J 80032 1820 Liebe Freundin! So sehr es mich erfreut hätte, in Ihren Briefen etwas Bestimmtes in Bezug auf. Ihre Aussichten für die Zukunft zu finden so waren mir doch diese Briefe darum nicht minder erfreulich. Denn erstlich scheint Ihr ziel, wenn es auch noch nicht erreicht ist, sich doch wenigstens zu nähern dann haben Sie offenbar an jener Gemüthsstärke zugenommen, die uns durchaus nothwendig ist, wenn wir etwas von Beleutung erreichen wollen. Härte ist allerdings ein Fehler er verletzt Andere; schlaffe Reichmüthigkeit, aber ist ein Vergehen gegen sich selbst, und zugleich gegen Andern, denn wir können und nicht selbst schaden, ohne zugleich die zu verletzen, die uns wohlwollen. Wir, die wir ein bestimmtes Ziel vor Augen haben, müssen keine Erge ben können, siegen, oder mit dem Degen in der Hand storben. Wenn mir durch den Lauf der Dinge nicht jeder Herzenserleichterung wederlich, besonders jede Klage verhaßt geworden wäre, so könnte ich Ihnen aus meinem eigenen Innere Innern Thatsachen anfüh ren, die Ihnen beweisen würden, daß Ihre und meine Lage nicht so verschieden, ja daß sie in mancher ihr ziehung nur gar zu ähnlich ist. Streben nämlich mit äußerer Heinung. Aber ich verliere, darum den 5 Muth nicht; oder verliere ich ihn auch so sehe ich auf alle Weise ihn wieder zu gewinnen. Ich wollte Sie tragen, etwas an Ihren Leibe, und wenn's nur eine Schnur um den Hals oder ein Ring an der Hand wäre(ich schlage Ihnen dazu allenfalls jenen Ring von mir vor) und nahmen sich vor, bei seinem Anblick sich jederzeit das Werklein: Muth! ins Gedächtniß zu rufen. Derlei Hausnittel sind probat. Sobald Sie zum Auftreten kommen, habe ich ein ähnliches Mittel chen gegen die Furcht. Was Ihre in Wien zurückgelassenen Freunde betauft so befendlich befinden wird und alle ziemlich wohl, besonders ich, der ich durch meine Fortscheitte- der Singaunst über alles anderen getrüstet werden, welche Fortschritte so groß sind, daß, abschon ich bei jedem zweiten Tokte stecken bleibe, wender über die Naten noch über ihre Geltung und Eintheilung im Reinen bin keinen Tagt diesen kann, und an Lieblichkeit der Stimme nicht zugenommen habe, zwin Ihrer Schwestern doch über mich, als das Werk ihrer Hande, ganz erstannt sind Ja Eine von ihnen mir unbedingt den Vorzug vor allen Sängern der Welt gibt. Sie mögen sich nur Muche geben, nicht noch einmal von mir verdunkelt zu werden Und so leben Sie wohl. Grüßen Sie Ihrer lieber Vater, Zum Schluß noch ein altdeutsches Sprächlein, das ich ver kurzen las: Leid, meid und ertrag Iso wahren Frauer Deine Noth niemand klag, Grillparzer An Gott nicht verzäg Seine Hilf kommt alle Tag