Wien, 28/11 914 Lieber Freund! Verzeih, dass ich erst heute antworte. Ich wollte mit der Antwort gleich Punkt 2 erledigen, was mir aber bis jetzt nicht gelang. Durch eine grössere Zahlung habe ich mich gerade in diesem Monat ganz entblößt, sondern hätte ich dir den Betrag schon aus eigenem geschickt. Bei "Deutsch-Öst." ist aber nichts zu haben, wenn Czerweny nicht da ist und der soll nach der Antwort auf meine telephonische An= frage vermißt sein. Ich war also schon darauf bedacht, die kleine Summe auf anderer Seite aufzutreiben, wurde aber auch daran durch eine Augenentzündung, die mich 2 Tage ans Zimmer fesselte, ver= hindert. Aber eben fällt mir eine Quelle ein, wo ich Geld flüssig machen könnte. Kommst Du morgen vormittags 11 Uhr zu unserer Sitzung ins Kaffe Imperial, hoffe ich bestimmt, Dir den Betrag geben zu können. Ist es Dir unmöglich, hinzukommen und finde ich Dich nicht dort, dann schicke ich ihn durch einen Boten unter Briefumschlag in Deine Wohnung. Dass Du nun frei von einer Fessel bist, die dir unerträglich geworden, dazu meinen herzlichsten Glückwunsch. Moralische und materielle Opfer kostet eine solche Befreiung ja immer, und ich hoffe, dass sie Dir nicht zu groß ge= worden sind. Aber die Hauptsache ist, dass du nun wieder Deine Arbeits= und Lebensfreude hast und dass Dir Deine Freunde bleiben. Unter ihnen kannst Du immer bauen auf Deinen mit herzlichsten Grüßen ergebenen Th Antropp