Hochverehrte Frau, Ihre freundliche Karte vom 10. Sept. d. J. ist sehr verspätet in meine Hände gelangt, da sie mir nicht nachgeschickt wurde, so daß ich sie erst nach meiner Rück- kehr von der Sommerreise er- halten habe. Ich danke Ihnen herzlich dafür; Sie enthält zu viel Anerken- nung für die kleine Leistung, den kleinen Dienst, den ich dem literarischen Nachlasse Ihres Herrn Gemahls widmen konn- te. Ich bedauere nur, daß allerlei störende Druckfeh- ler stehen geblieben sind. Die Schriftleitung der N. Fr. Pr. schickte mit zwar einen Abzug zur Korrektur, sie druckte aber den Artikel, ehe sie meine Korrektur erhielt. Sie be- dachte nicht, daß die Korrek- tur über Leipzig erst in meinen Ferienaufenthalts- ort gehen mußte. Vor allem aber bewegt mich die Nachricht von Ihrer Krank- heit, von der mir schon Herr W. Börner unbestimmte Mitteilung gemacht hatte. Daß Sie seit vielen Wochen schwer krank liegen, erfuhr ich erst durch Ihre Karte. Ich bin darüber sehr betrübt. Ich möchte aber zu hoffen wagen, daß Sie doch wohl auf dem Wege der Wiedergewinnung Ihrer Kräfte sind. Denn sonst hätten Sie die Karte vielleicht doch noch verschoben. Ich wage nicht zu bitten mir darüber freundlichst eine wei- tere, wenn auch ganz kurze Karte zu senden oder senden zu lassen. Ich würde mich aber herzlich freuen, wenn ich eine solche erhielte und noch mehr, wenn sie meldete, daß Sie Hoffnung haben vorwärts zu kommen, vielleicht schon aufstehen dürfen und dadurch das Schlimmste überstanden haben. Unter den vielen Gründen, die mich den Frieden ersehnen lassen, ist auch der, daß der Friede wieder das Reisen nach Österreich ermöglichen wird und daß ich dann hoffen darf Sie einmal wieder- sehen und wieder begrüßen zu können. Vorläufig kann ich nur meine herzlichen Wünsche sen- den. Nochmals für Ihre Zeilen dankend verbleibe ich, Hochverehrte Frau, Ihr in steter, treuer Verehrung Ihnen ergebener Paul Barth. Leipzig, Kantstr. 9 den 24. Sept. 1917.