starr in die Augen sehn, das kann ich nicht, ob sie gleich- recht schone Augen hat— D. Volta. Ich meinte nicht.— Junker Hans. Ich soll über Alles urtheilen, das versteh ich nicht. Ich soll Zweydeutigkeiten sagen, davor schäme ich mich. B. Volta. Sie haben mich mißverstände!'. Junker Haus. Ich soll das Alter verspotten, das kommt mir sündlich vor. B. Volta(be» Sein.) Rindvieh. -Fr. v. Klingen. Ey, ey, Herr Baron, Hre Lectionen—- B. Volta. Scherz, gnädige Frau, nichts M Scherz. Fr. v. Klingen. Lieber Cousin, hier im Hause leben wir noch ganz nach der alten Weise. Junker Haus. Nun, das freut mich, lie- de Frau Tarne, denn es war Mir zu Muthe, als hätten sie mir eine Schnürbrust angezogen. Fr. v. Klingen. Wie gefallt Ihnen Berlin l- Kehebue'S Theater 32. Var.d. L 242 Junker Hans. I nu, schone Häuser, schmucke Soldaten, hübsche Pferde, viel Staub. Alles rennt durch einander, keiner grüßt den Andern, die Hüte müssen wohl theuer seyn. Fr. v. Klingen. Haben Sie noch keim Merkwürdigkeiten gesehn. Junker Hans. Ein Haus mit einer grs- ßen Uhr. Der Herr Baron sagte: unten stünden Pferde, und oben wäre eine Akademie. Fr. v. Klingen. Morgen werde ich Sie selbst in dem schonen Berlin herum führen. M V-tta.) Kommen Sie Herr Baron, ich habe Lust pichet zu spielen. D" jungen Leute mögen beysammen bleiben, damit sie ohne Zwang einander kennet, lernen. B. Volta tleisc.) Im Vertrauen gnädige Frau, eben als wir zu Ihnen gingen, hat Ihr Cousin ein Urtheil aus dem Kammergericht empfangen. Fr. v. Klingen. Ich vermuthe dessenInhalt(fic reicht ihm den Arm. Beyde ab.) A K, «! s-l i» S- > N h. ih Dritte Scene. Junker Hans und Amalie. Aeyde stehen verleaen; der Junker»upft an seinem Hute, Amalie an ihrem Schaal.) Amalie(bey Seite.) Was soll ich ihm sagen? Junker Hans(bey Seite.) Faß dir ein Httz.(Laut und furchtsam.) Liebe Cousine, Sie habe» mir noch nicht ein freundliches Wortchen zugeworfen; sehn Sie mich etwa nicht gern? Amalie. Sie werden mir in unserer Lage ein ^m-g Verlegenheit zu gute halten. Junker Hans. Lieber Gott ich steh ja selber da wie ein armer Sünder. Wir sehen unö j»m ersten Mahle, und sollen uns gleich heirathsn. Amalie. In der That dar ist beängstigend. Junker Hans. Sie werden denken, der Mensch ist jung, aber wie fteht's um seine Erziehung? Amalie. Sie werden denken, das Mad- ist ganz wohl erzogen, aber wie steht es um ihr H-rz? Junker Hans. Sie werden denken, der L s Menjch ist reich, aber Reichthum macht nicht glücklich. k Amalie. Sie werden denken, das Mädchen ist hübsch, aber Schönheit ist vergänglich. ,i Junker Hans. Hab' ich Ihre Gedanken- errathend Amalie. Hab' ich Ihre Gesinnungen ge-> treffend Junker Hans. Heraus damit! A m a l i e. Aufrichtig.' Junker Hans. Nun ja. Amalie. Ja.^^ Junker Hans. Das gefällt mir. Nun hab' ich Sie noch einmahl so lieb. A mali s. Sie sind ein Freund der Aufrich-' tigkeit! Junker Hans. Nicht einmahl einen fal-! scheu Hund leid' ich auf meinem Hofe. Amalie. So wär' es ja unverzeihlich, nieü>^ Herz vor Ihnen zu verschließen. Junker Hans. Schließen Sie in Gel' tss Nahmen auf, lassen Sie einen ehrlichen Kerl l hmeinschauen. Amalie. Hätte ich Sie früher kennen lernen, Ihre Gurmüthigkeit wurde meine Lüde schnell erworben habe». Junker Hans. Ich verstehe, weiter, wer- ter. Amalic. Wenn Sie mit meiner Achtung zufrieden sind, so werd' ich(si- seufzt) meiner Mutter gehorchen. Junker Hans. Wenn ich aber nrcht damit zufrieden bin? he! wie dann? Am alte. Dann musi ich Ihnen freymüthig bekennen, mein Herz ist, nicht mehr in meiner Gewalt. Junker Hrrns(entzückt.) Cousinchen, lie- stks Cousinchen!(Er drückt sie heftig in ssineArme.) Amalie. Was machen Sie? Junker Hans. Ich umarme Sie, nehmen Sie's nicht übel. Ich thue es nicht ausUn» vcrschamtheit, wie der Herr Baron haben will, .sonder aus purer klarer Freude. Amalie. Sie freuen sich darüber, das! ich Sie nicht lieben kann? Junker Hans. Ja, bey meiner armen Seele! nehmen Sie's nicht übel, ich freue Mich darüber wie ein Kind. Amalie. Und wollten mich doch herrschen? Junker Hans. Ich hatt' es meiner seli- M Frau Mutter versprechen müssen. S/j6 ^lmalie. sieben Sie vielleicht eine Andere? Funker Hans(ganz wehmüthig.) Mit Ihrer Erlaubnis ja.^ Amalie. Das ist ja ganz vortrefflich. Junker Hans. Gott sey Dank, wir hei- rathen einander nicht.^ Ainalie. Mir fallt ein Stein vom Herze».^ Funker Hans. N?ir ein ganzer Berg, nehmen Sie'ä nur nicht übel. A walt e. Bepleibe! ich werde mich Jhr-S^ Elücks herzlich freuen. Funker Hans. Und ich des Ihrigen, weiß Gott; § 2- malie. Ach! das meinige bleibt darum doch unerreichbar.' Funker Hans. O sagen Sie das nicht, sonst wär' auch mein Glück nur ein halbes Glück.^ Amalie. Kennen Sie Ihren Gegner de» Lieutenant Silbsrforstf Iunker Han s. Freylich kenn' ich ihn, wir§ sind die besten Freunde. Ama lie. Er ist es, den ich liebe. Junker Hans. Desto besser, so wird er> mein Cousin. A malir. Ach! gx jst arm. I u n k e r H a»s. Sie werden ihn doch d a- rum nicht verstoßen? Amalie. Meine Mutter— uns bleibt nur Eine schwache Hoffnung, der Prozeß mit Ihnen. Gewinnt er den, so wird die Liebe siegen. Verliert er ihn, so müssen wir uns auf ewig trennen. Junker Ha:-, s. Sapperment! der Prozeß! ich habe ja so eben das Urtheil empfangen. Amalie(hastig.) Wielauretes? Junker Hans. Habe ich es doch selbst Noch nicht gelesen(er sucht darnach in der Tasche.) Warten Sie, warten Sie, vielleicht hab' ich ihn verloren.(Er zieht es hervor, blättert und liest.) Amalie. Welch ein ängstlicher Augenblick! Junker Hans. Hm— hm— hm—- stein, den Henker auch, ich hab' ihn nicht verloren. Am alie. Ach Gott! Junker Hans. Aber das hat nichts zu bedeuten, ich will ihn verloren haben. Amalie(ihn anstarrend.) Wie? Junker Hans. Das Papier kann mir doch nicht vorschreiben, was ich thun oder lassen soll? Seyn Sie ruhig Consinchen, der Lieutenant hak den Prozeß gewonnen, er soll ihn Kk- 248 tvsnneu habe«/ und wen-n das Kammergerichi noch ein Rieß Papier dagegen vollschreibt. Ama'lie(ihn umarmend) O mein Freund! Junker Hans. Ja solch ein Kuß/ der ist fuß/ ich muß ihn aber erst verdienen. Rasch am Werk. Der Lieutenant erwartet mich auf dem Castnv/ ich schicke zu ihm/ er muß kommen/ erfahren/ mit der gnädigen Tante spreche»/ und in einer Viertelstunde sind sie seine Braut. Juchhe! der Roggen blüht! jetzt nur noch ein laues Lüst- cheii/ und es gibt eine herrliche Frucht.(Ab.) Vierte S c e,n e. Amalie allein. Bald.darauf Ern estine° Gott segne dich, du,seltsamer— nein dufelt- ner Mensch! In der Residenz wird man über dich.lachen, weil man hier das wenige Gute nur .aus.Eitelkeit, folglich auch mit ollem Anstand verrichtet. Du kennst Las Kind der hohem Kultur, den Egoismus nicht.—(Zu Ernestinen, welche eben herein tritt.) Ach Ernestine! ich hoffe doch «och glücklich zu werden. DerPommersche Cou- sin, den ich so sehr fürchtete, ist ein herrlicher Mensch.(Vl>.) Fünfte Scene. Ernestine allein.(Sie steht einige Augenblicke sii- st«r stamtend.) Ist es möglich! so schnell kann sie den Lieutenant vergessen? so schnell versiegen ihre Thränen, und sie wirft sich entzückt in eines Fremde» Arme?— Empörender Wankelmuth!— Freylich ist Birken der schönere Mann, ach! ich hab' ihn an mir vorüber schlüpfen sehn— er warf keinen Blick auf mich— er schien so heiter — ja er hat mich längst vergessen. Warum ergreift mich diese hastige Vereinbarung so schmerzlich?— Lebte denn noch eine Hoffnung in irgend einem Winkel meines Herzens?— Bekenn' es dir — erröthe— flieh! flieh in dieser Stunde!— 3a, ich will zu meinem Bruder, will täglich eiste neue Rolle lernen, jeder Täuschung mich hingeben um die Wirklichkeit zu vergessen. (Hie will gehn.) Sechste Scene. Baron Volts. Ernestine. B. Vo! tL(sie aufhaltend.) Find' ich dich allein/ schönes Kind! Zwar allein bist du nie/ denn Scharen von Liebesgöttern schwärmen um dich her. Ernestr n e. Mögen sie alle zurück bleiben, um Ihnen Gesellschaft zu leisten.(Sie rernch! sich und will fsrt.) B. Volta. Halt! halt! das seltene Glück laß ich mir nicht entschlüpfen. Deine Herrschaft ist im Staatsrath/ der Bräutigam ich weiß nicht wo, wir bleiben ungestört. Neues hab' ich freylich dir nichts zusagen, abertausend Mahl zu wie- derhvhlen, daß ich dich liebe! wüthend liebe! Ernestine. Herr Baron, Sie haben schon oft Ihren Slang mißbraucht, um mich ungestraft zu quälen. Meine Geduld ist erschöpft. B. Volta. Kind, ich bitte dich, bedenke doch daß du in Berlin bist, wo die hübschen Mädchen keine Tigermilch einsangen. Was soll denn aus dir werden? Die Tresorscheine der Tugend gelten hier blutwenig. Die Freude zahlt mit blankem Golde. Blick in die Zukunft, was kann sie 221 dir biethen? höchstens einen schwindsmchtigsw- Schreiber zu,n Wanne; sechs Tagein d^Woche Mangel und Sorgen, am siebenten einen ehrenfesten Spazisrgang in den Thiergarten, und, wenn es hoch kömmt, eine Fahrt auf dem Leiterwagen nach Charlottenburg. Nun wirf dagegen deine Augen auf das schöne freundliche Leben, wie du an meiner Seite es vergaukeln würdest; «in immer voller, und für dich immer offener Beutel, nie eine andere Sorge, als der Freuden- W-chsel für den nächsten Tag. Wir durchstreifen ganz Europa in einem bequemen Wagen; ich gebe dich hie und da sogar für meine Gemahlinn aus, überall finden wir Dummköpfe oder Narren, die ihr Geld in meine Bank oder zu deinen Füßen legen. Ernestine. Ihre Verworfenheit, mein Herr, wird blos durch ihre Unverschämtheit noch übertreffen. Lassen Sie mich los. B. Volta. Da meinst du wohl mir eine Ssttise zu sagen? Keinesweges. Unverschämtheit ist Energie, die Tugend des Zeitalters, gegründet auf das Recht deS Starker», das heiligste unter allen Rechten, kraft dessen ich aufder Stelle einen Kuß von dir begehre, aber einen langen süßen Kuß, der, überredender als meine 252 Woi-t-, dich berauschen und entzünden soll.(» will sie Mit Gewalt umarmen.) Ernestine. Hülfe! Hülfe! B- Volta. Bemühe dich nicht. Das Fräulein halt Conferenz mit der gnädigen Mama, die Bedienten sind alle auf meiner Seite, und ich bin hohl mich der Teufel entschlossen, Nektar von deinen Lippen zu schlürfen.(Er wiederhol,« sein«» AngM.) Ernestine(sich heftig Mudend.) Hülfe! Hülfe! Siebente Scene. Junker Hans. Die Vorigen. unker HanS. Was zum H*enker— Herr, sind Sie des Teufels?— Wie? seh ich recht? Tinchen! Tinchen! Ernestine. Retten Sie mich! Junker Hans(schleudert den Baron auf die Seite.) Schurke! was unterstehst du dich?— Tinchen! mein Tinchen! B. Volt«. Herr, Sie wagen mich zu beschimpfen? 253 Junker Hans. Bleib mir vom Leibe! jetzt hab' ich keine Zeit die den Hals zirbrechen! — Tünchen! wie kommst du hierher? B. Volta. Sie sollen mir Rede stehn, bey allen Teufeln/ dos sollen Sie. Junker Hans(wendet sich zu ihm.) Nun «vas beliebt? -Ernesiine(bey Geile.) Fort aus diesem Hause!(Sie entschlüpft.) B. Volta. Sie haben mich beleidigt, Sie sind mir Genugthuung schuldig. Junker Hans. Nach Belieben. B. Volta. Sie müssen sich mit mir schla-- gen, gleich auf der Stelle!(Er greift an den Degen.) Junker Hans(zieht feinen Hirschfänger.) Dabin ich, heraus mit der Fuchrel! B. V-o l t a. Ich bemerke eben, daß sie nur einen Hirschfänger tragen. Die Waffen sind ungleich, und ich bin zu großmüthig. Junker Haus- Zieh der Herr vomLeder, oder ich fuchtle ihn aus dem Hause. B. Volta. Morgen, mein Herr, morgen im Thiergarten auf ein Paar Pistolen.(Läuft davon.) Junker Hans-(den Hirschfänger einsteckend.) 254 §auf Windbeutel.(Er wendet sich.) H mein gutes Tmchen!— wo ist siegebsteben?— forrübe« aste Berge. Gleichviel, ich habe sie gesunden, sie ist in Berlin, ich sehe ihr nach durch alle Straßen.(Wm gehn.) Aber halt!—jetzt darf ich sticht. Der Lieutenant wird kommen. Der Cousine hab' ich mein Wort gegeben. Erst muß ichüberHalt und Kopf das arme Pärchen aufö Trockene bringest/ dann kommt die Reihe an mich. Achte Srenk- AeutenantSilberforst. JunkerHans. dient. Sie haben mich so dringend hierher geladen? was wollen Sie? ich betrete ungern dieses Haus. Funker Hans. Da haben Sie Unrecht, denn Sie werden hier von gewissen Leuten gern gesehn. Lieut. Dieser Scherz mag gutmüthig seyst, aber mein Freund, ich kann ihn nicht dulden. Junker Hans. Scherz? bey meiner armen L-eele, hier ist von keinem Scherz die Re- Z55""" de. Sie lieben meine Braut, meine Braut liebt Sie, und folglich tret' ich sie Ihnen förmlich ab. Lieut. Woher wissen Sie— Junker Hans. Von ihr selbst. Sie hatte mehr Vertrauen zu mir- als der Mann, der mir die Hand reichte, und seine Freundschaft versprach. Ich sollte schmollen, aber ich habe keine Zeit. Verstehn Sie mich, Herr Cousin? Lieut. Ach Freund, Sie meinen es gut-^- Junker Hans. Ja weiß Gott. Lieut. Aber das Opfer, welches Sie mir bringen wollen— Junker Hans. Ein Opfer? Keineswegs. Ich liebe ja. das Fräulein nicht. Ich kann Jh.-.en sogar ins Ohr sagen: mir sitzt schon lange eine andere im Herzen. Aber meine selige Frau Mutter— nun das ist vorbey. Gottlob! die Cousine mag mich nicht. Lieut. Sie hat Unrecht eine» so wackern Mann auszuschlagen. Ja, wenn«lcht die letzte Hoffnung eben heute verschwunden wäre! Der Prozeß— Junker HanS. Den haben Sie gewon- ^ nen. Lieut. Ach nein, ich erfahre so eben— Junker Hans. Ey was, das können Sie 256 nur von m i r erfahren. Ich sage Ihnen, Sie haben den Proceß gewonn n. Lieut. Sie irren. Ist Ihnen das Urtheil noch nicht zugestellt werden? quicker Hans. W aS geht mich das Urtheil an? Tie hochgelahrten Herren haben mir nichts zu befehlen. Ich will den Prozeß verloren haben. Lieut. Versteh'ich Sie recht? Sie wollen mir das Gut schenke»? Junker Hans. Lirum larum, nennen Sie es, wie Sie wollen, darauf kommt es nicht an. Lieut. Erlauben Sie, darauf kommt sehr viel an. Ich erkenne mir gerührtem Herzen Ihre Großmukh, aber mein Stand, meine Verhältnisse zwingen mich sie abzulehnen. Funker Hans. So? also gibtS auch einen Stand, in dem man den guten Willen eines ehrlichen Mannes verschmähen darf? GibtS auch Verhältnisse, wo man sich einer Freundes schämen muß?—Nehmen Sie mirs nicht übel, Berlin ist eine prächtige Stadt, aber in PlumperSdorf sind die Menschen besser. Li eut. Ich danke Ihnen, sehen Sie, ich danke ihnen mit Thränen in den Augen, allein 287"""> Sie keimen die Welt nicht/Ais missen nicht, welche Spöttereyen, welche unangenehme Folgen Ihre Freygebigkeit mir zuziehen konnte. Ich will Ihnen das ein andres Mahl erklären. Jetzt , ist mein Herz zu voll. Jetzt kann ich Ihnen nur seufzend wiederhohlen: auf diesem Wegs darsicy meines Lebens Glück nicht siirdm. Junker Hans. Aber du mein Gott! Sie machen mich ganz confus- Wen kiimmert denn, wenn ich das Meinige verschenke? Ich bitte Sie, lieber Herr Lieutenant, seyn Sie so barmherzig, nehmen Sie eine hübjche Frau, und ein hu. scher ^-Landgut. Lieut. Siessehen mich auf eine harte Probe. Ich darf nicht. Leben Sie wohl. Junker Hans. Ey zum Henker! so laufen Sie doch nicht fort. Ich will mich drein ergeben, ich will»nein Gut behalten, und-meine Braut oben drein, wenn es nicht anders seyn ssann. Aber die hat doch auch ern Wortchen drein z» reden? Da kommt sie eben mit der gnädigen Tante. Nun? haben Sie noch den Muth davon zu laufen? 253 Neunte Scene. Frau von Klinge». Ainalie. Die Vorige>!. Fr. v. K li ng e n. Ich höre seltsame Dinge. Junker Hans. Die seltsamsten bringtder Herr Lieutenant zu Markte. Lieut. Verzeihen Sie meine Gegenwart. Herr von Birken ließ mich rufen— Fr. v. Klingen. Wenn ich Amaliens Erzählung trauen darf, so seh' ich Sie mit Vergnügen. Junker Hans. Leider hat sie Ihnen nur die Hälfte erzählt. Der Herr da verschmäht meinen guten Willen. Lieut. Er gehorcht seufzend dem Geboth der Ehre. Junker Hank. Allen Respect vor Ihrer Ehre, aber mit der Liebe muß eK nicht weit her seyn. Lieut. Amalie kennt mich besser. Junker Hans. Sie seufzt. Lieut. Und ich seufze. Junker Hans. Liebe gnädige Tante, sprechen Sie doch ein Machtwort. »vwv Fr. v. Klingen. Ich wünsche das Glück meiner Tochter, allein ich kann die Weigerung des Herrn Lieutenants nicht mißbilligen. Sie flößt mir hohe Achtung für ihn ein, und in diesem Augenblicke schmerzt er mich doppelt, daß ich selbst nicht reich bin. Junker Hans. Da haben mirs! die gnädige Tante seufzt auch. Nunsehlt nur noch, daß ich mit seufze, und bey meiner armen Seele, ich hätte wohl die meiste Ursache dazu.— Hören Sie Cousinchen, wir wollen die Sache mit einander abthun. Der Oncle hat gesagt, wenn ich den Prozeß gewönne, so sollt'ich Ihnen das Gut zum Nadelgeld schenken. Ob Sie Nadeln oder sonst etwas dafür kaufen wollen, das gilt mir gleich. Hier ist das Gut.(br gibt ihr Las Urtheil.) Am alle(betreten.) Herr von Birken! Junker Hans. Lirum larum. Nichts Herr von Birken, nennen Sie mich Cousin, oder lieber noch Ihren B rüde r. Sie haben ja keinen Bruder, ich habe keine Schwester; also topp! Schwester Malchsn, Bruder Hans. Amalie. Liebe Mutter, darf ich das nehmen? Junker Hans. Ey du mein Gott! machen Sie mir den Kopf nicht warm. Die gnädi- g« Tante und meine selige Frau Mutter waren leibliche Schwestern, und liebten sich. Nun misse» Sie wohl, ich bin der einzige Erbe, folglich hab' ich auch die Liebe mitgeerbt, und fsrdre im Nahmen meiner Mutter, daß Sie nehmen, was ich ohnehin nicht brauche.„Meine Schwester" sagte die Selige zu mir„wird künftig deine Mutter seyn." Das Wort will ich in Ehren halten. Liebe Tante, ich bin ihr Sohn, sagen Sie Schwester Matchen, sie soll Respect vor dem Bruder haben, wenn er gleich nur ein Landjunker ist- Das Papier nehm ich nun einmahl nicht wieder. Der Herr Lieutenant ist mein Freund, ich will keinen Prozeß mit ihm haben, auch nicht gehabt haben. Da steht sein Gegner, mit der mag ers ausmachen! Fr. v. Klingen. Dieser treuherzige Tou, so fremd er auch in unsern verwohnten Ohren klingt, verfehlt doch nicht den Weg zu unsern Herzen. Amalie, dein Glück liegt in deiner Hand. Junker Hans. Das war ein kluges Wort. Amalie(biethet dem Lieutenant das Papier.) Werden Sie auch mein Geschenk verschmäh»? Lieut.(überwältigt, umarmt hastig den Junker 261 H«s, ergreift Ainaliens Hand, jiehtsie zu ihrer Mutter.) Wir bitren um Ihren Segen. Fr. v. Klingen. Mein Herz hat ihn schon ausgesprochen. Iunker Hans. So ists recht. Amalie und der Lieut.(umfassen ihn.) Mein Bruder! Junker Hans(gerührt und fröhlich.) So ists recht! so ists recht! Amalie. Durch treue Liebe wollen wir vergelten. Li eu t. Und durch das Schauspiel unseres Glucks. Junker Hans. Ihr werdet meine lieben Nachbarn, Juchhe! wenn ihr aber vergelten wollt, so thut es auf der S telle. Amalie. Wie können wir? Iunker Hans. Ich will es kurz machen, keim Gort seyn Dank, nun kommt die Reihe an mich. O ihr meint wohl, ihr verstündet allein zulieben? Ne,das lernt sich auf dem Lande auch. Ja, Herr Bruder, ich bin verliebt, recht von Herzen. Alle Drey. In wen? Junker Ha n s. Da war ein Prediger auf unserm Eure, ein wackrer Mann, mein Lehrer, der hatte eine liebe fromme Tochter. Wir wuchsen mit einander auf/ und als wir schon recht Zroß geworden waren/ da erfuhren wir erst»on ungefähr, daß wir uns liebten. Ich meinte, das wäre in der Ordnung, und sagte es meiner seligen Frau Mutter, aber die wurde gewaltig böse, und— Gott weiß wie es zugegangen seyn mag — der gute Pfarrer verlor sein Amt, und ging mit Tinchen davon. Ich wurde Sterbens krank, der Tod hatte Mich schon beym Kragen. Hernach meinte die Selige, es würde sich wohl geben, ich sollre nur Geduld haben. Nun, ich hattK drey Jahr- lang Geduld, aber es gab sich nicht. An ihrem Sterbelager mußte ich versprechen, die Cousine zu heirathe», wenn sie mich wollte. Ach lieber Gott! in der Stunde halte ich versprochen ei» Türke zu werden. Ich habe mem Wort gehalten, aber Gott sey dank, die Cousine mag mich nicht. Von meinem Tinchen konnt'ich nichts erfahren. Ich wollte schon so eine Art von verliebtem Steckbrief in die Zeitung setzen lasten, aber siehe da, vor einer Viertelstunde find' ich sie hier im Saale. Amalie. Hier? Junker Hans. Ja hier. Der saubere Baron mit dem welschen Nahmen wollte sie mit 263 Gewalt küßen, sie schrie. Ich gab dem Buben eine derbe Lection, aber unterdessen war mein Tünchen davon gelaufen. Nun sagt mir geschwind: wo find ich sie? denn ich habe Eile: Wir müssen alle vier an einem Tage Hochzeit machen. Fr. v. Kling eii.Siewollensieheiratheii? Junker Hans(stutze.) Lirum larum. Nehmen Sie mirs nicht übel, gnädige Tante, las ist eine curiose Frage. Fr. v. Klingen. Sie war meiner Tochter Kammermädchen. Junker Hans. So? viel Ehre für Ihre Tochter. Am alte. Sie war meine Freundinn. Junker Hans. Aha, das klingt anders. Nun, Schwester Malchen, wo ist Ihre Freundinn geblieben? Amalte. Fast errathe ich nun, warum sie uns verlassen. Vor wenigen Minuten nahm sie schluchzend Abschied von mir, wollte mir aber ih- rm Zufluchtsort durchaus nicht entdecken. Fr. v. Klingen. Wenn es dem Cousin Ernst ist— Junker Hans. Lirum larum, ich bitte E>ie um Gortcswillen. Fr. v. Klingen. Wenn er greistich überlegt hat/ welches Opfer— Junker Hans. Opfer? Herzenstante! verschonen Sie mich mit den curiosen Worten. Ich bin der Junker Hans von Birken; ich lebe Jahr aus Jahr ein auf meinen Gütern; wozu brauch' ich eine Frau? wie? etwa um unsere alten Wappen in der Kirche abzufegen? oder nochem neues dazu zu hangen? Tinchen ist eines bravem Mannes Tochter, und wenn sie mich noch lieb hak, so ists genug, denn weiß Gott, ich habe sie noch sehr lieb. F r. v. Klingen. So wollen wir nach dem Vater schicken. Junker Hans. Ach! mit dem hab' ich schon gesprochen, der hat so seine Bedenklichkeu ten. Freylich, wenn er erst erfahren wird—! Lieut. Ich kenne ihn, ich eile zu ihm, und will»nein eignes Glück nicht eher genießen, bis ich das- Ihrige gegründet sehe.(ilb.) Junker Hans. Recht so! Unterdessen such' ich selber mein Tinchen in der ganze» Stadt. Fr. v. Klingen, stiebe und Freundschaft erwarten sie hier. As.) A m a- 3 53 c- Amali e. Bringen Sie mir schnell meine neue Schwester.(W.) Iunker Hans. Herzlich gern, aber wo sie h suchen? im Thiergarten? u»ter*den Linden? im >!' Theater?— halt, ich weiß schon was ich thue; s wenn ich nirgend ihre Spur entdecke, so sag' ich » eS dem Visitator am Thore, der wird sie schon n linden. M.) h (Der Verhäng fällt-).) h h d S n >i Kttzrbue'S Theater 32. Bd. 266 Fünfter Act- -'Play vor dem Schauspielhaus e.) Erste Scene. Junker Hans und Matz(beyde weinend.) Junker Hans. d^ein/ das ist zu arg. Matz. In Sodom und Gomorha geht es nicht so zu. Junker Hsns. Die arme Maria Stuart! Matz. So eine durchlauchtige wohlerzogene Person! Junker Hans. Sprach Sie nicht wie ei» Buch? Matz. Und starb so christlich. Junker Hans. Und vergab ihren Feinden. Matz. Ach es war entsetzlich rührend! Junker Hans. Ich muß»och darüber weinen. Matz. In meinem Leben geh' ich nicht wieder in das verdammte Aomödienhaus, wenn sie solchen Mordspectakel drin treiben. Junker Hans. Ich begreif auch gar nicht, daß die Obrigkeit dergleichen duldet. Matz. Haben denn Ew. Gnaden nicht gemerkt? die Königinn fleckte ja selber mit- dahinter. Junker Hans. Der verdammte Kurlee war an allem Schuld. Matz. Der war me der böse Feind aufdas unschuldige Blut versessen. Zunke r H an S. Wenn der Kerl mir einmahl auf der Straße begegnet, so steh' ich für nichts. Matz. Am höchsten Galgen möcht ich ihn bammeln sehn. Junker Hans. Ich bin so innerlich ergrimmt! wenn>ch ihn wenigstens prügeln dürfte. Matz. Ew. Gnaden, da kommt Luwr gegangen, der sieht gerade so aus wie der Muvje Burlee. M 2 288 Junker Hans. Bey meiner armen Seele, er ists. Z Matz. Er hat nur einen andern Rock angezogen.^ f Junker Hans. Damit man ihn nichtn- ksnnen soll, den Bbsewicht. v Matz. Er weiß, was er eingebrockt hat. Junker Hans. Mir soll er nicht entm-« schen. Zweyte Scene. Derjunge Seelmann. Die Vorigen. Seelmanw(w,a über die Bühne gehn.)> i Junker Hans(drück« den Hu« in die Nugem) Halt, mein Herr! Matz leben so.) Halt! ins Teufels Nahmen! Seelmann. Was beliebt? l Junker Hans. Sind Sie nicht der Bm- lee, der die arme Maria Stuart durch seine Sa- taoskniffe aufs Schaffst gebracht hat? f Matz. Laugne der Herr nur nicht, ich h«ü' ihn gut ins Auge gefaßt. 26g Seelmann. Allerdings hab' ich heute die Rolle des Burlee gespielt Junker Hans. Gespielt? Das ist ein verfluchtes Spiel. Matz. Wir haben wohl gesehn/ daß es sein völliger Ernst war. Seelmann. Meine Herren, Ihr Zornig ein Kompliment für mich. Junker Hans(packt ihn.) Warte, wir wollen dich bekomplimenciren. Matz(packt ih» von der andern Gelte.) Wir wolle» das unschuldige Blut röchen. Seelmann(sich losr«tz-»d.) Ich glaube, dir Menschen sind toll. Junker Hans. Wenn noch Gerechtigkeit, m Lande ist, so wird der Herr morgen geköpft. Matz. Oder gehangen. Seelmann. Allerliebst. Junker Hans. Unterdessen, Matz, wölken wir ihn windelweich prügeln, Matz. Wie Ew. Gnaden befehlen. Seelmann. Ey zum Teufel! laßt mich zufrieden, oder ich rufe die Wache. Junker Hans. Greif zu, Matz! Seelmann. Hülfe! Hülfe! Dritte Scene. Ein P v l rz e y b- e a m r e r. Die Vorigen. Polizeyb. Was gibts hier? See l mann. Ein Paar Rasende oderBe- trunkene, die mich hier auf der Srraße durchprügeln wollen. Junker Hans. Weder rasend noch betrunken^ der Mensch ist ein Mörder. Polizeyb. Ein Mörder? Kann der Herr das beweisen? Matz. Die halbe Stadt hat es mit ange- sehn. Junker Hans. Er hat die Königinn umgebracht. Polizeyb.(»oll Entsetzen, packt Seemann.) Die Königinn? Seelmann. Herr Commissar, ich bin ein Schauspieler. Wir haben heute Maria Smart gegeben, die meint der Herr. Polizeyb.(lösn ihn ,os.) Was? Meinen Sie die Maria Stuarr? Junker Hans. Ja, mein Herr, die wein ich, sie»var eine vortreffliche Person. Matz. Eine christliche Königinn. 271 Polizeyb. Der Herr.,1 nicht wohl gescheit. Junker Hans. Merkst du Matz? der ist auch von der schlechten Partey. Seclmann(den Leite.) Ein närrischer Mensch, vermuthlich ein Neuling. Polrzeyb. Weiß der Herr denn nicht, daß die Leute nur Komodie spielen? Junker Hans. Ey das ist ein gräßliches Spiel, wobey einem das Herz im Leibe springen mochte. Seelmann. Aber unsere Maria Stuart lebt ja noch, und befindet sich wohl. Junker Hans. Wie? Sie haben ihr nicht den Kopf abgeschlagen? Sselmann. Bewahre derHrmmel! Das ist eine Geschichte, die vor vielen hundert Jahren sich zugetragen, und die wir nur so vorstellen. Junker Hans(schämt sich.) So?— das ist ein andres. Matz. Potz Velten! Also haben sie uns wohl Zar vor den Narren gehalten? Junker Hans. Laß gut seyn, Matz, wir haben das Ding nicht recht verstanden. Ich entsinne mich nun wohl— aber die Leute machen 272 SS so natürlich—nehme der Herr nicht Übel, daß I ich ihn angefahren. Seelmann. Ganz und gar nicht. Ich wün-, sch- vielmehr lauter solche Zuschauer vor unserer^ Bühne. Polizeyb. Aber der Speerakel hier auf der Straße, den soll der Herr doch nicht umsousi gemacht haben. Fort auf die Wache. h Funker Hans. Bleib mir der Herr voni. Leibe? Ich habe auf der Wache nichts zu thun. Polizeyb. Wie? Sie widersetzen sich der- Polizep?^ Junker Hans. Lirum larum, ich bin ei» ehrlicher Mann.^ Polizeyb. Aber ein sStöhrenfned, und^ wenn der Heer nicht aufder Stelle— Seelmann(zieht ih» sey Seite.) Lassen Sie e den Menschen laufen. Sie sehen ja, er ist ei»^ Fremder, ein wunderlicher Kauh. Ich werde mir einen Spaß mit ihm machen.(Er steckt ihm G-ld§ r» die H»«d.) Nehmen Sie diese Kleinigkeit für ihre Bemühung. Polizeyb. Nun, dieß Mahl mags so hin-- gehen, weil der Herr da ein gutes Wort singe- z legt hat. Aber man hüthe sich künftig vor solchen§ Streichen.(Ab.) Vierte Scene. Die Vorigen ohne den Polizeybe- amte n. M a tz. Der Kerl hat ein breites Maul. Junker Hans(l«ise.) Höre Matz/ ich glaube wirklich/ wir haken einen dummen Streich gemacht. Seelmann. Vermuthlich sahen Sie heute zum ersten Mahl in Ihrem Leben ein Schauspiel? Junker Hans. So ists/mein Herr. Es ^griff mich gewaltig— es thut mir leid/ daß ich Sie beunruhigt habe. Seelmann. Das hat nichts zu bedeuten. Ich bin stolz darauf, daß unser Spiel einen so tiefen Eindruck auf Sie hervorgebracht. Junker Hans. Ich habe geweint wie ein Kind. Die Leute sahen mich an und lachten. Seelmann. Das war unrecht. Junker Hans. Überhaupt gefiel mir das Eöesen da unten gar nicht. Die Leute gingen und kamen, klatschten und schwatzten, aßen und tranken, mir nichts dir nichts. Ganz vorne saßen gar welche, die musicirten so laut, daß die auf dem Theater so lange still schweigen mußten. Seelmann(lachend.) Ja das ist nun eim mahl nicht anders. Junker Hans. Hören Sie, könnten Sie nicht einmahl sür mich— für mich ganz allein so ein Stück spielen? Seelmann. Schwerlich, die Kosten sind zu groß. Junker Hans. Ey was, ich bin ein reicher Mann, ich will die Kosten schon bezahlen. Sehen Sie, ich möchre so gern einmahl recht ungestört daS Ding mit ansehn. Seelmann(bey Seite.) Da wäre vielleicht etwas zu gewinnen(Laut.) I nun, wenn Sie ein 2c> Friednchsd'or daran wenden wollen. Junker Hans. Darauf kommt mirs nicht an. Seelman n. So könnte Ihr Wunsch noch diesen Abend erfüllt werden. Junker Hans. Noch diesen Abend? desto besser. Ich brauche ohnehin Zerstreuung, denn ich suche etwas, und kanns nicht finden, und ärgere mich, und betrübe mich, da käme so ein Spaß mir eben recht. Seelmann. Das Theater ist nun freylich 2^9 schon verschlossen, aber ich habe in meinem eigenen Hause einen schicklichen Saal. Ohne Ruhm zu melden, ich bin selbst dramatischer Dichter, habe noch vor kurzem ein Intermezzo geschrieben, in welchem nur drey Personen auftreten, die sind alle bey mir im Hause, meine Frau, meine Schwester, und ich. Wenn ihnen gefällig wäre, eine Hauptprobe mir anzusehn— Iunker H an s. Ja, ja, es ist mir gefällig. Seelman n. So folgen Sne mir. Wir haben nur wenige Schritte. Junker Hans. Matz, geh du unterdessen nach Hause und stopf mir die Abendpfeife. Matz. Der Visitator hat ja den Taback weggenommen. Junker Hans. Es ist wahr, so stopf sie lieber nicht. Kommen Sie mein Herr.(Ab mit SeelniMin.) Matz(gähnt.) Die Uhr ist gleich nenne, und der Herr geht noch einmahl in die Komödie. DaS ist eine verdammte isebensart hier in Berlin. Die Menschen rennen auf der Straße herum, als ob die Sonne heute noch einmahl aufgeht» sollte. Da lob' ich mirs in Plumper-'dorf, da schlaft jetzt schon Alles, Men>chen, Bieh und auch mein Gretche», Gott behüch sie Alle:(Ab.) Fünfte Scene. n (3 immer key dem junge» Seelmann.) 6 sc Ernestine und Madam Seelmann. Ernestine(sitzt mit einer Rolle in der Hund.) Mad. Seelmann. Liebe Schwester, wenn Sie immer so sitzen und vor sich hinstac- ren, so werden Sie die Rolle schwerlich fassen. Ernestine. Ich weiß sie schon ganz auswendig. Mad. Seelmann. Sie ist freylich nur klein. Mir istS gar nicht recht, daß Sie in dem Intermezzo debütiren, dieRolle ist nicht brillant genug.^ Ernestine. O ich will froh seyn, wenn ich meines Bruders Erwartungen entspreche. Mad. Seelmann. So eine Klara von Hoheneichen, das ist ein Paradepferd, da kann man heulen, schluchzen, den Athem in sich ziehn, und so lange schreyen, bis der Applaus erfolgt — horch! man klingelt'an der Hausthür.(Sie sieht jum Fenster hinaus.) Mein Mann mit einem Fremden. Ernestine. Ein Fremder t Ich entferne' mich.(Sie eilt i„s NehenMmer.) ^ 7? Mad. Seelmann. Das gute Kind ist noch so blöde.— Aber so spar harre mein Herr Gemahl uns mit fremden Gasten auch wohl verschonen mögen. K Sechste Scene. Junker Hans. Seelmann. Dessen Fra u. Seelmann. Guten Abend Lottchen. Hier dieser fremde Herr wünscht mein Intermezzo zu hören.(Seife.) Es sind 2o Friedrichsd'or dabey zu gewinnen,(saut.) Wir muffen sogleich eins Hauptprobe machen. Wo ist meine Schwester? Mad. Seelmann. Auf ihrem Zimmer. Seelmann. Schon recht, da kann sie bleiben bis zur zweyten Scene. Ich will sie ein wenig vorbereiten. Unterhalte indessen den Herrn, und zünde mehr Lichter an.(M.) Mad. Seelmann. Sie sind vermuthlich ein Fremder? Junker Han s. Ich bin ein ehrlicher Pom- mer, zum ersten Mahl in Berlin. 2^8 Mad. Seelmann. Haben Sie unser Theater schon besucht? Junrer Hans. Nein Madam. Mad. Seelmann. Schade/daß Sie nicht heute dre Maria Stuart haben spielen sehen. Junker Hans. Freylich hab' ich sie spielen sehn, aber auf dem Theater bin ich nicht gewesen, da gehöre ich nicht hin. Mad. Seelmann(lächelnd) Man pflegt das so zu nennen. Junker Hans. Ja, ich merke wohl, uh muß hier noch vieles lernen. Seelmann(kemmt j„riia.) Meine blöde Schwester macht Einwendungen/ allein ich hab' ihr bewiesen/ daß sie eine Thörinn ist. Wer morgen vor Hunderten auftreten soll, der darf Einen Zuschauer heute nicht scheuen. Junker Hans. Mich vollends garnicht/ denn ich verstehe nichts davon. Seelmann. DaS hab ich auch gesagt. Der Herr wird Nachsicht haben mit einer Anfängerin»; auch ist ihre Rolle»Ur klein. Mad. Seelmann.(Leise zu ihrem Manne.) Wer ist denn der Fremde? Seelmann. Was geht das mich an?Er hat Geld, mehr brauch ich vor der Hand nicht zu wisse».(Laut, indem ek noch mehrere Lichter anzündet.) Nun wollen wir ohne Zeitverlust den Anfang machen. Belieben sie sich hierherzusetzen. Stellen Sie sich vor, Sie saßen vor der Bühne. Der Vorhang geht auf. Der Schauplatz ist ein Zimmer. Der Inhalt des Stücks folgender. Junker Ha n S. Den Inhalt will ich garnicht wissen. Dafür sitz' ich ja hier, und höre zu. Seelmann. Die Römer und Griechen, mein Herr, pflegten in einem Prolog immer zuvor den Inhalt anzudeuten. Junker Hans. Was kümmern uns die Römer und Griechen. Seelmann. Bitte um Vergebung, sehr viel. Was die gemacht haben, ist Alls» gut, e-S mag paffen oder nicht. Doch ich will Sie nicht länger aufhalten. Mit zwey Worte»: es betrifft ein Mädchen, das verheirarhet werden soll. Der Vater will sie einem Musicns geben, die Mutter einem Dichter; darüber geht der Teufel los, denn Vater und Mutter sind beyde ein wenig hitzig. Junker Hans. Na, lassen Sie nur den Teufel einmahl losgehn. Seelmann. Nikons, wir treten auf. Ich bin Herr Kroll der Vater, meine Frau Madam Kroll die Mutier. 28v Das Intermezzo« Madam Kroll. Herr Gemahl, es ist beschlossen, Unsre Tochter wird vermählt, Und zu ihrem Ehgenossen Hab' ich schon den Mann erwählt. Herr Kroll. Halt'mein Schatz! nach meinem Wille» Muß der Tochter Wahl geschehn. Und ich habe schon im Stillen Mir den Eydam ausersehn. M a.d a m Kroll. Sie mein Engel? ey das wäre! Herr Kroll. Ja mein Engel, es ist so. Madam Kroll. Ach, Sie dreschen, wie ich höre, Wieder einmahl leeres Stroh. Herr Kroll. Wenn der Mann, als Herr im Hause, Seinen ernsten Willen brummt, So geziemt der Frau die Pause—> Sie gehorchet und verstummt. Madam Kroll. Hätt' er vier Evangelisten 28r Seins Weisheit abgeborgt, Wnd er sich vergebens brüsten, Denn sie maulr—und er gehorcht. Herr Krols. Weiber sind doch unerträglich! Madam Kroll. Sparen sie das Ärgernis;. Herr Kroll. Ich bin Vater. Madam Kroll. Das ist möglich. Herr Kroll. Mutter Sie. Madam Kroll. Das ist gewiß. Herr Kroll. Ich ein Mann. Madam Kroll. Zu meiner Strafe. Herr Kroll. Sie ein Weib. Madam Kroll Zu Ihrer Qual. Herr Kroll. Ein Geschöpf, das man im Schlafe Aus deL Mannes Ribbe stahl. 2Ü2 Madam Kroll. Eine Ehre ohne Zweifel, Die dem Tölpel wiederfuhr. Herr Kroll. Darum machte auch der Teufel Ihr sogleich zuerst die Cour. Junker Hans. Ey das ist eine böse Ehe Die Leute sagen sich hasüche Dinge. Madam Kroll. Wozu all' die Sticheleyen? Meine Tochter, kurz und gut, Soll nach meinem Willen freyen. Herr Kroll. Hals umdrehen, wenn sies thut. Madam Kroll. Darf man fragen, welches Wesen Der gestrenge Herr Gemahl Sich zum Eydam auserlesen? Herr Kroll O warum nicht? meine Wahl Traf den weltberühmten Sänger. Madam Kroll(spöttisch,) Einen Sänger? Herr Kroll. Ja, Madam. 263 Herrn Joseph Rattenfänger, Der aus Rom vor kurzem kam. Madam Kroll. Lieber wollt ich sie vermählen Mit dem Hirren in der Stadt. Soll sie Hunger«/ betrel»/ stehlen/ Wenn der Mann den Husten hat? Junker Hans. Die Frau hat nicht Um recht. Herr Kroll. Ist es wohl erlaubt zu fragen. Welch' ei» würd'ger Schwiegersohn Sich erfreuet, so zu sagen, Ihrer hohen Protectivn. Madam Kroll. Lorbeerhayn, der süße Dichter. Herr Kroll. Dichter?! Schrecken»nacht mich stumm! Die verhungerten Gesichrer Lausen überall herum. Madam Kroll. Hat nicht auf Komödien- Zetteln Schon sein Nahme paradier? Herr Kroll. Soll die Tochter hungern, betteln, Wenn er ausgepsiffen wird? Junker Hans. Der Mann hat auch Recht. Madam Kroll. Einen Dichter zu belhören Ist der Schönheit Meisterstück! Herr Kroll. Einem Sänger angehören Ist das schönste Erdenglück! Madam Kroll. Durst und Hunger sind vergessen. Wenn des Dichters Lied gelingt. Junker Hans. He! he! Herr Kroll. Wer mag trinken, wer mag essen. Wenn der holde Sauger singt. Junker Hans. Lirum lamm. Madam Kroll. Wenn das Holz im Winter theuer. Und der Sturm im Schornstein lärmt, O dann wird durch Dichterfeuer Herz und Zimmer schnell erwärmt. Herr Kroll. Wenn mit unverschämtem Nagen Hunger sich gemeldet hat. Dann betrügt das Ohr den Magen, Und ei» Triller macht uns satt. 285 Madam Kroll« Wenn die Kranke halb genesen Keines Schlummers noch genießt. Wird er seine Werke lesen. Bis sie sanft das Auge schließt. Herr Kroll. Wenn sich unter Amors Larve Eifersucht in Herzen schleicht. Wird— wie einst durch Davids Harfe Durch Gesang der Geist verscheucht. Madam Kroll. Haben Brand und Wasserwogen Einen Dichter Heimgesucht, Ist der Muth ihm nichr entflogen. Rüstig schreibt er ein Paar Bogen, Erntet neue, goldne Frucht. Herr Kroll. Wenn der Krieg mit blm'gen Sensen In des Sängers Heimath dringt, O so sucht er fremde Gränzen, Wo für Triller und Cadenzen Man ihm Gold in Scheffeln bringt. Madam Kroll. Immerhin der Wetten Richter Seine Welk zertrümmern mag. 286 Auf den Trümmern steht der Dichter, Und besingt den jüngsten Tag! Herr Kroll. Wenn durch ein centraUsch Feuer Plötzlich der Planet zerspringt. Sieht der Sänger mit der Leyer, Auf dem letzten Stein, und singt. Madam Kroll. Darum geb' ich mein- Tochter Jenem holden Musensohn Herr Kroll. Darum geb' ich meine Tochter Jenem neue» Amphion. Junker Hans. Na, ich bin doch kurios, wer sie kriegen wird. Herr Kroll. Madam, bey diesem Zwist kommt Kluges nichts heraus, Ihr Auge färbt sich grün, und meine Stirn wird kraus; Wie wär' es, wenn wir flugs, um den Skandal zu meiden. Der lieben Tochter selbst vergönnten zu entscheiden? Junker Hans. Das war vernünftig. os, ird sal it- 287 Madam Kroll. Sie wissen, mein Gemahl, wie gern ich ihren Willen, Wenn er sich leiten laßt, bemüht bin zu erfüllen. Ja, unser Tochterlein, es komm'— erklär« sich. Voll Sanftmuth geb' ich nach— wenn es so denkt wie ich. Herr Kroll (öffnet die Thür des Nebenzimmers.) Geschwind, geschwind, Heraus mein Kind! Hier wird gestritten! Zwey Freyer bitten Um deine Hand. Madam Kroll. Wähle den Dichter. Herr Kroll. Wähle den Sänger. Madam Kroll. Den L 0 rberhain. Herr Kroll. Den Rattenfänger» Beyde. Wähle, wähle mit Verstand. 288 Siebente S c e n k. Z Ernestine. Die Vorigen. Ernesti!le(wirr ihn,! Spruch anheben.) Beste^ Älrern— Junks r H a n s. Potz Blitz! mein Tin>^ chk»! iSprinzt auf, unv umfaßt sie.) Ernestine. Ha! ists möglich?(Sie sträub!^ «ch sanft.) Junker Hans. Ne, die bekömmt weder der Dichter/ noch der Sänger, die ist mein! Seelmann. Um Verzeihung, mein Herr, ich glaube, Sie wollen selbst mitspielen? aber das paßt nicht in den Plan. Junker Hans. Freylich paßt es, ich habe sie schon lange gesucht. Seelmann. Ich muß gestehn, Sie eztem-^ poriren Ihre Rolle recht gut, aber— Junker Hans. Was Rolle! Tinchen.'? hab' ich dich endlich wieder.^ Seelmann. Ich bitte, machen Sie meine Schwester nicht irre. Sie so« übermorgen de- bütiren.^ Junker Hans. Das soll sie bleiben lassen. Tmchen! Tmchen! Du bist frey, ich bin^ frey, frey, wir ziehen heim, und auf unserm allen Spielplatz soll der Pfarrer unsere Hände ineinander legen. Seelmann. Wahrhaftig mein Herr, Sie haben viel Talent. Ernestine(schüchtern.) Frey? darf ichs glauben? Seelmann. Nun fängt die auch an zu> ertemvoriren. Achte Scene. Pa.stor Seelmann. Die Vo'rigsn. Junker Hans. Sieh, da kommt dein Vater wie gerufen. Vivat alter Herr! ich habe fie doch gefunden, und wer sie mir nehmen will— P. Seelmann. Seyn Sie unbesorgt, ich komme eben von der Frau von Klingen, ich weiß schon Alles, und segne Sie mit Entzücken. Junker Hans. Nun Tinchen? Ernestine. Mein Vater! Mein Geliebter.' (Sie stürzt in des Junkers Arme.) Seelmann(zu seimr Frau.) Komm, setz dich her, jetzt wird uns ein Drama vorgespielt, und K-tzcbur's Theater 32. Band. N «w 2H0 was das Eunderlichsie ist, mein Vater hat selöß eine Rolle übernommen. P. Seelmann. Carl, dieser brave jung! Mann ist Herr von Birken. Seelmann. Von Birken? von Pluni- peredorf? Junker Ha n s. Ihr Schwager. Seelmann. Aha, nun kann der Zuschaun das übrige schon errathen. Meinem JntermeM geht es wie dem O p fersest, es ist unterbrochen worden. Jetzt folgt ein Schauspiel für Götter,, da muß der Vorhang herunter. j-Der Verhäng fällt.) N 2 Der blinde Gärtner oder die blühende Aloe. Ein K i e d erspiel- (Erschien»Log.). Personen. Martin Pflug» der blinde Gärtner, Heinrich, sein Sohn. Blondine, eine Pachters-Tochter. Lieutenant von Koller, Gutsbesitzer, Spitz, sein Kammerdiener. Ein Knabe. Der Schauplatz ist im Garten. Im Hintergründe steh««ine blühende Aloe, neben ihr eins Rasenbank, V o r b e r i ch t. d^ach meinem Gefühl wäre es ein Gewinn für die deutsche Bühne, wenn unsere alten Operetten, welche viele Ähnlichkeit mit dem französischen Vaudeville hatten, wieder eingeführt würden. Ich verstehe darunter kleine Lustspiele, die auch ohne die Musik ein Interesse heben, und deren Text hier und da durch kleine Liederchen unterbrochen wird. Diese Liederchen dürfen aber durchaus nicht im Opernstyl componirt werden, sie dulden keine Ritornelle, und am allerwenigsten Wiederhohlungen, diese verdammten ewigen Wiederhohlungeu, welche eine und dieselbe Zeile und hundert Mahl vor die Ohren klingen. Überhaupt ist diese Gewohnheit eine der abgeschmacktesten die ich kenne. Einen Dichter würde man steinigen, wenn er mehrere Zeilen seiner Gedichte zwanzig Mahl hintereinander abdrucken ließe, der Cvmponist hingegen darf seine Gedanken nach Gefallen bis zum Ekel wieder aufwar- rnen. Woher kommtdas? Noch Hot kein Ton- künstler die Vertheidigung dieser Albernheit über- nommen. Himmels Musik zu der Fauchen mag sehr schön seyn, aber sie ist, einige wenige Lieder ausgenommen, keine Musik zu einem Van-! deville. Ein junger Mann,Herr August Hage», chat das folgende kleine Stück, unter meiner Aufsicht und so wie ich es wünschte, componirt; I das heißt: er hat den Liedern bloß gefällige Melodien untergelegt, die jedermann gleich nach-> singen kann. Wenn also die Herren Kritiker nicht genug Kunst in seiner Composition finden sollten, so trage ich allein die Schuld, hoffe aber, daß das größere Publicum mir die Bemühung verdanken wird, eine Gattung von Schauspielen wiederum auf die Bühne zu bringen, die zur Abwechselung und angenehmen Unterhaltung wohl ihren Platz zu behaupten verdient, wenn sie gleich unsern neuern Opern den Rang nicht streitig zu machen begehrt. Sollte dieser Versuch nicht mißfallen, so werde, ich vielleicht künftig deren mehrere liefern- dL?^ 2^5 Erste Scene. Martin, an der Hand der«naSsn. Äch! mein Auge ist verschlossen. Schön« Sonne. deiner Pracht! Dennoch sind von dir geflossen Wärm' und Licht in meine Nacht- Der einst dich hervorgerufen. Der einst sprach-«S werde Licht! Nimmt an seines Thrones Stufen Mir den Schleyer t>om Gesicht. Führe mich, Knabe, zu dem Rasensitze, m dessen Nahe meine liebe Aloe prangt. Knabe(«Hut er.) Hier ist er, setzt Euch. Martin. Kannst du lange bey mir bleibend Knabe. Bis der Schulmeister ruft. Martin. Und nach der Schule kömmst dü, wieder? Knabe. Wenn die Mutter nicht schmält. Martin. Fühlt sie kein Erbarmen für de« blinden Nachbar? Knabe. Sie spricht, Ihr hättet selber einen Sohn Martin(seufzend.) Ja ich hatte einen Sohn! Knabe. Er sey davon gelaufen. Martin. Genug mein Kind.— Ist heute .noch kein Fremder hier gewesen die Blüthe z» beschauen? Knabe. Noch keiner. JnderWoche müssen .die Leute arbeiten. Morgen am lieben Sonnta- -ge, gebt acht, da kommen sie in lichten Haufen.- Martin. Nicht doch mein Kind, die Sonn- tagv-o selten wäre. Die Aloe braucht viele viele Jahre um zu blühe», und wäre sie auch nicht die die schönste Blume, die Menschen lausen dem Seltenen»ach» Knabe. Ey! wenn also die Aloe jährlich blühte? Martin. So würde sich niemand um sie bekümmern. Knabe. Sagt mir doch, Herr Nachbar, ich bin wohl recht dumm, daß ich das nicht begreife. Martin. Zerbrich dir auch den Kops darüber nicht. Geh' hohle dir dein Frühstück vom nächsten Kirschenbaume. Doch zuvor singe müdem Kirschenlied. Knabe. Wir schmausen so gerne, Die Voglern und ich. Die Kirsche, die Pflaumt, Sie wachsen am Baume, Die Eine für sie. die And're für mich. Wir sorgen nicht gerne, Die Vöglein und ich. Was heute bsscheeret, Wird heute verzehret, Was kümmert e§ sie? waL kümmert es mich? (Lauft fett.) Zweyte Scene. Martin allein. Recht so, holder Knabe, genieße fröhlich mit den Sperlingen um die Wette. Es ist doch die schönste Zeit unsers Lebens- wo die Goldstücke uns weniger lüstern machen, als ein Baum voll reifer Kirschen. Dritte Scene. Bla» dine tritt auf. Ach! zu spät erwachen Herzen, Die ein schönes Glück verscherzen Durch der Jugend Übermuth, Möchten es zurück gewinnet,, Oder doch der Reu' entrinnen Um den letzten Tropft» Blut. Könnt' ich armes Mädchen Allen, Die sich in dem Wahn gefallen; Ewig blühe Jugend-Glück, Warnend in die Ohren raunen: Schreckt durch Eitelkeit und Launen Treue Liebe nicht zurück! Dort sitzt der wackere Alte.— Warum darf ich ihn nicht Vater nennen!—er ist ganz allein. Alls meine Sparpfennige hab' ich in dieß Beu- telchen gesammelt, das bring' ich ihm mit beklommenem Herzen. Ach! was er durch mich verlor, kann ich ihm doch nicht wiedergeben.— Meine Stimme kennt er nicht. Nur als ich noch ein Kind war, hat er sie vernommen. So darf ich es schon wagen ihn anzureden. Vielleicht erfahre ich, ob sein Sohn— ach! ob er noch lebt! Guten Morgen Alter. Martin. Schönen Dank. Blandine. Seyd Ihr der Gärtner Martin Pflug? Martin. Ja, der bin ich. Blandine. Hier soll eins blühende Aloe zu sehen seyn; ich komme deßwegen aus der Stadt. Martin. Seyn Sie willkommen. Die Aloe steht hier neben mir. Blandine. Ach ja, es ist eine herrliche Blume. Martin. Eine Pracht und Zierde der Natur.— Blandine. Wie ist es Euch doch gelungen, sie zur Blüthe zu bringen, da Ihr blind seyd- Ä^aktin. Ich habe kein Äverdiensi dabey. Die Pflanze hat mein Sohn als Knabe erzogen, hat sie viele Jahre lang gepflegt, sie war sein Liebling— er sollte sie nicht blühen sehen— aber dennoch hat sein Fleiß ihm Segen gebracht,denn sehen Sie, Madame oder Mamsell, jetzt blüht sie wunderschön, nnd es kommen viele Leuteaus der Stadt, um sich daran zu ergehen; alle beschenken mich armen blinden Mann und alle diese Geschenke verdank' ich meinem Sohne, Das erzähl ich gar zu gern. Ja, mein Heinrich ernährt mich durch seinen Jugcndfleiß, da ,ch selbst nichts mehr verdienen kann. Dafür motte Gott ihn segnen, wo er auch jetzt seyn möge. Blandine(sehr beweg! steckt ihm den Beutel '»die Hand.) Nehmt das, guter Alter. Martin. Gott vergelt' es! Schon wieder ein Geschenk von meinem Sohne! Schöne Blume, wachse, blühe! O wie wird das Herz bewegt. Wenn der Kinder Tilciß und Mühe Armen Ältern Flüchte tragt; Wenn der Dank für Lebensfreuden, Die das Alter noch genießt, Mit dem Segen für die Kinder Im Gebeth zusammen fließt. 3oi Bland ine(stockend.) Warum habt Ihr diesen guten Sohn von Euch gelassen? Martin. Es trieb ihn fort!» die weite Welk — eine unglückliche Liebe. . Bland ine. Das muß wohl ein böses Mädchen seyn, das einen so braven Jüngling verschmähte? Marti». Bös eben nicht, nur leichtsinnig. Sie ist jung, hübsch und reich, viele junge Bursche haben um sie geworben, sie hat ihr Spiel mit Allen getrieben. Alle haben sich getröstet und andere Weiber genommen, nur mein armer Sohn konnte nicht von ihr lassen, er zog er sich zu Gemüthe und wurde Soldat. Blondine. Habr Ihr seitdem nichts von ihm vernommen? Martin. Ach! nichts!— Dennoch kann und mag ich ihn nicht todt glauben. Mögen Sie mich immerhin auslachen, ich denke, solange dies- Aloe lebt, so lange auch Er. Der Gott, der diese schwache Pflanze erhielt, wird ja auch den guten Menschen, der sie pflegte, behürhet haben. Blondine. Und was ist aus dem Mädchen geworden? Martin. Ihr Vater ist gestorben. Er hat schöne Pachtung hinterlassen. Die alte Mutter kann dem Wesen nicht vorstehe«/ die Tochter auch nicht. Nun hör'ich/ unserjunger Gutsherr/ der Herr Lieutenant von Koller, sey zurück gekommen, und wolle sie verheirathen an seinen Kammerdiener, oder was er sonst seyn mag. Man spricht wenig Gutes von ihm. Ich bedanke das arme Mädchen. Blandine. Ihr bedauert sie? nachdem sie so viel BöseS Euch zugefügt? Martin. Jugend hat nicht Tugend. Sie soll doch sonst ein recht braves Mädchen seyn, ist auch wohl nun zu Verstände gekommen, würde den Herrn Kammerdiener wohl eben so gut abfertigen als die übrigen, aber wenn der gnädige Herr ihr droht sie aus dem Pacht zu setzen, da muß sie sich wohl fügen. Bland ine. Nimmermehr! Martin. Wie? Blondine. Ich meine, ihr geschieht ganz Recht, wenn sie in bittere Noth geräth. Martin. Das verhüthe der Himmel! ihr Vater war mein guter Freund, und sie ist mein Pathchen. Blondine. Hättet Ihr sie gern zur Tochter angenommen? 3o5 'Martin. Mit Freuden. Blandine(für sich.) Dort seh' ich den Lieutenant kommen. Wie kann ich ihm ausweichend —(Laut.) Ist es vergönnt in Eurem Garten sich ein wenig umzusehen? Martin. Herzlich gern. Es ist wenig daran zu schauen, alles verwildert seit mein Sohn davon gegangen. Ja als er noch früh und spät sich hier tummelte, da wurde jedes Däumchen «„gebunden, und jedes Unkraut ausgerauft. Eine S renenlaube steht noch von ihm dort im Winkel. Blandine(leise.) Dort will ich für ihn bethen.(Ab.) Martin. Ich höre sie geh'n. Knabe wo steckst du?' Vierte Scene. Martin. Der Knabe. Knabe. Hier bin ich. Martin. Hast du der Kirschen bald genügt Knabe. O noch nicht. Martin. Nun du magst gleich wiederfort- springen: sage mir nur erst was in diesem Beutel ist? Knabe(öffnet!>»,.) Lauter Esther— vier gewaltig grope Thaler— eine Menge kleiner Münze— auch zwey Goldstücks. Martin. Goldstücke?! Ey das muß eine vornehme Dame gewesen seyn. Knab e. Darf ich nun wieder hin? Martin. In Gottes Nahmen.(Der Knete springe fort.) Goldstücke! und ich habe sie nicht ein einziges Mahl Jhrs Gnaden kitulirt. Fünfte Scene. Der Lieutenant und Spitz treten M. Lieutenant. Wenn die Kanonendonnern, die Trompeten schmettern, Ha! da schwillt das Herz in der Brust! Wo mit Gebrüll Zehntausend stürmend die Mauern erklettern, Da ist Leben, da ist Lust. Wie vom brennenden Schlage schüchterne Tsuben- Schaarcn Blind dem Geyer entgegen zieh'», 3c>5 tzo die kreischenden Dirnen mit den flatternden Haaren In der Siegers Arme flieh'n. Spitz. Ich bedanke mich für ein solches Rendezvous in einer gestürmten Festung. Kanonen und Trompeten sind ein schlechtes Accompagne- ment beym Müssen. Den Krieg mit Stecknadeln lass' ich gelten. Lieut. Du hast ja kaum zwey Feldzüge bey der Bagage mit gemacht? Spitz. Ich habe genug daran; ich lobe mir das Landleben. Wenn die Schnitter mähen und die Pflüger ackern, Das ist lieblich anzuseh'n; Wenn die Ziegen meckern und die Hühner gackern, Ach das klingt so schön! Wenn die flinken Dirnen sich in bunten Reihen Nach dem Dudelsäcke dreh'n, Wenn die Frösche guäcken und die Gänse schreyen, Ach das klingt so schön! Lieut. Diese Glückseligkeit magst du künftig genießen. Spitz. Juden Armen der schonen Blondine. Lieut. Aber es bleibt bey unserer Abrede. Spitz. Ach gnädiger Herr, das war nur eine Vorrede. Sie haben beliebt meine Braut in Requisition zu setzen, und begehren von ihr eine gezwungene Anleihe ihrer Gunst: das ist eine fatale Soldaten-Manier. Lieut. Sie ist dein mit sammt der einträglichen Pachtung, so bald ich wieder in's Feld rücke. Spitz. Ja, ja, die Pachtung ist dankens- werth, nur die eanäiliv sine czuu non will mir nicht behagen. Lieut. Du mußt dich d'rein ergeben. Spitz. Wenn sie doch wenigstens erst vier Wochen meine Frau gewesen wäre— Lieut. Narr, dann würdest du mir ja kein. Opfer bringen. Spitz. Ew. Gnaden geruhen meine treuen Dienste in Erwägung zu ziehen. Lieut. Deine treuen Dienste? ha ha ha! Als unser Vorposten überfallen wurde, liefst du davon und ließest Auch in Gottes Nahmen gefangen nehmen. Spitz. Sie wurden aber doch gleich wieder befreyt. Lieut. Etwa durch dich? Spitz. Wenigstens durch mein Gebeth. oc>7 Lieut. Du frommer Spitzbube!— Die beyden feindlichen Husaren hatten mich schon weit mit fortgeschleppt, da kam Einer von unsern Dragonern und hieb sich so wacker mit ihnen herum, daß ich Zeit gewann zu entwischen. Ich habe den braven Kerl nicht wieder gesehen. Spitz. Vermuthlich haben die Husaren ihn transchirt. Lieut. Das fürcht' ich auch. Spitz. Wohl bekomm' es ihm in der ewigen Herrlichkeit. Gott sey Dank, i ch lebe noch. Lieut. Du taugst aber zu nichts auf der Welt, als zu einem geduldigen Ehemann; darum ergib dich in dein Schicksal. Spitz. Na! wenn Sie mir denn durchaus die Ehre zugedacht haben— Glücklich ist, wer das vergißt, was einmahl nicht zu andern ist. Lieut. Ich habe das Mädchen in diesen Garten schlüpfen sehe». Spitz. Also darum sind Sie hergekommen? ich dachte, Sie wollten die blühende Aloe beschauen. Lieut. Was Aloe! ich will die schönere Blume suchen. Bleib du indessen hier und unterhalb dich mit dem blinden Gärtner. Sp ik. Eins menschenfreundliche Commission. 3o8 Lieutenant. Rosen lieb' ich nur auf blühenden Wangen- Zart gepinselt Von der Natur; Lilien such' ich nur aufschwellenden Busen, Veilchen in den Augen nur; Und den Dust der Hyacinthe hauche Mir ein schöner Mund allein. Und den Würzgeruch der Nelke sauge Lippe von Lippe nur ein. (As.) Sechste Scene. Spitz und Martin. Spitz. Sehr wohl. Und wenn die Rosen auf den Wangen und die Lilien auf dem Busen verblüht sind/ dann ergetzt sich Meister Spitz an den welken Blumen. Ein überaus gnädiger Herr. — Was ist zu thun? der Magen liegt mit dem Herzen im Streit, ein Riese gegen einen Poeten; man hat noch kein Exempel, daß der Magen den kürzern gezogen hatte. Und beym Lichte besehen, gibt es doch keinen bequemern Weg zum Glücke, als wenn man die Maitrefse eines vornehmen Herrn heirathst. Ich kenne Leute, die ein enormesGlück dadurch gewacht und ihren Antceessor selbst unter die Füße getreten haben. Darum frisch gewagt, die Augen zugeblinzelt. Wie lange wird es wahren, so geht er wieder zur Armee, und in der nächsten Schlacht höhlt ihn vielleicht der Teufel.— Grüß Euch Gott, alter Martin Pflug. Martin. Schönen Dank. Spitz. Kennt Ihr mich noch? Martin. Meine Ohren erkennen Euch nicht. Spitz. Wo habt Ihr denn die Augen gelassen? Ihr konntet doch sonst schon auf fünfhundert Schritt weit sehen, wenn der kleine Küian Spitz auf Euren Äpfeltaumen saß. Martin. Seyd Ihr etwa der MuSje Ki- lian Spitz? Spitz. Seit vier Jahren Herr Spitz, Kammerdiener bey Seiner hochwohlgcborncn Gnaden, dem Herrn Lieutenant von Koller, Erb- Lehn- und Gerichtsherrn auf diesen Gütern. Ich habe in vier Jahren sieben Campagnen mitgemacht, sieben Husaren niedergehauen, sieben Dragoner erschossen, und ein ganzes Bataillon TiraUleurs gefangen genommen; ferner habe ich drey Batterien gesiürmet, vier Schanzen ero- 3is bert, fünf Dörfer geplündert, zwanzig Haustt in Brand gesteckt und vier und zwanzig Ehemänner zur Verzweifelung gebracht. Martin. Hab' ich's doch immer gesagt! des Nachbars Kilian wird ein durchtriebener Gast. Spitz. Da gebraucht Ihr das rechre Wort. Ein Gast bin ich überall gewesen, mit ein Paar Mahl hunderttausend Gasten bin ich in Europa herumgezogen; denn Ihr sollt wissen, das, heut zu Tage die Gastfreundschaft arger unter uns grassirt, als unter den Arabern. Vormahls gab es S o ld a te n, die ihre Magazine mit sich schleppten, heut zu Tage gibt es nur noch Gaste, die überall gedeckte Tische finden. Martin. Und freundliche Gesichter? Spitz. O so freundlich, daß den Wirthe» die hellen Freude,ichranen über.die Backen laufen— Martin. Ich habe mir davon erzähle» lassen. Spitz. Donner und Wetter! sauern Wei» und saure Mienen lassen wir uns nicht vorsetze». Da tanzt die Fuchtel nach Herzenslust in's Teufels Nahmen. Martin. Ey ey. Müsse Spitz, oder Herr Spitz, so machen sie es doch gewiß nicht alle. 5rl Spitz. Alls, Alle. Marti n. Meinen braven Sehn zum Exempel Hirt' ich auszuuehmen. Spitz. Euren Sohn? ist der auch Soldat? Martin. Seit zwey Jahren unter den grünen Dragonern. Spitz. Unter den grünen Dragonern? ho ho! die waren geral e die schlimmsten, die machten rein Haus wo sie hinkamen. Wenn wir irgendwo gar nichts fanden, da wußten wir schon: Die grünen Dragoner sind da gewesen. Martin. Den guten Glauben an weinen Sohn wird er mir Nicht wegschwatzen, Herr Spitz. Spitz. Meinetwegen glaubt was Ihr wollt. So viel kann ich Euch versichern, daß wir alle herzlich froh waren, als wir hörten, das ganze Regiment sey in die Pfanne gehauen. Martin. Was?! Spitz. Mausetodt. Martin. Auch mein Sohn? Svitz. Vermuthlich. Martin. Nein! nein! so wahr diese Aloe blüht, mein Sohn lebt noch. Spitz. Nun so ist er gefangen. Marti n. Den Stab des Blinden magst du rauben,^ Nur seinen festen, tröstlichen Glauben, Nur seine Hoffnung raub' ihm nicht! Auf sie gestützt, an ihrem Stäbe, Und stund' er auch am off'nem Grabe, Bring' ihm kein unwillkomm'nes Licht. Spitz. Euer Sohn war ein Narr, daß er l Soldat wurde. Hatt' er nicht daheim Spargel pflanzen und Kohlköpfe erziehen können't Glaubt i mir, die Kohlköpfs sind die einzigen Köpfe, die' man heut zu Tage reif werden läßt. M arti n. Wohl hatte er besser gethan, sein^ kleines väterliches Erbe zu bauen. Des Pachters Tochrer hatte ihn bethort. Spitz. Jungfer Blandine? Martin. Sie wies ihn schnöde von sich. Spitz. Und da lief er in die weite Welt?^ Bravo Kamerad! Nun freut Euch Alter, Euer Sohn soll gerochen werden, ich übernehme die Rache. Donner und Wetter! in acht Tagen hci- rathe ich sie. Martin. So habe ich vernommen.^ r Spitz. Und folglich werde ich chr Mann, ein Mann, der Pulver gerochen, wie? der mit mit Husarei! und Dragoner» fertig geworden, i, wie? Potz Element! sie soll nur nicht wuchsen. Ihr spröden Dirne», nicht zu theuer Verkauft die Gunst an Eure Freyer, Gerochen wird der Übermuth; Denn die am längsten kühren und wählen. Die wird der Mann am meisten quälen, er Und das ist gut. ^ Ihr pflegt vor allen den zu erkiesen, iöl Der mit den Worten, den zuckersüßen, die Euch schwört, er sey ein gehorsamer Knecht; Doch habt ihr nun den Knecht genommen, So wird er zu Haus und Hof Euch kommen, / Und das ist recht, ecs sr; S i e b e n t e S c e n e. Der Lieutenant. Blandine(vor ihm ?>e!' fliehend.) tt- Lieut. Warum laufst du vor mir? So höre mich doch. n, Blandine. Ich will nichts hören. 'er L i e u t. Ich liebe dich. Blandiue. Das muß ich dulden. Kohebue's Theater 32. Band.-. O Ä4 Lieut. Du sollst mich wieder lieben. Blandine. Das kann ich nicht. Li e u t. Ich will dich aus den Handen tragen. Bland ine, Schone Redensarten. Lieut. So stelle mich doch nur auf die Probe. Bland ine. Werden Sie zuvor meines Gleichen. Lieut. Die Liebe macht alles gleich. Bl andin e. Das thut sie wohl bisweilen, «her es soll nichts.kluges dabey herauskommen. Lient. Heirathen kann ich dich freylich nicht. Blondine. Mir träumt auch nicht von der Ehre, Lieut. Aber sieh, hier steht mein Spitz. Spitz. Der aus der Stelle bereis-ist— Blondine, Ey, wirklich? Lieut. Ein Kerlchen wie gedrechselt. Spitz. Mit einem Herzen wie Zucker. Blondine. Und ein Paar Augen, wie ein Spitzbube,- Lieut. Ein Spitzbube ist er freylich, aber desto besser.kommt er in der Welt fort. S p i tz. Und alles Gestohlene wird er zu best nen Füßen legen. Wand ine. Pfuy! 5i5 Neu t. Warum pfuy? Es gibt Weiber genug, die sich mit dem putzen, waS ihre Männer gestohlen haben. Kurz, mein schönes Kind, du mußt dich entschließen. Blondine. Ich m u ß? Lieut. Ja, ich zwinge dich zu deinem Glücke. Blondine. Mit Gewalt? Lieut. Das»ersteht sich. Man zwingt wohl ganze Völker mit Gewalt zu ihrem Glücks, warum denn nicht auch ein Mädchen? Spitz.Unterwirf dichnoleus volens,aller- schönste Blondine, auf daß man von-dir sagen könne: Du seyst vom besten Geiste be- s e e l t. Bland ine. Weiche von mir, du unreiner Geist! Lieut. Ergib dich, oder deine Mutter wird aus Lein Pachte getrieben. B land ine. Das werden Sie nicht thun,- gnädiger Herr. Lieut. Ja, däs werd' ich. Spitz(mit großem Pathos.) Das werden witt Blandine. Nein, Sie haben gewiß nicht prrgefsen, daß Ihre verstorbene Frau Mutter mich, liebte, und daß sie mir oft versprechen, ich' O-i A^ solle den Pacht als Heirarhsgut von meinen Ältern erben. Lieut. Nun ja, du sollst ihn auch behalten, und als Herrarhsgut meinem Kammerdie-< ner zubringen., Spitz. Verstanden? Dlandine. Ist das Ihr letztes Wort? Lieut. Dabey bleibt es. Blandine. So nehmen Sie in Gottes Nahmen Ihren Pacht zurück. Ich bm jung, ich kann arbeiten. Meine alte Mutter will ich schon ernähren. Ohne zu erliegen, Kanu der Mensch sich füge»( In der Armuth Joch; Aber Fesseln tragen, Die daß Herz zernagen. Das ist schwerer noch. Prunk und Leckerbissen Kann der Arme missen Ohne Gram und Harm. Nur wenn er entbehret. Was das Herz begehret, Dann nur ist er arm. (As.)< Spitz. Das ist eine Jnsurgentinn. 3i^ Lieut. Wenn man die Insurgenten nicht bezwingen kann, so pflegt man ihnen Gnade anzubiethen; das wollen wir auch noch einmahl versuchen, und gibt sie nicht nach, so jagenwir sie auf der Stelle von Haus und Hof. Spitz. Der hat aus dem Felde der Ehre die wahren Grundsätze mitgebracht. Wer nicht so denket, wie wir, der ist verblendet, denjagt man zum Teufel.(Ab.) Martin. Lange schon hör' ich in der Fern« laut sprechen, aber Niemand kommt meine Aloe ju sehen. Achte Scene. Heinrich(tritt auf.) (Er trägt den linken Arm in einer Binde-) Heinrich (ohne den Alten gewahr zu werden.) O wie füllt mit süßer Wehmuth Sich die Brust bey jedem Schritt, Wenn der Mann nach langer Trennung, In die liebe Heimath tritt. Alles scheint ihn anzureden, Lächelt ihm, wohin er blickt. 'Und von tausend, tausend Fäden Kühlt er sanft sein Herz bestrickt. Ja, dieses Gefühl muß wohl eben so stark als wohlthätig seyn, da es selbst in einem Augenblicke mich ergreift, wo ich einer düstern Zukunft entgegen trete. Als Krüppel kehr' ich zurück, und finde meinen alten Vater blind!— Brod sollte ich ihm erwerben, und kann sein' letztes nur verzehren helfen!— O! fast scheite ich seinen Anblick!—(Er schaut sich um.) Ha!— dort auf der Rasenbank— er ist'ö! Martin(für sich.) Heute kommen wenig Gaste zu meines Sohnes blühender Aloe. Die Reubegier der Herren Städter ist wohl schon befriedigt. Nun wenn auch! Ein Kapitälchen hat mir doch die Aloe schon abgeworfen, und ich kann mein blindes Alter nun schon ruhiger tragen.—- chieber Gott! soll ich meinen Heinrich nimmer wieder an mein Herz drücken, so erfülle doch meine letzte Bitte: laß ihn einst erfahren, daß, wenn er gleich von nur geschieden, doch sein Jugendfleiß mir Brod gegeben.— Heinrich lfsir sich.) Dank dir Gott! du gewahrtest seine Bitte, mir zum Trost in einer schweren Stunde, »»X» ZiH Martin. Und daß ich täglich ihn darum gesegnet habe. Heinrich(fste stch.) O nun erwacht mein Muth! mein Glaube! Martin. Guter Gott! wenn ich mehr noch vdn^dir bitten dürfte— nur Einmahl diesen Segen Irn meines Sohnes Herzen auszusprschen, '—o dann stürb' ich gern! Heinrich(ihm näher tretend.) Vater! Martin. Was ist das? umschwebt mich sein Geist? Heinrich. Faßt Euch, Euer Sohn lebt. Martin(aufstehend und zitternd die Arme aus-- kreitend.) Wenn er lebte, war' er nicht schon in meinen Armen? Heinrich(zu ihm hinstürzend.) Er ist in Euren Armen. Marti n. Ich bin erhört, gnädiger Gott! ich vernehme seine Stimme, mein Auge ist verschlossen, aber ich sehe ihn doch! Heinrich. Wohl Euch, guter Vater, daß nur die Erinnerung mein Bild Euch darstellt. Ach! ich muß den schönen Augenblick der Freude euch verbittern! ich bin nicht mehr, der ich war— eine Kanonenkugel hat mir den linken Arm zerschmettert— ich bin ein Krüppel. 32 O Martin. Ein Krüppel! wehe! wehe!— («ach einer Pause.) und bist unbclohnt geblieben? Henirich. Ich trage eine Medaille in dem Knopfloche meines zerrissenen Kleides. Martin. Ich verstehe dich— aber deine rechte Hand— reiche sie mir. Heinrich(thut es.) Martin. Sie ist gesund— fasse Muth. Du schriebst ja vormahls eine gute leserliche Hand. Der Herr Amtmann ist mein Gönner/ er braucht einen Schreiber/ fasse Muth/ Gott wird helfen. Du findest mich auch nicht arm. Begrüße doch deine Aloe/ sie blüht so herrlich/ ihr verdanke ich eine» schönen Noihpfennig.— O ich suhle mich wieder jung/ denn ich bin frohen Muthes wie die Jugend. Frohen Muthes sey auch du, mein Heinrich! du hast einen Arm verlöre»/ aber sprich, hast du dein Herz wieder gefunden? Heinrich. Ach mein Vater! Martin. Diesen Seufzer vernehm ich ungern. Heinrich. Ist sie glücklich? Martin. Ihr Vater ist todt, ihre Mutter alt und kränklich. Blandine hat nun auch schon manche Leiden erfahren. Heinrich. Und ich darf sie ihr nicht trage» helfen! Martin. Sie ist nicht glücklich. Heinrich. Im Unglücke wird treue Liebe erkannt. Jetzt wäre vielleicht der Augenblick gekommen— aber ach! ich bin ein Krüppel— muß ihren Anblick scheuen— Ha! die Gartenthür öffnet sich— ein Mädchen tritt herein—- Sie ist es!— ich kann nicht bleiben— ich kann nicht geh'n— M arti n. Verbirg dich hinter die Hecke. Heinrich. Wenn ich ihre Stimme höre, so wird mein Schluchzen mich verrathen.(AS.) Martin(allein.) Wie komm' ich zu dem seltenen Besuch? hat sie meines Sohnes Ankunft erfahren i und käme sie vielleicht gar seinetwegen? Neunte Scene. Blandine. Martin. Blandine. Gott grüß' Euch, guter Nachbar! ich bin Blandine, Eure Palhe, ich such« Schutz und Erbarmen bey Euch. 322""" Martin. Blandine sey mir willkommen. Aber wie ist mir denn? fürwahr daS ist dieselbe Stimme/ die mir vor kurzem— Blandine warst du nicht schon bey mir» Blatt dine. Ich war bey Euch/ aber ich scheute mich meinen Nahmen zu nennen/ denn ihr könnet mich ja nicht lieben! Martin. Du brachtest mir ein ansehnliches Geschenk? Blandine. Ach! verwerft es nicht! lieber Nachbar, um Gotteswillen gebt es mir nicht zurück! Nunmer hattet Ihr erfahren, von wem der Beutel kam, wen» nicht eben jetzt die höchste Noth mich zu Euch triebe. Martin. Seit Jahren hast du mich vermieden, und nun?—wie soll ich das versteh'n? Blandine. Wenn Ihr die glühende Scham auf meiner Wange sehen könntet, s» würdet Ihr so nicht fragen. Euern Sohn, Euern braven Heinrich, wer hat ihn Euch geraubt?— Hört es an dem Zittern meiner Stimme, daß meine Augen voll Thränen stehen; seyd großmüthig, und fragt nicht weiter. Martin. Nun so laß zum mindesten mich fragen, warum du Schutz bey m i r suchst? bey einem alten blinden Manns? Blandine. Der Gutsherr treibt uns Volk Pachte, weil ich de» Mosje Spi-Mnicht heira- then will. Eben jetzt hat er es der Mutter angekündigt. Da hab' ich nun im ganzen Dorfe zu Niemanden Vertrauen, als zu Euch. Nehmt uns auf in Eure Hütte! mit leeren Händen kommen wir nicht, und ich kann arbeiten, im Garten, auf dem Felde, wo Zhr wollt. Am Tage will ich für Euch arbeiten, am Abend euch pflegen— nehmt mich zu Eurer Tochter an. Martin. Zu meiner Tochter? Bland ine. Daß ich Euch den Sohn ersetze, und meine Gewissensruhe wieder finde. Martin. Geht dir das von, Herzen? bereust du wirklich meinen armen Sohn verschmäht zu haben? B l a» d i n e. Die Worte fehlen— die Seufzer sprechen— DaS Aug' ist naß— der Busen schwer— ES will die Liebe sich bitter rächen, Denn mein« Lust und Qual ist Er!— Und was ich treibe— was ich beschicke» Dem Bilde kann ich nicht emflieh'n— Wohin ich gehe, wohin ich blicke. Da find ich ihn— da seh' ich ihn! 324 Martin. Zu spat, gute Blanbine. Blau d'i n e. Ja zu spat! er kehrt wohl nie zurück? Martin. Doch, wer weiß. Blanbine. Und kam' er auch, würd' ich seinen Haß ertragen? seine Verachtung? Martin. Ich kenne meinen Heinrich, sein Herz bleibt unverändert— und im Verrrauen— ich erwart' ihn bald. Blanbine(druckt ihn ungestüm an die Brust.) Jst's möglich! Martin. Ja Blandine, er denkt und fühlt noch wie vormahls. Blandine. Ihr wißt—? Martin. Leider weiß ich aber auch noch mehr. Als ein schöner Jüngling ist er von uns gezogen, als ein Krüppel kehrt er zurück. Blondine. Ha! ich Elende! Martin. Würdest du auch den Krüppel lieben? Blanbine. Ich verdiene die beschämende Frage. Käm' er nur! und konnt' er mir nur verzeihen! 325 Zehnte Scene. Heinrich. Die Vorigen. Heinrich(hervortretend.) Blandine! B l a n dine(laut aufschreyeud.) Heinrich! Heinrich(in ihre Arme.) Darf ich mein dich nennen? Blandine. Du verzeihst mir? Heinrich. Tu erschrickst nicht vor dem Krüppel? Blandine. Durch mich hast du gelitten! Heinrich. Du willst mir vergelten? Blandine. Was Liebe und Reue vermögen. Heinrich. Alles vermag die Liebe! Martin. Faßt mich doch in Eure Mitte. Gottes Segen über Euch! Heinrich und Blandine. Selige Stunden! Wenn verkannte Herze» Im erneuten Bunde Reue Wonne füllt. Aus des Vaters Munde Segen, Segen quillt! Dann heilt jede Wunde In der seligen Stunde. 3^6 Bsand ine. Ha! ich sehe meine Verfolger kommen. Doch nun hab' ich dich, und fürchte nichts. Heinrich. Der Herr Lieutenant soll erfahren, daß mem rechter Arm noch unzerschmet- tert ist. Martin. Keine Unbesonnenheit, mein Sohn. Tritt bey Seite. Laß mich zuerst mitdem jungen Herrn reden. War er doch als Knabe täglich in meinem Garten, und ein guter Knabe, dein Spielkamerad. Er wird den alten Martin hören; wo nicht, so tritt hervor. Heinrich. Ich entferne mich ungern.(Er geht.) Blandine. Und ich zittre ohne meinen Heinrich. Martin. Bleibe nur mir zur Seite. E i l f t e Scene. Der L ie uts»a n t. S p i tz. Die V o rig en. Lieut. Wohlan mein hoffartiges Jüngfer- chen, du siehst, daß mir Ernst machen. Spitz. Die sämmtliche» Modelnder Ftätt Mama sind bereits auf die Straße geworfen. Lieut. Wirst du es bald näher gehen? Spitz. Wenn du an meine Großmnth ap- pellirst, so triffst du merne schwache Seite. Bland ine. Bemüh'er sich nicht; und Sie Herr Lieutenant, Sre haben ehrlichen Leuten ihr Brod genommen, dieß traurige Vergnügen muß ich Ihnen gönnen: aber ich bin keine Leibeigne, auf mich haben sie kein Recht. Lieut. Ey wie keck! Der Soldat hat überall ein Recht, es hängt an seiner Hüfce. Marri». Sie sind hier nicht in Feindes Land. Spitz. Blitz und Hagel! freylich sind wir in Feindes Land. Hat Jungfer BlanLine nicht eine förmliche Kriegserklärung ausgestellt? Greifen Sie zu! Herr Lieutenant! wir nehmen sie in Besitz bis zum allgemeinen Frieden. Martin. Hüthe sich der Messe Spitz! das Mädchen hak einen Alliirten. Spitz. Ha ha ha! der ist blind, wie die Alliirten gewöhnlich sind. Lieut. Ihr würdet wohl thun, Alter, Euch um Eure Aloe zu bekümmern. Die Mädchen blühen nicht mehr für Euch. Die schönste gebührt einem braven Soldaten. Martin. Der soll ihr werden, Herr Lieu- ZsL tenant, wissen Sie auch, was Sie mir oft in diesem Garten versprochen haben?„Wenn ich einmahl groß werde, Martin, dann will ich für dich sorgen." Lieut. Topp! ich halte Wert. Aber was geht daS Mädchen dich an? sie ist weder deine Frau noch deine Tochter. Martin. Ja, Herr Lieutenant, sie ist meine Tochter, meines Sohnes Braut. S p i tz. Das war der Teufel! Lieutenant. Alter, daraus wird nichts. Das Mädchen laß' ich mir nicht nehmen. Ich höre ja, dein Sohn ist auch Soldat geworden? will er sich mit mir schießen? Zwölfte Scene. Heinrich. Die Vorigen. Heinrich(schnell hervortretend.) O ja, Herr Lieutenant. Spitz szieht sich erschrocken zurück.) Alle Wetter! Lieut. Steh da! wahrhaftig? nun in GvtteS Nahmen. Kamerad, es scheint, du hast dich brav gehalten) du trägst ein Ehrenzeichen 32I auf der Brust. In solchen Füllen frage ich den Henker nach meinem Adelsbriefe. Als Knaben spielten wir mit Lhonkugeln, das Mädchen ist wohl eine Bleykugel werth. Heinrich. Nach Belieben. Blandine. Um Gotteswillen! Lieut. Deine Uniform ist mir wohl bekannt — und— jemehr ich dich betrachte— fürwahr auch dein Gesicht. Sind das Erinnerungen aus der Jugend? oder haben wir im Feld? UN§ irgendwo getroffen? Heinrich. Beydes möglich. Lieutenant. Tausend Sapperment Kamerad, warst du mit bey Friedeberg? Heinrich. O ja. Lieut. Als in einer dunkeln Octobernacht der Vorposten auf dem Scharrenberge aufgehoben wurde? Heinrich. Es gab sogleich Lärm im Lager. Ich war einer von denen, die dem Feinde nachsetzten. Lieut. Befreytest du nicht einen Offizier? Heinrich. DaS bekam mir übel. Zwey tüchtige Hiebe— die Schmarren sind noch zu schauen— ich selbst wurde gefangen, wahrend der Andere davon ritt. 33o Lieut. Kamerad, ich war der Offizier. Heinrich. So? Sie hatten nicht davon reiten sollen. Lieut. Un bewaffnet? ich konnte dir doch nicht helfen. Nachher hab' ich oft Erkundigungen von dir einziehe» vollen, aber deinen Nahmen wußte ich nicht und dich selbst fand ich nicht. Mein Regiment wurde zu einem andernCorpS versetzt, und so erfuhr ich weiter nichts von dir. Heinrich. Aber heute finden wir unS wieder, und zum Dank für diese Narben, wollen sie mich todt schießen, und meine Braut verführen? Lieut. Wer Teufel sagt dir das? meinst du, ich wäre ein undankbarer Schurke? Das Mädchen ist dein!»nd wenn sie meine Frau wäre, so wollt ich sie dir abtreten. Spitz. Es ist aber unmaßgeblich von meiner künftigen Frau die Rede. Lieur. Gleichviel. Spitz. Aber meine Wenigkeit protestirt—- Lieut. Ja du bist eine Wenigkeit, das ist daS Beste, was man von der sagen kann. Du bist mein Kammerdiener, mein Spion, mein Kuppler, daS sind freylich auch Verdienste— Sp itz. Ich meine unterthanig, daS sind die 53» größten Verdienste, die ein ehrlicher Spitzbube nur immer ausweisen kann. Lieut. Da hast du recht. Sie sollen auch nicht unvergolten bleiben. Aber dieser brave Bursche hat sich um meinetwillen herum gehauen, hat mich aus der Gefangenschaft erlöset, auf Kosten seiner eignen Freyheit, folglich mußt du ihm nachstehen von Rechtswegen. Oder hast du Lust dlch mit ihm herum zu schießen? Spitz. Bewahre der Himmel! ich kann auch großmüthig seyn, ich trete sie ihm ab. Lreut. Und ich gebe ihm die Pachtung, wenn er sie haben will. Heinrich. Danke von Herzen. Ma r t in. Jetzt erkenne ich den guten Junker Franz wieder. Bland ine. Jetzt habe ich Sie recht lieb ohne Zwang. Lieut. Aus Eurer Hochzeit trinke ich mir einen fröhlichen Rausch. S p»tz. I nu, das will ich auch nicht verschwören. V a n ä a v i 1! e. Blondine. Durch Übermukh und eitles Zieren Ein redlich treues Herz verlieren, 232 Ach das thut weh! Drum eilt, die Treue zu vergelten, Denn Schwestern hört! sie blüht so selten Wie die Aloe. Heinrich. Der Gärtner muß in Amors Garten -Ost lang' umsonst auf Blumen warten. Und das thut weh! Doch endlich durch beharrlich Lieben Wird schnell die Dlüth' emporgetrieben, Gleich der Aloe. Lieutenant. Warum soll das Herz, doch heiß nicht fühlen, Sonst wird es»nr zu bald sich kühlen, Und das thut weh! Drum, soll die Liebe nicht erknlten, So müßt Ihr mäßig warm sie halte», Wie die Aloe. Martin. Hat eine Hoffnung Euch betröge», Die ihr mit Liebs groß gezogen. Ach das thut weh! Doch laßt nicht ab sie zu erziehen, So wird sie spät im Alter blühen, Gleich der Aloe. 3Z3 Spitz. (An das Publikum.) Ein Herzlein, das ich m'r erkoren, Fand ich versteinert und erfroren— Ach das that weh! Doch trifft mich E u er Ungewitter, Dann klag ich erst, mein Lovs sey bitter, Wie die Aioe. s Der Vorhang füllt.) Wte n, gedruckt bey Anton Strand- . L 8