Das Orakel, eine Operette, aus dem Französischen des St. Foix» übersetzt, und der andern vortreflichm Ueberfetzung des grossen Gellerts nachgeahmt von Larl Ludwig Neuling. G r a tz, gedruckt bey den Widmanstätterischen Erben. Personen. Hl Die Gberzauberirr, oder die Fee Mirminde. Alcindor, ihr Sohn. Lucmde, eine junge Prinzeßin. Die Scene ist in dem Zauberpallaste der Fee. W mit Die Musik zu denen zwanzig Arien/ ist von dem berühmten Hochfürstlich Banden Baadischen Kapellmeister Schmidtbauer verfertigt, Di die die! zur her Zuschrift an unsere Hohen und geneigten Gönner der Schaubühne. re Mr wagen es heute zum erstenmal unsere Scenen — mit einem Singspiel zu eröffnen, von Die Schönheit des Jnnhalts, und die Vortrefiichkeit der Musik/ find dieser edeln Kühnheit würdig. Das zuversichtliche Vertrauen auf den bisher erlangten huldreichen Beyfall vi» läßt ex läßt««s an einer gnädigen und geneigten Aufnahme einer neuen Probe unsers Diensteifers nicht zweifeln. Verharrend Mit schuldigster Achtung und Ergebenheit Die Hochfürstl. Baaden Bardische Schauspieler. Gräy den 27 Ma? 1772, ge- obe heit ische Erster Aufzug. Erster Austritt. Oberzauberin. Alcindsr. Erste Arie. Alcindsr. ^leibt doch, und hört mich an, ^ Erbarmt euch meiner Triebe! Belohnet meine Liebet Sagt, ob ich hoffen kann? Nur ihr könnt mich beglücken, Ihr schweigt? O Tyranney! Wollt ihr die Glut ersticken? Wo bleibt die Muttertreu? * »* Lucinden hab ich jetzt Im Schlaf zu finden wissen, Ich wagt es, sie zu küssen. Wie hat der Kuß ergötzt! Sie sehn, und Lieb empfinden, War einerley, Sollt ich sie wachend finden, Ich küßte sie aufs neu. A z Gberzauberin. Lucinden, sagest du? Alcindsr. Ich habe sie gesehn. Dies Bild entzückt mich noch/ ich will es euch aestehn; Sie schlief; das schönsteKind. Entzückung und Vergnügen Sah ich zu gleicher Zeit mit ihr in Grünen liegen. > Gberzauberin. Hat sie dich auch gesehn? Älcindsr. Sie schlief: ihr hört es sa; Wie viel empfand mein Herz/ als ich sie schlafen sah l Ich fühlte wie ihr Reiz mir alle Freyheit raubte/ Ich seh sie noch. Ein Arm lag unter ihrem Haupte, Der andre»ah bey mir. Die Blumen küßten ihn Die ihre schöne Hand noch abzupflücken schien. Und weil ein sanfter Traum, sie/ wie mich dünkt entzückte. Und ein vermischtes Roth die keuschen Wangen schmückte, So kam mein Auge mir, da sich mein Herz verlor, B.y aller Achtsamkeit dennoch zu langsam vor. 2ch war nicht bey mir selbst. Gberzauberin. Mein Sohn was muß ich wisse»? Alcindor. Noch mehr, ich wagt es gar ihr, ihre Hand zu küssen. Darauf bewegte sich das angenehme Kind; Doch, eh sie mich ersah/ entwich ich ganz geschwind. Frau Mutter! darf ich ihr/ was ich empfinde zeigen? Verwehren sie mirs nicht! ich kann nicht länger schweigen, Den», sprächen sie diesmal zu meiner Sehnsucht, nein— So könnt ich— (vberzauberm. Was mein Sohn? Alcindor. bricht ungehorsam seyn. Ich will mir ihre Gunst durch Zärtlichkeit erwerben, Und wo es mir nicht glückt, zu ihren Füssen sterben. sie 2te Arie. Mit froher Lust/ erstirbt die Brust, Hier/ zu Lucindens Fusse«. Und dann soll sie/ wie stark sie hie, Mein Herz verehret wisse«. Ich klage ihr mein Leid ganz frey, Vielleicht werd ich erhört. Stimmt sie nicht meiner Liebe bey, Bin ich zu sterbe» werth. Gberzauberin. Verlier ich doch an dir/ so mächtig ich sonst bin, Die Stärke und den Ruhn,/ der größten Zauber,«. Ich kann mit einem Wink/ die Wuth des Meeres lege». Ich kann Palläste baun, und Blitz und Sturm errege». Kaum heb ich meine Hand/ so wird durch Zauberei), Der angenehmste Ort/ zu einer Wüstenei). Allein/ ich sehe wohl, bey einen jungen Thoren, Ist alle saubermacht vergeblich und verlvhren. Wohlan vernichte denn durch deinen Unverstand, Die Sorgfalt, welche ich auf dein Geschick verwand. Vergiß der Mutter Wort, und raube dir Lucmden. Du willst dein Unglück! Gut! du willsts^ du wirft es ^ pnven, zte Arie. Des Tiegers Trotz kann ich bezwingen. Nur, Jüngling, deine Thorheit nicht. Nichts kann dich zum Gehorsam bringen. Nicht meine Macht, nicht deine Pflicht. Den Sturm des Meeres kann ich stille« Die Geister ehren meinen Willen, Und dein verliebtes Herz allein, Will fest, und unbeweglich sey». Alcindsr. Was aber ist der Grund, warum man mir verwehrt, Daß ich nicht zeige» soll, wie sehr mem Herz sie ehrt? A 4 Ober- Dberzauberin. So wisse denn mein Sohn, ich will dir alles sagen, Ich, da ich dich gebahr, ließ das Orakel fragen. Ich fragte selbiges um dein zukünftig Glück, Und es ertheilte mir die Antwort drauf zurück. Dem Sohn der weisen Frau droht Unglück und Verderben, Doch kann er ihm entgeh,, und sich ein Glück erwerben, Wenn die Prinzessin, ihn, derer dereinst gefällt, Locher für taub, für stumm, und unempfindlich hält. Alcindor. Arau Mutter,wie? für taub,für stumm und unempfindlich? Mir scheinet dieser Spruch, in Wahrheit, nicht ergründlich. Dberzauberin. Urtheile nun mein Sohn, nach meiner Zärtlichkeit, ^E^falt für dein Wohl, gebahr mir vieles Leid. Nw dachte traurig nach, dein Unglück abzuwenden, Und dem Geschick durch List nach meinem Wunsch zu ende». Nw faßte einen Schluß. Lucinde, die dich rührt, Stammt aus des Königs Blut, der neben uns regiert '^'/d"M dir zugleich in einer Nacht gebohren; Ich habe sie entfuhrt, und sie für dich crkohren. ^,es eschloß, das niemals noch ein sterblich Aug entdeckt. Hat sie bisher der Welt, und ihr die Welt versteckt. Nw zog sie selber auf, und ließ sie von Maschinen, Von lauter Staruen, durch Zauberey bedienen; Und hierbei) flößt ich ihr alsdann den Irrthum ei», Kein denkend Wesen sey, als ich und sie allein. Die andern wären nicht zum rede», nicht zum denken. Nickt fähig sich zu freun, nicht fähig sich zu kränken. Und überhaupt nur blos uns zum Vergnügen da. Alcindsr. Warum denn das? Obevzauberin. „ Damit, wenn ich dich einmal ja Vor ihr erscheinen ließ— Ack- Alcmösr. Damit ich sie bcthöre, Als ob ich weiter nichts als eine Puppe wäre. Die kein Gefühle hat. Der Einfall ist recht gut, Und eure kluge List verdoppelt meinen Muth. Die Pschiche, ob sie gleich den A-wr nie gesehen, Konnt doch den Regungen für ihn nicht widerstehen. Ihr Herze liebte ihn, obfchvn derselbe gar Nach ihrer Einbildung ein Ungeheuer war. Betrügt Lucinden nur. Mein Bild wird sie vergnügen, Leicht läßt sich die Vernunft, doch schwer dasHerz betrügen; Folgt des Orakels Spruch. Sie glaube immerhin, Daß ich ein Bild, stumm, taub, und unempfindlich bin. Es scp ihr der Begrif von Irrthum vorgeschrieben, Ich dächte nicht wie sie; So wird sie mich doch liehen. Rein! die Natur ist wohl hicrinncn viel zu treu. Lucinde wird, daß ich blos eine Puppe sey, Troß der Philosophie, und allen ihren Gründen, Doch stets das Gegentheil durch die Natur empfinden, Sie wird— All)! kommen sie! denn ich bin ganz entzückt. Frau Mutter! kommen sie! damit sie mich erblickt. Sie können mich nunmehr Lucinden sicher zeigen: Mcils meine Liebe will, so werd ich fühllos schweigen. Ja trauen sie darauf. Ich will ein bloscr Stein, Ein unempfindlicher, lebloser Marmor seyn. 4te Arie. Duetts. Alcindsr. Die Liebe Lucindcns, ihr Herz zu gewinne», Sucht ihr nur die feinste List zu ersinnen, Ein Tauber, ein Stummer, und fühllos zu seyn, Oberzauberin. O! laß dich mein Sohn, durch mein Bitten gewinnen, Bezwinge die Leidenschaft, zähme die Sinnen, Sey stumm, und sey fühllos, Lucinde wird dein. Alcin-or. Ach! darf ich den schiiieichlenden Worten wohl traun? A-t Ober- <, Oberzauberm. Erweckt dann die Mutter in dir kein Vertraun? Du weist ja dem Glück muß das meine auch seyn. Bepbe. Oberzauberin. So recht mein lieber Sohn! Recht! gleiche den Maschinen, Gewinn Lueindcns Herz, allein durch deine Mienen. Man mag gleich jetziger Zeit stumm, taub, und hirnlos sey«, Man sey nur schön dabey, so nimmt man Mädgcns ein. Doch zeige dich noch nicht. Begieb dich auf die Seite, Und laß die Sorge mir, daß ich sie vorbereite. Mich beucht sie kömmt. Geschwind! geh durch dies Cabinet, Verstecke dich so lang. Hoff, daß es glücklich geht., 5te Arie. Verbann die blöde Miene, Werd sorglos zur Maschine, Wann du dein Shr vcrschlicst. Und stumm, und sprachlos bist; So schmücket dich die Schönheit, der Reiz nimmt ein, Und sieget noch. Ja! mancher siegt durch dies allein, Der blöder ist als Holz und Stein. «**** Fort, fort'. ich seh sie schon. Alcindsr. Ein Wort noch, eh ich gehe, Wenn ich mit ihren Mops Lucinden spielen sehe, So licbkoßt er ihr auch. Gesetzt, sie spielt Mit mir, DÜUt ich nicht auch wie er— Oberzauberin. Begieb dich gleich von hier. (Alcinbor ab.) Zwey- Zweyter Auftritt. Gberzauberrn. Lucinde. Lucinde ganz tiefsinnig. Nein/ nein! das war kein T;aum, kein Blendwerk,^dann Recht/ wie es meine Hand mit seinem Mund berührte. Oberzauberin. Was sagt ihr? Lucinde. Nichtsverzeihtich hab euch nicht gesehn. Gberrauberin. cM redet mit euch selbst? Kommt her! lernt mich versieh» Was diese Rede heißt— Es war kein Traum, ich spuhrte Recht, wie es meine Hand mit seinem Mund berührte; Ey, wer denn? Lucrnbe. Ach! gew-s, ich weis es selber nicht; Es floh als wie der Blitz vor meinem Angesicht. Ich hab ein ander Herz den Augenblick bekommen, Seit dem es meine Hand zu küflcn unternommen. Ich sinn und denke nach, ich wünsche immerdar, Doch was?— Ich bin nicht mehr, die ich vorhcro war. Ich kanns nicht sagen. Nein mein Mund ists nicht vermögend, Mir ist, als lebte ich in einer andern Gegend—— Es scheint mir die Natur erst recht belebt und schon Ach! meine Herzensfraul was hab ich doch gesehn! Welch eine Zärtlichkeit!— Auf eines Baumes Spitze» Sah ich zwey Vögclchen dicht beycinander sitzen, Sie sangen wechiclweis wohl eine Stunde lang, Ihr glaubet nicht wie schön, wie artig dieses klang. Drauf sahen sie sich a», als suchten sie mit Blicken, Was ihr Gesang enthielt von neuem auszudrücken: Doch, ihr Betrachten, war den dem unsrigen nicht gleich, Ganz änderst: gar nicht so, wie zwischen mir und euch. Was Was muß doch dieses seyn, das aus den Vögeln singet? Ihr Herz muß es versteh», weils gar so schöne klinget? Allein, woher cntsvringts? Wer giebts dem Herzen ein? Wer lehrt sie den Gesang?— Sollts auch die Liebe seyn? 6te Arie. Was muß doch aus den Vögeln singen, Was macht ihr Lied harmonisch klingen? Umsonst singt nicht ihr Mund so schön, Ihr Herz muß den Gesang verstehn. Wer giebts den kleinen Herzen ein» Sie trillern sich nur Scherz entgegen, Was muß sie doch dazu bewegen? Soll dieses wohl die Liebe seyn? Ihr lacht? O träf mein Wünschen ein» »»** Ihr lacht? Vberzauberin. Sie müssen sich gewis verstanden haben. ... Lucinde. Ich glaub es selbst. Vberzauberin. ^ Ja ja, weil sie sich Antwort gaben? Ihr schließt vortreflich schön. Wenn ihr auf dem Clavier Zuweilen svielt und singt, nicht wahr, so höret ihr, Daß seiner Seiten Ton, nach eurer Stimme klinget? Glaubt ihr, daß es versteht, was ihr, Lucinde, singet? Lucinde. Daß ist wohl ein Vergleich! Gberzauberin. Den die Vernunft bewährt. Lucinde. Claviere sind ja nur Maschinen. Oberzauberin. ^. Wohl erklärt: Die Vogel sind es auch. L.U-« Lucinde. Ihr werdet mir erlauben/ Saat mir es hundertmal, ich kann es doch nicht glauben. Ein innerliches Nein, verwirft was ihr nur sagt; ^ätt ich die Dögelchen zu fangen nur gewagt. Ich würde, hätt ich sie, sie streicheln, und sie küssen. Ä würde sie mit Lust in meine Kammer schlichen, Und allezeit besorgt für ihre Nahrung seyn. Gewiß, dies fällt mir nie mit dem Clavicre ein Es kommt mir nicht im Sinn dasselbe anzulachen, Noch Gunstbezcugungcn demselbigen zu machen. Dberzauberin.(vor sich.) Ich muß durch meine Kunst Lucinden hintergehn. (zu Lucinden.) e^hr seht hier Statuen vor euren Augen stehn., Beschaut, durchforschet sie, befühlt sie mit den Handen, Erwegct, ob ihr glaubt, das; sie empfinden konnten: Ihr fühlts doch wohl,ihr schts,und wisst, mein liebes Kind, Daß sie vvnMarmorstcin und unempfindlich finde Doch laßt mich nur ein Rad in den Maschinen heben. So werden sie sogleich, wie eure Vogel leben. (Die Statuen fangen an zu tanzen, nachdem sie die Zauberin mit ihren» Stab berührt.) Seht ihr, Lucinde, nun, was dies für Tänzer sind? Doch wie, ihr seyd betrübt? Was fehlt euch>o geschwind. Bekümmert» euch vielleicht, daß Steine sich bewegen. Lucinde. cla wohl, weil sie so schnell die Meinung widerlegen, Mit welcher ich mich schon recht lebhaft unterhielt. Und deren Wirkung ich aufs zärtlichste gesuhlt. Ihr armen Vögelchen'. so seyd ihr denn Maschinen? So denkt,und lebt ihr nicht!— Ihr habt doch so geschienen. Ich alaubte wirklich schon, daß ihr nicht fuhllos seyd! Ich glaubte euer Herz empfand die Zärtlichkeit, Wann ihr auf einem Zweig des Tags zusammen singet. Und euch ein hohler Baum des Nachts die Ruhe bringet. Hat, Hat, dacht ich, die Natur die Vögelchen so lieb, , Verknüpft sie selbige durch freundschaftliche» Trieb, Mit solcher Eintracht sich das Leben zu versüsscn, So kannst du auch für dich ein gleiches Glücke schließen. So wird sie auch um dich, Lucinde zu erfreun, Gewis nicht weniger besorgt gewesen seyn. So wird es außer dir auch noch ein Wesen geben, Mit dem du leben kannst, w,e diese Vogel leben. ?te Arie. Es muß gewis noch mehr, Dergleichen Wesen geben, Mit denen wir so sehr. Wie diese mit sich leben! Ach! wie gefiel er mir, Der, welcher heute mir, Die Hand im Schlafe drückte; Wer muß es doch wohl sey»? S Himmel! flöß ihm ein, Wie mich sein Kuß erquickte. L l komm mich mehr zu küssen, Fest will ich ihn umschließe», Und wenn du mich genug geküßt, Dich zehnmal fragen wer du bist? ***»» Ach! meine Liebe sagt— sagt mir, weis ihr es wißt, Was war es doch, das mir im Schlaf die Hand geküßt? Oberzauberin. Was?— eine Mannsperson, so wie ich wahrgenommen. Lucinde. Ey! eine Mannsperson? wird sie nicht wieder kommen? Sie sah recht artig aus. Warum blieb sie nicht da? Sagt, sind die Männer auch Maschine»? Z Oberzauberin. ja. Allein vollkommener, als andre Maschinen,^ Die euch in diesem Schloß zum Zeitvertreibe diene». Weit Meit schön und besser noch als eure Vogel sind:, Sie sind fast meistens weis, wie ich, und ihr mein Kind. Wie diese Statuen, doch ihrer Fehler wegen, Hab ich sie länger nicht allhicr erdultcn mögen. Lucinde. Die Vögel singen schön: Die Bilder regen sich. Und tanzen nach der Kunst. Die Wanduhr wecket Mich. Klavier, und Laute klingt, nach angegebenen^onen. Gut! saget mir-was jhun denn nun die MannSperfonen. Oberzauberin. Weit mehr, als ihr begreift und überdenken könnt. Sie sind verschiedner Art. Die man Soldaten nennt, Und die dem Ansehn nach am beßten sonst gefallen,. Sind, wie mir wissend ist, die ärgsten unter allen: Auf grossen Ebenen hat man sie oft gesehn, Mit vielen Tausenden kühn auf einanderr ihn wohl? B» Dber- Oberzauberin. Da mögt ihr selber sehn. Lucinde. Charmant! Ober-zauberin. Recht gut! Charmant/ der Name klingt recht schön Jedoch wir wollen jezt den Herrn Charmant verlassen, Es hat ein Zeichen sich an Himmel sehen lassen/ Das ungewöhnlich ,st: Ihr müsset mit mir gehn. Lucinde. O nein! ich habe ja den Himmel oft gesehn. Oberzauberin. Doch dieses Zeichen nicht, wir wollen es betrachten. Lucinde. Wenn uns die Sterne doch nicht so viel Mühe machten! Ich mag in Wahrheit nicht/ ich bleibe beym Charmant: Macht euch den Himmel nur, wie euch beliebt, bekannt. Oberzauberin. So bleibt, ich will euch nicht in eurer Neigung stöhrcn. Die süsse Fantasey wird nicht gar lange währen. 2te Arie. Folge dem Eigensinn thörrichter Grillen: Folge der Neigung/ ich laß dir den Willen, Rede mit Blicken,doch denke dabey Daß es gefährlich/ und räthselhaft sey- Lieben und Scherzen/ zeigt vicimal Schmerzen. Liebst du/ so liebe/ doch liebe getreu, Wähle das beste, noch steht es dir frey. —(ab) Dritter Auftritt. Lucmde. Alcmdor. Lucinde. Sie geht— das ist mir lieb! sie war mir recht zur Last: Ihr ganzer Hmmelsbau ist mir, wie sie verhaßt. >(Be-> ( Betrachtet den Alcmdor.) ^ Die schönen Haare I en! wie artig er sich träget: Lr ,ft vollkommen schön: mein Her; wird ganz beweget. Ich weis nicht, wie mir ist, dies scheint der Gegenstand Des fremden Triebs zu seyn, den ich noch nie gekannt. (Sie redet der Oberzauberin nach.) . Die süsse Fantasei) wird nicht gar lange währen— ^ Nicht lang? ich traue mir das Gegentheil zu schwören. Nein, artiger Charmant! Zeitlebens lieb ich dich l Ach! warum denkest du nicht eben so wie ich? DieFantascn? welch Wort— vielleicht der Vögel tvegen? Was für ein Unterschied ist dieser doch dagegen! Charmant! komm her Charmant. Er kömmt! Er kniet vor S'. das ist allerliebst. mir. (Indem Alcmdor kniet, knüpft sie ihm ein langes Band um den Zals, und schlingt das Ende um ihren Arm) Ist sie schon wieder hier? ( Sieht, ob die Zauberin kommt, und hält Ab« cindor an den: Bande.) Roch nicht! sie schauet noch»ach ihren Stcrnenpole. S! bliebe sie nur aus, bis ich sie selber hole. (Zslet zween Sessel, giebt Alcmdor ein Zeichen, daß er sich setze.) Charmant! komm, sehe dich:—Er will nicht sitzen:—wie? Er kniet schon wieder! nun— gieb dir nicht so viel Müh. S mein Charmant!— ja, ja, du bist Charmant zu nennen; Den Namen hätten wirnicht besser wählen können; Denn du charmirst mich recht. Ach! der Betrug ist schön! Ich rede so mit ihm, als könnt er mich verstelln. Wo bin ich? was sind das für unruhvolle Triebe? Was für Verwirrungen, die ich doch selber liebe?— Gieb mir die Hand Charmant— so recht— ich glaube schier— , In Wahrheit— ja gewis, das Herz schlägt ihm, me mir. B z Zte zte Arie. Charmant ich liebe dich, Du bist für mich gebohren, Und mir zur bust erkohren, Mein Herze lehrt es mich. Noch hab ich keinen Schwur gethan, Doch jetzo schwöre ich, Ach mun Charmant! o hör es an, Lucinde liebt nur dich. . Alcindor.(bey Seite.) Kaum bin ich meiner selbst. Vierter Austritt. Gberzauberin, und die vorigen. Gberzauberin.(vsr fich.) ^ Vieleicht hat unterdessen Mein innger Herr sein stumm- und fühllos seyn vergessen. -Lucinde. Ach! meine Herzens Frau! ich bitte hört mich an, Macht, daß Charmant, wie«ch,verstehn und reden kan: Daß er mir'Antwort giebt. Gberzauberin. . Fürwahr, ihr fobert Dinge, Die ganz unmöglich sind, und die ich nicht erzwinge. „..,, Lucinde. Unmöglich saget ihr? Gberzauberin. Ja ganz unmöglich. Lucinde.^, Ist das Madam die Macht von eurer Zauberen? Ich bin Verzweiflungs voll. Gberzauberin. . Wahr ist es, mein Vermögen Erstreckt sich schon so weit Maschinen zu beweaenr ' Ich Ich strenge durch die Kunst gewisse Federn an, So ahmen sie uns nach, und thun, was wir gethan. Doch tausendmal mag man die Federn künstlich lenke», Maschinen bleiben sie, und lernen niemals denken. Lucinde.(erbittert.) Schon gut Madam, säo» gut! ich hab es ja gehört, Ich sehe alles ein, Vberzauberm. Und was? Lucinde. Ihr seyd gelehrt: Ihr send recht sehr gelehrt in allen euren Sachen, Und wollt Lucindcn gern zur Philosoph,» machen. Damit ihr jemand habt, mit dem ihr plaudern könnt; Dann wenn ihr dem CharmantVernunft und Sprache gont; So wißtihr schon, daß wir um uns beschäftigt wären: Ihr denkt, wir würden nicht auf eure Weisheit hören. Und dieses kann wohl seyn. Doch daß ihr alles wißt, So hört, daß eure Kunst mir ganz zuwider ist: Ein höchst gerechter Zorn scheint mich dazu zu treibe». Unwissend wie ich bin, will ich Zeit Hebens bleiben. Mit Abscheu seh ich jetzt auf eure Wissenschaft, Auf die Philosophie und ihrer leeren Kraft:, Den Augenblick will ick die Kugeln und die Sphäre», Was mathematisch heißt, zerschlagen und zerstöhren. 4te Arie. Was nuzt es, daß ich alle Sterne, Am Horizont erkennen lerne? Was nuzt es, daß sich mein Aug zum Pol erhebt, Wird mein Charmant dadurch belebt? Nein, fort mit allen Himmclssphären, Fort, fort mit dieser Aantasey, Ich will die ganze Welt zerstöhren, Gleich jetzo brech ich sie entzwcy.(av.) Oberzauberin. Wie schlimm wird es nunmehr den Himmelskugeln gehn? Was dünket dich mein Sohn? B 4^ Alcintzov. , Auch selbst ihrZorn ist schön: Ich werde sie darum nur so viel stärker lieben, Sie kommen eben recht, Frau Mutter! meinen Trieben War ich bereits zu schwach. Gberzaubererin. Wie meinst du dies meiu Sohn? Alcindor. Sie kamen wie gewünscht, dann reden wollt ich schon, Mberzauberin. Und des Orakels Spruch? Alcmdsr. Der konnte mich nicht binden, Ich dachte nicht auf ihn; ich sah nur auf Lucinden'^ Ich zwangmich Anfangs Zwar, ihr Auge nicht zu sclm' Allein es war umsonst, ihr Auge war zu schön^ Schlug ich die Meinigen auch gleich zum öftcrn nieder: Dcrgebner Widerstand! sie öffneten sich wieder Nein! des Orakels Spruch, Frau Mutter ist zu scharf. Wenn der, der zärtlich liebt, nicht sehn und reden darf» ZteArie. Wie angenehm, wie froh wird sie erschrecken? Was wird der Schall für Regungen erwecken, Wann sie erstaunt mich zärtlich reden hört, Wann ihr mein Mund wird unverhofft entdecken, Die Lust, die mich mein fühlend Herze lehrt. O was für Glück, was Wollust werd ich schmecken, Schätzt mich ihr Mund nur eines Kusses werth. Gberzauberin. Indessen mußt du dich noch eine Zeitlang zwingen. Lucindrf, darf. Und wenn ich überall bald hier bald dorten hin ^ini Zimmer und im Waid mit ihr alleine bin; Sollt es wohl möglich seyn- sich in dergleichen Hallen Noch immer taub und stumm und fühllos anzustellen; 6te Arie. Ich sollte noch mein Glück acht Tage lang verschieben: 0 Geschick ergötzt dich mein Betrüben? Erträgt die bicbe solchen Zwang? Ein Augenblick ist ihr zu lang. Lucinde soll in mir kein fühllos Herze lieben. Heut w-rd ihr so Haud als Herz verschrieben,, Ich such sie diesen Augenblick,, Dann nur in ihr beruht mein Gluck. ***** Sie wollen viel von mir. Oberzauberin. Ich will, das Schaaf sc» klug. Alcrndor. Klug? Martern auszustcbn? dies geht zu weit; genug! Lucinde soll in nur kein fühllos Herze lieben; Acht Tage kann ich nicht mein zärtlich Thun verschieben. Oberzauberin. Was dir unmöglich scheint, hat manches Weib gethan. Wie fangen es dann sonst die spröden Schönen an, Die halbe Jahre lang sich kalt zu stellen wissen, Und heimlich sonst daben in Zärtlichkeit zerfließen? Die unempfindlich thu» und oftmals gegen den. Der ihnen wohl gefällt, aus Wohlstand sauer sehn, Alcindor. Ol o! ich bin kein Weib, noch minder eine Säule, Lucinde soll mich sehn, sie leben wohl, ich eile. Oberzauberin. Ums Himmels Willen bleib! folg des Orakels Sinn! Erwarte doch dein Glück, sonst ists wahrhaftig hin— Sie kommt. B 5 Fünf. Fünfter Austritt. Lucinde, und die voriAen. Lucinbe. ^^'s mich gewis an euch gerochen; Der Globus,st entzwei), das Sehrohr ist zerbrochen/ lind kurz: die ganze Welt warf ich zum Fenster„aus. Gberzauberm. Ihr seyd sehr ungestüm,«; dies kömmt recht schön heraus. Lucinöe. Und ihr sehr grau,am, ihr! Ihr liebt mich wie ihr saget, ^as heiß ich schon geliebt, wenn man mich also plaget, ^.ah man mir nicht einmal das senige verleiht, Was mich vergnügen kann, und was mich einzig freut, ^hr müsset/ wie ich seh/ mir gar kein Glücke gönnen. Sonst wurde mein Charmant bald mit mir reden können. ?re Arie. Was soll ich sagen? Hört meine Klagen, Rührt euch kein Bitten, kein Flehe» nicht Mehr. Lehrt ihm ohn Schmähen, so viel verstehen, Daß ich ihn liebe, ach gebt mir Gehör. Er darf sonst nichts wissen, Nichts denken, nichts schließen, Er schließe nur zärtlich, und denke verliebt. So ist er zur Liehe vollkommen geübt. Gberzauberin. Zu zeigen, daß ich nicht zu hart und grausam bin, So will ich alles thun; Nehmt dies zur Nachricht hin: Der Herr Charmant gehört zu denen Mannspersonen, Die, was ma» auch versucht, das Denken nie gewonnen. Die man zum Unterschied, damit sie jeder kennt, Nach ihrer Eigenschaft die Petitmaitres nennt, Densclbiqen Vernunft, und Klugheit beyzubringen rlst was unmögliches, und läßt sich nicht erzwingen. Daß aber übrigens er gehet, stehet, weint, Lacht/ vor euch niederfällt/ verliebt/ und traurig scheint/ Merkt/ Merkt, dieses alles 6«d bc» ihm, und seines gleichen, Maschinenmäßige und lauter leere Zeichen. Lucinde. Maschinenmäßige?. Oocrzauberm. Ja was noch mehr, er pfeift, Und singt euch Lieder her, die er selbst nicht begreift. Lucinde. S! macht doch, daß er singt! Oberzauberin. Ganz gern ihr sollt ihn hören. Mein vergesset nicht, Lucinde meine Lehren; Das was ein Papagei), und so ein Schwätzer spricht. Sind leere Worte, nichts, denn denken kann er nicht. Was er euch heute sagt, sagt er zu andern Zeiten, Und ohne Unterschied auch andern Frauensleuten. Lucinde. ^