« Wsnkr 8iaät-8iblioiksli, 4820 Gespräche M a i! r e r e y betreffend. Nebst einem Anhange von Rosenkreuzem. A Leipzig, bey Paul. Gotthelf Kummer, 178?. WMW8WWW Vorrede. ^reymaurer sind ja Verfechter der Wahr. heit. Warum sollten sie es also nicht in An« schling ihres eignen Ordens seyn? Warum sollten sie nicht auch von sich selbst Wahr« heit sagen? Alles was hier geschrieben ist, ist Wahrheit. Höchstens könnte man den Verfasser zur Last legen, daß er keine richtige Schluß- Folge gemacht, und dies könnte er denn doch )(» auch IV such nur in so fern zugeben, als die Den« kungsart des andern von der seinigen unterschieden wäre— Und wer dann recht oder unrecht hätte, das würde sich noch erst müssen bestimmen lassen» giebt Sachen in der Welt, von denen sich nicht so offenherzig reden läßt. Die Maurerey ist gewiö eine davon. Sobald ich annehme, daß ich Pflichten auf mich ha« be, so bin ich schuldig sie zu erfüllen. Die Pflicht, ein Versprechen zu halten, fordert Verschwiegenheit vom Maurer. Daß ich dieses bin, wird man bey federn Blik in meine Schrift erkennen. Daß ich auch meiner Pflicht ein Genüge geleistet, wird jeder Maurer einsehen, so bald er meine Schrift gelesen. , Daß V Daß ich aber Miöbröuche verschweigen, daß ich Wahrheit unterdrüken, daß ich, was nicht gut ist, gut heißen sollte, das versprach ich nicht, und was ich nicht versprach— die Folge mache man selbst davon. Es ist wahr, es wird viel über diesen Orden geschrieben, aber was davon geschrieben wird, das ist alles so mystisch, alles so sehr von Deutlichkeit entblößt, daß man selten Menschenverstand darin findet. Esbetrift mehrentheils die Geheimnisse des Ordens. Man fangt an zu lesen, und ist man so bis anö Ende gekommen, so weis man-—was man vorher wüste, daß der Orden Geheimnisse hat. Weiter aber erfahrt man auch gewis nichts, und wenn man zehnmahl wie- )( Z der- Verholt. Dunkle Umschlungen, Bilder ohne Sinn, Perioden nicht zu ermessen, die nur Worte ausdrücken, das ist das ge. wöhnliche. Doch weit entfernt, daß ich Tadler von Männern seyn wollte, deren Kenntnisse ich gewis lange nicht aufzmviegen vermag, so gestehe ich vielmehr, vielleicht ist eö nicht für mich, vielleicht bin ich zu wenig mit der Schreibart bekannt, vielleicht'ist meine eigne BcurtheilungSkraft zu schwach, als daß ich Einsicht darin haben könnte. Nur wünschte ich, daß man sich mehr nüzlich gemacht hätte, und das dadurch, daß man deutlicher gewesen wäre. Und worin deutlicher? Geheimnisse zu ent- VI» «ntdeken? nichts weniger als das. Die sind nicht zu wissen, das weiß jeder so schon, daß er darauf Verzicht thun muß. Nein — deutlicher in der Bestimmung der Maurer-ey, deutlicher in ihrem Zweke, deutliches in den Ursachen, warum man Maurer wer« den, und in denen, warum man es nicht werden sollte; denn einmahl ist das doch wohl gewis, das Ding hat zwey Seiten, und nur der es von der achten betrachtet thut wohl. Aber zu meinen, Werke. Meine Absicht ist, hier der Welt, das heist der mauren- den, und der nicht maurenden Welk das bekannt zu machen, was mich die Erfahrung davon gelehrt, nicht was der Orden mich gelehrt. Dieses wäre wider meine Psiichk, )( 4 jenes VII! jenes ist meine Pflicht, weil ich weis, daß ich dadurch warne und bessere. Dieses würde das innere des Ordens, seine Geheimnisse also das betreffen, was nur ächte wahre Maurer angeht. Die wissen es nun schon, was soll man es ihnen sagen, und die cö nicht wissen, die müssens ja durch eignen Fleiö erreichen, denn das gehört zur Sache. Jenes aber betrift das äußere. Zwar weis jeder sogenannte Maurer davon etwas, allein er weis es vielleicht von einer falschen Seite, kennt es nur als Oberfläche^ könnte es also besser oder anders kennen lernen, lind thut deswegen wohl wenn er liest. Noch .mehr wohl thätaber der, der garnicht Maurerist, der es liest, um zu sehen, ob er es werden soll. Der wird gewiß in sich gehen gehen, und untersuchen, was eigentlich fein Zwek ist, was die Ursachen sind und ob er auch Kräfte genug in sich fühlt, einer Wahr« heit nachzugehen, die so verwebt, so sehr mit Nebensachen umgeben ist, daß es schwek ist zu ihr hindurch zu dringen. Meine Absicht, wie jedermann entdeken wird, ist freylich.eben nicht, das Reich der Maurerey zu vermehren, das wäre widee Meinen Plan. Unter einer Menge ist dev Haufe immer größer, der schlecht denkt, als der gut handelt. Also je mehr Bruder je mehr Unheil. Doch meine Ausführung wird lehren, ob ich recht habe» Was ich übrigens dachte, schreibe ich Nicht als Gesez vor. Ich bin kein so großes X 5 Licht, Licht, daß ich das könnte. Im Gegentheil, ich bin klein, und es scheint, als hält man mich für zu wenig rechtschaffen, oder für zu klug, um mich größer werden zulassen. Auf das lezte mache ich keinen Anspruch, rechtschaffener Mann aber bin ich gewis. Indessen krankt michs nicht, daß ich nicht weiter komme, oder mir Plane, die ich hier und dahabe, vereitelt werden. Die Art,wie ich zur Maurerey gekommen bin,die Weise, die ich gefunden, das alles macht keinen Eindruk mehr aufmich. Ich bins in der Wahrheit, und das ist mein Ruhm, wills gern in der Stille bleiben, und mich dieses Ruhms nicht rühmen. Das vierte und fünfte Gespräch sind von der Hand eines Frauenzimmers, die mir ihre XI ihre Gedanken darüber mittheilte.' Sie hat gewiß nicht unrecht. Sie hat viel Kennt, risse, ich gestehe es, viele Kenntnisse die sie nicht haben sollte. Wer weis, wer ihr das offenbarte. Ich kan ihn nicht loben, sie aber nicht tadeln, daß sie ihre Wisbegicrde befriedigte. Ich kanns hier mit Wahr-« heit Wißbegierde nennen, denn über alle Neugierde ist sie erhaben. Auch muß ichs zu ihrer Ehre sagen, daß sie verschwiegen ist, wie ein Mann. Sie istvon der Würde des Ordens überzeugt, aber sie ists auch von der Würde ihres Ge. schlecht. Die Abhandlung über die Rosenkreuzer ist auch vollkommen auf Wahrheit gegrün- dek. Ich fand das Verfahren so sonderbar, als daß ich die Falle mit Stillschweigen hätte übergehen können. Wer sich überhaupt getroffen fühlt, der wird mir verzeihen, daß ich so gerade heraus sprach, und da ich niemanden genant habe, so kan man mir nichts zur Last legen. Vielmehr kan es die, welche es trist, an ihre Pflichten erinnern und dann stifte ich wohl noch mehr Nuzen, als ich stiften zu können glaubte» Geschrieben im Iunius des 5784stm Jahres. Der Verfasser. Erstes Gespräch jeutmann, Siebriz, und Emeyer» Lcutmann. habe dich einige mal gefragt, lieber Siebriz, ob du Maurer wärest, und du hast miralkzeicmit Stillschweigen darauf geantwortet. Hier ist nun Eme^er, er ist unser genwinschaftlicher Freund. Er hat mir entdeckt, daß du es bist. Warum bist du so verschwiegen gewesen, da duwustestdaß du sehr zu meiner Entschließung beytragen würdest, mich auch zu dieser ehrwürdigen Gesellschaft zu bekennen. Siebn?. Eben die Denkungsart, die mich dazu brachte, dirs zu verschweigen, bringt mich jetzt dazu, die zu gestehen, daß ich es wirklich bin. Da du es weißt, verläugne ichs nicht, da du eö.. nicht wußtest, schwieg ich; mein Schweigen mußte' dir sagen, daß ichs wäre; denn ich hoste nicht, daß daß du mich für niederträchtig genug hältst, mich für etwas auszugeben, was ich nicht bin. Le»k, A s Leutmann. Das gewis nicht, aber deine stillschweigende Dejahung war mir doch nicht genug, um dich um Rath zu fragen, und das war mein Wunsch, denn aus bloßer Neugierde dich gefragt zu haben, wirst du mir gewiß eben so wenig zutrauen. Siebn'?. Nie- oder ich müßte dich verkennen. Und das hab ich noch nicht gethan. Und ich bemerkte auch wohl den Grund deiner Fragen, allein(nimm das so auf, wie ichs denke) ich wollte dir nicht rathen. Abrathen ist wieder meine Pflicht, und znrathen— das thue ich nicht, und werde es nie thun— Emeyer. Aber, Siebri), dies ist doch gewis nicht Ernst. Du bist Maurer, und sprichst also. Sage mir, was sollen Fremde, denn wieder den Ausdruck Profane habe ich dich schon oft eifern hören, was sollen also Fremde von uns denken, wenn wir unsere eigne Sache unterdrücken, nnd ihre Ausbreitung verhindern? Siebn'?. Davon trägst du einzig nnd allein die Schuld. Hättest du mich nicht verrathen, Leutmann wüste bis izt noch nicht recht, woran er wäre, und ich sehe 3 sehe nicht ein, was dich zu dieser Entdeckung bei rechtigte. Emeper. Eifer für den Orden, mein Lieber. Leutmant, hatte Neigung, eröfnete mir, daß er gerne hinein wollte, sezte aber hinzu, er würde nicht eher hineingehen, als bis er gewiü überzeugt wäre, daß dn auch bey der Gesellschaft wärest. Erst schwieg ich, wolte ihn sich selbst überlassen. Er klagte mir aber oft, daß du zurückhaltend gegen ihn wärest, und da ich sahe, daß wir darüber um ein tüchtiges Mitglied kommen würden, so versicherte ich ihm du wärest es— Ich habe ihm nicht verboten dir es wieder zu sagen, und das muß mir zue Entschuldigung dienen; ich wollte ein Gespräch dadurch veranlaßen, welches eine Erklärung von deiner Seite hervorbringen sokte. Zezt gereuet mich das nicht, denn ich fürchte du bist in einem? Irrthume, aus dem du zu deinem und unser aller besten heraus gerissen werden mußt. Giebrix. Wenn du meine Denkungsart mir aksIrthum darstellen kaust, so gebe ich dir recht, und dann will ich gern mich von meinem Zrthum heilen lahm. Aber das fürchte ich wieder, wirst du nicht kennen. Ich will ganz offenherzig seyn, Emefwr, du bist mir ein liebenswürdiger Freund, A 2. aber 4 aber so bald es auf Manrerey ankommt, bist du «in enthusiastischer Schwärmer. Laß uns also einmahl reden, so weit wir für einen Fremden reden dürfen, der unser beyder Freund ist, und nur einem von uns beyden folgen kann, und dem ge« wis folgen wird, der das Ucbergewicht über den andern behält. Denn ick gestehe gern, daß ich nichts weniger wünsche, als daß Leutmann seh> nem innern Rufe folgt. Leutmann. Ihr verbindet mich in der That sehr. Ich schäze dich lieber Emeyer, st hoch, als ich meinen Busenfreund Giebri; liebe, und ich wogte euer beyder Freund bleiben. Ihr seyd Freunde, obgleich ihr verschiedener Meynung seyd. Ich werde also, ich wähle nun, welches ich wolle, doch des andern Freund auch bleiben können. Mir härre nie eine erwünschtere Unterredung kommen können. Ich werde nun gewis richtig wählen, und nicht mirselbst Vorwürfe wegen dieses Schritts zu machen haben. Siebriz. Auch ists mir selbst um deinetwillen lieb, denn ich wünschte nicht gern von dir für andersdenkend gehalten zu werden, als ich bin. Und nun, Emef'er, will ich dir sagen, daß der' Grund, warum ich mit der Maurerey unzufrieden bin, kein 5 kein andrer ist, als weil ich glaube, daß diese Gesellschaft, dieser Orden, diese Verbindung im Durchschnitt genommen, mehr Schaden als Nutze» stiftet. Emaper. Das glaubst dn lieber Bruder, weil du noch nicht so weit gekommen bist.seinenNuhen einzusehen, weil du noch nicht weiter hast kommen wollen, all die Vorstellungen in den Wind geschlagen hast, die man dir deswegen gemacht, all den Bitten kein Gehör aegeben, die man an dich verschwendete, um dich weiser, um dich glücklicher machen. Wenn dir jemand verspräche, dich in eine schöne reizende herrliche Gegend zu führen, und nähme dich mit sich, brachte dich eine halbe Stunde hindurch, durch ei» Feld, wo Sandberge sich thürm- ten, und du wollest nun auftreten, mit ihm zürnen, umkehre», und dich weigern einen Schritt weiter zugehen, obgleich er dir die Versicherung gäbe, essen nicht mehr fern, das Ziel, wo deine Begierde vollkommen befriedigt werden solle, sage mir, wer wird alsdenn der schuldig- Theil seyn? hat er dich betrogen, oder bist du nicht durch deine Hartnäckigkeit die Ursache daß du nicht stehest, was du gern sehen wollest? b>e- «3 6 Giebrix. Du sprichst einnehmend, Emeyer, und ich mogte den sehen, der noch ganz ohne Zweifel wä, re, und sich nicht von dir eknnchmen ließe. Aber bey mir ist das der Fall nicht, weil ich die Ver« glcicbunI nicht passend finde. Wenn ich die Maurerey suche, so suche ich freylich eine schone herrliche Gegend für meinen Geist, all meine Erwartung aber ist gespannt, ich suche da keine Sandhügel zum Eintritt, auch mahlte man sie mir nicht, sagte mir nicht, daß ich Zahre darin umhenvaten müße, ehe ich das schone nahrhafte Feld, oder den Garten, oder die beblümts Wiese für all die Erwartungen meiner Seele sehen würde, Auch mußte ja der erste Schritt in die Maurerey, der erste Schritt in die schone herrliche Gegend seyn, denn sonst wäre sie es ja nicht selbst, und das solte sie doch seyn. Und wenn ich auch nur bey diesem ersten Schritte den Anblik von all den schonen zu sehen hatte, nur in der Entfernung ihn schimmern sahe, den Gedanken, meine Kenntnisse selig vermehrt zu sehen, so wäre es genug gewesen. Hatte man mir einen Fingerzeig gegeben, hätte mir, um bey deiner Vergleichung zu bleiben, Blumen unter meinen Füsen gezeigt, oder zur Seite einen schonen Bach mit klaren hellen Steine», und gesagt: Suche hier, und untersuche, und dann soll dein Fnß die fernen schonen Gegenden 7 den betteten, so wäre ich zufrieden gewesen, aber so— Wahrlich, Emeyer, du hast nicht wohl gethan mich auf diesen Weg zu bringen, wo ich mich selbst im Laufe aufhalten muß— Lmcver. Ich glaube w ,t, mein bester. Eben solche Wie- derlegungen müssen unsern Freund Leurmann überzeugen. Immer bleibt noch mein alter Saz, wenn ick schon selbst eingestehe, mein Vergleich war nicht ganz passend. Den Vergleich aber kann ich ja weglassen. Du wirst mir zugeben, daß unser Vertrauen nur dann erst wächst, wenigstens zu einer gewissen Hohe, wenn wir Drüber mit Ihnen sind, nur dann erst wenigstens unsre genauere Untersuchungen und Prüfungen angehen, wenn wir uns mehr herauszunehmen berechtigt sind. Nur dann erst können wir sehen, ob sie werth sind, unsre Geheimnisse zu wissen und wann sie sie»unschön wüsten? Daß du werth bist sie zu wissen sind wir so lange überzeugt, haben dir eine Thür gezeigt, und gesagt: vfne sie!— und du woltcst nicht— habe ich nich recht? Siebriz. Zm geringsten nicht, Freund. Zch hätte säst wieder jedes Wort etwas»inzuwenden was du gesagt hast, aber ich will es kurz zusammen fassen. A4 Ich "8 Zch glaube bey dem Begriffe von Maurerey, dbr nicht anders als hoch und schön bey dem werden kann, der den Vsrsaz fasset, dazu zu gehen, muß nicht der geringste Betrug stakt finden. Und so wie du da sprichst, Wird ein jeder betrogen. Zhr weg det doch gewis keinem sagen: der Schritt den du jezr thust, entdeckt dir nichts-—und das sollet ihr wenn ihr rechtschaffen wäret, oder wenn der Ausdruck dir chu harr ist, wenn ihr die Sache so treiben weitet, wie sie getrieben werden soll—- Emeyeu. Zn der That hark--— und man solre wirklich nichts— nichts geheimnisvolles— nichts des Nachdenkenswerthes bey diesem ersten Schritte er- fahren— Srebriz:. Laß uns nicht, mein lieber Eineyer, das Zeremonielle, mit dem wahren, nicht das äußere Mit dem innern, nicht Nebendinge mit der Hauptsache verwechsele Wenn ich nicht sähe, daß es gute Nebendinge beym Orden giebt, so würd ich ja die'Achtung dafür verliehren, und das habe ich doch wohl nicht gezeigt. Noch mehr! Hätte Man mir vom Anfange so gesprochen, wie du mir jezt sprichst, so wäre ich nicht stehen geblieben, wo ich stand, ich wäre ganz gewiß weiter gcgans gegangen, und hatte mirs gefallen lassen, Sand- herge zu übersteigen. Lcutmann. Wenn ich aber nun darin glücklicher bin, als du, Siebriz, wenn man mir die Augen über diesem Punkt geosnet, wenn ich mit der Gewis- heic gehe, den ersten Schritt als Prüfung anzusehen, und erst dann Aufklärung und Nutzen zu erwarten, wie denn? Bin ich da nicht sicher, nicht in die Lauigkeitzu verfallen, in der du bist? Siebn;. Lieber Lcutmann, wüste ich daß du dich so wie ich, bey der Sache benehmen würdest, so mvlte ich in diesen Augenblik zu dir sagen: Geh! und laß dich aufnehmen. Allein du bist mir zu rasch. Du hast zu viel Enthusiasmus, wirst hingerissen, verblendet, und ich vermag die Verblendung nicht von dir zu reisten, denn du wirst dich von mir losreisen, und unsre Freundschaft wird von deiner Seite gebrochen werden. Emeseer. Das sind Chimären, Siebri;, das ist schwarzes Blur. Wir kommen vom Zweck— Laß uns fortfahren. A; Sie 10 -M' biebriz. Es)!' ich fortfahre, will ich euch meine Geschick» te erzählen. Mir ist zu vie! an den Manne ge, legen, der so lange mein warmer Freund war, alü daß ich ihn verlieren wogte. Ich sahe schon oft einen miskrauischen Zug im Blicke seines Auges, wenn ich ihm sagte: Laß uns von der Mau- rcrey nie reden. Du bist Enthusiast für dieses, Enieyer, aber was du bist, das wird er zehnfach. Hose mich Leulmgnn, und dann entschlüße dich wozu du wüst. Immer war meine Begierde, Maurer zu seyn, gros, Ich hakte noch nichts davon gelesen, aber vieles gehört. Ich dachte mir den Gedanken, von Geheimnissen könne niemand schreiben, und so konnte alles das. was ich davon lass, nur Erdichtung seyn. Aber was ich hörte, was man theils öffentlich sagte, theils unvermerkt fliegen lies, baff war mir alles Sporn. Es flößte mir Achtung ein, eö machte mich ungeduldig Alles das spannte meine Begriffe so hoch. daß ich mir nicht getrauet?, Ansprüche auf eine Sache machen zu dürfen, die mir so weit über mich erhaben schien. Zch betrachtete jeden Maurek als einen Halbgott, und sckawe ihn glücklich. Zch trug mich einige Jahre damit. End, Endlich entdeckte mir Einher, er wolle sich aufnehmen laßen, und frug mich, ob ich mcht Lust dazu hätte. Ich fiel ihm um den Hals, und warvor Freuden außer mir: Mir konnte nicht» erwünschter kommen. Ich bat ihn zu eilen, so vieler könnte. Ich glaubte, jeder Augenblick könnte mir etwas in den Weg legen. Meine k n- würdigkeit kam mir immer größer vor. Ich gab auf die kleinste meiner Handlungen acht, und ich habe gewis nicht leicht selbst in meinen innersten Gedanken so exemplarisch gelebt, als diese Nil»er Erwartung über. Ich zitterte, wie der Tag erschien. Ich hatte alle Gewalt nöthig, meine Verwirrung zu verbergen. Himmel I weich ein Abend folgte diesem,^.age. Ich muß das, was mir begegnete, mit Stillschweigen übergehen. Knrz, ich war Manier, und meine Erwartung war aus die entsezlichsie Art betrogen. Von allen den Begriffen die ich mir gemacht, wurde kein einziger erfüllt. Ich legte mich wisvergiiugt nieder, und ich erwachte ängstlich. Mein erster Gedanke war mein gestriger Schritt. Bereuen konnt ich ihn nicht. Zcb hatte ihn in der vollen Meynung gethan, weiln und besser zu werden. Ich war es nicht geworden. Meine Seele sträubte sich eine Zeit lang wieder den Gedanken, betrogen zu seyn, und wie die Wal- 12 Wallung meines Blurs sich nach und nach Kate so entstand Kälte daraus. Ich sahe meinen Schritt m eben der Art an, wie ich einen andern zu mei. nein Mücke gemachten, und fehlgeschlagen,, Schritt angesehen haben würde. Man brachte mir einige Zeichen meiner neuen Wurde. Ich sah,. s,x nicht an, zahlte den Neberbrmger ohne einen Ge. danken daran, ich legte sie weg, und beschloß sie rne wieder anzusehen. Em^er besuchte mich. Es fiel nicht ein Wort vom gestrigen. Zch hatte gar keine Lust M zu fragen wie es ihm gefallen, ,mö erwirb mirs»», gcst-hen hcchen. Zch wußte kurz darauf meinen Aufenthalt verändern. Zcb bin nachher einige- mahl auf den Argwohn gekommen. als ob Emeser mich blos dazu beredet, um die Halste nwisser Unkosten zu ersparen, aber sein nachher bewiesener uneigennütziger Karakter hat in mir Reue über diesen Argwohn hervorgebracht. Emes-er. Der gewiß ganz ungerecht war. Aber was du da gesagt, ist mehr hinreichend um deine Kälte um den Orden zu vertheidigen. Ich gestehe dir, ich war selbst in meinen Erwartungen betrogen, und ich lies dir es nicht merken, weil ich mich scheuere, da ich dich aufgefordert, und dir das Dtisvergnügen, was ich dir ansähe, gemacht hatte. i; tt. Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte mit dir davon gesprochen. Ein Stein, der eben gefallen ist, ist leichter wegzuwälzen, als wenn ihn seine eigne Schwere, Jahre lang in den Erd« bodcn eingedrukt hak. Nun kosters doppelte Kräf. te. Findest du nicht selbst, Siebriz, daß d» nicht bey dieser ersten Täuschung hättest sollen stehen bleiben? Siebriz. Ich blieb eS auch nicht Freund, ich fand aber Mehrere. Höre aber weitcr. Der Begriff von dem erhabenen und großen, was ich mir vorher gedacht, war bey mir so sehr gesunken-, daß ich fast m denken anfieng, es sey alles Spi-lwerk, was Maurcrcy genannt würde. Zch dachte kaum noch den Namen derselbe», als ich Gelegenheit hatte Orte zu besuchen, wo man öffentlicher von dem Orden sprach, als hier bey uns. Ich wurde Anfangs gar nicht aufmerksam. Aber endlich, wie dem beym Menschen die Länge der Zeit einen Eindruk verlöscht, um den andern wieder empor zubringen, so kam auch bey mir wenigstens die Nengierde zum Vorschein zu sehen, ob andere nicht das nämliche dächten, was ich dächte, da sie doch das nehmliche erfahren. Ich machte freylich eine Entdeckung vom Gegentheil, ich fand viel enthusiastische Wärme vor den Orden, und Kalte nirgends, höchstens hin und wieder Gleichgültigkeit. 24 14 Zch konnte das natürlich nicht anders als dadurch, daß ich mich selbst als einen Maurer entdeckte. Nun lernte ich nicht viele, nein, ich lernte Hau, fen, ja ich wogte wohl sagen. Schwärme von Maurern kennen. Ich staunte, mich umringt zu sehen, man erzeigte mir als einen fremden viel Ehre, man überhäufte mich mit Höflichkeit, man zeigte sich mir aber in einem Lichte, das mir nicht ganz recht war. Ich fand sehr viel Mischung, fand gute und böse, wo ich lauter gute zu finden glaubte. Freylich urtheilte ich nach dem erstenBlik, und irrte mich vielleicht in diesem und jenem, allein die Mischung bleibt doch immer gewis. Immer blieb es gewis, daß ich einige fand, die offenbar lasterhaft waren, die böses Beyspiel gaben. Das sezte meiner Kälte eine Art von Verachtung hinzu. Nach einiger Zeit frug man mich nach meinem System, und ob ich ihre Loge besuchen könnte. Ich hatte in meinen Leben noch nichts von Systemen gehört, sagte ihnen ich wüste nichts davon, und wurde ausgelacht. Schönes Betragen von Brüden,, die mir so lange sie nicht wüsten, wer ich war, und ob ich nicht meine Kenntnisse über die ihrigen trug, geschmeichelt hakten. Ich war aufrichtig genug auf das Anfragen einiger, denen ich vor andern trauere, meinen Grad und meine Loge zu entdecken. Man zukre die Achseln, man bedauerte mich— man. chlug mir vor, mich neu aufnehmen zu lassen. Ich war aber nicht Thor genug mich aufs neue hettüg-n zu wollen- Ich dankte und alle die mich vorher so sehr bewundert und so innig geliebt hatten, verließen mich iezk. Emeyer. Nachdem du gewis nicht wenig auf deinen sogenannten Betrug geschimpft. Gage mir, wie kamst du Menschen zumuthen, sich oder etwas was ihnen werth und lieb ist, dir zu entdecken, wenn du schon im Eifer gegen die Sache bist, wovon ihr euch unterhaltet? Und dann hättest du dich doch gewis auch um einiges von der Gesellschaft beküm- mernsollen, incher du warst. Man glaubte dich ein Mitglied derselben, und du wußtest nickt einmahl ihre ersten Grundsätze. Alles also zu deiner Vertheydigung nichts. Siebri;. Ich könnte dir antworten, wer lehrte mich sie, «der wer gab mir einen Wink darauf. Oder wer sagte, ich würde in Büchern mehr finden als in der Entdeckung? Ich könnte auf das erste antworten, daß alle diese Menschen vorherj ehe sie jene Frage an mich thaten, nichts von ihrer Haupt.. Sache redeten, mich vielleicht.für einen der viel- wissendsten darin hielten, und vielleicht selbst Zu wenig wüsten, um sich mit mir einzulassen. Aber ich 16 ich will mich in meiner Geschichte nicht selbst-ruft terbrechen. So viel ist gewis, wie ich diesen Ort verlies hakte ich gewiü weniger Vornrtheil wieder die Sache, als da ich hinkam, obgleich das größte wieder die Personen, mit denen ichs zu thun hatte. Ein großer Theil unter ihnen verdienten den Manien leichtsinniger Menschen. Andere waren mir als brave, biedere, denkende Leute bekannt. Zch hatte sie edel in vielen außer Maurerey zweckenden Handlungen gefunden, es war mir unbegreiflich baß sie sich in der Gesellschaft der übrigen befanden, und eben dieses unbegreifliche lies mich noch etwas Gutes hoffen, aber diese Hofuung war mit keiner Begierde verbunden, sie war kalt und rührte. Unter andern hatte man mir gesagt, ichkönn. te viel aus Büchern lernen, und jezt kam ich an einen Ort, wo man in der Lektüre über Maure« rey eine Art von Vorzug sezte, wo eine Sucht herrschte, die sich seit einiger Zeit erst enthüllet, und die alles gut und böse durcheinander anstekte. Zch kaufte mir, nicht von der dortigen Luft infizirt, sondern noch vom alten Eindrucke gereizt, alles was in die Manerey einschlug, und ich las Tag und Nacht. Mein Kopf wurde ein EhaaS von Begriffen, ich bekam wörtlich zuweilen Pa- rorismen i7 roxismen zu glauben, daß Maurcrey das höchste Gut wäre, daß sie die ganze Weit umbilden konnte, wenn ich einmahl einen Schwärmer gelesen, der mir einen Mikromegas so vollblütig dahin sez. te, und ich verfiel ein andermal)! wieder in einen Rückfall von Unglauben, wenn ein andrer so ganz wahrscheinlich darstellte, es wären alles Chimären, was davon gesagt würde. Indessen fchafte mir dieses Lesen eine Bekanntschaft die auf die Folge meines Lebens verschiedene Wirkungen hatte. Ick hatte meine Reise unternommen, um ein Projekt auszuführen. Ich hatte mit dem Ankauf aller dieser Bücher Aufsehen gemacht. Man suchte meinen Umgang, und für mein Unternehmen war das nicht übel. Ich war wieder mit einem Schwärme von Maurern bekannt, ehe ichs mich es versähe. Jezt kam mir keine Frage unerwartet. Ich wußte alles an den Fingern herzuerzahlen, was man von mir wissen wollte; ich wurde für einen erhabenen Maurer gehalten. Hatte ick durch meine Lektüre etwas gelernt, so lernte ich noch wehr durch mündliche Unterredung. Ich kam hinter Geheimnisse die man mir zu entdecken sich schuldig glaubte,weil man mich in dem asten so sehr bewandert hielt, wie sich selbst. Ich glaubte große Dinge entdeckt zu haben, und untersucht ichs, so wa- rens Lappalien— B Eme)'* IK Eme^er. Welcher vernünftige Mensch kan aber auch solchen Leuten zutrauen, daß sie etwas wissen. Heißt es nicht Spott mit einer ernsthaften Sache getrieben, wenn man ihre Erklärung von Possenreißern verlangt. Und wie solte nun das wahre und gründliche der Sache aufgehoben seyn, wenn man es Schwäzern in die Hände gäbe, die beym ersten, der ihnen ausfiele, und sich mit einen Scheine brüstete, alles entdeckten, und so, etwas allgemein machten, an dessen Verdeckung das ganze hängt. Siebn';. Nicht eifrig lieber Emeyer, sonst müssen wir abbrechen, bis wir kälter werden. Wir sind auch lange noch nicht dahin, wohin dnjezt einen Vorsprang gemacht. Erst laß mich alles aus erschien. Nachdem ich eine Zeit laug ohne sie zu suchen- von einer Menge Maurer beladen gewesen, nachdem ich alles gelesen hatte, was man da lesen kann, nachdem man mir geheime Schriften kommunici- ret, die ich zum Theil mlstisch genug fand, um etwas ächtes zu vermuthen, nachdem ich überzeugt war, daß es alte Geheimnisse gegeben, und neue .geben könne, daß der wahre Orden weder Alchymie, nvchRel!givn,noch üuturn in üstu,nochSchmäuse u. Sinn 19 Sinnlichkeit zum Zwecke hatte, obgleich ich eben so überzeugt war, daß diese Endzwecke alle bey einzelnen Personen und Versammlungen derselben statt finden, so war doch der Gedanke in mir unauslöschlich, daß er einen Endzweck habe. Ich blieb denn bey dem Verfasser des Zwecks der Maurerest stehen, wollte mir ihm Erhaltung und Fortpflanzung der Gcheimnisse annehmen und glaubte mit ihm, ich fehle nur in Ansehung der rechten Thür. Die rechte Thür ist freylich unter vielen schwer zn finden. Indessen lies sich muth-> Maaßen, es würde die verborgenste wohl seyn. Nun glaube ich schwerlich, daß es ein Land giebt, das bey dem jezigen Zeitläuften in Ansehung der Maurerey nicht seine Unbekannten haben solte. Ich glaubte also auch nicht besser zu thun, als wen» ich sie aufsuchte. Ich lies mir etwas von den Namen fallen, und alle die um mich waren versicherten mir, es gäbe ihrer, sie hätten eine besondre Loge, hielten sich geheim, und waren sicher im Besitz großer Geheimnisse. Man depen- dire gewissermaaßen von ihnen, und ich würde da nicht unwillkommen seyn. Aber man sezte hinzu, es sey sehr schwer bey ihnen anzukommen, und sie hielten sich sehr zurük. Indessen wurden mir einige genannt, die sich unter ihnen befinden sollen. D- Ich 20 Ich mächte mit diesen Bekanntschaft. Einet, fand ich von ihnen schon entfernt. Hatte er sich von ihnen entfernt, oder hatten sie ihn von sich eur« fernt, daü weiß ich nicht, jeder behauptete daß er Recht habe, und ich habe wenigstens eben so viel Ursache dem einen zutrauen, als dem andern Theile. Der andere war Goldmacher, war es nicht, suchte es aber zu werden. Nun war der Begriff schön, den ich bekommen hatte. Indessen bekam ich einen Freund, mit dem ich in andere Geschäfte verwickelt wurde, mit dem ich schon sehr vertraut war, und der mir unversehends aus diese Bahn- kam. Er sprach von Frcymäurerep, ich entdeckte mich ihn, ganz. Ich glaubte ihm diese Offenherzigkeit schuldig zu seyn, weil er forschte. Gegen einen Freund wollte ich kein Schein- gut sehen lassen. Er schilderte mir das ganze seiner Loge, so reizend, so idealisch brüderlich, so wichtig, daß ich recht viel Begierde bekam, mich dort aufnehmen zn lassen. Zch entdeckte mein Verlangen, er machte mir Hofnnng, allein es wurde nichts daraus. Warum nicht, das konnte ich mir damals gar nicht erklären. Nun kann ichs schon lange. Mein Projekt, weswegen ich Hingereiset war, wollte scheitern. Mein Freund, der gewis enthusiastischfreundschaftlich für mich dachte, und auf den Maurerbund dsesen Enthusiasmus sehr viel stüzre, bor bot mir an mich zu unterstüzen. Ich stellte ihm alle Schwierigkeiten vor, die dabey zu überwinden waren. Er versprach mir, sie zu überwinden,»nd wir traten in Verbindung deswegen, aber ich reihte ab, ohne in die Loge aufgenommen zu seyn. Nach einen halben Jahre hatte meinen Freund sein Enthusiasmus verlassen. Er vernachlaßigke mich, vernachlayigte meine Sache auf eine unverantwortliche Art, stürzte mich in ein tiefes Labyrinth, that sich selbst freylich auch einigen Schaden, gab mir aber nun allein die Schuld,»nd war, aber auf meine Kosten, der ehrlicheMann. Emeyer. Wahr, daß das hart ist. Aber macht ein Wann alles? Kan der Bestscheinende sich nicht verstellen, und war denn eben die Thür wohin du kämest, die rechte? Nein, mein Freund, die verborgene braucht es nicht zu seyn. Es kann eine seyn, die sehr hervorsticht. Wenig bekannt sind sie freylich die Maurer die es in der That sind, aber müssen sie just unter den Unbekannten seyn? Warum bliebst du nicht ohngeachtet dieses Versuchs bey dem stehen was der Verfasser des Zwecks sagt? Machts eine Probe aus? Müssen wir gleich ins schwarze treffen, wenn wir uns im schießen üben, oder gleich das Ziel erreichen, wenn B; wik 22 wir laufen lernen? Ist wohl etwas gutes in der Welt, was wir ohne viele Mühe und Arbeit erlangen? Giebt e» wohl Vortheile der Seele, die sich ohne Anstrengung ihrcrKräfte erlangen lassen? And da du einmahl das erwähnte Buch angeführt, sage, ist das nicht deutlich und anschaulich für die Wichtigkeit des Ordens, was der Verfasser in dem ersten Abschnitte davon sagt. Giebrix. Wohl gesprochen für die Wichtigkeit aber nicht für die Güte. Der Handel mir Menschen ist eine wichtige Sache, in der That für so sehr viele andere Menschen wichtig, daß sie ihre Brüder kaufen und zu ihrer Bequemlichkeit brauchen können, allein ist er darum gut? Zsts darum schon, in ihre Fußtapfcn zu treten, und mit Menschen zn handeln, weil sie damithandeln? Aber auch das beyseite, so ist so manches, was anschaulich genug ist, nur scheinbar anschaulich, und wenn man es genau untersucht, fällt cS weg. Der Verfasser kann nicht davon schließen, daß jeder Freymaurer ihn auf die Frage, warum Zwistigkeiten waren, antwortet: Weil wichtige Dinge sie verursachen,-—daß dem würklich so ist. Der graste Theil derer die ihm antworten, weis eS selbst nicht, und giebt sich nur daS-Ansehen, und wie kann die Aussage eines Vorzugs von einem 2Z nem Freymäurer etwas bcweisliches haben, da es ausgemacht ist, daß Selbstliebe im Menschen so unnnterdruckbar ist, und auch der Maurer sich selbst tadeln mäße, wenn er von sich gering spräche. Es gehört sehr kalte Philosophie dazu, zu sagen: ich bin betrogen. Ist Stolz nicht eine Triebfeder zu ganz andern Dingen, als Reisen. Wer nun Geld hat, nnd es so gerne hingäbe, um sich Ansehen zu kaufen, ist dessen Grund zu reisen nicht weit näher in dieser Sphäre zu suchen als indem entfernten Dunstkreise der Maurerey? U'dAnkauf und Besitzungen, sind sie uns nicht zu oft Ankündigungen des Eigennutzes gewesen, als daß wir so gerade zu eben jezt eine andere Meynung annehmen sollten? Wenigstens müssen wir uns nicht gerade zu auf so etwas berufen. Auch wollen wir die Gründe nicht detailliren, die Fürsten an uns ziehen können. Ich sage, können— mein Aremid, denn wie kan ich anders, da ich selbst noch unwissend bin, also auch auö Unwissenheit zu irren fähig. Und so ist vieles was der Verfasser so anschaulich in diese» Abschnitte sagt, auf Hypothesen dargestellt, und nur den Nichtforschenden, das, was eS hervorbringen sollte. Aber ich will das alles darum nickt tadeln. Es hat seinen Nutzen für die Frss'Mtwrcref. Emey, 24 Eme^er. Und laß mich dir denn nun in eben dem nach- drucksvollen Tone antworten Und diese für das ganze menschliche Geschlecht, lind wenn, mein lieber Freund und Bruder, nur hundert unter diesen Freymaurern allen sind, die um dieser Verbindung willen gut und edel geworden, die das Glück schä« zen gelernet, was bürgerliche Veckinigung unter den heutigen Menschen in so viel verschiedenen und von eiuanderabsiehenden Ständen hervorbringt, die brüderliche Eintracht als Wohlstand des Lebens erkannt, die Stolz darin suchen, ander? um sich her glücklich zu sehe», die thätlich ausübe», was sie iu Wortechdarstelkcii, sind diese hundert nicht der ganzen Sache werth? Siebn'?. Einer wäre es werth, sobald du mir beweisen kaust, daß er es bloß durch die Maurerey ge, worden. Aber lag der Keim zum Guten nicht in ihm, und was sollte ihn abhalten, eine jede Gelegenheit so wie diese zu ergreifen? We- niastenö, nwin Freund, machts das Wort nicht allein aus, sondern wenn er es durch seinen Bey« tritt geworden, so wurde er es durch Beyspiele, die ihr ihm gabt, oder Lurch euer Zureden, oder durch sonst ein Mittel, welches ihr, nehmt mir das nicht übel, als rechtschaffene Leute, auch ohne „e das Wort Maurerey hättet anwenden müssen. Einher:. Nichts von dem zugegeben, was in dem Sahe nychtheiliges für die Manrcrey selbst steckt, so will ich einmal annehmen, erwürbe das auch geworden seyn, wenn wir so nahe an ihn kommen können, als wir es durch dieses Mittel konnten. Konnten wir das aber ohne dasselbe? Wer wird nicht das für Zudringlichkeit und Verwegenheit halten, was nichts als Zutrauen und Anhänglichkeit wird, wenn es als Bruder, als Maurer vorgetragen wird? Wer wird es nns verdenken, wenn wir die Wahrheit nakc nicht vorkragen können, daß wir ihr ein Mantelgen geben, sie in ein Gewand hüllen, um sie dennoch an Mann zu bringen. Giebriz. Das wäre etwas, und ich will die Einwendungen die ich auch hier wieder noch haben konnte, beyseite setzen, weil, ich msgte für die nakte Wahrheit streiten, wie ich wollte, du mir allemal den Einwurf bringen könntest, daß die Welt nicht mehr ist, was sie war, und ihre neuen Sittenlehrer sich nach ihrer jetzigen Beschaffenheit richten müssen. Ich wiederholte darum auch noch einmahl, ich Habs für das Gute der Maurerey Achtung, ich will V r aber 26 ober das Gute gern mit dem mißersten Schritte derselben verbunden wissen, und darum streite ich. Zeh will lieber den ehrlichen Man« gerade heraus gehen sehen, als den Maurer Schritte machen lassen, die durch Umwege ein Geheimniß zu verdecken scheinen, was er so ganz öffentlich vor der Welt hervorbringen zu? dürfen scheint. Emeper. Wurdest du nicht, wenn du eine» deiner Freund auf dem Wege zum Untergänge wegen einer fehl- geschlagene» Hofnung, laufen sähest, ihm lieber nachrufen, seine Hofnung sey erfüllt, um ihn auszuhalten, als ihn in den Abgrund stürzen lassen, der vor ihm ist? Gicbri;. Ich wurde es thun, aber gewis ohne zu untersuchen, ob ich es thun sollte. Vielleicht würde ich bey einer solchen> Untersuchung zurücktreten, und mir sagen: dieser Meissch hat seinen sreyenWillen wie du, hat innere Vewegnngsgründe gehabt zu handeln, hat sie zu handeln, und wer weis, ob er nicht auf dem Wege zu seinem Glücke ist; aber was soll das hier? Em-ss'cr. Das soll dir eine Pflicht des Maurers darstellen, der über philosophische SchlußZolgen hinweg, jede 2? jede Gelegenheit ergreift seinem Nebcnmenschcn zu dienen. Siebn;. Und wird von dieser E Pflicht etwas gesagt, pre- Ligr man sie in euren Zusammenkünften? Einher. Allerdings mein Freund. Hortest du sie noch nicht recht predigen, so war es deine eigne Schuld, denn du vermiedest die Zusammenkünfte wo sie gelehrt wurde.wo man dcnMenschen und dessen Pflichten dir dargestellt,und dich überzeugt haben würde. Siebn';. Es ist möglich, daß ich das versäumt habe. Habe ichs aber dort versäumt, Emefwr, so versäumte ich nicht diese Stimme in jeden Menschen zu hören, der edel und rechtschaffen dachte. Jene philosophische Schlußfolge, wie du sie nennst, tvar nur Voraussetzung eines Nachdenkens, wovon ich dir gleich sagte, daß es bey der Handlung selbst nicht statt finden würde. Du ergriffest dies gleich um dich daran zu halten, und machst einen Seitcnsprung, der dir nun doch nichts hilft, denn dir hast wieder eine Menschenpflicht mil der Mau- rerpflicht verwechselt. Ich habe dir schon gesagt, ich verlange von der Maurerey Geheimnisse, nicht MenschenPflichten. Der Fremde kau blos nach ihren Zweck fragen, ich 28 ich frage nach ihrem innern, sobald ich einen Schritt, auch den ersten kleinsten hinein thue. Ick will von dem unterrichtet seyn, was mein Eid zu verschweigen mich b u-et. Einher. Aber wie kaust du verlangen, daß man so vielen rächenden ein Geheimnisei,checke» soll. Du kennst doch wobl die Beichgssenbeit,' eines Geheimnisses, und daß der ganze Werth desselben aiss Verschwiegenheit beruhet. Nimm nun diese hinweg, laß es allgemein bekant werden, und es ist nichts mehr. Siebrix. Wahr und richtig. Allein warum nimt man denn taufende unter den Verwände aus, ihnen das Geheimnis z» eindecken? Hat man taufende nöthig, um es zu bewahren? Jsts z,„- Fortpflanzung und Erhaltung nöthig, daß so viele daran Antheil nehmen, oder vielmehr, daß so viele den Namen führen, ohne Antheil daran zu haben? Emsycr. Ich habe dir glaube ich schon einmahl gesagt, daß der Name Bruder und Verbindung das Antrauen der Menschen gegen einander vermehrt. Zutrauen gebiert Offenherzigkeit. Diese Kenntniß. Unter vielen Menschen sind wenige von edlen 29 len reinen guten Sitten und Herzen, wenige die ganz von dem entfernt sind, was manfnhch heißt, wenige, mein Freund, die ein Geheimnis zu bewahren, wissen, und nur solche dürfen wahre Mau» rer werden. Unter diesen vielen aber sind viele, die das alles zu seyn scheinen, die alle Knuste der Verstellung anwenden, um hinter ein Geheimniß zu kommen, daß ihnen anschaulich scheint, wovon sie nach diesen oder jenen Plan, den sie sich gemacht, Nutzen und Gebrauch zu machen gedenken. Unter diesen muß also sehr sorgfältig gewählt werden. Und ich glaube, daß die Menae der Maurer hierdurch vertheidigt und ihre Nothwendigkeit bestirnt ist. Giebrix. Und hoffentlich sind wir bald am Ziele, denn ich alaube das Gegentheil. Eben das ist der Punkt woran ich wich stoße. Ich will es zugeben, daß unter vielen Menschen nur wenige sind die das Geheimniß der Maurerey, welches ich nicht kenne, aber glaube» will, daß es so gros, schön und Herr, lich dastehe wie ich mir es denke, zu empfangen, und zu bewahren tüchtig sind, allein ick behaupte eben aus diesem Grunde, man gebe keinen den Namen dieses Geheimnisses, der es nicht hat. Noä> nicht-, mein Freund, man srotte nicht mit dem Heiligsten, mit dem Eide. Der Maurer der Z0 der ersten Klasse schwört doch gewiß nur über das was er in der ersten Klasse Hort, und wenn er nun das in den Händen der ganzen Welt siehet, muß er nicht eine Art von Geringschätzung gegen diejenigen bekommen, die um der Dinge wiLrn ihm einen Eid abforderten. Ein wesentliche« Stück, mein Freund, welches ich gewis nicht ohne genaue Ucbcrlegung anführe. Eme^er. Wirklich der Einwnrf ist nicht zu verwerfen- Er erregt selbst bey mir einige Aufmerksamkeit- Aber wie kann man es machen, da eine Vcrbin. düng nicht ohne Eid bestehen kan? Giebrix. Aber wohl bestehen sollte, wenn alle Menschen aus denen die Verbindung bestehet, so waren, wie sie seyn sollten, wenn Za, Za, Nein, nein, nach dem Ausspruche des besten Sittenlehrers des Menschen ganzes Thun und Lassen regierte. Ohne aber hier zu untersuchen, ob dergleichen möglich wäre oder nicht, will ich einmahl annehmen, der Eid ist nothwendig, so weis ich doch ein Mittel wie dem abgeholfen werden kan, und kein neues Mit glied im Stande wäre, der Gesellschaft selbst denen Misbrauchenden den Vorwurf zu machen, daß mit dem Eide gespielt würde. Ennw. Einher. Das bin ich begierig zu hören, und im voraus, lieber SrebrP, kau ich dir schon jagen, wenn du deinen falschen Grundsätzen getreu bleibst, so verliert der Orden in dir ein sehr nutzbares, denkendes und förderndes Mitglied. Giebrix. Ich war nie Freund von Schmeicheleyen, Emeyer. Auch muffen sie sich in ein so ernsthaftes Gespräch, wiesest unter uns herrscht, nicht einmischen. Mein Mittel besteht darin, den Eid auf das ganze der Maurerey bis auf den äußersten Punkt auszudehnen, und nur einmahl ihn für alle die künftigen Hosimngen auSgedrult zu verlangen. Sobald das geschehen würde, wäre der Neuling nickt betrogen. Sieht er nichts, hört nichts und erfährt nichts was ihm wichtig scheint, wird ihm gesagt, daß er Proben aushalten soll, so rechnet er seinen Eid mit auf die Zu» knnft, faßt keine Verachtung gegen seine Obern und neuen Bruder, und giebt sich, wenn er Gewissen hat, und das muß er haben, wenn er ächter Mauer seyn will, zufrieden. Auch entsteht hier der wichtige Vortheil, daß der Bcrrogns, der in einer ganz falschen Loge aufgenommen wird, sich keines unnützen Eides bewußt wäre, denn ihm bleckt der Weg zur ächten Maure- Maurerey nicht verflossen, und also kann darauf sein Eid gehen. Emoycr. Wie freue ich mich, Giebri;, dies von dir gebort zu haben, wie sehr dringst du in das wahre Gute ein! Gewis, du must noch einmahl von allen deinen Vorurtheilen zurück kommen, und du wirst ein grvßer Maurer werden. Siebn;. Ich habe hier vom Eide gesprochen, weil eben davon die Rede war. Gcsezt aber auch, dies würde geändert, so thut das noch für alle die übrigen Dinge keine Würkung die ich auszusehen habe. Es ist eine falsche Idee, daß man Men. scheu nicht kennen lernen könnte, wenn man sich nicht in eine gewiße nähere Verbindung mit ihnen einließe. Warum lerne ich meinen Freund kennen. Bin ich nicht im nämlichen Fall? Muß ich nicht oft eingestehe», daß ich mich gckrrt, und verlasse ich nicht sehr oft einen Freund, den ich mir erwerben wollte, weil ich ihn nicht so fand, wie ich mir ihn dachte. Warum sollte das nicht auch bey der Maurcrey statt finden? Werde ich einem Menschen, dessen Freundschaft gegen mich ich untersuchen will, gleich meine Geheimnisse entdecke»? Eben das findet hier statt. Der Maurer wird dem Fremde» nicht nöthig haben, von seinen seinen Geheimnissen zu sagen, während er ihm prüft. Aber so bald mich der Maurer z» seinem Bruder machen will, sobald sollte er mich auch an seiney Geheimnissen Theil nehmen lassen. Thut er eS nicht so kann ich ihn nicht anders Bruder nennen, als ich jeden Menschen so nenne, weil er mein Mitmensch ist. Ausbreitung und Fortpflanzung der Geheimnisse des Ordens, um sie zu erhalten, soll der Zweck desselben seyn. Das sollen Fremde wissen. Nun aber wissen diejenigen, die den ersten Schritt in den Orden thun, ja nach dem öffentlichen Geständnisse so viele unter euch, selbst die die stärkeren Fortschritte gethan haben, nichts mehr, und doch breiten auch diese ihr Nichtswissen aus, verkündigen laut daß fle Maurer sind, nehmen andere dazu an, und breiten also Unwissenheit in einer Sache über den Erdkreis in welcher Wissen die Hauptsache ist, und wo es nothwendig wäre, diesen allgemeinen Grundsatz zu erhalten. So wird über den Orden ein Chaos von Meynungen und Zweifeln geschüttet, die die Wahrheit verbergen, und zuletzt das was edler Zweck war, würktich zu einem bloßen Spielwerk machen werden, daß der Maurer selbst nicht mehr weis, was er ist. Hatten den die Vorfahren unsrer heuli- L gen 34 gcn Maurer solche Grundsätze? War bey ihnen eil» solcher Schwärm von Menschen nöthig? Hat sich die Sache nicht, ohngeachtel das nicht war, erhalten? Ist sie nicht fortgepflanzt? Und ist sie flicht aller Wahrscheinlichkeit noch, ja mit ziemlicher Gewisheit, viel reiner bis auf die Zeiten fortgepflanzt worden, wo alles dazu genommen wird, und nun jeder an der Cache flicken wogte. Ich mag nicht das innerste deines Herzens erforschen, lieber Emeycr. Du stehst weit über mir, und ich bin überzeugt, Lu bist nicht kluger als ich selbst bin. Das wabreste Wort daß wir haben, sagt: Suchet so werdet ibr finden. Allein es sagt gewis nicht: Sucht da, wo nichts Mehr ist. Hier mLgten wir es wohl darauf angefangen haben, diese Worte der Schrift zu verwandeln. Denn hier suche einet, und finde. Und wenn auch noch etwas zu finden ist, so ist es so verwebt, so dunkel, daß man fast verzweifln muß, seinen alten wahren richtigen Sinn wieder heraus zu bringen. Studite sich Nun einer durch all die Auslegungen, durch all die Meynungen, durch die Sinnbilder, und noch mehr durch die vielen Köpft hindurch, wo jeder seinen besondern Sinn hat; und woher das alles? Von der Ueber- schwemmung die über das gute Feld kam, und die NahrungsSnfte aus zog, um sie auf die schlechtem zu vertheilen. Zst deren nun noch eins gut. 35 Das sind die Früchte" eurer taufende, und eurem Orden kommt das Wanken durch seine Festigkeit an. Emeyev. Du hast nicht unrecht, Siebn?, allein das Uebel ist einmahl da, und man muß, da man es nicht heben kau, nur es zu vermindern suchen. Deswegen müssen die, die es ächt und tvahr mit der Maurerey meinen, samlen, was sie können, um sie nicht untergehen zu lassen. Deswegen muß man um desto eifriger seyn, und deswegen isrs ja wohl keinem zu verdenken, wenn er enthu« siastisch für die Sache ist. Siebn'?.' Keinem, mein Freund, so bald er seinen EnthuiZ siaSmuS unterhalten sieht. Hab ich dich je des« wegen getadelt? Habe ich dir jemahls Gelegenheit gegeben, dich über mich zu beschweren, daß ich dir abgeralhen, deine Untersnchuugen fortzusetzen. Nein, ich habe vielmehr alles beygetragen, dich zu unterstützen. Was ich habe thun können, um dich in deinen Planen weiter zubringen, das habe ich nicht allein öffentlich, ich habe es auch heimlich gethan. Aber daß meine Plane von den deinigen unterschieden sind, das leugne ich gar nicht. Und diesen Planen gemäß habe ich doppelte Ursachen meinem Freunde abzudachen. C» Ueber« z6W». Ueberdies glaube ich sollte es jezt eines jeden Mau« pers erste Pflicht seyn, die Misbrauchc abzustellen, die in der Sache sich Angeschlichen, und aus dem Grunde die Zahl seiner Bruder nicht zu vermehren. Vermindert sollte sie werden. Emejtev. Dieses dahin gestellt, so wünsche ich doch die doppelten Ursachen zu wissen, warum du deinem Freunde abrathen willst. Du wirst das selbst billig finden, und du bist es gewisser Maaßen deinem Freunde schuldig, der jezt hier ist, um seine Entschließuugen zu saßen. Siebn?. Allerdings bin ich ihm das schuldig, und null es auch. Eine dieser Ursachen ist. daß ick jezr so lange in der Welt umher gegangen bin, geforscht und gesucht habe, und habe dennoch nichts gefunden. Ich weis, was die Sache mir für Zeit, Mühe, und Arbeit gekostet, und ist alles frucht- los gewesen. Ich weis, daß ich viel nützliches darüber versäumt habe,.und ich mcchte meinen Freund nicht gern in den nämlichen Fall bringen. Der Eifer davor macht einen nicht allein zu andern Dingen unthätig, sondern er bringt auch gar zu leicht auf den Weg die Sache als Pflicht anzuse- hen, und andere Pflichten, die acwiß wichtiger und angenehmer sind zu versäumen. Ich gebe es zn, daß so lange die Zahl der Maurer noch nicht so groö war, so lange man sich noch nicht durcharbeiten wußte, nm durch einen Schwall blendender Falschheit bis zur Wahrheit zu dringen, daß es da der Müde werth war. Maurer zn hon, aber jezt, wo es Mcnschenalter kostet, dazu zu gelangen, jezt ist es dieses gewis nicht mehr, und ich sollte meinen Freunde zu einer Cache rathen, die ihm vielleicht Ruhe, Gewissen, und Menschen« Pflicht kosten könnte? Die eine Ursache ist also dünkt wich, w'cht-g genug, und wir wollen zur zweyten übergehen! Gesczt, Freund Lentmannentschlößesich, ohne wir Gehör zu geben, Maurer zu werden, aesezt er versäumte kein? seiner Pflichten, schützte Ruhe und Gewissen im voraus, so bin ich doch überzeugt, er bleibt so unwissend wie ich es bin Entweder er läßt sich mit Zeremonie! und Spielwerk blenden, schmeichelt seine Einbildungskraft und fordert sie auf, ihm Mysterien in den Kops zu sehen, und dann könnte er nicht der Mann bleiben, der er ist, oder er gehet der Wahrheit auf dem Fuße nach. Ast das erstere, so ist er für wich verlvhren, ist das zweyte, so wird er ver» konnt, wird aanz gewis verkannt, und nicht in die Geheimnisse gezogen, zu denen er berichtigt ist. Es gehet ihm alsdenn wie es mir geaanaen ist. Seine zu große Offenheit, verursacht Mnttranen, C r und S8 und eben weil man ihn zu redlich glaubt scheuet man sich ihm etwas anzuvertrauen. Er geht als der unbekannteste umher, und bereuet in sich den Schritt den er gethan. Sind meine Ursachen unwichtig, Freund? Eme^er Unwichtig wären sie nicht, wenn sie.gegründet wären. Hat man dich verkannt? Hat man dir nicht angetragen, weiterzugehen, und die Kenntnisse zu erweitern, die du einmahl hattest? Sind dir Geheimnisse beyzubringen, wenn du dich weigerst sie anzunehmen? Ist die Erklärung des Bildlichen, was wir dort sahen, der Dlikin dem Tempel, das Schöpsen aus nähern Quellen, nichts? Wenn du gegen dich unbillig bist, so sey es wenigsten« nickt gegen deinen Freund. Verschließ ihm den Weg nicht, den du dir zu verschließen vorgenommen. Wärest du nicht von Vorurthei- len angesteckt, glaubtest du nicht, daß deine Erwartungen großer seyn müßten, als ihre Erfüllung, ein Fehler der dem Menschen so sehr leicht anhängt, und von dem er si>h nicht loszureißen im Stande ist, so würdest du nicht dem überspannen Begriffe folgen, den du hast, sondern du wurdest: beym natürlichen bleiben. Auch wurdest du mehr Gutes sehen, wenn du das P'ose weniger aussuchtest, weniger dich bemühettst, es bekannt z» 39 zu machen. E« ist gewis nicht maurerifch gedacht, a>!e diele Fehler aufzudecken,, die man verbergen und unterdrücken sollte. fiebrig. Ich vergebe dir deine Hitze, Freund. Sie>st mir ein Beweis deines Esters. Und auch der falsche Eifer istlobenSweeth, so bald er nicht vor. sehbch fauch-st. Und das ist er bey dir nicht. Zch habe noch nie so gesprochen, wie ick izt spreche. und es kommt ja darauf an, einen Schr.lt zu billigen oder zu misbilüqen, den ein andrer thun will. Wir baden es vorher ausgemacht, daß wir offen sprechen wollten. Wir waren beyde damit zufrieden, sonst wäre es nicht dazu ge. kommen. Hätte Freund Leukmann seinen Eut- schlus gefaßt, ohne besonders dringend auf weine Aussage zu beharren, so würde ich ihn nie abge- rakben haben. Er wäre Maurer geworden. Zch hätte ihm dazu Glück gewünscht, wäre sein Freund geblieben, wie ich der Deinige bin, und hätte aus diesen Umstand keine Rücksicht genom« wen. Aber da ich so sehr gedrungen wurde, da man mir es zu nahe legte, die Wahrheit zu reden, konnte ich da wohl anders sprechen? Zst es nicht eigen, daß ich wieder Ueberzeugung etwas billige n soll, was ich radeln mus? Verschloß ich mir den Weg, da ich unter jenen unbekannten suchte? Wurde ich da nicht verkannt? Laß mich, Emefer, L 4>aß 4-> laß mich einen Funken Wahrkeil finden, und ich will ihn anfachen, ich will ihn ausbreite», er soll Flamme werden zum Guten, und Warme geben, wie'irgend ein maurerischcs Feuer je gab. Emeyer. Und gesszt es wäre dir dort mislungen, gesezt, du wärest verkannt worden, wo du suchtest, sollte es nicht eine kleine Erinnerung an dich seyn, baß du am unrechten Orte gesucht? Warum mengest du nicht da weiter, wo du die ersten Grundsätze erhalten hattest. Giebrit. Du zwingst mich mehr zu sagen, als ich sagen wollte, nicht als ich sollte, denn ich werde nie et- was sagen, was ich nicht zu sagen berechtigt bin. Allein so viel kann ich. Ich setze Zweifel in eure Loge. Erinnere dich des Bruders, der gleich nach uns aufgenommen wurde. Du weißt mit welchem Eifer er die Sache betrieb, wie sehnlich er sich in unsre Arme warf Er schien auch etwas bestürzt nach seiner Aufnahme. Er sahe aber die Sache aus einem andern Gesichtspunkte an, als aus welchen ich sie betrachtete. Er suchte etwas in den Bildern, und das Suchen machte ihn wenigstens ruhig. Seine vorhergehenden Begriffs waren nicht so hoch gespannt gewesen, daß eS ihn so sehr hätte irren sollen, als es mich irrere, nichts 4b nichts zu wissen. Der Spruch jenes Weisen lag -ihm vielluckc in der Seele. Wenn wir nichts wissen, wissen wir cnn meisten. Mit der Hofmmg neue Entdeckungen zu machen, gienq er in seine große Vaterstadt, wo die Manrerey auf dem Gipssl stand. Erzeigte sich Brudern, erklärte sich, brachte seine Beweise, und siehe da man wollte ihn nicht erkennen. Zwar leugnete man nicht, er sey Maurer, aber man sagte ihm, daß seinen Beweisen nicht allein die Echtheit fehlte, die ihnen erforderlich wäre, sondern auch seinem Wissen. Er hat mir das entdekt. Er hat mir noch mehr gesagt, nehmlich er sey von hier aus nicht so behandelt worden, wie man ihn hatte behandeln sollen. Er schien ungern wehr davon zu sprechen, und ich wollte nicht auf ein Gcstandniß dringen, was mich selbst so nahe angieng. Emeyev. Und das macht mich in dcrThat verwirk. Aber ich weis nichts davon, daß er Klagen wieder uns führt. Daß unsre Loge mit verschiedenen andern nicht harmonirt, ist richtig, und wo findet man das jczk bey den vielen Trennungen nicht. Zillen Systemen kann man ja nicht anhängen. Daß wir aber auf dem Wege find, eine Vereinigung einzugehen, die Allgemeinheit unter uns E; brin. bringen wird, ist dir ja wohl bekannt, lind wenn die zu Stande gekommen, so werden wir nie mehr fürchten dürfen, daß man einen unsrer Brü. der nicht für ächt erkennen sollte. GLcbri;. Erkennen und seyn ist aber ein großer Unterschied. Wolle denn der Himmel, daß alle mit dieser Veränderung auch den ächten wahren Begriff, den ich selbst von der Maurcrey habe, fassen rnsgten, damit ste nicht blos den Namen nach es sind, sondern in einer Ausübung, die ich mir denke, und die üb annehmen werde, so lange ich nicht von den eigentlichen Geheimnissen dieser geheim, msvollen Gesellschaft weis. Und dies ist die Aus. Übung aller Menschen Pflichten, die heut zu Tags so sehr vernachläßigtwerden. Und laß denn auch stakt der vielleicht verlohren gegangenen ältern und unbekannten Geheimnisse, dieses den Zweck dieser heutigen Zmist seyn, so wäre er wichtig genug, wenn er nur zu Stande brachte, was er verspricht. Aber ich sehe dich in tiefen Gedanken Leur- mann. Nothwendig muß unser langes Gespräch etwas auf dich gewirkt haben. Laß nun die Offenheit auch bleiben, die in deinem bisherigen Betragen war. Sage mir, was denkst du von der Sache, und hast du genug gehört, um dich zu entschließen. Leut- Leutmarm. Eine Früge bleibt mir übrig, die ich gern be- antwortet wissen wogte, weil sie mich ganz bestimm wen wird. Siebri). Thue sie dreist; Ist sie nicht'wieder meine Pflicht, so hast du die aufrichtigste Antwort zu erwarten, die ein andrer dir geben könnte. Leuttnnmi. Du allein kannst sie beantworten. Sie bs- trist blos dich. Du hast viele Manreriscbe Gegenstände, und Verbindungen gesehen. Trafest du nie eine an, die dir wesentliche Vorzüge vor der andern zu haben schien, die tiefere Kenntnisse gehabt hätte, oder wo ein edlerer Zweck hervorleuchtete? Waren sie alle eine wie die andere nnr blos auf den Besitz ihrer Geheimnisse stolz, oder wischte sich hin und wieder ein Gefühl von Güte in die Herzen? Sprachen sie alle von Systemen und Spaltungen, und nicht erkennen ihrer Drüber, wenn dies oder jenes Formular fehlte? War allen Zeremonie! Hauptsache, oder sahen sie dem Maurer, der vor ihnen stand ins Herz, und suchten mehr als leere Worte? Leuchtete nirgends rfn großer Zwek hervor? 44 Giebr,';. O wie freue ich mich, lieber Bruder, diese Fragen von dir zu hören. Sie sind mir ein Beweis, daß es dir nicht um den Namen Maurer zu thun ist, daß du nicht darnach geizest, eine Schürze tragen zu wollen. Wie wohl wäre dem Orden, wenn er lauter solche Mitglieder härte. Und nun, lieber Freund, antworte ich dir doppelt gern. Lange irrete ich umher, und fand nichts als alle die Uebel deren du erwähnst. Nirgends sahe ich rechten wahren Zwek, oder er war so verborgen, daß er selbst dem forschenden Maurer nicht leuchtete. Und das heißt doch wohl nicht, sein Licht leuchten lasten vor den Menschen. Aber ich gestehe dirs, noch vor nicht aar langer Zeit fand ich eine kleine Gesellschaft, auch unbekannt im8ande,die inen großen,großen Zwek hatte,sichszum Glück aller aller zu vereinigen die um sie waren. Eine ihrer ersten Beschäftigungen war, ihre Mitglieder genau zu prüsen, und noch traf ich jeden ganz rechtschaffen an, der dabey ist. Auch mein Herz gesick ihnen. Ach bin so glücklich von den meisten geliebt zu seyn. Aber alle kennen mich noch-Acht, und ohne von allen gekannt zu seyn, kann ich nicht in ihre Mitte kommen. Hier cr- ' warte ich viel große«, viel Besserung. Hier vf- net sich eine Aussicht, dem Orden eine Säule zu bauen, bauen, die ihn in diesen gefährlichen Zeiten stützen, und vom Sturze recren tan. LwummnN. Dank dir, daß du mir das gesagt. Nun hah^ ich wieder Muth. Er war mir ganz gefallen. Verzeih mir, Emepek, ich liebe dich. du bist warm in der Freundschaft. Aber alles waö du Mir vom Orden gesagt, bctrift Geheimnisse auf deren Entdeckung du hofft, die dir aber noch so. entfernt scheint, als sie mir vielleicht ift. Ich leugne eben so wenig, daß mein Freund Siebriz mir oft, sehr oft etwas menschenfeindlich zu sprechen schien, daß er auch sein Mistratten vielleicht zu weit getrieben haben kan. Aber er hat doch mit tiefen. ForsclmngsGeifte gehandelt. Ich würde gänzlich abstrahirt haben, wenn er Nicht seine lezte Bemerkung gemacht. Ich hätte Mir die Maurerey so aus den Gedanken geschlagen. wie man einen süßen nächtlichen Traum ant Morgen vergessen muß. Aber jezt bin ich entschlossen, meinem Entschlüsse zu folgen. Aber langsam. Srebri» kan wieder hinkergangett seyn, Und den Zeitpunkt warte ich ab. Nicht wahr, Emsyep, du verdenkst mir das selbst Nicht. Einehe?. Warum sollte ich weniger aufrichtig seyn, Freunde, als ihr es seyd! Ich gestehe es, wäre alles 46 alleü dieses, gleich vom Anfange gesagt worden, mein enthusiastischer Eifer würde Scherzen als einen Verräthcr des Ordens betrachtet haben. Allein nach und nach finde ich, er hat so unrecht Nicht. Ich tadle sein Forschen nicht, ich tadle bei« nen Entschluß nicht, aber ich finde dennoch auch keine Neuem mir, daß ich aus dem Wege bin, wo ich wirklich zu finden hoffe. Man kau>a den Schah, der das Glück des Menschen ausmacht, auf verschiedenen Wegen suchen. Man trift doch wohl zuletzt zusammen, wo er ist, da glänzt es, und geht der eine dem Glänze durch Dornen, und der andere auf rosigken Pfade nach, und sie erreichen ihn beyde, so ist es nur ein Zeichen, daß das Glück dem einem günstiger war als dem andern, und besitzen sie den Schah, so hat der, der durch Dornen gieug, seine Schmerzen so gut vergesse», wie dem der auf Rosen gieug, die Wonne ihres Dutts entfloh. Das vergangene gehört der Vor» sehnnz, und nur das gegenwärtige dem Menschen Giebriz. Wohl gesprochen, Enwycr, wenn r^ir den» auch lv zusammen kommen, so werden wir nie wieder mit einander zürnen. Zeder wird seinen Weg gehen, ohne daß er den andern irrt, nnd wir werde« dennoch nach einem Ziele laufen. Ich habe es lange gefürchtet, daß unsre verschiedene Denkungsarc, die es doch nur in Ansehung der 47 Wege nicht des Zweks ist, uns von einander entfernen, und vor einander lau riiachen würde, aber so ist mirs um desto lieber, daß der heutige Tag uns fester knüpft. Ich erkläre es noch einmahl, mein großer Begrif von Maurern) ist nicht erloschen. Meine Achrung davor ist grvS, und wird gros ble ben, und ich bin nicht ganz ohne Hofnung, daß ch einst noch im Best; besten kommen werde, was ich wähne. Aber ich sage zugleich, der Misbrauch ist schrecklich, und wwd chm nicht abgeholfen, so ist gewis mehr als Verderben, es ist Untergang zu befürchten. Aber davon ist hier nickt zu reden, das Feld ist zu Weirläuftig. Mein Zwek ist erreicht. Nun ist mir vor mcinemFreund nicht bange. Erwirb auf einem Wege zu seinem Besten fortgehen. Du Magst nun Maurer werden, wo du willst unh wann du wenn du willst, Leurmann, so weis ich, du wirst immer den wahren Zwecke nachstreben, und findest du nichts, doch suchen, und keinem falschen Wahne Gehör geben. Sollten meine Hofnungen immer noch der Gs. genstand deiner Erwartungen seyn, so sage ich dir im voraus, du wirst wohl nicht betrogen seyn. Zck habe so viele Ursache zu glauben, daß jezt Wahrheit rmmphiren wird. Sollte 48 Sollte es aber auch nicht seyn, denn die Man- rerey kann immer große und wichtige Geheimnisse, Zwecke und Wirkungen haben, und das Schicksaal hat beschlossen, meinem unruhigen Kopfe sie nicht zu entdecken, so tröste dich damit, daß du rechtschaffener Man» bist, und wenigstens unsre Alten nannten, die so dachten, auch Maurer. Und in neuern Zeiten ist mir ein kleines Gedicht in die Hände gefallen, welches eben dieses sagtc Ich will dir es mittheilen. Es ist bey Gelegenheit der Ausnahme eines Bruders von einer Person entworfen, die kein Mitglied des Ordens war, und seyn konnte, die aber viel gelesen hatte, viel darüber dachte, und vielleicht wahre, reinere und herzlichere Begriffe hatte, als so mancher Maurer, der nach dem Namen geizt, und hat er ihn, nachlaßig dahin schleicht, und vergißt, daß er einen Zweck haben müsse.* ») Siebe Gedichte von Sophie, Albrecht- Zweyter. Theil 70. -K--K» Zwey- 49 ---r. Zweytes Gespräch Emeyer, Siebriz. Emej-'ev. ^§eit unsrer lezten llnterredung, lieber Sie- briz, bin ich mehr als jemahls begierig mich mit dir zu unterhalten. Die Zurückhaltung, die ich bisher gegen dich. zu beobachten für nöthig hielt, ist gänzlich gehoben. Ich habe gesehen, ich bin überzeugt, daß du nicht aus bloßem Eigensinn und Laune, sorgfältig in der Prüfung des Ordens zn Werke gehst. Noch mehr. Du hast mich angesteckt, hast mich aufmerksam gemacht. Aber mein Enthusiasmus hat sich nicht vermindert, sondern da er vielmehr starker geworden, so ists natürlich, daß ich gern untersuchen, gern lästern mög- te. Zch wünschte mir deinen forschenden Geist. Du läßt ihn schlafen, ich würde ihn thätig anwenden. Zch habe mich bisher mehr mit dem bilderreichen Theile des Ordens abgegeben. Zch habe mehr gesucht diesen auseinander zu sezen, und ihn auf das ganze anwendbar zu machen. Ich finde aber daß du mehr in das wahre geschäftige D thätige Z0 thätige desselben eindringst. Ich habe das Verderben desselben nngerne gesehen, aber ich habe cS für ein nothwendiges Uebel gehalten, für welches kein Mittel wäre. Du hast mir die Augen in Ansehung des EydeS gevsnet. Das Mittel, welches du dabey vorschlugst war brauchbar, minderte wenigstens den öfteren Misbrauch, und beruhigte gewis manchen. Ie;t mögt-- ich noch mehr von dir wissen. Auch Mittel für die übn- gen Fehler des Ordens. Aber ich kenne sie noch nicht ganz. Ich gieng nur auf die Kenntnis sei. nes Guten, seztc die Fehler ganz beyseite. D» hast dich untersucht. Sage mir woran liegt es daß es so eine Menge Freymaurer giebt, woran, daß sich so viele aufnehmen lassen, woran, daß man so viele aufnimmt? Denn ich sehe wohl ein, daß diese Menge schädlich ist. Sollte ich mich wirklich geirrt haben, da ich Klaubte, daß dieses von der Wichtigkeit des Ordens herrührte? Giebrlx. Du hast dich gewis geirrct, mein Freund. Gewis ist bey wenigen Wichtigkeit der Grund, warum sie sich dem Orden nähern, warum sie aufgenommen zn werden suchen. Da du einmahl auch etwas von den Fehlern des Ordens Zn wissen wünschest, nachdem du dich genug mit dem Guten abge- abgegeben, so will ich dir darin wohl aus den, Traume helfen. Zch glaube nicht unrecht zu haben, wenn ich behaupte, daß Stolz und Eigennutz zwey Haupt« Ursachen des Verderbens im Orden sind. Siesehen, und sie nicht davor halten, wäre in der That thLrigt. Und sehen müßen wie sie doch wohl, wenn wir nicht selbst behaupten wollen, daß wir blind sind. So wie sich.die Welt in allen dem verderbend veränderte, was sonst-ihr Ruhm war, so wie in Rechtschaffenheit und Menschenliebe Lauigkeit entstand, weil man sein Vermögen als den Hauptgrund feinet Handlungen ansähe, so veränderte man sich auch in der Maurercy. Sicherlich kam es einigen oder auch nur einem ein zu versuchen, Sb er sich der Dache nicht zu seinem Nutzen be- dienen kennte, und er wogte nun schon Maurer seyn, oder nicht, genug, er suchte seinen Vorsatz auszuführen. War er es nicht, so schlug er Mittel ein, die ihm da;» verhalfen es zu werden, verstellte sich in den Ton, den er jener ohng'efähr abgesehen, abgelernt, nahm die Miene des rechtschaffenen Mannes und des Menschenfreundes an, suchte allen Prüfungen, die man ihm machte, zu begegnen, und gewann dadurch denen die kein Misttauen weht in ihn setzten, den Vortheil ab. D- Es ;2 Es läßt sich eine solche Verschlimmerung einer gntcn Sache sehr leicht derivircn, wenn man nur selbst etwas aus Menschenkenntnis gewendet, und sich im karakteristischen umgesehen, der Fälle„nd statt einem taufende die meinen Sah wahr darstel. len, und die Fortpflanzung des Uebels verhält sich gegm die Fortpflanzung des Guten, so viel größer, daß eS allemahl gegen ein Jahr ein mertels Jahrhundert wahren kann, ehe das Gute h erin dem Bösen nachkömmt. Die Untersuchung hier-- vcn gehört nicht hicher, aber die Wahrheit des Satzes bestätigt sich täglich. Hat nun der Urheber des Eigennutzes in dieser Sache, er sey gewesen, wer er woste. denn einen Ansang hat das Uebel gehabt, weil rwn Anfange alles gut war, hat er schon den Vortheil gehabt Maurer zu seyn, so h«r er diesen Weg zu Erreichung seines ersten Zwecks nicht bedurftjo hat er gleich Mittel anwenden und hervorsuchen können, diese Leidenschaft zu befriedigen. Welch.cin weites Feld öfnctt ihn die flieugicr- Le d» Menschen! Mag es immer Wißbegier gewesen seun, was wir jezt sv m-.mm, mag eS daS gewesen'seyn, so lange die Menschen nech besser waren, jezt ist sie es nicht mehr. Man fleht eS täglich, daß dieser und jener cmcm.wecke nach' tagen, tzen sie erreichen möchtesi, und der, wann sie ihn erreicht haben, in. ihren Augen lange das 55 nicht mehr ist, was er war, da er von ihnen entfernt stand, und wo der Eifer nach dem Wissen stokt, da ists nicht mehr Wisbegirr, da ists Ncu- gicr. Und was befördert die N-ugierde mehr, als wenn Wissen um Geld verkauft wird. Glaube mir. Freund, in dem Zeitpunkte, wo das Geld der Lohn für die Mittheilung des Geheimnisses wurde, in diesem Zeitpunkte fiel der Werth eines jeden Geheimnisses. Das war gewis eine der traurigsten Epochen für unsre Maurcrey. Emty'cr. D» bringst mich da auf einen Gedanken dem ich noch nie nachgedacht habe. Ich habe diesen Pnnkc immer als einen Ncbcnpunkt betrachtet, habe schlechthin die Nothwendigkeit dcS Geldes bey der Sache in Erwägung gezogen. Nun fällt die Decke mir auf einmahl von den Augen. Ich sehe Misbrauch, der zur Verachtung, und das nicht ohne Nechtmaßigkcit Anlaß giebt. Sicbrtz. Allerdings zur Verachtung. Und sie, und dieser Umstand sind gewis der Grund, warum es s» sehr viel rechtschaffene Menschen in der Welt giebt die nicht Maurer sind, die sich davon zurückziehen es zu seyn, und die die Sache als eine widcrrecht- D» liehe. ?4 liche, als eine schädliche, wenigstens als eine si) verschlimmerte betrachten, daß es vergebens seyn würde, sie wieder bessern zu wollen. Wäre die Mmirerey noch auf der glänzenden Stufe, aus welcher sie zu gewissen Zeiten war, besonders in eilMi Zeitpunkte in England, ws jezt der Misbrauch derselben, ohngeachtet ihrer mehrern Gründlichkeit, so entschieden wie irgendwo ist, wäre sie das noch, so dürfte es kein Mensch wagen, ihrer mit einem bösen Verdachte zu ge« denken. Die Sache selbst und ihre Reinigkeit würde ihn widerlegen, und es sollte auch billig niemand wieder ein Gebäude etwas finden, welches aus Weisheit, Schönheit und Stärke ruhet. Aber wehe euch! die ihr zuerst anfienget, Tu« gend und Weisheit um Geld verkaufen zu wollen. Eins folgte euren bösen Unternehmen aus dem Fuße. Was sich nicht verkaufen ,läßt, und ihr verkaufen wolltet, das entwich euch. Ein Schatten blieb zurück, den Schatten ergriffet ihr, und daran haltet ihr euch noch. Alle eure Nachfolger sind euch darin gleich, nur sie sinken von Stufe zu Stufe noch tiefer, sie werden immer verächtlicher, iemehr sie Wucher mit einem Kleinod treiben, dessen falsches nachgemachtes Ebenbild sie zwar nur besitzen, aber eS doch immer dadurch schänden, daß sie den Namen mls- hrsuchen, Eine?« ?; Emc)'cr. ^ein Eifer ist gerecht, Freund, aber ich glau- de,^dn bist zu hart. Ich sehe die Größe de- UebelS, die Ungerechtigkeit dieses Verkaufs wohl ein, aber ich denke durch die festgesetzte Nothwen- diakeit ist dem Uebel etwas Einhalt gethan. Man weis es, daß das Geld jezt für jeden Grand für jede Einrichtung nothwendig ist. Die guten'Anstalten in so vielen Logen, die richtige Rechnung, die so vielen Mitgledern abgelegt wird, die gute Anwendung dieser Gelder macht das verdorbene gut. Siebn,. Macht es vielleicht, vielleicht auch nicht— ln den Augen derer wenigen, die das wissen. Aber wie ist es mit den übrigen. Wie mit der Welt, wie mit denen, die so oft betrogen werden, und gewis nicht schweigen? Und außerdem gehört dies ja zu dem guten, und nicht zu dem schlimmen. Und des guten ist so wenig, daß wir es nur dadurch sichtbar und glänzend machen können, wenn wir das schlimme cmsernen. Der Schwärm von Maurern die nichts wissen, muß sich täglich vermehren. Der Eigennützige Maurer, der es so weit gebracht, von irgend einer Loge, es sey durch Verstellung und durch scheinbare Verdienste um die Maurerey, D 4 oder durch Geld und Spcndungen die Freyheit zu erhalten, eine Loge zu errichten, thut mehr Scba. den als zehn rechtschaffene gutes thun. Seine Vorstellung hat ihm Muhe, Unterdrückung seiner jelbst, und seiner herrschenden Neigungen, sie hat ihm Zeit gekostet, sie hak ihm auch wohl keinen kleinen Aufwand verursacht, und das glaubt er nun reichlich ersetzen zu können. Er ist im Besitz eines Schatzes, den er zu gut hat kennen lernen, als daß er ihm nicht uner- schöpslich scheinen sollte, und es ihm auch wirklich ist, denn die Quellen die ihm zustießen sind im ganzen Menschengeschlechte. Jezt brüstet er sich mit Geheimnissen, und weis es sehr svehl abzupassen, wenn er Neugierige vop sich hatte. Der Falle können diese nicht entgehen. Zungen Verschwendern, lüsternen, weis er andere Lokspeise auszuhängen. Er vergiftet dem Grund der Maurerey, er bringt ein bitteres Honig hinein, er vermischet mit ihren, Grundgesetzen, was ihnen zuwieder ist. durch Auslegungen von Toleranz und Menschenliebe. Die Mischung gährt, und wird so pestartig, daß sie wütend um sich greift. Für Geld ist ihm denn alles feil, und da er seine Anhänger nach seinen Neigungen wählt,>o kann es ihm gar nichr fehlen-, er muß solche bekommen, denen es um den Namen zu thun ist, die zufrieden sind, sich entweder wieder brüsten zu können, oder ihren Neigungen zu folgen, und damit ihm keiner keiner Einhalt thun möge, so hütet er sich wohl sorgfältig rechtschaffene und cdcldenken.de Menschen aufzunehmen, oder kann cr ,a einmal,! so einem nicht entgehen, so weis er ihn so unter dem Drucke zu erhalten, daß er ihm nicht schädlich seyn kaun, Dies, mein Freund, ist das wahre Bild so manches jezigen Maurers, der Epoche macht. Rotte nun einmahl ein so unseeliges Ungeheuer aus, das seine Wurzeln schon unter dem ganzen Acker weggeschlagcn.und ihn ausgezogen hat. Die kleinste Faser frist weiter, und verdirbt das gutil um sich, Du irrst, wenn du etwa glaubst. Das Gleichnis wäre nicht paßend- Es ist es. Es ist nicht genug, daß die bösen böse sind. Äs ist ja ausgemacht genug, daß böse Beyspiele verderbe», und so werden alle die, in denen auch noch ein Funken zum guten liegt, mit hingerissen, werden durch die, die die ganze Sache regieren, von dem Wege nachzudenken, hinweg, und aus den Weg gelenkt, nicht zu glauben, daß mehr als eine Vereinigung mit einander, als ein Vorimheil auf den Namen stolz zu seyn, als hieroglifiscbe Bilder ohne Deutung der Grund ihres Ordens sey. Sie jagen Lüsten und Vergnügungen nach. und vergessen, daß sie eigentlich dazu bestimmt find, Beyspiel zu seyn. Auch die Art der Auch D 5 brei, 58 breittmg, die sie ins Werk setzen, macht die Sache noch mehr verächtlich. Natürlich verbindet sich mit derselben ein gewisses brüderliches an einander Ketten, welcher von der Seite gut zu handeln genommen, ein nothwendiges Wohl über den Orden verbreitet. Nnn thut eS zwar bey ihm das entgegengesetzte, das hcist, es bringt Uebel hervor, deniohngeachtec aber behagt es ihnen, und sie wünschen jeden Gefährten ihrer Laster und huste in dieser nahestenVerbindnng, die sie sosehr miS- brauchen, auch mit sich vereinigt, damit keiner ein Geheimnis vor den andern hat, damit sie ungestört sich selbst sich überlassen können. Zn solchen Fallen wird kein Geld geschont, und der eigennützige Eigenthümer der Loge greift begierig 'zu, um den Fang sich nicht entgehen z» laßen, und ein lasterhafter um den andern wird Mitglied einer Gesellschaft die Ehrfurcht erwecken soll, und die durch ihr äußerliches nur Verachtung zu erwecken im Stande ist. Dann wendet sich erst jeder Rechtschaffne weg, und das ist das gröste Uebel. Denn jczt wird der Schluß von dieser Loge von diesen Mitgliedern auf das ganze gemacht, und das nicht ohne Grund nicht ohne Ursach. Denn wer wird von einer ganzen vollständigen Loge, die aus so vielen Mitgliedern besteht nicht auf dw ganze Gesellschaft schließen. Wer wird denken können, daß man ;9 eine Gewalt so werde misbrauchen lassen, und sie einem übergeben werde, der Misbrauch damit treibt, wenn man nicht selbst diesen Misbrauch billigte, wenn man nicht selbst dächte, man ziehe Nutzen. Zczt wird von, kleinern Eigennutz auf den großem geschloßcn, und der Sah sestgcsczk, daß Geldschneiderei) der Zweck der Maurerey sey. So weit haben wirS denn kommen lassen, daß der rechtschaffene, wenn er nicht durch einen ohn, gefähren Zufall aus feinem Traume geholfen wird, sich von uns die schlechtesten Begriffe macht, uns aus dem Wege geht, unsre Bekantschaft nicht einer Probe werth achtet, und würkliche Thatsachen uns entgegcnhält, wenn wir uns vertheidigen wolle». Einehen. Duschest mich in erstaunen, Giebvix, dergleichen ich gestehe dirs, habe ich neck) nicht gehört. Das weis ich, es giebt Mitglieder, selbst hier unter m>6, die weniger edel- und tugendhaft denken, als andere, die sich eines exemplarischen Lebenswandels befleißigen. Aber so lasterhaft, so ausgelassen fand ich doch noch keine, wie du mir sie schilderst. Sollte auch dein Urtheil nicht Schluß, nicht Muthmaßung seyn? Kan nicht schwarze Laune, das Uebel bey dir so riesenartig gebildet ha- Heu. Eich uns unter uns selbst an. ES wanken Hv ken ihrer unter uns, es satten ihrer, allein die erleuchtetecn, die rechtschaffenem, halten den wankenden, und helfen den Gefallnen auf. Unsre Obern sind Leute von ausgemacht guten Wandel. Sie sind allenthalben geschäzt und geehrt. Man spricht mit Achtung von unsrer Verbindung. Al. so bist du wsirklich irrig, wenn du von unsrer Loge dies Urtheil fällen wolltest- Sicbrir. Dann wäre ich irrig, da hast du Recht, allein ich habe auch nicht von ihr gesprochen, und überhaupt wäre es nicht gut, wenn ich im allgemeinen so spräche, dann wollte ich lieber gar nicht reden, denn hätte ich eS so allenthalben gefunden, und wüßte nichts gutes mehr an der Sache, so müßte ich mit jeden rechtschaffenen sie verachten, und mich nicht mehr um sie bekümmern. Wir reden hier vom MiSbrauch, und der MiSbrauch sezt doch nie voraus, daß der gnte Gebrauch einer Sache gänzlich aufgehöret. Und so hat sich auch das Gute dieser Sache nicht verlohren, noch deren guter Gebrauch. Nur jeder Miöbrauch sezt die Sache in ein schlimmeres Licht. Lmeyer. Und du hättest den MiSbrauch der Maurerey rvürklich in dem hohen Grade angetroffen? Hättest 6i test Ursache zu sägen, daß sogar obere, denen Macht und Gewaic darin anvertrauet ist, ihre Pflichten vergessen, und den Zwecke allgemeine Achtung zu erwerben untreu würden? Grebriz. DaS habe ich, mein Freund. In R. einer nicht unbekannten Stadt, ws ich mich abwechselnd eine lange Zeit aufhielt, war unter einigen andern Logen, auch eine erst neuerlich errichtete. Ihrer Mitglieder waren viel, und mehrenrheiiS junge Leute. Doch waren viel angesehene darunter, und viele die man ordentliche Männer nannte. Man wellte mich gerne bereden, diele Loge zu besuchen, weil man glaubte, ich besitze Ge- h-immsse,woran es dort vielleicht fehlte. Die Ursache die ich sehr lebendig merkte, wäre allein hinreichend gewesen, wenn ick auch die grasten Ge- heimmsse gewußt hätte, mich von ihnen zu entfernen. Allein außerdem war mein Borsatz mich nie irgendwo einzulassen, wo ich nicht vorher über- zeugende Beweise hatte, in keinen Falle betrogen zu styn. Und nun kam der üble Ruf noch dazu in dem diese Loge stand, der mir auch bald zu Öh- reu kam. Z'H achtete anfangs nicht darauf, weil es mir würklick damahls wenig um Maurerey zu thun war. Ich wurde mit einigen Mitgliedern der andern Logen bekannt. Es wurde mir Bitterkeit 6^ terkelt von dieser gesprochen, und nun fieng ich an zu glauben, eS sey Wind. Ich blieb also jezt in meiner Entfernung von allen diesen Logen, und ich reiste auch ab ohne weiter es bereuet zu haben, daß ich es geblieben. Indessen suchte ein Verwandter von mir in einer von jenen Logen anzukommen, und das schlug ihm fehl, denn er hatte PrivatfeinLe, von denen er nicht wüste, daß sie darunter waren. Er schrieb also an mich er würde sich an die neuernchtcts Loge wenden. Ich sahe jezc aus einmahl alles das wieder vor mir, was mir damahls gesagt war, und weil es doch einmahl immer üble'' Ruf war, so wollte ich ihn warnen, gab ihm auch freundschaftlich den Nach, gar nicht Maurer zu werden, wozu ich ihm einige Gründe anführte die wohl niemanden unwichtig gewesen seyn würden. Sie waren cS ihm auch nicht, aber sie kamen zu spät. Er schrieb mir er wäre schon Mitglied, glaubte aber nun schon einzusehen, daß er unrecht angekommen, und versprach mündlich mir meh- rcreö zu sagen. Ich rechte einige Monate darauf dahin. Ich fand ihn niedergeschlagen, und tiefsinnig. Ich muß sehr übel angekommen seyn, sagte er. Man sucht zwar mein Talent zu nutzen und schmeichelt mir wo man kau, allein ich weis bis jezt noch nichts, und sehe auch keine Aussicht 6^ für die Zukunft. Doch das alles wäre noch zu rrtragm und vielleicht noch zu verbessern, denn von meinen brennenden Eifer erwarte ich alles, aber ein größere« Uebel ist mein Anstoß. Unmöglich kan ich glauben, daß es in dem ganzen Orden so zu geht wie in unsrer Loge, denn hier lebt man moralisch schlecht. Er klagte mir daraus sehr dringend, man habe ihn zu allerhand Ausschweifungen verführt, denen er vorher nicht ergeben gewesen. Ich wußte «s, daß er leicht hinzureißen war, und hakte deswegen gleich für ihn gefürchtet. Aber so arg, wie er mir es beschrieb, halte ich mir es doch nicht gedacht. Sogar war man nach geendeter Loge, und gehaltenen reichlichen Schmause inGorpore^ einige wenige ausgenommen, in ein öffentliches Haus der Wollust gegangen, und mein Freund hatte die Folgen davon, bitter empfunden. Ehemänner sogar hakten sich so weit vergessen können, ja was sage ich vergessen, warm so lasterhaft gewesen, dieses zu begehen. Lmepec- Das'ist schrecklich und kränkend, mein Freund, allein es läßt sich doch auch wohl glauben, daß dergleichen selten ist, sonst müßte die Gesellschaft ihren» Untergänge gewis nahe seyn, und verdiente es auch. Und deswegen sollte man dergleichen Auf. 64 Auftritte zu unterdrücken suchen, anstatt sie bekannt zn machen, damit das ganze nicht darunter leidet. Also solltest auch du niemanden dergleichen sagen, um ihn von der Maurcrey abwendig zn machen. Aiebrix. Das ganze leidet nur durch die Handlung, nicht dadurch,' daß sie bekannt wird- Im Gegentheil, wenn sie bekannt wird, kann jeder ächte Maurer frey auftreten, und sagen, daran habe ich keinen Theil.° Kein ächter Maurer hat Theil daran. Er kan jeden, der nicht Maurer ist, und Achtung sich Maurerey hat, warnen, ihn bitten, auf seiner Hut zu seyn, um nicht dergleichen ausgearteten in die Hände zu gerathen. Und wenn es bekannt gewacht wird, daß dies Miöbrauch ist, sö wird es keiner wagen, dielen Misbrauch mit zur Sache zu zählen, und ihren Grund darnach si, beurtheilen, anstatt daß, wenn es verborgen bleibt, und nur wenige in der Stille, davon Eck,, diese einen falschen Wahn der Maurerey ausbreiten, und guten und biedern Männern, sie von einer falschen, und fehlerhaften Seite vorstellen. Das ist einer der«rosten Hauptfehler wenn man das böse welches sich in einer guten Cache vielleicht zu vorder?,er. sucht.verhehlt. denn dadurch gewinnt die Sache den Anschein als ob sie ganz böse wäre. Wenn ich niemanden den Weg an einen 6? nen Ort beschreibe, so werde ich allemahl wohl thun, wenn ich ihn zugleich mit den Irrwegen be- kanut mache, damit er sich davor zu Huten, und sie vorbey zu gehen wisse. Thue ich das nicht, so kan ich mir über alles Unglük ein Gewissen mache», was ihm zustößt. Es muß jedem ächten Maurer angenehm seyn, die Misbräuche seines Ordens entdeckt zu wissen, damit er sich frey davcn machen kan. Wer- an« ders denkt, wer an Verheimlichung glaubt, Ver- heimlichung wünscht und zu befördern sucht, dem klebt entweder selbst etwas von dem Unrecht an, was er zu verbergen sucht, oder er ist noch zwei« felhaft, ob nicht in der Maurerey, die er als gut annimt, würklich etwas böses stecke, welches ihm bisher unbekannt gewesen, fürchtet sich vhngeachret seines Enthusiasmus davor, und hak nicht dar Herz es zu untersuchen, Ver wahre Maurer, dek überzeugte, der einsichtsvolle, der den ich noch nicht kenne, ihn mir nur denke, er, wie er cS ln den blühenden Zeiten war, er, wie er gewis noch, nur selten zu finden ist, dieser Maurer wird nichts verbergen wollen, ihm ist alles ofne wahre Klarheit, und er läßt nichts wieder sich, nichts wieder einen Orden aufkommen, den er kennt, und dessen Mitglied er in Wahrheit, Tugend, Weisheit, Schönheit, und Stärke ist. 6§ Ernster. Du hast recht, Giebriz, ich'habe es nicht vö», der.Seite betrachtet. Ich fange an einzusehen, daß es nicht hinreichend ist, die glänzende Seite einer Sache darzustellen. Man muß auch das Gegentheil beobachten, und es dienet nur noch den wahren Glanz zu erheben. Ich habe mich allezeit gehütet von den WiSbrauchen der Frey. maurcrey zu sprechen, ich habe diejenigen getadelt die davon gesprochen haben, ich habe mich der Güte der Sache wieder meine Ueberzeugung angenommen, habe gestritten, daß nichts böses da. mir verbunden wäre, und habe mir Feinde und Verdruß gemacht. Giebri;. Es ist keine Sache in der Welt, mein lieber Emeyer, die ganz vollkommen wäre. Es ist auch Hin möglicher Fall. Jeder- Mensch weis das, und weis ers nicht, so ists ein Zeichen, daß er es nicht wissen will, daß er zu wenig Menschen-For- scher ist, um sich um dieses Karakterische zu bekümmern, zuwenig Wsltsorscher um ihre Fehler, die in ihrer Natur liegen müssen, zu untersuchen. Wer das nun weis, und zu irgend einer Kennt- mß zu gelangen, sich vornimmt, der untersucht gleich so wie er den Ansang macht, böses und grr- res zusammen, der sieht es gern, wenn ihm beydes aufgedeckt vor Augen gelegt wird, und beurtheilt 67 tmn öb dies gute das bl-ft überwiegt, ob das gute oder das dose die Grund age der Sache ist, ob das letztere aus dem erstem entstanden, und als Folge der zur Nothwendigkeit gedichenen Verschlimmerung der Menschen zu betrachten ist. Emoz-ee. Kenn ich aber nun alles zusammen fetzte, was du bisher gesagt hast, so sieht es sehr übel um die Freymanrerey aus, so ist das Verderben so gros geworden, har wenigstens so viele Anhängeb erhalten, daß dessen Ausbreitung fast nicht zu verhindern seyn wird. GiebriF. Loch, doch, es ist kein Uebel in der Welt, wovor nicht ein Gegenmittel zu finden wäre. Also mich hiervor Freylich wurde die Kur meinet lanasam ausfallen. Schnell wird die Wunde geschlagen, langsam heilt sie wieder. Das erste nothwendige wenn ein Baum Früchte tragen soll, ist, daß alle unnütze Aeste die an sei» ner Kraft saugen, tu viel Fettigkeit nehmen, um selbst Früchte trügen zu können, über den übrigen fruchtbaren alle Kräfte entziehen, hinweggenvmmeN werden. Er sey»im sv reich an Blüthen als er Wolle, falten seine Blüthen einige Jabre hintereinander ab, und bringt er nichts zur Neise, so Muß er fort, er habe sich noch so ausgebreitet, E a theile 68 theile noch so schonen Schatte» mit, undkocke noch so sehr viele Bewunderer an sich, die nur dem Schatten nachgehen, und was wahr und frucht« .tragend ist übersehen. So ists mit der Mauerey? Soll eine Reform in derselben vorgenommen werden; so müssen all ihre Zweige untersucht werden. Sie müssen tha« tige Beweise ihres Fruchtbringens darlegen können, oder sie müssen vom Stamme als unnütze Aesto abgeschnitten werden. Und worin besteht dieses Fruchtbringen? Sie müssen der Welt und sich genuhet haben, müssen es beweisen können, daß sie es gethan haben. Sie müssen den Namen der Maurerey ehrwürdig gemacht haben. Wo irgend eine Loge ist, und der Name Maurer ist nicht geachtet, man hört ihn als etwas nennen, was gefährlich, schädlich ist, als etwas, was in diesem oder jenem Falle als ein solches sieb gezeigt hatte, so zähle man sicher darauf, die Mitglieder des Ordens sind zu wenig mit der Erhabenheit seiner bekannt, als daß sie etwas mehr seyn sollten, als Leute die aus Neu- gierde, Stolz oder Eigennutz den Orden angenom« men, und aus einem der beyden letzten Gründe ihn erhalten und ausbreiten. W» 69 Wo man Logen findet, mein Freund, die auf ihre Systeme fest beharren, mit jedem Maurer sich darüber herumstreiken, gleichsam alle andere Systeme auffordern, sich mit ihnen in einen Streit einzulassen, um ihre Gerechtsame ins Licht zu fetzen, öffentlichem Geschrey von ihrer Wichtigkeit, ohne sagen zu dürfen, und zu können, worin diese Wichtigkeit besteht, machen, da kannst du sicher glauben,' ihr Oberhaupt handele aus Stolz, und habe seine ersten Mitglieder in sein Interesse gezogen. Wo du eine Loge findest, die zwar lacht, wenn von Systemen die Rede ist, denncch aber wenn du bey ihr Eingang haben willst, dich um dein System befragt, und hast du ein andres als das ihrige, dennoch verlangt, daß du solches annehmen, und dazu dich bey ihr aufnehmen lassen sollst; Wenn dn ferner bemerkst, daß man dir anliegt, neue höhere Grade dir zu geben, daß man neue Drüder eilig herauf befördert, daß man anm'mt was da kömmt, und wenn dn noch überdem hin und wieder lispeln hörst, die Maurer«) sey eine kostspielige Sache, es prahlt sich etwa ein junger Herr damit, daß er diese Geheimnisse für sein schweres Geld an sich gekauft, oder es zuckt einer die Achseln, und sagt, das Ding ist mir zu theuer, ich ruimre mich, wir haben der Beyspiele, so glaube du mir sicherlich, da herscht Eigennuz in Er ftiner 70 seiner ganzen trotze» und da saunt das Oberhaupt >am Marke s mer Untergebenen und sieht die Welt um sich herum als einen privilegirten Geldbeutel an, aus dem-r nehmen kau, was ihm gefällt. So schlingen sie das, was die Maurerey ausrecht erhalten sollte, Tugend und Rechtsthaffenheit, Weisheit und stärke,»n Gewebe von Unaerech- tigkeit, Falschheit, Detrugercy, Dumhcic und Schwäche, dampfen die fruchtbringende Kraft, und entziehen dadurch den übrigen Zweigen die Nahrung, denn sie schmälern den Ruf, den sie hat, und den lhre Glieder mit fruchtbringenden Gaben zu Wege bringen wurde. Findest du aber irgendwo eine Loge, die indc« Stille arbeitet, die keinen Lcrm, weder mit Pracht nvck mit Lobsuchr macht, wo die Bruder zufrie« den einig und einträchtig unter einander wählten, wo man m»t einer Ächtung von ihnen spracht die Aufmerksamkeit verdient, wo man von geheimen guten Handlungen derselben hört, wo jeder Bruder"freundlich aufaepommen wird, er zeige sich in welchen Systeme er wolle, wo man nur den Maurer Nicht, und ist ers nicht ganz, seinen Fehlern zu Hälfe zu kommen sich bemühet» wo man in der Wahl neuer Bruder langsam und forschend zu Werke geht, wo man den Werth nicht nach den Graden, sondern nach Seele und Geist beurtheilt, wo man nicht gewahr wird, daß über die Kostbarkeit 7 k barkelt der Sache gesprochen wird, wo der Arme nicht mit Ausgaben belästigt wird, die seine Bequem ichkcit überschreiten, wo unter Vermögen und Armuth kein wejemlichcr Unterschied zur Aufnahme gemacht wird, wo alle unter sich einer des andern Glück und Wohl zu befirdem suchen, wo man aber auch außer seinem Kreyse Gluck und Wohl zu verbreiten sick bemühet, da, mom freund, hemme deinen Schritt, da bleib stehen, wenn du den rechten wahren Maurer kennen willst. Und aus diesen Beschreibungen guter Emeyer,, ließe sich nun nichts beurtheilen? und nachdem man so untersucht, konnte man noch zweifelhaft seyn, ob und welche Loge gut wäre? Und wenn man das nicht mehr ist, sollte es nicht ausgeführt werden können, daß achte Maurerey die Oberhand behielte, und falsche von ihr getrcnnct würde? Nicht ausgeführt, daß man allen Stolz verban- nete, daß man allem Eigennütze Einhakt thäte, die Schilder die an so vielen Orten aushängen, und uns Schande bringen, entfernte? Wahchch, Kreuch, Las muß kein.Hexenwerk seyn. Emefer« Ich finde alles so wahr, was du da sagst, daß ich dem Wunsche nicht widerstehen kau, tiefer in das Geheimniß zu dringen, warum das nicht geschieht. GcwiS istS doch wohl immer, das; du E 4 nicht 7- nicht der einzige erste bist, der diese Bemerkungen macht,daß von so vielen lanaen Zeilen herrschte Maurer in der Gesellschaft waren, die auch edel und die» der dachten, undVorurcheile auch einsahen. Siebn». Das waren sie, und du irrest sehr, wenn du glaubst, daß ich der einzige bin, der diese Demerkunaen machte. Auch mein Freund hin ick nicht so stelz, das von mir zu sagen, daß ichs allein vor mich entdeckt hätte. Diese Bruder die darin mit mir gleich dachten, haben mir darauf gehlsten, und haben in wir alle« dieses festaeleht. Auch sie sah n ein, daß diese Beffenmaen nöthig waren, auch sie wollten gern besser«' konnten es nur nicht, m d waren nicht wicktiaer im Orden als ich selbst es bin. Da« heißt, wem Freund, man verkannte entweder ihren E'fer»ür die gute Sache, oder man wvllteihn nicht kennen, Aufs Oberhaupt kömmt vieles an. Zeh will nicht in deine Gebeimrnsie eindringen, bist Manch? Stute weiter ackcwmen als ich. So viel aber könnte ich vermuthen, daß du manch?« Geheimnis! we ßt, also auch wissen konntest, ob das aanze e n Oberha-.pt, oder eine Gesellschaft har, die ein Oberhaupt vorstellet, oder Grundsätze hat, die gietchsam als ein Oberhaupt, als das, 73 das, worauf alles übrige sich festsetzen läßt, bestehen. Es sey nun das eine oder das andere, so muß dies auch die Grundlage der Verbesserung ausma. cheu. Ists das letztere, das ist ein Grundgesetz oder eine bsss« worauf der Orden sich gründet, nun. dann ists nur zu untersuchen obs das wahre, ächte alre ist, worauf gute, achte, fruchtbringende Maurerey siech von jeder gegründet. Ists das, wovon ich freylich als Laye nichts sagen kann, heun so sehe ich jeden au, den man nicht weiter hat kommen lassen wollen, wobey ich wie du leicht denken kaust, nicht von unserer Loge rede, ists also das, so wäre es am allerleichkesten, nach diesem all die verschiedenen Zweige zu untersuchen, und nach denselben sie als unnütze oder fruchtbringende zu erkennen. Asts das aber nicht und ists ein Oberhaupt, oder eine Gesellschaft, die das Oberhaupt ausmacht. dann ists freylich schwerer, und dann kömmt vieles dabey auf die besondre DenkungSart dieser Mitglieder an, und dara»f ob sie Partikularitäten mehr als wahres Aufkommendes Ordens achten, und darauf ob sie vorn Eigennutz odcrvon Stolz mehr als pom Patriotismus für den Orden beseelt werden. E 5 Gesetzt 74 Gesetzt aber, sie sind das nun nicht, denn das wäre schlimm, wenn wir annehmen sollten, der Orden wäre in seiner ersten Grundlage verdorben, so dächte ich, tonnten sie sehr leicht ein kleines System, wenigstens der sittlichen Regeln des Betragens der Glieder herausgeben, darnach man dies? im bürgerlichen Leben,als Maurer und Nichk-Maue rerchenn die Misbrauchenden sind es kcineswegeö,betrachten konnte. Dann wurde der rechtschaffene edel- denkende der einen guten Begriff von dcr Maurcrey hat, sich nie an einen machen, der sie misbravchte, das heißt der sich öffentlich so nennt, ohne die gehörigen Eigenschaften zuhaben, und also würde dieser rechtschaffene»»betrogen bleiben. Emeyer. Aber die Verstellung ist groS, mein Lieber» und so bald es öffentlich bekannt gemacht wird, wie ein Maurer beschaffen seyn muß, so wird sich allemahl jeder auch der schlechteste darnach einzurichten suchen, um sich nicht öffentlich beschimpft zu sehen. Siebn';. Und du solltest nicht einsehen, Emi^er, daß alsdenn schon ein großer Theil des Zwcks erreicht wäre? So bald ich den Bösewicht dahin bringen kau, daß er sich seiner Bosheit schämt, so habe ich 75 ich entweder Reue in ihm darüber zu erwecken ge. wußt, oder ich habe wenigstens das Uebel gehoben, daß er mir andere anstekt, und mir seinen Grundsätzen verdirbt. Aber das geht so leicht nicht. Du- kommt hicrbcy wieder dein Enthusiasmus zu Hülfe, und stellt dir alles leichter vor al» «6 ist Es ist eben so möglich, daß der falsche Maurer wohl auftritt, und seine Bosdeit ver» theydiget und recht hält; doch das beyseite. Für ein großes Uebel ist eine große Kur nöthig. Bisher hatten die Maurer, oder in ältern Zeiten will icb sagen, harren sie Verschwiegenheit alsih. re HaupiTugend, und man horte nicht von ihnen baß sie Maurer waren, nicht etwa aus Furcht, denn die Realität und Unschädlichkeit ihrer Sache konnten sie bey ihrer Einförmigkeit weiter her beweisen, als wir bey unserer Mannigfaltigkeit eS kennen würden, allein sie glaubten nicht, daß es ihnen eine Ehre sey, Maurer zu heißen, sondern eS zu seyn, und aus dem Grunde waren sie zufrieden, wenn sie es in sich waren Das trug denn dazu bey, daß sie sich nickt als solche bekannt Machten, weil sie nicht nöthig hatten, zu scheinen was sie waren, welches jezt der umgekehrte Fall ist. Unsern meisten Maurern ist mehr drum zu thun, es zu scheinen als es zu seyn. Wenn Wenn nun ein solcher sein sogenanntes Geheim« m's. das freylich in nichts besteht, welches er aber doch so nennt, denn davor glaube ich, ist hinreichend gesorgt, daß ein solcher nichts wisse, allenthalben umher tragt, was kann daraus entstehen, als daß jeder sich Besitzer davon zu seyn wünschet, und so war die Frage hinlänglich ausgelost, die du eben an mich thatest, warum so viele sich zu Frey» Maurern aufnehme» ließen? So bald ich aber eine Sache vielen Menschen vor Augen lege, so bald setze ich mich vieler Menschen Urtheilen darüber aus, so bald gebe ich viele!! Menschen das Recht, zu beurtheilen, wie sie wollen, mich und die Sache. Da es nun einmahl so weit gekommen ist, daß der gtöste Theil der Maurer sich der ganzen Welt mit ihrer eitel» Größe darstellen, so ist nichts richtiger, als daß sich alle diese Maurer den Urtheilen der Welt aussetzen, und das zwar so und nachdem jeder, berste beurtheilt, selbst gesinnct ist, und nichts laßt sich leichter als SchlußFolge bemerken, als daß das Urtheil über die Sache nach der Beurtheilung deS Menschen ausfallen werde. Und hier wäre denn der Hauptvortheil zu sehen, den es bringen würde, wenn man etwas von den Grundgesetzen der ächten Martterey,' was ihr moralisches berrisk bekannt machte. Es ließe sich dann kein Schluß mehr vom Menschen den man kennen lernt 77 -lernt, auf die Sache die man nicht kennt, machen, sondern der Schluß müsse nothwendig von der Sache, die einen schon bekannt ist, aUfdenMen» sehen gehen, den man erst kennen lernt. Und dann konnte dieses zufällige sehr leicht etwas zur Berbessernngdes ganzen beytragen, wenn man allen diesen urtheilenden die Freyheit ließe, sich mit ihren Beurtheilungen an die Obern deS Ordens zu wenden, die Fehler dessen anzugeben, den man wieder die Gesetze die nun einmahl bekannt waren handeln sieht, uno dadurch die Obern gleich mit dem Betragen der Mitglieder bekannt zu machen. Je mehr Beobachter der Mensch hak, desto sorgfältiger hütet er sich; der rechtschaffene hat das freylich nicht nöthig. Jede seiner Handlungen ist schon so abgemessen, daß kein Beobachter ihr etwas als gute Seite abgewinnen kann.'Allein desto nutzbarer für den, der es nicht ist, desto wirksamer gegen Ausbreitung des Uebels, desto besser für Kenntnisse des wahren und Guten des Ordens. Emeyee. Nimmermehr lieber Giebris, hätte ich ge» glaubt, daß in unsern Orden so vielerlei) Mis- bräuche wären, als mir nun auch im besten Lichte desselben vor Augen kommen, und mir ihn ganz anders 73 anders schildern, als ich ihn bisher gekannt Habs. Nicht zwar als ob ich deswegen weniger Zutrauen und weniger Eifer fühlte, aber doch ist es mir erklärbarer geworden, warum du dies nicht fühlst» Eigentlich habe ich dadurch gewonnen, weil ich richtigere Begriffe gefunden, und richtigere Wahr» hciten eingesehen. Aber du hast einigemahl der Bekanntmachung der Gesetze erwähnt. Entweder must du dies an-- derö meinen oder ich glaube, die Sache würde von ihrem Werth verlieren, wenn man ihr Geheimnis osnete, Eoiebriz. Gehe das dritte als den Grund, daß du mich Nicht verstanden. Der Orden braucht stille Geheimnisse nicht zu entdecken, und kau Zwecke verbergen, die nicht in die Welt und vor diejenigen gehören die in keiner nal-e n Verbindung mir ihm sind. ES giebt aber gewisse äußere Einrichtungen Und Vorschriften. Zch glaube, ich habe ihrer dben schon erwähnt. Sie betreffen den sittlichen Wandel det Brüdet, und sie sind es die die ganze Weit wissen kan, die sie Wissen sollte, und die ülsdenn dem um sich greifenden Uebel ganz gewiß Einhalt thun würden. Zch 79 Ich meyne dem Uebel, dessen dil eben als der Hauptfrage unsers Gesprächs erwähntest, daß es so viele Frcymaurer giebt, daß sich so viele aus« nehmen lassen, daß man so viele aufnimmt. Das erstere folgt aus den beyden Letzter». Wenn nun aber die Manrerey als eine Stiftung bekannt wäre, die lauter Gute« übte, nichts als Gutes aufnähme, keinen Bösen unter sich litte, wenn Stolz, Eigennutz und Neuglerde nicht mehr ln den meisten den Schritt hervorbrächten— wenn man sich nur dann geschäzt, geehrt Und vor« gezogen sahe, wenn man diesen Grundsätzen gemäs handelte, die die sittlichen und öffentlichen Gesetzt des Ordens von einem verlangten, würden sich Wohl so viele aufnehmen lassen. Niemand würde stolz auftrete» und sagen; ich bin Maurer! Niemand würde mit seinen Geheimnissen pralen, Und dadurch andre anfmerk« samer auf sich mache» wollen, daß sie dachten, Wunder was wäre er, daß sie strebten, auch das zu seyn, und daß sie denn, wenn sie es wären, dem Beyspiel ihres Lehrers zum Schaden hundert anderer folgten. Der Prahler würde gleich erkannt werden, niemand würde sich an ihn Machen, er selbst würde aus der Zahl der leben« den des Ordens ausgelöscht, und eint ganze Gt« Ueration von Unheil erstikt werden. 8o Auch würden nicht mehr die ausgenommen werden, die sich irgend mit einem Makel beflekc. Untersuchung des Wandels wäre erste Pflicht, und uncadelhaste Aufführung erste Richtschnur. Rechtfchaffenheir wäre Grundlage, Edelmuts) und ManneSvcstigkeik wären Pfeiler, und das ganze Gebäude wäre unerschütterlich, mochte nun kommen der Stolze oder der Heuchler oder der Eigennützige. Alle würden daran setzen eS zu erschüttern, allein es würde dann nicht wanken. Und schliche sich auch einmahl einer oder der andere von denen ein, die so verkehrt dächten, hätte es auch einmahl ein Heuchler so weit gebracht sich in einen Engel des Lichts zu verstellen, und dachte er, er wollte durchwischen, so würde er doch bald da stehen in seiner Blöße, und würde beschämt zu» rnkkchrcn, und sagen müssen: Ich war unwert!) einer dieser zu seyn l Emez'cr. Alles was du sagst, ist schon und vsrtreflich. Es giebt einem Begriffe, wie es seyn sollte und tonnte. Aber ein Punkt fällt mir ein. Nach den Einrichtungen die Lu hier machst möchte wohl es nöthig seyn, daß um den Eigennutz zu schüren, alle Geldabgaben bey der Ausnahme abgeschast würden. Allem hier wäre die gewiß nicht unwichtige Frage in Obacht zu nehmen: Woher soll denn denn der Orden das Geld nehmen, was er zu sel- nen Ausgaben bedarf, und wie soll eine Art von thätiger Hülfe, für Nothleidende, Bruder, und nicht Bruder können hervorgebracht werden? Zwar konntest du mir hier den Einwnrf machen, man müsse dieses jedem Bruder selbst überlassen, und du würdest in so weit recht haben, als es fest ausgemacht wäre, daß niemand als ein rechtschaffener in den Orden käme. Es wäre dann wohl nicht;» zweifeln, daß keiner seine Pflichten, des Menschen, und des Bruders versäumen, und jeder thun würde, was erkennte, um andere zu unterstützen, und das allgemeine Beste zu befördern. Allein alsdenn wäre doch immer das nur besonders bcrvorgebracht, was allgemein geschehen sollte. Alsdenn fiele doch Ruhm und Ruf nicht aufs ganze, sondern auf die einzelnen Glieder, alsdenn wäre immer die Präsumtion, im ganzen thäte der Orden nichts gutes, denn einzelne Falle glänzen nicht in dem Maaße. Und auch würde man dann vielleicht von einem Bruder, der weniger thäte, weil er würklich weniger thun konnte, lieblos urtheilen, und ihm zur Last legen, er thä- te aus Willen weniger. Siebriz. Ob ich gleich aus allen diesen eine Art von Stolz in Ansehung des Ordens hervorleuchten sehe, F°b 82 ob ich gleich wünschte, daß kein Vtudor auch dtt nicht darein etwas sehen, daß der Orden glänzen mochte, denn nutzbar seyn, ist gewis besser und wichtiger als glänzen, ob ich gleich nicht einsehe, wie es einem Bruder zur Last gelegt werden kann, wenn er nicht mehr Wohlthaten übt, als er kau, cö sey denn von hämischen Menschen, deren es auch bey den besten Absichten giebt, und die die gr'osie edelste Handlung nicht unangetastet lassen, obgleich der Mus eines jeden einzelnen Maurers der Ruf des ganzen ist, und auf das ganze wie das Licht von einem glänzenden Spiegel zurück fällt, so will ich dir Loch gern zugeben, es giebt der Falle, Emcy'cr, wo man besser im Orden thut, man vorsieht sich mit allgemeinen Beytrage». Mein diese n.ehm§ man nicht von Fremden, preßs sie nicht von denen aus,- die zu dem Orden treten wollen, verkaufe nicht Stufender Namen, der Würde, und der eigentlichen wahren Erkennt-, n is nach Gewicht gemünzten Goldes, und gebe dadurch allgemeines AergerniS, nähre den Eigennutz und bringe falsche Zwecke zur Neste. Die Erreichung eines edlen Zwecks läßt sich durchaus nicht mit Gelb erkaufen, oder das edle desselben fällt weg. Nicht als wenn ich damit sagen wollte, daß Geld keine guten Zwecke erreichen, und keine gute Wirkung«! hervorbringen konnte, sondern meine Meinung gehet blos dahin, daß, wo blos Weis. heit 8Z heit, Tugend und Erkenntnis zu haken seyn, lös blos Rechtschaffener regieren soll, da, dieses sich nicht mir Gelde erwerben lasse, liegt es nicht in dem Herzen des Menschen selbst. Wo alles dieses nun seyn soll, unumgänglich seyn soll, und eine Handvoll Geldes kau blenden, daß man über dieses wegsiehct, da ists wohl besser die Versuchung ist nicht da, und die oft schwache Menschheit wird nicht auf die Probe gesezt, sich verführen zu lassen, da nur zu leicht Schwache Verderben hervor bringt. Allein ist der Reiche einmahl, ohne zu wissen, das, er reich ist, von einer, ohne sehen zu lassen,' daß er es ist, von der andern Seite, dazu gelangt, wohin, ihm die Nechtschaffenheit hals, die Begierde weiser zu werden den Weg zeigte, und Adel der Seele und Grosnmth Fortschritte thun lies, dann ists Zeit, für das allgemeine Beste zureden, und ihm vorzustellen, daß seine Umstände ihn berechtigten, etwas für das Wohl der Menschheit und für den Glanz des ganzen zu thun, wenn es ja glänzen, muß. Dann wird er es schon vor sich selbst, und damnvirL eö jeder Bruder nach seinem Vermögen, und dies freywiliige wird mehr Seegen und Nnzen über den Orden bringen, als jenes erzwungene. 84 Emevcr. Schmr wahr und wohl gesprochen. O daß dock einst die Zeiten kamen, daß man das sagen konnte> Wie wohl Drüber würde euch dann seyn, wie wohl würde jedem Maurer seyn, wenn er dem neuen Bruder nicht mehr die vcrdriesliclie Frage beantworten wüste: Was kostet es Maurer zu werden? Ich gestehe dirs gern, Sieoriz, so oft ich daran gedacht habe, ist mir der Much vergangen, neue Freunde zu suchen, und so oft die Frage an mich gethan wurde, hat man mich in eine Verlegenheit gesezt,die ich nicht verbergen tonn. ke, und die so sichtbar wurde, daß der neue Bruder gewis von mir nichts gutes zu urtheilen im Stande war. Damahls zwar dachte ich das nicht so sichtbar, weil ich noch nicht die Begriffe so davon harte. Grebriz» Du kannst dick trösten, lieber Emoswr denn damahls, ich versichere dir,war es auch noch nicht so sichtbar. Mit dem Eifer, mit welchem du jezcwie. der des Geldes MiSbranch eingenommen bist, denkst du auch an das zurück, was du zu dessen Beförderung gethan. Ich glaube zwar, daß in jedem rechtschaffenen Mann ein gewisses Gefühl aus steigen wird, wenn er eine Sache für Geld ersaufen soll, wo blos Weisheit und Rechrschaffen- heit 85 hcik zum Grunde liegt, wenigstens liegen sollte, aber wenn er denn doch den Begriff hat, das Geld sey nothwendig, wenn er noch keine überzeugende Gcwisheik davon hat, daß eS Misbrauch sey, so wird diese Verlegenhcst auf der einen Seite nickt so sichtbar werden, daß sie aus der andern, wo ebenfalls der Gedanke von Misbrauch aus Mangel an Kenntnis noch nicht statt finden kan, eine Sinnesänderung, und einen Argwohn hervorbringen sollte. Allein dies beyseite, so wäre es zwar gut, wenn dem Uebel gesteuert, kein Geld vorausgefordert, sondern dem Maurer der genugsam geprüft nur die Forderung dann als freywillig und nach seinen Umständen einzurichtend geschahe, indessen doch immer noch nicht hinreichend. DaSUebel ist noch eben so gros, wenn die Anwendung nicht gut ist. Noch eben so gros, wenn dieses Geld unter den Namen Belohnung für Dienste der Maurerey wieder ausgegeben wird. Kein Mitglied der Mamerey, er sey, wer er wolle, gros oder klein, sollte sich seine Arbeit, oder seine Verdienste um das ganze bezahlen lassen, denn ein so edles Werk kan nicht bezahlt werden. Viel zu hoch wüste der Werth davon seyn, als daß Gold ein Gegengewicht davor abgeben konnte. Man konnte mir hier vielleicht zur Last legen, daß ich den Saz verwerfen wollte, daß einem Arbeiter Lehn gehört. Man würde mir aber sehr F z unrecht 86 unrecht thnn, und mich sehr misvcrstehm. So viel ist meine Meinung. Es giebt Handlungen, die zu'edel sind, als daß sie sich mit Gelde bezahlen lassen. Bürgers Lied vom braven Mann, lese wer sich! davon überzeugen will. Menschen Weisheit lehren ist gewiS so edel als sie vom Tode retten. Und das sollte bezahlt werden. O ihr Großen, ihr Hanptcr des Ordens, wa» rnm denkt ihr nicht alle einer wie der andere! Wärmn ists so manchen unter euch möglich, eine bestimmte Besoldung für etwas anzunehmen, was ihr blos für Nnf nnd für Ewigkeit arbeiten solltet. Bedenkt, Freunde, Vater, Bruder, bedenkt den herrlichen Wucher, keinen Lohn dafür gehabt zu haben, daß ihr Brüder weise, tugendhaft srom und edel machtet. Bedenkt, ob es nicht Ruhe eurer Seele seyn würde, zu wissen, ihr habt keinen Heller von dem genommen, was Leidenden, Dürftigen bestimmt war— nicht, als ob ihr es nicht verdientet, nein, ihr verdient mehr, und Geld soll euch nicht belohnen. Ja, Freunds sobald die Welt wüste,so bald sie' überzeugt wärc,>mdWahrheic verbirgt sich nicht ,daß kein Mensch unter uns ausEi? gennuh, daß sie alle um des Adels der Seele willen arbeiteten, so bald würde man sich drangen -— nicht mehr drängte sich der neugierige, der eingebildete, der Wollüstling, der Geizige— es drängte sich der edle, der rechtschaffene, der Menschen. 87 schcnftnmd— es drängte sich f° mancher, der d-r vorüber geht.>"'d nn« nicht betrachtet, so mancher der uns verächtlich ausweicht, so maiwher der sich hütet mit dem Bekanntschaft zu machen, d!r den geheimen Ruf eine- Maurers hat. Emeyev. Du hast mich heme erbanet, Siebmz, du hast mir Begriffe gegeben, wie einst das goidne Alter der Maurern) wieder entstehen könne. Abcr du hast zugleich einen nagenden Wurm mit vem sitz». m-l„ nn w°'- de Und so werde ichs nicht erleben, de immer und ewig in der bösen Ueberzeugung bleiben, in der ich nun bin. Zch werde kemm S-il-d°-M'-Bch«.>«* d" 2S<*' scheinlichkeit, nicht der Ausführung. Giebrix. Und wenn wir alle s° denken wollten, wie würde es um jede Besserung stehen. Nem, mem Freund, nicht verzagt. Weist du mcht aß aus Trümmern Paläste hcrvonvachstn? ganrestdume den Sah bestätigt, daß der Mensch, sowie alles was um ihn ist, so wie alles was er ansangt, nach und nach steigt, schnell Mt, vom Fall nur schwer sich erholt, aber dann auch meder zur Voll- '>/--^ kommen- kommenheit reist? das ist der Zwek der Natur und der Schöpfung. Und diesen Zwei zu erfüllen, sollte nicht einer alles, sollte jeder etwas, jeder das seinige beytragen. Es sollte denn, um einen Dlik in die Zukunft thun, ieder zu seiner Belohnung oder Bestrafung erst sehen, was er am gro- sen Wecke der Vervollkommung entweder bcyge, tragen, oder verabsäumet. Und so ist der kleinste Zwek, wie der groste, und so wird auch einst jeder Maurer sehen, was er am Werke der Maurerey that. Wohl ihm dann, wenn er auftreten und sagen kau, mein Zwek war edel, mein Herz rein, und meine Seele gab nicht Rath zur Veruntreuung oder Misbrauch. Dann wird der Glanz der Weisheit ihn umgeben, und er ein Licht sey» öffentlich in der Ewigkeit, weil er dem geheimen Lichte folgte, und es seyn lies eine Leuchte feiner Handlungen, und darnach richtete den Gang daß seine Schritte nicht in Finstern kappten, und er irre führte, die ihm folgten. Sollte dgs lichtscheuer Zwek seyn, Bruder? Und nur einen Punkt an der großen Beste der Vollkommenheit bearbeitet zu haben, wäre das nicht Lohn? Laß uns also auch im Stillen arbei. ten, daß unser Werk vollkommen werde. Zezt komm, der Tag ist schon. Die herrliche Natur ladet uns ein» Drit- Drittes Gespräch. Emeyer, Sicbriz. Emefer. 28ir haben zwar einiger Orten in unsern vorigen Unterredungen, lieber Gicbri;, desZercmv- niellen in unserm Orden Erweynung gethan, allein wir sind bock noch nie auf den eigentlichen entscheidenden Punkt gekommen, ob dieses Zeremonielle nothwendig zum Orden gehöret, oder ob cS, ohne daß er darunter leidet, davon getrennt werden kam Wir wollen also, wenn es dir nicht zuwider ist, etwas darüber mit einander konse- riren, und sehen, in wie weit einer des andern Meynung deswegen zu verbessern oder zu berichtigen im Stande ist. Giebri;. Dn hast wich aus einer kizlichm Seite gefaßt, Emepex, doch kann ich dir wegen deiner Offenherzigkeit und deines Zutrauens zu mir nichts abschlagen. Gerne, ich gestehe es dir, spreche ich F; von von einer Sache nicht, die mir so viel bitteres zurückruft, wobey ich mich hintergangcn denke, und die mir immer ein Gegenstand der Beknmmer- niß gewesen, Und wenn ich dirs noch nie zugestand, daß ich enthusiastisch für den Orden war, und noch bin, so mußte ich dirs jezt gestehen, und zugleich gestehen, daß eben dieses Zeremonielle des Ordens schon eüngemahl der Grund gewesen ist, nm des- semwilien ich ihn bald vcrlohrcn hatte, all den Eifer der mich dalüe beseelte. Ich muß freylich vieles sagen, um dir daü Chaos, was diese wenigen Worte enthalten, zu erklären, und deutlich darzustellen. Thor würde ich seyn, wenn ich sagte, das Zeremonielle des Ordens sey nbersiüßig. Ich kkcn- ne hier das Zeremonielle vom Bildlichen. Warum ich das thue?— Deswegen, weil ich nach langer Untersuchung und Berachschlagmig gefunden habe, haß das Zeremenielle und Bildliche dadurch von einander unterschieden sind, daß das eine nehmlich das lezte etwas wesentliches b>- n Orden ist, das erste aber icineSwcgeS dahin gehöre. Eme^cr. Ursache genug zum Unterschiede. GewiS, Glebri;, ich habe noch nie an eine solche Bemerkung gedacht, und ich finde inderThat, daß ich ein schlechter Beobachter bin. Wenn ich auch manch- <>l manchmahl mich in Betrachtungen darüber cinlics, so sind Zeremonien und Bilder nur immer eins ge« wesen, ich habe sie als zusammenhangende Dings angesehen, und so sie als Schlagbaume für die Geheimnisse des Ordens betrachtet, und ihnen den Endzweck gegeben, daß übeldenteude dadurch vom innern wahren desselben, und durch dieses NichtA»' wissen vom Misbrauch abgehalten würden. Giebvi;. Nicht so ganz unrecht. Meine Beobachtungen hatten anfangs den nehmlichen Weg genommen. Emes'ev- Dann aber einen richtigern, und ich bitte dich, mich darauf zu führen. Weil mir auch das Wesentliche wichtiger als das überflüssige scheint, so wünschte ich, daß du damit den Anfang machtest. Siebni- Gern, Ueber Tmeyer. Es ist vhnedcm davor gut, daß meine Hitzesich etwas mäßigt, die durch das Andenken an jene Zeremonien, womit man mich fast todtere, erwachte.> Wenn wir hernach in der Folge unsrer Unterredung auf den Punkt kommen, so werde ich wohl etwas kälter seyn. Wenn 92 Wenn ick sage das Bildliche des Ordens ist wesentlich, so Miß es nothwendig einen Theil von. ihn, ausmachen, muß zn seiner Grundlage gehören, und mit ihm so verbunden seyn, daß es sich nicht von ihm rrennen läßt. lind das ist cS deswegen, weil das dunkle seiner Geheimnisse nur durch Bilder und Gleichnisse erklärbar werben, nur durch sie sich unsern Einsichten, die nun ein» mahl nur Stufenweise zur Erleuchtung kommen kennen, einprägt. Wären die Bilder nicht, ss winden wir diese Gehrimmsst nicht erkennen, und da das Erkennender Geheimnisse zum Orden gehört, wann es schon nicht zn teil Geheimnissen selbst sichert, so bleiben die Bilder immer etwas wesentliches des Ordens, wenn sie auch nicht zum wesentlichen der Geheimnisse gekoren. Bleiben nun Geheimnisse ohne Bilder gleich Geheimnisse so bleibt doch der Orden, der diese Geheimnisse bricht, und die ihn ausmachen, nicht Orden, wenn er diese Geheimnisse nicht bricht, und wie kann er sie besitzen, wenn er sie nickt erkennt? Folglich sind sie wesentlich, als wesentlich nothwendig, und vom Orden unzertrennlich.— Eme^er. Erlaube mir lieber Siebriz, dir hier in die N?de zü fallen. Du spuckst von den Geheimnissen des Orden« und vom Besitz derselben, und klagst 9Z klagst immer übn-.dein N.'ckt-w-n,, imw-r über den wenige» Fortgang, den du in, Orden gemacht, I nun er übertue traurige haae^ in dgl licydein.e^ce. le befindet, daß dn nicht tiefer einbringen-anst. Ich habe noch niemanden gehört, der tiefer eingedrungen wäre. Giebri?: Was dn eindringen nennst, Emefer, und was freylich auch so gencnm zu werden verdienet, ist Folge und Frucht des eigenen Nachdenkens. Klagte ich je über mich, daß ich nicht genug nachdächte? oder hörtest dn daß ich sagte, matt kan durch eigene Arbeit, durch fleißiges Forschen, durch tiefe»Denken nichts vor sich bringen? das war gewis»ie meine Meynung, aber das war sie, davor fürchtete ich, das krankte mich, und das bestätigte die Erfahrung, daß man mir nie auf dem Wege unter die Arme griff, daß man meinen Bemühungen nie ztt Hülfe kam, daß man mich, ich wogte bitten, wie ich wollte, immer mir auf Zeremonien wies, und selbst die Bilder nicht einmahl mir darstellte, die ich alle selbst suchen, untersuchen nnd erforschen wüste. Hätte ich nicht wie ein Unwissender müssen stehen bleiben, wenn ich mich nicht zu Hülfe genommen k Wollte ich sagen, der Maurer kaun nicht Maurer werden, ohne durch andere, so würde ich Unwahr- 94 Wahrheit reden. Za! richtig, so bald ich das äußere, das Zeremonielle nehme. So bald ich das zum wesentlichen des Maurerseyns rechne, so bald lies nicht möglich, es ohne andere zu werden. Senn Zeremonien, die andere an mir üben muffen, wozu eine gewisse Macht und Freyheit gehört sie ausüben zu können, zu denen nothwendig ein anderer in Ansehung meiner erfordert wird, die kan ich an mir nicht in Ausübung bringen folglich kann ich nicht Maurer seyn durch mich. Allein setze ich den Maurer in gewissen Grund« sähen, Nehme ich an, daß das innerliche, das wahre, das wesentliche ihn ausmacht, dann kann ich von mir sagen, ich kann Maurer seyn, ohne irgend eines Mensche:, Zuthun, dann kann ich sagen, ich bin eS, so bald ich mir einen gewissen Punkt festgesetzt habe, in dessen Lichte ich die Sache ansehe. Habe ich den rechten wahren Punkt gefaßt, nun so bin ich ächter Maurer, nehme ich einen falschen Gegenstand, so kann ichs unmöglich seyn. Ich gehöre alsdann zu den irrigen, und bin nichts, ich mag mir wunder einbilden was ich wäre. Kann ich aber gleich durch mich Maurer werden, und erfordert die Sache selbst nicht andere Personen, so bald ich das Zeremonielle davon trenne, so ist dennoch so viel auch wieder gewis, daß ich 5-5 ich es nicht ohn- Hülfsmittel seyn kann. Auch das ist leicht zu Lcweistu. Ich habs-s-cn angenommen, daß daü Bildliche zum westlichen bcs Srdenö und zwar zur Erkenntnis seiner Geheimnisse gehöre. So bald ich dies annahm, mußte ich auch festsetzen, daß jeder, der Maurer seyn will, dieses Bildliche sich vorstellen muß. Ein Bild aber kan ich mir nicht darstellen, ich muß es denn entweder gesehen haben, um es mir zurück zu rufen, oder ich muß eS aus der Beschreibung anderer mir deriviren, oder ich muß Theils desselben kennen, um hernach ein ganzes mir daraus zu machen. Ich habe also dem Anscheine nach Unrecht, daß ich oben sagte, ich kennte Maurer ohne andere werden, so bald ich das Zeremonielle davon trennte. Der Anschein würde sich auch in Wirklichkeit verändern, wenn ich nicht jezi dir sagte, daß es durch Hülfsmittel, deren wir schon genug haben, geschehen kan. Es ist so viel über uuö von der Maurcrey geschrieben, daß wenn ich nur den zehnten Theil davon lese, und darüber nachdenke, ich schon Stoff genug habe, mir ein ganzes zu abstrahirc», das heißt, nicht eben ein ganzes gutes, es kan auch ein ganzes böses seyn, aber wie der Grund so das Gebäude. Emeser. Erlaube mir, wein lieber Giebrl?, daß ich dir hier wieder einfalle. D» sprichst so tief philosophisch losvphisck von unserer OrdensSache, daß gewisse innere Idee», die ich vorher noch nie hakte, in mir aufsteigen, und die nischte ich nicht gern unterdrücken, sondern wünschte, daß sie zur Reife kämen. Du sagst, um Bilder zn erkennen, muß man üe sehen, von einem andern beschreiben hören, oder Theile von ihnen kennen, um daraus aufs ganze zu schliefen. Zugegeben dieses, so ist doch nicht zn laugnen, daß, wenn wir in die Zeiten der alten^reymanrerey zurückgehen, wir auf einen Zeitpunkt des Ursprungs aller dieser Bilder kommen muffen. Und der Ursprung aller dieser Bilder, die das Geheimnis unsers Ordens enthalten, ist doch wohl in einem Menschen zu suchen, der sich dieselben entweder erdachte, oder von Dingen nahm. Was ein Mensch konnte, sollte doch wohl ein anderer auch können, und da cS nicht unmöglich, ein und eben die Sache unter verschiedenen Bildern darzustellen, so ist eS doch auch wohl nichknnmög- lich, daß jezt ein Mensch die nehmliche Kenntnis dsS Geheimnisses unsers Ordens unter diesen oder jenen Bildern suchte und fände. Siebn';. Ich muß dich hier wieder unterbrechen, lieber Emeyee. denn sonst fürchte ich, verfällst du in eine falsche Meymma, dir mir eben nicht angenehm und dir nicht nützlich wäre. Sie ist die,daß man die Bilder 97 Bilder für das' Geheimnis selbst ktiihme. Und dem ist nicht so. Ich habe schon gesagt, daß das Bild nicht das wesentliche des Geheimnisses, sondern des Ordens ist. Ist das Geheimnis einmahl durch Bilder dargestellt, so hat es Beziehung aus diese Bilder, und folglich auf keine andern. Andere können es nicht deutlich machen. Bilder aus unsern Zeiten genommen, haben keine Beziehung darauf, wenn wir sie ihnen nicht geben. Geben können wir sie nicht, ohne das Geheimnis zu wissen, und wissen wirs, so wissen Mirs nicht anders als durch jene Bilder, die denn einmahl anpassend, und so davor bestimmt sind, daß keine Verbesserung stakt finden kan. E in Geheimnis anf unsere Zeiten gegründet, ließe sich durch Bilder unsrer Zeiten, oder vielmehr durch tvürkliche Vorstellungen aus unsern Zeiten erklären, aber nicht Geheimnisse alter Zeiten durch Darstellungen der neuern Welt. Wodurch hak dieses Geheimnis, so wie so manche Geheimnisse älterer Zeiten, eine so vervielfältigte und oft unförmliche Gestalt bekommen, als eben durch diese Unformung und Mvdernisicung, als eben durch diese Veränderung der Bilder, durch dieses Anpaßen in ein fremdes Gewand? Ueberdem, lieber Freund, ist dem Forschet: nur Möglich in seinen Zeiten etwas bildliches mir einem Geheimnisse zu verbinden, und das Ge- G helMttiS 98 heimnis in d»S Sicht zu stellen, daß eS ohne dk Bilder nicht, erkannt werden kan. Warum? Weil, wie aus meinem vorigen schon zu schließen, Bäder und Geheimnis Beziehung auf einande» habe», weil sie anpaßend seyn müssen. Angenommen aber auch, daß das Geheimnis der Maurerey, und bestehe es auch worinn cS wolle, so gut jezt existike, jezt in der möglichen Erfindung und Ordnung existire wie damahls, so ists doch nicht das was es damahls war, nicht, LlS ob es nicht in seinem Wesen dasselbige bliebe» sondern weil das Geheimnis jezt von einem andern entdekt, bildlich Dargestellt, Und systematisch gefügt, Nicht das Geheimnis des FreymaurerOrdenS seyn würde, nicht bey denen cS seyn würde die das Geheimnis zwar besitzen, aber nicht als Maurer eS besitzen. Weil Bilder der alten Zeiten jezr nicht wehr anwendbar sind, und Bilder dieser Zeiten als wesentlich, wie schon bewiesen, zum Frey- manrerOrden gehörte», so würden die neuen Er» sinder, wenn es möglich wäre, das Geheimnis als ein anderes, unter einer andern Gestalt, folglich als einen andern Gegenstand besitzen. Hiev findet kein Widerspruch statt, wie man vielleicht aus dem was ich vorher gesagt, und jezt anfuhrs schließen könnte. Wenn man es genau betrachtet, so ists nur ein angenommener Sah gewesen, daß Las Geheimnis vielleicht von einem oder dem am dem dern könnte aufs neue cntdekt werden. Es wird «uch dir leicht begreiflich werden, wie sehr das bey der nothwendigen Kenntnis der Bilder, und bey dem nothwendigen Unterricht dazu zu verwerfen ist- Emeyer. Du hast recht, Gi-bri;, ich sehe es ein daß ich zu weit gegangen war, und.daß meine Mcy, tumg eine irrige war. Das Geheimnis der Mau- rerey oder vielmehr dessen Erfindung fiel in Zeiten die von den unsrigen unterschieden find, und Grund und Zweck unsrer Arbeiten möchte auch wohl auf jene Zeiten gehen. Siebn?. Sage, auf das Wissen jener Zeiten gehend so mochtest du recht gesprochen haben, denn wir würden ja lh'origt handeln wenn wir nicht für unr und unsre Zeiten arbeiteten. Zweck und Nutzen wäre dann nichts. Aber wir wollen uns nicht zn weit von unsrer Bahn verlieren. Es giebt der Geheimnisse viclerley und es gab ihrer in ältern Zeiten noch mehr, als in den neuern. Deswe- gen, weil Man da weniger Mit seinen Erfindungen zu glänzen, und mehr mit denselben zu nutzen bedacht war. Um des MiSbrauchs willen, der dadurch hervorgebracht werden konnte, und der, wie wir heut zu Tage sehen, dadurch hervarge« G, brache roo bracht wird, wenn ein Geheimnis kn die Hände vieler kömmt, that man alles was man konnte, «8 zu verbergen. Dieses war auch die Ursache, warum man dergleichen unter Bildern verbarg, warum man selbst Schülern dieser Geheimnisse nicht diese entdeckte, sondern sie selbst suchen, und nur durch ihren Fleis sie dahin kommen lies— aber auch lieber Freund. denn ich sehe dirs am Gesichte an, daß du mich jezt eines Widerspruchs beschuldigen möchtest, auch zu rechter Zeit, wenn Man ihren Eifer und ihren Forrgana entdeckte, ih« neu unter die'Arme griff, und sie nickt in leere« Hofnung dahin sinken, und wieder lau werden lies. Eme/er. An der That freue ick mich, baß du mir hie« zuvoraekommen, das Wort war sckon in Meinem Munde, und ich hätte es nickt unterdrücken kön« Neu. So aber habe ich zugleich einen Beweis deiner billigen Denkunasart, und bms nimmeh« überzeugt, daß du nicht übereilt verdammest, sondern gerecht und mir Grund. Und also hältst dü doch das eigne Forschen für unumgänglich noth« wendig in der Maurcrey? GiebriZ. Allerdings, mein Freund. Und das Zurück« halten der Geheimnisse selbst bey Jünglingen oder Mau« isr Maurern die zu ibren Besitz bestimmt waren, harke doppelten Nutzen. Du weißt da« schon selbst, daß der Mensch immer begieriger nachdem Besitz einer Sache ist, die ihm erschwert wird, gls wenn er sie so leickt erbält. Nicht allein der erste Eifer fällt sogleich, sondern auch der nachfolgende Werth ist minder, und wird immer kleiner und kleiner je mehr er an die wenige Muhe denkt, die sie ihm zu erlangen gekostet. Der Gedanke kommt dazu, daß es jedem andernt deinem Eifer, und mir deiner Rechtschaffensten sich mir entdekt. Und iib-rdem was hast ich dir können sagen? N-chks, als was ich schließe, inukchmaße nichts als was mein eignes Nachdenken, und meine Demä« hu'een mich qelchrek, und wokin du nach und Nach auch durch dich selbst gekommen wärest. Zs'ieber Freund wäre man offenster,starr qe« gen mich gewesen, du wärest der erste, gegen den ichs wieder zu seyn keinen Augenblick anstechen würde. Aber wie ich dir schon sagte. Meine Obern und iw'ine OrdensFreuude sind feste ffief« mütterlich mit mir umaeaangen, und haben»ich sehr zurückgesetzt. Vielleicht warm sie es nicht im, Stande mir mekr zu sagen, denn ich bins nach reiferer Uebcrlegunq überzeugt, daß auch nur wenige von denen, die d>o grasten Rollen spielen, die uns die sichersten Besitzer aller(Geheimnisse zu seyn ch?nm, etwas wissen, daß Stolz und Prah, lcrey a'leS sind, was sie haben, und daß also mancher vielleicht allen den Fragen, die ich an ihn chak, Auszudeuten sich sehr genöthigt sahe. Allein roz Mein ich habe unter den vielen, säst m^'gte ich sage», unter dem Schwärme von Maurern die ich kennen konnte, auch ihrer mehrere von rechtschaffenen Brudern anbetroffen, die mirs ge« wis gesagt hatten, wenn es nichts mit der Sachs gewesen, die mir wenigstens nicht aei'agc haben würden, ja Freund, eS liegt etwas darunter, sie sind wichtig, die Dinge die sich uns verbergen. An nichts weiter als zu diesem Bekenntnisse konnte ich sie freylich bringen, und wenn sie mir denn ganz trocken sagten, daß sie mir Mehr nicht zu entdeckten vermögren, so zog ich mich ganz ehrfurchtsvoll zurück. ES war als ob eine überzeugende Stimmung in mir, mirs auf egte nicht weiter zu forschen, und ich machte mir den Gedanken, daß ichs vielleicht nicht verdiente, mehr zu wissen, daß ich vielleicht zu neugierig nachgefragt, noch nicht reif genug zum Besitz dieser Geheimnisse wäre. Aber von diesen Menschen redt ich auch nicht, Wenn ich bitter vorn Orden rede, Sie sind cS siw die ich immer Achtung habe, die ich nicht tadle, daß sie mir nichts sagten, weil ganz sicher sie etwas band, es sey nun auch gewesen, was es wolle, doch etwas was ich nicht zu überwinden vermögend war. IlS Zlndere, andere haben mich geärgert, die sich xralten und stolz draus thaten, daß sie viel wüßten, die auch den Schein vor sich harren, als vb sie viel wissen konnten, und die mirs wegen der gleichartigen Forschung mit ihnen, wegen der Verbindung in welcher ich mit ihnen stand, schuldig gewesen wären. Doch von solchen Partiktt. laritäten genug. Emepec. Ich wollte dich nicht gern noch wärmer ma, chen, als du mir schon zu werden scheinst, mein lieber Siebn;; also wollen wir den zweyten Theil unsrer Unterredung der das Zeremonielle bereist, einsweilen auf die Seite legen, und ich werde dich ein andermahl errinncrn mir deine Gedanken darü« bcr zu entdecken. Giebri). Nichts weniger, mein Freund, wir sind jezk einmahl auf diesen Punkt gekommen, und wer Weis, wie bald wiruns wieder aufdieseS Gespräch zusammen finden. Ich habe ja von so vielem guten des Ördens gesprochen, habe über so viel gutes desselben ein Licht verbreitet, habe mich an seinem bildlichen so sehr vergnügt, daß ich auch wohl ohne auf das Wahre einen Groll zuwerfen, des üblen desselben erwähnen kann, Freylich des sehr üblen, denn das muß ich dir nur sage«. '' Enwf- Emsfeev, das Zeremonielle des Ordens ist nicht allein mmvkhig, uberflußig, es ist auch schädlich. 2ch will dir darüber den Beweis führen, vorher dir aber einiges erzählen, was mich selbst Ersah, runa in dieiem Punkte gelehret, wenn du ander« tzreould genug hast mich darüber anzuhören. Eme^er. Diese Mqe hätte einem Freunde MEt entschlüpfen sollen, der eS weis, daß ickin ciesen Au» zenblicken alles auf ihn baue, es weis, daß ich durch seinen Rath und seine Unterstühuna mich zn dem bilden will, was ich eigentlich seyn sollte. Giebt;'). ' So war es auch nicht gemeint, und ich glaube, der Vvrwurf war auch von deiner Seite nicht inl Ernst gesprochen. Ich will also fortfahren. Und zwar bey dem anfangen, was ich selbst erfahren. Wie ich zuerst in dem Orden aufgenommen wurde, so kamen mir die Zeremonien, die ich sa» he, nnd die mit mir vorgenommen wurden, zwar sonderbar vor, allein ich Hütte mir doch dergleichen vermuthet. Zch wüste, daß solche Arten von Verbindungen allezeirdamit verbunden sind, und ich konnte mich aus vorigen Zeiten »rinnen», Laß si» oft das wichtigste dünn aus- tuüch. l I 2 machten. Ob mir nun gleich nie auch nur ein entfernter Gedanke eingefallen, daß dieser Orden Aehnlichkeitmit irgendeinem jener Aftcrordcn die man wohl aufAkademlen unter jungen Leuten hat» haben sollte, so muß ich doch gestehen, ich warei- nigermaaßen bestürzt, da ich fast nichts als Zeremonie fand. Was Wunder, daß ich die wenigen Bilder, die mir hernach auch noch vorgelegt wurden ebenfalls mit der Zeremonie vereinigte, und verwechselte. Ich denke in meiner ersten Unterredung die wir in Lemmanns Gegenwart hielten, habe ich schon etwas davon merken lassen. Da wir zusammen ausgenommen worden sind, so weist du selbst, was dabey vorgieng. Aber das ist es nicht allein gewesen. Das habe ich auch übersehen, so wie ichs von dem ersten Gedanken an, daß der Orden etwas reelles enthielte, alles übersehen habe, was Zeremonie genannt werden konnte, weil ichvondemAugenblikan csvon der Wahrheit trennete. Ich werde auch nie dessen anders als obenhin erwähnen, wann vom Orden a>S etwas wahrem Und wichtigem die Rede ist, und nur jezt da von dsrSache selbst blos gesprochen wird kann ich mirs erlauben, zn sagen, was ich davon gesehen habe und darüber denke. Aus Auf jenen Reisen, von denen ich dir schon gesagt, und einiger Meynungen von meinen Bemerkungen Erwähnung gethan, kam ich in eine große Stadt, wo die Maurcrey blühte. Es war eben die, wo man mied anzulocken suchte, wo man mich zu fangen bemüht war. Ich kam in verschiedene Gesellschaften, und unter andern in eine, wo man mir mit einer außerordentlichen Selbstzufriedenheit erzählte, daß man einen Thoren, der durchaus Freymaurcr werden wollen, ein? ganz erschrekliche Menge von Handgriffen, Worte!; und Fragen und Antworten aufgeheftet, und ihn damit in die Welt reisen lassen. Zeh war sehr ernsthaft bey der Erzählung, und ich verabscheute die Handlung in meinem Herzen. Weil ich aber an einem fremden Orte, in einer fremden Gesellschaft war, weil ich mich öffentlich noch nicht als Maurer deklarirc hatte, ob man gleich wohl wüste, daß ichs war, so wollte ich mich nicht in die Sache mengen, sondern schwieg. Das Gespräch wurde indessen immer lauter. Man fieng an, die Art und Weise zu erzählen, wie man den Fremden hintergangen. Ich horte so mancherley fades dummes erdachtes Zeug, daß mir die Galle sehr überlief, und endlich als man mich frug, ob der Spaß nicht zum tovtlachen wa- LI4 re, so bat ich mir die Erlaubniß aus, meine Meynung frey darüber sagen zu dürfen- Man gestand mir das zn, ich merkte aber doch gleich, daß auf vielen Gesichtern sich ein spöttelndes Lächeln, und auf manchen, doch nur wenigen, ein beschämender Ernst zeigte.-Ich war aber entschlossen;n reden, und hätte ich mir tausend Feinde dadurch gemacht, denn meine Seele empörte sich bey dem Gedanken, einer solchen Vor- unstaltung einer geachteten und verdienstvollen Gesellschaft gelassen zuzusehen. Ich bedaure es, waren meine Worte, daß ich ihnen allen eine Uebereilung zur Last legen muß. Es ist nicht allein äußerst schädlich für den Orden, sondern es ist würklich etwas unanständig für die Mitglieder desselben, dergleichen zur Reife komme,, zu lassen. Sie sind alle Männer, die den Orden als eine ernstliche Sache betrachten, die sich darauf als auf eine ernstliche Sache eingelassen haben, und die also auch so ernstlich damit umgehen sollt-m, als seine Wichtigkeit es verdienet. Ist das aber ernstlich, nur dem Nennen desselben zn spielen, «inen fremden Menschen ihn zum Spott umher tragen zulassen? Ist das em edler Gebrauch von den Vorzügen gemacht, Lieihnen dcrMan- rer Name vor andern Menschen giebt. Was>ür Folgen haben sie von diesem Betragen zu gcwaw den? Dieser Mensch geht in die Weit hinein. giebt H5 giebt sich wohin er kömmt für das^rus, was er nicht ist, alle, denen er auf die Art, die sie ihm gelehrt, entgegen kömmt, halten ihn für einen Narren, gehen mit ihm als mit einen Narre» um. Man glaubte hier etwas auffangen zu können, um mich vielleicht zum Stillschweigen zu bringen. Man sagte mir, er sey auch wohl ein Narr, und für einen Thoren allenthalben bekannt. Natürlich antwortete ich darauf, daß dies desto schlimmer wäre, und daß es gar nicht erlaubt sey, einen Narren mit einer wichtigen Sache spielen zu lassen. Der Maurer, fuhr ich fort, wird es sehen, daß er es nickt ist, wird mitleidig vor ihm vorübergehen, wird es bedauern, daß er so sehr angeführt ist, wird aber nimmermehr glauben, daß das von einem Maurer geschehen können. Aber, der nickt Maurer ist, der Nichts davon weis, welchen schonen Begriff muß der nicht von deni Orden bekommen, der ihm sonst so sehr verehrungS- würdig schien, wenn er von seinen öffentlichen Lobpreisungen hörte. Alsdenn ist schlechte Denknngsart von ihrem Orden, das Uebel, welches sie gestiftet. Und das' für das Ganze. Dem Ganzen sind sie Verantwortung davor schuldig. Mein es ist nicht H 2 das n6 das einzige. Für sie selbst kan es noch weit gefährlicher ansfchlagcn. Der Mann kommt an Maurer, die eben auf den Einfall kommen, die Ehre ihres Orden« zu er,» halten, zu wissen wünschen, wer dergleichen zum Nachtheile ihres Ordens aussprengt, ihn selbst zu recht zu weisen wünschen, und ihm sagen, daß er betrogen ist, und entbekt die Namen derer, die ihn angeführt.— Nun sehen sie sich in den Fall. Was müssen die Brüder von ihnen sagen, die sie von einer solchen Seite kennen lernen, die keine Notiz von ihrer Nichtüberlegung, von ihrem Leichtsinne nehmen, die das alles auf die Rechnung einer Vcr- achrung des Ordens setzen? Zhr Name ist ihnen dann stinkend, und wer weis fordert man nicht Rechenschaft von ihnen für diese Handlung. Und selbst das Geständnis des Leichtsinnes kan denn doch den Eindruck nicht wieder verlöschen, den er machte. Und der B-trognenenntsieBercüger, und auch er fordert vielleicht Genugthuung für den Betrug. Wie- wollen sie sie ihm geben? Sie müssen dann einemTlw- ren öffentliche Abbitte thun, und das haben sie ihrer Uebereilung zuzuschreiben. Und verlangt er das auch nickt, so macht er sie doch gewis in der ganzen Welt bekannt, und verunglimpft ihrenNa- men. Sehen sie, so viel kan ein fröhlicher Abend thun, wenn er zu unrechten Dingen angewandt wird, wenn H7 wenn man nicht gehörig nachdenkt, welche Sache es zuläßt, daß man mit ihr seinen Scherz treibe, oder welche diesen Ausbruch eines Taumels«er» bietet. Eindrnk machte das, was ich sagte aus jeden Fall, nur der Eindrnk, den es machte, gereichte nicht zu meinem Besten. Man sagte mirs zwar nicht ins Gesicht, daß man etwas wieder meine Erinnerungen hätte, ich merkte aber doch wohl, daß man sich innerlich darüber ärgerte, daß ich mir das herausgenommen. Ich hatte keine Freude darüber, es ist mir immer unangenehm den Menschen bittre Wahrheiten sagen zu müssen, und ich wollte allemahl dessen gern überhoben seyn — aber ganz schweigen, das laßt sich auch nicht thun. Man sagte mir abgebrochene Worte über Wahrheit, Richtigkeit, stammelte etwas von nicht gebrauchter Ueberlegung, und damit brach man von einem Gespräch ab, was ich nm ihrer eigenen Ueberzeugung willen von ihnen fortgesezr gewünscht hätte, artete in ein ausschweifendes Gelächter, und von diesem in Gespräche aus, die mich »richt sehr erbaueten. Emeyer. Was dn mir da erzählst ist mir eben so neu, «ls alles, was du mir von deinen übrigen Demer- H r kungen n8 kungen in Ansehung der MiSbränchc des Ordens gesagt. Ich begreift gar nicht, wie man mit einer ernsthaften Sache spielen kam Es kommt mir so vor, wie wenn ein Mensch, dem deck natürliche Liebe zum Lebe!» eingeprägt ist, mit seiner Gleichgültigkeit gegen den Tod pralt, und ihn auffordert. Gicbriz. Dein Vergleich paßt nicht, Emeyer. Zn dir kan dem so seyn, und dächten alle Maurer wie du, dann würde vielleicht das Beyspiel brauchbar werden. Dir ist der Orden verhältnismäßig so lieb, wie dein Leben, allein das war er jenen gewiß nicht, so wie auch ihnen vielleicht ihr Leben ein Scherz war. Wer nichts zu verlieren hat, mein Freund, dein liegt nichts am Herzen. Aber ich will dir noch mehr sagen. Dieser Zufall endete sich damit, daß man meine Gesellschaft mied. Einige wenige, die gründlicher darüber dachten, als die übrigen, sagten mir zwar, ich hätte recht gehabt, seztcn aber hinzu, baß ich eS ihnen insbesondere sagen sollen, da sie es denn denen* andern wiedergesagt haben würden. Man hielte weine Beuch- nnmg dab y für unanständig, man glaublich habe eine ganze Gesellschaft beschimpft, da ich mich nicht mäßigen können, ihnen allgemein Vorwürfe zu machen. Wenn die Gesellschaft mich für einen Maurer hielt, antwortete ich, so muste sie glauben, daß ich nicht anders reden würde, als meine Lenkung«, art, und weine MaurerPflicht nur cS auflegten, nnd hielt sie mich nicht davor, so muste sie unreine Frage gar nicht vorlegen, die ich auf eine solche Art beantworten muste. Obgleich diese Vertheidigung gewis buchstäblich unverwerflich war, so zogen sich doch auch diese wenigen nach und nach von mir ab. und gaben mir die gewisseste Ueberzeugung, daß nur selten der Maurer ist, waS er seyn sollte. Emsyer. m es h lr den Eifer zurnk. Ach habe nun nicht alle,'« ven dein überflnsigen und uunochigen des Zeremoniellen, sondern auch etwas von dessen Schädlichkeit der»'bracht. Mir bleibt jezc noch übrig, etwas davon;»>aqen, daß ich den zweyten Fall auch aus denen Zeremonien entsprungen glaube, den ich mr dessen Schädlich, kcir anführte. Ick gebe zu daß derjenige, der das ihm anvei'tranete Pfund misbrauchti, diel- leicht diesen wel)!thätige>t Mann in sein Garn gezogen haben würde, wenn auch keine Zeremonien beym Orden waren, den er war zu gut und bieder, als daß er wehr mir ollem znsrledrn aewe. sen seyn sollte. Allein selbst dieses Mannes Nacht Mann, nachdem er den Zwek der Wohlthätigkeit schon wüste kau zum Beweist dnmen, wie wenig andere damit zufrieden gewesen seyn würden. Eme;-, IZ7 Emeyer. Und ich sollte meinen, in diesem Falle wäre es gut gewesen, daß der Mann Zeremonien gehabt hätte, denn hakte er sie nicht, so mußte er start ihrer Wahrheiten entdecken, und das konnte er mit noch weit wenigeren Rechte. Siebn';. Die hätte er aber nicht entdekt, denn dazu war er zu rechtschaffen. Was kan deutlicherer Beweis davon seyn, als daß er nicht mit dem Eide spielen wollte; nicht aliein diestm, sondern auch jenen beyden hat er keinen Eid abgefordert, weil er das für unrecht hielt. Pies und die Ursache warnm, versöhnten mich würklicb leicht mir der ganzen Handlung. Aber daß ick stc deswegen entschuldigen sollte, weil die Absicht nicht ganz schändlich, oder weil sie blos Zeremonien betraf» davon bin ich weit entfernt. Ist einmahl etwas Zeremonielles bey einer Sacke, so muß es als da, zu betrachtet werden, und konnten wir es dahin bringe», daß alle Mitglieder es so cmsäben, oh- ne sich daran zu stoßen, so würde es das schädliche verliehren, ob es gleich überfiüßig bleiben würde. Da aber das mm einmahl nnmöalich ist. da wir nicht im Stande sind, Spieiwerk für Wahr- heir zu verkaufen, da wir Leuten die Verstand' 2; zum IZ8 zum beurtheilen haben, ihn nicht nehmen können, so müßen wir es, blos auss gute Glück aukom. men lassen, was unsere Zeremonien für einen Eindruck machen, ob sie abschrecken, oder ob man sie mit der Erwartung übersieht, daß etwas bes. sers nachkommen wird. Und es ist so traurig, daß eben der Ansang es ist, der damit gemacht wird. Der Leichtsinnige der eben nicht die beste Aussicht zu einem guten Mikbruder von uns ab. giebt, wird viel eher dergleichen Kindereycn übersehen, als, der ernsthafte, der für seinen Geist Nahrung suchte, und diese nicht fand. Außerdem ist es mit diesen Zeremonien so weit gekommen, daß der größte Theil von ihnen rn den Handen der ganzen Welt ist, daß sie Gelegenheit zu unzähligen Wmkellogcn geben, und man zulezt nicht mehr wissen wird, thut man einem achten Bruder wohl oder einem falschen. Das Uebel ist wenigstens richtig, daß ihrer viele an. geführt werden, und alle diese kaufen denn doch wohl bloße Zeremonien und nichts von Wahrheit. Uud was wolltest du wohl, lieber Emeyer, zur Vertheydigung der Zeremonien sagen. Lmsyer. Ich könnte nichts dazu sagen, als daß man sie beybehalten, vielleicht aufgebracht hat, um dem Gehemi- Geheimniß ein desto größeres Ansehen zu geben, vielleicht auch cü desto besser zu verwahren. Siebn';. IM»— ja diese dienen dazu-— Aber Zere, monien sagen nichts. Sie sind vielleicht, ich ge. bc es zu, für jene Zeiten brauchbar gewesen, ws man Prunk brauchte. Aber in unsern aufgeklarten Zeiten, ich will nicht sagen zu unsern Besten aufgeklarten, wo man gleich jedem Dinge auf den Grund sehen will, da gehen sie nicht mehr. Auch hielt man vor Zeiten mehr auf so etwas. Und da des Menschen Wille sein Himmelreich ist, nun so that man wohl, ihm dergleichen zu geben, so wie man jezk wohl thun würde, ihm das hin- wegzunehmen, was ihm Aergcr und Anstoß ist. Einher. Also weinst du es wäre gut eine allgemeine Reform im Orden vorzunehmen, und alles was Zeremonie heißt, davon zu trennen, ihn so blos mit seinen Bildern darzulegen, und nun jedem es zu überlassen, ob er Forscher gcnung ist, das Bildliche zu entziffern, und Wahrheit sich daraus hervor zu suchen. Giebri;. Das glaube ich, und halte es für gut. Und ehr wird es mit dem Orden nicht besser. Ehr Hort das 140 das»»gründlich? snperfizielle desselben nicht auf. ehr wird kein allaememeres gutes Urtheil davon gefällt. Ehr wird die Zahl der.Mitglieder nicht geringer, und ehr komme» die Winkellogen nicht ab. Freylich gestehe ich es gern, so wie jeztdas allgemeine Urtheil des Ordens ist, so ist mein Plan nicht. Soll es nach' dem meisten Stimmen, selbst unter den Obern des Ordens gehen, so ist es besser, der Orden wird noch ein ärgeres Chaos als er schon ist, so ist es besser, niemand wird mehr klug daraus. denn auf die'Art kann niemand des andern Handlungen strafen, kann niemand des andern Aussichten entgegen stehen. Aber dann bleibt der wahre Orden ein Wort— ein bloßes einfaches Wort ohne Handlung, ohne That, alsdann erstirbt er für ewig. Emevec. Doch fallen mir einige Zweifel ein. Man will ja sezr in der ganze» Welt Prunk und äußeres, warum sollte mans nur in dieser Sache nicht wollen? Warum sollte, da jezt doch viel gutes mit äußerem Glanz vergesellschaftet geschieht, es nicht auch im Orden mit diesem verbunden geschehen können. Siebn';. A Fast, Emefer, möcht ich dich der Frage wegen 141 gen schelten. Ich habe ja wohl endlich genug davon gesprochen, daß hier nicht vom allgemeinen Haufen die Rede ist. Es ist ja wohl endlich erwiesen genug, baß zwey achte Maurer mehr und besser find, als hundert, die die Sache als Oberfläche betrachten. Alle die mein Freund, die Glanz und Prunk lieben, sollen gar nichts vom Orden wissen, sollen gar nicht dazu gezogen werden. Blos die wenigen ächten sollen es seyn, die Wahrheit lieben, verehren und im Herzen haben, die in der Stille gutes wollen, und gutes thun. Eme)>er. Vergib, lieber Siebrix, den Ausbruch einer falschen Meynung, die mir noch von den Begriffen anhieng, die ich mir ehedem vom Orden machte. Würklich, sie waren so sehr von den deini- gen entfernt, sie baueten sich so sehr aus einen gross» mächtigen Umfang des Ordens, daß sie mir immer wohl.noch etwas zurück lassen können, was an Schwärmercy gränzt. Man zieht sich nur nach und nach von einer üblen Gewohnheit ab, an die man sich einmahl gefeßelt. So auch von einem Begriff, den man einmahl festgesetzt. Giebn'x. Du hast darin recht, Emeyer, nichts ist schwerer, und du kanst noch glücklich dich prei. st'!', 142 sen, daß du davon nach und nach zurück gehe» kaust. Die vermeinte Große des Ordens, die Einbildung als ob wohl vielleicht eine Entwickelung dahinter stekte, bey welcher man eine Hauptrolle spielen konnte, hat schon so viele bethort. Ich habe davon eine sehr merkwürdige Erfahrung gemacht. Ein junger Mensch von vielen Feuer und Talent, war in einer großen Stadt Maurer geworden, und hatte sich mit einem Eifer dazu gedrängt, der merkwürdig war. Man hatte ohne zu untersuchen warum er Maurer wurde ihn auf. genommen, hatte ihm auf sein Verlangen, und für sein baares Geld eine Stufe nach der andern gegeben. und er war, wie er auf der obersten stand, eben so klug in der Maurerey, als wie er auf der ersten gewesen war. Die Begriffe die er sich gemacht hatte, waren ganz anders, als die er erhielt, insbesondere, da man ihm, weil man ihn entweder für zu rash hielt, um etwas zu bewahren, oder weil man selbst nichts wüste, nichts mehr als Zeremonien und Bilder, denen er nicht nach zu grübeln willens war, für alle seine starken Beyträge, und für seinen Eifer selbst in den höchsten Graden des Ordens mitgegeben. End- !4Z Endlich entschloß er sich,„m dadurch vielleicht hinter etwas zu kommen, sich die Erlaubnis zu erkaufen, selbst eine Loge errichten zu dürfen, und das that er auch. Eben zu der Zeit hielt ich mich dort ausiundChimäcen einiger Menschen hatten mich zu dem Ruf eines großen vi'clwiffenden, undviel- geltenden Maurers gebracht. Er kam zu mir, und klagte mir m sehr rührenden Ausdrücken, wie sehr er seinen Zwck verfehlt, und wie man ihn vermuthlich der Geheimnisse unwürdig achten müsse, die' der Orden verberge, weil man ihm selbst auf den höchsten Stufen nichts encdekt. Nunmehr» habe er die Freyheit erhalten, selbst eine Loge zu errichten, aber ich sollte nur sehen und urtheilen, ob alles was er echaltcn sich der Mühe verlohnte, so viel daran gewendet zn haben. Unvorsichtig genug legte er mir alle Papiere, die er erhalten auf den Tisch. Ich bat ihn solche wieder zu sich zu nehmen, denn da ich noch nicht auf den Stufen stände, wo er sich schon befände, so käme mir es nicht zu, Gebrauch von seiner Offenherzigkeit zu machen. War es Schrecken wegen seiner Uebercilnng, oder war es ein gewisser Stolz, dem er empfand, als er sich über mich erhaben sahe, denn ich kann das nicht beurtheile», wollte cü auch weiter nicht untersuchen, genug er trat einige Schritte zurück, und wurde überhaupt so zurückhaltend, daß ich, der 144 der ihn nickt in irrigen Begriffen, die ich wohl in ihm vermuthete, lassen wollte, selbst ihn bitten rnuste, sein Zutrauen zu mir nichtzuverliehrcn, weil ick vielleicht, obgleich nicht so weit gekommen Wie er, mit mehr Kenntnis vom wahren Zwck der Maurerey versehen wäre, als er. Ich bat ihn darauf, mir, was er vonj der Sache hielte zu entdecken, und mein Erstaunen war ausservrdenc- tich, als er mir versicherte, wenigstens hätte er geglaubt,es sey eine Kommende oder eine Aussicht z» einer Art von Regierung dabey zu erwerben. Er gestehe es, er sey jederzeit davon eingenommen gewesen, Oberhaupt zu seyn, und er wolle gern all seine Reichthümer, deren nicht wenig wären hingeben, um nur der kleinste regierende Herr zu seyn. Und das suchten sie in der Maurerey zu werden, antwortete ich ihm. Just umgekehrt, hier findet das gar nickt stakt, und sollte nicht einmahl in dem Verlangen der Menschen statt finden. Eben wir sind es, die Gleichheit beym Menschengeschlechte wieder hervorzubringen suchen, es soll kein Maurer in seinem Geiste mehr seyn wollen, es soll jeder des andern Bruder, Mensch wie er seyn, und um diesem Zwecke bey den Konventionen der jezigen Weit entgegenarbeiten zu können, so ist alles, was ins bürgerliche Fach schlagt, vom Orden gänzlich getrennt. Er »45 Er frug mich noch einmahl sehr bedeutend, ob das alles wahr wäre, was ich ihm da sagte, und als ich es ihm sehr nachdrücklich bekräftigte, so gc« stand er mir, er sey diesmahl außerordentlich angeführt. Ich sahe ihn sehr bestürzt und mir sich selbst uneinig, und redete ihm zu, die Gedanken an eine Hoheit fahren zu lassen, die so beschwerlich und nichtig wäre. Ich suchte alles hervor, ihm das zu beweisen, und sezte zulezk hinzu, daß er sich ja nichts als Maurer von diesen Gesumm,, gen mochte merken lassen, denn er möchte sonst nickt allein dem ganzen schaden, sondern auch sich selbst in Verantwortung bringen. Er stand ein Weilchen nachdenkend, dann pakre er schnell alle seine Papiere wieder ein versicherte mir, der Gedanke an Maurerey sogar sey aus seiner Seele verloscht, dankte mir, daß ich ihm die Äugen geosnet, gieng, und ich habe nie wieder von ihm gehört, noch nach ihm mich zu erkundigen, Gelegenheit gehabt. Emesser. Sonderbar, wie der Mann eben anf diesen Traum gekommen? Giebri'x. Noch weit sonderbarer, daß man ihn in die. sein Traume lies, daß man ihn nicht gleich an- K fangs fangS davon abzuziehen suchte. Das ists, was ich sage. Eine der ersten Fragen beym Orden sollte seyn: Warum willst du Maurer werden, und die Antwort mochte nun ausfallen wie sie wollte, so sollte man sagen: Willst du es nicht werden, um deine Kenntnisse zu vermehren, und um der Menschheit zu nutzen, so werde es nicht. So würde man der großen Absicht entgegen arbei» ten, die die Stifter hatten, so wäre man jede« Zeremoniells überhoben, was man jezt anwendet, um der Sache ein Ansehen zu geben, so leimte man Bilder aufstellen, und daraus lehren, ohne erst Umschweife nöthig zu haben. So, Freund, würde der Orden freylich nicht so gros und ausgebreitet, aber er würde vereh« rungswerthcr, wahrer und achter seyn. Etlicher. Wahr und richtig, und wer ist dir mehr Dank schuldig als ich, daß du mich lehrtest, nicht mehr unter den großen Haufen derer zu irren, die nur den Namen, Maurer haben. -Ä- Vier« 147 Viertes Gespräch. Eldine, Ewald. Elditw.> Ewals, Sie haben Mir langt Verspro-^ chen, mir über eine Sache Auskunft zu geben die mir zu nahe am Herzen liegt, als daß ickH Sie nicht an ihr Versprechen errinnsri, sollte. llnd denn aufrichtig gesagt, bin ich dks Ausweiche,ich des Achselzuckens, des zu verstehen gebens, als ob sie nicht sagen dürsten, was sie gern sagen mochten herzlich müde. Wenn sie nicht können, oder nicht wollen, ss sagen sies mit wenigen Wvtten. Ich werde doch endlich einen unter euch Maurer!, fim den, der auch einem Weibe Auskunft M geben vermag— Zch jage vermag,, denn ich Muß g,am be», si-fürchten sich. Wäre das nicht, sie würden dreister sprechen. Oder soll ichs auf die Schuld der Nrachrung schieben, und so auf einmahl den ganzen Stolz der Maurer im häßlichsten Mre darstellen, dem, eine Verachtung die sich bis aufs .^ nicht nicht einmahl belehren wollen, erstrekte, wäre unverantwortlich. Ewald. Sie greisen mich hart an, Eldine. Meine Achtung für sie, muß Ihnen;» gewis seyn, als daß sie mich. wenigstens nicht ausnehmen sollten, wenn sie ein allgemeines Urtheil fällen. Sie wissen was ich ihnen opfern kan, opfre ich ihnen gern. Sie haben überzeugende Beweise davon. Aber warum verlangen sie mehr als ich thun kan. Wa. rum wollen wir»us.über Dinge unterreden, die uns beyde gewis warm machen, und wovon ich doch nicht mehr, als bis zu einer gewissen Linie entdecken kan, über die nun einmahl ihr Geschlecht nicht hinweggehen kan—darf. Eldine. Wie sie sich gern aus der Sache ziehen möchten. Ewald! sie wollen mich nicht verstehen', denn daß sie es können weis ich. Wir wollen also einmahl in Gleichnissen reden, denn das ist ja doch das Leben ihrer Verbindung. Vielleicht werde ich ihnen da verständlicher. Wenn ich eine nützliche Erfindung zu stand« gebracht hätte, und bloßer Patriotismus triebe mich an, sie bekannt zu machen, um den Nutzen derselben auszubreiten, ich ließe auch allen denen, di« 149 die ich vorher sattsam geprüft hätte, und überzeugt wäre, daß sie Nutzen davon ziehen konnten, den Zutritt zu meiner Erfindung, schloße aber eine gewisse Klasse von Menschen nicht allein von dem Zutritt, sondern auch von der Prüfung aus, und sagte gerade zu, sie sollen keinen Antheil daran nehmen, handelte ich nicht unbillig?^—Antworten sie darauf. Ewald. Ich sehe nicht, wie das in unsern Fall paßt. ElSme. Lassen Sie das dahin gestelltseyn, und beantworten sie mir meine Frage. . Ewald. Gern, denn sie würden unbillig handeln, wenn sie keine Gründe hätten, diese Klasse von Menschen auszuschließen. Aber gcsezt nun sie hätten Gründe die sie dazu berechtigten? Eldine. So wollte ich es haben. Wenn nun diese Klaffe von Menschen, die auf Billigkeit die nehmlichen Ansprüche wie die übrigen machen, mich um die Ursachen frügen, warum ich sie an statt sie zu belehren gegen andere zurücksezte, und ich ihnen an statt der Beantwortung ihrer so billigen Fra- K, Sk IZ 2. go Kälte und Verachtung entgegensezte, würden Sie mich radeln oder loben, Ewald? Ewals. , Das kömmt alles aus die Umstände an, inde- NG die Sache sich befände, und es laßt siel), ohne dgß der Fall spezieller bestimmt wird, nicht richtig hierauf antworten, Eldine« Wir wollen ihn also specieller bestimmen. Wenn diese Menschen nun würklich die nehmlichen GeisteSFähigkeitcn hätten, wenn sie den nehmlichen Kleis anzuwenden im Stande, wenn alle Gründe die ich ja in mir hegte, ScheinGrunde« und so sehr anst bloße Vorurtheil gegründet waren, daß ich mir selbst nicht'getrauet?, davon zu reden. handelte ich an dieser Ausschließung recht oder unrecht. Ewakv. Es können der GeistesFählakeiten genug da seyn, es kan Fleis bey ihnen sich finden, es kau bloße Mächt des Vorurtheils seyn-, und sie können dennoch recht handeln, wenn die Macht des Vor- Urtheils nehmlich so gcoS und so wichtig ist, daß pe dir Folgen einer Entdeckung gefährlich macht. Eldme. Eldine. Wenn aber diese Macht nun nicht so gros ist, wenn bewcislich darliegt, daß die Folgen keine gefährlichen seyn können-— Wie dann? Ewald. Dann würde ich Ihnen recht geben, Eldine, daß sie unbillig handelten, denn Ausschließung ohne Grund ist Ungerechtigkeit. Eldine. So ists denn auch mit der ihrigen so, mein Freund, so ist die Ausschließung unsers Geschlechts von der Maurerey die graste Ungerechtigkeit, die sie begehen können, denn die Macht des Borur- theilü die sie selbst einzig und allein als Grund annahmen ist nicht so gros, daß die Folgen einer Entdeckung schädlich werden könnten. Ewald. So liebenswürdig sie sind, Eldine, so fein wissen sie auch die Sophistin zu machen. Aber erlauben sie mir denn, daß ich hier den galanten ein wenig auf die Seite sehe. Ich gab ihnen zwar zu, daß die Macht des Vornrtheils ein Grund der Ausschließung sey, aber ich gab es ihnen nur mit ihrem Falle zu, nur alsdenn sagte ich es, nachdem sie mir alle übrigen Gründe geradeweg geläugnet hatten, nachdem sie eine Hypo- K 4 Hefe »42 thele angenommen, wo sich nicht dagegen streiken lies. So bald ich sage: Gesezt, die Sache ist so, habe ich noch lange nickt bewiesen, und so bald ich solchen gesezrcn Fall annehme, muß ich beweisen, daß er mit dem andern, der dadurch erläutert werden soll,'völlig gleichförmig ist. Elvinc. Und glauben sie, daß mir dieser Beweis so schwer werden wird? Ewald. Allerdings wird er ihnen etwas zu thun machen. Ich bin aber noch nicht am Ende von dem, was ich ihnen jezt sagen wollte. Sie wünschten so gern, daß ich die Erklärung der alleinigen Macht des Vorurthcils, die ich in diesem Falle thunmu- ste, weil mir nichts anders übrig blieb, auf diesen nieinigen der Maurercy anwendete, und allerdings, meine Schöne, würden sie dadurch gewon. nen haben. Denn allenfalls lassen sich Vorur- theile und Zweifel wicdcrlegen und zerstreuen. Und wenn wir denn mit unsern Beweisen erst so weit gegeneinander gekommen waren, sogetraue- ke ich mir doch wohl selbst aus dem Vorurkheile sie zu wiederlegen. Doch bis dahin ist eine große Kluft zwischen uns befestigt. Einmahl meine cheureste passen unsre Falle in ihrer Grundfläche gar nicht. Der ihrige ist eine nützliche Erfindung, der meine ei» nützliches Geheimnis, als Geheimnis nützlich. Freylich Geheimnis für viele nutzbar, weil der Nutzen nur durch einen gewissen Grad von Viel. heit erreicht wird, aber für mehrere unwikbar. Und da sie einmahl darüber reden wollen, so lassen sie uns jenes bey Seite sehen, und ich will ihnen;» Worte stehen. Gagen sie mir im allgemeinen, was haben sie für Rechte auf das Mitwisser, eines Geheimnisses, was Männer erfanden, um nützlich zu werden, und was Männer auch für sich behalten wollen, um nützlich zu seyn? Eldine. Wohl daß ich sie so weit habe. Sie sage» Männer hätten das Geheimnis der Maurerey erfunden. Ich muß ihnen das zugebe», weil ich nicht weis worin ihr Geheimnis besteht. Ich mns ihnen aber sagen, daß sie vielleicht das Geheimnis selbst nicht wissen, daß ich große Ursache habe zu glauben, daß es oft in den Handen der Weiber war, ja daß ich noch Gründe habe- zu zweifeln, ob nickt selbst an der Erfindung Weiber mehr Antheil hatten als Männer. Unser Ge. schleckt ist nun von jeher so bescheiden gewesen, sich öffentlich nichts von dem anzumaaßen, woran K; fir !?4 sie heimlich so viele,, Antheil hatten. Dagegen ist ihr Geschlecht von jeher so unbescheiden gewesen, sich den Ruhm von allen beyzulegen. Ich wenigstens habe die Erfahrung gemacht, daß Männer fast immer oder doch sehr oft zu einem Weibe, die durch geringere Tyrannen von Seiten ihres Geschlechts etwas mehr Gelegenheit behalten, sich zu bilden, ihre Zuflucht nahmen und in gewissen Stunden, die sie freylich schwache nennen werden, sehr laut behaupteten, sietraueten dem feinern Gewebe, wodurch die Seele wirkte, auch eine feinere Entwickelung der eigentlichen Begriffe der Seele zu. Auch wollte ich ihnen aus den eignen Grmid- vesten ihrer Verbindung— aus Schlichen auf Tugend, Weisheit und Schönheit, vielleicht eine Art von Nothwendigkeit darlegen, daß das weibliche Geschlecht Antheil an Erfindung oder vielmehr Errichtung ihres Orden haben müßte—- nnd nur die Stärke bleibt ihnen allein, wenn sie sie blos aufs körperliche ausdehnen wollen. Ewald». Der Panegirik auf ihr, und der Ausfall auf unser Geschlecht macht ihrem Witze Ehre— ElSine. Nein, Ewald, das soll eS nicht seyn- Bin ich in Erwähnung ihres Geschlechts bitter gewesen, so war es Wirkung gefühlter Kränkung, nicht spie- i;; spielender Witz. Aber dessen Erwähnung zu thun, worauf ich in der Folge viele meiner Forderungen bauen werde, da« ist mir zu verzeihen. Nehmen . sie gleich ihren ersten Zwck, Glück über ihre Ne- Venmenschen so viel sie können zu verbreiten. Ist er dadurch erreicht daß sie eine Halste des ganzen Menschengeschlechts gegen sich erbittern? Ewalv. DaS ist eine sehr ungerechte Erbitterung, die von ihnen gegen uns gefaßt wird. Es ist eine bloße Wirkung des weiblichen Stolze«. Und doch würden sie nichts gewinnen, wenn sie im Besitz wären. Sie dürften nicht einmahl mit ihren Missen prangen, denn uns selbst ist es nicht einmahl erlaubt, etwas von den Vorzügen blicken zu lassen, die wir davon haben. ElSine. Jezt konnte ich ihren ersten Vorwurf in aller seiner Starke zurück geben. Der Ausfall möchte ehr einem beißenden Witze ähnlich sehen, als der meinige. Sie meinen also den Weibern wäre eü blos um einigen äußern Schimmer zu thun. Ey. mein Herr, so hätte man ja an verschiedenen Orten vor dieses Uebel gesorgt, wo man SchwesterOr- hen errichtet, und es wäre unnrkhig weiter ein Wort darüber zu verlieh«». Aber lZ 6 ?lber sie könnten. mir denn doch einwenden, bey vielen wäre und wurde das der Grund seyn. Aber ists bey ihnen anders. Und da gewis dies der Fall bey ihnen noch weit häufiger als bey uns ist, so Huten sie sich solche Einwendungen mehr vorzubringen, und bleiben sie lieber fest bey Grundsätzen. Wenn man bey ihren Mitgliedern vom einzelnen auf das ganze schließen wollte, so glau» den sie mir Freund, ihr Orden wird eine Mördergrube, welcher man sich zu nähern, sich scheuen nms. In den Augen vernünftiger und ohne Vorn» theil auch ehne Eigenliebe, wohl aber mit Selbstliebe denkender Frauenzimmer muß die Ausschließung ihrer schon etwas nachkheiligcs für daS System ihres Ordens voraussehen, und eü sollte ihnen doch nicht gleichgültig sey», eine Sache welcher sie gern allgemeine Hochachtung verschaffen möchten, in dem Sinn so vieler immer schätzbaren Mitglieder des Menschengeschlechts mit einem Rechte herun- tergesezt zu sehen, was einen unumstöslichen Grund in der Beschaffenheit der Sache selbst hat. Ewald. Mit einem Rechte? Freundin sie reden als ob dieses Recht schon sestgesezt wäre. Und das ist es eben was ich schon einmahl frug. Worin besteht dieses Recht, und woher haben sie es? Eldine Eldine. !5? Sie wollen mich nie verstehen, denn jezt paßt dies nicht mit dem, was ich abhandelte, aber weil sie zum zweytenmahle einer Frage Erwähnung thun, die ich nicht beantworten möchte, weil sie mir die Beantwortung für jeden Denker in sich zu haben schien, so sage ich ihnen, wir haben Anspruch auf ihr Geheimnis aus dem Rechte, was jeder Gute aufet- wa« Gutem hat, aus dem Rechte der Natur, die für keinen lernen wollenden, etwas zu lernendes verbirgt, deren Schätze allen Wißbegierigen offen liegen, und der sie nachahmen sollten, wenn sie achte Kinder der Natur seyn wollten. Ewald. Wenn sie p,6 auf eine so allgemeine Art nehmen, so könnten sie so viele Einrichtungen in der Welt umschmeißen, wo Ordnung hineingelegt ist, und wo es ausschließende Freyheiten giebt. Eldine. Die sich döch gewis jeder zu eigen machen kan, der in sich Beruf dazu fühlt, und Mittel genug anwendet dazu zu gelangen. Ich wüßte keine wo jemanden Zutritt verschießen wäre. Ewald. Ewald. Doch wohl den Weibern zu öffentlichen Bedienungen. Eldme. Zch dächte, sie erwähnten des Linwurfs nichk einmahl. Er widerlegt steh von sich seihst. Kön/ ncn Weiber regieren, so können sie auch an jedem öffentlichen Amte Antheil haben. Es sind Weiber auf Lehrstühlen und in Kabinetter» gelvesen, und sie sind vielleicht noch sehr oft mehr darin, vlü Männer, nur, wie gesagt, sie sind so bescheiden, sich an der Theilnehmung zu begnügen, sie fin- den ehr in sich ihre Zufriedenheit als in dem Ruft vor der Welt. Ewalo. Erlauben sie mir, ihnen zu widersprechen. Wen» sie sich nicht für den Folgen eines öffentlichen Emflußeü fürchteten, so würden sie gewisihn bald ruchtbar werden lassen, so wie sie ihre Neu- gierde in Ansehung unsrer Geheimnisse bald bcfeis- digen würden, wann ihnen nicht Macht und Gelegenheit fehlte. Elvine. EwalS! Ueberlegcn sie auch, was sie sagen. Zeh gebe ihnen zu, daß viele unter uns ihrer Neu gierde ein großes Opfer bringen würden. Aber jnst just diese gehören nicht unter diejenigen, wovon wir reden. Sie gehören zu dem viclgrößern Schwärme auf ihrer Seite. Öder hoben sie nicht Beyspiele in der Geschichte ihre« Ordens, daß die Neugierde Mächtige dahin brachte, Verfolgungen auf Verfolgungen zu häufen, nur hinter den Besitz ihrer Geheimnisse,;» kommen. Und sie brauchen eben nicht weit zu denken, um ein Weib zu kennen, die ihre Macht gewis wirkender anwen« den könnte,«!6 mancher derer die es thaten, und die sie ruhig M Besitz ihrer Geheimnisse läßt. Danken sie ihr, und in ihr unserm Geschlechte, und glauben sie gewls, wenn ich bitter wäre, würde ich hier sagen, die Verachtung ist kränkend für sie, wenn Weiber, die es können, sich nicht einmahl um ihre Geheimnisse bekümmern. Aber ich will edler schließen. Es steht uns Weibern wohl an, uns nicht zu ihnen zu drängen, nicht uns neugierig für ihre Geheimnisse zu zeigen, aber mit dem größten Rechte fragen wir, warum man uns ausschließt, und mit noch weit größerm fast suchen wir zu beweisen: daß es unbillig und ungerecht ist. Ewald. Ich kan dieses nicht finden, und finde auch den Beweis von ihrer Seite noch nicht. Eldme. tÜL> Elöi'ne Sie können ihn anch noch nicht finden, denn ich habe ihn nur erst zum Theil geführt. Sie könnten aber, wenn sie wollen, sich dv-h schon Manchen Schluß gemacht haben. Ist) kann ihren Unglauben ihnen indessen in einer Sache nicht verdenken, die ihnen so wichtig ist, und wo sie so ungern überzeugt seyn wollen, nnd glauben sie gewi«, hätte ich nicht das größte Recht auf meiner Seite, ich würde mich eben so sehr scheuen, mich mir ihnen einzulassen, a»s Fu"cht, sie überzeugten mich, und in dem Falle wäre ich mit meinem ganzen Geschlechte noch weit gekränkter daran, denn ich kan mir für dieses nichts erniedrigenderes denken, als mit Recht von einem würklich nützli, chen Institute ausgeschlossen zu seyn. Ehe ich aber meinen eigentlichen Beweis wci' ter sichre, will ich ihnen noch etwas von der Gerechtigkeit darkhun, mit weicher die Weiber wider sie eingenommen sind. Hier rede ich freylich von dem großer» Theile, nehme das ganze vielmehr zusammen, nnd sehe ihnen ein Gleichnis. Wenn sie in einem Staate eine Unternehmung angefangen hätten, und waren mit einem Theile der Bürger des StaatS einig geworden. gemeinschaftlich alles zum Besten ihrer Wirkender beyzutragen, hatten aber einen Theil von dieser Unternehmung ausgeschlossen, der den nehmlichen Zwek auszuführen ren im Stande wäre, würden sie es diesem Theile verdenken, wenn er glaubte, daß sie in ihre Unternehmung etwas eingeflochtcn hätten, was zN seinen, Nachtheile auf eins oder die andere Art gereichte» Ewglv. Das könnte ich ihm nicht verdenken, nnd im Grunde könnte das auch mir und meinem Theile -sehr gleichgültig seyn, was sie dächten, wenn mir in misten Sinn würklich nichts von der Art.gekommen wäre, wenn nnste Absichten auf niemands Nachtheil gerichtet waren, wenn wir Gründe wüsten, warum wir sie nicht mitnehmen wollten— Gründe, die wir ja nicht nöthig hakten, ,'hnew zu eindecken.' Und sonach, meine Freundin, wären Wir, wo wir waren, da sie anfiengen, denn sie haben mir das nehmliche Gleichnis wiedergebracht, Und ich ihnen das nehmliche widerlegt» Eldi'ne,- Nur mit dem Unterschiede, daß ich das erste des handelnden und das zweyte des leibenden Theils wegen verbrachte, im ersten Fall die ttnlrilligkejr des handelnden, im andern den gereckten UmnuG des leidenden bewies, im ersten sie Nut der Ungleichheit des Falls sich entschuldigten, im zweyten sich mit der öden Ausflucht heraushalfen, daß sie 8 nicht r§r 4h-E>W>»»SW»,^. nicht nöthig hätten, Gründe so oder st zu handeln, anzuführen. Lwalo.' Alles das muß ich wir gefalle» lassen, bis sie ihren Beweis geendet, den da sie der angreifende Theil sind, da sie zu beweisen für gut finden, daß wir ihnen unrecht thun, und wir nicht beweisen wollen, daß wir ihnen unrecht zu thun berechtigt sind, so ist hören und schweigen meine, undreden ihre Sache. Eldlne. Sie spotten meiner weil ich langsam zu Werkd gehe, und ich werde mich dadurch nicht aus meiner Fassung bringen lassen. Ich lasse gern das allgemeine vor dem besondern vorhergehen. Und deswegen will ich auch selbst ihre Einwendungen beantworten. Handlungen die sie selbst betreffen, oder die einige wenige Mitglieder des Staats treffen, mit denen sie dazu verbunden sind, stehen allerdings so sehr in ihrer Willkühr, daß sie keine Gründe dafür, oder dawider anzugeben verbunden sind. Aber Handlungen, die das allgemeine angehen, müssen auch allgemein können vertheidigt werden. Sie sagen wir wollen mit unserm Orden allge- tnein Nutzen stiften» Sie dehnen diesen Nutzen s, so sehr ins ganze aus, daß es ganz unmöglich ist, und ganz widersinnig seyn würde, wenn sie behaupten wollten, der Nutzen davon erstrecke sich nicht mit aufs weibliche Geschlecht. Und von de» Mitwirkung schließen sie das weibliche Geschlecht aus. Warum? - Ewals. Weil ihre Mitwirkung eben dasjenige ist wovor wir uns fürchten. Weil wir sie zum Mit. wirken entweder für zu schnei! ober für zu langsam halten, glauben, daß sie entweder nicht genug einsehen, was das eigentliche Wirke» ist, oder daß sie sich einen zu hohen Begrif vom Mitwirken machen, und dahin rechnen was nicht zu rechnen ist. Elsine.^ Sagen sie lieber ohne alle Umschweife, was sie doch mit allen diesen sagen wollen, weil wir von der Sache nichts verstehen, und nichts verstehen können. Denn daß ist doch wohl der Awsk dabey, uns den Vorzug einer so reisen Einsicht, wie Männer haben, streitig zu machen. Ewalds Hierauf Muß ich freylich antworten, Es ist Nicht glaublich, Laß sie dies würklich für meinen Iwek halten, und gesezt, es wäre glaublich, so L s müsse 164 müßte ich die« einet, eifernden Mißverstand nennen. Wir Männer sind gewis eigentlich nie in dem Falle unser Geschlecht zu erheben, und da« ihrige heruntersetzen zu wollen, vielmehr«eben wir ihnen eine gewisse Art von Gewalt über uns, fühlen auch die Macht derselben, wie sie selbst nur gar zu gut wissen, gar zu oft. Allein wir glauben, daß die Bestimmungen beyder Geschlechter verschieden sind, daß das ihrige mehr für körperliche Bildung des Menschen da, und dem nnsrigen also mehr die Seelenbildung überlassen ist. Und aus dem Grunde suchen wir diese Bestimmung so viel uns möglich in dieser Ordnung zu erhalten, und verhüten, ihr Geschlecht mit Geschäften bekannt zu machen, die die Zahl'ihrer Pflichten nur noch vermehren, und die Last ihrer Obliegenheiten ver» großem würden, Elvinch Sehr fein, Am Ende mästen Mir« also noch als Galanterie annehmen, daß Sie uns von ihren Geheimnissen ausschließen. Und es gehört wahrhaftig wenig dazu einzusehen, daß sie uns blos für Mechanismus bestimmen Aber Nehmen Sie mirs nicht übel, Freund, wen» es ihre Wahl war, so wählten sie sehr llng, da sie die Bildung der Seele für sieb nahmen, und uns die Bildung des Körpers ließen. Wenigstens habm sie sie sehr wenig Mühe davon und haben uns desto mehr überlassen. Wer aber, mein feinschließender Philosoph, hat ihnen gesagt, daß Bildung der Seele der Bildung des Körpers cnkgcgengesezt ist, oder daß der große Schöpfer der Natur in dem Körper, den er feiner webte, um darin sein Ebenbild zu bilden, nick: auch dem feinern Körper eine feinere Seele gab, um die Bildung ganz selbst vollenden,zg können. Doch die Hypothesen die wir einander entgegen sehen, werden uns nicht zum Zwek bringen» vielmehr uns nur noch mehr verwirren. Es ist ganz vhnstreitig, daß sie sich den Sah selbst angemaßt, den sie da von ihrem Rechte auf Scelenbil- düng vorbringen. Zur Bildung der Seele gehört entweder die Seele so genau kennen, Laß man aus ihrem Begriffe sich alle Schlüge zu ihrer Bildung machen kan, oder aus Erfahrung zu haben, was man wiedergeben kan. Das erste ist der Fall nicht, hie Männer müßten denn Geheimnisse in Ansehung der Selenlehre haben, oder die Maurereg Müßte einen psychologischen Grundsatz als Geheimnis enthalten, womit aber freylich das äußere An« seyen nicht überein stimr. L z Und r 6-6 Und da ich auch flicht hoffe, daß sie hier he, Häupten werden, ohne beweisen zu können, s» will ich das zweyte annehmen. Was man ihnen Hab geben sie also wieder. Bildung die sie bekamen, ists, die sie wieder auf andere verbreiten, und diese mag nun ihren Ursprung nehmen, und Henommen haben, woher sie will, sie mögen sie von denen die sie bilden wollen, empfangen, oder sie mögen sie sich verschaft haben, durch eigene Erfahrung und ScklieSKrast, und Nachdenken, und Folgern, so lag der Keim dieses alles empfangen und annehmen zu können, in gewissen Kräften, in gewissen Eigenschaften die ihre Seele hatte, und die sie empfieng, da sie, es sey geschehen, wann es wolle, zu ihrer Existenz kam. Und nun, mein Herr, nennen sie mir eine dieser Eigenschaften, eine dieser Kräfte, die sie in ihrer Seele, vor der nnsrigenvoraus hätten. Za noch Mehr, sagen sie mir e!» Beyspiel einer ausgcap, leiteten Eigenschaft, einer erreichten Höhe von lh, kcr Seite die nicht auch in diesem oder jenem ZeikAftsr, von einer Person unsers Geschlechts in der nehmlichen Höhe erreicht wäre, Freylich, das gebe ich ihnen zu, nicht so häufig; dcun daS verhinderte der Druk unter dem zvlr von jeher standen, und her verdient oder unverdient nun «nlmahl uns zu Theile geworden ist. Eben die- sir Druk aber, eben diese Einschränkung, die wir »Wrinmahl guö dem Rechte des hergebrachten Gebrauchs, denn ich hoffe den biblischen Befehl werden sie nicht beybringen, der so vielen eignes Auslegungen neck ausgcsezt ist, unser Schick,aal nennen müssen, wiederlegt hier die Einwendung hie sie in Ansehung des Partikulären machen konnten, wenn sie etwa die Beyspiele zu Ausnahmen machen wollten. Denn mit chrer etwaigen Vielheit ist hernach diese Einschränkung xa- ralel. Wenn sie also annehmen, daß wir eben die Fähigkeiten haben dst sie haben, eben die Kraft folglich, Bildung der Seele zu empfangen, und schlußsormig hieraus, eben die Kraft d§r See e Mitzutheilen, was die Seele empfangen hatte, so werden sie mir zugehen müssen, daß Schöpfer und Natur keine Hindernisse in uns legte, wodurch sie uns von ihren Geheimnissen auszuschlft- scu, ein UM haben k'omucm Ewald. Sie haben da einen Saz zu beweisen gesitckft, den sie nicht zu beweisen nöthig gehabt hakten, denn die Fähigkeiten hat ihnen niemand abachro- chen Ich bin nicht so thbrigt mit einigen Grüblern';» behaupten, daß Seelen des weiblichen Geschlechts in irgend einen Grade oder einer Art von den mistigen unterschieden wären, besonders da ich mich nicht wenig auf die Seite der Lehre r68 von der Seelenwanderung gelenkt, undgewisgkau. bo, daß wir viele Körper weibliche und männlicher durchzugehen haben, um zu Stufen der Bollkem- meuheik zu kommen. Ich gebe ihnen also den Saz g'ern zu, daß sie nach der Anlage und Bestimmnngi ihrer Seele vom Körper abgesondert genommen,' die nehmlichen Fähigkeiten zu allem dem haben-r wozu wir sie haben, folglich auch nicht die Maurerey ausgenommen, wie ich denn noch überdies-' gerue zugebe, dgß diese i>ben nicht die höchste Stufe aller Seeienkrältc erfordert, wildern viele auch Mit Weniger» Fähigkeiten begabte Musthen, sehr gute Maurer seyn können. Selbst nach meinen, System konnten sie ja in vorigen Zeiten ihrer Wan. denmg, die gewick nach ihrem geschärften Verstände zu urtheilen, schon sehr zahlreich gewesen, vielmah! Kenntnisse von der Sache gesamlek Haben, die nur jezt nach der großen nothwendigen Ordnung des körperlichen Bandes verschlossen und unwirksam liegen. Wir müssen also alles was wir hier mit einander abhandeln, blos auf unsre jetzige Lage einschränken, müssen blos aus die jetzige Verbindung Mir diesem Körper gehen, und dabey des Verhältnisses nicht vergessen, indem wir alle miteinander, rmd unter einander sind. 16'A ' Hier ist nun der Fall, den ich ihnen gern so demlich einwickeln nsschte, daß sie mir im al!gc-i welncn zugaben, und von besondern abstrahlten, welches, ich gestehe es ihnen vorher, nur gesagt Wird, um Gründe gegen sie auszubringen. ' Nach diesem grossen System der Verbindung der See'e mit deni Körper, muss ich behaupten, daß die mit dem weiblichen Körper verbundenem Heele»—- Elvme, Ich habe ihnen ruhig zugehört, und ich bin Sey keinen der Seikensprünge die sie wackren, aufgefahren, um mich ihnen entgegen zusetzen. Aber sie müssen nun nicht glauben, daß sie mich durch Trugschlüsse fangen wollen. Sie dürfen nach dem, was sie selbst gesagt haben, jezt nichts mehr von des Verbindung der Seele mit dem Körper vorbringen, nachdem sie die Beschaffenheit der Sey« IkN einmahl als gleichförmig angenommen, und der Satz den sie jeztaufiengen, wollte sagen, daß Seelen in weiblichen Körper eingeschränkter wären, als im männlichen. Zch gebe ihnen das Wort zurück, um nicht zuzugeben, daß sie sich selbst lächerlich machen, denn zu dem Satze wüy« de ihnen der Beweis fehlen, und das wäre denn wieder eine Hypothese die aus dem äußerlichen beiß; wiesen 170 wiesen werden wüste; warum also nicht gleich das äußere angenommen. Ewald. Es kann seyn, daß ich in der genauern Be- slimnmng fehlte, aber sie würden gesehen haben, Eldine, daß ich im Grunde vielleicht mit etwas zu vielen Worten, aber doch immer dem nehmlsi chen Sahe zum Vorschein gekommen wäre. Zeh wollte sagen, daß die Verbindungen der Seele mit dem weiblichen Körper diese in anders Verhältnisse setzte, als die mit dem männlichen, daß aus diesen Verhältnissen mehr zerstreuende Lagen für sie entsprungen, die den Geist nickt sa sehr zusammenhielten, wie der männliche Geist es seyn könnte, daß der Nervcnsaft durch den die Seele wirken'müsse, nach ihren Bestimmungen körperlicher Bildung, mehr sich von den Organen entfernte, wodurch die Scelcnkrästewirkten, und haß endlich, eben die Einschränkung, die sie selbst anführen, eben die Gewohnheit gcwissermaaßen abhängig von der menschlichen Gewalt zu seyn, mehrere Gegenstände gäben, um sie an einer Sachs nicht Theil nehmen z» lassen, die zu ihrem Glücke nicht unumgänglich nothwendig ist. Wenn sie nur diese allgemeinen Ursachen in Betrachtung ziehen wollten Elvino Elvins. Die habe ich in Delrachtung gezogen, mein Freund, die habe ich alle überlegt, und gefunden, daß sie nichts sind. Ich finde diese alle sehr viel leichter zu widerlegen, nachdem sie mir einmahl den Hauptsatz zugegeben, daß wlr nehmlich von der Natur in Ansehung unsrer Seele nicht verwahrloset sind. Ferner mir zugegeben, daß eben nicht die höchste Stufe der Seclenkraste zur Mau- rcrey n'ioig ist, welches für uns schwache, deren Nerveusaft von den Organen, durch die die Seele wirkt, entfernt ist, ja ein sierlicher Trost ist. Aber ich will meine Beweise einmahl gewiS zvidcr ihre Erwartung nicht n sui'ori sondern po- siariori herleiten. So bald sie zu ihrer Maurerey Menschen nöthig haben, die den Geist zusammenhalten, und sich. welches ein natürlicher Schluß ist, vom körperlichen entfernen muffen, so müssen sie den grasten Theil ihrer Mttbrndcr von sich trennen, denn eben dieser größere Theil ist so wenig geistig so grob körperlich, daß sie Mühe haben würden auch nur eine Spurvon GcistesFahigkeit bey ihnen zu treffen. Wenn Einschränkung und Unterwürfigkeit davon ausschließt, so muß ein gewiß nicht minder großer Theil derselben den Ansprüchen der Maurerey entsagen, denn die sind Sklaven der schwächsten Geschöpfe unter uns, -ffcnder Dirnen, die die bessern unter uns zum Auswurf rechnen, die freylich mehrentkei'ls durch ihr eignes Geschlecht, durch die herrlichen Geistvollen Kandidaten der Maurerey zum ersten Schritte verführt worden, dann aber freylich durch Skla- verey und Unterdrückung gezwungen sind, wieder Verführerinnen zu werden, und nun aus bloßen elenden körperlichen Reizen, Männer— Männer die die Seele bilden sollen, in ihre Netze ziehen. Aber ich will nicht, daß sie das was ich ihnen sage für Bitterkeit nehmen sollen; ich habe es blos wiederholt, um ihnen einen kleinen Begrif zu machen, wie bitter mir dergleichen Ausdrucke seyn müssen So bald sie ferner glauben, daß dieses Denken, und scharfer Sinn dazu nöthig ist, so müssen sie wieder einen großen Theil ihrer Mir- hrüder sehr unbrauchbar finden, weil ein großer Theil derselben so wenig Geist, und folglich sowenig Nachdenken und so wenig Sinn haben, daß sie ein sehr gemeines Weib dagegen setze» können, und sie neben ihnen glänzen wird. sLwüv. Ich habe ihnen noch nicht einmahl gesagt, Meine Freundin, daß unser ganzer Orden unsträflich, daß jede einzelne Mitglieder darin gut sind. Dies wäre eine thsriqke Behauptung. Es giebt sehr reudige Schaafe darin, es giebt ihrer auch die Maurer zu seyn vorgeben, und es nicht sind, si> Wie denn jeher eigentliche M»»m es im Herzen seyn seyn muß, und wenn ereSda nicht ist, das äußerliche ihm nichts hilft. E-dr'ne. Ich mag ihnen nach diesem Geständnis nicht einmahl die Frage vorlegen, ob viele unsrer Weiber ihnen nicht viel angenehmer wären, sie würden sie nie gerade zu beantworten, und ich kein großes Verdienst davon haben,'gute Weiber mit schlechten Maurern im Vergleich gesezt zu sehen. Aber sie sind mir da auf einen Punkt gekommen, der mich zu einigen Nachdenken bringt. Sie reden von der innern Maurercy, von dem Zwecke der inneres Gefühl ist, und daß daS äußere nicht Maurercy sey. nicht dazugehöre, wenn daS innere nicht damit verbünde» ist. DaS ist schön, und dergleichen Gesinnungen Machen ihrem Verstände, und machen der Maurcrey für die sie strecken, Ehre Auch bin ich keincsweges diejenige, die nicht die graste Ehrfurcht für dieses Institut hätte, vielmehr beweiset sich meine Achtung dadurch noch Mehr, daß ich mit so vielen Eifer unsern Zugang zuM Orden suche, dem ich nicht nachstreben würde, wenn ick nicht glaubte, daß er Mit der strengsten Moral harmonirre, obgleich viele meines Geschlechts, und nicht mit Unrecht, gegründete Zweifel hierin finden. -L' Mb i?4 Aber sagen sie mir, Freund, sie baue» in ihrem Orden dem großen Allbaumcister nach. Sie nehmen ihn zu ihren Oberherrn an, sie thun. oder sagen, sie thun nichts als in seinem Namen, sie nehme» ihn zum Muster an, in Liebe und Weisheit. Ihr Werk ist auf allgemeines bestes, so wie seins war, da er die Menschen schuf, gegründet. Ihr Werk ist ein Werk zur Vollkommenheit, s» wie seins war, La er Mensche» in die Welt sezte, um ihren Lauf hier zu durchlaufen, und dann durch seine Güte, durch seine Weisheit zu glücklichem Vollkommenheiten zu gelangen— Ihr Werk soll das nehmliche seyn. Sie wollen in Zeitlichkeit über das Menschengeschlecht, so viel es thunlich ist, das Glück bringen, was in Ewigkeit erdarü. her bringen will. Ihr Endzwekist edel, löblich— Sie sind darin das Ebenbild ihres Schöpfers, hakten vielleicht, noch nie Gedanken, die sosehr harmonirten, wie sie sie in Maurerey und den Grundsätzen und Zwecken derselben haben. Aber sie müssen den» auch dem großen Ebenbild e folgen, nachdem sie sich bilden wollen, mästen auch in jeder Spur ihm nachgehen, und Nicht eigne imd seinen Absichten zu wiederkam sende Eingriffe in den Weg thun, den er gieng., -75 Ewald. Die Vorbereitung ist sehr wichtig, NNd sie Mächen wich außerordentlich aufmerksam auf den Nachsah dessen, was sie vorbringen. Zch bewundere sie, Elsine, und wünsche daß ich nickt Ur. fache haben möge,von meiner Bewunderung zurük zir kehren, denn gcwis ich bewundere Tugend und Weisheit, wo ich sie nur finde, ohne irgend einen Unterschied dabey in Betrachtung zu ziehen, er betreffe Stand oder Geschlecht, oder sonst irgend--- Elsine. Hier halten sie etwas ein, Ewald, denn hier find wir auf den rccyten wahren Punkt, und diese Erklärung von ihnen paßt zu gut zu dem waS ich jezt sage, als daß ich nicht alle nachfolgende Sähe und Gedanken davon trennen sollte. Der große Baumeister der Welt ihr Abnherr, ihr Vorgänger. ihr Muster spricht, wenn er von seiner Liebe zu den Menschen, von seiner Gnade gegen sie, von seinen Gesinnungen gegen alle ihre Handlungen redet, wenn er vorn künftigen Leben, von dem eigentlichen Ban für ihr Glnk, wenn es von dem Zwecke der Schöpfung dieses seines geliebten Menschengeschlechts redet, mit deutlichen Worten:-Hier ist weder Mann lisch) Weib. Der Geist, der den Geist als Geist schuf, nicht als Weib oder Mann, sagt, da sey weder Weib Noch 176 Man», wo Tugend, wo Weisheit sey» er, der Allwissende findet das Weib so wie den.Paim würdig, an seinen Geheimnissen, den Geheimnissen seiner Liebe, seiner Freundschaft, seines Wohlwollens, seines Zweks für die Menschheit Antheil zu nehmen. Er, der da wieget mit einem Gedanken der Menschen ganzen Sinn, findet das Weib nicht leichter als den Mann. Und Jünger des Herrn, Lehrlinge des Meisters, deren erstes Geseh seyn soll, zu sehen auf das was der Meister thut, deren Richtschnur sein Borbild seyn soll, sie wollen in diesem seinen Urtheil über daS Menschengeschlecht von.ihm abgehen, wollen das trennen, was er selbst znsammenge- sezt. Sie wollen sagen: Hier ist Mann uns Weib, wo er sagt! Hier ist Weber Mann noch Weib. Und sie wollen den nehmiicken Zwdk haben, und wollen an ihrer Liebe, an ihrer Freundschaft, an ihrem wohlwollenden Gesinnungen gegen das Menschengeschlecht, Weiber keinen Antheil nehm« lassen, nicht in ihren zeitlichen Geheimnissen, die Antheil nehmen lassen, die er an .seinen ewigen Geheimnissen Antheil nehmen läßt? Heißt das nicht ihn meistern? Ist das nicht aus der Spur herausgehen, die er gezeigt hat? Was können sie dagegen einwenden, Ewalv? Zst dieser Mangel an Nachahmung zn tadeln oder M loben? wenn ich eö mit diesen gelinden NaNiett heb gen soll» 177 Oder ist es nicht vielmehr unersättlicherSkolz von ihrem Geschlechte? Ist es nicht eine rasende Herrschsucht, die fle treibt, sich das Alleinrecht über das Wohl der Menschen anzumaaßen, da auszuschlie« sen, wo fle gewis überzeugt sind, wo sie mir gestehen müssen, es konnte wenigstens manches Wohl der Menschheit mehr zur Vollkommenheit gebracht werden, wenn gute Weiber mit Theil an ihren Geheimnissen hätten, wenn diese Geheimnisse anders, wie ich nicht zweifle, auf das hinauslaufen, was sie davon vorgeben. Ewald. Gewis, Eldine, ich müste ungerecht seyn, wenn ich behaupten wollte, alles das was sie mir da sagten, habe keinen Grund. Ihre Schlüsse sind, sowie ihre Bemerkungen richtig, und ich sage, ihr Gedanke ist gros, ist demüthigend für uns, aber wir sind dennoch auch selbst hierin zu entschuldigen. Sollte denn der Herr, da er dem Manne sagte, er sollte des Weibes Herr seyn, da er dies Verhältnis in die Natur der Sache legte, nichts dabey verstanden haben? Und geht nicht das: Hier ist weder Mann noch Weib, viel« mehr auf die Zeit der Trennung des Körpers und Seele? Ist also hier nicht ein ZwifchenNaum, während dieses Zwrschenraums ein würklicher Unterschied, und ist dieser Unterschied ohne alle Beziehung, allen Zwek? M Eloin» !78 Elvine. Ich erwartete diese Einwendung, und diesen Vorwurf. Aber ich werde das zu meinem Vor« theil bcmizen. Ummtersucht, ob das Verhält« riis, das wirklich zwischen unserm und ihrem Ge« schlechte da ist, nicht abnsive an sich gerissen; Un« auseinandergesezt, was das Wort, er soll dein Herr seyn, für Sinn hat, nehme ich einen ganz andern für mich aus der Sache selbst. Wahrscheinlich ist, sie mästen denn sich selbst ganz wiedersprechen, der Zwek ihres Ürdcns, der auf Glücksecligkeit des Menschen gerichtet ist, nicht auf bloße körperliche Glücksecligkeit derselben' ab« gezwekc, sondern er gehet aufSeelenwohl. Wenn das ist, seist hier ja eben der Fall, wo dieses Verhältnis in gar keine Betrachtung gezogen werden sollte, ist ja eben der Punkt, wo diese Trennung, die sie benennen, stattfände, wo man auch idea-- lisch nur genommen, Körper und Seele trennen, und dem erstem seine Funktionen allein lassen, und die leztere nicht mehr damit vermengen sollte, als nöthig wäre, um Aktivität des erstem hervorzubringen. Ewalv. Gern ihnen das zugegeben, Eldme, und auch gern angenommen, daß sie meinen Vorwurf vvr- trefiich für sich zu benutzen gesucht, so bleibt er doch i/9 doch immer noch was er war, und verliert von seiner Starke nichts. Denn es ist uns allen bekannt, wenigstens jedem Menschen gewis einmahl aus eigner Erfahrung bekannt, daß die Seele ein Wesen ist,.baö ungleich volikowmner als der Kor- per und dessen Fähigkeiten eben durchliefen eingeschränkt werden. Das weiter Fortwollen liegt zu deutlich in uns als daß wir.'dich Einschränkung nicht sehr oft bemerken sollten. Nun wird aber eines Meüschen Seist mehr oder weniger eingeschränkt, nach der wehr oder weniger stärker» Thätigkeit, die den Körper als Körper blos betrift, und nach diesem System ist unser Schluß gefaßt. Eidine. Sie möchtcns so gern wahrscheinlich machen^ Ewald, und es will doch nicht so recht gehen. Und wenn ich ihnen nun das vorher aus einander» gesezte Verhältnis ihres Urtheils gegen dem des großen Banmeisters weiter führe, so werden sie es noch weniger können. Wenn Unterschied zwischen der Einschränkung weiblichen und männlichen Körpers wäre, wenn die Seele des einen gegen die Seele des andern betrachtet, zurückzusetzen wäre, oder litte, dann kennte auch der Herr nicht sagen:-Hier ,'sk weder Mann nock weid. Dann wäre würklich der Unterschied da, und dann wäre Mann oder Weib, weil dir Seele des Man-> M 2 mS Hr.s-ss-s-M-4«- -8» ms ungleich ausgebildeter sey» wüßte, als die des WeibeS, dir mehr eingeschränkt war. Ewald. Das sind Hypothesen, meine beste, auf die wir hier unmöglich gehen können. Eldine. Auf die aber auch sie nicht gehen, und auf keine Art und Weise behaupten sollen, daß etwas anders, als ihre Eitelkeit, schuld daran wäre, daß sie uns von ihren Geheimnissen ausschlössen. Schließen sie uns immer aus, nur nehmen sie uns nicht die Fähigkeit, auch das seyn zu können, was sie sind. Sie beleidigen dadurch den Stolz, der jedem Menschen angebvhrenist, den jeder Molchen und bilden sollte, und den besonders jedes Weib haben mus, Henri er ist die Stütze ihrer Tugend und ihres Verstandes. Ewald. Sie sind so eine vortrefliche Vertheidigerin ihre« Geschlechts, daß man in der That dagegen auf- zukommen nicht fähig ist, allein sie würden denn doch an mir noch einen Widersprecher finden, wenn ihr Beyspiel nicht wäre, und man dem Muster widersprechen könnte, was man vor Augen sieht. Und wenn hier Beyspiele beweisen sollen, so sind sie allerdings Beweis, und ich muß verstummen. Aber Aber sagen sie mir doch, wie viel giebt es Weiber, die wie sie denken, und wie sie handeln. Eldine. Diese Seite wellen wir bald berühren, mein Freund. Ich habe wich nur wellen von der Seite festsetzen, von der ich nun fest bin. In wie fern ihr Geschleckt oder das unsrige verderbter oder zu dergleichen Verrichtungen, wie ihre Maurerey enthält. aufgelegter ist, wird sich in der Folge vnscrs Gesprächs vielleicht mehr aufklären, denn ich will nunmehr die Vorwürfe etwas hervorsuckcn, die von ihrer Seite gemacht werden. Ich werbe mein Geschlecht dabey zwar nicht schonen, aber ich werde doch auch— Ewald. Dem männlichen keine Lobrede halten—Sehr gut, Eldine, das verlangen wir nicht. Nur das bitte ich sie, lassen sie alles das beyseite, wo. von sie überzeugt seyn können, daß ich als Maurer keinen Antheil daran nehme, alles was so abgeschmackt ist, daß es keine Aufmerksamkeit ver- dient. Eldine. Das werden sie noch nie an mir bemerkt haben' Ewald, daß ick fade Dinge zum Gegenstände bey etwas ernsthaften nehme. Und daß ich hier M r ernst' r8r ernsthaft bin, müssen sie mir wohl glauben, da ich auf nichts weniger hinausgehe, als ganz Recht zu behalten. Ich will vorS erste einen ihrer Schriftsteller nehmen, ven dem sie mir selbst so oft gesagt, sie hatten Achrung für ihn, so viel bittres er auch mit der Wahrheit verbände. Es ist der Verfasser des flammenden Sterns. Cr spricht zwar nicht selbst, allein in einer der Reben, die er eben nicht übel gewählt beybringt, fin- der sich eine seine Stelle, die unser Geschlecht bereist. Ich muß sie ihnen ganz hersagen, nm sie in keinen Wahn zu bringen, als ob ich etwas nm tsrdrnkte. *) Der Verfasser spricht von der Freundschaft als dem Mittel, den Zwek der Verbindung, die Glücksecligkeit des Menschengeschlechts zu erreichen, imb fährt null fort: „Sorgfältig bedacht alles abzuwenden, „was der Freundschaft Eintrag thun konnte, „hak der Orden in diesem Betracht die wciss- „ sten Anstalten vorgekehrt; die Ausschließung „des schonen Geschlechts war vielleicht nicht ei- „ne der unnelhigsten. Die Liebe und die „Freundschaft vertragen sich selten mit einan- .„der; die Anmaßungen der einen tasten die „Rechte *) s flammender Slem-kerTH. p»L- m-n§.us. -„Rechte der andern an; überall wo die Neben- „bnhlercy beginnt, hat daü gute Vernehmen „ein Ende. Die Frenndschast verlangt Mit« „genossen, die Liebe sucht nur Opfer. Die zu „schwache Vernunft bewahrt selten vor den „Fallstricken, welche die Liebe zu legen weis. „Die Spiele, die Vergnügen laufen vor ihr „her, und vermummen vor den ersten Anblik „die Furien der Reue, die ihr folgen; vcrge« „bsns ereifert sich die strenge Moral wider diese „Tyrannin, und schildert alle die Uebel, wel« „ehe sie auf der Erde anrichtet. Unsere Verblendung geht so weit, daß wir uns nur „durch unsere eigne Erfahrung belehren wollen, „daß wir uns immer schmeicheln geschickter oder „glücklicher zu seyn, das ist der Wahn derge- „wohnlichen Menschen, dessen Stärke sich nach „dem Grad von Eigenliebe richtet, womit je« „der sich liebzukosen weis. Die Männer hin, „gegen, die alles mit dem Auge der Wahrheit „befrachten, die sich nie den Hochmuth an« „wandeln, die sich nie bcthören lassen, dachten „zu chescheiden von ihren/Äräften, als daß sie „sich den Gefahren der Gelegenheit hätten aus« „sthtü sollen, und entfernten durch eine weise „Vorsichtigkeit vvndem Heiligthume wo sie sich „m ihren Arbeiten versammlen, jenen edlen „Theil der Schöpfung/ jenes angenehme und „furchtbare Geschlecht, dessen Zauber die See- M 4„le >84 „leben Gefahren der UnbedachtsamkeitchenUass- „stricken der Neugierde, dem Ungestüm der „heftigen Leidenschaften blosstellt, welche viel. „ leicht ein ruhiges sanfteres Gefühl, das Gefü hl „der Freundschaft, das einzige welches wir „verlangen, und welches uns ansteht, er- „ sticken würden. „Die bittern Zweydeutigkeiten, womit die „Verläumdungen des Profanen die Aufführung „der Bruder hierüber angetastet hat, können „uns weder schaden noch kranken, die Schande „davon fallt aufs Haupt der Bcrläumdcr zu- „ruk; und währenddessen, daß wir außer der „Loge der Königin von Amathunt die Ehre „lassen die ihr gebührt; indeß der arbeitsame, „weise, und thätige Maurer ihr sein Opfer „bringt, ohne jemahls die Rosen der Liebe „mit dem Blumen der Ueppigkeit zu vermk- „sehen, bis unwürdig sind, in ihre Kränze ge- „wunden zu werden; schwöre er in dem Tem- „pel der Tugend der Göttin der Freundschaft „allein den HuldigungsEid; und lasse er sie „selbst allein, zu seinem Ruhm und zu seinem „Glück, die unumschränkteste Herrschaft führen. Es ist wahr, mein lieber Ewald, ich habe diese Zeilen oft gelesen, und nieste gelesen, ohne eine Regung in mir zu fühlen, die Bitterkeit zur Grundlage hakte. Zch habe es nicht blos gelesen, um »8Z um Bitterkeit gegen sie und ihr Geschlecht zu samten, ick las wirklich oft um zu sehen, ob ich nicht etwas zn ihrer Vertheidigung fände, den« ungerecht bin ich in der That nicht. Aber ich habe kein einzigsmahl etwas in mir verspürt, was ich mir selbst hätte zur Last legen können, wie ich es wohl oft fühlte, wenn ich zum erstenmahle ein übereiltes Urtheil gefället, und auch einige Zeit reiflicher über eine Sache dachte. Es ist ein schönes großes Pathos in der Lob» rede, die der Mann ihrem Orden hält, und für unser Geschlecht, ob er gleich hin und wieder einen Mantel der Feinheit überwerfen will, der aber immer zu kurz ausfällt, etwas zu erniedrigendes, daß, wenn wir nach dem beurtheilt würden, wir ganz gewiS nicht zürnen könnten, daß man uns ausschließt, schlösse man uns gleich in der Folge- aus allen Verbindlichkeiten der menschlichen Ge» sellschaft aus. Ewals. Sie sind auf dem Wege meine Freundin, von diesen Zeilen eine Auslegung zu machen, die zwar allerdings ihrem Scharfsinn Ehre machen wird, die aber gewiS mir der Billigkeit nicht übereinstimmen wird, die sie sonst immer in ihren Urtheilen jur Begleiterinn nehmen- Sie müssen etwas aus M z den i F 6' den Eifer eine Sache zu vertheidigen, ctwaSauf den Wahn der einem darin zu Hülfe kömt, etwas auf rednerischen AuSdruk rechnen, und wenn sie das wegnehmen, und denn etwa noch ein wenig von der Last auf ihr Geschlecht legen, das doch mchf ganz fehlerfrei) ist, so mochte wohl von der großen Beleidigung, die sie darin suchen, wenig oder nichts übrig bleiben. Eldr'ne. Sie beugen vor, Ewalv, sie fühlen selbst die Starke der Beleidigung, und möchten dem entgehen, sie auseinander gesetzt zu sehen. Das können sie nun nicht. Ich muß ihnen alleSdar- stellen, was darin liegt, ich will aber nicht um partheiM) seyn. Sie sollen nicht sagen können ein Weib hat sie überlistet, aber sie sollen sagen khnncn, sie hat sie überzeugt. Sie sind genug Mann von Ehre, um wenn sie erst überzeugt sind, nicht zu erröthen, wenn sie wieder von der Unzu-- laßlgkeit unsers Geschlechts bey ihren OrdenSge- heimmssen rcdenhörcn, wenn sie doch das Gegentheil sühlen. Hören sie wie stolz ihr Mann spricht. Der Maurer betrachtet alles aus dem Lichte der Wahrheit, läßt sich nie Hochmuth anwandeln, läßt sich nie becheren. Ast 18? Ist also infallibek: wahrscheinlich meint hier ihr Herr Verfasser nicht allen und jeden, der den Namen eines Maurersträgt, wahrscheinlich spricht er nur von denen ächten, rechten Maurern, die jede Pflicht ihres Hrdens erfüllen. Spräche er von jenen!, so wurde er auf den ersten Anblick lächerlich, und spricht er von diesen, so muß er wahrhaftig dem schonen Geschlechte entweder sehr viel oder dem wahren Maurer sehr wenig zutrauen, daß er diese so festgesetzte Insallibilität, durch sie umzustoßen, so leicht hält. Was ist der standhafte ohne Proben seiner Standhastigkeit? Was ist der Krieger ohne Gegner? dies waren Einwürfe die ich ihnen hierauf machen sollte, wenn eS bestimmt wäre, daß der Maurer, nehmen sie, welchen sie wollen, sich in kein Verrohr mit dem schönen Geschlechte einließe. Was, aber hier geopfert wird, das behalte ich noch, mir vor, zu erklären. Iezt sage ich blos, die Trennung unsers Geschlecht von ihren Lstdenszu- sammenkünftcn, ist von keiner Wichtigkeit, selbst, wenn alle Sätze die sie da vorbringen richtig wären, weil der Maurer der.sich bethören läßt, dennoch bethört wird, und der sich nicht bethören läßt, auch dieses nicht, thun würde, und wenn wir nlit allen Waffe» wider ihn, auftreten. Der schöne Panegirik den der Verfasser feinem Orden in demübrigen seiner Rede hält, ist eben 188 so widersprechend mit dem. Er giebt Gerechtig« keir als eine Eigenschaft an, indem er Ungerech« tie.keit übt Er spricht, siehärren nichts von Rot« ten und Aufruhr, und nie habe ich mehr Spal« tungen angetroffen, als eben unter ihnen. Aber ich will von dem abgehen, was nicht für mich gehört. Der vorzüglichste scheinbarste Grund unsrer Verwerflichkeit ist hier dir Antipathie zwischen Liebe und Freundschaft. Entweder der Versaster will also Liebe blos fürü schone Geschlecht, und Freundschaft blos für das ihrige annehmen, und hältdie beyden Eigenschaften nach den Temperamenten beyder Geschlechter ftir gleich, und nur in sich verschieden, oder wenn er ja beyden Liebe zulegt, so kan er uns doch gar keine Freundschaft zugestehen, weil er blos Liebe als Maurerey weiblicher Mitglieder annimmt. Nun giebt es aber doch solcher Verbindungen mehrere, die wenn sie schon den Unifang der ihrigen haben, doch auch ihre Gesellschaft ausmachen, und Weiber nehmen Theil daran, und ich habe doch nie gehört, baß in solchen Versammlungen, wenn ei» Weib eintrat, die Rede von Liebe war. Verzeihen sie mir, daß ich der Satyre nicht ganz entsagen kan, es kömmt mir der Satz so paradox vor, als wenn man ein gelehrtes Weib in eine- gelehrte Gesellschaft aufnimmt, und sagt: es ist der Liebe wegen geschehen. Ewald' Ewald. Sie thun uns hier gewis zuviel; das ist doch «uSgemacht, daß der Umgang mit ihrem Geschlechte sich mehrenkheils auf Liebe gründet. Nun sagt der Verfasser dennoch nicht, daß er sich eben auf Liebe gründen müsse, aber er nimmt nur an, da er sich gewöhnlich auf Liebe gründe, so könne dieses Uebel auch hier einreißen. Llvme. Und das, mein Freund hätte er einmahl nicht annehmen sollen, denn er sagt uns dadurch, daß wir selbst bey dem ernsthaftesten Gefckäste spieln. Denn daß Liebe nur Spiclwerk des Menschen sey, werden sie mir nicht ableugnen; sie hat Nullpunkte nöthig um nicht ekel zu werden, anstatt daß jede ernsthafte Beschäftigung Ruhepunkte nöthig hat, um nicht zu ermüden. Und wer hat ihnen denn das bewiesen, daß der Umgang mit unsern Geschlechte sich wehrcntheils aus Liebe gründet. Es wäre ja eine widersinnige Behauptung daß sie jede Person unsers Geschlechts liebten mir der sie umgiengen. Liebe fände da nur bey einer einzi. gen statt, und bey den übrigen also— keine Freundschaft? Und der Umgang wäre nichts? Ohne Freundschaft kan— glaube ich keine Hochachtung statt finden, oder wenn sie lieber wallen, aus der Hochachtung entsteht die Freundschaft. Und 19-2 Und nach ihrem System konnte also kein Frauen« zimmer sie achten, die sie nicht liebten, und sie keiner Freund seyn, denn ohne Erwiederung besteht Freundschaft nicht, und sollte sie auch nur in Harmonie der DenkungSart liegen. Aber ich sehe durch einen Schleyer, den ich nicht gern heben möchte, die Meynung ihres Verfassers. Seine Liebe ist die thierische wollüstige Liebe. Dieses Syrenen Nez ist ihm gefährlich. Und hier sezt er also unser ganzes Geschlecht in eine Klaffe. Hier dienen wir blos zum Gegenstände ihres Spottes. Hier sind wir außer allen Zweifel so heruntergesetzt, daß sie auf keine Wci« se wieder gut machen könne», was sie so unverantwortlich auf uns brachten. Edle Liebe, mein Freund, edle Liebe, von unserer Seite, wird sie nie Gefahren aussetzen, wird nie zu ihrer Verführung beytragen, sie wird ihnen keine Furien der Reue auf den Hals ziehen und der unedlen wollen wir nicht hier gedenken, wollen auch dessen nicht sgedcnken, daß sitz rnehrentheils den Grund dazu legen. Zhr Verfasser spricht äußerst unedel so wohl von seinem eignen als unserm Geschlechte, wo er sagt, Maurer dachten zu bescheiden, als daß sie sich den Gefahren der Gelegenheit aussetzen sollten, und entfernten deswegen das weibliche Geschlecht von dem - Itzd Lem Heiligthume ihrer Arbeiten. Wiederhohlen muß ich hier, die Edeln unter uns würden ihnen nicht furchtbar seyn, und dernunedeln, wenn ich auch nicht annehmen will, daß sie sie ganz von sich entfernt halten könnten, wie sie denn nicht die Un« edeln ihres Geschlechts zurukzuhalien vermögen, dieser unedlen würden sie sich wohl die kurze Zeit ihrer Arbeiten enthalten können. Welche voraus, gesetzte Schwache! Oder vielmehr, welcher Un- grund als Grund angenommen. Um etwas zn sagen, sagt man etwas, was ein wenig scharfsichtiger sogleich auf den ersten Anblik als falsch erkennen, und umwerfen kam, bethört freylich damit wohl den Dummen, oder giebt den Stolzen, der diese Gelegenheit gern ergreift, znngcn- drescherische Waffen in die Hände, um damit wider uns znFelde zu ziehen, undsich unserer Schwäche zn Nutze zu machen. EwalS. Auch nur dsr Stolze, auch nur der Dumme wird alles dieses zu ihrem Nachtheile auslege». Der kluge, der ächte, Ar wahre Maurer ist ge- wis nicht der, vernicht einsehen sollte, daß unter gewissen Umstanden, bey gewissen gehobeinnVer. hältuissen, bey einer sorgfältigen Auswahl, auch ihr Geschlecht Theil nehmen könnte. E'vi'ne. rZ2 Eldine. Das sagen sie, aber sie führen keine Erklärung dieser Umstände, dieser Verhältnisse, dieser Aus« wähl an, und entweder ist das Furcht bey ihnen, Sachen vorzubringen, die sie nicht beweisen kon» nen, oder sie scheuen sich wieder mit Beleidigungen hervorzutreten, die vielleicht die vorigen noch übertreffen. , Ewald. Wir muffen nur, wenn sie billig seyn wollen, theureste Eldine, auf den ersten Grund zurükgehcn, warum man sie vielleicht ausschloß. Alles das, was die bildliche Grundlage unsers Ordens ausmacht, sind Männerarbeiten, und vielleicht, und gewis war dem so, lag in der ersten Stiftung nichts als Liebe zu wissen, zu würklichen Männer- arbeiten. Da brachte es die Sache mit sich, daß Weiber davon entfernt waren. Man hat nachher das System verändert, oder es so genommen wie es eigentlich genommen werden sollte, auf GeelenDau, und hätte man nun schon in manchen Stücken eine Aenderung machen kennen, so hak man doch vyn der alten Gewohnheit nicht wollen abgehen, die dieses nun einmahl festsetzte. Eldine. Sind sie so weit gekommen, Ewald, das, sie mir blos Gewohnheit einwenden, so sollte ich wohl zufrie- zufrieden seyn. Allein ich weis, es ist ihr Ernst nicht. Sie wollen nur loskommen. Nicht wahrst geradezu würden sie mir nicht gestehen, daß keine andere Ursache ihren Orden und seine Mit- brüder abhielte, uns anzunehmen. Die Gefahren der Unbedachtsamkeit, die Fallstricke der Neu« gierde, der Ungestüm der Leidenschaft, die freylich bon dem Hetzen der sanften Maurer leicht Besitz Nehmen kennen- sind ihnen nicht st gleichgültig, baß sie nicht Rücksicht darauf nehmen sollten. Ewalv. Nein, Nicht ganz. Manches darunter iß kllerdings bedenklich. Eldine. Und das bedenkliche mochte ich gern hinweg bäumen— Was UnbedachtsarNkeit bereift, so glaube ich nicht daß sie bey unserm Geschlechte Nrchr als bey dem ihrigen anzutreffen ist. Sie haben wenigstens dadurch die überzeugendsten Proben, daß sie im Besitz derselben sind, gegeben, daß sie die Ausbreitung ihres Ordens st sehr befördert, daß die guten Mitglieder unter ihnen, ihn jezk incht mehr zu übersehen vermögen. Ewald. Erlauben sie mir, ihnen hier einzufallen; Sie geben selbst Zeugniß für das was wir thaten. N Würde »94 Würde, wenn sie schon die Ausbreitung»«teil unserm Geschlechte für eine Unbedachtsamleir holten, diese nicht noch weit großer geworden seyn, wenn wir uns auch aus ihr Geschlecht eingelassen hätten— Würde die Vermehrung nicht noch großer seyn? Eldine. Wie sie doch die kleinste Lücke zu füllen wissen, die ich ihnen leer lasse, und wie begierig sie sw auch füllen. Aber sie werden ihr Wort zm ükneh- wen müssen, und ich will ihnen noch den Gefallen thun und nicht einmahl forschen, ob Furcht überwunden zu werden, und Versuch mich irre zumache», nicht der Grund ihres Einwurfs war. Die Ausbreitung unter den guten unter ihnen ist ihnen gewis nicht schädlich, und so wenig würde cS die Ausbreitung unter den guten unter uns gewesen seyn, so wie ich die Ausbreitung unter den schlechtem unter uns mit dem nehmlichen Namen der Uubedachtsamkeit würde belegt haben. Also gering davon. Unsere Unbedachtsamkcit wird uns freylich vom ersten Zeitalter an angerechnet, und sie wissen sich erstaunlich mit unsrer ersten Geschichte zu gute zu thun, einer Geschichte deren eigentliche Beschaffenheit nicht einmahl sich hinreichend in unsern Tagen erklären läßt, wo es vielleicht nur auf eine Gelegenheit ankam, daß ihr ihr Geschlecht that, was das unsri'ge that, wo vielleicht nur von einem Gleichniß die Rede ist, kurz worauf sich alle ihre Rechte, und Ansprüche über uns gründen, und mit einem Ungrunde gründen, der sich darstellt, so bald wir unserGe-- schlccht in täglichen Handlungen mit dem ihrigen vergleichen, so bald wir unser Thun und Lassen gegen einander halten. Die Schwäche fällt dann gewis, wein Herr, so sehr auf ihre als aufunserc Seite— nur daß wir vielleicht zuerst schwach waren, Ich habe ncch ganz kürzlich in einer Abhandlung ihres Ordens einen Machtspruch gelesen, der in der Tbat, ohne parthcyisch zu seyn, nicht anders als lächerlich kann betrachtet werden, und der rmS diesem Gesichtspunkte urtheilt. Der Mann spricht folgendermaaßen. *)^Das andere Geschlecht hat schon Theil ;,än der Einweyhung; Es hat seine Grade, j,diö aus dem ersten Buch Mosis genommen ^sind. es erwäge selbige; Und wann es den ^unglücklichen Baum sieht, gedenke, und betreut es die liebe!, die es uns verursacht zzhat,, N a Viel- siehe: litsprmig m,d Gegenstand der Kam rekey: Nebst zwey Freimaurer Reden. Volt dem Bruder B> In KsteN> Im Jahr 7M- h. f, ifzf. M. L l. 196 Vielleicht wollte der Mann die schoole Darstellung des leztcn Satzes mit der lichten Wolke des ersten bedecken, und uns dadurch Staub in die Augen werfen, daß wir nicht sehen sollten, was jedes lichte Auge sehen und erkennen kann, daß wir sind, was sie sind, Verführte. Ist denn, wir wollen das Ding einmahl ini buchstäblichen Verstände betrachten— ist denn so sehr viel mehr Bcdachrsamkeit dabey, sich von einem Weibe verführen zu lassen, als von einer Schlange— Nie sollte einer unter euch davon sprechen— Nie solltet ihr diesen Satz zu einem Verwände gebrauchen, der euch wahrhaftig nur blos als Flüchtige darstellt, die ein begangenes Uebel hinter die Gelegenheit dazu verbergen. Glaubt ihr daß ihb ohne das Dasey» dieser Gelegenheit bey einer andern nicht gefallen wäret, oder daß es auch Vorzug ist spater gefallen zu seyn- Denn im Fallen waren wir doch gleich, und verführt waren wir doch beyde. Und da sie wahrscheinlich Unbedachtsamkeit vorn ersten Ursprünge wie der Wehrmann, den sie hier vor sich haben, herleiten werden, so glaube ich sie am besten wi- derleat zu haben, da ich uns beyde als gleich un. bedachtsam geschildert, und die Herren werden sich, um wieder benin wörtlichen Sinn zu bleiben, es gefallen lassen, daß wir zweifeln, daß sie der Verführung wiederstanden hätten, wenn die Schlange sie an sie gerichtet, da sie ihr nicht widerstanden wie wir sie an sie richteten, und eben so sehr zweifeln, ob sie nicht der verführende Theil gewesen, wenn sie das Schickfaal des zuerst werdenden getroffen hätte, welches doch freylich nur ein Geschlecht treffen konnte. Eben diesen Grund führt ein anderer ihrer Schriftsteller an, wenn er sagt: *)„Ehe ich schließe, will ich mich ben den „Schönen rechtfertigen, welche sich berechtigt „glauben, uns zu bestrafen, weil wir ihnen den „Zutritt zu uns versagen. Es ist ihnen zwar „nicht erlaubt unsre Schwellen zu betreten; „allein sie haben Unrecht, darüber aufgebracht „zu seyn, Vielmehr werden sie uns leben, „wenn sie unsre Gründe hören. Wir achten „und schätzen euch, schöne Kinder! aber wir „fürchten euch zugleich, und gewis, unsere „Furcht ist gegründet. Die erste Lehre, die „man uns giebt, ist diese: daß Adam aus „euren Handen den Apfel empfieng, und daß „ohne eure Ueberredung vielleicht jezt noch alle „Menschen als Maurer gebohrsn würden.,, Eben so leicht hingeworfen, um von uns abzukommen, und damit sollen wir uns nun begnü- N; gen *) siehe. Freymaurer Bibliothek, Erstes Glück- Berlin bey Stahlbaum 1778. p»L-4?> gen lassen. Also der Apfel stürzte den Maurer Und wenn wir ihnen nun, meine Herren, hierauf die Einwendung machten, daß sie blos aus Furcht uns zurük Metren, daß wir nickt tiefer in Las Geheimniß ihrer Maurerey blicken mochten, als sie selbst, wie wir vielleicht tiefer in das Geheimniß des Apfels drangen>— da denke ich dech, würden sie sich etwas dagegen sperren, und vielleicht unzufrieden mit unster Auslegung seyn, die denn doch nach diesem ihrem Verwände sehr richtig ist, sehr der Sache angemessen. Sie hätten in der That nach den Systemen, die ihr Geschlecht sich von der Unterwürfigkeit des unsern bildet, garnicht Ursache sich für uns zu fürchten, und sek-m sich doch in die Verlegenheit, daß man eS öffentlich von ihnen zu behaupten berechtigt ist. Doch wir wollen es lieber nicht auslegen. Die Starke der Männer, die sie doch als ein Haupt- unterscheidungszeichen ihres Geschlechts und des mistigen angeben, leidet zu sehr bey diesem Verhältnisse. Ewalö, Sie haben sich gut vertheidigt, meine Freundin, allein sie haben auch bis jezk zu den Gegenständen der Vertheidigung noch lauter solche genommen, die der graste Theil der Maurer nicht billiget, die wir selbst als Spielwerk betrach- »99 ten, das wir ihnen vorwerfen, um sie von uns abzuhalten, und ich kan es dem vernünftigern, dem tieferdenkcnden Theile unter ihnen, nicht verdenken, wenn sie sich mit aller Macht wider solche Einwürfe setzen. Aber es giebt ihrer denn doch, die sie unangetastet lassen. Eldlne. Wir werden sehen. Ich will von ihnen nicht die Erzählung derselben. Sie sollen überzeugt werden, daß ich sie alle weis, alle durchgedacht habe. Unser Verfasser des flammenden Sterns sezt gleich nach den Gefahren unserer Unbedacht- samkeit die Fallstricke unsrer Neugierde. Ich will Ihnen gern zugeben, baß die Neugierde auf ihre Geheimnisse, so gros sie auch, wie sie mir nicht leugnen werden, bey ihrem Geschlechte selbst ist, doch bey dem mistigen noch größer sey. Mein— sind sie nicht selbst schuld daran, weil sie sie uns verbergen>— Liegt es nicht in der Natur der Sache, daß Neugierde durch Zurück. Haltung gespannt wird. Nehmen sie das davon ab, und sie werden alsdenn, wenn sie bevde Ge« schlechter gegen einander halten, diese Eigenschaft Zewis gleich ausgetheilt finden. Nur daß sie diese Eigenschaft zu einer lobenswürdigen machen, daß sie an sich, mit dem Namen Wisbegierde belegen, was sie Sey uns Neugierde nennen. Nehmen ßpo sie alle Beyspiele älterer Zeiten, die sie von der Neugierde unsers Geschlechts anführen, und sa- gen sie, ob sie nicht mit einem gewissen Zwange verbunden war, die die Neugierigen aufmerksamer auf die zu wissen gewünschte Sachs mach. te, a!ü sie gewesen seyn würden, wenn sie die Freyheit gehabt hätten, die Kenntnis derselben sich zu erwerben. Hier sind also Umstände, nicht Natur daran schuld. Nehmen sie uns die Fesseln die uns blühen, und wir werden von diesem, doch eben nicht so über sie hervorstechenden Grad des Wissen Westens bald fteygesproche» werden. Und nun nehmen sie sich die Freyheit die sie haben. Legen sie sich die Fesseln an, mit denen sie uns belegen, und sie werden es bald gewahr werden, daß stein der verschrieenen Neugicrde uns gleich kommen, ich will nicht sagen, übertreffen— so würde ich sagen, wenn uns der Stolz gleich ihnen angebohret, wäre. Alts warum wollen sie sich aus einer Sachp pinen Vorwurf machen, wo sie nicht das geringste Recht, nicht den geringsten Grund haben, wo hlos Umstände einige Wahrscheinlichkeit nicht Gepichelt geben, daß sie recht haben? Glauben sie mir, hätten wir ein Geheimnis, sind schlössen sie dqvon aus, wir würden bald die Folgest 2or Fvlaen sehen— würden bald ihrem Forschen ausgesetzt seyn, und nach der edlen Herrschaft, die sie über uns behaupten wollen, bald nachgeben, und, ihnen entdecken müssen, was wir ihrem Ungestüm niklit langer vorenthalten kennten. Die fällst! icke ihrer Neugicrde würden uns gcwts gefährlicher werden, als ihnen die mistigen. Ewald, Allein einmahl ist doch nun dieses Uebel eilige- piffen. Gesezk, und ihnen zugegeben, daß sie im Grunde ihrer Seele keine mehrere Anlage zur Ncugierdc haben, als wir, und daß das w»rk- liche Daseyn der Eigenschaft vom Umständen herrührt, so ist es doch einmahl da, und die Klugheit erfordert— ElSine. DaS wollen wir alles hören. Ich werde W vereinigen wissen, was Klugheit, und Billigkeit verlangt, und dann erst können sie mich beurtheilen. Ich, will über den dritten Punkt, den ihr Verfasser angiebt, nichts mehr reden. Der unedle Sinn, indem er den Ungestüm der Leidenschaft annimmt, ist so wenig werth, daß er kettle Aufmerksamkeit verdient. Hab ichs schon gesagt, so wie- derhohle ichs noch einmahl, daß achte wahre Lftbg N? M 2SL nie das Gefühl der Freundschaft unterdrücken nnS ersticken wird, daß aber jene unächke Liebe nicht zu einer Eigenschaft unsers Geschlechts gemacht werden soll, daß wir vielmehr solche unter uns so wenig zu Menschen zählen, die ihres Namens werth sind, als sie Maurer, die diesen Namen verunehren, zu ihrer Gesellschaft rechnen. Lernen sie, mein Freund, daß der Stolz auf Tugend eins dcx ersten weiblichen Eigenschaften ist, Glauben sie mir, ich will ihnen Beweise bringen, daß nnter ihnen weit mehrere Laster sind, als umer uns, und daß, wenn sie einst die Verführten waren, wir es jezt weit mehr durch sie sind, Ewals. Sie eifern mit Recht, Eldlne, der Mann hat ihnen zn viel gethan. Ich gebe es ihnen zu, Umstände und Gewohnheiten sind nur wieder sie. Ich glaube es, daß wir in ähnlichen Fallen ähnlich so seyn würden. Aber sie find einmahl da. Dieses Vorurrheil, diese Unterwürfigkeit, diese oft gereizte Ncugierdc, diese Unbedachisamkcit, wenn sie schon von unserer Seite nicht minder stark ist, hütet nnS doch einigermaaßen, und macht die Sache nicht so gros in ihrem Uebel als sie Lurch die Vermchrmtg seyn würde. Wir sind dech wenigstens in Ansehung so vieler möglichen Widew ?0Z Widerwärtigkeiten die dieses alles mit sich bringen konnte, zn entschuldigen. Elvine. Wir wollen davon reden, und sie werden mir such recht geben. Ich will ihnen vorher noch einen ihrer Schriftsteller anführen, der mir merkwürdig gewesen ist, weil er würküch am gründlichsten davon geschrieben, weil er die Sache wenigstens anS einem rechtmäßigen GegchtSpunkte betrachtet, weil ersieh nichts anmenget, was ihm piche zukömmt. Seine Abhandlung über die Ausschließung'unsers Geschlechts aus ihrem Orden ist zu lang, als daß ich sie ihnen ganz erzehlen konnte, ich will ihnen also kürzlich sagen, was sie enthält. Ich urtheile hier blos von der anzuführenden Stelle, ohne mich weiter auf den Beyfall einzulassen, den das Werk im Ganzen oder besonders verdienen oder nicht verdienen mochte. Ich traue ,nir dazu wirklich zu wenig zu. Wo er vsm achten Vorwmf rederdm man derFreymancrcy macht, daß der Orden das schone Geschlecht überhaupt und ohne Ausnahme oder Einschränkung au«. s) siehe; Der sich selbst vertheidigende.^reymaureK — oder Sammlung unterschiedlicher wehiver- saßten Sibnsttn, welche einigeMirgneder dugoS Ordens selbst zu dessen Vertheidigung heran«; gebest. Frankfurt und Leipzig Ipstch 204 schließe, sagt dieser unpartheyische Trichter sehe deutlich, deß er den Maurern keinen Vorzug vor dem weiblichen Geschlechte voraus gebe, daß des einen Mangel dem andern gleich wären, und daß aus dein Grund eines mit dem andern Geduld habe» müsse. Auch sogar die.Schwatzbaftigkeit, eine Eigenschaft die uns so sehr zur Last gelegt wird, pnd deren ich noch mit wenigem Erwähnung thun muß, legt er uns nicht einmahl zur Last, sondern sezt sie eben so sehr unter die Fehler ihres Geschlechts, behauptet, daß sie ein allgemeine? NaturFchlet des Menschen sey. Die Gründe, die er für unsre Ausschließung anführt, bestehen einmahl in dem Übeln Ruf, beiz er wähnet, wnm ihre Zusammenkünfte mit unsern Geschlechte vermischt wären. Der gute Mann hat aber gewis unrecht, denn es würden gewis weniger oder wenigstens nicht mehr fade und falsche Urtheile entstehen, wenn wir mit ihnen verbunden wären, als jezt eben durch unsere Trennung von ihnen bewirket werden. Und dann so Muß die Rechtschaffouheit die Berläumdung nicht sichten, und sowie sie diese Art von Veriaumduug, die sie jezt trift, verachten können, so können sie es glich, im Fall jene sie träfe. Der Grund ist also gewis dadurch gehoben, denn WimMst siegt über Mst LWWO, .-.Dir 20; Die andern Gründe nimmt ihr Verfasser aus der Unterwürfigkeit, oder vielmehr aus dem Mangel an eignen freyen Willen, und dehnt dieses bis auf die Fälle anS, wo zwar freyer Wille herrscht, aber die Einschränkung desselben auf eine künftige Ehe statt findet. Aber wenn wir ja Veränderlichkeit als Grund zur Ausschließung annchrNen wollen, so sind sie dem Uebel so sehr ausgesetzt als wir, ja ich getraue mir zu behaupten, daß sie noch weit veränderlicher sind als tvir. Wie viele von ihnen denken morgen anders als sie heute dachten, und würden gern die geschehene AusnahlNe abkaufen, wann sie es vermochten. Wie viele wenden sich aus ihrer Mitte weg, und es scheint uns deck, als wenn von den wahren Grundsätzen,(ich nehme jezt an, daß sie würkiich ivclche haben) nichts zum Vorschein kommen wollte. Sie müssen also in Ansehung so vieler die würkiich plaudern, eine sein- gute Vorsicht angewandt haben, und diese Vorsicht könnte denn wahrscheinlich doch auch wohl bey uns start finden, und würde vielleicht weit stärker start finden, als bey ihrem Geschlechte, weil sie weit mistrauischer auf uns wä^ den. Ich glaube dadurch dem Vorwürfe der Schwätz- hastigkeit den so viele unter ihnen uns machen§ vorgebeugt zu haben, und gehe zu jenem der bist- krwürfigkeit zurück. Wenn sie nur auch hier äilf sich 2O6 sich selbst die Augen werfen wollen, sö werden sie vhnschwer die Bemerknng machen, daß die mcistel, ihrer Mitglieder in einer Art von Unterwürfigkeit leben, die sie sich entweder selbst auflegen, oder die ihnen von Zeit und Umständen aufgelegt wird. Wie wenige Menschen giebt es in der Welt, die wir eigne Herren nennen kennen. Fast alle haben einen Oberherrn zn erkennen, der gewisser- Maaßen von ihren Handlungen Rechenschaft fordern kau. Allein gewlS nicht von denen, die ihnen ganz wMührlich sind. So haben auch unsre Männer nie das Recht über Handlungen Rechenschaft zu fordern, die willkührlich sind, und Menschlichkeit die wir nach den Skatuten des Ordens ausüben müssen, würden sie nie zu unterdrücken Macht haben. So wie der Landesherr seinem Unterthan verbieten kau, nicht in dcnFreymaurerOrden zutreten, wenn er keine Leute der Art unter seinen Unterthanen haben will, so konnte der Mantt der Frau seine Einwilligung verweigern, so bald sie einmahl die seinigö wäre, in diesen Orden zu treten. Aber so wenig der Fürst dem schon einmahl Lew Orden einverleibten das gethanen? Gelübde abzunehmen vermag, so wenig würde des Mic n vermögend seyn, seine Frau von diesem k'i>. lübde loszusprechen, wenn sie es schon vor des mit 207 !m,'t ihm getroffenenVerbindung eingegangen. Und so wenig der Mann jezt der Frau cntdekt, daß er MaU/- rcr ist, so wenig würde sie es ihm entdecken. Und so wie er sich des öffentlichen Umgangs mit Brü« dem einschlagen müssen, wenn sie ihren Willen dawider sezt, und Exempel wissen sie doch davon, so würde sie sichs müßen gefallen lassen, wenn er ihr verböte die Zusammenkünfte zu besuchen, abtr dennoch würde sie sehr oft eine achte Manrerin bleiben, wie er demchngeachtct oft ächter Maurer bleibt, Was die Gelvatt der Väter über uns bctrist, so wird auch mehr davon gesagt, als würklich daran ist, denn wer gab den Söhnen die Freyheit dergleichen Verbindung einzugehen, ohne ihre Vater zu fragen, und wer ihnen die Freyheit gab gab sie auch uns, das heist, wir würden sie uns so wie diese nehmen, oder welches besser, wir würden durch vernünftige Väter nicht abgehalten werden, zu einem nützlichen Institut den Zutritt zu suchen. Kurz, Ewald, wir mögen die Sache ansehen, von welcher Seite wir wollen, so sind die Ver» hältnisse Gleichheit, wir haben das nehmliche Hecht, wie sie, Und sie sind Usurpateurs des unstigen. Aber ich habe tm'ch so sehr verliest. Pflichten ruft» mich auch von diesem Gespräch ab, Morgen komme» sie wieder mein Freund, und süM !'k 208 sie mir alles, was sie noch einzuwenden finden. Ich will ihnen dagegen auch etwas sagen. Habe ich ihnen heute gezeigt, daß sie unbillig an uns handeln, so sollen sie morgen gewahr werden, daß diese Ausschließung ihrem Geschlechte sowohl, a!s auch ihren Zwecken und Absichten höchst schädlich ist; -H- Fünf- Fünftes Gespräch Ewald, Eldme. Ewald. ^Hhrem Befehl gemäß stelle ich mich wieder ein, Lldine. Sie haben mir gestern etwas hart zu- gesezt, haben viel Bitterkeit unter ihre würklich scharfsinnigen und richtigen Bemerkungen mit ein- sließen lassen, haben ihr Geschleckt sehr gut vertheidigt, und gezeigt, daß es in der That furchtbar für uns ist, wenn wir unSmirihm im Weltlauf einlassen. Ich habe allem dem was sie mir gesagt haben, vernünftig und reiflich nachgedacht, ich habe gefunden-— sehr überzeugend gefunden, daß eö ihnen keincSwcgeS an hinreichenden GcisteSGaben feblr, unsre Gesellschaft zu vermehren. Vielmehr sollte ich fast wähnen, sie hätten etwas zuviel von jenem Scharfsinn, von jener Geistes Reichhaltigkeit, so daß sie, wann wirsiein unsere Zusammenkünfte zogen, unsre schlichten Plane zu einfach L> finden, sich finden, und uns vielleicht einen empfindsamen Ton in unsere Maurerei) bringen mochten, den wir, weil das einfache das daurendste ist, gern verniet-« den wollen., Eldine. Ha! halten sie sich nur ja an allem fest, was sie wieder«Us aufzutreibcn vermögen, und lasse» sie sogar unsern schwacher» Nervenbau nicht mi- angetastet. Denn Empfindeley, diese Tochter der Tollheit unsers Zahrhundenswerden sie dochwahr- schcinlicherweise nicht in'Anschlag bringen. Ich abstrahire auch darüber, und fange würklich durch diese Anmerkung gereizt, an zu denken, daß sie nickt eigentlich in ihrem Orden das Gefühl für Menschheit, sondern kaltes philosophirendes Ra- tiociniuM darüber, zum Zwck haben. Ewalv. Ueber den Punkt ließe sich sehr viel sage«, ElDme, aber er würde uns zu weit abwärts führen, wodurch ich nun freylich gewinnen würde, wenn ich, wlesie zu glauben scheinen, nur Auswege suchte. Allein diese suche ich nicht, und so wie ich sie gestern nicht in ihren Betrachtungen gestört, und sie ganz ausrede» lassen, so wünschte ich, daß sie auch mir das Gehör zu dem nicht versagten, was ich zu unserer Entschuldigung vorbringen werde, Mldine ElSine. Entschuldigung oder Recht, mein Freund, ich will alles anhören, was sie wollen, und mich freuen, wenn sie mich überzeugen, EwalV. Zugegeben also mit jenem Verfasser daß keine der Beschuldigungen sie trift, die unedel denkende Leute als die Ursache ihrer Ausschließung ange, den, daß nicht Fähigkeit nicht Eeelenkraft ihnen fehlt, nicht Mangel von der Natur her sie ausschließt, so hat doch eine gewisse in der Welt einmahl eingerichtete Ordnung, deren'Ursprung und Ansang wir ohne die biblische Geschichte freylich nicht zu ergründen vermögen, und wenn diese nicht ins Spiel kommen soll, dahin gestellt seyn lassen müssen, einmahl ihr Geschlecht auf eine gewisse Art zum zweyten gemacht, und Gleichheit, die unter beyden gewesen wäre, gehoben. Diese enk« standene, und fortgepflanzte Ungleichheit hat den Mann zum Herrn in allen, ober wenigstens in den Fällen, wo er es nicht ist, zum nothwendigen Beystand ihres Geschlechts gemacht. Ich will ihnen gern nicht bestreiken, daß es unter ihnen oft jemand gebe» würde, die völlig'den Muth, und die Höhe eines Mannes erreichte, aber zwischen der Ausführung des Mannes und des Weibes wird denn doch immer ein Unterschied halben, der O» ihnen »dM»» 212 ihnen aber deswegen nicht vorurtheileud ist, weil er den Grund in der eignen durch diese Lage bey ihnen erregten Furchtsamkeit hat. Alle diese auf einander folgenden Jahrhun. dem in der Welt. deren Geschichte wir besitzen, liefern uns Beyspiele großer Weiber, aber sie lie. fern sie uns selten— Wir nehmen ein Beyspiel, welches uns vorkommt mit Freuden auf, wünschen ihrem Geschlechte Glück, sehnen uns aber nicht nach vielen, weil es Nachahmung erregen, und die Nachahmung denn wahrscheinlich so, wie die Jagden unsrer heutigenWihlingeaufder Bahn eines Genies, ausfallenwurden. Vielleicht meine beste Freundin, liegt der Grund von dem allen, und das ist sehr wahrscheinlich. in der weisen Vorsehung, die der, durch feinere Nerven, schärfer, aber auch übereilter und also verderbender wirkenden Seele nicht so freyen Lauf lassen wollte, sich vor erhaltener Kraft in übertriebenes Denken zu verwirren, und in der Verwirrung unterzugehen. Der Mangel an Ueberlegung, die schnell fort arbeitende Hitze, womit jede, die sich von ihrem Geschlechte auszeichnet, vorwärtsgehet, sind Beweise davon, und eS ist ja ausgemacht, das; selbst gutes, zu sehr gehäuft zu sehr übereilt, Loses oft wird. Suchen 2kZ Tuchen sie hierin die Quelle ihrer Ausschließung, und nehmen sie die Jahrhunderte die über dem Vorurtheile, über dem einmahl eingerissencn mindern Zutrauen zu ihnen verflossen sind, und sagen sie nun selbst, wie wäre es möglich in einer Gesellschaft besonders, davon innere Statuten seit dem Anfange diese so verjährte Ausschließung bestätigen, ein- Aenderung zu machen, die nicht allein einem jeden, der dein Mitglied wäre, ausfallend seyn, sondern auch insbesondere eine Revolution unter allen Mitgliedern hervorbringen, und also auf jedem Fall mehr Schaden verursachen wurde, als Nutzen davon zu hoffen wäre. Und doch haben so manche ihres Geschlechts diese Aenderung gewünscht, ja sogar verlangt. Ich glaube nicht daß sie so denken. Aber die so dachten, waren doch gewis mangelhaft an Ueber- legung einer so wichtigen Sache. Ick glaube es kan ihrem Geschlechte genugthuend seyn, wenn wir bekennen, das; es keine Verachtung ist, die uns von der Ausführung eines solchen Vorhabens abhälft, wenn wir ihnen gestehen, sie konnten eben so gut Maurer seyn, sind eben so gut rechtschaffen, welches eines Maurers HauptLigenschaft ist, wenn wir ihnen die Gewohnheit, die Macht des Bor- urtheils, die vielen zu überwindenden Schwierigkeiten, als Gründe im Weg stellen. O; End- ri4 Endlich sollten sie dock) einsehen, daß sie durch jedes PnvatGlück welches sie befördern, denn auch der Maurer kan nur PnvatGlück befördern, so gut wie in der Gesellschaft aufgenommen sind, in ihrem Herzen und ihrem Geiste und Dmkungsart riacb, Maurer sind, daß nicht Band und Zeichen, sondern Tugend, Menschlichkeit, Bruderliebe, Ausübung der Pflichten und Beförderung mensch, licher Glücksceligkeit den ächten Maurer macht-- Laß wir ohne es zu sagen, jeden davor erkennen, der es so meint, und der so handelt— und daß also sie, meine Freundin, und aste die nachdieser Schilderung ihnen gleich denken, mehr Maurer sind, als so viele unter uns, die das Zeichen rra« gen, und nicht Begriffe von der kleinsten ihrer Pflichten in sich hegen. Sind sie dami> nun nicht zufrieden— beruhigen sie sich nicht dabey, und hören sie nun nicht auf Len Maurern es zu verdenken, daß sie sie nicht unter sich aufnehmen, so weis ich nicht, was ich mehr sagen soll, und muß denn sie für»«genüg, sam und radeinswerth halten, ElSr'ne. Nur nicht in einem so richterlichem Tone, mein Freund, Allerdings ist diese Erklärung für unser Geschlecht sehr vortheilhast, und allerdings bin ich zufrieden, daß keine der Beschuldigungen auf unser 215 ser Haupt fällt, die man so gern darauf bringen rnschte. Auch thun sie ganz recht, daß sie vertheidigen, was sie ohne diese Vertheidigung zu an« dem für Pflicht halten müssen. Allein wenn sie ein Recht, welches sie ohne ihre Schuld durch Verjährung verlvhrem, immer „cch als ihr Recht ansehen, und wenigstens als von einem»erlahmen, aber doch immer Recht, davon sprechen, so denke ich kann es niemand lw neu verargen. Auch kennen sie den Verlust des Rechts zugeben, und dennoch alle Welt von der Gründlichkeit desselben zu überzeugen suchen. Sie wollen mich nicht gern unter der Zahl der« jenigen sehen, die die Wiederherstellung oder wenn sie dieses nicht gern hören die Einsetzung in unsere Reckte wünschen, und ich muß ihnen sagen, daß ich recht sehr darunter gehöre, daß ich ihnen Plane und Vorschläge dazu machen wollte, die sie nicht verwerfen sollten, die ick aber nicht verschwenden wag, weil ich?n deren Ausführung bey ihrem halsstarrigen Wesen keine Msglickkeir seben wüy« de. Ich begnüge mich alw sie selbst zu wissen. Allein sie mochte ich selbst überzeugen, daß sie außer der ttnbilligkeit, mit welcher sie handeln, und die sie schon einsehen, auch noch wieder sich HM schädlich handeln, daß sie uns ausschließen.. 0 4. 2 l§ Ewald. Der Beweis weckte ihnen wohl etwas schwerer fallen, als der erstere. Wenn man auf Grundlagen zurückgeht, wo keine Gewisheit statt findet, wo sich blos muthmaaßen läßt, wenn man gegenwärtige unumgänglich zu betrachtende Umstände von einer Sache trennt, einen Theil der wahren Lage verwirft. undHyporhestn an deren Stelle sezt, so laßt sich wohl etwas behaupten, was imGruw be der Wahrscheinlichkeit entspricht, aber dadurch noch keine Festigkeit erhält. Aber was sie sezt behaupten, meine Freundin, das laßt sich nicht auf Hypothesen fetzen. das muß aus der Lage unsrer Zeit, aus Erfahrung, aus Beyspielen bestätigt werden, und kau daher keinem Blendwerke, keinem Trugschlüsse irgend einer Art der Zugang erlaubt seyn. Eldme. Sparen sie das alles, Ewald, bis sie mich gehört haben, und nehmen sie ihre Zuflucht ja nicht dazu vergangene Dinge zu bezweifeln, die schon ausgemacht sind. Sie wissen aus aller Erfahrung, daß ich nicht leicht etwas rede, was ich nicht beweisen kan. Das s;? Da6 erste was mich aus ihren Orden aufmerksam machte, waren die geheiligten Zeichen desselben. die ich einst bey einer meiner Freundinnen antraf. Sie wollte sie vor mir verbergen, und ich nach meiner öfteren Art, schäkerte mit ihr darüber. Zeh frug. von wem sie solche in Verwahrung und wer so viel Antrauen zu ihr hätte, ihr die Kennzeichen solcher Geheimnisse anzuvertrauen. Sie lächelte etwas spöttisch— Jchstuz- te, und schwieg, denn ich will gewis nie Geheimnisse ausforschen>— Aber auch sie ist ein 28eib, die offen und bieder kst, also sagte sie mir: „Ich will dich in keinem Irrthume noch „weniger in einem Verdacht lassen, der vielleicht in Ansehung deiner Meinung von mir „üble Folgen haben kennte. Nur ein sehr „ernsthafter Liebhaber würde einem Mädchen „etwas von der Art aufzuheben geben. Also „müste ich diesen ernsthaften Liebhaber haben, „und das Gegentheil weißt du. Alle die „Sachen die du hier siehest sind mein, und ich „gebe dir die Versicherung, sie sind auf keine „unrechte Art mein: Ich habe sie weder ge- „raubt, noch unanständig mir erworben. Sie „sind die Fruchte einer sehr erlaubten Freyheit, „der Freyheit mchrwisscndcr scheinen zu wollen, „als man ist. Um dadurch zir Kenntnißen zu „gelangen, die man nicht hat, und die man O;»nicht 2-8 „nicht für unerlaubt halt, kan man schon ev „was von bet Art unternehmen, „Ich hatte einiges gelesen, und einiges ge- „hört, nnd ich hatte mir daraus Begriffe ge- „ncmmen, die ich immer in mir erweiterte, „und zu Schlüssen ausdehnte.. Ich zog Fvl- „gen daraus. „Nun hatte ich viele Freymaurcr in der „Welt gesprochen, hätte gefunden, daß sie ei- „ne geheimnisvolle Miene annahmen, um et- „was zu scheinen, was sie, das will ich nicht: „in Abrede sey», vielleicht waren, daß sie „aber auch eben so sorgfältig auf die Mienen „anderer Menschen acht hatten, und wo sie „irgend ein dergleichen geheimnisvolles Gesicht „erblickten, wo sie Werte hörten die ihnenBe« „ziehung zu haben scheinen, wo ein Triangel „oder eine Kelle zu sehen war, da waren sie „gleich bey der Hand, um zu horchen, und zu „forschen, ob nicht für sie etwas zu erschnappen wäre." Ich sage ihnen den AuSdruk, wie meine oft etwas sakyrischc aber gewis gute herzliche Freundin mir ihn vorbrachte, und ich stehe ihnen davor daß sie keine böse Absicht damit verband. Hie fuhr fort; 270 „Nun weis ich nicht, wie es'kam, allein es entstanden in mir Ideen, die ich nicht unterdrücken konnte, und nun wohl darauf ^'hinausgiengcn, das meiste der Freymaurcrcy „bestände in diesem geheimnisvollen Wesen. „Jchfieng an aufmerksamer zu werden, ich „las Bücher die davon handelten, und die Verwirrung, in welcher ich mich befand, 'wurde dadurch großer. Dunkelheit häufte „sich auf Dunkelheit, und egyptische Finster, „nis war da, wo Licht seyn sollte. Da ich „nun überhaupt in Ansehung der Erleuchtung „eine große Zwciflcrin bin, so konnte es nicht „anders seyn, meine Begriff- mußten vom „Lieht seyn schweigen, und vom Schleyer des „Wissens spreche». So entstand die volle „Idee, Maurerey sey nichts weiter, als ein „Geheimnis, das nickt existire, sondern nur als „Schein gebraucht würde, um sich ein Ansehen „zu^ geben. „Natürlich wünscht man hinter so etwas zu „kommen, wenn man einmahl sture Gedanken „ganz darauf hat. Ich dachte mir, daß ich „mit einer eben so geheimnisvollen Miene, „wie viele derer die ich sahe, mir vielleicht Zu- „trauen erwerben kennte, und es gelang. „Mehrere der ersten Maurer kamen auf einige „dunkle Bemerkungen, die ich vorbrachte zu --mir 222 „mir, forschten, wie ich zu den Vorstellungen „gekommen. Zch bediente mich eines kleinen „Kunstgriff sprach von besondrer Erleuchtung, „muste es so eiuzrri bken, daß ich mir nie „wiedersprach, unl er-ngte nach und nach nicht „allein den rechtmäß gen Besitz dieser Kleinode, „sondern auch das Vewustseyn, und die Ueberzeugung, daß etwas mehr au der Maure- „rcy sey, als bloßes BilderGpiel. Mehr „kann ich dir nill)t sagen, endigte sie, und „nur der Zufall ist im Stande gewesen auch „dies Geständnis mir zu entlocken. Ewald. Der Fall ist sehr merkwürdig, aber er gereicht mehr zu unsern Nutzen als daß er uns schaden sollte, wenn anders die Geschichte nach allen den Umstanden wahr ist, die sie mir angeführt. Aber sind sie nicht von ihrerFreundin hintergangen worden? Sollte sie ihnen das alles nicht um Mies gewissen weiblichen Stolzes Willen gesagt haben, der sich nicht wohl verläugnen läßt. Selbst ihrer Freundin Aussage, daß sie es billigt, daß man mehr wissender scheine als man ist, macht daß kleinen Zweifel in sie setze. ElSme. Den sie behalten müssen, wenn sie mir nicht auf mein Wort glauben wollen, daß sie die Wahrheit 22! heit selbst ist, und daß sie es für ein großes Nn» techt halten würde, ihre Freundin falsch zu belichten. Und glauben sie denn, daß diele Handlung dem Charakter meiner Freundin nachteilig sey. Ervalo. KeineSwegeS, und um so weniger, da ich eben diese Handlung als einen äußerst unschuldigen SpaS betrachte, und mich immer noch nicht überreden sän, daß es sich würklich s° verhalte. Gesezt aber, es wäre so, und ihre Freundin wäre druck Schwachheit und Uebereilung eines unserer Mitbrüder überzeugt worden, daß es mit unserm Orden mehr als mit bloßen Bilderspiel zu sagen habe, so ist dies ein schönes Zeugnis für unö, sich sie-— ein Grund mehr uns zu achten. Lloine. Seine unsers Geschlechts wird es je an Ächtung gegen sie fehlen lassen, wie sie es oft gegen uns thaten, sie müßte denn zu einer Klaffe unter uns gehören, die, wenn wir die ihrigen von dieser Art nehmen, uns nicht beleidigen könnten. Allein, mein Freund, wie, wenn nun diese Nachrichten in die Hände einer weniger aufrichtigen gefallen, als meine Freundin ist— wie wenn ein anderer ihrer Brüder sichs einfallen ließe, fti- ner Geliebten oder einer mit einer Geheimnisvollen 222 len Miene, wie meine Freundin, UNI etwas zu erfahren, seine Geheimnisse ihr zu entdecken, wie würde cö dünn um sie und ihr Geheimnis aussehen? Ewalo. Dieses beweißt nichts, Eiöine, wir würden eben diese Ausschweifung zu erwarten haben, wenn wir Frauenzimmer unter uns hallen, wenn irgend einer so schlecht handeln wollte; aber wir hüten uns sorgfältig genug, keinem, von dem wir nicht überzeugt sind, daß er keinen Misbrauch davon Macht, etwas zu entdecken, was zumweftntuchen des Ordens gehört, und daher kommt es Laß so viele Magrer in der Welt umhergehen, die mir dem Namen zufrieden seyn müssen, daß so viele davon sprechen die keinen Sinn davor haben, dass so viele davon geschrieben haben, die viel zu ent» decken glanbcen, und nichts entdeckten, daß ohn. geachtet aller der Menge von Büchern, die gr'osten. theils Unsinn enthalten, und jeden vernünftigen, wenn er das glaubte abhalten sollten, sich doch noch Leute finden, die von mehr als Spielerei) überzeugt sind, und Männer von Verstand und Ver. dienst sich unserer Gesellschaft nähern, ElSine.. Sie kommen auf die Vertheidigung ihres Ordens, und das haben sie gegen mich nicht nöthig, Sagen sie also nichts mehr davon, sondern be- tzntwok- vmworttu sie mir lieber das, ob sie nicht glauben, dasi dicNcugierde, die sieben unserm Geschlechte so tadeinS werth finden, ausihre Geheimnisse weit minder seyn würde, wenn wir den Zu» Mt dazu hätten, als jezt. Ewald. Ganz gcwls würde manche, die rissig zu wissen wünscht, was es eigentlich mit uns ist, nichts zu wissen wünschen, wenn dies wäre, aber den Nutzen den wir dadurch haben sollen, sehe ich nicht ein, weil ich jezt keinen Schaden darin erblicke. Eldine. Geduld! Welche sind es die dieser Neugierde unter uns am meisten nachtrachten. Die guten, und wenn auch würkfich ihr Stolz sie zu wünschen und wissen wellen verleitete, würden sogleich zurückgehen, so bald eine bsse Absicht sich Mit inS Spiel mengen sollte. Sie würden auch theils zu stolz seyn, sich so sehr viel Mühe um eine Sache zu ge» den, die man ihnen verbirgt. Aber eben der bösartig denkende Theil unter uns ists, der alles anwendet--- da ists nicht allein dch Absicht, ihre Geheimnisse ihnen zu entlocken, sondern sich für das zu rächen,. was str ihnen thaten, indem sie sie verachtet«!. Daraus tzeiM 224 gehen sie aus, Mitglieder von ihnen zu verfüh. ren, daß sie selbst ihre Gelübde lächerlich machen, daß sie ihren Pflichten, ihrem Schwüre und ihren Versprechungen entgegenarbeiten, entgegenhandeln, Tugend verlachen, Menschlichkeit verspotten, und statt weiches Mitgefühl gegen ihre Brüdcr zu empfinden, hart und grausam gegen sie denken. Ewald. Eldine, sie erschrecken mich, denn sie machen mir eine fürchterliche Beschreibung ihres Geschlechts. Sollte das Ernst seyn? Sollten sie in der That glauben, daß unter ihnen sich Gemüther befänden, die so dachten, so handelten, so ihreSeelenkräste anwendeten? Eldine. Wenn sie mich fragen, ob ichs glaube, so muß ich ihnen antworten, daß ichs überzeugt bin. Aber mein Herr, glauben sie denn nicht, daß eS unter ihrem Geschlechte ähnliche Gemüther giebt? Wenn sie es nicht glauben, nicht überzeugt sind, wie ich, so müssen sie einen sehr schlechten BeobachtungsGeist haben. Ich habe Männer gefunden, die bey dem Auslpruch Tugend— besonders weiblicher Tugend lachten, die gerade zu ihre Unmöglichkeit behaupteten, und Mangel an Gelegenheit es 225 es nicht zu seyn, als den einzigen Grund ihres Daseyns annehmen, wenn sie ja noch existiere, die sich gar nicht schämten, dieses einer ehrlichen Frau, oder einem ehrlichen Mädchen ins Gesteht zu sagen, nnd dies Bonmot für sehr wohl angebracht stiel, ten; die sich für unwiderstehliche Eroberer unsers ganzen Geschlechts ansahen, und Verachtung und Abweisung mit dem lächelnden Hohn erwiederten, der rechte würde schon kommen. Ich habe andere gekannt, die in der Bosheit weitere Fortschritte als im Leichtsinn gemacht hatten, die sich nicht so viel verstellen konnten, daß man ihnen nicht den Grimm ansähe wenn sie von einem ehrlichen Weibe,und einem unbescholtenen Mädgen sprechen hörten, deren ganze Freude darin bestand, Unschuld'zu verführen, und wenn ihre eignen vertrautesten Freunde Abscheu davor empfanden, und sie um die Ursache einer so lüsternen Bosheit befragten, zur Antwort gaben, daß sie es thäten, um Bigotterie, Aberglauben, und Vorurtheil auszurotten, und es dahin zu bringen, wenigstens nach ihrem Vermögen, daß die Menschen in den Stand der Natur zurückkehrten, aus dem sie gewichen. Wahrscheinlich meinten sie ein Leben und einen Stand der unvernünf. tigen Thiere, wovon sie freylich keine Rechenschaft zu geben nöthig hatten. P Noch 226 Noch mehr, Ewald, ein Mann— einer ihres Geschlechts, haßte seinen wärmsten Freund, dein er vorher tausendmahl ewige Freundschaft geschworen, dem er für hundert Gefälligkeiten verbunden war, weil er ein ehrliches Weib hatte. Und sahen sie noch nie ein Beyspiel, daß ein Mann sein Weib verkaufte zur Wollust?— Nein, Ewald, lassen sie uns immer mit den Schwachheiten und mit den Lastern unsrer Geschlechter gegen einander aufheben. Und lassen sie denn das schrecklich seyn, was ich ihnen sage; Lassen sie die weibliche Schilderung ihr Herz empören, und bedenken sie dabey, daß siecher Grund davon sind, wenn in diesen Fällen das Weib sich so vergißt,daß ihre Ausschließung,so ihre Zurückhaltung die wirkenden Ursachen sind, und daß sie also Laster erregen, wo sie dämpfen sollen. Ewald. Aber mn des Himmels willen, Eldme, ist Las nicht der nehmliche Fall, wenn sie unter uns sind. Die Guten nehmen wir gewis nur auf, weuiastens erfahren nur die Guten etwas von unsern Geheimnissen, wenn auch unter dem Mantel der Scheinheiligkeit oder um der eiugcrißnen Gewohnheit willen, sich Böse emschiichen. Und diese würden denn doch das nehmliche ausführen, was 227 was sie ebne die Aufnahme unter uns ausführen würden, aufgenommene und nicht aufgenommene nichts von den dosen Grundsätzen ablegen, die sie einmahl in sich hätten. Eldine. Falsch geschlossen, mein Freund, die aufge, nommencu wurden mit dem Scheine zufrieden seyn, wie es so viele unter ihnen sind, und die nicht aufgenommenen würden sich nicht sagen kön- neu: ihr habt recht so zu handeln, sie würden nicht Verachtung, nicht Unrecht wähnen, und darnach schließen können, sondern sie würden sich gestehen müssen, ihre Aufführung schlöffe sie aus. Ferner hätten sie die Verantwortung nicht, gesiezt auch aufgenommene oder nicht aufgenommene handelten schlecht. So wenig sie ihren Bruder», die so denken und handeln, Gelegenheit geben, ihre Pflichten zu verletzen, so wenig würden sie auch hier in Anspruch genommen werden. Sie waren frey von aller Schuld, anstatt daß sie sie jezt ganz allein tragen. Ewalv. Ich halte es für zu weitläustig zu untersuchen, in wie weit jemand an einem Uebel theil baben kan, wobey sein Herz und sein Wille nicht im Spiel ist, wobey sich die Gründe vor und wider P 2' gewis rr8 gewis aufwiegen, wenn sie nicht noch von Seiten unsrer, das Uebergewicht erhalten. Eldine. Sie kommen damit nicht fort, Ewald, zur Rache reizen, ist so gut als sich selbst rächen. Und denn ihren eignen Zwek betrachtet, der ausS allgemeine gehen soll, und die ganze Halste des all gemeinen ausschließet. Es ist offenbarer Schade für sie, sobald der gute Theil der Hälfte, die sie aus« schließen, nicht mitwirken kan, und der schlechte um der Ausschließung willen gegen sie wirket. Es gab einige unter ihnen, und wenn ich mich nicht irre, habe ick den Saz sogar gedrukt gelesen, ich kan mich aber nicht mehr erinnern wo, die da als einen Grund unsrer Ausschließung angeben, sie hätten mehr zu thun, als Weiber zu lehren. Und was haben sie denn zu thun? Verwirrung in derWclt anzurichten, häufige Hezereyen unter beyden Geschlechtern hervorzubringen. Wenigstens ists Folge, wennS auch nicht Zwek ist. Ober blos Männer zu lehren— damit diese wieder Männer lehren. O mein Herr, ich will nicht gern in Bitterkeiten verfallen, sonst würde ich hier, glauben sie mir es, mancherley sagen. Zch würde gewis davon sprechen, daß der offen bare Nutzen ihres Ordens eben noch nicht so be tank L29 kantist, und man nicht viel davon hört, und der geheime Nutzen, eben weil er nicht an das Tageslicht kömmt, nicht so groS seyn kau. ES ist etwas schönes um ein nützliches Geheimnis, aber gewis, die Würkung des nützlichen Geheim, nisses muß vor Augen liegen, wenn manö davor erkennen soll, sonst ist es Hirngespinst. Doch hören sie mich weiter. Das was meine Freundin mir erzählt hatte, und ich ihnen eben vorhin wieder vorgebracht, war für mich wichtiger gewesen, als ich glaubte. Immer lag mirs in meinen Gedanken, daß ich wohl mehr von einer Sache wissen möchte, wozu sie mir den ersten Aufschluß gegeben. Bisher hatte ichs als eine Sache angesehen, die mich nicht intercssirte, mich nichts angicnge, die auch vielleicht nicht wichtig genug wäre, weil sie mir nicht genug bekannt war, mir nicht Aufsehen genug machte. Jezt stieg der Gedanke auf, warum ist euer Geschlecht davon ausgeschlossen? Wäre er in mir aufgestiegen, ehe ich mit meiner Freundin davon gesprochen, so würde ich gewis den Schluß gezogen haben, es ist eine bloße Vereinigung, die den Stolz der Männer gegen unser Geschlecht schützen soll. Es ist nichts als eine Absonderung, wodurch man uns den Vorzug zeigen will, den man vor uns zu haben glaubt. Weiter nichts. Aber da er crst jczt in mir aufstieg, jezt P; erst 34 2Z« erst nachdem meine Freundin nur gesagt, es sey mehr als Bilderspiel,— seitdem glaubte ich mich heruntergesezt, und auch ich fieng an zu forschen. Auch ich fieng an zu lesen. Ich habe die nehmliche Erfahrung wie sie gemacht, daß das Lesen Mich verwirrte, anstatt mir Aufklärung zu geben, und ich gierig dochgewis noch behutsamer zu Werke, als sie gegangen war, da ich diese Warnung vor mir hatte. Ich würde auch ohngeachtct der Versicherung meiner Freundin, ohngeachrer des Widerwillens» den ich selbst wider diese Zweifel hegte, dennoch die Zweifel die in mir waren, und ich nicht mir weg zu philosophiren vermochte, behalten, und für wahr angenommen haben, wenn ich einige gute Menschen unter ihnen nicht Hätte kennen lernen, die mir einen andern und bessern Begriff beybrachten. Sie gehören mit darunter Ewald, und ihre und einiger andern Freunde, die in dem Orden sind, rechtschaffene Denknngsart, und die Gewisheit ihrer Versicherungen machten mir es wahrscheinlich, daß ihr Endzwek nicht der sey, den!, ich gewähnt hatte. Prüfungen ihres Ver. traums bestätigten es mir, daß nicht Stolz und Herschsilcht über uns der Grund ihrer Verbindung sey, sondern daß entweder ein guter-Zwek oder aber eine bloße freundschaftliche Verbindung, die immer auch'ein guter Zwek ist, die Existenz des Ordens erhielte. fand einen besondern Trieb in mir, mehr zu wissen, und gewis, mein Freund, ich kcm nicht davor hasten, ob nicht einer oder der andere, auf mein zudringliches Bitten, und wenn ich die Kunstgriffe meiner Freundin hatte gebrauchen wollen, mir mehreres als er sollte entdekt haben würde. Allein ich wollte doch nicht. Auch wäre eine Entdeckung der Art für mich nickt befriedigend gewesen, weil ich mehr Geheimnisse stichle, sondern wissen wollte, warum ich an den Geheim, nisten keinen Antheil nehmen dürste. Sie sehen nun den Grund alle'- meiner Fragen, womit ich sie so oft quälte, aller meiner Bitten, aller meiner Unterhaltungen mit ihnen ein; Sie werde» mich nun nicht für leichtsinnig, nicht für neugierig halten, sie werden nickt mehr glauben, daß heimlich Wunsch hinter ihr Geheimnis zu kommen in mir liege— sie werden mir nicht mehr verdenken, daß ich wünsche, was ich wünsche. Und nun, mein Freund, ohne alle weitere Konsequenz auf irgend einen Wunsch, den sie mir zur Last legen könnten, sagen sie mir, ob bey meinem Eiser, bey meinem Wunsch ihren guten Endzwek einzusehen, bey meinem guten Willen für Menschlichkeit und Ausbreitung desselben, bey meinen wirklich sehr eingeschränkten Pralcu- sionen, bev allen diesen sagen sie mir, ob sie nicht ein gutes Mitglied an mir verlohren haben, ob P 4 es cs nicht für ihren Zwek schädlich ist, daß ich diese Ausbreitung nicht mit dem Eifer befördern kan, mir dem ich sie befördern möchte. Ich wicder- Hohle, daß alles das ohne Konsequenz, ohne Wunsch, ohne etwas zu verlangen gesagt ist, und sie wer« den mich also nicht misverstehcn. Ewald. Sie werden gewiS von mir nicht mißverstanden, und sie wurden von keinem unsrer edlen Mit- brüder misverstanden werden. Ohne ihnen eine Schmeichelei) zusagen, Theuerste, erkläre ich ihnen, daß sie eins unsrer würdigsten Mitglieder seyn würden, daß man sie unter uns wünschen würde, wenn man sie von der Seite kennete, wie ich sie kenne, dass wir durch sie viel verliehren und ihres gleichen mehrere uns und unsern Orden willkommen wären, wenn unsre Gesetze uns ihre Aufnahme erlaubten. Allein ich muß ihnen auch hier wieder sagen, daß ein Beyspiel nichts beweiset, und daß noch immer daraus sich nicht crgiebk, daß die Zulassung ihres Geschlechts für uns nützlicher seyn würde, als uns ihr? Absinderung bisher gewesen, und dieses zwar aus dem Grunde, weil das Gutmachen der einen vielleicht das B'osemachen von hunder- te/, zum Begleiter hatte. ElSine. 2ZZ Elvme. Ihr Schluß ist falsch, mein Freund; der Schade ist offenbar der ihnen jezt durch unser Geschlecht geschiehet. Starker als er ist kan er nicht werden, wenn sie unser Geschlecht in dem Maaße behandeln wollen, wie das ihrige. Der Nutzen durch einige Mitglieder ist also offenbar, wenn diese gut sür sie wirken. Glauben sie, mein Freund, es ist das lezte« mahl, daß ich mit ihnen von der Sache spreche, denn es ist ausgemacht, daß sie nicht darüber anderer Meynung seyn werden, also will ich auch gern ausführlich sprechen, damit ihnen auf der einen Seite das Andenken an unser Gespräch, auf der andern, das Nachdenken bleibt, daß sie ein. mahl hinreichende Gründe wider unsre Entfernung von sich gehört. Ich wünsche wenigstens, daß sie so aufrichtig seyn mögen, ihren Drüdern, wenn die Rede davon ist, zu gestehe», sie sahen einst ein Weib, die es verdient hätte, daß sie mir ihr von der innern Einrichtung ihres Ordens ge« sprachen, wenn es nicht wider ihre Pflichten ge- Wesen wäre. Ewald. Das werde ick gewis, meine Freundines ist der Billigkeit gemäß, es wäre unverantwortlich, ihnen dies Bekenntnis zu versagen. Ich will ihnen nicht sagen, es ruhet Mänuersinn auf ih P; neu, LZ4 neu, sie möchten es für Geringschätzung ansehen, und die ists gewiS nicht. Aber denken kan ichs, und werde es. Eldr'ne. Und den Stolz kann ich ihnen vergeben, denn wir haben auch den»nsrigen. Halten sie meine Denkunasart, wofür sie wollen, nur für gut, und ich bin schon mit ihnen zufrieden. Aber heute werden sie noch von mir manches hören, was ihnen nicht ganz angenehm seyn wird. Zch habe, seitdem ich mich um diese unsre Streitsache bekümmert, mich freylich auch nach Beweisen umgesehen, und habe der Geschichten so viel ich konnte zusammengebracht, die vorn Nachtheile handelten, den unser Geschlecht dem ihrigen ge» macht. Ich habe schreckliche Dinge gehört, Freund' Dinge die unserm Geschlecht freylich keine Ehre machten, die aber, wenn ich die Waage ziehe, nie schwerer sind als Handlungen ihres Geschlechts. Ich habe das was mir ganz unwahrscheinlich darin vorkam, so ziemlich widerleget, und ich erwähne dessen nicht. Aber ich habe manche Dinge gehört, die mir ziemlich überzeugend waren. Hören sie eins Geschichte, die sie auffallend finden werden, die in einer der grösten Städte Deutschlands, wo die Maurerey in einem ausgezeichneten Rufe steht, vor- 2z; vorgefallen ist, und die außer der Wahl scheinlich- keir, die i6, hernach dafür anführen werde, auch nochvon drey Personen mir zugesichert worden. „Eine Frau, Ehefrau eines Mannes, der „selbst Maurer war, die von ihm(denn vhnge- „achtet ich sonst nicht den besten Karakter von „ihm rühmen kau, so war er doch hierin ge- „wis fest,) sicherlich nichts als negative Ant- „Worten auf ihr Forschen und Frage» erhalten, „besizr, was man für ein Frauenzimmer in „dieser Art Geheimnisse, einen Schah nennen „kan. Sie halte nicht allein eine genaue „Kenntnis der Logen und Bruder in vielen „Städten,wo sie gewesen war, sondern sie rühm. „te sich auch alles zu wissen, was diesen Logen „nnd Brudern bekanntwäre Eben dieFreun- „din, von welcher ich ihnen oben gesagt, hat „sehr oft mit ihr gesprochen, und sagt mir, sie „hätte vieles von ihr gehört, worüber sie erbarmt wäre. Mein sie hätte sich nicht, so „wie sie gern gcwolt, mit ihr länger unterhat, „ten, denn sie bekam in der Länge der Zeit ci- „nen ausgebreiteten schlechten Ruf, und der „Umgang mit ihr machte einen verdächtig. „In keinen Händen hätte wohl ihr Geheimnis schlimmer können aufgehoben seyn, und „ist also, wenn sie etwas gewußt hat, schlim- „mer aufgehoben gewesen, als in den ihrigen „denn. 2^6 „deun sie war eine Person, die fast allen mög. „liehen Lasiern ergeben gewesen und es uock „war. Wollüstig im höchsten Grade, hatte „sie gewis der Aufopferung ihrer Tugend vie- „les von dem was sie wußte zu danken. SiS „war in dieser Leidenschaft unersättlich, und „man las sie ihr so sehr auf der Stirne, daß „ich einige rechtschaffene Männer gekaut habe, „die mir versichert, sie hatten beym ersten An- „blik einen Abscheu gegen sie gefühlt, den sie „irachher nicht würden haben überwinden kön- „nen, und wenn sie auch die Person nicht ge. „wesen wäre, die sie doch war. Eine andere „Leidenschaft von ihr war übertriebener Geiz, „und auch hier zeigte sie sich fast ganz einzig. „Ihr Mann litt dabey sehr, und er, der sonst „nicht viel zu vortragen im Stande war, sondern „eins der cholerischen Temperamente hatte, die „gleich aufbrausen, trug hier wie Hiob, nicht „aus Liebe, denn er liebte sie nicht, nichtans „Zwang, denn er konnte ihr zu Zeiten hart „begegnen, sondebn aus einem Stolze der ihm „zu verzeihen war, und der es nicht wissen „lassen wollte, daß er einen Teufel zum Weibe „hatte, da ek sie gern der Welt als einen „Engel darstellen mochte. „Was aber den Karaktcr dieser Frau ganz „Untüchtig zu dem machte, was sie gern seyn „und wissen wollte, war dieses, daß sie bey ih- 2Z7 „rer List und boshaften Verschlagenheit nicht „in mindesten klug war, dummdreist jedem „Dinge sich unterzog, jeder Freundin treuere, „und der Vertrauten so viel hatte, daß ihre „Herzensgehelmniffe bald bekannt wurden. „Mit dem Besitz ihrer Geheimnisse, oder we. „nigstens dessen was sie wüste, war sie zwar, „wahrscheinlich um der Drohungen willen mir „welchen man die Entdeckungen begleitet, et- „was zurückhaltender, allein doch mit dem „Bekenntnisse, daß-sie etwas wisse, auch „ziemlich offenherzig und ruhmredig. „So wußten zwey Freundinnen von ihr, „eine eine Kupplerin, die and«e ihre eigne „Magd, laut aus ihrem Munde nachzuerzah. „len, von wem sie diese Kenntnisse habe, und „wer ihr zu dieser und jener Entdeckung „behülfiich gewesen. Die Hauptperson, von „der sie so viel erfahren zu haben vorgab, war „ein gewisser bekannter Sckwärmer unsrer Zei. „ten, dessen Geisterbeschwörungen lange Aufsehen und Verwirrung anrichteten, und der „endlich ein tragisches Ende durch sich selbst „nahm. Mit diesem hatte sie in, genauen Umfange gestanden, und so wie nichts auf sie „Eindruck machen konnte, als Geld und Wol- „lust, so harke auch sein Schicksal in ihrem „Lebenswandelkeine Aenderung hervorgebracht. „Sir 2I8 »Sie wohnte zu der Zeit, da meine Freun» „din sie kennen lernte, in einer Stadt, die vier „Meilen von einer großen Stadt Deutschlands „entlegen war, und ihren Mann riefen zuweilen Geschäfte in diese, die ihn einige Tage da. „selbst aufhielten. Diese Tage wählte sie, um „ihre Liebhaberin jener Stadt heimlich eben- „falls zu besuchen. Nun waren in dieser Stadc „verschiedene Logen, und eine derselben ward „von ihrem Manne, die übrigen aber nicht, „oder doch sehr selten besucht. „In einer von diesen letzter« war der erste „oder einer der ersten, ich will darunter die „Wahl haben, ein Man» der mit ihr in ei. „ nem unerlaubten Umgänge lebte. Sie mach« „te durch langes Bitten, und durch Kunst- „griffe, die Weibern, um ihren Willen zu er« „langen, nicht fehlen, es dahin gebracht ha« „ben, daß er ihr versprochen, sie in eine Loge „einzuführen. Sie harre ein ziemliches männliches Ansehen, und sie wüste sorgfältig alles „zu verbergen, was sie etwa noch verrathen „konnte, so daß sie nickt leicht unangenehm« „Folgen zu befürchten haben konnte, die ihr „denn doch immer nicht so unangenehm gcwe- „sen seyn würden, als ihrem Liebhaber. Und „das Glück, das so oft seinen Seegen Wer- „ken der Finsternis mittheilt, die es lieverans »Licht bringen sollte, war auch hier einem 259 ^Vornehmen günstig, was wider die Pflichten „eines Mannes war, und ein Weib unwürdig „gemacht hätte, sich zu den Edeln unsers Ge- „schlechtö zu zählen, wenn sie eS nicht schon ge-. „Wesen wäre. „Doch» gestehe ich ihnen, Ewald, diese Sa« „che wäre vielleicht von einer Seite nemlich „von der des Weibes zu entschuldigen gewesen, „weil ihre Neugierde, Wisbegier h^tte „seyn können, und wäre sie edleS Weib ge- „Wesen, und häste beweisen können, daß sie „keinen schlechten Endzwek mit der Sache ver- „ bunden, so wäre ich die etste gewesen, die „ihr vergeben hätte. „Allein der Endzwek konnte hier nicht gut „seyn. Wahrscheinlich hat man sich herzlich „satt über den SpaS gelacht; denn sie sezte zu „ihrer Erzählung hinzu, sie hätten, nachdem „die übrigen weggegangen wären, die ganze „Nacht in den Zimmern zugebracht. Wie?— „Das können sie sich vorstellen, und welche „schlechteBegriffe ihrOrdensbruder von seinem „Eid, und semcnPsiichten gehabt, Las können „sie sich ebenfalls vorstellen." Ewald. Es ist wahr, ihre Erzählung hat mich empfind, sich geruhn. Sie zeugt von einer ganz eignen schlech. 2 Hü schiechten Denkungsart dieses Mannes, wenn sie so, wie sie mir sie da beschrctbcn, wahr ist. Eldine. Wie ick ihnen sage, Ewald, ich habe sie nicht von ihr erzählen hören, auch hörte sie meine Freundin nicht von ihr selbst, sondern von diesen zwey Zeugen, die ich deswegen nicht verwerfen kan, weil sie nicht nöthig gehabt hätten, dieses zu erdenken, da sie ungleich schändlichere Dinge erzehl- en, und wüsten, als diese. ^ Und sehen sie nun einmahl, Ewald, ob dieser Fall nicht Aufmerksamkeit verdient, ob sichs nicht denken acht, daß dergleichen nicht geschehen würbe, wenn wir den Zutritt zu ihnen hätten; ob wohl ein Weib sich unterfangen würde, einen solchen Weg ihrer Neugkerde zu gehen, wenn sie ihn durch einen andern befriedigen könnte; und ob bey dem unedel denkenden nicht der Gedanke, du konntest das seyn, wenn du tugendhaft wärest, den Gedanken, durch lasterhafte Wege es zu erlangen, ganz erste m, und Schamröthe bey ihm aufsteigen müsse. Ewald. Ich will die Möglichkeit dessen nicht leugnen, aber Wahrscheinlichkeit ist nicht da. Wir haben Gegenstände, die sich durch gute und durch schlimme Wege erlangen lassen, und es giebt der nn- edeln 241 ebeln Menschen genug, die diese Wege in der Wahl haben, und den schlechter« gehen, indessen gebe ich ihnen zu, daß der Reiz weniger seyn würde. Eldine. Und dann nehmen sie nun an, daß eine solche Perlon auftreten, von einem ihrer Bruder eine überzeugende schlechte Schilderung machen kan, und sagen sie, ob nickt eine jede andere das Recht durch ihr geheimnisvolles Betragen, gleichsam erhalt, zu glauben, daß sie alle dem gleich sind, dex so.handelte. Ewald. Bald konnte ich warm werden, und ihnen sagen, Eldine, daß ein solcher nicht zu uns gehört, daß er ein Abschaum ist, der nur unter dem Sckleyer unter uns fortgehen kan, unter dem er seine Bosheiten verbirgt— und wenn er sich ja unterfangen würde, die Decke zu heben, so würde er von uns getrennt seyn, und wir ihnvonunS »ntferuen. Eldine. Sachte, sachte, mein Freund. Ihre Hitze verleitet sie, mehr zu sagen, als sie beweise» können. Ich kenne ihre Einrichtungen nicht, und weis nicht wie viel dazu nöthig ist, um einen ihrer Bruder von ihnen zu trennen. Aber von Q, diesem 24L diesem Manne sagt die ganze Stadt, daß er erV Wollüstling ist— alle wissen es, daß er ausschweift, und edeldenkende Frauenzimmer fliehen ihn und seinen Umgang. Und von dem allen sollten ihre Brüder und die seinigen nichts wissen? Also entweder müssen sie ihn schonen, oder sie wollen ihn schonen. Wollen können sie es nur in dem Fall, wenn sie sich gleicher Verzeihungen bewußt sind. Ewald. Vielleicht erfordert es die Lage in der sie sind, vielleicht sein Stand, vielleicht das Aufsehen, was dadurch entsteh«;, und noch schädlicher werden könnte, als das Beyspiel. Eldine. Das müssen sie mir nicht sagen, Ewald, denn was sie da sagen, das darf alles nicht stattfinden, so bald ihr Orden das ist, wovor er sichausgiebt. Kein Stand. kein Ansehen, keine Lage müßte sie abschrecken, nach dem strengsten Urtheile mit dem zu verfahren, der sich des Namens eines Maurers unwürdig macht. Allein hierüber bin ich nicht berechtigt etwas zu sagen, auch führt es mich von meinem Zweke ab. Ich kann es ihnen nicht verdenken, da ich sie als einen edlen Man» kenne, daß es sie warm macht, einen Bruder dieser Gattung unter sich zu wissen. Ich 24Z Ich will nur hier zu beweisen suchen, daß es ihrem Orden nachtheilig ist, uns nicht in ihrer Mitte z>p dulden, baß sie viele Gefahren vermeiden würden, wenn sie es thäten, daß ihr Ruf weniger leiden würde, als er leidet. Ich gab ihnen hier ein Beyspiel, aus dem sie immer aufs ganze schließen können, wenigstens eine Folgerung ziehen können, in wie vielen Fal. lcn ihr Name bey unserm Geschlechte, mlt Wider» willen genannt werden muß, ehe er dagegen ein« mahl gut genannt wird. Ich habe ihnen glaube ich so ziemlich bewiesen, daß unsere Neugierde das nicht seynwürde, was sie von ihr halten, und wovor sie sich fürchte», wenn wir Gelegenheit hätten, ihre Geheimnisse kennen zu lernen, so wie jede unter uns aufhören Mäste, schlecht von ihnen zu sprechen, so bald sie ihr entgegensetzen könnten, daß sie ein Mitglied ihres"eignen Geschlechts unter sich hätten, welches von der Güte des Ordens überzeugt wäre. Aber ich muß ihnen auch zeigen, wie ich glaube, daß von Seiten der Würkung sie sich schaden, und also im Gegensatz gewinnen würden. Wenn ich nicht irre, so habe ich schon in einigen unsrer Nn, terredungen des Satzes Erwähnung gethan, daß wenn icb in einem Staate eine gute Sache allgemein ausbreiten will, und ich schließe die Hälfte der Bürger dieses Staats davon aus, ich unincg- Q. 2 lich 244 lich meines Zweks gewiß seyn kann,«nd ich glaube, der Gedanke verdient etwas naher beleuchtet zu werden. In ihrem Falle noch besonders. Ihr Awek geht, so viel ich davon weis, und mir aus den übrigen Verbindungen ihres Ordens schließen kan, darauf hinaus, Glückseligkeit unter den Menschen zu befördern— unter den Menschen hoffe ich, nicht unter den Maurern, denn in dem Falle, wäre meine Philosophie zu Ende, und sie wären der fehlende Theil gänzlich. Zu der Entscheidung der Gewisheit ihres Stolzes gehörte alsdenn nicht viel, und sie würden mit all ihrem Anschein von gutes thun, und gutes wirken, dennoch nicht vie. le überzeugen, daß dem so wäre. Also sie wollen allgemein einem Geschlechte wie dem andern dienen— haben nicht wie jener Schriftsteller sagt, mehr zu thun, als Weiber zu unterrichten. Wenn ich mir den Ausspruch denke, so kömmt er mir so uttc^el vor, daß wenn ich glauben könnte, es hatte ihn einer unter ihnen ausgesprochen, der für einen rechtschaffenen Mann gehalten wird, ich lieber meine ganze.Prndilektion für ihren Orden fahren lassen, und sagen wollte, ich habe mich geirret, als baß ich weiter denken sollte, es wäre ein gutes wirkendes Institut. Ewald. 24; Ewüld. Sie müssen die Person nicht gleich mit der Sache vermischen, können ihr Feind. und doch jedes Freund seyn. Es fahrt einem wohl einmal, wenn man in der Hitze der Verfechtung seiner Sache ist, ein Ausdruk heraus, den man mcht so ganz überdacht hat. Wer weis auch was für Partikularitäten ihn wider ihr Geschlecht ausgehest haben, und wie man ihm mit Zudringlichkeiten, oder Spörtereyen, oder Unglauben so erbittert hat. Eldine. Gut, gut, ich will ihre Entschuldigung gelten lassen, will so gar bekennen, daß ich selbst mich übereilt habe. Allein ich dachte doch einen Fehler den man öffentlich gemacht, müffe man auch öffentlich wieder gut machen. Das ist zwar bitter, aber es wäre gerecht. Dies ctlso bey Seite gesezt, und angenommen, daß sie uns mit belehrn. unsre Glückseligkeit mit befördern wollen, so haben sie ja augenscheinlich unrecht, daß sie die Last der Ausbreitung dessen, was ihr Orden gu« tes enthalt, nicht auf nns mit legen, weil sie alsdenn gcwis unter unsrer Hälfte besser befördert werden würde. Sie kennen die Verhältnisse, in welchen uns? Geschlecht mit dein ihrigen steht, und wie oft wi^ uns zurückhaltend bezeigen müssen, um vor de Q z Welt 2^6 Welt nicht in einem andern Lichte zu erscheinen, als in dem wir stehen wollen. Es ka» also unmöglich ihr Unterricht, ihre Beförderung unsrer Glückseligkeit so gut von statten gehen, als es geschehen würde, wenn wir unter einander selbst dieses beförderten. Das stärkere Zutrauen, die größere Offenherzigkeit, die wir gegen einander haben, der unbescholtene Umgang unter uns würden uns bald zu der nehmlichen Stufe bringen, auf welcher sie stehen, und wir würden, wie wir jezt Muster tugendhafter und unbescholtner Weiber unter uns ausweisen, bald Muster edler und gro- scr Maurcrinnett haben, die ihren Säulen im geringsten nichts nachgäben. Diese haben wir jezt nicht, unser Geschlecht ist in dem Falle den sie Finsternis nennen, und sie ins Licht zu bringen, ist das nicht ihre Pflicht? Sie erfüllen sie entweder gar nicht, oder schwach, und würden sie ganz und gut erfüllen wenn sie nur einigen den ganzen Unterricht geben, und cL diesen dann überlassen wollten, für die weitere Ausbreitung desselben Sorge zu tragen. Handeln sie nun nicht schädlich gegen sich, nicht ungerecht gegen ihre Pflichten>— gegen den Zwek ihres Ordens, und bin ich denn nun so sehr zu tadeln, wenn ich eine Sache verfechte, die der Augenschein darleget, und nach welcher ich zu streben und sie zu befördern, ebenso gut verpflichtet bin 247 bin, wenn ick) Edelmuts) fühle, als sie zu der ihrigen. Wenn es wahr ist, was sie und ihre Bruder behaupten, daß der Maurer auch unter jedem Weltstriche, auch ohne Schürze und Band gesunden werde, daß der es ist, welcher rechtschaffen und edel denkt. Menschenliebe au«, übt,' und Menschenpfiicht kennt, dann haben gewis viele unter unserm Geschlechte einen Anspruch darauf»ö zu seyn. Und diese haben gewis das Recht an allen ihren Geheimnissen Antheil zu nehmen, so wie sie sie keinem verweigern würden, dcr-in diesem Kara. ter in irgend einem Welttheile lebt, und so wie sie es dem, er sey ein Wilder, oder ein gesitteter, durch ihre Geheimnisse, und ihrem Orden zur Pflicht machen würden, für die Ausbreitungseim S guten Katasters, für die Vermehrung seiner Ei. genschasten außer seinen Mitbrüdern Sorge zu kragen, so würde es auch denen unter uns dadurch Pflicht werden, folglich unser Geichlecht gewinnen, und sie im ganzen sowohl als im einzelnen die Sache betrachtet mehr Nutzen stiften, und mehr Ruhm haben. Also immer bewiesener, daß sie sich durch Ausschließung unsers Geschlechts schaden. Der Beyspiele, wie ich ihnen kurz vorher eines erzchlte, der Beyspiele vom Nachtheil unsers Ge. schlecht in der Unwissenheit, worin sie in Ansehung ' 248 des Ordens sind, könnte ich ihnen noch mehrere bringen. Nicht allein schändliche, nicht allein Gewißheit, daß unedle Aufopferung des mistigen Mitglieder ihres Geschlechts verleitete, das was sie wüsten hinzugeben, und sie verleitet haben wurde, mehr zu geben, wenn sie mehr gewußt harten. Auch könnte ich ihnen unter eben dielen Unedlen Beyspiele darbringen, daß sie zufrieden waren es zu wissen, wornach sie so sehr strebten, daß bloße Neugierde der Zwek ihres Bestrebens war, daß sie folglich nichts dafür gesuhlt hatten, wenn ihnen der Zutritt erlaubt gewesen wäre. Die minder boshaften unter diesen Geschöpfen, denn sie verdienen es, daß man ihnen den Namen der Menschheit entzieht, machten keinen Gebrauch hiervon, sondern waren nun mit dem Triumph troz aller Hindernisse durchgedrungen zu senn, zu, frieden. Die mehr boshaften aber weideten sich an all der Unruhe, die sie stiften konnten, zogen, Nachdem ihre Lage mit ihren Liebhabern war, sie selbst wohl damit auf, oder nahmen andre Maurer zum Gegenstände ihres Spottes, oder suchten denen die nicht dazu gehörten, fade Begriffe, schlechte Begriffe vom Orden, seinem Zwek, und Mitgliedern beyzubringen. Lauter Nebel die nicht wären, wenn die Ausschließung mehr start fände. Ewald. 249 -H— Ewald. Nicht so ganz meine Beste. Glauben Sie nur, es giebt unter unserm Geschlechte, deren keinem der Zugang versagt, wenn er seine Aufführung darnach einrichtet, so viele, die im näm. liehen Falle sind. Ich gebe ihnen zu daß die Neugierde durchs nicht dürfen verstärkt wird, aber die Wirkungen von der die durch Dewustseyn, man verdiene es nickt, entsteht, sind die nehmlichen, wie bey jener. Die nehmlichen Mittel werden eingeschlagen, der nehmliche Zwek erlangt. ElSine. Aber doch gewis nicht im Falle der guten Den- kungSart. Zhr Fall ist nur bey bösen möglich, bey solchen, die sie schon abgewielen, bey solchen, die es nicht verdienen ihre Geheimnisse zu besitzen, und was auch dadurch verlohren gehen mag,so ist dem Schaden nicht abzuhelfen, und es wird nichts gutes verschlimmert. Aber das gute Weib, daß dergleichen unter- nimt, und vielleiwt durch den erwekten Geist der Racbe über Parcheylichkeit, zum Besen verleitet wird, das Weib ists, was sie aufihrcm Gewissen haben, und für dieser ihre Verschlimmerung müssen sie stehen. Aber ich erwähnte oben, daß ich ihnen nicht allein schändliche Beyspiele anführen wollte. Q; Zch 250 Ich weis eine«!, Freund, welches ihnen merkwürdig seyn wird, wenn sie die Achtung für unser Geschlecht würklich haben, die sie vorgeben. Mir erzählte dieses ein Freund, gut und bieder, wie sie, der sich einige Zeit in den nördlichen Gegenden ausgehalten. Ich habe mit ihm, sowie mit ihnen, oft über diese Sache gesprochen, ich habe ilnn scharf zugesezk, und er hat mir offenherzig mitgetheilt, was er wüste. Er war fast ihrer Meynung, nur etwas hartnäckiger darin, daß er unsere Ausschließung billigte, daß er mehr Schwache von unsrer Seite als von der ihrigen annahm, daß er Neugierde, als einen Geschlechts- Fehler bey uns betrachtete. „Ich kannte, sagte dieser Mann zu mir, in „einer nordischen Stadt ein Weib, für welsches ich zeitlebens Hochachtung behalten, „ja die ich lieben werde, so lange diese Leiden- „schaft in meinem Herze» Plaz findet. Den „ersten Eindruck machte ibte Gestalt aus mich. „Majestätischer können sie sich keine denken. „Ihr feuriges Auge durchsähe den ganzen Menschen der vor ihr stand, und theilte ihrem „Geiste gleich mit, was er von ihm zn er- „warten habe. Ihre öftre Seele war auf „ihrer schön gewölbten Stirne, und der Mund „drükle zu lebhaft Wohlwollen ans, als daß „nicht jeder von ihr hätte sollen sehr gut und --sehr 2; I „sehr vortheilhaft urtheilen, der sie zum ersten „mahle gesehen. „Auch betrog man sich keineswege« wenn „man ihr naher kam, man fand die Seele „vollkvmmncr als man sie sich gedacht, denn „sie war ganz gut, ganz Ebenbild des ersten „Ideals der Vorsehung, ganz Muster für ihr „Geschlecht. Jede ihrer Handlungen hatte „Rechtschaffenheit zum Schilde, ihre Unter« „Haltung war belehrend und angenehm, ihr „Scherz sein und witzig, ihr Verstand bewundernswürdig, ihr Urtheil nie übereilt, ihre „Menschenliebe allgemein und ausübend. „Sie hatte einen Mann, der große GeU „stesvorzüge hatte, aber sie nicht so anwandte, „wie er gesollt hätte. Erwar Weltmann wie „man ihn nur findet, er konnte jedes Ding „brauchen, drehen, wenden wozu er wollte, „und darin nnterstüzte ihn die große Kunstsich „einen Anstrich von Rechtschaffenheit zu geben „sehr. Um nun alles nutzen zu können, und „nicht genöthigt zu seyn, von irgend einer „Seite eine Bloße zu geben, nahm er die „Oberfläche von allem, was ihm in den Weg „kam, und Grund und Wirklichkeit lies er „liegen. Wozu halfen ihm auch diese, da er „nie gründlich handeln und gründlichen Nutzen „stiften wollte, da er nicht gerne sahe, daß 2)2 „irgend jemand mehr wüste als er, und also „Oberfläche sehr nothwendig der Nuhepunkt „bleiben muste. „Wer ihn also nicht ganz genau kannte, „und wie viele laßt man so tief in sein Herz „sehen, der hielt ihn für einen sehr guten „Mann, und wer ihn zum erstenmahle kennen „lernte, der glaubte des Mannes Bestreben „gienge auf nichts hinaus, als Glückseligkeit „auf allen Seiten um sich her zu verbreiten. „Auch war es kein Wunder, daß er durch seine „Weltkluaheit es dahin brachte, daß er bey „allen Großen beliebt war, bcydenen ohnedem „Schmeicheleyen gern Eingang finden, und „eben so wenig war es zu bewundern, daß „seine Frau, die ihn sehr liebte, die alles was „er that, aus natürlicher pflichtmäßiger Prä- „dilektion aus der besten Seite auslegte, von „ihm eingenommen, seine nicht zu vergebende „Fehler für Schwachheiten ausgab, emsig „zwar siezn verbessern suchte, dennoch immer „glaubte, er habe mehr Vorzüge, als Feh- „ler— ein Irrthum, den man ihr nicht an- „dersalsgut auslegen konnte. „Dieser Mannwarnun auch in einer derbe- „sten Logen Nordens, einer Loge, deren Na- „me unter den Manrern mit Ehrfurcht genannt „wird, r z z „wird, und die viele Vorzüge vor andern „dieses Orts hat. „Wer hätte den Mann nicht aufnehmen „wollen, der der Verstellung so sehr Meister „war, daß er eine Zeitlang für den rechkschaf. „fenstcn Menschen gehalten wurde. Er „wurde nicht allein ausgenommen, sondern es „kam sehr bald dahin, daß man ihm Aemter „anvertrauete. „Aber ich weis nicht, und habe nicht erfahren können, durch welchen Zufall es gekommen war, daß er sich getrennt Hatte, „oder daß man ihn von sich getrennt hak. „Er sprach nicht gern von der Sache, und noch „weniger die Mitglieder der Loge. Seine „Rache oder die Würkung seiner Empsindlich- „keic war, daß er bey jeder Gelegenheit zwar „nicht mit deutlichen Worten schlecht von dem „Orden sprach, aber doch Zweydeutigkeiten da- „von vorbrachte, zwar nicht sagte, cS wäre „nichts damit, aber doch durch Achselzucken „es zu verstehen gab, und viel von der Un- „nöthigtest der Verbindung vorbrachte. „Seiner Frau hatte er indessen das ganze „Geheimnis mitgetheilt. Sie hakte so wie „alle Weiber von Vernunft beständig mit einem „scheelen Auge auf Zusammenkünfte gesehen, „an denen sie keinen Antheil haben durste, ,,deim von der Seite alles mitmachen zu wollen, „war „war sie nicht schwach. Sie war klug genug „gewesen, all ihre Neugierde zu verbergen, „bis sich eine Gelegenheit zeigen würde, wo „üe füglich davon Gebrauch machen konnte. „Denn aufgegeben hatte sie eS nie dahinter „ vi kommen, auch war ihr dieses ihrem Gc- „ schlecht eil,mahl eigne Phänomen leicht zuvor- „geben, und verringerte keine ihrer übrigen „Vollkommenheiten. „Natürlich konnte, in dem Zeitpunkte der „Trennung ihr Mann seine Empfindlichkeit „darüber nicht verbergen, und wie man denn „in einer solchen Ekstase immer jedem lächeln- „den. Munde trauet, und schmeichelnden Trost, er auch Gift enthält, für Honig ein- rkt, so iieösichauchunserklugcrWelt- „ ,-ann durch die Liebkosungen seines Weibes, „die freylich kein weitere« Gift enthielten, als „daß sie gründlich den Schmerz ihres Mannes „mttsWte, nnd empfindlich aus diejenigen „war, die ihn beleidigt hakten, bewegen, sein „ganzes Geheimnis zu offenbaren. „Nun wußte sie sehr viel. Alle Zeremo« „wen waren ihr bekannt. Alles was das „Archiv enthielt wüste sie, sie war mit den „Pflichten der Brüder bekannt, wüste die gn- „teu und schlimmen Urtheile von ihnen, nnd „war also so zu sagen, in die Loge imrodu. ->„zirte 255 ;,M. Mein hatte man ihrem Manne nicht „alieS entdekt, oder war er seinen aew'nhrli- „chen Weggegangen, und batte Oberflache „für Grund genommen, sie hatte nichts, was „ihre Seele für Ueberzeugung von Güte deS „Ordens bestimmen konnte. Ihre Meynung „davon war, daß er blos in einer Verbindung „bestehe, die den Zwek habe, sich für andern „ein Ansehen zu geben, etwas zu scheinen, „was man nicht sey, und nicht seyn kenne, und so „die Welt gewiffermaaßen zu bekriegen. Darnach „nun eines jeden Neigung sey, darnach nutze er diese Verbindung, und sie gab mir nicht undeutlich zu verstehen, daß sie glaube, derEigen- „nuz sey eine große Triebfeder, und die Meningen öffentlichen Beweise von Mildthätigkeit „wären Decken, um diesen zu verbergen. „SolchcBegriffebey ihrmusten nothwendig auch „ eineArt von Freude über sie verbreiten, daß sich „ihr Mann aus dem Orden entfernt, die sie „mir auch ziemlich lebhaft zu erkennen gab. „Ich muß gestehen, ich wurde bey allen „dem was sie von dem Orden und seinen innern Einrichtungen sagte, sehr bestürzt. Zwar „hatte ich viel Mühe gebraucht, sie dazu zn „bringen, mir das alles z» entdecken, aber es „war doch möglich, daß sie das nehmliche eignem andern sagte, und wie vielen schon ge- ,»sM 2^6^ „tagt haben konnte. Ich drang deswegen in „sie, aber das edle Weib sagte mir gerade „und offenherzig, daß ich der erste sey; daß „sie sich von Anfange da sie es gewußt, vorgenommen gehabt hätte, einem, aber auch „keinem weiter es zu sagen, daß sie lange ge- „wählt habe, und lange unschlüßig gewesen „sey, bis sie mich gefunden, von dem sie ici- „nen üblen Gebrauch hierin erwarten könnte. „Natürlich hatte sie mich vorher durch die „bündigsten Versprechungen gebunden, und „auch die Quelle woraus sie geschöpft, was sie „wuüe, mir nicht selbst entdekt, sondern mir „verschwiegen, woher sie es wisse. „Was ich aber an ihr bewundert habe, „ist, daß sie in vier Jahren nachher, da ich fast „täglich mit ihr umgieng, wir sehr oft allen» „waren, oft von sehr ernsthafte» Dingen uns. unterhielten, nie wieder auf diese Materie ^gekommen ist. Ich hatte ihr freylich auch keine Gelegenheit gegeben, weiter sich mit „mir hierüber einzulassen. Ich hatte auch „nicht für gut gesunde», ihr ihren Irrthum „über den Orden zu benehmen. So war sie „ruhig, so strebte sie nach nichts, so machte „ sie sich keine weiter» Sorgen,die vielleicht erregt „worden wären, wenn ich, da sie mir viel zu- „crauete, ihr zu heftig widersprochen harke. »24 LZ7 j>Äch begnügte mich damit, ihr zu sagen, daß j,ich noch nicht so weit wäre, um den eigene j,liehen Zwek beurtheilen zu können, und daß cich gern mein eignes Urtheil darin abwarten z,wollte. „UebrigeNs schäzte ich sie seit dieser Entdeckung doppelt, denn es wäre gar Nicht zu vet- j,wundern gewesen, wenn sie bey ihrer DeN- j,kungsart bey mancherley Gelegenheiten auf cdie Manrerey gestichelt hätte, welches sie caber nie that, sondern, wenn davon die Äe- cde wür, mit der äußersten Znrükhaltung zu „Werke gieng, cAuch bin ich gewiß überzeugt, dqß sie nie je- „wanden weiter ein Wort davon gesagt hat, und „sie ist wir immer ein Beyspiel gewesen, daß es „auchAusnahMeN unter ihreMGeschlechte giebt.^ So schlss mein Freund seine Erzählung» und Machte mir dadurch unendlich viele Freude. Ich liebe das Weib ohne sie;U kennen, und ich würbe sie verehren, wenn ich sie kennere, sowie ich jede Meines Geschlechts verehre, die rechtschaffen denkt und handelt, denn sie macht Wir zugleich Ehre. Ewalö- Sie verdient es auch. Aber ich kans doch ge- Wiffermaaße» ZhttM Frmnde Nicht vergeben, N deß 2; 8 daß er ihr nicht einen bessern Degris vem Orden beybrachte. Die Frau, die so viel Ueberwindung hatte, die schlechte Seite des Ordens, die sie wähnte, zu verbergen, und zu verschweigen, würde ohne von dieser Verschwiegenheit abzugehen, die gute desselben mit Freuden angehört, und die Wie^ derlegnng angenommen haben. Auch ist c6 immer traurig für uns, daß ein edles Weib nun- mehr in diesen Gedanken von unserm Orden bestärkt ist, wenn wir schon nicht zu fürchten haben, daß sie die Meynung von uns weiter ausbreiten wird. Eldkne. Aber sie bedenken nicht, daß die Umstände hier die Sache verändern. Wie leicht war eS Möglich, baß Mann und Frau durch eiue solche Entdekung uneinig werden konnten, und wurden sie es nicht, so konnte doch mein Freund selbst in die Gefahr kommen, für einen Lügner zu gelten, wenn des Mannes Weltklugheit mehr über die Frau vermocht hätte, a!s des Freundes Offenherzigkeit. Also zu entschuldigen. Und nun weiter. Glauben sie nicht auch, Ewasö, daß dieses Weib ein brauchbares Mitglied für sie gewesen seyn würde, und daß sie dadurch verlohren haben, daß sie eS nicht ist. Zst diese Verschwiegenheit minder als die der Männer? Zst diese Wißbegierde nicht so lobenswert!)? Finden sie, daß ein solches Weih unter- 259 uirter ihrem Geschlechte Eroberungen hätte Machen, und Zuwachs des Ordens, und zwar guten Zuwachs hervorbringen können? Sollte ihr Eifer der so gros für das Wohl ihres Mannes war, daß sie ihn glücklich schazte, aus der Verbindung getreten zu seyn, nicht eben so groS für da« Wohl des Ordens gewesen seyn, wenn sie von dessen Nuzen überzeugt gewesen wirke? Ist hier Mehr Schaden oder mehr Gewinn? Ewalön Wahrscheinlich mehr Schaden, das laßt sich tu'chk gut läugnen, und ich wiederhole es noch einmahl, wäre die Sache von Anfange so einge- sichket gewesen, daß ihr Geschlecht mit Antheil gekommen hätte, so wäre es gut, so würden sie in ihrer Art, und nach ihren Fähigkeiten den nämliche» Nutzen stiften, den wir nach den mistigen stiften. Sie würden wie wir gute und dose Mitglieder ausweisen konnem Eldme., Das würden wir also, und warum können chir das jezr nicht noch? Dies ist die Sache, weswegen ich nur noch einige Minuten mich mit ihnen unterhafteii werde/und dann sollen sie nichts mehr von mit hören, dann will ich die Ddrschwiegenheit jenes Weibes für immer beobachten. R 2, Wenn Wenn eine nützliche Sache zwey Seiten hat, die eine derselben offenbaren Nutze» hervorbringt, oder wenigstens in den Gedanke» derer, die sie bearbeiten, hervorbringen soll, die andere dem Augenscheine nach das nehmliche hervorbringe» würde, wenn man sie bearbeitete, ist es da nicht Pflicht es zu thun? Kan wohl eine Reihe von Jahren, in denen sie ungenuzt geblieben, wen» auch Unwissenheit es entschuldigen kan, daß es bis dahin nicht geschehen, entschuldigen, daß es nunmehr nicht geschieht? Findethier Verjährung statt, oder können wir sie aufrufen, unsere verjährte Rechte wieder geltend zu machen, da sie ohnedem uns nicht einmahl zu beweisen im Stande sind, daß wir nicht an Stiftung und Fortdauer Antheil hätten. Sie sagten oben, daß sie mich nicht unter die Zahl derer rechneten, die in dem Stüke Aenderung ihres Systems verlangten, und ich antwortete ihnen gleich, daß ich mich ganz sicher dahin zahlte, daß ich auch weiter mit ihnen davon reden wurde. Gutes, glaubte ich, kan man nie zu spät thun, und kan nie zu, früh bereuen, es um »erlassen zu haben. EwalV. Sie konnten keinen richtigern Grundsatz vor» bringen, als diesen, aber er leidet DistinkcioneN. Es kan etwas sehr gut ftp», nnd die Art, wie es her. 26k hervorgebracht werden soll", verschlimmert es. Besonders kommen hier Umstände zusammen, die eine solche Veränderung unmöglich machen. Einmahl sind der Köpfe, die dabey zu sagen haben, jezt zuviel, um sie zu einer Meinung unter einen Hut zu bringen Die Stifter einer solchen Verbindung waren einige, vielleicht gax nur einer, und da konnten leicht Einrichtungen gemacht werden, da konnte leicht, bey einem oder dem andern ein Vorurtheil oder Begriff besiegt und uncerdrükt werden. Aber das geht bey ss vielen nicht, Elhine, Der Einwurf, Ewald, möchte nicht lange Stich halten, ohn? zum eignen Nachtheil ihres Ordens auszufallen. Sie sagen, der Köpfe, die dabey zu sagen haben, sind viel. Wahrscheinlich doch nur die Oberhäupter, hie das Recht haben, Veränderungen vorzunehmen, Wenn ihre Oberhäupter, alle die Eigenschaften haben, hie erforderlich find,»m eine solche Verbindung zu dirigi- ren, so müssen sie alle einsehen, haß das Gute gut ist, und ss. wird es nicht viel Mühe kosten, sie unter einen Hut zn bringen, Haben sie diese Eigenschaften nicht, so sind sie sehr Übel und unweise gewählt, und so können sie gar nicht darauf rechnen, ob die Veränderungen, hie sie dann würklich machen, nicht ss beschaffen R r sind, K6H sind, daß sie dem ganzen Orden in kurzen eine» gänzlichen Umsturz drohen. Ewald» Sie gehen znweitnnd zn schnell, meine Freun^ bin. Sle müssen erst überzeugt seyn, daß alle die Leute wissen, daß das gut ist. So bald sie es als gut einsehen, werden sie es auch wollen und glich ausführen. Elviiie. Und ich werde gewiß nicht wollen,daß sie so handeln sollen, ehe sie überzeugt sind, so handeln zu müssen. So wie das, was ich ihnen sagen kan, so längs nur Hypothese ist, bis es in Ausführung gebracht werden kan, so bleibt auch mein Sah in Anst, hung der schlimmern Seite ihrer Oberhäupter so ^ange.Hypothese, bis er bewiesen ist. Wir reden hier jezt, als von einem Projekte, welches ich ihnen nur deutlich und als möglich cxi- stirend darstellen will, an dessen Ausführung aber sie ohnmoglich sosehr zweifeln können, als ich daran zweifle. Ich nehme also vorher an, daß alls Oberhäupter ihres Ordens, so wie sie, überzeugt wären, es sey gut.-— Ewald. Erlauben sie mir, ihnen einzufallen—>- Es sey gut, wenn ihr Geschlecht von Anfange»nie Wserm Orden vereinigt gewesen wäre— ja es 26z es sey mit, wennjezt eine Veränderung vor. und es darin aufgenommen würde— nein!— Denngesezt auch. es wären wesentliche Vortheile davon zu gewarten, Vorteile, die ihr Geschlecht bcträfm, und folglich auch mit zu unterm allgemeinen Zwei gehörten, so wäre doch der Jmry- theil qewis noch wesentlicher, der uns durch Spaltungen und Irrungen, unter unsern eignen Brudern daraus erwachsen müßte. Ueberlegcn sie selbst! die vielen Menschen, die nun immer in dem Begriffe gestanden haben, es gebe Ursachen die ihr Geschlecht von dem Orden trennten, zu überzeugen, daß dergleichen nichtexistirten, ist unmogllch. So wie sich jeder besondre Ursachen ihrer Entfernung dachte, so würdesich jeder besondere Urjacheu ihrer Zulassung denken. Es würde äußerst paradox scheinen,einen angenommenen, u. durch so viele Jahrhunderte ausgeführte,, Grundsatz umzustoßen, und M verändern. Man würde ansangen den Orden als eine weniger ernsthafte, weniger festgesezte Verbindung, als ein Spielwerk, ja als ein Kind zu betrachten, das sich heute diese, und morgen jene Puppe wählt, um sich einen Zeitvertreib zu verschaffen. Eldr'nß. Sie scherzen, Urvals. Unmöglich kan die Autorirät ihres Ordens«uff nichts wichtigern beruhen, als auf dergleichen Staturen. Wir soll. im als Mitglieder ihres Ordens, eine Veränds- t R 4 rung xunq, die zum Besten des Ordens vorgenommen wird, so hoch aufnehme», daß sie darum den gam zen Orden zurüksezren, und ihm Unbeständigkeit schuld gäben, Ewald. Sie wissen selbst, Elvme, aus den Erfahr»», gen und Kenntnissen, die sie in der Sache gesam, let, daß das wichtigere in sehr wenigen Händen ist. Alle übrigen urtheilen also nach dem weniger wichtigern, und wir müssen sie bey dem erhal. ten, sonst sehen wir uns ja außer Stand gesezt, ein Mitglied des Ordens in Zukunft richtig beurtheilen und wissen zu können, was wir ihm anvertrauen dürfen, oder was er vermöge seines Karakters und seiner Verhältnisse zu wissen, nicht Anspruch machen dgrf. Eldine. Aber wie oft, mein Freund, werdfn nicht,',, ihrem Orden Befehle ohne eben so gründliche Herleitungen ausgetheilt und angenommen, und Prüder, die eines so»„gemessenen Zutrauens gegen ih, re Obern sich rühmen können, sollten nicht in einer so gründlichen Sache, wenn sie ihnen mit Grün. den und überzeugend dargelegt würde, ihre Einwilligung geben, dem Orden einen so wichtigen Anwuchs zu verschaffen. EwalS, §6; Ewald, Leicht gesagt, meine Liebe, aber desto schwerer ausgeführt. Ein Mensch kan sich in seinen Gedanken die Gedanken von taufenden kembiniren, und wenn ers zur Ausführung bringen soll, so wird er vielleicht nicht bey zween den Zwek erreichen. Es kommen da so picke Nebenumstäude zusammen, die diesen oder jenen abhalten, so etwas mit gleichgültigen Augen anzusehen, daß eS gewis Mühe kosten würde, einige gleichdenkende zu finden. Ueberdem würde ihr eigenes Geschlecht uns gefährlich werden. Wie fstolz'würde man sich brüsten, wie sehr würden sie sich über uns erheben, wie bitter würden sie es uns vorwerfen, daß wir bisher unrecht an ihnen gehandelt. Hier ist nicht allein der Fall, daß diejenigen, die unter lins aufgenommen würden, und für die Zukunft zu uns gehörten, dergleichen sagen würden, sondern jede ihres Geschlechts auch die böseste würde Mit dem Rechte prahlen, welches sid erhalten, und schon längst verdient zu haben geglaubt. Männer von Einsicht und Denkungsatt würde dies freylich nicht Ohren, sowie Weiber der Gat. tuug sich nicht so betragen würden, aber minder gcsezte, minder gme, und mehr stolze als der Selbstliebe ergebne würden sich dadurch beleidigt finden, würdet? Schmäh- und Rachsucht zur Hand R Z mh, A6§ nehmen, und es würde ein Labyrinth von Unge» rechtigkeiten und Nekereyen da werden, wo Einkracht und gutes Vernehmen Grundlage seyn sollte Man würde Maurer und Maurcrinnen mit Verachtung von ihrer eignen Verbindung sprechen hören, eins wurde die Rechte des andern herab- sezen, die Güte desselben bezweifeln, und die Wahrheit Würde zur Lüge werden. Wir haben jezt schon den Geist der Zwietracht hin und wieder unter uns keimend, was würde erst entstehen, wenn noch Männer nnd Weiberstolz, so wie jeder in gewissen Fällen sich über den andern erhebt, hier in Zwist kämen, und über einander zu siegen suchten. Der Kampfplaz der Maurerey ist da nicht gut gewählt- Elsinß. Eine vcrtrcfliche Deklamation, lieber Ewald. Ich sehe wdh!, sie' vertheidigen Hypothesen weit besser, als sie Wahrheiten annehmen. Es ist Zeit, lieber Freund, daß ich mein Gesicht offen vor ihnen darlege. Ich habe nicht mit ihnen aus der Ueberzeugung gesprochen, daß ich etwas erlangen wollte, oder daß ich glaubte etwas zu wirken. Ach weis, daß das unmöglich ist. Behaltet euren Orden, behaltet eure Gesetze, behaltet eure Absonderung von uns. Zch und andere, die wie ich deMchwerden euch nichs darum beneiden Wir Werden werden euch lieben, wenn ihr edle Männer seyd, wir werden euch schäzcn, wenn ihr Nuzcn stiftet, und wir werden euch' diese Schwachheit des Steh zes über uns vergeben^ so wie ihr uns viele Schwachheiten vergeben müßt. Auch sage ich ihnen, Freund, weder ich, noch andere wie ich, werden sie radeln, nein, wir wer. den ihren Ruhm zu erheben suchen, wir werden das Gute was Sie und ihre Brüder denken, handeln und wirken, ausbreiten, und werden immer im Herzen Maurcrinncn seyn, wenn sie es uns auch dem Namen nach nicht wollen seyn lassen. Aber wissen meisten sie es, daß wir eS fühlen, wie unrecht sie uns thun, und so habe ich mirs auch zur Pflicht gemacht, zu sagen, was ich davon dachte. Ich habe es so flach wie ich dachte gesagt. Ich wünsche,Iaß es einigen Eindnft auf sie gemacht. Ich wünsche, daß die Wirkung dem Vorsatz entspreche, das heißt, daß sie andere von dem überzeugen, wovon sie überzeugt worden sind. Sind sie aber nicht überzeugt, nun so rechnen sie es auf Schwäche des Weibes, die es nicht konnte. ,md nur that, was zu thun war, bey ihren Kräften blieb, und vielleicht die Kraft stgr» ker fühlte, als sie in der innern ,Beschaffenheit ihrer Seele mr, Mm 268 Allem so viel bitte ich sie immer zu bedenken, daß das Weib eben so edel ist, als der Mann, daß jedes Gefühl von Unreckt ihr eben so empfindlich ist, als ihnen, und daß sie diese Empfindlich, keik auch bey einer Absonderung doppelt fühlt, wo der größte Theil ihrer Mitbrüder unser Geschlecht herunterzusetzen sucht. Nur billig und nicht mit Verachtung von uns gesprochen, und wir sind zufrieden. >K- Anhang über falsche und ächte Rosenkreuzerey. >^ « - 4'^. / MÄNMZ.W L)ies kleine Büchelchen wird, so hoffe ich tvs- nigstenS, in die Hände mancher kommen, die wenig oder nichts von dem Gegenstände gelesen ha. ben, über den ich mich jezt herauslasse, aber doch davon hören. Es wird auch in die Hände solcher, und viel- leicht häufiger gerathen, die vieles gelesen haben/ das einander entgegengesezk war, die sich auS dem, was sie lasen, Begriffe zu machen suchten, und keine erhielten. Beyden ist eS gut, wettn sie diese Begriffs erhalten, plane deutliche Begriffe für Lupen, und NichcLayen, denn auch NichtLsyen ists gut, Lagen «der Weise zu werden» je nachdem sie nun einen Weg rechts oder links einschlagen. Keinen also dieser wundre es, wenn er Stellen findet, die ek scholl gelesen oder gehöret— Sachen, die er schon weis. denn er weis sie vielleichd nickt, Und vielleicht istö ihm gut, durch eine neus Erinnetimg daran, sie ihm vergessend zu machen» Dies ist nicht dunkel gesprochen, denn eiusthcn, daß eine Sache die ich weis, nicht M ist/ 2/2 mich davon abwenden, heis ich, sie vergessen- und so soll es jeder vernünftige Mann thun. Der Zwek, warum ich rede, istzn sagen, was ich denke, und warum ich das sage, davon ist die Ursache folgende! „Ich habe in Meinem Leben oft die Bewehr „kung gemacht, daß, indem ich im Begriffe „war eine Handlung zu verrichten, mir jemand „im Weg kam, und von der Handlung, die ich „thun wollte, ein Urtheil falleke. Dies Marinste mied natürlich aufmerksam, ich überdachte „meinen Vorsatz viel genauer Zeh unkerlies „ihn entweder, oder ich fand Mich weit ge- „stärktet-ihn auszuführen, und der Erfolg war „mit weit mehrerm Nachdruk begleitet. Seit „der Zeit schließe ich, es kvnnlens auch anders „wohl so machen, und Nun spreche ich des- „wegen. §. a. Sagen, waseinNosenkrenzerist, weNN mänS ist, das ist eine Kleinigkeit. Es sagen wollen, wenn mans nicht ist, ist Thorheit. ES seyn, versprochen zü haben, eS Nicht zu sagen, und dennoch sägen, ist Schurkerey. Es seyn, oder nicht seyn, und dennoch sagen, was man sägen kan, Und darf, ist edel, und ist Pflicht, so bald es uns das Herz abdrükt, daß wir gutes stiften Wollen» §- 4. Wer NoseNkretizer werden will, muß sich wenigstens einen Begriff davon machen, waü er z» werden gedenkt, sonst wirds keiner. Auch hat jeder der es werden will, und der es wird, einen Begriff davon, Aber oft ist dieser ein bloßes Spiel der Einbildungskraft, oft ei» Schluß falsch angewandter Gehörwerkzeuge, oft Wirkung der Leichtgläubigkeit, oft Muthmaßung von etwas, was nicht ist, oft auch Ueberzeugung davon. Damit nun die Einbildungskraft gebessert, die Ge< horwerkzcuge berichtigt, dcr Leichtgläubigkeit Einhalt gethan, die Muthmaßung bestätigt, und die Ueberzeugung nicht gemißbraucht werde, so ist es gut, sich einen bestirnten Begriff fest zü fetzen, aus dein nun etwa jeder nach seiner Denkungsatt, Gründe ftrv et contra, des Werdens nehmen kam tz. 4. Bey so hersandten Umständen ist also hier.kein Awek irgend jemanden abzuhalten RoseNkreuzer zN seyn, oder zu Werden, auch ist der Zwek nicht irgend jemanden zu verbieten, es nicht Mehr zu seyn, wenn er es ist, oder es nicht zn werde», wen» er es Nicht ist, Und willens hatte, es zrt werden, §.?.' SbNdmi der Zwek ist, jeden aufmerksam S machen, 274 machen, der etwas in Ansehung dieser Sache thu» oder nicht thun will, und der Zwek ist bieder. §. 6. Dem Lagen wird als» mehr gesprochen, als dem wissenden. Denn er weis weniger als dieser, hat also mehr zu wissen, und aufmerksamer zu seyn nöthig. *) Hier istS noch gar nicht gesagt, daß der Laye nicht oft mehr weis, als der Richt- Laye, und diese Bemerkung nicht gemacht zM haben, konnte mir zum Vorwurf gereichen. So wie ich fest überzeugt bin, daß in der Mau- rerey viele die nicht Maurer sind, mehrwissen, als viele, die Maurer sind, so kans auch in der Rvsenkreuzcrey zugehen. Und also erwarte ich hierüber keinen Vorwurf, sondern rette die Ehre aller Lagen, die wissen, ohne die Ro- senkrcuzer darüber angreifen zu wollen, die nichts wissen. §.?. Die Gesellschaft der R-ssenkreuzer Mag sich nulr von den Zeiten der Alten Weisen Herschreiben, oder nicht, mag durch magische Bruder, durch Tempelherren, und durch die vcrsclntbenen Grade der ächten und»nachten Freymaurerey durchgegangen und durchgeführt worden styn, mag ihre Existenz für sich, ohne Zuthun irgend einer andern Macht, 275 Macht, Gewalt, oder Gesellschaft erhalten haben, so ist so viel gewis, daß sie jezkexistirt, und von ihren Vertheidigern als eine zum Nuzen fürs Allgemeine wirkende Zunft ausgegeben wird. §. 8- Dagegen sagen aber ihre Widersacher, Und unter diesen Mitglieder von ihnen, daß sie eincun- uüze, pralcrifthe, aus keinem festen Grund sie. hende, keine guten Absichten habende, Gesellschaft sey, und daß man sie entbehren könne. *) Um sich von der Wahrheit dieser beyden §. zu überzeugen, darf man nur folgende zwey Werke zusammen lesen: Den Rosenkreuxer in feiner Blöße von Magister Pianco. Amsterdam 17m. Leu' im Lichte SeU -Wahrheit fkraleude Rosenkreuzer von Phaebeon. Leipzig m--. , Es ist bewundernswürdig, wie Welt Men< scheu mit ihrer erhizten Einbildungskraft gehen können, wenn sie einen Zwek vor sich haben, nach dem sie streben, und von dessen Nichtigkeit sie sich einmahl überzeugt halten. Herr Magister Piancs ruft rz. Gott zum Zeugen an, daß er nicht aus Haß, nicht Mit dem Willen zu verläumden, sondern aus purer natürlicher Gottes- und Nächstenliebe schreibe, auch nicht eine Silbe sage, dks wr s?6 nicht an jenem großen erschrecklichen Tage, als die heiligste ohnfthlbarste Wahrheit vor dem Richter aller Könige verantworten wolle. ° Diese Stelle ist dagegen seinem Widerlager dem Herrn Phaebcon, ein schaudernder Schrö-^ ken, Entsetzen, ein Blitz in alle seine Glieder, der ihm Mark, Herz und alle Eingeweide durchsuhr. Er nennt ihn einen Lästerer, einen Bösewicht, der den Namen des gerechten Gottes zu Lügen anruft. Er halt wider ihn eine fürchterliche Deklamation, ruft Gott selbst zum Rächer g'e- gen diesen Menschen, und schließt wir der Versicherung, daß des Magister Planes Tod scbrek- lich, und sein Loos nach dem Tode unmittelbare Verdammnis sey. Und alles dieses wird um eines Ordens willen dahin geschrieben, der in Ansehung der Anzahl der Menschen nur ein Püukt- gcn unter ihnen ist, und dessen Nuzen oder Schaden so wenig erwiesen ist, daß man nicht einmahl MenschenNamen, geschweige denn den Namen Gottes deswegen misbraUchen sollte. Wenn doch die Kinder der Menschen bey menschlichen Dingen auch beym Menschlichen blieben; denn lasse man auch die Rosenkreuzer alle Schaze der Natur aufdeken, so gab Gott ja alle diese Schäze für uns zu unsrer ßreude und Nuzen, und um ihn durch den Gebrauch zu loben, nicht seinen Namen deswegen zu tmsbrau- 277 miübrau.chen. Und wenn auch wörtlich dieser Orden die Kunst besäße, das edelste aller Me« lalle, Gold hervorzubringen, so ist das ja keine Kunst, die sich Gott vorbehalten, denn ergab ja der Erde, einen, bloßem leblosen mechanischen Körper, diese Macht, Noch feiner aber wär es, wenn Herr Magister Pianco und Herr Phacbec-a einer so viel wie der andre wüsten, wenn sie sich verabredet hakten, uns armen andern mih. rcm Sinn unwissenden Menschenkindern so etwas aufzuheften, besonders, wenn es wahr ist, daß der eine aus dem Orden gestoßen, und der andere so gut als ansgesto- sen ist. Hoch ima rminio injuriancii gesagt, §. S- Sobald in einer Sache csatu angegeben werden, die ein anderer öffentlich zu leugnen sich unter« sängt, das helft s so bald offenbare Widersprüche hamit verbunden sind, und diese nicht gegen einander gehoben werden, so ist auf die Richtigkeit derselben nicht gar zu viel zu geben. Nun aber sind in der Rosenkreuzerey dergleichen zu finden, also ist es keinem Menschen zu verdenken. wenn er sich Zweifel gegen die Aechtheit einer Güte dieses Ordens denkt. ryz *) Wir wollen bey den erwähnten beyden Büchern einstweilen stehen bleiben, nm die Bey« spiele daraus zu nehmen/ Denn es kau hier nichts verschlagen, ob beyde auch unrichtig sind. Zn dem Falle sollten die wahrern Nofenkreu« zer oder die welche sie ausstiefien, beyder Schriften für falsch erklären, und denen, die gern von ihrer Güte überzeugt seyn mochten, ei« neu bessern Begriff beybringen. Im Fall aber einer der beyden Recht hatte, so sollte man was er gesagt bestätigen, und jenes verwerfen, damit der falsche erkannt, und der wahr? nicht Verkannt würde, ch) Das unbekannt bleiben wollen dient zu keiner Entschuldigung, denn es heißt sehr richtig: Lastet euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure 2Verks sehen und den Eotr preisen, der euch das Licht gab. Licht leuchten lassen, und Licht weggeben, ist immer noch zweyersey, Magister Pianco führt paA. 84. eine Ta« belle an, die freylich etwas paradox aussteht, und Herr Phaebeon spricht paA. ,27. diese Tabelle sey unrichtig. Eine Tabelle, die»nn einmahl in der Welt öffentlich in einen« falschen Lichte existirt, konnte doch wohl ins wahre Licht Hesezt werden, da sie ohnedem, wenn sie wie diese beschaffen ist, keinen in den Geheim- nisten des Ordens unterrichten wird, und rch wußte selbst an dieser nichts auszusezen, denn sie ist in derThatkabalistisch genug,-S müßte denn den Gegnern die lezte Rubrik der 5de>> «eptiono Kosten, diesreylickoustoß'.g ist, unot anstehen, denn meiner Meynung nach durfte ein Orden, der mit Reichthum überhäufen kan, nur blos des Verdienstes wegen aufnehmen, und selbst unter der Rubrik kem Geld nehmen, Geiz zu erforschen, ober Armen zu dienen. -s) Denn das muß man vorn Aufzunehmenden vorher wissen, ob er geizig ch, in welchem Falle-r sich zu keinem guten In. scikutc schikk, und für die Armen muß dieser Orden reiche Quellen haben, wenn sich alles so richtig mit ihm verhält. Herr Phaebeon ist mir daher etwas verdächtig geworden, wenn er ziemlich seicht PSZ.-76. auf den Punkt der ReceptionsGebüh'-cn antwortet, da er doch an einem andern Orte sagt, der Orden habe den Magister Pianco wie andere mit Ehre und Reichthum überhäufen kon« »Mh wcnn sein Betragen darnach gewesen wäre. st) Es kann wahr seyn, daß Magister Pianco alles besten unwürdig gewesen, was der Orden auszutheilen vermochte, aber wenn nur der dritte Theil von d"" S 4 lvaS was des Magisters Tabelle enthält, ausder Tabelle Herrn Phaebeons steht, so ists schon zu viel versprochen, und zu viel dargestellt, um einige taufende von all ihren übrigen Pflichten blos auf anscheinende geheime Wissenschaften, und RcjchchumsErlangung zu lenken. **) Weil die eigentlichen Geheimnisse der Mosenkreuzer nur in die Hände derer kommen, die schon genügsame Kenntnis ihrer Wissenschaften haben, das ist, die gefchikt sind sie zu empfangen, fo kan das, was der jüngern geringern viele raufende wissen, ohnmoglich dahin gehören, und da sie, durch jeden der nicht in den Orden gehörig einschlagt, bekannt gemacht werden können, so sollte dergleichen dem ganzen Orden gar nicht auffallend seyn, vielmehr sehe ich nicht die geringste Schwierigkeit darin, wenn die Obern, um allen falschen Gerüchten Einhalt zu thun, das wahre bekannt machten, Kein vernünftiger Mensch würde es ihnen verdenken, das; sie in Graden, wo sie so viele aufnehmen müssen, keine Geheimnisse einflechteN, sondern sie blos für höhere aufheben. Sie würden auch noch den Vortheil haben, daß sich niemand vor seiner Aufnahme größere Begriffs von dem was er zu erwarten hätte, macht?, gis nachher die Erfüllung wäre. h) Da 281- -f) Dci der Awek der ZUssenkreuzer nach ihrem eignen Geständnifie nicht rst, viele Mitglieder zn haben, noch Weniger von diesen Mitgliedern Geld zu schneiden, auch sie keine andere wollen, als die sich zu ihren Absichten und Zwck schicken, so kau es ihnen einerley seyn. ob ihre aufzunehmenden Zöglinge die Prüfung hardfindcn, oder nicht, ehe sie zu Geheimnissen kommen. Za, fast möchte ich sagen, es muß ihnen lieber seyn. wenn sie sie hart finden, Denn da zn dergleichen Studien ein außerordentlicher Eifer erfordert wird, so wird der Schwache hübsch davon bleiben. Bey wem aber der Enthusiasmus so gros ist, der wird fichs auch gefallen lassen, ja es wird ihm gefallen, Schwierigkeiten zu überstehen zu haben, Da nun aber die Rosenkreuzer hiervon nichts bekannt machen, und di? ganze Welt, hie das falsche Vorgeben für Wah'cheik nehmen muß, im Irrthum lassen, so mutz ihnen nichts an der guten Meynung der Welt gelegen seyn.und das widerspricht dem Biedersinn von Männern. Dies? Widersprüche müsten sie also heben, oberste mästen Ursachen haben, sie nicht heben zu wollen, und das verräth nichts gutes. S 5 §. lo- 28s §. ro. Eine Gesellschaft, dle öffentlich von sich sagt, sie sey eine gute Gesellschaft, sey eine fruchtbringende Gesellschaft, muß öffentliche Proben ablegen, daß sie dieses sey, oder man hat Ursache, daran zu zweifeln, daß sie es ist. Die Gesellschaft der Ro- senkrcuzer will eine gute fruchtbringende Gesellschaft seyn Legt sie öffentliche Proben davon ab? -r) So wie aus allem dem erhellet, was man von der Gesilllchaft der Rosenkreuzerweis, so ist ihrer Gesellschaft Awek, Religion und L7amr> Vom erstem will ich jezk nicht mehr reden. Es kann seyn, baß sie in vorigen Zck-, ten Aweke hatten, die auf diesen Punkt hin- «uSgiengm, allein jezk, da die ganze Welt ge- lernt hat tolerant seyn, und Religion, wie sie seyn soll, nur im Herzen und nicht mehr im äußerlichen gesucht wird, wenn man nur nicht öffentlich Aergernis giebt, so wüßte ich nicht, worin der Zwek der Religion, in Ansehung der Roisnkreuzcr bestände. Selbst Religion zu haben, liegt jedem Menschen ob, und dazu braucht man nicht Achsenkreuzer zu seyn, und bekehren— davon hab ich noch nie als yon einem Geschäfte dieses HrdsnS gehört. s) Es würde auch seiner Existenz in An» sehung des Fortganges desselben nicht gut seyn, ein solches Geschäfte zu unternehmen. isf) Selbst 28z sf) Selbst Religion zu haben machen sie freylich zu einer ihrer ersten Präreusionen bey jemanden, der sich zu ihnen begeben will. Aber so heißt es bey ihnen, wie bey allen andern Menschen: Vult muneius «Zecifti— äLc-ipmtur orZo. So habe ich eins der werkwürdlgstenBevspiele davon gesehen. Ein guter Bekannter von mir, Mann von Kopf und Kenntnissen hatte sich das System dieser Verbrüderung so stark im Kopf gesezt, daß er mir aller Gewalt Mitglied davon seyn wollte. Er lies sich deswegen in schriftliche Unterhaltung ein, und es wurde ihm bald seilt Wunsch gewähret, das heißt, man versprach ihn zuzulassen, so bald er die erforderlichen Eigenschaften dazu zeigen würde. Nun kan ich nicht sagen, daß er Verächter der Religion war, aber er hielt doch nicht sehr viel von den äußerlichen Zeremonien derselben. Die Erinnerung, daß er dergleichen auch im Gesichte der MeMsthen, und nicht allein im Herzen sipn müsse, brachte ihn, der sonst nie eine Kirche besucht hatte, dahin, daß er fleißig'öffentliche Andachten besuchte, nnd auch hin und wieder ganz anders von äußerlichen Zeichen der Religion sprach, als ev ehedem gesprochen hatte. Ja er, der von der Zeit seiner Konfirmation an, nie wieder 284 sich des Abendmahls erinnert, kam auf den Vorsaz auch diesen KirchenGebrauch wieder mit anzunehmen. Er betrog mich wink« lieh selbst, so daß ich schon anfieng etwas sehr wichtiges auf den Menschen wirkendes in dem Orden zu suchen, Ehe er diesen Vorsaz ins Werk sezte, erhielt er, was er wünschte, und nun fiel auf einmahl dieser Vorsaz weg, und er dachte nicht mehr daran. Auch hat seit der Zeit, daß er Rvsenkreu- zer ist, sein Kirchenaehen abgenommen. er ist»ach wie vor Spötter von Zeremonien und Würklichkeiten, und seine ganze Aenderung bestand in Schein. Ist das löblich? heißt das Religion haben und üben? Ist das Lage und Bischaft senheic des Geistes, einem guten Zweke eut, gegen zu arbeiten? Und ihr Destzer des wahren rostukreuze- rischen Geheimnisses, wenn ihr anders eines habt, ist eS euch möglich zu wissen, oh ihr Wahrheit vor euch habt, oder ob nicht der Schein der euch auf Augenblike blendete, euch aufZahre blenden, ja euch so lange bleu? den wird, bis ihr vergeben habt was euch das heiligste ist. Hakt ihr aber nichts, nun so habt ihtz nichts zu fürchten» Ich 28; Ich werde Gelegenheit haben dieses Mannes öfters Erwähnung zu thun. 'Also Natur— Forschen der Natur. Wissen aus der Natur, Kcntniffe sanften, verbreiten, tiefe verborgene Geheimnisse der Natur ergründen, und dann sie mittheilen-- Hier möchten wir wohl ein wenig stdken, unt nickt über den Punkt des Mittheilen-; wegzuwischen. Ich verlange schon von dem, der den NaMen eines guten Bürgers haben will, daß er das was er weis nicht blos für sich, soüde'M auch für andere wirke. Wenn nun überdies jemand unter guten Bürgern sich auszeichnen will, wenn er etwas besonders vorstellen, mehr zu wirken in der Welt scheinen will, dann muß ers nicht blos scheinen, sondern auch seyn. Und was haben uns denn die ÄosenkreuzeL für besondere Entdekungen gemacht, die int Nnzen anderer Naturforscher Bemühungeit übertreffen. Und wenn sie nichts mehr, ja vielleicht noch weniger geleistet- als diese, wo. zu dient die Verbindung derselben- wozu dient die Verbindung mit ihnen, und warum muß man Dinge die von keinem Nuzeft sind, so weit treiben, daß Irrungen- Spüle tunqe», Uneinigkeiten, böse Beyspiele, GSt- teslästerungeu u. a. in. daraus entstehe». Und wenn die Rssenkreuzer keinen Nuzel, gestiftet- dagegen auch nur ein einziger Mensch Lurch sie ächt oder iinächt zu ihnen geführt, auf Zwei. fel, Irrthümer und Abwege gekommen, so wäre es ja besser gewesen, daß das Ganze Nicht ejristirt hätte, ss) Ich muß hier erinnern, daß dies keine Bitterkeit sondern Schiusfolge ist, so wie ich erkläre, daß ich der eifrigste Vertheidiger des Ordens seyn werde, so bald ich in der Folge meiner Untersuchungen sehe, daß der Zssiizcn da ist, den ich suche, und verlange, wenn ich gut und richtig urtheilen soll. ***') Ist etwa das Astralpulverder Ätosen- kreuzer so wichtig, daß es sie für Vorwürfe der Nichtwirksamkeit schüzen konnte. Wenn alle die LobesErhebungen die davon hin und wieder gemacht werden, wahr wären, wenn es allen den Äuzen stiftete, den es stiften so», so W doch noch nichts mehr als das Pulver des Herrn AilbauO oder Herrn Unsers. Und Herr Ailhaud und Herr Uuzer haben also die nehmlichen Vorzüge die die Gesellschaft derRssenkreü- zer hät, haben eben den Nuzett gestiftet, ohne darüber in der Welt Aussehen gemacht zu haben, das zn Unordnungen Anlaß giebt. Man konnte nur hier wieder den GchadeN einwerfen- den besonders des erstem Arzney- Mittel 287 Mittel hin und wieder verursacht. Aber kan der Mißbrauch einer guten Erfindung demEr< findet zur Last gelegt werden? Von Herrn AilhaudS Pulver sahe ick, wenn es unter der gehörigen Pracaukion gebraucht wurde, noch keinen üblen Erfolg. Und wer sieht davor, daß wenn das Nosenkrcuzerische Astralpulvce nicht mit gehöriger Vorsicht.gebraucht wud, daß es nicht ebenso üble Folgen nach sich ziehe, als es im Gegcnfall gute Wirkung thut. Doch sind auch die guten Wirkungen des Mittels noch nicht so bekannt, daß man eben unerschütterlich dessen Nuzen so behaupten könn« tt, wie die Gesellschaft es thut. Was sie aber am allermeisten verdächtig macht, und das Verdienst, welches etwa da-> bey wäre, sehr schmälert, ist, daß sie das Geheimnis der Zubereitung dieses Mittels auf eine solche Art bekannt gewacht haben, daß niemand davon Gebrauch machen kan. Zch bin selbst bey zweyen Operationen zugegen ge< Wesen, die fehl schlugen, und entweder haben die Herren einige Handgriffe für sich behalten, oder eine unrechte Materie angegeben, odeL sie haben Uns etwas gesagt, was garnicht ist, Haben sie etwa für nöthig geh«kfm, uÄ doch einmahl etwas öffentlich auszustellen, eins solche Skizze aufzutischen, um Nut damit M» kriench» 88 erleuchteten die Finsternis in der sie tappen, zur Ursache zu machen, daß sie nicht sehen, was sie zu sehe» scheinen wollen? AVer Dame. spion sagt ja, daß die AvscnkceurervoN Aeic zat Zeit Sie nüzlichssie» Erforschungen See GeheimnißsOerNamr, der Welt mitgetheilt hätten, uns tvo nicht alle^ doch viele Bequentlichkeiren des Lebens hervorgebracht. Sehr zuversichtlich, sehr gros gesprochen l Aber wo sind die Beweise? Wo sind die bekannt gemachten Erforschungen? Wo die Bc§ guemüchkeiten des Lebens? Undchvo ich keine Beweise sehe, da sind mir Worte nichts. das Geheimnis, Metalle zu veredeln, unter den Nosenkreuzern, so ist es ganz gewis- daß sie eine Quelle des Reichthums besitze», womit sie alles um sich her glüklich machen tonnen. Daß sie es besizen könne», ist richtig, denn da der Mensch zmn Herrn über die Natur gesiezt ist, so muß er auch im Stande seyn alles hervorzubringen was die Natutz hervorbringt. st) Der Saz klingt zwar pralerisch, abev er ist gewis sehr richtig. Freylich nicht ausführbar ohne FleiS und Arbeit. Und deswegen ist Mir jeder Naturkündiger wetch, der dä ürbri- 28S arbeitet, gesezt auch, er arbeitet auf eint Chimäre los. Nur in dem Fall ist er e« nicht, wenn blos Geiz die Quelle seiner Arbeit ist. Wenn aber die Nosenkrenzer dieses Geheimnis besizen, warum machen sie keinen Gebrauch davon. Die Einwendung der Verheimlichung und der Gefahr die aus der Entdekung entstehen könnte fallt weg, weil mein EudZwek keineswegs ist, ihnen zur Last zu legen, daß sie sich nicht blosgeben, auch keinesweges mein Verlangen, daß sie das Gold mit vollen Händen um sich werfen sollen. Aber Meine Gründe, warum ick) nicbt glaube, daß sie dies Geheimnis besizen, sind folgende: ss) Sie Nehmen Geld von den aufzunehmenden Neulingen,- welches sie durchaus nicht sollten. Wollen sie des Neulings Karakter untersuchen, so lassen sie ihn selbst das, was sie von ihm nehmen, an Arme austheilen. Phaebeon zwar entschuldigt p. 276. seiner Widerlegung des M. Planes» die Annahme des Geldes von Lehrlingen mit dem nothwendigen Auswande, der beym Orden erforderlich ist, und in so fern würde ich ihm gern reckt gehen, allein wenn das ist, so sollten sich die RvseNkrenzer mich r nicht 2HV H>> nicht be rühmen, daß sie Menschen mit Ehre und Reichthum überschütten könnten. Mein Feuud, von dem ich oben gesprochen, und der eben nicht in den glänzendsten GlüksNmstanden ist, versicherte mich vor einigen Jahren, da er schon in den Orden eingeweihet war, sich rois nmici- tins, doch ohne mich an irgend einem seiner Geheimnisse, nicht einmahl an einem Briefe Anrheil nehmen zu lassen, welches ich hier öffentlich bekenne, daß er nun bald in einer glücklichern Lage seyn, und einem jährlichen Gehalt aus dem Orden entgegensehen würde. Aber es sind Jahre verflossen, und er hat ihn nicht, auch ist er in Ansehung des Ordens sehr kleinlaut geworden. Warum versprechen, wenn man nicht zu halten gedenkt. 11) Aber ich zweifle auch aus diesen; zweyten Grunde daran, daß die Rosenkren- zer das Geheimnis der Veredlung der Metalle besizen, weil ich in Gegenden, wo ich gewis weis, daß Rosenkrcuzer des ersten Lichts sind, Elend und Jammer unter mancherley Gestalten, eben so gut hinschleichen sahe, als in andern, wo keine Rosenkren- zer sind. Welche Fülle von Seligkeit könnte diese Gesellschaft ganz in der Stille und ohne T s §,«. 29k «hne Lerm oder Aufsehen zu machen, über die leidende gedrükte Welt verbreiten, wenn sie das harren, wessen sie sich rühmen Ha. den sie« aber, und thun es nicht, dann ists ja viel schlimmer, als wenn sie cS nicht hätten, und der Fluch ihres künftigen Lebens muß dann großer seyn, als je eine Verdammnis, die vom Ewigen mit schmerzen» vollem Herzen über Menschen oder Engel be» schlössen wurde. *****) Haben etwa die Rosenkreuzer öffentliche Proben davon gegeben, daß sie Menschen bildeten, und besserten? So viel ich weis nicht. Zwar mag eine GrundRegcl ihrer eignen Verbindung seyn, daß jeder moralisch gut leben, lehren, und wandeln soll, aber da« ist auch das Grundaesez der Menschheit, das thun viele die nicht Rosenkreuzer sind ohnedem, und haben also das nehmliche Verdienst. Also auch in diesem Punkte sind die Rosenkreuzer noch nicht unter die fruchtbringenden Gesellschaften zu zählen. So lange also die Rosenkreuzer nicht noch besondre Beweise, von dem geben, was sie stiften und wirken, so lange kau man noch zweifeln, daß sie etwas gutes hervorbringen. syr §. n. Behauptet die Gesellschaft der Rosenkreuzet kber dennoch dieser angeführten Gründe ohnge- achtet, daß sie wichtige Zweke habe, und will sie, baß alles was in und an ihr ist Geheimnis sey, und behauptet sie, daß alles was von Zeit zu Zeit darüber geschrieben worden, auch mündlich heraus- geschwazt worden, nichts beweise und nichts bedeute, so ist sie zu geheimnisvoll, und so gehört mehr als biblischer Glaube dazu, um zu glauben, daß sie diese wichtige Gesellschaft sey, denn Christus that seine Wunder öffentlich und man glaubete wenig, hätte er sie heimlich gethan, würde matt wohl gar nicht geglaubt haben. *) Geheimnis als Geheimnis bebandeltt ist gut. Sagen daß ein Geheimnis gut sey, ohne zu beweisen, daß es gut ist, heißt ihm Jnfallibilirät beylegen, diese findet heut zu Tage nicht statt und ist hohem Orts bestritten, und nicht anerkannt worden, als bey der Gesellschaft der Rosenkrenzer. Sehr oft ist das zu geheim halten eines Geheimnisses, dem Werthe und Nuzen desselben sehr schädlich, f) Der Werth einer Sache besteht entweder in dem Nuzen den sie hervorbringen kan, und das ist ein wahrer innerer Werth, oder in Vorzügen die man sich dabey denkt, und das ist ein eingebildeter Werth. Der eilige- 2YZ eingebildete Werth ist mir für den interessant der ihn sich einbildet. Will ich also den Werth meines Geheimnisses anerkannt ha. ben, imd eS isteingrbilbcttr Werth, so muß ich suchen m s> Meister von der Einbildung des andern zu machen, so erhalte ich meinen Zwek. Dies ist dem ftzigen Ansehen nach der Fall bey den Nvsenkreuzcrn, und dieser eingebildete Wen!) leidet dennoch auch dadurch, daß sie nicht einmahl einen Anschein dieses Werths von sich geben wollen, doch wenn der Werth nur eingebildet ist» so konnte dasGanze für den denkenden Mann ruhen,wie ein schönes Schnizwerk in einerKunst- kammer. 11) Zst aber der Werth der Nofenkreu- zerey im Nuzen den sie hervorbringt, und der Nuzen wird nicht bekannt, so leidet der Werth, denn die Allgemeinheit wird ihm entzogen, und so bald der Werth im Nuzen besteht, so ist Allgemeinheit seine erste und beliebteste Eigenschaft. Also ist Verbreibung des Nnzens, folglich des Werthes eines Geheimnisses dem Geheimnisse zuträg. lich, hingegen Vernachläßigung dieser Verbreitung ihm schädlich und nachtheiiig. -«-) Diese Verbreitung des Nuzens und Werthes kan ohne die Entdekung des Ge- T Z heim- heimniffes geschehen. Es giebt Frfindum- dimgen, Zubereitungen von Medicainen- ten und Utensilien, die Geheimnisse und blos im Desize ihrer Erfinder sind. und ihr Nuzen verbreitet sich durch die ganze Welt. **) Auch sollten die Nvscnkreuzer eben nicht «nf eine so sehr strenge Verschwiegenheit in Ansehung ihrer Mitglieder, besonders der Neulinge sehen. Daß Verschwiegenheit bey einer solchen Sache nöthig ist, weis ich. Aber esn Beyspiel, daß sie es zu weit treiben, mag f> siwn« des seyn. Zn einer Scadr in Thüringen lebte «in Mann der sich mit geheimen Wissenschaften sehr beschäftigte, und hatte er nicht just Selbst. Erfahrung darin, so hatte er doch ausgebreitete theoretische Kenntnisse, die sich sehr leicht in SelbstErfahrung verwandeln konnten. Zu diesem Manne, der lange nach dem Glüke geaeizet hatte, Nostnkreuzer zu werden, und der sich einen sehr großen Begriff von ihnen machte, kamen verschiedenemahl einige Reitende, die ihn theils zu sich kommen ließen, theils selbst ihn besuchten, seinen Eifer für die Wissenschaften in denen er arbeitete lobten, ihn selbst auf eine Hohe sezten, die ihn schwindelnd mach» te, aber ihm auch so hohe Bcgrisse von sich selbst und ihrer Verbindung beybrachten, daß er wieder dadurch einem Gegenschwsiidel bekam, und iMSl und nur wie im Taumel sich das Gluk Lachse, waS ihm bevorstünde. Man hatte ihm allerhand Papiere gezecht, die ihm der LMsmerk. samkeic werth schienen. -s) Ob die obenerwähnte Tabelle dabey gewesen, weis ich nicht, doch ist es wahrscheinlich- Hatte ihn aber auch eine unverbrüchliche Verschwiegenheit dabey ausgelegt.DcrMann hat mir! ernach stil-st gestanden,daß er in seinem Leben keinen größer» Begriff seines zukünftigen Gluks sich gedacht hätte, als in dieser Zeit des Wartens. Endlich waren einige Instruktionen gekommen, wie er sich ferner zu verhalten habe, um aufgenommen zu werden, und wurden ihm zugleich 8- Thaler für die ArmenKasse abgefordert. Er hatte diese erlegt, und war nun voller Erwartung des kommenden. Man lies ihn aber etwas sehr lange warten, und seine Geduld wurde zwar nicht erschöpft, aber seine Begierde andern zu helfen verleitete ihn. einem Fremden der zu ihm kam eine einzige Addresse mitzutheilen, damit er wüßte wohin er sick zu wenden hätte. Dieser Fremde war niemand anders, als ein Abgesandter dieser nehmlichen Gesellschaft, und sollte es eine Prüfung seiner Verschwiegenheit seyn. T 4'!) Det- S?6 1°) Dergleichen Prüfungen aber kau ich nnmoalich biliigen. Ich nenne sieFallstrike, die gelegt werden, und in welche auch der stärkste fallen kan, weiser von Schwachbei« ten nicht ausgenommen ist. Vielleicht hatte man auch andere, Ursachen, wovon unten mehr. Kurz nach diesem Besuche kam ein Brlesmlt 8 Thalern an den erwähnten Mann Man hatte ihm darin nichts weiter als einen Spruch 6»s d m Sirach angegeben, und wie er ihn Nachschlug, betraf er die Verschwiegenheit. Eine größere Bestürzung, als der Mann hierüber halte, ist nicht leicht zu finden, und vb gleich eim'ae Jahre verflossen find, so trautet er doch neck immer wie über ein verlohrncs Kleinod, das er nicht wieder erhalten kan denn sein Enthusiasmus dafür war zu gros,' als daß er hätte sollen verringert werden, da man ihm die ganze Last des Vergehens auf seine Schultern legte. Und wenn die Nvseukreuzer darauf sehen, fleißige, gcschikte und im Forschen der Natur bewanderte Männer unter sich zu haben, so hätten sie diesen nicht sollen fahren lassen, der ihnen gewis Nnzen gesckaft, und wenigstens alies mit guten Willen und guten Fleiß würd« gearbei« gearbeitet haben, was sie ihm zu arbeiten ausgegeben. Wenn aber nun, wie wir andern, die wir nicht von diesem Emhnsiasmus angegriffen sind, sehr vermuthen können, nickt die Versckwidgcicheir der Grund dieses Verfahrens war, wenn wir nicht glauben kennen, daß die'Rosenkränze,' einer weggegebenen ganz unschädlichen Addresse wegen, einem Manne van bekannten Verdiensten in ihrem Fache, den sie selbst gelob.t, den Zugang zu ihnen versagen konnten, wenn wir auch nicht für möglich halten, daß ein solcher Fallstrik jemanden, um her bloßen Prüfung willen gelegt werden kan: ff) Denn zwischen Plaudcrhaitigkeit, und Entdekunaen auf zudringliches Verlangen, ist ein großer himmelweiter Unterschied. Nur fteywillige Entdekung kan zum erster» gezehlt werden, und die Große des Fehlers ist weit größer bey denen die versuchen, als bey denen die versucht werden, und unter, liegen. so muß denn doch wohl eine andere Ursache da gewesen sc"m, warum die Nosenkreuzey diesen Mann nicht weh« vor das hielten, was sie vorher von ihm dachten. da sie ihn an sich zu ziehen suchten. Zweyerley kömmt mit hier glaub« sich vor. §. w. 2yF sh Entweder die Rvscnkreuzer fanden, daß der Mann dringend auf dasjenige bestehen würde, was man ihm verspräche, und da sie sich zum voraus nicht im Stande fühlten, das auszuführen, so wollten sie sich nicht mit ihm in Velegenheit sezen, und suchten also sich hono nxxio von ihm loszumachen. Und wenn das der Fall ist, so handelten sie richtig gut, denn jeder muß zu seinem eignen Nuzen handeln. t) Oder sie glaubten, nach dem Rufe den der Mann hatte, von ihm etwas zu lernen, und von den geheimen Kenntnissen die er hatte, etwas für sich wegzuschnappen. Und da der Mann offenherzig genug war, es geradezu zu gestehen, daß seine Kenntnisse blos theoretisch wären, so sahen sie, daß da nichts zu bekommen war, und sehr leichtgläubig, und brauchbar für sich fanden sie ihn also auch nicht weiter. Alkes dies ist aber nur als Hypothese gesagt, nicht als Gewisheit, und somit hoffe ich, kan sich kein Rosenkreuzer über mich beschweren, denn ich will nicht sagen, was er ist, das kömmt ihm zu, sondern was er wohl seyn könnte, weil er nicht sagt, was er ist. TY- §.». Der Begriff also, daß die Gesellschaft derRo- senkrcuzer' eine fruchtbringende, eine avgcmein rmzbaresey, daß sie wichtige'Mcre habe. findet nach der Ausführung des roten und ntcn§. nicht statt, und kan von keinem Laycn angenom- inen werden. *) ES folget von sich selbst, wirb aber um allen falschen Auslegnngen zuvorzukommen, hier wiederholt, daß sie in ihrem Wesen wich. lige Zweke haben, daß sie GrundKze, daß sie Geheimnisse haben kan, die fruchtbringend, allgemein nuzbar werden kennen, aber sie sind eü nicht, und also findet der Begriff nicht statt. Denn was allgemein nuzbar ist, daß muß, wo nicht jedem, Loch vielen besannt seyn, was fruchtbringend ist, besten Flüchte muß man wahrnehmen können. §. r». Wer also die Gesellschaft der Rosenkreuzer als eine solche annimmt, der folgt dem Wahne seiner Einbildungskraft, und muß es also blos einem Mlichm Erfolg seiner Einbildungskraft zuschreiben. wenn seine Erwartung nicht betrogen wird. Wird aber seine Erwartung betrogen, so kann er sich bey niemanden als bey sich selbst beklagen, denn er dachte nicht gehörig nach VernunftSchlüffen, und handelte ohne überlegt zu haben. ») Wenig, Wenigstens im stall er sich ärgert, daß er seine Erwartung bewogen fand, denn wem, das nicht geichahe, so dien, es blos zu einer kleinen Lehre, in« künftige n.hk so leichtgläubig zu sey», und seiner Einbildungskraft nicht so viel Raum über sich zuzugestehen, s- Wer also die Gesellschaft der Rvsenkreuzer nicht als eine solche anm'mt, der muß, wenn er den Awek hat, der Menschlichen Gesellschaft so nüzlich als möglich zu werden, nicht dazu gehen, wenn er auf eine andere Art der menschlichen Gelcllschgft nüzlicher werden kan, als durch diese Verbindung. Dieser Saz erfordert einige Erläuterung. Die Verbindnng der Rosenkreuzer kan unter sich den grossen ausgebreitesten Nuzen haben, kan vielleicht, so sehr auch die Beweise uurev ihren Brüden, dagegen streiten, sie so glüklich machen, wie sie in irgend einer menschlichen Gesellschaft sey» können, wenn ihre Neigungen eben zu den Neigungen, Endzweken und Aussichten dieser Gesellschaft passen, und ihr angemessen sind. Da aber da« ein sehr seltner Fall seyn muß, so sonnen auch nur wenige durch sie glüklich gemacht werden, wie man auch täglich g jroÜHtiori den Beweis davon sehen kau. t) Der Zvl f) Der größere Theil ist unzufrieden, daß er dabey ist, weil er nichts weis, der kleinere Theil, der etwas weis, ist vielleicht unzufrieden ohne es zu sagen. weil er;n klug ist. siä, blos zu geben, und öffentlich darzulegen, daß er übereilt handelte. Und je weniger Menschen es denn null Kickt, die für den eigentlichen Zwek leben, mit welchem diese Geselischastzu schaffen hat, desto mehrere werden von andern Aussichten, jüvon Pflichten, die ihnen obliegen, abgehalten, D Es ist fast kein Mensch, der nicht eins gewisse Bestimmung haben sollte, nach wel. cher er seine Handlungen einrichtet, oder Nach welcher er auf diese oder eine anders Art Äuzcn stiftet, und für die menschlichs Gesellschaft wirksam ist. Diese Wirksam« keir ist ihrer Folge nach in einem gewissen Zirkelder menschlichen Geschäfte, und menschlicher Glükseiigkeit. und diese wird anfalle Fälle gestört, wettn die Wirksamkeit eines Menschen ins Scvken gerätst. So wie nun das Triebrad wichtig oder nicht wichtig ist, so wie es Beziehung auf wenig oder Wels UM sich her hat, nach dem Maasstabe wird das ganze viel oder wenig gestört, Und ritt kleinerer oder ar'oßerer Theil der Maschine außer Wirksamkeit gesezt. sk*) NM gar **«) Nun aber ist nichts gewisser, als baß der Mensch durch die Aufmerksamkeit auf das eine von der Aufmerksamkeit auf das andere abgelenkt wird, folglich der sich den Geschäften der Noscnkreuzerey mit Eifer widmet, natür- lieh seine übrigen Geschäfte nur läßig treibt, und sich dieses mehr zum Endzwek macht als je» nes, welches doch vorher sein bestimtes war. -f) Einer Sache, die ich mir schon vorher als idealisch vorstellen muß, mich zu unter, ziehen, dazu wird allemahl mehr Enthusiasmus erfordert, als zu einer Sache deren Zwek mir klar vor Augen liegt. Dennich muß hier die Einbildungskraft zu Hülfe nehmen, und diese ist allemahl die Mutter des Enthusiasmus. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß jeder der zur Gesellschaft der Ro-> senkreuzer übergehet, seine Geschäfte, wenigstens bis er des NichtüErfahrens überdrüssig wird, versäumet, und also dem einem Zwcke entzieht, was er dem andern widmet. »»*») Wenn nun der Zwek dieses Menschen, dem er vorher, ehe er Rosenkreuzer wurde, entgegenarbeitete, gut war, und plan vorsek- - nen Augen da lag, der Zwek der Noseu« kreuzerey aber, wie wir schon bewiesen haben, weder plan vor Augen dargestellt liegt, noch auch 3°Z «uch irgend jemanden beweiölich nuzt, so ist eS gewiß, daß die Rosenkreuzer der menschlichen Gesellschaft, ein nüzliches Mitglied entziehen, und auf so lange es;n einem nnnnzen machen, bis sie beweisen, daß er in seiner neuen Beschäftigung, und seinem neue» ZwekemehrNu« zen stiftet, als in der alten. »»«>») Folglich handelt auch jedes Mitglied der menschlichen Gesellschaft unrecht, welches sich aus einem bestimmt Wirkungskreise entfernt, um in einen unbestimmten einzutreten, und es giebt nichts was dieses entschuldigen kan, denn Hypothesen sind nie Wahrheiten gleich. §. Gesezt auch die Nosenkreuzer hätten die besten Absichten und den besten Zwck, gesezt auch sie hätten Geheimnisse unter sich, womit sie ins geheim taufende glüklich machten, gesezt auch sie hätten es im Forschen der Natur sehr weit gebracht, und hätten Hofnung es noch'weiter darin zu bringen, und brauchten deswegen Mitglieder die sie vorher genau und gehörig prüfen mästen, so ist der Weg den sie einschlagen, diese zu wählenden Mitglieder kennen zu lernen, falsch, und unrecht. §.-6. Er ist falsch, weil sie unmöglich so hinter die wahre DenkmigSart einer Menschen so schnell kom- 3 04 »jß, kommen können, wie sie eö auf anbetn Wegen konnten, ohne daß sie deswegen sich blos zu geben, nöthig hätten. *) Es ist wahr die Gesellschaft der Nosen- kreuzer arbeitet gewis in der Stille, und man sieht keine öffentlichen Unruhen durch sie auf» stehen. Aber desto wehr Unruhen erregt sie in den Herzen einzelner Menschen. Wem sie sich auf gewisse Art zu erkennen giebt, dem kündigt sie sich so gros, so vielbedeukend, so wichtig an, daß er von nun an sich in ein Elysimn versczt ztt seyn träumt, daß er glaubt, nichts gehe über seine Glükseligkeit, daß er sich Chimären Met, und alles was nicht in sein neues System gehört, schlechterdings als unbrauchbar verwirft. »*) Nun ist es zwar wahrscheinlich, daß sein Enthusiasmus auf einen hohen Grad gereizt ist, und möglich daß die Rosenkreuzer diesen Enthusiasmus für ihre Geschäfte zuträglich Und vielleicht nothwendig hatten, aber auch eben so möglich, daß sein Enthusiasmus sich auf eine falsche Seite lenkt. Und dann ist der enthusiastische Zustand des Menschen nicht allemahl der Zustand seiner Peüsung, und man siehet da am allerersten» aus falschen Gesichtspunkten, nimmt Menschen für das was sie nicht sind, läßt sich durch ihr r°5 ren Enthusiasmus zu gleicher Aufwallung bewegen, entdekt was man nicht crkdeken sollte, und sieht sich dann genöthigt, den Weg, den man einmahl zu tief hineingegangen, wie. der zurükzugchen. Haben die Rosenkrenzer nicht Beyspiele genug davon. Was sind ihre Sekten, und ihre Ausstoßungen aus dem Orden für Beweise? Keine als daß sie falsch urtheilten, und wer falsch urtheilt, der prüft falsch, das ist ein wahrer Grundsaz. -f) Wenn aber die Rosenkrenzer anstatt ihren Zöglingen den Weg voll Rostn zu mahlen, den sie ihucn-hernach doch dornigt zeigen müssen, gleich von Anfange die wahre Gestalt darstellten, nicht von LuftSchiös- sern, und Träumen von Glukseligkeit re cken, sondern sie auf der Erde bey dem gewöhnlichen gut und böse untermengten Pfade bleiben ließen, und sie daraus fortführten, so würden sie sehen können, ob sie Schüler wahrer Weisheit seyn konnten, ob sie Hofnung hatten, siezn wahren»neigen, nüztgen Forschern der Natur zu machen. Denn Enthusiasmus ist hier zwar gut, ist er aber nicht mit Ficis verbunden, so geht er gemeitkiglich in ein weit leereres Nichts znrük, als woraus er entstanden war. U f) Ueler, Zv6 s) Ueberhaupt sehe ich nicht ein, wozu alle die Versprechungen und all die prächtigen Aussichten dienen sollen, die die Rosenkreuzer ihren Zöglingen machen. Au einer guten Sache habe ich ja keine Lokspeise nöthig. Sie kokt von sieb selbst an, und macht ihre Verehrer zu ihren Sklaven, denn der Sache, die wir als gut ansehen, dienen wir gleichsam an sie gefesselt. §>-7- Aber der Weg, den sie einschlagen, ihre künf. tigcn Mitglieder kennen zu lernen, ist auch iin. recht, denn sie stiften dadurch Schaden, daß sie viele Menschen der Welt entziehen, und viele Menschen sich selbst, das helft, sie verderben sie in sich. -»-) Um einen einzigen an sich zu ziehen, ei' nem einzigen etwas zu encdcken, sich an taufende zu machen, allen etwas vorzuwählen, wodurch sie zu falschen Ideen hingerissen wer. den, den Erfolg zu bewirken, daß unter taufender, diesen eine oder vielleicht fünfzig zufrieden, die übrigen aber unzufrieden,sind, das kau unmöglich ein gut eingeschlagener Weg seyn, Glich unter einige zu bringen. Es helft zwar, es ist besser einer sterbe, als daß das ganze Volk umkomme, und es giebt FaE wo d:es wnrk- ljch applikabcl ist, und wo wir trvz aller Mensch- ZO7 llchkeit, die wir auch habe» konnte», dennoch hierzu ja zu sagen, gezwungen sind. Aber nie habe ich noch gehört, daß eSgursey, daßhnn- derte ungluklich werden, damit einer glüklich sey, ob cS gleich sehr oft der Fall unter uns Mcnschcnl indem ist, und dieser Fall nicht so gc- nau genommen und betrachtet und ansein- andergesczt wird als jener, da er doch von der grosten Wichtigkeit ist. »») 2llle diejenigen nun, welchen die Rosen« krcuzer einen großen und wichtigen Begriff von ihrer Gesellschaft beybrachten, und ihn ihnen in der Folge der Zeit nicht erhalten konnten, alle diejenigen die sie annahmen um sie zu prüfen, die sie hernach nicht tüchtig fanden, nicht weiter bey sich beförderten, sondern sie in Ungewißheit ließen— die aber doch ihr Augenmerk auf die Sache gerichtet hakte», und ohn. geachtet ihrer weniger!, Fähigkeiten sich eben so sehr als andere berechtigt glauben, die Stufen der hohem Weisheit zu betteten, folglich alle die miülaunig und vecdricslich darüber ihre Geschäfte versäumten; alle die sich gleich anfangs aus dem Zirkel heraus drängten, in den sie, ihre Bestimmung geführet, um in diesen zutreten, der ihnm behaglicher vorkam, eS hernach bereueten, und mit der Unmöglichkeit wieder in ihren Zirkel zu treten von Seiten ,der Kon- tt r vcnzio- zoZ venzionen, auch die Wirksamkeit von Sn'ten ihrer Seele verlohren, sich in einen andern Kreis von Geschäften zu werfen;—- alle die durch die Einbildung die sie sich gemacht hatten, auf Wege und Handlungen kamen, wo sie irrigen Zweken nachgiengen; alle diese sind auf dem Gewissen der Nosenkreuzer, denn sie verführten und verleiteten sie. ***) Aber auch selbst über alle Laster derer sind sie Rechenschaft zu geben schuldig, die auS ihrer Mitte, durch ihre Versprechungen und Aussichten die sie hernach nicht erreichen könn- ten, angelvkt, sichS einfallen ließen, in der Welt umherzugehen, um durch Betrügerehen, durch Nachäffung dessen was sie von wahren Brüdern sahen und horten, Geld zu schneiden, und Menschen zu fanget,. Kein Ausstößen, kein Bann, und kein Fluch, macht das gut, und nimmt das Uebel hinweg, daß sie ihm diese Macht in die Hände gaben. Immer sind sie die Grundursache, daß es geschieht, und daß es geschehen kau, immer müssen sie Rechenschaft davon geben, daß der Betrüger, wenn er auch nur glaubt, durch sie betrogen zu seyn, wieder betrügt. f) Es giebt eine Wahrheit, die heist: Wer sich in die Gefahr begiebt, der wird darin umkommen. Und ihr Stifter dieses Lrdens, ZOY Orden«, ihr Fortpflanzer desselben, ihr wogt noch so hohe Begriffe davon vorgeben,ihr hobt euch in eine Gefahr begeben, und ihr weidet darin umkommen. Ihr seyd darin umgekommen, denn ihr müßt es wissen, daß alle die, so aus euren Kreisen schlecht wurden, durch euch und um curemwillen es wurden. §.-8. Wenn die ächte Gesellschaft der Rossnkreuzer ssch in einige« Gewicht in Ansehung ihrer^.wike sezen will, so muß sie nicht allen', buch m, von denen ich vorher gesprochen, ausführlich w'' bar und anschauend machen, sondern sie muß sich eu ch, in Ansehung der Sekten die neben ibr aussieben purgiren, und ihre Aechcheit und Reinigkeit be, weisen. *) Wenn Rosenkreuzer aufstehen, die unter dem Namen der ächten Bruder ihre Cache aufklaren, und vertheidigen sollten, anstatt dessen aber blos sie unter dem Dekmautel eines Geheimnisse« auszubreiten, und ihre eigne Zahl zu vermehren suchen; wenn zu gleicher Zeit andere falsche Brüder unter dem Namen eben . so ächter auftreten, und sich als die wal ren Beförderer aller Weisheit und vcrbrraeurr Wissenschaften auswerfen, und die erstern weben nicht die Welt für einer solchen Betrügern, zu U; warnen, -so warnen, sondern überlassen diese ihnen zukommende Pflicht, Layen, so fallen sie in den Verdacht, daß sie eben so wenig achte Rvscnkrcu- zer sind. f) Ich spreche hier von dem bekannten Büchelchcn: Ueber Jesuiten, Freimaurer, und demscke Roscnkreuzer. Der Verfasser spricht darin nun sehr deutsch und deutlich über alle Rosenkreuzerey, und wirft sie so ziemlich in eins zusammen, so daß er aller! jezt exsscirende z» seinen deutschen Ro- senkreuzern zählt, und keine Ausnahme unter ihnen macht. So wenig ich nun selbst dieses zugeben mochte, weil ich würkliche Hochachtung für einige unter ihren Mitgliedern habe, so bin ich doch von der wahren Richtigkeit der Stelle, die in diesem Büchelcben angeführt wird, überzeugt. Und obgleich die Macht ihrer Ausbreitung etwas gesunken ist, ich auch selbst von Leuten, die ehedem die grasten Versprechungen in ihren Briefen an Neulinge machten, ihnen Gehalte, und Ehre zusicherten, weis, daß sie fremde Länder gesucht haben, um dort unterzukommen, und selbst Brod zu finden, so episiirt die Gesellschaft doch immer noch, macht hin und wieder, obgleich vorsichtiger wie ehedem An- zu Anschläge, und wird wahrscheinlich noch vie« le Menschen, wenn sie sich nicht Huten, m Schaden bringen, und sie Schritte thun lassen, die sie hernach bereuen. Ich habe selbst Muthmaßung, daß der Mann dessen ich oben Erwehnung gethan, «. von dieser Sekte angestekt, und ausgenommen worden. Er ist aber si u du,>r -steit nicht mehr so offenherzig gegen m.ch wie sonst, und ick bin also nicht im Stande, Gcwisheit darüber zu geben. 24 ,mc-e lyn in Ansehung seines Studiums auch st-r«' niger Zeit etwas verändert, und ich muty- maaße^ daß er selbst fühlen mag, daß er hintergangen ist, welches mir um fern selbst willen sehr lieb seyn sollte. **) So bald also diejenigen, die würlüch ächte Rosenkrcuzer zu seyn glauben, n.'.d>c- haupten, nicht das von sich ablehnen,, diese Schrift und andere Schmähschriften wider sie sagen, so verwechselt man sie mit g'.nn. Ich kan dieses kleine Büchelchen, auch nn^ würklich ächte Rosenkreuzerey eristirt, nmu nn- ter die Schmähschriften rechnen, denn cw Wahrheit schmähet niemanden, und die> e- rechngkeit stellet den Schurken, als emm solchen dar. U 4 Der Der Verfasser der Schrift redet fteyniüthi'g tNtd will durch Dokumente beweisen, was er sagt. Ick kan ihm das glauben, ob ich gleich nichts ven der Art, wie er tagt, durch Doku. Meute beweisen kan, wohl aber alles beweisen, was ick sage. Indessen ist meine Sache grö. stentheils auf Schlüsse gegründet, die nicht trügen, und mein Zwek bekannt. Dieser Mann vermengt nun zwar die Verfasser des Kompasses der Weisen. des A b c vom Stein der Weisen, mit denen übrigen, die die falsche Sekte ausmachen, sczt also den Phaebeon und den Magister Planes in eine Klasse, da dieses doch verschiedene Leute sind. Aber es ist ihm das eben so wenig zu verdenken, als es mir der Gedanke war, das; beyde vielleicht einstimmig zusammen seyn könnten, und wenn das wäre, so waren wir andern, die wir noch etwas auf die ächte Rvscnkreuzerey halten, sehr betrogen. Bey allem dem sagt aber der Verfasser dennoch gleich zu Anfange seiner Schrift, er rede nicht von den wahren Rosenkreuzern, sondern von den AftcrRosenkreuzcrn, wie er diese heutigen nennt. Er muß also doch wahre Rosenkreuzer annehmen, und von eben diesen rede ich. Setze er sie so weit hinaus als er will, nur nicht in daS Nichtwahrseyn, denn wenn zn weitn sie nicht existirtcn, so wäre es thorigt, hier weiter von ihnen zu reden. Aber sie-xi- siircn wirklich, und es wögen ihrer nun so wenig seyn als es wollen, ss ist es dcch einmahl gewi's, sie sollten alles vor der Welk aufdeken, was nicht wäre, und sich legmmireii. §. Und gesezt auch, der des Buchs; Aeber Jesuiten, Fresmanrcr, unv heutige deutsä?c^osenkrcuzeu hätte recht, und selbst was ich hier die ächte Gesellschaft der Nvjcnkreu- zer nenne, wäre sie nicht, sondern wäre auch eine sal« sche, und die wahre Roseukreuzerey erhielte sich nur unwr witugen,' oder gar keinen Mitgliedern in Deutschland, sondern blos in auswärtigen Ländern wäre auch ihr Häuflein so klein, daß sie lein Aussehen zu machen vermochten, ihr Wirkungskreis so enge, daß sie nur unter sich zu wirken hätten, ihr Zwek so rein, daß er nicht allein niemanden schädlich, sondern sogar vielen nsizlich wäre, und endlich ihre Bestimmung so beschaffen, daß sie auf keinem andern Wege mehrNuzen stiften konnten, als auf diesem, so wären sie doch schuldig, diesem Unfuge zu steuren. *) Es ist gewis, daß nur das ächte Daseyn einer Sache, dem verfälschten Daseyn derselben die Existenz geben konnte, ist gewis, daß U; nur mir durch ächte Rasenkreuzer falsche entstehen konnten, denn wo keine Ursache ist, da ist keine Wirkung. Wenn also die Verfasser des Kompasses der Weisen u. a. m. nicht achte Roscnkreuzer sind, so folgt daraus zwar noch nicht, daß meine oben gegebene Muthmaßung gewiS ist, daß Phaebeon und Magister Pianco in ein Horn blasen, und mit gesamter Hand die Welt zu betrügen suchen.es folgt aber doch dieses daraus, daß Magister Pianco sowohl als Phaebeon und seine Anhänger und Obern alle Betrüger nur von einer verschiedenen Sekte sind, und daß wir in der Gefahr sind, von, zween betrogen zu werden, da wir uns nur für einen zu hüten, nöthig zu haben glaubten, daß wir also viel übler daran, wenn die Hauptguclle, die wir uns wein dachten, vergiftet ist, anstatt daß wir nur eine Ncbenquelle davor hielten. f) Man muß sich mit allen diesen Herren etwas in acht nehmen, und ich gehe deswegen so vorsichtig zu Werke, daß ich hier wieder anführe, daß kein unimus>n- snnancü bey mir herrschet, und ich blos aus der Lage der Sache schließe. Hat der Verfasser des erwähnten Büchleins unrecht, so habe ich mein pniitO se6 non concesi- so dagegen eingewandt.>Zch und kein Mensch z:; Mensch meines gleichen vermag ja dieses Nazel anftulöstn, und da ich blos nach Schlüssen handelte, und mich wohl dabey befand, so will ich meine lieben Mitmen, scken gern aufdie Bahn bringen, auch nach Schlüssen z» handeln, wobey sie sich auch wohl befinden werden. *»*) Und diese beyden Sekten hätten also doch ihre Entstehung den ächten Nosenkren- zcrn, ihren Ruf ihren Schriften, oder ih. renmündlichen Traditionen zu verdanken, denn wie wollten sie anfeine andre Weise zu dieser zu bestimmenden Epoche gekommen seyn. f) Es wäre ein anders, wenn sich diese verschiedenen Sekten für Stifter, und sie ihre Gesellschaften für Stiftungen ausgäben. Aber sie berufen sich ja alle auf ältere Stifter, auf Dokumente, auf wieder gefundene Urkunden und Gebrauche. Sie sind also immer nur Nachfolger, die sich selbst verführten um andere wieder zu verfuhren. Es m'ogcn also die wahren Rvsenkreu- zer aus S, in dem ganzen WeltRund zerstreu-- ten, besonders Weisen Menschen bestehen, oder es mag dies wieder eine falsche Sekte seyn, von welcher der Ruf gehet, und mögen die ächten noch verborgner seyn, als diese, so ist cS der ächten Pflicht, allen dem Unpsi Einhalt zu zu thun, eine Sekt-- wie die andre für falsch zu erklären, so bald sie nicht von ihnen zu ihrer Existenz berechtigt ist, und f Wenn sie in ihren Säzen und Wissenschaften und ihrer Existenz so verborgn seyn wollen, daß niemand etwas wissen soll, sich zu erklären, daß sie keinen einzigen Weg einschlügen Mitglieder an sich zu loten, und also alle, die deswegen auf diese oder jene Art handelten, für falsch und un- ächt erkannten, alle Rvssnkreuzcrey die unter so vielen raufenden herrschte, verwürfen, keinen Antheil weiter an irgend etwas nahmen, was darin vorgienge, und sich ganz frey von allein Betrug gesprochen wissen woll- ren, der ferner ausgeführt, und unter ihren Namen begangen würde, oder Ist) Wann sie würklich auf diese oder jene Art Mitglieder zum künftigen Kom- pletiren ihrer Luken an sich zögen, der Welt eine Art von Versicherung zu geben, welches ohne eins ihrer Geheimnisse zu entdecken geschehen könnte, daß sie nicht ein Mitglied welches der menschlichen Gesellschaft ohne den Zutritt zu ihnen mählicher seyn könnte, ihr entziehen, keine schwärmerische Träume unter leichtgläubige Menschen brüt- gen, und niemand hintergehen wollten, wchugenfallS *) Sie Z!7 Sie alles däsienige auf sich laden, was Unwissenheit, Betrügerei), Bestzeit, Schwärmerey, Aberglauben unter dem Namen der Nossukreuzercy in der Welt übles hervorbringen, und gebracht haben, jedes früh oder spat verantworten, und sich lelbst gestehen müssen, daß sie obwohl wider ih- ren Willen durch ihre Stifter und durch sich, kurz, durch die ganze Anlage ihrer Sache Gelegenheit zu allem dem gaben. tz. oo. Nach diesen Betrachtungen ist also auch von der Gesellschaft der Rosenkccuzer nicht einmahl ein Begriff ftstzusezen, daß sie eine einige unter sich zusammenhaltende sey, ja nicht einmahl der begriff, daß sie auf gewissen festen Grundsäzen ruhe. *) Der Beweis von diesen ist eben aus dem vorigen zu nehmen. Ware sie einig, so wären keine Spaltungen darin, so würden die Mitglieder weder mündlich noch schriftlich gegen einander handeln, und stünde sie aussesten Grund- säzen, so wäre es ja denen, die dieses kontieren undwüßren, ein leichtes, alle AfterNob u« kreuzer zu schände zu machen. Ich rede hier wieder von der Hypothese die Layen wachen können, und nickt von dem was ächte Rosen- kreuzer darüber zu bestimmen im Stande sind.j *) Weil Z!8 Der Begriff folglich, den sich ein Laye der noch keine Kenntnis von dem Orden hat, nach dem was er davon zu erforschen im Stande ist, machen kan, ist, daß sie eine höchst dunkle, unbestimmte keinen offenbaren Nnze» stiftende, für ihn aber sorgfältig zu vermeidende und fast gefährliche Gesellschaft sey. *) Was in diesem§. in Ansehung der Ge, sellsehaft der Rosenkreuzer gesagt ist, das ist in allen den oben angeführten bewiesen worden, und hat also keiner fernern Wiederholung von nöthen. Was aber das den werdenden Rosenkreuzer angehende betriff, so muß ihm dies freylich etwas deutlicher gemacht werden, damit er nicht glaube, daß man ihn hintergehen, und von einer Sache hinweglenken wolle, die ihm bey allen diesen Uebeln dennoch noch gut vorkommen, und er sich den Treffer auf die ächte Gesellschaft leichter denken könne, als er ist. Er muß sie deunach vermeiden, ja sie ist ihm gefährlich, s) Weil es gar keine Wahrscheinlichkeit hak, daß er der achten Gesellschaft werde einverleibet, und mit ihr werde vereinigt werden, und zwar deswegen Z19 -») Weil die ächte Gesellschaft sich nie, Mahls die Mühe um ei» Mitglied geben wird, die sich die falsche giebt, denn die falsche hat Absichten, die die Mehrheit der Mitglieder erfordert, muh folglich wehr darauf bedacht seyn, Lente an sich zu loten, und in ihr Garn zu ziehen. Weil die falsche Gesellschaft sich so sehr, das Ansehen der rechten giebt, und Liese nachäffet, daß sie nicht van ihr, am allerwenigsten von einem Neulinge in der Sache zu unterscheiden ist. -f-s) Weil er also, so bald er in eine falsche Gesellschaft kommt, auf einen Irrweg geführet wird, von dem er nicht wieder zu« rükgeführct werden kann. Denn der ächte Rolenkrenzer wird viel lieber einen Neuling in seine Mitte aufnehmen, als einen, der schon durch falsche Wege, falsche Begriffe erlanget hat, welche auszurotten, immer schwerer ist, als neue Begriffe einzuprägen. sich) Weil er durch den Eintritt in diese Gesellschaft, besonders aber durch den Eintritt in eine falsche Sekte derselben Gefahr lauft, von seinen bestimmten Beschäftigungen, ja von seinen Pflichten abgehalten zu werden, Gefahr lauft durch die Entfernung von seinem WirknngsKreise, laßig in den Psiich. Pflichten gegen sich und andere zu weiden, auf Beschäftigungen zu gerathen, die denen, derer die ihn verführt haben, gleich sind, Gefahr lauft wieder andere aus falschem Enthusiasmus, oder aus gedrungner Noch, oder aus erwcktcr Bosheit zu verführen, und so ein Werkzeug des Verderbens für sich und für andere zu werden. sfff) Weil er, wenn auch nicht sein Herz zur Bosheit und sein Geist zum falschen Enthusiasmus crwekt würde, doch durch Bosheit und Betrügerey um seine zeitliche Glückseligkeit gebracht werden kan, entweder Unmittelbarerweise, indem man ihm durch Geldschneiden sein Vermögen nach und nach weg nimmt, oder **) Miktelbarmdem man ihn anfJdeen bringt, wozu er selbst sein Vermögen verschwenden, seine Geschäfte veniachiäßigen, oder seinen Dienst verlieren kan.' §. 22. Wer nun diesem allen ohngcachtet, bey diesem wohl überlegten und uunmchr festgesezken Begriffs von der Gesellschaft der Rosenkreuzer, sich dein ersten dem besten in die Arme wirft, der ihm von dieser Gesellschaft vorerzahlt, und ihm den Mund dar« zri darnach waßerich macht, der ist unter die Thoren zu zählen, und alle'Arbeit an seiner Besserung ist vergebens. Man konnte vielleicht denken, daß dieser tz. überflüssig wäre, und ei» jeder von sich selbst einsähe, daß es Thorheit sey, unter sol- ehe» Umständen, sich auf dergleichen einzulassen, allein man irrt sich sehr, wenn man daS denkt. Es giebt der Menschen die unwissend genug sind, das nicht einzusehen, was man ihnen so deutlich vordemvnstrirt, und die eigensinnig oder boshaft genug sind, eü nicht einst» hen zu wollen. Zur Belehrung der erster», nnd Besserung der lezcern muß man also dies so oft wiederholen, als man kau; wenn man auch dadurch nichts ausrichtet, so hat man daS stiuige gethan. f) Ich glaube auch nicht, daß ich durch dieses so viel erlange, daß keine Mitglieder zur Nostnkreuzerey sich mehr finden. Es giebt der Thoren unterm Mond zu viel, als daß auch diese gepredigte Wahrheit mehr sollte verlacht werden. Wie vül Menschen giebt es nicht, die wenn man ihnen auch ei, nen guten Weg zeigt, indem sie aus einen schlimmen gehcn, dennoch den schlimmen X behai. "" §. 2?. b 2 2 behalten, und den guten verwerfe», weil sie entweder klüger zu seyn glauben, als der, der ihnen es sagt, oder weil sie zu stolz sind, von dem einmahl angetretenen Wege zurük zu gehen. -f^) Es wird nicht allein die ächte Ro« senkreuzerey bleiben— ächte Rvsenkrenzer werden ihre Mitglieder finden, ohne sie zu suchen, und uuachte werden sie suchen und finden, sondern es werden auch der Betrüger und der Sekten noch mehr werden, und der Detrognen ebenfalls. Aber wenn ick nur den Endzwek erreiche, einen Menschen davon zurük zu halten, dessen Loos war betrogen zu werden, dessen Pslichtenihn aufriefen, es nicht zu seyn, dessen Herz ehr. lieh war, und hätte können verführt werden, so habe ich Belohnung in mir: Wenn ich nur einen dieser Asterbrüder der Rosen- kreuzer, dsr noch ein ächtes Herz im Leibe trägt, abhalte, mehr zu hintergehen, ihn von einem schwärmerischen Eüthufiasmus zurük halte, oder ihn auf Pflichten leite, die er ausführen muß, und versäumt hat, so hin ich schon zufrieden. §. 2). Soll«lso nach diesen fesigeseztcn Begriffen der Roftnkreuzerey eine Gesellschaft aufhören, die sich so viele Jahrhunderte erhalten hat, und soll ein System, wovon man doch den Grund und die Zweke noch nicht einzusehen fähig ist, zu Grunde gehen? ») Keineswegs, ist hierauf die richtigste und entscheidende Antwort. Warum sollte ei. ne Gesellschaft, die einen guten Grund Haben kann, aufhören in Verbindung mit einander zu stehen,'wenn sie Rcchtschaffenheit hat? Sie soll nur zeigen, daß sie das ist, und dann kan sie in ihrem kleinen WirkungSKreise fort. wirken, und fortarbeiten. §. 24. Und welches sollen denn die Mitglieder dieser Gesellschaft seyn, wenn ein so übler Vegris von ihr alle die sich ihr nähern zurük schrekt? 2) Hieraus antworte ich: Alle die sieh ihr nähern, können keine üble Begriffe von ihr haben, nur die, denen sie sich nähert, sollen und müssen sie haben, und müssen auch nicht X 2 eher Z24 eher davon abgehen, bis sie vom Gegentheile fest überzeugt sind. f) Alle die sich ihr nähern theile ich kn zwey Klassen. Endweder sie thun es aus dummen Stolze, und diese werden gewis abgewiesen werden, wenn sie vor die rechte Thür kommen, denn von den falschen ist hier nicht mehr die Rede. Man kau sie da nicht brauchen, wo wahre Weisheit ist, die sich so wenig mit aller Prahlerei) und allem Stolze verträgt. -fs) Oder sie thun es aus Wisbegierde und wahrem Fvrschungsgeiste, und da werden sie bald finden, ob sie etwas antreffen oder nicht, und werden sich nach den'Anzeigen davon entweder zurükziehen, oder sie werden Wahrheit und Weisheit sehen, finden und benuzen, und diese sind es denn, die wir ächte Rvsenkreuzer nennen können, und die als solche unsre Achtung verdienen. ») Von Hypothesen spricht man wie von Hypsthe'cn, sobald man uns die Wahrheit zeigt, werden wir die Sache als Wahrheit betrachten und vorbringen. §. r;- Z2Z §. Hieraus laßt sich also nicht der Saz feststen: Alle diejenigen, die in sich einen Trieb spüren, der Natur nachzuforschen, und geüeime Wissenschaften zu erlernen, alle diese sollen der Rosen- kreuzerey nachgeben, n e aber ihr folgen, wenn ihnen nachgegangen wird.--lie aber die dergleichen Trieb nicht in sich spüren, alle d:e andere PM-ren auf sich haben, alle die bloße Neugier. de zum Grunde haben, sollen davon bleiben. *) Der Mann dessen ich gleich oben im roten§. Erwähnung gethan, hakte gewiS die. seu wahren ächten Trieb, nnd hätte er nicht den ersten besten Antragen Gehör gegeben, würde er wahrscheinlich ein ächter Rosenkr zer geworden seyn, das heist, er wäre auf Leiter der geheimen Wissenschaften durch l Studium immer stufenweise höher gestiea bis ihn die ächten Roftnkrcuzer erbliket. ihn in ihre Mitte aufaenomr«-» hatten. 1) Alles dieses noch als Hypothese» sagt. E« kan seyn, er ist ein ächte« Ä glied, aber wie ich schon erwähnt hab es hat nicht das Ansehen dazu, und erselbf gab Gelegenheit das zu glauben. Aber X; schzt >>e Verfasser des Kompasses u. en wären der Zweig der ächten so sind sie doch ausgeartet, cht sich auf die oben erwähnte ! Welt legitimiren, und wer- unächt erkannt. H.-6. >lrt wird es wieder dahin kom-- war, daß nur wahre ächte Na- euzsr sind, und daß alles Spiel- ezt damit getrieben wird, ausjode Sache dem Miöbrauchun- die da existier, so war es auch erey, und so ist sie es auch noch. dem Misbranche, wenn er zu Inhalt gethan, und er gesteuert so ist es auch hier, denn nun ists Me summen. Es fehlt nicht der, der nur chynnsche Zeichen krenzer seyn, und Goldmachen ausende, womit man Armen nüz- .te, werden um eines Narren der Welt umherzieht, und sich üzer des philosophischen Steins aus- 327 vusgiebt, durch das Feuer verzehrt, und ein äußerst übler Gebrauch von den zeitlichen Gütern gemacht, die doch zu einem guten Gebrauche bestimmt sind. Menschen, deren Verstand ihren Mitbrüdern nuzen könnte, werden zu Narren gemacht, weil man ihre Köpfe mit Unsinn füllet, und wer am unsinnigste» schreibt, der tragt den meisten Ruhm davon. Schwärmer«) ist ein Weg sich beliebt zumachen, und Leute von wahren systematischen Kenntnissen helft man steift Scholastiker, die den Menschenverstand ain Drache ziehen wollen, §--7. Dies war von jeher der Weg bey asten besondern Fällen, die das Menschengeschlecht betrafen. Alle Revolutionen, die da einstanden, vergiengcn, so bald sie eine gewisseHöhe erreicht hatten. Auch die Narrheit kehrte»nrer mancherley Gestalten lange geschmeichelt, der Welt endlich den Rüken zu, und die Weisheit nahm ihren Plaz ein. *) Und warum sollte sie auch nicht jezt ihren Weg wieder wegnehmen, nachdem sie so lange geschmeichelt worden ist, unter einer Gestalt geschmeichelt worden ist, die unmöglich lange dar zr8 das Bild der Schönheit erhallen kan, sondern deren Jugend schnell verblühen, und Runzel» des Alters und der Häslichkeit ihre Stirn be- deken müssen. §. 28. Und wer sich nach diesem Begriffe die Gesellschaft der Rosenkrenzer denkt, und nach diesem Bil. de sich dazu entschließt oder nicht entschließt, der, hoffe ich soll nicht fehl gehen, er mag nun würk- lich Trieb zu diesen geheimen Wissenschaften haben, oder er mag blos eine Chimäre sich im Kopfgesezt haben, indem er sich die Sache unter einem andern Bilde dachte» Er wird gewiS im leztern Fall davon abstehen. Denn welchem nur mit halben Menschenverstände begabten Menschen wird es einfallen, einer Idee gerade entgegen zu han- dein, die zu seinem Besten ihm vorgelegt wird. Und im ersten Fall wird er sorgfältig prüfen, wird das schlechte verwerfen, und das gute behalten. §. 2?. Zum Beschluß folgendes: Es ist keinem, der Rosenkrenzer ist, er sey es nun ächt oder sahst), 329 eine Schande es zu seyn, so bald er es aus redlichen Absichten, oder aus Uebereilung seiner Einbildungskraft, oder aus Uebcrrcdung geworden, aber Schande ists ihm, er sey ächt oder falsch, wenn er es aus schlechten Absichten wurde» Wer es also ist, und hatte den hier gegebenen Degrif von dieser Gesellschaft nicht, und siehet, daß er richtig ist, und daß Wahrheit dahinter stekt, der sey deswegen nicht Unruhig, daß er in der Mitte einer solchen Gesellschaft ist. Ist er unter ächten,(ich nehme hier das Wort, in seinem ganzen Umfange) so werden sie ihm bald selbst die Augen darüber vfncn, und werden nach ihrer Rechtschasfenheit ihm zeigen, daß er nichts zu fürchten hat. Zst er unter falsche gerathen, so wird er sich so viel als möglich von ihnen zu« rük zu ziehen suchen, und hierin die Politik beobachten, die in unsern Zeiten keinem Menschen zu verargen ist, daß er nicht sich Menschen zu Feinden mache, die als solche ihm schaden können, wenn sie ihm auch als Freunde nicht dienen. *) Da überhaupt der Einfluß dieses Ordens nicht so öffentlich ist, und nicht so weit um sich gegriffen hat, wie wohl ehedem andere Verbrüderungen, die Macht, Gewalt und Ansehen besaßen, und nur mit vieler Ge. Y fahr st N D E, zzo sahe unterdrüst wurden, so hat kein Mitglied viel M fürchten, welches sich davon entfernt, da ohnedem ff) bekannt ist, daß der, welcher unrecht thut, allemahl furchtsamer ist, als der, welcher nach Recht und Gewissen handelt, und also der falsche Rosenkreuzer, der sich hierdurch getroffen fühlt, allemahl zurük gehen, und lieber stillschweigen wird, ehe er wünschen wird, in dem Lichte seiner schlechten Handlungen, besonders wenn er zu den Betrügern und Verführern gehört, vor der West da zu stehen, §. so. Und hiermit, geneigter Leser, endige ich diefe wenigen Bogen, und wünsche, daß sie eben so viel zur Aufklärung der Verblendung so vieler Menschen beytragen mögen, als ich den Willen hatte nuzbar zu werden, und in der Hosnung schrieb, zu leisten was ich dachte. Daß ich plane Sprache der Wahrheit, und der Schlußfolge aus dem was ich sahe, niederschrieb,, wird jeder leicht einsehen. «MW ^niv«r»!t8ts- Kueliblnöm'-Z sWsos^rssss 30 l8Stz^