Wienei- 8tgcit-8ill>ioi>i6><. KRWM 11297 N Beschreibung der Stadt s e n. Plastilch IIr Schau aufgestellt i u ldfl j e n. Wien(lat. Vinäobons, Visnnu), die alte Hauptstadt des einst kleinen Herzogthums Österreich, ich seit Kaiser Maximilian I. die bleibende Residenzstadt der Beherrscher von Österreich und der Sitz aller höchsten Central- staatsbehörden, der Provinzialbehörden für das ganze Erzherzegthum oder auch blos für Niederösterreich, wie der niederöstr. Landesregierung, des Ap- pellationsgerichts und„der vereinigten Kameralgefällenverwaltung für das ganze Erzherzegthum Österreich u. s. w., eines Fürstbischofs und eines erzbi- schoflichen, fo wie eines protestantischen Consistoriums. Sie liegt am nördlichen Fuße des sogenannten Wiener Bergs und am rechten Ufer eines kleinen Armes der Donau, in welche, innerhalb der Linien, die Wien, der Ottakringer- und Alserbach, beide letztere nunmehr durch ungeheueren Aufwand mit festen Gewölben überdeckt, münden, und hat mit Inbegriff der 34 Vorstädte einen Umfang von 3'/r M. und zählt über 9000 Häuser 34 Kirchen, 19 Kapellen, 23 Klöster und, mit Einschluß einer Garnison von 20,060 Mann, gegen 420,000 Einw., worunter durchschnittlich 5000 Fremde. Die eigentliche Stadt, in der Mitte der Vorstädte gelegen und nur etwa den zehnten Theil des Ganzen bildend, war ehemals Festung und ist von den Vorstädten durch das 600 Schritt breite, durch Wiesenplätze und Alleen wie m einen Garten umgewandelte Glacis-, einen Graben und einen 40— 60 F. hohen Wall mit elf regelmäßigen Bastionen getrennt. Diese Überreste der alten Befestigung sind jedoch, nachdem die Franzosen bei ihrem Abzüge 1809 die Außemverke und den Wall vor dem Schotten- bis zum Kurnthnerthor sprengten, und seitdem man zum Theil die Bastionen in schöne öffentliche Garten und Spaziergänge, die Gräben und Wälle in Wege verwandelt hat, nicht mehr im Stande, die Stadt gegen einen feindlichen Anfall zu schützen. Uebrigens ist die eigentliche Stadt, wiewohl in jüngster Zeit zur Verbreiterung der Gaffen und Straßen, wie zur Beseitigung der allzu- beengten Passagen Außerordentliches geschah, nichts weniger als regelmäßig gebaut. AlS eine alte Stadt hat sie, zumal in ihrem alten Kerne, meist krumme und enge Straßen und Gäßchen, deren man im Ganzen 127 zählt, 2 neun große und zehn kleine Plätze, 1329 massive, bis zu sieben Stock hohe Häuser mit über 61,900 E-, und wird in das Stuben-, Kärnthner-, Wim- !»er und Schottenviertel eingetheilt. Die Straßen sind hier sehr schon mit Granirwürfeln gepflastert, werden sehr reinlich gehalten und sind durchaus mit GaS trefflich erleuchtet; der Bürgersteg ist mit TrottoirS belegt. Regelmäßiger als die eigentliche Stadt sind die Vorstädte erbaut, welche durch breite großartige Gassen, wie die Jägerzeile und Taborstraße, schöne, nur drei bis vier Stock hohe Häuser setwa 7200) und eine Menge Sommerpaläste und Gärten der Familien des hohen Adels sich auszeichnen. Auch hier beschränkt sich die Pflasterung nicht blos auf die Hauptstraßen, sondern dehnt sich mehr und mehr auf die Seitengassen aus, die beide größtentheils vollständige nächtliche Erleuchtung haben. Die Vorstädte schließen Gärten, Wiesen und Felder ein und werden ihrerseits zugleich mit der eigentlichen Stadt wieder auf der Landseite durch die sogenannten Linien, einen seit 1709 gegen die Kuruz- zeneinfälle aufgeführten, jetzt aber mehr als Verzehrungssteuerlinie dienenden 12 Fuß hohen Wall und Graben mit 12 Thoren, geschlossen. Diese Vorstädte, unter denen die Mieden mit 8S2 Häusern u.93,000 E., die Landstraße mit 651 Häusern und 26,000 E., die Leopoldstadt mit 625 Häuser» und 29,000 E., das Schottenfeld mit 188 Häusern und 21,000 E., und Gumpendorf mit 119 Häusern und 18,000 Einw., die umfangreichsten sind, sind in acht Polizeibezirke getheilt, ziehen sich rings um die Stadt herum, beginnen bei der Weißgärbervorstadt, da wo die Wien in die Donau fällt, und endigen bei der Roßau. über das Wienflüßchen führen zwei steinerne, eine Bohlen- und eine Kettenbrücke, ein Ketten- und mehre hölzerne Stege, und es wird gegenwärtig daran gearbeitet, die älteren, bereits baufälligen ober zu sehr beengten Brücken mit Siegen durch neue zu ersetzen. Über den vorzüglich zum Transport von Brennmaterial und Victualien bestimmten Wiener Danaukanal leiten 6 Brücken, darunter drei Kettenbrücken. Zu beiden Seiten sind gepflasterte Quais. Das jenseitige Donauufer ist miffder Insel der Leopoldstadt durch hölzerne Jochbrücken sowie mittels der Eisenbahnbrücken verbunden. Die südlichen hochgelegenen Vorstädte sind von Wasser entblößt und müssen durch die von Hütteldorf zwei Stunden weit vom Herzog Albert von Sachsen- Teschen und seiner Gemahlin, der Erzherzogin Christine, nach Wien geführte Wasserleitung, die mittels 16,000 eiserner Röhren zwölf Brunnen speist, sowie durch die neue Kaiser-FerdinandS-Wasser- leitung, welche durch sieben Dampfmaschinen aus einem bei Nußdorf angelegten Bassin Donauwaffer schöpft und es mittels gußeiserner Röhren in die Vorstädte leitet, mit Wasser versorgt werden. Außerdem gibt es im Bereiche der Stadt 10 artesische Brunnen. Zur Beförderung der Reinlichkeit haben die Vorstädte wie die eigentliche Stadt unterirdische Kanäle, welche unmittelbar in die Donau münden und allen Unrath dahin abführen DaS Klima in Wien ist sehr unbeständig und windstille Tage zählt man jährlich kaum mehr als 10. Eine Hauptplage ist der fortwährende Staub, welcher häufige Lungen- und Augenkrankheiten erzeugt. Am gesündesten sind die südlichen und südwestlichen Vorstädte, welche auf den Abhängen des Wiener- und Kah- lmberges liegen. Wiest hat mehre sehr schöne Stadttheile, besitzt zahlreiche herrliche öffentliche Plätze und ist reich an geschichtlich merkwürdigen und durch Pracht sich auszeichnenden Gebäuden sowie an geschmackvoll und solid gebauten Privathausern- Die lebhaftesten, elegantesten und durch prunkendeQluslagen in stehende Kunst- und Industrieausstellungen umgewandelten Stadtthcile 3 und der Graben und der Kohlmarkt; auch der Stephansplatz, die Bischots- qasse und die Rothenthurmstraße, durch welche die Praterfahrt geht, sind sehr belebt. Unter den Plätzen zeichnen sich durch Größe aus: der sogenannte Hof, mit einer von Leopold I. zu Ehren der unbefleckten Empfängmß Maria errichteten metallenen und zwei andern an einem Springbrunnen stehenden Säulen; der neue Burgplatz(früher Paradeplatz), der grösste unter- allen in W., 950 F. lang und mit einer schönen Allee geziert; der Franzensplatz (fr. Burgplatz), mit dem von Marchesi verfertigten Monument zu Ehren des Kaisers Franz!.(1816); der Josephsplatz, hinter der Burg, mit der von Zar» ner gefertigten bronzenen Reiterstatue Kaster Jojeph's II.; der hohe Markt mit einem von Karl VI. errichteten tempelartigen, Mariens und Joscph'S Vermählung darstellenden Denkmal; der neue Markt mit einem durch Statuen aus Blei von Raphacl Donner'sMeisterhand verzierten Wasserbecken; der Stephansplatz mit der St. Stephans.Domkirche und dem merkwürdigen. sogenannten Stock in Eisen, einem sieben Fuß hohen Stamm, über und über mit Nägeln bedeckt, das letzte Überbleibsel des Wienerwaldes am Platze der jetzigen Stadt; und die Freiung mit dem neuen Brunnen, geschmückt durch Schwanthaler's allegorische Darstellungen der vier Hauptflüsse der Monarchie(1846). Die Vorstädte haben nur wenige und mir denen der Altstadt keinen Vergleich aushaltende Plätze. Ungemein zahlreich sind die öffentlichen Gebäude und Paläste der Fürsten, Grasen und reichen Familien, deren jede, wenigstens aus den deutschen und ungarischen Erblanden, in Wien ihren Palast hat. Man zählt deren, mit Einschluß der kaiserlichen Burg, 125; doch sind unter ihnen fast nur diejenigen durch Architektur ausgezeichnet, welche im 18. Jahrh. Fischer von Erlach erbaute. An der Spitze der Paläste steht dem Umfange nach die den erwähnten Franzensplatz umschließende kaiserliche Burg, das Residenzschloß des Kaisers, am Südente der Stadt, ein etwa 120V Fuß langes, älteres, großes Gebäude von sehr unregelmäßiger Bauart und zu verschiedenen Zeiten, daher auch in sehr abweichendem Style aufgeführt, mit drei Höfen, zwei kleinen und einem großem, der 180 Schritt lang und 105 Schritt breit ist. Der östliche Theil, der Schweizerhof genannt, wurde schon zu Anfang deS 15. Jahrh, erbaur, später und zum Theil erst 1805 restaurirt und vom Kaiser Franz bewohnt,- der westliche Flügel in der Mitte deS 17. Jahrhunderts errichtet, heißt der Amalienhof nach der Kaiserin Amalie, Josephs I. Witwe. Der nördliche Flügel, nach seiner einstigen Bestimmung die Reichskanzlei benannt, das geheime Haus-, Hof- und Staatsarchiv umfassend, von Fischer von Erlach aufgeführt, ist der schönste Theil der Burg. Im südlichen Flügel, den Vorstädten zugekehrt, reüdirt gegenwärtig der Kaiser; auch befinden sich hier die Prachtzimmer und Säle, wo die Hoffeste gefeiert werden. An die Burg angebaut sind die Gebäude der kaiserlichen Hofbibliothek, daS Naturalien-, Münz- und Antikenkabinet, das Burgtheater und die Winterreitschule, für die schönste in Europa gehalten, deren Fronte gegen den Michaelisplatz hingeht und in der sich auf 16 steinernen Säulen eine ringsum laufende Gallone befindet. Vor der Burg öffnet sich daS auS zwölf dorischen Säulen gebildete prächtige Burgthor, daS seit dem Jahre 1821 vollendet ist. Andere Paläste oder palastähnliche Gebäude sind das kaiserliche Zeughaus, eine der reichsten Waffensammlungen in Europa, viele höchst anziehende Gegenstände des Mittelalters bis auf die neueste Zeit enthaltend, darunter nebst schönen Rüstungen, Schutz- und Trutzwaffen, das Koller Gustav Adolf's, welches er bei Lützen trug, viele Kriegstrophäen, namentlich aus 4 den Türken- und den franz. Kriegen(vgl. Leber,„WienS kaiserliches Zeug. Haus", 2 Bd., Lpz. 1846); das bürgerliche Zeughaus mit vielen Rüstungen und Waffen; das deutsche Ordenshaus; der Schottenhof, ein sehr reiches Kloster; das Trattner'sche Haus und das sogenannte Bürgerhospital, welches zehn Hofe und SIS Wohnungen mit mehr alS 1100 Bewohnern hat; ferner der Melkerhof, der Abtei Melk gehörig; der erzbischöfliche Palast, die päpstliche Nunciatur, der Bellegardehof, das neue Sparkassenge- bäude, die östr. Nationalbank, das niederostr. ständische Landhaus und andere. Unter den Privatgebäuden, von denen viele höchst sehenswerthe wissenschaftliche und Kunstsammlungen enthalten, zeichnen sich aus der Palast des 1817 verstorbenen Erzherzogs Karl, sonst des Herzogs von Sachsen-Te- schen,kjetzt von der Familie des Erzherzogs bewohnt; die Paläste des Erzherzogs Maximilian; der mit ungeheuren Kosten nach dem neuesten Geschmack eingerichtete Palast der Fürsten Liechtenstein in der Schenkenstraße; der neue Palast des Herzogs von Sachsen-Koburg-Kohary am Karolinenthor und die Paläste der Grafen Schönborn, Dietrichstein und des Fürsten Starhem- berg, der Bazar u. s. w. Auch in den Vorstädten finden sich große schöne Gebäude und prächtige Paläste. Unter ihnen ragt hervor das kaiserliche Lustschloß Belvedere, einst der Palast Eugen's, mit der großen kaiserlichen Gemäldegallerie, der Ambraser Sammlung und einem öffentlichen Garten; die Paläste des Grafen Dietrichstein, dem Josephinum gegenüber; des Fürsten Liechtenstein in der Roßau, mit seiner herrlichen Gemäldesammlung, und in Erdberg(vormals Rasumowsky), Ersterhazy, Schwarzenberg und Met- ternich, und der ungarischen Nobelgarde; das neue magistratische Cri- minalgebäude; das Starhembergische Freihaus in der Vorstadt Mieden, auch Herrschaft Konradswörth genant, mit 300 Wohnungen und 2200 Zinw, das Jnvalidenhaus, die Theresianer Ritterakademie, die Jngenieurakademie, die großen Reiterkasernen der Josephs- und Leopoldstadt und die Alserkaserne; die allein 15,000 M. Infanterie fassen kann; die große herrliche Thierarzneischule, das neue Hauptzollamtgebäude mit den geräumigen Magazinen, nächst dem Hafen des Wr.Neustädter Schifffahrtskanals; die beiden Eisenbahnhöfe, das Gebäude des polytechnischen Institutes mit dem sehenswer- then Produktenkabinet von 20,000 verschiedenen Fabrikaten, der kaiserliche Marstall, die Gebäude der kaiserlichen Porzellanfabrik, welche eine ganze Straße einnehmen, das Theater an der Wien und das Karltheater in der Leopoldstadt. Unter den Kirchen der Stadt, die in acht Pfarreien eingetheilt ist, neben welchen noch eine Pfarrei der nichtunirten Griechen besteht, sind die merkwürdigsten: die St. Stephanskirche, eines der schönsten Denkmäler altdeutscher Baukunst, mit alten Resten im roman. Style, 1111 eingeweiht, 1360 zum jetzigen Umfange begonnen und im 15. Jahrhundert vollendet. Sie ist 333 F. lang, 222 F-. breit und 105 F. hoch, enthält 38 marmorne, jedoch durchgehend!) im Ungeschmack des 17. und 18. Jahrh, ausgeführte Altäre, 18'hohs freistehende Pfeiler, 31 Fenster, darunter einige mit Glasmalereien, die äußerst zierliche Kanzel von A. Pilgram(1c»10), den allen Taufstein von 1181, die herrlichen Schnitzstühle von 1181 von W. Rol- linger, zahlreiche Grabmäler, unter denen der Marmorsarkophag Fned- rich's III., von Nikol. Lerch begonnen und von einem Meister Michel 1513 vollendet, vor dem hohen Passionsaltar, und das schöne Grabmal des Prinzen Eugen von Savoyen sich auszeichnen; die Kirche selbst ist mit bunten Glasziegeln gedeckt. Der unterirdische Theil dieser Kirche besteht aus 30 mächtigen Gewoben, welche ungeheure Katakomben bilden, und aus der Fürstengruft, worin jedoch nur die Eingeweide der verstorbenen Mitglieder der kaiserlichen Familie in kupfernen Urnen aufbewahrt werden. Der berühmte Thurm, der stärkste in Europa, von Meister Harms Brachadioz 1833 vollendet, hat 428 F. Höhe, eine 402 Etr. schwere Glocke, die 1711 aus turk. Kanonen gegossen wurde, mit einem 13 Ctr. schweren Klöppel, und bildet eine mit goth. Verzierungen und Thürmchen bedeckte Pyramide. Die Spitze wurde 1839 abgetragen und 1843 neu aufgesetzt. Ein Eisengerippe bildet die Unterlage, welche ungeachtet vielfältig erprobter Enahrungen über die Feindseligkeit der Eisen- und Steinverbindung, mit dem Gestein überkleidet ist. Zur Spitze führen 753 Stufen und drei Leitern. Die Hofpfarrkirche der Augustiner, die 1339 vollendet wurde, enthält Canova's berühmtes Monument^der Erzherzogin Christine, Gemahlin des Herzogs Albrecht von Sachsen-^,eschen, und die Denkmäler Kaiser Leopold'S II., Daun's und van Smietcn's, und bewahrt in der Lorettokapelle die Herzen der verstorbenen Personen des kaiserlichen Hauses in silbernen Urnen. Die in der jetzigen Gestalt 1412 vollendete, neuerlich restaurirte Kirche der Redemptoristen zu Maria- Stiegen mit schonen Altären, darunter zwei Schnitz- und Bilderaltäre im altdeutschen Style und Glasmalereien, hat einen ausgezeichnet schönen 180 F. hohen^.hurni, der in einen Blumenkelch endigt, aus welchem ein Kreuz hervorragt. Ferner sind zu erwähnen die Kapuzinerkirche, in deren unterirdischen Gewölben seit Kaiser Matthias die Leichname der kaiserlichen Personen ruhen, sowie sie auch das Mausoleum der Kaiserin Maria Theresia und ihres Gemahls, Kaiser Franz, und jenes des Kaisers Franz I.(II), den Sarkophag des HerzogS von Reichstadt u. s. w. umfasst; die italienische Kirche, zu Anfang des 15. Jahrhunderts vollendet, in welcher sich seit 1846 das herrliche Mosaikbild, Leonarda da Vinci's Abendmal vorstellend, befindet; die Michaelskirche mit ihrem schlanken Thurme, Bauresten im roman. Style und schönen Metallgüssen an Grabmälern; und die einfache kleine RuprechtSkirche blos wegen des hohen Alters merkwürdig, da der frühere Bau bis zum Z. 740 hinaufreicht. Die Kirchen in den Vorstädten sind alle im neueren Style gebaut; unter ihnen ist die Pfarrkirche zu St. Karl von Borromeo in der Vorstadt Mieden nächst der Stephanskirche die schönste in Wien. Sie wurde in Feige eines Gelübdes Karl's VI. wegen Abwendung der Pest 1736 und 1737 nach Fischer's von Erlach Plane von Martinolli im ital. Style aufgeführt und ist mit Kuppeln, Portalen, Gemälden und dem Denkmale Heinrichs von Collin geschmückt. Außerdem verdienen Autmerk- samkeit die Kirche der Salesianerinnen, nach der Peterskirche in Rom gebaut, die schöne Kirche der Trinitarier und die Frauenkirche auf Mariahilf mit dem wunderthätigen Gnadenbilde. Die unirten und nichtunirten Orie- chen haben zwei Kirchen, die Lutheraner und Reformirten jede ein Bethaus, jedoch ohne Glocken und Thürme, die Juden eine schöne Synagoge. Wien hat zahlreiche wissenschaftliche Anstalten. Unter ihnen steht oben an die 1365 durch Rudolf IV. gegründete Universität mit vier Faoultaten, 56 Professoren und 28 Assistenten, 2100 ordentlichen Zuhörern, von denen gegen 800 mehr als 40,000 Fl. an Stipendien beziehen, und 2000 außerordentlichen nebst einem Vermögen von4Ve Mil. Fl. Sie wurde 1622 den Jesuiten übergeben und, nachdem 1755 das neue Universitätsgebaude vollendet war, 1756 unter Maria Theresia durch van Swieten gänzlich umgestaltet. Mit der Universität stehen in Verbindung zwei Alumneen, die höhere Bildungsanstalt für Weltpriestcr, die 1819 gegründete und 1821 er- 6 öffnete protestantisch-theologische Lehranstalt, der botanische Garten mit mehr als 10,600 Pflanzenarten, das Naturalien-, anatomische, pathologische und chirurgische Museum, das Thierarzneiinstitut, welches jährlich 1800 kranke Thiere aufnimmt, mit besonders reichen Sammlungen, die Sternwarte, das physikalische unddaslandwirthschaftliche Cabinet. Ferner bestehen in Wien die kaiserliche Akademie der Wissenschaften, schon von Leibnitz als Idee aufgefaßt, 1846 von Kaiser Ferdinand I., mit der wahrhaft kaiserlichen Dotation von jährlich 40,000 Fl. C. M- in's Leben gerufen. Sie zerfällt in die mathematisch-naturwissenschaftliche und historisch-philologische Abtheilung, mit einem Präsidenten(Freiherr« von Hammer-Purgstall), einem Viceprä- stdenten, zwei Secretären, 42 ordentlichen und Ehrenmitgliedern aus allen Provinzen des Kaiserstaates, unter dem Curatorium des Erzherzogs Johann; die kaiserlich-orientalische Akademie, von Maria Theresia 1754 gestiftet, welche die Bestimmung hat, fähige Jünglinge zu Dolmetschern im Orient vorzubereiten; das von Joseph II. zur Bildung von Aerzten und Wundärzten für die Armee 1785 gegründete Josephinum, welches zwölf Professoren und 650 Schüler zählt, mit höchst merkwürdigen Präparaten und Kliniken im Militärhospital; das Theresianum oder die Theresianische Ritterakademie, 1745 für junge Edelleute gestiftet, von Joseph II. aufgehoben, von Franz I. aber wieder hergestellt, mit Gymnasial-, philosophischen und juridischen Studien, 33 Professoren und 148 Zöglingen; die Jngenieurakademie mit S1 Lehrern und 300 Schülern; zwei Convicte, das städtische und das gräflich Löwenburgische; drei Mädchenpensionate; drei Gymnasien, das Universitäts-, Pianisten und- Schottengymnasium; außer der zum Muster für die ganze Monarchie geltenden Normalhauptschule bei St. Anna, die zugleich Schul- lehrerseminar ist, neun Hauptschulen, darunter eine protestantische, 16 ordentliche Mädchenschulen, neun weibliche Arbeitsschulen mit Unterricht in neuern Sprachen, 52 andere weibliche Arbeitsschulen, 14 Privatzeichenschu- len für Profeffionisten und 59 Trivialschulen für die untern Volksklaffen. Hierzu kommen noch als Unterrichtsanstalten für die Kunst die von Leop. 1.1704 gestiftete und durchFranz 1.1812 erneucrteAkatemie der bildenden Künste, in 4 Kunstschulen getheilt, mit 17 Professoren und 1200 Schülern/an weist e ähr!ich1550 Fl. in Preisen vertheilt werden; ein Conservatorium der Musik mit 20 Professoren und 350 Schülern, zehn öffentliche und 22 Privatmusikschulen, endlich ein 1816 von Franz I. gestiftetes polytechnisches Institut in zwei Abtheilungen, mit 18 Professoren und bei 1500 Schülern. Die meisten dieser Institute haben eigene Bibliotheken, alle aber die zum Unterricht nöthigen Sammlungen, worunter die des Josephinums, der Jngenieurakademie, der Kunstakademie, des Conservatoriums und des polytechnischen Instituts besonders merkwürdig sind. Ueberhaupt istW. ausgezeichnet durch seine reichen Sammlungen aller Art, welche sämmtlich mit musterhafter Liberalität dem Publikum ungeltlich geöffnet sind. Die vorzüglichsten Bibliotheken sind die kaiserliche Hofbibliothek, in einem 240 Fuß langen und 84 F. breiten Saale mit ovaler Kuppel und mehren Nebensälcn in der Burg aufbewahrt und mit Büsten, Bildwerken und Gemälden geziert, bestehend aus 300,000 Bänden, 17,000 Handschriften und an 10,000 Jncunabeln, gegen 150,000 Kupferstichen in 2000 Bänden oder Cartons und vielen nur einmal vorhandenen literarischen Seltenheiten, von denen die wichtigsten in zehn Schränken besonders zur Schau aufgestellt sind, mit einem Fonds von jährlich 19,000 Fl. zur ihrer Vermehrung; die Bibliothek der Universität von 104,000 Bänden und mit einer Dotation von jährlich 3200 Fl.; die des Hofkriegsarchivs mit 22500 7 Bänden und 3000 Karten; des Theresianums mit 50,000 Bänden, von denen 265 Zncunabeln sind; der orientalischen Akademie, mit 800 Bänden oriental- Werke und 15,000 Manuscripten; die Privatbibliotheken des verstorbenen Kaisers Franz, 60,000 Bände mit Kupferstichsammlung in 950 Portefeuilles, darunter 750 mit 15,000 Porträts; die des Kaisers Ferdinand I.; die des Erzherzogs Albrecht(früher Karl), 30,000 Bände nebst einer sehr reichen Sammlung von Kupferstichen, Holzschnitten und Hand- zeichnungen berühmter Meister; die der Fürsten Esterhazy von 36,000, Liechtenstein von-10,000, Metternich von 21,000, Schmarzenberg von 10,000, der Grafen Schönborn von 20,000 Bänden u. s. w. Auch besitzen viele Privaten auserlesene Bibliotheken, darunter Baron Hammer-Purgstall, Ritter von Heintl, Dr. Großmann, Michmick, Oberst von Hauslab u. s. w. die des Hofraths von Kesaer und des Sraatsarchivars Kaltenbäck zeichnen sich durch besonders seltene Druckstücke, die des Hofbibliothekscriptors von Kara- jan als Muster einer Libllotlieon sustriuen, die des Hofsekretärs von Tanscsi als Libliotsteon stunKgriou aus. Unter den Kunstsammlungen steht oben an die kaiserliche Gemäldegallerie von 2500 Nummern, im Belvedere, eine der größten Sammlungen, nach den Schulen geordnet und äußerst zweckmäßig aufgestellt, welche meist Gemälde von Meistern der ital. und niederl. aber auch der altdeutschen und spanischen Schule enthält und besonders ausgezeichnete Stücke von Rubens, Tizian und Dürer besitzt. Als Gründer dieser Sammlung nach ihren früher getrennten Bestandtheilen sind anzusehen Kaiser Maximilian I., Kaiser Rudolf II. und Erzherzog Leopold Wilhelm. Ferner sind zu erwähnen die Gemäldesammlung der Akademie der bildenden Künste, von 800 Nummern, die fürstlich Liechtenstein'sche von 1200 Nummern, die gräflich Ezernin'sche, die gräflich Schönborn'sche und die fürstlich Esterhazy'sche Gemäldesammlung, die letztere von 809 Nummern und reich an Bildwerken von Canova und Thorwaldsen; das Museum des Barons Dietrich und die Sammlung des Grafen Harrach. Sehenswerthe Sammlungen anderer Art sind die Musikalien- und Znstrumentensammlung der aus mehr als 1000 Mitgliedern bestehenden Gesellschaft der Musikfreunde; die Ambra- ser Sammlung, welche, vom Erzherzog Ferdinand von Tirol, gest. 1595, gegründet, nach dem Schlosse Ambras bei Innsbruck den Namen führt, seit 1806 in Wien aufgestellt ist und eine Menge historisch- merkwürdiger Rüstungen, Waffen, seltener alter Bilder, Handschriften und Antiquitäten umfaßt, die kaiserliche Schatzkammer mit vielen kostbaren, zum Theil unschätzbaren Raritäten, z. B. dem Krönungsschmuck Karl's des Großen, der Kaiser von Oesterreich und des Kaisers Napoleon, der Wiege des Königs von Rom und dem 139i/- Karat schweren florentiner Diamanten; das ägyptische Museum; das Münz- und Antikenkabinet mit 60000 griechischen und römischen und 11,000 mittelalterlichen Münzen; die vereinigten kaiserlichen Na- turalienkabinete, aus dem zoologisch-botanischen, dem mineralogischen und dem brasilianischen, von Natterer bestehend; das physikalische Kabinet, die große Goldegg'sche Insektensammlung mit mehr als 150,000 Exemplaren, das militärisch-geographische Institut, die Sammlung topographischer Karten und Pläne nebst Znstrumentensammlung, und die aus der Auktion von James Croke in London entstandene, von Giesike fortgesetzte, ethnographische Sammlung, jetzt mit dem Ambraser Kabinet vereinigt. Unter den botanischen Gärten zeichnen sich aus die der Universität und des Jo- sephinums, außerdem die Gärten der Landwirthschafts- und der Gartenbau- gesellschaft, der ehemalige Kaisergarten auf der Landstraße und der kaiserliche 8 Obstgarten, in welchem alle im Wiener Klima gedeihenden Obstsorten gezogen werden, darunter allein 600 Weinsorten. Auch hat Wien viele gelehrte nnd gemeinnützige Vereine. Außer der Akademie der^Wissenschaften gibt es eine mit dem Iosephinum verbundene gelehrte medizinische Gesellschaft, eine kaiserliche Gesellschaft der Ärzte, eine landwirthschaftliche Gesellschaft mit Sammlungen und Bibliothek, eine kaiserliche Gartenbaugesellschaft, den n. o. Gewerbsverein mit Sammlungen, einer Bibliothek, einem chemischen Laboratorium und einer Anstalt zur Ausbildung von Manufakturzeichnern; einen Kunstverein, der aus seinen Ausstellungen jährlich l für mehr als 6000'Fl. Kunstwerke ankauft und unter seine Mitglieder verlorst; die Ges. der Musikfreunde des ostr. Staates, welche im Winter t große Konzerte hält; 10 Vereine zur Verbesserung der Kirchenmusik, den Männergesangverein, eine Gesellschaft für Gartenbau, welche jährlich Blumenausstellungen veranstaltet; einen kaufmännischen Verein, einen juridisch-politischen Leseverein und einen Verein für Wettrennen, zur Beförderung der Pferdezucht. Zahlreich und zum Theil ausgezeichnet sind die Anstalten für Arme, Kranke, Studierende, für Waisen und Invaliden; wir erwähnen hier nur daS Krankenhaus des Klosters der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt, welches jährlich gegen 30,000 Kranke ohne Unterschied der Religion behandelt, die Krankenanstalt der Elisabethinerinnen, welche jährlich über 500 Kranke verpflegt; das Hospital der Barmherzigen Schwestern in der Vorstadt Gumpendorf, mit einem Filial in der Leopoldstadt, 1832 gegründet, das 700 Kranke aufnehmen kann; das von Joseph H. gestiftete allgemeine Krankenhaus, welches 7 Höfe und 111 Zimmer mit 2000 Betten umfaßt, und mit welchem ein Institut für Augenkranke, eine Irrenanstalt, eine Gebäranstalt und Kliniken für die Universität verbunden sind; ferner das Waisenhaus für 390 Kinder, während zugleich 4000 außerhalb des Hauses versorgt werden; das Taubstummeninstitut mit 70, das Blindeninstitut mit 30 Zöglingen, mit welchem zugleich eine Versorgungsanstalt für erwachsene Blinde vereinigt ist; das Jsraelitenhospital, 6 Kleinkinderschulen, das Institut für arme kranke Kinder, 4 kaiserliche Versorgungshäuser, ein kaiserl. PensionSinstitut für Staatsdiener und das fürstlich Schwarzenberg'sche Pensionsinstitut für Witwen und Waisen, die Gesellschaft adeliger Damen, die außer den Direktorinnen 200 Mitglieder und allein in Niederösterreich 200 Filialgesellschaften hat; mehrere Kleinkinderbe- wahranstalten und andere Vereine, z. B. zur Unterstützung und Besserung entlassener Sträflinge, gegen Thierquälerei, zur Unterstützung armer Stu- dirender, zur Unterstützung der ohne ihr Verschulden arbeitslos gewordenen Fabrikarbeiter», s. w., wozu dann noch die Sparkasse, die Renten-, Capitalien- und Brandversicherungsgesellschaften hinzukommen. Wie überhaupt in der Monarchie, so hat auch in Wien der Gewerbs- fleiß seit dem letzten Kriege riesige Fortschritte gemacht und durch die Gewerbeausstellungen, die seit 1835 gehalten werden, sich beideutend gehoben. Wien ist der Mittelpunkt des österreichischen Handels, vorzüglich nach Ungarn und der Türkei und bildet zugleich für das Ausland einen wichtigen Transitoplatz. Zur Beförderung des Verkehrs dienen die kaiserliche Börse und die Nationalbank, welche zugleich den Staatsschuldentilgungsfond verwaltet, auch wird der Verkehr theils durch die Dampfschifffahrt auf der Donau und die auf derselben gehenden andern Schiffe(jährlich 6000), theils durch die in Wien einmündenden zahlreichen Chausseen; den Wr. Neustädter Schiffahrtskanal und zwei Eisenbahnen, die Ferdinands-Nordbahn und die Südbahn, wesentlich unterstützt. Im Ganzen zählt man über 6000 Han- s delsleute, darunter 93 Großhändler, 82 türkische, 14 griechische und 44 tolerirte jüdische Handelshäuser. Der literarische Verkehr und der Kunst- und Musikalienhandel werden von 25 Buchhandlungen, 27 Buchdruckereien, 14 Kunsthandlungen und 2V lithographischen Anstalten gefordert. Wien ist der Hauptsitz der Manufakturen und Fabriken der Monarchie, die Alles liefern, was Nothwendigkeit, Bequemlichkeit und Luxus erfordern. Man zählt 200IandeSpr. Fabriken, etwa 9000 einfache Fabriksbefugnisse und gegen 7000 Meisterrechte, abgesehen von den ausschließenden Privilegien. Zm Verein mit den umliegenden Ortschaften Reindorf, Braunhirschengrund, Fünf- und Sechshaus fabricirtWien alle Arten von Baumwollwaaren, Seidenzeugen, Shawls, Schlosser-, Galanterie- und Tischlerwaaren und in besonderer Güte Wagen und Fortepianos. Einen richtigen Überblick über die gesammte gewerbliche Thätigkeit der Stadt und ihrer Umgebungen erhält man durch das auch in statistischer Beziehung höchst interessante alljährlich erscheinende Handels- und Gewerbeadreßbuch des niederöstr. Gewerbevereins. Bemcrkenswerth sind hier die kaiserliche Porzellanfabrik, welche an 500 Menschen beschäftigt, die kaiserliche Kanonengießerei und Kanonenbohrerei, so wie die Gewehrfabrik. Musterhaft sind auch die Anstalten für öffentliche Sicherheit und Ordnung, welche Wien besitzt. Die Stadt im Ganzen wird von einer Stadt- hauptmannschast regiert, welche der Regierung untergeordnet ist. An der Spitze der außerordentlich aufmerksamen Polizei stehen ein Direktor, ein Unterdirektor, sechs Direktionsadjunkten, 20 Ober- und 20 Unterkommiffäre, und aus dem kaiserlichen Militärwachkorps ein Oberstlieutenant, sechs Offiziere, 13 Unteroffiziere und 700 Gemeine, worunter 40 Berittene. Große FeuerSbrünste sind kaum möglich bei der strengen Bauordnung und der trefflichen Löschanstalt, welche gegen 100 verfügbare Pferde zählt. Das Bürgermilitär, 11,600 M. stark, besteht aus einem Grenadierbataillon, zwei Regimentern, dem Schützen- und Künstlercorps, zwei Escadrons Eavallerie und dem Artilleriekorps mit 6 Kanonen; der jeweilige Bürgermeister ist Oberst. Die Garnison besteht aus zwei Infanterie-, zwei Eavallerieregimentern und 5 Grenadierbat-, welche von Zeit zu Zeit abgelöst werden, 12Komp. Artillerie, 5 Komp.des Bombardirkorps u- s. w., und ist sämmtlich in eilf Kasernen untergebracht. Für den Verkehr innerhalb und außerhalb der Stadt ist durch 700 numerirte Fiaker, eine große Anzahl Stadtlohnkutscher, Gesellschaftswagen(Omnibus) und Stellwagen, durch eine Briefstadtpost, und in Bezug auf Reisende durch die bürgerlichen Landkutschen, 300 privilegirte Lakaien und die Eilwagen gesorgt. Sehr zahlreich sind die Bäder, unter ihnen das berühmteste das Dianenbad in der Leopoldstadt und die Morawetz'schen russischen Bäder. Es gibt drei Schwimmschulen, eine für das Militär und die Bürger, eine für Damen und eine im Theresianum; außerdem fünf Strombäder. Gefängnisse zählt Wien vier, darunter das StabsstockhauS; ferner eine ArbeitS- und Besserungsanstalt. Begräbnißplätze hat Wien sechs. Wien ist berühmt durch den Frohsinn und die Lebenslust seiner Bewohner, die nach überstandenen Mühen des Tages gern der Heiterkeit und dem Vergnügen sich hingeben, das in der Stadt und in den paradiesischen Umgebungen ihnen in reichem Maße geboten wird. Nur wenige von den 1500 Wirthshäusern sind ohne Musik, die oft vorzüglich ist. Im Fasching werden gegen 800 öffentliche Bälle gegeben. Für den Genuß des Schauspiels bestehen in Wien fünf Theater: das Hof- und Nationaltheater nächst der Burg, eine der vorzüglichsten Bühnen in Deutschland, die ausschließlich für die Tragödie, das Drama und das feinere Lustspiel bestimmt ist; das 2 — 10— Theater am Kärnthnerthor, für die Oper und das Ballet; ihnen gegenüber das Theater in der Leopoldstadt, 1847 von Grund aus neu aufgebaut, und das kaiserlich privilegirte Karltheater, von seine»! Erbauer, dem Director Karl, so genannt, für Localstücke und Lustspiele, vordem ausschließend die Volksbühne, wo die locale Posse und das Lustspiel vorherrschten; das Theater an der Wien, für Spektakelstücke und Opern, und daS in der Zosephstadt, welches zwischen den letztem beiden mitten inne steht. Feuerwerke im Prater gehören zu den Lieblingsvergnügungen der Wiener; Tanz und Musik werden leidenschaftlich geübt, und Ausflüge in die romantischen Umgebungen gehören zu den beliebtesten Freuden. Am belebtesten ist Wien im Frühjahr ehe der Adel auf seine Güter geht, und dann bildet der Prater den Glanzpunkt des öffentlichen Lebens. Derselbe befindet sich auf der Insel, welche der bei Wien vorübergehende Donauarm bildet, und ist ein 1^ Stunde langer Laubholzwald, welcher am Ende der Jägerzeil an der Leopoldstadt beginnt und an der Donau endigt. Eine herrliche Allee von vier Reihen Roßkastanien durchschneidet denselben, zu beiden Seiten von großen Wiesenplätzen umgeben, und bildet den Corso der Wiener, der durch den Wetteifer des reichen Adels im Glänze der Equipagen und Livreen ein Schauspiel bietet, melcheS nur London noch auszuweisen hat. Sehr oft bilden die Wägen vom Ende der Allee bis auf den Stephansplatz in der Stadt eine ununterbrochene, langsam sich bewegende Reihe von zwei Stunden Länge, in welcher die strengste Ordnung herrscht, der selbst der Hof sich fügt. Links von der Allee ist der W u r st e lprat er, ein ganzes Dorf von Gasthäusern, Schaubuden, Marionettentheatern, Turnspielen u. s. w. Links führt die Verlängerung der Hauptallee nach dem großen Aug arten, einem Walde hinter der Leopoldstadt, mit noch mehr Hllleen, als der Prater hat, und einigen Gartenanlagen. An den Augarten stößt die Brigittenau, eine große Wiese mit Gehölz, welche aber mehr und mehr in eine neue Vorstadt umgewandelt wird und bereits viele Fabrikgebäude umschließt. Der einst so berühmte Brigittenkirchtag verliert demnach mit jedem Jahre an seiner volksthümlichen Bedeutung. Außerdem gehören zu den öffentlichen Promenaden der die innere Stadt umgebende Wall, die Bastei genannt; das Glacis oder die Esplanade zwischen der Stadt und den Vorstädten, mit schönen Wiesenplätzen und schattigen Alleen; der Volksgarten bei der kaiserlichen Burg mit seinen Kaffeehäusern und dem Theseustempel, worin Canova'S kostbares Kunstwerk: „Des Theseus Sieg über den Centaur" aus cararischem Marmor steht. Die Gärten der Fürsten Liechtenstein und Schwarzenberg, der botanische Garten und der Garten deS Belvedere sind dem allgemeinen Besuche geöffnet. Zahlreich sind die Vergnügungsort-rings um Wien, die seit E.nsuh- runq der OmnibuS und Eisenbahnen immer allgemeiner besucht werden. Hierher gehört vor allen das prachtvolle kaiserl>che Lustschlcs! Schon- brunn,'der gewöhnliche Sommerausenthalt des Hofes, in der dermaligen Gestalt Maria Theresia's Schöpfung. Die elegante Welt besucht vorzüglich die niedlichen Dörfchen, welche sich rings um Schonbrunn m großer Anzahl reihen. Hinter Schönbrunn liegt Hetzen d orf nnt einem kleinen kaiserlichen Lustschlosse. Sehr besucht ist auch gleich- falls ein kaiserliches Lustschloß mit einem schonen Park und der^ranzens- burg, einem Nachbilde einer Burg des 15. Jahrhunderts, mit einer Fülle der interessantesten Alterthümer aus dem Mittclalter ausgestattet. Sehr reizende Waldpartien enthält das Wien naheliegende Ka h l c n ge b ,r ge, 11 an dessen nördlichem Abhänge das großartige Stift Klosterneuburg liegt mit reicher Bibliothek und vielen wichtigen Denkmälern. Drei Stunden südwestlich von Wien liegt das romantische Felsenthal Briel, und vier Stunden das Bad Baden, in reizender Gegend und mit herrlichen Anlagen. Der herrliche Wienerwald bietet mit seinen Hohen und Thälern einen unerschöpflichen Fond für Naturgenüsse, die immer mehr gesucht werden. Während mit jedem Zahre durch die Anlage von bequemen Fuß-' und Fahrwegen neue Gegenden in den Bereich der Be- suche gezogen werden, sind die reizenden Orte am Eingänge in die Ge- birgsbezirke dem Sommeraufenthalt der vermögendern Wiener gewidmet, und befinden sich im raschen Emporblühen. Wien ist eine der ältesten Städte Deutschlands und ging, w,e viele derselben, aus dem Standlager hervor, das hier die Römer, Am die Donau zu beherrschen, schon sehr früh aufschlugen und wo bereits unter Au- gustus bis Vespasianus immer eine, wohl auch zwei Legionen standen. Die Geschichte Wiens hat ihre Hauptbedeutung nach den Beziehungen der Stadt, als strategisch wichtiger Punkt, als Vormauer gegen den Erbfeind, als Handels- und als Residenzstadt. Mit dem S. Jahrhundert, wo eS freiwillig den Rugiern überlassen wurde, endete die römische Herrschaft in Wien. Ob Attila es erobert, ist ungewiß; aber die Gothen, Langobarden und Avaren bemächtigen sich desselben nach der Reihe, bis es 791 zugleich mit Oesterreich in die Gewalt Karl's des Großen fiel, der hier«ine Kirche bauen ließ und eine Markgrafschaft begründete. Die Markgrafen wohnten in der Burg Mödling und auf dem Kahlenberge. Markgraf Leopold der Heilige, aus dem Hause Babenberg, gest. 113«, erscheint als der Wie- derhersteller Wiens, welches sein Sohn Heinrich H. Josomirgott noch mehr emporhob, indem er 116» eine Burg oder Residenz in der Stadt Wien auß dem noch jetzt davon benannten Platze„Der Hof" erbaute und 1165 das Schoitenkloster stiftete. Unter dem Herzog Leopold VII. erhielt Wien eine Art Stapelgerechtigkeit und eine zweckmäßigere Einrichtung der obersten Staatsbehörde, wodurch Handel, Erwerbsamkeit und Ordnung^ sich fühlbar erhoben. Das Glück jener Zeit verkünden mehrere alte, zum Theil sagenhafte Nachrichten. Blühend war es unter Herzog Rudolf IV., gest. 1395, welcher die Universität gründete, den Prachtbau der St. Stephans-- kivche in ihrem dermaligen bbmfcmge begann und äußerst wichtige städtische Einrichtungen ins Leben rief. Noch mehr gewann Wien dadurch, daß eS seit Maximilian I., der dasselbe erst nach dem Tode des ungarischen KomgS Mathias Corvinus zurückerhielt, die beständige Residenz der deutschen Kaiser wurde. In den Türkenkriegen wurde es zum ersten Mal 1529 von Sultan Soliman II. mit 12»»«» Mann belagert, aber von 16000 Mann Soldaten und 5000 Bürgern unter dem Grafen Niklas von Salm vvm 27. September bis 15. October tapfer vertheidigt; das zweite Mal, 1683 vertheidigten sich 13»»» Mann Soldaten und 700» Bürger unter dem Grafen Rüdiger von Starhemberg gegen 20000» Mann Dirken unter dem Großvezier Kara Mustapha zwei Monate lang, bis König Johann L>°- bieski, der Herzog von Lothringen und die Kurfürsten von Sachsen und Baiern Wien entsetzten. Nicht minder vergeblich belagerten es 1619 die mit Kaiser Ferdinand 11. unzufriedenen Protestanten unter dem Grasen Thurn. In den Jahren 1381, 1511 und 1564 wüthete hier die Pest, und 1679 starben daran 122000 Menschen. Im Jahre 1722 wurde Wien zum Erzbisthum erhoben. J»> Kriege mit den Franzosen wurde es von die- 1» sen zweimal, am 18. November 1803 und am 1S. Maj 1809 besetzt, und im Jahre 1814 hier der Wiener Congreß und«819 ein Ministercongreß gehalten. Vergleiche Hormayr,„Wien, seine Geschichte und seine Denkwürdigkeiten"(9 Bände, Wien 1883— 85); Böckh, „Merkwürdigkeiten Wiens"(besonders in Bezug auf Sammlungen u. s. w. 8 Bände, Wien 1888— 33); Pezzl,„Beschreibung der Haupt-und Residenzstadt Wien"(7. Auflage, Wien 1886; 8. Auflage, von Tschischka, 1841); Hebenstreit,„Der Fremde in Wien"(in mehreren Auflagen); Schmidl,„Wien, die Kaiserstadt und ihre nächste Umgebung"(4. Auflage Wien 1843); Desselben„V. tluns son ot«t aetuel;«lesoriptio» 6o oette resiäonoo imperialo,«loses environs etv."(Wien 1847); Defsel- ben Wien und seine nächsten Umgebungen in malerischen Originalansichten (Darmstadt 1846—47); Schlaaer,„WienerSkizzen aus dem Mittelalter"(5 Bände, Wien 1835— 46); Tschischka,„Geschichte der Stadt Wien (Stuttgart 1846— 47); Schneidawind,„Geschichte der Belagerungen Wiens durch die Türken"(Hamburg 1846); Schmidl und Feil, „Wiens Umgebungen auf 80 Stunden in Umkreise"(3 Bände, Wien 1835— 39).