Ottensheim, 1. Juni 1914. Sehr geehrter Herr Gugitz ! Vor allem - nichts für ungut! Ich bin der erste, der jede ehrliche Ueber- zeugung anerkennt und darauf eingeht, dann - habe ich nur 2, wahrscheinlich aus dem Zusammenhang gerissene Stellen aus dem Vor- wort mit dem Zusatz " bissig " zugesendet bekommen und geriet ein bischen aus meiner sonst sehr ruhigen Fassung. Nachdem Sie mir aber alles, wenn auch etwas gekränkt, erörtert haben, sehe ich Ihren Standpunkt und den Dr. Blümls als ganz vernünftig an und - bin der Dritte mit Ihnen beiden auf dem Rütli. Nur eins gestatten Sie mir, dass ich meine gute Lulu gegen den Vorwurf der Un- dankbarkeit in Schutz nehme. Von der Liai- son Ras.- Damas schrieb sie 1811 in ihr verschwiegenes Tagebuch eine Notiz, also 5 Jahre vor der Trauung des Fürsten mit ihrer Schwester. Ausserdem - hat doch der vorsichtige und strengreaktionäre alte Diplomat eigentlich die Schuld, wenig- stens indirekt, dass sich Thirion selbst richtete und ich wunderte mich manchmal, dass Lulu ihm die Affaire Potemkin in Mün- chen so gar nicht nachtrug. Dies ist doch eher ein Beweis ihres sicherlich nicht nachtragerischen Charakters. Dass sie bzgl. Kaiser Franz viel- leicht einen gehörten Hoftratsch wie- dergab, will ich gerne unterzeichnen. Aber schliesslich würzen diese kleinen Sächelchen die Memoiren und verleihen ihnen den haut-goût. Dr. Blüml hat durch seinen jeden- falls sehr interessanten Kommentar die Pichler, wie Sie ganz richtig be- merken, klassisch gemacht und ich bin aufrichtig gespannt, mich darin zu vertiefen und dadurch den Eindruck zu verwischen, den eine frühere Lekture der P. mir machte. Also bitte- Schwamm drüber und sagen Sie dem Hr. Herausgeber nichts von meinen Zeilen, die nur auf meine erste Aufregung zurückzuführen sind. Die N. Freie Presse sandte mir 2 Danktelegramme für den " ausgezeichne- ten " Artikel. War er´s wirklich und hätte ich vielleicht den Hauptinhalt von Lulus Briefen an ihre Schwestern auch in die Memoiren verarbeiten sol- len? Aber dann wäre eine Melange entstanden und mehr ein Werk von mir, als von ihr. Bzgl. de Ligne hoffe ich, Ihnen in wenigen Tagen mit konkreten Vor- schlägen der vorderhand ungenannt sein wollenden Firma nahe treten zu können. Mit besten Grüssen und dem Wunsche, dass Sie die verregneten Feiertage gut verbrachten, Ihr ergebener Blittersdorff Linzer Tagespost brachte eine sehr gute lange Kritik über Lulu III/IV.