- k 5 R°- 97. icncr Zeitung. Freitag dm 29. April 1839. Kaiserliches Manifest. < . ^ An Meine Völker! O» ' «>8ch habe Meiner treuen und tapferen Armee den Befehl gegeben, den von dem Nachbarstaat Sardinien seit einer Reihe von Jahren ausgehenden, in der jüngsten Zeit auf ihrem Höhepunkt angelangten Anfeindungen unbestreitbarer Rechte Meiner Krone und des unverletzten Bestandes des Mir von Gott anvertraute w Reiches ein Ziel zu setzen. Ich erfüllte damit eine schwere, aber unvermeidliche Regentenpflicht. > ' ^ . Ruhig in Meinem Gewissen, kann Ich zu Gott dem Allmächtigen aufblicken und Mich Seinem Richterspruche unterwerfen. Ich stelle getrost Meinen Entschluß der unparteiischen Beurteilung der M it- und Nachwelt-anbeim; der-Z u st im»": ng Meiner treuen Böller diu Ich gewiß. Als vor mehr denn zehn Jahren der gleiche Feind, mit Verletzung alles Völkerrechtes und Kriegsbrauches, ohne irgend eine ihm gegebene Veranlassung, nur in der Absicht, das Lombardisch-Venetianische Königreich an sich zu reißen, in das Gebiet desselben mit Heeresmacht einfiel, als er zwei Mal von Meinem Heere nach ruhmwürdigem Kampfe aufs Haupt geschlagen, der Macht des Siegers Preis gegeben war, übte Ich nur Großmuth und reichte die Hand zur Versöhnung. . -- . Ich habe keinen Zoll breit feines Landes Mir angeeignet, kein Recht, welches der Krone von Sardinien iiii Kreise der Europäischen Völkerfamilie zukömmt, angetastet; Ich habe keine Gewähr gegen die Wiederholung ähnlicher Ereignisse Mir ausbcdungen; — in der Hand der Versöhnung, die Ich aufrichtig darretchte und die angenommen ward, habe Ich sie allein zu finden geglaubt. - Dem Frieden brachte.Jch das Blut zum Opfer, welches von Meinem Heere für Oesterreichs Ehre und Recht vergossen wurde. Die Antwort auf diese in der Geschichte wohl einzig dastehende Schonung war die ungesäumte Fortsetzung der Feindschaft, eine von Jahr zu Jahr sich steigernde, mit allen Mitteln der Treulosigkeit ausgerüstete Agitation gegen die Ruhe und das Wohl Meines Lombardisch-Venetianischen Königreiches. Wohl wissend, was Ich dem kostbaren Gute des Friedens für Meine Völker und jfür Europa schuldig bin, trat Ich auch diesen neuen Anfeindungen mit Geduld entgegen. Sie erschöpfte sich nicht, als die umfassenderen Maßregeln, welche Ich in der jüngsten Zeit, durch das Uebermaß wühlerischer Aufreizung an den Grenzen Meiner Italienischen Lande und innerhalb derselben, für deren Sicherheit zu treffen gezwungen war, neuerdings als Anlaß zu gesteigertem feindlichem Auftreten benützt wurden. Der wohlwollenden Vermittlung befreundeter Großmächte für die Erhaltung des Friedens bereit- wilssgRechnung tragend, willigte Ich in die Thcilnahme an einem Kongresse der fünf Großmächte. Die von der königlich Großbritanischen Regierung als Grundlage der Kongreß-Berathung vorgeschla- genen und Meiner Regierung übermittelten vier Punkte nahm ich unter Bedingungen an, wie sie nur geeignet sein konnten, das Werk eines wahren, aufrichtigen und dauerhaften Friedens zu fördern. 1918 In dem Bewußtsein, daß kein Schritt von Seite Meiner Regierung geschehen, der nur im Entferntesten zur Störung des Friedens hätte führen können, stellte ich aber gleichzeitig das Verlangen, daß jene Macht vorläufig entwaffne, welche die Schuld an den Wirren und an der Gefahr der Friedensstörung trägt. Auf das Andringen befreundeter Mächte gab Ich endlich Meine Zustimmung zu dem Vorschläge einer allgemeinen Entwaffnung. Die Vermittlung scheiterte an der Unannehmbarkeit der Bedingungen, an welche Sardinien seine Einwilligung band. So blieb nur noch Ein Schritt zur Erhaltung des Friedens übrig. Ich ließ unmittelbar an die königlich Sardinische Regierung die Forderung richten, ihre Armee auf den Friedensfuß zu setzen und die Freischaaren zu entlassen. Sardinien hat diesem Begehren nicht entsprochen. Damit ist der Zeitpunkt gekommen, wo nur noch in der Entscheidung der Waffel» das Recht seine Geltung suchet» muß. Ich habe Meiner Armee den Befehl gegeben, in Sardinien einzurücken. Ich kenne die Tragweite dieses Schrittes, und wenn je die Regentcnsorgen schwer auf Mir lasteten, so ist es in diesem Augenblicke. — Der Krieg ist eine Geißel der Menschheit; Ich sehe mit bewegter Brust, wie sie Tausende Meiner treuen Untcrtbanen an Leben und Gut zu treffen droht; Ich fühle tief, welch' schwere Prüfung gerade jetzt der Krieg für Mein Reich ist, das auf der Bahn geordneter innerer Entwicklung fortschreitet und für diese der Fortdauer des Friedens bedarf. Allein das Herz des Monarchen muß schweigen, wo nur noch Ehre und Pflicht gebieten. An der Grenze steht gewaffnet der Feind, im Bunde mit der Partei des allgemeinen Umsturzes und mit dem offenen Plane, Oesterreichs Besitz in Italien an sich zu reißen. Zu seiner Unterstützung setzt der Herrscher Frankreichs, der unter nichtigen Vorwänden in die völkerrechtlich geregelten Verhältnisse der Italienischen Halbinsel sich einmischt, seine Truppen in Bewegung; Abtheilungen derselben haben bereits die Grenzen Sardiniens überschritten. Ernste Zeiten sind schon über die Krone weggegangen, die Ich von Meinen Ahnen fleckenlos ererbt; die glorreiche Geschichte Unseres Vaterlandes gibt Zeugniß, daß die Vorsehung, wenn die Schatten einer die höchsten Güter der Menschheit bedrohenden Umwälzung über den Welttheil sich auszubreiten drohten, oft sich de^ «Schwertes Oesterreichs vevieme, UM mit stillem Blitze dt? Schurren zu zerstreuen.- Wir stehen wieder am Vorabend einer solchen Zeit, wo der Umsturz alles Bestehenden nicht mehr blos von Setten, sondern von Thronen herab in die Welt hinausgeschleudert werden will. Wenn Ich nothgedrungen zum Schwert greife, so empfängt es die Weihe, eine Wehr zu sein für die Ehre und das gute Recht Oesterreichs, für die Rechte aller Völker und Staaten, für die heiligsten Güter der Menschheit. An Euch aber Meine Völker, die Ihr durch Euere Treue gegen das angestammte Herrscherhaus ein Vorbild seid für die Völker des Erdkreises, ergeht Mein Ruf, Mir mit der altbewährten Treue, Hingebung und Opferwilligkeit in dem ausgebrochenen Kampfe zur Seite zu stehen; an Euere Söhne, die Ich in die Reihen Meines Heeres gerufen, sende Ich, Ihr Kriegsherr, Meinen Waffengruß; mit Stolz dürft Ihr auf sie Hinblicken, in ihren Händen wird der Adler Oesterreichs -och in Ehren sich schwingen. Unser Kampf ist ein gerechter. Wir nehmen ihn auf mit Muth und Vertrauen. Wir hoffen in diesen» Kampfe nicht allein zu stehen. ^ ^ Der Voder», auf dem Wir kämpfen, ist auch mit dem Blute des Deutschen Brudervolkes gedüngt, als eine seiner Schutzwehren errungen und bis auf diese Tage behauptet; dort haben Deutschlands arglistige Feinde zumeist ihr Spiel begonnen, wenn es galt, seine Macht im Innern zu brechen. Das Gefühl einer solchen Gefahr durchzieht auch jetzt die Deutschen Gauen, von der Hütte bis zum Throne, von eitler Grenze zur anderen. Ich spreche als Fürst im Deutschen Bunde, wenn ich auf die gemeinsame Gefahr aufmerksam mache und an die glorreichen Tage erinnere, wo Europa der allgemein aufflammenden Begeisterung seine Befreiung zu danken hatte. Mit Gott flr's.! Gegeben in Meiner Residenz- und Reichs-Hauptstadt Wim am acht und zwanzigsten April des Jahres 1889. Franz Joseph m. p.