>Viener 8taclt-kid1iottie1r V02v>- ! , Abhandlung des Dasey« Gespenster, nebst einem Anhange vom Dampyrismus. Gedruckt zu Augsburg/ 1768. >> - -VelutXßr kmßenmr — Vorrede. s »Lichts ist dem Reiche der Wissenschaften schädlicher, als ^ ^ wenn in fe7bem der vielfältige Götze des Aberglauben, «nd brr^Lorurtheile verehret wird. Dieser Tyrann hat nicht nur allein dem gesammten Pöbel die Fessel angeschlagen , sondern auch viele unter denen, die ihren Witz dem Dienste der Musen geweihet haben, und von einer geschliffenen Denkensart glänzen wollen, mit seinen^Fanden bestricket. Cs sind beinahe viele ganz außer Stande gesetzt, die Seile zu zerreißen, die sie fesseln. Wie viele Menschen, derer Geist erhaben scheinen will, glauben auch heutiges Tages noch, daß die Sterne das Schicksal der Menschen auf der Erde bestimmen; daß die Kometen schädliche Einflüsse mit sich führen, und gcwiße Trauerfälle verkündigen rc.? Und sie wurden eher das Licht der Sonne, als den ihr Schicksal 2l 2 he- Vorrede. beherrschenden Einfluß des Gestiern läugnen. a) Wie viele , welche die Begriffe des erhabenen Kauß, des berühmten äell'01s,und des gelehrten Sterzingers über die Leisten ihres auswendig gelernten Lehrgebäudes nicht ziehen können, entrichten dem Götzen des Aberglauben verwerfliche Opfer-dienste, und bethen die erträumte Thätigkeit der Zauberkunst für Wahrheiten an ? Der jugendliche Eindruck hat sie gebunden, und da sie eralten, schlummern sie an den Ketten, die sie sich in ihrer Jugend geschändet, und die Halsstärrigkeit nach Maaß der Jahren befestiget hat. Die aufgerafte Vor- urtheile haben den Verstand verdunkelt, und sie fache, daß viele in den Finsternissen ihrer Meinungen dahin wandeln, und das Licht verabscheuen, welches ihnen der mühsame-Urkß dA-Eelehxten anzündet und aufstecket. Ich könnte eine ganze Reihe der vöMstißte« Meinungen herstellen , um überzeugende Proben zu liefern, daß es Leut«-Ae- be, welche die jugendliche Eindrücke noch nicht unterdrücket haben, die in dem eisgrauen Alter noch im Tone der Kinder lassen. Selbst diejenigen, die die Verminst zum Wohnhause witziger und gelehrter Betrachtungen machen wollen, flechten a) Sehr vieler fieberhaft Gehirne Beschuldigt Himmel und Gestirne; Um das was doch selbst gethan, Klagt man Natur und Schicksal an. Vorrede. teil dem aberglaubigen Götzenbild der Vorurtheile noch immer Kränze, und streuen Blumen und Weihrauche davor nieder, da sie die Gespenstergeschichten für Wahrheit ansehen. Ich werde es nicht wagen diese starken Geister von der Höhe ihrer Einbildung herabzubringen. Sie sind ihrer Meinung nach weit über die menschlichen Schwachheiten hinauf gestiegen, und schmeicheln sich tiefere Einsicht als andere Leute zu besitzen. Wurde ich mich erdreisten, ihre Vorurtheile aufzudecken, so weis ich schon zum voraus ihre Gedanken; sie wurden sagen: <)uoäcurigus oüen>Ü8 milii, ilc wereäulus oäi. Ich werde auch nicht begehren, daß sie den Vorzug ihrer rechthaberischen Weisheit fahren lassen. Noch weniger werde ich tmrch Lobeserhebungen ihres unsterblichen Nachruhms von ihnen den Beifall erbetteln. Nur bitte ich, sie möchten mich den Saddußäern b) nicht beizählen, oder un- A z ter i>) Die Saddutzäer laugneten alle Geister, und glaubten, daß die Seele mit dem Körper zu gründ gehe. Diese Sekte hat im irten Jahrhunderte Abaasphrag ein Jude in Spanien aufs neue aufwärmen wollen; er fand aber wenig Beifall. Einige wollen wissen, daß es noch heute zu Tage unter den Christen Saddutzäer gebe, da einige Mißlinge behaupten sollen, daß unsere Seele nach dem Tode wie ein Gewölk zerstreuet werde. Sie sagen: Wie dort ein dick Gewölk, das ihr noch jetzo sehet, Ein mitternächtiger Sturm zerstreuet und verwehet; So wird auch unser Geist, der uns beherrscht, vergehen, So werden wir den Tod, und nach ihm nichts mehr sehen. Vorrede. ter denen Epikuräern c) einen Platz anweisen. Vieleicht findet meine Bitte Gehör, da ich das ungehäuchelte Bekannt- x>i niß ablege, daß es mir sehr leid thue, daß ich mich mit ihnen, >j um die Wahrheit zu suchen, in dieser Abhandlung zertragen h> muß. Die Urtheile des Pöbels, oder vielmehr derjenigen, ol M nie zu denken gejeruet haben, noch durch Nachdenken sich h, zu erheben bemühen, werden mich nicht irre machen. Sie g, kommen mir unter dem Sinnbilde der kleinen Würmer vor, sc die nie ihren Kopf von der Erde aus dem Staube erheben, d, Ich zweifle nicht, daß sie gleich bei dem er st en Anblicke die- st ser Schrift ein Vorurtheil gegen mich fassen werbenTlvrb ^ ches für mick '" Vortheilhast seyn kann. Sie werden mich I verketzern, und mit Bannflüchen gegen mich loswerfen. Sie iverden glauben, ich wrrde- mit di eser Abhandlung das Feg- x, feuer auslöschen wollen. Sie werden wohl_gar ( wie sie in st vicht viel ung .chen Umständen gewünschet haben ) diese ge- Huldigen Blätter als eine fteygeistige Mißgeburt den unbarm-. herzigen Flammen opfern. Alles dieses sind mögliche Sa- chen. Bei allem diesem aber habe ich ein sicheres wohlge- ^ setztes Vertrauen, daß diejenigen, die die VorurtheH^ r geleget, und sich von gewißen Schwachheiten entferm?- . > den, mich von dergleichen Beschuldigungen, die ich war ) tig nicht verdiene, ganz gerne lossprechen werden. Ich e) Epikur «augnete ebenfalls die Geister; denn die menschliche Seele ist nach seiner Lehre und Denkensart nur ein Gewebe Von jarter Materie, die mit dem Leben vergeht. Vo rrede. ^ Ich weis, daß unsere Gottesgelehrten, die mit Nach- ^ drucke und Gründlichkeit ihre Säße verfechten , den katho- ^ lischen Glaubensatz von dem Fegfeuer nicht aus dergleichen n historischen -Quellen herleiten, noch durch Erscheinungen, r, oder Gespenstermahrchen beweisen. Ich schmeichle mir also, H daß der Leser die Anfangs gefaßte Vorurtheile bei Durch- ie gehung dieser Blätter überwinden, und die Ungerechtigkeit e, seines voreiligen Urtheils erkennen werde. Ich läugne zwar, >< daß es Gespenster gebe; ich verneine aber nicht, daß Gei- ^ ster erschienen sind. Wie kann man aber Gespenster läug- ^ nen, und zugleich Erscheinungen der Geister behaupten? V Ich antworte, wie man verneinen kann, dcG. ^er Mensch ^ über das Meer gehen, oder durch die Luft in entfernete ^ Länder reisen kann , so kann man auch läugnen, daß Gei- " ster auf dieser Welt erscheinen, und sich sichtZarlich zeigen ^ können, ob ich wohl dieses durch ein Wund, jwerk zulasse, ^ - und die Erscheinungen, wenn sie hierzu die Kräften von der ^ Mast G-Ottes erhalten haben, sowenig zu läugnen geden- ^ als ich läugnen kann, daß Menschen durch Wunderwer- r das Meer gehen, oder durch die Luft in andere Lau- , ' Ersetzt werden können. Sind übrigens, werthester ^ ^meme Gedanken hie und da nicht deine Gedanken; so weise mich, wenn du Recht zu haben, dich aus bündigen Gründen überredest, mit Sanstmuth, und einer holden Bescheidenheit auf eine best ir sere Straße. I.§. r- §- Was ist ein Gespenst? ^A^urch Worte pflegen wir andern unsere Gedanken zu erklä- ren. Sie sind Zeichen, daraus ein anderer unsere Begriffe abnehmen kann. Wir müssen also vor allen nach der schönen Lehre des Freyherr» von Wolf s) mit dem Worte Gespenst einige Begriffe verknüpfen 5 damit man weis, von wen» den, und was wir dadurch verstehen. Die Gespensterfreunde sagen uns, Gespenster sind Erscheinungen verstorbener Personen. Andere erklären sich also: Gespenster sind geistige Substanzen, die von dem MeüGen mit Furcht und Schrecken empfunden werden. Der ersten Erklärung kann ich meinen Beifall nicht geben. Christus -er HErr ist zehnmal nach seinem Tode erschienen; wer wird aber den Erlöser, der von sich sechsten sagt: Ich bin kein Gespenst: in die Reihe der Gespenster setzen? Es ist wahr, so oft ein Gespenst dem Menschen sich sichtbar darstellen würde, müßte selbes erscheinen: es könnte also kein Gespenst ohne Erscheinung geben. Ich Läugne aber, daß, so oft eine Erscheinung vorkomme, auch ein Gespenst sich darstelle. Es ist zwischen einem erscheinenden Geiste und einem Gespenste ein Unterscheid zu machen, b) z) Vs virlb. Intel!, lluman» e. 2. §. z. 4. d) So groß der Unterscheid zwischen einem Geiste und Gespenste ist, so werde ich doch in der Folge dieser Abhandlung zwischen beyden kernen Unterscheid machen. Man frage mich nicht, wer mir das Recht gebe, Gespenster mit Geister, und Gei- Der zwoten Erklärung kann ich ebenfalls nicht beipflichten. Man sagt, ein Gespenst sey eine geistige Substanz, die mit Furcht und Schrecken empfunden wird. Man sagt, der Vater des Sam- sons hat die Gegenwart des Engels mit Furcht und Zittern em> Pfunden. Wer wird aber einen erscheinenden Engel unter die Gespenster zahlen? Was ist dann also ein Gespenst? die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, als man sich einbildet, und wir finden um so größere Beschwerniß , je mehr wir überzeuget sind, daß es keine Gespenster gebe. Wie sotten wir eine Sache erklären , die wir nicht für wirklich erkennen ? Damit wir aber doch was sagen , obwohlen wir nichts eigentliches sagen können, und damit man doch wisse, mit was sich diese Abhandlung beschäftige, ^so sagen wir: ein Gespenst ist dasjenige, was die Menschen mit Angst und Entsetzen empfinden, ohne davon die nahe wirkende Ursache zu erkennen. Ich will mchk^läugnen, daß diese Erklärung die Gränzen einer vollkommenen Erklärung überschreite: mir ist genug, daß ich selbe aus alle Fälle biegen, und anwenden könne. Einen wahren vollkommenen Begriff von einem Gespenste zu liefern, zu welchem sich in der besten Welt kein Urbild findet, deucht mir unmöglich zu seyn. Ich schmeichele mir dahero nicht ohne Grund, daß der Leser, der etwas höher sieht, und Vernunft mit Bescheidenheit B in fier mit Gespenster zu vermischen? der Gebrauch zu reden, den ich auf meiner Seite zu haben vermeine, ist in diesem Umstände der Herr, der mir Gesetze vorschreibet , wie ich schreiben solle. Dem gemeinen Gebrauche nach ist es alles eins, ob man sage, es ist mir ein Gespenst, oder es ist mir ein Geist erschienen. Ich kann also vom Gebrauche nicht abgehen, und ich würde öfters nicht verstanden werden, wenn ich andere Begriffe, als der gemeine Gebrauch zu reden mit sich bringt, mit den Worten verbinden möchte. ro (Sl o M) in seilten Urtheile» paaret, diesen Fehltritt des Verstandes uns berzethen werde. Denn dieser Unvollkommenhrit in Bestimmung einer ächten Erklärung eines Gespenstes müssen sich die gelehrteste» Männer unterwerfe». 2. §. Vom Ursprünge der Gespenster. ^§)ie Sündfluth ergoß sich über das ganze schuldige menschliche Geschlecht, um dessen Bosheit zu bestrafen. Sie hat sich wiederum geseyet, aber die Bosheit der Menschen schwang sich nach selber noch höher empor. Wollen wir dem Alexandriner Bischöfen Cyrillus s) glauben, so war die Abgötterey vor dem Sündfluße eine unbekannte Sache. Nach demselben aber hat die undankbare Welt ihren Schöpfer verlassen, und sich GOttheiten erdichtet, die Undinge sind. Starke Finsternissen und scheußliche Wolken bedeckten die Welt, unter welchen der rohe Mensch seinen Sinnlichkeiten nachlief, und sogar das Licht der Natur mr- terdrückete. Die Egyptier glaubten, die GOttheit regiere die Welt nicht unmittelbar, sondern durch untergeordnete Götter, die ihren Sitz in der Sonne, im Mond und Meer, und auf der Erde hatten; die den Einfluß aus dem Gestirne herabschicketen, und Gnaden austheilten, worauf das menschliche Schicksal beruhe. Diese war die Denkensart, diese waren die irrige Begriffe jener Völker, nach welchen sie sich selbsten Bildnissen entwarffen, oder am mindesten Sinnbilder borstelleten, von denen man in der Folge der Zei- ») l'om. z. lib. z. evQtrs ^ul!sn. II (W O >Sr) Zeiten das Sinn-und Lehrreiche wegließ, und sich selbsten GOtt- heiten daraus schuf. Die herrschende Neigung zum Sinnlichen trug sehr viel bei, um die gesetzte Schranken niederzureißen. Der sinnliche Mensch fand mehr Vergnügen an einem leeren Gegenstand, es gelüstete ihm mehr nach den eitlen Bildern als nach dem ächten Wege der Gerechtigkeit: er ließ also das Kernnichte der Religion fahren, und hielt sich an die Hülse. Er dachte bei seiner An- bethung weiter an mchts , als an die Bilder, die er aufgestellet sah; diese erklärte er sich nach seinen eigenen Gelüsten. Daher entstunden in Egypten die Fabeln, die Erscheinungen der Götter, die Verwandlungen nebst der ganzen Krame der verwirrten Götterlehre. Nicht geringere Irrthümer enthielt die verworrene Lehre von der menschlichen Seele bei den Egyptiern. Sie glaubten, daß zwo Seelen in dem Körper wohnten. Eine sey die Triebfeder des thierischen Lebens, der Sitz der Gelüsten, und könnte zernichtet werden. Die andere sey eine vernünftige Seele, ihre Wesenheit sey aus Luft und allein den Göttern bekannt; sie könnte nichtzer- nichtet werden, weil sie unsterblich ist. Beide seyen miteinander enge verschwesteret, solange der Mensch lebe, nach dessen Tod stelle die Seele das Bildniß des Menschen noch bor, welches er im Leben hatte, würde aber wie ein Rauch verschwinden, wenn man es umfassen sollte. Homer b) und viele andere geben dessen sicheres Zeugniß. Die erhabenen Seelen der Helden , und großen Männern, welche die Begierden besieget, und ihr Gemüth von den sinnlichen Gelüsten abgehalten haben, würden bei ihrem Tode von dem Bande der thierischen Seele aufgelöset, und unter die B r Rei- i») kr». xxm. v. 119. r s (W o Reihe -er Götter übersetzet. Niederträchtige Seelen aber, die den sinnlichen Gelüsten nachgelebet haben , hätten sich mit der thierischen Seele so enge vereiniget, daß sie sich von selber nicht losbinden könnten: sie müßten also nach dem Urtheile der Götter ent- weders mit ihrer Seele in die Hölle hinunterrollen, oder aber, wie Plato und Plutarch c) vermeinen, bei ihren Gräbern auf dieser Erde herumschwärmen, bis gleichwohl die unsterbliche von der thierischen Seele rein, und befreyet wäre. Da nun sowohl die zu reinigende, als die ewig zu peinigende Seelen ( welche unter dem Worte Larven vorkommen ) sich zur Strafe bei ihren Gräbern auf der Erde aufhalten, wären sie öfters den Menschen erschienen, und hätten sich sichtbar dargestellet, ä) Doch stnnmete die Lehre, welche die Heyden von der Seele hatten , nicht überein. Einige glaubten, daß die Seele den Leib so sehr liebe, daß sie von ihm nicht anders als durch die Fäule könne getrennet werden. Weil sie aber auch der groben Lepre der Seelenwanderung, e) welche e) Plato in kssoeäon«, und Plutarch äe Lacie in orbe I.UN3S. ä) tIui vero od sävLrla vitse merita nullis bonig isäibus, incerta vsMtione, ceu hiroäarn exilio punitur » inrme terriLniarnentürn bonis korninibns, . . . . iä §enus pleruln^us 1aevL8 perkibönt. Und Papias cls Kl8 Ossmonibll8 saget : ' (Quorum NAturs esse äicitur terreps parvulv8. L in an§uli8 tenebroÜ8 ^srrire. Ich will hier zur Nachlese des Ludov. Dives Comment, in e. ir. 1 . IX. 8. ^u^ussini 6e eivit. Oei anbesvhlen haben, wo er die Begriffe von den Worten OEmott, sehr gelehrt entwickelt, und dem Leser vieles Licht geben kann. e) Die Lehre von der Seelenwanderung hat nach Zeugniß Herodatus in Euterpe I>. II. ihren Ursprung in Egypten gesunden , und Pythagoras war der erste, der sie in Griechenland überbrachte. Er erkannte, daß die Seele unsterblich sey. Er hielt aber zugleich davor, daß sie in der Luft von einem Orte zum andern herum irre. Daß sie sich ohne Unterscheide des ersten Körpers bemächtigte, der ihr begegnet. (L -> !D) lz sie für eine Strafe der Götter hielten, beipflichteten, so haben sie die Leiber -er Verstorbenen einbalsamirt, wie uns Serbius bezeuget. 5) Diese einbalsamirten Körper werden heute zu Tage noch Mumien genennet. A) Andere hielten dafür, daß diejenigen, welche eines gewaltsamen Todtes gestorben, bei den Gräbern so lange herumirren, erscheinen, und die Menschen schrecken müßten, als sie wurden gelebt haben , wenn sie ein gewaltsamer Tod aus der Zahl der Lebendigen nicht entrissen hätte. K) Daher kommen an- B z noch . - - Wir kommen hier nicht um, Wir wandern in der Welt nur immer so herum» Sobald die Seele sich von unserem Leibe trennet, Wird ihr ein andrer Leib zur Wohnung zuerkennet. Es tauschen Thier und Mensch durch Weichselweise Fahrt, Wir sterben nimmer nicht, wir andren nur die Art. Von sich selbsten erzählt er, wie Lucianus in Vm1o§. 6a1li Lc Mcelli saget, daß er zu erst Arthalidis Merkurs Sohn gewesen , und zur Zeit des Trojanischen Krieges Euphorbius, nachmal Hermotimus, darauf ein Fischer mit Namen Pyrr- hus, und endlich Pythagoras geworden sey. Es sind aber viele, und unter diesen der H. Augustinus I.. VII. äe deneli aä I^itsram e. 10., welche dafürhalten, daß die Lehre dieses und anderer Weltweisen nicht die grobe und phjsiealische, sondern nur eine metaphorische Seelenwanderung in sich hielte, und nur dahin abzielte, daß der Mensch dnrch seine Sitten die Gleichheit und Eigenschaften der Thiere an sich nehme, und gleichsam zu einem Thiere werde, k) 8erv!us in Vir^il. ^neiä. II. v. 67. x) Mumia ist ein arabisches Work, und zeiget eine Vermischung an. Die vermischte Sachen, mit welchen die Körper einbalsamiret werden, halten von selben die Fäule ab. Es sind Alor, Myrhen, Erdbech, Saffran und Balsam. Es ist s hr hart, eine achte Mumie zu erhalten. Die Türken brauchen selbe zur Zaubercy. Sie sind überaus eifersüchtig , daß sie andern nicht zukommen , weil sie fürchten, man mochte mit ihnen wider sie Zauberey treiben, k) -Vnimse vivlenta coecls iriteremptorum, Lc lepultura csrenkium niornri eir- c» lua csäsver» : L xroinäe mult« vUse ümt lamentari. korpk^rius äe , '4 (W o «och die vielen Geister-Erscheinungen und GespenstermärLen bei den Richtsätzen, Schlachtfeldern rc. Eben so viele dergleichen Erzählungen stammen von der Meinung ab, welche behauptete, daß die Seele solange bey dem Körper und Gebeinern herumschwärmen müßte, bis sie begraben wurde. i) Andere endlich haben die Gräber als einen beständigen Wohnsitz den Seelen angewiesen; daher kommen die prächtigen Grabstätte, als die Piramiden, Mausoläen, rc. welche Plinius k) umständlich beschreibet. Diesen haben wir auch so viele °lnn- schriften zu danken, welche die Gräber ewige Häuser nennen Aus» > sehr vielen dergleichen will ich die kürzeste anfüge». VL. 8UO 8M. L-? In einigen dieser ewigen Häusern setzten sie auch ewige Lichter, weil sie die Seele aus Feuer zu seyn glaubten. Durch diesen Gebrauch sbkin. sd elu c»rn!mn. Er setzet noch hinzu, Laß dieses die gemeinste Meynung in Egypten, besonders des Plato gewesen sey. !) Dessentwegen ist Patroclus bei Homer Illis«!. I. 2 z. dem Achilles in dem Traume erschienen, und hat um eine Begrabuiß angesucht. Und Vir§i1. Lneiö. Ich. 6. finget also: Nur die begraben, durchschiffen die nächtliche Wasser, Solange nicht ruhen in Gräbern die todte Gebeine, Führt fie nicht Charon durch fürchterlich rauschende Bache. K) 1^. 36. e. ir. iZ. lük. nstursl. . r. §. 6 vorum » yuse sä 5s iplum. , » r 6 (E! o W) bald eine Zauberinn auftretten zu lassen n) Diese Künsten sind aus Egypten in Griechenland hinübergewandert. Epikur hat in seiner Jugend die Geister verbannen wollen o) Die vernünftigen Griechen haben diese Lehre von der Seele und den herumschwärmenden Geistern von den Egyptiern geholet- Thales und Pythagoras ( wie Oemens ^lexsncZer. Strömst, z^. I. bezeuget) haben sich in Egypten in der Weltweisheit unterrichten lassen, und damit ihnen alle Geheimnissen geoffenbart wurden , haben sie sich so gar der schmerzhaften Beschneidung unterworfen. Auch Eudoxus hat sich dem Unterricht der egyptischen Magiern anvertrauet. Plato , den man nachmals wegen seiner Scharf- sinnigkeit und Lehre den Göttlichen nennete, hat zu Heliopvk.s (heute Alcairo) 13. Jahre, wie Strabe OeoZrgxK. 1.. 17. schxei- bet, mit selben einen vertrauten Umgang gepflogen. Diese und an- v) Aus sehr vielen will ich nur wenige Stellen beisetzen. - - - evocat sntiyrüs, stavogyue tepulclirls, Lt solitam 1or>§c> csrmine Knält kumum. Or-rcirur I,. /. L/eZ. Lt t^lvas moneo, mvveo, jubeoyne tremifcere monteg, Lt muZire iolum, MLnesyue exire sepulckri§. ----- ^nimamc^us fepulckro (7onäimus, Lc tapremum voce ciemug. ///. Und Prudentius I.. r. 8^m. V. YI. finget, der von thessalischen Künste« berühmteste Zauberer, soll durch den Zauberstab langst verstorbene Seelen, aus schwarzer Tvdtesnacht zum Licht der Sonnen berufen. v) Ronöel vie 6'Lpleure erzählet von ihm , daß er mit seiner Mutter in die Häuser gegangen, um daraus die Gespenster zu vertreiben, da er aber sah, daß ihre Beschwörungen nichts als Betrügereyen seyen, und daß es keine Geister gebe; ist er von kleinen Irrthum, in eine» weit größeren gefallen. Denn er laugnete alsdenn, daß die Seele ein Geist sey. Einige Beschwörungsformeln kann man bei Voffius äe xoenis Lröecorum Anden. D) -rz scheinlich vorgekommen seyn. Reden ist den Thieren nicht natürlich , und niemand wird so leicht dem jüdischen Geschichtschreiber Josephus Flavius, beipflichten, und behaupten, daß die Thiere vor dem Sündenfall das natürliche Vermögen zu Reden Zehabt haben. Dreien Knotten aufzulösen, sagen einige, -aß der Eva diese Rede zwar übernatürlich habe vorkommen müssen; daß sie aber geglaubt habe, daß ein guter Geist aus der Schlange rede. Ein guter Geist? also ein Engel. Allein die Schrift meldet kein Wort von einem Engel, und wer weis , ob Eva einige Wissenschaft von den erschaffenen Engeln hatte? oder wie hat sich wohl die Eva, die einen durch keine Sünde verdunkelten Verstand besäße, vorstellen können, -aß ein guter Geist, sie zu Uebertret- tung des scharfen Gebothes , so ihr GOtt gegeben hatte, anleiten könnte. Vielleicht könnte man die Geschichte wegen dieser Beschwerniß also erklären. Die Schlange ist auf! dem Baum herum gekrochen, und hat, da sie die Früchten abgebrvcket, unsere erste Mutter zu eben diesen angereizet, und der Satan hat der Eva durch innerliche Versuchung eingegeben: Ihr werdet nicht des Todes sterben, ihr werdet wie die Götter werden, und das Gute und Böse wissen , sofern ihr von der Frucht des Baums esset. Siehe! die Schlange rühret auch die Früchte an, und sie stirbet nicht des Todes, auch du wirst ewig leben , wenn du von diesem Baume genießest. Es kann dieses seyn. Es kann aber auch nicht seyn, daß sich diese Begebenheit also zugetragen. Mir ist es genug, daß diese Erklärung viel wahrscheinliches in sich enthalt, und -aß der durch seine Schriften verewigte Calmet b) sage: Es wird an verschiede- b) In seinem Buche von Erscheinungen der Geistern, Fol.Z9i. 24 (W c> ^i) denen «Vrten der Schrift/ das, was der Satan gethan, oder eingegeben hak, nach Art eines menschlichen Gespräches angeführt; gleich wie sein Gespräch mit Eva im paradeis, wie auch daß er unter den guten Engeln von dem HErrn erschienen seyc, von, Job geredet, und die Erlaubniß selben zu versuchen erlanget habe. c) Andere wollen der oben angemerkten Schwierigkeit durch eine andere Erklärung ausweichen. Sie sagen: daß Mojscs durch de» Satan die Schlange allein verstehe, und daß das Wort Schlange im Texte nicht ein Werkzeug des Satans, sondern den Verführer selbst bedeute, welcher allein obwohl in einem uneigentlichen und figürlichen Verstände wegen der besonderen Aehnlichkeit, die die Eigenschaftendes Satans mit der Beschaffenheit dieses Thieres haben » die Schlange genennet wird. Dergleichen figürlichen Gebrauchs der Worte bediene sich öfters die heilige Schrift, und andere Schriftsteller, wie nun die Schlange als ein listiges und vergiftetes Thier bekannt ist, so legte Mojscs diese» Namen dem Teufel wegen seiner Arglistigkeit und Boßhcit bei, obwohl sonst Nirgends eine natürliche Schlange zugegen gewesen, sondern Mvj- ses e) Wenn Angustinns Calmet mit keinen andern Büchern die gelehrte Welt beschenket hatte, so würden feine mühsame und gelehrte Schriften, die er über die heilige Schrift abgefajset, und an das Laglicht gestellet hat, seinen Namen unsterblich machen. Ich will diese beisetzen , und man wird den mühsamen Fleiß diese« gelehrten Mannes nicht genugsam bewundern können. Es sind folgende, i) Odra. noloZis lacrs. 2) Historie 6e I'H. L lestsm. II. lorn. Ein geschickte Feder hat diese in unsere Sprache übersetzet, z) Oommentarms in lscrsm 5eri- pturarn IX. lom. 4) OiÄionariurn kistorico-eriticum §eners 1 s laerse 8cri- pturse II. Tom. ist auch in deutscher Sprache erschienen. 5) vistertstiones is Lcrsiv Lcrixwrsm II. lom. (T! o W) 25 ses sich solche nur vorgestellt hat, da er den unreinen Geist mit lebendigen Farben deutlich abschildern wollte. Wie können aber die Strafworte GOttes : Du wirst auf den Bauche kriechen und Erde essen, auf den Satan angewendet werden? Die Vertheidiger dieser Erklärung antworten aus diesen Einwurf, und sagen, da sich Mojses einmal vorgesetzt den Verführer mit einem von den unvernünftigen Thiere entlehnten Name zu belegen; so wäre es vernünftig, dasjenige,! was er von ihm erzählen wollte, in gleichförmigen Worten vorzutragen: daher er sich bei Beschreibung der Strafe, so GOtt den Satan auferleget, solcher Redensarten, die von der Schlange hergenommen sind, bedienet hat, aus welchen man aber doch zugleich abnehmen könnte, von wem er reden wollte, indem er das Strafgerichte Wer die Schlange mit den Worten beschließet: Ich will Feindschaft seyen zwischen dir und dem Weib, und zwischen deinem und ihrem Saamen. Sie ( die 70. Dolmetscher und der chaldäische Text setzten Er) wird dir dem Haupt zertrctten , und du wirst ihrer Ferst nachstellen. Andere halten die Schlange, von welcher Eva ist verführet worden, vor die sündliche Begierde des Weibs. Diese, und die vorhergehende Erklärung unterstützen nicht wenige HH. Vater mit ihrem Beifall; obschon die letzte bei unsern Tagen in Abfall gekommen ist. So viele mühsame und gegen einander streitende Erklärungen zeigen zur Genüge, daß hier die Schrift sehr dunkel seye, und man muß diese Geschichte nur mit den Augen eines Schriftstellers dießstits der Donau betrachten, wenn man für gewiß und ungezweifelt den Satan in der Gestalte der Schlange ersehen will; man muß nur die Ohren dieses gelehrten Herrn haben, wenn man den Teufel durch die Schlange mit Eva will reden hören, und es doch als eine Lehre der göttlichen Schrift angeben will. Ich weiß nicht, mit welcher gelehrten Dreistigkeit er behaupten kann , daß dieses letztere eine Lehre der göttlichen Schrift seye, da doch die ganze D Ge- s6 (W O >D) Geschichte sehr dunkel, die Kirche selbe durch ihren Ausspruch nicht erkläret hat, und die Meinungen der HH. Vater getheilet sind. Allein was bekümmert sich der Hr. Verfasser von den z. wichtigen Fragen über das Hexensxstem um die Erklärung der HH. Vater. Seine in den Oalibus aufgeraffte Begriffe sind schon hinlängliche Beweise, welchen die gelehrte Welt um so mehr ihren Beifall schenken muß, weil er selbst das Geständmß ableget, daß er weder ein Theolog noch ein Neophilosoph seye, und weil er dieses nach dem Urtheile des gelehrten Hrn Finauers in Lrbl. Lavar. mrwiderleg- lich erprobet hat. Sollte ich diesem unpartheyischen Urtheile meine geringe Meinung über die z. wichtige Fragen beifügen, so wäre es diese; Die Schrift, z. wichtige Fragen, ist dem Titel sehr unähnlich: denn nebst dem groben Druckfehler des versesskerr Wörtleins un auf dem Trtclblatte, wie der scharfsichtige Hr. Fi- nauer anmerket, bringet der Hr. Verfasser nichts wichtiges auf die Bahn, und jede Zeile widerspricht demjenigen, was er versprochen, seine Beweise sind von andern abgeborgte Gründe, die die Hexenlaugner selbst angeführet, und beantwortet haben. Es wird ihm also niemand, wie er hoffet, die Ehre anthun, und sich so weit herablassen, und sein unwichtiges Gezeug widerlegen; ob- schon nichts leichters wäre, als dem Herrn Verfasser sein Versehen gegen die hermeneutische Regeln zu zeigen, und ihm besser schließen zu lehren, damit wir aber diesem Casuiste, der sich selbst einen David nennet, und mit den starken Waffen des Golnrts aufgetretten ist, Gerechtigkeit widerfahren lassen, so müssen wir zum unsterblichen Nachruhm des Hrn Verfassers dieser z. Bogen sagen, daß nichts geringes seye - - - - ohne ein Bein zu strecken, Zwölf Seiten voller Nichts mit Jauchzen auszuhecken. Die (W o Sr) rr? Die zwote Begebenheit, bei welcher sich ein sichtbarliches Gespenst soll gezeiget haben, ist die Geschichte aus dem ersten Buche der Königen c. 2. wo uns die Schrift saget, daß Samuel dem Könige Saul erschienen seyn solle. Es ist keine Geschichte und keine Stelle in göttlicher Schrift , bei welcher die Ausleger so wenig übereinkommen, als eben diese. Ich finde vier Meinungen, welche von Männern verfechtet werden, die diese Stelle mit gelehrten Anmerkungen beleuchtet haben. Die erste Meinung saget, daß die Seele des Samuels nicht durch die Beschwörung der Hexe zu Eudor , sondern aus Befehl GOttes dem Saul in einem Luftkörper erschienen sey. ä) Es ist dieses eine der bewehrtesten Auslegungen: man irret sich aber, wenn man glaubt, daß die Vertheidiger derselben für die Gespenster das Wort reden. Denn dre Schriftausleger, die dieser Meinung anhangen, sagen i) daß die Seele des Samuels aus besondern Befehle GOttes erschienen seye. e) Wer wird aber sagen, daß bey jeder Gespenster-Erscheinung ein ausdrücklicher Dr Be- L) Sehr viele und fürtrestiche Männer vertheidigen diese Meinung: als Meronzr« MU8 äe 1s Nu33 Iti.0. sc ?rov!ncise Hrrs§on!se prirnum provlneislis » poL- moänm Lsrdeaeniis Lccleüss Lpilcopug» 1°ra(t. LvsnA. tr. 7. p. Zc>. 90« Josnn. Nn1näsnu8 8. 1 k. v. Lc kroLeüor I^ousn. in Vinäic. 1 keo 1 o§. p. 84. 7 'orn!e 1 lu 8 Hnnsl. facr. sä iVl. 2977. Ne 11 srminu 8 ÜL ipüus ^5- ZÜ15 De/ett/or- /l/crrt. Leeonus in vekent. Lellsr. lom. I. x. 259. LeneäiötuL kereniug in e. 7. Lxoä. Oiip. 8- P. 211. Lusrer, LrmÄius, INenäors, 6sje- tsnus, Oion^iin8 lÜsrtki., L sln. e) Vivu8 ^U8ullinu8 1^ äe curs pro morttu's e. aMrmsnter ssseverst, versm 8smueli8 snimsrn sppsruiäe 8su1i , non v! csrmini8 ms^ici evoc»- lam (knc enim rette 1'ertullisnus, L «M8 iequsces rekellüQt) Lä vei ü»- xerio »äventavtem, ut uvxium rexem corriperet. L8 (M o >D) Befehl GOttes vorhanden seye? Was aus Befehl GOttes geschehen ist, saget Hieronymus in Joann. I. müssen wir nicht als Beispiele zu den Sachen gebrauchen , die gemeinlich und täglich geschehen : Wie die geistliche Aemter durch das Loos nicht können vergeben werden, obschon aus Befehl GOttes bey Mathias und Justus durch Loss entschieden wurde, welcher die Würde des Apostolats erhalten sollte, und wie soll man eine einzige Geschichte, die in allen Stücken was sonderbares hat, auf alle Geister- mahrchen anwenden können. 2 ) saget Delrio und Wvuters (derer Worte wir im nachfolgenden geben werden) daß die Seele des Samuels, die in der Gestalte eines alten Mannes erschien, den Luftkörper nicht habe bilden können , sondern daß GOtt der erscheinenden Seele erst diese Eigenschaft ertheilen müßte. Die Seele erhielt also eine neue Vorzüglichkeit, die ihr ihre Natur und Wesenheit nicht geben könnte. Es folget also, daß eine jede Erscheinung einer Seele ein Wunderwerke und etwas übernatürliches seye. 5) Wie sotten wir aber glauben können, daß GOtt bey so vielen Geister-Erscheinungen allezeit ein Wunderwerk wirke, und daß in einem alten Schloß, welches ein Gespenste beständig einwohnet, ein immerwährendes Wunderwerk vorhanden seye. Die zwote Meinung gehet dahin, und behauptet, daß die Seele des Samuels aus Zulassung GOttes durch die Gewalt des Satans und der Beschwörung hervorberuffen worden seye. Diese Mei- k) MEtt/mrr e/? eAKns, Lm cm/m-r M'üiEr'irE /roc e/?, en r/r -Mncir Lul- iinFerug in Oilueiäat. <7onlentitl>eibnitiu5 in krincipüs ?kiIo5opiiise sd Uan- Ickio eöitis äc more ^eometneo 6emonii:r3ti8 6eiinitione ndi lie sit: »mtKtro, crt/«5 r'ülLio rro» cotttittetr»- j» q'tto- (Si o!Sr) ^9 Meinung scheinet der gelehrte Philosoph und Marteret Justinus beizupflichten Z) Galatinus und diele Rabiner vertheidigen sie, auf welche Nieolaus Liranus ein berühmter Schriftsteller sich beruffet. Sie ist aber heut zu Tage in so großeGewohnheit gekommen, daß ich keinen Geisterfreund gefunden, der ihr seinen Beifall noch gönnet. Die dritte Meinung scheinet den Gespensterliebhabern größere Vortheile einzuräumen. Sie saget, daß der Satan sich in Samuel verstellet, und also dem Gaul erschienen seye. Sie gründet sich auf den Kanon des Gratianus Oull XX VI. (Z^v. e. m.und dieser auf das Buch des H. Augustinus ()uXlr. Vee. as Kov. iksm. yUTll. 27. und auf das Buch 6s IVlirsbilibus 8. 8sripr. allein, da diese zwey Bücher keine ächte Geburten dieses H. Vaters sind, und unter die unterschobene gezählet werden, K)ja Augustin selbst 6e cura pro rnorr. c. 15. behauptet das Gegentheil, so werden wenig gefunden, die auf einen so seichten Grund ihre Auslegung und Erklärung bauen wollen, die ohnehin sehr grossen Beschwerlichkeiten unterworffen ist. D z Die §) 8amue1i3 anima vi art'i3 maFiess kuit exeitata, quum animse piorum ante aävenrum Lbriüi ali^uo moöo lud poteliate 6iaboü 5nerint, ut äiaboli eas reüucsre potuerint, ^uancio volnerint» in Dialoge cnm l'r^pbone. Ulw Galatrnus I^VI. äe ^NLN. Lstbol. verit. e. 8. in 6n. saget r Olloä licet Laca- (Gl 0 ZK) Die vierte Meinung zielet dahin, und behauptet, daß die ganze Geschichte ein Betrug gewesen seye, welchen die vermeinte Hexe dem Saul gespielet habe, die Gründe dieser Meinung, und die Vater, die selber anhangen, liefert uns der gelehrte 6ell'0la m seiner Nichtigkeit der Zauberkunst p. zi6. ich will nur den heiligen Hieronymus anführen, lom. iv. in der Auslegung über Pro- , Vheten Jsaias saget er ausdrücklich: Es habe nur geschienen, als wenn Gaul den Samuel durch zauberische Rünste erwecket habe. Und l'om. V. redet er noch klärer: Die Zauberin von En- ddr saget dieser Heil. Lehrer , redete in der erdichteten Gestalte des Samuels zu Saul. Die ganze Erklärung der Geschichte ist auch ganz natürlich, und man weichet vielen Beschwernissen aus, welche anderen Erklärungen aufstossen , wie dieses der Verkappte Blocksberger in seinen Sendschreiben anmerket. Nur stehet ihr entgegen die Stelle des weisen Mannes, welcher bezeuget, daß Samuel nach den Tode weisgesagt habe. Allein dieser Ein- wurf laßt sich mit leichter Mühe heben, wenn man mit den Auslegern behauptet, daß in dieser Stelle die göttliche Schrift, wie dessen viele Beispiele in den heiligen Blättern vorkommen, nur nach der Meinung der Juden geredet habe. Wer sich die Mühe geben will, diese vier Meinungen mit einer genauern Prüfung zu durchforschen, dem wird es ganz offenbar unter die Augen leuchten, L Arsvitste §. HllAlMn!, yuern etism nvn ms§n! keeit, äc 8. HuAukini ekle ne^avit 8. I^komss Z. ?. (). 4Z. ^rt. Z. sä secunäum. Ita Lellarnün. äe Lcriptor. Lect. p. 124. leider ()(^. V. ör k§. leftsm. von eü ^uAuüini, sit ^nnsws in säpsratn lol. Z2i. keä v!ri cu^ur-äsm kseretiei, <^unin 2. muv- aurn propter Oisdoli prsesumptionem lsÄum Fuäie äiest, üc c;uum <). 21. rvulierern von sä Del imsginem crestsm eÜe äocest. Viäeatur eüsrn äe kis a«odü« lidris cenlurs LrsLä NILs jrrssüxs. o rsr) zr ten, daß die erste oder die letzte allein seinen Beifall verdiene. Man mag aber der ersten oder der letzten beitretten, so wird man weder in dieser noch in jener für das Daseyn der Gespenster eine» hinlänglichen Beweis finden. Die erste kann nicht anders als mittels eines Wunderwerkes erkläret werden, und daß es Erscheinungen durch Wunderwerke geben könne, haben wir niemal z» läugnen gedacht. Die letzte, welche nur die Betrügerey der Hexe vorstellet, kann allein dieses beweisen , daß bey den Gespenster- mahrchen die Sache ebenfalls nur auf einen Betrug, welchen eine furchtsame Bangigkeit unterstützet, hinaus laufe. In dem alten Gesatz finden wir noch viele Erscheinungen dee Engeln, auch durch diese will man den Satz befestigen, daß e- Geister gebe. Abraham, Loth, Jakob, und viele andere hatte» die Gnade, daß die Engeln sich ihnen sichtbar dargestellet haben. Sollen aber auch wohl durch diese Erscheinungen die Geisterfreunde einen Vortheil erhalten? Wir wollen die Sache durch eine nähere Untersuchung prüfen. Es ist gewiß, daß wir mit unsern Augen keinen Geist sehen können: so oft also ein Geist uns erscheinet, muß er in einer sichtbaren Gestalte erscheinen, damit wir ihn sehen. Nach der Lehre der Gottsgelehrten ist die Sache , in welche ein erscheinender Engel sich einkleidet, die Luft. Die zusammengepreßte Luft soll einen Körper bilden, welcher die Gestalt vorstellet, in welcher der Engel erscheinen will. Daß die Engel bei ihrer Erscheinung dergleichen Luftgebäude um sich gehabt , will ich nicht verneinen. Ob aber die Engel aus ihrer eigenen Kraft, und aus ihrer anerschaffenen Gewalt dieses Luftge- bäu aufführen, und sich einen Körper bilden haben können, auf dieser Frage beruhet der ganze Streit. Die Geisterfreunde bejahen diese mit allgemeiner Stimme; aber eben deßwegen bin ich berechtiget von ihnen Gründe zu fodern, und den Beweiß ihnen auf- ru- Z2 (Gt O >K) zubürden. Mir, -er ich dieses läugne, können solche nicht abge^ zwungen werden, denn der gemeine Weidspruch saget: ^Kr- msnri incumkir prodario, daß der bejahende Theil mit Beweisgründen auftretten müsse, und daß man nach allen Rechten dieses von ihm fodern kann. Jedoch ich begehre zu viel von ihnen. Ich begehre unmögliche Sachen. Denn so wenig den Geister- Vertheidigern die Wesenheit eines Geistes oder Engels bekannt ist, so wenig können sie überzeugende Beweise liefern , daß der Engel die Gewalt habe, aus eigenen Kräften einen Lustkvrper zu bilden, und in diesem zu erscheinen. Sie sagen zwar: die Engel sind oft erschienen : also können sie erscheinen. Es ist wahr; sie sind oft erschienen; aber diese Erscheinungen beweisen noch nicht, daß sie aus eigener Gewalt, und schon aus den in der Erschaffung überkommenen Kräften erschienen sind. Die Propheten haben Todte erwecket, das Feuer von Himmel fallen lassen, allem sie haben dieses nicht aus eigenen Kräften, sondern durch die ihnen ertheilte Gewalt bewerkstelliget. Sie waren Abgesandte des HErrn, und die Weisheit GOttes wollte selbe ohne die Gabe Wunder zu wirken bor ^em Volke nicht auftretten lassen. Eben dergleichen Abgesandte waren auch die Engel, man kann also gründlich dafür halten, daß GOtt sie gleichfalls mit einer Wun- "derkrast ausgerüstet habe, welche sie vorhin nicht hatten. Es waren auch alle Begebenheiten, wo die Engel erschienen, eines Wunders würdig, mnd sie sind aus sonderbaren Verordnungen GOttes geschehen. Ich folgere also mit dem unbenannten Gottesgelehrten ( und warum soll ich ihn nicht nennen? Es ist der grundgelehrte P. Jordan Simon, der H. Schrift Doctor, eine schöne Zierde des Augustinerordcns, der Theologie Professor auf der hohen Schule zu Erfurt ) in der Anpreisung der kaiserlichen Landesverordnung ps§. 104. daß eben wegen diesen ihre Erscheinungen ein Wunderwerk waren, und daß folgsam eine jede Erschein (S! o G) 33 er^ scheinung die natürliche Kräften eines Engels übersteige. Meh- ir- rere Gründe werden wir in dem folgenden h. beibringen, wo wir s- alle Gattungen der Erscheinungen betrachten werden, e- n. Von dem alten Gesatze wollen wir in das neue übergehen. Der r- stärkste Beweis, den die Gespenster-Vertheidiger aus dem neuen nt Bunde riehen ist die Versuchung des vermenschten GOttes. Der er Satan soll dem Welt-Erlöser erschienen seyn um selben zu derer suchen. Viele der HH. Väter verstehen dieses von einer äus- n- serlichen Erscheinung, da der Teufel in einem Luftgebäude dem r; Seeligmacher sich dargestellet haben solle. Andere halten dafür> »ch daß die Versuchung ein bloßes Gesichte gewesen seye, und also die Göttliche Schrift von einer innerlichen Versuchung zu verstehen en seye. Der Verfasser der Sendschreiben an H. P. Agnel scheinet rl- dieser Meinung beyzupflichten, und bringet mehrere Gründe x>. zi. ?ie indem s. Schreiben auf dieBahn. So viel ist gewiß, daß der unfehl- >te bare Slusspruch der Kirche noch keinen Ausspruch gethan, und auch be die Worte des Grundteptes ^ ^die sonst ^poc. l. i. v. io. en Ezechiel c. 4. v. 12. l. 40. v. 2. ^pocgl. v. ic>. ein blosses Gels» ficht anzeichen, auch bei den Evangelisten Mathäus c. 4. zu finden Ub sind. Die Geisterfreunde mögen nun die erste oder die zwote Ls Meinung vertheidigen, so werden sie bei keiner einen Vortheil ge- les winnen. Denn ist der Satan sichtbarlich erschienen, wer wird ver- ien neinen, daß dieses durch besondere Zulassung GOttes geschehen seye? und wer wird aus einer besonderen Zulassung GOttes ein >er freiwillige Gewalt des Teufels schließen , und zwar eine so frei- ne willige Gewalt, als wir , wie P. Angelus in der Vertheidigung luf 5oi. 18. spricht: Zum Sündigen und zu Verübung aller Bosheit »cri haben? und wer wird endlich diese absonderliche Begebenheit und ei- Erscheinung , dergleichen wir in der ganzen Schrift nur die ein- rige haben, so allgemein machen können, daß er dadurch jede Er- E schei- / z4 (S< o T<) scheinung und Spücken der Gespenster zu vertheidigen sich erdreisten kann. Gewiß kein rechtschaffener Theolog wird so wenig aus dieser Erscheinung die Wirklichkeit der Gespenster festsetzen können , als er aus Übertragung des Weltheilands auf die Zinen des Tempels und den Berg die nächtliche Hexenfahrten wird beweisen können, wie dieses letztere Delrio selbst eingesehen hat. Die erste Meinung thut also den Gespensterfreunden wenig Nutzen, und wenig Vortheil einräumen , und da die zwote alle sichtbare Erscheinung verneinet, so finden sie bey dieser noch weniger einen Grund, auf welchen sie ihr Lehrgebäude von der Wirklichkeit der Gespenster aufführen rönnen. Den zweyten Beweis, der die Wirklichkeit der Geister schrcheg solle, entlehnen unsere Gegner aus dem 17. c. des H. Matthäus, wo die Verklarung des vermenschten GOttes erzählet wird, welcher Elias und Moyses als Zeugen der Gottheit Christus des HErrn anwesend waren. Daß Elias in seinem eigenen Leibe gegenwärtig wäre, ist die allgemeine Meinung aller Schriftsteller; ob aber Moyses seinen eigenen Leib , oder einen Leib aus Luft gestaltet hatte, sind die Meinungen der Schriftlehrer getheilet. Das erstere behauptet Augustin. iraQsr. 124. in )ognn. Hieronymus in 170. IVIark. I.. lerm. 6e ^rsnsÜAurar. «Lc. Das Zweyte der heilige Thomas z. p. 45. Z. aä 2. Lyranus Salmervn rc. Ich will der ersten Meinung mit dem gelehrten P. Wouters Viluci6gr. te- Ie< 2 . 8. 8cripr. (Z(^ ?. 5. 5 . 299. beitretten , zugleich aber auch mit ihm behaupten, daß die Seele des Moyses, wenn sie in einem Lustkörper erschienen wäre, sie selben ohne übernatürliche Kraft und ohne einer von GOtt verliehenen Gewalt nicht hätte annehmen können, ^nims lVlo^lis non pvruic stlummere corpu8 aereum rrili virrure Lupernarurali teu äivina. Wo immer sich also die Gei- Aerliebhaber hinwenden, werden sie bei dieser Verklärung des Heilands, Lands, welche viele bey Hieronymus c. 21. in iviark. als das größte Wunderwerk GOttes angeben, ganz hell ersehen müssen, -aß diese Erscheinung des Moyses in seinen eigenen, oder in einem aus Lust gebildeten Körper den Wunderwerken GOttes müsse beigezählet werden, und daß also dessen Erscheinung keinen hinlänglichen Beweis für die gemeine Geister-Erscheinungen in sich begreifen könne. Aus dem, was wir von dem bei der Verklärung Christus des HErrn erscheinenden Gesetzgeber Moyses beigebracht haben, flies- set vorläufig die Antwort der gegen uns von den Geister-Vertheidigern aufgeführten Beweise, wo sie uns die Todte, welche nach der Auferstehung Christus des HErrn erschienen sind, entgegen stellen, und wodurch sie erproben wollen, daß die Seelen ihre Leiber annehmen, und in diesen nach ihrem Tode erscheinen können: allein dieser Beweis laßt sich um so leichter entkräften, weil wir 1) in dem vorgehenden schon angemerkt haben, daß eine Seele ihren Leib ohne Wunderwerk nicht annehmen könne, und dergleichen außerordentliche und wundervolle Begebenheiten auf andere und gemeine Fälle nicht angewendet werden können. 2) Ist zwischen diesen von ihren Gräbern auferstehenden und erscheinenden Heiligen, und zwischen den Seelen, die in ihren Körper bey einer Gespenstergeschichte erscheinen sollen, ein sehr großer Unterscheid. Denn jene wurden wahrhaft durch ein Wunderwerk von dem Tode zum Leben erwecket, die Seelesich hat wahrhaft mit dem Leibe vereiniget, also zwar, daß sie nach allgemeiner Meinung der Schriftausleger wiederum sterben müßten, wie dieses Augustinus Lpill. 164. 3 Ü 98 99. Chrysoftomus 4O. in I. Oorintü. und 2. in Lpill. 36 und viele andere bey dem gelehrten Sandini in kMoria familio? lgcrse p. 24z. behaupten. Da aber unsere Gegner, die von dieser Geschichte für ihre Geister-Erschei- riungcn Schutz suchen, nicht eingestehen, daß, wann die Seeleim Körper erscheine, diese sichtbarliche Darstellung ein Wunderwerk E r seye, « z6 (S! o M) stye, und die Seele ihren Körper nicht belebet, so muß einem jeden von selbst der große Unterscheid in die Augen leuchten, und wirkt» jeder leicht einsehen, daß die nach der Auferstehung des HErrn aus ihren Gräbern hervortrettende, und erscheinende Heilige keine Zeugen des Daseyns der Geister und Gespenster seyn können. Der letzte Beweis, welchen die Gespensterfreunde aufbringen , und welcher die Verruchter derenselben einer unverschämten Eigensinnigkeit überführen soll, ist aus den dreyen HH. Evangelisten entnommen. Mathäus c. 14. saget, daß die Jünger ge- ruffen: Es ist em Gespenst. Und bei Marcus c. 6. v. 49. stehet geschrieben : sie meinten , es wäre ein Gespenst , und schrien. Welche Rede unwiedertreiblich zu verstehen giebt, daß es Gespenster gebe: denn wenn man spricht: Er meinet er sehe einen Wolf, oder höre ihn im rauschenden Gebüsche, fehlt aber, und hat sich statt des Wolfs ein Schaf in dem Gebüsche versteckt gehabt: der versteht und bekräftiget hierbei ohne allen Zweifel, daß man in den Wäldern auch Wölfe finde. Eben jenes saget auch Lucas von den Jüngern mit den klaren Worten sie meinten, sie sahen einen Geist. Der HErr hat zwar seinen Jüngern diesen Irrwahn benommen, da er sie versicherte, daß sie ihn und keinen Geist oder Gespenst bor Augen hatten, doch aber mit einem solchen Beweis, der zugleich bestättigte, daß jemal Geister oder Gespenster wirklich erschienen seyn: denn er sagte: der Geist hat kein Fleisch und keine Beiner, wie ihr sehet, daß ich habe. Dieses ist nun der starke Beweis, welchen uns unsere Gegner aus der heiligen Schrift zu" guter Letzte entgegen werfen. Man wird uns erlauben, daß wir ihn beurtheilen, und das Gewichte seiner Stärke auf die Wagschaale legen darfen, und da wir eben dieses thun, finden wir, daß -er ganze Beweis viel zu lercht seye, um in diesem Streite den Ausschlag zu i (rZr v!D) 37 zu geben. Denn er erprobet nichts anders , als daß die Jünger nach ihren vom Volke geerbten Begriffen vermeinten, daß es Geister gebe, welche Meinung so wenig die Wirklichkeit der Gespenster erhärtet, als die irrige Meinung bewiesen hatte, daß Christus ein Gespenst seye. So hat eben dieses sie auch betrogen, da sie glaubten, daß es Gespenster gebe. Aber warum hat der Erlöser diesen Wahn seinen Jüngern nicht gehoben ! Ich antworte: Weil dieser Glauben oder Nichtglauben zu den H. Glaubenslehren nicht gehörte, und in solchen Fällen hat er die irrigen Begriffe seiner Jünger niemals aufgedecket, wie dieses mehrere Beispiele des neuen Bundes' sattsamm erklären, und deßwegen auch derH. Augustinus in <^ALs contra k'elic. lVlanick. I. I. c. tO. saget, daß Christus seine Jünger nur in den Sachen, welche zur christlichen Lehre gehören, unterwiesen habe. Betrachten wir endlich den Ausspruch Christus des HErrn: Der Geist hat weder Fleisch noch Bein. So streitet dieser i) gegen die Geisterfreunde, welche Gespenster und Geister auftretten lassen, die mit Fleisch umkleidet Ohrfeigen ausgetheilet, und das Merkmaal von 5. Fingern in dem Gesichte des andern hinterlassen haben, welche andere angetastet, und fleischliche Hände hatten, die eine natürliche Wärme von sich gaben, wie die Geschichte mit den Herzogen Christian zu Sachsen- Eisenberg in den wahrhaften Nachrichten von einigen Geistern erzählet, und welche mit den Hexen gebuhlet, und so gar Kinder erzeiget haben. 2) Wirft dieser Ausspruch die Meinung zu Boden, welche behauptet, daß die Seelen ihre Leiber annehmen, oder daß der Satan in den Leibern der Verstorbenen erscheinen könne. Denn diese Geister hätten ja Fleisch und Bein, welches doch die Göttliche Wahrheit von den Geistern verneinet, z) Widerspricht dieser Ausspruch denen jenigen, welche sagen , daß die Geister nur ein scheinbares Fleisch haben. Denn da Christus sagte: der Geist hat weder Fleisch noch Bein, so hat er sagen wollen, daß ein Ez Geist 38 (Ä -> W) Geist in keiner sichtbaren, und einen fleischlichen Körper ähnliche» Gestalte erscheinen könne; sonst wurde er die Jünger von der gefaßten Furcht nicht befreiet haben. Sie hatten allezeit denke« können: Es ist wahr, daß wir Fleisch vor Augen sehen, wir wisse« aber nicht, ob dieses ein wahres, oder nur ein scheinbares Fleisch seye. Ein Geist hat freilich kein Fleisch, er kann aber in einem aus Lust und Dünsten gebildeten Fleische erscheinen rc. Es müssen also die Worte des HErrn , der Geist hat kein Fleisch , so wohl von dem wahren als dem scheinbaren und aus Luft gestalte- teten Fleische verstanden werden. Aus diesem, was ich bisher angebracht habe, erhellet, wie auch dieser Ausspruch des HErrn den Geisterfreunden wenig Vortheil verschaffe, und wie sie in ihrem Lehrgebäude von Erscheinung der Geistern Gedanken und Satze paaren , zwischen denen keine Verbindung Platz findet; indem sie ihre Gespenster bald in ein wahres , bald in ein schembares Fleisch einkleiden, und also selbst die Lücken vorzeigen, welche den unrichtigen Zusammenhang ihre Lehre entdecken. Wir haben selbes in diesem h. betrachtet, und vorgezeiget, und zugleich die Beweise entkräftet, die unsere Gegner aus der Schrifte in ihren Schriften für die Wirklichkeit der Geister anführen. Wir fühlen auch ein entzückendes Vergnügen, daß wir in der ganzen Schrifte, und in allen Blättern der geoffenbarten Wahrheit, nicht eine einzige Stelle haben finden können, welche uns ein Gespenst vorgestellet hätte. Daß Engel erschienen seyen, und daß die Allkraft GOttes selben durch ein Wunderwerk einen Körper gebildet habe, haben wir öfters angetroffen : daß aber der Teufel in einem sichtbaren Körper erschienen seye, von diesem haben wir von dem ersten Blatt der Erschaffung der Welt, bis auf die letzte Seite der heimlichen Offenbarung, und folgsam durch so viele ivoo. Jahre weder in dem alten noch neuen Bunde ein (B! o!SA 39 ein überzeugendes Beispiel finden können, die Haushaltung GOt- tes hat nur Engel und keine Teufel in den alten Zeiten erscheinen lassen. Die Zeiten aber, wo Irrwahn und Aberglaube herrschte, schienen diese Haushaltung GOttes abzuändern, und sie lassen nur Geister, Teufeln und Gespenster, und keine Engel mehr erscheinen. Mich deucht, dieser einzige Gedanke könnte den Gespensterfreunden die Wahrheit entdecken , und sie belehren , daß Gespenster Undinge seyen. Aber ich irre, sie behaupten vielmehr, daß die Verläugnung der Gespenster mit Unvernunft geschehe, die entweder eine Bosheit im Willen, oder eine Schwachheit rm Verstände zur Mutter hat. Ob dieses Urtheil gegründet seye, ob die Geisterverlaugnung mit Unvernunft geschehe, und ob die Vernunft derselben Daseyn zu behaupten uns einrathe, wollen wir in dem nachfolgenden h. untersuchen. 4 - 8 - Die Vernunft saget uns nicht, daß es Gespenster gebe. U^^cher in euch selbst, und fraget die Vernunft um Rath : pfleg- te Renatus des Cartes zu seinen Schülern zu sagen. Folge ich dem Rath dieses tiefsinnigen Weltweisen, versammle ich meine Sinnen zu einer nachforschenden Stille, frage ich die Vernunft: ob es Geister und Gespenster gebe? so saget sie mir, nein. Die Vernunft kann nicht einmal mit demonstrativen Gründen die Unsterblichkeit der menschlichen Seele beweisen; noch weniger weis die ihr selbst überlassene Vernunft, daß es Engel oder Teufel gebe. Was wir- also die bloße Vernunft, die das Glaubenslicht nicht beleuchtet, von Gespenstern wissen? Nur als Christen wissen wir, daß unsere Seele unsterblich seye, und daß es Engel und Teufel gebe; allein das wissen wir nicht als Philosophen nach dem 4 «» dem Lichte der bloßen und gesunden Vernunft. Wir wollen aber der Vernunft den Glauben als einen Führer zugesellen, und wir wollen sehen, ob die durch den Glauben von der Unsterblichkeit der Seele, von den Engeln und Teufeln überzeugte Vernunft eine Gattung der Erscheinung, und die Wirklichkeit der Gespenster behaupten könne. Ich will zuerst, damit die Deutlichkeit meine Gedanken aller Orten begleite, erklären, was es heißen soll, wen« man saget, ein Geist erscheine. Erscheinen heißet nichts anders, oder es will soviel sagen, daß ein Geist oder Gespenst einem Menschen dergestalt gegenwärtig werde, daß dasjenige von den Menschen gesehen oder gehöret, oder überhaupt äusserlich, und zwar auf eine solche Art empfunden werde, daß der Mensch sich bewußt sehe, daß dasjenige, was er äusserlich empfindet, ein Geist, oder ein Gespenst seye. Da wir aber äusserlich nichts empfinden kVn nen, als was körperlich ist; so muß ein Geist, so oft er uns erscheinet, in einen Körper sich einkleiden, damit wir ihn empfinden, sehen, fühlen und hören können. Es giebt eine fünffache Meinung, durch welche man diese EiMeidungen in einen Körper, oder die Vorstellungen der Gestalte eines Geistes zu erklären sucht. Wir wollen diese vor den Richterstuhl der Vernunft fodern, ihre Gründe anhören, und den Ausspruch der Vernunft erwar ten. Die erste und die gangbarste Meinung behauptet, daß die Engel und die Teufel in Geschwindigkeit, aus Luft sich eine« Körper bauen, selben nach Belieben eine Gestalt geben, und also in diesem Luftgebäude erscheinen können. Ein Beispiel hievon M get uns P. Stoiber in einer Geschichte, wo ein Gespenfte nach der vierten Beschwörung in unterschiedlichen Gestalten erschiene« ist. Anfänglich war es ein Ochs,nachgehends eine Schwein, bald ein anderes Thier mit Hörnern , bald ein häßliches altes Weib, und und endlich ein schwarzer feuerspeiender Mohr.!. ) Sie sagen fer-> ner: daß der Satan die Gewalt habe aus der Luft diese und andere Körper zu bilden, erhellet aus den Sendschreiben zu den Ephe- sern c. 2. v. 2. wo er ein Fürst der Luft genennet wird. rc. Und was saget m diesen die Vernunft? Sie saget, daß diese Meinung i) aus dem ungegründet scheine, weil sie schon als erwiesen voraus setzet und annihmt, daß die gute und böse Geister aus eige- F ner i) l'um vsrise illuäunt lpecies, streue ora kersrum: kiet en!m tudito tus korrräug, strsgue t^Zris, §puknoiu8hue 6rseo, Ar talvs eerviee lesea», screm üsmmis touitum ctabit: Omnia transforwLns teile in mirLculL rerum. I^neml^ue » korribilern^ue teraro. 4. Wer diese Erzählung des Poeten für keine Fabel halt, der kann selbe bey dem P. Stoiber in Armamentario Tcclet. ?. II. toi. 207. als eine wahrhafte Ge- schichte lesen. Vor lauter Verwunderung über so viele abwechslende Gestalten können wir die Geschichte des P. Stoibers unmöglich laugnen, und ich glaube, daß wir sehr wohl thun. Denn wir wurden ohnehin durch Läugnung derselbe» wenig Ehre bey denjenigen einlegen , welche in das Wunderbare sterblich verliebet sind. Mr wollen wir anmerken, daß dieses Gespenst schon von langer Zeit her fthr viel und verschiedenen Lust sich müsse gesammelt haben, um ihre Rolle recht und gut zu spielen. Denn der bekannte Abt Trithemius, der mit den Geistern in genauer Bekanntschaft lebte, versichert uns bei Wierus 6e krVüigü« toi. 70. daß die Gespenster und Geister nicht nach Belieben, sondern nur nach der Beschaffenheit der vorhandenen Lustmaterie sich einen Körper bilden können. Nur aus einer ihnen anständigen Lust können sie sich mit der Gestalte eines Menschen umkleiden, finden sie aber an der guten und anständigen Lust einen Mangel, su müssen fie sich mit widrigen Dünsten behelfen, aus welchen sie nur dir Gestalte eines Thiers mav chen können. Da es aber öfters geschieht, daß sie halb gute halb widrige Lust un» Dünste antreffen, so erscheinen fie als halb Mensch und halb Pferd, und wenn sis «ut Geißfüßen erscheinen, so zeiget dieß allzeit an, daß fie an dem anständigen Luft ein muig Mangel gehabt haben. Das Gespenst des P. Stoibers muß aber mit 4- (Sl o Tr) ner Gewalt und wesentlichen Kräften erscheinen können, da doch noch kein Geister-Vertheidiger wahrscheinlich erwiesen habe, daß die gute, oder nachmal gefallene Engel, diese Gewalt, und diese Kräften in ihrer Schöpfung erhalten haben , und daß selbe der Natur der gefallenen Geistern wesentlich ankleben, die Vernunft muß sich sehr verwundern, wie der Geisterfreund, der viele Jahre unter tausend Bemühungen unterwiesen werden muß, ehe er einmal von der Beschaffenheit der gemeinsten Dingen lallen kann, der seinen Körper selbst nicht kennet, wenn er auch noch so schicklich mit Feur in die verborgenenGängenderNatur dringet,oder mitdenMes- ser in denselben herumwühlet, wie dieser eine Erkänntniß von dem Wesen und Vermögen eines Geistes, und einen Inbegriff von einer Sache sich beimessen kann, die in einem so weiten Abstand von ihm entfernet ist. Wer ^ber aus dem, daß die Engel erschienen sind, folgern will , daß sie erscheinen können, der muß erweisen, daß sie die natürliche Gewalt zu erscheinen in ihrer Schöpfung von GOtt erhalten haben, und daß sie ohne sonderbare Verordnung einkm sehr reichlichen Dorrath von aller Gattung Lufts und Dünsten versehen gewesen seyn, weil es bald in menschlicher, bald in thierischer Gestaltestch gezeiget hak. Ich könnte unmöglich über das Her; bringen, diese Aneckdote aus dem Trithemius nichtbeizurücken, damit der gelehrten Welt die physikalische Ursache nicht verborgen bleibe, warum sehr oft der Teufel mit Geissüßen, oder die Gespenster als Hunde erscheinen. Es scheinet mir auch diese Meinung viel glaubwürdiger zu seyn, als die Meinung des Rabbi Abraham, welcher diese Gattung Geister mit BockS- süßen u. s. w. für unvollkommene Creaturen hält, und behauptet: Als GOtt der HErr am sechsten Tage die lebendige Creaturen geschaffen , so wäre ihm bei Verfertigung der Letztern der Sabbathabend zu geschwind über den Hals gekommen, daß er nicht völlig habe fertig werden können, und daher waren es unvollkommene Creatoren, das ist, Geschöpfe mit Bockssüßen, oder halb Mensch, und halb Threre geblieben. (M o >A) 43 nung GOttes,un- ohne Wunderwerk erschienen sind,welche Vorzüg- lichkeit -er grundgelehrte Abt Calmet in seinen Buche von Erscheinung der Geister keinem Geiste recht zugestehet l>. I. p. Z80. redet also ; will man einwenden : es seye zur Erscheinung kein übernatürliches Wunder nöthig, wenn man sage, die Geister und Seelen können aus ihrer natürlichen Macht oder Eigenschaft entweders in einem angenommenen Luftleibe, oder in einem aus eigener Rraft gestalteten wahren wesentlichen , oder in einem entlehnten Leibe eines Verstorbenen, den sie auf eine Zeit darzu wieder lebendig machen, erscheinen und reden, so müßte man mir solche Macht oder natürliche Eigenschaft der Geister und Seelen zuvor beweisen. Denn ich behaupte dagegen keck, daß solches weder einem Engel noch dem Teufet oder einer Seele möglich sepe. Er muß zweytens erproben, daß die Sünde den Verstand, welcher hauptsächlich zu einen so fürtreflichen Gebäu erfordert wird, der gefallenen Engeln nicht verdunkelt habe, und daß sie ihre natürliche Kräften in ihrer Vollkommenheit erhalten haben, welches um so weniger glaublich scheinet, weil die HH. Väter und Gottesgelehrte den Fürsten der Finsternisse die Blindheit des Verstandes als eine Strafe wegen der Sünde zuerkennen , und der Vernunft gar nicht wahrscheinlich vorkommen will , daß diese Engel solche Kräften überkommen, oder nach ihrem Falle behalten haben, die ewige Vorsicht wüßte, daß sie diese Gewalt allezeit zum höchsten Schimpf und Nachtheil des Schöpfers und seiner Geschöpfe gebrauchen würden. Welcher große Herr wird aber seinem Rebellen und abgesagten Feinde, da zwischen beiden niemal eine Versöhnung zu hoffen ist, so viel erlauben, und eine so große Macht gestatten, daß er aus eigenen Kräften die Bürger seines ReichS auf all ersinnliche Art beunruhigen, und selben ihre Glückseligkeit zernichten können? die ewige Vorsehung wachet über das geringste Werk des Schöpfers. Durch sie kriechet das Znseckt, durch sie T 2 rval- 44 o Wr) wälzeln sich die Himmeln, und sie erstrecket sich von dem Adler bis ru der geringsten Mücke, und von dem größten Wallfisch, bis auf den geringsten Wurm. Soll man wohl glauben, daß diese liebreiche Vorsicht des Menschen vergessen, und über selben dessen abgesagtesten Feinde so viele natürliche Kräften gegeben, oder gelassen habe? ES müßte 2) der Körper eines Gespenstes, der reden kann, und zu all wirklichen Bewegungen geschickt ist, ein organischer Körper seyn. Dergleichen Körper zu bilden wollen dieGespenster- und Hexenfreunde( man seheP. Ognels Vertheidigung kol. 58.) dem Satan die Gewalt nicht einstehen. Es werden g ) zu den Bewegungen, welche die Geister machen unumgänglich sehrchjele Hebel erfordert; ein Hebel aber muß ein fester Körper seyn, weit sonst die Last, die Kraft, und ein Ruhpunkt nicht könnte statt finden. Die Vernunft kann sich aber nicht vorstellen, daß ein flüssige Materie, die Luft, solche Festigkeit habe. Die Gespenster machen 4 ) sehr viele und verschiedene Bewegungen. Bald zeiget sich ein Gespenst in einer risenmäßigen Gestalte, und in einem Augenblicke schlüpfet es durch den kleinsten Spalt, und in einem Augenblicke ist es wider da, und stellet sich in der abscheilichsten Gestalte uns vor Augen, bald schwebet es als ein Schatten an den Wänden herum, klopfet an die Thüre, lacht, winkt, stampft mit Füßen, und macht ein Getös mit Ketten. Zu diesen Bewegungen sind gewiß sehr viele Hebel vonnöthen, aber wie kann die Vernunft begreifen, daß der Körper zusammen gedrückt, und plötzlich wieder zu einen etlich Ellen langen Körper ausgedehnet werden, ohne daß dadurch ein Hebel von seinem rechten Ort verschoben, und der ganze Bau Schaden leide? Ein solcher Körper müßte gewiß aus unzählichen der feinsten Springfedern bestehen, und nach den Regeln der allergenauesten Mechanik zusammen gesetzet seyn. Aus <Ä! c> rZl) 4S wie vielen Sprungfedern, Röhren, Puncten, Gefäßen, Geweben, Spann-Puls-und Blutadern, Hebeln (Mevacioneg) Bänden Zusammenzieher (OoQÜriäkoreZ) Knochen, Mäuse- lein, Knorspeln ist unser Körper bereitet, der doch die geschwinde, vielfältige und bewunderungswürdige Bewegungen und Vorstellungen nicht machen kann, welche ein Gespenste in seinem angenommenen Körper uns vorstellen solle? Und wer soll glaube«, daß ein Gespenste, oder unsere von dem Leib abgeschiedene Seele , die die Gefäße, und das Gewebe ihres Körpers, den sie bewohnet hatte, nicht erkannte, die Wissenschaft ein so künstliche« Körper zusammen zu fügen besitze, und selben in einem Augenblicke erbauen, vernichten, und wiederum hervorbringen könne. ES > streitet 5 ) gegen die Vernunft, daß ein Geist die Luft bewegen, oder selbe zusammen pressen könne. Alles, was einen Körper berühren und bewegen will, muß was körperliches seyn. Die Geister, saget der belobte Calmet L>I. Z8. können ohne Gewalt GOt- tes keiner Materie eine Bewegung geben. Aber warum kann es die Seele ? wie kann diese unsern Leib bewegen ? und nicht auch ein Geist? Ich antworte, Seele und Leib haben ihrer Natur nach keine Gleichheit oder Gemeinschaft miteinander, GOtt hat aber bey Vereinigung des Leibes mit der Seele selber die Kraft gegeben , dem Leib nach ihrem Willen seine Bewegung zu geben, und er hat sich selbst das Gesetz gemacht, daß er sich also nach ihrem Willen richten, und ihr zu solcher Bewegung jederzeit mitwirken wolle. Dieses ist eine Wahrheit, die niemand laugnen wird. Daß aber GOtt einem Geist bei seiner Erschaffung die Gewalt ertheilet habe, die Luft zu bewegen, selbe dick zu machen, und aus dieser einen Leib zu stalten, dieß ist eine Meinung, welche noch niemand erwiesen hat. Mit noch fünf andern Gründen beantwortet diesen Einwurf das fünfte blocksbergische Schreiben 5o1. 20. Es fraget die Vernunft 6): ob die Luft, in welche die Gespenster Sz sich ' 4b (-M o!Sl) sich einkleide»/ und aus welcher sie ihnen Körper bilden / eine subtile oder grobe Luft seyc? ist es eine subtile Luft: so kann uns diese nicht sichtbar werden / und Geister können die Eigenschaften und Wesen -er Dinge nicht ändern. Ist es eine grobe mit Dünsten vermischte Luft: so kann diese zwar sichtbar werde«/ aber wo hat -er Satan dergleichen Machinen / welche die Lust zusammen pressen ? oder soll er wohl selbst unmittelbar dir Lust zusammen zwingen/ selbe »ach Willkühr bewege» / da er nicht einmal unmittelbar ohne eine» Körper die subtilste Nerve des Auges in Bewegung bringen kann. Damit aber die Gespensterfreundcden Geister» dieMühe erleichtern/ die sie bei Verdickung des Lufts anwenden müßten, so thuen sie ihnen die wässerichtr und indische Theilchen und die mit Dünsten vermischte Luft zur Hand schaffen, aus welchen die Geister leicht feste Hebel für ihre Körper sich anschaffen, und sich um so leichter einen Körper solle» bilden können, weilen so gar die Wolken, welche nichts als zusammen getriebene und gesammelte Wasserdünste sind, öfters verschiedene Körper als Schlösser, Paläste, schattigte Wälder, und eine berwundcrungswürdige Vermischung des Lichts und Schattens vorstellen. So sinnreich denen Gespensterfreunden diese Erklärung scheinen mag, so wenig kann die Vernunft selber ihre« Beifall schenke». Denn i) müssen sich die Geister bei diesem aus Dünsten bestehenden Bau nach den Bewe- gungsgesäycn der Dünsten richten, welche sie nicht änderen, oder aufheben können, weil sie sonst könnten Wunderwirken, welches «in Vorrecht GOttes ist. Die Gesätze aber der Bewegung bei den Dünsten sind diese: Sind die Dünste leichter als die Lust, so steigen sie in die Höhe, bis stein eine Gegend kommen, wo sie zwischen zwo Lüste« schichten stehen, deren die untere schwerer, die obere leichter als sie» werden sie aber schwerer als die Luft, welches gar leicht (rsr o!TA 4f seicht geschieht, wenn ihrer mehrer zusammenhangen, so sinken sie, und sie erhalten oft eine Schwere, die unsere Luft übertrift, wo sie nachmal zu Erden fallen, sich in Nebel, Thau, oder Regen verwandeln. Wie leicht also könnte das ganze Gebäu, welches ein Geist unternihmt, durch die gehäufte Dünste zu Boden fallen, oder sich gar in einen Regen verwandeln ? da er den Leib geschwind bewegen thäte, wurden die Wafferbläslein, aus welchen die Dünste bestehen, durch eine schnelle Bewegung zusammen gestoffen, und zerspringen, das Wasser, aus welchen sie bestanden, wurde allenthalben ausrinnen, es wurde sich in Tropfen sammeln, ein Tropf den anderen stoffen, und also ein Regen erfolgen. Oder es könnte so gar aus dem Geisterkörper ein Schnee entstehen. Wenn die Wafferbläslein der Dünsten von einer kältern Luft zusammen ge- zoaen werden, so entstehet Schnee, wenn sich nun das Gespenst aus einem warmen Zimmer mit fernem aus Dünsten bestehenden Scheinkörper bei strengster Kälte hinaus begäbe, so könnte sehr leicht erfolgen, daß die Kalte die Wafferbläslein zusammen ziehe, und selbe in Schnee verwandele; oder man muß hier wieder eine neue Erfindung machen, und mittels einer unsichtbaren Glutpfanne eine gemäßigte Wärme anbringen, welche die Wafferbläslein vor der strengen Kälte schützet. 2) Entstehet die alte Schwierigkeit, wie die Geister diese Dünsten zusammen fangen können, um die Länge eines grossen schwarzen Warmes zu bilden, werden gewiß viele tausend Wafferbläslein erfordert, die sehr dick aufeinander liegen müssen. Es müßte z) das Gespenst die Wissenschaft besitzen eine solche Schwere den Dünsten zu geben, daß sie nicht zu stark in die Höhe steigen, und nicht zu Boden fallen könnten. Es müßte 4) die Geschicklichkeit eines Bildhauers haben, um einen gut geförm- ten Körper zusammen zufügen, und es müßte das Gespenst alle Vorsicht anwenden, daß der ganze Bau nicht einfalle; denn je mehr Dünste selber brauchet, je grösser wurde die Schwere werden, und desto 48 !L) 44 Vernunft muß also Sachen annehmen, ob sie auch die Möglichkeit derenselben nicht einsiehet. Es giebt in der Natur sehr viele verborgene Dinge, welche, da ihr auch lichtes Aug in die verborgene Winkel nicht dringen, und selbe durchblicken kann, die Vernunft nur zu bewundern, und nicht zu begreifen suchen soll. Es ist wahr: wenn die Sache einmal gründlich bewiesen, und die Wirklichkeit derselben durch überzeugende Beweise erprobet worden ist, wurde die Vernunft unvernünftig handeln, die Möglichkeit dieser Sache zu läugnen, weil sie selbe nicht begreifen kann, und wenn sie so gewiß wüßte, daß es Geister gebe, als sie überzeuget ist, daß die Baume schwarze, rothe und weiffe Kirschen tragen, so wurde sie sich lächerlich machen, wenn sie Geister und Gespenster verneinen wurde; weil sie die Art und Weise ihrer Erscheinung nicht fassen kann. Allein da die Vernunft von dem wirklichen Daseyn der Gespenster nicht überzeuget ist, und diese ihr nicht wahrscheinlich vorkommen, so kann sie so lange für die Wirklichkeit der gespensterischen Erscheinungen nicht sprechen, oder die Möglichkeit derenselben jemand aufdringen; bis diese auf eine der Vernunft faßliche und begreifliche Art erkläret worden ist. ÄZas endlich aus dem Sendschreiben des heiligen Paulus zu den Ephesern ist vorgebracht worden, so thut im selben der Apostel vom Teufel keine ausdrückliche Meldung, und aus dem Zusammenhange des ganzen Briefes, und aus dem griechischen Text läßt sich sehr klar abnehmen, daß Paulus durch die Fürsten des kufts und der Finsterniß , die Fürsten dieser Welt verstanden, und die Gefahren vorgestellet habe, welche die von jenen ausgeschriebenen Verfolgung- und Bedrückungen den Neubekehrten zuziehen werden, deßwegen er sie warnet, und ermähnet, in dem Glauben fest zu stehen, den Harnisch des Glaubens anzuziehen, G und »rn- den Fürsten dieser Welt zu widerstehen. Sollten aber aus dieser Ursache die Teufel die Macht haben, sich Luftkörper zu bilden/ weil sie Fürsten des Lufts genennet werden, so müßten die Engel, die keine Fürsten des Lufts sind, diese Eigenschaft und dieses Vorrecht gar nicht besitzen, welches doch die Geisterfreunde memal einstehen werden. ^ Die zwote Meinung behauptet, daß der Teufel in den Körper eines Thiers fahren, den Leib und verstorbenen Menschen annehmen , und also erscheinen könne. Die Geisterfreunde bestätigen diese Meinung mit sehr vielen Erzählungen, und aus der Menge derenselben will ich nur jene anfügen, welche Delrio l- H. 29. le 59 heit in die Schulen der christlichen Weltweisen gedrungen, wo es je mehr Vertheidiger fände, je stärker Barbarey , Finsterniß, und Verabsäumung der gesunden Vernunftslehre die Kathedern der Schulweisen beschimpfte, und den Wachsthum der schöben Wissenschaften vereitelte. Die Lehrjünger des englischen Lehrers waren die ersten, die der Seele die Macht abgesprochen aus dem Luft sich einen Körper zu bilden, und in diesem zu erscheinen. Sie fanden ihre Gegner an den Seotisten, welche unter ihrem Anführer, von welchem sie den Namen tragen, in 4. Ditt. io. 7. unter Anfrischung und Aufmunterung der Flügelmänner Aureolus und Capreolus selbe den Streit aufgenommen, und mit vieler Hitze vertheidigten, daß die Seelen in Luftkörpern erscheinen können. Ein unerbittliches Schicksal hat den Seotisten den Zwang auferleget, Schritt vor Schritt ihrem Anführer zu folgen, welches vieleicht die Ursache seyn mag, daß sie noch' heut zu Tage mit vollem Hals und Kräften den Seelen diese Gewalt zueignen. Der Leser wird zwar leicht errathen, daß wir bey idiesem Streit die Parthie der erster« erwählen, er wird aber auch berechtiget seyn, Gründe von uns zu fordern, warum wir dieses thun. Wir wollen sie also anführen, i) Finden wir in der heiligen Schrift kein Beispiel, und keine Stelle, welche der Seele ein solches Vermögen beileget. Ja sie saget vielmehr das Gegentheil in dem Buche der Weisheit c. -6. v. 14. wenn der Geist aus- gefahren ist, so wird er nicht mehr kommen. Wir auch in dem icxr. Psalm v. 15. und bei Lucas c. r6. v. 26. «Kc. Dieses behaupten r) die Väter Chrysostomus ttomil. 4. äe r^sro. Tertulianus c. 9. Athanasius, oder der Verfasser der Fragen (^11. und 13. aä ^nriock. Jsidorus 1^. vm. Lrymol. <7. 9. Theophila- ctus in c. 8. klarli. und Augustinus in dem Buche äe cura xro mvr- H L ruis 6o (M o SA) tuis c. l6. <8cc. Diesen stimmen z) bei die Ausleger -er göttlichen Schrift, und die Gottesgelehrte, als Maldwnatus in c. i6.Lucä. Salmeron Oil^. 25. in 1. loann. 4. Mendoya (^.5. 8LÜ0I3Ü. P2A. Z92. Suaretz in Z. ?. 45. Oilp. Z2. 2. Sotus, Peltanus, und sehr viele andere. 4) Habe ich im Vorgehenden erwiescv, daß kein Engel in einem Luftkörper erscheinen könne; also viel weniger eine Seele; man müßte uns nur sagen können , ob die Seele schon bei ihrer Erschaffung , oder nach dem Tode die Gewalt über die Luft erhalten habe? Wurde 5) die Seele aus eigenen Kräften erscheinen können, und diese Erscheinung nur eine bloß natürliche Sache seyn, warum erscheinen uns nicht die Seelen unser liebsten Freunden, und unterrichten, und belehren uns in wichtigen Wahrheiten? Oder warum erscheinen sie nur in alten unbewohnten Schlössern, abgelegenen Wüsteneien, und entfernen sich von aller menschlichen Gesellschaft, da sie doch Menschen und gesellige Thiere waren? Warum nur meistentheils bei Nacht, und nicht bei Tag? Warum richten sich die Seelen in ihrer Luftkleidung so gar nach der Mode, indem sie bei jeder Nation nicht in einer fremden Tracht, sondern in der landüblichen erscheinen? Warum zeigen sie sich in den Kleidern, die sie in ihrem Leben getragen haben ? Warum erscheinen sie nicht nacket? empfinden sie vieleicht noch eine gewiße Schamhaftigkeit, und wollen sie sich deßwegen vor den Menschen nicht nacket sehen lassen? Ich frage 6), können die Seelen wirklich erscheinen? Wa- Min erscheinen sie niemals denen, die ihnen diese Möglichkeit absprechen ? Alle Wunderwerke, die unsere H. Kirche ausweisen kann, wurden dem Urtheile der Welt verdächtig scheinen , wenn selbe niemal von einem andern, als nur von jenen, welche in dex Schooße der Kirche sind, waren gesehen, und aufgezeichnet wor- Au» muß im Gegentheil die Existenz dieser Gattung Geljter alle Glaubwürdigkeit verliehren, und verdächtig werden, weil 6r weil sie mental unter die Augen eines muthlgen Widerlagers sich gewaget haben. Wenn sind Hobbesbecker, Thamasius, Wrgner, Meier von ihnen belästiget worden ? Wenn sind andern Geister- iäugnern Seelen der Verstorbenen erschienen? Warum kommen sie nicht? warum erscheinen sie nicht, und bekehren diejenigen, die ihnen ihr Daseyn auf diesem Erdenball absprechen, und ihnen die natürliche Kräften, und die Möglichkeit zu erscheinen abläugnen? Als David Georgius 1556. unter dem angenommenen Namen Johannes Brück zu Basel lehrte, daß die Engel ein erdichtete Sache seyen, und daß es keine Engel gebe, haben diese von ihrer Wirklichkeit diesen Jrrlehrer durch verschiedene handgreifliche Beweise, wieBegerlink Verbo ^nZelus 5 ol. 425. erzählet, überführet, und das Gegentheil belehret. Sollten wohl die Seelen der Abgestorbenen minder durch Erscheinungen ihre Ehre zu schützen , und die Gespensterläugner selbe zu überzeugen suchen? Ich frage ferner , hat jede Seele von GOtt das natürliche Vermögen zu erscheinen überkommen, warum thun selbst die Gespensterstunde, als Delrio rc., selben erst dieses Vermögen durch eine erhaltene Qualität einräumen? Warum ist diese natürliche Gabe bei den meisten Seelen unnütz und vergebens, da aus so dielen tausend Seelen nur sehr wenige erscheinen? Ein Mensch sott mit den von GOtt erhaltenen natürlichen Kräften und Gaben wuchern, und selbe zu Verherrlichung der Ehre seines Schöpfers gebrauchen: warum nicht auch die Seelen? man saget: GOtt läßt dieses nicht zu. Warum soll er dieses nicht zulassen, da er dazu ihnen die Kräften ertheilet hat? Beruhet ferner ft L E rscheinung auf der göttlichen Zulassung, so müßten die Er- IcANungen einen besondern Nutzen haben? sonst wurde ein so weises Wesen, als GOtt ist, diese nicht erlauben. Was hat aber bisher das menschliche Geschlecht von Gespenstern für euren Hz Nu- 62 6A o rsr) Nutzen gehabt? Wie viel werden Geschichten erzählet , w» man mit aller Mühe und Nachforschung nicht die Willensmeinung des erscheinenden Geistes hat entdecken können? warum erscheinen sie in Orten, da kein Mensch mehr hinkommet? warum allezeit mit Furcht und Schrecken, und mit Schaden der Gesundheit? Ich frage endlich sind dre Seelen der Verstorbenen dazu bestimmet einen sichtbaren Umgang mit den Menschen zu haben , oder nicht? Ist das erste. Warum erscheinen nicht alle, da alle dazu bestimmet sind durch die gleiche natürliche Kräften, die sie zum Erscheinen erhalten haben sotten? Ist das zweyte, und sind fie zu einem höhern Endzweck aufbehalten, was sollte sie bewegen einen sichtbaren Umgang mit den Menschen zu suchen, und die natürliche Schwierigkeiten auf sich zu nehmen, welchen ein von ihnen gebildeter Luftkörper unterworfen ist? Sollten sie um etliche Minuten Kurzweil zu treiben, oder einen Schrecken anzurichten , einen dazu gehörigen künstlichen Leib sich verfertigen, wie dieses sehr oft der bekannte Riebenzahl gethan haben sott? Ich will jetzo aufhören zu fragen, und nur bitten, daß man dieft gegen die Erscheinungen streitende Gründe bei sich überlegen wolle. Wird man in einer nachforschender Stille diese erwägen, und die Stimme der Vernunft hören, so wird diese jedem sagen, daß dre Seelen der Abgestorbenen aus eigenen und natürlichen Kräften nicht ohne Wunderwerk erscheinen können, und sie wird zugleich anmerken, daß es unvernünftig seye, so viele Wunderwerke anzunehmen, als man Erscheinungen erzählet. Ich könnte noch diele Sachen, und viele Geschichten beibringen, welche in dieses Fach gehören: ich will aber wegen der läustigkeit diese weglassen, und nur noch zwey Dinge anmWm? Erstlich muß ich dem P. Stoiber Gerechtigkeit wiederfahren lassen, und kann selbem das billige Lob nicht versagen, weil er iol. (B! o 6z 5 o!. 148. schreibet: -aß er auf die öftere Erscheinung*«, welche LT unsern Zeiten den Weibern nach ihrer Aussage geschehen sollen, wenig halte, weil erscheinende Seelen sich sehr selten den heiligen Vatern, und sonst an Heiligkett berühmten Männern bezeiget, und mit diesen einen sichtbaren Umgang hatten. ZweytenS: daß man sich von dem Einwurf: es ist die gemeinste Meinung, daß Gespenster erscheinen können, nicht möge irre machen lassen. Es hat zwar der Machtspruch in den vorigen Jahrhunderte diele« Nachdruck gehabt; in diesem Jahrhunderte aber ist sein Gewalt sehr vermindert worden. Man schwöret nicht mehr auf die Wor- te seines Lehrers, man ist von der Sklaberey des Ansehens errett tet, und ich kenne Gelehrte, die sich den Wahlspruch erwählet: Klulliu8 juraro in Verba HlLAtllri, ja der beliebte AbtTe- raffon macht in seiner Philosophie die Anmerkung und saget: Man will so gar sagen, daß derjenige, welcher in seinem zosten Jahre noch nichts anders in sich findet, als die Begriffe seiner Lehrer, sehr befürchten muß, daß er nie ein kluger Mensch werden darste. Mit dieser schönen Lehre thue ich meine Gedanken rechtfertigen, die ich über die Frage: ob das Daseyn der Gespenster aus der Vernunft erwiesen werden könne, dem Leser vorgeleget habe. Ich schmeichele mir, daß ich nicht übel gedacht habe , weil die Kunst zu denken sich auf den Satz gründet: daß man die Untersuchung dem Borurtheile, und die Verrrunft dem Ansehen vorziehe. 64 5 - §- Die Wirklichkeit der Gespenster wird aus den geistlichen Geschichten nicht erwiesen. ^'irie Geschichte nenne ich eine Reihe -er Begebenheiten. Ei- ^ ne jede Geschichte hat einen Urheber, dem selbe begegnet, und einen Zeugen, der selbe erzählet, welcher manchmal der Urheber selbst ist. Da aber der Urheber und der Zeuge der Geschichten Menschen sind, und bei diesen die Unwahrheit theils aus Mangel der Erkänntniß, theils aus Mangel des Willens entstehet ; so müssen sich die Eigenschaften, welche das Ansehen eines Urhebers der Geschichte ausmachen, auf zwey Stücke zusammen ziehen. Erstlich auf den Verstand, den er beim Anschauen der Sache und Erzählung gebraucht: zweytens auf die Wahrhaftig- . keit. Es muß also dem Urheber weder die nöthige Aufmerksamkeit und Einsicht, noch -er Verstand und Willen, die Wahrheit zu entdecken, mangeln. Man sage uns aber, wie ist es möglich , -aß ein Mensch bei Erblickung eines Gespenstes Aufmerksamkeit, Einsicht und Verstand behalten könne ? Wir wollen den allerverständigsten Mann nehmen, es soll ihm aber ein Gespenst erscheinen. Er erschrickt, der kalte Tvdesschweiß läuft ihm über alle Glieder, erzittert, und fürchtet sich. Wie ist es nun möglich in dergleichen Fällen einen freien Gebrauch seines Verstandes, und die nöthige Aufmerksamkeit mitten unter solchen heftig anhaltenden Leidenschaften zu behalten? Und wie soll er Überlegungen und Untersuchungen machen können, da ihn die Aufmerksamkeit verläßt, der Verstand weichet, und die Gründe fehlen, wodurch er seinen Irrthum erkennen könnte? Saget man, daß dem ungeachtet bei so verwirrten Umständen dennoch ^ möglich seye, äußerliche Empfindungen zu haben, welche eben diesen Mr). 6Z sen Zustand verursachet haben, so antworte ich: eben zu diesem, daß man unterscheide, ob man wahre Empfindungen habe, oder ob diese Empfindungen nur von der Einbildung herstammen, wird ein freier und starker Gebrauch des Verstandes erfordert. Man kann übrigens Verstand besitzen, aber in diesen Fällen, wo man Gespenster sehen sollte, behaupte ich, daß wegen der Flut der Leidenschaften , die das Gemüth überschwemmen, kein merklicher Gebrauch des Verstandes möglich seye. Der beste Verstand wird verdunkelt, und durch die Leidenschaften verwirret werden; und wie leicht kann man nachmals einen von Furcht entstandenen Krampf für eine Drückung des Geistes halten ? wie dieses der belobte Hr. Hofrath Stahl angemerkt, und wie ich dessen mehrere Zeugniß noch anführen werde. Man könnte noch einwenden, daß auf diese Weise auch alle Erscheinungen der Engeln ungläubig wären , weil der Mensch auch bei deren Erscheinungen keinen freien Gebrauch des Verstandes behalten kann. Auf diesen Ein- wurf antworte ich i), daß es ein großer Unterscheid bei den Erscheinungen eines guten und bösen Geistes vorwalte. Von einem guten Geiste können wir nichts als Gutes, und von einem bösen nichts als Böses hoffen, und uns vorstellen. Dieser Gedanke also: es ist ein guter Geiste, beruhiget schon in etwas unser Gemüth , ob er auch der Natur daß Entsetzen nicht benehmen wird. 2) Glaube ich, daß bei Erscheinung eines guten Geistes der gütige GOtt, wenn er einen solchen uns zusendet, unser Schwachheit zu Hilf käme, und selbe stärke, weil die Schrift an einigen Orten saget: daß er die Augen deren jenigen eröffnet habe, welchen ein Engel erschienen ist. Daß aber bei andern vermeintlichen Ge- fpenster-Erscheinungen die verständigsten Männer ihren Verstand nicht beibehalten haben, zeigen uns die vielen Fehler, Widersprüche, die unglaubare, der Vernunft entgegen streitende, der Zeit und allen Umständen widersprechende Sachen, die ihre Er- I zäh- 66 zählungen uns vorsagen, und die wir im nachfolgenden endecken werden. Schier eben die Eigenschaften, die bei einem Urheber anderlanget werden , werden auch von einem glaubwürdigen Zeuge einer Geschichte erfodert. Er muß erstlich ein Mann von einem gesunden Verstände und wohlbeschaffenen Sinnen seyn. Zwey- tens muß er die Sache, so er bezeuget, wissen können, und drittens muß es ihm an der Aufrichtigkeit nicht fehlen, selbe nach der Wahrheit auszusagen, a) So lange ich nicht überzeuget bin, daß ein Zeuge diese Eigenschaften im vollkommenen Grade besitze, so lange werde ich nur schwachen Glauben seinen Erzählungen bei- meffen. Denn die Erkanntniß einer Begebenheit kann mir nicht gewißer seyn, als die Gewißheit, die ich von dem Verstände und der Wahrheitliebe des Zeugen haben kann. Was also die Gewißheit der menschlichen Aussagen zerrüttet, sind ein blöder Verstand, ein wahnwitziger embilderischer Kopf, der seine Kräften nicht ganz und gesund besitzet, eine Uebereilung , eine Verwirrung in dem Verstände, oder die mit der Jugend aufgewachsenen Vorurteile, die ausschweifende Einbildungskraft, eine Liebe zum Wunderbaren , und eine Leichtgläubigkeit. Da sich alles dieses in den Gespenstergeschichten Stückweise befindet, so mache ich den Schluß: daß aus den Gespenstergeschichten die Wirklichkeit derselben nicht kann erprobet werden. Wir wollen die Sache untersuchen, und die Geschichten vorbringen, welche die Gespensterfreunde aufführen, alsdenn wollen wir sehen, ob unser Schluß aus Uebereilung gemacht sey. Es ») Diese Regeln erklären, und bestättigen mit mehrern i^snus!.. XI. 6e I.ocis Iksolo^. e. y. Oupln l'rsA. 6 6 DoArina Oiriil. c. so. üoQorrUus L As Uaris lom. I. Anmr»6verf. !n criüess. , Es giebt eine zweyfache Gattung der Geschichtschreiber, ek nige erzählen geistliche, andere weltliche Geschichten. Jene werden , diese genennet, ob schon beyde sehr oft beydes vermengen. Wir wollen einige Geschichten anführen , die uns die erstere aufgezeichnet hinterlassen haben. Ich erinnere mich nicht, daß ich in den Schriftstellern von den ersten zweyhundert Jahren vieles von den Geistern und Gespenstern gelesen habe. Schier die ältesten und meisten Gespenstergeschichten siehet man in den Lebensbeschreibungen der Altväter, welche man dem großen Kirchenlehrer Hieronymus zueignet b) Da finden wir viele in dem Leben des H. Paulus, und noch mehrere in dem- Leben das H. Hilarions. Ich will zwar nicht läugnen, daß es aus sonderbarer Verhältniß GOttes, und durch ein Wunderwerk habe geschehen können , daß zur Prüfung der Tugend der Diener GOttes und zu ihrer eignen Ehre, der Satan die Gewalt erhalten habe, selben in sichtbarer Gestalt zu erscheinen; allein diese Geständnis wird den Gespenster-Vertheidigern wenig Vortheil verschaffen, denn sie behaupten, daß ohne ein Wunderwerk der Satan erscheinen könne, und nach ihrer Meinung ist er auch also erschienen, da er dem H. Antonius als halb Mensch halb Pferd den Weg zu dem Einsid- ler Paulus gezeiget hat. Ich weiß, daß Hieronymus diese Begebenheit in dem Leben des H. Paulus anbringe. Aber ich glau- 3 r he, d) Der 9te Band der Schriften vnd Bücher des H. Hieronymus enthält selbe. Man irret sich aber sehr , wenn man glaubt, daß Hieronymus der Verfasser sey. Nur -ie L ben des H. Antonius, Hilarions und Malchns können ihm zugeeignet werden, die übrigen haben Euagrius, Pontius und andere verfasset. LeUsrau äe äcript. Lccl. psA. uz. 68 (M o ^i) de, daß ich irr diesem Stücke, wie die Hexenläugner in gleichen Fällen, wo die Lebensbeschreibung des Mönchen Hilarions der Hexerey das Wort führet, mit eben diesem Rechte das Ansehen -es H. Hieronymus verlassen darf. Hierzu veranläßt mich die Geständniß, die Hieronymus in dem Briefe an Neopatianus ableget; daß er nämlich, da er noch ein Jüngling, ja schier ein Mache war, zu seinen Anherrn Heliodorus geschrieben hat, habe er in diesem Werke nach seinem Alter mit rednerischen Einkleidungen gespielet, und in selben einige Sachen mit schulmaßigen Auszehrungen abgeschildert, c) Und da nach Zeugniß des grundgelehrten Maffäiä) Hieronymus um ein Jahre später die Lebensbeschreibung des H. Paulus abgefasset hat, so vermuthe ich, daß entweder Hieronymus in rednerischen Zügen die Versuchungen, mit welchen der Satan die HH. Altväter belästiget, abgemahlen,und selbe gleichsam durch Erscheinungen vorgestellet habe, oder daß die Menge der herumschwermenden Geister und Hexenpoffen ein Zusatz von einer anderen Feder seye; denn, wer wird glauben, daß Hie- ronymus zweifle, ob dieser Hippocentaurus , welcher nur in den ovidischen Fabeln sein Stammhaus und Bürgerrecht findet, ein böser Geist gewesen, oder ob die Wüste solche Thiere hervorbringe. Noch mehr bestärket uns in unserer Meinung die Begebenheit , da den Antonius auf dem Wege ein Waldgott als ein Abgesandter entgegen kommen muß, der halb Mensch und halb Geiß mit e) Huum e6em Läoletcsns » !rno pene pner, A primos Impetus lalcivientis setatlg eremi äuritis retrsenarern, icripli sä avunculnm meum Ueüoäorum exiiortatorirrn epistoialn - - in 111o opere pro setste luümus, ÜL cslen» Udus aäimcänrn Nietorum lluäns äoÄrinis lebolalllco mors äep'mxirans. ä) ^rts Llmikilst:» 1.1. c. 6. p. 5z. (rA o!Zl) 96 mit Hörnern versehen ihn wehmüthig gebethen, er möchte für ihn und seine Mitbrüder bei GOtt bethen, den sie wüßten, daß er für das Heil -er Welt gekommen seye. Ein solcher Wal-gott sey zu Alexandrien zur Schau ausgestellet, und dessen Körper zu dem Kaiser nach Antiochien gebracht worden. Wer wird glauben, daß die Thiere, wie dieser Waldgott war, mit seinen Mittleren die Ankunft des HErrn erkennet haben? Aus was Ursache solle er wohl um daß Gebeth dieses heiligen Einsidlers angesuchet haben? Wo ist endlich ein Geschichtschreiber, der uns diese wundervolle Be" gebenheit erzähle, und in seinen Geschichtsbüchern aufgezeichnet hinterlassen habe? Daß zu Zeiten des Rörrigs Lonstantinus ein Waldgott zu Alexandrien seye gesehen , und nach Antiochien überfuhrt worden. Was uns endlichen in unserer Meinung am meisten befestiget, ist, daß die Paulinische Lebensbeschreibung mit der Chronick des H. Hieronymus gar nicht übereinstimme. Diesen Fehler bemerket der scharfsichtige Petavius. e> Er saget, daß Antonius im Jahre 356. gestorben seye, in dem 19. Jahre der Regierung des Kaisers Constantinus nach Zeugniß gesagter Chronick; da aber die Lebensbeschreibung des H. Paulus erzählet, daß er, da ihn Antonius besuchet, schon uz. Jahre in der Wüste zugebracht habe, wohin er sich erst mit 15. Jahren verfüget hat; so müßte Paulus im Jahre z6z. gestorben seyn, und folgsam nach dem Tode des Kaysers Constantinus, und der H. Antonius annoch gelebet haben, oder Antonius der doch noch 15. Jahre nach dem Tode des Paulus gelebet, müßte im Jahre 378. erst die Welt verlassen haben, welches niemand behaupten wird , oder eine sehr ungereimte Meinung wäre, wie es Petavius nennet. Aus diesem, was wir bishero beigebracht, können wir dem Zeuge dieser Erscheinun- I Z gen e) k. 1.1.6. c. 4. kallovarliM tempor. gen unseren Beifall nicht gönnen, und man wird uns nicht verübeln, wenn wir wegen den vielen Widersprüchen, die bei dieser vorkommen, selben zurücke halten. . Der Lebensgeschichte des H. Paulus wollen wir so gleich die Lebensbeschreibung des H. Antonius anfügen. Der Verfasser derselben liefert uns noch ein weit reicheres Magazin von dergleichen Gespenstergeschichten. Der Satan stund diesem H. Einsidler schier beständig in menschlicher, oder anderer Gestalt an der Seite. Einmal erschien er ihm mit feuerflammenden Augen, aus seinem Rachen gieng Feuer gleich den Fackeln hervor, aus der Nase duftete ein Rauch von feurigen Kohlen. Von allerhand höllischen Larven war er umgeben, die ihn unfreundlich anschieleten Aufder Erde krochen abscheuliche Thiere mit aufgesperrten Rachen. In der Luft flöhe ein Haufen garstiger Vögeln. Bald gab der Satan einen Wiederhall derjenigen Sprüchen, so die Brüder aus der Bibel lasen; bald weckte er die Schlafende zum Gebeth auf; bald zeigte er sich als ein schönes und reizendes Frauenbild , bald sah der Heilige einen Waldgott, der ihn bittet, er möchte für ihn bethen, damit er die Seeligkert erlange. Bald erblicket er ein Thier, so bis an die Hüfte eine menschliche Gestalt, übrigens die Gestalt eines Esels hatte, und da er dieses mit anderen Teufeln durch das H. Kreuzzeichen in die Flucht gejaget, ist es gähling gestolpert, gefallen, und verrecket. Es kann seyn, -aß GOtt dem Satan die Gewalt gegeben, durch Erscheinungen diesen H. Einstdler zu belästigen. Ich will dieses nicht widersprechen; dessen aber ohngeachtet, kann der Zeuge dieser Erscheinungen und der Verfasser derselben mich zu keinen Büsau bewegen. Denn erstlich mangelt selben die Rcduchkeit. Er M o 7? Er hat sich unter den Name des grossen Athanasius verstecket. 5) Zweytens fehlet ihm der Verstand: wer solle glauben, daß der Teufel die Mönche zum Gebeth aufwecke? Fürwahr ein unerhörte Sache! Daß der Teufel gezwungen worden, Christus den HErrn als den Sohn GOttes zu erkennen, soviel versichert uns die Schrift; daß er aber jemals die Psalmen zur Ehre GOttes abgesungen, oder andere darzu angefrischet, dieß haben wir noch nie gelesen. Daß es Waldgötter gebe, hat zwar Augusti- nus 2 ) davorgehalten, da aber diese Meinung in allgemeinen Abschlag gekommen, so kann ick um so weniger es glauben, weil so gar ein Woldgott um die Seeligkeit durch das Gebeth des Antonius angesuchet,denn die Gottesgelehrtheit lehret mich nur, daß Christus für Menschen, und nicht für Thiere gestorben seye. Die Geschichte des Thieres, so halb Mensch und halb Esel war, kann k) Es ist unstreitig , daß der H. Athanasius das Leben des H. Antonius geschrieben habe. Daß aber die Lebensqeschichte von diesem H. Einsidler, die uns dermalen bekannt, eine ächte Geburt dieses gelehrten Heiligen seye, läugnen viele Kriticker. Denn i) war Antonius wegen seiner Gelehrtheit allenthalben bekannt, dieser Le- bensverfaffer aber setzet ihn unter die einfältigsten Menschen. Es saget zwar Augu- stinus 6e OEriris 6krik. lid. I. Prolog, daß Antonius die Schrift nur auswendig wüßte; allein er läßt vielmehr dieses in Zweifel beruhen, da er gleich beisetzet, wenn aber dieses jemand für falsch halten will, so will ich deßwegen mit niemanden streiten, ü ksee yuisyusrn srbitrsbstur» nov SA 2 M puFnaeiter. r) Findet man in dem vorgegebenen Leben, die Lebensgesetze nicht, welche Auto- nius denSeinigen ertheilet, und Athanasius in dem achten Leben des H. Antonius nach Zeugniß des H. Naziancenus!n Lnoom. spu6 Htksnas. I'om. II. schriftlich hinterlassen hat. z) Mangelt dieser unterschobenen Lebensbeschreibung die Erzäh- . lung, welche SozomenusUd. -. e. iz. Kill. Lccl. ausgezeichnet hat, daß Paulus ^ wegen den von seinem Weib begangenen Ehebruch sich zu ihm in die Wüste verfüget habe, da es doch sonst die geringste Sachen enthält. Mehrere Gründe liefert Dupm. x) L.. XV. c. 2 Z. äe ei vitate Der. kann ich nur unter dieChimären und Hirkocerven zahlen, dererWLrk- lichkeit ohnehin niemand als ein Träumer behaupten wird. Ich glaube also, daß diese unächte Lebensgeschichte lang nach dem Tode des Heil. Einsidlers von einem Verfasser seye zusammen gestoppelt worden, welcher seiner ungezügelten Einbildungskraft freien Lauf gelassen, und nicht nach der Wahrheit, sondern nach seinen Vorstellungengeschrieben hat. ValeriusK) machet die gelehrte Anmerkung, daß in den alten Zeiten die alten Mönche den Gebrauch gehabt, den jüngeren einen kurzen Begriff des Lebens einiger Heiligen vorzulegen , welches sie nach den Zügen der Redekunst ausarbeiten müßten. Diejenigen, die am besten gerathen sind, bewahrte man in dem Büchersaal, und da man sie nach etlichen Jahrhunderten mit Staub bedecket fand, sind sie als achte Lebensbeschreibungen hervorgesuchet worden. Wer weiß, ob eben diese Lebensbeschreibung nicht eine Arbeit, und Geburt einer feurigen Einbildungskraft gewesen seye, welche die Versuchungen, die der Heilige gelitten, durch körperliche Erscheinungen des Satans vorgebildet habe. Will jemand dieser Muthmaßung seinen Beifall nicht schenken, so will ich eine andere Quelle zeigen, aus welcher diese Lebensbeschreibung mag geflossen seyn. Ich glaube, ich werde nicht irren , wenn ich sage, daß selbe von den symbolischen Gemählden herkomme. Man schilderte den H. An- tonius ab, wie ihm ein holdseliges Frauenbrld , der Fleischteufel in Gestalte eines kleinen Knaben, und viele Thiere an der Seite stehen , und wie Antonius allen diesen kein Gehör ertheile, sondern in seinem eifrigen Gebethe fortfahre. Was will uns die Vorstellung sagen? Sie will nichts anderes andeuten, als daß An- tomus die Welt, das Fleisch, alle Nachstellungen und Versu- chun- d) In Libliotk. Hccl. (rS! o 7L chungen des Satans verachtet und überwunden habe, und nach dieser symbolischen Abschilderung glaube ich , daß die Lebensbeschreibung abgefaffet, die Erzählung entstanden, und der Satan jn diesen Gestalten dem H. Einsidler erschienen seye. Noch heut ru Tage glauben sehr viele, daß Antonius ein absonderlicher Patron für das Feuer und Vieh sey. Und warum? weil er abgemahlt» wird mit einer Flamme, so er in der Hand trug, mit einem Glocklein, so in seinem Stäbe angehangen ist, und eine Schweine bei seinen Füßen lieget, da doch die Glocke nichts anders als seine Wachsamkeit, das Feuer seine Liebe zu GOtt, und die bei den Füssen liegende Schweine die besiegte Wollüsten vorstellen wollen. Aus dieser trüben Quelle werden noch mehrere Irrthümer und Fabeln hergeleitet. Man schreibet, der H. Georgius habe als ein mannhafter Ritter den Drachen erleget und eine Jungfrau befreyet. Es ist dieses eine Fabel, die einem symbolischen Gemählde ihren Ursprung zu danken hat. i) Man liefet, daß der Heil. Christophorus ein Riese gewesen seye, daß ihm Christus in der Gestalt eines kleinen Kindes erschienen , daß er ihn über das Meer getragen , und auf dem Gestatte ein alter Eremit mit einem Lichte den Weg gezeiget habe. Diese Geschichte sieht man in vielen Orten abgeschildert. K) Allein die ganze Erzählung ist K eine ,) ?iKurs illa 8. 6eor^ü, qua eikn§!tur eques srmstus, «zui kskre cuh!6e 6rs- conem interkecit» juxts yuem etism vir§o poüts manu8 fupp1ice8 temiens implorst suxilium , potiv8 quam sticu)U8 IMorise opinor esse ex- presssm imaZmem. In ouI1i8 enlm , yuse recen5uiniv8, 6eor§ii Ei8 snti- qm8 quröquam e^u8moöi legitur , leö s ^sscodo VorsZme ad8^ue sligus ma- jorum suü:orit3te es sä Iiiüonsm rekeruntur, clvse potiu8 t^pum exprimunt. 2Z. k) Zu Pari- am Eingang der Kathedralkirche Untre vsme an dem ersten Pfeiler tur Rechten fiehrt man eine sehr große Statne des H. Christophs von Stein, unter diesen sind nachfolgende gar schöne Verse zu lesen: 74 (-S o W) Ane Erdichtung, und sie rühret, wie Villavincentius saget, daher, -aß die HH. Väter dieses symbolische Gemählde ausgedenkt haken, um anzuzeigen, daß ein Verkündiget des Wortes GOttes stark und großmüthig seyn solle, daß er durch seine Lehre, die Lehre des HErrn herumtrage»/ und Christum verkündigen solle, und das Licht, welches der Erermt traget, bedeutet die göttliche Schrift, welche durch ihr Licht den Prediger erleuchtet. Oder es mag eine abergläubische Andacht die Ursache seyn , daß man den H. Christoph in einer Riesengestalte abgemahlet habe, damit er von jedem ganz leicht und von allen könnte gesehen werden. Denn vor Alters herrschte -er Irrglauben, daß man vermeinte , man werde und könne an jenem Tage keines bösen Todes sterben , an welchem man die Bildniß des H. Christophs gesehen habe. Daher mahlte man die Vildniß in sehr großer Gestalte bey dem Eingänge der Kirchen, oder sonst an einige Oerter, wo die mehrsten Leute vorbeigehen müßten, und daher kommen auch jene Verse: (ÜNrillvpNori lanÄi lpeciem Huicunhue mstur, Ilks NLmesue c!i.e non morrs maln morierur. (ÜNriüopkorum vläe 38 : xolkeL rurus ear. Wrr 0 OinKopliore! portairi Clrrike, >Zs) I5 Wir wollen nun aus den alten zu den sogenannten mittler« Zeiten heruntersteigen, und in diesen einige Erscheinungen aufsuchen. Gleich Anfangs fallt uns unter die Augen die Geschichte -er Erlösung der Seele des Kaisers Trajanus, bei welcher sich ein zweyfache Erscheinung befindet. Die Geschichte wird also erzählet. Der heilige Gregorius, der Große, da er einmal auf dem trajamschen Markte die in Stein gehauene Thaten des Kaisers Trajanus betrachtete, und sich die Liebe vorstellte, welche dieser Kaiser für die Gerechtigkeit hatte, besonders einer armen Wtttwee angedeihen ließ, empfunde er ein sehr großes Mitleidm für den verdammten Kaiser. Nebst sehr vielen Gebethern ver- goße er häufige Thränen für die verdammte Seele. Endlich ist ihm ein Engel erschienen , der ihm die Erhörung seines Gebeths, und die Erlösung des Verdammten angekündet; zugleich aber zur Strafe seiner verwegenen Bitte einen Schlag an die Hüfte gegeben hat, daß der heilrge Pabst hinken müßte. 1) Einige setzen noch hinzu, daß die von der Hölle befreite Seele des Kaisers ihren Leib angenommen, und von dem heiligen Pabsten getaufet worden, nach empfangenem Taufe aber der Kat- K 2 ser )) Dum jscet m preeibu8 üans su^elus increpst illum, Lcig, yuia non dskuit Lsptilmatis Nie iiZiIIurn? Huvknotlo tu lackr^mis 6ona nexanäa xetls! komo tu PLUC18 VPU8 expetl8 koe Pietatl8, tzuo femel inäulto non ampliu8 Nta petatls» 1 rsj 2 nu 8 re^uiem, te ro^itANte, cspit. Lxce6it ?r«5u1, 5e6 non permsnüt iuultum, Hn^elico pullu femur esu8 tempore multo, Otsuäicat, 6c poenss corpore üxvÄ teuet. L/r öa»o //. ekeckttwrt, /o/, 369. ser sogleich verschieden seye. Diese Geschichte fand allen Beifall bei den Schriftstellern mittlern Zeiten. Joannes Damascenus, Thomas, Antoninus, Vincentius Fererius, lauter an Heiligkeit berühmte Männer erzählen solche, und die Gelehrten, Hugo, Johannes Gerson, Nabarrus, Modina rc. wollen mit Gründen selbe unterstützen. Allein was vorzüglich diese Geschichte verdächtig machet, ist die verschiedene Gestalt, da ein jeder dieser Schriftsteller selber andere Umstände beifügt, oder mit andern Farben abschildert, also zwar , daß der gelehrte Alexander Natalis m) saget: daß die Uneinigkeit der Geschichtschreiber die Unwahrheit dieser Geschichte offenbar am Tage legt, und da sie gegen den Ausspruch der göttlichen Schrift streitet, so ist selbe, wie Pela- gius n) sich ausdrücket, von keinem die Wahrheit liebenden Got- tcsgelehrten zu behaupten. Ich könnte aus Baronius, Bellar- min, Suaretz, Soto, Castel re. mehrere Beweise wider diese Geschichte beibringen: ich will aber selbe nicht anführen, weil sie sich selbst widerleget. Die Widersprüche untergraben sie. Es wird genug seyn, wenn ich sage, was Chrysostomus schreibet, o) Lrrore rühil imbeciHiu8, A luis cspicur permis, rieyue excerna puZna Opus ell; leä ä le ipio corill^irur. In Vorgehenden haben wir die Erscheinungen und die Geschichte verworfen, da die verdammte Seele des Kaisers zur Seeligkeit gelanget seyn solle; in folgenden wollen wir eine Beschicht anführen, wo ein König durch eine Erscheinung das Geständnis seiner Verdammniß gegeben hat; und da wir in bor- ge- . rv) 'I'om. I. 8sec. II. HUI. Lceles. 0!ir. i. probst. 4. ») Jttsemem krsvIZr. biüor. p. 288- s) Hom. III. in I, Lä-ilx>rüitb, (Di o 77 gehenden den Kaiser Trajanus in die Hölle zurück gewiesen, so wollen wir anjetzo einen König aus dieser befreien. Karolus Martellus, der Erste, König in Frankreich ist don dem H. Eucherius Bischöfe zu Orleans in der Hölle sitzend gesehen worden. Der Heilige fragte den ihn begleitenden Engel um die Ursache der Verdammniß, der Engel antwortet, daß die Ursache-er Verdammniß die Beraubung der Kirchengüter ftye. Eucherius hat diese Begebenheit dem H. Bonifacius und dem Abt -es Klosters des H. Dionysius, wo -er Leichnam des Königs begraben lag, erzählet, Fulradus der Abt und oberster Kaplan des Königs Pi- pinus hat das Grab eröffnet; man fand in dem inwendig ganz schwarz ausgebrannten Grabe statt des Leichnams einen abscheulichen Drachen, p) Die historische Wahrheit ist von schwerer Geburt, und doch ist das Kind selten bei rechter Gesundheit: wie diele Gebrechen diese Geburt de§ Surius unterworfen seye, wird sich leicht offenbaren, i) Giebt Surius für den Urheber der Geschichte den H. Eucherius an, welchen Karolus in das Elenderwiesen, weil er von ihm wegen des Mißbrauchs bestrafet worden , daß er die Kirchengüter den Soldaten in dem Kriege gegen die Saracener, so Aquitanien verhergten, beigeleget habe. Allein Eucherius ist weit eher als Karolus gestorben, nämlich im Jahre 7zi. da Karolus erst im Jahre 741. den allgemeinen Weg des Fleisches gegangen ist, wie Spondanus in ttitt. Lccl. p. 7z8 . Regino, Hermanns Contraetus, Lambertuö, und mehrere bezeugen. Man siehet also hier eine Lücke von zehen Jahren in der Geschichte, wel- Kz che p) Also erzählet diese Geschichte Surius in dem Leben des heiligen Eucherius der ro. Febr. wie auch in der Lebensbeschreibung des heiligen Rogobertus de»4. Fekr. üä M3§i8 redu8 porerar miradile H. Engeln in die ewige Freud getragen worden, ^nnsles ^nZ. Wenn diese wunder- und schreck- volle Begebenheit in den Jahrsschristen des Kloster am Anger in ihrem Staube Liegend geblieben wäre, so wäre es vielleicht besser geschehen, als daß ein geistlicher Vorsteher ohne Ueberlegung und Bescheidenheit selbe an das Tageslicht hervorgezogen, und auf einem sogenannten Monatheiligen der löbl. Erzbruderschaft des H. Erz-Engels Michael hat abdrucken lassen. Welcher Theolog wird glauben, daß der H. Schutz-Engel jemanden um dessen Marterbegierde zu ersattigen, das Leben rauben wird ? »Daß Naphael dem Tobias das Leben erhalten, und selben der Gefahr des Todes und dem Walisische entrissen , dieß lehret uns die Schrift. Wo wird aber jemand eine der angeführten gleiche Geschichte finden. Wo wird man uns zeigen, daß ein Engel sein ihm anvertrautes Pflegkind ermordet habe? könnte man nicht sagen, daß der Teufel in dieser Geschichte barmherziger und höflicher als der Engel gewesen wäre ? jener schlagt Hortulana nur für den Kopf, der Engel aber , dem sie von GOtt ist übergeben worden , wirft sie an das Pult, sie vergießet alles Blut, sie stirbt. Soll wohl durch Erzählung einer solchen Geschichte das Vertrauen zu den heiligen Engeln wachsen ? oder wrrd wohl dadurch eine Andacht können ' erwecket werden? dergleichen Geschichten, saget der gelehrte Bischof Melchior Canus k.. XI. 6e blum. ^uÄorir. c. 6. die von aller Wahrheit entfernet, die Verehrung gegen die Heilige erwecken wollen, schaden soviel, daß man wegen den! Falschen und Erdichteten auch das Wahrhafte in Zweifel ziehet. ' Man wird mir erlauben, daß ich noch einige Fragen an den Hr. Verfasser dieses Monatheiligen stelle. Ick frage, ob er wohl glaube, daß Hortulana eine Marterinn seye? Und warum nicht ? Sie hat aus Marterbegierde, und aus Liebe GOttes ihr Blut L z ver- 86 o W) -ergossen. Ja, sie haben recht, vollkommen recht! ich wurde es selbst glauben, daß sie das Marterkränzlein erhalten hatte, wenn sie nur ein Türke an das Pult geworfen hätte, da aber dieses ein Engel gethan; so kann ich ihrer Meinung nicht beistimmen : es müßte dann seyn, daß sie mir auch einstünden, daß der Engel aus Haß des Glaubens, oder einer christlichen Lehre die Klosterfrau also an das Pult geworfen hätte, daß sie Blut und Leben verlohren hat. Denn die Gottesgelehrten belehren mich, daß der Tod dem Marterer aus Haß des Glaubens müsse zugefüget werden. Ich frage ferner : ob man diese Geschichte nicht natürlich erklären und sagen könnte, Hortulana seye zufälliger Werft an das Pult gefallen, und sie habe durch einen harten Fall eine große Wunden empfangen, und durch vieles Blutvergießen gestorben? denn sie glauben nicht, wie in allen Fällen ich mich an die Regel halte, welche saget: Was füglich aus natürlichen und gewöhnlichen Ursachen erkläret werden kann , muß keiner übernatürlichen B.raft der Geister , oder göttlichen Wirkung zugeschrieben werden. Was sagen sie zu dieser Muthmaßung? Sie sagen: hier findet keine natürliche Erklärung Platz, weil alles dieses, nämlich den von dem H. Engel zugefügten Tod, eine gottselige Person in einer Offenbarung erkennet hat. Ich bin es zufrieden, nur will ich sie gebetten haben, auch den Namen dieser gottseligen Person bei dem zweyten Abdruck beisetzen zu lassen. Denn so wundervolle Begebenheiten, die nur so schlechthin mit der Zeugniß: Alles dieses hat eine gottselige Person in einer Offenbarung erkennet: unterstützet find , finden nur bei jenen einen Glauben , die alles glauben, und nicht wissen, warum sie glauben. Ich frage weiter - - doch nein. Ich will nicht mehr fragen, vieleicht haben diese wenige Fragen schon viele gegen mich aufgebracht, jedoch ich hoffe, daß sie mir leicht vergeben werden, wenn sie bedenken, daß ich also reden müßte, damit man künftighin bescheidener schreibe, und (ZZ! o )A) 8 7 und eine glücklichere Wahl bei diesen Geschichten treffe. Die hochlöbliche Errbruderschaft zählet über 6cxx>. Mitglieder, sie find in der halben Welt ausgestreuet. Jedes Mitglied erhaltet alle Jahr vier Geschichts- Erzählungen. Ich glaube also nicht, -aß ich unbillig rede, wenn ich sage: man solle solche Geschichten wählen, und drucken lassen, welche bon allem Verdacht einer Leichtgläubigkeit gereiniget sind , und wenn ich noch beisetze, daß es weit besser wäre, wenn man diese Geschichten aus der göttlichen Schrift, als aus den klösterlichen Büchern entlehnen möchte. Ich könnte noch mit mehrern geistlichen Geschichts-Erzahlun- gen von den Erscheinungen der Geistern und Gespenstern vereh- rnngswürdigen Leser unterhalten, wenn ich glaubte, daß er größere Neigung zu dem Wunderbaren, als zu dem Gründlichen haben würde. Das sogenannte goldene Legend, und die vielen Exempelbücher wurden mir reichlichen Stoff an die Hand geben. Ich will aber mit dergleichen Undingen den Leser nicht in noch größere Verwunderung setzen, sondern nur demselben meine Meinung von dergleichen Gattung Büchern , und von ihren Verfassern entdecken. Erstlich halte ich dafür , daß dergleichen Verfasser wenig Bescheidenheit und Vernunft bezeiget haben. Und damit man dieses Urtheil keiner Verwegenheit beschuldige, so muß ich sagen, daß ich mich nur der Worten des oft belobten gottseligen und grundgelehrten Bischöfen , Melchior Canus, bedienet habe, aa) von den Exempelbüchern hege ich die Meinung, wel- aa) I§ec e§o ble lidr! ül'ms ^lltborem exeull», yuss nomina* tur. Hanc bomo 1cripüt/e^,r on'5, jv/itnrb-r co^cir'5, Kttmrr vs»'L V Und c. 6. locor. com. circa me6ium saget er : Oolellter br»e äioo xotias, yuam coutumellole ; wultc» s l^aerüo leverms vitas ?k!- 88 o welche der gelehrte P. rudobicus hat. Daß nämlich in Beschreib düng der Begebenheiten, welche uns diese Bücher vorstellen, bei den Verfassern mehr ihre Neigung, als die Wahrheit die Feder geführct habe, und selbe öfters schreiben, nicht was geschehen , sondern was sie wollten, daß geschehen seye, und daß es Leute gegeben habe, die sich ein Verdienst daraus gemacht, wenn sie für die Religion Lügen erdichten könnten, welches theils gefährlich ist, weil die Wahrheit durch die Unwahrheit unterdrücket wird , theils gar nicht nothwendig ist , weil wir zur Wahrung unserer Andacht genügsame Wahrheiten haben, Und die erdichtete Geschichten nur wie die zaghaften und unbrauchbaren Soldaten mehr zur Last als Hilfe sind. bd) 6 - §- Die weltliche Geschichte erprobet das Daseyn der Gespenster nicht. § unn -as Alterthum und die Uebereinstimmung -er Begriffe -er Völker ein hinreichender Beweis für die Wirklichkeit einer Sache seyn könnten; so wäre nichts gewißers , als -aß es Ge- losopkormn lerlptas, yusm ä, LtiriüismL vitss TsuAorum, lonZeyue incor- ruptius Lc inte^rius 8uetonium res LLetsrum expoiulüe, gusm exposuerint ^atdoller res Nart^rum. kb) krsster pauea quseäam mults lrrnt rrmltig commentis srecZsta ; 6nm, <;m scridit, aäse^ui suo Lc non czuss stiere, seä ne veris säimatur Häes propter sslsa. öL rninime ne- ceÜLrmrr;, ^uomam pro pretate noürs tsm niulta sunt vers , Lc salsa tav" ^usm lAnavi mUites öc wutile« oLsri srmt ms§is suxilio. (rW o 89 Gespenster gebe. Wir mögen noch so weit in die graue Jahre zurück sehen, so werden wir allezeit herumschwärmende Geister, Gespenster, Larven und Kobolden erblicken. Die Gedichte der fabe- lenden Poeten lassen diese allenthalben auftretten, und die Bücher der Geschichtschreiber, von welchen man nichts als Wahrheiten erwarten solte, sind mit Gespenstern und Geistern angefüllet. Man wird kaum eine Beschreibung eines Ortes oder einer Familie antreffen, wo nichts von Gespenstern vorkömmt, und es ist schier kein ansehnliche Stadt oder Familie zu finden, welche nicht einen Geist im Dienste hat. Der Perlefex zu Bamberg, die weiffe Frau zu Bareuth , der Heyducke zu Wirzburg, die Klag- frau zu Berlin, die Fetel zu Parma, der ohne Kopf wandelende Mönche zu Dresden sotten bekannte Bothen seyn, welche hohe Trauerfalle verkündigen müssen. Ich hatte Gelegenheit mich an einigen diesen Orten genau nach diesen Gespenstern zu erkundigen, ich habe aber niemand antreffen könnender von diesen selbst etwas gesehen hatte, ob ich zwar sehr viele gefunden, die davon gehöret haben, und manche Geschichten von dem Sagenhören zu erzählen wußten. Von den adelichen Geschlechtern in Böhmen erzählet uns sehr vieles Balbinus in Micelianen Lokem. r.. m. c. 29. §. 3. In Franken sott den Freyherr» von Redwitz und Zobel ein weiffes Weiblein den Sterbfall ansagen, und zwar bei diesem mit einer brennenden Kerze, und in Baiern sott bey der adelichen Familie von Mugenthal, so oft einer aus selber begraben, und die GOttesdienste für den Verstorbenen gehalten werden, ein Klag- weiblein in sehr alter Tracht mit zu Opfer gehen. Ob aber diese Klagfrau, welche zweifelsohne aus dem adelichen Geschlechte seyn wird, diesen Opfergang annoch verrichte, da bei dem Adel diese Mode abgekommen, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Von so vielen anderen Geistern, die in den Klöstern den Sterbfall ankündigen, oder bei den Herren Pfarrern die Leiche und Pro- M di- Ho (Wl o Br) hisur ansagen, oder selbe den Schulmeistern, Todtengräbern und Schreinern melden, will ich keine Erzählungen beirücken. Denn ich glaube, daß es genug seye, wenn ich sage, daß schier kein Schulmeister, Todtengräber oder Schreiner sey , der uns nicht etliche Wochen zuvor weissagen könne, ob er ein Requiem zu singen, ein Grab zu machen, und ein Todtentruchen zu verfertigen überkommen werde. Sollten wir nicht anfangen zu erzittern, zu beben und den Muth sinken zu lassen, da uns an so vrelen Stellen Geister und Gespenster begegnen. Doch nein. Wir sind ganz gelassen, und da wir schon ohne Furcht viele Oerter durchwandert, die von Gespenstern beruffen waren, so fürchten wir uns um so weniger von beschriebenen Geistern und Gespenstern. Die Geschichtschreiber mögen uns noch so viele Beispiele und Gespenster-Erzählungen vorstellen, so werden wir dennoch nach den gezogenen Leitfaden zu erweisen uns unterfangen, daß auch in den weltlichen Geschicht- büchern kein zureichender Grund für die Wirklichkeit der Gespenster zu finden seye. Wir wollen zu erst die griechische Geschichtschreiber auftretten lassen. Dio l-. 77. erzählet von Caracalla,daß er öfters die Schatten seines Vaters und Bruders gesehen, und daß er die Seelen der Verstorbenen zu seiner Erleichterung aus ihren Gräbern beruffen habe, und daß unter diesen auch der Schatten seines Vaters und Bruders Commodus sich einfande, welcher ZU ihm die Worte gesprochen: komme nur eilends zu deiner Strafe. Zwey Stück machen mir diese Geschichte unglaub- bar, nämlich die Erzählung selbst, und der Verfasser , der uns selbe überliefert. Die Erzählung dieser Geschichte gründet sich auf die Fabeln, daß man die Seelen der Verstorbenen aus der Hölle zurück rüsten könne, und daß die Seele des abgestorbenen Blut- freundes ein Dämon oder ein guter oder böser Geist wurde, der HIl O AI: der hernach erschienen, wenn der Mensch sterben sollte. So wenig diese auf die Fable» sich gründete Geschichte einen Glauben verdienet, so wenig verdienet auch diesen der Verfasser. Schon im Anfange des vorgehenden h. habe ich angemerkt, daß ein Geschichtschreiber als ein Zeuge der Geschichte, den Willen haben müsse die Wahrheit zu schreiben. Sobald der Geschichtschreiber einen gegründeten Verdacht von einer Falschheit gegen sich Platz giebt, so bald weichet der Glauben, den man selben geben soll. Der gute Dio hat sehr viele von der einfältigen Leichtgläubigkeit des niedrigen Pöbels zu Rom entlehnte Werken seinen Geschichtsbüchern eingetragen. Das herrliche Wunder, da die christliche Soldaten durch ihr Gebethe in dem Kriege gegen die Quadier einen Regen erflehet haben , s) hat er nach der gemeinen Sage einem ägyptischen Zauberer zugeschrieben, der den Luftgott Merkur zur Herabschickung eines Regens bezwungen habe. Diese seine Leichtgläubigkeit entdecket er selbst l.. 7Z- wo er sich rühmet, daß ihm eine Gottheit im Traume erschienen, und ihm befohlen seine Geschichte zu verfassen , und da er verzögert und sich gefürchtet ein solches Werk zu unternehmen, habe ihn auf ein neues eine erscheinende Gottheit angefrischet, und versprochen, daß sie Sorge tragen wolle, daß seine Schriften niemal zu Grunde gehen sollten. So groß aber immer die Sorge dieser Gottheit für dessen Schriften seyn mag, so klein ist die Achtung derenselben bei den Gelehrten, welche gar zu wohl einsehen, daß er seine Geschichtlicher mit Fabeln angehäufet, und bei Verfassung derenselben die Pflichten eines Geschichtschreibers vergessen habe» M r Ein ») Man sehe die gründliche Dissertation des Hr. Dr. Baumgatten 6e üu- vüuLtrice contra 1'kvmsm ^Voolllonium, > YL (Gc c> Tr) Ein eben so untüchtiger Zeuge von dem Daseyn -er Geister und deren Wirklichkeit ist Appianus. In dem 4ten Buche seiner Geschichten zeiget er uns ein gräßliches Gespenst, welches dem Brutus dem undankbaren Mörder des Cäsars erschienen ist , ein Gespenst , welches einem Mohren nicht unähnlich, und von einer ungeheuren Grösse wäre, zeiget sich dem Brutus. Dieser fraget ganz keck: Wer bist du? und das Gespenst antwortet: Dem Dämon bin ich , dein böser Geist , zu Philippi wirst du mich wieder sehen. Wer ist , der über das gräßliche Ansehen diese- scheußlichen Gespenstes nicht wurde erschrocken seyn? Aber die römische Herzhaftigkeit des Brutus wüßte nichts von einer Furcht, er antwortet ganz unerschrocken: In, und zwar ohne Furche werde ich dich sehen. Da ihm aber in der unglücklichen Schlacht auf den philippischen Feldern dieses Gespenste abermal begegnet ist , hat er aus Verzweiflung sich selbst entleibet. Die meisten Gespenster- Vertheidiger bringen diese Geschichte als einen Beweis der Wirklichkeit der Gespenster in ihren Schriften. Ich glaube aber , daß man aus dieser Erzählung des Appianus 9 § sie aber mit Stillschweigen umgehen, und statt derselben den gelehrten, und für einen Heyden wirklich frommen Dionystus Ha- licarnasseus reden lassen, l-. i. ^nri^uirarum saget er: Er wolle nicht entscheiden, ob den Erscheinungen und Thaten der Götter- Glauben beizumefferr seye. Und in dem zweyten Buche p. isS. achtet er für ein Gedicht , daß die Nymphe Egeria dem Nu- ma, Jupiter dem MLnos, und Apollo dem Lykurg die Gesetze eingegeben haben sollen , er erzählet zugleich den Betrug, welchen Numa den römischen Rittern gespielet , mit welchem er ihren Irrwahn bekräftiget, als wenn ihn öfters die Nymphe Egeria mit ihrer Erscheinung würdigen thäte. Wir wollen aber anjetzo die Griechen verlassen, und einige lateinische Schriftsteller auftretten lassen. Römer sollen von den römischen Geschichten reden. Sueton, der gelehrte und dem Kaiser Hadrian so beliebte Sueton, solle die Reihe führen, c. 34. erzählet er von Nero, daß er von dem Schatten seiner Mutter, und durch die Schläge und Fackeln der Furien und Höllengötter sey beunruhiget worden. Allein diese Erzählung riechet sehr stark nach Fabeln der Poeten. So wenig wir glauben können, daß es Furien gebe, so wenig können wir glauben, daß die Furien dem Nero erschienen seyen. Es erzählet auch Sueton, daß Nero durch Zauberopfer die Seelen der Verstorbenen aus den Gräbern hervorzuruffen versuchet habe. Ob aber sein Versuch ihm gelungen sey , und ob er durch seine Opfer was ausgericht habe, meldet er nicht. Dem Suetonius thun wir den Plinius an die Seite stellen. Indem 8. Buche Lpitt. gä 8urgm erzählet er, daß der Welttheil Africa in weiblicher Gestalte dem Ruffus erschienen seye,und ihm zukünftige Sache weisgesaget habe. Ist diese Erzählung nicht einer " y H 6§l o T<) ner Fabel ähnlicher als einer Geschichte? Wer ist so blöde oder stumpf am Geiste, -aß er dieß ohne unsere Erinnerung nicht siehet? Plinius selbst, so leichtgläubig er sonst wäre, schämet sich dieser Geschichte vollkommenen Glauben zu geben, und er setzet hinzu: Ich höre, es solle sich also zugetragen haben. Allein wer weis nicht, wenn eine Geschichte ein frostiges: Wie man sagt, Wie ich höre, begleite, ihre Glaubwürdigkeit an dem äussersten Ranfte der Wahrheit stehen müsse? Eben so unwahrscheinlich ist die Geschichte, welche Plinius von den Gespenstern in weissen Röcken erzählet, welche den schlafenden Kindern zur Nachtszeit die Haare abgeschnitten haben. Wären dem leichtgläubigen Plinius die Gesetze bekannt gewesen, nach welchen die Träume erkläret werden, so würd er diese Gespenstergeschichte als eine solche seinen Büchern nicht eingetragen haben. Der Traum ist in Ansehung des Körpers ein solcher Zustand, daß im Schlafe die nicht genugsam gespannte Hirngefässe,und die nicht sattsamm geschlossene Gliedmassen der Sinnen, der Seele Gelegenheit geben, die Einbildung zu regen, und wie bei dem Wachenden die Vorstellungen der Seele mit der Bewegung des Körpers, und diese mit jenen übereinstimmen, so geschiehet dieses auch im Schlafe. Wenn ich mich nicht irre, so ist es der gelehrte Arzt Junker, der erzählet, daß jemand seine Füße in die Bandlein, mit welchen der Ueberzug der Oberdecke zusammen geschnirret wäre, zufälliger Weis verwickelt, und daß es ihm träumte, wie er von jemanden bei den Füßen gebunden wurde, worüber er so entsetzlich geschrien, daß er so gar einige Blutgefäffe zersprenget habe. Es kann also geschehen seyn, daß jemand aus Scherz oder aus anderer Ursache den schlafenden Kindern die Haare abgeschnitten, und daß daher durch die nicht genugsam gespannte Hirngefässe und die nicht sattsamm geschlossene Gliedmaffen der Sinnen, der Seele - Ge- (B! o 97 Gelegenheit gegeben wurde, die Einbildung zu erregen, daß jemand zum Fenster hineingestiegen, und ihre Haare abgeschnitten habe. Genug! Die Kinder, welche die Urheber dieser Geschichte find, haben nur im Traume Geister in meisten Röcken gesehen, und fich verwundert, daß sie erwachend ihre abgeschnit^eneHaare fanden. Wie oft träumet nicht dem Prembonius, ein alte Hexe falle auf ihn, und drücke ihn? er fühlet Aengstigkeiten, erstehet, wiefiestch, nachdem sie ihn jämerlich abgeängstiget hat, wiederum zur Thüre hinaus schleiche, da doch seine Vollblütigkeit ihn allein gedrücket, und die Hexe gewesen ist, die ihn also abgangstiget hat. Noch eine Geschichte müsten wir aus dem Plinius entlehnen, welche gewiß den Geisterfreunden neuen Vortheil und einen starken Beweis verschaffet, weil alle mit selben aufgezogen kommen. Zu Athen wäre ein Haus, welches von den Geistern sehr beunruhiget wurde. Man hörte zu Nachts ein Getöse von Ketten, und ein Gespenst von einem alten, blassen, langbartigen, mit Ketten beladenen Greisen polderte in selbem herum, und machte, daß die Einwohner das Haus verlassen müßten. Da Athenodorus der Weltweise nach Athen kam, kaufte er dieses Haus, weil es sehr wohlfeil wäre. Er setzte sich zu Nacht an einen Tisch, und schrieb. Da er eine Zeitlang saß, hörte er das Getös der Ketten, das Gespenst erschien , es näheret sich, es tritt zu ihm, und winket. Athenodorus gar nicht furchtsam giebt mit der Hand ein Zeichen, es solle warten, und schrieb fort. Es wird endlich dem Gespenste zu lange. Es machet mit den Ketten ein Getös für dessen Ohren, und ladet ihn nochmal durch einen Wink ein nachzukommen. Der Weltweise nimmt das Licht, er folget, und das Gespenst gehet sehr langsam die Stiege hinab, und in der Mitte des Vorhofs verschwindet es. Athenodorus nimmt etliche Kräuter und Blätter, und bemerket den Ort, wo N das (M s >T) das Gespenst verschwunden ist. Folgenden Tags zeigt er den ganzen Verlauf der Sache dem Rath an, und bath den Ort aufzugraben. Man grabet, und findet einige toden Beiner, die mit Ketten gesüffelt waren. Sie wurden auf gemeine Kosten begraben; und von selber Stunde ward das Haus frei und wohnbar. So glänzend und so stark den Geisterfreunden dieser Beweis scheinet, so schwach und so dunkel machen ihn die Worte, welche Plinius dieser Geschichte anhanget, wie ich es bekommen, saget er: so erzähle ich es. Diese Worte, welche nur eine gemeine Sache anzeigen, lassen die Geister-Verthei-iger beflissentlich weg, damit man nicht merken solle, daß Plinius selbst für die Wahrheit derselben nicht will Borge seyn. Ich glaube nicht, daß man zu Entkrastung dieser Geschichte und dieses Beweises mehrer sagen darf, als was Plinius schon gesagt habe, und durch dieses habe sagen wollen. Ich will aber zum Ueberfluß noch einige Anmerkungen derselben beisetzen, welche den aus Weser Geschichte aufgeführten Beweis vollkommen zu Boden schlagen werden. Ich habe oben schon angemerket, daß ich auch aus dieser Ursache die Geschichte des Brutus in Zweifel ziehe, weil Brutus so frei ohne Schrecken und Furcht mit seinem erscheinenden Gespenste gesprochen hat. Aus eben dieser Ursache scheinet mir auch das herzhafte Betragen des Weltweisen unwahrhaftig zu seyn. Er schreibet, er siehet das fürchterliche Gespenst. Er fährt fort ohne sich hindern zu lassen. Er folget demselben nach. Er ruffet keinen von seinen Dienern rc. Wem soll die Herzhaftigkeit nicht unglaub- bar vorkommen? Ich bitte jeden von meinen Lesern sich in seinen Gedanken an die Stelle dieses Weltweisen zu setzen, und sich selbst ru fragen: ob er bei diesen Umständen so viel Muth bei sich finden würde. Die (Si o )K) 99 Die Apostel« auf -enr Berge Tabor fielen auf ihre Gesichter für Schrecken, Manne und sein Weib juäic. c. iz. fielen ebenfalls auf die Erde, sobald sie den Engel erkannt haben, und vermeinten, sie wurden darüber des Todes sterben, und Jakob nennte jenen Ort, wo ihm dre Engeln erschienen, einen erschrecklichen Ort. Verursachet die Erscheinung eines guten Geistes so viel Schrecken und Furcht in unser Gemüth ? Wie groß wird diese seyn bei Er- blickung eines bösen Geistes? Ich glaube, daß bei Gelegenheit, wo jemand einen Geist siehet, sich der Mensch so wenig verleugnen kann, als wenn er den Tod vor Augen siehet. Der Tod, so natürlich er dem Menschen ist, bringet er Entsetzung, und sollte der Mensch bor einem Geiste sich nicht entsetzen, der der Natur ganz entgegen ist ? Lese man doch die Gespenstergeschichten, und man wird finden, daß die herzhaftesten Männer bei Erblickung eines Geistes aller Muth und Standhaftigkeit verlassen habe. Nur jene, welche nach der abgeschmackten Meinung der Hexen- Vertheidiger Buhlschaften mit dem Teufel treiben, könnten durch lange Uebung so viel Muth erhalten haben, mit den Geistern umzugehen. Aus dieser Bewegursache also scheinet mir sowohl diese als viele andere Gespenstergeschichten unwahrscheinlich zu seyn, wo nämlich Menschen mit Geistern Handlungen vorgenommen, die nicht die geringsten Anzeigen einer Furcht gegeben haben. Unter diese Geschichte zähle ich die Erzählung in der neu erbauten historischen Schaubühne, gedruckt im Jahr , da fast aller Orten Krieg war 1709. kol. 96. daß nämlich Vasquez von Aiola zu Bononien in einem unbewohnten Hause, welches er wohlfeile halber mit zweyen jungen Spaniern in Bestände genohmen hat, eines Gespenstes gewahr worden, welches, wie der Geist des Athe- nodorus von dem Ansehen, und mit Ketten beladen wäre; auf -essen Wink folgte Aiola, da ihm aber auf der Stiege das Licht N» aus- roo (ZA c> ausgelöscht, bäthe er das Gespenst ein wenig zu derweilen, er holte von neuem Licht, folgte selben nach , bis es an einem Orte in dem Garten verschwunden ist, und da man dort gegraben, wurde ein mit Ketten umwickelter Körper gefunden. Ist diese Geschichte nicht eine schöne Nachahmung der vorgehenden? und ist sie nicht wunderschön durch den neuen Zusatz mit dem ausgelöschten Licht vermehret? Aus eben diesem Buche iol. 26z. muß ich auch hersetzen die Begebenheit, wo eine Wittwe zu Stockholm einen Geist, der mit gesaltenem Haupte ihr erschienen, ihren Wappenring zwischen die auf die Schultern abhängende Theile hinein geworfen, und selbe mit ihrem Haartuche zusammen gebunden, der Ring und das Haartuch waren mit ihrem eingenähten Name be- zeignet, des andern Tags bei Ausgrabung des Leichnams hat man sie gefunden. Hieher gehört auch die Begebenheit aus den wahrhaften Nachrichten von Geistern p. 58. wo erzählet wird , daß auf einem Schlosse in Sachsen ein Bedienter einen Geiste, den man wegen seinem Aufzug die alte Belzfrau nennte, und der dem Frauenvolk viel Schrecken verursachte, aufgesuchet habe, um selbem einen Kuß zu geben, welche alte Frau das Spiel unrecht verstanden , und selben zu den Fenster hinab geworfen hat. Diesen muß ich noch beirücken, was Baxter in seinem Buche : Die Gewißheit der Geister durch unlaugbare Historien gründlich dar- gethan. koi. 64. schreibet, daß der Teufel bet Heller Nacht vor das Bette des Hrn Whit von Drechster sich gestellet. Hr. Whit sahe ihn eine Weile an, ob er was sagen, oder thun wurde, endlich sagte er zu ihm: N)enn du nichts anders zu thun hast, so habe doch ich was zu thun. Damit wendete er sich um einzuschlafen. Ich übergehe die Geschichte, die Francisci ein Schriftsteller, der besonders große Verdienste um die Gersterwelt besitzet, ausführlich IOI lich erzählet, daß ein Adelicher aus Oesterreich einem Geiste eine Maulschell gegeben, und dadurch denselben auf ewig aus dem Schloß vertrieben hat. Die Begebenheit aus der Sammlung vieler auserlesner Geschichten toi. 480. da einer , als er ein Gespenst, so ihm von Gestalte., Person und Kleidung gleich wäre, bei seinem Pult auf seinem Stuhl sitzen sahe, hinzugetretten, den Stuhl gerucket, und gesprochen hat: Da gebühret mir, und nicht dir zu sitzen ! stehe auf, und weiche! du hast hier nichts verrohren. Die Erzählung aus eben diesem Buche p. 481. wo ein Amtmann öfters bei Mitternacht ohne Licht, wenn man in der Rüstkammer unter dem Harnisch und Armaturen ein Getös und Getümmel hörte, in selbe hinein getreten, und geruffen habe: Mas ist das vor ein Lärmen und Getümmel? Stille! und halt ein ! Die Geschichte bei Alexander in Dieb. Oenial. wo einer einen Geist, der sich zu ihm in das Bette legen wollte, aus selben heraus getrieben, und seine Kleider wieder anzulegen gezwungen hat. Diese und viele andere, welche in dieses Fach gehöreten, will ich mit Stillschweigen umgehen. Bald hätte ich aber über dieses Ge- mengsel so vieler Begebenheiten auf das Gespenst des Athenodo- rus vergessen. Ich hab mit dem Leser von diesem noch einige Worte zu reden, und ich frage die Gespenster-Vertheidiger i) warum dieser Geist erschienen sey? Man giebt bor, er habe seine Be- gräbniß gefordert: wäre er aber nicht schon begkaben? Was hat ihm die Begrabniß, einem verdammten Heyden, nutzen könuen? Will man sagen, der Teufel habe nur mit der Einfalt der Menschen seine Kurzweil getrieben ; so eignet man ihm damit einen übertriebenen Gewalt zu ', als wenn er alle dergleichen Erscheinungen für sich selbst, nach seinem Belieben und Gefallen , aus eigenen Kräften und Gewalt, ohne besondere Verordnung GOt- tes splelen könnte: weil nicht zu glauben, daß GOtt zu solchen Betrügereien und Blendungen zu helfen geneigt seye. Ich frage N 3 2) ob ros s) ob die Seele oder der Teufel in dem wahren Körper, -er in -ern Grabe mit Ketten umwunden wäre, sich dem Athenodorus dargestellet, oder ob alles dieses ein Lustgebäude gewesen seye? ist das erstere, so sehe ich nicht, wie die Seele die halb vermoderte Beiner habe bewegen, und die Stiege hinab steigen können. Die Seele richtet sich nach den Gliedmaffen des Körpers. Sie kann die Füße eines Kindes von 6 . Wochen nicht bewegen, daß selbes eine Stiege hinabsteige, und weder die Seele noch der Satan können einen Körper, dem die Fäule das Fleisch benommen, mit neuem Fleische bedecken: es muß also das andere wahr seyn , es muß ein Lufkörper gewesen seyn. Allein das ganze Luftgebäu scheinet mir auf keinen festen Grund zu stehen, und wir haben noch keine hinreichende Ursache gefunden, wie ich im z. und 4. §. gezeiget, welche der Seele oder dem Satan die Kraft und die Gewalt zueignen , sich einen Luftkörper bilden zu können. Was für kunstreiche Schmide müßte es nicht in dem Geisterreiche geben , die Ketten aus Luft machen, und durch diese ein eindringliches Geräusch erregen könnten ? Wenn ich alles dieses, was ich bisher angeführet habe, nebst der oben angebrachten zweifelhaften Bürgschaft des Plinius für die Wahrheit dieser Geschichte etwas ge- nauers betrachte, so kann ich nichts anders sehen, als daß diese Geschichte von dem Volke erdichtet worden sey, oder daß Athenodorus das Volk zu äffen, und seine stoische Herzhaftigkeit zu zeigen , in dem Vorhofe des Hauses einen mit Ketten umwickelten Körper vergraben, und den übrigen Hergang erdichtet habe. So falsch aber immer diese Geschichte einem jeden vorkommen wird, der selbe ohne mit Vorurtheilen umhüllten Augen einsehen wird, so hat selbe dennoch sehr vielen Beifall gefunden. Es laßt sich dieses aus so vielen Nachahmungen abnehmen, und aus so vie- §L! v >K) roz ^ dielen Versuchen der Gespensterfreunden eine dem Original ähnli- i ches Kopey zu erdichten, davon ich noch sehr viele Begebenheiten ; beirücken könnte, wo die Gespenster durch Geräusch der Ketten, ! oder durch ein anderes Getümmel so lange ihre Rolle gespielet I haben, bis ihre Gebeiner hinweg getragen, und durch diese Übertragung ihnen ein anderer Aufenthalt angewiesen worden; durch welche Geschichtserzählungen man auch unter den Christen annoch die ungegründete Meinung der Heyden bestattiget, daß die Seelen bey ihrem Körper sich aushalten, und herumschwärmen. Doch genug hievon. Zu dem Beschluß der Geschichten aus den alten Schriftstellern wollen wir noch eine sehr kurze Erscheinung aus dem Cicero L.. H. äe vivinsr. beybringen. Sie ist folgende: Ein Bauer ackerte das ' rarquinische Feld, und da die Pflugschare etwas tiefer in die Erde hineingedrungen, käme aus selber ein Knab hervor. Der erschrockene Bauer schrie so heftig, daß das hetrurische Volk häu- stg herbey gelösten ist , welchem versammelten Volk Tages (so hieß der aus der Erde hervorgekommene Knab) die Kunst geleh- ret, aus dem Vogelgeschrey zukünftige Dinge wahrzusagen. Diese Lehre hat man nachmals aufgeschrieben, und von dieser Erschei- ! nung und erhaltenen Lehrsätzen ist die Kunst der Wahrsagung aus ! dem Flug und Geschrei der Vögeln entstanden. Die ganze Ge- ! schichte ist ein Gedichte, mit welchen man den Ursprung dieser Wahrsagerkunst angegeben hat: sie begreifet aber doch so viel Wahrhaftes, daß der Knab Tages von 12. Jahren den hetruri- schen Völkern die Afterkunst aus dem Flug und Geschrey der Vögeln wahrzusagen gelehret habe. c) Die Erscheinung, und das Wun- e) InäiASNSe 6!xere 1a§em» qu! primus kletrulesm Läociüt geutew, calus sxerire kMurvs. vvrH Mt. iZ. rv4 fiSi o W) Wunderbare, welches diese Erzählung in sich enthält, glaubet ku» ! ranus bon Tages selbst erdichtet zu seyn. , (üonäirvr arris k'inxerLt ista l'aAes. Mich -eucht , -aß so diele alte Geschichten schon dielen einen Ekel verursachet haben. Wir wollen also die alten Geschichtschreiber hinweg werfen, und aus den neuern ganz neue Waaren auslegen. Einen schönen Vorrath liefert uns -er bekannte Delrio und vilhues. M3A. u II. (^26. 8eÄ. 2. leget er uns folgende Geschicht vor: ein Adelicher am Rhein, ein unerschrockner und herzhafter Ritter, hat viele Fehden unternohmen, deßwegen er nur bey Nachtszeit an andere Oerter seine Reisen anstellte. Einmals ritte er durch einen Wald bey dem Rhein, und ehe er das Ende desselben erreichte, schickte er einen von seinen Knechten voraus, um zu sehen, ob nicht einige an dem Ende des Walds verborgen wären , die ihn hinterlistig überfallen könnten. Der Knecht folget dem Befehl seines Ritters, und er sah bei hellen Mond und dem Licht der Sternen, daß ein ganzes Kriegsheer dem Wald herannahe. Er eilet so gleich mit dieser Nachricht zurück, und hinterbringet selbe seinem Herrn, es ist gut, sagte dieser, wir wollen uns in der Stille, und verborgen halten. Nach einer Weile, da das Heer vorbei gezogen, verliessen sie den Wald, und sie sahen ^ auffreien Feld einen Reiter, der noch ein Pferd an der Hand hatte. Sie nähern sich diesem, der adeliche Ritter betrachtet ihn, er fraget: bist du nicht mein Roch, der vor kurzer Feit verstorben ist. In, antwortet dieser , ich bin es. Und was machst du hier? und wer sind diejenigen , die da vorbey gezogen ? Es ^ sind antwortet der Befragte, diese und jene adeliche Herren, f wel- (W o ^r> LOA l welche er mit Namen nennte , und wir müssen diese Nacht noch f einen Fug nach Jerusalem machen, denn dieses ist uns zur Strafe auferleget. Willst du mit , so ist dir dieses Pferd zu Diensten. Der adeliche Herr nahm das Anerbieten an, und setzte sich unter den Worten: ich habe in meinem Leben schon viele wunderliche Sachen angefangen, so will ich auch dieses nicht ausschla- gen : auf das Pferd, und beide wurden in einem Augenblicke den Augen der Knechten entrissen. Den andern Tag um die bestimmte i Zeit waren beide wiederum an dem nämlichen Orte, und der ade- I liche Herr bei seinen Knechten, der Koch nähme auch bon selbem Abschied und sagte : ' daß du nicht vermeinest unsere Reise sey nur ein Einbildung gewesen, so will ich dir zwo seltene Sachen zu einem Angedenken ertheilen. Hier hast du ein Tüchlein aus ' Galamandra ( Asbest oder Steinflachs ) gemacht, welches in dem Feuer unverletzt bleibet, und durch das Feuer von allem Schmutz gereiniget wird, wie auch ein Messer, welches behut- i sam brauche , denn der mit diesem Verwundete wird vergiftet. Da er ihm diese zwey Stück gegeben, ist er verschwunden. Del- rio 5 ol. 294. vermeinet, daß der Satan in die Person des Koches sich verstellet habe, und in dieser Meinung bestärket ihn das Mes- I ser, welches sowohl diesem adelichen Herrn selbst, als andern - sehr schädlich seyn könnte. Andere halten dafür, daß es die See- ! le des Koches gewesen seye; weil dieser der Schankung die Ermahnung beigeleget: Er sollte das Messer behutsam brauchen. Welche gute Ermahnung ein böser Geist wohl wurde unterlassen haben. Wenn ich meine Meinung beisetzen durfte, so wurde ich sagen , daß die ganze Geschichte wegen ihren Umständen so gut als das Mahrchen bon der geraubten Prinzeßinn und dem starken ^ Zwerge, welches die Amme mit aller glaubwürdigen Treuherzigkeit O mei- Ds6 (Wl o )A) rneinem kleinem Bruder so oft erzählet hat, in das Buch der Fabeln gehöre. Denn wer ist dann -er große Ritter? wann ist diese Geschichte geschehen ? was hat der Ritter zu Jerusalem gesehen ? was haben die andere von dem großen Zug Dort gemacht? aus welchem Absehen hat der Koch seinen Herrn mitgenommen? war es nur auf dessen Seite eine bloße Spatzierreise? Die Glaubwürdigkeit dieser wundervollen Erzählung erforderte nothwendig die Anzeige dieser Umstände, die die Wahrheit -er Begebenheit auf irgend eine Weise unterstützen könnten. Zu dem kann diese Geschichte ohne Wunderwerk nicht glaubwürdig seyn. In einer halben Nacht von dem Rheinstrom nach Jerusalem zu reisen, und in der andern Nacht eine Ruckreise zu thun, kann natürlicher Weise ohne Hemmung des Athem, und ohne Auflösung des Körpers durch übermäßige Erhitzung und Reibung an den Lufttheil- chen nicht geschehen. Wer wird aber dieser ohnehin verdächtigen Geschichte, und diesem irrenden Ritter zu gefallen ein Wunderwerk zulassen? Man siehet also, wie diese Geschichte, wenn man nur ein wenig durch eine kritische Untersuchung selbe entwickelt, eine Geburt der Leichtgläubigkeit sey, welchem ihre eigene Umstän- allen Glauben benehmen müssen. Zu dieser Gattung der Geschichten gehören auch jene, in welchen die erscheinende Geister mit protestantischer Zunge reden, dergleichen man in der lesungswürdigen Historie von den schwedischen Gefangenen in Rußland und Siberien x. 147. bei Erasmus Fran- cisci, Beaumont Baxter, und in den wahrhaften Nachrichten von einigen Geistern und Gespenstern findet, wo absonderlich die Geschichte, die Anno 1705. dem Herzog Christian zu Sachsen Eisenberg begegnet seyn solle, merkwürdig ist. (N o IV7 Aus eben diesem Buche will ich noch eine Nachricht anfügen, welche dem Leser nicht unangenehm fallen wird. Ich liefere den Jnnhalt derselben, wie ich ihn finde; Unter vielen Städten, die an der Donau liegen, befindet sich auch die Stadt Tuln, von deren Schlosse, welches anjetzo wegen eines unruhigen Geistes , so allda seine Wohnung aufgeschlagen, wüste und unbewohnt stehet, wird folgendes berichtet. Heinrich , ein alter Oesterreichs von Adel, war der Eigenthumsherr dieses Schlosses, welcher solches einige Zeit mit seiner Familie bewohnet, weil sich aber alle Montage eine große Unruhe, ein heftiges Poltern in demselben zu regen pflegte, sahe er sich genöthiget, seine bisherige Wohnung zu verlassen. Er hatte zwar allen Fleiß angewendet, dieser ver- drüßlichen Sache los zu werden; zumal, da er deßwegen kein Gesinde mehr in seinen Diensten erhalten könnte; jedoch wollte er mit Geisterbannern, Schatzgräbern und dergleichen Leuten nichts zu schaffen haben. Er überlegte also die Sache ins Geheim mit einem Varfüßermönch, welcher wegen seines gottseligen Wandels bei jedermann im großen Ansehen stunde. Dieser Ordensmann verlangte von dem Edelmann, daß er sich mit seiner ganzen Familie auf eine Zeitlang aus dem Schlosse entfernen möchte; er selbst aber erboth sich inzwischen auf diesem Schlosse zu verbleiben , wenn man ihm nur etwas von nothwendigen Lebensmitteln zurücklassen wurde. Wie nun der Edelmann ihm hierin zu willfahren sich kein Bedenken machte, verfügte sich der Mönch in Begleitung eines Mitgliedes von seinem Orden in das Schloß, um zu erwarten, bis der unruhige Montag anbrechen wurde. Als- denn machte er sich fertig mit seinen geweihten Lichtern und übrigen zum Exorcismo erforderten Nothwendigkeiten, und zündete seine Kerzen bei Tage an, um die regierende Geister, wenn sie von O r einer ror (Sl o !D) einer guten Art wären, dadurch anzulocken, c) oder vielmehr die widerwärtigen durch dieses Mittel abzutreiben, den Tag hindurch wäre alle Bemühung vergebens; sobald aber die eilfte Stunde -er Nacht angebrochen wäre, ließ sich bereits einiges Gepolter und Werfen hören, worüber der Gefährte unsers Exorcisten in solche Angst und Schrecken gesetzet wurde, daß er darüber das Buch und Weihkeffel aus der Hand fallen ließ, und beinahe der Exorcist in Unordnung gebracht wurde, ä) Hierauf folgte bald ein anderer widriger Zufall, da ihm ein unvermutheter Wirbelwind seine Lichter auslöschte, und zugleich die Kapuce nebst dem Chorhemde voneinander, und die Geisterpeitsche hinweg gerissen: s) er blieb unter währendem diesen Sturm bei halb scheinenden Mondslicht zitternd und bebend stehen. Und da er sich kaum von seinem Schrecken erholet hat, hörte er durch die anstoßende Zimmer ein großes Geräusch einiger hinter einander laufenden Personen heran nahen. Die erste von derselben in einem weißen Hemde sprang auf den Exorcisten los, und fuhr wie ein Wind vorbei, auf o) Daß das Licht einer geweihten Kerze die gute Geister anlocken solle, hab ich noch niemal gelesen, ich finde auch keine Weihe, welche aus dieser Absicht über die Körten gesprochen wird. ä) ES muß also wahr seyn, was ich oben von der Furcht und Bangigkeit gesprochen habe, welche den Menschen beherrschen müssen, wann er einen Geist hören, oder sehen sollte, wenn ihm auch sein gutes Gewissen kein böses Zeugniß giebt. e) Von der Geisterpeitsche thut schon Lucanus I.. VI. eine Meldung, wo die Hexe Erichto bei ihrer Beschwörung also redend einführt: - » - - Hn!11e CompeUsvälls er!t» hua rmnquanr terra voeato Non concuÜL trennt, yui LorZana eerait spertan»» tms trspläam entbigat Lrüm/m. t auf den Rucken derselben aber erblickte er , daß das Hemd voller i Blut war, und sahe bei dem Mondschein, daß ein Dolch in der j Wunden steckte; auch kam es ihm eigentlich bor, als wenn die Haare derselben, welche wie bon einer Weibsperson lang herunter hiengen, bom Blute zusammen kleppten, ungeachtet dieses grausamen Anblicks faßte er Muth, den Geist um seinen Zustande, und was sein Verlangen wäre, zu befragen. Derselbe gab ihm hierauf mit ganz leiser Stimme zur Antwort: Du kannst Mir nicht helfen, wenn ich dir gleich die Ursache meines Todes sage , indem mir meine Bekanntniß nichts nutzen kann : frage aber diesen, der nach mir kommen wird. Nach diesen Worten wurde der Geist mit Erzitterung des ganzen Gemachs durch ein von aussen kommendes Gepolter gleich einem starken Winde aus den Augen des Mönchs fortgetrieben: es stellte sich aber alsobald wieder ein anders Gesicht dar, welches in eben dergleichen Tracht mit zerstreuten Haaren, und bon vorne mit Blut benetzet erschien. Dieses sahe dem Exorcisten mit blassem Angesichte scharf in die Augen, weil aber derselbe nunmehr, da es mit dem ersten Ge- spenste gar gut abgelaufen wäre, schon mehrern Muth bekommen hatte, fragte er auch diesen Geist ganz beherzt: was er hier , in dem Schlosse machte, und was sein Begehren wäre derselbe antwortete hierauf : Zünde deine Lichter an, darnach will ich dir Antwort geben. Der Exoreiste ließ sich hierauf von feinem Gefährte das Feuerzeug geben, unter währendem Feuerschla- gen hat der Geist so tief geseufzet, daß es aus dem innersten des Herzen hervor zu kommen schiene. Da nun die Lichter angezündet waren, sahe er ein Weibsperson im bloßen Hemde, 5) wie O z die k) Aus Ehrbarkeit hatte dieser Geist wohl ein aus Luft gemachtes Oberkleide über ^ das Hemde anlegen, und in diesem erscheinen sollen. nv -ie erste gewesen/ bor sich stehen / jedoch mit diesem Unterscheid, daß jene die Wunden und das Blut auf dem Rucken, diese aber dorn auf der Brust hatte. Da er nun diesen Geist ebnermaaßen befraget r was dann sein Thun und Lassen in diesem Schloß wäre ? warum sie selbes beunruhigten, und wodurch ihnen könnte geholfen werden? bekam er von dem Geiste diese Antwort r Ich bin von meinem gewesten Herrn unschuldig ermordet worden, weil er geglaubet, ich hätte seiner Gemahlinn Gelegenheit zu dem schändlichen Ehebruch gegeben, in welchem er sie mit - - - ertappet hatte; der Ehebrecher war ihm entwischet, und weil seine Gemahlinn zugleich mit ihm entfliehen wollen, hat er sie in eben dem Zimmer, aus welchem sie anjetzo heraus gekommen, mit einem Dolche durch den Rücken geworfen. Er könnte aber seine Rache an dem Entloffenen nicht abkühlen, daher er im Grimm auf mich als Kammermägdchen mit einem ihm zur Hände gekommenen Degen losgieng, und mir denselben im Bette dreymal durch die Brust stieß, daß ich dergestalt in meinem Blute ersticken mußte. Damit aber dieser gedoppelte Mord nicht an den Tag kommen möchte , hat er beide Körper nebst der blutigen Kleidung in den alten tiefen Brunnen mit eigenen Händen geworfen, und die Zimmer, rvorinnen solches geschehen, beständig verschlossen gehalten, auch vorgegeben, als wenn sowohl seine Gemahlinn als ich mit dem Buhler durchgegangen wären. 5) Es hat auch die Stadt dieses glauben müssen, da keine von diesen drey Personen wieder zum Vorscheine gekommen; er selbst aber traute sich nicht sicher zu seyn, k) In einem Schloße , wo der adeliche Herr ein adeliche Bedienung gehabt haben wird, laßt sich ein solcher Auflauf, die Ermordung zwoer Personen, und die Hinwegschaffung der Leichnamen nicht so leicht vertuschen. Und warum sollte auch der Ehebrecher nicht mehr erschienen seyn, da sich sein Feind unsichtbar gemacht hat ? iLr i seyn, begab sich also unter vorgeschütztem Entschluß, als wollte f er uns auf der Flucht nachsetzen, vom Hause weg, nachdem er so viel an Baarschaft zu sich genommen, als zu seinem Vorhaben erfordert wurde. Seinen Weg nahm er nach dem Ländgen ob -er Ens, allwo er sich in ein Kapucinerkloster verfügte, um an diesem einsamen Ort seine Sünde zu bereuen, nachdem er vorher nichts von seiner Ankunft zu melden befohlen hatte. Einige Zeit darnach ließ er an die Regierung eine Ceßionsschrift mit seinem Jnsiegel und Unterschrift abgehen, worinneu er sich erklärte, daß er die Herrschaft djeses Schlosses seines verstorbenen Bruders hinterlassenem Sohne hiemit übergeben wollte. Von dem letzten nun ist der jetzige Herr ein Enkel, wo aber mein ehmaliger Herr hingekommen sey, und sich anjetzo befinde, daß weis ich nicht. Ich selbst läge viele Jahr in einer stillen Ruhe, und wußte selbst nicht, wie mir geschehen war, bis endlich meine gewesene Frau in meinem halb verfaulten Körper zu rasen angefangen, 6*) welche Tag und Nacht keine Ruhe hat, -och aber ihre Gewalt in diesem Schlosse nicht verüben kann, ohne nur an dem Tage, und in der Stunde, da sie von ihrem Ehegemahl in der Schandthat angetroffen, und in -er größten Rachbegierde gegen selben verschieden ist. Gieb dir nur keine Mühe ihrentwegen mein lieber Mönch, du kannst ihr keine Ruhe verschaffen, wohl aber mir, wenn du meine Gebeine aus dem alten Brunnen wirst aufsuchen lassen, wobei du, um sie von Lk) Diese Umstände find ziemlich verdächtig. Der Geist saget nichts von einem Gerichte nach dem Tode. Und was gieng es der Seele an, wenn die gewesene Frau in dem halb verwesenen Körper rasete? Und in wem soll wohl diese Raserey bestanden seyn? Man könnte auch fragen: aus welcher Ursache die Frau in dem Körper der unschuldig ermordeten rasete? und warum der Geist die Ursache, warum er umgehen müßte, nicht erzähle ? riL don den ihrigen zu unterscheiden, dieses Merkmaal finden wirst, -aß fie in einem blutigen Bettuch eingehüllet find, diese sollst du in dem Nonnenkloster des H. Dominicus unter der großen Lampen begraben lassen , alsdann wird dieses Schloß von mir weiter keine Unruhe verspüren. Jene aber wird fortfahren zu rasen, indem sie an diesem Orte ihr Gericht erwarten muß; thue was ich dir sage, sonst kommst du selbst in Unruhe. Da sie kaum ausgeredet hatte, schlug die Uhr Zwölfe, und sie verschwand vor des Mönchs Augen, worauf sein tief eingeschläferter Mitbruder auch wieder erwachte. §) Sie wüßten beide nicht, wie ihnen geschehen war, und hatten sehr vonnöthen, ihr Herz wieder mit etwas Wein zu erquicken, sonderlich sehnte sich der Wachende nach diesem ausgestandenen Sturm nach der Ruhe. Damit er nun des folgenden Tages ordentlich in der Sache verfahren möchte , meldete er zwar dem Eigenthumsherrn des Schlosses, welcher sich eine halbe Stunde davon auf einem Landgute aufhielte, iwas er die vorige Nacht gesehen habe, wollte aber die vornehmsten Umstände nicht eher entdecken, bis er in dem angezeigten Brunnen hätte nachsuchen lassen, da dieses geschahe, fände er alles auf die Art, wie es von dem Geist war berichtet worden ; die Knoche und der Hirn- sche- x) Um eilf Uhr ließ er vor Schrecken das Buch und Weihkeffel aus den Händen fallen , das Geräusch und der heftige Wirbelwind bei Derschwindung des ersten Geistes mag ihn auch nicht wenig erschrecket haben, und ehe die Rede des zweyten Geistes anstenge, giebt er seinem Mitbruder den Feuerzeug. Kaum aber ist diese kurze Rede vollendet, wachet er auf. Ich möchte doch wissen, wie ihm bei so großer Furcht ein Schlaf habe zugehen können, und wie ihn sein Mitgefährt bei diesen Umständen habe schlafen lassen können , ich hätte es nicht gethan. Wachen hätte er mir müssen, und weil ich mit dem Geiste geredet hätte, hätte er für dessen Erlösung bethen müssen. (rA o Tr) uz schedel lagen in einem halb vermoderten Bettuch eingewickelt; K) darneben fand man hin und wieder zerstreute Gebeine und einen Hirnschedel, welche der Mönch besonders herausschaffen ließ. Nunmehr trug dieser auch kein weiteres Bedenken die übrigen Umstände seines nächtlichen Gesichts ausführlich zu erzählen, da sich dann auf fleißiges Nachsuchen die Ceßion und eigene Handschrift dieses unglücklichen Herrn, welche er im Kloster ausgefertiget hatte, unter vielen anderen Briefschaften antrefen ließ, und erhellet«: daraus, daß von derselben Zeit an bereits 87/Jabr verflossen wären. Die Gebeine des Kammermagdchen wurden an die verlangte Stelle gebracht, und zum Merkmaal mit einem vier- eckigten weiffen Stein beleget, welcher den Reisenden noch heutiges Tages gezeiget wird. L) Die übrigen Knochen hingegen sind unter einem Scheidwege ausser den Gränzen dieser Stadt begraben worden. Dem ungeachtet blieb das Schloß in dem vorigen Zustande, daß man auch das Gepolter wie vorhin von weiten vernehmen könnte; und war der Ort, wohin man die gestreuten Ge- beiner verscharret hat, von unruhigen Zufällen nicht befreiet; denn ob gleich keine Landstrase darüber gieng, so mußten doch P manch- k) Wir werden gleich hören, daß über 87. Jahr der Körper in dem Brunnen gelegen seye, daß nach so langer Zeit noch Ueberbleibsel von einem Bettuch sich haben vorfinden können, da in diesem der Körper eingewickelt war, der völlig in Fäulung gegangen, und von diesem nnr Bein und Knochen übrig waren, scheinet uns ganz unglaublich zu seyn. Noch besser wäre es gewesen, wenn die Hemder beider Körper nicht verfaulet waren, da das eine vorn, das andere hinten blutig wäre, hätte man noch leichter aus diesen Anzeigen den Körper des guten und des bösen Geistes unterscheiden können. !) Auch der Stein in der Thumkirche zu Magdeburg, und viele steinerne Rolandcs Säulen werden in Sachsen gezeiget; man zählet aber dennoch dir Geschichte des Rolands und Udo unter die Fabeln. ri4 (Gl o W) manchmal Hirten und Holzschlager ihren Weg dadurch nehmen, ^ welche nicht allein oft bei Nachtzeit in die Irre geführet, sondern f auch wohl gar mit derben Maulschellen versehen, oder sonst durch unsichtbare Gewalt übel sind zugerichtet worden. Die Herrschaft Hielt daher für rathsam, daß dre Knochen wieder in den vorigen Brunnen geworfen, das Schloß aber, welches ohnedem sehr bau- > fällig war, größtentheils niedergerissen, und der Zugang zu dem- ^ selben vermauret würde. Hierbei ist dieses noch sonderlich zu verwundern gewesen, daß, da man die besten Steine davon hat i wegbringen wollen, der Geist mit so heftigen Wüthen und Werfen sich widersetzet hat, daß die Arbeitsleute unverrichteter Sachen haben abziehen müssen. Die ganze Geschichte befindet sich in dem Archiv einer gewißen vornehmen Familie, weil aber so groß , Verbrechen nach vielen Jahren den Nachkömmlingen zu einiger > Beschimpfung hätte gereichen können, so hat man den Namen der- l selben mit Stillschweigen Übergängen. ! Ich bin recht müde von Abschreibung dieser langen Geschichte, von welcher man in Tuln nur so viel weis, daß es eine Sache der Leichtgläubigen seye. Und wer soll glauben, daß GOtt ein beständiges Wunder in dem alt zerfallenen Schlosse wirke, da er der Seele der verdammten Ehebrecherinn alle Montage die Gewalt und die Kräften ertheile, durch ein Getöse und Gepolter sich hören zu lassen, und in einem aus Luft gestalteten Leibe in dem Schlosse herum zu laufen? Man saget freilich, es geschehe öfters, daß zur größerer Peyn und Strafe aus gerechtem Urtheile GOttes einige verdammte Seelen an jenen Orten sich aufhalten, und erscheinen müssen, wo sie ihre sündliche Muthwtllen verübet haben. Allein sollten sie sich nicht vielmehr sichtbar demjenigen darstellen, mit dem sie gesündiget haben, zu ihrer und des Mitsün- ders größter Strafe? Und warum strafet GOtt durch dieses Urtheil (E< o HZ theil auch diejenigen, die an der Sünde keinen Antheil hatten, da durch dergleichen Erscheinungen, eines an ein gewtßes Haus angebundenen und erscheinenden Geistes, der Herr des Hauses, und die Einwohner durch Schrecken, Furcht, Aengstigkeit und Übeln Ruf des Hauses die härteste Strafe empfinden müssen? Ist es ein Urtheil GOttes, daß der Geist zur sonderbarer Strafe sich ein- finden mußi, an dem Orte, wo er gefündiget hat? wie soll durch Verbannung ein Geist vertrieben werden können? Und soll wohl der Mensch durch Beschwörung die gerechteste Urtheil GOttes abändern, oder die Strafen mildern können? Ist dieses den Verdammten eine sonderbare Peyn, wenn sie sich an dem Sündenor- te einfinden müssen ? Warum finden sich die HH. GOttes zu ihrer sonderbaren Freude nicht in denjenigen Orten ein, wo sie GOtt mit aller Jnbrünstigkeit gedienet, und gelobet haben? Antwortet man, daß die Anschauung GOttes , und die Freuden des Himmels schon alle Freuden und Vergnügenheiten in sich begreifen; so kann ich auch sagen, daß die Beraubung der Anschauung GOttes , und die Peynen der Höllen schon die größte Strafe seyen. Wollte aber GOtt durch den Anblick des Ortes, wo die Sünde verübet worden ist, die Seelen strafen; so glaube ich eher, daß dieses in der Hölle durch eine beständige Vorstellung des Ortes, wo sie gesündiget, geschehen möchte, und daß sie in der Hölle das peynigende Angedenken des Ortes , und nicht in dem Orte der Sünde, und also außer der Hölle die Peynen der Hölle mit sich herum tragen , welches erstere ich um so lieber behaupten wollte, da es sich ohnehin sehr schwer erklären läßt, wie die verdammte Geister die Peynen der Hölle auf Erden empfinden, und einige der Gottesgelehrten bei dem heiligen Thomas 64. 4. z. sogar davorhielten, daß die verdammte Geister auf der Erde von den Peynen der Hölle befreiet seyen; andere zu einer schmerzhaften durch das Feuer eingedrückten Qualität ihre Zuflucht nah- P 2 men, n6 (Tl o men, und einige gar eine aüionem m äLllaas hon der Hölle bis auf die Erde erdacht haben. Man kann endlich noch sagen, daß GOtt diese Erscheinungen der Ehebrecherinn an dem Orte, wo die Sünden sind begangen worden, verhänget habe, damit dadurch andere bon ihren Sünden abgeschrecket der Verdammniß entgehen möchten. Ich will auf diesen Einwurf keine andere Antwort ertheilen, als jene, welche der Vater Abraham in der Parabel Lnc. i6. dem reichen verdammten Prasser gegeben hat. Dieser bath Abraham , er möchte -och Lazarum zu seinen fünf Brüdern schicken , damit er sie von ihrem ruchlosen Leben abmahnen, und sie an das Ort der ewigen Quaal nicht kommen möchten. Er müßte aber hören: Zwischen uns und zwischen jenem ist eine sehr große Linsterkluft befestiget , also , daß diejenigen , welche gerne hinüber gehen wollten, nicht können, und sie haben LNoysen und die Propheten , und wenn sie diese nicht hören, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Todten wurde auferstehen. Diese große Kluft ist auch annoch befestiget, und wir haben die Lehre Christus des HErrn , der Aposteln und Propheten, und wird der Gottlose diesen nicht glauben, bon seinen Sünden abstehen, und sich bessern, so wird er auch den Geistern nicht glauben, oder durch ihre Erscheinungen beweget werden re. Doch genug von dieser in dem Schlosse bis auf den jüngsten Tage herumpolte- renden Ehebrecherinn, und von dieser Geschichte, welche ohnehin in dem Orte selbst, wo selbe sich ereignet haben solle, wenig Glauben und Beifall findet. Wir wollen also andere Geschichten und Erscheinungen auf die Bahn bringen, welche vorhin den allgemeinen Glauben hatten, und welchen noch sehr viele ihren Beifall schenken. Wie o !B) ^ Wie diele Leute werden nicht von den Nachtmänuleiu oder f dem Alpe beunruhiget? Der Sage nach ist dieses eine garstige uu- ! förmliche Bestie, welche des Nachts den Leuten in den Betten er- j scheinet, auf sie fällt, sie drücket, peyniget, schlägt, kneipet und sich von ihnen tragen läßt, so lange bis es genug ist. Diese Sage wird noch jetzt von sehr vielen bestätiget, und was will ein Geisterläugner dagegen einwenden, ruffet Orgon, wenn man die blauen Flecke, die Striemen, die Wunden, und so viel andere Spuren einer erlittenen Gewaltthätigkeit an Leuten stehet, welche des Nachts von einem Alp gepufft, gepeitscht, gekratzt, und aufs übelste gemishandelt worden sind ? Wie kann ein Alp handgreiflichere Beweise seines Daseyns geben r Es ist wahr, mein . Herr Orgon, wenn ihre Frau mit dergleichen Beweisthümern I darthate, daß sie einen bösen Mann hätte; so glaube ich nicht, daß es jemand in Zweifel riehen wurde: aber eben diese Beweise, welche mich wurden glauben machen, daß sie von ihrem bösen Manne geplaget wurde, können mich nicht bewegen, daß ich glaube , daß sie von dem Nachtmannlein geplaget und beunruhiget werde. Werden sie nicht böse auf mich. Ich will andere statt meiner reden lassen, und vieleicht haben diese das Glück, sie von ' den Irrthümern zu befreien, die ihnen die großmütterliche Philo- . ^ sophie so tief in den Kopf gesetzet. Herr Professor zu Leyden Albini m villerr. äe incudo §. z. redet also von dem Nachtmännlein: Blluge Leute haben jederzeit die Unwissenheit für eine Mutter der Verwunderung gehalten , denn wo der Seele ein ungewöhnlicher und außerordentlicher Vorwurf sich darbietet, ist selbe hurtig und aufmerksam zu desselben Erforschung, und weil sie die natürliche Ursachen dazu wegen der vielerlei und manigfaltigen Begebenheiten nicht ^ allemal errathen kann ; so giebt Verwunderung und Verzweif- P 3 lung ii8 Ti) lung vor dem klugen Zepter dieser Monarchinn beugen, keinen andern Grund sich glücklich zu schätzen, und ihre Zunge zu ihrem Lobe aufzulösen, so wurde die Vertilgung des Aberglauben, die Verbannung der Vampyrn selben hinlänglichen Stoff reichen, ihre Monarchinn zu rühmen, und sich glücklich zu preisen. Nach diesen beleidigenden grausamen und schädlichen Geistern wollen wir einen Geist aufführen, der mit den Menschen gesellschaftlich sich betraget, mit Kurzweil denselben aufmuntert, seinen Rath, Hilf und Wissenschaft freundschaftlich anbietet, und keinen Schaden zufüget. Und wer ist dieser? Es ist der berühmte Riebenzahl. Dieser Geist hat seinen Wohnsitz auf dem Riesengebirge aufgeschlagen. Balbinus in MseeHsneis Lokemieig I^ib. I. c. 6. §. 4. kann Nicht genug von ihm erzählen, und die schlesische Kronick aus dem vorigen Jahrhunderte hat viele seiner irrenden Ritterthaten aufgezeichnet, und ich wurde selbe so wenig als die Thaten des Don Quixote in diese Blätter einschränken können, wenn ich hier alle seine Erscheinungen, Artigkeiten, Betrüge, Schärze, Gespaß, und seinen erzeigten Großmuth, oder ausgeübte richtnng thut, wie Hellmvntius sich ausdrücket) zuzuschreiben seye. Genug! daß bei unsern ausgeheiterten Zeiten die Meinung von dem Daseyn der Vampyrn so abgenützet ist, daß sich jeder Gelehrter mit dieser so sehr als ein Petit Maitre mit einem altfränkischen Bilde schämen wurde, gleichwie ich aber ihnen nicht befehlen kann, was für ein Kleid sie tragen sollen , so kann ich sie auch nicht heisi sen, was sie glauben sollen, auch nicht verlangen, daß sie lesen sollen, ihre Augen find ihnen und mir zu lieb. k) Man beliebe hier nachzusehen die 196. Seite in dem gelehrten Buche des Herrn von Cantz cu1tiku8 insZicis, und den schönen Briefe des Freyherr« von van Hwitten m k.slLUvQs äs mmeralibys Lowitatirs öorloäieoüs sguis. ()A! o übte Rache hier beisetzen sollte. Nur soviel will ich mit wenigen sagen, daß, was die Poeten von dem Proteus erdichtet haben, bei diesem Gespenste zur Wahrheit geworden sey. Bald erscheinet er als ein Mönche, bald als ein Bergknapp , bald stellet er einen Jäger, bald ein sehr kleines Mannlein vor, und bald ist er ein Pferd, öderem Krott, und bald ein Hirsch, ein Hahn, einRab. Doch hat er allezeit so viele Leutseligkeit und gesellschaftliches Wesen , daß er die Gestalte eines Thiers niemal erwählet, er werde dann erzürnet, oder verspottet. Aber wehe dem Spottenden, wenn sein Zorn gegen ihn entbrinnt. Er erschrecket durch seine thierische Gestalt. Er führet auf irrige Wege. Der Himmel muß sich in schwarze Wolken verhüllen, und durch Blitz, Donner, und einen häufigen Platzregen selbst seinen Unwillen zeigen. So gar in dem heißesten Sommer strafet er durch die strengste Kälte die ihm angethanene Unbilde. So gewiß, nach meinen Begriffen, bei diesen sich ergebenden Vorfallenheiten ist, daß Rieben- zahl die Kraft Wunder zu wirken haben müsse; so ungewiß ist bei den Gelehrten sein Ursprung und die Meinung, ob er ein guter oder böser Geist seye. Einige sagen, daß er von einem Mönchen, der glaubte, daß dieses Gebirg nicht bewohnet würde, dahin verbannet worden, damit er keinen Menschen mehr schaden könnte, und daß diese Begebenheit in der Grafschaft Roußilon , welche die Franzosen und Spanier Rousewall nennen, geschehen seye. Andere sind mit einem berühmten schlesischen Chymicus der Meinung, daß in Frankreich einer von der Familie Rousewall wegen seinem unersättigen Geiz, und zur Bestrafung desselben, von GOtt als Hütter der Schätzen auf dieses Gebirg seye geseßet worden. Die ausnehmende Politesse, seine Artigkeit, Maniern und Unter- haltlichkeit im Gespräche sollen Bürge seyn , daß Rrebenzahl ein Franzos, und weil er niemand schadet, ein guter Geist seye. Diese letztere Meinung verdienet auch den größten Beifall; indem seine rs8 o )A) seine gütige und artige Aufführung, und diele witzige Streiche, -je man von ihm erzählet, solches hinlänglich beweisen, und was einen jeden vollkommen in dieser Meinung bestärken kann, ist die- sts, daß es ihm sehr schmeichelt, wenn man ihn mit dem Titel eines Schatzmeisters beehret. Die Kräutler, die auf diesem Gebirge Wurzeln suchen, nennen ihn insgemein vomine Mannes. Den Namen Riebenzahl höret er aber nicht gerne, und er thut sehr oft auf Irrwege führen, oder sonst was wegen diesem seinen Unwillen empfinden lassen. In jetzigen Zeiten aber ist sein Ruhm, Ansehen und Herrschaft sehr weit herabgesetzt. Seine Abentheuer werden alle Tage weniger, und man will ihn und seine Thaten gar für eine Erdichtung halten. Reisende thun ihn verschmähen, und seiner spotten ohne sich seiner Rache wegen zu fürchten. Selbst die Einwohner dieses Gebirges , welchen er manches Geheimniß der Natur entdecket, Wurzeln, Gold und Silber öfters geschenket hat, bedauren, daß Hr. Riebenzahl in diesen Zeiten unsichtbar geworden seye. Lindner hat ihn auf seiner Reise über das Rie- sengebirg nirgends mehr antreffen können , er hat ihn allenthalben aufgesucht, und nachgefraget. Sein Fleiß und Mühe war vergebens, und aus Verdruß, daß erden Hrn Schatzmeister nirgends gesehen, hat er in das Buch der letzten Hütte diese Verse eingeschrieben: Wohin beruffner Riebenzahl, Du Pickelhäring alter Zeiten? Gelüstet dich nicht noch einmal Nach deinen alten Herrlichkeiten? Du warst der Berge Herr, du warst der Schatzverwalter, Der Zeiten Aberwitz hat dich als Prinz bekränzt. Wo bist du aber nun, du Herr, du Prinz, du Alter? Du hast als Riebenschw - - die Zeit, sie dich geschwänzt. Ich (M, c> M) ,2- > Ich glaube sicherlich, daß Jhro Gnaden Hr. von Riebnizahl - nicht zu Hause gewesen sind, sondern daß sie entweder nach Rous- silon in Catalonien, oder sonst eine Reise zu ihrer Familie in Frankreich müssen gemacht haben, sie würden sonst die atheistische Bosheit des Hrn Lindners nicht ungestrafet haben hingehe» lassen, und kindner wurde gewiß das Riesengebirg halb erstarret, oder bo» Erscheinungen und dem rasselnden Donner erschrecket, oder durch einen Platzregen nässer als ein Budel verlassen haben. Gewiß ein großes Glück für ihn! 7 - §- Die Geister-Erscheinungen / die man in Barern und anderswo erzählet, sind gemeiniglich leere Einbildungen, falsche Erfindungen, und öfters lächerliche Begebenheiten. hatte diesen h. wohl gar weglassen, und mit dem, was im vorhergehenden ist gesagt worden, zufriede seyn können, wenn mir nicht einige Begebenheiten, die theils von besondern Umständen sind, theils mein Vaterland absonderlich betreffen, unter die Augen, und in Sinn gekommen wären. Dazu gab mir ein ge- wißer Herr Gelegenheit in einer mit ihm gehaltenen Unterredung. Ich hatte gestern die Ehre in einer Gesellschaft zu seyn , wo end- > lich auch das Gespräch auf die Gespenster fiel. Jeder trug seine Meinung vor; da sich aber die Meinungen theilen wollten , hat Hr. Haberecht Morbleu mit seiner starken Stimme den Ausspruch gegeben, und durch Erzählung der Geschichte der Kindern von Hameln die ganze Sache entschieden. Ich habe nur unvorsichtiger Weise bei dieser Erzählung ein bischen die Achsel geschützt, so i gleich ergrief er des Abts Calmet Buch Erscheinungen der Gei- R ster, ster , und las mir aus selbem die Kindergeschichte bor. Ich getraute mir nicht aus Ehrfurcht gegen Hrn Morbleu die Sache zrr widersprechen, um mich seinem rechthaberischen Unwillen nicht bloß zu geben. Man wird mir aber erlauben, daß ich hier die ganze Geschichte aus dem gelehrten Calmet beisetzen , und selber meine Anmerkungen anrücken dürfe. Vieleicht haben sie das Glücke, dem Hrn Morbleu unter die Augen zu kommen. Vieleicht können sie ihm den Ungrund seiner Geschichte, und seines fürchterlichen Machtspruchs: Die Geisterläugner sind, Morbleu! die dümmsten Leute von der N)e!r: aufdecken. Die Geschichte erzählet der belobte Calmet kol. 258. also: die tn Obersachsen am Zusammenfluße der Flüsse Hamel und Weser im Fürstenthum Kallenberg gelegene Stadt Hamel wurde im Jahr 1384. ( Wierus 5 ol. 79. und Erich setzen im Jahre 1287.) durch eine entsetzliche Menge Ratzen geplaget, welche alles Getreid daselbst aufzehrten , sich auch durch keine sonst dagegen gewöhnliche Mittel vertreiben liessen. ( Man sieht schon, daß diese keine natürliche, sondern vom Teufel gemachte Ratzen müssen gewesen seyn) endlich kam ein unbekannter Mann von außerordentlicher Leibes- größe dahin , und erboth sich die Stadt um eine bedungene Vergeltung von dieser Strafe zu befreien. Er zog darauf eine Pfeife hervor, auf deren Ton alle Ratzen der Stadt sich zu ihm versammelten. Er führte sie mit sich vor die Stadt hinaus zum Flusse. Sie stürzten sich da alle insgesammt hinein, und wurden ersauft. Darauf kam er in die Stadt zurück, und foderte den versprochenen Lohn, dieser aber wurde ihm vermuthlich darum, weil er die Ratzen mit so leichter Mühe vertrieben hatte, versaget. Um sich nun dagegen zu rächen, sah er sich folgenden Tags (andere sagen erst nach einem Jahre) welcher ein Festtag war, die Zeit aus, da alle Bürger dem Gottesdienste beiwvhneten, spielte, (S! v !D) rzr tr auf einer anderen Pfeife; und als sich alle Kinder unter 14. Jahren, an der Zahl izo. zu ihm versammelten, führte er dieselben, auf den sogenannten Kopfelberg,wo das Hochgericht der Stadt ist, und keines dieser Kinder kam mehr zum Vorschein. Ein junges Mägdchen, welches von ferne zusah (andere schreiben es sey ein Knabe gewesen, der noch nicht ganz angekleidet nach Hause lies, um seine übrige Kleider zu holen ) brachte den Bericht davon in die Stadt. Man zeiget auch allda die Kruft, in welche gedachter Mann die Kinder geführet hat. Auch auf den Fenstergläsern der Kirche ist diese Geschichte abgebildet, und noch heute zu Tage werden alle gemeine Ausfertigungen der Stadt Kanzeley mit Beobachtung dieser Zeitrechnung, folgender Maaßen gemacht: geschehen in diesem - - - Jahre, nach Verschwindung unserer Linder. ( Es irret Calmet. Samuel Erich in seinem Lxoäus tts- melenüs hat nähere Nachricht, und behauptet, daß zu Harne! nach dem Jahre Christi, das Jahr -es Auszugs der Kinder nicht mehr beigesetzt werde) Endlich sieht Calmet diesen Pfeifer für einen bösen Geist an , wie auch Wierus selben für den Teufe! hält; andere begleiten die Geschichte noch mit diesen Umständen: -aß zum Zeichen der Begebenheit in der Straße, wo sie sich zugetragen , welche die bürgerlose Straße heißt, niemal der Klang einer Pfeife zugelassen werde. Auch alle Tänze daselbst verbothen seyen, und daß in Ungarn einige Kinder gefunden worden, welche eine fremde Sprache geredet haben. Schon aus den Anmerkungen, welche wir in den Klammern -er Geschichte beigebracht haben, veroffenbaret sich der Ungrund derselben. Wir wollen aber noch andere beifügen. Erstlich streitet gegen die Wahrheit dieser Begebenheit das Stillschweigen der Geschichtschreiber selber Zeiten, die doch die kleinsten und geringsten Sachen sorgfältigst ausgezeichnet haben; als da ist das Jahr, R» in rZ2 ^ (S! o ^r) welchem eine Henne ein Ey mit zweenen Dottern geleget. Daß 1282. den i. Junius schon Erdbeere, Kirschen und Erbsen sind verkauft worden. Daß König Rudolph für seinen Papagey zu Ba- ßel einen Käffig habe machen lassen re. Sollten sie wohl jene so wundervolle und seltene Begebenheit nicht auch ihren Jahrsschriften eingetragen haben? auf eine so merkwürdige Sache sollten sie vergessen haben ? diesen Fehler sollte erst nach zwey hundert Jahren der Fleiß der Geschichtschreiber ersetzet haben? das Stillschweigen der Geschichtschreiber selbiger, und der näheren Zeiten saget uns also, daß die Geschichte eine Fabel sey. Das Gemählde, welches zu Hamel gezeiget wird, beweiset die Wahrheit dieses Zufalls auch nicht. Dergleichen Gattung des Beweises muß durch andere Gründe unterstützet werden (wie es Cyprianus in der Dissertation 6e piNurz rette veriraris lehret) mangeln diese, so vermehrt das Gemählde alle Stärke eines Beweises. Nur jene mögen das Gemählde zu Hamel als einen gründlichen Beweis ansehen, welche vieleicht wegen der Bildniß in dem Pallast des Doge zu Venedig, und zu Rom bei dem Eingänge der Peterskirche überzeuget sind, das Alexander m. den Kaiser Friedrich Barbarossa mit Füßen auf den Kopf getreten sey. Jene können es glauben ( und ich verüble es ihnen nicht) welche nach dem Gemählde zu Augsburg , so die von einer Hexe überwundene Hunnen vorstellet, dafürhalten , daß das hunnische Kriegsheer von einer Hexe wirklich überwunden, und in die Flucht gejaget worden sey. Dergleichen leichtgläubige Helden beneide ich ihres Glaubens nicht. Sie mögen immerhin auch den Auszug der Kinder von Hamel für eine der größten Wahrheiten halten. Sie werden bei unsern Zeiten keine Ketzerey mehr stiften. Es ist wahrscheinlicher, daß diejenigen die sächsische Sprache in Ungarn gebracht haben, welche unter dem ungarischen Könige (N s !O!) rzz ge Geysa lr. aus Sachsen in Ungarn gezogen flnd. Denn wer wird für wahrscheinlich annehmen, daß der Teufel die Kinder ohne Speis und Trank, 200. Meilen unter der Erde von Hamel bis nach Siebenbürgen habe führen können? Wer diese und andere Gründe, die Martin Schoock, Professor in Frankfurt an der Oder, 3) in seinem Büchlein kabu!« ttamelenli8) und Friedrich Fein in einer Schrift: kabula äenuäarr stände, die im gegenwärtigen Zufalle unmöglich anders woher kommen können als von der Geistermacht; die der Tummeste be- ! greifen, der Gelehrteste einsehen, und nur ein Verwegner läug- ! nen wird. Viel Glück meine Herren! sie haben recht, vollkommen recht. Und wie nicht ? wer sollte wohl so keck seyn zu zweifeln, daß der Satan die zween Bauern ermordet habe? Wer anders hat den witzigen, und geldfüchtigen Studenten Weber so übel zugerichtet? es war der Höllenfeind. Ganz gewise. Aus den Zeichen ihrer Leiber kann man ganz sicher, ja man muß eine Erscheinung des Teufels oder eines Gespenstens schließen. Und der ar- j we Schneider Heichler , wenn er zu Delrio Zeiten gelebt hatte, ^ weil er von allem gawußt, wurde gewiß der mörderischen Folter mit Geßnern nicht entgangen seyn, und weil sie selbe vermuthlich ^ nicht würden ausgestanden haben, so hätten sie sich gleichwohl zu einem Tcufelspackt bekennet, und den ungerechten Flammen zu- i theil werden müssen. S Ich rz8 6T< 0 iDr) Ich will meine Anmerkungen über diese seltene Begebenheit ersparen, und nichts anders als die Meinungen, und Gutachten gelehrter Männer anbringen. Der Herr Hvfrath Hoffmann in Halle gab bald eine Schrift heraus unter folgenden Titel: Gründliches Bedenken und physicalische Anmerkungen von dem tödlichen Dampfe dev Holzkohlen, auf Veranlassung der in Jena beim Ausgange des 17 ls. Jahres vorgefallenen traurigen Begebenheit. In dieser Schrift beweiset der Verfasser ganz schön durch natürliche und deutliche Exempel, daß der schädliche Dampf unausgebrandter Holzkohlen, gar wohl vermögen könne, daß ein Mensch sterbe, und mittelst einer Erstickung, und Ausmessung des Geblüts an seinem Leibe zuwege bringe, was man an den zwee- nen Bauern und an Weber wahrgenommen. Die Bauern haben sich bei dergleichen Kohlen gewärmet. Sie haben sich die ganze Nacht und folgenden Tag in einem schlecht verwahrten häußchen bei einer recht grimmigen Kälte aufgehalten. Sie sind zugleich mit Dingen umgegangen, welche ihnen im Gemüthe Unruhe und Angst verursachet: so ist zu schließen, daß alles, was sie betrogen, aus bloß nätürlichen Ursachen ganz deutlich herzuleiten sey, daß man gar keine Ursach habe zu glauben, daß dabei eine satanische Erscheinung vorbeigegangen, oder daß der Teufel die Bauern ums Leben gebracht und den Studenten so übel hergenommen habe. Die Acten von diesem Zufall wurden indessen nach Leipzig zum Endurtheile geschicket. Alle drey Oberfacultäten allda gaben den Ausspruch im Jahre. 1716. und fanden keine Nothwendigkeit von natürlichen Ursachen abzugehen. Ihr Urtheil bestund eigentlich in folgenden : „-Sie erkennten , daß vermuthlich die tödtlichen „ Zufälle vom Kohlendämpfe hergerühret, Zenner und Geßner „ vom 8opvre prolunäo , und dergleichen gestorben, We- „ bers Contusion am Armbe davon, daß er in die 17. Stunden „ lange (M v Wr) rzy >, lange ohne Bewegung darauf gelegen, hergekommen, die blauen „ Flecke, und Striemen an ihren Leibern aber, ingleichen die „ Heraustrettung der Zunge ab eKeLku comsrolo morrifero habe „ entstehen können, und also geurtheilet werden möge, daß We- „ ber von den Kohlen oder sogenannten Oas 8uix»Kuri8 in einen „ elenden Zustand gesetzet, hingegen Geßner und Zenner gar ge- „ tödtet worden. Was die Wächter betroffen , scheine es theils „ ebenfalls den Kohlen zuzumessen, theils der Angst, die sie bei „ den Todtenkörpern gehabt, und von den Gespenstern herrühret, „ theils kann man es ihrer lebhaften Einbildung, ihren Vorur- „ theilen, und vorhergegangenen tragischen Zufällen zuschreiben. „ Es kann für den Anfang des durch die Kohlen verursachten „ lorpoi-i8 geachtet werden; wie den auch der Wächter Schumann durch einen heftigen Traum oder Phantasie auf der Bank könne fortgeschoben, und solchergestalt herunter gefallen seyn. „ Weil aber gleichwohl der Oor^'ursnonis unverant- „ wörtlich und zauberisch, und die dabei gebrauchten Dinge pro „ Üiperaiti068k m 3 Aici 8 zuhalten, deßwegen auch GOttohnezwei- „ fel seine Straffhand über alle Drey ergehen, und sie durch na- „ türliche Mittel theils sterben, theils elend werden lassen; hier- „ nebst die abergläubischen Bücher gebraucht, den Namen GOt- „ tes, und das heilige Vatter unser gemißbraucht und dadurch „ die Christnacht schändlich entheiliget, der Schneider Heichler „ auch um alles gewußt und dazu behülflich gewesen: so sind die „ beyden Bauern Geßner und Zenner billig unter den Galgen „ begraben worden, Weber aber nach hervorgegangener akademi- „ scher Exclusion ewig, und Heichler auf zehn Jahre, wenn sie „ zuvor durch Geistliche zur Erkenntniß ihrer schweren Sünde ge- „ bracht worden, des Landes zu verweisen. „ Dabey hat man Sr *4? (W o W) es auch höchster Orten bewenden, und das Urtheil also vollziehen lassen, c) Hier haben die drey Oberfacultäten von Leipzig der leichtgläubigen Welt gelehret, wie man in dergleichen seltenen Zufällen ein reifes und verständiges Urtheil abfassen , alle Umstände genau erforschen, und dem Satan dabei nichts, was sich aus natürlichen Ursachen entscheiden laßt, zuschreiben sollte. Gleichwie Jhro Kaiserliche Königliche Majestät in der höchstlöblichen Landesverordnung wie es mit dem Hexeuproceffe zu halten sey , die eingebiltete Zauberer und Hexen in das Narrenhaus anweiset, und die grössere Unthaten mit Todesstrafen beleget, eben so sind nach dem gelehrten Ausspruch der Leipziger Facultäten, dergleichen Boßheiten und abergläubische Teufelskünsten aufs schärfeste zu bestraffen. Ein alles glaubenswm-diger Mann hat mich kürzlich mit seiner in diesem Stücke genügsamer Einsichte versicheret, daß von einem ganzen Jahre her , seit dem die akademische vom P. Sterzinger verfaßte Rede vom gemeinen Vorurthcile der Hexerey ans Licht getretten, keine Hexe mehr in baierischen Gerichtern tst eingezogen worden. Werden sich wohl auch die Gespenster in Baiern so geschwinde, wie die Hexen berliehren, nachdem diese Abhandlung im Vorschein kommen wird ? Das wird die Zeit lehren. Indessen wird man mir doch allzeit so viel einräumen müssen, daß diese Unternehmung nicht minder löblich , und unserem Vatterlande nützlich sey, als jene des P. Sterzingers gewesen, wie es bereits der Erfolg zeiget. Wird man auch in dieser Materie so gelernig seyn, wie in jener; wird man -och einmahl das Vor- urtheil von Erscheinungen und Gespenstern abzulegen anfangen, und c) Sehe Gottfried Wahrliebs deutliche Vorstellung die Nichtigkeit der Hexerey cax. 5.-z. o Mi) - - »4r und rs im Werke selbsten beweisen, so beucht es mir, ich würbe in meinen. Lande kein unnützer Apostel geworden seyn. Werden der glevchn ungegründete Meinungen von Geistern bei der alten Geistlichkeit und an oberkeitlichen Stellen aufhören; werden so bedachtsam abgefaßte und gelehrte Urtheile ( wie jenes der Leipziger Fakultäten gewesen) so viele Betrüge in der Gespensterhistorie als wir bereits gesehen habe« / und annoch sehen werden / bei den über die pöbelhafte Niderträchtigkeit erhöchten Köpfen die erwünschte Wirkung machen / wie wir nicht zweifeln können; so schmeichle» wir uns , die Geister werden bei uns aufhören zu erscheine» / wie die Hexen aufgehöret zu fahren. Zuwünschenware es. Denn nicht nur allein die alten Zeiten/ sondern auch die Tage/die wir leben/ geben uns vielfältige lächerliche Begebenheiten von Erscheinungen der Gespenster an die Hand/ derer Baiern der Geburtsort ist. Der Vater hat viele Historien geerbt von seinen Elteren/ er erzählt sie seinen Kindern. Die Kinder werden auch Väter; sie thun ein gleiches. Und also/ daß es Gespenster gebe/ ist schon längsten zu einer Erblehre geworden/ die man weit hartnäckiger glaubet/ als die ererbte Glaubenslehre selbsten. Von dergleichen Gespenster-Zufalle«/ die sich sowohl bei unseren als unserer Voreltern Zeiten zugetragen/will ich nur ein und den anderen erzählen. Der schwarze Hund in Jngolstadt, der Teufelsthurm in Landshut / der Kopf eines München oder Mönchen / der bei Erbauung der Stadt München ganz blutig ausgegeben/ und die Stadt von ihm also genennet worden seyn soll. 6) S z ' Die ä) Sehe kelationss curiosse LLvaricse des Ant. Ettl x. r. Helst. 38. p. 2. LeLrU. 18. 74L (N O Wi) Die Teufelsmaur durch Barern, Franken und Schwaden, und was weis ich noch für andere erdachte Possen, die gewiß eine grosse Fähigkeit des Verstandes unserer Landesleuten in Gespenstererdichtungen und Teufelserscheinungen anzeigen: sind lauter Sachen, von denen auch der Tummeste bey uns zu reden weiß. Es ist bald kein altes Schloß in Baiern, wo nicht ein Poltergeist, ein Gespenst logieren muß. Ein meiniger guter Freund, der unter Lesung der negromantischen und von der l'tieolopki» pneumarica handelnden Bücher allgemach zu ergrauen ansängt, der auch von der Natur selbsten mit einem so vortheilhaften Angesicht ist versehen worden, und dabei eine so unbestimmte deutsche, französische und welsche Redensart verspüren läßt, daß, weil mir, ungeacht unsers nahen Umgangs, sein Vatterland noch unbewußt, und seine Aussprache mit keiner deutschen Provinzial- mundart übereinkommt, ich nicht ohne Grund behaupten könnte, er müsse nicht weit vom Zigeunerlande sein Geburtsort wissen. Dieser verdienstvolle Mann wollte mich gestern hoch und theuer versichern, daß in dem freyherrlichen.Schlosse B ..... unweit Landshut, das Stockweibel bor nicht gar vielen Jahren den Meister noch gespielet habe. Er sagte: dieß Weiblein sey ein gar guter Geist, der weiter niemand beleidiget ( wer weiß es, os es nicht gar die Frau von Jhro Excellenz, Herrn Schatzmeister Riebenzahl, der eben ein so guter spaßhafter Geist war, (s. §. 6.) vor Zeiten gewesen sey.) Ich fieng freylich über diese Erzählung von Herzen zu lachen an; Sacripandi! ich habe weit übler gethan, als wenn ich diesem erlauchten Manne das Fegfeuer gelaugnet hätte. Meletaon in seiner Tugendfchule erzählet eine sehr lächerliche Geschicht, welche sich in einem Schloße in Baiern zugetragen hat. Der Graf Jnnhaber des Schlosses stirbt. Ungeacht man bei'des Gra- (W o >K) r4Z l Grafen Lebzeiten kein Gespenst gehöret, so wurde doch nicht lange I nach seinem Tode im Schloße Lerme, und ein Poltergeist ließ sich auf dem obersten Boden hören. Dre Früchten, so droben lagen, warf er auf die Gaffe, die Leute belästigte er mit Steinwürfen, ^ alles war in Forcht und Schrecken gesetzet. Das Gespenst kam > nach und nach weiter über die Treppe herunter. Es schleppte ei- ^ ne Kette unter fürchterlichen Geräusche nach sich, und vtsitirte täglich bei Nachts in der Küche die Häfen uud Schüsseln gar sieißig aus. Es war ein gefresiger Geist. Der Haushofmeister hat es einmal ungefehr gesehen. Er sagte, es sey recht wilde. Es sey haarig, hätte grosse feurige Augen, einen langen Bart, ' und greßliche Klauen. Durch diese Erzählung wurden die Hausleute ungemein erschrecket. Die Frau Gräfin zwar wurde dadurch in soweit getröstet, da sie hörte, daß es ihrem verstorbenen - Herren, der allzeit ein recht christliches Leben geführt, nicht glei- ! chete. Sie bewarb sich, geistliche und weltliche Mittel anzuwenden, um diesen schädlichen Geist bom Halse zu bringen. Die Bedienten waren schon so schüchtern gemacht, daß keiner mehr Abends vor die Thüre hinauszugehen sich getrauete. Ein beherzter Gesell beschloß folgende Nacht in der Küche, wo das Gespenst allzeit nächtlicherweile hinkam, wache zuhalten. ^ Er nahm einen Bedienten zu sich. Als nun alles zu Bette gegan- i gen, und es stille wurde, kam das Gespenst schon über die Stiege i herunter mit wunderlichen Geklingel der Ketten. Es käme der Küche immer näher. Der herzhaft Wachende machte sich auf. In einer Hand hatte er einen Säbel, in der andern das Licht. Er ! macht die Thüre schnell auf, und das Licht wurde ihm ausgelöscht, j Er meinte, das Gespenst hätte es ausgeblasen. Er kam in Furcht, > und wollte davon laufen. Es war zu spat. Das Gespenst er- - wischte ihm, saß ihm auf den Hals, und zerkratzte sein Gesicht elen- i 144 o N) elendig. Er fiel in Ohnmacht zu Boden. Der Bediente ist indessen durch eine andere Thüre entlofen. Da wurde nun Lerm im ganzen Schlosse. Alles stund vom Wette auf. Alles lief zum Ohnmächtigen, den man schon für lod hielt. Die Bedienten liessen in dieser Verwirrung das La- fluayzirnmer offen. Das Gespenst kam hinein, und da indessen die andere beflissen waren, den Ohnmächtigen zu sich zu bringen, machte sich das Gespenst in der Kammer lustig. Man fand eine solche Zerstörung darinne, daß sie nicht wußten, wo sie zuerst anfangen sollten, die Sachen wieder in Ordnung zu bringen. Die Betten, Kleider, Hüte, Degen, Paruquen, alles lag unter und über sich. Die Nachttöpfe waren verschüttet, und eine Schachtel voll Confect konnte man gar nirgends- mehr im Zimmer finden. Es muß ein recht genäschiges Gespenst gewesen seyn, das Appetit zum Confect gehabt hat. . Deß andern Tags auf den Abend krachte ein Unterthan seinen Zehenden, der aus Obst bestund. Der Bauer, der des Schlosses schon gewohnt, trug das in ein weisses Grastuch eingewickelte Obst auf den Boden hinauf. Unversehens sprang das Gespenst auf ihn loß, beraubte ihn des Obstes, und zerkratzte ihm das Angesicht jämmerlich. Er aber voll Schrecken lief die Treppe herunter, und sagte, er habe den lebendigen Teufel gesehen. Der Lerm wurde alle Tage grösser. Endlich kam ein Geisterbanner, dem die Frau Gräfin icx>. Ducaten versprach, wenn er sie von diesem Gefpenste befreyen würde. Der Beschwörer mit seinen zweenen Helfershelfern gieng auf den Boden hinauf, und als er herumsuchte, und zu einem Ecke kam, sah er ein groß, lang und weißes Ding, welches sich immer höher aufrichtete, mit Zähnen klapperte, endlich einen so gewaltigen Sprung -ervorsetzte, und und mit den Ketten so schallte, daß der Beschwörer und seine Helfer , die noch furchtsamer waren als er, über einem Büschel beisammen die Stiege hinunterfielen. Einer brach sich einen Arm, der ander ein Bein, und der Banner bekam zwey Löcher im Kopfe. Nach dieser Begebenheit fieng man allgemach an zu verzweig feln, ein Mittel zu finden, den Geist aus dem Schlöffe zu bringen. Allenthalben redete man von diesem Zufalle. Ein Edelmann von der Nachbarschaft that sich noch hervor auf den Boden ru gehen, und die Frau Gräfinn, die ihm dieses Dienstes wegen 2OO. Ducaten zu bezahlen versprach, von der Unruhe des Geistes zu befreyen. Sie mißrieth eS ihm freylich, sich in die Gefahr zu geben. Er aber gieng beherzt auf den Boden hinauf nur mit einem starken Stock versehen. Er machte die Thüre auf, und fieng an zu schreyen: Mignon, Mtgnon. Der Edelmann verweilte sich nicht lange auf dem Boden. Er kehrte zurück, und führte das Gespenst an der Kette mit sich daher. Der Geist war erlößt, denn der Geist war ein Affe, der dem Edelmanne vor etwelche» Monaten weggeloffen, und Mignon hieß. Er hatte das weiffe Grastuch , so er dem Obstbauern genommen, um den Hals gehüllet, und machte allerhand lächerliche Sprünge über quer, über ecks. Die Frau Gräfin war nun froh, ihr Schloß wider von Gespenstern frey zu sehen. Sie bezahlte dem Edelmanne die 20O. Ducaten, die sie ihm versprochen, gerne aus. Sie lachete öfters bei sich selbsten, wie sie und die Ihrigen sich von einem fo geringen Thiere hätten äffen lassen. Ich halte es für nur gar gewiß, daß man diel hundertmal etwas für einem Geist ansieht, das in der Sache selbsten nichts ist, sondern seinen Grund in natürlichen Ursachen hat. Der ein- bilderlische, und in der Schule derVorurtheilen auferzogene Mensch, r ist 146 (Ä! o!T<) ist seiner Vernunft nicht mehr mächtig. Geister - Erzählungen, Teufels-Erscheinungen rc. haben ihn mit Furcht und Schrecken schon so sehr angestecket, daß er bey jedem krachenden Bret zu zitteren anfangt, wenn ihm ein Hund, eine Katze rc. nächtlicher Weile begegnet, oder sich ein Schatten seinen Augen darstellet, so lauft endavon. Er nimmt sich nicht Zeit über den Gegenstand zu denken. Ein Hund, eine Katze, ein Affe muß ein Gespenst seyn. Zu E . .. einer Stadt in Barern unweit München zog sich ein fürchterlich schwarzes Gewölk zusammen; es entstand ein entsetzliches Donnerwetter. Es sing an zu blitzen , zu donnern, zu hageln, zu regnen. Auf einmal sah man in der Luft ein weiffes sehr bewegliches Wesen, bei Nahe zwo Ellen lang. Es drehete sich in den Wolken wunderlich herum. Bald fiel es herunter , bald ^ stieg es hinauf. So stark das Donnerwetter war, so lief doch alles aus den Häusern, diese wunderbarliche Erscheinung zu sehen. Viele hielten es für ein Gespenst, die mehrere für eine Hexe, die das Gewitter soll erreget haben. Man trug das hochwürdige Gut aus der Pfarrkirche, man segnete dannt das Wetter. Endlich ließ der Wind nach zu wehen. Das Gespenst fiel herunter, und weil viele glaubten , daß es eine Hexe wäre, wurde es in das Amthaus gebracht, wo man es in einem kupfernen Kessel sorgfältig verwahret hatte. Es ist nicht auszusprechen, was da für ein Zulauf war; ledermann wollte die Hexe sehen. Ein Maurer, der erst vorgehenden Tags auf dem Thurm gearbeitet, gieng aus Vorwitz auch in die Stube des Amthauses hinein , die Hexe zu sehen: auf einmal schrie er auf: 0 das ist meine Hose. Die Herumstehende hielten ihn für einen Narren. Er aber nahm seine Hose ( die vermeinte Hexe) untern Arm , und gieng damit davon. Man wurde alsdenn gewahr, daß er seine leinene weisst Beinkleider Tags zuvor gewaschen, und zum trocknen aufm Thurm - — (B! o SB) 147 Thurm gehenket habe. Als nun bey Gelegenheit des Donnerwetters der Wind sehr zu wehen anfing, machte er diese leichte Beinkleider von der Stange los, und führte sie lange in der Luft herum, bis fie bey Nachlaffung des Windes von sich selbsten aus die Erde gefallen. Es war noch ein Glück, daß die Hose sich in kein unbekanntes Ort, wo man sie nicht hätte finden können, verfallen hat, sonst hatte die Hose für allzeit ein Gespenst oder eine Hexe seyn müssen ^ und der Maurer hätte sie nimmermehr erlösen können. Ich wurde meinen Leser gar zu sehr müde machen, wenn ich noch ein paar Dutzend dergleichen lächerliche Gespenster-Erscheinungen anführen wollte, mit den ich wohl ( ohne meinen Kramladen dadurch auszuleeren ) aufwarten könnte. Jedoch zween Zufälle vondiesemSchrotlundKorn kannich unmöglich umgehen,daß ich sie nicht wenigsten ganz leise berühre. Einer hat sich vor ungefähr einem Jahre in Landshut mit einer Kellerinn, die einen Geist sollte erlöset haben , zugetragen. Der andere hat sich in Freysing erst vor etlich Monaten ereignet, wo sich ein geldsüchti- ger Schatzgräber von einem jungen Mägdlein zum besten hat haben lassen. Beide Begebenheiten haben sehr viel lächerliches in fich. Trägt wer ein Verlangen zum lachen, wird es ihm nicht schwer fallen, den gründlichen Verlauf derselben von so kurzer Zeit her ganz leicht einzuholen. »Ich aber, weil ich mich ersehe, daß ungeacht ich nicht im Sinne hatte, einen Gespenster-Romgn zu bilden, meine ausschweifende Feder doch zu weit in das Geisterreich sich hineingelassen habe, will die wahrhafte Umstände dieser zwo Begebenheiten aus gewissen Ursachen gar mit Stillschweigen umgehen. Ich will dadurch einiger Personen Ehre, die sich dabey lächertich gemacht, verschonen. Ich will den guten Namen derjenigen retten, die das Volk Israel regieren helfen, denen ich al- T 2 le ,4» (S! o Bi) Le Ehrefurcht schuldig bin. Nimmermehr aber werde ich es thuu, wenn sie hinfüro nicht aufhören, den leichtgläubigen Pöbel in den Gefpensterpoffen zu starken, und das Volk aus ihren zeitlichen Interessen auf Nebenwege zu bringen, wo es auf der langen und harten Reise zum Himmel nur irre wird. Zuletzt muß ich noch bitten , man möchte noch einen Blick auf den Anfang des 5. §. zurückwerfen, und jenes bei sich noch einmal bedenken, was ich dort weitläufig angeführet habe. Ich schmeichle mir nicht ohne Grund, wenn man aus diesem Gesichtspunkte, die Geschichten, mit welchen die Gespenster-Vertheidiger das Daseyn der Gespenster behaupten wollen, betrachten wird; man finden werde, daß diese und andere dergleichen Erzählungen, entweders wegen ihren Uhrheber , oder wegen ihren Zeugen, oder wegen ihren Umständen falsch gefunden werden. Man wird erkennen, daß die Wirklichkeit eines Geistes ein Unding sey ; daß ein Geist ohne Wunderwerk sichtbarltch nicht erscheinen oder sich zeigen könne. Jene Geschichten aber, die in diesem h. angeführet worden, und hauptsächlich unser Vaterland betrefen, bedarfen keiner Widerlegung. Aller Grund und Wahrscheinlichkeit fällt von sich selbsten aus den Umständen hinweg, und bleibt ihnen nur das lächerliche zur unseren eigenen Schande. Um aber diese von uns hinfüro abzulehnen , wollen wir vielmehr auf Mittel wider die Gespenster und Geister bedacht seyn. 8 - §- Mitteln wider die Gespenster und Geister. (Z^s giebt verschiedene Gespenster. Gespenster durch Betrug, ^ durch kranke Einbildungskraft, und Gespenster in einer gesunden, aber durch irrige Begriffe verdorbener Einbildung. Die ersten sind meistentheils lichtscheue Gespenster. Ein beherztes Gemüth , ein guter knorrichter Wegweiser kann selbe am leichtesten ver- der-amr!m. Diese Gattung der Gespenster erscheinen gemeiniglich nur dummen einfältigen und zaghaften Leuten, und pflegender Leichtgläubigkeit ein Possen zu spielen. Aurel ein alter Geizhals, Dem der Klang bon vielen Todtenschätzen Ein Seytenspiel, das Zählen ein Ergehen, Schläft ängstig, hungerig, und mit Pein, Von Hütten matt, auf vollen Sacken ein. Aurel dieser Mammonsknecht erwachet durch ein Getöß. Er siehet den Teufel, und höret, wie er ihn wegen seinen Sünden und ungerechten Reichthums anklage. Er ruft den Tod, und dieser unerbittliche Menschenwürger beginnet schon seinen mörderischen Pfeil auf die bange Brust des zitterenden Aurels abzudrucken. In solchen Aengsten bethet Aurel zu GOtt, und sehet! Ein Engel erscheinet ihm; Er muntert ihn auf, und spricht: Aurel! dein Gebeth ist vor GOtt gekommen, und angenehm, dafern du nur deine ungerechte Schätz hinwegthust. Der Engel vertreibet nachmal den Teufel und Tod; da aber diese durch ihr starkes Heulen und Gepolter die Nachbarschaft bon dem Schlafe erwecket haben, wurden diese drey verkappte Diebe gefangen, und Aurels Schätze erhalten. Wie viele andere lustige und listige Streiche sind mit den Phosphorus gespielet worden? Wie oft hat eine genauere und mühsame Untersuchung gefunden, daß ie stärker die Gespenster in dem Keller oder auf dem Boden gepoltert haben, je weniger das Bier und das Korn geworden sey ? und wie manche bortheilhafte Gespensterrolle haben Verliebte gespielet, bis endlich die Beunruhigte durch öftere Geisterersch^nung zu stark begeistert worden. Die Mitteln gegen die Gattung dieser Geister, sind desto leichter, ie eher sie zu vertreiben sind. Ein wenig Muth, ein genaue Untersuchung, eine fleißige Obacht, und ein T z wenig iZo (W ^ !D) wenig Witz wird selbe leicht entdecken, und Mitteln an die Hand geben selbe zu verjagen. Viel härter aber sind die Geister zu verbannen, welche eine kranke Einbildungskraft erzeuget. Da die Vertreibung dieser Krankheit und Gespenster in das Fach der Arzneygelehrsamkeit gehört, so will ich nur so viel anmerken, daß sie meistentheils von einem verdorbenen Magen, Würmern, Schleim und dicken Geblüts entstehen. Betrachte man den hypochondrischen Schwermut-, wie wunderlich halt seine Einbildungskraft mit ihm Haus. Die Schwermuth bildet sich die seltsamste Dinge ein, als ob sie gegenwärtig sind, da sie doch nicht sind. Folglich hat er eine sehr verdorbene Scharfsinnigkeit. Er unterscheidet zuweilen nicht einmal Personen, so um ihn sind, oder siehet sie für andere an. Folglich hat er einen ungebundenen Witz. Er bauet sich Schlösser in die Luft, und schaft sich falsche Bewegungsgründe zur Furcht und Aengstigkeit. Er hat also eine verdorbene Dichtungskunst. Kurz, ein dickes Geblüt, ein verdorbener Magen haben seine Einbildung zerrüttet, und den Witz, Scharfsinnigkeit/ Dichtungskunst, und das Gedächtniß, die unter ihrer Bothmäßigkeit stehen, ebenfalls vergiftet. Wer sitzt dort in dem einsamen und verfinsterten Winkel, und richtet ganze Stunden lang bei halb verdeckten Gesichte ihre Augen auf dem Nabl? Es ist Agnese eine andächtige Bethschwester, die all ihre Sinnen zur Stille, und die Vernunft in eine tiefe Ruhe verweiset. Und worinn bestehen die Sachen, die diese andächtige Jungfer siehet? In Undingen, die sie sich zu sehen einbildet. Erscheinungen, Träume, Kobolden, Poltergeister, und wie dergleichen schreckenvolle Sachen heisen mögen, halten sich gerne bei jenen auf, wo der Verstand schwach, und hingegen das Vermögen stark ist, Undinge wie Dinge, Schatten wie Weesen, und das Nichts wie Etwas zu beherzigen. Wer versichert dort mit mit bebenden Händen, daß es Geister gebe? Es ist Hr. Stu- pidus Milz, der alle seine Träume für Wahrheiten anbethet, ein Mann, der mit dem Malo Hip belästiget ist. Heut zu Nacht- soll ihm ein Geist sehr übel begegnet seyn. Warum ist er aber zornig, und warum nimmt er GOtt zum Zeugen? Weil ihn andere auslachen, und er kein Phantast will seyn. Er betheuert, daß das Gespenste ihm dreymal die Bettdeck weggezogen, und so empfindliche Stöße gegeben habe, daß er blaue Flecken als Zeugen ausweisen kann, und von z. Uhr an Blut auswerfe. Gut! daß flekniir eine Abbildung von dem Herrn Milz gemacht. Ich hätte ihm soust gesagt, daß sein Gespenst ein Einbildung, seine Stöße und Druckungen ein aus Furcht entstandener Krampf, unfein Blutauswerfen eine gewaltsame Zurücktrettung des Geblütes in dem Leib seye. Allein er wurde mich , den H. Professor Stahl, und die berühmte Arzte Unzer, Albini, Lebor und alle rnedicmische Facultäten auslachen. Ich rede kein Wort. Noch viele dergleichen Kopeyen könnte ich vorzeigen , welche nach dem Original geschildert find. Ich will aber selbe nicht vorkommen lassen, sondern nur von der Einbildungskraft handle», die nicht durch Krankheit, oder böse Säfte verdorben, sondern durch irrige Begriffe, und eine unachtsame Erziehung ungesund geworden ist. - Es ist gewiß, daß von der Verschiedenheit unserer Einbildungskraft die Leidenschaften abhängen, die uns vorzüglich beherrschen. Die Einbildungskräften aber gestaltet die Erziehung und Gewohnheit. Die Grundlage zu der Einbildungskraft, und dessen ganzes Gebäu, wird in den Jahren geleget, da unser Verstand noch in ! dem Chaos dunkler Vorstellungen begraben liegt. Da sich diese nach und nach entwickeln, und hervor keimen so find die Mütter, s Ammen, Kinderwärterinnen und Mägden schon beschäftiget unsere Seele L5- o SB) Seele mit fürchterlichen Gespenstern und Schreckbildern , Hexen und Abentheuern anzufüllen, und selbe durch fleißige Wieder- hollung tief in die Seele einzuprägen. Man findet auch den Nutzen, und gemeiniglich ist das erste Spiel, welches die herumzab- lende Kinder anfangen, ein Aufzug von einer Gespenster-Historie , da eines das andere mit einem über das Gesichte herabhangenden Tuch erschrecken, und ein Furcht bor sich einjagen will. Die Thorheit der beifltzenden Eltern muß bei den Kindern ihre Gestalte verliehren, und zur Weisheit werden. Die sorgfältige Mutter lobet die sinnreiche Erfindung der Kinder , und der ganze Auftritt wird endlich von ihr mit Erzählung einer neuen Geister-Historie von dem bezauberten Schlosse, oder mit der Geschichte des ewigen Juden beschlossen. Will das Kind nicht in dem Zimmer bleiben, so wird der schwarze Mann zur Schildwach aussen hingestellet., Die alljährliche Auftritte der Nicolausdiener, und des sogenannten Klaubauf, der den Bauch aufschneidenden Lucia und andere Bräuche bestärken noch fester die Geister-Begriffe , die wegen dem Eindruck, die unsere Seele von diesen mit der ersten Kindheit erhalten, ohnehin schon sehr tiefe Wurzeln geschlagen haben. Diese Begriffe, die unsere Einbildung beleben, begleiten uns wie die Schatten durch unser ganzes Leben hindurch, und sie sind die Ursache, daß man Geister siehet, da keine sind. Man will nicht an einem einsamen Orte schlafen, oder ohne Gesellschaft in einem abgelegenen Zimmer seyn. 'Bei jedem Geräusche entstehet von der Einbildung der irrige Gedanke : es ist ein Gespenst. Wer einen Begriff von dem Vermögen der Einbildung hat, wird dieses nicht in Zweifel ziehen. Junker der berühmte Arzt erzählet, daß eine Schwester sich allezeit erbrechen mußte, so oft sie das Sterblied ihres Bruders ssingen hörte. Die Einbildung thut auch zu unserm Schaden die Vorurtheile erregen , die wir in der Jugend eingesogen, oder sonst aufgeklaubet haben. (!Z< D IZZ Haben. Ich habe die Ehre eine Dame zu kennen, -Le vor einer Fledermaus in Ohnmacht fällt, und ein tapferer General, der in mehrern Feldschlachten mehrere Wunden überkommen, und in den größten Gefahren ein versammeltes Gemüth behalten, erzittert allezeit bey dem Aderlässen vor dem Lanzet, und fällt in Ohnmacht vor seinem unterthamgen Feldscherer, so oft er, ihm die Ader öffnen will. So groß ist bei der Einbildung die Macht der Vorurteilen. Die Gewohnheit tragt auch sehr vieles bei. Die Leidenschaften als Furcht und Schrecken, die uns durch unsere ganze Jugend und überhaupt in unserem Leben beherrschen, werden uns endlich zur Gewohnheit. Wir überlassen uns denselben bei jeder Gelegenheit, weil unsere Seele schon darin» durch derselben öftere Wiederholung eine Fertigkeit erlanget hat; und weil sie uns zu anderer Natur geworden. Sie regieren uns endlich so dunkel, daß wir oft selbst nicht wissen, warum unser Gemüth zur Furcht hat bewegt werden können, und da wir es nicht wissen, fallen wir auf die Ahndung, daß etwas Übernatürliches, und ein Geist unsere Natur in Bewegung gesetzt habe. Diese Vorstellung fliestet oft in unsern Willen, ohne daß der Verstand, un- die Vernunft diese Einflüsse ordnet, und leitet. Haben wir einmal ein vermeintes Gespenst gesehen , so ist jeder Schatten vermögend bey dem Anblick desselben in uns die dunkle Erinnerung , die Ähnlichkeit der jetzigen Empfindung mit den vergangenen und vormals gehabten Empfindungen, und auf diese Weise Furcht und Schrecken zu erregen; indem sogleich jene Leidenschaften erwachen, welche die Seele damal empfände. Me uns ein Mensch gefällt oder misfallt, wettn wir ein Ähnlichkeit an ihm von einem Menschen sehen, der uns einstens gefallen oder misfatten hat. Wir wollen unsern gemachten Vortrag mit Bei- U spie- -34 (Ti o ZV) spielen beleuchten. Hr. kicentiat Ergo wird nach - - - als Koope- rator geschickt. Unter Wegs erzählet man ihm, -aß der kürzlich verstorbene Pfarrer umgehe. Da ihm das Zimmer angewiesen wird, vertrauet man ihm, daß in diesem der Hr. Pfarrer gestorben seye: diese Erzählung beunruhiget ihn ; schon ganz kleinmü- thig gehet er zu Bette, nachdem er zuvor dem Bette gegen über seinen schwarzen Rock, und gleich darüber sein sammetes Käpplein aufgehangen hat. Ehe der Tag anbricht, erwachet er, und er siehet den verstorbenen Pfarrer lebhaft in seinem Zimmer. Furcht und Angst überfallen ihn; er schwitzet im Bette; er macht ein Beschwerung und ein Präceptum über das andere. Der Geist weichet nicht; denn es war das Gespenst sein Rock und sein Käpplein. Die Begriffe von den Geistern, die er hatte, die Erzählung, die er hörte, waren Ursache seiner irrenden Einbildungskraft und der Krankheit, die er wegen gehabten Schrecken ausstehen müßte. Philander tritt ganz blaß in die Stube seines Nachbaren. Man fraget ihn. Er will nichts sagen. Endlich bekennet er umständlich, daß auf dem Wege ein weiffer Hund gelegen, da doch keiner in dem ganzen Dorf seye, und er beklaget sich über das ungeftümme Anhalten seiner Freunde, welches ihm gewiß einen Ausschlag an dem Munde verursachen werde, weil er die Sache, ehe z. Tage verflossen wären, erzählet habe. Unterdessen komt Salmon, und da er die Erzählung höret, lachet er aus vollem Halse, und verwandelt den weissen Hund in einen weißen Stein. Philander erhält aber richtig seinen Ausschlag. Die Einbildung, die Gewohnheit iede Sache für ein Gespenst anzusehen, die Furcht, die ihn angefallen, der Schrecken, den er erlitten, waren Ursache seiner Bangigkeit bor dem vermeinten weissen Hunde, und seines wehen Mauls. Sycophant hört zu Nacht einen Geist in seinem Zimmer herumgehen. Er kommt so gar über seine Bücher, und es muß der Geist seines (W o Wi) -55 nes Freundes seyn, aus dessen Verlaffenschaft er kurz den Bodmus, Godelmnnn, Lavaterus, Delrio, und Binsfeld erkaufet hat. Er schwitzet und erkennet seine Ungerechtigkeit, und macht den Vorsatz den Erben etliche Thaler, die er ihnen abgedrucket, nachzuschicken. Und wer war der Geist? Es war eine Katze. Doch nein. Es müßte wenigist ein Hexe seyn, die ihn nur erschrecket, und keine Gewalt gegen ihn hatte, und da er im P. Abraham den vorigen Tage gelesen, daß ein Holzhauer von z. Katzen angefallen wurde, und sich nicht genug derselben erwahren könnte, bis er einer eine Pfote abgehauen, -er andern einen Stretch versetzet, und der dritten durch einen Hieb das Aug ausgehauen habe, und daß diese z. Katzen drey Rathsfrauen waren, deren eine ein Aug, die andere die Hand, und die dritte durch den Streich das Gehör verlohren haben, und da er von diesen Verwandlungen öfters gehört, und diese auch seine erkaufte Bücher bestätigten, sticht er der gefangenen Katze das linke Aug aus, mit schärfster Drohung auch ihr das rechte auszubrennen, wenn sie sich noch einmal in seinem Zimmer einfinden wurde. Am folgenden Samstag fraget Sycophant sorgfältig den Bader, ob in den Städtlein kein Patient seye, den etwas an dem linken Auge fehle, und da diesem nichts wissen will, glaubet er, die Hexe muß eine Bäurin von dem Lande gewesen seyn. Was wäre die Ursache der Furcht und -es albern Betragen des Sycophant? Die Vorurtheile, die ihn und seine Einbildung bethöret hatten. Ich wollte von Mitteln reden gegen diese Schwachheiten, und gegen die Gespenster, und ich falle wieder in Erzählungen. Das beste Mittel gegen die Gespenster ist eine bessere Auferziehung. Die Auferstehung bildet den Verstand, und beraubet denselben der Vorurtheilen, sie erreget und nähret die Einbildungskraft. Da also die Erziehung und die ersten jugendliche Eindrücke auf die übrige Zeit unsers Lebens einen .starken Einfluß haben, so muß man vor allen den weichen Ver- U 2 stand rZ6 (W o M) stand der Kinder keine Gespenstergeschichte einprägen, noch weniger die Kinder durch solche Undinge und kindische Vorstellungen -er Gespenster, durch Larven und Unholden furchtsam machen. Man soll ihnen vielmehr nützliche Begebenheiten erzählen , oder Heldenthaten vorstellen, als mit diesen Abentheuern ihnen die lange Weile vertreiben. Ist es nicht seltsam? Die Menschen haben so schon unzähliche Dinge zu lernen, und gleichwohl unterrichtet man sie noch mit Sachen , welche zugleich falsch und schädlich sind! Wie viel besser wäre es also, wenn man ihnen statt den erdichteten Leben des Dr. Fausts, statt den Geschichten der Verwunschenen Schlössern, der Gespenstern und Geistern, die Begcbeu- .heiten der Erschaffung der Welt, des Sündfluffes rc. die auch dem gemeinen Mann nicht unbekannt sind , beibringen wurde, als daß man mit jenen ihren Verstand bethöre, ihre Einbildung vergifte, und ihnen schädliche Vvrurtheile einflöße. Alle Sittenlehrer, die ihren Mitbürgern nutzen wollen , geben diesen Rath , und alle Aerzte schreiben dieses vor, und dennoch will niemand folgen, vieleicht weil eben jenes verabscheuet wird, was nützlich ist. Man kann auch die Kinder rn finstere oder abgelegene Zimmer schicken etwas zu holen, und sie also nach und nach zur Hcrzhafrigkeit zugewöhnen. Mit einem Worte, man sott ihnen nichts von Gespenstern und Geistern sagen. Wenn man ihnen nichts saget, werden sie nichts wissen, und von Sachen , die sie nicht wissen, sich nicht fürchten. Bei Erwachsenen sind die Mittel gegen die Gespenster leichter vorzuschreiben, aber schwerer zu befolgen. Die Grundsätze von der Wirklichkeit der Gespenster, die mit unsern Kindesgebeinen aufgewachsen sind , die Vvrurtheile, die uns zu tief eingepräget worden ; die Geister- und Gespensterbilder , die uns die wiederholten Erzählungen so oft abgemalen; die Einbildung, die mit diesen angefüllet ist, die Schwachheiten, in die die Sinne der Natur fast verwandelt worden, alles dieses hält den er- (W! O r^r) IZ7 erwachsenen Menschen zurück, und ab mit Herzhaftigkeit gegen die Gespenster sich zu bewaffnen. Ich kann hier von eigener Crfayrniß reden, und es kostete mich vor 8. Jahren viele Mühe, diesen Plunder aus dem Verstand zu räumen, die alten Vorurtheile abzuschaffen, die Einbildungskraftzu bessern, die furchtsame Gewohnheit auszuziehen, und die Schwachheiten abzulegen. Es ist doch möglich, obschon beschwerlich und mühsam. Aber wie ist die Sache anzufangen? In dem Verstände müssen die alten Grundsätze vertilget werden; ein neuer Grund muß ge- leget, ein neues Gebäu der Lehrsätzen von der Unmöglichkeit der Gespenster und der Geister muß aufgeführet werden. Die Vorurtheile muß man hinweg werfen, die Schwachheit übergwälti- gen, und die Einbildungskraft muß mit einer gesetzten Achtsamkeit und mit einer vernünftigen Klugheit bewachet werden, damit sie in allen Umständen die Schranken halte, und nicht bis zu Undingen ausschweife. Die Einbildung, die durch die Gewohnheit dunkel, verworren, flüchtig und gleichsam eilend oft den fehlerhaften Schluß macht: Siehe! hier ist ein Gespenst ^ muß man beschämen, und ihres Ungrundes überführen. Man muß den Gegenstand beherzt ansehen, selben keck in die Augen fassen, und sich herzhaft der Sache nahen, welche uns unsere Einbildung als ein Gespenst vorspiegelt; und man wird finden, daß sie uns einen Schatten, ein Gesträus, oder sonst etwas als einen Geist fälschlich vorgebildet habe. Vieleicht hat der Leser selbst erfahren, daß er sich zu Nachtszeit vor Sachen gefürchtet, über welche er bei Tage gelachet. lVlulra', saget Seneka, per noLkem kabira rerrori, ckes verrir in riliun. Auch kein Getös, Krachen, Gepolter soll unsere Herzhaftigkeit in einen Winkel jagen. Man muß aushalten, die Sache untersuchen, und standhaft seyn. Hie murus gkeneus eiko. U z So- iZ8 (W o iM) Sobald das Herz in die Füße fällt, verdoppelt sich die Furcht, und bildet uns Sachen vor, die Undinge heißen. Man muß vielmehr die Ursachen aufsuchen, die Sache selbst untersuchen, und selbe aus natürlichen Gründen erklären. Können wir auf den Grunde der Sache nicht nachgraben, und denselben «finden, so müssen wir uns dennoch nichts übernatürliches einbilden, sondern vernünftig dafür halten, daß die Zeit die Sache noch entdecken werde; sonst wird einen feigen Menschen das Schnappen des Holzes , das Krachen des Dachstuhls, das Geknerz eines Fähnleins auf dem Dache, eine Nachteul, Mauß oder Ratz vermögend seyn mit Furcht zu erfüllen, und in die Flucht zu treiben. In meinen Studierjahren war ich etliche Jahre in einem Haus, wo sich in dem angebauten Gange beständig ein Geist autelte, keiner wagte sich allein zu Nachts auf den Gang, es polderte als wenn man Gläser zerbrechte, oder mit Ketten daher särfelte, da aber eins- mal die Dachung ausgebessert wurde, fände man ein ganzes Nest dieser Geister, junge und alte Katzen, die auf Fenstern, die unter dem Dach lagen , und niemand wüßte, ihr Sprel getrieben, und mich und andere öfters in Furcht gesetzet. Auch durch andere Umstände müssen wir uns nicht bethören lassen. Man sagt, daß das Winzeln der Hunde, das Schnaufen und Saufen der Pferde, und die Furcht, die sie an Tag geben, die Gespenster verrathen. So oft dem ängstigen Caut fein Mops unter die Füße kriecht, glaubt er, in dem Orte muß es Gespenster geben. Ich weis nicht, wie die Thiere, die keinen Begriff von Gespenstern haben können, und denen sie keinen Schaden zufügen, die Geister ahnden sollen ! und da dergleichen Ahndung Hr. Caut auch von seinem vorigen blinden Hunde erzählet, so sollte man schier glauben, daß (M v ^!) rZy daß Gespenster von den Hunden durch den Geruch entdecket werden. Possen! andere Zufälle sind Ursache. Hr. Saxe reitet bei Nacht durch einen Wald. Es wäre ihm die gemeine Sage nicht unbekannt, welche behauptete, daß im selben Geister sich aufhielten. Er reitet dennoch fort, und da er mitten in dem Wald wäre, stehet das Pferd. Es schnaufet, es brauset, und will keinen Schritt weiter gehen. Saxe muntert sein Pferd in Güte auf. Umsonst. Es will umkehren, es zittert, und brauset noch heftiger. Hr. Saxe sangt auch an sich zu fürchten. Endlich kriecht ein alter Mann aus dem Gebüsche hervor, welchen er um Beihilfe bittet. Gleich, saget dieser, will ich helfen. Ich muß diese Nacht noch diese Todtenbahr in das nächste Dorf führen, ich darf nur meinen Schubkarren aus dem Wege bringen, so wird geholfen seyn. Um ein wenig zu ruhen, hab ich ihn stehen lassen, und mich ins Gebüsche geleget. Verzeihen sie mir meine Unachtsamkeit. Gleich will ich den Karren mit der Todtenbahre auf die Seite schieben, damit der Herr fortreiten kann. Ich könnte hier noch viele dergleichen Geschichte anführen, welche uns vor Augen legen wurden, daß ein Zufall dergleichen furchtsame Bewegungen bei Thieren, nicht aber Gespenster verursachet haben, wie theuerer aber die Weitläuftigkeit, und ich will nicht mehrere dergleichen Begebenheiten beibringen, damit wir keinen Ekel dem Leser durch viele Erzählungen erregen. Em gutes Gewissen ist auch ein gutes Mittel gegen die Gespenster. Hat der Mensch von selbem ein gutes Zeugniß , warum soll er sich fürchten? Cleon lachet über alle Geister, höret er ein Gepolter, so lachet er, redet mit sich laut, und fängt an zu pfeifen, zu singen, und auch ein Gepolter zu machen, und je mehr Geräusch er machen kann, je mehr verschwindet seine Furcht, und sein gut Vertrauen, und sein gut Gewissen macht ihn so beherzt: ist aber dieses verwundet, so erreget der Biß des Gewissen die Furcht,'und man erschrickt bor einem Fall, wie ein Bö- i6o o Bösewicht vor dem Krachen des Donners. Dieses find nun einige Mitteln gegen die Geister. Bewerbe dich also um ein gutes Gewissens, lege dieVorurtheile bei Seite, räume deinen Verstand auf, und betrachte die Sache ohne Furcht, und besiege die Angst. Der Einbildung thue mit einer gesetzten Vernunft den Daum aufs Auge halten , denn sie speiset dich mit Wind , mit Träumen, mit Schattenbildern. Verfährst du so , so wird sich deine Einbildung für sich selbst schämen , wenn ihr die Vernunft das Fälschliche der verwornen Vorstellung handgreijlich macht, mrd die Gespenster werden verschwinden. y. §- Don dem Nutzen dieser Abhandlung und Meinung, daß es keine Gespenster gebe. c^ ^ede Abhandlung soll einem Achte ähnlich seyn, dessen eigent- liche Bestimmung darin« bestehen soll, die Finsternissen zu erhellen, und auf vielerley Weise nützlich zu seyn. Nur ein Kind zündet ein Licht an, um damit zu gaukeln, und ein Mordbrenner um ein Feuersbrunst zu erregen. Ich wurde selbst darfürhalten, daß ich einem Kind nachgeahmet hätte, und ich wurde diese Blätter für ein kindisches Spiel des gaukelnden Witzes halten, wenn diese nicht einen vielfältigen Nutzen für alle in sich enthalten wurden ; ja ich wurde glaubeu, daß ich einem Mordbrenner nicht ungleich wäre, wenn ich dieser Abhandlung was eingemenget hatte, so dem H. Glauben zuwider, und dem Gemüthe des Lesers schädlich seyn könnte. Allein was mich beruhiget, ist mein Gewissen, welches mir das unverfälschte Zeugniß ertheilet, -aß ich vielmehr gefuchet habe, dem klugen Weibe nachzuahmen, die ein Licht angezündet , die Finsterniß zu erreichten , und den verlohrnen Groschen (N o /Si) rSr schen zu suchen, und -aß mein einziges Augenmerk seye, durch diese Abhandlung den Nutzen, und die Wohlfahrt zu finden, die die halsstärrige Meinung -er Gespensterliebhaber verlohnn hat. Man wird mir also erlauben, daß ich den Nutzen anzeige, den die Meinung, die die Gespenster für Undinge hält, gefunden hat, und daß ich zugleich den Stoff dieser Abhandlung durch den vielfältigen Nutzen, den selbe bringen kann, mit Bescheidenheit und kürzlich rechtfertige. Die Meinung, daß es Gespenster gebe, enthält in sich ein Chaos verschiedener irrigen Meinungen, in welchen wenig Wahrheiten angetroffen werden, und welches nach und nach von den Menschen ersonnen worden. Sie ist nicht nur ungereimt, und in vielerlei) Absicht ( wie aus vielen Geistergeschichten erhellet) lächerlich ; sondern sie ist auch ungemein schädlich, indem sie die Moralität des Menschen vergiftet. Ein Mensch, der Geister glaubt, kann schier in den Umständen , wo ihm seine Einbildung ein Gespenst vorstellet, keine wahre Furcht GOttes in dem Herzen haben, weil er das Gespenst entweder eben so stark, oder wohl gar stärker fürchtet, als den lebendigen GOtt. Vor GOtt zittert, und bebet er nicht, aber vor einem Geist zittert und bebet er. Sein Vertrauen auf GOtt ist also bei nahe schier ersticket, da er von der Macht eines Geistes unendlich viel Uebel fürchtet, für welche er sich nicht genug gesichert hält, ob er gleich einen guten GOtt glaubt. Diejenige Meinung aber, die die Gespenster verlachet, fürchtet allein GOtt, und glaubt, daß GOtt allein der HErr unsers Schicksals sey, dem wir Furcht und Gehorsam schuldig sind; diese kindliche Furcht erwecket die Leidenschaften nicht, die jene erreget, und sie vertreibet nicht die freudige Gelassenheit, die die Gespensterfurcht verjaget. X Die Die Meinung, daß es keine Gespenster giebt, ist ganz rein hon allen 'Aberglauben. Sie weis nichts von dem Geistervertra- gen und Gespensterbeschwörungen, und sie verabscheuet auch den Gedanken, daß durch Teufelswerk die Geister bezwungen, und die Gespenster können vertrieben werden; als wenn dessen Macht auch über die Geister sich erstrecken thäte, welche doch nach der Lehre der Geisterfreunden das Urtheil GOttes an ein gewisses Ort angebunden. Sie will also nicht in die Gesellschaft derjenigen kommen, die sich rühmen, Geister verjagen zu können, und der Leichtgläubigkeit den Beutel leeren. Da sie ferner die Erscheinungen des Satans läugnet, und die Unmöglichkeit beweiset, daß der Satan aus eigenen Kräften nicht erscheinen könne, so vernichtet sie den ausdrücklichen Pact und Bindniß mit dem Satan , anwirft folgsam das ganze Hexensystem zu Boden. Sie ist auch eine liebvolle und erspriesliche Meinung, sie urtheilet nicht, sie denket nicht übel von andern, und sie rettet die Ehre des Verstorbenen, welchen oft eine gemeine Sage als ein Gespenst herum wandern läßt, und dadurch dessen Ehre verletzet. Und da sie begehrt, daß man das Wort GOttes rein vortrage, ist sie eine höchst erspriesliche Meinung. Es wird dieses durch manche Geister - und Gespenstermährchen beflecket; sie wünschet also , daß die Prediger ihre Beweise nicht von den Gespenstergeschichten, sondern aus der reinen Quelle der unfehlbaren Lehre des HTrrn schöpfen, und daß sie mehr in die göttliche Schrift, als in den Exempelspiegel schauen möchten. Das Volk soll einen reinen Unterricht durch die Stellen der H. Schrift, durch die Lehre der HH.Väter, und durch die Vernunft erhalten, nicht aber durch Gespenstermährchen , die nur die Einbildung des Zuhörers in Bewegung setzen, und wie ein Irrlicht verschwinden; und bei deren Erzählungen der Prediger mehr die Person eines Bilderpatschers, als eines geist- li- 6DoMl) rsz kichen Dieners -es göttlichen Worts vorstellet, s) Diese Meinung ist endlich eine höchst nützliche Meinung. Sie befördert die Wohlfahrt des Staats, da sie gute Bürger demselben zu erziehen sucht. Die Erziehung hat hauptsächlich nur drey Gegenstände. Nämlich die Bildung -es Verstandes, der Sitten, des Körpers. Bei allen X 2 die- ») Man lese die schönen Lob-und Trauerreden des erhabenen Fleschiers, die gründlichen predigten des beredten Bourdalou, die beweglichen Sitten- Gcheimniß-Lob- und Trauerreden des angenehmen Ciceri, man sehe das trejliche Muster der geistlichen Beredsamkeit des belesenen Giß- hert, und man wird nirgend ein Gespenstergeschichte oder die Vorstellung eine- erscheinenden Geistes finden. Ich werde diese- letztere einem gewißen Hrn P. - - (ich will das Kind bei seinem Namen nicht nennen) übermachen, damit er nach dem Muster des Gißbert ia der geistlichen Beredsamkeit bessere Proben liefern, und seine Zuhörer an dem Festtage der Geburt der seligsten Jungfrauen mit einer Hexenpredigt, und einem au- göttlicher Schrifte für dir Thätigkeit der Hexerev erzwungenen Beweise verschone« mochte. Voriges Jahre hat er mit diesem aus einer berühmten Wahlfahrt zuA - - wenig Beifall gefunden. Verständige Männer, ja da- Volk selbst urtheilte, daß der Hr. P. besser seine figuralische Stimme auf dem Chor, als auf der Kanzel ertönen ließe, und daß seine Obere vernünftiger handelten, wenn sie ihm eine musikalische Litaney, als eine Predigt zur Ehre der seligsten Jungfrau componireo ließen. Den dritten Maymonatt des verflossenen Jahrs hat ein anderer Prediger a« dem Festtage der Erfindung des H. Kreuzes zu Scheyern ein Meisterstück seiner magern Denkensart und Beredsamkeit abgelegt. Dieser ist zwar dem obigen an der Hhorstimme nicht gleich, er überwäget ihn aber an der Unüberlegtheit. Der Haupt- Gegenstand seiner Predigt, die er nach dem Maaß einer alten , aber sehr alten Redensart abgefasset, ist, die jetzigen Gelehrten bei dem Bauernvolke , da- er als Zuhörer vor sich hatte, verdächtig zu machen. Und bei wie viele» von diesem kleinen Haufen wird er nicht auch einen erwünschten Eindruck gemacht haben ? Ob ich schon nicht von den dümmsten Köpfen zu seyn mir schmeichle, so gestehe ich es doch frei, daß, wenn ich als ein Fremdling in das scheyerische Got- 164 (§Ti diesen drey Stücken nutzt die Meinung sehr viel, die die Gespenster läugnet. Der Schaden, den die gegenseitige Lehre und Meinung anrichtet, kann dieses beweisen. Die Lehre von der Wirklichkeit der Gespenster verunzieret den Verstand. In den ersten Jahren wird schon der Grund zu dieser Verunzierung gelegen Man teshaus gekommen wäre, und da ungefähr den hochwürdigen, hochwohledelgebohr- nen, gnädigen P. Prediger von der Kanzel mit diesen Worten gleich im Eingänge hätte poltern gehört: Es ist die Sache bei jetzigen mehr kritisch- als Catholischerr Zeiten soweit gekommen, daß man nur mit Stillschweigen und Hosten sein Ziel und Ende erreichen muß; wenn man nicht mit der Wahrheit auch den Ruf eines ehrlichen Mannes verlieren will : ich ohne Zweifel auf die Gedanken würde verfallen sey», Baierland sey lutherisch geworden, ja ich würde gar alle Hoffnung einer Besserung verlohren haben, weil man sogar die redlichen und Wahrheit liebenden Männer, die allezeit in einem Lande der kostbareste Schatz sind, nicht mehr hören will ; wenn mich die wohledelgcbohrne Beredsamkeit im dritten Theile der Predigt nicht eines bessern berichtet hatte. Was bedeutet aber dieser so wichtige Lärm? Wen geht es an? Die Feinde des Areuzes Christi. Und wer sind diese ? Die neuen Informators der Wissenschaften, die ihre Gelehrsamkeit meistens aus lutherischen Büchern entlehnet haben. p. 12. Holla! jetzt geht der Prediger einen Schritt zurück, p. 12. Er verläßt sich auf seine Füße, da die Zunge strauchelt. Nur eins kann er nicht verbeissen. Er ruft aus vollem Hab ^ se: wer immer noch glaubet , daß die Worte des ewigen Wortes unbctrüglich sind. Sachte mein Hr. Prediger ! so giebt es ^ denn einige bei uns, die der Schrift nicht glauben L Hier möchte ich gerne eine , Probe, die aber so stark wäre, als unbesonnen und ehrenrührig ( um nicht was mehrers zu sagen ) ihr Satz ist. Verstünden sie darunter die neuen Geisterund Freidenker , so müßten sie mir zuvor Rechenschaft geben von ihren eige- - neu Begriffen über diese Sache. Sie wurden vieleicht eben so unrichtig zusammen hangen, als ihre ganze Predigt. Verstünden sie die Herentilger , so wurde ich cs ihnen bei unsern Zeiten unter einer andern Bedingniß nimmermehr verzeihen, 6S! o L6Z Man erfüllt die Köpfe -er Kinder mit Gespenstermährchen^und sie werden furchtsam ehe sie die Furcht kennen. Durch eben diese Mähr- chen wird die Einbildungskraft vergiftet, die Dichtungskunst angesteckt, die Furcht, die uns so zuwider rst , wird tief eingepräget, und die Kinder erhalten die Eigenschaft kleiner Seelen, die von X z aber- als weil sie nach eigner Gestandniß p. 12. aus der Zahl der einfältigen (ta- tholicken sind. Der Satz alsdenn, mit weichem sie ihre Zuhörer ermähnet, klinget in dem Munde eines Catholischen Predigers überaus schön. Man wird euch mit Fingern deuten.... Da lehret man nichts anders, als daß man leben sollte, wie zu den Aposielzeiten, »o/rts , glaubet es nicht. p. iz. Also darf es das Volk nicht mehr glauben, daß man leben sollte, wie zu den Aposielzeiten ? Eine schöne Lehre. Ich appelli- re hier zu ihrer Catholischen Einsältigkeit, sonst könnte ich ihre Lehrart nicht verstehen. Ich habe nicht im Sinne, alle Schnitzer, Wortverdrehungen der Schrift, die i» dieser Predigt vorkommen, aufzudecken. Sie liegen zum Theile selbsten schon dem vernünftigen Leser vor Augen. Und ich habe nur eine Note, nicht einen ganze» §. z» schreiben. Doch eines kann ich diesem eifrigen Prediger nicht verzeihen, daß er so vieles von den materialischen fcheyerischen Kreuzchen daherschwatze, daß es, wo selbes aufgestecket wird, von allen Uebeln, Donnern und Hagelwettern befreie. Von dem Formali aber, nämlich von der Andacht und Vertrauen zu dem Prototypen, zu dem gekreuzigten Heilande, schweiget er gänzlich, als wenn das Volk davon Nichtwissen dürste. Niemand weniger als der Hr. Prediger selbsten hat Ursache über die neuen lle- kormatores der Wissenschaften zu schmähen. Er sollte vielmehr als Vorsteher eines berühmten Klosters selbst Hand anlegen, und andere zur Verbesserung der Wissenschaften ermähnen. Es wurde ihm dadurch Ehre und Ruhm, seiner Gemeinde aber größere und ergebliche Reichthümer, zuwachsen. Mabilon trsÄ.äe8tuäi!8 monskicis, und Muratorius Lpill. ksrasnetica sä 8uperiores locorum pro emenästione üll- äiorum 6ce. sind auch Rekormstores der Wissenschaften gewesen. Wer wird sie dessentwegen als Feinde des Areuzes Chrisil halten? Eben aus Abgänge der schönen Wissenschaften, mag der steifinger Dichter in seinem Lustspiel zur Fastnacht- i66 abergläubischen Vorurteilen geprellet werden. Diese unchristliche Erziehung, die sehr viel von -er Furcht für die Gespenster, und sehr wenig von der Furcht GOttes redet, und diese Lehre von den Gespenstern verderben auch die Sitten, und die Handlungen der Menschen. Die feige Furchtsamkeit macht den Menschen unfähig, die geringste Zufälle ohneAngst auszustehen. Plarer hätte vorige Nacht ein Sache von größter Wichtigkeit ausarbeiten sollen. Er sitzte in seiner Schreibstube in tiefsinnigen Gedanken, auf einmal grabelte etwas am Fenster. Er wir- gestöret, die Einbildung lauret schon; ob es kein Gespenst seye. Da sich dieses Grabeln verdoppelt, überfällt ihn eine Furcht: er ruft seinen Diener, der endlich den Geist entdecket, welcher ein Fledermaus wäre, die dem Schein des Lichts mag zugeflogen seyn. Aber die gehabte Furcht, die erlittene Angst hat seine Gedanken zerstreut, und auch durch vieles Federbeinen gebühret er einen Aufsatz, dem Händ, Füß und Kopfe mangeln. Plumb will mcht allein an einem Orte schlafen, und er schlägt eher zeit den heydnischen Sokrates von Adam und Eva, und vom Paradeise haben reden lassen, (r. Th. z. Auft.) Und doch hat er in der Vorrede von seinen Zuhörern verlangt, sie sollten ein wenig Verstand mitnehmen, da er doch besser gesagt hatte, sie sollten ihn zu Hause lassen. Ich sollte in dieser Predigt noch anmerken viele leere und'trockene Begriffe, abgeschmackte Ausdrücke, eitle Wortspiele, verdrehte Auslegungen der H. Schrift, und eine elende Redekunst. Allein es wird genug seyn, wenn ich sage, daß er keine einzige Eigenschaft eines Predigers habe, die das tridentinische Concilium less. 25. das meinzische 6e Hnno 1529. Csn. 41. Recessus Format, äs Hnno rA4Z. kecessus Imp. äe Hnno IZZ7- Lplk. kaüoral. Hreiüepilc. Viennenüs Hnno 1752. das öffentliche Edict unsers durchleuchtigsten Churfürsten und glorwürdigst regierenden Landesvaters 6e H.nno 1767. von einem gelehrten, klugen und mit einem apostolischen Eifer begabten Prediger begehren und abfedern. Ich habe noch nicht die Halste gesagt, was ich von diesem Meisterstücke einer Predigt noch sagen könnte, und doch hätte ich bald vergessen, daß ich eine Note schreibe. T<) Endlich nach vieler Mühe werden die Lehensgeister durch starke Geister ermuntert; Gilbert kömmt zu sich, er zittert aber noch vor Furcht, und Schrecken, die er ausgestanden, welche ihm auch eine lange und schwere Krankheit zugezogen. Und wer wäre der weiffe Geist? Ein Hemd, das um abzudrücknen an einer Stange hieng, und von dem Wind bald sürwärts, bald zurück gewährt wurde, und dieser Geist oder vielmehr die Furcht von demselben hat Gilbert so viele Uebel zugezogen. Schreckliche Wirkung einer Leidenschaft, die über Undinge entstehet, die doch nicht vorhanden sind, und die in dem Körper eine solche Niederlag anrichtet! Noch mehrere Uebeln prediget uns die Erfahrniß. Sie zeiget uns Kinder, die bor einem eingebildeten Gespenst in die Frais gefallen, Erwachsene, denen die Furcht und der Schrecken vor einem Geist die hinfallende Krankheit zuwege« bracht, andere , welchen diese Leidenschaften das Leben beraubet, und einige, die graue Haare davon getragen. So heftig wüthen diese Leidenschaften in die Natur und unsern Körper. Der gelehrte Hamburgische Arzt Hr. Dr. Unzer beschreibet rhren Wuth in dem 97. Stücke seiner angenehmen Wochenschrift: Bei dem Schrecken, saget er, druckt sich der verworrne Zustand des Gemüths mit aller der Heftigkeit in den Bewegungen unsers Körpers aus, womit die Seele selbst, wie von einem Donner darnieder geschlagen wird. Das Herz wird gejaget wie ein schüchternes Reh , und seme Pulsen beben in allen Adern, daß jedes Glied am Körper erzittert. Das Athemholen unterbricht sich in seiner Beschleunigung. Die Brust scheinet bald ihre Verrichtung zu vergessen, bald sich in tiefen Seufzen wieder zu erholen , um ihre Wallungen zu verdoppeln. Ein kalter Schauer treibt mit dem Blute das Feuer des Lebens nach den innwendigen Theilen. Das Gesicht erblasset , und die ganze Haut des Körpers wird zusammen ge> zogen. Die Glieder erkalten, und ihre Kräften scheinen /ich tu- (N o !Zr) i6y zurück zu ziehen , und gegen die Oberherrschaft des Willkührs zu rebelliren. Die Hände beben, die Knie wanken, die Lippen zittern , die Nerven werden entseelt, und die Seele scheinet aus dem Körper zu fliehen, den sie wie einen Leichnam in tiefer Ohnmacht hinsinken und liegen laßt. Solche entsetzliche Auftritte machet der Schrecken. Und welches sind die Folgen dieses entsetzlichen Auftritts? Da wiese wüthende Leidenschaft gerade auf daS Herz geht, muß natürlicher Weise die ganze Natur zerrüttet werden. Dahero ist es kein Wunder, daß durch die Gewalt dieses gefährlichen Feindes Schlagstüß, Krämpfe und die gräßlichsten Convulsionen entstehen, und daß durch dessen gewaltsamste Wirkungen sowohl Kinder als Erwachsene erstarren, verstummen, Gedanken, Empfindung, Bewegung und Leben verliehren. Es wurde ein leichtes seyn alle diese Wirkungen der Furcht und des Schreckens mit Geschichten zu belegen, die die!Geisterfreunde als Brax- ter in seiner Gewißheit der Geister , der frostige Verfasser der Sammlungen von Gespenstergeschichten, Lavaterus 8peAris» und andere zusammen getragen; da ich aber durch neue Gespenster-Begebenheit die Gedult des Lesers ermüden wurde, so will ich mich nur auf die tägliche Erfahrniß berufen/ und das Zeugniß der Aerzte zu Hilf nehmen, welche einmüthig aussagen, daß durch den Schrecken vor den Gespenstern dergleichen Uebeln entstehen können, und oft entstanden seyn. Alle diese Uebeln aber, und alle diese Schaden, die den Körper treffen können, sind der Gespenster läugnenden Meinung und ihren Vertheidigern unbekannt. Sie glaubet an kein Gespenst, und weis also nichts von einer Furcht. Ein Getös, so andere schrecket, läßt sie mit Verachtung, als einen natürlichen Zufall vorübergehen. Ein Schatten der dem ängstigen Gespensterfreund ein Ertattern verursachet, siehet sie als ein Schatten an, und da sie von keinem Gespenst nichts wissen will, und nicht glaubt, daß der gütige HErr der Natur Y durch r?o (rZr 2 >Si) durch Gespenster so oft in -er Natur eine Zerrüttung erregen will, so verbannet sie alle Gespenster - Begriffe, -verabscheuet die nach Gespenstermährchen, und Fabeln riechende Erzählung, und fle beeifert sich durch kluge Erziehung den Verstand aufzuklären, die Sitten und Handlungen zur Unerschrockenst anzugewöhnen, die Schüchternheit zu vertreiben, und den Körper gegen alle Uebeln der Furcht und des Schreckens zu verwahren. Bei den Erwachsenen suchet sie Vorurtheile zu vertilgen, den Verstand auszuheitern, die Einbildung zu bessern, durch ihre Gründe den Feigen einen Muth einzuflößen , alle Hinderniß der edlen Unerschrockenheit aus dem Wege zu räumen, und den Glauben an die Gespenster als den Grund vieles Aberglaubens zu zernichten, und also durch dieses dem Staat fähige, gesunde un- beherzte Bürger zu bilden. Dieses ist der vielfältige Nutzen, den diese Meinung dem Mitbürger leisten, und diese Abhandlung verschaffen kann. Ich wünschte, daß einige Gelehrte diese Meinung unterstützen , und diese Abhandlung mit ihrem Beifalle beehren möchten, und daß diejenigen, die mit ihrem Verstand und Witz zu wuchern gewöhnet sind, stärkere Gründe, und mächtigere Beweise entdecken , und mit diesem für das Wohl des Mitbürgers, das Gespen- sterreich bestreiten, und selbem engere Gränzen setzen möchten. Ich kann ohne entzückendes Vergnügen mich niemal erinnern, daß dieses finstere Reich der tapfere Muth einiger Gelehrten bei diesen aufgeklärten Zeiten mächtig bestürmet, und dessen Macht gewaltig geschwächet habe. Die Irrwische, Irrlichter ( ione8 falvi) halten nur noch jene für feuerige Männer und Lrrfuhrende Geister, und betrachten selbe mit pochendem Herzen, welche in niedern Hütten wohnen, die das Licht der geläuterten Vernunft nie erleuchten wird. Der sich nur ein wenig mit den Wissenschaften bekannt gemacht hat, der weis, daß eine schweflichte Matern diese (Si o )Tl) r?r ft feuerige Männer, und diese fürchterliche Geister seyen, die sich gemeiniglich um die sumpfigten Oerter, Kirchhöfe, Wahlstätte und Bergwerke aufhalten , da viele schwestichte Dünste aus der Auflösung natürlicher Körper in die Höhe steigen , und hin und her fahren , wo sie Nahrung finden, und daß diese Flammen der einhauchende Athem, und die schnelle Flucht des Menschen an sich ziehen, hingegen ein von sich gestoßener Athem verjagen könne. Da indessen die dumme Einfalt glaubt, daß diese vermeinten Geister das Fluchen vertreibe, und das Fliehen nnd Bethen zu sich ziehe. Der feuerige Drach , oder der Satan , der in dieser Gestalte durch die Kamin führt, den Weibern das Schmalz für seine Hexen stihlt, verursachet nur jenen Furcht und Schrecken, welche noch nicht ermüdet sind, das Joch zu tragen, welches Finsterniß und Dummheit, und der eingewurzelte Aberglaub auf ihre Schultern bürdet, wer nur ein wenig die kindliche Vorurtheile abgeleget, und sich auch von weiten den Wissenschaften genähert hat, der ist überzeugt, daß dieser feuerige Teufel ein feueriges Luftzeichen von ziemlicher Größe seye, welches aus groben und fetten wirklich entzündeten , oder nach Art eines Phosphorus scheinenden Dünsten bestehet, und von der Luft in die Lange, und gar geschwinde fortgetrieben wird. Die Bergmannlein, Bergmönche oder Lodold sind bei jetzigen Zeiten unsichtbar geworden, und die Gelehrten verwundern sich , daß Olaus L.. vi. c. 9. Lavaterus cke 8peÄri8 k. I. c. 16. Balbinus in MlceN. Hiü. Lok. 1^. I. c. 6. §. 2. SchotUs in innere exügnco in mundurn luvrerran. c. 4. Kik- cher und Agricola re. die bösen Dampf, d) die sich in der Grube Ba auf d) Bon eben diesen vergiften metallischen Dämpfen entstehet die bleye Colick, die besonder- den Bergleuten eigen ist. Sie hat in den neuern Zeiten eine Menge gelehrter Schriften veranlasset, worin» die Lnr dieser Krankheit beschrieben ist, und in auf dem Wasser, oder anderswo angeleget, und die giftigen Ausdünstungen in böse Geister und Teufeln verwandelt haben, c) Unsere Zeiten glauben nicht mehr , daß, so oft em giftige Ausdünstung einen Bergmann ersticken thut, derselbe m einem Duell mit einem Bergmännlein geblieben seye, oder wenn die eingedrankte Luft ein Bergwerk eingestürzet, selbes ein Unternehmen eines erzürnten Berggeistes sey. Aber diejenigen Gelehrten, welche sich gerühmet, 8pirirus familiäre, dienstbare Geister zu haben, lachet man bei unsern Zeiten aus, 6) und man hält dafür, daß der Vernunftsstab derjenigen, die ihre Wirklichkeit, und Has Zlusbrüttcn und Zeitigung der Alraun vertheidigen, nicht größer als ein Hah- nen- Steuermark weis man, daß an dieser Krankheit, und an der Lähmung (man hast diese nicht mehr für eine Zauberen, oder für eine Rache des Berggeistes) die Herren der Gruben zu ihrem Schaden alljährlich ein Menge von Arbeitern verliehren. Der gelehrte Herr von Harn in seinen gelehrten Schriften handelt ebenfalls von dieser Krankheit, und ordnet gegen selbe Fette, Speck, Butter, und giebt sehr dien- same Mitteln an die Hand. c) Schon die Alten haben den giftigen Dunst für eine besondere Art der Dämonen gehalten ; daher sie solche in die Bergwerke und tiefen Erdenbehaltnisse verwiesen. Mit der Zeit haben sie ein besonder Reich daselbst erdichtet, wovon Pluto IVlaitrs en 8ouveraln war, dem sie, damit er nicht allein haushalten dürfte, zugleich auch eine Fran, die Proserpina, zngedichtet, und damit ja keine Schatze aus dem un- terirrdischen Reiche entzogen wurden , müßten die Geister als schwarze Hunde alle Schatze hüten und bewachen. 6) Sokrates, Plotinns, Thomas Campanella, Hieronymus Cardanus, Picus Miran- dula, Hermolaus und andere haben sich einen Schandfleck angehangen, da sie vorgaben, einen 8piritum familiärem zu haben, damit man glauben sollte, daß alles, was sie sagten, schrieben und lehrten, etwas mehr, als was menschliches seye. Man lese hierüber Christians Wagners vissert. äe Lruäitis 8pirituum fsmilia- rium ulu lulpeÄis §. zr. und 6ratianum ^icblpavum äe fllperüitions eruäita fvl. 89 . (Bl o M i?z nenschritt seye. Die Waldgötter, Waldteufeln haben auch ih- ren Abschrev 'von -er gelehrten Welt erhalten, auch das Vorwort des großen Augustin nicht wäre vermögend/ daß selbe im ruhigen Besitz gelassen wurden. Die Buhlfchasten / Vermischungen der Menschen mit den Geistern / die Wechselkinder/ die aus dieser Berwohnung entspringen sollen / lassen nur jene zu, welche das große A. in den Wissenschaften allein durch den Ruf kennen. Daß der Teufel als ein schwarzer Bock erscheine, die Leute holen , und daß die mannsüchtige Lais ihren Liebsten von Wienn durch diese eilende Extrapost habe abholen lassen, mögen jene glau-. ben / die ein Gelübde gethan, alle Mahrchen der Rockenstube für heilige Wahrheiten anzubethen. Der Alp , und das drückende Nachtmannlein finden allein an dem Hrn Orgon ihren Beschützer , und sie find schon so verächtlich geworden , daß sie sich auch in eines ehrlichen Bürgers Haus nicht mehr darfen sehen lassen, und nur in den Bauernhütten Unterschlupf finden. Denjenigen, der die Vampxren läugnet, wird die jetzige Welt für keinen Atheisten halten, und man darf bei unsern Tagen ihr Daseyn ohne Verletzung seines Christenthums verneinen. Das wilde und wüthende Heer hat bei unsern Zeiten seine nächtliche Zagdgerechtigkeit, die in so vielen Kronicken und Geschichtbüchern aufgeschrieben waren , auf einmal verlohren, und ich kenne nur noch zwey Edelleute , in deren kleinen Distrikt selbes sich darf sehen, und hören lassen. Der erste wird selbem diese Freiheit so lange gestatten, so lange er die Erzählungen seiner Tante für Orakelsprüche hält, und selber die Ehre und Hochachtung schenket, welche das alte Rom den alten Sybillen erwiesen hat. Und der andere wird selbem so lange dieses Recht eingestehen, bis er auf seine Erzählung vergißt, in welcher er behauptete, er habe selbst bei stockfinsterer Nacht das wüthende Heer jagen, und den leibhaften Teufel in einem grünen Kleide mit bortirten Hut auf einer sehr großen Schwein V z mit- i?4 6Z! o !D<) mitreiten gesehen. So viele Stützen, mit welchender Abergkaub die Macht und das Reich der Gespenster befestiget, hat die Vernunft, und die Klugheit der Gelehrten untergraben, und ihr Witz ,u Boden geworfen. Ich hab es gewaget, in diesen geringen Blättern die Macht dieses Reichs ebenfalls zu schwächen , und den Götzen der Vorurtheile zu stürzen mich bemühet. Das Wohl und der Nutzen meiner Mitbürger, und ein reiner Eifer, sie von der Knechtschaft der Vorurtheile, von dem unwürdigen Joche des Aberglaubens, von Furcht und Schrecken, und den Übeln Folgen und Wirkungen der Geister vertheidigenden Meinung zu befreien, war der stärkste Antrieb zu dieser Abhandlung, und der bestimmte Gegenstand meiner Bemühung. Wird sie aber einen Frucht bringen? oder ist sie wohl zu verdammen? Vampynsiiills von Herrn Baron Gerhard van - Swieten verfasset, aus dem Französischen ins Deutsche übersetzet, und als ein Anhang der Abhandlung des Oasexn« der Gespenster beigerücket. Augsburg, 1768. ^ 'L ^<>r' » ^-*^- 1 K H M»W ÜIWWW ! i Vorrede. ^§^ie vorhergehende Schrift, Abhandlung des Daseyns der Gespenster, welche mir von meinem gelehrten Freunde zum Drucke zu befördern ist geschickt worden; ist mit größter Deutlichkeit, mit bester Ordnung , mit gründlicher Gelehrtheit abgefasset. Diese wenigen Bogen einer so nutzbaren Abhandlung bringen dem Verfasser mehr Ehre, und dem Vaterlande mehr Vortheil, als wenn er ganze schweißtreibende Folianten von scholastischen, thomistischen, statistischen, mollinistischen, und was weis ich, von was noch für istischen Materien zusammen geschrieben hätte. Der Verfasser dieses Werkchens hat der gelehrten Welt schon mehrere dergleichen Abhandlungen nützlicher Materien gelte- feret, und stehet wirklich schon von zweyen Jahren her mit einem andern sehr gelehrten Werke zum Drucke fertig, welches ich zum Theil eingesehen, gelesen, bewunderet habe. Aber seine kümmerliche Umstände gestatten es ihm nicht, damit ins Tageslicht zu tretten. Nur schade, daß, ungeacht unser Baiern nicht gar viel gelehrte Patrioten ausweisen kann, man einen so herrlichen Kopf in musenfeindlichcn Geck gen- Vorrede. genden im verborgenen schmachten laßt, an statt ihn mit Sorgfalt zu suchen. Sem geringes Vermögen, und als ein Landeskind gebohren zu seyn, sind vieleicht die achten Ursachen, welche ihn, wenn er auch bekannt seyn würde, wo nicht der Verachtung, doch einer kalten Gleichgültigkeit bloß stellen würden. Zum wenigsten hat der ehrliche Mann nicht Schulde daran, wenn er mit all seiner Fähigkeit dem Staate nichts nützet, und vor andern nicht gesucht wird. Iple lloet vemas Nulls eomltatus Homere, 8i mlül attulens, ibis, Isomere, koras. Nur Fürsten, Königen, sagt Korneille in seinen Hora- Hiern, nur den Großen dieser Erde, nur erhabenen Geistern kömmt es zu, das wahre Lob um das Vaterland bestverdien- ten Männer der ewigen Unwissenheit zu entreißen; diesen fehlt es niemal an Mitteln, die Tugend auch in ihren kleinsten Handlungen groß zu machen. iL'ell aux Ii.oi8, c'ell aux 6rauä8, e'ell aux bleu -V voll ja vertu, eu ses moluäres ellets. (kaets, (7ell ä'eux feuls gu'on reeoit une veritable §1oire; Lux keuls äes vra^s beros aksüreut 1a memoire. Nachdem also dieser gelehrte Mann von dem Daseyn der Gespenster so gründlich gehandelt, so nehme ich Anlaß, einige Anmerkungen über die vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen unter dem Titel Vampyrismus anzuhangen , weil diese der ersten Materie ganz ähnlich ist. Vorrede. Diese Anmerkungen über die vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen, lateinisch MnAii, kottbumn, wurde nu Jahre 1755. im Märzmonat in französischer Sprache von einem der berühmtesten Männer, die Europa aufzeigen kann, nämlich von Herrn Baron Gerhard van - Swieten, ersten Leibärzten Ihrer kaiserl. Majestäten, und damaligen Hof- bibliothecarius, den seine immer anwachsende Verdienste indessen zu grösiern Titel, Ansehen und Ruhm erhoben haben; zu Wienn verfasset, und gedruckt. H Sie ist bald hernach im Hornung 1756. von einer gleichfalls gründlichen Feder ins Drusche versetzet worden. «2 Ich ») Im Jahre 1755. den zo. Jenner lief in Wienn mit Erstaunung des Volkes dir Nachricht ein von einem neuen und seltsamen Proceß, welchen man in einem Dorf von Mähren an jener Gegend, wo es mit Ungatn und Schlesien gränzet, wieder die Abgestorbenen vorgenommen hat; und die Vollziehung des sichtlichen Ausspruche- wider dieselben wurde von einigen je weniger erleuchteten, desto mehr gefährliche» Geistlichen gut geheißen. Da nun diese Zeitung Ihrer kaiserl. königl. apostolischen Majestät, der vorsichtigsten Monarchimi, zu Ohren kam , wurde ihr mildes Gemüth dadurch so sehr bewegt, daß sie den Herrn Wabst^ hernach ersten Leibärzten der kaiserl. königl. Armeen , «nd den Herrn Gaffer alsdenn Professor« der Anatomie, zween erfahrneste Naturkündiger, ohne Derweilen dahm abgeschickt hat, um den Verlauf, und die Umstände der Begebenheit einzuholen^ Nach öfterem genauen Versuchen , nach reifem Unterricht und scharfen Examen haben diese zween vorhergedachte Männer durch ihre Gelehrtheit endlich eingesehen , daß der ganze Härm von nichts andern herkömme, als von einer eitlen Furchte von einer abergläubischen Leichtgläubigkeit, von einer dunkeln und bewegten Phantasey, Einfalt und Unwissenheit bei jenem Volke. Man hat hieraus, die Beweise der zween vorsichtigen N'itml.hrer eingesehen ; man hat den lächerlichen aber doch barbarischen Proceß wider die armen Abgestorbenen durchsucht. Und Herr Baron van- Swie- M, ein« der gelehrtesten Männer von Wienn, der durch andere seinige weiseste Vorrede. Ich unterlasse hier diesem schönen, und höchst nutzbaren Werke das billige Lob zu sprechen, welches ihm kein unpar- theyischer Leser wird versagen können. Denn des Verfassers Ruhm (den die forschende dankbare Nachwelt mit Ehrfurcht seiner Asche in die ewige Jahre hinein zollen wird) ist ohnehin schon so groß, daß ihm durch meine geringschätzige Lobsprüche wohl nicht vieles zuwachsen wurde. Des gelehrten Uebersetzers Namen aber verschweige ich gar, weil es mir aus unbekannten Ursachen nicht erlaubt ist, ihn zu nennen. Er ist durch ein großes Werk, mit welchem er viele nützliche Erkenntnissen und Wissenschaften aus dem Alterthum der Vergessenheit entrissen hat, den Gelehrten genug bekannt geworden, und wird es bis zur Unsterblichkeit werden, durch ein noch größeres Werk, zu dem alle Liebhaber der feinen Musen mit Eifer schon wirklich pranumeriren. Im Werke schon so b. rühmt ist, daß seine Verdienste alles Lob übersteigen würden, hat Ihrer kaiserl. königl. Majestät über dieses Geschäfte sein Gutachten abgegeben durch gegenwärtige Anmerkungen , welche er französisch abgefasset hat, die wir aber in deutscher Sprache hier liefern unter dem Titel Vump^rtsmus. Das erlauchte und gerechte Gemüth der gkorwürdigen Monarchinn, die in allen Fällen zum Guten ihrer Unterthanen wachet, zeigte über das unbehntsame Verfahren in dieser Proceßsache die höchste Ungnade. Gleichwie man, um dergleichen veraltete Aberglauben auszurotten, Gewalt und behände Entschlüfsung brauchen muß; also gaben Höchstdieselbe plötzlich den ernsthaften Befehl, man solle die scharfesten Rescripten durch alle kaiserl. königl. Erblander, an alle Magistraten, Policeyverwalter, an alle Regierungen abgehen lassen, kraft welchen dergleichen Aberglauben nicht nur allein verhindert, gestraft, sondern gänzlich aufgehoben seyn sollten. Und wenn sich ein Zufall ereignet, dessen natürliche Ursache man noch nicht genugsam erkennet; sollte sich beileibe keiner mehr erkühnest, sich m diese Händel ru mischen, ohne -u- Vorrede. Im nämlichen Jahre 1756. im Octobermonat wurde dieses Werk aus der französischen auch in dre italienische Sprache übersetzet, vom Uebersetzer mit gelehrten Anmerkungen bereichet, und zu Rovereid gedruckt. Diese Übersetzung führet den Titel; (^onlicieraöjorie intorno a!!a ^reteka prekentata a! kupremo Direttorio 6r Vienna 6a! 8i^nor Marone Oerar6o Van-8>vieteo ^.relüatro äetle Desaree IVIaelD, e?refetto äella !o^o Dibüotbeea. Da! ^raneeie nel!' Italiano reeata con amiota^ioni 6e! traäuLLore. Aovereäo ai 26. Ottobre 1756. Die wälschen Anmerkungen werde ich ins Deutsche übersetzen. Das deutsche Wertlein selbst aber werde ich getreulich so liefern , wie es aus der Feder des gelehrten Ueberse- tzers geflossen ist. Daß ich den Titel: Anmerkungen über die vorgegebene Zauberey der Abgestorbenen, welchen sowohl die französische als italienische Schrift führet , nicht beibehalten habe, ist darum geschehen, weil ich eben auch in diesem Stücke dein deutschen Uebersetzer folgen wollte, der seiner Arbeit den Namen Vampyrismus schöpfte. Der Aberglauben vom Vampyrismus wird lateinisch /bME, oder Zauberey der Abgestorbenen, genen- net. Die Vampyreir aber sind verstorbene Menschen, wel- az che vor Ihrer Majestät davon Nachricht zu ertheilen. Höchstdiesekbe werden als- de-n mit jenen Mitteln vorzubeugen wissen, die man in dergleichen Umstanden für anständig, nützlich und billig erachten wird. Vorrede. che zuweilen später, zuweilen eher aus dem Grabe aufstehen, den Menschen erscheinen, das Blut aussaugen, an die Hausthüren ungestümm anklopfen, Getöse im Hanfe erwecken, und öfters gar den Tod verursachen sollen. Wessentwegen dann auch sehr viele kaiserl. königt. scharfe Befehle in alle Erblän- der ausgeschicket worden, diesem Abenthcuer des Aberglauben Schranken zu setzen, dergleichen nur unter Barbaren^ Ignoranten, oder Boshaften zu finden sind. In allen chrtstcatholischen andern Landern ist diese schädliche Meinung unbekannt. Nur in Ungarn, Mähren, Pohlen und Schlesien findet sie ihre Anhänger. Der Anfang dieses Uebels mag feine» Grund wohl ohne Zweifel in der schismatischen griechischen Einfall haben, welche glaubt, daß der Teufe! an statt der Seele den Körper des Menschen besitzen könne. Außer dieser kurzen Erinnerung weis ich meinem Leser nichts mehr zu sagen, als daß ich mich seiner Gewogenheit und Freundschaft ergebenst empfehle. i. §. I. §. Vorn Vampyrismus überhaupt. »arm die Menschen außerordentliche Wirkungen wahr genommen , derer Ursache sie nicht erkenneten, so leiteten sie dieselben von einer höheren Macht her, als diejenige ist, welche die Menschen besitzen. Die Geschichte zeiget uns in allen Jahrhunderten deutliche Spuren davon. Nun ist es gewiß, und durch die heilige Schrift bestätiget, daß GOtt mit seiner Allmacht entweder unmittelbar durch seinen Willen, oder durch die heiligen Engel, Propheten, Apostel und andere Heiligen, die erstaunlichsten Werke hervorgebracht habe. Die Kirchengerichte kann dessen auch die Ungläubigsten überführen , daß diese Wunderwerke in den ersten Zeiten des Christenthums zu unzähligen malen geschehen sind. Gelehrte und redliche Protestanten sogar haben es nicht läugnen können, daß der heilige Jndianerapostel durch offenbare Wunderwerke feine Mißion erwiesen habe. Es ist auch gewiß, daß der böse Geist durch Zulassung GOttes Werke gethan, welche natürliche Ursachen gänzlich übersteigen. Was sich mit unserem Heilande zugetragen hat, als er in der Wüste in Versuchung geführt worden , ist allein genug, es zu erweisen. Kein Christ kann es läugnen, daß es Menschen gegeben habe, welche vom bösen Geiste besessen waren; mithin der böse Geist über die menschlichen Leiber eine Macht habe. Eben also ist es auch wahr, daß der Teufel durch Getümmel, durch abscheuliche Verblendungen re. die Menschen in Furcht gebracht 8 bracht habe. Selbst die Protestanten bekennen es, daß die Hey- -en, welche in Indien die Götzen anbethen, alle die Bosheiten ihres verfluchten Meisters erfahren/ dem sie dienen; sobald sie aber durch das Heil. Sacrament der Taufe von der Leibeigenschaft des Teufels los / und Mitglieder der Kirche werde»/ alle diese teuflischen Verblendungen ein Ende nehmen, welches zur Bekehrung sehr vieler Heyden Anlaß gegeben hat. Daher ist hier die Frage nicht: ob dergleichen außerordentliche Wirkungen möglich sind ? sondern die ganze Schwierigkeit beruhet daraus / zu erweisen/ daß ein gewißer Zufall wirklich geschehen; und / wenn er geschehe»/ auch zu erweisen/ daß es ein solcher Zufall sey/ welcher die Kräften der natürlichen Ursachen übersteige. Seitdem die Wissenschaften und Künsten in Aufnahm gekommen sind/ hat man auch die natürlichsten Ursachen derjenigen Wirkungen / welche die Unwissenden in Erstaunen gesetzt hatten, auf das deutlichste entdecket. Zum Beispiele dessen dienen die Finsternisse»/ welche vormals ganze Völker, denen dieselbe als Wunderwerke vorkamen, in die entsetzlichste Furcht/ in Angst und Schrecken gestürzet hatten. Die Verbesserung der Sternwissenschaft aber hat all diese Furcht vertrieben. Dieses Schauspiel/ welches vormals so erschrecklich geschienen/ verursachet uns keine Furchtmehr. Wir bewundern ganz ruhig die Allmacht -es Schöpfers / welcher diese großen Körper / in einem so unendlich weiten Raume, mit solcher Richtigkeit, durch so viele Jahrhunderte herumwälzet, daß sogar der schwache Menfchenwitz es zuwege gebracht hat, derselben Wiederkunft auch auf zukünftige Jahrhunderten bis auf eine gewiße und gesetzte Zeit ausrechnen zu können. Das Schüßpulver, die elektrischen Wirkungen, die Verblendungen durch Spiegel und andere optische Kunststücke sind von sol- ( ?) y solcher Beschaffenheit, daß man einen jeden Menschen, dem sie unbekannt sind, in die größte Verwunderung setzen kann. Es haben sich auch viele Betrüger derselben bedienet, das leichtgläubige Publikum damit zu überführen, daß sie die größten Zauberer wären, b) Es ist auch richtig und gewiß, daß je mehr die Künsten und Wissenschaften aufnehmen, destomehr die Wunderwerke sich vermindern. Die Zauberey der Abgestorbenen pollkuma) von welcher hier die Frage ist, dienet zu einem neuen Beweise, c) Denn alle diese Begebenheiten befinden sich nur in Gegenden, in welchen die Unwissenheit noch immer herrschet. Es ist auch wahrscheinlich , daß die schismatischen Griechen die Haupturheber derselben sind. 6 ) Tournefort ein gelehrter und erleuchter Leibarzt, zugleich aber der geschickteste Botanicus oder Krauterverstandige seines Jahrhunderts, da er von Ludwig dem Vierzehenten, Könige in Frankreich, in Asien geschickt worden, hauptsächlich in Griechen- b land d) Verschiedene Zufälle und Arten dergleichen Betrüger liest man im unvergleichlichen Lractat des weltberühmten Hermanns Bverhaave unter dem Titel: Lle- lventa ekenüso. ,.B. r. Th. Venedig 1737. c ) Der gelehrte P. Augustin Calmet, in seiner Historie der Varnppren, welche den zweyten Theil seines Buches von den Erscheinungen der Geister ausmacht, und im Jahre 1751. zu Augsburg in deutscher Sprache aus Licht getretten ist, bekräftiget, daß es beinahe 6v. Jahre sind, daß sich der Ruf von den Vampyren in Ungarn, Pohlen, Schlesien und Mähren auszubreiten angefangen hat. Calmet schrieb sein Buch von Gespenstern und Vampyren im Jahre 1745. und in Wahrheit in der Zeitung Mercurius genannt in dem 169z. und 1694. Jahrslaufe liest man dergleichen Geschichten von etlichen Vampyren in Pohleu, und besonders in Pohlnischreusen. ä ) Was man in Griechenland, und im Archipelagus von den Brucolnchen erzählet, ist das nemliche, was man anderswo von den Vampyren vorgiebt. Der Abt Langtet sagt in der Vorrede seiner historisch - dogmatischen Abhandlung von den Erscheinungen : Vampyr, Brucolach, oder Timpauit find lauter -leichdeutige Worte. Im zweyten Bande dieses Buchs S. -75. liest man das land diejenige Kräuter zu suchen, welche die Alten meistentheils sehr unrichtig beschrieben hatten, war selbst gegenwärtig, und sah denjenigen Körper sehr nahe, den man einer Zaubere-» nach dem Tode (rvrs§iE pottkum« ) angeklagt hatte. Er sah auch alle Mittel, die man angewendet zu verhindern, damit der! Teufel dieses Körpers sich nicht mehr bedienen könnte, die Lebendigen inAngst und Schrecken zu setzen, e ) Die Umstände dieses Zufalls befinden sich in dem Buche, welches den Titel führet: au l^evarir psr ZVir. lournekorr. Und weil es nach Art und Weise der Briefen geschrieben ist, so steht gemeldte Geschichte im zten Briefe. Diese Begebenheit kann zu erkennen geben, was man von derjenigen halten sott, welche sich in Ungarn in den Dorfschaftender Haydonen jenseits der Theiffe gegen Siebenbürgen im Jahre 1732. zugetragen hat. k) Die Zauberey der Abgestorbenen (^§12 xottkuma) gieng damals in jenen Gegenden im Schwange. Man nannte die Todten, welche so boshaft waren, Vgmpyri, und glaubte, sie saugen sowohl uns Menschen als dem Viehe das Blut. §) Und wenn ein Mensch von dem Fleische eines solchen Viehes etwas genossen hätte, er der Ordnung nach selbst auch _ zum Wort Brucolach kömmt von dem neuen griechischen Worte welche- Koth heiffet, und von einem andern , welches eine Grube oder Cloack anzeiget; denn man beobachtet gemeiniglich , daß die Grüften, wo man dergleichen Körper beisetzet, voll Koth sind. e) Dieses trug sich den ersten Ienner in der Jnsul Micon zu. Der Abt Cal- met erzählet diese Geschichte in seinen oben angeführten Buche zr. Cap. auf die nemliche weise, wie wir sie von Tournesort empfangen haben. 5) Mehrere dergleichen Geschichten findet man aufgezeichnet in einem holländische» Kritiker, der uns unter dem französischen Namen I^ 6 lsneur im Jahre iizr. ist bekannt worden. Noch andere liest man in den sogenannten jüdischen Sendschreiben ! 7 Z 8 , und in des Abten Calmet angezeigten Buche Lap. 8 . < 8 Vampyr, oder auch Upyr ist ein schlavonisches Wort , und heißt ein Blutsauger. II zum Vampyre würde; und auf was immer eine Art erzumVam- pyren werde, als nemlich ein Leidender (xgMvus) im Leben, so müßte er nach dem Tode ein thätiger (sKivus) seyn; ausgenommen, er hatte vorher von der Erde des Grabes eines Varn- pyres gegessen, und sich mit desselben Blute gerieben. Allein es ist mir diese Begebenheit nur überhaupt bekannt, und ich vermeine, daß die mündliche Abhandlung ( proeellu8 verbal) über ihren Hergang im Anfange des 1732. Jahrs gehöriger Orten eingereicht worden. K) Die Ceremonien, welche man dabey hat beobachten müssen, sind von dem l-lgävgAy oder Amtmanne des Orts angeordnet worden, welcher in vampyrischen Angelegenheiten ziemlich erfahren seyn mußte. Man stossete dem Vampyre einen sehr spitzigen Pfahl durch die Brust, und durch den ganzen Körper. Hierauf wurde rhm der Kopf abgehauen. Alles wurde verbrannt, und die Asche in die Grube zusammen gescharret. Man kann geschwinde zu Vampyre werden. Denn der Vam- pyrismus steckt so sehr an, als die Kratzen. Man glaubt auch, daß der Körper eines Vampyrs in kurzer Zeit alle diejenigen Körper zu Vampyren mache, welche nach ihm in eben demfelbigen Kirchhof begraben werden, im Fall der erste nicht bei Zeiten vertilget werde. Da ich aber nicht von allen Umständen Nachricht habe, so will ich mich nur damit begnügen, daß ich hier einige Anmerkungen über diejenige Begebenheiten mache, welche erst bor kurzer Zeit .durch Leute untersucht worden, welche von keinem Vorurtheile eingenommen sind, sondern klar sehen, und sich nicht leicht hinter das Licht führen lassen, l) b 2 Es d) Karl der VI. Röm. Kaiser (seel. Angedenkens) übergab dieses Geschäft Alexander», Fürsten von Wirkender-, der dortmals das Königreich Servien verwaltete. 1) Dieser Zufall begab sich in einem Dorfe in Mähren, wie man in der ersten Note u angemerket hat. Der Abt Calmet in seinem angeführten Buche 57. Capitel 52 (W o Es ist wahr, -aß unsere Vampyren vom Jahre 1755. noch zu keine Blutsaugen geworden; die Vorbereitungen waren jedoch schon dazu vorhanden. Der Henker, ein in seinem Handwerke ohne Zweifel sehr wahrhafter Mann, versicherte, daß, wenn man die zum Feuer verurtheilten Körper in Stücke zerhieb, das Blut mit Gewalt, und häufig daraus hervorschöße, ob er schon hernach mit gröster Gelassenheit bekannte, daß dieses häufige Blut etwann einen Löffel voll ausmachen könnte. Dieses ziehet in der Geschichte eine ziemliche Veränderung nach sich. Die außerordentlichen Vvrfallenheiten, welche man will beobachtet haben, können in diese zween Punkten zusammen gezogen werden. Erstlich, daß die Körper der Todtenzauberer oder Vampyren nicht faulen, sondern ganz, und beisammen bleiben. Zweytens, daß die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen, Getümmel, und durch Druckungen beunruhigen. Über diese zween Punkten werde ich so kurz, als es möglich ist einige Anmerkungen machen. §. Ob Lie Körper der Vampyren faulen? Körper ist gemeiniglich zur Verfäulung gerichtet, durch ^ welche alle Theile des Körpers, ausgenommen die Beine, fast gänzlich verschwinden, und nur ein wenig von einer sehr leichten Erde zurück lassen. Diese Fäulung aber geschieht im Grabe langsam ohne der geringsten Gewalt. Die- sagt, daß der Herr Baron von Tuffeng (louLamt) ein Lotharinger, der seinen Herrn aller Orten hin begleitet hat, vom z. Auguftmonats 1746. aus Wien ihm geschrieben habe: Jhro Majestät der Kaiser, Großherzog von Toscana, haben sich im Jahre verschiedene gerichtliche Protocollen von Untersuchung der Vampyren in Mähren geben lassen. Diese Protocollen werden in jenen Gegenden wie das Evangelium angesehen, ungeacht sie keinen Schatten der Wahrheit enthalten. Dieses wird dadurch erwiesen, daß, wenn man einen Sarg fünfzehen Jahre nach desselben Begräbniß eröffnet, und sich in acht nimmt, daß der Sarg keinen Stoß bekommt, man vermeinet, der Körper liege unverletzet darinne. Mann kennet die ganze Gesichtsbildung, das Leilach, und all Übriges. Sobald man aber den Sarg nur ein wenig beweget, so zerfällt alles in Staub, und das Gebeine allein verbleibet. Dieweil die Todten mit der Zeit ihren Nachfolgern des Grabes halber Platz machen müssen, so hat man an vielen Orten is. Jahre bestimmet, vor deren Verlauf die Todtengräber keinen Körper bewegen dürfen. Ich bin einigemale bei Eröffnung der Gräber gewesen, daß die Todtengräber mir einige Sargen ganz langsam aufgemacht. Hierdurch wurde ich überzeugt, daß wir nach unserem Tode den Würmen nicht zur Nahrung werden, zum wenigsten nicht allezeit, weil sonst die Gesichtsbildung nicht wäre stehen geblieben. Wenn man die Gräber ausräumt, so findet man zu Zeiten ganze Köper, welche nicht verfault, sondern vielmehr ausgetrocknet, von einer braunlichten Farbe sind, und noch sehr hartes Fleisch haben, ohne daß man sie jemal vorhero einbalsamiret hätte. Ein Todtengräber versicherte mich, daß man unter hundert Todten gemeiniglich einen findet, welcher nur ausgetrocknet und ohne Fäu- lung sey. Hieraus schlösse ich , daß ohne Beihilfe einer übernatürlichen Ursache, ein Körper viele Jahre ungefault bleiben könne. Ich weis wohl, daß man vorgiebt, der Körper eines Vam- pyrs verbleibe nicht allein ohne Fäulung, sondern es bestehe das Fleisch auch in ihrer Frische, die Gliedmaffen behalten ihreBüg- samkeit. Allein auch dieses findet man ohne Wunderwerk. Da man die Körper der zwoen Erzherzoginnen , welche zu Brüssel gestorben, nach Wien überbracht hatte; so war ich gegenwärtig, als man die Sargen eröffnete. Die Gesichter waren b z ganz -4 (isr o >sr) ganz und die Nasenspitze beweglich rc. ES ist wahr sie waren ein- balsamiret; allein die aromatischen Kräuter, die man dazu gelegt, waren schon ohne dem geringsten Geruch. Diese Erhaltung muß also zuvorderst den wohlverschlossenen bleiernen Sargen zugeeignet werden , welche nirgends keine Luft Messen , und also die Fäu- lung verhinderten. Wann demnach die Sarg wohl verschlossen, die Erde von Natur fest auf einander ist, durch die Kälte nach der Begräbniß sich erhärtet, oder die Luft durch andere Mittel einzudringen verhindert wird; so erfolget entweders keine oder doch eine sehr langsame Fäulung. k)_ _ Ich k) Der erwehnte holländische Kritiker erzählet, daß zu Totos in einer Klosterkirche eine Begräbniß sey, in welcher man die vor zwey hundert Jahre verstorbenen Körper sieht, als wenn sie lebendig wären. Sie stehen da auf ihren Füssen aufrecht nach der Lange der Mauer her in ihrer Ordenskle«dung. Das wunderbar- lichste aber ist, daß die im nemlichen Orte von den unverwesenen geradehin überstehenden Todte, in zwey oder drey Tagen verwesen. Der unsterbliche Muratorius, da er in der 27. Abhandlung über die italienischen Alterthümer, von einer Münz des Hektvrs Viscvnte redet, drucket sich mit diesen Worten auS: „ Dieser war ein unehliches Kind von Vernabo; erbemäch- „ tigte sich der Herrschaft von Mayland im Jahre 1412, er hatte aber ein -eben „ von Biltzen. Als Philip Maria, Herzog von Mayland, in der Stadt Mon- „ za belageret wurde, bekam Hektor aus einer Armbrust einen heftigen Stein- „ wurf, der ihm das Bein zerschmetterte. Er starb vor Kramps ganz jung. Im „ Jahre 1698. gienge ich nach der ansehnlichen Gegend von Monza, da beob- „ achtete ich , daß dessen Leib kurz vorher bei Gelegenheit eines Gebäudes aus- „ gegraben worden. Er war in einem schlechten hölzernen Sarge verschlossen, „ und noch unversehrt, das ist, die Hand war unverletzt, und das gebrochene „ Beiu sah man am Fuß. Wenn man diesen Körper auf den andern Fuß stelle- „ te, so stund er anstecht. Und doch war dieser kein Leib eines Heiligen, wohl „ aber eines Gottlosen. " In der Vorrede des schon angeführten Buchs des gelehrten Abten Langlet mit dem Titel: Historische und dogmatische Abhandlung über besonde- re Erscheinungen, Gesichter, und Offenbarungen, lieiima»: ,, seye mir ei erlaubt < daß ich hier anführen eine Ersahraiß barf, Sie Kch bei Ich habe bor einigen Monaten eine kleine englische Abhandlung gelesen, welche im Jahre 1751. zu Londen gedruckt ans Lrcht getretten, -arinne fand ich einen merkwürdigen, und sehr wohl erwiesenen Zufall. Im Monat Februarius 1750. eröfnete man in der Grasschaft Dedonshire in Engelland die Begräbnis einer alten Familie, und zwischen vielen Gebeinen, auch vermoderten Sargen fand man einen noch ganzen hölzernen Sarg. Man eröfnete denselben aus Vorwitz, und fand einen ganzen Körper eines Menschen darinne, dessen fleischliche Theile noch ihre natürliche Festigkeit hatten, die Gltedrnassen aber, als Achsel, Ellenbogen, auch alle Finger sehr bügsam waren. Wenn man das Gesicht drückte, so wich es dem Finger, und hob sich nach der Drückung wieder. Eben dieses beobachtete man am ganzen Leibe. Der Bart war schwarz, und bis vier Zoll lang. Der Körper war einbalsamirt. Denn man wurde weder ei- „ den PP. Kapuzinern jv Palermo in Sicilien zuträgt. Sie bestätiget, was „ ich behaupte, daß nemlich jeweiliger sich Unflath in dem menschlichen Körper „ befindet, desto härter die Gährung und folglich die Fäulung ankomme. Ei- „ ner von diesen Vättern (ohneZweifel ein vornehmer Naturkündiger) hat ei« „ Mittel erfunden, kraft welches die Fäulung der menschlichen Körper nach de« „ Tod, aus viele Jahre, und vielleicht Jahrhunderte, kann verhindert werden. „ Das Geheimniß , oder Secret, welches er dazu brauchet, ist eine schlechte „ Sache. Er setzet die entseelten Körper auf einen durchlöcherten Stuhl; und „ nachdem er die Hintere Oeffnung in die Runde aufgeschnitten, gehet durch „ diese Mündung alle Feuchtigkeit, und Uureinlichkeit, die nach der Fäulung „ trachtet, von sich selbften aus dem Leibe hinaus. Alsdenn machte er die Müu- „ düng zu, und richtet den Körper in jene Stellung, in was für einer man will, „ daß er bleiben soll. In diesem Stande erhält sich ein solcher Körper, wo „ nicht Jahrhundert, wenigstens sehr viele Jahre. Die unterirrdische Kirche ,, dieser Vatter ist voll dergleichen Körper mit überall beigeschriebenen Namen, den „ sie in Leben gehabt haben. Dieses Trauergesicht, gleichwie es eine Gelegen- „ heit der Demüthigung ist für die Menschlichkeit, so ist es doch auch eine be- „ sonders seltene Sache, und kann denjenigen wunderlich vorkommen, die des- „ sen Ursache nicht erkennen. eines Eirrschnitts noch eines anderen Zeichen desselben gewahr. Durch das Pfarrprotocoll wurde erwiesen, -aß seit dem Jahre 1669. kein Mensch in diese Begräbniß gebracht worden. Hier haben wir also einen englischen Vampyre, welcher über 80. Jahre in seinem Grabe ruhig geblieben ist, und keinen Menschen belästiget hat. In eben dieser Abhandlung findet man noch mehr dergleichen Zufälle, insonderheit, wenn die Gräber sehr tief, und von trockener Erde find. Demnach nimmt man gemeiniglich wahr, daß, wenn solche Körper der offenen Luft ausgesetzt werden , dieselben bald in eine Fäuluug gerathen. Dieses ist genug darzuthun, daß die Fäulung nicht allzeit, und gemeiniglich nur langsam geschehe, absonderlich, wenn die Erde durch die Kalte wohl geschloffen, oder der Sarg selbst vor der Luft wohl bewahret ist. Lasset uns nun die angeführten Begebenheiten untersuchen das vampyrische Wesen zu behaupten. Rosina Polakin stirbt den 22. December 1754. Den 19. Jen- ner 1755. aber wird sie ausgegraben, und als eine des Verbrennen würdige Vampyrinn erkläret, weil sie noch nicht verfaulet gewesen. Die Anatomisten erhalten die Körper an öffentlicher Luft im Winter zu 6. Wochen, auch zu zwey Monathen ohne Fäulung. Zu dem so ist noch anzumerken, daß dieser Winter außerordentlich kalt gewesen. In den übrigen Körpern hatte die Fäulung den größten Theil schon verzehrt; es war aber genug, daß nicht alles verfault gewesen. Sie mußten ins Feuer. Welche Unwissenheit! erschreckliche Dummheit! man redet in der Schrift des Consistorii zu Olmütz von gewissen Zeichen, und Maa- len, welche man in den Körpern der Vampyren soll gefunden haben. Allein sie werden nirgends beschrieben. 1 ) Zween Bader, wel- l) Johann Christoph Herenberg hat ein Buch kKNofoxLise » L ckrittisn« co^i- tstione 8 Vsmx^ris im Jahre 17Z3, geschrieben. Der Verfasser behauptet, welche niemal eine« geöffneten Körper gesehen , und kein Wort vom Baue des menschlichen Leibes wüßten, wie sie selbsten dem Commiffario bekannten, sind diejenige» Zeugen, auf derer Veranlassung das Urtheil zum verbrennen gefallet wird. c Es daß die Vampyren auf keine Weise die Lebende um das Leben bringen , sondern man müsse alles, was ein falscher Ruf von ihnen aussprenget, einer verwirrten und starken Einbildung zuschreiben. Er führet unterschiedliche Beispiele von seltenen Wirkungen an, welche sich bei den Menschen durch Einbildungen zutragen können. Auch der obenbenannte holländische Kritiker sagt: wenn ich bei mir selbsten den Tod der geglaubten Matterer des Vampyrismus überlege, so finde ich alle Spuren einer einbilderischen Krankheit derselbigen Gegend, und erkenne ganz klar, daß die Wirkung der grossen Furcht den Tod bei diesem Volke verursache. Der Verfasser bringt darüber eine Geschichte bei. Der berühmte Tartarotti, als ein verständiger Philosoph sagte in seinem Oonxrelk» «otturvo äelle Lsm!e I. L. c. ri. „ was für eine Geschichte halt man für ge- „ wiffer, als die Beschicht derjenigen, welche glauben, daß sie nächtlicher weile „ von den Vampyren überfallen, und also gedrucket werden, daß auch sie in „ kurzer Zeit sterben. Und doch scheinet es in der That selbsten nichts anders „ zu seyn, als schlechterdings ein Traum, der von Schrecken und Furcht her- „ rühret." Von dieser Meinung war auch der gelehrte Pabst und Kirchen- haupt Benetztet der,i4te in der ften Abhandlung vol. z , wo er eine kurze Geschichte von den ungarischen, mährischen und fchlesischen Vampyren verfertiget. Der Abt Calmet im Beschlusse seines öfters erwehnten Werkes endiget auch mit diesen Worten: „ was man von den ungarischen, mährischen und pohlnischeu „ Vampyren erzählet, halte ich für ein glattes Blendwerk, für eine Wirkung „ einer starken und verwirrten Phantasey, so fleißig auch immer diese Erzählungen von den Richtern untersucht, und in Ansehung ihrer und ihres Gutachten mögen gutgeachtet worden seyn. Was die pohlnischen Vampyren betrist, fuhrt er einen Brief an vom z. Hornung 1745., den ihm der P. Sltvyski Visitator der Vattern von der Mißion in Pohlen geschrieben hat, welcher darinne bekennet, daß, ungeacht er alle Sorge, allen Fleiß in dieser Sache angewendet, um auf einen Grund und Wahrheit zu kommen ; ungeacht er öfters mit denen, die man als persönliche Zeugen angab, selbst geredet, und sie befraget, er doch keinen einzigen gesunden habe, der sich zu sagen getrauet hatte, er habe etwas von dem, was man vorgiebr, selbsten ge- -8 (!Z! o Wr) , Es ist wahr -er Commiffarius von OlmüH hat nicht jederzeit einen Bader zur Untersuchung dieser Sache, der genug geschickt wäre. Man brauchte nur zween geistliche Commiffarien, welche über den Vampyrismus ganz rittermäßig ihren Ausspruch thaten, dann es erhellet aus den ^mesen§let äe üppsritivQe IpeÄrorum. Lt tres ^uives par i^I. ä' ^r§errs. des ganzen Werkchens. Abtheilung Was ist ein Gespenst? II. §. Vom Ursprünge der Gespenster. I. §- Die Wirklichkeit der Gespenster kann aus der H. Schrift nicht bewiesen werden. Die Vernunft saget es uns nicht, daß es Gespenster gebe. Die Wirklichkeit der Gespenster wird aus den geistlichen Geschichten nicht erwiesen. VI. §. Die weltliche Geschichte erprobet das Daseyn der Gespen-' ster nicht. VII. §. Die Gespenstererscheinungen, die man in Baiern und anderswo erzählet, sind gemeiniglich leere Einbildungen, falsche Erfindungen, und öfters lächerliche Begebenheiten. IX. §. Von dem Nutzen dieser Abhandlung, und Meinung, daß eS keine Gespenster gebe. Anhang. Dampyrismils. . Vom Vampyrismus überbauvts. II. §. Qb die Körper der Vampyren faulen? III. §. , Ob die Vampyren die Lebendigen durch Erscheinungen beunruhigen? . <> > 1 >' .H7;-?