IlVisnsi' 8t»llt-8iblivt>is>< 17776/^Ä. » > 5 "' ?L5l - I Biographien der durch die merkwürdigste» Thateir ausgezeichneten und berühmtesten Männer i n allen Welttheilen. Aus ächten Quellen gezogen. Enthält: 1. ) Leopold IV. den Prächtigen, oder den Dicken. 2. > Herzog von Brannschweig Otto, Fürst von Tarent. 3. ) Kaiser Maximilian n. Wien, 1807. Im Verlage bey Ludwig Mausberger, k. k. privilegirten Buchdrucker. Biographien der durch dir merkwürdigsten Thaten ausgezeichneten und berühmtesten Männer i n allenWelttheilen. Aus ächten Quellen gezogen. Siebenter Band, enthält: I. Leopold IV- den Prächtigen oder den Dicken. II. Herzog von Braunschweig Otto, Fürst von Tarent. III. Kaiser Maximilian II. ^ ^ W i e n, r 8 o 7. 3m Verlage bey Ludwig Mausberger» k. k. privilegirten Buchdrucker. / Leopold der Vierte, der Prächtige, oder der Dicke. -^aß dieser Fürst, welcher im Jahre 1371 geboren wurde, der Zweytgeborne Leopold des Dritten gewesen , ist ausgemacht richtig, obschvn man eigentlich daß Jahr nicht zuverläßig bestimmen kann, in welchem er zur Welt kam.. Müller in seiner Schweizer- Geschichte erzählt, Leopold sey zur Zeit der Sempa- cher Schlacht fünfzehn Jahre alt gewesen, und habe am sechsten Tage nach der Schlacht mit fünfzig vornehmen Herren die Schweizer befehdet. Wenn diese Angabe richtig wäre, so hätten wir daß Geburtsjahr desselben schon heraus; allein dieses i-st nicht so ausgemacht wahr, denn Tschudi der weit ältere Schweizer-Geschichtschreiber berichtet, daß Herzog Albrecht der Dritte mit dem Prinzen Wilhelm am Margarethen.Tag nach Kvnigssrlden gekommen, «nd seinen Bruder daselbst habe begraben lassen. Er erwähnte mit keiner Silbe etwas von Leopolds Fehde gegen die Eidgenossen, auch nicht, daß er sich 7 -_ Az 6 bei Atbrecht seinem Vetter, befunden habe, sondern daß er erst nach Albrechts Abreise aus den Vorlauben dahin gekommen sey. Selbst aus der dermali- gen Lage der Umstande scheint es nicht wahrscheinlich zu sryn, daß sich Leopold in eine Fehde soll eingelassen haben, da er noch nichts zu befehlen hatte, der Schrecken der Waffen der Eidgenossen auf den ganzen Adel in Schwaben und am Rheine lag, und derjenige die höchste Tollkühnheit würde verratben haben, der wider die Sieger sich im offene» Felde gezeigt haben würde. Der Krieg begann erst wieder nach einiger Zeit und wurde mehr durch die österreichischen Vögte und Freunde, als von den Herzogen selbst geführt» Leopold erschien nie dabei, und nachdem die Schweizer die Schlacht bei Näfels gewonnen hatten, lebte er mit ihnen immer in Ruhe. Leopold und seine Brüder hatten nach ihres Oheims Absterben seinem Sohne Albrecht dem Vierten versprochen, daß sie mit ihren Landern unge- theilt bleiben, und alle gemeinschaftlich verwalten wollten, weswegen sie verlangten, daß ihnen in^ge- sammt von allen Staatsbeamten die ^sticht geleistet werden sollte. Diele Einigkeit war von keiner Dauer. Die Rä- the, Amtleute, und andere Staarsdiener fanden dieses ihren Vortheilen nicht angemessen, sie mutten die Sache so zu wenden, daß diese gegen einander «litauisch wurden, und einen neuen Vertrag wegen der Läuderverwaltung auf zwey Jahre lang mit ihrem Vetter Albrecht errichteten, worauf Leopold nach Tyrol reiste, und sowohl in seinem als seine« ganzen Stamme« Namen die Lehen errheilte, auf Ansuchen und Bitten der Tyrolischen Landstände eine neue Landesordnung aufrichtete, und die Landschaft selbst mit verschiedenen Vorzügen, Freyhelten und Gnaden begünstigte« Nach Albrechts des Vierten Hinscheiden besam Leopold endlich Burgau, Schwaben, Breisqan, Elsaß, den Argau, und was sonst noch von österreichischen Ländern am Rheine lag, oder an die Eidgenossen gränzte, zur eigenen Verwaltung, und von dieser Zeit an kann er auch alG Regent betrachtet werden. Leopold wurde diesemnach ein ansehnlicher Fürst in Oberdeutschland, und Ruprecht von der Pfalz, der an Wenzels Stell« zum deutschen Oberhaupts war gewählet worden, sah gar wohl ein, wie wichtig ihm -er Beistand desselben serm könne, da*">r warb er um seine Freundschaft mit mancherley schönen Versprechen. Der Herzog bot ihm die Hand, gestattete ihm auf seinen Zug nach Italien den Durchmarsch durch seine Länder, und begleitete ihn Persönlich mit einem Heere-chaufen dahin. Ruprecht hatte im Sinne, Mailand wieder mit dem deutschen Reiche zu vereinigen, weswegen er auch eigentlich den Feldzug unternahm. Allein sein Versuch schlug 8 fehl, sein Heer, wurde geschlagen und zerstreut; Leopold im Treffen gefangen, kam aber bald wieder los, ohne daß man jemals dir Bedingungen erfahren konnte, unter welchen er seine Freyheit erhielt. Nach seiner Heimkunft verließ er Ruprechts Parthey, wahrscheinlich darum, weil dieser jetzt außer Stand gesetzt war, seine gemachten Versprechen zu erfüllen. Einigkeit herrschte in der Familie so lange sein Bruder Wilhelm lebte, und das Staatsruder lenkte. Sein Tod war das Ende der brüderlichen Eintracht- denn sie sahen die vormundschaftliche Regierung über den unmündigen Prinzen Albrecht den Fünften als einen Gegenstand an, der einer Fehde wohl würdig sey. Die Landstande Oesterreichs beriefen nach der natürlichen Ordnung der Dinge den Aeltesten zur vormundschaftlichen Regierung; dieser war Leopold. Cr kam daher nach Wien, gelobte das Land im Namen seines Mündels gut zu regieren, und nach Recht und Gewohnheit dabei zu Verfahren. Cr hielt Wort, begnügte sich mit den ihm und seinem Hofstaate ausgemeffenen Einkünften, «nd übergab den Uebrrschuß des Landes, Ertrages der allgemeinen Staatskasse. Aber Ernst, sein Bruder, Herzog und Regent der Steyermark, sah es nicht fü* gleichgültig an, daß ihn die Stande nicht ebenfalls zum Mitvormünder gewählet hatten, und er verlangte doch dieses zu seyn. Leopold war hiezu erbvtig, und sie kamen überein, monatlich in der vormundschaftlichen Regierung zu wechseln, so erzählt den Heergang der Uneinigkeitsgrundlage Eberndorfer, der Zeitge- 9 nosse dieser Fürsten. Andere sagen, die Landstande Oesterreichs hatten den Herzog Ernst zugleich mit Leopold als Mitbormünder erkannt, allein dieses dünkt mich nicht wahrscheinlich, weil sie dadurch dem Rechte des altern Bruders desselben, Friedrich, vorgegriffen, der unstreitig vor Ernst das Recht zur Vormundschaft hatte. Allein wie diesem allen auch seyn mag, so ist doch so vieles gewiß, daß einige Landstände und Magistratspersonen Wiens und anderer Provinzialstädte unserem Herzoge Verdruß machten , und ihn beleidigten, weswegen er auch über sie aufgebracht wurde, und da er von Natur aus zum Zorne geneigt, und seiner Leidenschaft nicht immer mächtig war, auch seinen Zorn an ihnen abkühlen wollte, so fieng er an, sie strenger als bisher zu behandeln. Oesterreich erfuhr nun, daß es eine ewige Wahrheit sey, daß niemand zween Herren zugleich dienen, und sie vollkommen befriedigen könne. Die Landstände, die Staatsbeamten, die Magistrate in den Städten, und das gemeine Volk theil- ten sich, sie erklärten sich bald für einen, bald für den andren der beyden Regenten, je nachdem sie Vorthrile von einem oder dem andern hoffen konnten. Schon glimmet? das Feuer eines Bruder - oder Bürgerkrieges unter der Asche, und es bedurfte nur eines leisen Wehens, baß es in Flammen ausbrach, und dieses geschah bei folgender Gelegenheit: Ein böhmischer Räuber, Namens Sokcl, drang plötzlich mit einer sehr starken Bande von allerhand rv Lumpenqestndel in Oesterreich ein, verheerte, plünderte und mordete aller Or^en, wo er bmkam, nahm endlich gar das Städtchen Laa mit Lift weg, und faßte frften Fuß darinn. )hn daraus zu jagen, und das Raubgesindel zu vertreiben, mußte Leopold beinahe ein ganzes Kriegsherr auf dre Beine stellen; dieses demnach zu bewirken legte er eine allgemeine Steuer aus, wodurch sich aber die Landstande, die Clerisey, und die Bürgerschaft beschwert hielten, und sich dieselbe zu entrichten weigerten. Er aber bestand mit Ernst darauf, trieb sie nachdrüchlich an, und erregte bewahr eine allgemeine Unzufriedenheit. Dessen ungeachtet kam doch die Arme« zu Stande, Leopold selbst führte ste an, aber bald verließ er sie, Und übergab den Befehlshabrrstab seinem Kanzler, dem Bischöfe zu Freysinqen, weil er es unter seiner Würde hielt, gegen einen Räuber und seine Bande zu Felde zu ziehen. Der Bischof im Kriegshandwerke unerfahren, von den Ständen gehaßt, vom Volke nrcht geliebt, konnte wider Svkel nichts ansrichten, und man mußte seinen Abzug mit einer großen Geldsumme erkaufen. Diesen Umstand erqrissen die Mißvergnügten, um den verzog zu beschuldigen, daß er mit dem Svkel insgebei ii einverstanden, sich mit dessen Hilfe zum Herrn der Landeshabe machen wollen, deswegen habe er Geld erpreßt, und seine Gewalt mißbraucht, ste schrieben an den Herzog Ernst nach Gratz, und luden ihn ein, nach Wien zu kommen, und die Vormundschaftliche Regierung ganz allein zu über- / ir nehmen. Leopold über dieses Verfahren höchst erbittert, verließ Wien, und begab sich nach Neustadt, wo er Kriegsvvlk sammelte, und sich zum Kampfe wider seine Gegner gefaßt machte. Mehrere vom Adel und der nun wirklich in Sold genommene So- kel hielten ferne Pakthey, und fiengrn an die Güter und Herrschaften der feindlich gesinnten Stände zu plündern, und ihre Grundstücke feindlich zu verheeren. Dieses Unglück traf besonders Ekenburg, Drv- sendorf, das Städtchen Laa , die Klöster heiligen Kreuz, Lilienfeld, Göttwich, Mölk und Zwettel, weil daselbst Geld zu finden, und dir Aebte die Häupter der Landflände waren. In kurzer Zeit wurde das Rauben im ganzen Lande allgemein, weil jedermann seine Raubsucht unter dem Deckmantel der Parthey eines oder des ander» Fürsten verstecken konnte. Leopold selbst kündigte seinem Bruder und de» Wienern den Krieg an, und sonnt brach der innere Krieg uud die Faktivnswuth überall los. Zerrissen wurden die heiligsten Bande zwischen Aeltern und Kindern, Brüdern und Freunden ; man schlug einander todt, ohne darüber Gewissensbisse zu fühlen. Oesterreich litt, und ertrug der Uebrl und Drangsale so viele, als in Jahrhunderten nicht sind gesehen worden. In Wien brausten di« Gemüther und Köpfe am meisten. Das gemeine Volk und die In« nnngen der Handwerker hiengen an Leopold, der Magistrat und dir rathspffichtsqrn Bürger standen auf Ernsts Seit«; der Magistrat l,rß aus Unbesonnen« 12 heit und blinder Partheysucht einige vom gemeinen Volk beim Kopfe nehmen, ihnen als Aufwieglern den Prozeß machen, und fünf derselben enthaupten. Diese That erbitterte das Volk noch mehr, es schnaubte und kochte Rache, mußte sie aber eine Zeitlang verschieben, weil Leopold es nicht unterstützen konnte. Indem überall die Kirchen, Klöster, und die Geistlichkeit geplündert wurden, so kam nun anch Georg, Bischof von Paffan, zum Vorscheine, und helegte alle räuberischen Krieger, und diejenigen, welche die Unruhen unterhielten, mit dem Kirchenbanne , und hoffte hievon die besten Wirkungen. Allein sein Bannfluch fruchtete nicht nur nichts, sondern brachte eine seiner Erwartung entgegengesetzte Folge hervor. Die Kemüther wurden erbitterter, und die Gewaltthätigkeiten nahmen noch mehr überhand. Seine Absicht hiebey war gleichfalls nicht löblich und rein, denn er wollte hierdurch nur dem Bischöfe Berthvld von Freysingen wehe thun, weil er ihm gram war, daß er die Kanzlerwürde beim Herzoge begleitete, die er selbst gewünscht hatte. Er zielte mit seinem Banne besonders auf ihn, weil er bei Leopold alles vermochte, und alle Plane schmiedete, welche der Herzog ausführen sollte. Den Ausschweifungen und Gewaltthätigkeiten der Freunde und Anhänger Leopolds widersetzten sich nach allen Kräften die Brüder Friedrich und Ramb- recht von Waldsre. Sie stellten sich an die Spitz« des größten Thrilrs der Landstände, vorzüglich des Adels und der Prälaten, und verfochten einige Zeit hindurch die Sache des Herzogs Ernsts, oder wie sie. glaubten, des Landes, im Grunde aber machten sie eben so gut Parthey, nne ihre Gegner. Endlich kam es doch zu einem Vergleiche zu Klosterneuburg. Beyde Brüder legten die Waffen nieder, und versöhnten sich. Ernst kehrte nach Gratz zurück, Leopold aber nach Wien, wohin er mit grosser Feyer- lichkeit von den Seinigen begleitet wurde. Er fand daselbst kein Wohlgefallen, die Gemüther waren noch immer getrennt, und er selbst zürnte ans den Magistrat und den Rath, weil er noch nicht vergessen konnte, dass sie ihm einige seiner Anhänger hingerichtet hatten. Als daher der Fasching kam, verließ er die Stadt, und suchte sein Vergnügen zu Neustadt; von da aus machte er an dir Wiener und die ganze Clerisey, und alles, was zu dieser gehörte, neue Geldsorderungen, die sehr drückend waren. Sie zahlten, was er verlangte, aber sein Zorn legte sich nicht. Der Bischof von Freysingen, Berthold, gab daher den Wienern den Anschlag, dass sie, um den Herzog zu besänftigen, ans einen Landtag nach Neustadt kommen möchten, und als aus diesem nichts wurde, beschied er sie auf den Palmsonntag nach St. Pölten zu einer andern Landtagsversammlung, woselbst der Herzog sich mit ihnen ausgleichen würde. Wirklich erhielten sie für ihre Abgeordnete sichere Eeleitsbriese, und so erschienen diese am bestimmten Tage zu St: Pölten. Unverrichteter Dinge «4 girng der Landtag auseinander, und die Abgeordn,-- ren der Stadt Wien kehrten nach Hause, ohne ihren Zweck erreicht zu haben. Als sie auf ihrer Rückreise in die Gegend Burghartsdorf kamen, wurden sie unvernmther durch einen gewissen Druhsrß und So- kel aufge-angen, und in festen Burgen so lange rin- gesperrt und verwahret, bis sie ein Lösegeld von zweg tausend Gulden versprochen hatten, worauf sie entlassen wurden, und mit dem Herzoge Ernst, der wieder nach Oesterreich kam, am FronletchnamSfrste in Wien rintrafen. Die Gefangenen waren der Bürgermeister Vorlauf, und die Rathsherren Johann Rock und Niklas Untermhimmel. Ob und wie ferne Leopold an ihrer Gefangennehmung Antheil gehabt habe, erhellet aus der Geschichte Nicht, nur einige Winke Ederndvrfers derrathrn, daß..derselbe um die That noch vor ihrer Ausführung gewußt haben möchte. Fast um die nämliche Zeit, als Ernst zu Wien eintraf, kam auch Leopold mit seinem Kanzler Ber- thvl- dahin; er verlangte, daß bei seinem Einzuge in die Stadt ein Therl der Stadtmauern nirdrrge- riffen, und die Sperrketten in denen Straffen weggenommen werden sollten, allein der Magistrat schlug diese Forderung ab, die vielleicht nur gemacht wurde, die Stimmung desselben zu erfahren. Levpkld ließ es gut seyn, aber immer noch war er wider den Magistrat und Rath erbittert; dieser ließ sichs nun e nfallen, das Umgeld zn erhöhen, theilS um sich des / »5 bisher erlittenen Schadens zu erholen, theils anch die gemachten Schulden der Stadtkammrr zu bezahlen. Hierüber erhob- sich ein allgemeines Mißvergnügen unter der Bürgerschaft, und es entstanden neue Unruhen. Das Volk sah nun die erwünschte ' Gelegenheit vor sich, an dem Magistrate seine Rache wegen der Hinrichtung einiger seines Mittels ausüben zu können, es fetzte eine .Klagschrift wider den Bürgermeister Vorlanf und einige Rathsherren auf, überreichte sie dem Herzoge Leopold, der nun allern Herr in Wien war, indem Ernst schon wrrder abge- reiset war, es bath einige Ralhsherrrn sich aus dem Rathe zu entfernen, und andere an ehre Stelle einzusetzen. Leopold ließ aliogleich den Bürgermeister Vorlauf, die Rathsherren Rampelstvrser, Rock, Angerfeld und Moosbrunner nebst zween andern in Verhaft nehmen, ihnen einen kurzen Prozeß machen, und die drey erster« am vierten Tage nach ihrer Grfangennehmung aller Fürbitten ansehnlicher Männer und Damen vom Stande ungeachtet öffentlich enthaupten. Ihr Vermögen und ihre Güter wurden für den Fiskus eingezvqen. die andern Gefangenen mit einer großen Geldbuffr belegt, und sodann losgelaffrn. Die ganze Stadt und das Land erschütterte die schnelle Hinrichtung besagter Männer, einig« verabscheuten, andere fürchtete« den Herzog; die Zahl seiner Feinde wuchs , und seine Freunde verminderten sich; er wurde aus Böhmen, Mahren und Hun- garn- mit Krieg bedroht, sein Bruder Ernst trat ' i6 neuerdings wider ihn auf. Ramprecht von Wald- see und dir Herren von Rosenburg verbanden sich mit mehreren landständischen Gliedern, und griffen öffentlich zu den Waffen. Die Gelegenheit der innern Staatsverwirrung benützten nun auch berüchtigte Räuber, fielen ins Land, raubten, mordeten und verbrannten manches Ort in der Nähe Wiens so, daß Leopold ans seiner Burg die auflodernden Flammen sehen konnte. Alles schien sich zu seinem und des Landes Verderben verschworen zu haben, und niemand war, der ihm beyzustehen sich bereitwillig erzeigt hätte.. Endlich nahm sich desselben Herr Georg von Lichtenstein, Bischof von Trient an, er befand sich damals zwar als ein Gefangener des Herzogs Friedrich zu Tyrol in Wien, vergaß aber über dem Elende des Landes sein eigenes Schicksal, und versuchte, die beyden in Fehde begriffenen Brüder zu versöhnen. Sein Bemühen halte den besten Erfolg. Es wurde zwischen beyden ein Comprommiß errichtet , und Siegmund, König von Hungarn, zum Schiedsrichter erwählt. Der Vergleich gieng endlich dahin, daß beyde Brüder die Regierung als gemeinschaftliche Vormünder führen wollen, und daß Oesterreich sowohl ihnen, als dem jungen Herzoge, Alb- recht dem Fünften, den Eid der Treue schwören soll. Nachdem dieses geschehen war, kamen Leopold, Ernst und Friedrich aus Tyrol zu Wien zusammen, theUten die Schätze ihrer Ahnen und Väter mit Albrecht, Albrecht, welchen sie den vierten Theil überließen. Indem Oesterreich durch den bürgerlichen Krieg und die Räuber sehr verheeret worden war, so zeigte sich in kurzer Zeit eine fürchterliche Pest, die besonders in Wien wüthete» weswegen der junge Prinz Alb- recht die Stadt verlassen, und sich auf das Schloß Stahrenberg begeben mußte. Indessen ruhten doch einige Herren nicht, sie wollten sowohl den H-r.og Leopold, als auch Ernst von der Regierung entfernen, und in dieser Absicht legte es Lamprecht von Waldsee mit einem Herrn von Eckartsau darauf an, daß sie den jungen Fürsten in ihre Hände bekamen, und nach Eggenburg führten, woselbst Waldsee ihn in einer ständischen Versammlung zum wirklichen Herrscher Oesterreichs und eigentlichen Landesfürsten ausruffen wollte. Während sie das letzte in Ausführung zu bringen strebten, verschied Leopold plötzlich den g. Juni 1411 ohne nur so viele Zeit zu haben, sich nach dem Gebrauche der katholischen Kirche mit de» letzten Sakramenten versehen lassen zu köuuen. Man setzte seinen entseelten Leichnam ohne alles Gepränge bei St. Stephan bei. Die wahre Ursache seines so gähen HinscheidenS lag eigentlich theils in seinem Körperbau, der sehr dick und fett war, theüs auch in der Beschaffenheit eines Nebels, so er mehrere Jahre an sich hatte. Er war als Jüngling und heranreiseuder Mann ein sehr großer Liebhaber des Armbrustschießens, als er sich demnach einstens in diesem übte, zersprang der 7. ^ . B ,8 Bogen, und verletzte ihn am Schienbeine. Diese Wunde heilte me wieder zu, sondern blieb ein im, merfort flüssiges offenes Gvschwür. Als es ihm endlich zu heftige Schmerzen verursachte, ließ er es zuheilen, obschon es ihm seine Aerzte mißriethen. Nicht lange Zeit war die Wunde geschlossen, so suchte die Natur einen andern Ausfluß, und eine Art eines sehr heftigen BlutsturzeS erstickte ihn. Eberndorfer meynt, der Zorn, in welchen er über die Nachricht von dem Unternehmen Ramprechts von Waldsee gerathen sey, habe diesen veranlaßt, und seinen Tod herbrigrführt. Er mag einigermaßen hierinnen recht haben, daß nämlich die aufbrausende wilde Leidenschaft der Natur einest stärkern Trieb gab, und den Ausbruch der einige Zeit hindurch gehemmten Safte beschleunigte. Wie oft böse Rathgeber und eigennützige Diener an den Höfen der Großen dieser Erde, die Ursache des Unglücks ihrer Herren und ganzer" Länder werden, zeigt die Geschichte dieses Fürsten. Leopold hatte seine Regentschaft als Vormund höchst löblich angefangen, und würde sie eben so rühmlich vollendet haben, hätten nicht habsüchtige Staatsbeamte und Ohrenbläser ihn und seirien Bruder gegen einander ausgewiegelt, und um ihre eigenen selbstsüchtigen Endzwecke durchsehen zu können, das Interesse ihrer Fürsten vorgrschützet, und die Leichtgläubigkeit und das zornige Temperament Leopolds und den Stolz und den Ehrgeiz Trusts ihren Absichten gemäß gereizet und gelenkt. Leopold schien sreygebig, und eben darum machten sich eigennützige Schmeichler an ihn, heuchelten Ergebenheit für seine Person, und verleiteten ihn zü verschiedenen Fehltritten. Ihre Habsucht und ihren Geitz zu befriedigen hatte er niemals Geld genug, und weil er selbst Pracht und Ueberfluß liebte, wurde sein Geldmangel immer größer. Ihnen und sich selbst Genüge zu leisten , sah er sich genöthiget immer neue Geldfordr- rungen an die Stände und das Land zu machen, selbst viele seiner Herrschaften, vorzüglich in den Oberlanden und in Helvetjen zu verpfänden, wodurch die Macht seines Hauses in diesen Gegenden sank. Da er auch zu gleicher Zeit seinen Truppen den gebührenden Sold nicht bezahlte, so mußte er geschehen lassen, daß sie sich selbst zahlhaft machten, und seine eigenen Unterthanen wie Feinde plünderten. Wenn aber.Oesterreich unter ihm viele Drangsalen auszustehen und zu ertragen hatte, so war eS nicht sowohl seine als jener Landstände Schuld, welche ihm aurschließend die vormundschaftliche Regierung überließen, und nachdem sie gesehen hatten, daß er sich nicht nach ihren Absichten fügen wollte, ihm jene wieder aus den Händen zu winden trachteten. Die Stände, die Clerisey, und die obrigkeitlichen Personen in Wien hatten sichs selbst zuzuschreiben, wenn er sie härter als gewöhnlich belegte, und ihren hergebrachten Rechten und erworbenen Frey- heiten manchmal zu nahe trat, denn sie waren die Urheber des brüderlichen Zwistes, und der Unruhen 7. Br 20 im Lande, und so mußte ssie auch die Strafe als Folge treffen, sie hatten den schlafenden Löwen ge- reizet, und er ließ sie seine Stärke fühlen. Hatte er aber die Landesverfaffung, wie sie Vorgaben, mit Füffen getreten, so würde ihm nicht das Volk ergeben gewesen seyn, weil es den Druck seiner Regierung so gut als die Stände gefühlt halten würde. Es scheinet vielmehr, daß er dem Volke zu Gefallen die Stände und die Clrrisey habe im Zaum haben wollen, damit sie ihr Ansehen und ihre Macht nicht gegen das Volk und den Fürsten selbst mißbrauchten, und hierinn muß dtr eigentliche Grund der Unzufriedenheit jener Menschenklaffen mit ferner Regierung gesucht werden. Man findet, wenn man übrigens diesen Fürsten mit seinem Vater vergleichet, daß er die meiste Ähnlichkeit mit ihm hatte. Eben jenes Feuer des Geistes, eben jene Thätigkeit belebte ihn, bevde geriehen mit ihren Brüdern in Streit, hatten Händel und Fehden bis an ihr Ende, waren rasch in ihren Handlungen, beyde überließen sich zu sehr ihren Rathen , bauten zu sehr auf die Treue ihrer Beamten , und erwiesen sich ihnen zu nachsichtig, wodurch sie und ihre Länder unglücklich wurden. Nur darinn wichen sie von einander ab, daß der Vater mehr um die Gunst des Adels und der Geistlichkeit buhlte, dem Sohne aber mehr an der Zuneigung des Volkes gelegen war, und somit weder den Adel nych die Geistlichkeit schonte, wenn er er- 21 bittert war. Leopold der Vater erwarb, Leopold der Sohn hingegen verpfändete manches, was er besah. Jener war tapfer und gutmürhiz, dieser mehr leidenschaftlich, und wie es scheint, weniger beherzt, wenigstens gab er nie einen Beweis einer besvndern Tapferkeit, in zweyen Stücken scheinet er jedoch vor seinen Vater einen Vorzug gehabt zu haben , nämlich in der Popularität und einer Neigung zu den Wissenschaften. Er glaubt« diese ganz vorzüglich befördern zu müssen, weswegen auch die Doktoren der hohen Schule zu Wien eben jene Vorzüge hofften, welche die Könige von Frankreich denen der hohen Schule zu Paris anzedeihen ließen. Der studierenden Jugend begegnete er jederzeit mit ausgezeichneter Herablassung und Freundlichkeit, denn so oft ihm ein studirrnder Jüngling entgegen kam, und ihm die schuldige Ehrenbezeugung erwies?, dankte et ihm freundlich mit Neigung des -Hauptes, oder wohl gar mitAbziehnng seiner Mütze. Diese gefällige Behandlungsart einer Klaffe von Menschen, die den Wissenschaften oblieget, erweckt einen guten Begrif von den Einsichten und Kenntnissen eines Fürsten, der sich so freundlich betrug, denn nur ein Mann, welcher den Nutzen und den wesentlichen Cin^ finß der Wissenschaften auf den Staat genau kennt, weiß sie und diejenigen zu schätzen und zn ehren, welche sich ihnen widmen. Der Dmnmkopf verachtet sie. 22 Cr erhielt den Beinamen des Prächtigen, weil e? auf einem Reichstage zu Frankfurt mit einem so großen , zahlreichen und glänzenden Gefolge erschien, dergleichen keiner der deutschen Fürsten mit sich führte. Er hatte keine Kinder aus seiner Ehe mit Katharina erzeugt. Diese war eine geborne Prinzessin von Burgund, Herzogs Philipps des Kühnen Tochter. Sie begab sich in ihrem Wittibstande nach Elsaß, und als ihr die Einsamkeit zu lästig fiel, vermählte sie sich, ohne Rücksicht auf ihre Heerkunft und ihre wirkliche Würde zu nehmen, mit einem Edlen von Rapoltstein. Kaiser Maximilian -er Zweyte. <*^ie Kaiserstadt Wien war der Geburtsort Maxi, milians. Er erblickte die Welt am i. August^Zr/. Am Hofe seines Vaters bekam er seine erste Erziehung, und Kaspar Velius, auch Ursinius genannt, gab ihm den ersten Unterricht in den schönen Wissenschaften. Velius, ein helldenkender und gründlich gelehrter Mann erfüllte seine hohe Pflicht als Lehrer redlich und treu, und derjenige Prinz entsprach durch seine emsige Verwendung seinen Bemühungen. Nachdem er zum reifen Knabenalter herangewachsen war, mußte er auf Verlangen seines Oheims des Kaisers Karl des Fünften nach Spanien, woselbst er mit seinem Vetter, dem Prinzen Philipp, gemeinschaftliche Erziehung «.Bildung erhielt. Schnell und herrlich entwickelten sich seine Talente, leicht begrif er jede ihm beigebrachte Wissenschaft und Kunst, und machte darinn solche Fortschritte, daß er seinen Detter immer hinter sich zurück ließ, und dadurch zu einer nicht geringen Eifersucht desselben Anlaß gab. Bei jeder seiner Handlungen offenbarte sich Neigung 24 zur Wahrheit, Liebe zur Gerechtigkeit und Massigkeit bei allen Dingen. Sein ruhiges freundliches Wesen verbreitete einen angenehmen Reiz um seine Person, gewann ihm aller Herzen, und riß selbst seinen Oheim zur Bewunderung hin. Geschickt, behend und mit großer Geistesgegenwart verrichtete er jedes Geschäft, und erwarb sich dadurch Karls vollkommenste Zufriedenheit. Diese gab ihm Karl öfters zu erkennen, daß er öffentlich erklärte: ,, Er wollte ihn für seinen eignen Sohn halten, wenn er die so rühmlich angefangene Laufbahn der Tugend fortsetzen, und eben so vollenden werde." Karl hielt Wort, indem er ihm nach einigen Jahren seine älteste Tochter zur Gattin gab, und ihn auf solche Art zu seinen Sohn machte. Karl führte ihn in seinem siebenzrhnten Jahre in die Kriegsschule ein, und er wohnte unter dessen Leitung den Belagerungen von Luxenburg, Brienne und anderen Oertern bei, kam mit ihm nach Deutschland, als der schmalkaldische Krieg ausgebrochen war, kommandirte im Treffen bei Mühlberg zwey tausend Reisige, und legte ganz vorzügliche Beweise seiner Tapferkeit ab. Obschon er noch sehr jung war, so zog ihn doch Karl bei, wenn Kriegsrath gehalten wurde, und Maximilian gab manchmal so gute Anschläge , als sie nur der erfahrenste und einsichtsvollste Kriegsmann geben konnte. Da sich Maximilian in jeder Rücksicht auszeich- nete, so übertrug ihm auch Karl Staatsgeschäfte zu 5 ' besorg««. Er must« in dessen Namen aus den Reichstag zu Augsburg dir erste Sitzung halten, die er mit einer so.kraftvollen und zierlichen Rede eröffnet?, daß alle Anwesende davon hingerissen wurden, und seine Rednertalente nicht genug bewundern konnten. Karl hierüber sehr vergnügt, glaubte nun, daß es Zeit seye, diesen seinen vortrefilichen Neffen näher an sich zu ketten. Mit Einwilligung Ferdinands sandte er ihn itzt wieder nach Spanien, um ihm seine älteste Prinzessin, die Infantin Donna Maria, ehelich anzutrauen, und ihm sodann die Regierung Spaniens zu übertragen, so lange er und sein Kronprinz Philipp abwesend seyn würden. Maximilian trat diese Reise in Begleitung eines ungemein zahlreichen Gefolges an, traf glücklich in Spanien ein, wurde mit allen nur ersiuulichen Feyer- lichkeiten bewillkommt, und hielt sein Deplager zu Madrjt ini zwanzigsten Jahre seines blühenden Alters. Die Hochzeitsseyerlichknten und Ergötzungen waren vorüber, nnd Philipp reiste zu seinem Vater ab. Maximilian regierte jetzt Spanien beinahe drey Jahrelang mit solcher Bescheidenheit und Weisheit, daß er dem hochsinnigen und ernsthaften Spanier eben so angenehm wurde, als er es dem Deutschen war. Während dieser seiner Statthalterschaft begegnete ihm ein sehr seltsames Abentheuer. Er hatte sich im Königreich Granada mit der Jagd belustiget, gerieth dabei in einen sehr dicken und finstern Wald auf Abwege, verlor seine Iagdgesährten, und konnte sie nicht wie der finden. Nach langem Suchen kam er bei der Abenddämmerung auf eine Flur, wo einige Hirten ihr Vieh weideten. Sie hatten ihn kaum ersehen, als sie schon den Schluß machten, er müsse ein reicher und vornehmer Herr seyn, der vieles Geld bei sich habe. Die Habsucht regte sich bei ihnen, sie beschlossen ihn zu berauben und zu erschlagen'. Schnell fielen ihn einige an, aber ihn verließ die Geistesgegenwart nicht, er setzte sich zur Wehre, streckte sogleich drey Räuber zu Boden, und jagte die übrigen in die Flucht. Allein bevor er noch einen Ausweg aus diesem Raubneste finden konnte, erschien ein weit größerer Haufen Bauern und Hirten mit allerhand Mvrdgrwehren, um den Tod ihrer erschlagenen Mitbrüder zu rächen. Eine gewiß höchst gefährliche Lage des Fürsten! er hatte nur zwey Mittel sich heraus zu helfen, -entweder mußte er sich bis aufs äußerste wehren, allein dieß schien ihm unvernünftig und zwecklos, weil der Bauern zu viele war.en, oder er mußte sich ihnen entdecken, und dieses war nicht rathsam, weil die Frevler und Bvsewichter die Strafe von ihm zn fürchten hatten. Er wählte dennoch das letzte, erwartete den auf ihn zustürmenden Haufen mit kaltem Blute, und als er auf ihn zudrang, sprach er mit einer heroischen Stimme : „Haltet ein, ich bin euer Regent! " zugleich riß er sein Wamms auf, und wies ihnen seine Ehrenzeichen. Der Haufen stürzte wie vom Blitz getroffen zu seinen Füssen nieder, und bat um Gnade; er verzieh allen, sie aber führten ihn sicher durch den Wald auf die Heerstraffe, wo er sodann unbeschädigt nach Hanse kam. Einige erzäh« 2 ? len diese Begebenheit mit ganz anderen Umständen» lassen ihn in der Nacht in ein einzelnes Haus ein- krhren, in welchen der Hausherr und seine Familie geblendet vom Geize ihn während des Schlafes zu ermorden sich Vornahmen, nur ein Mädchen erbarmte sich seiner, entdeckte ihm heimlich die Gefahr, er blieb wach, und vereitelte auf diese Weise den Anschlag der Mörder, das Mädchen wurde reichlich belohnt, jene aber bestraft. Da die Geschichte nur Wahrheit erzählen soll, die Angabe der letzter« aber mehr einen Roman, als einer wahren Geschichte ähnlich scheint, so hat billig die erste Erzählung, da sie der Wahrheit gemäßer ist, den Vorzug. Während Maximilian in Spanien die Statthalterswürde bekleidete, warb der Kaiser Karl für seinen Sohn Philipp um Deutschlands Krone, und that alles mögliche, seinen Bruder den römischen König Ferdinand zu bewegen , daß er hiezu seine Einwilligung geben möchte. Aber dieser verstand sich zu nichts, und als Karl immer zudringlicher wurde, sagte er: er müsse deswegen mit «seinem Sohne Maximilian mündlich sprechen, denn ohne diesen könne er sich in nichts rinlaffen. Dieser Ursache wegen wurde Maximilian nach Deutschland zurückgeruffen, und Ferdinand trug ihm das Vorhaben und den Wunsch Karls vor, stellte sich auch geneigt, diesem zu Gefallen die römische Königskrone niederzulegen, aber Maximilian bat 'ihn, dieses nicht zu thun, er für seinen Theil sey nicht gesonnen, das Reich seinem Vetter zu über- 28 lassen, er habe Herz genug, und einen eben so guten Magen wie sein Detter , ein so großes Stück schlucken und verdauen zu können. Er blieb fest auf seiner Verweigerung, und Karl gab sein Vorhaben auf. Da Maximilian, um seine Reise nach Deutsch, land desto ungehinderter fortsetzen zu können, seine Gattin und Kinder in Spanien zurückgrlassen hatte, so ging er bald wieder dahin zurück, nahm sie mit sich nach Dautschland, und brachte bei dieser Gelegenheit einen Elephanten mit, der in ganz Deutschland als eine sehr große Seltenheit bewundert wurde. Höchst erfreut war Ferdinand, seinen Sohn wieder bei sich zu haben, er holte bei allen Regierungsgeschäften seinen Rath ein, und fand an ihm eine hilfreiche Stütze- seines Alters und seiner Regentenwürde. Maximilian arbeitete unermüdet an der Wiederherstellung drr Einigkeit zwischen den Katholiken und den augsburgischen Konfessionsverwand- ten, bemühte sich durch freundschaftlichen Briefwechsel mit einigen vornehmen Häuptern der letzter» sich Zutrauen zu erwerben, um sie desto leichter zur Nachgiebigkeit zu bereden, und pflog auch vertrauten Umgang mit einigen protestantischen Gvtresge- l«l>rten. Allein so rühmlich seine Absicht und sein Zweck war, so wurde er doch verkannt, und die Derlaumdung erklärte ihn für einen geheimen Protestanten. Maximilian wurde noch bei Lebzeiten seines Dakars zum römischen Könige ernannt. Cr hatte also / 29 nun schon zwey Kronen erhalten, allein noch fehlte ihm die von Hungarn, ihm auch diese auszusetzen, war jetzt seines kaiserlich. Vaters vorzüglichste Sorge. Als er demnach von der deutschen Krönung nach Wien zurückgekommen war, schrieb er einen all» gemeinen Reichstag nach Preßburg aus, und setzte den 2O. August zum Krönungstage Maximilians an. Allein an diesem Tage geschah sie nicht, weil die hungarischen Stande noch nicht alle am Krönungsorte eingetroffen waren. Selbst Ferdinand und Maximilian waren noch in Wien geblieben. Es ereigneten sich aber an diesem Tage drey seltsame Dinge-. Maximilian war spatzieren gefahren, und als er heimsnhr und die Pferde sehr schnell liefen, wurde sein Wagen nicht ferne von der Burg umgeworfen, er selbst herausgeschleudert, und am Arm und Fuß leicht verwundet. Von den Stadtmauern am Kärnth-- nerthore, wo man nach Hungarn geht, obschon sie erst neu aufgrbant waren, fielen bei zweyhundert und mehr Schuhe zusammen, und zu Preßburg entstand eine große Feurrsbunst, die in kurzer Zeit mehrere ansehnliche Gebäude in Asche legte. Diese Ereignisse wurden von einigen für das gehalten, was sie waren, natürliche Zufälle, von andern aber als Vorboten wichtiger Begebenheiten angesehen, die sich unter Maximilians Regierung in Hungarn zutragen würden. Maximilian kam übrigens am letzten August in Begleitung von drey tausend Reutern und zwe-tau- go send Mann Fußknechte mit Ferdinand und Karl, seinen Brüdern nach Preßburg, ihm gierigen drey tausend edleHungarn zu Pserde bis gegen Kittsee entgegen, um ihn zu bewillkommen und in Preßburg einzuführen. Unter ihnen befand sich auch Nicolaus Olafi, Erzbischof von Gran, der ihm bei seiner An, kunft eine paffende Rede hielt, die er von dem Bischöfe von Preßburg beantworten ließ. Als man die Stadt erreicht hatte, reihten sich bie^Hungarn in zwey Gliedern zu bryden Seiten, er besichtigte sie, und ertheitte ihnen ihres prächtigen Aufzuges wegen ungemeines Lob. Die deutschen Völker wurden in der Insel der Stadt gegenüber gelagert, die Hungarn aber lagerten sich oberhalb derselben, und dieß geschah um allen Händeln und Zänkereyen vorzubeugen, die unter Leuten von verschiedener Sprache und Sitten ganz leicht hätten entstehen können, wenn sie in einem Lager beisammen gewesen wären. Der Kaiser und König Ferdinand kam selbst einen Tag später als Maximilian, und am zweyten Herbstmonat wurde der Landtag eröffnet. Er war «tkpas stürmisch, aber dessen ungeachtet kam die Krönung am 8. des nämlichen Monats zu Stande. Den nächst darauf folgenden Tag wurde auch seine Gemahlin mit einer eigenen Krone geziert, die althun- garische aber wurde ihr auf die rechte Schulter gesetzt, anzuzeigen, daß sie ihrem Gemahl bei Verwaltung des Reiche an dir Hand gehen solle. Prächtige Gastmale und Ritterspiele endigten dieses Fest. So hatte demnach Maximilian das seltene Glück in Zeit, seist eines Jahres drey Kronen zu erlangen, aber auch das Unglück, im nächsten Jahre seinen isnrgsi geliebten Vater zu verlieren. Nachdeme Ferdinand dieses Zeitliche gesegnet hatte, übernahm also Maximilian das Steuerruder des deutschen Reiches und seiner eigenen Königreiche und Lander. Er hatte sich durch seine offenherzige und sanfte Beredsamkeit, seine Herablassung und Leutseligkeit, seinen freundlichen Umgang, und durch sein angenehmes Wesen die Zuneigung und das Wohlwollen der deutschen und hungarischrn Großen und aller Völker, die seinem Szepter gehorchten, erworben, und strebte nun nach allen Kräften darnach, daß er an Geistes-Größe, Betriebsamkeit und Muth nicht minder als sein Vater scheinen möchte. Die ihm von diesen hinterlassenen Kriegsheere und tapferen Feldherren und Offiziere schmeichelten sich auch, er werde die seinem Vater von den Türken angelegten Fesseln zerreissen, und sogleich den geschlossenen Waffenstillstand aufkünden. Es gab auch sehr viele vortreffliche Generale, welche ihn zum Kriege anspornten , er berief daher die Vornehmsten derselben und auch seine Minister zu einer allgemeinen Berathschlagung wegen Beibehaltung des Friedens oder aber der Aufkündigung deS Waffenstillstandes. Als er nun dieselben um ihre Meinung fragte, so waren sie gar sehr verschieden, einige rit- then zur Haltung des eingegangenen Friedens, wer! 7'-!-s. ^ 1 - ) e Hungarn vhnrdieß sehr geschwächt, der Feiub zu Wasser und Lande sehr mächtig sey, und man ihn nicht neuerdings reizen müsse. Vielmehr solle man fich in die Zeit schicken, dem Sultan die gewöhnlichen und versprochenen Geschenke senden, und den bedungenen Tribut bezahlen, um sich von seiner Wuth zu befreyen. Es sey besser etwas weniges geben, als es auf das ungewisse Kriegsglück ankommrn lassen, wobei immer weit größere Summen auszu- zahlrn seyen. Die Erfahrung habe bisher gezeigt, daß die Kriege mit den Türken immer zum höchsten Schaden des Königreiches Hungarn und fast der ganzen Christenheit gereicht hätten, und allezeit unglücklich geführt worden waren. Man müsse eher alles versuchen, als wieder einen neuen Krieg beginnen. Andere sprachen ganz anders, und besonders Nikolaus Zrini, ein sehr berühmter Feldherr, erlaubte, man soll den Krieg nicht scheuen, denn er sey nothwendig, weil Solimann doch den Frieden nicht halte, durch List oder auch durch offenbare Gewalt sich zu erweitern suche, sich gegen dir Hungarn alle Eewaltthaten erlaube, auf keine gerechte Vorstellungen horche. Cr sey nur durch die Trägheit anderer groß geworden, seine Armeen seyen eben nicht so zahlreich und unüberwindlich, als die Türken und das gemeine Gericht sie machten. Er habe Wien vergeblich belagert, und sey bei einem elenden Städtchen ganz zmückgewvrfen worden, er habe sicd nicht getrauet getrauet die Ankunft des Kaisers Karls des Fünften abzuwarten, sondern sey eilends aus der Steyermark zurückgegangen. Der Kaiser hingegen könne jetzt aus eine Armee von siebenzigtausend streitbaren Männern zählen, und wenn er sich selbst an deren Spitze begeben, und sie ansühren werde, so könne am glücklichen Erfolge des Krieges nicht gezweisrlt werden. Maximilian, nachdem er alles dieses angrhört hatte, wußte eigentlich nicht, was er thun sollte, in, dessen war er mehr zum Frieden als zum Krieg« ge- neigt; er verschob also das ganze auf eine andere Zeit, ließ dem Sultan das Msterbrn seines VaterS und seine Thronbesteigung kund machen, ihn versichern, daß er ihm mit nächsten die Geschenke schicken, und sich zu den geschloffenen Friedensbeding- niffen bequemen wolle. Hierauf erhielt er vom Sultan gleichfalls ein Schreiben, worinn ihm dieser zusicherte, dem abgtsschlvssenen Waffenstillstände gemäß Ruhe zu halten, solchergestalten schien alles beruhigt zu seyn, allein der Frieden wurde plötzlich durch den jungen Fürsten von Siebenbürgen, Johann Siegmund , Sohn des Könkgs Johann Zapolna, unterbrochen, als welcher wider Maximilian sich erhob, und nach der Krone Hungarns seine Armee ausstreckte, denn di« Herrschsucht seines Daters war auch auf ihn übergegangen. Obne sich um die Gerechtigkeit seiner Sache zu bekümmern, fiel er in dir an Siebenbürgen qränzenden Gespannschaften Hungarns ein, verwüstete mit Beihilfe vün Türken 7» C 34 und Tartarn dieselben, und kam bis an die Theiß. Unverzüglich sandte ihm Maximilian seinen berühmten Feldherrn Lazarus Schivendi entgegen, der den feinvseligen Fürsten gar bald zurücktrirb, und ihm einige feste Schlösser wrgnahm. Da Johann Sigmund sah, daß erden Kürzer» ziehen müsse, wenn er sich allein mit dem Kaiser messen sollte, so nahm er nach dem Beispiele seines Vaters seine Zuflucht zu dem grauen Helden Svlj- mann, empfahl sich seinem Schutze, und unterwarf sich und sein Fürstenthum demselben. Solimann verlangte jetzt vom Kaiser, daß er dem siebenbürgi- schen Fürsten alle abgenommene Plätze wieder zurück- stelle», und der Pforte den vom Kaiser Ferdinand als König von Hungarn zugeftandenen Tribut abtragen sollte. Maximilian willigte hiezu «tN, wenn Johann Sigmund ihm die Kriegskosten ersetzen, und die Pforte selbst alle dem Königreiche wider Fug und Recht abgenommrne Ortschaften wieder abtreten würde. So eine Antwort hatte der hoch- sinnige und stolze Sultan nicht erwartet, sie reizte seinen Zorn und seine Rache, er entschloß sich noch in seinem Grrisrnaltrr in eigener Person zu Felde zu ziehen, und dem deutschen Kaiser zu zeigen, was er vermöge. Nachdem Maximilian vernommen hatte, was der türkische Kaiser im Schild führe, machte auch er sich gefaßt ihn zu empfangen. Er sorgte sogleich dafür, daö Raab befestiget, und nnt Proviant und 35 Mannschaft hinlänglich versehen werde, auch sandte er nach Sigrth einiges Kriegsvvlk, und befahl dort rin Lager zu beziehen, weil er ausgekundschaftet hatte, daß Solimann ferne Macht dahin richten werde. Da aber seine eigene Kräfte und sein Vermögen nicht hinreichte, einer solchen Macht, wie die des Sultans war, dir Spitze zu biethen, so schrieb er einen Reichstag nach Augsburg aus, um daselbst zu berathschlagrn, wie man den gemeinschaftlichen Feind zurücktreibrn könne. Er kam dahin, bevor noch ein anderer Fürst erschienen war, welche sich unter allerhand Vorwänden entschuldigten. Die Söhne Johann Friedrichs des Kur irrsten von Sachsen stritten um die Regierung. Philipp, der Landgraf von Hessen, und Christoph, Herzog zn Würtenberg seyerten eine Hochzeit, und konnten darum nicht sogleich erscheinen, und so entschuldigten sich noch andere über ihre Abwesenheit. Es ging wie im Tvangelio bei denen, die zur Hochzeit geladen waren, wovon aber jdder eine Ursache hatte, sich dabei nicht einfinden zu können. Endlich kamen nach und nach die Rrichsstände zusammen, und Maximilian stellte seine Lage vor, führte ihnen zu Grmüthe, daß, wenn sie geschehen ließen, daß dis Residenz Wien und das Land Oesterreich, eine der blühendsten Provinzen Deutschlands, den Türken zur Beute würde, dieses unstreitig ihnen zur Schande gereichen würde, er zweifle aber nicht, sie würden mit vereinigten Kräften sich dahin vereinigen, das Ansehei» des Reichs unbeschädigt zu erhalten, und 7. Cr das Bestreben des gemeinschaftlichen Feindes zu Hintertreiben, weiches, wenn sie es thun würden, er auch sich'S zur Pflicht machen werde » daß er rme solche Wvhlthat, welche zum Besten des ganzen deut« schen Reiches sry, niemals vergessen werde. Nachdem er dieses gesprochen, trug der Herzog von Bayern Albrechr die Punkte vor, über welche die Rrichsvrrsammlung berathschlagrn und entscheiden sollte. Es waren eine Menge Streitigkeiten der Fürsten und Stände des Reichs auszugleichen, auch kamen dir Religivnsgegenstände ins Spiel. Maximilian aber vermied weislich di« Gelegenheit von Re- ligionsgegenständeu zu handeln. Er wollte weder Katholiken noch Protestanten beleidigen, und suchte demnach allem dem auszuwrichen, so zu neuen Zän- kereven Anlaß geben könnte. Die Reichsstände wa- r«n daher auch mir ihm sehr zufrieden, und bewilligten ihm, was sie keinem seiner Vorfahren gethan hatten, vierzig tausend Mann Fußvolk und acht tausend Reuter, welche durch drey Jahre vom Reiche sollten unterhalten werden. Indessen diese Dinge zu Augsburg verhandelt wurden, mußte der Erzherzog Karl auf Befehl seines Bruders die hungarischrn Stände zu Preßburg versammeln, und ihren Beistand wider den Erbfeind verlangen. Der Reichstag daselbst war sehr stürmisch, und die Stände wollten sich zu nichts verstehen, bis der Feind wirklich schon anrückte, worauf sie alles, was er verlangte, zugestandrn, und sich sogar antrugen, daß, wenn der König Maximilian oder 37 «,'nrr seiner erhabenen Brüder die Armee komman- drren würde, der ganze Adel gleichfalls aufsitzen und wider den Erbfeind zu Felde gehen werde. Die Oesierreicher und die Böhmen waren gleichfalls bereit , ihrem Monarchen nach allen ihren Kräfte» brrzuspringen. Bevor Maximilian den Reichstag verließ, wurde noch der Edle von Grumbach, der vor drey Jahren Würzburg geolündrrt hatte, mit seinen Helfern, dem Ernst Mandelsloo und Wilhelm Stein und andern öffentlich in die Reichsacht gelegt. Sre fanden aber Schutz bei dem Herzoge Johann Friedrich von Sachsen Gotha. Nachdem Maximilian vom Reichstage zurückgekvmmen war, eilte er seine eigene Kriegsvölker zusammen zu ziehen, hielt sodann Musterung z» Deutschaltenburg, und führte sie nach Raab, wo er sich lagerte , und die Ankunft der Hilssvölker abwartete. Er wollte nur Vrrtheidigungsweise sich Verhalten, und dir Bewegungen des Feindes beobachten« weil er glaubte, Zeit und Umstände würden die übrigen Maßregeln an die Hand geben. Er hatte erwartet,.daß Svlimann ihn «anfsttchen, und angreifen werde, aber dieser legte sich vor Sigrch, berenn- te und stürmte es, und fand da innen Tod. Maximilian aber hatte die Belagerung nicht ausgewartet, sondern übergab den Befehlshaberstab seinem Bruder dem Erzherzog Ferdinand, und ging nach Wien zurück. Der Tod Solimanns änderte die Lage der Dinge, sein Nachfolger Selim ging mit Maximilian in, nächstfolgenden Jahre auf acht Jahre einen Mas- fenstillstand ein, Kraft -essen ein jeder Theil imBe- sitze seiner Eroberungen bleiben sollte. Dirß war für Maximilian sehr vortheilhaft, weil seine Feldherren manche Eroberung gemacht hatten. Johann Siegmund war aber hiemit nicht zufrieden, er glaubte einige Dortheile in Hungarn erringen zu können, wenn er einige hungarische Magnaten auf seine Seite ziehen könnte, mit deren Hilfe er sich in Qber- hungaru behaupten wollte. Es gelang ihm sein Vorhaben in so weit, daß Stephan Dobuo und Johann Balascha, welche beyde vom König Ferdinand mit Schlössern und Gütern bereichert und zu hohen Ehien befördert worden waren, all dieser Wohltha- trn vergaßen, und entweder von Neuerungssucht oder Habgirrde verblendet seinen Anlockungen Gehör gaben, und sich zu ihm schlugen. Allein noch eher als sie etwas zu seinem Besten unternehmen konnten, wurden ihre geheimen Anschläge entdecket, sie von einem allgemeinen Landtage zu Preßburg des Hochverraths angeklagt, überzeugt und eingekerkert. Allein ans Fürbitten der Stände begnadigte sie Maximilian nicht nur, sondern schenkte ihnen auch ihre Freiheit wieder. Johann Siegmund legte sich jetzt zum Ziele, und suchte um den Frieden an, Maximilian gab ihm diesen unter den vortheilhastesten Bedingungen nur um Ruhe zu erlangen, die er für die Wohlfahrt seiner Staaten höchst nothwendig zu seyn erachtete. Während Maximilian mit den Türken zu thun hatte, stiftete der grächte Grumbach neue Unruhen. 34 Cr wollte besonders den Augenblick benutzen, da Sizeth und Gyula von den Türken eingenommen» und Deutschland in üolrr Lag« war. Er und seine Verschwornrn bezeugten über das Glück des Erdfern- des eine unmäßige Freude, fiengerr jetzt öffentlich an, den Adel wider dasAeich auszuwiegrln, und hinderten die H.lfe, welche dem Kaiser wider seinen Feind bestimmt war; darüber wurde Maximilian höchst aufgebracht, und August der Kurfürst von Sachsen «ährte seinen Zorn. Der Kurfürst von der Pfalz, brr Landgraf von Hessen, und der Herzog von Klevee wollten die Sache vermittelu, und den Herzog Johann Friedrich zu Sachsen Gotha, den Freund und Schützer Grum- bachs zu seiner Pflicht zurückführen. Maximilian ließ stch's Gefallen, weil er Bürgerkriege vom Herzen verabscheute. Allein Johann Friedrich verwarf alle anständigen und billigen Bedingungen, weswegen auch die Reichsacht an ihn vollstreckt werden sollte, wozu der Kurfürst August den Auftrag bekam. Dieser eilte den Anschlag der Drrschwvrnen zu vereiteln, der weit aussehend aber auch rhörjcht war, indem sie damit umgingen, den Johann Friedrich zum Kaiser zu machen, den ganzen Ritterstand der Unterwürfigkeit der Fürsten zu entziehen, und dem ganzen Reiche eine neue Regierungsform zu geben. Johann Friedrich hatte sich zwar um auswärtige Bündnisse umgesehen, besonders unterhandelte er niit dem unruhige» König Erich von Schweden, bat 40 um Beistand bei dem König von Frankreich, und hoffte auch auf den der Königin Elisabeth. Me diese und noch andere schimärische Entwürfe drS Herzogs Johann Friedrich scheiterten auf einmal, denn seine Residenz Gotha wurde nach dreymonatlj- cher Belagerung eingenommen, Grumbach und seine Spießgesellen hingerichtet, er selbst aber gefänglich hinweg nach Wien, und endlich nach Steyer in Oder- vsterreich geführt, wo er auch nach acht und zwanzig Jahren starb. Es legten zwar verschiedene deutsche Reichssür- sten Fürbitte bei ihm ein, und baten um seine Loslassung, aber Maximilian verstand sich nicht hiezu, theils, weil er dem Kurfürsten zu Sachsen versprochen hatte, ohne sein und seiner Erben Dvrwis- fen ihn niemals frey zu lassen, theils auch, weil ihm dir Gesangenhaltung eines so starrsinnigen und unruhigen Kopfes, wie Johann Friedrich war, für Deutschlands Ruhe nöthig schien, denn er gab den Fürsten, die um Johannes Besreyung ansuchteu, zur Antwort: „Er könne ihrer Bitte nicht willfahren, weil es nicht seine persönliche Sache sey, son- „drrn das ganze Reich betreffe, und da sich täglich „neue Verschwörungen anzetteln : so erfordere es „das Interesse des deutschen Staatskörpers, dieje- „nigen, welche neue Unruhen erregen wollen, ver- „dächtig sehen, so lange in Verwahrung zu halten, „bis alle Furcht und aller Verdacht eines Krieges „verschwunden seyn würde." Weit mehr als di« grumbachischen Händel beschäftigte ihn nach gern- '4r rügten, Türkenkriege bas Beste feiner eigenen Länder. Er wollte vor allen Dingen die auf zwey Millionen Goldgulden angewachsrnen Schulden tilgen, und die durch die Religivnsmeinungrn getrennten Eemüther seiner Unterchanen mit einander vereinigen. Dresemnach beschied er die Stände Oesterreichs zu einem Landtage, führte ihnen das Staatsbedürf« niss zu Gemüthe, und suchte um ihre Hilse an, aber die Stande, welche größtentheils zur augsburgischen Cvnseßron sich bekannten, wollten von nichts hören, außer er gestattete ihnen freyeReligionsübung, nur unter dieser Bedingung wollten sie ihm die Staatsschulden tilgest helfen. Sie hatten eben dieses schon beim Ausbruche des Türkrnkriegrs angesucht, erhielten aber damals den Bescheid von ihm: „Er habe sie nicht wegen der Religion nach Wien berufen , sondern daß sie ihren Anth-il zum Kriege beitragen möchten." Sie Venvilligten ihm damals jährlich izLooo Guld. so lange der Türkenkrieg dauern werde, und alles, was er sonst verlangte. Jetzt aber bezeugte er sich gnädiger gegen sie, und bewilligte dem Herren - und Ritterstande: „daß ihre Glieder „in ihren Häusern und Herrschaften sich ihrer Religion frei) und offenbar gebrauchen möchten." Wenn schon Maximilian für seine eigenen Länder vorzüglich sorgte, sv verabsäumte er doch die deutschen Reichsangelegenhriten nicht. Er hielt ei« nen Reichstag zu Speyer, auf welchen wegen der Werbungen deutscher Kriegsleute durch fremde Mächte, wegen besserer Einrichtung und Beschleunigung 4L der Gerechtigkeitspfiege beim Kammergerichte, wegen Wiedererlangung der dem Reiche entzogenen Länder, besonders des dem deutschen Orden durch den Markgrafen von Brandenburg entrissenen Preußens, wegen der hungarischen Gränzplatze und der Schadloshaltung des Kurfürsten Augusts zu Sachsen, in Betreff des Gothaischen Krieges, die besten Maßregeln bestimmt worden. Er war es, welcher dem Reiche die Markgrasschaft Final, welche die Genueser an sich gezogen, wieder verschaffte. Er schlug sogar seine eigenen Vortheile aus, um den Nutzen des Reichs zu befördern. Karl der Neunte, König aus Frankreich, warb M die Hand einer kaiserlichen Prinzessin, und Maximilian gab ibm zur Antwort: „Er harte sich durch „den Antrag des französischen Königs sehr geschmei- „chelt, und sey nicht abgeneigt, in denselben zu „willigen, wenn der König vor allem andern die „Drsthümer Metz, Tvul und Verdüu, diese vorzüglichen Glieder des römischen Reichs, in jenen Zu- „stand zurückstelle, in welchem sie waren, bevor sie „der König Heinrich weggenommen habe, wenn der „König ferner redlich und ohne Verstellung dem „ Bündnisse mit dem türkischen Kaiser öffentlich ent- „fage, und sich mit ihm wider denselben vereinige." Diese Bedingniffe gefielen nicht, und die Heurath verschob sich noch vier Jahre, nach welchen erst Elisabeth mit dem Könige vermählt wurde. Nach dem Beispiele des Herzogs Albrechts des Zweyten oder des Weisen ging all sein Bemühen dahin, dir Strri- * 4Z tigkeiteu unter den Reichsständen in Güte auszu- gieichrn. Auf diese Art legte er den Bruderzwist der Herzoge Albrecht und Ulrich von Meklenburg wegen der Stadt Rostock bei, so vermittelte die Uneinigkeiten zwischen den Söhnen des abgrsrtzten und verstorbenen Kurfürsten Johann Friedrichs von Sachsen wegen der Erbfolge und Regierung von Weimar, so verglich er auch den Grafen von Oldenburg mit dem König von Dannemark und den Herzogen von Hollstein in Rücksicht der Grafschaft Delmenhorst , endlich die Herzoge von Savoyen und Mantua wegen des Besitzes von Montserat. Als in den Niederlanden wegen des Ehrgeizes Wilhelms von Nassau und des Grafen von Egmont eine Gährung entstanden war, und Philipp der Zweyte von Spanien durch den kaltblütigen- und grausamen Herzog Aldo von Toledo die Niederlän, der mit Feuer und Cchwerdt zum Gehorsam zwingen wollte, sandte ihm Maximilian als sein Schwiegervater den Erzherzog Karl zu, um ihm Vorstellungen zu machen, daß er den Herzog von Albo zurückrufrn, und den Weg der Güte versuchen soll, wodurch er gewiß eher, als durch Gewalt seine Absicht erreichen werde. Philipp horchte nicht auf den klugen Rath Maximilians, daher wurde auch dieser gleichgültig gegen ihn, und sah zu, als Wilhelm von Nassau unterstützt von mehreren Fürsten Deutschlands mit einer deutschen Armee in dir Niederlande einrückte, verhielt sich aber dabei so klug, daß Deutschland deswegen in keine Fehde gerieth. 44 Maximilian, da rr eben so frrebeliebend war wie sein Vater, so wollte er sich auch ui kern Verbünd- niß emlassen, nach welchen er den Frieden jemer Unterthanen hätte aufopsern müssen. Man drang in ihm, daß er mit ihm, dem Könige von Spanten und den Venetianern einen Bund wider lir Tinten eingrken soll, allein er wich dem Ansinnen mrt politischer Bescheidenheit aus, hieß alle vvrzebrachten Gründe gut, blieb aber dabei, an dem Bündnisse keinen Theil zu nehmen. Jeder Vorstellung setzte er «ine Menge Schwierigkeiten entgegen, und entschuldigte sich stets damit, daß rr mit der vttvma- nischen Pforte einen Waffenstillstand abgeschlossen habe, und verpflichtet sey, denselben zu halten. Nachdem man aber nicht nachließ, ihn zum Bündnisse auszusordrrn, erklärte er sich dazu geneigt , wenn ihm die Verbündeten Machte vier tausend Neurer, und zwanzig tausend Fußknechte, die zur Hälfte Deutsche seyn sollen, aus ihre K osten stellen wollten. Er sah voraus, daß sie sich hiezu nicht anheischig machen würden, und bekam also Ruhe. Die letzten Jahre seines Lebens war Maximilian fast immer unpäßlich , denn er litt am Herzklopfen, seine Kräften nahmen ab, und noch war keiner seiner Prinzen eigentlich versorgt. Er dachte also jetzt mehr, als jemals darauf, wie er jedem derselben einen standesmassigen Platz anweisen könne. Er ließ daher seine Prinzen Rudolph und Ernst vom spanischen Hof zurückruffrn, und nachdem sie angekom- rnen waren, sagte er einen Landtag nach Preßbnrg 45 an, wohin er sich mit seiner Gemahlin, seinem Bruder, dem Erzherzoge Karl, und seiner ganzen Familie verfügte, indem die Hungarn sich schon vorher hatten vernehmen lassen , daß sie seinen ältesten Prmzen Ruvoiph ihre Krone aufsetzen wollten, welches sie auch jetzt thaten. Nach vier Jahren erhielt Rudolph auch die deutsche Königskrone, und hatte also seine Bestimmung erhalten. Für den zweyten Prinzen, den Erzherzog Ernst, schien sich gleichfalls eine sehr günstige Gelegenheit darzubieten, ihm einen Königsthron erwerben zu können. Der pohlnrsche König Sigmund August, der Letzte der Iagellonen, war gestorben, und eS kam jetzt darauf an, wer den erledigten Thron besteigen solle. Maximilian warb darum für den Erzherzog Ernst, und der päpstliche Legat war sein Geschäftsmann. Dieser war sehr glücklich, gewann eine große Parthey für Oesterreich , und schrieb nun dem Kaiser, was er bereits ausgewirkt habe, und was nun der Kaiser zu thun hätte, wenn er einen erwünschten Ausgang des angefangenen Geschäft- verlange. Vor allen Dingen soll er ihm Geld schicken, um Volk zu werben; dann möchte er selbst mit einiger Reuterey an die Gränzen vorrücken, oder Wenigstenden Erzherzog Ernst dahin senden , Maximilian versprach »hm pünktlich zu folgen, än-rrre aber doch 46 seinen Entschluß auf das Einrathen einiger Schmeichler, die ihn beredeten, die Pohlen würden eine eigene Gesandtschaft an ihn schicken, und ihn bitten, ihnen einen König aus seiner Familie zu geben. Ec ließ sich durch Eigenliebe blenden ihren Worten zu glauben, und stellte sich die Sache so richtig vor, daß, als man ihm die Herrn der ihm entgegengesetzten Parthey nannte, welche alles Eingeleitete leicht vereiteln könnten, er sagte: „Dirß sind Leute, wrl- „che wollen gebeten werden, und die ihren guten „Willen verbergen, um ihre Dienste geltend zu „machen." Aber er irrte sich hierinnen sehr, denn es erschien keine Gesandtschaft. Jetzt schickte er also eigene Vertraute, um mit den polnischen Magnaten zu unterhandeln, diesen folgte eine öffentliche Gesandtschaft nach, allein sowohl diese als jene wurden entweder aufgefangen, oder so lauge mit schönen Worten hingrhalten, bis die Wahl geschehen war, und auf Heinrich, den Bruder des Königs Karl des Neunten von Frankreich fiel. Auf solche Art wurde Maximilians zu große Zuversicht durch List übervor- theilt, und er verfehlte seines Zweckes. Heinrich trug nur zwey Jahre die polnische Krone, denn Karl -er Neunte war gestorben, und er der Erbe seines Thrones geworden, er glaubte aber diesen zu verlieren, wenn er nicht schleunigst nach Frankreich zurückkehrte. Indem er aber besorgte, die Polen möchten ihm deswegen Hindernisse in den Weg legen, so entfloh er heimlich aus Polen, und nahm seinen Weg geradezu nach Wien, von hier aus reisten ihm Mathias und Maximilian, di? kaiserlichen Prinzen, ent- c - ' 47 gegen, um ihn nach seiner Würde zu bewillkommen. Der Kaiser selbst empfieng ihn zwei) Stunden weit vor der Stadt, und begleitete ihn nach der Burg, wo ihn die Kaiserin auf der Treppe begrüßte. Er wurde königlich bewirthet und mit Geschenken beehret. Diese freundschaftliche Aufnahme und Be- wirthung Heinrichs ist eine der schönster. Handlungen Maximilians, denn er schien ganz vergessen zu haben, daß Heinrich es war, welcher seinen Prinzen, den Erzherzog Ernst, vom polnischen Throne verdrängt hatte. Heinrich war jetzt in seiner Gewalt, und einige deutsche Reichsfürsten gaben ihm den Rath, diese Gelegenheit nicht außer Acht zu lassen, und vom Könige die Herausgabe der Bisthümer Toul, Metz und Verdün zu verlangen. Aber er dachte zu edel und groß, als daß er durch so ein niedriges Mittel Länder hätte erringen wollen. Es war beinahe nicht zu zweifeln, daß, wenn Heinrich nicht durch Deutschland seinen Weg genommen hatte, ihn andere deutsche Fürsten würden aufgefangrn haben, aber Maximilian beförderte seine Reise därch Kärnthen und so weiter fort, so, daß derselbe ohne mindesten Anstand nach Frankreich kam. Auch die Polen hatten den Kaiser ersucht, den entwichenen König anzuhalten, und ihnen zu- rückzusenden, aber er antwortete ihnen: „Er wolle „ihm lieber eine goldene Brücke nach Frankreich „bauen," und er that es auch. Heinrich hatte durch seine Entweichung aus Polen auf dieses Reich gleichsam von selbst Verzicht gethan, und den Thron 48 abgegeben. Maximilian glaubte daher jetzt in seinem Gesuche für den Erzherzog Ernst glücklicher zu seyn als das erstemal, und bewarb sich demnach abermals für ihn und die polnische Krone, aber wider alles Vermuthen sah er sich selbst vom größten Lheile der Geistlichkeit und der Magnaren zum polnischen König erkvhren, und nur wenige widersprachen dieser Wahl. Es erschien eine ansehnliche Bvthschaft der polnischen Nation an seinem Hose, und überwachte ihm das Wahldekret mit beigesügter Bitte» sich nach Warschau zu begeben, und das Reich zu übernehme«. Er bat sich Bedenkzeit aus, um die Punkte überlegen zu können, welche er beschwören sollte. Die polnischen Herren stellten ihm vor, daß er durch dieses Zandern seiner eigenen Sache schade, allein er ließ sich nicht irre machen, sondern schrieb an die Reichsvrrsammlung zu Warschau: „Er könne das „deutscheReich nicht verlassen, welches seine beständige Gegenwart erfordere, er schlage ihr aber sei- „nen Sohn, den Erzherzog Ernst, zum König vor, „welcher sich mit der polnischen Königstochter Anna, „der jüngsten Schwester des verstorbenen Königs, „vererehrlichen soll, zugleich ersuche er sie, daß sie „zu seinem Nachthrile nichts unternehmen möchte." Indessen als alles dieses vvrgieng, boten seine Gegner alle ihre Kräfte und Kunstgriffe ans. die geschehen« Wahl umjustvffrn, und brachten es auch dahin, 49 dahin , daß ein Th eil der Nation den Stephan Ba- thori, Fürsten von Siebenbürgen, zum König wählte, der unverzüglich sich riostellte, mit der Prinzessin sich verehelichte, und dadurch zum Besitze des polnischen Throns gelangte, ohne sich darum schlagen zu müssen. Maximilian zog also wieder den Kürzern, nahm sich den Unfall aber nicht sehr zu Herzen, weil er nie Verlangen trug, Polens Krone zu tragen, indem ihr Besitz mit sehr vielen Ungemächlichkeiten verknüpft war. Der Großfürst von Moskau bot sich ihm zum Beistände an, wenn er gesonnen wäre, Polen für sich zu behaupten, allein er dankte ihm für sein Anerbieteti, weil er sah, daß es aus eigennützigen Absichten geschah, indem der Großfürst ihn mit dem Stephan Bathvri in einen Krieg verwickeln wollte, damit er selbst während dieser Fehde Liefland weg- nrhmen könnte. Man kain bei der römischen Kö- tiigswahl Rudolphs üb^ein, einen neuen Reichstag zu Rrgrnsburg zu halten, dieser wurde jetzt um so viel notwendiger, als die Türken sich durch Strri« frreyen in Hungarn neuerdings ankündigten. Da die bestimmte Zeit zum Reichstage heran- rückte, befand sich Maximilian in sehr mißlichen Gesundheitsumständen, denn das Podagra und die Steinschmerzen setzten ihm gewaltig zu, allem dessen ungeachtet machte er sich nach Regensburg aus, und kam bis Straubingen, wo die Schmerzen ihn 7- D 82 dergestalt übernahmen, -aß er einige Tage daselbst nicht aus dem Bette konnte, aber kaum spürte er eine Linderung, als er nach dem Orte seiner Bestimmung abgieng, den Reichstag eröffnet«, und die vorliegenden Geschäfte mit möglichster Sorgfalt zur Zufriedenheit der gefammten Stände zu verhandeln sich bestrebte. Mein er fand sehr vielen Widerspruch und Verdrüßlichkeiten. Diese Kränkungen und rin kalter Trunk, welchen er zur Unzeit machte» erregten seine alten Beschwerden, er bekam sein gewöhnliches Herzklopfen stärker, und erkrankte tödt- lich am Schlüße des Reichstages. Da er, so wie sein Vater, aus die Kunst der Aerzte wenig Zutrauen hatte, so überließ er sich leider einer alten Frau aus Ulm zur Kur, diese brachte ihn durch Kräutertränke in kurzer Zeit dahin, daß er ohne Rettung verloren war. Sein Leibarzt Krato kündigte ihm seinen gefährlichen Zustand an, ec vernahm dieß ohne sich darüber zu entsetzen, und schicke sich an zur Sterbestunde. Er schloß in den Armen seiner Gemahlin die ihm mit der zärtlichsten Liebe abwartete, seine jrrdische Laufbahn in Beyseyn aller deutschen Fürsten am ir. Wrinmvnat 1576. in einem Alter von 50 Jahren, da er Deutschlands Szepter ir Jahre rühmlich geführt; allen seinen Zeitgenossen eine große Sehnsucht nach sich, der Nachwelt hingegen ein großes Beispiel eines vortrefflichen Regenten hin- terlassen hatte. . 5r Wenn der Satz der Aerzte richtig wäre: daß ein nüchternes und mäßiges Leben zu einen hohen Al^ ter führe, so hätte Maximilian unstreitig ein höheres Lebensziel erreichen muffen, denn er war in seinem Zeitalter rin wahres Beispiel der Mäßigkeit« Er ahmte in diesem Stücke seinem Vater nach, mit welchem er in maucherley Rücksicht sehr viel ähnliches hatte. Er war eben so herzlich gut, sanstmü- thig, gerecht, thätig und arbeitsam, wie jener, nur war er nicht ganz so weich und nachgiebig in seinem Karakter, und benxeß weit mehr Standhaftigkeit , und Energie bei Verhandlungen, wo diese Eigenschaften erfordert wurden. Beyde waren Freunde des Friedens, und gleichwie jener den Religionskrieg durch seine Verwendung endigte, so kam dieser durch seine kluge Thatigkeit jedem Ausbruche eines Krieges der Fürsten in Deutschland zu vor. Keiner von beyden war kriegerisch, obgleich ein jeder einen Feldzug in Hungarn gemacht hatte, beyde suchten uur durch Unterhandlungen mit der ottomanischen Pforte den Frieden zu erhalten, und sie waren hierinn glücklich. Beyde beförderten sowohl in ihren eigenen Staaten , als auch in Deutschland jene Wissenschaften, welche sie zum Besten der Religion zu seyn erachteten, darinn aber hatte Maximilian einen Vorzug vor seinem Vater, daß er mehrere Sprachen zierlich sprechen und schreiben , und mit den verschiedenen Völkern seiner Länder reden konnte, ohne Dollmetsch. Endlich hatten bry'- 52 de auch das gemeinschaftlich, daß sie eine glückliche Ehe genossen, und Väter einer zahlreichen Familie geworden waren. Uebrrhaupt aber schien Maximilian glücklicher darinn zu sryn, daß er nicht wie sein Vater mit dem Schwrrdte in der Hand eines seiner unterwürfigen Völker wegen eines Aufruhres zum Gehorsame zwingen, und strafen mußte. Die Böh- weu rühmten ihn auch ganz vorzüglich, und empfahlen ihn den Polen zuin König, „denn" sagten sie, „unser Böhmen wird von ihm wie von einem „Vater regiert, unsere Vorrechte, Gesetze, Frryhei- „ten und Gewohnheiten werden von ihm geschützt, „ er führt kerne Neuerungen ein, sondern läßt alles „unverändert bei seiner Kraft. Wenn er der großen „Kosten wegen, dir er zur Drrtheidigung der Chri- „ stenhrit verwendet, ungewöhnliche Steuern, und „Auflagen ausschreibrn muß, so geschieht alles die- „ses ohne Gewalt, ohne Ueberredungskünste mit „ Ernverständnrß der Stände. Und, was endlich „beinahe ein Wunder heissen könnte, ist seine große „Klugheit, und Unpartheylichkeit, womit er allen so „vielen und verschiedenen Glaubensgenossen begegnet, und sie in Eintracht erhält. Die Gerechtigkeit „ wird einem jeden nach den Gesetzen geleistet, und dieser Gütigste der Kaiser hört den Aermsten und Geringsten seiner Unterthanen selbst an, nimmt seine „Bittschrift auf, und läßt ihm Gerechtigkeit wiederfah- „ reu." Was die Böhmen hier von ihm rühmten, konnten alle übrigen Unterthanen seiner Reiche von ihm sagen , nur muß noch von seiner unermüdrtenThätig- krit in Besorgung der Regierungsgrschäfte hiebei Erwähnung geschehen, diese war so groß, daß sein Reichsvizekanzler, Doktor Weber, von ihm sagte: „Wenn der Herr ein Sekretarius sollte geworden „ seyn, so hätte er allein den Schreibern eine Schand „angetan, bei ihm fand sich Klugheit und Fürsich- „tigkeit m allen Verrichtungen, seine Räthe seyen nur „Schüler gegen ihn, er wisse mehr, dann sie alle. Bei „ Beratschlagungen höre er einen jeden seiner Ra- ,, the insbesondere an, und dann beschließe er mit ,,den Worten: also will ich es haben." Sr konnte auch dieses verlangen, denn seine ungemein große Klugheit und sein Scharfsinn zeigten chm jederzeit, die Gegenstände im richtigen Gesichtspunkte. Ec unternahm nrchts vermessentlich , leidenschaitlich oder gewalttätig, sondern that alles sehr vorsichtig, gelassen, und mit der größten Aufmerksamkeit. In seinem Privatumgange war er liebreich, herablassend, gab jedermann gerne Bescheid, und erzeigte sich allen hold, die ihm nahe kamen. Er ehrte und unterstützte Gelehrte und Künstler, und große Mahler und Bildhauer nahmen besonders Theil an seinen Wählten. Es befanden sich daher auch an semem Hose nach dem Zeugnisse des Pallavizini mehr Gelehrte in jedem Fache der Wissenschaft als an allen Hosen anderer Fürsten seiner Zeit. Vor allen Drngen befliß sich Maximilian der Ordnung, und beobachtete eine bestimmte Zeit bei allen seinen Geschäften. Erstand zur festgesetzten Zeit auf, verrichtete sein Gebet und seine Geschäfte, und gieug davn zur Tafel, die im- L4 mer sehr mäßig bestellt war. Nach geendigter Mahlzeit blieb er meistenthrils noch eine zritlang sitzen, oder am Tische stehen, und gab jedermann ohne Unterschied des Ranges oder Standes freyrn Zutritt zu sich. Jeder durfte ihm seine Bitte und fern Anliegen vortragen, und nicht selten entschied er darüber auf der Stelle. Hatte er nichts mehr zu thun, so ruhte er entweder ein rvenig aus, oder gieng in einen Garten spatzicren. Bevor er zur Abendrafel saß, hielt er mnstenthests Beratschlagungen über die Regierungsgeschaste, oder aber ließ sich die aus- grfrrtigten Befehle und Dekrete vorlesen, um sie unterschreiben zu können. Da er täglich einige Zeit dem Gebete und geistlichen Betrachtungen widmete, so schrieb er bei dieser Gelegenheit manchmal einige merkwürdige Sprüche aus der heiligen Schrift oder der Moral auf einen Lisch hin, um sich derselben des Tages hindurch öfters zu erinnern. Diesen Tisch erbte sein Leibarzt Kratv, und zeichnete einige ausgeschriebene Sprüche äuf, die er der Nachwelt anjbewahrte , dergleichen sind: „Wenn Gott für uns ist, wer ist wider uns?" „Wenn wir Gutes von der Hand Gottes empfangen, warum sollen wir nicht auch das Ueble von ihm annehmen?" Höre, steh, und schweig, wenn du in Ruhe leben willst." „Wenn du alles verlrereft, so trachte doch deinen guten Leumund zu erhalten." „Menu man den Lebenswandel der Menschen betrachtet, und hört, wie jeder den andern tadelt, so ist kein Mensch ohne Fehler." 55 Sonst pflegte er auch öfters zu sagen: „diejenigen seyen Thoren, die ihre eigene Sache verwahrlosen, oder ihre Geschäfte ungeschickt führen, und sodann die Schuld entweder Gott oder dem Schicksale beimeffen, und mit diesen hadern; aufgrschoben sey nicht aufgehoben." Er war stündlich zur Abreise aus dieser Welt bereitet. Es hatte ihm einer seiner Räthe, der sehr vieles auf die Zahl sieben hielt, zu seinem siebenmal siebenten Geburtstag Glück gewünscht, weil er dieses Stufenjahr des menschlichen Lebens glücklich erreicht habe; er aber erwiederte ihm: „Jedes Jahr ist dem Menschen ein Stufrnjahr, und ich halte mich in jedem reif zum Sterben." Man erzählt von ihm, er habe beständig einen Todtenschädel bei sich gehabt, um sich seiner Sterblichkeit zu erinnern, diesen habe er auch auf allen seinen Reisen mitgenommen, und in einer verschlossenen Küste auf einem Pferde, das vor ihm hergeritten wurde, mitgeführt, um ihn stets im Gesichte zu haben, und keiner seiner Hoshrrren oder Diener habe jemals erfahren, was in der Küste verborgen sey, und auch niemals gewußt, warum er sie immer vor sich herführen ließ. Maximilian war seiner Gattin sehr zugethan, er ehrte und liebte sie als die Gefährtin seines Lebens und Mutter von sechzehn Kindern. Mit scharfen Blicken beobachtete er seine Familie, hielt sie in guter Zucht, und lehrte sie wahre Gottesfurcht und 56 Tugend durch Worte und That. Und endlich m Kürze von Maximilian alles zu sagen, so war ec das Muster aller Regenten seines Zeitalters und seines HoseS, dieser aber war die Schule der Freiheit, des Wohlstandes und der guten Lebensart. Heinrich der Dritte von Frankreich sagte von unserm Monarchen : „Cr sey der einzige Fürst, welchem er zu glei- „chen wünschte, und der ihm aus allen am besten «gefiel." Von seiner zahlreichen Familie starben die Prinzen Ferdinand, Friedrich und Karl in der Wiege, so auch die Prinzessin Maria Leonora, bevor sie vogtbar war, und Wenzel als ein hoffnungsvoller Prinz von sechzehn Jahren. Margareta wurde ein? Nonne, Elisabeth die Gattin Karls des Neunten von Frankreich, und Anna die des Königs Philipp des Aweyteu in Spanien. Rudolph der Fünfte, Ernst der Zweyte, Matthias, Maximilian der Dritte, und Albrrcht der Siebente überlebten ihn, und gelangten zu reifen Jahren. » Otto / Herzog von Braunschweig, Fürst von Tarent. ^ie wahrscheinlichste Meynung ist, daß dieser Prinz jm Jahr IZ2O. geboren wurde. Andere geben irrig 1307. zum Jahre seiner Geburt an. Seine Erziehung wurde nicht verabsäumt, besonders die Bildung zum künftigen Helden, welche er sobald erhielt, und sein Genie so frühzeitig zur Reffe brachte , daß er in jungen Jahren schon den Ruhm der Waffen erlangte. Sein Vater unternahm im Jahr rz27. eine Reise durch Italien, und Griechenland hach Jerusalem und den Berg Sinai, worauf er. beinahe fünf Jahre verwandte. Eine Wallfahrt war damals der höchste Grad des Glaubens. Ohne weitere Nachricht von den Umständen seines Lebens /erscheint Otto im.Jahr 1ZZ9. in der Geschichte von Italien, und spielt in diesem Lande eine glänzende Rolle. Hier finden wir sein Leben in beständiger ruhmreicher Beschäftigung. 58 U Otto war etst sieben Jahre alt, ober welches mir wahrscheinlicher dünket, girng der junge muntere Prinz selbst nach Italien, da sein Mnth im Vaterlande keine Nahrung fand, um in fremden Granzen Lorbeer« zu suchen. Vielleicht begleitete er den König von Böhmen, Johannes, auf seinem letzten Feldzüge nach Italien, und blieb nachher daselbst. Vielleicht hörte er von dem verwirken Zustande Italiens, und sah bald rin, daß diese Gelegenheit der Eingang in die Lausbahn seines Ruhmes seyn könnte. Man möchte ungeduldig werden, wenn wir noch mehrmals ein vielleicht hinzu setzten, und es ist auch nicht nöchig. In denen Jahren, in welchen Otto nach Italien gegangen seyn muß, hielten sich verschiedene deutsche Helden daselbst auf, und standen bald dieser, bald jener Parthey bei. Italien konnte in diesem Jahrhunderte in Absicht seiner Schicksale ein seltsames Land heissen. Der meiste Theil der Nation der Welt machte Ansprüche darauf: der Pabst, der Kaiser, Böhmen, Hungarn, Frankreich, Cingeborue von Italien und auswärtige Prinzen strebten darnach. Im Lande selbst war ein Gewimmel von Kriegern, und der leichte Sinn der Italiener gab Gehorsam, und versagte ihn, diente und widerstrebte, nachdem es der Eigennutz wollte. Fast wußten die meisten Städte nicht, wer ihr Herr sey. Wer sie am ersten geplündert hatte, der war rs so lange bis sie ein neuer wieder plünderte. Der'Auf- ruhr und fortwährende Kriege verwüsteten dieses schönste der Länder EuropenS, indeß einzelne Personen reich und groß wurden. D-.e edelste Größe, den Ruhm eines gerechten Mn- thes mw der Beschützung, erwarb sich unter diesen Unruhen d.r Herzog Otto. Er befand sich in den Twnsten des Markgrafen von Montferat. Die Ge- scdrchrsieü'rc nennen hier seinen Namen zuerst, ohne das -an die Umstände, wie er zu dem Markgrafen gekommen sey, erfahrt; sie nennen ihn einen Jüngling, und es scheint also, daß dies; die erste Probe semes Muthes gewesen sey, welche sic erzählen. Der Markgraf von Montferat führte an seinen Gränzen einen beschwerlichen Krieg. Er belagerte ern Schloß, Calnsennn. Hier wollte der junge Otto s'-rne Tapferkeit zeigen, und rhat es allen zuvor,» indem er aber beim Einbrüche in das Schloß andern zuvor fechten wollte, wurde er verwundet, so, daß er in Gefahr des Lebens gerieth. Der Markgraf wollte seinen jungen Helden svgleich belohnen, und übergab ihm die Aussicht und die Beschützung des Schlosses. Dieses Amt schien er verschiedene Jahre ruhig verwaltet zu haben, wenn wir nach dem Stillschweigen der Geschichte nrthcilen wollten. Indessen hatte sich die Königin von Neapel, Johanna, eine Frau, die wir noch weiterhin sehr weitläufig werden kennen lernen, zu einem Kriege wider den Markgrafen von Montferat, um den Gvel- phrn beijustehen, bewegen lassen. Sir schickte 6o ein zahlreiches Heer unter den Befehlen eines Rem fortia Dago gegen den Markgrafen, welcher die Dar- they der Gibeliinen hielt. Die Feinde belagerten nnd eroberten das feste Schieß Gamenarie. Ihre 2lnzahl war fürchterlich. Der Herzog Otto rieth dem Markgrafen, mit dem Feinde zu schlagen, und durch die öfters wiederholte Ermahnung: „Besiege doch den Feind» besiege doch den Feind," brachte ^r es endlich dahin, daß eine Schlacht gewagt wurde. Otto selbst föchte an der Seite des Markgrafen mit unüberwindlicher Herzhaftigkeit, und trug das meiste dazu bei, daß die Feinde die Flucht ergriffen. Diese Schlacht unterscheidet sich von andern sehr wichtig, wenn die Nachricht verschiedener Schriftsteller ge- gründet ist, daß auf dreißig tausend Mann geblieben sind. Der Anführer der Feinde wurde selbst gelobtet, und im Nachiagen der Flüchtigen eine unzählige Menge niedergrmacht, das Schloß Gamenario wieder erobert, und der Krieg gedampft. Bei diesen Vorfällen hatte sich der Herzog Otto die. Gunst des Markgrafen ganz eigen gemacht; er war ohnehin ein Vetter von ihm, und nun wurde er sein vertrauterFrrnnd und erster Rathgeber. Erbegleitete den Markgrafen allenthalben , und in den Urkunden steht sein Namen den Vornehmsten des Landes voran. Cr war bei der Belehnung einiger Güter von Saluzzö gegenwärtig, ingleichen als sich einige Städte mit ihren Bezirken der Herrschaft des 6r Markgrafen übergaben Vorsichtigkeit, und Klugheit mit Murh und hitziger Tapferkeit verbunden, macht einen so vollkommenen und seltnen Karakter, daß er sich allgemeine Verehrung und Liebe erwerben muß, einen solchen Karakter hatte Otto. Bei denen flüchtigen, unbeständigen Italienern war die deutsche Standhaftigkeit ein Wunder, und jemehr sie nun der deutsche Prinz zum Dortheile seines Freunde«, des Markgrafen zeigte, destvmrhr befestigte er sich Achtung und Freundschaft. Die angenehme Bildung seines Körpers und ein freundliches Gesicht machte ihn allenthalben beliebt. Dir erhabenen Eigenschaften seines Geistes verrie- then sich bei politischen Vorfällen, wo man ihn immer glücklich um Rath fragte. Er besaß Feinheit der Beurkheilungskraft und Feuer des Muthrs. Otto blieb einige Jahre in diesem Ruhme, und angenehmen Zustande. Er unterstützte den Markgrafen von Montferat mit seinen Rathschlägen, und nahm an der Regierung Antheil. Man verlangt zu viel, wenn man nähere Umstände davon sucht. Das Verdienst des Staatsmannes ist öfters größer als dasjenige des Siegers, allein seine Natur erfordert eine Stille» und wird daher weniger bekannt. Der große Feldherr wird vom öffentlichen Geräusche begleitet, der große Minister von einer geheimen Verschwiegenheit. Wenn beyde gleich groß sind, so kennt man diesen kaum, wenn man schon isnen vergöttert. Der große Geist im Kabinete sieht seine wohlthätigen Eigen- 6r schäften von dankenden Thränen des Volkes genug belohnt, da hingegen der Krieger sich dafür durch rauschendes Lob schadlos hält, und die Geschichte zu feinet Freundin macht, aus diesen Gründen findet man den Helden in der Geschichte immer den andern großen Geistern zuvorgianzen. Otto war beydes, allein da Montferat seiner Begierde, sich in denWas- fen zu zeigen, nicht Gelegenheit genug gab, so suchte er einen andern Schauplatz. Cs war einem Fürsten anständiger, ein Feldherr als Staatsmann zu seyn. Die erste Kunst eines Fürsten ist beständig die Kriegskunst, die zweyte Staatsklngheit, und ein vollkommener Fürst verdient die dritte Kunst damit, Wissenschaften, und Wirkungen eines durch Gelehrsamkeit aufgeklärten Verstandes. In diesen Zeiten hatte Frankreich die beschwerlichsten Kriege mit England zu führen, und wenn auch einmal ein Stillstand war, so machten doch beyde Nationen dieses nur zu einer Quelle von neuen Zurüstungen. Otto trat bei diesen Umstanden, in die Dienste des Königs von Frankreich, und begab sich im Jahr izZ2. zu ihm. Hier hätte er vielleicht sein Leben durch seinen Muth in einen Zweykampf verlieren können, wenn ihn nicht die Umstände beschützt hätten. Der Herzog von Lankaster, ein evangelischer Prinz vom Geblüte, ein tapferer, muthiger Herr untexnahm einen Feldzug nach Preußen, gegen die Heiden. In diesem Jahrhunderte waren die Kreutzzüge nach Preußen gewöhnlich worden, und an die 6Z Stelle der Kreutzzüge nach dem gelobten Lande, der Fanatismus der vorhergehenden drey Jahrhunderte getretten. Der Herzog von Lankaster trat diesen Feldzug izZi. an, in Begleitung von 500 vornehmen Rittern. Er sandte 400 Ritter voran, welche aber von westphäUschen Grafen und Edrllruten , nach der damals gewöhnlichen Strassenraubrrey , angegriffen und gefangen wurden. Der Herzog muhte sich mit Geld auslösen. Als er zu Kölln angrkommen war, bekam er die Nachricht, daß der Herzog vonVraun- schweig, Otto, s jrnige, welcher ausgefordert worden war, oder die von ihm dazu Bestellte« hoben alsdenn das hingeworfene Pfand auf, und nahmen dadurch de» Zweykamps an. Die Bevollmächtigten des Herzogs von Lankaster wollten aber das Pfand nicht aufnrh- men, weil es ihnen ihr Herr verboten , da er drit Aweykamps persönlich aussühkrn wollte. Der König von Frankreich fetzte hierauf einen Termin, an welchem die Bevollmächtigten des Herzogs von Lankaster wieder erscheinen, und nicht allein das Pfand nunmehr annehmen, sondern auch dein Herzoge vvtt E 66 Braunschweig ein Pfand juwarfen. Dieser ivosste es anfangs nicht annehmen, weil er nicht der Kläger wäre, bis ihn der König von Frankreich dazu bewog. Man setzte hierauf den 4ten Dezember zu dem Tage an, wo der Zweykamps, und zwar bei Paris, gehalten werden sollte. Der Herzog von Lan- kasier ließ sich nun eine förmliche Erlaubniß zu diesem Duell von seinem Könige geben, und gieng in Begleitung eines Grafen und sechzig bewaffneten Zuttern nach Frankreich, wo er mit vielen Ehrenbezeugungen ausgenommen wurde. Der König von Navarra und der Dauphin gaben sich viele Mühe, beyde Theile zu vergleichen, allein es war vergeblich. An dem bestimmten Tage erschienen beyde Herzoge, völlig zum Streite gerüstet, in den Schranken, aber der König von Frankreich legte sich hier ins Mittel, und brachte es endlich dahin, daß die ganze Sache seinem'Ausspruche überlassen wurde. Er entschied die Streitigkeit so, daß er beyde Herzoge versöhnte, und den Zweykamps aufhvb, weil die Nachricht, welche der Herzog 'wn Lankaster von dem Herzoge Otto gehöret hatte, ungegründet war, und also auch die deßwegen vorgefallenen Beleidigungen für ungültig erkläret werden wußten. Man muß dem Lobspruche beistimmen, welchen Leibnitz dem Könige von Frankreich dabei giebt. Der König zeigte einen wahren Edelmuth, da er dem vornehmsten Helden seines Feindes, des Königs von England, von der Gefahr seines Lebens brfrevte. S,in Lob wird desto größer, -a er, der König selbst 6 / dabei empfindlich beleidiget war, weil man alle«, war man dem Herzoge von Lraunschweig verwarf» seinem Anstiften zuschrieb. Man erzählt, daß dieser Prinz nach dieser Begebenheit die Wittwe de« König« Jakob von Mojvika Jolanda'geheurathet, und derselben im folgenden Jahre die tausend Pfund zum Wittwengrlde vermacht habe, welche der König von Frankreich ihm für die gegen England zu leistenden Kriegsdienste versprochen hatte. In französischen Schriften findet man den Namen de« Herzogs Otro von Braunschweig unter den Vornehmsten, welche sich zum Dienste gegen England verpflichteten. Allein die Vermählung mit der Königin Jolanda bleibt dennoch zu dunkel, um mit Gewißheit hier erzählt zu werden. Kritische Untersuchungen aber, au« welchen zuletzt Vermuthungen entstehen würden, hätten hier in einer Biographie, wo man interessante Erzählungen, und nicht zweifelhafte Muthmaffungrn verlangt, einen unschicklichen Platz. Eine andere Gelegenheit, den Leser zu unterhalten, würde un« die angebliche Rückkunft de« Herzog« in seine väterlichen Lande verschaffen. Er soll mit Pomp zurückgekehrt feyn, und die Beschreibung davon ist weitläufig, sie würde vielleicht auch hier artgeuehm, aber zugleich romanhaft seyn. ES ist schon von andern gezeigt worden, daß Herzog Otto nie wieder in sein Vaterland zurückgrkehrt 7. E 2 L8 fey, nachdem er es einmal verlassen hatte. Otto hielt sich auch in Frankreich nicht lange aus, sondern folgte einer neuern schunmernden Aussicht, er gieng aus diesem Lande, um in Italien Ehre zu suchen. Dort zeigte sich ein neuer Auftritt. Der Kaiser Karl der Vierte kam im Jahr 1354. nach Italien, um sich von einem Legaten des Pabstes zum Kaiser in Rom nach der damaligen Gewohnheit krönen zu lassen. Man erwartete von der Gegenwart eines Kaisers in Italien viele Veränderungen. Dir vornehmsten Fürsten dieses Landes hatten sich entweder für ihn, oder gegen ihn verbunden. Otto begab sich zu denjenigen, welche den Kaiser persönlich begleiteten. Er rrschrack vielleicht nicht wenig, als er bei dem Kaiser hundert Mann, anstatt eines großen Heeres, antraf. Inzwischen begleitete er den Kaiser dennoch, bei dem sich nunmehr täglich neue Fürsten, Ritter, und Volk einfanden, so, daß einige tausend Mann nunmehr die Bedeckung des Kaisers ausmachten. Unter ihnen war auch der Markgraf von Montserat, der vorige Freund unsers Herzogs. Beyde verneueten ihre Freundschaft, und beyde begleiteten den Kaiser nach Rom, wo er am Ostertage 1355. seyrrlich gekrönt wurde, aber ganz in der Stille» noch den selbigen Tag Rom verließ. Herzog Otto, überließ sich ganz seinem vorigen Freunde, dem Markgrafen Johann von Montserat. Dieser sah seine Freundschaft durch so viele Dienste belohnt, daß durch wechselseitige Neigung beyde Prinzen, der Markgraf und Herzog, mit einander auf das zärtlichste verbunden, und nur durch den Tod des Markgrafen getrennt werden. Beyde hatten sehr gleich gestimmte Seelen, der Markgraf war kühn, kriegerisch, rechtschasien und doch listig, dabet ein Liebhaber der Grvsmuth. Er freute sich, an dem Herzoge von Braunschweig einen so ähnlichen Drinzen zu finden, um destomehr, je weniger immer Männer von Genie Freunde finden, wie sie sie suchen, denn sie suchen immer die Seltenheiten ihres gleichen. Bald nach der Rückkehr des Kaisers suchte der kriegerische Geist deS Markgrafen für sich und seinen Freund Beschäftigung. Die sogenannte Diskonti, besonders der Diskonti Galeazzv, Beherr, scher von Mayland erweiterte mit Ueoermuth allent-, halben herum seine Herrschaft. Die Eifersucht des Markgrafen erregte ihm, so viel nur möglich war, Hindernisse. AuS dieser Quelle entstand eine Streitigkeit über daS Gebiet um Asti. Die Einwohner selbst waren zum Mißvergnügen geneigt, weil sie ihre Freiheiten nicht, wie sie glaubten, erhielten. Sie ladeten den Markgrafen von MvntferaL ein, zu ihnen zu kommen, und trugen ihm die Herrschaft über sich ans. Dieser schrieb an den DiSk»nti Galeazzv, und machte ihm seine neue Herrschaft bekannt. Der Krieg brach sogleich auS. Galeazzv verstärkte seine Besatzung zu Asti, I»* Hann und Otto belagerten die Stadt. Bei innerlicher Empörung ist kein heftiger Widerstand. Der Markgraf drang in Asti ein, und vermehrte dadurch seine Staaten mit einem neuen Gebiete. Mit dem Diskonti Galeazzo wurde der Krieg hierauf fortgesetzt. Der tapfere Johann und Otto nahm die Stadt Alba noch weg, bewog Cyerasko, Chicri, und alle Oerter in Piemont zu einer Empörung, und schloß am Ende des Jahres 1356. mit dem Grasen Amadeus von Savoyen ein Bündniß. Herzog Otto machte sich in den daraus erfolgten Feldzügen berühmt, und die Lobsprüche von ihm verbreiteten sich allenthalben. Es ist zu beklagen, daß die Schriftsteller dieser Zeiten in Bemerkung der persönlichen Verdienste so nachlaßig sind, und nur immer im Allgemeinen erzählen. Aber es ist gewiß, daß Otco die größten Thaten in diesem beschwerlichen und wilden Kriege verrichtete. Er führte zwey tausend Deutsche, welche unter den Befehlen des Grafen Candi standen, dem Markgrafen von Mont- srrat zu. Indessen war Pavia, worüber Johann vom Kaiser zum Vikar ernannt war, und in welcher Stadt er Soldaten hatte, von den Diskonten belagert , die Einwohner aber vertheidigten sich heftig. So hielt sich Pavia, bis der Markgraf Johann durch den Herzog Otto Hilfe schickte, worauf in einem tumelvollen Ausfall aus der Sradt die Feinde ganz hinweggrschlagen wurden. Der Markgraf Johann nahm die Stadt Navarra ein, Genua empörte sich wider die Diskonten, und der neue Doge machte rin Bündniß mit dem Markgrafen. Es verbanden sich hierauf noch viele andere Fürsten gegen die so mächtigen Diskonten. Diese hingegen, ob sie gleich oft ins Gedränge getrieben wurden, und Treffen und Städte verloren, wußten sich dennoch beständig so zu erhalten, daß sie unüberwunden blieben. Wenn wir die Weitläufigkeiten liebten, könnten wir hier sehr leicht einige Seiten von diesem Kriege sortschwätzen, ohne dock von dem Helden, dessen Leben wir beschreiben, etwas gewisses sagen zu können. So ungerecht ist aber die Geschichte nicht gewesen, ihn ganz zu vergessen, sie giebt ihm das Lob, daß er in diesen Unternehmungen, Feldzügen und Eroberungen die Tapferkeit mit der Klugheit, und kriegerische Hitze mit Großmuth in einer seltenen Vereinigung gezeigt habe. Indem noch der Krieg zwischen dem Markgrafen von Montferat und dem Diskonten Galeazzo lebhafter als jemals fortgesetzt wurde, dachte man an einen Frieden, wozu sich beyde Theile geneigt fanden» Otto übernahm den Auftrag, wegen des Friedens Unterhandlungen zu pflegen, beim er zog die öffentliche Glückseligkeit seinem Ruhme vor, in dieser Absicht begab er sich an die Gränze» und unterließ keine Sorgfalt. Er hoffte einen vortheilhaften Frieden zu Stand« zu bringen , weil der Markgraf von Mvnt- ferat einen starken Zuwachs seiner Macht durch die sogenannt« englische Kompagnie, welche ein Hauptmann, Albert, und er selbst, Prinz Otto , kvmman- dirte, erhalten hatte. Die Hoffnung aber ward unerfüllt, und die Friedensunterhandlungen fruchtlos» Man fieng die Feindseligkeiten mit dem Anfänge deS Jahres iz6z. von neuem an, und besonders brach 72 hie englische Kompagnie schon im ILner in das May- ländische ern, nahm Mazenta und Korbetta weg, und rückte endlich bis § Meilen vor Mayland vor, hier schlug sie einen entgegen kommenden Hausen, nahm viele Edle gefangen , und gieng hieraus zurück, da sie zu großen Eroberungen zu schwach war. Einige Zeit darauf schlug dieses Heer den berüchtigten Grasen Landi, welcher mit fernen größtentheils deutschen FreybeuterN zuerst in des Markgrafen Diensten gewesen war, hernach aber, wie damals bei solchen Rotten gewöhnlich, die Dienste des Feindes angenommen hatte. Landi blieb in dem Treffen selbst, und bezahlte damit den Italienern feine Schuld. Die englische Kompagnie aber mehrte sich, und fiel dem Markgrafen, welcher die Summen zu ihrer Unterhaltung nicht ertragen konnte, so beschwerlich, daß er sich davon zu befreyen suchte. Die Pisanep nahmen die Engländer in Sold, denn alles war damals wider einander in den Waffen, und suchte Völker in Sold zu nehmen, so lange die Kräften zureichten. Ein auserlesener Ueberrest der Kompagnie, welche über drey tausend Mann stark gewesen war, blieb in Diensten des Markgrafen, und Herzog Otto ihr Anführer blieb seinem Freunde mit ihnen getreu. Er begleitete ihn bei allen wichtigen Unternehmungen. Wir finden seinen Namen in den Urkunden als einen Beweis der Achtung, welche ihm der Markgraf gönnte, und welche er täglich mehr ver, hierfte. 73 Der kriegerische Geist unsere Fürsten genoß einige Ruhe, nachdem im Jahre 1364. durch Vennikk- luug des päbstlichen Legaten ein Friede zwischen dem Markgrafen und dem Diskonten war geschlossen worden. Bei der Vertauschung der Länder aber, welche beyde Fürsten im Kriege einander abgenom- ,n«n hatten, blieb Otto so wenig unwirksam, als in der Ruhe des Friedens selbst, und führte verschiedene einzelne Geschäfte mit einer wohlthätigen Freundschaft für den Markgrafen aus. In einem so unruhigen, und ohne gewisse Beherrscher größten- theils jedem raubgierigen Krieger überlaßnen Lande, wie Italien damals war, konnte der Friede nicht dauerhaft seyn; die Grausamkeit der Diskonten, die Herrschsucht derselben, die Menge von fremden räuberischen Truppen , welche in Italien blieben, nnd plünderten, die Eifersucht der Fürsten unter einander, die guten Gelegenheiten durch Streisereyen, Kriege, und durch Kriege Vortheile zu verschaffen verwirrten sehr bald alles wieder mit einander. Die Diskonten, die Denetianer und Perngianer, Padua, Siena, Neapokis, hatten innerliche Unruhen, ES war dnrchgehnds Klagen und Jammer, die Zurü- fiung stieg aufs höchste. Der Pabst, welcher in Gefahr kam, alle Herrschaften in Italien zu verlieren, forderte unter diesen Umständen den Kaiser, welchen gleiche Gefahr bedrohte, zur gewaltigen nnd schleunigen Hilfe auf, Karl selbst kam nach Weignon. Der Pabst gieng hierauf nach Italien, und erwartete den Kaiser mit 74 Ungeduld, dieser kam endlich im Jahre »369. an. Seine Zulüftungen mußten Italien in Schrecken setzen. Der Kaiser mir einem zahlreichen Heere umgeben , verstärke durch italienische Truppen, machte die Diskonten und alle Feinde zitternd, er zeigte sich mit der ganzen Gemalt der Waffen in Italien, um — eine aufgeworiene Schanze niederreissen zu taffen. Mit dieser Bedingung wurde Friede, man erstaunte, da-^ einer Schanze wegen so viel unternommen worden war. Man thut öfters etwas, das; allgemein mit Recht getadelt wird, und im Grunde nicht tadelhaft ist, wert verborgene Triebfedern da sind. Karl, der Kaiser, sah stch ohne einen baldigen Frieden in einen langwierigen italienischen Krieg verwickelt, dessen Ausgang zweifelhaft war, und während dessen Führung in Deutschland ihm die schönsten Vvrtheile entzogen wurden. Er war so klug, daß er Geld nahm, anstatt unbeständiger Besitzungen, und das italienische Geld führte er nach Deutschland, wo es besser, als in Italien, angewandt werden konnte. Herzog Otto, indem er diesem Schauspiele nicht nur zusahe, sondern selbst auch durch verschiedene Verrichtungen daran Antheil nahm, kam, vermuth- Uch auf sein Ansuchen, sein zweyter Bruder, Herzog Balthasar, zu ihm nach Italien, dieser war vorher Kanonikus des Stistes St. Blasii zu Braunschmeig gewesen, hat aber diese Würde medergrlegt, um für seine Brüder die Regiernngsgeschäfte zu besor- 75 gen. Jetzt begab er sich zum Herzog Otto, und wir werden sehen, wie eifrig er denselben brigeftanden, und endlich den Martyrertod der brüderlichen Liebe erlitten hat. Otto hatte selbst seinem Namen Glanz verschafft, nun wollte das Glück auch etwas thun, es trug ihm «ine Königskrone an. Man suchte einen Gemahl für die »Königin von Armenien, Maria, welcher fähig wäre, das Land für die einbrechende Macht der Türken zu schützen, und wußte keinen würdigern Helden, als den Herzog Otto. DrrPabst Gregor schrieb an den damaligen Fürsten von Tarent folgende Zeilen, welche die Grundlage zu den Lobsprüchen seyn können, die der Biograph dem Herzoge Otto girbt. „Indem wir einen würdigen Gemahl für dieKtz- „nigin von Armenien zu erwählen suchten, dev „aus einem erhabenen Geschleckte, tapfer, edrlmü- thig und fähig genug wäre, die Dertheidigung sei- „nes Königreiches mit Verdienst zu übernehmen, ist „uns unter alley hohen und verschiedenen Reichen- „der edle Herzog Otto von Braunschweig vorzüglich „eingefallen ; ein Prinz, der von dem kaiserlichen „Geschlecht« der Ottonen absiammt, ein Anverwandter des Markgrafen von Montserat, dessen Kriege „er geführt hat, und noch führt, und welcher mengen der nahen Verwandtschaft mit der königlichen „Familie in Cypern auch von daher unterstützt werten kann; der Herzog selbst besitzt vorzügliche „Klugheit und Ansehen, und viele erhabene Tugenten erhöhen seinen ausgebreiteten Ruhm." 76 Die Loösprüche des Pabstes waren nicht moden- mäßige Ausdrücke, womit man Freunde zu wichtigen Dortheilen zu empfehlen sucht. Der Pabsi hatte keine Absicht des Eigennutzes dabei, Otto wurde so wenig von dem Glanze emer Königskrvne geblendrt, daß die Vermählung mit der Königin von Armenien nicht zu Stande kam. Die Freundschaft hielt ihn beim Markgrafen von Montferat zurück, dessen Alter seine Unterstützung und Genie unentbehrlich machte. Er genoß Ansehen, Glück und Ruhm in Italien, und hatte diesem Lande schon seine ganze Neigung geschenkt, der Markgraf gönnte ihm nicht nur sein ganzes Vertrauen, sondern zeigte ihm auch Hoffnungen der Ankunft. Bald nach dem Vorschläge der königlichen Vermählung noch in demselbigen Jahre 1572. starb der Markgras Johann von Monserat, sein Tod setzte unfern Herzog Otto auf ein neues Theater, er war durch das Testament zum Vormunde der Prinzen des Markgrafen, bis sie das 2Zste Iahs würden erreicht haben, bestellt. Seiner Sorgfalt war die ganze Regierung , die Beschützung des Staates, und die Aufsicht über die Prinzen anvertrauet, welche in allen semen Rathschlägeu folgen sollten. Die Vermählungen der Prinzessinnen sollten ebenfalls nicht ohne seine Einwilligung geschehen. Er erhielt selbst verschiedene Schlösser und Besitzungen eigen, die ihm schon der Markgraf vorher eiugeraumt hatte, und über- dem eine Summe Geldes, wofür man zwey Städte zum Pfände setzte. Das Reichsvi^ariat über die 77 Stadt und Gebiet Asti, welcher Kaiser Karl dem Markgrafen gegeben hatte, verwaltet« ec nicht blos als Vormund, sondern im gemeinschaftlichen An- theile mit den Prinzen des verstorbenen Markgrafen. Der Kaiser Karl der Vierte, und nachher Wenzrs- laus erthcilten ihm die Destattigunz von diesem Reichsvikariate. Außer diesen Vortheilen bekam er auch durch die letzten Verordnungen des Markgrafen einen besonder« Antheil an den Mcntserar,sehen Ansprüchen auf das griechische Kaiserthum und auf das Königreich Thessalonich, s» sehr hatten nunmehr dir Elücksumstande unfern Helden begünstigt. Es ist mehr als schwache Vermurhung, wenn man annimmt, daß die Hoffnung und vorgängige Versicherung von diesen Vortheilen und Glücke ihn vorzüglich bewogen habe, die armenische Krone aus- zuschlagrn. Der Markgraf bedurfte des Helden und Weisen zu sehr, um ihn nicht durch alle nur mögliche Mittel bei sich zu erhalten, und er selbst war zu weise, um dieses nicht einzusehen, und seine .Maßregeln darnach zu nehmen. Die Gewalt des Herzogs Otto bei der vormundschaftlichen Regierung von dem Markgrasthume Montfrrat und dessen «inverleibten Staaten war ganz unbegränzt und uneingeschränkt. Man wundert stch, wenn man dir noch vorhandene Urkunde darüber liest. Nicht allein war Otto der jungen Markgrafen Vormund bis zu dem Lgsten Jahre ihres Lebens, sondern auch hernach noch behielt er das Recht, mit ihren Schlössern, Gütern und alle« Besitzungen nach seinem Gutbe- 73 finden handeln und Einrichtungen machen zu können, so lange er lebte, die jungen Markgrafen sollten ihn nie dürfen über etwas zur Rechenschaft fordern, alles, was er vornehmen, kaufen oder verkaufen, ordnen, befehlen, und richterlich entscheiden würde, sollte gültig seyn. Otto war Oberherr, so lange er lebte, über die Staaten der jungen Markgrafen, und sie regierten ihr Land unter ihm. Welch einen Karakter fetzte dieses voraus, wie groß mußte ein Zutrauen von dieser Art seyn ! Wenn die Geschichte uns nicht den verstorbenen Markgrafen Johann weise, einsichtsvoll und scharfsichtig schilderte, so könnte man glauben, die Herrschaft Orto'S sey ein Triumph der Klugheit über den Blödsinn gewesen. Sie war vielmehr die Frucht der Achtung eines Genie's gegen rin Genie. Solche Freundschaften und ihre Früchte sind der Schmuck der menschlichen Natur. Nie verdiente auch jemand ein hohes Zutrauen mehr als Otto, er führte die Regierung von Mvntserat mit großem Ansehen, mit Treue und Klugheit, besonders suchte er den Nutzen der jungen Prinzen zu befördern. ES bedrohte ihn, gleich nach dem Tode des gedachten Markgrafen, eine große Gefahr, weil der Diskont Galeazzo dir Stadt einzunehmen suchte, und sie wirklich noch in diesem Jahre 1372. belagerte. Otto ließ dem Diskonten Friedensvorschläge antragen, und begab sich selbst nach Paris, um dieselben zu erleichtern, als er aber sähe, daß Galeazzo seine 79 Ansprüche zu weit trieb, und die Stadt Asti durchaus verlangte, so gieng er nach Monserat zurück, und rüstete sich zur Dertheidigung dieses Landes und der Stadt Asti, er zog hierauf den Grasen von Savoyen, Amadeus, einen mächtigen Fürsten in ein Bündniß gegen die Feinde, obgleich der Gras wegen der Verwandtschaft mit dem Diskonten nicht dazu geneigt war. Die Klugheit Otto's wußte ihm dir Macht der Diskonten so furchtbar abzumahlrn, daß die Triebfeder der Eifersucht erregt wurde, und diese Eifersucht ihn zum Kriege bewog. Die weitläufigen Artikel dieses Bündnisses zeigen die Dortheile sehr mannichfaltig, welche Otto seinem anvertrauten Lande dadurch erwarb. Asti wurde gegen die Feinde tapfer verthridigt, bis Otto selbst die Anführung des Heeres gegen die Feinde übernahm. Es erfolgten verschiedene Treffen, wobei die Diskonten immer ihm den Sieg lassen mußten; endlich griff Otto auch die Derschanzungen der Feinde bei der Stadt Asti an, eroberte sie mit Muth, und nvthigte den Galeazzo, m:t der Flucht alle Hoffnung der Eroberung zu verlieren. Galeazzo, der «Gegner unsers Herzogs, war eine der merkwürdigsten Personen seines Jahrhunderts, ein unerschrockener standhafter Krieger, und durch seinen Geist fähig, dem größten Thrile von Italien, welcher nun bewaffnet gegen ihn aufdrach, Widerstand zu leisten. Er wußte als ein Meister der Kriegskunst immer die Folgen seines Verlustes zu mindern, und sich wieder zu verstärken, ehe er von neuem angegriffen werden konnte. So schlug er sich in diesen Jahren mit seinen Feinden auf allen Seiten herum, und lag doch nicht völlig unter. An den Orten, wo Otto gegen ihn svchte, büßte er immer ein, aber an andern erholte er sich wieder; siegte der Herzog, so schlug er dafür den päbstlichen Legaten, und wenn jener seine Länder verwüstete, so ängstigte er diesen. Mit dem Grafen von Savoyen brach Otto in das Mayländische selbst ein, und ermunterte daselbst seine Soldaten mit reicher Beute einige Monate hindurch, hierauf rückte er in das Gebiet Brescia, wo sich auch der päbstliche Legate mit seinen Völkern rinsand, den man dabin berufen hatte. Der Krieg wurde in wilder Unordnung fortgesetzt. Nachdem das Jahr 137z. mit vielen Zügen, Treffen und abwechselndem Glücke verflossen war, so bereitete man sich auf beyden Seiten zu neuen Unternehmungen des künftigen Jahres. Otto unterließ nichts, was zum Wohl und Beschüyung von Mont- ferat gehörte, und gieng, sobald er konnte, dem Feinde von neuem entgegen. Man belagerte die Stadt und das Schloß Verzelli, und eroberte es. Der Diskont Galeazzv kam mit seinem Entsätze zu späte, und als er Verzelli belagerte, schlug ihn Otto herzhaft hinweg. Bald darauf erhielt Otto die Bc- stättigung vom Kaiser Kar! über das Reichsvikariat tzou Alsti, welches er nicht blvs als Vormund, sondern 8l drrn in Gemeinschaft mit dem jungen Markgrafen von Montferat verwaltete. Um dieselbige Zeit wurde auf Antrag des Pabstes ein Waffenstillstand zwischen den kriegführenden Machten geschloffen. Dle Waffen ruhten, und mit ihnen der Kriegerniuth des Herzogs Otto. Die Ruhe war kurz, und eme Reihe von den allerwichtigsten Vorfällen und schreckbarsten Schicksalen folgten darauf. Otto mußte, wie andere große Männer der Welt, die schwersten Wege zur Höhe des Ruhmes hinan- klimmern. Er glaubte itzt den Waffenstillstand m einen Frieden verwandelt zu sehen, und dann in Montferat den Rest feiner Tage der Wohlfahrt der Provinzen und der bürgerlichen Klugheit widmen zu können. Anders wollte es sein Glück! er bekam unvrrmuthrt zum zweytenmale nun eine Königin zur Braut bestimmt, die Königin von Neapolis, Johanna, verlangte ihn im Jahre 1375. zum Gemahl. Johanna, eine Dame von königlichem Muthe hatte schon bisher wunderbare Begebenheiten gehabt» sie war in einem Alter von sechzehn Jahren zur Regierung von Neapel gelangt, und also viel zu zung, um eine weise Königin zu seyn, that sie ihren Neigungen keinen Einhalt. Sie war an den Prinzen Andreas, den Bruder des Königs von Hungarn, vermahlt, haßte ihn aber, sobald sie ihn sah. Die Geschichte legt ihm ein wildes, unsittliches, und der Johanna ein leichtsinniges Temperament bei. Einige Schriftsteller haben die Königin Johanna verthri» 7. S LL dizt, und wenigstens ungewiß gemacht, ob sie recht sehr böse, vver recht sehr gut gewesen sey. Sie wollte ihren huriganschen Gemahl keinen Antheil an der neapolitani,chen Regierung nehmen lassen^ die Flamme der Uneinigkeit entzündete sich bald in dem Pallaste. Die Minister, die Hoflcute, die Prinzen der Anverwanotschast verwirrten alles unter einander, es entstanden lauter Unordnungen. Die Königin verschob die Krönung ihres Gemahls von einer Zeit zur andern, bis endlich der Pabst darauf drang, und ein Tag zur Krönung festgesetzt wurde. Awey Tage vorher starb Andreas zu Aversa. Hun- garn gerieth in Wuth, und wollte den Tod des Andreas rächen. Durch die Kunstgriffe des Pabstes «ntgieng endlich Johanna dem aufsteigrndrn Sturme, der sie bedrohte. Johqnna vermählte sich hierauf mit dem Fürsten von Tarent, Ludwig, ward Witkwe, und vermählte sich wieder mit dem Prinzen des Königs von Ma- jorka, Jakob von Arraqomen. Endlich suchte sie nun auch nach dieses Tode den vierten Gemahl, und dieser sollte der berühmte Herzog Otto von Vraun- schwcig seyn. Sie hatte bisher sich in allen widrigen Vorfällen aufrecht zu erhalten gewußt, und im Kriege und Politik eine große Rolle gespielt. Kein Mittel war ihr unbekannt, wodurch Vortheile erhalten werden konnten, und sie verstand sich aller dieser Mittel aus daS Veste zu bedienen. Am Nothfalle stieg sie zn Pferd, 8 an Muth übertraf sie niemand. Als es gut gethan mar, g,eng sie nach Rorn. Bei den italienischen Kriegen war sie meisicntheils mit verwickelt, und eben am Ende des Jahres 1374. mußte sie einen» einbrechenden zahlreichen Schwarme von Feinden, welche bloß Freybeuter waren, zehn tausend Gold- gülden, geben, um ihr Land zu befreyen. Nicht ohne Grund befürchteten die Räthe der Königin, daß dergleichen Einfälle wiederholt werden könnten, da Italien von kriegführenden Räubern voll »rar. Sie sahen leicht ein, daß ein Gemahl der Königin die beste Cchutzwrhr des Landes seyn würde ; andere noch größere Gefahren machten eine solche Hilft und Leschützung nothwrndig. Der König von Hungarn und Polen, Ludwig, behauptete noch immer seine Ansprüche aufNeapolis, und drohte sie durch Waffen gültig zu machen. Karl von Durazzo, ein Sohn des verstorbenen Ludwigs, des Vetters der Königin Johanna, erregte ebenfalls einen großen und gegründeten Argwohn, er stand itzt in den Diensten des Königs von Hungarn. Alle Furcht wegen innerlichen Unruhen, welche noch dazu kamen, könnte mit jenen Besorgnissen zugleich durch einen Gemahl der Königin aufgehoben werden,-wenn der Bräutigam ein Fürst von hohe»» Geschlecht?, von bekannter Tapferkeit und Klugheit, Mid edlem Geiste wäre. Herzog Otto von Brann- schwerg war ein solcher Fürst, ihm gebührte der Vorzug vor allen ; unter allen berühmten Helden der damaligen Zeit war er der berühmteste, und in Neapel hatte man ihn schon langst bewundert, nunmehr wollte man ihn auch lieben, und unter seinem Schutze sich für der Furcht sichern. Johanna, dieses große Genie unter den Frauen, wünschte die Vermählung mit dem berühmten Herzog Otto von Braunschweig, und ließ sie ihm 1375. antragen. Otto befand sich eben zu'Ferrara, um einige Angelegenheiten wegen Montfrrat zu besorgen, als er den Antrag empfing. Was sollte er thun? Es war die zweyte Königin, die ihm zur Gemahlin angeboren wurde, und es ist zu viel, zwey Königinnen zu verweigern; vielleicht würde er es dennoch gethan haben, wenn die Markgrafen zu Ferrara ihn nicht durch Vorstellungen bewogen hätten, die königliche Braut anzunehmen. Eine besondere Bedingung neigte seinen Sinn noch mehr zur Ausnehmung des Antrages, das Königreich Neapel wurde von so vielen verschiedenen Prinzen in Anspruch genommen, welche alle ein älteres Recht darauf hatten, als er durch seine Gemahlin bekommen konnte, daß die Behauptung dieses Königreiches für ihn selbst ,» dem größten ^Heldenmuth, unmöglich war. Es würde freche Verwegenheit gewesen sryn, wenn er den Besitz dieses Reiches nach dem Tode der Johanna noch hoffen wollte, außerdem kam sein Leben selbst, ohne Nutzen für das allgemeine Wohl, in Gefahr. Diese Bedenklichkeit, welche richtig war, hob dre Bedingung der Königin Johanna auf, nach welcher sie 85 zwar bas Bette, aber nicht den Thron mit dem Herzoge theilen wollte. Was bei andern Umständen fähig gewesen seyn würde, eine königliche Vermählung ganz unangenehm zu machen, dieses machte sterben letzt annehmlich, und vortheilhast. Otto nahm die angebot^ie Vermählung mit der Königin Johanna an, ohne der Regierungsbürde. Auch ein so thätt- geS Genie, wie Otto hatte, wäre kaum der Last der Geschäfte gewachsen gewesen, welche chm die politische Regierung von Neapel aufgebürdet hätte. Ec mußte noch immer die Regierung von Montferat führen, und zugleich dieses Land wider die Feinde als Krieger vertheidigen. Die Verteidigung von Neapel mußte nunmehr damit verbunden werden; so ward Otto itzt Schutz und Schirm in zwey entfernten weiten Staaten von einer verivittweten Königin und von unmündigen Markgrafen. Er theil- te seine Sorgfalt mit hinreichender Wirkung für bryde Staaten. Bald nach der Zusagung der angrbvtenrn Vermählung empfing er zu Asti, wo er sich von Ferrara hinbrgeben hatte, eine glänzende Gesandtschaft von drey Grasen und vierzig vornehmen Adrlichen. Hier wurde nach einem feyerljchen neuen Anträge die Vermählung des Herzogs von Braunschweig mit der Königin von Neapel öffentlich bekannt gemacht, und hieraus bereitete sich unser Prinz, seiner königlichen Braut zu Neapel in die Arme zu gehen. Er kam daselbst im März 1376. an, worauf das Vermäh- lungSfest zu Kastellnuovo grseyrrt wurde, und der Gemahl sehr bald die ganze Neigung der Königin erhielt. Dier Monate verwandte er auf die Keuutniß seines neuen Standes. Im Julius ginger schon wieder von Neapel nach Montserat, um dort Veranstaltungen zu machen, die seine Gegenwart eriorderten. Der Waffenstillstand mit den Diskonten gab keine Sicherheit, wie sie Otto für Montserat wünschte. Er suchte ihn in einen Frieden zu verwandeln , und schlug mit seiner Politik den Pabst Gregor, der Gewicht hatte, zum Unterhändler vor. Man setzte einen neuen Waffenstillstand auf sechs Monate fest, wenn der Pabst indessen die Vorträge nicht vollenden könnte, so sollte noch vier Monate weiter fort der Waffenstillstand verlängert werden. Um den kriegerischen Galcazzo aus Eigennutz zum Frieden sanfter zu machen, brachte Otto eine Vermählung des jungen Markgrafen von Montserat Sekondatto mit der Schwester des Johann Ealeazzo, der Diskonte, in Vorschlag. Weil er selbst wieder nach Neapel eilen, und sich nicht länger als einen Monat im Mont- feratischen und zu Asti aufhalten konnte, übergab er nebst einigen andern, besonders seinen Bruder, den Herzog Balthasar, welcher sich bei ihn, bisher immer aufgehalten hatte, die Verhandlung dieser Geschäfte. Sie zog sich etwas in die Länge, und wurde im folgenden Jahre 1377. nach Wunsch geendigt. Der junge Montserat erhielt die gesuchte Braut, und mit ihr Friede, und den geruhigen Besitz aller derjenigen, Städte und Länder, welche er zur Zeit 8 ? des geschloffenen Friedenshatte. Jeder Theil behielt, was er hatte, Galeazzo gab noch verschiedene vor- theilhafte Versprechungen, und gab sie sehr gern, denn er glaubte nicht, daß Versprechungen Verbindlichkeit auflegen, sein Wort zu halten. Otto hingegen wurde zu Neapel von der Königin, seiner Gemahlin , mit großen Ehrenbezeugungen empfangen, und erhielt von ihr daS Fürstenthum Tarent. Sie vermehrte das Geschenk dieses ansehnlichen Landes in der Folge mit der Grafschaft Aeerka und verschiedenen Schlössern und Gütern in Provenze. Johanna erkannte immermehr die großen Verdienste ihres vortrefflichen Gemahls. Der junge Markgraf von Montferat Sekondatto schien hingegen die Verdienste nicht zu erkennen, welche er von imserm Herzoge erhalten hatte. Seine neue Gemahlin Diolante wurde die Ursache zu einer näheren FrenndscbaftS- Verbindung mitdem ViSkvnten Galeazzi, obgleich der junge Markgraf dadurch selbst betrogen wurde, nnd man ihm nur, wie oft gewöhnlich schmeichelte, um Frundschaft auSüben zu können. Der Herzog Otto hatte beständig auf die Stadt Asti, wo er selbst RrichSvikar war, die größte Aufmerksamkeit gerichtet, und deßwegen seinem Bruder dem Herzoge Balthasar, die Beschützung derselben übergeben. Der Markgraf Sekondatto, welcher sich nun die eigene Regierung zu Montferat anmaßte, ohne auf den Herzog Otto zu sehen, kam nach Asti, und wurde nicht eingelassen. Balthasar behauptete diesen Platz 88 für seinen Bruder. Sekonbatto rüste nunmehr seinen Schwiegervater, den ältern Galeazzo, nebst dessen Sohne zu Hilfe, und Asti wurde von einem zahlreichen Heere belagert, da Herzog Balthasar keine Hilfe schleunig genug erhielt, muhte er endlich die Stadt im Februar lZ78. übergeben. Galeazzo ließ sie mit seinen Truppen besetzen, und Balthasar verließ diele Stadt, welche immer das vorzüglichste Augenmerk der beyder- sritigen Partbeyen in den vorigen Kriegen gewesen war. Noch blieb sie immer der Gegenstand von dem Wunsche des Herzogs Otto , allein die häufigen inzwischen entstandenen Unruhen wendeten die Waffen immer in andere Gegenden. Schon lange bauerten die heftigen Streitigkeiten zwischen dem Pabste Gregor und den Florentinern. Der Pabst suchte sowohl als die Florentiner die Endigung davon. Man wußte keinen geschickter» Mann zur Unterhandlung, als den Herzog Otto; die Florentiner erwählten ihn, da sie seine große Klugheit, und Stärke in Staatsunterhandlungen kannten, zu ihrem Schiedrichtrr. Der Pabst nahm einen Fürsten, den er hvchschätzte und liebte, mit Vergnügen zum Friedensstifter an. Man hoffte durch ihn eine längst gewünschte Versöhnung zu finden. Die Hoffnung betrog nicht. Otto war in Begrif, einen vollkommenen Frieden nach dem Verlangen beyder Theile zu errichten, und begab sich freudig zum Pabste Gregor, um diese angenehme Nachricht selbst zu überbringen. Inzwischen aber war Pabst Gregor gestorben, und mit ihm alle Hoffnung zu einem dauerhaften Frieden. Ein neuer Vorfall nöthigte den Herzog zu Ende des IahreS 1378. wieder nach Montserat zu gehen, und daselbst durch seine Gegenwart Verwirrungen zu tilgen, und von neuem die Regierung dieses Landes zu übernehmen. Der junge Markgraf Sekvndat- to, welcher vor zwry Jahren die Vormundschaft des Herzoges Otto aufgehoben, und sich selbst der Regierung angemaßt hatte, büßte sehr zeitig für seine jugendliche Thorhriten, dir bis zum Unsinn giengen. Er war so unbändig zornig, daß er zuweilen fast in Ra- serey gerieth. Er tvdtete wegen geringer Ursachen Männer und Kinder mit eigener Hand. Im Dezember dieses IahrS 1378. kam er zu Langirano im Gebiete von Parma in eine solche Wuth, daß er einen Menschen von seinem Gefolge mit dem Stricke erwürgen wollte. Allein ein Deutscher, welcher seinem Gefährten das Leben retten wollte, zog den Degen, und gab dem Markgrafen einen solchen unbescheidenen Hieb in den Kopf, baß er vier Tage hernach starb. Die Regierung des Landes kam an seinen Bruder, Johann de« Dritten, welcher noch unmündig war, und also mußte Herzog Otto wieder die Vormundschaft übernehmen, und ordnete die Regierung von Montferat im Iäner 1379. an. Den schwersten Theil davon und die Beschützung seines unmündigen Freundes übernahm er selbst. Obgleich zu Neapel 90 seine Gegenwart sehr gewünscht wurde, so zog er die Pflicht dem Vergnügen vor, und blieb einige Monate dieses Jahrs in dem Lande des Markgrafen, wo er als Vormund die Huldigung von den vornehmsten Srädten einnahm, und als eigener Herr von Mvnteviko nach dem Testamente des älteren verstorbenen Markgrafen Johannes sich den Eid der Treue schwören lieh. Sein grosses und mächtiges Genie war beoden Staaten hinreichend, dem von Neapel, und dem von Mvntferat , obgleich ganz verschiedene und einander entgegen gesetzte Maaßregeln in beyden betrachtet werden mussten. Im Montferatischen suchte er seinen Aufenthalt, nicht allein der Staatsreqierung und dem Wohlstände, sondern auch dem Ruhme , und zu einem wesentliche» Vvrrheil fruchtbar zu machen. Noch hatte er immer nicht den Verlust von Asti, welche Stadt ihm Galeazzo enteisten hatte, vergessen können. Sobald er itzt die Vormundschaft übernommen hatte, forderte er diese Stadt mit Lebhaftigkeit und Drohungen wieder. Bald darauf, da man ihm die Anforderung untervielerley Vorwand verweigerte, griff er zu den Waffen, und suchte Asti mit Gewalt wieder unterwürfig zu machen. Indem er diesen Streich auszusühren beschäftigt war, schlugen mehrere Fürsten einen Waffenstillstand und Unterhandlung vor, welche auch so ihren Anfang nahm, dass man auf zivey Jahre die Waffen wollte ruhen lassen, und die bey- derseitigen Ansprüche auf Asti untersuchen, um wo möglich einen Vergleich zu errichten. Man bestellte 9 * Prokuratoren , und Schiedsrichter, von beydenThei- len, die Bevollmächtigten des Herzogs Otto erschienen. und erlangten eine rechtliche Einladung der Gegenparthey. Diese aber erschien urcht. Man ber- urtheilte sie also, die Sradt Asti sollte dem Herzoge Otto, und dem jungen Markgrafen wieder eingeräumt werden, und ein frei,«der Besitz wurde für unrechtmäßig erklärt. Wo die Waffen aber das Recht allein gegeben haben, da können diese auch allein das Recht wieder nehmen, und Otto konnte dieses Waffenrecht nicht gegen den Feind gebrauchen, weil er an ganz andern fernen Orten uöhtig war. Indem er noch den Mündling -beschützte, mußte er eilen; eine Gemahlin zu beschützen. Er eilte nach Neapel, wo Johanna eine starke Armee zusammen- zvg , Otto suchte die Armee zu verstärken, und nahm viele in Italien herumstreisende Soldaten in seine Dienste, besonders zog er, so viel nur möglich war, Deutsche nach Neapel. So richtig er urtheüte, daß er durch die Treue seiner tapsern Landsleute seinen Waffen den stärksten Nachdruck geben könnte, so widrige Wirkungen erregte diese Vorsicht. Die Italiener geriethen über die Menge der Deutschen in Eifersucht, und dreß entwandt ihm und seiner Gemahlin die Neigung von einem großen Thrile der Unterthanen, und die Feinde Otto's und Ivhan- nens wußten diese Unruhen sehr gut zu benützen. Johanna hatte keine Erben ihres Reiches, ihr Gemahl, Herzog Otto, war nicht König, rin Vetter von ihr, Karl vvu Durazzs, welchen wir oben ein- 92 mal erwähnten, besaß Ansprüche auf das Königreich Neapel. Diesen suchten Iohannens Feinde zum Werkzeuge ihres Verderbens zu machen. Karl von Durazzo befand sich in Diensten bei dem Könige von Pohlen und Ungarn, Ludwig, welcher die Einladungen seiner Freunde gern annahm, und seinen jungen Detter, den Herzog Karl, zur Eroberung von Neapel nicht nur aufmunterte, sondern auch mit Volk und Geld unterstützte. Karl weigerte sich anfänglich, gegen seine Mohlthäterin die Königin Johanna, welche seine Jugend ernährt hatte, und noch itzt seine Gemahlin in Neapel mit Gütigkeiten überhäufte, zu Felde zu ziehen. Die Zureden des Königs Ludwigs, die Aussichten, welche man ihm zeigte, die Furcht, daß die Königin einen fremden Prinzen adoptiren möchte, schon der Reiz einer Krone für sich bewog endlich Karln, das Schwerdt gegen seine Ernährerin zu ziehen, Karl sträubte sich Anfangs wirklich gegen diesen Gedanken, und schauderte zurück, aber wenn der Mensch den Verführung«» nur Betrachtung gönnt, so ist er schon meistentheils verloren, und ist böser, als er selbst glaubte. Die Anstalten und Absichten des Herzogs Karls blieben der Königin nicht lange verborgen. Sie setzte sich mit allem Eifer in Vertheidigung, und übertrug ihrem Gemahl die Ausführung dieses großen Geschäftes. Otto rüstete sich, zog Völker zusammen, und erwartete herzhaft den Feind. Johanna fühlte 9Z das Uurecht, welches sie von ihrem Vetter, dem Herzoge Karl, erlitte, mit der heftigsten Empfindlichkeit. See hatte ihm so viele Gütigkeiten erwiesen, so viele Freundschaft ertheilt. Seine Gemahlin war zu Neapel bis auf den Ausbruch der Feindseligkeiten nnt reicher Freigebigkeit unterstützt, und so lange mit allem Ansehen unterhalten worden, bis sie selbst unvermuthet am 8trn Iunius iZ8- gebigkeit, um sich andere verbindlich zu machen. Ihr Zorn war jederzeit heftig, wie bei den meisten Frauenzimmern^ aber weit anhaltender, als bei ihrem Geschlecht? gewöhnlich ist. Der Tod des Herzogs Otto würde mit demjenigen seiner Gemahlin unzertennlich verbunden gewesen sryn, wenn er das Glück gehabt hätte, zum König von Neapel gekrönt zu seyn. Jetzt, da er darauf keine Ansprüche hatte, war er nicht so furchtbar, er hatte kein Reich für sich, sondern für seine Gemahlin vertheidiget. Nach ihrer Hinrichtung war er ein fremder, tapferer Prinz, welchem man blos dir Gelegenheit, seiner Gemahlin Tod zu rächen, nehmen mußte. Cr blieb also in Verhaft, doch ohne beschwerliche Härte, und genoß sogar die Freyheit, außerhalb seines Schloßes Mellorte sich mit Jagen, welche Erholung er sehr liebte, die Zeit zu verkürzen. Hier in diesem Schloße und dessen Gegenden sähe er iu einer ruhigen Gefangenschaft der Szenen zu, die in Neapel erschienen. Ohnstrrrtig ließ er viel Gleichgültigkeit blicken, und gab dem Könige Karl keinen Anlaß zum Argwohn. Während dieser Gefangenschaft des Herzogs Otto erschien der Herzog von Anjou im Jahr iz8r. mit einem zahlreichen Heere in Italien, um die Krone von Neapel zu erliegen. Er drang durch verschieden« Schwierigkeiten bis das Königreich Neapel ein, und eroberte viele wichtige Plätze, worunter dir Stadt Aquila war. Unter der Einnahme hon mehreren Oertern von Nola, Matalona, und andern» fanden sich bei ihm eine große Anzahl von vornehmen Neapolitanern «in, welche seine Parthey ergriffen. Sein Herr wuchs, das Königreich therlte zwischen ihm und dem König Karl seinen Anhang, und wenn er Muth genug gehabt hätte, sich diese erste Zerrsttnig zu Nutzen zu machen, und gleich auf den Femo los gegangen wäre, so hätte er können ein gleich schnelles Glück mit dem Könige Karl er- halten, und ihn auf gleiche Art stürzen, wir die Königin Johanna. Allein der Herzog Ludwig von Anjou führte den Krieg zu bedachtsam und schläfrig, sein Feind, der König Karl, welcher aus dieser Langsamkeit, da er nicht an Stärke gleich war, den größten Dortheil zog, hüttete sich ebenfalls für etwas Entscheidendes, und so zog sich derKrieg in die Länge. Ludwig mußte bei dieser Verzögerung mehr einbüjsrn, als König Karl. Jener hatte eine stärkere Armee in einem fremden Lande zu unterhalten , dieser durfte sich nur vertheidigen, um den Besitz seines Landes zu behaupten. Die Pest, welche sich in diesem Jahre über den größten Theil von Italien verbreitete, schwächte besonders die Armee des Herzogs Ludwigs, und hielt ihn endlich von allen interessanten Unterhandlungen ab. Otto hatte in seiner Gefangenschaft die Zufriedenheit, daß derjenige, welcher ihn und seine Gemahlin grstürtzt hatte, durch die boshafteste« Grausamkeiten auch den Haß jedes Feindes gegen sich rechtfertigte. Unter dem Gemische von kriegerischen Wildheiten grenzen einige traurige und verwirrte Jahre hin. Der Herzog von Anjou verlor durch den Tod den mächtigen und ihm getreuen Grafen von Savoyen, Amadeus den Sechsten, und mit ihm das ansehnliche Herr, welches ihn begleitet hatte. Durch diesen Abgang, und durch denjenigen, den dre Pest machte, schmolz seine Armee so sehr, daß er neue Hilfe von seinem Detter, dem König in Frankreich, suchen mußte, welche er auch erhielt. Die Unruhen dauerten indessen immer fort, ohne Wichtigkeit für das Ganze, und die gegenseitigen streitenden Partheyen , lauerten auf günstige Gelegenheiten, die sich nicht zeigen wollten. Der König Karl wollte endlich mit dem Anfänge des Frühlings iz84. der Sache den Ansschlag geben, und sein Land vom Feinde brfreyen. Er hatte di« schönsten Hoffnungen ans seiner Seite, Ludwig von Anjou war sehr geschwächt, und der Muth seines Heeres schien zu fallen, wir es hei einer so zaudernden Eroberung natürlich war. Eine starke Hilfe aus Frankreich war unter Wegs, und es war nicht rathsam dieselbe zu erwarten, ehe man an- griff. Karl verstärkte sein Heer, und grenz dem Herzoge von Anjou am raten April iz84. entgegen. Als er zu Barletta angekommen war, ließ er dem Herzoge eine Schlacht andeuten. Dieser war dazu bereit, er nahm den Antrag mit Vergnügen an, und gab zur Antwort, er wollte binnen fünf Tagen vor den Thoren von Barlerta seyn, denn er wünschte nunmehr selbst ein. entscheidendes Treffen. Der große Tag, wo nun das Schicksal des Königreichs bestimmt werden sollte, näherte sich mit vielen Gefahren für den König Karl. Er sah sie, und zitterte' Er nahm hier seine Zuflucht zu dem Herzoge Otto von Braunschweig, dem erfahrensten, tapfersten und klügsten Feldherrn dieser Zerr. Er ließ ihm von dem Schloße Melfarta, wo er gefangen saß, ins Lager zu sich kommen, und suchte durch die Vorschläge dieses Fürsieu seine Wallfahrt. Otto nachdem er alles genau überlegt, und von den Umständen gehörig unterrichtet war, gab den weisen Rath, sich nicht dem zweifelhaften Glücke einer Schlacht anzuvertauen , sondern sie ganz zu vermeiden, weil sie gegen den immer noch starken Feind zu gefährlich sey, und dieser Feind, der Herzog von Anjou nicht es im Felde lange aushalten könnte, sondern sich selbst nach und nach ausreiben würde, dieser Rathschlag war so weise als glücklich, und verrieth den Kenner der Kunst im Kriege. Karl folgte desto lieber, da er ohnehin furchtsam war. Der Herzog von Anjou bot umsonst am fünften Tage ein Treffen an , es fielen blos einzelne kleine Gefecht« vor, und her Herzog kehrte mißvergnügt zurück, ohne eine Schlacht geliefert zu haben. Karl sähe sehr bald ein, wie vorsichtig der Rath des Herzogs von Braunschweig gewesen sey, da der Feind da- »O8 durch sehr viel, und Karl nichts verloren hatte. Um diesen guten Rath zn belohnen , schenkte der König Karl am rrten April darauf unserm Herzoge Otto dir Freyheit mit der Bedingung, das Königreich Neapel zu verlassen. Otto begab sich voll Freude hinweg, und erlte nach Sizilien, und von da nach Avignon. Ob derHerzog bas Fürstenthum Tarent bei seiner Besreyttng, und nachher behalten habe, ist ungewiß. Ob gleich einige das Gegentheil muthmaßen» so scheint es doch nicht wahrscheinlich, daß er die Herrschaft über dieses Fürstenthum behauptet hat, weil er sonst auch gewiß die Grafschaft Azerra und die andern geschenkten Güter von seiner Gemahlen verloren haben würde. Und die Grafschaft Azerra besaß er ohne Widerspruch, weil er sie 1392. verkaufen konnte, wenigstens führte er den Titel eines Fürsten von Tarent brfländig, wie noch die Urkunden von den spätesten Jahren feines Lebens anzeigen. Die kriegerischen Unruhen gleich nach der Be- srevung ans dem Verhafte , und seine Abwesenheit störten zwar den Gebrauch seiner Herrschaft, aber sie entrissen ihm sein Recht nicht. Er wußte auch seine Rechne zu gebrauchen, und bewirk es, da ihm die Einwohner von Mcr-'eille ein Schloß in ihrer Gegend Chateauneuf dü Martigues, welches er nebst vielen andern von der verstorbenen Königin seiner Gemahlin geschenkt bekommen hatte, hinwegnahmen. Er sandte im Jahr rzb 5 « einen gewisse» Karl von kOH Albv mit V oklmacht dahin, um wegen dieser Beeinträchtigung dringende Vorstellungen zu thun, und das genommene Schloß wieder zu fordern. Man verweigerte aber die Wiedergabe dieses Schlosses, weil man vorher sähe, daß der Herzog deßwegen sie nicht würde mit Krieg überziehen. Das Fürstenthum Tarent war wichtiger, und so wenig Otto die Sorgfalt für den Besitz davon gespart haben wird, so wenig konnten die damaligen Umstande ihm völlig diesen gerechten Besitz, der mit dem Königreiche Neapel in keiner genauen Verbindung stand, rauben. Eine umständlichere Untersuchung darüber gehört nicht in die Biographie des Helden. Nicht wie viel Schlößer und Städte er besaß, sondern was er that, und seine Schicksale beschäftigen unsere Aufmerksamkeit. Indem er sich noch zu Avignon aufhielt, erhielt er aufs neue einen hohen und gefährlichen Antrag, welcher ihn in den neapolitanischen Krieg wieder mischte, und schweren Schicksalen entgegen warf. Sein Leben war bestimmt immer thätig zu seyn, und für andere wichtig zu werden. Eine edle, und Männern von Verdienste in jedem Fache gemeine Bestimmung.^ Wer in dem Ansehen steht, daß er nützlich seyn könnte, wird dazu immer ausgefvrdert». und er versagt seine Nutzbarkeit auch nicht. Herzog Otto wurde immer von Königinnen zu Hilfe geruffen. Die von Armenien, die von Neapel, und setzt (ig86) eine dritte Königin, suchten in ihm ihren Beschützer. Seit der Abwesenheit des Herzogs hatte sich der Zustand von Neapel ganz verändert, weder Karl, »» «och Ludwig, waren mehr Beherrscher davon. Dieser war im Jahre iz85« entweder durch die Pest, oder Erhitzung grtödtrt worden. Karl hatte sich nach dem Tode seines Gegners, welcher schon den Titel eines- Königs von Neapel angenommen hatte, des größten Theilrs von dresem Reiche benöthigt, und war nach Hungarn gegangen, um auch dort König zu seyn. Er starb dort. Nun war daS Königreich Neapel in größerer Verwirrung, als jemals. Die zwey hinterlaffenen Wittwen der zwey getödteten Könige forderten jede für ihre Prinzen die Herrschaft von Neapel. Der Krieg entflammte von neuem, die Parthey des Herzogs von Anjou erhob, gleich nach dem Tode des Königs Karl, ihr Haupt, und ver- ^ stärkte sich mit einem mächtigen Anhänge. Die Witrwe Karls, Königin Margaretha, führte nun «uch die Vormundschaft für ihren Prinzen La» >dislaus, aber Neapel wollte ihr nicht gehorchen, sondern die Regierung selbst durch dazu bestellte Personen verwalten lassen. Das ganze Sanse- verische Haus , die Grafen von Cupersano, von Ariano, Caserta und andere Große des Reiches gierigen mit vier tausend und sechshundert Mann brs vor Neapel. Das Schloß Sant Ermo empörte sich, an vielen Orten glimmten Unruhen in verdeckten Funken, die alle Augenblicke auszubrechen drohten. Die Häupter der Mißvergnügten schickten einen Gesandten nach Frankreich um Ludwigen, dem Sohne des nun verstorbenen Herzogs von Arnou , und erklärten Gegenkönigs von Neapel , zur Erobe iir kung dieses Landes einzuladen. Die Mutter dieses Prinzen, die Königin Maria, begab sich nach Avignon, und diese war es, welche unfern Herzog Otto um Beistand für sich und ihren Sohn zur Eroberung des Königreichs Neapel bat, Otto war nicht zu voreilig , ein so schweres Geschäft sogleich zu unterricht men. Er bedachte sich mit Vorsichtigkeit, und trat in genaue Unterhandlung darüber, und wie es bei vielköpfigten Brrathschlagungen immer geht, entstanden auch hier allerhand Streitigkeiten. Jeder Kluge will der klügste seyn, und hält den andern für das, was er sechsten ist. Nach Entwicklung der strittigen Punkte, die uns die Geschichte nicht genug deutlich erzählt, übernahm endlich Herzog Otto wieder aufs neue die Rolle eines Beschützers einer Königin und ihres Prinzen. Erwürbe zum ersten, unumschränkten Feldherrn der Armee erklärt, welche den jungen Herzog von Anjou auf den neapolitanischen Thron erheben sollte, und gieng mit dieser Armee, welche zahlreich war, nach Italien, wo er wegen der aufrührerischen Gesinnungen einen starken Anhang zu erhalten hoffte. Er kannte das Land, und besonders Neapel, vollkommen, hatte noch viele Freunde daselbst, besaß von dem Karakter der Nation die sicherste Kenntniß, und Muth und Erfahrung begleiteten ihn, kein Feldherr in der Welt war fähiger als er, an der Spitze, der Armee zu stehen, die er anführte. Ungerechtigkeit ist es, wenn man dem Herzoge Schuld giebt, er habe di« Ausführung dieses Krieges in der Absicht ^unternommen, um sich wegen der vom König Karl an der Königin Johanna »»2 Verübst« Grausamkeit an dessen Kindern zu rächen; Otto dachte an edlere Dinge, als Rache, und man ivird bald sehen, wie großmüthig seine Seele war. Er drang ohne alle Schwierigkeit mit seinem Heere im May 1387. ins Neapolitanische ein, und fand, wie er vermuthete, vielen Anhang. Er vereinigte sich mit dem mächtigen Sanseverinern und «ndrren vornehmen Bundesvermandten und Freunden, worauf er gegen die Stadt Neapel selbst drang. Die Streitigkeiten, welche diese Stadt beunruhigten, nnd zwischen der Königin Margaretha, dem Volk und dem Adel entstanden waren , ermunterten ihn, auf die Besitzungen der Hauptstadt Anschläge zu machen. Er bediente sich der List, den Zustand der Stadt und dke Stärke der widersinnigen Partheyrn darinn zu erfahren. Er machte mit der Regierung von Neapel den Vertrag, sobald er in die Nähe der Mauern gekommen war» daß täglich fünfzig bis sechzig Mann von seinen Soldaten in die Stadt kommen dürsten, um sich mit den nothwendigen Sachen zu versehen. Theist mußte man ihm seine Forderung zugesiehen, weil man sich der Gefahr einer Belagerung aussetzte. Das Heer des Herzogs war sehr zahlreich, thrils wollte man ihm auch die Forderung gern bewilligen, weil selbst in der Regierung einige geheime Freunde von ihm waren. Auf diese Art erhielt der kluge Lrldhrrr täglich von dem.Zustande der Stadt Nachricht. eicht. Reaprk wurde von zwey Partheyen zerrüttet, die eine war heftig dem jungen Prinz des Königs Karls, dem Könige Ladislaus, die andere dem jungen Könige Ludwig und Otto eben so heftig geneigt. Die Parthey des Königs Ladislaus wurde sehr aufgebracht, als sie sähe, baß man der Gegenparthey erlaubt hatte, täglich in die Stadt zu kommen. Sie zöge im Tumult auf den Markt, und schrie: „ES „lebe Ladislaus, und es sterben seine „Feind r." Der Auflauf nahm zu, die Gegenparthey, welche sich die Parthey der Wohlfahrt nannte, versammelte sich ebenfalls. Es kam zum Treffen, wobei viele verwundet wurden. Die Königin Margaretha, welche in die gerechteste Furcht darüber gerieth, entwich mit ihren Prinzen aus der Stadt, und floh nach Garta, wo sie lange Zeit blieb. Indessen mehrten sich die Unruhen in der Stadt, der Aufruhr gieng fort, und nahm verschiedene Ausbrüche. Die Parthey des König- Ladislaus erwählte den Grafen von Rolla zu ihren Anführer, welcher mit einer Rotte in Neapel eingelassen wurde. Hiedurch wurden sie^ so kühn, daß sie einen neuen Auflauf wagten, und der Parthey des Königs Ludwigs den Untergang drohten. Diese, als sie sich zu schwach zur Verthridigung sähe, öffnete dem Herzoge Otto, der längst darauf lauerte, die Thore. Otto drang in Neapel ein, und gab seiner Parthey durch die Macht seines Heeres sehr bald das Uebergewicht. In wenigen Wochen war die Parthry 7 « H L!4 des Ladislaus so gedämpft , daß Otto sicherer Besitzer von Neapel war. Diejenigen Feinde von ihm, welche die Stadt vor fünf Jahren an de» König Karl vrrrathr« hatten, fürchteten sich wegen gerechter Strafe. Di« ganze Stadt gerirth in eine» zweifelhaften Unmuth, weil ma« den wirderkommenden Sieger Otto für so empfindlich hrrld^ daß er sich rächen würde. H)!an verkannte seine Grvßmnth, welche ihn öfters so glücklich machte, daß er das fertigste Vergnügen eines Sterblichen , das Vermögen zur Rache , in Wohlthaten zu verwandeln, schmecken konnte. Diese heiligste nnb reinste der menschlichen Ergötzungen verschafften ihm die jetzige neue Herrschaft von Neapel. Sobald Otto mit seinen Truppen in dir Stadt eingrbrvchen» und Herr von ihr geworden war, entfloh eine große Anzahl von vornehmen und niedrigen Bürgern beyderley Geschlechts aus Furcht nach Capua, Tarda, Sizilien nnd andere Oerter , fünfhundert von den Vornehmste«, besonders Frauenzimmer, begaben sich «ach Avrrfa. Otto schickte einige von seinen Freunden ihnen nach, und bat sie, wieder nach Neapel zu kommen, mit Versicherung seines Schutzes und Gnade. Sie wurden unter einer ansehnlichen Bedeckung zurück in die Stadt gebracht, und erhielten die gewissesten Versprechungen, daß weder ihren Personen, noch Gütern, noch Freunden, das geringste Leib zugefügt werden sollte. , "5 Am folgenden Tage nach der Rückkehr dieser Furchtsamen ließ Otto ein Edikt anschlagen, und öffentlich bekannt machen, daß bei Todesstrafe sich keiner von seinen Soldaten oder andern Personen unterstehen sollte, irgend einen Menschen in Neapel auf irgend eine Art zu beleidigen, oder ihren guten Namen, Hqusern und Gütern Schaden zuzu- fügen. Als hierauf verschiedene Personen sich bei dem Herzoge selbst einfanden, und ihn um Verzeihung ihrer Verbreche» gegen seine Person und gewesene Gemahlin anflehten, rührte dem guten Prinzen das Mitleid mehr als das Andenken an das vorige Unrecht. Er vergab gern, weil es seinem rechtschaffenen Herzen Freude machte. Bei einigen, die über ihre vorigen Vergehungen in Thränrn ausbrachen, ließ er selbst Thränen blicken. — ,,U nd warum" sagte er, „habt ihr denn meiner Gemah. „lin und mir so viel Uebels gethan, ohne „an so viele Wohlthatrn und Liebe zu „denken, die sie euch erzeugt hatte?^"- Gr ließ auch alles dasjenige, was den Bürgern und Vornehmen in der ersten Wuth war geraubet worden, wieder zusammen suchen, und den Eigenthü-- mern wieder geben, so weit diese Vorsicht nur reichen konnte, da alles zu erstatten unmöglich war..— So betrug sich Otto der Sieger; neue andere Sj- grnschaften zeigte Otto der Feldherr und Regent. Es ist schon vorher erinnert worden, daß ihm bis zur Ankunft des Kaisers Ludwig aus Provence H' 2 n6 die Regierung anvertrauet war, wenn er bas Land erobert hätte. Jetzt nach der Einnahme von Neapel bemühte er sich mit Sorgfalt, jedem Theile seiner Aufträge Genüge zu leisten. Durch Großmuth und Gelindigkeit machte er sich die Untrrthanen eigen, durch Muth und Wachsamkeit sein Glück getreu, und durch Einrichtung des sittlichen und politischen Zustandes die Wohlfahrt des Landes zur Begleiterin seines Glückes. Er hatte in der Regierung der Markgrafschaft Montserat die Staatsklugheit geübt, und seine Talente in der Regierungskunst genährt, jetzt war er also desto fähiger, seinen Posten in Neapel zu verwalten. Da die Stadt einen Mangel an Brob und anderen Bedürfnissen erlitt, so zog er selbst mit einem Theile der Besatzung aus, und versähe durch seine Anstalten die Stadt mit allem, was nöthigwar. Gr kam hierauf zurück, und reiste wieder ab und zu, nachdem seine Gegenwart hier und dort erfordert wurde. Unverdrossen und thätig für das gemeine Beßte erwarb er sich allgemeine Hochachtung und Liebe, und bei den Feinden, die an verschiedenen Qertern sich befestigten, große Furcht. Die Feinde wagten es, selbst Neapel zu umlagern , und die Zufuhr abzuschneiden. Otto sah sich genöthigt, immer selbst an dir Spitze der Truppen zu treten, welche Fütterung und Lebensmittel holten. Unter ihnen hatte jedermann Muth, immer kam er glücklich, und mit dem, was er gesucht hatte, versehen zurück. Am rzten August versuchten die Feinde «inen Uebrrfall auf Neapel. „Dirßmal" sagt rin gleichzeitiger Schriftsteller, „wurde die Stadt allein durch „dir Tapferkeit des Herzogs Otto gerettet." Er schlug die Feinde, da er durch List von allem benachrichtigt worden war, hinweg, und darauf zogen sie sich schüchtern zurück, weil sie glaubten, das; gegen «inen Feldherrn, wi« Otto war, nichts jemals auSzurich- ten sey. Der Herzog von Anjou, Ludwig, der sich nunmehr schon einen König von Neapel nannte, obgleich noch nicht die Hälfte des Reiches erobert war, sandte im Oktober des IahreS 1387. an seine Statt einen neuen Regenten nach Neapel, mit dem Ka- raktrr rinrS VizekönigS. Der Herr von Montjouy, der neue Vizrkönig, erweckte eben so sehr die Eifersucht der Italiener, als deS Herzogs Otto, dieser sah sich auf einmal unvrrmuthrt der Regierung beraubt, und seine Treue, Sorgfalt und Aufopferung mit Undank belohnt. Welch menschliches Herz bleibt bei Ungerechtigkeiten unempfindlich Der neue Vizrkönig wollte ferne Herrschaft zeigen, und da er nicht Klugheit und Mäßigung hatte, so entrüstete er die ohnehin schwierigen Ermüther. Er befahl dem Herzoge Otto, zu ihm zu kommen, um die Aufträge deS Königs Ludwigs an sich zu empfangen. So war der Herzog nicht gewohnt, behandelt zu werden. H8 Mit drin Verdruß- über den neuen ihm entgegen gesetzten Vizekönig, verband sich der Unmuth über die unwürdige Begegnung. Montjouy begegnete ihm als ein gebietender Oberherr. Nach dem Vertrage zu Avignon sollte Herzog Otto Regent von Neapel bis zur Ankunft des Königs seyn. Er war kein Vasall vom Könige Ludwig, sondern ein Freund, der ihm Hilfe leistete, und dem man die gegebenen Versprechungen nothwendig halten mußte, seine bisherige Regierung hatte die Vor- theile Ludwigs auf gleich wichtige Art mit der Wohlfahrt des Landes verknüpft und vermehrt. Cr hatte durch Gelindigkeit und Großmuth dem Könige die Herzen der Neapolitaner, und durch den Muth in den Waffen die festen Plätze ergeben gemacht. Die Eroberung der Hauptstadt war sein Werk, und ihre, gewiß sehr schwere, Vrrthridigung erhöhte täglich das Verdienst seiner Eroberung. Unter seiner Regierung war die Parthey des Gegenkönigs Ladislaus gedämpft worden, daß sie an keine weitere wichtige Anfälle dachte, sondern sich nur zu erhalten, und noch einen schwachen Widerstand zu leisten suchte. Es wäre etwcrs außerordentliches gewesen, wenn ein so verdienter Fürst nicht von der Scheelsucht hätte sollen angegriffen werben. Das Erhabene ist stets den Wettern mehr als das Nieder- ausgesetzt. IlK Otto mußte Feinde haben, weil er ein großer Mann war. Durch diese hatte der König Ludwig Verdacht oder Abneigung sich einflüßen lassen, und zu seinem größten Schaden dem Herzoge dir Regierung entrissen , welcher als Freund oder Feind gleich wichtig blieb. Der Statthalter und Vizekönig Montjom) forderte vom Erzherzoge Otto den Gehorsam einer Unterredung. Otto ward argwöhnisch. Nachdem er die heftigsten Schwierigkeiten besiegt, und dem Hause Anjou den Weg nach Neapel bereitet, und die Thor« der Hauptstadt eröffnet hatte, nachdem er mit öfterer Gefahr seines Lebens alle Hindernisse überwunden, die Feinde verjagt, und «ine Herrschaft gegründet hatte, die er nun eben erweitern wollte, ward er schnell aus allen Entwürfen gerissen, und sollte einem Untrrthan gehorchen. Selbst sein Ruhm litte darunter, und er konnte gr- nöthiget werden, alles Gute, durch den Eigensinn eines unkundigen Menschen selbst zu verderben. Von diesen und ähnlichen Gedanken geleitet gieng kr nicht an den bestimmten Ort. Der größte Theil seines Heeres war ihm getreu, er gieng nach Sant Negota, und ließ sich mit der Gegenparthey des Königs Ludwig in Unterhandlung ein. »20 Margaretha, die Wittwe des verstorbenen Königs Karl, hatte kaum den Unmuth des Herzogs Otto erfahren, als sie ihm die vortheilhaftesten Bedingungen antragen ließ. Sie wußte, wie allgemein verehrt Herzog Otto sey, mib seinen Muth unkriegerischen Ruhm kannte jedermann. Einige erzählen, daß unter den angrtragenen Bedingungen die Vermählung des Herzogs mit der Königin Margaretha gewesen sey. Andere halten dieses für unwahrscheinlich; man kann nicht entscheiden. Es war leicht möglich , daß dir Königin durch die vorgrschlagrne Vermählung ihn sich bestomehr ver Kindlich zu machen suchen konnte, zumal, da man von der Königin Johanna her noch wußte» baß Otto nicht fo gierig aus Kronen sey, sondern anstatt sie selbst zu tragen, sie lieber für andere beschützte. Ss war aber eben so leicht möglich, baß man sich bei gegenwärtigen Unruhen und bei dem starken Anhänge, welchen Otto im Königreiche hatte, für eine Verbindung hüten mußte, welche Revolutionen zu Folgen haben konnte. Der Karakter des Herzogs aber scheint der Der- muthung zu widersprechen, daß er auf eine neue Vermählung mit einer zweyten Königin itzt gedacht habe. Cr diente gern uneigennützig. Otto , sobald er in die Dienste der Königin Margaretha und ihres Prinzen, des jungen Ladislaus, getreten war, girng der tzegenwärtige Krieg mit I2t neuer Lebhaftigkeit an. DaS Schloß Nuvvo b-j Neapel war noch in den Händen der Margaretha, und bekam neue Verstärkung. Man befestigte die andern Plätze, und machte den Winter im Jahre IZ88. zu einer Vorbereitung des künftigen Feldzuges auf beydrn Seiten. Auch der Winter war nicht ruhig, sondern schon im Iäner belagerte der neue Statthalter des Königs Ludwig das Schloß Capuana, welches dem jungen Ladislaus gehörte. Der Kastellan vertheidigte sich, so gut er konnte. Otto kam den Belagerten mit vier tausend Mann zu Hilfe, und wollte das Schloß entsetzen, mußte sich aber wegen der überwiegenden Anzahl der Feinde zurückziehen. Die Belagerung wurde darauf so heftig fortgesetzt , daß das Schloß im April dieses Jahres eingenommen wurde. Der Statthalter Mvntjvuy belagerte nach dieser Einnahme auch Castelnuovo. Otto hingegen machte diesen Versuch vergeblich, indem er von Garta her Hilssvölkrr zusührte, und sie mit Geschicklichkeit in Las Schloß zu bringen wußte, worauf die Besatzung stark genug war, dem Feinde Widerstand zw leisten, und seine Belagerung ganz fruchtlos zu machen. Durch die wechselnden Abänderungen und besonderen Vorfälle im Königreiche Neapel wurde endlich Ludwig genöthigt, selbst dahin zu kommen, und durch seine Gegenwart dem Kriege vielleicht den Ausschlag zu geben. ?- j ^ ^ '' Die Feinde, auf deren Seite itzt Otto stand, weicher nichts verabsäumte, seine Hilfe mächtig und wirksam zu machen, erhielten itzt neue, Heller» Aussichten. Nachdem Pabst Urban gestorben, und Bo- nifazius erwählet worden war, nahm das Schicksal der Durazzischen Familie eine andere Gestalt an. Bonisazius war klug und sanft. Da die Königin Margaretha Gesandte an ihn abgehen ließ, und ihren jungen Prinzen Ladislaus von 14 Jahren seinem Beistände empfahl, so erklärte er sich sogleich für sie, und ließ den Prinzen Ladislaus zum Köniz von Neapel krönen. Bonisazius unterstützte den Prinzen Ladislaus und seine Parthey. Er schickte Geld, Pferde und Dölkev zu Hilfe» und that einmal nach dem andern den König Ludlbig, welcher 1390. in Neapel angekvmmen war, in den Bann. In den neuen Feldzügen gegen den König Ludwig, welche einig« Jahre svrtdaurrtrn, ohne erheblich zu werden, verherrlichte Otto seinen Ruhm immer mehr. Man wird hier nicht rin chronologisches Verzeichnrß aller kleinen Gefechte und Scharmützel suchen, welche vorfirlrn, und rntwedrr Muth des Siegers, oder die Vorsichtigkeit des Feldherrn, der sich in dir Umstände zu schicken weiß, anzeigten. Man würde unwillig werden, wenn hier «in langes Tagregister von kleinen Vorfällen folgte, wodurch weder der Geist Otto's näher bekannt, noch die Betrachtung darüber angenehm würde. Auch I3Z wäre brr Biograph nicht fähig, ohne zu erdichten» Umstände anzugeben , welche die Erzählungen interessant machen könnten. Der Krieg zwischen den deyden jungen Prinzen, Ladislaus und Ludwig, gierig fort, langsam ohne Merkwürdigkeit, ohne entscheidende Treffen. Man eroberte Schlösser, schlug einzelne Schaaren, wurde wieder geschlagen, bekam dort Anhang, verlor ihn anderswo wieder, und in wilden, Getümmel verwüstete, siegte und erobert? man fruchtlos. Für das Ganze that man wenig, weil man immer wenig wagte. Unter diesen Vorfällen spielte Otto beständig eine von den Hauptrollen. Bei einer Unternehmung im Jahre rzyr. wurde: chm sein Glück ungünstig. Er gieng mit den vornehmsten Truppen des Königs Ladislaus gegen das Schloß Sanseverino, und wollte dasselbe erobern und zerstören, und von da nach Kalabrien eindringen. Dieser Plan wurde von den Feinden verrathen, sie suchten zuvorzukommen, und eilten, so flüchtigste konnten. In einem Tage und einer Nacht legten fie 70 italienische Meilen zurück, und überraschten den Herzog Otto mit seinem Heere unvermuthet. Der Uebrrfall war so nnversehen, so schnell, so übertäu- bend, daß keine Errettung gefunden wurde. Ein großer Theil von dem Heere wurde grtödtet, der Herzog Otto selbst gefangen genommen, und mit ihm alle vornehme Ossizirre. Man gab den Gefangenen für starke Summen Geldes die Freyheit wieder. Otto mußte die Grafschaft Azerra verkaufen, «um sich aus der Gefangenschaft zu erlösen. — Als er dann frey war, unterstützte er wieder die Par« they des Königs Ladislaus mit Eifer, und blieb ihr beständig getreu. Dielleicht stellten sich einige von unfern Lesern die Dienste des Herzogs beim Könige LadiSlauS und seiner Mutter, der Königin Margaretha , nach dem Degriefe unserer Zeiten vor; so war es nicht. Die kriegerischen damaligen Perioden, wo kleinere Privatkriege in Italien sowohl als in Deutschland häufig geführt wurden, erzeugten verschiedene einzelne Schaaren von Soldaten, welche unter den Befehlen eines Obern stunden, der ihnen Sold gab, und sie, wozu er dann wollte, brauchte. Wenn die kriegführenden Fürsten sich gegen ihren Feind zu schwach fühlten, so nahmen sie zu den Generalen von solchen einzelnen Schaaren ihre Zuflucht, «nd bedungen sich von ihnen in dem gegenwärtigen Kriege auf gewisse festgesetzte Bedingungen Hülfe; wenn die bestimmte Zeit verstrichen, oder der Krieg geendigt war, so gieng rin solcher General mit seinen Truppen hinweg, entweder in sein eigenes Gebiet, wenn er etwas eignes besaß, oder er suchte andere Gelegenheiten, seine Tapferkeit und sein Volk zu brauchen. Bei den sehderrichen Zeiten fehlte rS nicht leicht an solchen Gelegenheiten. ES gab anch Freche, welche mit ihren Völkern hernach, wenn sie weiter keine Beschäftigungen hatten, Räubereyen auSübten. Solche Feldherren» wie wir jetzt beschrieben haben, waren im vierzehnten Jahrhunderte in Deutschland und in Italien sehr häufig. Kleinere Fürsten nutzten diese Gelegenheiten mit reichen Dortheilen, und machten daraus eine Quelle der Vermehrung ihrer Macht, ihres Ansehens, und ihrer Besitzungen. «25 Diesen Stand adelte Otto durch Grvßmuth, Treue» und redliche, gute Gesinnungen. Sein Ansehen stieg durch die verschiedenen Proben seine« Muthe«, und durch die Wichtigkeit seine« Verstände«. Er that sich allenthalben hervor, und wen» da« Glück ihm den Rücken kehrte, so schien er sogar selbst da« Glück zu besiegen, und verbesserte bi« zum Unglaublichen schnell die mißlichen Umstände. Einen Thril seiner Sorgfalt erhielt immer da« Markgrafthum Montferat, worin» er nicht nur einige Besitzungen hatte, sondern auch den jungen Markgrafen Theodor beschützte. In einer Urkunde der Huldigung von Monteviko vom Jahr 1392. bemerkt man, daß der junge Markgraf Theodor in seine« Bruder« und de« Herzog« Otto Namen den Eid der Treue sich leisten ließ. Die Regierung von Montferat aber beschäftigte ihn itzt nicht mehr so sehr, al« die Angelegenheiten von Neapel, und des jungen König« Ladislaus, welchen» er eifrigen Beistand leistete. Die Geschichte in den Jahrbüchern schweiget hier von dem Herzoge Otto, und erzählen uns blv« im allgemeinen, daß er im Reiche, in Neapel, in guten Ansehen gelebt, und seinen Ruhm behauptet und vermehrt habe. Bei einem andern würde diese« Stillschweigen mehr, al« bei unserm Fürst zn bedaurrn seyn, ein Fürstaber, den wir zwey und sechzig Jahre ruhmvoll zurücklegen gesehen haben, kann die Achtung für sich, und da« Gl««- I 26 keiche kaum vermehren, wenn er auch noch den Rest fernes Lebens durch wichtige Thaten auszeichnet; rS ist wahrscheinlich, daß der ermüdete Held die letzteren Tagt eines thatigen Lebens der Ruhe geschenkt habe. Die Besitzungen des Herzogs Otto find eben so ungewiß, als die Thaten seiner letzten Jahre dunkel. Daß er das Fürstenthum Tharent ver- muthlich wieder erhalten, und gleich nach der Be- frryung aus der Gefangenschaft des Königs Karls den Besitz davon scheint bekommen zu haben, ist schon vorher bemerkt worden. Der Verkauf von der Grafschaft Azerra zeugt deutlich, daß er nicht alle diejenigen Güter verloren habe, welche ihm seine Gemahlin, die Königin Johanna schenkte; wie weit sich seine Herrschaft in Absicht des Herzogthums Braunschwcig erstreckt habe, kann ebenfalls nicht mit Gewißheit behauptet werden, obgleich ein Gelehrter zu beweisen suchte, daß in Regierungs- geschäftrn nichts an ihm gebracht worden sey, ausser der Präsentation zu den Präbrnden, bei dem Stift St. Blasii zu Braunschwig. Eine Stelle in einer Urkunde dürste dennoch vielleicht anzrigen, daß auch in weltlichen Dingen Herzog Otto einen Anthril gehabt habe. Ich traue es meinen Lesern nicht zu, daß sie gerne sehen würden, wenn ich mich Lber die Besitzungen des Herzogs Otto mit Weitläufigkeiten auSbreiten wollte. Die Güte des Herzens, und das für andere «ohlthätige Leben des Herzogs Otto haben wir schon genug kennen gelernt. Auch dri der Tre» ckeiiheit der Geschichtschreiber seiner Zeit schimmerte immer der Geist und der Karakter Otto's denen übrigen großen Männern zuvor. Er war, wie ein gleichzeitiger Skribent uns weiter noch versichert, auch in den Wissenschaften nicht gänzlich unerfahren, eine geringe Krnntniß mußte bei ihm in seiner Periode, in seinen Umständen, schon Verwunderung erwecken. Den vorzüglichsten Ruhm erwarb er sich in den Waffen, und diesem Ruhme hatte er dem Antrag zweyer Königinnen, dir ihm bryde zum Gemahl verlangten, zn danken. Wie groß er in der Regierungskunst gewesen sey, bewieß die Zuversicht des alten Markgrafens Johann von Montferat, welcher ihn zum Vormund und Regierer seiner Prinzen machte. — Der Pabst Gregor der Neunte gab ihm das Lob einer guten Staatsklugheit nnd rrhabn n Eigenschaften. Dei der rhrgeitzigen Königin Johanna zeigt« er die Kunst, sich in lästige Karaktere schicken zu können, denn einen solchen Karakter besaß Johanna. Die Fassung, welche er gegen den König Karl zeigte, als er in feine Gefangenschaft gerathen war, bewieß auch den gesetzten Geist des Fürsten.— Die Grvßmuth gegen die aus Furcht entflohenen Neapolitaner, und die Gnade der Verzeihung, welche er ihnen dann auch sogleich mit weichem Mitleid erthrilte, waren Zeugnisse, daß sein Herz nicht zur Grausamkeit geneigt sey. Als der neue Vizekö- nig von Neapel ihm befehlen wollte, da er nicht nur Ursache, sondern, welches noch wichtiger in unserer Welt ist, auch Erlaubniß hatte, selbst zu befehlen, so gehorchte der tapfere Deutsche nicht. Weil Köniz *L8 Ludwig ihm sein Versprechen nicht hielt, so verließ er seine Parthey, und zeigte, wie viel er an ihm verloren hatte. Gesetzt, tapfer, nachdenkend, und wenn erhandelte, nachdrücklich mit allen Lräften, weder untreu noch leichtsinnig, zeigte er sich beständig. So, und durch edle große Tyaten, Wirkungen seiner großen Talente und seines guten Karak- trrs wurde er dir Heldenrhre der Deutschen unter dem italienischen Himmel. Das Jahr seines Todes kann man nicht bestimmen , nach einer ausbewahrten Urkunde lebte er noch in dem Jahre 1398. Er wurde zu Foggia in Aru- lirn begraben, und blieb also dermuthlich bis an seinen Tod in diesem Lande. Cr starb ohne Erben, und hinterließ das Andenken eines merkwürdigen Lebens und schöner Thaten. Wenn sein Biograph bei Erzählung derselben nicht kaltblütig blieb, so waren Lobsprüche der Tribut, den der Geschichtschreiber dem Verdienste schuldig ist. ^ ^-- 5 ^. «»«- ''L?^