Hochverehrte Frau, beifolgend erlaube ich mir Ihnen zweierlei zuzusenden, was auf Ihren verewigten Herrn Gemahl Bezug hat, mit der Bitte es freundlich aufzu- nehmen. Erstens den kurzen Nachruf, den ich in der Vierteljahrsschrift für. wiss. Phiosophie und Sozio- logie Ihrem Herrn Gemahl gewidmet habe. Durch Versehen des Verlegers ist die Zusendung beim Erscheinen des Heftes ver- säumt worden. Zweitens die zweite Auflage meiner Philosophie der Geschichte als Soziologie, die ich nach vorheriger Bitte um Erlaubnis dem Lebenden widmen wollte, die ich nun um- gestaltet habe seinem Andenken zu weihen. Es soll dies ein Beweis, wenn auch nur ein kleiner Beweis, der tiefen Dank- barkeit und der Hochschätzung sein, die ich für Ihren Herrn Gemahl als Menschen und als Denker immer gefühlt habe und immer fühlen werde. Mit tiefer Wehmut denke ich, wie viel schöner es gewesen wäre, wenn ich das neue Buch Ihrem Herrn Gemahl hätte senden können. Da dies nun nicht möglich ist, so geht es an Sie, da ich überzeugt bin, daß Sie alle seine menschlichen Angelegenheiten als Ihre eigenen betrachten. Ich möchte hoffen, hochver- ehrte Frau, daß trotz Ihrer besonderen Lage und trotz dem grauenvollen Kriege Sie sich nicht allzu sehr niederdrücken lassen, ins- besondere Ihre Gesundheit tapferen Widerstand leistet und verbleibe Ihr in steter Verehrung Ihnen treu ergebener Paul Barth. Leipzig den 29. Juni 1915.