KOMMISSION
FÜR DAS KAISERLICHE
VOLKSLIEDERBUCH
KURFÜRSTENDAMM 242
BERLIN W 50
5.12.1918.
Hochgeehrter Herr,
Ich darf kaum hoffen, dass Sie sich meiner noch erinnern: vor
vielen Jahren habe ich Ihnen in dem gastfreundlichen Seegenschen
Hause in Alt-Aussee begegnen und, wenn ich mich nicht irre, gele-
gentlich auch ein wenig vormusizieren dürfen. Ihrem Gedächtnisse
wird der Sänger gewiss entschwunden sein, auf ihn aber haben die Ge-
spräche über Kunst, die er mit Ihnen führte, tiefgehenden Eindruck
gemacht.
In einem Complimentierbuch des 18. Jahrhunderts habe ich zwar
die Mahnung gelesen:
Wenn jemand dich erfreut, musst du nicht: Vivat! schreyn,
Ein stummes Compliment wird angemessner seyn,
Ihnen gegenüber aber möchte ich nicht schweigen, vielmehr drängt
es mich, Ihnen aufrichtigen Dank für den Genuss auszusprechen, den
mir Ihre Kunstkritiken, ganz besonders aber die zuletzt veröffent-
lichten Lebenserinnerungen bereitet haben. Sie sind doch ein pracht-
voller Künstler! Ihre Leser aber sind undankbar genug, sich mit
den ihnen gebotenen Geschenken nicht zu beruhigen, sondern Ihnen zu-
zurufen, was einst Friedrich Vischer an Gottfried Keller schrieb:
FÜR DAS KAISERLICHE
VOLKSLIEDERBUCH
KURFÜRSTENDAMM 242
BERLIN W 50
5.12.1918.
Hochgeehrter Herr,
Ich darf kaum hoffen, dass Sie sich meiner noch erinnern: vor
vielen Jahren habe ich Ihnen in dem gastfreundlichen Seegenschen
Hause in Alt-Aussee begegnen und, wenn ich mich nicht irre, gele-
gentlich auch ein wenig vormusizieren dürfen. Ihrem Gedächtnisse
wird der Sänger gewiss entschwunden sein, auf ihn aber haben die Ge-
spräche über Kunst, die er mit Ihnen führte, tiefgehenden Eindruck
gemacht.
In einem Complimentierbuch des 18. Jahrhunderts habe ich zwar
die Mahnung gelesen:
Wenn jemand dich erfreut, musst du nicht: Vivat! schreyn,
Ein stummes Compliment wird angemessner seyn,
Ihnen gegenüber aber möchte ich nicht schweigen, vielmehr drängt
es mich, Ihnen aufrichtigen Dank für den Genuss auszusprechen, den
mir Ihre Kunstkritiken, ganz besonders aber die zuletzt veröffent-
lichten Lebenserinnerungen bereitet haben. Sie sind doch ein pracht-
voller Künstler! Ihre Leser aber sind undankbar genug, sich mit
den ihnen gebotenen Geschenken nicht zu beruhigen, sondern Ihnen zu-
zurufen, was einst Friedrich Vischer an Gottfried Keller schrieb: