Wienei- 81gdt-öiblio1tie>i. i181 L 4-.^ »r. t- : 7'? -H . D Aktenstücke und Materialien rüder Geschichte des großen Kampfes um d ie Freyheit Europa'ö in den Jahren 1612 und r3iZ. Drittes Bündchen. Germanien, bey Peter Hammer, » 6 i 4. 5c^ ^.>-- v/' ^7- ö'^cn'Ä A 2 I. Kaiserliche österreichische Manifeste, Proklamationen re. rc. 'I .; k.'/ -R.« rl L 5! H l l ,WW» r?. gender Übereinkunft wurde selbst das Gebieth der Monarchie von allen kriegführenden Mächte» als neutral behandelt. Der wahre Sinn und Zweck des von Sr. Majestät gewählten Systems konnte weder Frankreich, noch Rußland, noch irgend einem einsichtsvollen Beobachter der Welt-Begebenheiten, entgehen. Der Feldzug von 1812 bewies an einem denkwürdigen Beysviel, wie ein mit Riesenkräften ausgestattetes Unternehmen, in den Händen eines Feldherrn vom ersten Range scheitern kann, wenn er, im Gefühle großer militärischer Talente, den Schranken der Natur und den Vorschriften der Weisheit Trotz zu biethen gedenkt. Ein Blendwerk der Ruhmbegierde zog den Kaiser Napoleon in die Tiefen des russischen Reichs; und eine falsche politische Ansicht verleitete ihn zu glauben, daß er in Moskau den Frieden vorschreiben, die russisch« Macht auf ein halbes Jahrhundert lähmsn, dann siegreich zurückkehren würde. Als die erhabene Standhafligkeit des Kaisers von Rußland, die ruhmvollen Thaten seiner Krieger, und die unerschütterte Treue seiner Völker, diesem Traum ein Ende gemacht, war es zu spät, ihn ungestraft zu bereuen. Die ganze französische Armee wurde zerstreut und vernichtet; in weniger als vier Monathen sah man den Schauplatz B i8 deS Krieges vom Dnieper und der Dwina an die Oder und Elbe versetzt. Dieser schnelle und außerordentliche Glücks- wechsel war der Vorbothe einer ivichtigen Revolution i» den gesammten polnischen Verhältnissen von 'Europa. Die-Verbinduug zwischen Rußland/ Großbrittannien und Schweden both allen umliegenden Staaten einen neuen VereinigungS- Punct dar. Preußen, langst rühmlich vertraut nur dem Entschlüsse, daS Äußerste zu wagen, selbst die Gefahr des unmittelbaren politischen TodeS einem langsamen Verschmachten unter auszehrenden Bedrückungen vorzuziehen, ergriff den günstigen Augenblick, und warf sich den Verbündeten in die Arme. Viele größere und kleinere Fürsten Deutschlands waren bereit, ei» Gleiches zu thun. Allenthalben eilten die ungeduldigen Wünsche der Völker dem regelmäßigen Gange ihrer Regierungen zuvor. Von allen Seiten schlug der Drang nach Unabhängigkeit unter eigenen Gesetzen, das Gefühl gekränkter National, Ehre, die Erbitterung gegen schwer gemißbrauchte fremde Obergewalt in helle Flammen auf. Se. Majestät, der Kaiser, zu einsichtsvoll, um diese Wendung der Dinge nicht als die natürliche und Nothwendige Folge einer vorhergegangenen gewaltsamen Überspannung, und zu gerecht. ^MWWWW» >9 um sie mit Unwillen zu betrachten, hatten ihr Augenmerk einzig darauf gerichtet, wje sie durch reiflich überdachte und glücklich combinirte Maßregeln für das wahre und bleibende Interesse des europäischen Gemeinwesens benutzt werden könnte. Schon seit dem Anfange des Decembermonaihs waren von Seilen des österr. Cabinets bedeutende Schritte gethan worden, um den Kaiser Napoleon durch Gründe, die seiner eigenen Wohlfahrt eben so nahe la^ gen, als dem Interesse der Welt, für eine gerechte und friedliche Politik z» stimmen. Diese Schritte wurden von Zeit zu Zeit erneuert und verstärkt. Man schmeichelte sich, daß der Eindruck des vorjährigen Unglücks, der Gedanke an die fruchtlose Hinopferung einer ungeheuern Armee, die zum Ersatz dieses Verlustes erforderlichen harren Zwangs- Maßregeln aller Art, der tiefe Widerwille der französischen Naiion und aller in ihr Schicksal verflochtenen Länder gegen einen Krieg, der, ohne Anssichr auf künftige SchadloLhaliung, ihr Jnne- res erschöpfte und zerriß, daß endlich selbst ein kaltblütiges Nachdenken über die Ungewißheit des Aus- ganges dieser neue» höchst bedenklichen Crisis, den Kaiser bewegen könnte, den Vorstellungen Österreichs Gehör zu geben. Der Ton, in welchem diese an ihn gerichtet wurden, war den Umständen sorg- B 3 faltig angepaßt; ss ernst als die Größe des Zweckes, so schonend als der Wunsch eines günstige» Erfolges und die obwaltenden freundschaftlichen Verhältnisse es forderten. Daß Eröffnungen, die aus so lauterer Quelle geflossen waren, bestimmt verworfen werden sollten, ließ sich freylich nicht erwarte». Die Art aber, wie man sie aufnahm, und mehr noch der scharfe Contrast zwischen den Gesinnungen, weiche Österreich nährte, und dem ganzen Verfahren des Kaisers Napoleon zur Zeit jener mißlungenen Friedens- Versuche, schlug schon früh die besten Hoffnungen darnieder. Anstatt durch eine gemäßigte Sprache wenigstens den Blick in die Zukunft zu erheitern, und die allgemeine Verzweifelung zu besänftigen, wurde vor den höchsten Autoritäten in Frankreich bey jeder Veranlassung feyerlich angekündigt, daß der Kaiser auf keinen Friedens-Antrag hören würde, der die Integrität des französischen Reichs— im französischen Sinne des Wortes— verletzen, oder irgend eine der ihm willkührlich einverleibten Provinzen m Anspruch nehmen möchte. Zu gleicher Zeir wurde selbst von solchen eventuellen Bedingungen, die diese eigenmächtig aufgestellte Gränz- Linie nicht einmahl zu treffen schien, bald mit drohendem Unmuth, bald mit bitterer Verachtung gc- spreche»; gleich als hätte man nicht vernehmlich genug andeuten tonnen, wie fest der Kaiser Napoleon entschlossen sey, der Ruhe der Welt auch nicht ein einziges nahmhaftes Opfer zu bringen. Diese feindseligen Manifeste harten für Österreich doch die besondere Kränkung zur Folge, daß sie selbst die Aufforderungen zum Frieden, die dieses Cabinet, mit Vorwissen und scheinbarer Beystimmung Frankreichs, au andere Hofe gelangen ließ, in ein falsches und höchst unvortheilhafteS Licht stellten. Die wider Frankreich verbündeten Souveräne setzten den österreichischen Unlerhand- lungs- und Vermittelungs-Anträgen, statt aller Antwort, die öffentlichen Erklärungen des französischen Kaisers entgegen. Als Se. Majestät im Monath März einen Gesandten nach London geschickt hatten, um England zur Theilnahme an einer Friedens-Unterhand- lung einzuladen, erwiederte das brilrische Ministerium, es könne nicht glauben, daß Österreich noch Friedens-Hoffnungen Raum gebe, da der Kaiser Napoleon in der Zwischenzeit Gesinnungen offenbart habe, die nur zur Verewigung des Krieges führen müßten; eine Äußerung, die Sr. Majestät um so schmerzhafter seyn mußte, je gerechter und gegründeter sie war. 22 Nichts desto weniger fuhr Österreich fort, dem Kaiser von Frankreich die dringende Nothwendig- keir des Friedens immer bestimmter und starker aus Her; ru legen: bey jedem seiner Schritte von dem Grundsätze geleitet, daß, da das Gleichgewicht uud die Ordnung in Europa durch die gränzenlose Übermacht Frankreichs gestört worden waren, ohne Beschränkung d.ejer Übermacht kein wahrer Friede ge» da ht werden könne. Zu gleicher Zeir ergriffen Se. Ma:e?at alle zur Verstärkung und Concentrirung Ihr r Armee erforderlichen Maßregeln. Der Kaiser füllte, daß Österreich zum Kriege gerüstet seyn munks, wenn seine Friedens-Vermitrclung nicht ganz unmächtig werden sollte. Überdieß hatten Se. Majt'star sich schon langst nicht verborgen, haß der Fall einer unmittelbaren Theilnahme am Krieg« von Ihren Berechnungen nichr ausgeschlossen seyn dürfte. Der bisherige Zustand der Dinge konnte nicht fortdauern: von dieser Überzeugung war der Kaiser durchdrungen, sie war die Triebfeder seiner sämmtlichen Schritts. Schlug jeder Versuch zum Frieden zu gelangen, schon in erster Instanz fehl, so mußce iene Überzeugung nur noch lebendiger werden. Das Resultat ergab sich von selbst. Aus einem von beyden Wegen, durch Unterhandlungen oder 25 durch Waffengewalt, mußte man zu einem andern Zustande gelangen. Der Kaiser Napoleon hatte die KriegSrüstun- aen Österreichs nicht nur vorausgesehen, sondern selbst als nothwendig erkannt, und bey mehr als einer Gelegenheit ausdrücklich gebilligt. Er hatte Gründe genug, um zu glauben, daß Se. Majestät, der Kaiser, in einem für das Schicksal der Welt so entscheidenden Zeitpuncte alle persönlrche oder vorübergehende Rücksichten bey Seite setzen, nur das bleibende Wohl der österreichischen Monarchie und der sie umgebenden Staaten zu Rathe ziehen, und nichts beschließen würde, als was diese höchsten Motive Ihm zur Pflicht mache». Das österreichische Cabmet hatte sich nie so geäußert, daß seinen Absichten eine andere vernünftige- Deutung gegeben werden konnte. Nichts desto weniger wurde von Seite Frankreichs nicht bloß anerkannt, daß die österreichische Vermittelung nur eine bewaffnete seyn könne, sondern mehr als«in Mahl erklärt, wie bey den eingetretenen Umständen Österreich sich nicht mehr auf eine Nebenrolle beschränken, sondern mit großen Kräften auf dem Schauplatze erscheinen, und als selbsthandelnde Hauptmacht einen Ausschlag geben müsse. Was auch sonst die französische Regierung von Österreich Hof- S4 fen oder besorgen mochte, in jenem Gestandniß lag die vorläufige Rechtfertigung des ganzen von Sr. Majestät dem Kaiser, beschlossenen und durchgeführte» Ganges. Bis auf diesen Punct hatten die Verhältnisse sich entwickelt, als der Kaiser Napoleon Paris verließ, um den Fortschritten der altiirten Armeen Sinbalr zu thun. Dem Heldenmuth der russischen und preußischen Truppen in den blutigen Gefechten des Monachs May haben selbst ihre Feinde schuldiget. Daß gleichwohl der Ausgang dieser ersten Periode des Feldzuges nicht günstiger für ste war, halte theils in der Überzahl der französischen Kriegsmacht, und in dem von aller Welt anerkannten militärischen Genie des Anführers derselben, theils in den politischen Combinationen, welche den verbündeten Souoerains bey ihrer ganzen Unterneh- mung zur Richtschnur dienten, seinen Grund. Sie handelten in der richtig berechneten Voraussetzung, daß eine Sache, wie die, für welche sie stritten, unmöglich lange bloß die ihrige bleiben könne, daß flüyer oder späte/, im Glück oder im Unglücke, jeder noch nicht ganz seiner Selbstständigkeit entkleidete Siaar in ihren Bund treten, jede unabhängig gebliebene Armee auf ihrer Seite stehen müsse. Sie siepen daher der Tapferkeit ihrer Truppen nur s« 25 weit, als der Augenblick es geboth, freyen Schwung, lind sparten einen ansehnlichen Theil ihrer Kräfte für einen Zeitraum auf, wo sie mit ausgedehnter» Mitteln nach großer» Erfolgen streben zu könne» hofften. AuS gleichen Gründen, und um die weitere Entwickelung der Begebenheiten abwarten zu können, gingen sie einen Waffenstillstand ein. Inzwischen hatte durch den Rückzug der Alliir» ten der Krieg für den Augenblick eine Gestalt gewonnen, die dem Kaiser täglich fühlbarer machte, wie unmöglich es seyn würde, beym weiter» Forr- gange desselben, ein unthätiger Zuschauer zu bleiben. Vor allem war das Schicksal der preußischen Monarchie ein Punct, der Sr.- Majestät Aufmerksamkeit lebhaft beschäftigte. Der Kaiser hielt die Wiederherstellung der preußischen Macht für den ersten Schritt zur Wiederherstellung des politischen Systems von Europa; die Gefahr, in welcher sie jetzt schwebte, sah er ganz für seine eigene an. Der Kaiser Napoleon hatte dem österreichischen Hofe bereits zu Anfang des Aprillmonaths eröffnen lassen, daß er dir Auflösung der preußischen Monarchre als eine natürliche Folge ihrer Abtrünnigkeit von Frankreich, und der weitern Fortsetzung deS Krieges betrachte, und daß es jetzt nur von Österreich abhängen würde, ob es die wichtigste und schönste 23 ihrer Provinzen nur seine» Staaten verewigen wolle; eine Eröffnung, die deutlich genug bewies, daß kein Mittel unversucht bleiben mußte, um Preußen zu retten. Wenn dieser große Zweck durch einen billigen Fried n nicht zu erreichen war, so mußten Rußland und Preußen durch eine kräftige Mirwirkung unterstütze werden. Von diesem natürlichen Gesichtspuncte aus, über welchen selbst Frankreich sich nicht leicht mehr täuschen konnte, setzten Se. Majestät Ihre Rüstungen mit unermüdeter Thätigkeit fort. Sie verließen in den ersten Tagen des Juny-Monaths Ihre Residenz, und begaben sich in die Nähe des Kriegsschauplatzes, um theils an einer Unterhandlung für den Frieden, der nach wie vor das höchste Ziel Ihrer Wünsche blieb, wenn sich irgend eine Aussicht dazu zeigte, wirksamer arbeiten, theils die Vorbereitungen zum Kriege, wenn Österreich keine andere Wahl bleiben sollte, mit größerem Nachdruck leiten zu können. Nicht lange zuvor hatte der Kaiser Napoleon ankündigen lassen:„Er habe einen Friedens-Loiigreß zu Prag in Vorschlag gebracht, wo Bevollmächtigte von Frankreich, den vereinigten Staaten von Nordamerika, Dänemark, dem Könige von Spanien und sämmtlichen alliirten Fürsten, und von der andern Seite Bevollmächtigte von England, Ruß- 37 -land, Preußen, den spanischen Insurgenten und den übrigen Alliirten dieser kriegführenden Masse erscheinen, und die Grundlagen eines langen Friedens festsetzen sollten."— An wen kiese Vorschlag- gerichtet, auf welchem Wege, in welcher diplomatischen Form, durch wessen Organ ste geschehen seyn konnten, war dem österreichischen Cabinet, welches bloß durch die öffentlichen Blatter zur Kennt, niß derselben gelangte, völlig unbekannt. Wie übrigens ein solches Project auch nur eingeleitet, wie aus der Vereinigung so ungleichartiger Elemente, ohne irgend eine einstimmig anerkannte Grundlage ohne irgend eine planmäßig geordnete Vorarbeit, eine Friedcnsunterhandlung erwachsen sollte, ließ sich so wenig fassen, daß es erlaubt war, den ganzen Vorschlag weit eher für ein Spiel der Fantasie, als für die ernstlich gemeinte Aufforderung in einer großen politischen Maßregel, zu halten. Mit den Schwierigkeiten eines allgemeinen FriedenS vollkommen vertraut, hatte Österreich lange darüber gedacht, ob diesem fernen und mühsam zu erreichenden Ziele nicht allmählich, und Schrittweise, näher gerückt werden konnte, und in diesem Sinne sowohl gegen Frankreich, als gegen Rußland und Preußen, die Idee eines Con- tinental-Friedcns geäußert. Nicht als ob der oster- 2kZ rrichische Hof die Nothwendigkeit und den überwiegenden Werth eines von allen großen Mächten gemeinschaftlich verhandelten und abgeschlossenen Friedens/ ohne welchen für Europa weder Sicherheit »och Wohlfahrt zu hoffen ist, auch nur einen Augenblick verkannt, oder gemeint hätte, der Con- tinent könnte bestehen, wenn man je aufhörte, die Trennung von England als ein köstliches Übel zu betrachten! Die Unterhandlungen, die Österreich vorschlug, nachdem durch Frankreichs abschreckende Erklärungen fast jede Hoffnung auf Theilnahme .Englands an einem gemeinschaftlichen Friedensver- such vereitelt worden war, sollten nur als wesentlicher Bestandtheil einer bevorstehenden größer,, Unterhandlung, eines wahren allgemeinen Friedens- congreffes betrachtet werden; sie sollten diesem zur Vorbereitung dienen, Pcäliminar-Artik-l zum künft tigen Haupttractat liefern, durch einen langen Continental-Waffenstillstand einer ausgedehntem und gründlichern Verhandlung den Weg bahnen. Ware der Standpnnct, van welchem Österreich ausging, «in anderer gewesen, so würden sicherlich Rußland und Preußen, durch die bestimmtesten Verträge an England gebunden, sich nie entschlossen haben, den Einladungen des österreichischen Cabinets Gehör zu geben. 29 Nachdem der russische lind preußische Hof, von einem für Sr. Majestät, den Kaiser, höchst schmeichelhaften Vertrauen geleitet, sich bereit erklärt hatten, einem Friedens-Congreß unter österreichischer Vermittelung die Hand zu biethen, kam es darauf an, der förmlichen Beystimmung des Kaisers Napoleon gewiß zu morden, und von dieser Seite die Maßregeln zu verabreden, die unmittelbar zur Friedens- Unterhandlung führen sollten. In dieser Absicht entschlossen sich Se. Majestät, Hhren Minister der auswärtigen Angelegenheiten in den letzten Tagen des Juny-Monarh» nach Dresden zu schicken. Das Resultat dieser Sendung wa eine am 3o. Iimius abgeschlossene Convention, durch welche die von Sr. Majestät, dem Kaiser, angebothene Vermittelung zum Behuf eines allgemeinen, und, im Fall kein solcher zu Stande kommen könnte, eines vorläufigen Continental- Friedens vom Kaiser Napoleon angenommen wurde. Die Stadt Prag wurde zum Congreß-Ort und der 5. July zum Tage der Eröffnung bestimmt. Um die für die Unterhandlungen erforderliche Zeit zu gewinnen, war in derselben Convention festgesetzt, daß der Kaiser Napoleon den mit Rußland und Preußen bis zum 20. July bestehenden Waffenstillstand vor dem ao. August nicht aufkündigen 3o würde; und Se. Majestät, der Kaiser, Übernahm es, den russischen und den preußischen Hof zu einer gleichen gegenseitigen Erklärung zu vermögen. Die in Dresden verhandelten Puncte wurden hierauf diesen beyden Hosen mitgetheilt. Obgleich die Verlängerung des Waffenstillstandes mir manchen Bedenklichen, und manchen wesentlichen In- convenienzen für sie verknüpft war, überwog doch alle Einwürfe der Wunsch, Sr. Majestät, dem Kaiser, einen neue» Beweis Ihres Vertrauens zu geben, und zugleich vor der Welt zu beurkunden, daß sie keine Aussicht zum Frieden, wie schwach und beschränkt sie auch seyn möchte, vernachlässigen, keinen Verbuch, der den Weg dazu bahnen könnte, von sich ablehnen wollten. Die Convention vom 3o. Juny erlitt keine Abänderung, als die, daß der vermin der Eröffnung des Congresses, weil die letzten Verabredungen so schnell nicht harren beendiget werden können, bis zum 12. July hinausaerückt wurde. In der Zwischenzeit hatten Sr. Majestät, da Sie die Hoffnung, den Leiden der Menschheit und den Zerrüttungen der politischen Welt durch einen allgemeinen Frieden ein gründliches End- zu bereiten, nocy immer nicht aufgeben konnten, auch einen neuen Schritt bey der brirriichen Regierung be- 3r schloffen. Der Kaiser Napoleon hatte Ließ Vorhaben nicht nur mir anscheinendem Beyfall aufgenommen, sondern sich selbst erbothen, zur Abkürzung der Sache, den deßhalb nach England abzusendenden Personen die Reise durch Frankreich zu gestalten. Als es zur Ausführung kommen sollte, sanken sich unerwartete Schwierigkeiten vor; die Ertherlung der Püffe wurde von einem Termine zum andern, unter unerheblichen Verwänden aufgeschoben, zuletzt gänzlich verweigert. Dieser Vorgang liefert; einen neuen und bedeutenden Grund zu großen und gerechte» Zweifeln gegen dir Aufrichtigkeit der von dem Kaiser Napoleon mehr als ein Mahl öffentlich ausgestellten Versicherungen seiner Geneigtheit zum Frieden, zumahl, da man nach mehreren seiner Äußerungen, gerade damahls hatte glauben müssen, daß der Seefriede Ihm vorzüglich am Herzen läge. Unterdessen harten Ihre Majestäten, der Kaiser von Rußland nnd der König von Preußen, Ihre Bevollmächtigte zum Friedens-Congreß ernannt, und mit sehr bestimmten Znstrucrionen versehen; nnd diese Bevollmächtigte trafen, so wie der von Sr. Majestät mit dem Vermittelungs-Geschafre beauftragte Minister, am 12. Juli) zu Prag ein. Die Unterhandlungen, wenn sie nicht frühzeitig eine Wendung nahmen, die ein erwünschtes Re- 32 sultat mit Zuversicht voraussehen ließ, konnten nicht über den ro. August hinaus fortdauern. LlS zu diesem Termine war durch Österreichs Vermine- lung der Waffenstillstand verlängert; die politi'che und militärische Lage der Mächte, die Stellungen und Bedürfnisse der Armeen,, der Zustand der Länder, welche sie beseht hatten, der sehnliche Wunsch der verbündeten SouverainS, einer quälenden Ungewißheit ein Ende zu machen, gestatteten keine weitere Verlängerung. Der Kaiser Napoleon war mit allen diesen Umstanden bekannt. Er wußte, daß die Dauer der Unterhandlungen durch die des Waffenstillstandes nothwendig bestimmt war. Überdies, konnte der Kaiser Napoleon sich nicht leicht verberge», wie sehr eine glückliche Abkürzung und ein froher Ausgang des bevorstehenden Geschäftes von seinen Entschließungen abhing. Mit wahrem Kummer mußten daher Se. Majestät, der Kaiser, bald inne werden, daß von französischer Seite nicht nur kein ernsthafter Schritt zur Beschleunigung des großen Werkes geschah, sonder» vielmehr ganz so verfahren wurde, als hat» te man die Verzögerung der Unterhandlungen und die Vereitelung eines günstigen Erfolges bestimmt zur Absicht gehabt. Ein französischer Minister befand sich zwar am Orte deS Congresses, doch ohne Auftrag 35 irgend etwas zu unternehmen, bis der'erste Bevollmächtigte erschienen sey» würde. Die Ankunft dieses ersten Bevollmächtigten wurde von einem Tage zum ander» vergeblich erwartet. Erst am 2r. July erfuhr man, daß ein beym Abschluß der Waffenstillstands-Verlängerung zwischen den französischen und russisch- preußischen Commissarien vorgefallener Anstand, ein Hinderniß von sehr untergeordnetem Belange, das auf den Friedens- Con- greß keinen Einfluß haben konnte, und das durch österreichische Vermittelung leicht und schnell hätte gehoben werden können, jene befremdende Verspätung erklären und rechtfertigen sollte. Als auch dieser Vorwand beseitigt war, langte endlich der erste französische Bevollmächtigte den 26. July, sechzehn Tage nach dem z»r Eröffnung deS Congresses bestimmten Termin, in Prag an. Gleich in den ersten Tagen nach der Ankunft dieses Ministers blieb über das Schicksal des Con- greffes kaum ein Zweifel mehr übrig. Die Form, in welcher die Vollmachten übergeben und die wechselseitigen Erklärungen eingeleitet werden sollten, ein Punct, der früher bereits von allen Seite» zur Sprache gekommen war, wurde der Gegenstand einer Djscuffion, an welcher alle Bemühungen des vermittelnden Ministers scheiterten. Die offenbare C 54 Unzulänglichkeit der den Französischen Bevollmäch. tigten ertheilten Jnstructumen führte einen Stillstand von mehreren Tagen herbey. Nicht eher als am 6. August überreichten diese Bevollmächtigten eine neue Erklärung, durch welche die obwalrende Schwierigkeit in Rücksicht der Form nicht gehoben, die Unrerhandlung ihrem wesentlichen Zwecke um keinen Schrill näher gebracht wurde. Unter einem fruchtlosen Noten- Wechsel über jene vorläufige Fragen, gelangte man an den iv. August. Die russischen und preußischen Bevollmächtigten konnten diesen Termin nicht überschreiten; der Congreß war beendiget; und der Entschluß, den Österreich zu fassen hatte, war durch den Gang dieses LongresseS, durch die jetzt ganz vollendete Überzeugung von der Unmöglichkeit des Friedens, durch den längst nicht mehr zweifelhaften Standpunel, aur welchem Se. Majestät dir große Streitfrage betrachtete, durch die Grundsätze und Absichten der Lllurte», in welchen der Kaiser dieSeinigen erkannte, endlich durch die bestimmtesten früheren Erklärungen, die keinem Mlßverständniß Raum ließen, zum VorauS entschieden. Nicht ohne tiefe Betrübniß, und allein durch das Bewußtseyn getröstet, daß alle Mittel, die Erneuerung des Kampfes zu vermeiden, erschöpft 35 worden sind, sieht der Kaiser Sich zu diesem Schritte gezwungen. Seine Majestät haben drey Jahre lang mit.»«ermüdeter Beharrlichkeit darnach gestrebt, die Grundlage der Möglichkeit eines wahren und dauerhaften Frieden- für Österreich und für Europa auf müden und versöhnenden Wegen zu gewinnen. Diese Bemühungen sind vereitelt; kein Hülfsmittel, keine Zuflucht mehr, als bey den Waffen. Der Kaiser ergreift sie, ohne persönliche Erbitterung, aus schmerzhafter Nothwendigkeit, aus unwiderstehlich gebiethender Pflicht, aus Gründen, welche jeder treue Bürger Seines Staates, welche die Welt, welche der Kaiser Napoleon Selbst, in einer Stunde der Ruhe und Gerechtigkeit, erkennen und billigen wird. Die Rechtfertigung dieses Krieges ist in dem Herzen jedes Österreichers, wie jedes Europäers, unter wessen Herrschaft er auch lebe, mit so großen und leserlichen Zügen geschrieben, daß keine Kunst zu Hülse genommen werden darf, um sie geltend zu machen. Die Nation und die Armee werden das Ihrige thun. Ein durch gemeinschaftliche Noth und gemeinschaftliches Interesse gestifteter Bund nur allen für idre Unabdän- g'gkelt bewaffneten Mächten wird Unseren Anstrengungen ihr volles Gewicht geben. Der Ausgang wird unter dem Beystands des Himmels, die ge- C 2 36 rechten Erwartungen aller Freunde der Ordnung und des Friedens erfüllen. 2. Armee Befehl. Gegeben den 17. August iöi3. Ein großer Tag ist gekommen! Wackere Krieger! Das Vaterland rechnet auf Euch. Noch jedesmahl so oft sein Ruf an Euch erging, habt Ihr sein Vertrauen gsrcchlfertiget. Äle Bemühungen unsers Kaisers, den lange entbehrten Frieden in Europa wieder herzustellen, die Ruhe und Wohlfahrt der Monarchie, von der Ruhe und Wohlfahrt unserer Nachbarn unzertrennlich, auf einer dauerhaften Grundlage zu befestigen, waren umsonst. Weder ausharrende Geduld;»och versöhnende Vorstellungen, noch die vertrauensvolle Hingebung der übrigen kriegführenden Machte in des Kaisers Rathschläge und Maßregeln, nichts konnte den Sinn der französischen Regierung zur Mäs- slgung und Billigkeit»eigen. An dem Tage, wo Österreich sich laut für die Sache des Rechtes und der Ordnung erklärte, übernahm es auch die Verbindlichkeit, für Liese groß- 3? teu aller Güter zu kämpfen. Wir unternehmen den Kampf nicht allein. Wir stehen in einer Reihe mit allem, was Eurooa dem mächtigen Widersacher seiner Freyheit und Ruhe Großes und Wirksames entgegen zu stell-n hat. Österreich, Rußland, Preußen, Sckweden, England, Spanien.— Alle richten Ihre vereinten Anstrengungen auf einen gemein- schafilrchen Zweck, auf einen wohlgegründeten, dauerhaften Fricdensstand, eine billige Vertheilung der Kräfte unter den Staaten, die Unabhängigkeit jeder einzelnen Macht. Nicht gegen Frankreich, nur gegen französische Obergemalt außerhalb der Gränzen Frankreichs, erhebt sich dieser große Bund. Was Festigkeit und Ausdauer der Völker vermögen, habe» Spanien und Rußland an den Tag gelegt, was die vereinte Kraft so vieler mächtigen Staaten auszurichten vermag, wird das Jahr iÜi3 beweisen. In einem so heiligen Kriege müssen mir mehr als jemahls die Tugenden bewähren, durch welche unsere Armee in so manchen früher'» Kriegen geglänzt hat. Unbedingte Bereitwilligkeit für Monarchen undVaterland alles aufzuopfern, hoherGleich- muth in guten und bösen Tagen, Entschlossenheit und Ausdauer auf dem Schlachtfelde, Mäßigung ZU und Schonung gegen Wehrlose, diese muffe» allenthalben einheimisch unrer Uns seyn. Waffenbruder! In Euer» Reihen habe ich die Jahre verlebt, welche ich dem Dienste des Vaterlandes weihte: ich erkenne, ich ehre in Euch die -r.apfern, die in rühmlichen Schlachten kämpften, und die, die Ihnen nachstreben: ich vertraue Euch? — Mich wählte aus Euerer Mitte der Monarch.' Seine Huld stellte mich an Euere Spitze; Sein Vertrauen mit dem Eurigen vereint, find meine Starke. Wie jeder Einzelne dem Ganzen dienen soll, wird durch den ihm vorgeschriebenen Wirkungskreis bestimmt; aber»n jeder Bestimmung, aus jedem Skandpuncre, in jeder entscheidenden Stunde immer das Beste und Größte zu thun,— das ist der Entschluß, der Uns alle verbinden. Uns alle gleich machen. Uns alle zu demselben glorreichen Ziele erheben muß. Der Kaiser bleibt unter Uns; denn Uns hat Er das Höchste vertrauet: die Ehre der Nation, den Schutz des Vaterlandes, die Sicherheit und Wohlfahrt der Nachkommen. Denkt, Krieger, daß ihr vor Gott, der die gerechteste Sache nicht verlassen wird, unter den Augen eines väterlich-führenden Monarchen, unter den Augen Euerer dank- 39 baren Mitbürger, im Angesicht« von Europa, das große Thaten und großes Heil nach langen Leiden von Euch erwartet, in den Kamvf gehel! Denke, daß Ihr si-genmüsse r, um diese Erwartungen zu rechtfertige»; kämpft, wie es Österreichs Kriegern ziemt, und Ihr w erd- t siegen— Carl Fürst von Sch w a rz« nb e r g, Feldmarschall. S. Aufruf des Feldmarschalls Fürsten v. Schwarzenberg an die Einwohner von Sachsen. Einwohner von Sachsen! Bey dem Eintritt« der verbündeten Heere in euer Land, halte ich eS für Pflicht, Euch über den Zweck des gegenwärtigen Krieges aufzuklaren. Nicht aus Eroberungssucht, nicht gegen Euch, nicht gegen Frankreich, nur gegen französische Obergewalt außerhalb der Gränzen Frankreichs, haben die verbündeten Monarchen ihn unternommen; zum Schutze Ihrer Staaten und Volker haben Sie die Waffen ergriffen. Der hohe Zweck dieses Krieges, der den Wünschen und Bedürfnissen jeder Regierung und jedes Volkes entspricht, sichert auch Euch den Schutz der 4o Heere, die für die heilige Sache kämpfen. Ich verspreche Euch auf das feierlichste die Beobachtung der strengsten Ordnung und Mannszucht, unter der Bedingung eines ruhigen und wohlwollenden Betragens von Euerer Seite. Die drückenden Unordnungen und Erpressungen, die bisher auf Euch lasteten, sollen vom Tage des Einrückens der verbündeten Heere aufhören, und die unentbehrliche Benützung der Hilfsquellen des Landes mit möglichster Schonung des Privatbesitzers und des Wohlstandes der Einwohner vereint werden. Ich werde, sobald als möglich, Einrichtungen treffen, um die Lasten zu erleichtern, welche der Einzug so großer Streilkräfte und deren Verpflegung unvermeidlich macht. Ich rechne daher auf einen guten und gastfreundlichen Empfang von Seiten der Landesbewohner, und auf den guten Willen und die Thätigkeit der Landesbehörden, wodurch allein die Ordnung erhalten werden kann. n. B ü l l e t i n s über die wichtigsten Ereignisse der k. k. Haupt-Armee unter dem Oberbefehle des Herrn Feldmarschalls, Fürsten von Schwarzenborg/ bekannt gemacht durch die Wiener Zeitung. Bis zur Schlacht bey Leipzig. 43 r. überwöge officiel eingelaufener vorläufiger Nachrichten von der k. k. Haupt- Armee in Böhmen, haben seit der Eröffnung der Campagne bedeutende militärische Ereignisse Statt gesunden. Nachdem die Vereinigung der kaiserl. Russischen und der königl. Preußischen Armee mit der k. k. Haupt- Armee auf dem rechten Elb-Ufer bewerkstelliget war, und man die Überzeugung erlangt hatte, daß der Französische Kaiser sich mir seiner Hauptmacht gegen Schlesien gewendet hatt«, de- bouschirte die ganze vereinigte Armee aus Böhmen in Sachsen, um durch die Bedrohung der feindlichen Communications-Linien den Kaiser zu zwingen, dem größten Theil seiner Streitkräfte eine seinen vorliegenden Planen entgegengesetzte Richtung gegen das linke Elb- Ufer zu geben, und somit die Russisch Preußische, und die aus den Marken vorrückende Schlesifche Armee von dem Andränge einer unverhältnißmäßigen Übermacht zu schützen. 44 Der Einmarsch in Sachsen geschah in vier Co- können, von welchen die äußerste linke auf der^ Commotauer-, und die äußerste rechte auf derPir- ,, naischen Straße vorrückte. Diese letztere Russische Eolonne, unter den Befehle» des Generals der Ca-^ valkerie, Grafen von Wittgenstein, bemeisterte sich^ am üi. August mit einer seltenen Tapferkeit, und^ auf eine des hohen Unternehmungsgeistes ihres An-„ führerS würdige Art des befestigten Lagers bey Pir- y na. Die übrigen Colonnen besiegten alle Hinder-^ Nisse, welche sich in den steilen Gebirgen ihrem Vor-^ dringen auf jedem Schritte entgegenstellten. Der e ausharrende Muth der Armee setzte den komman-? direnden General in die Möglichkeit, durch eine§ schnelle Bewegung rechts, am 25. sich in der Nähe r von DreSden zu conzentriren. Am 26, Morgens bezog die Armee die Stel-, lung vor dieser Stadt. An diesem Tage wurde eins( starke Recognoscirung in der Absicht vorgenommen, t sich von der Stärke des Feindes in Dresden, und, der Ausdehnung seiner VertheidigungS- Anstalten I zu überzeugen. Sämmtliche Truppen bewiesen bey 1 dieser Gelegenheit den hohe» Geist, welcher sie be- l lebt. Mehrere Schanzen wurden mit stürmender l Hand genommen, das in ihnen befindliche Geschütz 1 vernagelt, und der Feind auf allen Puncten ge-> 45 warfen. Durch die Aussage der Gefangenen wurde man unterrichtet, daß der Französische Kaiser vor wenigen Stunden mit einem Theil seiner gegen Schlesien vorvoufsirren Armee in Eilmärschen in Dresden angekommen war. Diese Aussage bestätigte sich sehr bald durch das Herausdringen beträchtlicher Celonnen, unter welchen mehrere von der Garde, welche in der Stadt sornnrt, auf beyde Flügel in der offenbaren Absicht debouchrrken, sie zu umge- hen. Diese Ausfälle wurden überall mit dem größten Nachdruck zurückgewiesen, und der Feind mit einem außerordentlich bedeutenden Verlust in seine Verschanzungm zurückgeworfen. Die Armee bezog am Abend wieder die Stellung, von welcher sie am Morgen zu der Operation des Tages ausgerückt war. Am Morgen des 27. versuchte der Feind theil- weist aus Dresden zu Lekouchiren; er griff das Cenrrum mir vielem Ungestüm an, und unterstützte dieses Unternehmen durch nachdrückliche Demonstration gegen den rechten Flügel. Seine Angriffs blieben ohne Erfolg, und der Tag verstrich unter ähnlichen fruchtlosen Versuchen. Der Hauptzweck des Unternehmens der vereinigten Armee war erreicht. Durch diese offensive Demonstration wurde von den verbündeten, aber getrennten Corps die Gefahr abgewendet, einzeln der Übermacht zu unterliegen. Ei- 46 nen wirklichen Angriff auf Dresden nach dem Einrücken des größten Theils der Französischen Armee zu wagen, würde ein mehr als fruchtloses Unternehmen gewesen seyn, länger in den unwirthbaren Gegenden des Erzgebirges zu verweilen, würde die Armee unvermeidlichem Mangel an den unentbehrlichsten Lebensbedürfnissen ausgesetzt haben. Der Oberbefehlshaber entschloß sich daher, die Armee wieder über die Gränze von Böhmen zu führen. Diese Bewegung begann am Abend des 27.1m Angesicht des Feindes, und wurde am 28. mit aller Ruhe fortgesetzt. Am Morgen des 29. debouschirte eine beträchtliche feindliche Colonne auf der Straße von Zehist nach Peterswalde, und es engag,ne sich bald ein Gefecht mir dem Corps unter den Befehlen des Generals, Grafen von Ostermann, welches unter die merkwürdigen in den militärischen Annalen gehört. Das Qstermannsche, aus weniger als Luve» Mann, meistens auS den Russisch-kaiserl. Garden bestehende Corps, vertheidigte die Straße wahrend des ganzen TageS Schriet für Schritt. Bold erfuhr man, daß der vordringende Feind aus beynahe 4o,o»o Mann, unter den Befehlen des Generals Vandamme bestehe. Nach einer fast beyspiellosen Vertheidigung der Russischen Garde, wurde diese so überlegene Macht Abends 8 Uhr zumWei- 4? sinne« lehren die hr- die uh- !M Iler rte >ße sich eh- >es ia- als rl. ße tt. us es ^y- de ei- chen gekracht. Die Nacht machte dem für die Ruf» fisch- koffert. Waffen äußerst ehrenvollen Gefechte ein Ende. Der Feind blieb in der Stellung vor» Culm. F-Idmarschall Fürst S ch w a rz e» b e r g hat erne Disposition zum Angriff für den folgenden Lag entworfen, deren Resultate zu erwarten sind. D>e weiteren Details werden nächstens nachgetragen werden. Sämmtliche Truppen, lDsterrei- cher, Russen und Preußen haben mit der glänzendsten Tapferkeit gefochten. Von einem und demselben Gefühle beseelt, zu Einem Zwecke vereiniget, schienen sie nur Ein Heer zu bilde». 2. So eben langt die offic-elle Nachricht aus dem Hauptquartier der Feldmarschalls Fürsten von Schwarzenberg, am Lo. August Abends um 6 Uhr, über einen vollständigen Sieg ein, welchen b»e vereinten Armeen über das auf der Straße von Peterswalde nach Toplitz vorgerückte Armee-Corps unter den Befehlen des Generals Vandamme erfochten haben. Nachdem der Feind bereits am 2g., obgleich er mehr als 40,000 Mann stark war, den ganzen Lag durch die ausgezeichnete Tapferkeit ei- 48 „es Corps russisch- kaiserlicher Garden unter den Befehle» des Generals Grafen Osterman», von beyläufig Looo Mann im Vordringen bis Löplitz selbst verhindert wurde, und noch vor einbrechender Nach: bis Culm, welches er fortan behauptete, zurückgeworfen wurde, entschloß sich der Feldmar- schall Fürst von Schwarzenberg, das Vandanim'sche Corps durch die zum Soutien der russisch- kaiserlichen Truppen herbeygezogenen Divisionen Colloredo und Bianchi, dann die Cavallerie-Brigade Coburg angreifen zu lassen. Das Gefecht engagirte sich mit Anbruch des Tages. Die glücklichsten Resultate krönten das Unternehmen. Gegen 2 Uhr Nachmittags d-bouschirte das königlich-preußische Armee- Corps unter den Befehlen des Generals von Kleist aus den Defileen im Rücken des Feindes. Von die- sem Augenblicke an gerreth derselbe in die größte Unordnung, welche sich mit einer gänzlichen Niederlage endigte. Bey Abgang des Couriers konnte man die Zahl der Gefangenen, unter welchen sich mehrere Generale, nahmentlich der General Van- damme und der General Hapo, Chef des Genie- wesens befindet, die Menge des erbeuteten Geschützes, von dem man bereits 3ä Stück Kanonen zahlt, und des Gepäckes noch nicht bestimmen, da die ganze Straße mit Flüchtlinge» bedeckt war. D den von pUtz «der >ke, lar- sche rli- edo arg mit ate üc- ee- eist ie- ßte leite ich m- ie- >e- en da r, äg welche, zwischen zwey Armee-Corps eingeengt, größten TheUs in die Hände der Sieger fielen. An demselben Lage langten in dem Hauptquartiere der Haupcarmee die officiellen Nachrichten zweyer nicht minder wichtigen Siege ein, von welchen der eine am 20. August zwischen Lukau und Übichau durch Se. königliche Hoheit den Kronprinzen von Schweden errungen wurde, in welchem die alliirte Armee 26 Kanonen und 27 Muni- tionestarren eroberte, und i5ao Gefangene machte. Die geschlagenen französischen Armee Corps rekirir« ten in der größten Eile gegen Torgau. Den zweyten Sieg erfocht der königl. preußische Oberbefehlshaber der alliirten Armee in Schlesien, General von Blücher, über die Corps der Marschälle Macdonald und Ney, und der Generale Lauriston und Sebastian!, am 26. August bey Jauer, nachdem der französische Kaiser zwey Armee-Corps dem bedrohten Dresden zur Hülfe aus Schlesien abgeführt hatte. Die alliirte Armee, welche aus den Corps von Jork, Sacken und Längeren bestand, eroberte 3o Kanonen, 5o bis 60 Pulverwagen, und macht« gegen 2voo Gefangene. Die sämmtlichen verbündeten Armeen setzen nun ihre Operationen in der größten Übereinstimmung fort. 5r» S s. Tvplitz, den 3r. August r6i3. Der Feind hatte sich über die Ursachen unseres rückgängigen Bewegungen getauscht, und unternahm es, uns einzelne Corps aus den Defileen des Erzgebirges nach Böhmen nachzusenden. General Vandamme, Befehlshaber des ersten Armee-CorpS, mußte mit 62 Bataillons und 4 bis 5ooo Pferden von K önigstcin über Psterwald vorrücken. Ihm entgegen stand nichts als da« kaum 6000 Mann starke Corps des tapfern russischen Generals Ostermann, welches mit dem ausgezeichnetsten Muthe jeden Fuß breit Land s streitig machte. Den 2g. gegen Mittag trafen nach einem der beschwerlichsten Marsche die Russisch- Kaiser!. Garden zur Unterstützung ein; auch sandte der coni- Niandirende General e» Chef eine Russische Grena»' vier- Brigade von Eichwald aus zur Verstärkung; i sie griffen den Feind mit Löimnntt'ch an', und war. fen ihn nach ungeheuern Anstrengungen bis gegen Kanvitz. Das Gefecht war durch diese glückliche Haltung der Russen hergestellt, und die Aussüh- l rung der Disposition zum Angriff des Feindes M den folgenden Tag möglich. s» Der commandirende General-Feldmarschall, Fürst Schwarzenberg, ertheilre dem General Bar- rlay de Tolly den Auftrag zum Angriff, den dieser General mit jener Geschicklichkcit ausführte, die man von ihm erwarten durft«. Die Divisionen Col- loredo und Bianchi, nebst der Russischen Brigade des Generals Knorring, umgingen am 3». Morgens den Feind in seiner linken Flanke, wahrend die Russen seinen rechten Flügel beschäftigten, General Kleist aber im Rücken des Feindes auf den Paß von Nollendorf marschirte, und ihm dadurch jeden Rückzug unmöglich machte. General Knorring stürmte mit seiner vortrefflichen Cavallerie die erste Batterie des Feindes, und nahm 3 Kanonen. Die Colonne des§. M. L. Grasen Colloredo stürwte auf die ausgezeichnetste Weise die Hohen des feindlichen linken Flügels, und vertrieb ihn aus Parchwitz und Neudorf; nach der tapfersten Gegenwehr wurde der Paß von Nollendorf durch den General Kleist forcirl. Dem Feinde blieb»ichtS als die Wuth der Verzweiflung; von allen Seiten umgangen, in der Fronte aber unausgesetzt von den Russen nach den Defileen gedrängt, glückte eS nur einem kleinen Rest der feindlichen Cavallerie, sich durchzuschlagen; alles Übrige ward niedergemacht oder gefangen. Das Schlachtfeld ist mit Töd- r>2 52 ten bedeckt, gegen 8000 Gefangene sind bis jetzt eingebracht, der Überrest wird in den Wäldern aufgesucht, und jeden Augenblick vermehrt sich ihre Zahl. 8i Kanonen, 2 Adler und 2 Fahnen sielen in unsere Hände; auch nicht ein Geschütz des Fem- des entkam. General Vandamme, der DivisionsGenie-General Haxo, die Brigade-Generale Guiot und Haimbrodt sind gefangen. Die Divisions-Generale Dümonceau, Montcsquiou Fezen- sac und Prinz Neuß blieben auf dem Platze, alle übrigen sind zerstreut und blessirt. Das erste Armeecorps des Generals Vandamme hat aufgehört, zu seyn. Die Folgen unserer früheren Offensiv-Dcmon- stration bewahren sich in diesem Augenblicke. General Blücher hat die Corps von Macdonald, Ney, Lauriston und Sebastiani, am 26. August bey Jauer angegriffen, und nach der heftigsten Gegenwehr geschlagen. Der Feind ist in der größten Unordnung. Lc» Kanonen und gegen 6000 Gefangene waren nach den letzten Nachrichten bereits eingebracht. Die Zahl der Gefangenen würde noch großer seyn, wenn nicht mit so großer Erbitterung gefochten, und größten« theils dasBajvnet gebraucht worden wäre. 53 Oberst Mensdorf operirt mit dem besten Erfolge im Rücken des Feindes, hob Couriers auf, machte Gefangene, zerstreute mehrere gegen ihn ausgesandre Cavallerie-Abtheilungen, und hielt sogak die Üooc» Mann starke Garnison von Leipzig in so großer Ehrfurcht, daß sie es nicht wagte, ihm aus der Stadt etwas entgegen zu schicken. Der Kronprinz von Schweden schlug den Feind am23sten zwischen Teltvw und Trebbin, und nahm ihm eine bedeutende Anzahl Geschütz. Die in den Hauptquartieren des Kronprinzen von Schweden und des Generals Blücher erschienenen Dülletins enthalten die näheren Umstände «der diese Gefechte. Die vereinigten Armeen setzen ihre Operationen im vollkommensten Einverständnisse fort. Hauptquartier Tö plitz den i. September»8r3, 6 Uhr Abends. In diesem Augenblicke trifft ein Courier des Generals Blücher mit neuen Siegesnachrichten ein. Bon der 60,000 Mann starken französischen Armee, welche gegen Schlesien aufgestellt war, sind kaum r0,000 in Ordnung, alles Übrige ist 64 aufgelöst.»5,ooo Gefangene, 92 Kanonen, Satz Munitionswagen und 4 Adler sind in den Handen der Sieger. Alles Übrige ist todt, bleffirt und zerstreut. Bloß daS ausgetretene Wasser der Bober hinderte die gänzliche Vernichtung des FeindeS. Zugleich fand die ganze Division Puthot vor Löwenberg ihr Ende; sie siel, ihren General, alle Offwiers semeS Generalstabs an der Spitze, dem General Längeren in die Hände; was nicht gefangen ward, erkrank in der Boder. Die Armee des Marschalls Maedonqld ist s» gut als vernichtet. 4. HauptquartierTöplitz, den 9. September ißiS. Die Avantgarden der Haupt-Armee gewinnen täglich mehr Terrain in Sachsen. Die des Generals Grafen Wittgenstein hatte gestern ein sehr glänzendes Gefecht, sie vertrieb den Feind aus Pirna und Dohna bis gegen Dresden. Gegen Abend erhielt der Feinh bedeutende -Verstärkung, und griff die Vortruppen mit sehr überlegener Macht an; aber die Angriffe des Feindes wurden von den tapfern Rusien zurückgewiesen. 5s Md Piriig und Zehist, so wie Zitschendorf behauptet. Zwey Escadron- vom 14. französischen Hus- saren-Regiment wurden von den Grodnoschen Hus- saren, wahrend des Gefechte« abgeschnitten, größten TheUS niedergehauen, und der Rest, nebst dem Oberstlieutenant, welcher sie befehligte, gefangen. Die Avantgarde des rechte» Flügels steht vor Zittau und in Rumburg. Oberst Graf Zichy hat RumbarK forcirt, und dabey mehrere Gefangene gemacht. Der Kaiser Napoleon schien vor einigen Tagen seine ganze Macht gegen den General Blücher wenden zu wollen; letzterer nahm daS ihm angebothene Treffen nicht an, und zog sich bis gegen die Neiffe, während seine Srreifcommandos, in Verbindung mir den Österreichischen des Generals Grafen Bub. »a, im Rücken der Armee mit vielem Erfolge wirkten. Major Falkrnhausen und Rittmeister Schwa» nenfeld überfielen am 1. dieß zwischen Görlitz und Bautzen 4 Compagnien französischer Artillerie, eine Escadron Chaffeurs und, eine Compagnie Infanterie, zerstreuten sie ganz, und nahmen ihnen die letzte Kanone ab, welche sie aus der Schlacht an derKatzbach übrig hatten. Ein Secretar deS Grand- 56 Eeuyer, Herzogs von Vieenza, der in Vautzen Quartier machen sollte, würd» auf dem Wege da. hin gefangen. » Der Kronprinz von Schweden erwartete zwischen Treuenbritzen und Wittenberg einen neuen Angriff des Feindes, und hatte zu diesem Zwecke seine Armee am 5a. August zusammengezogen. Der Feind hat jedoch auch hier in der Nacht vom 5i. August auf den i. September seinen Rückzug angetreten, und ward von der Cavallerie des Kronprinzen verfolgt. Seit Eröffnung des Felbzugs hat die Armee des Kronprinzen 200 OfficierS und 6000 Mann gefangen genommen, und 4» Kanonen erobert. Die Division Girard ist ganz vernichtet. Die Garnison von Luckau hak sich nut Capitu« lation ergeben. General Walmoden steht bey Schwerin, und erhalt in diesen Tagen eine bedeutende Verstärkung. Von allen Vorposten werden täglich eine Menge Gefangene und Überläufer eingebracht: die Anzahl der letzter» belauft sich seit einigen Lagen auf mehrere Tausend. 5? 5. Hauptquartier TSplitz, am r2. September i8,5. Der Feind hat gestern und vorgestern Bewegungen an unserer Fronte gemacht, welche ernstliche Angriff- vermuthen ließen. Wir erwarteten ihn mit Sehnsucht in derselben Stellung, welche vor Kurzem dem Vordringen des General Van- damme ein für»hn so unglückliches Ziel setzte. Der Kaiser Napoleon war mit seinen Garden selbst zugegen. Bis jetzt erwarten wir das Debou- schiren des Feindes vergeblich. Seine Vorposten ziehen sich zurück, die unsrigen folgen ihnen auf dem Fuße. So eben trifft ein Courier aus dem Hauptquartiere Sr. konigl. Hohe,l des Kronprinzen von Schweden mit der höchst erfreulichen Nachricht von einem neuen, wichtigen Siege ein, welcher am 6. d. M. von den Truppen, unter Commando Sr. konigl. Hoheit, bey Dennewitz, zwischen Jütec- bock und Zahne, über die Armee-Corps des Marschalls Herzog v. Reggio, der'Generale Bertrand und Reynier, und des Herzogs v. Padua, stimmt- 58 lich unter dem Oberbefehl'des Marschalls Fürsten von der Moskau, erfochten wurde. Nachstehendes ist der umständliche Bericht, welcher im Hauptquartier Sr, königl. Hoheit hierüber bekannt gemacht wurde. Hauptquartier Jüterb ock, den 8. Sept. i8r3. Der Kronprinz verlegte sein Hauptquartier am 4- d° M. stach Rabenstein. Indem Augenblicke, wo Se. königl. Hoheit mit der russischen und schwedischen Armee sich nach Roßlau in Marsch gesetzr harten, um daselbst über die Elbe zu gehen, und sich nach Leipzig hin zu wenden, erfuhren Sie, daß sich der Feind, nachdem er Miene g/machts hatte, auf das linke Ufer dieses Flusses zurück zu gehen, auf ein Mahl wieder in seine Verschanzungen bey Teuchl undTra- gun vor Wüttenberg geworfen habe. Diese plötzliche Rückkehr ließ vermuthen, daß er entweder im Sinne habe, die vereinigte Armee mährend ihres Überganges über die Elbe anzugreifen, oder rasch auf Berlin los zu marschiren. Der Kronprinz ließ den Marsch der gesammten Armee nur langsam fortsetzen, und kündigte an, daß sie am folgenden Tage ihre nähere Bestimmung erhalten würbe. Zwey Bataillons, ein prenßlscheS und ein schwedisches, 5g wurden unter Cowmando des Oberst-Lieutenants Holst, Adjutanten Sr. konigl. Hoheit, nach Roßtau detaschirt, um alle zur Erbauung einer Brücke erforderlichen Materialien aufzutreiben. Die Berichte der Vorposten meldeten stündlich/ daß der Feind auf Zahne los marschire. Dieser vvm Corps des Generals Dobschütz besetzte Posten gehörte zum Armee-Corps des Generals Grafen v. Tau- rnzien. Er«bürde am 4. Sept. Nachmittags von einer außerordentlichen Übermacht angegriffen, und mit großer Tapferkeit behauptet. Der Feind kehrte- nach dem mehrere seiner wiederhohlten Angriffe abgeschlagen worden waren, in seine Verschanzungen von Wittenberg zurück. Tags darauf, den 5. Sept. wurden neue mörderische Angriffe auf Zahne gemacht, und diese Position trotzdem Muthe, mit welchem sie vom Generale Dobschütz und den Truppen unter seinem Commando vertheidiget ward, erobert. Dasselbe geschah nach einem hartnäckigen Widerstand mit dem Posten von Seyda, der von dem Corps des Grafen v. Lauenzien besetzt war. Die Landleute, dir Vorposten und die Kundschafter meldeten mit Bestimmtheit, daß der Feind die Straße nach Torgau einschlage. Jede Stunde brachte yeue Aussagen dieser Art; eine einzige Meldung kam, daß der Feind im Sinne habe, auf Iüterbock zu marschiern. Der Kronprinz brach am 6. Sept. um 3 Uhr Morgens von Rabenstein auf, und sammelte die schwedische und russische Armee auf den Anhöhen von Lobessen. Se. königl. Hoheit erwarteten noch Berichte vom General Tauenzien, den Sie stark im Handgemenge"begriffen glaubten, alS Sie einen Bericht vom General Bülow mit der Meldung erhielten, daß die ganze feindliche Armee in Masse auf Iüterbock zu marschiere, und daß er ganz überflügelt sey. DerKronprinz ertheilte hm Befehl, den Feind sogleich in der Flanke und im Rücken anzugreifen, bevor General Tauenzien, welcher die Zugänge zur Stadt vertheidigte, von der Mehrzahl überwältigt würde. Die schwedische Armee, welche schon über 2 Meilen zurück gelegt hatte, setzte sich auf Iüterbock, daS noch 3 Meilen weil entfernt war, in Marsch; die russische Armee folgte ihr, mit Ausnahme der Avangarde, unter den Befehlen des Generalen Grafen v. Woronzoff, und des Corps vom Generalen Czernitscheff, welche vor Wittenberg blieben. Nicht lange, und das Kanonen- und Kleingewehrfeuer begann zwischen den preußischen Truppen und der feindlichen Armee. Die russischen und schwedischen Corps rückten in forcir- 6t ten Märschen vor, mußten aber einen Augenblick Halt machen, um sich in Schlachtordnung aufzu- stellen. Die preußische/ höchstens 20,000 Mann starke Armee hielt inzwischen mit wahrhaft heroischem Muthe die wiederhohlren, von 2oo Kanonen unterstützten Angriffe von 70,000 Feinden auS. Der Kampf war ungleich und mörderisch; doch herrschte nicht einen Augenblick Unentschiedcnheit unter den preußischen Truppen, und wenn einige Bataillons das gewonnene Terrain augenblicklich räumen mußten, so geschah es nur, um es auf der Stelle wieder zu erobern. In dieser Lage der Dinge rückten 70 russische und schwedische Bataillons, ro,ooo Mann Cavallerie von beyden Nationen, und r5o Stück Geschütz in Angriffs- Colonnen mit freyen Zwischenrvumen zum Entwickeln vor. Schon waren über Hooo Mann russischer und schwedischer Cavallerie, und mehrere Batterien in Galopp heran gesprengt, um-inen Punct, gegen den der.Feind vorzüglich seinen Angriff richtete, zu unterstützen. Ihre Ankunft fing an, demselben Einhalt zu thun, und die Erscheinung der Colonnen that daS Übrige. Das Schicksal der Schlacht war auf der Stelle entschieden. Die feindliche Armee trat den Rückzug an; die Cavallerie griff mit einer an Wuth gränzenden Kühnheit an, und brachte die Colonnen in 62 Ünordnung, die sich in größter Eile aüf der Strä« sie nach Dahme zurück zogen. Die feindliche Macht bestand aus 4' Armee-Corps, denen des MarschallS Herzogs v. Reggio, der Generale Dertrand, Rey- nier und des Herzogs v. Psdüa, und auS ungefähr 3 bis 4«vo Pohlen, sowohl Infanterie als Cavallerie; das Ganze unter Commando des Märschalls Fürsten von der Moskwa. Dar Resultat dieser bey dem Dorfe Dennewitz (von welchem sie den Nahmen tragen wird,) gelieferten Schlacht, waren gestern Morgens schon bey üoao Gefangene, 3 Fahnen, 25 bis 5o Kanonen, Und über 2oo Munitionswagen- das Schlachtfeld und die Straßen, auf denen det Feind zog, sind mit Todten und Verwundeten, und einer großen Menge Waffen bedeckt. Man hat deren bereits über 6ooo aufgesammelt. Rasch verfolgt wird der Feind, der sich gegen Torgau wenden zu wollen scheint, die Elbe nicht erreichen, ohne noch bedeutenderen Verlust erlitten haben. Bereits gestern Abend hat General Wobeser, welcher Befehl erhallen hatte, mit KoooMann von Luckau auf Dahme zu marschiren, in letzterer Stadt, wo sich der Fürst von der Moskwa, und die Herzoge von Reggio und von Padua befa' i''', einen Theil der feindlichen ArNlkt, der si^ nach Dresden ziehen wollte, 65 eingegriffen, und 2600 Gefangene gemacht. Major Hellmig ist mit 800 Mann Cavallerie, nach Schweinitz und Herzberg aufgebrochen, hat in d«t Nacht eine feindliche Colonne angegriffen, 600 Mann gefangen genommen, und 8 Kanonen er» beutet. General Orourk machte an der Spitze seiner Cavallerie über ivoa Gefangen«, und eroberte mehrere Kanonen. Die leichten Truppen bringen Leren jeden Augenblick ein. Der Verlust des Feindes an Todten und Verwundeten muß ungeheuer seyn. Dem Fürsten von der Moskwa wurde die Hälfte seiner Escorte getvdtet. Der Marschall Herzog von Reggio hatte die Infanterie deS Grafen von Tauenzien selbst angegriffen, und General R-ynier ist wie einer, der den Tod wünscht, sehr lange unter dem Feuer unserer Tirailleurs geblieben. Man kann annehmen, daß der Feind bis jetzt an Todten, Verwundeten und Gefangenen ,6 bi- 18000 Mann, über 6c, Kanonen und 400 Munitionswagen verloren habe. Der Verlust der preußischen Truppen ist stark, und beläufl sich auf 4 bis 5ooo Mann an Todten und Verwundeten. Die Resultate dieser Schlacht Müssen jedoch jeden echten Patrioten trösten, der den Triumph der Stadt seines Vaterlandes durch den Tod dieser Tapfern gesichert sieht. 64 Die schwedischen und russischen Truppen haben wenig gelitten. Sämmtliche Truppen wetteiferten an Much und Ergebenheit. Das heldenmüthige Beyspiel, welches die preußischeArmee gegeben hat, wird «wig in dem Andenken jedes Kriegers leben, und diejenigen begeistern, welche für Deutschlands Unabhängigkeit kämpfen. Die russischen und schwedischen Truppen, welche Theil an dem Gefechtenahmen, haben die Anstrengungen ihrer Waffenbruder tapfer unterstützt. General Dülow hat die Ruhe und Tapferkeit eines Kriegers bewiesen, der keinen andern Zweck kennt, als den Ruhm seines Komgs, und die Vertheidigung seines Vaterlandes. Die Offieiere unter seinen Befehlen folgten seinem ehrenvollen Beyspiele. Der Prinz von Hessen- Homburg, die Generäle Opven, Borste! und Thümen, so wie der Oberst Kraft, haben sich ganz vorzüglich ausgezeichnet. General Graf Tauenzien hat neue Beweise von Talenten und Kaltblütigkeit gegeben, er hat beynahe den ganzen Tag über die lebhaften und wiederhohlten Angriffe des Feindes ausgehalten, und sowohl durch die Kühnheit, die er zeigte, als durch die gute Wahl seiner Positionen sehr viel zum glücklichen Erfolge der Schlacht beygetragen. 6S Der russische General Graf von Mateufel hat sich durch einen Angriff an der Spitze seiner Brigade ausgezeichnet. Die Generäle Woronzoff, Czernitscheff, Denkenden und Hirschfeld konnten zwar, da sie weit vorwärts auf der rechten Flanke des FeindeS standen, kernen Theil an der Schlacht nehmen, haben jedoch durch die Stellungen, welche sie besetzt hatten, zum glücklichen Erfolge dieses Tages ganz vorzüglich beygetragen. Der Feldmarschall Graf von Stedingk, und der General Baron von Winzingerode, nebst den Generalen, Offrcieren und Truppen unter ihren Befehlen haben es bedauert, daß der hastige Rückzug des Feindes bey ihrer Annäherung ihnen nicht gestattere, seine Vernichtung durch einen gleichzeitigen Angriff zu vollenden. Der Wind und die drcken Staubwolken, welche den ganzen Tag hindurch wehren, hinderten die schwedische und russische Armee lange Zeit, sich gegenseitig zu sehen, obwohl sie verabredeter Maßen und auf derselben Linie marschirren. Der Kronprinz zwar immer von seinem Gene- ralstabe umgeben; der General Baron von Adlerkreuz hat ihn nur verlassen, nach dem er Befehl erhallen hatte, sich mit mehreren von dem Ober» L 66 sten Cardell angeführten Batterien auf die rechte Flanke der preußischen Armee zu begeben. Dieser General hat die Absichten Sr. k. H. vollkommen entsprochen, und erwirbt sich mit jedem Tage neue Ansprüche auf seine Achtung und Freundschaft. Se. k. H. sind gleichfalls mit dem E'fer der Generäle Baron von Tavart und Graf von Lowenghielm sehr zufrieden. Die Generäle Freyherr» von Suchtelen von Vincent, von Krusemark und Pozzo di Borgs sind beständig bey der Person des Kronprinzen geblieben. Heute wurde bey allen Armee- CorpS ein fey- «rliches Te Deum zur Danksagung für die von den vereinigten Armeen seit Eröffnung der Feindseligkeiten errungenen Vortheile gesungen. Unter den Gefangenen befinden sich viele Sachsen, welche eine sächsische Legion zu bilden ver-e langt haben, die für tue Unabhängigkeit der Fürsten, und für die Freyheit Deutschlands kämpfen sollen. Der Kronprinz willigt in ihr Begehren, überzeugt, daß dieAnhangUchkeit dieser Braven den Mitten Höfen Freude machen werde. 6f Hauptquartier To plitz den r2. September ,Ui3. Abends ro Uhr. So eben langt ein zweyter Courier aus dem, schwedischen Hauptquartiere von, 9. an, und bringt die Nachricht, daß die Franzosen nach der Schlacht von Dennewitz bis unter die Kanonen von Torgau verfolgt worden sind, wo ihnen Oberst Pah- len noch 5oo Mann, und zwey Kanone» abnahm. Die Armee des Kronprinzen hatte bereits Mühl- berg, Sensienberg und Elsterwerda besetzt. Die Zahl der eroberten Kanonen belief sich bey Abgang des Couriers auf 76, die der Murntions- wagen auf 400; Gefangene waren io bis»200a eingebracht. Äon der Niederere war die Nachricht eingegangen, daß sich Marschall Davoust nach Hamburg zurück gezogen habe. General Wallmoden/ der bey Abgang der letztest Nachrichten in Boje tzenburg stand, hatte ihm auf seinem Rückzug iocio Gefangene abgenommen, auch war zu dem General Wallmoden ein ganzes Bataillon Wür- temberger übergegangen. Heute Nachmittags würde hier im Feldlager der vereinigten Armeen, wegen des bey Dennewitz E 2 66 glorreich erfochtenen Sieges ein feyerliches Te Deiim abgesungen, und die Kanonen gelost. 6. Hauptquartier Toplitz, den i5. September i6a5. S«. Durchlaucht der commandirende General Fürst von Schwarzenberg hat eine starke Recognos- cirung des Feindes für nöthig befunden, und ließ daher die auf der Straße von Nollendorf stehende» Corps des Generals Grafen von Wittgenstein und Feldzeugmeisters HieronymuS Grafen Colloredo gegen Nollendorf vorrücken. Man hoffte, der Feind werde sich in seiner Stellung halten, und hatte zu diesem Zwecke die Colonne des Grafen Colloredo über Breiten»», und die des Prinzen August von Preußen über Ebersdorf in die rechte Flanke des Feindes detaschirt, wahrend der Herzog von Würtemberg und der General Graf Pahlen seine Fronte, und seine linke Flanke angreifen sollten. Der Feind hatte jedoch sein Geschütz bereits zurückgebracht, und vertheidigte sich bloß mit Infanterie. Der tapfere General Graf Pahlen griff diese ohne die übrigen Truppen abzuwarten, schnell 6g mit dem Jsum'schen und Lubinskischen Husaren-Re- giment an, wobey ein feindliches Bataillon ganz niedergehauen, ein anderes gefangen wurde. General von Lhielemann hat sich von Altenburg auf Weifsenfels gewendet, und diesen Ort, der mit Infanterie und Artillerie besetzt war, for- cirt. Ein Brigade-General, i Oberster, 87 Offi- ciers und i254 Gemeine fielen in seine Hände. Oberst Graf von MenSdorf machte in Würzen zwischen Leipzig und Dresden mehrere Hundert Gefangene. Unter diesen befindet sich ein französischer Courier, welcher das Postpacket der französischen Armee nach Paris fuhren sollte; einige Tausend Briefe, und mehrere wichtige Depeschen fanden sich bey ihm. Man erfuhr unter andern aus diesen Briefen, daß die neue Garde, und vorzüglich ihre Artillerie, in den Gefechten bey Dresden außerordentlich gelitten hatten. Die Generale Vachot und Siebter sind geblieben; die Generale Dumoustier, Dental, Gros, Boieldieu, Maison, Been und Aubert sind schwer verwundet. Übrigens vereinigen sich all« diese Schreiben 7" dahin, den traurigen Zustand der französischen Arme« und ihre Hoffnungslosigkeit zu schildern. Dre Straßen von Dresden und Torgau nach Erfurt sind mit französischen Flüchtlingen und Trai- sieurs bedeckt. 7- Hauptquartier Tö plitz, den 19. September i6i3. Der Kaiser Napoleon hatte am»6. Sept. einen großen Theil der Rests, welche ihm von den Armeen gegen den General von Blücher und den Kronprinzen von Schweden übrig blieben, mit dem ,., 2. und 14. Armee-CorpS vereinigt, und war an der Spitze seiner Garden bis gegen Nollendorf vorgerückt. Dre Aussagen der Gefangenen, und besonders die Vorbereitungen des FeindeS, ließen keinem Zweifel Raum, daß er eine ernsthafte Operation auf Böhmen, unter der persönlichen Leitung deS Kaisers, beabsichtige. Er ließ zu diesem Zwecke am 17. Mittags seine Colonnen gegen Nollendorf herabdesiliren. Se. Durchlaucht der commandirende General, Fürst Schwarzenberg, hatte befohlen, daß sich 7» allr Vorposten bis in dir Stellung von Culm zurückziehen sollten, um den Feind daselbst zu erwarten. Die Dörfer Arbessen, Dellisch, Knienitz und Jsnsdorf, wurden ihm überlassen. Es begann eine sehr lebhafte Kanonade. Die Corps der K. Z. M. Grafen Colloredo und Merveldt defilirten über Deutsch- Neudorf und über Knienitz in des Feindes linke Flanke, wahrend der Graf von Wittgenstein die Preußen unter dem General von Ziethen mit Jnfanteriemassen auf die Froitte de§ FeindeS vorrücken ließ. Der Feind entwickelte immer mehr Streitkräf» te. Es mußte ihm alles daran liegen, Terrain zum Debouchiren zu gewinnen. Die Cavallerie der Garden attakirre mit vieler Entschlossenheit unsere Bat- rerien, während die französischen Jnfanteriemassen auf allen Seiten ein mörderisches Feuer machten. In diesem wichtigen Augenblicke sprengte«ine Escadron Hessen-Homburg Husaren, von der tapfern preußischen Cavallerie unterstützt, mit der ihnen eigenen Entschlossenheit in die feindlichen Reihen. Die österreichischen Jnfanteriemassen folgten ihnen mit der tapfersten Kaltblütigkeit. Der Feind wurde Überall zurückgeworfen, und in der größten kln» vrdnung auf die Höhen von Nollendorf zurückgetrieben. Der französische General Kreuzer, 7 Kanonen und 1 Fahne fielen in unsere Hände. Die Anzahl der Gefangenen belauft sich über Lnno. Ein dichter Neb-l, und die Dunkelheit der Nacht, retteten die feindlichen Colonnen vom unvermeidlichen Verderben. Der Kaiser Napoleon soll selbst in ihrer Mitte gewesen, und nach Aussage der Gefangenen, ihm ein Pferd blessirt worden seyn. Nach den französischen Bulletins ist die französische Armee auf allen Puncten siegreich, und im Vorrücken. In der Wirklichkeit hat sie das rechte Elbe-Ufer größten Theils verlassen, und bisher drey Versuche gemacht, nach Böhmen einzudringen, welche all« zum Verderben der vorgedrungenen Corps gereichten. Alle Nachrichten über den Stand der französischen Armee rm Erzgebirge stimmen darin überein, daß sie dem schrecklichste» Mangel Preis gegeben ist, täglich aus Mangel an Fourage Hunderte von Pferden verliert, und sich vom Pferdsieische nährt, Se. kaiserl. Hoheit der Großfürst Constantin befanden sich wahrend des Gefechtes im größten Kugelregen unter der Avantgarde. General Graf Wittgenstein, der Herzog Würtemberg, die Feldzeugmeister Grafen Merveldt und Colloredo, der General von Ziechen, der F. M. L. AloysLichten- stein, die Oberstlieutenants Symony, Lougier und Czorich, welcher Letzterer vom?lnfange des Gefechtes mit vieler Thätigkeit wirken konnte, der Ma,or LouiS Geppert, und der Rittmeister Döry hatten besondere Gelegenheit stch auszuzeichnen. Die drey verbündeten Armeen fochten an diesem Tage abermahls, von demselben Geiste beseelt, brüderlich vereint. Se. Russisch-Kaiserliche Majestät haben noch in der Nacht nach dem Gefechte dem F. Z. M. Grafen Colloredo das Kreuz des militärischen E>t. Georgen Ordens dritter Classe, und dem F. M. L. Fürst Aloys Lichtenstein einen goldenen, mit einer brillantenen Aufschrift gezierten Ehren-Degen zugesendet. Nach so eben aus Danzig eingegangenen Nachrichten sind die Parallelen vor dieser Festung schon eröffnet. ö. Zu Folge vorläufigen aus dem k. k. Hoflager heute in der Früh allhier eingetroffenen Nachrichten- vom rg. des s. M. um 6 Uhr Morgens, haben die alliirten Armeen am 16. und ,6. dieses, in der Gegend von Leipzig, einen vollständigen Sieg über die französische Armee erfochten. Die umständlichen Details dieser großen Schlacht wurden noch im k. k. Hauptquartier gesammelt, um gleich durch einen zweyten Courier anher befördert zu werden, der allhier seinen feyerüchen Einzug halten soll. Die schon bekannten Trophäen dieser großen Schlacht, bestanden beym Abgang deS Couriers in gc» Kanonen. Die vereinten Armeen des Fürsten vo» Schwar- zenberg, Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen von Schweden, der Generale v. Blücher und Bennig- ssu haben auf einem und dem nähmlichen Schlachtfeld« gekampft, und den Feind aus allen seinen Stellungen vertrieben, indem sie ihn auf Leipzig zurück warfen. Der Feuid trat seinen Rückzug über Merse- Lurg WeissenfelS an, und wurde von den alliirten Armeen cotojirt und verfolgt. Dir Resultate dieses Sieges sind unermeßlich. ?5 Alle alliirtsn Armeen haben mir gleicher Tapferkeit und Ruhm gefochten. Ihre Majestäten, die Kaiser von Österreich und Rußland, dann der König von Preußen, haben nicht einen Augenblick das Schlachtfeld verlassen. Se. Majestät der Kaiser haben den Commandi- renden en Chef, F. M. Fürsten v. Schwarzcnberg, auf dem Schlachtfelds mit dem Großkreuz des Marien- Theresien- Ordens decorirt. Zwey königl. Würtembergische Cavallerie- Regimenter, unter dem Generale v. Normann, dann 2 königl.sächsische Cavallerie- Regimenter, nebst-7 Bataillonen Infanterie und 2 Batterien mir dem General v. Rüssel, gingen während der Schlacht zu den Fahnen der Alliirten über. Eine nachträgliche Meldung vom ,9. um 1« Uhr Morgens erwähnt der lebhaften Verfolgung des Feindes auf seinem eiligen Rückzüge. General der Cavallerie Graf Klenau für sich hatte ihn am nähmlichen^Morgen bereits 3 Kanonen und soPulverwagen abgenommen. Überall fand man im Stiche gelassene Artillerie hin und her zerstreut. 76 Ein königl. baierischer Courier hatte die Nachricht in das k. k. Hauptquartier gebracht, daß der eommandirende General der Cavallerie, Graf von Wrede, am 24. dieses mit der vereinten österreichisch-baierischen Armee in Würzburg eintreffen werde. 9. Hauptquartier Roth a, den 19. Octob-r rüiS. Der Kaiser Napoleon hatte am i5. d. M. seine ganze Macht bey Leipzig versammelr, seinen rechten Flügel bey Konnewitz, daS Centrum bey Probsthayda, und den linken Flügel bey Sröneritz aufgestellt, und vor der Fronte die Dörfer Delisch, Wachsn und Holzhausen stark besetzt. Gegen die Armee des Generals der Cavallerie von Blücher, hatte er zwey bis drey Armee-Corps, worunter sich auch«in Theil der Garde befand, aufgestellt. Das CorpS des Generals Reynier, welches durch De- taschements von ander» Corps verstärkt wurde, war an diesem Tage noch bey Wlttenberg, wo es die Elbe paffirt hatte, um auf dem rechten Ufer Demonstrationen gegen Roßlau zu unternehmen. Es wurde beschlossen, den Feind mit der Haupt- >, M Armee und mit der Armee des Generals Blücher, welcher bey Skauditz angekommen war, den i6. Morgens anzugreifen. General Blücher drang von Skauditz über den Partha- Bach gegen Leipzig vor. F. Z. M. Graf Giulay rückte von Lützen gegen Lindenau, der General der Cavallerie, GrafMeer- veld, und das österreichische Reserve-Corps von Pegau über Zwickau in der Richtung von Konne- witz, der General der Cavallerie, Graf Wittgen- stein, mit den Corps des G. L. v. Kleist, und des Generals der Cavallerie, Grafen Klenau, aus seiner Stellung über Erobern und Gossa gegen Li- bertwolkwih. Der Angriff der Haupt-Armee begann um 6 Uhr früh. Der Feind entwickelte eine Streit- kraft von bis a5o,ooo Mann; er schien besonder- unsern rechten Flügel debordiren zu wollen, und zeigte bey Libertwolkwitz sehr große Cavallerie» Massen. Die Schlacht begann auf allen Puncten mit einer äußerst heftigen Kanonade; mehr als rooc, Feuerschlünde spielten gegen einander. Der Angriff von Konnewitz war en Fronte nicht ausführbar, weil der Feind die Brücke und den Damm mit viel Geschütz und Infanterie vertheidigte, und das Terrain es unmöglich machte, Geschütz dagegen, auszuführen. Sobald man sah, daß derselbe mehrere große Angriffs-Cvlonnen ge-^ ?b gen das Centrum, und den äußersten rechten Flügel in Bewegung setzte, ließ der en Chef comman- dirende F. M. Fürst v. Schwarzenberg, das ganze österreichische Reserve-Corps, unter dem General der Cavallerie, Erbprinzen von Hessen-Homburg, über Gaschwitz und Drüben auf das rechte Ufer der Pleyße übersetzen, und vor Erobern aufmar- schiren. Der General der Cavallerie, Graf Wittgen- stei», der G. L. v. Kleist, und der General der CavaUerie, GrafKlenau, wiesen alle Angriffe deS Feindes zurück. Der General en Chef, Barclay de Tolly unterstützte das Centrum mit den Grenadier- Corps und einigen Cavallerie- Regimentern der Garde. Bey dieser Gelegenheit eroberte das Kleistische Corps 5 Kanonen. In dem Augenblicke als die Tete der österreichischen Reserve- Cavallerie unter dein F. M. L. Grasen Nostitz aus Gröber» debouchirte, war es dem Feinde gelungen, auf dem linken Flügel mit einer großen Cavallerie-Masse, unterstützt von mehreren Corps Infanterie bis nahe an Gröber» vorzudringen. Der F. M. L. Graf Nostitz verlor keinen Augenblick, stürzte sich mit seiner Cavallerie auf die feindliche, warf sie über den Haufen, hieb in mehrere Quarres ein, und zersprengte sie ganz- 79 lich. Der Erbprinz von Hessen-Homburg rückte mit der Division des F. M. L. Dianchy, welche gleich, nach der Cavallerie auS Erobern debonchirt war, -bis auf die Hohe-von Markr-Klarberg vor. Der F. M. L. Bianchy tirigirke das Feuer seiner Artillerie in die Flanke der feindlichen Linie, schlug sie zurück, und eroberte L Kanonen. Der Feind unternahm nun mit einer außerordentlichen Kühnheit einen Angriff auf den rechte» Flügel; seine Absicht war ihn vom Centrum zu trennen. Der General der Cavallerre, Graf Will- geilstem, und der General der Cavallerie Graf Klenau empfinge» ihn oberm ahls mit der größte» Kaltblütigkeit, und selbst als er mit seiner Cavallerie- Colonne bis nahe vor Cossa vorgedrungen war, behaupteten die russischen Grenadiers ihre Stellung unerschütterlich. Das wohl dirigirte Feuer der Artillerie und eine glänzende Attaque des Garde-Ko- sakenregimentS unter Anführung des General-Adjutanten Sr. Majestät des Kaisers aller Reußen, Generals Grafen Orloff-Denisoff, zwang den Feind wieder zum Rückzug bis hinter Wachsn. Der c» Chef commandirende Feldmarschall befahl nun eine allgemeine Vorrückung, um ganz Meister deS Pla- teauS von Wachau zu werden. Dir russischen Garden und die österreichische 6o Grenadier-Division Weissenwolf wurden zur Untere stützung d,eses AngrrffS bestimmt, wodurch der Feind über seine erste Aufstellung zurückgedrängt wurde. Der General der Cavailerie Graf Meerveldt hatte den Auftrag, den Übergang über die Plsyße im Rücken des feindlichen rechten Flügels bey dem Dorfe Konnewitz zu forciren. Gegen Abend gelang es dem bemeldeten General der Cavallerie, nach den äußersten Anstrengungen, über.den Fluß zu setzen; eine groß« feindliche Übermacht brachte jedoch das übergesetzte Bataillon zum Weichen. Das Pferd des General- Grafen Meerveldt wurde getodter, er selbst erhielt eine leichte Schußwunde, und wurde gefangen. Der F. M. L. Aloys Fürst Lichtenstein behauptete den ganzen Tag mit einem Theile des Meerveldt'schen Corps seine Stellung gegen die heftigsten Angriffe. Der F. Z. M. Graf Giulay drang brs Lindenau, wo der Feind durch das Terrain begünstigt, den hartnäckigsten Widerstand leistete, vor, und eroberte hierbey 2 Kanonen. Der General der Cavallerie v. Blücher schlug seinerseits den Feind, vertrieb denselben auS ML- ckern, eroberte i Adler von der Marine-Garde und 3c> Kanonen, und machte 2000 Gefangene. 8r Die Nacht machte der Schlacht an diesem Lag« ein Ende. Der General der Cavallerie, Freyherr von Bennigsen, welcher nach Hinterlassung eines hinlänglichen Armee-Corps vor Dresden zur Haupt- Armee im Anmärsche war, konnte der größten Anstrengung ungeachtet am folgenden Tage, den 17. mcht weiter als bis Kolditz, und der F. Z. M. Graf Colloredo, der den Weg über Freyberg und Chem- liitz genommen hatte, nur bis Borna kominen. Der Kronprinz von Schweden, welcher bey Köthen stand, überzeugte sich, daß die Bewegungen des Generals Reynier bloße Demonstrationen waren; er entschloß sich daher, sich mit dem General von Blücher zu vereinigen, um entweder dieses feindliche Corps abzuschneiden, oder im Falle es sich mit der französischen Haupt-Armee vereinigen sollte, selbst an dem allgemeinen Angriff in den Ebenen von Leipzig, Theil zu nehmen, und rückte zu diesem Ende noch an diesem Tage bis in die Gegend von Halle vor. Der Umstand, daß am»7. die Armee des Kronprinzen von Schweden, das Armee Co:ps des Generals Bennigsen, und die Armee-Adlheiiung des F. Z. M. Grafen Colloreoo noch so weit von der Haupt-Armee entfernt waren, daß sie unmöglich m. L L2 zur rechten Zeir eintreffen konnren, um an Ve«. Schlacht einen thätigen Antheil zu nehmen, beistimmte den en Chef commandirenden Feldmarschall den folgenden Tag zum erneuerten Angriff abzu« warten. Am Abend des 17. trafen Se. königl. Hoheit der Kronprinz von Schweden in Taucha, der General der Cavallerie von Bennigsen in Naunhof «nd der F. Z. M. Graf Colioredo bey der Haupt- Armee selbst ein. Am 18. Früh war die feindliche Hauptmacht bey Konnewitz über Dösen vorwärts Wachau, gegen Fuchsheim und Seyfertsherm in Schlachtordnung aufmarschirr, und hatte Armee-Corps gegen den General von Blücher, und den Kronprinzen von Schweden aufgestellt. Leipzig hielt der Feind fortan stark besetzt. Um 8 Uhr früh begann der Angriff der Haupt- Armee in 5 Colonnen; die Absicht war, den Feind gegen Leipzig zu drängen, zu welchem Ende der en Chef commandirende Feldmarschall die rechts gehende Colonne der Armee- Corps des General der Cavallerie Freyherr» von Bennigse» und des General der Cavallerie Grafen Klenau bestimmte. Die zweyte Colonne, unter dem Oberbefehl des Generals en Chef, Grafen Barclay de Tolly, winde aus den Corps des Generals der Cavallerie, 85 trafen von Wittgenstein, und des G. L. v. Kleist gebildet, und hatten zur Reserve die gesammten russischen und preußischen Garden. Die dritte Tolonne unter dem General der Kavallerie, Erbprinzen von Hessen-Homburg, for- mirten die Divisionen Bianchy, Fürst Aloys Lich- lenstein, Graf Weissenwolf und Graf Nostitz. Als Reserve dieser Colonnen folgte der F. Z. M. Graf Colloredo mit seiner Armee-Abtheilung. Die erste Colonne rückte von Seiffertsheim m der Richtung gegen Holzhausen, die zweyte von Gossa gegen die Höhen von Wachau, wahrend die dritte das Plateau zwischen Dösen und Lesnig besetzt hielt. Der Feind both alles Mögliche auf, um dem Vorrücken unserer Angriffs- Colonnen Schranken zu setzen; doch nichts konnte der Tapferkeit der Alliirten widerstehen. Er wurde aus einer Stellung in die agdere zurückgedrängt, so daß er mit einbrechender Nacht auf die Stellung von Konnewitz über Probsthayda gegen Zween- Naumdorf beschränkt wurde. Der Feind wurde von dem rechten Flügel der Alliirten sehr gedrängt, wobey ihm 7 Kanonen abgenommen wurden. Der Kronprinz von Schweden vertrieb den vor ihm stehenden Feind, und rückte bis Paasdorf vor, F2 «4 während der General der Cavallerie, v. Blüchev mit mehreren Abtheilungen seiner Armee über die Partha setzte. Zwey Würtembergische Cavallerie-Ne- gimenter, unter dem General von Normann, zwey sächsische Cavallerie-Regimenter, und 7 sächsische Füsilier- Bataillons, mit 4 Batterien zu 26 Feuer» schlünden, unter den Befehlen des Generals von Rüffel, traten an diesem Tage aus den feindlichen Reihen, und schloffen sich ganz ausgerüstet an die Arme« der Alliirten an, um gemeinschaftlich mit ihnen die Sache Deutschlands zu verfechten. Bereits gegen ro Uhr früh begann die französische Armee rhren Rückzug auf den Straßen von Merseburg und Weiffenfels, den sie diesen Tag und die folgende Nacht ununterbrochen fortsetzkel Da es nicht möglich war, auf das linke Ufer der Elster so viele Truppen zu bringen, als nöthig gewesen waren, um den Feind bey seinem Debou- chiren aus Lindenau mit gutem Erfolge anzugreifen, so erhielt der F. Z. M. Graf Grulay den Befehl, sich mit seiner Armee- Abtheilung gegen Pegau zu ziehen, und den Feind bloß mit seinen leichten Truppen harzelrren zu lassen. Am 19. mitTagesanbruch behauptete der Feind nur noch Zween- Naumdvrf und die Windmühle Von Strasmihäusern gegen Konnenitz. Der allge- 65 meine Angriff wurde um 7 Uhr früh erneuert, und der Feind nach Leipzig geworfen. Hier suchte er Zeit zu gewinnen, Um seine Truppen, Artillerie und Armee-Gepäcke zu retten, zu welchem Ende er Parlamentärs schickte, und den Antrag machte, den Rest der sächsischen Truppen unter der Bedingung zu überliefern, daß die Stadt mit der Beschießung verschont, und der französischen Garnison mit allem in derselben befindlichen französischen Armee- Gut freyer Abzug gestattet würde. Dieser Antrag wurde abgeschlagen. Die Alliir- ten hatten sich inzwischen bereits der Vorstädte bemächtigt, der Feind wollte jedoch fortan die Stadt vertheidigen; die Alliirten drangen trotz seines Feuer- in selbe ein, die auf dem Platze aufmarschirten Sachsen kehrten zugleich ihre Waffen gegen die Franzosen; ein badisches Infanterie-Regiment folgte dem Beyspiele der Sachsen; das Handgemenge wurde allgemein. Der Feind gerieth in eine beyspiellose Verwirrung, jeder Einzelne dachte nur mehr auf seine eigene Rettung, und die Alliirten wurden Meister der Stadt. Die Folgen der s» tief durchdachten als glücklich ausgeführten Operationen, welche auf die Vereinigung aller alliirten Armeen auf Einen Punct gegen die feindliche Hauptmacht berechnet iparen. 86 sind in diesen drey glorreichen Tagen die Eroberung von mehr als 2Üo Kanonen, und bey goo Munirionswagen. An Gefangenen sind bis auf diese Stunde mehr als 8c>oo eingebracht. Unter diesen befinden sich die drey Armee-Corps-Commandanten, Generale Lauriston, Reynier und Bertrand, nebst noch 10 anderen Generälen. Der am 16. zum französischen Reichs-Marschall ernannte Fürst Poniatowsky, da er sich nicht mehr über die Brücke flüchten konnte, wollte sich durch die Elster retten, fand jedoch der Aussage seiner gefangenen Adjutanten zufolge, seinen Tod in diesem Flusse. Sämmtliche Fsldspitäler mit mehr als i3,oo» Kranken und Verwundeten sind in unsere Hände gefallen. Das Schlachtfeld von drey Stunden Lenge und eben so viel Breite, auf welchem für die Sache Deutschlands und die Ruhe Europas beynahe drey volle Lage über gedämpft wurde, ist dergestalt mit feindlichen Leichen bedeckt, daß man den Verlust, welchen die französische Armee auf allen Seiten erlitten hat, auf wenigstens 4o,r>oo Mann rechnen kann. Noch an diesem Abend verließen acht Pohlmsche Infanterie- Regimenter die feindlichen Fahnen, und gingen zu den Alliirten über. «7 Der Verlust der verbündeten Armee belauft sich im Ganze» an Todten und Verwundeten höchstens auf 6 bis io,ooo Mann. Die drey verbündeten Monarchen waren am entscheidenden Tage, den r8., auf den Höhen zwischen Wachau und Probsthayda Zeugen der außerordentlichen Tapferkeit ihrer Truppen. Se. k. k. Majestät haben auf dem Schlachtfelde selbst dem en Chef commandirenden F. M. Fürsten v. Schwarzenberg das Großkreuz des Marien-Theresien- Ordens; Se. Majestät der Kaiser von Rußland demselben den St. Georgs- Orden erster Classe, und des Königs von Preußen Majestät den schwarzen Adler-Orden zu verleihen geruhet. Dem Generalen der Cavallerie v. Blücher, welcher durch seine im Laufe gegenwärtigen Feldzuges mit seltener Klugheit und Entschlossenheit geleiteten sehr beschwerlichen Operationen so viel zu den glücklichen Resultaten dieser Schlacht beygetragen hat, haben Se. k. k. Majestät ebenfalls das Großkceuz des Marien- Therefien-Ordens, und dessen General-O.uartiermeister, General v. Gnei- senau, das Commandeurkreuz desselben Ordens zu verleihen geruhet. Diejenigen Herren Generäle, Stabs- und Ober-Officiere, welche sich in diesen glorreichen 8Y Lagen besonders ausgezeichnet haben, behöbt der en Chef commandirende Feldmarschall sich vor, Sr. k. k. äRajesiät noch vor Einreichung der ausführlichen Rslarion nahmhaft zu machen. Sämmtliche Armeen sind in Bewegung, um dem Feinde auf dem Fuße zu folgen. m, Deutschlands Rettung und Sachsens Befreyung durch die Schlacht bey Leipzig im Oktober i6i3, in einer ausführlichen/ treuen/ historischen Darstellung von einem Augenzeugcü. i,^^ t. - ,4 ^-- -^'.^.-7 5'? 5 y l sr Aeine deutsche Stadt hat solche merkwürdige Schlachtfelder in ihrer Nähe auszuweisen, als Leipzig. Breiten selb und Lützen werden in der Geschichte Germaniens stets unvergeßliche Nahmen bleiben, und in den Ebenen derselben sanken die Lockeren zweyer der berühmtesten Feldherre», Lilly s und Wallensteins. Länger als ein Jahrhundert schien es, als ob den Boden, den das Blut des erhabenen schwedischen Helden gleichsam geheiliget hatte, Menschenblut nie wieder tranken sollte. Da kam ein fremdes Volk, das es mit den Deutschen nie ehrlich gemeint hat, um diese fruchtbaren Gefilde mit großer Heeresmacht zu überziehen, und einem Feldherren entgegen zu treten, dem die Geschichte nur wenige an die Seite zu setzen hat. Sie fand ihn bey Roß dach mit seiner kleinen aber eisern e» Schaar. Sie war im eigentlichsten Sinne nicht im Stande, ihren Anblick zu ertragen. Der Einzige Friederich bedurfte kaum einiger Stunden Zeit, um sie so zu vernich- 92 i ten, daß sie den Schimpf ihrer beyspiellosen Niederlage kaum in einem halben Jahrhunderte abwa- schen konnte. Ein neuer Sturm traf Deutschland, und machte auch Sachsen zum Schauplatz der Verheerung und Raubsucht jenes Volkes, welches sich für die gerechte Verachtung aller Deutschen auf eine Art entschädigte, die Elend und Trauer über Alt und Jung, Vornehm und Gering brachte.- Umsonst war die furchtbare Warnung, die ein höherer Richter den leichtsinnigen Frevlern in dem weiten Rußland gegeben hatte. Sie glaubten selbst dem Himmel Hohn sprechen zu können. Neue Horden kamen über den Rhein, um sich vor; dem Blut und Schweiß der fleißigen Deutschen zu mäste». Der schwer gezüchtigte Eroberer eröffnete seine neue Laufbahn auf denselben Ebenen, wo der Retter Deutschlands, Gustav Adolph, die seinige so glorreich geendet hatte, um das Werk der Unterjochung von neuem zu beginnen. Ein zweydeutiger Sieg, den man ihm weislich einräumte, schwellte seinen Stolz wie ein süßes aber bösartiges Gift. Er gedachte nicht mehr des drohenden Gespenstes, das ihm an der Derezyna erschienen war. Ein trügerischer Wahn hatte eine dichte Binde auf seine Augen gelegt. Zürnend schien Gustav Adolphs 9^ Gekst seuiem Heere zu folge«/ um Zeuge seiner gewissen endlichen Vernichtung zu seyn. Auch bey Bnutzen behielt er das Feld/ aber hier war auch das Ziel seines Ruhmes gesteckt. Schon wähnt er sich jenseit der Weichsel und des Riemens, als sich das furchtbare Gewitter immer düsterer über seinem Haupte zusammenzog. Die mächtigsten Edeln Europas traten zu einem festen Bunde zusammen/ um der verheerenden Fluch einen Damm zu setzen. Ihre Sache war gerecht und heilig, ihre Kraft groß. Seit diesem Verein leuchtete ihm sein Glücksstern nicht wieder, aber er achtete dessen nicht. Er meinte noch Sieger zu seyn, da er schon völlig geschlagen war. Der geglückte Versuch, seine Gegner von Dresden abzuhalten, war eine reine Niederlage für ihn. Er flößte ihm ein schädliches Vertrauen ein, und sein halsstarriger Wille beschloß, hier den großen Proceß auszumachen, der schon längst für ihn verloren war. Statt Sachsen völlig zu räumen, da ihm überall feindliche Heere vorauszueilen anfingen, um ihm alle Straßen und Wege,e Eibe fallt. Brücken, und ging plötzlich auf das linke Elbufer über. Der Marschall Ney harre sich mit seinem geschlagenen Heere bereits zurück, auf die Hauptarme«, in die Gegend von Eilenburg gezogen, Und nur den General Bertrand, wie es schien, zur Beobachtung zurückgelassen. Es war am 3. Octvber, als Blücher übersetzte. Der französische Heerführer wagte es, ihn aushalten zu wollen, er wurde sogleich angegriffen, geschlagen, und mtt einem Verlust ron einem großen Theile seines Geschützes und einer Menge Ee- 97 fangener in die Flucht gejagt. Der preußische Feldherr richtete seinen Marsch nach der Untermulde, um sich dem Kronprinzen von Schweben zu nähern, der bey Roßlau übergesetzt war. Die Corps der Generale Winzingerode, Bülow und Tauenzien hatten diese» bey Acken gethan, und so waren eine Menge Heereemafsen im Begriff sich zu vereinigen, die dem französischen Oberfeldherrn allein schon furchtbar genug seyn mußten. Diese Vereinigung mußte er durchaus zu verhindern suchen. Nur wenig Zeit war zu verlieren, da die große böhmische Hauptarmee über Freyberg und Chemnitz im Anzüge, und bereits bis Altenburg vorgedrungen war. Der Plan, daß sich alle Verbündete in der Gegend von Leipzig vereinigen würden, war nicht mehr zweifelhaft. Zu spat suchte man es zu vereiteln. Die französische Armee hatte nach und nach alle ihre CorpS, bis auf das St. Cyrsche an sich gezogen, ohne eine andere Hoffnung zu haben, als im günstigsten Falle sich mit ungeheuerem Verlust durchzuschlagen, im ungünstigen vernichtet zu werden. Jetzt versuchte Napoleon durch einen plötzlichen Marsch an die Elbe bey Witrenberg zu kommen, dort die Ubergangsbrücken überall zu zerstören, und die nördliche und schlest« sche Armee zu zwingen, umzukehren, um Berlin III G zu decken. Diese Absicht schlug gänzlich fehl, man wußte zu gut, daß man der französischen Armee überall Schach biethen konnte, man beharrte daher bey dem Plane der Vereinigung. Statt daß Blücher umkehren sollte, ging er vielmehr auf das linke Muldenufer. Man hatte sich mit Übermacht aus die schlesische Armee werfen, sie zersprengen und verhindern wollen, Wartenburg wieder zu erreichen. Der preußische Feldherr durchschaute dieses Manöver sogleich, ließ das feindliche Heer auf Düben, Dessau und Wittenberg marschiren, und ging gerade auf Halle los, wo er sich mit der Nvrdarmee unter dem Kronprinzen von Schweden vereinigte. Diesen kühnen Marsch hatte Napoleon nicht erwartet, noch zögerte er einige Zeit an der Elbe, in der Hoffnung, daß er durch seine drohende Stellung die Heere von Blücher und dem Kronprinzen nach der Elbe zurücknöthigen würde, um dann mit seiner ganzen Macht der große» böhmischen Armee entgegen gehen, und dieser eine Schlacht zu liefern. Die Beobachtungscorps, die man unter dem General Thüme» und Tauen- zien bey Dessau und Wittenberg zurückgelassen hatte, wurde» angegriffen, und zogen sich ihrer Ordre gemäß, sogleich über dre Elbe zurück; man sahe leicht ein, daß es Napoleon kein Ernst seyn 99 konnte, etwas Wesentliches aus dem rechten Elb- ufer zu unternehme», indem seine ganze Aufmerksamkeit auf die feindlichen Hauptarmeen und ihre Vereinigung, der sie immer naher rückten, gerichtet bleiben mußte. Da ihm sein Trennungsplan an der Elbe mißlungen war, so kehrte er schnell um, marschute auf Duden und Leipzig los, wo er seine ganze Armee zu concenrriren beschloß. Die letztere Stadt mußte ihm aus sehr vielen Gründen sehr wichtig seyn, weil er hier noch Hoffnung hatte, die Verbindung wenigstens zwischen der Blücherschen und kronprinzlichen Armee mir der großen döhmijchen zu verhindern. Daß es zu einer großen Hauptschlacht kommen mußte, sahe er sehr wohl ein; aber er mußte alles anwenden, daß ein Theil un Zaum gehalten würde, während er den andein in Masse zu schlagen gedachte.— Dieses waren die Vorbereitungen zu der Schlacht bey Leipzig, und so weit war es nöthig, die vorhergegangenen Umstände hier zu erwähnen. Leipzig liegt gewissermaßen an einem sanften Abhänge. Die Ost-und Nordseite erhebt sich all- mählrg und fast unmerklich bis Probsthayda, Liebertwolkwitz, Holzhausen, Wtede- ritsch, Lindenthal und Breiten selb. Die G 2 100 Südseite hat bis Konnewitz, DehliS, L o s- nig und Markleeberg ziemlich dieselbe Hohe als d,e Stadt selbst. Die Umgebungen nach Westen senken sich bis in die Gegend von Linden au rechtS und links ungefähr eine Stunde weit. Der Bogen von Konnewitz biS Lindenau und weirer nach Westsüd hm umschließt ein Terrain, welches groß- tentheils auS sumpsig-n Wiesen und Waldungen besteht, und von vielen Gewässern durchschnitten ist. Eine einzig- Chaussee ist hier für Fuhrwesen zu benutzen, der Schlüssel hierzu ist Lindenau nach der Stadt. Bon dieser Seite ist Leipzig von eurer Armee, wenn dies-S Dorf gehörig besetzt ist, gegen ernstliche Unternehmungen eines anruckenden FeindeS, so lang- die Hauptstraße in ihrer Gewalt ist, nicht schwer zu vertheidigen, weil große Brassen durch kleine, wenn ihr Geschütz gehörig wirkt, lange aufgehalten werden können. Ern fliehendes Heer hingegen, welches auS der Stadt nach L.n- denau retiriren muß, und den Feind auf dem Nacken hat, kann diese-ng- Passage nicht anders alS mit ungeheuerem Verlust- zurücklegen, wenn«S nicht für Seitenwege über die Graben, Flüsse und Sümpfe durch Drücken zeitig gesorgt hat. So weit ist die Topographie von Leipzig nöthig zu wissen, »VL UM über das, was um diese Stadt in der Folge vorging, etwas uriheilen zu können. Seir der Aufkündigung des Waffenstillstandes war es in der Gegend nie ruhig geworden. Ein bedeutendes Slreifeorps, aus Kosaken und österreichischer leichrer Reiterey zusammen gesetzt, war aus Böhmen, unter dem Befehl des Rufs. Kmserl. Generallieutenants v. Thiele mann bis Alrenburg vorgedrungen, und umschwärmte unaufhörlich alles, was zwischen der Saale und Mulde lag, hob Transports auf, und machte eine große Anzahl Gefangener. Es erhielt seinen Gegner beständig in Athem, und erschwerte ihm seine Communicationen. Dieser Umstand hatte für Leipzig die üble Folge, daß daselbst beständig eine starke Garnison fest gehalten wurde, deren man bey der Hauptarme« sehr benö- rhigl gewesen wäre, da diese durch die Niederlagen von M a ed o n a l d, Oudinot, Ney u. Ban- damme einen gewaltigen Abgang gehabt harte. DaS verbündete feindliche CorpS erhielt immer mehr Zuwachs, und im französischen Hauptquartier sahe man sich am Ende genolhiget, den General Lese br e D es n o u ek t es mit einem starken Caval- leriecorps nach Leipzig zu detaschiren. Dieses verschlimmerte die Lage der Stadt und der Gegend von Tage zu Tage. In Dresden war die Zahl der kran, it>2 ken und bleffirten Soldaten schon so groß, daß sie nirgends mehr untergebracht werden konnten, auch herrschte dort schon der bitterste Mangel. Man nahm nun von allen Seiten seine Zuflucht nach Leipzig, das seine Vorrarhe schon langst hatte zu der Hauptarmee nach Dresden liefern muffen. Matt vermehrte die Zahl der Spitäler mit jedem Lage, und lange vor dem Monath Oct. schätzte man die Zahl der Kranken darin schon auf i6,uvo Mann. Die Garnison konnte auf 9000 Mann gerechnet werden, die eine ungeheuere Menge Officrers und Employes bey sich hatte, denen es hier weit besser als bey der Armee gefiel. Man forderte bloß überall, und nahm auf nichts Rücksicht. Alles Klagen und Jammern der Einwohner und ihrer Obrigkeit half zu nichts weiter, als daß man strengere Maßregeln ergriff und Gewalt brauchte, wo der gute Wille zu n Geben nicht mehr hinreichte. Man hatte alle Magazine und Privatvorraihe geleert, und forderte demungeachtet immer noch ungestüm. Da man sich endlich völlig überzeugt hatte, daß nirgends mehr ein Korn oder Halm vorhanden war, nahm man zu den, durch die enormen Lieferungen schon langst erschöpften Dörfern seine Zuflucht, um Futter für die Pferde zu haben. Es wurde kurzweg fouragirt, das Getreide ungedroschen weggeschleppt io5 und verwüstet. Gelbst zur Aussaat blieb dem Land- mann nichts übrig, geschweige daß er für sich und seine Haushaltung Brod und Futter behalten hatte Um ihm den Jammer zu ersparen, sein Vüh vor Hunger sterben zu sehen, führte man es fort, schlachtete, verkaufte es, oder ließ es, wenn man zu dem einen oder andern nicht kommen konnte, stehen oder laufen. Alles dieses hatte die natürliche Folge, Laß in einem weiten Umkreise eine große Theu- rung und allgemeiner Mangel entstand. Man sagte den Klagenden, daß eS in ganz Sachsen und in den meisten Gegenden noch weit arger sey. Der französische Leichtsinn entschuldigte sich, wenn man ihn darauf aufmerksam machte, wie uiiverantwort- lich unsere Beschützer handelten, damit, daß dieses für die Einwohner besser sey, als wenn es dem Feinde in die Hände fiele. Das Elend hatte indessen bey weitem den höchsten Gipfel noch nicht erreicht. Man hatte auf dem Lande besonders, doch größten Theils Dach und Fach, Kleider, Wäsche, Betten und Hausgeräthe behalten, auch wurde noch zu einer kümmerlichen Mahlzeit Rath, da man noch mancherley Feldgemüse und Erdapfel vorfand. Aber auch dieser kleine Reichthum sollte den Unglücklichen nicht gelassen werden. Am ro. Oct. kam das ArmeecorpS des M^rschalls Marin ont an. Ein Theil rückte«n die Stadt, der bey weitem größte bivouakirre weit und breit. Jetzt war der Glücklichste und Weiseste, der seine besten Effecten, seine wenig übrig gebliebenen Verrathe fortschaffte, Haus und Hef stehen ließ, und sich mit Weib und Kind in den kiefesten Wald, oder so weit er nur konnte, flüchtete; er behielt wenigstens etwas, und entwich den brutalen Mißhandlungen der barbarischen Unmenschen. Diese schienen die Rache des Himmels mit Gewalt reihen zu wollen, die so schwer gegen sie im Anzüge war. Von allen Seiten waren die französischen Hee- xesmossen nach Leipzig zu im Aumaksch. Unfehlbar mußte es in der Gegend zu einer großen Hauptschlacht kommen. Einige Tage später als Mar- mont, kam derKonig von Neapel an, der sein Hauptquartier eine halbe Stunde vor der Stadt, m Konnewitz nahm. Marschall Ney zog von Eilenburg her, und den Kaiser erwartete man von Düben. Sicheren, Nachrichten zufolge hatte er die Elbe völlig aufgegeben, und es mußte jetzt seine Hauplsorge seyn, sich zwischen die schle- sische und norddeutsche, und die große böhmische Armee zu stellen. Zugleich erwartete man den König von Sachsen. Die feindlichen Vorposten scharmu- 109 Hirten schon stark von der Strotze von Halle herbey Brettenfeld. Die bis jetzt angekommenen französischen Truppen blieben beständig unter den Waffen, und hatten sich nach allen Richtungen aufgestellt, Dächer, Balken, Thüren, Laden, Haus- geräkhe aller Art, was nur Holz hieß, wurde weggerissen, zerschlagen und verbrannt, alles was nur einigen Werth hatte und fortgeschafft werden konnte, geraubt, alle Behältnisse erbrochen und der letzte Bissen fortgeschleppt. Das Wehklagen und Schreyen der Geplünderten reitzte die Unholde, es nur noch ärger zu treiben, sie wurden verlacht, und nicht selten noch obendrein gemißhandelt. Bäume, Hecken und Zäune wurden umgehauen, zu Hütten verbraüchr, oder weggeworfen. Felder, auf denen kurz vorher Kraut, Kohl und Rüben in üppiger Fülle gestanden hatten, glichen schon nach der ersten Nacht einer kahlen Tenne. Was Vieh und Menschen nicht verzehrt hatten, wurde zertrete». Weit und breit war alles aufs ekelhafteste besudelt, und schon jetzt mit todten Mensche» und Pferden bedeckt. Am 14. Mittags erschien endlich der Kaiser Napoleon, er kam mit einer Abtheilung Garden von der Straße von Düb-n her. Er hielt seinen Einzug durch das Hallesche Thor, blieb aber nicht in der Sradt, sondern eilte sogleich zum Grimmaischen wieder hinaus. Man brachte eiligst einen Sessel und einen Tisch auf das freye Feld in der Nahe des Galgens, und zündete ein großes Wachfeuer an. Zugleich wurde eine groß? Landkarre ausgebreitet, in welche der Kaiser, nachdem er sich auf den Sessel niedergelassen hatte, bald sehr vertieft war. Gegen Mittag hatte eine starke Kanonade nach Lie- bertwolkwch zu begonnen, und man hatte alle Ursache, an diesem merkwürdigen Jahrestage der Schlacht bey Jena eine große Hauptschlacht zu»er- muthen. Man hatte sich indessen geirrt. Es war bloß das Armeccorpe des östr. Grafen Klenau, welches bis Wolkwitz vorgedrungen war, und die starke Positron, welche der Feind hier besetzt hielt, angegriffen hatte. Das Gefecht mußte sehr hitzig seyn, da die Menge der Bleffirten schon ziemlich bedeutend war, die in die Stadt hinkten. Der kaiserliche Oberfeldherr schien indessen dieses Gefecht wenig zu achten, und blieb bis Nachmittags um 4 Uhr in seinem Bivouak. Als man ihm meldete, daß seine sämmtlichen alten und jungen Garden mit ihrer ganzen Cavallerie und Infanterie, die er zurückgelassen hatte, in der Stadt angekommen waren,— brach er auf, um, wie man glaubte, sich mit dieser großen Verstärkung auf das Schlachtfeld zu 107 begeben. Allein es sollte bloß bey einem Vorspiel bleiben/ der Kaiser ging mit seinem Gefolge nur bis in die nahe» Kohlgarten und nahm seine Wohnung auf einem Landgntc, welches einem Kaufmann aus der Stadt gehört. Die Garden bezogen einen Bivouak rings in der Nahe, und diese waren es vorzüglich, welch; die ungeheuren Verwüstungen rn Garten, Gebäuden und Feldern fast unter den Augen ihres Kaisers ohne Scheu anrichteten. Schon am Abend des 14. kam in seiner Nahe durch Verwahrlosung der Soldaten Feuer aus. Der Zug der Garden dauerte von 4 llhr Nachmittags b'.s nach Mitternacht. Man erwartete am andern Morgen die Hauptschlacht. Der i5. verging ruhig, welches jeden sehr befremdete. Wie man spater erfuhr, hatte man den ganzen Tag mit Hin- und Hermarschiren und Demonstriren hingebracht. Die französische Armee concenrrirte sich immer mehr, ohne daß sie ein zusammen Hangendes Ganze bildete. Wie die Folg« auswies, war sie in einzeln großen Massen aufgestellt, zwischen denen oft ein Zwischenraum von einer halben Stunde leer war. Die große Schlacht, welche am 16. und 18. geliefert wurde, bestand daher eigentlich, wie wir sehe» werden, aus mehrern Einzelnen. Der französische Qherfeldherr hatte sei. ,og nsc Seits die Schlachtordnung so angeordnet, daß «r seine Armee von Südwest nach Osten bis Nordost rn einem großen Halbzirkel aufstellte. e. aS eigentliche Gros der Armee stand von Konnewitz bis an die Pleiße mit ihrem rechten Flügel, diesen bildeten die Pohlen bis in die Gegend von Dösen. Hier war e,n Zwischenraum. Von Mais- dorf,— eigentlich einem bloßen Vorwerk— erstreckte sich das Centrum nach Probsthaida bis Zucke lhausen, der linke Flügel zog sich von Paunsdorfvor Schönefeld bis in die Gegend von Msckau. Um die Straße von Halle und Lüden zu beobachten, war die Armee des Marschalls Marmont von Wiederitzsch bis Lrndenthal und Brsirenfeld postirt und befand sich aljo zwischen Leipzig und Skeuditz. Der Posten von Llnde- nau wurde ebenfalls stark besetzt, um gegen einen Angriff von Lühen und Merseburg her auf der Hut zu seyn.— Als Puncte, welche den französischen Schiachtcolonnen vor ihrer Fronte von Wichtigkeit waren, hatte man Holzhausen, L i e- berrwolkwitz und Wachau besonders stark besetzt, um den Feind aufzuhalten und sich von seiner Starke zu unterrichten. Die französische Armee bildet« mehr Colonnen als Linien. S>e harre überall große Reserven, die nach der Stadt r«9 zu standen. Die stärksten Masse» hatte man zwischen Maisdorf und Probsthaida aufgestellt, welch- einen Haken bildeten. 64 Bataillons Garden waren dort in einer tiefen Colonne aufmarschirt, um sich sogleich deployiren und dahin begeben zu können, wo ihr- Gegenwart nöthig seyn konnte. Hier commandirre der Kaiser persönlich. Für die Alliieren waren zwey Angriffswege vorhanden, Wvlkwih und Wachau zu nehmen und auf Probst- haida los zu stürmen,'um die französische Mitte zu durchbrechen, oder sich der äußersten Dörfer, auf dem linken Flügel Schönefeld, auf dem rechten K 0» n e w i tz, zu bemächtigen, Dadurch bekam man die Schlüssel zu der ganzen französischen Stellung in die Hände, und dadurch konnte die Schlacht allein gewonnen werden.— Die Starke der gesammte» französischen Armee schätzt man auf i5o,000 Mann mit einer ungeheuern Artillerie. Kenner versichern, daß ihr Schlachtplan selbst nichts weniger als fehlerhaft gewesen sey, so we- nig du- vorhergehenden Bewegungen, strategisch genommen, ihren Beyfall haben. So viel wird hinreichend seyn, um nun den beygefügten Plan etwas zu verstehen. Über den Marsch der verbun- deren Heere ist bereits daS Nöthige gesagt. Französischer Seit» scheint man über ihre Bewegungen Hl» ungewiß gewesen zu sey», weil man, wie die Bewohner Leipzigs durch Fernrohre von den Thürmen deuclich bemerken konnten, sehr oft in den Stellungen große Veränderungen vornahm. Der Feind scheint immer Meister seiner Bewegungen gewesen zu seyn, und die seiner Ä-gner von denselben abhängig gemacht zu haben. Auf mehreren Puncten scheint er diese bloß beschäftigen zu wollen, um seine Massen so viel als ü.oglich auseinander zu dehnen. Die Schlacht begann am r6. bey Konnewitz auf dem rechten französischen Flügel, um g Uhr des Morgens. Bald verbreitete sie sich über die ganzen Schlachtlinien bis Wolkwitz. Lauriston griff mit dem 5., der Fürst Poniatowsky mit einer pohl- nisch- französischen Armee, der Marschall Macdonald mir tzrey Divisionen, Oudinot mir zwey Divisionen und der General Drouot mit r5c» Kanonen, das Centrum der Verbündeten und ihren linken Flügel wüthend an. Diese hielten alle Angriffe mit einer Kaltblütigkeit aus, die ihre Gegner in Erstaunen setzt«.-Die Dörfer Liebert- wolkwitz und DeylrS wurden mehrmahls genommen und verloren. Der Feind setzte mehrere große Angriffscolonnen vergebens in Bewegung, er scheiterte an den eisernen Masten, auf die er traf. Hier commandlrlen die Feldherrn,^er irr russische General der CavallerieGraf v.Wittg rüste in, der preußische Generallieutenant v. Kleist und der österreichische General der Cavallerie, Graf Klenau. Mehrere glänzende Angriffe ihrer vortrefflichen Reiterey hatten den glücklichsten Erfolg, und richteten dem Feinde eine große Unordnung an. Besonders zeichnete sich der österreichische General v. Nostitz aus, der auf große Cavallerie- Maffen und Jnfanterie.QuarröeS einhauen ließ und sie zersprengte« F. M. L. Bianchy wendete das Geschütz so zweckmäßig an, daß der Feind völlig zurück geschlagen wurde und 8 Stück verlor. Frü her schon hatte der Generallieutenant von Kleist 5 Kanonen genommen. Der Feind halle sich bis Cröbern vorgewagt, er wurde angegriffen, und in wilder Flucht zurück geworfen. Um g Uhr Bormittags wüthete der Kanonendonner auf allen Puncten von Kvnnewitz bis Paunsdorf, also auf einem Halbzirkel von zwey Stunden. Die Bewohner Leipzigs konnten einen großen Theil des Schlachtfeldes von den höchsten Häusern und Thürmen mit Fernrohren übersehen. Der Fürst Schwarzenberg befahl nun eine allgemeine Vorrückung, um sich des Dorfes Wach au und der dortigen ganzen Fläche zu bemächtigen. Der Feind kannte die Wichtigkeit dieses Postens, und vertheidigte ihn mit Löwenmuth. Er wurde indessen erstürmt, und tl2 die Russen hatten besonders Gelegenheit sich, hier auszuzeichnen. Zu gleicher Zeit wurde Holzhausen Und Lieberrwolkwitz angegriffen. Das letztere wurde von dem Regimenre Erzherzog Carl mit dem Bajonett genommen, wieder verloren und endlich behauptet. Der Kaiser Napoleon ließ jetzt die in geschlossener Colonne'beyProbsthaida aufgestellte Garde deployiren und rechts und links nach jenen Gegenden vorrücken, um den Feind zu überflügeln und abzuschneiden. Die verbündeten Feldherren waren auf dieses Manöver gefaßt. Sie ' ließen ihre Massen fast zwey Stunden weit zurück gehen, in der Überzeugung, daß der Feind von selbst zurück gehen würde, da er in Gefahr kom» men mußte, abgeschnitten zu werden.— Dieses augenblickliche Reririren brachte jenen indessen auf die Meinung, daß der Sieg bereits errungen und die Schlacht für ihn gewonnen sey. Es gingen sogleich Eilbothen vom Schlachtfeld« in die Stadt, dieses frohe Ereignis; dem Konig von Sachsen bekannt zu Machen. I-n kaataillo est AnKiiLo, schallte es von allen Seiten. Man habe, hieß es, 3o,ooo Mann^ mit 70 Kanonen und selbst einen österreichischen Prinzen, den Erzherzog Ferdinand— der sich gar nicht bey der Armee befand—gefangen. Wir konnten uns sehr bald überzeugen, wie weit es mit die-^ ser Siegesnachricht her war. Hinter Linden«» hatte bereits die Kanonade am Vormittage angefangen. Sie dauerte bw gegen 12 Uhr Mittags. Es war die Armerabtheilung, welche von dem F, M. L. Grafen Giulay commandirt wurde. Sie drang von Zschocher und Raschwitz vor, und sucht« sich des Dorfes zu bemächtigen, welches sehr hartnäckig vertheidigt wurde. Man sahe es überhaupt, daß der Plan der Combinirten dahin ging, die feindlichen Massen so sehr zu zertheilen und auseinander zu ziehen, als möglich. Wahrend in der Stadt der Siegesjubel rauschte, kriegerische Musik auf dem Markte ertönte und alle Glocken gelautet wurden, begann der Kanonendonner auch auf der Nordseite der Stadt, wo es bis jetzt ruhig geblieben war. Die Armee des Feldmarschalls Blücher war eben von Halle her auf dem Schlachtfelde bey Dreitenfeld, fast in derselben Gegend angekommen, wo der berüchtigte Lilly aufs Haupt geschlagen wurde. So weit man von den Thürmen dorthin daS Fernrohr richtete, sahe man unermeßliche Linien, die sich beständig noch vermehrten, und in Schlachtordnung stellten. Der Marschall Marmont stand diesem Heere mit drey französischen Armeecorps entgegen. Jetzt wüthete die ungeheure Schlacht in der Entfernung »,4 einer Stunde rings ui« die ganze Stadt herum. Serä» dein der Gegend, wo der große Sieg sollte erfochten sey«, schien sie am heftigsten. Die Verbündeten, welch« von Wolkwitz bis fast nach Naunhof zurück gegangen waren, hatten die Franzosen nicht lange in Ungewißheit gelassen. Sie drangen ungestümer wie« der vor, und die Früchte des vermeinten Siege» waren bald wieder verloren. So war also im Centrum der französischen Armee nicht allein nichts ausgerichtet, sondern es wurde selbst heftig gedrängt, da die Verbündeten große Colonnen ihrer unermeßlichen und vortrefflichen Cavallerie durch die Öffnungen, welche zwischen den französischen Massen, zwischen Konnewitz und Probsthaida zu, hatten gelassen werden müssen, schnell vorrücken ließen und den Rücken bedrohten. Der Andrang der feindlichen Massen war auf allen Seiten so groß, daß man sich nirgends schwachen und eine Verstärkung auf die am meisten gedrängten Gegenden abschicke» konnte. Der Fürst Poniatowsky, welcher seine Pohlen auf dem rechten Flügel comman- dirte, hatte es mit einem großen Theile der Macht des Fürsten Schwarzenberg zu thun. Er streng, le sich eben so an, seine wichtige Stellung, welche gewisser Maßen der Schlüssel zur ganzen Armee »tzar, zu behaupten, als sein Gegner sie ihm zu ent- »a5 tristen. Die Lage und Umgebung des Dorfes war für ihn sehr günstig, indem es sich gegen Westen an Sümpfe, Geholze und an die Pleiße anlehnt, und hier gute Stützpunkte hat. Seine Tirailleurs, welche diese Gegend stark besetzt hielten, konnten von ihrem Standpunkte das Vordringen und Um« gehen in der rechten Flanke wirksam verhindern. Das Tirailleur- und Peloton-Feuer krachte dock am heftigsten. Der österreichische General Graf Meerveldl stand mir einem schwachen Beobachlungs« Posten hinter demselben. Er wurde angegriffen und leistete den tapfersten Widerstand. Er verlor sein Pferd, wurde selbst verwundet, und fiel in feindliche Gefangenschaft. Wahrscheinlich war es dieser Feldherr, den man französischer Seils so schnell zu dem Range eines österreichischen Erzherzogs erhoben hatte. Die Pohlen litten ungeheuer, und mehrere ihrer Offikiere versicherten, daß sie auf der heißen Stelle mehr als 3ooo Mann verloren hatten. Von der Stadt konnte man jene Gegend, da sie ihr am nächsten liegt, am deutlichsten übersehen. Beyde Theile hatten eine zahllose Menge Geschütz ins Feuer gebracht. Die Wirkung des österreichischen, welches zum Theil aus Anhöhen placirt war, war vorzüglich verheerend gewesen. Die Cavallerie machte häufige Angriffe, immer schien aber die Stel« H 2 n6 lung im Ganzen dieselbe zu bleiben. Wolkwih und Hslzhausen wurden an diesem Tage endlich von den Verbündeten mit Sturm genommen und behauptet, und so hatten die Franzosen zwey wichtige, vor der Armee liegende Deckpuncte verloren. Gegen Abend gelang es den Alliirten, auch in das Dorf Ltndenau einzuoringen, und der Feind benutzte die rückwärts mit Wasser durchschnittenen Wiesen, sie durch seine leichten Truppen zu besetzen und dem fernern Vordringen derselben einen Damm zu setzen. Sie drangen wisoer ins Dorf ein und warfen ihre Gegner heraus. Man beschoß sich nun wieder heftig hinter demselben, und das Geschütz der Verbündeten ließ sich, ohne seine Stelle zu verändern, ununterbrochen von Kleinzschocher herhören. Im Dorfe Lindenau brach nur auf einer Stelle Feuer aus, welches bey der Nahe der Kanonen sehr zu verwundern war. Am heftigsten wuroe des Nachmittags auf der Nordseite gekämpft. Dort wurde Marmont hart geängstigt und nach Mockern zurück geworfen. Dort packten ihn Blücher, York und Längeren so kräftig, daß er sich hinter Eutritzsch und W i s- deritsch in östlicher Richtung nach Schonfsld an den kleinen Parthafluß ziehen mußte. So kam das Kgnoiienfeuer, welches den ganzen Nachmit- ii7 Lag fürchterlich brüllte, der Stadt immer naher, und man konnte das Vorrücken der combinirten Armeen deutlich sehen. RuffischeTirailleurs drangen durch das Rosenthaldis an dasaußersteSladtthorvor, und gingen erst dann zurück, als man einen Kartaschen. Hagel aus dem Löhrschen Garten auf sie schickre. Da der Kaiser Napoleon die Wichtigkeit des Postens bey Lindenau kannte und die starke Kanonade von dort her vernahm, begab er sich nebst dem Marschall Ney eiligst in jene Gegend, um sich von der Lage der Dinge zu unterrichten. Er kam bis ungefähr an den sogenannten-Kuhthurm, auf der Hälfte des Weges, und kehrte zeitig wieder um, schickte aber sogleich Verstärkung an Geschütz und Cavallerie dahin.— Um die ganze Stadt war nun kein Punct in dem weiten Umkreise, wo nicht wüthend gefochten wurde. Auf den unübersehbaren Schlachtlinien lagen dicke Dampfwolken, und in das unausgesetzte Donnerrollen des Geschützes krachten in jedem Augenblicke Tausende von Flintenschüssen. Die Infanterie war im hitzigsten Handgemenge. Aus der Stadt konnte man dieses besonders nach Schonfeld hin sehr deutlich wahrnehmen.— Alles dieses war hinreichend, uns vollkommen zu überzeugen, wie unverantwortlich man den König von »i8 Sachsen und uns mit der voreiligen Siegesnach- richt hintergangen hatte. Zu derselben Zeit, da der Feldmarschall Blücher dem Marschall Marmont überall Schach Lorh, drang auch der Kronprinz von Schweden mit fernem tapfern Heere von Taucha her nach Schau- feld vor, und war bereits bis Paunsdorf gekommen. Die Franzosen leisteten den verzweifeltsten Widerstand, weil sie nur zu gut wußten, daß der Gewinn der Schlacht von den zwey Hauptpuncten, Schönfeld und Konnewitz, abhinq. Man suchte daher die Anstrengungen der FeindeS, sich ihrer zu be- meistern, so lange alS möglich zu vererteln. Blücher war an diesem Tage diesem Ziele sehr nahe gekommen, und stand dicht an der Parlhe, die hinter dem Dorfe von Osten nach Westen fließt. Dieses Wasser ist an und für sich sehr unbedeutend. Aber dse Ebene, die es durchschneidet, ist sumpfig und hier und da mit Weiden und Gestrüpp bewach* sen. Die Brücke an der Mühle hatte man vernichtet, und so war es den Truppen, welche das Dorf von der nördlichen Seite angreifen wollten, wenigstens in Hinsicht der Cavallerie und Artillerie fast unmöglich, in dasselbe zu kommen. Das Dorf wurde daher mit Granaten und englischen Brandraketen, die eine brittische Bakterie mit sich fühxte, be- »'9 schössen. Es gerieth schon diesen Tag in Flamme«, und wurde späterhin völlig in Asche gelegt.— Die heutige Schlacht endigte sich, was das Kanonen- feuer betrifft, Abends nach 6 Uhr, das kleine Gewehrfeuer wüthete bis tief in die Nacht fort. Viele tausend Wachfeuer erleuchteten die finstere Nacht, in mehr als zehn Dörfern gingen große Feuersbrünste auf. Die Einwohner waren schon langst geflüchtet, was nicht von den Franzosen geplündert war, wurde nun noch ein Raub der Flammen. In der Stadtsah es sehr iraurig aus. Tausende hatte der Tod heute auf dem Schlachtfeld« weggerafft, Tausende lagen verwundet und hülflos noch dort auf dem kalten Boden, aber der bey weiten größte Theil suchte Zuflucht in der Statt. Alle Straßen waren mir solchen Unglücklichen angefüllt, die sich mühsam herein geschleppt hatten, oder getragen worden waren. Sie suchten Spitäler, und konnten nicht aufgenommen werden; sie wollten verbunden seyn und fanden keine Ärzte; sie suchten Brod, und es war keines vorhanden, da die Stadt schon viele Tage lang mit der übrigen Welt in keiner Verbindung gestanden hatte. Man hatte französischer S-ils gar keine, oder s» schlechte Anstalten in der Stadt für diese Verstümmelten getroffen, daß man nicht einmahl für ein armseliges Strohig- i2o ger, ja nur für ein Obdach gesorgt hatte. Eine große Menge starb daher schon in der ersten Nacht vor Hunger/ Kalte und Verblutung unter freyem Himmel. Noch am Hien Tage sah man eine große Anzahl dieser Leidenden, die in irgend einen Winkel gekrochen waren, ohne daß ihnen Hülfe zu Theil ward, und die selbst den Tod als eine Wohlthat vergebens erwarteten. Die am i6. gelieferte Schlacht zeichnete sich von den gewöhnlichen sehr aus. Man konnte sie «ine Sch lacht von Schlachten nennen, indem sie aus mehrern großenHauptgefechren bestand, welche zum Theil in Hinsicht des Terrains in keiner Verbin, düng standen. So muß dieAsfaire bey Lindenau, bey Möckern, bey Pr ob sth ai d a und Koni,e- witz, als ein für sich bestehendes Ganze betrachtet werden, weil die dort kampfenden Massen von den übrigen getrennt handelten, obgleich in dem Plane der Verbündeten durchaus Einheit herrschte, der alle die isolirten Gefechte auf den einzigen Zweck berechnet hatte, das ganze französische Heer nach und nach an die Stadt zu drängen, ihren Rückzug von allen Seiten zu erschweren, und alles vorzubereiten, sie zu vernichten. Der 17., wo man allgemein den letzten Schlag erwartete, vergistg wider alle Erwartung— eine vorübergehend« Kanonade vonEohlis her abgerechnet, ziemlich ruhig. Man sagte, daß der französische Oberffeldherr ihn zu Unterhandlungen angewendet habe. Das Mißliche seiner Lage mußte ihn, da ihm seine Gegner am vergangenen Tage so starke Pro» ben gegeben halte», was er von ihnen zu erwarten harte, jetzt schon einleuchtend genug seyn. Wenn er also den Weg des Unterhandelns heute, dem sich zu schlagen vorgezogen hakte, so war« das eben nichts Unglaubliches gewesen. Wie die Folge bewies, hiel-, ten es die Verbündeten für gerathener, da man einmahl so weit gekommen war, die Sache vollends durchs Schwert zu entscheiden. Düster und trübe brach der i8. an. Ein dicker Nebel lag auf den kampfdürstenden Scharen. Vor sieben Jahren waren die Franzosen als Sieger an demselben Tage hier eingezogen, wie sehnlich wünschte Alt und Jung, daß er doch heute ihk' Auszugstag auf immer werden möchte. Damahls verbreitete er Schmerz und Trauer, dieses Mahl Furcht und Schrecken überall. Vielleicht hatte der Stadt die Flamme aus den umliegenden Dörfern nur ihr baldiges eigenes Schicksal prophetisch verkündigen wollen. Dem ungeachtet war er auch zugleich ein Tag der Hoffnung, vielleicht lag hinter den Donnerwolken k>ie Stunde der Befreyung auf immer. 122 Die Gegenwart des Königs von Sachsen war für Leipzigs Bewohner ein starker Trost, weil man französischer Seits sie Stadt wenigstens um seinetwillen schonen mußte. Diesem schien indessen nicht so zu seyn, man hatte schon früher fast alle Thore mit Pallisaden versehen, von den äußersten waren nur zwey für den Zugang offen geblieben. Da die wsitläuftigen Vorstädte sich größten Theils in Gärten endigen, von denen sie umschlossen sind, so sind diese fast gar nicht zu vertheidigen, weil Lehmwände, Planken und Zäune nicht zu Bollwerken zu brauchen sind. Was wissen indessen Franzose» nicht zu benutzen? Man machte überall Schießscharten und füllte jeden Punct mit leichten Truppen, und hier und da auch mit Geschütz aus. In der innern Stadt begnügte man sich, Schießlöcherin die starken hölzernen Stadtthore zu sägen. Aus allen diesen Umständen konnte man schließen, daß man die Stadt im Nothfälle wirklich zu vertheidigen Willens sey. Die Schlachtordnung hatte sich seit dem so weit verändert, daß die französische Armee einen Halbzirkel von Ostnord nach Osten, und von da his nach Südwest bildete, dessen convexe Seite gegen die feindlichen Linien gekehrt, und dessen Enden sich an die Pleiße und Partha rückwärts gebogen stützten. Durch die Schlacht am»6. war die 125 Marmontische Armee bis an die Partha zurück geworfen, und das Blücher- und Dörfische Heer stand also gewisser Maßen dem großen französischen in der linken Flanke. Ihr gegen über hatte sich der Kronprinz von Schweden von Taucha und Abinaundorf her aufgestellt. Wie sich der Plan in der Folge entwickelte, waren diese großen Massen der Verbündeten einstweilen bestimmt, den Feind fest zu halten, und sich erst alsdann auf ihn zu werfen, wen« der Zeirpunct gekommen seyn würde, wo die Wegnahme des Dorfes Schönfeld die Schlacht entscheiden mußte. Diese Stellung verhinderte den französischen Oberfeldherrn, nicht allein von hier Verstärkung in sein Centrum zu ziehen, welches von allen Seiten gedrängt wurde, und wo er persönlich commandirte, sondern nöthigte ihn noch oben drein, darauf zu denken, im Nothfall seinen linken Flügel unterstützen zu können.— Dieß geschah in der Folge nicht, man hatte im Gegentheil einige Divisionen von der Marmontische» Armee weggezogen, und dieses hatte auf den Gang der Schlacht einen wesentlichen Einfluß. Der Kanonendonner begann schon mit dem frühesten Morgen und wüthete gegen 9 Uhr vow Konnewitz bis in dir Gegend von Probsthaida un- 124 unterbrochen, daß die Erde weit rmd breit bebte. Die Franzosen hatten schon am 16. mehrere wichtige Puncte verloren, so daß sie sich schon in einen engern Zirkel hatten zusammen ziehen müssen, der zum Theil nahe nach der Stadt gedrängt war. Jetzt schlug man sich vorzüglich um Konnewitz und Maisdorf, von den Landleuten die Ziegelscheune genannt. Napoleon bildete große Angriffs- Colonnen, und brachte endlich seine ganze Garde, 64 Bataillons ins Feuer. Er verlor aber immer mehr Terrain, alle Versuche die feindlichen Massen zu durchbrechen, scheiterten. Die ungeheuern Heere der Combinirten konnten nirgends mehr getrennt werden, sondern handelten überall nach einem gemeinschaftlichen Plane, da ihre Verbindung auf allen Seiten gesichert war. Sie hatten durch die Ankunft von 40,000 Mann unter dem General Bennigsen von Grimma her eine neue Reserve erhalten. Auf der West- und Nordseite der Stadt, wo vorgestern der Graf Giulay und Blücher gefochten hatte, blieb es heute ruhig. Die Arbeit war dort gethan. Desto hitziger ging es gegen Süden und Osten zu. Nach 10 Uhr senkte sich der Nebel. und man konnte einen großen Theil des Schlachtfelds mit dem Fernrohr übersehen. Konnewitz wur- u ü'hend angegr-ffen und vertheidigt. Aus dem ! 125 französischen Kanonenfeuer konnte man deutlich sehen, daß die auf der Straße nach Borna rückwärts liegenden Dörfer Dehlis, Lösnig u. s. w. in der Gewalt der Verbündeten seyn mußten, weil ihr ganzes Geschütz in einer langen Linie, die sich an Konnewitz anlehnte, und von Westen nach Osten ausdehnte, arbeitete. Die in der Stadt befindlichen Franzosen fingen nun an, kleinmüthiger zu werden, als man ihnen jemahls zugetrauet hatte. Die Verwunderen vermehrten sich mir jedem Augenblick, sie blieben hülflos auf den Straßen liegen. Mehrere Sachsen, die vom Schlachtfeld? kamen, versicherten schon Mittags, daß die Schlacht so gut als verloren sey, indem die französische Armee immer weiter zurück ginge. Indessen waren noch viele Hauptpuncte zu nehmen.— Ein sehr ungünstiger Umstand ereignete sich Nachmittags für die Franzosen, als das Reyniersche Corps,— größten Theils Sachsen, vön Taucha gegen den heitern Blick vorrücken mußte. Lange schon kochte der § Groll über alles Elend, das die Franzosen über ihr sächsisches Vaterland gebracht hatten, in der Brust dieser braven Truppen.— Die Stunde— n o sie endlich aus den so gehaßten Reihen der Welroer- wüster heraus treten konnten,— war gekommen. Ein Theil ihrer Kameraden war ichvn früher zu den is6 Verbündeten übergegangen. Sie beschlossen es Heu« te zu thun. Von einem Geiste ergriffen, marschir- ten sie zum Schrecken ihrer Bundesgenossen in geschlossenen Gliedern mit ihrem ganzen Geschütz—> 26 Kanonen, zum Feinde über, der sie mit unbeschreiblichem Jubel empfing.<— Vergebens hatte man sie aufhalten wollen,— französische Cavalle- kie, welche ihnen nachsetzte,— wurde mit Flinten- feurr zurück gejagt,— das Geschütz, welches ihnen euren Karrätschenhagel nachschickte, war im Nu demontirt. Mehrere französische Bataillone, welche in der sächsischen Linie standen, und das Vorhaben ihrer Waffengenossen nicht ahneten, waren mit fort gerissen worden, und wunderten sich gewaltig, als sie sich so unvermuthetgefangen sahen.—Das Geschütz «ahm späterhin am Kampfe Antheil, und bewies den Franzosen, daß es sein Handwerk gut verstände, und gar nicht Willens sey, es bey seinen neuen Bundesgenossen zu vergessen. Der Angriff auf das Dorf Schön feld von Lauchs her, war eine nicht leichte Aufgabe für die Verbündeten, weil der Feind in den dortigen zahlreichen massiven Gebäuden, welche hiesigen Kaufleuten gehören, unter die schönsten Landgeboude gerechnet werden konnten, und zum Theil Pallästen glichen, für seine Infanterie fast unangreifbare' IL? Schanzen fand. DaS Gefecht bey Schönfsld war daher äußerst mörderisch. Die Seite des Dorfes, welche sich an derPar« tha hinzieht, wäre eigentlich die schwächste gewesen, weil die Gebäude dort einzelner u>-^ leichter gebaut sind. Eine Brücke an der Mühle härte einen bequemen Übergang gewahrt, aber diese war vernichtet, die Gegend diesseits und jenseits deSFlüß« chens kaum für einzelne Fußgänger zu durchwaten. Die feindliche Infanterie schien daher in dem Dorfe gewissermaßen in einer Festung zu seyn. Sre konnte durchaus darin nicht geduldet werden. ES wurdenGra» naten und Brandraketen von einer englischen Batterie Hineingeworfen, und jene Bollwerke zum Theil zerstört. Der Feind muß die Wichtigkeit dieses Pc>- stenS eingesehen haben, er vertheidigte ihn daher fortwährend mit der möglichsten Anstrengung. Er scheint es für unmöglich gehalten zu haben, daß von der Seite derPartha her der Feind eindringen könnte, wenigstens lehrte der Augenschein, daß man den nach Norden liegenden Theil des Dorfes am schwächsten mußte besetzt haben. Um den Angriff der Schweden, welche bereits PaunSdorf genommen hatten, und jetzt Schönfeld stürmen wollten, zu erleichtern, wurden von der Armee bet Feldmarschall Blücher einige tausend Mann leichte 128 Infanterie detaschirt, das Dorf in der nördlichen Flanke anzugreifen, die preußischen Freywilligen und ihre Landwehr stürzte sich mit unglaublichem Muthe dorthin, und vertrieb die französischen Tirailleurs, welche den Paß vertheidigten. Um so schnell als möglich über die Partha zu kommen, wurden dicht unter der Mühle einige Baumstämme über den Fluß geworfen, die jedoch das gegenseitige Ufer nicht erreichten. Man kletterte indessen auf dieser halsbrechenden Brücke soweit sie reichte, und half sich durch einige Bretter die man da auflegte, wo sich die Stamme ins Wasser zu neigen anfingen. Mit reissender Schnelligkeit waren jene leichten Truppen über das Wasser, ja selbst Kosaken wagten mit ihren Pferden den gefährlichen Übergang. Dieser Angriff entschied. Jetzt gaben die massiven Mauern der brennenden Häuser keine Schutz- wehr mehr. Die Schweden drängten von Abtnaun- dorf her, die unerschrockenen Preußen von der Mühle herauf ins brennende Dorf. Es wurde mlt dem Eintritt der Finsterniß erobert und behauptet. Wahrend dieses auf dem linken Flügel der französischen Armee vorging, wurde im Centrum und auf dem rechten Flügel wüthend gefochten. Probst- haida und Stötteritz waren bereits mit Sturm erobert, aber wieder verloren, das ganze Heer I2g fair zwischen den sogenannten Straßenhausern, den Kohlgarten und Schönfeld nahe nach der Stadt zusammen gedrängt. Tue Verbündeten hatren ihr großes Tagewerk vollbracht, und die Schlacht com- pletc gewonnen. Dieses sahe der französische Oberfeldherr ein, und dachte nur noch auf die Rettung der Trümmer seines HcereS. Er suchte den Feind so viel als möglich glauben zu machen, daß er mit Tagesanbruch den Kampf erneuern werde. Dieser sahe aber die Lage der Dinge zu gut ein, und dachte nur auf Mittel, ihm seine» Rückzug so verderblich, als möglich zu machen. Schon hatte in der französischen Armee alle Ordnung aufgehört, Österreicher und Russen, welche von Wachau und Dösen her angegriffen halten, bi ouakuren in der Nacht fast muten unter den französischen Massen. Die Dlüchersche Armee, welche so wesentlich zum Gewinn der Schlacht beygetragen hatte, brach noch in der Nacht auf, und marschirce in die Gegend von Merseburg, um den Feind an der Saale zu empfangen, wchin er seine Richtung nehmen mußte. In Leipzig wimmelte es von Flüchtlinge.-, und Bleffuren. Wer nur einiger Maßen das Schlachtfeld halle verlassen können, hakte hier eine Arey- stan gesucht. Traurig war die Lage der Einwohner. Alles suchte Hülfe, numand konnte helfxu. Da m. 5r der Feind immer näher nach der Stadt vorgedrungen war, so waren schon häufig Kanonenkugeln und Haubitzgranaten in die Häuser geflogen; mehr rere Einwohner waren erschossen, oder stark beschädigt. Schon letzt begann der Rückzug oder vielmehr die Flucht. AileS packte, lief, ritt und fuhr auf der Srraße nach E>furt fort. Mancher, dem e§ in Leipzig so gar wohlgegangen war, und der «i so ungern verließ, cilre jetzt, da ihn sein böses Gewissen mahnte, aus dem Thore. Train--und Ge- schutzcolonnen zogen die ganze Nacht zum Ran- stadtkr Thore hinaus. An sie schloffen sich mehrere Truvpeneorpt an.— In der Siadt hatten selbst die Französin, welche noch am Morgen aus einem hoben Tone gesprochen harten, den Muth bis auf sehr wenige verloren. Diese rerlaugneten noch jetzt ihren leichtsinnigen Charakter nicht. Sre wußten sich kurzweg damit zu trösten, daß am folgenden Morgen 80,000 Mann Verstärkung ankommen würden. Fragte man sie, wo man sie denn hernehmen wollte, so halfen sie sich sehr geschwind damit, daß ja die große Armee bey weitem nicht zur Hälfte auf dem Dchlachrfelde erschienen sey. Wie weit es indessen mit ihrem prahlerischen Vertrauen her seyn mochte, konnte man ungefähr daraus abnehmen,daß flr sich so ängstlich in bürgerliche Kleidung zu stecken' rZ» suchten.— Der König von Sachse» war standhaft in den Schreckenstagen hier geblieben. Seine Gardegrenadiere, sächsische Cürassiere und pohlnisch» Gardelanziers dienten ihm als Schutzwache. Die Nacht verging äußerst unruhig. Man erfuhr nichts vom Kaiser, er hak sie auf dem Dorfe in einem Bauernhause zugebracht. In der innern Stadt war der Rückzug kaum bemerkbar. Die Wachtfeuer um die ganze Gegend gaben eben so wenig einen sichern Maßstab für die Stellung der Armeen, als die hell auflodernden Flammen aus den Dörfern. In der Vorstadt war es lebendiger, dort konnten die Einwohner schon deutlich sehe», daß die französische Armee total geschlagen, und int vollen Rückzüge sey.— Sie hatte diesen leider zu spät angetreten. Nur ein einziger schmahler Ausweg, nähmlich durch die Ranstädter Vorstadt, und das äußerste Ranstädter Thor, welches durchaus nicht erweitert werden kann, da es von beyden Seilen an fließende Gewässer stößt, war ihr übrig. Die Zeit reichte nicht hin, das zahllose Geschütz, die Tausende von Wagen und'die Menschenmaffen, die man nach der Schlacht immer noch über 70,000 Mann anschlagen konnte, in so kurzer Zeit durchzu- bringen. Es waren Tage dazu nöthig, die man nicht übrig hatte. 3-r r3s Am 19. rückten alle Heeresmassen der Verbündeten vor. Die noch übrigen Dörfer, die der Feind während der Nacht besetzt hatte, wurden mit Sturm genommen. Jetzt ging auch Probsthayda und Stöt- teritz für ihn verloren. Die Schweden und Preußen drangen i» die Kohlgärten von Sellerhauscn und Schönfeld her ein. Die combinirten Corps konnten sich, je enger sich der Zirkel ihrer Gegner an der Stadt schloß, überall die Hände biethen. Mehr als 100 Batterien standen ihnen zu Gebothe. Die Franzosen kämpften nur noch für ihren Rückzug, den sie durch das letzte, ihnen noch übrige Bollwerk,— Leipzig, zu decken suchten. Napoleon selbst war in die Stadt zurückgegangen, und befand sich beym König von Sachsen, dem er sehr ernstlich zugeredet haben soll, ihm zu folgen. Nach einer halben Stunde verließ er ihn, ohne etwas ausgerichtet zu haben. Er nahm seinen Weg nach dem inneren Ranstädter Thor zu. Cr fand es durch das fliehende Fuhrwesen völlig gesperrt, und mußte umkehren. Er ritt durch die Fleischer-Kloster-und Burgstraße»ach dem Petersthor, und ging um die Allee über den Ranstädter Steinweg zum äußersten Stadtthore auf der Straße nach Lützen hinaus. Von der Nord-Ost- und Südseite strömten die zurückgeschlagenen Truppen mit ihre» unendlichen Wagenzügen herein, und i33 eilten alle nach dem Ranstädter Thore. Jeder suchte nur fortzukommen,— alles war in der wildesten Flucht- Napoleon und seine Feldherren hatten auf eine unbegreifliche Weise für keine Nebenwege, auf denen man nach Lindenau kommen konnte, und welche durch Holzbrücken über die Canale und Flüsse leicht zu bewerkstelligen waren, gesorgt. Es entstand daraus bald die fürchterlichste Unordnung. Wagen und Geschütz waren in einander gefahren, alles in der größten Verwirrung. Keiner wollte aus sehr wichtigen Gründen der letzte seyn. Besonders war man darauf bedacht, die zahllosen geraubten Viehherden wegzubringen. So sahe man in den Vorstädten ein militärischesChaos, dessen Elemente durchaus nicht gesondert werden konnten. So sehr man französischer Seils bemüht war, dem furchtbaren Feinde das Eindringen in die Stadt zu verwehren, so eifrig man ihn durch das Geschütz nach allen Landstraßen hin aufzuhalten suchte, und ihn aus jeder Lehmwond, Mauer und hinter jedem Zaun mit Gewehrfeuer empfing, so reichte» doch olle diese Angstmittel nur für Augenblicke zu. Nichts konnte den eisernen Siegern mehr widerstehen. Sie drangen stürmend in alle Vorstädte ein, Pallisaden und spanische Reiter wurden nicht mehr geachtet, Planken und Wände durchbrochen und über- »Ich stiegen,— sie fanden überall Wege durch die Gärten, und stürzten sich zum Schrecken der Fliehenden von allen Seiten durch die Straßen auf sie. Preußische pommeriche Freywrllige hatten die Grim» maische Vorstadt erstürmt. Das Kanonenfeuer hatte sie nicht aufhalten können. Man suchte das innere Thor zu vertheidigen.— Vergebens. Ein preußischer Offrcrer fand den Weg um den Sch necke nberg rechts in der Nahe desselben. Mit wenigen seiner Braven kam er von der Seils auf dasselbe, und bald war es geöffnet. Vom Peters-und Hallischen Thor drangen Österreicher und Russen ein. Die Franzosen setzten sich hier und da. In der Grimmaischcn Vorstadt ging es besonders hart her. Bald ergriff Schrecken die fechtenden Franzosen. Die deutschen Truppen, welche die inneren Thore zu vertheidigen hatten, verließen diese, unv stellte» sich auf dem Markte auf, ohne einen Sckuß zu thun.— Die sächsische Grenadiergarde, welche an der Wohnung des Königs aufmarschirk war, hatte das Gewehr beym Fuß, und schien den Sturm kaum zu bemerken, Überall hörte man jetzt in der Stadt den Sturmmarsch, und das schaurige Horn der Verbündeten. Mancher ihrer Helden fiel, aber die schwere Blutarbeit war gethan, der Sieg glorreich ,5tz erkämpft. Was sich noch widersetzte, wurde niedergestochen» oder mit dem Flintenkolben niedergeschlagen. Pferde und Menschen bedeckten alle freye Platze und Straßen. Die Franzosen, ohne Hoffnung die zahllosen Wagen und Kanonen zu retten, schnitten jetzt in der größten Angst die Stränge los, um die Pferde zu retten. Nur ein geringer Theil war so glücklich zu entkommen, der bey weitem größere wurde erschlagen oder gefangen. Preußen, Russen, Österreicher und Schweden stürzten jetzt nach dem Ranstädter Steinwege, wo nichts mehr vor oder rückwärts konnte, da sich hier alle Colon- nen gestopft hatten. Zwanzig Mann preußische Landwehr schössen einige Augenblicke in die dichten Massen, ohne daß es einer von den Franzosen, die sich auf mehrere Tausende beliefen. gewagt hätte, ihnen zu antworte». Säe wurden ungeduldig, und eilten im schnellsten Laufe in die dicksten Massen. Sie stachen wüthend mir den DajonelS in sie hinein, und da es damit nicht rasch genug gehen wollte, kehrten sie die Gewehre um, und schlugen kurzweg alles todt, was ihnen in den Weg kam. Die halb oder ganz Gelobtere» wurden schnell in den Mühlgraben geworfen, wo sich bald Menschen und Pferde so anhäuften, daß der Fluß stockte.— Ein Theil der Flüchtigen harten sich durch den Herrmannsche» i36 Garten aus einem Seitenwege geflüchtet, und such- ten auf einer eiligst übergeworfenen Brücke über die Elster an die Funkenburg zu kommen. Allein auch diese fanden großtentheils ihr Grab im Wasser oder unter den Schlagen ihrer Feinde, die ihnen auch hier rastlos auf dem Nacken sahen. Was sich noch auf dem Ranstadter Stein weg befand, wurde ohne Umstände gefangen, denn Napoleon hatte»m seiner eigenen Sicherheit willen die steinerne Brücke, welche vom Ranstadter Thore nach Lindenau über die Elster führt, in die Luft sprengen lassen, und es scheint, als ob der arme S appeur- Unteroffwier, dem hier ein schwerer Fehler zur Last gelegt worden ist, nicht so eigenmächtig gehandelt hatte, als der -französische Amtsbericht behauptet.— Der Fürst P o- niatowSky wählte den Weg durch Herrmanns Garten, suchte durch die Elster zu schwimmen, und ertrank nebst seinem Pferde. Zwey tödtliche Wunden, die man an seinem Leichnam gefunden hat, bewiesen, daß die feindlichen Tirailleurs ihn bereits verfolgt hatten, und daß er wahrscheinlich in Gefangenschaft gerathen seyn würde, wenn er nicht sein Grab im Wasser gefunden hätte. Die russischen und preußischen Truppen hatten nun vom Rosen- thal her die Zugänge von hinten durch die Gärten aus den SteMweg gefunden. Die Franzosen hatten >37 in der größten Eile die Brücken, welche über den Mühlgraben gebaut waren, und den diesseitigen und jenseitigen Theil der Straße in Verbindung setzten, weggerissen, um auf dem linken Ufer ei» ncn gesicherten Standpunct zu haben. Aber der Feind stürzte zu ihrem Entsetzen jetzt aus allen Häusern auf sie, und vollendete die Verwirrung und Niederlage. Alles warf die Gewehre weg, und wurde gefangen. Wer dieses nicht that, wurde niedergeschlagen. Ein preußischer Jäger schoß auf einen General, und fehlte ihn. Er ging sogleich, ohfie zu laden, mit der umgekehrten Büchse auf ihn los. Der General halte Säbel und Pistolen, und konnte den Verwegenen leicht niederstrecken,— aber auch dieser Mann harre alle Besinnung verloren, er stieg eilig vom Pferde, und übergab eS und sich selbst dem Jäger. Dieser verlangte bloß Uhr und Börse,— ich habe keine Zeit, sondern muß vo wärls,— sagte er,— reiten sie nur ruhig in die Stadt, meine Cameraden werden ihnen nichts thun, sie werden darin unsere Generalität finden. Am hitzigsten wurde in einem Theile der Gärten noch gefochten, wo sich die'Franzosen zfim Theil verzweifelt wehrten, oder Wege zum Entkommen suchten. Der Löhrsche, Herrman tische, Reiche Ische und Groß-Bosesche sa- iZ8 hen sich fast gar nicht mehr ähnlich. Überall stieß man darin auf Äser von Pferden, Mem'chen nnd sterbende Verstümmelte.— Da die Stadt mit Sturm genommen werden mußte, so sielen, da die Franzosen überall durch Geschütz ihre Feinde „och aufzuhallen suchten, unaufhörlich Granaten und Kugel» in die innere und in die Vorstadt,- welche leldst die Wohnung des Königs von Sachse» nicht verschonten. Bang und ängstlich harten die Emwohuer oieser Angststunde entgegen gesehen, welche ihren Wohnungen, ihrer Habe, und selbst ihrem Leben Vernichtung drohete. Auf der Nord- seire, ähmltch nn Vrühl, hatte er bereits in mehreren Häusern gezündet, und einige Hintergebäude wurden tu Au- e gelegt. Mehrere Einwohner hatten bereits dablieben verloren, und noch immer wurde d«e Stadt veriu-tdiget und beschossen. Die verbündete?! Monarchen hatten, wie man hinterher erfuhr, nur wenig Geschütz in Thätigkeit setzen lassen, um eins schöne Stadt so viel als nur immer möglich, zu schonen. Der Sturm geschahe vorzüglich durch chre bravo Infanterie. Nachmittags um i Uhr war endlich die schwere Arbeit geendiget, und kenn bewaffneter Franzose mehr in der Stadt. Alle deutsche Truppen, welche zum Theil die inneren Thore und die Gärten hatton vertheidigen sollen. hatten sogleich ihre Posten verlassen, und sich auf dem Markte bey der sächsischen Grenadiergarde aufgestellet. Endlich konnte man nun wieder frey Athem hohlen. Um 2 Uhr des Nachmittags hielten die sämmtlichen verbündeten Monarchen rhren Einzug uncer unglaublichem Jubel aller Einwohner zu Pferde. Sie bedurften des Glanzes langer Züge von Garden nicht, sie kamen in schlichten Offwiersuniformen, aber schöner als aller militärischer Pomp strahlten die Sterne der ersten Große, ein Fürst Schwar- zenberg, Barclay de Tolly, Blücher, Bülow u. s. w. mit allen den Helden, welche den großen Sieg so rühmlich erkämpft hatten, in ihrem Gefolge. Sie waren bloß von ihren Suiten und Ordonnanzen umgeben, die sie auf dem Schlachtfelde um sich gehabt hatten. Sächsische Ca- vallerie paradirte mitten unter den Reitern, gegen die sie noch gestern hatten fechten müssen. Alexander, Franz, Friedrich Wilhelm und Carl Johann, zogen unter tankend Segenswünschen ein. Alle Fenster waren mit unzähligen Zuschauern angefüllt, und aus allen wehrten weis- se Tücher. Die siegreichen Truppe» erwiederten die lauten Grüße, mir einem tausendfachen Hurrah und'Vipat!— Sie hatte geschlagen, die Stunde l/jo der Erlösung. Man vergaß alle Drangsale, die man so lange getragen hatte, und wendete seinen Blick nur auf die bessere Zukunft. Durch die schreckliche Lage, in welche die Stadt dadurch gekommen war, daß sie eine Zeitlang gewissermaßen belagert, wenigstens von allen Seiten eingeschlossen war, mußte bald an Allem der bitterste Mangel entstehen. Brot, Branntwein, Fleisch, Bier, Butter, Mehl, selbst Salz, fingen schon in den größten Haushaltungen an selten zu werden, und in den kleinen ganz zu fehlen. Die gewöhnlichsten Lebensbedürfnisse waren daher fast nirgends, oder doch nur zu ungeheueren Preisen zu hoben. Es war ein Glück, daß dieSieger eben so genügsam und gutmüthig waren, als sie dem Feinde sich furchtbar gemacht hatten. Sie wußten es wohl, wie gern man sie mit einem guten Mahle bewirthet hatte. Sie waren hungerig und durstig, aber sie nahmen mit dem vorlieb, was man ihnen geben konnte. Sie hielten in der Stadt durchaus die strengste Mannszucht. In der Vorstadt ging es hier und da bunt her. Man hatte in jzdem Winkel fechten müssen, und konnte nicht gleich die Ordnung herstellen. Man drang daher in mehrere Häuser-in, und die Bewohner litten bey dieser Gele- genheit große Verluste. Wenn mau indessen das ge- I i4i wohnliche Schicksal einer mit Sturm eroberten i^ Stadt bedenkt, und was die Franzosen gethan haben würden, wenn sie, wie die Verbündeten, unter den nähmlichen Umstanden, als siegende Feinde hereingekommen waren, so muß sich Leipzig im Ganzen sehr glücklich preisen. Der Feind harre schon auf dem Schlachtfelde eine ungeheuere Menge Wagen und Kanonen ver- ,! loren. er halte mehrere der letzteren vergraben und l versenkt. In der Sradt mußte, da die einzige Brü- !, cke, welche für den Train gangbar war, gesprengt war, alles, was nicht die Chaussee von Lindenau er- l reicht harre, im Stiche gelassen werden. Fast inoo l' Wagen, und weit über 100 Kanonen fielen daher den Combinirten in der Stadt in die Hände. Sie l stürmten den Fliehenden rastlos nach, und verfolg- ^ ten sie bis hinter Lindenau. Zwischen dex Sradc und diesem Dorfe machten ste noch ungeheuere Beute, und nahmen besonders den größten Theil der geraubten Viehheerden weg.—Schon nach einer Stunde konnte jeder ungestört überall herum gehen. Dre ganze Stadt war ein Leichenfeld, überall stieß man aufLeichname, die zum Theil schon ausgekleidet waren, und auf Verwundete. In der Grimmaischen Vorstadt war, so wie in der Ranstädter, am wü- thendsten gekämpft worden. In der Elster und dem I4S Mühlgraben hatten Lausende ihren Tod im Wasser gefunden und gewahrten zwischen den ertrunkenen Pferden einen schauderhaften Anblick. Der König hatte mitten in dem Mordgetümmel die Stadt nicht verlassen. Die Wache wurde avie zuvor von seinen Gardegrenadieren versehen/ und vor seiner Wohnung paradirte ein Bataillon russischer Grenadiere. Der Kaiser von Österreich eilte sogleich der vorrückenden Armee nach/ die übrigen Monarchen blieben nebst dem Kronprinzen von Schweden hier. Am längsten hielt sich der König von Preußen mit seinem Kronprinzen hier auf. Beyde gingen nach Berlin/ und der König von Sachsen folgte mit seiner Gemahlinn und Tochter unter einer starken Bedeckung von Kosaken eben dahin. So endigte sich diese große und denkwürdige Schlacht. Selten war eine entscheidender. Die nächsten Resultate waren fast ooo erbeutete Kanonen, der größte Theil des unermeßlichen französischen Armeetrosses, und mit Inbegriff der in den Spitä- i lern zurück gebliebenen Kranken mehr als 40,000 Gefangene.— Das Schicksal der erster» war äußerst beklagenswerth. Es fehlte an Platz, sie unter zu bringen, an Ärzten, Heilmitteln, Lager- stellen, und selbst an den nothdürfkigsien Lebens- »43 Mitteln. Sie starben nicht mehr zu Hunderten, sondern zu Lausenden, so sehr sich es immer die Behörden der Verbündeten angelesen seyn U-'hen, ihnen Hülfe zu leisten. Die Franzosen Hotren für gar nichts gesorgt, und die wenigen Hülfsmittel, ,el- che man noch hätte vorfinden könne», selb-i r «lichtet. Der Rückzug der fr'nzSMen A m-e nach---x Schlacht von L-pzrg, ,st ciis der merkn urdigsten Erscheinungen in der Kriegs«.-schich-e. Er ge'chah unter den Augen eines Feldherrn, und wurde von ihm geleitet, der. tausend Zungen als best erste,, und«roßten Feldherrn aller Zeiten so lange gepr.e- fen hatten. Schlechter wurde nie einer angeordnet, er swi-n entweder den Verlust der Schlacht für ganz unmöglich gehalten, o^er es durchaus auf dieVer« rnchtung seines Heeres abgesehen zu haben. Man schätzte die Trümmer der durch Nipzig retirirten Armee noch immer gegen fto,ono Mann, aber die- ft erlitten noch emen bedeutenden Verlust bis Lindenau, und man übertreibt es schwerlich, wenn man behauptet, daß Napoleon in der Schlacht bey Leipzig die Hälfte seines ungeheuern Heeres verloren hat, und daß er bis an den Rhein nichts Be. deutendes mehr würde unternehmen können. Die Schlacht von Leipzig war»as Signal, daß ,h» alle i44 seine noch übrigen Bundesgenossen verliessen, und alles bis an denRhein gegen ihn unter die Waffen trat. Der Rheinbund, diese fürchterliche Geißel Deutschlands, war mit einem Streich zerrissen, das Königreich Westphalen in sein Nichts versunken. Die Schlachten und Gefechte, welche er seit der Schlacht bey Leipzig täglich zu liefern gezwungen war, konnten bloß als Supplemente zu derselben angesehen werden. Weislich harte er seine furchtbare Vernichtung in Rußland in dem Innern Frankreichs zu verbergen gemusst, da er die wenig Übrigen in Deutschland zurück liess, und ihren jämmerlichen Zustand den leichtsinnigen Franzosen durch tausend Künste sorgfältig verdeckte.— Leider konnte er sich dieser List nun nicht mehr bedienen. Deutschland hatte sein Heer verschlungen und die übrigen Reste über den Rhein hinüber ausgeworfen, um sie nie wieder in seinem Schooße zu dulden. Deutschland ist durch die Schlacht bey Leipzig gerettet. Möge seine künftige Form seyn, welche sie wolle, so bürgen die schrecklichen Erfahrungen, die, eS seit länger als 2o Jahren gemacht, die Weisheit und Völkerliebe seiner Großen und Edeln dafür, daß Einigkeit und festes Zusammenhalten die starke Ägide seyn werden, die es gegen ähnliche Eräuel auf immer schützen werden. ist5 Noch wüthet der französische Groll gegen Deutschland m einigen seiner Bollwerke. Die Vertheidigung der Festen wird indessen bloß dazu dienen, die Schmach der Franken zu vergrößern. Sie werden dorr die letzten Denkmähler ihrer Zersiö- rungssuchr hinterlassen, waffenlos in die Gefangenschaft getrieben werden, einst an Stöcken in ihre Heimarh irren, und dort erzählen, wie thöricht sie handelten, daß sie es wagten, ihre kraftlosen Arme gegen ein großes, starkes Volk, das sie lref verachtet, auszustrecken. ,H- K ' L^-''.'^)-->-^.^—-.- ' Ä 2 ueb erblick des deutschen Krieges in der zweyten Hälfte des Jahres i8r3. .^'-r-.- ',->^ M'> ->^>er russisch- preußische Krieg gegen Frankreich war nach den Schlachten von Lützen und Bautz e n durch den am 4. Juny geschlossenen Waffenstillstand unterbrochen worden. Die Lage der kriegführenden Mächte war so beschaffen, daß beyden Theilen der Friede wünschenswerth schien. Wiewohl mit bewunderungswürdiger Tapferkeit fechtend, hatte die russisch-preußische Armee doch weder in der Schlacht bey Lützen, noch in der bey Bautzen wesentliche Vortheile über den noch immer übermächtigen Feind erringen können. Der Kaiser Napoleon war noch im Besitze der Streitkräfte aller seiner Alliirten, und seine eigene, seit ai. Jänner und 4. April! gebildete Armee von 55o,ooo Mann»ahm täglich an Übung und Kriegserfahrung zu. Dennoch konnte es für die französische Armee und ihre Alliirten nicht wün- schenswerth seyn, daS Kriegsglück noch ein Mahl zu versuchen. i5o^ Unter diesen Umstanden übernahm Se. Majestät der Kaiser von Österreich, mit allge- memer Zustimmung, die Vermittelung des Friedens. Vergeblich suchte Kaiser Napoleon den erhabenen Friedensvermittler durch das Anerbiechen königlich-preußischer Länder auf seine Seite zu ziehen. Erwerbungen dieser Art hatten für das Haus Habsburg kein Interesse; am wenigsten jetzt, wo sich der Kaiser laut für die Sache des Rechtes und der Ordnung erklärte. Durch diese Schritte übernahm Österreich zugleich die Verbindlichkeit, für diese höchsten aller Güter zu kämpfen, wofern durch gütliche Mittel der große Zweck nicht zu erreichen stände. In kurzer Zeit wurde das österreichische Heer vollzählig gemacht, Reserven und Landwehren errichtet. Ungern both«ine bedeutende Anzahl freywilliger Veliten,(leichte Reiter) dar. So wurde in kaum 3 Monathen eins Macht auf den Kriegsfuß gesetzt, welche alle gewöhnlichen Berechnungen der Hülfsguellen des österreichischen Kaiserstaates zu übersteigen schien. Durch die besondere Gnade des Monarchen erhielten die Officiere der Armee, zur Beschleunigung der Rüstungen, zugerittene Pferde aus den k. k. Eguitations-Schnlen. Der Monarch selbst beschloß bey der Armee zu blei- i5i ben, so wie er sich in der Nahe der Unterhandlungen befunden hatte. Der Kaiser der Franzosen zeigte sich indessen nicht geneigt, dem Frieden irgend ein entscheidendes Opfer zu bringen. Unbekannt mit dem veränderten Geiste der Zeit, oder gleichgültig gegen die Stimmung der Volker, der er als republikanischer Feldherr einst überall so klug entgegen gekommen war, wollte Er es auf die Entscheidung der Waffen ankomme» lassen: ob künftighin in Europa die Willkühr des Starkern, oder dasRecht herrschend seyn sollte. Bey dieser Verschiedenheit in den Grundsätzen konnte daher durch die Friedensunterhandlungen das große Ziel nicht erreichet werden, welchem Europa so sehnlich entgegen sah. Der Krieg sollte von neuem ausbrechen. Der Termin des Waffenstillstandes war abgelaufen. Dieser wurde den ic». August aufgekündet. Zu eben dieser Zeit ging die Kriegserklärung von Seite Österreichs ins französische Hauptquartier. Nach Ablauf von 6 Frrsttagen konnten die Feindseligkeiten beginnen. Nie war ein Krieg in redlicherer Absicht unternommen worden. Nicht Leidenschaft, nicht Rache, nicht Ehr— oder Eroberungssucht, sondern allein der rechtliche Wunsch: der Zerrüt- ,5s tu n g und R echtlosigkel t in Europa endlich ein Ziel zu setzen, und den Völkerve balrnis- sen wieder eine Beharrlichkeit zu»eben, die seit der französischen Revolution völlig verschwunden war, tiefer rechtliche Wunsch allein lag den diplomatische» und kriegerischen Anstrengungen der verkündeten Machte zum Grunde. So wie Frankreich durch Wiedereinführung der Monarchie sich consoli- » dirt hatte, so sollte auch das übrige Europa, nach zwanzigjährigen Drangsalen, wieder einen festen Zustand der geselligen Ordnung erreichen. Der Re° «olutionirung der Völker sollte ein Ziel gesetzt werden. Gleichwie der einzelne Mensch nur im Stande eines gesicherten Genußes seiner Rechte auf der Bahn der Veredlung fortschreiten kann: so können auch Staaten nur dann der Verbesserung ihrer innern Verwaltung obliegen, wenn sie von außen gesichert sind; denn der höchste Gcsichtßpvnct und das erste Princip jeder Staarsverbindung ist ihre Erhaltung. Kaiser Alexander hatte beym siegreichen Vordringen seiner Heere über die Oder die deutschen Fürsten zur Wiederherstellung ihrer Selbststaiidig- keit aufgefordert. Durch Österreichs Beytritt erhielt diese Aufforderung noch mehr Gewicht. Durch chis lange Sclaverey war der eingeschlummerte Sinn i53 für National-Freyheit bey den Teutschen wieder aufgelebt. Er harte sich unzwendeutig geäußert, alS Preußen und Schweden sich im Frühjahr an Nuß» land anschlössen. Schnell wuchs damahls die preußische Schaar, womit General Dork von den französischen Adlern sich trennte, zu einem mächtigen Heere an. Nicht nur Preußen aus allen Standen und Altern, sondern auch deutschgesinnte Männer und Jünglinge aus allen Gegenden Germanien) sammelten sich unter Preußens Fahnen. Die Lützowschs Freyschaar und andere Abtheilungen des preußischen Heeres entstanden größten Theils aus deutschen Ankömmlingen, welche sich freywillig rüsteten und bewaffneten. Die Blüthe deutscher Jugend vereinigte sich zum deutschen Freyheitskampf. So hatte sich Preußen durch schnelle Organisirung der Landwehr und des Landsturmes eine stets fertige Reserve für seine Armee geschaffen. Als Schmuck für den Ausbund der Tapfersten war das bedeutungsvolle Zeichen des eisernen Kreutzes errichtet worden. Diese fast unter den Augen der aus Rußland zurück ziehenden Trümmer des französischen Heeres gebildete Armee hatte auf den Feldern von Lü- tzen und Bautzen den Gipfel des militärischen Ruhms erreicht. Während des Waffenstillstandes waren die Rüstungen der verbündeten Mächte fortgesetzt r54 und vollendet wo-d»n. Die preußische Infanterie war letzt durch Reserve-Regimenter verdoppelt, und die Landwehren standen in den Reihen der alten Soldaten. Die rutsche Armee hatte sich ergänzt und stand, mit allem auf das Vollkommenste ausgerüstet, zum neuen Kampfe bereit. Bennigsen sammelte eine bedeutende Reserve in Pohlen. Schweden harte feine Anstalten vollendet. Der Kronprinz befehligte eine schone, aus Truppen der nordischen Machte zusammengesetzte Armee. England unterstüzte die Alliieren mit allen Kriegsbedürfnissen. Preußens Beyspiel war m Norddeutschland nicht ohne Nachahmung geblieben. Die durch den schnellen Marsch der Tettenbornischen Schaar befreyten Hansestädte Hamburg und Lübeck rüsteten schnell die hanseatische Legion. An den llfern der Weser regte der Genius der deutschen Freyheit die entfesselten Schwingen. Mecklenburg erklärte sich für die verbündeten Mächte. Hier so wie in Schme- disch-Pommerir war der Landsturm organisirt worden. Dieß waren die Zurüstungen zu dem neuen Kriege! Und so, nachdem der Ansgang der Friedeusuiiterhandlungen bewiesen hatte, daß von Napoleon kein Ende des Krieges zu erwarten sey, nahm der erneuerte Feldzug den Charakter des ,55 deutschen Freyheitskrieges an, der auf Deutschlands Boden, für Deutschlands Freyhc.t und von deutschen Völkern mit ihren Alliirte» geführt werden sollte. Dkr mächtige Beytritt Österreichs, die feyerliche Erklärung der verbündeten Machte, für Recht und Ordnung zu kämpfen, die sie bald mit beyspiellosen Siegen unterstützte», und die Stimmung der nach Ruhe seufzenden Völker zogen nach und nach alle deutsche Hofe von dem französischen Bündniß ab, welches ihnen jetzt keine Sicherheit gewahrte, so wie es ihnen früher keine Unabhängigkeit übrig gelassen hatte. Als Napoleon die Fortsetzung des Krieges beschloß, bauete er ohne Zweifel auf seine Truppen, ungeachtet sie jung und an Zahl jetzt nicht mehr ausreichend waren; auf seine Marschalle, obwohl die wenigsten mit der Fortsetzung des Krieges einverstanden waren; auf die Truppen der Bundesfürsten, obwohl sie längst mit Widerwillen unter seinen Adlern dienten; auf seine Festungen, obgleich er sie nicht entsetzen konnte; auf seine feste Stellung an der Elbe, obgleich sie durch einen Seilenmarsch in Böhmen umgangen werden konnte. Auch auf Uneinigkeit oder Eifersucht der Alliir- ten, auf Mangel an Zusammenhang und Einheit der Operationen mochte der französische Kaiser ge- i56 b ut haben. Aber die Verthsilung der verbündeten Sirsitk-äfre zeigte bald, daß man mit bewunderungswürdiger Weisheit die gemeinen Ouelleit der Uneinigkeit verstopft hatte. Wechselseitige Unterstützung, entkernt von jedem Privatinteresse, nur das allgemeine Beste im Auge, keine Nation für sich allein und isolirt dastehend, immer gemeinsani Kampf und Gefahr zu theilen bereit, so war der Sinn der verbündeten Mächte; diesem Grundsätze getreu die Zusammensetzung und Aufstellung der Heere, welche nur Einen Körper von Einer Seele geleitet auszumachen schienen. Die große böhmische Armee unter dem Oberbefehl des Feldmarschalls Fürsten Carl zu Schwarzenberg bestand aus der österreichischen Armee, der russischen unter Barclay de Tvlly und dem preußischen Corps von Kleist. Ihre Stärke wurde auf 020,000 Mann angegeben. Die schlest sche Armee unter dem Oberbefehl des königl. preußischen Generals derCavallerie von Blücher bestand aus dem preußischen Corps des Generals von Bork, und den russischen Corps von Sacken und Längeren. Sie betrug 60,000 Mann. Die Armee von Norddeutschland unter dem Oberbefehl des Kronprinzen von Schweden bestand aus der schwedischen Armee unter dem Feld- 167. marschall Stedingk, dem preußischen Corps von Bü- low, der russ schon Armee unter den Generalen von Minzifigeeode, Loronzoff und Czerintsch.fi. der englischen Legion unter dem Generale vcn Wallmoden. Ihre Starke bekef sich auf roo o.,o Mann. Ein viertes preußisches CorpS unter dem Generallieutenant von Tauenzicn war unabbängig und selbstsländig aufgestellt, um nach Umstanden sowohl mit der norddeutschen, a-s der schlesischen. Armee zu operiren, und die Festungen an der Oder und Elbe zu beobachten. Im Donauthale standen unter dem k. k. Feldzeugmeister Fürsten von Reuß und in Jnneroster-- reich unter dem k. k. Feldzengmeistec Freyher.n von Hiller zwey österreichtsche Armeekorps, welche den baienschen und italienischen Truppen, die ihnen gegen über standen, die Spitze bothen. Man könn» ke die ganze, gegen Frankreich aufgestellte Streitmacht der Verbündeten, ohne Reserven, auf 5oo,ooc> Mann annehmen. Kaiser Napoleon hatte sich an der Elbe festgesetzt, die er durch de theils neu angelegten, theils verstärkten Festungswerke von Hamburg, Magdeburg, Wittenberg, Torgau, Dresden und Konigsiein gesichert halte. Bey Hlirna war ein verschanzter Lager errichtet, und der Sonnensteur ,53 dein Königstein gegenüber zu einem festen Puncte eingerichtet. Mit beyspielloser Thätigkeit waren die Festungswerke von Dresden wieder hergestellt wsrd en. Eine weite Linie von Verschanzungen umgab das Äußere der Stadt. An den. innern Eingängen waren die Häuser abgetragen und zu Batterien eingerichtet. Ein Theil der Vorstädte konnte unter Wasser gesetzt werden. Mit gleicher Thätigkeit war Hamburg befestiget worden. Alle Häuser vor der Stadt, in einem Umkreise von ,5o Toisen von den äußersten Festungswerken, mußten von den Einwohnern abgetragen werden, und auch die angesehensten Häuser in der Sradt wurden bis auf halbe Höhe abgebrochen und durch Ausfüllung mit Erde zu Wällen umgeformt; viele andere zu Casernen eingerichtet. An der neuen Brücke und den Verschanzungen wurde» Männer ohne Unterschied des Standes und Alters zu arbeiten gezwungen; und am ,4. August erklärte der Gouverneur jede Versammlung von 4 Personen als ein Verbrechen, welches mit dem Tode bestraft werden würde. Zu Folge der französischen Amtsberichte war diese befestigte Basis am ,7. August folgender Maßen besetzt: Der Marschall Davoustmit den Dänen ver- eint, stand im Lager bey Hamburg, gegen 3o-oos Mann stark. Ihm gegenüber stand General Wai l- moden. Das 4te, i2te, und 7t-Armeecorps, ungefähr 90.-00» Mann stark, standen zu Da hm-, unter Anführung des Herzogs v.- R-gcno(Onci- nor), der Armee des Kronprinzen von Lchweden gegenüber, welcher Berlin deckte. Das 3te, 5te, ute und 6>e A-meeco^vs, ungefähr rcho-ooo Mann stark, stand unrer-en Befehlen des Herzogs von der Maskma(Ney), des G-nerals Laururon, des Herzogs von Tarent(Mac- donald) und des Herzogs von Ragusa(Marmonr), zu Liegnitz, Golcberq, Lowenberg und Bue au, der schlejMen Armee unter B'üchsr g-genübe. Da? 3re Armercorps unter dem Zürnen Bo- niatowskz stand bey Zirtau; und das 2t? unter dem Ma schall Victor war auf dem Wege zu seiner Verstärkung. Beyde Beobachrungs-und Reservecorps waren bey 60,000 Mann stark. Das iHte Armeecorps, 26 bis 3o,ooo Mann sta'k, stand unter den Befehlen des MarfchallsLt. Cr- bey Marienberg, und beobachtete das Erzge- dirg. Das erste Armeecorps unter den Befehlen des Generals Vandamme hielt Dresden besetzt. i6o AUe Festungen waren mit Garnisonen und Lebensrnitteln versehen. Die Stärke aller ir Armeecorps an der Elbe muß sich auf 3Zo,voo Mann belaufen haben. Die Balern standen an der Donau, und eine Armee unter dem Vicecünig von Italien an der österreichisch- illyrische» Grenze. Seit langer Zeit zum ersten Mahle sah man sehr der französischen Armee eine gleiche, oder überlegene Macht entgegenstehen. Dieses Gleichgewicht erlaubte den Alliirten Plan und Manöver. Es kam nur noch darauf an, den großen Vortheilen, welche Napoleon die befestigte Basis der Elbe gewahrte, gleiche Vortheile entgegen zu setzen, und einen leichten Übergang über diesen Strom zu gewinnen. Böhmen, das durch seine nach Westen hervorspringende Lage die Elbe überflügelt, und durch seine Gebirge eine gegen Napoleons Stellung hervortretende Bastion bildet, aus welcher man sich nach allen Seiten hin wenden kann, vereitelte dem Feind die Vorche-.le und den Vorzug seiner Stellung. ES war daher natürlich, in dieses Land die Hauptmacht zu versetzen. Dadurch kam man mit Einem Mahle, ohne Hinderniß, über die Elbe und dem Feiyöe in oie Flanke, ja durch ein Vorgehen nach Sachsen in Rücken. Blieb er aus der Defensive, i6r. so lagen alle seine Festungen nicht mehr hinter oder vor ihm, sondern ihm zur Seite, und waren umgangen. Er kam ferner durch diese Bewegung zwischen drey Armeen, und wurde gezwungen, entweder alle Kraft nur auf einen Punct zu richten, oder wenn er es nicht wollte, immer eine der feindlichen Armee auf seiner Communication oder seiner Flanke zu sehen, und bald nach dieser, bald nach jener zu laufen. So wurde er durch diese Bewegung von seiner wahrscheinlich beabsichtigten Offensive auf die Defensive geworfen; ja wollte er auf der ersten beharren, so wurde seine Lage mit jedem Schritte vorwärts nur noch bedenklicher. Die von der Aufkündigung des Waffenstillstandes bis zum Wiederanfang der Feindseligkeiten laufende Frist konnte zur Umgehung der Elbe benützt werden. Die russisch- preußische Armee unter dem General Barclay de Tolly, bestehend auS dem russischen Corps des Grafen von Wittgenstein, dem preußischen unter dem General von Kleist, mit den russischen und preußischen Reservetruppen unter dem Großfürsten Constantin und dem Grafen Miloradovich, ging den n. August, jenes über Landshut, dieses durch Nachod über die böhmische Gränze, und den 17. war die erwähnte russisch- preußische Armee mit der österreichischen in Böhmen vereiniget, und der k. k. m. L ,62 Fettmarschüll Fürst Carl von Schwarzeuberg übernahm über beyde das Ob,ics,mmando. Ihre Mas. der Kai,er von Rußlands und der König von Preuße», welche bereits am iL. Aug. in Prag eingetroffen waren, und Se. M. der Kaiser von Österreich blieben bey der große» böhmischen Armee. Im Gefolge Sr- Was. des Kaisers Alexander befand sich General Moreau, der in Begleitung seiner Adtutanten, der Obersten Rappakel und Scheveni», die Reise von Mevyork in 40 Togen ziwückgelegt hatte. Der Armeebefehl vom 07. August aus dem Hauptquartier Mel„,k kündigte der Armee den großen Tag an, der für sie gekommen war,„Kämpft, wie eS Österreichs Kriegern geziemt, und ihr werdet siegen", sagte der Feldmarschali im vorhersehenden Geiste. Durch diese Umgehung der französische» Armee, weiche dem Kaiser Napoleon verborgen geblieben zu seyn schien(denn er blieb mit seiner Hauptmacht in der Lausitz), wurde die Hauptarmee der Allürten aus der Fronte deS Gegners in seine Flanke geschoben. Sie war stark genug, nicht nur eine Schlacht anzunehmen, sondern auch eine beträchtliche Heeresabtheilung nach Belieben zu detaschiren. Zn dieser Lage begann aufS neue den 17. Aug. der Kampf. Die große böhmische Armee stand noch auf dem rechten Ufer der Elbe, um Napoleon i65 glaube» zu lasse», man woll« von Rumburg und Zirtau ihm unmittelbar in die Flanke fallen. Es schien dieß das natürlichste, und wahrscheinlich glaubte es Napoleon selbst. Die Befestigungen, welche um M-lnik an allen Übergangspuncten der Elbe und weiter bey Weldrus in den Defileen der Moldau mit kluger Verücht angelegt worden waren, und die am rechten Elbufer vorbereiteten Magazine konnten den Feind in dieser Meinung bestärken. Allein nach größeren Ansichten war der Plan der Alliirten entworfen. Ein Vordringen auf dem rechten Elbufer hätte nicht ohne entscheidende Hauptschlacht das Kriegstheater aufs linke Elbufer versetzt, ja der Feind hatte alle Vortheile der inneren Operationslinie behalten, wenn er seine gegen Schlesien aufgestellte Armee nur um einige Märsche rückwärts concentrirt hatte; es wäre ihm dadurch leicht geblieben, den einen Theil einige Tage über seine Macht zu täuschen, mit der er gegen ihn gestanden, und während dieser Zeit mit ganzer Macht auf den andern Theil zu fallen. Diese Gründe machten es den Alliirten räthlich, mit der Hauptmacht unmittelbar auf das linke Ufer der Elbe zu rücken, und von dort über das Erzgebirge nach Sachsen zu gehen, um sich auf deS Feindes Communicalion festzusetzen. Um die AuSführung L 2 164 dieses Planes zu sicher», hatten die Armeen von Schlesien und Norddeutschland die Aufgabe, den Feind wahrend des Marsches der böhmischen Armee zu beschäftigen, zugleich aber einer allgemeinen Schlacht gegen überlegene Macht auszuweichen. Damit aber der Druck des Übergewichtes nicht zu lange auf diesen Armeen laste, und wenn sie auszuweichen genöthiget waren, sie nicht zu viel Terrain verlieren, so eilte die Armee von Böhmen mit verstärkten Marschen zu ihrem Ziele. Diese Trennung der alliirte» Armeen, und dre vereinzelten Waffenthaten derselben machen die erste Haupt-Epoche dieses Krieges aus. Die zweyte Epoche begreift die Operationen zur Wiedervereinigung dieser Armeen; und die dritte endlich die Operationen von der Vereinigung bey Leipzig bis zum Rheinübergang. Die schlesische und die Nordarmee eröffneten, dem entworfene» Plane gemäß, die Feindseligkeiten, um deö Feindes Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Schon vor Ablauf des 17. August hatte der Feind seine Patrouillen bis Jauer und Schönau vorgeschickt, und sich Requisitionen in dem neutral erklärten Gebiethe erlaubt. Diesem zu begegnen, rückte den 14. August das Corps von Sacken, i5,ooo Mann stark, mit 20 Kanonen aus Ohlau nach »65 Breslau und Neumarkt vor. Die schlssische Armee stellte sich zwischen Striegau, Jauer und Schweidnitz in Schlachtordnung auf. Das Corps von Aork bildete den rechten Flügel, von Sacken den linken, und General Langeron führte die Avantgarde. Am 17. und r6. zog sich der Feind von Lieg- nitz und Goldberg zum Angriff zusammen. Gleich am ig. bestand daS königlich preußische Corps in der Gegend von G 0 ldberg ein Gefecht, welches ein Vordringen dieses Corps bis an den Bober zur Folge hatte, dessen Brücken der Feind zerstörte. Das Corps von Sacken trieb den Feind aus seiner Stellung bey dem Dorfe Kreibau bis nach der befestigten Stadt Bunzlau. Hier sprengte dieser die angelegten Befestigungen, und überließ sie dem russischen General Grafen von Lieben, der sie besetzte. Graf von Langeron ließ seine Avantgarde unter dem General Rudeziewitz bey Zobten über den Bober setzen. Sie nahm das Dorf.S iebe n- eichen, eine Batterie und viele Beute, und zog sich mitten durch den Feind zu ihrem Corps zurück. General Park warfdie feindliche Avantgarde von den Höhen bey Lowenberg über den Bober zurück. Als die verbündete Armee über den Bober gehen wollte, wendete der Feind alle seine Colonnen i65 wieder um, und kehrte nach Bunzlau und Löwen- berg zum Angriff zurück. Kaiser Napoleon, der in- dessen den 2r. August in Löwenberg angekommen war, stand an der Spitze einer Armee von r4 Mann. Er liest die Drücke» über den Dober herstellen, und drang bis Goldberg vor. Bey einer solchen Übermacht konnte sich die schlesische Armee in keine Hauptschlacht einlassen, zog sich daher wieder Zurück, um sich keinem Stoß auszusetzen, und die Offensive wieder zu ergreifen, sobald der Feind einen Theil seiner Macht von ihr abgewendet haben würde. Den 22. Aug. stand die schlesische Akmee zwischen Adelsdorf und Pilgramsdorf in Schlachtordnung. Der mit Über,nacht angegriffene linke Flügel zog sich hinter Ggldberg, die Armee stellte sich hinter der Katzbach, und der rechte Flügel Lehnte sich bis Liegintz aus. Den 23. griff der Feind G 0 ldbergan. Die Avantgarde des Generals Längeren und Aork warf ihn drey Mahl auf den Wvlfsderg, von dem er de- bouschitte, zurück. Der Prinz von Mecklenburg ergriff eine Fahne, und führte einige weichende Bataillone gegen den Feind zurück. Zugleich rückte daS Corps von Sacken bey Llegnitz mit bedeutender .Macht vor, und verfolgte den Feind. Da jedoch die fische Armee die Instrucnon hatte, den Feind Kloß zu beschöftigen, und von der Elbe abzuziehen, so führte sie der Oberbefehlshaber von B'ücher gegen Jauer zurück. Der Feind folgte nicht noch; der Kaiser Napoleon hatte indessen i» Eilmärschen seine Garden zur Unterstützung Dresdens zurückgeführet, welches von der großen böhmischen Armee bedrohet wurde. Marschall Ney begleitete den Kaiser. Die Eile des Feindes war so groß, daß die junge Garde, Infanterie, Cavallerie und Artillerie, die Strecke bis Stolpen in sso Stunden Weges zurücklegen mußte. Der Nest von 60,00» Mann blieb unter dem Commando des Herzogs von Tarent (Macdonald) in Schlesien zurück. Der Feind, welchem der Zusammenhang der Operationen der verbündeten.Armeen noch nicht klar geworden war, stellte seine gegen dieselben gemachten Versuche isolikt dar, und schrieb sich einen glänzenden Sieg zu. Allein bald zeigten sich die Folgen von dem planmäßigen Vorrücken der großen böhmischen Armee. Am 25. Auzj. stand das Corps von Lauriston bey Goldberg bis PrauSnitz; das Corps von Macdonald hinter Goldberg, das Corps von Ney bey Rothkirch und Liegnitz. General Blücher machte seine Dispositionen zum allgemeinen Angriff auf den folgenden Tag. Ein anhaltender Landregen siel in starken Güßen aus dem Gewölke. Die ver- »63 bündete Armee passirte die Katzbach zwischen Goldberg und Liegnitz. Bey Brechelsdorf geriethen die Avantgarden dichter an einander. Durch die auf den Höhen von Lriebelwitz aufgefahrenen Batterien wurde der Feind genörhiget, sich zwischen Weinberg und Elchholz zu entwickeln, und so bereitete sich eine ernsthafte Schlacht vor. Der Oberbefehlshaber von Blücher ritt mit dem ganzen Gefolge an die einzelnen Colonnen heran, und ermähnte sie mit eindringender Beredsamkeit. Ein allgemeines„es lebe der König!" tönte durch das Schlachtfeld. Dieser Augenblick schien günstig zum Angriff. Die Avantgarde siel auf den rechten Flügel des Feindes bey Weinberg; die Brigade Prinz von Mecklenburg rückte zu ihrer Unterstützung nach, und die Brigade von Hünerbein deckte die linke Flanke gegen das Corps von Lauriston. Die Brigade von Steinmetz machte die Reserve. Nun griff auch das Corps von Sacken den linken Flügel mit Ungestüm an. Da der anhaltende Regen die Gewehre zum Feuern unbrauchbar machte, so griff die Infanterie zu dem Bajonete, und zul-tzt brach die Cavallerie vor. Inzwischen drang daS Corps von Sacken auf seiner Seite unaufhaltsam vor, besetzte schnell die Höhen von Eichholz, und stürzte den Feind in die steilen Thalwande der wü- i6g thenden Katzbach hinab, wo sich die Schlacht endigte, die von drey Uhr Nachmittags, bis spat in die Nacht gedauert hatte. Tue ganze französische Armee war fliehend in die Thalschlüchte der Katzbach geworfen, wozu ein einziger Hohlweg fuhrt, der durch das Herabrollen des Wassers grundlos geworden war. Was nicht der Säbel und die Kugel getroffen, kam durch das Gedränge der Wagen um, oder wurde durch die Pferds zertreten. Am 26. Aug. ging die schlesische Armee bey Liegnitz und Goldberg über die Katzbach, wahrend die Avantgarde den fliehenden Feind nach Löwenberg und Dunzlau verfolgte. Nur in letzter Stadt war der Bober noch überganglich, daher mußten alle feindliche Corps sich dahin wenden. Die feindliche Division Puthod, welche am 26. Aug. über Schönem nach Jauer in den Rücken der schlesische» Armee marschiren sollte, und jetzt zurückkehren mußte, konnte nicht mehr, weder bey Hirschberg noch bey Löwenbcrg, über den Bobcr zurück, und wurde, den General Puthoud an der Spitze, von demLan- geronischcn Corps gefangen gemacht. In dem am i. Sept. aus dem Hauptquartier Löwenberg erlassenen Tagesbefehl, gibt der Oberbefehlshaber von Blücher der schlesische» Armee das schönste Zeugniß bewiesener Tapferkeit, und theilt 170 zugleich die Resultate ihrer bisherigen Waffentha- teu mit.§S waren io3 genommene Kanonen, L5c» Munitionswagen, drey Generale, i8,oc>c> Gefangene, und die Befreyung von Schlesien. Denn schon am i. Scpt. ging der Vortrab der schleichen Armee über dieQueiß, welche die Gränze der Lausitz macht, und Tages darauf über die Neiße. Der Feind, der den 5. Sepc. am Lobauer Wasser gestanden war, zog sich den 4. auf der Straße nach Bautzen zurück. Die Stceifpartheyen der schleichen Armee vereinigten sich mit denen des Generals Bub- na, und beunruhigten den Rücken deS Feindes zwischen Gorlitz und Bautzen. So nahmen am r.Sept. Major Falkenhausen und Rittmeister Schwanenfeld 4 feindlichen Artilleriocompagnien die letzte Kanon e ab, die sie auS der Schlacht an der Katzbach übrig hatten. Eo wie durch das ossensioe Vordringen der großen böhmischen Armee die Befreyung von Schlesien möglich geworden war, so wurden auch die feindlichen Colonnen ausB 0 hme„ zurückgedrängt, welche gleich beym Anfang der Feindseligkeiten auf den drey Straßen über Rumburg, Gabel und Reichenberg eingedrungen waren. Diese Colonnen gehörten zum rten, 8ten und 2tsn Corps von Van- damme, Poniatowsky und Victor, und machten r?r den rechten Flügel der feindlichen Armee aus. Sie waren bestimmt, nach Prag zü marschiren. Obwohl sie an Zahl weit überlegen waren, so war es doch durch die vielfältigen, in des Feindes Rücken unternommenen Srreifzüge, dann durch die im- merwährendeAllarmirung bey Tag und Nacht, durch lange Feuerlinien auf dem Rücken der Gebirge, und endlich durch die Errichtung eines Landsturmes, dem k. k. General Grafen von Neipperg gelungen, denselben die Spitze zu biethen. Auf die Aufforderung dieses Generals eckten die böhmischen Gebirgsbewohner bewaffnet herbey, und machten in der Nacht vom 25. auf den 24. gemeinschaftlich mit den L>- mentruppen einen Überfall auf das bey Reichenberg stehende feindliche Lager, um diese Stadt von den unerhörten Mißhandlungen des erst kurz zuvor bey dem Durchzug durch die österreichischen Staaten so gastfreundschaftlich behandelten Warschauischen Truppe,icorps unter dem Fürsten Poniatowsky zu be- fceyen. Der am 23. Aug. erfolgte Rückzug des Feindes aus Reichenberg nach Kratzau und Krottau war größtentheils das Werk der Anstrengungen und des Mitwirkens der böhmischen Gebirgsbewohner, unter denen sich die LaNdlente von Klein- Skalitz ganz vorzüglich auszeichneten.. Am 24. und 25. vereinigte sich der General Neipperg in Döhmisch>N»u« r?2 stadel unweit Friedland mit dem russischen Armeecorps des Grafen von Pahlen.— Wir haben jetzt die Operationen der großen böhmischen Armee zu betrachten, welche die bisher erzählten Resultate herbeyzuführen vorzüglich geholfen hatten. Die große böhmische Armee hatte sich den 19. Aug. hinter der Eger zwischen Wrany und Rzudohest aufgestellt, wo sie die drey verbündeten Monarchen in Augenschein nahmen. Da der Kaiser Napoleon, wie wir gesehen, inzwischen mit seiner bey Bautzen concentrirten Hauptmacht nach Schlesien vorgedrungen war, so eilte die böhmische Armee durch eine schnelle offensive Bewegung auf seine Communicationslinie, denselben zu zwingen, dem größten Theil seiner Streitkräfte eine seinen Planen entgegengesetzte Richtung zu geben, und die schlesische Armee, so wie das Corps des Generals Neipperg vor dem Andränge einer unverhältnißmä- ßigsn Übermacht zu schützen. Den 20. Aug. erließ der Feldmarschall Fürst zu Schwarzenberg einen Aufruf an Sachsens Einwohner. Den 22. Aug.' überschritt die alliirts Armee auf der Peterswalder-, Brüxer-, Kommothauer- und Kaadner Straße in vier Colonnen die sächsische Grenze. Die tief ein- geschnittenen Thäler dieser Gegend machten diesen Marsch sehr beschwerlich, und ein für diese Jahres- zeit ungewöhnlicher Regen vergrößerte die Schwierigkeiten noch mehr. Das Corps des Generals Grafen von Wittgenstein, welches auf der Peterswal- derstraße marschirte, hatte die Deckung des Anlehnungspunctes an der Elbe übernommen. Der überraschende Angriff dieses Generals auf das bey Gies- hübel in verschanzter Stellung gegenüber stehende französische Corps des Marschalls St. Cyr, das schnelle Zurückweichen dieses Corps»ach den Gefech- ten bey Gieshübel, Gersdorf und Pirna, die Eroberung des festen Lagers bey Pirna durch den Grafen von Wittgenstein, sein dadurch veranlaßtes Vorrücken bis Dresden, und die Nachricht, die man aus dieser Stadt erhielt, daß die große französische Armee nicht daselbst sey, berechtigten zur Erwartung, dem Feinde diesen Übergangspunct an der Elbe abgewinnen zu können, oder sie zur schleunigen Rückkehr zu zwingen. Es erhielten demnach den 23. August alle Corps den Auftrag, sich auf den Höhen vor Dresden zu concentriren. Den 25. Aug. trafen die Teten der Colonnen ein, und schon an diesem Tage hatte die Avantgarde des Corps von General Grafen von Wittgenstein, welches auf der kürzesten Linie marschirt war, mit dem Feinde vor den Thoren von Dresden ein glorreiches >?4 Gefecht, in welchem die russische leichte Cavallcrie eine Batterie von 4 Kanonen wegnahm. Ten 26. Aug. stellte sich die ganze verbündete Armee auf den Höhen von Dresden ant. Die Avantgarde des preußischen Armeecorps unter General Kleist nahm unter specieller Anführung des General« von Ziechen Vormittags nach einem hitzigen Gefechr den großen Garten bis da, wo der nach der Stadt zu beginnende Theil desselben in die Communicativn der Verschanzungslinie gezogen war. Da man anS allen diesen Gefechten gewahr wurde, Laß der Feind nicht in beträchtlicher Starke in Dresden sey, so beschloß man zu versuchen, ob ein Bombardement den Commandanten vielleicht zur Übergabe bringen würde. ES begann solches den 26. Aug. Nachmittags um 4 Uhr. Einige Truppen, welche zur Deckung der Batterie» vorgeschoben wurden, verleitete der Muth, selbst einige Werke der vorliegenden Verschanzungen mit stürmender Hand wegzunehmen. Dieß war unter andern der Fall mit den österreichischen Jägern, geführt von dem ausgezeichneten Oberstlieutenant Schneider, und mit den preußischen Truppen, die den großen Garten genommen hatten, geführt von dem General Ziethen und Obersten Jaqov. Beyde nahmen mit seltener Bravour je- der Theil eine der vorliegenden Flechen, und waren von dem österreichischen F. M. L. Grafen von Colloredo, und dem preußischen General von Kleist unterstützt. Aber weder mit Sturmleitern, Äxten und Faschinen, noch mit zureichendem Belagerungsgeschütz versehen, war eS trotz des Aufwandes an Tapferkeit der allurlen Truppen nicht möglich, weiter vorzudringen. Gegen 6 Uhr wurde man an dem Widerstände der Besatzung gewahr, daß sie Verstärkung erhalten haben müsse, oder doch solche in der Nahe sey. Bald darauf sah man die Teten einiger Colonnen, die auS der Stadt herausdrangen, aber allenthalben mit Verlust zurückgeworfen wurden. Überläufer bestätigten die Nachricht, daß Napoleon mit dem Corps vou Marmont und Victor, der ganzen Cavallerie unter dem Konig von Neapel, und den Garden zur Unterstützung der Stadt angelangt sey, welche er nunmehr mit einer Macht von i3o,c>oo Mann vertheidigte. Die böhmische Armee sah demnach den Zweck diese» Angriffes erreicht. Da jedoch DreSden bey seinen Festungswerken und seiner starken Besatzung nun nicht mehr zu nehmen war, und die Verbindung zwischen der schlefischen und böhmischen Armee nicht unterbrochen werden durfte, welches durch ein starkes Vordringen des FeindeS aus Königstein leicht bewerkstelliget werden konnte; so mußte die böhmische Armee sich von des FeindesRü- cken wieder auf seine Flanke zu stellen suchen, und zu dem Ende einen Tagemarsch zurückmachen, wodurch sie zugleich ihren Subsistenzmittcln naher kam. Sie bezog am Abend wieder die Stellung, von welcher sie am Morgen zu den Operationen des Tages ausgerückt war. Eine Kanonenkugel hatte dem General Moreau an der Seite des russischen Kaisers beyde Beine abgerissen. Am 27. Morgens versuchte der Feind thcilweise aus Dresden vorzudringen; er griff das Centrum mit Ungestüm an, und unterstützte das Unternehmen durch nachdrückliche Demonstrationen gegen den rechten und linken Flügel. Seine Angriffs blieben ohne Erfolg, und der Tag verstrich unter ähnlichen fruchtlosen Versuchen. Nur auf dem linken Flügel gelang es ihm, durchzubrechen, und den F. M. L. Mesko abzuschneiden. Die böhmische Armee trat am Abend dieses Tages im Angesicht des Feindes den Rückzug^ an, der am 26. mit aller Ordnung fortgesetzt wurde. Das Klenauische Corps und der linke Flügel mar- schirtcn über Rabenau nach Marienberg und Dux; der rechte österreichische Flügel über Dippoldiswalde gleichfalls nach Dux, und die alliirte russisch- preußische Armee überAlrenberg und Maxen nach Töplitz. »77 Aber ungeachtet aller Anstrengungen konnten die ersten Cclounen des Rückzuges nicht vordem 2g, auf dem Sammelp'atze bey Dur eintreffen. Der Feint) faßte die Hoffnung, der verbündeten Armee zuvorzukommen, und rückte schon am 27. in starken Colonnen aus Königstein auf der E iraße von Zehrst nach Peterswalde vor. Es war das am 23. Aug. aus der Gegend von Rumburg zurück getriebene Armeekorps des Generals Van- damme, bestehend aus 72 Bataillonen, 4 bis 5ooo Pferden, und mehr als 60 Kanonen, zusammen bey 40,000 Mann. Den Druck dieser Übermacht konnte General Ostermann, der mit etwa Looo Mann russischer Truppen den Königstein beobachtete, nicht aufhaben. Aber mit unsterblicher Tapferkeit verrheidi te er die Straße Schritt vor Schritt, unv hinoerte am 29. August beym Dorfe Pristen den Feind, weiter naa? Toplitz vorzudringen. Durch diese denkwürdige Waffenrhat wurde das Zuvorkommen des Feindes vereitelt; denn an diesem Tage erreichten die ersten Colonnen der böhmischen Armee ihren Sammelplatz, und General Barclay de Tolly traf noch am Abend mir der ersten Grenadier-Division auf dem Schlachtfelde ein. Aber der Sieg kostete dem hcldenmüthigen General Ostermann einen Arm. Se. Majestät der Kai- IH. M ser von Österreich befahl den Siegesplatz durch die Errichtung eines Denkmahles zu verewigen*). Indessen ließ der General- Feldmarschall Fürst von Schwarzenberg am 3o. August die Divisionen Colloredo und Bianchi, die russische Brigade des Generals Knorring und die Caval- erie-Brigade des Generals Grafen von Sor- benburg zur Unterstützung der Ostermaunischen Heldenschaar herbey rücken. Graf von Colloredo umging des Feindes linke Flanke bey dem zu schwach besetzten Dorfe Strissowitz, und vertrieb ihn stürmend aus Karwitz und Neudorf. Gegen 2 Uhr Nachmittags debouschirte das königt. preußische Armeecorps unter den Befehlen des Generals vo» Kleist aus ds» Defileen von Nieder- Telnitz in dem Rücken des Feindes auf den Paß von Nollendorf, und schnitt ihm dadurch den Rückzug ab. Während der Feind sich mit äußerster Anstrengung hier Luft zu machen fruchtlos versuchte, erstürmte der General Graf von Colloredo das Dorf Arbesau; die Generäle Knorring und Sorben- burg nahmen Kulm und Anschüre, wo sich die feindliche Infanterie»och immerzu halten suchte, nebst ') Sk. M. der Kaiser von Rußland verlieh dem Prcodra. schenskischen, und Semcnowschen Regiment, und der Garde-Marine- Equipage Georgen Fahnen zur Belohnung ihrer Tapferkeit. vielen Gefangenen und Kanonen weg. Das ganze feindliche Geschütz von 81 Kanonen, 2 Adler, 2 Fahnen, alles Fuhrwerk und 6ooo Gefangene nebst mehreren tausend Versprengten waren die Trophäen dieses für die verbündeten Heere so rühmlichen Tages. Unter den Gefangenen befand sich General Vandamme selbst, dann die Generäle Haxo und Guyot, und der an seinen Wunden gestorbene General Heimbrodt, sammt dem ganzen Generalstab und vielen andern Officieren von Rang.— Die Vernichtung des Vandammischen Corps, welches Napoleon auf eine unbegreifliche Weise ganz iso- lirt und ohne alle Unterstützung gelassen hatte, zerrüttete seine Plane aus Bohmen auf eine entscheidende Weise. Er zog sich auf allen Seiten nach Dresden zurück, wo schon damahls ein Mangel an Lebensmitteln fühlbar war. Es scheint, daß Kaiser Napoleon, in sicherer Rechnung, bald auf Böhmens und Schlesiens fruchtbare Gefilde vorzudringen, dre Anlegung großer Magazine in Sachsen vernachlaßiget, und dadurch den Grund zur Demoralisirung seiner zahlreichen Armee gelegt hatte! Durch die bisherigen Operationen der verbündeten Heere war Schlesien und Böhmen von dem Feinde befreyt; und die schleflsche Armee stand nicht M 2 I l8o nur in vollkommener Verbindung mit der großen böhmischen Armee, sondern hatte sich derselben um eine beträchtliche Strecke genähert. Die preußische Avantgarde, welche sich um diese Zeit in Reichenbach befand, hatte kaum eine Strecke von 2o Meilen bis Töplitz, wo das Hauptquartier der großen böhmischeü Armee biS zum Aufbruche zur Vereinigung aller verbündeten Heere verblieb! Auch die Armee von Norddeutschland unter dem Oberbefehl deS Kronprinzen von Schweden hatte inzwischen Gelegenheit gefunden, große Vortheile über den Feind davon zu tragen. Dieser hatte sich den 2r. August in der Gegend von Baruth zusammen gezogen, um auf Berlin zu marschiren. Die Armeecorps von Reggio, Belluno, Padua, Bertrand und Rcynier, zusammen über 80,000 Mann stark, hatten sich zu diesem Ende aufderTor- gauer Straße zusammen gezogen. Der Kronprinz hielt Miktenwalde, Trebbin, Rühlsdorf, Besitz und Treuenbritzen besetzt. Starke Kosakenparteyen streiften gegen Lückenwalde, Jüterbock und Luckau,^ durch welchen letzter» Ort die Franzosen nach Da, ruth vordringen wollten. Am 22. Morgens griff der Feind bey Trebbin an, und besetzte nach und nach das ganze Änd i8r zwischen Mittenwalde und Saarbach von Wäldern, und Morasten an der Seile gedeckt. Am 20. August Morgens drang das Corps von Bertrand gegen den General Tauenzien vor. Letzterer erstürmte das DorfGroß-Beeren. Dadurch wurde der Feind von dem Mittelpunkte seines Lagers getrennt, den er nicht mehr gewinnen konnte. Eine Batterie reitender Artillerie, welche den Feind in die Flanke nahm, entschied die Niederlage des Feindes, der von Bülow, Tauenzien und Orurk bis über Trcbbin hinaus verfolgt wurde. Schon am 2Ü. kam General Tauenzien zu Gölten an, wo die Herzoge von Reggio und Padua und der General Reynier die Nacht vorher durchgezogen waren. Am 26. wurde der Feind aus Jülerbock vertrieben, wo er sich gesetzt hatte, um seinen Rückzug zu decken. Verfolgt bis Rohrbeck und Bochow, zog er sich gegen die Elbe. Der General Bülow hatte am 26. sein Hauptquartier zu Trebbin, und am 27. zu Elsholz. Der General Borstell war bey Luckenwalde, der General Tauenzien zwischen Barulh, Golzen und Lu- ckau. General Hirschfeld, der am 26. zwischen Reckahn und Eolzow stand, nahm an der Verfolgung des Feindes thätigen Antheil. Er griff am 27. mit 10,000 Mann preußischer Landwehr den französt- l82 schenGeneral Girard, der mit i5,ooo Mann von der Magdeburger Garnison gegen den rechten Flügel des Kronprinzen vperirle, auf dem Marsche von Ziesar nach Brück bey B-lzig an, und brachte ihm in Verbindung nnt der Czernirscheffischen Cavallerie eine völlige Niederlage bey, deren Resultate i5oo Gefangene mit 7«, bis 6a Officieren und 7 Kanonen waren. Am 26. bemächtigte sich General Tauenden der Stadt Luckau, welche während des Waffenstillstandes von französischen Ingenieurs befestiget worden war. 1000 Mann Gefangene und 9 Kanonen fielen dabey in seine Gemalt. Am 2g. war das Hauptquartier des Kron- p inzen zu Belzig; am 3r. in Treuenbritzen, am i. September in Rödigke, am 4- in Rabenstein. Die Plane des Feindes waren vereitelt. Eine Deputation der Stadt Berlin brachte dem Kronprinzen den Dank für die Rettung der Residenz ins Hauptquartier. Der Kronprinz setzte sich mit der russischen und schwedischen Armee gegen Roslau in Bewegung, um über die Elbe zu gehen, und sich mit der böhmischen Armee in Verbindung zu setzen. Allein Kaiser Napoleon suchte diese Verbindung durch einen neuen offensive» Versuch zu verhindern, und spielte sein altes Spiel mit noch geringerem Nachdruck und Erfolg. Er eilte nach ,83 dem mißlungenen Einbrüche in Böhmen nach Bau- tzen, um seine weichende Armee aufzunehmen. Er griff den 5. September bey Neichenbach mit bedeutender Macht die preußische Avantgarde an. Blücher, seinem Plane getreu, den Feind so weit als möglich von Dresden wegzuziehen, rückte über die Neiße und O.ueiße zurück. Der Feind, durch die Erfahrungen an der Katz- bach über die Gefahren einer allzu verlängerten Operation--Linie belehrt, ging nicht in die Schlinge. Der Kaiser traf schon am 7. wieder in Dresden mit seinen Garden ein. Bey Lobau und Görlitz stand der Rest der zurück gebliebenen Armee. Am 8. September rückte die preußische Armee wieder vor. General-Lieutenant Graf St. Priest warf den Feind aus Mittel-Hartwigsdorf, Ebersdorf und Lobau. Von Görlitz zogen die Franzosen freywillig mit großer Schnelligkeit ab. Sie setzten am 10. September ihren Rückzug nach Bautzen fort. Die preußische Avantgarde besetzte an diesem Tage Hochkirchen. Am n.und i2. geschahen Bewegungen von dem Feinde, welche eine» ernsthaften Angriff vermuthen ließen; aber sie hatten keinen Erfolg. Unaufhaltsam rückte die schlesische Armee gegen die Elbe vor. General Blücher hakte am i3. sein Hauptquartier in Hcrrnhut; und seine i84 Vorposten streiften über Bauhen bis Bischoffs- werda, wo der feindliche Nast-irob aufgestellt war. Auch zur Vereirelung diese, zweiten Ov-ia- tion Napoleons, hallen die verbündeten A-meen jede das Ihrige beygetragen. Dr« böhmische Ai.-r. e harre nach dem Siege bey Kulm ihre Avanrgarcen wieder über die sächsische Gränze geschickt, wo sie täglich mehr Feld gewann, und den Kaiser Napoleon «ine neue Störung seiner CommunicationSlune befürchten ließ. General Graf von Wittgcnstein unternahm eine neue offensive Demonstration gegen die Elbe, vertrieb am 8. September den Feind durch ein glänzendes Gefecht aus Puma, und besetzte Dvh- na. Die Hauptmacht der böhmischen Armee b>>eb in Böhmen; aber tue Avantgarde des rechren Flügels stand in Rumburg und vor Z'.ttau dem Feind in der Flanke. Genera! Graf von Budna setzte sich nach und nach über Neustadt und Neukirchen mit dem Vortrab der schlesischen Armee in Verbindung. Während, durch dieses allmählige Vorrücken t der schlesischen Armee, der Kreis der feindlichen Stellung immer mehr eingeengt wurde, mußte Napoleon seine Aufmerksamkeit aus die drohende Stellung der böhmischen Armee verdoppeln. Am 9. September wurde man starke Cvlonnen gewahr, die r85 aus Dresden gegen die böhmische Gränze zogen. Die russischen Avantgarden zogen sich in die Defi- lcen der Peterswalder und der Nebenstraßen deS Erzgebirges zurück. Am ic>. September erschienen 5 Armeecorps auf der Rollend orfer und Ebersdorfer Straße. Eine Colonne von beyläufig i5,ouo Mann drang über die, alte Straße des Geyersberges vor. In der Gegend von Krauppen stieß sie auf Batterien, welche dieselbe beym Vorrücken in die Ebene empfingen. Das Gefecht dauerte von 2 Uhr Nachmittags bis 7 Uhr Abends, wo der Feind in größter Eile zurück flüchtete. Der Kaiser Napoleon hatte amrr.seinHauptquartisr in Liebstadt, am 12. m Därenfeld; bey diesem Orte bivouakirten die kaiserlichen Garden. Endlich ami6. September drang der Feind mit sehr überlegener Macht von P-terswalde vor. Er gnff am 17. den Verhau bey Tellnitz an, und drang auf der Straße bis Arbesau, Delitsch und S-banda vor. Der Feldzeugmeister Graf Lolloredo beschloß von den Höhen von Strissowitz gerade über Au- schine nach Arbesau vorzudringen, und den Heind in seiner linken Flanke zu fassen. Zugleich rückte der General der Casallerie Traf Meerfeldr über Oelitich vor, und erstürmte dieß Dorf. Oberst Graf Berit- »66 heim und General Ziethen drangen in Tellnitz ein. General Gras Witkgenstein rückre von Kulm vor. Durch diese Bewegung gerierh der Feind in eine allgemeine Verwirrung und zog sich von einem dichten Nebel begünstiget, von allen Seiten gegen die Höhen von Nollcndorf zurück. Er ließ der böhmischen Armee 7 Kanonen und 2000 Gefangene, unter denen sich der General Kreutzer befand, als Trophäen dieses Gefechtes zurück. Wahrend so Napoleon in eigener Person die Unzulänglichkeit seiner Streirkröfre für offensive Operationen zum zweyten Mahle sowohl gegen die schlesische als böhmische Armee erfuhr; gelang es auch der norddeutschen Armee, einen neuen entscheidenden Sieg Über die ihr gegenüberstehende feindliche Macht zu erringen, deren Oberbefehl der Kaiser dem Marschall Ney übertragen hatte. Als der Kronprinz seinen Marsch gegen Roslau an die Elbe richtete, kehrte der Feind, welcher Miene gemacht hatte, aufs linke Ufer der Elbe zu gehen, auf einmahl den 4. September um, und stellte sich in seinen Verschanzungen bey Teuchel lind Trag,,» vor Wrtkenberg auf. Er marschirte auf Zahne, welches der General Dobschütz gegen eine außerordentliche Übermacht mit großer Tapferkeit vertheidigte. Trese Angriffe wurden am 5. September noch hes- 2 6^ tiger wicderhohlt, und durch eine Verstärkung von 2000 Mann, weHe Marschall Ney herbey führte, Zahne und Sayda vom Feinde erobert. General Dobschütz schloß sich zu Jüterbock an das Corps von Bülow an. Den 6. um 5 Uhr Mor gens brach der Kronprinz von Rabenstein auf, und sammelte die russische und schwedische Armee auf den Anhöhen von Lobessen. Indessen marschirte der Feind gegen Jüterbock und überflügelte den General Bülow, welcher höchstens 2«,000 Mann stark war. Wahrend sich die russische und schwedische Armee, welche noch 3 Meilen vom Schlachtfelde entfernt war, in Marsch setzte, um die preußische Armee zu unterstützen, hielt diese bey Dennewitz mit wahrhaft heroischem Muthe die wiederhohlten Angriffs des Feindes unerschrocken auL, obwohl dieser 70,000 Mann stark und mit 200 Kanonen versehen war. In dem Momente des hitzigsten Feuers rückten 70 russisch« und schwedische Bataillons, 20,000 Pferde und a5o Stücke in Angriffs Eolonnen vor, und thaten dem Vordringen deS Feindet Einhalt. Er trat seinen Rückzug nach Lahme und Torga» an. In Lahme, Schweinitz und Herzberg wurde der fliehende Feind erreicht und geschwächt. Er konnte sich dießseits der Elbe nicht mehr behaupten. So wurde durch die bewunderungswür« -68 Lige Tapferkeit der norddeutschen Armee auch der zineyre offensive Versuch des Feindes gänzlich veredelt. Marschall Ney, welcher das Commando der feindlichen Armee sühnte, harte seinen Soldaten beym, Ausmarsch zu dieser unglücklichen Schlacht angekündiget, da§ sie in 2 Tagen in Berlin seyn würden. Der Herzog von Ragusa sollte ihn mir einem Corps voit 25,voc> Mann in diesem llatcrnehmen unterstützen.Dieser war am 7. bisHoyerswerde vorgeschickt, sollte in Berlin mit dem Neyischen Corps zusammen treffen, und alsdann eine starke Truppenab- theilung in die rechte Flanke des Generals Blücher deraichiren, um diesen im Vordringen gegen Dresden zu hindern. Aber der Marschall Marmont war am 6. nur nach Hoyerswerde gekommen, um mit der Nachricht von der Niederlage bey Dennewitz am A. nach Dresden zurückzukehren. Durch die bisherigen Operationen hatten die verbündeten Heere eine solche Überlegenheit über den Feind errungen, daß sich dieser aus die Defensive beschränken mußte, und nicht mehr im Stande war, die Vereinigung der verbündeten Heere zur gemeinschaftlichen Ausführung eines entscheidenden Schla- Zeö zu verhindern. Die Eben« von Leipzig, auf welcher Straßen wie in das Centrum zusammenlaufen/ war zum Vereiniaungspuncte der verbündeten Heere bestimme. Die Operationen zur Erreichung dieses Zweckes machen die zweyte Epoche dieses Fcldzuges aus. Die französische Armee befand sich in der traurigsten Lage. Sie hatte durch mehrere Monathe keinen Sold bekomme», und d-e Theun ng der Subsistenzmiltel für Menschen und Pferde nahm täglich zu. Die Truppen waren durch zwecklose Hin- und Hermäische, welche mit großer Schnelligkeit und Anstrengung geschehen mussten, ermüdet. Sie fanden nirgends Hoffnung, ihren Zustand zu verbessern; die Aussich'en auf gurr O.uartters in Prag, BreSlau und Berlin, welche der Kaiser ihnen versprach, wurden vereirelt. Die Beschwerlichkeiten der eilfertigste» Marsche wurden durch häufigen Regen und anhaltendes B i- vouakireu auf nassem Boden vermehrt. Dab« y hatten sie m r dem drückendsten Mangel an Lebensrnitteln zu kämpfen, dem sie auch mit dem Aufwand der lehren Summen nicht abzuhelfen vermochten. Alle Verrathe ringsum waren aufgezehrt. Äcker und Fluren abfouragirt; Scheuern undMa,- ga,me leer; die Dörfer verlassen. Täglich fielen >9» mehrere hundert Pferde aus Mangel an Foucage. Noth und überspannte Anstrengung der Kräfte erzeugten Krankheiten. Die Ruhr und Faulfieber gras- firten m Dresden. Die Zufuhren wurden durch Slreifpartheycn, welche die französische Armee in concentrischen Kreisen umschwärmten, überall abgeschnitten. Die Communicationen waren weit und breit unterbrochen; Depeschen und Briefe wurden aufgefangen. Die Schlag auf Schlag nacheinander folgenden Niederlagen hatten den zuversichts- vollen Geist der sieggewohnte» Truppen erschüttert. Marschall Ney sagt« in einem an den Festungscom- mandanken von Witlenberg gerichteten, aber von Kosaken aufgefangenen Schreiben nach der Schlacht «on Dennewitz:„Ich bin nicht mehr Meister der Armee, sie versagt mir den Gehorsam; sie hat sich in sich selbst aufgelöst." Kein Wunder! die mannhafteste Armee hätte solchen Übeln erliegen müssen. Auch waren die Straßen von Dresden und Torgau nach Erfurt mit Schaaren von Flüchtlingen und Nachzüglern bedeckt, welche von Hunger, Elend und Verzweiflung besinnungslos fortgerissen wurden. Nicht nur Soldaten, sondern auch Unter-und Oberoffieiere suchten, fern von dem Nothkreise der- französischen Armee, ein besseres Loos. Wie Halb- todte sah man in Böhmen täglich viele Hunderte rgi anlangen, welche um Goltcswillen um einen Labe- bissen Brod bettelten! Bis dahin war es mit der französischen Armee gekommen, die sich sonst die Große nannre!— Noch trauriger, wo möglich, war der Zustand der Franzosen in den Festungen. In dieser Lage thaten die zahlreichen Streifcorps, welche die verbündeten Heere detaschirt harten, dem Feinde auf allen seine» Communications- linien den empfindlichsten Schaden. Die böhmische Armee hatte den General Thielemann nach Sachsen deraschict. Der die Avantgarde führende Oberst Mensdorf hob Couriere auf, machte Gefangene, zerstreute mehrere kleine gegen ihn ausgesandteRer- terscharen, und hielt sogar die Besatzung von Leipzig in Schach. Den n. Sept. langte General Thieleman» vor Weissenfels an, welches von ungefähr Sooo Mann besetzt war, die ihm nur einen geringen Widerstand leisteten, und auf die ersten Kanonenschüsse die Stadt verließen. General Thieremann machte is54 Gefangene, worunter ein General, 87 Officiere. Er überzeugte sich von der völlige» Demoralisation der französischen Armee, und von dem panischen Schrecke», der unter ihr herrschte. Er bemächtigte sich am i3. der Stadt Naum» bürg, wo er die Garnison von 400 Mann zu Ge- ,gs fangen«» machte. Oberst Mensdvrf setzt« inzwischen seine Srrrifziige auf der Straße zwischen Leipzig und Dresden fort; er machte in Würzen Gefangene, und hob einen Courier auf, der ein Paar tausend Briefe und andere wichtige Depeschen mit sich fahrte. Hierauf wendete sich General Thi-lemann gegen Querfurlh»nd'Frankcnyausen, wo er einen kaiserlichen Kabinetseourier mit dem Felleisen des Kaisers wegnahm. Er nahm am iL. die Stadt Merseburg nach lebhaftem Widerstände mit Capitu- lativu ein. Die Streifparteyen der norddeutschen Armee setzten sich mir ihm über Halle, Dellttsch und Bitterfelo in Verbindung. Zu eben diesem Zwecke ging General Cz-rnitscheff am i6. Sepk. über die Elbe. Nachdem dieser' General im Rücken des Feindes zwischen der Mulde und Saale den größten Schrecken verbreitet hatte, setzte er sich mit 5ooo Pfer- den und 4 Kanonen schnell gegen Caffel in Marsch. Der Feind, welcher solchergestalt alle seine Com- municativnen gestört sah, schickte 5 Brigaden Gar-, decavallerie mit einigen Infanterieregimenten,, zusammen 8000 Mann stark, unter dem General Ls- febre-Desnouecres gegen Altenburg ab. Der Hett- mamr Gras Platow, der um diese Zeit nach Sachsen gerückt war, drang am 27. S-pt. rasch über 192 Eh-mnitz und Penig gegen Altenburg vor, und zerstreute den Feind völlig. Tausend Gefangene, fünf Kanonen und drey Standarten fielen dem Sieger in die Hände. General Thielemann und der Oberste Mensdorf verfolgten den Feind bis nachZeitz hin. Die verbündeten Hauptheere drangen inzwischen unaufhaltsam dem großen Ziele ihrer Verbindung täglich naher entgegen. Die größten Schwierigkeiten standen auf diesem Wege der schlesischen Armee entgegen, weil die Übergangspuncte der Elbe bey Dresden, Meißen und Torgau ohne Hauptschlacht nicht zu gewinnen waren, und ein Übergang in Böhmen nicht nur die Armee von Norddeutschland einem überlegenen Angriff, sondern auch Berlin einer Überrumpelung ausgesetzt haben würde. Die schlestfche Armee mußte daher zwischen Torgau und Mittenberg einen Übergangspunct zn erreiche» suchen. Ehe dieser gewonnen war, konnte die große böhmische Armee den Anlehnungspunct an der Elbe, den ihr die imponirende und drohende Stellung bey Culm gewahrte, nicht verlassen, um dem Feinde keinen-lusgang aus seiner mißlichen Lage zu gestatte». Hatte aber die schlestfche und norddeutsche Armee sich einmahl an der Mittelelbe vereiniget, und daS linke Ufer dieses Stromes erreicht, so war Napoleon auf beyden Flanken umgangen, in seiner m. N -94 Communication mit Frankreich auf das gefährlichste bedroht, und genöthiget, seine so hartnäckig behauptete Basis an der Elbe zu verlassen. General Blücher hatte am 8. Sept. die Offensive ergriffen, und befand sich am a5. mit dem Hauptquartier zu Herrnhut. Seine Avantgarden standen in Bautzen. General GrafBubna schloß sich in Stolpen an die schlesische Armee an, und verband sie mit der großen böhmischen Armee. Das vierte preußische CorpS unter General Tauenzien hielt Elsterwerda, Liebwerda und die Linie hinter der Elster bis Herzberg besetzt. General Wobeser beobachtete Torgau. General Bülow stand Mitten« berg gegenüber; der Kronprinz von Schweden befand sich bey Coswig, Roslau und Acken, wo man drey Brücken über die Eibe schlug, auf welchen bald eine schwedische Brigade nach Dessau übersetzte; indessen der Kronprinz am a8. sein Hauptquartier nach Aerbst verlegte. General Puttlitz beobachtete in der Station Möckern die Festung Magdeburg, und schickte verschiedene Cavallerieabthetlungen aufs linke Elbeufer. Ein Theil des Priegnitzer Lantzsturms ging über die Elbe, und stellte sich in der Gegend von Seehausen und Osterburg auf. Wahrend General Blücher mit der Armee von Norddeutschland und Böhmen in Verbindung, sei- rg5 ne Operationen in der Nähe der feindlichen Hauptmacht fortsetzte, hatte der Feind nur noch zwey Armeecorps mit i3 Regimentern Cavallsrie am rechten Elbeufer. Um die Verbindung der verbündeten Heere zu unterbrechen, versuchte der König von Neapel am i5. Sept. mit dem 6ten Armeecorps über Großenhayn vorzudringen. General Blücher ließ das Corps Sacken nach Camenz vorrücken, und zu gleicher Zeit schickte General Tauenzien eine Truppenabtheilung unter dem General Dobschütz auf der Torgauer Straße vor, welche drey daselbst aufgestellte Cavallerieregimenter zerstreute. Durch diese Bewegung sah sich der Feind genöthigt, am i6. Sept. auf Dresden zurückzukehren. General Dobschütz besetzte hierauf Cosdorf und Mühlberg. Am 22. Sept. brach Marschall Macdonald aus seiner Position von Schmiedefeld mit drey Armeecorps gegen die in der Linie von Camenz, Bischofswerdr und Stolpen stehende Hauptmacht der schlesischen Armee vor, und kam am 25. bis Gödau. Kaiser Napoleon selbst, der am 22. in Harkha übernachtete, leitete diesen Angriff. General Blücher stellte sich so in der Flanke und im Rücken des Feindes auf, daß dieser es nicht wagte, stehen zu bleiben, und sich in der Nacht vom 24. auf den 25. über Bischofswerda zurückzog. Kaiser Napoleon kam am N 2 ,96 24- nach Dresden zurück, und dieß war das zehnte Mahl, daß er gegangen, und wieder gekommen war. Die Plans der verbündeten Heere eilten immer merr ihrer Reife entgegen. Am 24. Sept. nahm Genera! Bülow die Vorstädte von Wittsnberg weg. Am 26. recognoscrrt« die Eavallerie des Grafen v. Woconzoff am linken Elbeufer die Gegenden von Bernburg, Eisleben, Halle, Q.nerfürth, Quedlinburg und Halberstadt. Der Oberstlieutenant Marwitz rückte am 25. in Vraunschmcig ein. General Czernitscheff ging bey Breitenhagen über die Elbe, und faßte den Entschluß, Cassel zu überrumpeln. Er ging über Bernburg nach Eisleben, kam den 25. Sept. nach Rosla, wich dem bey Heiligenstadt postirten westphalischcn General Bastineller durch den Seitenmarsch auf Mühlhauscn aus, wo er den 26. Sept. eintraf; sprengte die westphali- sche Infanterie bey Bettenhausen auseinander, und näherte sich am 26. Morgens der Stadt Cassel, welche der König erst vor wenig Stunden verlassen hatte. Schon war das Leipziger Thor nebst der Neustadt mit Sturm genommen, als man Nachricht erhielt, daß der General Bastineller dieses kühne Streifcorps abzuschneiden suche. General Czernit- scheff eilte ihm entgegen, und schlug ihn am 29. beyMelzungen ohne vielen Widerstand in die Flucht. '97 27 Kanonen und einige tausend Gefangene waren die Frucht dieses S iege-. Ein großer Theil der west- phalischen Truppen schloß sich sogleich fceywillig an den Genera! Czernilscheff an, der nun mit dem eroberten Geschütz gegen Cassel vorrückte, und den General Alix, den der König zur Vertheidigung seiner Residenz zurückgelassen harre, zwang, die Stadt zu räumen. Unter unbeschreiblichem Jubel der Einwohner rückte General Czernitscheff am 3o. Abends in Cassel ein. Mehr als>5oo Mann west- phalischer Truppen nahmen sogleich Dienst in dem Heere der Alliirten. 32 Kanonen, sehr große Pul- vervorräthe nebst Waffen und Kleidungsstücken wurden in der Stadt erbeutet. Erst am 7. October kam der König Hieconymus wieder nach Cassel zurück. Inzwischen war General Benniglen mit der in Pohlen gesammelten russischen Reservearmee beyläufig 75,000 Mann stark am 25. Sepr. in Zutau angelangt, und eilte nach Böhmen, um sich mit der großen Armee zu vereinigen. General Blücher konnte nun ungehindert aus Ziel eilen. Er verlegte am 26. Sepr. sein Hauptquartier nach Elster-verba, gen a. Oct. nach Herzbecg; am 2. nach Jeffen. Die schlestsche Armee hatte die Elbe bey Elster erreicht. Die Brückengerathe, welche sie auf diesem schnel« len Marsche mit sich führte, waren zugleich angekommen. Man schritt ohne Verzug zum Bau zweyer Brücken bey Elster, wo die Armee über die Elbe sehen sollte. Um drey Uhr früh den 3. Oct. desilir- ten die ersten Bataillone des York'schen Corps unter Anführung des Prinzen Carl von Mecklenburg über die Brücken. Ein dichter Nebel verbarg den Feind, der 20,00a Mann stark unter dem General Bertrand, m einer fast unangreiflichen Stellung hinter den Elbedammen bey dem Dorfe War- tenburg bis Bleddin stand, und seine leichten Trup- pen auf den durch Graben, Walle und Waldungen durchschnittenen Boden vorgeschoben hatte. Der Feinp konnte in dieser durch verdeckte Batterien, Verbaue und Sümpfe zu einer Festung umgeschaf- fe.nen Position sich unüberwindlich glauben. Prinz Carl eröffnete das Gefecht mit 9 Bataillonen, indem er die leichten Truppen des Feindes zurücktrieb. General Yolk recognoscirte den Feind im heftigsten Tirailleurfeuer bis dicht vor Wartenburg, und ordnete von hier aus die verschiedenen Angriffe. Prinz Carl schob sich nun links gegen Bleddin zum Angriff des feindlichen rechten Flügels. Oberst von Steinmetz griff Mit der ersten Brigade das Dorf Wartenburg in der Fronte an, und hielt den Feind hier fest, damit die auf seinen rechten Flügel angeord- *99 n-te Hauptattake ausgeführt werden konnte. Auf diesem Puncte war das Gefecht am blutigsten; denn es hatte bereits 4 Stunden gedauert, ehe das ganze York'sche CorpS über die Brücken ziehen, und daS feindliche Kanonen- und Kartätschenfeuer aus seinen Batterien beantworten konnte. General Horn führte nunmehr seine Brigade gegen das feindliche Centrum. Kaum hatten die Bataillone deS Lsibre- giments angefangen, das kleine Gewehrfeuer des hinter den Elbedämmen versteckten Feindes zu beantworten, als General Horn an der Spitze deS zweyten Bataillons einen Morast im heftigsten Kugelregen durchwatete, den Wall stürmend erstieg, und den sich hartnäckig widersetzenden Feind mit vorgestrecktem Bajonette über Wälle und Gräben zum weichen brachte. Prinz Carl von Mecklenburg hatte indessen mit der höchsten Anstrengung seine Batterien du-ch die sumpfigen Stellen gebracht, Bleddin genommen, und den rechten Flügel des Feindes umgangen. Die unüberwindlich geglaubte feindliche Stellung wurde nach einem achtstündigen Gefecht völlig überwältiget. Der Feind floh gegen Kemberg und Wittenberg, und wurde von der Ca- vallerie verfolgt. i6. Kanonen, 9o Munitionswagen und Gefangene waren das Iresultat dieses mörderischen Gefechtes. General York ehrte die 2oc> heldenmürhige Tapferkeit deS zweyten Bataillons, indem er es beym Vorbeydefiliren mit entblößtem Haupte begrüßte. General Blücher verlegte hierauf noch am Z. Oct. sein Hauptquartier nach Warten« bürg, wahrend die leichre Cavallerie bis Kemburg und Trebitz vorgeschickt wurde. Am 4. Oct. kam es zu einem kleinen Gefechte bey Düben an der Mulde, wobey allein der Oberst von Marburg mit dem meck» lenburgischen Regiment 14 Kanonen nahm, und ein feindliches Cüraff'erregiment zusammenhieb. General Blücher verlegte hierauf am 5. Oct. sein Hauptquartier nach Düben, und war demnach nur noch 4 Meilen von Leipzig entfernt. Der Kronprinz von Schweden hatte indessen bey Dessau, Roslau und Acken Verschanzungen anlege» lassen. Die schwedische Armee ging am 4. Oktober bey Roslau über die Elbe, und rückte auf Dessau vor, das der Marschall Rey schleunig verließ. Die schwedischen Vorposten reichten bis Ragn» und Imütz, und standen mit der Armee des Generals Blücher>n Verbindung. Wahrend pch solchergestalt die beyden verbündeten Armeen von Schlesien und Norbdeutschland am linken Elbeufer vereinigten, um gemeinschaftlich auf Leipzig zu operiren, bereitete sich auch die Hroße böhmische Armee zum Aufbruche nach Sach- 2(>L seil vor. Die pohlnische Armee unter dem General cn Chef, Baron von Bennigsen langte m den ersten Tagen des Octobers in Böhmen bey Lentmeritz an, um in der Stellung von Culm die Deckung der Operationslinie zu übernehmen, und Dresden zu beobachten, das Marschall Sk.Cyr mit 5o,oooMann besetzt hielt. Durch den Armeebefehl vom 28. Sept. hatte der Feldmarschall Fürst Carl zu Schwarze,>- berg die Errichrung mobrler Cslonnrn aus drey Bataillonen Infanterie und 9 Escadronen Ea- vallerie von österreichischen, russischen und preußischen Truppen in gleichen Theilen zusammengesetzt, angeordnet, welch« unter den Befehlen des k. k. Generalmajors Baron von Herzvgenberg und des russischen kaiserlichen GenerallieurenantS von Crtel, in verschiedenen Richtungen aus alten nahen und entfernten Straßen in den Flanken und im Rücken der Hauptarmes sich bewegen, und fortwährend Ordnung, allgemeine Ruhe und Sicherheit erhalten sollten. Diese weise Vorkehrung, durch welche Eigenmächtigkeiten, gewaltsame Excesse und Unordnungen abgehalten, der Landmann im Besitze seine« Eigenthums geschützt, und die Mittel zur Verpflegung der Armee gesichert werden sollten, verschaffte den verbündeten Heeren eine Armee- po lizey, welche bey ihrem Vorrücken von dem Lc»2 wohlthätigsten Emsiuß auf die Subsistenz und den Ruf derselben seyn mußte.— Am Z.October machte der Feldmarschall Fürst zu Schwarzenberg dieOrga- nisirung einer deutschenLegionaus allen Waffengattungen unter der Leitung des Generalfeld- wachrmeisters Grafen von Bentheim bekannt, welche Se.Maj. derKaiser von Österreich für die Dauer des Krieges in Sold zu nehmen, und der k. k. Armee in der Gebühr gleich zu halten beschloß.— Mit dem königlichen Cabinete von Baiern waren Unter- handlungen angeknüpft, welche den am 6. Oct. zu Ried unterzeichneten, und am ist. ratisicirten Freund- schafts-und Allianztractat zwischen Österreich und Äsarern herbeyfuhrten, vermöge dessen Baiern den Verhältnissen deS Rheinbundes entsagte, und seine Gesammtkraft mit jener der alliirten Mächte zu gleichem erhabenenen Zwecks unverzüglich vereinigte. Kaiser Napoleon hatte Baiern gänzlich verlapsn, und so dem gewissen Untergang Preis gegeben. Daher die königliche Regierung nicht umhin konnte, dem täglich stärker ausgesprochenen Wunsche ihrer getreuen Unterthanen nachzugeben, und sich auf einer nicht ungünstigen Basis, den gemäßigten Grundsätzen der verbündeten Mächte anzuschließen^). Zugleich wurden die constikutio- ') S. könlgl. CMättlNg von, 14. Set. 2c>3 Hellen Vertheidigungsmaßregeln in ihrem größten klmfang entwickelt, und die ge sammle streikba- re Mannschaft zu den Waffen gerufen, um für die im Felde stehende Armee eine hinlängliche Reserve zu bilden, und für jeden Fall eine kräftige Gegenwehr vorzubereiten. Nach diesen Vorbereitungen setzte sich die große böhmische Armee den 3. Occober in Bewegung, um sich bey Leipzig mit der schlesischen Armee zu vereinigen, und dem Feinde den schon lange beschlossenen Hauprschlag zu versetzen. Die allürte Hauptarmes marschirts über Kommolhau, Marien- berg, Tschoppa und Ch-mnitz. Tue russisch- preußische Armeeabtheilung unter dem General Barclay de Tolly marschirte links auf der Straße von Zwi- ckau auf Altenburg. Am 5. October stand die erste leichte Division der verbündeten Armee bey Zwi- ckau, die zweyte leichte Division bey Stolpen. Die erste Armeeabcheilung zwischen Karwitz und Stris- sowltz(bey Kulm,) die zweyte Acmecabtheilung bey Marienberg; die dritte Armeeabtheilung bey Tschoppa; die vierte Armeeabtheilung bey Chemnitz. Die unter den Befehlen des Generals en Chef, Barclay de Tolly stehenden russisch- und preußischen Armeecorps des Generals der Cavallcrie Grafen von Wittgensiein und von Kleist bey Zwickan. 2ost Das Hauptquartier des FeldmarschaLs Fürsten von Schwarzenberg war zu Marienberg. Die Armee des Generals vonBennigsen nebst der ersten Armeeabtheilung unter dem Feldzeugmeister Grafen Hi>- ronymus Collorcdo rückte von Töplitz gegen Dresden vor. Um die verbündete Armee in ihrem Vordringen zu hindern/ stand in Altenburg das Ponratows- kische Corps; der König von Neapel mit dem Corvs des Marschall Victor und dem 5cen Lavalleriecorps stand in Oderan, und vertheidigte den Flöhedach; derMarschall iVt.Cyr standin Dresden und beobachtete die Pseerswalder S traße. Die Bewegungen der bohmischenArmee nöthigten den Feind, seineSlellung an der Elbe aufzugeben, und sich an der Mulde zusammen zuziehen. Leipzig erhielt eine Garnison von 5o,ooo Mann, überdieß befanden sich 20,000 Kranke daselvst. Um die Verbindung der schlesischen und norddeutschen Armee zu stören, oder dieselben zu zwingen, auf das linke Elbeufer zurückzukehren, machte Kaiser Napoleon, der am 7. Octo- ber von Dresden abgereist war, und am 6. in Würzen, am g. in Eilenburg, und am 10. in Düben übernachtet hatte, Miene, die schlesische Armee plötzlich anzugreifen. General Blücher, welcher am 7. in Mühlbeck mit dem Kronprinzen von LoF Schweden beschlossen hatte, nach Leipzig zu mar- schiren, ging vo.n rechten Muldeufer auf dar linke. In der Nacht vom 10. auf den n. verließen die beyden Armeen ihre Stellungen bey Zörbig, Iefi- nitz und Rad-gast, um sich hinter die Saale zu ziehen. Die schlesische Armee ging auf Halle zu, wo sie den 11. ankam; und die norddeutsche auf Rvthenburg und Bernburg. Inzwischen ging der französische General Reynier nach Wittenberg, um hier über die Elbe zu setzrn, wahrend der General Bertrand nach Wartenburg und der Marschall Ney auf Dessau marschirte. Des Feindes Plan ging dahin, sich aller Brücken zu bcmeistern, über die Elbe zu setzen, auf dem rechten Ufer von Dresden bis Hamburg zu manövriren, Potsdam und Berlin zu bedrohen, und Magdeburg zum Operationspuncte zu nehmen, welches in dieser Absicht mit Mund- und Knegsvorrath versehen wurde. Die Beobachtung aller dieser feindlichen Bewegungen gehörte in den Bestimmungskreis des Generals Tauenzie», welcher den Befehl erhalten hatte, die Brücke bey Roslau zu decken, und erforderlichen Falls alle am rechten Elbeufer befindlichen Truppen zusammen zu nehmen, und zur Deckung der Marken nach den Umstanden zu operiren. Sein Corps stand am iv. Ocrober bey Dessau con- 2o6 centrirt. Durch eine Recognoscirung den 11. Morgens erhielt man die Nachricht, daß sich der Feind bey Grafenhaynchen mit einem Corps von etwa io,ovo Mann aufgestellt hatte, und mir einer starken Co- lonne nach Witrenberg, mit zwey andern über Ra- gune auf Dessau marschire. In Kieler Lage mußre das 4. preußische Armeecorps von beyden Ufern der Mulda einen überlegenen Angriff erwarten, und da das Obse, vationscorps vor Wittenberg unter General von Thümen nicht stark genug war, besorgen, von dem Feinde von Roslau aus in Rücken genommen zu werden. General Tauenzien beschloß daher Dessau zu verlassen, und ging über die Elbe. Inzwischen war auch der General Thümen durch das aus Wit- tcnberg vorrückende Corps von 2o,oon Mann genöthiget worden, sich auf Coswig und Roslau zu ziehen. General Tauenzien marschirte eben dahin, um den General Thümen aufzunehmen. Nach den eiNgehendenNachrichten zog sich der aus Wit- tenbsrg ausgebrochene Feind auf Berlin, und da man befürchtete, daß dieser Ausfall in Folge einer Übereinstimmung mit gleichen Ausfallen aus Magdeburg und Torgau in Verbindung stehen könnte, so wurde es nothwendig, in Eilmärschen dem Feinde nach der Residenz zuvorzukommen, und densel- 2o^ He» durch kraftvolle Maßregeln im Vordringen zu hindern. Die zahlreiche bey Roslau versammelte Bagage aller Armeecorps erhielt Befehl, sogleich nach Zerbst und Brandenburg abzumarschiren; die Brücke bey Roslau wurde zerstört; das vereinigte Corps zog sich über Zerbst, Görzke und Goltzow nach Potsdam, um in Verbindung mit dem Landsturm die Residenz vor jedem Unfall zu sichern. Inzwischen kam der Prinz Tscheroatow mit 20,000 russischen Truppen vor Wittenberg an, und hinderte das feindliche Corps im weiteren Vordringen. Die Norddeutsche Armee ging am r3. wieder über die Saale und marschirte auf Lothen, um der zwischen Düben und Wittenberg zusammen gezogenen feindlichen Armee zu folgen. Der Feind griff am Abend die Stadt Acken an, wurde aber von dem General Hirschfeld zurück getrieben. Kaiser Napoleon hatte alles zu einer unerwarteten Operation auf Magdeburg vorbereitet, als er die Nachricht von der Annäherung der großen böhmischen Armee erfuhr, welche seine Communicalion mit Frankreich abzuschneiden drohte. Der französische Kaiser sah daher seine Pläne gegen die Marken vereitelt, und eilte nach Leipzig, um sich seiner Hai,ptoperations° linie nach dem Rhein zu versichern. Lc>8 Der Feldmarschall Fürst Carl zu Schwarzenberg verlegte am 8. Lctober sein Hauptquartier von Marienberg nach Chemnitz. Das Hauptquartier des Generals Grafen von Wittgenstein war bereits in Altenburg. Felemarschall-Lieutenant Graf von Bubna nahm an dresem Tage, nach hartnäckiger Gegenwehr, den Brückenkopf von Pirna mit Sturm, und krackte ine Schiffbrücke sammt der Besatzung in seine Gewalt. Dieses Ereigniß harte die Folge, daß der Lilienstein, Konigstein und die Neustadt von Dresden von den Franzose» verlassen wurde, und General Bubna am linken Elbeufer sich mit dem General Bennigsen in Verbindung setzte, der seine Avantgarde unter dem k. k. öster- rerchischen Felbmarschall-Lieutenant Grafen Ignatz von Hardegg bis Zehist vorgeschoben, und sein Hauptquartier nach Gieshübel verlegt hatte. Zugleich marschirte General Knorringnach Freyberg, wohin auch das Corps deS Feldzeugmeisters Grafen Collo- do seine Richrung nahm. Nach einigen fruchtlosen Demonstrationen des Feindes am Flohabeche sammelten sich am n. Oktober alle Streitkrafte der böhmischen Hauptarmes bey Altenburg. Um den Marsch des Augereauschen Corps, welches am 26. September von Würzburg aufgestochen und am 9. October bey Naumburg einge- troffen war, so viel möglich zu verzögern, besetzte der Feldmarschall-Lieutenant Fürst Moritz Lich- tenstein, in Verbindung mit dem Skreifcorps deS General Thielemann, die Defileen der Saale. Er überfiel in der Nacht auf den Ocrober das vom Feinde besetzte Dorf Wethau, auf der Straße nach Weifsenfels. Dieß kühn- Unternehmen allamirte den Feind, der am folgenden Morgen mit>2,ooc> Mann Infanterie und mit 5,>oo Mann zu Pferd sich vor Naumburg in Schlachtordnung stellte. Da das Corps des Fürsten Moritz Lichtenstein nicht stark genug war, um den Feind mit Glück anzugreifen, so zog er sich in guter Ordnung über Prersch nach Zeitz zurück. Die österreichische Cavallerie bedeckte sich auf diesem Streifzuge mir Ruhm. Die Hauptarme- setzte indessen ihren Marsch unaufhaltsam fort. Die Arme-abtheilung des Generals Gyulay rückte nach Weifsenfels vor, das der Rittmeister Zadubsky von Rosenberg leichten Reitern in der Nacht auf den i3. Oetober überrumpelte. Leichte Truppen wurden nach Lützen vorgeschoben, um die Verbindung mit der schlesischen und norddeutschen Armee herzustellen, welche bereits Merseburg und Halle mit Macht besetzt hat- ren. Der Oberst Mensdorf stellte am>2. October diese Verbindung her. General Metveldt stand bey Zeitz und verband sich über Pegau mir der Armee« ablheilung des Feldzcugmeisters Gyulay und mit dem Wittgensteinsche» Corps an der Pieisie. Die Armeeabtheilung unter dem General der Cavallerie Grafen von Klenau rückte auf dem rechten Flügel über Steinberg und Korna gegen die Mulde vor, vertrieb den Feind aus den Dörfern, Kohna, a.reh« na, GroßPbsa unk Naunhof. General Wittgen- stein mit dem Grafen von Klenau folgte am»4- Oclober dem Feinde durch die verlassenen Dörfer Grober« und Goffa, um Erkundigung über ferne Starke und, Stellung einzuziehen. Man fand, daß man die femdlichen CorpS der Marschalle Vicior «nd Augereau, der Generale Poniarowsky und Lauristvn unter dem Oberbefehl des Königs von Neapel vor sich habe. Tey Wachau griff der Konig von Neapel an der Spike einer tiefen Masse von Cavallerie unter dem Schutz einer zahlreichen Artillerie und immer nachrückender Reserven vier Mahl nacheinander die Cavallerie des verbündeten Heeres an, bis er endlich durch die glänzende Tapferkeit der österreichischen und preususchen Cavallerie in Unordnung gebracht und geworfen wurde. Eine bis zur einbrechenden 2H Naht fortdaürende KanDsd^' beschloß das Gefecht dieses Tages. Die große französische Armee war nunmehr iu einen kleinen Kreis zusammengedrängt. Die verbündeten Heere hatten durch eben so weise berechnete, als glücklich ausgeführte Operationen ihre Vereinigung im Rücken des Feindes bewerkstelliget. Die zweyte schwierige Epoche dieses Feldzuges war geschloffen. Die verbündeten Heere konnten nun mit vereinigter Kraft wirken; das Schicksal Deutschlands mußte aus der Ebene von Leipzig entschieden werden. Dls dritte Hauptepoche begann! Die Massen der kriegführenden Mächte, wie Europä sie nie vereinigt gesehen hatte, standen sich Auge in Auge, einander gegenüber. Der Knoten des grüßten Schauspieles vieler Jahrhunderte war geschürzt. Zahlreiche Salven verkündigten am 14. Oktober auf der ganzen Linie der alliirten Mächte den Abschluß der Allianz mit Sr. Majestät dem Könige von Baiern, als eine günsti. ge Vorbedeutung der bevorstehenden Welrbegeben- heit. Am»5. Oktober war Ruhe. Beyde Theile bereiteten sich zu dem entscheidenden Kamvfe, welchen der Feldmarschall Fürü Carl zu Schwarzenberg aus dem Hauptquartier Pegau durch folgenden Armeebefehl Ankündigte. O L LlZ „Die wichtigste Epoche des heiligen Kampfes ist erschienen. Wackere Krieger! die entscheidende Stunde schlägt: bereiter Euch zum Streite. Das Band, das mächtige Nationen zu Einem großen Zwecke vereint, wird auf dem Schlachtfelds fester und enger geknüpft! Russen! Preußen! Österreicher! Ihr kämpft für Eine Sache! Kämpft für die Freyheit Luropsns, für die Unabhängigkeit Euerer Sohne, für die Unsterblichkeit Euerer Nahmen. Alle für Einen! Jeder für Alle! Mit diesem erhabenen, männlichen Rufe eröffnet den heiligen Kampf! Bleibt ihm treu in der entscheidenden Stunde, und der Sieg ist Euer!" Die Aufstellung des Feindes am r5. Octobec war folgende: Das Hauptquartier des Kaisers, war zu Reid- nitz, eine halbe Stunde von Leipzig auf der Straße nach Würzen. Das 4. von dem General Bertrand commandirte Corps war bey dem Dorfe Lin- denau angekommen. Ihm gegenüber stand das Gyu- laysche Corps zwischen Lützen und Mark Ranstcdt. Der König von Neapel halte mit dem 2ten, Uten und 5ten Corps seinen rechten Flügel zu Dölitz und seinen linken in Lrbertwoikwktz aufder Chemnitzer und Dresdner Straße. Er lehnte sich vortheilhafr 2t3 an das sumpfige Ufer der Pleißs, wo erden Damm und die Brücke bey Konnewitz besetzt hielt, und dehnte sich auf den domüürenden Hohen von Walhall aus. Die a!re und junge Garde standen bey Prsbstbayda in R-eseroe. Das Ske und ytc Armee- corps waren in En'enburg. Das 6te Corps stand in Lindenkhal, der schlesischen Armee gegenüber. Des Feindes ganze, um Leipzig versammele Macht betrug 200 000 Mann. Die Stellung der alliirten Heere war am r5. folgende; Der General en Chef Graf Wittgenstein mit dem CorpS des General-Lieutenant Kleist blieb in seiner Stellung hinter Grober» und Gossa, und das Corps des Generalen der Cavollsrie Grafen Klenau hinter Libertwolkwitz. Dos Gros der Hauptarmes concentrirte sich in der Gegend von Pegau; das Corps des FeldzeugmeisterS Gyulay stand bey Lützsn, und harte seine Avantgarde bey Mark-Ran- stedt, es erhielt sich in Verbindung mit der schlesischen Armee, welche in Skeuditz eingetroffen war, und Merseburg beseht hielt. Diese Armee, welche von Anbeginn des Feldzuges stets Hand in Hand mit der Hauptarmee operirt hakte, beschloß auch an dem enischeidenLen Werke des nächsten Tages Theil zu nehmen. Die D'.Sposttionen der verbündeten Hauptarmee zum bevorstehenden Angriff waren K>4 folgende: Der Feldzeugmeister Graf Gyulay mih der leichten Division des Feldmarschall- Lieutenants Fürsten Moritz von Ltchrenstein und dem Streifcorps des General-Lieutenant Thielemann bildete seine Colonnen um 7 Uhr früh bey Mark-Ran- stcdt und rückte gegen Lindenau. Seine Bestimmung war hauptsächlich, die Verbindung mit der schle- slschen Armee zu unterhalten, und die Aufmerksamkeit des Feindes zu theilen.— Der Gen. der Cavallerie Graf Merveldt war mit dem 2ren AcmeecorpS ebenfalls um 7 Uhr früh bey Zwenckau in Colonnen gestellt, und sollte um 8 Uhr seinen Angriff auf die Brücke von Konnewitz beginnen, daselbst die Ple-ße übersetzen, und weiter über Konnewitz vordringen. Das österreichische Reservecorps unter dem General der Cavallerie Erbprinzen von Hessen Homburg sollte dem Mer- veldtischen Corps folgen, und 2 Bataillons der Division Bianchi von Wiederau über Anautheim, Klein-Tschocher und durch das Könne,vitzer Holz gegen die Brücke rücke».— Alle Truppen auf dem rechten Ufer der Pleiße waren unter dem Com- mando des Generalen en Chef Barclay de Tolly. Der General-Lieutenant Kleist mir der Brigade deS Prinzen August von Preußen und der Avantgarde des russischen Generals Helfreich gri ffen Mark- 2.5 Kleeberg undDolitz, an— Der General-Lieutenant Prinz von Würkenberg mit der Avantgarde deS Generalen Grafen Pahlen und der preußischen Brigade Klüp rückte von der Höhe von Goffa gegen Wachau— der Fürst Gortschakoff mit der preußischen Brigade Ziethen von Groß-Pösa und Fuchs- heim gegen Libertwolkwitz vor. Die russischen Reserven standen colonnenweise bey Rötha, um nach Umstanden verwendet werden zu können. Der Kronprinz von Schwede»/ die Armee des Generals eu Chef Bennigsen uird das Corps des Fcldzeugmeisters Grafen Colloredo waren noch um 2 Tagmarsche vvm Schlachtfelde entfernt und konnten daher am»6. an der beschlossenen Schlacht nicht Theil nehmen. Der Angriff auf allen Puncten begann um 6 Uhr früh mit einer der heftigsten Kanonaden. Mehr als tausend Feuerschlünde donnerten von beyden Leiten der Schlacht auf/ und nun entbrannte im ganzen Umkreis von Leipzig eine der gröiuen Schlachten, welche die Geschichte kennt. Eine unübersehbare Masse von Streitern,(man kann ihre Zahl über choo,ooo Mann anschlagen) standen ei, ander aul dem schmahlen Raume einer Quadratmeüe gegenüber. Nach und nach rückten die Z Calonnen der verbündeten Hauptarmee unter der Führung der Oberbefehlshaber Wittgenstein, Kleist 2-6 und Klenau aus ihrer Stellung über Gröbern und Gossa gegen Llbertwolkwitz, Wachau und Mark Klecberg vor, und erstürmten bis Mittag diese Dörfer mehrere Mahle. Die Colonne des Generals Merveldt drang über Eautsch gegen Konnewitz vor und unterstützte den Angriff der Kleistschen Co- lonne auf Mark Kleeberg und Dölitz, welches letztere Dorf von dem Poniatowskischen Corps vertheidiget wurde. Da aber der Damm und die Brücke bey Konnewitz mit sehr viel Infanterie und Geschütz besetzt, durch einen Fronteangriff nicht zu nehmen war, und das sumpfige Terrain auch keinen Flankenangriff gestattete, so ließ der Feldmarschall Fürst Carl zu Schwarzenberg das Merveldtsche Corps gegen Dölitz hinauf ziehen, um dort den Übergang auf das rechte Ufer der Pleiße zu bewerkstelligen. Wahrend dieser Angriffe suchte Marschall Macdonald den rechten Flügel der alliirlen Hauptarmes von Holzhausen über Seyferlsheim zu umgehen. Zugleich erneuerte das feindliche Centrum mit eine» Batterie von ,5o Kanonen und mit 4Reserve-Divisionen junger Garde zu beyden-Seiten von Wachau den Angriff. Die Absicht des Kaisers Napoleon war daher nicht mehr zu verkennen; er wollte auf beyden Flügeln des Wiltgensteit,scheu Corps vordnngen, welches schon seit mehreren Stunden, 2»7 ungeachtet der heftigste:, Infanterie- und Cavalle- rie-Angriffe und eines mörderischen Artilleriefeu- ers, mit der heldenmüthigsten Standhafligkeit die Höhe des Hofes Aueiiheim behauptete, und hoffte durch dieses Vordringen dasselbe zugleich von dem Kleisi-.schen Corps, welches schon bis Dölitz vorge» rückt war, und 5 Kanonen erobert hatte, und von dem Klenanischen Corps abzuschneiden, dessen äußerste rechte Flanke durch den Marsch deS MarschallS Macdonald bedroht wurde. Um diese Absichr des Feindes zu vereiteln, ließ der Feldmarschall Fürst Carl zu Schwarzenberg das österreichische Reservecorps unter dein Erbprinzen von Hessen- Homburg sogleich von G-schmitz über die Pleiße nach Deuben und Gröber» vorrücken. Der Feldmarschall- Lieutenant Graf Nostitz marschirte mit der Reserve-Ca- vallerie an der Spitze; dann folgte die Division Bianch, und die Grenadier-Division Weissenwolf, welche hinter Gröber» in Reser-e aufmarschirte. Die feindliche Solenne, welche links von Wachsn gegen Gröber» vordrang, nöthigte hier die durch den langen Kampf geschwächten und ermüdeten al- liirken Truppen, der Übermacht zu weichen. Aber in diesem entscheidenden Momente, ungefähr um -2 Uhr Nachmittags rückte di« Spitze der ssterreichi- s-h?n Reserve-Cavallerie aus dem engen und beschwerlichen Desilee bey Erobern hervor. Der Feldmarschall- Lieutenant Graf Nostitz führte das vorderste Regiment Alhert Curaffler da n kühn andringenden Feinde langsam entgegen, und hemmte durch seine imponirende Haltung in dem heftigsten Kartätschen- und Kugelregen den Feind im weirern Vordringen. Wahrend das Regi- w» r Albert Cürasfter den Feind in der Fronte beschäftigte. faßte ihn das Regiment Lotbringen, Ut-k-r Anführung des Prinzen von Heffen« Homburg in der Flanke. Weder die feindlichen Cavalle- rie- noch die Infanrcriemassen konnten den Stoß dieser heldenmüchigen Cürastiere aushalten, und wichen auf die Höhen von Wachau zurück. Aber jetzt d.angen die feindlichen Reserve» von neuery auf allen Seiten hervor. Sie wurden von den Regimentern Erzherzog Franz und Kronprinz Ferdinand Eurassiexen empfangen, und über das Thal wieder zurück geworfen. Einen ähnltchen Erfolg hatte ein dritter Ver-^ such, den eine beträchtliche Cavallerie- Colonne von Mark Kleeberg her machte. Der Oberst Graf Auersberg trieb sie mit 2 Divisionen von Somma- riva Cüraffieren bis in die Mitte der feindlichen Linie zurück. Die österreichischen Cüraffiere hatrey 2,9 hier so viel Entschlossenheit im Angriff, so viel Tapferkeit im Gefechte, und so viel Geschrcklrchkeit m schneller Formirung gezeigt, daß die feindliche Ca- vallerie ßch auf diesem Puncte nicht wieder sehe» ließ. Die Reservecavallerie behauptete indessen die Ebene von Grobern im stärksten Kanonenfeuer brs zur Ankunft der Division Bianchi mit dem standhaftesten Muthe. Der F. M. L. Branchi ging ungefähr um 3 Uhr Nachmittags in zwey Colonnen auf den Feind los. Dre Colonne zur rechten Seite unter dem General Grafen Haugwitz warf den Feind, und eroberte 6 Kanonen. Mit der linken Colonne griff der F. M. L. Bianchi den Feind vor Mark-Kleberg an, und drang unter Begünstigung seines in die Flanke der feindlichen Linie gerichteten Geschützes brs Dolitz vor, wo er sich mit dem Mer- veldtischen Corps in Verbindung setzte, und in dem hartnäckigsten Jnfanteriefeuer bis zur einbrechenden Nacht sich behauptete. Er erbeutete H Kanonen. So verlor der Feind auf seinem rechten Flügel nach und nach die ganze Frucht seiner Anstrengungen, und wurde in ferne erste Stellung zwischen Dolltz und Wachau eingeengt. Das feindliche Centrum war inzwischen auf dem rechten Flügel des Generals Witrgenstein bis gegen Gosse vorgedrungen, ohne daß die CavaNerir L2c> des Grafen Pahlen, und die dritte russische Cüras- sierdivisiou, welche schon seit 8 Uhr früh im Feuer wäre»/ nebst mehreren herbeygeeilrey Cavallerieregi- menter»/ sie zurückzuwerfen vermochten. Allein jetzt kamen hier die Gardeknsaken, und das Gardehusarenregiment unter dem'Gcafsi! Orlow Denisow zu Hülse/ und der Feind wurde bis hinter Wachsn zurückgeworfen. Der General Rajewsky, der mit feiner braven Greiiadierdivisio» dem Wittgensteini- schen Corps zur Unterstützung dicnre, hatte sich gegen alle Angriffe der feindlichen Cavallerie unerschütterlich in seiner Stellung behauptet, als jene schon weit hinter rhm vorgedrungen war. Wahrend dieses Cavallenegefechtes hatte sich der Feind des Hofes Auenhe-m bemächtiget, und den Prinzen von Würtembsrg zum Rnckruge gegen Goffa gezwungen. Dieser Hof war der Schlüssel der Position, und konnte dem Feinde nicht gelassen werden. Der Feldmarschall Fürst Carl zu Schwarzenberg ordnete daher einen allgemeinen Angriff an. Die russischen und vreusiischen Garden marschirten mit zahlreicher Artillerie zur Unterstützung des Wtttgensteinischen Corps bis auf die Höhen hinter das Dorf Goffa, aus welchem die Grenadiere und finnländischen Jäger den Feind hinaustrieben. Inzwischen rückte der General Graf Wirtgenstein rechts von Gossa gegen 221, den Hof Auenheim vor, wahrend daS österreichische Regiment Simbschen mit der ganzen Grena- Lierdivision Weissenwolf von Erobern gegen denselben Hol marschtrle. Wiewohl dieser stark besetzt, und zu beyden Seiten mit Bakterien gedeckt war, so wurde er doch nach zweymahligem tapfern Angriff des RegimenkS O'.mbschen erstürmt. Der Feind mußte diesen vorspringenden Posten verlassen, und nach zehnstündiger Anstrengung die Hoffnung des Sieges aufgeben. Wir wolle» nun die Gefechte des rechten Flügels übersehen. Die Flankenbewegung des MarschallS Macdonald zwang den General Kle- nau, den Hügel rechts von Groß-Pösa und das Gehölz vor diesem Orte nach langem hartnäckige!, Kampfe zu verlassen. Doch behauptete er sich standhaft in seiner Stellung zwischen Fuchsheim, Gros- Posa und dem Universitätswalde, und der F. M. b'. Fürst Hohenlohe Bartenstein, ungeachter oft wie- derhohlcer Angriff-, in Seyffertsheim. Gegen Mittag traf der Attaman Graf Plarow aus der Gegend von Zwenkau mit einer Verstärkung von Pferden auf dem äußersten rechts» Flügel ein, und sicherte diesen von der drohenden Umgehung des Marschalls Macdonald.— Auf dem linken Flügel war indeß das üorps des Grafen Meiveldt Le» ganzen Tag über ,« 222 Feuer. Er vertrieb den Feind aus dem Schloß und Dorf von Mark- Kleberg, und hielt die Auen an der Pleiße zwischen Dölitz und Lösnig bis Konne- witz stark mit Infanterie besetzt. Er suchte bey Lösnig und Dolitz Übergangspuncre zu gewinnen. Da der Feind das rechte Ufer mit vieler Hartnäckigkeit vertheidigte, so wurden bey Lösnig zwey Über- gangsversuche vereitelt; nur weiter oben bey Dö- litz kamen um 5 Uhr Abends Brücken zu Stande. Der General Merveldt setzte an der Spitze eines Bataillons ans rechte Ufer über. Aber das durch die inzwischen herbeyeileNde Gardedivision Carial verstärkte Poniatowskische CorpS brachte das übergesetzte Bataillon wieder zum weichen. Eine Kugel streckte das Pferd des Generals Merreldt nieder; er selbst wurde verwundet, und von Feinden umrungen. Dieser Unfall gab zwar dem Feinde neuen Muth, gegen die Schlagbrücken vorzudringen; aber er wurde ron den nachrückenden Truppen bald wieder bis über Dölitz zurückgetrieben. Die Division Bianchi, welche ihn weit hin verfolgte/ behauptete hier bey einbrechender Nacht ihreAStellung. Der Posten bey Konnewitz wurde durch den General Lonqueville und der Verbindungspunct mit dem Eyulay'schen Corps bey Schleußt durch den S2^ Oberstlieutenant Simbschen den ganzen Taa bin« durch standhaft behauptet. Das Gyulay'sche Cera- hatte sich in drey Colonnen von Mark-Ra»üeet gegen Lindenau bewegt. Die rechtsew.g» Cclon.ie nahm ihre Richtung gegen da« Dorf Klein- Tsgo- cher/ welches sie erstürmte. Die mittlere Cclonne marschirte gegen das Dorf Lindenau, wo der Feind mrk Macht aufgestellt war. Obwübl derselbe durch mehrere Angriffe zum weichen gebracht wurde, so konnte doch das stark besetzte Dorf nicht ganr er. obert werden. Gegen Abend versuchte der Feind noch zwey Mahl zwischen der rechten und minieren Celonne inderRichtung von Klein' Tschocher durchzubrechen; er wurde aber jedes Mahl durch glänze-! e Eavallerieevolulionen zum Rückzüge geno,lüget. Die linke Lolonne marschirte gegen Leursch, vertrieb den Feind aus diesem Dorfe und den Auen gegen Lindenau, und sicherte dadurch die iL.rlnn- dung mit dem schlesischen Heere. Als die Nacht einbrach, befand sich die allürte Armee ganz in ihrer ersten mit so rühmlicher Tapferkeit behaupteten Stellung, obgleich weder die zahlreiche ArMee un« ter Bennigsen, noch die norddeutsche Armee an dieser Schlacht Theil genommen hatten. Die schlesische Armee, welche am ,5. Oct. rn Sk-uditz übernachtet hatte, traf am»6. um r L24 Uhr Nachmittags am rechten Partha Ufer auf das Carps von Marmont. Der General Graf Längeren, welcher den linken Flügel der schlrsischen Armes bildete, war von Skeuditz auf Freyroda mar- sch-rr, und vertrieb den Fern- aus Radefeld(auf der über Landsberg und Zörbig nach Dessau führenden Srraßs). Er rückte über Breitenfeld gegen Großwetteritz auf die über Dölitsch und Bitterfeld nach Dessau führende Straße, auf welcher das dritte feindliche Corps von Eulenburg her marschir- te, das sich mit dem Marschall Marmont vereinigen jollte, aber den Tag durch Marsche verlor. Er nahm nach einem zweymahligen Angriff die Dörfer Groß-und Klein Wetteritz mit Sturm. Der General Blücher nahm seinerseits auf der ersten Straße das Dorf Lindsnthal, und trieb den Feind gegen Leipzig. Hier waren bedeutende feindliche Massen zwischen Eutritzsch und Msckern aufgestellt; insbesondere vertheidigte der Feind das Dorf Mo- ckern mit einer zahlreichen Infanterie, welche von einer Batterie von 40 Kanonen unterstützt wurde. DaS Dorf wurde genommen und wieder verloren. Aber ehe noch daS Sacken'sche Corps als Reserve anlangte, entschied die Tapferkeit der preußischen Truppen durch einen erneuerten Sturm. Der Feind wurde gänzlich geworfen, und bis zur einbrechen- 225 der Nacht über Eutritzsch und GöhliS vor Leipzig gedrängt. 43 Kanonen, ern Adler, zwey Fahnen und über 2o»c> Gefangene fielen der siegreichen Armee in dem Gefecht bey Möckern in die Hand. Die allurten Heere hatten am»6. Oct. so viel Standhaftigkeit und ein so besonnenes Manöver entwickelt, daß der Feind sich auf die Defensive beschranke«, und den 17. keinen neuen Angriff zu versuchen wagte. Aber anstatt die Zeit zum frey- willigen Rückzüge zu benutzen, zog er indeß seine Reservecavallerie an sich, und ersetzte die Munition für 84,000 Kanonenschüsse, welche er in der Schlacht am 16. gethan hatte. Von dieser Unrhatigkeit des Feindes zogen die alliirten Heere die größten Vortheile; denn sie erhielten Zeit, alle ihre Streitkrafte auf einem Puncte zusammenzuziehen. Am 17. Oct. Morgens um 10 Uhr traf das Corps des F. Z. M. Grafen Col- loredo, das über Freyberg und Chemnitz marschirt war, auf dem Schlachtfeldc ein. AbendS langte die pohlnische Armee unter dem Oberbefehl des Varon Bennigsen bey Fuchsheim und Seyffertsheim an, und die zwey osterrelchlschen Divisionen unter dem F. M. L. Grafen Bubna, welche nach sehr forcieren Marschen über Würzen bey Machern eingetroffen waren, und noch in der Nacht auf Bncha mar- m. P 226 schirten, vereinigten sich nebst dem Corps des General Klenau unter seinem Befehle.— Der Arramann Graf Platow wurde noch Abends den 17. nach Zwenfurth beordert/ um die linke Flanke des Feindes zu umgehen, und die Verbindung mir dem Kronprinzen von Schweden zu bewerkstelligen. Der Kronprinz überzeugt, daß der Marsch des Generals Reynier auf das rechte Elbeufer eine ungefährliche Demonstration sey, harre sich den 17. früh um 2 Uhr aus seiner Stellung bey Landsberg in Marsch gesetzt, und langte bey Zelten auf der Höhe von Breitenfeld an, wo er die norddeutsche Armee lagern ließ. Dem Operationsplane gemai, beschloß er gegen Taucha(auf die über Würzen nach Meißen führende Straße) zu marschiren, und mit dem Langeron'schen Corps verstärkt, sich an die unter dem General Dennigsen stehende Armee anzuschließen. Die Truppen der norddeutschen Armer setzten sich am 16. früh in Bewegung, um über den Parthafluß zu gehen. Da solchergestalt alle Streitkräfte der verbündeten Heere sich dem Wahlplatze genähert hallen, so wurde die Disposition zu einer allgemeinen Schlacht aussen 18. getroffen. Derselben gemäß bildete das Klenaulsche Corps bey Grvß-Pösa zwey Colonnen, um die sehr feste, und vom Feinde m Eile ver» 22? schanzte Stellung von Libertwolkwitz in der Fronte und in der linken Flanke anzugreifen. Der General en Chef Barclay de Tolly befehligte das Centrum. DaS Wittgenstein'iche und Kle>sti"che Corps stellten sich rechts von Auenheim, und rechts von Goffa zum Angriff von Wachs» aut. Zu dessen Unterstützung waren die hinter Goffa lagernden russischen Garden und Reserven bestimmt. Links von Auenheim schloß sich der linke Flügel unter dem Erbprinzen von Hessen Homburg an. Dw über dre Plnße gezogene Division Aloys Lich- tenstem, das Collorcdische Corps und die ganze österreichische Reserve standen bereit, theils zum Angriff gegen Wachau mitzuwirken, theils gegen Koiinewitz vorzudringen. Die leichte Division Le- derer blieb zwischen der Elster und Pleiße bey Gautsch, um'den Feind auf der Flanke in Athem zu halten. Das Gyulaysche C5rps wurde näher an d,e Elster gezogen, und gegen Lindenau bloß die leichten Truppen des Fürsten Moritz LlchtenstUn und des Generals Thielemann zur Beodach'ung gestellt. Von der schlesischen Armee war am ly. der General Langeron, welcher dem Operanonsplane gemäß, sich mit der norddeutschen Armee»n Verbindung fetzen sollte, gegen den rechten feindlichen Flügel gerückt, der h>nter Eumtzich aufgestellt P 2 228 stand. Der die Avantgarde führende General Wa- stltschikoff ging mit Kosaken und 4 Kavallerieregimentern zwischen Eutritzsch und Schönefeld gegen die feindliche Linie vor, und jagte die den rechten feindlichen Flügel deckende Lavallerie, durch einen raschen Angriff hinter der Infanterie weg, bis in die 2»oo Schritte rückwärts liegenden Vorstädte von ' Leipzig, wobey 5 Kanonen und viele Gefangene erbeutet wurden, die die Husaren in ihre Mitte nahmen, und unter dem Gewehrfeuer der feindlichen Infanterie auf ihren Haupttrupp zurückführten. Der Feind hielt jetzt nicht mehr Stich und zog sich über die Parlha und in die Stadt Leipzig zurück. Abends kam die norddeutsche Armee am linken Flügel der schlestschen an. Dieß war die concentrischeStellung der alliir- ten Heere am 17. Abends. Da der Feind erkannte, daß diese Position sehr stark sey, so näherte er sich am 18. um 2 Uhr Morgens auf 2 Stunden der Stadt Leipzig, und stellte den rechten Flügel seiner Armee bey Konnewitz auf, das Centrum bey Probsthayda, und den linken Flügel bey Stöttentz, und der Kaiser für seine Person stand bey der Mühle von Fa. Der Prinz von der Moskwa(Ney) hatte seinerseits die unter seinem Commando stehenden Truppen der schlestschen Armee gegenüber an der 22g Partha aufgestellt. Das 6te Corps zu Schönefeld, das 5te und^te längs der Parrha bey Neutsch und St. Thecla. Der Herzog von Padua(Arrighi) hielt mit dem General Dombrowsky die Position bey der Leipziger Vorstadt auf der Straße nach Halle besetzt. Noch hatte der Feind vorwärts seiner Fronte die Dörfer Lösnig, Dölitz, Zuckelhausen, Hslzhausen, Zween- Naundorf und Paunsdorf stark besetzt, und auf der Höhe von Wachau und Liebertwolkwitz stand Cavallerie in Schlachtordnung, llm 3 Uhr Morgens befand sich der Kaiser Napoleon in dem Dorfe Lindenau. Er befahl dem General Bertrand,'sich auf die Straße von Lützen und Wetffenfels'z» begeben, und sich der Zugänge der Saale nebst der Communication mit Erfurt zu versichern. Da sich das Gyulaysche Corps weiter an der Pleiße hinauf gezogen, und nur leichte Truppen zurückgelassen hatte, so war es dem General Pcrtralid leicht, nach Weifsenfels vorzudringen, und sich der unbewachten Saaleübergange zu bemächtigen. Um 8 Uhr setzte» sich alle Colonnen der alliieren Armee in Bewegung. Nur der rechte Flügel unter Bennigsen mußte wegen des feindlichen Rückzuges aufStötteritz seine Richtung verändern. Der General e» Chef Bennigsen ließ den Attaman Grafen Platow zwischen Engclsdorf und Althayn 23o vorrücken, um Paunsdorf zu umgehen. Feldmarschall- Lieutenant Graf Bubna marschiere über Engelsdorf nach Paunsdorf, und der General der Ca- »allerie Graf Klenau hakte die Dörfer Zuckelhau- sen und Holzhaufen zu nehmen, welches letztere der Marschall Macdonalb vertheidigte. Die Reserven rückten auf der Straße von Gnmma überSeyf- serlshelm nach. Um in Uhr begann ringsum auf Leipzigs Ebene der Kanonendonner aus iuoo Geschützen der Alliirten und 6ou der feindlichen Artillerie. Die Avantgarde des Feindes wurde auf ollen Puncten zurück geworfen und die Colonnen der Hauptarme« zogen über das mit Leichen besaere Feld von Wachau. Um diese Zeit langte der Feldmarschall Lieutenant Bubna in Paunsdorf an, und nahm diesen>m Rücken der feindlichen Aufidellung gelegenen Ort nach zweymahligem Sturm der österreichischen Jäger. Wahrend dieser Gefechte wurde aber der rechte Flügel des Feldmarschall Lieutenants Grafen Bubna durch einen Theil des 7. feindlichen Corps bedrohet, das von der schlesischen Armee(welche indessen bey Mockau auf der Wittenberger Straße über die Parlha gegangen war und gegen Leipzig vo. rückte), gedrängt, sich von Neutsch gegen Leipzig zurück zog. Der General Neipperg behauptete jtdoch seine Stellung mit außerordentlicher Lapfer- keu, b>s er um 9 Uhr durch die Ankunft der norddeutschen Armee unterstützt wurde. Das Corps Dü^ lo-v, welches mit der Cavallerie des Generals Wsronzoff den äußersten linken Flügel der norddeutschen Armee brldete, war nähmlich auf Taucha warschirt, welches der Feind wieder mit ansehnlicher Macht besetzt hatte. Der General Pahlen be- mächtigie sich dieses Ortes, und vereinigte hierauf seine Cavallerie mit den Truppen des General» Meipperg. Der Attaman Platoff war zugleich mit seinen Kosaken eingetroffen, und wenige Augenblicke nachher kam So. k. Hoheit der Großfürst Con- stantin an. Vergeblich suchte nun der Feind das Dorf Pauns- darf wieder zu erstürme». Seine aus den Dörfern Sellerhausen und Volkmarsdorf hervor gerückten Massen wurden von der russischen Cavallerie zurück geworfen, und unaufhaltsam drangen die Alliirten gegen Leipzig vor. Der Feind suchte ihr Vordringen durchein neuesManovergegen ihrelinkeFfankezu hemmen. Aber in diesem entscheidenden Augenblick machte der General Neipperg eine Fronteveränderung und schnitt den Feind ab. Zugleich ging eine sächsische Bakterie mit 10 Kanonen zur norddeutschen Armee 252 über, und der Prinz von Hessen-Homburg traf nur Verstärkung ein. Der General Düloiv bemächtigte sich der Dörfer Stinz und Selle,Hausen, und behauptet« dieselben gegen alle erneuerte Angriffe, wodurch der Ausgang des Tages auf dreier Seite entschieden wurde. Der Feind rückte zwar noch ein Mahl auf den linken Flügel der norddeutschen Aimee, um auf dieser Eerte ihrem Marsch auf Leipzig Einhalt zu thun. Allein er traf hier auf das Corps Langeron, welches bey Schönefelde,(auf der Straße nach Taucha) aufgestellt war, und das Dorf Schönefelde nach zweymahligem Sturme blü zur einbrechender Nachr behauptete, indem das Corps Sacken zu semer Unterstützung herbey eilte, die Stadt Leipzig und das Rosenrhal nur Infanterie angriff, und dadurch die Kräfte des Feindes theilte. Eine Colsnne des Generals Dskcoroff erstürmte auf dem linken Flügel der Bennigsischen Armee nach zweymahligem Angriff den Posten Zween- Naundorf, und verband sich mir dem Corps deS Generals Klenau, der den Feind»ach blutigen Gefechten aus Libertwolkwitz, Holzhausen und Zu- ckrlhaufen vertrieben halte. Das Centrum drang zwischen Wachau und Li- bertwolkwitz vor, und warf den Feind von Stel- 235 liing zu Stellung bisProbsthayda zurück. Hier vertheidigte sich der Feind mit verzweifeltem Muthe mieten im kreutzenden Feuer von mehr als>3o Kanonen; aber vergebens blieben seine Versuche, mir der Reserve-Cavallerie wieder vorzudringen, und dem Centrum der Hauptarmes den entscheidenden Sieg zu entreissen. Der linke Flügel der alliircen Hauptarmes unter dem Erbprinzen von Hessen- Homburg verhinderte den Feind aus Dölitz vorzu- brechen, obgleich dieser mehrere Mahle mit überlegener Macht angriff, bis endlich die Grenadier- Bataillone Call und Fischer das Dorf mit dem Bajonette erstürmten. ' So wurde der Feind durch die vereinigten Anstrengungen aller alliieren Heere mit einbrechender Nacht auf die Stellung von Könne, witz über Probsthayda und Volkmarsdorf gegen Zween-Naundorf beschrankt, und die schlesische und norddeutsche Armes waren nahe an die Vorstädte von Leipzig vorgerückt. Der Feind war nun nicht mehr im Stande, sich auf diesem Platze zu behaup ken; er hatte, seinem Bullen» zu Folge, seine ganze Munition bis auf i6,oc,«> Schüsse vermindert. Durch die Armeen des Kronprinzen von Schweden, und des Generalen von Bennigsen von der Elbe abgeschnitten, ließ er die Bagage, das Fuhrwesen 254 »nd die Artillerie, die Carallerie und verschiedene Acmeecorps den Rückzug über Lindenau antreten, wozu das Corps Dertrand bereits früh um ro Uhr den Weg gebahnt hatte. Der Feldmarschall Fürst Carl zu Schwarzenberg ließ noch am 18. October das Gyulaysche Corps in Eilmärschen nach Naum- k>urg abrücken, um das Dehlee von Kosen vor dem Feinde zu gewinnen, und General Blücher befahl an eben dem Tage dem Vorkischen Corps, über Halle auf Las linke Ufer der Saale zu marschiren, um dem Feinde bey Merseburg und Weissenfels zuvorzukommen. Der Feind setzte die ganz« Nacht über seinen Rückzug vom Schlachtfelde in Eile und Verwirrung durch Leipzig über die Elster fort. Am 19. früh war Konnewitz, Probsthayda und Slotteritz verlassen. Der Herzog von Tarnnt und der auf dem Schlachtfeld« zum Reichsmarschall ernannte Fürst Poniatowsky suchten die Vorstädte von Leipzig so lange zu bewachen und zu vertheidigen, bis alles abgezogen wäre. Ihre bey Zween- Naundvrf und bey der Windmühle vor den Stcaßenhäusern gegen Konnewitz aufgestellte Arrieregarde wurde um 7 Uhr früh nach Leipzig zurück geworfen, und schon waren die verschiedenen Colonnen vor den Thoren, als der Feind ParlamentairS an den Feldmarschall s55 Fürst Carl zu Schwarzenberg abschickte, mit dem Antrage, die noch übrigen sächsischen Truppen auszuliefern, wenn man der französischen Garnison freyen Abzug gestattete. Da er im Kriege darauf ankommt, den Feind außer Stand zu weiterer Vertheidigung zu setzen, so wurde dieser Antrag abgewiesen. Aber wahrend dieses Parlameo- lirens hatte das Sackische Corps von der schlesischen Armee bereits die Verschanzungen vor dem Halle- schen Thor mit Sturm genommen, und drang bi-> an das Tbor selbst vor. D-r Feind vertheidigte da», selbe mit Kartätschen hartnäckig, bis das Corps Längeren längs der Wiese der Partha im Sturm- schritte heran rückte, und die Wegnahme deS Chores entschied. Zu gleicher Zeit drang die norddeutsche Armee durch das Grimmaische Thor ein, und bald folgten auch die Cslonnen der pohlinischen und der Hauptarme-, um sich nach zweymonathlichem, abgesonderten Kampfe auf dem denkwürdigen Bereinigungsplatze zu Leipzig die tapfere Hand zu reichen. Ein panischer Schrecken verbreitere sich in der ganzen fliehenden Colonne des Feindes, welche der Elster zueilte. In dieser Verwirrung, wo die Befehl« der Officiere nicht mehr gehört wurden, sprengte der bestürzte Feind die Brücke in die Lust und 256 hierdurch wurde dem größten Theile des Corps von PoniatowSky, Lauriston und Reynier der Weg abgeschnitten. Der Kaiser von Österreich und Rußland, der König von Preußen und der Kronprinz von Schweden vereinigten sich hicraufin derSkadtLeipzig. Der Kaiser Napoleon hatte sich um io Uhr auf Nebenwegen geflüchtet, und den König von Sachsen feinem Schicksale überlassen. Dre Trophäen des Sieges bey Leipzig waren unermeßlich. Sie bestanden in Kanonen, mehr als rvoa Pulverkarren, 40,000 Mann Gefangenen, worunter sich 22,000 Mann Kranke mit 3ooo Officieren in den Lazarethen von Leipzig befanden. Uiirer den ge. fangenen Generalen, deren Zahl sich auf 27 beließ, befanden sich die Armeecorps-Commandanten Reynier, Lauriffsn und Bertrand. Der Reichs- marschall PoniatowSky ertrank in der Elster. Das Schwerste war nunmehr überstanden.' Die Übermacht war zerstört, an der Wurzel, gründlich und auf immer; denn nicht bloß das weltstür- mende Heer der Franken, sondern auch der Ruhm und der Wahn der Unbesiegbarkeit ihres Kaisers war vernichtet. Die Resultate deS feindlichen Rückzuges waren nur die Nachlese des Leipziger Sieges! 237 Noch am 19. October, an welchem Tage Napoleon mit dem Gros seiner Armee bey Mark-RaN- stedc bivouakirte, setzten sich die alliirten Heere in Marsch, den fliehenden Feind zu verfolgen, dem das Gyulaysche undPorksche CorpS schon Tags vorher voraus geeilt waren. Zugleich war die vereinigte österreichisch- baierische Donauarmee auf dem Marsche nach Würzburg, wo sie den 24. Oktober eintreffen sollte. Sie befand sich am 19. in Donau- worth und legte vom r5. bis 24. Oktober, ungeachtet der schlechten Wittenmg und der schlechten Wege, 84 Postmeilen zurück. Der Feind nahm seine Flucht über Naum- burg, Erfurt, Fulda, Hanau und Frankfurt. Auf seiner rechten Flanke marschirte die schlesische, auf seiner linken die böhmische?lrmre. Zahlreiche Streif- parteyen zogen ihm voran, oder durchschnitten seine Colonnen und vernichteten allenthalben die Hülfsmittel. Die norddeutsche Armee richtete ihren Marsch nach Caffel, Hannover und Hamburg, um den Marschall Davoust abzuschneiden. Das Klenauische Corps marschirte auf Dresden und die Armee des Generals Pennigsen setzte sich gegen Magdeburg in Marsch, um die Operationen der norddeutschen Armee zu unterstützen. 236 Am>9. Oktober übernachtete das Längeren, sche und Sackensche Corps in Skcubitz; General Aork in Halle. Am 20. erreichte die schlesische Armee die Stadt Merseburg. Der General Wasiltschi- koff, der über die Elster gegangen war, rückte gegen Lübei.l vor, und machte 2100 Gefangene. Der Feldzsugmeister Graf von Gyulay traf zu Naum- burg ein. Von den beyden Hauptstraßen weggedrängt, konnte der fliehende Feind nur auf schlechten Nebenwegen marschiren. Er ging bey Wnssen- fels über die Saale, um sich bey Freiburg über die Ilnstrurh zurückzuziehen, und ließ am 2i.«ine be- deutere Arriendegarde auf den Höhen von Neukösen stehen, die sich um>o llhr?lvends vor der andringenden Übermacht zurück ziehen mußte. Wahrend dem hatte der Feldmarschall von Blücher Cavallerie und leichte Artillerie vorrücken lassen, und beschoß die feindlichen Colonnen, welche gegen Freiburg marschieren. Das Sackensche und La^geronsche Corps gingen bey Weissenfels auf neuerbauren Brücken über die Saale. General Uork hatte sich gegen O.uerfurrh gewendet, uin die Ausbreitung des Feindes in mehrere Colonnen zu hindern. Der Oberst Graf Henckel wurde gegen Bibra detaschirk, um eine Colonne Gefangener von Officieren und 4voo Mann zu befreyen, welche untxr starker Es- I sZg körte transportirt würbe. General Pork erreichte am Abend den Feind bey Freiburg und nahm in einem hitzigen Jnfanteriegefechte i2oo Gefangene, i8 Kanonen und eine Menge Muniuonswagen. Eine große Anzahl Feinde wurde in die Unstruth i gesprengt. Das Gros der böhmischen Armee war an diesem Tage theils bey Eisenvurg, theils bey Naumburg. Bey den Begebenheiten an der Unstruth kämpfte nicht nur die Kriegskunst mit ihren Werkzeugen. den donnernden Feuerschlünden, den Kugeln und den Schwertern gegen den Feind, sagt ein Augenzeuge, sondern auch die Elemente, wodurch das Elend desselben auf das schrecklichste vermehrt wurde. Sein Schicksal an diesem Flusse ist ein Gegenstück zu den Begebenheiten an der Berezina auf dem Rückzüge aus Rußland. Als die beyden Drücken über die Saale bey Weiffenfels, so wie die über die Unstruth in gehörigen Stand gesetzt waren, ließ der Kaiser von Frankreich eine ungeheuere Masse von schwerem Geschütz, Kanonen, Cavallerie und Infanterie über dieselben in Eilmärschen setzen, um sich den Weg auf Erfurth zu bahnen. Die verbündete Armee hatte ihre Stellung auf verschiedenen Puncten bey Freiburg und der umliegenden Gegend. Mit einer der schrecklichsten Kanonaden wur« 2 de der Kampf um 8 Uhr Morgens eröffnet, und um 3 Uhr ware»d>e Feindegeschlagen. Alles, wa nur im Stande war, sich zu retten, sucht? den Weg nach den Brücken der Unstrulh zu erreichen, allein das Zusammendrängen, und die von allen Seiten zusammen treffenden Kanonenkugeln zerschmeUelren alles. Unter der Bagage wurden die ungeheuersten Verwirrungen hervor gebracht, d»e Pferde rissen mit den Wagen aus, und durchbrachen mehrere noch in Ordnung stehende Glieder, auf welche die allur- te Cavallerie verderblich eindrang. Um. das Unglück voll zu machen, stürzten auf ein Mahl auch die Drücken ein, und die strömenden Fluchen vollendeten das Werk des gräßlichsten Elendes. Tausende fanden in den rauschenden Wellen ihr Grab. Die ganze Umgegend lag voll Verwundeter irnd Todter. Eine Viertel Meile weit an der Unstruth sah man nichts als Kanonen, Pulverkar- ren, Munitions- und Bagagewagen durcheinander geworfen, welche der Feind im Stiche ließ. Am 22. ließ der Feldmarschall von Blücher drey Brücken zwischen Freiburg und Laucha über die Unstruth schlagen, und hielt Leubinge», Som- mcrda und Wippach besetzt. Der Feldmarschall-Lieurenanr Graf Bubna hatte mir der Avantgarde der böhmischen Armee Weimar 24» erreicht und den Feind, der von Buttelstadt eine Besatzung hinein geworfen hatte, eine Stunde weit verfolgt. Bey Auerstadt, wo der Feind zur Deckung seines beschwerlichen Rückzuges eine Arriere. garde aufgestellt hatte, machte die Avantgarde des Gyulayschen Corps Gefangene. Das Hauptquartier des Feldmarschalls Fürsten von Schwarzenberg befand sich an diesem Tage in Jena. Am 23. waren bereits die verschiedenen Streifcorps in der Gegend von Erfurt. Eine Abtheilung der österreichisch baierischen Armee ging an diesem Tage bey Ochsenfurth über den Main, und bekennte Würzburg. Eine andere setzte den Marsch über Aub gegen Aschaffenburg fort. Am 25. Nachmittags verließ der Kaiser Napoleon seine Stellung bey Erfurt, wo er am 20. angelangt und völlig eingeengt war, und zog sich durch die Stadt auf das linke Ufer der Gera. Der Feldmarschall Blüch-r hatte sein Hauptquartier in Langensalza und die Hauptarmee hinterließ ein hinlängliches Corps zur Berennung von Erfurt. Der Oberst Graf Mensdorf griff b-Y Geysa die Spitze der feindlichen Armee an, und sprengte sie auseinander. Er machte Gefangene und beträchtliche B-ute. Der Feind marschirke mit r-ifsender Schnelligkeit auf der Straß« nach Gotha, wo der Kaiser III. 2 2^2 Napoleon mit seinen Garden am 26. eintraf. Die Avantgarde des Feldmarschall-Lieutenant Bubna drang bis in die Nahe dieser Stadt vor. An diesem Tage wurde die Stadt Würzburg nach allen zum Sturm getroffenen Anstalten von dem feindlichen Commandanten Turrca» durch Ca- pitulation geräumt, und des Großherzogen von Würzburg Entsagung vom Rheinbünde bekannt gemacht. Auch der Herzog von Weimar und der König von Würtemberg erklärten sich für die Sache Deutschlands. Die Würtembergische Armee war auf dem Wege, um sich mit der alliirten Armee unter dem General en Chef Grafen von Wrede zu vereinigen. Der Feind suchte den Katastrophen, die ihn erwarteten, durch die Schnelligkeit seines Marsches zu entkommen. Dieser war so rasch, daß die Avantgarden der verbündeten Heere kaum nachfolgen konn- ren. Aber diese schonungslose Anstrengung hatte die verderblichsten Folgen. Keine Phantasie ist lebhaft genug, um das Elend zu umfassen, welches die feindliche Armee auf ihrem Rückzüge erfahren und verbreitet hat. Die Straße von Getha, auf welcher sie floh, trug die unlaugbarsten Spuren ihrer gänzlichen Auflösung. Man bedurfte keines Wegweisers auf dem Wege. Auf beyden Seiten dieser Blutstraße 2^5 lag alles wild durch einander, zertrümmerte Wa- gen, zerschlagenes Geräthe, weggeworfene Gewehre, gefallene Pferde, verwundete und todte Krie- der, Tausende vor Hunger und Ermattung dahin sinkender Soldaten blieben zurück, und starben eines qualvollen Todes, ehe sie noch die Spitäler erreichten. Alle Wälder im Umkreise von mehreren Meilen, auf beyden Seiten der Straße, waren mit Ausreißern, Kranken und Verlassenen angefüllt, denen daS Landvolk nirgend ein Obdach geben wollte. Die fliehende Armee selbst war in der wildesten Unordnung. Alle Waffengattungen marschirtei, untereinander. Die Avantgarden lagerten oft mitten unter Leichen. Die ganze Armee war von leichter Cavallerie umschwärmt, welche ihr jede Abweichung von einer einzigen schmähten Linie unmöglich machte, die einzeln Ziehenden aufhob, die Spitzen der Colonnen in Hinterhalten erwartete, den Feind bey Tag und Nacht in den beyden Flanken, und ein Rücken beunruhigte, und oft mitten zwischen den einzelnen Colonnen durchbrach. Die alliirrr Hauptarme- setzte dem Feinde auf dem Fuß nach. In dieser Lage näherte sich der Feind der Stadt Hanau, welche die österreichisch- baicrische Armee Nach der Einnahme von Mürzburg bereits am 28. Ottobec überfallen hatte. Die Garnison von i2oü Q 2 244 Mann nebst vielen Officieren wurde hierbey gefangen gemacht. Der königl. baierische General- Lieu- renank Graf von Rechberg wurde nach Frankfurt geschickt, um diese Stadt zu besetzen, oder Falls er mir überlegener Macht angegriffen würde, sich in Sachsenhausen zur Beobachtung der Straße aufzustellen. Inzwischen war die Avantgarde des Kaisers Napoleon, dem alles daran liegen mußte, den Ubergangspunct bey Mainz, mit dem Überreste seines HeereS, selbst mit großen Aufopferungen zu gewinnen, über Hünefeld und Gellenhansen in der Gegend von Hanau angelangt. Die Avantgarde der österreichisch- bayrischen Armee ging am 29. October dem Feinde entgegen, und nahm ihm nach einem hitzigen Gefechte 2 Kanonen und 4000 Gefangene ab, worunter sich 2 Generale sammt »5o Officieren befanden. Zu gleicher Zeit traf in der Gegend des Kampfplatzes der General Czernit- scheff ein, machte 1200 Gefangene und beunruhigte fortwährend dre rechte Flanke deS feindlichen Heeres. Am 3» Morgens unternahm der commandi- rende General en Chef Graf Wrede eine Recog« noscirung des FeindeS, um sich von seiner Stärke zu überzeugen. Da man ihn zwischen 6» und 60,00» Mann stark fand, und die alliirte Armee vor Hanau nur aus 3o,o»o Mann bestand. so war es zwar »lcht möglich, einer so überlegenen Macht den wer- »45 reren Marsch streitig zu mache,,; aber erschweren konnte man den>elben. Der General en Chef stellte daher die vereinigte Armee vor Hanau auf, den rechten Flügel an der Kinzing, den linken auf der Straße, welche von Gellenhausen nach Frankfurt führt. Auf diesem Flügel wurden in der Ebene zwischen Hanau und dem Lamboiwalde mehrere Batterien aufgeführt, den vorüberziehenden Feind zu empfangen, und der größte Theil der Cavallerie wurde dahin gestellt, um die Formirung des Feindes zu erschweren. Hanau blieb von der Grenadier- Brigade Dimar besetzt. Die in die Aufstellung der Armee zurückkehrende Avantgarde kündigte derselben das Anrücken des Feindes an. Dieser rückte am 3o. um r Uhr in dichten Colonnen auf der Straße vor, indessen seine Tirailleurs den Wal ddurchgingen. iLo Kanonen sollten die alliirre Armee zum Weichen bringen. Doch vergebens suchte er auf deren rechten Flügel die Kinzinger Brücke zu gewinnen. Auf dem linken Flügel besetzte er die Waldspihe mit zahlreicher Infanterie und Artillerie, um das Vordringen seiner Cavallerie zu unterstützen, welche durch ihre Überlegenheit gesiegt haben würde, wenn nicht der Hauptmann Blageovich vom Generalquar- tiermeisterstab mit den Erzherzog Joseph Husaren zur Unterstützung herbeigeeilt wäre. 246 Die alliirte Armee behauptete mit einer bewunderungswürdigen Tapferkeit das Schlachtfeld bis in die Nacht. Die heftigsten Cavallerieangriffe auf dem linken, und alle Unternehmungen auf dem rechten Flügel, um durch dessen Werfung den erster» zum Rückzug zu zwingen, waren vergebens. Auch die wiederhohlren Srürme auf Hanau wurden von der Erenadierbrigade Dimar mit großem Muthe zurückgeschlagen, und der Feind noch in der Nacht, aus der eroberten Papiermühle harr an der Stadt, mit dem Bajonette wieder vertrieben. Der Feind mußte sich damit begnügen, die Stadt in der Nacht mit Haubitzarauaten zu beschießen, und sehte indeß fernen Rückzug fort. Der Oberbefehlshaber Graf von Werde hatte inzwischen seinen linken Flügel hinter Hanau zu-ückgezogen, und verließ am 3:. um L Uhr Morgens die Stadt, welche gegen die feindliche Hauptmacht nicht ohne großen Schaden behauptet werden konnte. Durch das auf dem linken Ufer der Kinzmg aufgestellte Geschütz brachte er indessen dem Feinde auf seinem stetS fortwährenden Rückzüge den empfindlichsten Verlust bey. Da sich jedoch die Arriergarde des Feindes in Hanau halten zu wollen schien, und diese Stadt der Verwüstung Preis gab, so beschloß der Oberbefehlshaber Graf von Wrede, sie wieder zu nehmen. Um 2 Uhr wurde das Zeichen zum Sturme gegeben. 247 Mit beyspiellosem Muthe stürzte sich alles vorwärts. Schon hatte der Oberbefehlshaber an der Spitze einer österreichischen Grenadier- und Jägercolonne, mit dem General Geppert zur Seite, am Nürnberger Thor den Stadtgraben übersetzt, und drang in das Kinziger Thor vor, als er durch einen Schuß in den Unterleib gefährlich verwundet wurde. Dieser von der alliirten Armee tief gefühlte Verlust entflammt- die Truppen zur höchsten Erbitterung, und alles, was sie vom Feinde erreichten, wurde nieder gemacht. Am äußersten Thore von Hanau an der Kinzinger Drücke suchte der Feind sich zu halten, allein er ward seines lebhaften Widerstandes ungeachtet auch hier bald vertrieben, und setzte am i. November seinen Rückzug fort, auf welchem die alliirte Armee ihn auf dem Fuß- verfolgte. Der Oberbefehlshaber Graf von Wrede hatte nach seiner Verwundung dem österreichischen F. M.L. Grafen von Fresnel das Armeecommando übertragen. Der Feind ließ i5,ooo Todte und Verwundete auf dem Schlachtfelde, und eben so Viel wurden auf dem Wege von Hanau nach Frankfurt gefangen eingebracht, worunter LÜo Officiere sich befanden. Wahrend dieser merkwürdigen Schlacht nahmen auch die alliirten Streifcorps auf eine rühmliche Weise Antheil an dem Gefechte. Der G. L. Graf Orloff- Denisoff durchschnitt am 3o. Oct. zwey Mahl di 248 feindlichen Colonnen, und ließ sie aus dem Dorfe Rothenbergen mit dem wirksamsten Artilleriefeuer beschießen. Der General Czernikscheff hielt an diesem Tage eine Colonne von 6000 Pferden auf dem ungünstigsten Boden am Lamboi-Walde fest, und verhinderte sie dadurch, gegen die linke Flanke der al- liirten Armee zu wirken. Am 3i. waren der Atta. mann Graf Platoff und der Major Graf Haddik von Schwarzenberg Uhlanen zu dem Grafen Orloff gestoßen. Sie griffen die Arriergarde des Feindes bey Gellenhausen an, brachren dieselbe in gänzliche Unordnung, und machren r5oo Mann mit 20 Officieren zu Gefangenen, Die Gefechie bey Hanau kosteten dem Feinde einen acheil der in der Schlacht bey Leipzig noch geretteten Kerntruppen seiner Garde» und des 4ten Corps. Die feindliche Armee hatte auf ihrem Rückzüge noch das Corps des konigl. baierischen Generals Grafen von Rechberg zu passiren, welcher am 3o. Oct. in Frankfurt eingerückt war. Bey Annäherung der feindlichen Colonnen zog sich der General Rechberg, der ihm ertheilten Jnstruction gemäß, aus Frankfurt nach Sachsenhausen, und ließ ejnen Theil der Mainbrücke abtragen. Der Kaiser Napoleon langte am 3i. Oct. in Frankfurt an, von wo er nach kurzem Aufenthalte seinen Weg nach Main; forkfetzte. Die französischen Truppen desilirten um 24g die Stadt herum, und bivouakirten in der umliegenden Gegend. Der General Rechberg beschrankte sich darauf, dem Feinde den Übergang über den Strom zu verwehren, und ihm aus der genommenen Stellung den größtmöglichen Schaden zuzufügen. Vergeblich versuchte der Feind die Mainbrücke mit Sturm zu nehmen. Er wurde durch ein wohlangebrachtes Kartätschenfeuer empfangen, und mit dem Bajonette bis in die Skadr zurückgeworfen. Der Feind begnügte sich Sachsenhausen aus 3 Batterien zu beschießen, wodurch dieser Ort stark beschädiget wurde. Inzwischen beschleunigte er seinen Rückzug. Die feindliche Arrieregarde unter dem Commando des Herzogs von Treviso langte am i. Nov. bey Frankfurt an, und defilirte gleichfalls um die Stadt. Am 2. Nov. näherte sich die Avantgarde des F. M. L. Grafen von Fresnel. Der Feind hielt noch das Mainzer Thor besetzt. General Volkmann umging mit der Avantgarde die Stadt, und zwang den Feind, sie völlig zu verlassen. Sie wurde hierauf um 9 Uhr Morgens von den österreichisch- baierischen Truppen besetzt. Um 2 Uhr Nach, mittags rückte der F. M. L. Graf Fresnel mit seinem Hauptguarlier daselbst ein. Der Gcoßherzog von Hessen-Darmstadt entsagte an diesem Tage den Verhältnissen des Rheinbundes, und vereinigte ses- ?5o ne gesammte Truppenmacht mit der österreichisch- baierischen Armee. Am 4. Nov. verlegte der Feldmarschall Fürst Carl zu Schwarzenberg das Hauvtquartier nach Frankfurt. Am 5. Nov. hielten Se. Mas. der Kaiser aller Reußen, und am 6. Se. Mas. der Kaiser von Österreich den seyerlichen Einzug in Frankfurt, dieser ehrwürdigen Krönungsstadt des deutschen Kaiserreiches, das nunmehr durch die glänzendsten Thaten der alliirten Armee wieder be- freyt war. General Bertrand hielt inzwischen mit seinem Corps noch immer Hochheim beseht, und arbeitete mit großer Anstrengung an der Befestigung dieses Ortes und der umliegenden Hohen. Der Feldmarschall Fürst Carl zu Schwarzenberg beschloß, Deutschland völlig zu reinigen, und ließ dasGyu- laysche Corps auf der Straße von Höchst gegen Hochheim vorrücken. Eine Colonne unter dem Feldmarschall-Lieutenant Fürst Aloys Lichtenstein nahm ihre Richtung über Massenheim und die Häuserhöfe. Der Feldmarschall-Lieutenant Bubna mit der Avantgarde deckte diese Bewegung, und die Reserve- Cavallerie unter dem Feldmarschall, Lieutenant Moritz Lichtenstein folgte über Massenheim zur Unterstützung des Feldmarschall-Lieutenants Bubna. Drey Kanonenschüsse gaben das Zeichen zum ü5i Angriff. Der Feldzeugmeister Graf Gyulay rückte gegen Hochheim, welches mit 2o Kanonen und 2000 Mann besetzt war. Die Artillerie beschoß die Stadt von 3 Seiten, und brachte das feindliche Geschütz sehr bald zum Schweigen. Nun rückte der Feldzeugmeister Graf Gynial) im Sturmschritt auf die feindlichen Verschanzungswerke. Ohne viel Widerstand wurden die Flechen rechts und links von der Straße genommen. DerF«ind wich in die Stadt zurück; aber er war auch hier nicht vermögend, der außerordentlichen Tapferkeit der österreichischen Truppen zu widerstehen. Diese erstürmten 2 Thore, und drangen in die Stadt ein. Nur ein Theil der Besatzung rettete sich durch die Flucht; LooMann wurden gefangen. Zugleich hatten der Feldmarschall- Lieutenant Graf Bubna und der Feldmarschall-Lieutenant Fürst Aloys Lichtcnstein die feindliche Stellung zwischen Hvchheim und dem Fort Cafsel angegriffen, und mehrere angefangene Verschanzungen erstürmt. Der Feind konnte sich auf keiner Seite behaupten und trat seinen Rückzug nach Cafsel an. Die Artillerie der nacheilenden Colonne und einige am linken Main.- rifer aufgerichtete Batterien begleiteten die letzten Trümmer der französischen Armee bey der Röumung von Deutschland. Dir Hauptormee und das östcrreichisch-baierische 25s Heer nah,wen ihreRichtung an denOberrhein; die schle, fische Armee besetzte den Mittelrhein. DreBülowsche Armeeabtheilung zog an den Niederrhein, so daß die Gränzen von Frankreich überall längs dieses Flusses bedroht waren. Der Kronprinz von Schweden reinigte den Norden von Deutschland. Am 28. October wurde die Hauptstadt Kassel besetzt. Der König Hisronymus hatte fie am 26. in der Eigenschaft eines französischen Prinzen verlassen, und die Gensd'armes ihres Dienstes erlediget. Der General Tettenborn hielt fortwährend Bremen und Werden besetzt. Der Kronprinz von Schweden war am 3. November in Götnngen, am 5. in Eimbeck, am 6. in Hannover. Die Preußen besetzten ihre alten Gebiethe wieder; der Churfürst von Hessen zog in seiner Residenz ein; der Herzog von Braunschwsig kehrte zurück; Englands Herrscherhaus nahm sein deutsches Stammland in Besitz; das Haus Oranien wurde zur Befreyung Hollands gerufen. Überall stellte die alle Ordnung sich her. Der Rheinbund hatte aufgehört zu seyn; dem Beyspiele von Baiern waren die Höfe von Würtemberg, von Baden, von Würzburg, von Hessen, die Sächsischen, Naffauischen, die Anhaltischen und die übrigen fürstlichen Häuser gefolgt. Alle deutschen Staaten wetteiferten in der Herbey- 253 schaffung großer Mittel zur Behauptung deutscher Freyheit und Rechte. Überall eilte das Volk zu den Waffen, alle Contingente wurden vollzählig gemacht; sie betrugen außer dem Landsturm eine nie vorher aufgestellte Macht von 36o,ooc> Mann, und die verbündeten Heere mitgerechnet standen zu Ende des Jah- reS 85o,ooo wohlgerüstete Kampfer am Rhein. Napoleon hatte von seiner ungeheuern Armee kaum 60,000 Mann nachFrankreich geführt. Er hatte nach einer mäßigen Rechnung 180,000 Mann, über Loa Kanonen, und gegen 3ooo Munitionswage» im Felde verloren; die Besatzungen der Elbe-Oder- und Werchsel-Festungen ungerechnet, welche nun unwiederbringlich verloren waren. Die Geschichte der Kriege biethet wohl wenige Resultate von diesem Umfange, in einem so kurzen Feldzuqe dar. Si« waren der gerechte Lohn der edlen Eintracht, weiche die verbündeten Monarchen, Feldherrn und Heere in diesem herkulischen Weltkampfe beseelt hat'. I n ha l tsanzeige. Seite d!anifest Sr. Majestät des Kaisers von Österreich....... Armeebefehl des k. x.Fcldmarfchalls Fürsten Carl zu Schwarzsnberg vsm 17. Aug. ibiZ Aufruf des k.?. Feldmarschalls Fürsten Carl zu Schwarzenberg an die Einwohner von Sachsen Bulletins der l. k. Hauptarmes unter dem Oberbefehl des Feldmarschalls Fürsten Carl zu Schwarzenberg...'- Deutschlands Rettung und Sachsens Vefreyung durch die Schlacht bey Leipzig im Oktober 161Z in einer ausführlichen, treuen, historischen Darstellung von einem Augenzeugen. Überblick des deutschen Krieges in der zweyten Halste des Jahres r6rZ.,... 5 26 29 «9 ^7 7-,'-- 7