Berlin W 10 Kais. Augusta Str. 73 28/1/14 Sehr geschätzter Herr Kollege, Haben Sie Dank für den Gilm Band, der mir Gilm von einer neuen Seite zeigte: als Humoristen. Moralfängerei bei Humoristen zu treiben ist besonders undankbar. Wissen Sie vom Vorhandensein vieler anderer Gilmbriefe, auch aus seiner Jugend? Wackernell hat mir davon erzählt. Rosegger: da muss uns ein Franzose lehren, unsere besten Männer durch Biographien bekannter zu machen! Wir verdienen nicht viele hervorragende Persönlichkeiten, weil wir die, die wir haben, nicht genug als Vorbilder hochhalten. Allen Respekt vor Bet- telheims Bemühungen - er hilft nach, wo es am meisten not tut. Für Ihre Andeutungen, wie Sie das franz. Original behan- delten, bin ich Ihnen recht dankbar. Ja, es ist lange her, seit uns Adolf Pichler auf dem Fran- ziskaner Graben mit einander bekannt machte. Er fröhnte noch nicht dem Laster der Zufriedenheit in litera- rischen Dingen, namentlich der Selbstzufriedenheit, sondern durstete nach Wissen aus der Ferne und lebendiger Beziehungen in die Ferne. Die Tiroler sind ein altes Wandervolk; jetzt hab ich etliche meiner besten Schüler von dort. Wann kann man Sie zu Innsbruck wiedersehen? Ich bin gewöhnlich im April und September dort, Probsten- hofweg 13, wo um 4 Uhr in der Veranda regelmässig Kaffee fliesst. Verbindlichst grüssend Ihr A. Brandl.