»- Wienei' dtglli-vlmioltwk. 14196^ - Systematische und historische !-Iß vo» dett^ Haaren des menschlichen Körpers, der mannigfaltige Unterschied derselben, in Ansehung des Ursprungs ihrer Länge, Menge, Dicke, Härte, Festigkeit, unv ihres Nutzens. von M- v. Starzenbach WIEN- i 7 8 Gedruckt und in commWon bey Iojepb Edlen» v">, Kurjveck.^ ^^-... '.^.77 -^7!,...N7a^.., u.'. 7:^, :^n- /'.-/ L.^^5-'^ LK.^-7 " V>^--b " -D-^-,- ,'.''^'.77 " IN. '^ L^ L-^ ».7-'^>>-. ''' ^ 7^-VV-. /K L-»-^ /».ä XX-^2 L« .ist nicht ein schriftstellerischer Kitzel, um als z, Autor einer Brochüre zu figuriren, sondern „ die ohnumgangliche Nothwendigkeit, die mich „ zwingt, das Anliegen unserer ganzen Innung „ dlirch diese Abhandlung an das verehrungswür» „ dige Publikum gelangen zu laßen, und die Kün.- ,, heit meines Schritts wird sich also dadurch am ,, besten rechtfertigen. Seit geraumst Zeit schon bestreben sich gewisse Leute. alle Stände und Ord- „ nung der menschlichen Gesellschaft untereinander „ zu mengen, und alles so zu verwirren, daß man am Ende Muhe haben wird, den Leitfaden zu fin- „ den, der uns aus diesen vadalischen Labyrinth z, wiederum heraus wird führen können. Man « macht sich über die Feiten unsrer Altvater lustig, und sucht die nnsrigett dadurch zu erheben: aber „ wie wenig.gegründete Ursache man dazu habe/ A»„ wär- 4 ,, würde sich bald zeigen, wenn man sich die Mühe „ nehmen wollte, alles mit der behörigen Unpar- „ theplichkeit zn untersuchen. Was haben denn ,, alle diese Reformatores unsrer neuen Zeiten noch „ Gutes gestiftet, oder welche Kunst und Wißen- „ schast, ist durch sie verbeßert, und verfeinert „ worden, fcderman wird von ihnen bekrutikastert, „ alles durch die Hechel gezogen— alles was „ heilig ist treten sie unter die Füße— und bey „ allen den find sie selbst froh, daß es beym alten „ bleibt. O man möchte blutige Thränen weinen, ,, wen» man den Resormativnsunfug betrachtet, „ welcher anjetzo in Schwange geht, und wenn " ,» nicht bald von reichswegen eine Einsicht gebraucht „ wird, so ist eine allgemeine Zerrüttung aller „ Stande, eine Vernachlaßigung und Vergeßenheit aller Künste vor der Thüre. Was haben wir „ dann jemals in der Welt uns zu Schulden kom- „ men lassen, oder wodurch haben wir es verdient, „ daß unsre Kunst anjetzo in solchen Verfall und ,, Mißcredit gekommen? Ist eine Wißenschast in „ der Welt, die mehr die Protektion eines jeden „ Gal anthomen, und des schönen Geschlechts verdies „ net, s» ist es gewiß die Ullsrigk. Eine Dame „ mag s „ mag noch so schön reizend seyn, ein Mannsbild „ mag noch so brav und gelehrt seyn> so empfangen „ sie beyde die wahre Vollkommenheit aller ihrer „ Vorzüge erst unter unsern schöpferischen Handen; „ und unsere Kunst ist und bleibt immer die unent- „ behrlichsie. Es ist nichts leichters höre ich manch- „ mal einen jungen Herrn schreyen, als ein paar „ Buckeln zusammenrollen, und die Haare zu krault sein, es braucht keine Kunst dazu. Die Herren „ haben ganz recht, was man kann und weiß, und „ täglich vor Augen ausübet, ist kein besonders „ Geheimniß, und Kunst mehr. Ais Columbur „ die neue Welt erfunden sagten einige CavalierS „ über der Tafel— das wäre eben nichts beson- „ Vers sie würden es eben so gut wie Columbus zu, „ Stande gebracht haben— ja ja, erwiderte Co- ,, lumbus, jetzt da ich euch den Weg gewiesen, könnt „ ihr mir alle nachfahren. Als der so berühmte ,, Haarkünstler Ivlonlienr le 6ro8 in Paris, die „ Abbildung seiner dreißigerley Arten, der neue- „ sten Frisuren in Kupfer gestochen herausgab, gab „ es viele neidische Leute, die seinen Ruhm ver- „ dunkeln wollten, und sprengten aus— es wä- „ re nicht möglich, dergleichen Frisuren, wie er Az„sie 6 ,» sie angegeben, wirklich zu verserügen. Das Hat ,, er? Er ließ dreißig arme Mädgen nach sernen ,, angegebenen Frisuren täglich srißiren, und zu jeder? ?, mans Uiberzeugung auf den Boulevarts spazirxu ,, führen, und nun ließ man ihm Gerechtigkeit wie- ,, derfahren, und die Ungläubigen wurden über- ,, zeugt. Wenn also eine Wissenschaft solche Dm- ,, ge leistet und ausführet« die eine ganze Stadt ,, wie Paris für ohnmöqljch hält, so muß es in der ,, That eine erhabene Kunst seyn» Dieses zuge- ,, geben, r eiches niemand mehr läugneu wird« so ,, ist unsere Kunst des allgemeinen Schutzes uny ,, B sörderuug orzüglich werth; und nach allem » ,, diesem hoffe ich, daß nunmehro keiner von mei- z, neu Lesern sich darüber aufhalten wird« wenn ,, ich zur weiteren Aus ühryng meines Vortragf „ schreite, und alles das, was sich über die Vor- züge unsers Standes« und der Gegenstände, mit n welchen sich unsere Kunst beschäftiget, in einer ,, zusammenhangenden Ordnung vortrage. Die >, Haare der Menschen, sind der hauptsächlich- sie Gegenstand unserer Kunst. So gleichgültig ,, mancher die Haare ansehen mag, so ist es doch q, eine ausgemachte Sache, daß unter den vielen Schön- „ Schönheiten womit der gütige Schöpfer den Men- „ schen gczieret hat, das Haar eine der vorzüglich- », sten Stellen verdienet. Es istderlZierde desHaup- „ tes so unentbehrlich, als Zweige und Laub den Bau- „ men und Wäldern, wenn sich unser Auge an ihrer Pracht belustigen soll. Was diese den Baume« „ sind, das ist das Haar dem Haupte. Man nch« „ me dem Baum seine Zweige und Laub, so wird „ er ungestalt, man beraube das Haupt seines Haa- „ res, so fallt alle Schönheit weg. Sehr schö« ,, singt hievon der gute Ovidius. ,» 1urp>e x>ecu8 mutilum, turxe ess tine Zramins cnmpu«, Lt li»e krönte krutex öc lins Lrine crlpnt» „ Dieser Aehnlichkeit wegen nennen die Dichter „ Laub und Zweige die Haare des Baumes; wer „ sich nicht davon überzeugen kann, wieviel das „ Haar zur Schönheit beitrage, der sehe ei^ „ neu Kahlkops an. Derselbe ist der Vorwurfder „ Verachtung und der Spötterey, so sehr auch ei« „ gewisser Synesius in seinem Lobe der Kahlköpfe die Glaze erhebt. Unter den Strafen, die Gott ,, über Moab lerem. 48.0. im 47. v. und über „ die stolze Tochter Zion kommen lassen will. les. A 4 Z« . L ^ll her kahle Kopf nicht her gering- „ ste fern. Es war daher kern Wunder, daß Cä- ,, Hit- Tiberius, Dtty, Domitian,(welche In- „ venalius seit 4— Z8. den kahlköpfigen Nero, „ weil er den ersten Nero, an Grausamkeit über- ,. traf, nennet) wegen ihrer Glatze viele Spotte- ,» reyeg leiden mußten, und daß sich Caracalla ganz „ lächerlich machte, als er bei der Leiche seines „ Lieblinges Festus Las fremde Haar, womit er seine Glatze verbarg, in das Leichenseuer warf. „ So wie nun das Haar ein vorzügliches Stück ,, der Schönheit ist, so machte man auch ehedem „ das Haar abschneiden, und bescheren, im Ge- -„ gentheil zu einer gesetzlichen Strafe und Bcschim- pfunq, welche desto empfindlicher war, fe mehr die Person an welcher sie vollzogen wurde, mit ,, ihrem H-ar gepranget hat, und fe verachtli- „ cher sie nach ihrer Einbildung der Verlust dersel- „ ben machte. In dieser Absicht wurde daher in den Zeiten der Verfolgungen den Christinnen das Haupt beschworen. Diese Art der Beschimpfung ,, wurde unter den griechischen Kaisern im Lten Jahrhundert immer gemeiner, und besonders „ gegen die Bilderverehrer sehr gewöhnlich. Außer „ andern s „ andern Verbrechen war sie auch auf den The- „ bruch gesetzt, und das LgliliLon. t. 60. b. Z7. „ I. 7;. verordnet den Staubbesen das Haar und „ Nasen abschneiden wider dieses Laster. Gottlob, ,, daß diese grausame Strafen heutiges Tages nicht „ mehr bey uns Mode sind, dann unsere Kunst ,, würde, wie so viel hundert andere noch weit mehr „ nach Brod gehen müssen. Auch die Kupplerin- „ nen, und wer sonst dazu behilflich gewesen, wur- „ den in alten Zeiten mit der Haarschur bestrafet. „ Unter dem Kaiser Basilius und Leo den Welt- „ weisen wurde denen an Haar Gestraften, damit „ es ihnen nicht so bald wieder wüchse, daßelbe aus „ den Kops angezündet, und abgebrannt. Der „ Priester bei den Juden mußte die Haarzöpfe der ,, Ehebrecherinnen losflechten, und daßelhe hin- und Herwerfen. Auch in unserm Deutschland war das „ Haarabschneidcn eine Strafe. Im Gachsenspie- ,» gel sieht Besen und Scheeren, Haut und Haar, „ und im straßburgischen Rechte das Scheeren und „ Stillen, das ist Haarabschneidcn und Ausstan- „ pen zusammen die letzte Strafe, hat man öey- „ behalten, und die erste ist lange und vermuthlich „ seit der Zeit, da das Tragen falscher Haare ge« A Z„ wohn» z, wohnlicher geworden, unterläßet!. Insbeson-- ,, dere waren unzeiLige Weibspersonen dieser Stra- „ ft unterworfen; denn bey unfern Vorfahren, „ die so wenig Reizung zur Wollust hatten, war ,, der Ehebruch eine höchst seltene Sache; erlebte „ ein Mann das Unglück, daß ihm die Frau krönte, „ so schnitt er in Gegenwart der Verwandten der „ Ehebrecherin das Haar ab, und peitschte sie durch „ das ganze Dorf, und sie fand, wenn sie auch „ schön, jung und reich gewesen, keinen Mann „ wieder. Wie stolz könnte nicht eine deutsche „ Jungfer auf ihren Kranz und Haare seyn I Ihr „ war es allein erlaubt darum zu gehen» Diese „ Tracht war ein öffentliches Zeugniß, daß ihre z. Ehre unverletzt sey, obgleich das Zeugniß nicht „ allemal mit der Wahrheit übereinstimmte, indem „ die eine oder die andere, welche dieses Zeichen „ der Unschuld auf dem Haupte trug, schon langst „ von dem verbotenen Baume geschmeckt hatte. „ Wie hart verfuhr man nicht gegen die, welche „ die Welt getäuschet, und ungeachtet sie nicht „ mehr zum Jungsernstande gehören, bis keinVer- „ hehlen mehr gilt, in Haaren gehen! Gegen die- „ se BetrieMinnen- war in Hollsteinischen verord- „nett ! r net: Wenn ein Madgcn geschwängert wird, und „ wie oftmals geschehen, bis aus die äußerste Feit ,, der Geburt in Haaren geht, sollten ihr die Haa- ,, re durch den Büttel abgeschnitten, und an den „ Kack genagelt werden. InLiefiand werdender „ Braut, ehe man sie zu Bette bringt, zum Fei- ,, chen des auf sie wartenden Vertusts die Haar-e ,, abgeschoren; und die Jüdinnen müßen, wenn „ sie Weiber geworden, ihre Haare unter den Hau- „ ben verbergen, „ Außer den itzt angeführten gab es noch meh- ,, rere Ursachen, warum das Haupt ehedem das „ Schrermeffer über sich herfahren lassen mußte, „ als das Beschweren der Knechte, welches nach „ dem Berichte des Servius in dem Tempel der' ,, Veronica geschah. Das Reinigen des Hauptes 2, durch das Abscheeren des Bartes, und des Haupt- „ Haares, dazu bey den Juden der Hohepriester, ,, alle Abend vor dem Sabbathe, und der König „ alle Tags verbunden war» Das Abschneiden oder ,, Ausraufen der Hagre in unglücklichen Begeberr- „ heiten, welche Art zu trauren Lirero in tust- culänis W-elfionibu« für thöricht halt? Das z- Abschneiden dpr Haare wegen eines Gelübds, « su !2 „ so man gethan hatte: die Haarschur Tonsur „ der Geistlichen in der griechischen und abendlan- „ bischen Kirche. Alle Morgenlander, die Mön- „ che von einigen Orten Dervische und einige Lan- „ tons in Aegypten ausgenommen, lassen ihren „ Kopf mit den Scheermeßer abscherten, und nur ,, oben laßen sie einen kleinen Zopf stehen. „ Die Her en Aerzte behaupten auch, daß das „ Haarabschneiden der Gesundheit sehr zuträglich „ sey, und daß man sich zumessen deßelhen als ei- „ nes Mittels bedienen könne, unsere Verlorne Ge- tz, sundheit wieder zu erhalten. Der vornehmste „ Nutzen den man von dem Abschneiden der Haare -„ bemerkt, ist der, daß dadurch eine gewisse Art „ von Kopfschmerzen gehoben wird, die sehr ge- ,, mein ist. Wer einen starken Hgarwnchs hat, „ pflegt gar leicht Kopfschmerzen davon zu bekom- „ men, und wenn die Haare auf dem Kopfe allzu- „ dick stehen, so hindern sie die Ausdünstung und „ erregen auf die Art Kopfschmerzen: dahero ist es „ ein zuverlaßiges Mittel wenn man sich bei Köpft ,» schmerzen, es mögen dieselben auch von noch so „ verschiedenen Ursachen entstanden seyn, die Haa- ,, re wenigstens auf den Wirbel des Kopfes dicht ab- i'Z, „ abschneiden, und sich sodann den Kopf abbürsten „ laßt. Empfindung die man bekommt, wenn „ die Haare abgeschnitten werden, ist mit einen ye-^ „ wißen kleinen Schauer verbunden, welcher das „ in der Höhe steigende Geblüt ein wenig zurück- „ treibt, und das Abbürsten des Kopses erösnet „ die Gchweißlöcher der Haut, Und stellt die Aus- „ dünstung wieder her, deren Unterbrechung die „ Kopfschmerzen am meisten unterhalt. Man kann im Anfange des Hauptes ringsumher einen Strich „ Haar stehen laßen, um das Haupt auszuputzen, „ welches bei dem Frauenzimmer nothwendig ist; „ der Wirbel hingegen muß ganz dicht abgeschnit- „ ten seyn, den man übrigens durch genügsame Be- „ dcckung vor der Erkaltung hinlänglich beschützen „ kann. „ Diele Aeltern thun auch Kindern damit nicht ^„ geringen Schaden, daß sie ihnen die Härchen „ nicht gern wollen abschneiden laßen; denn der „ böse Kopf läßt sich mit halber Mühe, sa von selbst „ heilen, wenn man die Haupthaare fleißig und „ dicht hinwegschncidet. In wie fern das Abschnc-- „ den der Haare insonderheit im Anfange der Bla^ „ tern, und denen Personen, die immer mit Schup» „pen 14 „ pen geplaget worden, heilsam sey, ist den Aerz- „ ten bekannt. Wer auch gerne dunkle Haare tragt, „ der kann sich dieselben durch öfteres Abschneiden ,, verschaffen, indeme die Haare jederzeit einen Grad i, dunkler fallen- wenn sie vom neuen wachsen; viel- j, leicht liefen sich auch dadurch die rothen Haare ^ bey den Kindern verhüten. „ Lassen Sie uns aber meine Herren und Da- mcn die Haare auch physisch betrachten. Die „ Haare inachen schon darum einen vorzüglichen ^ Theil des menschlichen Körpers aus, weil sie fast „ die ganze äußerliche Flache deßelben einnehmen, ^ und nur an sehr wenigen Orten fehlen» Man verstehet aber unter den Haaren diejenigen, dün? „ neu, zarten, schlanken, kegelförmige, verschie- ,, deutlich gefärbte, starre, und bewegliche, oder „ mit einer gewißen Schnellkraft versehene Faden „ oder Körper, welche fast überall an der äußerst- „ chen Oberfläche hervorstehen, und welche sowohl durch dieOberhaut als durch die übrigen allgemeinen Decken durchgehen, als auch aus dem darunter „ liegenden Fette vermittelst zarter doch fester Wur-> zeln hersür sproßen. Ein jedes einzelnes Haar aber muß man, um sie genauer kennen zu lernen, in -8 „ in d'tty besondere Stöcke zergliedern und Nöthe-, §, len; nämlich in den Untersten Theil oder die „ Haarwurzel, welche'unter der Haut im Faden- „ gewebe, und im Kette verborgen liegt, ferner „ in den mitlern Theil, oder Körper, und endlich „ in das äußerste Ende- oder dieSpize, welche bep- „ de letzten sich außer der Haut befinden. DieHaar-- „ Wurzel oder der unterste Theil der Haare, ver- „ mittelst dessen sie in der Haut befestiget sind, „ stellet ein kleines, bald zirkelründes, bald langi- „ licht Wder eyrundes Knöpfgen, oder Säckgcn vor", „ welches aus verschiedenen auf einander liegenden „>Häutchen, oder Blättchen besteht/ die mit den „ feinsten Gefäßen durchwirkt sind, und welches », wegen dieser Aehnkichkeit auch die Haarzwiebel „ genannt wird. Aus dem untersten Ende der- „ selben, welches aus einer im Fette befindlichen „ kleinen Vertiefung mit keinen hervorragenden „ Fäsern oder Fäden liegt, entspringt die Saft- „ röhre, welche hernach durch das ganze Haar bis „ an die äußerste Spitze hindurch laust, der unterste „ Theil, nämlich der Körper, oder Stamm des „ Haares, raget außerhalb der Haut durch eine „ OeffnungoderSchweißloch derselben hervor, und „ besteht „ besteht aus verschiedene übereinander hegenden „ Häuten, die sowohl von den Fadengewäbe um „ ter der Haut, als von der obern Haut selbst, „ durch eine geschehene Verlängerung entstehen, ftr- „ ner aus der Saftröhre, lind andern kleinen „ durchslochtenen zarten Gefäßen. Der äußerste „ und letzte Theil ist die Spitze, welche nach Art „ eines KöM'stutzig zulauft, und ball geschloßen, „ bald zertheilt, bald fäßerig erscheint, welcher -,, letztere Umstand abc.r nicht so wohl für.natürlich, „ als vielmehr für eine Krankheit der Haare anzu- ->, scheu ist—, Ich bittesthr, daß sie über diese ,, umständlich physische Beschreibung der Haare sich „ keine Langeweile ankommen laßen. Sie sehen wohl, „ daß es mein Beruf ist, von den Haaren zu reden, „ und wenn ein Haarkünstler wie wir sind, nicht „ von allen was die Haare angeht genau unter- „ richtet ist, und Rechenschaft davon geben k.mn, „ wer soll es denn können! und wie wurde ich „ Ihnen die Wichtigkeit, und die Vorzüge unsrer „ Kunst, überzeugend darstellen können, wenn ich „ nicht von den ersten vorzüglichen Gegenstand der- „ selben mit aller erforderlichen Genauigkeit sprechen „ könnte. Erlauben sie also, daß ich weiter fort- fahre Räch- Ü7 Nachöeme wir die physische Beschaffenheit der Haare betrachtet, so lassen sie uns auch von den mannigfaltigen Unterschied derselben bemerken» Der Unterschied der Haare an den menschlichen Körper findet sich endweder in Ansehung des Ursprungs derselben, oder der Gegenden wo"e anzutreffen sind, ihre Länge, Menge, Dicke, Harte, Starke, und Festigkeit, ihre Farbe, Krause, und ihres Nutzens, dienete wo die Haare eine beträchtliche Dicke, Lange, und Festigkeit bekommen. Sind bis ganze obere und Hintere Gegend des Hirnschädels, ferner der Nacken, die Schlaf, der Eingang des Gehörganges, auch die Augenbraumen, und die Augenwimpern, die Achselhöhle, und die Schaant bey Mannspersonen, aber noch besonders, die ober- und Unterlippe, und das Kinn, dahee auch das ganze Gesicht, indeme sie bis an die Stirne hinaus steigen, mit einem haarigen Umkreis umgeben ist. Ferner der Umfang, und die Warzen der Brüste, die Brust, die Achsel- , höhle, der Hodensack, die Gesaßnath, der Hintere, die äußere Seite fast des ganzen Armes, die Handwurzel der Mittelhand, und die erste Glieder- B reih? 18 „ reihe der Finger', das ganze tun- nnd auswendige „ Dickbein(die kahle Fläche zu oberst, und außer- „ lich, welche eine Hand groß ist, ausgenommen) „ das ganze Schienbein überall, endlich die obere „ Gegend des Mittelfußes, und der ersten Glie-- „ derreihe der Zehen. Die Haare, welche außer „ diesen Orten aus der Haut wachsen, sind seltener „ weicher und kürzer, auch nicht bey allen beständig an einerley Orten. Zuweilen sind auch, vor- „ nehmlich bey haarigen Mannspersohnen, die Träh- „ nen Drüschen mit einigen Haaren besetzt, daß „ in der flachen Hand, und auf den Fußsohlen ,, kleine Haare, gesunden werden, ist etwas seltenes. .. Widernatürlicher Weise werden auch zuweilen an unwürdigen Orten Büschel Haare, die aber nicht „ allezeit in einer fetten Materie verwickelt sind, „ in der großen Thränen-Drüse, in den Gedärmen, „ in den^Harnwege, im Eyerstock, in der Gebähr- „ inuttcr, in den Hoden gefunden. ,, Allenthalben aber, wo die Haare entweder „ der Natur gemäß äußerlich auf den Körper, „ oder wiedernatörlicher Weise, in den innern „ Theilen wachse«, befindet sich eine für sie sehrge- „ schickte Dichte Mutter, und zähe Materie, das her sind an keinem Orte ckehrere, und längere „ Haare, als aus dem Kopfe, in der Achselhöhle, an ,, der Schaam- und an der Oeffnung des Mast- z, darmes, denn diese Gegenden sind mit den inei- „ sten Fetthölchen versehem Wo hingegen diese Hö'lcheir nicht vorhanden sind- da sind auch keine Haare: die«reisten Haare entspringen daher aus ), dem Fette, die kleine Wolle aber aus dem Kör- pck der Haut selbst. ^ Einige Haare bringt der Mensch mit auf die H Welt, andere hingegen kommen erst allmählich „ nach der Geburt zum Vorschein. Man rechnet z, zu denjenigen- welche gleichsam mit uns gebohren z. werden- vornehmlich denjenigen allgemeinen wol- „ lichten Uiberzug, womit die Oberfläche neugebohr- ^ ner Kinder fast überall bedeckt ist. Man hat darum den Menschen unter die haarigten Thiere „ rechnen wollen. Da aber diese zarte Wolle un- ,, ter den schleimigen Fadengewake der Haut nur ^ ganz locker ansitzt, so verliert sich dieselbe viel- leicht durch das Reiben der Windeln, und Klei-r z, der, kurz nach der Geburt, sind hmterlast keine einzige Spur ihres vorigen Daseyns. Ferner gehören hieher die Haupt- oder Kopfhaare, bey BS ,, dem 20 „ dem männlichen, und weiblichen Geschlecht, die „ Augenbraumcn, und die Augenwimpern, welche „ sämmtlich mit der Geburt dem Wachsthum, oder „ der Abnahme des Körpers entstehen, wachsen und „ vergehen. Unter denjenigen Haaren aber, welche erst allmählich nach der Geburt, oder zur Zeit „ der Mannbarkeit hervorkommen, giebt es einige, „ welche wenn sie einmal hervorgesprosen sind, ein „ unumschränktes und nie aufzuhaltendes Wachs- „ thum haben, andere hingegen, welche nur eine „ gewiße und festgesetzte Länge erhalten. Zu den „ ersten gehören die Haare des Barts, welche so „ lang sie anfänglich noch ganz weich, wollicht „ und weißlich oder blond sind, daß Milchhaare, „ auch Federhaare, Staubhaare, und Hauchst- „ dern, diejenigen aber welche um die Oberlippe „ herum stehen, der Kncbclbart genennet werden) „ zu den übrigen aber rechnet man die Haare in „ den Ohren, die Nasenhärlein, die Haare unter „ den Achseln die Schaamhaare, und diejenigen „ welche um diese Gegenden herum sich befinden, „ ferner die Haare der Brust, und um den Nabel. „ In Ansehung der länge der Haare verhält „ es sich meistens also. Die längsten sind Haupt- „ haare 2! „ haare, hierauf folgen die Haare des Barts, „ der Schaam, und der daran liegenden Theile, „ unter den Achftln, um die Warzen der Brüste „ der Brust der Mamrspersohnen, an den Füßen, „ an den Armen: hierauf die Augenbraumen, die „ Augenwimpern, die Haare in der Nase, als- „ dann die übrige Wolle. Das Haupthaar, Wels „ ches bey denen FrauensperfohNen langer als bey „ denen Mannspersohneu ist, wird selten über „ eine Elle lang: die Haupthaare wachsen jährlich „ ohngesahr anf 4. rhein. Zoll. Das gröste Ge- „ wicht derselben belauft sich auf ohngesahr 20» „ Loth bis r Pfund; die größte Lange des BartS „ ist j brabanter Elle. Die Haare unter den Achs „ seln waren bey einen Bauen aus dem Bisthum „ Münster Z rhein. Zoll lang. DiD-° 2Z „ Der Durchmeßcr der Haare ist nach Ver- „ schiedenheit des Ortes, und der Farbe unterschie- », den. Auf eine Flache die Hr. Pros. Withof 4 Zoll groß machte, zahlte derselbe Haare, die ,, ganz nahe bey einander standen, und fand von den ,, ganz schwarzen....... i47 „ schwarzbraune...... rvi „ lichtgelbe....... 182 „ Dieser Erfahrungen zufolge ist also der Diea- „ meter eines Haupthaares nicht größer als /zth. „ des virten Theiles eines rhein. Zolles. Der „ Durchmeßer desjenigen Ganges, welcher längst „ dem Haare in der Mitte hinläuft ist wenigstens „ achtmal kleiner als der Durchmeßer des ganzen „ Haares, folglich beträgt der Diameter dieses „ Ganges höchstens^ von 4 Zoll in eben dem „ Maase: übrigens ist auch der Durchmeßcr der ,, Haare, nach Verschiedenheit des Ortes, wo sie „ sich befinden, verschieden; die dicksten sind an der „ Schaam, auf diese folgen die Barthaare, und ,, die Haare unter der Achsel, alsdenu die längern ,, Haare in der Nase, und die Kopfhaare; nach „ diesen die Haare der Augenbraumen undAugen- ,> lie- B4 ?4 „ lieber bey Erwachsenen: endlich hat auch nicht „ das ganze Haar, allenthalben einerley Dicke. „ Die Harte der Haare beruhet Hauptsächlich ,, auf der Rinde, und ist an verschiedenen Orten „ verschieden; die etwas langen Haare in der Nase, „ sind am härtesten. Die Schwarzen sind härter „ als die Hellen; bey Erwachsenen sind sie ebenfalls z. Harter als bey jüngern; diejenigen hielten diese, „ welche ein hartes Haar hatte», vor, grausam. läiistüt-t irieirihra czniäem, 6c äuros per brac-- cliin letre kromittunt gtrocem nuimuw, lcä öcc. Sagt Iuvenal. ,, Die Stärke und Festigkeit der«öaare „ oder das Zusammenhangen ihrer Theile, zeigen „ einigermaßen folgende, bey dem Haupthaare ,, angestellte Beobachtungen an. Nun z Zoll längs „ Haar, hob, ehe es zerriß.» z/Z Loth. 8».... 47z'— I k.».» 4z !2.»,. 4^ 14«»»- 4?—^ Folglich AS „ Folglich trägt jedes Haar leicht 4 Loth. ,, Erwägt man nun die Anzahl der Haare auf den ,, Kopse, so wird man die gewaltige Stärke des „ Haupthaares bey einem Manne, deßen Bartho-- z, lin gedenket, der einen eisernen 400 Pfund schwe- „ ren Amboß mit den Haaren seines Hinterhauptes „ fortzog, nicht mehr so gar bewundern. Daher „ haben die Alten die Kopfhaare der Weiber zuwei-- len an statt der Stricke, die Armbrüste undgros- „ sen Bogen damit zu spannen, ja man hat sie so gar zaweilen ein Schiff damit fortzuziehen, gebraucht. „ Sowohl das Wachsthum als die verfehle, „ dcnc Farbe der Haare rühren von dem Mars ^ ke her, welches aus der Zwiebel vermittelst der „ Gaströhre durch das ganze Haar geleitet wird, „ wiewohl nicht zu laugncn ist, daß auch das K!i- „ ma hierinnen sehr großen Einfluß in der Farbe der ,, Haare habe, und daß es daher komme, daß „ ganze Völker, und Thiergeschlechte, hierinnosts „ mals etwas ganz besonders, und eignes haben. „ Man unterscheidet vier Hauptsarben der Haare; die blonde, die braune; die schwarze, die rothe, „ davon aber jede wieder verschiedene Abwechslung », gen hat. Das goldgelbe, blonde, wird best B Z„ milch.- S6 „ inilchblonden vorgezogen, das aschfarbige Blonde „ hingegen wird für das schönste gehalten. Das „ eigentliche Braune, das Hellbraune?, und das „ Dunklbraune sind die gewöhnlichsten Farben. Unter „ den Schwarzen ist das glänzendschwarze seltener, „ das Rothe geht durch vielerlei- Abänderungen, ,, von den Goldgelben bis zum Brennendrothen. Ein „ Lichtgelbes, weiches, dem Flachse ähnliches Haar, „ nennet man Flachshaar. In der Kindheit haben „ die Haare eine helle und glänzende Farbe, die „ im männlichen Alter dunkler wird, und in-den „ hohen Alter gänzlich verschwindet, so, daß nichts „ als eine feste, und schneewcise Struktur übrig „ bleibt, die zarte Wolle wird später als das übrige „ Haar dunkel, die Haare an der Gchaam aber ,, werden es eher als das Haupthaar. Die Bewohn „ nsr kalter Gegenden haben wcifcrs, die in heiseren ,, Gegenden hingegen schwärzeres Haar. Daher „ haben die Aegypter, Araber, Indianer, Spa« „ nier, Italiäner, und andere in warmen Ländern „ wohnende Völker, die schwärzesten Haare; die „ in einem temperirten Klima wohnenden, braune; „ die Engländer, Holländer, Gchottländer, Dänen, ,, und andere in mitternächtigen Ländern wohnende, „ haben haben geineiniglich in das tvrißlichL fallende Haap. „ Lionel Wosler hat beobachtet, daß die Einwohner „ der amerikanischen Meerenge milchfarbigtes Haar ,, haben. Die ordentliche Farbe der Lappländer ist roth, „ Die Acgypter hatten ein Gesetz, vermöge „ dessen diejenigen Leute getödtet wurden, die rothe „ Haare hatten. Man sieht rothe Haare für ein „ unglückliches Zeichen an, und diejenigen die sie „ haben sßr Menschen, die von den Göttern gezeichnet „ wären. Es ist ein sehr altes Vorurthcil, daß „ Leute, welche rothe Haare haben, auch nicht „ viel taugen, Martialis sagt schon: „ Leine rüder, iiIZer ore, drevis piecie, lu. Mine iTssis. „ R.elN niaZimrn xrnüas, Loils, l, donus eri;, „ und im Deutschen hat man die Sprichwörter: „ rothe Haare und Erdeubogen so gerathen, soll man loben: und rothe Haare und Ellernholz, wachsen auf keinen guten Boden, Man muß „ hier einen Unterschied machen, zwischen gelben, „ und rothen Haaren, welcher jetzt nicht mehr siz „ genau beobachtet wird, Gelbe Haare hielten ,, die ,, die Römer und unsere Vorführer, die alten „ Deutschen für eine gewisse Schönheit. Mar- „ tial glaubt die Haare seiner Lesbia nicht besser rüh- „ inen zu können, als wenn er sagt, er habe ihr deswegen Haare aus Deutschland geschickt, darr mit sie, sehen könne, wie viel gelber die ihrigen „ wären. Die Helden, welche sich im Blute ihrer „ Feinde gebadet hatten, bedienten sich der Weibs- ,, Personen, die gelbe Haare hatten, wenn sie im „ Triumpf angezogen, und öffentlich Staat machen „ wollten. Je gelber die Haare waren, je inehr „ der Busen in das weise fiel, und se zarter der „ Bau ihres Leibes war, achtete man die Schön- „ heit solcher Weibspersonen, die vor dem Triumph- „ wagen des Helden hergiengen, und ihre Haare, „ die mit Bändern dnrchfiochten waren, zum Zei- „ chen der Verherrlichung des Helden, zerstreut „ mußten hangen, und wehen lassen, die rothen „ Haare hingegen wurden jederzeit für eine Haß-- „ lichkeit gehalten. Clitipho beizn Teren; verwei- „ set die Braut, die ihm sein Vater vorschlug, „ sonderlich deswegen, weil sie rothe Haare hatte» 29 f^ukamne illam virZinem , Iparlo ore, riäuuco ngko? I^loii polsum xnter! „ Weil aber doch so viele Meschen rothe Haa- „ re haben, so ist es nicht mehr als billig, daß wir „ auch hier der Rothhaarigten ihre Vertheidigung ,» vornehmen. Die Ursache warum man die rothen „ Haare für das Zeichen eines bösen Gemüthes ,, angenommen hat, liegt sowohl in der Unwis- „ senhcit der Logik, als in der Unwissenheit der ,, Physik. Die Unwissenheit der Logik ist die er- „ ste Quelle vorgebuchter Sprichwörter. Man „ schließt so: Der Fuchs ist rothhaarig und falsch, „ dieser Mensch hat rothe Haare wie der Fuchs, „ folglich ist er auch falsch wie der Fuchs. Allein man kann das Falsche, welches in diesem Schluße „ liegt, gleich bei dem ersten Anblicke fühlen r „ Wenn man so schließen will, so muß auch fol- „ gendcr Schluß gelten. Der Rabe hat einen „ schwarzen Kopf, und ist ein Crzdieb; dieser », Mensch hat schwarze Haare, folglich ist er auch „ ein Dieb, wie der Rabe. Die Unwissenheit „ der Physik ist die zweyte Quelle dieser Sprich, „ Wörter. Man wird viele Personen kennen, dir » röth- „ röthliche Haare haben, und doch dabey ein ed- lcs und rechtschaffenes Herz besitzen: rothe Haa- ,, re können also von der Hand des Schöpfers zu r, keinen Merkmal der Falschheit gesetzt seyn, soll- s, te es ein physikalischer Grundsatz seyn, das ro- the Haare auf keinen guten Boden wachsen, so „ müßte er eine allgemeine Erfahrung für sich ha- ben- der aber ermangelt, und folglich ist der- „ selbe unrichtig, und zu verwerfen. „ Haare von grüner oder blauer Farbe kom» „ men im natürlichen Zustande nicht vor- Was ,, Ronnelus, Borellus crzehlen, daß sie einen Bauern gekannt hatten, der von Natur grüne ,, Haare gehabt, gehöret unter die seltensten An- „ merkungcn, auch bezeuget Francisei an einen Knaben grüne Haare wahrgenommen zu haben. ,, Die Erfahrung aber bestätiget, daß nicht selten j, die Haare sich anders färben, nach der Verschie- „ denheit der Metalle, womit die Menschen als „ Handwerker zu thun haben, so hat nun zum Exempel bey Kupfer——>—— den in das grünlicht fallende Haare, bey Bergleuten, „ blaue Haupt- Und Barthaare, und bei Personen, „ welche Meßingdrat machen, aus den grünen „ ins St „ ins blaulicht fallende Haare wahrgenommen. Bey ,» Verfertigung der Nadeln, fetzt sich der in der ,, Lust herumfliegende Feilstaub des Meßings auf die Haare der Arbeiter, vornehmlich auf dem „ Zuspitze:-, welche die Nadeln auf den stählernen ,, Spitzring zufliegen(und bezieht sie Mit einer der- „ maßen glänzenden und vortreflich grünen Farbe, „ daß sie wie die Gräthen des Hornfisches ausse- „ hen, doch sind alle Haare dergleichen Verände- „ rungen nicht unterworfen, sondern die weisen mehr, als die braunen, oder schwarzen l Bei „ den Rothgicßern pflegen die Haare ebenfalls grün zu werden, daß das Haar, besonders das Haupt- „ haar, in wenig Stunden, aus jeder andern Far- „ be grau wird. Natürlicher Weise werden zu- » erst die Haare an den Schlüßen grau; hernach „ das übrige Haupthaar die Augenbraumcn; die s, Haare an den Augenliedern, und in der Nase, „ zuletzt der Bart, die Haare an der Schaam und „ unter der Achsel. Das Krausehaar wird später „ grau, als alles gerade. Bei jungen Leuten sieht „ man zwar oft hier und da vornehmlich auf dem „ Haupte, einige Büschel graues Haar, ein völ- » lig graues Haar aber ist bei ihnen sehr selten. 32 „ jedoch wird es zuweilen gefunden. Ludwig rrter >, König in Ungarn bekam in seinem i8ten Jahre „ ein ganz graues Haar, zuweilen verändert sich die graue Farbe der Haare wieder Donat ge- „ denket eines gewissen RathSverwandten- dessen „ Haare vor Alter grau geworden, endlich aber „ von selbst wieder eine grüngelblichte Farbe be- „ kommen haben; und der Graf von Garays ge- denket eines Mannes von 4Z Jahren, der „ krank gewesen, und deßen graue Haupthaare „ nach der völligen Gesundheit wiederum schwarz 4, geworden sind. „ Es giebt aber auch verschiedene Gattungen grauer Haare; diejenigen, welche man mohrn- „ grau nennt, sind vorher glänzend schwarz gewc- „ sen> die schmutzig grauen finden sich an braune» „ Personen; das'weise Haar aus gelben Grunde ,j ist die Farbe blondgewesener Haare. Unter de- ,, ncn durchs Alter weisgewordeuen Haaren, wer- ^ den die achatweißen für die schwächsten gehalten, „ gemeiniglich bekamen dergleichen diejenigen Per- „ sonen, deren Haare am allcrschwarzesten gewe- sen sind; das perlweise ist die Farbe der kasta- ^ nienbraunen Haare, das Milchweise kommt von ^ blonden - rr „ blonden oder rothen. Blonde Personen bekom- „ inen, je älter sie werden, ein dünkleres Haar; immer höher an Farbe werden, je mehr sie werden mit den Jahren grau; jedoch geschiehet dieses Zunehmen nur bis in das 6oste Jahr, weiterhin haben die Haare nicht mehr die nämli- che Nahrung, sie werden trocken, und wer- gicht. Man nimmt überhaupt wahr. daß die „ Haare solcher Personen, welche die Mäßigkeit lieben, sich länger erhalten. Allein die grauen Haare sind nicht immer blos Wirkungen des Alters, sondern auch der Forcht und ihrer Gefährten, des Kummers, der Sorgen, des Leidens, und Krames, zu Paris ward ein Adclicher ins Gefängniß ge- „ worfen, und weil er eines schmählichen Todes zu „ sterben befürchtete, so verwandelte diese Angst ,, sein Hanpt in einer einzigen Nacht dermaßen, „ daß er am folgenden Morgen einen eisgrauen „ Kopf hatte; kaum war er aber aus dem „ Gesängniße wieder losgelaßen worden, so be- „ kamen auch seine Haare ihre natürliche Farbe wieder. Dieses Beispiel, welches Borellus er- S> »r ») -» zahlt, Hai viele seines gleichen. Don Dieg» L.. Osoris, 34 HUris, war noch ein ganz junger Mann, als „ er aussIResehl des Königs von Spanien,>'„ das Gefängniß geworfen wurde, und sich sein Kops ,, in einer einzigen Nacht grau färbete. Als der ,, Herzog von Mantna Franz Gonzaga einer seiner „ Anverwandten, wegen des Verdachtes einer „ Verschwörung wider seine Person in das Ge- „ sangniß hatte bringen lassen, um die Todesstra- ,, fe an ihm zu vollziehen, jammerte es ihm der- „ gessalt, als er am folgenden Morgen hörte, er „ wäre in der Nacht ganz grau geworden, daß ihn „ dieser Umstand bewog, ihm das Leben und seine Gnade wieder zu schenken: von zween Knaben, ,, welche aus einer Flucht plötzlich grau geworden, „ findet man bei Nikolaus. Florentinus Nachricht, j, Von einem Cdelman zu Padua, den man an „ Abend angekündiget, daß ihm der Kopf abge- „ schlagen werden sollte, versichert Speronius, daß er in derselben Nacht ganz grau geworden, auch „ bis an sein Lebensende, welches erst lange Zeit « hernach erfolgete, also geblieben sey. Endlich „ erzäblt auch Albert, Kranz, daß Wipertus,e» „ wählter Bischof zu Razeburg, welcher nach Rom „ gereiset, um von dem Pabste seine Bestattigung „ einzu- 35 einzuholen, weil ihm der Pabsi dieselbe um sei- , uer jugendwillenversaget, in der folgenden Nac)t ' durchaus grau geworden sey: Ich könnte noch " eine grössere Menge Beyspiele anführen, allem " die Erfahrung ist schon allgemein und zum Spnch- Worte geworden. , Das Haar, es möge übrigens eme Lange, Stärke^ und Farbe haben wie es w,ll, so hat " es entweder von Natur eine Krause, d.e auch Vin der Näße beständig bleibt, oder es hat olche nicht. In den ersten Fällen nennt man es„a- " rürlich krauses, oder naturales Haar, m den " letzten aber schlechtes oder glattes Haar. Die Haare grause!» sich gemein,gstch auf breyerley Art, entweder legen sie sich nur... e,- " neu einzigen Ring, oder in Locken, d.e w,e Schnecken oft in sich selbst lausen, oder sie g- ' hm schlange»we.se, und machen vnssch,ebene Bo. aen Die Haare unter den Ächleln, und an, " der Schaam, sind auch gemeiniglich bei denen, ' welche kein kraustes Haar auf den Kops hab.», ,o- ' ckia. Die größern Haupthaare sind zuweilen nm " an dem Ende kraus, weil die Länge und Schwere " derselben der Biegung widersteht. Be, der k.e.n- L«^ Wolle aber verhindert die Kraft, mit wel- " eher die Safte in gerader Linie fortgetrieben wer- " den, die bei der geringen Länge keinen großen „ W-derst uid findet, die Zusammenkam,nung. D.e vornehmsten natürlichen Ursachen des star- " ken Kranselns, find die Wärme des Tempera- ment, und eine Hindernuß, welches das Haak » st-det, wenn es durch die Haut dringen will. Eben so verschieden ist endlich auch der Nutzen „ der Haare überhaupt, indem fie an einigen Or- tcn, den Körper schlechtweg bedecken, und ihn auf solche Art bald vor allzustrenger Kälte, bald " vor großer Hitze beschützen; andere den Schweiß " oder gewiße abfließende Unreinigkeiten, oder auch sonst schädliche und reizende Dinge, von gewiß- ,, sei, edlen und empfindlichen.Theilen des Körpers » abhalten, auch vielleicht die Ausdünstung hie und „ da beförderen, und überhaupt vieles zur äußer- I ch n Schönheit, und dem beßeren Ansehen des »? Körpers beitragen. " Beider Schönheit des 5ratten;immcrs t. kommt das Haar vorzüglich in Rechnung. Wenn », P'i»- S7 Pindarus die Helena, die schönste ihres Geschlechts, wenn er die Grazien nennet, so giebt er beiden den Beinamen der Schönhärigen; und eben diesen Beynamen erhalten die Mußen von dec lesbischen Sapha. Horaz könnte daher den Ma- eänas 2. oder i2. sicher fragen, wurdest du wohl das Haar deiner Licinien gegen die Schatze Pcr- fiens, gegen die Reichthümer Phrygiens, und Arabien vertauschen? Was muß scheußlicher ab- ,, gebildet werden, als die Furien, und als der ^ Kops der Medusa, und wie könnte ihre Scheust- lichkeit vollkommen ftyn, wenn man ihnen die Haare laßen wollte! „ Das Haar aber an sich, so wie es die Natur wachsen läßt, würde dein Kopse noch eine schlechte Zierde geben, wenn ihm nicht die Kunst, es zu schmücken zu Hülse käme, und ein verwor- „ renes wildes Haar, würde nicht viel mehr als „ ein kahler Kopf gefallen. Dieses führt mich nun- „ mehro vorzüglich aus den Haarputz und Haar- „ schmuck des weiblichen Geschlechtes. Das Fraucn- ,, zimmer glaubte nie schön genug zu seyn, wcmr „ sie nicht die Schönheit des Haares, durch so „ mannigfaltige Arten des Bindeus, Flechtens, C z Be- ,» Z8 Beschneidens, Krauselns, Farbens, u. s. w. erhebten. Die den Schönen angebvhrnc Neigung zu gefallen, ihre viele leere Stunden, und die „ Freude welche sie sich daraus machen, wenn sie sich „ von den übrigen Geschlechte in der Tracht unter- ,, scheiden können, sind allezeit fruchtbare Ersinde- „ rinnen unzähliger Verandernngen der Tracht, ls, und der Auszierung des Haupthaares gewesen. Dieses Bestreben des Frauenzimmers ist vieüeicht „ so alt als das weibliche Geschlecht. Jin Para- , diese sieht Cva noch mit langen herabhangenden „ Haar und den Apfel' in der Hand, unter dem „ unglückseligen Baume, vermuthlich hat sie es „ am folgenden Tage schon zusammen gebunden, ,, und mit einer Haube bedecket, vermuthlich hat ,, sie ihren Töchtern die erste Flechte gemacht, und „ ihre Enkellinnen haben schon mehr zu künsteln „ angefangen. „ Das Frauenzimmer ist zu allen Zeiten, und „ in allen Landern, was die Neigung zu gefallen, „ und es andern zuvor zu thun betrift', sich immer „ gleich gewesen, die Römerinnen putzten sich „ eben so gern als die Griechinnen.' Das gelbe „ Haar behauptete amincr den Vorzug vor den schwär- „ schwarzen, diejenigen, welche das Unglück hatten, „ daß ihr Haar von Natur nicht gelb war mußten rs gclv färben. Nur die Augenbraumcn mußten „ nichc gelb sondern von Natur oder Kunst schwär; » seyn. Als das liederliche Geschmeiß in Rom, „ welches seine Reizungen zu Markte trug, gelb „ zu seiner Haarfarbe wählte, so trugen die Da- „ men sich von jenen zu unterscheiden, schwarzes Haar. Diejenige, deren Haar grau war, färbten „ es, und die, denen es gar zu dünne ward oder „ gar ausfiel, ersetzten den Mangel durch falsches „ Haar, die gewöhnliche Tracht des männlichen Ge- „ schlechts in Deutschland war, das Haar in Kno- „ ten geschlagen, die Frauen brachten es in eine „ Wulst, und bedeckten es mit einer Haube. Die „ Jungfern ließen es über die Schultern herabhan- „ gen, oder brachten es auf den Scheitel in ein „ Nest. Die Frau dürfte sich nicht ohne Haube „ welche im salischen Gesetze Obto genannt sehen „ laßen; dieses ist das Zeichen der Herrschaft des „ Manns, unter welche sie sich durch ihre Verheu- „ rathung begeben bat. Die Jungfern allein „ dürften in bloßen Haaren gehen. Das deutsche ^ Frauenzimmer war in Erfindung neuer Haupt- C 4„trach- 4S „ trachten eben so sinnreich, als ihre Schwester« in andern Landern: sie haben schon in alten Fei- ten immer neue Moden erdacht. Sie erdenken sie noch täglich, und werden sie bis an das Ende „ der Welt erdenken. In Beru in Afrika., laßen die Männer ihre wachsen, wie es von Natur ist, nur legen sie es an zwey oder drei „ Orten in Locken, um eine große Koralle daran „ zu hangen. Der Weibsbilder ihr Haar aber „ wird sehr künstlich in große und kleine Locken auf- „ gewickelt, und oben am Wirbel, wie ein um- „ gekehrter Hannenkamm getheilt, wodurch die „ kleinen Locken genau in Ordnung liegen; manche theilen ihr Haar in ro. und mehr Locken, nach- „ dem es dick, oder dünn ist, andere salben es „ mit Baunwhl, dadurch verändert sich ihre „ chwarze Farbe nach und nach in eine grüne oder „ gelbe, die sie sehr gerne haben. „ Die wilden in Llordamcrika streuen Psiau- „ menfedern von Schwanen oder andern Vogeln „ aus ihre geschmierte Haare, und fügen noch Fe-> , dern von allerhand Farben und Büschel ,, von allerhand Thieren in einer sehr seltsa-- „ men Bertheilung hinzu. Ihre Haare sind bald in 4! 2, in die Höhe gerichtet, bald ganz glatt, und ,, nehmen tausenderlei Gestalten an. Dse Weiber „ schmieren ihre Haar oft, und bedienen sich solches ,, zu pudern, eines Baumrindenpulvers, zuweilen „ auch einer Art von rother Farbe: sie wickeln es „ in eine Schlangenhaut, in Gestalt der Haarzopfe, „ die ihnen bis auf den Gürtel herabhangen. „ Die Grönländer tragen ihre Haare kurz „ von der Scheitel auf allen Seiten herabhängend; „ an der Stirn aber sind sie abgeschnitten, und „ wohl bis an d-e Scheitel abgeschoren. damit sie ihnen bey der Arbeit nicht hinderlich fallen. Bey „ denen Weibern würde es eine Schande seyn, die Haare abzuschneiden, welches sie nur in der Trauer ,, thun, oder wenn sie nicht heurathen wollen; sie „ binden dieselben zweimal über dem Kopse zusam- „ men, so, daß über der Scheide! ein langer breiter Zopf, und darüber noch ei» kleiner sieht: , diese werden mit einen Honen Bunde abgebun- " den, welcher zuweilen mit Glasperln geschmückt ist» „ Zu Cadix pflegen die dortigen Frauenzimmer „ Johanniswürmer mit Faden in ihre Haare zu „ befestigen, deren Schein des Nachts eine angenehme 42 „ nehme Wirkung thut, weil man dort um Mit- „ ternacht spazieren zu gehen pflegt. „ I»r Engeiland hatten im Jahr l6zo. i, die Damen sowohl als die Herren den Einfall, „ die Haare über die Stirne zu streichen, daß sie „ die Augenbraumeu berührten. ,, Die Bewohner der Maldezischen Inseln um Asien, beiderlei Geschlechts, haben schwarze „ Haare, und halten diese Farbe für etwas schor „ ncs; sie kommt nicht sowohl von der Gewohn- „ heic her, den Kindern die Köpfe alle acht Tage „ zu bescheeren, doch mit dem Unterschiede, daß „ sie den Mädchen, bis in das Alter von acht oder „ neun Jahren einen Schöpf über der Sirn stehen „ laßen, die Knaben hingegen werden ganz glatt „ beschorren. Nach dieser Zeit ist es keiner Manns, „ pcrfohn erlaubt, lange Haare zu tragen, außer „ Adelichcn, und Militairpersohncn, hingegen sind ^ sie ei« Schmuck aller Weibspersohnen, so bald sie ^ die Kinderjahre zurück gelegt haben, wenden viele „ Mühe und Unkosten darauf, ihre Haare wohl- „ riechend zu machen, und binden sie auf den Rücken „ zusammen, sie nehmen falsche Haare mit dar- „ unter, damit die Zöpfe desto ansehnlicher und C 4 schöner 43 „ schöner laßen. Das Band womit beide zusam- „ n en gehalten werden, ist eine Art Ringes von „ Gold oder Silber, auch zuweilen mit Perln „ und Edelsteinen geziert. Sie nehmen wohlrichen- „ de Blumen mit dazu, und es wird alles auf das „ Artigste eingerichtet. „ Um den Cacasus, das Gebürgt, welches „ den Raum zwischen den schwarzen Meer und den „ kaspischen See einnimt, findet das Frauenzim- „ mcr die rothen Haare so verfihönerend, daß man „ sie mit Pomade roth färbet. »r--i»! E>..^^->-»x«'--'^ - »''-. l)..»'.7:« r.... ...'-.x:'.^'- ......'! 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