^wnei- 8i3M-6ibIiotne><. 11V39 L e , .» . O - - David und Goliath. Oder der Schuhmeister Felberer/ und Lhormeister Fast, als eine Vertheidigung wider den, unter dem Namen Promovsky durch den Herrn Chormeister Fast auf den Schüh- mrister Felberer gemachten Angrif. Verfaßt und ans Licht gestellt von Leopold Felberer Schuhmacher beim grünen Rößel in der Iösephstadt. Wien 1786. Au finden bei Sebastian Hartl in der Sinaerstrass», »nd hev dem Verfasser»n der-»serhstade. K-.> « r i Luch Zuschrift. Dem hochgelahrten Herrn Herrn Schriftgoliath P.P.P.PP. Promovsky-Fast. l. Buch der»ölige i?»ap. 45- v. Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Schild; ich aber komme zu dir, im Namen des Herrn der Heerschaaren, des Gottes der Heere Israel, den du schönet hast. «gleichwie einstens zur Zeit des KönigS Saul aus dem Lager der Philister ein Riese hervortrat mit Namen Goliath, von Gath, sechs Ellen und eine Hand breit hoch; und er hatte einen ehernen Helm auf seinem Haupte und einen schup- pichten Panzer an, und das Gewicht sei- «es Panzers war fünftausend Seckel Er- Hes; und er hatte eherne Beinharnische an seinen Schenkeln und einen ehernen Schild auf seinen Schultern, und der Schaft seines Spiesses war wie ein We- berbaum, und das Eisen seines Spiesses hatte sechshundert Seckel Eisens, und sein Schildträger ging vor ihm her:— so kommen Sie zu mir, geistlicher Herr, und fordern mich vor dem Angesichts des gan, zen christlichen Israels auf den Kampfplatz heraus. Und gleichwie jener Philister einen Mann von dem Heere Israels herausfor» a z derte 6 s Lerte zum Zweikampf, und sprach: Ich habe heutiges Tages dem Herrn Israel Hohn gesprochen— so thalens auch Sie bei Erscheinung der Wiserischen Paffions« predigten und sprachen:„ Dieser Mann will uns einen neuen Gott predigen— nicht mehr unsern alten theologischen, in welchen nur Rache und Feuereifer hervorblitz- te, und der unser einem so viel beitragt— sondern einen Gott der Liebe und einen Allvater. Auch will dieser heillose Pre» diger haben, daß die heute sich bessern sollen; und predigt über dieß eine alles- umfassende Menschenliebe. Und was das ärgerlichste ist, schreit der Mann nur zu laut von der Kanzel herab: Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist! Ich will also auftreten wider diesen Jrrlehrer und ihm Hohn sprechen vor dem Angesichts des Volks. Denn was würde da, wenns so fortgeht aus uns werden?" Zwar lachten alle gelehrte und der, nünftige heute ob dieser Ihrer Sprache. Keiner entsetzte sich, wie dort Saul und sein Kriegsherr über die trotzige Rede des Philisters. Denn sie Eannten alle Ihre rohe Stimme, mein Herr, ob sie sich gleich nur nur hinter Ihren Schildträger Promods- ky Versteckren. Mein ein großer Theil des christli, chen Volkes ärgerte sich ob dieser Rede, und einige wurden dadurch in dem Glau, ben irre gemacht, weil sie nämlich den Gott der hiebe noch nicht recht kannten. Diesen Schwachen zu Gefallen stand ich auf, weil kein Gelehrter es that, und diese brauchten es auch nicht, und schrieb gegen die Lästerungen, die Sie Gott dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, anthaten. Denn Sie haben vor den Augen des ganzen Volkes unserm Gott Hohn gesprochen und in die Welt hinein geschrie, den: Gott ist ein Rächer! Ein Rächer! Ich bin zwar nur ein gemeiner Hand' werker. Aber, dachte ich, wenn's die Ehre Gottes betrift, sind wir alle gleich. Ich schrieb also gegen jene Lästerungen, nicht um Hrn. Wiser zu vertheidigen— denn was geht mich Wiser an, den ich weiter nur aus seinen Predigten und aus seiner dem Evangelio ganz gleichförmigen Lehre kenne— sondern den Namen unsers lie- a 4 ben ben Gottes gegen jenen Unbeschnittenen zu retten. Und sehet, da kommt Hr. F.. zum drittenmal gerüstet, und wendet sein Waf- senzeug gegen mich und spricht zu mir: Bin ich denn ein Huud, daß du mit E.e- cken zu mir kommest? Komm her zu mir, ich will dein Fleisch geben den Bögeln unter dem Himmel und den Thieren auf dem Felde. Sehen Sie, mein Herr Doktor, ich nehme Ihre Herausforderung an. Sie darfen sich auch meiner nicht schämen: denn ich war ein ehemaliger getreuer Par-- hamerischer Zögling, und hab auch meinen Katechismus gelernt; hab auch nach der Hand fleißig in der Bibel gelesen, die ich aber erst auf Wisers Predigten besser zu verstehen anfing. Denn seitdem ich, aus des Predigers Mund den Satz: Gott ist die Liebe so schön und einleuchtend einsehen lernte, ist mir ein großes ficht über die ganze heilige Schrift aufgegangen. Indessen weiß ich wohl, daß ich mich gegen einen Doktor der heil. GotteSge, lahrheit nicht messen darf. Weil Sie aber aber so feierlich die Lanze gegen mich schwingen, so will ich als ein kleiner David gegen den großen Schriftgoliath mich stellen. Sie kommen zu mir mit Schwert, Spieß und Schild: ich aber komme zu Ihnen im Namen des Herrn der Heer- schaaren, des Gottes Israel, den Sie ge« höhnet haben. Ihr Panzer ist zwar so glänzend, daß er einen Kurzsichtigen leicht das Licht seiner Augen berauben könnte; Ihr Schwert hat eine solche Schärfe, daß Sie mir das Wort der Wahrheit von dem Munde weghauen möchten; Ihr Spieß ist in Galle, statt Tinte, eingetaucht, womit Sie das Herz der Liebe zu durchbohren trachten; und auf Ihrem Schild ist mit blutrothen schrecklichen Buchstaben drei» mal Rache geschrieben. Allein, dieß alles schreckt mich nicht ab. Ich will Ihnen zeigen, daß ich Ihr Schwert, welches Sie aus der Scheide der Mönchstheologie gezogen, nicht förchte; weder Ihrem Spieffe, welchen Sie aus der Kammer der Thorheit, ganz verrostet her- vorgenommen, entfliehen;— noch Jh- ren durchlöcherten Rachschild, womit Sie mich und andere erschrecken wollen, scheue; — noch viel weniger Ihre Trotz- und Schmahworte, sollen mir den Muth neh« men, mir Ihnen zusammen zu trercn. Zwar komm ich nicht zu Ihnen nach Handwerksbrauch mit Klopfholz und Knie, riemen, sondern als ein anderer David nehme ich nur meine Schleuder mit. In diese Schleuder lege ich zwei Steine: den Stein der Wahrheit und der Liebe. Den Stein der Wahrheit oder der gesunden Vernunft werde ich Ihnen bor die Stirne schleudern: dieser soll Ihnen den Ver, stand öfnen, um einmal die lichte Wahrheit zu erkennen. Der Stein der siebe aber soll Ihr Herz treffen, damit selbes erweichet werde, und seine Hurtigkeit ver, liere, und damit Sie nicht mehr so bös« artig die evangelische Lehre verdrehen, um die Gutdenkenden und noch Einfalti« gen zu bethören, und in Unordnung zu bringen. Denn ich sage Ihnen, Ihre pharisäische Feindseligkeit gegen die wahre Lehre von der Liebe Gottes, leuchtet zu sehr aus allen Ihren Worten. Daher Daher um Sie auf bessere Gedanken zu bringen, werde ich erstens die angegriffene Lehre vertheidigen und vor Augen stellen; und zweitens Ihre kurzsichtigen Begriffe von meinem ersten Stücke vorhalten, und Ihnen nochmal in Kürze erklären; und drittens, werde ich auch Ihre so übel angebrachte Stellen aus der heil. Schrift, und Ihre arglistige An' Wendung, ohne daß Sie selbige erklärten, zeigen; und viertens, werde ich Ihnen den Nutzen der Lehre von dem Gott der Liebe darthun und erweisen. Denn ich sage Ihnen, einen solchen Philister wie Sie, kann leicht ein kleiner David erlegen, und zu Boden stürzen.—— Le- sen Sie also: Warum kommt denn Herr Fast nicht selbst? Warum verändern Sie, mein geistlicher Herr, Ihren wahren Namen, und heißen jetzo Promovsky, da Sie doch sonst mit so vielen Prädikaten von gelieferten Schlachten prangen? Ich glaube, Sie dürfen nicht mehr mit diesem Namen zu Felde ziehen; denn man weiß ja, daß Sie öfters gleich einen ungeübten, oder besser zu sagen, verwirrten Kommandanten aus dem Felde verjaget wurden.—— Ja, wenn Sie so viele tödtliche Hiebe mit dem Säbel, als mit der Feder bekommen, Sie keine« gesunden Flecken an Ihrem Leibe hatten. Fechten Sie aber nur fort, wie ein eingebildeter Goliath: es wird schon noch ein David kommen, der Ihnen seine Psalmen auslegen wird. Hauen Sie nur immer herum mit Ihrer Wolfsklinge, welche schon so oft abgesprungen, und womit Sie sich, und Ihre eigene Anhänger beschädiget haben; denn ich sage Ihnen— Sie werden jene nicht verwunden, welche Freunde der Wahrheit sind, sondern viel mehr in der Wahrheit befestigen. Mir scheint aber, Sie haben von diesen Hieben eine so dicke Haut bekommen, daß Sie nichts mehr fühlen können.— Darum pochend auf Ihre Härte, scheuen Sie sich nicht zu sagen: Herr Wiser habe sich an mich gelehnet, als ob er sich von mir unterstützen lasse. Da zeigen Sie wieder einen rechten Goliath; aber warten Sie, ich als David werde Ihnen antworten. So machen es alle, die so sind, wie Sie, mein Herr Autor,——7 alle große Pharisäer, lZ risaer, alle Klopffechter, alle Vertheidiger der verzweifelten Sache, alle Knechte des Aberglaubens, und Liebhaber des Irrthums. Sie suchen einen anderen hinter dem Ofen, wo Sie selbsten versteckt sitzen. Sie messen andere ehrliche, bescheidene und gelehrte Männer nach Ihren niedrigen, kleinen, von Neid, und Pharisäer»Stolz aufgeblasenem Seelen, und trauen anderen die Ränke zu, die nur Sie zu spielen im Stande sind. Wie Ivahr hat von diesen Heuchlern Christus gesagt: Aus ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Ja, ja, so sicher, als man Hrzi. P. Fast an seinen Schriften erkennet. Was nützet es Ihnen also, daß Sie diesmal unter einem fremden Namen auftreten? Sie haben sich dadurch nur einen neuen Vornamen, ein neues Prädikat, ein neues großes P!!!!!! erworben. Und ich denke, Sie sollten sich an dem unstudirten Schuhmacher Felberer noch das Siebente erwerben. Fechten Sie wie ein Goliath nur fort rc. rc.; Dann Sie werden nichts gewinnen mit Ihren leeren suftstreichen! Und Sie meinen noch immer, ein gelehrter Mann soll auf Ihre 14--------------- re Promovskische Gedanken antworten? Ich glaubte es anfangs selbst, und war« tete, ob nicht einer aufstünde, und das Aergerniß gut machte, welches Sie durch ihre Schrift bei Einfältigen und nicht wohl Besonnenen stifteten. Da aber keiner sich die Mühe nahm, Ihre»»schick« liehe, oder besser zu sagen verirrte, und verwirrte Schrift zuwiderlegen; ergrimm, te ich, und sagte zu mir selbst: ich will diesen Goliath Fast entsaften, daß er in seiner ganzen Wackerkeit dastehen solle!— Ich erkannte nun erst durch den Geist Gottes, warum kein Gelehrter nicht ant« Worten solle, und daß es mir zukommt Sie zurechr zu weisen. Kein Mensch hat mich dazu aufgefordert: sondern die Macht der Wahrheit, die mein Zeuge seyn soll, hat mich, wie einen David be« herzt, und unerschrocken gemacht, gegen einen Riesen zu kämpfen. Ich sage Ihnen auch, Hr. Wiser braucht kei- nen Sekuntanten. Seine sehre stehet fest, und unerschüttert auf dem Felsen, wel« cher ist Christus, wie der heil. Paulus sagt. Herr Wiser kannte mich auch nicht eher, als das übrige Publikum. Ihn zu vertheidigen halte ich mich nicht für wür, dig; und wozu ihn vertheidigen? Seme reine(ehre, und Einsichten, und seine Tu' genden leuchten von sich selbst; und je mehr seine neidischen Gegner sie zu verdunkeln suchen: desto schöner glänzen sie. Aber die von ihme vorgetragene GotteS- lehre, ist ein gemeinschaftliches Gut, das mir und allen, die sich nach Jesu nennen, zugehört: und um diese hab ich mich an' genommen; denn bei Gott ist kein Anst- Heu der Person, wie bei Ihnen; denn die Schrift sagt: Wer da glaubt, und getauft wird, der wird selig werden; es seye gleich einer von geringsten, ein Stubenmädchen oder ein Hundsjung, eS sey, wer er will, er heiße Promovsky, oder Fast, Wiser oder Felberer, da ist alles gleich Doktor oder Schuster, da machen nur Tugenden groß. Sie mein geistlicher Herr müssen sich- also schon gefallen lassen, von einem Scku' ster sich in die Schule schicken zu lassen; weil Sie mir so gar fein vor den Augen der Welt die Hand bieten. Ich will mich wie ein David gegen Goliach verhalten, um durch Ihren dunkesn Verstand durch- zu' i6-------------- zuarbeiten, so gut ich kann; und wo eS möglich Ihnen den Kopf— zwar nicht vom Rumpfe zu trenne«, sondern aus Liebe zu Recht zu setzen. S. 4 will Herr Fast Durchaus nicht, daß die alten Begriffe von Rache, Rächer mit besseren, verändert werden sollen; denn er fürchet etwas dabei.— Er sagt daß die Begriffe von Rache in Gott, wie er sich dieselbe einbildet, vom Anfange der Erschaffung bei allen Menschen bestanden. — Dieß wird wohl von allen Fastisckge* sinnten Menschen zu verstehen seyn.— Was, Sie scheuen sich nicht Ihre rohen Begriffe von Gott der ganzen gescheiden Welt aufzubürden? und werden unwillig, wenn andere Leute vernünftigere Begriffe von Gott geben, und getrauen sich noch zu sagen: woher ein Schuster in der Jo- sephstadt, und sein Prediger eine solche Gewalt, und Vollmacht dazu haben? Wissen Sie, woher wir, und jedes andere Kind Gottes diese Gewalt haben?— Von Gott, und aus dem Lichte Gottes— dem doppelten Lichte der VeNMttft, und der Offenbarung. Jene sagt uns, daß Rache im eigentlichen Sinne, wie Sie die* selbe selbe in Gott annehmen, eine der unan« ständigsten Leidenschaften ist, und folglich in Gott, dem allervollkommensten Wesen nicht seyn kann: und die Ossenbahrung, sagt unö ein gleiches. Ja! wenn Sie sich nicht schon langst das Schloß zur heiligen Schrift verdorben hätten, Sie würden auf jeder Zeile nichts als Gottes Liebe lesen. Gott ist die Liebe! ruscs von oben, und unten, rufrs von allen Seiten. Die heilige Schrift sagt uns auch anderswo r Gott ist kein Mensch, daß er lüge. Und ich sage, Gott ist kein Mensch, daß^ er zürne, vielweniger, daß er Rache übe. Daß maß'Jhnen ein Schuster sagen, Herr Sie geistlicher Herr! Sie! Hr. Fast Sie! wohl gemerkt! Indessen fahren Sie in Ihrer Blind« heit fort; Sie sagen, daß es hier nicht auf das Erklären, sondern auf die Sache selbst ankomme. Und ich sage Ihnen, daß hier alles auf das Erklären ankomme. Da einmahl rachgierig seyn von Gott im buchstäblichen Verstand nicht kann gesagt wer« den, so muß es in einen uneigentlichen geschehen. Und diesen anderen Sinn muß mgn ja den Leuten erklären. Das ist di» b Pflicht Pflicht unserer Schriftgelehrten, und Prediger. Freilich Ihnen Hr. Fast liegt es daran, daß man nur bei den schwarzen Buchstaben bleibe, und daß man Gott zu ei, nem recht fürchterlichen Monarchen mache. Was liegt daran? Es tragt Ihnen ja Geld ein! Auch ist es hübsch, mit einem Zepter über die Gewissen der Leute zu herrschen.— Doch dieß jetzt nur im Vorbeigehen.— Also auf das Erklären kommt es nach Ihrer Aussage nicht an.„ Unsere Fra- „ ge, fahren sie weiter fort, ist folgende: „ ob Gott ein Rächer sey, ob er Böses, „ mit Bösem vergelte, ob er die Sünder „ straffe; und ob der Sünder für seine „ Sünden von Gott Rache zu befürchten „ habe." Wie Sie doch alles untereinander werfen, Wahres, und Falsches, Distel, und Rosen, Heu, und Stroh, um den Leuten recht den Staub in die Au, gen zu blasen. O daß Sie nicht das Wehe des Pro, pheten Jsaias treffe, da er spricht: Wehe denen die Böses gut, und Gutes bös heis, sen; die aus Finsterniß Licht, und aus Licht Finsterniß machen, die aus Sauer Süß, 19 Süß, und aus Süß Sauer machen. Jsai. 5. V. 2v. Nun ich will Ihr verwirrtes Zeug, ein wenig aus einander wickeln. Also Gott ein Rächer, und Gott, der Böses mit Bösen vergelte, ist Ihnen ei» nerlei? Sünden strafen, und der Sünder muß dafür von Gott Rache( in Falschen Sinn) befürchten heißt bei Ihnen auch gleichviel? Sehen Sie, Herr Goliath, wie verwirrt Sie denken! Zch muß Ihnen also sagen, daß dieß zwei ganz verschiedene Sachen sind. Gott ist Richter, und Bestraffer des Bösen, aber kein Rächer. So lehrt Hr. Wiser, so die ganze vernünftige Welt. Würde Gott sich rächen, so würde er sich selbst suchen, und Wohlgefallen haben, an unserem Unglücke. So aber straft er den Sünder, um der Sünden willen, damit dieser sich bessere, und es ihm wohl ergehe hier, und dort; und weilen es darum geschieht, so ist es Liebe, und keine Rache, wie Sie es nen, nen, oder anwenden; welches aber ohne Tugend, und Gutes thun nicht seyn kann. Verstehen Sie mich wohl?— Ich kenne keinen Prediger der die Leh, re von Strafen Gottes und seiner Gerecht b L tig: »v--------------- tiykeit in ein helleres Licht gesetzet,«nd dadurch die Herzen von Bösen so mächtig zurückgeschreckt hatte, als Hrn. Wiser. Ich erinnere mich, daß er in zwei Predigten nach einander, dieses zu allgemeiner Be« rukigung aller aufrichtigen, neidlosen und Erbauung suchenden Christen ausführte. Er hat einige Sonntage darauf— es war der vierte Sonntag im Advent— als er seine gewiß sehr rührende Bußpredigt hielt, das, was er vorher von den göctlichenStraft fen lehrte, in einer Parabel kurz, und recht zum Anschauen zusammen gezogen.— Ich selbst war damals unter den Tausenden, die sich der Thränen nicht enthalten konnten. Ich merkte aber gleich, wohin die schöne Parabel ziele, und daß sie eine klei« ne Predigt— in der Predigt ausmache. Lesen Sie also die Stelle und lassen Sie sich die Augen öfnen; denn sie ist noch mein Trost, und Freude, wenn ich dieselbe lese. Ich will sie ihrer Vor« treflichkeit wegen ganz hieher sehen.„ Im- „ mer schwebt ihm der Gvtt-Nächer „ vor Augen, und erfüllte seine Seele mit „ Bangigkeü, die an Verzweiflung grenz- „ te, und eine wahre Hölle in seinem Bu- „ ftn 21 „ sen entzüirdete. Nun kam er von un- „ g-fahr in eine Predigt, und hörre da „ von götrlichen Straffen reden; hörte daß „ Gott im eigentlichen Verstände, wie er „ sichs bisher vorstellte, nicht strafe;—- „ daß er nicht strafe, um zu strafen, son- „ dern damit die Menschen zur Besserung „ gelangen;—daß jede böse Thac unaus- „ bleiblich böse Folgen, die eben die Stra« „ fen sind, entweder auf der Stelle, oder „ spater hin, oder auch in der Ewigkeit „ nach sich ziehe, von denen man nicht „ befreiet werden kann, bis die Ursache „ derselben, nämlich die Sünde, von dem „ Menschen aufgehoben ist;— hörte, daß „ diese Einrichtung Gottes höchste Güte „ gegen die Menschen ist, um sie so, auch „ durch solche harte Mittel, so es Noth „ thut, von der Thorheit zurückzuziehen. „ Da ging auf einmal ein Acht auf in „ seiner Seele. Zwar hörte er den Pö- „ bel um sich her sumen, der, mit eben „ seinen finstern Vorurtheilen angesteckt, „ Gott in seiner Aebenswürdigkeit, auch „ auf diese Vorstellungen hin, noch nicht „ denken konnte. Allein, das Acht, das „ wahrend jenes Vortrags wie ein Blitz- bz„ strahl 22 „ strahl durch sein Innerstes fuhr, hatte „ mächtig ihn erschüttert. Immerschön „ len ins Ohr ihm die Worte des Red, „ ners: „ Gott schwur, „ So wahr ich leb', ich will den Tvd des Sünders nicht! ,, Du Staub, bekehre dich! „ So lebst du! „ Und dein Gott, dein Gott bin ich. „ Da wards ihm warm ums Herz! „ Da stürzte die Thräne! Jetzt erschien „ ihm Gott in seiner ganzen unverändert „ lichen Vaterliebe. Vorher dachte er „ ihn als einen ergrimmten Herrn, als „ ein zwar mächtiges, aber leidenschaftli- „ ches Wesen: tzt fängt er an ihn als „ den siebenden zu denken, der herzliches „ Mißfallen hat an der Sünde um un- sert willen. Vorher bildete er sich ein, „ Gott fahre bei seinen Züchtigungen will« „ kürlich zu, und der Mensch könne ihn „ also wieder leicht durch Opfer bestechen: „ jetzt sieht er ein, daß nur Besserung „ ihn der Gnade Gottes empfänglich ma' „ che. Vorher dachte er die Stra- „ fen bei Gott als Zweck: jetzt als Mit- „ tel. Ehedem kamen sie, nach seiner „ Borstellungsart, aus Rachsucht her: „ nun sind sie ihm Weisheit und Güte. ,, Vorhin erschien ihm Gott als Zucht, „ meister: jetzt als weiser Erzieher. Vor, „ her als grämlicher Despot: jetzt als „ Vater." Was sagen Sie zu dieser Steile Hr. Licentiat? Wie wirds Ihnen um die Augen? Noch nicht genug? Auch in der von Ihnen so boshaften gedeuteten zweiten Pas, sionspredigt lehrt der Prediger ebenfalls S. 52. daß Kott aus eifrigster Sorgfalt für unserer Glückseligkeit die Natur der Menschen und der Dinge so einrichtete, daß auch die kleinste unserer Vergehun- gen nicht ohne üble Folge bleibt, die bald oder spät uns treffen, und es uns fühlbar machen, daß wir thöricht gehandelt hatten; daß wir sogleich eben dadurch v on eigener Zerstöhrung unserer Glückseligkeit zurück» gehalten werden, und zur Tugend weiser werden möchten. Wie ist es möglich, daß nach so deut, lichen Erklärungen, wie Gott den Sünder strafe» und warum er ihn strafe,—„ daß b 4 Fast, Fast, Promobsky noch sagen kann: Nach Wiftrs lehre straft Gott nicht, kann nicht strafen." Glauben Sie denn ganz, Wi- ser sey so blind an Geist, wie Sie, daß er nicht mehr deutsch versteh-? Aber Sie wollen eö nicht verstehen; denn sonst hatt ten Sie nicht eine so schöne Stelle des Predigers verdrehen, und gerade das Gegentheil heraus bringen können.„ Chrft „ stcn! sagt Wiser, welche Gott mit so „ fürchterlichen Farben abschilderen, als ob er ein Despot wäre, der nur mit „ Feuer und Schwert dareinschlage, und „ die Sünder mit willkührlichen Strafen „ verfolge, entehren, lästern, schän, „ den die Religion, schänden die Mensch, »r heit."^S. 5.)—Und Sie sagen dar« auf:„ Nach Wisers lehre straft Gott nicht, kann nicht strafen." Sie wollen also haben, daß Gott ein Despot ist, der nur mit Feuer und Schwert dareinschlägt, und die Sünder mit willkührlichen Gtra, fm verfolget?— Nun so mag Ihnen das zur Warnung dienen, was in der obi' gen Stelle weiter folgt: Sie entehren, und lasiern Gott, schänden die Religion, schänden die Menschheit» Herr Wiser will will die rvtllkührlichen Strafen, deren ich keine bei Gott noch gefunden habe, wegräumen, will nicht gestatten, als ob Gott nur so mit saune, wie ein Despot, oder ^us Wohlgefallen daremschlage.— Sie antworteten darauf so unschicklich, und bösartig, und sagen:„ Also, straft Gott gar nicht das Böse?" O wie pharisäisch ist das! Zittern Sie nicht, wenn Sie von unserm Prediger hören: daß jede böse That unausbleiblich böse Folge» nach sich ziehe, die eben die Strafen sind? Was für eine gebührt Ihnen nicht für Ihre Wortverfälschung? Ich will Ihnen selbe nicht diktiren; dann ich bin nicht Ihr Richter, sondern will Sie ihrem Schicksale überlassen, und für Ihre Er« leuchtung bei Gott bitten. Oder sagen Sie mir, giebt es bei Gott solche Strafen, wie etwa bei einem weltlichen Richter? Von Herrn Wiser hatten Sie diesen Unterschied wohl lernen, und sehen können, daß die Strafe des Bösen, schon in dem Bösen selbst unausbleiblich liegt, daß al, les, was nicht Folge des Bösen ist, und mit ihm in Verbindung steht, den eigentlichen Namen Strafe nicht verdiene: und b 5 daß 26 daß auch zufällige Unglücksfalle, Feuers- brunsten, und vergleichen nur in sofern S rasen Gottes heiffen können, als sie in den' jenigen, welchen solche zufällige Unglücksfalle treffen, eine Schuld voraussetzen. So lang Sie diesen Unterschied nicht begreifen, ist alles lauter Finsterniß in Ihrem Kop, fe, und bleiben ein Blinderund der-Blin, den Führer.— Wohl Ihnen, wenn Ihnen einmal das Licht aufgehet! Sie dürfen sich nicht schämen, Hr. Licentiat, diese kleine Lektion von mir anzunehmen, Sie, der Sie mich in die Schule schicken wollten. Ich lasse die Welt urtheilen, ob nicht der Schuster Ihnen die ächten Be, griffe von Gott, und göttlichen Strafen vorbuchstabiren mußte. S. 8 führt der Herr Autor meine Worte an, wo ich sage, daß Gott die Rache nicht anstehe; weil sie mit Eifersucht, Eigennutz, Cbrgeitz, und anderen Leidenschaften verknüpft sey. Darauf erwiederte der Hr. P. P.—„Hier verräth der „ Meister seine Unwissenheit, er weiß „ nicht, was rächen ist, so soll ers ler- ,, nen: Rächen ist sich selbst, und andern „ Genugthuung zu verschaffen, die der ,, Be- „ Beleidigte selbst nicht leisten will, und „ weil dieses geschehen muß, so ist es für „ ihn eine Pein, und Strafe." Da zeigt nun Hr. Fast, daß er ganz verwirrte Begriffe von der Rache hat. Ich will Ihn seiner Unwissenheit überzeugen. Rachen wäre also nach Hrn. Fast sich selbst, oder anderen für die angethanen Unbilden die gebührende Genugthuung verschaffen. Also ein Advokat, der einem Processe wider einen Unterdrücker der Unschuld führt, und der Richter der für die Unschuld spricht, haben sich gerochen? Wo in der Welt giebts solche Rechtsbegriffe? Bekennen Sie mir ihre Unwissenheit. Ich muß es Ihnen schon besser sagen, was Rache ist. Rache heißt, mit Wohlgefallen, und Vergnügen an MenschenBeleidiyungen durch Schmerz oder Anfügung eines Uibels erwiederen. Nun giebt es aber in Gott nichts dergleichen— kanns nicht geben: oder er wäre nicht mehr Gott. Denn erstens sagt uns die Schrift wohl hundertmal:„ Er habe kein Wohlgefallen über den Tod des Sünders, sondern, daß er sich bekehre, und lebe." Ezech. Ferner Ferner da Gott eigentlich nicht be, leidiger(das heißt) beschädiget werden kann, wie könnte er an Menschen Belei- digungen erwiedern? Beleidigungen, so die Menschen Gott anthuen, kommen mir vor, wie wenn ein Hund den Mond anbellet, der darumen doch nicht zu glänzen aufhöret. So schaden Gott unsere Ver- gehungen nicht.— Aber wohl uns, und darum straft er. Er der Allmächtige bleibt unabänderlich. Endlich Gott straft nicht um zu strafen. Er will also, wenn er züchtiget, uns nicht Schmerzen verursachen, um des Schmerzens willen; sondern damit wir wieder umkehren, und nicht der endlichen Folge der Sünde überlassen werden sollen. Also merken Sie sich Hr. Doktor! was rächen heißt. Meine Leser werden wohl merken, daß das, was ich bisher sagte, hinlänglich ist, die ganze Fastische Brochüre zu widerlegen, und daß es weiter nicht von- nöthen wäre, mit seinem dunkeln Verstand sich abzugeben: allein er fährt fort, die alten Beispiele fiir sich anzuführen, die ich schon in meinem ersten Stücke richtiger riger erkläret habe. Ich will also nochmal n.ic ihm Geduld haben, und die Beispiele durchgehen. Vor allen aber will ich anmerken, wie doch Hr. Fast, und seines gleichen nur für immer so gern bei dem alten Testamen, re stehen bleiben; um dem Schall nach die schrecklichsten Stellen herauszuziehen, und hingegen unser eigentliches Gesetzbuch, das neue Testament, fast gar verschweigen. Das sollte ein christlicher Lehrer nicht thu, en; denn ich habe es schon einmal gesagt: wir sind ja nicht mehr Juden.„ Ihr habt nicht, sagt der Apostel, den Geist -er Knechtschaft empfangen,-er euch «dermal in Zurcht setzt; sondern ihr habt -en Geist empfangen,-er zu Rindern annimmt, durch welchen wir alle rufen Ab- ba(Vater) Röm. 8-— 15- und Gal.4. ->—5. 2. Tim. 1, 7. S. 6 kommen Sie wieder mit dem Sturze der Engeln( wovon ich an seinem gehörigen Orte mehreres sagen werde) wie auch, daß sich Gott unseren ersten El" lern noch, ehe ste gesändiget, fürchterlich gemacht habe: daß das Blut Abe! um Ra« che geschrien. WeiterS die Austilgung der der Menschen durch die Sündfluth. Und daß der gute Heiland uns versichert, daß wir für jedes muffige Wort werden Re, chenschaft geben müssen. Daß sich Gott unseren ersten Eltern fürchterlich gemacht habe, ist nur Ihre kurzsichtige Meinung. Macht sich denn ein Vater darum seinen Kind fürchterlich, wenn er ihm aus Liebe den Befehl giebt: Esse diese Beere nicht, sie sind giftig. Daß das Blut Abels um Rache geschrien, sagt die Schrift, im ersten Buch Mosis 4.— io. daß aber Gott Rache an Cain verübt hatte, sagt sie kein Wort. Sondern nachdem Gott dem Cain sein Opfer verworfen, und er seinen Unmuth sah: machte er ihm( um von seinen bösen Vorhaben zurückzuhalten) einen Muth, daß er an seiner Liebe nicht zweifeln sollte, und sagte: Thust du gut, so wirst du deinen Lohn empfangen; wenn du aber Bö- ses thust, wird dann nicht alsobald die Sünde vor der Thüre da seyn? Ihre Begier, de aber wird dir unterworfen seyn, und du sollst über sie herrschen; aus dem nämlichen Buche 4—7. Weiters, nachdem Cain seine Herrschaft, die ihm gegen seine «« Begierde gegeben ward, nicht brauchte, und seinen Bruder Abel erschlug; wie verhielte sich Gott, um den Cain zu zeigen, daß er kein Rächer seye? Er belegte ihn mit einen Zeichen, und gab noch seinem zaghaften Gemüth Trost, und sagte(um sein liebes Vaterherz gegen ihme auszuschütten) Wer den Eain todten wird, der soll siebenfältig gestrafet werden. Also redet nun ihr Kinder Gottes, ob wir nicht blosse Lieblinge Gottes sind? Wenn wir auch schon Böses erfahren; denn das Böse kommt von der Sund, und die Sünd kommt von uns, und nicht von Gott im wahren Verstände. Von den Sünd- fluch werde ich auch an seinem gehörigen Orte reden. Jetzt folgt der Spruch Chri« sti, welcher, wie Sie untrüglich glauben, uns eine göttliche Rache darstellet. Da er sagt: daß wir für ein jedes müssige Wort werden Rechenschaft geben müssen. —^ Hr. Promovsky! Sie geben schon wieder zuerkennen, daß sie nicht wissen, wo« von die Rede ist. Daß wir Gott Rechenschaft geben müssen, darüber wurde nie gestritten, Rache, Rache zeigen Sie, rach- eifriger Herr! Zugleich geben Sie aber auch auch zu erkennen, daß Sie den angeführt ten Text gleichfalls nicht verstehen: so will ich die Mühe auf mich nehmen. Aber sagen Sie, Hr. Fast, wie verstehen Sie diesen Spruch? Ich möchte gern, daß Sie sich einmal recht erklärten: meine Meinung ist diese; durch die muffige Worte verstehe ich keine andere, als jene, welche unnütz sind, und Wahrheit und kiebe verstellen. Zum Beispiele unrichtige, oder schläferige Belehrung im Glauben, Wortverdrehun^ gen, kügnerei, Verlaumdungen gegen fromme aufgeklarte Männer, boshafte Gerüch, te,. die man wider dieselbe in die Welt ausstreuet: auch derlei Worte, wie Sie nur gar zu viele verschwenden, um die keute im Glauben irre zu machen, und ihnen zugleich Aergerniß geben. Dafür werden Sie Rechenschaft geben müssen; wie( um dieses Ihnen wieder in einen Beispiele, das heißt, in Ihnen selbst zu zeigen) ein solches Gerücht über Ihre falsche»«gegründete kehre und Gottes Entehrungen, schon hier ergehet. S. 7 Fragt mich Hl. Promovskn, ob ich dann von Gott edler denke, als David, da er ihn in seinen yz. Psalm einen Herrn 3? Herrn einen Gott der Rache nennet?— Ich antwortete erstens: Unterschieben Sie dem König David nicht ihre eigene Ge, danken; denn er hat von Gott würdiger gedacht, als Sie. Und wenn Sie darauf bestehen, David habe durch jene Benennung Psalm 93 Gott wirklich Ehrentitel beilegen wollen: so antwortete ich zweitens: Gott wird im 93. Psalm ein Gott, ein Herr der Rache genennt. Wenn aber David Gott einen Herrn der Rache nennt, so ist er ja darum nicht die Rache, sondern nur Herr über die Rache. Es woh- net auch darum die Rache nicht in ihm, weil David dieses sagt. Es ist auch nur darum gesagt, daß wir nicht selbst Rache nehmen sollen über unsere Feinde: sondern Gott das Gecicht überlassen, und verzeihen sollen; wie ein solches gar schön der heil. Paulus zu den Röm. 12.— 19. anmerkt, da er sagt: „ Mein ist die Rache, ich werde es vergelten, wieauch im 52tenMos. 32— 35- V. Sie aber ziehen schon wieder aus diesem Spruche Gift, und sagen darauf: daß also die Rache Gott ganz eigen ist." O verkehrter Schriftgelehrter! wie lange soll c ich 34 ich mit Ihnen Geduld haben? Lesen Sie aber auch in dem nämlichen Buche za, n. „ Wie ein Adler seine Jungen zumFlie, gen reihet, und über ihnen hin, und her schwebet; also streckte er seine Flügel aus, nahm ihn auf, und trug ihn auf seinen Achseln. Finden Sie nicht darin eine Liebe über alle Liebe. Wenn nun bei einem Volke so süsse Ermahnungen nichts fruchten, und sich von ihrem Gott abwenden, und andere Götter anbeteten, und sich von ihrem wahren Gott nicht zurückrufen lies' sen; in was für einem Tone soll er ihnen rufen, als in einem empfindlichen, und rauhen Tone, welcher aber mit größter Liebe verknüpft war. Denn so lang uns Gotc ruft, ist es Liebe, und wenn es auch rauhe Worte sind. Denn auf hgr^e Stei- ne müssen schwere eiserne Hämmer fallen, um sie zu zerschmettern; es müssen»ch die Lehren aufdas Volk schicken, und nicht jenes Volk damit angreifen. und belästigen, welches noch ein biegsames, und nicht unempfindliches Herz hgr; denn wir sind keine Jsraeliter, welche Zeichen und Wunder, wie sie mit Augen sehen, wir sind keine Wölfe, und Baren, sondern meistens Läm» 2s Lämmer, welche auf den Wink ihrer Hirten folgen, wenn selbe anders ihre biegsame Schäflein nach dem Willen Gottes zu weiden verstehen, und ihnen eine Gleichheit von der wahren, und Affen Letzte Jesu vortragen lassen, oder besser zu sagen, keine Miethlinge sondern Hirten nach dem Beispiele Christi zu seyn sich bestreben. Sie sagen also, daß durch die Rache Genugthuung verstanden werde. Und weilen Gott dieses von uns verlangt: so kann es nach ihrer Meinung Rache genennt werden. Ja mein Hr. Promovsky! Ein Go- liakh kann sich freilich so lang Genugthu* una verschaffen, bis ein David über ihn kommt, der ihn erlegt.— Allein da es auf vollkommene Genugthuung, welches bei Ihnen Rache genennt wird, ankömmt: kann es dann seyn, daß Gort dem Menschen, nachdeme er so vielfältige Laster begangen, ihm in seinen letzten Augenblick Gnad ertheile, und zu sich aufnehme? Ein solcher hat ja nach Ihrem Verstand nicht genug gethan? Oder wie kommt es dann, daß die zwei Schächer an dem Kreuz, welche für ihre Laster genug thaten, nicht beide zur Seligkeit gekommen? Nicht c L wahr? Z6---------------- wahr? Sie werden sagen, der rechte Schacher hat seine Augen auf Christum ge^ wendet, und auf seine Güte, und Liebe gebauet» und Gnad erlanget. Da sehen Sie, wie unvollkommen Ihre Lehre, und Meinung von Gott ist. Wie kann ich aber einen solchen Gott einen Rächer heis, sen, der bereitwillig ist mir meine begartt gene Laster zu verzeihen, wenn ich ein reuvolles Herz habe? wenn ich meinen bösen Sinn andere?(das ist) wenn ich mich ernstlich bestrebe, die begangenen La« ster zu meiden? Wie kann ich ihn anders nennen als Liebe? Der also vor eine Ge- nugthuung annimmt, was wir thun können? Der uns also so freundlich durch den Propheten JsaiaS zuruft:„ Fürchte dich nicht! denn ich habe dich erlö' set, und dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein 4z. i.— 12. Und abermal: deine Ungerechtigkeit habe ich wie eine Wolke, und deine Sünden wie einen Nebel vertilget; kehre wieder zu mir, denn ich habe dich erlöset" 44. 22. Darum lastet > uns alle Gott anbeten, als die blosse Liebe. Wir wollen aber wieder auf unseren Gott hinsehen, und seine Gerechtigkeit mit, und und durch die liebe betrachten. Da se- hen wir, daß ihm kein Sünder zu groß, welchen er nicht, in demselben Augenblicke, da er zu ihm ruft, verzeihen wolle. Ja, «r ladet ihn noch zu seinen Freudenmaht ( welches ein gutes Gewissen genießt) ein, er versichert seiner lasier in Ewig-" keit nicht mehr zu gedenken. Unser Gott also nimmt nicht eine Schwere, damit er eine andere auslegen könnte. Denn der Heiland sagt:„ Mein Joch ist süß, und meine Bürde ist leicht." Wenn also der Herr von uns Sinnesänderung und ernstliche Besserung will, und dieses schon im alten Testamente von dem Menschen verlangt: ist also die Genugthuung eine Rache zu nennen? Da sieht man ja klar ge- nug, daß es in dem Begriffe von Gott, und der heil. Schrift bei manchen Schrift' auslegern weit finsterer, als bei den Heiden aussehe. Ich sage Ihnen aber, wer nicht nn Stande ist, die liebe Got' teS aus allen Stellen der Schrift zu erkennen, und zu kehren, und seine liebe, als den Kern derselben, nicht einsieht, um selbe anzuwenden: oder selbe verhüllen will, der kann wirklich unter die Pharisäer, und c z Sa- 38 Saduzäer gezahlet werden, von welchen Christus sagt:„ Wehe euch ihr Gesetz, lehrer, und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschliesset den Leuten den Eingang inS Himmelreich, ins Reich der Wahrheit, ihr kommt, selbst nicht hinein, und läßt auch die nicht hineinkommen, welche wollen!" M. 2Z. IZ. Ul,d solche Lehrer haben wir genug. Lieber Gott! welche, wenn sie nicht wei, ter können oder wollen, bei dem Buchst«, ben stehen bleiben, und die reine Lehre der Schrift, so thöricht(oder besser zu sttt gen) so listig darstellen, daß sie den Pha, risaern in allen ganz gleichförmig sind. S. 14.sagt Hr. Promovsky:„Ich „ habe weiters in meiner Broschüre den „ Sturz der Engeln, als ein schröcklicheö „ Denkmahl der göttlichen Rache darge, ,, stellet, und sagte, nachdem sich die Sun- „ de unter die Engeln eingedrungen, so „ ließ Gott bald seine rächende Gerechtig- „ keit über sie blitzen, und donnerte die „ Hoffartigen vom Himmel in dem Ab- „ gründe hinab.— Weder Blitz noch Don- „ ner, erwiederte der Hr. Meister, hat ih" „ ren Fall begleitet. Worauf Ihre Ant- „ wort „ Wort folgte. Wie doch der Meister das „ Ding so gut weiß, als wenn er wäre „ dabei gewesen?" Ich antworte auf die. ses milder Gegenfrage: Waren dennS,e dabei Hr. Schriftgelehrter? Und obwohl ich nicht dabei gewesen» so kann ich doch Ihrem Schröckenmlde nicht glauben, weilen ich weiß, oaß tVie ein bloßer Wettermacher sind! Wie wollte ich glauben, daß der Herr ihr Gott viel Umstände mit ihnen gemacht habe; er wußte ja, daß er an ihnen nicht Hand anlegen durfte sie hinunter zu werfen; wei' len er versichert war, daß die Schwere ihrer Sünde hinlänglich genug seyn würde, sie hinunterzuvrücken. Allein, da Sie mir sagten: sie erwählten nicht die Tiefe, sondern die Höhe; kommt mir jetzt vor, als wenn Sie selbst nicht recht wüßten, was Sie sagen. Sie merkten aber an S. r6 den Spruch des Propheten Jsaias, da er sagt:„ Wie bist du o Lucifer vom Him- „ mel gefallen, der du in deinem Herzen „ sagtest: Ich will in den Himmel hin. „ aufsteigen, über die Sterne Gottes will ,, ich meinen Thron erhöhen, ich werde „ auf dem Berge des Bundes sitzen, auf c 4 den 4« „ den Seiten des Aquilons; ich will über „ die Höhe der W lken hinaufsteigen, und „ will dem Allerhöchsten gleich seyn." J,ai. 14. ls.^ 14- W ssen Sie aber Hr. Ausleger der Schrift, daß Jsaias durch solche Rede nicht das sag n wollte, was Sie sagen? nam, lich um die Rache Gottes da zustellen; sondern seinem Volke gleichsam in einem Srnbilde darzustellen, daß er aus siebe vor sie die hoffartigen Babilonier zerstreuen, und sie dem Schicksale ihrer Sünden( nach- dem er sie lang genug bewahret) gleich denen bösen Engeln überlassen werde.— Dahero bliesen die Propheten die Posaunen, wo Sie blasen sollten. S. 17 wollen Sie erweisen Hr. Pro, rnsvskn, daß eS wirklich bei dem Sturz der Engeln geblitzethabe, und sagen:„ Weil „ der Schuster keinen Blitz beidiesemStur> „ tze leiden will, so höre er Christum, „ welcher sagt: Ich sahe den Satan wie „ einen Blitz vom Himmel fallen.^ suc. ic>.— i8. Jetzt kann ich mich des sa« chenS nicht enthalten!— Da kann man sehen, was Sie für einen Begrif von der Schrift haben: so wird Christus und die Pro» Propheten von Ihnen Hr. F. in Ihren Schriften behandelt; da sieht man, wie Sie den Himmel vor eine Baßgeige ansehen. So muß Ihnen halt schon wieder ein Schuster den rechten Weg zeigen! Christus wollte durch den Blitz nichts anderes sagen, oder anzeigen, als die Ge, schwindigkeit, und daß es ohne allen Auf, enthalt, ohne Donnerwetter, ohne einige Ceremonie geschehen seye. Und um des Himmels Willen lesen Sie doch, bei welcher Gelegenheit Christus dieses sagte, so werden Sie siuden, daß es damals geschah, als die Jünger von ihrer ersten Mission zurückgekommen, und dem Meister voll Freuden von dem glücklichen Hergang ihres Lehramtes erzählten; und daß auch sogar die Teufel in seinem Namen ihnen Unterthan gewesen. Worauf denn Christus sich über den schnellen glücklichen Fortgang seiner Lehre freute, und zu verstehen gab, daß das Reich des Satans sehr Lald werde zerstöret werden. Wo ist hier von Sturz der Engeln nur der entferntste Gedanken? Ich sage Ihnen, wenn Sie mit einem solchen Der, stand ein Schuster waren, wie Sie die c 5 Bi- 42 Bibel verstehen: verschnitten Sie so viel Leder, daß Sie kaum aus zehn Fellen ein brauchbares Paar Schuhe heraus schneioen könnten. Mich nimmt demnach nicht Wunder, wenn Ihnen Hr. Wiser, oder sonst ein Gelehrter nicht antworten will; und daß Sie in meine Schustershände gefallen sind, daß müssen Sie sich nun selbst zuschreiben. Weiter auf dieser gelehrten Seite sagen Sie:„ Die göttliche Rache ergrif sie, die bösen Engeln, und schleuderte sie mit aller Macht in dem Abgrund." Wieder ein neues Gedicht von Hrn. Fast. Es ist zwar wahr, der böse Engel konnte sich in eine Schlange ver- wandelt haben, welche sich um den gött- lichen Arm schlingen könnte: also war es nothwendig, daß er sie mit aller Macht hinunterschleuderte; denn der Willen Gottes allein wäre nicht hinlänglich genug ge- Wesen sie hinunter zu stürtzen: sonder» er mußte nych Hand anlegen, und Gewalt ausüben; sonst wäre er noch im Himmel. Judas also mußte sich auch in,die Reihe her bösen Engeln, auf Befehl des Hrn. F., Einstellen, damit er der göttlichen Rache vor unsern Augen ein Opfer brin- 43 bringen könnte. Indem Hr. Fast auf der nämlichen Seile von den bösen Engeln sagt, was Christus von Judas gesagt hatte: daß es besser gewesen wäre, wenn er nicht ge« bohren worden wäre; und noch wiederholt: für sie wäre es besser, nicht aber für die Gerechtigkeit, die auch ein ewiges Opfer ihrer Rache haben solle. Daß es besser gewesen wäre, wenn Judas nicht gebohren worden wäre, lasse ich zu: gleichwie es besser wäre, wenn Sie kein Schriftgelehrter geworden wären. Christus sagt auch in einer andern Stelle: daß so wenig ein Reicher in Him, mel komme, als ein Kameel durch ein Nadelöhr springen kann; da aber seine Jün' ger ihn fragten: Wer wird dann selig werden? Gab er ihnen zur Antwort: bei de, nen Menschen ist es zwar unmöglich, bei Gott aber ist es möglich.— Damit wir aber wieder auf das Op« fer, welches die göttliche Rache haben soll, und welches neue Opfer Sie uns erst entdecket haben, kommen, so frage ich Sie, ob Sie ihm ein solches Opfer bringen wol« len?— Dann ich sage Ihnen, daß Sie durch solche Lehre alle Jrrlehrer weit über- treft 44 treffen; denn keiner ist in seinem Irrthu, me noch so wett gekommen, daß er sagte, Gott nehme um seine Rache zu sättigen seine Kreatur, die er aussiebe erschaffen, und hernach aber um seine Rache zu satti- gen in die Hölle begraben hatte. Es müsse so seyn; wenn, wie Sie sagen, seine göttliche Rache ein Opfer haben soll; denn keines, was Gott haben soll, kann ihm genommen werden. Dadurch litten wir Gewalt, der freie Willen wäre weg, und seine siebe müßte pure Blendung seyn. Ich will Sie hierüber nicht in die Schule,— sondern auS der Schule führen, wo Sie so übel belehrt werden. S. i8. kamen Sie über die heilsa» me Strafen, und führen zu ihrer Bestät- tigung an S. 19. den Spruch Ekleßastici 4c,. r.—7. allwo von zeitlichen Müheseligkeiten gesprochen wird, und daraus wol, len Sie uns Strafen zeigen: aber doch heilsame; nun alles was heilsam ist, ist vor uns gut, folglich siebe. So muß auch ein Kranker, widerstehende Arznei gebrauchen; um seine Gesundheit wieder herzustellen. Ist dieses Straffe— oder siebe? Weiter will uns Ekles, hierdurch 45 durch nicht beschwerlich fallen, wie Sie: sondern er will jenen zeigen, welche in das Zeitliche vertieft sind, daß sie ihre übermäßige Begierden damit unterdrücken sollren; damit sie nicht etwa das Zeitliche samt dem Ewigen verliehren. Aber Hr. Fast denken Sie bei diesen seynsollenden Strafen, auf den Un« terschied der Strafen, die nothwendig aus den Bösen selbst folgen, und die noch zu' fälliger Weise oft das Böse begleiten. Und da diese letzteren nicht immer die Schuldigen: sondern, und zwar meistens die Unschuldigen treffen; wie zum Beispiele bei Überschwemmungen, Kinder und Saug, linge hinweggerafft werden: so sagen Sie mir, ob diese Uibel für jene Unschuldigen auch Strafen, nach Ihrem Sinne sind? S. 20 sagen Sie:„ Wenn derHr. „ Schuster lieber auf das Wort Gottes ,, Acht hätte, als auf seinen eigenen Dun' „ kel:( ich will aber dieses Wort aus, „ besseren, und will sagen Dünkel) so „ würbe er bald anders reden. So höre er also den Herrn, er sagt nicht wie „ unser Schuster: weil dir das seiden „ inskünftige gut ist, und du dir diesen ,, Weg 46 „ Weg selbst gebahnet hast, so sollst du „ leide»; sey gutes Muths dabei." Aber Herr Promovsky hören Sie, was Ihnen der Schuster sagt. Wenn der Hr. Promovsky doch das Wort Goc' kes besser verstünde, und nicht von seinem eigenen sich selbst widersprechenden Verstand verführen ließe: so würden Sie mei, ne Worte auch verstehen, und selbe nicht so hämisch vor Augen stellen. Allein Sie mögen Texte aus der Schrift anführen, woher Sie wollen: so sind Sie nicht im Stande, uns von Gott eine Rache darzu- stellen, im eigentlichen Wirklichen verstand; weilen Sie nicht einmal wissen: was Fluch oder Verfluchter sagen will( welches ich Ihnen in meinem Zweiten Stücke zeigen mußte) wenn ich also nach Ihren verwirrten Sinn, oder sehre denken sollte, wo würde ich hinkommen! Nämlich daß Gott ein Rächer seye:— ich würde sagen, mein Gott, wäre ich lieber nie gebohren worden! Was kann der Sohn vor seinen Vater Adam, welcher gesündiget, und daß du uns gebrechlich gemacht hast, daß wir alle in der größten Gefahr in deine rächende Hände zu fallen stehen!— Ja was sage ge ich zu fallen, ja wirklich gefallen sind? Ich sehe in, und außer mir laurer Rache, Zorn und Strafe: die Erde bringt nur ihre Früchte, damit ich langer erhalten, und die Rache Gottes sich an mir sättigen könne; der Herr unser Gott wußte ja, daß wir Sünder werden.— O! wie arm» selig sehen wir aus: si) viele tausend Men« schen leben,— und, aus diesen werden so wenige selig! Der Reichthum ist nach Ihrer Aussage zum Verderben. Die Ar« muth bringt mich in Verzweiflung: alles ist mir peinlich, Leben, und Tod; denn seine Liebe muß auch gar oft seiner Ge« rechtigkeit weichen, wie Sie in J^em zweiten Stücke sagen: Und wenn jene, die nicht getauft sind in ihrer Kindheit dahinsterben, hat sie die göttliche Berechtig, keil,( da ich sie unschuldig zu seyn glaub, te), schon ewig schuldig gemacht, sagt Hr. Fast S. 20. Was für eine schöne, und trostreiche Lehre ist nicht das, möch, te aber doch von Ihnen Hr. Fast wissen: wo jene hinkommen, die ohne der Tauf dahinsterben? Zum Himmel haben sie nach Ihrer Aussage keinen Zuspruch, und in die 48 die Hölle können sie auch nicht kommen. O! Ihr arme kleine Geschöpfe, die ihr uns so viele Funken von der Fa- stisch- göttlichen Rache darstellet, was können wir uns versprechen! Jetzt wäre ich bald in eine Traurigkeit verfallen: aber ich erhole mich schon wieder; weil diesen kleinen Geschöpfen eben dieses zu Theile wird: was Christus jen'n verheißen, welche vom Auf' und Niedergang der Sonne kommen werden, und sitzen bei Abraham Jsaak und Jakob.—Aber wie weit sehen Sie Hr. Promovsky in die Urtheile Got' tes? Ja! Sie haben gar die Waage sei, ner siebe, und Gerechtigkeit abzuwägen, weil Sie sagen: Seine siebe muß gar oft seiner Gerechtigkeit weichen. S. 2Z folgt also die Sündfluth: allwo Sie wieder die Rache Gottes zeigen wollen, welche ich Ihnen zur Genüge widerleget. -.— Doch will ich eines nur im Vorbeigehen beantworten: da Sie fälschlich anführen, als wenn ick sagte, daß es fein langsam geregnet habe. Ich sage: daß es für Ihre sehre freilich besser gewesen wäre, wenn diese Menschen 49 in einem halben Augenblick ersoffen waren;, so könnte man so leicht keine viebe Gottes daraus erweisen. Aber ich muß 2hnen doch sagen, was Ihnen als einen grossen Schrift- Goliath wohl sollte bekannt seyn: daß nicht alle, die in der Sündstuth umkamen, auch darum alle verlohren waren: denn also lesen wir im ersten Brief P. 3 Hauptstück 19 V. Christus wurde Zwar dem Leibe nach yetödtet, aber lebendig gemacht durch den Geist; in demselbigen ist er auch hingegangen, und hat gepredigte den Geistern im Gefängniß.: sonderlich denen, welche einst nicht glaubten, da Gott nach seiner Lanymuth auf seine Besserung wartete, zu den Zeiten Noe, der das Schif zubereitete.— Wer erkennt nicht hieraus siebe über alle siebe? Unsere Theologen, die so gern die seute verdammen, sollen doch solche Sprüche ein wenig beherzigen. S. 24. Haben Sie zur Bestät igung der Rache Gottes den Text angeführet: «emlich, daß es Gott gereuet habe, den Menschen erschaffen zu haben, und vom innersten Herzenleid gerührt worden sey. Gen. 6. L. Auf dieses antworte ich Jh» v nen, 5v uen, daß es um der Aergernisse halber nöthig wäre, diesen Text zu erklären, damit man doch einmal auch gesehen hätte, was für eine Gottesgelehchnt Sie haben, oder Sie hätten ihn gar weglassen sollen. — Damit Sie aber sehen, daß Sie mich nicht damit irre machen: so werde ich meine Erklärung darüber geben. Daraus erkenne ich eine besondere Liebe Gottes; denn da man weiß, daß Gott nichts reuen kann: sondern die Schrift uns dadurch sagen will, daß wenn Gott Schmerz oder Reue, wie ein Mensch haben könnte, er «inen Antheil an ihren Untergang oder Schmerzen, welchen die Sünde nach sich zog, genommen hätte. Er zeiget auch dadurch an, daß er keine Freude an un- serm zeitlichen noch vielweniger ewigen Uibel habe; oder eine Rache an seinen Geschöpfen auszuüben dachte. S. 25. Ist der Hr. F. Autor mit meiner gegebenen Erklärung über Sodö- ma und Gsmorra nicht zufrieden. Er will durchaus einen Feuer, und Schwefelregen haben. Nun so muß ich Sie denn übermal zurechtweisen; mein erstes Stück S. 15. hätte Ihnen die Augen eröfnen sollen. Sagen muß ich Ihnen, daß es nicht von oben herab Feuer geregnet habe: sondern die von unten hoch aufstei- gende Schwefelmaterie, deren es häufig am todten Meer, der Gegend jener un- glücklichen Städte gab, bildeten den Zuschauern gleichsam einen Feuerregen ab. So fiel er in die Augen, und so erzählt auch die Schrift, die sich immer in ihrer Sprache nach der äußern Erscheinung und nach unsern schwachen menschlichen Vorstellungen bequemt. Jener Feuerregen kam also so wenig von dem Himmel, oder von der oberen Gegend herab, als zum Beispiele ein Regenbogen an der Decke des Himmels befestiget ist, ob es gleich unsern Augen so scheint. Allein Herr Fast ist besonders darum mit mir unzufrieden, weil ich( wie er sagt) alle Sodomiker in Himmel hinaussetze. Wo sag ich dieß? Wo hat mir das von allem geträumt? Doch es sey. Ich setze die Sodomiten in Himmel hinauf: und Sie verdammen alle in die Hölle hinab. Wer aus uns beiden spricht vernünftiger, menschlicher, Gott geziemender? Die Worte unsers höchsten Richters, die Sie selbst aus huk. d»>o. ;r Iv—!2. anführen, daß es jenen Leuten erträglicher ergehen werde am jüngsten Gericht, als selbst den Städten Cho- rvzaim und Ketsaida, hatten doch Sie, wenn Sie nur ein wenig menschliches Gefühl hätten, auch ein wenig erträglicher machen sollen. S. 26 und folgende, rasoniren Sie so enbärmlich über die sogenannten«zyprischen Plagen, als wenn Sie sechsten mir jener Finsterniß umhüllt waren. Ihre Ohren hören auch noch immer das Geschrey der Frösche: aber die süffe Stimme des Herrn hören Sie nicht anders als Rache schreyen, und Sie wissen daher nicht, warum der Herr seine Plagen gegen Egypten so oft wiederholt habe. Eben darum sind Sie wie die Egyptier zu be, daüeüi. S.-8. Höre ich mein besonderer Lob, weil ich Gott nur Liebe und keine Rache zulasse. Sie sägen: daß Sie nicht glauben können, daß jemals ein Mensch auf Gottes Erdboden so einfältig geredet habe, der so gar Strafen und Plagen Liebe heisst. Ich sage Ihnen aber, daß ich j» meinem Leben nicht geglaubt hätte, daß 53 8. ein Schriftgelehrter wie Sie so unschicklich solches behandeln und widersprechen wär- de; denn Sie wissen nicht einmal, was Sie sagen, indem Sie Gott qls einen Tyrannen schildern. Und weil Sie sagen, daß niemand so einfältig gesprochen habe als ich, weil ich die sogenannten Strafen Gottes nur als siebe erkenne: so lasse ich statt meiner den Apostel Paulus reden, der im Briefe an die Hebr. Kap. 12. V. am 5. bis i2 also schreibt: 5. V. Ihr habet des Trostes vergessen, welcher zu euch als Kindes redet, und: Mein Sohn! achte die Züchtigung des Herrn nicht für gering, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. 6. Penn w«i der Herr liebt, den züchtiget er; und er geißelt einen jeden, den er zum Sohne aufnimmt. Sprüchw« Z, II,!2. Offenb. Z, 19. 7. So verharret nun in der Zucht. Gott erzeigt sich gegen euch wie gegen seine Kinder: denn wo ist irgend,«in Sohn, den der Vater nicht züchtige? 54 8. Wenn ihr aber ohne Zucht seyd, derer sie doch alle theilhaft geworden sind: so seyd ihr unehliche und kerne achte Kinder. y.^ Zudem, wenn wir unsere leib, liche Vater, die wir zu Zuchtmeistern hatten, geehret haben: sollten wir denn nicht vielmehr dem Vater der Geister ge, horchen, damit wir leben? io. Jene haben uns zwar wenig Tage nach ihrem Willen gezüchtiget; die- ser aber thut es zu unserm Nutzen, auf daß wir seine Heiligung empfangen. n. Alle Züchtigung scheint zwar, so lang sie wählt, keine Freude, sondern Traurigkeit zu bringen: hernach aber bringt sie denen, welche durch sie sind grübet, die ruhigsten Früchte der Gerech- tigkeit. i2. Darum richtet die ermüdeten Hände, und kraftlosen Kniee wieder auf. Nicht wahr, der Apostel redet hier wie der Schuster! indem er die Züchti, gung Gottes auch nur für Liebe erkennet? E S. 29. Ist sehr schtzn zu lesen- wie nämlich der linke Sacher sammt seinem Kreuze in die Hölle gefahren: damals muß die Hölle grossen Mangel an Holz ge- 55 gelitten haben; weil dieser arme Schä-> cher, um ein Brandopfer für die Rache Gottes zu seyn, sein Kreuz selbst micbrin, gen mußte. S. zo. Will Herr Fast nicht, daß ich lustig seyn, und mich im Herrn er, freuen soll; und weil er mich mit seiner Rachlehre nicht davon abhalten kann: so kömmt er S. 31. mit der Furcht Gotte«, worauf ich antworte, Sie, der nicht einmal den Unterschied zwischen knechtischer und kindlicher Furcht Gottes wissen, verdienen weiter keine Antwort. S. 32, ZZ und 34. Bringen Sie eine schon zweimal gekochte und dreimal aufgewärmte Speise. S. 35. Machen Sie aus der Hölle eine Mausfalle, und fragen: wer dann dieselbe also gerichtet habe?— Dasteht man wohl, daß Sie ein rechter Spaßmacher sind; weil Sie zwischender Hölle und einer Mausfalle so viel Aehnlichkeit sehen. Wer möchte also nicht lachen über einen so lustigen Einfall? Aber Sie mein Herr Theolog! wie kommen Sie über diese theologische Mauöfalle? Sie d 4 könn» » 56 könnten ja einen vortresiichen theologischen Mausjallenkramer abgeben. S. 36, Z7. Habe ,ch sch^„ vorne beantwortet mit dem Spruch Christi; all- wo ,ch sagte: Verdamme nicht, so wirst du auch nicht verdammet werden. Zetzr kommt das Letzte und Beste. So jagen S.e, mein Herr, und führen S. 28, 2-, meines ersten Stucks an, worin ich mich nicht entblödete, Ihnen nach meines Herzens Aufrichtigkeit -u sagen, wie folget:" Weil Sie glau- „ den, die Sünde beschädiget uns nicht " auch Gort werde dadurch " oeschaqiget, und strafe uns Haupt- F, sachlich darum: so habe ich für dieß. „ mal mit Ihnen ausgeredet, indem ich „ glaube, es fehle Ihnen ich weiß nicht ,, wo.„ Sie scheinen meine heilsame Erinne, ring gefühlt zu haben; denn Sie erwiedern darauf ganz scherzhaft: Da hab ich nun meinen Trank S. 38. Mein Herr, 'ch hab ,n meinem Leben gehört, auf gehört ein guter Bissen. Sie sollen auch den von mir bekommen: Doch Doch ehe ich Ihnen diesen reiche, wollen wir Ihrer Ordnung zu Folge, sehen, ob denn meine nach erst berührte Stelle folgenden Worte gar so ohne Sinn und Verstand sind, wie Sie meinen, daß kein Mensch nichts daraus klauben kann. Meine Worte waren diese: „ Oder betrachten Sie die Sache nur „ von aussen, nämlich die bittere Schale „ welche den süssen Kern umfassen, und „ wollen den Kern für sich behalten und „ andern nur bittere Schalen verkosten las, „ sen?"— Was um Himmelswillen ist denn für Sie in dieser Stelle so dunkel? Sie als ein so tiefer Schriftverstandiger: der nicht nur die Geheimnisse des Glau, bens so scharfsinnig durchblickt, sondern wohl gar noch mehr Glaubensgeheimnisse schmieden kann und schmiedet, Sie, dach« te ich, hatten doch diese verblümte Redens« art sich sollen erklären können. So will ich denn also ohne Gleichnisse reden. Sie werden sehen, daß ich bloß Ihnen zu sieb mit Schonung und so verblümt geschrieben habe. Der süsse Äern;— ist der Grundsatz der Religion: Gott ist die Liebe; "-> die bittere Schale ist der Dunst, den d 5 fak- ;s falsche Schriftauslegungen um Gott he, rumgezogen haben, als nämlich Rache, Donner und Blitz, Schwert, Mord, Scheiterhaufen, Inquisition und dergleichen. Daraus ergiebt sich nun der Sinn mei, ner obigen Redensart. Ich traute dabei Ihrem Verstünde zu, daß Sie sich wenigstens heimlich gestehen, der Schustex hat recht mit seinem Satze: Gott ist die Liebe. Aber sagen muß man ihn den Leu" ten nicht so oft und so deutlich. Denn un- serSgleichen liegt daran, daß die seute fein hübsch in der Dummheit und Sklavenfurchr erhalten werden. Denn was käme auf die letzt heraus, wenn jener Satz recht allgemein würde?Wer würd dann mehr(uns) opfern?„ Wozu so prächtige Tempel, so kostbare Altäre, wohin mit dem Weih, rauch, mit so glänzendem Gottesdien' ste?*)" Wir müssen also immer recht von der Kanzel Herabdonnern; wir müs" sen den seuten Gott recht fürchterlich ma' chen; müssen über Aufklärung schimpfen und aufgeklarte Prediger verdächtig ma- chen. Und was wir auf der Kanzel nicht zu *) Herrn Promovsky eigene Worte in seinem zweiten Stucke S. r8- 59 zu laut sagen dürfen, wollen wir schon in dem Beichtstühle an Mann bringen. Sehen Sie, mein Herr, das ist die bittere Schale, die Sie den Leuten darbieten. DaS ist der Sinn meiner Gleich, nißrede, worauf Sie nach ihrer spaßigen Art sagen:„ Der Meister hat sich hier selbst nicht verstanden, und zeigt dadurch, daß es ihm unter dem Hute fehle. Das ist nun freilich so ein theologischer Rip» penstoß, wie man nur von Ihnen erwarten kann, und verdiente einen gleichlautenden Wiederhol!. Aber ich bin ein Eh, renmann und halte Wort. Ich habe heute in meiner Schleuder nur zwei Steine, der Wahrheit und Liebe, für Sie. Theolo, gische Komplimente, wie Sie schneiden, müßte ich von Ihnen lernen; und dazu hab ich keine Lust. Aber warten Sie noch ein wenig, ehe Sie den oben versprochenen Bissen zum eintunken bekommen. Sie sollen mir Stand halten. Da bleiben Sie stehen, Hr. Ritter mit der theologischen Lanze! Denn ich muß Ihnen noch ein Paar Worte bei Gelegenheit meiner so unverständlü chen Gleichnißrede vertrauen, sonst könnte 6r> Ihnen meine Erklärung selbst noch zu dunkel seyn.— Diese Lehre also, daß Gott die blosse Liebe ist, in alftn seinen Handlungen, es mag uns gut oder bös vorkommen, ist so wirksam, daß es unzählige Früchte hervorbringt. Als erstens lehrt sie uns, haß uns Gott aus keiner anderen Ursache und Absicht erschaffen, als aus blosser Liebe; und daß er nichts anders verlange, als unser Wohl. Zweitens, benimmt sie uns alle Kleinmütigkeit, und Mißtrauen auf seine Barmherzigkeit. Drittens Hat sie nur besondere Kraft und Wirkung auf un, sere Seele, daß wir Gott besser erkennen, und ihn lieben. Viertens, steinharte Herzen werden dadurch erweichet, und zu ei, nen guten und dauerhaften Lebenswandel gebracht. Es giebt uns Starke im Glauben und in der Hofnung, und entflammet in uns das Feuer der Liebe zu Gott und den Nächsten; es zeiget uns gleichsam einen Spiegel, in welchen wir unsere kleinste Mackel an der Seele ersehen. Es gibt uns wahre Weisheit, es vertreibt alle Thorheit; und macht uns zu sanft-und demüthigen Kindern Gottes» Es ist auch ei, ne ne Lehre, nach welcher sich alle Lehrer, die nach dem Beispiele Christi lehrten, sich richteten; eine Lehre, welche die nothwen' digste ist; eine Lehre, durch welche der Arie» de und wahres Vergnügen hergestellt wird; welche zur Duldung und allen gesellschaftlichen Tugenden aneifert. Diese richtige Lehre und Begrif war die erste, und wird auch die letzte seyn und bleiben. Und wer durch dieselbe nicht gebessert: wird auch un» gebessert bleiben. Sehen Sie wieder, daist der süffe Kern. Nun kommen wir wieder zur bittern Schale. Weil aber dieser Lehre so vieles von Seite mancher Geistlichen im Wege steht, als nämlich: Eigennutz, Starrsinn, Un' duldsamkeit, Unwahrheit, Dummheit, Nachlaßigkeit, Unfreiheit, Zwang der übertriebenen Lehre, eingebildeten Gottesdienst, Andächtelei, Betschwesterei, Möncherek, Wucher mit dem Dienste Gottes, Messen verkaufen, und noch tausenderlei Dingen, ( welche alle Steine des Anstosses waren, und welches Unkraut man so fleißig, so lan« -e her besorgte, und einpflanzte, daß es ein solcher Uiberfluß desselben worden, daß es den guten Wachen fast ganz erstickte, und 6s den Acker des Herrn in einen Unkrautgarren umstaltete): so muß also jene so heilige und unumstößliche Lehre( welche sonst nur von wenigen erkennt, anjetzo aber durch Beihilfe unsers allerbesten Monarchen, durch Abschaffung aller Mißbrauche unterstützt wird) nicht allein mit schelen Augen angesehen, sondern als ketzerisch ausgerufen werden; um die, welche noch im Nebel herumtap- pen, so lang als es nur möglich, in der Fin- sterniß zu erhalten. Allein es kommt die Stunde, und ist schon jetzt da, daß wir vom Schlaf aufstehen werden! Denn das Volk wird besser erleuchtet, die Redner der Wahrheit( welche ihr Haupt nicht emporheben dörften, aus Furcht der heil. Jnguifizion) werden beherzt, dem Volke die Wahrheit zu sagen; und sehen nicht darauf: ob sie von den Verlaumdern getakelt, oder-unge- tatelt bleiben. Denn sie können sich auch versichern, daß wenn sie eine Seele gewin» nen, die selbige nicht leicht verlieren werden! weil sie wahre Hirten nach dem Bei« spiele Christi, und keine Miethlinge sind. Denn sie treiben ihre Schäflein auf die beste Weide, allwo sie keinen Abgang in der wahren Sättigung finden werden: auf eine Wei« Weide, um welche der füsse Bach der Liebe kristalenklar fließt. Da nun die Lämmer ihre Wohlthat erkennen, sehen sie auf ih« ren holdseligen Hirten, und danken ihm für seine Wohlmeinung. Und sie sind nickt mehr von ihm zu trennen; weil sie seinen Wandel sehen, der mit seiner Lehre übereinstimmt. Allein was machen im Gegentheil jene, welche zwar den Titel eines Hirten führen: und Miethlinge sind. Sie verfolgen erstens jene Hirten mit pharisäischen Kunstgriffen; ( und was ihnen das ärgste ist: müssen sie se» hen, daß jemehr sie selbe verfolgen, je we- niger sind die Anhänger von dieser Lehre abwendig zu machen, sie leiden auch alles mit Geduld samt ihren Hirten) weiters, sie zei- gen auch ihren Hirtenstab, welcher einen Kolben*) gleicht, womit man die Ochsen weidet; und werfen mit demselben herum unter die guten Schafe, daß sie befürchten müßen, ob sie nicht ein Bein**) verlieren. Zweitens suchen sie bei diesen heran, nahenden Verlust ihrer Heerde nur noch ein paarmal die Wolle***) zu bekommen. Und ») Der Kolbe ist die vnoeschlachte Lehre. »») Da« Drin ist der Sän, r»r Webrh'it. "») Die Wolle find die klingende» Pfennige. Und drittens rufen sie ihren Schafen, daß Ile nicht auf jene Weide gehen, und von dem Bache der Liebe trinken sollten, mit diesen Worten: Rache, Rache werdet ihr hineintrinken, trauet nicht der Liebe. Allein getrosten Sie sich nur nicht, daß diele unschuldige Lämmer noch lange unter Jh- ren Bolden stehen werden: sondern sie wer« den gar bald, von Durst geplaget, von dem Bache der Liebe trinken, und sich von ihrem Rachgesckrei nicht mehr zurückrufen lassen. Also Hr. Fast essen Sie nun von der Tafel, zu welcher Sie sich selbst eingeladen haben; und trinken Sie von jenem Trunk, denn ich Ihnen schon zum drittenmal dargestellt; denn es wird mich freuen, wenn ich Ihnen nochmal einschenken kann. Ist nun genug eingeschenkt? Jetzt werden Sie bald den versprochenen Bissen bekommen. Denn Sie dauern mich in der That, mein Hr. Philister, daß Sie schon so lange auf Tunkbrod warten sollen. Also meine Behauptung, die Sünde beschädige nur uns— Gott werde dadurch nicht eigentlich beschädiget— und er strafe auch nicht hauptsächlich da- 65 darum; diese Behauptung will Ihnen nicht ,'n dem Kvpfe? Sie glauben also im Ernste, Gott werde durch die Sünde wirklich beschädiget? Das heißt: elend gemacht, ihm wird etwas dadurch von seinen Gü* lern entzogen, er büßt dadurch eine seiner Vollkommenheiten ober einen Besitz ein. Denn das heißt doch bei allen vernünftigen Menschen beschädigen. Sie müssen einen sehr gequälten Gott haben, der al, le Augenblik von den bösen Menschen ei« nen neuen Schaden erleiden muß. Oder verbinden Sie mit dem Beschädigen einen andern Begnf, als wie andere Menschen« kinder? So scheincs; denn der Hr. Goliath beliebt also fortzufahren:„ Der „ Meister versteht nicht, wie Gott durch „ die Sünde beschädiget werden könne; „ so will ichs ihm lehren, ist meine „ Schuldigkeit«" Höret ihr Himmel, und Erde, nihm zu Ohren! denn Hr. Fast redet. „ Wenn jemand dem Meister( wohl» „ gemerkt, das ist der Leopold Felberer „ in der Josephftadr beim grünen Rößel) „ wenn jemand dem Meister die Ehre ab- „ schneidet, wenn er seine Leute verfüh« „ ret und sie ihm untreu macht, so leidet e„ der er Meister an seinem Leibe keinen .. Schaden; aber er wird dennoch dadurch „ beschädiget, weil er um etwas gebracht „ wird, was ihm eigen und gut ist, näm« „ lich um Ehre und gute Leute; eben so „ ist es verhaltnißmaßig mit Gott. Er „ ist an und für sich unverletzlich: niemand „ kann seiner Natur und Wesenheit et, „ was hinzusetzen, oder davon nehmen, „ er bleibt unveränderlich, wer er ist; „ aber man kann ihn an seinen äußerli- „ chen Gütern beschädigen. Man schnei, „ det ihm seine Ehre ab, wenn man „ schimpflich und verächtlich von ihm re, „ det. Man verfuhrt seine Leute, und „ macht sie ihm untreu, wenn man sie zur „ falschen Lehre und zu Sünden verleitet: „ daß er derowegen strafe, lehrt die „ Schrift." Das ist also die große Belehrung, die ick aus dem wohlweisen Munde des Hrn. Fast erhalten habe. Wahrhaftig ich hätte nicht geglaubt, daß Sie ein so grundgelehrter Mann sind, und so fein zu unterscheiden wissen. Darum streck ich meine Waffen, und schlage auf meine Brust, und sage: ick bin nur ein Sckuster;— jedoch versteh ich mich auf das Naen und Umwenden, und sehe 67 sehe, daß Sie sich hier gewaltig verschustert haben. Ich nehme also wieder ehrfurchtsvoll meine Waffen, setze meine Mütze wie» der auf, denn ich habe keine Peckelhaube, wie Sie, und sage zuerst: Die ganze Vergleichung, die Sie mit mir und Gott anstellen, schenk ich Ihnen. Denn sie beweist nichts, und erklärt nichts; sa sie verdunkelt vielmehr Gottesherrlich- keit. Hätten Sie allenfalls, nach Art Ihrer Herrn AmtSgenossen, die Vergleichung von einem Kaiser oder König hergenommen, das würde doch prächtiger klingen. Und auch da bewiese alles keinen Plunder. Aber den Schuster Felberer und Gott!— das geht nicht zusamm. Doch geschenkt ftr dießmal. Was wollen Sie mit Ihrer Vergleichung sagen? Gleichwie ich durch Ehr- abschneidung an meinem Leibe keinen Schaden leide, aber dennoch dadurch beschädiget werde:*so sey es verhältnißmäßig mit Gott. — Aha, hab ich Sie? Wo bleibt das Ver- hältmßrnäßige? Dieses zu erklären, darauf kömmt alles an. Sie thaten es nicht; könnens auch nicht thun. Sie haben also wieder nur einen leeren Luftstreich gemacht. Mir wird durch Ehrabschneidung,sagen Sie, an meinem Leibe kein Schaden zugefügt, und wer, werde dennoch dadurch beschädigt. Mills glauben. Denn ich sage Ihnen, meine Ehre ist mir so wesentlich, daß ich ohne selbe, nicht einmal Chormeister bei St. Stephan seyn möchte. Wenn jemand mich verschriee, und dadurch meine Kunden von mir abwen, big machte, so würde ich Mangel an meiner Nahrung leiden und darben. Ist das auch so bei Gott mein Herr? Wenn er, wie Sie selbst bekennen müssen,unveränderlich bleibt, wer er ist, wie kann man ihn an seinen aus, serlichen Gütern beschädigen? Unverändert lich seyn, und doch beschädiget werden, wie stimmtdaszusamm?— Sehen Sie, mein Herr, das ist der Bescheid, den ich Ihnen bis setzt vorbehalten habe. Es ist zwar ein herber Bissen, worein Sie da beißen müssen; tunken Sie ihn aber in den Trunk, den ich Ihnen in meinen ersten und zweiten Stück aufsetzte, und in dieser Schrift aufs neue frisch aufgoß. Vielleicht können Sie ihn erweichen. Ferner was sind die äußerliche Güter in Gott? Warum erklären Sie das nicht, was doch wieder ein Hauptpunkt JhrerDer- gleichung seyn sollte? Sie antworten, wenn man seine(ehre verfälscht. Nun so gehören Sie wahrhaftig unter die ersten dieser Art. Das Das beweisen alle Ihre Schriften. Aber gesetzt, man schneide Gott vor-en Menschen seine Ehre ab, ist er darum weniger Gott? ist er minder selig? Ist es Hoch" verrath an Gott oder an den Menschen, die man verführte? Hat man ihn, den Unendlichen, oder vielmehr nur sich dadurch unglücklich gemacht? Und das ist also die saubere Belehrung, die Sie mir geben, und dieSie mir mit so vielen Pomp ankündigen? Und solche Bervei" se führen Sie an? Nun weil man den Schuster um etwas bringen und beleidigen kann, kann man auch Gott eben so beleidigen, und um etwas bringen? Der Schuster also wird harb und bös darüber, wenn er um etwas gebracht wird: eben so sollte es Bott ma" chen? Der könnte sich zörnen, daß er auf seine siebe vergaffe, und Rache ausübte? Der Schuster kann um seine Ehre gebracht werden: eben so könne man auch Gott seine Ehre nehmen, daß er dicselbige suchen muß? O Herr Schriftgelehrter: wie muß man lachen, wenn man dieses von Ihnen hören muß: indem Sie dadurch zu verstehen ge» ben, was für Begriffe Sie von Gott haben! Pfui gehen Sie nach Haufe, und holen Sie bessere Waffen- Fast schäme ich mich, daß c 3 ich 7° ich Ihnen Stand gehalten habe: denn ich sehe jetzt, daß Sie statt einer sanze nur eine alte theologische Pritsche haben. Doch weil ich noch einen Stein der Aebe in meiner Schleuder habe, so will ich Sie nicht ohne Wegzehrung nach Hause gehen lassen. Da Sie mich nicht belehrten, so will ich es thun. Hören Sie also, in was für einem Verhältnisse wir mit Gott stehen, und in wie ferne wir ihm durch Sün' de beleidigen:„ Gott ist die§iebe— ist unser Vater. Er will nur unsre Glückselig' keit. Nur Tugend macht glücklich. Wer ihr nicht getreu bleibt, und Sünde thut, liebt den Tod, das heißt, macht sich selbst unglücklich. Denn Gott hat die s! atur so eingerichtet, daß auf Böses, Böses folgt. Die Sünde ist Feindschaft mit Gott, nicht von seiner Seite, sondern von unser Sei' te. Und in sofern beleidigen wir Gott durch die Sünde, als wir dadurch seine Vaterfreuden ftöhren, uns durch christliche Tugend zeitlich und ewig zufrieden und glücklich zu sehen.*)" Und hiemit schwing ich nochmal mei' ne Mütze gegen Sie, und trete mit Ehren *) Diese kurzen Satze hab ich mir au« Hrn.Wisec« Predigten gemerkt. 7» ren ab.— Warum sträuben Sie sich da so auf dem Boden, Herr Goliath? Noch windet er sich und schimpft S. 40.:„ Wenn „ der Schuster nur einen einen einzigen „ Text aus der heiligen Schrift zur Un< „ terstützung seiner Meinungen hatte an- „ bringen können."— Warten Sie, mein guter Philister! Wenn Ihnen meiner hier,und die in meinen beiden vorigenStücken angeführten und gut erklärten Texte noch nicht hinreichen, so will ich Ihnen noch mit ein Paar aufwarten, damit Sie sich von Ihrer Ohnmacht wieder erholen. Ich habe gesagt zu dem Herrn, du bist der Herr mein Gott, denn du bedarfst meiner Güte nicht. Pf. i;, 2. Herr, du liebst alles, was ist: du hassest keines deiner Geschöpfe. Du hast nichts bereitet, dazu du Haß hattest. Du schonest aber aller, denn sie sind dein, du Liehhaber des Lebens. Buch der Weisheit ri, 25— 27. Meinst du, daß ich Gefallen hab am Tode des Gottlosen? Spricht der Herr. Ezechiel 18, 2z. Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege. Isa. 55. 8— 9. Mei, 72 Meister, wer hat gesündiget, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind gebohren? Und Jesus antworte:»-: Es hat weder dieser gesündiget, noch seine Eltern; sondern, daß die Werke Gottes offenbar würden an ihm. Joh.^.2— z. Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Furcht lst nicht in der Liebe, sondern völlige Liebe treibet die Furcht aus: denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe, i. Joh. 4. 16—18. Wie ist Ihnen, mein Herr? Ist Ihnen auf diesen lieblichenBalsamgeruch noch nicht besser? Nu, nu wird schon werden. Se, hen Sie, daß ich nicht unsäuberlich mit Ihnen umgehe, und Sie noch labe. Gehen Sie also ruhig nach Hause, und halten Sie sich hübsch friedlich, sonst möchte noch ein anderer David, wenn ich Ihnen nicht zu gering bin, über Sie kommen, und Ihnen, wie dort 1. Buch der Könige. 17, 15. der Sohn Jsai dem Riesen, das Haupt gar abtrennen. 6 «- »