1»? WiöNki' 8tkM-8ib!ik>tS,6l< .. - «WW« .i^vMWWUVKMAWMWU M .- e r T h e a t von K o tz c b u e. Vier und dreyßigster Theil. Die kleine Zigeunerinn. Der verbannte Amor, oder die argwöhnischen Eheleute. Wien, ikn. In Eommisfion bey Anton Dolk. - Theater von K o tz e b u e. Vier und dreyßigster Theil» WWWMWWWW Die' kleine Zigeunerinn V i n Schauspie l t n °' A u f z ü g,„y,. i E-rschir«»g«,^. Personen. Der» ic«klnig von Spanien- D-n Alivares. Antonio, sein Sohn- Radio, sein alter Diener. Francesco, Sohn des VicekiniAs- Don Jgnajio Zapata, Groß-Inquisitor- Sölefiin«, seine Nichte. Bardara, ihr« Duena. Gawakko, Thurmwüchter. Lasarilla, die kleine Zigeunerinn. Ein L ei» w ä ch«e r des Vicekönigs- tpagen. Bediente. (Das Stück spielt-u Ansän- des sechsz-hnten. L»hr, Hunderts.) Erster Act. Die Gärlen des Grog-Inquisitors tu der Rüde»o» Toledo. Der Hintergrund zeigt den Paklast desselben mit euieni Balkon, seu hebe Orangenbäume beschatten- Im Vordergründe rechts eins tiefe Grotte,>» deren Dämmerung man eine Bildsäule gewahr wwd, den Gsrr ScS Schweigens. Hohes Gebüsch von Rosen und Schlingpflanze« wölbt sich um S.e Grotte, und bildet,«he zur Seite, eine Art von Laub« mit einem Rasensig. Linker Hand ein alter Thurm, dessen runde Fenster nsit Elsengittern stark verwahrt sind. Daneben ei« hohler Kastanieubaum. EP st e Scene. Francesco allein. n Schreibereien VormahlS verhungert fast. War er mit Wunderarzeneyen Nun überall ein geehrter Gast. Wenn er Abends nach Hause brachte, WaS er am Tage beschwatzend gewann. Wenn er die menschliche Thorheit belachte. Strömend ergosi er sich dann Zn Sittcnsprüchen und Lebensregekn, Die er dem horchenden Kinde empfahl. Um sicher auf einem Meere zu segeln. Wo Klippen drohen ohne Zahl. Die Mutter hatte mein Herz gebildet, Er bildete den Geist: Sie zeigte die Welt mir übergüldet. Er lehrte mich kennen was nur gleist— Er starb— Zu meinen Ziegeunerhorden Trieb mich das Schicksal wieder hin. So bin ich nach und nach geworden Was ich bin. Nun steh ich allein, verwaist, verlassen. Aber die Mutter vergeß ich nie; Will ihren Geist, ihr Herz umfassen. Will leben und wandeln wie sie; Will fröhlich nach dem Gute» trachten. Und es tragen mit leichtem Sinn, Wenn vornehme Leute vornehm verachten Die arme kleine Zigeunerin. Jetzt'kennst du mich wie da» Blatt am Strauche, Du Jüngling mit dem lockig re» Haar; Sieh mir in» Auge, tief ins Auge— Zehr hast du Vertrauen zu mir, nicht wahr"! Francesco. Wie nennst du dich? Lasarilla. Zu stolze Traume mich zu wiegen, Ware mir allenfalls vergönnt. Weil mir die Mutter stets verschwiegen. Wie sich mccn Vater nennt. Zn fernen Landen seit vielen Jahren Sucht er das Glück aus rauher Bahn; Mehr konnt' ich nicht von ihr erfahren; Doch hatte sie ein Gelübde gethan. Mich alsobald ihm darzustellen, Würde seine Rückkunft ihr bekannt; Indessen würd' ich von unsern Gesellen Die kleine Lasarilla genannt; Und da der Mutter ein stummes Betäuben Im lehren Kampfe zu sprechen verboth, So werd'»ch wohl auch br» in den Lob Die kleine Lasarilla bleiben. Francesco(reicht ihr Gerd.) Da nimm armes Lind. Lasarilla< Großen Dank, du lieblicher Schwärmer. Du nennst mich arm? Das mache mir Spaß, Denn ich meine, du bist weit armer Mit deinem Menschen- und Dichterhaß. Wie? wenn wohl gar zu deiner Hülfe Das arme Kind berufen war? Denk dir ein Mahl, ich war ein Sylphe, Ein Genius, der von ungefähr Dich lieb gewonnen, in Schutz, genommen. Du lächelst? prüfe mich zuvor. Sich, ich darf überall gehn und kommen, Niemand scheut mein Auge, mein Ohr. Wornach bisweilen m aller Frühe Die Klügsten trachten ohne Gewinn, Sieh, das erlauscht oft ohne Mühe Die arme kleine Z geuneruin, D>e unbemerkt, unaufgehairen. Durch Gärten und Pallastc schlüpft. Und ohne Scheu sogar dem anen Groß-2»guisttor entgegen hupst. Francesco. Fürwahr, du stoßest mir Vertrauen ein. Lasarilla. Endlich. Francesco. Ich heiße Francesco, und bin der Sohü des Vicekönigs.)ln Herz und Rang ist keiner im Lande edler als mein Vater. Doch nach dem Tode meiner Mutter bestrickte ihn ein listiges Weib, entzog mir seine Liebe, machte mich zum Fremdling im väterliche» Hause. Der Schwer- muth unterliegend floh ich in die Gebirge von Andalusien zu einem Jugendfreunde. Dort wolle' ich harren, bis mein versöhntes Schicksal mir die Rückkehr an des guten Vaters entfesselten Busen vergönnen würde. Ach! das Unglück war mir auf der Ferse nachgeschlichen. Dort sah' ich Cölestinen und liebte sie. L a s a r i l l a. Wer ist Cölestine? Francesco. Ein Kind der Unsckuld, fromm wie ein Engel, schön wie ein Engel. Lasarill«. Und dieser Engel ist dir hold? Francesco. Wü-rd' ich sonst noch leben? Lasarilla. Du wirst geliebt, und klagst? Francesco. Ach! sie ist die Tochter des Groß- Inquisitors/ er meines Vaters heftigster Feind. Lasarilla. Um so willkommener ein Sohn, Den solch' ein Zufall ihm verbündet/ In dem vielleicht für Minnelohn Er seines HaffeS Werkzeug findet. Francesco. Meinst du? nein Lasarilla! um solchen Preis erkauf ich Cölestinen nicht. Lasarilla. Du walzest den Stein mir von der Brust? Schon wurde mir bang für dein Gewissen/ Denn oft hat Liebe/ Schuld bewußt/ Das heiligste Band der Natur zerrissen. Nun Jüngling/ dien' ich dir mit Lust/ Will schwesterlich dir zur Seite wallen. Allein erkläre mir geschwind/ Was mir so seltsam aufgefallen: Cölestine eines Priesters Kind? Francesco. Die Perle wachst in einer kranken Muschel. Don Jgnazio Zapata gibt sie der Welt für seine Nichte. Ihre Mutter soll ein edles verführtes Fraulein gewesen seyn. Man rannt sich in die Ohre», er habe durch ErschettuuiZen die Schwärmerin» getauscht. Lasari 1 la. Ein Priester! Ein Groß-Jichnisiror! Was sagt tue Welt? Francesco. Kurten oder Purpurmaniel wagr rein Vorübergehender zu lüften, Hort er.gleich die Schlange darunter zische». Kluge Dirne, hat der» kluger Docker dir das verschwiegen? LasariiI a. Ach nein! Das leidige Sprüchlein weiß ich. „Moral schleicht wrs ein Helling herum; „Unter dein Volke schreyt sie fleißig, „Doch für die Großen bleibt sie stumm." France» c o. Vermuthlich schien es dem Häuchler anfangs .nothwendig, das Kind zu entfernen. Von einer alren mürrischen Duenna wurde Colestine rn einsame» Gebirgen erzogt». Einst lag ich dorr im wilden Thymian am Abhang eines Felsen, als ein Lamm m'.r einem rochen Bande sich zu wir verirrte. Es war'so zahm, ich liebkoste ihm. Plötzlich keichte ein schone»'Mädchen herbey. Es hatte den kleinen Liebling verloren, erblickte ihn jetzt i> meinem Schooße— stuüm— sah >7 wich ängstlich an— ich winkte freundlich— sie kam mit zögernden Schritten; Verlangen/ Furcht, Neubegier im himmlischen Auge. Ich starrte sie an— mir wurde heiß— sie öffnete die Lippen — alle Vogel schwiege» und horchten— sie bath um rhr Lamm, ich gab ihr mein Herz. Wir sahen uns täglich. Sie stahl sich unbemerkt von der Seite ihrer strengen Wachterinn. Kindliche Unschuld war der Schutzgeist unserer Liebe. Wir begehrten kein anderes Glück, nur dessen ewige Dauer. Ach! da berief plötzlich ein Befehl des Vaters sie nach Toledo. Er habe, schrieb er. Großes mit ihr im Sinne. Kaum fand sie noch einen Augenblick, die Schreckenspost mir mitzutheilen. Sie reiste ab. Die Berge wurden öde, der Frühling trauerte. Mw lagen die Felsen auf der Brust. Ich folgte ihr auf jede Gefahr. Lasarills. Und sie ist hier? Fr a n ce seo. Wo sonst? Allein vergebens schleiche ich seit fünf Tagen um diesen Pallast. Ihren Nahmen auszusprechen wag ich nicht. Lasarilla. Sich, so bedarfst du ja meiner? F r a n c e S>c o. Ja, Lasarilla, steh mir bey. Jetzt kann ich freylich nur eine karge Belohnung fir biethen, aber künftig— Lasarilla. Laß ein für alle Mahl dich bedeuten: Lafarillen kein Gold besticht. Schuldlose Liebe schützend begleiten-. Macht mir Vergnügen, mehr will ich nicht. Schuldlose Liebe, hast du verstanden? Denn wo nur heiße Begier Dich fesselt in schmählichen Banden, Da weicht Lasarilla von 1>ir. Francesco. Kennt wahre Liebe auch Begierden? Lasarilla. Wohlan, so geh, ich will überlegen. Laß mich hier allein; Denn mit Geduld und Vorsicht pflegen Liebende selten vertraut zu seyn. Du magst in der Dämmerung wieder kommen, Wenn der Stern der Liebe blinkt; Dann erfährst du was ich vernommen. Und ob eine freundliche Hoffnung dir winkt. Francesco. Habe Dank du seltsames— nein du selte- '9 »es Geschöpf. Sonst hab ich deines Gleichen wohl bisweilen mit jugendlichem Ubermulh betrachtet; nie werde künftig der Arme von mir gering geschätzt.(Ab.) Dritte Scene. Lasarilta allein. Sieh da, wenn dieser wackre Geselle Künftig meine Prüder schont, So hatte ja gleich auf der Stelle Das Gute sich belohnt. Aber istS denn auch das Gute?— Ach! wie manches bliebe»«geschehn. Dürfte mir der nächsten Minute Der Sterbliche zu Rathe gehn.— Drum rasch aus Werk für meinen Ritter? Die holde Jungfrau späh ich aus. Und bärge sie ein Klostergitter In der strengsten EarchauS. Da steht ein Thurm, der scheint verdächtig, Denn keine Vorsicht wnrde gespart; Die Mauern stark und hoch und prächtig, Die Fenster mir Eisen wohl.yerwahrt« Ey ey, wenn hinter diese» Stäben, Schmachtend»ach Genuß, DaS arme Kind sein junges Leben Nerseufzen muß? Zwar meint Francesco wohl, er habe Die Schöne unbelauscht geküßt, Allein wer weiß, ob nicht in diesem Grabe Des ersten Kusses Glück sie büßt2— Wohlan, das wollen wir bald erfahren, Und würde sie von Greife» bewacht. Mein Tambourin solls offenbaren, Durch seiner Töne Zaubermrchr. (Sie schlagt singend und tanzend auf da« Tamb»ur!n.) Holla! wer hört mir zu? Trum dum duni! auf aus der Ruh! Den Kopf anS Fenster, geschwind, geschwind! Es singt und hüpft er» fröhliche« Kiird. Trum dum dum! Herbey! wen Kummer gefangen halt! Herbey! wen von der schönen Welt Der Menschen kalte Lücke schied, Ich sing ihm ein fröhliches Lied, Trum dum dum! Liebe kann trösten, helfen, retten, Trum Lum dum! 2r Liede zersprengt die stärksten Aetten, Skürzr die höchsten Mauern um. Vierte Scene. AlwareS (erscheint am TburmMer) Zum ersten Mahle vernchm' ich freundliche Töne, wo sonst nur Mönche seufzen und Raben krächzen. Lasarilla. Was seh' ich! spucken hier, Gespenster? Statt einer Jungfrau schön und zart, Erscheint und ächzt an jenem Fenster Ein Kopf mit einem grauen Part. Alware s. Alles wieder still! Ach die Fröhlichkeit verstummt in meiner Nahe. Lasa rilla. Anglück sucht' ich— hab' eS gefunden, Gleichviel bey wem, wo oder w>e, Den Tropfen Ohr für finnle Wunden, Den Versage der-tzunme. nur ine! 22 Du mit den bleichen Wangen, Wer bist du alter Mann? Bist du krank? betrübt 2 gefangen? Rede wen» ich dir nützen kann. A l w a r e s. Ein Kind— darf ich einem Kinde vertrauen? Lasarilla. Suchst du Mitleid? nur deS Kindes Wange W»rd von seiner Thräne noch geschmückt; In Erwachsenen hat schon lange Die leidige Erfahrung es erstickt.. Aiw areS. Du hast Recht— und was bleibt mir übrig? — Den seltnen Augenblick will ich nutzen, wo mein Wächter mich verließ. Belauscht uns niemand? Lasarilla> Niemand. A l w a r e s. Kind, wer du auch seyst, verdiene Gottes und eines unschuldigen Greises Segen! Geh zu Don Antonio älwares, sage ihm, daß,sein alter Vater hier im Kerker schmachtet. L a sa r l l I a. Don Antonio i der reiche stolze Jüngling? AI>v a r e s. dl-m mein zerrüttetes Vermögen herzustellen, Ajiig ich gleich andern Abenteurern, mitPizarr» in die neue Welt. Ein geliebtes Weib,«inen muntern Knaben, und ein Mädchen in der Wiege ließ ich zurück. Zwölf Jahre hab' ich dorr gefochten irnr Ehr' und Glück, indessen mir daheim der Tod die holde Tochter, und bald darauf auch ihre Mutter raubte. Am einzigen Sohne hing nun meine Lieb' und Sehnsucht. Was ich an Schätzen in Peru gesammelt, empfing er nach und nach, um in der Heimath mir ein ruhiges Alter zu bereiten. Mit meiner bessern Habt schiffte ich endlich selbst mich ein, und schnell wie.meine Wünsche trug ein günstiger Wind mich an die vaterländische Küste. Doch kaum betrat mei» Fuß das Land, als ich auf Befehl der heilige» Jnguisirron in Verhaft genommen wurde. In ihren Kerkern schmachte ich bereits ein Jahr. Warum? das weiß ich nicht. Lasarilla(schaudernd.) Das weißt du nicht? A lwares. Das Gesetzbuch dieses furchtbaren Richter- stuhls gebiethet, daß der Verhaftete sich selbst anklage. Vergebens martre ich mein Gedachmiß, um eine verjährte Schuld der Unbesonnenheit hervor zu ziehn. In jedem Värhör- auf die Frage:„Warum bist du hier?" muß ich dr« trockne Antwort wiederhohlen:„ich weiß eh nicht." Lasa» illa. Armer Greis. A l wäre s. Ein unterirdischer Kerker war meine dumpfe Wohnung. Vor wenigen Tagen würd' rch endlich aus meinem Grabe gezogen. Man verband mir die Auge»; man schleppte mich fort; nach; mehreren Stunden warf man mich»n diesen Thurm, wo mich zmn mindesten oas Tageslicht erfreut. Sage mir, wo bin ich? Wessen ist der! Pallast, den ich erblicke? hasarill a-. Des Groß-Inquisitors. A l wäre s. Weh mir! so bin ich in der Gewalt meines^^ rinversöhlilichsteii Feindes. Nur um sicherer mich!^ zu verderben, hat er aus den Gräber« der In->^ quisition mich hervorgerufen. Eile, gutes Kind,^ Don Antonio Alwares von meinem Schicksal zu<- unterrichten. Er wäbnt mich noch in der neuen^ Welt, oder von der See verschlungen. Warne^ ihn vor unbedachiem Eifer. Weise ihn an den j§ Vicekönig, meine» alte» treuen Freund; der, allein kann mich retten.— Ach! schon hör' ich^ meines Wächters Stimme,, und hätte dir noch viel zu sagen. Lasarilla. Wahrlich! du hast mir viel gesagt. Der W-ä ch l er,(inwenvig.) He da.! zurück vom Fenster! Almares. Nur ein wenig frische Luft vergönne mir zu schöpfen. Wachter. Zurück! frische Lust wehr nicht für Ketzer. Fünfte S t e n e. Lasarilla allein. Ach! ich höre seine Ketten klirren, Höre noch sein Klaggeröfi ?ln meine Ohren schwirren, Und um Rettung flehn.—— Ihn reuen— ha! wie der Gedanke Meinen Busen schwill!! Ob ich zaud're? oh ich schwanke? Wo Verzweiflung brüllt? Zwar ich kounr' es übel entgelten. Freylich ist Gefahr dabeyi n Aetzebue's Theater Bar,»- D s6 Denn einen Ketzer, Hort ich ihn schelten Und hoch verpönt ist Ketzerei), Doch wer darf vermessen richten? Wie lautete meines Dockors Spruch! „Will Gott im Zorn die Ketzer vernichten, „So hat er ja selbst der Blitze gtnug. Drum fort, Antonio zu suchen. Mag der junge verliebte Thor Auf mich lauern, schelten, fluchen, Der leidende Greis geht vor. Liebe findet ein zartes Vergnügen, Wenn Sehnsucht den Busen bewegt, Sie kann sich in Traumen wiegen. Bis die erseufzte Stunde schlagt; Aber dem armen alten Mann— Wer jede Kraft nicht schnell ihm weiht, Der bestiehlt die kurze Shanne Seiner zugemessenen ssheik.»7-, Lustrg! lustig I ein frisches Lebest^ Beflügle meinen-Laus!>— Halt! seh ich recht, so stößt mir eben Don Antonio hier aus?— Ich sah ihn oft vorüber prunken. Wenn sein andalusisch Roß, Hoch sich bäumend, Feuersunken- Aus den wilde» Augen schoß.' Ich erkenne den stolzen Reiter— Er ist es— doch nicht Er allein— Der Groß- Inquisitor sein Begleirer, O wußt' er nur, wie schmähliche Pein Durch diesen Mann sein Vater leidet!— Stille! stille! sie nähern sich. Bis der Unhold von ihm scheidet Verberge diese Grotte mich. (Sie schlüpft in die Grotte und kauert sich auf de» Boden.) Sechste Scene. Der Groß-Jnquisitor und Don Auto n i o. Antonio. Fünf Tage sind verflossen seit ColestinenS Ankunft, und noch immer hat deine Eminenj ihren Anblrck mir nicht vergönnt. Groß-Inquisitor. Meine Eminenz hat Gründe. Antonio. Nie zweifelt' ich an deiner Weisheit. B 2 28 Gr oß-Inquisitor. Ich danke Gott für diese Gabe. Jetzt will ich mit dir reden wie ein Vater. Du bist reich. Doch was der Himmel an Ketzergütern, zum Lohn nuineS christlichen Eifers, mi»: zugewandt.- A nt 0 ni 0. Ist allerdings weit mehr. Groß-Jnquisitor (zufrieden lächelnd.) Ist mehr. Gott sey gelobt!— Du stammst aus einem edlen Geschlecht; allein die Würde, die mich bekleidet— Antonio. Ist allerdings weit erhabener. Grofi-Jnquisitor. Ist erhabener. Gott sey gelobt! Nun mein Eohn, was folgt daraus? wie? Antonio. Daß ich einer Verbindung mit deiner Tochter— Groß- Inquisit0r. Mit meiner Nichte willst du sagen. Antonio. Mich zwar unwürdig fühle— G ro ß-J n g u i sito r, Unwürdig, so ist es. Antonio. Doch deine Gnaden hoff ich, wird ergänzen was mir mangelt. Groß- Inquisitor. Meine Gnade wird nichts ergänzen. In mei« nem Amt hab ich, Gott sey Dank, schon langst mich von der Gnade entwöhnt. CölestinensHand wird nur verdient. Antonio. Stund es in meiner Macht— Groß- I„ g>j j sjtsr. Es steht. Man nehme nur die etwa widerspenstige Pernunft gefangen unter den Glauben an mich. A ntonio. Unbedingt. Grosi-Jnquisitor. Man sey das blinde Werkzeug meiner from- wen Handlungen. Antonio. Prüfe mich. Gro ß- I n q ni sitor. Wohlan! du weißt, ,ch bin mit christlicher Liebe einem Jeden zugethan, und hasse nach Gottes Geboth, nur allein die Sünder, wie? —' folglich hasse ich den Vieekönig. Mein Herz blutet, aber ich muß ihn Haffen, denn fürwahr° in den kühlen Grüfren der Inquisition modert kein schlimmererKetzer als Er. Ja, wär er minder mächtig; hinge minder das blinde Volk an^ ihm; schon längst hätte die heilige Hermandat^ ihm zum letzten Mahl die liebe Sonne gezeigt. Aber Klugheit gebiethet, den fromme» Eifer zu^ zügeln, wenn der Sünder ein Gewaltiger auf§ Erden ist. Wie? Antonio. Ich bewundere deine weise Vorsicht. G r o ß- I n q u i s i t o r. Daran thust du Recht. Indessen schreyt die l Religion um Rache, denn schon manches Opfer l hat jener Vös-wicht ihr entzogen, manches Herr-, liche Auto da fü gehindert. Wehmüthig hab' ich oft gerufen; wie lange wird der Himmel diesen Freoler dulden?— Da ist mir endlich im t Traum der Engel de§ Herrn erschienen— A n toni o. Ein Engel?, G r o ß- In c, u i sik o r. Ja mein Sohn, ich pflege mit Engeln dann und wann über irdisch- Angelegenheiten mich zu^ besprechen. Er hüt mir gebothen, die Schlange von der Erde zu vertilgen, deren Biß dieGlärm bigen vergiftet. - Antonio. Wie?-Du düchtest wagen,, an denVioskönig deine Hand zu legen?>; Groß-Jnqrnsitok. Bewahre der Himmel! Ich schaudre! Meine Hand spendet nur Segen. Das gebenedeyte Werkzeug bist du. ' nl, Ant-ni o. 24?,, s n-' i G r o ß. I n q.u i s i,t o r. Du. Dein Vaterland von einem Ketzer zu befreyen, hat derHintmel dich gewürdigt. Zum Lohn verheißt er dir die Hand der Nichte der neuen Vrtekonigv. Wie? A n toni p.. " Hab ich doch Nur um^ChlestüiMS. Hand ge- worden.,- Groß-Inquisitor. Kurzstchtiger Jüngling, erräthst du nicht? Wer darf,.an Macht, und Reichthum mit Don Jgnazr-vrZaMa sich messev-st Wer an, Weisheit und Erfahrung? Füge ich in Demuth.hinzu. Wen wird, wen muß die Wahl des Kaisers treffen? Leuchten dir nun die großen Folgen ein! Wirst du mit Freudigkeit zu dem schönen Beruf dich rüsten? Antonio(schwankend.) Ein Mord— ein Meuchelmord— G ro si- I n q u i sit o r. Zaghafte« Jüngling l sollen Weiber dich beschämend Wer trennte das Haupt des frechen Holofernes von seinem Rumpfe?— Die schlaue Judith. Wer schlug dem Sissera einen Nagel durch den Kopf? Die frömnie Jael; und hoch- geprieseu werden diese Mörderinnen, was iäuch die gottlose' Vernunft dagegen sprudeln mag. Du selbst mein-Sohn, hast du nicht löblich für den Glauben schon das Schwerere vollbracht? Hast du nicht— gesegnet sey dafür, den eignen Vater der heiligen Inquisition überliefert? n AN tonio. Doch aüsbedungen, daß sein Leben unangetastet bleibe. G r o ß- I n q u i s i t o r. Was nennst du Leben? In meiner Unterwelt ist jederKetzer lebendig todt.—Jetzt wähle. Du gehorchst—- oder ich öffne deines Vaters Kerker. Wie?> Antonio. Alles wag' ich um Cölestinens Besitz. Nicht mein Herz widerstrebt deinem Verlange», aber mein Arm, mein ungeübter Arm. Groß-Inquisitor. Sey ruhig mein Sohn, mir genügt an deinem Gehorsam. Der Himmel begehrt kein Opfer, welches deine Kräfte überstiege. Dir sey vergönnt ein tüchtiges Werkzeug zu miethen. Verstehst du nnch?— Irgend einen Matador, der beym Sriergefecht an Blut gewohnt, mir sicherer Faust ven rechten Ort zu treffen weiß. Der vollbringe die fromme That, empfange dein Geld und meine Absolution. Daß er bald nachher verschwinde, sey meine Sorge. Antonio. Wann und wo soll der Virekonig fallTnI^ Groß-Jnquisitor. Er liefert sich selbst. Unter dem gleisenden Verwand die Rechtspflege zu prüfen, reist er Umher im Königreiche, man erwartet ihn auch zu Toledo; wie bald ist mir noch unbekannt. Überall verweilt er um zu jagen, denn er findet großes Belieben an diesem sündlichen Mordspiel. Antonio. Wie, wenn der gedungene Mörder diese Gelegenheit benutzte? auf der Jagd—- im dichew Walde— Groß-Jnquisitor. Recht mein Sohn, es beginnt in deinem Kopfe hell zu werden. Doch zwiefach sey der Weise gerüstet. Wahrend der erste Pfeil noch schwirrr, legt er schon den zweyten auf den Bogen. Kennst du Donna Cordula? Auto II i o. Wer kennt nicht des Vicekonigs Freundinn und Beherrscherinn. Groß-Jnquisitor. Jetzt bewundere man. Ich war es, der diese verschmitzte, jedoch fromme Dame ihm zugesellte. Ich war es, der die Gewalt über das Herz eines alten verliebten Thoren sie dermaßen üben lehrte, daß sogar der einzige Sohn ihr weichen mußte. So erfuhr ich die Geheimnisse, und ließ durch meine Mönche das Volk bearbeiten. Antoiii o. Dennoch bethet das Volk den Vicekonig an. Groß-Jnquisitor. Gleich den verstockten Jsraeliten das goldene Kalb. Er ist prächtig, freygebig, und was gemeine Menschen gerecht z» nennen pflegen. So gewann er den Pöbel. 35 Antonio. Was fürchtet deine Eminenz von ihm, so lange Donna Cordula— Groß-Jnqulsitor. Ach! da stehn wer an der Klippe, wie? Dir sündige Leidenschaft»st verraucht. Er hat erfahr reu, daß sie brSweilen seine Gunst Mißbraucht, w»e er es nennt, daß sie für Gold und Gabe einen erlaubten Handel damit getrieben. Ach sage erlaubt, indem dre fromme Seele jederzeit von den empfangenen Geschenken reichlich die Kloster bedenkt. Er, den Klöstern stets abhold, hegt den gottlosen Wahn, man dürfe nicht durch solche Mittel die Diener der Kirche bereichern. Darum ist sein Herz für die Freundinn erkaltet. Ich fürchte sogar, daß unser frommes Einver- standniß ihm verrathen morden, denn seine Tücke hat meine Vertrauten ausgewittert, und seit Wochen schon harr' ich vergebend auf eine chnst- l»che Mittheilung von Donna Cordula. Ihr Fall scheint nahe. Sie ahnet es, und zittert für ihre gesammelten Schatze. Diese Furcht macht sie geschmeidig und bereit zu Allem, was meine Klugheit ihr einflüstern wird. Antonio. Ich errathe— Groß-Inquisitor. r So oder so. Dolch oder Gift.— Ich lese k in deinen Augen eine scheue Verwunderung. Immer noch legst du den Maßstab deiner weltlichen Moral an des Himmels Wege, die unerforsch-^ lich sind und weise. Vor ihm ist ein sündiges Menschenleben von keinem hohem Werth, als in unsern Augen das Leben eines schädlichen Jnsects. Anton i o. Deine Eminenz hat den Löseschlüfsel, darum vertraue ich blindlings. G r o ß- I n q u isi t o r.^ Diesen löblichen Gehorsam belohn' ich auf der Stelle; denn sieh, es nähert sich die holde Jungfrau, nach welcher deine Wünsche streben. Antonio. Cölestine? Ist sie das? o wie schön! Siebente Scene. Cölestine. Barbara. Die Vorigen. Cölestine. Lieber Oheim, ich muß klagen: man sst«r:l mich ein, die wunderliche Duenna führt mich kaum in deine schönen Gärten. Gross-Inquisitor. Darum thut sie wohl, sintemahl di, jungfräuliche Sitcsamkeit gebiethet— CLlestine. Daß man aus langer Weile sterbe. Barbara. Zm Nothfall allerdings mein Fräulein. Cölestine. Ach, war' ich doch wieder in meinem freundlichen Thale! Groß-Inquisitor. Man stirbt nicht aus langer Weile; man unterhalt sich mir christlichen Betrachtungen. Wre?— Barbara. Laß ich e-s daran ermangeln? aber dasFrät»- kein— Groß-Jnquisitor. Nun? was thut das Fraulein? Barbara. Ich muß dem gnädigen Oheim mit wehmüthigem Herzen verrathen— sie schlaft dabey gewöhnlich ern. 36 Colestine. Ist das meine Schuld? Barbara. Gestern beschenkte Zw. Eminenz das muth- willige Weltkind mit einem köstlichen Rosenkranz von Rubinen. G r oß- I n qu isi t o r. Wenn du diesen taglrch auch nur, hundert Mahl abberheff, so wird die Zeit dir sanft verfließen, wie ei» Bachlein zwischen Blumen. Eh lest ine(gähnt.) Barbara. In die Haare hat sie ihn geflochten und sich in einem Spiegel mit sündlichem Wohlgefallen betrachtet. C ö l e st i n s. Ach ja/ die vielen großen Spiegel in deinem Pallast gefallen mir wohl. Sonst war Alles besser in unsern Bergen, nur Spiegel hatten wir nicht. G r o ß- I n q u i si-t o r. Schäme dich, du bist kein Kind mehr. C ö l e st i n e. Eben weil ich kein Kind mehr bin, sehe ich mich lieber und putze mich lieber. G r o ß- I n q ui si t o r. Das letztere sey dir vergönnt für deinen künftigen Gemahl. Barbara. Verneigt Euch Fraulein. Colestine teeeneizt sich.) Von Herzen gern. Groß-Inqursitor. Hier steht er: Don Antonio Alwares. Antonio. Der mit stolzem Entzücken— Colestine. Nicht doch, mein Oheim scherzt. G r o ß- I n q u i si t o r. Nein Colestine, ein Groß- Inquisitor scherzt nie. Colestine. Aber ich sehe ja den fremden Herrn zum ersten Mahle. Groß-Inquisitor. So geziemt es sich. Antonio. Er wird Eure Liebe zu verdienen streben« Cölestin e. Das wäre mir leid edler Herr, wenn ich auch verdiente Liebe nicht erwiedern könnte. 4« Groß-Jnquisitor. Weißt du schon, was Liebe ist? C ö l e st i n e. O ja! G ro ß° I n quisi t or. Wirklich! hat Frau Barbara dich das gelehrt? Barbara. Bewahre der Himmel! Cölestine. Nein wahrhaftig nicht. Groß-Jnquisitor. So rede. Eolestine. Darf ich? G r o ß- I n q u O i t o r. Du mußt. Einem Oheim, einem zweyten Vater darfst du nichts verhehlen. Wie? Barbar a. Die liebe Unschuld hat nichts zu verhehlen» Colesti n e. Meinstdu? warum sollrich auch? Francesco hat mich in der Liebe uiikerwiesen. Groß- Inq uisitor (auffahrend.) Wie! was! Wer ist dieser Francesco? Barbara. Ich falle aus den Wolken. Cölestine. Zürne nicht, gute Barbara, Frcincesc» meinte, es wäre besser, weitn du nichts davon erführest. Aber meinem Oheim darf ich es nicht verschweigen; auch diesem Herrn nicht, beyde könnten mich für eigensinnig halten. Barbara. Mir wird dunkel vor den Augen. Groß- Jnq uisito r. Rede Satans Kind! Wer rst dieser Francesco? Cölestine. Ein Jüngling, schön wie der Engel Michael, den ich in der Klosterkirche bey den Urselinerin» neu gesehn. Groß-Jnquisitor. lind w o ist dieser schöne Jüngling? Cölestine. Ach! Wo er jetzt ist, weiß ich nicht. Groß-Inq uisilor. Allein wo war er? Cölestine. Täglich kam er vom Berge—vielleicht vsm Himmel herab m unser Thal. P ar.b'ara. Aus der Hölle ist er heraufgestiegen.. K.klMitz-, Ve «)?3A,^stkhtx eines Lage-— nicht,ihn,.sonder» sän Lamm. Aber, ihn,fand ich, und.«a seitdem hab ich mein Lanzm. nicht mehr gesucht. Ab G r o ß-In g ui si ro r. an So Frau Barbaras Ist das die treue Obhuths S B arba r a. Tt Nicht von der I»eire bin ich ihr.gewichen. E o l e st r n e. Aber ich bin d^ von der Seite gewichen, sp wahrend du deine Sieste hieltest. Barbara. Ich bin deL Todes!^ T Groß.I na ilisit or. Von welchem Range, welchem Stands Mat dieser Verwegene? sein Vaters sein Geschlecht? b Eklest ine. u Darnach hab ich nie gefragt. G r o ß- I uq u i si t or. Ich werd' es untersuchen. Man zittrek Barbaras-'" Ach man zittert schon am ganzen Leibe. Eklest ine. Haben wir doch nichts Bkses gethan. Gr vh- Inquisitor. Schweig! So ist kern Berg zu steil, die Versührung weiß ihn zu erklimmen; das cm- n samste Thai beschleicht der Versucher. Geh ver- d wahrlostesKind! danke deiner Heiligen, die vom u Abgrund dich errettet. Geh,'zahle dre Rubinen an deinem Rosenkranz-, Und bereite der mit r Einsamkeit einBraurgewand, denn m wenigen Lagen führt Do,i Anronio dich zum Altare. Cölestine. Ach guter Oheims ich habe Franeeseo ver- , sprechen müssen— und gern versprochen— Groß-Znquisitor. Man schweige!— Man lese Zorn in meinen BMen—- Man entferne sich! Co lest ine. r O daß ich die beschneiten Gipfel meiner lie, ! ben Berge wieder sahe! Dort im engen Thal« war ich glücklich»(Ab.) Barbara(ihr folgend) Das ist mein Tod! E A ch t e S c e» e. V Der G b oß- I n q üisitor. Antonio. de G r oß-I» q u isito r.^ Gewaltig ist ein Groß-Inquisitor, doch ein yr Magdlein zu hüthen vermag er nicht; wer weiß, ob selbst der heiligen Engel einer nur Ruhm da- bey bestehen würde. b; Antonio. 1,,, Mir überlaß die.schone Sorge, nur und^ dem Engel der Liebe. G r o ß- I n q u i si t o r. Wenn ich ganz auf d.ch zahlen darf.— An tonio. Du durfst, ehrwürdiger Pater. Seit ich„ Cölestjnen gesehn, glühen meine Adern, und ch hatte mir zuvor der Ehrgeitz das Ziel gesteckt, so beseelt mich jetzt die feurigste Liebe. Fordre ei was du willst, ich scheue kerne Gefahr. tz G r o ß-I n q u i si t o r. rq Laß dich umarmen mein Sohn. Ich spüre, h, daß die Gnade dich ergriffen hat. ff A ntonio. Um deiner Kinder Vortheil willen, wird deine Eminenz nicht unterlassen, die Schätze meinet Vaters mir zuzusichern. G r v ß- I n q u i s i t o r. Es soll geschehn. Ich mußte zögern bis ich Hern Herz erforscht. Sem Urtheil rst gesprochen. Er har in seinen Briefen an dich die gräßliche Vermuthung geäußert, daß auch die heidnische» Indianer wohl selrg werden könnten; das ist genug. Zwar muß ich befürchten, du werdest nrcht bis zu dem Heldenmurh des Glaubens dich erheben können, deinen Vater auf dem Scheiterhaufen zu erblicken— Wre? Anloni o. Du versprachst nur sein Leben zu schonen. G ro ß- I n q u> s> t o r. Es sey; ob ich gleich nrcht ohne Wehmutb an das glänzende Autodafe gedenken kann, welches durch diese unverdiente stangmurh dem Himmel und mir entzogen wird. Indessen soll vr in einem kühlen Kamnierlörn gehörig mit der ewigen Einsamkert versorgt werden. Schon hab' ich> zu diesem Behuf, aus den Mauern von Toledo rhn hierher bringen, und einstweilen in diesen Thurm sperre» lassen. An tonio (unwilltührlich schaudernd.) Er ist hier in diesem Thurme? stö Groß-.I n quisicor. Ich glaube fast, eure unchristliche Schwach heit will sich deiner bemächtigen? A nto»lo. O nein. Ich weiß»nd wiederhohle mir oft, daß deine Eminenz- von allen kindlichen Pflich- verr im Nahmen der heiligen Inquisition mich entbunden hat— G r o ß- I n qu i sitor. Weil höhere Pflichten eintreten. Anto n i o. Nur erschrocken bin ich, denn mir scheint/ hier in.deinem Park seh der Gefangene minder sicher, als in den Kerkern von Toledo. Groß-Inquisitor. Sey ruhig. Diesen feste» Thurm haben die Mauren erbaut, er ist nie leer von Ketzern, und gereicht folglich meinem Park zu nicht geringer Zierde. Mit mehr Bequemlichkeit erforsche ich hier, ob, und wo dem Vater noch Schätze ver< birgt? wie nnine Kundschafter vermuihen lassen. In unserm Rathe wurde noch hier und da eine Stimme für ihn laut, hier schweigt alles. Hier da s ch ungehindert seinen Körper züchtigen, damit die Seele genese.^Dann soll. er auf ewig v 2 n n st d. K m x C ? st d« to m di «in w »>ch ofc, sichtlich ä? verschwinden, wozu gleichfalls dieser anmuthige Park die beste Gelegenheit darbiethet. An t o ni o. Dieser Park? G r o ß-Jn g u i si tor. Du siehst mich zweifelnd an? o du weißt noch ntchr, auf welchem Boden diese BEkume wurzeln. Betrachte hier die Grotte. Dir möchte scheinen, man habe sie bloß zum Schutz vor der brennende» Sonne in den Felsen gehauen? Keinesweges z sie ist weit erhabener», weit frommern Zwecken geweiht. Du erblickest dort m der Dämmerung eine Bildsäule, den heid/iischen Gort des Schweigens. Er birgt eine eiserne Pforte, zu einer engen Höhle geleitend, die schon manchen Ketzer verschlungen hat. Dort, gus.seiner, Vorgänge: Knochen werde des Lager der Reue hx,,, Sünder bereitet,(«kr ergreift An» Efl>s°s Ha,,y.) Jetzt mein Sohn, beehre ich dich Mit Meinem engsten Vertrauen, indem ich selbst in diese Grotte dich führe.(Er nähert sich der Grotte und erblickt Lasarilleu, die sich schlafend stritt.) Ha! „er'vas seh ich' da-.^ I n t o n so. mn Zigeuner-Ä^dchen. ins lder dir and st" ich er- en. »ie Groß-2"qulsUor. Wir wurden belauscht. Anroui o. Sie schlaft. Groß-Iuqutstlsr. Das rettet ihr Lebe». Antoni o. Wie mögen deine Wackrer solches Gesinde! in der Niche des Pallastes dulden? Grosi-Jngursitor. Auch Gesindel, mein Sohn, ist nicht selten brauchbar zu Gottes Ehre, und manches Grosse hab ich schon im Süllen durch elende Werkzeuge vollbracht. Darum verstatte ich auch dem Pvbel freyen Zutritt. Wer ein geistig.- Getränk bereu ten will, der bedarf der Heft".— Doch hier (aas LasariUen trutevd) wenn>ch bedenke— Wenn dieser^chsuminer nur Verstellung wäre.«ü smut einen Augeadlick und leinn den» sehr freundlich sert.) Antonio, zucke deuien Dolch, stoß dal Magdlern nieder. A n ton i o. Ein schlafendes iümd— es trägt ein Heiln genbild auf der Brust.''' Groß- 4g Groß-Inquisitor. DaS wolle man zuvor ihm vom Halse reißen. (Antonio streckt die Hand darnach aus.) Neunte c e n e. del en >sss igr bel ei< ies nn iS> lich da- >ri- Lasarilla(schlägt die Augen auf.) Die Vorigen. Antonr o. Es erwacht. Lasarilla (gleichsam nur Antonio erblickend.) Wie gnädiger Herr? Ihr solltet Euch schämen. Ich bin ein armes Zigeuner-Kind; Ihr wollt mir meinen Heiligen nehmen. Ich weine mir die Augen blind. Groß-J nquisitor. Weißt du mit wem du redest? kleine Creatur. Lasarilla. Was seh ich! Er ist es! Ja wahrhaftig! Groß-J n qu isir or. ' Wer? Wer bin ich? Lasarilla. Der Mann, der mir im Traum erschienen, Kotzcbue's Theater Land, E So All ich auf diesem Steine lag, Von Engeln sah ich ihn bediene», Und wo er ging da würd' es Tag; Und wo er stand, da sproßten Keime Schnell unter seinem Fuß hervor. Und, gleich dem süßen Honigseime Floß seine Rede mir ins Ohr. Den Himmelsglanz erfahrner Tugend Sah ich auf feiner Stirne glühn, Und dennoch schien die Kraft der Jugend Auf seiner Wange noch zu blühn. Er winkte mir— Ich fühlte gerne, Daß unwillkührlich mein Knie sich bog; Doch Ehrfurcht hielt mich in der Ferne, Indem das Herz mich zu ihm zog. Groß- Inquisitor (mit eitlem Behage».) Hm! hm!— ich sage dir Antonio, es gibt bisweilen unter diesem Volke Crearuren mit be» sondern Gaben ausgerüstet. l^afa r il l a. Es ist die Stimme, die ich im Traume Gleich einer Engelsstimme vernahm, Der Heilige, der im Himmelsraume Mit emer Palme mir entgegen kam.. C 2 G r o ß- I u gu i s i t o r. Ein frommes Mägdlein, der Prüfung würdig. Rede, mein Töchterlein, wie kamst dn hierher? Lasarilla. Dorf ich Euch bewundern? liehen? O dann bin ich zu reden gefaßt, Hunger har mich hergetnebs», Hunger ist ein jchlimmer Gast, Arbeit ungewohnte Plag«; Betteln kommt, mir sauer an; Rauben und stehlen ist heut zu Tags Kein Handwerk für den Unterthan.. An meine Kunst will niemand glauben,, Vom Pöbel werd' ich schlecht bezahlt; Drum wollet gnädigst mir erlauben Einen schern Aufenthalt In diesen.Gürten, wo ungehindert' Ja so manches Unkraut sproßt; Wo die Quelle den Durst mir lindert, Wilds Beeren meine Kost. G r o ß- I n g u i s i tor (betrachtet sie mit lüsternen Augen; bey Seite.)> Hübsch und rund wird das kleine Satans« kind werden-. Lasarilla. Ehrwürdiger Herr, 2hr seyd die Geisel Der Ketzer in ganz Spanien, Doch wiederum seyd Ihr auch die W-ise.l Im Bienenkorb der Gläubigen. Ey so vernehmt das fromme Lallen Einer armen Creatur! Laßr mir von Eurem Tische fallen Brosamen«ur. Groß-Inquisitor (bey Seile.) Aus dieser wilden Blüthe möchte in kurzem eine würzreiche Frucht erwachsen. L a sa ri ll a. Sollt ich denn zu gar nichts taugen In Eurem wimderschönen Park? Versuchts, der Gärtner kann mich brauchen; Zwar meine Arme sind nicht stark, Allein ich kann doch Maulwürfe graben; Ich kann durch meinen Trommelschlag Die Krähen verscheuchen und die Raben; Auch spür ich den Raupen fleißig nach. Groß- Znquisilor. Und spionirst fleißig? wie? L a sa c i l l a. Ach wenn ich diese Kunst verstünde. So war ich ja langst aus aller Noth; 53—> Das gäbe einem armen Kinde Wohl ein reichliches Stück Brod. Wenn Ihr in solchen gelehrten Dingen Mich gnädigst unterrichcsn laßt, Fürwahr so wird es Euch Segen bringen Und der kleine dankbare Gast Um den Beschützer gaukeln und spielen. Der seine Bitte nicht verwarf; Reich, stolz und glücklich wird er sich fühlen. Wenn er die Hand Euch küssen darf. (Sie drückt und küßt ihm die Hand.) Gro ß- I nq u isi t o r (sehr behaglich,) Glatte Schlange, es mag drum seyn. Ich will an deine Versorgung denken. Lasarilla (schlägt hüpfend an das Tambourin.) Trum dum dum! Ein Blümlein stand An einer nackten Felsenwand, Fast wurzellos; Da stieg ein frommer Mann herauf, Und schüttet' frische Erde drauf. Und zog es groß. Groß-Jnquisitor (lächelnd und lüstern st- beschauend.) Fürwahr eine niedliche Creatur, die durch 54 ihre Gestalt in Kurzem des Schöpfers Ruhm verherrlichen wird. Dein Nahme? L a saril a. Lasarilla. Groß-Jnquisitor. Künftig sollst du Beats heißen/ denn es sey dir vergönnt/ wenn ich die Sieste halte/ mir dann und wann die Fliegen abzuwedeln.— Komm Antonio/ wir haben noch zu überlegen. Antonio(leise.) Mir scheint dies; Kind fast allzuschlau. Groß-Jnquisitor. Sey unbesorgt. Hier ist keine Gefahr. Wo mein Blick prüft/ da schwindet jede Täuschung. Wie?— Mehr als sieben tausend alte Ketzer hab ich bereits entlarvt; folglich begreifst du Avohl, daß ein solches Kind einen Groß-Jnqui- sitor nicht zu hintergeht) vermag.— Auf Wiederseht) Beats. Ich vergönne dir die Brosamen von meinem Tische.(Ad mit Antonio.) SS Zehnte Scene. Lasarilla allein. Uh! ich ersticke! Was hab ich vernomment Es geht mir noch Alles bunt durch den Kopf. Ha! dieser Priester, der unter den Frommen Sich aufbläht wie ein Pelikans- Kröpf; Der süßlich heiligste Augen verdrehet, Als schau er ins Land Canaa», And nimmer ein fröhliches Fest begshet, Als wenn er Menschen verbrennen kann— Und dieser Sohn, der seinen Vater Blutdürstigen Feinden verrath— O daß sich plötzlich ein brennender Krater Auf unter den Füßen der Frevler that! Du armer Greis! bis auf die Hefen Hast du den Kelch noch nicht geleert! Noch wird der härteste Schlag dich treffen, Der auch den letzten Wahn zerstört. Du armer Francesco, deiner Liebe Kein milder Hoffnungsstrahl erscheint; Der schöpft nur Wasser mit einem Siebe, Der solch ein Herz zu rühren vermeint. Du arme Lasarilla! dein jungeS Leben 56 Hing an einem Faden nur. So fein als die Spinnen weben. Zerrissen, wenn dir ein Laut entfuhr. (Sie zieht ein goldenes Angehängt aus dem Busen hervor.) Dem Talisman durft ich vertrauen. Dank ihm! er war mein Retter, mein Schild; Mir gab ihn einst die beste der Frauen; S i e hielren ihn für ein Heiligenbild. Gut daß sie nicht darauf gewahrten Die wunderliche fremde Schrift; Daß sie vielleicht mein Leben sparten. Um ihren Dolch und ihren Gift Von edlen Herzen abzuwenden.— Viel unternehm ich-schwaches Kind— Werd ich es muthig und fröhlich enden?> (Sie schlägt auf das Tambour,».) Wagen verliert, wagen gewinnt!(Ab.) (D«r Vorhang fällt.) 5? Zweyter Act. Erste Scene. Lasarilla und Francesco treten auf. Lasarilla. d^ein ich habe dich nicht vergessen. Habe an diesem gefährlichen Ort Dir zu dienen mich vermessen, lind gib Acht ich halte Wort; Mehr vielleicht als kaum zu ahnen Den, zagend Herz den Muth verspürt: Ich will einen Weg dem Liebenden bahnen. Der auch den Söhn zum Ziele führt. Francesco. Zauberinn, wenn du das konntest— L a s a r i l l a. Wer weiß, ich kann noch nichts versprechen. Auch mit Fragen verschone mich; Doch gibt es Rosen für dich zu brechen. So scheu ich keinen Dornenstich. Fürs Erste bring ich dir frohe Kunde, Noch ist Cölestine frey; Ich vernahm's aus ihrem Munde: Sie liebt dich noch, sie blieb dir treu. Francesco(hastig.) Du hast sie gesehen, gesprochen? Lasarilla. Weder gesehen noch gesprochen. Allein vernommen was sie sprach. Jetzt still, der Abend ist angebrochen, Verliebten ist ja Dämmerung Tag, Um diese Zeit, in frischer Kühle, Wandelt gern die junge Braut, Die ihre Hoffnungen, ihre Gefühle, Den Bäumen und dem Monde vertraut. Geschwind, hier unter den Rosenhecken Ladet die Moosbank zum Sitzen ein. Dahinter magst du dich verstecken Und Mäuschenstille seyn; Denn kommt der Duenna zu Ohren Ein Viertel-Seufzer nur. So bist du verrathen, verloren. Und mir droht eine hänfene Schnur. Allein die alte schlau zu kirren. Bin ich Gottlob der Ränke voll/ Ich will ihr den Kopf so prächtig verwirren/ Daß sie weder sehen noch hören soll. Francesco. Ssieh dich umLasw.illa, es treten zwey ver- schleyerte Frauenzimmer aus dem Paüast. Lasarilla. Sie sind es. Fort!(DeySr schlüpfe« hinter die Roscnhechi.) Zweyte Scene. Löste st ine. Barbara. Barbara. Langsam/ langsam Fraulein! Der Schrecken hat meine Füße in Bley verwandelt. Colestine. So laß uns umkehren/ ich bin hier ohnehin nicht gern. Barb ara. Ey, es ist doch das anmuthigste Plätzchen im ganzen Park. Colestine. Fürwahr sehr anmuthig. Statt der Nachti« ga8 im Dusch horten wir neulich aus diesem Thurm die Seufzer eines Gefangenen stöhnen. Barbara. Besser solche, als verliebte Seufzer. Cö lestin e. Gute Barbara, das verstehst du nicht. B arb ara. Meint ihr? O ich versiehe das recht gut. Bor 3? Jahren hat mir ern schmucker Jüngling herzbrechend vorgeseufzt. Da wurde mir auch bisweilen die Luftröhre zu eng. Aber es fehlte am Besten. Cölest ine. Am Besten? Liebe ist ja daS Beste! Barbar a. Wenn man satt ist, ja. Der arme Hund ging in die neue Welt. Ich fand mich christlich und»ahm meinen Mann den Esel, Gott verzeih mir die Sünde! Cö lestine. Du hast einen Mann? Barbara. Leider ja! C 5 l e st i n e. Davon hast du nie gesprochen. Barbara. .Es ist nichts Erfreuliches davon zu melden. C ö l e st in s. O erzähle mir geschwind von dem Glück/ einen geliebten Mann zu besitzen. Barbar a. Das in eine sündl'.che Materie. Allein so vieli mag ich wohl verlautbaren: der heilige Ehestand in dieser Welt/ und das Fegefeuer in jener, das kommt vermuthlich auf eins heraus. C ö l e st r n e. Bewahre der Hunmel! Wer ist denn dein Manns Barbara. Er ist Gefangenwarler hier im Thurme. CoIesti n e. Ein häßliches Amt. B a rbara. Hat er doch nur Ketzer zu bewahre». Cviestiue. Ketzer. Ich höre immer so viel von Ketzer»; «rIäre mir doch, was sind daS für Mensche»? Barbara. Keine Menschen— Ungeheuer! Colestine. Wie sehen sie denn aus?. 62 Barbara. AH! der Satan leiht ihnen bisweilen recht jierliche Gestalten, und so wie Ihr zum Exempel Eure» Francesco beschreibt, ist gar wohl möglich, daß er-in abscheulicher Ketzer war. Eblestine. Mein, nein. Ketzer sollen ungläubig seyn; «r aber hat alles geglaubt was ich chm sagte. Barbara. O Jammer! Mas habt Ihr ihm denn gesagt. Eolest ine. Daß ich ihn liebe. Barbar a. Wehe! wehe! Cölestine. Daß ich ihm treu bleiben wolle bis in den Tod. Barbara. Gräßlich anzuhören! Colestine. War es denn Unrecht meinem künftigen Gemahl Treue zu geloben? Barbara. Don Antonio de Alwares wird Euer Gemahl. E cl e st i n e. Eher spring ich ins Wasser.. Barbara. Kürchterlichr Redensarten! Cölestine. Könntest du wünschen, daß mein Wann dem deinigen gliche? Barbara. Ach, die Männer gleichen sich Aste, sind alle schlecht. Ich will meine Gedanken eben nicht laut werden lassen, aber ich glaube immer, eL ist bey deren Schöpfung ein kleines Versehn vorgefallen. Don Antonio indessen gehört zu den Erträglichen. Zwischen ihm und meinem Tölpel ist ein gewaltiger Unterschied. Jener wohl gebildet, dieser eine Art von Frosch. Jener vornehm, reich, dieser ein gemeiner Trunkenbold. Jener klug, verständig, dieser dumm wie eine Ante, neugierig wie eine Nachtigall, und leichtgläubig wie eine beschwatzte Dirne. Nun erwägt Euer Glück gegen meinen betrübten Zustand. C s l e st i n e. Sage mir aufrichtig, denkst du noch bisweilen an deinen ersten Geliebten? Barbara. Aus allen Kräften suche ich dergleichen sündige Gedanken zu entfernen. 64 Cölestine. Aber eS gelingt dir nicht immer? wie? B a rbara. Wenn der böse Feind mir zn mächtig wird, so schlag ich»ach ihm mir meinem Nojentrauz. Dritte Scene. 8 üsarillü. Die Vorige». Lasari! la (an ihr Tambour», schlagend.) Trum dum dum! Die Woiten thauen, Die Berge hülle,i sich i» Dunst; Seyd mir gegrüßt ihr holden Frauen! War Euch gedient mit meiner Kunst? Barbar a. Hebe dich weg mir deinen sum lichen Künste»! Cölcsti n e. Nicht doch, romm nah'»' du armes Zigeu-- «rerkiiid. Verstehst du auch schon zu prophezeyen. Lasaril! a. Laßt in Eure a^ano mich sehen, Meuie Kunst nur jeken ittt, 65 Ich errathe was geschehen. Und was noch geschehen wird. Cölest ine. Da hast du meine Hand. Barb ab a. Fraulein! hüihet Euch! Lasarilla. Warum mich schellen? warum sie meistern? Faßt immerhin Vertrauen zu mir. Ich halte mich nur zu guten Geistern Und fliehe die Bösen, so wie chr. Cölestine. Wohlan, erzähle mir die Vergangenheit. Barbara (die vergebend ihrer Neubezter widersteht.) Wundershalben will ich es doch mit anhören. Lasarilla (deutet aus MestineuS Hand.) Von einer frommen Matrone erzogen, In eines Thales engem Raum, Ist fern von der Welt vorüber geflogen Eurer Kindheit lieblicher Traum Cölestine. Errathen. Barbar»(empfindlich.) Matrone? Sollte man nicht denken, ich -»»X" 66 hätte mit dem alten Methusalem ein Dutzend goldner Hochzeiten gefeyert. Lasarilla. Ich sehe Lämmer am Berge weiden. Wo der wilde Rosmarin blüht; Nur an solchen kindliche» Freuden Ergeht« sich Euer Gemüth. Colestine. Ach ja, so war es! Barbara. Aber so blieb es nicht. Nur weiter. Lasarilla. Siehe da liegt ein schöner Anabe Verborgen im wilden Rosmarin; Zch seh' Euch hüpfen am Schäferstabe, Ihr sucht ein Lamm'— und findet ihn. Colestine. Mein Gott, Barbara, sie weiß Alles! Lasarilla. Der ersten Liebe süßes Vergnügen Wandelt den Felsen zum Altar, Der treuen Wächten»» wird es verschwiegen, Eurer Unschuld droht Gefahr. Barbara. .Da hört Ihrs! 6? >». Lasarilla. Plötzlich ruft aus Eurem Thale Eine Stimme euch hervor. Ihr steht erschrocken vor dem Gemahle, Den nicht Euer Herz erkohr. Cölestine. So ist es! ach so ist es. Lasarilla. Doch unverwelkt grünt Euch noch immer Der ersten Liebe Myrrhenzweig: Ihr seufzt— Ihr schwört:— Ihn laß ich nimmer. So Fräulein steht e? jetzt mit Euch. C ö lestine(seufzt.) Ja, so steht es jetzt mit mir. Lasarilla. Nun wackere Duenna, Eure Hand. Barbara (be» Seite, mit der Hand zuckend.) Wenn ich nur wüßte, ob die Sünde mit ein Paar Rosenkränzen abgethan wäre! Nun da, du Hexenkind! schau mir in die Hand du Sa- ,, tanslockrogel! Lasarilla. Ey ey, hier gibt es viel zu lesen, Linien die Kreuz und Hucr, 6Ü Wunderschön seyd Ihr gewesen, Männer seh' ich ein ganzes Heer. Barbara. I nu, man war denn auch, zum Lobe des Schöpfers, mit Fleisch und Bein gehörig aus--s staffirt. C Lasarilla.^ Da lauschen sie hinter Mauern und Zäunen, Da wird geseufzt, gebettelt, geweint; Doch unter Allen fth ich Einen,» Der es am redlichsten meint. Barbara. Ach! ich kenne ihn wohl! h Lasarilla. Ihm war die Treue unverletzlich. Auf Euch hatt' er sein Hoffen gestellt; Doch seine Anmuth jagt ihn plötzlich AufS wilde Meer, in die neue Welt. Barbar a. Wo er nun schon langst umgekommen ist! Lasarilla. Er hat sich in Heidenblut gewaschen, Er lebt und lechzt nach Liebesglück; Mit treuem Herzen und vollen Taschen Kehrt er nach Spanien zurück. Barbara. Er lebt? Er kehrt zurück? Lasarilla. es Bon lieblichen, von süßen >s» Hoffnungen beseelt, Eilt er zu Euren Fußen Und— findet Euch vermählt! n, Barbara. Der Himmel wird eine getreue Gattin» nicht auf eine so harte Probe stellen. Lasarilla. Den verhaßten Gatten Erblickt er— würhet— droht Verfolgt ihn wre sein Schatte» Und— schlagt ihn mauserodt. Barbara. Gott erbarme sich! Lasarilla. Der jungen Witwe Klagen Rühren fi-oes Ohr, Allein nach vierzehn Tagen Zerreißt der Trauerflor. Barbara. Das spricht der Saran aus dir. 7" Lasarilla. Ich höre Cymbeln, Flsien, Ich seh wie sie erweichr. Mir ,ungfcäu!ichem Erroihen Die bebende Hand ihm reicht. Barbara (zieht die Hand weg.) Mein ganzes Herz ecdebr ror solchen gräßlichen Bildern! Cölestiire. Mir hast du noch kein Wörrchen ron meiner Zukunft prophezeihr. L a sarill a. Holdes Fräulein das kann ich sparen. Denn Euch sprudelt der Hoffnung-- Quell, Und i» Euren ichhneu Jahren Sieht man immer die Zukunft hell.' Doch ivcuii Ihr mir ver-precht zu schiveigem Wenn ihr vor Geistern nicht erbebt, So kann ich Euch den Gs!i> bren zeigem Zm Bilde, wie er leidr und lebt.- C ö l e st i u e. O geschwind! gefswrnd!^ Barbara. . Gott bewahre mich vor sundlicher Neube- «rer Sehen»wchI ich freylich, ob Er ui 7 k 3? Zähren sich auch so wenig verändert hat als ich. Lasarilla. Ihr dürft es mit gutem Gewissen wagen. Es geht nichts sündluhes dabey vor; Nur ern Bild auf Dünsten getragen Steigt auf meinen Ruf empor. Schaut Euch an und windet Aus dem Nebel sich los; Lächelt freundlich und verschwindet In der Wolke Schooß. Co l est i n e. Liebe, liebe Barbara, das müssen wir sehn. Barbara. Herzens- Fräulein, es ist eine Sünde. C o l e st i n e. Ey wenn auch, sind wir nicht Menschen? folglich müsse» wir auch bisweilen sündigen. B a rbar a. Ja, wenn Ihr mir versprecht, Ablaß von Eurem Oheim zu verschaffen. CöIest, n e. So viel du willst. Ich bekomm ihn umsonst. Barbar a. ftnd was wird das Kunststückchen koste»? he? 72 Lasarilla. Das bestimme des Frauleins Großmuth. Cölestine. Da nimm was mein Oheim nur gestern schenkte. Barbara. Ey ey, zu viel, zn diel! Lasarilla. Belohn' Euch Genes Segen! Ihr sollt es nicht bereun. Denn ich will dagegen Euer Herz erfreun. Barbara. Doch meine Herzensfreude mit eiubedungen. Lasarilla. Zugestanden. Eolestine. So eile Schwatzen,»'.. Lasarilla (schlagt an LaS TamScurin.) Wohlan ihr guten Geister! Schwebt herbey, rauscht heran! Erkennet euren Meister In meinem Talisman! Cblesir n e. Ich fange an mich zu fürchten. Bar- Barbara. > Mir lüftet es schon die Haare. Lasarilla. Kein Schrcckbild soll euch stören Im süßen Traum; Es schlüpfen die Geister auf mein Begehren Hier in den Blumenkelch, dorr in den hohlen Baum, Ihr, Fraulein, lagert Euch im Schooße Der düstern Laube; heftet den Blick Starr auf diese junge Rose, Ihr Kelch entfaltet euer Glück. (Eölestine thut, waS Lasurilla ihr gebethen.) ftkl- Und Euer Wunsch, ehrwürdige Alte, Wird Euch im hohlen Baum gewährt, Schiebt Euer Haupt in diese Spalte, So werd erscheinen, was ,hr begehrt.- Cöle siin e. Ich sitze.^ Barbara (steckt den Äoxf in der. Kustanittibamit.) Ich schaue., Lasarilla. So hüthst Euch den Kops zu drehen, Gebt fleißig acht— und rührt Euch nicht—- r- K°tz«l>u«'K Theater 5^. Vd> D 7 4, Es ist. um meine Kunst geschehen, Wenn Eine nur ein Wortche» spricht. (Sie IchläAt an das Tambourin.) Ilorosoopu! Liiwospo! Lbraenäaftrn! potipk.r»'! Spring hervor aus der Rosenknospe, Geist, der Liebe,, stelle dich dar. FranceSco (steckt den Kops durch daS Rosengebüsch.) Erschrecket nicht. Lölestine (kreischt, Francesco perschioindet.) Barbara (zieht schnell ihren Kopf zurück.) Was gibt»? Cose st i n e. Ach! ein Frosch hüpfte mir über den Fuße Lasarilla. Q weh! nun habr ihr Alles verdorben. B a r b ar a. Seyd ihr nicht ein Kind mit eurem Gekreisch!' Denn nun d>e Geister er übel nehmen? C L le st.i n e. Ich, weiß nicht— es kam mir ppr—' basarilla. Geschwind! geschwind zur Stelle! Wir wage» behende»och einen Versuch; Doch füll wie in der Nonnenzelle, Sonst bleibe unkrafiig mein Zauberspruch. Cölest in e: Ach nun werd. ich ganz still seyn. Barbara. So hallet Wort, und erschreckt nicht gleich über einen elenden Frosch. (Beyde nehmen ihre vsrige Stellung wieder ein.) Lasarilla (mit dem Tambourin.) Anrcisnnpk)! stille! stille! ^I»'ni:ncknbl'»! mäuschenstill! Denn nur schweigend, in der Dämm'rung Hülle? Die Liebe dich beglücken will. F r an crsco (erscheint wieder.) Cölestine, ich bin es selbst. Lasarilla (sich um d>e AU« beschäftigend.) Sollt euch»och nichts erschienen seyn. So steckt nur drn Kopf ein wenig tiefer hinein. (Sie klappert ihr mit den Kastagnetten um die Syren.) ?6 Francesca Liebst du mich noch? Cölestine. Du fragst? Francesco. Man will dich vermählen? Cölestine. Ach! Francesco. Folge mir. Cölestine. Wohin? Francesco. In die neue Welt. Cölestine. Wie kann ich? Barba r a. Es bleibt stockfinster unten im Baume. L a sa r i ll a. Nur tiefer, tiefer den Kopf hinunter. Fra n cesco. Ich entführe drch. Cölestine. Welche Gefahr! Francesco» Ich scheue keine. 77 Cölestine. Die Möglichkeit— Francesco. Der Liebe ist Alles möglich. C ö l e st i n e. Ich werde streng bewacht. Francesco. Vertraue dem Zigeuner-Mädchen. Barbara. Nein, langer halt ich es nicht aus, ich luuß ersticken. (Francesco verbirgt sich.) Cölestine. Auch mir fehlt der Athem. Barbara. Was habt Ihr gesehen? Cölestine. Keinen Geist. Lasarilla. Der Geister Gnade wird schweigend er- mo ben, weises Geräusch sie schnell verscheucht. Der böse Frosch hat Alles verdorben, '-'och Morgen gelingt es besser vielleicht. V a rbara. Da ist nun das schöne Geld weggeworfen,- und ich habe in das sündige Wesen ganz umsonst mich eingelassen. Cvlestine. Zürne nicht gute Barbara, morgen will ich gewiß nicht schreyen. Barbara. Ja immer schreyen die Mädchen zur Unzeit; damahls, als der glatt- Bube auf unsern Bergen euch nachkletterte, da hattet ihr schreyen sollen.— Du mein Gott, es wird schon Abend. Fort fort hinein, ehe man uns vermißt. Eolestine(j-.i Lasarlllen.) Du kommst doch morgen wieder? Barbar a. Ep freylich, wo solche Kreaturen Geld wittern— Lasaril la. Ihr dürft von eurem Balkon nur winke»/ Lasarilla lauscht und macht, Wenn schon die Sterne am Himmel blinken. Sie dient euch gern bey Lag und Nacht. Cölestine. Ich verstehe dich, leb wohl. O die schön- Rssciilanb«' — 79 Barbara. Denkt Ueber an Euren Rosenkran, (BrySe ab.) Vierte Seen e. Lasa rilla. Francesco. Lasarilla. Nun? bist du mit mir zufrieden? Francesco. Ach zu kurz war die Zeit. L a sa r i l l a. Da haben wir's! er ist nicht zufrieden; Zu kurz war dem Verliebten die Zeit. Er kann den besten Willen ermüden Durch seine verdammte Ungenügsamkeit. Herr Ritter vom heißen Blute, Schonet meine Geduld. Wenn ihr die schbne Minute Vertändelt habt, istS meine Schuld? Francesco. Zürne nur nicht. Allerdings hab ich den glücklichen Augenblick benutzt, habe in wenigen 6s""" Worte» viel mit ihr gesprochen; auf Entführung sie vorbereitet. Lasarilla. Und hast ihre Zustimmung erhalten? Francesco. Sie wa,f es eben nicht von sich- L a s a r i l l a. Nun maß willst du mehr? Francesco. Daß es geschehe, und bald geschehe. Lasarilla. Aber wie? Francesco. Mit deiner Hülfe, gute Lasarilla. Lasarilla. Za, wenn du eine alte Muhme, Oder etwas dergleichen hast. Denn du— du bist im Heiligthume Der Unschuld ein gefährlicher Gast. Francesco. Wir eilen zu einem Priester, wir werden schnell auf ewig verbunden. Lasarilla. Ohne deines Vaters Segen? Ohne sein Wissen sogar? ig Freund, laß mich zuvor überlebn. Du kennst weder Pflicht noch Gefahr. Francesc o. Ich sehe nur die Gefahr Colestmen zu verlieren. L a s a r i l l a. Leicht kann dar Herz den Kopf verwirren, Eile mit Weile, vertrau auf mich. Horch! die Schlüssel des TkurmwachterS klirren, Zhn brauch ich, drum entferne dich. Francesco. Was kann er dir nützen? Lasarilla. Meinst du, ich hätte nicht mehr zu schaffen. Als dir ein Mädchen zuzufreyn? Geh,§>ch,„üb lege dich ruhig schlafen. Ich stelle zu rechter Zeit mich ein; Habe dir m» Ohr zu raunen Die wundervollste Begebenheit; )en Du wirst erschrecken, nürst erstaunen— Doch jetzt verlaß mich, es ist hohe Zeit. Francesco. Ich gehe, weil du es verlangst; doch weit *"ch zu entfernen, muthe mir nicht zu. Bedarfst „»»»> Fz du meiner, so findest du mich am Kreuzwege unter der großen Eiche.(Ab.) Fünfte Scene. Lasarilla allein. Ja wäre alles so leicht gewonnen, AlS ein Mädchen, das Liebe besticht; Doch was sich sonst hier angesponnen. Guter Freund, das ahndest du nicht. Den Kerker darf ich nicht verlassen, Wo jener Greis mit dem Schicksal ringt. Darf nicht ermüden aufzupassen, Ob irgend ein Zufall ihm Hülfe bringt. Den plumpen Wächter zu betrügen Brenn' ich vor Begier. Langst schon Hort' ich ihn auf den Stiegen, Endlich naht er sich der Thür. »e 63 Sechste Scene. Gawakko. Lasarilla. Gawakko (verschließt sorgfältig die Pforte.) Verdursten will ich nicht. Wenn nur die Weinreben zum Fenster herein wüchsen, so braucht' ich nicht auszugehn. Trinken muß ich. Und viel trinken; denn wo Ketzer wohnen, da ist die Holle, und in der Holle ist es heiß, und wo es heiß ist, da muß viel getrunken werden. Lasarilla. Grüß dich Gott! Gawakko. Dank dir der Teufel! Lasarilla. Warum so unchristllchi Gawakko. Weil du eine Art von Heidenkind bist. Lasarilla. Du lügst. Gawakko. Meinetwegen. »4 Lasarilla. Wo gehst du hur? Gawakko. Der Kehle nach. Lasarilla. Gib mir Herberge. Gawakko. Wo? Lasarilla. In deinem Thurme. G a w a k k o. Ich habe schon Fledermäuse genug. Lasarilla. Ich begehre es nicht umsonst. Gawakko., Du? was kannst du geben? Lasarilla. Ich kann singen. Gawakko. Meine Krähen singen den ganzen Tag. La sarilla. Ich kann tanzen. Gawakko. Meine! Mücken tanzen vor allen Fenstern. L a s a r i l l a. Ich kann trommeln. Gawakko. Nimm dich in Acht, daß ich dir nicht auf dem Rucken trommle. Lasarilla. Grobian, laß mir dir handeln. Warum werd ich so angeschnaubt? Mir hak in diesem Garten zu wandeln Der Groß-Inquisitor selbst erlaubt. Gawakko. Daran hat er sehr übel gethan.. L a so r i l l a. Ich will dir im Vertrauen sagen: Es liegt in diesem Garten ein Schatz, Den vergruben in Krregestagen Dce Mauren aus einem wüsten Platz. G a w akko. Wo? wo? Lasarilla. Ich such ihn mit der Wünschelruthe, Er wird von d.eyzehn Drachen bewacht. Doch in der dreyzchnten Minute Gewahrt man ahn, nach Mitternacht. Gaw akko. Dreyzehn Drachen? hu! 86 Lasarilla. Dann sind die Drachen öooo Meilen Von hier auf dem Berge Caucasus; Ich heb' ihn schnell, du hilfst, wir theilen, lind leben dann beyde in Überfluß. Gawakko. DaS laßt sich hören. Lasarilla. Willst du mir helfen? G a w a k k o. Daß mir der Teufel den Hals umdrehte. Lasarilla. Ey bewahre! Alle Muhe wird dir gespart. Ich bedarf nur einiger Haare Aus eines Gefangenen Bart. G a w a k k o. Die will ich dir wohl schaffen. Lasarilla. Ich selber muß sie ihm auSreiße». G a w a k k o. Du selber? daraus wird nichts. Lasarilla. Ich muß arabische Worte dabey murmeln. Gawakko- Und ich sage dir mir spanischen Worten, daraus wird nichts. Lasarilla. Du stößest dein eigenes Glück von dir. Gawakto. Ich stoße ein Zigeuner. Mädchen von mir. Lasarilla. Der Schatz— G a w akko. Wird wohl ein Än>eisenhaufen seyn. Lasarill a tbry Sei««.) Es ist mit dem.«er! nräus anzufangen, An Leib und Seele ein Stück Bley. Wär er nur erst zum Henker gegangen. Und die Lufc hier frey. Gawakr o. Was murmelst du? Lasarilla. Soll ich dir prophezeihen? Dein starrer Sinn Wird dich bald gereuen, Wenn ich plötzlich verschwunden bin. (Sie schlüpft hinter den KastMiienbaum.) G a w a k k o. Verschwunden? hi! hi! hi! Du sprichst ja wie ein Geist? Nun so verschwind ein Mahl. (Er dreht sich um.) Was? bey meiner armen Seale! das geht mcyr nur rechten Dingen zu. Ich glaube, es war derSaran, der mick versuchen woUie— da wandelt eben ein Mönch herauf, der sol! Nur den bösen Geist beschwören. Siebente Scene. ,F abio(in Mönchstracht.) Gawalko. F a b i 0(auftretend, bey Seite.) Das ist er! Gott laß es gelingen!(Laut.) Mein Sohn, bist dir der Wächter dieses Thurms? G a w a k k o. Ja, ehrwürdiger Herr; es ist wohl ein verdienstliches Amt, aber es wirft nur schmale Bissen ab. Fabio. In jener Welt wirst du reichen Lohn ernten. Gawakko. Wenn ich nur in dieser Welt nicht dursten müßte. Fabio. Schläft dein Gefangener schon? Gawakko. Der sch!D so wenig, als ein Falk, wenn er abgerichtet wird. Nun ich meine, der Satan richtet diesen Ketzer auch ab. Fabio. Führ ihn herunter. Gawakcko. Ey bewahre! Fabio. Kannst du lesen? Gawakko. Das versteht sich. Hab' in meiner Jugend gar oft bey der Messe geklingelt. Fabio. Nun so lies' den Befehl des Krofi- Inquisitors. Ich soll den halsstarrigen Ketzer zum Bekenntniß vermahnen. Gawakko (besieht raS Papier.) Ja ja, solche besiegelte Papiere schickt der Herr bisweilen; aber ehrwürdiger Vater, bey diesem Gefangenen ist mir ausdrücklich unter schwerer Strafe gebothen, keine lebendige Seele in den Thurm zu lassen, wenn sie auch zehn solche Schriften brachte. Fabio. Deinen Gehorsam werd' ich zu rühmen wissen. Aber ich will ja auch nicht in den Thurm, du sollst den Gefangenen herunter führen, so steht es geschrieben. Gawa k k o. Steht es so? Das ist ein andres. Nun so geduldet Euch einen Augenblick.(Ab.) Fabi o. Ich soll ihn wiedersehn! den guten alte» Herrn, in Ketten ihn wiedersehn; werd'ich meinen Schmerz, meine Freude mäßigen können 1 Lasarilla (hinter dem Baume leise.) Ey was ist dar? Fabio. Und werd ich seine Leiden nicht noch vermehren? Lasarilla(leise.) So schweige lieber. Fabio. Ach ich kann nicht ruhig sterben, bis er Alles weiß. tu Achte Seen e. Alwares. Gawakko. Die Vorigen. Gawakko. Hohe Gnad- widerfahrt Euch, Ihr verdammter Ketzer. War ich Groß-^ngmlikor, ich ließ- ohne weitere Umstände eine Papierkrone mit Flamnie/i bemahlen., und sie Euch auf den Kopf nageln. Fa b i o. Der Gegen des Himmels ruhe auf dieser Stunde! A l w a r e s. Ich dank Euch, ehrwürdiger Herr. Doch seyd Ihr gekommen, wie mein Kerkermeister spricht, um ein Bekenntniß meiner Schuld mir abzufragen, so spart Euch Zeit und Mühe, denn ich steh' am Grabes- Rande, fest entschlossen meine Unschuld mit dem Tode zu besiegeln. G a w a k k o. Verstockter Sünder! Fabi o. Man muß nie- an Besserung zweifeln. Lass uns allein! Gawakko. Herr, aus den Augen darf ich ihn nicht lassen. F a b i o. Was befürchtest du? ist er nicht gefesselt? ein schwacher Greis? Gawakko. Aber der Teufel— Ihr kennt ja den Teufel, ehrwürdiger Herr? der zerreißt solche Kelten w>e Zwirnsfaden. Fabio. Meine Gegenwart vsrschcuchtden bösen Feind. Gawakko. Ach! man har Exempel— F a b i o. Tritt wenigstens zuriuk, damit nicht vor fremden Zeugen die Scham etwa die Beichte hmdre. Ga»vakk o. Nun wohl. Aber ich sage Euch, ihr drescht leeres E lroh, den har der Teufel schon am Bratspieß.(Er trat in den Huilsraklind.) FabIo(leise.) Don Alwares, wenn meine ersten Worte Euch in Erstaunen setzen, so hülhet Euch vor lauten Äußerungen, denn wir werden behorcht. Alwares. Welch» ungewohnte Sprache! F ab i o. Doch die Stimme— hat Euer Ohr sich auch von meiner Stimme entwöhnt? Alwa res. Lebte mein treuer Diener Fabio noch, ich spreche, er ists. Fabio. Er lebt, er ists. AlwareS. Unmöglich! Fabio. Stille! stille! spart Eure Unmöglich für wunderbarere Dinge. Alware s. Mir schrieb mein Sohn, du seyst gestorben. Fabio. Weil sein Her; für Euch erstorben war. A l w a r e s. WaS willst du damit, sagen? Fabi o» Guter Herr, lasst mich Eure Hand zuvor Müssen. Meine Stimme zittert— meine Thränen brechen mit Gewalt hervor— ich kann eher nicht Fassung sprechen, bis ich memes alten Herrn theure Hand an meine Lippen gedrückt. Ich bitte Euch/ tretet nur ein wenig mehr zurück, vor den Baum, daß der Wächter mein Beginnen nicht gewahre. Alwares. Er wird die Kerlen rasseln hören. Fabio. Auch diese Ketten laßt mich küssen. O daß meineThranen siedurchatzen konnten!>—So— genug— die Zeit ist kostbar— ich bin gefaßt — Seyd auch Ihr es?— Alwares. Kommst du meinen Tod mir anzukündigen? F abi o. Das schlimmere vielleicht. Euer Sohn ist Euer Henker. Um früher im Genuß Eurer Schätze zu. schwelgen, hat er selbst der Jnguisition als- Ketzer Euch überliefert. Alwar es. Fabio, du lügst. Fabio. Wollte Gott, ich dürfte sagen: seine Mittäter har gelogen, als sie ihn für Eltern Sohn ausgab. Mit Don Zapata, Eurem Feinde, Hüter das Gifr gennschc, und erhalt zum Lohn d!S- Hand von dessen Nichte. Alware s. Er ist verführt! Fabi o. Ein Vater-Mörder wird geboren, nicht verfuhrt. Auch'mich wollt'er heimlich tödten, Ver-, siellung hat mich gerettet. War gleich da» Leben mir nichts mehr werth, so konnte es doch Euch »och nützen. Ich wurde auf meine alten Tage ein Schmeichler, eine Urc von Hofnarr; ein Kopfnicker bey jedem Unfug. Ich listete ihm sein Vertrauen ab. Bösewichter sind leichtgläubig für das Böse. Auf solche Weise vernahm ich den seltenen glücklichen Zufall, daß man aüs Toledo Euch hierher geschleppt. Als eine Kreatur deS künftigen Eydams hab' ich freyen Zutritt i» Za« Mas Hause, und lasse von seinen Schreibern '"ich zum Narren halten, um unter der Kappe >i» erfahren, was Euch droht oder frommt. Feile Hunde sind diese Schreiber, auch die Inquisition erblindet vor dem Glanz des Goldes. Ich ließ meine Sparpfennige blinken, erhielt dafür einen Poß, der nnr den Weg zu Euch gebahnt, warf mich in diese Kutte, und seht, es ist gelungen. A l w a r«s. Was, hab ich dir gethan, alter Fabio, daß du mit deinem Sparpfennig die die Lust erkauft test, mir den letzten Trost zu rauben. Fabio. Mich trieb ein Gelübde. Und müßt Ihr den Sohn auS Eurem Herzen stoßen, so nehmt du Lochrer dafür auf. Alwa re S. Eine Tochter? F a bio. Eure Marie lebt. Almares. Bist du ein Wahnsinniger oder ein Betrüger? Fabio. Euer treuer Knecht. Eure Gemahlinn war eine edle kluge Frau, aber eine blinde Mutter. S-rs haßte die arme kleine Marie. Um dem Liebling Antonio Eure Gunst und Eure Schätz« allem? zuzuwenden, erfand sie die Nachricht von ihrem Tode, wußte Euch— uns Älle zu täuschen, das Kind verschwand, ei» leerer Sarg wurde begraben. Auf dem Todberte erwachte das Gewissen der Mutter, sie schämte sich dem Soh»r zu vertrauen, was sie für ihn verbrochen. S>« schämte sich selbst vor Gott in der letzten Beichte- Aber als Todesangst die. Scham besiegte, ließ sie sie mich rufen; ich sollte ihr schworen, was st- mir vertrauen werde, Euch allein zu hinterbringen. Ich schwur— und ihre brennenden Lippen stammelten daöDekenurmß: sie habe das Kind— Alware s. Ermordet'!! Fabi o. Nein, die schaudernde Natur hielt ihren Arm zurück. Sie habe es einer Bctrlennn geschenkt. A l w are». Wo? wo ist meine Marie? Fabi o. Ach! mehr konnt' ich nicht erfahren. Der Tod lahmte ploiftich ihre Zunge. Vielleicht wußte sie selbst nicht mehr. Almares. Fabio, du bast meinen Kelch bi» an den Rand gefüllt. Jelft gib mir schnell Dolch oder Gift. Nicht mahn, du bring» etwas dergleichen unter deiner Kutte? glicht wahr, du bist nur darum gekommen? Fabi o. Mein guter Herr! gebt der Hoffnung Raum« A! w a r e s» Ein betrogener Gurre, der dem geliebtem Weibe iln Grabe strichen muß! ein zwiefach ge- Ksykknic's rheater 5ch. Pan». E mordeter Vater! ein Greis in den Ketten d« R Inquisition! und Hoffnung— ha! ha! ha! N Fabio. te Wenn diese Ketten nur gebrochen werden,,!» kann noch alles freundlich enden. Ihr könnt Eurt Tochter wieder finden.^ Alwares.^ Ha! ha! ha! Fab io» Der Vicekönig, Euer alter Freund, wird seine ganze Macht Euch leihen. Ich weiß, er iß^ um Euch bekümmert. Mein sieches Alter und^ Antonios immer wacher Argwohn hatten brs jetzt^ im Hause des Verbrechers mich angeschmiedet;^ «her nun hab ich beyde besiegt; nun ergreif ich den Pilgerstab, eile nach Hofe, dränge mich durch alle Wachen, und flüstere mit meinem letzte» Athem dem Vicekonig ins Ohr; daß und irr- Zhr gefangen schmachtet. A! w ares. Thor! w i l l ich den» frey seon? O die Aet-^ ten, die meine Seele noch immer an den Körper^ feffeln, die drücken mich, sonst keine. G a!v a k-k o tkonnnt hervor.) Ehrwürdiger Vater.!. Nun. ists genug. D>»^ Nacht bricht ei», und an diesem Ketzer ist Eure Mühe doch verloren. Habe ja sogar den leibhafte» Satan aus ihm lachen hören. Fabio. Du irrest. Es zeigen sich Spuren der Besserung. Im Nahmen seiner Eminenz befehi ich dir, den Gefangenen milde zu behandeln. Gawakko (schließ! den Thurm auf.) Nun, wenn er sich bessert, so wird man ihm die Gnade anrhun ihn zu erdrosseln, ehe der Scheiterhaufen angezündet wird. Unterdessen steigt nur wieder hinauf zu Euren Ratten und Fledermäusen.(Während er sich nach Alwared dreht, schlüpft Lasarilla in den offne» Thurm.) Alware s. Gern! gern! F a b i o. DonAlwarss, erwägt meine Worte. Der Himmel ist gerecht. Die Unschuld prüft er nur, der Schuldige wird entlarvt. G a w a k k o. Wirb verbrennt. Fort! hinein! Wie E L I0ö-»"» Fabio. lind Gott schenke ihm Trost und mirKch^ rhm einen Befreyer zu erwecken. lAd.) Gawakko(inwendig.) He! was halt ich da? heraus! heraus«»! Licht!(Er stößt die Piorte auf lind ziebt Lasanlli'^ hervor.)Aha! tust du es, verdammte DiebestwOch d Hattest du Lust mich zu bestehlen.(Sie for,st«W^"/ Pack dich zum Teufel!(Er geht hinein und»B gelt die Pforte.) i Du Neunte Scene. Lasarilla allein. Ach es ist mir nicht gelungen Mit dem Greise mich einznsper'n; Ich wäre so gern in den Thurm gedrunM Für mein Leben gern— Zwar scheint, alle) wohlerwogen, Bester dax er, unterblieb; Aber ich fühlte mich angezogen Durch einen unwiderstehlichen Lrieh, Dec Zwc Der Doi Det Ma An ! Si> Nu Dr )!>i! 101 -lind half mir nur der liebe Himmel Dunkeln einen Winkel erspähn, So konnt ich in der Nacht dem Lümmel >Vvn Wächter leicht eine Nase drehn. ^ Gawakko(am Fenster.) B- Spuckst du noch immer da unten herum? Soll Wich die Kettenhunde auf dich hetzen?—3ch^ge ^lir, es gibt hier nichts zu stehlen.(Schlagt dar ,i,v Z!l>-ll-r zu.) Lasarilla. Lerne die Worte besser wählen, Du Grobian! In unsrer Zeit -Schimpft ein Jeder über das Stehlen, Doch Jeder stiehlt bey Gelegenheit, Zwar Gold und Silber eben nicht immer, Dnm mancher scheut sich vor dem Strick) Doch nicht selten noch weit schlimmer Des Nächsten Ehre, Frieden und Glück. Ja, wenn das liebe Stehlen nicht wäre, Man stürbe ja vor langer Weil. ^'viff-n, Treue, Tugend, Ehre Sind längst auf allen Märkten feil; L>ur hör ein Jeder seine Weise, Den locket Ruhm, den Andern Gold, so nimmt um verschiedene Preise, IOÄ^ Der Diebsgott sie Alle in Sold. Da sieht man Vieh- und Menschenheerden Von ihrem Hirten vergebens bewacht; Zum Stehlen und Gestohlenw e r d e ir Ist Alles auf dec Welt gemacht! Ein wenig gröber, ein wenig feiner. Das gilt ja wohl am Ende gleich? Hühmer und Gänse stiehlt der Zigeuner, Und Alexander der Graste ein Reich. Auf diesem ganzen Erden- Runde Beseelt den Menschen derselbe Trieb; Der ehrlichste Mann ist doch im Grunde Höchstens nur der kleinste Dieb. Ich glaube gar ich philosophire. Wie weiland mein Docror von Alcala, Und während ich die Worte verliere. Ist die Nacht schon da Mit allen ihren Sternen, Ein funkelndes Obdach mir. Denn ich darf mich nicht entfernen Von jenem Balkon, von dieser Thür.— Hab ich doch öfter bey den Schafen Auf den kühlen Bergen geruht. Kann ich auch wohl heute schlafen Unter dem himmlischen Fürstenhut. (Sie legt sich auf den Boden.) Meine Tambourin zum Kopfkissen Don der Mutter Geist bewacht; Friede, Friede mit meinem Gewissen Der ganzen Welt eine gute Nacht! ').'i i?!(^ (Der Dorhans ae»4 Dritter Act. (Nacht und Mond schein.) Erste Scene. (Lasarilla schlummernd auf dem B°»en.) Cblestin e (erscheint auf dem Balkon mit einer Guitarre.) ^st die Nacht so schwul oder mein Blut so heiß? Ich kann nicht schlafen, werde von Traumgestalten herum geirrt, bis ich athemlos erwache. Lieber steh' ich hier, und schaue nachdem freundlichen Sterne, der auch in meinem Thale mir gegenüber blinkte. Oft hab' ich ihn fröhlich begrüßt, wenn er hinter den wohlbekannten Bergen herauf stieg, als käm' er, ein Böthe von meinem Francesco; jetzt erblick' ich ihn mitWeh- muth.— LvS Leise, leise wiN ich in die Saiten greisen, daß die verdrießliche Duenna nicht erwache. (Sie spielt und singt ganz leise.) Schöner Stern, sey gegrüßt! Weine ersten Gefühle Wachen lächelnd auf, Wenn du still herauf Am Himmelsbogen ziehst. Schöner Stern, sey gegrüßt! Das Echo(in der Ferne.) Sey gegrüßt! Lasarilla(erwachend.) Noch flimmern Mond und Sterne Auf dunkeln, Grund. Hört' ich in der Ferne Nicht einen klagenden Mund? Cölestine(seuszend.» Francesco! E ch o. Francesco! Cölestine. Ein Echo gibt mir deinen Nahmen zurück, Lasarilla. Es ist Cölestine. io6 C ö l e st i n e. Bald wird es nur noch meine Klagen wie- derrönen— ach! Echo. Ach! Cölestine. Es gab eine schöne Zeit— sie ist unlängst verschwunden— wo Alles in der Natur mir zurief: sey fröhlich! Echo. Sey fröhlich! Cölestine. Und ich war fröhlich, denn auch die Liebe fand ich unter Rosen und spielte mit der Spielenden. Ach, nun bin ich in wenigen Stunden «m viele Jahre alter geworden. Alle meine Blumen sind zertreten! Ich Thörinn, daß ich noch hoffe! Echo. Hoffe! Cölestine. Morgen schon wirft man mich in eines fremden Mannes Arme! Echo. Arme! ' io7 Eklest ine. O Francesco! Willst du mich retten, so komm kld! Echo. Bastd! Lasarilla(laut.) Recht bald! Colestine(erschrecke».) Was war das? Lasarilla. Die Stimme der kleinen Zigeunerinn. Colestine. Bist du noch hier? Lasarilla. Hier, beladen mit Euren Sorgen, Redet Fraulein, ist es wahr? Führt man Euch schon Morgen Zum Altar? Colestine. So hat mein Oheim noch spat ary Abend mir »«gekündigt. Lasarilla. Und was werdet ihr thun? Colestine. Gehorchen, wenn ich muß, mich retten, wen» ich kann. iv6 Lasarilla. Francesco, eine Strickleiter, Eine schöne helle Nacht, Muth, Liebe, Kühnheit und so weiter. So wäre die Rettung schnell vollbracht. Cölestine. Ach! wo ist Francesco? Lasarilla. Nicht fern. Wollt Ihr ohne Bedenken ihm folgen? Cölestine. Warum nicht? Lasarilla. Ahndet ihr keine Ge.^hr? Cölestine. Keine. Lasarilla. Von Kindern pflegt man wohl zu sagen, Daß ein schützender Engel sie liebt, Der, wenn sie kühne Sprünge wagen. Im Fallen die Flügel unterschiebt; Aber kein himmlischer Geselle Hat Jungfrauen sich zum Beschützer geweiht; Denn«s tritt an dessen Stelle Das Gefühl der Sittsamkeit- Cölestine. Will ich das verletzen? Lasari! la. Ein Wink— voll Muth und Feuer Eilt Francesco Herboy— Loch besser, das, Euer B-freycr Nicht dieser Jüngling sey. LLlestiii e. Wer sonst? Lasarilla. Liebes Fräulein, wollt Ihr mir vertrauen? Scheut Ihr nicht den Bektlerstand? Ich führ' Euch zu bejahrten Frauen, Ich schaff Euch ein Zigeunergewand, Ich lehr' Euch unsre kleinen Kunge. Leben, Freyheit, Hoffnung, Ruh— Seyd Ihr zufrieden mit dem Gewinnste? Mehr sag ich Euch fürs Erste nicht zu. Co leftine. Ach mehr begehr ich nicht. Aber Francesco? L a sa r il l a. Er wird Euch verdienen und erhalten. Cölest ine. Er wird sich ängstigen, wenn ich verschwinde. Lasarilla. Lange Freude soll er mit kurzer Angst bezahlen. rio Cölestinr. Wir komm ich zu dir hinab? La sarilla Wie wenn Ihr den Baum bestieget? Seht Ihr nicht den starken Ast, Der sich selbst hinüber bieget? Denn mit beyden Handen gefaßt. Kühn darauf geschwungen, Dann von Zweig zu Zweig, Kühn herab gesprungen— In meinem Arm empfang ich Euch. Cö lest rne. Aber wie kommen wir aus dem Garten? L a sa ri lla. O ich kenne alle Wege, Bin mir allen Hunden vertraut. Wir schlüpfen leise durchs Gehege, Ehe der Morgen graut. Cölesti n e. Wohlan ich wage es. Lasarilla. Schlaft eure Duenna? C o l e st i n e. Sie schläft. Lasarilla. So eilt in ein Bündel zu schnüren, Was Ihr an Kostbarkeiten besitzt; Denn unter Fremde muß ich Euch führen, Es kann man nicht missen wo es nützt. C ö l e st i n e. O wenn ich nur frey bin, so bedarf ich weiter nichts. Lasarilla. Nun wie ihr wollt. Wenn Ihr zum Lebe» Nur Freyheit, Luft und Liebe bedürft. So kommt, ich will Euch die Hälfte geben Von allem, waS mir das Glück' zuwlrfr. Cölestins Unecht einen Versuch v°m Balkon auf den Baum zu steigen.) Ach Lasarilla! ich fürchte, es werde nicht gelingen. Lasarilla. Empfehlt Euch eurer Schutzpatroninn. C ö l e st i n e. Meine Knie zittern. Lasarilla. Denkt an Franeesco. Cölestine. Alle Kraft ist nur in meinem Herzen. Lasarill a?" Setzt Euren Fuß auf jenen Ast. Colest ine. Ich verliere das Gleichgewicht. L asarilla. Haltet Euch an den starken Zweigen. Cölestine. Sie schwanken, mir schwindelt. L a s a r i l l a. Halt! halt! Ihr könntet Arm und Bein zerschmettern. Harret an des Geländers Rand, Ich kann wie eine Katze klettern. Ich komm und reiche Euch die Hand. (Sie klettert hinauf.) C ö l e st i n e. Ach wenn du selber fielest— Lasarilla. Seyd unbesorgt, mir leuchten Mond und Sterne— Da bin ich schon— jetzt rasch— doch halt!. Ich seh' eine Fackel in der Ferne— Es nähert sich eine Mannsgestalt— Sie schreitet hastig durch den Garten— Wohin sie geht, waL sie will. Müssen wir lauschend zuvor erwarte». Bückt Euch Fraulein, hallet Euch still. Zweyte Scene. Antonio(in einen Mantel verhüllt. Ein Page trägt ihm eine Fackel vor.) ANt 0 IIi o. Klopf an die Pforte.(Während der Page an die Pforte des PaUastes klopft, spricht Antonio für sich:) Fast hatte der Vicekönig uns überrascht.—Spat am Abend hat er unvermuthet diese Gränze erreicht, und sein Zelt im Walde aufgeschlagen— (Zn dem Pagen.) Klopfe starker.(Für sich.) Warum ist er nicht in Toledo eingezogen? Warum wählt er unter freyem Himmel einen Ruheplatz, der von den Mauern dieses Kerkers kaum tausend Schritt entfernt ist?(Zu dem Pagen.) Will denn niemand hören? Page. Man kömmt. Antonio. So geh, der Tacket bedarf ich weiter nicht. (Page a!>. Ein LUduixer öffnet die Pforte.) 11 /j"""» A nLonio. Schläft Don Zapata? Bedienter. Seine Eminenz schlafen. Antoni o. Man weck ihn auf, ich muß ihn unverzüglich sprechen.(Er geht hinein, die Thür wird verschlossen-- Dritte Seen«. Lasarilla. Cölestinr. La sari lla. Habt Ihr gehört? Cölestine. Wohl hab ich es. Es wird Lärm im Hause werden. Lasarilla. So eilt— faßt ein Herz— herunter zu mir. C ölest ine. Halte mich fest.(Sie schwingt sich mit Lasarilla- Hülfe auf den Vaum.) Lasarilla. Setzt Euren Fuß nur immer wo der meinige stand.— So— und so— vortrefflich— jetzt nur noch ein kleiner Sprung—- willkommen auf dem sichern Boden. Cölestine. Bin ich wirklich frey? Lasarill a. Die Schwalbe in der Luft ist nicht freyer. Doch wer wird nun den Kopf mir leihn? Denn guter Rath ist wahrlich theuer— Fort mußt Ihr— schnell— und zwar allein. Cölestine. Wie? Du wolltest mich verlassen? L a s a r i l l a. Ich muß. Cölestine. Versprachst du nicht mir einen sichern Ort anzuweisen. Lasarilla. Ja ich versprach etwas dergleichen. Ehe Antonio mir verrieth— Nun darf ich nicht von der Stelle weichen, Ihr wißt nicht Fraulein, was hier geschieht— Die wenigen Worte, die ich vernommen— Man brütet über einen Plan— Der Augenblick ist vielleicht gekommen. Wo ich viel Böses verhürhen kann. n6 Colestine. Aber mein Gott, was soll denn aus mir werdend zurück kann ich nicht mehr. Lasarilla. Und sollt auch nicht. Mit beflügelte« Füßen Kehr ich in wenig Minuten zurück. Wenn ich zuvor Euch angewiesen Den geraden Weg zu Eurem Glück. Colestin e. Geschwind! Welchen? Lasarilla. Der Vicekönig nahet— gehst, Macht den Zufall Euch zu Nutz; Eilt zu seinen Füßen, flehet Ihn»m seinen macht'gen Schutz. Cölestine. Ich zum Vicekönig? Wo nahm ich den Muth Herd L a s a r i l l a. Was gilts, ich lose die Frage? Ihr scheuet den Mann nicht mehr. So bald ich im engsten Vertrauen Euch sage: Wie wenn er Francesco's Vater war? C ö l e st i» e. Der Vater meines Geliebten? Lasari! la. So ists. Colestine. O dann hab ich Much ihm unter die Augen zu treten. Aber wo ist Franrescol Warum soll er nicht zu seinem Vater mich begleiten? Lasarilla. Weil ich vielleicht in der nächsten Stunde Zu wichtigen Dingen seiner bedarf; Well ihn, die Psllchc mir der isted im Bunde, Die schönste Gelegenheit zuwarf. Diese wie jene zu bewahren; So kann er gewinnen was er verlor. Schnell muß er das erfahren, Schnell bereit ich ihn vor. Kostbar sind d»e Mumien, Fraget werter nicht, Werft Euch m die Fl,theil Mit kühner Zuversia.'t. Colestine. Ich will All.ö thun was du begehrst. Lasari! la. Seht Ihr den Pfad'ich fehln,^elnst Das ist der Weg in den Wald, ii8 Flieht im Gelette von guten Engeln! Bald sehen wir uns wieder, bald! (Beyde as.) Vierte Scene. Don Zapata und Antonio (treten aus dem Pallast. Hinter ihnen Bediente mit Fackeln.) G r o ß- I ii q uisi to r (zu den Bedienten.) Geht zurück.(Zu Antonio.) Wir bedürfen hier keiner andern Fackel, als meiner Vernunft. Wie? A n,k onio. Deine Eminenz wolle sts leuchten lassen. Groß- Inq ui sitor. Sie soll dir angezündet werden.(Er wischt sich den Schwe.sj von der Stirn.) Du hast mit deiner Nachricht mir so warm gemacht, daß es Noch that, unter den Bäumen mich zu erfrischen.— Der Feind so nahe— gleichsam auf meinem Grund und Boden— sprich, wie kam es dir zu Ohren? Antonio. Der Zufall wollte, daß ich ziemlich spat mit meinem alten Fabio zu sprechen begehrte. Er war nirgend zu finden, seine Kammer ausgeleert. Das fiel mir auf. Ich erschrack. Der Alte weiß so manches. Recht hab' ich ohnehin ihm nie getraut. Man wollte ihn als Mönch verkappt gesehen haben. Ich sandte Bothen aus, aufHeer- straßen und Fußpfad«, nach alle» vier Winden; fic suchten ihn vergebens. Doch einer fand was er nicht gesucht: im nahen Walde ein großes Ge» trimme!; Wiehern der Rosse, verworrenes Rufen, Fackelschein lockten lhn naher. Eine zahlreiche Dienerschaft des Vicekönigs war beschäftigt ein Lager aufzuschlagen, in dessen Mitte em kostbares Zelt für ihren Herrn stand. Man erwartete seine Ankunft jeden Augenblick. 6- rvfi Inguisitor. Was will er? warum kommt er wie ei» Dieb in der Nacht? Antonio. Mein Both« konnte weiter nichts erlauschen. Gr oß- I n g ui sit or. Er soll unS wach finden. Mein Sohn, wir gleichen deu fünf klugen Jungfrauen; es brennt Ohl in unsern Lampen. l2o Antonio. Wenn nnrseln ielötzlcchrö Ersch einen das Glück nicht stört, weiches Morgen mein« Wünsch« krönen soll. G r° s;- I n q lr i s i t o c. Ruchloser Mensch! rerbanne die weltliche» Gebauten, bis die Rache Gottes an jenem Sünder vollstreckt ist. Autoni o. Ach! Grosi- Inc, uisitor. Man enthalte sich veiicebler Seufzer, nu» rufe vielmryr Ach und Weh über den Vrcetöntgl Wcr ninsi-n ecl g trsnuue Werkzeuge suchen, st M,scheinbarer,>e besser. Senker Zweifel i>t Doiina Lordnla in sinem Gefolge. Wies 2" solcher N-He wrro es lc.cht seyn, durch irgend ein Geschöpf aus dem Pöbel, dessen Hm- u»d ^erschleichen k-i»es Dieners Aufmerksamkeit erregt, dieser iiiemer Vertraute ein Päckchen"N- znhan.igen, er» kostbares Päckchen. A nkon> o. Ich errathe dessen Inhalt. G r o ß- I n q rr i s i t s r. Er ist von den, frommen Apsch kec der heiligen I-chutsmon, ernem kunstreichen Mann-e mir 12 l mit großer Sorgfalt z-.ibereir.-k worden. O mScht« Donna Goroula es nur früh genug empf.-:.,e„, inn Mo möglich noch diesen Morgen des V-ee- kön.gs Frühstück damit zu würzen. Anrour o. AlleS schlaft/ wo finden wie jetzt einen un->. verdächtigen Bothen? - Groß- Inquisitor. Darüber sinn' ich nach. Der Himmel wird mich erleuchte» wie gewöhnlich.(Man hört in der kerne Lasaeilla» Stimme und einige Töne von ihrem Tambour!».) Ha! sieh da/ das schlaue Z'geuner- mägdleui treibt sich schon wachend in meinen Gärten umher. o ß- I n q u i s i t o r. Kurzsichtiger! Eben dieser ungeheure Abstand zwischen dem Gros,- Inquisitor und einem Zigeunerkinde verscheucht jeden Verdacht. Wie? Antonio. Aber das Päckchen? Wenn es in fremde Hände fiele? Groß-Jnquisitor. Wenn auch. Das Pulver har keine Zunge, llnd wird ein einziges meiner Worte nicht jede Aussage einer solchen Creanrr vernichten? DaS eben, mein Sohn, ist die fromme Kunst, die mich der Himmel gelehrt: nicht kostbar sey das Werkzeug, auf dast im Nothfall man zu ,eder Stundr es von sich schleudern könne, und niemand frage, wo ists geblieben? F 2 124 Lasarilla sjuriickksmmend.)^ Den Brief habt ihr vergessen? G r o ß- 2» q u i s i t o r. Eh bedarf keines Briefes. Lasarilla. Wie aber'/ wenn die vornehme Dame Mich eine Betrügerinn nennt?. Schützt mich Euer blosser Nahme? Gebt mir etwas, woran sie mich erkennt. Gro ß- Inquisito r. Auch das möchte überflüssig scheinen.— Doch es sey. Nimm Liesen köstlichen Rosenkranz. Lasarilla. Köstlich? Ihr scherzt. Groß- I n g u i sitor (mit tiefster Verachtung.) Mit dir? Lasa ri ll a. Ist er doch nur von gemeinen Kirschkernen. G ro ss- I i, u isi t o r. Geh! Donna Cordula wird dieß klnterpfand erkennen.. Lasarilla. Ich verstehe.(Sie lauft fort.) i?5 G r o ß- I n g n i si t or tvornol'M lächelnd.) Du verstehst mir Nichten. cr-ise zu Antonio.) Wir speisten die Kirschen einst m>t einan-el ,n einer traulichen Stunde, die nicht frey von menschlicher iL)ch vochheir war. Um diese abzubüßen, reihten mir dieKerne auf eineSchnur von lhreln Haar, und ließ.-,! zu Loretto in der Schüssel der heilig,-,, Inngs,au sie zum Rosenkranz weihen. hasarilla'kommt zurück.) G r o ß- I n!> u i s i t o r. Nun bist du schon wieder da? Lüsarilla. Nicht diese zornigen Mienen, Nur noch einen Augenblick'. Der Eifer Euch zu dienen ^rieb mich so schnell zurück. Drum verzeiht mir in Gnaden, Wenn ich einen Fehler beging. ^)ch habe.einen Kameraden, Ein verwegner Bursch und stink, Nicht eben bloß im Hühnerstehlen, Er verbindet Kraft mit Nst; ^'ch kann ihn mit guten! Gewissen empfehlen, Wo ein Bravo nöthig ist. Groß-Jnquisitor (jtt Anlonis) Spürst du Gottes Fingers Kommt nicht dieser Vorschlag wie gerufen?(3« rasanllen.) Fuhre deinen Kameraden her zu mir. L a sa r i l l a. Er ist in der Nähe, ich darf nur winken. (Sie ruft.) Lorsillo, eile schnell Herzu'. Hierher, wo günstige Sterne blinken! Lorsillo! wo verweilest du? Sechste Scene. Francesco(als Zizeuner.) Die Vorigen. Francesco. Hier bin ich, warum störst du mich in meiner Lust! Lasar illa. In welcher Lust? Francesco. Lch schund Frosche, und ließ sie geschunden wieder fort hüpfen. Groß-Jnquisitor (zu Antonio.) Der Kerl flößt mir Zutrauen ein. Wie? Lasarilla. Man wird dir ein Geschäft vertrauen. Das sich gut bezahlt. Weil ich dich als einen schlauen Verwegnen Burschen abgemahlt. Francesco. Soll ich den Teufel in die Waden zwicken? Oder seiner Großmutter den letzten Zahn aus- reißen? Nur her damit! Lasarilla(leise zu ihn,.) Bravo! Groß-Jnquisitor (leise zu Antonio.) Jetzt Antonio ists an dir, denn meiner Eminenz will nicht geziemen, diesen frommen Handel persönlich abzuschließen. Antonio. Tritt her zu mir Torflllo. Francesco(thut es.) Sprecht kurz Und deutlich, denn ich erschrecke sor nichts. (Antonio spricht leise Mit ihm.) Gro ß- Inquisitor (zu Lasarillen.) Mein Tochterlein, warum gehst du nicht'! Lasarilla. Ich warte auf meinen Kameraden. G r o fi- I n q u i st t o r. Mir ists unbekannt, wäs mein geliebter Iieffe ihni vertraut. Doch»vas es auch sey, und/wie es deinem blöden Verstände erscheinen möge, es geschieht zu Gottes Ehren. Ww'< Lasarilla. Dann sind wir beyde glücklich. G r o ß- I n q u i s i t o r. §s ist es— Wie alt bist hu, Beara mein Tochterlein? Lasarilla. Ein Jahr ums andre ist verflossen, Ich weiß nicht ihre Kahl; .Ich bin so in die Hohe geschossen, Wie die Lilien un Thal. G r o si- I n q u i si t o r. Du lebst unter einem wilden Geschlecht. Mich dünkt, es sey Zeit, dich von dein rohen Manns' Volk abzusondern. Lasarill a. Warum, ehrwürdiger Herr? """" 1 Groß-Jnquisitor. Die Frage ist mir wohlgefällig, als einZeU chen deiner Unschuld.(Er kneipt sie i» die Backen.) Antonio. Hast du mich verstanden? Francesco. Vollkommen. Antonio. Und bist entschlossen? Francesc o. Pin entschlossen. Antonio. Um welchen Preis? Francesco. O ich will mich schon bezahlt machen. . Antonio. Du forderst nicht? Francesco. Wir rechnen mit einander ab, wenn Allet vorbey ist. Antonio. Du sollst mich groümnthig finden. Francesco. Äber ich brauche einen Dolch. Antonio (gibt ihm den seinigen.) Nimm. Francesco. Und den Segen dieses ehrwürdigen Mannes. Groß-Jnquisitor. Der sey dir gespendet. Francesco. Sammt Absolution. Groß-Jnquisitor. Auf ein ganzes Jahr. Francesco. Vortrefflich. Komm Lasarilla, wir müssen eile». Schon färbt das Morgenroth den glatt geschliffenen Dolch. Sieht er nicht schon blutig aus? Lasarilla. Eh die Sonne wird den Thau verzehren, Sind wir längst im Wald. Dann sollt Ihr von uns hören, Bald! bald! (Beyde F,) Siebente Scene. Don Zapata und Antonio. G r ofi- In q uisito r. Gott sey gelobt! es geht nach Wunsch. Auto ir i o. Doch kann ich deiner Eminenz nicht bergen, baß der Kerl mir fast verdächtig schien. Groß- Inquifitor. Warum? Antonio. Er war so hastig bereitwillig, und doch so unbekümmert um Belohnung. Groß-Jnquisitor. Er will deine Kundschaft verdienen. Antonio. Wenn das Gesinde! unS verriethe— Groß-Jnquisitor. So geschehe cS nur zu dessen eigenem Verderben. Antonio. Und wird'eS nicht künftig, vertraut mit "uem solche« Geheimniß, unverschämte Förde» ^ugen, wohl gar Drohungen sich erlauben? »52""" Groß-Inquisitor. Das sey meine Sorge, wie? Die ausgepreßte Citrone muß man nicht wegwerfen, wie das Sprichwort fälschlich andeutet, sondern zertreten. Jetzt mache dich bereit, mir in den Wald zu folgen. Antonio. Was sollen wir dorr? Grosi- 2 nquisitsr. Dem Vicekönig unsern Hof machen, gleich andern Großen des Reichs, damit un>ere Abwesenheit nicht Verdacht erwecke. Ich gehe u> mein Kämmerlein, nicht um zu ruhen, denn die Ruhe dem Himmel zu opfern ist mein Beruß sondern um aus meinem Antlitz jede Falte zu verwischen, damit es glatt und freundlich vor dem Todfeind erscheinen möge. Man thue ein gleiches, und übe sich auf eine fromme Weise in der löblichen Kunst.(Ab.) Achte Scene. Antonio allein. Er bleibt doch immer ein gefährliches Wagestück. Mir ist nicht wohl dabey zu Muthe— ich ,A5 fühle eine Beklommenheit— in den Mauern meines Pallastes ertrag ich die düstre Stille nicht — lieber will rch Cölestincns Vater hierin freyer huft erwarten—(Er wirkt sich auf die MooSbank.) Wenn auch nur dann und mann ein Vogel zwitschert, so bin ich doch nicht ganz allem.(Dar Thurmftnstcr öffnet sich, man härt einen tiefen Seufjcr.) Antonio. Ha war war das! A l w a r e s (erscheint am Guter.) Wiederum ein Athemzug ist mir vergönnt. Antonio(schaudernd.) Ist dar meines Vaters Stimme? A lwa re r. Euch ihr Sterne, will ichs klagen, mein Sohn ist mein Mörder! A ntonio(springt auf.) Barmherziger Gott!(Er horch« bebend.) Alwares. Hort' ich nicht ein Geräusch?—Es rasselten die Zweige, als ob ein fliehendes Gewissen sie bewegte. Antonio! Antonio! so wird auch dein Gewissen dich treiben, wenn des Vaters Fluch dich ereilt. Antoni o. Weh mir!(Er faßt den Kopf mir seyd«» Händen nni nichts mehr zu höre«, und stürzt fort.) A l w a r e S. Die kühle Morgenluft weht mich«rqujf- «kend an. Gawakko(inwknUZ.) He! Wo seyd Ihr? A! w ares. Ach! Mein Peiniger hat mich schon vermißt, Gamakko. Wieder am Gitter? Alware S. Mich lockte das Moraenlied der Lerche. G a w a k k o. Für Euch singen die Nachreulen im Thurme. Zurück aus Euer Stroh!(Er verschließt v«s Gitter.) Neunte Scene. Lasarilla und Francesco. Francesco. Warum zögerst du noch? Dieser Dolch für meines Vaters Brust geschliffen, ist in meiner »55 Hand, in der Hand des Sohnes, und noch kennt er der Gefahr nicht, welche ihm droht. Lasarilla. War die Gefahr nicht schon verschwunden. Als man zum Werkzeug dich erwählt? Biel schon haben wir überwunden. Nur noch Eines sehlt. Francesco. Sein Segen, seine Verzeihung. Laß mich fort! Lasarilla. Und Cölestine? Willst du nicht zuvor sie entführe»? Francesco. Erst zu meinem Vater. Lasarilla. Aber Cölestine? Francesco. Hinweg Versuchen»». Lasarilla. Der Augenblick ist günstig. Francesco. Es gilt meines Vaters Leben. Lasarilla. Die Stunde kömmt nicht wieder. iZ6 Francesco. Sie gehört ihm, und sollte mir die nächste Cölestinen auf ewig entreißen! Lasa rilla. So ists recht. Nun darf ich für dich hafreg O es hat sich schon gefügt, Daß den Sturm der Leidenschafcen Eine heilige Pflicht besiegt. Ruhig, ruhig, das Gewitter Ist schon glücklich abgewandr, Einen fanfien Fürbitcer Hab ich dir voraus gesandt. Francesco. Einen Fürbitter? Lasarilla. Frage nicht: du bist geborgen, Geh und genieße dein schönes Glück. Doch theile zuvor meine letzten Sorgen; Kostbar ist dieser Augenblick. Den Ärmen Greis muß ich befreyen. Eh' sind ich weder Ruh noch Rast. Lieber, hast du Gold? Kannst du mir leihen, O so leihe mir was du hast. Francesco. Gern. Lasarilla. Weder Gold»och Worte iviL-ich shone» Dey diesem k tzlichen Versuch. Zwar hob ich selbst noch zwey Dublonen Aber es ist nicht genug. FranceSco. Da, nimm, Alles war ich habe. Lasarilla. Vestrickt mein Itctz den Narren, Co wirfr tief, Gold die Zinsen ob. Jetzt magst tu meiner am Kreuzweg harren, Ich locke den Wächter herab. Francesco. Komm bald, ehe kindliche Angst mich forttreibt. Lasarilla. Du Glücklicher! Ich konnte dich beneiden, Doch jedes neue Gluck, vergiß das nicht, Dringt zugleich für fremde Leiden Eine neue Pflicht. Francesco. Vergiß auch du nicht, daß die Vosewichter in jeder Minute einen zweyten gefährlichern Vorder dingen können.(Ab.) ,56 Zehnte Scene. Lasarilla allem. (Sie wiegt und beschaut das Gold i» ihrer Hand.) Gold, das der Weise nicht verachtet. Wenn es als Mittel zum Zweck erscheint Gold, nach den» der Nnweise trachtet, Weil er in dir den Zweck zu finden vermeint;, Du schnödes Gold, nur dann genossen, Wenn man sich klug von dir befreyk; Komm und werde unverdrossen Aus voller Hand gestreut. (Sie klopft ungestüm an die Thurmpforte.) Gawakks! Gawakko! zu Hülfe! zu Hülfe! Geschwind! geschwind! Ach! Da sitz ich nun mitten im Schilfe, Und schneide kein Rohr, ich armes Kind! Ci l f t e Scene. Gawakko(am Zensier.) Lasarilla-, Gawakko. Was gidts? Was wimmerst du? »3g Lasarilla. Lieber Gawakkos Wunder über Wunder! Dort a«f jenem wüsten Platz— Komm über Hals und Kopf herunter, befunden ist der bewußte Schatz. Gawakko. Das wäre der Teufel!(Er schlägt da» Fenster ju). Lasarilla(horcht.) Er kommt, er kommt.—Hätt ich gesprochen Von Feuer oder Wstssersnotb, Er wäre fein langsam herunter gekrochen; Jetzt läuft er, als flöh er den Tod. Gawakko (kommt heraus, verschlief,««der sorgfältig die Thurme pssrtc.) Da bin ich. Aber Gott gnade dir, wenn du mich vexirst. L a s a r i l l a. Ey behüth». Gawakko. Nun wo ist der Schatz? Lasarilla. Gehoben ist er, gehoben, tlnd wenn du mir auf's Wort nicht traust. So sind hier herrliche blanke Proben^ Die du nstt eignen Augen schaust. I Ho""" Ga>v a k l o. Geld! so wahr ich lebe, prächtiges 6>old! Lasarilla. In großen gewaliigen Kesseln Liegt der Schah und blinkt; Ich wußt ihn glücklich zu entfesseln. Aber nun— ach er versinkt! Schnell versinkt er, wenn dü meine» Drtren Nur eine MinUte widerstehst. Und nicht mit eiligen Schritten Ihn zu hebe» gehst. Gamakko. Warum hast du ihn denn nicht selber gehoben? L a sa r i l l a. Wie gewonnen jo zerronnen! Höre nur, wie es mir erging; Ich hatte A!I?S wohl anSgrsonnen, Und vorbereirsc jedes Ding. Das Hahnen-Ey, die Wünschelruthe, Die Sternen- Schnnpps, den Mondenstein, Die Kiöre gekocht in Schwalbenblute, Ein Sinck von', letzten Nocdschein— G a w a k k o. Hu! welche Teuftls- Polcerkammer! Lasarilla. Alles war nach meinem Ermessen, Wohl bereitet Stück vor Stück; Ach! Nur Eines hatt' ich vergessen. Und dieß Eine vernichtet mein Glück! Gawakko. Nun? was war denn das? La sarill a. Und durch kräftige» Zaubersegen Den Schatz zu hebew, muß man früh Alle M e ta l l e von sich legen. Sonst lsts Verlorne Müh. Dlirb in der Tasche nur ein Messer, Ein Schlüssel oder ein Stück Geld, So verriegeln die Zauberschlösser 2hn aufs neu in dieser Unterwelt, Und erst nach neun,Mahl neun Jahren Wird eine günstige Stunde beschcert. Drum hatt' ich in Allem wohl erfahren, Meine Taschen rein ausgeleert, Aber am Halse blieb wir hangen. Dieser güldene Talisman Und ach! Die Geister, die gestrengen, Sahen mich zornig an! Kaum, harr' ich meine Hände lüstern Nach diesem Golde ausgestreckt, e',s Als plötzlich einer Flamme Knistern Mich zurück geschreckt. G a>v a k k o. Und weg war der Smatz? L a s a r i l l a. Noch steht er da, noch immer bewachen Ihn gute Geister unversehrt. O eile, eile, ehe die Drachen Vom Cancasus zurückgekehrt. Gawakko ikrqtzt sich im Kopf.) Ich möchte wohl— wo steht er denn? Lasarilla. In den Ruinen der allen maurischen Burg. G a w a k k o. Hu! da spuckrs. L a sa r i l la. Es wird ja schon Tag. G a w a k k o» Begleitest du mich? Lasarrlla. Ich darf nicht. Gawakko (uücntschioffen.) Den Schatz hatt' tch wohl gern— So eile. LasarilIa. Gawakko. Was muß ich denn thun? L a j a r i l l a. Pflück eine Hand voll blüheuder Nesseln, Wickle dieses Gold darein, Nähere dich beherzt den Kesseln, Wirf es mir den Worten hinein: Was Euch gebührt, ihr Geister, nehmt zurück! Von Eurer Gunst allein erwart ich neues Glück. Dann wird der Kessel sich heben. Das Gold wird sich beleben, Und aus dem Kessel qulllcn, lind deine Taschen füllen Ohne dein Bemühn, Dich fast zu Boden stehn, Bis an der geliebten stast Du genug zu kragen hast; Fröhlich wirst du heimwärts eilen. Und— mit mir checken. G awakko (dem der Mnnd roll Waffer liixft.) Das wird sich finden,— Einen Gang daran zu wagen, verlohnt die Müh. Werd' ich die Drache» in der Luft gewahr, so kehr' rch schnell wieder um.(Will gehn.) L a s a r i l l a. Hast du auch keine Metalle bey dir? Gawakko. Blitz und Hagel! das hätt' ich fast vergessen, (ör durchsucht sein- Taschen.) Hier ist nie:» Brotmesser— ein Brummeisen— und fünf Mara- vrdiS— daS srgr rch alles mit einander untek diesen Baum. Stiehl mir aber nrchrs davon. (Will gehn) L a sa r il l a. Halt guter Freund! dre Schlüssel hast d» vergessen. Gawakko(stutzt.) Die Schlüssel? Muß ich dre auch ablege»? Lasarilla. Sind sie von Holz? Gawakko. Ne, sie sind von Eisen. Aber die Schlüssel-- Lasarilla. Ach lieber Gort! nun ist schon wieder eint/ Minute verstrichen. G a-> Gamakko (den Kopf wiegend.) Die Schlüssel— Lasarilla. Das schone Gold! das herrliche Gold! Gawakko. Aber die Schlüssel— Lasarilla. Man könnte alle Weinberge in ganz Spanien dafür kaufen. Gamakko (durch diesen letzten Grund besiegt.) Nnn da liegen sie, aber wenn du sie anrührst, so wirst du verbrannt.(Ab) Lasarilla. Darauf will ichs wagen.(Sie ergreift««sch die Schlüssel, öffnet die Pforte, und geht hinein.) Zwölfte Scene. Alwaresam Gitter. Früh hat mein böser Wächter mich verlassen. Herein du frische Morgenluft! ströme schnell herein, ehe mein Henker auch Leine Erguickung Kotzobue'ö Theater 84. V». G LHO nur zu rauben kommt Ach! Da raffeln die Schlüssel schon wieder an der Pforte meines Kerkers! Lasarilla(inwendig.) Geschwind! folgt mir! Alware s. Was seh ich! durch welches Wunder— Lasarilla. Fragt nicht. Herab! herab! Alle Thüren stehen offen. Alwares. Ist es ein Traum's(Er verschwindet..) Barbara (erscheint auf dem Balkon.) Fräulein! Wo seyd Ihr?— Auch hier ist sie nicht. Was. soll ich davon denken?(Sie geh' wieder hinein.) Lasarilla (führt AlwarcS au).dem Thurm.) Folgt mir so schnell als eure Ketten es»eu. statten. A l w a r e s. Bist du ein. Engel? Lasarilla. Nur ein Kind, das Euch liebt und ehrt. Alwares. Wie konnt es dir gelingen? La sa r il la. Fort! Wir haben keinen Augenblick zu verlieren. Abwar es. Wohin führst du mich? Lasarilla. Zum Mcekonig- Alware s. Zu meinem Freunde? Läsarilla. Er jagt im nahen Walde. Akwares. Gott! wie geschieht mir! sBevd« ab.) Dreyzehnte Scene. Gawakko allein. (Tritt auf.) Die Zigeuner-Hexe halt mich zum Narren, oder es haben die Drachen schon wieder den Schah in die Holle geschleppt. Immerhin, ich dchalke wenigstens die Hand voll Gold.— He ' G 2 -aHexentochter! Wo bist du geblieben?-Fort über alle Berge!— Hat sie mich bestohlen?(Er ruckt unttl den Baut».) Nein da liegt noch Alles, (Er rafft es zusammen.) Die Maravedis Eins, Zwey, Drey, Vier, Fünf, richtig! Nun geh ich flugs in meinen Thurm, und zähle das Gold und überschlage, wie viele Tonnen Wein ich dafür kaufen kann.(Er sucht dieSchlüffel in der Tasche.) Wo hab ich denn die Schlüssel?(Besinnt sich.) GottS Blitz!(Sieht unter den Baum.) Fort!(Wendet sieh nach der Thür) Offen!— Alle Hagel!(SM- hinein.) Vierzehnte Scene- Barbara allein. (Wankt aui dem Patlast.) Nun ist es aus mit mir! Nun bin ich todl! — Sie ist fort! Sie ist davon gelaufen! 2" allen Berten hab ich sie gesucht, hmter alle» Tapeten, alle Schachteln hab ich aufgemacht/ nirgends ist sie zu finden! Soll ich schreyen?-" Ach ich schrie für mein Leben gern, aber da- ganze Haus lauft zusammen. Soll ich bethe»- t Heilige Ursula! heilige Brigitta! heilige Baris bara! und ihr eilftausend Jungfrauen!— Ich j. bin doch auch vor /so Jahren eine respectable z, Jungfrau gewesen, erbarmt Euch meiner! Seht ch meine Thränen! Ich will goldene Thränen malt, chen lassen, ein Pfund schwer, und Wachskerzen a- von 10 Pfund, die will ich opfern, und dabey e.) singen mit Heller Stimme, bis mir die Seele aussähet. Ach ich habe schon keine Seele mehr! sich Ich bin nur noch ein zerknirschtes Gebein— ein ahi Jammerbild—> ein Jnsect auf eine Nadel gespießt— ich zapple nur noch— ich sterbe. Fünfzehnte Scene. Barbara. Gawakko. odii Gawakko A(stürht verzweifelnd anj dem Thurme.) >!IeN Hülfe! Hiilfe!(Er rennt blindlings Barbara über acht, den Hanfs».) Da ist er! Halt fest!(Er packt Bar, bara.)— Verdammtes Gaukelspiel! Es ist mein das altes Weib. Geh zum Teufel! Schaff mir ihn he»! wieder! Ich erdroßle dich.(Er schüttelt sie.) i5a Barbara. Laß mich los! Ich schreye Zeder Mordes'. (Er laßt sie los.) Was kommt dir an? Bist du rasend. G a w ä k k o. Meinen Ketzer schaff mir wieder! Mein Ketzer ist davon gelaufen. Barbara. So hat er auch sicher mein Fraulein gestoh. len, mein Fraulein ist fort! G a w a k k o. Heiliger Franz von Assißi! Heiliger Jacob von Compostella! erbarmt Euch meiner! Ich will zu Euch wallfahrten— ich will an Fasttagen hungern bis zum Frühstück, und dursten bi? zu Mittag— Barbara(weinend.) Ach! Das ist die Strafe meiner Sünden/ daß ich mit einem solchen Tölpel mich vermählt habe. Gawakko(weinend.) Ach jetzt muß ich dafür büßen, daß ich ein so ledernes Gecrppe zum Werbe genommen. Barbara. Du Weinschlauch'. ,5l ,Gawakk o. Du welke Pomeranze! Barbara. Ich hab dich so zärtlich geliebt— Gawakko. Ich habe dich auf den Händen getragen. Barbar a. Wenn mir Gott nur noch die Gnade thäte/ dich am Galgen zu erblicken.« G a wakk o. Wenn ich nur noch die Freude erlebte, dich auf einem hölzernen Lsel reiten zu sehn. Barba r a. Du hohler Kürbis! Gawakk o. Du dürre Fasrnacht! Barbara. Ware ich nur nicht so matt, ich kratzte dir die Augen aus. G a w a k k o. Hättest du nur noch Zahne, ich schlüge sie dir ein. Barbara. Du leckes Weinsaß! G a wakko. Du Satans- Schleppenträger! l52 Barbara. Du Schwamm! Du Kahlkopf! Du Hollen-Rattenfänger! Gawakko. Im Schimpfen komm ich nicht gegen sie auf. Barbara. Du Farrenkraut. Du Wiedehopf!- Du Abschnitzel von ei«er Teufelsklaue! Gawakko. Wirst du schweigen? Barbara. Nein ich will nicht. Gawakko. Schweig, oder— Barbar a. Ich will aber nicht schweigen. Gawakko. Ich nahe dir den Mund zu. Bard ara. Ich schreye durch die Ohren. Gawakko (nach einer Pause.) Höre Barbara. Barbara. Was willst du Gawakko? .»53 Gawakko. Du siehst, ich bin gelassen. Barbara. Ich auch. Gawakko. Ich könnte dir unhöfliche Dinge sagen.' Barbara. Ich auch. G awakko. Aber ich thu es nicht. Barbara. Ich auch nicht. Gawakko. Was kommt dab y heraus? Barbara. Nichts. G a w akko. Mein Ketzer ist fort. Barbar a. Mein Fraulein auch. Gawakko(wehmüthig) Man wird deinen keuschen Rücken entblößen, und mit Ruthen ihm beschwerlich fallen.' Barbara(sdc» so.) Man wird deinen Hals mit einem Strick A genaue Bekanntschaft bringen. Gawakko. Wenn über unsere alle Zärtlichkeit erwacht— Barbar a. Ach, sie schlaft verzweifelt fest. Gawakko. Ich will sie rütteln und schütteln. Wenn d» mich wieder so freundlich anschieltest, wie vor dreyßig Jahren— Barbar a. Schelm, was wäre dann? G a w a k k o. So packten wir mit einander auf, und mach-? ten uns aus dem Staube. Barbara. Mit leeren Handen? ,,' Gawakko. Ließ dein Fräulein nichts zurück? Barbar a. ! Ihre Diamanten. Gawakko. Die hohle geschwind. Wir suchen in der Ferne l em anmuthiges Planchen, wir bauen eine freundliche Hütte, und lieben uns bis in den Tod! Barbara. Du Schelm, hast du denn aUes versoffen! i55 Gawakk o. nichddN/ lieh her.(Zeigt ihr die Gsidsiiieke.) Barbar a. Das erweicht mein Herz. Gawakk o. So schlag ein, holde Barbara. Barbar a. Darf ich dir krauen? Gawakko. Der Galgen ist mein Bürge. Barbara. Wohlan ich suche eilig den Schmuck zusammen. Gawakk o. Ich helfe dir suchen. Im Thurm ist ohnehin lüchts mehr zu hohlen als Eulen- Nester. Barbara. So komm in meine Arme! Gawakko (umarmt sie mit einem sauren abgewandten Gesicht.) Ach es geht doch nichts über das Glück der Liebe! (Beyde gehen Arm in An« in den Pallast.) (Der Verhäng fallt.) rS6 Vterte p Act. c sm,6 Vicekönig. öffentliche Hinrichtungen kann ich bisweilen hindern, und hab' es getban, der Priester Rache trotzend. Was oder die^lyäne in ihre finstern Höhlen schleppt, das zieht keine weltliche Macht ans lstcht. Fabio. Mein armer Herr! V ice k o n ig. Ich kenne den Heuchler Zapata, ich kenne seine Missethaten. Die Religion ist sein Mantel, das Volk sein Schutz, der Papst sein Richter. F a b i o. Ach gnädigster Herr! verzeiht einem alten Manne die kühne Rede: in ienen Tagen, als Ihr noch mit meinem guten Herrn auf Abenteuer zogt, da besannt Ihr Euch nicht lange, wenn gequälte Unschuld um Rettung seufzte. Blindlings zogt Ihr das Schwert, empfahlt Euch Gott und Eurer Dame, und sporntet Euer Roß.^ Vicekonig. Andre Zeiten, andre Pflichten. Auch magst du Recht haben, Fabio, ich bu, nicht mehr, der ich damahls war. Alter und Kummer haben meine lög Seele gebeugt,(ßr rciri-htct Fabio wchmükbig.) Die guten Stunden gehn au mir vorüber, wenn ich in dein wohlbek mntes Anckch schaue. Ich gedenke deiner Treue— das Herz gehe nur auf. AchFab-.o! Alter und Kummer, saft'ich?—- nein, ich will den ehrlichen Knappen nicht beirü- gcn, der einst mich schwer Verwundeten auf seine» Schultern von der Wahlstart trug. Das G ewisse n drückt mich zu Boden. F ab io. Euch? den jeder biedre Spanier als einen Schlitzgott verehrt. Vicekön i g. Deines Herrn Sohn ist ein Bösewicht; der Vater leidet vorwurfsfrei). 24 aber harte einen guten Sohn— ich.ftlbS hab'chn hinausgestoßen in die fremde Welt—-in Opfer meiner thörichten Leidenschaft für eine Verworfene, die mich schändlich hinterging, mit meinem Todfeind über meinem Verderben brütete. Du hast gehört von dieser Donna Cordula? Gestern erst wurde sir ganz entlarvt, der Rache der Gerechtigkeit überliefert. Die Decke siel mir von den Augen— aber ach! zu spat!— Meine ganze Macht habe ich aufgebothen, um den Verlornen Sohn Zurück an mein gequältes Herz zu rufen— vergebens? 16g nirgends ist er zu finden; ach hatt' er nach meinem Leben getrachtet, so könnt' ich ihn vergessen — Nun verfolgt sein bleiches Bild mich überall und kein Jagdgetös betäubt mein Genüssen! F a b i o. Weh mir! ich suchte Hülfe für einen ar men Mann bey einem Ärmer»! Vicekönig. Mein guter Fabio, der Jammer nagt am schärfsten, der durch äußern Glanz fremdes Mit- leio verscheucht, Ein Page(«ritt ein.) Ein junges Frauenzimmer athemlos und schüchtern bittet ängstlich um Gehör. Vicekönig. Ich höre Jeden.(Der Page winkt.) Dritte Scene. Cölestine. Die Vorigen. C ö l e st i n e. Seyd Ihr der Vicekönig? Vicekönig. Ich hin«s. Tritt näher. i6i Cölestine. Ja Ihr seyd es. Ich hab' Euch nie zuvor gesehn, aber ich erkenne Eure Züge.(zu feinen Kiißen) Gewahrt mir Euer» Schutz. Fabio(bey Seiko) Himmel! Cölestine! Vicekönig. Steh auf meine Tochter. Wenn du Schutz bedarfst und verdienst, so sei) er dir gern ge« wahrt. Rede. Cölestine. Man will mich zwingen ein verhaßtes Band zu knüpfen— Vicekönig. Wer? Cölest ine. Mein Oheim. V i c e k ö n i g. Wer ist dein Oheim? Wer bist du? Cölestine. Ich heiße Cölestine, und bin deS GrosüJn- Plisitors Nichte. V i c e k ö n i g. Ha!— Wie Fraulein? Ihr kommt zumir? Cölestine. Zu Euch, den ich schon in meinem fernen 162 Thals als den Retter jedes Unterdrückten preisen hörte. Vicekön i g. Wer hat Euch zu mir gewiesen? C ö l e st i n e. Ein Kind. Euer Ruf ist auch Kindern nicht fremd geblieben. Ntcekönig. Weiß Euer Vater um diesen Schritt? E ö l e st i n e. Ich habe keinen Vater. Vicekön>g. Euer Oheim wolle' ich sagen. Cölestine. Ihm bin ich entflohn. Vicekönig. So habt Ihr Pflicht und Sittsamkeit verletzt. C ö l e st i n e. Sittsamkeit? ich komme ja allein, ich komme zu E u ch. Pflicht? ich erfülle enie Pflicht, indem ich Euer» Schutz begehre. Vicekön ig. Erklärt Euch deutlicher, mein Fraulein. Eölestine. Ihr nanntet erst michTochter, jetzt nennt , 63 Ihr mich Fräulein. Wollt Ihr Muth zu sprechen mir einflößen/ so g'bt mir den Lochternah- men wieder. Vieekön i g. Ich wurde mich glücklich preisen/ durft'ich einer so holden Tochter mich erfreun. Cölest> ne. Ja? seyd Ihr mir gewogen? o nun hak' ich Muth! Vieekönig. Doch um so tiefer fühl ich auch denSchmerz des Vaters, dem eine solche Tochter entfliehen kennte. Cö lest in e. Ihr würdet nimmer, wie mein Oheim, mich dem Geliebten entreißen, um einem fremden, kalten Manne mich in die Arme zu schleudern. Vic ekönig. Mir ist zu Ohren gekommen, daß Don Antonio Alwares um Eure Hand geworren. Ein schöner reicher Jüngling! L öle st> n e. Schön? das weiß ich nicht. Reich? wat l kümmert mich das-? rb4 Vicekö nig. Warum verschmäht Ihr seine Liebe? Cölest ine. Weil ich sie nicht erwiedern kann. Vicekönig. Euer Herz gehört schon einem Andern? Cölestine. Mein ganzes Herz. Vicekönig. Vielleicht einem Unwürdigen? Cölestine. Dem Würdigsten! Vicekönig. Wer ist er? Cvlest ine. Euer Sohn. Vicekönig k laut aufschreyeud). Mein Sohn! er lebt? Francesco!? C öle st ine. Ja so heißt er. - Vicekönig. Um GotteSwille», sprecht, was wißt 2^ von ihm? Cö le st-i n e. Ich weiß, daß er mich liebt. i65 Vice kö nig. Wo ist er? wo? Cölestine. Ich sah ihn noch gestern Abend. Vicekönig. Mir so nahe? in welcher Gestalt? unter welchemNahmen? warumverbirgt er sich vor mir? C ölest i»e. Thut er dar? Vicekönig. Wie? er hätte Euch nicht vertraut? Cölest ine. Ich weiß nur, daß er mich liebt. Vicekönig. Wo find ich ihn? Cölest ine. Sein Aufenthalt ist mir unbewußt, aber fliehen wird Francesco seinen guten Vater nicht. Hat er gleich nie Euren Nahmen vor mir ausgesprochen, so hat er doch mit warmer Liebe Eure Tugenden mir oft geschildert. Vicekönig. Hat er dar? Colestin e. Sein sanfte- Auge blitzte, wenn er von Euch sprach. r66 Vicekönig. Hat er keine Klage über mich laut ive-rden lassen? Colestine. Keine. Nur wenn rch ihn biSweileii bath, er sollte mich zu seinem Vater führen, dann wurde sei» Äuge trübe, er schüttelte das Haupt und sagte wehmüthig: noch darf ich nicht! Vicekönig., Armer Francesco!. C o l est i n e. Aber nicht wahr, das hätte er wohl ge- drtrft? Weiß Gott welche Grille ihn bisweilen' so tief betrübte. Euer ehrwürdiges frommes Antlitz, wer konnte es scheuen?— Nun ich diese Thräne in Eurem Auge sehe, nun ist alle meine Furcht verschwunden. Ich soll mich nicht zu Euren Füßen werfen? aber Eure Hand darf ich doch umklammern? an mein pochendes Herz drücken und Euch mit heißen Thränen bitten, schützt Eure Tochter! Vicekönig. Meine Tochter! gib mir meinen Sohn zurück. C ö l e st i o e. Seyd unbesorgt, er ist picht fern, er wird mich suchen, o gewiß er kommt noch heute! Vicekönig. Wie ist mir geschehn?— Fabio, wie seltsam prüfe mich das Schicksal. Die Tochter meines Feindes— von meinem Sohne geliebt— meinen Schutz heischend— Fabio. Möge ein guter Engel diesen Knoten lösen. Eures Schutzes ist sie würdig. C ö lest i n e. Ihr seyd so ernst geworden— verstoßt mich nicht. Vicek» nig. Sey ruhig Kind. Dir hast mir ein neues Leben gebracht. Was Pflicht und Ehre gestatten, werd' ich für dich thun. Page. Der Groß- Inquisitor und Don Antonio Alwares. C ö I e st i n e. Gott! mein Oheim! mem Verfolger! F a bis. Schützt nun auch mich, gnädigster Herr! Vrc-könig. Tritt mit dem Fräulein hinter dresenVorhang. Cölestine. Seine Stimme wird mich todten! (Sie folgt Fadio in die HintereAbthcilungdcL Zeltes,) Vicekönig(zu dem Pagen,) Führ sie herein. Vierte Scene. Der Gr o ß-I n q u isi t o r.?lntonio. Der Vicekönig. Grosi-Znguifitor. Heil dem würdigen Stellvertreter unsers Monarchen! er empfange den apostolischen gen! Vice k'ö n i g. Der seine Kraft an mir beweisen möge/ wenn auch nur Hand und Lippe ihn ertheile». G r o ß- I nq u i s i t o r. Weg Hand! weg Lippe! thue dich auf mein Herz!(Er umarmt den Vicekönig) Iü freylich hupst das Herz in meiner Brust, so oft ich den Ruhm Eurer Gerechtigkeit und Weisheit verkünden höre. Seyd willkommen in den Gränzen meines erz- hischöflichen Gebiets! Ich will mcht^fragen/ marin» » 160 Ihr so heimlich zu uns hergezogen. Wie? — ich will denken, derFreund hat dein freunde eine frohe Überraschung zubereitet. Wie?— Vicekonig cb-y Seite) Verdammter Höuchler!(la-.il) EureEmincnz kennt meine Gewohnheit: Ein Regent, der in ferne» Provinzen Mißbrauche belauschen will, darf seine Ankunft nicht vorher verkündigen. Groß- I nquisrtor. Ich stelle Euch hier Don Antonio Alwa- res den künftigen Gemahl meiner Nichte vor. Vicekoni g. Wo ist Eure Nichte? G r o ß- I n q u i s i t o r. Sie wurde fern von der argen Welt sittsam erzogen; jetzt befindet sie sich auf meinem nahe» Landhaus. Vicekonig(bey Seite) Er weiß noch Nicht— /zu Antonio) Ich heiße ssuch willkommen, Don Antonio. Ihr habt «inen braven Vater, er ist mein Jugendfreund. A ntonio. So darf ich hoffen, das; Eure Hoheit den ^ol>» mir Wohlwollen empfangen werde. Kohelme's Theater 3ch. BL. H Vieekonig. Ist Euer Vater noch inPeru? Antonio(verlsge>;> Ich vermuthe. V i c e k i> n i a Habt Ihr keine Nachricht von ihm? A»tono. Schon lange nicht. Vieekönig. Und wollt Euch vermahlen ohne seines Segen? Gro ß- I n gu isi to r. Die Kirche supplirt i» solchen Fallen. Vicekonig. Es wollte jüngst verlauten, Euer Vater wäre schon seit Jahr und Tag in Spanien. Anto n i o. So?'" Vicekonig. Ein Steuermann/ der selbst die Reise nut ichm gemacht, habe eS ausgesagt. Antoni o. Eh? Vicekon ig, Matrosen? Geschwätz. An t o n i o. Ohne Zweifel. Vice könig. Ihr müßtet doch zuerst davon unterrichtet ftp», i An toiii o. Freylich. . Vicekönig. Ihr würdet sicher bey seiner Ankunft mit offnen Armen ihm entgegen eilen. Anton i o. Ganz gewiß'. Vicekönig. Man erzählt sogar, er schmachte in den Kerkern der Inquisition. Antoni o. Ist es möglich? Vicekonig. Und Ihr selbst harret ihn dahin geliefert. A n toni o. Welch« Verleumdung! Vicekonig. Ich halte den Sohn meines biedern Freundes einer solchen Unthat nicht fähig. Groß- Inq u! si« or. Das Factum ist nur gleichsam eure The- H 2 sis, die etwa mit den Worten auszudrücken wäre: Ketzer ey loset jede Pflicht. W>e? Vicekonig. Über solche Pflichten kann ich mit Eurer Eminenz nicht disputiren. Ich sprach mit diesem jungen Manne blos von seinem Her- j e n. Groß-Jnquisitor. Welches bisweilen unter Pflichten seufzt. Antonio. Doch Eurer Hoheit mit besonderer Treue ergeben ist. Groß-Jnquisitor. So wie das meinige. V i c e k ö n i g. Wirkliche darf ich auf Eure Freundschaft bauen? Groß-Jnquisitor. Ihr sucht in Spanren vergebens einen wannern Freund. Antonio. Und einen treuern Diener. Page linkt auf,) Ein Zigeuner Mädchen verlangt mit Ungestüm Zutritt zu Eurer Hoheit. Sie spricht, sie habe Dinge von größter Wichtigkeit Euch zu vertraun. G r oß- I n q ui sit o r. (be» Seite) Was ahndet mir! Antonio(leise) Ach Don Iguazio, ich fürchte— Gro ß- I n g ui sito r(leise) Man schweige. Vicekönig. Verzeiht, daß ich in Eurer Gegenwart— Groß- Inquisitor. Fürwahr, Eure Hoheit ist alkzugnadig. Wie? An dem Gesinde! ist kein gutes Haar. Vicekönig. Auch der letzte im Volke ist Herr über mein Ohr.(Er will«) Fünfte Scene. Lasarilla. Die Vorigen. Lasarilla. Darf ich kommen? darf ich reden? Gnädigster Herr, schon seit es tagt. Hab ich vergebens einen Jeden Nach Donna Cardula gefragt. Vicskönig(stutzt) Nach Donna Cordula- was willst du bey der? Lasarilla. ljam Gtosj-Iuquisitsr) Ach da seyd Ihr ,a>me gerufen. Gr o ß- I ng u isit o r. (sehr vornehm) Was begehrst du von nur? ich kenne dich nicht. Lasarilla.(»um Bicekömg.) Gnädigster Herr, bey Eurem Leben l Er kennt inich wohl, der fromme Man»; Er hat dieß Packtchen mir gegeben; Macht eS auf, seht es an. Um großes Unheil zu stiften. Würd' ich von ihm gesandt. Man wollte Euch vergiften Durch eines WcibeS Hand. Vieekonig. Welche Anklage! Groß-Znquisitor. Das Mägdlein ist wahnsinnig. Vicekönig(zu Lesarilla.) Beweise! Lasarilla. Geleitet von einem guten Gotte,, Der das Verborgenste erspürt, Lag ich gestern in einer Grotte, Die dieses Mannes Gärten ziert. Da vernahm ich mit Entsetzen—- Man wurde meiner nicht gewahr,— Seinen Durst nach Blut und Schätzen, Eure nahe Lebensgefahr. Mit diesem Jüngling, der hier zittert, Wurde berathen das Bubenstück. Als endlich beyde mich ausgewittert. Hing mein Leben an einem Blick. Tiefen Schlummer hab ich erheuchelt. Bin auf einmahl künstlich erwacht. Habe mich listig eingeschmeichelt. Durch glatte Worte beliebt gemacht; Bis dieser Mann, in stolzer Verblendung, Auf meine Treue gebaut, Und zum Zeichen meiner Sendung Mir ernen Rosenkranz vertraut. (Sie überreicht ihn dem Mcekömg) Gr oß-J» quasi tor. Welch unverschämtes Mahrchen! Wie? Vicekönig. Ihr kennt das Mägdlein nicht? G r o ß-I n q u i si t o r. Ich erblicke die Kreatur zum ersten Mahle in meinem Lebe». Vicekonig. Vermuthlich wie diesen Rosenkranz. G r o ß- I n q u i si t o r. Gleichermaßen. Vicekönig. Sonderbar, ein ähnlicher hat sich auch bey Donna Cordula gefunden. Groß-Jnquisitor. Wohl möglich. Ich hoffe nicht, daß Eure Hoheit mich hier gleichsam vernehmen will! V icekö nig. Keinesweges. Groß-Jnquisitor. Ich hoffe, daß mein bloßes Wort hinreicht diesen Wurm zu vernichten, wie? Vicekönig. Es bleibt doch immer seltsam, daß ein Aigeunermädchen es wagen durfte, den Groß« Inquisitor in seiner eigenen Gegenwart peinlich anzuklagen. G r o ß- In qui sit o r. Eben darum. Es muß ein großes Straf- e-'empel über dieses Tcufelc-kiud ergehn. Nicekonig(i» Antonio.) Auch Euch ist die Dirne unbekannt? Anto nio. Gänzlich unbekannt. L a sari lla. Wohlan, die Dirne soll schweigen^ Ist Euer Gedächtniß ungetreu. So gibt es hier„och andre Zeugen. Torsillo! tritt herbey! Sechste Scene. Francesco als Zigeuners die Voriges. Francesco (stürzt z.i feines Vaters Müßen, und umfaßt dessen Knie mit Heftigkeit). Vicekönig. Was willst du junger Menschs Francesco. Den Segen meines VaterS odox den Tod». Vicekönigr Francesco! mein Sohn! Francesco. Mein Vater! mem.guter Vater! hast du es gehört, Lasarilla l er hat mich seinen Sohn genannt. Vicekönig. Mein geliebter Sohn! Eine Furie war mit ihrer Fackel zwischen unsre Herzen getreten; sie büßt im ewigen Kerker. Vergiß der Buhlerüin Bosheit und deines Vaters Verirrungen. Francesco. Ich habe nur Gedächtniß für Eure Liebe. Vicekönig. Deine armselige Gestalt wirft mir schweigend meine Harte vor. F r ances co. Diese Gestalt, mein Vater, ist nur geborgt. Dieß edle Mädchen— meine Wohlthäterinn, und ich darf hinzufügen, auch die Eurige— sie erlauschte die ruchlose Verschwörung gegen Euer Leben, sie wußte, daß man eine» Mörder dingen wolle, der, im Fall dir Giftmischerey mißlänge, auf der Jagd durch einen Dolchstich Euer Leben verkürzen sollte. Ihr hatt' ich meine Herkunft nicht verschwiegen, sie kannte mein »79 Herz; sie schlug zu des Vaters Sicherheit den Sohn zu dessen Mörder vor. I» dieser Verkleidung mir gefärbtem Antlitz fährte sie imch zu den: feige» Sündern, die hier bebend ihre Farbe wechseln. Diesen Dolch, für Euer edles Herz geschliffen, empsing ich aus Don Antonios Hand, und dieser fromme Pralat ertheilte mir im Voraus die Absolution. Vicekönig. WaS sagt Ihr nun? G r o ß- I n g u i s i t o r. Ich sage, es geziemet Eurer Hoheit nicht, durch solche niedrige Kunstgriffe meinen unbefleckten Ruf zu schmälern, wie?— Ich sage, die Würde des Groß-Jnquisirors überhebt mich aller Antwort, und wem soll ich antworten— wie?— einem Zigennermädchcn nnd Eure!« eignen Sohn. Jene ist erkauft, dieser muß reden, wie es Euch beliebt. Vicekönig. Und was sagt Ihr, Don Antonio? Ihr.zitiert? Faßt Euch. Anton i o. Dieser junge Mann— wenn er die Ehre hat Euer Sohn zu seyn— freylich, ein verlorener Sohn— hoffr durch eine glänzende Er« findung Eure Liebe wieder zu gewinnen; denn rch sah ihn nie/ und wechselte nie ein Wort mit ihm. Lasarilla. Die bleiche Wange straft Euch Lügen, Laßt sehen, ob es Euch noch glückt, Euer Gewissen zu betrügen. Wenn Ihr einen Geist erblickt. Tritt hervor mit Kettengeklirrs Vor des Richters Thron, Daß dein Anblick ihn verwirre, Deu unnatürlichen Sohn. Siebente Scene. Alwares. Die Vorigen. A lwares (der feinem Sohne plötzlich unter die Angen tritt.» Ich bin dein Vater. Vicekonig. Was seh ich! Gro ß- I n g u i si t o r (bey Seite.) Alle Teufel! Antonio tsinkt i» die K,ue.) Ich bitt vernichtet— A iwares. Hier waltet Gorces Gerechtigkeit! bekenne! Antonio. Gnade! Gnade!. Vicek 8 nig (AlwareS umarmend-) Mein Freund?Utoares! A lmares. Schütze mich vor meinem eignen Sohnl Vicckonig(zu Antonio.) 2hr bekennet! Antoni o. Diesen Anblick ertrag ich nicht. Wahr ist Alles. Vieekonig. Wache, nehmt diesem Greise die Fesseln ab, und schmiedetjenen Phsewicht darein.(ESgeschieh«-) Anto n ro. Gebt mir den Tod, nur entzieht mich diesen Dlicken, die mich durchbohren. Vicekonig. Es sey. Werft ihn in den tiefsten Kerker. Antonio(zu Zapata.) Ungeheuer! Das ist dein Werk!(Man führt thu fort.) Alwar e s (vom Schmerz überwältigt.) Mein Sohn! A n t o n i o. Er hat mich verführt!(Ab mit Wachs.) Alwares. So treffe mein Fluch nicht dich, du Schwerbeladener! Ich bethe zu Gott für meinen Sohn! Ich rufe des Vicekönigs Gnade an für meinen Sohn,(Er will uieöerknieu.) Vicekönig. An mein Herz, Jugendfreund! Sey ruhig, auch ich kann verzeihen. Laß mich einen Augenblick die Freude des Wiedersehns ungetrübt genießen. Welchem Wunder verdankst du deine Rettung? A l w ares. Diesem schlauen Kinde, das mit Gefahr der eigenen Freyheit die mcinige erlistete. Doch fast am Ziele schon, wurden wir beyde von deinen Wachen ergriffen—meine Ketten zeugten gegen uns— ein Handlanger der Inquisition begehrte meine Auslieferung, schon sah ich meines Ker- i35 kerS Pforten wieder aufspringen/ um sich für ewig hinter mir zu schließen/ da zog dieses Kind ein Goldblech aus seinem Busen/ den einzigen ton der Mutter geerbten Schatz; ohne Bedenken gab es ihn hin/ um einem fremden Greise den Weg zu dir zu bahnen. G r o ß- I nqu i si t o r (nimmt sich zusammen.) Ist es möglich? Man hat gewagt/der heiligen Inquisition einen Ketzer zu entführen? Vicekönig (führt ihn bey Seite.) Laßt ein Wort im Vertrauen mir Euch sprachen. Ihr seyd entlarvt. Groß> I n q u isit or. Welche Sprache mit meiner Eminenz? Vicskonig(gclasse«.) Die Anklage dieses Mädchens und meineL Sohnes— Groß-In q uisi tor. Bin ich deren eingestandig? Vi c e köi, ig. Das Bekenntniß Eures Mitschuldigen— Groß-Inquisitor. Eines Wahnsinnigen. V i cx konig (mn Nachdruck,) Eure Briefe an Donna Eordula geschrieben G r os>- I nquisitor(stutzt.! Welche B.riefe?. - Vicekön i g. Sir sind in meinen Handen. Ich weiß Allee. G r o ß-I» q u i si t o r. Der Papst allein ist mein Richter. Vicek ö n i g. Wohlan. Ich' schreibe an den Kaiser. Ihr wific, was er zu Rom vermag. Wolle Ihr es darauf wagent G r o s;- I n q i! i s i t o r (stockeur.) Eure Hoheit hat mein Verderben beschlossen— Vicekön ig. Nein, denn ich weiß, daß es Verbrechen gibt, die man den» Volt so lange als möglich verheimlichen muß. Wollt Ihr in ein Kloster Euch zurück ziehn, und Eure Nichte meinem Sohne zur Gemahlinn geben; so möcht Ihr Euch in, Sckllsn nnt Gstr versöhnen, und ruh>g Euer Leben enden. ,65 G r o ß- I n q uisr t o r. Ich in ein Kloster? Wie? Vicekönig. Gefallt Euch das nicht, so stehn Erlöschen bereit»ach Deutschland und nach Rom. Grosi- Inquisi tor (mit frommer Demuth.) Wie sollte mir das nicht gefallen? War es doch schon langst mein Wunsch, der Welt mich jii einschlagen, wie? V i c e k o n i g. Und Eure Nichte? G r o s;- I n q u i si t o r. Darf ich sie zwingen? Sie liebt so heftig ihren Antonio. Vicekönig. So heftig, daß sie. Euch entsprungen, in meinem Lager sich befindet. Groß-Jnquisitor (stammelnd.) Wie? Vicekbnag. Sie liebt meinen Sohn. (8 r o fD Z n q u i s i t o r (sich vergessend.) Nun so hat der Teufel—(Zwingt sich jti süsiee r66 Freundlichkeit) der Teufel wollt ich sagen/ wird g toben und wüthen, wenn er vernimmt, daß, alle Zwietracht zwischen Eurer Hoheit und meiner Eminenz durch ein so glückliches Eheband vertilgt worden. Vicskönig. Eu-.e Eminenz willigt ein? G r o ß- I n g u i si t o r. i Mit Entzücken.(Bey Seite.) Fluch der Helle' V i e e k ö n i g. Wollt Ihr Eure Nichte sehen? Gr o ß- I ng uisit or. Laßt mich vor allen Dingen in meine Kau- mer eilen, um Segen für daS junge Paar vo»> Himmel zu erflehen.(Beiseite.) Ich ersticke!(N wendet sich freundlich, seguet mit der Hand und geht,) Achte Scene. Die Vorigen ohne den Groß-Inquisitor. ' Viceß-önig. Jetzt zu dir, mein Sohn. Du hast viel gelitten. Ich bin Ersatz dir schuldig. Empfange aus meiner Hand ein schönes reiches Fräulein zur Gemahlinn. Francesco. Ach mein Vater, ich liebe— V i,cek ö n ig. Gern wird dein Herz die Wahl bestätigen, die ich für dich getroffen. Francesco. Unwiderruflich ist mein Herz gefesselt. ZlM net nicht, mein Vater. V ic e köni g. Du sollst sie sehn, die dir bestimmte Braut, mehr begehr ich nicht von dir. Sieh und entscheide. Avance sco. Ach! daß ich in der ersten Stunde- meines Vaters Wünschen widerstehen^ soll! Mein Herz hat schon entschieden. Vicekönig. Fabio! tritt hervor mir distnrm schönen Wchtling. O 186 Neunte Scene. Fabio, Colestine, die Vorige». Francesco. Colestrue! C 8 lestine. Francesco!(Sie fliegen sich in die Ztrme.) Fabis(,u AlwarcS eilend.) Ich hab Euch wieder! ich seh euch frei)! Vicekönig. Widerstrebst du noch? Francesco. Euer Segen rühr auf diesem Bunde! meine kühnsten Hoffnungen sind erfüllt. O Lasarilla! auch das verdank ich dir. Vicekonig. Ja wir haben diesem Wunder-Mädchen viel zu danken. Svrrch du Schutzgerst meines Hauses, wie vergebt ich dir? Lasarilla (schlagt an ihr Lambsurin.) Trum du», dvm! Was hab ich vonnotheii? Bin ich doch fröhlich, bin ich doch frey! Ich jede der Jungfrau holdes Erröthen, Ich sehe des Jünaling« belohnte Treu, Ich fche des Vaters rührende Freude, i sehe des Greises entfesselte Hand; Geli§, vier in solcher-tugenweide liberreichs Veigeltung f»nd. Alwares. Mir allein verbleibe die schöne Pflicht, meiner Retterinn zu vergelten. Ich habe kein Kind »lehr— willst du meine Tochter seyn? Lasar> lla(an seine», Hais«.) Gern l gern! Zehnte Scene. Ein Leibwächter. Die Vorigen. Leibwächter, lz» te!< Viecköttitzs Füllen.) Mein Gewissen treibt Mich;n Enteil Fußen, Vier kö»> g. Was hast du verbrochen'! Lerb ,v ächter. Euer strenger Befehl, keine Hülfesuchenben "^»iveist-n, von cetneM eine Gabe zu fordern "" hab ihn übertreten— Vicekönig. Nebe, Leibwächter. Dieses Zigeunermädchen— und dieser alle Mann— ich stieß sie zurück—ließ endlich buch ein Goldstück mich bestechen. Vicekönig«? Bosewicht! Leibwächter. Der Himmel strafte mein Vergeh» auf der Stelle. Das Goldstück verwandelte sich i» meiner Hand in ein Täflein mit gräßlichen Zauber- bstdern. Ich bin ein Sünder, aber ein gläubiger Christ. AIS ich die Bilder erblickte, stiegen mir die Haare zu Berge. DaS Gold glühte i» meiner Hand— ich schob es in die Tasche— es zog mich wie Bley zu Boden. Mein H"j bebte— ich hatte weder Ruh noch Rast. Seyd barmherzig. Laßt mich strenge züchtigen, allein befreyt mich von diesem Handgeld der Holle. Vicekö nig. Steh auf.(Er cmpiängt das Goldblech. Zu den sm-Mstt.) Es ist dein Eigenthum? Lasarilla. Es war mein einziges. V i c e k ö n i g. Welche Schrift? welche Bilder? Vioekönig. Wie kommst du dazu? Lasarilla. Die Muter hat es mir umgehangen; ES nie zu lassen gelobt ich ihr: „Vielleicht, so war ihr letztes Verlangen, „Entdecket e§ einst den Vater dir." So ist es mir stets am Halse geblieben. Wenn gleich oft Hunger mir gedroht, Bis mich ein kindliches Mitleid getrieben. Da gab ich's hin für fremde Noth. Vicekönig (gibt es ihr zurück) A! wares (wirft einen Bück darauf) Was seh' ich' eS isis! Vicrkönig. Du kennst Es? A l w a r e s. Der Schmuck eines Peruanischen Götzen, ibn ich, nebst andern Kleinodien meiner Gemahlin sandte. Dieses Laflsin bestimmte ich für 'keine Tochter Maria. Fabio. Es ists, ich habe eS oft an des Kindes Halse gesehn. Wahrlich Herr, dieses Maschen ist Eure Verlorne Tochter. Alwares (drückt Lasarillc» heftig in seine Arms) Gocr! L a s a r> l s a. Wie? ich harte nieinen Vater befreyt? Vrcekonrq rschiiti.-lt das Haupt.) Dieser einzige Beweis— A linares. Ich begehre k-'inen andern. Hatt' ich doch schon n> Valerher;;n ihr, noch ehe ich dieses wohlbekannte Kleuiod erblickte; hat sie doch mir kindliche hiebe dc>v>eftn, noch ehe sie ahnden konnte, was ich ihr seyn würde. Ja dn bist meine Tochler! Maria oder Lasarilla, gleichviel, dn bist mein einziges liebes Kind. Lasarill a. N cht das Einzige— Verzeihung meinen: Bruder! ?llwareK. Ich fli ch' ihm nickt. L a s c- r i l l a t zum Vicekknlg auf den Leibwächter zeitz.cM -93 Verzeihung diesem Manne! Vicekö nig. Geh! Lasarills. Geh in Frieden! Leibwächte r. Ach mein Gewissen rächt die übertretene Wicht.(rld.> Vice könig. O das; ich noch einen Sohn für eine solche Tochter hätte. Lasarills. Ihr wolltet mich vom Vater trennen? Nur seine Liebe sey mein Lohn,^ Und lern' ich einst eine andre kennen, So findet sich auch wohl ein Sohn. Nun gute Nacht ihr treuen Gefährten, Du Tambourin am seidnen Band; Ihr Kastagnetten, die mich nährten, Du phantastisches Gewand. Ich will Euch einem Kloster weihen, Doch ehe wir scheiden am Klosteraltar, haßt mich noch einmahl prophezeihen/ Zum letzten Mahl, nicht wahr? Dazu bedarf ich keiner Hände, Nur in die Augen schau ich Euch, Kotzedue's Theater. Bau». I 194 Und seh ein fröhliches Ende, Dem fröhlichen Anfang gleich. Blumen streut auf jedem Schritte Liebe den Liebenden hin. Und eS jauchzt in Eurer Mitte Die glückliche kleine Zigeunerinn. iDer«srhanK fälle.). Der verbannte Amor, oder: die argwöhnischen Eheleute. E i» 8 ustspie! i n »irr A» f z ü g r». (Krschi«» i8,o.) / P r r s o n s n: Heinrich Er!« nhof, Professor der Nalurgeschichtä. Rertha, seine Frau. Gustav, sei» Bruder, ein Arzt. Adolfine, Gustavs Frau und Pertha'S Schwester? ?>bre Kinder. Malchen, j Gustch« n,«ine Waise, Berlha's Pflegetochter, Georg Müller, ein Student. Madam Stölze 1. Madam Schweizer, eine Schauspielerinn- Michel, Gärtner. Erster Act. (Ein Garten in der Stadt,-u beyden Seiten deS Der. grundeS Thüren, welche ins Hans führen, die weit vorspringenden Flügel des Gebäudes stosien im Hintergründe an ein Lorp» äe Do^is, welches sie vereinigt. Der Eingang zum Doctor ist rechts, der jum Professor links— im Garten Ki» gedeckter Theetisch von Gartenstühlen umgeben.) Erste Scene. Michel(besieht die Bäume.) wird Heuer nicht viel Obst geben. Die Raupe» fressen die)ichfeibäume kahl, die Dirnen haben den Brand, und die Kirschen sind erfroren. Ey, ey, Michel, wo wirst du den Pacht hernehmen? Essen und trinken will man auch. Der Magen und dir Gurgel sind Lose Gläubiger; in allen Concurseu wollen sie zuerst befriedigt seyn. Mit dem Hunger läßt sich»och zuweilen akkor- diren, aber decDurst isieigeusittnig, der schenkt keinen Tropfen.— Nu, nu, Michel, es hat Nichts zu bedeuten: halte du dich aus Schenken, das nährt seinen Mann Jahr aus Jahr ein. So lange der Herr Professor hier und die Frau Dootorinn da dir den Säckelssüllen, so sey unbekümmert um Raupen, Brand und Frost. Zweyte Scene. Michel, Professor(kömmt links.) Prsfessor. So fleißig, mein lieber Michel? Michel. S die Raupen sind noch viel fleißiger. Professor. Ja, die Raupen! deren gibt eS überall, an Bäumen und an Herzen; keine Blüthe wird verschont. Michel. Man muß räuchern mit Schwefel. P r o s e ss o r. Hilft das?> Michel. Manchmahl. Pros. Und wenn eö nun nicht hilft? Mrchel. So muß man warten, bis sie sich einspinnen. *99 Pros. Fressen sie dann nicht mehr? Michel. Ey, Sie sind ein Herr Professor und wissen da-S nicht? Pros. Du hast Recht. Ich sprach von Raupen, die am gierigsten nagen, wenn sie«rft (aufs Her») hier sich eingesponnen haben. (Michel singt i» den Bart und macht sich mit de» Aäuiiien zu schaffen.) Profi(Nach«inizem Kampfe mit sich selbst.) Michel! Michel. Herr Professor! Pros. Hast du meine Frau lange nicht gesehen? Michel. Diesen Morgen. Pros. Wo? Michel. Hier im Garten. Pros. Was machte sie da? Michel. I nn, sie ging spazieren— sie trällerte— sie brach eine Rose— sie roch daran. Pros. War Niemand bey ihr? Michel. Der Herr Doctor ging ein Mahl durch den Garten. Pros. Mein Bruder? Michel. Ja; wenn ich sage, der Herr Doc° tor, so meine ich immer den Herrn Doctor, der ein Bruder vom Herrn Professor ist. 200 Pros. Sprach er mit meiner Frau? Michel. Ja, ein Weilchen. Pros. Was denn? Wovon denn? Michel. Das konnt' ich nicht hören, ich stand zu weit. Pros. Aber sehen konntest du doch? Michel. WaS sie sprachen? Nein! Pros. Ich meine die Geberden. Michel. O ja! Pros. Nun^ Wie waren die Geberden? Michel. Es waren Geberden— wie soll ich sagen?—so allerley Geberden.(Ahmt sie»ach.) Pros. Also freundlich? Michel. Sehr freundlich. Prof. Doch nicht— Michel. Nein das nicht. Prof. Was nicht? Michel. Ich meine nur so, waS der Herr Profesior denken. Prof. Was denk' ich denn? Michel. Ja lieber Gott, wer kann eineS Menschen Gedanken errathen?' Prof. Standen sie lange beysammen? Michel. Nicht zwey Minuten; sie setzten sich aber mir einander auf die Bank. Pros. So? M ichel. Das wahrte auch nicht lange. Ma--- dain gab dem Herrn Doctor die Rose— Pros. Sie gab ihm die Nose? Ey! Michel. Er küßte ihr die Hand. Pros. Er küßte? Michel. Und fort war er. Pros. Endlich! Und meine Frau? Was machte die? Michel. Die blieb sitzen, bis der junge Herr Müller kam. Pros. So? Kam der auch? Michel. Mit dem ging sie noch ein Weilchen im Garten hm und her j der Kreuz und Quer. Pros. Und was da gesprochen wurde? Ich wette, davon weiß der Dummkopf auch keine Sylbe. Michel. Soll ich der Dummkopf seyn? Pros. Ja! M rchel. Großen Dank! Man muß ja auch "icht Aller wieder sagen. Pros. Also hattest du doch gehört? Michel. Man ist keine Plaudertasche. Pros.(gibt ihm Geld.) Lieber Michel! M ichel. Das klingt anders. 2ü2 Prof. Was hast du gehört? Michel. Von der Liebe— die«ine jugendliche Person ist— und von der Treu«— die aus Reisen geht. Prof. Also von Liebe und Treue? Michel. Und von der Ewigkeit/ die bis Morgen wahrt. Prof. Und was sagte meine Frau? Michel. Sie wollte sich krank lachen. Prof.(für sich.) Gott sey Dank! Die Tugend weint nicht/ so lange die Weiber noch lachen. Michel. Aber der Herr Müller trommelte mit der Faust auf die Brust und sagte: Wenn sie mich nur recht kennten. Prof. Und meine Frau? Michel. Die lachte wieder. Prof. Und Herr Müller? Michel. Der sah so beweglich aus/ als ob ihin die Gurken erfroren waren. Prof. Und meine Frau? Michel. Trat hinter die Lindenhecke. Prof. Und Herr Müller?— Michel. Ich war durstig und ging hinein. Prof. Und ließest sie hinter der Hecke? Michel. Ich konnte sie doch nicht fortjage»? soI Pros.(bey S-iie.) Verdammt! Ich muß gehen, sonst verrathe ich meine Angst, meine Sorgen.(Rennt in den Garten.) Michel. Potz alle Hagel! Der läuft über Meine Spargeloeete weg, als ob«a Unkraut wäre. Dritte Scene. Michel, Adolfine(kSmm« rechts.) Adolf. Guten Abend, Michel! M ichel(bey Seite.) Oho! Kommt die auch? Adolf. Wie gehts, Michel? Michel. So lala(singt in dcnVart wie oben.) Adolf,(nach einigem Kampfe mit sich selbst.) Hast du meinen Mann nicht gesehen? M ichel. O ja, diesen Morgen hier im Garten mit der Frau Professorinn. Adolf. Mit meiner Schwester? Sie ijst doch nicht krank? Michel. Das wollen wir nicht hoffen, der Herr Docror nahm ihre Hand. Adolf. Vielleicht um den Puls zu fühlen? Michel. Kann Wohl seyn. Der Puls mochte 2 och aiif.'.ngs schwach gehen; denn er hielt die Hand verzweifelt lange. Adolf. Er wird gezählt haben. Michel. Hernach küßte er den Puls. Adolf. Er küßte ihn? Ey! Und meine Schwester? Michel. Die schenkte dem Herrn Doctor eine Rose. Adol f. Mein Mann liebt die Blumen nicht. Michel. Er steckte sie ober an die Brust. Adolf,(mit erzwungener Rut'e.) In GvtteS Nahmen Michel. DaS weiß ich nicht. Adolf. Was weißt dn nicht? M i ch e l. Ob es in Gottes Nahmen geschah. Adol f. Alberner Mensch! Wetter? Mrchel. Der Herr Doctor küßte chr noch ein Mahl den Puls, und ging seiner Wege. Adolf. Ist das Alles? Michel. Nach einer Stunde kam er wieder. Adolf. Da fand er meine Schwester gewiß nicht mehr im Garten.? Michel. Nein, aber Mamsell Gustchm war indessen herunter gekommen. Adolf. So? bey der Hitze? Michel. Er knipp sie in die Backen. 2o5 Adolf. Gustchen ist noch ein Kind. Mrchel. Ja, das meint der Herr Doctor «uch. Er sagte etliche Mahle zu ihr: Mein lier des, schönes Kind! Adolf,(bey Seite.) Ich ersticke! Vierte Scene. Vorige. Professor(aur dem Gart««.) Pros. Noch eins Michel— Ach Frau Schwester— ich bin sehr erfreut— Adolf. Gleichfalls, Hera'Bruder!—Lasse» Sie sich nicht stören: Sie wollten mit dem Kärrner sprechen. Pros. O nein— ich wollte nur— was wollte ich ihm doch gleich sagen?(gi, Michel.) Die Tpü'uez in meinem botanischen Gartchen muß angebunden werden. Mlchel. Die habe ich noch gestern angebunden. Pros. So war es die SgrinZa psrsiou. Michel. Die hat einen Stock, so dick als meine Faust. 2o6 Prof. Tölpel! Es ist nicht wahr. Sieh nach; der Wind hat sie losgcnffru. Michel(bey Seite.) Ich merke schon, woher der Wind pfeift.(Geht in den Garten.) Adolf. Wir sollten den Thee hier mit einander trinken. Prof. Ja, das ist ein recht artiger Einfall. Adolf. Im Grunde trinke ich ihn doch lieber auf meinem Zimmer. Prof. Ich auch. Adolf. Der kleine Garten ist so mit Häusern umgeben— man hat überall Zuschauer. Prof. Ja wohl. Adolf. Da drüben die Frau Räthinn kommt nicht vom Fenster weg, sobald mein Mann sich nur im Garten blicken laßt. Prof. Ein kokettes Frauenzimmer. Adol f. Nicht wahr, Sie finden das auch? Prof. So wie die ganze Stadt. Adolf. Hahaha! Sie scheint esinderThat auf ihn angelegt zu haben. Pros. Wohl möglich. Adolf. Neulich laßt sie ihn rufen mitten in der Nacht; ist krank, todsterbenskrank— den Abend ist sie noch in der Komödie. 2t>7 Pros. Sehr bedenklich, und mein lieber Bruder fängt leicht Feuer- Adolf. O nein, das nicht/ das ganz und gar nrcht. Ich begreife nicht, wie Sie auf diese Vermuthung kommen. Pros. Ich meinte, die Frau Schwester ver- mukheren selbst etwas dergleichen. Adolf. Bewahre der Himmel! Ich habe ^ das höchste Vertrauen zu ihm. Vteineihalben mögen 2o schöne Frauen aus 20 Fenster» nach ihm gucken, mich wird es keinen Augenblick beunruhigen. P r 0 f. Auf jener Seite wohnen aber auch Studenten, die sind gleich bey der Hand, sobald meine Frau mir einen Fuß m den Garten sehr. Ad olf. Das junge Volk vergafft sich gern. Pros. Eben deßwegen. Adolf. Und meine Schwester ist ein wenig eitel. Pros. O nein, da irren sie sich gar sehr. Ich weiß nicht, wie sie auf solche Gedanken gerathen. Adolf. Es schien mir doch, als ob Sie selber— Pros. Zch? Bewahre der Himmel!'Mei- netwegen mögen die Studenten ihr bey Him»! dorten nachlaufen, ich sehe gar nicht hin. Hab- ich doch selbst den jungen Müller ins Haus ge- i nommeii. Adolf. Und sogar an den Tisch. Das war doch wobl etwas aefahrlich? Pros. Wie so? Wir so? Haben Sie etwa—? Adolf. Ich meine wenigstens wegen Ihrer hübschen Pflegetochter— Pros. Ja so. Nun das überlasse ich meiner Frau: die wird schon wachen. Adolf. Eine hübsche Frau hat nicht immer Zeit, ein junges Mädchen zu bewachen. Pros. Gustchcn ist eine sittsame Waise und Müller ein bescheidner junger Mensch, sehr^ fleißig, sehr ordentlich. Adolf. Erscheint einen Kummer auf dem Herzen zu haben. Pros. Er ist blutarm. Adolf. Armuth m seinen Iahten ist kein Herzenskummer. Pros. Die Frau Schwester wollen ihn durchaus verliebt machen? und wohl gar in alle Beyde. 2 OH Adolf. Sehr möglich! Dre Männer haben weite Herzen. Pros. Eine boshafte Bemerkung. Adolf. Von meiner Schwester. Prof. Vielleicht gab chc mein Bruder Gelegenheit dazu. Adol f. Vielleicht suchte sie auch Gelegenheit. Prof.(heftig) Was wolle» Sie damit sagen? Ich bitte Sie um Gotteswillen, Fraw, Schwester, Sie meinen doch nicht etwa? Adolf,(sehe erschrocken) Um Gvlteswillen, Herr Bruder! haben Sie etwas bemerkt? Prof. O nein, ich nicht, aber Sie vermuthlich? Adolf. Nein, ich auch nicht. Prof. Meine Frau leidet nichts Unschickliches. Adolf. Mein Mann thut nichts dergleichen. Prof. Meine Frau liebt mich. Adolf. Mein Mann bethet mich an. Prof. Meine Frau ist ein Tngmdinuster. Adolf. Mein Mann ist ein Muster ehelicher Trene. Prof. Ich hege nicht den mindesten Arg- i wohn. Lio Adolf. Ich habe nicht den kleinsten Verdacht. Pros. Folglich hasse ich solche Anspielnilgen. Adolf. Und ich verbitte mir solche Winke. Fünfte Seen e. Vorige. Berpha. Gustchen. (Keiiuiiei, links.) V ertha. Girten?lbend, Schwesterchen! Adolf. Willkommen, Schwesterchen! Haben wir uns doch heute noch gar nicht gesehen. Berti-a. Das trifft sich wobl. Ich hatte Geschäfte, die wichtigsten von der Welt. Be- wuntre doch meinen Hut. Den habe ich nothwendig umstechen müssen, weil ich diesen Abend noch eine Visice machen will. Pros. Clns Visite? Bey wem? Dercha. Verstehe sich, bey einer Dame; denn sonst wäre es mir auf den Hut nicht angekommen. Dw Herren sehen den hübschen Weibern ins Gesicht, die Damen auf den Kopfputz und auf die übrigen Appertineazien. O Sie glauben nicht, mein werther Herr Ge- 211 Kühl, wie angenehm es ist, wenn man im Bewußtseyn einer schonen Koeffiire von einer fremden Dame gemustert wird. Man thut zwar nicht, als ob man es bemerkte, aber mit einem stüchtigeu Blicke erhäscht man die herum« spazierenden Äugen, und wird man vollends ein wemg Neid rn diesen Äugen gewahr, o bann ist der Genuß vollkommen. Pros. Darf man fragen, welche Dame so glücklich seyn wird? Berth. Nein, mein Schatz, daS darf niannicht fragen. Wcssen Sie auch, daß ich mich über Sie ärgere? Pros. Warum 1 Berth a. Schon 5 Minuten stehe ich vor Ihnen, und noch haben See mir keilt schönes Wortchen über meinen gewählten Anzug gesagt. Pros. Sie sind in meinen Auge» immer schön. Dertha- Endlich! aber zuspat, Jchwette, Schwesterchen, wenn dein Mann Heer wäre, der hatte mir schon längst die artigsten Aompckmente gewacht. Adolf. O ja, daö glaube ich. Pros. Ohne allen Zwerfsl. Ber th a. Er hat Geschmack. 212 P>°f. Ich bin auch nicht blind. Ich be- 7»-.2-^7"'- Verrha. O geschwind! was denn? Pros. Eine Rose vor der Brust. Bertha(verneig, sich.) Ich danke^ Bemerkung. S.e haben recht, mein lieber Mann! der Gärtner soll mir gleich eine hohlen. Pro s. Wenn ich nicht irre, so harten Sie schon dresen Morgen eure recht schöne Rose« er rha. Ihnen da» nicht entgangen? Das,,,- muß rch Sie küssen.(Thu.-s.) hab^°^' E" sie weggeworfen Bertha. Weggeworfen? Nein, ich Hab- sie Ihrem Bruder geschenkt. Pros. So? A d o lf. Wo sahst du meinen Mann? Bertha. Hier im Garten. Wir schäckerten erne Werke mir einander,«ach unsrer Gewohn- Adolf,(erzwungen scherzen!..) Ja, der Lyat, wer Euch nicht kennte Berrha. Der sollte meinen, ich ließe mir 'te von ihm machen. Pros.(sczwange.-lachend). Ja, wahrhaftig. Bertha. Nun es bliebe doch in dee Familie. Adolf,(ärgerlich und leise). Ich bitte dich, Schwester, sprich doch nicht so unbesonnen in Gegenwart des Kindes. P r of.(«den so) Die Frau Schwester hat recht. Bertha. Seyd Ihr toll mit Euren Amts- meinen? Gustchen, höre doch! sie nennen dich «in Kind. Gustchen. Wollte Gott, ich wäre noch ein Kind! Bertha. Der Wunsch ist kindisch genug für ein Mädchen, das bald heirathen soll. Adolf. Ist es schon so weit? Bertha. Der Herr Hofrarh Klappfuß hat gestern förmlich angeworben. Adolf. Und Gustchen nimmt ihn an? Gustchen Neuf-end,. Ja! Bertha. Mir einem riefen Seufzer, wie Du hörst. Lieber Gott! was ist dabey zu thun? Sie ist nicht die einzige seufzende Person.ch bo>e dw, dauiach fragt er nicht. Doctor. Immerbin, Schwesterchen, ch gibt es nachher e>i>e Ä ersohnnnge scene zwilchrN uns. Bertha. Meinen Sie? Pros. Ja, er memt. Bert ha. Wo haben Sie denn meine Rose gelassen? Doctor. Ein neuer Zankapfel. Die hab' ich verschenkt. Bertha. Allerliebst! Docker. An eine recht hübsche Patientinn. Bertha. Noch besser. Adolf,(hastig, aber sehe freundlich). Wer wüt denn die, mein lieber Mann? D octor. Die Hauptmänninn Adlerholz. Adolf. Ey, die rst sehr hübsch. Das hast du mir ja gar nicht gesagt, daß sie dich hat rufen lassen. Doctor. Laßt sie mich doch alle Augenblicke rufen. Sie hat hysterische Zufalle. Bertha..Vormahls war der alrs Brand ihr Arzt. Warum hat sie denn einen jungen Doktor angenommen? Doctor. Vermuthlich wußte sie nicht, daß der junge Doctor eure so boshafte Schwägerinn har. Bertha. Der er die Cour macht. Doctor. Bisweilen. Pros.(erzwungen lachend). Hayaha! 2hr seyd doch recht lustrge Leute. Adolf.(Mitlachend). Recht munter, Gott sey Dank! Doctor. Jawohl, Gott sey Dank. Die Fröhlichkeit ist in unsern Tagen noch seltener als Kaffeh und Zucker. Wer Dorrath hat, der Halts ihn fest. Nun Kinder, das Wasser kocht. Ein Stündchen habe ich frey, ich will mir etwas zu gute thun.(Seht sich). Setzt Euch, setzt Euch! (Sie«hu» es) Apropos, Bruder, an dich habe ich auch gedacht, oder vielmehr an dein Mineralien-Kabinet. Ich habe dem alten Bergthal ein prachüges Ammonshorn für dich abgeschwatzt. Pros. Danke! danke! Adolf. Ein Horn? Was ist das? Doctor. Ein Ammonshorn, mein Kind, das ist eine Versteinerung. Ergibt deren genug. Pros. Oja! Doctor. Dieses aber ist ein seltenes Exemplar.— hiebe Adolfine, nimmst du auch vril den Tropfen? Ich sehe, du hast Dein Zittern wieder. Adolf. Zittern? ich dachte nicht. Doctor. Ja ja, man bemerkt es deutlich. Laß doch Gustchen den Thee machen: sie macht- ihn ohnehin so schon. Adolf., Wenn du ihn lieber von ih r trinkst. D oc-. 217 D octo r. Nicht doch. Aber du mußt Dich schonen. Kommen Sie her, liebes- Gustchen, setzen Sie sich zu mir. WaS ist denn, das? Sie sehen sa aus, als ob Sie geweint hätten? Gustchen. Geweint? das ich nicht wüßte! Doctor. Laugnen Sie nur nicht! Gustchen. Nun ja! ein wenig. Doetwr. Hat Ihnen Jemand etwas zu Leide gethan? Gustchen. Niemand— ich selbst— ich habe gestern auf dem Spaziergange mein Taschenbuch verloren— es war alles, was ich mein nennen durfte— denn ich hatte es von meiner Mutter. Auch lag ein Brief darin, den sie kurz vor ihrem Tode an mich geschrieben. Es war ihr Vermachtniß— nun hab' ich M nichts mehr von ihr. (Schenkt indessen The« ein.) Adolf. Wie ging es denn zu? Gustchen. Am Bache, der nach Lindau stießt, hatte ich mich gelagert, den Brief gelesen, wie ich öfter thue, dann das Taschenbuch »eben mir ins Gras gelegt. Bert h a. Sich ein wenig in Gedanken verloren, und das liebe Büchlein vergessen. Koyedue'S Theater 34. Vd. K 2l8 Gustchen. I«/ so war es. Als ich zurückeilte, es zu suchen— Beri-ba. Hatte schon irgend ein Dämon oder Sylphe es gestohlen. Gustchen. Darum weine ich aus Schmerz und Unwillen gegen mich selbst. Berlha. Sie sagt die Wahrheit; ab« nur Haib. Pros. Darf man die andere Hälfte nicht auch wisse»? Beriha. Der Hofrath Klappfuß hat um sie angehalten. Dvctor. Nun, das ist doch eher lächerlich als weinerlich. Bertha. Sie meint, es sey ihre Pflicht, ihn Hu nehmen. D o c r v r. Den alten Podagrrsten? Bertha. Ein Mädchen heirathet allenfalls den Lazarus, wenn es durchaus auf seinem eigne» Herd kochen will. Gustchen. Liebe Pflegemutter, ich habe, weiß Gott, andere Gründe. Dvctor. Die wohl auch nicht viel taugen mögen. A do l f. Ey, lieber Mann, wie kannst^ das wissen? 2 l 0 Doctor. Die rothen Äuglein bekennen es laut und ist sie nicht blutjung? Kann sie nicht warten? Geht es ihr nicht wohl in deiner Schwester Hause? Bert h a. Alles das habe ich auch gepredigt; aber tauben Ohren. Doctor. Das überlaß mir.— Ich werde sie unter vier Augen ein wenig ins Verhör nehmen. Adolf. Unter vier Augen? Warum das? Wir Alle nehmen Theil. Doctor. Aber das Herz schließt sich leichter auf. Adol f. Du nimmst in der That sehr lebhaftes Interesse. Doctor. Ja- wahrhaftig.(Kneipt Gustchen in die Backe».) Das gute Kmd soll Nicht heiralhen,' »m sein Leben zu verjammern. Adolf. Aber die Mamsell ist doch nun schon u> den Jahren, wo sie schwarz und weiß recht A»t unterscheiden kann. Doctor. Schwarz und weiß, o ja! auch roch und blau, gelb und grün; aber nicht Gutesund Böses. Derkha. Den, Mann hat recht. Halten K 2 22 O Sie nur die Konferenz, lieber Doktor; dan» wollen wir unter vrer Augen mehr davon reden. Pros Scharmant! Was meinen Sie, Frau Schwester, wo lassen wir unsre vier Augen t Adolf- Die schließen wir zu, hahaha! Doelor. Es wäre ein Spaß, wenn Ihr eifersüchtig würdet. Bert ha. O mein Herr Gemahl erzeigt mir bisweilen die Ehre. Pros. Sie glauben doch nicht im Ernst, liebe Bertha? Doctor. Es gab eine Zeit, wo meine liebe Frau an der Krankheit laborirte; aber jetzt— Adolf. Bewahre mich der Himmel vor einem Rückfall! Siebente Scene. Vorige. Michel(aus dem Garte»). Michel. Da bringe ich die bepdek Hyazinthen, eine weiße und eine rothe. »wwl 2 21 Doctor. Für wen? Michel. Die Frau Professorin hat sie bestellt. Doctor. Unschuld und Liebe. A d o l f. Stets galant. Pros. Von Jugend auf. Bertha. Stelle sie in mein Schlafzimmer. Miche l. Wo finde ich das? Bertha. Dummer Mensch! Die Fenster gehen ja nach dem Garten. Pros. Aber mein Schatz, Sie kLnnen doch mcht verlangen, daß Jedstmann den Weg nach Ihrem Schlafzimmer wissen soll. Gu stehen(steht aufi. Ich werde mit ihm gehen. Bertha. Thue das, mein Töchtcrchen, laß die Töpfe vor das Fenster sehen. Michel. Die müssen aber auch fleißig begossen werden. Bertha. Das möchte ich oft vergessen, und übertrage es dir. Michel. Sehr wohl. Bertha. Unter der Bedingung, daß du uiein Zimmer nicht beschmutzest. Wichest. Ja, lieber Gott, wer kann da- 222 für stehen? Unser eins geht nicht auf türkischen Teppichen. Gustchen. Folge mir. Michel(beySeite). Und dann inS Wirthshaus/»m mich auch ein wenig zu begießen. (Gehen links ab). Achte Scene. Professor, Doctor, Bertha, A dolfrne. Doctor. Noch eine Tasse. Frau Schwe-' ster/ jetzt schenken Sie mir ein! Bertha. Seht doch! Nun Hebe verschwunden ist/ kommt die Reihe an mich arme Sterbliche. Pros. Mein Bruder nimmt mit Alle« vorlieb. Adolf. Nur mich trifft die Reihe gar nicht. Doctor. Du stehst auch gar nicht in der Reihe/ Du stehst allein in meinem Herzen- Adolf. Das gebe Gott. Doctor. Er hals gegeben. Deine 223 sche sind bescheiden. Kinder, ich bin scelenver« gnügt. Wir wohnen zwar in einem Hause, sehen uns aber gewöhnlich nur einzeln. Jetzt sitzen wir endlich einmahl wieder beysammen, wie damahls in dem Dorfe bey Frankfurt. Dertcha. In dem kleinen Blumengarten— Doetor. Wo nur Euch kennen lernten. Adolf. Durch den glücklichsten Zufall. Doetor. Ja, weiß Gott, wenn es unS wohl geht, so haben wir sämmtlich dem Zufall recht viel zu danken; nicht wahr Bruder? denn dasi wir Beyde auf den Einfall ger.ethen, zur Kaiser-Krönung nach Frankfurt zu wandern— Pros. Geschah wohl zum Theil um unser alten Liebschaften zu vergesse». Docror. Aber daß wir an einem schönen Abend auf das nächste Dorf spazierten— Pr os. War freylich bloßer Zufall. Bert ha. Und daß wir Schwestern gerade an diesem Abend dasselbe Dorf gewählt hatten— Adolf. Wohin wir sonst nie zu gehen pflegten— Bertha. Das geschah um uns zu zerstreuen,; denn wir hatten eben wieder eine sehr lebhafte Scene mit der dosen Frau Stiefmutter gespielt. Adolf. Unterweges weinten wir noch ein Duett— Bertha. Dann gingen wir in das erste beste Bauerhaus— Adolf. Und ließen uns frische Milch geben—- Bertha. Und setzten uns in den Garten— Doctor. Da traten die irrenden Ritter gestiefelr und gespornt herein— Bertha. Und erblickten dre traunge-n Prinzessinnen unter dem Nußbaum— Pros. lind wurden auf der Stelle be- zaubert. Bertha. Sprachen erst ein Weilchen vom schonen Wetter— Doctor. Und endlich von Euren schönen Augen. Adolf. Ach, es war die schönste Stunde meines Lebens. Doctor(ihr die Sand reichend). War sie das? Adolf,(nimmt seine Hand) Ja, weiß Gott! Pros. cB-rchq's Hand fassend.) Und Sie? 225 Bertha. Mein Herz ist das Echo meiner Schwester. Doctor. Kinder, eine Ehe, die nach ie> Jahren noch keiner bereut, ist so selten als die gediegene Goldstufs in meines Bruders Kabt- net, und seht, hier sind gleich zwey solche Gold- stufen; dafür haben wir Gott zu danken mit lautem Jubel! Bertha. Wir Schwestern doppelt; denn Ihr beglücktet uns nicht nur allein durch Eure Liebe— Adolf. Ihr entrißt uns auch derTyranney einer Stiefmutter— Bertha. Die das Herz eines guten VaterS -von uns abwandte. Pros. Wer weiß auch, ob Ihr sonst Eure Heimath verlassen hättet. Bertha. Lieber Mann, ich bin nicht sentimental; aber kurz undgut, ich wäre mit Ihnen nach Kamtschatka gezogen. Pros.(ihre Hand fastend.) Wahrhaftig? Bertha. Ja, wahrhaftig. Dootor(Ldolfinens Hand fastend.) llnd a,Il? Ad olf. Mußt D» noch fragen? Bertha. Unserm armen Bruder ist es nicht so gut geworden. L2Ü Ad olf. Er war noch ein Kind, als wir das väterliche Haus verließen. Bertha. Schon das Kind ertrug viel. Adolf. Der J'üngling mußte entweichen. Bertha. Ware er doch nur zu uns gekommen! Adolf. Wer weiß/ wo er hülflos in der Welt herumirrt. D octor. Meiden wir das traurige Kapitel. Laßt uns fröhlich scheiden. Meine Stunde hat geschlagen. Adolf. Du willst schon fort? Doctor. Ich muß nothwendig das schone Fräulein Julie Bornthal noch besuchen. Adolf. Fräulein Julchen Bornthal? Da» schönste Mädchen in der ganzen Stadt? Doctor. Ja, stelle dir vor, ich Glücklicher habe ihr die Kuhpocken inokulirt auf einem Arm, so weiß wie Schnee, so rund wie Elfenbein. Adol f. Du wirst ja gar zum Dichter? Doctor. Von Rechtswegen. Adolf. Aber die Kuhpocken sind doch eine sehr leichte Krankheir; was hast du denn weiter dabey zu thun? 22^ Doctor. Ich muß doch sehen, ob die Materie gefaßt hat. Adolf, lind da wird das schöne Fraulein abermahls den schönen Arm aufstreifen? Doctor. Versteht sich. Ich glaube gar, das beunruhigt dich ein wenig? Adolf. Bewahre der Himmel! Geh, mein lieber Mann! Kuhpocken magst du in Gottes Nahmen auf schone fremde Arme impfen; aber— Docror. Ruhen will ich nur in den dei- «ige». Berkha. Herr Bruder, ich glaube, wir haben so ziemlich einen Weg; führen Sie üüch bis an die Marktecke. D o c t o r. Sehr gern. Pros. Es wird ja schon dunkel. B erth a. Eben darum mag ich nicht allein Scheu. Adolf. Dein Mann konnte dich ja begleiten. Bertha. Der muß noch ein Collegium lchn. Pros. Und darf auch Nicht wissen, wohin geht. Berkha. Herr Professor, wenn Sie gar nicht weiter frage» wollen., so will ich es Ihnen wohl vertrauen: ich gehe zu Madame Srolzel. Pros. Madam Stolzel? Wer ist die? Wie kommen Sie HU der Bekanntschaft? Bertha. Dacht' ich's doch! Gleich wieder zwey Fragen in einem Athem. So sind die Männer! Nie wissen sie genug/ besonders die Gelehrten. Kommen Sie, Herr Bruder! Doctor. Adieu/ liebe Adolsine! Bertha. Adieu, mein neugieriger Herr Gemahl!(Wirft il,m einen Knsi i>! nnd reicht dem Dreier den Arm. Veyde gehen dnrch die Hintere Gartenthür), Neunte Seen e. A-d olfine, Profe ssor. ?l d o l f.(in»er einen Elke für sich.) Fräulein Julchen Bornthal? Pros.(in der«n»«rn Ecke für sich.) MadiUNk Stölzel? Ad ochf. Sogar ihr Vornahme Ju lch en war:hm bekannt. Pros. Was zum Henk er macht sie bey der? Adolf. Die Welk soricht auch nicht viel Gutes von diesem Iulchen. Pros. Wer ist diese Madame StLlzel? Adolf. Sie ist schon zwey Mahl Braut gewesen. Pros. Doch wohl nicht gar eine Gelegen- heitSmacherinn? Adolf. Die Frau Schwester, hing sich s» hastig an seinen Arm. Pros. Der Herr Bruder war auch gleich bey der Hand. Adolf. Es wird schon ziemlich dunkel. P,r o f. Wir haben nicht einmahl Mondschein. Adolf. Warum muß ich mit so häßlichen Empfindungen mich quälen! Pros. ttaui) Die Frau Schwester siehe« in tiefen Gedanken'l Adolf. Ja, ich bedaure so im Stillen meinen guten Mann mit seiner beschwerlichen Praxis. Pros. Ey die hat einen goldnen Boden. Adolf. Ich würde mich gern einschränken, wenn— Pros. Wenn er lieber gar nicht practizirte? Adolf. Ja, ich bekenne es. Denn sagen Sie selbst, Herr Bruder— ach habe zwar das höchste Vertrauen zu meinem Mamie, und er ver- 23kl dient es auch; aber Sie wissen, wie die Männer sind: die besten bleiben doch immer Selave» ihrer Sinnlichkeit. Nun gibt eS ja wohl in keinem Stande mehr Gelegenheit zur Verführung— Pros. Ey, wie das? Ab o l f. Sie können noch fragen? Bey Tag und Nacht wird er zu den schönsten Weibern gerufen, die sind im Negligee,— die liegen wohl gar im Bette. Pros. Sind aber krank. Adolf. Ja, wenn sie nur immer recht ordentlich krank waren, die Schwindsucht oder daS hitzige Fieber hatten; aber da ist es ein wenig Kopfschmerz oder ein elender Katarrh. Und dann vollends die hysterischen Personen — ach Herr Bruder, die bringen mich noch unter die Erde. Pros. Ja, meine Frau ist bisweilen auch hysterisch. Adolf. Da wollte ja mein Mann neulich gar einen Versuch mit dem Magnetismus machen. Aber das habe ich mir verbethen. Pros. War auch bedenklich. 2tdolf. Kurz, Herr Bruder, für eine Frau, die ihren Mann liebt, gibt es keine grössere Qual aus der Welt, als wenn er ein practi- »wv-" 2^1 scher Arzt ist. Nicht genug, daß mau am Tage nie weiß, was er thut; in der Nacht ist es noch weit schlimmer. Kaum hat man sich zur Ruhe begeben und glaubt nun endlich einmahl in Sicherheit zu schlafen, weil man ihn dicht neben sich hat— Kling! Kling! da schellt es schon wieder an der Hausthüre— Poch! Poch! da klopft es an das Vorzimmer.„Wer da?"— Eine Zofensiimms ertönt:„Die gnädige Frau laßt bitten— das gnädige Fräulein laßt ersuchen— Sie möchten doch gleich zu ihr kommen; sie hat Beängstigungen, Herzklopfen und Gott weiß was alles."„Ich komme gleich" ruft mein Mann.„Das hakte ja wohl Zeit brs morgen" wage ich zu erinnern.„Nein, mein Kind, man muß seine Pflicht ganz thun" und fort lauft er bey Nacht und Nebel. Da lieg' ich denn einsam in meinem Bette, und zahle jeden Glockenschlag, und je langer er weg bleibt, je mehr quält mich die Einbildungskraft, und kommt er endlich nach Hause, so habe ich selbst ein Fieber. Pros. Ach Gott, theuerste Frau Schwester, was soll ich denn sagen? ich, der ich das Unglück habe, ein Professor z» s, yn?— Mehr als fünfzig hübsche junge Bursche gehen bey mir täglich aus und ein. Meine Frau pflegt immer 232 am Fenster zu sitzen, da fliegen die Hüte vru den Köpfen bis auf die Erde. Im Sommer laßt sie auch wohl die Stubenthür offen. Der Weg nach meinem Auditorio führt vorbey, da gafft jeder Naseweis hinein, und scharrt seinen zweyten> Kratzfusi, nach der Stunde den dritten und auf^ der Straße den vierten. Nun wissen Sie, ich lese täglich drey Collegia, folglich empfängt meine Frau täglich mehr als 6oc> Bücklinge. Zwar sie ist eine sehr tugendhafte Person, Gott sey Dank! ich kann Felsen auf sie bauen, und ich thue es auch; allein die beste Frau bleibt doch i immer eine leichtsinnige Kreatur, und wie leicht! findet sich unter 6oo Bücklingen einer, der da Wohlgefallen erregt. Adolf. Ey Herr Bruder, wenn mau Vertrauen zu seiner Frau haben darf— Pros. Habe ich denn das nicht? Mein Gott, lasse ich sie nicht im Dunkeln mit meinem Bruder in die weite Welt ziehen? Adolf. Ja, mit ihrem Bruder; vor dem sind sie auch sicher. Pros. Ey was, man ist nie sicher, und mein Bruder ist auch kein Heiliger. Adolf. Ich bitte recht sehr, mein Mann— Pros. Ich kenne ihn von Jugend auf- 2ZZ Adolf. Seine Treue. Pros. Gelegenheit macht Diebe. Adolf. Eher möcht' ich sagen, meine Schwester sey ein wenig— leichtsinnig. Pros. Ich bitte recht sehr! MeineFrau— Adolf. Ihre Munterkeit führt sie bisweilen zu weit. Prof. Um keinen Schritt. Adolf. Auch den Schein soll man meiden. Prof. Das gebe ich zu. Adolf. Besonders wenn geliebte Personen dadurch beunruhigt werden. Prof. Freylich, das ist wahr. Adolf. Sehen Sie nur, wie dunkel es wird. Prof. Ganz verflucht dunkel. Adolf. Mich dünkt, sie bleiben lange aus? Prof. Ich bin ganz ruhig dabey. A d o l f. O ich auch. Prof. cixwS-ite) Ich mochte verzweifeln. Adolf. Doctor. Retten wir vor allen Dingen i ihre Ehre vor den Domestiken. Was^wird der Gärtner sagen, wenn er sein« hohen Herrschaften so maskirt erblickt? Bert ha. O da wollen wir bald helfen. Doctor. Ich höre ihn schon kommen. Bert ha. Es hat nichts zu bedeuten. Drey- 2stl Dreyzehnte Scene. Vorige. Michel(mit Licht.) Michel. Nun, da ist Licht. B-rrha(blast es aus). Ist nicht mehr nöthig. Michel(ganz erstaunt). So? Doctor. Wir haben die Leute bestellt. Michel. So? Doctor. Kommen Sie herein, Jungfer, ich werde Ihnen gleich das Recept verschreiben.(Geht niit Abolfine» rechts ab.) Michel. So? Bert ha. Kommen Sie herein, mein Herr, ich habe Ihnen noch allerley zu sagen.(Geht Mit dem Professor links ab), Michel. So?— Ey!— daS nenn' ich unverschämt! Nun wartet Ihr! Noch heute Abend sage ich es dem Herrn Professor und der Frau Doctorinn. Da gibts wieder Trinkgelder.— Alle Hagel! sie haben mir das Licht ansgeblasen! ich will schon ein Licht wieder aufstecken, das soll brennen wie eine Fackel. (Ab.) (Der Vorhang fällt.) Kotzevne's Theater 34- Dd. L 2.42 Zweyter Act. Gemeinschaftlicher Saal mit einer Mittel- lind zwey Srilenlhüren: links im Vvrgrunde des Doclors Zin» mer, einige Schritt« weiter Adolsinens, rechts im VorgrnnLe Berthes Zimmer, weiter hin des Provisors Studierstnl'e— es ist Abend— jivey Lichter auf »!M Tische, Erste Scene. Fritz,(mit einer Trommel, auf der er trommelt,) Matchen(mit einer großen Puppe.) Matchen. Spritz, mache nicht so viel Lärm! Fritz. Ey, stopfe du die Ohren zu. M atchen. Du wirst noch einmahl ein Trommelschläger werden. Fritz. Nun ja, warum nicht? Papa hat 2st3 noch gestern gesagt, die Trommelschläger waren jetzt gar wichtige Leute. Molchen. Ich heirathe keinen Trommelschläger. Fritz. Ich mag dich auch nicht. Malchen. Einen Ofsicier will ich haben. Fritz. Die spricht schon vom Heirathen, und spielt noch mit einer Puppe, die großer ist, als sie selber. Malchen. Das ist keine Puppe, das ist Fanchon. Fritz. Ein Affengesicht. Malchen(weinerlich.) Fritz, du sollst mich nicht necken. F r i tz(trommelt.) Trumdum! Trumdum! Malchen. Wenn du so viel Lärm machst, so wird Mama kommen. Fritz. Was thnts? Malchen. Freylich, Mama erlaubt dir alle Ungezogenheiten; aber dann könnte sie auch leicht Madame Schweizer gewahr werden. Fritz. Wird Madame Schweizer diesen Abend noch herkommen? Malchen. Jawohl. Ich habe es vom Papa. Mir vertraut Papa Alles. L 2 244 Fritz. Was sie sich einbildet. Wir wolle» sehen, wer morgen am besten besteht. Molchen. Ja, das wollen wir sehen! Fritz. Ach, da kommt Madame Schweizer. Molchen. Pst! Pst! schreye nicht so! Zweyte Scene. Vorige. Madame Schweizer. Schweizer. Guten Abend, Kinderchen! Mama wird uns doch nicht überraschen d Matchen. O ne>n. Die Mutier sitzt mit dem Vater auf dem Sofa, und sie reden gewaltig viel mit einander. Schweizer. So kommt geschwind, heute zum letzten Mahl. Malchen. Fritz, nimm das Licht! Fritz. Wo gehen wir hin? Malchen. In des Vaters Studierzimmer. Fritz. Die Thür ist verschlossen. Malchen. So gib mir das Licht, und lauf schnell über den Gang; die Hrntenhüre ist offen. Dann schiebst du nur den Riegel von innen weg. Fritz. So wie neulich. O ich weiß schon. ('Uu,t schne« durch Adoistnenü Zimmer.) Schweizer. Mama hat doch nicht erfahren/ daß ich schon zwey Mahl hier gewesen? Malche n. Nicht eine Sylbe. Mein Bruder ist zwar sonst eine Plaudertasche; aber dieß Mahl hat er geschwiegen— Papa hat es ihm auf die Seele gebunden. Michel(der schon, wie Fritz fortlief, den Kopf durch die Miitelthur gesteckt hatte). So? Fritz(öffnet von innen des DoetorS Zimmer.) Da bin ich schon. Malchen. Hast du auch dem Vater einen Wink gegeben? Fritz. Freylich. Michel. So? Malchen. Kommen Sie, liebe Madame! Wir wollen dann wieder geschwind zuschließen. Schweizer. Aber Zhr Herr Vater? Fritz. Der machc's wie ich, er tappt im Dunkeln über den Gang. (ALe drey ins Zimmer des Doctors.) Dritte Scene. Michel(kommt hervor.) Das geht ja ganz verflucht hier im Hause zu! Mit Respect zu melden schon das zweyte Dirnchsn, das den Herrn Doctor bey Nacht und Nebel besucht. Und die armen unschuldigen Kindlein! ,Das ist ein Scandal! Vierte Scene. Michel. Suflchen(gar Berthas Zimmer,) Eustchen. Den ganzen Tag ist er nicht jiüi! Vorschein gekommen. Sieh da, Mrchel, was willst du so spat? Michel. Ich wollte nur sehen, ob die Nachtigallen noch Mehlwürmer haben. Gu stehen. Weißt du nicht, wo der junge Herr Müller ist? Michel. Eh, ich weiß ganz andre Dinge. 24? Gustchen. Beantworte mir nicine Frage. Michel. Was geht mich der junge Herr Müller an? Der ist em armer Schlucker, bettelt mir alle Augenblick ein Bouguet für Sie ab, und zahlt mir keinen Heller. Doch baß ich nicht lüge, neulich an ihrem Geburtstage den Strauß mit der Pomeranze, dafür hat er mir koch einen halben Gulden gegeben. Aber ich glaube, es war der letzte; denn er mußte ihn aus allen Taschen zusammensuchen. Gustchen. Willst du mir wohl einen Gefallen thun? Michel. Für Geld und gute Worte, warum nicht? Gustchen. Die guten Wort- gebe ich dir gleich, das Geld auf ein anderes Mahl. Michel. Umgekehrt wäre es mir lieber. Gustchen. Geh auf den Gang—du weißt ja, wo Herr Müller wohnt— und sieh, ob er zu Hause ist? Michel. Weiter nichts? Gust che n. Nein, weiter nicht s. Michel. Und wenn er zu Hause ist, so« er herkommen j — und ich nahm mir gleich im Stille» vor, heute darnach zu suchen, als hätte ich, wie Frau Ceres, mein eignes Kind verloren. Darum fragte ich Sie aus— haben Sie nichts gemerkt?— Wo Sie gegangen, gestanden, ge- lsssen. Die Stunden, durch die ich mein Brod verdiene, gab ich diesen Morgen in aller Frühe, um den Tag frey zu haben. Die versäumten Col- legia hohle ich wohl nach. Gegen ic> Uhr war ich auf den Beinen. Nun ich bin ehrlich herum gestrichen; die Sonne hat eS verzweifelt warm mit mir gemeint. Ein Glas Milch den ganzen Lag, mehr habe ich nicht genossen. Gu stehen. Guter Müller! Müller. Ja, der gute Müller wäre doch beynahe mit leeren Händen nach Hause gegangen. ES wurde schon dunkel, und ich hatte noch rmmer nichts gefunden. Ich war so verdriesslich, daß ich mich über einen fliegenden Drachen ärgerte, den die Bauerjungen fliegen ließen. Zum Glück gerieth ich auf den Einfall, einen Hirten zu fragen, der seine Heerden Hinabtrieb:„Hast du kein Taschenbuch gefunden?"— Der Kerl schmunzelte. Da pochte mir das Herr.„Ich bitte 25l dich um GotteswiUen!"—„Was gibt mir der Herr?"—„Alles war ich habe!" Als der Spitzbube sahe, dap nur vor Begierde die Auge» brannten, da forderte er mehr als ich hatte. Ich liess ihm die Wahl zwischen meinem Beutel, und einem Buckel voll Prügel. Das brachte ihn zur Raison, und der Schatz war mein. Gustchen. Geschwind! Wie viel haben Sie ausgelegt? Müller. Pfuy!— Liebes Gustchen—- nehmen Sie mirs nicht übel, daß ichSieGust- chen nenne! Es fuhr mir so aus dem Herzen — Ausgelebt? Ich dachte, Sie würden mich freundlich ansehen, und Sie biethen mir Geld. Gustchen. Nein, ich biethe Ihnen nichts, als den Druck meiner Hand.(Reicht sie ihm.) Müller. So ists recht! O die liebe Hand! (Gustchen zieht sie wieder weg.) Weg war sie! Auch M. Ich bin belohnt. Aber sehen Sie doch geschwind nach, ob nichts fehlt? Ich habe nichts angerührt, so wahr ich ehrlich bln. Gustchen(sieht nach.) Es ist Alles da! Müller. Nun Gott sey Dankt Ich muß Ihnen schvn bekennen, daß ich ein paar Mahl mit den Fingern gezuckt habe. Ein leichtfertiger Dämon flüsterte mir in die Ohren: es konnten auch wohl gewisse Briefchen darin stecken— Sie »erstehen mich wohl— Aber weiß Gott, ich habe mir den Satan vom Leibe gehalten, wie Doctor Luther, wenn ich gleich kein Dinrenfaß^ nach ihm geworfen habe. Gustchen. Sie wurden nichts gefunden haben, als einen Drief meiner seligen Mutter. Müller. Schade, daß sie nicht noch lebt! Ich meine, zu ihr hatte rch Vertrauen gehabt in jeder Noth. Gu stehen. Haben Sie denn keine Mutter mehr? Müller. Ach nein! Die ist schon lang« i todt! Gustchen. Sind Sie, gleich mir, ganz verwaist? Müller. Mein Barer lebt noch; aber— ich will Ihnen das' ein Mahl erzählen, wen» wir so wie neulich in der Laubc sitzen, wahrend die Andern Karten spielen. Gustchen. Ach lieber Müller, so werden wir wohl nie mehr bey einander sitzen. Müller. Nicht? Warum»ichc? Gustchen. Ich muß dieses HauS verlasse». Müller. Verlassen?— Ich meine, Ihre Pflegemutter trüge Sie auf den Händen. §53 Gustchen. O ja—sie ist unaussprechlich gut— aber ihre Schwester— Müller. Ist auch eine brave Frau. (Äu stehen. O ja, das ist sie— aber ihre »»glückliche Gemüthsart— ihr beleidigender, esc lächerlicher Argwohn, den sie>üe zu un- terdnicke» vermag— jeder Bleck, den der Doctor auf mich wirft, jedes Work, das er zu mir spricht, zieht mir Bitterkeiten zu. Ich kann nicht auf sie zürnen; denn ihre eigene Schwester leidet oft gleich mir— ich kann sie nur bedauern, das; sie zu ihrem braven Manne kein Vertrauen fasten kann. Sie selbst schämt sich dessen, und bereut eS oft, und bekämpft eS vergebens. Ich halte es für Pflicht, ein Haus zu verlassen, wo ich Kränkungen dulden, und Andere betrüben muß. Müller. Aber wohin? Gnlstchen. Ich werde— ich soll— davon ein ander Mahl—> oder— fragen Sie meine Pflegemutter. Gute Nacht, lieber Müller! Es geschehe, was da wolle, das Taschenbuch vergesse ich Ihnen nie.(Geht-ur Mitte ab.) Müller. Sie will aus dem Hause, und verschweigt mir wohin?— Warum verschweigt 25^ Ae daS?-- Ich ziehe ja doch hinter ihr her wie die Schwalbe hinter dem Frühling. Siebente Scene., Müller, Bertha(aus ihrem Zimmer.) Bertha. Guten Abend, Müller! Es ist mir lieb, Sie noch anzutreffen! Sie schwatzten mir diesen Morgen so viel närrisches Zeug von Gustchen vor, daß ich darüber vergaß, Sie um eine Gefälligkeit zu bicten. Müller. Da bin ich mit Leib und Seele. Ich diene gern, u»8 Ihnen vor Allen. Bertha. Sie kennen meines Mannes Lieb- Haberey für Mineralien, Versteinerungen und dergleichen: er wendet viel darauf, bisweilen mehr als seine Caffe erlaubt. Geilern erzählte er mir mit einem Entzücken, welches nur ein Mineralog ihm nachsmpßnden kann: er habe bey dem Kaufmann Thorberg, der kürzlich von einer Reise nach ckrabien zurück gekommen, einen Dendriten gesehen, aber einen Dendriten, wi« es keinen mehr auf der Welt gebe, ich glaube gar, er lst vom Berge Sinai; die Natur soll 25t) eine der schönsten Landschaften darauf abgebildet haben. Ich merkte bald, wie lüstern er darnach geworden; allein der Besitzer hatte i» oder r5 Friedrichsdo'r dafür gefordert, das war meinem guten Manne zu viel, und doch hat er mir noch vor drey Tagen eine goldene Halskette geschenkt, die weit mehr kostet. Müller. Das freut mich, das ist hübsch von ihm. Bertha. Mich bar er auch.gefreut; aber nun bekümmert es mich. Die Kette>.st wohl recht schon, und ich trüge sie gern; aber so viel Vergnügen gewahrt sie mir nicht, als der Dendrit meinem Manne, und so viel kann sie mir nie gewahren, als dir Freude, ihn mit diesem Dendriten zu überraschen. Müller. Das ist brav, das ist recht brav! Bertha. Danke für das gütige Zeugniß. Kurz, lieber Müller, Sie sollen mir behülflich seyn, den Dendriten wegzukapern, ehe ein Nebenbuhler ihn erwischt. Müller. Von Herzen gern. Bertha. Ich weiß von meinem Manne, daß morgen mit dem frühesten ein großer Kenner das Wunderding beschaue» und wahrscheinlich erhandeln wird; also müßte noch diesen Abend «twas geschehen. Müller. Was denn? Ich bin bereit. Bertha. Schreiben Sie an den Arabischen Pilgsrsmann ein Zeirelchen i» meinem Nahmen. Hier ist Feder und Linie. Bitten Sie ihn, her- zukommen, und seinen Schatz mitzubringen. Er wird einer Dame das schon zu Gefallen rhun, nnd ich hoffe, wir werben des Handels einig. Zch habe ihm nicht selbst schreiben mögen; denn mein Alaun hat tue kleine Schwachheit, alle meine Billets aufzufangen. Müller an dc» Lisch.) Ich sitze schon. Bert h a. Bestellen Sie ihn die Hintertreppe herauf. Schicken See den Zettel durch Ihren Aufwärter. Adieu! Dem Himmel sey Dank, daß mein Mann mir nicht überrascht hat. (Geht in ihr Zimmer.) Achte Scene Müller allein. Gute Bertha, ich möchte dir bisweilen um den Hals fallen-—und ich will es auch nächstens thun.(Schreibt.), Ihren Dendriten z« raufen den sie angenehm überraschen will, — Ihr gehorsamer Diener'. Neunte Scene. Müller, Bertha(kommt zurück.) Bertha. Ich habe mich eines Bessern bedacht. ES ist mir eingefallen, daß die Madame Tborberg eine eitle Person ist. Gehen sie selbst hin, lieber Müller, und nehmen Sie die Kette gleich mit. Wenn die Frau daS geschmackvolle Halsband erblickt, so redet sie dem Manne wohl zn, und ich erreiche meinen Wunsch um so sicherer. Müller. Sehr wohl; so ist das Billet überflüssig.(Reißt es in zwey Stücke.) Bertha. Da nehme« Sie die Kette. Müller. Ein herrliches Kleinod.(Wickelt sie in bie eine Hälfte deß zerrissenen Billets, und wirst die andre weg.) Wird es Sie nicht gereuen? Bertha. Junger Mann, Sie schwatzen so viel von isiebe, und wissen noch nicht einmahl, daß es keine größere Freude auf der Welt gibt, »ls mit eigner Aufspserung den Wunsch des Ge- 25b liebten zu erfüllen. Gehen Sie, und kommen Sie mir ohne den Dendriten nicht wieder vor die Augen.(Gcht in ihr Zimmer.) Müller. Gut, daß sie ging, sonst hatte ich mich verrathen, und wäre ihr um den Hals gefallen.(Will gehe,,.) Zehnte Scene. Müller, Michel(aus der Mitte.) Michel. Alle Hagel! Da sind S'.e ja schon. Müller. Hast du mich gesucht? Michel. Freylich. Aber ich suchte Sie, und fand die Köchinn, und wir ich die Köchinn gefunden hatte, da vergaß ich Sie zu suchen. Müller. Vermuthlich hatte die Frau Professorinn dir aufgetragen, mich zu rufen? Ich habe sie bereits gesprochen. Michel. So? Haben Sie sie gesprochen? Ne, die hat mir nichts aufgetragen. Aber Jemand, der durchaus wissen will, ob Sie zu Hause sind. Müller. Nun? Dieser Jemand? Michel. Was geben Sie mir, wenn rchS verrathe? Müller. Vielleicht Mamsell Eichen? (Nich.-l nickt.) Die habe ich auch schon gesprochen. (Zur Mitte ab.) Michel. So? Die haben Sie auch schon gesprochen? DaS ist ein Satans Kerl! Während lch bey der Köchmn nur ein Bischen schar- mirt habe, ist er schon bey Zweyen der Hahn im Korbe gewesen. Eilfte Scene. Michel, Professor(aas seinem Zimmer.) Pros. Was willst du so spät, Mrch.'l? Hast du etwas'anzubringsn? Michel. Hu! Entsetzlich viel! Pros. Nur nichts über meine Frau, dar sag' ich dir. Sie ist die vortrefflichste, die Neueste-—> Michel. Die schönste, die keuscheste— Pros. Die nachsichtsvollste— Michel. Die tugendhafteste— Pros. Ein Engel! Z6« Mich es. Eine Perle! Pros. Also von der kein Wori! Michel. Sehr wohl!(Pause.) Pros. Nun? Was denn sonst? Michel. Sonst gar nichts. Pros. Also warst du doch wegen ihr gekommen? Michel. Ich kann ja auch wieder gehen. Pros. Geh in Gottes Nahmen! Michel. Wünsche wohl zu schlafen!(Will gehen.) Pros.-Höre Michel! Michel. Ich höre. Pro f. Wenn du mir von meiner Frau etwas Unwahres berichtest/ so schlage ich dir Arm und Bein entzwey. Michel. Ich sage ja nicht ein Wort. Pros. Geh zum Teufel! Michel. Dann muß ichhicr bleiben; denn hier ist der Teufel los. Pros. Wie so? Michel. Ich bin stumm. Pros. Warum redest du nicht? Michel. Weil ich meine gesunden Glied- maßen lieb habe. 2^ 1 ^>rof. Nun nun, so rede nur. Ich kau,, dich ,a wohl plaudern lassen. Michel. Die Zunge ist mir ganz erstarrt. Pros. Soll ich sie lösen? Michel. Machen Sie eine Probe! Pros.(gibt ihn» Geld.) Nun da, so rede! Miche l. Vor einer Stunde lam eine Mannsperson in den Garten ohne Laterne, ganz i,n Dunkeln. Ich nehme ihn beym Kragen, rch will ihn prostituiren; was geschieht? Die Frau Professorinn kommt, spricht: sie habe rhn bestellt, lind führt ihn, mir nichts dir nichts in ihrKam- merlein. Pros. Wie sah der Fremde aus? Michel. Wie ein Nachtwächter. Ein hässlicher alter Kerl mit einem Buckel hinten und vorn. Pros. Hahaha! Du hast im Dunkeln scharfe Augen. Michel. Ich brachte Licht, aber denken Sie sich den Grauel! Die Madame selber blies «S mir vor der Nale aus. Pros. Wirklich? Hahaha! Ich danke dir, »lein Freund, mit dein Nachtwächrer hat es Nichts zu bedeuten. Michel. Mein'ttvegen! Pros. Das Vertrauen zu meiner Frau« ist unerschütterlich.^ Michel. Eben jetzt hat sie hier im Saale mit dem MuSje Müller geschwatzt. Das hat aber auch nichts zu bedeuten."" Pros. Mit dem jungen Herrn Müller? Michel. Ja!^ Pros. Ganz allein? Michel. Mutterseelen allein.„s Pros. Wer weiß durch welchen Zufall— Michel. Freylich—^ P r o f. Man begegnet sich von ungefähr—^ Michel. Das trifft sich wohl. Pros. Man spricht ein Paar Worte— Michel. Natürlich. Pros. Und daü ist Alles? Michel. I'utto. Pros. Hier gehen ja auch beständig Leute ab und zu. Michel. Ab und zu.^^ Pros. Hier brennt ja auch ein Licht. Michel. Es ist lange nicht geputzt. kPutzi es.) Pros. Nem, ich will das beste Weib durchaus nicht mehr durch Argwohn kranken. Michel. Bravo! s65 Pros. Ich will nichts mehr hören!(Nimmt dar zerrissene Papier auf.) Michel. Recht so? Pros. Ich will nichts mehr sehen.(Geht nach dem Lichte.) Michel. Ein weiser Entschluß! Pros. Was ist das?(Liest.)„Die Frau Professorinn— wünscht insgeheim— noch diesen „Abend mit Ihnen abzuschließen— der Herr „Prvsessor— darf nichts davon erfahren— sie „will der Liebe ein schönes Opfer bringen— „man erwartet Sie— an der Hintertreppe"— Tod und Teufel! Michel. Eine böse Gesellschaft! Prof. Das ist die Hand des jungen Müllers. Michel. Dacht' ichs doch/ der hat die Hand im Spiele. Prvf. Aber an wen geschrieben? Michel. Vermuthlich an den Nachtwächter. Pros. Der Drief ist zerrissen— nur die halben Zeilen sind zu lese». Michel. Man hat an der Halste genug. Pros. Das muß heraus. Michel, du mußt mir beystehen. Michel. Es hat nichts zu bedeuten. Pros. Wie? Nichts zu bedeuten? Mi- 26st Michel. Madame ist eine Perle. Pros. Die Perlen sind eine Krankheit. Michel. Madame ist ein Engel. Pros. Ach nein, sie ist ein Weib. Michel. Mir schlägt man Arm und Bei» entzwey. Pros. Lieber Michel, ich werde dich fürstlich belohnen. Stelle Llch an die Hintertreppe, laß keine Maus entschlüpfen. M'.chel. Ich will lauern wie auf einen Maulwurf. Pros. Ob ich gleich jetzt zu ihr hineinstürze? Ob ich den Schanczerrel chr unter die Augen halte?— Nein, ich will wich verstellen. Sie wäre im Stande mir alles abzulaug- nen. See würde sagen:„Habe ich denn das geschrieben?" Oder:„ist denn von mir die Rede? Gibt es nicht außer mir noch Professorinnen genug in der Stadt? Was weiß ich, mit wem der junge Herr Müller sein Wesen treibt? Was geht es mich an?" Und so weiter. Nein, ich will schweigen. Ich will die Treulose ertappen, und den Buhler vor ihre» Augen ermorden.(Ab.) Michel. Huhu! Nun brennt es in allen Ecken. Zwölf- Zwölfte Scene. Adolfine, Michel. Adolf. t«»s ihrem Zimmer.) Wer sprach hier so laut? Michel. Der Herr Professor. Adolf. Warum tobt er? Michel. Es ist ihin etwas vor die Stirn befahren. Adolf. Ich will doch nicht hoffen, daß er schon wieder gegen meine Schwester ungerechten Argwohn hegt? Michel. Es ist eine dose Krankheit, wer sie einmahl am Halse hat, der wird sein Lebtage nicht ganz davon kurirt. Adolf. Du irrst, mein Freund. Ich selbst >var bisweilen damit behaftet; aber Gott sey Dank! ich empfinde keine Spur mehr davon. Michel. Gratuliere! Adolf. Es ist ja auch, beym Lichte beseht», recht albern. Michel. Recht einfältig. Adolf. Man quält was man liebt. Michel. Bis aufs Blut. K-tzebm's Theater 3ch. Dd. M Adolf. Und sich selbst obendrein. Miche l. Tag und Nacht. Adolf. Ist das nicht närrisch? Michel. Pudelnarrisch. Adolf. Zumahl wenn man«inen selchen Mann hat wie ich. Michel. Zumahl. Adolf. So brav! Michel. So respectabel! Adolf. So treu! Michel. So felsenfest! Adolf. Darum verbiethe ich dir auch, mir jemahls ein Wort gegen ihn anzubringen. Michel. Werde mich wohl hüthe». Adolf. Es würde auch nichts helfen; ich würde dich gar nicht anhören. Michel. Wer bezahlt mir denn meine Mühe? Adolf. Niemand, hörst du? Niemand. Michel. Schon recht. Meinetwegen mag er alle Abende ein Mädchen von der Straße aufraffen. Adolf. Als ob er das thäte! Michel. I im,>for einer Stunde hak er «ine herein geführt. Adolf. Das hat dir geträumt. tiri ihr I i!.r I gar los das sch Äa ior lch'n M L e» lir ;e 267 Michel. Ich erwischte sie im Garten, es !«ar ein häßlich Schatzchen.— Adolf. Meinst du? Michel. Ich wollte sie hinaus transpor- tiren; ober der Herr Doctor meinte, er müsse >!>r erst ein Recept verschreien. Adolf. Hahaha! Michel. Und mir wurde das Licht ausgeben. Adolf. Hahaha! Siehst du nun, daß ich S>»z geheilt bin?. Erzähle du nur immer drauf mich bewegst du nicht. ! Mrchel. Sehr wohl. Ich kann ja auch Übrige für mich behalten. Adolf. Das Übrige? Michel. Was geht es denn mich an? Adolf. Welches Übrige? Michel. Als e>in treuer Diener habe ich Krochen, als ein treuer Diener halte ich das Adolf. Weil du nichts mehr weißt. Michel. Meinethalben mag der Herr Doc- ^em ganzes Serail in seinem Haufemnlegen. Adolf. Lügner! Du hast nichts weiter ge- Michel. Gesehn? Oja; aber ich sage nicht! weiter. )ldolf. Wohlan, bloß»m dich zu besche- mcn; ich erlaube dir zu reden. Michel. Ey ja doch! was hatt' ich den» davon? Adolf. Prügel, wenn du lügst; ein Trinkgeld, wenn du die Wahrheit sagst. Michel. Geben Sie Mir nur erst da» Trinkgeld, und wenn ich gelogen habe, so lassen Sie mich hinterdrein prügeln. Adolf. Nun da!(Gibt ihm Geld.) Aber nimm dich in Acht, es wird dir nichts geschenkt. Michel(heimlich.) Es ist n o ch ein Frauen- jimmerchen heremgeschlichen. Adolf. Es wird die Köchinn gewesen seyn. Michel. Ne, ne, die Köchinn kenne ich gar zu gut. Es war ein vornehmes Flauen- zimmerchen, mit einer Saloppe, und allerley Kram auf dem Kopfe. Adolf. Die ist vermuthlich zu meiner Schwester gegangen. Michel. Sie fragte nach dem Herrn Docker. Adolf. So? Michel. Ich stand uncen an der Treppe: —„ist der Herr Dvctor zu Hause?"—„2^" B- )(»!> Miß nnü Si> min ceii- 'Y!I. i-h ien- rley ner kor. pe: -„Ist er allein?"—„Das weiß ich nicht/' — und damit hüpfte sie die Treppe hinauf wie eine Bachstelze. .'Idols. Was wollte sie? - Michel. Vermuthlich wollte sie auch em Recept hohlen. Adolf. Ich komme ja eben jetzt von meinem Manne. Wo wäre sie denn geblieben? lMichel deutet schelmisch auf des Doctsrs Zimmer.) Du lügst. Michel. So bekomme ich Prügel. Adolf. Du willst mir nur Geld ablocken. Michel. Jeder Kreuzer muß ehrlich vergilt seyn. Adolf. Geh, ich werde es untersuchen. Mich'el. Wünsche gute Expedition. (Zur Mitte ab.) Dreyzehnte Scene. Adolfine. Der fatale Mensch mit seinen albernen Nächsten! Es ist nichts/ ganz gewiß nicht»; aber ! 27» >ch will mich Koch überzeugen, meinem gut!» Manne zur Ehre, und mir selbst zur Beschämung. Ein Frauenzimmer— ein wohlgebildettt z Frauenzimmer— hier im Saale ist sie nicht— s zu mir ist sie nicht gekommen— nach meine«»? Manne hat sie gefragt— so konnte sie freylich« wohl nirgends anders seyn, als in seinem Zimmer— vielleicht eine Patientinn!— Ich will doch hineingehen— ich will die Thüre ganz leise öffnen— ist sie wirklich da, so will ich nicht stören, auf der stelle wieder umkehren, meinem Manne zeigen, daß ich Vertrauen zu ihm^ dsök,(Sie dr-l-r aanz leise au dem Griff.) Die Thür^ ist verschlossen. Da haben wirö! Es war ein Mahrchen, ein albernes Mährchsn!— Eingeschlossen har wein Mann sich gewiß nicht mit n eurem Frauenzimmer.— Ich könnte horchen— aber nein, bis zum Horchen lasse ich mich nicht H herab. Es kömmt mir zwar vor, als ob ich ei»(, Aicheln horte—(Nähert sich der Thiir immer mehr.) Ja, wahrhaftig, es wird gesprochen, hm! tälj ist doch sonderbar— gezischelt hinter verschloss-) d neu Thüren— nein fürwahr, wenn ich nicht so roll.'g frey von allem'Argwohn wäre— eine äl Andere als ich, würde durch das Schlüsselloch gucken— ich erlaube mir das nicht—(Schult k Ite» ths- Nei le«, lich- iir-- villj -ist^ ich!! >ei-^ hm' >ür^ nn S'i ml -ht^ m>! «.)! a-! st- i chk l ne ch nt »on Seme.) Ich würde mich schämen, wenn ich (guck! durch.) Nun bey Gott, es ist ein Frauenzimmer, und zwar ein recht hübsches.— Was sol! ich davon denken?— Bin ich verrathen? Betrogen? Ich höre ein Geräusch.(Schmieg« sich «m die Wund dinier dem Tische.) Vierzehnte Scene. Adolfine. Doctor öffne« Madame S ch:v e l z e r das Zimmer; doch ohne sie heran» zu begleiten. Doctor. Leben Sie wohl, Madame! nochmahls meinen herzlichen Dank! Schweizer. Ich bleibe doch stets in Ihrer Schuld. (Der Doctor«nacht die Thüre tsicder zu; Madame Schwer jer will gehen.) Adol f.(vertritt ihr ds» Weg.) Mit Erlaubniß, Madame, wo kommen Sie her? Schweizer(verlege,,, doch bald sich fassend.) Aus dem Zimmer des Herrn Doctors. Adolf. Darf man wissen, in welcher Ab ficht— 2^2 Schweizer. Diese Frage wird der Hen Doctor Ihnen beantworten. Adolf. Sie können es nicht? Schweizer. Jetzt nicht. Adolf. Sie scheinen sehr verlegen? Schweizer. Ich bin es ein wenig. Adolf. Vielleicht eine Patientinn. Schweizer. Ich befinde mich wohl. Adolf. Vielleicht Ihr Mann, Ihre Kinder?— Schweizer. Ich habe weder Mann noch^ Kinder. Adolf. Nun mein Gott! Was haben Sie denn? Schweizer. Ein gutes Gewissen. Adolf. Darf ich fragen, mit wem ich die ^ahre habe zu reden? Schweizer. Mein Nahme ist Schweizer. Ich bin eine Schauspielerinn. Adolf. Eine Schauspielerinn? Wirklich? Schweizer. Ja, wirklich. Adolf, lind haben sich mit meinem Manns eingeschlossen? Schweizer. So ist es. Adolf. Das finde ich doch in der That Zusierst seltsam, äusierst unschicklich— 2^3 Schweizer. Madame!— Adolf. Um nicht zu sagen unverschämt. Schweizer. Das geht zu weit. Adolf. Ich verbitte mir dergleichen unanständige Besuche. Schmerze r. Unanständig? Adolf. Sie mögen leben nach IhremGe- fallen. Gewisse Leute haben eine Art von Privi- legurm dazu; aber eine glückliche Ehe muß man respccriren. Schweizer. Madam«, daß Sie mich in emem unwürdigen Verdacht haben, verzeihe ich Ihnen: denn Sie kennen mich nicht; daß Sie aber auch Ihren braven Mann einer Niederträchtigkeit fähig halten, verzeihe Ihnen der Himmel!(Verbeugt sich auffandig, und geht zur Mitte ab.) Fünfzehnte Scene. Adolfine allein. Ich glaube gar, die unverschämte Person gibt mir noch gute Lehren?— Das ist zu arg! 3ch finde eine Schausprelerinn m'.t meinem Manne eingesperrt; er selbst öffnet rhc die Thür, bedankt sich für die angenehme Unterhaltung; sie 3^^ eü nicht krank, sie hat also nichts bey ihm zl! schaffen; sie ist verlegen, sie kann nicht antworten, kann nicht einmahl einen elenden Verwand ihres Besuchs erfinden— und ich soll gelaffeu^ bleiben? Soll bey dem Allen nichts Böses den-^ beut Nun wahrhaftig, die Heilige möchte ich sehen, die dabey ruhig bliebe.—Ich will offen handeln, ich will ihn fragen—(Thue einen Schritt nach seiner Thüre.) Nein, ich will noch an mich halten, erst abwarten, ob er selbst das Räthsel mir lösen werde.— Ist er unschuldig, so wird er ja wohl kommen und sprechen: Ich habe einen Lesuch gehabt, rathe wen l Madame Schweizer, eine Schauspielerinn. Sie kam aus der und der Ursache.— Ja, das wird er thun, das muß er thu». Hat er doch selbst so eben eine ganze Stunde lang mir vorgepredigt, in der Ehe muffe Vertrauen herrschen, man muffe einander nichts verschweigen. Nun wohl, redet er nicht, so ist er schuldig, und ich bin verrathen!— O die Männer! die Männer! Auch die ehrlichsten!— Keinen Mitbürger werden sie um einen Heller betrügen, aber Betrug gegen ihre Weiber scheint ihnen erlaubt, wie den Spartanern das Stehlen.(Geht in ihr Zimmer.) (Der Verhau, fällt.) 2^5 Dritter Act. ES ist Morgen- Erste Scene. Professo r(kömmt aus den» Stu-ierzimmerch ^ier ist sie auch nicht!(Sieht nach der Uhr) Es >sr noch verdammt früh. Das wird immer toller. Kaum habe ich unser Schlafzimmer verlassen, kaum meint sie, ich sey an meine Studierstube gefesselt,— husch aus dem Bette, und fort in die weite Welt? O ich armseliger Professor der Naturgeschichte, der ich alle Thiere und Pflanzn kenne, vom Elephanten bis zum Maulwucf, "an der Ceder bis zum Usop! nur das einzige Saugechier, das Weib, ist mir unersorschlich! Meiberherzen sind Polypen, man kann sie in so viele Stücke schneiden als man will, jedes Stück lest für sich, und wird als ein Ganze» verschenkt. Zweyte Scene. Professor, Adolsine(aus ihrem Zimmer.) Adolf. Hier ist er auch nicht. Guten Morgen, Herr Bruder, haben Sie meinen Man» nicht gesehen? Pros. Nein. Haben Sie meine Frau nicht gesehen? Adolf. Nein. Aber es ist doch sonderbar, so früh am Morgen— Pros. Die Uhr hat kaum sechs geschlagen. Adolf. Ausgegangen ist er»och nicht) seine Kleider liegen noch auf dem Sessel. Pros. Ihren Sccohhut hat sie mitgenommen. Adolf. Ich war gegen Morgen endlich eingeschlummert— Pros. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. 277 Adolf. Da ist er leise aufgestanden und fortgeschüchen. Pr o f. Sie stellte sich, als läge sie noch im tiefsten Schlummer, bis ich den Rücken gewendet. Adolf. Wo kann er im Schlafrock hingegangen seyn? Pros. Wo kann sie im Negligee herumstreichen? Adolf. Mein Gott, wovon reden Sie? Prof. Wovon sonst als von meiner Frau? Adol f. Haben Sie schon wieder Grillen? Prof. Was Grillen! Heuschrecken sind eS. Zch bin betrogen, verrathen, verkauft, verspottet, gepeinigt, ermordet. Adolf. Herr Bruder, nehmen Sie mirs nicht übel: Sie sind nicht wohl gescheid. Prof. Ey! Adolf. Sie klagen beständig über meine Schwester, und doch ist meine Schwester ein Frauenzimmer. Prof. Eben deßwegen. Adolf. Und ein Frauenzimmer ist nie treulos. Prof. Das wäre! Ad o l f. Ein Frauenzimmer ist eins Unglück- liche Schlingpflanze, die leider eben so fest an einer dürren Stange, als an einem grüne-n Baume klebt. Pros. Und dem Baume das Mark auS- saugt. Adolf. Wir haben einen getreuen Wach-- ter, die Scham. Prof. Der sich bstrinkt und einschlaft. Adol f. Mir haben eine edle Beschützerinn, die Liebe. Pro f. Die blind ist auf üsyden Augen. 'Adolf. Aber Ihr seyd blinde, grobe, sinnliche Creaturen. Prof. Alle fünf Sinne büßen wir bei) Euch ein. Adolf. Und vor Allen Sie Herr Bruder. Man weiß ja, wie Sie, ror Ihrer Verheira- thung gelebt haben. Prof. Ja damahls lebte ich noch. Adolf. Jeder weißen Schürze sind Sie nachgelaufen. Prof. Weil es um die Herzen nicht der Mühe lohnte. Adolf. Und Ihre Liebeleyen sollen bisweilen sehr weit gegangen seyn. Pros. Freylich wissen wir nie, wohin ein Weib uns führt. Adolf..Daher kommt eben Ihr verdammtes Mißtrauen. P rof. Weil ich das Geschlecht habe kennen lernen. Adolf. Sie urtheilen nach sich. Prof. Nach meiner Erfahrung. Ad olf. S»e baben betrogen, und fürchten ßch nun betrogen zu w erden. Prof. Ich fürchte mich leider nicht mehr davor, es ist schon geschehen. Nehmen Sie mirs nicht übel, Frau Schwester, wenn eines von uns beyden nicht wohl g-scheid ist, so mochten Sle es seyn. Adolf. L« wäre kein Wunder, wenn man de» Verstand verlöre! Prof. Worüber können Sie klagen? Adolf. Ich? Mein Got^, ich! die Ver- laffene. Betrogene, Verhöhnte, Zermalmte. Prof. Das belieben Sie sich einzubilden. Mein Bruder ist ein Mann. Adolf. Eben deßwegen. Prof. Und Männer sind nie treulos. Adolf. Wenn sie todt sind. Pros. Männer wissen ihre Begierden zu zahmen. Ä dolf. Wen» sie satt sind. Pros. Die Leidenschaften zu bekämpfen— Adolf. Wenn sie a!r werden. Pros. Sie studieren Philosophie— Adolf. Sind aber keine Philosophen. Pros. Sie bauen der Weisheit Tempel—- Adolf. Und opfern der Thorheit. Dritte Scene. Vorig e. M ichel(schleicht her«».) Michel. Da finde ich Sie ja beysammen. Pros. Warum schleichst du so herein? Adolf. Hast du etwas auf dem Herze»? Mtchel. Auf dem Herzen? Ne! Aber auf der Zunge. Prof. So rede! Michel. Verfluchte Geschichten gibtS im Hause. A d o l f. Da haben wirs! P r o f. Steht Jemand an der Hintertreppe? 28l M ichel. Die ganze Hintertreppe wäre fast mit mir verbrannt. Prcf. Wie? Feuer? Michel. Wisse» See denn von nichts? Pros. Ich komme eben aus meiner Stu- dierstube. Adolf. Ich komme eben aus dem Bette. Michel. Bey Mamsell Gustche» hatS gebrannt, die helle, lichte Flamme! es war noch in der Morgendämmerung. Ich trete in den Garte» und gähn- d» seh' ich den dicken Rauch bey Mamsell Gustche» aus dem Fenster steigen. Hm, denk' ich, was wird denn daraus werden? und sehe mich auf die Bqnk, um zu sehen, was daraus werden wird. Adol f. Und machtest nicht Lärm? Michel. Ey bewahre! ES schlief sa noch alles im Hause. Pros. Und stürztest nicht hinaus, um zu löschen? Michel. Ey bewahre! Das Sprichwort sagt: Was dich nicht brennt, das lösche nicht. Ich habe genug an meinem Durste zu löschen. Pros. Nun was wurde denn aus dem Rauche? M ichel. Ein Feuerchen. 282 Adolf. U-n Gottesivillcn! Mich el. Es brannte ganz still, das wahrte aber nickt lange, so ging der Spectakel soS. -Da hörr' ich Puff, Paff!'als ob eine Thüre gesprengt würde— und dann eine feine Stimme— und dann wieder eine grobe Stimme— und ein bischen Gekreisch— und ein bischen Gebrüll?— und dann wurde es wieder mäuschenstille. Das Zeuerchen verlosch, der Rauch verzog sich, und der Doetor sprang durch den Garten die Hintertreppe hinauf. Adolf. Mem Mann? im Schlafrock? Michel. Und in Pantoffeln. Adolf. Zu Gustchen? Michel. Oder zu der Köchinn, denn sonst wohnt ja Niemand auf dem Gange. A dolf. Und ist er schon lange dort? Michel. Eui seines Weilchen. Adolf. Also dort halt' ich ihn suchen müssen?(Wirft sich linker Hand«uf einen Sessel.) Pros. Da nimmt schon wieder die Vernunft Reisiaus!— Das arme Kind wird erschrocken seyn und Arzney gebraucht haben. Vermuthlich hat meine Frau ihn rufen lassen; die war sicher auch dabey. L65 Michel. Nein, die Frau Professorinn weiß nichts, die hat ganz andere Geschäfte. Prost Wie so? Michel. Schon seit einer Halden Stunde spaziert sie ii» Garten herum. Pros. Allein? Mach e l. Mit der Madame Stolzel. Pros. Welcher Satan führt die Madam« Stolzel des Morgens um 6 Uhr ui meinen Garten? Wer kennt das Weib? Wer ist sie? Michel. Ich kann es dem Herrn Professor wohl ins Ohr sagen: es ist eine verkleidete Mannsperson. Pros. Bist du rasend? Woher glaubst du? Michel. Sie pochte an das Hinterpfort» chen; ich thue ihr auf, ich lasse sie herein. Nun habe ich so meine eigene Mamer; wenn ich des Morgens ein Frauenzimmer sehe, so fange ich damit an, daß ich sie in die Backen kneipe; das thu' ich denn auch bey ihr, und sie gibt mir ein Paar Ohrfeigen, daß mir die Finger noch auf den Backen kleben— P rost Daraus folgt ja keinsswegss— Michel. Aber was für Ohrfeigen! O ich habe deren in meinem Leben so viele bekommen. 284 tziß ich sehr gut zu unterscheiden weiß/ obs eine Manns-oder Frauenzimmer-Hand ist. Pros. Wenn du sonst keine Beweise hast. Michel. Beweise, so viel als Erdflöhe auf meinen Kohlpflanzcn. Denn erstens trug sie keine Florkappe, war also nicht besorgt um ihre weiße Haut; zweytens hat sie mir kein Blattchen abgerissen; es kann aber kein Frauenzimmer in einen Garten kommen, ohne irgend etwas abzu- peissen; drittens hat sie sich vor Spinnen nicht gefürchtet; denn es ist ihr eine vom Baume auf die Schulter gekrochen, die hat sie ohne Handschuh mit zwey Fingern angegriffen, wie eine Prise Tabak. Pros. Es gibt auch Heldinnen unter.den Damen. Wiche l. Und alö die Frau Professorinn gekommen ist, da haben sie sich geherzt und geküßt und gedrückt, hast du nicht gesehen! Pros. Das ist schon bedenklicher. Michel. Dann hat die Madame Stölzel allerley geschwatzt. Ich schlich so nahe wie möglich hinter meine Barbaritzen. Leider habe ich ein schwaches Gehör, auf 5o Schritt vernehme ich nicht alleS; aber von Liebe war die Rede. Pros. Von Liebes das ist sehr bedenklich. -85 Michel. Und da fiel unsers Mada«!e der sogenannten Vladame wieder um den Hais, recht zärtlich, recht vertraulich— Pros. Schon wieder? Michel, lind sagte: um 7 Uhr liest mein Alan» ein Collegium, dann kommen Sie herauf zu mir. Pros. Herauf— Michel. In mein Schlafzimmer. Prof. So? Wirklich? das klingt allerdings verdächtig. Warum denn hinter meinem Rücken, wenn es ein Frauenzimmer wäre? Michel. Es ist eine Mannsperson so gut als Sie und ich, und vielleicht noch schlrmmer. Prof. Vermuthlich der Bestellte an der Hintertreppe. O Weiber! Weider! Wenn dte runden Mondsflecken wirklich unermeßliche Abgründe sind, so liefern sie das treuest« Bild Eurer Herzen.(Wirft sich rechts in den Sessel). Michel. Auf meinen Backen hatte ich wohl ein Pflaster verdient. Prof. Wer gibt mir Balsam für mein zerrissenes Herz? Michel. Ey was! das Herz ist wohl verwahrt. Könnte ich meine Backen ins Herz stek- k?»/ so bekäme ich in meinem Leben keine Oh» feige., Seite). Wie er sie umfaßt!(Laut). Es breuut vielleicht noch. Dvcror. Da- ganze Haus stand in Gefahr.- Adolf. Was kümmsrts ein eitles Mädchen, ob es ein friedliches Haus in Flammen steckt. DoLtor. Mach' ihr keine Vorwürfe, sie ist bestraft genug. Sie wird die böse Gewohnheit, Abends im Bette zu lesen, nun ohnehin wohl oblegen.^ Adolf. Es kommt darauf an, was man liest. Doctor. Ganz recht. Hatte sie Liebesbrief- chcn gelesen, so wäre sie nicht eingeschlafen; allein sie las die Weihe der Kraft, und entschlummerte. Das Licht ergriff den Vorhang; es war um sie geschehen, und vielleicht um uns Alle, wenn nicht zum Glück der junge Müller aus seinem Fenster gegenüber nach dem ihrigen geschaut hatte. Er sah die Flamme, rannte über den Gang, sprengte die Thüre, riß die kaum Erwachende aus der Glukh, warf sie ohnmächtig auf den Sofa, sich selbst ins Feuer, das er mit seinen Kleidern dampfte, eilte dann su mir herüber, klopfte leise an meine Thür, und bath mich, der Ohnmächtigen beyzustehen. Adolf. Du warst sogleich bereit? Doc t o r. Ich«ahm nur kaum die Zeit, den Schlafrock überzuwerfen. A d o l f.. Das seh ich. Docker. Em Wunder, daß du von dem Lärmen nicht erwachtest. A d o l f. Du bist vermuthlich aus Liebe zu mir sehr leise gegangen? Docker. Nein, wahrhaftig, die", Wahl nicht — da war keine Zeit zu ver-'.ere». Das arnik Kind fand ich noch in Ohnmacht. Adolf. Aus dem Sofa— im tiefsten Neglige-— Gustchen. Ach schonen Sie meiner! D o ccor. Freylich hatt? sie innen Reifrock an. Ich brachte sie wieder zu sich selbst, und rief dann die Köchinn, die sie schnell ein wenig ankleiden half. Adolf. Dir hals sie? Doctor. Narrchen, ich war unterdessen auf dem Gange, und beruhigte den armen Müller, der in Verzweiflung ihren Tod beweinte. Nun habe ich sie herüber geführt, weil ihr Zu»,»er noch voll Rauch ist, und weil ich ihr Tropfen eingeben will. Kommen Sie, liebes Gustchen, in meine Studierstubs zu meiner kl.iuen Apotheke. Vielleicht wird auch eine Aderlaß am Fuhr nöthig werden.(Führt sie in sei» Zimmer.) Adolf. Eine Aderlaß? Am Fuße? Nuu bey 26^ bey Gatt! das soll wenigstens nur in meiner Gegenwart geschehen.(Folgt.) Fünfte Scene. Professor(allein.) Mir ist alles Blut erstarrt; ich bedarf einer Aderlaß. O ich thäte am besten, mich wie Seneca in ei» warmes Bad zu sehen und mir alle Adern zu öffne». Die Uhr schlägt siiben. Nun wird sie kommen mir ihrem verkappten Ritter, wird memen, ich läse schon Collegia. Doch dieß Mahl hat sie die Rechnung ohne den Wuth gemacht: und sollten meine Studenten mir unterdessen dre Electrisir-Mnschine entzwey schlagen, erst muß ich sehen, wer hier mit doppelten Batterien den Funken aus meinem Herze» rieht. Mich dünkt, ich höre sie schon auf der Dreppe. Geschwind in meinen Hinterhalts (Sch-irofr IN seil, Studierzimmer und lischt). N Kr.-cdae's Theater 3-i- Band. 290 sechste E r L n e. B e r t h a, Äi a d. Stölzel(aus der Mitte,) Bt-rtha. Nein, es ist mir nichts zu kostbar, wenn ich meinem Herzen eine,, Genus; dadurch erkaufe. Aber noch einmahl, daß ja mein Mann von unsrer Vertraulichkeit nichts erfahrt. Stölzel. Keine Sylbe! Bert ha. Er stutzte ohnehin schon, als ich^ gestern zu Ihnen ging. Stölzel. Mein Nahme ist Ahm völlig unbekannt. B e r t h a. Brenn er vollends wußte, was bey Ihnen vorgegangen, und wen ich da gesprochen. Stölzel, Er laßt ych das nicht träumen, Bert ha. Verziehen Sie nur einen Augenblick. Ich Hohle meinen l'einen ersparten Schatz. Es sind noch Mutterpfennige, Henkel- thaler, Pachtgeld. Ich will es wohl" gestehen, daß es mir ein wenig sauer wird, mich davon zu trennen— jeder Thaler weckt eine freundliche Erinnerung aus meiner Jugend-- aber um diesen Preis mögen sie alle wandern- Msht j>, ihr Zimmer), '-- Stölzel. Es ist eine herrliche Frau! Mau muß sie lieben. Ich keime sie erst seit Kurzem,, «ich liebe sie schon von ganzem Herzen. Siebente Scene. Mad. Stölzel, Professor (aus seinem Zimmer). Pros. Gehorsamer Diener. Stölzel(verneigt sich etwas verlegen). Ihre Dienerinn, Herr Professor! Pros. Mit wem habe ich die Ehre zu reden? Stölzel. Ich bin Madame Stölzel. Pros. Madame? wirklich M a d a m e? Stölzel. Für eine Mamsell wäre ich schon ein wenig zu alt. Pros.(Bei, Sei««) Es ist eine derbe Person. (Lau»>— Zu wem wollen Sie? Stölzel. Ich Habs ein kleines Geschäft mit der Frau Gemahlinn. Pros. Darf man wissen, welches? Stölzel. Ich bin nicht befugt, davon zi» sprechen. N 2 Pros.(bey Seite.) Keck wie eilt Student! (Laut.) Von Wichtigkeit muß es wohl seyn, da eine Dame sich so früh deßhalb bemüht. Stolzel. Ich habe es gern gerhan für eine so liebenswürdige Frau. Pros. Madame Stolzel ist so galant, als »b sie eine Mannsperson wäre. Stolzel. Ware ich das, ich würde mich wahrhaftig in Ihre Frau Gemahlinn verlieben. Pros. So? Wirklich? Nun es scheint fast, Sie sind schon ein wenig verliebt. Stolzel. Wenn Sie es so nennen wollen. Pros. Sie trotzten der kühlen Morgenluft. Stolzel. Daraus mache ich mir nichts. Pros. Sind es vielleicht gewohnt? Stolzel. Von Jugend auf. Pros. Haben vielleicht gedient? Stolzel. Gedient? Nein, ich bin mein eigener Herr. Pros. Also doch ein Herr? btölz el. Ich verstehe Sie nicht. Pros. Denn ich nicht irre, so sahe ich Sie »or einigen Tagen spatzieren reiten. Stolzel. Wohl möglich, denn ich mache mir bisweilen dieß Vergnüge». Pro f. Also Sie reiten?(Bey Seite.) Es ist ein Kerl, ein verdammter Spitzbube! Stolzel. Mein Bruder ist Oberförster auf dem Lande, bey dem habe ich es gelernt. Pros. Oberförster? so?— Sie jagen j- wohl auch?- Stolzes. Wenn es darauf ankommt, so schieße ich meinen Hasen so gut als ein Andrer. P r o f. Wahrhaftig?(Bey Seiten Es ist ein Kerl! Stolzes. Mein seliger Mann konnte es aber nicht leiden. Prof. Ihr seliger Mann? Hahaha! Sie spaßen. Stolzel. Wie so? Pros. Ich habe nicht die Ehre gehabt, den seligen Herrn Gemahl zu kennen. Srolzel. DaS glaub ich wohl; er ist schon lange todt. Prof. Und seitdem jagen Sie ungehindert? Stölzel. Ich komme selten zu meinem Bruder. Prof. Es gibt ja schönes Wild auch an andern Orten. Stolzel. Ja, in fremden Revieren- Prof. Je, was thut das? Stolzel. Man wird alter. Ich ziehe jetzt die häuslichen Freuden vor. Pros. In fremden Häusern. Stolzel. Auch die theile ich gern. Pros. So? Stolzel. Eine einzelne Person wie ich, immer gesund, immer heiter, ist überall willkommen. Pros. Ey das glaub' ich!(Bey Seim) Es ist ein Kerl! Stölzel. Und wenn der Herr Professor mir erlauben, merds ich künftig recht oft mir die Freyheit nehmen— P ro f. O sehr viel Ehre! Stolze!. Bey Ihren Geschäften wird es Ihn« ohnehin unmöglich seyn, der Frau Gemahlinn oft Gesellschaft>zu leisten. Pros. Freylich! Stolzel. Ich werde mir also ein Vergnügen daraus machen, Ihre Stelle zu vertreten. P r o f. Sehr verbunden!(Dcy Seite) Nun wird es zu arg!(Laut) Aber auch ich bin oft allein, und würde mich freuen, wenn Madame Stolze! auch mir bisweilen Gesellschaft leisten wollte. """ 2^5 Stolzel. Das wäre Schade um Ihre kostbare Zeit. Pros. Nun, man bedarf denn auch Er- Hvhlung, und wo könnte man sich angenehmer zerstreuen, als bey einer langen hübschen Frau? (saßt sie unterS Kinn.) Stölzel(empnndlich) Herr Professor! P r o f.(bey Seite) Er hat sich heute sehr^glatc barbiert, aber etwas sticht der Bart doch durch. Stolz el. Es kömmt mir fast vor, als ob Sie Ihre liebenswürdige Frau nicht verdienten. P r o f. So wird sich ja wohl Jemand finden, der Sie tröstet. Nur muß ich Ihnen sagen, meine werthe Madame S-tölzel, die Sie ihr eigener Herr sind, und retten und jagen und Hasen schießen, wenn ich in meinem Hanse einen solchen Tröster erwische, so spaziert er zumFen- sier hinaus. Stolz el. Was geht das mich an? Pros. Er mag rn einem Frack oder in einer Salloppe erscheinen. Stolze!(bey Seite) Ich glaube, er ist ein wenig verrückt-. ' 2t)6 Achte Scene. Vorige, Bertha(mit einem Packet aus ihre» ' Zimmer). Bertha. Da bring ich Ihnen—(stutzt über ihren Mann.1 Ey Herr Gemahl! Sie noch nicht in Ihrem Auditorio? Pros. Nein, mein Kind, ich bin hier selbst Auditor gewesen. Berths. Aber die Studenten werden auf Sie warten. Pros. Kann wohl seyn. Ich habe hier so eine interessante Bekanntschaft gemacht. Bert ha. Nicht wahr, Madame Stolzel nimmt auf den ersten Blick ein? Prof. So sehr, daß ich mich gar nicht mehr von ihr trennen kann. Bertha. Indessen muß ich Ihnen doch sagen, mein lieber Mann, daß Sie uns jetzt ein wenig geniren. Prof. So? Bertha. Ich habe ei» kleines Geheimniß mit meiner Freundinn. Prof. Das ich nicht wissen darf? Bertha. Vor der Hand nicht. Pros. Ich bin aber ein großer Liebhaber von den Geheimnissen meiner Frau. Stolze!. Sie sollte» ein Liebhaber von Ihrer Fron, aber nicht von ehren Geheimnissen seyn. Pros. Beydes geht miteinander. Bert ha. Sie wollen uns also nicht verlassen? Pros. Ich bitte um Erlaubniß hier zu dlcrben. Bert ha. Nun in Gottes Nahmen. Liebe Madame Stölzel, was wir verabredet haben, da ,-y bleibt es. In diesem Päckchen finden Sie Alles. Wann darf ich das Versprochene erwarten? Stolze!. In wenigen Stunden. Pros.(l'e, Celte.) Sie geben sich ein Rendezvous>n meiner Gegenwart. Bert ha. Leben Sie wohl!(Will Madam« Stöizei umarm«,.) Pros.(schiebt sich d»t«ischen). Ich bitte ganz gehorsamst. Bertha. Nun? Sie werden mir doch nicht verwehren, meine Freundinn zu umarmen? Pros. Madame Stolze! wird für dieß Mahl mit einem Handeln ucl von mir verlieb nehmen!(Drüctt ihr mit verbissener Wuth die Hand.) Stölzel. Au! Bertha. Sind Sie rasend? Stölzel(sehr-Endlich.) Wahrhaftig, Herr Professor, unsere erste Bekanntschaft rst nicht einladend. Ich bin Ihre gehorsame Dienerinn!(Wacht einen kurzen Knix und geht zur Mitte ab.), ^.>'- Neunte Scene. Professor, Bertha. Pros.(bey Seite) Da haben mirs! Was das für ein Knft war! Man braucht nur den Knft zu sehen, um zu wissen, daß es ein Kerl ist. Bertha. Ich sehe wohl, Herr Gemahl, daß Ihnen wieder eine Ratte durch den Kopf lauft, aber ich begreife nicht, welche? Pros. Ein ganze- Dutzend. Bertha. Macht Ihnen das Geheimniß etwa Unruhe? Prcs. Das habe ich schon errathen. Bertha. Schwerlich! Pros. Es ist nichts so klar gesponnen. Bertha. Es kommt endlich an die Sonne. Mit der Zeit sollen Sie es auch wohl erfahren. Pros. Mit der Zeit? Bertha. Was haben Sie mir gestern Abend versprochen^ als ich Sie auf dem lustigen'Abenteuer ertappte? See wollten Vertrauen zu mir haben; Sie wollten sich nie wieder den kleinsten Argwohn erlauben. GehenSi« in Ihr Colleginm, Herr Professor/ lesen Sie die Naturgeschichte, und wenn Sie auf den Menschen kommen/ so sagen Sie Ihren Studenten: es sey kein fataleres Geschöpf auf der Welt/ als'ein mißtrauischer Ehemann.(Geht ihr Zimmer). Pros. Sie verspottet mich noch?— Unb ich habe dem Kerl an seinen Bart gefühlt— 'lnid ich dar Billet in der Tasche.— Warum liebe ich sie noch? warum muß ich sie lieben, trotz ihrer Treulosigkeit? Zoo Zehnte Scene. Professor, Gustchen(aus des Dockers Zimmer.) Gustchen. Ich habe um Verzeihung pr bitten, bester Herr Professor—> Pros. Mich? Gustchen. Sie und meine gute Pflegemutter. Gewiß habe ich ihr große Angst verursacht. Pros. O ganz und gar nicht. Sie weiß bis auf diesen Augenblick noch kein Wort davon. Gustchen. Wäre es möglich? Pros. Sie hat wichtigere Dinge zu thun. Gustchen. Wenn der unglücklich« Zufall ihr wirklich verborgen blieb, so bitte ich, erwähnen Sie auch nichts davon. Pros. ES hat gar nichts zu bedeuten.— Sre haben verbrennen wollen? In Gottes Nahmen.' es ist dabey weiter nichts zu bedauern, als daß wir nicht alle mit einander zu Pulver und Asche verbrannt sind.(Geht zur Mitte ab). Gustchen. Was fehlt ihm?— Er war sehr unfreundlich. O mein Gott! von allen Sei- Leu werde ich gedrängt. Dort muß ich die unverständigsten Bitterkeit!^ hören, hier empfangt mich mein Wohlthäter mit rauher Stimme.— Ich will fort! ich will den HostKih heirathen, es gehe wie es wolle. Dann werte ich mindestens allein leiden, und mcht Andere um Mich her wider meinen Willen in ihrer Aavc stören. Ach, warum Mußte dieser edle Jüngling mckdaS L-rben retten! und eben jetzt! § i lf 1 e Scene. Gnst che>1, Müller(aus der Mitte.) Müller. Liebe Mamsell, haben Sie sich nun ganz erhöhst? E ilstch en. Vollkommen. Müller. Ja? Gewiß? Hat der Schrecken Ihnen gar nicht geschadet? G ust che n. Es ist vorüber. M üller(sehr innig.) Nun, Gott sey Dank! Gustchen. Und Sie, mein Freund, sind Sie unbeschädigt geblieben? Müller. Die Augenbraimen und die Wimpern habe ich mir verbrannt, sonst nichts. ^ u ff ch e n..-.»>). Und die Haare— MülIrr. Ja,' Haare, sonst nicht-. Gr:stche n. ü'^eiue Oanktarreit lrse» Sie in meinen Augen, Worte hab, ich mchc dafür. M üller. Ich will sie auch viel Ueber i» Ihren schonen Augen lesen. Gustche n. Vergelten kann ichs Ihnen nicht. Müller. Nun;a, das fehlte noch. In meinem Leben wird mir nichts so reich vergolten werde». Ich fühle mich so glücklich, so wohl; es ist nur, als ob ich fliegen könnte! Gustchen. Wären Sie nicht zufällig er- - wacht; hätten Sie nicht zufällig nach meinem Fenster geblickt, so wäre ich nun im Reich der Schatten. Müller. Nein, liebe Mamsell, der Zufall hat keinen Theil an der Ehre, ich bin nicht erwacht: denn ich war noch gar nicht eingeschlafen. Ich habe auch nicht zufällig nach Ihrem Fenster geblickt: denn ich sehe immer dahin. Ja, wahrhaftig, liebes Gustchen— nehmen Sie mirs nicht übel, es fuhr mir so heraus—Sie kosten mir schon manchen Schlaf. Gustchen. Bald werde ich diesen Vor- wurf nichtmehr auf mich laden; da wird mein Zimmer öde stehen. Müller.^' wollen immer»och kort? G I! st ch««./ m u tz. Wenn Sie wüßten, ft>ie jetzt eben wieder von d.-r Frau Deriorinn nur begegnet worden, bloß weil ihr Mann mir Ohn» mächtigen zu Hülfe gekonuneiw Müller. Und Sie wollen wir auch jetzt noch nicht sagen, wohin Sie Ihre Zuflucht nehmen werde»? Knstchen. Ach, ich vermies Sie'schon eine- Mahl a» meine Pflegemutter! Müller. Verdiene ich denn kein trauliches Wörtchon aus Ihrem eigenen Munde? G u st chen. O gewiß! und so schwer es mir auch fallt, es Ihnen selbst zu sagen, so fühle ich doch, es ist meine Pflicht. Wissen SK ahso, lieber Müller— Sie'kennen meine Lage— Sie werden mich nicht hart beurtheilen-- ich — ich werde heirarhen. Müller(ganz erstarrt). Heirathsn? Gustchen. Den Hofrath Klappfuß. Müller. Den alten kranken Filz? Gustchsn^ Ich weiß, mein Schicksal wird nicht glücklich—aber doch erträglich seyn. Müller. Erträglich?- Lieben sie ihn denn? Gust chen. Welche Frage! Müller. Ein Schicksal ohne Liebe ist ja Zie erträglich. Gi» stche>!. Aber ein Mädchen, das fremdes Gnadenbrod ißt, und ss-nen Hausgenossen lästig wird— o es glb'l«ich Drückendere» auf der Welt! und lieber wringt es mit offenen Augen in den nächsten Abgruiw. Müller. Auch wenn am Alande einer steht, »er sich die Haare ausreche? Gustchen. Müller! Müller, lind der hinterdrein springt, um sich zu zerschmettern. Gustchen(ängstlich.) Lieber Müller! Was fehlt Ihnen? Müller. Mas mir fehlt? das wüßten Sie nicht? das hatten Sie nie geahnder? Ich bitte Sie um GotkeS willen, verstellen Sie sich nicht. — Sie wissen es schon lange, daß ich Sie unaussprechlich liebe. Gustchen. Ach! Müller. Daß ich ohne Sie nicht leben kann. Gustchen. Denken Sie doch an unsere bepderseitrge Lage. Müller. Ich bm ein armer Teufel, das weiß ichaber ich habe ein Herz und einen Kopf. Nur um Jhrentwillen bin ich hier; nur nmJH« rentwillen habe ich mit eisernem Fleiße oft bey trockenem Brode mirKenntniffe gesammelt. Fragen Sie meine Lehrer, ich weiß schon viel, und hätte noch viel mehr gelernt. Ja, nun muß Alles heraus, nun soll Alles heraus, nun sollen Sie auch erfahren, wer ich bin. Ich heiße nicht Müller, ich heiße Engelmann. Gust ch en. Der GeschlechtSnahme meiner Pflegemutter? Müller. Sie ich meine Schwester. Gustchen. Ihre Schwester? Müller. Stille, stille!—Als meineSchwee stern heiratheten, war ich noch ein Knabe. Ich liebe beyde sehr, denn sie ersetzten mir die Mutter. Als sie weg waren, quälte mich die dose Stiefmutter bis aufs Blut. Das mußt' ich tragen, bis ich ein Jüngling wurde. Da fühlte ich eigene Kraft, und floh aus dem väterlichen Hause. Niemand vertraute ich mich, als einer mir- leidigen Cousine- dem einzigen Wesen auf der Erde, das nochTheil an mir nahm. Sie schenkte mir einen Zehrpfennig, und versprach, mir durch die Zeitungen Nachricht zu ertheilen, wenn sich bessere Aussichten mir offnen würden. Die 3ch darf mich vor niemand sehen lassen.(Zur Mitte ob). Michel(allein). Sie verspricht viel und gibt nichts. Ich wollte lieber, sie hätte mir viel ge- geben, lind nichts versprochen. Ein Sperling in der Hand ist besser als ein Storch auf dem Dache. Was kann sie denn auch viel geben? Sie hat ja selber nichts. Da soll ich wohl bey der Hitze hinter einem Müsse herlaufen, der so leicht ist wie ein Stieglitz. Was hätt' ich am Eiste davon? Durst, weiter nichts. Vierzehnte Scene. Michel, Adolfine(a»S des Dectors gimmcr). Adol f. Was hältst du da für ein Papier in der Hand? Michel. Je nun, es ist so ein Zettel- chen. Adolf. An wen? Michel Je nun, an— Adolf. Gewiß an meinen Mann? Michel(bey Seite.) Holla! die bezahl! besser. Adolf. Nun? heraus mit der Sprache! Michel Wenn Sie mich nicht verrathen wollen-— 3tl Adolf. Nein,»ein! Michel. Die Mamsell hat mirS gegeben, Adolf. Lach,? ichs doch! Gib her! Michel. Cy bewahre! Adolf. Ich will es nur lesen. Mlche l. Schlagen Sie mich todt, ich gebs nicht her! Adolf. Auch nicht für diesen harte» Lha. ler! Michel. Je nun freylich, da schlagen Sie mein Gewisse» todt.(Gibt es hin). Adolf,(liest). ,,Jch liebe Sie. Ich habe »alle Bedenkllchkeiren überwunden. Ich muß „Sie sprechen; aber.auch nur auf eine Minute. „Slejen Abend um 6 Uhr erwartet Sie un Vor- „s^al ihr treues Gustchen."— Unverschämte! Alm ,st es heraus. Ich bin das elendeste Weib unter der Sonne!— Ich null ihm diesen Zettel unter die Augen halten, meine Kinder nehme» und das Haus verlassen. Nein, ich will >bn noch tiefer demüihigen. Das Billet hat keine Adresse— er wäre im Stande, es abzulaug- Nen. Auf frischer That will ich ih^ ertappen, 'in Hohngelachter aufschlagen, und so der Schande >!>» überlassenI— Da, nimm den Zettel zurück. Thue was man dir befohlen hat, gib ,hn 512 me»nem Manne; sage aber nichts davon, daß^ ich ihn gelesen habe. Verräthst dn nur ein Wort,, so jage ich dich aus dem Hause. (Geht in ihr Zimmer).! Michel. Gehorsamer Diener!—Ey,wen» doch die Mamsell recht viele Billetchens schriebe, dabey wäre ein Stück Geld zu verdienen. Dem i Herrn Doetor soll ichs bringend Das werde lch wohl bleiben lassen. Der hat mir in seinem Le-^ ben noch nichts gegeben. Lieber wart' ich, bis der Müsse Müller mir in den Wurf kommt, der ist mir ohnehin für meine Rippen ein, Schmerzensgeld schuldig. (Will gehen). Fünfzehnte Scene. Professor kommt hastig durch die Milttlthiir mit «wem versiegelten Packet in der Hand, und rennt M U chelN«Hern Haufen. Pros. Ich hab' es, ich hab' es! Michel. AlleHagel! 24 bin maufttodt! P r e s. Pros. Thut nichts, lieber Michel! Thut gar nichts. Michel. Den Teufel auch! Hat sich denn beute die ganze Well gegen meine Rippen verschworen? P'/o f. Hat nichts zu bedeuten. Sieh, ich hab' es, ich hab' es. Michel. Den Raptus haben Sie; sonst seh ich nichts. Pros. Das Packet von Madame Stolzes. Der Junge wollte es mir nicht abgeben, wollte es nur meiner Frau eigenhändig überliefern; aber ch meine, er wird an die Ohrfeige denken, mit der ich es ihm aus der Hand riß. Michel. Wie doch das Glück in der Welt seine Gaben wunderlich austheilt! Ich bekomme knien harten Thaler für einen bloßen Zettel und der Junge hat für ein ganzes Packet nicht mehr als eine Ohrfeige bekommen. Prof. Es ist versiegelt, doppelt und dreyfach. O ich werde es nicht öffnen. Sie soll es offnen in meiner Gegenwart. Welch ein Triumph! wenn ich mit einem großen Blick auf sie herabsehen werde. Dann soll er selbst kommen, der verkappte Herr Stölzel, dann will ich sie bey der Ha„d fassen,(sage Michel) und will sagen: Keys bue's Theater 3si> Vd. O da nehmen Sie sie hin, ich mag sie nicht mehr! (Schleudert Michel hinüber.) Michel. Gotts Blitz, ich mag sie auch nicht. Pros. Waü? Niederträchtiger! Du konm test eine ehrliche Frau verführen, und sie dann im Suche lassen? Fürchtest du meine Rache nichts (Er schüttelt ihn bey der s°rust). Michel. Hülfe! Hülfe! Pros. Geh, Niederträchtiger!(Läßt ihn ros.) Du verdienst nicht einmahl die Ehre, daß ein Mann, wie ich, dir eine Kugel durch den Kopf schießt.(Geht in sein Zimmer). Miche l. Ey hohl der Teufel die Ehre! die Vute werdeü alle. närrisch hier im Hause. (M.> (De r D§ rhanz s»Nk.) Vierter Act. Erste Scene. Müller allein. wird Abend/ und ich bin noch nicht fort. Aber fest steht mein Entschluß. Doch sott ich ge--> hen, ohne meiner guten Bertha mich zu entdecken? Sie soll wissen, daß der Bruder, für den sie schon als Knabe so mütterlich sorgte, auch als Jüngling Schuh in ihrem Hause, und einen Bissen Brod an ihrem Lusche fand. Hat sie doch, ohne mich zu kennen, meinen Klagen, Hoffnungen, Wünschen oft freundlich ihr Ohr geliehen, vielleicht— wenn sie nun den Bruder leiden sieht— vielleicht— s was wag'ich noch zu hoffen? Armer Georg! WaS kasi-st-du? biethen? Ein volles Herz; aber eine leere Hand! Zweyte Scene. Müller. Bertha(aus ihrem Zimmer.) Bertha. Endlich ist auch Herr Müller -vieler sichtbar. Wo haben Sie gesteckt? Den ganzen Tag habe ich Sie vergebens erwartet. Müller. Ich bin vor mir selbst gelaufen wie ein Mensch, der sich doppelt sieht. Ich habe überall Ihren Stein mit mir herumgetragen, und nicht einmahl gefühlt, daß er schwer ist. B e r tch a. Also haben Sie ihn wirklich erhandelt? Müller. Hier ist er.(Gibt ihr das Kästchen.)- Bertha. Dank, lieber Müller, tausend Dank! Müller. Und hier sind auch noch vier Friedrichsd'or, die ich auf die Kette mir zuzahlen lassen.(Gibt ihr das Geld in Papier gewickelt.) Bercha. Ey, Sie sind ein prächtiger Commissionair. Müller. Ach, ich werde künftig keine Auftrage mebr von Ihnen empfangen; denn ich verlasse noch heute Ihr Haus und die Stadt. Bertha. Müller, machen Sie keine dum-. men Streiche. Mulls r. Warum verschwiegen Sie mir gestern, als ich Ihnen mein Leiden klagte, daß Gustchen herrathet? Bertha. Weil es»ioch nicht gewiß war, und weil»na,i in solchen Dingen die Herren Stu- denkcn nicht zu Vertrauten macht. War es doch schon recht artig von mir, daß ich Ihre Wehklage» anhörte. MiUler. Artig? O ja, dieß ist das rechte Wort. Ich Thor nannte es mitleidig. Bertha. Nun ja, auch mitleidig, wenn Sie wollen, weil ich Sie jetzt bedaure; allem nach meiner Überzeugung schwebt Ihre künftige Ruhe in keiner Gefahr. Müller. Nach Ihrer Überzeugung? Sonderbar! Bsrth a. Betrachten Sie einmahl meinen Mann und meinen Schwager, ein Paar ehrenfeste Personen, die ihre respeelwen Ehehälften r-'cht^herzlich lieben, und doch hatten sie Beyde als Studenten sich verplempert, meinten,'es gäbe kem Glück auf der Welt, ohne den Besitz thl'er Schönen, liefen auch so herum, wie Sw, »der wie Rennthiere, die von Bremsen gejagt werden. Aber was geschah? Das Andenken an «u'Geliebten erblaßte-nach und nach wie schlechte 5r6 ^.Dinte; zuletzt konnte man noch kaum ihre Nahmen lesen, und als plötzlich ein Paar artige Nymphen erschienen, nähmlich meine Schwester und ich, so verlosch die letzte Spur der erste» Liebs. Müller. So sind aber nicht alle Männer. Bert ha. O ja, so sind sie Alle. Glauben Sie mir, lieber Müller, es gibt auf diesem^ ganzen närrischen Planeten schwerlich einen einzigen Mann, dessen Frau wirklich dassclb-e^ Mädchen war, bey-dem er zuerst gedacht oder gewünscht: Die möcht' ich heirathen., oder die .will ich, die muß ich heirathen. Müller. Mag seyn; allein warum? Weil die jungen Männer»och keine Versorgung bie-> then können, und weil ein Mädchen lieber den Satanas heirathet, als auf einen ehrlichen Men-, scheu wartet. i Bertha. Unten dem Satanas verstehen^ Sie vermuthlich den Hofrath Klappfuß. i Müller. Ja. Bertha. Und verargen es(Kustchen, daß sie eine Versorgung nicht ausschlägt? Müller. Was nennen Sie Versorgung- Ein Kasten voll Wäsche, ein Schrank voll Süll """ 3iA ^erzeug, und täglich eine Suppe auf den Tisch« Rom Herzen ist nicht die Rede. Bertha. Leider nicht immer. Wir armen Geschöpft sind ja GotteS Waisenkinder. Wir -müssen ja wohl Jemanden suchen, der sich unsre annimmt, sonst-treibt uns der Wind umher, wie abgewehte Blüthen. M ülle r. Es wäre verlsrne.Zeit, mit Ihnen darüber zu streiten. Auch kann man nicht alles widerlege», wovon man doch innig fühlt, daß es unwahr sey. Meine Minur-n sind gezählt, In diesem Hause verweile ich keine Nacht- mehr. Leben Sie wohl! Berrha. Müllers M ülle r. Haben Sie Dank für alles Gute, loas Sie seit zwey Jahren mir erwiesen. Bert ha. Müller, ich habe es immer gut mit Ihnen gemeint, und auch jetzt noch. Ich bitte Sie, machen Sie keinen dummen Streich. Ich trage in der That eine Art von mütterlicher kiebe zu Ihnen. Müller. Ach ja, das weiß ich,;chas haben Sie immer gethan seit meiner frühesten Jugend. Bertha. Seit Ihrer frühesten Jugend? Müller. Manche böse Stunde im vciter<- lichen Hause haben Sie mir erspart» ZZo Bertha. Jch^ Müller. Und als ich daö kostbare Porzel- laiii zerbrochen hatte, da nahmen Sie die Schul» auf sich. Bertha. Um Gotteswitten! Müller. Bertha, hast du nie geähnelt Bertha. Mein Bruder? Müller. Meine gute Schwester!(Fellen sich i» die Arme.) Bertha. O nun glaube ich an die Gefühls der Natur! Nun weiß ich, warum dieserIüng- ling mich so herzlich sitteressirte, dgß ich biswei sei, dafür erschrack. Müller. Die Stimme des kleinen Georgs sprach noch zu deinen: Herzen. Bertha. Warum entdecktest du dich mir nicht früher? Müller. Ich scheine deine Wohlthaten- Bertha. Böser stolzer Mensch! Und jetzt wolltest du mich verlassen? Nimmermehr! Müller. Ach! Ich muß. Bertha. Nein, du darfst nicht, lind du wirst auch nicht, wen» ich dir sage, daß ei schon vor Jahren eine Lieblingsidee von mir war, einst meine Pflegetochter mit meinem Bruder z» vermählen. 32 l Müller, lind doch konntest du?— Hertha. Wußte ich denn,-b du noch lehrtest, und ob ich je dich wieder sehen würde? Müller. Du gibst mir neue Hoffnung? Hertha. Laß mich nur erst zu mir selber kommen. Ja, hoffe und vertraue auf mich! Müller. Schwester, ich bin so bewegt— die alten Zeiten— die Kinderjahre— ich stehe wieder vor dir, wie ein Kind. Hertha. Wenn du mich um Zucker bathest; nicht wahr? Müller. Und wenn du ein Stück aus deiner eignen Tasse nahmst, weil das Auge der Stiefmutter die Zuckerdose bewachte. Berrha. Und wenn ich doch darum ausge- Hot'ten wurde. Müller. Und wenn du in der Nacht meine zerrissenen Kleider bessertest— Hertha. Die du wilder Bube doch gleich wieder zerrissest. Müller(ihr um den Hals fallen-.) O meine Pite Hertha! Hertha. Mein lieber Georg! 522 D ritte Scene. Vorige. Professor(aus seinem Zimmer.) Pros. Alle Teufel! Endlich, Madame, endlich sind Sie entlarvt. Müller. Sie irren, lieber Herr Professor, ich bin— Bertha. Halt, halt, Müller! Kein Wort zu meiner Rechtfertigung. Das mochte scheinen, als hielte mein guter Mann mich eines Verbrechens fähig. Pro s.'Ist es möglich, die Unverschämtheit so weit zu treiben? Bertha. Freylich wandelt ihn bisweilen eine eifersüchtige Grille an, allein noch gestern Abend hat er mir feyerlich zugeschworen, daß «r nie dem Scheine wieder trauen wolle. Pros. Ist denn das Schein? Wenn man seine Frau in den Armen eines Studenten findet, ist das Schein? Bertha. Nichts als Schein, mein Schatz, wenn nähmlich der Gattinn Treue längst erprobt worden. Pros.„Liebe Bertha!„Lieber Georg!"' Habe>ch das nicht selbst gehört? Müller. Wenn Sie wüßten, Herr Pro- stffor— Pros. Schweigen Sie, Undankbarer! Ich habe Sie geliebt, vorgezogen, ich habe Sie für brav gehalten; aber schon seit gestern wußt' ich, daß Sie mich betrügen. O, ich habe noch wehr Beweise. Fort aus meinem Hause, oder ich ermorde Sie. Müller. Ein einziges Wort entwaffnet Zhren Zorn. Vertha. Sie sollen aber das Wort nicht aussprechen. Sie sehen, der Mann ist in Wuth» Ich muß ihn erst zur Vernunft bringen. Er soll lernen, daß ein Ehemann lieber glauben muß, er sey blind gewesen, als er habe eine Frau, die ihn zärtlich liebt, in fremden Armen ertapvt. Pros. Es scheint, Madame, Sie wollen das Mahrchen aus dem Oberon spielen. Aber ich- bin kein Gangolf. O ich weiß recht gut, daß Sie außer diesem jungen Herrn die Liebhaber noch bey Dutzenden zahlen. Bert ha. Wahrhaftig? Pros. Bestellungen an die Hintan "- ganze Sammlungen von,Liebesbriefs n Alles ist mir bekannt, und Alles kaun ich he« wrisen. 8?4 Wertha. Das wäre! Pros. Ihre verdammte Ruhe tauscht mich nicht. Ich thue einen Blick i» Ihr Herz— es ist schwarz, schwarz wie Ihre Augen. Bertha. Wenigstens macht der Mann mitten im heftigsten Zorn memen Augen ein Com- pünient. Pros. Ja, ich war ein Selave Ihrer Reche; aber nun ists vorbey! Auf der Stelle mache ich meine Klagschrifr an das Lonsistorium, morgen übergebe ich sie, und übermorgen werden wir geschieden.(Geht in sein Zimmer.) Vierte Scene, Bertha. Müller. Bertha, Prr! Müller. Schwester, ich bttre dich um Gor- reswillcn. Bertha. Sey ganz ruhig. Er thut nichts von dem allen. M ülle r. Warum ließest du ihn aber im Irrthums 325 Bertha. Ey/ er muß mir aufs Wort glauben. Was sollte künftig daraus werden, wenn ich täglich bey den unschuldigsten Handlungen mir die Mühe geben mußt?, meine Tugend zu vertheidigen/ oder g,>r(ine Feuer- und Wasserprsbe zu bestehen.— Jetzt geh' ich zu ihm, und sage ihni/ daß ich unschuldig bin/ beweise es ihm aber noch nicht/ sondern wisder- hohle es ihm nur so oft, luS er eS glaubt/ und gib Acht/ er wird cS glauben. Müller. Wehe den Blamiern, wenn solche Gewalt in schlimme Hände fällt! Bertha. Da hast du Recht und Unrecht-. Auch die betrogene» Männer befinden sich im Grunde nicht übel dabey. Thut der meinige Buße/ so soll ihm diesen Abend aus Barmherzigkeit das Verständniß eröffnet werden; früher aber nicht. D»/ lieber Georg, bleibst in der Nähe. Ich brauche dich bey der Entwickelung. Müller. Und Gauchen? Bertha. Die schickt den Hofrath spazieren. O, es wird diesen Abend noch ein Jubel werden. Jetzt muß ich nur geschwind nachsehen, ob mein Herr Gemahl bereits mit dem Consistorium in Corresvondenz getreten ist.(Geht in des Mannes Zimmer.) 3Z6 Müller. Sie schickt ihn fort— aber sie hat ihn doch nehmen wollen? Sie konnte doch den Gedanke» fassen, einem Andern als mir anzugehören?— Ach, sie sah meinen tiefen Schmerz, und rief mich nicht zurück! Fünfte Scene. Müller. Michel(aas der Mitte, einen Kerb mit Krautern über dem Ilrme, worauf ein Zeituugsblatt liegt.) M i ch e l. Sieh, da ist ja der junge Herr. Ich habe Sie den ganzen Tag gesucht, bin aber darüber eingeschlafen. Müller. Was willst du von mir? Michel. Ich? Gar nichts. Es wäre denn, daß Sie aus gutem Herzen mir etwas geben wollten— Müller. Wofür? Michel. Für dieß Zettelchen. Müller. Von wem? Michel. Von Mamsell Gustchen.(Mükler reiße es ihm hastig weg:) Nun nun, reissen Sie mir nur die Hand nicht vem Leihe. Müller West.)„Ich liebe Sie— ich hab«. „alleBedsnklichkeiten überwunden— sprechen—^, „diesen Abend um 6 Uhr— Ihr treues Gust« „chen"— Michel!, Michel!(Fällt ihm um den H«l». r;«d druckt ihn heftig in die Arme.) Miche l. Au weh! Au weh! Müller. Sie liebt mich! Sie liebt mich! Michel. Das sey Gott geklagt, wenn ich Mein armeS Leben darüber einbüßen muß. Müller. Diesen Abend um 6 Uhr— Michel. Es hat schon halb geschlagen. M uller(sieht nach der Uhr.) 33 Minute«. Michel. Es wird schon dunkel. Müller. Michel, ich habe kein Geld. Michel. Das thut mir leid. Müller. Da nimm die Uhr— Michel. WaS? Müller. Wozu brauche ich sie noch? Die glücklichste Minute meines Lebens habe ich darauf gezählt. Künftig gibt es keine Stunden mehr für mich. Nimm sie hin! Michel. Ey potz tausend! Müller. Wo bleibe ich unterdessen? Ws darf ich laut schreyen? Michel. Gehen Sie nur in den Garten, da können Sie schrien bis die Machbar» zu- sammen laufen. Müller. Noch 27 Minuten. Werde ich auch so lange leben?(Zur Mitte ab.) Sechste Scene. Michel allein. Der ist auch närrisch geworden. Er ist doch ein wunderliches Amt/ Gärtner in einem Zoll^ Hause zu seyn. Ohrfeigen, harte Thaler, Rippenstöße, Uhren, das wechselt mir einander wie Breiinnefseln und Melonen. Immer zu! Die Menschen sind nur freygebig, wenn sie närrisch sind. Die verständigen respectabeln Leute, die geben nichts. Siebente Scene. Michel. Ad 0 lfine(aus ihrem Zimmer.) Adolf. Michel, hast du den Zettel richtig bestellt' Michel. Ganz richtig. Adolf. WaS sagte er? Michel. Er drückte mir vor Freuden den Brustknochen so platt wie eine Schaufel. A d o l f. In deiner Gegenwart benahm er sich so unanständig? Michel. Er sprang herum, als ob er betrunken wäre. Adolf. Ja, da» ist er auch, und welch ein Rausch! O ich Unglückliche! Also wird er kommen? Michel. O der wird nicht ausbleiben. Adolf. Die Stunde naht heran. M>.chel(sieht nach der Uhr.)Hähahä; 36Minuten auf Achte. Adolf. Die Stunde der Rache. Michel(Sey Seite.) Ich mache mich aus dem Staube. Adolf. Wo willst du hin? Michel. Zum Herrn Dockor. Adolf. Was hast du im Korbe? Michel. Salbey und Löffelkraut, und Melisse. Der Herr Doclor destillirt allerley Tropfen daraus. Adolf. Hast du nicht etwa noch ein Brief- chen unter den Blättern verborgen?(Wühlt in den Kräutern.) 53c> Michel. Die Zeitungen, weiter nichts. Der Böthe brachte sie eben. Ich wollte lieber, ich hätte noch ein Dutzend solcher Briefchen. Adolf. Gib her! Mein Mann liest jetzt keine Zeitungen. Er würde sich nur. zerstreuen, wohl gar die Schäferstunde versäumen, denn 'heur zu Tags geht die Politik noch vor der Liebe. Michel. Von Politik weiß ich Gott sey Dank nichts; aber bey mir geht der.Durst vor der Liebe.(Geht in des Doctors Zimmer.) Achte Scene. Ädslfine(heftet ihr llugs auf die setzte Sette der Zeitungen.) „Eheliche Verbindungen." O ihr armen Mädchen. Da erzählt Hr der ganzen Welt, daß ihr das Glück eures Lebens zu machen hofft. Welches bittre Gefühl wird euch ergrei-! fen, wenn euch nach Jahr und Tag das Zei- tungshlatt wieder in die Hände fallt, in dem ihr Freunden und Verwandten das glückliche Bundniß kund thatet.—„Todesanzeigen."--' ÄZi Ach, möchte doch auch bald mein Nahme hier genannt werden.—„D. G. E.?" Hm, was ist das?„D. G. E. wird von seiner ihn liegenden Freundinn gebethen, sogleich zu ihr „zu eilen, und sein Heiliges Versprechen zu erfüllen, da durch den Tod der Stiefmutter alle „Hindernisse einer vollkommenen Wiedervereinigung gehoben sind. Man erwartet ihn mit „offenen Armen. L. M."— Hm, das ist sonderbar!— D. G. E.'Dcecor Gustav Erlen- haf, derNahme meines Mannes und L. M.— Um Gotteswillen! Welcher Dämon flüstert mir den Nahmen„Lottchen Möhring" zu?!—Za, so ist eS!— Hat er mir nicht oft erzählt, er habe rinst ein Mädchen geliebt, eine Charlotte Mvhring?— Er würde sie gsheicathet haben, wenn nicht die Stiefmutter ihre Einwilligung versagt hätte?— Sie ist es!— Die Stiefmütter ist todt— alle Hindernisse sind gehoben— sie erwartet ihn mit offenen Armen. Wenn er das liest, so wird auch diese Liebe erwachen— er wird vielleicht bereuen, schon gebunden zu seyn— o das fehlte noch! SZ2 Neunte Scene. DoLtor kömmt mit M ich e l aus fe-neitt Zianiiee, und»erschttHt die Thür. Adolfine. Adolf. Du willst ausgehen? Doctor. Ja, mein Kind, ich muß. Ein ichwerer Patient— aber ich komme bald zurück» Adolf. Ach, das weiß ich. Doctor. l!ud dann gehört der ganze Abend dir. Adolf. Mir? Doctor. c^a, d i r, liebe Adolfine. Eigentlich hatte der ganze Lag dir gehören sollen. Warum? Das erräthst du nicht? Desto besser! Wenigstens joll uns den Abend niemand rauben. Auf Wiedersehen! Adolf. O nur einen Augenblick!— Lies doch diesen Artikel in der Zeitung! Doctor. Ich habe wahrlich keine Zeit. Adolf. Nur wenige Zeilen. Doctor. Es ist ja schon so dunkel, daß man kaum mehr lese» kann.(Liest leise.) Adolf,(ihn beobachtend.) Er verändert sei» Gesicht nicht einmahl. AZZ Doctor. Nun, was geht das mich auf Adolf. Ich dachte- du verstandest das vielleicht! Doctor.. Narrcheu! Dergleichen Buchstaben Artikel liest man jetzt in allen Zerrungen. Der n.ükre wohl ein Odip seyn, der alle diese Räthsel zu losen vermöchte. Mich dünkt., es »ar nicht der Muhe werth, mir und dir einen Augenblick dadurch zu rauben; denn sieh, nun !omme ich schon um eine Minute später.zu»- chück.(Z„r Mitt« ah.) —_— Zehnte See n r. Adolfine. Michel. Adolf,(für sich.) In der Verstellung ist er .Meister; doch vielleicht hat er auch sein Lottchen. l» vergessen, wie er mich vergessen hat. Michel. Pst! Pst! Adolf. Was gibcs? Michel. Huhu! Adolf. Was hast du? Michel. Nein, so was ist mir in meinem- dMn„och nicht passtrr. Adolf. Was denn? Rehe? Michel. Die vornehmen Leute treiben es- Loch auch gar zu arg. Adolf. St rebe doch! Michel. Arme Frau Doctorinn! Adolf. Um G"ltos>vi!!en!> Michel. Miserable Frau Doctorinn! Avolf. Willst du mich in Ohnmacht fälst s lrn sehen? Michel. Ich wäre ja beynahe selber in i Ohnmacht gefallen. Adolf. WaS hast du denn gesehen? Mi-chel. Ein Frauenzimmer. Adolf. I» meines Mannes Stndierstube?^« Michel. Auf seinem Ruhebette.^ Adolf. Ach! Ach!(Füllt in Ohnmacht.) Michel. Nun da liegt sie wie eine aus->c gerissene Winterlevkoje.(Wedel« ihr mi» seinem Hu« Luft»».)'- Adolf,(sich erhohlend.) Michel, sprichst du die Wahrheit? Michel. Hohl mich der Teufel! Adolf. Es ist schon dunkel, du hast dich! ui geirrt. Michel. Es war noch helle genug. 2 Adolf. Du hast sie wirklich gesehen?^ 532' M'ich rl. Zugedeckt bis an das. Kim,,..mk. einer Haube, auf dem Kopfe. Adolf. Jung? Hübsch? Mrchel. Weiß und roth, wunderschön. Adolf. Also darum verschloß er die Thür,, was er sonst nie zu thun pflegt. Michel. Mir sagte er, er wolle zuschlie-. ü» A'n, damit ihm die Kinder nicht über seine Glaser kamen. Aber ich hatte es schon weg; iw ich schielte nur so ein Bischen. Adolf. Es ist allzu gräßlich. Noch kann I ich es nicht glauben. Michel. Sie dürfen ja nur selber durchs ^ Schlüsselloch gucken. Das Ruhebette steht gerade gegenüber. Adolf. Ich sollte meines Mannes Buh-, s- leriiin lehen?—- Nimmermehr!—Ach, es. >« zieht mich unwiderstehlich— ja, ich muß! lVttckt durch.) dir Michel(für sich.) Da sitzt sie. schon davor! Adolf. Ja, ja— ich habe sie selbst gesehen— nun ist der Stab auf ewig gebrochen— H j und du, mein armes Herz!— Gott! Welch ein. Bölswicht!— Die eine citirc ihn in. den Zeitungen, die andere gibt ihm ein Rendezvous, die dritte liegt auf seinem Ruhebette. Jetzt sv.L 356 eS ausbrecheu! Zuerst das Rendezvous- und^ habe ich den Sünder da ertappt, so soll er mir selbst diese Thür ausschließen— hohnlachend will ich ihn zu seiner Buhlerinn führen! Meine Schwester mag indeff-m ihr sauberes Gustchen bewachen, damit ich ungestört den Herrn Gemahl- empfange» möge.(Geht in Berthe Zitnmer.) Eilfte Scenr. Michel allein. Was die nun wieder für kauderwelsches Zeug redet. Ey, ey, wie wird das hier im Hause werden, wenn erst die Hundstage kommen? Ich und die Köchinn, wir sind noch die einzigen vernünftigen und tugendhaften Personen. Aber so eine verfluchte Kran'heic ist ansteckend wie das gelbe Fieber— man muß täglich eine Präserva- tions-Kur im Wirthshaus'gebrauchen. Die liebe Sonne ist schon untergegangen. Jetzt will ich nur geschwind die Hyazinthen der Frau Professorinn noch begiesien, und dann me.nen alten Freund, den Wirrh von der goldenen Wurst besuchen. suchen.(Guckt noch ci» Mahl durchs Schlüsselloch.) Gute Nacht/ Mamsellchen! Hihihi! m Stande, sein Bischen Verstand gegen einen schonen Busen zu vertheidigen. Noch fünf Minuten, und ich glaube bey meiner armen Seele! Sie hätte mir weiß gemacht, ich wäre mit Roland Kotzekae's Theaier Zst. Bans. P 356 im Monde gewesen, und hätte dort mein Ver- standflaschchen wohl versiegelt gefunden. Dreyzehnte Scene. Professor. Adolfine(aus Vcrthas Zimmer.) Adolf. Wer ist hier im Dunkeln? Pros. Em armer Teufel, der nur gar zu hell sieht. Adolf. Sind Sie es, Herr Bruder? Ich fand Sie eben sehr bewegt, und auch meine Schwester. Pros. O ja, wir sind ein Paar bewegliche Personen. Stellen Sie sich vor—ich muß mem Herz vor Ihnen ausschütten— A dolf. Jetzt nicht, Herr Bruder, ich muß Sie vielmehr bitten, mich zu verlasse». Es schlägt eben acht, und ich erwarte jeden Augenblick einen Verrärher, dessen Stunde gekommen ist. Gehen Sie unterdessen ein wenig aus die Straße oder in den Garten. Pros. Oder in den nächsten Strom. Adolf. Diejen Abend, wenn meine Rache »ollendet ist, dann will ich Sie hören mit Ihren Klagen, Sie trösten und bey Ihnen Trost suchen. Pros. Nach Belieben.-Ich will unterdessen im Dunkeln ein wenig botanisiren. (Zar Mitte ab). Vierzehnte Scene. Adolfine allein, dann Bert ha inwendig. Wie mir das Herz klopft, als wäre ich die Verbrecherinn- O ja, wahrlich, der Augenblick, in dem man von des Geliebten Schlechtigkeit sich überzeugen muß, ist für den schuldlosen Theil ! schrecklicher als für den Schuldigen. Die leichtsinnige Lrrne mußte ein Geschäft übernehmen, > daß sie wenigstens noch eine Viertelstunde auf- i halten wird. Mau sah deutlich auf ihrem Gesichte den Schrecken, den Verdruß, die Angst—> freylich wird sie dieß Mahl zu spät kommen. Wenn nur meine Schwester im rechten Augenblick heraustritt! wenn sie nur Licht genug mnbnngt t-— Ha, wie ich an feiner Beschämung mich. weiden will!— Hörte ich bucht die Klingel an der Haus- P 2' thür?—Jetzt wird er kommen!(Kilt a» Bcrtha« Zimmer und ruft hinein:) Schwester, bist du auf deinem Posten? B e r th a(inwendig lachend) Ja doch, ja! Adolf. Ich glaube, sie lacht schon wieder? Komm nur nicht zu spat! Bert ha(inwendig). Ich stehe ja schon mit Armleuchtern bewaffnet, hahaha! Adolf. Da haben wus! Die wäre im Stande zu lachen, wenn sie ihre einzige Schwester zum Tode führen sahe!— Still! still! er krabbelt schon an der Thür. Fünfzehnte Scene. Adolfine, Georg Müller. Georg Müller. Pst! Pst! Gustchen! Adolf,(leise.) Hier! Müller(rennt auf sie zu, ergreift ihre Hand). O mein theures, mein geliebtes Gustchen! Adolf,(die ihren Irrthum werkt). Ha! Müller. Erschrecken Sie nicht, bereuen Sie nicht, dasi Sie ein Wort gesprochen, welches Mich zum glücklichsten Sterblichen macht , Adolf.(s«y Seite) Mein Gott! was fang ich an? Müller. Reden Sie, wiederhohlen Sie, das; Sie mir gut sind, das Sie meine Frau, meine geliebte Frau werden wollen. A do lf.(für sich) Ich vergehe vor Angst. M u ller. Sie schweigen? Sie wollen mir sogar Ihre Hand einziehen? Haben Sie Ihren Einschluß geändert? Nein, das kann, das darf Gustchen nie! Die Dunkelheit macht sie schüchtern. Warum ist kein Licht hier? Uns darf die ganze Welt sehen, wie Gott uns sieht. Vertrauen Sie Ihrem ehrlichen Georg; sein redliches Bewußtseyn macht ihn kühn; er wagt es zum ersten Mahle Sie in seine Arme, an sein Herz zu drücken, Ihre Lippen zu suchen und den ewigen Bund der Liebe durch den ersten Kuß zu besiegeln,(umarmt und küßt sie mit Heftigkeit, Adelfine schreyt laut.) Sechzehnte Scene. Vorige, Bertha, Gustchen mit Armleuchter,> aus Berthas Zimmer. Docker und Professor au- der Mitte. Doctor. Was seh ich? 3s2 Pros. Der umarmt die ganze Sippschaft. Müller. Was ist das? Bertha. Hahahs! Sie haben sich vergriffen. Hier steht die Rechte. Müller. Haben Sie mich verspottet? Gustchen. Nein Georg, ein bloßer Zufall. Doctor. Ein verdammter Zufall. Pros. Nichts neues, Herr Bruder. Doetor. Advlftne, du stehst beschämt? Adof. Beschämt vor einem Schamlosen. D o c t o r. Was soll das heißen? Pros. Du fragst auch noch? Ein Mann, der seine Frau in den Armen eines Studenten findet und noch fragen kann: was soll das heißen? nimm mirS nicht übel, der ist ein Narr! Berrha. Meinen Sie? Pros. Das wäre grade so, als ob ich noch fragen wollte, ich, der ich eben aus dem Garten komme, wo eine Mannsperson im Dunkeln zu meiner Frau ins Fenster stieg. Bert ha. Zu niir ins Fenster? Pros. Ja,^Madame, ich habe es gesehen, mit meinen leiblichen Augen gesehen; denn so stockfinster ist eö noch nicht, daß man»>cht eine Mannsperson von einer Nachteule unter- 3^3 scheide» könnte. Ich habe ihm die Leiter wegge- zogen und ich hoffe,, er hat den Hals gebrochen. Bertha. Sind Sie rasend? Pros. Sparen Sie alte Ihre Deklamationen und Exclamationeu! Und du Bruder, mache es wie ich, laß dich scheiden! Müller. Ich falle aus den Wolken. D er tha. Sie, junger Hexr, werden den Hals nicht brechen; da steht schon ein Genius bereit, Sie aufzufangen.(Gustcheil biethet Müller freundlich die Hund). Doctor. Du schweigst noch immer? Ich weiß fürwahr nicht, was ich denken soll. Prof. Laß dich scheiden! Adol f. Denk an deine Sünden, so wirst du verstummen. Prof. Sie hat doch noch geschrien: die meinige hat nicht gemukst. Doctor. Dieser Empfang— diese Scene — ich hatte mir einen so schönen Abend geträumt— Adolf. Ja, das weiß ich. Doctor. Der Schein ist wider dich, und doch siehst du mich bereit, jede Erklärung anzunehmen. Adolf. Wirklich? Meinst du, ich würde mich herablassen, mich— vor dir— zu rechtfertigen! Pros. Laß dich scheiden! Bertha. Schweigen Sie doch einmahl mit Ihrem dummen Refrain. Hier wird niemand geschieden werden. Adolf. Treuloser! Pros. Treulose! Adolf. Der Zufall hat deine Entlarvung um einige Augenblicke verzögert. Pros. Wollen Sie nicht nachsehen, ob der Herr Stölzel glücklich zum Fenster hereingekommen ist? Bertha. Der Herr Stölzel? Sie faseln. Doctor. Fast glaub' ich, liebe Schwester, wir sind alle verrückt. Mir ist wenigstens zu Muthe, als hatte ich einen Keulenschlag auf den Hirnschadel bekommen. Sie scheinen mir unter uns Allen noch die Verständigste. Erbarmen Sie sich und entwirren Sie den Knaul. Bertha. Wenn sämmtliche Parteyen auf meinen richterlichen Ausspruch compromittiren, so bin ich wohl bereit, alles gehörig inS Klare zu bringen. Doctor. Ich unterwerfe mich. Adolf. Ich werde reden. Z45 Pros. Ich werde zuhören. Bertha. Und gelegentlich auch mitsprechen. Man setze mir den Großvatecstuhl in die Mitte.(Müller thut e«.) So! Jetzt nehme ich mit gehöriger Gravität Platz. Pros. Richter und Beklagter in einer Person. Bcrtha. Silentium! Die Parteyen werden vorgeladen. Docker. Daß ich meine Frau in den Armen eines Jünglings gefunden— Pros. AlS ob ich die meinige nicht auch darin gefunden hätte— Bertha. Das bedarf keines Beweises, fintemahl der Richter selbst ein betrübter Augenzeuge gewesen. Fragt sich nur noch, ob nicht im Dunkeln em Irrthum vorgegangen? Gegenwärtige Zeuginn(auf Gufichen) hat bereits im Süllen ihrZeugnisi deponier. Um jedoch die Sache ganz- ltch aufzuhellen, citire man den Gärtner Miches (gibt GuKchen einen Wink. die hinaus-cht). Unterdessen wird der Richter diesen Kläger verhören (auf den Professor). Trete Er näher, mein Freund: was hat Er anzubringen gegen seine treue unbescholtene Gattinn? Pros. Wir wollen doch sehen, ob wir 546 Sie>s Unverschämtheit nicht in Zerknirschung verwandeln können. Hier ist fürs erste ein Billet. Bertha. Ein h a lb e s Billet/ so viel ich sehe. Pros. Es steht leider auf der Hälfte schon genug. Bertha. Von wem? Pros. Von diesem jungen Herrn. Man „höre!„Die Professorinn wünscht insgeheim noch „diesen Abend mir Ihnen abzuschließen. Der „Herr Professor darf nichts davon erfahren; sie „will der Liebe ein schönes Opfer bringen. Man „erwartet Sie an der Hintertreppe." Bertha. Hm, das klingt allerdings verdächtig. Pros. So? klingt es doch? Nun mein Herr Richter? Bertha. Zeuge trete vor und recognoscire seine Handschrift. Müller. Ein sonderbarer Zufall! Allerdings habe ich das geschrieben. Pros. Und im Nahmen meiner Frau? Müller. Allerdings. Pros. Nun sind wir fertig. Müller. Noch nicht/ Herr Professor! Sie haben da nur die Halste des Billets/ die 34? anders Hälfte— ich entsinne mich— ich wickelte Ihre goldene Halskette darein. Pros. Ist die auch fort2 Ich hatte es mir am Munde abgespart. Müller. Als ich die abgeliefert hatte— ja, ganz recht— da wickelte ich die 4 Frie- drichsd'or hinein, die ich Ihnen zurück gebracht. Bert ha. Die Habs ich noch unaufgewickelt in meiner Lasche. Müller. DaS ist herrlich!— Geben Sie geschwind! Mein Herr Professor, zuerst überzeugen Sie sich, daß beyde Theile an einander passe», dann lesen Sie noch einmahl und erlauben Sie mir, die Zeilen zu ergänzen. Pros. Was soll da heraus kommen?(Liest) »Die Frau Professorinn—" M üller»die ihren Mann sehr liebt—" Pros.„wünscht insgeheim—" M ü> le r„Ihren Dendriten zu kaufen.—" Pros.(stutzt).„Noch diesen Abend—" Müller„hofft sie den Handel—" Pros.„mrt Ihnen abzuschließen" Müller„wenn der Preis nicht zu hoch ist." Pros.„Der Herr Professor" Müller„den sie angenehm überraschen will" Pros.„darf nichts davon erfahren'^ Müller„denn unter uns gesagt Pros.„Sie will der Liebe" Müller„und ehelichen Zärtlichkeit" Pros.„ein schönes Opfer bringen" Müller„eine schwere goldne Halskette." Pros.„Man erwartet Sie'' Müller„aber nicht ohne den Dendriten Pros.„an der Hintertreppe." Müller.„Ihr gehorsamer Diener!" Pros.(sehr»erlegen). Gehorsamer Diener! Müller. Da ich nachher selber zu dem Manne ging/ so war da» Billet»»nöthig und ich zerriß es. Bertha(stehe«uf, mache eine,, Knix n»s überreiche ihrem Manne die Schachtel). Hier, mein lieber Herr Gemahl, ist der Dendrit vom Berge Sinai.(Setz, sich nieder). Numero Eins wäre abgethan. Kläger schämt sich und sagt kein Wort. Pros.(stammelnd). O er hat noch viel zu sagen. Siebenzchnte Scene. Vorige, Gustche», Michel. Gustchen. Hier ist Michel. Der arme Teufel kann kaum gehen. Er ist von der Lei» ter ein ganzes Stockwerk hoch herunter gefal- len und hat Ähre schone Hyazinthen mitgenommen. Werths. Meine Hyazinthen* Michel. Nun freylich; da» hat man davon, wenn man gar zu gefällig ist. Die Madame sagte, ich sollte ihr mit dem Begießen die Stube nicht beschmutzen, da dachte ich: du thust am besten— da» Fenster steht ja offen— du steigst hinauf unk begicßest die Blumen zum Fenster hinein. Ich lege eine Leiter an, ich steige hinauf, ich begieße. Weiß der Teufel, welch, ein Gespenst mir an der Leiter wackelt— ich mist mich halten— ergreife den Blumentopf und plumps liegen wir Beyde auf der Erde. Mir sind nur etliche Knochen entzwey; aber der Topf ist ganz zum Henker. Pros. Standest du auf der Leiter? Michel. Ja ich. Haben Sie etwa gewackelt? Bertha. Ohne weitere richterliche Einmischung wäre Numero zwey ebenfalls abgethan. Kläger schämt sich alwrmahIS und schweigt. Pros. Nur Geduld! es werden»och Dinge aufs Tapsc kommen, wo der Satan Ihnen nicht heraus helfen wird. Bert h a. Jetzt bekenne Michel: für wen hat Mamsell Gustchen dir einen Zettel gegeben? Michel. Für den jungen Herrn. Adolf. Sagtest du mir nicht, für meinen Mann? Michel. Nicht ein Wort. Sie beliebten solches zu vermuthen. Adolf. Und du widersprachst mir nicht? Michel. Einem harten Thaler widerspreche ich in meinem Leben nicht. Bert ha. Nun, hochgelahrter Herr Doc- tor, Sie werden begreifen, das; zwar hier ein Rendezvous und auch gelegentlich ein Kuß verabredet worden; doch nicht von Seiten der Beklagten, welche blos; aus angestammter Sorgfalt für ihres Mannes Tugend eine fremde Rolle übernommen. Doctor. Ich verstehe. Nur die Schuld des Mißtrauens bleibt auf meiner Adolsme, 351 und obgleich auch das mir wehe thut, so fallt mir doch ein Stein vom Hermen. Bertha. Numero drey ist abgethan. Adolf. Mir liegen aber noch Felsen auf der Brust. Bertha. Man walze sie vor meinen Rich- terstuhl. Adolf. Dieser Mau»/ der hier so keck mir in die Augen schaut, er wage es nur, sein Zimmer auszuschließen. Doctor. Mein Zimmer?(Schließt es auf). Adolf. Ich lulle dich Schwester, geh selbst hinein; ich vermag es nicht.f Bertha. Es ist doch kein Gespenst darin? Michel. Ein Frauenzimmer liegt auf dem Ruhebette. Doetor.'Bist du besessen? Bert h a. Die Anklage ist schwer.(Geht hinein.) Doctor(zu Adolf.) Solltest du wirklich einen so entehrenden Verdacht hegen? Adol f.(händeringend) Ich habe es selbst gesehen! Doctor. Selbst gesehen? Bertha(kommt zurück mit einer großen Puppe.) Da ist das Irauenzimmerchen. Doktor. Malchens Puppe. 353 Michel. Ey Herr Jemine; eine Puppe. Adolf. Ist daL lein Gaukelspiel? Doctor. Adolsine, besinne dich! Taf Kind legt ja öfters seine Puppe auf mein Ruhe« bette, du hast sie noch gestern selbst gefunden. Bertha(setzt sich). Numero vier ist abgethan..Klägern:» schämt sich und schweigt. Adolf. Wohl, ich hab- mich geirrt; allein »er Irrthum ist sehr verzeihlich, wenn man Tages zuvor ein lebendiges Frauenzimmer, eine Schauspielerinn, bey dem Manne hinter »erschlossenen Thüren findet. Kannst du das laug- «en? Bertha. Ey«y, Herr Doctor, das klingt sehr bedenklich. Adolf. Wab sie etwa krank? O nein! Ich habe sie selbst gesprochen. Sie erklärte, sie sey vollkommen gesund. Auf mein Befragen, war sie denn da zu thun gehabt, wußte sie mchtS zu antworten, gar nichts. Bertha. Beklagter gebe Rede und Antwort. Doctor. Adolfine, ich würde laut lachen, wenn es dre Wehmuth mir verstattete. Heute ist dein Nahmenstag. Ich habe dich nicht früher daran erinnern mögen, weibstch zuvor meine Ge- schafte abthun, und den Abend froh in unserm Familienkreise feyern wollte. Für die Kinder habe ich selbst ein kleines Spiel gedichtet; aber es ihnen einzulernen, daS verstand ich nicht und hatte auch nicht Zeit dazu. Da ersuchte ich Madame Schweizer, eine arme brave Frau, die ich vorigen Herbst von einer schweren Krankheit wieder hergestellt und nichts von ihr genommen hatte. Wo sie mich nur sah, floß sie in Dank über und wünschte mir zu vergelten. Dazu gab es eben Gelegenheit. Ich bath sie, den Kindern die Rollen einzustudieren. Sie that es mit Vergnügen. Hinschicken konnte ich die Kinder aber nicht, du hattest sie vermisst. Darum ließ ich sie heimlich zu mir kommen. Frage nur die Kinder selbst. Oder glaubst du, ich bediente mich der Kinder, um ihre Mutterzu betrügen?(Ad«l- sine fällt ihm II! die Arme und schluchzt an seinem Halse). Bertha. Numero fünf ist abgethan. Klägerinn schluchzt und bereut. Nun weiter zu diesem noch rmmer verstockten Sünder. Haben der Herr Professor noch etwas anzubringen? Pros. O ja, nom sehr viel. Hier ist ein- Packet; ich habe es aufgefangen. Der tha. So? EusrRuhm ist nicht fein. Pros. Ich ersuche den gestrengen Richter/ es in meiner Gegenwart zu öffnen. Bertha. Kluger wird getreulich vermahnt, nicht auf dieser Bitte zu bestehen. Pros. O/ er besteht darauf/ unerschütterlich. Bertha. Er wird nochmahls gewarnt. Pros. Hilft nicht». Berrha. Zum dritten Mahl— Pros. Vergebens. Bertha. Nun wohlan! Michel/ pack dich fort. Michel. Ey/ ich möchte auch gern wisse»/ was drm steht. Bertha. Pack dich fort! Michel. Aber— Bertha. Gcrichlsdiener, werft ihn hinaus. Michel. Nun/ ich gehe schon.(Filesich).Ich merke wohl, mit den Trinkgeldern hats eui Ends. (Ab.) Bertha. Kläger wird unverdienter Weise noch einmahl vor seinen Domestiken geschont. Pros. Ohne Vorrede, ohne Ausflüchte. Bertha. Der Richter sieht sich genöthigt, eine kurze Erzählung voran zu senden. 355"»-w Pros. Nur keine Fabel? Bertha. Gegenwärtiger Professor der Na? tnrgcschickte, als er noch Studiosus der Naturgeschichte war, verplemperte sich mit einem Mädchen. Pros. Das gehört nicht hierher. Bertha. Sage mit einem Mädchen, Lee er mündlich und schriftlich allerley verhieß und betheuerte, was er nachmahls nicht gehalten, weil eure gewisse andere Person, die auch recht hübsch ist, ihm das Netz über den Kopf geworfen. Pros. Leider! Bertha. Zum Glück war das Mädchen nur eine Dirne, und folglich sein Gewissen ruhig. Pros. O ja! Bertha. Aber diese schlaue Dirne hörte von seinem Wohlstand, glaubte wenigstens ei» Stück Geld von ihm zu ziehen, kam in voriger Woche mit seinen Briefen hier wohlbehalten an, trat bey einer alten Bekannten ab und vertraute dieser sogleich ihr Vorhaben. Pros. Wt-? Was? Bertha. Zum Glück war diese alte Bekannte, Kammerjungfer bey Madame Sröl« jsl. Zum Glück hatte Madame Stölzel die rechtmäßige Eyegattmn des Klägers vor kur- 556 j«m kennen gelernt und Wohlgefallen an ihr gefunden. Sie geboth der Dirne Schweige»/ um einen Versuch zu machen/ die scandalose Geschichte in der Stille beyzulegen. Besagt« Ehegattinn/ eine guthmüthige Närinn, ließ sich auch sogleich in Unterhandlung ein, und um ihrem Manne einen Verdruß zu ersparen, kaufte sie für ihre Pathenpfennige seine Liebesbriefe.—> Besteht Kläger noch darauf, da» Packet zu offnen?(Professor reißt eS ihr hastig aus der Hand, offne« es und steht niedergedonnert.) Numero sechs ist abgethan. Doctor. Noch nicht; denn mein Bruder liegt noch nicht zu Ihren Füßen. P r o f. Es ist wahr— lch bin— ich habe — ich will— ich werde— Bertha. Lauter Fragmente. Pros. Aber zum Henker, ich habe Sie ja doch in Müllers Armen gefunden. Bertha. Geduld! dieß letzte und schwere Gravamen soll auch sogleich zum Vertrag kommen, sintemahl die Parteyen zur Rechten völlig befriedigt worden. D Sttor(Adotsincns Hand fassend.) Das hoffe ich. Adolf. O mein Geliebter! ich schäme mich, 557 daß ich noch etwas auf dem Herzen habe; allein der erste Beweis meiner Besserung sey, daß ich Nichts darauf behalte» will. Deines Bruders Geschichte hat mich an eine ähnliche erinnert. Du bist unschuldig, das weiß ich nun jchon; aber zu meiner Beruhigung lies jetzt»och ein Mahl den Zeitungsartikel, den du vorhin nicht verstandest und nicht ansehen wolltest., Gibt ihm die Zeitungen). Doeror(nachdem er gelesen). Nun fürwahr, ich verstehe ihn auch letzt noch nicht. Adolf. L. G. E. Lein Nahme. L. M. Hast du Lottchen Möhring vergessen? Docror(zuckt s.e Achseln). Ach, ists möglich? Ja, liebe Adolsme, wenn hier nicht ein Daus ex macitina ins Mittel tritt, so weiß ich dir wahrlich nicht zu helfe». Müller. D. G. E.? L. M.? Lassen Sie doch sehen'(Nimmt das Blatt.) Adolf. Es wäre ja auch nicht deine Schuld, wenn der Artikel dir gälte. Doetor. Er gilt mir aber gewiß nicht. Müller. Nein, er gilt mir. Doctor, Adolf. u.Gustchen. Ihnen? Müller. Ja, ja, mir. Gott>ey Dank! dir S tiefmutter ist todt!(reicht das Blatt an Dertha.)-^ Da, da lies! du weißt ja alles.- Pros. Was'! Du! Ju meiner Gegenwart f gedutzt? a Dvctor. Unbegrsisiich! s l^ Berrha. Begreifst du auch nicht, Schwester?- Prof. Ich bebe vor Angst und Würd. d Bertha. D. G. E. Dtetrich Georg En- gesmann. n A dof. Mein Bruder! B ll l l e r(fiiigt an ihren HnlS.) Ja, dein^ Bruder!^ Doctor. Prof. Ihr Bruder? Be> rha und G u st ch e n. Ja, ihr Bruder. Berrha. Muß ich noch weiter explwn-en: Prof.(linkt zu ihren Süßen.) Ich schäme mich ganz emsetziich. Bert h a. Sann ist noch Hoffnung zur Des-' serung. Prof. Kannst du mir verzeihen? Der rha. Aha! Eudilch demüthigt sich der I Herr der Schöpfung. Verzeihen? Mit nichte»! Das streuet gegen die Richterpsiicht. Der un- D befugte Kläger wird vielmehr in alle Kosten an Scham, Neuere, hiernnt feyerlrchst condemnüt. Nachdem ich jedoch aus duse Weise meinem er- d>« habenen Amte Genüge geleistet, verlasse ich den Richterstuhl,(steht auf) bin wieder eine aure folgsaine Hausfrau, die ihrenManu mehr lievt, als er verdienn, uud svricht: Komm her du Grillenfänger, ich verzeihe d>r! Adolf. Aber kann ich d i r verzeihen, Bruder, daß du ihr entdeckt, mir verschwiegen— Müller. Auch sie weiß erst seit heute um mein Geheimniß. Bertha. Mein Herr Gemahl überraschte uns bey der Erkennungsscens: daher der ganze Spectakel. Müller. Freut Euch mit mir! Die Stiefmutter ist todt! Gustchen, liebes Gustchen, nun bin ich nicht arm! Gustchen. Werde ich Sie darum mehr lieben? Doct. Pros. Adolf. Was ist das? Bertha. Ein Schauspiel für Götter. Merkt Ihr das nun erst? A d v l f.(eilt auf Gustchen zu, und umarmt sie.) Meine neue Schwester> Ich habe dich oft ae- Piüic. Wirst du-mrch lieben können?^ Bertha. O man liebt oft die am meisten, die einen am ärgsten gualen. Lxaorn!» srmt oäiog». sagen wir Lateiner. Mit schalkhaftem Düek auf ihren Mann.) Dvceor. Welch ein froher?tbend! ES zogen Wolken auf. Dank der Liebe, sie haben sich vertheilt. Adolf,ue, dein Nahmenstag— die Kinder Ivanen jchon lange mir Angst und Ungeduld auf einen Wink. Dürfen sie kommen? Die Ältern haben ein Schauspiel aufgeführt. Dürfe» die Kinder nun den Epilog halten? Adolf. O geichwind! Meine guren Kinder! Doctor(ruft ins Zimmer.) Fritz! Malchen! Kommt herbey! Achtzehnte Scene. Vorige. Fritz. Molchen vermummt aus kes Doctors Zimmer: Fritz am Wtade schleichend setzt sich jU ÄdotAnens Süßen. Fritz. Ach/ es beben meine Kniee memen Fuß verletzt ein Dorn/ den» nur folgt/ wohin ich flieh?/ Jupiters Jörn. Mal- Malchsn. Warum sitzest du, armer Knabe am Wege hier? Wanken sah ich dich am Stäbe und folgte dir. F r i h. Ach, ich wanke schon lange, lange, such' und finde nicht, und verberge die schamrothe- Wange, weil sie mein Bekenntniß spricht. Matchen. Was suchst-du? Rede armer Knabe.' ich bin den Menschen hold, und köstlicher ist meine Gabe als Silber oder Gold. Fritz. Du, eine Sterbliche geboren. Du hattest Trost für mich?— Zuviel, zuviel hab' ich verloren.- M a Ichen. Wer bist du? Sprich! Fritz. Hasse mich, wenn du verkommen, ich sey die Lieb', ein Göttersohn, allen Sterblichen einst willkommen, Von allen Sterblichen nun yeflohn. Äetzel'ue's Theater 34- Vd- 2. 362 „Geh, die Menschen, zu beglücken, so sprach Jupiter: „spende seliges Entzücken „rings um dich her; „doch ich kenne dich, bösen Knaben, „du spielst mit Menschenglück, „flatternd streust du deine Gaben,, „flatternd nimmst du sie zurück: „darum sey die holde Schwester, „Vertrauen dir zugesellt; „sie knüpfe enger und knüpfe fester „was dein Band nur locker halt; „unzertrennlich von dieser Schwester- „bringst du Segen in die Welt. Ich flatterte mit leichtem Gefieder um Rosen, die ich tändelnd brach; die zögernde Schwester war mir zuwiderste schlich mir langsam nach; langsam, doch mit sichern Schritten, sammelte sie was ich zerstreut, baute langsam ihre Hütten; aber für eine Ewigkeit. Wer, von meinem Rausch erwachend, meinen Tempel wollte flieh«-. 36t) den wußte freundlich lachend sie in ihren Arm zu ziehn. Wer gesättigt vom Genusse, mir schon halb den Rucken wand,, blieb, wenn er in ihrem Kusse mich»qieder fand. Und der Sterbliche verehrte sie mit reiner Herze,iSgluth: das entflammte und empörte meinen Ubermuth. „Bin ich nicht der Gott der Liebet „schaff ich nicht allein „jene seligsten der Triebe, „jene süße Pein'? „Fort, es soll die Welt erfahren', „daß mir nicht geziemr, „mit der schlauen Dirne mich zu paaren, „die sich meiner Siege rühmt." Fort mit kindischem Verlangen flattert' ich über Berg' und Thal, wurde jubelnd empfangen wohl überall. Lustig auf meiner Himmelsleiter klimmten die Sterblichen auf und ab, Q Z! und ich flatterte lustig weiter, lockte und verhieß, und gab. Malchen. Ey so gelang dir, zu belehren die ganze Götterfthaar, daß die Schwester zu entbehre« dir ein Leichtes war. Fritz. Laß mein Klagelied mich enden. Als ich so die Welt umkreist, wollt' ich zum Olymp mich wenden, doch zuvor— ein unsichtbarer Geist— über die Erde noch ein Mahl rauschen mit zufriednem Blick, und im Stillen belauschen da§ von mir geschaffne Glück. O, da fand ich Alles zertrümmert, Alles zerstöre, und die Sterblichen hoch bekümmert^ die einst jauchzend mich verehrt. Meine Lieblinge wollt' ich suchen, mich enthüllen ihrem Blick. Ach! Ich hörte sie verfluchen mich und ihr Geschick. Und der Gott mit dem Donnerkeile sprach ein strenges Urtheil aus: ohne Bogen, ohne Pfeile wies er mich in die Welt hinaus. „Geh! Durch meinen Zorn gebunden! „sollst verbannt ine n Antlitz siechn, „bis die Schwester du wieder gefunden, „bis sie dir verzieh»." So durch eigne Schuld betrogen, duld' ich nun mein Strafgericht, zieh umher ohne Pfeil und Bogen, suche die Schwester und finde sie nicht, M a l ch e n. Fasse Muth! Vor Jupiters Grimme schützt dich meine sanfte Gewalt. Bruder! Kennst du meine Stimme? Bruder! Kennst du meine Gestalt! (Sie verwandelt sich in ein Götterrind, ohne Nliiztl, reffen Haupt mit einer Pyramide geziert ist.) Fritz. Ha! Du bists! Ich hab' sie gefunden, Die mir der Himmel zur Gefährtinn lieh! Ewig bleibe nun mit mir verbunden! Schwester! Schwester! Verlaß mich nie! Matchen. Unentbehrlich sind wir uns Beyde, Denn du öffnest die Herzen mir; 566 aber nach dem ersten Rausche der Freude fehle ich die Herzen dir.— Schmücke du immer des Lebens Morgen^ für den Abend samml' ich den Lohn. Fritz. Sprich: wo lebtest du verborgen, seit ich unbesonnen dich geflohn? Ma lchen. An der Freundschaft stille Hütte klopft' ich an, und sie wurde ohne Bitte mir aufgethan. Ihr verschwistert mit den Musen hab' ich still mich offenbart, und sie hat im treuen Busen stille mich bewahrt. Nimmer werd' ich sie verlassen., möge sie mit uns ziehn, will Euch Beyd' umfassen.. Bin Euch Beyden verlieh». Fritz. O, so nimm mich auf in deine Arme, daß sich Jupiter des Verstoßenen erbarme. Du Gewaltiger! Laß mein Flehen dich erweichen! 3 6 z? Sieh, bis Schwester ist versöhnt; gib mir nur ein Gnadenzeichen, daß dein Segen unser Bündniß krönt! (Verwandelt sich in Amor.) 'Ich bin erhört! Bin wieder aufgenommen in die Götterschaar, bin den Sterblichen willkommen wie ich vormahls war. Malch e n. Und im leichten Horentanze sammt' ich wieder was du zerstreut, flechte die Blumen zum frischen Kranze und begäbe sie mit Unverwelklichkeit. Fritz. Folgst du mir, wohin ich schwebe?— Matche n. Bruder, ich folge; prüfe mich, daß ich ein erstes Pfand dir gebe, neu gefesselt sey ich an dich. Fritz. Wohl, so führ' ich dich den trüben Blicke» einer edlen Gattinn vor, die ich nicht vermochte zu beglücken, weil ich dich verlor. Folge mir geschwinde! geschwinde! An dem Tage, den ihr Nahme ziert. werde d u ihr zum Angebinde von der Liebe zugeführt. Eile, eile sie zu befreyen von dem Dämon, der sie quält; Ach, es kann auf Erden mchtS gedeihen, wo Vertrauen fehlt. Ja, kein Herz, kein Busen kann erwärmen, immer nur Wolken ziehn herauf; und wenn Liebe und Vertrauen sich umarmen, thut der klare Himmel sich auf. (Umarmen sich fest und innig.) M a l ch e n. Wenn der Bruder mir ein Herz bereitet), zieh ich mit den Blumen fröhlich ein. Fritz. Wenn die holde Schwester mich begleitet, werden meine Rosen ohne Dornen seyn. M alche n(j» Abolfinen.) Nimm mich auf in deinem Herzen und verstoße mich nie. D octor(die Hand auf Adolfinens Schulter legend.) Und vergib dem treusten Herzen dieses Spiel der Fantasie. Adolf,(sehr bewegt, bald Ihre Kinder, bald ihre» Gatten»marmeud.) 6 meine Kinder! D mein gurer Mann! Bertha. Herr Gemahl! Und Ihr jungen reute! Habt Ihr es gehört! Kein Herz, kein Busen kann erwärmen— Gu stehen. Immer nur Wolken^iehn herauf— Pros.(Vertba umarmend.) Nur wenn Liebe und Vertrauen sich umarmen— Müller(Gustchen umarmend.> Thut der klare Himmel sich auf! > 1' Ui- 8 ^' />^ L M. - ö' MÄ ^--/> '4^^ M ',M. »c' E-^5 v-c, L. H^ -X h'^/ - F 4' 5 MWW- .-F<. '-c"P .F «O»r F-"E E '-E. LL