Msliek- NM-kibliMgk. H MMWS Ms«» Theater v o» K o tz e b u e. Acht und vierzigster Theil. Rudolph von Habc-Surg imd König Ottokar von Böhmen. Des HaffcS und der Liede Rache. Wien, 1816. In Commission bey Anton Doll. Theater von K o tz e b u e. Acht und vierjigstex Band,- A 2 Rudolph von Habsburg und Konig Ottokar von Böhmen, E i n historische? Schauspiel in sechs Ackm. Personen. kudolph«o» H«bibmg. icrg, s"N Neffe. k>.i»kae. Kö,"g»o" Död-"-n. ,UN°gU^-'«d"»N. llgner.?«""„»sn Beandenrmk,. Der BUS«' D^ÄSNN'nI-^ d-"- E--'«- «in Reicht' id»t e n. G> ö<' Kn«?V«n- Di« Ze" ir7L-t?-7S. Erster Act. 8» Basel in des Bischofs Burg. Nacht. Ei» Vorgemach, in dem kitte Lampe brennt. C r fl e Scene. DeS Bischofs Kämmerer(sitzt bey der Lampe, thut den letzten Zug aus einem Weinkrugc, gähnte stutzt den Kopf in die Hand und spricht halb schluni' mernd) l ^a, ja, der Bischof! mag-'er's doch bedan- crn, Daß er die bösen Handel angefacht. ^)a liegt nun der von Habsburg vor den Mau- er», Hat Basel schon in?lngst und Noth gebracht— 6 Doch rühmen muß ich ih", den wackern Grafen, aß er den Waffenstillstand uns vergönnt; o darf man einmahl doch die Furcht verschlafen, Daß nicht der Giebel über'm Kopfe brennt. (ES wird hastig an die Thür gcklopM. Wer klrpft denn noch fo spat? (taumelt hin und öffnet die Thür). Zweyte Scene. Der Vorige. Lutold von Regensberg. K a m m e r e r. Seyd Ihr's? ich dachte, Ihr wart in Frankfurt bey der Kaiser-Wahl? Regensberg (hastig auf und abgehend). Da komm ich eben her. Kümmere r. Nur sachte! sachte l Der Bischof schläft. 7 RegcnSberg. So weck' ihm Kämmerer. Er befahl/ Nicht vor der Mittags- Stunde ihn zr; wecken./ Regensberg. lind ich befehle: geh und weck' ihn gleich. Den» mein Geschäft hat Eil'. K ä m ni e r e r. Er wird erschrecken. WaS hier geschah, wohl unbekannt ist's Euch? Regensberg. Nur ein Gerücht ist mir zu Ohren kommen. Kämmere r. So laßt Euch dienen. Bey dem Kampfspiel, das Der Laufenburger jüngst hier unternommen, Cab's schlimme Händel; denn der Bürger- haß— Ihm mögt auch wohl der Bischof Nahrung geben— Brach»»verwarnt in helle Flammen aus;- Es kostet' manchem edlen Herrn das Leben, Und mancher ritt mit blut'gemKopf nach Haus. Als der von Habsburg>'.un— ein Blutsverwandter Von den Erschlagenen— den Streich vernahm, Und wie der Bischof zugelchürt, entbrannt er In heft'gen Zorn und wappnet' sich und kam Herangebraust wie Sturm und schäum nde Wogen! Ihm folgt' der Bergbewohner tapfre Schar, Es sind auch die von Zürch ihm nachgezogen, Und von Sauet Gallen der Abt sogar. Regensberg. Der Abt? Du lügst. Den hört' ich längst schon klagen, Wie böse Tücke Rudolph thm bewies. Weil er dem Kloster nicht zu Lehn will tragen, Was Kyburg ihm«ls Erbe hinterließ. Kämmerer. Ganz recht; doch als der Witwe Thränen flössen. Verwaiste Kinder laut um Rache schrie'n, Versammelt' er die Freund' und Kampfgenossen, Und alle. hörten mit Verwund'rung ihn: „Der Basier-Mord," so sprach er,„fordert Rache, „Nur sind zwey mächt'ge Feinde mir zu viel. d „Doch wenn ich mit Sanct Gallen Friede mache, „So dünkt mich rühmlicher des Kampfes Ziel. „Dort ist von meinem Vortheil nur die Rede, „Hier von beschimpfter Freunde Ehr' und Blut; „Wohlan, so geb' ich nach in cig'nsr Fehde „Und züchtige der Basler Übermuth." Das nannten alle löblich. Manche riethen istüch flugs nach einem Mittler umzusch'n. Dem stolzen Abt ein gutes Wort zu biethen Da lachte Rudolph, selber wollt' er geh'n— -Und ging auch unbewehrt. Die Freunde zittern. Er aber kommt nach Wyl, just wie der Abt Zur Tafel sitzt mit vielen Herr'n und Rittern, Die er in seinem Solde reich begabt; Und als man meldet nun vor allen Gasten: Der Graf von Habeburg woll' empfangen seyn. Da meint' der Abt, man hatt' ihn nur zum Besten— Doch bald, mit vff'ner Stirn tritt Rudolph ein, Und achtet nicht, daß sich von allen Seiten Das halbgezückte Schwert ihm zugewandt; Man sieht ihn furchtlos durch die Halle schreiten. Treuherzig biethet er dem Abt die Hand: „Wollt Ihr," so spricht er,„Euch mit mir versöhnen, „So bin ich Euer Dienstmann ohne Streit." Als unverhofft die Friedeusworte tonen. Umarmt der staun'nde Abt ihn hocherfreut. Zieht rhn zurLafel, trinkt, laßt hoch ihn leben! Der Becher kreist mit frohl'chem Ungestüm Rudolph erzählt, waS sich zu Basel begeben. Entstammt die Herzen— Alls folgen ihm. Negsnsbsrg. O zu.n Beschwatzen fehlt ihm nicht die Gabe. K a m inere r. Hat anfangs unser Bischof zwar vermeint. Wie es sehr wenig'zu bedeuten habe— Bis Rudolph wirklich vor der Stadt erscheint. Wir trotzten auf des Rheinstroms Lief und Breite, Da laßt er plötzlich un-s ein Wunder schau'n— Mir wußten lange nicht, waö eS bedeute— Von Kähnen sah'n wir eine Brucke bau'n. Das ganze Heer ging über trocknen Fußes, Dem Bischof sank der Muth— und als wir nun Gewärtig waren eines harte» Grußes, Mußt' er den sauren Schritt zur Sühne thun. Um Waffenstillstand bitten— auf zwölf Tage Hat uns der wilde Sieger den gewährt; Doch sind wir drum stets in bedrängter Lage, Wenn Hülfe nicht ein Schutzpatron beschwert. Soll ich den Herrn nun aus dem Schlafe pochen,,>. Zumahl da er im Becher Trost gesucht. So meint er wohl, der Stillstand sey gebrochen, Springt auf— verliert den Kopf— ergreift die Flucht—? Regen sberz. Sag' ihm, derselbe Rudolph, dessen Waffen Ihn ängst'gen, sey zum röm'schen König erwählt. K ä m mere r. Ihr scherzt. RcgcnLberg. Nein wahrlich! Dank dem Mainzer-Pfaffen, Nicht Eine Stimme hat der Wahl gefehlt. Kümmere r. Ey du mein Gott! (rennt in des Bischofs Schlafgcmach). r2 Dritte Scene. Regensberg(allein). Das konnt' ihm nur gelingen Mit Satans Hüls. Ein armer Rittcrsmann, Der sich alSVoigt den Zürcher« that verdingen. Und in der Schlacht dein Tode kaum entrann. Als ich und Tockenburg ihn hart bedrängten, Weil er vor meiner Rache Ziirch beschützt— O daß wir nicht die letzte Kraft anstrengten, Den Mann zu stürzen, der so hoch nun sitzt. Lag er nicht schon zu Boden unterm Rosse, Durch seinen Fall das Heer in Flucht geschreckt. Als Müller vonZürch, sein tapfrer Kampfgenosse, Den Gott verdamm! ihn mit dem Schild gedeckt? Vierte Scene. Der Bischof(iw Nachtgewand). Der V s» rige. Bischof. Ist's möglich? Regensberg! waS muß ich vernehmen? Kam's nicht ron Euch, bey Gott! ich glaubt' es nie. Regensberg. Wir müssen uns zur Huldigung bequemen. Es beuge» sich vor Habsburg Fürstenknie. Bischof. So sitze fest, Herr Gott, auf deinem Throne, Sonst wirft dich dieser Rudolph noch herab. Wie? solche Wahl! dem deutschen Reich zum Höhne! R e g e n s b e r g. Gelassen hört, wie alles sich begab. Dem Reiche fehlt' ei» Haupt, seit Richards -Tode., Zwey Jahre lang zerrissen und zerfleischt; Denn niemand ehrte Gottes zehn Gebothe, Viel weniger was Menschen- Sätzung heischt. Doch weil die Fürsten zögernd stets geblieben Mit neuer Wahl, so hatte zornig nun Der strenge Papst Gregorius geschrieben: Wenn sie nicht wählten, woll' er selbst es thun. Da endlich eilten sie nach Frankfurt hin am Maine; Dort um die Krone warb ein Königs- Paar; Alfonsus von Castilien der Eine, ,4 Der Andre Böhmens mächt'ger Ottokar; Und doch— wem konnt' es träumen?— doch ernannten—- Verführt vom Mainzer Bischof Eppsnstein, Trotz Widerspruch der böhmischen Gesandten—- Die Fürsten AU' im letzten Chur-Verein Nudolph von Habsbnrg zu der deutschen Krone. Bischo f. Was trieb den Mainzer? N egensbs r g. Eine Kleinigkeit; Man sagt sich laut, es sey gescheh'n zum Lohne Für einen Ritterdienst, für ein Geleit, Das Nudolph über die Alpen ihm gegeben. Denn als er sich von Rom das Pallium Zu hohlen ging, da bangt' ihm für sein Leben, Es schweiften Räuber im Gebirg herum. Flugs hat der Graf ihn hin und her geleitet. Bewirthet und beschwatzt— und dafür jetzt Zum schuld'gen Dank den Kaiser- Thron erbeutet; Und der von.Loln, der gern in Bildern schwätzt. Nennt seine Wahl den ersten Frühlingsmorgen Nach einer langen, smrm'schen Winternacht. Bischof. Doch Ottokar? RegenS bsrg. Der, mein'ich, wird schon sorgen, Daß Rudolph a«r dem stolzen Traum erwacht; Und darum eilt' ich mit verhängtem Zügel, Bis ich die neue Mahr' Euch angesagt. Und borgte gern vom Adler nun die Flügel, Auch Böhmen zu erreichen eh' es tagt. Will Ottokar, so laßt uns nicht verzagen, Und daß er wellehauch' ich flugS ihm ein; Könnt' er auch selbst den Schimpf gelassen tragen. So soll mein Haß-in gli'ch'uder Sporn rhm seyn. Bischof. Der Himmel segne Euren frommen Eifer! Regensberg. Und ihr indeß?— B r s ch o f. Man fügt sich in die Zeit; Wir geben christlich nach, bis Euer Anschlag reifer, Und sich der Kampf zu Gottes Ruhm' erneut. ,6 Reg ensberg. Vor allen Dingen laßt die Bürger wissen. Womit der Fürsten Weisheit sie beglückt; Sie mögen eilen jene Hand zu küssen. Die drohend über sie noch Ruthen zückt. Vielleicht daß sie, die Erste», ihm verkünden. Wie buhlerisch ihm Glück und Hoheit nah'»; Denn schwerlich konnte sich ein Böthe finden. Der mir an Schnelligkeit es gleich gethan. Nur Burggraf Friedrich klrcrte mit den Sporen, Doch eh' er fortzog, raunt' er noch geschwind Den unbeweibten Fürsten in die Ohren: Daß Rudolphs schöne Töchter mannbar sind. Das hat die Vater auch zur Wahl empfohlen. Wer mag nicht gern des Kaisers Eidam seyn? Nun eilt derBurggraf sich den Dank zu hohlen; Es tragt, wen weiß, ihm wohl ein Reichs- Lehn ein. Doch frohlockt nicht zu früh, bethorte Gecken! Die Würfel liegen»och, das Spiel ist gleich; Denn eurem Rudolph will ich Feinde wecken. Und sollt' ich reiten bis in's Satans Reich! (ad). r? Bischof. So recht mein Sohn, man darf zu fromme« Zwecken, Wenn uns der Himmel seine Gunst versagt, Bisweilen auch den Antichrist erwecken,, Daß er den F-ind gebührlich nagt und plagt. (ab). Fünfte Scene. (Rudo! phg gelt.) Rlld 0 lPh(aus-mem Ruhebette schlummernd). A l- brech t(hastig eintretend). Albrecht (hinter sich redend). Laßt mich hinein! chenn ich muß Luft nur machen i Der frohen Z-itung erster Böthe seyn: (den Vater betrachtend). Er schläft so süß— er wird auch süß erwachen, (ihn sanft schüttelnd) Mein Vater— Rudolph (auffahrend). Hc! was gibl's? Der Feind? A lbrecht (das Kn:e trugnid), O nein'. Mein Vater und mein Kaiser— Nudolp h. Steh' auf! ?llbrech t. Bist von Sinnen? Man hat zu Frankfurt Euch erwählt; Dein Reiche wird ein neuer Tag beginnen— N u d o l v h. Mein Sohn, wer hat das Mahrchen dir erzählt r Sechste Scene. Die Vorigen. Burggraf Friedrich. Burggraf. Kein Mahrchen, theurer Oheim. R n d o l p h. Welch'Erscheinung? Der Burggraf Friedrich— B u rggra f.! .Dringt Euch den Bescheid, >9 Das; ihr zu Frankfurt in der Fürsten- Einui'g Zu Deutschland.' Oberhaupt erkoren seyd.- R u d o l p h. Ich träume nicht? B u rg 4 r a f. Dem sang' verwaisten Throns Gab neusn Glanz durch Euch die Vorsehung; Empfangt ron Eursni Neffen, Eurem Sohns Den ersten Gruß, bis erste Huldigung. R ud olp h. Kein Spott? Burggraf. Ihr habt der Fürsten Wort vernommen; Im Nahmen Aller beugen wir daS Knie. Rudolp h. .Steht auf und laßt mich zu mir selber kommen; Lost mir das Räthsel, das Warum und Wie. B n r g g ras. Dünkt's Euch ciu Wunder? Wenn die Wellen toben, Ruft jeder den erfahrnen Steuermann; Wer fragt im Sturm nach Rang und Ahnen- proben? Der soll der Erste seyn, der retten kann. 20 Rudolph. BegehrffDu, daß ich Schmeichelworten traue? Den Meiste» blieb wohl Deine Ansicht fern. Mich dünkt/ das ich der Fürsten Plan durchschaue! Sie wollen zwar ein Haupt/ doch keinen Herrn, Der mächtig schon anS eigner Kraft sich nenne, (Wie sich's in Schwaben kürzlich noch erwies) Auf daß er nicht etwa rückfordern könne. Was im Tumult dem Reiche man entriß. Ein Graf von Habsburg, arm an Volk und Staaten, Mit dein sich abzufinden ist nicht schwer. Was meinst Du, Neffe, hab' ich es errathen? B urggraf. Wohl möglich, doch wenn wirklich dem so wär'— Rndolph. So würde man sich baß verrechnet haben. Ward ich gewählt in Fried' und Einigkeit? Burggraf. Mainz, Trier, Cöln, Pfalz- Baiern, Sachsen gaben. Sammt Brandenburg, die Stimme sonder Streit. Rudolp h. Und Böhmen d B urggr a f. Ist kein Glied vom deutsche» Reiche. Zwar hat sich Ottokar ein hohes Ziel gesteckt. Doch wollten Alle, daß er Rudolph weiche, Da seilis Herrschsucht langst die Fürsten schreckt. Was aber Groll und Neid im Finstern schmieden. Euch auch nicht zu verhehlen scheint mir Noth; Die Böhmen— als von Frankfurt sie geschieden— Mit blut'gem Kriege haben sie gedroht. Rudolph. Dann faß- ich seufzend Deutschlands morsches Ruder, Denn nie vergeh ich, daß mir Ottokar Im rauhen Preußen Freund und Waffenbruder Und meinem Sohn'ein gnüd'ger König war. Aus seinem Becher hab' ich oft getrunken. In seinem Zelte hab' ich oft geruht. So glimmt noch stets m imr der Freundschaft Funken, Bleibt unverlöschbar selbst durch Übermuth. Sott ich mit ihm des Kampfs mich unterwin- dm? 2 2 Das fällt mir schwer, auch ist's gewagt, denn sprich. Wo war' im ganzen Reich ei» Fürst zu finden, Der sich an Macht mit Ottokar verglich? E> urggra f. Wo einzeln nicht, doch mit vereinten Waffen. R udolph. Als Erbe schon von Boomen lind Mahren reich. Mußt ipm sein Schwert noch neue Länder schaffen: Die Steyermark, das blüh'nde Österreich; In Krain undKariuhen sehn wir ihn gebiethen. Und siegreich streckt er von der Raab den Speer Bis wo die Baiern ihre Gränze huthen, Nom adriat'schen bis anS balr'sche Meer. Und diese Macht, schnell durch sein Wort entwickelt. Beseelt ein Geist, ein Wille, eine Kraft, Indeß die Meine hundertfach zerstückelt. Durch Trägheit, Zwietracht, Eifersucht erschlafft. So möge nun der Fürsten Weisheit richten. Wenn ihre Wahl die Krone mir verlieb. So bin ich zwar der Mann für meine Pflichten, Doch schweren Herzens nur erfüll' ich sie. 2Z Albrecht. Vergönne mir zu reden, Vater. N iidolph. Rede. A l b rech t. Au kühne Wünsche barg ich lange schon, Mein Herz war schüchtern, meine Zunge blöde— Mir wachst der Muth— ich bin des Kaisers Sohn. Rudolph. Was recht ist, durft' auch Habsburgs Sohn begehren; Unrechtes ziemt auch Kaisers-Söhnen nicht. A l b r e ch t. Du wolltest mich die edle Kriegskunst lehren. Ein Kreul;-Zug war mein erster Unterricht; Nach Preußen zog ich inner Böhmens Fahnen, Die Brust umpanzerte ein kaltes Erz, Doch wußte Liebs sich den Weg zu bahnen— Die Sporn gewann ich und verlor mein Herz. Die holde Agnes trat mir einst entgegen. Des rauhen Böhmer-Königs zartes Kind; Zch sah und liebte— schalt mich selbst verws- gen— 24 Für fremde Reitze blieb ich kalt und blind— Bald waren unsre Seelen eng' verschwistert, Und schmeichelnd wiegte Liebe Furcht in Schlaf, Bis noch zu rechter Zeit Vernunft geflüstert: Die Ksu igs--Loch ter flieh! flieh, armer Graf!— Ist, floh— doch neue Hoffnung will sich regen. Da nun auf nnch ei» Strahl von deinem Glänze fällt; Gib mir Agnessn, gib mir deinen Segen! Vielleicht den Frieden schenkst du so der Welt. . Rudolph. Das HL? ich gern, und möge Gott es lenken! Wohlauf nach Prag! (jit Friede!»): Du gib ihm das Geleit; Tritt vor den König, grüß' ihn, sprich: ihn kranken Will Habsburg nicht, doch Unterwürfigkeit Muß Kaiser Rudolph fordern; frag' ihn glimpflich. Ob er die LehnS-Pflicht leiste nach Gebühr? Dünkt' ihm vor mir das Knie zu beugen schimpflich, Ss sprich: dem Reiche huldigt er, nicht wir. Ich 25 Ich werd' i» ihm den asten Freund empfange». Wie vormahls mit ihm theilen Tisch und Zelt; Doch waS dem Reiche zukommt, ernst verlange»— (j» Albrecht.) Das Übrige sey d i r anheim gestellt. Albrech t. Ja, in des StaatSrechts labynnt'schen Gängen Laß ich den Vetter, bin da nicht zu Haus; Tauch will ein Groll des Königs Herz verengen. So dehne flugs die Lieb' es wieder aus» S i e h e n t e ,S c e n e» Die Vorige n. Ein Knappe. Knappe. Herr, wir bekommen unvermuthet Gäste. Kaum wird es Tag, so öffnet sich das Thor, Und siehe da, gleich wie zu einem Feste, Drängt sich geschmückt die Bürgerschaft hervor; ES folgt die Geistlichkeit mitKreuz und Fahnen, Der Bischof selbst im geistlichen Ornat; Sie laden Euch, des Reiches Unterthanen, In dre noch gestern widerspenstge Stadt. Kohrbnee THea«. 4«. Vd. B 26 RudoIph (zum Burggraf). Empfange sie, doch eh' ich se'bst erscheine. Sey eine kurze Frist mir noch vergönnt, Daß ich vor Gott mich prüfe, wie ich'S meine. Dem Volke Weh', deß Fürst sich selbst nichö kennt! (Burggraf, Aldrechl und Knappt enlftrnrn sich>> Achte S c, e n e. M Ud 0 lph(aLriii), Die Stunde schwerer Prüfung ist gekommen. Was einst der Jüngling— damahls fremd dem Glück— AuS seines edlen Vaters Mund vernommen, Ruf' in's Gedächtniß nun der Mann zurück: Wann fordert Gott des Menschen höchste Kräfte?— Wenn er das Glück soll tragen ungebeugt. Gleich wie der Sonne Gluth auch gift'ge Säst« In dem gesunden Pflanzen-Keim erzeugt, So wandelt Glück die Herzen, auch die bessern. 27 Und wahrend vor der Welt durch Glanz und Schein Es trachtet seinen Liebling zu vergrößern. Wird dieser oft im Innern klein, sehr klein! So lehrt auf jedem Blatt die Weltgeschichte. Weh! wenn auch du dem Glück erliegen mußt! Noch stehst du rein vor Gottes Angesichts— Wohlan! so klopfe, laut an deine Brust! Und wenn dein ganzesHerz nicht ohne Sträuben Aus seiner tiefsten Liefe zu dir spricht: „WaS du gewesen, Rudolph, wirst du bleiben"' So thu' auf Krön' und Scepter schnell Verzicht'!— Doch mein Bewußtseyn, nimmer kann eS täuschen. Wie auch das feile Glück die Kugel rollt! Recht soll man nie vergebens von mir heischen, - Ich habe stets das Rechte nur gewollt, Und will es künftig nur! Ha! Millionen Vertrauen mir! Mein Herz ihr Unterpfand; e So will ich auch die letzte Kraft nicht scho-- neu, , Sie freudig opfern für mein Vaterland!- B'2 26 Gerechtigkeit soll meine Krone zieren; Den Mißbrauch der Gewalt stoß' ich zurück. Tyrannen herrschen, Könige regiere». Für eignes jene— die für Volkerglück. (av)° Zweyter Act. 3n der Hoflwrg zu Prag. Erste Scene. Agnes(mit der Spindel, Wolle spinnend). ^ie Mutter will noch immerKind mrchnennen Wo wäre denn inein froher kindlicher Sinn?— Und mag ich gleich die Welt noch wenig kennen. Doch suhl' ich wohl, daß ich kein Kind mehr bin. Mit Lämmern möcht' ich um die Wette hüpfen; Mit mir vergliche» war die Lerche stumm— Nun hör' ich Seufzer nur der Brust entschlüpfen— Feucht wird mein Auge— weiß doch nicht Zo Fort zieht die Schwalb'— ich möchte sie begleite»— Die Taube girrt— es zieht mich z,, ihr hin— Mir ist so warm— ich weiß es nicht zu deute»— . Doch fühl' ich wohl, daß ich kein Kind mehr bi». Zweyte Scene. Die Vorige. Otto kor und Regensberg treten auf. O k t o k a r. Ha! unerhört! Rege» Sberg (S<» Seite). Sein Auge seh' ich glühen. Ottokar. Mich achten diese Fürsten so gering? Mir«vagen sie das Gräflei» vorzuziehen. Das einst aus meine» Handen Sold empfing? Regensberg. Geschmiedet hat der Mainzer diese Ketten. Die Fürsten einten sich, sechs an der Zahl, Und übertrugen, um den Schein zu retten, Ludwig von B.'.iern ganz allein die Wahl; Und Eurem G'sandten ward vorgespiegelt. Es gelte Euch; so schwiegen denn auch die. Ottokar. Man hört es wohl, ein Pfaff hat's ausgeklü- gelk, Am Lcitseil führt'er sie herum, mich nie! GibAcht, es wird sich noch ganz anders fügen, Machtbotheu sandt' ich an den Papst Gregor, Geschenk' und Überredung werden siegen. Er nie besiär'gen, den das Reich erkor. Du eil' indeß die Fürsten einzuladen; Versuche Drohung, Täuschung, Warnung, List; Gewinne Freybnrg, Montfort, Nenbnrg, Baden, Schür' auch der Baierfürsten alten Zwist. Es mag ganz Deutschland, mag Eurova brennen, Das Reich in Blut und Feuer untergeh'n; Doch will ich nie den Rudolph Kaiser nennen. Den ich am Fuße meines Throns geseh'n. Regensberg. An einem nur bleibt Rudolph nkerleac>'. Ottokar. Mir überlegen? Regensbe r g. Laune der Natur. Sie gab an Töchtern ihm viel Ehesegen, Euch, gnad'ger Herr, ein zartes Fräulein nur. Er kann der Söhne viele sich verbinden, 2hr einen nur— Agnes (sey Seite). Mein Blut am Herzen stockt. Regensbsrg. Doch wird der Eine bald genug sich finden, Wenn, gleich der Schönheit, auch der Braut- schatz lockt (zieht Ottekae auf die Seite). Zum Beyspiel Brandenburg, Otto der Lange— Ottokar. Mein langer Vetter—seine Faust wiegt schwer; Den Wink magst du ihm geben, doch ich fange Mit einem Hahmen wohl der Fische mehr. Regens berg. Der Markgraf wird am leichtesten geangelt, Ist freylich stumpf, wie seines Schwertps Knopf, 53 Doch glaub', ein Arm, der eines KopfS ermangelt, Gehorcht auch um so sich'rer Eurem Kopf. Ottokar. So geh' und wirke, schwatz' und überrede; Bey Töpel findest du gewappnet mich. Regensberg. Vergönnet mir, vor AuSbruch'blut'ger Fehde, Aus treuem Herzen noch ein Wort. Ottokar. Sprich. Regensberg. Ihr seyd ein großer König, reich an Schätzen, Und Euer Schwert erzwingt des GlückeS Gunst, Und Weisheit offenbart sich in Gesetzen, Nur Eines mangelt Euch, Verstellungskunst; So Freund als Feind zu rechter Zeit zu äffen Seyd Ihr zu stolz, reicht keinen Judas- Kußs Ihr wißt nicht, daß, um sicherer zu treffen. Man oft— den Arm schon hebend— lächeln muß, Im Wahn der Einfalt Euren Feind nicht stören. Wenn er an diesem Lächeln sich ergötzt; Durch süße Friedensworte ihn kethorcn, JndeffenLhr das Schwert im Stillen wetzt; 34 Und ist'S»un scharf genug den Tod zu bringen. So werd' er plötzlich unverwarnt gewürgt! Muß doch der Lieget, soll sein Sprung gelingen. Zuvor still lauern, wo Gebüsch ihn birgt. D'rum, gnad'ger-Herr, mein Rath ist wohl erwogen: Der eitle Rudolph werde liebgekost, BiS mein Geschäft nach Eurem Wunsch vollzogen. Und Ihr ihn plötzlich dann vom Gipfel stoßt. (ab). Dritte Scene. Ottokar. Agnes. O t t o k a r. Scharf ist des Burschen Zunge, scharf, wie Hecheln. Nur ich, zum Künstelernen, schon zu alt. Recht mag er haben— doch ist schwer zu lächeln. Wenn sich zum Schlag die Faust schon krampfhaft ballt. 55 (Sr wendkt sich Agnes). Du Bild des Friedens, Mädchen mit der Spindel! Warst diesem Nudolph auch geneigt; Was dünkt dich von dem tollen Hochmuthsschwindel? Dem Hoheitsrausch,,dec ihm zu Kopfe steigt? Agnes. Ist alles wahr, was RegenSberg erzählte? Ottokar. Gewiß. Agne S. Und wenn auch, ist's denn Rudolphs Schuld, Daß man zu Frankfurt ihn zum Kaiser wählte? Wodurch verwirkt' er meines Vaters Huld? Ottokar. DaS fragst du noch? Hinauf will er sich schwingen, Hwch über BöhmenS Konig Ottokar! Agnes. Ich kann nicht sprechen von so hohen Dingen, Nur Eines weiß ich, und das Ein' ist wahr; Daß Ihr den Mann stets Eure Rechte nanntet, Bey seinem Anblick stets der Unnuith floh. /)6 Weil 2k»! im Feld' als tapfer ihn erkanntet. Im Kriegsrath weis-, bey der Tafel froh. Ottokar. So war er. Ag n e s. Und so ist er wohl geblieben. Erinnert Euch der schonen, frohen Zeit: Aus Preußen hattet Ihr nach Prag geschrieben, ES werde Königsberg nun eingeweiht. Die neue Stadt, die ihr am Pregel erbauet; Mich und die Mutter rieft Ihr zu dem Fest; Mit großen Augen hab' ich's angeschauet, Zum ersten Mahl flog Küchlein aus dem Nest. Da sah' man im Turnier den Preis erjagen; Da wurde viel gezecht und hoch geschmaust; Zum Ritter mancher Edelknapp' geschlagen Von meines Vaters königlicher Faust. Ünv damahls rührte jede Lust Euch schwacher, Wenn Rudolph nicht an Eurer Seite stand; Und einst geschah eS, daß beym Freudenbecher Die Mitternacht Euch guter Dinge fand, Indeß wir junges Volk im Tanze hüpften. Und Albrecht, Rndolphs Sohn, mein Tänzer war; Da hört' ich, wie die Worte Euch entschlüpfte»: „Mein'Ag»eS und dein Lohn— ein hübsches Paar." Ich wurde feu-r-oih im Augenblicke, Denn auch d S Jünglings Ohr erlauschte sie; Er sein und sah mich an— mit einem Blicke— Ach V r! diesen Blick vergeh' ich nie! Ottokar. Thörinn! ein Scherz im halben Rausch gesprochen. Agne S. Ja, damahls— Ottoba r. Du ein Kind, damahls, wie jetzt. Agne S. Ach wollte Gott! Ottokar. Die Freundschaft ist gebrochen; Er hat in mir den König schwer verletzt. Vierte Scene. Die Vorigen. Kunegunde. Kunegunde. Es sind von Rom die Bothen eingetroffen. 38 Lurch die Gregor deu Zehnten du beschickt; Der falsche Mann! von ihm iA nichts zu hoffen. Auch ihn hat Rudolphs glattes Wort berückt. Viel Hort man dort von dem Concilium sprechen, Das zu Lyon der Papst versammelt hat. Wo er, die Schmach der Christenheit zu rächen. Den neuen Zug in's heil ge Land erboth. FlugS hat zurKreutzfahrtNudolph sich verpflichtet. Und so des Papstes Schwäche schlau gefaßt; Vergessen ist, was du in Preußen verrichtet. Was du erkämpft, bekehrt, gerettet hast. O t t o k a r. Wie? dieser P-pst? der viel der Schmeichsl- worte Vorn heil'gen Stuhl herab nach Prag gesandt. Mir segnend aufgerhan die Himmelspforte, Und stets mich seinen lieben Sohn genannt. Als ich in Preußen zwey Mahl Krön' und Leben An eines Märtyrers Palme gesetzt— K u n e g u n d e. Er mahnt dich nun, dem Gräflsin nachzugeben, DaS er der Kaiser-Krone würdig schätzt, Ottoka r. Weh mir! so bin ich auch vo» dem verlassen. Der mich bespritzt mit Heidenblut geseh'n? So inußt' ich Kraft und Schatze nur verprasse!;. Um einem Abenteurer nachzusteh'n?— Was war' aus Preußen ohne imch geworden? Es wurzelte der Glaubenskeim nur schwach; Er war vertilgt sammt jenem Ritterorden, Wenn ich nicht kam— lind nun mir diese Schmach? K uueg u n d e. Auf! räche sie! Ottoka r. Was darf beherzt ich wagen, Wenn auch der Papst sich gegen mich verschwört? K u n eg u n d e. Wac'S möglich! darum könntest du verzagen? Ottokar. Nicht ich, doch wie, wenn gegen Rom empört. Der Bannfluch meine Waffen lahmt? Kitnegund e. Was kümmert An Bannstrahl dich? hat so ein Blitz etwa Noch jüngst des zweyten Friedrichs Macht zertrümmert, 4o AlS sie vom Vatican ihn drey Mahl leuchten sah? Wirst du der Erste RomS Gewalt verhöhnen? Nur Muth! es steht die Nach' in deiner Hand. Das Kreutz zu pred'gen gegen Saracenen, Hat nun der Papst die Bischof' ausgesandt; Vertreibe sie aus allen deinen Staate»; Verweig're trotzig auch den Zehnten— dann Laß nebenher dem Priester- Stolz verrathen. Daß ein Concilium i h n richten kann. O t t o k a r. Noch hab ich nie vor einem Feind gezittert. Doch ich bekenne— träfe mich auch Sport, Daß der Gedanke meine Brust erschüttert. Mich aufzulehnen, wenn die Kirche droht. Kune g u n d e. Die Kirche? nurderPapst. O t t o k a r. Gleichviel, wir ehren Stets der Apostel heil'ge Würd' in ihm. Kun egunde. Wohlan! so laß dich Kinderwahn kethören; Und waS du eben noch mit Ungestüm Ertrotzen wollen, dem entsag' in Demuth, Vergilt die Schmach durch heuchlerischen Glimpf, Indes; dein tapf'res Volk mit biti'rer Wehmuth Em Zeuge wird vou seines Königs Schimpf. Otto,ka r. Schimpf? Kiinegund e. Wird'S dir Ehre bringen, wenn du kniend Aus Nndolphs gnad'ger Hand die Leh'n empfängst? Und was er heischt, gchorsamlich vollziehend, Mit seinem Hofgesinde dich vermengst? 0 ttoka r. Ha! nimmer! Kunegund e. Wenn bey öffentlichen Festen Ich, Ottvkars Gemahlinn, Königinn, Bulgariens Fürsten- Tochter! vor den Gästen Credenzen muß der After- Kaiserinn? Von der— wenn nachzuforschen euch gelüstet- Man kaum erfahrt, sie ftp aus dem Geschlecht Der Grafen Hohenberg— die nun sich brüstet, Als wäre jeder Reichs-Fürst RudölphS Knecht. T-i, warst bisher der Erst' im deutschen Reichs; Mit Fürsten-Kronen hat dein Stolz gespielt; Nun hast du einen Herrn! geh hin und weiche Dem Grafen Habsburg— weil es Rom befiehlt. Ottoka r. Wozu nochÖhl, wo schon die Flamme lodert? Weg fromme Furcht! den Damm durchbricht der Strom! Mich hat zum Kampf daS Reich und Rom gefordert, So will ich steh'« im Kampf dem Reich und Rom. Fünfte Scene. Die Vorigen. Ein Kämmerer. K a m mere r. Zwey Fremdlinge draus,cn im fürstlichen Geschmeide, Burggraf von Nürnberg der Eine genannt. Der Andre Albrecht, Graf von Habsburg— beyde Vom Kaiser Nudolph nach Böhmen gesandt. A gnes (wird Sey Albrechts Nahmen von Schrecken und Freude ergriffen). Ottoka r. Ich weiß von keinem Kaiser. Las; sie kommen. K ä m ni c r e r. lab.) Kunegunde. Dir, AgneS/ ziemt/ daß dir dich schnell entfernst. Agnes (im Abgrhe»^. "Noch ist der Hoffnungs-Funke nicht verglommen. K u n e g u n d e. Und du empfange sie mit kaltem Ernst. S e ch S t e S c e n c. Die Vorigen. Burggraf Friedrich. Albrech t. (Die ehrerdieihigs Begrüßung der Ankömmlinge wird kühl erwiedert). Burggraf. Vom neuen Kaiser ward uns aufgetragen— Ottoka r. Halt! mir ist völlig fremd/ was Ihr erzählt- 44 Wer ist der neue Kaiser? muß ich frage,!: Wer ohne Böhmens Zustimmung gewählt? Burggraf. Ein deutscher Fürst ist Böhmen nicht zu nennen. Ottokar. Woher das Erz-Amt, meinem Reich verknüpft? Burggraf. Uns dünkt, vom Stimm-Recht lasse wohl sich's trennen. O t t o k a r. Mich dünkt. Euch wär' ein unklug Wort entschlüpft? Burggraf. Gleichviel. Mir ziemt auch nicht darob zu streiten; Nur freundlich zu bedenken geb' ich Euch: Ein Geist der Eintracht schien die Wahl zu leiten, Und wahrlich, eS frohlockt das ganze Reich! O t t o k a r. Den Pöbel meint Ihr? ja, der frohlocktimmer, Wenn er das Neue anzugaffen rennt. B u r g g r a f. Wir All' erblicken einen Hoffnungsschimmer An dem bisher so dunkeln Firmament. WirAlle, die wir Euch/ wie Rudolph, ehren./ Wir glauben fest an Eure Rechtlichkeit? Ihr werdet nicht des Reiches Frieden stören. Die Hand verschmähen, die Euch Rudolph beut. Zürnt nicht dem Mann—das ist seine Litte— Den um sein Wort die Fürsten nicht befragt; Seht ihr. vielmehr in Eurer Völker Mitte, Wo er sein Leben oft für Euch gewagt. Er wünscht, Ihr wogtet klüglich Alles meiden, Was ihm abnöth'gen könnte saure Pflicht; Ihr mögtet stets den Freund vom Kaiser- scheiden, Den Freund nur hören, wenn der Kaiser spricht. Albrecht. Und daß an seinem Wert kein Zweifel bliebe. Wird noch von ihm der Wunsch hinzugefügt. Daß Ihr, im engsten Bund der Varerliebe, Durch Eure Kinder jeden Groll besiegt. Ottokar. Ihr meint wohl, daß der Wortprunk mich betäube! Albrecht. Den Bittenden, o stoßt ihn nicht zurück! Gebt Eure Tochter, Agnes, mir zum Weibs, Und alles wandelt sich in Freud' und Glück! Ottokar. Wir soll kein glattes Wort den Nacken beu-, gen. B urggr af. Ein solcher Bund befestigt Euren Thron. Kunegunde. Hoch wollen Eure Wünsche sich versteigen; Graf Albrecht>st doch nur Albrecht. Deö Kaisers S-chn^ Ottvkar. Nie wird dein Vater einen Thron erlangen. Der nur dem Unbescholtenen gebührt; Er hat dem zweyten Friedrich angehangen. Darum der Papst ihn excommunicirt. K u n e g u n d e. Nicht darum nur— weil nie ein Saracene Die Christenheit so grausenvoll empört, DaS Gotteshaus der heil'gen Magdalcne Hat in der Basler Vorstadt er zerstört. 4? B urggraf. Im Krieg muß auch der fromme Held oft schwelgen, Wenn sich die wilde Schar entzügelt hat; Doch war es stets unedlem Haß nur eigen Gern aufzufrischen längst vergeßne That. Albrecht. Nein! nein! Ihr konnt den Biedermann nicht Haffe», Der Euch ein treuer Waffenbruder war. O laßt mich kindlich Eure Knie umfassen Und werdet mir ein zweytes Ältern-Paar. Ottoka r. Hinweg! mit Eurem Vater keinen Frieden, So lange diese Faust ein Schwert»och halt. Kunegund e. Und Euch zum Weib ist Agnes nicht beschie- den, So lange noch ein Kloster auf der Welt. Albrecht. Ha! wehe mir! dem armen Deutschland wehe! Burggraf. Herr König, war dieß Euer letztes Wort? Ottokar.. Ihr seyd entlassen» 46 B u rg g r af. Was hm,kort geschehe/ Auf Euch wälz' ich dle Schuld. Ottokar. Das mogtJhr. Fort'. B urgg r af. Als Freundes Böthe hab' ich zwar vollendet— Ottokar. Was noch? Burggraf. Vergesse» darf der Burggraf nicht. Daß'hu der deutsche Kaiser hergesendet. Euch, Herrv zu mahnen an versäumte Pflicht. O t to ka r- Mich? mahnen? Kunegund e. Unverschämt! B u r ggra f. Ihr seyd dem Reiche Für Eure Lander 4'henspflichtig. Ottoka r. Ich? Wer? 49 Burggraf. Kennt Ihr nicht dir alten Lehens-Gebraucho? Erfüllt sie. Ottokar. Gegen Rudolph? nimmermehr! Burggraf. Nicht gegen Nudolph, den Ihr hassen möget; Der Kaiser spricht mit meiner Zunae ielu Ottokar. ^hr thatet wohl, ivenn Ihr von hinnen zöget. Bevor mein Zorn die Gastfreiheit verletzt." B n r g g r a f. IhrweigertHuldigmig? KenntJhr die Strafen, Die—wenn Euch auch ein Diadem umstrahlt— Das Rkichs- Gesetz verhängt? Ottokar. Sagt Eurem Grafen r Jch hättNhm seinen Sold schon längst bezahlt. Burggra f. Das ist zu viel! Ottokar. Ich hab' auf meine Länder DaS gültigste der Recht'— Eroberung! -0es Lsteges Frucht, mit Blut erkaufte Pfänder Sind keine Lehen, die das Reich bedung. Kotzehue's Th. 48. Bin- C. Burgg r a f. Zaßt mich noch ein Mahl bitte» warnen— rathen— Ottobav. Ihr warnen? A lbre ch t. Bitten nur! O t t o k a r. Es frommt Euch nichts Denn wnbeschrLnkt herrsch' ich in meinen Staaten. Burggraf (an. die Thür gehend). Nun, Herold, tritt herein. Thu'dein-Pflicht. S i e b e ir t e S c e n e. Die Vorige n. R e i ch s- H e r o l d> Ottokar. Was soll'-? Herold. Seyd Ihr der Konig von Böhmen? Ot l»kav- Ich hin's. ' o r' Herold. So mögt Ihr unverdrossen, Gehorsamlich vo» mir vernehmen, Was Kaiser und Reich beschlossen. Öst'reich und Körnchen habt Ihr inne. Auch Steyermark an Eiich gerafft', Regiert sie alle nach Eurem Sinns Und gebt dem Reichs nicht Rechenschaft, Und habt gesäumt dieLehen zu empfanae» Und weigert Euch mit sträflichem Hohn, Auf meines gnädigen Kaisers Verlangen Euch zu stellen vor seinen Thron. So soll ich, Herr König, nun Euch verkünde^ Kraft meines AmteS von Kaiser und Reich. Hinfort Euch nicht zu unterwinden Der Herrschaft von Karnthen und Österreich s Denn sintemahl mit Reichs-Lehen Ihr nicht gedient zu rechter Zeit, So ist durch Frag' und Urtheil geschehen,. Daß Ihr nun deren verlustig seyd. Und falls Ihr binnen sieben Wochen Des Kaisers Willen nicht vollbracht. So werde über Euch ausgesprochen Des-Reiches Acht und Ober-Acht. C 2 52 Ottokar. Ha! mirdas! Höll' und Teufel! mir zu droh?» In meiner Hofburg mit des Kaisers Ächtet Meint Ihr, es sey der letzt- Mann enlsioben Von meinem Heer? Ich ohne Kraft und Macht?< Meint Ihr, daß Ottokar den Schimpf erduldet? Trabanten! stürzt herein! Den Herold greift? Führt ihn zum Tode! Herold. Herr! hab' ich's verschuldet? Burggraf. Besinnt Euch- Ottokar. Fort! zum Tode werd'er geschleift! Auf daß ein jeder sich in Zukunft hüthe Vor solchem Auftrag. Herold (indem er fortgeschleppt wird zum Burggrafen). Rettet! rettet mich! (ab). Burggraf. Herr König! widerruft! O t t o k a r. Wenn ich gebiethe^ So ist mein Mille unabänderlich. 55 Er stirbt— und Ihr zieht heim und mögt erzähle,i, Was Ihr in Prag gesehen und gehört. (ab). K u n e g u n d e. -t^em Sohn des Kaisers kaun die Braut nicht fehlen, War gleich in Prag sein Glück ihm nicht beschert. (ab). Achte Scene. Burggraf. Albrecht. Albrecht. Mein schöner Traum! Burggraf. Mich will die Wuth ersticken? Albrecht. Wo bist du AgneS? Burggraf. Fort! uns droht Gefahr. Albrecht. Nur ein Mahl die Geliebte noch erblicken! Burggraf. Uns selbst zu morden wagt wohl der Barbar, Der ohne Scheu des Reiches Herold würgte. D'rum fort! wir fliehen! Albrech t. Ach! ohn- sie zu fth'u. Bnrggr a f. war es, der dein Vater für dich bürgte. A! brech t. Ich kann nicht fort! Burggra f. So ist's um uns gescheh n! N e u n t e S c c n e. Die Vorigen. Agnes. A l brech t. Da ist sie! Agnes. Der Gefahr euch zu entreiffen Albrecht. Gefahr? bet, dir? Das Wort ist leer und hohl. 55 Agnes. Ich darf Euch nicht einmahl willkommen heißen— Ich muß beginnen mit dem Lebewohl, A lbre ch t. Wärmn so ängstlich T Agn es. Flieht auf schnellen Rossen, Denn Eurer Freyheit— Burggraf. Hörst du? laß uns fiieh'n! Albrecht. Jetzt fiieh'n? Agnes. Noch ist der Vater unentschlossen Mein die Mutter dringt und stürmt in ihn— A lb recht. Du bist so schon— so gut— so unverdorben—- Agne s. Albrecht! ich zttt're und kaum hörst du mich? A lbrecht. Agnes! ich hab' um deine Hand geworben. A g n e s. Ich weiß es— fort! sieh meine Angst um dich! 56 Albrech t. Ich bin berauscht! ich kanu vou dir nicht weichen! Wen» auch Verlust der Freyheit mich bedroht. Burg g r a f. O treibt ihn fort! mir Ihr konnt ihn verscheuchen; Die Macht der Liebe steht Euch zu Geboth. Ag n e s. Verzeih' mir's Gott in diesem Augenblicke! Wenn ich verletze strenge Sütsamkeit. Trennt mich von ihm doch nur des Schicksals Tücke, Er hat ja endlich um die Braut gefreyt; So darf ich ohne Scham nun auch bekennen: Ja, Albrecht, ja,— ich lieb'und liebte dich— Doch nun genug, wir müssen schnell uns trennen! Gehorche!— meine Angst— sie tobtet mich. Albrech t. Ein Wort von dir kann schweren Unmuth dämpfen, Ein Wort mich treiben bis zum fernsten Pol! Nun will ich mit dem Schwerts dich erkämpfen! 5? Du liebst mich!— Du wirst mein!— Bey Gott!— Leb' wohl! (üb mit dem Burggrafen). Zehnte Scene. Agnes(allein). Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen! Nun ist er hinaus— er ist schon weit— O Gott! vernimm mein kindliches Lallen: Gib einen Engel ihm zum Geleit!— Horch! immer noch fordert mit kreischendein Grimme Verletzung deS GastrechtS der Mutter Stimme. O könnt' ich den Fliehenden laut nachrufen: Spornt eure Pferde zum schnellsten Lauf!— Noch hör' ich das Klirren der Sporn auf den Stufen— Jetzt thut die knarrende Pforte sich auf— (am Fenster). Da wiehern die Rosse mit scharrenden Hufen— Mein Albrecht— noch ein Mahl blickt er herauf 58 Und wird mich gewahr und zögert und zaudert— Um Gotteswille»! Leb' wohl! fort! fort!— Ha! rief nicht mein Vater: Trabanten—> mich schaudert! Noch hemmt seine Flucht ein schreckliches Wort! Es zieht mich zum Söller— kaum wag' ich zu schauen— Da schwingt er sich endlich aufs muthige Roß-- Fort sprengt er zum Thore, fort über die Auen— Aus jedem Kiesel ein Feuerstrom schoß— Dre flatternden Locken sind losgebunden— D:r Helmbusch seh' ich im Sturme weh'n— Jetzt wirbelt der Staub— und alles verschwunden;—> Ach! werd' ich ihn jemahls wiederseh'n'i Dritter A c r. E-ne effens Gegend aü der Douau. Erste Scene. 6 ttokar. Nege!! öbe rg. Ottoka r. Tteht dieser Rudolph mit dsrHoll' im Bunde? RegsnSberg. Sprecht lieber: mit Euch selbst. Ja, Herr, gesteht, Fahrlässigkeit liegt Eurer Noth zum Grunde; Ihr habt den treuen, kühlen Rath verschmäht. Gesammelt hattet Ihr, zu Feindes Schrecken, 6o Ein furchtbar Heer, das Auge zahlt' es kaum; Es konnte mächtig Eure Gränzen decken, Zugleich dem murrenden Volk Gebiß und.Zaum; Doch statt den kriegenschen Muth zu stärken, Schwamm Euer Lager bald in Üppigkeit, Bald zogt Ihr aus zu schnoben Waidewerken, So verstrich bey Töpel.köstliche Zeit. Rndolph hat sie benutzt: Heinrich von Baiern Zwang er zum Abfall von dem böhm'schen Bund; Den Bannfluch mußte Salzburg keck erneuern; Den Schweizern und Tyrolern ward es kund; Dein Eid' entsagten Eure Unterthanen, Und Rndolph, stets gewohnt, nichts halb zu thun, Trng mit des Blitzes Schnelle seine Fahnen BiS vor die Maneru Wwns. Da siehr er nun, Und weil die Donau zwischen beyden Heeren Sich windet, trotzt Ihr noch auf Sicherheit; Doch wird kein Strom den Übergang ihm wehren, Denn seinen Brucken ist kein Strom zu breit. Schaut hin! schon hat er s kunstreich angefau- gen Das schwimmende Werk, zuvor noch nie ge- seh'n. 6i Bey Basel ist er i'iber'n Rhein gelange». So wird bey Wien er über die Donau grh'n. O t t o k a r. Von Feinden umringt— von meinem Adel verlassen! Auch reißt der Mangel schon im Lager ein. Regensbe r g. Hier muß die Noth den bittern Entschluß fassen, Hcer kann Verstellung nur Euch rettend seyn. Ottokar. Ersinne Ranke, die das Netz zerreißen, In daS ich siel aus kühner Zuversicht. Dir sey— gelingt'S— der höchste Lohn verheißen. Nur meinen alten Ruhm beflecke nicht. Rege,isber g. Was nennt Ihr Ruhm in solchem Augenblicke? Den Heind besiegt durch Waffen oder List. Durch off'ns Gewalt, durch schleichende Tücke, Gilt alles gleich— wenn er besiegt nur ist. Ein Krieg ist kein Turnier, wo man fein ehrlich Die Sonne theillTMud jedes Körnchen Sand, Den Königen ist solch ein Ruhm entbehrlich, Denn ihr Betrug wird Pslittk genannt. 62 Stet) wird der AuSgang Ruhmes Maßstab bleiben; Auch wenn der Feind durch Bubenstück erliegt; So wird die Nachwelt doch in ihre Bücher schreiben: „Ihr war't ein großer Mann, Ihr habt gesiegt." Und darum werd' um jeden Preis gewonnen. Ein schneller Friede, der uns Aufschub gönnt; Doch seyd Ihr einmahl dieser Schling' entronnen, So thut, was Euch beliebt und— was Ihr könnt. Ottokar. Fast dünkt mich leichter durch mein Schwert zu sterben, Als nun besiegt vor diesem Rudolph steh'n; Doch kann die List mich retten, ihn verderben— Wohlan! so mag dieß Schwerste noch gescheh'tt. Begib dich zu ihm, handle um den Frieden, Sey auch der Preis die bitt're Demüth'gung. Ich folge Dir von fern und i-st's entschieden, So winke mir zur leeren Huldigung. RegenLberg(atr-in). Ihm den Triumph nun selbst verkünden muffen. Welch saurer Dienst! Doch brächt' eS ihm den Tod, So wollt' ich auch des Teufels Hörner küssen. Und hülflos seyn in meiner letzten Noth! (ab). Z w e y l e See n e. (RudelphS Lager. In der Ferne die Stadt Wien). RudoIp h und Albrecht(ans dem Zelte tretend). Rudolp h. Heraus in's Freye. Sohn! warum so düster? Mit unS ist Gott!— Das Reichs-Panier vor Wien. Da stehst nun du, als woll' ein Opferpriester Aus deinem Blut die Friedenspalm' erzich'n. Albrecht. O wollte Gott! mein Blut erkaufte Frieden! Rudolp h. Ich möcht' um diesen Preis ihn nicht erneu'n. 64 Dennoch, mein Sohn! ist dir vielleicht be- schieden. Durch krast'ge Mitwirkung mich zu erfreu'». Albrecht. Befehlt. Rudolp h. Du weißt, wir sind vor Wien gedrungen Durch macht'gen Beystand Mainhards von Tyrol; Wird zwischen uuS keilt feststes Band geschlungen. So möcht' er wanken— nun erräthst du wohl Den Wunsch, der mich beseelt: ihn ganz gewinnen. An unser Haus ihn fesseln kannst nur du. Albrecht (stutz!,»ach einer Pause). Mein guter Vater wild mir nichts ausinnen. Was mir auf ewig raubte Glück und Ruh. R u d o l p h. Eh' wollt' ich meinen liebsten Wunsch ersticken; Doch Mainhards schone Tochter Lisabeth, Ein rugendreichesKind, wild dich beglücken. Albrecht. Mir ist mein Herz ein warnender Prophet, Es weissagt mir den Jammer meines Lebens! 65 Nndolph. Weil Agnes deinen Augen wohlgefallt. Sieh nur zuvor Elisabeth. A lbrecht. Vergebens! Für mich ist nur ein We,b auf dieserWelk! R u d o l p h. Der Jüngling, hoffnungslos in erster Liebe, Mahnt sich für immer mit der Lieb' entzweyt. Doch es erneuen sich die süßen Triebe, Wenn Zeit besänftigt und Natur gebeut. Albrecht. So laßt mir Zeit, so la si t' mich erst erfahren. Ob die Natur der Treue abhold ist; Ich will mein Herz nicht hüthen noch bewahren. Ich will versuchen, ob es leicht vergißt. Doch wenn eS such bey kargem HoffnungSlohne Stets gegen wechselndes Gefühl sich sträubt. Dann, guter Vater, zürnet nicht dem Sohne, Dem jetzt und künftig Agnes alles bleibt. N n d o l p h. Ich könnt' erinnern, daß im Fürstenstande Das Herz'nur selten wahre Liebe hofft; Da'locker» sich die süßesten der Bande, Ja, es zerreißt die Politik sie oft. 66 WaS kümmert's die/ ob Gran die Brust verzehret? Sie achtet nicht den bürgerlichen Schmerz: Von allen Opfern, die der Staat begehret, Scheint das geringste— seines Fürsten Herz! Dem will er frostig daß Gefühl abstreifen lind ihm vergelten durch ein glänzend Zoch.— Nein! könnt' ich auf mein Haupt die Kronen häufen, Um KindeSglück war' mir der Preis zu hoch. Albrech t. Ihr seyd so gut! Nudölph. Gerecht hör' ich noch lieber. Erheit're nun dein Antlitz. Auf! mein Sohn! ES steht der Feind geschwächt uns gegenüber; Ein Angriff noch, und stürzen kann sein Thron! Die Stund' ist nah', die Brücke bald vollendet. Die unsre Scharen jenseits tragt-—wer weist— Wenn dort dein Schwert den blut'gen Hader endet, Wird die Geliebte deiner Thaten Preis. Dritte Scene. Der Burggraf. Die Vorigen. Burggr a f. Herr! eine Kriegslist hab' ich Euch verschwiegen/ Sie ist gelungen/ nun erzähl' ich sie. Fünf Wochen mußten schon vor Wien wir liegen/ Und immer noch vergeblich war die Müh': Denn Ottokar/ um seinen Fall zu friste»/ Beschwatzte/ bath/ bestach— da sprengt' ich aus: Ihr woll't die Weinberg' ringt- umher verwüsten— Hu! plötzlich hat das Wort zum Thor hinaus Die Wiener Bürger haufenweis' getrieben; Mau hört auf allen Straßen Friede schrey'», Sie nahen schon/ und wollt Ihr Gnade üben/ So zieht Ihr heute noch als Sieger ein. Rudolph. Du hast nicht wohl gethan/ der Uberwinder Soll nicht beflecken seinen Siegesruhm. Will ich den Sclaven? ich begehre Kinder! Ein Vater schützt der Kinder Eigenthum. Vierte Scene. Wiener Bürger. Die Vorigen. Erster Bürger. Zu Euren Füßen, mächt'ger Kaiser, flehen Bedrängte Bürger Wiens in» Gnad' Euch an! Und offen sollen Euch die Thore stehen, Wenn unsre Bitte Schonung nur gewann. R u d o l p h. Hac bloß die Furcht für Eure Rebenhügcl Euch hergeführt, so ziehet ruhig heim. Vertrauen sey der Unterwerfung Siegel, Von jener Furcht erstickt den letzten Keim. Nie führt' ich gegen Bürgerfleiß die Waffen: Ein fälschliches Gerücht hat Euch betäubt; Für Eure Reben könnt Ihr ruhig schlafen, Wenn Euer Thor mir auch verschlossen bleibt; Doch will Vertrauen die Gewalt mir sparen, So wisssn'S Euch die Enkel wohl noch Dank. Erster Bürger. Wir hörten lang, was nur nun selbst erfahren. Daß, wer Euch naht, gleichsam den LiebeStrank Aus Eurer Hand empfängt. Ja, hochgepriesen WirdKaissr Rudolph! Freund und Feind er,;ä>h!t, Wie so gerecht und fromm Ihr Euch bewiesen, «9 T i. gern das Herz, nicht Furcht, zum Herrn Euch wählt. Zweyter B u rger. Einst hat ein Priester sich zmn Kragen begebe» Bey schlimme» Wetter und der Weg war weit; Ihr sahc's und sprangt vsm Roh>h» d'rauf zu heben, Und gabt zu Fuß ihn« das Geleit. Erster Bürger. Zu Mainz, da Fürsten Euch zu Füßen liegen. Habt Ihr von fern den Müller von Zürch erblickt. Und seyd sogleich vom Thron herabgestiegen, Und habt ihn dankbar an das Herz gedrückt. Zweyter Bürger. Scheucht man die Armuth von des Thrones Stufen, Sprecht Ihr:„Um GotteSwillen! laßt sie doch! „Ich bin ja nicht zum Kaiser ausgerufen, „Mich zu verstecken." Erster Bürger. Solche Züge noch Gar viele weiß von Euch mau zu erzählen. Das hat Euch aller Herzen zugewandt. Darum freywillrg wir zum Herrn Euch wühlen. Verzeiht den pflichtgemäßen Widerstand l Uns hatt' an Ottokar ein Eid gebunden, Den er nun selbst gelöst in seiner Noth. So treu als uns der harte Fürst gefunden. Find' uns der Gütige bis in den Tod. Zweyter Bürger. Auch spricht ein Greis, der Künftiges zu schauen Die Gabe hat, es werd' HabsburgS Geschlecht An Ostreichs Glück noch manch Jahrhundert: bauen, Und es beherrschen weise, fromm, gerecht. Ru d o l p h- Wohlan! Ihr sollt zu Wien mich wiedersehen. Dort will ich unter Euch mir gütlich thun; Die Weissagung wird in Erfüllung gehen- Mein Geist auf meinem spätsten Enkel ruh',,. (Er winkt, die Bürger verbeugt« und entfernen sich). Rudolph (zu Albrecht). Gedenke, Sohn, in deinem Fürstenlebcn Der guten Lehr' und baue fest darauf: Die Herzen dir zu öffnen sey dein Streben, So thun die Thore sich von selber aus. Laß dich von keinem Klügling überreden r Schwer sey es z» erringen Volkes Gunst; Sey fromm und freundlich und gerecht für jeden. Fürst oder Knecht— dos ist die ganze Kunst. Fünfte Scene. Regensberg. Die Vorigen« Rudolph (ihn erblickend und>m erste» Augenblick einer zornigen Bewegung nicht ganz Meister). Was seh' ich, Regeusberg! Ihr durftet wagen— Regensbcrg. Vor Euch zu treten, einzeln, ohne Geleit; Denn hab' ich doch dem Grafen nichts zu sagen. Dem Kaiser ziemt nicht Groll aus vor'ger Zeit. R u d o lph. Sehr wahr. Ich dank' Euch für die gute Lehre, Die auch aus Feuides Mund mir nützen soll. R e>', e n l. e r g. Wenn nwine Z u:;^afr zu gering nicht wäre. So sprach' ich: längst verschwend der alte Groll, Da Ihr mit Eurem Ruhm die Welt erfüllet Und Ehrfurcht auch von Feinden Euch erzwingt. N»d o lph. Genug! ich kenn' Euch. Meine Nengier stillet. Sagt ohne Vorwort was Euch zu mir bringt. - Regensberg. Der Menschheit Leiden, imGcfolg' des Krieges, Hat Böhmens edlen König tief gerührt, Darum er, trotz der Hoffnung nahen Sieges, Die Friedensneignng in der Brust verspürt. Biirggra f. Der Menschheit Leiden— ja, so hört Jhr'L immer, Wo man der Kraft- Erschöpfung Großmuth danke; Doch stürzen mag die halbe Welt in Trümmer, So lange noch der Wage Zünglein schwankt. R e g e n s b e r g. Herr Burggraf, soll ich Eurem Übermuthe .Hier Rede steh'n, so weist nuch lieber fort. A Ibrecht(liise). Ich bitte Dich, zerstör' doch nicht das Gute!. 73 Nudolph. Schweig Vetter! gern'vsrnehm' ich Friedens- wort. Reg ens berg. So laßt/ Herr Kaiser, die Bedingung hören. Rudolph. Die erste— Freundschaft. Regensberg. Ew'ge Waffenruh. R u d o l p h. Dem Reich' in meine Hand den Lehens-Eid schwören Muß Ottokar. RegenS öerg. Er ist bereit dazu.- R u d o lp h. Doch Ostreich, Karnthen, Krain sind mir ver-> fallen/ So auch die Wind'sche Mark. Regensberg(nach einer Pause). Er willigt ein. R u d o l p h. Und soll kein Argwohn mein Gemüth umkrallen/ So muß verbürgt ein ew'ger Friede seyn. KeHeSue'S Th. 40. Vv. D 74 Ks werd' im traulichen Familien- Kreise Durch unsrer Kinder Bund der unsre stark; Wogegen ich den Braulschatz>h'» verheiße An reinem Silber»ierzigtausend Mark. Negensberg. Doch Bann und Reichs- Acht über ihn gesprochen— Rud olph. Sind widerrufen. R e g e n s b.e r g. Gebt mir Eure Hand. Rud olph. Ihr habt mein Wort, ich hab'-S nie gebro- chen. R e g e n L b e r g. So sey es denn des Friedens Unterpfand. Ich eile nun dem Konig zu berichten. Der schon daS Ufer diesseits hat erreicht. Erfüllen wird er flugs die neuen Pflichten. Wach' Eure Großmuth ihm das Opfer leicht. Sechste Scene. Die Vorigen(oimc Regens b erg). Albrecht (RudolphS Hand küssend). Mein Vater! woll' Euch Gort die Lieb' vergelten! Rudolph. Hab' ich'S nun recht gemacht? Albrech t. Wie ist mirgeschch'n! Es war kein Traum— R u d o lp h. Ach! wohl erblickt man selten Die Staatskuiist Hand in Hand mit Liebe geh'». Burggraf. Seyd nicht zu rasch in dieser Friedenshandlung. R u d s l p h. Des Feindes stolzer Nacken ist gebeugt. Burggraf. Ich traue nicht der plötzlichen Verwandlung, Die wahrlich nur durch bitt're Noth erzeugt— Albrech t. Er fügt sich ja in meines Vaters Willen. D 2 Rudolph. Es ist sein Kind, das an mein Haus ihn knüpft. Burggraf. Er wird, was Ihr auch vorschreibt, jetzt erfüllen, Und wieder brechen, ist er Euch entschlüpft. Rudolph. Ein Komg brüten über solchen Ranken?^ DerArm, zur Friedens-Handlung ausgestreckt Derselbe Arm- ich kann und magS mcht denken, Daß er im Är-inel-inen Dolch versteckt. B u rggraf. ^ Ihr seyd zu groß für Argwohn. Rudolph- Groß? mit Nichten. Bequem nur ist mein Herz, bleibt rhm die ' Wahl. Viel lieber will'» dem Feind das Gut' andrehten. Als offen steh'n deS Argwohns Qual.- Berufe jetzt d.e Obersten rm Heere, Was hier geschehen soll, verkünde laut. Burggraf(gch-u,M°-,Phs3-u)> 77 Rudolph.(zu Albrecht). Und du empfang' mit königlicher' Ehre Den neuen Freund, den Vater deiner Braut. Albrecht(ab). Rudolph (blickt heiter gen Himmel und faltet die Hände znm stillen Dankgebcth). Siebente Scene. Der Burggraf und die Obersten aus dem Jette. (Da sie Rudolphs Stellung gewahr werden, treten sie leise auf, winken einander zu, und betrachten ihn Mit Ehrfurcht). Rudolph(sich zu ihnen wendend). Berufen, Freunde, hab ich Euch als Zeugen Der Huldigung, die Ottokar verspricht. Und mein Befehl ist— sehen—aber schweigen. Schau't ernsthaft vor Euch hin, auch flüstert nicht— Laßt keinen Spott in Eurem Lächeln wohnen— Vermeidet Eures Nachbars Wink und Blick— Des überwund'nen Feindes soll man schone»/ Und nichts erinn'r' ihn an sein Mißgeschick. Er kömmt. Achte Scene. Ottokar. Regensberg. Albrecht. Die Vorige n. Ottokar(leise«N Negrnsberg). Mir auch nicht ein e n Schritt entgegen! Regensberg(trift). Faßt Euch. Burggraf.(bey Srite). Ein Thor, der solchem Grinsen traut. Nudolp h. Herr König/ bringt Ihr uns des Friedens Segelt/ Seyd willkommen? drey Mahl! herzlich! laut! O t t o k a r. Herr! Rudolph. Tretet näher. Laßt Euch's nicht anfechten, 79 Daß ich den Platz behaupt'/ auf den das Reich Nun einmahl mich gestellt; von alten Rechten Abweichen, dürft' ich, thue' ich'» gern für Euch. D'rum schlagt so düster nicht daS Auge nieder. Wie bald sind Förmlichkeiten abgethan. Dann findet Ihr, weiß Gott! denAlten wieder. Regen sbsrg.(leise). Nehmt Euch zusammen! gönnt ihm kurzen Wahn. O t t o k a r. 3ch hoff' Ihr wollet gnadigiich verzeihen. Was gegen Kaiser und Reich— R u d o l p h. Es ist»erziehn. Ottoka r. Durch Euren Scepter mich mit dem beleihen, Was mir, doch irrig, altes Erbe schien. RUd 0 lPh(auf Regensberg deutend). Bestätigt Ihr, was dieser unS verheißen? O t t o k a r. Ich thu' es. R ud o l ph. Schwört. 8c, Ottokar. Ich schwöre. Rudolph- Und mein Sohn? O t t o k a r. Ich will an ihm als Vater mich beweisen. R u d o l p h. So schwebt der deutsche Adler über Böhmens Thron; In Euch belehn' ich unsere Kindes- Kinder, Man reiche nur den Scepter. Burggraf. Herr, im Lager ist Kein Scepter. Rudol ph° Nicht? Burggraf(keife). Verschiebt es. Nudolp h. Friedensgründer Dem Reich zu werden, duldet' ich noch Frist? Kein Blut soll mehr den deutschen Boden färben; Statt eines Scepters mag dießKreutz',mir seyn. (Zieht ein Crucifix aus Sem Vufen). Es konnte ja den Himmel uns erwerben, E o kann's auch wohl auf Erden Land verleihen. K.uet her, den Lehens- Eid in meine Hand zu schwören. Ottokar (kniend und den Handschlag gebend). Ich schwöre, wie es nur als Reichs- Vasall gebührt. Nudvlph (das Krciltz auf sein Haupt legend). Und so belehn' ich Euch nut Böhmen und mit Mähren Durch dieses heil'gs Kreutz, das Euer Mund berührt(gibt es ihm zu küssen). Steht auf! umarmt mich! AlleS sey vergessen! Die Tafel winkt zu einem Freuden-Mahl! Noch ruft mich eine Pflicht; verweilt indessen. Ich saß Euch nicht, bevor wir den Pokal Gefüllt und ausgeleert nach alter Weise, Den» soll der Deutsche froh und fröhlich seyn. So fordert er, daß ihm der Becher kreise! Den Groll ersäuft er gern im Firne- Wein. (!lb mit Friedrich und Gefolge.) 82 Neunte Scene. Ottokar. Regcnsberg. Albrecht. Ott 0 kar(leise mit verbissener Wuth). Er zieht»ach Wien. Regcnsberg(leise). Beherrschet Eure Miene. Ist alles doch nur Fastnachtsspiel. Albrech t. Vergönnt, Daß ich den lieben, lieben Gast bediene, Den Herz und Lippe zweyten Vater nennt. Ottt 0 kar. Mein werther Eidam—(b«y K->«-)> Wollt' ihn Gott vernichten! Mir ist so wohl bey Euch—(unsel'ger Tag!) Und gern verweilt' ich doch die nächsten Pflichten, Begreift Ihr wohl, sie rufen mich nach Prag. Albrecht. O bleibt! es würde meinen Vater kränken. Wenn Ihr die erste Bitte nicht erhört. Drey Tag- nur als Gast ihm noch zu schenken. O t t 0 k a r. Drey Tage! 65 Regensberg(reise). Faßt Euch, thut was er begehrt. Ottokar. (Muß ich?) Regensberg(reise). Um jeglichen Verdacht zu meiden. Ottokar. Nun wohl, ich bleibe— doch die Königinn— Sie könnte Sorge trage», fürchten, leiden— Albrecht. Verstattet mir'S, Eilbothen send' ich hin. Ottokar (kaum seinen Höh» verbergend). Eilbothen, recht— die Mutter vorbereiten. Und auch die Braut. Geh', Regensberg, befiehl, ES soll der schnellste meiner Knappen reiten. Regensberg(ab). Albrecht. O dürft' ich selbst! Ot tokar. Geduld! nah ist das Ziek. Geht, unterrichtet auch von Euretwegen Den Bothen, der den Liebesgruß bestellt; Mich laßt allein, ich will der Ruhe pflegen. 84 Albrecht. Die findet Ihr in meines Vaters Zelt. (»»»»»»>» r< Vierter Act. Königliches Schtog zu Prag,. Erste Seen e. Markgraf Otto von Brandenburg lttitt auf). ^lück zu! die stolze Mutter ist gewonnen; Das Löchterchen wird auch nicht widersteh'». Und was derSchlaukopf Regensberg ersonnen, Kann mit der Zeit wohl in Erfüllung geh'»; Nur muß er mir stets nah'und wachsam bleiben. Denn das Geweb' ist mir zu kraus und bunt. Ich will mich auch dem Satan nicht verschreiben. 86 War's um den Kaiserthron vku Trapszunt, Doch mag ich wohl, daß er e Karten mische, Weil ew'gen Haß er gegen H bsburg nährt; Wenn ich bequem dabey im Z üiben psche. Was kümmert's mich, wenn r zur Holle fahrt? Zweyte Scene. Der Vorige. Kunegunde(in Trauer). Kune g u n d e. Noch einmahl, Vetter, seyd in Prag willkommen! Wiewohl zur bösen Stunde eben jetzt— Habt Ihr von Wien die Zeitung schon vernommen. Die mich in Trauer— nein, in Wuth versetzt. Otto. Ich habe. Kune g u n d e. Doch, bey Gott! so soll's nicht bleiben. Otto. Ich bin der Eurige mit See!' und Leib. 0? Kunegunde. Laßt so vom Schicksal sich dei' Mann betau« ben. So schilttl' auS seiner Ohnmacht ihn das Weib. Otto. Man spricht sogar, auch das hab' er gebilligt. Daß Albrecht und Agnese— Kunegund e. Wer bin i ch? Agnesens Mutter hat nicht eingeivilligt, Und wird es nimmer! Otto. Wund Balsam für mich. K ii ii eg u n d e. Müßte Bohmen sich vom Reiche trennen. Und läge Rudolph schon vor dieser Burg, Es soll kein Fürst sich meinen Eidam nennen/ Als Markgraf Otto von Brandenburg. Otto. Da lohnt's auch mit dem Teufel anzubinden. 68 D ritte Scene. Agnes. Die Vorigen. Agnes(hastig sröhüch). O Mutter! Kunegund e. Nun, wasgibr's? Orrv. Mein Fräulein, Euer Knecht. Agnes(ohne auf ib» zu achte»). Ihr wißt ja schon was eilige Bothen verkünden: Mein Vater— Kaiser Rudolph— Friede!— sprecht! K u n egunLs. Was kümmert's dich? Agnes. Die Tochter soll's nicht kümmern?— Seit der geliebte Vater uns verließ. Ach! hortet Ihr nicht oft im Schlaf mich wimmern, Wenn mir ein böser Traum ihn blutend wies? Orlo. Mein Fräulein— 69 Agnes. Plötzlich in den Aampfgetriebsn, Entzog er mir der Liebe letztes Wort; Ich war, ein armes Kind, zurückgeblieben, Den» ohne mich zu segnen stürmt' er fort. Otto. Mein schönes Fräulein— Agne s. Und mich soll's nicht kümmern, Da in des Friedens himmlischen Geleit Mir seine Waffen schon ro» ferne schimmern? Mein Herz ihm jauchzt in Freudetcunkenheit? Kunegu n d e>. Doch Sittsamkeit soll auch die Freude messen, Und nicht gestatten, daß sie überfließt. Die Jungfrau darf des Wohlstands nie vergessen— Der Markgraf unser Gast— Agnes (thu erblickend und sich-sichtig»irneigrnd). - Seyd mir gegrüßt. Otto. Nur Gast? wie, wenn ich gar als Freyer käme? Zhr stutzt? Ihr schweigt?— ich hab' im Ernst gefragt. 90 Agne S. Mein Vater, wie ich eben jetzt vernehme. Hat mich dem Prinzen Albrecht zugesagt. Kunegund e. Dem Prinzen? wirklich? hast Du schon vernommen? Der Prinz von Habsburg! freylich, nun ist klar, Woher der Freude Übermaß gekommen. Ag n e s. Ihr thut mir weh. Otto. Die Mutter irrt, nicht wahr? Gleichviel ob Prinz, ob Markgraf, zwischen beyden Habt Ihr die Wahl: noch steh' ich unverzagt; Laßt, schöneS Fraulein, Euer Herz entscheiden. Agnc s. Der Königstochter Herz wird nicht befragt. Ich weiß nur, daß die Zwietracht ausgetobet. Und daß mein Vater seiner Tochter Hand Dem Kaiser Rudolph feyerlich gelobet Für seinen Sohn als Friedsnsunterpfqnd, Nun darf ich wohl gerechten Stolz empfinden: Das schwache Mädchen wird am Traualtar Der starken Männer Faust das Schwert entwinden, Und sanft verknüpfen^ was zerrissen war; Und Thränen wird sie trocknen, Wunden heilen, Die Bürde leichtern, die das Volk gedruckt; Sie wird den Segen von Millionen theilen. Wenn lang' entbehrte Ruh' die Welt beglückt. Der Schäfer weidet singend seine Heerden, Zu ihren, Schutz ein Hündlein ihn, genug; Des Fleißes froh darf nun der Landmann werden, Durch unzerstampfte Flur treibt er den Pflug. Der Winzer pflanz' die ausgerißnen Reben, Ihm wachst die Traub' hinfort am Fslsenhang, Des Bürgers Werkstatt wird sich neu beleben, Aus jeder Hütte hör' ich Sang und Klang! Kein Sohn wird mehr aus Mutterarm gerissen; Kein Lebewohl der Gattinn Herz mehr bricht; Den Enkel darf der Greis nicht mehr vermissen. Den Vater der verwaiste Säugling nicht! Durch mich der Nachwelt ausgestreut eiu Same, Von dem sie ta'.-sendfält'ge Frucht gewinnt. Und horch! von jeder Lippe tönt mein Nahme! Mich segnen Mutter, Gattinn, Greis und Kind! Otto. Das klingt wohl zierlich/ doch ist's nicht für Jeden. Vor allen denkt man doch zuerst an sich. K uuegn» de. Du Schlaue möchtest wohl uns überreden. Zum Heil des Volkes nur vermahlst du dich. Ag n es. O nein! warum soll nicht mein Mund bekennen: Agnese, die des Vaters Wunsch erfüllt, Darf gern und laut sich zweyfach glücklich nennen, Weil ihre Pflicht aus ihrem Herzen quillt. Kunegund e. Mir zu gehorchen deine Pflicht— wenn schmah- lich Dein Vater schändet Adel und Geschlecht! Der Markgraf wird m-in Eidam: dir bcfehfl ich Als Braut ihn zu begrüßen. Otto. So ist'L recht. Agnes. Wie Mutter? 9^ Otto. Schönes Fräulein wollt bedenken: Ich bin doch ein Fürst auS altem Haus, Verst-H' mein Roß zu lenken und zu schwenken, Theil' im Turnier die derbsten Stöße aus; Ich bin dabey ein wack'rcr Bärenjäger: Die Humpen leer' ich aus auf einen Zug; Vor Zeiten war ich auch ein Zitherschläger: Was meint Ihr, holde Brauch ist'L bald ge- , nug? Agnes(lächelnd). Mehr als zu viel. Ein Knappe(eilig). Der König steigt vom Rosse. Agnes(huiausstiirzend)- Mein Vater! K u n e g u n d e. Jetzt, Herr Markgraf,' redet dreist. 94 Vierte Scene. Ottokar. Agnes. Die Vorigen. Ottokar. Warum so still/ so einsam hier im Schlosse? Warum nur du, die mich willkommen heißt? Was seh' ich? Kunegunde in Trauer? Ku n eg und e. Leider! Ottokar. Mein Sohn? Der Schrecken kehrt das Herz mir um! Kunegunde. Sey unbesorgt/ er lebt. Die Trauerkleider Trag' ich um Ottokars Verlornen Ruhm. O t t o k a r. Willst Du den Stachel in der Brust noch schärfen? Kunegunde. Za, schärfen. Als ich deine Schmach erfuhr. Da kocht' mein Blut, da zuckten meine Nerven, Da jammert' ich: Warum schuf die Natur Mich nur zum Weibe! konnt' ein Schwert ich führen. 95 Zerhauen wollt' ich, was den Mann bestrickt! Könnt' ich die Brust in einen Panzer schnüren. So würde jeder Seufzer doch erstickt!—- Bin ich nur Königinn an Ehrentischen Zu eines Friedens SiegeS'Fey'r geschmückt? Bin ich nur Gauinn um den Staub zu wischen Von einer Stirn', die sich in Staub gebückt? Nur'Mutter, um den früh beraubten Knaben Daran zu mahnen, daß er nicht vergißt. Was wir besessen— was verloren haben— Was einst sei» Vater war— und was er ist? O t t o k a r. H«r' auf! du weißt nicht, wie, mir zum Verderben, An jenem Tag sich alles hat gefügt. Sprich selbst: Was konnt' ich thun? Kunegund e, Du konntest sterben! O t t o k a r. Des Siegers Spott? Kunegund e. Du warst dann unbesiegt! O t t o k a r- Mein Volk verwaist— K u n eg u n d e. Ihm blieb dein Sohn! Ottokar. Der Knabe? Kun e g u n d e. Des Vater.-Ruhmes Erbe will er seyn! Ortokar. Dieß Erbtyeil— Kunegunde. Fand er mir auf deinem Grabe. Otlokar. Und meine Rache? Kunegund e. Die war mein. Otto kar. Sturm kann auch Ledern beugen— nur nichL brechen. Schlau seyn in Noth entehrt auch Tapfre nicht. Kunegunde. Wie schlau warst du? Otto bar. Ich wußte zu versprechen. K u n e g u n d e. Doch das erzwung'ne Wort—? 97 Ottokar. Ich halt' es nicht. Kuiiegund e. Du wiest mit Albrecht Agnes nicht vermählen? O t t o k a r. Eh' mit dem Heiden an der Ostsee Strand. A gNeS(erschrocken). Durch Euren Bothen ließt Ihr mir befehlen— O t toka r. Den Feind zu tauschen ward er abgesandt. K u negund e. Ha. nun erbenn ich dich zum Herrn geboren. Wenn auch daS feile Glück die Kugel dreht. Wer treu sich selber bleibt, hat nichts verloren l Das lluglück stutzt und weicht— wenn man- ihm st eht! Nun darf nicht mehr die Königinn errathen. Die ihrer Krone Glanz verbleichen sah. Und kühn, Herr Markgraf, mögt Ihr naher treten,- Denn Euer Wunsch ist seinem Ziele nah. Otto. Mein König— Ketzcbuk'e Th. 4S. Bd. E Ottokar (ihn»un erst gilvahr werdend). Vetter Otto! seyd willkommen» Rudolph. Auch mancher bied're Fürst blieb noch mir treu. B> u rggra f. Von Pfalz und Sachsen habt Ihr Hüls' entbothen. An ihren Gränzen schallt das Kriegsgeschrey; Sie sind vermählt anRudolphS wack're Töchter, Ihm und dem Reiche drohet Mißgeschick, Doch still sitzr jeder, eig'nen Herdes Wächter. R u d o l p h. Nicht Furcht, nur Ohnmacht hält sie wohl zurück. Burggraf. Ihr wißt nicht alles. Böhmens König gründet Die Hoffnung dieß Mahl nicht auf eig'ne Faust; Mit Pohlcn, Pommern, Magdeburg verbündet. Und mit dem Orden, der in Preußen haus't. Hat Ungarns Adel er nun aufgewiegelt. Auch Steyermark und Österreich erhitzt; ,20 Mit BaiernS Heinrich einen Bund besiegelt—^ So tritt zum Kampf er in die Schranke jetzt. Rudolph. Viel, allerdings, doch zage nicht, wir haben Auch manches gute Schwert nach im Gefecht. Bald kommt die Hüls aus Elsaß und aus Schwaben, Und was noch fehlt, ersetzen Muth und R e ch t. Ja, Recht gibt Muth. Burggraf. Und sollt'allein ihn geben. Weil jeder Krieg uns Gottes Urtheil dünkt; Doch auch der Miethling wagt sein Blut, sein Leben Für schlechte Sache, wenn nur Beute winkt. So fechten auch desBohmem Königs Scharen, Denn Plknd'rung ist verheiß'ner Lohn. Eh' wir des Feindes Aufbruch noch erfahre», Trug er schon manchen leichten Sieg davon Rudolph. Du stockst! heraus mein treuer Hiobsboths! Burggraf. Gefallen sind schon Drosendorf und Laa, Darauf sogleich vor Wien zu rücken, drohte Der übermuth'ge Fe>nd. R u d o l p h. Mir schon so nah» Und noch kein Reichsfürst der sich rüttelt? Keiner, Der fechten mag für Deutschlands Recht und Ruh?— Wohlan! sey auch an Zahl mein Hanfe kleiner^ Führt Albrecht nur aus Elsaß Volk mir zu. Auf ihn, auf meine Schwaben will ich bauen. Gib der Getreuen nur zwey tausend mir. Dabey auf Gott und auf mein Recht Vertrauen, So laß die Holle flattern ihr Panier. B u r ggra f. Nur brächte späte Hüls uns fein Gedeihen. R udolphs Knappe(mi« ein). Wiens Bürger bitten ängstlich um Gehör. Nudolph. Das Ohr, so sprich, will gern der Kaiser leihen, (lächelnd). Das ist noch sein. Nur ford're keiner mehr- KctzcdUc's Th. 40. Bd. 1,2 2' Zweyte Seen e. Der Knappe(tasu-mig°) Bürger ^«k.üur-ikn. unter ihn-») Berchtold K a p P l e r. Berchtold. ^Herr! es ist-in büser Ruf erschoNen! Der Bohme zieht mit großer Macht herauf; Sein H-er ist wie einWaldstrom angeschwollen. Und Wien bedroht des wissende» Stromes Lauf. Und Kaiser Rudolph, den wir kindlich ehren. Steht noch verlassen-das sey Gott geklagt.- .->hsch°n sich Eure Feinde täglich mehren. Hat noch kein R-ichsfürst sich hervor gewagt Ergriffen denn auch wir als treue Bürger Für Euch daS Schwert, gering' ist unsre Zahl, Und nicht geübt, wie jene Menschenwürger^ Sind wir>m Kampf- s° bleibt unS bittre Wahl— Zu sterben— oder uns dem Joch zu fügen! Verschonen dürft' er unftr Hab und Gut, Wenn wir die Schlüssel ihm entgegen trugen WaS meint Ihr, Herr?- Gott weiß, w.e weh' es thut: I2Z Nudolph. Was recht und gut euch dünkt, mögt ihr vollführen, Ich wehr' es nicht; allein zuvor bedenkt: Kann Kriegers Herz der Bürger Feigheit rühren? Und war's, welch Leben blieb euch dann geschenkt? Denn, daß der Treue Schwur gebrochen wäre— Von mir zwar würd' es, nicht von euch verzieh'»; Der Bürger Treu' ist auch der Bürger Ehre, So dachte man, seit Wien erbaut, i n Wien. Allein gesetzt, ihr dürftet selbst die Ketten Euch hohlen, unverletzt blieb Ehr' und Pflicht; Meint ihr, das werd' euch von, Verderben retten? Hört, was ein alter Meistersanger spricht: Es hatt' ein Adler kühn sich aufgeschwungen. Im hchen Neste saß er kraftbewußt. Die Flügel breitend über seine Jungen, Sie um sich sammelnd an die starke Brust; Da kam ein Sturm und sauste in den Blattern, Die still zuvor das warme Nest umlaubt. Und flammende Blitze drohten zu zerschmettern Der Eiche Gipfel und des Adlers Haupt. F, 2 Da schrie'" U- 2""W":"lt euch selbst zu schützen l Kein Vorwurf trifft, wenn Noth mit Undank' lohnt; Hinaus! entgegen flattert Sturm und Blitzen 5Uir Trotz geht unter, Demuth wird verschont. Fort schwankten sie und krächzten um Erbarmen. Doch siehe da, dem Nest emflatterr kaum, Packt sie der Sturm mit tausend Riesenarmen, Und schleudert sie herab in Meerebschaum. Die Eiche blieb indessen unzersplittert, Nicht AdlerS Muth, sei" Nest nur ward er, schüttert. B c r ch t o! d. Dem. Reich und uns ein Vater seyd erkoren, So lehret uns: was heischen Lieb' und Pflicht? R u d o l p h Meint ihr, darum sey alles schon verloren, Weil uns uu Augenblick die Macht gebricht t Meint ihr, ich stände kraftlos, unberathcn, W e il man ch cs Glied getrennt vom H a u p te sey? Mag's doch: nur sind die«nächtigen Prälaten Von.RegenLbncg und Passau noch getreu. Auch Salzburg rüstet sich und sich re V'vty.n Thit» mir die nahe chüff''«us El>ah ku»t; 12 5 In Steyermark ist Mannschaft aufgebothen, Zlnch mit den Ungern schloß ich einen Bund. Ihr stht, noch steh' ich fest. Im Krieg entscheidet Der erste Vortheil nicht. Es mag wohl seyn Daß ihr noch Manches für mich tragt und leidet. Bevor die Friedensbochen euch erfren'n. Der Herrscher Wahnsinn ist der Völker Jammer! Dem Sieger Heils der, nach den, letzten Gefecht, Aus seinem Kriegslist in die Friedenskammcr Mit dem Bewußtseyn trirc: ich focht für Recht! So darf er an der bunten Ehrenpforte, Die Scbmeicheley und Furcht ihm aufgebau't, Nicht schau'» der Armuth Klag' und Stachel- morce, Die Seufzer der zur Wnw' erkor'nen Braut; Er lehrt ja nur zurück zu seiner Herde, Gleich einem Hirten, der den Wolf verjagt. Daß ich zu euch so wiederkehren werde. Hat ein gerechter Gott mir zugesagt. O daß die Stunde schon gekommen wäre, Zil lohnen kaiserlich auch den geringsten Knecht! Denn daß ich Wien zur Reichsstadt jetzt erkläre. Bestätigend der Bürger altes Recht— Alle Bürgee. O Herr! Rudolph. Damit lös' ich nur mein Versprechen. Durch neue Dienste wird die Schuld auch neu. Genug, mit Worten mag ich nicht bestechen, Ihr seyd ja Männer, geht und handelt frey. Ein Greis. Erhalt' uns Gott den tapfern Herrn! den Milden! Sein unser Blut! Stürzt hier der letzte Stein, Soll Bürgertreu' ihm eine Mauer bilden, lind jedes Herz ihm eine Schuhmehr seyn. RUd 0 lph(zum Burggrafen). Begleite sie. Ein Herold flugs verkünde. Was ich der Bürgertreue zugesagt. (während sich alle entfernen, für sich). Ehrt Unterthanen durch Vertrau'«! und Gründe, Dann jeder gern sein Leben für euch wagt. Dritte Scene. Rudolph. Berchtold Kappler. R u d o l p h. Du kehrst zurück? 127 Berchtold. Ja,—wollt mir vergönnen-- Ergriffen habt,Ihr mich gar wundersam— Es glüht m mir, ich weiß es nicht zu nennen, Weiß nicht, woher es mir so plötzlich kam. R u d o l p h. So rede. B er chtol d. Meine Lieb' Euch z» beweisen, Both' ich mit Lust mein Haupt dem Henkerbeil, Könnt' ich das Herz aus tiefer Brust mir reiffen l Für Euch zu sterben, bringt der NachweltHeü! Rudolph. Mit diesem Muth tritt unter meine Fahnen. Berchtold. Nur die Gefahren aller theilt' ich dann. Ich will den eig'nen Pfad des RuhmS mir bahnen. Ich ganz allein, Mann gegen Mann. Rudolph. Was brütest du 2 B erchto ld. Ihr habt mit kraft'gen Worten Uns frischen Muth verlieh'n; das war wohl klug! Doch meiß lch nur zu gut, daß aller Orten ,26 Der starr're Feind die schwachen Haufe» schlug. Ehrt mich/ Herr Kaiser, schenket mir Vertrauen. Rudolp h. Ich will eS.^ B e r ch t o l d. Nun,— nicht wahr—es steht hier schlimm? U n st cher äst, worauf mit Euch wir bauen ,, Und sicher nur zahlloser Feinde Grimm! N u d o l p h. Und war' es so— ich will dir nicht verhehlen, Daß uns Gefahr umringt— daß meine Macht— Da ihr vom Reich so viele Stutzen fehlen— Abhängig wird von einer blui'gsn Schlacht— Doch diese Schlacht—ihr edlen Kampfgesellen, Ihr sollt mich siegen oder sterben sehn. B c r ch t o l d. Warum den Sieg auf diese Spitze stellen? Ein Arm—Ein Stoß—und alles ist gescheht. Rudolph. Versteh' ich dich? Berchtold. Herr Kaiser, eine Frage: Ich hab' ein Weib und liebe Kindelein-— ,29 Wem, ich für Euch das Haupt zum Blocke trage. Wollt Ihr der Witm' und Waise» Vater sey»? Rudolp h. Zum Blocke? Berchtold. Nur ein Wort aus Eurem Munde— Und deckte seine Brust ein oreyfach Erz— Ich dränge mich an ihn zur rechten Stunde, Und stoße diesen Dolch ihm rief ins Herz. Rudolph. Ha! Meuchelmord? B e r ch t o l d. Es ist ihm beyzukommen. Denn keinen Argwohn kennt sein Übermuth; D'rum sey mit Gott das Wagstück unternommen. Es nutzt der Welt und Euch; d'rum ist'S auch gut. Mag dann der nächste Bub' mich niederstoßen, Jü nur die That vollbracht, so sterb' ich froh! Wohlan, so segnet mich! eS ist beschlossen— Doch warum blitzt mir Euer Auge so? Worum die Stirn' so düster? Wäre sündlich Was Audith schon am Holofern gethan? Nudolph. Schweig! mir ist Ottokar unüberwindlich. Wenn Meuchelmord ihn nur besiegen kann; lind wußt ich nicht, du habest um den Frieden In frommer Einfalt recht zu thun vermeint, Bey Gott! ich ließe dich in Ketten schmieden, Und übergäbe dich dem rächenden Feind. Bcrchrold. Wie Herr? R u d o l p h. Wenn Treu'und Glaube gänzlich schwinden. So soll man sie— aus jeder Brust verbannt— Doch in der Brust des Fürsten wieder finde». Wo wäre sonst für Völkcrglück ein Pfand? Berchtold. Der fromme Zweck— Rudol ph. Nie rechtlos sey das Mittel, And wenn es gleich den frommen Zweck erfüllt; Ehrwürd'ger als der Purpur ist ein Kittel, Der eine Brust voll Rechtlichkeit verhüllt. Gelung'nes mag Bewunderung erregen. Der Zcitgenoß nur fragen: was geschah? Die Nachwelt wird auf rechter Wage wagen. Und Rechenschaft begehren, wie's geschah? i3i D'rum besser. Freund, mit Ehren unterliege». Als durch ein Bubenstück den Feind besiegen. So wird zu dem, waS ich au Ruhm gewann, Die spate Nachwelt noch dar Zeugniß fügen: Rudolph von HabSlmrg war ein Biedermann. Berchtold. Das seyd Ihr wahrlich! laßt die Hand mich küssen, Die mir den Mörderdolch entwunden hat. Befleckt hab' ich ui Einfalt mein Gewissen, Ich wasch' es rein durch eine wack're That; Wo Feind' etwa im Kamps' sich unterwinden. Euch zu bedrohn mir einem Todesstreich, Da sollen sie den Berchtold Kappler finden; Nur durch sein Herz dringt Feindes Schwert zu Euch(ab). Vierte Scene. Rudolph(allein). Wohl straucheln kann ein Biedermann, auch fallen. Wenn vor der Leidenschaft die Tugend schwieg 1Ö2 Doch darf sie nur e i n Wort i»'s Ohr ihm lallen. So springt er auf und feyert ihren Sieg. Fünfte Scene. Rudolph. Der Burggraf. Rudolph rwm eittgkg'»). a'-Lr'! welch ein seltsam Ding mir wiederfabren: Es trug sich mir ein sonst recht mack'rer Mann, Um zweifelhaften Kampf mir zu ersparen. Zu meines Feindes Meuchelmörder an. Burggraf. Und Ihr? Rudolph. Das fragst du noch? B urggra f. Recht so! der Himmel Belohnt Euch auf der Stelle, schaut hinaus, In allen Straßen fröhliches Gewimmel, Denn das Gerücht läuft schon von HauS zu HauS: Es nahen sich die Bas'ler Bogenschützen! Auch Rüterscharen Mann und Roß gewählt; i33 M.m sieht die Waffen ron den Bergen blitzen/ Ntehr denn zweitausend hat nmn schon gezählt; Dein Albrecht an der Spitze/ angeschlossen Hat sich der Kärnthner- Zug, der Kampflust schnaubt/ Und auch der Unger auf gebäumten Rossen Schwingt lustig den zischenden Säbel um's Haupt. Rudo l p h. Laß/ Neffe, diesen Häudedruck dir danken Für deine fcöhl'chs Mähr' in höchster Noth. Nun gilt es Oltokar! Auf in die Schranken' Das Marchfeld winkt zum Kampf! Sieg oder Tod!(V.yde ad). Sechster Act. Vsn der Ecke des Vordergrundes linker Hand bis zur Eck« des Hintergrundes rechter Hand durchschneidet«ine Mauer die Vübne, hinter welcher man eine» über die Bühne erhöhten Kirchhof mit Lei- chensteinc,, erblicht, und hinter diesem daü Kloster der heiligen Clara mit verschlossener Pforte. Die Mauer darf über den Kirchhof nur einige Fug hervorragen, damit, was dort geschieht, den Zuschauern sichtbar bleibe. Von unten führt eine kleine Treppe durch-in kleines Pfortchen auf den Kirchhof. Morgendämmerung. Man hört in der weiten Ferne den Chorgesang der Nonnen. Erste Seen e. Rudolph(tritt auf). ^er Morgen graut. Die letzte» Sterne glimmen. Im Thale scheint der Zelte blendend Weiß 1 i-> Auf Nebelwogen, Schiffen gleich/ zu schwimmen. Noch schlummert Kriegers Morobegier, Land- mannS Fleiß. Nur Nonnen- Chsrgesang uno Lerchenstimmen Erheben sich zu ihres Schöpfers Preis. Ho! nur ist wohl auf diesen stillen Höhen! Mich scheinc der Hauch des Friedens anzuwehen. O Friede! nur auf Zellen ruht dein Segen, Palläste drückt der Zwietracht blur'ger Bann.— Nun wird sich bald im Thal die Mordlnst rege». Die kein Gesetz, kein Glaube zügeln kann. Und viele schlummern dort dem Tod entgegen. Und vielen bricht der letzte Morgen an; Und eh' die Nacht ein Ziel setzt unserm Morden, Sind tausend Mütter kinderlos geworden. Schon zählt der Todesengel jede Wunde, Schon rauscht sein Fittich über jedem Zelt. Auch mich hat Gort in dieser ernsten Stunde An seines Schicksals Urne hingestellt; Mein letztes Loos, noch liegt's auf dunkelm Grunde, Herr oder Sclav, Ruhm oder Spott der Welt! Kann dem Geschick des Menschen Trotz entfliehen? r36 Looö bis kirn' ihn! birgt, er muß es zi.-h.'„. Wohlan! ich ford're n: W, daß inich verschone -^»ie alte, e erns Nothwendigkeit! Hab' ich doch nicht gebuhlt um diese Krone, Sie ist ,m L chlafe aiif'S Haupt geschneit; L-E jetzt bestimmt das Schicksal sie zum Lohne Der rechtlich..cimpfenden Beharrlichkeit. Doch soll mi!.n Muth den Thron mir nicht erwerben, So laß, o Gott! mich nur nicht ruhmsoS sterben! Zweyte Scene. Der Vorige. Der Burggraf c>,i>t) einigen Begleitern. Burggraf. Auf! rüste Dich! schon hat die Schlacht begonnen. Dort, wo der Wald den linken Flügel birgt; Schon ist bey JedenSberg das Feld gewonnen. Die L treitext klirrt, der Ungern Säbel würgt, ^ein Sohn, dem Kampfroß gleich, das hoch sich bäumend. '3? Eh'noch der Schlachtruf tönt, de» Zügel sprengt Und einem Wald von Speeren wiehernd, schäumend, Mir blitzendem Auge sich entgegen drängt; So stürmt' er plötzlich in erschrock'ne Feinde, lind alles weicht des Helden Ungestüm. Rudol p h. Tollkühner Knabe! Folgt mir, edle Freunde!— Sein Jugendfeuec— fort! hinab zu ihm!— (Indem er forteilen will, erblickt er dir Äbtissinn, ti« während der letzten Rede aus der Kloster, Pfotte auf den Kirchhof trat, begleite! von UgneS, di« das Gewand einer Novize trägt, und verschley' ert ist.) Ha! Frau Äbtissinn! euren Segen! Der Murterkirche war ich stets getreu; Nur für das Recht eil' lch dem Kampf entgegen. So bethet nun, daß Gott mir gnädig sey! Zum Kirchenschmuck gelob' ich nach dem Siege, Was Glück der Waffen mir an Beute gab; Doch wen» im blur'gen Kampf ich unterliege. So gönnt in eurem Kloster mir ein Grab (wtls fort). r38 Dritte Scene. Die Äbtissinn. AgneS(v-rschl-v-et. Dcvdr auf dem Ki-chhof stehend lind in» Thal hined« schauend). Äbtissinn(ihm nachsegncnd). Zum SiegeSfest will ich die Kirche schmücken! Fort sprengt er, und lebendig wird das Feld. Agiles ldey Seite). Die Stimm'— ich wagte nicht ihn anzublicken— llau». O sprecht, wer war der fromme Kriegssheld? , Äbtissinn. Der Kaiser. Agnes(°?y Sei,-). Albrechts Vater! Ä b t i ssi n n. Tausende strömen Zhm jauchzend nach— es drangt sich Schar an Schar— Vernichte Gott die öbermüth'gen Böhme»! Schmach und Verderben über Otlokar! Agiis s. O nicht dieß harte Wort! i3g Äbtissin ii. Fluch dem Verweg'nen, Der sein- Seligkeit in Blut verpraßtl ?lgnc s. Die Gott geweihte Lippe soll nur segne». Äbtissin n. Den Bösen segnet wer den Frommen haßt. A g n e s. Ich Haffe niemand. Äbtissinn. Laß vor Gott uns treten. Dem Helden Sieg erfleh'»- Agnes. , Verschonet muh— Ä btissinn. Dir wolltest nicht für unsern Kaiser bethen? Agne s. Für ihn und Ottvkar. Äbtissinn. Was soll das? sprich! AlS kürzlich, im Geleite fremder Scharen, Em alter Ritter dich mir zugeführt, Dir eine Freystatt suchend bey Sanct Clären, Weil himmlischen Berns dein Herz versvürt; Da stellt' er mir anheim die strengsten Proben, i/sa Bevor dein Mund de» Nonnenschleyer küßt; Loch mußt' ich feyerlich ihm Eins geloben: Nie zu erforschen wer du bist. Noch welche Mutter dich und wo geboren? Auch ward von dir Verschwiegenheit erdroh't. Argwohn verschmähend, hab' ich ihm geschworen. Und halte meinen Schwur bis in den Tod! Doch wehe! wenn ich eine Fremde hehle,. Die and're Wünsche, and're Pflichten kennt; Wenn ich ein Kind zu meinen Kindern zähle, -t^aS im Gebeth sich von der Mutter trennt. Ag n e s. Vor Gott sind ja die Feinde nicht geschieden. Wenn Zwietracht gleich auf Erden sie belhort; Um aller Menschen Glück und Frieden Hat man zu bethen mich gelehrt; Den Irrthum, nicht den Irr',iden darf ich hassen; Der eigenen Gefahr blieb ich bewußt; Und möchte d'rum die Welt mit Lieb' umfassen, Und Liebe träufeln in jede Brust. Äb tissin n. Ich tadle nicht die fromme Menschenliebe, Die auch für Feinde bitten lehrt; Wohl ist das Pflicht, doch fesseln stärkste Triebe >4i An einen Fürsten, der das Recht der Menschheit ehrt; Nicht unerschöpflich neuen Trug ersinnet. Durch den in's Joch er jeden Nacken fügt; Der, wenn er seufzend einen Krieg beginnet. Nicht ü-ine Macht nur seine Gründe wiegt. Er» solcher Fürst auSHabsburgs altem Stamme Ist uns geworden, Gott erhalte ihn! Und möge seiner Tugend reine Flamme, Der Söhne Brust mit gleicher Kraft durchglüh'n Agnes(treudig). Die Sag« geht: er habe wack're Lohne? Albrecht der Ältre— Äbtissinn. Ha! wer kennt ihn nicht? O daß auch ichn des Siege- Lorber kröne. Da er für Deutschlands heil'ge Rechts ficht. Agne s. Wie meint Ihr?— wie?— auch er im Schlacht- getümmel? Äbtissinn. Wo sonst? erkennt den Platz, der ihm gebührt! Ärellercht, daß seiru n; Rachcs§wert der Himmel Den Frevler im Gewühl entgegen führt. »42 Agnes. Wär'ü möglich—? Äbtissinn. Was? Ag i! c s. Sie könnte» sich begegnen Äbtissinn. Worum nicht? Agne s. Kämpfen? Albrecht? Ottskar? Ä b t issin n. Getrost! obsiegen würd' er dem Verweg'nen', Dem Eid ein Spiel und Blut ein Labsal war. Agneö. O haltet ein! Äbtissin N(hinunttrschauend). Es ziehen einzelne Haufen Sich fechtend naher— steh' auf deiner Hut! Oft haben Feige/ die der Schlacht entlaufe»/ Altäre zu berauben wohl noch Muth. Die Kirchenschatze eil' ich zu vergraben— Du aber harre noch und bethe hier; Und wenn die Unsern Sieg erfochten haben. So stürz! herein: Herr Gott dich loben wir!(ab) Vierte Scene. Agnes(allein). Wie könnt'ichÄrmste hier zumWachter taugen, Wo jeder Pfeil auch mich zu treffen scheint? Mich schwindelt und es flirrt nur vor den Au, gen— Ach! ich erkenne weder Freund noch Feind-— Wie anders vormahls, da noch der Geliebte, Dem Vater folgend in de. Heiden Land, Die erste, fromme Waffenthat verübte Um Ritterschlag von meines Vaters Hand! Auch damahls mußt' ich oft für beyde zagen. Doch wußt' ich: Albrecht, im Gewühl der Schlacht, Würd' kühn für Ottokar sein Lebe» wagen, Ihn wiederum schützt meines Vaters Macht. Und wenn durch beyder Krieger Heldenthaten Der Christenheit erkämpft war neue Ruh', Als Sieger Arm in Arm hervor sie traten— Wie flog mein Herz dann beyden zu! Denn im Gebeth, in Furcht, in Freud' und Schmerzen, Nie durft' ich beyde trennen! Ach, es bringt So süße Ruh' in zarte Frauenherzen, >44 Wen«/ die wir liebe»/ Freundschaftsband um- schluigt. (Sie lehn« sich wehmüthig an daö Krenh, wird von den Kommenden nicht Lemerk«, nimmt aber bald äagsi- lich Lh-il an dem!»aS vorgeht). Fünfte Scene. Rudolph la»> Haupt verwundet). Berchtold Kappler(mit dessen Heu» folgend). Agnes. Kappler. Ihr blutet— R u d o l p h. Wenig. Laßt nur Luft mich schöpfen. Berchtold. Verdammter Fall, der Euch daS Haupt entblößt'! Die Schelme sandt' ich heiin mir blui'gen Köpfen, Rudol ph. Reich mir die Hand— du hast dein Wort gelöst. Mein Leben dank' ich dir. B erchtol d. Jedoch verwundet— Rud olph. Kaum fühl' ich's— nur mein Jloß— Derchtold. Das traf ei» Speer. Es war auf Euch gemünzt, ich hab'L erkundet; Euch sucht' ein jeder Wagehals im Heer. Wer Euch lebendig oder todt wird fangen, Dem will der König großes Gut verleih',,. Da trieb zuerst das lüsterne Verlangen Den kecken Pohlen Herbot Füllenstein, Den strecktet Ihr und andern ging's nicht besser; Der Riese Valens nun, der Stärkst' im Heer, Thüringens Stolz, ein alter Eisenfresser, Rennt noch auf Euch mit eingelegtem Speer, Trifft Euer Roß— das stürzt— Ihr mit den Sporen Verwickelt, könnt nicht auf— das Helmband springt— Er zieht sein Schwert, will Euch den Hals durchbohren, Als plötzlich meine ihm in die Gurgel dringt. R u d o l p h. Die wack're That soll einst dir Früchte tragen. (setzt seinen Helm wieder auf). Letzt suche mir er» frisches Roß. Kotz.l-ue't Th. 4N. Bd. G ..." 1 /sii Berchtold. Bedenkt! Warum noch ein Mahl in die Schlacht Euch wagen, Da schon zur Flucht der Feind die Schritte lenkt? R u d o l p h. Sieg ohne mich? B e r ch t o l d. Ihr dürst ihn Euer nennen/ Preis Eures Bluts, Frucht Eurer Tapferkeit. R u d o l p h. Doch nie soll Rudolph sich vorn Schlachtfeld trennen, So lang- noch ein Feind die Stirn ihm beut (will fse«). Ber chtold. O bleibt, der Konig fiel, durchbohrt von Pfeilen— Agnes (stoßt«inen lauten Seufzer aus.«vd»erlchlrytkt sich hastig). B e r ch t o l d. Man hat ihn sterbend aus der Schlacht geführt. Rudolph. Ha! wenn er fiel, so muß der Sieger eilen,- Den todten Feind zu ehren wie's gebührt (beyde ab-. Agn es(allein, entschlcveri). Mein Vater! Gott,! was hab'ich hören müssen! Warum ist mir zum Kampf nicht Kraft verlieh'« An diesem Kreutz« will ich bethen, büßen. Der Welk entsagen— rette Gott nur ihn! (Kie umfaßt kniend das Kreuz). Sechste Scene. Otto. Regenöberg. Agnes(durch das K.-.nz fastiverstcckr). Otto. Warum so hastig aus der Schlacht mich zerren? Regensberg. Weil sie verloren ist. Ihr hört ja schon Das Sicgsgeschrey von rohen Ungern plärren. Ich sag' Euch, flieht, wie weiland Absalon. O r t o. Noch kann vielleicht das Waffenglück sich wenden. Regensberg. Vom Roß hab' ich den König stürzen sch'n— Agnes.* Weh mir! Regensberg. Und will Euch meinen Kopf verpfänden. Er wird dem Schwert der Rache nicht entgeh'». DennManche sah ich, die ihn wüthig hassen, Und längst geflncht der harten Tyranney; Die Sohne, welchen er die Vater morden lassen, Die stürzten, Rache schnaubend, jetzt herbey. D'rum wollet nicht in'S Rad des Schicksals greifen, Vielmehr im Trüben fischt, dar ist mein Rath; Hier kann fürwahr ein Muck Euch blüh'» und reifen, Wovon Euch nichts geträumt— doch rasch zur That. Otto. Was soll ich? Regensberg. Laßt sogleich zum Abzug blasen— Nach Böhmen wendet Euch, dort winkt ein Thron. Laßt immerhin die Witwe toben, rasen; Entreißet ihrem Arm den einz'gen Sohn; Nennt Euch des jungen Prinzen Schutz und Retter; Derusk Euch keck aus altes Recht und Brauch: i/<9 Die Vormundschaft gebührt dem nächste» Vetter, Nun, der seyd Ihr—die Zukunft lenkt Ihr auch--- Versteht Ihr mich? Otto. Nur halb. Rege» sberg. Klar ist das Ganze. Euch darf der Prinz nicht lang im Wege steh'»; Mir schmücken seinen'Sarg mit einem Kranze, Und seine Krone—wollt Ihr sie verschmäh',,? Otto. Versucher! Regensberg. Fort nach Böhmen! Otto. Soll ich's wagen? Regensberg. Jetzt oder nie. Otto. Wohlan!— ha! seh' ich recht? Der sterbende König wird herauf getragen— Agnes(leise wimmernd). Mein Vater!— Regensberg. Fort! Otto. Kaum folgt ihm noch ei» Knecht, Ich sehe Blut aus vielen Wunden strömen. Regensberg. Den Anblick meidet, der nur Zögern bringt Und Euren Muth erschlafft. Otto. Ja, fort nach Böhmen, Bevor sein Röcheln Ohr und Herz durchdringt! (Beyde ab). Ag n es. Erbanner! lasi der Tochter Angst dich jammern! Kaum bin ich meiner Sinne noch bewußt— Ich kann nicht bethen— will das Kreutz umklammern, Will Blut mir presse» aus der athemlosen Brust. Siebente Scene. Ottokar wird auf seinem Schilde von zwey Knechten getragen und im Vorgrunde sanft niedergelegt. Er ist ohnmächtig. Ein Pfeil fleckt in seiner Brust. Erster Knecht. Zum Kloster trugen wir ihn unverdrossen, Wie er ro» uns begehrt; allein was nun? Er hat indeß die Augen geschloffen, Wird'schwerlich wieder auf sie thun. Zweyter Knecht. Er athmet noch. Erster Knecht. Er liegt im letzten Schlafe. Wir retten uns. Hier ist kein sich'rer Otr. Zweyter Knecht. Ihn ganz verlassen? Erster Knecht. Ey, weder Lohn noch Strafe Ist mehr von ihm zu hohlen, darum fort! .(beyde ab). Agnes -(Hai sich Anfangs mühsam an dem Kreutz empsr gerichtet, hat dann versucht die Mauer zu erreiche», an der st« sich abermahlS hakte» mutzte, um nicht zu sinken, wankt nun die Treppe herab, fällt aber aus der letzten Stufe kraftlos nieder, will sich aufraffen, vermag-S nicht und ringt in Verzweiflung die Hände). Ottokar(erwachend). Vergebens, daß ich schnellen Tod erflehe— Noch zuckt mein Herz— wo bin ich?— wehe! Mich dürstet sehr—ach! einen Tropfen Wein— Wil! niemand einen Tropfen Wein mir schenken?— A giies (springt plötzlich auf ünd taumelt ins Kloster). Ottokar. Ich gebe meine Krone gern dafür Darius! deiner muß ich fetzt gedenken— Du Mächtiger! verschmachtend einst, gleich mir— Ach! unter deinem Heere war doch einer. Der dir den letzten Labetrunk gereicht— In seinem Helm geschöpft; mir folgte keiner. Mich liebte keiner— All- sind verscheucht— Achte Scene. Httokar. Agnes(die mit einem Becher zurück» g-ksmmrn ist, und nun laut schluchzend die Treppe Herad wankt). O t t o k a r> Doch hör'ich recht?— wer schluchzt?— aus welchem Munde r55 Schallt mir ein Seufzer?— tauschende Phantasie-— Mir ist als ob— bist du es Kunegunde? Agnes(noch immer fern bleibend). Ach nein, eS ist nur Eure Tochter— Ottoka r. Wie! Agnes-! Du? Agne s. Sie mochte Wein Euch bringen—- Wenn die Verstoßn- wagen darf— O t t o k a r. Agnes O gib! (kniet vor ihm nieder und hält den Becher an seine Lippen). Ottokar. Du zitterst sehr— Ag n e s. Das Herz will mir zerspringen. Otto ka r. Warst du es, die mein Fluch in's Elend trieb? Ag n e s. O flucht mir nicht! Ottokar. So mußt' ich dir begegnend Den letzte» Labetrunk verdank' ich dir?— So will auch ich nut letzter Kraft dich segnen, Mein frommes Kind— Agne s. Wohl mir! und wehe mir! Wie soll ich von dem segnende» Vater scheiden, Da schon der zürnende mir theuer blieb? O t t o k a r. In diesem Kloster ließ ich Unschuld leiden, D'runi hierher nun mich Gottes Rache trieb— Verlaß mich— fliehe du— eh' Feindeswüthen Dich hier erreicht— zu meinem Neffen flieh-— Agne s. Ach Vater! wißt: in Okto'S Seele brüten Die schwärzesten Entwurf'— ich hörte sie. Dort, halb.versteckt, ohn' es zu wollen, hört' « ich— Auf Euren Tod baut er die eig'nc Macht— Auf meines Bruders Tod!— mein Herz empört sich, Zu glauben, was mein Ohr ihm hinterbracht. i55 Darum erhalt' uns Gott des Vaters Lehen— Denn alle sturen in sein Grab wir mit. Ortokar. Ha! nun erst muß ich vor dem Tode beben— Der meinen Thron— und meui Geschlecht zertritt.— Neunte Scene. Rudolph, f-in Sohn und Gefolge, vor, aus»i- Knechte, dir Qttskar hereintrugen und beyde»M> gefesselt sind. Agnes vcrfchlcys ert sich. Erster Knecht. Hier ist der Ort, wo wir den König ließen. Rudolph. Jetzt fort mit euch. Die Knechte(werden abgeführt). Rudol ph. Noch lebt er. Ottokar! Du hörst die Stimme Rudolphs dich begrüßen, Vergiß, daß sie des Feindes Stimme war. Ist Hülfe möglich»och, sie soll dir werden. O t t o k a r. Hab' Dank— mein Tod ist nah'— d och rühmlos nicht— i56 Rudolph. Sag' an, hast du»och einen Wunsch aufErden? Ottokar. Den Meinen Schonung— Rudolph. Ist nur Siegers Pflicht. O t t o k a r. Das Unglück ehr'. Rudolph. Würd' ich sonst Glück verdienen? Ottokar. Erleicht're ihre Bande— Rudolph. Sie sind frey. O t t o k a r. Schutz gegen Otto's Tücke sey D u ihnen— Daß er den Thron nicht raube— Rudolph. Ruhig sey. Daß Böhmens Herrschaft deinem Sohn verbleibe. Darauf nimm meinen Schwur. O t t o k a r. Dein Wort mir gnügt. i57 Nudolph.' Und meine Tochter geb' ich ihm zum Weibe. Ottokar. Reich' mir die Hand— nun hast dir mich besiegt— Nudolph. Ihr Agnes? O t t o k a r. Meine Tochter! AgneS(sich enischleyernd). Edlpk Herr! Ottokar. Wo ist dein Albrecht? Albrecht. Hier zu Eure» Füßen! Nudolph. Im Kampf ein junger^eu, nun zittert er. Ottokar. Ich fegn'Euch— es verrinnt die letzte Stunde—> Genug—> lebt wohl— nun ist der Tod nicht schwer— (indem er den Pfeii aas der Wunde reisit). Fort!-- ha! Albrecht. Er riß den Pfeil aus seiner Wunde— ,56 Agnes. Mein Vater! Gott! erstirbt! Rudolph. Er ist nicht mehr!—- O weine nicht, daß er den Tod gefunden. Der ihn dem düstern Kerker nur entrückt; Er fiel besiegt, doch hat er überwunden. Da nun sein hoher Gerst frey um sich blickt. Geschmiedet an der Herrschsucht glänzende Kette, Verzehrt' ihn selbst ihr schnell berauschendes G-fl; Und wenn Europa ihm gehuldigt hätte, Er wäre dürstend über's Meer geschifft. Ihm sollte Ruhm sein Volk,'nicht Glück verdanken; Er wer ein Held, ein hochbegabter Mann Und doch— bedauert ihn— er gleicht dem Kranken, Der seinen Fieberdurst nie loschen kann— Der schmachtend stirbt— ihn deckt ein kleiner Hügel— Zur Spanne Landes wird sem Eigenthum.— O Sohns! schaut in diesen Fürstenspiegel! Nur Völkergluck ist wahrer Fürsten-Ruhm! D es Haffes und der Liebe Rache. Schauspiel aus dem spanischen Kriege in fünf Acten. Personen Dom Pard», Grand PS» Spanien, ein Greis auf seinen Gütern lekend Julie. Philipp. Dom Gaspar» Truxillos, Dom Pardo's Neffe. Giacsmo, Dom Pardo's aller Gärtner. ».Heim,, v. Riiding,^ Peter, Helm's Reitknecht. Der Wirth einer Polada. Die Wirthinn. Deren Sohn. Einige Soldaten. Erster Act. Wirlh?stubr in dsrPosaoa. Erste Scene. Der Wirth(tritt r!», dann) die Wirthin». Wirth. d^im istderTeufel wieder los. Dorf nndHaus voll Franzosen!— Ha! wenn eine Pulver- mine unter meiner Pssada läge, springen sollte sie, und flogen mir alle mit in die Luft. Ruhig Alter! Besonnenheit! eine Wolke von Heuschrecken vertilgt Man nicht; aber die Einzelnen zertreten, das kann jeder, dem kein Podagra in den Füßen sitzt. Man muß sich vorbereiten. i6s Gott wird helfen. Vor allen Dingen die Thür verriegelt;(er thut tS) denn Waffen wittert dieses Voll und wenn sie gleich den Trüffeln unter der Erde lägen(.-ohn aus einem Schranke zwtyDolcht). Kommt hervor/ ihr alten Freunde! wir haben seit dem letzten Stiergefechte uns nicht gesehen. Nun will ich den Rost euch abschleife»(er thu« es). Doch seyd ihr dieß Mahl nicht bestimmt/ das edle Blut eines andalusi- schen Stiers zu trinke:«,(es wirr an die Thür geklopft). Werd»? Frau. Ich bin's. Wirth. Kommst du allein? Frau. Ja. >W irth(macht auf). Zweyte Seen c. Wirth(und) seine Frau. Frau. Warum hast du dich eingrtichelt? Wirth(auf die Dolche zeigend). Weil ich mit guten Freunden ein Wörtchen insgeheim zu sprechen hatte. Frau. Den einen gibst dn mir? ;63 Wirth. Das versteht sich. Du bist noch immer ein hübsches Weib. Da, nimm. Im Schnürleib kannst du ihn verbergen, und wenn dir von den lüsterne» Buden einer zu nahe kommt, so triff ihn gut. Frau. Verlaß dich d'rauf. Mitten ausdcm Herzen will ich das heiße Mut ihm zapchm. Wirth. Was wir neulich aus der Plünderung gerettet, hast du doch verborgen? Fra u. lliid verscharrt. Wirth. Haben die neuen Gaste im Dorfe schon nach ihrer Art gehauSt? Frau. Leider ja! draußen hangen schon zwey Spanier am Baume, die ihr letztes Brot verläugnet hatten. Wirth. Heiliger Jacob! du schläfst auch gar zu lange. Frau. Wie wird DomPardo, unser alter Herr, bey den Gräusln sich geberdeu! Wirth. Knircschenwird deralteMann und die zitternden Fäuste ballen. Seit dem Tode seines Sohnes lebt er nur in Haß und Schmerz. Du hast den Mief doch hinauf gespickt? Fra u. Schon diesen Morgen in aller Frühe. Ach! wen» nur unser Sohn nicht auch ein Opfer 164 seiner Kühnheit wird! Gestern Abend hatte er schon zurück seyn können. Wirth. Hat^r drey Feinde zur Hölle gesandt, und wird vom vierten erschlage»/ so spreche ich: in Gottes Nahmen! Frau. Ertappen sie ihn aber als Spion? Wirth. Schweig! ich kann das verdammte Wort nicht leide»/ wenn ein Mensch damit gemeint nst, der seinem Vaterlands in gerechter Sache dient. Wenn ich dem Wild nachspüre, das mein Feld verwüstet, bin ich deßhalb ein Spion? Dritte Scene. Vorige. TruxilloS. Truxillos. Guten Morgen, Kinder. Wirth. Ey, sieh da! willkommen edler Herr! wollt Ihr die saub're Wirthschaft in der Nähe schauen? Truxillos. Das lockt mich nicht vom Schloß herab. Ich bin erst in der Nacht von meinem Zuge heimgekehrt, habe den alten Oheim noch nicht ein Mahl gesprochen. ,65 Frau. Er ist wohlauf. Trnxillos. So hör' ich. Fra». Und auch das edle Frkiusein. Wirth Mau war i» Sorge» um Euch. Truxillos. Auch das Fräulein? Fra». Dte ist sostckl, so heimlich— Trurillos. Beyde schliefen noch/ als ihr den Brief hinauf gesanot. Wo habt ihr den Brief her? Wirth. Ein durchziehenderMauleseltreibcr gab ihn mir. Er wäre/ sprach er/ von einem alten Herrn, der nicht weit von hier wohnen soll. Truxillos. Ganz recht/ von einem alten Freunde meines Oheims. Wirth. Die Posten waren jetzt überall gesperrt/ da habe er es auf diese Art versuchen wollen. Freylich werde der Brief wohl alt geworden seyn; denn der Maulescltreiber hat der Knul; der Quer durch's Land ziehen müssen/ um den fremden Schnapphähnen zu entgehen. TruxiIlos. Solltet ihr auf ähnliche Weise künftig mehrere Briefe empfangen/ so schickt sie nicht hinauf; verwahrt sie, ich will von Zeit zu Zert schon lecker nachfragen. W i r t h. Sehr wohl. i66 TruxilloS. ES sind bisweilen Nachrichten/ kie den Alten erschüttern könnten.—Mail muß behütest;,!! seyn. Wirt h. Las ist löblich. Truxillos. Erzählte- er Mauleseltrciber- euch sonst nichts neues? Wirth. Genug von des Feindes Wüthen im Lande. Truxillos. Nichts von meinem verstorbenen Vetter? W irth. Den hat er nicht gekannt. Truxillos. Hat er auch nicht sagen hören/ daß mein Vetter vielleicht noch lebe? Wirth(unb) Wirthinn(hastig). Spricht man so? Truxillos. Nicht doch; ich meinte nur» In unsern Zeiten gibt eS bisweilen sonderbare Gerüchte. Wirth. O ja. Truxillos. Aber todt ist erleidet/(hex Seite), und soll es bleiben. Frau. Der brave/ junge Herr! Truxillos. Gehabt euch wohl. Von dem Briefe braucht ihr nicht zu sprechen/Hort ihr?(ab)» Vierte Scene. Wirth(und) Wirthinn. Frau. Ey/ warum denn nicht? Wirrh. Curios. Der Herr ist doch ein Edelmann, und ich bin nur ein Bauer, aber wenn ich so vor ihm stehe, und sein Auge fassen will, so schielt er nach allen Seiten. Frau. Ja, sein Vetter, der war freylich von ganz anderm Schlags. Fünfte Scene.- Die Vorigen. Peter. Peter. He da, Wirthschaft.' Tausend bomben Knall Sapperment! Wo sind die Schafe? wo sind die Hühner? wo ist der Wein? Wirth(betrachtet ihn vom Kopf bis zu d«» Nllen.- Pause). Wo sind die Piaster? Peter. Herr, was will er damit sagen? warum stichelt er? Blitz, Hagel und Vrand- -aleten! weiß er, daß ich keinen rothen Heller in der Tasche habe? Darum ist doch das ga,ue Haus mein.'" ,68 Wirth. So? Peter. Die Hühner, die Gänse, die Schafe, die Skhw ie. Wirth S»? Peter. Alle Fla,.n Keller/ wenn sie voll sind. Wirth. So? Peter. Und sei,, Geld/ wenn er welches hat. Wirth. Weiter nichts? Peter. Und femeFrau, wenn sie hübsch ist. Wirth. Hör'er, mein Freund! es ist sein Glück, daß er ein Narr ist, sonst schlug' ich ihn todt. Peter. Was? todt? was will er damit sagen? meint er, ich wäre nach Spanien gekommen, um mich todtschlagen zu lassen? Potz alle Hagel! ist'» etwa nicht genug, das; man überall mir Ohl statt Butter gibt, und Kastanien statt Kartoffeln? Meint er, daß wäre mir bey der Wiege vorgesungen worden? Ach Gott! wenn:ch noch an meine Wiege denke! an die M,!ch, an den Brey, an die Ruhe wie sie mir die schönsten Opern- Arten vorsangen, damit ich nur einschlafen mochte.— Ach! es gibt doch kein süßeres Leben auf der Welt, als in einer Wiege zu essen, zu schlafen und zu schreyen. Wirth. Nun, so lege er sich wieder hinein, Peter. Mein Freund, das versteht er nicht. Jedes Ding hat seine Zeit. Ich liege allerdings auch setzt in einer Wiege, in der Wiege des Ruhms. Ich habe Spanien erobert. Wirth. Er? Peter. Na, wer denn? Ich bin freylich nur einer, aber bey der ganzen Annee ist jeder doch nur einer, und folglich, wenn einer nicht. Ware, so gab' es am Ende gar leinen. Versteht er mich? Wirth. Nnn. Peter. Das macht, weil«r dumm ist. Aber ich liebe die dummen Leute, wie große Herren pflegen. Topp! wenn er alles hergibt, so nehm' ich ihn in Protektion. Wirth. Hier, mein Freund, ist nichts mehr herzugeben. Mir haben sie schon alles genommen. Peter. Ach so sprechen sie alle. Wirth. Jst's denn gelogen? KstzMlk's Th, 4L. Bo. H 170 Peter, Da kam ich gestern noch zu einem -Lauer, der sang auch das alte Lied. Aber ich war nicht faul, durchkroch alle Winkel, und fand eine Ziege, dir noch ein Paar Tropfen Milch gab. Gleich meldet sich-in armes Weib mit einem winzigen Änablein und bittet Fimmel» hoch, ich soll ihr die Ziege lassen, das Knablein müsse sonst verhungern. Wirth. Und er? Peter. Tausend Sapperment! ich schlug die Ziege todt und ließ sie braten. Wirth(greift nach dem Dolche). Da soll ihn ja der Teufel— Peter(halt ihn,-i» Bildchen vor). Seht da, ein hübsches Bildchen vom heiligen Jacob, das hab' ich auch erbeutet. Wirth(prallt zurück und kreuhigt sich- bey Seite). Sein Schutzengel. Peter. Aber ich bin generös, ich will's ihm schenken. Wirth. Er soll dafür ein Paar Schurkenstreiche zu gute haben. Peter. Nehm' er sich in Acht. Wenn ich ihm sein Maul nicht mit Bley stopft» soll, so stopfe er mir das meinige mit Brot. Mein Herr i7' wird gleich hier seyn. Da heißt's aufgeschüs- selt. Wirth. Wer ist denn sein Herr? Peter. Sapperment! der Major von Helm, der in der Schlacht bey Talavera den Ausschlag gab, weil er den feindlichen linken Flügel mit zwanzig Mann tournirte. Wirth. Mein Freund,-r schreibt wohl die Zeitung im Lager? Peter- Ich sage ihm, wenn mein Herr nicht das Fieber bekommen hätte, wir waren schon in Lissabon, und hatten den Leoparden in's Meer gejagt. Wirth, Hat er das gelbe Fieber? Peter. Ich weiß nicht, von welcher Farbe -ö ist; ich glaube, er hat das weiße, denn an Fiebertagen sieht er verdammt bleich aus. Aber heute ist sein guter Tag, heute ist er frisch und munter, und das war sein Glück; denn nicht weit von hier wurde» wir von Banditen überfallen. Ich stieg auf den nächsten Baum, und hatte meine Freude daran, wie tapfer mein Herr sich wehrte. Am Ende hätte es doch noch übel ablaufen können, wenn nicht plötzlich sins Patrouille dazu gekommen wäre— heisa! H 2 kuter Deutsche! da liefen die Buschklepper davon. Wirth. Sie werden schon wieder kommen. Fran tt-m). Sollte unser Sancho dabey gewesen seyn? Wirth. Stille! Peter. Nachdem ich meinen Herrn auf solche Weift errettet hatte-- denn ich war der erste, der die Patrouille sah-- so eilt' ich voraus, um ihn zu melden. Nun, mein dicker Freund, mach' er Anstalten. Die Tdpfs an'S Feuer, Wein auf den Lisch! Denn an den Tagen, wo das Fieber ausbleibt, hat mein Herr einen trefflichen Appetit, und die Patrouille bringt auch ihre trockenen Gurgeln mit. LL ir tch, TLpfe und Flaschen so viel euch beliebt, aber nichts darin, das will ich eurem Herrn sagen, damit er sich gar nicht herein bemüht(ab), Peter. Sr wird sich doch hereinbemühe», und die gan^e Patrouille ol-endiem. Frau. Wir sind arme Leute, wir haben nichts. Beter. Ey sieh da, nun werde ich meine, hübsche Wirthinn erst gewghr. iyZ Frau. Der Herr beklebt zu spaßen. Vor zwanzig Jahren war ich hübsch. Peter. I n», eine gute Winterfrucht ist auch nicht zu verachten. Der braune Kohl halt sich am besten unter dem Schnee. Der Soldat im Felde nimmt vorlieb. Findet er die jungen Tauben nicht mehr im Neste, so greift er nach einer alten. Frau. Die davon fliegt(will.sehen). Peter. Halt! halt! tausend Element! nicht von der Stelle. Ich bin ein Zugvogel, ein Kramtsvogel; ich seh' unterwegs einen Baum der noch rothe Beeren trägt, ich lasse mich nieder, picke die Beeren und flattere weiter. Frau. lind hinter der Hecke steht ein Schütze: Paff! da liegt der Kramtsvogel. Peter. Alle Hagel! wie sie mich erschreckt hat mit ihrem Paff. Hier in Spanien hat niemand das Recht zu paffen, außer wir. Sie meint wohl, ich fürchte mich vor ihrem Paff? da kommt sie an den rechten. Ich will ihr sogleich beweisen—(will sie umarmen). Frau(zieht den Deich). Drey Schritts VSM Leibe! »74 Peter(proltt jurück)- Was?— ist das ihr Ernst? Frau. Das soll er wohl in seinen Nibben fühlen. Peter. Ne, da lob' ich mir die hübschen Weiber in Deutschland, wenn man da auch einmahl übel ankommt, so setzt es höchstens eine Ohrfeige, es geht nicht gleich auf,Leben und Tod. Sechste Scene. Vorige. Helm. Rüding. Der Wirth. Helm. Noch einmahl dank ich dir, mein FtrU'iiv iinv Landsmann. Rüding. Wofür? daß mich der Zufall des Weges führte, den du zogst? Helm. Du hast mir das Leben gerettet. Rüding. Nun ja, daS freut mich, aber Verdienst war nicht dabey. Es kam ja nicht einmahl zu einer ordentlichen Balgerey, die Schur« ken liefen gleich davon. Helm. Aber der eine! der die Pistole auf dich abschoß; die Kugel pfiff dir nah' am Ohr vorbey. Rüding. Dem hab' ich meine flinkenBur« sche nachgeschickt, ich hoffe, den werden sie mir bringen. F r a u(leise). Horst du's? wenn nur nicht— Wirth(leise). Halts Maul; ich bin ohnehin ärgerlich, daß keiner von der Rotte auf dem Platze geblieben. Rüding. Man sieht es dir an, HerrBru- der, daß du das Fieber gehabt hast. Helm. Ach, ich hab' eS noch! Du kannst leicht denken, daß ich sonst mein Regiment nicht würde verlassen haben. Rüding. Nun ein Glas Wein auf den Schrecken. Helm. Herr Wirth, eins Flasche von seinem besten Wein. Wirth. Ich Habs weder guten noch schlechten Wein. ES sind ja schon so viele durstige Kehlen hier durchgezogen— Helm. Für einen Kranken wird sich immer noch ein Labetrunk finden. Wirth. Was iin Keller lag, ist ausge- trunken, und was die Herren nicht trinken kont?» ay6 ten, das ließen sie laufen. Selbst der Wein am Stocke wurde nicht verschont, denn in meinem Weinberge haben die Chasseurs bivouaguirt, die Reben auSgerissen, und ein hübsches Feuer- Gen davon gemacht. Hahaha! es brannte recht lustig. Wie gefallt euch das? Helm. Jetzt bitte ich euch. Ihr seht, ich bedarf der Erqurckung. Wirth. Als ob ich nicht auch gebethen hätte l' Fußfällig habe ich gebethen: raubt mir doch zum mindesten die Hoffnung vieler Jahre nicht. Helm. Ich verlange nicht-s umsonst, ich werde euch gut bezahlen. Wirth. Mit spanischem Gelde, mchtwahr? Rüding. Herr Bruder, ich sehe wohl, du hast die Sprache noch nicht gelernt, die man hier zu Lande führen muß.— Herr Wirth, ihn soll der Teufel hohlen, wenn er nicht in fünf Minuten Wein herbey schafft. Wirth. Nu, nu— Rüding. Draußen vor seiner Thür steht e-in Baum, ein hübscher, großer Baum; hat er Lust daran zu hängend meine Bursche Habey noch Stricke. Wirth. Nu, nu, ich gehe schon.—Wenn ich nur Gift hätte/ ich wollte euch den Trunk schon würzen(ab). Rüdlng. Und sie, Frau Wirthinn, was bekommen wir zum Frühstück? Frau. Wenn dieHerren etwas mitgebracht haben, so will ich eS wohl zurichte». I», Hause ist keine Zwiebel mehr. Helm. Ein Paar Eyer werden sich wohl »och sinken. Frau. Wo keine Hühner mehr sind, da gibt'ö auch keine Eyer. Helm. Für Geld und gute Worte. Frau. Das kennt man schon. Aber wenn ihr auch einen Piaster für jedes Ey mir bezahlter, morgen kommt ein anderer, nimmt's mir wieder weg. Nüding(drohend). Weib! Peter. Horch! da gackert eine Henne. Helm. Geh Peter. Du verstehst dich auf's Eyersuchen. Peter- Zeigt mir eure Nester, oder ich drehe allen euren Hühnern die Halse um. Frau(!,.'» Seite). VerdammtesVolk! wen» man unsere Seelen essen könnte, sie wären längst gekocht und gebraten(ab mit Peter).. Siebente Scene. Helm. Nüding. Nüding. Nun, Herr Bruder/ wir haben seit derSchlacht beyTalavera uns nicht gesehen; wie ist's dir ergangen? Helm. Vermuthlich gerade wie dir. Mar« schiren/ hungern, fechten, plündern, und jeden Augenblick in Gefahr schweben, das Opfer einer gerechten Rache zu werden, das ist ja wohl so ziemlich unser aller Lebenölauf. Nüding. Ich merke wohl, du hast noch immer die alte trübe Laune; aber die brachtest du schon mit nach Spanien. Helm. Ja, ich kam alS ein Unglücklicher! Zerstreuung suchte ich; konnte ich sie finden in dem Jammer dieses Volkes? Nüding. Warst du nicht krank, ich würde dich auslachen. Ein junger Mann mit allen Ansprüchen auf Ehre und Lebensgenuß, der Gatte einer schönen, reichen Frau— Helm. Da berührst du gerade die schmerzhafte Wunde. Weißt du, was diese schöne, reiche Frau mir kostet? Nüding. Das einsplbige Wölkchen Ja. r?9 Helm. Und mit ihm meine Ruhe, mein Glück. Rüdi i! g. Du wurdhsi damahls von vielen beneidet. Helm. O freylich! Schönheit und Geld blenden die Menge. Rüding. Mich dünkt! ich hörte auch den Geist deiner Gattinn rühmen. Helm. O gewiß! sie besaß so viel schönen Geist, daß mich die bösen Geister ergriffen. Sie war eine getreue Nachbethecinn der nettesten poetischen und philosophischen Schule, das Nibelungen- Lied mußte sie auswendig.-— Arme, betrogene Männer! die ihr das Glück der Ehe bey den sogenannten geistreichen Frauen zu finden wähnt- Die Zier- Plumen riechen selten, die Prunk-Möbeln sind nicht bequem. Ein teeueS Herz, gesunde Vernunft, ein zartes Gefühl— wor mehr von seinerFrau begehrt, der ist ein eitler Thor, will nur vor den Leuten mit ihr prunken, hat sich ei» Haus voll Gastzimmer gebaut, und die Wohnstube vergessen., Rüding. Warum sprichst du immer vo» deiner Frau: sie war? sie hatte? i8o H e l m. Weil sie todt ist. Rüding. Todt? Helm. Ich erfuhr es vor kurzem..' Sie starb in den ersten Wochen an einer poetischen Vorlesung, die sie nicht versäumen wollte. Rüding. Du bist sie los und d.ch nicht froh? Helm. Ach! diese Verbindung war auf ewig das Grab meiner Ruhe. Ich liebte damahls Julien von Wcrra. Hast du sie gekannt? Rüding. Nein. Helm. Sie wollte auch nur von Wenigen gekannt seyn. Alle gafften nach der hochaufgeschossenen Kaiserkrone, wenige bemerkten das Weilchen im Grase. Rüding. Aber du— Helm. Ich liebte sie still und herzlich, und wurde von ihr geliebt. Aber sie war eine arme Waise und ich hatte nur meinen kargen Gehalt. Mein Vater führte mir die reiche Erbinn zu, und ich war schwach genug z» gehorchen. Rüding. Wohlan, jetzt bist du Witwer, so folge deinem Herzen. Helm. Ach! Julie ist verschwunden. Rüding. Verschwunden? r8i » Helm. Noch ehe die unselige Verbindung vollzogen wurde, reizte sie zu einer entfernten Vermandinn nach Rußland. Rüding. Nun, Rußland liegt ja auch nicht außer der Welt. Helm. Meinst du, ich hätte nicht Trkunbi- gungsii von ihr eingezogen? Ihre Verwandte starb, sie blieb verlassen; doch hatte sie in dem Hause der Verstorbenen Gelegenheit gefunden, mehrere angesehene Bekanntschaften zu machen, und wer sie kannte, liebte sie. Fast alle bothen ihr eine Freystact an; ei-, russischer Fürst in Moskau; eine schwedische Dame in Stockholm; ein fremder Gesandter bey seiner Tochrer. Welchen von diesen Vorschlägen sie angenommen, habe ich noch nicht erfahre» können. Rüding. Ey du darfst ja nur nach geen- digtem Feldznge nach Rußland reisen. Helm. Das will ich auch. Das ist die ein- zige Hoffnung, an der mein Leben noch zehrt. Ich w ll so lange wandern von La, o zu Land, von Stadt zu Stadt, bis ich sie finde— ach! vielleicht in den Armen eines Ankern. Rüding. Das wäre ein häßlicher Streich. Helm. Könnt' ich's ihr verargen? hab' ich's verdient, daß sie um meinetwillen ihre Jugend verschmachte? Rüding(zuckt die Achse!»). 2l ch t e S c c n?. Vorige. Peter(gleich darauf die) Wirthin»(und) deren Sohn(gebunden). W a ch e. Peter. Sie haben ihn, sie bringen ihn, er hat den Strick schon um den Hals und schneidet arme Sünder-Gesichter. Rüding. Wer? Peter. Den jungen Burschen, der meinen Herrn auf ewig von seinem Fieber curiren wollte, und dernoch zuletzt die Pistole auf Sie abfeuerte. Da ist er. H e l m. Ja, er ist'S. Rüding. Hangt ihn auf. Frau(zu seinen Süsi-n). Gnade! Gnade! «r ist mein Sohn! mein einziger Sohn! Peter. Nix da! hängt ihn auf! Frau. Erbarmt euch einer verzweifelnde« Mutter! i65 Wirth(schleudert sie s-rt'. Weib! Ivas thust du? Erniedrigung vor unsern Henkern? nimmermehr! der Bursche hat seine Pflicht gethan. Helnu Seine Pflicht? Wirth. IaHerr. Das Vaterland von solchen Gasten zu befveycn, ist jedes ehrlichen Mannes Pflicht, Geliugts ihru nicht—Gott nimmt den Willen für die That, und wird im Paradiese ihm vergelten. Er fahre hm! Nüding. Du redest dich selbst mit um den Hals. Wirth. Immerhin(greift nach den, Dolche). Ungeroche» sterb' ich nicht. Nudi«g. Hängt ihn auf! Per er. Marsch! hangt ihn auf. Helm. Halt! ich bitte für thu. Nüding. Du selbst, Herr Bruder? Helm. llin meinetwillen soll niemand sterben liege). Freund, ich Habs i» Gefechten des unschuldigen PluteS genug» rgossen; das geschah für fremde Herrschsucht, und sie mag's verantworte,,; aber um meinetwillen soll man das nicht strafen, was ich selbst vielleicht an deS Burschen Stelle verübt haben würde; Senn wer Meinem Volke Ketten bringt, der ist mir vogsl- frey. Ich bitte dich, laß ihn leben. Rüding. Nuil meinetwegen(ju der Wr- che). Laßt ihn los. Peter, Jammerschade. Frau(doakdar geklchM.) O Herr!— Wirth ki°i»>g). Keine Erniedrigung! Frau. Ich bleibe ja Mutter. Peter ljam S°h»). Du bedankst dich nicht eiumahl? Sohn. Wofür? soll ich ritt Sclave seyn, so sterb' ich lieber(ah). Wirth. Recht so! er ist mein Sohn; Komm Frau, er soll uns erzählen(l-ite Indem er d§- Panlomim« dcS k-rdolch-nS macht), waZ gilt s, er hat sein Mittag-brot verdient. Frau. Stille doch um Gotteswilleu! >(Dl-yds ab). Peter. Wenn sie nun nicht trinken auf meine- Herrn Gesundheit, so sind sie keinen Nasenstüber werth(ab). Neunte Scene. Rüding. Helm. Rüding. Freund, ich muß aufbrechen mit r Ach meüien Leuten. Sott ich unter dein Gesinde! dich allein lassen? H e lin. Ich fürchte nichts. Rüding. Deine Großmuth hat diese Menschen nicht verwandelt. Helm. Mag seyn; doch wett' ich kühn, mich ermorden sie nun nicht. Rüding. Versprich mir wenigsi.-ns Vorsicht. Helm. Vorsicht für mein Leben? Rüdiiig. Es gehört dem Staate. Helm. Nun ja, ich versprech' es dir. Nüding. Bleib' nicht über Nacht in die- - sein Hause. Helm. Wenn ich ein anderes Unterkommen finde, Rudi n g. Ich hab' in der Nahe ein Kloster gesehen. Helm. Zn Klöstern lauern oft unsere ärgsten Feinde. Rüding. Mein Regiment steht nur eine Meile von hier, es rückt heute vor. Im schlimmsten Falle komm' zu uns. Helm. Nun ja. Rüding. Auf Wiederseh'n!(will gehen)* i86 Helm. Noch eins, Herr Bruder. Es ,'.n's möglich, daß mein Fieber oder sonst ein Zufall mir em Grab dießseitS der Pyrenäen bereitet hatte; es wäre auch möglich, daß du irgend wo meine Julie fandest. Wenn der Himmel das so fügen sollte, so erzähl' ihr unser letztes Gespräch, sag' ihr. du habest gesehen, daß mich die Reue heftiger Aegualt, als das Fieber. Nur wen» sie mir verziehe, würde ich Ruhe im Grabe finden. Rüding. Verschettthe die Echwsrmuth. Dem braven Soldaten geht oft ein Glücksstern auf mitten in dunkler Nacht. Ich meine, wir werde!, einst noch am Ufer des Neckars von unsern Fcldzügen schwatzen, und deine Julie wird uns freundlich zuhorchen. Leb' wohl!(ab). Zehnte Scene. H-e l M(ihm iiachsckend). Auf ewig!— Es mag ein leichtes Fieber seyn, das in meinen Adern schleicht, aber wo die Seele dem Arzt entgegen arbeitet, da wird jede Arzney zu Gift.— G i l f t c Scene. Helm. Peter. Peter. Herr, wenn ich an Ihrer Stelle wäre, so wäre ich zwar Major; aber ich bliebe doch keine Stunde in dieser verfluchten Posada. Der Wirth schaut mich an, als ob er mich braten wollte, und sein Sohn, als ob er mich fressen mochte, sobald ich gebraten wäre. Ich sage Ihnen, es ist eine verfluchte Familie! eS führt ein jeder seinen Dolch mit sich, wie unser einer einen Zahnstocher. H e l m. Feige Memme! Peter. So? was ist denn im Grunde eine feige Memme? ein gescheider Kerl, der weiter sieht, als seine Nase riecht, der nicht unter die Bäume tritt, wenn das Gewitter nahe ist. Helm. Und der den Kopf in die Bette« steckt, wenn es auch nur wetterleuchtet. Zwölfte Scene. Vorige. Die Wirthinn. Frau. Herr, ich bring euch meine letzten "»63 Eyer und noch ein Flaschchen Wein./ das wohl versteckt war. Doch ihr habt an meinem S ohne Barmherzigkeit geübt, das soll die Mutter euch nicht vergessen. H e l m. Nun Peter? Peter. Sehen Sie sich vor, die Eyer sind vergiftet. Helm. Durch die Schale? Peter. Sie gebe» hier zu Lande den Hühnern schon das Gift' eui, damit sie solche Eyer legen. H e l m. Und der Wein? Peter eVljiia toHna. Helm(schenkt ein MI) trinkt). Auf bessere Zeiten! Frau. Die geb' uns Gott! Es freut mich, Herr, daß ihr Vertrauen s" mir habt. Alle, die zeither bey uns eingesprochen, begehrten, daß wir den Wem credenzen sollten. Nun ich will es auch an euch verdienen, denn ihr habt an meinem Sohn Barmherzigkeit geübt. So will ich denn frey heraussagen: bleibt nicht über Nacht hier im Dorfe. P e t er. Da haben wir's! Frau. Der L mo ist abgezogen, ihr seyd i8g allein/ zwar in meinem Hause wird euch kein Lc de-, geschehen. Mein?lkter ist wild/ hat aber doch das Heauf dem rechten Flecke. Im Dorfe hinge-:i— die Vater, deren Söhne draußen an den Baume,, hängen, die heulen und knirrschen— die würden in der Nacht die ganze Posada in Brand stecken/ um nur euch heraus zu hohlen. Perer. Alle Hügel! ich rieche schon den Rauch. Helm. Habt Dank! gute Frau. Durch meine Gegenwart soll euer Haus nicht mit Verbrechen besudelt werden. Aber ich bin krank. Einen weiten Weg kann ich heute nicht mehr zurück legen. Sagt mir an: wo find' ich eine Frepstatt in der Nahe?- Frau. Einen Büchsenschuß von hier liegt ein Kloster, sie haben ein Fazarery daraus gemacht; dahin rath' ich nicht, es ist schon überfüllt. Doch wenn ihr vom Kloster euch rechter Hand wendet, und dann wieder links den Weg eurch daS einsame Thal, so seht ihr auf einem Hügel ein hübsches Schloß, da wohnt Dom Pardo, ein bra»ec alterHerr, nur freylich auch ^>» Franzosen-.Freund; doch bey ihm lebt ein. '9° holdes Fräulein, schön, wie die Madonna in unserer Kirche, und fromm und wohlthätig; wir meinen alle. sie werde nach ihrem Tode Wunder thun. Wenn die sich eurer annimmt, so seyd ihr geborgen. Helm. Wohlan, ich will dahin. Peter, geh' voran und melde mich. Peter. So'l erst rechts, dann links und wieder rechts; schicken Sie mich lieber in die Holle. Helm. Könnt ihr mir einen Wegweiser geben? Frau. Mein Sohn soll euch führen teuft M Thue hinauf. He! Sancho! Komm herein. Drey zehnte Scene. Vorige. Der Wirth. Der Sohn. Wirth. Was sell's? Fran. Der Herr will nach dem Schlosse Pardo. Sancho soll ihm den Weg zeigen. Wirth. Zn GotteS Nahmen! wenn er dem Burschen traut. """" zo 1 Helm. WieZllter? ich habe ihm das Leben gerettet. Wirth. Sein Leben ist kein Maravedi werth, so lange ihr auf spanischem Boden steht. Helm. Sprich selbst, Bursche, wirst du Mich sicher geleiten. Sohn. Wenn ich muß. Helm. 24 will schon sorgen, daß du mussr. Geh voran!(zieht die Pistole). Sohn(murmelt und geh,.) Helm. Gehabt euch wohl! wenn ihr auch mir flucht, so begeht ihr eine Sunde(ab). Wirth. ZnrHölle wollt'ich fahren, wenn nur mein Fluchen euch alle nach mir zöge(ab). Frau. Er hat an meiuem"Sohn Barmherzigkeit geübt, ich will für ihn bethen(.,b). - sM Zweyter Act» Zimmer auf dem Schlöffe Pardon Er sie Scene. Dom Pardo(allein, sitzt im Sorgenstuhl hiuler einem Tische, vor sich ein aufgeschlagenes Buch). Eine Karavaue i» der Wüste, die Beschreibung ist schauerlich!— Kein Strauch, kein Gras- chen, nichts als Himme! uild Sand, und eine Sonne über dem S cheitel, die nicht S tr ak l e n, sondern Blitze herabschießt. Da lechzen Menschen und Vieh nach crnem Brunnen, erreichen ihn endlich spat am Abend, und— finden ihn ausgetrocknet.—)u! wie starren die hchisn -93 Auge» in das Schlammloch hinab! der Gaumen entzündet sich— das Hirn brennt— die Nagel scharren vergebens im heißen Sande.—Der Unglnckllche wird wahnsinnig(schiäg, das Buch»„). E,n schreckliches Gemählde!— und doch kenne >ch einen Durst, der heftiger foltert—der D u> st nach Rache. Zweyte Scene. Pardo. Julie. ^rulie(ihm eine Tossr Ehecoladk üeingfnd). Tur ren Morgen, lieber Vater. Pardo. Gott segne dich, mein Kind. Julie. Hier ist eure Chocolade. Pardo(ihr di« Wangen streichelnd).. Du hast ste wieder selbst gemacht? Julie. Ey ja wohl. Seit ich es verstehe "ach Landesact, laß ich mir's nicht nehmen. Aber mich dünkt, ihr seyd ei» wenig blaß? Pardo. Kein Wunder. Hab' ich denn ae- lchlafen? Julie. Nicht? Pardo. Keine Stunde von hier stand wie. Kotzebue's Th. 4S. Ad. I '94 der ein Dorf in Flammen, die rothe Gluth schimmerte von meinen Wänden. Wer kann da schlafen? Julis. Ach! Pardo. So oft auf dein Dache die Wind- fahne knarrte, glaubte ich tue Unglücklichen zu hören, die in den Flammen kreischten, ulie. Sollte der Feind— Pardo. Wer sonst?, Julie. Ach! es war so still und friedlich i,r unserm einsamen Thale! Pardo. Sie wußten es zu finden. Nun, die Rache Gottes wird auch sie zu finden wis- ssn!— O daß ich alt und schwach bin! das, ich kein Schwert mehr führen kann, um mein Vaterland und meinen gemordeten Sohn zu rächen!— Julie(bittend). Wir sind Christen. Pardo. Ja, daS sind wir. Aber meinst du, daS Christenthum gebiethe, Bösewichterzu dulden? Räuber zu schonen? Julie. Sind es doch nur blinde Werkzeuge der Herrschsucht eines Einzigen. Pardo. Warum wollen sie blind seyn?— Doch immerhin! kann ich den Frevler selbst -Z5 »icht erreichen, so zsrtrüminere ich sein Werkzeug und thue Recht. O das; nur einer mir in bie Hände siele, nur ein blutiger' Opfer auf kein Grabe meines einzigen Sohnes! Julie. Ich kenn' euch, mein Vater; der -wehrlose würde Schutz hier finden? Pardo. Nein! wahrlich nein!— Weißt du, w a s ich verloren habe? Du kanntest meinen Philipp nicht. In ganz Castillen war kein Jüng- ^"g so schön, so fromm, so tapfer als er. Fort mußte er mit dem tapfern la Romana, weil die berechnende Arglist alle des Vaterlandes tapfere Söhne zu entfernen strebte, um dann ungehindert ihr heilloses Spiel zu treiben. Sie hatte^nch verrechnet. Jeder Spanier wurde Soldat. Doch mein armer Sohn—er fiel im fremde» Lande! ihm wurde nicht das Glück für sein Vaterland zu sterben!— Da sitz ich nun„och Mimer fest im Boden, wie eine alte dürr-Wurzel, aus der kein Sprößling mehr empottreibt.-— Dahin sind meine schönen Entwürfe, wie ich einst den jungen Helden mit dir vereinige,,, in euch wieder aufleben wollte—alle meine Hoffnungen zertrümmert durch den grausamen Muth- I 2 willen eines Unmenschen! und Rache sollte nicht in meinem Herzen glühen? c-zuli e. Vielleicht lebt euer Philipp noch? Pardo(den Kopf schü!l-l»d). Fast zwey Jahre sind verflossen. -'tulie. Alle Wege waren gesperrt, alle Mittheilung gehemmt.^ Pardo. Du weißt, wie unverdrossen ich war, aus jedem Stein einen Hoffnungsfunken .u schlagen- vergebens- vergebens! w-r von ihm gehört, zuckt di- Achsel, und in jedem mitleidigen Blicke lese ich seinen Tod. Julie. Doch hat>hn Niemand st-ro-n Pardo. Weil er einsam, ohne Pfleg-, ohne Priester sterben mußte. O!.. Julie. Wie, wenn euer Neffe doch noch Kunde von ihm brachte? Pardo. Mein Neffe— wo bleibt er? ist er nicht auch unter die Räuber gefallen? Haben sie den lehren meines Stammes mir nicht auch gemordet? Julie. Ihr wißt noch nicht, daß er zurückgekommen? Pardo. Zurück gekommen? Julis. I» dieser Nacht. Pardo. Und hat auch nicht geweckt? odann ist,) vorbey! härte er mir den fernsten Trost gebracht, er wäre um Mitternacht in mein Zimmer gestürmt. Julie. Vielleicht aus Schonung für eure Ruhe— Pardo. Genieße ich denn der Ruhe, seit ich kinderlos bin? Dritte Scene. Vorige. Truxillos. Truxillos. Mein theurer Oheim! gelobt sey Gott, daß ich euer würdiges Antlitz wieder schaue. Pardo. Sey mir willkommen, Gasparo! —-Nun Gasparo? du siehst, wie meine Lippen zittern— TrupilloS. Verzeiht, daß ich nicht schon um eine Stunde früher kam. Ich war in der Eavelle, und ließ eine Messe für euch lesen. Pardo. Gasparo, ich frage nicht— aber «ege deine Hand auf mein Herz. Tr»x illos. O cS hat nie ein edleres Herz geklopft. Mitten unter tausend Gefahren hab'ich nimmer die Pflicht versäumt, für meinen Oheim zu bethen. Kein Bild, k-in.Krentz an der Landstraße bin ich vorüber gegangen, ohne einen frommen Seufzer für eure Wohlfahrt. Pardo. Gasparo, ich kann nicht fragen— mir bleiben, wie durch Kranipf verschlossen, die Worte in der Brust— martce mich länger nicht. TruxilloS(st-ckmd). Was den eigentlichen Zweck meiner Reise betrifft— Pardü. Ich weiß.genug! O mein Philipp! Truxillos. ES ist mir allerdings gelungen, manchen Officier von Romana's Corps zu finden— sie waren mit ihm umgegangen— sie rühmte» seinen Muth, seine Freundlichkeit. O mein edler Vetter! P ard s. Schone nicht, stoß zu. TruxilloS. Endlich fand ich auch einen— der in seinen letzten Augenblicken— Wehmuth hemmt mir die Sprache. Pardo(nach einer Pause). Wo starb er l Lrnxillos. Ohnweit Hamburg in einer Vauerhüite, Pardo. Könnt' ich sie bewohne», bis mein Auge bricht. Trurillos. Mit frommer Ergebung schied er von der Welt. Nur der Gedanke an seinen alten Vater wollte ihm den Tod erschweren — aber Plötzlich schwebte ein himmlisches Lächeln um den bleichen Mund— guter Vetter, du gedachtest meiner!—„Ich hinterlasse dennoch meinem Vater einen zärtlichen Sohn!" so stammelte er und verschied. Julie. Last ab! Ihr seht— Pardo. Nein, nein, ich habe noch Kraft — ich brauche sie noch für die Rache!— täglich sollst du mir erzählen, täglich mir auf's neue den Pfeil in's Herz bohren, und nur, wenn meines Sohnes Tod gerochen ist, will ich ihn herausreissen und sterben. Truxilloö. Ich darf»uch rühmen, theurer Oheim, daß ich dem Schatten eures Sohnes schon mehr als ein blutiges Opfer gebracht. Pardo. Hast du? TrnxilloS. Eines Abends in der Dämmerung folgt'ich von ferne einem Trupp Franzosen. Einer blieb zurück, trat in die kleine Eapclle h„i den Dolch in den Rücken. Julie(schaudernd). Ha! Pardo. Es war grausam— aber recht. Trupillos. Zwey Nachzügler wurden ergriffen im Dorfe; der schwache Pfarrer fristete ihr Leben durch seine Bitten; man wollte ste gebunden nach Sevilta liefern; aber ich trat unter da» Vvlk, erhitzte dieGemüther und beyde wurden aufgeknüpft. Julie. Wie, Dom TruxilloS, ihr mögt euch solcher Thaten rühmen? Trupilloö. Ja, schönes Fräulein, ich rühme mich ihrer, noch mehr, ich hoffe den Lohn zu ernte». Hundert Mahl hab' ich mein Leben in die Schanze geschlagen, um meines OheimS Befehle zu erfülle», meines Vaterlandes Schmach und seines Sohnes Tod zu rach-m; nun darf ich dreist an sein Wort ihn mahnen;„Wenn du heimkehrst," sprach er zu mir:„wenn Philipps Tod nicht mehr bezweifelt werden kann, so sollst d u mein Sohn und Julie deine Gattinn werden." Pardo. Ich halte Wort. Julie. Nlmmermehr!— Ihr seyd mein """> 201 Vo.-lthater, mein Vater— heischt mein Lehen, und ich opfere es willig— aber diesem Manne meine Hand reichen kaue; ich n i e! werd' ich nie! Truxillos. Fräulein! ^ Julie. Verzeiht mir, Dom Tnmilos, -pr mögt große Verdienste haben— das größte >n nie in cn Augen, wenn ihr diesen Greis als Vater ehrt— dann erkenn' ich euch für meinen Bruder, dann will ich schwesterlich ri.it euch d>e schöne Sorge theilen, mehr aber fordert nicht von mir. ^ruxillos. Eure Gründe<— Jnlre. Sucht sie in der Capelle, wo der Franzose für seine Mutter bethete. Trurillos. Eine Fremde, eine Waise, die der Großmnth meines Oheims— Pardo. Halt Gasparo! Julie. Laßt ihn ausreden: Die eurer Großmnth eine Freystakt verdankt. O fa, das weiß ich, und jeden Morgen in Meinem Gebethe Hort eS Gott von mir. Wenn aber auch das harte LooS mich treffen sollte, meinen zweyten Vater zu verlieren, und wenn ich über die Pyrenäen in die Heimath mich betteln müßte, so zahlt doch sicher darauf: nie werd' ich eure Gattinn! Truxillos. Die Ehrfurcht vor meinem Oheim verbiethet mir euch zu antworten, wie eS dem Stolze eines Castiliers geziemt; erin- nert euch aber bisweilen, daß in diesem Lande die Leidenschaften glühender sind, als in einem kalten Morden; vor allen zwey: Liebe und Rache!(ab). Vierte Scene. Pardo. Julie. Pard o. Julie! warum zerstörst du so muth- willig seine-- und auch me i n s Hoffnung'! Julie. Muthwillig?— Es war die Bedingung, unter der ich eurem Bruder nach Spanien folgte, daß er mir nie einen Gatten aufdringen sollte. Pard o. Ich weiß, und ich erneuerte das Versprechen nach seinem Tode. Will ich denn meinen Neffen dir aufdringen? Es ist wen» Wunsch am Rande meines Grabes, damit ihr nicht als scheelsehende Erben meine Guter theilt. 2o3 Julie. Er behalte eure Güter. Nur auf eure Liebe bin ich eifersüchtig. Pard o. Du sollst nie Mangel leide»/ aber bedenke, wenn ich scheide, so stehst du allein, eine verpflanzte Blume, die sich mit ihren zarten Wurzeln im fremden Boden nicht ein saugen will. Julis. Ey nun, so möge sie verwelken. Pardo. Hast du Widerwillen gegen die Ehe, oder nur gegen diesen Mann? Julie. Guter Vater! Pardo. Würdest du auch meinen Sohn verworfen haben? Julie. Ich denke nein. Er war edel und euer Sohn. Ich würde mein ganzes Herz ihm aufgeschlossen haben, und wenn er dennoch geglaubt hatte, daß ich sein Glück zu machen fähig sey— Pardo. Mir willst du dein Herz nicht ausschließen? Julie. Ware ich eurer Liebe würdig, wenn ich dessen mich weigerte? Pardo. Doch thatest du es nie. Julie. Ihr gebothet es nie. Pardo. Darf man dergleichen gebiethen? 2»4 JlUie. Ein leiser W.nk hält« mir den Mun»! geöffnet. Prrds. Erwartest du den auch nech ielU? Julie. Nein,-nein Vater. Ihr wllt alles wissen. Ich habe geliebt in»'einem Vaterlande, in meiner zarten Jugend, ich liebe noch. Der Mann, dem ich aller war, hat mich verlassen, mußte mich verlassen. Unsere Armuth— sein Ehrgeitz— seiner Älter» Wille— er verband sich mit einer reichen Erbin». Ich steh zu einer Verwandte» nach Petersburg. Tort lernt' ich eure» Bruder, den edle» Greis kenne». Meine Muhme starb und er wurde zu gleicher Zeit von seinem GesanLtschaftvposten abgerufen. Da schlug er nur vor, ihn zu begleiten, dieSchwe- ster seiner Tochter zu werden. Er hatte mir langst freundliche Achtung eingeflößt, und mich trieb eine innere Unruhe so fern als möglich von der Heimatb. Ich folgte ihm— er starb-- und ich fand in euch ihn wieder. Pardo. Auf seinem Todbette legte er dich an mein Herz. Dessen bed'urfk' es nicht. Damahls hatte ich»och einen Sohn, jetzt bist du mein einziges Kmd.— Du hast mir dein Herz geöffnet, doch muß ich von neuem fragen: warm« 2o5 willst du mir in meinem Neffen nicht einen Eidam schenken?— Du hast geliebt, du wurdest verlassen— Julie. Und liebe noch. Pacdo. Den Unwürdigen? Julie. Ich weiß, was es ihm gekostet, Mir zu entsagen, mein Herz entschuldigt ihn. Pardo. So ist er doch für dich verloren. Julie.?lch mein Vater! um zu lieben ist einem Weibe der Besitz— oder auch nur die Hoffnung des Besitzes— nicht vonnöthen. Gefühl ist unseres Geistes Nahrung. Allein wir können, wie Pygmalion, ein Geschöpf derEin- bildungskrafc lieben, ohne, wie er, zu wünschen, daß es belebt werden möchte. Pardo. Schwärmerinn! Fünfte Scene. Peter. Truxillos. Vorige. Truri! lo s. Oheim, wir bekommen Gäste. Pardo. Wie? auch mein Hügel im stillen Thale bleibt>..cht verschont? 2o6 Truxillos(zu P-!-r). Sag' an deine Bothschaft. Peter. Mein Herr, der Herr Major-- Ihr werdet ihn wohl kennen? Pardo(ihn rauh anfahre,>s). Woher ich ihn kennen? Peter(erschreck-,,). Weil er ein berühmter Kriegsheld ist. die Seele der ganzen Armee. Jetzt aber hat er das Fieber, sie neunen-S-in kalteS, denn er friert einen Tag um den andern, daß ihm dieZähns klappern. Darum hat er vsm Regiment sich beurlauben muffen, und sucht eine Herberge, bis er wieder mit zuschlagen kann. Pardo. Die sucht er bei) nur? Peter. Ja, gestrenger Herr. Unserer sind nur zwey, und ich muß für ihn miteffen. Pardo. Warum blieb er nicht im Dorfs? Peter. DaS ganze Dorf ist leer wie ein ausgsgrabeneö Hamsternest. Pardo. Aber das Kloster auf dem Berge? Peter. Da ist schon ein Lazcueth, in dem eS nur eure Arzney gibt, nähmlich den Hunger. Pardo. Hier meint ihr wohl zu schwel- Peter. Worum nicht? so lange was da ist« Ll>7, Pardo. Für euch ist nichts da. e Julie. Lieber Vater, ein Kranker— Pardo. Für dies? Horden schweigt das Mitleid— Peter. O wir haben schon gelernt/ wie man sich einquartieren muß/ wen» der Wirth sauere Gesichter macht. Truxillos(isift). Gebt nach. Die ganze Gegend wimmelt von Franzosen. Ihr zieht euch nur noch Schlimmeres zu. Pardo(ilife). Soll ich mein eigenes Zimmer räumen? Truxillos. Gebt ihm das Gartcnhaus- chsn. Pardo. Da har mein Sohn gewohnt/ da soll ich nun seiner Mörder einen beherbergen'l -- Ha! welch ein Gedanke ergreift mich! Truxillos. Fast errath' ich ihn. Pardo. Diesen Fremdling sendet mir das Schicksal. Meines Sohnes Blut soll gerochen werden! Trurillo s. Zahlt auf mich. Pardo(laut). Dem Herr ist willkommen/ sehr willkommen. Geh' Bursche/ sog' ihm das. Peter. Er folgt mir auf dem Fuße. Ich 2oü gehe nicht mehr von der Stelle. Ich bin hunge- rig wie ein Franzose und durstig wie ei» Deut- scher! Pardo. So troll dich in die Küche. Peter. Das war ein kluges Wort(vNl ?ehw). Julie. Bist du ein Deutscher? Peter. Freylich. Julie. Aus welcher Gegend? Peter. Aus Schwaben. Julie(bewege). Aus Schwaben? wie heißt dein Herr? Peter. Maior von Helm. Julis(fährt zusammen). Ha! Pardo. Kennst du ihn? Julie(sich fassend). Der Nahme ist mir nicht unbekannt. Die Familie ist groß. Peter. Aber ein Helm, wie mein Herr, ein solcher Helm ist nicht in der ganzen Armes. An seinen Degen spießt er immer dre,y Spanier auf ein Mahl, und hangt noch ein Paar Kinder an's siortn-(l'tPee. Pardo. Ich werde ihn so aufnehmen, wie seine Tapferkeit es verdient. Peter. Wenn ihr tapfere Leute gern 2 OH tractirt, so macht nur bey mir den Anfang. Meine Heldenthaten— Truxillos. Erzähle sie in der Küche. Peter. Ihr habt wohl recht. Was gethan unter Pnlverdampf, muß verkündet werden beym Dratendanwf(ab>. S e cb L t e Scene. Pardo, Truxillos. Julie. Truxlllos tzu Ialicn. die vor sich biüstartt). Schottes Fräulein, wärmn so in Gedanken? Pardo. Was ist dir meine Tochter? Julie. Errath mein Barer das nicht? Er° innerunaen aus der Heimath. Lruxillos. Süße Erinnerungen vielleicht? Pardo. Schweig, Gasparo. Ich verstehe dich, mein Kind, und möchte dir rathen jedem Deutschen aus dem Wege zu gehen. Julie. O gewiß, das werde ich. TrurilloS. Was wird das helfen? meint ihr— nachdem der Femd ausgewittert, daß in unserm Thals noch Brot zu finden— wir würde» damit abkomme»/ de» einzelnen Kranke» zu beherberge»?— Gebt Acht/ Oheim, »och heute wird das Raubgesindel euer Schloß überschwemme». Das gleicht den Ameisen: hat eins nur erst einen Käfer gefunden/ gleich wimmeln Tausends herbey/ um ihn zu skeletirsu. Darum wäre mein Rath/ das Fräulein zu verstecke»/ den» nach solcher Beute trachtet mancher gieriger/ als nach Geld. Pardo. Du hast recht/ Neffe; aber wo sie verbergen? gibt es Riegel und Schloß für solche Gäste? Julie. Schickt mich fort in die Gebirge. Pardo. Wohin? In lis. Ist denn kein Kloster in dieser Gegend? Truxillos. Als wenn Kloster diese» Frevlern heilig waren. Mir fallt ein anderes Mittel ein. Pardo. Welches? Truxillos. Wen» das schöne Fräulein sich entschließen könnte, sich auf kurze Zeit mit ihrem Spiegel zu cnrzweyen— Julie. Was wollt ihr damit sagen? Truxillos. UnserMuley, der jungeMa> roccaner/ ist mit euch von gleicher Große. Wenn ihr Gesicht und Hände färbt/ seine Kleider borgt/ und euer schönes Haar unter einen Turban zwingt/ so geltet ihr für einen Mohrenknaben und Niemand achtet auf euch. P ardo. Der Einfall ist dankesiverth. So darf auch Julie mich nicht verlassen- Ich hab' an diesen Muley mich gewöhnt. Was meinst du Julie? Julie. WaS auch für Gründe Dom Tru- rillos habe» möge/ er hat durch seine» Rath mich hoch verpflichtet. Triixillos. Ihr wollt ih» befolge»? Julie. Ihr ahnet nicht/ wie gern ich ihn befolge(ab). Siebente Scene. Pardo. Truxillos. Pardo. Liehst du sie wirklich? Truxillos. Spürt ihr daS nicht an meiner Eifersucht? Pard o. Schlag' dir's aus dem Sinne. Truxillos. O ihre Sprodigkeit schreckt wich nicht. Laßt nur erst das Kriegsgetümmel vorübergehen. Ist der Feind vom spanischen Boden vertrieben, so geiviunen wir Muße mit rebellischen Herzen zu kämpfen. Pard o. Recht, Neffe. Bis dahin fülle nur ein Verlangen deine Brust: des Vaterlandes Rache und die Meiuige! Truxillos. Der Kranke falls, ihr erstes Opfer. Pardo. Das war auch mein Gedanke. Aber wie? LruxilloS. Kommt er doch allein. Pardo. Willst du Handel an ihm suchen? ihn zum Zwsykampf fordern? TruxilloS. Wenn ihr es begehrt, so wäge ich gern mein Leben. Dach mein' ich, es sey besser für dringende Falle es aufzusparen. Gift oder Dolch verrichte hier den Dienst. Pardo. Wohl wahr, doch kann ich dir nicht bergen: ein Meuchelmord ist mir zuwider. TruxilloS. Was nennt ihr Meuchelmord? Wenn ich ihn vor die Klinge fordere und den schwachen Fieber- Kranken niederstoße, wäre das ehrlicher? soll ich euch daran erinnern, wie 2,3 man unsere Freyheit, unsere Ehre hinterlistig zu«norden strebt? wie euer Sohn gefallen ist? — welche Waffen wären in solchem Kriege unerlaubt? Pardo. Duhast recht. Thu' was du willst. Achte Scene. Vorige. Julie(als mauntanischer Knabe, öff< net Helln die Thür«). Julie. Hier tretet ein. Helm. Ich hoffe, daß mein Diener mich schon gemeldet hat. Pardo. Das hat er. H el m. Dom Pardo nennt man euch? Pardo(immerMürrisch). So nennt man mich. Helm. Ein hartnäckiges Fieber hat mich herzetriebe». Pardo. So vornehm' ich. Helm. Ihr werdet mir vergönnen, hier der Ruhe zu pflege,,. Pardo. Muß ja wohl.Z Helm. Lange hoffe ich nicht euch zu he- läsrigen- Pardo. Immer zu lange. Helm. Der kühle Empfang befremdet mich keineüweges. Pardo. War zu vermuthen. Helm. Die fremde» Krieger in eurem Lande ertragt ihr ungern. Pardo. Wir verhehlens nicht. Hel m. Auch gab wohl mancher Ursache ihn zu fürchten. Pardo. Und zu Haffen. Helm. Verwechselt mich nicht mit solchen, die ihre Degen-Troddel für einen Freypass halten um jeden Zügel abzuwerfen. Pardo. Warum seyd ihr denn gekommen? H e l m. Der Soldat gehorcht. Pardo. Mlt welchem Rechte tragt ihr eure Waffen in dieses friedliche Land? H e> in. Das zu prüfen, gebührt uns nicht. Pardo. Ist daS auch eine Antwort für den jüngsten Tag? Habt ihr euer Gewissen vermuthet? Helm. Warum erhitzt ihr euch? bin ich doch nicht hier, weder mit dem Schwerte noch mit der Zunge zu fechten. Gebt mir ein ruhige? 2>5 Zimmer, und ihr sollt kaum spüre», daß ich >m Hause bin. Pard o. I» meinem Schlosse ist kein Raum, doch wenn ihr euch mir meinem Badezimmer ün Gartenhauss begnügen wollt H e! m. Im Garren? desto besser für einen Kranken., Pn rdo. Man soll euch mit Erfrischungen bedienen. Helm. Ich bedarf wenig. Part, o. Muley mag euch hinführen. Julie. Ich,Herr? Pa>do. Ja, du. Komm Neffe, geleite mich m mein Schlafgemach. Verzeiht mir, Herr, ich bin ein alter Mann, ich muß mich sammeln. Zum ersten Mahl, seit dieses Schloß erbaut worden, sieht es einen Feind ungestraft iu seinen Mauern(ab«mr Tnumoö). 2? eunte See n e> Helm. Julie. Helm. Ein rauher Mann. Juli e. Nur wenn er haßt-. 2l6 Helm. Hab' ich ihn beleidigt? warum haßt er mich? Julie. Ihr such ja auch ein Tropfe» aus der Zornschale, die Gott über Spanien auS- gegoffen hat. Helm.haik-tücNch). Welcher Ton der Stimme! woran erinneit er mich? Julie(t,-y S-tt-). Meine Sprache fällt ihm auf. Helm. Weß Landes bist du, Knabe? Julie. Aus Tripolis. Helm. W,e kamst du nach Spanien? Julre. Ich wäre gern in der Heimath geblieben, aber ein Mann, auf dessen Liebe ich baute, hat mich»erlassen. Helm. Dein Vater oder Bruder? Julie. Er war mir Beydes und noch mehr. Er hatte mir geschworen— Helm. Und brach seinen Schwur? Julie. Er brach rhn. Helm. So wünsche dir Glück, nun bist du unter Christen. Julie. Brechen Christen ihre Schwüre nicht? Helm(verwirrt). Wenigstens— Julie. In eurem Lande nicht? Helm. Wir pflegen zu sagen: ein Wort ein Mann. ^zu lie,-t-ie Weiber also/ die find wortbrüchig. Helm. Nicht doch— nein—- das heißt eS nicht— wenigstens in meinem Munde nicht.(Bey Seite). Der Knabe verwirrt mich/ daß er auch gerade mit einer solchen Stimme nur solche Fragen vorlegen muß(lau». Noch bist du mir die Antwort schuldig: wie kamst du in dieses Haus? Iulie. Der Bruder meines Herrn sah mich auf seinen Reisen, und hatte Wohlgefallen an mir. Helm. DaS finde ich sehr natürlich, du hast eine so liebliche Stimme— ich möchte den Lanzen Tag dich plaudern hören. I u li e. O ich habe auch ein Herz! Helm. Du sagst das so bewegt? Julie. Hatte ich denn sonst ein Herz? Helm. Wunderbarer Knabe! du stichlest dich in das m ein, g e. Julie. Ich stehle mich hinein? dann ist's wohl schlecht verwahrt. Kstzrl'Ue't Th. 4«. Bd. K 2,3 Helm. Du hast Erziehung genossen? Julie. Ich kam, lesen und schreiben. Helm. Sparusch? Julie.'Auch meine Muttersprache. Helm. Welches Geschäft hast du hier im Hause? Julie. Ich pflege den alten Herrn. Helm. Und wenn er stirbt? Julie. Ach! dann liebt mich Niemand mehr. Helm. Ich will dich lieben. Julie lftulj-nv). Ihr? H e l m. Dich mit in meine Heimath nehmen. Julie. WaS soll ich da? Helm. Ich will dich nicht verlassen. Julie. Ihr wollt mich nicht verlassen? Helm. Zweifelst du an meinem Worte? Julie. Ihr seyd noch so jung, da wird «an leicht anderes Sinnes. Helm. Aus mich kannst du bauen. Julie. Seyd ihr noch nie anderes Sin- »es geworben? Helm(b!!> Seile). Wie doch die Unlchuid quälen kann? Julie. Ihr wißt nicht, wie das betrübt. Ich hab's erfahren, darum bleibe ich lieber hier. 2-9 Mein alter Herr hat Niemanden, mir dem ich meine Liebe theilen müßte. H e l m. Auch ich bin allein. Julie. Ihr?— o ihr seyd noch jung, ihr nehmt eine Frau oder— ihr habt wohl schon eine Frau— die wird mir unfreundlich begegne»— nein, nein, ich bleibe hier. Aber lo lange ihr bey uns verweilt— ihr seyd ja krank— so lange will ich euch sorgsam pflegen, sorgsam und von Herzen. H elin. Willst du das? Julie. Und wenn ihr von uns scheidet, will ich euch bitten, so oft ihr an Jemanden denkt, der euch wohlgewollt, euch auch des arme» Muley zu erinnern. Helm. Du wirst mich lieb gewinnen und mir in meine Heimath folgen. Julie. Gott geleite euch sicher in eure Heimath! doch laßt euch warnen! Wenn ihr so allein durch Spanien zieht, so seyd ihr verloren. Helm. Bin ich genesen, so kehre ich in's Lager zurück, und hier im Hause droht mir keine Gefahr. K 2 2 2 0 Juli e. Vorsicht ziemt dem Fremdling überall. H el m. Wie, du meinst— Julie Auch iu des edelsten Svaniers Brust glüht ein Hasi gegen euch alle/ der kein Mittel zur Rache verschmäht. Darum warne ich euch. Helm. Habe Dank, wackerer Knabe. Dir will lch vertrauen. Julie(beweg-). Solange ich lebe, seyd ihr sicher. Helm(für l-ch). Mein Gott! diese Rührung— mir ist/ als Hort' ich sie. Julie. Folgt mir in den Garten. Mir ist befohlen, eure Wohnung euch anzuweisen. Helm. Wirst du oft um mich seyn? Julie. Wenn ihr es wünscht. Helm. Ja, weiß Gott! Julie(sich orrgtssend). So will ich meine Ruhe gerne der eurigen opfern. Helm. Knabe! wie vcrgelt ich dir? Julie(abgehend). Seyd glücklich, so ist mir vergolten. Helm. Diese Stimme— dieses Herz—' s süße Vergangenheit!(folgt ihr). Dritter Act. Dasselbe Zimmer. Erste Scene. Julie(allein). ^u Dom Pardo's?lugen flammt eine ungewöhnliche Wildheit, und dieser Truzstllos schielt in alle Winkel, als ob er Scorpionen suchte. Sie sehen sich an mit Blicken, die zu sagen scheinen: wir verstehen uns.— Der Alte gab seinem Neffen den Schlüssel zu dem kleinen Schranke, den er sonst nur selbst zu öffnen pflegt.— Was der tückische TrnxillsS da herausgenommen, konnt' ich nicht erkenne», es war eine Kleinigkeit, er verbarg sie in der Hand. — Ich schaudere vor meinen eigenen Gedanken l """ 222 — Eines Mensche» Leben zu vernichten, bedarf es freylich nur einer Kleinigkeit.— Gewiß! gewiß! Sie haben einen Mordanschlag verabredet. Arme Julie! wie kannst du es hindern? wie darfst du es hindern?— Dem lieben Gast mit dürren Worten sagen: Dom Par- do trachtet»ach eurem Leben?— das hieße meinen Wohlthäter der Rache preis gebe».— Diesem entdecken, wie nahe der Fremdling meinem Herzen ist?— das hieße den eifersüchtigen Truxillos zu der blutigen That noch heftiger reihen.— Doch retten muß ich ihn! Juli- muß den Mann retten, der sie unglücklich gemacht hat. ES ist nicht Eitelkeit des Herzens; er soll nie erfahren, wem er s-ine Rettung verdankt. Seine Gattinn, seine Kinder— vielleicht hak er schon Kinder— sie würden sich des Dankes schämen, den sie der verlassenen Julie bringen müßten, aber den armen Mulcy werden sie segnen, und Julie wird im Süllen sich glücklich fühlen.— O wahrlich! die meiste Kraft im Unglück verleihen solche Thaten, die Niemand weis, als Gott und die verschwiegene Brust. 223 Zweyte Seen e. Julie. TruxilloS. TruxilloS. Nun, Fräulein, habt ihr den Gast zu seiner Ruhestätte begleitet? Julie. Zu seiner Ruhestätte? Sprecht ihr von einem Leichenbegaiigniß? Lruxillos. Je nun/ er ist krank, man kann nicht wissen— Julie. Es fehlt uns freylich hier an Ärzten. T r u x i! l o s. Man muß Hausmittel brauchen. Julie. Hat euer Oheim deren? TruxilloS. O ja, eine ganze Apotheke. Julie. Vielleicht gab er euch schon—>- TruxilloS. Das wird sich finden. Julie. Warum so geheimnifivoll? TruxilloS. Mein Oheim hat sich vorbehalten, euch selbst davon zu unterrichten. Julie. Ich zweifle inchr, er werde helfen. TruxilloS. Er wird seine Pflicht thun. Julie. Dann bin ich ruhig. Truxillos. Was könnte euch den» hier beunruhigen? Julie. Die Möglichkeit, einen Mann, den ich verehren muß, einer unedlen Leiden- schüft erliegen zu sehen. Trurillos. Auch ist der Fremde euer Landsmann. Julie. Er ist ein Mensch, das ist genug. Truxillos. O ja, und ein schöner Mann trotz seines Fiebers. Julie. Ihr werdet gemein nach eurer Weise. Truxillos. Könnt ihr laugne», daß seine Gegenwart euch erschütterte? Eifersucht sieht scharf. Julie. Durch eine-Drille. Truxillos. Zu der die Glaser doch nur von der Liebe geschliffen werden. Julie. Ich dächte, Dom Truxillos, nach unserem heutigen Gespräch könnte von solche» Dingen nicht mehr zwischen uns die Rede seyn. Truxillos. Soll ich meine Rechte euren Grillen opfern? Julie. Eure Rechte? Rechte auf mich? wer gab euch die? 225""" Triixillos. Der Mann, den ihr euren Vater nennt. Julie. Soll dieß Gespräch uns nicht zu weit fähren, so wäre wohl am besten, wir machten es uns bequem mit einander. Truxillos. Wie meint ihr das? Julie. Wir sagte» uns freymüthig ins Gesicht, wie wir von einander denken. Truxillos. Wie und was ich von euch denke, wißt ihr langst. Julie. O ja, ich weiß es, obschon nicht auS eurem Munde.— Als ihr eures Vetters Tod erfuhrt, eiltet ihr aus eurer Provinz herbei), um den nie gesehenen Oheim zu versichern, daß ihr stets als Vetter ihn geliebt. Da fandet ihr nun, zu eurem Mißbehagen, mich, eine Art von Tochter, die sogar des Sohnes Platz im Testament erschlichen hätte. Erschlichen! ich weiß, so habt ihr'S genannt. Truxillos. Ein Irrthum, den ich bald bereuere. Julie. Doch nicht früher, alS bis ihr gewahr wurdet, dieser Weg führe nicht zum Ziele. Allein zum Ziele wolltet ihr nun einmahl, und, da ihr über die Tochter nicht wegsplingen 226 konntet, so beschloßt ihr großmüthig, sie mit zu nehmen. Gesteht, daß ich euch kenne. TruxilloS(juckt die rlchs-l). Irrthum ist stets ein Kind der Vorurtheile. Dritte Scene. Vorige. Pardo. Pardo. Immer besser! TruxilloS. Was habt ihr, theurer Oheim k Ihr scheint erhitzt. Pardo. Die Bothen, die ich auSgesandt nach memen entfernten Gütern, sie haben sich glücklich durchgeschlichen. Endlich erfahre ich doch, wie es hinter unsern Bergen aussieht. TruxilloS. Ohne Zweifel wenig Tröstliches. Pardo. DaS eine meiner Güter ist der Erde gleich, das andere geplündert bis auf den letzten Strohhalm; auf dem dritten ist mein ehrlicher Verwalter kaum mit dem Leben entkommen. 227 Truxillos. Abscheulich! Pardo. Von meinen-0,000 Merino's ijr auch nicht eines mehe übrig; die wenigsten haben den Barbaren zur Speise gedient, die meisten sind mnthwillig niedergestoßen worden, und verpesten jetzt die Luft. Truxi110 s. Fluch den Räubern! Pardo. Und doch— solltest du es glauben'!— doch haben diese Briefe mich wundem sam erquickt. Trnrillos. Wie ist das möglichst Pardo. Sie enthalten Spuren von den? Leben meines Sohnes. Truptllos(kehr bktkkt-n). Wiest Pard 0. Em Schäfer w>2 ihn gesehen, mit ihm gesprochen haben. Trupillos(sey Seit-). Verdammt! Pardo. Er wäre flüchtig, heißt es, vorder Rache der Franzosen. Er suche mit großer Vorsicht zu mir sich durchzuschleichen. Julie. O mein Vater! wie innig theile ich eure Hoffnung! TruxillsS. Ach theurer Oheim! wie schwer wird es mrr, den süßen Wahn zu zerstören! Doch eure eigene Ruhe heischt Gewißheit. Die 226 gab mir leider Dom Juan Spinarosa, den ihr kennt/ in dessen Armen er starb. Pardo. Ist denn kein Irrthum möglich? Hat nicht schon öfter ein Scheintod die Umstehenden getauscht? Truxillos. Wenn aber der Freund ihn auch in die Gruft versenke» sah? Pardo. Schweig. Truxillos. Glaubt mir/ nur die Rache kann euer Her; erleichtern. Pardo Rache! Rache! TruxilloS. Wie man aus euren Gütern gehauSt/ wie man einen der ersten Grandes zum Bettelstäbe erniedrigen will/ daran gedenkt! Pardo. Ich habe es geschworen! Keiner der Unmenschen, der mein Schloß betritt, soll es lebendig verlassen. Julie. Ein fürchterlicher Schwur, mein Vater. Pardo. Doch recht. Lebt der Fremde noch? Truxillos. Vergebt, ich habe gezaudert eure Befehle zu vollziehen, weil es nur schien, daS Fräulein werde durch ihr Bitten— Pardo. Julie wird mich nicht erzürnen. Tru,rillos Wenigstens wollte ich verhü« 229 then, daß sie mich»ach ihrer dosen Gewohn- heir nicht grausam schelte. Pardo. Genug! wenn ich fürmeineTochtcr dich erkennen soll, so müsse meine Rache auch die deimge seyn. Habe ich mich geirrt? Julie. Bin ich doch nur ein Weib. Pardo. Deine Gesinnung zu erproben, bedarf es keiner männliche» Kraft. Ich verlange, daß du ihm die Chocolade bringst, die mein Netter dir einhändige» wird. Julie. Die Chocolade?— wie mein Vater? ich will nicht hoffen— sie sey vergiftet! Pardo. Julie, wenn ein Räuber in dein Zimmer stürzte, und du könntest ihn mit einer Chocolade todten, wurde dieser Mord dein Gewissen belaste»? Julie. Wir sprechen von einem Kranken.^ Pardo. Der hier Genesung sucht, um dann auf's neue mein Vaterland zu peinigen, zu berauben. ' Julie. Wehrlos und vertrauensvoll hat er das heilige Gastrechk hier gesucht. Pardo. Es gibt kein Gastrecht für den, der ssbeS Recht verletzt. Julie. Euer Edelinnth ist mir Bürge, daß ihr solche That verabscheut. Pardo. Das Vaterland fordert jeden Spanier auf, zu dessen Befrcpung mit zu wirren. Selbst unsere Priester gebe» uns Beyspiele— Julie. Ihr stellt euer eigenes Leben dcS FeindeS Rache preis. Pardo. So falle ich doch nicht ohne meinen Durst gelöscht zu haben. TruxilloS. Ihr hört, mein Oheim ist fest entschlossen, darum folgt nur und empfangt aus meinen Händen— Julie. Nimmermehr! Pardo. Ich befehle es dir. Julie. Zum ersten Mahl muß ich den Gehorsam euch versagen. Pardo. Bey dem Verlust meiner Aebe. Julie. Eine harte Drohung, aber ich kann nicht. TruxrlloS. Laßt sie, Oheim; yS wird sich leicht ein anderer finde». Pardo. Sie wollt' ich ehren durch mein Vertrauen. TruxilloS. Der alte Gärtner— ihr kennt seine» Haß gegen die Fremdlinge. 23» Pardo. Wohl, rufe ihn her. Der Knecht wird gefälliger seyn, als die Schwester meines SohneS. Julie. Halt!— wenn es doch seyn muß— und wenn mein Vater mir so ernst gebiethet— Dom TrurilloS, gebt mir die Chocolade. Pard o. Endlich! nur so kannst du vergessen machen, daß rein spanisches Blut in deinen Äsern fließt(ab). Lruxillos(d'v S-Ne). Ich traue ihr nicht. Der Gärtner soll mir bürgen für dieVollziehnng (ab). Vierte Scene. Julie(allein). I soll ihm den Tod bringen? ich, die ftr-' Leb--» mit dein meinigcn erkaufen würde? - Dmö, wenn ich auf der Weigerung beharrte, so!n;-i(n-- Bubenstück eine!» andern übertragen und Helm wäre verloren. Ach. w> n nun daS von mir gereichte Gift unwirksam bleibt—'wird man nicht Verdacht 232 schöpfe»? wird man den Versuch nicht wieder- hohlen?— Doch zu spar! er soll fliehen-—aber wenn man mchl allein.»ich zu ihm ließe, wenn ich ihn nicht warnen könnte, ohne meinen Wohl» thäter und nuch selbst zu verrathen?-- auf diesen Fall ein Zekt-Icheu— ein beschriebenes Blatt unter den Zwteback gelegt.— Aber Helm kennt meine Hand!— ich werde sie verstellen, mit lateinischen Buchstaben schreiben. Geschwind, ehe es lil spät wird(schreibt einen Zettel). Im Nothfalle soll er dieses lese», und er wird mich verstehen. Fünfte Scene. Der alte Gärtner. Julie. Gärtner. Hier, Fräulein, bringe ich die bewußte Chocolade. Julie. Letze nur hin und geh. Gärtner. Hins.tzen? da steht sie. Aber gehen? mir ist befohlrn euch zu begleiten. Julie(f'»«'Zeit-). Dachc' ich's doch ttau!'. Wozu? Gärtner. I nun, die gnädige Herrschaft meint, ihr wäret zu weichherzig, man dürfe euch nicht trauen. Julie. Weißt du denn was geschehen soll? Gärtner. Das versteht sich. Seit vierzig Jahren ist hier im Schlöffe nichts geschehen ohne mich. Julie, lind du billigst es? Gärtner. Was meine Herrschaft thut, ist immer Recht. Julie. Auch vor Gott? Gärtner. Ey freylich. Julie. Auch wenn die Heiligen darüber zürnten? Gärtner. Die Heiligen? das wäre ein anderes. Julie. Wie heißt dein Schutzpatron? Gärtner. Der heilige Lore»;. Er hangt im Garkenhause. Seitdem hat sich kein Dieb hinein gewagt. Julie. Wenn er die Diebe haßt, so strafc er auch die M ö cd er. G a rty er. Ey, da müßte er mich auch 254 strafen, so oft ich einen Maulwurf todtschlage, und doch unterwühle» die blinden Maulwürfe nur meine» Garten, die do>e»(Aaste hingegen daS ganze Vaterland. Julie. Doch dieser eine ist ein Kranker; wird hier weniger Unheil stiften, als ein Maul- wurf; wird in deinem Garten still heruwwan- del», sich an deiner Kunst ergötzen. Gart»er. Das möchte er immerhin. Aber es gibt da noch ganz andere Dinge zu bedenken. Der Mensch ist ein Ketzer, ich habe es heraus von seinem Reitknecht, undKetzer müssen sterben- Julie. Überlassen wir das derJnginsition. Gärtner.'Ach Gott! die schöne Jnguig- tion! wißt ihr denn nicht? der böse Feind hat! sie aufgehoben im ganzen Lande. Wer soll nun lnnfng die Ketzer verbrennen?— ja verbrannt müßte er werden, daS wäre mein Rath, und soll.-en wir ihm auch das Gartenhaus über dem Kopse anzünden.— Weil aber die Herrschaft so gnädig ist, ihn dieß Mahl nur zu vergiften, so kommt, das Tiänkchet! wird fall. Julie. Wohlan, wenn du die Sünde auf dich nimmst. 2^!) Gärtner. Die Sünde? Gebt acht, im Paradiese bekomme ich ein Ehrenplatzcheu dafür. Julie(den Präsentierteller ergreifend). Nun so komm. Gärtn er. In Gottes Nahmen. Julie klagt von ohngefäbr eine Untertasse fallen). Ah! sieh da habe ich die Tasse zerbrochen, auf der der Zwiefach lag. Garrner. Soll ich eine anders hohlen? Julie. Wozu die Umstände? ich lege den Zwieback auf ein Stück Papier(si- schiebt ihre» Zettel unter). Gärtner. Für einen Ketzer noch viel zu gut. Julie(die Ehocoladc wegtragend, bey Seite). Im schlimmsten Falle trinke ich sie selbst(beyde ab). Sechste Scene. Ein Zimmer im Gartenhaafc. Sin Tisch, ein Stuhl» eine Badewanne, ein Bett mit Vorhänge».)ln einer Wand hang« ein Kcmähide vorn heiligen Lorrnj. Helm. Peter. Helm. Eine ruhige freundliche Wohnung. Ich fühle, daß ich mich hier erhohleu werde. 236 Peter. Auch Küche und Keller sind noch gefüllt. Es Hot zu unserm Glück noch kein Streifcommando diesen Winke! aufgestöbert. Helm. Ich befehle dir aufs strengste, dich bescheiden aufzuführen. Peter. Seyn Sie unbesorgt. Wenn ich mich fürchte, bin ich stets bescheiden. H e l m. Was furchtest du? Peter. Es kommt mir alles so verdächtig vor. Dir krummen Gesichter, die gerümpften Nasen, die verzogenen Mäuler— wer mich nur ansieht, scheint zu sagen: ich wollte, daß du am Galgen hingst. Helm. Willkommen sind wir freylich nicht. Peter.!!ud der alte lahme Gärtner— der hat mir so verfängliche Fragen vorgelegt, zum Exempel: warum ich doch so mager wäre? wenn ich einmahl verbrennen müßte, so würde mein Fett gar nicht prasseln. Helm. Gemeiner Scherz! zwar will ich auch deS holden Knaben freundliche Warnung nicht in den Wmd schlagen; doch Vertrauen ist oft dir beste Schuyu-ehre. Peter. Vertraue» Sie Ueber auf Ihre Dstm.:'. Helm. Sie sind doch geladen? Peter. Mit Universal-Pillen. Aber was kann das helfen? Sie sind freylich ein Held, und ich, ohne Ruhm zu melden, bin auch kein Quacker, ich führe meine Klinge. Doch unser sind inunsr nur zwey, und wenn einen von uns der Teufel höhlt— Helm. Deine Furcht belustigt mich. Peter. Ich wollte, ich säße daheim, und hülfe meiner Mutter Kartoffeln behäufeln. Bedenken Sie nur! es ist nutzt das erste Mahl, daß Officisre von unserm Corps, die da meinten, sich recht warm einquartirt zu haben, gleichsam verschwunden sind. Helm. Wohlan, ich will keine Vorsicht versäumen. Dn hast das Kloster gesehen, kaum einige tausend Schritte von hier auf dem Berge, dort ist ein Lazareth, ohne Zweifel auch ein Commands zu dessen Schutze. Geh' und bitte >n meinem Nahmen den Officwr, ein Paar Mann hier einzuquartieren. Peter. Ich soll gehen? und allein. Helm. Es ist ja Heller lichter Tag. Peter. Desto besser für die Slrauchschützen. 236 Hier wachst» die Flintenkugeln hinter jedem^ Dornstrauch. Ne, das laß ich bleiben. Helm. Kerl! sey keine Memme. ?! Peter. Ach! wollte Gott alle Menschen waren Memme»/ so gab' es keinen Krieg auf der Welt. Der verdammte Muth, der ist an allem Unheil Schuld. Helm. G>h', ich befehle es dir. In einer Stunde kannst du wieder hier seyn. Peter. In einer Stunde kann man taufend Mahl sterben. Ach, Herr Major! wenn ich nun gar nicht wieder käme! wenn Lste verzweifelnd zum Fenster hinaus schrien: wo ijt mein Peter! mein guter Peter! und Ihnen das Echo aus den Bergen antwortet: den gute» Peter hat der Teufel gehöhlt? Helm. Ich werde wohl den Stock suche» müssen. Peter. Ach gehe schon. Jst's mein letzter Gang, so sag«» Sie meiner alten Mutter: i«! sey wie ein Held gestorben, aber meine Schuld war es nicht(ab). 2.Z9 SiebenteScens. Helm(>,nein. Ja/ es ist ein empörendes Gefühl/ mit einem Herzen voll warmer Menschenliebe scheu inner den Mensche» zu wandeln, wie unter den Tiegern in?lfr>ka,>vo mau jeden Busch zuvor umkreisen muß, um zu erforschen, ob nicht der Tod auS den grünen Blättern lauert. Aber ben Tieger darf ich doch erlegen und meines Sieges mich erfreuen. Hier muß ich Menschen würgen, die gern meine Bruder seyn würde»/ gunn ich asg Bruder zu ihnen gekommen wäre/ die nichts verbrachen/ als das; sie ihr Vaterland venheidigten.— Und warum muß ich denn »och langer ein Mitgenoß mißbrauchter Gewalt heißen? Warum widerstrebe ich meiner innern Überzeugung?— Das Schwert in meiner Hand ist nur ei-r todtes Werkzeug/ von dem Niemand Rechenschaft fordert/ aber ick— in der Hand nneS andern— bin ich den» auch nur ein todres Werkzeug?— Ach! in solchen Krie» M> wird es klar, wie gern der Mensch im Triinde Gewalt und Frevel übt/ wenn er sich nur sagen darf: es geht auf Rechnung eines andern, ich gehorche nur. Würde dieser lockere Verwand ihn befriedigen, wenn er Verminst lind Herz nicht gern gefangen nähme, sobald man ihm vergönnt, die Leidenschaften zu ent- zügeln'i— Du selbst, der du jetzt dein Auge einwärts kehrest, brüste dich nicht mit dem Bewußtseyn, du habest den Degen ohne bcs-n Trieb ergriffen, denn ach! du folgtest nur der Fahne, um drückenden Verhältinffn in derHei- math zu entrinnen. Tausende wolltest du elend mach-n helfen, um nur— nenne eö bey dem rechten Nahmen— um nur Zerstreuung für dich zu finden- Achte Seen e. Helm. Julie. Der Gärtner. Julie. Herr! ich bringe euch Checolade. Helm. Habe Dank. Julie. Zwar wird mau euch in einer Stunde zum Mittagseffen rufen, und Ch°^ lade soll den Appetit verderben. Helm. Setze nur her, ich werde trinken. Julie. Nun so verzeiht, daß ich die Tasse zerbrochen, auf der d-rZwieback lag. Ihr müßt schon vorlieb nehmen mit einem Stücklein Papier, das ich in der Eile unterschob. Helm. Gleichviel. Julie. Ja, für euch mag dieß Stück Papier leicht eben so viel werih seyn, als eine' Tasse. Helm. Du hast Recht, der Soldat im Felde nimmr's nicht genau(-r will einschenke»). Julie. Ihr wollt einschenken, ohne zuvor den Zwieback gekostet zu haben?(sie präsent^ ihm denselben auf der flachen Hand). Helm. Nur trinken will ich. Julie. Ey, so schütr' ich den Zwieback auf den Tisch, denn das Papier kann ich euch nicht lassen. Helm. Ist Papier bey euch so kostbar? Julie. Nicht alles Papier. H e l m. Aber dieses? Julie. Allerdings für den, der es zu lesem versteht. Helm. Du kannst sa lesen. Julie. Aber nur spanisch. Kstzkbue's Th. 48. Dd. 8' 242 Helm. Ist'» in fremder Sprache geschrieben'- Julie. Ich glaube— Gott verzeih' mir's — es sind Zauber- Charaktere, denn sie sollen den, der sie zu lesen versteht, in Schrecken versetzen, und— wenn er diesen Schrecken nicht zu verbergen weiß, so ist er verloren. Helm. Ey, so laß doch sehen. Julie. Nein, nein, ihr mochtet ihn lesen können. Helm. Desto besser. Julie. Nun ja, desto besser, wenn ihr nicht schreckhaft seyd; denn ich wiederhol)!- es euch: hier spuckr's(mi! einem verstohlenen Wink aus den Gärtner). Wir sind von Geistern umringt. Gärtner. Ach!.Hlaubt's doch nicht. Der Knabe scherzt. Trinkt in GotteS Nahmen! ^H l m(blickt auf den Zettel und stutzt). Deutsch — wahrlich deutsch!(li-M„Daß der Wirrh, „waS er dem Gaste reich:-, zuvor credcnzeii „mußte, war eine alt- deutsch- Sitte. Si- ist in Deutschland abgekommen, doch mochte sie ',',in solchen Ländern auf's neue zu empfehlen „seyn, wo der Wirth den Gast nur mit geheimen Groll empfängt.",— Wer hat das gft schrieben Julie. Ich hake es einmahl iis Marocco von einem Jude» zum Geschenk erhalten. Helm. Ich hab's verstanden. Julie. Ei)/ so erklärt mir'S doch. H e l in. Der Jude hat dich zum Besten ge- hakt. Es ist ein Mittel gegen die Raupen. Gärtner. Gegen die Raupen? laßt doch sehen.' Helm. Hernach mein Freund. Jetzt will ich trinken. Gärtner(bey Seite). Schade, daß so ein Mittelchen mit ihm zu Grabe geht. Helm. Die Chocolade duftet recht lieblich; doch hat man mich gelehrt, in diesem Lands' nichts zu trinken, was nicht zuvor gekostet worden. Hier, mein Freund, trinke die erste Lasse»- G artn er. Ich? Helm. Das ist so mein Gebrauch. Gärtn er. Ich mit dem gnädigen Herrn aus einer Tasse trinken? das schickt sich nicht. Helm. Wenn ich'« dir erlaube>— Gärtne r. Ich bin nur ein- gemeiner Gärtner. Helm. lind wenn ich'» dir befehle L 2 Gärtner. Ich trinke keine Chocolade, es wird mir übel darnach. Helm. Weigere dich nicht langer! dn konntest den Verdacht in nur erregen, die Chocolade sey-vergiftet. Gärtner. Ey, wo denkt ihr hin?' Helm. Trink, oder ich greife nach der Pistole. Gärtner. Daß ich ein Narr wäre(er laust tza»on). Neunte Scene. Helm. Julie. Helm. Also wnclich? man wollte mich vergiften? und dir, holder Knabe! verdanke ich mein Leben? Julie. Mir? wie meint ihr das? Helm. Hast du den deutschen Zettel nicht- geschrieben? Julie. Wo hatte ich den deutsch gelernt? Helm. Du kanntest aber doch den Inhalt? Julie. Jst's nicht ein Mittel gegen die Bäthen?, H- l m. Knabe, dein Mährchcn mit dem ma- ro>.cai>ischen Juden u-irst du mir nicht aufbin- dc„. Sprich, w-r schrieb den Zettel? Julie. LI?enn ich's nun nicht sagen dürfte? Helm. Das wäre hart. Julie. Zwar, einen Theil des Geheim- «Hes dürfte ich euch wohl verrathen, nur müßt >hr i'-'ir versprechen, nicht weiter nachzuforschen. Helm. Das verspreche ich dir. Julie. Ein Frauenzimmer hat den.Zettel geschrieben. H elm. Eine Deutsche? Juli e. Die Tochter des Dom Pardo. H e l m. Eine Spanierinn? und sie verstan- d- so richtig deutsch zu schreiben? Julie. Sie liebt diese Sprache. ^ Helm. Wo ist sie, daß ich mich zu ihren üußen werfe! Julis. Gemach! ihr werdet sie nicht zu bekommen, Dom Pardo hat es verbothen. Helm. Warum? Julie. Ep nun, er mag euch wohl nicht trauen. . Helm. Ich soll ihr nicht einmahl danken dürfen? 2,;6 Julie. Sie wird zufrieden seyn, wenn ihre Warnung nicht fruchtlos blieb. H e l m. Wodurch habe ich ihre edle Sorge »im mich verdient? Hat sie mich gesehen? I ulie. Ich glaube ja. Helm. Hat meine kranke Gestalt ihr Mit- leid eingeflößt? Julie. Das mag wohl seyn. Helm. Oder war sie jemahls in Deutschland? Julie. Ihr habt versprochen nicht weiter zu forschen. Haltet euch an die natürlichste Auslegung. Eure Person zu lieben hat sie keine» Grund. Vielleicht wäre sie nicht ungerecht, wenn sie euch haßte. Aber ich hörte sie sagen: Wie, wenn dieser junge Mann im Vaterlands Weib und Kinder hat! Und schnell bestimmtste dieser Gedanke, ihres Vetters Lücke zu verf hüthen. Helm. Ihres Vetters? hat ihr Vater keinen Theil daran? 'Julie. Dom Pardo ist in den Hände» seines.Neffen, und dieser Neffe ist ihr bestimmter Bräutigam. 24 7 Helm. Und doch Hot sie den Fremdling so großmüthig gewarnt? Julie. Wollt ihr sie belohnen, so laßt durch mich ihr sagen: daß sie eurer Gattinn den Gemahl, euren Kindern den Vater erhalten hat. Helm. Nein, guter Knabe, das kann ich ihr nicht sagen lassen, denn ich habe weder Frau noch Kinder.^„ ^ Nicht? H-lm(ohne eS»u bemerken). Ach! sie hat nur ein elendes Daseyn gefristet! Julie. Ihr seyd micht vermahlt?^- Helm. Nein. Julie. Ihr war't auch nicht vermahlt? Helm. Doch, ich war eS, meine Frau ist todt. Julie. Sie ist todt? Helm. Sage deiner Gebiethsrimi, da§ Geschenk meinen Lebens könne nur in Einem Falle wieder kostbar werden. Sage ihr-t i>aß ich liebe, unaussprechlich liebe. Julie. Ihr liebt? H e l m. Aber ein Mädchen, an dem ich treulos gehandelt, die mir verschwunden— ach vielleicht auf ewig verschwunden ist! 2i8 Julie. Ey, das ist seltsam. Helm. Finde ich sie wieder, und verzeiht sie mir, dann hat Dom Pardo's Tochter mit meinem Leben mir auch das höchste Glück geschenkt. Julie(fest ohnmächtig sich an den Stuhl lehnend). Ich— ich will es ihr sagen. Helm. Du wankst?— was stößt dir zu? ^„nichts— das Gartenhaus war lange N-cht ge°n..^ ,,^„„ß in s Freye— Helm. Nimm meinen Arm. Julie. Nein, laßt mich— berührt mich nicht— bleibt zurück— denkt nur an euch— ihr seyd von Gefahren umringt— doch so lange Muley lebt?— O Gott! wie ist mir geschehen!(sie schlügt beyde Hände sor das Gesicht und stürzt hinaus). Helm(ihr nacheilend). Muley, was ist dir? Vierter Act. Sm Gart-», im Hintergrunds«u, Tikterthrr. E r st e Sce n e. Trurillos. Der Gärtner. Truxillos. du auch gewiß, daß kein Verrath im Spiele war? Gärtner. Das hatte ich doch wohl hören müssen. Sie sprachen ja nichts als spanisch und ich verlor kein Wort. Truxillo s. Ader die Augen, hast du die bewacht? 25o Gärtner. Kann man denn mit den Augen reden? Truxillos. Freylich, Tölpel, und oft besser als mit der Zunge. Hat das Fräulein nicht gewinkt? den Kopf bewegt» die Achseln gezuckt? verstohlen geseufzt? gehustet? Gärtner. Ne, sie war recht munter. Truxillos. O sie ist schlau, sie hat dich getäuscht. Gärtner. Ja, da mufi sie früh aufstehn. N-, junger Herr, unser Eins hört den Maul- wurf unter der Erde. Truxillos. Ich traue ihr nicht. Gärtner. Warum ließt ihr mich denn nicht allein— Truxillos. Es war so eine Grille vom alten Herrn. Nun aber wollen wir ohne sie das gute Werk vollbringen. Gärtner. Recht! so brauchen wir de» Gotteslohn auch nicht zu theilen. Truxillos. Hast du das Bett auf die Fallthür gestellt? Gärtner. Mitten d'rauf. Truxillos. So gehst du nachher in's Ge- "»"> 25» wölbe. Sobald die Schloß-Uhr drey schlagt, drückst du an die Feder. G a rtne r. Punct drey. Truxillos. Das Bett rollt hinab, und eh es noch den Boden erreicht— Gärtner. Schicke ich ihn schlafend zur Holle. Truxillos. Dein Dolch ist doch scharf? Gartne r. Wie ein Wespen-Stachel. Truxillos. Den Leichnam wirfst du in den Brunnen. Gärtner. Daß sich die Kröten an ihm mästen. Truxillos. Im Zimmer darf keine Spur von ihm bleiben. Gärtner. Ich behalte sein Geld, sonst nichts. Davon bekommt der heilige Lorenz ein Meßgewand. Truxillos. Hast du aber auch den Reitknecht bey Seite geschafft? Gärtner. Der kam aus dem Kloster schon halb betrunken. Ich ga.b ihm noch eine Flasche Wein. Jetzt liegt er und schnarcht. Truxillos. Wo? Gärtner. Dicht um Strome. 2 i) 2 Truxillos. Er ist ein dummer Teufel, aber er kann doch schreyen. Sobald du seinem Herrn mit Gottes Hülfe den Gnadenstoß gegeben, so muß auch ihm der Mund auf ewig ge. schloffen werden. Gärtner. Laßt mich nur machen. Ein Stoß mit dem Fuße und der schnarchende Ketzer liegt im Strome. Truxillos. WaS ist das?— Ich sehe meinen Oheim, auch Julie ist bey ihm. So früh von der Tafel? wo ließen sie den Gast? Gärtner. Ich will indeß noch ein Paar Rosenkränze bethen und einen Zug aus meiner KürbiSflasche thun. Truxillos. Trinke lieber nach vollbrachter Arbeit. Gärtner. Ne, junger Herr. Wein und Gebeth damit muß ein guter Christ jedes fromme Werk beginnen(ab.) Truxillos(allein). Hätte ich den verhaßten Vetter so in meiner Gewalt, gern mollte ich den Fremden seinem Fieber überlassen. L53 Zweyte Scene. Pardo. Julis. Truxillos. Pardo. Nun, Neffe, wiestehts? muß ich »och langer bis Galle verschlucken! «r. r ui l l o S. Seyd ruhig, i„ zwey Stunden—> Julie(Sk» TcUc'. Ein neues Bubenstück. Truxillos. Warum verließe ihr die Tafel! Pardo. Ich kann nicht essen, so lange der Tyrannenknecht mir gegenüber sitzt. Truxillos. Warum schicktet ihr ihm das Essen nicht auf sein Zimmer? Pardo. Wollt' ich's denn nicht? Er ließ mir sagen, er speise nicht gern allein. Doch was ihn antrieb, merkte ich wohl. Er berührte keine Schüssel, bevor wir nicht davon gekostet. Truxillos. Wo ließt ihr ihn? Pardo. Er hat sich mit demCaplan in ein lateinisches Gespräch verwickelt. Truxillos. Ihr hattet doch ihn nicht ver- i lassen sollen, das kann den Argwohn mir verwehren; denn Argwohn hat er geschöpft, dar iß klar. 254 Pardo. Woher? wodurch? Truxillos. Du- könnte vielleicht das Fxäu? lein nm ersten euch erklären. Julie. Ich? Truxillos. Ehe sie ihm die Chocolade Leuchte, schien er nichts zu ahnen. Pardo(drohend). Inste! Julie. Nie mein Vater, werd' ich mir eine Handlung erlauben, die mit der strengsten Pflicht gegen Gott und euch unvereinbar wäre. Truxillos. Wie kam cS denn, daß der Fremde so plötzli ch auf den Einfall kam, der Gärtner soll seine Chocolade ihm credenzen? Julie. Wohl sehr natürlich. Meint ihr, es sey ihm unbekannt geblieben, wie mancher seiner Cameraden in Spanien schon aus ähnliche Weise sein Grab gefunden? Truxillos. Warum wählte er zu der Probe eben den Gärtner? warum nicht euch/ die ihm das Frühstück brachte? Julie. Je nun, ich sehe vielleicht einen! Mörder nicht so ähnlich. Truxillos. Wohlan! dem sey, wie ihm wolle, dießmahl soll ex nicht emnnuen. Stunde der Sieste naht; schlummert nch'A s 55 thnner Oheim; wc m ihr erwacht, so ist der Feind entschlafen. P a r b o. Ja, baue auf dein Work. Julie(sebr unruhig). Wenn thr nur nicht sei- r euch in Gefahr begebt,— seine Pistolen st") ohne Zweifel geladen. Tru,rillo o. Ich dank' euch, schönes Fräulein, für dieseliene Theilnahme. Doch seyd unbesorgt, ich wage nichts dabey. Julie. Weiber sehen oft schärfer— laßt mich beurtheilen.— Truxillos. Warum von Dingen euchun- terhaUen, die euer welches Herz doch nur beklemmen mochten. P a r d o. Er hat Recht, meine Tochter. Folge mir in den Spcisesaal. Ich will mich zusammen nehmen, ich will sogar ihm zutrinken ftu Truxillos). Doch zaudre nicht zu lange, denn es konnte ihm leicht ein Wort entschlüpfen, das mich aus der Fassung brächte. Julie(für sich). Gott verleihe mir Fassung! (aS mit Pard,.) 256 Dritte Scene. Trupillos(allein.) Mit welcher Ängstlichkeit sie zu erfahren strebte, wie man des Fremden sich enrlesigen wolle? O sicher war sie die Verrathsrinn. Wenn die Weiber nur Mitleid üben können, ob'v an der rechten Stelle, darnach fragen sie nie. Philipp(erscheint-isit-r dem Gitterthor.) Trnxillo s. Wer ist der Mensch, der da so hastig daS eiserne Gitter zu öffnen versuche? weiß er denn nicht, daß langst in Spanten alle Thüren, die sonst offen standen, verschlossen werden?—-Er wird mich nicht gewahr. Vermuthlich ein Nachzügler.— Nun rüttelt er gar an den Ställen.— Soll tch Leute rufen?— Doch er gleicht ja keinem Sumsn— Muth! Muth! ich fürchte den Löwen nicht, so lange ein eisernes Gitter mich von ihm trennt.— Ich wäre sogar im Stande hervor zu treten— ih» anzurufen— doch er hat sich schon entfernt— t» seinem Glücke, denn— allein was seh ich- dort steigt er über die Mauer!— Welcher Da- MSN hat im dicksten Gebüsch ihm die einzigeStells verrathen, wo die alten Ziegel verwittert sind? — Er hat kein Schwert/ kein Schießgewehr— aul meinen Dolch kann ich mich verlassen. Geht er hier an diesem Busch vorüber, so sitzt ihm der im Nacken. (Er verbirgt sich hinter«in Gebüsch). Vierte Scene, rurillov Philipp. Philipp(hervor und auf die Kni« stürzend >»!t aufgehobenen Händen). Gott ich danke dir! von der Elbe bis zum Tajo haben deine Engel mich umschwebt! Gort, ich danke dir! 2l r u rillos(für sich). Was soll das heißen? Philip p. ES ist mein väterlicher Boden, ^en ich küsse! O diese Brust, von Elend zusammen geschnürt, will nun zerspringen, da dieß selige Gefühl sie plötzlich ausdehnt. Trupillos. Väterlicher Boden? ha mir ahnet— Philipp(bethet still). 258 Tru.rillos(-eis-). Sieh er leihet— Ich kann mich unbemerkt heranschleichen— czuck« den Dolch) Doch wohin mit dem Leichnam hier im Garten? Satan! hauche mir schnell einen rettenden Gedanken ein! Philipp. Hier bin ich endlich sicher! Der erste Augenblick nach i4 Monden, in dem die Furie der Todesangst von mir weicht. Truxillos(für sich). Doch war der Tod dir nie so nahe.— Ich darf nicht zögern(er schleicht mit gezücktem Dolch sich hinter ihn.) Philipp(indem aussieht und sich plötzlich wende.., Nun zu ihm—Ha! wer seyd ihr? Trn''illos(verbirgt den Dolch) Daö frag" ich euch. Wie kommt ihr in den Garten? ich sah euch über die Mauer klettern. Philipp. Lebt Dom Pardo noch? Trurillos. Erlebt, was kummetts euch? Philipp. Er ist mein Vater. TruvilloS. Wie? Ihr wart— Philipp. Ich bin Philipp, sein Verlorner Sohn. Truzillos. Ey so laßt euch willkommen, heißen von eurem Vetter Gasparo Trurillos; ihr habt ja wohl von mir gehört? Philipp- Seyd ihr mein Vetter? der Sohn der edlen Schwerer meines Vaters? Wohl entsinne ich mich, daß wir als Knaben uns gesehen und geliebt. Es ist mir eine frohe Vorbedeutung/ daß ihr der Erste seyd, der mich begrstßt. TrIIrillos. Schon seit Jahr und Tag vertrat ich eure Stelle bey dem Vater. Philipp. Das lohne euch Gott. Triixillos. Niemand hoffte mehr euch wieder zu sehen. Philipp. Aber doch mein Vater? Triixillos. Er am wenigsten. Sei» Fluch belastet euch. Philipp. Wie? Trux i llo s. ES thut mir weh, mit solcher Bothschaft euch empfangen zu muffen: doch eure Sicherheit liegt mir am verwandten Herzen. Dom Pardo wird euch nie verzeihen, daß ihr unter fremden Fahnen gegen euer Vaterland gefochten. Philipp. Welche Verleumdung! Gerade um dieser Schmach zu entgehen, hab' ich so viel Elend erduldet. Truxillos. Ihr kehrtet nicht mit Romana zurück. 260 Philipp. Als er sich einschiffte, wär ich leider nicht in seiner Nähe. Ihr wis-t, wie da mahls viele Spanier voin Schicksal verhindert wurden, seinen Ruhm. und seine Gefahren zu theilen. Wir blieben in der Gewalt des Tyrannen, wir wurden scharf beobachtet; dennoch fand ich Mittel zu entrinnen. Auf einem lecken Fischerboote vertraut' ich mich den Wellen ganz allein. Fünf Tage trieb ich auf dem Meere, eine Handvoll Zwieback war meine Nahrung. Am sechsten wollte mich ein Sturm verschlingen; ein amerikanischer Schiffer rettete mir das Leben- Er führte Getreide nach Lissabon. Widrige Win-- de verschlugen ihn; doch wir waren an der spanischen Küste; meine Ungeduld, meine Bitten i bewogen ihn, mich auszusetzen. Ich betrat mit 1 Entzücken den vaterländischen Boden, allein das t Schicksal war nicht müde mich zu verfolgen. r Die ganze Gegend fand ich schon vom Feinde> besetzt. Um ein CorpS von Engländern, oder eins von unsern Gncrilla's zu erreichen, musste r ich mitten durch den wachsamen Feind. Wie oft f ich Tage und Wochen lang in Wäldern und Höh- t len, oder, wenn das Glück mir am günstigste» war, in der einsamen Hütte eines treuen Land- 8 26 t oewohners mich verbergen mußte, wie oft ich dem Tode wu,'.vergleich entkam, wein, er mich schon beym Schöpfe faßte, davon erlaßt mir die Erzählung. Auch ist mein Gedächtniß zerrüttet durch immerwährenden Schrecken. Endlich hat mich Gortes schützender Engel«um Ziele geführt. Ich stehe in meines Va:e»>s Garten und mußte hier noch zittern? O fuhrt auch zu 'hm! ein einziges Wort und sein grausamer Elrgmshn schwindet. ^rurillos(der während dieser Erzählung>m- "'Mü m die Ferne Nickt, weit«r färchru, es möchte «»und wmm-n). 0 mein geliebter Vetter, wie tteue ich mich eurer Unschuld! Allerdings wird euer Vater diese Freude theilen, nur rathe ich, ->ucht unvorbereitet ihm unter die Augen zu rre- ke". Ihr kennt seine Hitze. Er hat euch den Tod t»a seiner Hand geschworen, wenn ihr es jemahls wagen solltet— Philipp. Nein, diese Drohung schreckt i mich nicht. Darf ich ihn, doch nur entgegen ru- ^ euer Sohn ist unschuldig.' Bedarf"es mehr mien Vater zu entwaffwn? K-mmt. ^r'-xillss. Allerdings, mxin theurer Met, eui Vaterherz wird schnell verwandelt. 2k>2 dvcv nn;fi ich eine euch noch zu bedenken gebeiu i Dom Pardo ist ein kränklicher alter Mann, euer, p!btzl,ci,er Anblick würde ihn sehr erschüttern,: lchn'/. n ,u Bot en werfen. i ü> brlipv- Ha! wenn das ist— freylich — dann mnsi er erst vorbereitet werden. Lrnxtll e s. Das überlaßt mir. Gleich nach der West- will>ch mit zarter Schonung nach.' und nach die frohen Gefühle in ihm erwecken, l Begebt such unterdessen in das Wäldchen von> Korkeichen, ihr kennt es ja wohl, das am Weg«! nach dem Kloster den kleinen See beschattet, j Dr k n.ull ich euch finden und hohlen. Philipp. O laßt mich nicht zu lang«. warten! Lruxillo s. Vertraut meiner eigenen Ungeduld. Einen Verlornen Sohn i» die Arms seines Vaters führen, welch ein süßer AuM btick für mich! Philipp. Guter Vetter! Truxillos. Spätestens in zwey Sttindelt> hin ich bey euch. Philipp. Lebt wohl indessen. Truxillos. Zch schließ««"4 das Mttck- l 265 !hor auf(er ihut es). Schlummert ruhig unter den Korkeichen, ihr bedürft Erhohluug. Philipp. I ch schlafen? meinem Vater so nahe?(ab). ^ Fünfte Seen e. Truxillos (allein, schließt die Thue wieder.zu). Tel/ nur. Den ewigen Schlaf bereits ich dir. Wie? alle meine Hoffnungen soll ich mit einem streiche vernichtet sehen? Die Frucht, ' die meine Lippen schon berührten, mir vom Munde reichen lassen?— Nimmermehr! sterben muß er!— O warum stieß ich ihm nicht gleich Hz,, Dolch in die Riöben:— Gesetzt. l>nr blieb keine den Leichnam fortzuschaffeu, war denn nicht der Fremde zugegen, auf den ich die That walze» konnte? Um so schneller wäre dann auch der ein Opfer der Rache geworden?— O Gatzparo! wie trocken war dein Gehirn! schäme dich vor einem Achulknaben. Es E geschehen. Nur der hat mit dem versäumten ckugenhlnk, Mr- verlören, her ihn 264 jammert. Jetzt gilt es rasche Thätigkeit. Wahrend hier der Fremde blnt.t, falls dort der langst beweinte Sohn. Den Lei b»am birgt der See, für sein Grab mögen die Fische sorgen.— He! Giacomo! Sechste Seen e. Truxill 0 s. G ä rtne r. Gärtner. Hier bin ich, Herr. Truxillos. Gehe aus deinen Posten. Ich werde sogleich den Fremden zur Sieste führe». Schlägt die Stunde/ sinkt das Ruhebett, s»' führe herzhaft Stoß auf Stoß tat). Gärtner(«»->>>) Laßt mich nur machen. Das soll mein Gewissen nicht schwerer belaste»/ als ob ich ei» Raupennest im Schwefeldampf erstickte. Sind doch dieKetzer allesammt nurNaU- pen am echten Glaubensbanm..— O ihr schönen Autodafe's! ihr Labsale der Gläubige», werden meine Angen euch nie erblicken t (will gehen). s65 Siebente Scene. Julie. Gärtner. Julie. Wohin, Giacomo? Gärtner. Au meine Arbeit. Julie. Jetzt? in der Mittagshitze? G ä rlue r. Ich werde mir ein kühles Plätzchen suchench euch-in Stück ron ihm, etwa sein H-rz, warm, wenns noch zuckt(°t). Achte Scene. Julie(ailkin). Fürchterlich!— nein! dieses Herz soll nicht verbluten, so lange das meinige schlagt.—Wre sber von der neuen Gefahr ihn unterrichten?— Wird man mir vergönnen, mit ihm allein zu sey,,; schwer ich! der tückische TruMos traut »mr nicht— ihm schreiben?— oder noch besser ibm durch ein Bild versinnlichen— ein Wink «nd er versieht.— O du schönes Talent! daS ich vormahls oft an seiner Seite geübt, durch 269 dgs ich einst als Gattinn ihn zu ergötzen hoffte, hilf mir jetzt sein Leben retten!— ist-setz, sich a,st eine Bank, zieht die Lchr,io:afe! hervor und nimmt ein Blatt Pergament heraus und-eignet,. Recht so, durch diese Bilderschrift verrath sich auch die Deutsche nicht. Freylich kann ich nur mit leichter Hund skizziern, allein er wird mich verstehen; er wird meine Blicks deuten.— O dürft' ich ihin Julien nennen! durch einen Nahmenszug wich verrathen— und warum dürft' ich nicht? ist er doch wieder frey und liebt mich noch? Allein gerade jetzt, da ich sein Leben rette, gleichsam mir den Dank erpressen?— Nein! was innere Zufriedenheit gewähren soll, darf nicht mit Eigennutz gemischt erscheinen. Neunte Scene. Julie. Lruxillos. Heini. Truz'illos. In der That,>7>r sind verlegen, daß wir euch so fern vom Schlosse beherbergen müssen; denn sehr beschwerlich ist bey dieser Hitze der Gang durch den Garten. Allein 270 ihr habt gesehen, das alte Schloß hat wenig Raum, mein Oheim ist kränklich— Helin. Wozn der vielen Worte? ich bin mit meiner W 0 hnnn g ganz zufrieden. Truxillo s. Ihr legt besondern Nachdruck auf daS Wort. Ich null nicht hoffen, daß euch sonst eine Bequemlichkeit mangle? Helm. O nein, doch wünscht' ich meinen Reitknecht wieder um mich zu sehen. Truxillos. Wo ließt ihr ihn? Helm. Ich gab ihm einen Auftrag, von dem er längst zurück seyn könnte— vielleicht auch längst zurück gekommen ist. Truxillos. Im Schlosse weiß man nichts von ihm. Helm. Ich will es glauben. Doch wen» der Abend ihn nicht heimführt, so werdet ihr mir verstatten ihn zu suchen. Truxillos. Wo eL euch beliebt. Helm. Auch mögt ihr wissen, daß ich leicht im nahen Kloster Franzosen finden würde, die bereit wären, mir suchen zu helfen. Truxillos. Nach eurem Gefallen. Helm. Lebt wohl indessen(will gehen). Truxrll 0 s. Vergönnt mir, euch zu führen. Julie(hervortretend). Bemüht euch nicht, Dom Truxillos, hier bin ich schon, um meine Pflicht wahrzunehmen. H e l m. Sjeh da, der wackere Knabe. Truxillos. Du bist hier überflüssig, Mu- ley, mein Oheim wartet deiner. Julie. Von ihm empfing ich den Befehl, den Fremden zu bedienen(si- geht voraus). Helm. Ich folge dir(g-ht). Truxillos(für sich). Dießmahl soll es ihr -nicht gelingen(ah). Zehnte Scene. Zimmer im Kartenhause. Gärtner(schleicht herßey). Die Brautkammcr ist in Ordnung. Wenn auch der Bräutigam für'S erste sich allein zu Bett verfügt, lange soll er nicht harren auf die Umarmung der hasilichen Braut(hebt den untern Theil deS Bettvorhangs ant). Unter das Bett möge er schauen, die Fuge wird er nicht zerfahr. Der heilig« Loreiij wird ihn schon mit 272 Blindheit schlagen(geht an v-n Tisch). Ein Paar Pistolen hat er sich zurecht gelegt.— Doch nur ein Erbschafisstück für mich/ vielleicht bestimmt, noch einigen Ketzern die Lebenslichter auszublasen.— Horch sie kommen. Geschwind hinunter(ab durch eine Sritrnihür). E i lf t e Scene. Truxillrs. Helm. Julie. TrULill 0 s. Hier ist es kühl und heimlich. Ein Bett mit Flor umgeben, auf daß die Mücken eure Sieste nicht stören. Ihr konnt die Vorhänge dicht zusammen ziehen. Seht da, dem Bett gegenüber hangt der heilige Lorenz(ind-m «r nach dem Bilde zugebt und darauf deutet, zupft Julie den Major und warnt ihn mit aufgehobenem Finger). Helm. Verdanke ich euch die Aufmerksamkeit? Truxill 0 s. Wäre ich Herr des Schlosses, ihr solltet mit mir zufrieden seyn. Doch jetzt verdankt ihr alles meinem Oheim, der sein eigenes Bett euch überläßt. "»»» 2y3 Julie. Und welch ein schönes Bett, vom feinsten Leder, kühl und weich(»- stellt sich,«ls «v ste das Bctt bewundere II,Id legt verstshltn die Zeichnung darauf).«» Helm. In der That bequem genug. Doch sonst quch alles sicher? Trurillos. Wie meint ihr daS? H e l u>. Je nun, daS Haus ist etwas abgelegen—(steht Julien ferschcud an). Julie(legt den Singer auf den Mund). Truxi11os. Es liegt doch mitten im Garten. Ihr mögt alle Thüren verschließen und verriegeln. Auch habt ihr ja eure Pistolen. Helm. lind ich versichere euch, sie sind scharf geladen. TrurilloS. Desto besser. Ihr könnt ja den Tisch vor das Bett rücken, so habt ihr sie gleich bey der Hand. Helm. Den guten Rath werd' ich befolgen. Loch laßt euch selbst nicht länger von der Sieste hindern. Truj'jllos. Tchlafk ihr, wie ich eS wünsche, so verschlaft ihr euer Hleber. Mule-j. folge mir. Helm. Laßt mir den Knaben hier. 2?L Truxillos. Verzeiht, mein Oheim wartet langst auf ihn. Fort, Muley!(-r g-ht). Julie(folgt ihm and deutet«och ciaMich! ver, st»hle» auf das Bett). Zwölfte Scene. Helm(ollem). WaS soll ich davon denken?— Offenbar wollte der Knabe eine neue Gefahr mir andeuten.— Ich muß behuthsam seyn.— PeterS Ausbleiben erregt ohnehin Verdacht.— Für's erste wollen wir die Thüren verschließen und verriegeln(er thut kS). Nun auch die Wände untersuchen, ob keine Tapetenthür—(er klopft überall an). ES klingt doch nirgends hohl(eich»« die Blicke aufwärts). Die Decke ist aus einem Stück.— Der Fußboden überall ohne verdächtig- Fugen— die Fenster hoch genug— ein Tisch, ein Stuhl, eins leere Badewanne— auch unter dem Betts niemand versteckt— ich sehe doch fürwahr nicht ei», waS hier mich bedrohen konnte?— der Ruhe habe ich allerdings 2-?5 vonnLkhen, ich bin herzlich müde.— Sollte etiva das Bert selbst irgend eine Hinterlist einholten?— der Knabe deutete zuletzt noch mit dem Finger dahin. Hat man vielleicht mir nur deßhalb den einen Stuhl gelassen, um mich in das Bett zu zwingen?— Sonst pflegt in> Badezimmer doch wohl ein Sofa zu stehen. — Wohlan, ich will das Bett sorgfältig untersuche», und wenn ich auch da keinen Grund zum Argwohn finde, so werde ich mir die Pistolen zurscht und mich in Gottes Nahmen zur Ruhe legen(eröffnet die Vorhänge). Was ist das? Ein Blatt Pergament? eine skizzirte Zeichnung? nichts Geschriebenes! was soll das bedeuten?— das Blakt durch einen Strich getheilt— in der obern Halste ein Bert wie dieses— aber nur noch halb über dem Strich—- die andere Hälfte unter demselben— unten ein Mensch mit aufgehobenem Dolchs— Ha! wäre es möglich! wenn dieser Fußboden eine Versenkung halte— wenn ich im erste» Schlafe plötzlich hinabrrllke— mich schaudert— herrlicher Knabe! das ist deinÄKtk!— («r schaut unter das Bett). Hier ist freylich eine Ritze— doch wie werde ich des Buh>nstiicks- 2^6 gewiß?— Ich darf ja nur mich fern genug von der Fallgrube setzen und den Ausgaug ruhig abwarten—(er besieht die Zeichnung). Sieh! da ist neben dem Bett eine Uhr— der Zeiger steht auf drey— gewiß nicht ohne Bedeutung. Um drey Uhr soll der Mord vollbracht werken(er fleht nach seiner Uhr). Es sind noch wenige Minuten bis dahin. Bald wird sich's aufklären— und was dann? soll ich hinaus in's Freye? vielleicht im nächste» Gebüsch noch lauernde Morderfinden?—(tritt a»'s§-nst-r). Sieh/ da schleicht der Bösewicht noch hinter den Hecken, und lauscht vermuthlich auf ein Signal der vollbrachten That.— Ha! ein guter Gedanke! (nist hinaus). Dom TruxilloS! darf ich euch noch einen Augenblick herauf bemühen?— ich vergaß euch etwas wichtiges mitzutheilen.— Ihr wollt nicht?— Nun so komme ich zu euch hinab.— Aha! dieser Entschluß scheint ihm noch ungelegener zu seyn. Er kommt(er schließt die Thür ans). Was gilt's, ich entlarve denVer« räther! Drey; ohnte Scene. Truxillos. H e l Truxillos. WaS steht zu euren Diensten? doch muß ich bitten, euch kurz zu fassen, mein Oheim wartet. H e l m. Ihr seyd eilig? Truxillos. Lehr eilig. Helm. So schien eS mir nicht, da ich euch so gemächlich hinter den Hecken auf und nieder wandeln sah. Tr» xillos. Ich habe einen Ring im Grase verloren, das hielt mich auf; jetzt aber.— Helm. Dießmahl wird euer Oheim sich schon ohne euch behelfen muffen, wenigstenK noch einige Minuten, denn seht, ich kann nicht schlafen, und wünsche mich mit euch zu unterhalte». TruxilloF. Ich werde wieder kommen, versucht'S nur unterdessen? werft euch auf'S Bett (will fort). Helm(>l>m den Weg vertretend). Ihr geht nicht von der Stelle, bis die Uhr drey geschlagen. 2^3 Truxills s. BiL drey Uhr? Helm. Ich Hochs such gern den einzigen Stuhl; doch er ist härter alS das Bett, und dem Gaste gebührt der beste Sitz. Darum werdet ihr euch gefalle» lassen(er deutet auf das Den) hier Platz zu nehmen. Truxillos. Ich? auf dem Bette? H e l m. Setzt euch, ich bitte. Truxillos. Erlaubt mir den Stuhl. Helm. Mir Nichten, das ist mein Eigensinn. Truxillos. So laßt mich stehen. Helm(-»greift die Piste!.-). Ihr s o l l t euch setzen! TruxilloS. Ich begreife nicht— Helm. Ich auch nicht; allem ich denke, in wenigen Minuten werden wir beyde es ganz begreifen. Ihr sitzt noch nicht? T r n x i l l o s, Ich will nicht sitzen. Helm. Nehmt euch in Acht! mein Fieber- paroxismus hat mich ergriffen. Ich wäre im Stande euch die Kugel durch oeuKopf zu jagen, wenn ihr nicht auf der Stelle— Truxillos. Nun wenn ihr es durchaus begehrt—.(setzt sich ängstlich). Helm, So recht. Ich setze mich euch gerade gegenüber. Daß ich die Pistole auf euch richte, laßt euch nicht beunruhigen. Habt ihr mir doch selbst gesagt, daß ich keine Veranlassung finden würde, sie abzufeuern. Truxillos. Za,.aber— im FiHerpa- roxismuS— Helm. Seyd unbesorgt und laßt uns traulich schwatzen.' Hat euer Oheim auch große Schäfereyen? Trux: llos(»essen Rügst immer steigt). Ö fa. Helm. Vermuthlich lauter Merinos? Truxillos. Lauter Merinos. Helm. Wie viel Wolle gewinnt er jährlich? Truxillos. Ich will sogleich hin, ihn zu fragen. Helm. Bleibt ruhig sitzen.(Er steht»ach der Uhr). Es ist nur noch um eine Minute zu thun. Truxillos. Um eine Minute? Helm. Habt ihr jemahls einem Stiergefechte beygewohnt? Truxil l o§. O ja. Helm. War't vielleicht selbst einMatador? Truxillos. Das nicht, aber— Helm. Ich habe mir sagen lassen, es werde säo dem L)t:er ein Mantel über die Hörner gewore fen, und wenn er so geblendet sey, so könne man leicht mit ihm fe tig werden. Trnxillos. Freylich! sreylich! H e l m. Es scheint mir aber doch hinterlistig, den Feind zu blenden. ^rupillos. Es ist so Sitte. Helm. Seyd ihr auch e.n Jäger? Lruxillos. O ja. Helm. Könnt ihr Wolfsgruben machen? Trupill os. Mir hab?» keine Wölfe. Helm. Seht, da wird ein tiefes Loch gegraben, oben darüber legt man grünes Gesträuch, wenn nun der dumme Wolf darauf tritt, liegt er plötzlich in der Grube. Trupillos. Ey! Helm. Doch mastcher merkt den bösen Fallstrick und hürhet sich. (Erster Schlag der Glocke). Trupillos(will aufspringen). Es schlägt drey Uhr. (gweyler Schlag). Helm(ihm dir Piflol« vorhaltend). Bleibt! (Dritter Schlag). LruxilloS. Gort sey mir gnädig!(>>, dem Augenblick, in welchem daS Bett perstnkt, springt er auf und rennt fort). Helm. Ha Schurke!(er feuere die Pistole auf ihn ab). Ich hab' ihn nicht getroffen/ doch entrinnen soll er mir nicht!(«r ergreift die«wehte Pistsle und stur»« ihm nach). Fünfter A c t Im Garten. Erste Scene. Dom Pardo.(gc-ich darauf) Truxillor (und) Helm. Per d o. Sch Haie einen Schuß fallen hören. Mein Neffe ist nirgends zu finden. Hat der Tollkühne einen Zweykampf gewagt;— Ha! da stürzt er die Allee herauf— der Fremde ihm nach mit gespannter Pistole— was soll das heißen? o warum bm ich unbewaffnet! TruxilloS(sich hlntcr ihm errSrrgend). Oheini/ rettet mich! 283 Helm. Dom Pardo, tretet zurück, da§ ich den Bösewicht niederschieße. Pard o. Seyd chr rasen?'? ist das eure gerühmte Sittigkeit? waS that euch mein Neffe? Helm. WaS er that? oder thun wollte? ihr wißt es nicht? Pardo. Wie kann ich es wisse»? Helin. Gern mochte ich euch glauben, denn eure ehrwürdigen Züge sind fürwahr nicht geschaffen, um Meuchelmord zu verhüllen— ich will euch glauben um der Menschheit willen, der ich so gern vertraue. So wißt denn, dieser Schurke, den ihr euren Neffen nennt, nachdem es ihm nicht gelungen, mich zu vergiften— Pardo. Man hat euch belogen. Helm. Wollte jetzt im Schlafe mich er- Mtorden. Truxillos. Eine Fieber-Phantasie. Pard'v. Beweise! Helm. Mit dem Glockenschlage drey sollte das Bubenstück vollbracht werden; da öffnete sich plötzlich der Boden, da rollte das Bett hinab— mich hatte mein Schutzgcist gewarnt. Pardo. Welche Grillen! Laßt euch berichten. Allerdings steht mein Bett auf einer sattsten 264 Versenkung, die den Schlummernden hinab wiegt in eine kühle Grotte. Nennt es eine wollüstige Bequemlichkeit für unser heisies Klima. Ein welscher Baumeister hat das Werk erfunden, an blutige Hinterlist ward nicht dabey gedacht. Helm. Wie kam es denn, daß mit dem Glockenschlage— Pardo. Zufall, ohne Zweifel. Die Federn sind erschlafft. Trux illos. Ja, so ist's. Helm(sey S-ite). Ich darf den edlen Knaben nicht verrathen Hitze gerathend und sich vergessend). Warum schmäht ihr meinen Neffen? Er ist euer Feind, wäre er sonst ein Spanier? Aurh ich bin euer Feind, warum sollt' ich es verhehlen? Gewalt gibt euch ei» Recht in meinem Hause zu schalten, doch Herzen plündern konnt cht nicht. Helm. Diese Sprache? Pardo. Ziemt einem Grand von Spanien- Helm. Auch Meuchelmord? 265 Pardo. Naubchiere b,schleichen darf auch ein edler Jäger. Da habt ihr meine innersten Gedanken. Sielanger euch bergen, n are schimpflich, Wenn der geringste mei r Knechte euch mordet, so lohne ich ihm die Lbai, Helm. Ihr fürchtet meine Rache nicht? Parts. Ware ich ein Jüngling, ich würde mit dem Schwerte vor euch treten; aber auch ülo wehrloser Greis zittere ich nicht vor eurer Pistole. Drückt sie ab in Gottes Nahmen! Ich Hai e schon zu lange gelebt. Meinen Sohn verloren! mein Vaterland verloren! wie könnte ich »och geitzcn mit den wenigen Tropfen Bluts, die fremder Ubermuth nur täglich vergiftet. Helm. Ich will nicht mit euch rechten, alter Mann. Mir sollt ihr nicht fluchen; und da inet» Anblick euch so lästig ist, so nehmt mein Wort: noch diesen Abend verlaß ich euch. Nur wenige Stunden Ruhe vergönnt mir noch lza Trurilloe). Du schielende Larve, hüthe dich, noch einmahl mir unter die Augen zu treten (ab). 286 Z w c y t e S c e n e. Dom Pardo. Truxillos. Pardo. Wie ist der Anschlag ihm verrathen worden? Lriixillos. Er steht mit dem Satan im Bunde. Pard c. S ollke Julie— Trnxillos. Jh bin ihr nicht von der Seite gegangen. Pardo. War sie gegenwärtig? Dann trifft mein Argwehn sie. Truxillvs. Doch ihr war unbekannt— Pardo. Vielleicht des Gärtners Einfalt— sie kennte durch einen Wink ihn warnen. Truxillos. Er wusire sogar die Stunde" Pardo. Wer weiß, durch welche Zeichen sie ihn von allein unterrichtet hat. Ihre Verkleidung war dein unseliger Einfall. Ohne diese Verkleidung durfte sie ihm nicht nahen, ihr Zimmer nicht verlassen. S chon diesen Morgen war eS klar, daß ihr deutsches Blut den spanischen Gefühlen widerstrebte. Nun habe ich ihr d» sohlen, die IraueilkletLer wieder anzulegen. 287 TcnxilloS. Doch habt ihr auch bedacht? Ihre Schönheit— die Gefahr— Pardo. Sie mag sich verbergen, und muß sie erscheinen, so trage sie eine Larve vor dem Gesicht. War es doch hier nicht ungewöhnlich, daß unsere zarten Werber vor den Sonnenstrah-' len sich durch Larven schützen. TrnxilloS. Aber diese Wollüstlinge, werden sie eine Larve scheuer»? Julie(in Fraarokliider», wird hinter der Hcrke sichtbar»«ine Larve in der Hand). Pardo. Wer weiß denn auch, ob unser verstecktes Lha! noch einmahl.heimgesucht wird? Diesen Einzelnen laß entrinnen. Ihn scheint «ine Höhere Macht zu schützen, er ist nicht der Schlimmsten einer. TruxUlvs. Mein Oheim! ihr dürftet wa- L«n? Seme Erbitterung gegen mich.— Laßt ihr ihn ziehen, so keh-r er nach wenig Stunden mir Helfershelfern zurück. Meint ihr, weil der W»lf im Netze schüchtern ist, er werde, dem Netze entronnen, d>e alte Natur verläugnen? Der eiuzelue Wurhrich ist immer feige. Bedenkt, er hat Verdacht geschöpft, mehr als Verdacht; er wird erzählen, und gesetzt, er 283 sänne nicht auf Rache, so wird er sicher schnell der Peutehungcrigen viele finden, die seine Rache, ungeheißen, zu der ihrigen machen. War sein Tod vor wenigen Stunden nur ein Opfer für euren Sohn, so ist er nun eine Norhwehre für eigene-Sicherheit. Pardo, Tu magst nicht Unrecht haben, doch wie ist'» anzustellen? Alle deine Anschlage sind gescheitert. Nun hat er in dar Gartenhaus sich eingesperrt, nur bewaffnet wird er eS verlassen, und wagen wir offene Gewalt, so streßt Blut von beyden Seiten. Truxi11os. Er darf das Gartenhaus nicht mehr verlassen, es muß sei» Grad werden. Pardo. Aber wie? Lruxillos. Was ist gelegen an dem alten morschen Gebäude? eS war ja langst den Schwalbennestern eingeräumt. Wrr stecken es in Drand- Pardo. Ha! wen» dieses Mittel sicher wäre— L r n x i l lo s. Das sicherste Ein Dach von trockenem Schilf; eine brennende Fackel daran gehalten, und in einer Minute ist's ei« Scheiterhaufen. """» 36c^ Pardo. Wird er nicht versuchen sich zu retten? Truxillos. Wir verrammeln die Thür. Pardo. Aber durch das Fenster— Truxillos. Wir fangen ihn auf einer Pike. Pardo. Thu was du willst, nur besreye Mich von seiner verhaßten Gegenwart(ab). Julie(sittlich). Gräßlich! Dritte,Scene. Truxillos. Julie(versteckt). Truxillos(allein sich glaubend). Geh nur, schwacher Greis! wessen Gegenwart mir am verhaßteste» ist, das ahnest du nicht. Wie habe ich gezittert, daß er, des Wartens überdrüssig, plötzlich erscheinen möchte. Fürwahr es ist die höchste Zeit. Was hierzu lhun ist, kann ohne mich geschehen. Mir soll das brennende Gartenhaus den Rückweg beleuchten. N Kohekue's üh. 4s. Br. 2gO Vierte Scene. Vorige. Gärtner. Trurillos. Du kommst mir wie gerufen. Gärtner. Ach Herr! ich zittere noch am ganzen Leibe. Es hat sich ein Wunder begebeir. TruxilloS. Ein Wunder? weshalb? Gärtner. Als ich den Ketzer erstochen hatte— TruxilloF. Du hast ihn erstochen? Gärtner. Mit tausend Dolchstichen/ sobald ich nur daS Bett erreichen konnte. Aber als ich den Leichnam in den Brunnen werfeu wollt?/ hatte der Teufel ihn schon gehöhlt mit Knall und Gestank. Kein Tropfen Blut war nachgeblieben. Doch daß ich meine Schuldigkeit gethan, daß konnt ihr am zerstochenen Bert sehen. Truxillos. Narr, er lag nicht darin. Gärtner. Nicht? Lruxillos. Der Teufel hatte ihn gewarnt, Gärtner. Verfluchter Teufel! Trnxillos. Noch diesen Abend will er fort, will Spießgesellen herbey hohlen, das ganze Schloß zerstören>— 2A1 Gärtner. Meinen Garten auch? Truxillos. Keine Wurzel soll in der Erde bleiben. Gärtner. Eher schlag' ich ihn mit der Schausel todt. Truxillos. Wir dürfen ihn nicht fortlassen. Gärtner. Nicht von der Stelle. Lcuxil! os. Er muß gleich jetzt— Gärtner. Zur Hölle fahren. Truxillos. Aber ihm ist nicht beyzukom- me», er Hot sich verschlossen. Gärtner(hastig). Wir stecken das Haus in Brand. Lrnxillos. Das war auch mein Gedanke. Gärtner. Aber der alte Herr— Truxillos. Hat nichts dagegen. Gärtner. Herrlich! so gibt's ein Autodafe und es werden doch in Spanien noch Ketzer geschmort. Truxillos. Das Schilfdach, meine ich, werde schnell genug brennen. Gärtner. Wie eine Fackel. Das ganze Haus ist purer Zunder. Aber— alle Wetter! der Wind ist östlich, gleich hinter dem Hause Lg2 stehen die herrliche» Granaräpfelbäume, die gehe» z» Grunde. Lru,rillos. Was schadet das? Gärtner. Ey der Henker! das schadet viel. Die Bäume hat noch mein Vater gepflanzt. Lrupillos. Laß sie brennen! Du erlösest deinen Vater aus dem Fegefeuer. Gärtner. Meint ihr? nun in Gottes Nahmen! Truxillos. Verrammle die Thür, zünde an und stelle dich dann mit einer Pike unter das Fenster, wenn er etwa versuchen sollte Gärtner. Ich fange ihu auf der Spitze, damit er den Hals nicht bricht. Truxillos. Wohlan! so sey schnell und geschickt. Ich gehe indessen in die Einsiedeley, um für den glücklichen Erfolg zu bethen(b-o G»pie). Während das Feuer aller Augen auf sich zieht, kann ich den Hauvtstreich am sichersten vollführen(ab jvr Gittcrthür, die er auf und wilder zuschlug!). Gärtner(allein). Ein feiner junger Herr! mit der Zunge weiß er immer Rath, aber wo Faust und Herz vonnöthsn sind, da geht er aus dem Wege. 2 nun, hier brauche ich ihn auch 2')/ nicht. Wahrend hier das Ketzerfett im Scheiterhaufen prasselt/ soll mein Dolch den trunknen Reitknecht kitzeln/ damit sein Herr in der Hölle nicht ohne Bedienung bleibt(,»>« geh»»). Fünfte Scene. Julie. Gärtner. Julie. Giacomo! Gärtner. Ich habe keineZeit. Julie. Ich wollte dir nur rathe«/ noch etwas Stroh an das Gartenhaus zu legen, es brennt dann schneller. Gärtner. Also wißt ihr schon— Julie. Wie sollte ich das nicht wissen? Der alte Herr verhehlt mir nichts. Gärtner. Na, wenn ihr friert, s» stellt euch nur unter den Wind, da soll euch warm genug werden(gebt). Julie. Aber deine Granatenbaume? eS ist doch Jammerschade. Gärtner. Ach destkt nur nicht daran, es schmerzt mich in der Seele. Jeder Baum'im Garten ist mein eigenes Kind. Julie. Ich wüßte wohl ein Mittel sie zu »etten. Gärtner. Sprecht wie? Julie. Du weißt, im Gartcnhause hängt das Bild des heiligen Lorenz. Gärtner. Ey freylich. Er sollte das entlegene Gartenhaus beschützen/ amd er hat es auch redlich gethan. Julie. Hohle das Bild, hänge es an den ersten Granatsnbaum/ was gilt's, er wird nicht brennen.. Gärtner. Da habt ihr Recht. Julie. Du darfst den Heilige» ohnehin nicht in dem Hause lasten/ denn er würde ja mit verbrennen. Gärtner. Gott behükhs! das wäre eine schreckliche Sünde. Julie. Vielleicht würde er gar nicht zugebe»/ daß die Flamme das Haus berührte/ so lange es unter seinem Schuhe steht. Gärtner. Alle Hagel! da habt ihr wieder Recht. Es brennt kein Strohhalm/ so lange der heilige Lorenz oben Hängt. Aber wie bekommen wir i hu herab? Julie- Klopfe an. bitte höflich, sprich: 2^5 der alte Herr wolle seine Andacht verrichten-, und trage Verlangen nach dem Bilde. Gärtner. Ja, ja, ich will's versuchen. Er kann es nur zum Fenster herauswerfen. Julie. I, um'sHimmelswillen nicht! soll «in Ketzer das Bild berühren? Du mußt es ehr- erbiethig selbst von der Wand lösen. Gärtner. Wenn er mich nur hinein läßt. Nun der Heilige wird ja wohl selbst zu seiner Rettung behülflich seyn(ab). Sechste Scene. Julie(allein). Wenn er die Thür nicht öffnete?— wenn sein gerechter Verdacht ihn allzu vorsichtig machte?—- Was bliebe wir dann zu feiner Rettung übrig? (entschlossen). Ihn laut rufen bey seinem Vornahmen. Er wird Juliens Stimme erkennen, er^vird das Feilster öffnen und ich entdecke ihm alles, wäre auch Dom Pardo selbst zugegen, Gleichviel, was daraus entstehen möge.— Doch sey d-reseS Mittel meine letzte Zuflucht. Ach! ich 296 möchte so gerne unerkannt bleiben, mir das Bewußtseyn rein erhalten, daß nicht des Herzens Eigennutz mich leitet.— Sieh da— die Thür wird geöffnet. Jetzt Muth! Kein Augenblick ,st zu verlieren. Dank der argwöhnischen Eifersucht, die mir selbst geboth, mich zu verlarven. Auch in Frauenkleidern soll er die verlassene Geliebte nicht erkennen(sie nimmt die Larve vor und geht). Siebente Scene. (Zimmer im Gartenhaufe). Helm(und) Gärtner(treten ein). Helm. Nun, so nimm dein Bild. Gärtner. Dom Pardo laßt euch bitten, ihr wolltet nicht übel deuten, daß er noch ein Mahl eure Sieste störte; er hat vom heiligen Lorrnz so wunderlich geträumt— Helm. Schon genug. Nimm es von der Wand. Liegt aber unter deiner Bothschafk eine Tücke verborgen, so siehst du mich auf der Hutch(nimmt ein- Pisten, stellt sich ihm gezcnüdtr und beebachtct ib»n 297 Gärtner. Ey bewahre der Himmel! Ihr sollt von nun an ruhig schlafen(b-y Seit«) bis an den jüngsten Tag(-r steigt auf den ,Stahl und will Las Bild herab hohlen). Achte Scene. Vorige. Julie(stürzt Herrin, bemächtigt sich rasch der zweyte» Pistole, tritt sndic rhür und richte« sie auf den Gärtner). Julie. Fremdling! ihr seyd verrath««. Helm. Was ist das? Gärtner. Fraulein! was wollt ihr? Julie. Laßt diesen Schurken nicht aus den Augen. Helm. Steh' und rühre dich nicht. Gärruer. Heiliger Loren;! htlf mir durch. I u l i e. Man hat beschlossen, wahrend ihr schlaft, das HauS In Brand zu stecken. Noch wenige Minuten, und dieser Elende führte das Bubenstück aus. Helm. Ha! so muß er sicröen von mein«? Hand(« lchiägt an)» -g8 Gärtner. Heiliger Lorenz! Julie. Halt! Besudelt euch nicht mit dem Morde eines frömmelnden KnechtS, der Gott und seinem Herrn zu gehorchen wähnt. Ergreift vielmehr d5n Augenblick zu eurer Rettung. Folgt mir. Dieser Mensch hat einen Schlüssel zur Gitterpforte/ zwingt ihn sie aufzuthun. Eilt nach dem nahen Kloster. Hier seyd ihr nimmer sicher. Gärtner. Ach ja! Ihr sollt den Schlüssel haben, und wenn er die Pforte zum Paradiese öffnete. H e l»i. Mein Schutzengel! wie nenne ich dich? Julie. Forscht nicht! Eilt! Helm. Nicht von der Stelle, bis ihr me>. nein Herzen Genüge gethan. Eure Gestalt, eure Stimme bewege» mich wunderbar. O werft die Larve weg und nennt mir euren Nahmen. Julie. Ich heiße Muley. Helm. Muley! Ihr der Knabe—? Um Gottesmillen löst mir dieses Räthsel! Julie. Wenn ihr noch länger weilt, so stürzt ihr euch und mich in's Verderben. Soll daS mein Lohn seyn? 299 H e l NI. Ich gehe— Julie. Glacomo, den Schlüssel! Gärtner(steigt zittert!» herab). Hier ist er. Julie. Du begleitest den Fremden m das Kloster. Helm. Erlaßt mir die Gesellschaft dieses Schurken. Julie. Er darf nicht zurückbleiben, er würde mich. verrathen. Helin..0 dann werde ich Sorge tragen, daß er dieses Thal nie wieder betrete. Gärtner. Ach, heiliger Lore,iz! oi-a uolüs!. Julie. Fort!(sie g-hl). Helm(zimi monier). Schreite vor nur her, und sollte dich die Lust zu schreyen anwandeln, so verglß nicht, daß eine gespannte Pistole dir im Nacken sitzt. Gärtner. Ach, wie konnte ich das vergessen! tr- Hält mit b.ySen Händen das Heiligenbild auf dem Rücke» Und geot ab). Helm ckolgk mit gespannter Pistole). """» Zoo Neunte Scene. Im Gurten. Dom Pardo(allein). Ich finde nirgends Ruhe. Kaum schloß lch rm Lehnstuh! die Augen, da flammt' es mir im Traume, der Himmel war blutroth, und als ich niederblickte, da kniere mein Sohn zu meinen Fußen. Bedurft' es noch der Traumgesichte meine Rachbeflierde zu reihen? Warum zögert man? noch immer steht das Gartenhaus unversehrt!— Ha! was seh' ich!— die Thür geht auf— Julie— Giacomo— der Fremde— Julie bewaffnet— Giacomo zittert— der Fremde mit gespannter Pistole— was geht hier vor?(er tritt hiMtr dir Hecke). Zehnte Scene. Dom Pardo. Julie. Gärtner. Helm. Julie. Schließ auf! Gärtner. Ja doch, ja!(er s-hü-N auf), Zor Julie. Das Gitterthor ist offen/ lebt wohl! schütze Gott euch ferner! Helm. Engel/ wer bild du? Julie. Eilt, um Gotteswilleu. Helm. Nur noch ein Wort— Julie. Ich bin verloren! Helm. Wohlan! ich gehe. Julie. Im Vaterlands soll euch Nachricht von mir werden. H e l m. Versprecht ihr das? Julie. Muley halt Wort. Helm. Voran, Bosewicht.— Lohn' euch Gott!(ab mit dem Gärtner). Julie(kniend und sich entlarvend), Es ist voll« bracht! Göttlich danke dir! Eilfte Scene. Dom Pardo. Julie. Pardo(bervortret.nd). Schlange, die ich im Busen nährte! Julie. Ha! mein Vater! Pardo. Nicht mehr dein Vater! ich ver- Zy2 stosie dich? geh' hinaus zu deinen Schützlingen, den Henkern meinesVaterlandes! den Mördern meines Sohnes! Führe sie an, wenn sie mich zu plündern kommen, zeige ihnen mein Schlaf- gemach, liefere mich selbst ihren Dolchen. Julie. Um Gotteswillen! mein Vater— Parbo. Nenne mich nicht mehr so! ich verfluche den Augenblick, wo ich, bethört durch deine Gleisnerey und meines strickenden Bruders Verblendung, dir eine Freystatl öffnete. Geh', bettle dich nach Deutschland. Sing auf den Straßen in lustigen Romanzen das Elend der Spanier, so kommst du reich nach Hause. Julie. Vergönnt mir nur ein einziges Wort. Ich habe euch diesen Morgen von einem Manne erzählt, den ich heiß geliebt, den ich noch liehe!— entschuldigt mein Herz— dieser Fremdling ist mein Geliebter! Pardo. Wird Julie. Ja, ich habe seine» Tod dreymahl verhindert, aber, Goir ist mein Zeuge, kein unedler Trieb hat mich beseelt. Er kennt mich nicht, er soll es nie erfahre», wem er sein Leben verdankt. Nur mein Bewußtseyn wollte ich retk.a-!. Auch der Gedanke, euch zu verlasse», ist mir fremd gebliebn,. Nur eures Hasses Nach- befördern konnte ich nicht, denn ihn verfolgn schon die Rache meiner Liebe. Nun ist's geschehen. Ich kehre zur kindliche,, Pflicht zurück. Verschmäht mich nicht. Es ist nicht die Furcht vor Mangel, die jetzt mir bittende Thränen erpreßt, cS ist die reinste Dankbarkeit für eure Wohlthaten. Ich kaun euch nicht verlassen, so lange ihr alhmet. Pardo(belauft^!). Nun, nun, wen» es so ist— das verändert freylich die Sache— doch warum sagtest du mir nicht gleich— Julie. Würde ich dann nicht alle Wege zu seiner Rettung mir versperrt haben? Pardo. Pin ich denn ein Tieger? Wahrlich'. auch mir ist dieses nagende Rachegefühl ein fremder beschwerlicher Gast, mir aufgedrungen vom Geschrey des Vaterlandes, vom letzten Seufzer meines Sohnes. Zwölfte Scene. Vorige. Helm. Lrnxillos(>md der) Gärtner(gebunden, von einigen) Soldaten (segieMi). Philipp(oee bin« r ihnen stehen bleibt). Julis. Ha!(ste nimmt die Larve wieder v°>). Pardo. WaS ist das? H c l m. Dom Pardo! hier bringe ich such den Bösewicht. Ihr selbst mögt ihn richten. Dieser Unmensch, den ihr euren Neffen nanntet, dem ihr euer Erbe Anwenden wolltet, ich traf ihn so eben im Kampfe mit eurem unbewaffne- ten Sohne, den er meuchlings morden wollte. Pardo. Mit meinem Sohne? Helm. Vielleicht wäre es mir nicht gelungen ihn zu retten, da ich fehlschoß, und dieser Schurke(auf den Gärtner deutend) dem Mörder zu Hülfe eilte. Gärtner. Ach! ich erkannte ja den jungen Herrn nicht. Helm. Zum Glück erschien in diesem gefährlichen Augenblicke ein Streif, Commando— Pardo. Was sprecht ihr? es sauSt mir vor den Ohren— nanntet ihr nicht meinen Sohn? Philipp(hkrvoistttrj-nd). Hier liegt er zu euren Füßen. Pardo. Philipp! du lebst? 1( r taumelt auf di« Bank). Philipp. Und war stets euch und dem Waterlande treu. Durch tausend Gefahren hatte 3o5 mich Gott gekettet, hier am Ziele harrte mein der Tod durch die Hand meines Vetters. Kraftlos, unbewehrt, siel ich ein Opfer seines Eigennutzes, wäre nicht dieser edle junge Mann mein Retter geworden.> Pardo. Mein Sohn!— ist es möglich! — dieser Unmensch— der meinen Jammer täglich sah.— Fort aus meinen Augen! Helm. Der Anblick seiner Strafe werde euch erspart(zu den Soldaten). Fuhrt ihn fort! Ich bedarf eurer nicht mehr. Jetzt bin ich hier sicher. Truxillos(zeh! wütbcud ab, die Wach« folgt). Pardo. Sicher, wie in eurer Heimatb von einer Mutter bewacht. Ihr haltt meinen Haß besiegt. Euch verdanke ich meinen Sohn und die Rettung meines Gewissens von einer Blutschuld. Helm. Nicht mir, diesem Frauenzimmer verdanken mir alles. Sie war mein und euer Schutzgeist. O laßt mich nicht länger vergebens bitten, eure edlen Züge zu enthüllen. Pardo. Julie! wirf die Larve weg. Helm. Julie! Julie(«„Narrt siO). 3o6 Helni(zu ihre» Füßen stürzend). Gott! meine Julie! Julie. Ich habe mich an dir gerächt. Helm. Ich bin zermalmt—Verzeihung! Julie. Suche sie in meinem Herzen! '(sinkt in seine Arme). Pardo. Tochter! du willst mich doch verlasse»? Iulie. Ich gab euch einen Sohn zurück. Pardo. Der sei» Erbe mit der Schwester theilt. Philipp. Lost mir die schonen Räthsel. Pardo. Dein Bruder, deine Schwester! Philipp(beyde umarmend). Meines Lebens Netter! wie vergelt' ich euch? Ju li,e. Uns vergilt die Liebe! In dieser Buchhandlung ist noch Folgendes von diesem Verfasser zu haben: Theater v s n A. v. K o tz e b u c. 48 Theile, mit Kupfern.»2. r6n bis 1816. Erinnerungen auS Paris. 2 Theile, nist Kupf. 8. 161«. Bemerkungen auf einer Reise aus Liefland nach Rom und Neapel. 3 Theile, mit Kupf. 6. i6lo. Das merkwürdigste Jahr meines Lebens. 2 Theile, mit Kupf. 6. 1609. Leiden der Ortenbergischen Familie. Neue Aufl. 2 Theile, mit Kupf. 8. 160m. Chroniken. Eine Auswahl historischer Darstellungen aus der Vorzeit. Mit Kupf. 8, a8i6. Äeontine. Ein Roman. 3 Theile, mit 2 schönen Portr. 8. r6iv. Philiöert oder die Verhältnisse. Ein Roman. Mit Kupf. 6. 1610. Neue kleine Erzählungen, Anekdoten und Mizellen. 6Theile, mikKupf. 8. i8n. Die Biene. Eine Sammlung kleiner Erzählungen, Gezchichten, Anekdoten und Mizellen. 4Bändche„, mitKupf. 8. 1809. Neue klein- Schriften, oder Sammlung kleiner Erzählungen, Geschichten, Anekdoten und Mizellen. 6 Bandchen, mitKupf. 6. i8i«. Luise, oder die unseligen Folgen des Leichtsinns. Eine Geschichte einfach und wahr. 2 Theile, mit Kupf. 6. 1811. Geschichtchen für meine Söhne. 2 Bandchen, mit 2 Kupf. 6. i8r3. Geschichtchen für meine Tochter. Nach Bouilly frey aus dem Franz, übersetzt. 2 Band- chen, mit Kupf. 8. 1816. Clio's Blumenkörbchen. 5 Theile, mit Portr. und Kupf. 6. 1612. Die Grille. Eine Sammlung von Erzählungen, Gedanken und Betrachtungen. 6 Bündchen, mit Kupf. 8. 1812. Kotzebue,(Moritz v.) der russische Kriegsgefangene unter den Franzosen. Mit Kupf. 6. iL.6. 4 N-- 7-,'ÄK I -< -----