Wiener- Zigät-Liblioitiek. 10062 iL. ^.> Der -Opfer-Tod. Ein Schauspiel I» drey Acten. />-- Kt Vor» August von Koßebue. Grätz^ 179s, Mei n em und der Menschheit Freunde, dem Freyherrn Peter von Braun, kais. königl. Truchseß und Vice-Dtrector sämmtlicher Hof- Theater, dem Manne, dessen Geist mit den Musen und dessen Herz mit der Tugend vertraut ist; weihen diese Blätter Hochachtung und Liebe des Verfassers. Vorbericht "—^er Opfertod, hat wenig Glück auf der Buhne gemacht, und ein gewisses Journals welches bey allen Gelegenheiten gern über mich herfällt, hat ihm, mit einem schneiden, den, spöttelnden Tone jedes Verdienst abge, sprvchen. Ich hatte es aber demungeachtet für Eines meiner bessern Stücke, vielleicht für mein bestes. Personen. Rob.'- Max««»,->» Lv-b-I-,!->»-^-»>»7 E^°'.7b«!V-7 Harrmgton, em alter Malwyn. Em Jude. Flood. Dum^rleö«. ,/r r- Erster Act. Ei» schönes Zimmer, mit wenig«» und schlechten Möbeln. Erste Scene. Arabella mtt Handarbeit beschäftigt. Die alle blinde Matter sitzt tm Sorgestuhl, und hat die Hände in den Schooß gelegt. Die Mutter. Thomas! Arab. Was befehlen fie, liebe Mutter? Mutter. Nichts, Frau Tochter, ich verlange den Thomas. Arab.(verlegen.) Thomas— ist krank. Mutter. Ist er krank? der arme Schelm! nun so mag ein anderer kommen. Arab. Kann ich ihren Befehl nicht ausrichten? Mutter. Je nun, wenn sie so gut seyn wollen. Ich verlange mein Frühstück, und habe die- sen Morgen schon dreymahl vergebens darnach gefragt. 8 Arab. Das Frühstück— ja liebe Mutter. (Gle läßt ihre Arbeit ruhen, und faltet seufzend ihre Hände.) Mutter. Des Morgens beym Erwachen, muß ich meine Tasse Thee und meinen Zwieback haben, sonst wirb mir flau; das bin ich nun seit fünfzig Jahren so gewohnt, und es steht nicht fein, wenn «ine alte blinde Frau auf einen Schluck warmes Wasser Stunden lang warten muß. Arab. Verzeihen ße, liebe Mutter— Hanne ist gegangen Zwieback zu hohlen.— Sie kennen ihre Langsamkeit. Mutter. Warum wirb auch die Hanne ge- schickt? haben wir sonst nicht Leute genug im Hause? Arab.(seufzend für fich.) Gehabt!—- (Laut) wir behelfen uns jetzt mit wenigen Ds, mestiken. Mutter. Schon gut, ihr mögt euch behelfen, das gebührt sich. Als ich meinen lieben seligen Mann, den Squire Thomas Maxwell hei- rathete, da waren mir beyde blutarm, und als «rein Robert auf die Welt kam, da habe ich mich kläglich beholfen, um es nur dem Kinde an nichts mangeln zu lassen. Nun ist die Reihe an ihm, wenn die Kinder klein sind, behilft sich die Mut. ler, und wenn die Mutter alt wird, müssen sich die Kinder behelfen. Arab. Wir thun das auch gewiß von"erzen -exn. 9 Mutter. Nehmen sie mirs nicht übel, Frau Tochter; es herrscht seit einiger Zeit eine gewal, tige Unordnung hier im Hause; es fehlt hier und dort, und überall.— Ich bin freylich blind, und sehen kann ich nichts, aber ich merke denn doch mehr als mir lieb ist. Arab. Sie wissen, baß mein Robert im Handel Ungkücksfälle erlitten— Mutter. Je, Kind, welcher Kaufmann kann sich denn rühmen, baß ihm sein Leben lang alles nach Wunsch gegangen? Arab, Er hat bey Beltons Banquerout große Summen verloren. Mutter. Ist aber doch nicht selbst banquerout geworden. Arab.( seufzend für sich.) Daß du wahr sprächest! Mutter. Das Äermögen war groß. Laß auch etwas verloren seyn, das Frühstück der Mutter sollte nie verloren gehn. Auch kenne ich meinen Robert Ex wird nicht vergessen, baß ich seine erste Nahrung ihm selbst reichte. Ich war da- mahks kränklich, aber ich nahm doch keine Amme. Drum weiß ich auch, baß er sich lieber den Bis, ftn vorn Munde abdarbt, als seine alte blinde Mutter Mangel leiben läßt. Arab. Ja, das thut er. Mutter. Und mit Gunst, Frau Tochter, was sie letzt an mir thäten, das würde ihr kleiner Harry ihnen einst im Alter vergeben. Arab. AeSe Mutter— sie glauben koch nicht— daß ich— daß meine Nachlässig, krit-— Mutter. Nun, nun, ich will nicht richten. Arab.(für sich.) Ach! ich habe die ganje Nacht gearbeitet. Zweyte Scene. Harry. Die Vorigen. Harry. Mutter, ist es nun Zeit? Arab. Bald. Harry(vertraulich und halb leise.) Ich will dir was sagen, Mutter— mich hungert. Arab(mit unterdrückten Thränen.) Gleich, mein Kind-- warte nur, bis die Hanne nach Hause kömmt. Mutter. Der arme Junge! hat auch noch kein Frühstück bekommen. Du lieber Gott! sollte man nicht denken, es wäre kein Bissen Brot im Hause. Arab.(für sich.) Leiber! Mutter. Komm her zu mir, Harri). Bist du hungrig? Harryi Ja, Großmutter. Mutter. Hast du denn heute noch nichts ge- gessm? Harrn. Noch kein Krümchen. n 4 Mutter. Du armes Kind! hättest dir gestern Abend ein Butterbrot verwahren soüen. Harry. Gestern Abend habe ich auch nichts bekommen. Mutter. Ast das möglich! haben berne har> ten Aeltern dir gar nichts gegeben? Harry. Vater und Mutter haben selbst nichts gehabt. Mutter. Possen! warum kamst du nicht;u mir?<^. Harry. Ja, ich habe wohl dabey gestanden, und zugesehen, wie du deine Suppe aßest; ich Lachte, du würbest etwas übrig lassen, aber du hast alles aufgegessen. Arab. Harry schmauste gestern Nachmittag so viel Johannisbeeren, daß mir bang war, er mögte krank werden, wenn ich ihn vor Schlafen, gehn noch eine Mahlzeit thun ließe. Mutter. Ach was! Kinder müssen brav essen. Das wächst, das will Nahrung haben. Arab.(für sich.) Wie gern gäbe ich ihm mein Blut! Mutter. Geh Harry, bitte die Mutter, baß sse dir ein Paar Semmeln gibt. Harry(geht zu Arabrllen.) Liebe Mutter gib mir ein Paar Semmeln. Harry. Gedulde dich nur noch einen Augen, blick. Hanny wird gleich hier seyn. Mutter. Ey, warum muß er denn eben auf die Hanny warten? Als mein Robert so groß 12 E" bat er wich oft von der Arbeit wegaeneckt ^as nicht verdrießen, ich stgnh ft.bst auf und höhlte was er brauchte. Heut zu ,^"eben Frauen so bequem, so vornehm geworden—/>» ter^-^?'n?" Unrecht,«ebe Mut. Hause.^e» gerade keine Semmel im Desto schlimmer.' in einer orbentli- chrn Haushaltung muß dergleichen immer vorrä» r-)'g seyn, das muß gehn wie am Schnürchen. - an-y. Schild nicht, Großmutter, ich will der-saune entgegen lavfen.(Er läuft fort!) Dritte Scene. Die Mutter und Arabelle. Mutter. Nein, Frau Tochter, wenn ich dar» fOwrege, so wurde ich es einst verantworten müs- ,eu. Ich bin alt und blind, helfen kann ich nicht; aser meine Meinung muß ich sagen, nehmen sie Mir das nicht übel. Arab. Ihre mütterlichen Warnungen sind m-r immer rheuer— selbst wenn sie mir weh thun.* Mutter. Als mein Sohn sie heirathete. Sie Wissen wohl, daß ich nicht recht zufrieden damit war—- Arab. Ich war ein armes Mädchen. r3 Mutter. Haben sie in acht Jahren jemahls ein Wort aus meinem Munde gehört, das einem Vorwürfe dieser Art geglichen hätte? Arab. Nein, nie, gute Mutter. Mutter Ich hätte freylich lieber gesehn, wenn sie auch wohlhabend gewesen waren, aber ich dachte: die Liebe thut viel. Mein seliger Mann und ich, wir hatten beyde nichts und waren doch vergnügt. Nun ist mein Sohn durch unsern Fleiß, ein reicher Mann, laß ihn in Gottes Nahmen wählen wie sein Herz es wünscht. Ist die junge Frau arm, so wird sie auch dankbar seyn, sie wird mich im Alter pflegen. Ich brauche wenig, und das wenige werbe ich nie fordern dürfen, sie wird immer dafür sorgen, daß es schon da ist, ehe ich noch den Mund aufthue. Arab. Gewiß, es war mein redliches Be» streben— Mutter. Ja, es war, Frau Tochter, es war! aber es ist nicht mehr. Seit kurzem hat sich alles gar seltsam hier verändert, und mit jedem Tage wird es schlimmer. Alte Leute sind wunderlich, sie wollen ihre Ordnung haben. Was den jungen Leuten Grille scheint, ist den Alten Bedürfniß. Die Jugend hat so vielfachen Genuß, daß es ihr nicht schwer wird, dieß und jenes zu entbehren; aber das Alter ist auf so wenig eingeschränkt, daß es gar nichts missen kann.—- dennoch, Frau Tochter,—(mit st.,g.nd-r Rührung) dennoch wiü ich lieber ftlbstMangel leiden,als »4 weisen amen kleinen Enkel vernachlässigt wissen. Sehn sie, das geht mir an die Seele. Sie sind seine Mutter, fie mögen ihn wohl recht lieb r,a< irr und habe ihn doch lieber. Ärab.(trocknet still ihre Thränen.) Vierte Scene. Harry. Härme. Die Vorigen. Harry(hüpft munter herein.) Mutter! Mm- irr!" da ist Hanne, nun bekomme ich Se ^Arab.(springt hastig unbr'eht Hanne bey Seite.) ^?>ann?Nein, Madam, ich bin wohlan ftmf orNwese^ »°'b- K>«?>l H""^M 7-ch7hssn«- W-»s4-»'°-» E«^d,r«».!) ihr-- Mich«-»->»<» Sp-rps-»-i- "°A," b«..»'- i°">°d>, N--H!-« ^^ stuas die halbe Krone. Dringe K7st°«ÜÄ» md d-m K--H-»-l» S-«d' r5 stück. Zu Mittag mag Gott helfen! ich kann nicht mehr— meine Finger sind wund. Hanne(wischt sich die Augen.) Arme, liehe Madam! Harry. Hanne, gib m'r meine Semmeln. Hanne. Komm, kleiner Mann, du sollst dir die braunsten Semmeln beym Becker selbst aussuchen. Mutter. Hanne, bring mir meinen Thee. Hanne. Sogleich, liebe Madam.(er- gehe mit Harry ab.) Mutter. Sogleich. Das höre ich nun schon seit einer Stunde.— Ich merke wohl, baß ich den Leuten im Hause lästig werde. Ich und mein alter Sorgestuhl, wir sind aus der Mode gekommen; wir stehn beyde überall im Wege. Arab.(für sich.) Guter Gott! du allein weißt es, ich thue was ich kann. Hilf mir mehr als Armuth— hilf mir ungerechte Vorwürfe dulden -- und schweige«. Fünfte Scene. Maxwell. Die Vorigen. (Maxwell tritt düster herein. Bey seinem Anblick sucht Arabella ihr Gesicht zu erheitern.) Marw. Guten Morgen, Mutter. Gute» Morgen, liebe? Weib. l6 Arab. Sey willkommen. Du bist heute sehr früb ausgegangen? Mapw.(verstohlen zu ihr.) Doch kam ich über- all r» spät. Arab.(schlägt die Augen nieder und seufzt.) Mutter. Laß dir sagen, Robert, deine Leute taugen nichts. Versteh mich recht, ich meine die Bedienten. Maxw:(mit bitterm Lächeln.) Die Bedienten? Mutter. Man kaun zwanzig Mahl rufen, eS kommt keiner. Marw. Das glaub ich wohl. Mutter. Sie haben keinen Respect vor mir... Marw. Vor mir auch mcht. Mutter. Ey, so jage die Schurken aus dein Hause., Maxw. Ist schon geschehn. Mutter. Hast du ste sortgeMt? Alle? W!- bm z°h» b-«<» t" r»ch wM 1° ""Marw.'"D-am"»-'--°">S>°°«I Sparbüchse mitgenommen. mr,nsck> eS Mull.-. Hat-- da«? d°s M-«.« ^ar Mch->» G°>d«dik°°» La,»-M«,»-» ein Geschenk von meiner Pathe. AVer -7 wer Mensch, und hat mir zuweilen mit heiler Stimme den Abenbsegen vorgelesen. Maxw. So? Nun begreife ich, warum er ihre Bibel so lieb gewonnen. Mutter. Welche Bibel? Maxw. Die große mit Silber beschlagen. Er hat sie eingepackt. Mutter. Der Bösewicht! dein seliger Vater hatte eigenhändig deinen Geburtstag hinein ge- schrieben. Maxw. Ach! mein Geburtstag ist drum nicht verloren. Mutter. O nein, ich weiß ihn auswendig. Der 141« Februar 1772— Maxw.(bey Gelte, ble Hände ringend.) Wer nennt mir meinen Sterbetag! Mutter. Der alte Jacob war damahls ein rascher Bube; er mußte über Hals und Kopf nach Greenwich zu meiner Mutter reiten. Den alten Jacob hast du doch nicht weggejagt? Maxw. Nein, der ist selbst gegangen. Mutter. Selbst gegangen? Je warum denn? Maxw. Das weiß ich nicht. Es sind nua drey Wochen, als ich des Morgens nach ihm fragte, da war er nicht zu Hause. Mutter. Und ist noch nicht nach Hause ge» kommen? Maxw. Noch nicht. Dpfer« Tob. B i8 Mutter. Kind, dem alten Manne ist ein Unglück begegnet. ter Maxw. Recht, Mutter, das größte Unglück, das einem Menschen begegnen kann: er ist ein^ Schurke geworden. Mutter. Unmöglich! A, Maxw. Er hat ein Paar hundert Pfund Schulden auf meinen Nahmen gemacht. Mutter. Der graue Bösewicht! Maxw. Kleinigkeit, liebe Mutter. Unsere^ Welt ist bekanntlich aus den elenden Abschnitzeln der übrigen zusammen gesetzt. Alt werden, heißt, öfter betrogen seyn als ein anderer; ein alter Mann, ist ein Mann, der viele Schurken kennt.^ M Mutter. Robert! Robert! das ist gottlos^ gesprochen. Es kommt gar viel darauf an, wie man mit den Leuten umgeht. Wo Ordnung im^ Hause herrscht, wo die Leute bekommen was ihnen gebührt, da denken sie nimmer ans Stehlen. Maxw. Es ist vorbey, Mutter. Ich biethe. dem Trotz, der mich jetzt noch bestehlen will. Mutter. Aber freylich, wo die Wirthschaft drunter und drüber geht, wo die Frau im Hause sich um nichts bekümmert— Maxw.(hastig.) Wie, Mutter? Halt, Mutterihr Mutter. Wo Aeltern und Kinder vernachläs, sigt werden id Maxw. Mutter? um GotteswiLen! Mutter. Wo man zu bequem ist, um der alten blinden Mutter selbst eine Tasse Thee zu hohlen, oder dem einzigen Kinde ein Stück Brot z» schneiden— Maxw.(stürzt sich in die Arme seiner Frau.) Arabelle! vergib mir! Arab.(sanft lächelnd.) Ich habe dir nichts zu vergeben. Maxw.(leise.) Solche unverdiente Vorwürfe- Arab. Verdient würden sie mich schmerzen. Maxw. Diesen Engel zu lästern—> Arab. Sie meint es gut. Maxw. Dieß Weib, das seit fünf Wochen Mutter und Kind mit seiner Hände Arbeit nährte— Arab. Es gibt wenig Weiber, die fünf so glückliche Wochen zählen können. Sechste Scene. Hanne bringt Thee. Harry mit ein Paar Semmeln« Die Vorigen. Hanne. Hier ist Thee! Mutter. Endlich!- Hanne(setzt den Thee vor die Alte und schenk« ihr ein.) B- SO Harry. Guttu Morgen, Vater. Sieh', war tvei für schöne Semmeln. bro Marw. Hast du auch der Mutter dafür gtt' dankt?§r« Harry. Nein. end Maxw.(bebt ihn auf, hält ihn vor Arabellen, ärg und sagt mit erstickter Stimme.) O! dank thk! dank Sp ihr! So Harry. Dank, liebe Mutter. Gel Arab.(küßt da» Kind.) Wozu daß, guter„be Robert? was ist süßer für eine Mutter, als„kl selbst verdientes Brot in der Hand ihres Kindes dein sehn? ich i Mutter. Was soll das nun wieder vorstelle»! führ das ist ja nicht meine Tasse? dein Haune(blickt verlegen aufArabellen.) daß Mutter. Du weißt, Robert, daß ich sei» hon zehn Jahren immer aus der Mundraffe trinke, die mir John Pringle aus China mitbrachte. Nun haben sie mir doch eine andere gegeben; die ist gar nicht so glatt, und ohne Deckel. Maxw. Wo ist die Tasse? Arab.(heimlich.) Ach lieber Mann! ich Habs sie verkauft— Harry hatte keine Schuhe— ich A hoffte, sie würde es nicht bemerken— A Maxw.(steht fchmerzhaft vor sich nieder.) 8lvl» Arab. Beste Mutter! werden sie mir verzett N hen? Sie wissen, daß e§ immer mein Amt war. Was ihre Tasse selbst zu waschen; ich bin jederzeit so A vorsichtig damit umgegangen, und gestern-- ger e sr >a§ weiß Gott wie es kam— ich habe fie zerbrochen. ze^ Mutter. Zerbrochen?—Ey! ey! Nun, nun, Frau Tochter, mein altes Herz wird doch auch endlich brechen— wie gesagt, es wird immer m, ärger von Tage zu Tage. Die Bibel ist fort, die >nk Sparbüchse zum Henker, die Tasse zerbrochen Sohn! Sohn! Wenn das dein Vater wüßte!— Gedenke seiner letzten Worte:„mein Segen werter„be dir Fluch, wenn deine Mutter je über dich als„klagt."— Nun, ich klage nicht— ich will wS deines Vaters Segen nicht in Fluch verkehren— ich will dulden und schweigen.— Komm, Harry, «! führe mich in mein Zimmer, und reite dort auf deinem Steckenpferde, und mache brav Lärm, daß mein Herz und deiner Aeltern Gewissen da- elt tzon betäubt werben. 'e,(Sie geht von Harry und Harme geleitet.) te. Siebente Scene. Maxwell und Arabelle, sbe ich Maxw.(bitter lachend.) Ha! ha! ha! Ärab.(ihre Hand auf die(einige legend.) Guter Robert! Vertrauen auf den Gott der Liebe, sti- Maxw.(zieht seine Hand zurück und besteht ste.) ar. Was ist das? Blut? so Arab. Ich ßgbe mich beym Nahen in die Fin- — grr gestochen. 22 Maxw. Laß sehn— mein Gott!— Deine Finger sind ja alle wund? Arab.(s«-r;cnb.) Das kömmt von der ver, dämmten Eitelkeit, hübsche Hände zu haben. Die Haur wird endlich so fein, baß sie keine Arbeit vertragt. Maxw.(tief erschüttert.) Großer Gott! Arab. Wie du das nun wieder nimmst. Wie oft hast du in der.Mittagshitze geschrieben, daß dir der Schweis über die Backen lief. Ist ein Schweißtropfen denn weniger werth als ein Blutstropfen? Meixw. Erbarme dich, du Urheber meines unwillkührlichen Daseyns! zeige mir ei» ehrliches Erwerbsmittel, es sey so gering es wolle!— Ach Arabelle! ich habe alles versucht! ich bin Liesen Morgen von Haus zu Haus gegangen, ich habe mich um den kärgsten Lohn zum Schreiber verdingen wollen— umsonst! man bedarf mett uer nicht.— Gott! du weißt, als ich noch im Wohlstände lebte, wäre ein Unglücklicher zu mir gekommen— ich hätte ihn die Zeitungen ab, schreiben lassen, um ihm nur ein Paar Schilling ju verdienen zu geben. Arab. Was heute nicht gelang, wird Mor, gen gelingen. Maxw. Schreiben— rechnen— und ei» ehrlicher Mann seyn— das ist alles, was iH weiß. In meiner Jugend lernte ich zum Zeit. Vertreibe drechseln. Gestern hab' ich es versucht; 23 i ich wollte Kinberspiclwerk drechselst, und eS zu )e!ne Markte bringen; aber da muß ich gerade vor zwey Monathen den Fuß brechen, und nun ist der ver, Fuß noch zu schwach, um das Nad in Bewegung Die zu setzen. rbeit Arab. Unser Glücksrad wird sich endlich drehen. Ma w. Ich sage dir: der Fuß. ist zu Wie schwach. daß Arab. Wir leiben unverschuldet, r ein Maxw. Ist das Trost? >luts, Arab. Gewiß, Robert! Ein mächtiger Trost! der Hunger nagt nur, wo daS Gewissen»agt; leines Verzweiflung wohnt nur bey Verbrechen; die liches Hoffnung ist mir dem Redlichen süß, und daS l—' Vertrauen ein Gefährte der Unschuld, h bin Maxw. Hoffnung? worauf?— Vertrauen? n, ich-irf wen? relber Arab. Auf Gott und Menschen, l mei- Maxw. Menschen? Ha! ha!— Wärst du >ch im diesen Morgen Zeuge gewesen— t mir Arab. Hast du denn deine Noth geklagt? i ab- Maxw.(stolz.) Geklagt? bewahre der Hinr- hilling mel! Arab. Wie konnten die Menschen errathen— Mor- Maxw. Das ist es eben, so sind die Men, schen. Wer nicht mit hölzernen Beinen und mit rb ei» Lumpen bedeckt vor ihnen erscheint; wer nicht as ich brav schreyen kann: ich bin elend! ich flehe um Zeit. Almosen! M dem gehen sie fühllos vorüber. Die Spuren brS Gram auf blassen Wangen suchen; dem Schüchternen helfen, dem die Schaam den Mund verschließt, das mag keiner. Arab. Hast du selbst es nicht oft gethan? und wärst du so stolz, dich für den einzigen guten Menschen zu halten? Maxw. O nein, nein! aber wo— doch halt! ich habe Unrecht— Einen fand ich doch— diese» Morgen— Arab. Nun? Maxw. Der einzige, von dem ich im Fieber- durst keinen Tropfen Wasser nehmen würde. Arab. Ich verstehe dich nicht. Maxw.(nach einer Pause.) MalwyN. Arab. Ach der!— Nein, von dem mußt du auch nichts nehmen, ob er gleich mehr als irgend einer das gute Zutrauen edler Seelen verdient. Maxw. Wir traf«» einander bey der St. Paulskirche.„Guten Morgen, lieber Maxwell, „wie geht es?"— Recht gut.—„Sie sehe» „übel aus?"— Ach habe, wegen eines Bein, -ruchs, einige Wochen das Bett hüthen müssen, das hat mich mitgenommen.— Er sah mir starr in die Auge». Ich mogte wohl verstört genug ausseht,. Er ergriff meine Hand— ich guckte. „Sollten Sie einen Freund brauchen?" sagte er mit einer Stimme, die aus jedem andern Mun, de mich gerührt haben würde. Ich zwang mich tu lächeln. Freunde braucht man immer, astwor. LS i; tete ich hingeworfen.—>„Sie wollen mich nicht m„verstchn, erwiederte er, und ich errathe vielleicht „warum. Einen wahren Freund sollte man nie b„zurück stoßen, er erscheine in welcher Gestalt er i-„wolle. Können Sie mich brauchen, so prüfen „Sie mich, und nennen Sie mich einen Schur- !„ken, wenn ich in der Prüfung nicht bestehe." » Hier drückte er mir fest die Hand und eilte davon. Arab.(bewegt.) Malwyn ist ein braver Mann. Maxw.(nach einer Pause, in welcher er Ära« bellen mit einiger Unruhe beobachtet.) Ich hätte dtk das freylich nicht erzählen sollen. ?t Ärab.(sanft verweisend.) Warum nicht! s Maxw. Ein Mann, den du einst lieb- « lest— Arab. Ich bin seit acht Fahren dein Weib. t. Maxw. Ein Mann, der dich gewiß noch ^ liebt « Arab. Männer wie er dürfen mich lieben. >- Maxw. Dem du ohne meine Zwischenkunst !, deine Hand gereicht haben würdest— r Arab. Nichts mehr davon! g Maxw. Der arme Malwyn mußte dem rei- chen Maxwell nachsteht;; nun ist Malwyn reich, e und Maxwell ein Bettler, l- Arab. Vermehrt das seinen Werth? oder h vermindert es den drinigrn? 'S 1 Ohne Mich wärst du jetzt ek» glückst, ches Weib! Arab. Bin ich denn unglücklich? Maxw.(hebt ihre Hand auf, und beuttt auf die wunden Finger.) Arab. Das ist keine Antwort. Solche Wun- en heuen leicht.— Hab'ich denn nichts mehr. das mich beneidenswerrh vor vielen macht?— Ich bin die Mutter eines liebenswürdigen Knaben; ich bin das Weib eines redlichen Mannes: er ist verarmt, aber nicht an Liebe;u mir; um seine Glücksguter hat man ihn betrogen, um fein hauvm.)eS Gluck soll ihn niemand bekriegen. Hreude geben und empfangen— wer das noch kann, darf der sich unglücklich nennen? Manv. Braves Weib! du wirst den anälen- den Gedanken nicht in mir vertilgen, daß ich dich in mein Elend gezogen. Als ich um dich warb, und der armeMalwi-n schüchtern zurücktrat— ihm Schütte damahls dein Herz— Arab. Ja, ich liebte ihn, ich bekannte es dir, und meine Offenheit erwarb mir damahls dein Zutrauen. Sollte ich durch eben dieß Geständnis es beute wieder verscherzen? ^ Maxiv. Mein wurdest du, weil dein Vater es wünschte— weil du arm warst, und einer anständigen Versorgung bedurftest— Arab. Und jetzt bin ich dein, durch meine Wahl; jetzt har die Natur ihr stärkstes Band -7 um uns geschlungen: du bist der Vater meines Kindes. Marw. Das deine schwache Hand ernähren muß. Arab. Der Priester, der uns verband, sprach von Wohl und Weh. Maxw. Wehe! wehe über mich armen Mann l dieß edle, geliebte Weib, könnte glücklich seyn an der Seite eines Biedermannes! Aber da kam der reiche Maxwell, der ein Paar tausend Pfund— nicht erworben— sondern von seinem Barer ererbt hatte— der benutzte diesen elenden Vorzug — der kaufte sich ein Herz, das Peru nicht bezahlt— der stahl das beste Weib, um— um es verhungern zu lassen!— Wehe! wehe über mich armen Mann! (Er wird schwach, sucht-S zu verbergen, und hält sich an der Lehne eines Stuhls.) Arab. Wie sinnreich du bist dich zu quälen. Was fehlt uns denn? wir sind arm, das ist es alles. Kann nicht ein einziger Augenblick alles um',rasten?— Als wir gestern das Kind unsers Nachbars begraben sahn, das einzige Kind — als der Vater so abgehärmt hinter dem Sar- §e wankte— und der Mutter Geheul aus dem Fenster zu uns herüber tönte— sagtest du da nicht selbst: die armen Leute sind doch unglücklicher, als wir? Marw. Das Kind ist aber doch nicht verhungert? Maxw.(wankt und muß flch setzen.) krank? lieber Robert, was ist dir? Bkst bir ^""ber, du warst seit dem stütz n Morgen auf der Straße; hast vielleicht noch nicht einmahl gefrühstückt?^^ Maxw. O ja. Arab. Wo? Maxw. Auf dem Kaffehhquse. b^Arab. Robert, ich weiß, bu hattest kein Maxw. Ich hatte noch ein Paar Schilling. .77^ Erik einigen Tagen scheinst du dich absichtlich zu entfernen, wenn unser karges Mie- ^gs, oder Abendbrot auf den Tisch gesetzt Maxw.(mit einiger Bitterkeit.) Habt ihr Ueber- -uß, so bittet Gaste. Arab. Robert, ich will nicht hoffen, baß bu dir Nothwendige entziehst?—(S-hr ängstlich) Robert, sieh mich an; wo hast du iu den letzten Tagen gespeist? Maxw.(zwingt sich zu lächeln.) Du meinst Wohl gar, ich habe gehungert?— Sey ruhig, 29 liebe Arabelle. Ich habe eine Menge Bekannte; sie mögen wohl alle herzlich bang schn, das ich sie um Hülfe anspreche; aber einen Löffel Suppe gibt mir noch ein jeder gern. Achte Scene. Ein Bedienter bringt einen Brief. Der Bediente(tnbem er benBriefabgibt.) Än Robert Maxwell.(Er will gehn.) Maxw. Bedaif es keiner Antwort? Der Bediente. Nein.(Er geht ab.) Maxw.(liest.)„DerBanquier Eduard Grib- „son hat Ordre, dem Herr Robert Maxwell „eine Summe von tausend Pfund vorzustrecken, „um seine unterbrochenen Geschäfte fortzusetzen. „Wenn das Glück ihm einst wieder lächelt, wird „sein Gläubiger sich meiden." Arab. Nun, Robert? gibt es noch gute Menschen? Maxw.(sitzt lange in tiefen Gedanken; dann fleht er wieder starr auf den Zettel.) Ich kenne die Hand nicht. Arab. Was liegt daran? eS ist die Hand eines Biedermannes. Maxw.(nach einer Pause, steht auf und hält Arabellen bar Papier vor.) Kennst du die Hand? Arab.(wirst einen flüchtigen Blick darauf.) Nein. Maxw. Arabelle!—- Du hast mich noch nie gerauscht— ich beschwöre dich bey dem Leben unsers einziges Kindes! kennst du die Hand? Arab.(stocke.) Maxw. Es ist Malwyns Hand? nicht wahr? Arab.(bricht in Thränen aus und entfernt sich.) Maxw.(nllein.) Nein!— Nein!— Lieber verhungern!—.Stehen will ich— oder fallen—^ aber erdrücken soll man mich nicht. Neunte Scene. Der Hauswirth und Maxwell. Wirth. Nun Eir? Guten Morgen, Sir. Marw. Guten Morgen, mein Freund. Wirth. Hübsche Zimmer sind hier im Hause, nicht wahr? Maxw. O ja. Wirth. Nette Zimmer, bequem und elegant. Aber sie kosten auch seines Geld, bey meiner armen Seele! Maxw. Das glaub' ich wohl. Wirth. Schweres Geld, sauer verdient; habe auch nichts hinter Leib und Seele, als dieses Haus; muß von dem Miethzins leben, sie versehn mich wohl? Maxw. O ja, ich verstehe. Zl Wüth. Sie sind ein feiner Herr, Sir, ein höflicher Herr, ober seit vier Monathen habe ich keinen Schilling gesehn. Maxw. Es thut mir herzlich leid— Wirth. Mir auch; aber das kann mir nic^t helfen, ich muss mein Geld haben. Marw. Ich bitte noch um Geduld-- Wirth. Ja, ja, Geduld ist eine schcne Tu« gend, und wer brav Geld hat, der kann so gedul- dig seyn, als ein Lamm. Aber bey mir hmt ev: aus der Hand in den Mund; denn der Magen weiß nichts von Geduld.,-, c Marw. Lieber Mann, nur noch einige L«- Wirtk. Ein Tag hat vier und zwanzig Stunden, und in vier und zwanzig Stunden muß man dreymahl essen. Kur; und gut, ich kann nicht länger warten. Morgen erhalte ich mein Gel!., oder ich schaffe ihnen eine Wohnung, die ,ie keinen HLiler kosten soll. Verstehen fie mich, Sir? Maxw. Harter Mann. Wirth. Hart ober weich, nachdem eS kommt. Wenn ich Geld sehe, bin ich weich wie Wachs. Marw. Sie werden doch eine siebzigjährige blinde Frau nicht aus dem Hause werfen? Wirth. Werft»? bewahre der Himmel! wer wollte so»«christlich seyn? ich werbe sie ganz säuberlich heraus führen lassen. Maxw. Und auf die Straße setzen? AL Wirth. Was geht das mich an? Habe ich denn mein Haus gebaut, um ein Hospital für blinde Frauen daraus zu machen? Maxw.(auffahrend.) Mensch! packe dich! so lange ich diese Zimmer bewohne, bin ich Herr« darin. r Wirth. Sehr wohl. Die Herrschaft wirb wohl c am längsten gedauert haben. Seht doch! mich r fortpacken?— mein feiner Herr! so darf man c nur reden, wenn man Gelb in der Tasche hat. H Reiche Leute dürfen grob seyn, das verträgt man,^ das ist Herkommens, Geld macht alles gut, aber g r ne Geld muß der erste Lord sich bücken, sonst I wandert er nach Newgate. Haben sie mich ver- Y standen?(Ab.) I kann Zehnte Scene.'^ Maxwell allein. A I Wohl habe ich dich verstanden. Weib und Kind am Bettelstäbe— meine alte blinde Mutter auf H der Straße— und ich im Kerker!— Belton!^ Delton! du, der du deine Gläubiger bestahlst, H) und durch einen muthwilligen Banquerout auch I mich ins Elend stürztest!— wenn du diesen U Jammer einer schuldlosen Familie sahest— o!§ntsch noch habe ich nie einem Menschen geflucht— st, nn Delton!-- ich fluche dir! ein kl und ein kleines Kind— und eine alle blinde Ma- erone— 24 Jude. Aber Sir— nehmen sie mirs nicht übet— sie find ein Mann von Kenntnissen, an Fleiß gewöhnt— Maxw. Herr! seit drey Tagen laufe ich herum wie eine Ameise, und suche ein Geschöpf, das mir um Arbeit Brot gebe— Herr!— Sie sind ein Jude— ihnen will ich es sagen— keinem Christen!— seit zwey Tagen ist kein Bissen über meine Zunge gegangen. Jude(greift hastig in die Tasche, faßt gerührt MaxwrllS Hand, und will ihm seinen Beutel hinein brücken.) Maxw.(verweigernd.) Nein'—> nein, das kann ich nicht. Jude. Warum nicht? weil ich ein Jude bin? Maxw. Pfuj! wenn ich so dächte, so verdiente ich mein Unglück. Jude. So nehmen sie. Maxw. Ich kann es nicht wieder bezahlest. Jude. Der Gott meiner Vater wird es mir bezahlen. Maxw. O Gott! wenn du mich zur Armuth bestimmt hattest, warum pflanztest du diesenStol; in meine Brust!— Nein, Freund, ihr Almosen kann ich nicht nehmen. Schaffen sie mir Arbeit, und ich will ihnen danken. Geben sie mir Aufschub wegen der Wechselschuld, und ich danke ihnen mit Weib und Kind. Jude. Sir, ich habe ihre Umstände nicht gekannt. Ich wäre nicht her gekommen Bey dem Gort meiner Vätcr! ich wäre nicht her gekom- meu. Leben sie wohl, Sir.(Er zerreifit denWechsel und wirft ihn hin) Da liegt der E eitel. (Er geht schnell ab.) Maxw. Jude! Jude!(Er will ihmnacheilen, der Jude Ist verschwunden.) Ja, es gibt Noch Men- sehen— nur nicht unter Christen. Ich Dumm« köpf! der ich auf der Börse an jedem Jsraeliren vorüber ging, als sey die Menschenliebe dieses Volkes im rothen Meere ersoffen. Ich Dummkopf! der ich die große Wahrheit vergaß: daß unter huadertFällen neun und neunzig Mahl der Verachtete besser ist, als der Verächter. — Ja, ich will noch einmahl herum wanken — das Bild meines Jammers an allen öffentlichen Plätzen zur Schau steilen— Dieser Jude hat das Fünkchen meines Glaubens an die Mensch* hrit wieder angeblasen.— Unter einer Million Einwohner werde ich doch einen finden, der einen Gevatterbrief zu schreiben, oder ein Iuventacmirr berechuen hat. Zwölfte Scene. Harry und Maxwell. Harry. Vater, ich bin satt, verwahre mir diese Semmel. C a 26 Maxw. Ich dir eine Sein nie! verwahren? Kind, lieber jehn Diamanten, als ein Semmel. Harry. Diamanten habe ich nicht» Maxw. Zeige mir doch diese Semmel.(Der Knabe gibt fle ihm) Du bist jetzt satt, sagtest du? Harry. Ja, ich bin satt.(Er beschäftigt sich mit einem Spielwerk. Lange Pause. Maxwell kämpft mit sich, ob er die Semmel essen soll oder nicht. Endlich spricht er:) Wann eher wirst du wohl wieder hungrig werden? Harry. O recht bald. Maxw. Bald?(Er legt die Semmel«uf den Tisch und wendet sich unruhig weg) Wie lange ists «och bis jurn Mittag? Harry. Noch eine Stunde. Maxw.(blickt gierig auf die Semmel.) Vormittag wirst du wohl nichts weiter essen? Harry. Nein. Maxw.(streckt die Hand nach der Semmel aus.) Harry. Aber ich bekomme jetzt immer s» wenig. Maxw. Wenig?(Er zieht die Hand zurück.) Harry. Die Mutter gibt mir wohl oft von ihrem Teller, aber sie hat selbst nicht viel. Maxw.(hastig.) Da! da! verwahre deine Semmel. Harry. Und der Phylax— ach Vater! der arme alte Phylax! alle Rippen stehen ihm heraus. Gestern hat er unten in des Wirths Küche 37 eine« Knochen gestohlen, da haben sie ihn so ge- prügelt— Maxw. Meinen Phylax? Kind, du irrst dich. Der alte Hund kann kaum mehr kriechen. Harry. Er ist doch die Treppe hinabgekro- chen. Er muß wohl recht hungrig gewesen seyn. Maxw. Guter aller Phylax!— Du hast mich einst aus Näubrrhänben gerettet— ich versprach dir das Gnadenbrot— Geh Harry, gib deine Semmel dem Phylax. (Er rennt fort.) Harry.(Indem er mit der Semmel hinein lässt.) Phylax! Phplax! Eude des ersten Acts. Z8 Zweyter Act. Lirr öffentlicher Garten- Im Hintergründe«In Farotisch, um welchen Demp-t ^er und verschiedene andere Spieler, sitzen oder flehen. Weiter vorne, so viel als möglich abgesondert, siht Harnngton bey einer Flasche Wein; er hak das Kinn auf den Stockknopf geflöht, und scheint wenig von dem zu bemerken, was um ihn her vorgeht. An der andern Seite DuNlfrltzs, eine Pfeife schmauchend. Maxwell geht schwermükhig umher, wirft forschende Klicke bald auf Harrington, bald auf Dumfries, und bleibt bann wieder einen Augenblick am Spieltisch flehn. Verzweiflung, Menschenbaß und bitterer Hohn, erregen sn seinem Gesichte unwillkührliche Zuckungen. Man hört eine Zeitlang aus dem Hintergründe nur einzelne Worte, die auf das Spiel Bezug haben, als: et Legt— cing er roi—< Paroli— vsmo et Dame— xiis u. s. w. Erste Scene. Dempster(der dem Banquier zur Rechten saß, steht auf, tritt vor, beschaut Maxwell vom Kopf bis zu den Füßen, und winkt ihm.) Maxw.(nähert sich zweifelhaft.) Gilt der Wink "" DMpft?.'z-, Sir, i« w»»fch« Ihr- B» b-sch-ib--- W».!4.«« ich ihnen in irgend etwas dienen? Dempst. Ich glaube ja. Mich-ich-.» Eh.-' "'»M. H°>»» ii- mich sd--H-EE-H-» Mann, so irren sie sich nicht.„.^ Dempst. Ehrlich— ia— allerbing- unk« uns sind wir die ehrlichste» Leute von der Marw. Ich verstehe sie nicht. Dempst- Das heißt: was wir durch unser Geschtckllchkeit erwerben, berechnen wir einander gewissenhaft. Wenn zum Beyspiel einer von onS in Vanrhali spielt, und der andere in Nanlagh> so theilten wir den Gewinnst bis auf die letzte Krone, und keiner verschweigt dem andern euren ^ Nraxw. Sehr wohl, mein Herr, doch welche Beziehung hat das auf mich?- Dempst. Sie sind schlau, aber ich h^e sie durchschaut. O ich kenne meine Leute. Stellen sie mir den ersten, besten Fremden an den Faro- lisch, und in einer Viertelstunde will ich ihnen a«s ein Haar sagen, wie viel er vom Spiel ve^ fleht. E ch verstünde das (lächelnd.) Verstellen sie sich nur nicht; ich habe sie lange beobachtet. Wir haben da einen Neuling unter uns, mit dem wir nicht Mneden stnd. Es ist der nähmliche, der jetzt die Äarte abzieht. Ihre Blicke— das bittre?ä- cheln, mit welchem sie einige Mahl auf seine Unze. schicklichkeit herab sahen, hat mich überzeugt, baß ich einen Meister in der Kunst vor mir habe, und ^ kommt nur auf sie an, meine Muthmaßung durch einige Proben ju bestätigen, so ist ihr Glück gemacht Maxw. Wie Mein Herr— Dempst. Ich versichere sie, mein Herr, sie kommen unter eine Gesellschaft von braven lustigen Leuten, die die Welt als ein großes Spiel- «mus ansehn, wo ein jeder von feinen Talenten Dank macht, und nur derjenige übel fährt, der mit der verrufenen Münze der sogenannten Tugend pointiren will. Maxw.(mit Müh« an sich haltend.) Wahrlich, mein Herr! Ihre Lehren sind mir so neu, als jenes Spiel, von dem ich in meinem Leben nicht- verstanden habe. Dempst Sie scherzen. Vielleicht sind sie schon mit einer andern Gesellschaft verbunden?—> Aus diesen Fall—(Er legt bea Finger auf den Mund) Wer die Kunst versteht, verräth bei, Meister nicht. Sollten aber Bedenklichkeiten sie abhalten— Mißtrauen in meinen Charakter? — Ich bin ein Mann von Ehre, ich lebe in den ersten Häusern. Erkundigung sie sich nach mir, mein Nahme ist Baron Lempster. Diesen Abend finden sie mich in Orurylane, in der LogeNo. ,2. (Er verläßt Maxwell,, und setzt sich wieder(um Spiel.) Maxrv.(bleibt mit verschränkten Armen sieben.) Also— wenn ich ein Schurke werden will, so hab ich Brot im Ueberfluß. Vorlrcffiich!— Ein Schurke?— Nein!— Baron Dewpster ist ja ein Mann von Ehre— er lebt in den ersten Häusern—(Bitter lachend) O! über eure rasten Häuser! Ha! ha! ha! Zweyte Scene. Alood tritt auf, und gebt, neugierig suchend, jwk scheu den Anwesenden umher. (erblickt und beobachtet ihn.) Siehe da, ein Mensch, der etwas zu suchen scheint. Mögte er Arbeit brauchen! Arbeit, der ich gewachst» hin! Flvod(näbert sich ibm und begafft ihn.) Maxw. Mein Herr, wenn sie einen Mea- scheu suchen, der gern etwas verdienen möchte, so haben sie ihn in mir gefundei«. 42 Flood. Recht, nie!» Herr, ich suche eine» folSen. Maxrv. O geschwinde! Wen» der Dienst nicht Meine Kräfte übersteigt. Flood. Es ist der leichteste Dienst von der Welt. Ich habe einen Proceß. Mein Gegner hat drey Zeugen aufgestellt. Ich b rauche deren sechs, um das Gegentheil zu beschwören. Fünf habe ich bereits gefunden. Wollen sie der sechste seyn, so ist eine Guinee in einer halben Stunde verdient. Maxw. Ich?— Zeuge?— In einer Sache, die mir völlig unbekannt ist? Flood. Was schadet das?— Sie kenne» doch unsere Richterstuhle? unsere Gesetze?— Man klingelt, sie treten vor— man fragt, sie antworten, waS ich ihnen in den Mund lege— man läßt sie die Bibel küssen, sie gehn ihre Wege, habe» eine Guinee in der Tasche, und thun damit was sie wollen. Maxw. Und was thue ich mit meinem Gewissen? Flood. Pah! als ob dergleichen hier in London nicht täglich geschähe?—Ueberdieß ist meine Sache die gerechteste von Welt: ich streite gegen einen Betrieger, einen mukhwilligen Banqueroit- tler, einen gewissen Belto»? Maxw.(fährt zusammen.) Belton? Flood. Ja. Kennen sie den Mann? M kenne von ih M wenn richte! nicht N D A N F ihr? A bin? mich verd Z Ze»< ichs ? Gor schei stieb gen Herr nem '43 :lnen »icht der hat chs, ich yn, oer- Sa« ine» sie -ge, mit Ge- !on- eine gen oir, Maxw. Ob ich ihn kenne?-- Allerdings kenne ich ihn... Flood. Nun, sie werden schwerlich viel Gutes von ihm zu sagen wissen. Maxw. Nein, wahrlich! Aber mein Herr, wenn ich auch von ihrer Sache vollkommen unterrichtet wäre— gegen diesen Brlron kann ich gar nicht zeugen. Flood. Warum nicht? Maxw. Er ist mein Feind. Flood. Desto besser! Maxw. Er bat mich ius Elend gestürzt. Flood. Ey, desto besser! um so wärmer wirb ihr Zeugniß ausfallen. Maxw. Meinen sie?— Nem, Sir, ich bin sehr arm, eine Guinee wäre ein Schatz für mich; aber um diesen Preiß mag ich sie nicht verdienen. Flood. Nach Belieben. Zwey von Meines Zeugen kosten mich nur die Hälfte, und ich wette, ich finde deren noch ein Duzend, ehe es Abend wird. l Er entferne sich.) Maxw.(siebt ihm mit starren Blicken nach.> Gott! wo ist der Maßstab sür moralischen Menschen. Werth!— Wer mir ein Schnupftuch stiehlt, den darf ich fest halten, und an den Galgen führen— und solche Menschen wandel» herum, man nimmt den Hut vor ihnen Ah, urch nennt sie Gentlemen. 44 Dritte Scene. Hans Hartop trägt eine Last über die Bübne, ft-t fi. einen Augenblick ab, streicht sich die Haare au« bem Geflchre, und wischt sich den SchwetS von der Stirn. Maxw. Du trägst schwer, guter Freund? Harrop. Sehr schwer. Maxw. Wo gedenkst du hin mit deiner Last? Hartop. Nach Goldensquare. Maxw. Das ist noch weit. Harrop. Freylich. Maxw. Wie viel verdienst du damit? Hartop. Eine« Schilling. Maxw. Das ist wenig. Hartop. O, ich verdiene wohl des Tages drey bis vier Schilling. Maxw. Kannst du davon leben? Harrop. Warum nicht? Maxw. Hast du Weib und Kind? Hartop. Ein braves Weib und drey wackere Duden. Maxw. Die ernährst du alle mit deinem kar/ gen Verdienst? Hartop. Karg? warum denn karg? wir sind «och keinen Abend hungrig zu Bett gegangen, unk des Sonntags trinke« wir unsere Kanne Bier so gut als ein anderer. Maxw. Und seyd froh dabey? 4Z Hartop. Herzlich frob,Herr! wenn lch diefew Abend nach Hause komme, und die drey Jungen springe» mir entgegen, und die Mutter trägt «ine rauchende Schüssel voll Kartoffeln auf den Tisch— da schmeckts! Capperment! da schmeckts? Marw.(bey Seite.) Guter Gott? wenn der Mensch so wenig braucht, um zu leben und froh zu seyn, warum kann denn nur ich dieß wenige nicht finden!— laß mich doch vcrsu« chen, guter Freund, vb ich deine Last zu heben vermag? Hartop. In Gottes Nahmen. Maxw. Lade sie mir auf die Schultern, ich will doch sehn, wie weit ich damit komme. Hartop(lachend.) Ha! Ha! wird wohl z» schwer seyn.(Er labet Ihm den Pack auf, Maxwesi sinkt unter der Last zu Boden.) Hartop. Sieht er, das geht nicht. Maxw.( steht auf und spricht schmerzhaft.) Nein, das geht auch nicht! Hartop(indem er seine Last wieder aufsackt.) Gott befohlen! unser eins darf die Zeit nicht verplaudern.(Ab.) . Maxw. Thor!— Weichling! du hast in zweyen Tagen kaum eine Tasse Thee getrunken, lind Willst Lasten heben.'—(Er ringt schwcnnü' thig die Hände) Armer Robert! so ist es denn so weit mit dir gekommen, daß du entweder ein Dösewicht, oder ein Bettler werden mußt?— k chä Ach! für Arabellen sterben, wäre leichter, aA für sie betteln!— Doch— mein Tod kann hi«., Nichts bessern. Verkrieche dich, du hochfahrende. Stolz! krümme dich, du ungelenker Rücken. es gilt Weib und Kind! es gilt eine alte blind Mntter!§ Vierte Scene. j Maxwell nähert sich Harrington. i Maxw. Mein Herr— Harr.(fährt, wie aus einen» Traume in die Höhe.). Was gibts? Maxw. Ich bin unglücklich, und ein Man« von Ehre ist es doppelt, wenn die Noth ihn zwing!/ zudringlich zu werden. Harr.(steht ihn starr an.) Maxw. Ich bitte nicht um Almosen. Arbei! ist mein Wunsch. Harr. Unglücklich?(Er lächelt bitter)§assa fir doch hören. Sind sie rerheirakhet? Maxw. Ich hab' ein braves Weib. Harr. Auch Kinder? Maxw. Einen wackern Buben. Harr. Da haben wirs? die Antwort W ich alle Tage Weib und Kind, Kind und West/ und immer unglücklich dabey.— Herr, sie M fündigen sich. Maxw. So sehr ich beyde liebe, so würde ich ohne Weib und Kind doch weniger elend seyn, Ln ich würde»!lein hungern, und allenM ver, ^ Lnrr Das ist also das ganze Elend?— Sie ßnd mm?- und ihnen ist geholftn, wenn irgend ein gutherziger Mensch seinen ueber- «.6 m ihnen theilt?- Was soll denn i ch sage«, Lr? der ich eine halbe Million im Vermögen haben, und dem niemand helfen kann. Marw.(verwirrt.) Wie.. Harr. Sie können doch herumgehen, und Flaacn, und wenn sie aufneu» und neunzig fuhllose d°ch-"d»«^ ihr- H-»d M», m»>p"«7/ dir helfen. Aber ich-- ich' die rondner Dank ist reich, aber sie kann mir meinen Sohn nicht bezahlen— der König ist mächtig, aber er kann mir meinen Sohn nicht wieder geben!—, Maxw. Ich dedaure, Srr!- Larr Ich will nicht bedauert seyn. Err reicher Mann findet immer Menschen, die ihn bedauern; aber eure Thräne!- eine Thräne! — ich habe keine, und für mich find alle--lugen ^Maxw. Ein Mann mit diesem Gefühl, sollte vergebens Mitleid suchen-^ Harr/O nein! Vettern und Muhmen tanzen se-mg um mich her, und reiben sich die Auge» 48 rnit Zwiebeln, and lachen hinter den Schnupftk, chern, daß der alte Harringlon nun kinderlos ist. Juchhe! da gibts eine fette Erbschaft. Ist er Loch ekN Siebenjiger, lange kann er es nicht mehr machen. Maxw. Armer Mann! Harr. Armer Mann!—, Sehn ße, Herr, Mit einer halben Million im Vermögen zwinge ich ße, der sie Hülfe bey mir suchen, mich einen armen Mann zu nennen. Die Leute haben mich lange genug den reichen Harringtvn gescholten, aber niemand wußte, worin mein Reichthum bestand; niemand wußte, baß mein Georg, mein einziges Kind! mein ganzer Reichthum war! Maxw. Und dieser geliebte Sohn starb? Harr. O! wäre er n u r gestorben! hätte ein Fieber ihn weggerafft, so würde ich doch wachen, lang an seinem Bett gesessen, ihn gep siegt haben— Furcht und Hoffnung hätten doch in meinem Vaterherzcn gewechselt— und— wä- re die Krankheit schmerzhaft gewesen— so hätte vielleicht endlich die Liebe mir den Wunsch ausge- preßt: Gott! ende seine Leiden!— aber so— fo— in der Blüthe seiner Jahre— in der Fülle seiner Kraft— Herr! er ist ertrunken— gestern beym Baden ertrunken!— Maxw. Armer Vater!. Harr. Armer Vater!—nicht mehr Vater! k— Gestern, als die Sonne aufging, lebte mein Soh» 49 Sohn noch— heute hat mir niemand einen gu- ten Morgen gebothen— ich stehe allein am offe« nen Grabe— Niemand wird mir die Hand drücken, und gute Nacht sprechen, wenn ich hinunter steige!— Maxw. War denn keine Rettung? Harr. Keine! Maxw. Hat Menschenliebe nicht seit Jahren hier in London eine Gesellschaft zur Rettung der Ertrunkenen errichtet? Harr. O ja. Maxw- Sind nicht schon Tausende durch dieses wohlthätige Institut gerettet worden? Harr. O ja. Ich selbst bin ein Mitglied dieser Gesellschaft. Ich selbst habe hundertmahl das Entrücken genossen, dem Weibe dem Gatten, der Mutter den Sohn wieder zu schenken. Ich darf es ohne Ruhmredigkeit sagen: ich war immer eines der thätigsten Mitglieder, das haben meine Drüber dankbar erkannt; sie sind zahlreich herbey gestürzt; sie haben kein Mittel un- versucht gelassen— aber vergebens!— Stunden lang haben meine Lippen an den blassen Lippen meines Sohnes gehangen; Stunden lang habe ich meine letzten Kräfte aufgebothen, um ihm Athem einzuhauchen— aber vergebens?— Wund habe ich meine Kniee gelegen, heiser habe ich mich zu Gott geschrien!— Gott hat mich nicht gebör!— Alles verloren!— ich habe nicht- mehr als eine halbe Million, die ich in Dpfer- Lob. D ss die Themse werfeli würde, M Meines SohnrZ Stimme mm Noch einmahl aus den Fluthe» Vater! rufen zu hören. Gehn sie, Herr, lasse» sie mich zufrieden. Sie habe« mir den Mund zu klagen geöffnet, und ich will nicht klagen— Sie haben eine glühende Thräne in mein Auge gelockt, und ich will «tcht weinen— ich will in meinem Schmer; ersticken!— und wenn sie nun noch von Unglück rede»— nachdem sie das blutige, zerrissene Daterherz gesehen haben— Herr, so sind sie ein gemeiner Bettler. (Er steht auf, und entfernt sich.) Maxw. O Mann! du thust mir Unrecht? Doch wer börste in solchen Augenblicken mir dir rechten?— Du hast nur Gefühl für deinen ersten bittersten Schmerz. Du weißt nicht, daß es minder weh thut, sein Kind todt, als es hungern zu sehn. Die Zeit verstreicht^ — O! diese Brust ist sonst auch empfänglich für fremde Leiden— aber jetzt rauschen sie an meinem Ohr vorüber, und dringen nichr in das gequälte Herz. Fünfte Scene» Maxwell nähert sich Dumfries. Maxw. Mein Herr, ich glaube in ihnen ktz «en Geschäftsmann zu sehn. Zk Dumfties. Geschäftsmann? o ja, der bin ich. Maxw. Könnten sie vielleicht einen Mens schen brauchen, der schreiben und rechnen, die doppelte Buchhaltung, Französisch und Deutsch versieht? Dumfr. c betrachtet ihn eine Zeitlang.) Wie Heuer? Maxw. Um Lebensunterhalt. Dumfr. Dazu könnte Rath werben. Maxw. O mein Wohlthäter! mein Cr, retter! Dumft. Wolken sie nach Indien gehn? Maxw.(erschrocken.) Nach Judien? Dumfr. Ja, wenn sie gute Zeugnisse auszuweisen haben, so schaffe ich ihnen eine Schreiberstelle bey der Ostindtschen Compagnie» Maxw. Ich bin verheirathet. Dumfr. Das ist schlimm. Maxw. Ich habe ein Kind— und eine alte blinde Mutter— Dumfr. Dann kann ich sie nicht brauchen. Wollen sie aber Weib und Kind zurücklassen, so können sie in wenig Tagen zu Schiff« gehn. Maxw. Weib und Kind zurücklassen? meM Leben zurücklassen? Dumfr. Wer spricht denn von ihrem Leben? Maxw. Nein, das kann ich nicht. D 2 §2 Dumfr. Nach Belieben.(Er klopft sein« Pfeift g„«) Ueberlcgen sie es. Sie sind ja nicht der erste, der seine Frau im Stiche läht, und werben auch nicht der letzte seyn. Wen« man Weib und Kind nicht ernähren kann, so thut man besser, sich von ihnen zu trennen. (Er steht auf) Besinnen sie sich. Sie finden mich des Vormittags im goldenen Anker, im Großve- uorsquare.(Er geht ab.) (Das Spiel im Hintergrund« ist gehoben, und die Spieler haben sich nach und nach verlaufen.) Sechste Scene. Manuell allein. Gott! der erste Weg, den du aus diesem Labyrinth mir zeigst, ist mit Dornen besät. Arabellen verlassen?— meine alte blinde Mutter verlassen?— nimmermehr!—(Er geht in Verzweiflung auf und nieder) Dle,bt Mir denn kein anderes Mittel?— kann ich nicht eine Bürste nehmen, und den Vorbeygehenden an den Straßenecken die Schuhe rein bürsten? —- Ö mir Freuden! wenn das meiner Familie Brot gäbe.—(Pause)— Soll ich de« Spieler aufsuchen?— soll ich ihm stehlen helfen?— Wäre es denn ein so großes Verbrechen, einmahl in meinem Leben zu steh- SZ len, um asies, was mir lieb und theuer ist, vom Hungertodzu retten?—-— Pfui, Max, well! gedenke deiner edlen Gattinn; gedenke ihrer wunden Finger! schlage ihrem Herzen keine Wunden—(«Pause)— Der dicke Mensch hatte wohl Recht: besser sich von Weib und Kind trennen, als ihre Leiden mehre«— weil ich ohne sie nicht leben kann, sollen sie darum ohne mich nicht leben?— ich will fort! ich will nach Indien!— Dummkopf! werden sie dann Brot haben?— O! könnte ich auf ir, grnd eine ehrliche Weise ihnen Unterhalt versichern, noch in dieser Stunde wollte ich abret- sen. Mögtcn sie dann mir nachweinen; mögte« sie ihr Brot mit Thränen netzen; wenn sie nur welches hätten!—(Paus»)— Gott! der du jedem Vogel sein Futter, jeder Lilie ihr Kleid gibst, laß einen Lichtstrahl auf mich fal- len! zeige mir einen Verfolger meines Weibes! —(Er blickt mit starren Augen rings umher) Ueber«!! Gesichter— Menschensichter— aber keine Menschen—(Er fährt ,,.!inmen) Ha? da kommt Walwyn die Aiee heraus!—— (Mit hohler Stimme) Walwyn!—( Er bleibt plötzlich eingewurzelt stehn, und heftet sein starres Auge an den Boden) Was war das? was fuhr mir da durch den Kops?— hn! mich schaudert! laß dich festhalten, dn seltsamer Fremdling! du hast eine häßliche Larve— bist aber doch vielleicht zum Retter meines Weibes erkoh- S4 ren.—. Bleib! bleib! baß ich an deinen Anblick mich gewöhne.—(Pause) Was ists nun «ehr? Robert, fasse dich— was ists nun mehr?— du gehst nach Indien— du bist ja Hoch tobt fürArabellen— und in ihrem Andenken lebst du, so lange dein Harry lebt— und die alte Blinde ist versorgt und Arabelle versorgt— glücklich!—(schmerzhaft) glücklich? — Nun ja, warum nicht?— soll sie elend seyn, weil du es bist?— liebst du sie?— liebst du sie wirklich, wie die Frau mit den «runden Fingern es verdient?—( Mit stiller Größe) Wohlan! wahre Liebe weiß sich selbst zu opfern.—(Paus«) Nein, es war kein böser Geist, der diesen Gedanken mir vorgaukelte -— das Schicksal zeigt mir einen Weg— den «inzige»!— der Egoismus soll mich nicht zurück zerren.—( Er sieht Walwyn entgegen) Gott! laß mich den Mann finden, wie ich es wünsche! — Wie ich es wünsche?— nein, Robert! Belüge dich nicht in deiner Abschiedsstunde— Nicht wie ich es wünsche— wie ich es wünschen Nuß!^77> 8Z Siebente Scene. WalwYN tritt auf. Warw.(g'bt in großer Mwegung aus ih»«u, «nd ergreift ihn bey der Hand.) Guter WalwYN, He find mir eine wohlthätige Erscheinung. Walw. Das wäre mir herzlich lieb. Maxw. Ich habe viel mit ihnen zu re> ^^Walw. Wollen sie mich in mein Haus be, gleiten? Maxw.(um sich schauend.) Wir sind allein Ich muß meinem Herzen Luft machen. Walw. Sie sind sehr bewegt— reden ^ Maxw. Sie haben mir diesen Morgen ihre Hülfe angebothen— Walw. Es geschah vo» ganzem Herzen. Maxw. Sie haben mir bald darauf ein so großmüthiges Geschenk übersandt— Walw. Ich? Sie irren. Maxw. Nein, ich irre mich nicht. Die- se Zeilen sind von ihrer Hand, sie gruben sie in mein Herz. DaS that der Mann, dem ich einst seine Geliebte raubte— der mich hassen sollte— Walw. Wie könnte ich den Mann hassen, dee Arabellen glücklich macht. Z6 Maxw. Ich habe inniges Gefühl für die Zartheit ihres Benehmens— aber ihr Edel« muth beugt mich— ich war nie gewohnt Wohlthaten zu empfangen— drum bitte ich sie: nehmen sie ihr Geschenk zurück.(Erdrücke ihm dar Papier in die Hand.) Wasw. Wie, Maxwell? Sie fühlen, baß ich es gut meine, und verschmähen dennoch meine Hülfe? Marw. Ich schäme mich nicht sie in mein Herz blicken zu lassen. Nennen sie es unbändigen Stolz; nennen sie es eine mich selbst quä« lenke Grübelei)— ich halte mein^Gefühl für menschlich, und mag ihm nicht entgegen kämpfen — Walwyn— unter allen Sterblichen sind sie der letzte, von dem i ch Hülfe annehme. Walw. Welche Grille! Maxw. O! ein Mann, der so zart fühlt, wirb dieß Empöre» meines Innern gegen ihre Hülfe keine Grille schelten. Arabelle hat sie geliebt. Diese Handlung stellt sie in den Augen meines Weibes auf eine glänzende Höhe, zu der ich beschämt mit empor schauen müßte. — Und wenn dann ein Seitenblick herab auf ihren Gatten siele— der von den Wohlthaten eines ehemahligen Nebenbuhlers lebt— wenn ich bey jeder Mahlzeit denken müßte— und sie es dächte—-„diesen Bissen gab uns Wal« „wyn— daß wir satt sind, ist Walwyns Werk^ S7 — nein! nein edler Mann! ich würbe ihnen bau, ken, vnb— sie hassen?, Walw. Armer Verirrter! Ihr Unglück rieht einen g'stigen Nebel um ihre Einbildungskraft. Was sind m i r tausend Pfund?— Und will ich sie ihnen denn schenken?— Ein Mann wie sie, kann fallen, aber Fleiß und Thätigkeit richten ihn schnell wieder empor. Dann zahlen sie mir das Geld zurück— mit Zinsen, wenn sie wollen— und sind mir nichts schuldig. Maxw. Und wessen Hand hätte mich empor gerichtet?. Walw. Wollen sie denn ihre Familie lieber darben lassen, qls dieß allzu verfeinerte Gefühl unterdrücken? Maxw. Meine Familie wird nicht darben. Sie haben mich mißverstanden. I ch kann ihre Hülfe nicht annehmen— Mir allein sollen sie keine Hülfe leisten— nur mir nicht. Walw. Wem sonst? Maxw.(sammelt sich. Nach einer Pause.) Wal- wyn! ich habe eine große Frage au sie zu richten — eine große, ernste Frage. Walw.(gespannt.) Nun? Maxw. Lieben sie Arabellen noch? Walw.(aurweichknd.) Wozu das? Maxw. Bey dem Glauben an ein höheres Wesen in uns und über uns! bey ihrer Neb- lichkeit und meiner Verzweiflung beschwöre ich 68 sie! antworte» ffe mir: liebe» sie Arabelle« mch? Walw. Mein Gott, Maxwell! was ist iß, «m? Ihre Lippen beben— ihr Auge rollt-- Maxw. Sie, der sie mir heute tausend Pfund schenken wollten, und setzt so karg mit einer Sylbe sind, erbarmen fle sich meiner Angst! es rühre sie der Zustand der Vernichtung, in welchem sie mich erblicken. Walw. OS ich gleich nicht begreife, wie meine Antwort sie aus diesem Zustande reißen könnte; so ist ihre Aufforderung doch eben so dringend als sonderbar, und- mein Gefühl so schuldlos, daß ich keinen Augenblick anstehe, ihnen sreymüthig zu bekennen: Ja! ich liebe Arabelle» noch. Maxw. Ist diese Liebe nur eine schwermütige Nückerinnerung? ober ein lebhafter Traum von gestern? sind die Farben saust verblichen? oder schimmern sie noch im erste» Glänze? Walw. Ein Mann, der seit acht Jahren ihren Umgang mied; ei» Mann, der die Rechte des Gatten und die Unschuld der Gattinn ehrte, darf ohne Bedenken antworten: ich liebe sie noch wie am erste» Tage! sie war mir alles, und ist mir alles, und wirb es bleiben bis in den Tob! --Jetzt, Maxwell, habe ich mich erklärt. Nun wünschte ich aber auch zu wisse«, wozu eine solche Erklärung nöthig war? die alte Wunde» aufreiße und vielleicht neue schlage. 59 Maxw. Ich bin am Ziele meiner Frage der entscheidende Augenblick ist da.—(Paus-. Er ft sammelt Muth, um weiter sprechen) Walwyn!- -> Wollen sie meiner Mutter Sohn, meinem Kinde b Vater— meiner Arabelle Gatte seyn? e Walw. Was soll das heißen? e Maxrv. Ja, nur unter dieser Bedingung voll- e-ringe ich das Opfer. Ihren Handschlag als Bruder, daß sie meine alte blinde Mutter pfle- gen, und mit Geduld tragen wollen, bis sie stirbt. - Ihren Handschlag als Freund, baß sie meinen * Harry zum ehrlichen Mann bilden, und ihn einst - versorgen wollen, wenn ich selbst es nicht kann. a Walw. Maxwell! Wo hinaus schweift ihre a Einbildungskraft? , Maxw. Und endlich— ihren ftyerlichsten - Schwur, baß sie das Glück meiner Arabelle schuft r fen-- Thor! er liebt sie seit acht Jahren— ? als Gattinn wird er sie anbethen— nein, dieses Schwurs bedarf es nicht. - Walw. Mann! fasse dich! du bist wahnsin- e nig, du willst ein Selbstmörder werben!— ' Maxw. Nein, nein, das will ich nicht— d> ich will dem Hunger oder der Verzweiflung nicht t vorgreifen. Ich bin bey Sinnen, guter Walwyn, ! ich weiß was ich thue. Seit drey Tage» suche ich > vergebens Brot- Erwerb. Ich muß meine Fami« ' lie verschmachten sehn oder betteln— oder sieh- llen.— Hier endlich habe ich einen Mann ge- tss firnben, der mich füttern will, wen« ich„ach Lstindien gebe. Walw. Und-e wollten—? M?rw Fort? wenn mir Walwyn verspricht, für Weib und Kind und Mutter, mehr zu sey« als ich seyn konnte; fort! wenn ich in dir einen Bruder zurücklasse. Walw. Bleib! ich will dein Bruder sey». Maxw. Nie sollen meine Augen die väterli- chen Küsten wieder erblicken? nie soll meine Iam- Dergestalt eure Ruhe stören!— Kann ich einst durch mechanischen Fleiß wieder etwas erwerben, so schreibe ich dir, und du schickst mir meinen Harry— doch nur, wenn du selbst Vater bist wenn die Mutter ihn nicht mehr vermißt. Sieh, Walwyn, ich habe auch noch eine^ Hoffnung— ich bin nicht so ganz verarmt<— es kann doch noch einst eine Stunde kommen, in der ich wieder froh seyn werde!— Denke dir, Walwyn, den Greis, wie er an den Ufern des Ganges steht, und der Ankunft seines Sohnes harrt—(Schwärmerisch) Da springt ein Jüng, ling aus dem Schiff— ich wanke näher— erkenne Arabellens Züge, und stürze entzückt in sei-; ue Arme! Walw. Guter Maxwell! Elend und Mangel haben deinen Kopf zerrüttet; ein Nebelstreife« hat sich vor dir gelagert, dein Unglück wacht dich kurzsichtig; hinter dem Streifen ist es wieder hell. Vertraue mir; nenne nicht W ohlkhat, was L 6» mir zu geben Bedürfniß ist— Willst d» aber auch meine Hand zurück stoßen— gut, so will ich meine Freunde aufbiethen, ich will dir Mittel schaffen, dein Brot zu verdienen, je saurer, je besser— denn das scheinst du doch zu wünschen. Maxw. Wohlan! thu was du kannst— verschaffe mir den niedrigsten, verachttteflen Dienst trage diesen Göttrrtriumph über mich davon — ich will es dulde»— Aber kannst du mich so nicht retten— so überlaß mich dem Sturm meines Schicksals, und werde Arabellens Gatte. Versprichst du mir das? Walw. Armer Kranker! Maxw. O versprich es mir, guter Mensch! versprich es dem armen Kranken. (Erstreckt beyde Hände bittend aus.) Walw. Weiß Arabeüe um dein Vorhaben? Maxw. Noch nicht. Walw. Und du glaubst, sie werbe einwilligen? Maxw. Wenn keine Pflichten mehr sie an mich binden, so wird ihre Liebe zu dir erwachen. Walw. Geh, sage ihr, was du thun willst. Maxw. Ich habe dein Wort? Walw.(reicht ihm seine Hand.) NUN ja. Maxw. Mit diesem Handschiaz vermähle ich sie dir.(Er wird schwach, und klammert sich an Wal- yynt Arm) Ha! nun bin ich wieder stark! Die Meinigerr sind gerettet? Habe Dank, Wal- ö- re Walwyn— kniee nieder und höre!— Emt fünf Wochen arbeitet Arabelle Tag und Nacht— ihre Augen sind roth und trübe— ihre Finger sind wund— heute wollte sie tröstend ihre Hand eiuf die meinige legen—(heimlich) siehe da, das ist ihr Blut— Begreifst du nun, was in mir focht? Arabellens Blut klebt an meinen Händen— mit ihrem Blute hat sie mein Kind «nd meine Mutter ernährt— dafür opfere ich ihr was mehr ist als mein Leben— dafür opfere ich ihr meine Liebe!— Sieh, welch ein--Leck ich dir schenke!— Jetzt will ich zu ihr— zum ietzkenMahle—jetzt will ich sie auskernen^ such vorbereiten— in einer Stunde erwarte rch dich.— Leb wohl, mein Wohlthäter'. (Mit Selbstgefühl) In einer Stunde ehrst du mich als den deinigen.(Lr wankt fort.) Achte Scene. Walwyu allein. (Er steht Ihm lange nach.) Da sey Gott für! Ja, ich werde sie wieder sehen, und dieser Freude nicht unwrrth seyn.— Schweige, du begehrendes Herr!— Gebricht es dir an Muth?— jage nicht! Du wirst ihre blutigen Finger sehn,und der leiseste Wunsch wirb verstummen.— Nette die Geliebte deiner Seele! Führe den Gatten und Barer in ihren Arm zurück, auf daß dein eignes Herr dir zuflüstere: du warst ihrer Liebe werth! (Er geht rasch ab.) Ende des zweyten Aeks. 6s Dritter Act. Maxwell« Wohnung. Erste Scene. Arabelle allein. (Sie arbeitet, und hat Pope'««ersuch über be» Menschen aufgeschlagen vor sich liegend. So oft sie eine Stelle gelesen, macht sie eine Pause, und scheint über das Gelesene nachzudenken.) Dichtkunst! wie edel ist deine Bestimmung, wenn du Leibenden Trost gibst!.— Guter Pope! warum lernt nicht jeder Unglückliche deine Verse auswendig? (Sie liest.)„Nun geh in deiner Weisheit, bis „du träumest, „Leg Gottes Vorsehung in deine .„Wagschal; „Dagegen deinen Tadel; sprich in „deinem Sinn: „Gab er nicht hier;u viel? und „bort zu wenig?" L Ppfer- Tod. Schäme dich, Arabelle! auch du hast geinum. (Sie blättert und liest:) „Der milde Sonnenschein der Seele, „die sanfte, innre Ruh im Herzen, die „Nichts irrdisches zu geben ober nehmen „vermag, ist nur, o Tugend! dein Ge- „winn." Ja, ich kenne diese Ruhe— sie wohnt auch be- der Armuth—. sie wohnt in meinem Herzen. Zweyte Scene. Hanne und Arabelle. Hanne. Liebe Madam, als ich vorhin über LIe Straße ging, ist mir ein Herr begegnet, der, hat mich freundlich angeredet, und gefragt: ob ich bey Mistriß Maxwell diente? und hat viel von ihnen gesprochen, recht viel. Arab. Kennst du ihn? Hanne. Nein, aber er muß sie wohl kennen, denn ich mußte ihm alles erzählen, und er hörte mir so andächtig zu, als säße er in einer Predigt bey John Wesley. So oft er ihren Nahmen nannte, wurde er so wehmüthig heiter, und die Augen standen ihm immer voll Wasser. Arab. Genug, Hanne!(Bey Seite) Ach eS war Walwyn! 67 Hanne. Er fragte Mich auch, ob sie Geld brauchte»? Arab. Ich will nicht hoffen, baß du— Hanne. Bewahre der Himmel! Nein, sagte ich, meine Madam arbeitet lieber Tag und Nacht; und, sagte ich, wenn sie Manschetten kaufen wollen, oder Halstücher, meine Madam näht wun- . derschön, und wohlfeil. Da schien er vor Freu- den ganz außer sich, und sagte: ich sollte meine Ware geschwinde, geschwinde hohlen, und bestellte mich auf das nächste Kaffehhaus— Ärab.(verlegen und gerührt.) Du weißt, Han- ne, baß diesen Morgen das letzte verkauft wurde. — Jetzt muß ich meine Finger ein Paar Tage schonen— geh, laß den wackern Mann nicht vergebens warten. Hanne. Ach! er wirb gewiß trübselig ausseht», wenn ich nichts mitbringe.(Ab.) Dritte Scene. Arabelle allein. Ist das die Ruhe, mit der ich prahlte?— ' Ist das die Tugend, auf die ich stolz war?—. Der Nahme eines fremden Mannes erregt mir Herzklopfen, und jagt mir das Blut auf die Wangen? Fremd?— Ist Walwyn mir fremd?— Kann er mir je fremd werben?— Ach! ich habe ihn sosehr geliebt!— Gott! du weißt, E 2 vb er es verdiente!— Ach, ich liebe ihn noch!— (Sle weint sanft) Er war meine erste und einzige x^be!— Vernunft und kindliche Pflicht könn, teil ihn aus meinen Armen, aber nicht aus mri, nem Herzen reißen— Ist es ein Verbrechen,, daß ich umsonst ihn zu vergessen strebe?— Nein,, Walwyn! nein, du Guter! dem ich einst Treue§ schwur, und der mich so edel von meinem Schwur, entband— deine Entsagung— dein stilles Dul-, den— deine heutige Grvßmuth— wo ist ein Weg zum weiblichen Herzen, wenn es dieser nicht ist? Vierte Scene. Maxwell tritt auf. t Ärab.(Heiterkeit lügend.) Willkommen, lieber Robert! Maxw.(geht unruhig auf und nieder. Dann bleibt er vor ihr stehn, versucht einige Mahl zu reden, und kann nicht.) Arab. Was ist dir?— Du hast etwas auf dem Herzen? Maxw.(wiederbohlt dumpf die Worte:)— und entsage dir seyer, lich! Arab. Du? mir? 7' Maxw. Wj des Elenden, der noch wanke» könnte, wenn eigne Freuden, eigne Hoffnungen mit demG-ück der Geliebten auf einer Wagschale liege».— Du reichtest mir deine Hand, weit dein Vater seineRuhe an diese Verbindung knüpfte, und ich sollte meine Hand nicht zurück ziehn, da t> e i n e Ruhe es seufzend heischt?— liebtest d« deinen Vater mehr als ich dich?— Trotz sey euch gebothen, ihr gepriesenen Helden des Alterthums! die ihr für eure Gattinnen nur zu sterben wußtet!— Ich kann mehr— ich kann mein Weib in eines andern Gatten Arme führen— Mich verhüllen— und fliehn— Arab. Robert! Um Gottes willen! Welche Furie hat ihre Krallen in dein Herz geschlagen?— Maxw. Laß mich vollenden.— Ich gebe dir den Schwur der ehelichen Treue zurück— streiche die verstoßenen acht Jahre aus deinem jungen Leben— vergiß, was ich dir war nur vergiß meiner Liebe nicht!— Du bist nun wieder frey— kannst mit Hand und Herzen schalten nach Gefallen— Walwyn liebt dich noch— belohne seine felsenfeste Treue— werde sein Weib— sein glückliches Weib!— nur vergiß meiner Liebe nicht!—— Er wi,d Har- rys Vater— meiner Mutter Sohn seyn— er hat es mir geschworen— erwirb ArabellensJugend mit frischen Rosen schmücken— er wiid die süßen Erinnerungen an eure erste«, schuldlose« 72 Freuden wecken— und wenn ihr Hand in Hand «mf Blumen wandelt— die ich euch pflanzte—- (mit höchster Rührung) so vergeßt meiner Liebe ni e!— Arab.(stürzt tn seine Arm«.) Mann, den ich zu schwach verehrte! Mann! zu welcher schwin, delnde» Höhe lässest du mich hinauf blicken! ich glaubte, dein biederes Herz ganz zu kennen, und du öffnest mir plötzlich einen Tempel, den ich schaudernd betrete.— Ich dich verlassen?— Hätte ich dich auch nie geliebt, so würde dieser Tag mich unauflößlich an dich ketten.— Ich weiß auch was gut und edel ist— so hoch dir nachfliegen kann ich nicht; aber fühlen waS du für mich thun willst, das kann ich, und baß ich es fühle, ist mein Stolz!-— meine Beschäl mung— Ich dich verlassen?— versuche es nur dich los zu winden— gehe wohin du willst, ich folge dir unter jede Zone— ich trotze mit dir am Südpol den Pfeilen der Wilden, und grabe mir mit dir am Nordpol eine Hütte in den Schnee! Maxw.(gerührt.) Arabelle! Arab. Nach Ostindien willst du?— Willst sehen, wie bort die Weiber anf dem Scheiterhaufen ihrer Männer, siegend und jubelnd sich in die Flammen stürzen? und willst heimlich des Wei, beS spotten, das seinen biedern Gatten fühl- kos in die weite Welt ziehen ließ, weil er— 73 hart— nicht treulos— weil er arm war?— Maxw. Arabelie! Arab. Du bist der Vater meines Kindes du hast die höchste irdische Wollust, die Mutterliebe mich gelehrt— meinst du, ich mochte wieder reich werden, wenn es mich mchts werter kostete, als eine Hand voll Undank?,-r^ie Welt wird es mir nicht verargen— o jawas ver, zeiht die Welt nicht, wenn Gold die Schande decket?— Für eine Mahlzeit, für einen Ball, kann ich mir Freunde und Lobrcdner in Menge kaufen— aber hier!(sie schlägt an ihr- Brust) hier'. Gibt es ein elenderes Wesen auf Erdens als ein solches, das seine Augen nie ein, wärts kehren darf! um nicht vor seiner eigenen scheußlichen Gestalt zu erschrecken.— Nein! Armuth und Mangel mögen an meinen Kräften na. am- mein Gewissen liegt außer den Gränzen ihrer Macht— Nein! nein! Vater meines Kindes! ich lasse dich nicht! (Sie umklammert ihn.) Maxw.(schließt fi- fest in feine Arme.) Gott! welchen Augenblick hast du mir noch gewahrt. — Tretet hervor, ihr Götter der Erde! md beneidet mir Armen meinen Reichthum.— Weib. ich glaubte daS Maß deiner Engelgüte zu kennen, aber ein Weib übertrifft immer auch unse. re kühnsten Erwartungen.— Genug, Arabel- le!(Er«tndet sich los) Das Rad des Schi- sa!s rollt unaufhaltsam, wir greifen vergebens in seine Speichen.—>— Zwischen Trennung Mb Hungertod bleibt mir keine Wahl weine um mich, als um einen Todren— der redliche Walwyn wirb diese Thränen nicht schel, ken. Arab. Wie? noch immer dieser grausame Vorsatz? Maxw. Es ist beschlossen. Arab. Wohlan!— Du hast mir feyerlich entsagt— und ich erkläre dir hiermit eben so feyerlich, daß ich dir nie entsage! Geh nur—- igeh— schiffe dich ein-— meinst du, ich würde kein Schiff finden, das eine trostlose Gattinn nach Ostindien trägt?— Mit meinem Harry an der Hand will ich im Hafen betteln gehn— mit meinem Harry an der Hand, will ich vor dem ersten Schiffer niederstürzen, der im Begriff steht, seine Anker zu lichten-- Ich schwöre es dir, Robert, ich folge dir, so wahr mir Gott helfe! Maxw. Weib! bringe mich nicht zur Ver« zweiflung! zwinge mich nicht, in ein Land zu fliehen, wohin du mir nicht folgen kannst! Arab. Es gibt kein solches Land. Maxw.(zwischen bm Zähnen.) Jenseit des Grabes— Arab. Auch dahin folge ich,dir. Maxw. Mutter! du hast einen Sohn! Arab. Sohn! du hast eine Mutter! 75 Maxw. M verstehe dich, Arabelle— du willst mir das Opfer erleichtern— ich wollte bei, „er Liebe entsagen— und du begehrst nur mein Leben—, Arab. Du bist krank, Robert— sehr krank >— ich will meinen Harry auff chen— der so« was mir nicht gelang— den Geist der Schwermuth bannen— und Hoffnung in dein Herr lächeln. (Die eilt fort.) Fünfte Scene. Maxwell allein« Sterben!— wahrlich! sterben ist leichter. — Habe Dank, gutes Wrib! du sprachst mein Todesurtheil.— Nein, in jenes unbekannte Land wirst du mir nicht folgen— dafür bürgt mir dein hülstoses Kind.— Ha! welchen Fei- sen hast du von meiner Brust gewälzt!— ich soll nicht nach Ostindien gehen— ich so» nur sterben— O! wie die neue Idee mich schnell und sanft durchwärmt vom Scheitel bis zur Sohle— Ich war erstarrt— ich fror— da netzte Ära- belle meine Zunge mit einem glühenden Tropfen, und die Glut rollt, wie ein elcctrischer Funke, »on Aber t» Ader.— Ja, wein Tod macht al, 7§ kes wieder gut!— Sie wird weinen— o ge- wiß! sie wird weinen— aber die Zeit wird mit der ersten Jugendliebe In einen Bund treten, und wenn der künftige Frühling mein Grab mit Blumen überzieht, so reicht sie über dem Gra, be dem redlichen Dalwyn die Hand.— Wohl« an, Robert! du hast den Leidenskelch geleert— wolltest du um den letzten Tropfen den Mund verzieh»?— Bin ich etwa ein Thor, dem Le, bensüberbruß den Strick reicht? oder ein Narr, der sich von den Wagenrädern seines Götzen zermalmen läßt.*) Nein! ich sterbe für mein Weib! für meine Geliebte! ich sterbe für meine Mutter, für mein Kind!— Laß dem Tode fürs Vaterland seine Marmorsäule»— auch dein Grab wirb nicht vergessen werden— sollte man es auch auf einem Kreuzwege machen. Ein alter Aberglaube der Fnbker am Feste Ttr«« nal. Stehe SonneratS Reisen. 77 Sechste Scene. Arabelle mit Harry an der Hand. Maxwell. Arab.(sanft und freundlich.) Da bringe i x dir vnsell, Harry. Er bittet, du wollest nie vergessen, daß du sein Vater bist. Harry(ihm liebkosend.) Vater, ich babe dich lange nicht gesehn. Maxw.(schwermüthlg begeistert, ohne auf bar KinG, blicken.) Knabe, was nennst du lange?- Diese Formen, durch welche unser Geist seine Vorstellungen so theuer erkaufen muß— zerbrich sie, und verschwunden sind Zeit und Raum. Arab. Harry, dein Vater will verreiM. Harry. Wirst du mich mit dir nehmen? Maxw. Nein, Harry. Harry. Wirst b» weit reisen? Maxw. Die Schwaibe zieht dem Frühling nach. Harry. Wirst du bald wieder kommen? Maxw. Alles kommt wieder. Der Staub lebt in Blumen wieder auf. Harry. Wirst du mir auch was mitbringen? Maxw. Was ich noch habe, lasse ich dir— meinen Segen— 78 Arab. Robert! laß ab mich zu quälen!— Ich glaubte seit einigen Wochen viel gelitten zu haben—. heute fühle ich, daß es wenig war!— Marw. Habe Geduld mit mir—es soll anders werden— bald!(Zwischen den Zähnen) Mensch! was zögerst du!(Er blicke wehmüthig auf Harry, hebt ihn in die Höhe, und küßt ihn auf das Haupt) Gott segne dich, mein Sohn!— (Er nähert sich Arabellen mit Beklommenheit, ergreift ihre beyde Hände, und küßt ihre wunden Finger) Dank, mein gutes Weib!—(Er wendet sich, legt seine zitternde Hände aufHarrys Haupt, und spricht mit tiefer Wehmuth) Gott segne dich, mein Sohn! (Dann stürzt er sich in Arabellens Arm«) Dank, mein gutes Weib!—(Erblickt thränenschwer gen Hin» mel) Gott! der letzte Tropfen ist doch bitterer als ich glaubte!— Arab. Robert! was willst du thun?—Robert! erbarme dich meiner Angst! Maxw. Sey ruhig, Arabeüe— ich reise Nicht nach Ostindien. Arab. Nicht?— gewiß nicht?— Maxw. Nein. Ich habe noch einen Freund — ich hatte ihn schändlich vergessen— zu ihm will ich gehen— bey ihm will ich Hülfe su- chen— bethet für mich, baß er mich sanft auf, nehme. Arab. Einen Freund? Du täuschst mich »icht? Maxw. Mein, Arabelle— diese Stunde leidet keine Täuschung. Arab. Wer ist er? wo ist er? warum nanntest du mir ihn nie? Manv. Weil man im Glück die besten Freunde zu vergessen pflegt. Aber fürchte nichts, er wird mich dennoch liebreich empfangen. Seine Arme sind offen für jeden Unglücklichen. Arab. So geh, von einem guten Engel ge« leitet. Maxw. Von dem Engel der Liebe!— Leb wvhl, Arabelle!— wir sehen uns glücklicher wieder. Arab. Das gebe Gott! Maxw.(hak Ihre beyden Hände sehn! Arab. Bald! Maxw. Wenn der Morgen anbricht, s Er tritt in einen Winkel, ringt verstohlen die Hände, verschluckt seine Thränen, und kämpft den herben Kampf b«r Trennung. Endlich ermannt er sich, und spricht leise) Das Schwerste ist vollbracht!— Jetzt zu mei« «er Mutter! (Er stürzt fort in seiner Mutter Zimmer.) Arab.(fallt auf ihre Kniee und hebt Augen und Hände gen Himmel.) Harry. Was machst du, Mutter? Arab. Ich bethe für deinen Vater. Harry. Ich will auch für meinen Vater be« thkN.(Er kniect neben seiner Mutter. Nach einigen Augenblicken stürzt Maxwell au« dem Zimmer seiner Mutter. Er will fort. Der Anblick der Bethenden hält ihn zurück, und erschüttert ihn mächtig. Er bleibt eingewurzelt stehn— ein Krampf verzieht die Muskeln seines Gesichts— sein starrer Blick geht endlich tu Rührung über— er hebt seine zitternden Hände langsam empor— drückt sie vor die Augen— wendet sich — und wankt hinaus.) Siebente Scene. Die alte Mutter kommt und tappe herum. Mutter. Robert!— Was war das? was soll das heißen?— Ist denn niemand hier? Arab.(steht auf.) Wir sind hier, liedeMut, ter. Mutter. Sie und mein Sohn? Arab. Ich und Harry. Mutter. Wo ist denn mein Sohn? Arab. Er ging zu einem Freunde- Mutter. Warum nahm er denn so beweglichen Abschied? Arab. 8r Arab. Er ist heute so schwermüthig gestimmt. Mutter. Komme da herein gestürzt— küßt meine Hand— sie ist noch von seinen Thränen naß— spricht: leben sie wohl!—- dankt mir für meine Liebe— sagt, es solle mir an nicht- fehlen-— und fort ist er! ehe ich einmahl fragen kann: Robert, was soll das bedeuten? und am Ende geht er zu einem Freun, de. Man hätte denken sollen, er ginge zum Tobe. Arab.(fährt heftig zusammen.) Da sey Gott für! Mutter. 9st das recht, seine alte Mutter so zu erschrecken? mir beben nach alle Glieder. Komm, Harry, führe mich wieder in meinen Sessel, daß ich mich erhohle. (Ab mit Harry.) Arab.(steht sprachlos, von dem Gedanken gemartert, den bar Wort der Mutter in ihr aufschrecke te.- Pause.-) Nein!— Nein, das wird er njcht i— Drey Leben hängen an dem feint, gen—(Sie tritt an den Tisch, und blättert mit einer Hand in dem Buche, indem sie starr auf den Boden blickt) Nein, das wird er nicht!—(W. such« sich zu beruhigen, setzt sich an den Näherahm Opfer- Tod.§ 8r und fängt an zu arbeiten, aber ihre Thränen fallen häufig herab. Sie steht auf) Meine Thränen wer, den alles verderben.—(Sie greift nach dem Strickzeug, läßt aber bald die Arme sinken) Robert! Robert! du hast meine letzte Kraft gelähmt— ich kann nicht mehr arbeite»— ich kann nur noch bethen!— Achte Scene. Walwyn tritt herein. Arab.(fährt heftig zusammen, allste ihn«blickt.) Ha! Walwyn! Walwyn(naht sich bescheiden.) Nach einer achtjährigen Trennung sehe ich Arabellen wieder. Arab.(sucht sich zu fassen.) Arabelle Max, well freut sich, einen alten Freund in ihrem> Hause zu bewillkommen. Walwyn. Dieser Titel gibt mir große Rechte. 8I Arab. Ihre Edelmuth gab ihnen heute schon größere. Empfangen sie meinen wärmsten Dank als Gattinn und Mutter. Walwyn. Arabellens Dank ist ein zu hoher Preist für ein verschmähtes Auerbiethen. Arab. Es bleibt darum nickt minder eine Wohlthat— und ich weiß— sie floß aus der reinsten Quelle. Walw. Ich bin stolz aus dieses Zeugniß, und ich fühle, baß ich es verdiene.(MtWärm«> Ja, Arabelle! ich bin noch ganz was ich vor acht Jahren war; das Glück hat mir Reichthümer zugeworfen, aber Herz und Sinn blieben un- verändert.(Er bemerkt Arabellcns Verlegenheit, tind mäßigt plötzlich sein Feuer) Verzeihen sie, daß ich von Dingen sprach, die nicht hierher gehören. Bey ihrem Anblick wurde mir zu Muthe, wie einem Greise seyn mag, der, beym Anblick eines JugeidfreundeS, iu den Frühling sei, nes Lebens zurückschallt, und da wurde ich wieder zum Jüngling.— Ach! kein Wunder, baß ihre liebe Gestalt acht lange Jahre in einen Traum zerfließen läßt, und mich in den Augen- blick zurück zaubert, wo sie mir zum letzten Mahle die Hand reichten.— Damahls waren, wie fetzt, ihre Wangen blaß— damahls standen, wie jetzt, Thränen in ihren Auge«-' 84 Arab. Und damahls bath ich sie, wie jetzt, meiner zu schonen. Walw. Acht Jahre lang habe ich ihren Anblick gemieden. Heute führt der Wunsch ihres Gatten mich zu ihnen.— O Arabelle! wenn sie wüßten, zu welchen Hoffnungen er mich berechtigen wollte— Nein, nie hüllte der Versucher sich in eine so lockende Gestalt! Arab.( höchst v«rleg«n.) Wie?— ich will nicht hoffen— daß mein Mann— daß eine selr- same Grille, die er mir selbst äußerte— sie schweigen? Walw. Ich errathe, daß er Wort hielt. Arab. Sie hätten wirklich?— Walw. Ihn angestaunt. Arab. Und ich will hoffen: sanft zurecht ge- wiesen? Walw. Ach Arabelle? Arab. Dieser Seufzer— diese trauliche Ve, Kennung— Sollte ich in Walwyn mich irren? sollte er sthig seyn, einen Unglücklichen, der sich im Staube krümmt, in den Staub zu treten? — o! dann müßte ich ihn einen Blick in mein Herz thun lassen— bann müßte ich ihm die letz- oder eine Lerne im Lotto gewinnen lassen— hel, ftn sie mir so etwas ausbenken. Arab. Edler Mann! diese dankbare Thräne— Neunte Scene. Hanne stürzt herein. Hanne(ach«,.l°-.) Ach Madam, ich bin so erschrocken— 8 Arab. Was gibts? Hanne. Es ist ein Auflauf aus der Straße— Arab. Nun? Härme. Die Leute rede» so gottlos— so fürchterlich— Ach! es ist mir wie Bley in die Füße gesunken!— Zehnte Scene. Der Hauswirth poltert herein. Da haben wirS!—ein seiner Spektakel!— eine schöne Ehre für mein Haus! Arab. c ängstlich.) Was will er, mein Freund? Wirth. Was ich will? ich will, daß sie den Leichnam nicht hierher schleppen sollen. Arab. Den Leichnam? um Gotteswillen! Walw.(zugleich.) Wessen? Wirth. Nun, wissen sie es denn noch nicht? Wüster Maxwell hat sich in die Themse ge« stürzt. 8d Walw. Ha! zu spät! Arab.(schlägt zu Boden.) Hanne(kauert sich neben Arabellen, und unterstützt ihr Hauxt.) Meine arme Madam, meine brave Madam! Wirth. Der Miethzins rum Henker! (Er rennt fort.) Walw. Vielleicht ist noch Rettung. (Er will gehn.) Eilfte Scene. Hans Hartop. Die Vorigen, d? Hart. Rettung? Freylich ist noch Rettung. >en Sie haben ihn schon wieder geweckt. Walwyn und Hanne(zugleich.) Er lebt? Hart. So wahr ich Hans Hartop heiße! er lebt. 't? Hanne. Haben sie gehört, liebe Madam? ge« Arab.(nickt fteundltch.) 9» Walw. Wer hat ihn gerettet? Hart. Aos der Themse habe ich ihn ge- jvgen. Walw. Er, mein Freund? o nehme er? (Er will ihm seinen Beutel geben.) Hark. Pah! warum nicht gar! so was läßt man sich auch bezahlen. Und ger- tte t habe Ich ihn drum doch nicht, denn als er auf dem Trocknen lag, war er mausetod. Aber da ,st hier in London eine Gesellschaft, vor der kein ehrlicher Kerl in Ruhe ertrinken kann. Da waren gleich ein Paar Menschen bey der Hand, vornehme — Gott weiß wer sie sind, und woher ^ xamen— die handthierten flugs mit ihm und rieben, und sprühten, und hauchten— bis er die Augen aufschlug. Walw. Wohin brachten sie ihn? Hart. Drey Häuser von hier, zu einem reichen Weinhändler— der»E dtt GMWB^ >- er gehört auch mit zu der Gesellschaft. Walw. seilt fort.) Hart. Gottes Segen über die braven Leute? «- Als ich merkten, baß wieder Odem in ihm yr War, ließ ich mir seine Wohnung zeigen, den« ich mag vor mein Leben gern eine gute Doch- schüft bringen.— Die arme Madam, die da auf der Erde liegt, ist wohl seine Frau? Arab. Seine Frau? Hart. Nun, weine sie nur nicht mehr. Jetzt hat es keine Noth, er kommt davon. Arab.(reicht Ihm ihre Hand.) Hart. l ergreift und schüttelt sie herzlich.) Ss ists recht. Eine leere Hand und so ein Gesicht dabey, ist mir lieber als des Herrn sein voller Beutel.—> Ich denke, Jüngfergrn, wir helfen der Madam wieder auf die Beine. (Sie heben Arabcllcn in einen Sessel.) YL Zwölfte Scene. Maxwell. Walwyn. Harrington. Die Vorigen. (M axwell noch todtenblaff, mit schlicht herab hängendem Haar und niedergeschlagenen Blick wird von Walwyn Arabellen zugeführt.) Arab.(versucht aufzustehn, vermag er nicht, sinkt zurück, und breitet die Arme aus.) Maxw.( knieet vor ihr nieder, und legt sein Haupt in ihren Schovß.) Arab.(bückt sich schluchzend über ihn.) Hart.(wischt sich mit den Knöcheln feiner Finger die Thränen aus den Augen) Harrington(steht in sich gekehrt, mürrisch, und wirst zuweilen einen Blick auf dar wieder vereinigt« Paar.) Maxw.(hebt sein Haupt empor, und sieht Ära- bellen wehmüthig an.) Arab.(umklammert seinen Hal«, und legt ihre Backe an die seinige.) Walw.(fleht innig bewegt auf sie herab.) !n- trd Hart. Mein Seei! eS ist der Mann, der heute meinen Packen tragen»vvllte. Lr trug wohl schwerer, als ich. Harrington(zu Maxwell.) Herr! sind sie ni-h! der nähmliche, der mich heute im Lhcegarten um Bei,stand ansprach? Manv. Ich biss. nkt ein Harrington. So bin ich wohl»um Theil Schuld an ihrer Vmweifiung?— so habe ich wohl recht viel wieder gut zumachen?—( Er zi-bt Waiwvn bey S-tte) Sir, ich kenne sie als emm ehrlichen Mann, ist das alles wahr, was sie mir eben er»ähltcn? >ger Walwyn. Wahr, auf Treue und Glauben! uns Harr.( nach einer kurzen Pause zu Maxwell'.) We Sir, gestern ist mein Sohn im Baden ertrunken; heute habe ich ihnen das Leben gerettet— heute hat mir Gott einen Sohn wieder gegc- !tra; Sir, ich nehme sie an Kindes statt an. Maxw.(wende- sich knieend zu ihm, und breitet seine Arme dankbar au».) Harr. Ich verstehe- keine Worte-- ist nicht vonnöthen. Und will dieß brave Weib auch meine Tochter seyn? 94 Arab.(faltet lächelnd ihre Hände.) Harr. Ich verstehe— die Sache ist richtig ich habe wieder Kinder!— Vergib mir Gott, mein Murren! Arab.(sinkt zu Robert herab auf die Kniee, um- Mingt ihn fest. und drücke thu an ihr Herz.) Hark. Ha! wie wirb der erste Packen, den ich i» tragen bekomme, so federleicht seyn! Der Vorhang fällt. -.i'.. -----<4 . 5 - > M r.s -