Wienei- 8iM-8ibIio1lis><. 8167 ,^>>/>-/>r>'-^^ >/ O 4 Skizzen aus dem ijener Walde. Andeutungen zu Ausflügen auf einen Tag von Joseph Feil. (Ä. Schmidt'-: tvien's Umgebungen etc. als St« Abtheilung des III. Sandes eingereiht.) Wie«. Gedruckt bei Carl Gerold. 4837 Was bangt der Sinn nach fernem Land gezogen, 2st's denn in Heimarhs Bergen minder schon!?— Zweite Abtheilung Ausklage kür einen Tag. Der Troppberg, Preßbaum, die Hochstraße, der Roppersberg, Kalksburg, Rodaun, Bertholds- dorf, Laab, Breitenfurt, Hochrotherd, Kalten- leutgeben, Sulz, die Geisberge, Brunn, Snzer»- dorf, Giesthübel,Medling, Liechtenstein, Vrühl, Sparbuch, Johannstein, Sittendorf, Wildegg, Gaben, Heiligenkreuz, Neudorf, Tallern, Gu nist oltskirchen, derAnninger, Baden und seine nächste Umgebung, das Helenenthal, das eiserne Thor- Bearbeitet von Joseph Feil. Schmidl's Wiens Umgeb. Nl. zweite Abtheilung des ersten Bandes Hat in die letzten strombespülten Ausläufer des Wienerwaldes, von den historisch ehrwürdigen Zinnen des Josephs- und Leopoldsberges bis in die Thäler und Höhen um Mauer- bach geführt, deren elegisch stiller Reiz durch die immer zahlreicheren Besuche einen ganz neuen, fröhlicheren Karak- ter gewinnt. Die Gegenden, in welche hier eingeführt werden soll, schließen sich an die bereits beschriebenen Theile des Wienerwaldes an, und setzen sie in dem für Ausflüge auf einen Tag bemessenen Umkreise bis in die Ebene zwischen Wien und Neustadt fort. Die nächsten Punkte tragen so ziemlich das Gepräge der im ersten Bande verlassenen, und bleiben sich darin getreu, bis— mit den Hügeln um Kaltenleutgeben beginnend über die Bertholdsdorfer und Brühler Berge sofort bis in das Helenenthal bei Baden, und weiter— eine immer mehr kalkige Unterlage den Wuchs des Nadelholzes fördert, und die Gegenden so im steten Wechsel von pittoresken Felsenmassen, ernstem Waldesdunkel und frischem Grün herrliche Kontraste bieten, deren Reiz sich in dem Maße steigert, als der ganze nördliche, der Hauptstadt näher liegende Bezirk der Wienerwalder Forste durchaus nur Laubwälder enthalt. Die Waldpartien, über 7* welche in den nächsten Zeilen einige Andeutungen folgen sollen, namentlich die Gegenden zwischen dem Riederberge und der Sulz, sind äußerst wenig gekannt und besucht, und doch bergen sie eine Fülle freundlicher Thäler und weitausschauender Höhen, wo sich die Natur noch in ihrer eigenthümlichen, ungekünstelten Schönheit gibt. Es ist ein Vorzug, den dieser Theil vor der ganzen Umgebung von Wien voraus hat, daß man hier im Schooße einer freundlichen, noch unverfälschten Natur die Nähe der Hauptstadt so ganz vergessen kann! Je näher den viel besuchten, oft beschriebenen, aber bei weitem noch nicht vollends gewürdigten Gegenden von Medling und Baden, desto mehr verwischt sich jener lieblich-stille Karakter! Freilich darüber hinaus gewinnt das Ganze einen immer großartigeren Ton; über 2000 Fuß hoch emporstrebende Berge, wie der Anninger und das eiserne Thor u. s. w., bilden dann, die Reize fort und fort steigernd,, den Eingang in die eigentliche Gebirgswelt, deren Schilderung den Gegenstand der dritten Abtheilung bildet. Wohl ist hier der Umkreis für Ausflüge auf einen Tag, gehalten gegen die Tagesrouten des ersten Bandes, der geographischen Entfernung nach, ein etwas größerer. Da jedoch nicht leicht jemand die schattenlosen, staubigen, überdieß uninteressanten Strecken bis zu den Orten an den Gebirgseingängen wird gerne zu F u ß zurücklegen woll n, so wird die, durch eine Auswahl von Fuhrgelegenhciten aller Art erleichterte Ersparung von Zeit und Kraft einer größeren Ferne zu Gute gerechnet; ein Umstand, der im ersten Bande weniger zu be- rücksichtigen war, da in der nördlicheren Richtung die interessanten Gegenden der Hauptstadt weit naher liegen. Darum wurden dort auch solche Distanzen gewählt, die ein nur etwas rüstiger Wanderer wird leicht in einem Tage hin und zurück zu Fuße machen können- L Der Troppberg. (4 Stunden.) Der Haupkhöhenzug des Wienerwaldes seht seine nördlicheren Ausläufer, welche als das eigentliche Kah- lengebirge endlich gegen das Stromgebiet abfallen, durch den Riederberg gegen Südwest über den unteren Saubiegel, den Tropp-, Heinrichs- und Eiland berg bis nach dem unteren Saubiegel fort, der sich gegen das Hagen und den Kellergraben wieder senkt— wo die Straße nach Neulengbach unfern dem»zahnenden Hansel« über die Niederung hinweggeht— dann wieder schnell emporsteigt, und, als Kaiserb rnnn- und Scheibenberg bis auf die Hochstraße fortlaufend, dieGrenze zwischen den beiden Kreisen unter und ob dem Wienerwalde bezeichnet, dann im engeren Sinne den Namen des»Wiener waldes» führend, über den großen Schöpf«! hin, sich fort und fort verzweigt, endlich mit dem Unterberge, jenem leider! noch so wenig gekannten Rivalen des Schnee» bergs,und mit dem letzteren Bergkoloß selber sich verbindet, wo dann die weitere Fortsetzung nicht mehr in den Bereich dieses Werkes gehört. Nach allen Richtungen hin ästet dieser Stammzug auS, und bildet so die freundliche Kette von Höhen und romantischen Thälern, die noch jenen stillen Reiz der ei- 151 gentlichen Gebirgswelt athmen, der aus den näheren Bergen um Wien mehr und mehr entweicht. Die nächsten Waldregionen liegen im Gebiete des Purkersdorser und Breitenfurter Forst- oder Waldbereitungs-Dezirkes. Diese Bezirke sind wieder m die einzelnen Forste abgetheilt, deren jeder unter einem x. k. Förster und Jäger steht. PurkerSdorf ist der Sitz des forstämtlichen DerwaltungsamteS und des P u r- kersdorferk.k. Waldbereiters. Dieser Bezirk zerfällt in sieben Forste; die k. k. Jäger und Förster befinden sich- ,) für den ersten Theil des Purkersdorser Forstes zu Pur- kersdorf; 2) für den zweiten Theil desselben Forstes zu Gablih; 3) für den Tullnerbacher Forst am Breebrunnen; §) für den ersten Theil des Koglinger Forstes zu Rapol- tenkirchen; 6) für den zweiten Theil zu Preßbaum; 6) für den ersten Theil des Anzbacher Forstes im Röcka- winkel; endlich 7) für desselben zweiten Theil in der Pfalzau. Am Rvcka- winkel und in Ried sind Waldübergeher. Der Waldbereitungsbezirk Breiten fürt umfaßt zwei Hauptforste, deren jeder in drei Theile zerfällt. Der k. k. Waldbereiter, der zugleich reitender Hof- jäger ist, hat seinen Sitz zu Laab. Die einzelnen Forste sind k. der R e i ch l i e s i n g e r Forst; für den ersten Theil befindet sich der reitende Hvfjäger und Förster in Laab; die zwei Förster und Jäger der beiden anderen Theile domiziliren in Breitens» rt. n. Die Förster und Jäger für die drei Theile des Weißenbacher Forstes endlich haben ihren Sih zu Kaltenleutgeben, auf der Wöglerin und am Anninger. Zu Kaltenleutgeben, Gaben und Weißenbach befinden sich Waldübergeher, zu Gruberau ist ein Sagemcister. In diesen Partien nun soll auf die interessanteren Punkte hingewiesen, aufdie Pfade dahin und die schicklichste Verbindung unter einander aufmerksam gemacht werden. Wem es um genauere Orientirung zu thun ist, der wird von dem k.k. Forstpersonale die zuverlaßigsten Angaben erhalten können, wie man denn auch am besten an die Jäger um Zuweisung und Empfehlung brauchbarer Führer sich wendet. Der Troppberg, auch Trap p-, Tra t t- oder Tr au bb er g genannt, mit seiner herrlichen Fernsicht ist in diesem Höhenzugedie erste Kuppe, welche ausführlicher besprochen werden soll, um so mehr, als kaum zu begreifen ist, warum dieser reizende Punkt nicht häufiger besucht wird, da doch die Straße nach Purkersdorf eben so bequem ist, als sie durch ihre freundliche Begrenzung unstreitig unter die schönsten um Wien gehört. Hierüber siehe I. Vd. Seite i3a und i-sS, Purkersdorf selbst wurde eben da S. 3o6 s. f. beschrieben. Nach Purkersdorf geht noch kein Gcsellschaftswa- gen, man wird sich daher jenes von Weidlingau bedienen müssen. Wenn auch selbst die Poststraße in ihrer Strecke von Weidlingau bis Purkersdorf angenehm ist, so werden doch Fußgeher, den Staub der Straße und den noch sehr 155 kärglichen Schatten der jungen Pappelallee verlassend, am jenseitigen Wicnufer den sogenannten Wi n terw eg einschlagen. Statt die Drücke beim Weidlingauer Wirthehause zu überschreiten, folgt man einem Fußpfade, der an einem kleinen Bauernhäuschen vorüber, längs des Ufers am Abhänge des Rehgrabenberges bald in ein schattiges Geholze, endlich ins Freie führt, wo man gerade vor sich das freundliche, nette Purkersdorferblickt, welches man entweder links wendend beim Kaffeehausgarten an seinem Anfange, oder die Richtung zur Rechten einhaltend, beim landgräfiich Fürstenberg'schen, ehemals gräflich Stockham- mer'schen Landhause und Garten in dem oberen Theile gegen Gablitz hin betritt. räZS wurde dieser angenehme Pfad mit Stufen, Geländern und kleinen Brücken über die Wasserrisse versehen, und vereint so mit dem Dorzuge der Annehmlichkeit jenen der Bequemlichkeit. Von Purkersdorf aufden Tr opp b erg führen zwei Hauptwege, der eine unmittelbar von Purkersdorf aus auf einem waldigen Bergrücken über das Ära nerv ett er, das Rueman sfeld und die Kaisermais, der andere über Gablitz. i Der erstere Weg verdient jedenfalls den Vorzug; hat man einmal den ersten Bergabsatz erstiegen, so ist die weitere Elevazion unbedeutend, und besonders im Hochsommer die Kühlung des hochstämmigen Waldes eine wahre Erquickung. Da jedoch dieser Weg weniger bekannt ist, so sollen hier einige detailirte Angaben darüber folgen. Man wird am besten thun, diesen Pfad im Hinaufsteigen zu wählen, und über Gablitz, wo man allenfalls den Wagen warten läßt, zurückzukehren. 154 Dem freundlichen Pfarrhofe, im Kranze einer reizenden Blumenflur, gegenüber lenkt zur Linken an dem Pel- secn-Führenberg'schen Postflausgarten die Straße nach Neulengbach von der großen Poststraße ab. Die Häuserzeile zu beiden Seiten dieser Straße, der minder schöne Theil von Purkersdorf, ist unter dem Namen des Schwabendörfels bekannt. Rechts am Aus- gange des Ortes liegt auf einer durch Bäume versteckten Anhöhe der Friedhos von Purkersdorf. Jedes Kind zeigt den Weg dahin; er enthält mehre zierliche Grabmo- riumente, darunter das von den Gemeinden Hütteldorf und Purkersdorf dem Justiziär der letzteren Waldamts- herrschaft, Joseph Hella uer(gest. 2«. April 1820), errichtete, jenes des Peter Eibel, durch 24 Jahre Ortsrichter(ch 16. Februar ,83/,), dann des Gablitzer Brau- Meisters, Joh. Schuster(gest. ,S. Okt. 1819), endlich die mit einem Eisengitter umschlossenen Ruhestätten der Frau Gräfin Maria von Stockhammer, geb. Gräfin Hartig(im 7bsten Lebensjahre gest. den 9. März ,83.), und ihrer einzigen Tochter Johanna Gräfin St 0 ckhammer, (geb.>4. März ,8,S, gest. 8. Okt. 1827). Der Weg biegt um die Kirchhofmauer und behält, sanft aufwärts leitend, seine Richtung immer merklich links, wo man bald auf eine, ihr klares Gewässer in einem ausgehöhlten Baumstrunke sammelnde Gebirgsquelle trifft. Man befindet sich hier in dem sogenannten Krane- Wetter. Ober dieser Quelle führt der Waldweg, immer die bereits verfolgte Richtung zur Linken beibehaltend, auf die erste Höhe des Bergrückens hinan, den man nun nicht mehr verläßt. Man ist von einem hochstämmigen Walde 155 empfangen; das zwischen den Ästen und Blattern zu beiden Seiten durchschimmernde Firmament gibt die Versicherung. daß man immer auf der Be r g sch n e i d e fort- wandle. Man kann nicht fehlen, wenn man sich nur nicht durch einen der zahlreichen abwärts führenden Pfade auf s. die eine oder andere Seite hinunter verleiten läßt; theilen sich auch die Wege auf der Höhe selber hie und da, so führen sie doch bald wieder zusammen. Nach einer halben Stunde trifft man einen Baum mit dem Bilde der h. Dreifaltigkeit; ein stark betretener Fußpfad biegt etwas mehr rechts um eine kleine Kuppe herum, und leitet, wieder in den Fahrweg einlenkend, am Waldsaume auf eine freundliche Wiese hinaus, die hier in eine Schlucht scharf abfällt. Es ist dieß der sogenannte Fischergra- ben, der sich von da bis nach Gablitz hinab erstreckt. Und schon hier welch reizendes Bild! Tief zu den Füßen liegt die freundliche Häusergruppe von Gablih, darüber der Riederberg, der Tulbingerkogl, von dessen Abhänge die Wieser'schen Häuser deutlich erkennbar herüber schauen. Über den Scheiblingstein ragt der Hermannskogel hervor, weiter rechts erkennt man die hohe Wand. Wieder in den Wald getreten, schreitet man auf der Höhe, stark links sich haltend, an einem rothen Kreuze vorüber, immer vorwärts, umgeht an einer Umzäunung eine Schlucht, die zur Siechten abfällt, und trifft jenseits einen Waldfahrweg, der von Gablitz herausführt,, sich dann um eine höhere Bergkuppe herumwindet(die jedoch rechts bleibt), und endlich in der Nähe der zu höchst gelegenen Tulnerbacher Häuschen ins Freie hinauslei- tet, wo sich im Sndwesten über das Gewoge der öster- 1Z6 reichisch-steiermarkischenGrenzberge schon eine überraschende Fernsicht eröffnet. Man eilt dem Vollgenuffe entgegen den etwas steilen Fußpfad hinauf, der sich zwischen MooS und niederem Gestrüppe auf den in dieser Richtung ab- gestockten Gipfel des Troppberges hinauf windet. Dom Bilderbaume bis hierher wird man drei Viertelstunden, im Ganzen also, von Purkersdorf bis auf den Gipfel i-/^ Stunde brauchen. 2. Der Weg über Gabliß, etwas weiter als der vorige, ist der bei weitem bekanntere. Über die Strecke von Purkersdorf nach Gabliß, so wie über dies Dörfchen selbst vergl. I. Bd. Seite 3ug. Zwischen dem Kirchenhügel*) von Gabliß und dem gegenüberliegenden Thurnhofsührt der sogenannte Hauersteig, neben langen Zaunhecken eine Strecke durch das Thal, biegt dann rechts bergauf in den Wald ein, und führt an dem Pallensteiner Steinbruch vorüber, oberhalb welchem man über eine Einsattlung auf dichten Lagerungen von dürrem Laube, die etwas jähe Lehne des Troppberges hinan, den Pfad bis zum eigentlichen Gipfel hinauf verfolgt. Wollte man den steinigen Fahrweg wählen, auf dem ") Wenn ein neuerer Topograph die Angabe der kirchlichen Topographie: es sey das ErbauuugSjahr der Gablitzer Kirche nicht einmal durch eine Sage aufbewahrt, durch die Hin- weifung auf die in Stein gehauene Jahreszahl ,6,7 berichtiget, so bedarf diese Angabe wieder der Berichtigung, dost die neben dem Mauerbacher Wappen auf mehren Fen- stcrfchlus,steinen eingehauene Jahreszahl nicht ,6,7, sondern ibiji ist. 157 das Pallcnsteiner Gestein verführt wird, so müßte man, stakt den Hauersteig zu betreten, am GabliHbache noch eine Strecke gegen den Niederberg hin vorwärts gehen, bis ein Fahrweg vom Berge herab bei einer Brücke die große Poststraße trifft; eben dieser steinige Fahrweg ist es, der in Kurzem zum Steinbruch hinaufführt. Von dieser Seite würde man jedoch die Besteigung wohl nur dann füglich antreten, wenn man über den Königswinklerberg, schon oberhalb Gablitz, von Mauerbach herüber käme- Am Gipfel angelangt, eilt man das hohe Gerüste zu ersteigen, das über den üppigen Baumwuchs hinausragt, der auch dieser Hohe seit einigen Jahren die Fernsicht geraubt hatte. Es wurde im Jahre>836 an der Stelle eines bereits schadhaft gewordenen, das hoch herangewachsene Gehölze nicht mehr überragenden Aussicht-GerüsteS durch Privathände errichtet. Dem Panorama, welches man hier aus einem Kranze herrlicher Berge nach allen Richtungen hin überschaut, gebührt unstreitig der erste Rang von allen Aussichtspunkten in gleicher Nähe von Wien; nur der Tulbingerkogel dürfte damit rivalistren, wird aber von diesem Punkte noch überboten. Damit dem herrlichen Bilde kein Reiz fehle, breitet gerade im Norden der mächtige Donaustrom sein Gewässer durch die saatenreichen Gefilde dcs Tulner- undMarch- felbes aus. Hart am Gestade liegt die Stadt Tulu, und ihre Thürme ragen weit in den glänzenden Wasserspiegel hinein. Darüber das Marchfeld, in neblicher Ferne von den mährischen und ungrischen Grenzbergen geschlossen. Mit bewaffnetem Auge findet man in der Ebene leicht die bekannteren Punkte heraus. Deutlich erkenn 253 bar ist das Schloß von Stätteldorf. Weiter zur Rechten erhebt sich der Riederberg, mit dessen dunklem Waldesgrün ein blendend weißer Streifen, die hin- «bergehende Poststraße, scharf kontrastirt. Über ihn hinaus ragt der Tulbingerkogel mit seinem Häuschen nahe am Gipfel. An ihn schließt sich die Hinter s- dorfer Höhe und jene von Hadersfeld; wenn die Nachmittagssonne hinleuchtet, erkennt man an einer weißen Linie ganz deutlich den Liechtenstein'schen Obelisk. Nun seht sich jener Hvhenzug über den S ch e ib l i n g st e i n, den von der höchsten Kuppe des Herrmannskogels überragten Roß köpf weiter fort, und verflacht sich immer mehr gegen die Ebene. Bei reiner Luft erblickt man auch den Stephansthnrm von Wien. Hier schließt sich dann jene Vergreihe an, welche, mit den Höhen im k- k. Thiergarten beginnend, über den Föhrenberg bei Berkholdsdorf, den Sattel-, Flössel- und langen Berg, den Zug der Thäler von K a l t e n l eu tg eb e n, und näher jener von Laab und Breitens» rt bezeichnet. Gerade im Süden neben dem Anninger über der Häusergruppe derHochro therd präsentirt sich das eiserne Thor bei Baden, und nun gewinnt das Bild den Karakter des Großartigen! Fern und ferner steigen die Bergkolosse des österreichisch-steicrmarkischen Grenzzu- ges auf! In blauer Ferne taucht der breite Rücken des Wechsel herauf; eine schmale Kante des Gahns blickt am Abfall des Hengst hervor; nun folgt der Schnee- berg, vor dessen mächtige Wand sich das Hocheck hinstellt. Über den Kuhschneeberg ragt ein Theil der Schneealm- Partie herüber. Der Staffkogel und das Kieneck streben aus der romantischen Umgebung von Kleinzell empor, dann erhebt sich der hohe gesattelt» Unterberg, dessen wundersame Fernsicht nur mehr gekannt seyn dürfte, um mit dem Schneeberge in die Schranken treten zu können. Den langen Waldrücken der Hochstraße überragt der breite Schöpfel, der die starre Steinwand der Gipplmauer und den hart an der steiermarkischen Grenzmarke gelegenen Göllerbis zu den obersten Kanten verstellt. Nun sieht man in das liebliche Thal von Neulcngbach hinein, und in weiter Ferne wird es von der L i l i e nfel d e r- R e i s.a l p e geschlossen, die man von keinem Höhenpunkte um Wien so frei erblickt. Daran reihen sich die Berge um TürniH, a»S denen sich der Heger deutlich zu kennen gibt. Hoch empor steigt der gewaltige Qtscher! Nach ihm senken sich dieBergeübcr dem langgestreckten Haspel immer mehr gegen die Niederungen der Donau. Noch erkennt man in dieser Richtung das Wetterkreuz bei Hollenburg, bei Morgenbeleuchtung das imposante Göttweih, und ferner den großen Iauerling. Diese Gegend trifft man jedoch selten ganz rein, und Göttweih zu erblicken ist eine seltene Gunst! Somit schließt sich die Landschaft wieder an die Niederung der Donau, womit diese Andeutungen begonnen haben. Was diesem Bilde seinen eigenen Reiz, ja einen gewiß alpenmäßigcn Karakter gibt, sind die malerischen Tulnerbacher Hütten, welche durch lebendige Zäune und Hecken mit ihren zugehörigen Grundstücken eingcmarkt. auf den grünen Höhen neben der nahen Schlucht ganz idyllisch zerstreut liegen, und so der südwestlichen Gebirgs- aussicht einen Vordergrund verleihen, so schön wie nirgendwo!— Unwillkürlich entzündet sich die Lust, in den Tulnerbach hinabzusteigen. Schnell hat man die steile Anhöhe hinunter die oberste Häusergruppe erreicht; immer tiefer geht es neben Verzäuuungen in die Schlucht, die dann links um einen jähen Abhang biegt und in das eigentliche Thal hinausführt. Zu beiden Seiten des Tulnerbaches, meist auf der Höhe zerstreut, liegen die einzelnen Hütten mit ihren eingefriedeten Wirthschaftsgründen. Es sind hier im Ganzen 3, Häuser mit>70 Einwohnern nach Pur« kecsdorf eingepfarrt. Der Weg ist ziemlich schlecht und führt zu beiden Seilen des steinigen Baches h6i. Zur linken auf einer kleinen Erhöhung liegt die ärmliche Schenke, die jedoch vor Kurzem noch einige Celebrität hatte, da ihr vormaliger Besitzer ein berühmter T r ü f- felsucher war, der mit seinen wohlabgerichteten Trüffel- hunden diesen beliebten Leckerbissen in den nahen Forsten auffand.<— Je näher man gegen den Ausgang des Thales schreitet, desto schöner wird es, desto malerischer grup» piren sich zu beiden Seiten die enger an einander schließenden Waldabhange des Groß-S kein b ach- und des großen W i e ne r b e r g e S. Zwischen dem Mauthhause und dem gut bestellten Neuwirthshause tritt mau endlich auf die St- Pöltener Straße hinaus. 2» prehbanm oder die Tannermg. (4 Stunden.) Der Weg von Purkersdorf nach Preßbaum durch dar freundliche, zu beiden Seiten in wechselnden Formen von heiteren Waldbergen begrenzte Thal ist bekannt und beliebt. Die Straße, welche im weiteren Verfolge überNeu» lengbach nach St. Polten geht, ist sehr gut unterhalten; sie folgt immer der Richtung des hier noch unbedeutenden Wienfliißchens, und hat nur an einem einzigen Punkle über eine kleine Höhe hinüber zu gleiten. Zu Fuß erreicht man in kaum drei Viertelstunden das oben erwähnteMauth- häuschen und das benachbarte Neuwirthshaus, in dem man sehr gute Unterkunft findet, und das man recht füglich wird benutzen können, wenn man auf einer Wanderung in die benachbarten Thaler, die hier ausmünden, den Wagen hier warten läßt; eben auch drei Viertelstunden braucht man von hier bis Preßbaum. Zur Linken steht ein freundliches Landhäuschen mit hohen und breiten Fenstern von einem Hügel herab; durch eine Gruppe von drei Häusern, denen der Schild des Wirthshauses»zum Taferl« die Benennung Taferl gab, erreicht man endlich Preßbaum, ein freundliches zur Herrschaft Purkersdorf untcrthäniges Dörfchen, mit y6 zerstreut liegenden, mitunter recht netten Häuschen und 3bo Einwohnern. Der Name eines Wirthshauses soll dem Orte die>m Volks- munde allgemeine Benennung»der Tannering« gegeben haben, schwerlich die Tannenbäume, deren es hier fast gar nicht gibt. Preßbaum hat eine eigene Schule, drei Wirthshäuser, und ist der Sitz des k. k. Försters und Jägers für den zweiten Theil des Koglinger Forstes, und in der nahen Pfalzau jenes für den Anzbacher zweiten Forsttheil. Ihnen unterstehen die(am Strohzagel, Heinrichsberg, in der Brenten-Mais, Laawies, Offen-Meidling, auf dem oberen und unteren Saubiegel, im Schmölzgraben, Tulner- bach und in der dürren Wien), a3o im Gebirge zerstreute Hütten und Häuser bewohnenden Waldhüttler, in einem Seelenstande von>Soo Individuen. Diese Hütt- ler sind ein derber, aber gutmüthiger, rüstiger und heiterer Menschenschlag; sie nähren sich von der Waldwirth- schaft, von Obstbau und Viehzucht. Die Pfarrkirche ist ein einfaches Gebäude mit einem viereckigen Thürmchen und Ziegeldachung. Außer dem Hochaltare befindet sich in einer kleinen Nebenkapelle zur Rechten ein Seitenaltar. Die Kirche wurde an der Stelle einer zur Zeit der Pest im Jahre>7>3 errichteten hölzernen Kapelle,»Maria am Walde« genannt, durch fromme Gaben erbaut, und 1780 vom Kardinal Grafen Sigmund von Kollonitsch konsekrirt. Preßbaum wird von den Wienern eben nicht selten besucht; meist wird sich eine kleine Strecke in die Pfalzan hinein ergangen, oder gar der Pfalzberg bestiegen; kaum dem Namen nach aber ist der Mehrzahl der herrliche Punkt bekannt, dessen Besuch von hieraus ganz bequem und mit geringem Zeitaufwands geschehen kann; es ist die Hoch- st ratz?, wohin ein ganz unbeschwerlicher, reizender Weg selbst schwache Fußgeher in wenig mehr als zwei Stunden führt, ein Punkt, von dem der Wiener kaum ahnt, daß er, wenn nach Preßbaum hin und von da wieder zurückgefahren wird, in einem Tage ganz leicht und um so bequemer erstiegen werden kann, als man auf der Hochstraßeselbsteinrecht gutes, reinliches Wirthshaus trifft. 3 Die Hoehstratse. (6 Stunden.) Der Weg dahin ist leicht zu treffen, auch stößt man immer auf Landleute, die aus der Pfalzau, dem Kniewal- del und der Hochstraße selbst, mit Preßbaum verkehren. Man wandelt immer im kühlen Schatten frischer Wälder, aus denen man hie und da überraschende Überblicke über die Gebirgswelt genießt, auf dem Bergrücken fort; und hat man den unbedeutenden Pfalzberg erstiegen, so ist die Erhöhung so mäßig, daß man das Aufwärtssteigen beinahe vergißt. Darum eignet sich dieser Ausflug ganz vorzüglich für die Zeit des Hochsommers, wo man so gerne den Schatten sucht. Oberhalb der Kirche, beim dritten Wirthshause von Preßbaum, führt durch ein Gitterpförtchen der Fußsteig über eine eingefriedete, üppig grüne Wiese auf die erste Höhe des Pfalzberges, und dort wird man sogleich vom Waldesgrün empfangen, das man auch nicht mehr verläßt. Nach einer halben Stunde trifft man auf die zwei Pfalzberger Häuschen. Oberhalb einer Viehtränke leitet ein Weg zur Linken in die Pfalzau hinab. Man verfolgt jedoch die Richtung nach rechts, hier, so wie bei der nächsten Wegtheilung. Es geht nun mäßig auf dem Rücken desKaiserbrunn-, dann desScheibenberges fort. Ein Waldausschnitt zur Rechten eröffnet eine überraschende 165 AuSsichk auf das freundliche Thal von Neulengbach hin, dessen Schloß mit dem Kranze waldiger Hügel, in dem es liegt, äußerst malerisch kontrastirt. Nach einer Viertel- stunde befindet man sich abermal an ein paar Häuschen, bei der»Zimmermannin« genannt. So schreitet man im kühlen Laubeugange immer vorwärts, und erreicht nach einer halben Stunde das»Kniewaldel«. Ein isolir- tes Häuschen mit umzäunter Hausflur, an einer Wegtheilung bleibt links liegen; nun geht es eine kleine Strecke rascher aufwärts, und in einer halben Stunde hat man dieHochstraße erreicht. An einem etwas höheren Punkte tritt man aus dem Walde, und blickt auf die, aus umlaub- ten Räumen auftauchende friedliche Häusergruppe hinab; wäre der Wald zur Linken nicht ein Hinderniß, so würde dieß die günstigste Stelle seyn, von der man die herrliche Aussicht genießen könnte. Wahrhaft grandesk erhebt sich die mächtige Steinpyramidc desQt scher über den Kas- berg und den D u rlaswald. Einige Schritte abwärts erreicht man die zerstreuten Waldhütten, von Fruchtbäumen rings umschattet- Das nette Häuschen des k. k. Försters und Jägers, so wie das Wirthshaus, unterscheiden sich durch ihre solidere Bauart von den anderen ärmliche- reu Hütten, deren, mit jenen von Krödl und Forsthof vereint, im Ganzen 4^, von 2,jo Menschen bewohnt, auf der Höhe zerstreut liegen. Im Wirthshaus« werden mäßige Anforderungen genügender befriedigt, als man in solcher Abgeschiedenheit erwarten würde. Ein mäßiges Mahl im schattigen, weithinschauenden Wirthshausgärtcheu wirdtbesser munden, als die leckersten Bissen in schwüle» Räumen. Man wird sich bald einen geeigneten Punkt 166 ansfinden, um der herrlichen Fernsicht zu genießen, die sich hier dem staunenden Blicke eröffnet. Wer die näheren Gebirgszüge nur von der hohen Wand, vorn Herrmannsund Tulbinger-Kogel aus kennt, der wird sich hier anfangs nur schwer zurecht finden können. Man ist in jene, dort von fern erscheinende Bergreihe so weit hinein getreten, daß sich ihre Formen bis zum Unkennbaren verschoben haben. Über den großenKuh-, Lindapvlla- und Hocherberg, welche aus dem Thale von der Klausen-Leopoldsdorf bis nach Alland heraufragen, zeigt sich das eiserne Thor in einer Form, wie man es nirgends anderswo zu sehen gewohnt ist. Nur der Schneeberg dient als Polarstern, um hier die übrigen Gipfel wieder zu erkennen. Imposant vor Allem ist der Anblick des nahen Schöpfel, der mit seinem waldigen Rücken die Landschaft beherrscht. Im Nordwesten breitet sich der fast zwei Meilen lange Haspelberg aus. Rechts davon auf seinem Waldberge gewährt das Johanneskirch, lein, auf dem davon benannten Johann es berge, einen freundlichen Ruhepunkt.— Nur schwer trennt man sich von diesem herrlichen Bilde, das ganz geeignet ist, dem fühlenden Gemüthe eine unvergeßliche Erinnerung zu lassen. Von hier aus führen Pfade nach Neulengbach auf der einen Seite, und auf der entgegengesetzten in die Klausen- Leopoldsdorf hinab, deren Besuch jedoch sich nicht mehr für eiue» Tagesausslug eignet. 4. Vet Noppersberg— Die tvolksgräben.— Die Pfahau. (Z—4 Stunden.) Dem Freunde der ernsten Weltnatur bieten die Thäler und Höhen in der Umgegend von Purkersdorf gegen Preßbaum hin einen reichen Fond stiller Genüsse; und von ihnen gilt ganz vorzugsweise, was man an den Bergen des Wienerwaldes rühmt—heitere Einsamkeit imSchooste einer freundlichen wahren Natur, und, ein negati- v e r Vorzug— das Fernseyn von jenem lärmenden und bunten Treiben, dessen man in den modernen Gegenden um Wien so bald überdrüßig wird! Im Einklänge mit der harmlosen Natur bewohnt diese Thäler ein redlicher, gutmüthiger Menschenschlag, der durch seinen geraden Sinn und frohen Muth die wehmüthigen Enttäuschungen eines, an den— im steten Verkehre mit der Hauptstadt verzwitterten, ihren Barrieren näher wohnenden Landlcu- ten, etwa erträumten JdyllenlebenS vergessen macht! Der Roppersberg wird nicht so oft das Ziel einer eigenen Wanderung seyn, als vielmehr im Vorübergehen, namentlich bei Wanderungen von diesen Gegenden in die Thäler von Laab und Breitensurt, mitgenommen werden. Da man ihn jedoch eben so leicht mit einem Besuche der Wvlfsgräbea 168 oder der Pfalzau in Verbindung sehen kann, so sollen die Andeutungen darüber schon hier folgen- In die Paunze, einer freundlichen Thalgegend mit einer Gruppe von drei Waldhütten, die am Abhänge des Roppersberges liegen, gelangt man vonWeidlingau aus am nächsten, wenn man neben der Mauer des fürstl. Dietrichstein'schen Gartens und der daranschließenden Thiergartenmauer fortgeht, bis sich das Thal zur Rechten erweitert, in welchem man in einer halben Stunde die Paunze erreicht. Angenehmer ist der Weg von Purkersdorf aus. Veim Posthause geht man bis zur Wien hinab an einer >83ü renovirten kleinen Kapelle mit einem Thürmchen, und der ersten Mühle vorüber. Die Schlucht, welche zur Linken den Georgenberg vom gelben Berge scheidet, heißt der S chi n d e r g r a b e n; der schon bewaldete xweigipfliche Berg, gerade im Angesichts, ist der Speich- berg. Bevor man die zweite Mühle(die Teschka-Mühle) erreicht hat, führt ein Steg über die Wien in das Thal hinein. Am sogenannten Lazareth— einst durch seine Widmung den noch dermal anklebenden Namen rechtfertigend— und den d eu tsch enH üt ten vorüber, dringt man in einem freundlich grünen Thalevorwärts. Bald führt ein stark betretener Fußpfad von dem schlechten Fahrweg« ab, und am rechten Waldsaume unmerklich aufwärts*); ') Rechts davon würde einFustpfad auf den Gipfel desFeucr» steinberges hinauf führen; einst berühmt durch eine weite Fernsicht, die aber durch den hoch herangewachsenen Ward so lange ungenicstbar bleibt, bis wieder einmal das forst- mannische Interesse jenem des Naturfreundes freundlich begegnet. wie man aus dem Walde hinaus teilt, befindet man sich in der Paunze; in der bisher eingehaltenen Richtung sieht man gerade vor sich auf der jenseitigen eingefriedeten Wiese einen Fußsteig aufwärts führen. Es ist der sogenannte Laaber-Steig; man folgt ihm, an einigen Orten die, einer unfreiwilligen Viehweide währende Umzäunung übersteigend, immer in gleicher Richtung, anfangs durch eine Jungmais, dann im dichteren Walde bis auf die Höhe des Bergrückens, der fem Ausläufer des stattlichen Horuauskogels) bald wieder etwas aufwärts steigt und, bis zu seinem Absäße gegen die Wolfsgräben hin der Roppersberg heißt. Bis auf die Höhe des Bergrückens von Purkersdorf her wird man eine Stunde zubringen. Hier nun, an einem Bilderbaume vorüber, führt links der Weg in einer Viertelstunde nach Laab hinunter. Auf den Roppersberg jedoch führt ein Holzweg scharf nach rechts ab, und leitet auf der Hohe des Bergrückens äußerst angenehm im dunklen Walde fort, den nach einer Strecke ein lieblicher Wiesen- platz unterbricht; nach einer starken Viertelstunde Weges tritt man ins Freie hinaus. Auf einer ringsum von zerstreuten Baumgruppen umwucherten Huthweide etwas weiter vorwärts tretend, hat man das Bild einer ungemein reizenden Landschaft vor Ach! Rückwärts im Thale grüßt das ländliche Laab herauf; gerade gegenüber die aus Bäumen hervorragende Hüttengruppe der Hochrotherde. Jenseits überschaut man die ferneren Gebirge, den Schnee- berg, das Hocheck, und denllnterberg, dessen rechter Abfall dieG ippelmauer überragt; derSchopfl und die Hochstraße schließen das Bild mit dem nahen Walde. Schmidt's Wiens Umgeb. Ul. o 170 Man befindet sich hier schon wieder am Abfalk.e des Berges; wenn einmal der Gipfel des Roppersber« ges ausgerenket wird, so dürfte sich die Fernsicht davon mit der schönsten messen. Ganz in der Nähe liegen einige ärmliche Hütten von R o p p e r s b erg, wovon sich jedoch die übrigen—es sind ihrer im Ganzen 12—auf der jenseitigen Hohe befinden. Von hier aus kann man entweder durch das sonnige Thal nach Laab zurückgehen(eineViertelstunde), oder in die Wslfsgräben hinunter steigen. Die Wolfögräben. So heißt ein Thal, durch seinen freundlichen, gemüthlichen Karakter seines unwirthlichen Namens spottend, welches sich oberhalb des Neuwirthshauses an der Straße von Neulengbach(siehe S.>üi) am Fuße des Roppersber- ges und Hochstöckels bis zur Hochrotherde hin, eine Stunde in der Länge, erstreckt. Sg Häuschen mit 3oö Seelen liegen, meist isolict, in der Tiefe und auf den Höhen. Die meisten dieser Gehöfte tragen im Bolksmunde ihre eigene, eben nicht immer zart klingende Benennung. Den hin- teren Wolfsgraben gegen die Hvchrotherde bildet ein enger Kessel; der vordere liegt gegen die Wien zu, in welche auch der Wolfsgrabenbach mündet. Von der Paunze lenkt ein ausgefahrener Weg über eine kleine Erhöhung durch die sogenannte W u r z e n, ebenfalls eine Rotte von Waldhntten, in einer starken halben Stunde in den vorderen Wolfsgraben hinüber. Der Rückblick in das Thal der Paunze, aus dessen fernem Ausschnitte Marienbrunn hereinschaut, ist lohnend. Man tritt nun in ein weites Thal hinaus, welches von Zäunen und Hecken nach allen Richtungen hin durchschnitten ist. Gegen den Hinteren Wolfsgraben zu trifft man auf eine Schenke; noch tiefer findet man den, wohl nicht ganz bequemen Fahrweg, der zur Hochrotherde hinauflcitet. Durch zwei Seitenthäler steht der vordere Wolfsgra« ben mit der Neulengbacher Straße in Verbindung; das eine ist die Brente nmais genannt, das andere wird vom Wolfsgrabenbache durchrieselt. In gleicher Richtung mit dem Thale der Würzen geht ein Pfad aufwärts bis zu einem hölzernen Kreuze, dessen Nähe den Punkt einer freundlichen Übersicht über den vorderen Wolfsgruben bezeichnet. An einem dürren Zaune geht es abwärts in die Pfalz an. Auf den mit üppigen Wiesenteppichen gedeckten Anhöhen liegen die einzelnen Gehöfte sorgsam umzäunt. Die vordere und Hintere Pfalzau zählen im Ganzen r6 Häuser mit>ob Bewohnern. Nahe am Ausgange des Thales gegen Preßbaum, liegt das Häuschen, welches der Förster und Jäger für den zweiten Theil vom Anzbacher Forste bewohnt. Wahrhaft idyllisch sind die Wände auf und aufvon saftig grünem Laube umrankt, und aus dem kleinen Gärtche» lacht eine bunte Blumenfiur. Von Preßbaum durch die Pfalzau in den vorderen Wolfsgraben braucht man anderthalb Stunden. Der Ursprung der Wien. In der Umgegend von Preßbaum ist auch dieses Punktes zu erwähnen- Hinter den letzten Häusern von Preßbaum 8* 172 geht eS auf der breiten Straße fort, bis sich bei einer Brücke links der Eingang in ein Thal eröffnet, welches unter dem Namen Dürrwien eine Anzahl zerstreut liegender Hütten beherbergt. Das unbedeutende Bachlein, an dem man fortwandelt, ist nun das von der Hauptstadt benannte W ie nfl ü ß ch e n, welches hier noch die dürre Wien heißt, bald aber durch den Au-, Wolssgraben-, Damm-, Weidling- und Tullner-Bach verstärkt, mehr Bedeutung und seine eigentliche Benennung erhält. Aus zwei Schluchten des Kaiserbrunnberges sammelt sich das karge Gewässer in ein etwas größeres Bette. Unwillkürlich erinnert man sich auch hier der Anekdote, die da von einem Mißlinge erzählt, der den Fuß in den Ursprung der Donau sehend, meinte: Wien werde sich nicht wenig wundern, wenn die Donau auf einmal ohne Wasser seyn wird! 5. Kalksburg. (2 Stunden.) An die schöne Reihe von Bergen, welche in Südwest die weite Ebene um Wien begrenzt, lagert sich ein Kranz von blühenden Ortschaften, meist zu den ältesten des Landes gehörend, reich an historischem und archäologischem Interesse. Von diesen soll nun zunächst die Rede seyn, und dann in die weiteren Partien geführt werden, die sich an jene Orte anschließen. Die gewöhnlichen Wege vonWien aus nach Kalksburg führen entweder über die Mauer, oder, auf der sogenannten Waldstraße, über Liesing. Angenehmer wäre der erstere Weg allerdings; da jedoch die Erhöhung der Straße hinter Mauer wirklich nicht unbedeutend ist, so ziehen die Fuhrwerke gewöhnlich die Waldstraße vor. Über den Weg bis Liesing siehe S. ,3o. Der Lic- singbach trennt Unter- und Ober-Liesing von einander. Statt die Verbindungsbrücke zu überschreiten, läßt man Ober-Liesing zur Linken liegen, und folgt der Straße, die anfangs zwischen reichen Saatfeldern, bald an niederen Weinhügeln vorüber führt. Das nette, ganz isolirt an der Straße liegende Wirthshaus»zum Weinkeller« wurde vor kurzem an der Stelle eines wirklichen Weinkellers erbaut. Freundlich winkt das Rodauner Schloß berüber; aus ihrem Baumverstecke schauen die rothen Dächer des Alon Uorou und des Dianentempels im Godefroy'schen Garten hervor; bald ragt auch der schöne Kirchthurm aus den grünen Weinbergen heraus, und in Kurzem hat man das liebliche Kalksburg erreicht, eine kleine halbe Stunde von Liestng. Die Straße von Mauer(von Wien bis dahin siehe S->26) nach Kalksburg ist unstreitig die schönste in der ganzen Umgebung von Wien. Anfangs wohl etwas- steil, führt sie auf eine Hohe, von der man eine reizende Aussicht über die ortreiche Ebene um Wien und in die romantischen Gegenden von Medling, Bertholdsdorf u..s. w, genießt. Zwischen freundlichen Nadel- und Laubwäldchen senkt sie sich dann sanft in die sogenannte Klause abwärts, eine Strecke, die an Annehmlichkeit nicht bald ihres Gleichen hat. 1829 wurde diese Straße von der Herrschaft in den dermaligen vortrefflichen Stand gesetzt. Fast zu früh wird man von den ersten, sehr netten Häuschen Kalksburgs empfangen. Kalksburg gehört eben nicht unter die großen -Orte— es zählt nur 42 Häuser mit 2S0 Einwohnern— aber es ist einer der freundlichsten! Die schöne Kirche, das Schloß, der reizende Park, alles erinnert dankbar an einen Herrschaftsbesitzer, dessen schöpferische Vorliebe a»S einem armen Dörfchen einen Ort hervorzauberte, der an wahrhaft ländlicher Eleganz fast einzig ist! Herren von Kalksburg erscheinen seitdem raten Jahrhunderte, und besaßen hier ein festes Schloß. Angeblich durch Felonie dem Landesherr« anheim gefallen, soll cS Albrecht I. den mächtigen Puchheimern verliehen haben. Won denen von Pottendorf gelangte es-LSg an die 175 Eckartsaue, welche aber die alte Burg der Verödung überließen, und in Mauer wohnten. Noch in seinen Trümmern gelangte das Schloß zu trauriger Berühmtheit. In dem unseligen Bruderzwiste zwischen Friedrich IV. und Albrecht VI., vom HannS von Rohrbach dem Soldner- Hauptmanne Schweißer anvertraut, wurde es neuerdings befestiget, und von hier aus plünderte Schweißer die ganze Umgegend aus. Da sandte endlich Albrecht-463 seine getreuen Wiener gegen den Wegelagerer, welche am^znli die Feste erstürmten und schleiften, Schweißern aber mit einer Rotte seiner Raubgesellen gefangen nach Wien abführten- Von den Eckartsauern blieb Kalksburg, bis jetzt unter gleichen Besitzern mit Mauer, ein Bestandtheil der letzteren Herrschaft. Es war ein günstiger Glücksfall für die ganze Umgegend, als im Jahre 1786 der k. k. Hof- und Kammerjuwelier Franz Ritter von Mack Kalksburg und Mauer käuflich an sich brachte. Was Mack für diese Gegend that, wird im Verlaufe dieser Blätter angedeutet werden, was er seinen Unterthanen war, wird ewig unvergessen in den dankbaren Herzen ihrer Enkel bleiben. 1780 in Tirol von armen Eltern geboren, hatte sich sein rastloser Fleiß und seine unbedingte Redlichkeit durch glückliche Zufälligkeiten das Zutrauen der Kaiserin M-Theresia erworben, deren geheimer Hof- und Kammerjuwelier er ward. Gefährte auf den meisten Reisen des großen Joseph, hatte er die Welt kennen gelernt. In seine dankbaren Hände flössen des Glückes Güter, um die Quelle zahlloser Wohlthaten zu werden. Geadelt, an seiner gastlichen Tafel Fürsten, Erzherzoge empfangend, blieb Mack immer derselbe. Mäßig im Genusse(lediges Wasser war sein ste- 1?6 tes Tischgetränk), liebte er es bis an sein Ende, in där Tracht eines schlichten Landmannes unter seinen ihn verehrenden Unrerthanen zu wandeln; und es war für Tausende ein Herzensriß, als er i8o5 am heiteren Abende seines schönen Lebens in die selbst gebaute Gruft hinuntcrstieg. Die Kirche ist das schönste Denkmal, welches der Nachwelt das Andenken an den biederen Mack bewahrt. Auf einem Hügel ist sie in edlem, würdig-einfachem Style durch den aus Tirol eigens hierher berufenen Baumeister Johann Zobel aufgeführt. Die arme Gemeinde war unvermögend, für die kleine, überdieß baufällige Kirche(Petri Ket- tenfeier geweiht) einen bleibenden Seelsorger zu dotiren. Da entschloß sich der fromme Gutsherr, einen Tempel zu bauen, dessen sich kein zweites Dorf in Deutschland freut! Die Kosten des Baues beließen sich über>3o,ooo fl.^Doch ist diese Summe nur beiläufig, denn Mack vertilgte alle Rechnungen hierüber!— Der Bau begann>790. Im Jahre i8o> wurde die Kirche vom Weihbischofe Grafen von Arzt eingeweiht und 180S zur Pfarre erhoben. Den Kirchenhügel besteigt man auf einer breiten Steintreppe; die Kirche und der Thurm, in welchem sich der Haupteingang befindet, tragen Kupferdächer. Auf der Stirnseite des Thurmes stehen halb verwitterte Worte der Widmung, die jedoch, so wie die vielen anderen Inschriften*), welche Mack allenthalben anbringen ließ, in ihrer ungefügigen Darstellung nur durch die gutgemeinte Absicht versöhnen. Oben liest man: ") Gab eis hat sie im 4?sten und ä«sten Hefte seiner Spazierfahrten um Wien sorgfältig aufbewahrt. 177 Der Ritter Franz Edler». M a ck Hat neu gebaut Liest Gotteshaus. Beth' an in diesem Gott allein. So werd't ihr ewig glücklich seyn. Amen. L»>>o 174z. Etwas tiefer, unter dem Manschen Wappen: 8. ketri sä vineula ärcstur 211)6661. Die einfache Pracht im Innern der Kirche gewährt einen feierlich erhabenen Anblick. r8 graumarmorirte, hellge- schliffene Pilaster ionischer Ordnung tragen das hohe Gesimse, worauf das weite Gewölbe ruht. Der Tabernakel am H 0 chaltare mit Alabastersaulen und Engeln von weißem Marmor ist ein schönes Werk. Das vergoldete Dorderblatt zeigt das Opfer Jsaaks. Das Altarblatt, die Rettung des heil. Petrus aus dem Kerker durch einen Engel vorstellend, ist ein Meisterstück des verewigten Professors HubertMaurer, das Deckengemälde(das heil. Abendmahl) ein schönes Werk Kellers. Die geräumigen Oratorien sind mit Glastafeln von bewunderungswürdiger Größe geschlossen, die beiden Seitenaltäre mit guten Bildern dem heil. F r a n z i s c u s von Assis und der heil. Helene(den Namenspatronen des Stifters und seiner Gemahlin) geweiht. Drei große Gemälde, der heil. Leonhard, Sirus und Johann von Nepomuk, sind von Anton Spreng, einem Schüler Maurers. Unter dem Bilde des heil. Leonhard befindet sich ein schönes Denkmal, welches die Kindesliebe der Söhne Macks(Valentin, Franz und Johann) ihren geliebten Eltern>796 noch bei deren Lebzeiten gesetzt hat. Es befand sich ehedem im Garten in 178 einem runden Gebäude, welches daher den Namen des Monuments führte, fand aber hier eine weit passendere Stelle. Ein Piedestalaus steyermarkischem Marmor trägt eine Inschrift, welche die Widmung ausspricht. Darauf ruht eine stumpfe Pyramide mit der Büste Macks, aus schönem Carrara-Marmor, zu der sich eine weibliche Gestalt hinneigt, und dem Bilde seiner Gemahlin Helene (geb. Conca), en iVIollaillon. Das opfernde Kind deutet aufMacks früh verblichenen Enkel Franz, dabei ein Storch als Symbol der Dankbarkeit. Das Ganze ist ein sehr gelungenes Werk des dermaligen Professors Joseph Käs- mann- Gegenüber befindet sich die Kanzel, gleichfalls ausgezeichnet schön mit Basrelifs. Das Freskogemälde an der Hauptkuppel, das jüngste Gericht, ist ein Gebilde voll kräftiger Phantasie- Der wackere Künstler Joseph Keller, zu jener Zeit, als die Freskomalerei leider! halb vergessen war, eigens von Tirol hierher berufen, hat seinen Namen bescheiden in die Gruppe der Verdammten gesetzt. Von ihm ist auch das Freskogemäld« der kleineren Kuppel über demMusikchore, die Schöpfung vorstellend.— Die reichen Paramente und Geräthschaften, womit der Stifter die Kirche großmüthig beschenkte hatte, wurden>8oy ein Raub der Feinde. Das herrschaftliche Schloß ist durch einen Schwiebbogen(in welchem sich ein mittelmäßiges Fresko von Keller—Christus mit den nach Emaus gehenden Jüngern,— und die Aufschrift:»Herr bleibe bei uns, denn »es wird Abendi, befindet) mit der Kirche verbunden. Es ist ein einfaches, prunkloses Gebäude. Der daranstoßende Park zerfällt in zwei durch den Liesingbach getrennte Theile. In der, dem Schlosse näheren Abtheilung befindet sich das sogenannte Steinhaus, mit rohen Steinen aufgebaut, im Innern aber freundlich eingerichtet. Durch die bunten Fensterscheiben erblickt man die Landschaft in den verschiedenartigsten Tinten. Eine Küche befindet sich unter der Erde. Hier herum befanden sich einst eine Menge Denkmäler, die der herzliche Mack dem Andenken der Kaiserin M. Theresia, der Gründerin seines Glückes, Kaiser Joseph des H., des Fürsten KauniH, der Erzherzogin Maria Christine, der russischen Kaiserin Katharina II- u. s. w. geweiht hatte. Sie waren aus Marmor mit Inschriften, und in solcher Anzahl erregten sie beinahe die unheimliche Mahnung an einen Friedhof.— Der Haupttheil des Parkes liegt am anderen Ufer der Liesing.- Er ist reich an schönen Partien; die an den beiden Haupteingängen angebrachten Tafeln schließen ihn aber, leider! dem allgemeinen Besuche aus. Auf einem schönen Wiesenplahe steht das niedliche Landhaus, welches der dermalige Bescher Hr- Godefroy bewohnt. ES ist das bekanntelUon kerou, einst, der Fürstin Trautson gehörig, auch der Fürstenhof genannt. Franz l- und M- Theresia weilten hier oft und gerne. ,802 wurde es vollständig adaptirt, und die Gemächer 1804 von Leopold Steinrucker so gemalt, wie sie sich noch heut zu Tage zeigen. In der Nähe findet man das sogenannte Monument, worin einst das bei der Beschreibung der Kirche erwähnte Denkmal stand. An die große Kastanienallee knüpft sich eine heitere Erinnerung. Am Kronungstag« weiland Kaiser Franz des l. be- 180 wirthete hier Mack seine Unterthanen, und servirte dabei selbst, wie immer, in Bauerntracht! In einem abgeschiedenen Theile des Parkes ist ein ernstes Plätzchen—eine Felsenpartie von dunklem Gehölze umtrauert. 2» die Steinwand ist ein einfacher Sarg gehauen; dabei das theure Dildniß der Herzogin Maria Christin« von Sachsen-Teschen, der großen Theresia unvergeßlichen Tochter. Eine von Mack selbst verfaßte Inschrift gibt Kunde, daß Herzog Albert von Sachsen» Teschen, als er im Schvoße der tröstenden Natur seinen Schmerz um die zu früh dahingeschiedene Gattin ausweinte, an diesem einsamen Plätzchen besonders gerne weilte. So fand hier selbst der Schmerz ein Denkmal!— Ein Theil der Anlagen befindet sich auf dem kleinen Berge, welchen dieser Park umschließt. Auf einem freien Wiesen- platze mit schöner Aussicht steht ein chinesischer Pavillon in der Nähe eines Teiches; auf der Höhe ragt ein kleines Gebäude mit einem Thürmchen, aus dem freundlichen Baumwuchse weit hinschauend, heraus. Ursprünglich eine Einsiedelei, erhielt es erst später die Bestimmung, ein Dianentempel zu seyn, worauf auch der auf der Spitze des rothen Thurmdaches hellschimmernde Mond deutet. Hier genießt man einer reizenden Aussicht auf die große Ebene hinaus und über die nahen Waldthäler. Außerhalb des Dorfes zur Rechten am Eingänge in ein freundliches, durch Kalkösen belebtes Thal am Güten« dache, befindet sich der Friedho f. Eine Kapelle, deren Deckengemälde das jüngste Gericht vorstellt, deckt die Mack' sche Familiengruft. Hier ruht denn auch der 181 edle Mack. Wie er sich diese Gruft bei Lebzeiten sel- ber baute, so hat er sich seine eigene Grabschrift selbst verfaßt, und nur das Todesjahr wurde nach seinem Hin» tritte(>8oS) ausgefüllt. Ein ungemcin reizendes, mit Recht vielbeliebtes Pläh- chen ist die sogenannte Himmelswiese auf dem freundlichen Hügel, an dessen Fuße die Kirche liegt. Vom WirthS» Hausgarten winden sich liebliche Pfade hinan. Wenn man, von Mauer nach Kalksburg gehend, die Hohe des Hügels erreicht hat, leiten ebenfalls, am Anfange des Wäldchens, Wege dahin. Man genießt hier einer Aussicht, die der Himmels wiese erst die rechte Deutung gibt! Im Norden die Hauptstadt, und weithin die saatenreiche Eben« mit unzähligen Ortschaften, im Rücken ernste Waldberge, zu den Füße» das jugendlich-freundliche Kalksburg, und weiter das ernste, alterthümliche Bertholdsdorf, die alte Beste Lichtenstein, Weinhügel und dunkle Wälder— welche Kontraste! Man kann sich von diesem herrlichen Punkte nur schwer trennen. Aber auch gewiß von nicht geringem Interesse ist es, daß man von hier aus deutlicher, als anderswo die Stelle erkennt, wo das alte Schloß Kalks- burg gestanden. Gerade über die Klause nämlick schaut man auf einen mit üppigem Graswuchse bedeckten Hügel hinunter. Oben künstlich abgcflächt, zeigt er noch deutliche Spuren des Grabens. Selbst den alten Burgweg unterscheidet man noch. Bedenkt man noch überdies; die so günstige, drei Thäler überschauende Lage— vorne das Thal der Liesing, die Klause auf der einen, das Güten- bachcr Thal auf der anderen Seite,— so dürfte kaum mehr ein Zweifel erübrigen, wo das alte, von den Wienern zerstörte Schloß gestanden*). ») Es ist auffallend, daß man an Ort und Stelle hierüber nur widersprechende Auskunft erhält, während doch die kirchliche Topographie— wahrscheinlich im guten Glauben an den viel früheren Meistern,— getrost berichtet, daii man noch auf einem Berge die Ruinen des längst verfallenen Schlaflos sehe. 6. Nodaun. (2 Stunden.) Nodaun ist der nächste Ort von Kalksburg. Fuß- geher führt ein Pfad am Eingänge in den Godefroy'schen Garten vorüber; auf einem Stege überschreitet man die Licsing, und gelangt, um einen kahlen Hügel Siegend, in Kurzem nach Rodaun. Der Fahrweg geht außerhalb des Ortes von der Liesingerstraße dahin. Eben diesen Weg wird man auch wählen, wenn man von Wien aus nach Nodaun fährt; denn de^Feldweg durch Oberliesing, am Schlosse vorüber von der Bertholdsdorfer Straße rechts ablenkend, ist— zumal nach anhaltendem Negenwetter— sehr schlecht. Rodaun ist ein recht freundlicher Ort, und der in der neuesten Zeit gesteigerte Gebrauch des dortigen Bades zieht immer mehr Sommerbewohner an. Schloß und Kirche liegen auf einem kalkigen Hügel, um welchen herum sich die gS Häuser des Dorfes(mit 600 Einwohnern) gruppi- ren, und gegen Liesing, Kaltenleutgeben und VertholdS- dorf längere Gassen bilden. Nodaun ist ein sehr alter Ort. Ulrich und Rubert von Nadaun erscheinen 1>65—>179- Bis>260 werden einzelne Glieder von diesem Geschlechte genannt.>33r kamRodaun an die Eckartsau er, später an die Stubenberge. Ein Wolf der Radauncr befand sich bei K. Friedrich IV., 184 als er i§6i in seiner Wiener Burg belagert wurde. Maxi. verlieh Rodaun einem Herrn von Jedungspeygen; schon> 5oo erscheint die Familie Puchau im Besitze, welche es bis zum Abgänge des Geschlechtes behielt. In die Geschichte des Landes eingreifend, wurde aber Rodaun, als es>S6y an die Freiherrn von Landau gelangte, welche sich bald als eifrige Verbreiter der Reformation bemerkbar machten, endlich sich so weit verirrten, daß sie 1620 dem K. Ferdinand I. die Erbhuldigung verweigerten. So wurde Rodaun durch Felonie erledigt.>622 gelangte es an Christoph Urschenbeck, 16Z2 an die Grafen von Brandis, i?36 an Joh. Philip von Nödersthal, und 1739 an dessen Gattin Eleonore. 1766 brachte es ein Abenteurer an sich, der sich Kyrray Graf von Romanow nannte, bald aber unsichtbar wurde;>778 folgte ein Freiherr v. Bender, dessen Wappen noch über dcmKirchcn- eingange sich befindet. 1778 kaufte es Jos. Joh. Graf v.Fuchs, endlich, von dessen Sohne Jgnaz>83i Fürst^ Joh.».Liechtenstein. Das Schloß und die Kirche liegen, wie erwähnt, auf einem Hügel, der an zwei Seiten der Kirche, wie eine große Bastion, senkrecht abgemauert ist. Schattige Kastanien- Alleen führen zum Schlosse hinein. Es ist ein freundliches Gebäude, dessen Hinterer Trakt noch ganz so erhalten wäre, wie es Bischer abgebildet hat, hätte nicht die moderne Ruinensucht vor Kurzem einen runden Thurm in Trümmer gelegt und den Zerstörungen der Element« Preis gestellt. Doch genießt man von dieser künstlichen Ruine, so wie von den Fenstern desSchlosses, einer herrlichen Aussicht auf die schöne Ebene hin. In diesem alte- ren Gebäude befindet sich auch die, den Aposteln Philipp und Jakob geweihte Schloßkapelle, mit zwei über einander gebauten Oratorien. Die Herren v. Landau hatten diese Kapelle dem protestantischen Gottesdienste geöffnet. Die gegen den Park gekehrte Hauptfronte mit einem, das Gepräge des vorigen Jahrhundertes tragenden Säuleir- schmucke wurde erst 177b von Jos.Edl. v. Stockhammer an der Stelle einiger älteren Gebäude aufgeführt, und das ist auch der weit regulärere Theil des Schlosses, welches durch terrassirte Stiegen mit dem Parke in unmittelbarer Verbindung steht. In einem Zimmer findet man eine Bildersammlung, die unter einer Anzahl meist werthloser Niederländer-Kopien ein gleichzeitiges lebensgroßes Bildniß der zweiten Tochter des geistvollen Kaiser Max des II., Elisa- b ejt h, Witwe des Königs Karl IX. von Frankreich, bewahrt, einer Fürstin, deren wundersamer Schicksalswechsel noch immer eines Skott harrt! Wir erblicken sie hier in ihrem 3/jsten Lebensjahre als Äbtissin des, von ihr zu Wien gegründe- ten(seit 1782 wieder aufgehobenen) Königsklosters. Oben liest man die Worte: Das schwarze Nonnenkleid umhüllet die majestätische Gestalt der edlen, hart geprüften Frau, die einst—im Purpur— Frankreichs stolze Krone trug!*) ») Schon ihre Jugendgefchichte ist zu interessant, um hier nicht eine kurze Andeutung zu finden. Am S. Juni>SS4 zu Wien 186 Ein Theil des Schlosses(es enthalt im Ganzen 3o Ger wacher) wird an Sommerparteien vermiethet. Der Park, nun dem allgemeinen Besuche geöffnet, zieht sich terrassenförmig am Schloßhugel hinunter. Er hat demnach den Vorzug, daß man von den meisten Punkten einer freien Aussicht genießt. Es ist eine unmuthige Anlage mit reizenden Partien, reich an kühlenden Schatten. Auf einem grünen Wiesenplatze befindet sich ein größeres Lustgebände. Gegen das Dorf hin ist der Park mit einer durch Gitter unterbrochenen Mauer abgegrenzt. Auch einige angenehme Partien hinter dem Schlosse wurden durch das Niedergeboren, war sie des gelehrten Diplomatikers Anger Gislain v> Busbecke geistreiche Schülerin- Als Kind an den düsteren Philip ii. von Spanien, wie ihre ältere Schwester Anna dem König Karl ix. von Frankreich versprochen, erlernte Elisabeth die spanische, Anna die französische Sprache. Die Neigungen entschieden jedoch später gegen dies Projekt. Elisabeth wurde(-S. Nov.>57°) dem König Karl ix., und Anna-67. Philip dem ii. angetraut— und so sprach die Königin von Spanien französisch und Frankreichs Königin die spanische Sprache!—Am-5. März>67, wurde Elisabeth zu St. Denis gekrönt; aber schon in ihrem-Ssten Jahre war sie Witwe. Die traurige Verwirrung des damaligen Frankreich, zur Zeit der furchtbaren Bartholomäusnacht(-4. Aug.>57,), hatte sie zu dem freiwilligen Gelübde der Ehelosigkeit bestimmt. In ihre geliebte Heimath zurückgekehrt, nahm sie den Schleier, gründete das Königsklostcr in Wien(an dem Platze, wo das ehemals gräflich Fries'sche Palais am Josephsplatze, und die protestantischen Bethäuser stehen), und starb als Äbtissin dieses Nonnenklosters im ZLsten Jahre, am--.Jänner-Sg,. 187 reißen älterer Mauern in den Bereich dieses Parkes ein- bezogen, und auf dem kahlen Hügel einige alt scheinen sol- lende Mauertrümmer hingebaut. Die Kirche, im Style des vorigen Jahrhunderts aufgeführt, hat ein nicht ungefälliges Äußeres. Das Innere, groß und hell, bietet nichts Ausgezeichnetes. DaS Hochaltarblatt(die Taufe Christi im Jordan durch Johannes vorstellend) ist mittelmäßig. Der zierlichen Kanzel gegenüber ist der dem heil. Johann von Nepomuk geweihte Nebenaltar. Die Kirche wurde an der Stelle einer, zur Zeit der Pest im Jahre>679 errichteten Votivkapelle von der verwitweten Eleonore v. Nvdersthal, in Erfüllung der leßtwilligen Anordnung ihrer Eltern gebaut, und im Jahre ,746 vollendet.— Nahe daran liegen der Pfarrhof und das Schulgebäude. Im Dorfe selbst fällt das G e m e i n d e h au s mit seinem viereckigen Steinthurme auf, in welchem, bis zur Errichtung der jetzigen Kirche(174b), zum Gebete geläutet wurde.— Das Badhaus, mit seiner kalten, schwefel- und eisenhaltigen Heilquelle, ist ein freundliches Haus, und liegt gegen Kalksburg hin. Die mit dem Jahre-83- eingetretene neue Pachtung hat vieles zur Verschönerung des Hauses und Gartens gethan; der daranstoßende, vordem ganz kahle Hügel, von dem man eine reizende Aussicht genießt, wurde 18J2 mit jungen Bäumen bepflanzt, und kann mit der Zeit eine recht freundliche Anlage werden Die dicht belaubte, alte Kastanienallee im Garten ist ein Lieblingsplatz der Badgäste, an welche im Badhause selbst mehre größere und kleinere Wohnungen vermischet wer- den. Im ersten Stockwerke ist auch ein geräumiger Speisesaal. Das Bad findet immer mehr Zuspruch, und die Annehmlichkeit der Gegend selbst, wie die zu Spaziergän- gen einladende Nahe von vielen schönen Partien, hat einen nicht geringen Antheil daran. 7. Sertholdsdork. <3nsgemein Peters darf genannt.) (2 Stunden.) Nicht so sehr dem Freunde der schönen Natur wird Bertholdsdorf ein gesuchtes Ziel seyn, denn die kahlen Vorhügel der Geisberge haben fast das Aussehen, als liege hier selbst die Natur in Ruinen; aber der Archäolog« wird mit wahrer Salbung seine Wanderung nach diesem alterthümlichen Orte antreten, an den sich eine lange Reihe historischer Erinnerungen knüpft, und wo das kräftige und doch so kunstsinnige Mittelalter Denkmale zurückließ, die beredter zu den späten Enkeln sprechen, als das todte Wort je aufzuregen vermag. Der nächste Weg von Wien nach Bertholdsdorfsührt über Liesing. Am Schlosse von Ober-Liesing vorüber, hat man gerade vor sich die mit jungen Bäumen bepflanzte Straße, welche in kurzem nach Bertholdsdorf leitet. Auch von Rodaun gelangt man, auf einem schlecht bestellten Fahrwege, in wenigen Minuten dahin- Fußgeher führt ein etwas angenehmerer Weg am Abfalle der kahlen Hügel zwischen Weingärten hinüber. Die Geschichte von Bertholdsdorf reicht in die erste Hälfte des raten Jahrhunderts zurück. i>36—>>->) erscheinen mehre Heinriche von Pertoldesdorf(auch Berch- toldzdorf) in Urkunden. Bon 1204 bis>286 finden wir 1Y0------- drei Qttone dieses Geschlechtes. Otto der altere(1208— >23,) war Kämmerer in Österreich, und baute eine Kaupelte in Bertholdsdorf, welche schon>216 vom Paßauer Bischöfe Ulrich II- zur Pfarrkirche erhoben wurde. Otrolll. war der Stern seiner Familie; schon 1267 Oberstkämmerer, war sein Einfluß in jener thatenreichen Zeit von großem Gewichte. Er hatte sich auf einem hohen Berge, im Thale von Kaltenleutgeben die Burg Kamm er sie in (davon weiter unten) erbaut. Hier lebte er, während der Regierung Ottokars in Österreich, vom öffentlichen Leben zurückgezogen; einer der ersten aber folgte er den Fahnen des neugewählten Königs Rudolph von Habsburg, und bis an sein Ende(>286) rechtfertigte er das königliche Zutrauen durch eine Reihe glanzvoller Thaten, wie durch seinen klugbewährten Rathin allen wichtigen Neichsangelegen- heiten. Er und sein Bruder Heinrich fochten in der berühmten Marchfelder Schlacht mit(1276). Dieser Heinrich von Be r ch to ld s dorf, nicht Berthold von Emerberg, war es, der den königlichen Gegner Ottokar nackt, durch Wunden, Blut und Staub entstellt, im Todesröcheln fand. dann mit Thränen im Auge die Leiche wusch und bedeckte. Mit Otto des III. Abgang verschwindet allmählich der Name der Familie der Bertholds- b 0 rfer, denn seine Söhne erster Ehe hatten sich von ihrer neuen Besihung Eckartsau zubenannt. Mit Heinrich von Perchtoldsdorf(wahrscheinlich einem Mannessprossen aus Ottos dritter Ehe) erlosch auch der Name seines Stammes(um>3>7). Wohlthätig war das Walten dieser Dina- sten für den Ort.-21b wohl noch eine unbedeutende Gemeinde, finden wir bald darauf schon Spuren kräftigen Emporblühens. Zu Anfange des ,§ten Jahrhunderts war Bertholdsdorf landesfürstlich. Elisabeth, Witwe des (>3o8) ermordeten K. Albrecht l. verlebte hier ihre letzten freudenleeren Tage. Albrecht II. räumte seiner Gemahlin Johanna v. Pfyrt diesen Ort sammt allem Zugehör zum Genusse ein, und baute— wie zum Verdruße für jene, die auch in diesem Schlosse von Templern fabeln wollen, urkundlich erwiesen ist— hier nächst der Kirche eine feste Burg. Johanna überlebte jedoch den Bau nicht; und Katharina, K. Karl des IV. Tochter, erst Herzog Rudolf des IV.(jh>3bZ), dann des Markgrafen Otto von Brandenburg(-H>37?) Gattin, verlebte hier ihren zweimaligen Witwenstand, wo sie auch>3yS starb. Noch im selben Jahre trat Beatrix, Witwe Albrechts III. mit dem Zopfe, in den Besitz des Ortes, den auf ihre Verwendung Albrecht IV. i/joo zum Markte erhob, und Albrecht des IV. Vormünder mit neuen Vorrechten dotir- ten; so erhielt der Markt die Freiheit, Richter und Rath selbst zu wählen;>4o6ein eigenes Wappen(einen Thurm mit drei Zinnen im österreichischen Bindenschildc) zu führen, und>4>« das Privilegium, einen Bürgermeister^zu wählen. Beatrix stiftete ein Armenspital in der Knappenstraße zu Ehren der heil. Elisabeth, und starb Albrecht V. bestätigte bei seinem Regierungsantritte des Marktes Freiheiten, und räumte ihm das Recht der Kriminal-Justizpflcge im ganzen Umfange ein, dessen Ausübung aber schon>42» durch eine furchtbare Judenverfolgung sich befleckte; viele Jsraeliten zogen den freiwilligen Tod der grausamen Prozedur des neuen Gerich- Nach Albrecht des V. Tode versammelten sich hier die Stände, um in Betreff der Vormundschaft über den aus seiner Witwe zu erwartenden Posthumus zu berathen. Mißvergnügt über die Resultate dieses Beschlusses, wor- nach der junge Ladislav in Österreich erzogen wurde, brachen die Ungern gegen Neustadt auf, plünderten den Markt Bertholdsdorf aus, und steckten ihn in Brand; nur die Hochstraße blieb verschont.— Endlich wurde verjünge Prinz der lästigen Vormundschaft ledig. Unter schallendem Jubel in einem unübersehbaren Zuge wurde er von Neustadt in die Burg Bertholdsdorf(welche Friedrich IV. während seines Zuges nach Rom dem Grafen Ulrich von Cilly anvertraut hatte), bald aber, gegen den Entschluß ihn dazu lassen, nach Wien geführt. 1461 wurde auch Bertholdsdorf von des berüchtigten Fronauers Räubereien hart mitgenommen, und bald darauf von der, vor den kaiserlichen Truppen abziehenden wilden Soldateska Herzog Albrechts geplündert,—- und doch waren die Bürger Berthvldsdorf's edelmüthig genug, ihrer erlittenen Unbilde vergessend, Albrechten vor einem Mordversuche zu warnen.— K> Friedrich hatte Bertholdsdorf an den Grafen von Pösing und St. Jörgen verpfändet, und forderte bald darauf die Burg ohne Entgeld zurück. Deß weigerte sich der Graf, und verband sich mit dem Anführer der räuberischen, ihren Löhnungsrückstand mit Ungestüm fordernden Söldner, Smikosky, der sich mit 8no Mann in die Burg warf, welche sich endlich nach verzweifeltem Widerstände dem wackeren Georg v- Pottendorf ergeben mußte; Smikosky selbst wurde dabei erschossen, und der in die Flucht getriebene Rest der Besatzung bis Tirnau verfolgt(l-füZ). Die Burg ist seitdem Ruine. Des letzten Schutzes durch ein festes Schloß baar, erhöhten die Bürger ihre Mauern, und erbauten einen hohen Thurm. Beides rettete sie bei. Gelegenheit des ersten Türkeneinfalles iZ2g. Schon standen die Hänser außerhalb der Ringmauer und die Spitalkirche in Flammen, in den Markt selbst vermochten aber die Barbaren dießmal nicht zu dringen. Bald schlich sich auch der Geist der Reformation hier- ein, und nur einem klugen Einschreiten der dagegen abgesendeten kaiserlichen Kommissäre konnte es gelingen, die ausgebrochcnen Unruhen so bald wieder zu ersticken. Alles dieß, so wie die Plünderungen und Brandlegung durch die B v t sch k a y'schen Rotten,(>üoZ), sollte nur eine Vorbereitung für das blutbezeichnete Schreckensjahr des zweiten Türkeneinfalles in Österreich(>ü33) seyn- Schon am g. Juli schwärmten die Tataren um den Markt, doch scheiterten ihre wiederholten Versuche an der tapferen Gegenwehr der Bürger. Am i Zten naht sich zuerst ein bedeutender Heerhaufen und wirft Brand in den Markt. Ein gewagter Ausfall von 3o Bürgern mißlingt. Immer mehr greisen die Flammen um sich; da retten die Unglücklichen ihr bestes Habe in den großen Steinthurm, in die Kirche; Rauch und Hitze machen aber bald auch hier das Weilen unmöglich. Verzweiflung erfaßt die Gemüther beider zahllosen Feinde Anblick, im Bewußtseyn des eigenen Mangels an Lebensmitteln, wie an Munition. Da winkt endlich ein froher Hoffnungsstrahl. Es naht sich am Morgen des ibten ein Türke, uns verheißt den Belagerten freien Abzug, wenn sie sich ergeben wollten, und Schmidt» Wiens Umgeb. m. ,> sogleich flattert ein weißes Tuch von der hohen Thurm- gallerie!— Am Morgen des unglücklichen>7. Juli erscheint der Pascha im Markte- Vor dem Hause des Marktrichters wird ein rother Teppich ausgebreitet; die Unter- handlung beginnt, und währt bis zum Mittage. Die Belagerten haben 4000 Gulden, und zwar die Hälfte sogleich, zu zahlen, den Thurm zu räume», und auf dem Plahe die Waffen zu strecken.— Auf drei Schüsseln wird das Geld überreicht. Um 2 Uhr beginnen die Belagerten den traurigen Auszug, an ihrer Spitze eine Jungfrau mit einem Kranze auf dem Haupte, eine weiße Fahne tragend.— Aber kaum aus dem Thore getreten, werden die Ahnungslosen von den Barbaren überfallen, jeder Wehre beraubt, und die sich sträubenden bei den Haaren zu Boden gerissen. Da versuchen Einige verzweiflungsvolle Rettung, unter ihnen der Marktrichter Adam Greninger. Vergebens! Sogleich werden sie von den wüthenden Feinden niedergehauen.— So Türken steigen von den Rossen und durchsuchen die Zitternden, ob sie nicht in ihren Kleidern Kleinodien bergen, und nun—auf einen Wink des Pascha, beginnt das fürchterliche Blutbad! Sämmtliche Christen <38oo an der Zahl) werden erbarmungslos niedergemetzelt! Nur zweien gelingt es, sich zu retten; im Brunnen in der Thurmhalle dem Einen, dem Anderen unter dem Kirchen- dache. Die im Thurme befindlichen Weiber und Kinder werden geknebelt in die Sklaverei geschleppt, Thurm und Kirche in Brand gesteckt,— und nun erst ziehen die Würger aus den verödeten Räumen.— Noch jetzt wird am>7. Juli eines jeden Jahres in der Kirche zur Seelenruhe der unglücklichen Opfer ein feierliches Hochamt abgehalten.— Eine Kolonie aus Steiermark bevölkerte nach und nach den Markt wieder. Das unglückliche Pestjahr>713 ging hier spurlos vorüber. Eine Denkfaule auf dem Marktplätze ist noch heut zu Tage ein sichtbares Zeichen des Dankes der geretteten Bürgerschaft. Vertholdsdors ist ein ansehnlicher Markt; er zählt 3oS Häuser mit»070 Einwohnern, die sich durch bürgerliche Gewerbe, von der Landwirthschaft und dem Weinbaue(das hiesige Gewächse gehört unter die geschätzten) nähren. Vertholdsdors ist einer der sogenannten «mitleidenden Markte,« d i. es hat das Recht, auf den Landtag einen Deputieren zu senden. Der Marktplatz mit der Kirche bildet diej Mitte; die Gassen laufen nach drei Richtungen aus. Jene gegen No- daun heißt die Hochstraße, und umfaßt wahrscheinlich auch die Stelle des sehr alten(>3>3 von Heinrich dem Leutseligen dem Stifte Heiligenkreuz geschenkten) Dörfchen Arnstätten, welches sich später mit Bertholdsdorf verschmolzen haben dürfte. Die Wiener-Straße gegen Liesing hin hieß einst die Knappenstraße. Das alte Marktthor am Eingänge wurde erst 1818 gänzlich abgetragen. Zwei eingemauerte Schrifttafeln bezeichnen noch die Stelle, wo es gestanden. Hier findet man zur Rechten die alte Spitalkirche, mit dem Spitale von Beatrix, Albrecht des III. Witwe(ss>ä>4) gebaut, zum Unterhalte mit den zunächst gelegenen Häusern dotirt, und der heil. Elisabeth geweiht. 1629 und ,683 von den Türken,>bo5 von den ungarischen Malkontenten in Brand gesteckt, wurde sie jedesmal wieder bald hergestellt. 1809 von den Franzosen, und noch eine Zeit nach ihrem Abzüge, 9* wurde das schöne Gotteshaus zu einem Magazine herabgewürdiget. Es ist ein wackeres Denkmal altdeutscher Kunst, und gewährt mit dem leichten Pfeilthnrmchen von außen einen recht gefälligen Anblick. Enttäuscht wird man aber beim Eintritte in das Innere. Da hier nur selten mehr fungirt wird, so ist alles so ziemlich nackt, und in einem unpraktikablen Zustande. Doch zeigen die Bauformen, vielfältiger Neuerungen ungeachtet, noch ziemlich ihren ursprünglichen Typus. Das hohe Gewölbe mit(sich kreuzenden) Nippen, rundet sich am Schlüsse ab. Leider sind die meisten der hohen Spitzbogen- Fenster mit ihrer zierlichen Rosenfüllnng, bis auf4, vermauert; und nur mehr au dem einen bemerkt man noch Spuren alter Glasmalereien- Unter dem Musikchore, welcher der Orgel entbehrt, steht ein tragbarer Predigtstuhl von 17öS, mit Apostelbildern bemalt. Hoch oben an der Wand sieht man die Re- nvvationsjahre 1S87*),>6yy und 17S7. Auf der Epi- stelseits fällt das Grabdenkmal eines am 3». Jänner>Syi verstorbenen Leopold Steintillner mit einem werth- losen Holzgemälde, die Auferstehung vorstellend, auf. Gleich daran befindet sich das Armenspital, in welchem einige gebrechliche alte Leute Unterkunft finden, und gegenüber die, eine Division Infanterie beherbergende Kaserne, einst ein Privathaus. Weiter vorwärts trifft ») Besonders wichtig durch eine vollkommene Erneuerung, wonach die Kirche durch den Bischof Joh. Kaspar Neuböck, sammt den neu erbauten drei Altären(dermal besteht nur der Hochaltar), zu Ehren der h h. Elisabeth, Wolfgang und Christoph benedizirt wurde. Gegenwärtig ist sie der heil. Dreifaltigkeit geweiht. man zur Rechten das stattliche Gebäude derChaze l'schen priv. oriental. Baumwollwaaren-Druckerei, in dessen Garten eine schwefelhaltige Quelle entspringt, die im Winter nicht zufriert. Berthvldßdorf hat daher auch ein Badhaus. Aufwärts gehend nähert man sich dem Platze, und der gewaltige Steinthurm und die altdeutsche Kirche treten immer imposanter hervor. Beide stehen an dem einen Ende des großen Marktplatzes, der hier einige Unebenheiten bildet, welche davon herrühren, daß Kirche und Thurm einst mit einer Mauer umgeben waren, die erst in unseren Tagen völlig hinweggeräumt worden ist. Das altehrwürdige Gotteshaus, durchaus von Quadern aufgebaut, ist eines der großartigsten und zugleich wohlerhal- tensten Denkmale altdeutscher Kunst. Die hohen Fenster mit zierlicher Füllung in den Spitzbogen zwischen gewaltigen Strebepfeilern, der kolossale Steinthucm, endlich die nebenstehende Martinskapelle geben ein Bild, von dem man nur beklagen muß, daß es die bildende Kunst bisher noch auf keine würdige Weise verewigt hat. Kaiser Albrecht II.(ch i3Z8) hatte den Bau der dermaiigcn Em- porkirche begonnen, vollendet wurde sie jedoch erst nach seinem Tode. Der älteren, schon>r>6 zur Pfarre erhobenen Kapelle wurde bereits S->yo gedacht. Unter den späteren Pfarrern waren berühmt: Meister Hans Fluck <>426 bis i43i), Rektor Magnificus an der Wiener Hochschule, und gelehrter Dozent der h. Schrift; vor Allen aber der, jedem Geschichtsfreunde durch sein 6I110- nicon-^ustriao rühmlichst bekannte Thomas Eben- dorfer(von seinem Geburtsorte Haselbach im D. U. M. B- auch Thomas von Haselbach genannt), vielge- reist und hochgelehrt, der-43-j hier Pfarrer ward, und am i>. Jänner 1^64 in Wien starb. Er war einer der fruchtbarste» Schriftsteller; dir k. k. Hofbibliothek und mehre österreichische Stifter besitzen von ihm Schätze noch nicht veröffentlichter Manuskripte. Man unterlasse nicht, die Kirche ganz zu umgehen. Die Stirnfronte schaut gegen Westen, zwischen ihr und den Ruinen der alten Burg ist nur ein schmaler Raum. Auffallende Ähnlichkeit hat diese Fassade mit jener der großen Klosterkirche zu Neuberg in Steiermark- Dieser Theil der Kirche wurde ersichtlich später gebaut. Über der Haupteingangshalle findet man die in altdeutschen Lettern eingemeißelte Inschrift: 6ustoüiat»kam tu»m äns. An dem nördlichen Seiteneingange ist in der Spitzbogen- füllung unter einem zierlichen Dächlein ein schönes altes Skulpturwerk, die Krönung Mariens, sehenswerth. Beim Seiteneingange an der gerade entgegengesetzten Kirchen- wand befindet sich ein anderes, aber sehr rohes Skulpturwerk, Christus am Ölberge, 169-s renovirt. Durch die hier vorspringende Halle betritt man gewöhnlich die Kirche, Im Inneren dieser Halle ober der Kircheneingangsthüre erblickt man ein alte» Holzschnitzwerk, den Tod Mariens vorstellend, über dem Eingänge die Worte: vno. cki- lvxi. üecurem. liomus. tue., und an den Thürschlußsteinen zwei, über die Zeit des westlichen Zubaues einigen Anhaltspunkt bietende Wappenschilds des Königs und Erzherzogs Ladislaus, um welche(ein Zeichen des von Sig- mund von Luxenburg gestifteten, in Österreich urkundlich schon>397 eingeführten Drachenordens), der viersüßig« Drache sich krümmt. Man findet hier, nebst dem Grab- monumente eines Rathsbürgers und Richters von Ber- tholdsdorf, Namens Andreas Schainkherl(ch 2. Dez. ,56b), jenes des Priesters Aunosky, von welchem bei Gelegenheit der Andeutung über den Leonardiberg, S.ro«,, ein Wehres wird erwähnt werden, mit folgender Inschrift: Allhier ligt begraben Ler Wohl Ehrwürdige Herr Joannes Aunosky Weltlicher Priester seines Alters bS jähr. Er war einfältig im leben, Gerecht in dem Todt Er hat gelebet wie er gestorben und ist gestorben wie er gelebet Last ist in und mit dem Herrn. Sein jmmerwehrendes Angedenken ist in die Feisten eingegraben worauf. Er gleich Moystj Lurch öffteres schlagen in selbige frisches Wasser bekommen. Willst wissen jähr und tag seines hinscheidenS sehe Liest- Jahrs Schrift. Io->nn°- ,vv»°»br g-W<-st»r Ll.I>I-i Ist I» vr-r-sli-nven r°brV- »rV In Sott»cel lz V-isvkIIIs». Das Innere der Kirche ist leider als Opfer der unverständigen Neuerungssucht gefallen, und hier jenes ehrwürdige Gepräge gänzlich verwischt, das von außen noch so mächtig zu uns spricht- Zehn freistehende, mit Stäben, Leisten und Hohlkehlen maskirte Pfeiler, von denen die höheren der späteren Erweiterung der Kirche angehören, stützen das hohe Gurtengewölbe, und bilden neben dem Presbyterium zwei kapellenförmige Seitenvor- 200 lagen. Die Gallone am Musikchore und die Fensterrosen zeigen noch ihre zierlichen Formen. Die höher emporstrebende Westseite der Kirche erkennt man ganz deutlich als einen späteren, aber immer noch dem iSten Jahrhunderte angehörenden Zubau, der sich auch von außen als solcher maniftstirt. Es wäre auch nicht leicht denkbar, daß mit dem ursprünglichen Kirchenbaue so nahe an die, damals noch bewohnte und vertheidiguugskräftige Burg gerückt worden wäre, was sich durch die wohl kaum widerlegbare Annahme einer späteren Vergrößerung der Kirche ganz natürlich erklärt. Sämmtliche Altäre gehören der geschmacklosen Zeit des vorigen Jahrhunderts an. Das Hochal- tarblatt enthalt das Bild der^Erhöhung Mariens und des h. Augustin*), die Seitenaltäre sind den h. h. Leonhard, Joh. v. Nep-, Maria Hilf, Maria Empfängniß, Sebastian und dem h. Kreuze geweiht. Die Orgel mit a-s Registern ist ein gutes Werk. Auf dem Boden der Kirche vertritt eine Anzahl Grabsteine, meist von älteren Pfarrern und Richtern, die Stelle des Pflasters; sie sind natürlich sehr ausgetreten, und jener des berühmten Gelehrten Thomas Ebendorfer nicht mehr aufzufinden.— An der nördlichen Kirchenwand steht man die Renova- zivnsjahre i6gb, 1728, 1786, 1764 und 1822. Die Besichtigung der unterirdischen Kirche hat noch vor wenigen Jahren hohes Interesse und Stoff zu ernsten Reflexionen geboten. Durch eine Fallthüre und tiefer durch eine alte eiserne Pforte gelangte man von der Die Kirche ist eigentlich»zu unserer lieben Frau« geweiht, als Kirchenpatron verehren aber die Ortsbewohner den h. Augustin. Emporkirche dahin- Man unterschied eine Vorkirche, die i i Klafter lange, mit einem halbrunden Presbyterium geschlossene Hauptkirche, den Altarstein und einen Weihbrunnkessel. Es knüpfte sich an diese düsteren Räume die traurige Erinnerung an das Schreekensjahr ib83, wo sich die unglücklichen Bewohner mit ihrer besten Habe hier herabgeflüchtet hatten.— Nun ist es anders geworden. Frommer Eigensinn hatte diesen denkwürdigen Ort zu ganz eigenen Reformen ausersehen- Willkürlich und unbekümmert um die theuren— wenn auch hier gerade unfrohen Erinnerungen der Vorzeit, wurde diese ehrwürdige Stelle in neuester Zeit(i833) völlig umgestaltet. Die alten felsenfesten Mauern wurden mit unsäglicher Mühe abgebrochen, Fenster und Thüren in die Quadermauern der Kirche gemeißelt, neue Wände, eine Pracht- stiege aufgeführt, und das Ganze bepinselt und linirt. Durch buntscheckige Fensterscheiben bricht nun das gefärbte Tageslicht melancholisch in die unbehaglich neuen Räume, und man kann nur ernstlich beklagen, daß so geschmack. vollen Lieblingsideen eben eine historisch-denkwürdige Stätte geopfert werden mußte, während vielleicht die weiten Kellerräume der nahen Burgruine viel bequemere Lokalitäten zu solchen Verschönerungen geboten hätten. Von der alten Unterkirche erblickt man nur mehr Neste einer nun vermauerten Stiege, und eine, deutliche Spuren gewaltsamer Einbrüche(durch die Tücken?) tragende, eiserne Thüre. Im Osten der Kirche, ganz frei, steht der gewaltige Steinlhurm, 3-> Klafter hoch, ganz von Quadern auf- geführt, hoch oben mit einer auf Kragsteinen hinauSge- rückten Steingallerie und einem Zwickeldache, an dessen vier Ecken sich kleinere Thürmchen befinden. Wie erwähnt, wurde dieser Thurm als Zufluchtsstätte bei annähender Feindesgefahr gebaut, und>5ri vollendet. Das Jahr der Vollendung sieht man noch über der Uhr an der Süd- feite des Thurmes eingemeißelt. Die untere Halle war einst ein- dem h. Nikolaus geweihte Kapelle. Der Altarstein steht»och. In der Mitte befindet sich ein«och wohlerhalteuer, wenn auch dermal überdeckter Brunnen, wodurch im Falle einer Belagerung für eines der wesentlichsten Lebensbedürfnisse gesorgt war. Auf einer Wendeltreppe steigt man bis zu dem, die Uhr und 7 Glocken enthaltenden Raume hinauf. Von der steinernen Gallerte genießt man einer reizenden Aussicht, welche allerdings die Mühe der Ersteigung lohnt. Vor Allem ist der Überblick über den Markt selbst sehr imposant. Neben der Kirche steht noch die M a rt i n s k ap e l l e, allem Anscheine nach die alte Burgkapelle; sie ist im altdeutschen Style aufgeführt, und dürfte mit der Kirche selbst ziemlich gleichzeitig seyn. Zwischen Strebepfeilern hohe Spihbogenfenster zeigen zierliche Formen, und namentlich eine aus bloßen Kreissegmenten kvnstruirte Fensterrose fällt durch ihre sinnige Form auf. Das Innere wird als ein Depot benutzt; auch hier sieht man noch den steinernen Altartisch. Hinter dieser Kapelle und mit ihr in unmittelbarer Verbindung liegen die malerischen Überreste der von Albrecht II. gebauten Herz 0 gsburg, Witwen,fitz mehrer österreichischer Fürstinnen, seit>/,65 zerstört- 205 Die gewaltigen Souterrains werden noch teilweise als Keller benützt. Die Mauern mit ihren Erkern, Fenstern und Pförtchen sind von staunenswerther Tüchtigkeit. Es wurde bereits öden erwähne, wie ganz haltungvlos dio viel verbreitete Sage sey, welche auch diese Burg zu einem Eigen der Templer stempeln möchte. Hinter dem Gemäuer liegt der Fried Hof des Ortes. Gleich am Eingänge bezeichnet eine Steintafel mit Inschrift die Ruhestätte der in dem unglücklichen Jahre >683 gefallenen 3Soc> Bürger von Bertholdsdorf. Der Kunstfreund findet in der Kapelle über der Li p p'schen Familiengruft ein schönes Skulptur-werk vonKlieber, die trauernde Madonna mit dem Leichname Christi(>828). Eine zweite Familiengruft ist jene der Familie Regenhardt, von>8>r. Ein einfacher viereckiger Stein deckt die irdischen Reste eines Mannes, dessen gründliche, tiefe Studien im Gebiete deutscher Sprachforschung und Dialektik von seinen Mitbürgern nie gehörig genug gewürdiget wurden— Sigmund Pop»wich ist es!— Als ihn>768 ein körperliches Leiden gezwungen hatte, seine Lehrkanzel auf der Wiener Hochschule niederzulegen, kaufte er sich in Bertholdsdorf ein Haus mit einem Weingarten, und lebte hier ganz isolirt, ohne alle Bedienung, ließ seinen Weingarten mit einer Mauer umfangen, und bebaute ihn selbst. Seit>778 sah er seinem, durch ein langwieriges Leiden herbeigeführten Tode mit der Ruhe eines Weisen entgegen, und verschied an, 2>. November 177s im yostcn Lebensjahre. Sein Grab wurde nach eigener Anordnung neu gemacht, und von unten bis oben ausgemauert. Die treffende Grabschrift: kvxovi ciuock s»it, hat er sich selbst verfaßt*). Popovich's in deck. k. Hosbibliothek.'bewahrte Manuskripte dürften die Krone seiner Forschungen, und sein Name selbst neben den Niescnleistungen eines Jakob Grimm, Lachmann, G r a f f n. s. w., zumal im Interesse des Österreichers, eine immer ehrenvolle Erwähnung bleiben. DaS Rath Haus auf dem Marktplatze verdient in jeder Beziehung besehen zu werden. 1821 erbaut, tragt es ganz den Stempel seiner Zeit. An dem alterthümlichen Erker erblickt man drei Wappenschilds(den vsterr- Biu- denschild, den zweiköpfigen Adler und daS S.>y> erwähnte Wappen von Bertholdsdorf). Das Gebäude ist massiv, und hat meist konsistenten Stcinguß- Estrich. Im Par- rcicnzimmcr im ersten Stockwerke stellt ein großes Wandgemälde die traurige Szene des Auszuges der Bertholds- dorfer und die Ablieferung des Blutgeldes an den treubrüchigen Pascha(17. Juli>683) vor. Eine Inschrift**) erläutert das Bild, welches, 17 Jahre nach jener Schrek- kensszene, auf Veranlassung des damaligen Marktrichters Jakob TrinkSgeld und des.Marktkämmerers Joseph Deyll gemalt, insoferne historisches Interesse hat, als man die nun weggekrochenen Dertheidigungsmauern um die Kirche und den Steinthuri» recht wohl unterscheidet.— Daran stoßt der Rathssagl, an dessen Wänden gemalt rings- ») Über P 0 Po w i ch's Lebt» und literarisches Wirken enthält Kalte nbäcks Zeltschrist ,8Z5, Nr. e—>°, einen gediegenen Aussatz. —l Sie findet sich in der kleinen Brochurc DcSBcrtholdSdorfer Bothen Beschreibung von Bertholdsdorf, Wien ZSZS, zweit« Anfinge, Seite g—>Z. abgedruckt. 205 herum, unter dem mit fleißigem GipSstukko verzierten Plafond, 87 Bilder gewesener Marktrichter, vor einigen Jahren durch eine unberufene Hand restaurict worden sind. Einige, namentlich die späteren, mögen immerhin historischen Werth haben. Am interessantesten darunter ist das Porträt des ,683 von den Türken niedergemetzelten Adam Greninger mit einer kläglichen Umschrift. Außerdem finden sich in diesem Saale die Bürgerfahne, eine vom Aufgeboth herrührende Standarte und ein Richtschwert, dann ein altes von Holz geschnitztes Kruzifix, ,688 von Tobias Lenhardt als Ersaß für das>683 verbrannte Kreuz gewidmet. Noch wird eine Anzahl Per- gamenturkunden bewahrt, jedoch nicht ältere als vom Anfange des istten JahrhunderteS. Leider sind die Sigille bereits herabgebrochen.— Das Archiv ist in einem feuersicheren Lokale untergebracht. In einem Gewölbe zu ebener Erde zeigt man neben alten Schützenfahnen und mehren peinlichen Gerichtsinstrumenten, eine Steinaufzugsklamme, welche zum Baue des großen Quaderthurmes verwendet worden seyn soll(?). Ein altes geschriebenes Buch gibt man als vom Jahre ,33g aus, es dürfte aber um ,5o Jahre jünger seyn. An einer Stiege im Hofe findet man die Jahreszahl ,53y, endlich in der Holzlegstätte hoch oben in die Wand eilige- mauert einen Stein mit der Inschrift: Miclmelm Seimiger von?n»,»tus osr>576- Auf des Marktplatzes Mitte befindet sich jene Denksäule, deren bereits S->y5 gedacht wnrde. Am 3. Nov.>7>3 wurde der Grundstein dazu gelegt. Mehre Inschriften sprechen den Dank der von der Pestseuche verschont gebliebenen Bürgerschaft au§. 206 Da Vertholdsdorf ein sehr alter Markt ist, so findet man hier auch jetzt noch mehre alte Häuser. Eines der pittoreskesten ist jenes Nr. 29, gegen die Bergseite hin, dessen alte Bauformen vom Hofraume angesehen ein wirklich malerisches Bild geben. Nicht zu übersehen ist in einem ebenerdigen Gemache und in einer Küche das, wenn auch in anderen Provinzen, namentlich in Oberösterrcich häufiger vorkommende, in unseren Gegenden jedoch sehe selten erscheinende Knochen-Pflaster. Die kurz abgeschnittenen Röhren der Knochen sind nämlich dergestalt in die Erde geschlagen, daß nur die Knorren eine konsistente Oberfläche bilden. Da diese Böden gewiß schon mehre Jahrhunderte in diesem Zustande sich befinden, so beurkundet diese Erscheinung zugleich eine seltene Dauerhaftigkeit. Die Sage macht dieses Haus zum ältesten im ganzen Orte; hier soll jener Berth 0 ld gehaust haben, dem der Markt seinen dermaligen Namen Berth 0 lds dorf verdankt. Überhaupt gewährt ein Spaziergang um den alten Markt herum eigenthümliches Interesse- Man entdeckt immer neue Bilder von wahrhaft malerischen Partien, und namentlich ist die Bergseite, wo man noch zahlreiche Reste der alten Befestigungswecke trifft, reich an solchen Prospekten. Noch befinden sich in Vertholdsdorf mehre fruchtbare Blutegelteiche. Da Österreich bekanntlich einen bedeutenden Handel mit diesen Thieren nach Frankreich für sich hat, wohin monatlich ein eigens gebauter Wagen mit einer Sendung von diesem inockicsmen vivum abgeht, als dessen bisher reichster Fundort sich der Nenstedlersee bewährt hat, so ist die Pflege dieses Industriezweiges in solcher Nähe von Wien um so bemerkenswerther. 20? Das Kirchweihfest von Bertholdsdorf(im September) ist eine vielbesuchte Feier, die Frohnleich- namsprozession aber, welche alljährlich am nächsten Sonntage nach der Umgangsfeier der Wiener Vorstädte abgehalten wird, ein weit berühmtes Volksfest. Schon mit dem frühesten Morgen wallen lange Schaaren neugieriger Besucher von allen Richtungen dahin. Eine Unzahl Fuhrwerke bewegt sich in einem fast ununterbrochenen Zuge auf der bevölkerten Straße, an welche sich zahlreiche Gimp- pen von Bettlern gelagert haben. Durch die ungewöhnliche Frequenz sind die Wagen genöthiget, schon eine weite Strecke vor dem Markte Halt zu machen. Da war man indessen geschäftig, im Freien die Altäre aufzurichten, Straßen und Kirchen mit dem frischen Laube aus den nahen Wäldern zu schmücken. Mit grünen Reisern wohl ausgo- ziert offnen sich die reichen Schachte dieser gesegneten Weingegend zum gastlichen Empfange; und mehr und mehr bevölkert sich der Markt, füllen sich die verborgensten Kellerwinkel mit durstigen Wanderern, und wohl dem, der noch irgendwo ein sicheres Plätzchen erhäscht. Um io Uhr beginnt das feierliche Hochamt in der Pfarrkirche, unter den Salven der auf dem Kirchcnplatze postirten Garnison und dem Donner der Polier vom hohen Thurme und dem Leonardiberge. Um i> Uhr zieht endlich die feierliche Prozession aus, wobei man die Ehre der heiligen Funk- zion gewöhnlich einem geistlichen Gaste überläßt. Die einzelnen Zünfte lassen ihre Standarten und Fahnen(deren einige so groß sind, daß drei starke Männer daran zu schleppen, ja bei etwas bewegter Luft alle Kraft aufzubieten haben), unter Musik vor sich tragen, und die gemükh- 208 lich uniformirte Bürgermiliz von Vertholdsdorf paradlrt im Zuge, der sich unter stetem Geschützesdonner langsam durch die dichtgedrängten Reihen bewegt, bis endlich die Zeremonien an den vier Evangelien vorüber sind. Nun ist es Mittag geworden. Da der Markt die zahllosen Gäste nicht zu fassen vermag, so werden nun die Gasthäuser der umliegenden Orte belagert. Aber auch hier wird es eine kluge Borsicht seyn, wenn größere Gesellschaften sich schon früher mit dem bezüglichen Küchen» meisteramte ins Einvernehmen setzen. Nach Tische strömt wieder fast Alles nach Bertholds- dorf zurück, wo indessen einigermaßen Ebbe war. Hier haben sich mittlerweile auf dem Marktplatze mit ihren großen Peitschen(Goaseln) die Biehhirten(Halter) ander ganzen Umgegend versammelt, um vor der zahlreichen Menge ihre Virtuosität im Schnalzen(Knallen mit den Peitschen) zu produziren. Kleine Geschenke muntern die wackeren Lärmer auf, und so wird denn mit diesem»H alte r sch n a l z e n,« von mancher possierlichen Episode begleitet, eine gute Zeit des Nachmittags ausgefüllt, bis endlich die einbrechende Nacht die Ermüdeten in den Opfern des Bachus einen angenehmen Wechsel finden läßt. So endiget dann ein Tag, dessen Feier in diese sonst so still« Gegend bei günstigem Wetter alljährlich ein eben so lebhaftes Treiben bringt, als sich das Brigittenkirchweihfest und Klosierneuburg am Leopoldstage dessen erfreut. Hinter dem Markte, gegen den Föhrenberg hin, liegen einige Hügel von ähnlicher Formation, wie die Türkenschanze bei Wien, wahrscheinlich in einer antidiluviani- schcn Revolution von den Alpenkalkstcinen der Geisberge losgerissene Theile; die kahle humusarme Ablagerung eben dieser Berge, gegen die Ebene— das urweltliche Wiener-Becken— hin scheinen nur eine Bestätigung des Gesagten zu seyn. Auf einem dieser Hügel, welche man in neuester Zeit mit jungen Föhrenanflügen bepflanzt hat, theils um mit der Zeit eine zu besserer Vegetation geeignete Unterlage, zunächst wohl nur, um für die sonnige Umgegend einigen Schatten zu gewinnen, befindet sich der Kalvarienberg. Auf der gegen Nodaun hinschauenden Seite des L e o n a r d i b e r g e s, an der Stelle einer, urkundlich seit i5Sü bestandenen Einsiedelei, mit einer dem h. Leonhard geweihten Kapelle, welche aber-788 aushöch- sten Befehl abgetragen wurde, steht eine freundliche Villa, mit einer freien Aussicht über die reizende Ebene hin. Der 18 Klafter tiefe Brunnen des Hauses in einer ebenerdigen Lage ist merkwürdig— nicht durch eine besondere B esch äffe n h e i t, sondern durch die Reflexion an die kümmerlichen Mittel, welche ihn zu Stande förderten. Johann Aun 0 sky, ein Weltpriester, welcher in der hier bestandenen Einsiedelei ein isvlictes Leben führte, derselbe, dessen hierauf anspielender Grabschrift in der Bertholdsdorfer Pfarrkirche bereits oben S.>yy gedacht wurde, hat ihn binnen 4 Jahren ganz allein ohne weitere Hilfe ausgcgraben, und dadurch zum mindesten ein seltenes Beispiel unverdrossenen Ausharrens gegeben. Au- nosky's Bildniß hängt unter Glas und Rahmen an einer Wand der Brunncnstube. Ober dem Eingänge liest man die ganz charakteristische Inschrift: Lunos-Kz.' gewester Priester allhicr S5 jähre, so durch mehr als ijjährige arbeith diesten>s Elaffter Neffen Brunnen in 210 diße Felsen ohne einig Menschlichen beyhülff gehauen, so in gegenwärtigen Gottes Haus;-) begraben lieget, deine seve zum Angedenken dieß wenig Lob gesctzet:« "Dag Böhmen zwar dein Vaterland Durch stillschweigen ist all Lrth bekandt jedoch Lein ruff durch Hammerstreich Hast ausgebreith in Österreich.«—!— Er war ursprünglich ein Ziehbrunnen, und wurde erst später mit einem Pumpenwerke versehen. Ein Segment des älteren Brunnrades wurde bei der»Mari a- nenruhe,« einem freundlichen Plätzchen, welches zugleich die Stelle einer lieblichen Aussicht über den alterthümlichen Markt und die weite Ebene bezeichnet, als ein Ruhesitz benutzt.— An der genannten Villa befindet sich eine Kreuz- kapelle mit häufigem Zuspruchs, etwas entfernter auf einem freien Platze eine steinerne Auferstehungssäule von werth- loser Arbeit. Schließlich wird noch bemerkt, daß sich in Bertholds- dorf schon vier artesische Springquellen befinden, deren einer binnen 2/s Stunden 1800, ein anderer i3t>8 Eimer besten Trinkwassers gibt. -) Scheint sich auf die hier bestandene Kapelle zu beziehen; dann müßte aber Aunosky's bereits erwähnter Grabstein in der Pfarrkirche im Markte,Zerst später, etwa nach Abtragung des Leonardikirchleins, dahin übersetzt worden seyn. 8. L a a b, 3 Stunden- Unmittelbar hinter den eben beschriebenen Orten erhebt sich eine Reihe freundlicher Hügel und Berge, welche die Ebene um Wien gegen Südwest abmarkend, in ihr/n ferneren Verzweigungen sich an den Hauptgebirgszug des Wienerwaldes anschließen, und denselben lieblichen Ka- rakter einer friedlichen Waldnatur tragen, wie die bereits besprochene Partie dieses Gebirges.— Der Reich-Liesing- bach durchzieht ein freundliches Thal, welches sich hinter Kalksburg in westlicher Richtung über eine Stunde lang erstreckt. Es ist das bekannte Thal von Breitenfurt, von welchem zur Rechten ein zweites Thal gegen Laab ausästet. Die Waldstraße leitet zwischen niederen Hügeln, an deren Fuße grüne Wiesen sich ausbreiten, im Thals sanft vorwärts, und man erreicht in einer halben Stunde den, von dem einst hier gestandenen herrschaftlichen Stadel mit rothem Dache so genannten rothen Stadel, ein beliebtes, von den Wienern und Rodauner Badegästen häufig besuchtes, einzeln und von der Straße etwas abseits gelegenes Gasthaus, mit einigen schattigen Plätzchen im Freien. Noch vor mehren Jahren war dieser Ort einer der besuchtesten um Wien; aber nicht ganz 212 gerecht gegen viele weit schönere Punkte in gleicher Nähe. Da das Wirthshaus damals sehr gut bestellt war, und eine recht bequeme Straße bis hin sührt, so läßt sich dadurch jener zahlreichere Zuspruch wohl erklären. Der beliebteste Spaziergang von hier aus ist die Besteigung der Höhe, welche das Breitenfurter Thal von jenem von Kal- tenleutgeben scheidet, mit einer wahrhaft pittoresken Aussicht von dem neuen L i e ch te n st e i n's ch e n Tempel, worüber in der Nummer» K al t e n l e u t g eb e n« S. ra3 das Nähere wird berichtet werden. Eine kleine Strecke oberhalb theilt sich die Straße. Die Waldstraße führt in gerader Richtung am»grünen Bau m e,« einem zweiten ländlichen Wirthshause, und mehren einzelnen Gehöften vorüber, dann, hinter der malerisch unter Bäumen gelegenen Hänigsmühle etwas bergan- steigend, in einer halben Stunde nach Breitensurt. Die beim rothen Stadel nach rechts abführende Straße leitet zwischen waldigen Hügeln in eben so kurzer Zeit nach dem freundlichen L a a b. Der Laabersteig, welcher von PurkersdorfoderWeid- lingau durch die Paunze über einen Bergrücken hierher führt, wurde bereits Seite>6g berührt. Fußgeher führt ein etwas beschwerlicher, überdieß nicht sehr lohnender Weg von Kalksburg am Gütenbache bis zur Thiergartenmauer, dann eine Strecke längs derselben über eine Erhöhung hinweg, in drei Viertelstunden nach Laab. Über die Verbindung von Laab mit Breitenfurt wird weiter unten(S-21S) Erwähnung geschehen. 213 Laab ist ein Pfarrdorf mit 62 H., 3ä» E., und hat eine sehr freundliche Lage. Man findet hier noch ganz ungeschminkte Ländlichkeit. Vor Alterszeiten wurde eS Laub auch Loup genannt; der uralten Kirche zum h. Ko- lomann auf dem Kirchbergc in Laub wird bereits>>Z8 urkundlich gedacht, wiewohl nicht zu zweifeln ist, daß sie schon viel früher bestand. Man hat die Vermuthung auf. gestellt, daß dieser Ort einem Jagdschlösse der Baben- berger seinen Ursprung danke. Schon im löten Jahrhunderte war hier eine Pfarre»zu Lab in szlvs,« und Albrecht V. gab den alten Jaidhof(Jagdschloß) dem Niklas Mitterndorfer zu Lehen.>029 wurde der Ort von den Türken gräulich verwüstet. Das schon halb ausgeführte Projekt eines späteren Gutsbesitzers, die zerstörte Kirche wieder aufzubauen, wurde durch den zweiten Türkencin- fall von>683 vereitelt. Da jedoch der Kirchberg vom Orte etwas ferne gelegen war, so dachte man daran, die Kirche in den Ort selbst zu verlegen. Es wurden hierzu, dem Zwecke wenig frommend, einige Zimmer des hiesigen Schlosses in eine Kapelle umgestaltet.>h6y hatte der deutsche Ordens-Komthur, Karl Graf von Colloredo, Laab an sich gebracht, und dem Orden, der noch gegenwärtig im Besitze ist, als ein Erbe hinterlassen. Das Schloß ist das bedeutendste Gebäude; es hak nur ein Erdgeschoß; der Eingang ist unter einem viereckigen Thurme, der die Schloßfronte in zwei Theile scheidet, wovon die westliche Seite in die dermalige Kirche umgestaltet wurde, welche, durch eine niedere Decke gedrückt und feucht, erst in neuerer Zeit in einen würdigeren Zustand verseht wurde. Den Hochaltar ziert ein gutes Ma- rienbild. Die Nebenaltäre sind dem h. Kolomann(dem Kirckenpatron) und dem h. Joseph geweiht. An einem derselben ist ein guter alter Deinschnitt beachtenswerth. Auch der Pfarrhof befindet sich im inneren Theile des herrschaftlichen Schlosses. Das Gasthaus, dem Schlosse fast gegenüber, mit einem kleinen aber schattigen Gärtchen am Bache, hat eine freundliche Lage. Billige Anforderungen werden hier völlig befriediget.— Der Waldbereiter des Breitcnfurter Waldbereitungsbezirkes und der Förster(zugleich reitender Hvfjäger) des ersten Theiles vom Reichliesinger Forste haben in Laab ihren Sitz. Von dem, was sich einst hier befand, verdient bemerkt zu werden: eine noch>753 erwähnte Klause mit einem Eremiten, und ein stärkendes Heilbad, dessen früheres Lokale man noch zeigt. 9. Breite nkurt. (Z Stunden.) Der Weg von Kalksburg aus dahin wurde schon im vorhergehenden Abschnitte angedeutet. Äußerst angenehm gelangen Fußgeher über eine unbedeutende Höhe, den Hunds- kehlberg, im lieblichen Wechsel von Wiesen und Wäldern in einer kleinen Stunde von Laab nach Breitensurt. Gegenüber dem Wirthshause in Laab führt nämlich ein Gäßchen, an dessen rechtem Ende ein hölzernes Gar« kenhäuschen steht, auf eine Wiese, über welche rechts ein Pfad querüber in den Schatten eines Tannenwaldes leitet. Man behält die nun eingeschlagene Richtung immer bei, und übersteigt die Verzäunung auf zwei kleinen Stiegen. Immer ziemlich nach rechts schreitend, führt der Weg im wohlthuenden Schatten des immer dichteren Waldes an einem Baume mit einem Heiligenbilde vorüber, sanft auswärts, und man tritt dann auf eine Waldblöße hinaus, wo sich die Wege theilen; jeder führt nach Breitenfurt hinab, nur der zur Linken schon zu den ersten Häusern dieses lieblichen Walddorfes, jener zur Rechten aber leitet noch eine Strecke in den Wald, dann ins Freie hinaus, wo man die stattliche Kirche und die zerstreuten Häuschen von Brei- kenfurt in einem reizenden Bilde überschaut. Man betritt hier den L)ct bei der Schmiede; ein neu gebahnter Weg 216 führt parallel mit der schlechten Fahrstraße über eine umfriedete Wiese zur Kirche aufwärts. Breitenfurt zählt im Ganzen 68 Häuser mit 3yo Einwohnern, die sich meist mit der Forstkultur und Viehzucht beschäftigen. Die Forstkultur mag auch die ersten Ansiedler hier versammelt haben. Wann dieß'gesche- hen, ist nicht mehr zu ermitteln, wie man aber vermuthet, schon mit dem ersten Walten der Babenbcrgcr. Hier baute sich Gregor Wilhelm v- Kirchner, unter Kaiser Karl Vl., Ministeriell-Bankodeputazions-Hofbuchhalter und Oberaufseher der kaiserlichen Wälder und Forste,>696 ein Schloß(von welchem noch der heutige Pfarrhof ein Theil ist), und später ein Spital zur Versorgung von ejo armen, altersschwachen oder durch die Gefahren des Forstbetriebes-, namentlich des Holzfällens beschädigten Waldhüttlern, mit einer,>732 vom Kardinal Grafen von Kollonitz dem h. Johann v. N. geweihten Kapelle. Kaum war die schöne Stiftung vollendet, da starb der edle Wohlthäter(1735), und seinem letzten Willen gemäß erbte das Spital sein Vermögen, empfing die kleine Kirche in einem hölzernen Schreine den Leichnam des menschenfreundlichen Stifters- Als im Jahre>784 die verschiedenen einzelnen Spitäler in der aufgelassenen Mauerbacher Karthause vereinigt wurden, traf auch diese milde Stiftung das Loos der Auflösung. Das Spital mit dem größten Theile des Schlosses wurde abgebrochen, die Lokalie aber zu einer Pfarre erhoben, und an der Stelle der kleinen Johannes-Kapelle die jetzige Pfarrkirche gebaut. Sie ist hoch, licht, aber für den Bedarf der zahlreichen Gemeinde nicht geräumig genug, weßhalb schon>789 zur Verrichtung des 217 doppelten Gottesdienstes dem Lokalkaplan ein Kooperator beigegeben wurde. Im Innern mit Gypsmarmor und Säulen geziert, hat sie eine gedrückte, bemalte Kuppel und drei Altäre. Die Kirche ist schon ziemlich hoch gelegen; in ihrer Nähe befindet sich der Pfarrhof, wie erwähnt, ein Theil des bestandenen Schlosses, und etwas höher, dicht an der aufsteigenden Straße ein gutes, nach Purkersdorf gehöriges Wirthshaus mit der nahen Schießstätte. Die Jä- gcrswohnung— Breitenfurt ist der Sitz des Jägers und Försters für den zweiten, dann jenes für den dritten Theil des Neichliesinger Forstes— befindet sich an der dem Wirths- hause entgegengesetzten Seite. Alles athmet hier das heitere Gepräge einer freundlichen Waldnatur, und selbst ein längeres Verweilen bietet immer neue Reize. Einer der lohnendsten Spaziergänge führt zu dem gemüthlichen Waldwirthshause am A pfe l° brunnen(dessen krystallklare kalte Quelle auch in den wasserärmsten Sommern nicht versiegt), am Eingänge in ein, an üppiger Veaetazion reiches Nebenthal gelegen, in welches man bei den ersten Häusern von Breitenfurt an einem Stammarme des in diesen Bergen aus mehren Quellen entspringende» ReichliesingbacheS gelangt. Freunde einer malerischen Aussicht werden aber nicht versäumen die unbedeutende Hohe der Hochrotherde zu ersteigen. Schmidts Wiens umgeb. III. 10. H o eh r o t h e r d. (3^/2 Stunden.) Neben der Kirche und dem Wirthshause von Brei- tensurt zieht sich die Straße mäßig steil den Berg hinan. In einer Viertelstunde erreicht man die Stelle, wo eine von dem Hinteren Wolfsgraben herausführende Straße einmündet, und sogleich wird man von den ersten, unter grünen Bäumen halbversteckten Häuschen der Hochrotherde empfangen. Es liegen deren im Ganzen a3 auf der Höhe zerstreut, meist von kleinen verzäunten Obstgärten umfangen. Bei>/><> Waldhüttler bewohnen sie, und nähren sich durch Obst- und Milchverkauf, durch das Holzfällen, die Viehzucht und das Verfahren der im Reich- Ücsingec Forste geschlagenen Hölzer. Das Wirthshaus liegt, noch eine Viertelstunde von den ersten Häusern entfernt, höher auf dem Berge. Mäßige Anforderungen finden hier unerwartet gute Bedienung; der Mangel einer reichen Auswahl sättigt sich durch die freundlichen grünen Plätzchen, welche man unter den zerstreuten Bäumen zum Genuß des Mahles wählen kann, wie durch einen herz- lichen Empfang hinlänglich. Im weiteren Verfolge der zwischen Zäunen noch eine kleine Strecke hinter dem Wirthshause aufwärts führenden Straße eröffnen sich gegen die südwestliche Gebirgswelt hin so reizende Aussichten, wie mau sie gegen eine so geringe Mühe des Bergsteigens kaum irgendwo finden wird. Zwischen den beiden Endpunkten, dem Mandling und Schöpfe! über dem breiten Rük- ken des nahen Rottenbrandberges, wogt ein Meer von Bergen, Gipfel an Gipfel. Der hohe Semme- ring zieht sich bis zum Gahns hin. Bor dem südlichsten Abfalle des Schneeberges, aber viel naher, erheben der Hirsch elcckberg und das Hoheneck(im Norden von Pernih) ihre abgerundeten Gipfel. Die reizende Bergkette, welche die romantischen Thäler um Guttenstein bilden, lagert sich gerade vor die kahle Steinwand des Schnee- berges hin. Über dem Kuhschneeberg in blauer Ferne ragt ein namhafter Theil des Scheibwaldes hervor. Näher, aber nördlicher, breitet sich das H o ch c ck aus, dessen Sä- baum nahe am Gipfel man deutlich erkennt. Weiter rechts ist der gewaltige Unterberg der nächste Nachbar, und wo dieser abfällt, taucht eine ganze Partie sehr ferner Berggipfel herauf, unter denen der Göller erkennbar ist. Zwischen dem H oller berg und dem Schöpfl, welche, zu beiden Seiten das Thal von St. Korona einschließend, ihre einander ähnlich geformten Rücken erheben, schaut eine schmale Kante der Lilienfelder Reisalpe und der Ebenwald hervor. Zu beiden Seiten vermählt sich dann das reizende Bild mit den nahen Wäldern. So viel über die weiteren, weniger bekannten Punkte. Die Aussicht gegen Wien hin über das zu den Füßen liegende Dreitenfurt, auf ohnehin bekannte Orte, bedarfwohl keiner näheren Andeutung, doch wird man sich zur bequemere» Übersicht dieser Partien einen anderen Punkt aufsuchen 220 E-- müssen, und sich so auf dieser Höhe auch durch den reichen Wechsel an bezaubernden Gegenden durchdringen lassen!.^> Über den Weg von hier in die Sulz wird bei dem letzteren Orte(Seite arg und oZo) die nöthige Andeutung folgen- 11 Das Thal von Kaltenleutgeben. (3 Stunden.) Bei Rodaun vereinigt sich die Reich lies ing mit der dürren Liesing in einen Arm, welcher bis zu seiner Mündung in die Schwächet bei Kettenhof, den Namen desLiesingbaches schlechthin beibehält. Das Thal, aus welchem die Reich liesing hervorrinnt, ist jenes von Breitenfurt. Parallel damit, durch eine niedere, anfangs ganz kahle Hügelreihe geschieden, erstreckt sich, von der dürren Liesing durchflossen, das freundliche Thal von Kalte nleutgeben- Die Bergreihe, welche die südliche Seite des Thales bildet, gehört schon einem bedeutenderen Höhenzuge an- Und wie das Thal von Kaltenleutgeben jenes von Breitensurt schon durch seinen großartigeren Karakter weit überbietet, so hat es zugleich den Reiz der Mannigfaltigkeit voraus. Neben üppig frischen Laubwäldern starre Steinhügel— hier auf einem hohen Waldberge die Reste eines, seit einem halben Jahrtausende in Trümmern versunkenen Schlosses, und jen- seits—e,„ loses Spiel der nächsten Zukunft— neue Tempel, künstliche Ruinen, tief unten im Thale an den grünen Ufern des Baches freundliche, Wohlstand verkündende Gehöfte, in steter Regsamkeit klappernde Mühlen, dort wieder hellglühende Kalköfen mit Gruppen geschäftiger Arbeiter— welch ein Bild! Unstreitig behauptet diese Ge- 222 gend entschiedene Vorzüge in der Umgegend von Wie», wohl werth, die oft gesuchte, stets heilbewahrte Sorgen- flucht unseres herz- und geistvollen DeniS gewesen zu seyn! Am Abhänge des Kalkhugels, auf welchem das Schloß von Rodaun thront, führt eine gute Straße in das Thal. Fußgeher finden aber am Abfalls der Bertholdsdorfer Verge durch schattige Wäldchen einen noch angenehmeren Pfad. Die Bergmnhle, die Ren mühle dann die Walkmühle liegen in kleinen Entfernungen von einander; es sind nette Gebäude mit freundlichen Gärt- chen, und athmen in ihrer regen Betriebsamkeit eine» fast vberländlichen Karakter. In der Bergmühle so wie in der Walkmühle findet man auch freundlichen Empfang für «in mäßiges Mahl. Bei der Walkmühle ist der schönste Theil des Thales. Die waldreichen Berge zu beiden Seiten schließen sich enger an einander, und bei dem neuen, ungemein freundlichen Gasthause in der sogenannten »Grün au« hat man ein wirklich überraschendes Bild. Ernst schauen die Trümmer von Kammerstein von dem dunklen Waldberg« in das Thal voll reger Geschäftigkeit herunter. Das Gasthaus in der Grünan ist sehr gut bestellt, und die Gegend, in der es liegt, so reizend, daß man wohl mit Zuversicht darauf rechnen darf, es werde bald ein sehr beliebter Ort werden, um so mehr, als gerade von hier aus ein neugebahnter Weg auf den Föhren- bcrg mit einer wahrhaft überraschenden Aussicht führt, wovon später(S s3S) die Rede seyn wird. Der Weg vo-n Kalksburg in dieses Thal ist nicht minder reizend, und die Aussicht, welche man von dem neuen Liechtenstein'schen Tempel genießt, ganz vor- 22Ä züglich- Der nächste Pfad, unmittelbar von Kalksbnrg aus, immer im Schatten, ist folgender: Man steigt an der Mauer, welche den Godefroy'schen Garten umschließt, die kleine Höhe bis zu dem Pförtchen hinauf, welches sich gerade hinter dem Dianentempel(Einsiedelei) befindet. Nun geht es eine klerne Strecke abwärts auf einen Fahrweg, der dann immer gerade fort und sanft wieder auswärts leitet, bis man den Aussichtstempel vor sich sieht. Auch vom rothen Stadl(siehe Seite 212) leitet ein angenehmer schattiger Weg gerade auf die Höhe de» sogenannten Eichkogels oder vorderen Gernberges, der dieses Thal von jenem von Kaltenleutgeben trennt, und bald erblickt man zur Rechten auf der höchsten Kuppe den Aussichtstempel, eine der letzten Schöpfungen des, um die Verschönerung der Umgebungen Wiens so hochverdienten, verewigten Fürsten Johann von Liechtenstein. Er wurde auf einer felsigen Unterlage, in einer gefälligen Form von Holz erbaut. Die Aussicht ist imposant. Überraschend schön gestaltet sich tief zu den Füßen das Thal von Kal- tenlentgeben. Die weiße Fahrstraße neben dem LÜlber- strcifen der dürren Liesing und daran zerstreut liegend Mühlen und Höfe, lichte Kalkanbrüche, dann gegenüber die wildschöne Schlucht von Kammerstein, die spärlichen Ruinen der aus tiefen Waldesdunkel hervortauchenden Burg— Alles vereinigt sich zu einem wahrhaft romantischen Bilde, an dem man sich nicht satt sehen kann- Die Aussicht gegen die ferne Gebirgswelt ist wohl durch die nahen Höhen sehr beschränkt, und nur au» einem kleinen Ausschnitte schaut eine Partie fernerer Gipfel, darunter der gesattelte S taffko g l, hervor, um so freier hingegen, und durch einen malerischen Vordergrund nur noch reizender, ist der Hinblick auf die weite Ebene mit ihren vielen blühenden Ortschaften, auf die Kaiserstadt(vomHö- henzuge des KahlengebirgeS eben so, wie dieses wieder vom Herrmannskogl beherrscht), näher auf den k. k. Thiergarten, den Godefroy'schen Garten von Kalksburg, insbesondere auf die grünen Thäler von Laab und Breiten» fürt, die man von hier aus in ihrer ganzen Ausdehnung verfolgt.— Nur ungern wird man von dieser reizenden Stelle scheiden, und dankbar des edlen Schöpfers dieser Anlage gedenken, dessen reger Sinn für die heimatlichen Naturschönheiken in einer neuen Welt herrlicher Anlagen allen fühlenden Naturfreunden ein gemeinsames theures Erbe zurückließ! Ein gebahnter Weg führt von hier aus bis zum Eingänge von Kaltenleutgeben abwärts. K altenleutgeben ist ein sehr angenehmer Ort. In malerischen Gruppen liegen die 97 Häuser, durch freundliche Gärtchen von einander getrennt, im Thals zerstreut. Die Seelenzahl belauft sich auf S60. Hier befindet sich der Förster und Jäger für den ersten Theil des Weissenbachcr Forstbezirkes. Das historische Interesse geht freilich ziemlich leer aus. Die reichhaltigen Kalkbrüche mögen die Veranlassung zu An- siedlungen in diesem Thals gegeben haben. Doch scheint dieß nicht sehr früh der Fall gewesen zu seyn, da wir über Kaltenleutgeben gar kein älteres Datum finden, und hier erst in der zweiten Hälfte des>7ten Jahrhunderts erweis- lich eine kleine Kapelle gebaut wurde. Woher der Ort seinen Namen ableitet, ist eben so wenig mit Bestimmtheit zu ermitteln. Die Lokalverhältnisse berechtigen keineswegs zu der Folgerung, daß hier vor Zeiten ein namhafter Weinbau betrieben wurde, woher etwa die Benennung Kaltcnleutgeben(so viel als frischen Wein ausschenken, von dem noch heute üblichen Ausdrucke, Leut- geben: Wein ausschenken) geblieben seyn mochte- Möglich, daß eine Schenke, durch ihr kaltes Getränke bei den Waldbaucrn in gutem Rufe, der ersten Ansiedlung die gegenwärtige Benennung gegeben habe. Je weiter man in dem Orte vordringt, desto liebli cher wird er. Sehr angenehm ist der Fußpfad, der längs des Baches über fette Wiesen am Abhänge der südlichen Höhen die Richtung der Häuserreihe des Dörfchens verfolgt. Man findet hier zwei gute Wirthshäuser, von denen das obere mit seinem niedlichen Gärtchen am Rande des Baches und der Aussicht auf den malerischen Kirchen- hngel eine sehr freundliche Lage hat. Ein Zeichen, daß sich auch diese Gegend schon bleibender Besuche von den Wienern erfreut, trifft man diesem Wirthshause gegenüber einen neuen, ganz stattlichen Landsitz, im modernen Style aufgebaut, mit springenden Fontainen im Hofe u. s. w- Man nähert sich der Kirche, die auf ihrem grünen Hügel thronend, mit dem nahen, aus dichtem Baumversteck hervorleuchtenden Pfarrhofe und einer aus dunklen Waldbergen vortretenden Felsenpartie ein wahrhaft reizendes Bild gibt. Einst Filiale von Bertholdsdorf, seit 176Z selbstständige Lokalkaplanei, soll sie in den ersten Jahren des 226 > vorigen Jahrhunderts durch den k. k. Architekten Jakob von Ückl(dessen Bildniß man noch im Pfarrhose bewahrt) zu Folge eines, zur Zeit der Pest im Jahre>679, gefaßten Gelübdes erbaut worden seyn. Sie ist ein re, gelmäßiges Gebäude mit gefälliger einfacher Architektur. Won der noch vorhandenen, angeblich aus dem I- ibbr sich datirenden kleinen Votiv-Kapelle, dem h. Jakob geweiht, fuhrt eine Doppelsticge zur eigentlichen Kirche Hinan, welche mit einer Mauer umfangen ist. An der Mitte der Stirnseite tritt der viereckige Kirchenthurm mit seiner Blechkuppel hervor. Das Innere ist licht und hoch, voll reicher Verzierung. Die drei Altäre sind von schönem Marmor, Stufen und Säulen des Hochaltars 834 errichten ließen. Auf der Wiese zwischen dem zweiten Wirthshaus« und der Kirche steht eine steinerne Lenksäule mit zwei Jnschrifttafeln, deren eine bereits ganz verwittert und unleserlich ist, die andere aber noch die Worte trägt: «Ein bctrucbtcr Geist ist ein Opfer Gottes. Ein reuigs demue- thigs Herz wirst du Gott nicht verachten ,69z.« Die Sage läßt hier einen Adepten dieser Wälder seinen durch unerlaubte Mittel gewonnenen Mammon vor der Gefahr der(>683) herannahenden Türken nächtlicher Weile 22? » verscharren, jedoch, verspätet, von dem Feinde ohne Vußc und Sühnung niederstrecken, dann seinen irren Geist als Jammergestalt mit einem schwarzen feucräugigcn Hunde allnächtlich so lange erscheinen, bis ein beherzter, Gott vertrauender Landmann durch die dem Geiste angelobte Veranlassung des Kirchenbaues den Geist erlöste und den Schaß erhob. Zwischen dem hier abfallenden Grofi-Flößl und der erwähnten Fclsenpartie in der Nähe der Kirche öffnet sich eine romantische, von einem Wildbache durchwäs- serte Schlucht. Bon hier aus führen Pfade, anfangs durch düstere Waldstrecken, bald auf freie Höhen mit einer Fülle herrlicher Aussichtspunkte, im Nucken des G ro Flößl nnd des großen S a t t e l b e rg e s, südwestlich nach Gißhübel, in der westlichen Richtung über Neuweg nach Wild egg und Johannsstein, oder über den sogenannten»nackten Zotten« an die wildromantischen Quellen des Weissenbaches beim sogenannten » W a ss erges p re n g«;— für rüstige Fußgeher nicht warm genug anzurühmende Wege, voll pittoresker Szenen im steten Wechsel von dunklen Wäldern, kahlen Strecken und Felsenpartien mit entzückenden Aussichten auf die Kolosse der osterreichisch-steiermarkischen Grenzberge hin, dann wieder auf die schöne Ebene hinaus. Doch dürften für diese Wege die mühevollsten Andeutungen kaum genügen, da es zu sehr an völlig bestimmten Direktionspunkten fehlt. Nur eine gute Karte*) könnte diesen Abgang ersehen, wo ') Das beigefügte Kärtchcn»der Brü-l bei MeLling, mit seinen Umgebungen, bis Kaltenleutgebcn, Heiligenkreuz uns dann noch der Umstand zu Gute kommt, daß man auf diesen Hohen, häufiger als in irgend einer der ferneren Bergregionen, immer Landlente trifft, welche zurecht weisen können, wie dieß namentlich auf der Strecke von Gieß- hübel bisher, oder aufdem sogenannten»langenWeg« nach Neuweg besonders häufig der Fall ist.— DieHaupt- richtungen dieser Pfade werden in dem folgenden Abschnitte über die Geisberge angedeutet werden. Baden«, von dem rühmlich bekanntenK- Stein gestochen, enthält fast jeden Fußpfad deutlich erkennbar, und hilft diesem Bedürfnisse beinahe vollkommen ab. L»Znr»nun»»:v nniri ixr Mit Vii»n«->»u»L' ,» . vx- ,s >--V M >-...^.7 s.o"' L-1 x,-r / tV- '-.:,7 / R.C.. ÄÄkSK..^KÄs^ - v^«K x MM .-.-V ''-: H. > >v>> M/, s L! ^'-) --N/' ?K IV NN»Ä> / M» ^ xI^^»m»vÄ«lErrI»k .Dr« 8 L. «- - ,>. WW ' IL'V 'X- «?/"> ./> - M li.iiätii ?D?c - L »xc'' »-l« >."- 12 Die S n l?. <4 Stund en.) Die»Waldstraßc« seht sich hinter Kaltenlentgcben im Thale fort, welches hier an seinem Reize etwas verliert. Nach einer Strecke lenkt von der Straße(welche hier noch im Thale fortlauft, sich dann erhebend, durch einen Wald nach Stangau hinauffuhrt) zur Linken ein Fahrweg ab, und leitet ziemlich uninteressant und ohne Lchatten auf die Sulzerhvhe. Aus der Höhe selbst, welche hier der Todtenkopf heißt, bei einer kleinen Kapelle, wird man durch eins herrliche Fernsicht auf den, vom gewaltigen Schneeberge beherrschten Grenzgebirgszug mit seiner Kette unzähliger Gipfel überrascht. Diese Gebirgsaussicht kommt so ziemlich mit jener von der Hochrotherd überein (siehe Seite, 2,9), wohin über das nähere Detail verwiesen wird. Der Überblick über die Wiener Ebene hin, gestaltet sich von hier aus nicht minder malerisch.— Schnell abwärts erreicht man das freundliche Sulz. Von Kalten- leutgeben bis hierher rechnet man eine kleine Stunde. Der Weg von Hochrotherd nach Sulz(siehe Seite 220) ist bei weitem angenehmer als die Strecke von Kaltenleutgeben herauf; füretwas größereAusflüge wird man hierdurch die Gegenden von Breitenfurt und Hochrotherd mit der Heiligenkrcuzer Partie in Verbindung sehen können. Einige Schritte oberhalb des Wirthshauses von Hoch- 230 rotherd führt links eine, zumal nach anhaltendem Negen- wetter fast unwegsame, für Fußgeher aber immerhin bequeme Fahrstraße in einer Viertelstunde zur sogenannten Wöglerin, einer Rotte von 20 zerstreut gelegenen Waldhütten mit >00 E- ES liegen jedoch nur einige dieser Häuschen neben der Wohnung und dem umgitterten Garten des Jägers und Försters für den zweiten Theil des Weißenbacher Forstes auf dieser Hohe; die übrigen sind tiefer im Thals gegen den Thomasgraben hin situirt. Die einzelnen Bauernwirthschaften mit ihren Zäunen und Hecken sorgsam verpallisadict, tragen beinahe das Ansehen fester Plätze. Überraschende Fernstchten begleiten die Strecke von Hochrotherd bis daher. Die Hütten von S ta n g a u sind mit der Wvglerin beinahe in Eins verschmolzen. Es sind deren im Ganzen y, zum Theil im Thale gelegen, von 70 Seelen bewohnt. Viehzucht, Milch- und Obstverkauf, dann das Holzfuhcengcschäft geben kärglichen Gewinn- Der Straße aus dem Kaltenleutgebner Thale herauf wurde bereits Seite 22c, gedacht. Tiefer senkt sich nun die Fährte abwärts, und nach einer kleinen halben Stunde, von den ersten Häuschen der Wvglerin an gerechnet(im Ganzen also drei Viertelstunden von Hochrotherd hierher), erreicht man das liebliche Psarrdorf Sulz. Über die Wege von Sulz nach Sittendorf, Dornbach und 2Zl Heiligenkreuz wird die Andeutung weiter unten folgen.— Das Dörfchen Sulz, mit 4» Häusern und 270 Bewohnern ist zu beiden Seiten des Medlinger Baches gele. gen, der sein Gewässer aus den Quellen des Großwinkel- berges und der Wöglerin sammelt, und hier eine kleine Schlucht durchrinnt- Der Pfarrh 0 fund die K ir ch e mit ihrer hellglänzenden Thnrmkuppcl liegen auf einem Hügel am Abhänge der Sulzerhöhe. In der letzteren der säulengeschmückte Hochaltar enthält ein Gnadenbild, Maria Hilf mit der Unterschrift: »Maria hüls uns in der Noch Dali Gott uns bhüt vor zähem Tod. Die beiden, dem h. Franz Salesius und der h. Theresia geweihten Seitenaltäre sind ohne Kunstwerth. Das Gasthaus liegt ziemlich neben an, etwas höher der Friedhof des Ortes.— Es herrscht in diesem Örtchen ein eigens stiller Reiz, und namentlich der jenseits des Medlingerbaches gelegene Theil mit mehren recht netten Häuschen athmet einen sehr gemüthlichen Karakter. Leopold Vl. schenkte dem Stifte Heiligenkceuz i>88 die Wälder um Sulz, welche es noch dermal besitzt, den Ort selbst aber(nach Arenpeck) schon der ältere Heinrich von Medling, welche Schenkung>282 von Heinrich dem jüngeren, und>286 von Friedrich dem Streitbaren bestätiget wurde. Ursprünglich nach Alland, und nach der Errichtung der Pfarre in Heiligenkreuj dahin eingepfarrt, wurde die 23L Kirche in Sulz 1783 zu einer selbständigen Lokalkapla- nei erhoben. Dieses Sulz ist nicht zu verwechseln mit dem im W. U. M. B. gelegenen Niedersulz, ebenfalls einer Be- fißung des Stiftes Heiligenkreuz, dem es Leopold der Tugendhafte geschenkt, welcher dasselbe von den Grafen von Schala geerbt hatte*). .') Vergleiche hierüber,H,o rma yr's Archiv>8-8, Seite 6, und Aron. dolc. XXVm. ir. x. ,67. , r;r> 13 Die Geislierge. (2'/. Stunden.) So heißt jener kahle, mehrgipfliche Bergstock, welcher sich zwischen dem Kaltenleutgebener Thale und den Brüh- ler Bergen, hart hinter Bertholdsdorf zu einer nicht unbedeutenden Höhe erhebt, und schon von den Basteien Wiens aus gesehen, durch seine eigenthümliche Form auffällt. Während die ganze Bergkette, worin diese Gruppe liegt, voll üppiger Vegetation bis zu einer bedeutenden Höhe von schwellenden Reben strotzt, und höher mit reichen Forsten bedeckt ist, liegen diese Höhen, vom Fuße bis zum Scheitel nackt, wie verlassene Stiefkinder der Natur, inmitten gesegneter Bruder. Es kann hier nicht der Ort seyn, in nähere Erörterungen über die Grundursachen dieser sonderbaren Erscheinung einzugehen. Wenn man aber bedenkt, daß diese Höhenstrecke, bis weit in die Ebene vortretend, ganz wehrlos den steten von Norden Herstreichenden Stürmen preisgegeben ist, wodurch eine Verwesung des abfallenden Laubes oder der Nadeln, und damit die allmähliche Bildung der zu einer besseren Vegetation geeigneten Dammerde vereitelt wird, so dürfte dieser Umstand einiger Fingerzeig seyn. Und so wäre es selbst möglich, daß die ganze, nun kahle, gegen Bertholdsdorf abfallende Strecke einst mit dichtem Walde bedeckt war, und erst durch eine unkritische 2ZÜ Abstockung künstlich in den dermaligen unverbesserlichen Zustand versetzt wurde. Mindestens fehlt es nicht an traurigen Beispielen, wo sich ganz gleiche Erscheinungen, erweislich durch eine, bloß den nächsten Augenblick vorsehende Forstverunwirthschaftung erklären lassen. Ist nun dieser Höhenzug schon ein sehr interessantes Gebiet für geognostische Forschungen, so ist es anerkannt, daß diese Gegend, und namentlich die, dem bloß genießenden Naturfreunde unwirthlicheren Regionen, dem Botaniker einer der reichsten Fundorte der ganzen Wiener Gegend ist. Im weiteren Sinne nun bezeichnet der Name» Gei s- berge« den ganzen, bereits aus Alpenkalkstein bestehenden Gebirgsstock, eins Nebenkette von dem Haupthöhen- zuge des Wienerwaldes, dessen einzelne Gipfel der kahle Weidberg, der Föhre nberg(auch Bierhäusel-und Parapluie-Berg genannt), der Groß flösset, der große und kleine S a tt e l heißen, dessen Zweige westwärts über den langen Berg und den Höllenstein mit der SulzerHöhe gegen Sulz abfällt, und im Süden mit dem Gobelsberge, Hundskogel, Tenneberg, dem nackten Zotten, dann mit den Kuppen um Iohannsstein und Wildegg enden.— Über die Verbindung dieser Partien vom Thals von Kaltenlentgebcn mit der Brühler Gegend war bereits S- 227 die Rede. Der Föhrenberg, von einer, ihr Blätterdach weit ausbreitenden Föhre nahe am Gipfel des Berges, im Volksmunde auch als»Parapluie-Berg« bekannt, ist eine der interessantesten 235 Kuppe», und neuestens durch einen wohlgebahnten, sehr angenehmen Pfad bequem zugängig gemacht, wodurch er sich erst von nun an eines allgemeineren Besuches zu erfreuen haben wird. Don Vertholdsdorf führen mehrere Wege deu kahlen Abhang hinauf; sie bedürfen keiner näheren Bezeichnung, da man frei aussehend, die zusagende Richtung selbst wählen wird. Allein diese Seite ist ziemlich steil, und den direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt. In jeder Hinsicht vorzuziehen ist daher der erst im Jahre 18Z6 angelegte Pfad, welcher gleich hinter dem freundlichen neuen Wirthshause»in der Grünau«(S. 222) im Kaltenleutgebener Thals beginnend, immer im kühlen Schatten fort, und mäßig steil in einer halben Stunde bis auf den Gipfel führt. Die Aussicht, welcher man hier entgegen geht, ist überraschend schön. Eine bunte Landkarte zu den Füßen ausgebreitet, liegt die schone Ebene von Wien, mit all den lieblichen Orten und Parks, Straßen und Alleen, welche jene unter einander und mit der Residenzstadt selbst verbinden, die man hier in ihrer ganzen imposante» Ausdehnung überschaut. Die großartigen Parkanlagen des kaiserlichen Schonbrunn und Laxen- burg, die Gärten von Erla und Kalksburg— Brunn, En- zersdorf, das alterthümliche Vertholdsdorf, geben freundliche Ruhepunkte. Überaus reizend ist der Hinblick auf die romantische Brühler Gegend mit ihren Ruinen und Tempeln. Das»runde Thal« überschaut man in seiner ganzen lieblichen Ausdehnung. Der gewaltige Annin- ger beherrscht diese reizenden Partien. Zwischen ihm und dem eisernen Thore ragt der Schneeberg kühn hervor. Weiter rechts schließt sich das Hochcck und der Unterberg 236 an.— Gerade in Westen, tief zu den Füßen, liegt das Thal von Kaltenleutgeben in seinem friedlichen Reize prangend; darüber ragt eine malerische Gruppe ferner Gipfel, darunter der Staffkogel hervor, und über dem Rothen- brand der Hollerberg und der Schöpfet. Den Lichtenstein- schen Tempel auf seinem waldesgrünen Hügel(S. 228) erblickt man tief unter sich. Jenseits schauen die Dächer des rothen Stadl aus grünen Bäumen hervor, strecken sich die Thäler von Laab und Breitenfurt nach Nord und West hin. Im Genusse dieses herrlichen Bildes wird man es gewiß Dank wissen, daß dieser interessante Punkt nun auch auf eine so bequeme Weise, und von dem schönste» Theile des Kaltenleutgebener Thales zugangig gemacht wurde. Von hier aus wird man auch am füglichsten den Besuch der Ruinen von Kammerstein bewerkstelligen können, welche nordöstlich auf einem Vorhangs des Zöhrenberges im dunklen Walde einsam trauernd liegen— ein wüster, gcstrüppüberwachsener Trümmerhaufen, aus dem nur mehr eine einzelne Wand mit Fensteröffnung emporragt. Schwindelnd schaut man in die'Tiefe hinunter, und im scharfen Kontraste mit dem Wildreize dieser ernsten Stelle irdischer Vergänglichkeit liegt das Thal von Kaltenleutgeben voll reger Thätigkeit zu Füßen! Otto IH. vonBertholdsdorfsch 1286), Ka m merer in Österreich(siehe S.>yo), hat sich diese Burg erbaut, deren Name mit der Würde ihres Erbauers wohl kaum ohne Zusammenhang seyn dürfte. Hier feierte er während der Regierung Otkokars in Österreich, vom öffentlichen Leben 23? zurückgezogen, bis ihn des Habsburgers kräftiges Walten zu neuen Thaten rief. Bald nach Ottos Tode, im Jahre 1290 wurde die Burg in dem Aufstande der Ministerialen wider K. Albrecht l. zerstört, und liegt seitdem in Trümmern. Um>487 brachten die Bruder Johann und Sig- mund Grafen v. Pösing unter andern auch die»abgebrochene Beste Kammerstein« an sich*). Die Bewohner dieser Gegend wissen noch immer viel von nächtlichem Geisterspuk in diesen Ruinen zu erzählen. Der Forst, in welchem diese kärglichen Burgtrümmer liegen, heißt noch der»Kammersteiner Wald«; durch eine wildromantische Schlucht führt ein schlechter Weg durch dichten Wald in das Kaltenleutgebener Thal hinunter. Zwischen dem Föhren- und dem großen Sattelberge(dessen nicht ganz mühelose Ersteigung durch dichtes Gestrippe sich nicht lohnt, da die bei weitem bequemer zugängliche Fernsicht von der erstgenannten Kuppe viel sreierist) trifft man den wvhlbetretenen sogenannten»langen Weg«, der über den Rücken des»langen Berges« in einem lieblichen Wechsel von freundlichen Wälder» mit überraschend schönen Fernsichten nach N e u w e g führt, einem ganz unbedeutenden, in einem engen Thalkessel gelegenen, seit unvordenklicher Zeit zur Herrschaft Wildegg unterthänigen Örtchen, mit nur 4 Hütten und 24 ») Kammerstein wurde oft mit dem Schlosse in Bcrtholdsdorf verwechselt; und namentlich in Schweickharts Topographie ii. z-y ist die Geschichte dieser beiden Schlösser arg in einander verwirrt. 2Z8 Seelen. Hier entspringt der Sparbach, der die beide,, Teiche im Liechtenstein'schen Garten von Johannstein bewässert, und endlich in den Medlingerbach mündet. Auf der Brandwiese, oberhalb dieser Häusergruppe, genießt man einer herrlichen Aussicht gegen die österreichische Hochgcbirgswelt. Am Eingänge in das Örtchen, an einem über den Sparbach leitenden Stege, findet man einen Pfad, der über die Höhe durch einen schönen Wald nach Wildegg führt; eben dahin kann man aber auch auf dem»langen Wege« fortschreitend gelangen, wenn man, anstatt an dem Baume mit einem Heiligenbilde in das Neuweger Thal hinab zu steigen, dasselbe auf der Höhe umgeht, und endlich bei einem rothen Kreuze, wo das Schloß zwischen dem lichten Walde bereits hervorschimmert, links sich wendend, darauf kosgeht. Dem Laufe des Sparbaches folgend, gelangt man durch ein enges, schattiges Thal zum Hinterpförtchen von dem Johannsteiner Parke, worüber weiter unten wird berichtet werden. 14. Srunn am Gebirge. (2 Stunden.) Oberhalb der Teufelsmühle bei einem Ziegelofen, der mit seinen zugehörigen Häuschen beinahe schon ein kleines Örtchen bildet, lenkt von der italienischen Poststraße bei einem rothen Kreuze ein eben nicht sehr guter Fahrweg zur Rechten feldeinwarts, wo man dann, an einigen stehenden Wässern vorüber, Brunn bald erreicht. F ü rFußgehe r führen jedoch nähere Wege dahin. Entweder verläßt man bei der Spinnerin am Kreuze die Poststraße und geht über den Steinhof, dann, die Laxen» burger und Erlaer Allee durchschneidend, über den durch sein vortreffliches Gebraude vormals weitberühmten Sch eile n h o f dahin, oder betritt— zumal wenn man den Spa- ziergang von der Hundsthurmer Linie aus beginnt— zwischen Erlaa und Azgersdorf den Fußsteig, der an einer durch allerlei ritterthümliche Spielereien verunstalteten Leimsiederei vorbei, über die Felder, durch die stattliche, >7y> erbaute Spe i ch m ühle(mit einem sehr freundlichen, ausgedehnten, auch einen Weinberg umschließenden Garten), aber immer ohne Schatten nach Brunn leitet. 2m frühen Morgen hat jedoch auch dieser Weg einen eigenthümlichen Reiz. Von Bertholdsdorf aus führt beim sogenannten Hal- 240 terhause und dem Türkenkreuze*), wo man, zurücksehend, den uralten Markt in einem wirklich imposanten Bilde erblickt, vorüber, ein mittelmäßig bestellter Fahrweg zwischen Weingärten in>o Minuten nach Brunn, welches man an einer malerischen Partie durch das alte Marktthor*») betritt. Brunn ist ein ansehnlicher Markt mit Häusern und 1280 Einwohnern. Das in der Umgegend so segensreich gedeihende Nebengewächse ist die Quelle eines ziemlichen Wohlstandes der dortigen Einwohner. Doch scheint der Ort einst in noch größerer Blüthe gewesen zn seyn, wie die vielen aus früheren Zeiten noch bestehenden Frei- höfe zu diesem Schlüsse berechtigen- Noch heut zu Tage findet man hier eine größere Anzahl stattlicher Gebäude, als in irgend einem Orte um Wien. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit läßt sich das Daseyn des Ortes bis in das rate Jahrhundert verfolgen. Herren von Brunn(Prunnen, Prunn) werden seit jener Zeit häufig in Urkunden genannt; und wenn es gleich keinem Zweifel unterliegen dürfte, daß einige derselben aufdieses Brunn Bezug haben, so wäre es doch sehr gewagt. Alle hierher beziehen zu wollen, da es in Niederösterreich über ein Dutzend Orte dieses Namens gibt. Schon m-s erscheint >6!'.z soll hier ein türkischer Pascha erschossen, und zum Andenken dieszLrK u z gesetzt worden seyn i l? ") Die übrigen drei Marktthore ließ Fürst Poniatowsky im Jahre>8o» niederreißen, und aus dem so gewonnenen Ma- teriale den neuen Psarrhof bauen. 241 ein Anselm, zwischen den Jahren>2ic> i2so bis Heinrich, auch Truchseß genannt(ob dieses aber mehre Heinriche, und diese wieder demselben Geschlechte entsprossen?— bedürfte wohl noch einer kritischeren Untersuchung), Sifrid, Heinrichs Sohn, Marschall von Medling 1220 bis>22^ Ruher und Otto um>253, Hebrant und seine Söhne Peter und Engelbrecht i3cho, endlich Gerold noch >370. 121Ü wird der Kirche zu Brunn zuerst erwähnt- Die Türkeneinfälle 1S29 und>683, die gewaltsamen Reaktionen zur Zeit der Reformation(>5s4—1882), die Pest (»633—iü34), Feuersbrünste(1682 und 12. Oktober»82s), endlich die feindlichen Invasionen von>8oS und 1809 übten betrübende Einflüsse auf den Markt. Einst zur Grafschaft Medling gehörig, bildet Brunn seit langer Zeit einen Bestandtheil der Herrschaft Liechtenstein. Die Kirche, ein altdeutsches, durch spätere Zubauten vielfach entstelltes Gebäude, steht auf einem freieren Plahe, so ziemlich in der Mitte des Marktes. 1827 wurde das ältere Gotteshaus vergrößert, und zu Ehren der heil. Kunigunde eingeweiht. 1S22 ging eine abermalige Um- staltung vor sich. Der hohe, auf vier gewaltigen Pfeilern ruhende Thurm, welcher an der Rückseite der damaligen Kirche stand, wurde bei dieser Gelegenheit, seiner Schwere wegen, bis auf einen Theil abgetragen, und durch einen leichteren Aufsah ergänzt, dann ein neuer Chor(Presby- terium) über einem alten Kacner dergestalt hinausgerückt, daß der Thurm über der Mitte der Kirche zu stehen kam. Nach der Zerstörung durch die Türken>683 wurde erst >722 an die Wiederherstellung der Kirche Hand angelegt, Schmidt s Wiens Umg. m, ,, und dieselbe am 3o. September 173Z eingeweihr. Seit iS56 ist sie eine eigene Pfarre. Das Äußere der Kirche tragt, wie erwähnt, das Gepräge vielfacher Umstaltungen. Ein Theil des alten Friedhofes umgibt die Kirche auf der nördlichen Seite, wie mit einem Gärtchen- An der Kirchenmauer befinden sich mehre Grabsteine, darunter der einer Gräfin Katharina von Saurau(ch 3.Okt. 1790), dann jene zweier hochverdienter Staatsbeamten, namentlich des geheimen Raths und Landrechts- Vice- Präsidenten Franz Bernhard Edl. v. Keeß(geb.>>. Nov. 1720.-h 3o. Dez. 1790), und seines Sohnes Franz Georg(geb. 11. Jänner 1747, -^6. Aug. 1799), Justizhofrath, Truchseß und Landstand, eines um die österreichische Legislativ» vielfach verdienten Mannes, dessen Verdienste um das Vaterland sein Sohn Stephan Ritter v. Leeß—durch sein erfolgreiches Wirken für das österreichische Fabriks- und Gewerbswesen rühmlichst bekannt, dermal Direktor des technischen Kabi- nets des Kaisers— auf eine würdige Weise fortseht. An der entgegengesetzten Seite der. Kirche springt eine zierliche Eingangshalle mit kleinen Spitzbogenthürmchen und geschmeivig verschlungenen Gewolbgurten vor. Hier ist der Grabstein eines am 8. Jänner i6/,S verstorbenen Pfarrers, Namens Johann Edl. v. Wöltschauer, und an einem Schlußsteine die Jahreszahl 1S19 eingemeißelt. An der äußeren Kirchenwand findet man ein altes Skulptnrwerk, einen Ölberg mit der Aufschrift: Lardara ILtlelnnni i Irat clisen ölpong lssen maclien clen»ot gnacl 1022. Das Innere der Kirche überrascht durch die zierliche 243 Gurtenverzweigung am Gewölbe. Das Schiff mit niederen, also schon dadurch die Vermuthung eines höheren Alters begründenden Abseiten, von freistehenden Pfeilern(wovon jene, welche den Thurm tragen, massiver sind) gestützt, ist der ältere Theil. In dem ziemlich tiefen und, wie oben erwähnt, neueren Chöre, erinnern zwei eingemauerte Steine mit Inschriften und Wappen an die, durch reiche Spenden um die Kirche wohlverdienten Grafen Vasgnez und Per las de Pinos, namentlich den Grafen Johann, Ritter des Jakobsordens und der Vierundzwanzig von Granada, dann die Gräfin Maria Jgnazia(im yosten Lebensjahre ch>721). Ober dem ersteren ist ein auf Leinwand gemaltes Votivbild von, Grafen Joseph Vasquez de Pinos(1721). Das am Hochaltars befindliche Vesperbild(die sieben Schmerzen Mariens) hat Prinz Don Emanuel von Portugal aus Granada mitgebracht und 1735 der Kirche verehrt. An einem Pfeiler ist ein Grabstein mit kaum mehr zu entziffernder Inschrift aus dem 16. Jahrhunderte eingemauert. Die Kirche besitzt eine sehenswerthe große Monstranz« von Silber, mit, den altdeutschen nachgeahmten, zierlichen Formen. 1Ü22 ward sie von dem Marktcichter Qber- fellner und drei Geschwornen dargebracht; ihrer Schönheit wegen blieb sie auch von der Silbereinschmelzung verschont, ein Schicksal, welches das übrige, insbesondere von den Grafen Vasquez de Pinos und dem Prinzen Don Emanuel von Portugal verehrte silberne Kirchenge- rathe nicht theilte. Wegen der Besichtigung der Monstranz« hat man sich an den Herrn Pfarrer zu wenden. Vor der Kirche steht ein Brunnen, der sein vortrcss- liches Gebirgswasser in ein weites, von zwei großen eisernen Reifen umfangenes Steinbecken ergießt. In der Nähe ist das Gasthaus in einem massiven, alten Gebäude; gegenüber liegt der neu gebaute Melkeczehenthof (Nr."4). Die breite und sehr nette Straße, welche von Ber- tholdsdorf hereinführt, mit einer Reihe von wirklich stattlichen Gebäuden, würde so mancher-Prvvinzialstadt zur Zierde gereichen. Überdieß wurde im Jahre>836 das Bette des durchfließenden Krottenbaches ausgemauert, an den Uferrändern mit Wasen belegt, mit Bäumen bepflanzt, und an den Häusern ein bequemes Trottoir angelegt. Mehre gemauerte Brücken verbinden die beiden einander gegenüberliegenden Häuserzeilen. Gleich am Eingänge in diese Gasse fällt ein freistehendes Gebäude mit einem Thurme auf. Es gehört zum Gemeindehause und dient zur Wach terwohnung, und als Feuerlöschrequisiten-Depot. Vor demselben befindet sich ein zweites Bassin. Überhaupt ist Brunn sehr quellenreich. Es befinden sich hier nicht weniger als neun artesische Brunnen, darunter 3 Springqucl- len, deren eine in 24 Stunden 4»3 Eimer bringt. Das Gemeindehaus, ein altes Gebäude, war der, vom Marktrichter Leopold Gattinger>899 der Gemeinde erblich überlassene Gattingerhof. Das Haus Nr.>4 heißt der Bründlh 0 f, dessen massiver Thurm einst ein Wild- schüßengcfängniß war. Die in der Nähe gelegene Hochs- mann'sche Villa hat einen schonen Garten. Auf der rechten Seite dieser Straße trifft man (Nr. S8) das schone Herrschastshaus, den sogenannten Thurmhof, im vorigen Jahrhunderte die Wohnung 245 der, mit Kaiser Karl VI. aus Spanien gekommenen Grafen von Vasque; und Perlas de Piuos, später der Herrn von Keeß, Held und des Fürsten Ponia- towsky, dermal das Amtsgebäude der Herrschaft »Beste Liechtenstein, Burg Medling und Johannstein.» Die hier bestandene Barbarakapelle ist nun— eine Küche. Darauf folgt Nr. Z4 der K i r ch h a m m e r h o f, einst im Besitze der Herrn v. Lvbenwein und Baron Knorr, zuletzt eine Wollenspinnerei des Herrn Moritz von Dauber, die nun nicht mehr besteht. Am oberen Ende der Gasse befindet sich in dem ehemaligen Sauer- und Kemeterhofe (vom l)r. Allmayr v. Altstern erbaut und dem Grafen v. Saurau verkauft) das Brauhaus, mit ausgedehnten Lokalitäten und sehr werkthätigem Betriebe. Noch verdient das Held'sche Haus mit Rondellen, am Ausgange des Marktes gegen Bectholdsdorf(Nr 35), und der Michaelerhof(Nr. 46) erwähnt zu werden. In der gegen Enzersdorf liegenden Gasse befindet sich das Ortsspital, in dem sogenannten Musterhofe, einst ein Eigen des baierischen Benediktinerklosters Oberaltaich. Die erste Stiftung des Spitals, ursprünglich nur für arme Bürger bestimmt, fällt in das Jahr'47^; milde Beiträge haben den Fond bedeutend gemehrt. Eben da werden nun auch die armen Weinzierl verpflegt, welche vorher in den>7>3 außer dem Orte erbauten ekelhaften Lazarethen, von jeder weiteren Hilfe entblößt, untergebracht worden waren. Am besuchtesten ist Brunn wohl zur Lesezeit, wo hier ein eigenes munteres Treiben herrscht. Das hiesige Gewächse'gehört zur besseren Sorte, und vor Zeiten betrug die jährliche Fechsung oft 60 bis 70,000 Dreiling. Das ältere Gemeindesiegel, bis in die neueste Zeit, in Ermanglung eines eigenen, als Psarrsiegel verwendet, zeigt, das Bild der heil. Kunigunde und die Umschrift: Sigillum civium in Lrunn. L». 1Z75. 15. Einersdorf am Gebirge. Stunden.) Enzersdorf, auch Maria-Enzersdorf, ist mit Brunn beinahe in Eins verschmolzen; nur ein schmaler Weingarten scheidet die beiden Orte von einander. Unter den 102(von 790 Seelen bewohnten) Häusern, welche hier eine lange Hauptgasse und ein Paar kleinere Nebengassen bilden, befinden sich einige ansehnliche neuere Gebäude, auch mehre alte Häuser mit Zinnen und Scharten ober den Thoren. Der Weinbau ist auch hier die vorzüglichste Erwerbsquelle. Als Engelschalesdorf wird es von 121Ü bis W48 häufig in Urkunden genannt. Enzersdorf hatte ein Schloß, das heutige Liechtenstein, welches, damals»Beste Enzersdorf« genannt, erst nachdem Albrecht!. 1291 Qtto'n von Liechtenstein-Murau damit belehnt hatte, den Namen Beste Liechtenstein erhielt. Seitdem theilt Enzersdorf mit dem letzteren Schlosse seine Besitzer und Schicksale. Schon in der Mitte des iStcn Jahrhunderts hatte das Dorf eine eigene Kirche zu Ehren des heil. Johannes geweiht, welche aber dem noch vorhandenen Schnepfcn- hofe gegenüber stand;>829 von den Türken zerstört, wurde sie wohl wieder aufgebaut, endlich aber, 1787 abgebrannt. 248 vollends niedergebrochen und das Material« zum Baue des heutigen Kirchenthurmes verwendet. DasFranziskanerklo ster mit seiner sehr besuchten Wallfahrtskirche»Maria Heil der Kranken« liegt so ziemlich in der Mitte des Ortes. Schon Ulrich v. Cilly, Bescher des Schlosses Liechtenstein, hatte>4S4 Schritte g«. than. um den reformirteu Franziskanern hier ein Ordenskloster zu errichten; Ritter Johann Holobarzy, Cilly's Nachfolger im Besitze von Liechtenstein, verfolgte dieses Projekt. Allein auch er starb, als der Bau eben beginnen lollte(1466). Durch freiwillige Gaben namhafter Art wurde das lang beschlossene Werk begonnen, und 147s endlich Kloster und Kirche vollendet. Beide mit dem Orte wurden aber-Sag von den Türken wieder zerstört, die Einwohner verjagt, und die Zurückgebliebenen, darunter zwei Ordensbrüder, ermordet. Die Armuth der Gemeinde und die Fortschritte der Reformation hatten endlich die Aufhebung des Klosters zur Folge, dessen Brandstätte einige Jahre leer stand, dann aber von K. Ferdinand l. dem Edelknaben- Hofmeister Don Diego v. Sarava eingeräumt, 1Z42 bis>54ü von Letzterem bewohntwurde. Sein edler Antrag, den Franziskanern das Klostergebäude wieder überlassen zu wollen, blieb jedoch bei der geringen Aussicht auf den weiteren Lebensunterhalt ohne Folge, und die sehr geschmälerten Einkünfte des Klosters wurden zum Besten des Kaiserspitales in Wien verwendet. Erst der religiöse Sinn Ferdinand des H. beschloß die Wiedereinführung der Franziskaner in Enzersdorf, denen endlich, nach einem mehr alkx^undertjährigen Jwischenraume, im August i bZa das Kloster durch kaiserl. Kommissäre übergeben wurde. Sogleich wurde zur Wiederherstellung des Klosters und der Kirche Hand angelegt, welche am 22. September ,64, vom Wiener Bischöfe Friedrich Grafen Breuner eingeweiht wurde. Augustin Freiherr v. Khevenhnller vergrößerte die Kirche ib53 durch den Zubau der heutigen Jo- sephskapclle. Mit aufopferndem Feuereifer wirkten die Franziskaner bei der 1679 ausgcbrochenen Pest.>683, bei Gelegenheit des zweiten Tnrkeneinfalles, wurde das Kloster abermal in Brand gesteckt, und der zurückgebliebene Laienbruder und Koch, Gutbert Lenz, von den Barbaren gräßlich niedergemacht. Nach dem Abzüge der Feinde machten aber reiche Spenden die schleunige Wiederherstellung der Kirche und des Klosters möglich. Erstere wurde am>>. Juli 1726 konsekrirt, und in demselben Jahre der Vordertrakt des bereits sehr schadhaften Klostergebändes abgebrochen und in seiner jetzigen Gestalt aufgebaut. Die>730 aufgestellte Marienstalue ward bald ein Gegenstand allgemeiner Verehrung, und blieb es, unter dem Namen Maria Heil derKranken, bis auf unsere Tage. 1784 wurde die Kirche zur Pfarre erhoben. Kirche und Kloster, beide durchaus neueren Styles, bieten wenig Interessantes; die Kirche ist ziemlich geräumig, sie enthält den Hochaltar—mit dem verehrten Marienbilde, dem durch Freiherrn v. Penklec 1779 errichteten Tabernakel, und einem mittelmäßigen Bilde der, zur Glorie der Seligen entschwebenden heil. Magdalena von J.Höfel (1820)— dann den Antoni- und Franzisci-Altar, endlich die erwähnte Josephskapelle mit der freiherrlich von Khcvenhüller'schen Familiengruft. Der Klostergang um- schließt euren kleinen Gartenraum. In einer Nische unter Gitter erblickt man einen Schedel mit einem tief in die Hirnschale eingedrungenen Hiebmahle, und einer zweiten eben so tiefen Spaltung am Hinterkopfe. Es rst der Kopf des von den Türken ermordeten Laienbruders Lenz; eine Steinplatte darunter enthält folgende Inschrift: »Hier ruhet in Gott Joh. Guttberts Lenz, Ordens «St. Franzißci Seyen und Convent Koch, so den>3. July «>683 von denen Türkhen Tartaren nach vill empfange- «nen wunden euthaubtet und allhier, wo er nach derWie- »nerischen Belagerung gefunden ist alta begraben worden.« Der Konventgarten ist ziemlich groß, von einem durch- fließenden Büchlein bewässert. Hier befand sich noch vor einigen Jahrzehenden ein aus dem Oriente hierher verpflanzter und lange Zeit sehr fruchtbarer Valsambaum. Auf der Seite des Klosters, jedoch mehr gegen Med- ling hin, liegt der alte Schnepfen Hof, von seinem Eigenthümer Schnepf v. Schnepfen«» so benannt, nach ihm im Besitze der Benediktincrinnen auf dem Nounberge zu Salzburg, dermal ein Eigen des pens. k. k.HosratheS und n. ö. Staatsgüteradministrators Ferdinand v. M oser. Der hier wohnende Wächter bewahrt die Schlüssel zum Friedhofe. Diesem Hofe gegenüber eine kleine gemauerte Kapelle mit dem geschnitzten Bilde der heil- Dreieinigkeit, bezeichnet die Stelle, wo die alte Johanneskapelle stand. Enzersdorf hat noch mehre stattliche Gebäude; darunter in einer Nebengasse gegen Liechtenstein hin den, nach dem Türkeneinfalle im Jahre>663 vom Abte Klemens unähnlich vergrößerten Heiligenkreuzerhof mit einem 251 Garten, und weiter gegen Medling zu das früher gräflich Neipperg'sche, nun gräflich Almäsy'schc Landhaus, ein ansehnliches Gebäude mit einer Uhr am Fronton, und zwe' vorspringenden Seitentrakten, in deren einem sich die schöne, 176Ü von dem damaligen Besitzer, Herrn v.Patuzzi erbaute Kapelle befindet. Daran schließt sich ein ausgedehnter Garten mit reizenden Partien. Die elegante Villa des rühmlich bekannten Professors und kaiserl. Leibzahnarztes Dr. Georg Carabelli Edl- v. Lunkaspric, mit seiner freundlichen, in seltenem Blu- menreichthume prangenden Gartenanlage liegt am Ausgange des Ortes gegen Medling hin. Der Fried Hof befindet sich eine kleine Strecke außerhalb des Ortes, und birgt so manche theure Asche. Das vom Baron Penkler, einem früheren Besitzer von Liechtenstein, seinem Freunde, dem berühmten Astronomen Max Hell, errichtete Monument trägt folgende sehr gelungene Inschrift: L»o s!tu» esr Als». Hell. HunA. 8oksmll!tr» 8oe. äum!IIa sseesrüor kk!I. v. xvm. e-l. Ll-i. Liveexen. !a xseo. 7os. le. L. keokler»m!eo xoralt- 252 An der enkgegengeseßten Seite findet man das Grabmal des Redemtoristen-Generalvicars Klemens Maria Hofbauer(geb. 26. Dez.>731, ch>5. März 182»). An der Seite seines innigst vertrauten Freundes Hofbauer ruhet Zacharias Werner. Ein aufrecht stehendes Kreuz und eine zu Füßen liegende Lyra deuten auf den Priester und Sänger. Die Grabschrift lautet wie folgt: »Friede. LuLw. Zach. Werner, geb- zu Königsberg in Preußen »den ,8. Nov.>7b8, zu Rom zum allein wahren allgemeinen »Daterglauben zurückgekehrt den ,9. April>!!>>, gest. zu Wien »den>7. 2änner>8-3. »Gott sey dem armen Sünder gnädig. »Wanderer bitte gütigst für seine arme Seele- Wie so ganz jeder Poesie ledig diese Grabschrift eines Mannes, der im Leben von jener Hinnnelstochter so tief durchdrungen war!— Noch trifft man das schöne Monument für den Großprior des Johanniter- Ordens und Kom- thur der Kommende St. Johann in Wien, Karl Vinzenz Hieronymus Grafen Neipperg(geb. 3o. Sept. 1767, ch»st.Juni>835), und die Grabdenkmale einer Elise von Ta 11 nend 0 rf(ch 28. Juni 1827), der Theresia Freifrau v. Münch-Bellinghausen(geb-:5- August 1788. ch 22. Juli 1610), und ihrer Tochter Theresia(geb. 20. Juli r8r>6, ch 2.September 1826), des Justizhofrathes Jacob Heinrich(geb. zu Präg 8. Juli 1768, ch 27. Juni 1827), des Freiherr» von Riefel, kaiserl-Reichshofrathes(geb. 2y. Sept. 1788, ch 9. Dez.>8a3) und seiner Gattin Dorothea, gebornen v- Dallmnller(geb. 22. Aug. 1762, 253 -j> ir.Aug. i834), desHofcathes AdamMüller Ritters v- Nitterdorf(geb 3o.Juni>779,^>7. Jänner>829), endlich die Men g ers h au se n'schen und P i la t'schen Familien- Grabstätten. Von Enzersdorf führt ein Weg an einem alten Steinkreuze von>491 vorüber durch Weingarten nach Liechtenstein, und von da—und zwar von Wien aus am allernächsten— in den Hinteren Brühl, oder mehr rechts über den P erlh 0 f auf den G i ß h ü b e l, einem auf einer ziemlichen Anhöhe gelegenen Dörfchen mit 64 Häusern und 34» Einwohnern, welches erst seit 1S92 entstand, nachdem der damalige Besitzer von Liechtenstein und Medling, Anton Pögl, diesen Hügel zu Baustellen Hintangegeben hatte. Die Kirche, um 1750 an der Stelle einer kleinen Kapelle erbaut, hat am Hochaltare ein Bild der heil. Dreieinigkeit, in mehreren Schriften irriger Weise als ein Werk I. Hofels angegeben. So gesund auch die Luft für die Eingebornen ist, so wäre sie doch für Nichtgewohnte viel zu rauh, um hier Sommerwohnungen zu wählen, wozu die freie Aussicht und die übrigen Annehmlichkeiten der Gegend etwa anlocken könnten. Ein Jedem fühlbarer Übelstand ist aber die schlechte Kommunikation von diesem Berge herab, namentlich bei anhaltendem Negenwetter, oder zur Winterszeit; ein Umstand, der auch die Seelsorgc(seit 1783 ist Gißhübel von der Mutterkirche zu Medling getrennt, und eine selbstständige Lokalkaplanei) äußerst beschwerlich macht. Mangel an Was- ser war nsch vor kurzem ein eben so empfindlicher Gebrechen. Nun aber geben drei artesische Brunnen vortreffliches Trinkwasser. Sehr angenehme Pfade leiten von hier aus nach Kal- tenleutgeben(S. 227) über den Hundskogel in den Hin- terbrühl, in das Wassergespreng und zum»nackten Zotten.« 16. Markt und Surg MedUng; die Mäuse, (2>/. Stunden.) Medling*) mit seiner romantischen Umgebung ist längst ein gefeierter Stern in der reizenden Umgebung von Wien; und wenn auch die allgemeine Neigung, zurückgeschreckt durch die größere Entfernung von Wien, wie durch die reizlose Fahrt dahin auf einer staubigen Poststraße, in neuester Zeit für diese Partien weniger enthusiastisch eingenommen zu seyn scheint, als dieß früher der Fall war, so vereinigt diese Gegend d och Vorzüge, worin sie von keiner anderen überboten wird. Im überraschenden Kontraste mit den Laubwäldern der übrigen Wiener- Gegend vermöchten die pittoresken Kalkfelsen der Klause allein diesen Vorzug zu begründen, gäbe es nicht noch hundert andere Punkte, jenen Ehrenplatz würdig und unbestritten zu behaupten. Der genießende Naturfreund— mag er auch immer eingeüehen, daß die verschönernde Kunst hier ihr Maß bereits überschritten— segnet dankbar das Angedenken des theuren Fürsten, dessen schöpferische Hand aus starren Massen hier einen Naturpark hcr- ') vr.JohannSarenk: Geschichte und Topographie des l. f. Marktes MöLling und feiner reizenden Umgebungen. S. Wien >8,7. Rezensirt in Hormayrs Archiv für>8,7. S.»7b, s- f-: Georg Krendl: Der Badeort Möd'ing und seine Umgebungen.>r. Wien>827. verzauberte, den der Wiener seine Heimath nennen zu dürfen, stolz ist.— Den Archäologen entzückt eine namhafte Anzahl von Denkmalen seltener Art— wenn auch durch eine übelverstandene Neuerungssucht nicht mehr unverfälscht; den Historiker grüßen reiche Erinnerungen aus einer Vorzeit, die in ihrem kräftigen, nachhaltenden Walten schon frühest in diese Berge gedrungen; der Genealoge nennt viele der edelsten Geschlechter, die hier gehaust, gewirkt und— vergangen. Die eigenthümliche Formation der Berge im Innern, wie ihre äußere Gestaltung, eröffnen dem Gcognosten ein reiches, weites Feld; dem Botaniker nicht minder als dem Entomologen sind diese Berge gefeierte Stätten reicher und seltener Funde.— Die ephemere Modewelt findet nun bei den zwei Raben auch einen eleganten— sürSt rau ß'sche Neunionen berechneten Tanzsaal; ja auch die tändelnde Phantasie gcfühlsweicher Seelen lullt sich an den Ruinen und Ruin- chsn— den Denkmalen einer wirklichen und künstlichen Vergangenheit— in eine Welt von Romantik, wofür kaum eine zweite Gegend so mannigfache Berührungspunkte bieten durfte. Und wirklich muß man zugeben, daß diese Höhen und Thäler von einer Art poetischem Hauche durchdrungen sind, der auch auf ernste, oder im farblosen Alltagstreiben erkaltete Gemüther einen wohlthuenden Einfluß übt. Die Fahrstraße, welche von Wien aus in diese reizenden Partie» führt, ist sehr monoton; über eine sonnige Ebene, in Wolken von Staub und von Steinkohlengualm dampfender Ziegelöfen, durch den Hinblick auf die entfernteren Berge und Orte kaum entschädigt, hat man auf 25? der sPoststraße eine ziemliche Strecke zurückzulegen, bis man endlich vor Neudorf auf einer rechts ablenkenden Seitenstraße, deren dünne Baumanpflanzung erst der Nachwelt Schatten geben wird, den alten l. f. Markt Medling erreicht. Von Brunn gelangt man, an einem gemauerten Kreuze mit der Inschrift:»Sag Gott dem Herrn Lob undDankh, »daß Raab wieder kommen in der Christen Händen 9. Marty »im 1Z98.« vorüber, in einer Viertelstunde nach Medling. Der Markt Medling ist einer der ansehnlichsten des Landes*). Unter den 288 Häusern(mit 28,0 Bewohnern) befinden sich mitunter recht stattliche Gebäude, und wenn man den Markt von einem der nahen Hohenpunkte in seiner ganzen Ausdehnung überschaut, so wird man begreifen, warum sich die guten Medlinger so gerne mit Phantasten von einer künftigen Stadt Medling tragen. Medling ist auch einer der sogenannten mitleidenden Märkte, als welchem ihm das Recht zukommt, sich auf dem Landtage durch einen Depu- tirten rcpräsentiren zu lassen. Die Geschichte des Marktes und der Burg Medling sind in inniger Verbindung mit einander. Das Daseyn des Ortes(M e d elikke, bis in das ,5. Jahrh, vor- ») Die Karte»der Umgebungen von MöLling und der Brühl« gestochen von K Stein,>8-Z bei Armbruste: erschienen, und alle nur möglichen Details enthaltend, ist der sicherste Führer in und um Medling, Liechtenstein und Brühl; sie ist in noch gröberem Maßstabe ausgeführt, als das beigefügte Kärtchen der Brühlcr und Badener Gegend. 2Z8 nehmlich Medlich genannt) läßt sich mit Gewißheit bis zu den ersten Jährendes raten Jahrhunderts verfolgen. Die Nähe der Fürstenburg mochte auch auf den Ort bald fördernden Einfluß genommen haben; ja um n8c> erscheint sogar ein Hainricuz, prokoctus rmbiUVIoclolicoiisis, Pfleger der Stadt Medling! Von den Drangsalen des unseligen Zwischenreiches blieb auch Medling nicht verschont; 1282 ward es von den Ungern und Kumanen unter Bela erstürmt, angezündet, und 1Z00 Menschen, welche sich in die Kirche geflüchtet hatten, verbrannt, oder durch den Rauch erstickt. Nur langsam konnte sich der Ort von diesem Schlage erholt haben. Nun ging die Sorge der Landesfürsten dahin, das Emporblühcn desselben kräftigst zu unterstühen. K. Albrecht l. nahm Medling wider die unbefugte Einhebung von Steuern in seinen unmittelbaren Schuh; unter dessen Söhnen Friedrich dem Schönen und Albrecht Ick. wurde Medling zum Markte erhoben, und mit verschiedenen Privilegien ausgestattet; von Albrecht III. erhielt es neben mehren Freiheiten im Jahre>36a auch das Recht, ein neues Rathhaus(Schranne) bauen zu dürfen, und das für das eigene Erzeugniß günstige Verbot der Einfuhr fremder Weine.>412 nahmen die Herzoge Ernst und Friedrich den Markt gegen fernere Unbilden in Schuß. Die traurigen Judenverfolgungen machten auch Medling zum Schauplätze empörender Gräuelthaten, und viele Jsraeliten gaben sich in Medling, wie in Bertholds- dorf, freiwillig den Tod(i-f^r)- Kaiser Friedrich IV. bestätigte die bereits erhaltenen Privilegien, und gab dem Markte ein eigenes Wappen(den österr. Bindenschild und den steierischen Panther, welchen im 17km Jahrhunderte 25 9 das doppelte A beigefügt wurde). In dem Bruderzwiste zwischen K. Friedrich IV. und Albrecht Vl. hielt es Med- ling ohne Wanken mit dem Kaiser. brandschatzte Johann Korvin Medling. Von den rebellischen Söldnern, welche ganz Unterösterreich durchplünderten, wurden in der Gegend des Wienerberges(>463) bei Hauer theils getodtet, theils nach Medling geführt, dort in einem Keller übereinander geschichtet, und nach gleichzeitigen Aussagen gepreßt und gemartert»daß es Gott im Himmel mochte erbarmt haben.« 1829 brachte der erste Türken- cinfall Verderben über den Markt; auch die Privilegiums- urkunden wurden damals ein Raub der Flammen,>849 aber durch Ferdinand I. wieder erneuert. K. Mathias ließ dem Markte i6>3 eine namhafte Gebietsvergrößerung angedeihen. Der zweite Türkeneinfall(>683) erneuerte die Gräuel. Die ersten Angriffe der Feinde scheiterten an der entschlossenen Gegenwehr der Bürger; endlich auch in ihrem letzten Zufluchtsorte, dem verschanzten Kirchhofe, nicht mehr sicher, waren sie gezwungen zu kapitulircn; der treubrüchige Feind schleppte aber die rüstigen Männer in die Sklaverei, todtste die andern, plünderte den Markt aus und steckte ihn in Brand. Durch steiermarkische Kolonisten bevölkert, erhob sich der Markt nur mühsam aus seinen Ruinen. Zur Zeit des Ausbruches der Pest im Jahre>718 hatte Medling schon 169 Häuser, nur 20 Personen fielen der Seuche als Opfer. Wenn auch in den feindlichen Invasionen>8oSuud>809 hart mitgenommen, blieb Medling doch von jeder Plünderung verschont. Wenn man, von der Poststraße Neudorf ablenkend, nach Medling gelangt, so trifft man nach einer kleinen Strecke den Fried Hof des Marktes. In der Mitte stand einst das älteste Gotteshaus von Medling, die St. Martinskirche, welche schon,>>3 bestand, unter den Babenbergern bereits Pfarre, und ihrer reichen Zehenten wegen die große Pfarrkirche in Österreich genannt war, mehrmal renovirt und seit ,683 Ruine, endlich>787, zur Raumgewinnung für den Leichenhof, gänzlich abgetragen worden ist. Sie war nach Merians Abbildung nicht eben groß, und hatte an der Stirnseite einen kleinen viereckigen Thurm mit einem Giebeldache. Noch heut zu Tage erinnert die am Thorbogen des Lei- chcnhofes angebrachte rothe Steintafel mit der Inschrift: »2m Jahre-5S- hat Richter und Rath diese Kirche sammt »Thurm rcnoviren lassen«. an ihr einstiges Daseyn. Den Schlüssel zumFriedh 0 fe erhalt man in einem der ersten Häuschen Medlings Nr. 264. Niemand unter- lasse den Besuch. In einer Ecke zur Rechten erblickt man eine gemauerte Kapelle, von einem kleinen Gartenraume umschlossen. Es ist die Grabstätte der im Jahre i8,y verstorbenen Gräfin Sophie Warze mont— unter dem Namen der»guten Gräfin« bei den Bewohnern dieser Gegend noch im rührenden Angedenken— und ihres Gatten, des Grafen Alexander von Warzen,ont(sf>821). Durch ein Gitter und eine Glasthüre schaut man in das Innere der Kapelle*), worin ein treffliches Gemälde von dem, leider zu früh verblichenen vaterländischen Künstler Johann Scheffer Ritter von Leonartshof(geb. 17--S, ») Der Herr Pfarrer bewahrt die Schlüssel dazu- 261 -j-ir.Jänner 1822) prangt. Die Breite des Bildes ist b, seine Höhe S Schuh. Die zwölf Hauptfiguren sind fast durchaus wohlgetroffene Porträts. Ein Trauergerüste mit den Initialen k.(Friederike), v.(Dorothea) und 8.(Sophia) ist dem Andenken der verstorbenen Herzogin von Würtemberg, bei welcher die Gräfin Pallastdame war, ge- weiht. In der Mitte erblickt man die gute Gräfin, und neben ihr die, ihren Gefühlen befreundete, nun verwitt- wete Fürstin Josephine Liechtenstein, umgeben von dank- gerührken Nothleidenden. In der linken Ecke, im Halb- profile sichtbar, sitzt der Graf, in der Hand ein Schreibbuch mit den Worten r»Oeuvres äo inisericorcle.« Zwei Blumen aus den Lüften streuende Engel deuten auf die früh verstorbenen Kinder des gräflichen Gattenpaares. Entfernter schaut man die alte Beste Liechtenstein, darüber mit einem Lorbecrkcanze einen Aar, dem die Jungen nachziehen, und weiter die Stadt Wien. Unten liest man: Ritter v. Scheffer aus Dankbarkeit, keelr>8>y. An einer Seitenwand, unter Glas und Rahmen, hängt eine, von Runke lithographirte Abbildung dieses Gemäldes. Darunter steht ein Stuhl und der Bcthschem- mel, auf welchem der Graf so oft seinen tiefen Schmerz um die früher hinübergegangene, unvergeßliche Gartin durch fromme Erbauung erleichtert, bis er im Tode baldige Wiedervereinigung fand! Mit tiefer Wehmuth weilt man an der Asche zweier liebender Gatten, deren wohlthätiges Wirken bei den Rückgebliebenen noch in dankbarem Angedenken lebt,— an dem Bilde eines Künstlers, den ein hartes Schicksal den schönsten Hoffnungen viel zu früh entriß! 262 Außerdem findet man noch in diesem Friedhofe die Ruhestätten des Buchhändlers und Schriftstellers Michael Schmidt(geb. 28. Aug. 1772, ch 16. März>832), des geheimen Rathes und staatsräthlichen Sektiouschefs, auch Stephansordensritters, Leopold Ritters v. Plenicz(geb. 2S.De;. 1749, ch>4>Juni>83»), desReichshofrathsagcn- ten Ludwig v. Alt(geb. 24. Jänner 1744, ch>7-4dkt. 1800), der Hofschauspielerin Anna Schuß(geb.>3. Okt. »7Z7, ch 14. April-83o), endlich dicStainer v.Fels- burg'sche und die Konopa falsche Familiengrabstätte. Vor dem Friedhofe gegen die Straße hin unter kühlem Schatten ist ein Brunnenhaus mit Ruhesitzen umgeben. Eine wirklich rührende Inschrift daran lautet wie folgt t »Dem Landmann, der des Tages Hitze getragen, dem müden »Wanderer, dem frommen Pilger nach Maria Zoll, dem Berlaffe- »nen, der hier das Unersetzliche beweint, widmete Liesen Ruhe- »platz, diese Quelle, diese Schatten, die gute Gräfin. »Sophie Gräfin». Wargemont, geb- Baronne v- Domsdorff. »Den ,5. May>8-g- »Vethet für sie und segnet sie.« Eins zweite Schrifttafel darunter enthält die Wörter »Obiger menschenfreundlicher Widmung der guten Gräfin, seiner »innigst geliebten Gattin, so wie dem eigenen Hang zum Wohlthun entsprechend— hat Lndw. Alex. Graf v- Wargemont dieses »gemeinnützige Denkmal und die anliegende Kapelle, seine und »der Gattin Ruhestätte errichten lassen. »Er starb den 8. März>8->. »Bethet für beide und segnet siel. An der entgegengesetzten Seite liest man Stellen vomSt- Paulus und Matthäus. Man betritt den Markt durch die Wienergasse. Das Wiener Marktthor, welches hier einst den Eingang bildete. ist, wie der größte Theil der Umfangsmaucrn des Marktes, längst abgebrochen.— Zur Linken trifft man eine sehr alte Steinsäule, deren ziemlich rohe Bauformen mindestens au/ das vierzehnte Jahrhundert deuten. In neuerer Zeit wurde sie mehrmals— überweißet! Auch daran hastet eine jener Steintafelu, welche nach der Beendigung des dreißigjährigen Krieges allenthalben angebracht wurden, mit der Inschrift: lbob kreis und Osncli^dcm kri- densgott, dor vns iisr gtvllrtLus dor liriogsnotli. ,65s. Zur Linken durch das Melkerhofgäßchen gelangt man zu dem Melkerstiftshofe, einem ziemlich großen Wirth- schaftsgebäude, in dessen Kapelle längst kein Gottesdienst mehr abgehalten wird. Das Stift Melk ist schon seit 1273 im Besitze eines Hofes in Medling. Jenseits des Medlingerbaches stand das alte Eisenthor. Weiter oben zur Rechten das Gebäude Nr. 2g ist ein stattlicher Landsitz, früher das Schauspielhaus, nun ein Eigenthum des berühmten Entomologen Herrn Ernst Heeger, pens. Magistratsbeamten. Im Innern äußerst elegant eingerichtet, enthält es einen sehr schönen und geräumigen Gesellschaftssaal. Die hier aufbewahrte Jnsektensammlung, eine der bedeutendsten und alle Klassen der europäischen Insekten umfassend, wird Liebhabern bereitwillig gezeigt. Der Besitzer dieser Villa hat in einiger Entfernung gegen Enzersdorf hin auf einer sonnigen Feldstrccke neuerlichst eine zweite gebaut. Man befindet sich hier am Anfange der Kloster- gasse, so genannt von einem, im Jahrs ib3> von Job. 264 Freiherr» v. Verdenberg, geheimen Rathe K> Ferdinand des II. gegründeten, 178S wieder aufgehobenen Kapuzinerkloster mit einer kleinen Kirche, welches späterhin in eine chemische Bleichfabrik des Großhändlers Giaeomo Calliano umgestaltet wurde. Bevor man auf den großen Drcifaltigkeitsplatz hinaustritt, fällt zur Linken das sogenannte»Hafnerhaus« Nr. 76, mit seinen beiden Erkern auf; es ist ein altes Gebäude, dessen Hofraum von freien Steingallerien umschlossen wird. Der Plaß selbst hat ein nicht unfreudliches Ansehen. Das Hirschen Wirthshaus ist unter den mittelmäßigen Gasthäusern Medlings eines der besseren. Der schwarze Adler liegt am Ausgange der Klostergasse gegen den Hauptplatz, welchen außer dem Bassin eine ziemlich große Dreifaltigkeit-säule ziert, die zum Danke für die Schonung bei der Pest>7>3 errichtet, durch eine eigene Stiftung unterhalten wird- An schonen Sonn-und Feiertagen ist hier eine ordentliche Wagenburg aufgefahren; aber an Werktagen, zumal im Frühjahre und Herbste, wäre so mancher von weiteren Exkursionen etwas später in Medling eintreffende Wanderer oft sehr zufrieden, hier noch eines jener luftigen Fahrzeuge zu finden, um nicht entweder übernachten zu müssen, oder den willkürlichen Forderungen der Fuhrwerksinhaber in die Hände zu fallen. Denn nur im Hochsommer geht noch um 7 Uhr Abends ein Gesellschaftswagen nach Wien ab. Rechts führt eine Nebengasse nach Euzersdorf. Der Dreifaltigkeitsplatz ist mit dem Nathhausplatze durch ein ziemlich schmales Gäßchen, die»Herzogsgasse« verbunden. Zur Rechten fällt ein altes Haus mit drei Wappenschildern(der vsterr. Bindenschild, ein zwei- köpfiger schwarzer Adler, und ein roth und weiß geschachteter Schild) auf. Es ist dieß der sogenannte Herzogs. Hof, einst landessürstliches Eigenthum. Der Rath Haus platz ist ziemlich regelmäßig, das Rath Haus selbst ein altes Gebäude, mit Laubengängen und einem Thurme, worauf eine Uhr, das Wappen von Medling und die Jahreszahl 1S48. Vor demselben plätschert ein Springbrunnen mit einem Neptun, neben welchem ein grüner Weidenbaum treibt. Mehre freundliche Häuschen, darunter ein Kaffeehaus, und das alte, massive Gemeindehaus, bilden den Platz, wo es, namentlich zur Marktzcit, immer sehr lebhaft ist. Links an der ziemlich großen Kaserne(1762 vom Kardinal Migazzy als ein Priester-Exerzitien-Haus erbaut, spater der Gemeinde überlassen, und seinem derma- ligen Zwecke gewidmet) vorüber, durch die Holzgasse mit artigen Häusern, worunter ein zweites Kaffeehaus, dann die nette Apotheke, gelangt man zu einem Mauth- schranken und zur alten, dem heil. Ägidius geweihten Spitalkirche. Die Zeit ihrer Erbauung ist nicht bekannt, die alten wohlerhaltenen Vauformen aber dürften das Gebäude immerhin in das vierzehnte Jahrhundert zurücksetzen. Ehrwürdig ist das Äußere dieses Gotteshauses, mit seinen Strebepfeilern, hohen, zierlich gefüllten Spitzbogenfenstern, und dem kleinen Steinthürmchen. Nicht minder ansprechend ist das Innere, wennauch eine unwillkommene Neuerungssucht die Wände übertüncht hat. Ohne Abseiten stützt sich das hohe, sehr dünne Gewölbe mit sin- Echuüdl's Wiens Unigeb. lll. ,, 266 rüg verflochtenen Rippen unmittelbar auf die Hauptmauern. Ausgezeichnet ist die Steinmeßarbeit an derGal- lerie des Musikchores, an den Fensterrosen und dem Stie- genthurme. Das Bild des, aus dem Kapuzinerkloster hierher übertragenen Hochaltares stellt die Himmelfahrt Mariens vor. Außerdem sind die Wände fast ganz kahl; unter dem Musikchore findet man die auf Holz gemalten Grabtafeln des Bürgers und Rathes Franz Gueth (-j- 24. Feb. ,S8S), dann des Medlinger Bürgers und Wagners, Andre Neifner(t-583), und seiner Gattin Dorothea. Noch wird hier täglich Gottesdienst abgehalten. Die Schlüssel zur Kirche erhält man in der Apotheke zum heil. Othmar in der Holzgasse. Unmittelbar an die Kirche stößt das Armenhaus, einst eine Herberge für Pilger nach dem heil. Grabe, und wahrscheinlich seit Ende des vierzehnten Jahrhunderts seiner dermaligen Bestimmung gewidmet. Verfolgt man die Richtung der Holzgasse, so gelangt man an mehren sehr alten Häusern vorüber zu dem alten Neustädterthore, dem einzigen, noch übrig gebliebenen Marktthore- Von hier aus führt der Weg über den Eichkogel nach Gumpoltskirchen.— Rechts von der Spitalkirche gelangt man geradezu in die Klause. Dem Rathhause zur Rechten, führt eine Gasse in gerader Richtung zur imposanten Othmarskirche hinaus. Am Ende derselben steht rechts das nette Bad Haus an dem Platze der früheren Schießstätte*). Der Zufall ließ im ») vr. Sarenk's Abhandlung über die Mödlinger Mineralquelle- s- Wien,L-> bei Grund. 267 Jahre>8,5 den Büchsenmeister Bauer, welchen damals den etwas seichten Brunnen in seinem nenerbauten Hause vertiefen ließ, diese eisen- und schwefelhaltige Mineralquelle entdecken, welche sich bisher gegen gichtische, rheumatische, puerperale, podagraische, hämocrhoidale, skro- phulöse und Leberleiden sehr wirksam erprobte. Auch als Trinkkur wird die Quelle insbesondere wider Verhärtungen mit gutem Erfolge angewendet. Das Etablissement ist nett und gefällig; mit dem Badhause steht eine Traite- rie in Verbindung. Der schöne Badhausgarten liegt etwas höher und gewährt schöne Aussichtspunkte.— An das Badhaus stößt das neue Schauspielhaus; es wurde erst im Jahre>83ü in nicht ganz ungefälliger Form erbaut, und hat nebst dem Parterre 2 Gallerien. Gerade vor sich hat man die große St. Oth m acs- kirche auf ihrem Hügel thronend; ein gewaltiges Gebäude, welches von außen seine ursprünglichen Vaufor- men beinahe vollkommen beibehalten hat. Sie ist von einer Mauer mit Schußscharten eingeschlossen, zum Theil mit einem Graben umgeben, über welchen eine gemauerte Brücke in den Vorraum der Kirche führt, welcher einst der Friedhof war. Seit mehren Jahren sind daraus die letzten freistehenden eisernen Kreuze verschwunden, welche an diese frühere Bestimmung mahnten. In diesem Raume hielten sich unter K. Friedrich IV. die Räuber verschanzt und übten schaudervolle Gräuel, hier wehrten sich die bedrängten Bewohner gegen die belagernden Türken.— DieKirchs selbst steht ringsum frei. Gewaltige Strebepfeiler treten an den nackten Sleinwänden hervor. Besonders mächtig sind sene an der Außenseite des HintertheileS, zwischen welchen >2* breiteSpihbogenfenster zierliche Nosenfüllungen zeigen. Der Hanpteingang befindet sich an der Südseite der Kirche. In der vorspringenden Eingangshalle findet man ober der Thüre eine Steinkafel mit folgender Inschrift: »Nach Christi gepvrd tavsend vierhvndert vnd in dem vier vnd »fvnfzigisten jare an mantag nach sand pangratzen tag des heilig »Niartrer ist angelegt worden der erst stain des gegcnbartig»ewen Diese Inschrift seht die Zeit der Erbauung des gegenwärtigen Gotteshauses(also-484 begonnen) außer allen Zweifel, und der Styl trägt ganz das Gepräge jener Zeit. Da von einem neuen Baue die Rede ist, so ist auch die Folgerung auf eine früher hier gestandene Kirche ganz konsequent. Daß aber das dermalige Gebäude gerade über einer älteren und, wie man so gerne annimmt, über der heutigen unterirdischen Kirche erbaut wurde, folgt daraus noch gar nicht; vielmehr gibt es Gründe, welche dieser bisherigen Annahme geradezu widersprechen. Wie würden es unsere Vorfahren, die im scharfen Blicke, wie an strenger Sorge für die Konsistenz ihrer Bauten uns so weit voraus waren, gewagt haben, einen so gewaltigen Bau, wie die dermalige Othmarskirche ist, auf den Grund eines alten, bereits ruinirten Gebäudes zu stellen. Ferner wie kam diese angeblich älteste Kirche so tief unter der Erde zu liegen? Es mußte entweder erst künstlich ein Hügel zusammengetragen worden seyn, oder— wie, lächerlich genug, schon behauptet wurde— die Berggewässer haben nach und nach so viele Erdtheile abgeseht— bis um das alte Gotteshaus jener Hügel erwuchs!?— Oder war die heutige unterirdische Kirche schon die Unterkirche jenes -früheren Gotteshauses?— Alle diese losen Hypothesen widerlegt die Anschauung an Ort und Stelle selbst aufs Bestimmteste. Die dermalige Unterkirche ist durchaus nicht älter, als die Emporkirche selbst; der Baustyl und die ganze Anlage stimmen genau mit einer Grundfeste der heutigen Othmarskirche überein. Das Gewölbe ist hoch, läuft in Spitzbogen zusammen, hat an der unteren Eingangshalle zierlichen altdeutschen Thürm- chenschmuck— kurz ist gerade so, wie ein Gebäude nicht aussehen dürfte, welches auch nur um Ein Jahrhundert alter seyn sollte, als die heutige Othmarskirche. Hiernach ist wohl von selbst klar, was von den hier aufgefundenen Templergräbern zu halten sey! Immerhin mögen solche unterirdischeKirchen zu Krypten— gewiß in den Tagen der Noth auch als Zufluchtsorte für die bedrängten Einwohner gedient haben, um so mehr, als es bekannt ist, was insbesondere hier durch die noch vorhandene Ringmauer bestätiget wird, daß die Kirchen(deßwegen so oft von gewaltigen Vertheidigungsmauern umfangen) bei Belagerungen nicht nur Mittel einer geistigen, sondern auch der physischen Existenz waren.— Ein Theil dieser Unterkirche wird dermal als Kellerraum benützt. Wann die ältere Kirche, an deren Stelle die heutige Pfarrkirche steht, erbaut wurde, hat man bisher nicht ermittelt. Daß sie eben jene Kirche war, in welcher im Jahre>262 die i5oo Einwohner durch die Ungern und Kumanen ums Leben kamen, hat aber viele Vermuthung für sich, denn in der Klosterneuburger Kronik ist zur näheren Bezeichnung der Kirche, in welcher dieser Gräuel vor sich ging, ausdrücklich angeführt: Lcclesia guae est 270 /oro, worunter die Martinskirche nicht wohl gemeint seyn konnte. Möglich, daß sie nach jenem Brands(12S2) nicht mehr aufgebaut wurde. Ein damaliger Pfarrer vonMed- ling, Johannes Hinderbach, war des Äneas Sylvius Pic- colomini Nachfolger in K. Friedrichs des IV. Kabinett, der Piccolomiuis Geschichtswerk fortsetzte und endlich Bischof von Trient ward. Auf K- Friedrichs IV. Verwendung wurde die Pfarrkirche(wahrscheinlich schon die damals neue Othmarskirche) von seinem fast vierhun- dertjährigen Patrone, dem Stifte Melk, losgerissen und der Pfründe des Domdechants in Wien einverleibt, welcher die Pfarre im Falle der Erledigung in Besitz nehmen, die Einkünfte für sich verwenden, und die Seelsorger durch Vicare(jedoch»ü nutui» sinovikilos) versehen lassen sollte. Der erste Dechant, welcher diese Pfarre übernahm, war Wenzeslaus, Herzog von Troppau, Kanonikus zu Brcslau, Qllmütz und Wien, s->4y3, dessen bisher verkannter Grabstein noch in der Othmarskirche eingemauert ist. 1829 wurde die Kirche in Brand gesteckt, und lag über hundert und sechzig Jahre als offene Ruine dem Zerstören der Elemente preis gegeben. In diesem Zustande finden wir sie bei Merian in seinem vortrefflichen Bilde von Medling aufbehalten. Die Vorgänge des Neformationseifers und die Votschkay'schen Räubereien vereitelten die begonnene Wiederherstellung nicht minder, als die Verwirrungen beim Ausbruche der Pest im Jahrs 1679, und vorzüglich der zweite Türkeneinfall von rb83. Erst'Ü90 stand die Kirche wieder vollendet da. Das Innere derselben, leider durch die unselige Neuerungssucht verunstaltet, erregt Staunen durch seine 271 majestätische Höhe. Zweimal fünf freistehende, achteckige» mit Stäben und Schmiegen maskirte, Lotosblättern ähnliche Knäufe tragende Pfeiler stützen das hohe Gewölbe, welches an den beiden Abseiten mit dem Mittelschiffe gleiche Höhe hat. An einem Pfeiler befindet sich ein altes Sakra- mentshäuschen, an einem zweiten die Jahreszahl istyy.— Der Hochaltar, mit dem Bilde des heil. Othmars, Abtes von St. Gallen, welcher gebunden vor seinen Richtern der Märtirerkrone entgegensieht, ist eine Stiftung der Kaiserin M. Theresia. Man liest oben die Aufschrift: I12N0 IPS3M PrinoiPsm 3,310, HU3I» Deo o. Ät. ia memorisni 8. OILILNI Al-iria Hicrssi» Nok. LrdUäucis-a xosLit, ciirlsloxll. Vi-nn. Lrcl>i°r. 8»csrck. Lollsziiim rot--lu-> LI-LUnzoll-:, :3>o wurde der Altar abermals restaurirt- Die 7 Sei- tenaltäre,>6y3 größtentheils wieder hergestellt und mit neuen Altarblättern versehen, haben den heil. Johannes den Täufer, den heil. Sebastian, den Apostel Thomas, den heil. Johann von Nepomuk, die heil. Familie, die heil. Jungfrau als Hilfe der Christen, und das heil. Abendmahl als Gegenstände der Darstellungen. Jeder einzelne dieser Altäre ist mit der, wohl überflüssigen Aufschrift: Vnnm o» septom altaridug versehen, mehre tragen Chronostichen, so der Sebastiansaltar eines vom Jahre>699, jener des heil. Johann von Nepomuk von>728, in welchem Jahre dieser Altar durch die königl. böhm. Hofkanzlei errichtet wurde.— Der Mu- stkchor mit den Jahreszahlen>328 und 1690, hat folgendes, auf die Herstellung der Orgel im Jahre 17-7 durch 272 de>, Wiener Orgelmacher Franz Christoph, deutendes Chronostichon: I^VOrsrV». zl^iIsslÄlVs. I». o»o^i,Is. rVsIs. drn^nls. In der Kirche findet man eine Anzahl Grabsteine, leider! theils durch die Kirchenstühle verstellt, theils ganz ausgetreten; darunter jenen des Pfarrers Konrad ch>§24, in der Kreuzkapelle den des Kämmerers Baron Weiß ch>S8y, endlich jenen mit der Inschrift: llosnnes 8nicins 6snonirus regul. kremanstrst. xrokassus in inonasto- rio Orackicli>3-sZ vbiit Iiio oxul. Vor Allem aber merkwürdig ist der an der linken Kir- chenwand aufrecht eingemauerte Grabstein, welcher bis zur Stunde allen bisherigen Topographen ein nicht zu lösendes Räthsel war. Von einigen sogar für das Grab Ja- somirgotks oder Heinrich des älteren von Medling gehalten, von anderen wohl bestritten, doch nicht erkannt, ist es der Grabstein des bereits S. 270 erwähnten Kanonikers Wenzeslanz, Herzogs von Troppau, ch 1493. Die Umschrift, wenn auch mühsam zu entziffern, doch nicht unleserlich, wie bisher behauptet wurde, widerlegt alle künstlichen Hypothesen. Mit Sicherheit erkennt man noch folgende Worte: änno öl. ,698. I'odrvsr!! vkür kle Muslr-. p738, ch 20.N0V. 1796).. An derselben Seite führt eine Pforte in die unterirdische Kirche, deren bereits oben gedacht wurde(S. 268 u. 269). Im Süden der Kirche ganz freisteht die uralte Pan- taleonskapelle, eine jener merkwürdigen Rotunden altsächsischen(byzantinischen) Styles, welche dem Archäologen eine so interessante Erscheinung sind. Das Gesimse besteht zuoberst aus mehren wagececht über einander liegenden Stäben mit Hohlkehlen, an welche sich dann eine Reihe abwärts gekehrter, zungenähnlichcr Bogen schmiegt, in deren gekröpften Zwischenräumen allenthalben aus einem Knopfe drei lilienähnliche Blätter sich abwärts neigen- Die runden Halbsäulen, welche sich über die ganze Höhe hin erstrecken, haben zierliche Blätterknäufe; die Füße bilden einfache Würfel. Gegen Westen befindet sich die halbrunde Vorlage, welche zur eigentlichen Funktion bestimmt war. Ober dem Eingänge erblickt man ein altes Stein- basrelief von sehr roher Arbeit. Es zeigt einen Reiter, der ein drachenähnliches Ungeheuer mit Krallenfüßen ver- 274 folgt. ES soll einen Gevrgsritter vorstellen- Zum Unglücke für diese Annahme ist aber dieser Orden erst in dem lehten Deccnnium des i/jten Jahrhunderts gestiftet worden, während die Kapelle, mit welcher jenes Skulptur- werk kaum zu bezweifeln, gleichzeitig ist, wohl um mindestens zwei Jahrhunderte älter seyn dürfte. Für eine Abbildung des heil. Georg selbst mag es immerhin gelten können. Tief unten einen noch sichtbaren Karner(Beinhaus) bergend, war die Kapelle vordem, wie die meisten ähnlichen Bauten, mit einem kegelförmigen Steindache gedeckt, wie wir dieß noch heut zu Tage an den Rotunden zu Burgschleinih, FriederSbach V. O- M. B. u. s. w. finden. Merians Abbildung zeigt uns auch die Pantaleons- kapcllc also- Im vorigen Jahrhunderte wurde auf diese sächsische Kapelle, störend genug, ein Aufsah mit einem Zwicbeldache gesetzt und als Glockenthurm benützt. Hinter der Kirche steht ein großes hölzernes Kreuz. Am Abhänge des Wartberges zeigen sich die Ruinen der alten, wahrscheinlich durch die Türken zerstörten Pfarrei. Aus der Umfangsmauer der Kirche gelangt man durch das enge, recht alterthümliche Pfarrgäßchen, in welchem eine malerische Klosterruine vor ungefähr einem Jahczehent verschwunden ist, gegen die Spitalkirche hinab. Der Medlingerbach seht mehre Mühlen in Bewegung. Außerdem befinden sich in Medling 4 Druckfabriken, deren eine gegen Neudorf hin eine kleine Strecke vom Markte entfernt liegt.— Am Mcdlinger Wildbache, über welchen einige leichte Stege führen, trifft man recht malerische Partien mit freundlichen Gruppen von Kastanien- bäumen und Flicderstauden. Sommerparteicn finden in 275 Medling eins Anzahl netter und verhältnißmaßig billiger Wohnungen aller Art. Ein längeres Weilen daselbst gehört zu den angenehmsten Erholungen für Körper und Gemüth; und kein Landaufenthalt um Wien freut sich einer solchen Mannigfaltigkeit von reizenden Partien, als man sie hier findet. Man muß jedoch dieser Gegend eine längere Zeit ganz angehören wollen. Eine stete Verbindung mit der Residenz, wie z. B- von Hietzing, Döbling aus, wird natürlich bei der größeren Entfernung nicht wohl möglich seyn; ein Umstand, dem namentlich die näheren Punkte um Wien in der neuesten Zeit ihr so rasches Emporblü- hen verdanken, während Medling und der Brühl von dem größeren Publikum nur auf Ausflügen für einen Tag, aber da noch immer sehr häufig besucht werden. Im Herbste, zur Zeit der Studienferien, wo mehren Familien ein längeres Fernseyn von Wien leichter möglich wird, mehrt sich jedoch die Anzahl bleibender Gäste auch hier bedeutend, und das muntere Treiben zur Zeit der Weinlese bringt dann ein ganz eigenes, heiteres Leben in diese Gegend! Die Klause. Bei der Spitalkirche vorüber leitet die Straße zwischen netten Häuschen, welche durch das Klausenthor(dessen letzte Überbleibsel vor ungefähr 20 Jahren verschwanden) zum Markte Medling einbezogen waren, in das romantische Thal der Klause. Zu beiden Seiten pittoreske Mas- sen starrer Kalkfelsen, durch das saftige Grün der aus ihren Ritzen wuchernden Föhren belebt, umschließen in kühnen Formen ein Thal, an dessen Reizen man sich nicht 276 genug sättigen kann. Eine schroffe Felswand hart an dem Markte Medling ist unter dem Namen des Jungfern- sprunges bekannt. Als die Türken in zahllosen Schwärmen und mit schonungsloser Wuth herandrängten, soll sich hier ein heldenmüthiges Mädchen, den freiwilligen Tod der Schmach durch die wüsten Verfolger vorziehend, in die Tiefe hinuntergestürzt haben! Neben lieblichen Pfaden rinnt der Medlinger Altbach durch das Thal, und die dicht umlaubte Brücke, über welche man ihn zuerst überschreitet, ist ein ungemein reizendes Plätzchen. Von hier aus führt am felsigen Abhänge desMaaberges ein wohlgebahnterPfad, mit freundlichen Steinsitzen an den schönsten Stellen zum bequemen Genusse ladend, im wundersamen Reize durch das Thal. Jenseits des Baches, kühn unter die abfallenden Kalkfelsen des Kalender bcrges hingebaut, liegen die wirthlichen Häuschen derKlause. Es sind deren über 3c>, mit einem Seelenstande von 22c» Personen. Gegen die Burg Medling zu, an der Stelle, wo sich das Thal wieder etwas erweitert, liegt das freundliche, 1826 in seiner jetzigen Gestalt aufgebaute Wirthshaus zum Jordan (von dem Zunamen des Gastgebers so genannt). Das schattige Gärtchen am andern Ufer des Baches, im Anblicke der herrlichen Klause und der Burg Medling ist eines der angenehmsten Plätze für die Mittagsrestauration, und die Bedienung, welche man hier trifft, sehr gut und billig. Dem Wirthshause gerade gegenüber strebt eine malerische Felsenpartie hervor, an deren Fuße klares Gewässer spielt; hoch oben führt(seit>827) eine kühn gespannte Brücke bis auf die äußerste Riffe, von wo aus man einer der rei- 27? zendsten Aussichten über das romantische Klausenthal genießt. Über die pittoresken Felsmassen schaut das hohe Dach der Othmarskirche und die Pantalcouskapelle ins Thal herein. Von unten hinaufgesehen, wollen geschäftige Phantasien in der zufälligen Formation des obersten Felsstückes das Brustbild K. Josephs II. erblicken. Wirklich findet man mehre Stellen(um Eine zu bezeichnen: die äußerste Spitze des Jordangärtcheus gegen die Burg Medling hin, hart am Rande des Baches), wo man mit einiger Einbildungskraft die Konturen eines Brustbildes, wenn auch eben nicht die Silhouette des theuren Kaisers, herausfinden mag. Gerade vor sich sieht man eine freundliche Mühle, in deren nettes Gärtchen man von dem Pfade, der sich am Fuße des Medlinger Burgberges hcrumwin- det, hinunter schaut. Jur Linken sehen die ernsten Trümmer der alten Herzogsburg, leider durch den unförmlichen Jnbau zur modernen Ruine verzwittert, ins Thal herab. Die Burg Medling. Ein gebahnter Weg führt zu den ehrwürdigen Ruinen der Burg hinan, an welche sich theure Erinnerungen an den heldenmnthigen Herrscherstamm der Babenberger knüpfen. Noch zu Wischers Zeiten eine imposante Ruine, blieben unseren Tagen nur spärliche Trümmer übrig; eine einzige hohe Wand strebt noch kühn empor, ein Zeichen der gesunkenen Größe. Nicht wilder Feinde unbändige Zerstvrungssucht haben diese Burg, eine der merkwürdigsten des Landes, bis auf ihre letzten Reste zerstört; die undankbaren Enkel eben jener Ahnen, deren Existenz nur 273 durch den Schutz dieser Vurg gesichert war, haben sich daran versündiget, und nach Bedarf zum Baue ihrer Hütten— das Gestein der alten Herzogsburg den Berg heruntergewälzt,.bis endlich, leider zu spät, dem Unfugs Einhalt gethan ward. Das(1812) mitunkritischer Willkür aufgeführte Poligon, im Sinne des modernen, nengothi- schen Styles ausgemalt und möblirt, wirkt natürlich eher störend auf das Gemüth, als es dem Gebildeten irgend ein Interesse zu erregen vermöchte. Die reizende Aussicht allein kann jene unhistorische Berührung vergessen machen. Der alte Hauptwsg zu der Burg ging von Medling durch das Nensiedlerthor über die» g 0 ldene Stiege,« deren letzten Reste(nach Weidmann) zu Ende des vorigen Jahrhunderts um>20 st. an einen Braumeister veräußert wurden, der eben Quadersteine brauchte. Die Geschichte der Burg*), an deren Trümmern wir nun trauernd stehen, reicht in die frühesten Zeiten der Kultur unseres Vaterlandes zurück, und ihr Entstehen wird mit Wahrscheinlichkeit in jene Zeit gesetzt, wo K. Heinrich ll. die Besitzungen des Markgrafen Heinrich I- durch die Strecke Landes zwischen der Liesing, Triesting und dem Dürren» bache vermehrte. Leopold der Schöne räumte seinem Bruder Hadsrich Medling mit ansehnlichen Gütern ein, und von nun an blieb die Grafschaft Medling eine Babenbrr- ')(Bergenstamm) Versuch einer Lcdensgeschichte des ersten Herzogs in Österreich, Heinrich 11. Jasomirgott, und Nachrichten von der Burg Medelich(Medling) s. Wien>S,g. ------ 279 ger Apanage. Nach Haderichs Tode(um ii>D gingen dessen Besitzungen an seine beiden Söhne Rapoto und Heim rich(Gründer des Klosters Kleinmariazell) über. Sie scheinen jedoch diesen Wohnsitz bald mit der von ihrem Vater, wo nicht gar gegründeten, doch mindestens erweiterten Stadt Schwarzcnburg vertauscht zu haben, denn sie ließen Medling durch Kastelane verwalten(11,4—1126). Schon i>36 erscheint Heinrich Jasomirgott als Herr von Medling, und hier trieb er das muntere Waidwerk, bis ihn die Erwählung seines Bruders Leopold zum Baiern- herzoge zu ernsterem Wirken rief(nJg). Als er Wien zu seiner Residenz erkoren, wurde Medling abermals durch Kastelane verwaltet. Als solcher erscheint 1161 Rapoto von Kuenring. Nach seinem Tode(1177) ging die Apanage (»under dem gebirg«) an seinen zweitgebornen Sohn Heinrich über. Er wird Heinrich der ältere v 0 nMed- ling genannt, und führte den Titel: llenriciis cls Zlo-Ilico cle, gratiae ick sum. Er zog gegen die Mährer und Böhmen aus, ging später nach Palästina, und nach dem Tode seiner Gattin(Naiza, einer böhmischen Königstochter; die alten Kronisten nennen sie eine»seuberlich« guetige« Fürstin, ch»182) ließ er Medling durch Ministerialen verwalke». Er starb 122Z, und ruht bei seiner geliebten Gattin zu Heiligenkreuz. Ihm folgte sein Sohn Heinrichder jüngere auf Medling*). Er wird als ein schmucker Jüngling(sxociosiis xrincoxs) gerühmt, hielt >) Er wurde oft mit Heinrich dem Grausamen(Sohn Leopolds»N r,) verwechselt, der ganz irriger Weise ebenfalls Herr von Medling genannt wird. 280 zu Medling Hof, und lebte hier der Jägerlust(»dem waz wol mit aller waidmannschafta). Er starb>282. Der letzte Babenberger, Friedrich der Streitbare, hielt sich öfter hier auf, und während fast ganz Österreich von ihm abgefallen war, harrte Meeting treu bei ihm aus. Nach seinem zu frühen Tode sehte sich Gertrud, des grausamen Heinrichs Tochter, in den Besitz der Grafschaft Medling. Bald mußte sie fliehen, vergebens noch immer den Titel vom Besitze Medlings führend. Die Ungern und Kuma- nen eroberten die Burg und steckten sie in Brand(>282). Nachdem Gertrud ihren Ansprüchen auf die Grafschaft zn Gunsten Ottokars entsagt, wurde sie von Bela entschädigt. Unter den ersten Habsburgern wurde die Burg wahrscheinlich wieder aufgebaut, und die Grafschaft durch Kastellane verwaltet(Bernard Hanso so», 1819.). Herzog Leopold, die»Blume des Ritterthumes,» und Albrecht ll. weilten öfters auf der Burg. Nudolph der Stifter ließ 1862 das Gefolge des gedcmüthigten Patriarchen von Aquileja, welches heimliche Flucht aus Wien beabsichtigte, im Medlingec Schlosse unter strenge Aufsicht stellen. Von Albrecht V. an die Herzogs von Österreich, Friedrich und Sigmund, verpfändet(>439), blieb sie dann bei der steierm. österr. Linie. Der damalige Burggraf von Medling, Namens Stickelberg, anfangs Friedrichen IV. treue Ergebenheit heuchelnd, und gegen des letztern Feinde kampfbereit, führte aus seiner sicheren Burg bald planmäßigen Krieg gegen alle Reisenden im Wienerwalde. Nach Albrecht des VI. Tode fiel sie an K- Friedrich IV., der 1^77 aus Furcht vor den umherstreifenden Ungarn allen Wein 281 und die übrigen Vorräthe aus der Burg in Sicherheit bringen ließ; ein Beweis, daß Medling bereits aufgehört hatte, gewaltig zu seyn. Wirklich fiel es bald darauf nach kurzem Widerstände in Korvins Hände(>477)- Der noch in demselben Jahre eingegangene Friede brachte eS zwar unter österreichischen Zepter zurück, aber schon>485 hatte sich Korvin das zweite Mal Medlings bemächtiget, und erst Maxi. brachte es wieder an sein Haus. Hierauf an Georg Rottal Freih. von Thalberg, dann an die Diet- richsteine verpfändet, wurde es>Say sammt der alten, dem heil. Pankcaz geweihten Burgkapelle von den Türken in Asche gelegt. Um>544 wieder zum Theile aufgebaut, verschrieb sie Ferdinand l. mit der Herrschaft dem Sig- mund Grafen v. Lodron auf Lebenszeit, welcher die bereits begonnenen Bauten fortsetzte, denen aber schon>SS6 eine Feuersbrunst neues Verderben brachte.>558 kaufte die Burg der k. k. Hofrath Anton Freiherr v- PLgl um sZ.roo fl., und vereinigte sie mit Liechtenstein. Noch heut zu Tage nennt sich die Herrschaft: Burg Medling und Beste Liechtenstein. 1607 bemächtigte sich Botschkay der Burg, und plünderte und beraubte von hier aus die ganze Umgegend, bis endlich Bartholo- mäus von Khevsnhüller, der ein Pfandrecht auf die Burg besaß, ihn vertrieb. Medling war nun fast in einen Steinhaufen verwandelt, und wurde nicht wieder aufgebaut. Wischers Abbildung von 167, zeigt uns bereits eine stark verfallene Ruine. Der zweite Türkeneinfall konnte auf das verödete Gemäuer keinen Einfluß mehr nehmen. 1689 kaufte der k. k. Hofkammsrrath Johann Ludwig(spater Freiherr) von Waffenberg die Herrschaft; bei seiner Familie blieb sie bis>797, in welchem Jahre sie der niederösterr. Regierungsrath Jos. Freiherr von Penkler, dann 1799 Fürst Stanislaus Poniatowsky, und 1808 endlich Fürst Johann von Liechtenstein käuflich an sich brachten. Nach des letzter» am»o. April>836 erfolgten Ableben trat der regierende Fürst Aloys Joseph von und zu Liechtenstein den Besitz der Herrschaft an. 17. L i e c>) t e n l t e i ri. (2>/i, Stunden.) Der Kalenderberg erhebt sich unmittelbar hinter der Othmarskirche von Medling, die schon auf einer Nie- derung desselben liegt. Sein felsiger Abfall gegen daS Thal der Klause ist ungemein romantisch. Fürst Johann Liechtenstein hat die spröden, vordem ganz unwirthlichen Massen mit ungeheurem Kostenaufwands siegreich geban» digt. An den steilen Abhängen führen nun bequeme Pfade, gemauerte Brücken über die Klüfte hinweg. Der Wart- berg(schon im ,3-en Jahrhunderte von einer hier bestandenen, in Merlans Bilde noch sichtbaren Warte so genannt) erhebt sich als der letzte Abhang des Kalender- bcrges sogleich hinter der Othmarskirche. Zuerst trifft man hier den runden Thurm(auch der schwarze Thurm genannt). Über die schroffen Felsabhänge windet sich von der Klause herauf ein schmaler, durch viele Geländer gesicherter Pfad, der aber dem Bilde-inen fast kindischen Anflug gibt. Der runde Thurm besteht zu Unterst aus einer offenen steinernen Halle mit Ruhesitzen, darüber ruht ein freundlicher kleiner Saal; von der Platte- form selbst genießt man einer wirklich bezaubernden Übersicht über den Markt Medling und das tief zu Füßen lie- gende Klausenthal, dann weiterhin über die herrliche Wiener Ebene. Von hier führen nach allen Richtungen 284 die angenehmsten Verbindungswege. Der längs desKlau- senthales gebahnte, den zwei Raben gegenüber ins Thal herabsenkende Pfad mußte mit bedeutendem Kraftaufwands durch Felsen gebrochen und über zerklüftete Stellen hiuweggeführt werden. Über diesen, vor 3o Jahren noch ganz wüsten, blüthenfeindlichen Kalkberg wandert man nun im kühlenden Schatten von Pappeln, Birken und Akazien. Der verewigte Fürst Johann Liechtenstein scheute keine Auslage, um den starren Boden zu bezwingen. Gleich bei seinem Besitzantritte(1808) ließ er Hunderttausende von jungen Bäumchen und Pflanzen(die mehre Sommer hindurch fast täglich begossen werden mußten) hierher versehen Und nun seit jenen kaum dreißig Jahren grünt hier eine neue Welt, zum bleibenden Denkmale ihres großmüthigen Schöpfers. Der kürzeste Weg führt gerade nördlich vom runden Thurme aus nach Liechtenstein. Zur Rechten stark zerklüftete Kalksteinablagerungen und grüne Rebenhügel überschauend, gelangt man endlich zur künstlichen Ruine eines Amphitheaters, auch Kolosseum genannt. Es ist eine fast großartige Anlage, aber eben keine glückliche Erfindung, besonders wenn man dabei an einen Turnierplatz dachte!!— Das Gebäude, durchaus von rohen Bruchsteinen aufgeführt, beschreibt in dem 33 Klafter messenden Diameter einen Bogen von yo Graden.>ü vor massiven Pfeilern stehende Säulen, altdocischer Ordnung, bilden eben so viele Bogenräume mit zwei scheinbar abgebrochenen Thürmen. Durch einen derselben führt eine Steintreppe mit 43 Stufen auf die offene gestrüppumwucherte Gallerie, von der man eine herrliche Aussicht über die Ebene von Wien genießt. Die Arena selbst ist dicht mir Gesträuchern bewachsen.>8>o erbaut, war diese Ruine eine der ersten Parkanlagen des Fürsten Liechtenstein. Nach einer kleinen Strecke erreich! man von hier aus Beste und Neuschloß Liechtenstein. Eben dahin gelangt man vorn runden Thurme, in der, der eben gefolgten entgegengesetzten Richtung, wo man, statt ins Klausenthal hinabzugehen, den auf der Höhe rechts führenden Pfad verfolgt, und dann bald zu der,»8,8 erbauten, sogenannten Pilger-(auch Johannes-) Kapelle gelangt, die aber nun, feit stetig) mit einem rothen Dache versehen wurde— eben keine Apotheose ihres Bauführers-allgemein unter dem Namen des Pfefferbnchsels bekannt ist, womit sie, von unten aus gesehen, wirklich die meiste Ähnlichkeit hat. Endlich vereinigt sich dieser Pfad mit jenem, dem Naben- wirkhshause gegenüber herausführenden bequemen Fahrwege, in der Nähe eines malerischen stark zerklüfteten Steinbruches, und der aus einem freundlich belaubten Hügel aufstrebenden.>82, erbauten Pyramide, welche den Punkt einer äußerst lieblichen Aussicht gegen Wien zu und in den Brühl bezeichnet. In der Nähe der Pyramide gegen den Gißhübel, wohin von hieraus über den Perlhofei» naher Pfad leitet, befindet sich das sogenannte Uxlaubskceu z. Die Pilger nach Mariazell nehmen hier von Wien(welches man an dieser Stelle zum letzten Male erblickt) Abschied. Es ist ein kapellartiges Gebäude, und wurde>8rS vom Fürsten Johann Liechtenstein an der Stelle eines älteren Kreuzes errichtet. Oben liest man die Worte: »Fromme Wallfahrter! Gott stärke euch und erhöre euer Gebeth, und schenke euch zeitliche und ewige Glückseligkeit.» 286 Immer reizender, je mehr man sich Liechtenstein nähert, werden die Parkanlagen, welche von dem Fürsten Ponia- kowsky begonnen und von seinem durchlauchtigen Nachfolger vollendet wurden. Inmitten dieser üppigen Partien prangt die Ruine und das Neuschloß von Liechtenstein. Eine unverbürgte Sage läßt diese Beste im Jahre>>65 erbauen*). Es wurde bereits(Seite 2^7) erwähnt, daß die Beste, ursprünglich Schloß Enzersdorf geheißen, durch Albrecht l. 1291 an Otto von Liechtenstein-Murau, Sohn des gefeierten Sangeshelden Ulrich von Liechtenstein, gekommen sey, nachdem die früheren Besitzer Konrad und Sibotho von Arnstein zu Gunsten Ottos auf das Schloß Enzersdorf mit aller Zugehör verzichtet hatten. Noch in demselben Jahre erscheint das bisherige Schloß Enzersdorf, als»Beste Liechtenstein bei Medling-« Nach kaum hundertjährigem Besitze ging aber die Beste schon für das Haus Liechtenstein verloren; Johann von Liechtenstein, unter dem Namen des»gewaltigen Hofmeisters« auch durch ferne Lande im gefeierten Rufe, fiel(wahrscheinlich wegen seines Antheiles an der Sache des böhmischen Königs Wenzel, namentlich wegen der entscheidenden Hilfe bei dessen Flucht aus Wien), in Albrecht des III. Ungnade, und verlor, wenn auch bald wieder aus der ohne Urtheil schwer verhängten Haft zu ') Ober dem bingangsthore des vorigen Neuschloffes Liechtenstein, war folgende Inschrift angebracht: >s«s. 287 Pernstein entlassen, bis auf wenige Schlösser sein ganze» reiche» Eigen— darunter auch Liechtenstein. Hieraufkam das Schloß an die Grafen von Cilly, und blieb bei diesem Hause bis zu Ulrichs blutigem AuSgange im J-'4S6. Einige Jahre hielt sich jedoch der Cilly'sche Schloßhaupt- mann Hans Holobarzy, unter dem Vorwande zustehen- der Forderungen im Besitze von Liechtenstein, und nannte sich sogar Herr der Beste. Hierauf dem Landesfürsteu anheimgefallen, ward das Schloß, wahrscheinlich vom K. Mathias, an Konrad Auer von Herrenkirchen verkauft, ,4y4 aber von Max I. eingelöst, an die Prueschenke verpfändet. Bald wieder haftungsfrei, finden wir es>Sc>2 unter der Obhut eines l.f. Pflegers, Bartholomäus Freyes« leben(n. ö- obersten Hauszeugmeister), dem sie endlich ,8o8 als Lehen mit gemischter Erbfolge gegen dem eingeräumt wurde, daß der Lehenträger immer das m ö. Hauszeugmeisteramt bekleiden, und zum Zeichen alljährlich einen schonen guten, mit dem Wappen gefaßten Dsp- pelhacken in das k. k. Neugebaude abliefern sollte.'S29 wurde die Burg von den Türken in Brand gesteckt, und der Sohn des Besitzers, Christoph Freyesleben, in die Sklaverei geführt. Bon den Freyesleben, welche die ver- wüstete Burg nicht mehr aufzubauen vermochten, gelangte sie(>S4ll) an Andreas Freiherr» von Pögl, der im fol- gendcn Jahre auch Medling kaufte, und, durch die bis auf unsere Tage verbliebene Bereinigung der Herrschaf, ten Medling und Lichtenstein, für beide einen gleichen Be- fitzstand begründet hat->607 von den Botschkay scheu Horden neuerdings verheert, mußte das Schloß, wenn auch durch längere Zeit Ruine, doch im Jahrhun- 288 derte wieder hergestellt worden seyn, denn in Wischers Abbildung(>672) ist es, allenthalben unter Dach, in vollkommen bewohnbarem Zustande dargestellt.>68Z kam durch die Türken das lshte Verderben über dasselbe. In einzelnen Theilen wohl noch bis in'Sgegenwärtige Jahr» hundert unter Dach, blieb es von nun au Ruine, für deren Zugänglichkeit schon Freiherr von Penkler sorgte, welche Fürst Poniatowsky 1799 mit einer englischen Gartenanlage umgeben, und endlich Fürst Johann von Liechtenstein theils restauriren, leider! aber auch in ihren schönsten Theilen— künstlich niederreißen ließ!— Wie sehr auch Feindes- und Freundeswuth an diesem Schlosse gefrevelt, immerhin bleibt die Ruine v 0 n Liechtenstein eine der interessantesten des Landes*). Der im Neuschlosse zu ebener Erde wohnende Gärtner bewahrt die Schlüssel zur alten Burg. Auf einem mächtige» Fels, ganz von Quadern aufgebaut, bildet sie ein längliches Viereck. Die Werkstücke sind aus großen Kamm- Muscheln zusammengebackene Breccia, an vielen Stelle» ungeheuer verwittert; namentlich an der Außenwand des dermaligen Rittersaales und an dun Nebenbaue der Pan- ') Wer sich mit dem Wesen der Burgen und Schlösser überhaupt, mit ihrer Bauart, inneren Einrichtung, ihrer Angriffs- und Verthcidigungsweise näher befreunden will, der findet in dem vortrefflichen, durchaus auf eigene Erfahrungen begründeten, seltenen Scharfblick und Sachkenntnisi beurkundenden Wcrkchcn: Übe r B„ r g e n un d S ch l ö ss e r im Lande Österreich unter der EnnS, ro» I. Scheiger. Wien ,037, die erfreulichsten Resultate zu Tage gefördert. 289 krazenkapelle, wo ersichtlich der lange liegen bleibende, langsam schmelzende Schnee seinen zerstörenden Einfluß übt. Die Arca ist mit staunenswerther Klugheit benutzt, und die gegen Wien gekehrte Seite der Beste mit ihre» vielen Erkern, Fenstern und Vorsprüngen zeigt die zweck, mäßigste Benutzung einer jeden Felsenvorlage. An der entgegengesetzten Seite war der Hofraum der Burg ringsum mit einer, bis auf unsere Zeiten sehr wohlerhal- tenen Ringmauer umfangen; auf Kragsteinen hinausge- rückte Vertheidigungsgallerien, die beiden einander entgegengesetzten Eingangsthore(das östliche unter einem, nun bereits sehr ruinirten Eingangsthurme) mit ihren Gußlöchern sind noch theilweise erhalten; die äußere Verbindungsmauer gegen das Neuschloß hin, mit ihrer langen Reihe von Pechnasen, wurde aber erst nach der Vollendung des neuen Schlosses(1821) zur sogenannten Verschönerung hinweggerissen!!— In diesem Vorraume der Burg befanden sich die Stall-ingen und Gemächer für den Troß. Daß der neuere Anbau einiger Gemächer gegen Enzersdorf hin, in welchen noch unter dem Fürsten Po- niatowsky die Wohnung des herrschaftliche» Schafmeisters sich befand, hinweggerissen wurde, ist durchaus kein Verlust. Das eigentliche Schloß betritt man, sonderbar genug, durch den ehemaligen Kerker(Burgverließ).' Steinsitze und eiserne Handschellen deuten noch auf die frühere traurige Bestimmung. Der enge innere Burghof ist eine künstlich abgeflächte Steinplatte. Man wird zuerst in den sogenannten Rittersaal geführt. Verdächtig genug steigt man einige Stufen abwärts, und eingetreten, entdeckt Schmidts Wiens Umgeb. m., z 290 man sogleich, waS eS mit dieser, vor Wafferzuflüssen au» dem Hofraume keineswegs gesicherten Prunkstelle, für eine Bedeutung habe. Mehre über einander gelegene Gemächer wurden durchgebrochen, und die ausgehöhlten Hauptmauern oben mit einer Holzdecke geschlossen!— Svl>e chcs Verwüsten heißt in unseren Tagen»Restauri- ren!«— Eine Eingangspforte(vielleicht der gewöhnliche, von außen mittels einer Gallerte zugängliche Eingang) wurde mit den, durch das Hinwegreißen gewonnenen Quadern verrammelt, und zuoberst ein paar Spitzbogenfeu- ster ausgebrochen- Die Fa m i k i e n g e m ä l d e hingegen, welche, meist aus Feldsberg hierher übertragen, die Wände bedecken, sind höchst interessant. Leider dursten die meisten nach erfrischendem Firniß. Es sind sämmtlich Ölgemälde auf Leinwand unter Nahmen mit(eben nicht sehr kritischen) Aufschriften von Namen und Jahreszahlen. Die meisten haben historischen, einige auch künstlerischen Werth. Daß in ersterer Beziehung die ältere» Bilder- (demAnscheine nach wohl kaum über die Mitte des löten Jahrhunderts zurückreichend), wenn auch als Kopien gleichzeitiger Gemälde angenommen, einer sehr behutsamen Kritik bedürfen, scheint kaum zu bezweifeln zu seyn. Porträts aus einem der edelsten Geschlechter, dem ersten Fürstenhause Österreichs, in jeder wichtigen Periode der Daterlandsge- schichte kräftig eingreifend, eine wahre Genealogie von Melden, und— abgesehen von diesem Werthe— durch die Trachten mehrer Jahrhunderte zu den mannigfachsten Ver- gleichnngcn einladend, erregt diese Sammlung für irden Beschauer das lebhafteste Interesse, aber auch den Wunsch, cS mochte recht bald eine verständige Nestaurirungmit diesen >8» ------- 2g1 Gemälden vorgenommen werden, bei deren Beschallung eine inhaltsvolle Reihe theurer Erinnerungen vor die Seele zieht! In dem größeren Gemache befinden sich nebst dein, die ganze Breite einer Wand ausfüllenden Familienge- mälde, 26 meist lebensgroße Porträts von Liechtensteilien nnd einiger mit diesem Hause verschwägerten Edlen, worunter jenes des Grafen Ladislaus von Hag, mit einem gezähmten Tieger, ein ganz vorzügliches Gemälde ist. Aus dem Hause Liechtenstein findet man hier die Bildnisse folgender Mannssprosscn: Heinrich, seines Stammes der dritte dieses Namens, Sohn Hartneids II.(Albrechts III. Obersthofmci- ster), lebte um 1Z9S. Johann l., des vorigen Bruder, der gewaltige Hofmeister(»370—»3<,5), über dessen traurigen Schicksalswechsel bereits S. 286 Erwähnung geschah; er))arb >899 ohne Nachkommen. Hartneid V-, Georgs III.(eines Bruders der beiden vorigen) Sohn,-j->4r8. Dessen Bruder Heinrich IV., ist mit Dorothea von EckartSau, Ahnherr des ganzen Hauses; reich begütert, und unter Herzog Leopold Dbersthvfmeister starb er>4>8. Wilhelm I-, durch Christoph III. ein Brudecsohn des vorigen, ch i-sgg. Christoph IV.(Sohn Georgs IV.), ein zweiter Drudersohn Heinrichs IV., Stifter der jüngsten iS36 aus- gestorbenen Linie, Liebling Königs Mathias Korvin, unter diesem und K. Friedrich IV.(»47*— 1)98) Landmarschall in Österreich, ch>5o6. Heinrich V., Sohn Wolfgangs I.(eines Sprossen des vorigen), geb.>5oo,^>532, war Oberstlandrichter in Mähren. Folgende vier Bruder sind Brudersenkel Christoph des lV.: Hartmann IV., der Stammhalter seines Hauses (geb.>544, ch>583), focht in seiner Jugend wider die Türken. Seine Gemahlin war Anna Maria Gräfin von Ortenburg. Georg Erasmus, geb.>54?, kaiserl. General, und starb als Befehlshaber von Naab unvermählt>5y>. Johann Septimius, geb.> 533, war hochgelehrt, namentlich in der Sprachkunde eine Perle seiner Zeit; von Finnland bis Portugal hakte er ganz Europa, die Nordküste Afrikas und einen großen Theil des westlichen Asiens durchreist; seine Ehe blieb»»gesegnet,>598 starb er, den schönsten Hoffnungen seines Vaterlandes zu früh entrissen. Heinrich VI., geb->554, warLdberstkämmerer des Erzherzogs Mathias, sein Gefährte im ernsten und trüben Glückeswechsel. Nudolph II- sendete ihn>584 als außerordentliche» Gesandten nach Konstantinopel; er starb>585 zu Eallipolis. Christoph, Wolfgangs Bruder,>544 iß>553. Karl, Hartmanns IV. Sohn, der erste Fürst von Liechtenstein, wie sein Bruder Gundacker, Stifter einer eigenen Linie, deren letztere die noch blühende ist.>56y in der neuen Glaubenslehre geboren, ging er später zum kathvl. Glaubensbekcnntniß über. Wider die Türken verdiente er sich die ersten Sporen, wehrte als Qberfeldherr dem Vordringen Boczkays, und schloß end- lich als kaiserlicher Kommissär Frieden mit dessen Bevollmächtigten(>üo6); 1608 ward er Landeshauptmann in Mähren, ,b>3 von, Kaiser Mathias in den Reichsfür- stenstand erhoben, und erhielt von, König Philipp von Spanien das goldene Vließ; bei der Präger Schlacht am weißen Berge war er Ferdinands ll. Kommissär, Vorstand des Untersuchungs- und Strafgerichtes wider die Rebellen, und später bevollmächtigter Stadthalter in Böhmen. Ferdinand verlieh ihm, nach des brandenburg sehen Markgrafen Johann Ächtung, das schlesische Herzogthum Jägerndorf, wie er schon früher das Herzogthum Trop- pau erst Pfand- und dann lehensweise erhalten halte. Sein ungemeiner Geldreichthum stammte vornehmlich von dem Boskowitz her. Er starb>627 zu Prag. Max, Karls Bruder, geb. 1S78, ward 1620 in den Reichsfürstenstand erhoben- Vor Kanischa, Gran, Ldden- burg legte er Proben seines Heldenmuthes ab, rettete durch das Gefecht von Stammersdorf Ferdinanden mittelbar, erhielt Krems, gewann die Schlüssel Böhmens wieder, trug wesentlich zum Siege am weißen Berge bei, und übernahm»ach Bucgnoy das Kommando von Neu- häusel. Er starb>643. Max Jakob Moritz, Vrudersenkel der beiden Vorigen, geb.>64>, ch ,70g, ward, dreimal vermählt, Vater einer ansehnlichen Nachkommenschaft. Johann Adam Andreas, Enkel des Fürsten Karl, und letzter Sprosse der Karolingischen Linie; als Regierec des Hauses hatte er sein Besitzthum durch den Ankauf mehrer Herrschaften in Mähren, dann der Grafschaften Schellenberg(,699) und Vaduz(,708) ansetzn- lich vermehrt. Er war der Erbauer der Wiener Vorstadt Lichtenthal, Gründer der herrlichen Gcmäldegallerie in der Rvßau, und erster Direktor der von Leopold I. gegründeten kaiserlichen Bank- Eben mit der gänzlichen Beendigung der Rakorzischen Unruhen beschäftigt, starker 1712. Anton Florian, des Vorletzten Bruder, geb. »686, Erbe des Gundakerischen und Karolingischcn Majorats, war kaiserlicher Obcrsthofmeister, Toisonordens- ritter. und wurde>7>3 in das Neichsfürstliche Kollegium aufgenommen. Unter ihm wurden 17,9 die Grafschaften Schcllcnberg und Vaduz, unter dem Namen Liechtenstein, zu einem Reichsfürstenthume erhoben, ch>721. Sein Sohn Johann Joseph Adam, geb.>6yn, nach seinem Vater Chef der Familie, erhielt 1723 Sitz und Stimme im Neichsfürstenrathe, 1782. Johann Nep. Karl, des Vorigen Sohn, geb. ,72^, schon in seinem neunte» Jahre Regent des Hauses, starb als ein 2/jjähriger Jüngling. Joseph Wenzel, Brudersohn Anton Florians, geb.>0. Aug.>6g6. Bon der Kaiserin M. Theresia mit dem Namen ihres Freundes beehrt, in den entscheidendsten Angelegenheiten der erste im Rathe wie im Felde, ein Hcercszauberer wie nur Wallenstein neben ihm, aus Eigenem Schöpfer der österreichischen Artillerie, bei jedem großen Unternehmen scharf in der Wahl der Mittel, entschlossen in der Ausführung, kunstliebcnd und mildthätig, war Wenzel ein Stern seiner Familie, eine mächtige Säule des Herrscherhauses. Er starb 10. Febr. 1772. 2Y5 Emmanuel, ein Bruder Wenzels, geb,>598, der Kaiserin Wilhelmine Amalie-Obersthvfmeister st 1771. Franz Joseph, des Vorigen Sohn, geb. ,7,6, nach dem Ableben seines Oheims Wenzel Regierer des Hauses, Ritter des goldenen Vließes, st 1782, war der Vater des am 20. April>8Zü verstorbenen Fürsten Johann. Das große Wandgemälde seht die Reihenfolge dieserFamiliegewissermaßen fort. Die Darstellung dieses Familienkreises datirt sich ungefähr aus dem I.-768. So ziemlich in der Witte des Bildes erblichen wir den verstorbenen Fürsten Johann als Kind auf dem Schooße seiner Mutter Leopoldine(Tochter Franz Philipps Grafen von Stcrnberg), der Krone jenes Damenzirkels in Wiens, den der große Joseph mit Lascy und Nosenberg gewöhnlich besuchte, und von dem der sterbende Kaiser mit jenem, allen seinen Verehrern unvergeßlicherem die Fürstin Leopol- dine von Liechtenstein gerichteten Briefe voll Innigkeit und rührender Größe Abschied nahm. Ganz vorne, noch ein Knabe, steht des Fürsten Johann Bruder, Alois Joseph(geb. 17S9, st>8oS), von welchem das Majorat an den ersteren überging. Ihr Oheim, Karl jnn., st 1789, sitzt auf der einen, und ihre mütterlichen Großältern, Franz Philipp Graf von Sternberg, st'78b, und seine von der Kaiserin M. Theresia so sehr avsgezeichnere Gattin Leopoldine, geb. Gräfin von Starhembörg, auf der anderen Seite. Durch kaum mannshohe Öffnungen steht dieser sogenannte größere Saal mit einem engen, durch widernatürliche Durchbrechungen nnverhälknißmäßig hohen Gemache in Verbindung, dessen oben schwebender Kamin- mantel, mit der dermaligen Bestimmung einer Vilder- gallerie ganz arg kontrastirt. Hier befinden sich nun >3 Bilder von Damen des Hauses Liechtenstein(theils geborn« Liechtenstein«, theils Gattinnen von Mannessprossen dieses Hauses), aus dem ibten, i^tcn und iLten Jahrhunderte; darunter eine Nonne. Auch diese Bilder haben Aufschriften, denen aber so ziemlich zu trauen ist. In beiden Gemachern ist der sehr alte Estrich beachtens- werth. Durch sichere Stiegen und Gänge stehen die höheren Theile der Burg unter einander und mit den tieferen Räumen in Verbindung. In dem unteren Raume findet man eine wohlgemauerte, nun aber schon beinahe gänzlich verschüttete Zisterne.— In den oberen Theilen, wo man eine Anzahl Fensternischen(mit modernen steinernen Ruhesißen, von denen man aber«ine entzückende Aussicht genießt) und mehre, durch die neu hineingemauerten Stukkatorwändo nur mühsam mehr zu erkennende Bestandtheile findet, ist wohl die uralte Pankrazenkapelle der interessanteste Punkt. Aus konsistentem Sandsteine aufgeführt, ist sie, vielleicht schon dem raten Jahrhunderte angehörig, eines der ältesten Baudenkmal« des Landes. Im Innern wie von außen wohl erhalten, zeigt sie durchaus altsächsische (byzantinische) Bauformen, ein einfaches Tonnen-Gewölbe, halbrunden Chor, und kleine Nundbogenfenster. Siestand ursprünglich ganz frei, und wurde ersichtlich erst später von drei Seiten umbaut, so daß nur mehr die eincLang- seite mit ihren Halbsäulen, einer Reihe von Rundbögen am Gesimse und einer Thterfigur von außen, sichtbar ist. Die Kapelle hat durch ein altdeutsches Flügelbild und ein ------ 2g7 anderes Flügelaltargemälde derselben Schule, ein paar antike Kandelaber und zwölf neuere Apostelbilder aus der italienischen Schule eine höchst sonderbar kontrasti- rende Einrichtung erhalten!— An der Stelle des Altares steht auf einem erhabenen Postamente ein Kreuz, und tiefer gegen die Wand ein gutes Bild. die h. Familie, gleichfalls von italienischem Pinsel. Die Pankrazenkapclle war seit ungefähr>458 mit einem eigenen und bedeutenden Be-- nefizium bestiftet; zuleht wohnte der Benefiziat(1S73) In Enzersdorf, hielt aber noch wöchentlich in der Pankcazen- kapelle Messe. Nach und nach in seinen Einkünften immer mehr geschmälert, wurde endlich(i638) der Rest mit dem Wiener St. Pankrazen-Seminarium vereinigt. In den obersten Etagen wurde eine freistehende Küche mit einem sich pyramidalisch verengenden Schlot als Rüstkammer eingerichtet. Thüre und Fenster, wohl gegen die Besucher, keineswegs aber wider Regen und Schnee, mit Eisengittern verschlossen, gewähren die Einsicht in das Innere- Seiner früheren friedfertigen Bestimmung gerade widersprechend, enthält dieser Raum nun eine Anzahl sehenswerther Waffenstücke. Durch die nur sparsame Einsicht gönnenden Gitter erblickt man an die Wände gelehnt oder in unbehaglicher Unordnung auf dem Boden herumliegend, eine nicht unbedeutende Menge von Hellebarden und Fahnenstangen, türkische Streitäxte, Armbrüste(darunter mehre mit Elfenbein ausgelegt), mit Köchern und Pfeilen; unter den Schwertern mehre mit zierlichen Griffen, einen Anderthalbhander, ein sehr altes, starkverrostetes, ganz einfaches, aber vielleicht»och aus den Zeiten der Kreuzzüge herrührendes Schwert mit einem großen Knopfe, seltene Lanzcnschwerter, dann ein Paar Reiterstiefel aus dem vorigen Jahrhunderte, mehre Bündel hölzerner Patronen für die Musketiere aus eben jener Zeit; außerdem zwei Brustharnische mit Helmen, darunter der eine mit Tauschierarbeit einer ungarischen Rüstung angehörig, und ein Panzerhemd hängen auf Stellen*).— Nebenan ist der Eingang in ein modern eingerichtetes Zimmer, in welchem der Tisch mit einer Mosaikplatte der Besichtigung werth ist. Gegenüber der alten Beste, von grünen buschumstell- ten Wiesenteppichen getrennt, prangt das neue fürstliche Schloß— zusammen ein Bild des ernsten Kontrastes voll! An der Stelle des alteren sogenannten Ncu- schlosscs(anfangs wohl auch Lichtenegg oder der Wiesing- hof geheißen), welches— da das alte Schloß schon mehr und mehr in Trümmer zerfiel— der kaiserliche Verwalter von Liechtenstein, Georg Wiesing,-Sgb auf dem Hausberge für eigene Kosten, jedoch auf einem vom König Mathias als Geschenk erhaltenen Grund und Boden, in der Gestalt erbaut hatte, wie es uns Wischers Abbildung zeigt, ließ Fürst Johann von Liechtenstein>82»—>821 den dermaligen schonen Sommerpallast erbauen. Das Gebäude, zwei Stockwerke hoch, mit einem vorspringenden Mitteltrakte, welchen ein von vier Säulen getragener Fronton schmückt, mißt eine Länge von 83 Klaftern, und ') Einige Stücke dieser Sammlung scheinen jedoch(etwa durch linke Hand) weggekommen zu seyn; so findet man z. B> die in Scheigers vortrefflichen Andeutungen über Liese Burg(in feinen Ausflügen im B- U. W. W.)S> 9> erwähnten, alten euergcwehre mit drei Läusen nun nicht mehr. 299 umschließt einen länglichen Hofraum. Das Erdgeschoß enthält die Stallungen, Domestikenwohnungen und Küchen. Auch im Hofraume tritt aus der Mitte der Fronte ein Vorsprung hervor, mit einem Vestibül am Eingänge zur schönen, rothmarmornen Hauptstiege. Das erste Stockwerk enthält einen großen Speisesaal(8 Kl. lang und 4 Kl. 4 Schuh breit) mit zwei daran stoßenden Gcscll- schaftssälen, und zu beiden Seiten einer Enfilade elegant möblirtec Wohnzimmer. Das zweite Stockwerk faßt 27 Gemächer. In diesem Neuschlosse befindet sich auch ein gutes Gasthaus mit freundlichen Speisepläßen im Freie». Unmittelbar hinter diesem neuen Schlosse erhebt sich—ein Park im Parke—mit niederem Geländer umfangen eine Gartenanlage; gleich an dem Gebäude schwebt auf Felsen eine hölzerne Brücke aus natürlichen Baumstämmen. Eine sehr niedere Steinmauer umschließt nicht, sondern bezeichnet nur die Marken dieser großartigen Parkanlage.— Der nächste Hügel gegen Enzersdoef hinab heißt der Hirschk 0 gel; vor Zeiten stand hier eine Warte — heut zu Trage trägt er eine moderne Ruine, durch deren bunte Fensterscheiben man die Natur gefärbt schauen kann. In derNähe schimmert im grünenWasen, von freundlichem Gehölze umschattet, der helle Spiegel eines S-l-wa- nenteiches. Ringsum von dieser Afterruine wuchern, wie wilde Pilze auf Scherrmaushügeln, eine Menge Filialruin- chen, deren loser Bau sie aber bald der verdienten Vergänglichkeit anheim senden wird. Was soll man aber denken, wenn man aus einer derselben ganz ernsthaft die Worte 0IW4ET. L10X6. eingemeißelt findet!? 16. Der 6rühi und leine Umgebung. (3 Stunden) Medling, Liechtenstein, die Klause, der vordere und Hintere Brühl*), sind durch des Fürsten Johann von Liechtenstein herrliche Anlagen in ein reizendes Ganze verschmolzen, ein großartiger Naturpark, dessen einzelne Bestand- theile sich durchaus nicht scharf von einander abmarken. Der Naturfreund kümmert sich auch wenig um die ängstlichen Grenzen dieser einzelnen vielnamigen Partien; er freut sich einer Wanderung»nach Medling« oder»in den Brühl,« und denkt dabei immer des herrlichen Ganzen. Der vordere und Hintere Brühl sind zwei Dörfchen, deren einzelne Häuschen in ein paar äußerst lieblichen Thälern zerstreut liegen. Der Vorderbrühl(mit /s3 Häusern und einem Seelenstande von 200 Köpfen) liegt am Eingänge in das sogenannte runde Thal zwischen der Burg Medling und dem Abhänge des Tempelbergcs. Der H i n- terbrühl, mit§2, von 3go Seelen bewohnten Häusern, beginnt in der Nähe des Haltcrkogels, und erstreckt ') Der Brüht bei Medling mit feinen Umgebungen von F. K- Weidmann, in der Wiener Zeitschrift für ,8Zo Nr. S» Mit Plan; auch besonders abgedruckt. Die Wiener The a t e rz c i t u n g gab im Jahre ,SZ4 Nr.»45»48 ebenfalls einige Aufsätze über einzelne Partien dieser Gegend, als Erklärung beigefügter Holzschnitte- 301 sich im Thals fort bis zur Mündung des WeissenbacheS in den Medlingerbach.— Die erstenAnsiedlungen indem Brühl dürsten in die Tage der ersten Babenberger zurückreichen- Der Name scheint sich ganz natürlich und ungezwungen aus der Ortlichkeit selbst zu erklären. Der Brühl bedeutete nämlich im Altdeutschen soviel als Park, Hag, Thiergarten, eingehegter Forst, und jene, die hiernach den Ausdruck der Brühl, statt des, nun freilich viel zu tief im Volksmunde gcwurzelten Ausdruckes die Brühl, für richtiger halten, haben zugleich die Aussagen alter Urkunden für sich. So vermachte Gertrud, Friedrich des Saitchovfsers Witwe, am b. Jäner 1828 dem Abte und der geistlichen Sammung von Heiligenkreuz einen Weingarten,» der da leit ze Medlich in dem Prvel, und haizzet der Saitchoffer«. Schon seit den ältesten Zeiten war der vordere Brühl nach Medling eingepfarrt. Albrecht ll. vereinigte i3Hü denselben und die Klause mit dem Markte Medling zu einer G-.meinde, im Genusse gleicher Rechte. Seit der Erhebung der Kirche im Hin- terbrühl zu einer Pfarrei wurde ihr auch der vordere Brühl als Filiale inkorporirt(>76)). Der eigene Reiz, der über diese Gegend ausgegossen ist, hatte schon seit langer Zeit die Vorliebe warmer Naturfreunde angezogen. K. Karl VI. liebte diese Gegend, und noch vor kaum 20 Jahren kannte man am Abhänge des Anningers die weitar- mige Eiche, unter deren Schatten der kaiserliche Jäger so oft das Waidmannsmahl genoß. Der große Joseph H- beglückte diese Partien gleichfalls mit entschiedener Vorliebe. Hier verlebte der Maler Franz Casanova, dessen Gemäldezyklus von den Siegen der Russen über die Tür- 302 ken, für die Kaiserin Katharina gemalt, im nordischen Königspallaste prangte, seine letzten Tage(ch im Oktober >8o3). Am Abhänge der Burg Medling, leitet der bereits Seite 277 erwähnte Pfad im Schatten duftender Föhren vorwärts, bis er endlich, in der Nähe des Wirthshauses zu den zwei Raben, um eine, zu einem kleinen abgeschlossenen Privatparke benutzten Felsenpartie biegt, und in das liebliche»runde Thal« einführt. Ein smaragdner Wiesenraum, sanft aufwärts steigend, wird von dem Abhänge des Medlinger Burgberges bis zu dem, mit dem Tempel gekrönten kleinen Anninger von einer wunderschönen Kette freundlicher, mit üppig grünen Wäldern bedeckten Höhen umgrenzt, auf deren Rücken ein sehr angenehmer, wohl gebahnter Weg vom Tempel um das ganze Thal bis zur Burg Medling herumführt. Am Eingänge in das Thal steht das neugebaute elegante Gasthaus zu den zwci Nabe n. Es ist fürstlich Liechtensteinisches Eigen, und an den jeweiligen Gastwirth verpachtet. Das ältere Gebäude wurde im Frühjahre 1837 niedergerissen, und an dessen Stelle das dermalige gefällige Gebäude, mit einem geräumigen und geschmackvoll deko- rirten Tanzsaale im ersten Stocke, errichtet. Es ist dieses die erste Verschönerung, welche die Gegend dem jetzt regierenden Fürsten Alois Joseph von Liechtenstein, nach dem Vorbilde seines Vaters, verdankt. An die Rückseite des Gasthauses schließt sich eine freundliche Gartenanlage, in deren Schatten stets lange Reihen von Speisetischen aufgeschlagen sind. Die Stallunge» und Schoppen, gleichfalls ganz neu^ und bequem aufgebaut, liegen jenseits der 303 Straße. Etwas tiefer im Thals, 1821 in einem sehr heiteren und leichten Style aufgeführt, liegt ein fürstlich Liechtenstein'sches Lustgebäude. Nicht leicht hätte eine andere Villa so ganz für diese Stelle gepaßt. Geschmack und ländliche Eleganz sind hier freundlich gepaart. Zur Rechten findet man die von hohen Pappeln beschattete fürstliche Meierei, in welcher man so wie in den gemüthlich aussehenden Häuschen, welche am Abhänge des Medlinger Burgberges liegen, ländliche Erfrischungen, insbesondere Kaffee erhält. Gebahnte Pfade führen, auch am Fuße der Hügel, rings um das Thal, in dessen Hintergründe man eine Schweizerhütte, so wie, weiter vorne an der dem Tempelberge entgegengesetzten Richtung, das freundliche I ä- gerhaus trifft. Hier domizilirte im Sommer>83b der Koryphäus der Wiener Humorist isch-belletristisch-kritischen Literatur. In der Nähe dieses Jägerhauses leitet ein reizender Pfad durch schattige Föhrenwäldchen mit ungemein freundlichen Übersichten sanft aufwärts bi s zur sogenannten breiten Föhre, wohin auch unmittelbar von der Burg Medling, immer aus der Höhe fort, ein gebahnter Weg führt. An ihrem Fuße, wahrscheinlich durch Muth- willen bis tief in das Mark hinein verkohlt, breitet sie ihre Arme weithin aus, und spendet unter der Hürde deS weiten Nadeldaches kühle Schatten, in denen sichs behaglich ruht. Die saatenreiche, ortbelebte Ebene um Wien, die Residenzstadt selbst liegen zu den Füßen ausgebreitet. Malerische Vordergründe gestalten die Landschaft zum wahren Reizesbilde. Mit Recht ist dieser freundliche Punkt 304 ein Lieblingsspaziergang der Medlinger uud Brühler Sommergäste. Hier trennen sich die Pfade, deren einer über den Schuberthof nach Gumpoldskirchen, der andere weiter rechts auf den hohen Anningec führt, worüber die näheren Andeutungen später folgen werden. An der Westseite des runden Thales erhebt sich der sogenannte kleine Anninger, der in zwei Kuppen endet, deren eine den Tempel des Kriegsruhmes (seit der Erbauung des Tempels auf dem»Hundsko- gel,« zum Unterschiede, aber eben nicht sehr poetisch, allgemein»Hu sa r e n t e m p e l-- benannt), die andere— eine moderne Ruine trägt. Zwei bequem gebahnte Wege führen, weiter oben einander durchkreuzend, auf die Hohe hinan. Eine halbe Stunde wird man immerhin zur Er- steigung verwenden müssen. Der Fußpfad führt, so ziem- lich in gleicher Richtung mit dem Rabeuwirthshause, ne- den einem kleinen Steinbruche, der eigentliche Fahrweg aber weiter rechts, eine kleine Strecke hinter den letzten Häuschen des Vorderbrühls, aufwärts. Das glorwür- dige Andenken der Schlacht bei Aspern und Wagram, wo sich Fürst Johann von Liechtenstein unsterblichen Lorbeer erstritten, auf eine, der großen Erinnerung würdige, Weise zu feiern, und zugleich die Dankbarkeit für seine öftere, fast wunderbare Rettung aus der nächsten Todes- gefahr durch ein ehrendes Denkmal zu bezeichnen, hatte der edle Fürst den Entschluß gefaßt, dem Waffenruhme Österreichs auf einem weithinschauenden Gipfel einen Tempelzu bauen. Der erste leichtere, nach dem Entwürfe des damaligen fürstlichen Baudirektors Hartmuth im Jahre, 8, o ausgeführte Bau erlag aber gar bald den auf diesem 305 freien Scheitel stets regen Elementen. Im Jahre>8iZ wurde das jetzige solide, den Stürmen kräftiger trotzende Gebäude unter der Leitung des Architekten Korn Häusel errichtet. Auf einer aus natürlichen Felsmaffen ausgemauerten Basis, deren Inneres das düstere Todtengewölbe umschließt, erhebt sich der Tempel des Ruhmes in würdiger Architektur. Die Länge mißt y Klafter, die Breite S Kl. 4 Schuh. Er bildet ein längliches Viereck mit zwei Säulen- getragenen Frontons. An den beiden Lang» feiten ruht das Gebälke aus acht, mit Mastern dorischer Ordnung geschmückten Pfeilern. Die Felder zwischen deu dadurch gebildeten sechs Bögen sind mit kriegerischen Emblemen geschmückt. In der Füllung des Eingangs-Fron- tonS erblickt man ein Basrelief von Jos. Klieb ers Hand. Die verschiedenen Truppengattungen, deren Heldenruhm in dem Tage von Aspern lebt, nahen sich zu beiden Seiten einer Sieges-Trophae, an deren Piedestal die Worte: prangen. Darunter und über den Säulen liest man: Völkern ä-r°«-l°ir°i«KI°°ken Llen-reki- Jn der Mitte des Tempels, auf einem Piedestal mit gegen Wien gekehrtem Antlitze, steht Mincrvens Bildsäule, von Henrici. Roher Muthmille hat auch daran gefrevelt! Dem Vernehmen nach soll dieses, durch seine Idee, wie in der Ausführung vortreffliche Gebäude ehestens restaurirt werden.— Unter dem Tempel ist da? dunkle Grabgewölbe. Hier ruhen die Gebeine einiger der edlen Krieger, mit deren Leben der Sieg bei 306 Aspern erkauft werden mußte. Namentlich mehre wackere Husaren seines Regiments hatten den tapferen Fürsien mit Aufopferung des eigenen Lebens aus den augenscheinlichsten Todesgefahren herausgefochten. Ihnen zunächst war dies Ehrendenkmal zugedacht. Doch die Verwirrung im Schlachtgewühls und nach dem Siege ließ die Leichname der Edlen nicht mehr erkennen, durch deren Tod so theures Leben erhalten wurde. Um nun dieser edleu Meinung so weit es möglich war zu genügen, wurde» die Gebeine von fünf erweislich österreichischen Kriegern aus dem Schlachtfelde gegraben und hier bestattet. Eingetreten in diese ernst« Halle, erblickt man gerade vor sich unter Knegstrophäen eine Steintafel mit der.Jnschrist: Nutlok sanft auk älssoa Unlien, ssls 6chsins tsxfnrer Östcrioisti«. NsisAsr. NukinveileLkt Vv). schärn Nnä rVaAi-a'm^efnUen, VorinSA Stier k'rsuns v!nltt äis sntssslten Innoliniiinv, 11 ttvlelrsn^ sie Stets ^' ru eltrei,, ist seine Ntliclik. Zu beiden Seiten, durch Gitter abgeschlossen. stehen auf Felsengrundc vier steinerne Urnen. Eben so viele Steinplatten mit lorbeerumkränzten Todtenköpfen sind in den Wänden eingemauert. Nicht ohne ernste Rührung weilt man an dieser Stätte! Wieder hinausgetreten in die heiteren Räume schwelgt man an der herrlichen Aüssicht. In blauer Ferne von den weiten Grcnzbergen mit dem Horizonte vermählt, liegt wie eine bunte Mappe die herrliche Wiener Ebene zu Füßen, den Vordergrund bildet die Brühlecgegend. Im Süden breitet der Anninger, gewaltiger, als von irgend einem anderen Punkte zuschauen, seinen langen dichtbewaldeten Rücken aus- Das eiserne Thor, und'gerade darüber der mächtige Schneeberg schlie- 307 sie» sich zur Rechten an; ihnen folgt der Unterberg, dar Hocheck, und gerade über den hohen, deutlich erkennbaren Ruinen von Araberg, die beiden Staffkogel. Weiter rechts der Schöpfet, und näher die Höhen um Johannstein, Dann die Eeisbergkette vereinigen den Gebirgszug wieder mit den gegen Wien abfallenden komagenischen Hügeln. Wird diese Rundsicht gleichwohl, in Bezug auf die ferneren Höhen des gewaltigen Grcnzzuges, von vielen der, in den früheren Blättern besprochenen Aussichtspunkte nbertroffen, so bleibt sie doch, zumal an pittoreskem Interesse, unbestritten eine der vorzüglichsten; und die bequeme Ersteigung auf wohlerhaltenen, selbst fahrbaren Pfaden bis zu dem Gipfel hinauf, ist keine der geringsten Annehmlichkeiten. Der Nachbargipsel trägt, wie erwähnt, eine i6>3 neugebaute(unter dem Namen des zerstvrten Troja'S oderdesTcufels st ein es bekannte) Ruine!— Am Abhänge des Berges trifft man die unbedeutende Nikolaus- höhl e. Gerade im Süden vom Husarentempel führt ein gebahnter Pfad etwas abwärts, in einer kurzen Strecke zum sogenannten Pfcnnigstein, einem ganz isolirt aufrecht stehende», zuunterst mannshoch gespalteten Felsblocke. Davon trägt sich im Volksmund- eine, mit Rück- ficht auf die Lokalverhältnisse eben nicht gar zu wahrscheinliche Sage. Ein früherer Besitzer der Medlinger Burg besaß ein holdes treues Weib. Bon ihren Reizen geblendet, betrog aber ein falscher Freund den Gatten um das seltene Kleinod. Der Giftstrahl der Eifersucht, listig erregt, zerstörte gar bald das süße Gattenglück. Von dem Schändlichen bethört, hielt der verblendete Gatte den 308 warmen Kuß des Weibes auf ein listig unterschobenesjVild ihres theuren Mannes für die Begünstigung eines Buhlen. Aller Betheurungen der Unschuld ungeachtet ließ er die Unglückliche in den tiefsten Kerker werfen, und seine Leidenschaft in Wein ertränkend, rief er aus:»Für einen Pennig seyseinWeibjedwedenifeil!«; und schnell war der schurkische Freund des Kaufes guitt. Durch eines Knechtes Treue war aber die Schuldlose bereits ins Freie, in die Felsenhöhle des Pfennigsteins, gerettet, und durch des Hörigen treue Sorge wurde sie, wenn auch kärglich, mit Speise und Trank versehen. Dieß währte ein halbes Jahr. Gram und Entbehrung hatten indessen die blühende Gestalt der Verstoßenen entstellt. Da verirren sich einmal, von plötzlichem Gewitter überrascht, der Medlin- ger und sein Freundschaft lügender Genosse, der, von einem Blitze geblendet, mit dem Rosse über eine Höhe stürzt, tödlich gefallen. Da, auf das Wimmern des To- desrvchelnden, auf die Klagen seines Gefährten nahet sich, tcostverheißend, eine bleiche geisterähnliche Gestalt— die unglückliche Verkannte. Die sterbenden Lippen des Dose- wichtes, ein schrecklich mahnendes Trugbild vor sich glaubend, bekennen das Bubenstück, und im seligen Wieder- vereine feierten die Gatten ein langes, ungetrübtes Glück; doch erbauten sie am Pfennigsteine zum Andenken der wundersamen Fügung ein Kloster, von dem nun längst die letzte Spur verschwunden. So weit die Sage. Jn< Westen führt ein Pfad durch das Kienthal in den Hinteren Brühl. Der Hintere Brühl. Am Raben-Wirthshaus- vorüber führt die Heiligen- 309 kreuzerstraße neben freundlichen Villen, dann hart am Abfalle des kleinen Anninger an glühenden Kalköfen vor» rvartS bis zu dem, i63b bedeutend verschönerten Wirthshaus-'zum goldenen Ochsen. Der Haupttheil d-S Hinterbrühls liegt am Abhänge des Halterkvgels an den Ufern des Medlinger- oder Altbaches, etwas tiefer im Thale. Den zwei Raben gegenüber führt ein angenehmer Pfad im Schatten einer ungezwungenen Pappelallee über eine saftige Wiese, die zur Rechten von lieblichen Re- benhügeln begrenzt wird. Am Weiden beschatteten Büchlein schreitet man vorwärts und erreicht bald das Wirthshaus am Halterkogel; es ist eine ländliche Schenke mit einem kleinen Gartenraume und Kegelbahn, ein Lieblings» plah der hiesigen Landleute. Eine Inschrift von ,710 berichtet, daß es hier beim»Halterhäusl« heiße. Auf dem nahen Halterkogl steht seit>826 eine ganz besonders unglücklich ausgefallene Ruine, deren unpraktische Anlage schon von ferne widerlich auffällt. Nach dem Abfalle des Hügels zu beiden Seiten über Bogen aufwärts steigende Gänge rechtfertigen die ziemlich allgemein gewordene Benennung der» spanischen Wand«. Eine kleine Strecke ober dem Halterwirthshause neben dem Psarrhofc prangt die neu gebaute Kirche des Hinterbrühls. Die erste Veranlassung zur Erbauung eines Gotteshauses gab ein, von der Gemeinde im frommen Glauben dadurch den Beschädigungen der Ungewitlcr zu steuern,>by3 erbauter hölzerner Glockenthurm, neben welchem bald zum gemeinschaftlichen Gebete eine kleine Kapelle gezimmert wurde; 1724 begann der Bau der voii- geu Kirche, welche.?3S vollendet und>782 zur Pfarre 310 erhoben wurde. Das schon früher gefaßte Projekt' des Verstorbenen Fürsten Johann von Liechtenstein, an der Stelle der ärmlichen, bereits sehr schadhaft gewordenen älteren Kirche einen neuen Tempel des Herrn aufzuführen, brachte der Ausbruch der Choleraseuche im Jahre>83, zur schnellen Reife. Um den Gottesdienst nicht zu unterbrechen, wurde über die ältere, dann erst weggebrochene Kirche das dermalige schöne Gebäude durch den fürstlich Liechtensteinischen Baudirektor, Jos. Lcistler, in einem edlen und einfachen Style aufgeführt und ,83r vollendet. Das Ganze, so gelungen die Ausführung auch zu nennen ist, scheint aber nicht vollkommen für den ländlichen Karakter des Thales zu passen. Die Basis bildet ein griechisches Kreuz, über dessen beiden Seiteuvorlagen sich zwei Thürme erheben, welche aber nicht eine gewöhnliche Dachung haben, sondern über dem Gesimse mit terrassenförmigen Absaßen und zuoberst in Steinwürfek enden, aus deren jedem sich ein weißes Kreuz erhebet. In der Mitte wölbt sich eine gedrückte Kuppel. Die Höhe der Thürme beträgt-4 Klafter, die Breite der ganzen Kirche sammt den Thurm- vorlagen mißt>S, die Tiefe ,o Klafter. Die Eingangshalle ist mit einem, von korinthischen Säulen getragenen Fronton geschmückt. Darauf liest man die Worte: Luur vaok Lur Öslorreielis Schonung Le! iler Olrolera v. LV v. lelecktenstcin ÄII1666XXXI. Im Innern dieser Eingangshalle ist eine zweite, aber nichts weniger als klassische Inschrift: II'Ni-u»unlo-um Nulimo eäler Ilriezcr rorx°,l«cln. ilö-r iu sic-ur-UN<-°,°i°5-cl»m, im»lillcu Ilmle Uczcusc« Nirl!>« eik^c««ue- kür ä-, 8°«I-»N«iI»° ri°I°r I»ü-<-nü°. üi« iu LrküUxxx it»r<-r 1,-rlcx,»der elirxxroUi!» rlllclil SIIISL»cNmvir,o>- Iro IvL, ,i-Is Lucll llllrorberrikst k-xü-x. Wie nach außen den Fronton, so kragen zwei Säulen im Innern der Kirche den Musikchor. In der dieser Halle korrespvndirenden Vorlage, gleichsam dem Presbyterium, befindet sich der Hochaltar. Das Innere der Kirche, wenn auch eben in Bezug auf den Raum für die gläubige Gemeinde nicht besonders vvrtheilhaft bedacht, ist einfach aber würdig dekorirt. Den Hochaltar bildet ein Tabernakel mit.einem goldenen Strahlcnkreise. Das neue Altarbild ist eine von R. Theer gemalte Kopie der in der Dresdener Gallerie befindlichen Naphaeksch-n Madonna. In den beiden Hallen unter den Thürmen befinden fich zwei Nebenaltäre. Jener zur Linken hat eine gute Kopie des be. kannten Rubens'sehen Kraftbildes, welches den H.Ambrosius, dem Kaiser Theodosius wegen des ungerechten Blutvergießens in Thessalien den Eingang in den Mailänder Dom verweigernd, vorstellt. Der Altar gegenüber hat ein gutes Bild, den h- Maurus, vom Bologneser kran- cesoo 008-i tg-b..588 5.64-». Das Kuppelgemälde von Gepling, die vier Evangelisten und in der Mitte eine Gruppe Engel mit dem Kreuze, ist ganz werthlos. Der mit seiner neuen, von Trauerweiden beschatteten Eingangsfronte, wirklich freundlich m die Augen fallende Fciedhof befindet sich wenige Schritte von der Kirche entfernt. Außer dem Familiengrab« des Anton Ritter vonS ch me r ling lgeb. 17Y0,.0. Aug.>83.), zeigt sich vier das einfach schöne Monument, welches die edle Dankbarkeit der jüngeren Bruder des jetzt regle- 212 renden Fürsten von Liechtenstein ihrem Lehrer und Erzieher errichtete. Man liest darauf die Inschrift: Viren, tkeuron Lrrleker, kolrrer noä k'rouoäo, Hsrro 3c>s.-Lle». Lonstselrol, Zod. äon 8. vstoder»779., Kost. äsn 7. Mta!>836. «o!no riefdvtrübton Lozlin^o k'ran-!» Rsrl, k'rieäriclr usä vuäolj)!r dürsten vou laieekteo stein. und weiter unten die schönen Worte, welche Schiller dem Fciedländer über den Tod seines geliebten Max in den Mund gab: I:iegk kalkeolos unä leuektsnä suSAeLreiter, Lie»Q äunliler I?^eeken LUod äsrin rurüek.^ Seiner reizenden Aussicht wegen ein mit Recht beliebter Punkt ist der Tempel aufdem Hundsk 0- g e l. Unmitelbar von der erwähnten künstlichen(!) Ruine am Halterkogel fuhrt über die Felder, zu beiden Seiten mit jungen Föhrenanflügen bepflanzt, schnurgerade ein Pfad am Fuße des Hundskogels, zu dessen Gipfel dann ein im schattigen Walde gebahnter Weg in weiten Windungen, später als man bei dieser unbedeutenden Höhe erwarten sollte, hinansührt. Auch dem Wirthshaus« znm Ochsen(S. 3oy) gegenüber findet man einen Weg, der zu einer Schlucht führt, von welcher zur Rechten ein gebahnter, anfangs wohl etwas steiniger Pfad auswärts geht. An dem Vorsprunge links von dieser Schlucht, auf einem Felsen mit einem Marienbild«, steht das sogenannte weiße Kreuz, welches Fürst Johann Liechtenstein im Jahre>8-S errichte» und feierlich einweihen ließ. Gebahnte Wege führen zu diesem Plätzchen hinan, von welchem man auch eine liebliche Aussicht genießt. Den Tempel aufdem Hundskogel, um daraus 313 zurückzukommen, ließ Fürst Liechtenstein im Jahre 1L27 aufführen. Vier und zwanzig, je zwei neben einander gereihte, natürliche Baumstämme auf einer gemauerten Basis, tragen die flache Holzdachung, ein zwvlfseitiges Pvligon. Auf den Namen des Berget- deutend, trifft man am Eingänge, auf einer steinernen Kugel sitzend, einen aus Stein gemeißelten Hund. Der Hügel selbst ist um Unbedeutendes höher als der Gißhübel(wohin von hier aus ein naher Pfad führt) und niedriger als der Husarentempel; die Aussicht aber, wenn auch keine Gebirgs- fernsicht(denn nur auL einem nur sehr schmalen Aus- schnitte der nahen Berge ragt eine Gruppe ferner Hohen hervor), hat doch einen eigenen Reiz. Man überschaut den ganzen Brühl mit all seinen lieblichen Anlagen, Wäldern, Wiesen und Häuschen, und freut sich, die reizenden Punkte, in denen man sich bereits ergangen, hier wie in einem Miniaturbilde vereinigt zu. sehen!— So ziemlich an den letzten Häusern des Dörfchens Hinterbrühl, hart an der Heiligenkreuzerstraße, liegt die beliebte vielbesuchte H i l d e r i ch s in ü h le, ein Haus, in dem man zu jeder Zeit sehr gute Bedienung findet. Ein schön schattiger wasenreicher Garten ist der angenehmste Speisesaal. Schmidl's Wiens Umgel-. N>. IS. Johannttcür am Sparbach. (4 Stunden.) Der Fahrweg von dem Brüht dahin führt an der Hilderichsmühle vorüber auf der Heiligenkreuzerstraße fort, und weiter durch einvom S ch w e i n z e r ber ge und dem Otter umschlossenes, waldgrünes Thal, welches von dem, mitten auf der Wiese(auf welcher, parallel mit der Straße, für Fußgeher ein angenehmer Pfad läuft) stehenden Stein- kreuze angesehen, sich zu beiden Seiten auffallend symmetrisch gestaltet. An der Stelle endlich, wo der Sparbuch in den Medlingerbach mündet, führt eine Seitenstraße rechts ab, und durch ein freundliches Thal in kurzem nach Sparbach. Vom Hinterbrühl bis her eine kleine Stunde. Fußgeher finden einen etwas näheren, gleichfalls sehr angenehmen Weg, wenn man, ohne die Heiligenkreuzer- straße zu berühren, bis gegen die Hilderichsmühle, die Richtung des Medlingerbaches verfolgt, dann aber rechts haltend, zwischen ein paar sonderbar geformten Spihko- geln das freundliche, vom gleichnamigen Bache durchfios- sene Dörfchen Weissenbach(mit 26 Häusern und i3c» Bewohnern, Siß des Waldübergehers für den Weissen- bacher Forst) betritt, wo man dann, neben grünen Wiesen sehr angenehm sortwandelnd, Sparbach in kurzem erreicht. Von Gißhübelführt ein schattiger, leicht zu treffender Wald- 315 weg nach Weissenbach. Von dem letzten Dörfchen, am Dache gleichen Namens fortgehend, gelangt man in die wildromantischen Partien von Wassergespreng und demnackten Zotten. Der Verbindungswege von Kal- tenleutgeben mit diesen Gegenden wurde bereits S. 227 gedacht. Von Qbergaden geht über eine kleine Erhöhung, den sogenannten Mühlparz, ein angenehmer Weg, durch ein freundliches Wäldchen, dann an einer kleinen Kapelle vorüber nach Sparbuch; mit dem nahen Sitte n d 0 r f ist es gleichfalls in bequemer Verbindung. Sp arb a ch, vor Alters Sparewarbesbach(!), Sparwarbersbach, dann Sparwersbach genannt, bildet mit Weissenbach die, der Herrschaft Beste-Liechtenstein und Burg Medling unter- thänige Herrschaft Johannstein, und zählt, nach Ga- den eingepfarrt, 36 Häuser mit>80 Seelen. Der innere Theil des Örtchens um die armselige, dem h. Nikolaus geweihte Kirche(welche schon im>3ten Jahrhunderte eine Pfarre, wahrscheinlich zur Zeit des Besitzes protestantischer Herren, der Tonradls, ihre Selbstständig- keit wieder einbüßte, und seit>652 mit der Pfarre Gaben vereinigt ist), hat ein dürftiges, schmutziges Aussehen. In der Nähe des gut bestellten Wirthshauses, mit einem gedeckten Vorraume und einigen netten Nebengebäuden, sieht es hingegen recht freundlich aus. Der fürstlich Liechten stein's che Thiergarten ist ringsum theils mit einer Mauer, theils mit einem hohen dichten Zaune umschlossen. Gegen Neuweg hin ist >4' wohl ein Ausgang, das Pförtchen aber, zu welchem der eins Viertelstunde weit entfernt wohnende Förster den Schlüssel bewahrt, immer verschlossen. Für Fußgeher also, welche den Thiergarten nicht an dem offenen Haupt- eingange von Sparbach aus betreten, sondern, den Besuch dieser Gegend mit anderen Partien in Verbindung sehend, von irgend einer Rückseite zukommen wollen, haben die unangenehme Alternative, entweder auf Wilddiebmanier über die Mauer zu steigen, oder einen zeitraubenden Umweg zu machen. Es ist wirklich zu bedauern, daß nicht auch an diesem Thiergarten- Gehege, wie z. B- auf dem Leopoldsberge, an mehren"Stellen Stiegen hinüberführen. Des verstorbenen Fürsten von Liechtenstein schöpferische Hand hat auch hier einen sehr angenehmen Park hervorgerufen. Die Anlage scheint sich jedoch seit einigen Jahren nicht mehr der sorglichen Pflege zu erfreuen, wie sich dessen die übrigen fürstlichen Besitzungen zu rühmen haben, und wie es diese Gegend voll lieblichen Reizes wirklich verdiente- Die schön gebahnten Wege, die sonst spiegel- hellen Teiche verwildern zusehends. Gleich beim Eingänge in den Park und Thiergarten trifft man das herrschaftliche Jagdschloß, die dermalige Försterswohnung, wo auch die Schlüssel zur alten Burg bewahrt werden. In der ebenerdigen Halle, leider nicht im besten Lichte, hängen fünf lebensgroße, auf Leinwand gemalte Bilder von Feldherren des dreißigjährigen Krieges, mit den eben nicht ganz korrekten Namensaufschriften: Wislik, Engelforth(Eukevort), Gallas, Balthasa(sie) und Dewehr(Devereux). Diese Bilder, von denen namentlich die beiden ersten selbst nicht ohne Kunstwerth sind, befanden sich früher im alten Schlosse, und wurden erst nach dessen allmählicher Verödung hierher übertragen. Sie verdienten in jeder Beziehung einer sorgfältigeren Aufbewahrung.— Im oberen Stockwerke sind ein paar einfach möblirte Zimmer, und das Schlößchen ist, mit weniger Veränderung, das bei Bischer abgebildete Sanct Ivhannsstein. Dichte Baumgruppen umlagern den Wi-senplatz links herum. Zu beiden Seiten schön bewaldete Berge schließen sich enger zusammen und bilden ein wunderliebliches Thal; der Spar- bach durchfließtes, und bewässert zwei Teiche. Der erste, kleinere befindet sich gleich hinter dem erwähnten Jagd- schlößchen- Ein paar Bauernhäuser gruppiren sich in ihren Büschen recht malerisch. Einige Familien leben hier mitten im Parke anscheinend ein wahres Jdyllenleben. In kurzem erreicht man den zweiten größeren Teich, und hier ist denn unstreitig der Glanzpunkt des Gartens. Rings herum schließen sich waldesgrüne Berge zusammen, in deren Mitte der freundliche Wasserspiegel schimmert. Am nördlichen Ende taucht eine Insel mit einer malerischen Baumgruppe auf. Tiefer im Hintergründe auf senkrecht abstürzenden Felsenmassen thront die Ruine Johannstein, deren Hauptvorzug wohl das schöne Bild ist, welches sie hier gibt. Zur Rechten auf der höchsten Kuppe des Heuberges schaut die künstliche Ruine der Köhlerhütte herab- Am südlichen Uferrande, unter schattigen Bäumen, läßt eine Bank im behaglichen Genusse dieses wunderlieblichcn Plätzchens—einer beliebten Stereotype in den Portefeuille s unserer Künstler—schwelgen! Zur Zeit, als dieser Park noch seine schöneren Tage feierte, lud eine leichte zierliche 218 Gondel zn einer kleinen Wafferfahrt ein, was hier wirklich einen ganz eigenen Reiz bot. Man nähert sich der Felsenwand, auf deren Hohe die Ruinen von Iohannsteiri liegen. Von drei Seiten starre, vollends unzugängliche Abhänge, nur gegen Norden mit dem höheren Berge in Verbindung, war dieser Platz, nur etwas zu kärglich im Raume bedacht, zur Erbauung einer Burg wie geschaffen. Ein gebahnter Weg führt die kleine Hohe hinauf. Der Raum ist wirklich mit kluger Wahl benutzt. Das alte Gebäude, durchaus von Quadern aufgethürmt, ist ein ziemlich regelmäßiger einfacher Bau. Das beschränkte Areal gestattete aber keinen Hofraum; überhaupt steht die Burg in Bezug auf Umfang den meisten uach. Vor dem Eingänge derselben, am Abhangs des Heuberges, standen allem Anscheine nach einige Vorwerke, etwa Wirthschaftsgebäude; mehre spärliche Überbleibsel berechtigen zu dieser Vermuthung- Über eine hölzerne Brücke gelangt man in das Innere der Burg; ein paar Gemächer wurden bewohnbar eingerichtet, bieten aber nicht das geringste Interesse. Die Aussicht von den Fenstern hingegen, und namentlich den steilen Felsenberg hinunter, ist höchst romantisch. Auf der südwestlichsten Seite deuten gewölbte Fenster auf die ehmalige Kapelle. Der Sturm in der Neujahrsnacht>834 hat eine bedeutende Mauerwand eingestürzt und das Gestein füllt einen weiten Raum aus. Die geschichtlichen Daten über die Burg, welche kaum je eine bedeutende Rolle gespielt zu haben scheint. sind ziemlich mager. Ein Seisried von I o h a n n st ein, gesessen zu Arnstetten(S--YZ), erscheint>377. Ob übrigens die Herren von Sparbach, deren wir von r>3r bis>/,o2 in Urkunden finden, hier residirten, ist nicht ausgemacht. Wahrscheinlich aber dürften sie von dem noch bestehenden Orte sich zubenannt, und etwa in dem, nun faßt verschwundenen S ch n e pfe nst e i n, dessen Burgstall nahe an Sparbach innerhalb des heutigen Thiergartens liegt, gesessen haben(?). Mindestens deutet die fast einzige urkundliche Notiz über die letztere Burg au« einen gemeinschaftlichen Besitz. Eine Mcchtildis von Sparbach und Schnepfenstein nämlich, welche zu Ansang des ,3t«n Iahrhundertes lebte, liegt zu Heiligenkreuz begraben. rSa, bis.548 besaß die Beste Johannstein einAlc- xius Kochler(auch Kachln-, Kuchler genannt).>07' kam sie in die Hände der, in den Tagen der Reformationsun- ruhen berüchtigten Tonradl; von Balthasar Christoph Freiherr von Tonradl an seine Gattin, eine geb. Gaßlcr, von deren Familie es durch eine Chorsrau an das Kloster zur Himmelpforte in Wien, und davon 1602 an da-.' Stift Heiligenkreuz kam. Ein vom Stifte als Wirthschaftsverwalter hierher übersetzter Stiftsgeistlicher wurde ibgz von den Türken in die Gefangenschaft geschleppt. Abt Klemens ließ das zerstörte Schloß wieder herstellen. Kaiser Leopold speiste hier öfters, wenn er m dieser Gegend jagte.>735 kam die Herrschaft an die Jörger, später an die von Siedentopp,'800 an Georg Philipp von Jttner, rk!c>3 an den Grafen von Clan) und Aldringen, ,8oy endlich an das Fürstenhaus Liechtenstein. Als»Reu- 320 Johannstein« wurde diese Herrschaft mit der Herrschaft Beste Liechtenstein vereinigt. Ein gebahnter Weg erhebt sich von der Burg den Heubcrg hinan. Bald trifft man auf einem freien Wie- senplatze zur Rechten einen heiteren Tempel mit einer entzückenden Aussicht über die Brühlerberge und drüber hinaus auf die weite Ebene. Bor Allem imposant gestaltet sich, von hier aus gesehen, der mächtige Rücken des An- ninger, das eiserne Thor, in weiter Ferne der gewaltige Schneeberg. Der Pfad geht immer im Walde aufwärts bis zu dem Gipfel, der eine künstliche Ruine, die sogenannte Köhlerhütte, mit einer sentimentalen Inschrift trägt. Die Aussicht, welche man von hier aus genießt, gehört unstreitig zu den schönsten der Umgegend Wiens. Nach Ost und Süd, noch ausgedehnter als von dem eben erwähnten Tempel, überschaut man von hier noch die ganze Gebirgskette, welche aus den Thälern um Guttenstein bis gegen Maria- Zell hin emporstrebt. Die einzelnen Gipfel, welche man hier unterscheidet, sind so ziemlich dieselben, welche man von Hochrothcrd aus schautfS- 219). In wahrem Hochgenüsse schwelgt das Auge über die ringsum sich anschließenden Forste bis zu den fernsten Gipfeln, und wird nicht satt an dem Liebreize dieser Gegend!— Am Fuße des Burgfelsens vorüber führt ein Pfad zu dem bereits erwähnten Hinterpförtchen. Der herrschaftliche Förster bewahrt, wie bemerkt, den Schlüssel dazu. Ein angenehmer Pfad führt von hier aus in einer halben Stunde nach Wildegg. Man schreitet am Ufer des Sparbaches an niederem Gehölze im kühlen Schatten, immer längs des Thiergartengeheges, vorwärts, bis dieses. die Kuppel des HeppelbergeS umschließend, sich links biegt. Hier verläßt man den Sparbach(an welchem fortschreitend man in ein paar Minuten nach Neuweg, S> 2Z7, gelangt), um links über die Erhöhung durch einen hochstämmigen Wald nach Wildegg zu kommen, welches man in Kurzem erblickt, und bald erreicht. 20 G a d e n. (4 Stunden.) Wenn man die Heiligenkreuzerstraße Hinter der Aus- mündung des Sparbücher Thales weiter verfolgt, gelangt man zwischen dem Schwarzkopf(der Endkuppe des Mühlparz) und dem Otter, an einigen Kalkbrüchen, einer Eypsmühle und dem, wahrscheinlich von einem früheren Besitzer Gadens, sogenannten Stoß im Himmel*) vorüber nach Gaben. Eine halbe Stunde lang dehnt sich der Ort an der Heiligenkreuzerstraße und tiefer am Medlin- gerbache hin. Der Theil, welchen man zuerst betritt, ist Unter-(oder Nieder-) Gaben. Die Häusergruppe um die Kirche herum heißt Mittelgaden. Rechts am Medlingerbache, gegen Siktendorf hin, liegt Ob ergaben. Die Eintheilung in Nieder- und Obergaden batikt sich bereits aus dem Anfange des ,/jten Jahrhunderts. Der ganze Ort, mit b8 Häusern und 890 Einwohnern, einer der ältesten des Landes, scheint vor Zeiten von größerer Bedeutsamkeit gewesen zu seyn. Er hieß damals Gatme, Gadmen, Gadem(G a de n**), ist im Altdeutschen ziemlich gleichbedeutend, mit dem, was wir Magazin nennen), und ein adeliges Geschlecht nannte sich ') Hans Stosiawhimniel war>563 bis-67, Besitzer von Gaben. ")»Zährgaden« für Viklualieumagazin erhielt sich bis auf unsere Tage. davon. Ulrich erscheint schon->36 und wird auch herzoglicher Förster genannt. Ulrich von Gademe und sein Bruder Wichard von Arnstein lebten 1-70. Adelheid von Gatme 2-202 ruht zu Heiligenkreuz. Ihre Söhne waren Wichard und Ulrich. Noch später erscheint ein Ulrich mit dem Beinamen der Esel; seine Bruder, Hadmar und Kunrad, scheinen die lehten Mannessprossen dieses Geschlechtes gewesen zu seyn. Katharina und Kuni- gunde, Ulrichs Töchter, werden zuleht noch>33ü genannt. Von Marquard von Rohr erkaufte-Zyü das Stift Heiligenkreuz die Beste Niedecgaden sammt Zugehör, bis auf einen, den Brudern Schweinbarter gehörigen Theil, den das Stift erst>38o einlöste. Bis>43« blieb das Stift im Besitze des ganzen Dorfes. welches dann an die Greißecker,>4yy an die Neudegge,>8,2 an Christoph von Rauheneck, hierauf pfandweise abermal an das Stift Heiligenkreuz kam, welches nach Christoph Prandt- mayer, Hanns Stoßamhimmel und Franz von Poppen- dorf erst 187g in den alleinigen und bis jetzt ununterbrochenen Besitz von Gaden gelangte. Der erste Türkenein- fall ,3ry ließ auch hier seine traurigen Folgen zurück; der Ort blieb lange ohne Priester, die Beste und der Pfarr- hof Ruine. Auch das Stift Heiligenkreuz war damals in seinem Einkommen so herabgesetzt, daß der Abt für ein Darleihen pr. So Gulden von Radigunde Freudenreich in Gaden seine goldene Kette und sein Pektorale verpfänden mußte! Erst nach so manchen traurigen, durch die Verbreitung der Reformation herbeigeführten Differenzen brachte Abt Udalrich>879 Gaden bleibend an sich, und baute die» öde Beste«(wahrscheinlich auch die Kirche) 324 ganz neu auf.>792 ließ Abt Maria» das Schloß um ein Stockwerk abtragen, und widmete einen Theil zur Pfarrerswohnung, den anderen zum Schulhause. Die dem h. Apostel Jakob dem älteren geweihte Kirche mit zwei roth bedachten Thürmen ist ohne alle Denkwürdigkeiten. Bonden nahen Höhen aus präsentirtste sich weit vortheilhafter als in der Nähe. Das Wirthshaus befindet sich nahe daran an der Straße. Sein ordinäres Äußeres würde kaum darauf schließen lassen, daß man hier so gute Unterkunft und ein sehr freundliches Törtchen mit ein paar luftigen Pavillons findet. An schönen Sonn- und Feiertagen ist hier der Zuspruch, namentlich von den Medlinger und Vadener Sommergästen, sehr lebhaft. Die Mariazeller Prozessionen zehren aber meistens alle Vorrathe vollkommen auf; und wehe dem Armen, der zu solcher Zeit hier auf bequemes Nachtlager rechnet. Gaben ist ein freundlicher Ort; an der Straße, namentlich in Untergaden, liegt eine Reihe recht netter Häuschen. Die Gegend, fast rings von grünen Höhen umschlossen, ist angenehm, ohne eben ausgezeichnet zu seyn; nur die Abhänge des gewaltigen Anningers, den man von dieser Seite am bequemsten ersteigt, zeigen malerische Formen. Man trifft hier zwei Gypsmühlen und eine Krei- denfabrik. Der Förster und Jäger für den dritten Theil des Weissenbacher Forstes wohnt am Fuße des Anningers, ein Waldübergeher in Gaden. Ein viel betretener Fußpfad führt über die kleine Erhöhung des Hühnerberges, eine Strecke über Heiden, beim bekannten rothen Kreuze und zum Theile durch niederes Gehölze am ominösen Hexenkreise vorbei, durch 325 die zerklüftete P u tsch an erku cke in anderthalb Stunden nach Baden; und dieß ist ein beliebter Spaziergang der rüstigeren Badener Kurgäste. Ein zweiter Weg, etwas mehr rechts, führt über die Heiligenkreuzerwiese, in der Nähe des Iungendbrünnels vorüber, dann am Burbache fort hinter dem Urtheilsstein ins Helenenthal. Bei jeder Wegtheilung angebrachte Pfähle mit Handweisern ver- hükhen jedes Verirren. Auch nach Siegenfeld führt ein angenehmer, meist schattiger Pfad über eine kleine Erhöhung, durch den»La- xenburgec Wald« in einer guten halben Stunde hinüber. Vom Helenenthale aus, durch das angenehme Nosenthal, wird auch die Route über Siegenfeld zu Exkurstonen nach Gaben gewählt.— Über den Mühlparz führt, wie erwähnt(S. 3>5), ein naher Pfad nach Sparbuch. 21. Sittendorf und Üliidegg. <5 Stunden.) Neben dem Medlingerbache, über hin und'wieder sumpfige Wiesen, in einem von niederen Hügeln begrenzten breiten Thale, führt ein sonniger, ziemlich monotoner Weg, die Kirche von Sittendorf immer im Angesichts, von Dber-Gaden in drei Viertelstunden nach Sittendorf. Ein nicht viel interessanterer, aber um die Hälfte kürzerer Pfad verbindet Sparbuch mit Sittendorf. Auch von der Sulz führt ein Weg herüber; dem Laufe des Medlingerbaches folgend, erreicht man nämlich bald ein malerisches Thal mit Felsenpartien, und nach einer kurzen Strecke ein paar ärmliche Hütten. Man befindet sich in dem sogenannten Vogelgraben. Weiter trifft man die nicht unmalerisch grnppirte Rohrecker Mühle. Man halte sich immer ziemlich nahe den Ufern des Baches, um sich nicht in den vielfältigen Umzäunungen zu verwirren. Von der genannten Mühle führt ein Pfad durch ein Nebenthal an einem kleinen Teiche vorüber, zu dm überaus reizend gelegenen Hütten auf dem Rohrberge; es sind deren im Ganzen nur vier mit-5 Seelen. Leopold VI. schenkte>>86 das Örtchen Rohrcck an Heils, genkreuz. Die idyllische Einsamkeit, welche auf dieser freundlichen Hohe herrscht, durchdringt mit der wundersamen Empfindung eines mclankvlischen Reizes. 32? Am Medlingerbache schnurgerade fort erreicht man nach einer halben Stunde(von Sulz an gerechnet) Sit- tendorf. Gleich hinter der Kirche und dem Pfarrhofe von Sit- tendorf beginnt der, seiner Annehmlichkeit wegen vielbesuchte Weg über den Füllenberg nach Heiligenkreuz. Am Abhänge des Vuchberges geht es anfangs ziemlich rasch aufwärts. Man behält die einmal eingeschlagene Richtung immer bei, ohne sich durch einen der mehrfach kreuzenden Wege nach rechts verleiten zu lassen, wo man mit einem Unwege bei Dornbach herauskommen würde. Im freundlichen Wechsel malerischer Waldparticn erreicht man endlich die Höhe des F ü ll e n b c r g c s*)(auch die Sittendorfer Höhe genannt). Der Hinblick auf den südwestlichen, vom gewaltigen Schneeberge beherrschten Hauptgebirgszug ist ungemein reizend, namentlich ein üppiger Vordergrund gibt dem Bilde einen cigenthümlichenNeiz. Über ein Smaragdmeer schmucker Hügel schweift das Auge bis zu den fernsten Gipfeln hin. Die einzelnen Kuppen gestalten sich so ziemlich wie von Hochrotherd aus. Etwas tiefer— und man überschaut in seinem lieblichen »Waldthale« die Abtei Heiligenkreuz; ziemlich jäh geht es dann wieder abwärts. Selbst schwache Fußgeher werden den Weg in einer Stunde zurücklegen. Durch ein wiesengrünes Thal ist Sittendorf mit dorn ») Am südöstlichen Abhänge des Berges liegen die sechs Fül- lenberger Hütten zerstreut. Viehzucht ist der Haupt- crwcrb der 5» Bewohner dieses Örtchens, welches>>38 von Rubcrt von Sittendorf dem Stifte Heiligenkrcuz geschenkt wurde. 32 8 eine Viertelstunde weit entfernten, schon im Jahre>002 genannten Dörfchen D 0 rnbach in Verbindung. Einst zur Herrschaft Wildegg gehörig, kam es mit dieser an das Stift Heiligenkreuz. Zu beiden Seiten des gleichnamigen Baches zwischen dem H 0 check (nicht zu verwechseln mit jenem bei Altenmarkt) und Gais- ruck ziemlich sonnig liegen die 27 Häuser(mit>(>o Bewohnern) auf einer kleinen Erhöhung zerstreut. Durch ein angenehmes Thal, dessen zu beiden Seiten von dichtbelaubtem Gehölze begrenzte Wiesen der Dornbach bewässert, ist es mit Heiligenkreuz verbunden. Es liegt gerade zwischen der genannten Abtei und dem Örtchen Sulz, von jedem eine halbe Stunde entfernt. S i t t e n d 0 r f, einst Sikkendorf, Sighendorf und Sikind 0 rs genannt. Von dem alten Rittergeschlechte dieses NamenS erscheinen Rüdiger(>>'4 bis»>3b) und sein Bruder Ru- pert(1124 bis>>37);>117 ein Anselm, endlich>>53 bis 1>71 die Bruder Nupertll. und Walther. Bald scheint Sittendorf mit der Herrschaft Wildegg vereinigt worden zu seyn. Das Stift Heiligenkreuz, in dessen Besitze die Pfarre schon seit i65> war, kaufte es>685 mit Wildegg an. Die Kirche und der unter malerischen Baumgruppen versteckte Pfarrhof, auf l. s Anordnung 1783 erbaut, liegen auf einem kleinen Hügel am Abhänge des Groß- buchbergcs. Der Eingang in die Kirche ist unter dem runden, unk einem kegelförmigen Schindeldachs gedeckten Thurme, den man auf Leitern ersteigt. Er enthält zwei kleine Glocken, die größere von>743, die andere von >744. Die eine wurde>836, an die Stelle einer zersprungenen, vom Schlosse Wildcgg hierher übertragen. An der Außenwand des Thurmes ist der Grabstein einer am>4- März 1702 unverehlicht verstorbenen Beschließerin von Wildegg, Namens Regina Gatterer, eingemauert. Das Innere der Kirche hat ein ärmliches Aussehen. Sie ist dem h. Johann dem Täufer geweiht. Der von dem Ober- jesuitenkloster in Wien nach der Aufhebung des Ordens hierher überbrachte Altar wurde'638 eingeweiht,^zn einem nun wieder vermauerten Gewölbe unter der Kirche befindet sich die Familiengruft der späteren Herren von Neudegg. 1733 wurde sie durch den Heiligenkreuzer Subprior Paul Ulseß eröffnet. An der Wand, auf hölzernen Sitzen, fand man in aufrechter Stellung fünf, in bereits vermoderte schwarze Mantel gehüllte, männliche Skelette; außerdem mehre kupferne und hölzerne Särge, und an den Wänden Namen und Jahrszahlen von zehn hier beigesetzten Neudeggcrn, namentlich Max, ch>->ys, Erich, ch ibnS, Johann Adam, ch 1622, Erich Ferdinand l., ch>648, Franz Reichard. ch>66>, Erich Ferdinand II-, ch>663, Karl Achilles, ch.664, Marie Sa- lome, ch>673, Franz Erich Julius, t'679, und Johann Ludwig, ch'682.— Urkundlich schon>38, eine Pfarre, wurde die Kirche unter den Neudeggern zum protestantischen Gottesdienste benützt.— Rings um die Kirche schließt sich der alte Friedhof. jedoch ohne denkwürdige 330 Monumente.>83r wurde außer dem Dorfe ein neuer Leichenhof errichtet. Das Schulhaus befindet sich am Ausgange des Ortes gegen Gaden hin. Die übrigen^5 Häuser, mit einem Scelenstande von-üo Köpfen, liegen an den beiden Ufern des Medlingerbaches, und namentlich der Theil um die Kirche herum, mit seinen freundlichen Gärtchen, gruppirt sich nicht»»malerisch. Dem Wirthshanse gegenüber, durch ein Thal, über Felder und Wiesen, gelangt man in etwas mehr als einer Viertelstunde nach Wildegg. Sich links wendend, führt der Pfad die kleine Hohe hinan, bald erblickt man die Meierei und darüber auf seinem Felsenthrone das Schloß Wild egg. Don hier gesehen, noch so, wie es Bischer 1Ü72 abgebildet hat, gibt das Schloß ein wirklich malerisches Bild, und wurde auch in den Portefeuilles unserer Künstler öfter gefeiert. Der eigentliche Burgberg ist in wenigen Minuten erstiegen. Zwischen unbedeutenden Nebengebäuden von ibg8, welche bis in die neueste Zeit die Försterwoh> urg enthielten, betritt man den inneren Vorraum des Schlosses in der Nahe eines runden Thürmchens. Über ein paar Stufen abwärts gehend, findet man zwei steinerne Wappen eingemauert, deren eines das Neudegg'sche (ein quadrirter Schild, im ersten und lehtcn Felde einen Querbalken mit Muscheln, in jedem der beiden anderen einen Basilisk mit ausgebreiteten Flügeln) ist, das andere, wahrscheinlich das Aham'sche, in zwei über einander liegende Felder getheilt, im oberen einen aufrechtstehenden Löwe» unter drei Rosen enthält. Dabei steht die Jah- ^özahl ,54y. Wahrscheinlich deuten diese Wappen auf die damaligen Besißer von Wildega, Andreas von Neu. deaa und seine Gattin Euphrostna. geb. Aham, durch dcren Ehelichung Wildegg wieder an die Familie der Neu- dcgg zurückgelangte..^^ Das Schloß, in seinem dermaligen Zustande etwa dem röten Jahrhunderte entstammend, steht auf einem mächtigen braunrothcn, von weißen Adern durchzogenen Marmorfels. Die Grundmauern, ein tüchtiger, mit den Felsen kühn verschmolzener Quaderbau, scheinen einem älteren, vielleicht dem ältesten Gebäude anzugehören. Eine uralte Linde beschattet den Eingang des Schlosses welches man über eine niedere freie Steinstiege betritt. Lms Gebäude. ziemlich regelmäßig, bildet ein Viereck, aus dem hin und wieder ein Dorsprnng und an der Sndspihe ein. da- Hauptgebäude kaum überragenderviereckiger Thurm hervortritt. Der kleine Hofraum, ein längliches Viereck, wirr von dem zwei Stockwerke hohen Gebäude mit Laubengängen umschlossen. Man zeigt hier den Eingang zu einem unterirdischen Gange, von dem man nach drei Richtungen hin in dem nahen Walde Spuren entdeckt haben will. Johannstein und Wild-gg sollen auf diese Weise mit einander in geheimer Kommunikation gestanden haben, ipm Hofgange steht noch eine alte Handmühle. Das^Erdge- schoß wurde im Jahre>83ö zur Wohnung des Försters eingerichtet. Die Zimmer der beiden oberen Stockwerke befinden sich, mit weniger Ausnahme, im vollkommnen bewohnbaren Zustande, und wurden>8)6 teilweise rc- stanrirt. Eine Anzahl leider nicht sehr beachteter Fa- ZZ2 milienbilder, vermuthlich von den Neudeggern herrührend, hängen in denselben zerstreut. Wenn auch ohne besonderen Kunstwerth, werden sie immerhin, und sey es nur des Kostümes wegen, anziehend bleiben, und verdienten eine bessere Fürsorge. Ein Gemach in dem erwähnten viereckigen Thurme, in welchem sich bis auf die neueste Zeit (S. 3-y) eine Glocke befand, war zu einer Kapelle eingerichtet, auf welche frühere Bestimmung noch einiges Ge- räthe deutet.— Am anziehendsten ist eine, unter Glas und Rahmen befindliche Abbildung des Schlosses von 168Z, in welchem Jahre die Beste von der Familie Neudegg an das Stift Heiligenkreuz überging. Es zeigt sich, unbedeutende Nebensachen ausgenommen(wie eine kleine Gartenanlage mit Glashäusern), ganz in seiner jetzigen Gestalt; da auch Wischers der zweiten Tnrkenbelagerung vorausgehende Abbildung mit dem dermaligen Aussehen ganz übereinstimmt, so dürfte mit Grund geschlossen werden, daß der Türkeneinfall von>683 auf dieses Schloß keinen besonders nachtheiligen Einfluß übte. Die weite Aussicht von den Fenstern des Schlosses auf die malerischen Berggruppen hin ist entzückend. Hinsichtlich des Weges von Kaltenleutgeben über den »langen Berg« oder über Neuweg siehe S. a38; die Verbindung mit Johannstein betreffend S. 3ao und 3a i. Die Erbauung des Schlosses scheint in die Mitte des irtcn Jahrhunderts zu fallen->>88 wird es zuerst urkundlich genannt. Es ist noch nichr zuverlässig ausgc- niittelt, ob die, ihren Namen von diesem Schlosse ableitenden Herren von Wildegg Abkömmlinge der Familie von Altenburg waren, deren Stammschloß, zwischen Lilien- selb und Wilhelmsburg, längst völlig verödet ist, ja das Erscheinen einer Gertrud von Wildegg mit ihrer Tochter Diemudis 1246(mit den Altenburgern durchaus in keinem erweislichen Zusammenhange) bringt auf die Vermuthung, daß dieß etwa die letzten weiblichen Sprossen eines älteren Stammes(vielleicht der Erbauer dieses Schlosses) waren. Gewiß ist, das Wulfing von Altenburg, i>r°y, eine Gisela von Wildegg zur Gattin hatte; so wie sich dessen Enkel Wulfing(>288 bis>263) mit seinem Sohne Dietrich H.(1299 bis>807) Herrn auf Wildegg nannten, so gründete ein anderer Enkel, Napoto II. von Altenburg(1263 bis>322), durch seine drei Sohne(Napoto IH.(>2ü3—>322), Otto k-(127S— 1307) und Dietrich III.(>809—>829), deren jeder wieder eins Deszendenz hatte), einen eigenen Stamm, der sich von Wildegg zubenannte. Ottos l. Söhne waren Hartneidl-, Kadvld lV., Ulrich I.(>299 bis>824), Otto II., Libero I. und Leutold II.— Johann I.(>824 bis>36>)und Ulrich II., waren Söhne Ulrichs I. Mit Peter,>420 mit H. Albrecht wider die Hussiten nach Prag gezogen (,38o ch 1454, dessen erste Gattin Dorothea von Falkenstein, die zweite Elisabeth von Zelking war) und Georg (um>3-i3), durch Johann II.(>842,>38S), Enkel Johanns I., erlosch das Geschlecht. Indessen erscheinen bereits seit>891 die Herren von Reudegg im Besitze dieses Schlosses*), und blieben es, jedoch mit einigen Un- «) ,97s wird ein Ebersbrunncr oecouomu- c--er» VV'iUck genannt. 234 terbrechungen(>427 besaß es Pangraz Neuhauftr; 1^90 war Heinrich von Prueschenk, und^97 Wilhelm Aham von Kaiser Max I- damit belehnt) bis ibLS, wo dann Wildegg von. Stifte Heiligenkreuz erkauft wurde, dessen Eigen es bis zur Stunde blieb. 22. Heiligen k reu?. (5'/, Stunden.) Von Mittelgaden, an einem Olberge vorüber, führt die Straße sanft bergan(für Fußgeher läuft parallel damit ein Pfad in dichtem Waldesschatten) an einigen Kreuzen und Säulen vorüber, dann senkt sie sich, steigt wieder hinan, bis sie in gleicher Richtung mit dem Sattelbache endlich in das»Waldthal« hinabführt. Der Weg von Gaben her ist sehr malerisch, wenn auch durch die mannigfachen Erhöhungen für Fuhrwerke minder bequem. Man ist tief in die Waldregion gedrungen. Mitten durch Wälder dehnt sich die gut gebahnte Straße, und im erfrischenden Wechsel schaut man in tiefe Thäler, auf hohe Berge, endlich in einem Bergkessel— einer Ürtlichkeit, die alle Zisterzienserabteien theilen— das Stift selber. Die Straße senkt sich in das Thal abwärts. An derselben und am Fuße des Kalvarienberges liegen die 3o Häuser des Dörfchens H eiligenkreu'z*). Die Einwohnerzahl belauft sich auf 3>o. Es befindet sich hier eine Pfarrschule. ») Malach ias Kolli Das Stift Heiligenkreuz in Österreich B. U. W. W-, mit den dazu gehörigenPfarrcn und Besitzungen sammt dem vereinigten Stifte St. Gotthardt in Ungarn. -»i.Kpf. o. Wien>SZf. D es selben: LbroniLva drsvo«no.; in demselben Jahre erschienen. Beide vom Professor Keiblinger jn Kaltenbäcks Zeitschrift für>Wö vortrefflich rezensirt. 336 Schon vor der Gründung des Sriftes(>>34) stand hier das Ärtchen Satteldach. In der Stiftungsurkuude wünscht der fromme Gründer insbesonders, daß der bisherige Ortsname, und zwar ob victoriosissimum no- Ltrso salvstionis biznuin, in jenen»;um heiligen Kreuze« verändert werde. Südlich vor der Straße bis nahe zum Stiftshose hin, liegt der, vom Abte Robert 173, errichtete K a lv a rienb e rg mit>4 Stationskapellen, welche, in angemessenen Zwischenräumen an einer über den Hügel führenden Linden- und Kasta- uienallee, Darstellungen von der Hand des Bildhauers Giulliani enthalten. Bon der Wiener Seite führen zu beiden Seiten der(zu Folge eines angebrachten Chrono- stichons 1746 erbauten) Kreuzigungskapelle mit einem Glockenthürmchen steinerne Stiegen hinan. Am Auf- gange eine Statue des Erlösers, aus dessen Seitenwunde sich Wasser in ein Becken ergießt(leider seit längerer Zeit außer Aktivität), hat die sinnige Inschrift:»Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Brunnen des Heilandes«. Früher stand hier die, von mehren nach Mariazell wallfahrenden Wiener Bürgern erbaute»Kapelle am Berget«. Herum hatten sich einige Eremiten angesiedelt. Der Altvater der Einsiedler, Sebastian Zettel, war bei der Errichtung des Kreuzweges sehr thätig. Der Hügel, an dessen Abhänge der Kalvarienberg liegt, heißt der Fcanzensberg, von einem> 63o durch den Stifts- kammerer Franz Eiferer erbauten Thurme so genannt, der seit längerer Zeit seines Daches beraubt ist. Zu beiden Seiten des Franzensthurmes befindet sich eine mit Mauern, umgebene Garteuanlagc des Stiftes. 33? Das Stift: s. Geschichte.. Markgraf Leopolds des Heiligen Sohn, des ersten Österreicher Herzogs Heinrich Jasomirgott älterer Bru- -» der, Otto, später Bischof von Freisingen, und als Otto krwingorwis des großen Staufen Barbarossa Geschichtschreiber, hatte zu Paris seine Studien vollendet, und wurde durch die Frömmigkeit der Zisterziensermönche von Mvrimund in Burgund bewogen, das Ordenskleid zu nehmen. Zum Abte von Mvrimund erwählt, bestimmte er seinen Vater, diesen Orden auch in Österreich einzuführen. Mit Gottschalk(dem nachherigen ersten Abte) kamen im Jahre>>34 die ersten Ordensbruder, zwölf an der Zahl, hierher, und legten sogleich zum Kloster- und Kirchenbaue Hand an. Mit Recht wird daher>>34 als das Stiftungsjahr angenommen! Es wurde ihnen mittlerweile in dem Orte Satteldach aus den markgräf- lichen Einkünften Unterhalt verschafft. i,3ü wurde der Stiftungsbrief ausgefertigt, und das Kloster mit einer namhaften Strecke Landes dotirt. Der paßauer Bischof Reginmar bereicherte gar bald diese Schenkung, und , schon i>33 war die Ordensgemeinde ansehnlich genug, um zwölf Mönche als Kolonisten für die neugestiftete Abtei Zwettel absenden zu können. Leopold V. der Freigebige schwur, die Hand auf den, von seinem Vater dem Stifte geschenkten Kreuzpartikel legend, jederzeit Beschützer dieser Stiftung seines frommen Vaters zu seyn. Von dieser Begebenheit leitet die Sage das Wappen des Stiftes Heiligenkreuz her: ein Kreuz und darauf eine Hand mit zwei Schmidl's Wiens Umgeb. m., 5 338 zum Schwüre gerichteten Fingern. Kurz vor seinem Tode (,>4i) schenkte er das Gut Tallern an Heiligenkreuz, und die Nachfolger aus dem frommen Heldenstamme der Ba- benberger eiferten in solchen Schenkungen dem Beispiele ihrer Ahnen nach. So kam Münchendorfund Siegenseld, durch Heinrich Jasomirgott, Sulz, Baumgarten, Rohrek durch Leopold vii-r. u. s. w- an das Stift. Die späteren Herzoge haben diese Schenkungen oftmals bestätigt. Der erste Abt, Gottschalk, starb>>4>, ihm folgte in dieser Würde Konrad, ein Sohn des erlauchten Stifters, der aber schon i>84 das paßauer Bisthum übernahm. Leopold VI. der Tugendhafte gab dem Kloster 1187 den noch vorhandenen Partikel des h. Kreuzes, nicht zu verwechseln mit dem, schon vom Stifter, dem h. Leopold, geschenkten, erst im I7ten Jahrhunderte hinweggekommenen kleineren. Irriger Weise wurde öfter behauptet, das Kloster habe erst von dem, durch Leopold den Tugendhaften verehrten Partikel die Benennung»Heilige»kreuz« erhalten; es wurde aber bereits(S. 33ü) erwähnt, daß schon der Stifter in der Gründungsurkunde die Abtei mit diesem Namen belegt wisse» wollte; allgemeiner im Gebrauch mag die Benennung immerhin erst nach>>87 gekommen seyn. In demselben Jahre stand das Klostergebäude und das Langhaus der Kirche vollendet da; der Kardinal Theobald, Bischof von Veltri und Ostia, weihte sie, im Beiseyn des Herzogs Friedrich und einer großen Versammlung der angesehensten Ministerialen, feierlich ein- Die Könige von Ungarn bezeigten sich schon im>3ten Jahrhunderte dieser Stiftung durch mehre großmüthige Gaben besonders geneigt, und eine unverbürgte Sage laßt zu "^ 351- jener Zeit hier einen königlichen Prinzen von Ungarn als Laienbruder leben. 1227 bestätigte und erneuerte K. Friedrich H. alle Besitzungen und Rechte des Stiftes, und versicherte es des besonderen Schutzes des Reiches.>23« gründete Wichard von Zebing zu Heiligenkreuz ein Spital und Pilgerhans, welche Stiftung bald beträchtlich vermehrt wurde. i2si6 wurde der letzte Mannessprosse des heldenmüthigen Babenbergerstammes in die Gruft gesenkt. Seine Schwester, Gertrud, Hermanns von Baden Gattin, weil sie zu Alland ihres Sprößlings(des mit dem letzten Hohenstaufen zu Neapel auf dem Blutgerüste gefallenen Friedrich) glücklich genesen war, schenkte dem Ltifte 1280 den Art Alland. Die dortige Kirche gab K- Ottokar ,255 dem Stifte als Entschädigung für die durch die Ungarn und Kumanen erlittenen Verheerungen. Die Stiftskirche wurde durch den Zubau des Chores vergrößert, und das neue Gebäude 1298 von dem paßauer Bischöfe Wernhard und Heinrich Bischof von Seggau eingeweiht. Das Zuströmen des Volkes zu dieser Feierlichkeit war so groß, daß die Masse eine halbe Meile weit um das Kloster wogte; damals herrschte aber, wiewohl nach Ostern, eine solche Kälte, daß Viele ihre Neugierde mit dem Leben büßten. Rudolph von Habsburg, Friedrich der Schöne, Albrecht II. und IV. bestätigten alle Besitzungen und Vorrechte des Stiftes. Hatte nun eine fast ununterbrochene Reihe frommer Schenkungen den Besitzstand ansehnlich gemehrt, so wurde das Stift durch die Vorgänge des unseligen Vvr- mundschaftszwistes um Albrecht V., dann durch mehre Mißjahre so hart mitgenommen, daß der damalige Abt Albert— vor Hunger und Kummer gestorben seyn soll! Bald stieg jedoch der Wohlstand wieder;>43<> wurde Heiligenkreuz von K. Sigmund mit verschiedenen Privilegien ausgestattet, und Abt Heinrich IV.(>435, -1- ,442) war bei K. Friedrich IV. in solchem Ansehen, daß ihn letzterer während seines NLmerzuges im Jahre ,442„eben Anderen zum Landesverweser bestimmte. Johann Hunniads, dann Cillys und Eptzingers Schaaren brachten dem Stiste vielen Schaden, so wie bald einige, anfangs unwichtige Differenzen die Abteien Heiligenkreuz und Lilienseld in gegenseitige Erbitterung brachten, endlich aber die völlige Trennung Lilienselds von dem Mut- terstiste Heiligenkreuz zur Folge hatten(>473). Die unseligen Kriege zwischen Friedrich IV. und Albrecht VI. nicht weniger, als die Verwüstungen der Ungarn, hatten zu tiefe Wunden geschlagen, als daß die Bestätigung der Stiftsprivilegien>479 durch Friedrich IV. und zehn Jahre später durch Mathias Korvin dafür einige Entschädigung gewesen wäre. Der erste Türkeneinfall>829 äscherte das Dach der Kirche und das Klostergebäude«in. Die Vorgänge der Reformation, endlich die Unwirthschaftlich- keit einiger Äbte hatten das Stift im>tztenJahrhunderte in die mißlichste Lage, ja öfters der gänzlichen Auslosung nahe gebracht. Nur der umsichtigen und klugen Verwal- lung einiger Stiftsobern konnte es gelingen, unter solchen Verhältnissen dem nahen Untergänge zu steuern, ja sogar zuweilen einen besseren Zustand herbeizuführen, und aus einigen Klostergütern, deren freilich eine beträchtliche Anzahl aus Noth veräußert werden mußte, namhafte Bauten auszuführen- Abt Konrad III. Faber fand 341 ,5.(8 bei dem Antritte seiner Dorsteherswürde in diesem Stifte, welches einst, die auf den einzelnen Wirthschafts- hösen exponirten Laien mitgerechnet, gegen dreihundert Religiösen zählte, nur zwei Priester, einen Laienbruder und zwei Novizen!— In solchen Wechselfällen des Glückes schwankte des Stiftes Loos auch im nächsten Jahrhunderte. Insbesondere wurde 1627 die Dachung der Stiftskirche, des Thurmes und des ganzen Konvent- gebäudes ein Raub der Flammen. Die rastlosen Bemühungen der ÄbtePaulfiZyy, ch>6>3), Michael ll. Schnabel(1637,>658) und Klemens Schäffer(ch>6y3) wurden durch den Türkeneinfall>683 wieder völlig vereitelt. Die Kirche und das Stiftsgebäude brannten abermals lichterloh auf, und selbst in den Ruhestätten der Hingeschiedenen wühlte des Feindes unersättliche Gier nach verborgenen Schätzen. Des Abtes Klemens weise Sorgfalt wußte aber den harten Schlag binnen acht Jahren beinahe vergessen machen. Mit Recht rühmt man ihn als den zweiten Stifter. Es folgten nun ruhigere Tage. Wenn auch die Verheerungen der ungarischen Malkontenten(>7»> bis>704) für das Stift Alles befürchten ließen, so blieb es doch von einem wirklichen Überfalle eben so verschont, als>7>Z von der, für das übrige Österreich so furchtbaren Pestseuche, welche hier nur einen einzigen Stiftsgeistlichen als Ldpfer dahinraffte.>733 erwarb Abt Norbert die Abtei St. Gotthard in Ungern, und damit r8 Dörfer und 7 Pfarren. Der>766 erwählte Abt Alberik Fritz hatte aber durch kluge Sparsamkeit viele antiökonomische Ausschritte seines Vorgängers wieder gut zu machen. In sei- nem Streben, das Beste des Stiftes zu fördern, eiferte ihm Abt Marian II. Reutter(>790 ch 1808) würdig nach- 1802 bewilligte Kaiser Franz II. die Errichtung einer eigenen theologischen Hauslehranstalt für die jungen Priester, mit geprüften Professoren und einem Projekten. Der jeweilige Abt ist Lokaldirektor. Abt Nikolaus II. Kasche 8o5 von M. Zell nach Wien ziehenden Franzosen wurde hier so strenge Mannszucht eingehalten, daß Marschall Davoust zwei Soldaten, welche sich Plünderungen erlaubt hatten, sogleich kriegsrechtlich erschießen ließ; aber auch das Stift ließ sich die Verpflegung der Truppen nicht minder angelegen seyn. 1809 wurde ein Theil des Stiftes zu einem Militärspitale benutzt. Der gegenwärtige H. Abt, Franz Seide mann, der sechzigste in der Reihe der Stiftsvorsteher, wurde am 28. Juli '82Ü erwählt. Seiner Sorgfalt dankt das Stift und die Kirche wesentliche Verschönerungen, und sein Streben, auf wissenschaftliche Bildung hinzuwirken, ist um so löblicher, als dieses Stift— so würdige Vorsteher und Mitglieder es auch zählte— in seinem Wirken nach außen hin bisher hinter den meisten Stiftern Österreichs zurück- blieb; und die schon vor 3o Jahren ausgesprochene Bemerkung eines geistreichen Schriftstellers:>, Schade daß dieses Stift, das in dem Mittelpunkte des Viertel Unterwienerwaldes liegt, und unter die ältesten Stifter Österreichs gehört, noch keinen Hanthaler, Hueber, Schramb, Pez, Link, Duellius hervorgebracht hat,« ist selbst durch des H. Koll Monographie noch keineswegs widerlegt. d, Beschreibung. Der größte Theil des Stiftsgebaudes, namentlich das eigentliche Konventgebäude, mit dem Winter-Refektorium nach dem großen Brande von>627 neu aufgebaut, zeigt sich der Hauptsache nach noch ganz so, wie uns Bischer ein Bild von 1672 aufbewahrte. Am Fuße des S- 336 erwähnten Kreuzweges betritt man durch ein großes Einfahrtsthor einen Dorhof des Stiftes. Eine alte Kastanienallee führt zum Haupteingange des eigentlichen Konventgebäudes. In diesem Vorhofe zeigt sich zur Rechten das stiftliche Gasthaus, ein altes Gebäude, in dem man in der Regel sehr gute Bedienung findet, nur muß man nicht eben zur Zeit der Mariazeller Wallfahrten die strengste Präzision fordern wollen. Ein kleines, aber freundliches Gärkchen mit einem offenen Salon, ist ein recht gemüthlicher Speiseplah. Wenn ein paar Feiertage hinter einander fallen, so ist diese Gegend ganz vorzugsweise ein vielgesuchtes Ziel für Exkursionen. Da verlasse man sich nicht auf das gute Glück, hier ein Nachtlager zu finden. Das Haus ist zu solchen Zeiten so überfüllt, daß der oDne Raum des Gartensalons nicht selten als Schlafstätte benutzt werden muß.— Vor dem Gasthause steht der alte, auch in Wischers Bilde sichtbare Brunnen. In dem Hofraume der Taverne, zwischen dem herrschaftlichen Meierhofe(ein regelmäßiges Gebäude mit vier Eckthürmen, welches nach dem Brande von>712 im Jahre 1714 feine dermalige Gestalt erhielt), stand die alte,>278 zu Ehren Mariens und des h. Nikolaus zum Gottesdienste für die herumwohnende Gemeinde erbaute Pfarrkirche, welche '786 exsekrirt und 1800 gänzlich abgebrochen wurde. Ein 344 Theil des Gesteine? und die altdeutschen Zierathen wur- den beim Baue der Laxenbnrger Franzensburg verwendet. Das Feuerlöschrequisiten-Depot und eine Stallung stehen nun an der Stelle der abgerissenen Pfarrkirche. Das Eingangsthor, durch welches man das Stiftsgebäude hier betritt, heißt das Wienerthor, so wie jenes an der entgegengesetzten Seite das Badenerthor. Ober dem ersteren ragt ein viereckiger Thurm mit einer Gallerie über die Dächer des Gebäudes hinaus; er enthält das bekannte»Horn«, eine große Orgel, deren Pfeifen, mit dem Geläute der Glocken harmonirend, den 6- Akkord schnarren. Eine Stunde weit tragen sich die Tone durch die Lüfte, um die zerstreute Gemeinde zum Gottesdienste zu rufen. Be, außerordentlichen Gelegenheiten und den ganzen Sommer hindurch an jedem Sonn- und Feiertage früh Morgens um fünf Uhr werden die mächtigen Töne geweckt, und wenn sie in den nahen Wäldern an dem frühen Wanderer vorüberrauschen, so ist dieser Eindruck ein wirklich feierlicher!— Abt Gebhard ließ dies Schnarr- werk 1720 erbaueng»833 wurde es restaurirt Man betritt den Haupthof; das ein Stockwerk hoheStiKs- gebäude bildet ein ungleichseitiges Viereck, in dessen Mitte, eine 173h, zum dankbaren Andenken der Schonung bei der Pest im Jahre 17,3. erbaute Säule mit mehren von» Bildhauer Giuliani verfertigten Heiligenbildern, und nebenan ein Springbrunnen steht. Ehrwürdig, und in ihrer unverletzten Urgestalt wundersam ergreifend, ist der Anblick der LZo Jahre alten Kirchenfronte, welche in der Mitte der Langseite des Hofes prangt*). Hier *) Leider besitzen wir von diesem ehrwürdigen Vaudenkniale noch 345 zeige» sich durchaus altsächsische(byzantinische) Bauformen. Auffallend, aber durchaus nicht neu, ist auch an diesem Gebäude die in den Details absichtlich vermiedene Symmetrie, wenn sie auch in der Hauptanlage gewissenhaft befolgt wurde. Man muß sich wundern, wenn unser vortrefflicher, dem Studium vaterländischer Archäologie zu früh entrissener Primisser darin einen Beweis zu finden glaubt, daß man in der Arbeit nicht nach einem festen Plane fortfuhr. Da auch nur einige Erfahrung diese Erscheinung der vernachläßigten Symmetrie an allen Gebäuden jenes Baustyles findet(es darf wohl, um ein nahes Beispiel zu haben, nicht erst auf den ältesten Theil der Stephanskirche am Riesenthore hingewiesen werden), so scheint es kaum einem Zweifel zu unterliegen, daß dieses im Wesen der damaligen Baukunst lag. Je mehre Baudenkmale aus jener Zeit und je aufmerksamer man sie betrachtet, desto mehr erhärtet sich diese Ansicht, ja desto inniger vertraut man sich mit diesen scheinbar irregulären Formen, als einem fast natürlichen Typus- Hatte bei der deutschen Baukunst eben jene unerschöpfliche Fülle der phantasiereichsten Formen zu diesem Verfahren geführt, so scheint beim sächsischen Style gerade seine Armuth, die mit unverkennbarer Ängstlich- keine Abbildung!!— Möchte Loch der um die vaterländische Kunstgeschichte so sehr verdiente H. Archivar Fr. Tschischka durch die Edition der vortrefflichen Zeichnungen der alten Bauwerke dieses Stiftes, deren er von der Hand des rühmlichst bekannten Architekturzeichncrs Wilder einen wahren Schatz besitzt, den Kunstfreunden recht bald eine der willkommensten Gaben bringen! keit die nackten Quadermauern durch geometrische Figuren, durch Darstellungen aus der Pflanzen- und Thier- welt*) zu bedecken suchte, eine ähnliche Folge geboten zu haben. Hier nun zeigt sich in der Anordnung der Halb- sänlcn und Stäbe an der Wand, an den Säulenfüßen, Knäufen, Gesimsen u. s. w. eine konsequente Irregularität, die zu vermeiden gewiß viel bequemer gewesen wäre, als durch mühsames Aufsuchen verschiedener Verzierungen wenigstens mit einigem Wechsel in den Formen die platte Dürftigkeit zu bedecken. Das Hauptportal ist eine, nach einwärts sich verengende, im Spitzbogen geschlossene Halle. Die Säulen tragen mit Blättern geschmückte Glockenknäufe. Die Übertage des Einganges ist mit einem herzförmigen Gewinde von Blättern und Blumen gefällt. Das oberste Giebelfeld berFronte wird zu beiden Seiten mit einer Reihe über einander hineintretender Würfel eingefaßt, deren Zwischenräume Rundbogen bilden. In der Mitte der Wand befinden sich drei mit kleinen Säulen und Leisten, welche sich über den Knäufen fortsetzen, gezierte Rundbogenfenster. Eben solche, jedoch ohne allen Schmuck nach einwärts sich verengend, sind auch in dcn Vorderfeldern der beiden Abseiten, welche, niedriger als das Schiff, giebelförmig abfallen, und von un- glcichsvrmigenHalbsäulen die ganze Höhe herab begrenzt wer- «) Die Thicrgestalten wurden v i e l l e ich t bisher vielz« oft mit mystischen Augen betrachtet, während sie etwa in den meisten Fällen bloß willkürliche Verzierung, ohne alle Symbolik seyn dürften, eben so wie der Blätterschmuck, dem man doch weck seltener geheimnißvolle Deutungen unterzulegen geneigt ist, fast ausschließend der deutschen Architektur diente. 347 den. Merkwürdig ist an dieser Außenwand eine im Spitzbogen endende Nische, dem ganzen Typus nach zu urtheilen der Urpsriode des Baues der Hauptfronte angehörend. In der Spitzbogenfüllung erblickt man ein doppeltes Kreuz, dessen unterer Balken wellenförmig läuft, darunter nach dem bekannten Spruche des Erlösers:«ich bin das Alpha und Omega«(Offenb. I- 8), in sehr alten Formen die Buchstaben^ und ü)*) und über jedem derselben ein, etwa den Namen Jesus andeutendes I, tiefer zu jeder Seite ein kleineres einfaches Kreuz, endlich in den beiden, durch vier Zierkelstücke gebildeten, kleinen Nebenfeldern Sonne und Mond. Daß eine Statue und die zwei kleinen Obelisken über dem Haupteingange, so wie das hölzerne Kruzifixbild in der erwähnten Nische neuerer Zeit angehören, fällt beim ersten Blicke auf. Man betritt die Kirche durch das zu seiner Breite un- verhaltnißmäßig hohe Langhaus. Es ist der älteste Theil der Kirche, r-34 angefangen, 1187 beendet. Massive Pfeiler, durchaus von Quadern aufgeführt, trennen das Schiff von den niederern Abseiten, und tragen das gedrückte Tonnengewölbe. Die Wände sind durchaus kahl und nackt, ») Nur ein gänzlicher Laie im Gebiete der Archäologie kann Liese Chiffcr für»I und w lesen; sonderbar genug und mit auffallender Hartnäckigkeit hat man zur Erklärung dieser Buchstaben bis auf die neueste Zeit(Kollü Heiligenkreuz nicht ausgenommen) ueber die widersprechendsten Hypothesen aufgestellt, als der, vonPrimisser schon vor einer Reihe von Jahren(Hormayrs Archiv>«->. S- äSS, ausgesprochenen Ansicht beigepflichtet, die sich jedem aufmerksamen, mit der Vorzeit nur cinigermasien vertrauten Beschauer wohl von selbst aufdringen muss. nur hoch oben stößt sich das Gewölbe scheinbar auf eine lange Reihe von Tragsteinen, die gleichfalls mit positiver Vernachläßigung der Symmetrie sehr verschiedenartig hie und da mit kurzen Säulchen(welche sämmtlich Würfelknäufe tragen) verbundene Würfel sind. Die Länge des Schiffes, welches ursprünglich ohne Zweifel mit einem halbrunden Chor geschlossen war, beträgt etwas über 28, die Höhe 12 Klafter; die Abseiten sind gerade um die Hälfte niederer, und die hier angebrachten Fenster mit dem byzantinischen Kreisbogen geschlossen- Das Äußere dieses alten Theiles zeigt nicht nur in der bereits bezeichneten Hauptfronte, sondern, wo das Konventgebäude nicht angebaut ist, auch an den Seitenwänden seine ehrwürdige Urform. Das Innere theilt hingegen das Schicksal, von dem schweren Schlage der Neuerung getroffen zu, seyn. Da es nun einmal geschehen war, so kann die-83, vorgenommene Restaurirung der ganzen inneren Kirche durchaus kein gerechter Vorwurf mehr treffen. Daß der(,802 vergrößerte) Musikchor und die in gleicher Höhe mit demselben um die Pfeiler laufenden Gesimsvorlagen der neueren Zeit angehören, fällt beim ersten Blicke auf. Die Orgel mit 64 Registern, 1802 erbaut, ,833 renovirt, ist ein tüchtiges Werk des Orgelbauers Jgnaz Kober, eine der größten des Landes. Die Chorstühle hinter der Orgel, deren Schnitzarbeit das Leiden Christi zum Gegenstände der Darstellung hat, sind von Kaspar Schrezen mayer, einem Laienbruder des Stiftes(1786), verfertiget worden. An zwei einander gegenüberstehenden Pfeilern findet man die Grabdenkmale des bekannten Malers Martin Altomonte(eigentlich Hohenberg, geb. zu Neapel 1657, 1->4 Sept. 174Z) und des Bildhauers Giuliani(geb. zu Venedig>663, ch S. Sept. 1744). Beide verlebten den Rest ihrer Tage hier im Stifte; von beiden blieb der Abtei an den Werken, die sie hier zurückließen, ein theurer Nachlaß. Die zierlich eingelegten Kirchenstühle in diesem Theile sind das Werk eines Laienbruders dieses Stiftes, Namens Kaspar Miller; sie datiren sich von 1802.— Am Boden eingepflastert trifft man hier den Grabstein des ständischen Trompeters Wilhelm Mäsler(ein Wohlthäter des Stiftes, f>721), und weiter vorne jene von den in der Vorsteherswürde aufeinander gefolgten Äbten, Michael H., s i6S3, Klemens, 1698, und Marian l., 4° 170I. Aus dem alten, an der ganzen Armuth seines Sty- les kränkelnden Langhause tritt man in den später hinzu- gebauten Chor. Das Freiere und leichtere des(wie erwähnt wurde dieser Zubau 129S eingeweiht) eben damals die Fülle seines unerschöpflichen Schmuckes entfaltenden deutschen Styles, kontrastirt ganz eigenthümlich mit den schwerfälligen Massen des Schiffes; die schlanken Pfeiler, das hochaufstrebende Kreuzgewölbe, die hohen Spitzbogen- fenster, die Farbenpracht der herrlichen gemalten Fenstertafeln, alles vereinigt sich, einen wundersamen Eindruck zu erregen! Die Höhe des Chores ist mit jener des Langhauses gleich, die Länge mißt 17 Kl- 6", die Breite >4 Kl. 6". Sechs freistehende Pfeiler sondern den Chor in drei gleich hohe Theile ab. Auffallend ist es, daß dieser Chor, wie z. B- die Kirche zu Neuberg in Steiernlark, durch eine ganz flache Wand, und nicht durch ein HalbesAchteck 350 oder einen Halbkreis(wie damals ganz allgemein und auch bei den Tochterkirchen zu Zwettl und Lilienfeld) geschloffen wird. Jedem Kunstfreunde werden die herrlichen Glasmaler e i e n vom höchsten Interesse seyn. Die zehn hohen, mit sinnreicher Spihbogenfüllung verzierten Fenster sind, und zwar jene an der Wand hinter dem Hochaltare, von unten bis oben, die übrigen aber nur mehr in den unteren Abtheilungen, mit gemalten Scheiben gefüllt. Ferne von jener betäubenden Buntheit, womit viele ähnliche Bild- uereien augenblendend prunken, Herrscht in diesen Verzierungen eine edle, wohlthuende Harmonie. Eben deßwegen kann man sich nur schwer überreden, daß diese Glasmalereien schon unter dem Abte Sieghart(1284 f>289) sollen angefertigt worden seyn. Die Beweisesstelle aus einem alten Manuskripte dieses Stiftes, welches von jenem Abte bemerkt: vitra in occlezia posuit, gibt, ohne weitere Gewähr, noch keine volle Bürgschaft, daß unter dem simplen Ausdrucke vilra gerade diese farbenprächtigen Fenster gemeint sind. Es ist vielmehr bekannt, daß die Zisterzienser lange Zeit wider die Glasschildereien als eine sinnliche, andachtsstörende Augenlust eiferten. Nur an zweien dieser Fenster finden sich figuralische Darstellun- gen, und zwar mit Umschriften, die jedoch der bedeuten- den Höhe wegen schwer zu lesen sind, die übrigen Felder zeigen Blumenschmuck, Rosetten, Sterne u. s. w- Die einzelnen kleinen Glasstü'cke sind mit Einfassungsblei an ein- ander gekittet, ein Umstand, der wohl immerhin auf ein höheres Alter deutet, denn die Kunst, große farbige Bilder durchscheinend auf Glas einzuschmelzen(die enkau- 351 stische Glasmalerei), ist erst eine Erfindung der letzteren Zeit des i^ten Iahrhundertes- Unverkennbar find diese Tafeln mit jenen des Brunnenhauses im Kreuzgangc, wovon S.3S8 bis 3bo die Rede seyn wird, gleichzeitig. Schade daß die fehlenden Stücke dieser, im Ganzen sehr wohlerhaltenen Fenster durch ganz unberufene Hände mit sogar ungeschnit- tenen, in die Nebenfelder hineinragenden, mit bloßer Ölfarbe überstrichenen Scherben ausgeflickt wurden. Besonders übel kam eine Fensterrose weg! Der Hochaltar(>729, und der neue Tabernakel>83, eingeweiht), mit geschmackloser Holzverzierung und stark vergoldeten Figuren, hat ein sehr gutes Bild(die Himmelfahrt Mariens) von dem durch seine trefflichen Fresken und Ölgemälde in mehren Kirchen Wiens rühmlich bekannten Baron Johann Michael Rottmayr von Ro- senbrunn, unter Joseph I- kais. Kammermaler, ch 172?- Von ihm sind auch die Gemälde an den beiden nächsten Nebenaltären, der vom Kreuze genommene Heiland im Schooße der weinenden Mutter, und der h. Bernhard. Die übrigen Altäre(es sind deren im Ganzen zehn) haben ebenfalls gute, mitunter sehr gute Bilder; darunter sind der h. Erzmartyrer Stephan und der h. Joseph, zur Rechten, dann links der h. Bencdikt mit seiner Schwester Scholastik», und der h. Leopold(auf welchem Bilde man auch seine fromme Stiftung Heiligenkreuz erblickt), wackere Schöpfungen Alt 0 m 0 ntes. In der Abseite zur Rechten verdient die vom vr. Johann Fuchsmagen*) gestiftete Tapete alle Aufmerksam- -) Fuchsmagen(auch war einer der vorzüglichsten Rechtsgelehrten seiner Zeit, und unter Friedrich lV. und Max I- 352 keit; sie ist ganz gewirkt, und, wiewohl über 3oo Jahre alt, noch sehr gut erhalten; freilich sind die Farben schon ziemlich verbleicht. Die Arbeit selbst ist ausgezeichnet. Die Unterschrift r Divo I-ooPoIcko^ustris geuis ilolisunes kuclis Mzg vootor lliosvit, drückt die Widmung aus. Die Darstellung zeigt den h. Leopold mit seiner gesamniten Familie, und zwar auf der linken Seite die Sohne, namentlich, Ernst, Leopold den Freigebigen, Heinrich Jasomirgott, Otto von Freisingen und Konrad(Abt von Heiligenkreuz), auf der entgegengesetzten Seite die Tochter, Geuta(Judith), Elisabeth, Gertrud, Agnes und Bertha. Auch findet man darauf einen Wappenschild eingewirkt, der in zwei Hälften und jede derselben dergestalt in drei Felder getheilt ist, daß in der oberen das Mittlere und in der unteren Hälfte die beiden äußeren Felder schwarz, die übrigen weiß sind. Auch in diesem Theile der Kirche wird eine Anzahl mitunter sehr alter Grabsteine anziehen. Gleich am Anfange des eigentlichen Chores befindet sich aufrecht gestellt der Grabstein dcS Abtes Konrad III. Faber(fi ,SS8). Die Vorderseite zeigt den Bischof Konrad v o n K o n- stanz(nicht wie bereits geglaubt wurde, den Heiligenkreuzer Abt Konrad IV.), einen Kelch in der Hand. Im Bogen liest man die Wote: 8. Oonraäus ,SSi con- r. Rath. Ein«eistiger Archäolog-, lieg er sein Haus und die Wiener Akademie mit Römersteinen verzieren. Die Seltenheiten seiner Bibliothek, später Cuspinians Eigen, bewahrt grösttentheils die k. k. Hofbibliothek. Er starb am t>. Mai >5>o, und wurde im St. Dorotheenktostcr zu Wien begraben. 4)53 stsntiens. Auf das Lebensende des in die Reihe der Seligen verfehlen Bischofes deutet eine auf dem Kelche sichtbare Spinne. Konrad soll nämlich bei Verrichtung des h. Meßopfers aus übelverstandener Pietät eine zufällig in den Kelch gefallene Kreuzspinne mit aus getrunken haben, dann aber aus Ekel gestorben seyn. Die Rückseite des Steines zeigt einen vor dem Bilde Christi knienden Zisterzienser(den Abt Konrad?) mit Krummstab und einer am Boden stehenden Insel, oben mit der Zuschrift: 131, voi! misorero inei!— In der Nähe des Bernardialtares findet man am Fußboden die Grabsteine Ulrichs von E bersdorf(lebte um ,357—»382), baun jenen des Ulrich von P e r g a u, ch-,343, unter Albrecht dem Weisen Hofmeister, dessen Gattin eine Agnes von Ebersdorf war- Die Inschrift, so weit sie erkennbar, lautet: 666X1,111.XVI. II. Maroi! O sta s Ulricus äs Us (rgan). Unter der Kanzel ist das Grab des Johann Grisfo, 1->353, und weiter gegen die Mitte auf dem Fußboden eingemauert, der Grabstein des Stephan Ziziling mitderJn- schrift: reris VI. xost lestum nativitsl« criet! snn» stni N6666XXXIX odüt Stexdan miles sie 6iciUnz. Gerade vor den Stufen des Hochaltares ruht Abt Christoph Schäffer,-ß>637. In der Nähe des JosepHsaltareS trifft man die Grabsteine Äes Abtes Udalrik II. Molitor, ch>581, und des Abtes von Schlrerbach, Joh. Franz,>644- Der Kanzel gerade gegenüber an einem Pfeiler ist die Tumbe des Abtes Johann VI. Nuff,, 5yy. Ganz vorne endlich, ober den Stufen des erhöhten PrcsbyteriumS, trifft man am Fußboden den Grabstein des 6>tto Turso von Rauhenegg, mit der Ausschrift:^nno äni R666 tri- 35 4 ßesimo primo«erto nonss msü okiit ilominv, Otto Tvr8o lle Ilavlionelckl. Der Thurm befindet sich an der linken Seite der Kirche, zwischen dem Langhause und Chöre. Er wurde, nachdem 1627 der frühere von einem Blitzstrahl getroffen und abgebrannt war, ganz von Quadern aufgebaut. Die Hohe bis zur Dachung beträgt etwas über 21 Klafter. Die hohe Blechkuppel(von 1726) mit mehren Abtheilungen mißt überdieß ,S Klafter. Man besteigt ihn unmittelbar von der Kirche aus. Eine steinerne Wendeltreppe mit 97 Stufen führt auf das Kirchendach; von da leiten mehre Holztreppen(mit Sfi Stufen) bis hinauf. Er enthält drei Glocken, worunter zwei von 1697. Die Ersteigung wird fast nur durch den imposanten Überblick des Hofraumes gelohnt, welchen der alte Kreuzgang mit seinen interessanten Bauformen umschließt. Die alten. Bauformen an der Kirche machen, wie erwähnt, auch die Besichtigung dieses ehrwürdigen Gebäudes von außen höchst anziehend. Noch deutlicher als im Innern unterscheidet man hier die sächsischen Formen und am Chöre den altdeutschen Typus. Unter dem vordersten Fenster des Chores auf der Evangelienseite findet man die Grabstätte eines Wohlthäters des Stiftes, Namens Chol- hok von Brück Hin, 127S) durch folgende Worte ausgedrückt: A-M IVL^en^IcklOU' 60KM COl.VL^ u. TUI(«) HULN 5. Sonderbar genug hat man, entwe- ') Sollte heißen n>-rri-; die Zeichen»» dürsten Werkmeister- male seyn. 355 der aus Unkenntniß des Lesens altdeutscher Buchstabe», oder weil man des Sinnes nicht recht klar werden konnte, diese Inschrift lange für eine Geheimschrift gehalten, ja, als ein Wahrzeichen verschrien, für die Andeutung zur Erhebung eines vergrabenen Schatzes ausgegeben! Der vortreffliche Professor Keiblinger übersetzt diese Stelle so: »den hier begrabenen biederherzigen Chalhok möge durch Mariens Verdienst der Sohn Gottes selig machen.« An die Rückseite der Kirche schließt sich der Leichenhoffür die Stiftsgeistlichen, mit den Gräbern der letzten Äbte Alberik Fritz, ch 1787, Marian ll. Remter, ch>8o3, und Nikolaus ll. Kasche, ch 182t,. Die Sakristei, statt einer älteren, vom Abte Klemens(ch>6y3) erbaut und 1802 renovirt, ein ctwaS tiefliegendes, nicht genug trockenes Lokale, bewahrt unter andern mehre, von zwei Stiftslaienbrüdern Namens Lukas Barth und Kaspar Miller,>8or fleißig ausgelegte Paramenten- Schränke. Durch seine reinen altdeutschen Formen ausgezeichnet, aber viel zu wenig geachtet, ist die. von Albrecht l.>3oo erbaute, ,6y, bedeutend renovirte Bernardskapelle, worin jetzt nur mehr zu Ostern fungirt wird. Der Kreuzgang, dessen eine Seite mit der südlichen Kirchenmauer parallel läuft, ist nächst der Stiftskirche eines der interessantesten Baudenkmale, nicht nur des Stiftes— des Sandes! Fast gleichzeitig mit dem älte- sten Theile der Kirche erbaut, überbietet er an Alter den Kreuzgang von Klosterneuburg, und jene von Lilienfeld und Zwettl, deren Prototyp er war. Er bildet ein gleichseitiges Viereck, und umschließt einen kleinen Gartenraum. 3Z6 Das Kreuzgewölbe ruht auf der Seite des freien Raumes auf Pfeilern, die mit kleinen Säulen von rothem Marmor bekleidet sind- Die Fensterräume zwischen je zwei Pfellern sind in vier, abwechselnd mit Spitzbogen und Rundbogen geschlossene Fensterffächen untergetheilt, über welchen sich wieder ein breiterer Spitz- oder Rundbogen mit runden Fensteröffnungen spannt. Alles deutet unzweifelhaft auf die Übergangsperiode von der«»sächsischen Baukunst in den deutschen Styl. Und eben dieser Wechsel des Spitz- und Rundbogens gestaltet sich so gefällig, daß man diesen Typus auch bei den späteren, ersichtlich nach diesem Muster ausgeführten Kreuzgängen von Lilien- feld und Zwettl beibehielt. Auch diese Fenster waren einst durchaus mit Glasmalereien verziert; die wenigen Überreste davon, sicherlich mit dem Kreuzgange selbst gleichzeitig, also bei 600 Jahre alt, sind aber vom höchsten Interesse. Bei sparsamer Färbung zeigen sich bloß dunkle Konturen mit grauen Schattirungen eingebrannt. Einige Verzierungen sind ganz besonders sinnig; weniger sprechen die noch ziemlich rohen figuralischen Darstellungen an. In den obersten, von dem Kreuzgewölbe gebildeten Wandfeldern befinden sich 38 Gemälde, Szenen aus dem Leben den h. Bernard vorstellend. Sie entstammen dem Ende des ryten Jahrhundertes. Ein Grazer Maler, Namens Waßhuber, und ein in Venedigs Schule ausgebildeter Laienbruder des Stiftes, Namens Molitor, haben dieselben angefertigt, und mehre darunter sind selbst nicht ohne Kunstwerth. Durchaus ist eine sichere kräftige Hand nicht zu verkennen. Unter den meisten dieser Bilder standen früher die Darstellung erläuternde Reime; 357 strwaren mitunter recht gemüthvoll; leider hak man sie zum Verluste für die Sittengeschichte jener Zeit vor einigen Jahren als unpassendüberstrichen. Als Proben des damaligen Geistes möge ein Paar solcher Reims hier stehen. »Christi Leib war so groll, vom Kreutz daran er hing »Macht er die Hände los, und Vernarb selbst umfing; »Was wird wohl haben g'habt für Trost BernarLi Herz! »Wer also wird. gelabt,, empfinde ja keinen Schmerz«. Ungleich gemüthlicher lautete folgende Strophe: »Leupold von Österreich, zwei Söhn in Orden gibt »Dnd stiftet auch zugleich, dieß Kloster aus Gelübd; »Zum heiligen Kreutz genannt. Der Markgraf felberFeit »Wollt haben in dem Land, Vernardi Ordenskleid. Den Kreuzgang betritt man entweder unmittelbar von der Kirche oder von dem Hauptthore aus. Das Plätschern eines Brunnens harmonirt wundersam mit der Stille des Ortes. Es ist der bekannte Blei- brunnen in dem, vom Abte Sieghard 1268 erbauten, noch ganz wohl erhaltenen Brunnenhause. Der Brunnen selbst besteht zuunterst aus einem größeren Steinkrater und vier über einander liegenden Becken, deren obere am Durchmesser abnehmen; durch kleine Nöhrchcn spielt das Wasser in die unteren Becken, und überkrustet ste mit einem Niederschlage dergestalt, daß man sie bei dem ersten Anblicke für Stein hält.— Die Lrunnenhalle ist ein altdeutsches Gewölbe mit hohen und breiten Spktzbogenfenstern, deren Spibfüllung, wie darunter eine Art herumlaufender Sockel, zierliche altdeutsche Formen zeigen- Die Glasmalereien an den Fenstern, welche, wie erwähnt, mit jenen im Chor der Stiftskirche ganz gleichen Karaktcr tragen, gc- 328 hören z» den wichtigsten Darstellungen dieser Art. welche arrf uns gekommen sind. Nur eines dieser Fenster hat durchaus figuralische Darstellungen(wovon sogleich die Rede seyn wird), die übrigen zeigen Blumen, Rosetten und andere architektonische Verzierungen. Nur als Nebensache ist hin und wieder ein Figürchen angebracht, darunter ein König auf einem Tieger mit der Umschrift Uex^loxanüer; wieder anderswo erblickt man eine auffliegende weiße Taube. Im Sinne jener Zeit von hohem Kunstwerthe, und durch den Gegenstand der Darstellung— Bi ld n i sse der Helden wüthigen Babenberger— jedem Österreicher geheiligt, ist namentlich das eine dieser Fenster von hohem Interesse. Hier, wie an allen solchen Schildereien an- der ersten Zeit dieser Kunst, sind die farbigen einzelnen Glasstncke mittels schmaler Bleistreifen dergestalt zu einem Ganzengefügt, daß jede einzelne Hauptfarbe, worauf dann mit schwarzer Farbe die Gesichtszüge, Gewandfalten u. s. w. bezeichnet und eingebrannt waren, durch ein einzelnes Glasstück gebildet wird. In drei Rechen über einander, enthalten die beiden obersten vier, die unterste zwei, mit solchen Darstellungen gefüllte Fensterfelder. Jedes einzelne Bild ist mit einer, auf farblosem Glase eingebrannten Inschrift*) umgeben, die hier mit einigen Andeutungen über die einzelnen Darstellungen folgen. Ldberste Reihe: t. I,6vpc>lcl lVIarelilo^kn8trie lbvnclator Iiorvrn reno- lliorvin(Leopold der Heilige Stifter von Heiligen- *) Die von Herrgott I-m.lll. i>»,> i.) n,ft den Abdil- dnnzen dieser Fenster gegebenen Inschriften sind nicht gang getreue Kopien. kreuz und Klosterneuburg, welche beiden Stiftungen — ob eben mit historischer Genauigkeit? dürste wohl nicht geradezu behauptet werden— der Gegenstand der beiden nächsten Bilder sind, mit folgenden Umschriften): vomvs sanoto ervcis oräinis Oistercicnsis, kvn- clatlo I,evp. lllarebionis(Heiligenkreuz), und 3. Oomvs kiovmbvrgonsis orüinis ssiicti^vgvstinl, kvnciatio I,evp. lllareli.(Klosterneuburg); Lgnes conjvx I,ovpoläi Llarrliioni» ülia Honrici im^eratoris^varti(Agnes, erst Witwe des Stau- fen Friedrich von Schwaben, dann Leopold des Heiligen Gattin, war des gesammten nachgefolgten Ba- benbergcrstammes und der Hohenstaufen Ahnfrau). Des Stifterpaares Söhne Adalbert, Heinrich 2aso- mirgott, Otto Bischof von Freisingen, Kvnrad(erst Abt von Heiligenkreuz, dann Bischof von Paßau, endlich Erzbischof von Salzburg), Leopold der Freigebige(Herzog von Baiern) und Ernst, sind in den übrigen Tafeln vorgestellt mit folgenden Umschriften: Mittlere Reihe: 5.^üaldort primogenitvs svpraüiet» l,ovp.AIsrci>!onir ü. Ikoinrlv p, im. clvx Lvstrie kvnäatoir(sie!) 8coto- rvm chVienns(ausgebrochen). 7. Otto ülivs üovp. lUarcb. Llonaclivs Oisterclensi, opic. I?ris>gon8is. 3. Olivnraüvs üli' I-ovx. Llarcbioniz^.reliiexiscoxv, Lalidvigensis. Die unterste Reihe: y. I,evpol(lv8 ülivs l-ovji. lllsrcli.<(ui üvx'2a>vario vktigltvr. 360 io. Lrnobtvs Zlsroliio^vstris tilivs I-LVPvIsti' stlsrcli. Svprackicti. Die beiden letzteren Bilder sind bereits sehr schadhaft, und die einzelnen Scheiben schweben ganz lose in ihren Bleifugen. Es ist höchste Zeit, daß sie auf eine»er« ständige Weife restaurirt werden, um ein in jeder Beziehung denkwürdiges Gesammtbild zu erhalten! Keineswegs durften jedoch hierzu Hände verwendet werden, wie jene, welche die Glssfenster der Kirche ausgeflickt haben.— Aus dem Gegenstände der Darstellung zu schließen, ist das Ganze(die Familie und Stiftungen des h. Leopold) noch komplett, und auch der gelehrte St. Dlasier Abt Herrgott hat sie in eben der Anzahl abgebildet(kinse. L. III pgra I. z,. 16— iö)*). Das Kostüme ist besonders bemerkenswerth. Die beiden Bischöfe(Otto mit einem weißen, Konrad mit rothem Talare), nach der damaligen Sitte, aller Zeichen ihrer weltlichen Würde ledig, haben Insel und Krummstab, Otto von Freisingen(vielleicht auf sein schriftstellerisches Wirken deutend?) hält mich ein Buch in der Hand. Die weltlichen Sprossen tragen meist verbrämte, mit Gürteln befestigte, faltige Unterkleider, worüber mit Pelz ausgeschlagene Mantel hängen, als Kopfbedeckung meistens den Herzogshut, dann den Bindenschild und Schwert. Zahlreiche Grabsteine sind in den Fußboden des Kreuzganges eingepflastert, mehre leider bis zum Unleserlichen verbluten. Im Pförtnerga n g e ruhen Mitglie- ') Die Umschriften sind jedoch bei Herrgott, wie erwähnt, nichts weniger als buchstäblich getreu kopirt. der der geistlichen Sammung aus dem i^en und'gten Jahl» Hunderte. Im Fußwaschungsgange, in welchem man auf seine Bestimmung deutend ein paar Skulpturwerke— Christus seinen Jüngern, dann Maria Magda- lena dem Herrn die Füße waschend— an den Wänden hölzerne Bänke und eine Kanzel erblickt, ruhen viele Geistliche und mehre Laien. Die bemerkenswertheren Inschriften lauten wie folgt: »byy äls VUl. Rov. K. Lsrnsrä killet^ krot. er kraeteeL N. k. 6Vir.sI^IVs kel.l.er XXXX I)I»l3 sVxrs svvl LVIVs Io6l 6anlor In ssneLtVts sVa ts3LVs odsIIVIt.— ^nnc> 1734 äio 26 axrll oli^d k. k. VV^ollkzanAns^uinbor 8. j k. XXX Oecemliiis lVII>L!6t Schmidl's Wiens Umgeb. m., L»no chä MLL6XXXVIII 9 in äls 5->n°tn u-tcri„- vior 0. Lvis lGräfi» Eusalia von Vogel). LnllN löbS.7 OcwI>. vl>- k. n. I-cndvs s-irtvrill- 8. f krok. kr°k. !Q ovr. rvA.— ^ I». Lämuvtlus liöniA xrkor omoritus v!» susviL er miUs od)t 6 Dooemkr.»772» V- k. Daniel koeki xilor oinoritus vir xiorurn 6esi6.eriorum oblir 28. Ms)f»778,— I^ou Mai.'^ Otto in k'oro Oivis VViennengis«— s lävs axr.u»^ kerlits äe llor, war 1276 bereits verstorben*), m lä. I'obr.^^Iiaä!.-; äe Vireieliscliirolio»(lebte im i3ten Jahrs Hunderte.). Im Kapitelgange ruhen viele Sprossen der angesehensten Familien; mehre Grabsteine sind aber leider ganz ausgetreten. Eine am Eingangsgitter der Fiirsten- gruft angebrachte Schrifttafel gibt von ihnen, wenn auch eben nicht ganz kritische Kunde; die kirchliche Topographie IV. 236 und M. Koll(64— 66) zählen ebenfalls mehre derselben auf. Übrigens muß noch bemerkt werden, daß die meisten dieser Grabstätten, wenn auch die Inschriften nur einzelne Individuen bezeichnen, F a m i l i e n g rü ft c sind. Was sich noch an Inschriften entziffern läßt, folgt hier: Lllno ckominl INV6LXXI'.) VIIiI. stö-ed» H,'!>ni>2S h u o u ll» -.Lv-S ss-rv-is; in der Mitte des Steines liest man: ») ,176 vermachte Ulrich von Rohr dem Stifte für die Grabstätte seiner Gemahlin Bertha einen Hof zu Pfaffstetten u. f. w. ..)-i°! nicht ,L>7- Es scheint also, dass Johami nicht bis zu seinem Tode die AbtenwürLe bekleidete- Kvgo äo(xen)— Ll ttla ävlil^ Vlrievs äo R»(mxerz?)— Auf einem an der Wand aufrechtstehenden Steinwürfel: s Diulv.le l.IoIit608vÄlo(lebte noch i«4o)— t- VI. no». M3Ü 9' Otto Ivr-so(von Rauhenegg lebte um l-06). s xm. It>- Mall 0 6bvaritävs lls WNltskA(wird noch»3ä3 als ein Wohlthäter des Stiftes h. Kreuz genannt), vtw L->«osiovro, wahrscheinlich Otto der jüngere von Haslau, Oberstlandrichter in Österreich, der um>-8,—>3o> lebte, und als Wohlthäter von Heiligenkreuz erscheint.. Gerade vor dem Eingänge in das Kapitelhaus auf einem rothmarmornen Steine mit der Inschrift:^uno dick AIL6LXXIIH. H Kai Älaii^ äüs Wvlilnzvs äo Uara- sonäorf, glaubt man beim ersten Anblicke eine ganze weibliche Gestalt zu sehen. Bei näherer Betrachtung entdeckt man jedoch, daß der weibliche Kopf mit einem großen runden, durch Bänder herabgebundenen Hut nur die Zimier(Helmzierde) über einen Wappenschild mit einem Löwen sey. Für Kostümkunde ist diese Darstellung kein uninteressanter Beitrag. Dann folgen noch ein paar Grabsteine mit folgenden Inschriften: kktoiä äe^rslvi yu.(erscheint»»85—»?.,6). Oistmarus äs LriAolZelialeksvoläe(C'Njersfeld)»271 endlich: lV. läus suzusti b Albertus äo 81,.. In das Kapitelhaus, die Fürstengruft des Heldenstammes der erlauchten Babenberger, gelangt man von dem Kapitclgange aus, durch ein dem Besuche stets geöffnetes Eisengitter. Über ein paar Stufen steigt man in die spärlich erleuchtete Halle hinab. Nicht ohne tiefen Ernst betritt man diese, jedem Österreicher ehrwürdige Stelle. Won den Söhnen des heiligen Leopold bis zum streitbaren Friedrich, dem letzten seines erlauchten Hauses, ru- ib* he» die meisten Maunessprossen dieses Stammes hier. Mehre wurden jedoch in ihren frommen Stiftungen, so der Jasomirgott bei den Schotten, der glorreiche Leopold zu Lilienfeld beerdigt. Otto von Freisingen ruht zu Mo- rimund in Frankreich, Konrad(erst Abt von Heiligen- kreuz, zuletzt Salzburger Erzbischof) zu Admont in Steier- mark. Es dürfte wohl keinem Zweifel mehr unterliegen, dost einige Familienglieder, deren Grabsteine man in Heiligenkreuz findet, ursprünglich in Klostcrneuburg begraben wurden Namentlich ist dieß bei den beiden Söhnen des h. Leopold, Albert, st i>36, und Ernst dem Schönen, st nstr, dann bei Heinrichs des jüngeren von Medling Gemahlin Naiza, st 1187, der Fall. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß man sie zuerst, etwa weil der Vau der Heiligenkreuzer Fürstengruft damals noch nicht beendet war, in Klosterneuburg beigesetzt, und dann erst hierher überbracht hat. Das Kapitelhaus, welches die theure Asche unvergeßlicher Fürsten birgt, bildet ein regelmäßiges Viereck. Auf vier freistehenden Pfeilern ruht das altdeutsche Kreuzgewölbe. Das Innere wurde»710*) mit Fresken von Noth- mayr— geziert. In den Wandfeldern erblickt man Darstellungen der Helden, welche hier ruhen. Ob nun gleich Friedriche des Streitbaren Bild in Hormayr's hist 0 ri- sch em Taschenbuche für 1811 eine Abbildung fand, so sind diese Bildnisse doch ohne allen historischen Werth, ») über dem Eingänge im Innern der Fürstengruft liest man folgendes Ehronostichon: gVd v. Qsrsrvo vs s. 6rV6e.4b. dato; V0N außen: kcrlstUVLT. bo66o renoVsrl 6VraV!t L'rsvLIsLV» XaVerlV» xraosVle VIgIl- bVIVs coenodH. 365 willkürliche Erfindung. Wenn aber diese ehrwürdige Stätte schon durchaus von dem Lose der Verschönerung(!) getroffen werden mußte, so sind diese Schildereien immerhin noch von besserer Gattung. Die an den Wänden ringsherum laufenden hölzernen Bänke dienen zu Sitzen für die zum Kapitel versammelten Stiftsgeistlichen. Der präsidirende Abt oder Prior hat dabei seinen Platz an dem Altare vor der Mitte der Rückwand. Dem Eingänge ziemlich nahe, in der Mitte derHalle erblickt man den Grabstein, der den Staub des streitbaren Friedrich deckt. I» Stein gemeißelt zeigt sich das Bild des zu früh gefallenen Helden. Ehrwürdig durch den Fürsten, den es zeigt, ein treuer Stempel der Rüstung seiner Zeit, fast sechshundert Jahre alt, bleibt dies Steinbild eines der merkwürdigsten Denkmale unseres Vaterlandes. Der Letzte eines herrlichen Negen- teustammes liegt er da im krieparischc» Waffenrocke, der, verbrämt, bis an die Kniee reicht, mit einem Gürtel über die Hüfte geschnallt. In der Rechten senkt er das wacker, geführte Schwert abwärts, mit der anderen den österreichischen Bindenschild haltend. Kopf und Füße sind, namentlich durch die Türken bei der Invasion von>683, ^ sehr verstümmelt. Der Stein ist 6 Schuh lang,- Schuh und 8 Zoll breit. Zu beiden Seiten in eiuigerEntfernung zweiSteine von rothem Marmor, ohne alle Inschrift, decken, und zwar jener an der rechten Seite von Friedrichs Bilde die irdischen Reste Heinrichs des Grausamen, des glorreichen Leopold Sohn, geb.>--»8,ch 26. Sept. ,228(bei der Eröffnung dieses Grabes fand man auch ein stark verrostetes»'/.Fuß langer Schwert), und jener an der entgegengesetzten Seite seine Gemahlin Richardi§, deren Grabschrift aber weiter unten 8ub Nr. 8 erwähnt wird(hierbei ist der Angabe Herrgotts gefolgt). Weiter vorne sind die Grabsteine der übrigen hier ruhenden Fürsten in einer Reihe neben einander in den Fußboden gesenkt, die mittleren, leider durch das Treppenwerk vor dem Altare verstellt! Ein Übel» stand, der um so leichter zu beseitigen wäre, als hier nur selten fungirt wird. Die Grabschriften lauten wie folgt, und zwar dem Eintretenden zur Linken beginnend: l) XVI-«I-. LVIII. O. VNIVVKIL. VVX.'^VSINIV. Der, auf der Rückreise von einer Kreuzfahrt nach Palästina am 16. April 1198 verstorbene Herzog Friedrich, zubenannt der Katholische, Leopold des Tugendhaften Sohn, dessen Körper, oder wahrscheinlicher dessen Gebeine hierher überbracht wurden. 2. Herzog Leopold der Tugendhafte, der Held von PtolomaiS, des Löwenherz Feind; an den Folgen eines Sturzes vom Pferde gestorben zu Grah am 3r. Dez. ny4, wurde(imZisterzienser-Habit) hier beerdiget; ein zerschmettertes Bein fand jedoch Herrgott bei der Durchsuchung dieser Krypte nicht. j II. III.. IL8VLNII.-H. INVN0I.II' VVX. LVSHIIL.N'I. sriniL. 3. Ohne Inschrift. Heinrich der jüngere von Medling, geb. 1162, f- 22. Mai 1282, wurde ursprünglich zu Kkosterneuburg zur Erde bestattet. 4. Leopold V. der Freigebige, Leopold des Heiligen Sohn, Bruder des Iasomirgott, Herzog von Baiern, geb. i>o8, f- zu Niedcralteich in Baiern i xv.'«v.iivvL.H.vivroi.v' vvx.vLWLiriv.L. 36? s. Nudvlph und Heinrich, Enkel Rudolphs von Habs bürg aus seiner Tochter Katharina, Gemahlin Ottos, Herzogs von Baiern, Königs von Ungern; star- ben in der Kindheit um 1280, KVDOl-k'.. IILIRVI6. n k 8. 0^2'01^18.VV6. (v). Lr.«Lk0rL8. UVVOIuI-1. KL6I8. NONäSlOKVSI 6. Heinrich der altere von Medling, des Ja- somirgotts Sohn, geb. 11S8, ch>y. Jan. 1228, und seine Gemahlin Raiza(Nichardis), des Dohmcnkönigs Wla- dislav Tochter, ch i>82. XINI.NI,. kLIi.... MI8NI6. vvx.m:. NLVLUN! .VVc!I8SL.VXON.LIV8. Auch Raiza wurde zuerst zu Klosterneuburg beerdiget. 7. Adalbcrt3.Feber-1107, ch y. Nov. ,187) und Ernst der Schöne(geb-'S. Aug.-12 h, chrö.Januar iichr), beide. Söhne Leopold des Heiligen, beide nach ihrem Hintritte zu Klosterneuburg bestattet. s. V. Iv. X0V. LUU'I. X.Iil,. V'LNN.IlN!tL8'I'. l>IXN6NIOlllL8.^'. 8. Gertrndvon Braunschweig, erste Gemahlin Friedrichs des Streitbaren, vermählt im März, und gestorben 19. April>226; dann Agnes Ri ch ard i s, Heinrichs des Grausamen Gemahlin, Schwester des Landgrafen Ludwig von Thüringen,'228 vermählt. Seit>228 Witwe, führte sie den Titel einer Landgräsin von W alte r s d 0 c f*), ch 28. Feb.>2tjo. ») Das heutige Oberwaltcrsdorf a» der Triesting, seit den ältesten Zeiten der Babcnberger Eigen, und wahrscheinlicher Witwensitz Richardis. Landgräfin nannte flc sich nach dem Range ihrer Geburt. 368 Die Grabschriften, beide auf einem und demselben (gebrochenen) Steine, lauten: r xm- irr.. ALii. A.vLirrurvois. vr:. Lnov8SMik».vv. 6I88L./rVSINIi:. VI. It.NLU. H M0IILIWI8. r,.rXILN.rviä. OL rVLl.ILII8- oonk. Die historische Kritik hak in Absicht auf diese Grabsteine noch manches zur völligen Evidenz zu bringen, wozu freilich ein bloßes Wanderbüchlein am allerwenigsten berufen wäre. Der, durch sein in jeder Beziehung riesenhaftes vaterländisches Werk rühmlichst bekannte St. Blasser, Marquard Herrgott, hat im Mai 1789 in Gesellschaft mit dem Architekten Salomon Kleiner diese Krypten eröffnet, und wirklich fanden sich die Gebeine von>4 Leichen. Alle Umstände deuteten jedoch auf bereits vorhergegangene Eröffnungen hin. Die Resultate von Herrgotts gelehrten Untersuchungen sind unter Beifügung werthvoller Abbildungen inseinerTaphographie(1.und 2. Theil) niedergelegt. Neben dem Kapitelhause befindet sich die>849 erbaute, aber vielfach renovirte Todtenkapelle, in welcher die Leichen der verstorbenen Konventualen bis zu ihrer Beerdigung beigesetzt werden; sie enthält noch einen Altar und das Grabmonument des AbteS Robert, f i /5S. Aus dem Kreuzgange gelangt man auch in das S 0 m- m e r- N e fe k t 0 r i u m; die Bildnisse des Erbauers, Abt Klcmens, ch>698, und des Restaurators(>792) Abt Marion VI., namentlich letzteres ein sehr gutes Gemälde, prangen ober den beiden Thüren. Vor Allem wird das große Bild. A l t v m 0 n te s anziehen, welches, die 5oc-o von Christus Gespeisten vorstellend, die ganze Rückwand bc- deckt, insbesondere dadurch merkwürdig, daß der Künstler dasselbe in seinem 3Zsten Jahre verfertigte! In den Fresken an der Decke hat das dankbare Stift die, für einen darstellenden Künstler eben nicht lohnenden Akte der Schenkungen mehrer LandeSfürsten an das Konvent verewigt. Umschriften geben die nöthigen Aufklärungen. Die Benennung dieses Saales spricht seine Bestimmung aus; es ist nämlich der Speisesaal der Konventualen während der Sommerszeit. Vordem mit einem Steinpflaster versehen, wurde, bei Gelegenheit der Renovation dieses Saales im Jahre 1628, ein hölzerner Fußboden eingelegt. Das Ganze ist eine große, freundliche und lichte Halle, deren Kühlung zur Sommerszeit sehr behagt. Als Winter- Refektorium wird ein anderes Appartement des Konventgebäudes benutzt. Die beiden alten Dormitorien mahnen an die strenge, und ursprünglich auch gewissenhaft befolgte Ordensregel, die da gebot, unausgekleidet in diesen Hallen zusammen zu schlafen, um sich des Nachts öfters zu den vorgeschriebenen Chorgebeten zu versammeln. Erst rm Anfange des Jahrhunderts kam es von diesem harten Gebrauche ab, und wurden abgesonderte Zellen für die einzelnen Konventualen errichtet. Das untere(eben- er-dia-l Dormitorium ist eine nieder-, ganz prunklose, wahrscheinlich aus der ersten Zeit des Stiftbaues sich dattrende Lalle Acht kurze runde Säulen(an deren einer bloß man'einigen Blätterschmuck entdeckt) und zwei viereckige Pfeiler stützen das massive, gedrückte Gewölbe.- Gerade darüber ruht das obere Dormitorium, ungle-ch leichter und zierlicher, auch neuer als das untere. D.e 370 Durchsicht durch die lange Reihe von Pfeilern(zehn zu jeder Seite) und durch die darauf ruhenden Gurte» des deutschen Kreuzgewölbes, gewahrt—zumal von dem erhöhten Gange aus gesehen— einen wahrhaft imposanten Anblick! Die sechs schmächtigeren Pfeiler gehören einer spateren Erweiterung dieses Raumes an, so wie die hohen lichten Fenster ersichtlich erst in neuerer Zeit zur dermali- gen Räumlichkeit ausgebrochen wurden. Mehre Heiligenbilder, namentlich Rochus und Sebastian, dann eine größere Gruppe, die Kreuzabnahme Christi, sind Skulpturwerke Eiullianis- An den Wänden eilf große Leinwandgemälde ohne künstlerischen, mehr noch ohne historischen Werth, sollen in folgender Ordnung die hier ruhenden Fürsten vorstellen, nämlich! i. Ernst den Schonen, 2. Leopold den Freigebigen, 3. Nudolph und Heinrich(Nudolphs des Habsburgers Enkel),-s. Leopold den Tugendhaften(vor Pto- lomais in dem, bis auf den Streifen des abgenommenen Wehrgchängcs von Feindesblute gervtheten, weißen Wappenrocke, auf die— fabelhafte— Veranlassung des öster- reichischenBindenschildes hindeutend) und seinen SohnFrie- drich den Katholischen, ö. Heinrich den jüngeren vonMed- ling, 0. Richardis seine Gemahlin, Landgräfin von Waltersdorf, 7. Gertrud von Braunschweig, des streitbaren Friedrich erste Gemahlin, 8. Friedrich den Streitbaren, g- Albert, Leopolds des Heiligen Erstgebornen, iv. Raiza, Heinrichs des älteren von Mcdling Gemahlin, endlich i>. Heinrich den älteren von Medling. Won hier aus gelangt man in die Schatzkammer. Auf Verlangen werden die Eisenthüren entriegelt, welche 371 die Kostbarkeiten des Stiftes verschließen. Die größte Pterkwürdigkeit ist wohl der berühmte Kreuzpartik^l, welchen Leopold der Tugendhafte r>82 aus Palästina mitgebracht, und 1187 dem Stifte geschenkt hatte. Es war bei jeder annähenden Gefahr ein sorgfältiges Augenmerk des Stiftes, diesen Schatz vor allem in Sicherheit zu bringen. Der Partikel selbst, welcher vollends herauszunehmen ist, bildet ein 9 3°" langes doppeltes Kreuz. Die dermalige, im Ungeschmacke des>7^ und>8t-n Jahr- hundertes ausgeführte Fassung, ein großes mit Edelsteinen und Email verziertes Kreuz, ist durchaus Silber und stark vergoldet, und wird im Werthe auf 20,000 ff. C. M. geschäht. Auf die ältere, vom Abte Wnlfing>336 angeschaffte Silberfassung bezieht sich ein Metall-Täfcl- chen mit folgender, in altdeutschen Schriftzügen ausgeführten Inschrift:,,^ L„ll°>3ZS k-m-°rv°° t-> I>o»or° best« M-r,° vz,,»- sc?'tVvtkxs-r-d'->" co>,<- Eine neuere Inschrift lautet wie folgt: L>bo, r'-. r»utus°e>6zz k-.»Ii°k->°t.-mdo 8. 7 Li>i>->k°» ä--°°ri-.LLiä°r°n>. L>7^9-.LLiti- nov!--- truie korn.ss rosUtoit. In wohlverschlossenen Schränken werden die übrigen Kostbarkeiten aufbewahrt. Die werthvollen Schaugegenstände sind seit einem warnenden Vorfall, der sich im Jahre ,835 ereignete, mittels Glas und Nahmen versichert. Eine durch die Nothwendigkeit gebotene Vorsicht, die aber leider die Besuchenden um die genauer- Beschauung der Einzelnheiten bringt. Der Freund des Alterthums findet hier eine, en möäa'Non aus Serpentin geschnittene 372 Madonna aus den Zeiten der Kreuzzüge*), dann einen sehr fleißigen Beinschnitt, ungefähr aus dem iejtcn.Jahrhunderte(den P. Gregor vorstellend) Auch zeigt man einen Dorn aus der Krone Christi, in einer silbernen, vergoldeten Fassung. Dieses Dornes wegen erhielt--45 das Stift vom Papste Jnnozenz IV. einen vierzigtägigen Ablaß. König Ottokar ließ einen Theil desselben in das, >203 von ihm gegründete, mir einer Kolonie von Heiligenkreuzern bevölkerte Zisterzienserkloster in Böhmen bringen, welches er hiernach Guldenkcon(sxinese co- ronae) benannte. Bei der herannahenden Türkengefahr im Jahre ib83 vergraben, wurde er lange für verloren gehalten, und erst>801 bei Gelegenheit einer Reparatur des Hochaltares in der Kirche, sammt der Authentik wieder gefunden**). Don den übrigen hier bewahrten Kostbarkeiten verdienen namentlich, ihres Werthes wegen, erwähnt zu werden, eine mit Edelsteinen und Perlen reich verzierte Monstranze, im Werthe von 3o,»c>» fi. C. M.; ein Kelch von Donauwaschgold mit schönen Emailbildern und Paten, welche>335 listig entwendet und zerstückt, seitdem aber wieder durch eine neue ersetzt wurde; zwei silberne, vergoldete Monstranzen, ein schön geschnittenes Elfenbein-Kreuzbild; ein Altärchen von korinthischem Mar- -) An der Rückseite befindet sich sogar eine Inschrift, die aber bei der angedeuteten strengeren Verwahrung leider nicht ko- Pirt werden konnte. ") Weidmann hat die lateinische Urkunde über die Wicdcr- ausfindung des Dornes im ersten Ausfluge feiner schätzbaren Umgebungen Wiens Seite ,-jS und ,-jL mitgetheilt. 373 mor, Achat und Lasurstein; die goldene Medaille sammt Kette, welche weiland K. Franz I. dem Abte Marian H. >7y<, verlieh, für die zur Dekorirung der Laxenburger Franzensburg abgelieferten Seltenheiten der hier bestandenen Rüst- und Kunstkammer, worunter auch der vom Ingenieur Kleiner gezeichnete Habsburger Stammbaum sich befand. Außerdem zeigt man hier sechs große, von dem Wiener Juwelier Rießner verfertigte, über 107 Mark Silbers wiegende Altarleuchter.— Unter den vielen und reichen, zierlich in Gold und Silber gestickten Ornaten aus der neueren und neuesten Zeit findet man auch ein Meß- kleid von und ein noch älteres, dann einen von der Kaiserin M Theresia eigenhändig gestickten Baldachin. An den Fenstern hängen zehn ältere Holz-Hautreliefbildchen, die Leiden Christi vorstellend, und 18 gute Bildchen von Gyps mit Darstellungen von Märtyrern, wie Matthäus, Stephan, Andreas, Jakob, Laurenz, Philipp, Simon, Paul, Vinzenz, Bartholomäus u. s. w. Eine Münzsammlung ist eben im Werden. Die bisher besprochenen Merkwürdigkeiten der Abtei sind diejenigen, deren Besichtigung die gewöhnlichen Besuche unter der Führung des Kirchendieners beschäftiget. Die Bildersammlung wird ebenfalls vom Thorwärter gezeigt; die Bibliothek hingegen und das Archiv stehen unter der besonderen Vorsorge eigens bestimmter Stiftsgeistlichen, an welche man sich mit der Absicht des Besuches zu wenden hat. Das Archiv ist natürlich schon seiner Bestimmung nach kein Gegenstand der allgemeinen Besichtigung, und mit Recht ist die Erlaubniß zum Eintritte an noch mehre 37^» Förmlichkeiten gebunden, als dieses bei der Bibliothek der Fall ist. Es ist bekannt, daß dieses Stift noch im Besitze mehrer, von den erlauchten Babenbergern herrührenden Original-Dokumente ist; so bewahrt man noch den Stiftsbrief vom Jahre n 36, die Schenkungsurkunde Heinrich Jasomirgotts, betreffend das Gut Münchendorf; von Leopold VemTugendhafteneineUrkunde-lclto ig. Juni>>78, über beigelegte Streitigkeiten zwischen Melk und Heiligen- krenz; von Heinrich dem älteren von Medling ein Dokument, laut dessen dem Stifte das Bergrecht in einem Weingarten am Wartberg bei Medling verliehen wird u-s. w. Allein diese diplomatischen Seltenheiten befinden sich nicht hier, sondern im Heiligenkreuzerhofe zu Wien. In die Bibliothek gelangt mau vom Dormito- rium aus. Zwei Säle, deren älterer mit Fresken von Rothmayr, 1701 erbaut, der zweite hingegen erst»82g seine gegenwärtige Gestalt erhielt, haben die Widmung, die Bücherschätze des Stiftes aufzubehalten- Nach Kolls Angabe soll sich die Bändezahl im Ganzen auf 20,000 belaufen. Unter den Inkunabeln, meist Bibelwsrke, findet man einen h. Ambros von>470. Außerdem werden namentlich aus der früheren Zeit kostbare Werke verwahrt, darunter viele Kirchenväter, die Geschichte der Konzilien, die Londoner Polyglotten, Ruinarts^cta mart^rum. Montfaucon:^ntigmitates, ein chinesisches Druckwerk (die Leiden Christi), von Missionären mitgebracht; dann deutsche, italienische, französische, lateinische und griechische Klassiker, viele darunter in vorzüglichen Editionen. Nicht unbedeutend ist die Anzahl der Zeitschriften, meist aber aus früherer Zeit. Die Bibliothek scheint sich in neuester Zeit wieder einiger Sorgfalt zu erfreuen. Die Manuskripte belaufen sich nahe an So» Nummern, und enthalten manches Seltene und wenig Gekannte. Unter den Pergamentkodizes findet man: Leilao: liistoria ecolssiastiea gentis Vnglorum(>8> Folioblätter), Ottos von Freisingen Kronik aus dem:3ten Jahrh.(160 Fol. Blätter), drei Bände(der vierte fehlt) eines LegendariumS aus dem raten Jahrhunderte, enthaltend Lebensbeschreibungen der Heiligen, von: Januar bis lehten Juni, dann von: November bis Ende Dezembers. Die in Lilienfeld und Melk bewahrten Legendarien stammen wahrscheinlich von diesem ab. Jenes zu Lilienfeld ist gleichfalls unvollständig, enthält aber zum Glücke gerade die, dem Heili- gsnkrcuzer Exemplare fehlenden vier Monate, wornach eine Ergänzung leicht möglich wäre. Daß auch Melk ein Pare'davon besitzt, dürfte wohl ein erfreulicher Beweis für die geistige Konfraternität der Klöster verschiedener Orden seyn. Der dritte Band enthält auch eine Reihe der Salzburger Erzbischvfe bis auf den damals domini- renden Albert. Noch trifft man Hincmars Leben des h. Remigius, den gemalten Pergamentkodex des Johann von Utino: Geschichte von Erschaffung der Welt bis:H58, des Stiftsgeistlichsn Gutolf Ooliorationos grammaticae latiuao, Vita 8. Uvrnariii et parapiirases s. soriptu- rae von::54, des Abtes Nikolaus l Opus<1o lauäibus L. V. Älsriao von:3oo, des Abtes Werner(fi 1227) 8ormonos saeri, des Abtes Siegfried(fi 126:) lUeäits- tionos sacrao. Unter den Briefen jene des Petrus Liosonsis(127 und den Anfang des raLtc»), des Peter Damian an P. Alexander VI-, und dieses an jenen; des h. Bernard an verschiedene(Pergamentband aus dem Ende des>3ten Jahrh.); des Zisterzienser-Abtes Bernard und der Äbte des Generalkapitels an den Papst Lucius(der jedoch bereits vor dem Empfange derselben verstorben war), des Zisterzienser-Abtes Wilhelm und der Äbte des Gene» ralkapitels an den P- Cölestin; der Karthäuser an die Kardinale, Cölestins an die Prälaten super csnonisationoin 8. ketri ll?srsutaniensis; endlich jene des Jvo aus dem irten Jahrh., dann des Heiligenkreuzer Abtes Siegfried: 8uinma llictLlninis prossiei(Quart-Pergamentband von ,33,)*). Das eigentliche Konventgcbäude bildet ein reguläres, einen kleinen Gartenraum umschließendes Viereck. In der offenen Halle im Erdgeschosse hängen mehre ganz werthlose, erst in späterer Zeit gemalte Bildnisse alter Äbte. Hier befand sich bis in die neueste Zeit der schöne Suttinger'sche Plan von Wien, leider dem zerstörenden Muthwillen ausgesetzt**). Nun ist er verschwunden, ohne daß man Nachricht erhalten könnte, wohin er kam- Ja diesem Gebändetheile befinden sich auch die bequem eingerichteten neuen Badezimmer. Von hier aus gelangt man in die geschmackvoll dekorirten Wohnzimmer des Prälaten, mit sehenswerten Ölgemälden. Die eigentliche Bilde rgallerie befindet sich aber im ersten Stockwerke des Hauptgebäudes, der alten Kirchenfronte gegenüber. Die Bilder sind mit Aufschriften versehen, es gehört aber wenig Kunsterfahrung dazu. um deren völligen ») Vergleiche das Pe rz'sche Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Gcschichtskundc- i>l. SS7. Vl. ,s,— ,gq. ") Vergl. Scheigers Ausflüge im B. U. M, W- Seite 377 Unwerts) zu erkennen. Alle der altdeutschen Schule ähnelnden Bilder, mehre Varunter der Zeit nach über hundert Jahre aus einander, sind sämmtlich als Albrecht Dürers bezeichnetMehre Bilder sowohl aus älterer Zeit, als neuere verdienen aber alle Beachtung. Bor allem zieht ein großes Gemälde, die Schlacht des Entsatzes von Wien im Jahre>b83, die Aufmerksamkeit auf sich; dann ein paar gute Altomontes, und Kopien von Bern: Bcllotti's (genannt Canaletto) Ansichten Roms und Venedigs. Ein anstoßendes Zimmer bewahrt eine Anzahl, mitunter werth- voller Kupferstiche, Lithographien und Handzeichnungen. In diesem Trakte befindet sich auch das sogenannte Naturalienkabinett, mehr ein Schaukabinett, mit verschiedenen Raritäten, Modellen(darunter jene der Guillani'schen Bildneceien beachtenswerth), Mumien und «inigen Spielereien(z. B. ein Bretzenbrod zur Zeit des Stephansthurmbaues gebacken, im Preise von einem Pfennig!!). Zu ebener Erde befindet sich unter andern auch daS Konvikt der im Stifte gehaltenen Sängerknaben, ein älteres, in neuerer Zeit mannichsach modifizirtes Institut. Noch verdienen erwähnt zu werden der 1828 neu angelegte botanische Garten, der Konventgarten mit einer schattigen Kastanienallee, das 1697 zur Pflege der Kranken erbaute Neugebäude, in welchem sich auch die Seite 3?3 erwähnte Rüst-, Kunst-und Raritätenkammer befand, endlich die freundlichen Anlagen, welche vorn Helenenthale her zum Stifte führen- 23 n L u d o r f. (2'X, Stunde.) Über den Weg auf der staubigen Poststraße bis Neu- dorf stehe Seite 226 und 2Z7. Bald hinter der Aus- mundung der Medlinger Straße erreicht man das stattliche N c u d 0 r f mit 110 H. und yio E. Merkwürdigkeiten hat dieser Ort eben nicht diele auszuweisen, und gäbe e» auch deren, sie würden kaum viel beachtet werden Das Brauhaus allein ist der Brennpunkt, der auf dieser freundlichen Oase in der wüsten Strecke zwischen Wien und Baden den heterogensten Inhalt aus den zahllos durch- krottelnden und durchjagenden Kutschen in ein buntes, stets wechselndes Bild versammelt. Es ist ein von den Vadner- fuhren treulich geübtes, auf den Titel der Pferdefütte- rung gegründetes Gewohnheitsrecht, hier für ein— dem von Eile Gedrängten) bisweilen ziemlich langgedehntes halbes Stündchen, Halt zu machen. Die ebenerdigen Lokalitäten dieses Brauhauses, welches mit den Vorzügen einer Osterie auch eine Kasseterie verbindet, sind der Tummelplatz der ordinärsten Klasse. Die Billard- und Speisezimmer im ersten Stocke hingegen empfangen die ho- nettern Gäste. Hier findet der Magen so ziemlich alles, wornach die tödtende Langweile der Straße lüstern machen konnte. Don dem freundlichen Balkon hinunter auf die wogende Masse von Fuhrwerken aller Art bietet sich ein, oft höchst anziehendes Bild, und es fehlt nicht an kontrastirenden Karaktcrgemäldcn. Das muntere Treiben in diesem Hause athmet eine wirklich ansprechende Heiterkeit. Selten erübrigt sich daher so viel Zeit, um die nahe Kirche zu besuchen, welche wirklich besichtigt zu werden verdient. Sie ist ein einfaches, durch den Architekten Meusel im römischen Style aufgeführtes Gebäude. Der Stifter dieses Gotteshauses war der Wiener Fürsterzbischof Kardinal von Migazzi, der den Bau 1778 begann und-780 vollendete. Die Stirnseite bildet ein mit Säule» ionischer Ordnung geschmücktes Portal. Über dem Eingänge liest man die Auftchrift: Olirlstoxkorus niveeiaxxvm« i'« r'. Den Hochaltar mit einem prächtigen Marmortabcrnakel ziert ein gutes Bild von Jgnaz Unterb erger(geb. '743, t>797)- die h- Jungfrau mit dem h. Wolfgang und Johann v. N. vorstellend. Am unteren Rande liest man Igli!itin8 vDterkorgor 7. ot k. Die Blätter der beiden Seitenaltare(die sterbende Theresia und die vier Kirchenlehrer, mit der Unterschrift: Inviatis clivinne vt liumsnse in 7eiu 6I-r,8w natnr-u- pi-oxngnawridua) sind von Hubert Maurer. Auch auf diesen Bildern findet man, und zwar auf dem ersteren neben der Iah- 380 reszahl 1760, und bei dem anderen mit 178,, den Namen des Künstlers.— Zwei andere Gemälde von I. A. Zitte- rer 1827 sind ohne Werth. Zu bedauern ist übrigens, daß das Innere wie das Äußere der Kirche vor kurzem auf wahre Bauernmanier ganz bunt kolorirt wurde.— Der >78S erbaute Pfarrhof befindet sich in der Nahe. An einer nicht»»malerischen Partie am Medlinger- bache passirt man den Mauthschranken. Zur Linken am Bache fort bilden die Häuser eine größere Gasse, an deren unterem Ende das herrschaftliche Schloß liegt, ein ziemlich massives Gebäude, im Style des>7«-» Jahrhundertes, dessen ehemaliger Wassergraben nun trocken gelegt ist. Die Hauptformen sind noch ganz dieselben, welche Wischers Abbildung von 1672 zeigt. Hier befinden sich die Amtskanzleien und eine zu Ehren Maria Empfäng- niß geweihte Kapelle, mit einem Kruzifix von Alabaster. Man trifft hier ein Posthaus, ein paar mitunter gute Einkehrwirthshä'user, und einige nette Wohngebäude. Durch seinen hohen Thurm auffallend ist das, ziemlich in der Mitte des Ortes gelegene Schulhaus, die ehemalige Kirche, nach der Erbauung des neuen Gotteshauses, von Kardinal Migazzi, der Gemeinde geschenkt. Der Thurm, mit einem hohen Giebeldache, wird noch dermal für das Geläute beibehalten, da die neue Kirche nur eine ganz kleine Glocke unter einem Dächlein hat. Neudorf, vor Alters Niundorf, Nivendorf, Nüdorf, im ikcken Jahrhunderte auch Nondorf genannt, bildete einen Bestandtheil der BabenbergecApanage. Im iZsien Jahrhunderte nannte sich hiervon ein adeliges Geschlecht. Bis>438 waren die Grafen von Cilly im Besitze des Ortes, später die Auer von Herrenkirchen, die Karling, Teufel, Weißbriach, Kielmannsegge, Römling, dann die Königsegger, und seit i-M das Wiener Erzbisthum. Die beiden Türkeninvasionen und das Jahr ,809 ließen auch hier traurige Erinnerungen zurück. n Lallern.— Gumpoltslürchcn. (3>/> Stunde.) Eine kleine Strecke hinter Neudorf erhebt sich die Straße, nicht viel reizender als früher, und biegt um den Abhang des Eichkogels herum. Bald aber hat man ein überraschendes Bild vor sich. In weiter Ferne schließen der Wechsel und der Semmering die große Ebene, und der Schneeberg überragt gigantisch die Berge um Baden. Die Heissenstammsche Wand gestaltet sich äußerst imposant, eben so der breite Anninger, an dessen Fuße das kleine, von hier aus gesehen, wie mit einer Mauer umfangene Tallern, und der freundliche Markt Gumpolrs- kirchen mitten in ihren Weingärten gelagert sind. An einem Ziegclofen bei Gundramsdorf(dem Geburtsorte der rühmlich bekannten Fortepiano-Virtuosin Leopoldine Blahetka, geb.>5. Nov. 1810) lenkt zur Rechten ein eben nicht sehr bequemer Fahrweg»ach dem am Abhänge des Eichkogels gelegenen kleinen Örtchen Tallern^ auch Talling genannt, eigentlich ein Freigut des Stifts Heiligenkreuz, durch siebenhundert Jahre im ununterbrochenen Besitze desselben. Leopold der Freigebige hatte den Ort in seinem Todesjahre(>>4>) dem Stifte geschenkt. Wegen der Zehenten von den hiesigen Weingärten entstan- 5L5 den zwischen den Stiftern Heiligenkreuz und Melk lang. wierige und heftige Streitigkeiten, welche>228 von Kon- rad, Kardinal von Portua, zu Gunsten des ersteren entschieden wurden. Das unbedeutende Schloß hat an der Vorderseite einen kleinen achtseitigen Thurm mit rother Kuppel. Hier befindet sich auch die>8.bzu Ehren des h. Johann d.T- erbaute,^678 vergrößerte Kapelle, an deren Hochaltars ein Standbild des gekreuzigten Heilandes von Reben und Trauben umrankt, mit der Inschrift: Ilneo est vera vitls, prangt. Das von einem Stiftsmeier bewohnte Schloß hat ansehnliche, inhaltsreiche Keller, welche sammt der großen Wcinpresse>878 erbaut wurden, einen Mcierhof, ein großes Kelterhaus, in welchem sich vier Weinpressen befinden, deren eine von solcher Größe ist, daß damit mehre hundert Eimer auf einmal gekeltert werden. Tallern ist daher auch allgemein im Rufe, die größte Weinpresse in Österreich zu besitzen. Über dem großen Preßgewvlbe wurde>786 das sogenannteNeugebLude aufgeführt, von dem man eine freundliche Aussicht genießt. Auch trifft man hier ein Gasthaus. Das hiesige Rebcn- gcwächse nimmt mit dem Gumpvltskirchener gleichen Rang ein. Das Örtchen liegt aber dergestalt abseits, daß es auf keiner der interessanteren Partien unmittelbar berührt wird, daher ein Besuch von Wienern hier eine wahre vosa rar» ist- Ein eben nicht reizender Weg führt Lurch Weingärten nach dem eine starke Viertelstunde weit entfernten Gump 0 ltskirchew Der nächste Weg v 0 nMedling nach Gumpolts- kirchen geht über den Eichkogel. Man tritt durch das Neustedlerthor aus dem Markte, und verfolgt den Pfad, der neben einem stehenden Gewässer zu einem ordentlich gebauten Brünnchen führt, das sein kristallklares Wasser in ein steinernes Becken gießt. Dann kömmt man an ein paar alten»Martersäulen-, vorüber, ohne sich zu dem mehr links gelegenen Ziegelofen, der von der Ferne gesehen eine malerische Gruppe bildet, verleiten zu lassen, und durch Weingärten aufwärts auf die Einsattlung des Eichkogels. Der eigentliche Gipfel dieser, mit Weingärten und Feldern bedeckten Anhöhe(auf welcher vielleicht der, schon im zwölften Jahrhunderte genannte Ort Aichberg bei Gumpoltskirchen stand) bleibt links liegen, jedoch nur dann, wenn man den kürzesten Weg verfolgt; denn die geringe Mühe des Hinansteigens zum nahen Gipfel, welcher ein regelmäßiges, vor einigen Jahren stattlich erweitertes Wirthschaftsgebäude trägt, welches zuviel Wind aber kein Wasser hat, wird durch eine wahrhaft überraschende Aussicht über die weite Ebene von dem Preß- burger Schlosse bis zu den Thürmen von Neustadt, vom Kahlenberge bis zum Schneeberge, hinlänglich gelohnt. Wer im Jahre 1628 von hier aus die langen Reihen der volksbelebten Zelte des Lustlagers, oder die Tausende von Wachfeuern überschaute, die mit einbrechender Nacht ein Feuermeer auf der unübersehbaren Ebene flammten; wer hier vomGeschützesdonner erschüttert stand, jetzt in Rauch und Qualm gehüllt, dann vom Wirbel der Trommeln und dem Schmettern der Trompeten halbbetäubt, die gewaltigen Massen mächtige Evoluzionen ausführen, da im raschen Sturme kommen, dort in eiliger Flucht verschwinden sah; wer sich der leichten Täuschung des endlichen Sieges hingab, und wie im.Triumphe den echoweckcnden Freudenmärschen folgte— der muß gestehen, er habe sich von einem großartigen Schauspiele durchdcingen lassen!— Dieser Hügel war einst mit einem dichten Eichenwalde bedeckt, dessen letzter Rest vor ungefähr So Jahren bei Gelegenheit einer großen Revue ansgehauen wurde. Wahrscheinlich dürfte der Eichkogel seinen Namen jenen Eichen verdanken. Der Weg nach GumpoltskirLen geht, wie erwähnt, etwas tiefer über die Einsattlung hinweg. Zur Linken führt ein Pfad nach Tallern hinab, man folgt aber der Richtung rechts und gelangt durch die Weingebirge nach Gumpoltskirchen, welches man von der kleinen Anhöhe in einer überraschenden Ausdehnung erblickt- Bon Med- liug bis hierher ist eine Stunde. Bei weitem angenehmer, aber etwas weiter, ist der Weg über die breite Föhre und den Schubert- hof nach Gumpoltskirchen. Über die breite Föhre stehe Seite 3ö3. Gleich nebenan theilen sich die Wege, welche hier aufhören künstlich gebahnte Parkpfade zu seyn. Man folgt dem stark betretenen Wege, der am meisten links, aber immer in gerader Richtung fort, bald in die kühlen Schatten eines jungen Waldes führt. Er leitet gerade über dem Windthale(welches einige recht liebliche Partien birgt, und wohin ein paar Pfade hinabführen) wie in einem Laubengange fort, bis man endlich die Ruinen d e s S ch ub e r t h ofe s vor sich hat. Den Namen führte dieser einst so stattliche Freihof von seinem ersten Erbauer, einem Kammerdiener der Kaiserin Maria Theresia, welche diese Gründe ihrem Diener zum Geschenke machte. Hier Schmidts Wiens Umgeb. m. 17 stand ein ansehnliches Ökonomiegebäude. Ein noch größerer Bau dieses Wirthschaftshofes war projektirt, die Mauern schon eine beträchtliche Höhe aufgeführt, da traf dieses Besitzthum das traurige Los der schnellen Verödung, und das Ganze ist nun im eigentlichsten Sinne eine— ökonomische Ruine.— Der Teich, einst zu kleine« Gondel- fahrten einladend, versumpft zur unwirthlichen Unken- lacke(vergl. auch Seite 3yä). Von hieraus fuhrt ein ziemlich steiniger Weg nach Gumpoltskirchen hinunter. Der Fahrweg geht auf der Poststraße fort, bis vor Traiskirchen zur Rechten die Badenerstraße ausästet, von wo aus dann nach einer kleinen Strecke eine, im Jahre 182S angelegte Straße in gerader Richtung in den Markt hinaufführt. Die ältere Straße führt bei Tallern von der Poststraße ab, und durch die Weingärten in den Markt. Dieser Weg ist aber äußerst schlecht, und nach anhaltendem Regenwetter selbst nicht ungefährlich zu befahren- Gumpoltskirchen. Ein landesfürstlicher Markt, hart am Abhänge des gewaltigen Anningerberges, mit a3ü Häusern und bei ,6oo Einwohnern, dessen ansehnlicher Umfang sich in neuester Zeit fast alljährlich um ein paar Häuser vergrößerte. Die Phystonomie desselben zeigt so ziemlich die Form eines Kreuzes, dessen Stamm die lange Wienergasse, und dessen Seitenvorlagen die Medlinger- und Bad- nergasse bilden. Gumpoltskirchen vereinigt Vorzüge, die nur mehr gekannt seyn dürften, um diesen Ort für solche Svmmerbewohner, welche in der Laube des nahen Haus- gärlchens nicht das höchste Glück eines ländlichen Aufent- 387 -7* Haltes finden, zum gesuchten Lieblingsaufenthalte zu machen. Inmitten zwischen den herrlichen Gefilden von Baden, Medling und Laxenburg, am Fuße des mächtigen Anninger, reich an schwellenden Rebenhügeln, dunkler Waldesnacht, malerischen Felsenpartien, Höhlen und entzückenden Aussichtspunkten, von den unbequemen Entbehrungen eines unfreiwilligen Jdyllenlebens eben so ferne, als^vom Überflüsse mancher anderen, mit städtischem Firniß gesteiften Modegegend, durch die zahllosen Badnerfuhreu mit Wien in steter Kommunikazion—ist Gumpoltskirchen ganz geeignet, jedem rüstigen Naturfreunde ein seelenlabendes Luskulum zu seyn! Der Ort ist sehr alt, und war seit unvordenklicher Zeit landesfürstliches Eigen. Markgraf Leopold der Heilige schenkte ihn n33 seiner Tochter Bertha nebst Anderem als Brautschah bei ihrer Vermählung mit dem Regens- burger Burggrafen Heinrich von Stefling. Das segensreich gedeihende Rebengewächse mag dem Otte zur baldigen Blüthe verhelfen haben. Nach Berthas im Jahre erfolgten! Ableben wahrscheinlich wieder zurückgefallen, scheint Gumpoltskirchen fortan landesfürstliches Eigenthum geblieben zu seyn*); nur im Jahre i33y soll ein Premreich der Heßler im Besitze desselben gewesen seyn. H. Albrecht mit dem Zopfe verpfändete den Markt i33o -) Nach der Angabe der kirchlichen Topographie IV.>>7 solle» die Bruder Johann und Albrecht von Ebersdorf diesen Markt an H. Albrecht IV. für Prinzendorf vertauscht haben. Nach Wiligrill<11. sog) jedoch, der hier zweifelsohne die Quelle war, scheinen darunter blosi Gülten zu Gumpoltskirchen (damals Guwpolczdorf genannt) gemeint zu seyn. 388 an Heinrich von Rappach in Klamm,>535 verschrieb K. Ferdinand l. dem k. Rathe und Kämmerer Felizian von Petschach zu Landpreis für ein Darlehen das jährliche Gefalle dieses Marktes vom Grunddienste, Strafgelder, Buße, Fälle und Wandel, dann den Berg Hof sammt Zugehör, jedoch letzteren gegen dem, daß alle Jahre 200 fl. in den Hof verbaut werden sollten(>750 wurde dieser Hof an das Stift Melk verkauft). Gumpoltskirchen soll damals sehr ansehnlich gewesen seyn und über 5oo Häuser gezählt haben. Noch leben im Volksmunde Sagen von einem einst blühenderen Wohlstände, ja sogar mehre Goldarbeiter sollen sich im Markte befunden haben! DieRc- formationsunruhen blieben für Gumpoltskirchen nicht ohne Einfluß. Ein hiesiger Fleischer hatte sich zum Prädikanten aufgeworfen, und in dieser Stellung die Seelsorge versehen. Noch>673 lehrte der damalige Schulmeister, Gabriel Lau- terbach, aus der lutherischen Bibel- Das Schreckensjahr >683 mag auch hier die Gräuelszenen von Bertholdsdorf und Medllng wiederholt haben. Eine in der Nacht vom 2. auf den 3. April>824 im Melkechofe ausgebrochene Feuersbrunst äscherte einen großen Theil des Ortes ein; Rathhaus und Kirche blieben glücklicher Weise verschont. Die Cholera raffte im Jahre>83> hier viele Opfer hin. Von der Badener Straße auf den neuen Weg ablenkend, überschreitet man den Wiener-Neustädter Schiff- fahrts- Kanal, an welchem die Haimann'sche Papierfabrik liegt, früher eine Olstampse, welche noch vor kurzem alljährlich bei 8000 Mehen Samen verarbeitete, und die bedeutendste Fabrik der Art in Österreich war. Den Markt selbst betritt man durch die ansehnliche, vom Anningerbache durchstoßene Wienergasse, in welcher sich einige ansehnliche Gebäude befinden. Gleich zur Linken trifft man die W i l d a'sch e K n o p s-und leonische Drathsabrik; weiter aufwärts das I. Kick'sche Seide nfilatorium, eines der größten Etablissements dieser Art in der Monarchie. Die Fabrik wurde 176Ü errichtet, und ihre Besichtigung wird selbst jedem Laien von hohem Interesse seyn. Der unscheinbare An- ningerbach seht ein Wellrad, und dieses ein ö-ammrad in Bewegung, wodurch drei ungeheure, bis ins vierte Stockwerk hinaufreichende Bäume, und mittels derselben über 3ooo Spulen umgetrieben werden. Hier wird die rohe Seide von den Sternen abgespult, zur Organseide versponnen(d. i. die Fäden werden zusammengedreht, und zur Seidenweberei gualifizirt), duplirt(d. i. die einzelnen Faden mit einander vereinigt), dann wieder zur Tramseide gedreht, welche zum Einschlag der Seidenweberei gehört. Die hier erzeugten Fabrikate von den verschiedenartigsten Sorten zeichnen sich sehr vvrtheilhaft aus. In der Nähe des Rathhauscs trifft man einen Springbrunnen, dessen 74 Eimer hältiges Bassin— ein R o- merdenkmal ist! Welche Bestimmung dieser kolossale Stcinkrater ursprünglich hatte, läßt sich mit Sicherheit nicht mehr bestimmen; denn seine Länge von 10 Schuh und die Breite von 5 Schuh scheinen ihn eben nicht zu einem Sarge zu eignen, wofür man ihn etwa halten könnte. Noch findet man darauf folgendes Fragment einer Inschrift: i>i. emioni. soonvLv. und auf einer anderen Seite, die, wie dir Jahreszahl zeigt, erst im-tzten Jahrhunderte eingemeißelten Worte: «lli-xv Wi.r i.xxiiii vuik») Gleich oberhalb dieses Brunnens, an der Stelle der Einmündung der Medlinger und Badnergasse, befindet sich zur Linken ein Gasthaus, welches sich zugleich Kaffeebaus nennt, und zur Rechten das Rath Haus, ein altes, wahrscheinlich dem-6ten Jahrhunderte entstammendes Gebäude, mit Laubengängen und Steinpfeilern, unter denen auch der alte Pranger des Marktes liegt, ein ungeheures Stück Sandstein. Vor der Aufhebung dieser Schandsäulen in Österreich konnte sich Gumpoltskirchen rühmen, den größten Pranger im Lande zu besitzen. Im ersten Stockwerke bildet ein offener Gang eine recht heitere Halle. Der stattliche Rathssaal hat einige Regentenbilder. Akte Dokumente von erheblichem Interesse findet man hier nicht. Alle alteren Schriften sollen bei Gelegenheit des Türkeneinfalles im Jahre-683 ein Raub der Flammen geworden seyn. Noch bewahrt man aber das alte AmtSsiegel aus dem ,fiten Jahrhunderte, welches den österreichischen Dindenfchild. von zierlichen Dogen um- fangen, mit der Umschrift: 8. llvüicü in vvnixoUlr- birclion, zeigt.— An der vorderen Ecke, fast nur auf einem Pfeiler ruhend, erhebt sich der Rathhausthurm, mit Glocke und Uhr. Dem Nathhause gegenüber liegt der sogenannte baierische Hof, ein sehr altes Gebäude, das ') Eimer? im Innern sehenswerte Bauformen zeigt; weiter oben ein zweites Wirthshaus und der Melker Hof, der alte Berghof, dessen bereits Seite 388 erwähnt wurde, einst ein Eigen K. Karl des VI., welcher in den Anninger-For- sten so gerne jagte, und hier oft verweilte. Mehr und mehr erhebt man sich, und hat am freundlichen Schul- hause eine wirklich malerische Partie vor sich. Die alte Kirche, zu zwei Seiten von einem Wassergraben begrenzt, das stattliche Kommendehaus, durch eine Ringmauer mit der Kirche verbunden, und über beide hinaus die rebcn- grünen Abfälle des Anningers, gestalten sich zu einem wahrhaft freundlichen Bilde. Schloß(Kommendehaus) und Kirche, ein Vesihthum des deutschen Ordens, welcher bereits seit den Tagen der letzten Babenberger hier begütert ist, gehörten vordem zur Kommende Neustadt(so lange dort nämlich ein eigener Komthur vorstand); nun aber bilden sie einen Bestandtheil der Landkommende der Balle! Österreich. Seit 1261 ist der Orden Patron der Pfarre; der Pfarrer, ein Ordenspriester, wird aus den Ordensgütern dotirt- Die Kirche, wie die QrdenSsitte verlangte, in Krcuzesform erbaut, ist ein altes Gebäude, großentheils mächtiger Quaderbau, und zeigt an einigen Stellen, namentlich am Thurme, nacktes Gestein. Die Renovation im Jahre 182/s hat den übrigen Theil fleißig übermör- telt. An der Westseite der Kirche erhebt sich der Thurm; er ist unten viereckig, dann aber über vier Giebeln acht- seitig, mit schmalen, aber hohen Spitzbogenfenstern, und (seit 1820) mit einer glänzenden Blechkuppel gedeckt. Über dem Haupteingange der Kirche liest man folgende Inschrift: Zum Dank der sämmtlichen Bürgerschaft des landesfürstlichen Marktes Gumpoldskirchen, welche wegen Abwendung einer Aeuersgesahr das Innere dieser Pfarrkirche theils renoviern, theils neu herstellen ließen, von Graf Alois Harrach n. ö. und Landkomtur der Ballay Österreich >81/,. Das Innere trägt das Gepräge vielfacher, unvortheilhaf- ter Neuerungen. Außer dem, dem h. Michael geweihten Hochaltars befinden sich hier vier Nebenaltäre mit dem h. Kreuze, der h. Barbara, der h. Elisabeth und der h. Familie. In der Mauer zunächst dem Hochaltars trifft man ein altes Sakramentshäuschen, und an der Epistelseite das Grab des, am ,y. Juni 1600 zu Baden verstorbenen Generalfeldmarschall-Lieutenants, Kämmerers und deutschen Ordens-Landkomthurs der Ballei Österreich, Alois Grafen von Harrach. Die Sakristei und das Oratorium sind neuerer Zubau. Das nebenan stehende Kommendehaus ist ein reguläres, vierseitiges Gebäude, mit einem Stockwerke. Der jeweilige Landkomthur, derzeit Feldmarschall-Lieutenant Eugen Graf von Haugwiß, hat hier ein Appartement vorbehalten. Das Lustlager im Jahre 182g hatte das letzte lebhafte Treiben in diese Mauern gebracht. Das ältere Schloß, eine sichere Schutzstätte der Gemeinde bei Feindesgefahr, war mit festen Mauern und einem Wassergraben umgeben, und stand nur durch das sogenannte Burgthor mit dem Markte in Verbindung. In den Jahren iS,ü bis 182, wurde wider den damaligen Pfarrer und deutschen Ordens-Priester Steohan Ulrich geklagt, daß er das, sonst zum Schuldienste, in Kriegszeiten aber zur Aufbewahrung derMunizion gewidmete Gemach über dem Schlofithore gewaltsam erbrochen, und den Wassergraben mit Schutt habe ausfüllen lassen.— Noch in den Jahren i5P- und 1S78 wurde das Schloß in Vertheidigungsstand gesetzt. Dasselbe hatte auch bis zum Jahre>800 eine eigene Kapelle. In der Nähe der Kirche entspringt der unbedeutende Anningerbach, der jedoch, kaum 200 Klafter von seinem Ursprünge entfernt, schon eine Mühle in Bewegung setzt. In Gumpoltskirchen befindet sich noch, unbekannten Ursprunges, ein Spital für verarmte Bürger, und der sogenannte Thurmhof, ein Freihvf. Einst war hier auch ein öffentliches Badehaus, welches>44? das Stift Heiligenkreuz besaß. Der alte Fried Hof befindet sich in einer Nebengasse; der neue wurde vor ein paar Jahren eine Strecke außer dem Markte errichtet, enthalt aber noch keine bemerkenswerthen Monumente. Der Gumpoltskirchener Wein ist ein gerühmtes edles Gewächse; im.7^ Jahrhunderte war er Tafelwein am Kaiserhofe. Im vorigen Jahrhunderte hat man die alten Reben meist ausgerottet und neue Gattungen dahin verpflanzt- Die Masse war so wohl vermehrt, der alte Ruhm aber eingebüßt. Um.77° versuchte hier die Deutsch- Ordcnskommende die Pflanzung der rothen Burgunderrebe, die in glücklichen Jahren bei einer mittleren Temperatur von-j-'o° mit dem ursprünglichen Burgunder Wetteifern soll. Der Landkomthur Karl Graf von Sin- zendorf(^ i8>8) war gleichfalls voni redlichsten Streben beseelt, das hiesige Rebengcwächse wieder zu veredeln, und diesem Beispiele folgte sein Nachfolger Graf Alois Harrach VI. Weinbau ist demnach der Hauptnahrungszweig der Bewohner von Gumpoltskirchsn. >' P u m p e l s k i r ch e n« statt Gumpoltskirchen ist in der Lokalsprache eben so häufig, als der, wohl ohne nachweisbaren Grund allgemein gewordene Ausdruck, sPumpelskirchner-Gewachs«, als Bezeichnung eines mißgestalteten, tölpelhaften Menschen. Wie erwähnt, ist Gumpoltskirchen ein vorzüglicher Mittelpunkt für etwas weitere, aber auch nicht mehr als einen halben Tag erfordernde Ausflüge. Doch auch in der Nähe gibt es interessante Partien. Hier vor Allem muß das, von den Abhängen des Anningcr, Vierjochkogel und des Schuberthhofhiigels gebildete Baithal(auch Boythal) genannt werden. Am Ausgange der Medliu- gecgasse führt nämlich zur Linken ein befahrbarer Weg zwischen Weingärten in das Thal, dessen Eingang eine malerische Felsenpartie bildet. Ein Haus, welches sich Baron Sigrist, der letzte Bewohner des nun verödeten Schnberthhofes, im Jahre 1828 erbaut hat, liegt hart am Abhänge des Hügels. Nebenan ein wahrhaft kolossaler Kalkofcn, wahrscheinlich eben dieser Eigenschaft wegen seit Jahrzehenden außer Aktivität, erregt Staunen. In Absicht auf seine Größe wird er nicht leicht einen Rivalen finden. Zu Anfange dieses Jahrhunderte» baute in diesem Thale ein Freiherr von Thun aufKupfer und Gold, doch zeigten sich keine Spuren von Erz. Das Gestein ist meist cisenschwarzer Kalkstein ohne alle Versteinerung. Das Thal erhebt sich am Abhangs des Vierjockkogels sanft aufwärts. Über den steinigen gestrüppbewachsenen Abfall zur Rechten führt ein Pfad zum Schuberthof, links ein ziemlich steiler Weg auf die Anninger Vorhügel. Tiefer im Thale trifft man auch Strecken von freundlichen Fvhren- wäldchen. Der Weg führt endlich auf die Senkung des Vierjochkogels, und im weiteren Bogen von da aus auf den Anninger, wovon im nächsten Abschnitte die Rede seyn wird(Seite 3y8). Eine Merkwürdigkeit in der Nähe von GumpoltS- kirchen ist bisher unbekannt geblieben, mindestens davon noch nirgends öffentliche Erwähnung geschehen; es ist dieß eine sehr interessante Höhle. Der Abfall des Anninger bildet nämlich, ungefähr in der Mitte zwischen Baden und Gumpoltskirchen, doch letzterem etwas näher, mit dem Schweinkogel ein Thal, welches sich bald steil den Berg hinanzieht. Wenn man den gewöhnlichen Weg von Gumpoltskirchen nach Baden einschlägt, so führt, bevor man die kleine Erhöhung des Katzenbügels hinansteigt, zur Rechten ein Weg durch die Weingärten gerade bis zum Eingänge in das Thal. Man geht eine kleine Strecke hinein bis zu einem alten Markstein, von welchem zur Linken dichtes Gestrüpp den etwas höher liegenden Eingang der Höhle verstellt. Nur kriechend gelangt man irr das Innere, welches eine bedeutende Höhlung bildet, ai, welche sich ein kleinerer Raum schließt, aus welchem eiir Zugloch nach aufwärts ausmündet, und sich zum natürlichen Schlott gestaltet. Der von außen schwer zu erkennende Zugang, welcher übcrdieß mit Leichtigkeit ganz ver- rammelt werden kann, die eben erwähnte Schornsieiu- Mündung, die kleinere, füglich eins Küche supplirende Höhle, alles qualifizirt dieser Ort als sichere Zufluchtsstätte in Tagen der Noth bei feindlichen Invasionen, wo sich im Nothfalle eine oder ein paar Familien einige Zeit verbergen konnten. Ob dieß je der Fall war, davon haben sich nicht einmal in der Sage Nachrichten erhalten. Jedenfalls ist aber der Besuch dieser Hohle, deren, wie bemerkt, bisher noch nirgends erwähnt wurde, nicht ohne Interesse; doch muß man mit Lichtern versehen seyn. Gefährlich ist die Durchsuchung gar nicht; denn der innere Raum ist trocken, ohne Vertiefungen, und wenn auch hoch, von nur mäßigem Umfange. 25 Der Anninger. (4 Stunden.) Der Anninger, die gewaltige Marke zwischen der von ihm beherrschten Brühler und Badener Gegend, ist der mächtigste Bergrücken in der näheren Umgebung von Wien. Bis zu einer Höhe von r>2t>Fuß ragt er aus dem nach ihm benannten Anninger forste hinauf. Zum Unterschiede von dem kleinen Anninger im Brühl, dessen Kuppen den Husarentempel und die benachbarte künstliche Ruine tragen, wird er der g r o ß e A n ni n g e r genannt, welches Attribut er auch mit Übergehung dieser Parallele rechtfertiget. Am südöstlichen Abfalle, bis über einDritt- theil seiner Höhe mit schwellenden Reben bepflanzt, ist er darüber hinaus mit dichtem Forste gedeckt, in dessen Schatten Karl VI. so gerne jagte. Hier ist denn auch für den Botaniker und Entomologen der Ort seltener Fünde, namentlich gewaltige Lagerungen von Kryptogamisten wuchern im Waldesdunkel. Von allen Seiten führen Pfade hinan, künstlich gebahnt, wie jene im Brühl, wohl keiner, doch eben nicht um vieles beschwerlicher. Meist gehen sie im erquickenden Schatten kühler Wälder, und im Hochsommer ist eine Wanderung auf den Wegen vom Brühl auf den Anninger, zumal hier keine einzige, auch nur etwas steile Passage'zu betreten ist, eine wahre Labung, die Aussicht selbst ein Hochgenuß! Wer den Berg Ein- mal erstiegen, den wird es noch oft auf diesen freien Scheitel locken, und wer sich nur etwas in den Hauptrichtungen orientirt hat, der wird von allen Seiten leicht neue, und immer angenehme Pfade finden. Medling und der Brüht, Gumpoltskirchen, Baden und Gaben sind die Punkte, von denen aus der Anninger bestiegen wird. Vom Brühl, wie von Baden, leiten mehrere Pfade dahin; es werden davon hier nur die gewöhnlichsten näher bezeichnet, und jene, welche am leichtesten zu treffen sind. i) Von Medling geht der nächste Weg über die breite Föhre(siehe x. 3»3). Gleich dabei theilen sich die Pfade; man folgt der Richtung zur Rechten; anfangs durch Föhrenwäldchen, geht es immer gerade und kaum merkbar ansteigend vorwärts; die Wege theilen sich wohl ein paar Mal, führen aber bald wieder zusammen; durchkreuzende Fährten dürfen nicht verlocken. Nach einer halben Stunde erreicht man an einem Kreuzwege die den Landleuten wohlbekannte»krauste(gekrauste) Linde.« Dieser Baum mit seiner herrlichen Dlcitterkrone bleibt rechts liegen. Nun geht es am Bergsaume sachte aufwärts; ein ziemlich guter Fahrweg führt im natürlichen Laubengange, an einer Stelle mit freundlicher Aufsicht auf die Brühlerberge vorüber, endlich bis zur Höhe hinan, von welcher sich das Baithal hinter Gumpoltskir- chen hinabzicht. In der Nähe, rechts im tieferen Walde, bevor der Pfad in's Freiere hinaus führt, befindet sich eine köstliche Gebirgsquelle, das sogenannte Eschen- brünnl.(Auch von Kienthal führt ein Fußsteig zum Eschenbrunnen, und durch andere Wege steht er mit dem Pfenningstein, sofort mit dem Husarentempel in Verbindung.) Auf der Höhe nun treffen mehre Pfade zusammen, einer derselben führt links auf den Vier jochkogl, von dessen Gipfel man eine vorzügliche Fernsicht über den nördlichen Theil der Wiener Ebene mit der Residenzstadt selbst genießt, wozu die Brühlerberge einen herrlichen Worgrund bilden. Um jedoch auf den Anninger zu gelangen, folgt man dem Fahrweg, der etwas rechts im Bogen, kaum eine Viertelstunde auf der Höhe fort, dann zum eigentlichen Anningergipfel leitet. Die höchste Kuppe mit der Triangulirungspyramide hat man gerade vor sich. 2) Der Weg von Gaben ist der bcguemste von allen, und durchaus nicht zu verfehlen- In Untergaden, ziemlich am Anfange des Ortes, nahe an ein paar Kalkbrüchen, mündet ein kleines Büchlein, dessen Quellen der Anninger birgt, in den Medlingerbach. Neben diesem Gewässer führt ein Weg, der wohl auch von Holz- wägen befahren wird, zwischen Wäldern durch den sogenannten»großen Buch graben.i in einer seichten Tiefung, gerade und ganz»«beschwerlich aufwärts. 2" einer Stunde erreicht man spielend den Gipfel, 3) Von Baden führen mehre Pfade dahin. Am leichtesten findet man sich aber, wenn durch die Pntschaue rlucke in den Ei»öd graben gegangen wird, der sich von Pfaffstätten herauf zieht, wo man dann gerade in nördlicher Richtung einen Waldfahrweg findet, der air- fangs wohl ziemlich jäh, bald aber im bequemen Bogen um den Pfaffstattenerkogel(dessen einzelne Kuppen der Kehrdachriegcl, dann der große und kleine Schwein- bpgl sind) biegt, und endlich auf deu Gipfel des An- ninger führt. Doch ist dieser Weg auf das erste Mal nicht leicht zu treffen; wer nicht schon einiger Maßen in der Gegend orientirt ist, etwa gar den eigentlichen Annin- gergipfcl nicht kennt, der dürfte ohne Führer sich schwerlich zurccht finden. 4) Der Weg von Gumpoltskirchen ist hingegen nicht leicht zu verfehlen; seit einigen Jahren hat er aber durch die vorgerückte Waldabstockung vieles von seiner früheren Annehmlichkeit, dem dichten Waldesschatten, eingebüßt. Am Ausgange des Ortes, gegen Baden hin, hinter dem letzten Hause der Badnergasse rechts, führt ein steiniger Fahrweg zwischen Weingärten gerade aufwärts. Ohne sich durch ein paar wenig benützte Pfade ablenken zu lassen, gelangt man bald an eine etwas steile Passage. Hier leitet parallel mit dem bisher gefalzten Fahrwege ein schmaler Fußsteig auf einen Absatz der An- ninger-Vorhügel. Schon hier ist die Übersicht der herrlichen Ebene äußerst reizend. Wo man die rothe Thurmkuppel der Vadener Pfarrkirche aus dem Auge verliert, lenkt der Weg etwas links über die Wiese bis zu einer Einsattlung des Berges hin, und hat so nach einer kleinen halben Stunde den Anfang des Waldes erreicht- Hier zeigt sich ein rothes Kreuz, bei dem sich die Wege theilen, jener zur Linken führt über das Wetterkreuz zunächst nach Gaden. Man folgt aber dem Pfade, welcher rechts davon in gerader Richtung immer in der Becgeinsattlung fort, an ein paar Felsstücken und weiter am linken Rande eines sumpfigen Plätzchens vorbei, auf den Gipfel führt. Die letzte Kuppe mit der Pyramide befindet sich dann zur Linken. Vom rothen Kreuze bis hinauf wird man wohl drei Viertelstunden brauchen; überhaupt ist die Ersteigung von dieser Seite nicht ganz mühelos. Auf der Höhe treffen sich die von allen vier Seiten hinauf führenden Pfade in der Einsattlung, auf einer mit zerstreuten Gebüschen und Baumpartien geschmückten Wiese. Gerade im Süden erhebt sich die letzte Kuppe, zuoberst nackter Fels, worauf die TriangulirungSpyramide in die Lüfte ragt. In ein paar Minuten ist sie erreicht. Man lasse sich aber nicht verleiten, die nächste Richtung durch das Dickicht dahin zu wählen, denn fast undurchdringliches Gestrüppe und Felsstücke umlagern hier den Gipfel; etwas mehr rechts auf der lichteren Seite gelangt man bequemer auf den wohl etwas steilen Abhang, wo dann ein schmaler und steiniger Fußpfad auf der Bergkante zwischen niederen Gesträuchen zur Pyramide führt. Bereits im I.>8-7 wurde dieselbe errichtet, verfiel aber im Laufe der Jahre. Vor ein paar Jahren wurde das gegenwärtige Gerüste auf einer Unterlage von Steinen aufgeführt. Die Aussicht von diesem Gipfel ist entzückend'. Die weite Ebene von Wien, in ihrer ganzen Ausdehnung zu überschauen, ist dieser Punkt unstreitig der erste. Hundert blühende gewerbsthätige Orte füllen den bunten Teppich, der zu den Füßen ausgebreitet liegt. Im Norden die Hauptstadt, darüber das saatenreiche Marchfeld, im Osten die Berge von Theben, weiter das Leithagebirge bis über den Nosalienberg, im Süden die Verberge des Wechsel und Semmering, begrenzen das freundliche Gelände. Geschäftig eilt der trunkene Blick von der Residenzstadt und den woblbekannten Punkten in ihrer Nähe über das alterthümliche Bertholdsdorf, Brunn und En- 402 zersdorf gegen die Medlinger Gegend, dann folgt er der Vereinigung der beiden langen Alleen nach dem herrlichen Laxenburg. Auf der italienischen Poststraße schweift das Auge über das stattliche Traiskirchen, den Wasserspiegel bei Ginselsdorf, und das Theresienfeld bis zu den Thürmen der vielgetreuon Neustadt. Pitten und Sebensteii, sind bei günstiger Beleuchtung ganz deutlich zu sehen. Baden, das Leesdorfer Schloß, die Parke von Vöslau und Schönau schmiegen sich mehr an die Ausläufer des mächtigen Gebirgsstockes, der im Schneeberge seinen mächtigen Mittelpunkt findet. Die Heissenstamm'sche Wand tritt weit in die Ebene heraus; im nebelblauen Hintergründe begrenzen der kegelförmige Schoberberg, der Sem- mering und der Wechsel den Horizont. Der Badner- berg, der Sooßer Lindkogl und die Mandling liegen mit dem Schneeberge in einer Linie. Weiter rechts erhebt sich das eiserne Thor, dann der hohe Unterberg mit seinen Nachbarbergen. Malerisch gruppirt sich das waldes- grüne Hocheek, und hinter demselben tauchen die beiden Staff herauf. Im weiteren Verfolge ist der Schöpfe! der mächtigste Bergrücken. Über das freundliche Sitten- dorf hinaus schauen die Berge des Johannsteiner Parkes, über den Sattel der Tulbingerkogl hervor. Mit den Geis- kergen, dem Hermannskogel, dem Kahlen- und Leopoldsberge vermahlt sich das Bild wieder mit der Fläche. Die Gebirgsaussicht von diesem Gipfel ist nicht besonders ausgezeichnet, und hält darin mit dem eisernen Thore nicht den entferntesten Vergleich aus, unübertroffen bleibt aber der Überblick der weiten Ebene! 26. Laden und leine nächste Umgebung. (/>>/2 Stunde-) Baden! Zweifach gesegnete Wahlstätte der ewigen Natur, wo sie durch Schönheit und innere Heilkraft ein wundersames unvergleichliches Ganzes schuf! Tausende wallten siech, hoffnungslos und lebenssatt zu Len segensreichen Bronnen— und kehrten seelenfroh und rüstig wieder. Es liegt zugleich ein kieserErnst in diesen lachenden Gefilden, nicht von der frohen Lust allein gesucht. Daß das Interesse des eigentlichen Kurgastes, des schwermuthstrüben Hypochonders in diesen Zeilen weniger bedacht ist, als jenes des bloß genießenden Naturfreundes, liegt wohl schon in der Tendenz dieser Blätter. Eine Auswahl von freilich ungleich werthvollen Schriften praktischer Ärzte haben in Absicht auf die Wunder-kraft der Najade bereits einen Fond von Erfahrungen niedergelegt»), und ihre Rcfnl- ») Nicht leicht wird sich ein Kurort einer so zahlreichen Literatur erfreuen, als ebenBaden. Seit des Wolfgang Anemarius: Traktatlein über das LadnerBad,>S,,, ist eine kleine Bibliothek über diese Heilquellen erschienen; Schenk und Beck in ihren Monographien zählen gegen ein halbes Hundert solcher Werke auf. Aul werthvollsten in jeder Beziehung, und fast Li« Grundlage aller später gcfolgten sind unstreitig dieArbeiten des vielfach verdienten SanitätsratheS lw. Karl Sch e nk(t>SZ°). täte wurden hier, natürlich nur in den allgemeinsten Beziehungen, benutzt- Wer diese Heilquellen als Kur gebrauchen will, dem können aber auch die vorzüglichsten schrift- >79> erschien von ihm eine Abhandlung von den Bädern der Stadt Baden->79-! eine kurze Beschreibung der warmen Quellen und Bäder der Stadt Baden,>799 eine Abhandlung über das Badner Bad in N. Ö.,>80- Bemerkungen über die Wirkung des Badner Bades; mit Rollett herausgegeben im 2->So/i ein Archiv der Ärzte und Wundärzte von Baden; dann ,8o5 ein Taschenbuch für die Badgäste Badens, m. K., im selben Jahre eine Fauna und Flora von Baden,>8>7das vorzügliche Werkchen: Die Schwefelquellen von Baden in N. Ö., welches>8,5 eine zweiteAuflage erlebte, endlich seine Anweisung zum zweckmäßigen Gebrauche des Badner Schwefel- wassers i8-zj. Unter den älteren Monographien, welche nicht bloß das medizinische Interesse verfolgen, wird erwähnt des R- v. Geusan historisch-topographische Beschreibung von Baden u. s. w- ,802, und Gaheis Wanderungen, 3>.Heft. Unter den späteren haben insbesondere das Verdienst pittoresker Schilderung: or. Hoser: Naturschönheiten und Kunst- anlagen der Stadt Baden und ihrer Umgebungen,>8«Z, mit sehr schönen Bildchen v. Haldenwang; Wiedeman n's Streifzüge und WcidINan»'S Umgebungen Wiens. A. R 0 llett schrieb eine gute: Hygicja für Badens Kurgäste(>8ib>, vr. I. Bccklf>S33): Baden in N Ö. 1822, ein wcrthvsllcs Büchlein- Er begann auch eine Kronik der Heilquellen von Baden, welche aber leider mit dem zweiten Jahrgange(18-8) schon wieder aufhörte. Dem verstorbenen Bürgermeister von Baden, 2- W. Mayer, in seinen Miszellen über den Kurort Baden. i-Vd. >819. 2. Bd 1S-9. m. K-, bleibt namentlich das Verdienst der besonderen Rücksicht auf die Vorzeit Badens- Endlich erschien im 2->83- I. A- Krickel: Baden in N. Ö.und seine Umgebungen. 2 Bde. Angezeigt im Archiv für Geschichte u. s. w. 405 lichen Andeutungen nur wenig frommen. Es ist dabei auf so viele individuelle Verhältnisse Bedacht zu nehmen, daß ohne Einvernehmen mit einem wohlerfahrnen Arzte der Gebrauch der Vadener Heilquellen ohne ernste Gefahr, düng durchaus nicht gewagt werden darf. Im Allgemeinen nur so viel. In dem schwefelichen Mineralwasser zu Baden ist Kalk mit der Salzsäure(als salzsaurer Kalk) neben der schwefelsauren Verbindung mit Natron und Bittererde vereinigt. Die Bestandtheile dieses Mineralwassers als wahre, im natürlichen Zustande desselben enthaltene Edukte bei>000 Kubikzoll stellen sich in folgenden Quantitäten dar: ,gz>. S.367 s. f. Dem Interesse des Geschichtsfreundcs begegnet die werthvolle kirchliche Topographie, Bd.iv. Der Archäologe findet aber inSchcigc r's Andeutungen zu Ausflügen im V. U. W-W-Hinwcisungcn auf Gegenstände, von welchen in allen vorgenannten Werken keine Erwähnung geschieht. Der bereits verstorbene Generalmajor 2°s- Auracher von Aurach gab in größerem und kleinerem Format äb mittels des Quarreographen gezeichnete, sehr mittelmäßige Anfichtcn von Vaden und der Umgegend, nebst einer erklärenden Beschreibung, ,8-r—>8-3, in zwei Bänden heraus. Sehr brauchbar ist der im 2. von, Hauptmanne Dieb eck aufgenommene und gezeichnete Plan von Vaden und seinen Umgebungen- A Zicgler und Graf Vas- quez haben die neuesten Pläne der Stadt Vaden herausgegeben- Daß die, in den von, General- Quartiern,- Stäbe herausgegebenen, in Kreidcnmanier und farbig ausgeführten Umgebungen Wiens, enthaltenen Umgebungen von Baden c-S-k) den ersten Rang verdienen, bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung. l. An Gasarten r >. Geschwefeltes Wasserstoffgas...» 6,6 K.A. ». Freies kohlenstvffsaures Gas... 9,5— zusammen ab K. Z. N. An fixen Bestandtheilen r 1. Salzsäure Kalkerde..... 157,676 Gran. 2. Schwefelsaure Bitterde(Bittersalz)»3o,86o— 3. Schwefelsaures Natron...>«0,460— 4. Kohlensaure Bitkererde... 46,000— 5. Kohlensaure Kalkerde.... 62,126— 6. Unauflösbare Erde..^. 3,««o zusammen 6oo,oi« Gran. Die Temperatur der einzelnen Quellen ist verschieden und varict zwischen22° bis 29° Reanmur, bleibt sich aber zu jeder Jahreszeit und bei allen Witterungsgraden gleich. Die Quantität des, den gesammken Quellen binnen vier und zwanzig Stunden entströmenden Wassers gibt man aus 80640 Eimer an. In ihrer natürlichen Wärme haben diese Schwefelwässer mit dem reinen Wasser gleiches spezifisches Gewicht, und, aus jeder Quelle geschöpft, find sie bei allen Veränderungen der Witterung vollkommen klar und durchsichtig; der Geruch derselben ist aber unangenehm, faulen Eiern ähnelnd, der Geschmack hepatisch salzig. Der atmosphärischen Luft und dem Lichte ausgesetzt, wird das Wasser milchicht-trübe, zersetzt sich und bildet mit der Zeit einen Bodensatz, den sogenannten Badeschlamm, welcher gegen verschiedene Krankheitsübel als Umschlag gebraucht wird. Namentlich im Ursprünge beurkundet sich am auffallendsten die 407 Bildung mchrer chemischer Produkte; es entwickelt sich da eine eigene Gasart, ein Gemisch von Kohlensäure, Stick- gas, Sauerstoff und geschwefeltem Wssserstoffgas; an den Wänden sammeln sich die Dünste in tropfbarem Zustande, und bilden eine krystallklare, geruchlose, sauer schmeckende und ätzende Flüssigkeit, welche meist die Farben der Kleider zerstört und unedle Metalle leicht oxydict. Am Fuß- Hoden legt sich in kleinen Krystallen eine eigene geruchlose Salzart an, das Badner Salz, von bitterlichem scharfen Geschmacke, welches bei den dortigen Apothekern verkauft wird- Die Wirkung des Badner Schwefelwassers aus den menschlichen Organismus ist mannigfach, und die Art des Gebrauches nach dem Bedürfnisse eben so verschieden. Als Bad gebraucht, wird das ganze Hautorgan mächtig aufgeregt, und saugt eine Menge der wirksamsten mineralischen Substanzen ein, welche bis auf die Muskeln ihren stärkenden Einfluß üben, die Gedärme, den Magen mit allen Unterleibseingewoidcn konsensuell affiziren, die Zirkulazion des Blutes und die Kraft der Nerven erhöhen- Kräftiger als das Wasser selbst wirken die bloßen Dunste auf zerstörte Hautfunkzionen; insbesondere gegen gichti- sche und skrofulöse Leiden, Ksntrakturen und Steifheit der Gelenke, werden sie zu großem Nutzen angewendet. Es folgt beinahe von selbst daraus, daß die Badencr Heilquellen überhaupt gegen akute Krankheiten, wider die Krätze, Flechte, Elephantiasis, den Grind, veraltete Hautgeschwüre und alle unterdrückten oder zurückgetretenen habituellen Hautkrankheiten heilend wirken. Die Gicht und 408 der Nheumatism in allen Formen, Bleichsucht, beschwerliche Menstruation, weißer Fluß, kronische Diarrhöe, HL- morrhoidalleiden, Leber-, Milz-, Magendrüsen- undGe- kris-Anschoppungen, kronische Schwerverdaulichkeit, Gelbsucht, Hypochondrie, Hysterie, Nervenschwachen, Folgen der Schlagflüsse, Lähmungen, Migräne, Brust- und andere Krämpfe, der Veitstanz und ähnliche konvulsivische Übel, Zittern der Glieder u. s. w- sind die Hauptkrankheiten, durch deren Heilung die Vadener Quellen in vorzüglichem Rufe sind. Schädlichist der Gebrauch des Badnec- wassers überhaupt allen sehr Vollblütigen, vollsaftigen und sehr robusten, zu Blutflüssen leicht geeigneten Individuen, und jenen, die durch ein langdauerndes kronisches Leiden zu sehr entkräftet sind; insbesondere nachtheilig wirkt es in der letzten Periode der Lungensucht, bei Geschwüren im Unterleibe, bei Adergeschwülsten, in der allgemeinen Syphilis, bei der Wassersucht, in totalen Verhärtungen, bei Fiebern und in den ersten mit Fieber verbundenen Gichtanfällen. Der Gebrauch der warmen Heilquellen ist ein innerlicher und äußerer. I. In ersterer Beziehung wird das warme Schwefel- wasser entweder getrunken, oder, bei Krankheiten im Unterleibe als Klystier applizirt. Die T r i n kku r wird gegen einzelne Krankheitsübel mit vielem Vortheile gebraucht, und hat insbesondere in der neuesten Zeit so glückliche Fortschritte gemacht, daß die Errichtung einer eigenen Trinkkuranstalt nothwendig wurde. Ohne ärztliche Weisung ist es aber schlechterdings unrathsam, diese Heil- art sich selbst zu ordiniren, insbesondere die zur Verstärkung der auflösenden Wirkung des Wassers gewöhnliche Beimischung des Karlsbader Salzes äußerst behutsam anzuwenden. Das Trinken in großer Menge ist durchaus verwerflich. Die einzelnen kleinen Becher müssen stets in einem Zuge geleert werden. Man fängt mit 3—4 Gläsern an, und steigert sich bis auf 8—12 Gläser, die man in angemessenen Zwi- schenräumen von etwa io—»S Minuten trinkt. Vorzüglich bei Verstopfungen der Unterleibs- Eingeweide(schleimiger oder gallichter Art), als der Leber und Milz, in krankhaftem Wirkungsvermögen der Magendrüsen, der Gedärme und des Gekröses, in Verschleimungen, im Anfange der falschen Lungensucht, in verschiedenen Gichtarten u. s. w- beurkundet sich die Trinkkur besonders heilkräftig. Daß diese Kurart mit angemessener Bewegung durch Auf- und Niedergehen verbunden seyn muß, ist bekannt. II. Äußerlich bedient man sich der Badener Wässer, als: eigentliches Schwefelbad, und zwar mit folgenden Unterabtheilungen: s) als Vollbad, wenn der Körper bis an den Hals eingetaucht ist- Die geeignete Jahreszeit dazu, die Dauer('/§— 2 Stunden) und die Wiederholung(>5— 60 Mahl) beim Gebrauche zn bestimmen, liegt dem Ordinarius ob. l>) Im Halb bade wird der Körper nur bis zu den Lenden, v) beim Fuß bade nur bis an die Kniegelenke eingetaucht. SchmiLl's Wiens Umgeb. ui. ,g r. Als Douchebad, wenn das Badwasser aus einer 9—10 Schuh hohen Entfernung stromweise, oder als Tropfbad, wen» es nur tropfenweise auf den kranken Theil geleitet wird. 3. Das Dunst- oder Qualmbad, wo der ganze Körper oder nur ein Theil desselben den Vadedün- steu und den aus dem Schwefelwasser sich entwickelnden GaSarten ausgesetzt ist. Die seit"Jahren errichteten Dampfbäder, wo das Wasser durch künstliche Erhöhung der Temperatur im geschlossenen Raume in Dämpfe verwandelt wird, werden in eigenen Dampfkästen entweder auf den ganzen Körper, oder auf die Extremitäten oder als Dampfdouche angewendet. Die Heilkraft steht mit der Temperakurshöhe und dem Schwefelwasserstoffgas-Gehalt in geradem Verhältnisse. Von dem Gebrauche des Badeschlammes endlich als Umschlag wurde bereits S.4«6 erwähnt. Diese wunderkräftigen Gewässer entströmen i r Quellen, die ,6 Bädern die Wassermasse spenden. Das Ursprungs-, Theresien-, Antonsbad und die Herzogsbäder füllen sich aus einer Wasserader, alle übrigen haben ihre eigenen Quellen. Die einzelnen Bäder mit Angabe ihrer Temperatursgrade, so wie ihrer Besitzer, sind folgender 411 >8* Namen der Bäder, Grase nach Reaum. Eigenthümer- ,7 Stadt Baden.- k. k. Wohlthätigkeitshaus. Freie Gamminger n ligenkreuzerhof. Stadt Baden- Hei- Elisabeth Neuerer. »» Freih. von Doblhoff. »»» Staatseigentum'. Stadt Baden. Ursprungsbäder Theresienbäder Antonsbad Herzogsbad. Percgrinusbad Mariazeller Bad Leopoldsbäder Frauenbad Karolinenbad Josephsbad, Franzensbad. Johannesbad. Armenbad-- Sauerhosbad. Engelburgsbad K- K. Militärbad Neinigungsbäder im Her zogshof(Wannenbäder von Brunnenwasser). Die Stadt allein besitzt das Recht, Bäder zu errichten, und hat die ihr eigenthümlich zugehörigen iLStunden-und 7 Vollbäder, mit Einschluß des Herzogshoses, um lo.2Zi st K. M- verpachtet. Die Preise der einzelnen Bäder sind im höchsten Ansähe ist-, im niedersten 3 kr. K- M- Die Reinigungsbäder kosten 3L kr. K. M- Bei allen Bädern(das Armenbad ausgenommen) ist für gute Badebcdiennng gesorgt, und die Badediener(Bad- waschel genannt) haben unter andern auch ein Verzeichn,ß der Badenden zu führen. Die gemeinschaftlichen Bäder sind von, l-Wai bis'S. Oktober täglich von 4 bis i°Uhr 412 Vormittags und 3 bis S Uhr Nachmittags zum allgemei» nen Gebrauche geöffnet,»chis ö Uhr ist die Stunde, wo jene baden, deren Beschaffenheit ihnen keine Gemeinschaft gestattet. Eine sogenannte Ganzkur begreift hier 60, eine Halbkur 3o, eine Viertelkur>S Bäder. Selten wird zwei Mal des Tages gebadet. Die Dauer der Stundenbäder muß genau eingehalten werden. Im Winter wird in der Regel nicht gebadet, doch sind einige Bäder zu diesem Gebrauche eingerichtet. Diesen Heilquellen nun dankt Baden seine Blüthe, und seit seiner eigentlichen Erhebungsperiode von ungefähr 3» bis Ho Jahren einen Grad der Verschönerung und Bequemlichkeit, wie sich ein Kurort in solcher Nähe von der Residenz dessen nur immer erfreuen kann. Hat ein reichbegüterter Adel Baden schon längst zum Lieblingsflhe erkoren und vieles zur Verschönerung gethan, so vereinigten sich gar bald eine Reihe glücklicher Umstände, um diesen Kurort in unseren Tagen zu einem Höhenpunkte des Glanzes zu steigern, der sich schwerlich je wiederholen wird. Kaiser Franz I. hatte Baden zu einem Lieblingsaufenthalte ersehen, und die Munifizenz des menschenfreundlichen Erzherzogs Anton die reizenden Umgebungen auf eine Weise verschönert, daß man im Andenken des allverehrten Prinzen wohl sagen mag: Te saxa loquun- tur! Des Erzherzogs Karl kaiserliche Hoheit haben durch die Erbauung der Weilburg dem Helenenthal die schönste Krone gegeben. Und noch vor einigen Jahren das Leben in Baden— welche Tage waren es! Die Edelsten des Staates hatte die Nähe des geliebten Monarchen hier auf einen kleinen Raum versammelt; durch wahre Größe ge- 413 adelt, nicht blendend durch den flüchtigen Außenprunk, war es eine Bereinigung dessen, woraus Österreich stolz ist. Fest reihte sich an Fest, in zwangloser Heiterkeit, ferne den bangen Marken der Etikette, dem Fürsten wie dem Bürger offen— eine unvergeßliche Erinnerung in den Herzen derer, die daran Theil genommen! Wehmüthig sieht nun Baden auf diese Tage einer schöneren Zeit zurück. Schnell nach einander wurden die großmüthigsten Gönner dieses Kurortes dem Herzen Österreichs entrissen, und was Baden durch diese traurigen Verluste erlitt, wird sich sobald nicht wieder finden. Der allerhöchste Hof hat nun Schönbrunn zum gewöhnlichen Sommeraufenthalte erkoren, und der hohe Adel das nahe Hietzing zum Sammelplahe der Eleganz erhoben. Badens Schicksal ist nun wieder lediglich dem natürlichen Einflüsse seiner vielgesuchten Heilquellen anheim gestellt, und steht mit froher Hoffnung aus die Realisirung der Eisenbahnprojekte, womit es dann wieder in ununterbrochenen Verkehr mit der Hauptstadt treten wird. Baden entbehrt mancher Eigenthümlichkeiten eines eigentlichen Kurortes, zumal der, durch das Bedürfniß gebotenen innigeren Geselligkeit und völligen Zwangslosigkeit; insbesondere glänzende Reunionen, Konzerte oder ähnliche gesellschaftliche Vergnügungen sind nur schwer zu einem allgemeineren Interesse zu bringen, selbst das Theater erhebt sich kaum zur Mittelmäßigkeit. Die Nähe der Hauptstadt, welche die, wenn auch nicht strenge bezeichneten, doch bemerkbaren Klassenunterschiede in solcher Entfernung noch nicht vergessen läßt, und bei anhaltender übler Witterung— dem nächsten Vereinigungsbande zur allgemeineren Geselligkeit— eine zu 414 bequeme Zuflucht gewährt, hat wohl den natürlichsten Antheil daran. Für den Empfang der Badegäste ist aber in jeder Beziehung bestens gesorgt, insbesondere nette und räumliche, seit dem Aufhören der eigentlichen Glanzepoche auch sehr billige Wohnungen, gute Kaffeehäuser, dann eine große Anzahl von gut bestellten Gasthöfen, nnter denen insbesondere die neu etablirte»Stadt Wien« mit dem elegantesten Hotel garni einer Residenzstadt in die Schranken treten darf, sind Vorzüge, welche Baden vielleicht vor den meisten anderen Badeorten, selbst ersten Ranges, voraus hat. Der Besuch der Vadencr Heilquellen ist auch sehr bedeutend, namentlich in dem Dezennium von 1827 bis 1836 wies die Anzahl der Badeparteien*) eine jährliche Durchschnittszahl von SSoo aus(während die Mittelsumme in den Jahren ,8o5 bis 1822 nur die Zahl 2882 war), und stellte sich in dieser Beziehung bis.834, in welchem Jahre Baden seine glänzendste Sommer-Saison feierte, und von 6028 Parteien besucht war, mit den besuchtesten Badeorten in ehrenvolle Parallele. Die Anzahl der Badegäste, welche durch eigene gedruckte Zettel bekannt gemacht werden, bestes sich in den letzten Jahren auf folgende Ansätze; 1626 1827 1628 4622 S53o 53>5 1882 ,833 .834 8784 SS.y 6028 182 g ,83o .83, 5,55 §875 4867 ,835. ,836. 4y,i 4878 >) Ss versteht sich, tast dabei nur die Faniilienhäupter, nicht , die Individuen gezählt sind. 415 Vergleichsweise folgt hier von den Jahren, m w-- chen Baden seinen Kulminazionspunkt erreicht hatte, die Anzahl der Badcparteien von den besuchtesten österreichischen Badeorten. Karlsbad. Teplitz. Marienbad- Franzensbad. ,833: Ssyl S98S 1967'7>7 »834: ,0088 S4S6 221:'7^6 Jschel. Gastein- Gmunden. Hall. >833:-o3 6,3" 76 >834: 268^^ Dennoch ist die Zahl der Sommerparteien.n Baden größer, als in irgend einem Badeorte; denn die reizenden Umgebungen locken eine namhafte Anzahl von ganz gesunden, bloß Zerstreuung suchenden Gästen aus der Residenzstadt an. Schon Merian sagte>64g von Baden, es habe»im Stattlein für die Badgäste bequeme Gelegenheiten und lustige Spaziergänge, wird aber von V-c.en auch nur für Lust gebraucht und allhie manch- Abenteuer getrieben.« Eine eigentliche Badetaxe— welche, geringe angeschlagen, für die Besuchenden durchaus nicht empfindlich wäre, zum Frommen des allgemeinen Vergnügen? aber vieles beitragen könnte— ist bisher in Baden nu-r eingeführt. Was zum allgemeinen Besten gewirkt werden soll, ist also der prekären Großmuth einzelner Gönner anheim gestellt, und von einer konsequenten Verbesserung natürlich keine Rede. Die Verbindung von Baden mit Wien ist durch eine Auswahl von Fuhrwerken aller Art erleichtert. Außer den Gesellschaftswagen(s. I-Bd. S.S2,) gehen r>e sogenannten Bade ner Wagen von mehren Gasthäusern 4l6 auf der Wiedencr Hauptstraße, die meisten aber von der -goldenen Kugel.« von 6 Uhr Morgens an fast zu allen Tageszeiten nach Baden. Es sind bequeme viersitzige Wagen, wo aber bei einigem Andränge wohl 6 Personen hineingepreßt werden. Der gewöhnliche Preis für eine Person ist 3o kr. C. M. an Samstagen, Sonntagen, Donnerstagen, an allen Feiertagen aber 4o kr. K. M. An schönen Sonn- oder Feiertagen werden aber oft 3 fl. W. W. und mehr verlangt. Ist die Witterung nicht sehr günstig, so erhält man oft um S, ja selbst 4 fl. W. W. einen eigenen Wagen- Doch ist bei diesen Fuhrwerken ein Trinkgeld(von ungefähr 6 kr. C- M.) für den Kutscher üblich. Sie fahren in der Regel nicht schnell, und in Neudorf(siehe S. 878) wird eine halbe Stunde zur Pferdefütterung gerastet, mit deren Einrechnung sie gewöhnlich von Wien bis Baden mehr als drei Stunden zubringen. Eine vortreffliche Einrichtung ist die, von der k. k. obersten Hofpostvcrwaltung während der Zeit der Sommersaison täglich von Wien nach Baden und zurück eingeleitete Eilfahrt. Schlag 6 Uhr Morgens fährt dieser auf's bequemste eingerichtete sechssitzige Wagen mit einem Kabriolet für zwei Passageurs vom Postamtsgebäude in der Wollzeile ab, und eben so präzis um 7, vom 1. August an aber um 6 Uhr Abends von Baden(HauptplaH Nr. 66) wieder zurück. An Sonnabenden geht um 5 Uhr Nachmittags ein zweiter Eilwagen nach Baden ab, und Montags um 6 Uhr Morgens wieder nach Wien zurück. Der Preis für einen Sitz ist ohne Veränderung 40 kr. K.M. Ein Trinkgeld für den Postillon ist nicht zu entrichten. Da der Wagen noch vor y Uhr in Baden an- 41? langt, und erst um 7 Uhr Abends zurückfahrt, so eignet sich dieser Transport ganz vorzüglich für Ausflüge auf einen Tag nach Baden, wo man so ziemlich Muße hat, die Merkwürdigkeiten dieses Kurortes und seiner nächsten Umgegend zu besehen- Den Vormittag wird man mit der Besichtigung der interessanteren Bäder, der Kirchen u.s. w- ausfüllen, und der Mittagspromenade im Parke beiwohnen- Nachmittags durch den Doblhoffgarten immer im Schatten nach St. Helena gehen, und von da aus, etwa zu Esel, eine Partie in die Krainerhütten bewerkstelligen, wo man im Vorüberziehen die Schönheiten des He- lencnthales genießt. Von einem Besuche der alten Burgen kann da freilich nicht die Rede seyn- So ist es nun durch dieses vortreffliche Eilwageninstitut selbst dem Einzelnen möglich, mit geringem Zeit- und Kostenaufwande eine der schönsten Landpartien ohne Anstrengung in eine m Tage zurückzulegen- Ein Umstand tritt jedoch, und gerade zur besten Zeit hinderlich ein: es ist die bedeutende Konkurrenz von Eillustigen; die Bestellungen müssen daher in der Regel schon mehre Tage vorher gemacht werden- und da man denn so wenige prophetische Anzeichen für gutes Wetter hat, so ist das schon früher erlegte Fahrgeld, welches natürlich außer dem Falle einer zufälligen Ablösung nicht zurückerstattet wird, in Absicht auf die Erwartung eines schönen Wetters einem unsicheren Erfolgpreis gestellt. Der Wagen legt den Kurs in der Regel in dritthalb Stunden zurück. Fiakers stehen in Baden, wie in Wien, zur augenblicklichen Disposizion bereit. Die Preise sind bekanntlich äußerst variabel; 8fl. C. M. ist für den ganzen Tag gewöhnlich, steigert sich aber bei schö- 4i lr nein Wetter und einiger Konkurrenz selbst bis zu ,2fl. K. M- bloß auf den Nachmittag! Briefschaften und Pakete können auch durch den»Badener Briefträger« (in Wien in der Kärnthnerstraße im Gasthofe zum Erzherzoge Karl Nr. 968, und in Baden im Hirschenwirths- hause auf dem Platze) bestellt werden. Der gewöhnliche Fahrweg von Wien nach Baden, größtentheils auf der staubigen Poststraße, ist langweilig und seine geringen Reize übersättigen gar bald. Der Zug der Straße von Wien über die Spinnerin am Kreuz(S.>36 s. f.), über Ncndorf(S. 876) und dann bis zur Ausmündung der Gumpoltskirchener Straße(S. 386) wurde bereits näher bezeichnet. Eine Strecke von Traiskirchen nämlich ästet die sogenannte Vadenerstraße rechts aus, und führt zwischen Feldern und Weingärten endlich nach P f A f f st e f t e, einem alten, aber uninteressanten kdrte mit isoHausern, darunter einige sehr alte, und yaoEinwohnern, welche meist vom Weinbau leben. DaS Stift Melk besitzt hier einen Zehent- hvf, und Listenfeld zwei Freihöfe(den einen schon seit 1216); in dem eigentlichen Wirthfchaftsgebäude befindet sich auch eine dem heil. Johann dem Täufer geweihte Hauskapelle, im Heiligenkreuzer Stiftshofe zugleich die Pfarrerswohnung. Die Pfarrkirche mit einem viereckige» Thurm und einer Anzahl sehr ausgetretener Grabsteine ist unbedeutend. Seit dem großen Brande von Baden(>812) wird an der hiesigen Wegmauth als Vcrschönerungsbeitrag für diese °Ltadt ein erhöhter Betrag abgenommen. Herren von Psaffstetten werden im 12. Jahrhunderte oft genannt; in- wieferne sich davon einige hierher, oder wahrscheinlicher anf das an der Grenze der V. Q. und U-M.B. gelegene Pfaffstetten beziehen, ist noch nicht hinlänglich erörtert. Übrigens war dieser Ort in früheren Zeiten blühender, wird'687 sogar ein Markt genannt, und hatte einen eigenen Pranger. Oberhalb der Manch zeigt sich noch am Wirthshause die Steinkugel des, von den Türken>688 zerstörten Prangers mit einer Jnschrifttafel dabei. DaS Privilegium, alljährlich am 2. Juli Markt abzuhalten, wurde von K. Franz!. 1821 bestätigt. Das Stift Heiligenkceuz, welches hier bereits seit dem ,2. Jahrh, begütert war, kam bald in den Besitz des Ortes und blieb es bis jetzt. Korvin's Schaaren im I.>477, die Türken ,829 und>683, dann die Pest 1718, ließen jedes Mal traurige Folgen zurück. Durch eine Pappelallee, an einer Säule von>878 vorüber, erreicht man in Kurzem die Stadt Baden, welche man durch die freundliche Wienergasse, einer sogenannten Vorstadt von Baden, betritt. Die kleinen niedlichen Häuschen sind meistens von Bauersleuten bewohnt. Eine dichtbelaubte Kastanienallee gibt behaglichen Schatten. s) He lehr ehre. Daß man bei den Ursprungsbädern(-796) Überreste*) eines großen römischen Dunstbades, außerdem viele römi- ') Die Ziegel trugen die Chiffre der>°. und.4- Legion, nämlich: XUI ü() k(-U-) k(i-). schs Münzen von Oktavian Augustus bis Dalerius Maximinus, dann bei der Erbauung der Wasserkanäle und der Ausgrabung der Grundfesten mehrer Häuser, 3 Schuh tief unter dem dermaligen Straßenpflaster, ein altes, aus zugerundeten Steinen zusammen gefügtes, und um 6—7 Schuh tiefer ein noch älteres Straßenpflaster und Mauern von ungleicher Dicke, nach verschiedenen Richtungen hin entdeckte, dürfte unzweideutig auf Nvmcranstedlungen an der Stelle des heutigen Baden deuten; daß aber die römischen lliei'mae Eetiae, so wie die^quao kaunoniao, gerade diese Heilquellen waren, ist nicht so ganz ausgemacht, als man dieß ohne viele Zweifel annimmt. Nach diesem Reiche der Vermuthungen läßt die Sage diesen Heilbron- uen durch die, anfangs unerklärliche, Genesung der aussätzigen Rüden*) eines hier hausenden Ritters, denen man aber bald nachspürte, und sie in dem warmen Sprudelquell badend fand, wieder auffinden. Urkundlich war Baden im-1. Jahrhunderte bereits ein bedeutender Ort, in dessen Nähe die Rebe segensreich gedieh. Die Landesfürsten waren die ältesten Besitzer davon. Klosterneuburg, Klein-Mariazell und Listenfeld besaßen hier seit den ältesten Zeiten Weingarten, und viele aus dem angesehensten Adel, die Kreusbachcr, Bertholdsdorfer, Merkensteincr, die Tursonen von Rauheneck und Nauhenstein, die Pot- rcndorfer und Walseer waren hier gleichfalls reich begütert. Eine adelige Familie nannte sich sogar von Ba- S e n(wahrscheinlich bloß ihr Wohnsitz, nicht aber deren ') Am ThürmMen der leider abgebrochenen Frauenkirche sollen ein Bär, Gemse, Rehbock und drei Hunde, aus Stein gemeistert, auf diese Sage gedeutet haben. Eigenthum), irZ9 wird ein Heinrich, 126, Heidenreich, 126S Albero, i^öDippold, 1294 Otto, 1 Zoo Engelbert u. s- w. von Baden genannt. Sie residirten wahrscheinlich in jener Beste, welche in der Nähe der heutigen Pfarrkirche, am Plahe des dermaligen Schulhauses, stand, deren letzte Überreste im I.>800 abgebrochen wurden. «/,49 wird ein Lepold Weiser als l. f. Pfleger der Burg xu Baden genannt. Derselben bemächtigte sich>403 ein Böhme, Namens Franz Haag, mit einer Bande böhmischer Räuber, unter der Anführung des Hauptmanns Sluha. Aus den unwirthlichen Klüften einer Bergschlucht zwischen dem Kalvarien- und Mitterberge(welche noch heut zu Tage den, mit Räuberhöhle gleich bedeutenden Namen»Putschanerlucke« trägt) beunruhigten diese Wegelagerer die ganze Umgegend, bis sie, auf Friedrich des IV. Befehl, Georg von Pottendorf vernichtete, ihre Raubnester zerstörte, und den Sluha und Haag gefangen nahm, welche auf dem Hühnerberge an den Galgen geknüpft wurden. Das Schloß in Baden, welches seitdem insgemein »der Haag« genannt wurde, scheint jedoch bald wieder aufgebaut worden zu seyn, denn 1S27 wird Georg Auer von Herrenkirchen als l. f. Schloßhauprmann zu Baden genannt. ,S2y wurde es von den Türken zerstört. Von dem Gesteine der nicht wieder aufgebauten Burg wurden später um die Kirche und Stadt gegen die Wiener Seite Wefestigungsmaucrn erbaut, ein viereckiger Thurm alnr noch lange als Waffenkammer benutzt, und endlich>800 abgetragen.>489 nannte K. Friedrich IV. Baden einen sNarkt, und seine Gattin, die portugiesische Eleonora, gebrauchte>4bü die Badekur. Kaum hatten die Werke 422 zur Umfassung des Ortes mit Gräben und Ringmauern begonnen, als Korvin>477 Baden zum ersten Male überrumpelte und alles gräulich verwüstete. Zur Linderung dieser Drangsale erhob Friedrich lV. im I. ,480 den Markt zur Stadt, mit gleichen Rechten und Freiheiten, wie die anderen Städte des Landes*). Damals erhielt Baden auch sein eigenes Wappen: einen weißen Balken im rothen Felde, worin zwei in einer Wanne Badende sich befinden. Nach kurzem wiederholte Korvin die furchtbaren Zerstörungen, und verließ die neue Stadt als eine Brandstätte.>2ry wurde sie von den Türken neuerdings in Brand gesteckt. Aller durch Ferdinand I. eingeräumten Privilegien ungeachtet, konnte sich die zu hart getroffene Stadt nur langsam und um so schwerer wieder erholen, als der Ausbcuch der Rcformazion jedem vereinte» Wirken der Gesammtheit eben so störend entgegen trat, und die Pestjahre>6,3, 1644 und>679 einen großen Theil der Bewohner hinwegrafften. Als die Türken im J. 168Z neuerdings in zahllosen Schaaren sengend und brennend heranwogken, erschien am 12. Juli eine Truppe vor den Mauern Badens, die Bewohner zur Übergabe auf Gnade und Ungnade auffordernd. Wohl wurde ihnen freier Abzug verheißen; kaum aber waren sie durch das Rennthor gegen den Mitterberg gezogen, als sie die treubrüchigen Tataren umzingelten, und theils grausam todtsten, theils in Gefangenschaft schleppten. Der Syndikus, Barth. Schwarz, eben beschäftiget die wichtigsten Dokumente zusammen zupacken, wurde niedergehauen, das Archiv mit ') In Maysr's Miszcllen über Baden l. 7S s. f. ist diese intcres, sante Urkunde wörtlich mitgetheilt. seinem Urkundenschatze, Häuser und Kirchen wurden ein Raub der Flammen, selbst aus den Gräbern der Hingeschiedenen die Kleidungsstücke gerissen!!— Die segensreich fließenden Heilquellen waren auch bald der Quell eines neuen Emporblühens. und schon>686 gebrauchte die Erzherzogin Maria Antonia,>by7 K. Leopold!, mit seiner Gemahlin Eleonvra die Badcner Bäder.>708 flüchtet« Baden, aus Furcht vor den herandrängenden ungrischen Malkontenten, seinen Kirchen- und Schriftenschah nach Wien, blieb aber von einem wirklichen Überfalle verschont, und die Mauern wurden später in wehrhaften Stand gesetzt. Wider die Pest im I.>7>3 beurkundeten die hiesigen Schwefelquellen einen wohlthätigen Einfluß; eine Säule am Hauptplatze drückt noch heut zu Tage den Dank der Bürgerschaft für die Schonung bei dieser Seuche aus. >7,q äscherte eine furchtbare Feuersbrunst>01 Häuser ein. ,78s wurde der Stadtmagistrat reorganisirt, und erhielt dieselbe Stellung, welche er heut zu Tage behauptet. Bald mehrte sich der Wohlstand des Kurortes, und mehr und mehr erhoben sich die Anstalten der Bequemlichkeit und Verschönerung, welche Baden in jeder Rücksicht mit den vorzüglichsten Badeorten Deutschlands in eine Reihe stellen. Das nähere Detail wird im nächsten Abschnitte behandelt werden. Die finsteren Ringmauern und die sechs alten Stadtthore wurden abgebrochen, und so Baden mit den nahen Ortschaften zu einem großartigen Ganzen verschmolzen- Die Gräben wurden ausgefüllt, Wasserabzugskanäle gegraben, die Gassen gepflastert, für eine geregelte Beleuchtung gesorgt.>8o5 und>6oy wurde Baden hart mitgenommen. Den größten Schlag erlitt eS aber 424 durch die schreckensvolle Feuersbrunst, welche am Annen- tage(26. Juli) 1812 um Mittag im Stallgebäude des Bäckerhauses mitten in der Stadt ausgebrochen war, und binnen zwei Stunden 187 Häuser unter ihrer Asche begraben hatte. Nicht früher war es möglich, dem furchtbaren Elemente Meister zu werden. Wahrhaft erhaben war das Vorbild der durchlauchtigsten Erzherzoge Anton, Rainer, Ludwig und Rudolph, welche, ihre eigene Habe nichts achtend, sich den größten Gefahren preis gaben, und durch dieses leuchtende Beispiel die Kräfte der Helfenden zum Unglaublichen steigerten. Der dadurch verursachte Schade wurde amtlich auf 1.628.178 st. 24 kr. angegeben. Da öffneten sich die Schleußet, des Wohlthuns, der unvergeßliche Monarch mit dem ent- scheidendsten Beispiele vortretend, in einem unglaublichen Maße. Von allen Seiten strömte Hilfe bei. Zahlreiche Konzerte, dramatische Vorstellungen wurden zum Besten der Abgebrannten von Baden unter reichgekröntem Zu- spcuche abgehalten. Die Theilnahme war allgemein. Nach einem Jahre war Baden schöner aufgebaut, als es je war. Und immer mehr wuchs sein Wohlstand, sein Glanz, der im I. 1834 den Kulminationspunkt erreicht hatte. Insbesondere der Aufenthalt des verewigten Kaisers FranzI. hatte Baden zum Sammelplätze des höchsten Adels erhy. ben. Als der geliebte Monarch, nach seiner Genesung von der schweren Krankheit, am i.Juli 1827 wieder in den Mauern Badens erschien, da war es ein unvergeßliches Freudenfest, und des Abends flammte die Stadt im Feuermeere einer allgemeinen Beleuchtung. Wahrhaft rührend 'st das Angedenken an den theuren Monarchen, mit einer 425 Reihe von Wohlthaten, mit unzähligen ernsten und heiteren Erinnerungen in die Schicksale VadenS verwebt. Könnte wohl die Stadt einen schöneren Zug aus dem Leben dieses väterlichen Fürsten in seinen Jahrbüchern ver- ewigen, als folgenden!? Das Herrscherpaar begegnete einst im Helenenthale einem Leichenwagen, dem Niemand folgte. Da zog der fromme Monarch den Hut— und der Kaiser von Österreich begleitete die Leiche eines seiner ärmsten Bürger bis zur Ruhestätte!— Am 23. Juli i83> starb hier Erzherzog Rudolph, Fürsterzbischof von Qlmüß, allgemein und tief betrauert. Im Jahre>83, raffte die Cholera 9, und>83r rllPersone» dahin. Den r3. Sept.>83r fuhren die sämmtlichen Mitglieder der Naturforscher-Versammlung in Wien in 89 kaiserlichen Eilwagen nach Baden, und wurden von dem Stadtmagistrate auf das prachtvollste bewirthet. Sie besahen das Merkwürdigste, und wurden dem Erzherzoge Karl in der Weilburg und dem Erzherzoge Anton in seinem Pallaste vorgestellt und zuvorkommendst aufgenommen. Die Sommer-Saison>834 gehörte zu den glänzendsten*) dieses Kurortes. K. Franz I. und die Kaiserin Karoline Auguste, der jetzt regierende Kaiser Ferdinand und Aller- hochstdessen Gemahlin, die Erzherzogin Maria Luise, Herzogin von Parma; die Erzherzoge Franz Karl, Joseph Palatin(mit Hochdero Gemahlin und Familie), Karl, Anton und Ludwig beglückten Baden mit ihrer Gegenwart. Die Anwesenheit des Fürsten Metternich mit Gemahlin und Familie, dann eines großen Theils des diplo- ») Die Wiener Zeitung>SZ5 enthielt eine schätzbare Mittheilung über Baden im Jahre von M. Koch matischen Korps trug nicht wenig zur Belebung des Auf. enthaltes in Baden bei. Durch den Hintritt des Kaisers Franz l. und des Erzherzogs Anton, seiner vorzüglichsten Wohlthäter, erlitt Baden im I. i83I unermeßliche Verluste. Am 3>. Mai>836 sah die Stadt Baden und das Helenenthal die beiden französischen Prinzen, die Herzoge von Orleans und Nemour. b) Ü e lc!) re i b u n g. Der verstorbene Bürgermeister Mayer hat uns in seinen Miszellen über Baden(I. S. 12 rc.) ein treues Bild von dem Zustande Badens vor der letzten Verschv- nerungsperiode aufbewahrt, und was seit 3o Jahren für Baden geschah, ist unglaublich. An freundlichem heiteren Aussehen, an einem Überflüsse von stattlichen, sowohl öffentlichen als Privatgebäuden, an Reinlichkeit und Bequemlichkeit in jeder Beziehung wird Baden mit den besuchtesten Kurorten rivalistren. Die letzte Verschönerung erhielt es durch die, nach dem Wunsche des verewigten Kaisers Franz!,(welcher Abends und Morgens so gerne durch die heiteren Gaffen der Stadt promenirte) und auf die thätigste Verwendung des Erzherzogs Anton, jenes unvergeßlichen Gönners dieses Kurortes, im Herbste>834 begonnenen neuen Baumpflanzungen in den breiteren, sonnigen Straßen von Baden. 1S14 Klafter beträgt die ganze Länge dieses Alleenzuges, und die Auslagen allein für das Setzen der Bäume beliefen sich über stooo fl. K. M. Die neuen Alleen beginnen in der Feldgaffe mitKastanien- bäumen(als Fortsetzung der älteren Kastanienallee in der Wienergaffe) in einfacher, und setzen sich in doppelter 427 Reihe durch die Parkstraße bis in die Alleegasse fort. Don da geht der Zug in einer einfachen Lindenpflanzung bis zum Frauen-und Josephsbade, stellt sich in doppelter Reihe von Pappeln an die beiden Ufer des Mühlbaches, erstreckt sich so bis zum Ende der Bäckerstraße, und, mit Nuß- und Akazienbäumen ergänzt, durch die Neugasse, Freiungsgasse bis zur Ecke der Leesdorfer Straße, kommt rückwärts in der Grabengasse in einfacher Reihe bis zur Annagasse, und vereinigt sich endlich in dreifacher Reihe am Pfarrplahe wieder mit cher Parkstraße. Die Wan- deruna im Schatten dieser Bäume wird einst eine wahre Labung seyn! Mit den angrenzenden Ortschaften Gutenbrunn, Weikersdors, Alland, Dörfl, Thurm gasse. Breiten und Rohr gleichsam zu einem großen Ganzen vereint, zählt die eigentliche Stadt allein rsb4 Häuser mit nahe an 3aoo Einwohner. Die Anzahl der Verstorbenen belauft sich im Durchschnitte jährlich auf 129, die Geburten auf i?» Individuen. In den meisten Häusern sind Wohnungen zu vermischen; man findet deren vom verschiedensten Umfange, leer und möblirt. Einzelne Zimmer und ganze Häuser können gemiethet werden. Die Miethzinspreise sind in den beiden letzten Jahren bedeutend gesunken. Der Preis eines einzelnen Zimmers für einen Tag varirt zwischen 24. kr und» fl. 12 kr., monatlich von 10—28 fi. Halbjährig zahlt man für zwei Zimmer ungefähr 80—>4ofi-, für drei Zimmer>20 200 fi. C- M- Der Magistrat von Baden, seit 178S mit einem beständigen Bürgermeister und Syndikus an der Spitze, hat noch drei Raths- und vier bürgerliche Ausschuß-Män- ner, welche letztere alle 6 Jahre durch Wahlen von der Bürgerschaft erneuert werden. In Absicht auf die Sani- täts- und Bade-Anstalten ist dem Magistrat seit 1794 ein eigener Badearzt beigegeben, welcher für den guten Stand der Bäder und ihre Vervollkommnung zu sorgen hat. Ein von der Bürgerschaft erwählter Ober- und Un- terkammerer besorgen die ökonomischen Angelegenheiten. Zwei bürgerliche Kommissäre mit einem Polizei-Wachtmeister und mehren Polizeibeamken versehen die polizeilichen Obliegenheiten. In den Sommermonaten führt noch insbesondere ein eigener, von der Polizei-Hofstelle hierher beorderter Polizei-Inspektor die Oberaufsicht. Die letzte Badeordnung ist jene vom Jahre 1811, die vorletzte von 1797. Die älteren sind nur mehr interessante Belege zur früheren Sittengeschichte. Die Besichtigung der Stadt mit ihren Bädern, Kirchen und übrigen schönen Gebäuden gewährt ein eigenes Vergnügen, und eine Wanderung durch die reinen, gepflasterten Straßen ist von den freundlichsten Bildern begleitet. Es wurde bereits erwähnt, daß Baden eine namhafte Anzahl von ausgezeichnet schönen Landhäusern mit lieblichen Gärten besitzt. Doch dürfte diese allgemeine Bemerkung genügen. Es wird daher bei dem prekäreren Bestände solcher, ihre Besitzer und damit ihr Loos nur zu oft verändernden Villen, in den folgenden Zeilen nur seltener im Einzelnen die Rede seyn. Schon beim Eintritte in die Wiener- jetzt A nto n sgasss überrascht eine lange Reihe stattlicher und eleganter Land- Häuser, darunter insbesondere der Pallast(Nr. 2S9 und süo), welchen Badens zu früh entrissener Gönner, der Erzherzog Anton bewohnt hatte. Der Gasthof zum goldenen Schwan mit seinem schattigen Garten zeigt sich zur Linken. Zur Rechten führen die Feldgasse, und weiter oben die Spitalgasse auf das sogenannte Bad- nerfeld hinaus, worauf sich seit ein paar Jahre eine Kolonie neuer Landhäuschen mit(jetzt freilich noch ziemlich schattenlosen) Gärtchen erhob. An der Hinterseite der, von der Wienergaffe heraufreichenden Gärten geht der Weg zum Melker keller, mit seinen>4 aus den darüber gelagerten Weingärten hervorragenden Luftgängen, vor welchem unter einem Zelte meist Gruppen von fröhlichen Zechern versammelt sind, und führt von da über die kleine Erhöhung des Kahenbügel immer zwischen Weingärten und ohne Schatten in einer Stunde nach Gum- poltskirchen. Weiter nördlich am rebenreichen Abhänge des Kalvarienberges liegt die, 1802 unter der Leitung des Ober- schützenmeister Franz Troll erbaute bürgerliche Schieß- stätke. Das Schützenbuch mit seinen Wappenmalereien enthält die Namen vieler der angesehensten Personen. Richt selten werden hier glänzende Freischießen gegeben, und man findet die heitere Erinnerung daran mit den Namen so mancher erlauchten Schützen in dem Gedenkbuche aufbehalten. Hart an dem Gebäude vorbei führt ein Fahrweg in die Weingebirge aufwärts und zum Pipe ritz runn, einer köstlichen Gebirgsguelle, welche auch den neuen Ferdinandsbrunnen am Hauptplatze bewässert. Am Ende der Antonsgasse, wo das seit 1810 demolirte Wienerthor stand, erstreckt sich links die Annagasse bis zum Mühlbach hinunter. Zur Rechten hingegen eröffnet sich der ansehnliche, nur durch ein einziges isolirt stehendes Häuschen verunstaltete Pfarr platz. Nördlich zeigt sich eine Reihe sehr eleganter Landhäuser, deren freundliche Gärten sich auf dem Abhänge des Kalvarienberges hinan» ziehen, im Westen das Redoutengebäude und Kaffeehaus, bann an der Ecke der Pfarrgasse das>8o, an der Stelle der alten Burg(siehe S. 421) erbaute neue Schulhaus. In der Mitte hingegen, ringsum frei, erhebt sich die majestätische Pfarrkirche, ein altdeutsches, den Stempel mehrfacher Erneuerungen tragendes Gebäude. Aus der Mitte ragt der 3H Klafter hohe, steinerne Thurm heraus, dessen rothe(1.L22—->828 renovirte) Kuppel sich hoch in die Lüste erhebt. Etwas tiefer, aber das Kirchen- dach überragend, verbreitert er sich zu ansehnlichen Sei- lenvorlagen, welche zuoberst an den Ecken kleine Thürm- chen tragen. Gegen Osten schließt sich der hohe Chor mit mächtigen Strebepfeilern und hohen Spitzbogenfen- stern, und in der entgegengesetzten Richtung das lange Schiff, mit einer neueren, hohen, thurmähnlich vorspringenden Eingangshalle an. Die ganze Länge der Kirche beträgt 26 Klafter. Das Alter dieses Gotteshauses läßt sich nicht mehr mit Bestimmtheit ermitteln. Der Thurm dürfte der älteste Theil sey». Die massiven Quaderwände mit der kargen Zierde einiger Stäbe deuten darauf hin. In Wischers Abbildung von Baden(1Ü72) erblicken wir die Hauptmauern der Kirche ganz in der jetzigen Gestalt; nur trug der Thurm statt der heutigen Kuppel noch einen höheren AufsatzmitZwickeldach. Ursprünglich eine Filiale von Traiskirchen, hatte die Kirche schon 12S8 einen eigenen Pfarrer, und erscheint schon»Zro als dem h. Stephan geweiht. Durch Kvrvin und, kaum wieder herze- stellt, iZry durch die Türken in Brand gesteckt, ward sie erst um>5»7 wieder zum Gottesdienste eingerichtet. Zur Zeit der Reformation trieb ein lutherischer Prädikant hier sein Unwesen. Um>674 war aber schon wieder ein katholischer Pfarrer in Baden.>683 abermal durch die Türken in Brand gesteckt, wurde die Kirche aber bald wieder hergestellt. 12. Aug.>8>4 wurde der Thurm von einem Blitzschläge getroffen, ohne jedoch in Brand zu gerathen.— An den Außenwänden der Kirche findet man an der Parkseite ein werthloses altes Skulpturwerk, und, als eine Erinnerung an den alten Leichenhof, welcher die Kirche bis zum Jahre>8>3 umschloß(in welchem Jahre der neue Friedhof eine Viertelstunde weit außer der Stadt angelegt wurde), in der Nähe des Haupteinganges die Grabstätte des Pfarrkuraten Quodvultdeus Nollett(geb- >2. Sept.>7Z7,-h 28. Aug.>6>>), seines Bruders Loren;(ch>8. Okt.>8>>) und dessen Sohnes Joseph (jh 9- Juli 1812), endlich gegen die Annagasse den rothmarmornen Grabstein des n. ö. Landschaftssekretärs Za- charias Merz von Ebenthal, aus dem>6ten Jahrhunderte. Das Kirchengewölbe ruht auf zehn freistehenden Pfeilern, welche das Schiff von den niederen Abseiten trennen. Auch dieses Gotteshaus hat im Innern übertünchte Wände. >746 wurde die Kirche mitKehlhammerplatten gepflastert. Den Hochaltar schmückt ein werthvolles Bild, die Steinigung des h. Stephans(des Kirchenpatrous) vorstellend, >780 von Paul Troger gemalt. Die übrigen y Seiten- altäre haben durchaus werthlose Darstellungen. Die Josephs- und Kreuz-Kapelle befinden sich unter den Seiten- vorlagen des Thurmes. An den Pfeilern, welche unten viereckig und dann erst achtseitig sind, befinden sich viele Grabsteine. Gleich unter dem Musikchore zeigt sich jener des Stadtrichters Schlach tner, mit folgender Inschrift r Allhier erwarttet den Richter aller sterblichen Der Zwölff Jahr geweste Statt Richter in Vaadcn Nemblichen Der Wohl Edl und Gestrenge Herr Michael Schlachtner Welchen den May>704 der Todt geschlachtet auf das er tauglich wäre zu dem Himmlischen Abendmahl- und weilten im Himmel nichts unreines eingehet hat er seine Seele durch villsältige Duegendswerkh in Banden gewaschen, dessen die.ausgerichtte«»dachten, und gestiffte Berg Q-Iearl Zwar stumme, doch sichtbare Zeugen seynd. Jetzt ist er dort an Seelen Port befreyet aller gsahr nach dem er hie gestritten Je Durch LZ Jahr. >7>o. Auf dem nächsten Pfeiler trifft man den Grabstein des Paul Rubigallus(chS. März 1S76 zu Wien), dann das Monument der Maria Magdalena Wafserbren- ner(geb. Mörkhl),»kaiserl.Hofbefreythen Gattin, welche im dreyssigsten Jahr ihres Alters die schuldt der natur be- zallen miessen«, ch 4. Mai 1720, mit folgendem Reim: »Aus solchen sucsi besteht der schauplaz dieser Welt, Was heint in scheuster blüe, ist morgen schon entseelt.» Nebenan das Grabdenkmal des Hans Winkhler,»Dad- nec Bürgers und Rathsfreundt(ch»871 im L8. Lebens- jähre). Dann folgt der Denkstein des Hieronymus Salius von Hiersperg, Waltpurgers auf der Schemnitz in Ungarn«(f H Mai>SSS). An den Pfeilern der anderen Seite, vom Musikchorc an begonnen, findet man folgende Grabmonumente: das des Hans Dörr mit der Inschrift: » Vn 8vnndsA Ivt-tlslo IIN l 5^2 a-r ist ill enerelitakten sor L6sl 6esdrenA Ilsns Dörr rv WildvnFsmsver vnä Levtsclien dann des Joh- Nep. Korvin Kossakowsky, Bischofes von Wilna, des Alexander-Newski-Ordcns-Ritter, Stifters des Lithauischen Taubstunimen-Jnstitutcs u- s. w-(geb. zu Krakau>6. Dez.>763, fi zu Baden 8. Qkt. 1808); der Maria Elisabeth, Gattin des Md. Dr. Karl Festa (fi 2. Mai 1Ü92), und einer Katharina Lagkhner, Gattin eines Wiener Bürgers und Inneren Stadtsraths, endlich des Ferdinand Leopold Reichsgrafen von Spork (f-28. April>7>>), ferner andenKirchenwänden jenes des Reichsritters Joh- 2os-Franz Kober von Hammelburg(fi'S. Okt. 17-iy), und einer Eva Franzisca G r a- tian, kaiserlichen Raths-und Kammerdieners-Gattin, ge- borne von Mugeenthal(geboren 2. Aug. 1Ü98, h 27. Februar>789). Auch auf dem Boden ist eine Anzahl von Grabsteinen eingemauert- So findet man unter dem Musikchore ohne 2nschrist, aber durch die sechs Ringe im Wappen erkennbar, die Familicngrabstätte der Au er von Herren- kirchen, von denen Wilhelm der letzte seines Stammes, Stifter des Badener Vürgecspitales, im 2ahre>SS> starb. Schmidts Wiens Umgeb. ui.> 9 In der Mitte des Haupteinganges liest man auf einem Stein noch deutlich die Worte: L„i ,5-j, den ersten tag November ist Gestorben die Edt Togendhafft Frans Vrsula gebornns Gertinginhern Erasnivon der Haid') gelasn witib vnd ligt hie begraben« »Der seit Gott Gnedig seyn.« Unter der Kanzel ruht Johann Andreas Bürgler, Stadtpfarrer und des Paßauer Bischofes Johann Philipp Rath,>. Mai 1707. In der Abseite zur Linken erblickt man auf einem Stein am Boden die Gestalt eines Priesters mit Kelch und der Umschrift: ^nno äo!>5i/4 äis nonu Funii oLUt Iionorubllls v!r«1ns Vinoon- elus kuvrufoiuL olim hujus eeelio Ileetor I»»«: soxultns. 6u)u» sis 600 vivitt. Unter der Kirche befindet sich eine Gruft; seit Joseph H. geschlossen, wurde sie- 8-4 geöffnet, ohne daß man Erhebliches gefunden hätte. Die Kirche ist wohl ziemlich geräumig, für den zahlreichen Besuch, zumal im Sommer, aber bei weitem unzureichend. Die nicht unbeschwerliche Ersteigung Los Kirchthurincs wird durch eine malerische Übersicht gelohnt, deren man aber vom Kalvarienberge weit ausgedehnter und bequemer genießen kann. Das heitere Redvutengebäude, 1800 von dem damaligen Theaterpächter Georg Wilhelm nach dem Plane des Hofarchitekten Montoyer in gefälligem Style erbaut, befindet sich an der Ecke der Pfarrplaßes gegen die Parkstraße hin. Im ersten Stockwerke enthält es einen größeren, täglich Mittags und Abends zur Restauration geöffneten, und einen kleineren Saal, nebst mehren Speisezimmern. Das Haus hat auch bequeme Absteigequartiere, und möblirte, mit reinlicher Wäsche versehene ') Besitzer von Merkenstein. Zimmer. Hier werden während der Kuweit Reunioncn und Konzerte abgehalten, deren Zuspruch aber in neuester Zeit abgenommen hat. Auch ist damit eine Zuckerbäckerei und ein gutes Kaffeehaus in Verbindung, Das Theatergebäude steht mit der Redoute in unmittelbarer Verbindung- und macht gegen den Theaterplatz Fronte. Es wurde an der Stelle des alten, 1770 niedergerissenen Hell- hammerhofes, wo eine Scheune schon seit längerer Zeit der Tummelplatz für dramatische Spektakel war, nach der Hinwegräumung eines älteren Bühnenhauses im Jahre>81 c> nach der Angabe des Architekten Kornhäusel in seiner dermaligen sehr freundlichen Form erbaut und , 887 verschönert. Alu der Stirnseite liest man die Worte Schillers: Ernst ist Las Leben, Heiter ist die Kunst. Auch das bei 1200 Zuseher fassende Innere, mit Parterre und drei Gallerien, ist gefällig dekorirt. Unter Hens-- ler's und Hoch's Direkzionen war die Bühne in guten. Rufe, und leistete im Einzelnen Vorzügliches. Auch hier ist nun jene Glanzperiode vorüber- Die nette Pfarrgasss fuhrt gerade auf den Hauptplaß hinaus. Parallel damit läuft die Parkstraße. An geschmackvollen neuern Landhäusern vorüber, trifft man zur. Rechten den Park, den beliebten Sammelplatz der eleganten Welt. Ursprünglich, zum Herzogshofe. gehörig, der Herzogsgarten, später nach der erhabenen Gründerin der Theresienbäder auch Therestengarten genannt, erhielt er erst>792 seine jetzige Gestalt. In mehren Reihen ziehen sich dichtbelaubte Alleen eine unmerkliche Erhöhung am 'y* Abhänge des Kalvarienberges hinan, gegen die Parkstraße hin ganz offen, daher es auch einmal geschah, daß die Promenadegäste zu nicht geringem Schrecken einen gehörnten Vierfüßler in ihren Reihen erblickten. Am Ende der breiteren Mittelallee steht eine erhöhte, säulengetra- gene, halbzirkelförmige Halle, in deren Innerem Ruhesitze angebracht sind. Aeskulaps Bildsäule prangt in einer Nische, der Schlangenstab am Fronton.>798 wurde dieser Tempel von einer Gesesellschaft wohlhabender Badegäste errichtet. Zur Rechten, unter Bäumen halbversteckt, befindet sich der Kiosk, im orientalischen, unseren jetzigen Begriffen von der verschönernden Gartenkunst nicht mehr zusagenden Geschmacke, durch einen ähnlichen Verein, wie jener dem die Aeskulapshalie ihr Daseynver- dankt, ihm Jahre>8»o errichtet. Darauf deute» die, ober den vier Haupteingängen in deutscher, französischer, italienischer und türkischer Sprache angebrachten Worte r »Don einer Gesellschaft dem Publikum gewidmet.« Er bildet einen geräumigen offenen Saal, dessen in der Mitte von einer Kuppel überragtes Dach auf 72 hölzernen, roth bemalten Säulen ruht, zwischen welchen Ruheplätze angebracht sind. Mittag und Abend sind die eigentlichen Promenadezeiten, und die durch die hell erleuchteten Alleen dahinwallende bunte Menge gibt ein ungemein reizendes Bild. Die Unterhaltung der Parkmusik ist— da in Baden keine Badtaxe besteht— bisher dem prekären Lose der freiwilligen Subskripzion anheim gestellt, was meist zur Folge hat, daß die Abend- Musik schon im August aufhört- Während der Badesaison im Jahre ,837 hat Graf Palffy aus Eigenem die Kosten der Parkmusik bestritten. Gleich hinter dem Parke, und durch schattige Gange mit ihm zu einem Ganzen verbunden, erheben sich die Lang'scheu Anlagen, welche Freiherr von Lang mit ungeheurem Kostcnaufwande auf die vordem nackten Kalklager hinzauberte. Sehr bequeme Pfade führen in der wohlthuenden Kühlung dieser Laubengänge am südlichen Abhänge des Kalvarienberges hinauf und herum. Mit einiger Höhe gewinnt man vorzügliche Aussichtspunkte, um die reizende Stadt in ihrer ganzen Ausdehnung, und weiter hin die Ebene bis gegen Neustadt zu überschauen; in der Höhe findet man Pavillons, Grotten mit Ruhesitzen und Schutzdächern, dann tiefer, ziemlich am Anfange dieser Parkanlagen— wenn man sie von der Renngasse betritt— ein Schweizerhaus an einem wunderlieblichen Plätzchen. Felsenwände, über deren Riß in der Höhe eine malerische Brücke hinweggeht, umschließe» auf drei Seiten einen Raum, in dessen Mitte das weite Blätter- dach eines Baumes und ringsherum dichtes Laub den Ruheplätzen frische Schatten spenden. Liebliche Pfade, anfangs über Stufen, führen in die höheren Theile hinauf- Man kann sich nur schwer von dieser reizenden Stelle trennen. Erzherzog Anton sorgte aufs großmüthigste für die Erhaltung dieser Anlagen. Diese Partien liegen beieitS am Abfalle des Kalvarienberges, dessen Schooß, jene geheimnißvolle Werkstätte der Natur, die heilstarken Schwefelquellen bereitet. Er ist zuoberst ganz nackt, und zeigt durchaus verwitterten Kalk- und Tusstein. Der Baden» Stadkrichter Schlachtn»(ch.704, siehe S-äS-) hat ihn mit StativnSbildern und zuoberst mit einer Kreu- zigungskapelle versehen lassen, von welcher man einer wunderherrlichen Aussicht über die Stadt Baden und ihre Umgegend bis an die ungerischen und steiermarkischen Grenzberge hin genießt. Gleich auf der ersten felsigen Erhöhung dieses Berges trifft mau das sogenannte Berg- wirth sh aus, bis auf Josephs H. Zeiten ein Kapitelhaus der Einsiedler des h. Antonius. Ganz nahe an dem Park, um wieder zurückzukommen, hart am Fuße des Kalvarienberges, befinden sich der sogenannte Ursprung, die Ursprungsbädec und Trink- Kuranstalt. Der Ursp r u n g ist die älteste und Hauptquelle der Badener Heilwässer. Durch einen finsteren, 45 Schritte langen Felsengang gelangt man in das Innere des geheimnißvollen Wundecborns, der aus dem Felsenboden die heißen Schweselfluthen sprudelt, und in ein Schuh tiefes Becken sammelt. Binnen 2/, Stunden beträgt die hier entströmende Wassermenge nicht weniger als>3,ffo Eimer in einem Wärmegrade von 27°Neaumur. Nach vier Richtungen leiten hölzerne und bleierne Rohren das Vadewasser in die Ursprungs- und Theresienbäder, in das Herzogs- und Anlonsbad. Der Stadtrichter Johann Gußmann ließ im Jahre 1764 das alte, von Dünsten zernagte, dem Einstürze drohende Felsengewökbe kassiren, und das jetzige viereckige Steingewölbe aufführen. Darauf deutet noch ein viereckiger Stein über dieser Grotte mit den Anfangsbuchstaben: I(oIlSttn) O(ulsmano) ü(!clrter) V(nä) - OHi(eotor) Da- furchtbare Erdbeben im Jahre>766 wirkte wohlthätig auf die Quelle. Der damalige Stadtsyndikus, welcher bei der ersten Erschütterung in die Ursprungshöhle eilte, fand das Wasser, in siedender Bewegung und stärker strömend, eine Menge rothen Sandes treiben. Das Niveau des Kessels hob sich schuhhoch, der Schwefelgeruch war vermehrt, und blieb so bis auf den heutigen Tag. Das Gewölbe und der Gang sind ganz mit Dünsten imprägulrt, die sich an der Gewölbdecke in ätzende saure Tropfen sammeln(siehe Seite§07), und am Boden das sogenannte Vadener Salz absetzen(siehe ebend.). Alle Metalle, nur das Gold ausgenommen, falsche Perlen laufen an, geschminkte Wangen kehren geschwärzt zurück!— In dieser Ursprungshöhle befand sich seit>800 das ältere Dunst- oder Schweißbad, dessen noch sehr unzweckmäßige Einrichtung durch die Anstalt in den Leopoldsbädern unvergleichlich übertreffen wurde.(Bergt. Seite isfk- und äfy.) Gleich neben dem Eingänge in die Ursprungshöhle befindet sich die neue Tri nk k u r a nst a l 1. Schon lange hatte man die wohlthätigsten Einflüsse des inneren Gebrauches dieses Schwefelwasscrs gegen einige Kraukheiksübel (Seite /jag) gekannt, and dasselbe als Trink-Kar gebraucht, ohne darin von jenen Bequemlichkeiten begünstigt zu seyn, wie beim Badgebrauche. Bei ungünstiger Witterung war alles unter einem Leinwanddache zusammengedrängt, wodurch das so nothwendige Auf- und Niedergehen ganz unmöglich wurde. In Gläsern wurde das Wasser durch den langen Gang heraus befördert, wodurch es natürlich an Kraft verloren haben mußte. Man hatte sich bereits mit mehrenPlanen zur Errichtung einer zweckmäßigen Trinkkur- 440 anstatt getragen. Insbesondere war man darauf bedacht, das Wasser bis in die Mitte des Parkes zu leiten. So bequem dieß für den Gebrauch auch gewesen wäre, so erkannte man wohl, daß die Kraft des Wassers nur der Urquelle am nächsten auch am»»geschwächtesten sey. Gegen dieses Projekt sprach sich auch die Versammlung der Naturforscher im Jahre 1882(Seite 42S) entschieden aus. Da wurde endlich im Frühjahre ,835 durch die Errichtung der dermaligen Trinkkuranstalt diesem lange gefühlten Bedürfnisse abgeholfen. In Porzellanröhren wird die Quelle, dem Ursprünge so nahe als möglich(durch einen nur 12 Kl. langen Stollen), herausgeleiket, wo es jedem Kurgaste frei steht, den eigenen Becher ganz nach Belieben damit zu füllen. Der Preis für ein Glas ist 1 kr. K. W. Zu beiden Seiten steigt man einige Stufen hinunter. In einer Nische steht Hygieiens Bild, uud in eine Marmvrmuschel ergießt sich die noch ganz unge- schwächte Heilquelle. Ein größeres Vordach, mit der Aufschrift: » Der leidenden Menschheit gewidmete Wohlthat der Natur,« hat die Bestimmung, den Gebrauch dieser Heilmethode auch bei ungünstiger Witterung möglich zu machen. Die Ursprungs beider, deren Gebäude im Jahre ,796*) von der Stadt Baden nach dem Plane des Grasen Camillo von Lam b er ti im orientalischen Geschmacke erbauen ließ, bestehen aus zwei Abtheilungen, in welche man durch ein Vorgemach gelangt, in dem sich zwei rö- ') Bei dieser Gelegenheit-ntdcckte man auch das, Seite 4,, erwähnte römische Dunstbad, welches man leider! ohne di- antiquarischen Nachforschungen über diesen merkwürdigen Bau erschöpft zu haben, wieder verschüttete. 441 mische Ziegel eingemauert befinden, und woran sich zu beiden Seiten die Aus- und Ankleidezimmer anschließen. Ein Badezimmer, mit hoher Kuppel und Bogenfenstern in beträchtlicher Höhe, enthält einen ovalen Badebehälter, in welchem>o— ir Menschen stehend ein Halbbad, sitzend ein Vollbad und bloßes Fußbad, und mittels einer Röhre ein Tropf- oder Douchebad gebrauchen können; das andere aber hat einen kleineren achteckigen Bade- behältcr, der gewöhnlich als Stundenbad benutzt wird. Weiter vorne an der Parkstraße und mit den Ursprungsbädern in gleicher Linie liegt das Theresien- bad, im Style des vergangenen Jahrhundertes über Aufforderung der Kaiserin M. Theresia, welche zum Baue gegen dem, daß die verwundeten Offiziere der Armee hier unentgeltlich baden dürfen, 1000 Dukaten beisteuerte, im Jahre>788 aufgeführt. Da jedoch die Stadt später bei der Erbauung des großen Militär-(Peters-) Bades 2000 fi. beitrug, so konsolidirte sich dadurch die frühere Verbindlichkeit. Nur mehr die Offiziere der k. k. Leibgarde haben das Recht in jedem städtischen Bade baden zu dürfen. Über dem Eingänge unter einem kaiserlichen Adler liest man folgende Inschrift: k'ravclsoo et Aksrise UrereslLo r. k. k'. k'. 6el!s> Zusserunr Lursnts 5oao. Ksx. ad llumdourg kex. LI. M. Lkirurxo. Zu ebener Erde befinden sich Ceparatbäder, jedes mit einem Aus- und Ankleidezimmer, und seit>8cx> in einem eigenen Zimmer ein Tropfbad; die Vadebehälter fassen nur wenige Personen. Hier besteht die Einrichtung, daß man auch im Winter baden kann. Dem Theresienbade gerade gegenüber befindet sich der Herzogshof(Nr., wo schon die Babenberger Herzoge einen Hof gebaut haben sollen; es ist ein altes, geräumiges Gebäude, in welchem auch Wohnungen vermuthet werden. Die Stadt brachte ihn mit dem Lerzogs- und Antonsbade-716 käuflich an sich. Die kleine Haus- kapelle wurde in der zweiten Hälfte des^ten Jahrhun- derkes von einer Klara Susanns Manag-etta erbaut. Hier befinden sich gleich neben einander, in einem und demselben Gebäude das H e rz 0 g s- nnd.Antonsbad. Der Badebehälter des ersteren, in welchen das Wasser mittels Blair-öhren vom Ursprünge geleitet wird, faßt bei>So Menschen. Die kahlen Wände und die Holzdecke bieten ein ganz ordinäres Aussehen. Die Einrichtung des Bades ist alt, und zeigt sich noch ganz in der Form, wie es Bischer 1672 abgebildet hat. Das Ganze, wenn auch einer bedeutenden Ausbesserung sehr bedürftig, ist ein interessanter Beleg der Instruktion älterer Bäder, mit einem Schraubgange zum Ablassen des Wassers und au zwei Seiten mit gedeckten Stiegen(die vor Alters sogenannten»Schnecken»), über welche die Herren und Damen abgesondert in ihre Ankleidezimmer gelangen. Der Dade- behälter ist mit einer hölzernen Gallerie umgeben. Im Herzogshvfe befinden sich auch R e i n ig u n g s b ä d e r von süßem Wasser für solche Parteien, welche Baden zum 445 Sommeraufenthalte wählen, ohne die Schwefelbäder zn gebrauchen. Gegen Bestellung sind hier auch künstliche Mineral-, Soolen- und Kränter-Bäder zu haben. Das im Jahre>byy von Karl Grafen von Lamberg er- bauteAntonsbad. wie erwähnt mit dem vorigen im Herzogshofe gelegen, ist damit auch von ziemlich gleicher Bauart. Der Badebehälter faßt bei 100 Personen. In den Umkleidezimmern befinden sich Ofen. Der Herzogshos bildet eine Ecke an der Parkstraße und der Theresiengasse mit ihren freundlichen Häusern. Durch die letztere gelangt man, von. Parke gerade entgegengekehrt, auf den schönen Hanptplatz- Die Annagasse verbindet ihn mit der Antonsgasse. Ansehnliche Gebäude zieren diesen Platz, welcher ein längliches Dreieck bildet, in dessen Mitte die. von dem italienischen Bildhauer Stanetti in ziemlich ähnlicher Form, wie die Denksäule am Graben zu Wien, in, Jahre ,7.4 verfertigte Dreifaltigkeitssäule steht. Mehre Inschriften drücken den Dank der Badener Bürgerschaft für die Schonung bei der Pest im Jahre.7.2, und die Bitte um Befreiung von Seuchen, Hungersnoth und Feuer- aus- eine andere Tafel beutet auf eine Renovation dieser Säule im Jahre'7SY. Aufeinem dreiseitigen Piedestale erbebt sich-ine Wolkensäule mit Heiligenbildern- Seit .833 befindet sich ein Springbrunnen an diesemMonumente, welches in demselben Jahre gänzlich restaurirt wurde. In Ehren Sr. Majestät des Kaisers trägt dieser Brunnen d.e Anfschrift: LtzULvnc.'rvs v-LnvMLieoLVS. Das Wasser wird von, r-Piperlbrunnen«(siehe S. 4-y) hergeleitet. Der Bau dieser Wasserleitung, deren Ko- sie» Lurch eine Sammlung best ritten wurden, ward 1882 unter der Oberleitung des Erzherzoges Anton begonnen und im folgenden Jahre vollendet. Das ansehnlichste Haus auf dem Hauptplatze ist das «ach dem Brande von>8.2, im Jahre>8>S neu erbaute, zwei Stockwerke hohe Rath Haus(Nr. 1) mit einem von dorischen Säulen getragenen Fronton, Balkon und einer Schlaguhr am Frontispiee. In dem daransto- genden Hause befindet sich eine Apotheke(eine zweite tsc in der Pfarrgasse). Das an der entgegengesetzten Seite nur Nr. 6y bezeichnete Haus, ein ganz prunkloses aber geschmackvolles Gebäude, ist eine jedem Österreicher ehrwürdige Stelle. Hier wohnte Kaiser Franz I. während reines öfteren Aufenthaltes in Baden!— Nebenan befindet sich der große Easthof»zu r S ta d t W ie n«(Nr. 63), reit>887 von dem ausgetretenen Pächter des herrschaftlichen Adlerwirthshauses, Franz Schänder!, welcher dieses>766 erbaute Cafinogebäude an sich gekauft hat, rn einer Art ctablirt, die ihn mit den elegantesten Ho- rels einer Residenzstadt in eine Reihe stellt. Der große Tanz- und Speise-saal ist wahrhaft prachtvoll dckorirt, die Bedienung in jeder Beziehung ausgezeichnet. Auch die Nebenappartements sind äußerst geschmackvoll eingerichtet. Daran stoßt das Postgebäude(Nr. 66), wohin man sich wegen Versendung von Briefschaften, Bestellung von Plätzen auf dem Eilwagen rc. zu wenden hat- Dann folgt das Wirthshaus zum Hirschen. Auch die übrigen Gebäude dieses wahrhaft städtischen Hauptplatzes haben ein gefälliges Ansehen, insbesondere fallen die ge- wmack'vpllen Gewolb-Anslagen auf, welche immer mehr dem Vorbilde der Residenzstadt nacheifern. Eigenthümlich bleibt jedoch hier die Dekorirung der Bäckerladen, wo aus dem schönen Gebäcke ganze Devisen, Sträuße u. s. w> gebildet sind. Das Badenec Mehl und das Bade- ner Gebäcke ist sehr geschäht, altberühmt aber sind die großen»Badener Kipfel,« die man so gerne als ein Erinnerungszeichen in die Residenzstadt mitbringt. Wir schreiten vom Hauptplahe aus, als dem Mittelpunkte, zur weiteren Besichtigung der Stadt, und folgen der Richtung des Platzes wieder bis zum Eingänge in die Theresiengasse, wo dann zur Linken die nette Renngasse abführt, welche in ihrem weiteren Verfolge die Bergstraße heißt. Hier zeigt sich links, auf einer Wiese zwischen dem Mariazeller und Leopoldsbade, das ziemlich unansehnliche, 1836 restaurirte Peregrinusbad. Die Stadt kaufte die Quelle>770 von dem früheren Besitzer Jos. Stark, und ließ sie zu einem Fußbade Herrichten,>798 das Badgebäude vergrößern und auch zu einem Voll- und Halbbade adaptiren. Bei nur 22° R. ist diese Quelle eine der kühlste». Gleich unterhalb dieses Bades zeigt sich ein theures Denkmahl der Milde Franz des l., das Wohlthätigkeitshaus für arme Badebedürftige, in dem früher sogenannten Mariazellerhofe, von Peter von Mev- kenstein im Jahre»278 dem Stifte Kleinmariazell geschenkt, nach Aufhebung des Stiftes im Jahre>78) dem Religionsfonde zugefallen. Kaiser Franz l. kaufte den Freihof im Jahre>8o>, gab ihm seine dermalige schöne Widmung, und bestimmte noch außerdem einen Fond von ro,ooo fl. zur Erhaltung verarmter Inländer. Bald fanden sich edle Gönner, welche das Stiftungskapital an- sehnlich mehrten. Das ältere Gebäude war aber baufällig und raumbeschränkt, da wurde im Jahre>8>8 ein ganz neuer Trakt aufgebaut, wo auch, statt wie früher nur üo, schon yo Individuen untergebracht werden konnten. Bei dem immer mehr gesteigerten Zudrange von armen Badebedürftigen, wurde endlich das alte Gebäude gänzlich abgebrochen und im September 1825 der dermalige ansehnliche Bau begonnen, wozu am 29. Juli 1826 von Erzherzog Anton im Namen des Kaisers feierlichst der Grundstein gelegt wurde. Im Laufe des Sommers stand das Ganze vollendet da— ein wahrer Armen-Pallast! In einer Länge von 3o Klaftern macht das Gebäude gegen die Bergstraße Fronte, der Seitentrakt läuft in die Pölzgasse hinab. Am Frontispice prangt die Inschrift: Das Haus enthält>0 wohleingerichtete Krankensäle, und eine der h. Cäcilia geweihte Hauskapelle,>8. Mai 1827 neuerdings konsekrirt, in welcher alle Sonn- und Feiertage Messe gelesen wird. Die Einrichtung dieser segens- werthen Anstalt ist ausgezeichnet, die Pflege der armen Badebedürftigen, deren hier alljährlich bei 600 beherbergt werden, ganz vorzüglich. Das Mariazellerbad, zwischen dem Wohlthätigkeitshause und dem Peregrinus- bade auf einer Wiese gelegen, hat die Bestimmung, als Bad für die armen Kranken der Wohlthätigkeitsanstalt zu dienen. Ursprünglich hatte die Quelle nur einen Wärmegrad von 20° N-, seit einer Vertiefung derselben im Jahre 1796 aber 22°. Das Bad faßt bei>5 Personen, ist aber viel zu klein und auch zu kühl, um dem Bedürfnisse 447 der Anstalt zu genügen, darum mußte auch der Magistrat bei der Erbauung des neuen Franzensbades sich verpflichten, die hier untergebrachten Individuen dort unentgeltlich baden zu lassen. Durch die Pölzstraße gelangt man auch zum Guten- brunnerschlosse(davon später) und zur Bibermühle. Dem Wolhthätigkeitshause gegenüber befindet sich der Aufgang zu den Stationen des Kalvarienberges mnd zum Berg- wirthshause(Seite 438). Das lehte Haus in der Bergstraße zur Linken ist ein Eigenthum des verdienten Bade- ner Chirurgen Anton Rollett, welcher in dem zugehörigen Garten manche botanische und pomologische Rarität, im Gebäude aber eine sehenswerthe Sammlung von Naturalien(darunter insbesondere vollständige Kollektionen aus der Badener Gegend), von technologischen Pieren, Münzen und Medaillen, weiblichen Handarbeiten(fast schon in Mikrologie übergehend), endlich von Schädeln und Büsten, darunter angeblich mehre von dem berühmten vr. Gall herrührend, bewahrt. Zwischen der Renn- und Berggasse zieht sich die Alleegasse abwärts, und hier, im Garten des ehemaligen Hei- ligenkreuzer Stiftshofes(welchen Albert Pienkh>3,3 diesem Stifte zu einem Krankenhause geschenkt hatte), befinden sich die Lcopoldsbäd e r. Das ehemalige Heiligenkreuzerbad(>ü6S von, Abte Klemens errichtet) wurde im Jahre 18,2 von einer Privatgesellschaft neu erbaut, und statt eines Gosellschaftsbades wurden unter dem Namen der« Leopoldsbäder« mehre Separat-Stundenbäder errichtet. Die dermalige Einrichtung dieses Bades, mit seinem Nollbade, denStundenbädern, mit seinen(ganzen. 443 halben und partiellen) Dampf-, Douche-, Regen- und Tropfbädern, dann mit dem aufsteigenden Douche, bildet ein vollständiges System der Anwendung der Badener Schwefelquellen. Das Gebäude selbst mit einem säulen- getragenen Fronton hat ein gefälliges villenähnlichcs Äußeres. Das Haus besitzt zwei Schwefelquellen mit-j- rü° R. Da das Wasser durch die frühere Vertheilung in 6 Scparatbader vieles an seiner Wärme eingebüßt hatte, so wurden mir 2 derselben auf einer dieser Quellen beibehalten, die 4 anderen Stundenbäder auf der zweiten Quelle hingegen zur Errichtung eines Gesellschastsbades benutzt, welches mit den nöthigen Umkleidezimmern und allen möglichen Bequemlichkeiten versehen ist. Bei Gelegenheit dieses Umbaues war man zugleich darauf bedacht, dem lange gefühlten Mangel eines zweckmäßig eingerichteten Dunstbades(denn das frühere Dunstbad in der unterirdischen Höhle des Ursprunges, S. /,3y. kränkelte an zu vielen Gebrechen) entgegen zu kommen. Da jedoch der natürliche Wärmegrad der Badener Heilquellen zur Errichtung eines solchen nicht hoch genug ist, so handelte es sich darum, die Temperatur des Wassers ohne Veränderung seiner quantitativen und qualitativen chemischen Verhältnisse, künstlich auf den, für ein Qualmbad erforderlichen Grad zu steigern. Diesen Anforderungen nun entsprach der, von dem Wiener Mechaniker Lux im Jahre>827 verfertigte Dampfapparat beinahe vollkommen, und durch spätere Verbesserungen immer mebr vervollkommn bleibt hierin kaum mehr etwas zu wünschen übrig. Die Einwirkung des Mineralwasserdampfes auf den erkrankten Organism hat sich, zumal bei hartnäckigen Haut- ausschlägen undeinigen örtlichen Übeln, als die wirksamste und kräftigste Heilmethode erprobt. Da jedoch der Kränkln den meisten dieser Krankheitsformen nicht so viele Bäder verträgt, als das lokale Übel erfordert, so ist die Einrichtung, den Mineralwasserdampf auch bloß auf den leidenden Theil des Körpers wirken zu lassen, von hoher Wichtigkeit. Die Konstruktion dieser Dampfbäder ist im wesentlichen folgende. In einem eigenen Laboratorium befindet sich ein hölzerner Wasserbehälter, in welchen das Mineralwasser aus der Lcvpoldsquelle durch bleierne Röhren zu- und dann wieder abgeleitet wird. 2» diesen Behälter nun wird das Mineralwasser mittels durchgezogener porzellanener Röhren(welche durch die in einem Dampfkessel erzeugten Mineralwässerdämpfe gehitzt werden), zu jenem Temperatursgrade gesteigert, der zur Entwickelung der Dämpfe nöthig ist, welche Dämpfe dann in hölzernen, unter dem Fußboden laufenden Schläuchen in die Badezimmer, und dort i» Dampfkasten geleitet werden, wo sie beliebig regulirt, und als Ganz» oder Halbdampsbad gebraucht, oder als Dampf-Douche nur für einzelne Glieder benutzt werden könne». Dieser Dampsapparat wird auch dergestalt verwendet, daß beim Douche-, Regen- und Tropfbade das Master in der Badwanne, und das als Douche herabfallende Wasser zu ei- nem gleichen(erhöhten) Temperaturgrade getrieben wird. Für den Gebrauch der aufsteigenden Douche als Darm-In- jekzion ist ein eigenes Lokale bestimmt, und bequem eingerichtet.— Zwischen den Leopoldsbädern und dem Bür gerspitale befindet sich der H e i l i g e nk r e u z e r h o f (Nr-ob), von Albert Pienkh dem Stifte Heiligen- 450 kreuz geschenkt,>8i> von der Badener Bürgerschaft erkauft, und zum Baue der Leopoldsbäder benutzt. In der kleinen Magdalenenkapelle, mit altdeutschen Bauformen, findet man außer dem unbedeutenden Hauptaltare ein zierliches Altärchen von Ebenholz mit Marquetterie- Arbeit und einigen nicht ganz werthlosen Bildchen. Es wird hier nicht mehr fungirt. Der Dachstuhl, ,83S mit einem Theil des HeiligenkreuzerhofeS ein Raub der Flammen, wurde seither wieder hergestellt. Der untere Theil der Alleegasse trifft die Heilige n- krouzergasse, in welche man auch unmittelbar vom Hauptplahe, am Rathhause vorüber, durch die Rathhausgasse gelangt, in welcher gleich zur Rechten das Haus Nr. 97 mit der Jahreszahl aSZ8 auffällt. In der Heiligenkreuzergasse selbst zeigt sich zur Linken(Nr. 99) das beliebte herrschaftliche Gasthaus zum Adler. Der vorige Pachter, welcher(wie Seite 444 erwähnt) im Jahre >887 den neuen Gasthof zur Stadt Wien eröffnete, hat dieses Haus in den besten Ruf gebracht, und die neue Pachtung scheint bemüht zu seyn, diese Stellung zu behaupten. Dsr große ebenerdige Speifesaal ist sehr gefällig dekorirt und mit einer Qrchestergallerie versehen, der schattige Garten voll angenehmer Plätze, auch stehen hier bequeme reinliche Zimmer für Gäste bereitet. Das Haus ist der sogenannte Gam m inge rh of,>338 von den Herzogen Albert und Otto dem Fröhlichen unter dem Namen des Per!- oder Zehcnkhofes der Karthause von Gaming geschenkt, und nach deren Anfhebung 178Z von der Badener Bürgerschaft um 20,000 st. angekauft, und zu einem Gasthause umgestaltet. In der Nähe befinden sich die 451 Fleischbänke, in der Alleegasse der Gemüsemarkt. Im weiteren Versalze der Heiligenkrcuzergasse trifft man das große Brauhaus, und, wo sie gegen den Mühlbach hin endet, das Bürgerspital(Nr.>oä), einst ein Edelsitz der Auer von Herrenkirchen(siehe Seite 413), und von Wilhelm, dem letzten dieses Stammes,>S4r zu einem Spitale für 6 arme Männer und eben so viele Weiber aus dem dortigen Bürgecstande bestimmt, welche hier bis zu ihrem Tode verpflegt werden. Die in diesem Hanse befindliche, 174S eingeweihte Kapelle zum h. Kreuze ist jetzt unter dem Namen Spitalkirche oder Annakapelle bekannt. Jenseits des Mühlbaches, an der Grenze von Gutenbrunn, zeigt sich das Gasthaus zum schwarzen Bock, und nebenan die Bruck- oder Spitalmühle, einst ein Eigen des Stiftes Heiligenkreuz, dann der Auer von Herrenkirchen, und, mit dem Spitale vereinigt, erst>753 verkauft. Im Garten dieser Mühle soll (>697) Friedrich August, Churfürst von Sachsen, später König von Polen, das katholische Glanbensbskenntuiß in die Hände des Bischofes von Raab abgelegt haben. Am unteren Ende des Hauptplatzes trifft man auf der einen Seite die Wasser gasse und mehr westlich die Frauen gasse, welche beide dann durch die freundliche Bäckergasse mit einander in Verbindung stehen. In der Frauengasse zeigt sich zur Linken die einfache, aber sehr geschmackvolle Fassade der, nach demBrandevon>8>r wieder hergestellten ehemaligen Augustinerklo st e^ kirche, der nunmehrigen Hofkapelle. Leutold*) ») Die kirchliche Topographie IV. 7L nennt ihn irriger Weise Theowald. Vergl. Wifigrill ii.>6Z s. f. 452 von Kreusbach, Landjägermeister in Österreich, und seine Gattin Euphemia mit ihren Kindern Bernhard, Heinrich, Friedrich und Engelbert riefen>285 die im Wald« zerstreut lebenden Eremiten des h. August!» nach Baden, und räumten ihnen zur Wohnung ein Haus mit einer ne- benliegenden Kapelle ein, welche Schenkung bald reich- sich vermehrt, und die Stiftung vom Papste Honorius IV bestätiget wurde.>338 wurde das Kloster durch eine Kapelle vergrößert, und letztere zu einer Kirche erhoben. Wilhelm von Kreusbach erbaute>3g3 eine Kapelle des h. Sakramentes, welche er sich zu seiner Grabstätte bestimmte. Durch Korvins und der Türken wiederholte Einfälle traf das Kloster vier Mal das Loos der Zerstörung, wurde aber jedes Mal bald, und mit der Kirche zuletzt im Jahre 1692 wieder hergestellt; letztere insbesondere 1700 ansehnlich erweitert; i7>4 brannte Kirche und Kloster wieder ab. In dem hohen, geräumigen Klostergebände befanden sich unter andern auch die Zimmer, welche der Hof bei seiner Anwesenheit in Baden bewohnte. Dem Antrage, die Klosterkirche zu einer Pfarrkirche zu erheben, fand K. Joseph II. keine Folge zu geben, da wurde das Kloster endlich im Jahre>9>> ganz aufgehoben, das Ge- bäude>8>2 durch den Brand zerstört und an Private hintangegeben. Freiherr von Hahn ließ endlich das Klostergebäude zu schönen Miethwohnungen und die von dem Baumeister Brunner angekaufte Kirche(mit Ausnahme des Presbyteriums und der Sakristei, welche zu Wohnungen verwendet wurden) wieder zur Abhaltung des Gottesdienstes einrichten, welche endlich, nachdem der allerhöchste Hof die sämmtlichen Gebäude des ehemaligen Augustiner- 453 klosters an sich gebracht hatte, die Widmung als Hofkapelle erhielt.— Niemand versäume die Besichtigung dieser Kirche, sie enthalt viel des Merkwürdigen. Das Innere bildet eine geräumige lichte Halle, mit einfacher edler Architektur. Zu beiden Seiten befinden sich Nebenvorla- gen, die Sakristei und die sehr schönen Oratorien vorne beim Hochaltar. Das Altarbild, Mariens Glorie, von der Meisterhand des Direktors der Wiener Akademie der bildenden Künste, Anton Petter, von, allerhöchsten Hofe für diese Kirche(um rooo fl. C. M.) angekauft, ist ein Gemälde von hohem Kunstwerthe, nur vielleicht etwas zu bunt gehalten. In der Seitenhalle zur Linken befindet sich ein, vom Lustschlosse Hehendorf hierher überbrachtes, gutes Bild, die h. Theresia und Franz(die Namenspatrone des Herrscherpaares M. Theresia und Franz) in opfernder Stellung, im Hintergründe die Stadt Wien. Der Archäolog- findet hier ein Denkmal seltener Art— den Grabdeekel mit den lebensgroßen Steinbildern des frommen Stifterpaares aus dem>3ten Jahrhunderte, nach dem Bilde des streitbaren Friedrich in Heiligenkreuz(S- 3bS), unstreitig eines der ältesten Skulpturwerke der Art in Österreich, noch ganz wohl erhalten, leider noch nirgends abgebildet, kaum oberflächlich erwähnt! Der Stein ist aufrecht in der Seitenwand eingemauert, und zeigt zur Rechten(heraldisch) eine in faltiges Gewand gehüllte weibliche Gestalt, und nebenan das Bild eines wehrhaften Mannes, in den Einzelnheiten der Tracht und Rüstung mit dem Steinbilde Friedrichs des Streitbaren") in Hei- -) Welches kaum um So Jahre älter ist- 454 ligenkreuz unverkennbar auf dasselbe Jahrhundert deutend. Das Haupt ruht auf einem Polster, und der biZ zu den Schnabelschuhen Hinunterreichende faltenreiche Waf- fenrock ist mit einem Gürtel um die Hüfte geschnallt. Die herabhängenden Arme halten den Wappenschild, in welchem sich eine große Krebsschere*) zeigt. Unter dem Schilde liegt das Schwert, dessen Griff(zuoberst mit einem halbmondförmigen Ansätze) und Spitze bloß hervorragen. Das so kräftig und unverkennbar den Stempel seiner Zeit tragende Gebilde, der erwähnte Schild mit dem Lreusbacher Wappen, endlich die alte Sitte, daß man in der Regel nur Personen höchsten Ranges, insbesondere Stiftern von Kirchen und Klöstern die Ehre erwies, die Sargdeckel mit ihren Standbildern zu zieren, lassen wohl keinen Zweifel übrig, daß dieser Grabdeckel(wenn auch ohne Inschrift) die Abbilder des oben ermähnten Stifters von dem alten Augustinerklvster, Leutold von Kreusbach>299) und seiner Gattin Euphemia zeige. Etwas weiter gegen den Haupteingang der Kirche zurück, in der Hauptmauer aufrecht stehend, findet man an derselben Seite einen zweiten Grabstein von rothem Marmor mit der Inschrift: Ilomci-I(Ilsmei-t?) (?) vnclr Ine sexulta snno 1S11. Darunter sind in der Fläche(ein längliches Parallelogramm, durch zwei einander kreuzende, nach den Diagonalen geführte Balken in vier Felder getheilt) fünf Buchstaben zerstreut, ') Das Wappen der Krevsbachcr(Krebs bacher) enthielt anfangs bloß eine Krebsschere, erst später erscheint der ganze Krebs und die dreifache Kette, wovon sogleich die Rede seyn wird. 455 welche zusammen das deutungsvolle Wart: KLVVL(Gib zurück!) bilden. An der entgegengesetzten Wand befindet sich der aufrecht stehende Grabstein des vielgereisten Friedrich von Kreusbach, Laudjägermeisters in Österreich, mit der nicht mehr ganz lesbaren Inschrift:^nnovl^>Lvk clict.. Istka(?)..(!>!)<:sex(ultus)^), Darim- ter erblickt man zwei Wappenschilds, über welchen ein Helm mit Federbusch schwebt; der eine zeigt einen ganzen Krebs, der andere drei Ketten, welche, an einem größeren Ringe vereinigt, nach drei Seiten hin auskaufen. Friedrichs von Kreusbach abenteuerliche Heldenzüge durch ganz Europa, von dem nördlichen Eismeere bis an die Südspitze Italiens, von Rußland bis Spanien, durch die Nordküsten Afrikas und Asiens bis an Indiens Grenzen, hat der biedere Wiener Dichter Peter Suchenwirt in seinen(durch den zu früh entrissenen Primisser edirten) Liedern verewigt**). In der anstoßenden Seitenhalle, Lurch welche ein Nebeneingang in die Kirche führt, befindet sich nebst einem werkhlosen Ölgemälde das Grabmo- nument des n. o- Regierungsrathe-S, geheimen Referenten und kaiserlichen Gesandten am türkischen Hofe Franz Anton von Q u a r ie n t und N a al(ch>3. April>71?); -) So viel noch zu entziffern- ist, wurde hier buchstäblich mitgetheilt- Das Abgängige dürfte sich aber schwerlich durch Li« bei Wißgrill n.>65 angeführten Worte: sumn»us Veusrorum iu suslria AI-»»ister ergänzen lassen. »*) 3n Hormayr's hiftor. Tafchenbuche für>8rS: S.»3 f. f. findet sich ein sehr willkommener Auszug aus Suchenwirt. welches eine abgestumpfte Pyramide mit einer Inschrift- tafel und einer trauernden weiblichen Gestalt zeigt. Die anstoßenden geschmackvoll hergerichteten Gebäude Nr. 77 gegen die Wassergasse, Nr. 83 in der Bäckergasse und Nr. 82 in der Frauengasse, stehen am Platze des vormaligen Augustiner-Klostergebäudes, nun ein Eigenthum des allerhöchsten Hofes, letzteres nach dem nahen Frauenbade auch derFrauenhof genannt, mit dem sogenannten Dianenbade, wozu eine kalte Quelle benutzt wird. Am Ausgange der Frauengasse zeigt sich zur Rechten das Frauen- und Karolinenbad*). Das erstere steht an der Stelle der alten Frauenkirche**), mit deren Ab- brechung(>8>i) eines der schönsten Denkmale altdeutscher Kunst zu Grunde ging. Das leichH Pfeilthürmchen am Frontispice war als ein Wahrzeichen von Baden berühmt, denn von ihm trug sich die Paradoxe, der Thurm stehe auf einer Spitze, worunter der in eine Spitze ausgehende Trägstem des Thürmchens zu verstehen war. Unter den sechs Giebeln des Thürmchens ragten einige Thiergestalten hervor, welche der grübelnden Symbolik der späteren Zeiten wahrscheinlich erst die Veranlassung zu der(Seite 420 erwähnten) Sage über die Entdeckung der Dadener Heilquellen gaben. Der Dachstuhl, durchaus von Lärchbaumholz konstrnirt, und ohne Anwendung von Eisen zusammengefügt, war ein Meisterstück der Zimmer- *) M. 2 Mayer. Das neuerbaute Frauen- und Karolinen» bad in Baden in N. 2.>8-, mit> Kpf. "-Abbildungen davon finden sich in Schencks Taschenbuch für die Badegäste Badens>ü»S, und in Mayers Miszellen über Baden 1. SS. 457 mannskuust. Die unsägliche Mühe, welche beim Niederbrechen der, zu einem felsenfesten Ganzen verschmolzenen Mauern angewendet werden mußte, hatte— leider zu spät!— zur Erkenntniß gebracht, daß man sich durch eine vorzeitige Furcht vor dem Einstürze dieser Kirche habe schrecken lassen. An den Chor der alten Kirche stieß das(erst i8,3 abgebrochene) Frauenthor. Das Frauenbad, 1821 in seiner dermaligen edlen G estalt erbaut, hat bei 29» N. die wärmste Quelle in Baden, über welcher sich vordem der Hochaltar der Frauenkirche befand. Das alte Frauenbad bestand schon>357, und zwar als landessürstliches Eigen. Max I. hatte es einem Valentin Polz, Ferdinand I. der Stadt Baden§ls Entschädigung für die Zerstörungen durch die Türken(>Srg) geschenkt. iü8Z wurde es vom Erbfeinde abermals zerstört- Das neue Gebäude nun, welches zugleich das Karolinen-(ehemals Neu-) Bad umschließt, macht nach vier Seiten Fronte. Im Norden ist der Eingang zu dem geräumigen, behufs der Ableitung der Dünste mit einem Dunst- fange-versehenen Badesaal des Fraueubades, dessen mit einer Gallerie umfangener Badebehältcc bei yo Personen faßt. In diesem Theile des Gebäudes befindet sich auch das, dem Gebrauche des allerhöchsten Hofes vorbehaltene Kaiserbad. Die mit einem bedeckten Gange hinter einer Reihe dorischer Säulen prangende Südseite des Gebäudes enthält das, im römischen Style äußerst geschmackvoll aufgeführte Karolinen bad, welches mit dem Frauenbade(beide Bäder zusammen hießen die Wild- bäder) ziemlich gleiches Schicksal theilte. Das ältere, anfänglich zum Gebrauche der gemeinen Soldaten, dann Schmidl's Wiens Umgeb. ttl. zo 458------ der Juden und minder vermöglicher Leute bestimmte Gebäude(das alte Nenbad) hatte im Jahre-8o4 eine Erneuerung erfahren. Das jetzige Gebäude wurde im Jahre>821 unter der Leitung des Baumeisters Johann Handl vollendet, am 12. Juni desselben Jahres zugleich mit dem Frauenbade eröffnet, und das Bad nach dem Namen Ihrer Majestät der jetzigen Kaiserin Mutter Karolinenbad genannt. Bei gleicher Reinheit und Wärme mit dem Frauenbade erhitzt das Wasser weniger als dort, und die guteEinrichtung eignet dieses Bad zu einem Sammelplätze der wohlhabenderen Klasse- Unter dem erwähnten Säulengange befindet sich der Eingang in das Fuß- und Vollbad, dessen hölzerner Behälter etwas kleiner als im Frauenbade, übrigens aber mit demselben von gleicher Beschaffenheit isi. Außerdem enthält es noch drei Stundenbäder. Daß sich auch hier sehr bequem eingerichtete Umkleidezimmer befinden, versteht sich von selbst. Mit der heiteren Pracht des Karolinenbades kontra- stirt die geschmacklose alte Fassade des nahen Joscphs- bades ganz wunderlich. Es ist nahe am Mühlbache gelegen, und in der Nähe der gewöhnliche Standort der Fiaker, deren man sich zu Fahrten ins Helenenthalu. s. w. bedient. Vor Alters hieß das Bad»das N 0 hrbadel am Angc r.« Die Stadt Baden, welche anfangs mit den Augustinern im gemeinschaftlichen Besitze desselben war, kaufte es im Jahre>bSo ganz an sich. Nach der Zerstörung durch die Türken(>t>83) wurde es 1699 wiederhergestellt, und, da es beinahe ausschließend zum Gebrauche für Geistliche bestimmt war, den Frauen die Theilnahme verwahrt. Erst seit>799 ist es ein für beide Geschlechter gemeinschaftliches Vollbad; i8of erhielt es seine jetzige Gestalt. Bei 29° R gehört die Quelle zu den heißesten, der viereckige Badebehälter hat für beiläufig 6r> Personen Raum. Man befindet sich hier an den Ufern des Mühlbeich es, ein Nebenarm der Schwechat, welcher im I- 1800 auf Kosten der dortigen Müller-Innung regulirt wurde, um das aus den Bädern und Reinigungskanälen ablaufende Wasser durch denselben abzuleiten. Mehre Blücken und Stege führen darüber. Durch die breite Neugasse, mit ihren kleinen aber netten Häuschen, verbindet ein Seitenarm, welcher auch als Pferdeschwemme benützt wird, den Mühlbach mit der Schwechat. Somit wäre denn die Runde mit den Merkwürdigkeiten der eigentlichen Stadt Baden geschlossen. Badens nächste Umgebung. Die nahen Orte, insbesondere aber Euttenbrunn, Weikersdorf und Alland, sind so ganz mit Baden in Eins verschmolzen, daß man ihre Sonderung nur mit Mühe unterscheidet. Mit Baden an gleichem Ufer des Schwe- chatbaches liegt das Dorf Gutenbrunn mit äy H., 3yo E-, und einem freundlichen Schlosse, schon im iSten Jahrhunderte genannt, ib-sa zu einem freien Gute erhoben. Von einer vorzüglich guten Quelle hinter dem Schlosse soll der Ort seinen Namen herleite». lüvg war der Postmeister Christoph von Vvlzogen im Besitze des Gutes, welches daher noch heut zu Tage den Namen des Posthofes*) beibehielt. i683 wnrde der Ldrt von den Türken verbrannt, nnb der damalige Bescher de Vecci ermordet.>783 bis 181S war die Herrschaft im Besche der Freiherren von Wehlar. Unter ihnen erhielt Schloß und Park die jetzige freundliche Gestalt. Von der Familie Schiemer gelangte Gutenbrunn 1829 an die Freiherren von Kutschern. Das Schloß ist im Geschmacke des vorigen Jahrhundertes erbaut, und bildet ein reguläres Viereck. Eine freie Doppelstiege führt zum großen Saale hinan, welcher den Mitteltrakt bildet. Die Hauskapelle(zu St. Anna) wurde im J.>708 eingeweiht. In den Nebengebäuden des Schlosses werden bequeme und geräumige Wohnungen an Sommerparteien vermiethet. Hier starb(am>4- Okt. ,833) der k. k. Regierungsrath und Professor Dr. Vinz.Aug- Wagner, in seinem Lebensjahre dem kritischen Studium der österreichischen Rechtsgelehrsamkeit zu früh entrissen. Seine Ruhestätte fand er im Hictzinger Friedhofe(siehe Seite y8 und yy). Der dem allgemeinen Besuche geöffnete Schloßgarteu hat freundliche, durchaus schattenreiche Partien, am Mühlbache Reihen von dunklen Tannen, vor dem Schlosse einen freundlichen Blumengarten, und in einem abgeschiedeneren Theile eine künstlich aufgebaute Grotte. In dem herrschaftlichen Obstgarten hatte Karl Freiherr von Wehlar über eine kalte Schwefelquelle, in der Hoffnung durch tieferes Graben ihr mehr Zufluß zu >) Bei Bischer ist der P 0 sthes bei Baden Nr. 7-j abgebildet, mit welchem aber das dermalige Gutenbrunncr Schieb durchaus keine Ähnlichkeit mehr hat- verschaffen, ein Badhaus errichtet. Differenzen mit dem Stifte Heiligenkreuz jedoch, welches durch den reicheren Zufluß die Quelle der Leopvldsbädcr verkümmert sah, hinderte» den weiteren Gebrauch des Gutenbrunner Bades. Die Feier des Annensestes wurde hier vor Zeiten äußerst solenn begangen. In der Schloßkapelle wurde ein Hochamt, Predigt und Vesper gehalten, und im Vorhofe waren eine Menge von Lebzeltcrbuden aufgeschlagen, und andere Krämer und Marketänder gelagert. Die Herrschaft schenkte Bier und Wein aus, und der Gastwirth war an diesem Tage gehalten sei» Lokale zu schließen. Von allen dem hat sich nun kaum mehr die Erinnerung erhalten- Die herrschaftliche Mühle stößt an das Schloß. Gegen die Schwechat liegt das Kaffeehaus>, zur sch v- nen Aussicht«, und dem Sauerhofe gerade gegenüber, am Ufer des Au-(Schwechak-) Baches, das Armen bad, auch Bettlerbad genannt, welches schon von außen diese Bestimmung vollkommen ausspricht. Lose, den nachthci- kigen Elementareinflüssen keineswegs trotz bietende Bre- terwände umschließen den. für die beiden Geschlechter abgesonderten Behälter. Die Quelle hat rb° R. Wärme. Babcdiener ist keiner hier; die armen Leute helfen sich gegenseitig selbst. Eine Verbesserung dieser Anstalt wäre dringendes Bedürfniß. Der jedesmalige Besitzer des Johannesbades hat die Verpflichtung zur Aufsicht über das Armcnbad. Vor demselben liegt das, mit einem hölzernen Gitter umschlossene Armensußbad. Im 17«-» Jahrhunderte badeten die armen Leute ganz im Freien. In Wischers Abbildung vom Sauerhofe(1672) erblicken wir auf einer Sandinsel mitten in der Schwechat mehre Gruben, 46r mit der Bezeichnung:»Grueben so ihnen die Armen Leith aufgraben aus Welchen auch Warmes Baad Heruor Quellet vnd sie darin Baden», dann das alte Iohan- nesbad, ein paar ärmliche hölzerne Hütten auf einer Schuttinsel im Schwechatbade, anderen Stelle erst»«/allein ordentliches Gebäude errichtet wurde, welches 1602 seine dermalige Gestalt erhielt. Es ist ein einfaches, reines und niedliches Vollbad. Der Z Schuh hohe,> 53 s Kub. Schuh fassende Behälter füllt sich in Zeit einer Stunde. In geringer Entfernung davon liegt das Franzens b a d. Die schon 1802 entdeckte Quelle blieb durch 2Z Zahre unbenutzt. Die Unzulänglichkeit der Schwefelguelle in dem neu errichteten Wohlthätigkeitshause(Seite 44b) gab den Hauptimpuls zur Errichtung dieses Bades.'827 wurde der Bau in Form eines niedlichen Tempels mit einer Kuppel ausgeführt. Die freundliche Fassade mit der Aufschrift: schaut gegen den Sauerhof hin. Die Bestimmung dieses Bades ist eigentlich auf den Gebrauch unbemittelter Leute gerichtet, und der Preis eines Bades nur 3 kr. C. M. Der Magistrat der Stadt Baden mußte sich bei der Übernahme dieses Bades verpflichten, diese Badetaxe nie zu erhöhen, und die Kranken des Wohlthätigkeitshauses und des Marienspitales in gewissen Stunden unentgeltlich hier baden zu lassen. Weil die Kinder Israels hier häufig einsprechen, wird es auch das Jndenbad genannt. Man befindet sich hier an den Ufern des S ch w e- chatbaches, welcher aus den Bergen hinter den Klausen- Leopvldsdorf hervorstießt, das reizende Helenenthal bewapert, und die Stadt Baden in zwei Armen durch- zieht, deren einer der(Seite 45g erwähnte) Mühlbach ist, der andere, breitere, gewöhnlich Schüttbach, auch A u- ba ch genannt, das Gebiet der Stadt Baden von der Al- landgasse und dem Sauerhofe trennt. Mehre Brücken und Stege verbinden seine Ufer. So unansehnlich das Wasser auch im Sommer erscheint, so richtet es doch, von den im Frühjahre schmelzenden Magen geschwellt, nicht selten sehr bedeutende Verheerungen an, denen selbst die angebrachten Verdämmungen, wie die dichten, manch liebliches Bild gewährenden Wciden-Aupflanzungen nicht immer Einhalt zu thun vermögen. Überschreitet man dem Karolinenbade gegenüber den Mühlbach, so trifft man sogleich auf die breite, hölzerne, mit einem Eisengeländer versehene Bogenbrücke über den Aubach, an der stelle der im Jahre i8>5 von Gußeisen aufgeführten Brücke, welche, bei der Eröffnung(ia. Juni>8>5) eingestürzt, viele Menschen, wenn auch eben nicht tödtlich, doch sehr bedeutend beschädigt hatte. Man befindet sich hier am Anfange des sogenannten Allanddorfes. Den Eingang in die Alland- Dorfgasse bildet zur Linken das sehr gute, im Jahre>83ü ansehnlich erweiterte Gasthaus zum goldenen Löwen, und rechts das viel bekannte, 180Z gebaute Scheinen sche Kaffeehaus, dessen heitere Säulenhalle in den Nachmittagsstunden der beliebte Sammelplatz der Badener komfortablen Männerwelt, und der gewöhnliche Bestellungsort zu Nachmittagsspaziergängen ist. Parallel mit dem Schwechatbache zieht sich eine Gasse südöstlich ab- 46/. wärts, an deren Ende man zur Linken die ehemals gräflich O sso l i n sk y'sche nun von Werth heimisch- Villa trifft, mit einem schönen, dem Besuche des gebildeten Publikums geöffneten Garten, in welchem ein sehr geschmackvoll eingerichtetes Lusthaus, auf einem künstlichen Hügel ein tcmpelartiger Pavillon und viele exotische Gewächse sich befinden. Verfolgt man die Gasse zwischen dem Löwenwirthshause und dem Scheiner'schen Kaffeehause, so gelangt man an dessen Ausgange zn dem k. k Militär-Badhause, einem wahrhaft kolossalen, drei Stockwerk hohen Gebäude, dessen§9 Klafter lange Hauptfronte nach Westen schaut. Das vorspringende Resalit trägt am Frontispice folgende, die edle Bestimmung dieser großartigen Schöpfung verkündende Worte: LLKNO LI 8L.VLIO IMLI»Ll80V8 I. IlllLLLXIX. In der Absicht, den erkrankten und verwundeten Kriegern den Gebrauch der Badener Heilquellen auf eine bequeme Weise möglich zu machen, hatte Kaiser Franz I. im Jahre 1796 das(angeblich 1626 entstandene) Petersbad angekauft, und diesem edlen Zwecke gewidmet, doch war das alte Gebäude beschränkt und sehr baufällig. Da wurde das schadhafte alte Peters-Vadhans»iedergebrochen, und der dermalige majestätische Bau, unter der Leitung des(dafür mit einer goldenen Ehrenmedaills belohnten) Badener Baumeisters Joh. Handl, begonnen, und im Jahre 182, vollendet. Die feierliche Grundsteinlegung, unter persönlicher Intervention des erhabenen Stifters, ----- 465 hatte am 24. September desselben Jahres Statt. Das Gebäude, zwei geräumige Höfe und auch einen großen Saal umschließend, strahlt von Reinlichkeit. 3oo Gemeine und, in separirten Zimmern, bei 80 Offiziere können hier gleichzeitig untergebrachtwerden- Es befindet steh hier eine eigene Hausapotheke, ein Traiteur, ein Hausarzt, Führer u. s. w-, dann eine, am 7. Juni>82, eingeweihte Hauskapelle zum h. Petrus, endlich das, bei Gelegenheit des Neubaues der Wohngebäude restaurirte Petersbad, mit einem auf 4 Säulen ruhenden Bogengewölbe. Der Badebehälter, aus einer eigenen Schwefelquelle mit 27« Wärme gefüllt, faßt bei 70 Personen. Auch ein Douchebad befindet sich in einem abgesonderten Lokale. Die Aussicht von den Zimmern an der Hauptfronte gegen das herrliche Helenenthal ist ungemein schön; ein kleines aber freundliches Gärtchen liegt jenseits der Straße, welche hier vorüber nach Vöslau, Merkenstcin u. s. w. führt. Unter den Namen A lla n d-A l l e eg a s se(so genannt von der, erst 1822 umgehauenen Allee von Maul- beerbäumen, welche im Jahre-746 der damalige Besitzer- Freiherr vvn Doblhoff zur Beförderung der Seidenkultur in vierfacher Reihe gepflanzt hatte), Aklandgasse und Ziegelöfen bildet sich hier ein Dorf mit 34 H. und 3ro Einw. Südlich von demselben liegt das Dorf B ra i te n mit 26 H. und 2Z0 E-. dessen schon>3>7 erwähnt wird, und vor Zeiten durch einige Volksfeste berühmt war, die man hier, wie in Leesdvrf und Weikersdorf, alljährlich abzuhalten pflegte, namentlich am Tage Johann des Täu- fers ein Wettrennen, wobei die Wettlaufer im vollsten Laufe über die Johannis- oder Sonnenwendfeuer(flammende Holzhausen) sprangen, dann am h. Dreikönigsfeste ein, von den jungen Burschen öffentlich produzirter Schwerttanz. Das Dorf Rohr (einst Bestc-Nohr) mit 16 H. und i3»E-, ist mit Braiten beinahe in Eins verschmolzen. Don der alten, wahrscheinlich durch Korvin zerstörten Beste(Herren von Rohr werden von 1076 an bis ins ,/jte Jahrhundert häufig genannt) ist längst keine Spur mehr vorhanden. Die verödete Beste kam später an die Bcsihcr von Rauhenstein und Weikersdorf, denen der Ort noch jetzt gehört. Im Rücken dieser beiden letzt genannten Örtchen liegt die unbedeutende Erhöhung des, mit einem schönen Eichenwalde bedeckten Eichk 0 gels(nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Höhe bei Gumpvltskirchen, siehe S. 33/j), ein Fundort von mancher botanischen Rarität. Am Abhangs dieser Anhöhe, eine Viertelstunde von Baden entfernt, liegt der Friedhof von Baden, nachdem der alte Leichcnhof um die Pfarrkirche(S- 43>) kassirt worden war, im Jahre i8>3 auf einer, dem steten Windzüge ausgesetzten Stelle errichtet. Die Schlüssel dazu erhält man in Baden bei dem Uhrmacher am Pfarr- platze, dem Schulhause gerade gegenüber. Da jedoch die Umfassungsmauer sehr nieder ist, so kann man deren süg- Uch entbehren. Man trifft hier eine namhafte Anzahl von Grabstätten, theils durch eine sinnige würdige Form ausgezeichnet, theils denkwürdig durch die Personen, deren Asche sie decken. Nahe am Eingänge befindet sich das Denkmal des A- I. Wertheim er(geb. 1773, ch 3o. Juli i83S), und jenes des Generalmajors Grafen von Rose nhain(geb.>9. Mai 17S8, ch 24. Juli>8r3). Nun folgt von hohen Pappeln beschattet ein schönes Monument. Auf einem Piedestal erhebt sich ein antikes Postament, worauf ein Aschenkrug steht, mit der Inschrift: vor ullverzelsllekon Äüuttor. WUlrolm U. L. Nk,3ssri, Vor demselben, mit einem Eisengitter umschlossen, liegt der große Gruftdeckel von geschliffenem Granit, worauf man folgende Worte liest: 6o1>oron ä» XXIX^^r!^ siveeiaxxn Mlloeexxvn. Nebenan ruht ein Mann, dessen fast So Jahre langes Wirken für die Wiener Bühnen seinem Angedenken einen ehrenden Namen bewahrte, der unstreitig vorzüglichste Komponist im ächten österreichischen Volkstöne*), und durch 23 Jahre Orchesterleiter der Lcopoldstädtcr ) Die Musik zu Raimunds Alpenksnig z. V. ist von ih„i> -68 N. I. k. Bühne, Wenzel Müller(geb. 26. Sept.>767), welcher am 3. Aug. i83S zu Baden starb, wo er die Badekur gebraucht hatte. Das einfache, aber würdevolle Grab- inonument mit der Inschrift: ^Venrel Llüllsr gest. am 3. LruAust i935 wurde ein Jahr später errichtet, und an seinem Sterbetage enthüllt, wobei sich seine Freunde und Kunstverehrer zahlreich versammelt hatten. Ein vonKrcußer komponir- tes Vokalquartett verhallte über seiner Asche. Dann folgt die Grabstätte des Franz Xaver Schw 0 y (geb. 1784, ss- 3o. Aug. 1882), regul. Korherr von Klo- sterneuburg, Beichtvater der Erzherzogin Klementine, Prinzessin von Salerno, Lehrer und Erzieher ihrer Tochter Marie Auguste, Sohn des, um die Landeskunde Mährens hochverdienten Archivars Franz Jos. Schwoy. Die Grabschrift lautet wie folgt: eontes». ejusyuo Sereniss. k'IHo KIszister er äux,, r^ue er xue- Deouduit ex8xiravir!n Lsäen tertio 6sl. 8e^,t. /V. AV666XXXII» usru» sn. XlalX, mens. VI, äies XXIV, rrnkversa suls raoli viri Außerdem findet man das. dem Johann Rudolph Grafen von Bu o l- S ch aue n stein, Herrn zu Riedberg, Straßberg und Ehcenfels, k. geh. Rath, Kämmerer und Staatsminister, Großkreuz des ungarischen Stephansordens(geb. zu Chur 21. Nov. 176), ch zu Wien 12. Febr.>834). von seinem dankbaren Sohne geweihte Grabmonument, dann die Ruhestätten des Lieutenants Franz Xaver H u n- ger(ch i>. Jänner»887 im SS. Jahre); des Rittmeisters Franz Neuerer(Besitzers des Johannesbades, ch>8,8), einer Anna Maria Freiin von Degelmann (geb. iü. Febr. 1808, ch 27. Sept->83o), des geheimen Raths und Hofkanzlers Joh. Jos. Freiherrn von der Mark(geb.>S. März>740, ch<> Juli i8i3), des Hanoveranischen geheimen Rathes und vormals Gesandten an den Höfen von Dresden und St. Petersburg, Be- nedix, August Freiherr v. Bremer(ch 17. Sept.-3,3), des Hof- und Gerichts-Advokaten Sigismund Herr- mann(ch 27. Juni 1882 im SS. Jahre), des auch als Schriftsteller bekannten Professors am polytechnischen Institute, und Lehrers des Herzogs von Reichsstadt, Johann Mayer(ch 6. Sept->83r im 70. Jahre), endlich eines Franz Rudolph Freiherrn v. Sala(geb. 6. Feb. i8>g, ch 24 Aug. 1820). Ein eigener, für die Opfer der Cholera errichteter Friedhof befindet sich etwas höher auf dem Hügel. In der nächsten Umgebung von Baden muß auch des Dorfes und Schlosses Leesdorf, östlich von der Stadt und sie beinahe begrenzend, er- 470 wähnt werden. Dem Mühlbache folgend, erreicht man es zwischen freundlichen schmalen Heckengängen wandelnd, in Kurzem. Zuerst trifft man die Papiermühle, von einer reizenden, dem Besuche des Publikums offenen Gartenanlage mit dunklen Tannenpartien umgeben. Schon »336 ward sie von einem Turso von Rauhenegg dem Stifte Heiligenkreuz geschenkt, und ist vielleicht der älteste Betrieb der Art in Österreich. Gegen die Felder hin erblickt man eine freundliche Villa mitten in einer Gartenlage, die eben in hoffnungsvollem Gedeihen ist. Mitten im Orte steht das Schloß, eine der wohlerhaltensten Wasserburgen, regelmäßig, zwei Stockwerke hoch, von Ringmauern mit vier runden Eckthürmen, deren Da- chung nicht sichtbar ist, und von einem Teiche umfangen. Eine Brücke durch ein Einfahrtsthor unter einem viereckigen Thurme(gleichfalls ohne von außen sichtbares Dach), mit der Jahreszahl LIVL6XXI, verbindet es mit dem Orte, eine zweite mit dem Garten. Das innere Hauptgebäude besteht aus einem gewaltigen viereckigen Thurm, desien hie und da weggesprungene Verkleidung einen massiven Quadcrbau zeigt, woran sich das eigentliche Wohn» gebaude schließt. Seit 1617 ist das Stift Melk im Besitze von Leesdorf, welches als Levisdorf, Leusdorfu. s. w schon seit 11 genannt wird, und einem im iZten Jahrhunderte ausgegangenen Geschlechte den Namen gab. Der Beste Leesdorf wird erst seit dem i/jten Jahrhunderte erwähnt. i6rc> wurde das Schloß wider die ungrischea Rebellen wehrhaft gemacht, und die Vertheidigung dein wackeren Schloßvcrwalter, einem gewesenen Wachtmeister überlassen. 1719—1721 ward es abermals bedeu- teird verschönert. Die Schwechat hat schon oft schreckliche Verheerungen angerichtet, und die Jahre>782,>79Z, >8>3, 1822 sind in dieser Beziehung noch in trauriger Erinnerung. Die Schloßgärten sind ihres poiuologischen Reichthumes wegen für jeden Gebildeten von hohem Interesse, die Schöpfung eines würdigen Priesters, dessen Angedenken in der ganzen Umgegend noch in lebhafter Erinnerung ist- Der Schloßadministrator Nupect Helm, ein in vielfacher Beziehung hochverdienter Benediktiner von Melk, Assessor des vortrefflichen Gcorgikon zu Kesz- thely, widmete hier den Abend seines thätigen Lebens den Naturwissenschaften auf eine so erfolgreiche Weise, daß die von ihm hier gegründete pomologische Anlage bald einen ersten Rang in der Monarchie gewann. Keine Kosten scheuend, ließ er Samen, Knollen, Baume, Zweige und Früchte aus den fernsten Gegenden bringen, und nicht weniger als 6o» Arten des besten Obstes, darunter manche bisher in unseren Gegenden ganz unbekannte Sorte, reiften im Garten von Leesdorf. Jede Verbesserung, jede neue Erfahrung im Gebiete der Ökonomie, insbesondere aber der Gartenkultur und Pomologie, mit fast jugendlichem Feuer erfassend, durch seine zuvorkommende Bereitwilligkeit geehrt von allen, die ihn kannten, von dem verewigten Kaiser Franz I. oft mit Besuchen beglückt, war sein Wirken»»ermüdet und vom besten Erfolge gelohnt, sein Einfluß auf die Melioricung der Grundstücke in der ganzen Umgebung eben so entscheidend als nachhaltend- Den Ertrag der Herrschaft hatte er auf eine Stufe gebracht, welche sie nie wieder erreichen wird. Auserlesen war seine Bibliothek(fast alle älteren und neueren land- wirthschaftlichen Werke umfassend), sein Samen- und Früchtenkabinet. Im Men Lebensjahre entschlief der edle Greis am 10. September 1826, allgemein betrauert. Was er hier geschaffen, besteht wohl noch in der Hauptsache— doch fühlt man es, daß hier der Geist des edlen Gründers nicht mehr herrscht.— Im Schlosse befindet sich noch eine dem h. Nikolaus geweihte Kapelle, schon ,3,2 genannt. Leesdorf zählt im Ganzen>2Z Häuser mit 6bo Einwohnern. Das herrschaftliche Wirthshaus, unter dem Namen Althof bekannt, ist ein Freihof, ,670 von, Abte Valentin angekauft. Die Wohnung des herrschaftlichen Jägers und Oberamtmanns befindet sich in dem von, Abte Kaspar>617 erkauften Streiterhofe, gleichfalls einem älteren Freihofe. Das vor Zeiten alljährlich am Dinstage nach dem Pfingstsonntage von zwölf ledigen Burschen und Mädchen der melkerischen Unterthanen gefeierte Wettlaufen(wobei bestimmte Beste festgesetzt waren), zu welchem die Nachbarschaft, diese Höflichkeit bei anderen Gelegenheiten erwiedernd, freundlich eingeladen wurde, und welches mit Musik und Tanz endete, war ein sehr beliebtes Volksfest. In geringer Entfernung von Leesdorf, durch den Wiener-Neustädter Schifffahrtskanal davon geschieden, liegt das uralte Tribuöwinkel, Stammsitz eines berühmten, seit dem irten Jahrhunderts vielgenannten adeligen Geschlechtes(die Tribanswinchele), welches wahrscheinlich am Ende des>3ten Jahrhunverts ansgestorben ist, nun im Besitze des Hauses der Freiherrn von Bartenstein, ein Dorf von 7Y Häusern mit 6Zo Einwohnern. Das in, Viereck gebaute herrschaftliche Schloß, eines der ältesten des Landes, mit einem schönen Parke und großen Frucht- und Obstgarten, die auf einer kleinen Erhöhung stehende, 1732 erbaute Pfarrkirche mit mehren alten Grabsteinen, der alte Sengerhof(ein Freihof, der einst eine eigene Kapelle hatte), endlich die ansehnliche herrschaftliche Meierei sind hier die bemerkenswerthen Gegenstände. So viel über die nächste Umgegend der Stadt Baden gegen West hin. In den folgenden Zeilen wird in die interessanten Partien geführt, welche den Eingang in das Helenenthal bilden. Wir haben die Stadt Baden über der Brücke beim Scheiner'schen Kaffeehause verlassen, und folgen nun den Ufern der Schwechat in der entgegengesetzten Richtung. Hier zeigen sich zuerst die eleganten E n ge lb u rgb äd er. Die Quelle entstand durch das große Erdbeben im Jahre ---SS. Der damalige Besitzer, Karl von Dvblhoff, ließ sie wie einen Brunnen ausmauern und zu einem Fußbade Herrichten, über welches 179-f ein größeres Gebäude gesetzt ward. 1822 wurde das jetzige sehr schöne Vadhaus vom Freiherr» von Dvblhoff unter der Leitung des rühmlichst bekannten Architekten Jos. K 0 rnhäusel im edle» Style aufgeführt. Einen heiteren Tempel bildend, enthält es ein kleines Gesellschaftsbad, worin auch geschlossene Gesellschaften baden können, vier Separat- Stundenbäder mit Vorrichtungen zu Douche- und Schwefelbädern. 474 Freundliche Gartenanlagen umgeben dies niedliche Vad- hauS, und verbinden es mit dem nahen Sauerhofe zu einem herrlichen Ganzen- Der Sauer Hof in seiner jetzigen Gestalt ist eines der geschmackvollsten und elegantesten Gebäude*), welches sich für seine dcr- malige Bestimmung nur denken läßt. Der alte Sauer- hof hatte den Namen von seinem Erbauer, dem k. k. Kammerherrn Georg von Sauer(>S)4). Bis in unsere Tage zeigte sich das alte Gebäude noch fast unverändert in der Form, wie es Bischer(1672) abgebildet hat. Im Jahre 1820 begann der Bau des neuen herrlichen Etablissements. Im Frühjahre 1822 stand das Ganze nicht bloß beendet—vollendet da. Die Ausdehnung des Gebäudes, welches gegen Gutenbrunn hin Fronte macht, ist sehr bedeutend, seine Länge mißt 63 Klafter. An den beiden Enden treten Vorspränge heraus, in deren einem sich das Bad befindet; der andere(zur Rechten) enthält die geräumigen Speiselokalitäten, mit einer herrlichen Aussicht in das Hclenenthal. Das Gebäude enthält außer dem Bade und der Traiteris einen Konversationssaal, in welchem bei ungünstiger Witterung für die möglichste Zerstreuung durch Spiel, Musik oder Journal-Lektüre gesorgt ist, einen Speisesaal, y, Herrn- und 47 Domcsti- kenzimmcr, eine große und 7 mittlere Küchen zur eigenen Menage und mehre Kaffccküchen; dann für die, eigene Eguipage haltenden Badgäste Stallungen für 44 Pferds *> Die Wiener Zeitschrift>S-,, Nr. ,,y, enthalt einen werth- vellen Aufsatz über den Sauerhef. 475 und Remisen für 3o Wagen- Diese Räume sind dergestalt arrangirt, daß über 40 Zimmer mit vollständiger Zu- gehvr entweder einzeln oder in größeren Partien gemiethet werden können- Jede Partei kann durch ganz geschlossene Gänge ins Bad gelangen. Überall ist auf die größte Bequemlichkeit vorgedacht. Auch sind die meisten Zimmer mit Öfen versehen. Ober der Durchfahrt von dem ersten in den zweiten Hof befindet sich eine Hauskapelle. Eleganz und Reinlichkeit herrschen bis ins unbedeutendste Detail. Grüne Wiesenplähe sondern das Gebäude von der Fahrstraße, und an die Rückseite schließt sich eine, jedem Gebildeten geöffnete, englische Gartenanlage mit angenehmen schattenreichen Partien, allenthalben mit freundlichen Ruhesitzen versehen. Das Sauer- Hofbad befindet sich, wie erwähnt, in dem östlichen Vorsprnnge des Gebäudes, und seine Einrichtung har- monirt vollkommen mit der übrigen großartigen Anlage. Die auf schönen Pfeilern ruhende Vorhalle, ringsum mit Glatshüren geschlossen, führt in eine zweite Vorhalle und in die Umkleidezimmer, mit ihren zum Wärmen der Wasche wohl eingerichteten Öfen. Auch zum ersten Abtrocknen in erhöhter Temperatur ist ein eigenes Gemach eingerichtet, und nur mit spärlichem Dämmerlichte erhellt. Selbst für den Fall eines etwa schnell eintretenden Unwohlseyns ist ein Appartement bestimmt, und in den verschiedenen Abtheilungen die Temperatur dergestalt regulirt, daß die Wärmegrade im zusagenden Verhältnisse bcim Eintritte sich steigern und im gegenkheiligen Falle sich abmindern. Ein geschlossener Gang führt in die beiden Stundenbäder. Der prächtige Dadesaal selbst über- 476 rascht durch seine edle Form. Auf acht Säulen ruht das Tonnengewölbe, ein längliches Viereck bildend, über dem, ein Oktagon bezeichnenden, mit rothen Marmor eingefaßten Badebehälter, in den Stufen hinunter führen, und aus welchem das Wasser durch,Mnscheln wieder abfließt. Durch eine Glasdachunq fällt das Licht von oben hinein, und an den Wänden befinden sich steinerne Ruhesitze in antikem Geschmacke. Dem Eingänge gegenüber erblickt man eine, vom Direktor Jos, Klieber meisterhaft ausgeführte Gruppe: Aeskulap und Hygieia. Der Wärmegrad des Bades ist 27° N. Alles vereinigt sich, um diesem Najadentempel den ersten Preis zuzuerkennen. Westlich von den heiteren Gartenanlagen des Sauer- hofes befinden sich die 18 Häuser(mit i55 Einwohnern) der Thurmgasse, sogenannt von dem ehemals hier gestandenen, schon ,3-- erwähnten, freien Thurmhofe.— An der schön gebauten und vortrefflich unterhaltenen Fahrstraße, welche zur prächtigen Weilburg hinaufführt, mit Pappeln bepflanzt und den Sommer hindurch zur Nachtzeit vollkommen beleuchtet ist, befindet sich das Dorf Dorfe! mit äy meist kleinen, aber niedlichen Häusern und 4Z0 Einwohnern. Durch die freundlichen Auen an der Schwc- chat führen, parallel mit der Fahrstraße, angenehme Pfade im kühlen Schatten vorwärts. Am südlichen Ausgange steht eine Säule von 1S8H In Dorfe! fällt ein einfaches nettes Gebäude auf, es ist das M a r i e n sp i t a l, 47? eine fromme Stiftung des edlen adeligen Damenvereins zur Beförderung des Guten und Nützlichen. Am it>. Nov. >8, i wurde der Grundstein zu diesem menschenfreundlichen Werke feierlich gelegt, und von der, auf dieser Stelle früher gestandenen Marienstatuc Marienspital genannt. i8i3 wurde dieses segensreiche Institut eröffnet, welches die Bestimmung hat, arme fremde Personen ohne Unterschied der Religion und Nation, welche in Baden und der nächsten Umgegend erkranken, und keine weitere Hilfe finden, unentgcldlich zu verpflegen. Nach der Vermehrung der Krankenbetten wurden auch Individuen gegen Entrichtung einer Vcrpflegsgcbühr täglicher 20— 3o kr. C. M. aufgenommen. Gegen den Erlag von vstoo fl. C- M., oder intabulirte Zusichsrung von jährlich ,20 fl. C. M. Zinsen, kaun auch der fortwährende Unterhalt für ein Individuum gestiftet werden. Es finden sich 87 Betten zur Aufnahme von Kranken aufgestellt- Die Anzahl der hier jährlich zur erforderlichen Kur und Verpflegung aufgenommenen Individuen belauft sich im Durchschnitte auf a3o. Das Gebäude, ein bloßes Erdgeschoß, trägt folgendes Chronograph: Näher gegen die Weilburg hin liegt das im löten Jahrhunderte entstandene, zur Herrschaft Nauhenegg gehörige Dörfchen Bvint mit ,2 Häusern und 80 Bewohnern. Bevor wir das Helenenthal betreten, sind auch am anderen Schwechatufer einige Partien zu bezeichnen, welche bis zum Eingänge in dieses Tempe führen Wir haben die Stadt Baden an den Kalkklippen der Berg- 478 feite(Seite 478) verlassen, und betreten nun das Gebiet der Herrschaft Weikersdorf mit dem sehr beliebten Doblhofgarten. Gleich am Wohlthätigkeitshause führt die Pölzgasse zwischen der Biber-mühle und dem Guttenbrunner Schloßgarten bis zum Eingänge in den Weikersdorfer(Doblhoff-) Garten hinab- Den gewöhnlichen Weg dahin nimmt man aber am Gasthause zum schwarzen Bock vorüber, durch die nette Guttenbrunner-Gasse und das schmale Hel-cnengäfichen, wo man gleich den unteren Eingang zum Garten trifft. Zwischen der Doblhoffgartenmauer und der Schwcchat geht die Straße ins Helenenthal fort, und zwischen ihr und der Gartenmauer unter einem, den Sonnenstrahlen undurchdringlichen Laubendache von ehrwürdigen Linden, gelangen Fußgeher in der wohlthuenden Kühlung zum oberen Eingangs des Gartens. Der Weg an der Bergseite zwischen Weingärten ist gleichfalls angenehm, aber ohne Schatten; wird daher besonders gerne als Abendprome- nade gewählt. Gleich hinter dem Bergwirthshause zieht sich zwischen dem Kalvarienberge und dem Mitterberge die stark zerklüftete P u l sch a ne c lu ck e, auch der H u- noldsgraben genannt, hinein. Daß dieser unwirthli- chen Schlucht die erstere, mit Räuberhöhle identische Benennung von den Räubern blieb, welche sich unter Friedrich IV. hier verschanzt hielten, bis sie l^66 vertrieben wurden, ist bereits(Seite-so,) erwähnt worden. Diese Fclsenklüfte bestehen fast durchaus aus einer eisenschüssigen, aus Kalk, Thon, Mergel, Glimmer, Kalkspats», Sandstein und Bergkiefer mittels eines Kalkzements zu- sammengekitteten Breccia. Regengüsse haben tiefe Höhlen ausgewühlt, und die Elemente scheinen diese Schlucht zu einem Spielplätze ihrer steten Zerstörungen auserse- hen zu haben. Man trifft hier auch viele petrifizirte Schalthiere(insbesondere Hyaciten, Ostreiten und Ammoni- ken), und die Farbe des Gesteins ist von dem verwitterten Eisenocher stark gegelbt. Mächtige Adern von Kalkspats» durchziehen die Lager. Man kann diese ganze Grabstätte der Natur durchwandeln, und im Hintergründe führen, freilich anfangs nicht ganz unbeschwerliche, Pfade die Abhänge des Hühnerberges hinan, und von da, anfangs über Hutweiden, dann am rothen Kreuze vorüber(Seite 32/j) nach Gaben, oder mehr links über den Mitterberg zum Iungendbrünnel, nach Siegenfeld u.s. w. von welchen Punkten im nächsten Abschnitte die Rede seyn wird. Wir kehren wieder zum Bergwirthshause zurück, um den Pfad zu verfolgen, der im Angesichts heiterer Bilder, ober der Rückseite des Doblhofgartens am Abhänge grüner Rebenhügel nach Weikersdorf und im weiteren Verfolge in das Helenenthal führt. Ziemlich in der Mitte dieses Weges trifft man am Fußsteige neben der Fahrstraße im Süden derselben einen größeren Bruchstein in die Erde gesenkt. Er bezeichnet die Stelle, wo die erhabene Vorsicht das theure Leben unseres kaiserlichen Herrn vor verruchtem Mordstrahl wie durch ein Wunder schützte(y. Aug.>832). Se. Majestät wollten dieses Ereigniß durch kein Monument verewiget wissen. Die Herrschaft Weikersdorf umfaßt die Dörfer Weikersdorf, St. Helena, Nauhenstcin, Dörfcl, 480 Thurmgasse, Allanddörfel, Braiten und Rohr, zusammen mit 207 Häusern und einem Seelenstande von>6So Individuen; davon kommen auf das Dorf Weikersdorf allein 26 Häuser und 220 Seelen. Von einer im Weiher gestandenen Burg(Weierburg) soll sich nach und nach aus Wci- hersdorf der Name WeikerSdorf gebildet haben(?). Seit ,617 ist Weikersdorf mit der Herrschaft Rauhenegg vereinigt, und blieb seitdem der Sitz der Gutsherrn, nun ein Eigen der Freiherren von Doblhoff. Der durch die Großmuth seines Besitzers(bis auf einen kleineren, abgeschlossenen Theil in der Nähe des Schlosses), dem allgemeinen Genusse geöffnete Weikersdorfer Garten, unter dem Namen des Do b l hoffga r t c n s noch bekannter, ist, insbesondere seit der Eröffnung der Schwimmschule daselbst, einer der beliebtesten Spazrergänge von Baden. Wenn ringsum von den starren Kalkwänden drückende Hitze strahlt, ist es eine wahre Lust, in den kühlen Schatten dieser dichten Laubenzänge herumzuwandcln. Die Anlage ist wohl größtentheils in dem steifen französischen r^tyle, aber um den Teich, gegen die Gärtnerswohnung wie in der Nähe des Schlosses mildern zwanglosere Formen diese Verirrungen der älteren Gartenkunst. Gleich beim Eintritte in den Park spiegelt der große Teich entgegen. 63 Klafter lang und 33 Klafter breit, umfaßt sein Flächenraum 2220 Quadr. Klstr. Er liegt vielleicht an der Stelle des schon>/j8oerwähnten»Häckleinsteichts«. Seit i«3> ist er zu einer Schwimmschule bcnützt. ES konnte nicht fehlen, daß diese vortreffliche Anstalt bald den lebhaftesten Antheil fand. Ist das Schwimmen an und für sich bei zweckmäßiger Regelung eine kraftstählcude Leibesbewegung, so gewährt es im der Nähe des heißen Baden doppeltes Vergnügen- Es ist für alle mögliche Bequemlichkeit gesorgt, und ein sehr geschickter Schwimm- meistcr ertheilt zweckmäßigen Unterricht; auch fehlt es nicht an wohl eingerichteten Umkleidezimmern. Malerische Gruppen von Linden und Kastanien umstellen das von Bruchsteinen ausgemauerte Ufer. Ein mitten durchgezogener Steindamm theilt den Teich in zwei ungleiche Hälften. Der östliche Theil desselben, die eigentliche Schwimmschule, ist 8 bis io Schuh tief, und wird von einer seichteren, für Badende bestimmten Area durch Pfähle und Seile geschieden. Unter dem Springbret(Tremplin) ist der Teich am tiefsten(>a Schuh). Vormittags schwimmen und baden die Damen, Nachmittags ist die Anstalt dem Besuche der Herren geöffnet. Das westliche Becken des Teiches ist dem Vergnügen einer Gondelfahrt bestimmt, wozu ein paar nette Kähne bereit stehen. Schattenreiche Gänge leiten unter alten Eschen, Buchen, Linden und Tannen durch die übrigen Theile des Gartens, der auch eine reizende Blumenflur, eine Baumschule, Küchengärten und ein großes Gartenhaus umschließt. Vasen, schlechte Statuen u. s. w. erinnern noch an die Bedürfnisse der französischen Gartenkunst. Allmählich aber gewinnt die heitere Willkür der Natur wieder ihre alten Rechte, und die einst verschnittenen Hecken bilden nun schon üppigere Partien. Am nordwestlichen Ende des Gartens liegt das herrschaftliche Schloß, ein altes Gebäude, mit Ausnahme des Hinteren Thurmes und der, an allen Ecken des Gebäudes angebracht gewesenen runden Thürmchen, noch Schmidl's Wiens Umgeb. in. ,, ganz so, wie es Bischer(>672) abgebildet hat. Der alte Wassergraben ist nun zu einer kleinen Gartenanlage benutzt. Das Schloß, in welches man über eine gemauerte Brücke durch ein großes Einfahrksthvc, und nebenan durch ein schmales Psörtchen unter dem, drei Stockwerke hohen viereckigen Thurm, an der Vorderseite, gelangt, enthält auch die herrschaftliche Kanzlei und die Beamtens- wohnungen. Im Hofe, vor dem Schlosse, befindet sich die herrschaftliche Meierei mit ausgezeichnet schönem Dich. Unter einem heiteren, geräumigen Vordachs und anf dem Wiesengrunde sind Tische und Sitze aufgeschlagen; hier wird man mit vortrefflichem Kaffee, mit frischer Sahne und Milch bedient. Unter den beiden alten Ka- stanienbäumen liebte man es vorzüglich das Frühstück einzunehmen. Der furchtbare Sturm in der Neujahrsnacht von>834 hat aber den größeren dieser Riesenbäume entwurzelt. Außerdem trifft man in Weikersdorf das Gasthaus am Anger(auch das Helfer-WirthshauS genannt, vor welchem eine Dreifaltigkeitssäule steht), einst berühmt durch das feierliche Wettrennen, welches die Strecke von Gutenbrunn bis daher, im Beiseyn eines zahlreichen Volkes und der Herrschaft, von sechs ledigen Burschen und eben so vielen Mädchen des Dorfes alljährlich am Ostermontage abgehalten wurde. Die Gewinnenden wurden mit Kleidungsstücken und Geld belohnt; Musik und Tanz schloß das Fest. Am Pfingstmontage wurde ein hoher Maibaum errichtet, auf der höchsten Spitze mit einem Preise geschmückt, welcher dem wackersten Kletterer zu Theil wurde. In der Mitte des vorigen Jahr- 48Z Hunderts haben diese volksthümlichen Gebrauche aufgehört, nur der Maibaum hat sich, jedoch in anderer Form, erhalten. Noch besitzt Weikersdorf zwei ausgezeichnet schöne Villen; die ursprünglich Baron Aichelburg'sche(Nr. ro—ar) mit einer herrlichen Blumenflur, und die Alexandro- wicz'sche, ebenfalls mit einer niedlichen Gartenanlage. Die bekannten lieblichen A lex a n d r o w i c z'sch e n Anlagen an dem südlichen felsigen Abhänge des Mitterber- ges, eine großmüthige Schöpfung der Frau Gräfin von Alexandrowicz, sind mit den S ch ö nsel d'sch e n Anlagen, dann mit den reizenden Gefilden des Helcncn- thals in freundliche Verbindung gesetzt. Wohlgebahnte Pfade führen von den Alexandrowicz'scheu Anlagen aus in der Höhe fort nach Rauhenstein, zum Jungendbrünnl, nach Gaben rc. und tiefer zur Helenenkirche hinab. Dicht unter den starren Felswänden sind nette Häuser hinge- baut, einst ein Eigen des, um die Verschönerung dieser Gegend verdienten, 182, verstorbenen Joh. Ferd. Ritters von Schönfeld; gerade an der entgegengesetzten Seite der Straße, welche hier im Schatten einer hohen Pappelallee ins Helenenthal weiter führt, zeigt sich, von dichten Baumgruppen umstellt, eine freie Reitschule, welche einige Jahre hindurch von den Söhnen des Erzherzogs Karl benüßt wurde. Unter der sonderbaren Benennung der» U n g c- scheiden« hat sich am Fuße des Mitterbergcs, in der Nachbarschaft von Weikersdorf gegen Baden hin, vor kurzem eine Ansiedlung mit netten Häuschen erhoben, welche nach Baden gehören. r> 27. Das Hclerienthat. (S—ü Stunden.) Die Reize dieses Tempe erfreuen sich fast eines europäischen Rufes. Was eine herrliche Natur Hand in Hand mit verschönernder Kunst zubieten vermag, findet sich hier in ein wundersames Ganzes vereint, dessen unerschöpflicher Fond für das kranke Gemüth ein eben so kräftiges Heilbad ist, als eS die Schwefelquellen Badens dem siechen Organism sind. Aber man war nicht undankbar für diese Segensspenden; edle Gönner haben durch eine Reihe großmüthiger Schöpfungen den Genuß erhöht, und das Thal im geläuterten Geschmacke verschönert! Die Grafen Franz von Palffy und Podstatzky- Liechtenstein, der Großhändler Jäger, Freiherr von Gontard und Ritter von Schönfeld haben durch ihre Anlagen begonnen, was durch die Erzherzoge Karl, Anton und Rudolph vollendet ward. Wenn die herrliche Weilburg schon am Eingänge in diese reizenden Gefilde den hohen Sinn ihres erhabenen Besitzers verkündet, so bleiben des Erzherzogs Anton herrliche Anlagen in dem Thale ein eben so theures Denkmal des zu früh hinübergegangenen, menschenfreundlichen Prinzen, dessen unbegrenztes Wohlwollen für diese Gegend noch über seinem Grabe waltet. Denn noch auf seinem Sterbebette hat der edle Naturfreund einen eigenen Fond zur Erhaltung derselben gewidmet. Die großar- 48L tigste und dankenswertheste Anlage im Helenenkhale ist aber die neue Straße, welche von Baden bis Heiligenkreuz führt, dort die gute Fahrbahn trifft, welche durch den Brühl nach Medling leitet, und so die schönsten Punkte der Wienergegend in einer Strecke durchzieht, deren Reize sich bei keinem zweiten Badeorte Deutschlands wiederholen. Die alte Straße über die Krainerhütten nach Heiligenkreuz war sehr schlecht, und an einigen Stellen, namentlich über die bedeutenden Erhöhungen des Urthelsteins und des Burgstalles in der Nähe der Krainerhütten, wirklich gefährlich zu befahren- Schon vor 40 Jahren hatte man Pläne gemacht, um diesem Übelstande abzuhelfen, allein sie konnten nicht in Ausführung gebracht werden. Da fand sich endlich in der Person des Hr. Kreishauptmanns Freiherr» von Wald statten für die Verwirklichung dieser frommen Wünsche ein kräftiges Organ. Die großmüthige Unterstützung, welche dieses Projekt bei dem höchstseligen Kaiser Franz und bei den übrigen durchlauchtigsten Prinzen fand, war für eine Anzahl wohlhabender Freunde dieses Kurortes, insbesondere aber für die dadurch so ganz unmittelbar berührte Bürgerschaft von Baden, für die Herrschaften Weikersdorfund Heiligenkreuz ein mächtiger Sporn zur Nacheiserung. So konnte dann im Frühjahre 1826 ein Werk beginnen, das noch die späte Nachwelt segnen wird. Bei der Anlegung dieser Straße nahm man insbesondere darauf Rücksicht, daß sie ganz eben und immer am linken Ufer der Schwechat geführt werde, theils um kostspielige, überdieß steten Beschädigungen ausgesetzte Brücken zu vermeiden, theils um den stillen Reiz der anmuthigen Spaziergänge am jenseitigen Ufer nicht zu stören. Gleichzeitig mit der Spren- 486 gling der Gallerie am Urthelstein(S. 8ob) hatte nian an der Regulirung der Straßeum den Burgstall gearbeitet. Mächtige Felsblvcke wurden gesprengt, und das Ufer in einer Strecke Von ü/,o Schuh, 17 Schuh hoch durch die Aufführung einer 9 Schuh dicken Steinmauer gesichert. Im Jahre>828 war der ganze Straßenzug bis Heiligenkreuz vollendet. Das genannte Stift, welches dieses Unternehmen in jeder Beziehung aufs kräftigste forderte, schaffte nicht nur das Holz zu den Barrieren uncntgeldlich her, sondern liest auch die, fast eine halbe Stunde lange Strecke vorn Stiftsgebäude bis zur Einmündung des Satteldaches in die Schwechat unter eigener Leitung ganz herstellen. Dieser Zug soll nun verfolgt und in den nächsten Zeilen auf die Punkte gedeutet werden, welche das Interesse dcS Gebildeten erregen können. Gleich beim Eintritte in dieses wunderherrliche Thal wird man durch den Anblick der prächtigen Weilburg überrascht. Über dem rechten Schwechatufer, am Fuße des dunklen Waldberges, der die Ruinen von Nauhenegg tragt, prangt in jugendlicher Herrlichkeit der Pallast des Helden von Aspern, seines erhabenen Besitzers würdig! An der Stelle eines ärmlichen Dörfchens, unter dem Namen Leithen schon seit dem igten Jahrhunderte bekannt, steht nun eine Sommerresidenz, die an Eleganz und edlem Geschmacke bis ins kleinste Detail wohl einzig ist. Eine vortreffliche Straße, von freundlichen Hecken an den Barrieren und Laternenpfählen begrenzt, leitet an dem stattlichen Sauerhofc vorbei, durch das Dörfel und Boint(Seite§76), die Erhöhung hinan, worauf das majestätische Gebäude thront. Auch dieses schöne Werk schuf der geniale Kornhäusel. Am 16. Sept.>620 wurde der Grundstein gelegt, und schon am 4-Juni>828 konnte das vollendete Schloß bezogen werden*). Erzherzog Karl hatte diesen Feenpallast nach dem Wunsche seiner erlauchten Gemahlin, der zu früh hinübergegangenen Hen- rictte von Nassau-Weilburg(ch>9. Dez. 1829) entstehen lassen. und die hohe Fran diesen Lieblingssitz, in froher Erinnerung an die theure Heimath, die Weil bürg genannt. Das Terrain selbst bot nicht geringe Hindernisse; auf der östlichen Seite mußte die Area um mehr als 18 Schuh erhöht, jenseits um 12 Schuh abgegraben, und die terrassenförmigen, felsigen Abhänge gegen die Schwe- chat skarpirt werden. Das Schloß mit dem bewaldeten Lindkogel im Rücken macht gegen die Schwechat Fronte. Die ganze Lange des Gebäudes mißt 60/j. Schuh. In der Mitte springt ein zwei Stock hohes Resalit und ein, mit acht ionischen Säulen geschmückter Portikus vor, zu welchem eine, gewöhnlich mit Blumentöpfen besetzte, freie Doppelstiege hinanführt. In einer grottenartigen Wölbung unter dieser Treppe zeigt sich die kolossale Bildsäule eines Triton, von Kliebers Meisterhand, zu einem Springbrunnen benützt. Über dem Parapet prangt das *) Die Wiener Theaterzcitung für>8»3 Nr.>»4 s. f. enthält einen vortrefflichen Zinssatz über diese großartige Schöpfung von der Feder des leider schon vergessenen, kaum>e genug geschätzten F. H- Böckh. Auch das Taschenbuch Aurora für>8») enthält eine Beschreibung der Wcilburg. österreichische und nassauische Wappen, sinnig mit einander verbunden. Der auf einem Füllhorn stehende österreichische Adler krönt das nassauische Wappen. Auch diese herrliche Gruppe ist ein Werk des Direktors Joseph Klieber. Zu beiden Seiten des Mittelgebäudes laufen die ein Stockwerk hohen Seitenflügel aus, jeder mit n Fenstern. An diese schließen sich dann an jedem Ende zwei viereckige Pavillons, zwei Stock hoch, welche an jeder Seite drei Fenster zeigen. In einiger Entfernung von diesem Haupttrakte, etwas tiefer, liegen zu beiden Seiten geschmackvolle Nebengebäude mit geräumigen Stallun- gen und Wagenreniisen- Die Zufahrt geschieht an der Rückseite des Schlosses. Durch zwei Eingangsthore zwischen zierlichen Eisengittecn gelangt man in den schönen Hofraum, welchen das Hauptgebäude von drei Seiten umschließt. Er ist 872 Schuh lang,> ,3 Schuh breit. Das Gebäude zeigt sich da um ein Stockwerk niederer, weil das Niveau hier um 9 Schuh höher ist. Um die ebenerdigen Gänge vor Feuchtigkeit zu bewahren, und zugleich Lust und Licht zu geben, ist hier nach der ganzen Länge des Gebäudes ein>0 Schuh breiter, mit Quadern gepflasterter englischer Graben angebracht. In der Mitte des Hofes springt eine Fontaine drei Klafter hoch. Das Wasser wird in gegossenen Röhren aus dem Rauchstaü- brunnergraben(siehe Seite 4<>-i) hierher geleitet. Bunte, blumenduftende Rabatten und Reihen von Orangebäumen schmücken noch außerdem den Hofraum. Durch drei Absteigen gelangt man in das Innere des Pallastes. Der mittlere Haupteingang, welcher einen auf zwei Säulen ruhenden Porton mit einer Uhr zeigt, gelangt man^in ----- /M das, durch ein Fenster an der Decke von oben erleuchtete, mit zwölf Säulen geschmückte Vestibül. Vier zierliche Gruppen von Mädchen als Laternenträgern und eine Flora, von Kliebers Hand, zieren diese heitere Halle. Don hier aus gelangt man zu beiden Seiten in die Appartements. Der große Mittelsaal, aus welchem man durch hohe Glasthüren auf die, in den Garten führende Terrasse gelangt, ist 4y Schuh lang, »7 Schuh breit. Die Einrichtung dieses großartigen Pallastes ist elegant und geschmackvoll, wie es solchem Orte ziemt. Sehenswerth ist die kleine Hauskapelle, das geschmackvoll dekvrirte Billardzimmer mit Ansichten aus Italien von Jakob Philipp Hackert, das ehemalige Schreibzimmer, mit einem großen Ölgemälde, das Übungslager bei Münchendorf unter Joseph II. vorstellend, der elegante Speisesaal, die ehemaligen Appartements der, ihrem erhabenen Familienkreise zu früh entrissenen, allverehrten Erzherzogin H e n r i e t t e, namentlich das Wohn-, Arbeits-, Schlaf- und Toilertenzimmer. Außerdem enthält das Gebäude die Wohnungen für die Gäste, die Hofkavaliere, die Dienerschaft u. s. w. Sämmtliche Da- chungen sind von Kupfer und mit Blitzableitern versehen. Durch eine>4»» Klafter lange Wasserleitung wird das beste Trinkwasser aus dem Kaltenberge zugeleitet. Freundliche und weitläufige, im herrlichsten Blumenschmucke prangende Gartenanlagen schließen sich an, und ziehen sich über den skarpirten Abhang gegen die Schwechat hinunter. Vor allem ist die herrliche, über>r»o Nummern starke Nosenflur fast einzig in ihrer Art. Die Aussicht über das reizende Helenenthal nnd gerade gegenüber auf die 490----- ,nächtige Ruine von Rauhenstein, sind kein geringer Borzug dieser Parkanlagen, welche in den Jahren ,83o und-836 bedeutend verschönert und erweitert wurden. Auch- von außen umgeben diese großartige Schöpfung freundliche Anlagen. Wohlgebahnte Pfade mit bequemen Ruhesitzen führen an der Rückseite des Schlosses vorüber, zu den Ruinen von Rauhenegg, und, besonders reizend, an das felsige Ufer der Schwcchat hinab. Hier trifft man den, von dem waldänitlichen Baumeister Philipp Schlucker im Jahre 1808 erbauten großen Holzrechen, mit massiven Quaderdämmen, durch deren wohl verspundete Zwischenräume das Wasser abfließt, um das angeschwemmte Holz trocken liegen zu lassen. Damit bei der großen Menge des angetriebenen Holzes der Wasserablauf nicht gehemmt werde, hat man zu beiden Seiten des Rechens Abzugskanale angebracht. Man nimmt an, daß von der Klansen-Leopoldsdorf auf einmal bei 2000 Klafter und jährlich über 3ovoo Klafter Holz zu diesen. Rechen geschwemmt werden. Die Schwechat bildet hier eine ziemlich große Insel, welche durch Bollwerke gegen den Andrang des Wassers gesichert, überdieß von drei Abzugskanälen durchschnitten ist. Die Masse des hier auf- geschlichteten Scheiterholzes ist ungeheuer. Am Anfange dieser Insel liegt das ein Stockwerk hohe Waldamtsgebäude. Rauhenegg. Im Süden der Weilburg, deren ernsten Hintergrund bildend, erhebt sich der dunkel bewaldete Lindkogel. Wohl. gebahnte Pfade führen von der Rückseite der Weilburg, an ein paar freundlichen Hüttchen von beendetem Holze mit Ruhesitzen vorüber, und imFöhrenwalde voll herrlicher Aussichtspunkte in sanften Windungen aufwärts. Graf Franz von Palffy hat diesen Weg gebahnt, und Erzherzog Autvn, welcher überdieß durch die Errichtung von Stiegen und Gallerien für die Zugänglichkeit der Ruine sorgte, großmüthig unterhalten. Man hat sich auf der Höhe mehr rechts zu halten. In einer kleinen halben Stunde steht man vor den Ruinen von Rauhenegg. Man erstaunt über ihre Ausdehnung; während von unten hinaufgesehen, außer dem gewaltigen Thurme, kaum ein paar Maucrsiücke aus dem dunklen Walde hervorragen, findet man hier noch mächtige Reste des alten Gebäudes, die auf die einstige Große schließen lassen. Der dreiseitige Quaderthurm ist ein riesiges Werk, gewaltiger noch als der Thurm von Rauhenstein, dem er auch an Alter überlegen seyn dürfte. Eine Treppe führt zum Eingangs- pförtchcn hinan, in welches vor Alters nur mittels einer praktikablen Treppe oder Leiter zu gelangen war, wenn der Zugang nicht etwa unterirdisch war, wovon man aber keine Spur mehr entdeckt. Die Mauern sind unterhalb -»Fuß dick, verdünnen sich aber mit der Hohe im Innern dergestalt, daß die Dicke ganz oben nur 8 Schuh beträgt. Der Eingang in den Thurm ist in neuerer Zeit gewöhnlich verschlossen; da man ihn nur an Sonn- und Feiertagen sicher offen trifft, so hat diese Einrichtung manche Unbequemlichkeit. Eine sichere Holztreppe mit 60 Stufen führt in mehren Abtheilungen bis auf die Zinne. Die nach innen sich erweiternden Fenster- zugleich Schußlöcher find ungefähr mannshoch und nach außen sehr schmal. Die oberste Zinne ist mit einer Holzgallerie umgeben, und 492 man genießt von ihr einer wahrhaft bezaubernden Aus- ficht. Die reizende Ebene verfolgt man bis über die Thürme Neufladts. Die Stadt Baden und tief zu den Füßen die herrliche Weilburg erscheinen eben so anziehend, als das imposante Helenenthal und im Hintergründe die dunklen Waldberge, welche das eiserne Thor umlagern, ^lus einer Ästauerritze war eine verkrüppelte Fohre heraus« gewachsen. Davon berichtete die Sage, daß der in den Ruinen herumirrende Burggeist nur durch einen Knaben erlöst werden könne, dessen Wiege aus dem Holze dieser Föhre gezimmert war. Rohe Zerstörungslust hat aber vor ein paar Jahren dieses Bäumchen entwurzelt, und die Sage damit ihren letzten Reiz verloren. Noch erkennt man die alte Durgkapclle, am westlichen Abhänge des Berges. Das Eingangspförtchen, über welchem man ein einfaches Kreuz ausgemeißelt findet, ist kaum 6 Schuh hoch. Das halbrunde Presbyterium und an der südlichen Hauptmauer zwei kleine Nundbogenfenster deuten auf das hohe Alter derselben. Ein höherer Zugang und die Spuren einer Oratoriumsgallerie sind noch deutlich zu erkennen. Außerdem findet man noch die Ruinen größerer Gemächer, alles übrige ist wüstes Trümmerwerk, dessen Bestimmung man imEinzelnen nicht mehr erkennt. DieFelsun- terlage bildet übrigens irreguläre Erhöhungen und Tiefen. Daß die mächtigen Tursonen, wie in Rauhenstein, Licchtenfels und Dürnstein, auch hier gehaust und sich von dieser Burg benannt,>ist urkundlich erwiesen*); schon ) Die in der kirchlichen Topographie IV,»6g s. f. gegebenen Daten über die Geschichte dieser Burg bedürfen noch einer sehr kritischen Sichtung. i,36—,i 60 erscheint ein Härtung Turso von Nauhenegg. Heinrich von Rauhenegg, wird 12Z1 als ein Verfolger des Pfarrers von Medling bezeichnet. Von 1282 bis>33- erscheinen mehre Otto Tnrso's von Nauhenegg,>233 ein Ulrich von Rauhenegg. Des letzteren Otto Sohn, Wenzel, lebte>334, ein Johann Turso von Nauhenegg-333 bis-87s. Noch vor dem Abgänge der Tursone gegen das Ende des>3ten Jahrhunderts erscheinen schon die, demselben Stamme entsprossenen Pillichsdorfer im Besitze des Schlosses. Heinrichs von Pillichsdorf Burggraf hatte die Wiener durch häufige Räubereien beunruhigt; da zogen sie>2yy vor die Feste, eroberten sie mit Sturm, und schleiften sie. Aber der Pillichsdorfer rechtfertigte sich beim Landesherr,,, und erhielt die Erlaubniß, die gebrochene Feste wieder aufzubauen. Herzog Leopolds V. Soldaten erstiegen die Burg durch Verrätherei. Reinprecht von Walsee legte das Dörfchen Boint(Seite 477) am Fuße des Berges an, erbaute nahe dabei zwei Warthäuser, und von ihm ist bekannt, daß er sich einen geschickten italienischen Waffenschmied, Namens Eusebi, hielt. Unter Friedrich IV. wurde die Feste durch den Medlinger Burggrafen Stickelberger(Seite 28a) erstürmt, und zwar auf Anregung des Kaisers selbst, da es Walsee mit dessen Gegnern hielt. Auch die berüchtigten Rotten der»unge- rischen Brüder« sollen die Feste überrumpelt, die mit Eoldverzierungen geschmückte Kapelle verwüstet, und das große alabasterne Kreuzbild, welches die Walsee aus Rom hierhergebracht, zerschlagen haben. Darauf scheint die Burg landesfürstlich geworden zu seyn.>463 bemächtigte sich der verrufene Räuberhauptmann Haag(Seite 421) der Burg unter dem Vorwande einer rückständigen Loh- nungsfocderung an den Kaiser. ,447 erscheint ein Erhärt Nudlieb als Pfleger auf Rauhenegg. 1S28—, S36 nannte sich abermals ein Besitzer Christoph von Rauhenegg. 1617 war es in den Handen des Hans Paul Bayer. Die ungrischen Rebellen, welche!m Jahre-62. diese Gegend verwüsteten, scheinen Rauhenegg zerstört;» haben. Wischers Abbildung von>672 zeigt bereits eine Ruine. Gebahnte Wege führen von hier durch malerische Waldpartien etwas südlich zurpittoresken Königshöhle, einer geräumigen Grotte, deren Decke bereits eingestünt ist. Hier soll sich ein König von Ungern einige Zeit verborgen gehalten haben*). Ein gleichfalls von Graf Palffy gebahnter Pfad führt zum Jagdhause im Rauhstall- b r u n n e r g r a b e n hinab, wo Freiherr von Sina auf der sogenannten Jägerwiese im Jahre ,834 ein freundliches Jagdhäuschen erbauen ließ, wo man ländliche Erfrischungen und Kaffee bekömmt. Es ist ein beliebter Spa° ziergang der Vadener Gäste geworden; der gewöhnliche Weg dahin geht jedoch hinter der Weilburg. am östlichen Abhänge des Lindkogels, zwischen grünen Nebenhügeln und dunklen Wäldern an einer langen Verzäunung fort, in der Nähe eines Steinbruches(gegen Sooß hin) vorüber, bis sich zur Rechten ein freundliches Thal eröffnet, welches unter den Namen des W e i ch se lt h a les, Rauchstallbrunngrabens, der sieben Brünnel, und, weil sich hier die Wasserleitungen für die Weilburg befin- ') Die kirchliche Topographie IV. ,7, spricht die Vermuthung aus, es sey der>,g> pon den Tataren»ertriedene Beta IV. gewesen. ----- 495 den(Seite 488), auch als» Brunnst» benthal« bekannt, zwischen malerischen Waldpartien endlich zum Jagdhause hinanführt. Den neuen Psad über den Lindkogel ließ F. M. L. Freiherr Karl von Gudenau bahnen. Auch von der Antonsgrotte geht es durch das Thal, am Kohl- graben vorbei, über eine kleine Erhöhung dahin. Ein anderer, sehr angenehmer Pfad führt von der Königshöhle mehr rechts, gerade über der Hauswiese, zu den spärlichen Trümmern von Scharfen egg. Nur unzusammenhängcnde Mauerstücke sind»och übrig. Die vom Großhändler Jäger und dem Fürsten Pod- stcchky-Licchtenstein dahin gebahnten Pfade sind der größte Reiz. Die historischen Daten über diese Beste, welche überdies; mit Scharfenegg bei Mannersdorf an der ung- rischen Grenze häufig konfundirt wurde, sind eben so spärlich. Kaiser Friedrich IV. soll dieses Scharfenegg im Jahre>44<> dem Großmeister des von ihm gestifteten Georgsordens geschenkt haben*)- Unter Max l. soll es zerstört worden seyn. Auf Wischers Bilde von Rauhenegg erblicken wir auch Scharfenegg als bereits stark verfallene Ruine. In der Nähe befinden sich die lieblichen Anlagen aufdemGämssteigemit Ruhesitzen, Geländern und einem Alpenhüttchen auf der Stelle einer reizenden Aussicht über das Helenenthal. ») Auch dieses Datum hat an Laz eine eben nicht predehaltig« Quelle. Gerade zu Füßen dieser Anlagen, unter den Trümmern von Scharfenegg, liegt die freundliche Hauswiese; sie war schon vor mehren Jahren ein beliebter Sammelplatz der eleganten Welt, und die Nachmittagsuntechal- tungen, bei denen der beliebte Strauß musizirte, gehörten zu den glänzendsten. Oft verherrlichte der gesammte Hof die glänzende Versammlung durch seine Gegenwart. Hier in dem Kranze der herrlichen Natur, bei den Tönen einer reizenden Musik eine bunte Menge, in städtischem Glanz« versammelt zu sehen, und jenseits am(vormaligen) Kasino- gebäude lange Reihen eleganter Kutschen und Reitpferde— das Alles war ein Bild von ganz eigenem Zauber. Erzherzog Anton ließ diesen freundlichen Wiesenteppich alljährlich mit frischen Gesträuchen und bunten Blumen besetzen, und im Jahre 1821, als Schutz wider plötzlich eintretenden Regen, unter dicht belaubtem Gehölze einen Kiosck errichten. Am Anfange der Wiese führt ein netter Steg im scharfen Bogen(>83i erbaut) über die Schwcchat; am oberen Ende derselben gegen den Urthelstein ist die zierlich« Antonsb rücke hinnbergespannt. Die ältere, schon damals mit dem Namen ihres erhabenen Erbauers bezeich- oete Bohlenbrücke wurde im Jahre-6,3 durch Anton Egger erbaut; die jetzige, mit heiteren Ruhesitzen, ist von 1829. Durch mehre Jahre lag nun dieHauswiese wie vecwaist da; verklungen waren die Töne froher Lust, und wie eia Trauerflor deckte die Erinnerung an jene Stunden ihr frisches Grün! Die im Sommer 1887 jedoch öfters wiederholten Nachmitkagsuntechaltungen, bei welchen sich Fr. Morelly mit seinem beliebten Musikkorps produzirte, hatten sich wieder eines freundlichen Zuspruches erfreut. 49? St. Helena. Wir haben das Helenenthal am rechten Schwechatufer bis zum Urthelstein verfolgt; es soll nun die Wanderung auch am anderen Ufer bis hierher fortgesetzt werden. Unter schattenreichen Alleen führt die Straße am Doblhoffgarten vorüber, durch das reizende Weikersdorf, gerade unter den liebliche» AI- x a n d r° w ic z'sck, e n Anlagen(Seite 433) fort. Dichte Reihen hochstämmiger Pappeln begleiten die Straße. Zur Rechten nette Bauernhäuschen mit ihren kleinen Gärtchen, sind beliebte Nachmittagsrestanrazionsplätze für die Badenec^ame>i. Eine große Menge von Barrieren und Pflocken verhuthet die unbequeme Kommunikation des Treibviehes mit den Spaziergehern. Endlich erreicht man zur Rechten ein Gasthaus, in dessen freundlichem Hofraume sich unter Vordächern die Gedecke befinden. Dieses Gasthaus ist seit ,835 durch sein Eselsinstitut berühmt geworden. Es stehen hier nämlich bei 3« Stück gutmüthiger und wohl- gesattelter Langohre für Ausflüge in die Kramerhutten, ins Drunnstubenthal, auf das eiserne Thor, nach Gaden u. s. w. zur beliebigen Disposition bereit. Der Preis eines solchen Thieres ist für die erste Stunde a» kr., für fede weitere Stunde>o kr. C. M. An schönen Tagen ist die Nachfrage sehr bedeutend, und die vorhandene Anzahl reicht oft nicht zu, um allen Reitlustigen zu genügen. Es versteht sich von selbst, daß auch bequeme Damensättel vorrathig sind. DieWanderungen aufdas eiserne Thor könnten durch diese Anstalt erst recht häufig werden. Sinter dem Wirthshaus- zeigt sich die kleine Hele- nenkirche. Als Rauhenstein an die Herren von Sau«» kam, übernahmen sie die Verpflichtung, die öde Kirche wieder aufzubauen; 1S64 war der Bau vollendet. 17Z7 wurde die Kirche erweitert, und erhielt ihre heutige Gestalt, seit 178Z isi sie eine Lokalie. Das Gebäude ist einfachen Styles, nichts verräth mehr sei» höheres Alter. Ober dem Eingänge zeigt sich von Stein die h. Helena, Mutter Konstantin des Großen, des ersten christlichen Kaisers, mit dem Kreuze, und an der Außenwand das Erabmonument der Theresia von Doblhoff(geb. 27. April 172Z,-f 2/f. Mai>7gS). DaS Innere der Kirche enthält aber des Interessanten weit mehr, als das anspruchslose Äußere erwarten läßt. Den Hochaltar schmückt ein gutes B-ld, die h. Helena vorstellend. Den Freund des Alterthums wird aber vor Allem eine sehr werthvolle Darstellung der Dreifaltigkeit anziehen, welche sich, nun in besserer Stellung, an der linken Kirchenwand befindet. Das Materials zu dieser Gruppe, welche daher auch der Töpferaltar heißt, ist gebrannte Erde. Diese Darstellung befand sich vordem in der Stephanskirche in Wien, und wurde erst im vorigen Jahrhunderte um So fl. von dorther angekauft. Die Gruppe, noch ganz wohl erhalten,^ in neuester Zeit weiß und himmelblau übermalt, theils auch vergoldet, zeigt die drei göttlichen Personen, in den Gesichtszügen einander vollkommen ähnlich, mit Locken und Bart, darüber Engel in Wolken, und unten, symbolisch dargestellt, die Evangelisten. Das Werk durfte dem>bten Jahrhunderte entstammen, und die Ausführung ist vortrefflich. Unstreitig ist dieses Gebilde eures der schönsten und zugleich noch wohl erhaltensten Denkmale älterer deutscher Kunst.— Außerdem findet man hier noch den Grabstein des Erbauers dieser Kirche, Georg Sauer und seiner Gemahlin Katharina, mit der nicht leicht verständlichen Umschrift: -i-rn 8«.«o.v SLVNLN L.8L-«xx.i-:r..»L.rv. ^'xv.Lx«LUXklV8 i-r 8.8.60MVX.c:xlnxni.itL«. KLNI- 8LNIX« 8.8.LX81NVXLNVI-I XX.M. UNNXXXXllll. dann jenen des Feldmessers Abraham M a ß, des Salomo Piazzoni, welcher diese Kirche erweiterte(ch- i War 174,) endlich das Monument für den einstigen Herr- schaftsbesih-r Karl von D°b l h 0 ff- D i- r(t'-^nner .786), von rothem Marmor, mit dem Brustbilde de- Verewigten und mehren Genien, durchaus sehr gute Metallarbeit. Am Frauenaltar befindet ,-ch noch eu, Ma- donnenbild mit der Überschrift:»Dieses B-Id rst m dem Türkenkrieg von den Tarttaren zerhauet, aber nicht Ver- tilget worden,^nno ib83.«.. In dem nahen Küsterhäuschen erhalt man die Schlüssel rur Beste Rauhenstein und zur Helenenkirche. Der letzteren gegenüber zeigt sich das ehemalige Ka„n°.-m nettes, mit Halbsäulen geschmücktes Gebäude, der ster^- tnpe Vordergrund bei Abbildungen von R-uhenste.n. wurde im Jahre'8°3 von dem Vadcn-r Kai.no^n-a. ber Otto erbaut. Spater war es eine Villa des Baron von Leykam, seit>836 wird es zu einer Brauerei verwendet. Das ganz- Dörfchen St. Helena zählt 2b Häuser mit 2,0 Einwohner». Gleich hinter dem Meßner- Häuschen führt der Weg zur alten Beste Rauhenstein hinan. Die zerstörenden Dergwässer dulden keine dauernde Verbesserung dieser Pfade, so sehr sich Erzherhog 500 Anton auch hier angelegen seyn ließ, für bequemen Zugang zu sorgen. Die angenehmen Pfade, welche von den Alexandrowicz'schen Anlagen, und zwar der eine am Abhänge des Mitterberges durch die Föhrcnwälder sich windet, der andere tiefer zur Helenenkirche führt, sind ebenfalls eine liebliche Schöpfung des unvergeßlichen Prinzen. Eine äußerst malerische Partie bezeichnet den Eingang in die Burg. Man betritt sie durch einen viereckigen, zwei Stockwerke hohen Eingangsthurm. Noch sieht man dieMauercinschnitte, durch welche die Kette der alten Zugbrücke ging, und im Innern die mit Ziegeln ausgemauerte Öffnung für den Schubbalken des Thores. Die Verkleidung des Thores dürfte aber erst dem löten Jahrhunderte angehören. Übn- gens ist an diesen Thurme viel Ziegelbauwerk sichtbar. Eingetreten befindet man sich in einem Vorraume; links ist eine hohe Ringmauer mit Scharten, rechts eine schroffe Felswand, auf deren höchster Spitze, mit den Umfangsmai,ern in unmitelbarer Verbindung, ein kleiner viereckiger Vertheidigungsthurn,, der die, anfangs srappirende Erscheinung bietet, daß er, nach Innen ganz offen, ersichtlich auch nie geschlossen war. Diese Einrichtung hatte aber ihren guten Grund. War nämlich der Feind wirklich schon über die erste Befestigung eingedrungen, so war es auf diese Art möglich das Festsetzen in dem schon eroberten Theile zu verhindern, indem aus der noch vertheidigten Hochburg diesem, nach innen offenen Thurme noch lmmer mit Geschossen zugesetzt werden konnte. Es versteht sich von selbst, daß solche Thürme nur da angebracht werden konnten, wo keine Überhöhung von, Feinde zu besorgen war. I» neuerer Zeit hat man in der Haupt- 501 wand ein Spihbogenpförtchen ausgebrochen. Durch ein zweites, in der Regel verschlossenes Thor in einer Mauer, welche den hohen Steinthurm mit der Ringmauer verbindet, gelangt man in den inneren Hofraum und dann erst in die eigentliche Burg. Als hätte erst vor kurzem ein furchtbarer Brand die mächtige Feste in Schutt verwandelt, zeigen sich allenthalben rußig schwarze Wände. In den Jahren>8c>» bis 1806 hatten die Hr. Mnhlbach und Hebenstreit die Ruine gepachtet, und hier eine Kienruß- und Ter- penthinbrennerei errichtet; daher rühren die geschwärzten Mauern- Allenthalben zeigen sich feste, wohlerhaltene Gewölbe, so auch mächtige, theils in Felsen gehauene, leider schon größtentheils mit Schutt gefüllte Kellerränme. Die Hauptfronte des Gebäudes, kühn auf starre Felsklippen hingebaut, schaut nach Süden- Die Grundfeste bildet ein gewaltiger, in dieFelsenmassenverschmolzener Quader, bau, vielleicht noch von der Urperiode der Burg herrührend; vom Thals aus gesehen, unterscheidet man diesen alten Bau recht deutlich. Darauf ruht nun das zwei Stock- werk hohe Hauptgebäude,-welches ersichtlich einer neueren Zeit, etwa dem Anfangs des ibten Iahrhundertes angehört. Die Fenster sind räumlich, regulär, die Fenster- steine durchaus schon nach späterer Art; noch neuer scheinen die dünnen Futtermanern in den Fensternischen zu seyn- Diese Hauptfronte zählt fünf Fenster in der Länge, wovon die drei mittleren für ein einziges Gemach gehör- ten, was allerdings ein stattlicher Saal gewesen seyn mußte; zu beiden Seiten schloß sich ei» kleineres Gemach an, regulär, aber nur fensterbreit. Am äußersten Theile der Burg gegen Baden hin befand sich die kleine, sehr alte Ka- L02 pelle; das Tonnengwvlbe ist bereits eingestürzt. Eine Ringmauer umschließt hier einen kleinen Raum, der, nach den hier aufgefundenen Knochen zu folgern, die Bestimmung eines Leichenhofes hatte(?). Au der entgegengesetzten Seite der Burg, auf einem mächtigen Fels, ragt der hohe Steinthurm in die Lüfte, ein tüchtiger Zeuge der Bau- kraft unserer Ahnen. In mehren Abtheilungen führen sichere Holztreppsn über den mächtigen Steinblock, der seine Basis bildet, bis zum Eingänge des Thurmes, dessen Mauern von siaunenswcrthec Dicke(,o Fuß) sind. Diehohen, abersehr schmalen Fenster- und Schußoffnungen erweitern sich nach einwärts. Im Inneren führen in mehren Etagen bequeme Holztreppen bis auf die Zinne. Auch diese Einrichtung ist ein Werk des Erzherzogs Anton; die dermaligen Treppen wurden.82L angelegt. Die Zinne ist mit einem sicheren Geländer umfangen, und ein flaches, die Mauern nicht überragendes Holzdach wehrt den zerstörenden Einflüssen der Elemente auf das innere Treppenwerk. Die Aussicht, welcher man von hier über das herrliche Hele- nenthal und den Kranz dunkler Waldberge genießt'die es rings umschließen, ist überraschend. Tief zu den Füßen liegt die gemüthliche Helenenkirche; über dem Pracht- schlosse der Weilburg ragt der Quaderthurm von Nau- hencgg in die Lüfte, jener mächtige Pendant des Riesenwerkes, auf dem wir stehen. Ein Schauder erfaßt das Gemüth beim Anblicke der schwindelnden Tiefe, in welche sich vor einigen Jahren ein Unglücklicher hinunter stürzte. ^;n einer ebenerdigen Halle der Burg befindet sich Schreib- materiale, um die Namen der Besucher mit ihren bezüglichen Gefühlen in das Fremdenbuch aufzunehmen. Diese 503 Einschreibebncher bestehen seit dem Jahre>8rü, Erzherzog Anton hat sie gestiftet. Paßt nun gleich Heine's Bittersalz über den Inhalt solcher Folianten in derHaupt- sache auch ganz auf diese Gedenkbücher, so enthalten sie doch manchen theuren Namen, manche gute Gedanken. In der Sammelwuth unseres Jahrhundertes, welche nun auch in die Autographomanie ausartete, ist aber für solche Fremdenbücher ein eigener, listiger Feind erstanden, denn Namen von nur etwas erheblichem Belange werden von solchen Sammlern gar bald herausgeschnitten. Auch hier beurkundete sich dieser Unfug auf die ärgerlichste Weise, ja es kam so weit, daß vor einigen Jahren mehre solcher Folianten eine Beute gemeinen Diebstahlcs wurden! Darum befinden sich nun die noch übrigen Bücher unter Verschluß, und die theuren Namenszüge Kaiser Franz des l. und seiner erhabenen Familie wurden insbesondere eingerahmt und unter Sperre gebracht. Seifried Turso von Nauhenstein erscheint schon i>6c>, ein Heinrich von Rauhenstein 1178. Hulda, eine Tochter Heinrichs, soll sich jenem Ritter als Gattin versprochen haben, der ihr das Angenehmste und Nützlichste aus dem heiligen Lande mitbrächte. Einem Walther von Mer- kenstcin soll es gelungen seyn, die Braut heimzuführen, nachdem er—den Safran mitgebracht und der Erste dessen Kultur in Österreich gegründet hatte. Otto Turso von Rauhenstein baute im Jahre>r»8 ein Haus zu Wien (in der noch jetzt sogenannten Rauhensteingasse, zur unge- rischen Krone genannt). Seine Tochter Elisabeth war an Ulrich von Kapell verehlicht; seine Sohne waren(>r33) Otto von Rauhenstein und Hugo von Weierburg.>3>3 L04 werden die Bruder Albert von Nauhenstein und Jakob von Pillichsdorf genannt. Ersterer vertrieb die Sekte der Adamiten, welche auch im Helenenthale ihr Unwesen treiben wollte. Hartneid von Rauhenstein erscheint>344, Heinrich>3ür bis-39o; er hielt den Hartneid von Poys- dorf, aus unbekanntem Anlasse, im Rauhensteiner Burgverließe gefangen, und ließ ihn nur unter der Bedingung frei, daß der Poysdorfer dem Rauhensteiner, s e i ne mHerrn, schriftlich gelobte m ein Kloster zu gehen, und lebenslänglich dort zu bleiben. Dieß geschah>38o. Kunigundevou Rauhenstein war»382 Hofmeisterin der Herzogin von Österreich. Später kam die Beste in die Hände der Puch- heime, etwa erbsweise nach dem Ausgange der Rauhen- steiner(?), mindestens erbte Albert von Puchheim>435 von einem Herrn von Nauhenstein ein Haus zu Wieir. Im Jahre 1466 besaß Wilhelm von Puchheim das Schloß. Als in diesem Jahre Friedrich des IV. Gemahlin, die Kaiserin Eleonore, welche die Badener Bäder gebraucht hatte, auf der Straße nach Heiligenkreuz mit ihrem Gefolge an Rauhenstein vorüberzog, fielen Puchheims Diener aus dem Schlosse und plünderten der Kaiserin Kammerwägen. Die Beute ward ihnen aber bald wieder abgesagt. Die Unbild zu rächen, legte sich, kaiserliches Volk aus Wie» und Neustadt vor die Burg. Die Wiener, welche die Kaiserin immer geliebt, schickten gleichfalls Reisige mir schwerem Geschähe dahin, und eroberten das Schloß mit Sturm- Der ergrimmte Puchheim ward nun ein Genosse des berüchtigten Räubers Georg Steim Da er auf die Vorladung nicht erschienen, überdies; mit dem Banne belegt war, fiel das Schloß an den Landesfürsten. Max I. S05 gab es dem Heinrich Prueschenkh Grafen von Hardegg; von ihm gelangte es»626 an Christoph Kuttenfelder. Bei der annähenden Tnrkengcfahr wurde dem damalige» Pächter Sebastian Vogl am 7. Sept.-Sag gestattet, zur Befestigung des Schlosses Löst. verbauen zu dürfen. Später kam die Beste an die Hohenfelder, Gattermayer, an den General Dozi Freiherr» von Czernowitz, unter Nu- dolph II. iöyS an Georg Sauer von Sauerburg und seine Gemahlin Katharina(Seite 477 und 499). Nachrichten aus jener Zeit schildern uns den Zustand der Beste auf folgende Weise. Über eine Brücke gelangt man in das Innere derselben; es geht wohl auch ein Fahrweg dahin, er ist aber gefährlich. Die Beste ist von außen völlig, von innen aber gar nicht eingedeckt. Die Zimmer sind alle ruinirt, ohne Fenster und Thüren. Das Schloß ist verödet, und nur von einem armen Manne bewohnt, der die Schlvßwärtersdienste versteht.—>617 kam das Schloß an die Bayer von Weikersdorf. Im lyten Jahrhunderte scheint die Burg eine wesentliche Umstaltung erfahren zu haben. Wischers Abbildung zeigt uns schon die heutige Gestalt des Schlosses, jedoch noch allenthalben unter Dach, in vollkommen bewohnbarem Zustande. Die von Quarient und Raal aber, welche seit 170S im Besitze des Schlosses waren, ließen die, wahrscheinlich>683 durch die Türken hart mitgenommene Beste, welche mehr und mehr verfiel, abdachen, und wählten das Schloß Weikersdorf zu ihrem Wohnsitze. 1718 gelangte das vereinte Besitzthum nach Otto-Joseph von Quarient durch seine Schwester Anna Magdalena an ihren Gemahl Sa- lomo» Edl. von Piazzoni, und nach dessen Ableben an Schmidl's Wiens Umgeb. Ul., 2 ihren zweiten Gatten Karl Hieronymus Hobler Edl. von Doblhvff-Dier; noch heut zu Tage sind die Freiherren von Doblhvff Besitzer der ganzen Herschaft Weikersdorf (Seite§79), welche früher ein Bestandtheil der Herrschaft Ranhenstein war Von Rauhenstein führen sehr angenehme Pfade, von Erzherzog Anton angelegt und auch nach dem Tode des erhabenen Prinzen wohlerhalten, auf den Witterberg, und von da über das Jungendbrünnel und die Heiligenkreuzer- Wicse nach Gaben- Die an den Wegtheilungen angebrachten Handweiscr verhüthen jede Verirrung. Außerdem enthält der Mitterberg— insbesondere ein reicher Fundort für den Botaniker, dem Mineralogen nicht weniger interessant— noch dunkle Waldstrecken, von düsteren Nadeln umlagerte Felsenpartien; und der einsame Wanderer wird in den wilderen Regionen nicht selten durch das plötzliche Aufbrechen eines Aares erschreckt, der hier in dunklen Klüften seinen Wohnsitz gewählt, und seine Jungen verbirgt. Am Fuße des Scbloßbcrgcs liegt das kleine Dörfchen Rauhenstein mit g Häuschen. Eine schöne Allee mit malerischen Baumgruppen,>827 gleichfalls von dem Erzherzoge Anton auf den vormals öden Grund hingezaubert, führt zum berühmten Urthelstein, einem der großartigsten Werke, wodurch die Verbindung Badens mit Heiligenkreuz durch das rrizerfüllte Helencn- thal so zu sagen erst begründet wurde. Es ist bereits (Seite rjöS) angedeutet worden, welche Hindernisse den 507 alten Straßenzug in diesem Thale nicht mir unbequem gemacht, sondern im eigentlichsten Sinns gefährdet hakten. Nun kann selbst der kaum halbgenesene Kurgast Badens auf die behaglichste Weise durch eine Gegend geführt werden, deren wundersamer Reiz so ganz geschaffen ist, ein herabgestimmtes Gemüth mit neuer Lust zu füllen. Der Urtchelstein*), ein mächtiger, am Abfalle des Mikterberges bis in die Schwechat vorspringender Felsblock, meist Kalkstein sekundärer Formazion mit eisenschüssiger Thonerde gemischt, auf dessen oberer Fläche eine dünne Schichte von Seemufcheln auf urweltliche Anschwemmungen deutet, mußte vormals neben steilen Abhängen überfahren werden. Die Straße hinüber war überdies! noch äußerst schlecht bestellt, steinig, kaum für einen Wagen zu passiren, an ein Ausweichen bei zwei zusammentreffenden Fuhrwerken gar nicht zu denken, und das Geleise bereits ganz ansgefahren. Da erkannte man, daß die Sprengung einer Gallerte durch den Block die zweckmäßigste und einfachste Abhilfe gewähren würde. Der scharfblickende Herr Krcishauptmann Baron Waldstätten, die Schwierigkeiten der Ausführung eines solchen Weckes wohl erkennend, hatte diese großartige Idee auf eine vollendete Weise zur Ausführung gebracht. Unter der höchsten Aegide begann das Werk am>o. März 1826 mit der Grabung des Straßeveiuschnittes bis zum eigentlichen Fel- *) Die Wiener Zeitschrift von>8,7 enthält eine vortreffliche Schilderung der Sprengung des urthelsteins u. s. w- von Ar. K-Weidmann. 2m zweiten Bande von Mayers Mis- zcllen über Baden wurde dieser sehr werthvolle Aufsatz insbesondere abgedruckt. rr* ä08 sen hin. Zugleich hatte man niit 18. April die Sprengung der Gallcrie von der Hciligenkreuzer Seite, wo der Fels unmittelbar abstürzt, begonnen, und vom i. Sept. an wurde auch von der entgegengesetzten Seite damit angefangen. 2/s Mineurs waren von nun an beschäftigt, durch Vohrschüsse die Öffnung mehr und mehr zu erweitern. Am>8. Dezember trafen endlich die Stollen von beiden Seiten zusammen, und am 3>. Mai war der Durchschlag in seinem ganzen Umfange vollendet. Mehr als 18000 Bohrschüsse wurden daran gewendet, und der kubische Inhalt des aus dem Durchbruchs selbst gesprengten Materiales betrug nicht weniger als>ü8Kub. Klafter, jener des Skra- ßeneinschnittes bis dahin 3aü Kub. Klafter. Der Anblick des majestätischen Gewölbes kst wahrhaft imposant, namentlich der Durchblick der Gallerie, aus deren dunkler Wölbung in weiter Ferne die herrliche Weilburg hereinschaut. Die Länge der Gallene beträgt 114, die Höhe 16, die Breite 2, Fuß. Drei Wägen können darin bequem einander ausbeugen. Ober dem Bogen des Felsen- thores auf der Badener Seite gegen das Mauthhaus hin, stehen die Worte: Am Eingänge in die Halle liest man zur Rechten:» Begonnen am>8. April>8>S Beendigt am 3>. May-8-7. An der Heiligenkceuzer Seite: »Eingebrochen>8. April>8»s. Durchgebrochen>8. Dez.>8-S.» Erzherzog Anton ließ den Urthelstein 1827 mit Blumen und Gesträuchern bepflanzen, angenehme Pfade bis auf die Höhe bahnen, und an den lieblichsten Punkten bc- 50g gueme Ruhesitze aufstellen. Der Anblick dieses Werkes, welches noch die späte Nachwelt dankend segnen wird, ist wahrhaft ein großartiger! Gemeinnützigkeit und Schönheitssinn sind hier innigst gepaart. Die chausseemäßige Straße führt durch das Felsenthor im Thale weiter fort, und endlich, um den nun gebändigten Burgstallberg(dessen schon im>3ten Jahrhunderte Erwähnung geschieht, siehe S. 486) biegend, in die Krai- nerhütten- Fußgeher gelangen auf lieblichen Pfaden am anderen Ufer dahin. An der Stelle, wo bis zum Jahre>8o5 die, 177S erbaute, ältere Klause stand, von deren mächtigem Quaderdamme noch einzelne Stücke im Flußbette liegen, führt die heitere Antonsbrücke über die Schwechat(Seite 4g6). Da beginnt nun der liebliche Pfad(gleichfalls eine großmüthige Schöpfung des Erzherzoges Anton), welcher, anfangs am Abhänge des Ba- dener Lindkogels, über dem Schwechatufer fort, dann über einen herrlichen Wiesengrnnd bis zur Antonsgrotte führt. Die jähen, mit dichtem Walde bedeckten Abfälle des eisernen Thores tragen schon mehr und mehr einen Anfing des Großartigen. Die von freundlichen Baumgruppen umstellte Antonsgrotte ist eine, in Form eines Vicrteleies aus Bruchsteinen zusammengebaute Halle mit Ruhesitzen. Gerade gegenüber am anderen Schwe- chatnfer, welches mittels des»F r au e n ste ge s« mit der Antonsgrokte verbindet, schaut von der waldesgrünen Höhe des Burgstallberges eine niedliche Kapelle heraus, im Jahre ,832 zu Folge eines beim Ausbruche der Cholera gethanen Gelübdes, von einem Hrn- von Poldrini im sogenannten neugothischen Style erbaut, und mit einer ZIO jährlichen Messe bestiftet. Am 17. August ,833 ward sie von, Abte des Stiftes Heiligenkreuz feierlich eingeweiht, und erhielt den Namen der Mariahilfer Kapelle. Wohlgebahnte Pfade führen von zwei Seiten hinauf. Von der Antonsgr-otte geht der Pfad hart am Schwechatufer meist im Schatten dichten Laubholzes weiter, und endlich erreicht man die so beliebten Krainerhütten. Einige Holzhauerhütten, deren erste Kolonisten aus Krain abstammten, zur Herrschaft Fahrafeld gehörig, liegen hier, hart am Abhänge des eisernen Thores, in einer reizenden Thalgegend am rechten Schwechatufer. Der stille Reiz, welcher hier herrscht, hat diesen Punkt schon langst zu einem sehr beliebten Sgaziergang erhoben; und das(ältere) Wirthshaus fand schon lange häufigen Zuspruch. Seit der Erbauung der neuen Straße ist der Besuch, welcher vordem nur zu Fuß bewerkstelliget werden konnte, ungleich zahlreicher, und in schonen Nachmittagen versammelt sich indem neuen Gasthause zur schönen Aussicht ein überaus zahlreiches, oft sogar glänzendes Publikum. Dieses freundliche Gasthaus wurde erst im Jahre ,829 errichtet Das Lokale ist geräumig, heiter, und die Bedienung sehr gut. Eine freundliche Gartenanlage erhöht den Genuß. Hier trifft man alle möglichen Erfrischungen und ordentliche Restauration, ja sogar ein Fortepiano. Daß größere Gedecke für zahlreichere Gesellschaften, zumal an Wochentagen, früher bestellt werden müssen, versteht sich wohl von selbst. Übrigens findet man hier auch reinliches Nachtlager. Vcson- ders bei Exkursionen auf das eiserne Thor, um der wnn- derhecrlichen Aussicht in der erhabenen Morgenpracht genießen zu können, wird man hier am füglichsten Skation halten. Das schon früher bestandene Wirthshaus heißt seit der Errichtung dieses Lokales zum Unterschiede die ältere Krainerhütte, und der Wirth ist als ein rüstiger wegkundiger Führer auf das eiserne Thor zu empfehlen. Die Strecke von den Krainerhütten bis Heiligenkreu; prangt mit allen Reizen einer malerischen Waldgegend. Die pittoreskesten Bergformen im herrlichen Waldesgrün wechseln hie und da mit kühnen Felsmasscn. Gleich oberhalb der Krainerhütten zeigen sich an demselben Ufer die an malerischen Bergabhängen gelegenen Augustinerhütten. Die gute Fahrstraße führt am jenseitigen Ufer fort. Nach einer halben Stunde, ziemlich in der Mitte des Weges zwischen den Krainerhütten und Heiligcnkreuz, trifft man am Abhänge des Ebenberges ein Skein ko solenn) erk, welches ein Hr. Zirkl seit dem Jahre>834 betreibt. Die Resultate sind günstig, und lassen noch mehr »erhoffen- Der Mariahilfer Stollen ist bereits>oo Klafter tief geschlagen. Die sieben SchwechatbacherHütten liegen hier am Uferrande und an den Bergabhängen zerstreut. Bald erreicht man, an der sehr malerischen Thalöffnung vorbei, aus welcher die Schwechat(die hier den Satteldach aufnimmt) hervorrinnt— die isolirten Hütten von Sattelbach, deren im Ganzen>2 sind. An der Stelle der Einmündung des Thales, in welchem das ärmliche Dörfchen Preinsfeld liegt— mit>5H.,"vor Alters Brunnwichsvelde, vom h. Leopold dem Stifte Heiligen- 512 kreuz geschenkt; hier wurde der berühmte Bildhauer Ra- phael Donner erzogen*), und sein Talent wahrscheinlich in dem nahen Stifte Heiligenkreuz aufgeregt— beginnt der liebliche Fußpfad, welcher, am anderen Ufer des Sattelbaches von der staubigen Straße entfernt, am freundlichen Waldsaume mit einer Reihe von Lärch- und Dogelbeerbäumcn bepflanzt, hie und da mit bequemen Ruhesitzen versehen, äußerst angenehm bis zum Stifte führt. Siegenfeld ist mit Recht einer der beliebtesten Punkte für kleinere Ausflüge von Baden. Die angenehmen Pfade dahin, der stille, ächt ländliche Reiz dieses Dörfchens, bilden einen scharfen Kontrast mit dem städtischen Treiben in der näheren Badener Gegend. Der angenehmste Pfad ist folgender: Gleich oberhalb des Urthelsteines(Seite So6) mündet der kleine Burbach(das sogenannte Vurbachel) in der Nähe eines Kalkofens in die Schwechat. Hier leitet ein lieblicher Fußpfad, dessen Verbesserung an den etwa» steileren Passagen die Bergwässer freilich immer nach kurzem Bestände wieder zerstören, am Ufer des Durbaches fort, der hier in schäumenden Kaskaden dahin- rinnt. Auf diesem Wege stand der sogenannte Pilgerbaum, eine schlanke Tanne, welche aber ,8,4 von, Blitze getroffen, und>821 ganz geschlagen wurde. Ein von der, um die Verschönerung des Helenenthales hochverdienten Frau Gräfin Alerandrowicz gesetzter Denkstein, welcher zugleich als Ruhebank diente, trug folgende schöne Worte: ') Gebaren wurde er im Marchfelde im Dorfe Schlingen.bzS, k>S Okt. ,740. 513 »9il. Der Weg führt links auf die Höhe, bald wendet sich zur Linken ein Fußpfad durch ein lichtes Wäldchen auf die Höhe einer mächtigen Kalkwand zurück, welche gegen das Helenenkhal scharf abfällt. Die vorderste, mit Ruhesitzen versehene Stelle gewährt einen freundlichen Hinblick auf das Hintere Helenenthal, und ist unter dem Namen der »Aussicht« bekannt. Der Weg nach Siegenfeld geht aber gerade fort, und führt über eine kleine Erhöhung hinweg, durch das üppig grüne Rosenthal, welches von einem Arme des Burbaches(Burgbach) durchwässert wird, an dessen anderem Ufer ein eben so lieblicher Fußpfad über die herrliche Wiese dahin geht, bis zu einem kleinen Hügel, welcher sich gerade vor den Eingang in das Dörfchen hinstellt. Man umgeht die Erhöhung, und erreicht sogleich das gemüthliche Dörfchen Siegenfeld. Die Lage desselben, in einer erhöhten Thalgegend ringsum von saa- tenreichen Feldern und weiter von dunklen Waldbcrgen umschlossen, ist ungemein reizend. Das Dörfchen selbst bietet nichts Interessantes. Die sehr kleine Kirche, deren Breterdach das ärmliche Aussehen nur vermehrt, liegt auf der Anhöhe(Abt Albert ließ hier zu Ehren des H.Udalrik eine Kapelle erbauen), das neue Wirthshaus gegen Hciligenkreuz zu. Die zahlreichen Besuche gestarteten auch hier schon eine freundliche Erweiterung. Im kleinen Gärtchen wurde iLZ? ein Pavillon aufgeschlagen. Das Dörfchen ist sehr alt, und wurde in den ältesten sielten auch Siebenfeld genannt. Ein adeliges Geschlecht benannte sich im i-ten Jahrhunderte davon. Die Häu- serzahl belauft sich auf 3b Nummern, die Populazion auf 220 Kopfe. Der Theil des Dörfchens gegen Gaben hin (wohin man durch den Laxenburger Wald von hier aus in einer starken halben Stunde gelangt, siehe Seite 3aZ), ist etwas schmutzig; eine ungeregelte Quelle bildet da eine Pfütze. Besonders häufig wird Siegenfeld bei Ausflügen aus dem Helcnenthal»ach Heiligenkreuz durchzogen. Der Weg von da zum Stifte ist äußerst angenehm. Über eine kleine Erhöhuirg, deren höchsten Punkt ein steinernes Kreuz bezeichnet, geht ein stark betretener Fußpfad im dichten Schatte» eines hochstämmigen Waldes abwärts; eine kleine Strecke vor dem Kalvarienberge(Seite 336) tritt man dann am Ufer des Satteldaches ins Freie. Nahe an Sie» genfeld, bevor man in den dichteren Wald hineinschreitet, gewährt der Rückblick auf den Thurm von Nauhenegg und den breiten WaldeSrücken des eisernen Thores ein freundliches Bild. Vom Helcnenthale nach Siegenfeld ist eine halbe Stunde, von Heiligenkreuz dahin braucht man drei Viertelstunden. Naher am Eingänge aus dem Helenenthale, jedoch nicht unmittelbar am Wege nach Siegenfcld gelegen, sondern in der Nichrung mehr rechts, bildet der Burbach, welcher dann auf der Heiligenkrcuzerwiese den Namen des Heiligenkreuzerbaches annimmt, unter malerischen Baumgruppen«inen unbedeutenden Wasser fall, zu welchem ebenfalls ein gebahnter Pfad führt. Etwas weiter vorne leitet ein Steig mehr rechts die Höhe hinan; man bleibt dem Ufer des Bächleins immer nahe, lind tritt aus dem kühlen Laubengange endlich auf die üppige, ringsum von jungem Gehölze umstellte, hie und da feuchte Burgwiese hinaus. Dieser Weg führt im weiteren Verfolge über die grünen Teppiche der H e i li g e n kr eu z e r w i e se, dann wieder durch dunklen Wald nach Gaben. An den Wegscheiden weisen Barrieren mit beschriebenen Handzeigern zurechte. Verfehlen kann man diesen Weg daher wohl nicht. Bevor man der Heiligenkreuzerwiese in der Richtung nach links folgt, bildet der Abfall des Hühner- berges zur Rechten eine Bucht. Ein kaum bemerkbarer Fußsteig führt hart zur Rechten in einer kurzen Strecke den waldigen Abhang hinan, zum sogenannten Junge n d b r ü n n e l- Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges soll hier ein General-Lieutenant Jungend in einem Gefechts geblieben seyn(?). Ein Stein, unter welchem eine köstliche Gebirgsquelle hervorströmt, hat eine neuere Schrifttafel mit folgenden Worten: General-Lieut. Adolph Jungend, Geblieben von einer Kugel aus einem Schlangen Schlundc am 5>. Julv>b-z im 6. Jahr des s-> Jährigen Religions KricgcS. Darüber ein Marienbild, vor welchem täglich Abends eine Lampe brennt, hat die Unterschrift: »Maria Jungcndbrunn neu errichtet>8-5.« Ein Bcthschemmel steht dabei, Dlumcnbette sind in der Nähe gepflanzt, und ein Ruhesitz mit einem Tischchen ladet zum längeren Weilen an diesem stillen Plätzchen ein. Bon hier aus leiten über den Mitterberg angenehme Pfade (Seite So6) nach Rauhenstein, und zu den Alexandro- wicz sehen Anlagen(Seite 4^3). Holzpsähle mit Hand- weisern bestimmen auch auf dieser Strecke an den Wea- theilungen die verschiedenen Direkzionen. 23. Das eiserne Thor. (7 stunden.) Ein mächtiger Gebirgstock erhebt sich im Süden der Schwechat, gerade im Norden von Merkcnstein. beherrscht die Badenerberge, und fällt bei Sooß und Gainfahrn ab. Der ganze Bergstock zusammen wird unter dem Namen des Kaltenberges begriffen. Der Badener Lind- kogel im Osten, etwas südlicher der Sooßer Lind- kogel(dessen Abfall der M 0 n d sch e i nk 0 ge l heißt), sind die einzelnen Höhen, welche von dem Stammberge, dem hohen Lindkogel, und dem 2623 Fuß hohen eisernen Thore, nach den ferneren Richtungen hin auölaufen. Es sind schon mächtige Höhen, dem Karak- ter der Gebirgswelt sich nähernd, zu welcher sie im eigentlichsten Sinne den Eingang bilden. Die Hauptbestandtheile dieses Höhenzuges sind ein dichter rauher Kalkstein, und eine Art dichter, groß- und kleinkörniger Breceia, mit weißen, grünlichen und röthlichen Quarztheilen gemischt. Auch findet man Arten von versteinerten Amoniten. Die durchsinternde kalkartige Flüssigkeit erzeugt in den Höhlen, an den Wänden, inwendig hohlen Tropfstein. Mächtige Forste decken diese Steinlager, und bieten dem Botaniker und Entomologen ein reiches Feld. Im Interesse des genießenden Naturfreundes nun verdient die 518 Aussicht vou dem eisernen Thore die höchste Aufmerksamkeit- sie ist die großartigste GebirgsauSsicht der Wiener Gegend! Beider bedeutenden Höhe überschaut man von hieraus, fast nirgends beschrankt, schon im Vordergründe mit stattlichen Bergen, ein Bild, wie man es in dem näheren Hstgelgelände um Wien nirgends trifft. Was die Namensherleitung des eisernen Thores betrifft, so erzählen die Landleute dieser Gegend, in der Hauptsache ziemlich übereinstimmend, folgendes: Ein Heiligenbild an einem Baume nahe am Gipfel des Berges, wider vke auf dieser Hohe immer regen Elemente mit einem eisernen Thürlein verschlossen, war das Ziel frommer Wallfahrten. Wildschützen, welche sich durch diese häufigeren Besuche in ihrem Treiben beirrt sahen, sollen das Bild geraubt, das eiserne Thürsein aber gelassen haben. Der fromme Sinn der Landbewohner hatte aber diese Stelle einmal zum Zielpunkte seiner Erbauung erkoren, und wenn auch das Heiligenbild verschwunden war, so wallfahrtete man wenigstens noch zum »eisernen Thürl.» Seitdem, wiewohl selbst der Baum, worauf sich das Bild befand, längst umgehauen ist, soll dieser Höhe der Name des eisernen Thores geblieben sey». Die Wege bis auf den Gipfel sind nicht sehr schwer zu treffen, und von den Hauptseiten kann man es wohl ohne Führer wagen. Wer sich aber einer solchen Vormundschaft unterziehen will, der findet unter den Holz- knechten der Gegend ziemlich kundige Führer. Jnsbeson- dere darf der Wirth in der alten Krainerhutte(S.5,>) als solcher empfohlen werden, er besitzt auch in den fer- neren Regionen, namentlich in der Gutensteiner Gegend, ziemliche Bergkennrniß. >) Am bequemsten, und durchaus nicht zu verfehlen, ist der starkbctretenePfad, welcher links von dem»weißen Wege« durch den Wald v o n Me rk e n ste i n herausführt. 2) Ein zweiter geht vom S i n a'schen Jagdhause im Rauchstallbrunnergraben(S-49/») über die sogenannte Schneckenstiege hinan; doch ist dieser Pfad das erste Mal ohne Führer nicht leicht zu treffen- Hinauf gelangt man wohl gewiß, wenn man nur die dem Thale entgegengesetzte Richtung immer verfolgt, allein man wird die steileren Passagen nicht wohl zu vermeiden wissen. Man hat sich ziemlich rechts zu halten. Es geht zuerst auf die höchste Kuppe des Sooßer Lindkogels hinauf, wo die Aussicht schon sehr ausgezeichnet ist. Auch der Weg durch den Kvhlgraben(von dem sogleich die Rede seyn wird) führt bis auf diese Norhöhe des eisernen Thores, welches man erst noch bis zu seinem Gipfel zu ersteigen hat. 3) Am leichtesten zu treffen, und von Baden aus am nächsten, ist wohl der Weg durch den»K 0 h l g r a b e n.- Man schreitet im Hclenenthale bis zur Antonsgrotte(S- Sag) vorwärts. Hier öffnet sich zur Linken ein aufwärts steigendes Thal mit einem breiten Wiesengrunde, zu beiden Seiten von dunklen Wäldern begrenzt. Man geht in demselben vorwärts, und trifft in kaum einer Viertelstunde eine Gruppe von Buchen, unter denen ein Markstein mit der Jahreszahl ib.s> steht. Rechts davon geht es in einen engen Graben(den»Kohlgraben«) hinein, und führt an einzelnen Felsstücken vorüber, zu beiden Seiten dicht von Bau- 520 »>en begrenzt, mäßig steil aufwärts. Ohne Mühe erreicht man so nach einer halben Stunde eine Wegthei- lung. Ein Waldfahrweg führt da links in den dichteren Forst ab, man behält aber die bereits verfolgte Richtung bei, in welcher der Fußweg weiter führt. Nach einer kleinen Viertelstunde wird die Erhöhung etwas stärker, und man erreicht endlich an einem Marksteine mit der Jahreszahl 1709 den Sattel, welcher das eiserne Thor mit dem Sooßer Lindkogel verbindet. Schon hier eröffnet sich eine entzückende Aussicht auf die Hochgebirge um den Schneeberg und auf Baden! Um den Gipfel des eiserne» Thores zu erreichen, welches man mit seinem dichten Waldsaume schon erblickt, wendet man sich rechts, und geht auf einem stark betretenen Pfade vorwärts, bis endlich links ein schmaler Fußpfad zwischen niederem Gestrüppe aufwärts führt; man schreitet in unterbrochenen Waldstrecken durch den jüngeren Anflug fort, bis man einen freien Punkt trifft, von dem aus man der herrlichen Aussicht genießt. Der höchste Gipfel ist nicht ausgereutet, der beste Aussichtspunkt liegt etwas tiefer. Es muß indessen bemerkt werden, daß es wirklich Stellen gibt, von denen man die herrliche Kette der Hochgebirgswelt ganz unbeschränkt überschaut, daß man sich daher nicht mit einem kleineren Ausschnitte zu begnügen braucht, wenn man allenfalls nicht gleich den wahren Punkt ausfinden sollte. 4) Der bekannteste Weg ist jener, der von den Krainerh litten(S. 5>o) hinausführt. Da man hier übernachten kann, so wird man am füglichsten diese Richtung wählen, wenn man mit grauendem Morgen den 521 Berg ersteigen will. Man geht im Thals bis zu den Äugn. stinerhüttensS.S.,) vorwärts; hier führt zur Linken ein steiniger Pfad zwischen ein paar Hütten, und zwar anfangs etwas steil aufwärts. Bald wird er bequemer, und es geht zwischen scharf abfallenden Waldhöhcn auf- wärts. Endlich umgeht man eine Schlucht, in welcher zahlreiche Holzstöße aufgeschlichtet liegen. Ein Ausschnitt gegen Norden eröffnet eine malerische Aussicht auf die Berge um Jvhannstein. Im dichteren Walde geht es nun aufwärts, endlich erreicht man die oben erwähnte Stelle, von wo aus der schmale Fußsteig zwischen niederem Gestrüppe auf den eigentlichen Gipfel führt. Auf keinem dieser Wege wird man viel mehr als eine Stunde vom Fuße bis auf den Gipfel brauchen. Die Aussicht vom eisernen Thore ist großartig. Da der eigentliche Gipfel noch mit hohem Walde bewachsen ist, so findet man keine Stelle, von welcher man die Gebirgswelt und zugleich auch die Ebene in derRund- sicht überschauen könnte; für beide Richtungen müssen die vortheilhafiesten Punkte erst aufgesucht werden. Erhe. bend ist der Hinblick auf die herrliche, ortbelebte Ebene, im fernen Osten von dem ungrischen Grenzgebirgszuge, und über der Neustadt von den Bergen hinter Scben- stein und Thernbecg abgemarkt,— reizend die Übersicht der Badener Gegend, der schönen Berge des Helenen- thales, der Brühler und Johannsteiner Gegend, dann des Kahlengebirges bis Wien,— erhaben ist aber der An- blick der Hochgebirge, welche in kühnen Formen d,e N.e- scnmarke zwischen Österreich und Steiermark bilden! 522 Gerade im Suden*), gegen die Ebene hin auslaufeud. zeigen sich die Wand mit dem Plackles, und drüber der Wechsel in ihrer ganzen Länge. Zwischen den aufgeflöhten Vorhügeln der neuen Welt ragen die majestätischen Ruinen von Starhemberg hervor. Tief zu den Fußen liegt der Aussichtsthurm von Merke nste in, mit seiner heiteren Wiesenrundc unter den dunklen Wäldern scharf kontrastirend. Gerade darüber, und über den Höhen von Pottenstein eröffnet sich das Grill enbergerthal. An seinem Eingangs erblickt man zur Linken Veitsau, im Hintergründe Neust e d l, mehr rechts Grillenberg, Ober den letzteren Dörfern steigt derLandkogl(auch Lindkogl genannt) bei Hörnstein aufwärts, und bildet den Anfang eines breiteren Bergzuges, dessen einzelne Kuppen der Rosenkogel, dann der Vorder- und der Hintere Mandling sind. Zwischen dem Rosenkogel und dein vorderen Mandling ragt in weiter Ferne, über einer Gruppe näherer Gipfel, aus den Spitäler- und Preduler- Alpen der schon in Steiermark gelegene Schwarzkogl heraus. Gerade vor demselben und hinter den beiden Mandling bis zum Hengst hin, dehnt der Gahns seinen breiten Rücken aus. Über den Hengst und mit dem Kuhichneebcrge abfallend, steigt die mächtige Steiuwand des W ch n e e b e r g e s empor, und überragt majestätisch eine Gruppe von namhaften Höhen ans seiner Nähe, ') Vergleiche Las beigefügte,»en 2- Häusler gezeichnet« Bild. z ^ d-- ^.r>. c d. >§ -4 !'< L^ ^r; V-, k -^ 7< d- ^ h -^ ^^ tzr ^-ch r d. r r: >tz^ tz L^ h^ tz tzx^ t->' z.<^ 4^ z >,^ ,1^, h- ->^ ^ V< ^ L « ci: tz >, -^ <-ch d ^r 'tz r >, L -> r L§^ >r -- -<- --- ' ÄtLM^7-. 8-1- ,/-/^>N-"«/7<,' 8iill^^«tlillie Viid«!^ns>1 v,nn<'!>!<'i iit-ii'!'!><„ t- bei landen -'11 225 worunter man den dürren Wald und den Neu- kogl erkennt. Tiefer und gerade unter dem Kaiserstei» liegen der Geier und das Waxenegg mit dem Feichtenberger Forste. Zwischen den Thalern von Pernitz und Pottenstein, wo der Kuhschneeberg abfällt, erhebt sich der Hutberg, ganz isolirt stehend, aus dem romantischen Klosterthal, zu seinen Füßen gerade über dem Hals überrascht der Anblick des Klosters von Guten stein. Im Hintergründe taucht eine mächtige Partie der Schneealm hervor, weiter rechts der Geiskopf, dann aber, frei, wie von keinem anderen Höhenpunkte um Wien zu schauen, die starre Steinmauer des Gippl, der ganzen Breite nach sichtbar. Weiter vorne erblickt man den Höhenzug, welcher im Süden das Fucter Thal begrenzt, namentlich den Gaisruk, das Kienek und den Staffkogel. Über ihrer Mitte ragt der weithin schauende U n t e r b e r g hervor, und gerade unter ihm fällt der kegelförmige Gaisstein bei Furt seiner eigenthümlichen Gestalt wegen auf. Über der Senkung des Kienek ragt der Gipfel des Üt scher hervor. Hinter ihm erblickt man bei glücklicher Beleuchtung eine noch fernere Kuppe(den Scheiblingsstein bei Lunz?). Weiter rechts ist die Lilien selber Alpe zu schauen, und inehr vorne das H o ch e ck. Rechts davon erblickt man auf ihrem hohen Berge thronend dieNuinen von Araberg, und in einem Bergkehel liegt das stille Dörfchen Schwarzensee. Nun verflachen sich die Höhen mehr, und gestalten sich weniger imposant; nur der Schöpfe! und die Hochstraße erscheinen noch einigermaßen anziehend; und 524 somit endet dann das großartige Bild. Wenn bei Sonnenaufgang der mächtige Höhenzug im neblichten Sil- bermeere verschwimmt und der erste Morgenstrahl die fernen Gipfel röchet, bis sich mehr und mehr bestimmte Gestalten entwirren, da ist es ein Anblick voll stillen Liebreizes; großartig ist es aber zu schauen, wenn die mächtigen Gipfel erst im Abendrothe erglühen, dann aber das Feuermeer des abendlichen Himmels die dunklen Umrisse der Berge in scharfen Formen zeichnet!— M M-