K M1 W!snsr Ltscit- urio I^Äncjssbidüottisk r. 11889 9- so 25- so- 7811- 39532- 45 Ueber die Russischen Schwitzbäder, deren Gebrauch und Heilkräfte. U M M -- Msnsi- Lischt- un3 t-snässdidliottisk L 5».> 1583^ KMg- SO 2S- so- 7811- 3SLZ2- 4S Ueber die Russischen Schwitzbäder, deren Gebrauch und Heilkräfte. ; rr.' ^. .-.:....^ Ueber die Russischen Schwitzbäder/ deren Gebrauch und Heilkräfte, von Joseph Nitter v. Vereng» Dr. der Arzeneikunde und ausübendem Arzte zu Wien. rc. Zweite Auflage. Wien, 1830. Druck und Verlag der Mechitakisten.Congrcgations- Buchhandlung- /! Älultum aälru«: re8tst vperis, mmNMIÄue reslabii: nee«Ili»Lto, post mille ssevuls, prsedu6elur veoasio alike Zeit, und die Erfahrung haben gelehrt, daß Bäder überhaupt durch die Erhöhung der Hautthätigkeit und des Lebensprozesses, gleichwie durch die Auflösung der Stockungen in dem Blut-, und in dem Lymphsysteme zur Heilung mancher langwieriger Krankheiten, und auch zur Erhaltung der Gesundheit und der Schönheit des menschlichen Körpers wesentlich beitragen; bekannt ist es gleichfalls, daß besonders durch das Baden in den aus dem Schooße der Erde entspringenden Mineralwässern viele früher unheilbare Leiden der Menschheit beseitigt werden; aber auch die,(von dem Lande, wo sie am häufigsten gebraucht werden), so genannten russischen Schwitzbäder verbinden, nach den in den Schriften der ältesten Ärzte aufgezeichneten Beobachtungen, nebst der allgemeinen Wirkung der Bäder eine ausgezeichnete Heilkraft gegen Krankheiten, welche allen innerlichen und äußerlichen Heilmitteln hartnäckig widerstanden hatten. Die Schwitzbäder sind unter den künstlichen Bädern geschichtlich erwiesen dieältesten: sie wurden von Griechen und Römern häufig gebraucht, und seit undenklichen Zeiten gleichwie noch dermal bedienen 6 sich die Ärmsten und reichsten Egppter, Ehstländer, Finnländer, Jrländer, Türken und Russen der Schwitzbäder zur Erhaltung der Reinlichkeit und Gesundheit, wie auch zur Heilung langwieriger Hautkrankheiten und gichtischer oder catarrhalischer Leiden; auch befinden sich gegenwärtig in jeder nur etwas bedeutenden Stadt Deutschlands, Preußensund Schlesiens, und bei den meisten Mineralquellen Schwitzbadanstalten, die ihrer sich bewährenden Wirksamkeit wegen eines außerordentlichen Zuspruchs sich erfreuen; selbst zu Wien wurden die Schwitzbäder einstens so häufig gebraucht, daß bekannter Maßen das Stuben- viertel allhicr von den vielen ehmals daselbst befindli, chen Schwitzstpben seinen Nahmen erhalten hat; demohngcachtet ist weder aus der Geschichte der Schwitzbäder, noch von den Ländern, wo sie dermal beinahe täglich, und oft ohne alle Vorsicht gebraucht werden, ein Beispiel eines nachtheiligen Erfolges dieser Bäder bekannt. In neuerer Zeit haben Welpner, Pochham- mer, Barries und Andere sich ernstlich bemüht, die russischen Schwitzbäder der nnverdienten Vergessenheit zu entreißen; besonders erfreuen sich die, den Ersteren gehörigen, zu Berlin seit einigen Jahren bestehenden Schwitzbad-Anstalten eines günstigen und allgemein anerkannten Erfolges. Das Bestehen einer ähnlichen Anstalt in unserer Haupt- und Residenzstadt(zu Gumpen- dyrf in der Zwerggaffe Nr. 283) veranlaßt mich. 7 über die hier weniger bekannte Anwenbungsart, -iber das, was man vor, während, und nach dem Gebrauche des Schwitzbades auf eine dem Klima, der Erziehungs-und Lebensweise, und unserer daraus entspringenden Beschaffenheit des Körpers entsprechende Art zu beobachten hat, und über die Heilkräfte des Schwitzbades überhaupt, nach den Erfahrungen der älteren und der neueren Ärzte, das Nöthigste bekannt zu machen, damit die Kranken, welchen der Gebrauch dieser Heilart unter gewissen Bedingungen eine sichere Hülfe, oder wenigstens eine Minderung ihrer Leiden gewähren könnte, von den Schwitzbädern durch ihre Unwirksamkeit, welche von einem willkührlichen, unvorsichtigen oder zweckwidrigen Gebrauch entspringt, nicht abgeschreckt werden. Die vor jetzt hier einzig bestehende Schwitzbad-Anstalt ist von keinem bedeutenden Umfange, und nur mit dem Nothwendigen ausgestattet, doch wird dieß Kranke, welche ihre Heilung oft auf beschwerlicheren, und wohl auch schmerzhaften Wegen zu suchen gezwungen sind, von dem Gebrauche dieser Bäder nicht zurückscheuen; auch ist zuversichtlich zu erwarten, daß, wen» die Wirksamkeit dieses Heilverfahrens sich noch mehr bewährt hat, durch Vermehrung und zierlichere Ausstattung der Badstuben, der An-und Auskleidezimmer, und durch Sorge für Bequemlichkeit das Angenehme mit dem Nützlichen sehr bald vereinigt werden wird. 8 Kranken ist es, obfchon mehrere Personen das Schwitzbad gleichzeitig brauchen können, anzurathen, eine gefällig passende Stunde zum alleinigen Gebrauch zu wählen, auch die nach dem Bade zum Abtrocknen nöthige Wäsche, die wenigstens aus zwei Leintüchern und vier Handtüchern bestehen muß, mitzubringen, und mit dem Eigenthümer der Anstalt, vor dem Anfang der Bade-Cur, wegen des nach dem Bade nöthigen Bettes Übereinkunft zu treffen; indem es sonst leicht geschehen könnte, daß man Nothwendiges entbehren, und das mit dem besten Willen Dargebothene nicht nach Wunsch und nach Bequemlichkeit fände. Kranke dürfen das Schwitzbad, gleichwie den Gebrauch eines anderen wirksamen Heilmittels, nicht nach eigenem Ermessen gebrauchen, da vor der Anwendung dieses Heilverfahrens manchmal Arzeneien nöthig sind, deren versäumter Gebrauch das Schwitzbad unwirksam machen kann, und da ein günstiger Erfolg der Schwitzbäder nur dann zu erwarten ist, wenn man über den Gebrauch dieser Bader, über die denselben zu gebende Temperatur, über die Dauer, und über das Verhalten in, und nach denselben mit seinem Arzte sich berathen hat. Von der Vorbereitung zu dem Schwitzbads. meisten Kranken können, gleich den Gesunden, zur passenden Zeit, und nach getroffenen Vorkehrungen in die Badstube treten, doch ist manchmal bei Verschlcimung der Gedärme, unreiner Zun, ge, Leibesverstopfung, oder bei einem Andrang des Blutes zum Kopfe, eine gelindabführende Arzenei, oder eine Entleerung des Mastdarms durch Klystiere einen, oder besser mehrere Tage vor dem Gebrauche der Schwitzbäder nothwendig; auch diese Heilmittel muffen, den Umständen entsprechend, von dem Arzte verordnet, und nicht nach eigenem Gutdünken gebraucht werden. Das Blutlassen, es-mögej durch denMder- laß, durch die Anwendung blutiger Schröpfköpfe, oder durch die Anlegung der Blutigel geschehen, ist unmittelbar vor oder nach dem Bade immer nachteilig; sind vor dem Gebrauche des Schwitzbades allgemeine Blutcntleerungen nothwendig, was bei einem vorzüglichen Andränge des Blutes nach dem Kopfe, oder gegen die Lungen manchmal der Fall ist, so müssen diese, gleichwie die örtlichen Blutent- zichungen, durch Blutigel, oder durch Schröpfköpfe ro immer einige Tage vor dem Beginnen dieser Heilmethode gemacht werden. Starke Wein- und Biertrinker müssen einige Tage vor dem Gebrauche dieser Bäder, und während desselben dem übermäßigen Genusse dieser Getränke entsagen, indem Alles, was einen Andrang des Blutes gegen den Kopf veranlaßt, während des Gebrauches dieser Bäder zu vermeiden ist. In dem dermaligen Vaterlande der Schwitzbäder wird hierauf keine Rücksicht genommen, und dcmohn- geachtet keine schädliche Einwirkung beobachtet; dieß aber ist einer durch Gewohnheit, Erziehung und durch klimatische Verhältnisse bedingten eigenthümlichen Beschaffenheit des Körpers, die oft noch stärkeren, beinahe unglaublichen schädlichen Einwirkungen ohne Nachtheil widersteht, allein zuzuschreiben. Gleichwie der Erfolg eines jeden Heilmittels durch die Stimmung des Gemüthes, in der es genommen wird, einiger Maßen bestimmt wird, so ist es auch zu wünschen, daß die Badenden mit Zuversicht, und ohne Abscheu die Badstube betreten, da Badende, welche im entgegengesetzten Falle sich befinden, nur selten in, oder nach dem Bade wohlthätige Wirkungen verspüren, gleichwie mit besonderem Widerwillen genommene Arzeneien den erwarteten zuweilen entgegengesetzte Wirkungen hervorbringen. Das Schwitzbad soll des Morgens nach einem 11 kleinen Frühstücke, oder des Nachmittags nach geschehener Verdauung gebraucht werden; in späterer Abendzeit, wo der Körper ohnehin in Aufregung sich befindet, ist das Schwitzbad nicht zu empfehlen. Bei trockener Kälte kann man ohne Gefahr zu Fuße zur Badanstalt, und nach genommenem Bade, wenn die Ausdünstung gehörig abgewartet wird, auch wieder zurückgehen; bei naßkalter Witterung aber ist große Vorsicht, und nach dem Bade eine Verlängerung des Aufenthaltes in der Anstalt nothwendig. Starke körperliche Bewegung ist weder vor, noch nach demselben anzurathen, da das Schwitzbad in einem aufgeregten Zustande niemal gut vertragen wird, und da ein krankhafter Andrang des Blutes nach einer der drei Haupthöhlen des menschlichen Körpers, während des nach de;n Bade ohnehin beschleunigten Kreislaufes, leicht sich entwickeln könnte, Die Temperatur des Schwitzbades ist gewöhnlich zwischen 29° und 35° Reaumur, und kann im Erfor- dernißfalle auch noch gesteigert werden; doch scheint eine bedeutende Steigerung der Wärme für die Beschaffenheit unseres Körpers nachthcilig zu seyn. Wenn auch Erziehung, Lebensart und Idiosynkrasie machen, daß das eigene Gefühl den zuträglichen Grad der Wärme einiger Maßen bestimmt, so muß doch der auf der untersten Stufe der Vadstubc befindliche Thermometer, vor dem Eintritt des Kranken jenen Grad 12 der Temperatur zeigen, in dem der Gebrauch des Bades verordnet ist; der bei jeder der oberen Stufen befindliche Thermometer zeigt die höheren Wärmegrade. Da die Meisten, wenn sie kurze Zeit im Bade sind, Durst bekommen, so ist vor demselben das Trinken eines oder zweier Gläser Wasser anzu- rathen. Von dem El'ntn'tte in die Badstube und von dem Verhalten in derselben. Die Badstube darf man erst, wenn sie mit dichten Dämpfen angefüllt ist, und wenn in derselben Wassertropfen sichtbar sind, betreten, indem die früher darin befindliche trockene brennendheiße Luft auf den Kopf und auf die Athmungswerkzeuge nach, theilig wirkt, und durch einen geringen Grad der Versengung die Haut in einen für die Einwirkung des Bades gleichsam unthätigen Zustand versetzt. Um den Kopf der in dem oberen Theile der Badstube erhöhten Temperatur nicht gählings auszusetzen, muß man, nachdem man sich entkleidet hat, gebückt in dieselbe eintreten. Bald in längerer, bald in kürzerer Zeit, nachdem man auf die unterste Bank sich gesetzt hat, bricht ein ergießender Schweiß über die Oberfläche des Körpers aus, und nun wird der ganze Körper von dem Badenden selbst, oder zur 13 größeren Bequemlichkeit von dem Badediener, zu, erst mit Seife, dann mit belaubten Birkenzweigen abgerieben und endlich mit lauwarmen Wasser über, gössen. Auf derselben Stufe, oder auf einer der hö- deren wird dieses Verfahren nach Verordnung, vor, züglich aber nach dem Gefühle des Badenden ein, oder mehrere Male angewandt; die Übergießungen mit lauwarmen und später kalten Wasser aber, welche dem Badenden mehr oder weniger Bedürfniß sind, werden, so oft derselbe es wünscht, wiederhohlt. Auf dem Boden der Badstube steht ein Gefäß mit reinem frischen Wasser, in welchem ein Schwamm sich befindet, der, vor Mund und Nase gehalten, wenn die Badenden auf den höheren Stufen von Athmungsbeschwerden befallen werden, diese Zufälle augenblicklich beschwichtigt. Die Beschaffenheit des Körpers, die Gewöhn, heit, und der Grad der Temperatur, in welchem das Schwitzbad gebraucht wird, bestimmen die Dauer desselben, doch scheinen 20 bis 25 Minuten gewöhn, lich hinreichend zu seyn; auch hierin kann das eigene Gefühl Manchem zur Richtschnur dienen, daher die Badstubc, wenn der Badende sich erquickt fühlt, zu verlassen ist. Längeres Verweilen und übertrie- triebenes Schwitzen wird, wie jeder Mißbrauch, schädlich. Kranke, welche während des Bades Kopfschmerzen bekommen, müssen die Badstubc sogleich verlassen, und dürfen zu dem Gebrauche dieser Heil- art nur dann wieder zurückkehren, wenn die Ursache dieses Kopfleidcns, es möge in den Verdanungs- werkzcngen, im Blut- oder im Nerven-Systeme gegründet seyn, gehoben ist. Hartnäckiges Bleiben bei solchen Umständen wird, wenn es auch nicht üble Folgen herbeiführt, doch nie zur Verbesserung der Gesundheit beitragen. Nach dem Bade wird der ganze Körper in dem nach Verhältniß der Jahreszeit hinlänglich erwärmten Nebenzimmer in gewärmte Tücher eingeschlagen, und der nun noch fortan hervorbrechende Schweiß, so wie die nach dem Bade folgende leicht vorübergehende Abspannung und Schläf- rigkeit, in dem bereit stehenden, gleichfalls erwärmten Bette abgewartet. Erst wenn das Hervortreten des Schweißes aufgehört hat, und wenn die künstliche, durch das Schwitzbad bewirkte Beschleunigung des Kreislaufes völlig vorüber ist, darf man das Bett, und später auch das Zimmer verlassen, was selbst im Sommer nicht wohl vor einer halben, und im Winter nicht vor einer gattzen Stunde geschehen kann. Ob', und wann das Schwitzbad wiederhohlt zu gebrauchen ist, darüber muß der Erfolg desselben, das Befinden des Kranken in und nach dem Bade, und nach allem diesem des Arztes Ausspruch entscheiden; der eigenen Einsicht kann der Kranke hierin nicht vertrauen, da es selbst Ärzten schwer ist, 15 die eigenen Gesundhcitsverhältnisse in jeder Beziehung richtig aufzufassen. Von der Wirkung und den Heilkräften des Schwitzbades. Das Schwitzbad beschleunigt den Kreislauf des Blutes, macht die Haut roth und weich, verursacht das Ausbrechcn eines ergießenden.Schweißes während und nach dem Bade, und erregt ein kurzes künstliches Fieber mit erhöhter Thätigkeit der Haut und aller ihrer Fortsetzungen, wodurch die erhöhte Reizbarkeit der Schlagadern, und die zu große Empfindlichkeit der Nerven herabgestimmt wird; daher die Wirkung des Schwitzbades von der Haut auf alle Organe gleichmäßig sich erstreckt, und nicht von der größeren oder geringeren Menge des hervorge- lockten Schweißes abhängt; überdieß ist es leicht begreiflich, daß Wasserdämpfe eine weit stärkere Kraft besitzen, in die Theile des Körpers einzudringen, dieselben zu erweichen, und die stockenden Säfte aufzulösen, als das Wasser in seinem flüßi- gen Zustande. Die Meisten bekommen nach dem ersten oder nach dem zweiten Bade einen leicht vorübergehen, den Kopfschmerz; Andere nach dem vierten oder nach dem fünften Bade eine manchmal längere, manchmal kürzere Zeit dauernde Abspannung; Beides verliert sich bei dem fortgesetzten Gebrauche der Bä- 16 der bald, und ohne üble Folgen. Im Bade selbst, und eine Stunde darnach, empfindet man eiitz besonderes Wohlbehagen mit Heiterkeit des Geistes. Die gewöhnliche Heilart der rheumatischen Krankheiten beruht zum Theile auf dem längeren Verhalten der Kranken in einer gleichen Temperatur, wodurch aber die Empfindlichkeit für den Wechsel der Temperatur, und also auch die Anlage zu Rückfäl- len nothwendig vermehrt wird. Danach wiederhohlt rückfällig gewordenen rheumatischen Krankheiten die schwer heilbare Gicht oder krankhafte Veränderungen in den wichtigsten Organen häufig sich entwickeln, wodurch das Leben nicht selten gefährdet wird, so ist ein Mittel, welches die rheumatischen Krankheiten in kurzer Zeit gefahrlos heilt, und die Ausbildung einer Anlage zu Rückfällen verhüthet, sehr wünschenswerth. Leichtere oder zum ersten Male sich entwickelnde rheumatische Leiden, z. B. Zahnschmerz, Ohrenschmerz, Nacken-, oder Schul, terschmerz werden oft durch den einmaligen Gebrauch des Schwitzbades beseitigt; dagegen ist bei veralteten, flüchtigen oder festsitzenden Rheumatismen ein länger fortgesetzter Gebrauch dieser Bäder und der Arzeneien nothwendig. Die durch dieses Heilverfahren in eine erhöhte Thätigkeit gesetzte Haut verträgt den Wechsel der Temperatur ohne Nachtheil. Gichtische Schmerzen, Gichtknoten, und gichtische Gelenksteifigkeit werden durch diese Bäder gehoben, nur geschieht es, daß 17 anfänglich die Gichtschmerzen sich vermehren, oder auch den Ort wechseln; Beides zeigt an, daß die Genesung bald erfolgen werde. Der gichtische Gesichtsschmerz und das gichtische Hüftweh, beide gleich schmerzhafte und gleich hartnäckige Krankheiten, wurden durch die Anwendung der Schwitzbäder in Verbindung mit einem zweckmäßigen Arzeneigebrauch schon mehrmal glücklich und schnell geheilt. Auch durch Gicht veranlaßte Lähmungen der oberen oder der unteren Glied m aßen werden durch den Gebrauch des Schwitzbades gehoben, doch muß durch anhaltendes Reiben des Rückgrathes die vorzügliche Einwirkung des Bades auf denselben unterstützt werden. Gichtische oder scrofulöse Hautausschläge, sie mögen an dem behaarten Theile des Kopfes, im Gesichte, oder an den Gliedmaßen sich befinden, werden durch die wiederhohlte Anwendung des Schwitzbades, wenn die inneren zweckmäßigen Heilmittel gleichzeitig svrtgebraucht werden, ohne Nachtheil abgeheilt; demohngeachtet werden unvo r- sichtig abgeheilte Krankheiten der Haut durch den Gebrauch des Schwitzbades wieder zurückgerufen, und auf diese Art die nacht heiligen-Folgen einer solchen Abheilung schnell gemindert. Aber auch zur Zertheiluug der sc rvfulv sei, An schwel, lungen der Hals- oder Nackendrüsen bei Kindern, und bei Erwachsenen, gleichwie zur Hei, lung der scrvfulvseu Krankheiten des Gehör- 18 Werkzeuges, der Nase, und der weiblichen Geschlechtstheile zeigt diese Heilart eine ausgezeichnete Wirksamkeit. Es bedarf wohl nicht der Erinnerung, daß der langwierige Rheumatismus, die Gicht und die Scrofelkrankheit, welche ererbte, oder durch die Lebensart erworbene und in einer krankhaften Beschaffenheit des ganzen Körpers wurzelnde Leiden sind, durch den alleinigen Gebrauch des Schwitzbades nicht beseitigt werden können, und daß, um diese Krankheiten gründlich zu heilen, nebst dem Gebrauche des Schwitzbades ein geregeltes diätetisches Verhalten, und ein den Umständen anpassender Gebrauch innerlicher und äußerlicher Heilmittel durchaus nothwendig sey. Fieber lose, catarrhöse Krankheiten werden durch diese Bäder schnell und gefahrlos geheilt; doch müssen auf diese Art Geheilte ein in jeder Beziehung geregeltes diätetisches Verhalten andauernd beobachten. Mutterkrämpfewerden durch das Schwitzbad geheilt, wenn sie von einem scrofulösen Leiden der weiblichen Geschlechtstheile, oder von einer Überreizung der Nerven veranlaßt sind; im ersteren Falle wird das Schwitzbad die Auflösung der geschehenen Stockungen befördern, im zweiten aber die krankhafte Empfindlichkeit der Nerven Herabstimmen. Die Anlage zu Rückfallen, welche man 19 nach wiederhohlten Entzündungen des Halses häu- fig beobachtet, und die zuweilen in einer krankhaften Anschwellung der Mandeln allein bedingt ist, wird durch den Gebrauch der Schwitzbäder gleichwie die langwierige und öfter rückfällige Heiserkeit wenn sie durch ein rheumatisches, oder catarrhöses Leiden des Kehlkopfes oder seiner Umgebungen veranlaßt wird, und wenn sie ohne Fieber besteht, schnell und dauernd beseitigt. Diese Wirkungen der Schwitzbäder sind um so wünschenswerther, als aus der Vernachlässigung dieser Leiden nicht selten tödliche Krankheiten entstehen. Durch Verminderung der Feuchtigkeit, und durch eigenthümliche Aufreizung der aufsaugenden, und aussondernden Organe befördern die Schwitzbäder auch die Heilung einer ohne Fieber bestehenden allgemeinen Wassersucht. Fiebcrlose Krankheiten der Harnwerkzeuge, undvorzüglich der Nieren werden durch den Gebrauch der Schwitzbäder zuweilen geheilt, immer aber wird die Schmerzhastigkeit der Harnleiden dadurch gemindert. Schmerzen und Geschwülste von einem Falle, oder von einem Stoße werden, wenn nicht ein Bruch oder eine Verrenkung zugleich mit- bcfteht, nachdem die Entzündung durch kalte Umschläge gehoben ist, durch den Gebrauch des Schwitzbades, welches mittelst der Wiederherstellung der gleichsam gelähmten Thätigkeit der Saug-, und 2* 20 Blutgefäße die Aufsaugung der ergossenen Feuchtigkeiten bewirkt, bald beseitigt. Durch die eigenthümliche Aufregung der ganzen Haut werden auf der Haut des Gesichtes abgelagerte Schärfen weggeleitet, und abgeheilt; ohne Nutzen aber wird das Schwitzbad bei Gesichtsausschlägen gebraucht, welche durch ansteckende Krankheiten, durch die Einwirkung großer Hitze oder großer Kälte veranlaßt sind. Obfchon die Schwitzbäder mit Ausnahme der leichteren, oder zum ersten Male sich entwickelnden rheumatischen Krankheiten die Heilung mehrerer der angeführten Leiden für sich allein nicht bewirken können, so werden sie doch die Wirkung der Heilmittel immer wesentlich unterstützen, und daher durch Verkürzung der zur Heilung dieser sonst so langwierigen Krankheiten nöthigen Zeit die Leiden der Kranken wesentlich verringern. Das Schwitzbad erregt, vier oder fünf Stunden nach einem Übermaß im Essen und Trinken gebraucht, auf vorzügliche Art die Thätigkeit des Geistes; doch dürfen in dieser Absicht Badende keine Anlage zu einem Andrang des Blutes nach dem Kopfe haben. Auf die Verdauungs-und die Absonderungs-Organe äußert das Schwitzbad wegen des innigen Zusammenhanges des äußeren und inneren Haut-Spftems einen unverkennbaren wohlthätigen Einfluß, und verdient daher einen besonderen Vorzug vor Bädern aus flüssigen Wassertheilcn. Auch 21 die nach außerordentlicher körperlicher Anstrengung folgende Erschöpfung verschwindet nach dem Gebrauche des Schwitzbades. Im vorgerückten Alter wird durch den Gebrauch des Schwitzbades die Steifheit der Gelenke, und vorzüglich jene des Rückgrathes gebessert, auch wird durch die Beschleunigung des Kreislaufes die Auflösung der Stockungen im Gefäßsysteme, die Er, regung der erschlafften Thätigkeit, und die Vermehrung des Schlafes und des Appetites bewirkt. Nach dem einstimmigen Urtheile aller über diesen Gegen, stand bekannten Schriftsteller hat das Schwitzbad auch im vorgerücktesten Alter niemals nachthei, lige Folgen. Das Schwitzbad ist endlich das beste Reinigungsmittel der Haut, und befördert zu, gleich die Erhaltung der Gesundheit, welche in un, serem Klima von der Unempfindlichkeit der Haut gegen den oftmaligen Wechsel der Temperatur vor, züglich abhängt. Menschen, welche hohe Temperaturs* Grade überhaupt nicht vertragen, werden dcssenohngeachtct von der Einwirkung des Schwitzbades nicht nachtheilig ergriffen; doch muß Solchen der Gebrauch des Ba, des anfänglich nur bei niederer Temperatur und nur eine kurze Zeit gestattet werden, und erst, wenn sie an die Einwirkung desselben sich gewöhnt haben, kann man dem Bade eine höhere Temperatur zu ge, ben erlauben. 22 Nicht anzurathen ist der Gebrauch des Schwitzbades für Schwangere, und für Stillende, da die erhöhte Thätigkeit des Blutsyftems bei Schwächlichen auf die Gebärmutter leicht nachtheilig, und auf die Beschaffenheit der Milch leicht verändernd wirkt. Auch während der monathlichen Reinigung ist der Gebrauch dieser Bäder nicht zu gestatten, da diese Aussonderung dadurch vermehrt, durch unvorsichtiges Abkühlen unterdrückt, oder überhaupt gestört werden könnte. Neueren Erfahrungen zu Folge ist der Gebrauch des Schwitzbades unpassend für Kranke, bei welchen nach einem zehnmaligen Gebrauche desselben kein Erfolg beobachtet wird. In solchen Fällen ist die Veranlassung der Unwirksamkeit aufzusuchen, und vielleicht ist nach Beseitigung derselben von dieser Heilart ein günstiger Erfolg zu erwarten. Kranke, welche mit Krebsschäden, scorbutischen Geschwüren, oder mit solchen Krankheiten behaftet sind, die einen faulig schmelzenden Charakter gewöhnlich annehmen, dürfen diese Bäder nicht gebrauchen. Sollten sie jedoch zum Versuch ein Schwitzbad gebrauchen, so müßte dieses in einer eigenen für solche Kranke bestimmten Badstube genommen, öderes müßte die gewöhnliche Badstube nach dem Bade ei, nes solchen Kranken vorzüglich gereiniget werden. 23 Nicht anzuwenden ist gleichfalls diese Heilart bei Kranken, welche ein Vorur- theil dagegen haben, es sey denn, daß sie vernünftigen Vorstellungen ein williges Gehör schenkten. Aus dem Wenigen über die Wirkung, und über die Heilkräfte der Schwitzbäder in gedrängter Kür, ze hier Angeführten ergibt sich, daß sie ein wirksames Heilmittel vieler Krankheiten seyen, die Heilung mehrerer Krankheiten unterstützen, die Beschwerden des Alters mindern, und die Gesundheit erhalten. Unläugbar sind die mit natürlichen'Mineralwässern oder mit Salzsoole bereiteten Schwitzbäder zur Heilung gewisser veralteter Krankheitsformen vorzüglich wirksam; doch werden durch den Gebrauch der mit Brunnwaffer bereiteten Schwitzbäder bei einer gleichzeitigen Anwendung zweckmäßiger innerlicher Mittel gleiche Erfolge mit dem hervorstechenden Vorzüge erzielt, daß sie in jeder Jahreszeit von einer ungleich größeren Zahl weniger bemittelter Kranken gebraucht werden können. Die nöthig gewordene zweite Auflage dieser wenigen Zeilen beweiset, daß es mir gelungen ist, zur Verordnung und zum Gebrauche der Schwitzbäder aufzumuntern; die ausgezeichneten 24 Heilkräfte derselben werden das gegen sie bestehende Dorurtheil bald gänzlich besiegen, und so könnte ich hoffen, durch diese kleine Bemühung zur allmähligen Abnahme der so häufig und so gefährlich werdenden rheumatischen Krankheiten, zur Heilung anderer menschlicher Leiden, und zur Erhaltung der Gesundheit Vieler etwas beigetragen zu haben. Von dem bei der Ausübung der Heilkuust dermal allgemein herrschenden wahrhaft Hippokrati- schen Geiste ist es endlich mit Zuversicht zu erwarten, daß man ein Heilmittel, wie das hier besprochene, nicht u»geprüft verwerfen, und immer mit vorzüglicher Berücksichtigung der Eigenthümlichkeit des Kranken und der Krankheit verordnen werde. Letzteres ist um so wichtiger, als die weitere Verbreitung einer, bei uns wenigstens, neuen Heilart, durch die einmalige Unwirksamkeit mehr gehindert, als durch viele gelungene Heilungen schmerzhafter und langwieriger Krankheiten befördert wird. Ä-