Der und seine Schicksale. Erinnernngsblälter für die Besucher desselben, nebst einer Saltade von Johann N. Vogl. LöV/?- Wohl stehet noch Klause an Klause gereiht Wie früher, da sie noch der Andacht geweiht. Doch wie einst nur Trauer hier oben gewohnt Jetzt Lust auf der Zinke des Berges thront. Und wo die stachlichte Geißel geschwirrt Das Glas voll perlenden Weines jetzt klirrt. Am Zusammenhangs mit dem Leopoldsberge, dem ersten Gipfel deS Kahlenberges, früher Kettenberg genannt, steht der sogenannte Josephsberg. Der Besucher dieses Berges kann von Heiligenstadt oder Grinzing aus, zu Fuß oder zu Pferde, auf denselben gelangen, und für Damen, welche dem Bergsteigen nicht gewogen, stehen um eine geringe Summe (20 kr. C. M.) Tragthiere in den genannten Orten bereit, welche sie auf geduldigem Rücken gefahrlos die Höhe hinanbringen. Diese Caval- kaden sind zu einer Lieblingsunterhaltung der Wiener geworden. Auf dem Josephsberge findet man ein nettes Dörfchen, in dessen Mitte sich die alte Camaldulenserkirche befindet. Das Dörfchen selbst besteht aus 22 Hausern mit 57 Einwohnern, niedlichen Garten, dem sogenannten Schloßwirthshause und dem Casino des Herrn Gottfried Eger mayer. Vorzüglich ist an beiden letztgenannten Orten die Aussicht auf den Leopoldsberg und auf die Kaiserstadt und ihre ganze weite Umgebung. In dem Casino, dessen Lokalität ziemlich ausgedehnt und zur Bewirthung einer großen Zahl Gaste mit städtischem Comfort eingerichtet ist, wird noch das Zimmer fammt dem Tische gezeigt, auf welchem Mozart seine »Zauberflöte" schrieb. Nur wenige Hauser dieses Dörfchens, welches sich I o- sepHsdorf nennt, sind im Winter bewohnt, da sie meistens Partikuliers aus Wien angehören, welche nur die Sommermonate in denselben zubringen. Die Kirche, ein schönes Gebäude, ist ziemlich gut erhalten ; sie wird als eine ehrwürdige Reliquie auf Verlangen geöffnet, was auch ehedem mit der Gruft geschah, welche auf höhere Anordnung seit Kurzem wegen argen Muthwillens, der dort ge- 4 trieben wurde, geschlossen bleibt. Man findet in ihr unter vermoderten Sargen mehre zu Mumien ekngeschrumpfte Leichen. Auf dem Platze zwischen dem Kloster und dem Schloß- wirthshause befindet sich der in Stein gehauene Brunnen von 18 Klafter Tiefe, dessen Wasser ganz köstlich ist. Das in ein Gastgebäude durch Vermischung umgestaltete Schloß ist ziemlich groß und bequem. Vor dem Hause ist ein freier mit Bäumen besetzter Platz, welcher gegen die Hauptstadt hin eine Art Terrasse mit einem Geländer bildet. Einzelne erhaltene Inschriften mahnen noch an die entschwundene Klosterzeit. So zeigt sich über dem Einfahrtsthor noch das alte Klosterwappen mit der Überschrift: »8it nomen Domini beneüietum A1D66X1.1I1." Der Keller des Gastwir- thes ist ebenfalls noch ein Werk der Mönche. Die Höhe des Josephsberges beträgt 1060 Fuß über dem Donauspiegel; er ist also bedeutend höher als sein südlicher Nachbar, der Leopoldsberg. In den älteren Zeiten war dieser Berg ein Eigenthum des benachbarten Stiftes zu Klosterneuburg, ganz mit einem düsteren Eichenwalds bedeckt, und führte den Namen: »S chweins- b erg," wahrscheinlich von den vielen Ebern, welche das Dunkel des Urwaldes zu ihrem Aufenthalte gewählt hatten. Nikolaus Wollsky, der Stifter eines Camaldulenser- klosters und Marschall in Polen, dann der; kaiserliche Rath Mathias Anoldini, und der dalmatinische Graf Athanasius Geogeri empfahlen dem Kaiser Ferdinand», die Camaldu- lensermönche auf das Angelegentlichste, und bewogen ihn endlich, auch für diesen Orden ein Kloster in seinen Staaten zu stiften, damit die aus Italien nach Polen wandernden Camaldulenser mindestens in der Mitte ihres beschwerlichen Weges eine Unterkunft in einem Hause ihrer Regel fanden. Kaiser Ferdinand berief hierauf im Jahre 1627 die Söhne des heiligen Romuald von der Camaldulenser Einöde, klontis Ooronae, aus Italien hierher. 5 Diesem Rufe folgend, erschienen vier Mönche jenes Ordens: Pater Sylvian u s B o sell, ein Venetianer, P. Co n st an-- tinns auSPisa, P.Melchior ausTrient, undP.CHiop- p ari aus Vicenz a, welche in den: Kloster zu den Schotten in Wien untergedracht und verpflegt wurden, bis sie einen schicklichen Ort zur Erbauung eines Klosters aufgefunden haben wurden. Zwei der eben erwähnten Brüder erwählten den öden finsteren SchweinSberg zu ihrem künftigen Aufenthalte. Im I. 1628 wurde diese ganze Waldgegend von dem Stifte Klosterneuburg dem Kaiser Ferdinand abgetreten, von welchem sie am 2. April desselben Jahres den Camaldulen- sern mit Bewilligung des apostolischen Nuntius und desDiöcesan- bischofes von Passau Leopold II., Erzherzogs von Österreich, als Eigenthum übergeben wurde. Am 3. Juli erfolgte die Schenkungsurkunde des Berges und die Anweisung eines Stiftungskapitales von 36,000 Gulden. Diese Summe war das Vermögen zweier adeliger, aber aufrührerischer Brüder, Namens Struacheda von Kölln, welches dem Fiskus anheim gefallen war. Pater Sylvanus errichtete nun auf dem Gipfel des S ch w e in s berg e s das Kreuz, und traf, nachdem er von den benannten Brüdern das Geld, obwohl nicht die volle Summe, in Empfang genommen hatte, die nöthigen Anstalten zum Bau. Am 10. August 1628 verfügte sich Kaiser Ferdinand, begleitet von seiner Gemahlin Eleonora Conzaga und seinen beiden Söhnen und zwei Erzherzoginnen, unter Zuströmung einer- großen Volksmenge, zur Grundsteinlegung auf den Berg. Johann Bapt. Pollota, der apostolische Nuntius, segnete bei dieser feierlichen Handlung den Grundstein ein, worauf ihn der Kaiser, welcher erklärt hatte, er wolle diese Feierlichkeit in eigener Person verrichten, in die Erde versenkte, nachdem er noch in die Höhlung deS Steines eine goldene Denkmünze gelegt hatte. 6 Die Inschrift, welche sich auf dieser Medaille befindet, ist folgende: »Oliri8to ^esu Imperator! aeterno velparse Virgin! Imperatrlei eoelorum, «aneto cko86pllo, Virgin!» Mariae »ponao et De! lVutrielo, 8aneti8 Leneäieto et Komualäo eorum- ^ue saneto Damaläul6N8i Oräini.^ Auf der Kehrseite stand: »k'erüinantlus II. Imperator Lleonora OonrsKa, Imperatrix, ie6rllinanllu8 III. Hun^sriae et Lollemiae kex, Deopoläu« ^relliäux, k'orüinanäi lilü, omnes pia mente lleäiearunt anno Domini 1629 äie 10. ^UKU8ti.^ Hierauf legte die Kaiserin den ersten Stein zum Kranken» Hause, und König Ferdinand jenen zur Gründung deS Gastgebäudes. Nach Beendigung dieser Feierlichkeiten wurde von dem Allerhöchsten Hofe das Mittagsmahl auf dem Berge eingenommen, bei welcher Gelegenheit der Kaiser noch 1000 Gulden den Mönchen zum Geschenke machte, und den Namen des Berges: »Schwein sberg" in »Io se phs berg» verwandelte; dem zu erbauenden Kloster aber den Namen jener Einöde in Italien, von welcher die Brüder kamen, nämlich: »Montiis Do von so" ertheilte. Auch der zahlreich versammelte Adel, dem erhabenen Beispiel ihres Beherrschers folgend, versprach den Ordensmännern thätige Unterstützung. Diese verwendeten nun die erhaltenen Beiträge theils zum Bau der Kirche und der Nebengebäude, theils zum Ankäufe des Schlosses und der Herrschaft Prinzendor f im Viertel unter dem Manhartsbergs, und eines eigenen Hauses in Wien (in der W eihburggasse zu St. Nikolai). Der Bau machte indessen rasche Fortschritte. Bald erblickte man das Noviciat, einen Keller, das PreßhauS, die Küche, Apotheke und eine Herberge für Fremde. Das Ganze war in Gestalt eines Vierecks erbaut, und hatte mit seinen zwanzig Zellen und der Mauer, welche diese umgab, das Aussehen eines Dörfchens. Jeder der Mönche hatte 7 nach der Regel des Ordens ein besonderes, von den anderen abgesondertes Häuschen mit zwei Zellen, an welches sich ein kleiner Obst- und Blumengarten schloß. Im Hofraume selbst war von Zelle zu Zelle ein Gang geführt, der sich an die Kirche und daS Krankenhaus und die Apotheke anschloß. Über letzterer befand sich folgende Aufschrift: „Deo HIaximo Aeterno Llvnora Oonrs§a kertlinantli 8eeuncli »vnper XuAN8ti Xn§u8ta 6Il).I6:l) XXXII:" In der Mitte befand sich die Kirche, das Priorat nebst den Gastgebäuden, vor welchen sich die herrliche Aussicht auf die Kaisirstadt und ihre reizvolle Umgebung aufriß. Über dem Hochaltäre der Kirche erblickte man das Bild des heiligen Joseph, welchem diese Kirche geweiht wurde, und an den vier Nebenaltären die heilige Jungfrau Maria, den Ordensstifter St. Romuad, den heiligen Leopold und St. Sebastian; neben diesen befanden sich noch sechs kleinere Altäre in der Küche, auch waren die Wände derselben mit den lebensgroßen Statuen der heiligen Aposteln geschmückt. Vorder Kirche befand sich ein kleiner gedeckter Vorhof, in welchem die weiblichen Besucher dieses Gotteshauses ihre Andacht verrichten durften, da diesen die Regel des Ordens den Eintritt in die Kirche selbst, so wie in das Innere des Klosters, nicht erlaubte. Über d»m Hauptthore des Letzteren lies't man noch die Worte: »8lt !Aom«n Domini donollictnm ND66XI III." Kaiser Ferdinand II. hatte nicht die Freude, die Vollendung des Baues zu erleben, da er schon am 15. Februar 1637 das Zeitliche segnete. Doch sah er noch daS Kloster zu einem Priorat erhoben, und den Pater Prosdomicus Murianensis im Jahre 1636 mit der Würde eines Priors bekleidet. Erst sein Sohn und Nachfolger, Kaiser Ferdinand III., erlebte die Beendigung des heiligen Baues, welcher im Jahre 1639 erfolgte, nachdem er im Jahre zuvor demselben all' seine Gerechtsamen und Freiheiten ertheilt hatte. Nun lebten die frommen Büßers ein stilles, Gott ergebenes 8 Leben, getheilt in einsame Betrachtungen und in Ausübung ihres Gottesdienstes. Sie sangen nach der Regel ihres Ordens ununterbrochenPsab men und fasteten die Hälfte des Jahres. Dreimal in der Woche, vorzüglich an Sonn- und Feiertagen zogen sie nach dem Leopold)- berge und beteten dort in der Kapelle für das Wohl des Lardesfürsten. Sie durften kein Leinenzeug auf dem Leibe tragen, und nur auf Strohsäcken schlafen. Ihre Kleidung bestand nur aus eiier Kutte von weißem groben Tuche, einem Ledergürtel und höher- nen, mit Leder bedeckten Sandalen. Beim Ausgehen trüge«, sie breitkrampige weiße, mit schwarzer Leinwand gefütterte, chüte, und einen weißen bis auf die Knie reichenden Mantel, a» dem eine Kapuze befindlich war, und welcher am Halse mittelst eines Querholzes geschlossen werden konnte. Im Jahre 1656 ertheilte den Camaldulenserpriestern der Bischof von Passau die Erlaubnis;, in ihrer Kirche nich: nur die Beichte ihrer Ordensmitglieder, sondern auch weltliyer Leute vornehmen zu dürfen. Unaufhörlich strömten ihnen milde Beiträge »nd Unterstützungen von allen Volksklassen zu, so zwar, daß ihr Prior, Johann es Advogarius, im Jahre 1681 einen neuen Bau der Kirche begann. Der damalsregierendeKaiserLeop rl dl.besuchte mit seiner Gemahlin und deren Vater, dem Herzog von Neuburg, diese Einöde und beschenkte die Mönche mir 1000 Gulden. Aber schon im Jahre 1683 brachten dieTürken demangefan- genen Werke sowohl, als den alten Gebäuden, gänzliche Zerstörung. Am 7. Juli jenes Jahres verkündigten die aufflammenden Dörfer das Nahen des furchtbaren Feindes, und ermahnten die -frommen Einsiedlermönche zur Flucht. Ihr Prior Cerbonius raffte eiligst alle wichtigen Dokumente, Bücher und Reliquien zusammen, und verbarg sie in zwei wohlverschlossene Zellen, nahm sodann die Kirchenschätze, das Grundbuch des Klosters nebst den kaiserlichen Privilegien zu sich, und floh mit neun anderen Eremi- tcn nach L i n z. Aber auch hier sich nicht für sicher haltend, begab er sich nach Italien, während seine Begleiter in Baiern eine Zufluchtsstätte suchten. Es war die höchste Zeit zur Flucht, denn der Hof selbst, welcher Wien verließ und nach Linz flüchtete, sah schon in dem ersten Nachtlager, welches er in Korneuburg hielt, die zum Himmel steigende Flammenlohe des Camaldulenser Klosters auf dem Josephsberge. Am 11. September 1683 erschien das christliche Heer zum Entsätze der Hauptstadt auf dem Kahlen berge. Es war bei 85,000 Mann stark, und führte 186 Kanonen. Der tapfere Polenkönig und der Herzog von Lothringen sahen von dem Berge das in Staub eingehüllte, und von dem Geschütze der Ungläubigen so hart bedrohte Wien. Die alten Wälle waren zerstört, doch hatte Star Hemberg neue erbaut und alle Mittel angewandt, dem Feinde zu trotzen. Am Abend dieses Tages waren die Kanten der ganzen Bergkette beleuchtet, welche Erscheinung Freude und Jubel unter die bedrängten Wiener brachte, und die wahrend der Nacht häufig aufsteigenden Raketen versicherten sie der Ankunft ihrer Retter. Mit Tagesanbruch versammelte die Kriegsfürsten eine Messe in den Ruinen der Camaldulenserkirche, welche der Feldprediger Avian uS las. Nach Beendigung des Gottesdienstes schnallte Sobiesky seinem Sohne Jak ob den Panzer um, und stellte ihn dem Herzog von Lothringen mit den Worten vor: »Mein Sohn lerne von diesem großen Feldherrn, wie man Krieg führen soll." Hierauf sprach er zu seinen Kriegern: »Polen! Euer König, Euer Beispiel!" Nach diesen Worten gab er das Signal zur Schlacht, welche Wien aus den Banden der Ungläubigen rettete. Am 6. November desselben Jahres kehrte Cerbonius mit seinen Mönchen wieder auf den Josephsberg zurück. Er L0 fand die verborgenen Schatze in den beiden Zellen noch unversehrt, obgleich alle übrigen Gebäude von den Türken in Schutt verwandelt worden waren. Die frommen Brüder begannen sogleich die Brandstätte vom Schutte zu reinigen und arbeiteten, vom Kaiser Leopold und dem Adel unterstützt, mit rastlosem Eifer an dem Wiederaufbaue ihrer Zellen und der Kirche. In Kurzem erstanden auch die Gebäude wieder, jedoch nicht in einem so vollkommenen Zustande als vor ihrer Zerstörung. Ein günstiger Zufall beschenkte aber bei diesem Baue die Brüder mit dem, was sie seit einem halben Jahrhunderte vergebens gesucht hatten. — Am Festtage Maria Schnee entdeckte nämlich einer der Camaldulensermönche unfern des Klosters eine Quelle. Erschöpfte, und fand das klarste, köstlichste Wasser. Man denke sich die Freude der frommen Gemeinde, welche solch einem beschwerlichen Mangel nun für immer abgeholfen sah. Im Jahre 1691 gelangte von dem Bischof von Neutra, BlasiuS Ja czlin das Ersuchen an den damaligen Prior des KahlenbergerklostersDon Maurus, das Kloster desselben Ordens auf dem Berge Zobar in Ungarn mit vierOrdens- mitgliedern zu versehen, welchem Verlangen er gerne willfahrte, und den P. Johannes Felix von Bologna als Superior mit einigen Ordensbrüdern dahin entsendete. Dieses ist die letzte Begebenheit, wobei der fromme Büßer auf dem Kahlenberge erwähnt wird. Im Jahre 1782 wurde das Kloster daselbst aufgehoben. Zehn Priester, drei Cleriker und sechs Laienbrüder verließen am 4. Februar mit großer Trauer den Ort, an welchem sie in Abgeschiedenheit und Stille ihr Leben zu enden gedachten. Noch im selben Jahre brachte der edle Herr von Kriegl den Josephsberg sammt der entweihten Kirche, den Zellen der Camaldulenser und der Waldung an sich. Die Zellen verkaufte er als Baustellen _ die übrigen Klostergebäude veränderte er in ein Einkehrwirthshaus. Auf sein II Ansuchen wurde die Kirche am 21. December 1783 wieder ein- geweiht, und dabei eine eigene Lokal-Kaplanei errichtet, welche durch einen Kapitularen des Stiftes Klosterneuburg besetzt und dem Leopoldsberge eingepfarrt wurde. Später kam derZosephsberg in die Administration, von welcher ihn im Jahre 1795 das oberwähnte Stift käuflich an sich brachte. Im Jahre 1809 wurde die Lokal-Kaplanei, nachdem sie 26 Jahre gedauert hatte, wieder aufgehoben, und die Bewohner des Josephsberges der Pfarre zu Heiligenstadt zu- getheilt. Hierauf erkaufte Frau von T raun w ieser von dem Stifte den Berg, welche ihn jedoch wieder dem Fürsten Liechtenstein überließ, der noch jetziger Besitzer desselben ist. Das Einsame des Josephsberges mit seinen reizenden Umgebungen erwarb demselben viele Freunde, unter diesen nennen wir den geistreichen Fürsten de L ig n e, welcher viel zur Verschönerung des BergeS beitrug, und auch seine Grabstätte auf demselben wählte. Herr Dr. Poßinger aus Wien besitzt nebst dem Casino, das er einem thätigen Manne zur Miethe gibt, mehre der niedlichen Häuserchen, welche fast alle eine prächtige Aussicht bieten, während auch jenes an das Casino glänzende_ einst de Lig- n e'S Sommerhaus — drei Gärten mit der üppigsten Vegetation besitzt._Das Häuschen der Erben des Herrn Ziegler, eines verm'öglichen Fabrikanten und Naturfreundes aus Wien, dessen Überreste auch auf dem Josephsdorfe r Friedhofe, vielleicht dem schönstgelegenen kn der Monarchie, ruhen, ist durch seine niedliche Bauart, wie das Thürmchen mit der prächtigen Aussicht ein Gegenstand der Neugierde lustreisender Städter. In wahrhaft romantischem Zauber liegen die Häuserchen des Herrn Frie- drich Bilhuber, mit der überraschendsten Aussicht, die man nur denken kann, und auch dadurch merkwürdig, daß in einem derselben (als sie noch im Besitze der Fräulein Hoffner gestan- 12 den) Ihre kaiserliche königliche Hoheit, die durchlauchtigste Erzherzogin Maria Anna, mehre frohe Tage zubrachte._Überhaupt scheint die äußerst gesunde und unbeschreiblich schöne Lage dieses Ortes und seiner Umgebung noch nicht jene volle Würdigung, die sie verdient, erfahren zu haben. Aber seit den letzten Jahren ziehen mehre bekannte Wiener zur Sommerzeit in die früher verlassenen, niedlichen Häuserchen, und ihr Beispiel wird wohl noch Andere locken, wodurch am schnellsten dem, was zu dem Comfort des Lebens hier und da etwa noch mangeln möchte, abgeholfen werden dürfte. Fra Nenatiis. Ballade. „Ä^uf ihr bleichen finst'ren Büßer, auf aus eurer Grabesruh', Werft von euch die weiße Kutte, Strick und Cingulum dazu, Denn des Eides seid ihr ledig, den geschworen euer Mund, Fern von unseren Karthausen findet uns die nächste Stund'." So der Prior zu den Brüdern spricht, vom tiefsten Schmerz durchbebt, Die im Kahlenbergerkloster nur allein dem Herrn gelebt, Und die Mönche, deren Zungen wieder frei vom strengen Zwang, Stottern, fragen durcheinander, bleicher noch als vor die Wang'. »Sprich Cerbon ius, verkünde uns in Eile was gescheh'n, Wie, soll RomualduS' Regel nicht in Oe st're ich mehr besteh'»?" Spricht der Prior: »Blickt hinunter in das sonst so reiche Land, Schaut, verwüstet steh'n die Felder und die Dörfer seht in Brand." »Kara Mustapha bedränget Stadt und Land, von Grimm gefacht, Selbst das stolze Wien erbebet vor des Heiden Uebermacht; Flucht allein nur kann uns retten vom Verderben, da- unS droht, Darum fliehet, denn die nächste Stunde bringt den sichern Tod." Unter Klaggeheul und Lärmen schickt sich da zur Flucht die Schaar, Ruhig nur an alter Stelle bleibt ein Greis, mit weißem Haar, FraRenatus, der vor fünfzig Sommer nach dem Kloster kam, Und in finsterer Karthaufe sich begrub und seinen Gram. 14 Neun und neunzig Jahre machten hohl sein Aug', die Wange bleich, So nun fteht er vor dem Prior, einem Grabentstieg'nen gleich; Doch der würd'geOb're wendet zu Renatus sich und spricht: »FraRenatus, warum folget ihr den andern Brüdern nicht?" Aber der entgegnet: »Möge Gott beschirmen ihre Flucht, Mich nur lasset, würd'ger Prior, unbeirret, unversucht; Denn vor mir müßt' ich erröthen, sucht'ich in der Flucht noch Heil, Da der Tod mein einz'ges Hoffen, da das Grab allein mein Theil." Spricht der Prior: »Allesendet, was da trifft der Sonne Strahl, Unrecht aber ist's, zu liefern zwecklos sich der Marterqual!" D'raufRenatus: »Ift's sein Wille, daß der Heide mich verschont, Werd' den Meutern ich entgehen, wie zu würgen sie gewohnt." »FraNenatu s," sagt derPrior, »nimmer kann ich euch versteh'n, Wähnt ihr, daß der Herr ein Wunder euch zu Lieb' wohl laßt gescheh'n?" Doch der Bruder spricht: »Ich glaube, daß auf den er gnädig schaut, Der mit reuerfülltem Herzen auf ihn hofft, und ihm vertraut." Diese- sprechend schreitet ruhig hin zum Hochaltar der Greis, Sinket dort auf's Knie und neiget tief das Haupt, wie Schnee so weiß, Da von einem heil'gen Schauer fühlt der Prior sich umweht, »Nun so mög' euch Gott bewahren, weil ihr ird'sche Hilf' verschmäht!" Und den flücht'gen Brüdern folgetd'raufCe rbo n iu s mit Hast, Denn ein dumpf Gelärm im Thale meldet schon den grimmen Gast; Einsam in der düstern Halle kniet Renatus nun allein, Wie ein sanfter Tröster schimmert mild auf ihn der Mond herein. Scheint es doch, als sei der Fromme schon des Erdenseins beraubt, Also kniet er, bleich und reglos, auf die Brust gesenkt daS Haupt; 15 Horch, da naht es, an den Fenstern flieht vorbei ein rother Schein, Thüren trümmern, Waffen rasseln, wer nun wird Dir Retter sein? Reglos aber liegt wie früher Fra Renatus vor'm Altar, Im Gebet versenkt, als wüßte nichts sein Jnn'res von Gefahr; Sieh' da leuchtet's durch die Pforte, horch, da klirrt's im wirren Schall, Und herein zu düster'n Raumen tobt der Moslims wilder Schwall. Blanke Damaszener blitzen, Kaftans rauschen an der Wand, Ueber weiß und grüne Turbans sprühet rother Fackelbrand; Und so drangt eS sich und wechselt, halbbeleuchtet die Gestalt, Nur Renatusknietwie früher, von der Andacht Hauch umwallt. Und die grimmen Gaste spähen durch das Dunkel wild und scheu, Jetzt erblicken sie Renatus, und von ihrem Jubelschrei Gellt die Kirche, seht schon fassen sie ihn wüthend am Talar, Da durchzuckt sie eis'ger Schrecken, denn der Greis ist — kalt und starr. Von dem Grimm der Bösen hatte gnädig ihn der Herr befreit, Lächelnd im Gebet entschlief er, ohne Kampf und ohne Leid; Und die Heiden jagt ein Grauen von dem tobten Heil'gen fort, Ihre Feuerbrände schleudern sie zurück nur nach dem Ort. Doch nicht lang', so fiieh'n die Würger wieder vor der Christen Schwert, Und der Friede ist auf's Neue in die Ostmark heimgekehrt; Da aus fernen Landen kommen all die Flücht'gen nun heran, Auch der Prior mit den Seinen fand bereits zum Berg die Bahn. Thränen auf den Wangen, wallet durch des Klosters Schutt die Schaar, »Seht, Re na t u s'Leiche knieet unversehrt dort am Altar!" Und der Prior und die Mönche stürzen hin auf's Angesicht: »Ja, wer so dem Herrn vertrauet, den verläßt im Tod er nicht!» Zoh. N. Vogl.