Wien 4 Dez 918, Verehrter Herr Böhm! Heute habe ich die Cassette abgeschickt, ich konnte Ihre vorsorgliche Begleitadresse nicht gebrauchen da nur bis zu 600 Kr Werth an- genommen wird. Ich hoffe es kommt gut an, denn ich habe gar nichts richtiges zum verpacken gehabt u musste 2 gleiche Kistlen verwenden. Sind Sie daher nicht böse wenn ich Sie bitte die ganze Verpackung gelegentlich wieder mir zurück zu senden, es hat gar keine Eile u nur als leere Kistn aufgeben. Ich fürchte nur dass Sie sich in Ihrer Fantasie ganz anderes vorstellten u nun sehr ent- täuscht sind. Die einzigen Briefe die ich von Levinsky u Martinelli hatte, habe ich beigelegt. Unter den "Kunstwerken" liegt in Papier eingewickelt ein Stück Glas, da stand mit Gold darauf geschrieben "[Di...] Nische" u gehört am Deckel unter den Rahmen. Sie werden sich das alles selbst besser ausbessern können als ich. Das zerschnittene Bild "Copie nach Alt" ist so aufzufassen dass Vaterl seine Bilder sehr oft stückelte, teils weil er das Bild bei Beginn kleiner machen wollte oder sehr oft in seinen jüngeren Jahren weil er kein Geld hatte sich Papier zu kaufen u so alte Stückeln zusammensuchte. Ihre Befürchtung dass ich etwas dem Bildhauer der die Kassette verathen hat, sage, ist ganz unbegründet, erstens muss ich gestehen dass ich den Namen nicht lesen kann, aber ich vermuthe den Bildhauer Scheege u zweitens macht es mir ja nur Freude wenn ich Ihnen einen Wunsch erfüllen kann, denn wenn mir vielleicht auch momentan leid ist diese Sachen die ich so lange vor Augen hatte, herzugeben, so habe ich doch wieder das Gefühl zu wissen dass es in würdiger Hand ist, während vielleicht nach meinem Tode solche Dinge die nichts gleich sehen weiter keine Beachtung finden. Ich beneide Sie dass Sie so voll Hoffnung für die Zukunft sind, ich leider gar nicht u macht mir schlaflose Nächte. Wohin sollen die Gewalt- taten der Tschechen führen, die Entente tut weder was für uns noch schreitet sie bei den Tschechen ein. Deutschland wird grau- sam vernichtet u s. w. Und dass wirklich noch eine Teilfriede erreicht werden soll kann ich mir schon gar nicht denken. Was werden heuer unter dem Drucke der Demütigung u sonstigen aufregenden Verhältnissen noch traurigere Verhältnisse werden. Trotz alldem wünsche ich aber heute schon daß Sie Weihnachten im Kreise Ihrer Familie gesund verbringen mögen u empfielt sich bestens Ihre ergebene Louise Alt