Vieirer Lra^r-LibllotkelL«^ 11778^ Prophetischer Prolog an das Pu bl, rum auf die Ankunft Pius des VI. in Wien. -— V o n Alops Blumauer. MD ' 7 Wien, gedruckt kep Mathias Andreas Schmidt, 1782. He^ .H- zarum sonst Kaiser zu den Päbsten kamen, Ist sonnenklar; allein warum, Frägt jedermann, kehrt itzt der Fall sich um?— Man frägt, und denkt nicht an die Namen Man frage: wer kömmt? und zu wem? Und steh, gelöst ist das Problem!— Ein PLus kömmt, der seine Kronen Zur Ehre Gottes und der Menschheit trägt, Der weiß, wie gut das Wohl der Nationen Sich mit den Rechten seines Stuhls verträgt, Der weiß, daß Menschenrecht und Recht der Thronen * 2 Viel 2 4 den auch ein Weib gebar,— Eh Mensch und Unterthan, als Glied der Kirche war. Der weiß, wie scharf Gott selbst— denn wer er» kennte Den Anwald Gottes sonst an ihm— sein Reich Won jenem hier auf Erden trennte. Ein pms kdmmt, der seinem Meister gleich, Den Mammon gern aus Gottes Kirche triebe, Und wenn sie auch so arm, als sie gewesen, bliebe!—. Ein Mann, der das Gesetz der Liebe, Das Gott der Kirche gab, im Herzen trägt, Der, wenn er Menschen sieht, sie, eh' er frägt: Seyd ihr getauft, und glaubt ihr 2— liebet, Und ihnen Gutes thut; der diese gbttlichste' Der Menschentugenden nicht lehrt bloß,— sondern übet; Dem Menschenglück das Heiligste Hienieden ist, kurz, der eh seiner Würde Entsagte, eh' er sie zur Bürde Der Menschheit werden lieffe. Ss ein Mann— So einer— denn auf einen andern kann Gott niemals seine Kirche bauen, Roch ihm dazu die Schlüssel anvertrauen— So * 5 »- So einer also kömmt— zu Joseph, der In einem Jahre seines Reiches mehr ZumWohl der Menschheit that, als der Regenten viele, Die man die Großen hieß, an ihres Lebens Ziele Wohl kaum gethan. Zu Joseph, der die Wand, Die uns von unsern Brudern trennte, Zerriß, und Menschen— Menschenrechte gönnte, Der eine Anzahl Mönche, weil er fand, Daß Psalmodiren vou dem Land Nicht, wie man einst geglaubt, den Hunger wende, Den Feind nicht schlägt, und daß der Mensch die Hände Nicht bloß zum Essen hat, zur Mitarbeit verband; Ders ungerecht, unmenschlich fand, Daß Menschen, in der Sund' empfangen, Wie wir, dem Fluch: im Schweiß des Angesichts ihr Brod Zu essen, sich entziehn! Der junger Mädchen Noth Beherzigte, die ach! lebendig todt, In heilgen Kerkern mit der Menschheit rangen. Und ihre Tage da verseufzten und verfangen: Der sie anitzt zum würdigsten Beruf Zurückführt, weil er weiß, daß Gott sie zwar zu Bräuten, Doch nicht zu Klostsrbräuten seines Sohnes schuf. Zu Joseph, der sein eigen Recht zu deuten, And handzuhaben weiß; der vorlängst eingesehn, * 3 Daß O Daß Gottes Kirche nur vom Geist der Gläubigen, Und nicht von ihrem SckSel lebet; Und dem kein Mißbrauch zu verjährt, Zu heilig ist, den er nicht hebet, Sobald er nur der Menschheit Recht entehrt. Kurzum, mit Dem, bey dessen Namen Die ganze Menschheit einst stch neigen wird, Mit Diesem kömmt der Weise Roms zusammen.— Und nun warum?— Vielleicht ihn zu verdammen, Weil er daö nimmt, was ihm gebührt?— Vielleicht ihn Kirchenzucht und Kanons Recht zu lehren?— Vielleicht ihn mit dem Schimmer seiner Heiligkeit Wie einen Sünder zu bekehren, Und auf der Bahne zur Unsterblichkeit Ihm drohend in den Weg zu treten?— Vielleicht wohl gar mit Amuletten Ihn von dem Weg der Finsterniß zu retten?— Vielleicht mit einer Rede, die den Geist An unsichtbaren Fesseln mit stch reißt, Dem Festentschlossenen das Herz zu brechen, Und ihn mit glatten Worten zu bestechen?— Vielleicht auch, so ihn nichts erweicht, Ihm dann unväterlich zu fluchen?— Vielleicht auch nur— ihn zu besuchen?— O nein, von allen den vielleicht Ist keins, das einem Mann, wie pius, gleicht! Er kömmt, er kömmt, um seinen besten Segen Auf das, was Ioseph für die Menschheit that, Und was er thun noch wird— zu legen! Er kömmt in unsre Kaiserstadt, Sich über das, was Ioseph that, zu freuen. Und Hand in-MM^en-Mge« Bund, In dem die Kirche stäts mit ihren Schützern stund, Mit Deutschlands Ioseph zu erneuen! Er kömmt nicht, um auf Kaisersatzungen Sein Siegel, das in Rom nur gilt, zu drücken, Wohl aber segnend Dem die Hand zu drücken. Der sie gemacht, und seine Gläubigen Durch eignes Beyspiel zu belehren. Wie man ein Kaiserwort verehren Und schätzen soll. Und wenn er ja Sein Ansetzn geltend macht, so ists gewiß nur da, Wo kleine, überschwache Seelen Sich mit Gewissensskrupeln quälen, Die oft, vor lauter Glauben blind. Nicht wissen, wem es zukömmt zu befehlen, Und wem sie zu gehorchen schuldig find. Zu diesen wird er sagen: Wißt, Daß eures Fürsten Wort zu ehren, .. Der« 8 „ Verdienstlicher in Gottes Augen ist, „ Als wenn ihr hundertmal mir den Pantoffel küßt! „ Der selbst, zu dessen Heilgen Lehren „ Ihr euch bekennt, war Unterthan, und sprach: ,, Ehrt eurer Fürsten Wort, und folgt mir nach!"—> Zu diesem edlen Zwecke nur Wird er Gebrauch von jener Gabe(*) machen, Womit so überreichlich die Natur Ihn auögesteurt. Und Hat er nun die Schwachen Gestärkt, die Zweifler überführt, Daß sein Zweck edel war; o wie zufrieden wird Er dann— belohnt mit dem Gefühl des Weisen Nach einer edlen That— nach Rom zurücke reisen! (*) Die Gabe der Beredsamkeit, weswegen ihn die Itü» ljäncr u?eriu»ioro nennen. 5. « V W