Bornim bei Potsdam 30/5 1918 Verehrte Freundin Frau Professor Jodl Wie lange ist es her, daß wir nichts von einander hörten! Wie innig haben wir aber so oft Ihrer gedacht und uns nach einem Zusam= mensein mit Ihnen in Bornim gesehnt. Wir hatten aber fast fortwährend Besuch und zwar Familienbesuch, den wir gerade jetzt nicht ablehnen konnten. Dürfen wir nicht auf ein Brieflein von Ihnen hoffen, welches uns Kunde bringen könnte von Ihrem Befinden und von Ihren Dispositionen für die Som= merzeit! Hoffentlich geht es Ihnen so gut, wie es jetzt überhaupt möglich ist. Ich war so sehr mit Korrespondenzen bela= den, daß ich auch noch immer nicht dazu kom= men konnte, die epistolaren und litterarischen Reliquien, die ich von Ihrem teuren Gemahl besitze, herauszusuchen; aber ich habe jetzt mit einer energischen Nachsuchung begonnen Meinen "Kindern" und Enkeln geht es ziemlich gut. Mein Jüngster, der Kapitän=Leutnant Ernst, schwebt jetzt öfter bei Wien vorüber; denn er ist mit der Oberleitung des deutschen Anteils an den Donau=Problemen betraut. Bald mehr von Ihrem, doch nicht ungetreu= en, Sie innig verehrenden W. Foerster.