^ Wiener 8tgcit-8ibliot>i6l<. 11821^ ^^^ ' Freymülhiges Schrerürn. - Ä!^ - .--^r^ ->,.O^. ^'. i »--.^M»' Wien /1 7 8 7: Freymüthiges Schreiben an das Wiener medicinische und nicht medicinische Publikum, im Bet eff der Beschuldigung des Herrn von Stolü -- ^ch habe hier ein Geschäft rmternom- wen, welches allerdings für mich und Meine Mitarzte sehr interessant ist. Es Hctrift, wie man gleich sehen wird, eine Sache, die weder ich, noch meine Mit- arzte, mit gleichgültigen Augen ansehen können,— und ansehen sollen. Es soll, wie ich vernommen habe, irgend eine boshafte, höchst verlaUM- derische Zunge in ganz Wien eine schändliche Verleumdung auf den vortreflichen ausgebreitet haben, als hatte er einen todten Körper offnen lassen, der an einem faulen, nebst Petcchen verbundenen A 2 4 Fieber, gestorben; von dessen faulen, und höchst ansteckenden Ausdünstungen sechs und zwanzig von den anwesenden jungen Aerzten an dem nämlichen Tag, an diesem nämlichen, mit Petechen verbundenen Fieber krank geworden, wovon der allgemeinen Aussage nach, beinah die Hälfte gestorben sei.— Also sechs und zwanzig von den Anwesenden, an dem nämlichen Tag, von dieser nämlichen KranklM ergriffen, und die Hälfte gestorben?—> Ich brauchte nur die Grundlosigkeit der ersten Beschuldigung zu beweisen, und die übrigen fielen schon von sechsten weg; Mein ich will, der Vrdnugg und Deutlich- lichkeit halber, geflissentlich eine jede dieser niedrige» Beschuldigungen insbesondre Herrechnen, um die Falschheit einer jeden insbesondre darthun zu können. Ich will ganz und gar nicht in Abrede sein, daß sechs und zwanzig Mediziner krank geworden; man erlaube mir aber zu untersuchen: erstens, ob diese Kranken alle von dem geofneten Körper angestecket? zweitens, ob sie an dem nämlichen Tage? drittens, ob sie an einem faulen Fieber krank geworden? und endlich viertens, ob die Halste gestorben ist? Was die crsteBeschuldigung betrift,glaube ich deren Ungrund dadurch darthun zu kbn- A Z nen. neu, wenn ich nach meinem eigenen Zeugniß, und dem Zeugniß aller Übrigen Dagewesenen, auf Gewissen versichere, daß die gcofnctc Person weder von einem faulen Fieber, noch an irgend ciner^hitzjgen ansteckenden Krankheit gestorben;— sie starb an einer langwierigen Krankheit, an der Lungensucht, welche doch bekanntermaßen nicht so ansteckend ist;— und wenn sie es auch wäre, so müßte sie bei den Angeiiekten, wie allen übrigen, eine Krankheit von ähnlicher Art hervorgebracht haben. Warum aber ein faules Fieber nebst Petecheu?— Zweitens ist die Sage: als wenn sie alle an einem Tag krank geworden, auch grundfalsch: weil die meisten schon drey oder oder vier Tage vor der Leichenöfnuug darnieder lagen.— Die dritte.Beschuldigung: daß sie alle au einem fallen Fieber krank worden, ist eben so bodeulos, weil die wenigsten, die den glüklicheu Einfall hatten, sich nach dem öffentlichen Hospital, und zwar nach Her praktischen Kchule bringen zu lassen, um von dem vortrefflichen (Atoll behandelt zu werden, und deren Neun waress—^— ich sage: diese hatten keine Faul-- sondern Entzün- drmgsficbcr, die alle cntZündungswid- rrg, und zwar mit dem besten Erfolge behandelt worden. Und daß endlich viertens die Hälfte von den Krankgewordenen gestorben ward, ist A 4 er- erstens die gröbste Lüge, weil man bist itzo nur von vieren weiß; und gesezt es wären auch mehrere gestorben, so"hat St oll an ihrem Tod gewiß keine Schuld, was mir Schuld zu haben scheint, ist, daß man deren Krankheit dafür genommen, wofür man sie in der Stadt cuisgeschrieen hat: nämlich für ein faules Fieber, und demnach, theils mit flüchtigen, theils mit zusammenziehenden Mitteln behandelt hat, welches Fieber, theils aus der Betrachtung der Konstitution der Jahrszeit, theils aus dem Vergleiche mit der Krankheit der übrigen, mit ihnen fast zu gleicher Zeit krank, und in der praktischen Schule behandelt gewordenen Mediziner, höchst wahrscheinlich entzündungsartig war; da, wie ich nun aber gesagt habe, daß 9 die, die in der praktischen Schule lagen^ alle entzündnngwiderig, und zrvar mit dem besten Erfolge behandelt worden; hat folglich(Atoll an dem Tod der übrigen keine Schuld. Oassiat hui LSfrsre xotelk. Ich habe oben gesagt, daß ich dieses He schüft darum unternommen, weil es für dich und meine Nebenarzke sehr interes-s sint ist, und übcrgieng den Lauptentzweck, du doch diese wenige Zeilen haben sollten, ilvem nämlich diese die Falschheit der ge- daÄten niedrigen Beschuldigungen hier dem Publikum deutlich vor Augen leget, sie dadu-ch die Ehre und den Ruhm des unverzeihlichen(Atolls retten müßte, ich sage, ich übcrgieng dieses geflissentlich lich mit Stillschweigen, weil, wenn von einer Sache, die gerettet werden soll, die Rede ist, so muß diese ihrem Verderbe nahe seyn, welches hier der Fall gar nicht ist. Denn wer von dem hiesigen und auswärtigen medizinischen und nicht medizinischen Publikum(Atoll keimet, und ihn nach seinen Verdiensten zn schatzer weiß, wird doch soviel Selbstverlaugnun; nicht haben, ihn darum zu verdamme-, weil er einen Körper gevfnet, um seinn Schülern zu zeigen, daß das, was er ihnen schon 5 bis 6 Wochen vor dem Dd der Frau sowohl von der Natur, als dem Sitz und dem Auögang der Krankten ge- saget, seine Richtigkeit habe, und sie darauf aufmerksam machte,--aß sie in ähnlichen Fallen, wo noch tue Hülfe übrig übrig wäre, sich von keiner Nebenerscheinung irre machen laßen, und immer auf die Hauptkrankheit ihr Augenmerk haben sollen. Und diejenige Dutzcntarzte, die Stvll nicht kennen——— und derjenige Theil des-Publikums, der entweder aus Heuchele», oder aus andern politischen Ursachen, ohne was zu wissen, diesen Afterarzten blindlings nachlallt, haben ihn gar nicht beleidiget— 6lltibU3 Issc, Aber für mich und meine Ncbenarzte, die diesen grossen Lehrer in einer Entfernung von hundertund mehreren Meilen, aus seinen vortreflichcn ,' und sehr unterrichtenden Schriften schon kannten, und in der Absicht diesen Hippokraten, der sich in dieser granzlosen Kunst wahrlich orien- tiret hat, vor dem Krankenbette selbst handle,! zu sehe», lediglich herkamen, und jtzo die gehabte Mühe und Kosten nicht nur nicht bereuen, sondern einem jeden jungen, und vielleicht auch manchem alten Arzte ein Gleiches zu thun, von Herzen wünschen, ich sage, für uns kann eine solche boshafte Beschuldigung unseres Lehrers nicht anders als beleidigend, und für unsern Stolz höchst kränkend sevn. Und wenn dieses noch das einzige wäre, hatte eö wohl nicht viel auf sich, weil wir doch alle wissen, wie es mit der Sache beschaffen ist; so trösten wir uns damit, indem wir wisse», daß ein jeder Mensch Neider und Feinde hat; warum sollte St oll, der über andere noch hervorraget, eine Ausnahme seyn? so denken wir, und geben uns zufrieden. Aber diese boshafterweise erdichtete Lüge kann Folgen haben, wovon tausend Men; Menschen das Schlachtopser seyn könnten, weil diese Lüge, die znm allgemeinen Gespräch Wiens geworden, sicher nicht zwischen den Mauern der Stadt bleiben, sondern durch die Feder der Neuheit mitgetheilt, bis auf den entfernten Provinzen, ja bis in fremde Lander sich verbreiten wird; da werden manche Eltern, die ihre Söhne zur Arzneywisscnschaft bestimmet haben, die von der Vortreflich- keit der hiesigen Universität überhaupt, besonders aber von der praktischen Schule, und deren vortrefflichen Lehrer(Atoll genau unterrichtet sind, aus zärtlicher BesMi.eß, es möchte ihren Kindern ein gleiches wiedcrfahren, diese hiehcr zu schicken, abgeschrecket werden; und in der völligen Ueberzeugung, daß man auf einer jeden andern Universität auch was lernen kann, ihre angehenden Hippokraten nach H. oder nach F.:c. schicken werden, wo diese jungen Leute sich selbst über- '4 überlasse», einige Jahre hindurch fechten, reiten und schwärmen, oder, was noch das Beste ist, ohne Plan, und ohne Sistem von einem Collegio ins andere laufen, die Orakelsprüche, die ihnen die Allongenpernke von der Kanzel diktiert, sseissig aufschreiben,(weil das alles ist, was sie thun können, indem leider der gröste Theil der deutschen Universitäten keine Hospitäler hat, wo die angehenden Aerzte unter der Aufsicht ihrer Lehrer praktiziren könnten) und nachdem diese 5 oder 6 Jahre mit so einem beschäftigten Müssjggange da zugebracht, und für ihr baircs Geld von der kirn 8upsist oist« aus dem Munde des im Purpur gekleideten gravitätischen Prasis das pathetische snl: n re Oodsto-em er erhäschet haben, g,ä pLtttLM zurük gehen. Und nun stehe der Himmel dem armen Kranken bey, der einen von den ncugeba- . ckencn ckenen Aerzte» rufen läßt, und ibn um .Hälfe und Linderung seiner Schmerzen anflehet, da stehet nun der Katheder Aes- eulap vor dem Leidenden und reibet die gerunzelte Stirne, diesen Kasten der Kanzelgelehrfamkeit, wo alles so zu sagen in einem Chaos lieget, und aus Mangel der Erfahrenheit glaubet nun der junge Hippokrat alle Erscheinungen der ganzen Krankheitslehre bey diesem einzigen Kranken zu sehen; er siehet, höret> riechet und fühlet. Kurz, er bietet alle seine Sinne auf, um der Krankheit irgend einen Namen geben zu können; wenn unn die Krankheit zum guten Glüke für den jungen Arzt just eines von den hi- zigen Fiebern ist, und er sich hier seiner ^hnmachtigkeit, diesem abzuhelfen, gut bewußt ist, so erkläret ers, um seine Unwissenheit zu verlarven, für das itzige allgemeine Schibolet, für ein faules Fieber, welches leider, wie sehr oft geschiehet, erst durch durch die falsche Behandlung dazu gemacht wird, und nun heißls, wir haben mit einem sehr mächtigen Feinde zu thun, ich werde alles mögliche anwenden, sagt denn der junge Arzt, aber ich kann nickt für einen guten Ausgang haften, und verschreibt nur was er weiß; Glück genug für den Leidenden, wen« seine Natur so gut beschaffen ist, daß sie der Krankheit und dem Arzte Trotz bieten kann; rvo aber nicht, so muß er ein Opfer der Unwissenheit des unreifen Gale- nisten werden, dieses kann nun die heilsame Folge der oft genannten Lüge seyn. Und nun freue sich die schekichte Schlange ihrer schönen Brüt, und kratze sich der, dem es juket. n,^", ^ 4 E- Ä,^ L.'« ^>. ^*r- L^ /' »- --4k ?- -- >» » r' <-. 1-^,^